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Dokumentation

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Nummer

25. März 1975

Inhalt

INFORMATION:

Frederick B. Dent
Sonderbeauftragter Präsident Fords für Zoll-und Handelsverhandlungen

WIRTSCHAFT:
US-Finanzminister gegen massive Interventionen auf den Devisenmärkten
-Auszüge aus der Rede Simons vor dem World Affairs Council-

Erzeugerpreise - Faktor in der Strategie gegen den Hunger
- Studie des US-Landwirtschaftsministeriums -

HINTERGRUNDMATERIAL

Verstärkte Fürsorge für Arbeitslose in den USA
Von Sam Burks

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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6/1974
FREDERICK B. DENT
Sonderbeauftragter Präsident Fords für Zoll-und Handelsverhandlungen

--(AD)-- Das Primat der internationalen Wirtschaft und des Welthandels in den
Beziehungen der Völker kann kaum deutlicher zum Ausdruck kommen als durch die
Ernennung des bisherigen Handelsministers der Vereinigten Staaten, Frederick B.
Dent, zum Sonderbeauftragten des Präsidenten für Zoll-und Handelsverhandlungen.

Als Nachfolger von Botschafter William D. Eberle wird Dent als Leiter
der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen in Genf und Tokio eine bedeutsame Rolle bei der künftigen Gestaltung des Weltwirtschafts-und Weltwährungssystems spielen. Dent, seit Februar 1973 Handelsminister der Vereinigten Staaten und am 19 .3. 1975 in seinem neuen Amt bestätigt, sieht die Verlagerung der
Prioritäten wie folgt: "Bis Anfang der siebziger Jahre wurden unsere Interessen
in Übersee von militärischen und politischen Fragen beherrscht. In neuerer Zeit
sind Handelsinteressen in den Vordergrund getreten. Die Vereinigten Staaten
mögen das als Nation vielleicht noch nicht voll erkannt haben, aber diese Verlagerung zwingt uns zu einer Änderung vieler unserer fundamentalen Auffassungen
und Vorstellungen von Weltpolitik."
Als

�Als einer der führenden Vertreter der amerikanischen Textilindustrie und
als Handelsminister der Vereinigten Staaten ist Dent viel gereist und kennt
die Probleme anderer Länder aus eigener Anschauung. Aber er ist, wie einer
seiner engen Mitarbeiter betont, auch der Meinung, daß die Vereinigten Staaten härter verhandeln müssen. Grundsätzlich tritt er für eine Erweiterung und
Liberalisierung des Welthandels ein, ohne den die Vereinigten Staaten und andere Länder nach seiner Auffassung nicht existieren können.

Frederick Baily Dent wurde am 17. August 1922 in Cape May im Staate
New Jersey geboren und schloß 1943 seine Studien an der Yale-Universität ab.
Von 1943 bis 1946 diente er in der Reserve der US-Marine. Anschließend ging
er in die Wirtschaft und spielte eine bedeutende Rolle in der Textilindustrie.»
Er war Direktor der Firma Joshua L. Baily &amp; Co. in New York und übernahm 1947
die Textilfirma Mayfair Mills in Arcadia im Staate South Carolina als Präsident.
Daneben hatte er Direktoren-und Aufsichtsratsposten in mehreren anderen großen
Unternehmen, darunter der National Bank von South Carolina, inne.

Dent gehört mehreren bedeutenden Textilindustrieverbänden in den USA an
und ist Treuhänder des Amerikanischen Instituts für Textiltechnik.

Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und drei Töchter.

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6/1975

US-FINANZMINISTER GEGEN MASSIVE INTERVENTIONEN AUF DEN DEVISENMÄRKTEN
- Auszüge aus der Rede Simons vor dem World Affairs Council -

CLEVELAND -- AD -- Massive Interventionen auf den Devisenmärkten würden im
Augenblick eher zu Störungen als zu einer größeren Stabilität der Wechselkurse führen.
Diese Auffassung hat der amerikanische Finanzminister William Simon in
einer Rede vor dem World Affairs Council von Cleveland am 21. März vertreten.
Simon

wandte sich ferner gegen gewisse. Auslegungen der soeben veröffentlich-

ten Zahlen über die amerikanische Zahlungsbilanz für 1974 und betonte, daß
bei diesen Zahlen der größte Teil der Investitionen nicht berücksichtigt worden sei, die von den arabischen Ölländern in den Vereinigten Staaten vorgenommen wurden. Wären diese Investitionen, so sagte Simon, gegen die amerikanischen Zahlungen an andere Länder aufgerechnet worden, so würde die amerikanische Zahlungsbilanz 1974 weder einen größeren Überschuß noch ein größeres Defizit ausgewiesen haben.
Wörtlich führte der amerikanische Finanzminister hierzu aus:
"Eine weitere Aufgabe

ist es, bei unserer Suche nach gemeinsamen Lösun-

gen realistisch zu bleiben. Ich erwähne dies, weil die Besorgnis hinsichtlich

-1-

�hinsichtlich des Kurswertes des Dollar auf den Devisenmärkten in jüngster Zeit zu
Vermutungen geführt hat, die großen Länder suchten die Wechselkurse ihrer Währungen durch massive Interventionen auf den Devisenmärkten zu stabilisieren.

Ich gebe zu, daß es sehr schwierig ist, sich mit diesem Thema zu befassen,
ohne den Anschein zu erwecken, als wolle man das Ganze verharmlosen. Trotzdem,
so glaube ich, sollten verschiedene Punkte erwähnt werden, die uns ein besseres
Verständnis für die richtige Perspektive vermitteln:

-- Insgesamt waren die Kursschwankungen des Dollar gegenüber den übrigen Währungen weit geringer,als viele meinen. Der Grund dafür ist, daß sich die Aufmerksamkeit gewöhnlich nur auf den Dollar-Kurs zum Schweizer Franken und zur DM konzentriert. Nimmt man jedoch den gewogenen Handelskurs des Dollar zu allen wichtigen
Währungen der freien Welt, dann liegt der Dollar sehr dicht an seinem Kurswert von
1973, als die gegenwärtige Periode des weitverbreiteten Floatens einsetzte. In
dieser ganzen Zeit zählte der Dollar zu den stabilsten großen Währungen.

-- Zweitens stimmen die Finanzexperten fast aller Länder darin überein, daß
es unter den gegenwärtigen Umständen weder praktisch durchführbar noch wünschenswert ist, den Versuch zu unternehmen, mehr zu tun, als lediglich geordnete Bedingungen auf den Devisenmärkten zu erhalten. Die Vereinigten Staaten haben diese
letztere Verpflichtung akzeptiert und hierzu interveniert. Einige wenige Wechselkurse haben vielleicht größere Schwankungen aufgewiesen, als es manchem erwünscht
war, doch behielten wir offene Märkte und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß
der Handel irgendwie wesentlich behindert wurde. Massive Interventionen zur
Stützung der Wechselkurse würden an diesem entscheidenden Punkt eher zu Störungen
auf den Devisenmärkten als zu einer größeren Stabilität der Wechselkurse geführt
haben.
—
-2-

Drittens

�-- Drittens waren die Senkung der amerikanischen Zinssätze und die Tatsache, daß wir die Zinssenkungsbewegung anführten, die Hauptgründe für den
Rückgang des Dollarkurses in der letzten Zeit. Würden wir unsere Zinssätze
künstlich in die Höhe treiben, nur um den Dollarkurs zu stützen, so würde dies
unserem Ziel zuwiderlaufen, die Wiedererholung der amerikanischen Wirtschaft
zu fördern.

Diese Administration ist keineswegs dafür, etwas einfach zu beschönigen.
Wir sollten uns jedoch darüber klar sein, daß die beste Verteidigung des Dollar
eine starke, gegen die Inflation abgeschirmte Wirtschaft ist. Statt uns ausschließlich auf den Kurs des Dollar gegenüber den anderen Währungen zu konzentrieren, sollten wir seine Kaufkraft - seinen Kurswert ganz allgemein an Gütern
und Dienstleistungen - in den Vordergrund stellen. Wir müssen unsere Inflation
unter Kontrolle bringen und die Aushöhlung der Kaufkraft des Dollar beseitigen,
die die Inflation zwangsläufig mit sich bringt. Die Aussicht auf eine Stärkung
des Dollarkurses hängt letztlich davon ab, ob es uns gelingt, die Inflation unter
Kontrolle zu bringen und die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse auf
den Weltmärkten zu verbessern, und nicht von Interventionen auf den Devisenmärkten.
Daher bezweifele ich es,ob eine Politik klug und erfolgreich ist, die Leitpunkte oder Bandbreiten für den Wechselkurs des Dollar festzulegen sucht. Eine
solche Politik richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Symptome der Stärke oder
Schwäche einer Volkswirtschaft, statt die Ursachen dafür an der Wurzel anzupacken. Wir sollten bedenken, daß die Welt zu frei schwankenden Wechselkursen
überging, weil sie in einer Zeit der Unsicherheit größere Flexibilität brauchte
und die Marktkräfte zum Tragen kommen mußten. Diese Notwendigkeit besteht weiter-

�weiterhin, und wir sollten nicht danach streben, jetzt zu dem krisenanfälligen
System der Vergangenheit zurückzukehren.

Diesem Aufruf zu mehr Realismus in internationalen Währungsfragen möchte ich
ferner die dringende Bitte hinzufügen, bei der Interpretation von Zahlungsbilanz zahlen vorsichtiger zu sein. Gerade in dieser Woche erregte eine Presseverlautbarung der Regierung großes Aufsehen, wonach das Defizit in unserer Bilanz der laufenden und der langfristigen Kapitaltransaktionen 1974 auf 10,6 Milliarden Dollar
gestiegen sei gegenüber einem Defizit von 1 Milliarde Dollar 1973.

Dies war eine sehr irreführende Interpretation unserer Zahlungsbilanzsituation.
Gerade diese Bilanz (der laufenden und der langfristigen-Kapitaltransaktionen)
wird so errechnet, daß der größte Teil der feststellbaren Investitionen von erdölexportierenden Ländern in den USA - Investitionen, die sich 1974 auf insgesamt
rund 11 Milliarden Dollar stellten - unberücksichtigt bleibt. Hätte man eine Bilanz gewählt, die diese Investitionen einschloß,so hätte diese weder einen größeren Überschuß noch ein größeres Defizit ausgewiesen. Ein Interpretieren wirtschaftlicher Statistiken ist auf alle Fälle schwierig, aber in der heutigen Welt, die so
komplex ist und so feinfühlig reagiert, ist es besonders wichtig, daß wir Ansichten über Trends in außenpolitischen Dingen nur gut informiert äußern."

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6/1975

ERZEUGERPREISE - FAKTOR IN DER STRATEGIE GEGEN DEN HUNGER
Studie des US-Landwirtschaftsministeriums

- (AD) - Zwischen den Preisen und der Produktion von Nahrungsmitteln besteht offenbar ein enger Zusammenhang.

Die Verfasser einer Ende 1974 vom US-

Landwirtschaftsministerium nach zweijährigen Untersuchungen veröffentlichte
Studie versuchten den Ursachen nachzugehen:

In Ländern wie den USA, West-

europas oder Japan, wo die Agrarpreise hoch sind, werden Überschüsse produziert bzw. ist die Versorgung aus eigener Kraft gewährleistet.

Wo aber, wie

in der Sowjetunion oder in den meisten Entwicklungsländern, die Erzeugerpreise
niedrig liegen, kann die Produktion mit dem Bedarf immer weniger Schritt halten.
In steigendem Maße werden dort Importe erforderlich.

Die Stabilität und das Niveau

"internationaler"

Getreidepreise haben

keinerlei Einfluß auf die Preise, denen sich Verbraucher und Erzeuger in einzelnen Ländern gegenübersehen.

Vielfach seien dort, wie der Bericht ausführt,

die Inlandspreise durch Subventionen, Steuern, agrar- und handelspolitische
Maßnahmen von den Welthandelspreisen weitgehend isoliert.

Preisunterschiede

zwischen den einzelnen Ländern erklären zum großen Teil einen schleppenden
Produktionsanstieg seit 1968, den Anteil des für Futterzwecke genutzten Getreides und den Umfang der Getreideimporte.
Wenn

�Wenn man den Hunger in der Welt wirksam bekämpfen wolle, müsse das permanente und sich immer mehr verstärkende Ungleichgewicht in der Nahrungsmittelproduktion zwischen und innerhalb der drei Gruppen - Industrieländer, Entwicklungsländer und Länder mit Planwirtschaft - abgebaut werden, Auch eine welt*weite Neuordnung der Preise sei erforderlich.

Der damit verbundenen großen

Schwierigkeiten sei man sich durchaus bewußt.

In den Entwicklungsländern werde

es ohne einen leichten Anstieg der Preise für Grundnahrungsmittel, die in den
meisten Fällen künstlich niedrig gehalten werden, nicht abgehen. Aber die
Preise würden doch wesentlich unter jenen von heute liegen. Da in diesen Ländern
mehr als die Hälfte der Bevölkerung Bauern sind, würden von den durch Preisneuordnungen erzielten Einkommensverbesserungen weite Teile der Bevölkerung profitieren.

Die Situation in einzelnen Ländern bzw. Regionen wird wie folgt charakterisiert:
USA

Mitte der sechziger Jahre waren die Vereinigten Staaten dazu übergegangen,
Farmpreise nicht mehr zu subventionieren, sondern direkte Zahlungen an die
Farmer zu leisten.

Deshalb wurde 1964 der Subventionspreis bei Weizen von

2 Dollar auf 1,25 Dollar/bushel reduziert, was dem Weltmarktpreis näher kam.
Den Farmern wurde die Differenz zwischen diesem Preis und dem bis dahin erzielten Preis vergütet, so daß sie mit einem ziemlich konstanten Erlös von
2 Dollar/bushel rechnen konnten.

Die Konsumenten dagegen, Viehzüchter einge-

schlossen, orientieren sich ebenso wie die Importeure amerikanischen Getreides
an wesentlich niedrigeren Preisen.
•

Japan und Europa

In Japan lagen ähnlich wie in den EG-Ländern die Agrarpreise weit über
den Weltmarktpreisen.

Selbst nach dem enormen Preisanstieg für Reis Ende 1973/

Anfang 1974 auf dem Weltmarkt war der Inlandspreis noch immer merklich höher

- 2 -

�höher - er stieg ir. zwei Jahren, von 1971 bis Ende 1973, von 390 auf 636 Dollar/
Tonne.

In den Ländern der Europäischen Gemeinschaft hatte die Verdoppelung der
amerikanischen Exportweizenpreise von 1971 auf 1972 keinen Einfluß auf die
Agrar- oder Verbraucherpreise.

Dabei spielten allerdings die Dollarabwertungen

von 1971 und 1973 sowie das innerhalb der EG wirksame Importabgabesystem eine
wichtige Rolle. Als dann Ende 1973 und Anfang 1974 die internationalen Weizenpreise weiter stiegen, wurden Weizenausfuhren aus dem EG-Raum durch Exportsteuern und Genehmigungsverfahren begrenzt.

Die Getreidepreise in den EG-Ländern

(Italien allerdings ausgenommen) erhöhten sich zwischen 1971 und 1974 nur um
ca. 10 Prozent, während sich der Weltmarktpreis verdreifachte.

Sowjetunion
Seit 1970 wurden in der UdSSR die an die staatlichen und kommunalen Kolchosen gezahlten Preise nicht erhöht.

Die Abgabepreise für Fleisch und Brot

in den staatlichen Geschäften waren sogar seit 1962 stabil geblieben. Rindfleisch und Brot sind billiger, viele andere Lebensmittel dagegen teurer als
in Europa oder Nordamerika.

Brot soll für alle Verbraucher billig sein.

Bei

Fleisch und Molkereiprodukten fing der Staat bisher ein hohes Defizit auf, um
die Verbraucherpreise stabil zu halten.
duktion zu steigern.

Gleichzeitig wird versucht, die Pro-

Von 1969 bis 1974 stiegen die Subventionen von 6,5 auf

12,6 Milliarden Rubel.

Entwicklungsländer

Das Niveau von Lebensmittel- und Agrarpreisen ist in vielen Entwicklungsländern nur schwer zu ermitteln;

Statistiken sind rar.

In manchen Ländern wird

ein großer Teil der Nahrungsmittel von der bäuerlichen Bevölkerung produziert
und auch konsumiert.

Einen direkten Kontakt anderer Märkte mit diesen meist

weit abgelegenen Gebieten gibt es praktisch nicht.

Die Preise in den Städten

werden von der Regierung meist künstlich niedrig gehalten.

Sie hat außerdem

mehr oder weniger großen Einfluß darauf, welche Mengen von Nahrungsmitteln in
- 3-

�in diesen Ländern überhaupt produziert werden, wieviel im Lande verbraucht
und was bzw. wieviel exportiert wird,

Wo Agrarprodukte oder Nahrungsmittel wichtige Exportgüter sind oder zu
den Hauptquellen der Regierungseinkünfte zählen, werden zum Teil die Exporte
besteuert oder die Inlandspreise so manipuliert, daß die Bauern weniger erlösen, als es ohne Besteuerung der Fall wäre. An diese Praxis hält sich z.B.
Thailand bei Reis, Ägypten bei Reis und Baumwolle, Argentinien bei Getreide
und Fleisch, und afrikanische Länder tun dies bei Erdnüssen und gewissen anderen Erntefruchten.

Auch handelspolitische und monetäre Maßnahmen drücken in einer Reihe von
Entwicklungsländern die Erlöse der Bauern.

So werden in Brasilien mit einem

überhöhten Wechselkurs die Preise für Agrarexporte und Lebensmittelimporte
künstlich niedrig gehalten.

Aufuhrverbote und Kontingentierung

sollen helfen,

Agrarerzeugnisse auf die Inlandsmärkte zu schleusen und so die Inlandspreise
zu drücken.

Dies sind einige der Maßnahmen, mit denen Brasilien die Industria-

lisierung zu forcieren sucht.

Außerdem erachten viele Entwicklungsländer wie Thailand, Ägypten,
Indonesien und Sri Lanka einen niedrigen und stabilen Einzelhandelspreis für
Grundnahrungsmittel (meist Getreideprodukte) als wichtiges Ziel der Regierungspolitik - schon allein deshalb, weil Nahrungsmittelpreise Bestandteil der Löhne
sind.

Man fürchtet, durch einen Preisanstieg oder starke Preisfluktuation

Lohnbewegungen auszulösen, die der Wirtschaftsentwicklung im Ganzen schaden.

Solche Überlegungen und politischen Ziele sind verständlich.

Dennoch

sollte man die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Kapazität der Nahrungsmittelproduktion im Lande und auf die Einfuhren sorgfältig analysieren.

In asiatischen

Entwicklungsländern besteht z.B. ein enger Zusammenhang zwischen geringen
Reisernten, niedrigen Reispreisen und, in Relation dazu, hohen Preisen für
Düngemittel.

Während

�Während der letzten zehn Jahre hat der Reisexport Thailands und Burmas
stagniert. Die Preise, die dort den Reisbauern gezahlt werden, zählen zu den
niedrigsten der Welt.
Indonesien.

Ähnlich niedrige Erlöse haben die Reisbauern in

Jedes dieser Länder reguliert, wenn auch auf verschiedenen Wegen,

den Erzeugerpreis - Thailand und Burma durch Exportkontrolle und -steuern,
Indonesien durch zusätzliche Importe. Alle drei verfügen über ein beträchtliches Potential zur Steigerung der eigenen Reisproduktion.

Dafür aber sind

die niedrigen Erzeugerpreise ein großes Hindernis.

Die reisexportierenden Entwicklungsländer wiederum haben unter normalen
Verhältnissen nur einen begrenzten Markt, z.T. deshalb, weil Japan durch hohe
Erzeugerpreise die Autarkie aufrechterhält, die EG-Länder die eigene Reisproduktion durch hohe Inlandspreise, Einfuhrbarrieren und Exportsubventionen
schützen,und die USA Reis unter Anwendung einer Kombination von Preisstützung
und Ausfuhrsubventionen exportieren.

Ägypten nimmt mit dem von der Regierung kontrollierten Erzeugerpreis eine
Mittelstellung ein.

Einer der Gründe, weshalb bisher der relativ niedrige

Preis (der aber höher als in Burma, Thailand und Indonesien liegt) gehalten
werden konnte, sind die wachsenden Importe an Weizen - 1960 ca. 1 Million,
1973 bereits mehr als 3 Millionen Tonnen.

Sie nehmen weiter zu.

Preisangleichung

Das Phänomen, daß in den Industrieländern die Erzeugerpreise für Lebensmittel weit über den Weltmarktpreisen, in vielen Entwicklungsländern aber darunter
liegen,kann nicht getrennt von den Problemen der Überschußprodukticn bei den
erstgenannten und Hunger oder wachsendem Lebensmittelmangel bei der zweiten
Gruppe und teilweise auch in den Ländern mit Planwirtschaft gesehen werden.

Dies

ist ein Schlüsselproblem, für das eine Lösung gefunden werden muß, wenn sich
die Welternährungssituation verbessern soll.

Während in den Industrieländern

die Preisstützungspolitik sich aus langen Anpassungsprozessen zwischen den
Interessen der Landwirtschaft und der Verbraucher entwickelt hat, ist die Preis-

- 5-

�Preispolitik der sozialistischen Länder ein zentraler Teil ihrer Entwicklungsprogramme.
pliziert.

Bei den Entwicklungsländern aber ist dieses Problem besonders komDenn ohne gewisse Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel wären

Lösungen kaum denkbar.

Einkommensverbesserungen bei den Bauern kämen aber,

da diese meist mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachen, einem
großen Kreis von Menschen zugute.

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6/1975

VERSTÄRKTE FÜRSORGE FÜR ARBEITSLOSE IN DEN USA
Von Sam Burks

WASHINGTON --AD— Die wachsende Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten ist ein vordringliches Anliegen sowohl der Ford-Administration als auch
des amerikanischen Kongresses. Dabei wird von den Wirtschaftspolitikern die
Bekämpfung der Inflation keineswegs hintan gestellt, obwohl die jüngsten Indexzahlen der Großhandelspreise ein Nachlassen des inflationistischen Drucks
erkennen lassen. Aus diesem Grunde ist man in Washington sich weitgehend darüber einig, daß bei der Behebung der Arbeitslosigkeit durch eine Anregung der
Wirtschaft mit einer gewissen Vorsicht vorgegangen werden muß.

Der Nachdruck wird daher auf Programme gelegt, die jenen helfen sollen,
die durch die Wirkung von Inflation und Rezession in den Vereinigten Staaten
- und in der ganzen Welt - in den letzten Jahren ihren Arbeitsplatz verloren
haben.
Seit August 1974, als die rapide Zunahme der Arbeitslosigkeit in den USA
einsetzte, ist die Zahl der beschäftigungslosen Amerikaner um 2,6 Millionen
auf 7,5 Millionen Ende Februar 1975 angestiegen. Diese Gesamtzahl stellt

-1-

�l
stellt - nach amerikanischen statistischen Methoden gerechnet - 8,2 Prozent
der zivilen Arbeitskräfte dar. Der höchste Anstieg der Arbeitslosigkeit war
- wie auch in anderen Ländern - bei Frauen und Jugendlichen zu verzeichnen
- zwei Bevölkerungsgruppen, bei denen die Fluktuation schon immer am stärksten
gewesen ist. Die Arbeitslosigkeit unter männlichen Erwachsenen und Haushaltsvorständen stieg ebenfalls, blieb jedoch unter den Spitzenwerten, die während
vergleichbarer Rezessionen in den Jahren 1949 und 1958 zu verzeichnen waren.
Wie in den früheren Monaten war der stärkste Verlust von Arbeitsplätzen
in Herstellungsbetrieben - vor allem in der Autoindustrie und den Zubringerindustrien - und im Baugewerbe festzustellen. Allein auf diesen beiden Sektoren verloren zusammen über 625 000 Beschäftigte im Februar ihren Arbeitsplatz.

Um die Auswirkungen der großen Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten zu mildern werden im wesentlichen zwei Methoden angewandt: Programme zur
Erhaltung des Einkommens - wie Arbeitslosenunterstützung, Umschulungshilfe und
Sozialunterstützung - und Bereitstellung neuer Arbeitsplätze in Form öffentlicher Arbeitsbeschaffung.

Die Arbeitslosenversicherung (Unemployment Insurance), die im Jahre 1935
im Rahmen der amerikanischen Sozialgesetzgebung eingeführt wurde, wird allgemein als die erste Verteidigungslinie für den typischen amerikanischen Arbeiter angesehen, der vorübergehend seinen Arbeitsplatz verliert. Sie wird nach
Bundesrichtlinien durch einzelstaatliche und kommunale Behörden verwaltet. Im
Rahmen dieses Programmes sind fast 80 Millionen zivile Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten - d.h. sieben von acht gegen Lohn oder Gehalt Beschäftigtigte - im Falle der Arbeitslosigkeit zum Bezug einer temporären Unter-2-

�Unterstützung berechtigt, die im Durchschnitt 36 Prozent ihres normalen Einkommens ausmacht. Wenn zusätzliche Unterstützungen hinzukommen, wie sie bei
Mitgliedern mancher Gewerkschaften - wie etwa bei der Gewerkschaft der Automobilarbeiter - auf privater Basis zur Verfügung stehen, dann kann sich das
Einkommen des vorübergehend Arbeitslosen auf bis zu 95 Prozent des normalen
Einkommens erhöhen.
Normalerweise erhalten Arbeitslose, die im Rahmen des oben genannten Programmes versichert sind, ihre Unterstützung bis zu 26 Wochen. Sie wird um zusätzliche 13 Wochen verlängert, wenn einzelstaatliche oder nationale Arbeitslosenziffern bei versicherten Arbeitern über einen längeren Zeitraum hinweg
außergewöhnlich hoch bleiben. Im Rahmen eines Sondergesetzes (Emergency Job
and Unemployment Assistance Act of 1974), das Präsident Ford am 31. Dezember
1974 unterzeichnet hat, kann die Unterstützung im Jahre 1975 auf weitere 13
Wochen ausgedehnt werden, so daß sie insgesamt bis zu einem vollen Jahr bezahlt werden kann.

Die Zahlung wird während der ersten 26 Wochen der regulären Unterstützung aus dem Lohnsteueraufkommen finanziert. Die Unterstützung während
der ersten zusätzlichen 13 Wochen wird zur Hälfte vom Arbeitgeber und zur
Hälfte von der Bundesregierung getragen, während die Zuwendungen für die zweite Verlängerungsperiode von 13 Wochen voll aus Bundesmitteln aufgebracht werden.
Eine weitere von Präsident Ford im Dezember vorigen Jahres unterzeichnete Sondermaßnahme (Emergency Unemployment Compensation Act of 1974) ermöglicht für das Jahr 1975 die Unterstützung von etwa 12 Millionen Arbeitnehmern,

�Arbeitnehmern, die bisher nicht unter die regulären Programme fielen - vor
allem Bedienstete einzelstaatlicher und kommunaler Behörden, Hausangestellte
und landwirtschaftliche Arbeiter - für einen Zeitraum bis zu 26 Wochen aus Bundesmitteln, wenn die Arbeitslosenrate in Amerika drei aufeinanderfolgende Monate lang über der sechs-Prozent-Marke bleibt.

Im Rahmen all dieser Programme erhielten beispielsweise in der zweiten
Februarwoche 1975 über 6 Millionen Arbeitslose eine reguläre oder zusätzliche Unterstützung.
Das erste umfassende Programm zur Schaffung von Arbeitsplätzen in den
Vereinigten Staaten seit der großen Depression der Dreißiger Jahre wurde im
Jahre 1971 mit der Verabschiedung des Emergency Employment Act ins Leben gerufen. Im Rahmen des Programms soll

in erster Linie für neue oder Dauerar-

beitslose eine vorübergehende Beschäftigung im Öffentlichen Dienst gefunden wer--,
den, um diese Arbeitskräfte dann in den regulären öffentlichen oder privaten
Arbeitsprozeß überzuführen. Das Programm wird im Rahmen des Finanzausgleichs
des Bundes von den einzelstaatlichen und kommunalen Behörden verwaltet. Eine
vorübergehende Beschäftigung im öffentlichen Dienst wurde auch durch das umfassende Arbeits-und Ausbildungsgesetz des Jahres 1973 ermöglicht, wobei hier
mit den im Dezember 1974 von Präsident Ford unterzeichneten Änderungsbestimmungen der Nachdruck auf die Schaffung zeitweiliger Arbeitsplätze für Fachkräfte gelegt wird, die in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ihren Arbeitsplatz
verloren haben.
•

Die Sondergesetzgebung aus dem Jahre 1974 erlaubt die Bereitstellung von
2,5 Milliarden Dollar bis zum 31. Dezember 1975 für die Schaffung von rund

�rund 310 000 Arbeitsplätzen im Öffentlichen Dienst, die je nach Bedarf auf die
verschiedenen Regionen der Vereinigten Staaten verteilt werden. Den Vorzug haben Fachkräfte, die ihre gesamte Arbeitslosenunterstützung ausgeschöpft haben
oder denen keine solche zusteht, und Fachkräfte, die 15 Wochen oder länger
ohne Arbeit sind. Das Gesetz bewilligt ferner 500 Millionen Dollar für das
Jahr 1975 für öffentliche Arbeitsprojekte, die auf die Senkung der Arbeitslosigkeit in besonders hart betroffenen ländlichen und städtischen Gebieten
abzielen. Im Rahmen dieses Sektors der Sondergesetzgebung erhalten arbeitsintensive Projekte, die innerhalb von 12 Monaten abgeschlossen werden können,
den Vorzug.

Für das Kalenderjahr 1975 sind insgesamt fast 17 Milliarden Dollar bereitgestellt worden, um eine Vielfalt von Programmen der Arbeitsplatzbeschaffung
und der Einkommenserhaltung - ausschließlich der öffentlichen Wohlfahrt - zu
finanzieren.

Präsident Ford hat den Kongreß um weitere 2 Milliarden Dollar - einschließlich von 1,6 Milliarden Dollar, die bereits bewilligt, aber noch nicht
angewiesen worden sind - ersucht, um das Sonderarbeitsbeschaffungsprogramm im
Öffentlichen Dienst um weitere 6 Monate zu verlängern und 760 000 Sommerarbeitsplätze für Jugendliche zu schaffen. In beiden Häusern des Kongresses werden gegenwärtig weitere Maßnahmen zur Eindämmung der steigenden Arbeitslosigkeit geprüft, darunter ein Vorschlag der Demokratischen Fraktionsführung im
Repräsentantenhaus,der 5,9 Milliarden Dollar für die Schaffung zusätzlicher

-5-

�zusätzlicher Arbeitsplätze im Öffentlichen Dienst während des kommenden Jahres, weitere Sommerbeschäftigungen für Jugendliche und den Ankauf von etwa
121 000 Fahrzeugen für die Regierung vorsieht, um der amerikanischen Autoindustrie zu helfen.

XXX

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frederick B. Dent&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sonderbeauftragter Präsident Fords für Zoll- und Handelsverhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzminister gegen massive Interventionen auf den Devisenmärkten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede Simons vor dem World Affairs Council -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erzeugerpreise - Faktor in der Strategie gegen den Hunger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Studie des US-Landwirtschaftsministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verstärkte Fürsorge für Arbeitslose in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam Burks&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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Nummer 5

12. März 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT
Neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem
Von Henry C. Wallich
Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System

HINTERGRUNDMATERIAL
Der Erfolg von Wladiwostok
Von Gerard C. Smith

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ultraschallsonde für Herzdiagnostik

Neuartige Mikroskope

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5/1975

NEUE MÖGLICHKEITEN FÜR DAS INTERNATIONALE WÄHRUNGSSYSTEM
Von Henry C. Wallich
Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System

FRANKFURT - (AD) - Der bekannte amerikanische Finanzfachmann und Mitglied
des Gouverneurrates des amerikanischen Federal Reserve Systems (US-Bundesbank),
Henry C. Wallich, hat am 6. März 1975 im Amerika Haus Frankfurt einen Vortrag
über "neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem" gehalten. Die
Ausführungen von Wallich haben folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über diese Gelegenheit, im Amerika Haus Frankfurt über das
Internationale Währungssystem sprechen zu dürfen.

Durch die Nachrichten von

den Devisenmärkten wird uns fast täglich die Arbeitsweise dieses Systems vor
Augen geführt. Flexible Wechselkurse (floating rates) haben gute und weniger
gute Resultate gezeitigt.

Ein kurzer Rückblick erscheint angebracht, bevor wir

die Entwicklung des Weltwährungssystems in einem umfassenderen Rahmen untersuchen.

Flexible Wechselkurse

In einer Zeit ernster Zahlungsbilanzstörungen - durch die weltweite Inflation, die Öl-Situation, eigene spezifische Probleme der einzelnen Länder sowie
andere Faktoren hervorgerufen - waren flexible Wechselkurse wahrscheinlich der

�}

der einzige Weg, wie immer wieder auftretende Währungskrisen vermieden werden
konnten.

In dieser äußerst schwierigen Zeit haben der internationale Handel

und die internationalen Investitionen trotzdem prosperiert und vor allem der
Euro-Dollar-Markt hat beim Recycling der OPEC-Gelder Großes geleistet.

Flexible

Wechselkurse ließen ferner der Binnenwirtschaftspolitik einen weiteren Spielraum.

Aber es hat auch eine Anzahl schmerzlicher Nebenwirkungen, vor allem

einige sehr starke Schwankungen der Wechselkurse, gegeben.

Heute muß sich das System der flexiblen Wechselkurse einer neuen Bewährungsprobe unterziehen - es muß sich in einer weltweiten Hochkonjunktur und Inflation
bewähren.

Eine der bedeutsamen Erfahrungen aus der früheren Zeit war, daß

selbst Länder mit hohen Defiziten in ihren laufenden Konten die Flexibilität
der Wechselkurse nicht zu einer Senkung ihres eigenen Wechselkurses nutzten.
Die Besorgnis wegen der Inflation, die Erleichterung des Exports und ferner die
relative Leichtigkeit, mit der Zahlungsbilanzdefizite finanziert werden konnten,
ließen es ratsam erscheinen, den Wechselkurs hoch zu halten.

Erst die weiteren

Entwicklungen werden uns zeigen, wie die flexiblen Wechselkurse in einem neuen
i

Wirtschaftsklima funktionieren,

Wje werden sich die Defizite entwickeln?
I

Ein weiterer wichtiger Aspekt des internationalen Währungsbildes war das
Verhalten der Zahlungsbilanzen, vor allem ihrer laufenden Konten.

Für die Erd-

öl importierende Welt als Ganzes bildet der Überschuß der öl exportierenden
Länder einen Maßstab für das unabwendbare Gesamtdefizit in den laufenden Konten.
Es ist nicht länger angebracht, dies unter dem Gesichtspunkt eines Öl-Defizits
zu betrachten.

Das aus dem Ansteigen der Ölpreis,e resultierende ursprüngliche

Öl-Defizit ist modifiziert worden, und zwar nach unten durch eine Zunahme der
OPEC-Importe, durch die Einsparung von Erdöl sowie durch die Aussicht auf Produktionsstätten außerhalb des OPEC-Gebietes, und nach oben durch die wachsenden
Einkünfte aus den OPEC-Investitonen.

Aber es trifft immer noch zu, daß der

Überschuß der OPEC in den laufenden Konten das Defizit der öl importierenden
Länder in den laufenden Konten bestimmt.
Einzelne

�Einzelne Importländer können natürlich ihr Defizit in den laufenden Konten
verringern oder sogar einen Ausgleich oder einen Überschuß erzielen.

Von den

größeren Ländern haben Deutschland und Japan und in geringerem Maße auch die
Vereinigten Staaten es vermieden, in das Gesamtdefizit - im Falle der Vereinigten
Staaten sehr beträchtlich in das Gesamtdefizit - einbezogen zu werden, das 1974
wahrscheinlich eine Größenordnung von 60 Milliarden Dollar erreicht haben dürfte.
Dementsprechend hatten andere Länder einen sehr hohen Anteil.

Man kann unterschiedliche Kriterien dafür

festsetzen, was als optimale

Verteilung des unabwendbaren Gesamtdefizits gelten könnte. Die Wirtschaft lehrt
uns, daß das Kapital dahin geht, wo es am produktivsten arbeitet.

Daher sollten

solche Länder Defizite haben und diese durch Kapitalimporte finanzieren, die das
Geld am produktivsten einsetzen können.

Hiermit sagt uns die Wirtschaft nicht

viel.

Man kann dies einmal unter dem Gesichtspunkt betrachten, welche Länder
es sich - gemessen an ihrem Lebensstandard und anderen Bedingungen - am wenigsten leisten können, ihr öl mit Exporten zu bezahlen.

Daraus würde sich er-

geben, daß diesen Ländern eine Möglichkeit eingeräumt werden sollte, den tatsächlichen Transfer der Hilfsquellen durch Kreditaufnahmen hinauszuschieben.
Gemäß diesen Kriterien helfen die Länder, die Überschüsse oder nur geringe Defizite ausweisen, den anderen Ländern indem sie einen größeren Teil der Kosten
für die Beschaffung von OPEC-Öl auf sich nehmen.

Dies setzt natürlich voraus,

daß die Länder mit großen Defiziten eine Finanzierung - durch Recycling oder
durch die OPEC-Länder - finden können.

Aber die Finanzierung kann, zumindest für einige Länder, leicht zum Hauptproblem werden.

In diesem Falle wäre der bessere Weg für die Aufteilung des Ge-

samtdefizits, wenn die Länder, die nur schwer eine Finanzierung finden können,
Maßnahmen zur Verringerung des Defizits treffen würden.

Eine Anpassung in der

entgegengesetzten Richtung wäre für solche Länder angebracht, die eine Finanzierung übernehmen können oder über Reserven verfügen.

Sollte sich gar heraus-

stellen, daß in diese letzteren Länder ebenfalls in bedeutendem Ausmaß OPECInvestitionsgelder einfließen, so würde ihnen die möglicherweise schwierige Wahl
- 3-

�1

I
Wahl zwischen einem Recycling dieser Gelder und einem Ansteigen ihrer Wechselkurse leichter fallen.

Management der Zahlungsbilanzen

Das Management der Zahlungsbilanzen kann sich auf zahlreiche Techniken
stützen, mit denen die Industriestaaten einige der wenige? wünschenswerten Techniken, wie Handelskontrollen, verhältnismäßig erfolgreich vermieden haben.

In zahlreichen Ländern bestehen weiterhin Kapitalkontrollen und sie sind
hier und da noch verstärkt worden, manchmal mit dem Ziel, Geldzuflüsse zu begrenzen.

Die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr die Kapitalabflußkontrollen

aufgehoben, die Anfang der sechziger Jahre zum Schutz des Dollar eingeführt worden
waren.

•

Ein Management der Zahlungsbilanzen durch Wechselkursanpassungen, die markt-,
orientierte Alternative zu direkten Kontrollen, ist seltsamerweise ebenfalls
weitgehend ausgeblieben.

Aus Gründen, die ich bereits untersucht habe, haben

es Länder mit schwerwiegenden Ungleichgewichten in ihren laufenden Konten vorgezogen, ihre Wechselkurse nicht frei auspendeln zu lassen.

In einigen Fällen

hat dies massive staatliche Interventionen oder entsprechende Maßnahmen auf den
Devisenmärkten notwendig gemacht.

Die Richtlinien für eine Intervention bilden einen wichtigen Bestandteil
der "Interimsmaßnahmen" für eine Reform des internationalen Währungssystems, die
vom Zwanzigerausschuß ausgearbeitet und von den Exekutivdirektoren des internationalen Währungsfonds (IWF) empfohlen worden sind.

Die Beziehungen zwischen

den "IWF-Richtlinien für ein Floaten" und der gegenwärtigen Interventionstätigkeit auf den Devisenmärkten verdienen es daher, untersucht zu werden.

Die "Richtlinien für ein Floaten" fordern, daß die Mitgliedstaaten durch
tägliche und wöchentliche Interventionen einen geordneten Markt aufrechterhalten.
Sie gestatten den Ländern ferner Zielzonen für die Wechselkurse und die Reserven
- 4 -

�Reserven festzulegen.

Die einzelnen Länder haben ein beträchtliches Maß an

Aktivität, was die erste Art anbetrifft, entwickelt, um geordnete Märkte aufrechtzuerhalten.

Die Regeln haben sich in dieser Beziehung seit den Tagen

starrer Wechselkurse etwas geändert und tägliche Wechselkursveränderungen von
einem Prozent sind keine große Seltenheit mehr.

Die Märkte haben jedoch weiter-

hin Transaktionen durchgeführt und unter diesem System im allgemeinen gut
funktioniert.

Zonen für Wechselkurse oder für Reserven, die in Konsultationen mit dem
IWF festgelegt werden müßten, sind bisher noch von keinem Land vorgeschlagen
worden.

Einige Länder haben jedoch auf dem Devisenmarkt in einer Weise

operiert, die sich nicht mehr allzu sehr von dem unterscheidet, was als Operieren unter einem Zonenverfahren gelten könnte.
Staatliche Kreditaufnahmen, auf dem Euro-Dollar-Markt, beim IWF, bei der
OPEC und bei anderen Stellen, bildeten eines der Mittel, um eine solche Interventionspolitik zu ermöglichen.

Angesichts der Größenordnung der heutigen

internationalen Kapitalflüsse müßten Interventionen, so lange keine Beschränkungen für die internationalen Kapitalflüsse bestanden, in einem sehr großen
Umfang erfolgen.

Die für wirksame Interventionen erforderlichen Beträge dürften

ferner je nach dem Zustand des Marktes ebenfalls sehr unterschiedlich sein.
Wenn an der Auffassung über Wechselkurse festgehalten wird, dann können die
auf Grund solcher Ansichten in Bewegung gesetzten Geldmengen sehr groß sein
und kleine Interventionen werden wahrscheinlich einfach untergehen. Wenn der
Markt in seinen Ansichten unsicher ist, kann ein Zeichen der intervenierenden
Stelle bereits genügen, um eine sich selbst tragende Bewegung in der von der
betreffenden Behörde gewünschten Richtung in Gang zu setzen.

Es ist ganz klar,

daß Interventionen, sollen sie Aussicht auf Erfolg bieten, nicht gegen allgemein
bekannte Trends erfolgen sollten und können. Langfristig sind es gerade diese
grundlegenden Aspekte, heute vor allem die Inflationsrate, die die Oberhand
behalten dürfte.

Die "Richtlinien für ein Floaten" müssen unter diesen Ge-

sichtspunkten gelesen werden.

Irgendwo
- 5-

�»

Irgendwo zwischen den täglichen Schwankungen und den fundamentalen Trends
gibt es bei den Wechselkursen Bewegungen, die temporäre Faktoren reflektieren.
Es könnte dies ein Unterschied in der Intensität oder, wie dies häufig schon
der Fall war, ein Unterschied in der Phase des internationalen Wirtschaftszyklus sein.

Nach der Auffassung des alten Bretton Woods Systems hätten sol-

che zyklischen Ungleichgewichte eine Änderung des Wechselkurses nicht gerechtfertigt, solange mit einer Umkehr dieser Bewegung gerechnet werden konnte. Von
den Ländern wurde erwartet, daß sie ihre Währungsreserven einschließlich der
IWF-Ziehungsrechte einsetzen und notfalls binnenwirtschaftliche Instrumente der
Wahrungs- und Haushaltspolitik mobilisieren, um eine solche Zeit zu überbrücken.

Unter einem System flexibler Wechselkurse ist dieses Problem keineswegs
entfallen, wie wir dies heute sehen können. Wir sind jedoch unter anderem gerade deshalb zu flexiblen Wechselkursen übergegangen, weil man erkannt hat, daß
die binnenwirtschaftliche Wahrungs- und Haushaltspolitik einen größeren Spiel- ,
räum braucht, als dies beim Bretton Woods System unter den Bedingungen möglich
war, wie sie Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre bestanden. Somit wäre der Einsatz von Währungsreserven für Interventionen das Hauptmittel,
um zyklische Wechselkursschwankungen zu vermeiden, es sei denn, daß die betroffenen Länder es als in ihrem Interesse erachten, starke Wechselkursbewegungen durch eine entsprechende Währungspolitik zu verhindern.

Unter dem alten System der starren Wechselkurse, als noch Vertrauen in
diese Wechselkurse bestand, würden die privaten Marktteilnehmer den Behörden
bei den Bemühungen geholfen haben, die Spekulation zu stabilisieren.

Heute be-

steht die gleiche Möglichkeit, aus der Stärke oder Schwäche einer Währung, die
für temporär erachtet wird, Nutzen zu ziehen. Aber Ansichten dieser Art sind
heute weniger fest und die Unsicherheiten sind größer, als dies früher der Fall
war.

Eine Stabilisierung der Spekulation dürfte daher nicht mehr so wirksam

durchzuführen sein, wie früher.
lichen Reserven.

Damit erhöht sich die Bedeutung der staat-

Aber dies gibt uns keinen Hinweis dafür, inwieweit diese

Reserven eingesetzt werden, um Wechselkursschwankungen auszugleichen, die ihrer
Art nach für zyklisch gehalten werden.

Das Dollar-Problem heute ist meines Er-

�Erachtens in erster Linie von solcher zyklischer Natur.

Die Position des Dollar

Bisher ist der Dollar weiterhin die Hauptreserve- und Interventionswährung.
Der Dollar wird von ausländischen Zentralbanken entsprechend ihrer eigenen
Wechselkursziele gekauft, verkauft und gehalten.

Für die Vereinigten Staaten ruft

dies eine Situation hervor, die nicht gänzlich verschieden ist von der, wie sie
vor Beginn des Floating existierte.

Andere Länder bestimmen weitgehend den Wechsel

kurs des Dollar in dem Maße, in dem dieser Kurs durch Intervention beeinflußt
wird.

Eines der amerikanischen Ziele in der internationalen Währungsreform
besteht darin, ein größeres Maß an Einfluß auf den Wechselkurs des Dollar zu
gewinnen.

Ein Weg, um einen solchen Einfluß auszuüben, ist die Intervention

in einem System der flexiblen Wechselkurse.

Die weltweite Verwendung des Dollar

zur Intervention durch andere Währungsbehörden, um den Wert ihrer eigenen Währungen zu beeinflussen, tendiert jedoch dahin, die Wirkung der Intervention im
Sinne der Beeinflussung des Dollarwertes weitgehend aufzuheben.

Darüber hinaus

kann die Intervention heute ganz neue Formen annehmen, Regierungen oder politische Untergruppierungen oder amtliche Einheiten können auf dem Euro-DollarMarkt Geld aufnehmen, mit dem letztlichen Ziel, die Wechselkurse zu beeinflussen.
Es ist nicht notwendig, daß die so aufgebrachten Mittel an die Zentralbank gehen.
Wenn die aufnehmende Institution sie direkt auf dem Markt verkauft, so ist die
Wirkung mehr oder weniger die gleiche wie die eines Verkaufes durch die Zentralbank.

Damit wird die Geldaufnahme zu einem der Hauptaspekte der Währungspolitik.

Als mittelfristige oder langfristige Kapitalimporte betrachtet, werden diese
Geldaufnahmen ein Teil der Gesamtzahlungsbilanz-Eingänge und gleichen damit
laufende Kontodefizite aus.
importen.

Ihr Hauptzweck ist heute die Finanzierung von öl-

Aber diese Bewegungen stellen gleichzeitig eindeutig eine Komponente

der Währungs- und Interventionspolitik dar und sind damit zu einem wichtigen
neuen Charakteristikum des neuen Währungssystems geworden.
Das
- 7-

�i

Das Ziel derartiger Dollarinterventionen durch Drittländer braucht nicht
darin zu bestehen, den Kurs zwischen dem Dollar und der fraglichen Währung zu
beeinflussen.

Die Intervention kann in erster Linie darauf abzielen, den Kurs

zwischen dieser Währung und dritten Währungen zu beeinflussen, wie beispielsweise
jener der Schlange oder anderer Währungen der Europäischen Gemeinschaft. Wenn
man jedoch

Dollar auf den Markt bringt - oder sie aus dem Markt zieht - dann

muß dies den Kurs des Dollar im Verhältnis zu allen Währungen verändern. Wenn
Dollar verkauft werden, dann wird das Angebot an Dollar-Aktiva in der Welt erhöht und, wenn Dollar gekauft werden, dann wird es verringert.

Das hat die

üblichen Folgen, die sich aus jeder Veränderung im Verhältnis von Angebot und
Nachfrage ergeben.

Der Umfang der Aktiva auf den Geldmärkten der Welt ist sehr groß und man
müßte daher eigentlich annehmen können, daß die Verwendung von Dollar zu Interventionszwecken das weltweite Verhältnis von Angebot und Nachfrage an Dollar
nicht sehr stark verändern würde.

Das ist in der Tat so, wie sich aus den

relativ mäßigen Schwankungen des Dollar an seinem handelsgewichteten Effektivkurs gegenüber den Währungen der großen Industrieländer ablesen läßt.

Im Jahre 1974 schwankte der handelsgewichtete Wechselkurs des Dollar - an
einem gewichteten Durchschnitt des Dollarpreises im Verhältnis zu zehn großen
Ländern gemessen - von einem Hoch von 11,5 Prozent Abwertung im Januar gegenüber Wechselkursen im Mai 1970 und einem Tief im Mai von 18,3 Prozent Abwertung,
was eine Schwankung von etwa 8 Prozent im handelsgewichteten Wechselkurs des
Dollar gemessen an diesem besonders gewichteten Durchschnittsmaßstab ausmacht.
Im Jahre 1975 ist der handelsgewichtete Wechselkurs des Dollar bisher um etwa
3,5 Prozent zurückgegangen.

Die Veränderungen des Dollarwertes gegenüber be-

stimmten europäischen Währungen sind jedoch in der letzten Zeit sehr viel größer
gewesen.

Im Jahre 1974 lag der Höchstkurs des Schweizer Franken gegenüber dem

Dollar etwa 29 Prozent über seinem Tiefstkurs und der höchste Dollarpreis für
die Deutsche Mark lag in jenem Jahr fast 15 Prozent über dem Tiefstkurs.

Dieses

Jahr haben die Schweizer Franken und die Deutsche Mark bisher gegen den Dollar
um etwa jeweils 5 Prozent und 4 Prozent gewonnen.
Das

�Das Auftreten von sehr viel größeren Schwankungen als jenen des handelsgewichteten Kurses oder jener des Dollar gemessen an den Sonderziehungsrechten
wird durch die Tatsache verstärkt, daß einer der Hauptdevisenmärkte für die
Dollarintervention der Markt für Deutsche Mark ist.

Es wird ferner durch die

Art und Weise intensiviert, in der Wechselkurse in der öffentlichen Diskussion
und vor allem in der Presse behandelt werden.

Es liegt vielleicht in der Natur

der Sache, daß jedes Land eine Einstellung einnimmt, die man vielleicht als
ptolemäische Schau seiner Währung im Verhältnis zu den übrigen Währungen bezeichnen kann.

Die eigene Währung wird als feststehend betrachtet und die

anderen Währungen einschließlich des Dollar werden in Auf- und Abbewegungen gesehen.

So kommen die bekannten Schlagzeilen zustande, daß der Dollar heute

um x-Prozent gefallen - oder gestiegen - sei. Eine kopernikanische Schau der
Devisenmärkte würde davon ausgehen, daß die eigene Währung als sich auf- und
abbewegend angesehen wird - nicht so sehr gegenüber dem Dollar allein, sondern
gegenüber der Gesamtheit der anderen Währungen, das heißt, gemessen an ihrem
handelsgewichteten Kurs oder gegenüber den Sonderziehungsrechten.

Die koperni-

kanische Schau scheint jedoch hauptsächlich nur in der amerikanischen Presse
vertreten zu sein, wenn die Korrespondenten ihre Berichte über die Devisenmärkte
im Ausland mit solchen Schlagzeilen versehen wie:

Dollar fällt - oder steigt -

in Zürich.

Während also die übliche Form der Registrierung von Kursbewegungen auf
den Devisenmärkten das Auftreten von Schwankungen in einem stärkeren Licht erscheinen läßt, so ist es doch ohne Frage richtig, daß die Schwankungen des
Dollar ein ernstes Problem darstellen.

Es ist einfach nicht möglich, wie dies

manche wissenschaftliche Verfechter der flexiblen Kurse fordern, die Kursbewegung zu ignorieren und die amerikanische Regierung hat dies auch niemals getan.
Unter den gegenwärtigen Umständen wird die Notwendigkeit einer bewußteren Politik seitens der Vereinigten Staaten hinsichtlich des Dollar immer deutlicher.
Eine solche Politik müßte natürlich auf ein Gleichgewicht ausgerichtet sein und
nicht auf zwecklose Versuche, die fundamentalen Trends zu bekämpfen.
sich um eine Politik der Kooperation handeln.

Es müßte

Vor allem in einer Zeit, in der

die umfangreiche Verwendung des Dollar zu Interventionszwecken den Dollarkurs
in einer Weise verzerren könnte, die niemand wünscht, müßte eine solche Politik
- 9 -

�Politik zur Erreichung eines besseren Gleichgewichts für alle Länder beitragen.

Die Dollarpolitik

Eine solche Politik muß mit grundsätzlichen Dingen anfangen.

Die Ver-

einigten Staaten unternehmen gegenwärtig eine gleichlaufende Anstrengung, um
eine Rezession zu überwinden, die im vorigen Jahr begann, und einer Inflation
ein Ende zu setzen, deren Ursprung schon ein Jahrzehnt zurückliegt.

Die Welt

kann schwerlich gedeihen, wenn nicht die Vereinigten Staaten ihre Prosperität
zurückgewinnen.

Auf den Devisenmärkten der Welt kann schwerlich wieder Ver-

trauen und Stabilität einziehen, solange die Aussichten für die Vereinigten
Staaten als ungewiß angesehen werden.

Aber ebensowenig werden diese Märkte

zu solide begründeten Wechselkursen zurückkehren können, solange die Inflation
nicht besiegt ist.

Die Vereinigten Staaten haben eine große Anstrengung unter- .

nommen, um ihre Inflation zu überwinden, und große Opfer an Produktion und Beschäftigung gebracht.

Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß diese

Opfer durch einen höheren Stand der Wirtschaftstätigkeit und des Wachstums in
einer inflationsfreien Wirtschaft wiedergutgemacht werden.

Gegenwärtig wird

die Hauptanstrengung zur Überwindung der Rezession an der Fiskalfront gemacht,
wo die geringste Gefahr besteht, einen negativen Druck auf die Zahlungsbilanz
zu erzeugen.

Die Schwere der Rezession hat die amerikanische Zahlungsbilanz in eine
negative Richtung gelenkt, wie dies bei den meisten anderen Rezessionen der
Fall war.

Während in der bisherigen Geschichte die laufenden Konten in einer

Rezession einen besseren Stand erreichten, haben die Kapitalabflüsse wegen der
niedrigen Zinssätze diese Wirkung oft aufgewogen und die Gesamtzahlungsbilanz
in das Defizit gedrängt. Bei der gegenwärtigen Rezession haben die steigenden
Kosten der Ölimporte und die scharf rückläufigen Auslandsprofite der ölgesellschaften trotz der bremsenden Wirkung auf Importe durch die Rezession ein steigendes Defizit der laufenden Konten hervorgerufen.

Die auf ein gemäßigtes

Wachstum der Geldaggregate ausgerichtete Politik der amerikanischen Bundesbank
hat in der Zwischenzeit zu einer Abwärtsbewegung der Zinssätze geführt, da das
- 10 -

�das Geldangebot in dem Maße stagnierte, wie die Wirtschaft ihre Nachfrage nach
Transaktionen verringerte.

Diese im wesentlichen zyklischen Entwicklungen haben

zur Schwäche des Dollar beigetragen.

Während der letzten Monate verlangsamte sich die Inflation deutlich.

Der

Verbraucherpeis bewegte sich in den letzten Monaten mit einer nachlassenden
Jahresrate, die im Januar 8 Prozent erreichte.

Der Großhandelspreisindex ist

seit zwei Monaten praktisch stabil. Dies sind wichtige Meilensteine auf dem
Wege zu einem besseren Preisverhalten.

In den Vereinigten Staaten und im Ausland sind Besorgnisse laut geworden,
daß die fiskalische Expansion exzessiv werden und daß dies zu erneuter Inflation und Schwächung des Dollar führen werde. All jene, die an diesem pessimistischen Bild festhalten, sollten jedoch nicht vergessen, daß die unmittelbare Auswirkung exzessiver Regierungsdefizite darin bestehen würde, die Zinssätze hoch zu treiben, was wiederum die Gefahr brächte, den Wiederaufschwung
abzuwürgen. Während neuerliche Inflation dazu führen könnte, den Dollar zu
drücken, wäre dies bei höheren Zinssätzen und einem gedämpften Wiederaufschwung
nicht der Fall.

Ich halte jedoch einen Verlauf der Dinge für sehr viel wahr-

scheinlicher, der die Vereinigten Staaten mit einer ständig sinkenden Inflationsrate zur Prosperität zurückführt.

In dieser Situation wäre der Dollar in

einer Position, seine fundamentale Stärke zu demonstrieren.

In der Zwischenzeit schreitet die Entwicklung des internationalen Währungssystems zu neuen Strukturen und Institutionen fort.

Es ist ein Fonds zur finan-

ziellen Unterstützung geschaffen worden, um den dringenden Bedarf von Ländern
zu decken, die keinen Zugang zu Krediten haben oder diese nur zu unannehmbaren
Bedingungen bekommen könnten.

Es ist Übereinstimmung darüber erzielt worden,

den Umfang des Internationalen Währungsfonds zu vergrößern.

Es ist einiger Fort-

schritt in Richtung auf eine bessere Definition der Verpflichtungen jener Länder
erzielt worden, deren Währungen floaten, sowie ihrer Rechte, eine solche Regelung

zu wählen - eine Definition gemäß den IWF-Richtlinien für ein Floaten -

die die Vereinigten Staaten angesichts der weltweiten Benutzung des Dollar,
über die der IWF keine Kontrolle ausüben kann, als entscheidend wichtig be- 11 -

�betrachten. Eine bessere Einigung über die Mittel und Wege zur Verringerung
der Rolle des Goldes, wie im Zwanziger-Ausschuß vereinbart, ist ebenfalls im
Gange.

All dies zusammengenommen läuft nach meiner Überzeugung auf einen Be-

richt des Fortschritts hinaus.

+ + + + +

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5/1975

DER ERFOLG VON WLADIWOSTOK
Von Gerard C. Smith

Gerard C. Smith, der heute als Anwalt in
Washington tätig ist, war von Anfang 1969
bis Anfang 1973 Direktor des amerikanischen
Amtes für Abrüstung und Rüstungskontrolle
(ACDA) und leitete in dieser Zeit auch die
Delegation der Vereinigten Staaten bei den
Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) mit der Sowjetunion.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des
"Wall Street Journal"
Copyright 1975 Dow Jones and Company, Inc.

Es gibt Leute, die das Übereinkommen von Waldiwostok über strategische
Rüstungen kritisiert haben, weil es in seinen Begrenzungen der Zahl der Abschußeinrichtungen für ICBM (Interkontinentalraketen zu Lande), SLBM (unterseebootgestützte Raketen) und schwere Bomber nicht weitgehend genug sei, weil
es nur teilweise verifizierbar sei und weil es solche qualitativen Begrenzungen
wie die Nutzlast (throw-weight) nicht einschließe.

Worauf es in Wladiwostok vor allem ankam, war, die Sowjets dazu zu bringen,
daß sie auf die von ihnen gestellte Bedingung verzichteten, - nämlich daß ihnen
- 1 -

�«

^

ihnen mehr strategische Abschußeinrichtungen zugestanden werden müßten als den
Vereinigten Staaten, weil die USA in Europa und im Fernen Osten bestimmte Nuklearsysteme in vorgeschobener Position disloziert hätten ("forward based
Systems") - und einer gleichen Zahl von strategischen Abschußeinrichtungen für
beide Seiten zuzustimmen.

Die Sowjets gingen dabei wahrscheinlich von der

Überlegung aus, daß bei der relativ hohen Gesamtzahl (2400) der zugestandenen
Abschußeinrichtungen die große Anzahl der in Europa und im Fernen Osten dislozierten taktischen Nuklearwaffen der USA keine besondere strategische Bedeutung
hätte.

Vielleicht haben sie sich aber auch überlegt, daß es für sie in psy-

chologischer Hinsicht weniger schmerzhaft wäre, bei der auf 2400 Abschußeinrichtungen festgesetzten Höchstzahl zu verbleiben, indem sie veraltete Abschußeinrichtungen nach und nach durch moderne ersetzten, sobald diese einsatzbereit wären, als für die Vereinigten Staaten, die diese Höchstgrenze durch neue
Konstruktionen erreichen müssen.

Die Sowjets beurteilen allem Anschein nach die Aussichten günstig, daß
die Vereinigten Staaten während der verhältnismäßig kurzen achtjährigen Dauer
des Vertrages den Ausbau der Abschußeinrichtungen nicht bis zu der festgesetzten Höchstgrenze bringen würden und damit der zahlenmäßige Vorteil der
Sowjets erhalten bleibt. Diese Vermutungen würden sich bestätigen, wenn die
Sowjets künftig jegliche weiteren Reduzierungen mit erneuten Ausgleichsforderungen
an die vorgeschobenen amerikanischen Nuklearsysteme koppeln würden.

Welche Mo-

tive die Sowjets auch immer bewogen haben mögen, so ist doch die Tatsache, daß
sie das Prinzip der Gleichwertigkeit für die strategischen Abschußeinrichtungen
akzeptiert haben, sehr bemerkenswert.

Was die festgesetzte Höchstgrenze für die Abschußeinrichtungen anbetrifft,
so ist vielleicht bemerkenswert, daß die Zahl 2400 etwa der Größenordnung der
amerikanischen strategischen Streitkräfte vor rund zehn Jahren entspricht.
Diese Zahl kommt der von den Vereinigten Staaten bei den SALT I-Verhandlungen
vorgeschlagenen ziemlich nahe, so daß man vermuten darf, sie wäre, wenn die
Sowjets sie bei jenen Verhandlungen zum Vorschlag gebracht hätten, akzeptabel
gewesen.

Sie würde Reduzierungen von seiten der Sowjetunion von den im SALT

I-Interimsabkommen vereinbarten Höchstwerten erfordern - und dies wären damit

�*

damit die ersten Reduzierungen, die man mit der Sowjetunion jemals ausgehandelt
hat.

Schließlich liegt diese Zahl, wie berichtet wird, wesentlich unter den

nach Angaben des amerikanischen Nachrichtendienstes für die Streitkräfte der
UdSSR für das Jahr 1985 in Aussicht genommenen Werten, wobei sich diese Angaben noch nicht einmal auf den "ungünstigsten Fall" beziehen.

Der Hauptvorteil dieses Abkommens besteht nach meiner Überzeugung darin,
daß es den Vereinigten Staaten eine ziemlich sichere Gewähr für die Höchstzahl
sowjetischer Abschußeinrichtungen für die nächsten zehn Jahre gibt.

Damit wird

es möglich sein,bei der Verteidigungsprogrammierung der Vereinigten Staaten
nicht ganz und gar von den Fällen ausgehen zu müssen, in denen "die Gefahren
größer wären als erwartet".

Und dies dürfte einen stabilisierenden Faktor in

das amerikanisch-sowjetische strategische Verhältnis einbringen.
Was die festgesetzte Höchstzahl (1320) für Abschußeinrichtungen für Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) angeht, so sollte man sich erinnern, daß
die Vereinigten Staaten bei den SALT I-Verhandlungen ein umfassendes und zeitlich unbegrenztes Abkommen über Offensivsysteme vorgeschlagen hatten, in dem es
hinsichtlich der MIRVs gar keine Begrenzung gab.

Wenn auch der zahlenmäßige Stand der MIRV-Abschußeinrichtungen das Problem
der ICBM-Anfälligkeit seiner Lösung nicht näher bringt, so ist man doch heute
in amtlichen Kreisen Amerikas der Auffassung, daß dieses Problem nicht ganz so
dringend sei, als man geglaubt hatte. Natürlich werden die Besorgnisse in
dieser Richtung nicht verschwinden, und die Lösung des Problems der ICBM-Anfalligkeit sollte ein vordringliches Anliegen von SALT-III sein.

Bis dahin

scheint die amerikanische Politik, wie sie Verteidigungsminister Schlesinger
in seinem kürzlichen Lagebericht dargelegt hat, darauf hinauszulaufen, den
Sowjets eine stillschweigende Vereinbarung anzubieten:

Wenn die Sowjets Zurück-

haltung üben, indpm sie nicht so viele große, mit MIRV bestückte ICBMs dislozieren, wie ihnen nach der Formel von Wladiwostok zustünden, dann werden die
Vereinigten Staaten davon Abstand nehmen, eine neue Generation von ICBMs zu
dislozieren.
Eine
- 3-

�Eine Frage, die sich ganz allgemein im Zusammenhang mit der SALT-Abkommen
stellt, ist di- :
halten?"

"Darf man darauf vertrauen, daß die Sowjets ihre Zusagen

Diese Abkommen sollten nicht einfach nur auf Vertrauen beruhen, son-

dern ständig verifiziert werden können, um zu beweisen, daß Zusagen eingehalten
werden.

Nachdem die Verpflichtungen im Rahmen von SALT immer weitreichender

werden, wird diese Frage der Verifizierung große Beachtung verdienen.

Das erforderliche Maß an Genauigkeit bei der Verifizierung variiert je
nach den vereinbarten Begrenzungen.

Ein Ungenauigkeitsgrad von lOO Einheiten

mag bei einer Höchstgrenze von 2400 Einheiten durchaus tragbar sein, bei einer
Höchstgrenze von 5Ö0 Einheiten sicherlich nicht.

Natürlich gibt es auch Fälle,

in denen eine nicht verifizierbare Zusage besser ist als überhaupt kein Abkommen.

Das gilt beispielsweise für das kürzlich ausgehandelte Abkommen über

das Verbot biologischer Kriegführung.

Obwohl hier einige der Zusagen nicht

genau nachprüfbar sind, wurde argumentiert, daß einer Aggression mit biologischen
Kampfmitteln ohnehin r.ü t Abschreckung oder Abwehr durch Kernwaffen begegnet
würde, sodaß ein kleines Risiko der nur einseitigen Einhaltung der Verpflichtungen tragbar wäre.

Um das Rahmenabkommen von Wladiwostok mit Materie auszufüllen, wird es
vielleicht neuer Verifizierungsüberlegungen bedürfen.

Wenn beispielsweise unter-

seebootgestützte Abschußeinrichtungen für Flugkörper mit Luftstrahlantrieb,
wie sie die Vereinigten Staaten zur Zeit entwickeln, einer Begrenzung unterliegen
sollen, wie stellt man dann die Zahl der tatsächlich dislozierten Einrichtungen
fest?

Wenn Abschußeinrichtungen für ballistische Raketen auf Überwasserschiffen

verboten werden, wie läßt sich dann dies Verbot erzwingen?

Wenn landgestützte,

mobile ICBMs erlaubt, aber in ihrer Zahl begrenzt werden sollen, wie kann man
diese Zahl verifizieren?

Letztlich dürfte dieses ganze Problem wohl doch auf

die Frage hinauslaufen, ob der Sicherheit der Vereinigten Staaten besser mit
einer Begrenzung irgendeiner Art, auch wenn diese keine sehr genaue Verifizierung erlaubt, gedient ist als mit einem Verzicht auf jede Begrenzung.

Was die Frage der Verifizierung anbetrifft, so besteht hier eine beträchtliche Asymmetrie zugunsten der UdSSR.

Da die Vereinigten Staaten eine offene

�offene Gesellschaft sind, in der die Waffensysteme in der Phase ihrer Erforschung und technischen Entwicklung bis zu ihrer schließlichen tatsächlichen
Dislozierung einer ständigen genauen Beobachtung durch die Öffentlichkeit
unterliegen, kann die Sowjetunion in hohem Maße darauf vertrauen, daß die USA
den Begrenzungsbestimmungen der Abkommen nachkommen werden.

Infolgedessen

tragen die Vereinigten Staaten bei Verhandlungen die ganze Last, immer wieder
auf ein Abkommen über Verifizierungsmaßnahmen drängen zu müssen.

Das aber gibt den Sowjets wiederum mehr Spielraum bei anderen Aspekten
des Abkommens, die für sie von besonderem Interesse sind.

Wegen dieses Unter-

schieds zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Gesellschaftssystem
sollten die Vereinigten Staaten künftig doch wohl besser von der in Wladiwostok
befolgten Technik Abstand nehmen, daß man - wie es die Briten nennen würden zuerst einmal einen allgemeinen

"Vorvertrag"

schließt, der die führenden

Männer der USA dann weitgehend verpflichtet, auch zu dem sich daraus ergebenden
Abschlußabkommen zu gelangen.

Bei solcherart geführten Verhandlungen könnte

auf amerikanischer Seite die Tendenz vorhanden sein, weniger fest auf jenen
Punkten der Verifizierung zu beharren, die nicht von so zentraler Bedeutung zu
sein scheinen.

Anders gesagt, könnten sich die Sowjets vielleicht eher geneigt

zeigen, gemeinsame Techniken der Verifizierung auszuarbeiten, wenn diese nötig
wären, um zu einem abschließenden Abkommen, was seine Begrenzung betrifft, zu
gelangen als in dem Falle, in dem dieses Abkommen in bezug auf seine Grenzen,
bereits im Grundsatz erreicht worden ist.

Von Zeit zu Zeit haben

sich die Vereinigten Staaten in diesem Zeitalter

der Nuklearwaffen besorgt gezeigt, sie könnten im strategischen Rüstungswettlauf zurückfallen - man denke an die Bomber- und Raketenlücken.

Eine solche

Besorgnis ist verständlich, da es schließlich um nichts geringeres als die
Sicherheit der Nation geht.

Aber eine öffentliche Debatte über solche angeb-

lichen Lücken und Mängel im strategischen Arsenal der USA, weckt bei unseren
Freunden wie bei unseren Rivalen im Ausland Vorstellungen und Ideen, die sich
auf die Glaubwürdigkeit der nuklearen Abschreckung auswirken.

Und so kommt es

zu dem seltsamen Resultat, daß der Redeschwall der Amerikaner manchmal dahin
tendiert, den Wert der eigenen strategischen Streitkräfte herabzusetzen.

- 5-

Ganz

�Ganz allgemein gesprochen könnte sich dieses Verhalten nachteilig auf unser
Vertrauen auswirken, daß die Vereinigten Staaten nicht in eine Krise hineingezwungen werden können und daß wir nicht vorzeitig und übereilt zu Nuklearwaffen
greifen müssen.

Manche Leute haben sich wegen der "Nutzlast-Lücke" besorgt geäußert und
das Abkommen von Wladiwostok kritisiert, weil es diese Lücke weder verkleinert
noch beseitigt hat. Wenn auch die Gesamtnutzlast, die von den drei Komponenten
der amerikanischen strategischen Streitkräfte - ICBMs, SLBMs und schweren
Bombern - bewältigt werden kann, der der sowjetischen Streitkräfte zumindest
gleichkommt, so besitzt die sowjetische Raketenstreitmacht doch eine weitaus
größere Nutzlast als die Raketenstreitkräfte der USA.

Diese Tatsache resultiert

nicht aus einem Fehler in der amerikanischen Programmierung, sondern aus einer
vor 15 Jahren bewußt getroffenen Entscheidung, keine weiteren großkalibrigen
Raketen, wie die Atlas und Titan, die zur ersten Generation unserer ICBMs gehören, zu dislozieren.

Stattdessen

entschied man sich, Raketen zu dislozieren,

die» Weil sie aus verkleinerten Komponenten bestanden,

ein weniger massiges

Volumen zu haben brauchten.

Besorgnisse hinsichtlich der Nutzlast drehen sich weniger um Überlegungen,
daß aus militärischen Gründen eine größere Nutzlast der Raketen gebraucht werde,
sondern vielmehr darum, daß sich im Ausland falsche Vorstellungen dahingehend
entwickeln könnten, daß die Vereinigten Staaten hier der UdSSR etwas unterlegen
seien.

Und was vielleicht noch wichtiger ist, es besteht die Befürchtung, daß

im Falle einer Krise eine künftige amerikanische Regierung

"kneifen" könnte,

weil sie wegen eines Rückstandes in der Nutzlast das Vertrauen verloren hätte.
Solche Besorgnisse sollten nicht leichtfertig abgetan werden, schon weil sie
sich erfüllen könnten.

Die unmittelbare Lösung sollte auf eine große Anstrengung auf dem Gebiet
der Information hinauslaufen, um allen Interessierten zu demonstrieren, daß die
militärische und psychologische Macht der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten mehr als ausreichend ist und entsprechend aufrechterhalten wird.
Wenn in den kommenden Jahren ein Nutzlast-Minderwertigkeitskomplex auftreten
- 6 -

�auftreten und gefährlich werden sollte, dann kann die Nutzlast der amerikanischen Raketen innerhalb der Grenzen des Übereinkommens von Wladiwostok stark
erhöht werden.

Abschließend zu sagen stellt das Übereinkommen von Wladiwostok offensichtlich einen Fortschritt in dem langen Prozeß der Kontrolle der strategischen
Rüstungen dar. Es kommt, was seine "Griffigkeit" der Begrenzungen und seine
Geltungsdauer anbetrifft, dem ABN-Vertrag nicht gleich.

Es sieht mehr wie ein

neues "Interims"-Abkommen aus, das das "Einfrieren" von 1972 verlängert.
Aber es mag sich sehr wohl als Grundlage für weitere Verhandlungen über qualitative Begrenzungen und Verringerungen erweisen.
Erfolg.

- 7-

Und das ist kein kleiner

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ULTRASCHALLSONDE FÜR HERZDIAGNOSTIK

- (AD) - Die Methoden, mit denen heute Ausmaß und Schwere eines Herzinfarkts oder mögliche Ursachen einer erheblichen Dekompensation des Herzens
bestimmt werden können, sind noch wenig präzise.
sprechend unzureichenden

Um das Risiko einer dement-

Behandlung oder auch einer unnötigen Operation zu

verringern, entwickelte Dr. Padmakar P. Lele, Professor für experimentelle
Medizin am MIT-Department für Apparatebau (Technische Universität Massachusetts
in Boston, USA) eine Sonde, die es erlaubt, funktionsfähiges Gewebe von absterbenden bzw. infolge der Unterbrechung der Blut- und Sauerstoffzufuhr abgestorbenem Gewebe zu unterscheiden.

Die Sonde arbeitet mit Ultraschall.

Dem System liegt die schon fast vier

Jahre zurückliegende Entdeckung von Prof. Lele und dem jungen Elektronikingenieur
Jerry Namery zugrunde, daß lebendes und abgestorbenes Gewebe am Herzen unterschiedliche Mengen von Ultraschallenergie bei verschiedenen Frequenzen absorbieren.

Diesen Effekt glaubt Prof. Lele so erklären zu können, daß die Eiweiß-

moleküle im Gewebe bei Unterversorgung oder der Unterbrechung der Versorgung mit
Sauerstoff ihre Gestalt verändern.

Gegenwärtig wird die Erprobung der Apparatur in Experimenten an Hunden vorbereitet.

Gleichzeitig wollen Prof. Lele und seine Mitarbeiter die Computer-

programme verbessern, mit denen die Meßdaten analysiert werden.

- I -

Ziel des Pro-

�Projekts, das das "Nationale Institut für Herz- und Lungenforschung" der amerikanischen "National Institutes of Health" in Bethesda (Maryland) finanziert, ist
die Entwicklung einer Ultraschall-Sonde, die innerhalb von 15 Minuten eine komplette Übersicht über die Schädigung der Vorderwand und Hinterwand des Herzens
gibt und einfach zu bedienen ist.

Für eine Reihe technischer Probleme, u.a. Meßstörungen wegen der ständigen
Veränderung des Auftreffwinkels für die Ultraschallimpulse durch die Bewegung
des schlagenden Herzens, wurden inzwischen zufriedenstellende Lösungen gefunden.
Aber nach Meinung der Beteiligten dürften die Entwicklungen erst in ca. 1 Jahr
abgeschlossen sein.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Lele würde es begrüßen, wenn

sich qualifizierte graduierte Studenten beteiligten, die - in einer seltenen
Kombination - sowohl an speziellen biomedizinischen Problemen als auch an
Computertechnik und Instrumentenbau interessiert sind.

+ + + + +

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NEUARTIGE MIKROSKOPE

- (AD) - Ein Ultraschallmikroskop, mit dem buchstäblich in lebende Zellen
hineingesehen werden kann, wird jetzt auf Grund einer von der Stanford-Universität an die Firma American Opticas, Co., in Buffalo (New York) vergebenen Lizenz für kommerzielle Zwecke gebaut.

Das "akustische Rastermikroskop", wie

seine beiden Erfinder, Prof. Calvin F. Quate und Dr. Ross Lemons (Department
für Physik und elektronische Apparate der Stanford-Universität) dieses Instrument nennen, erzeugt Ultraschallwellen mit Frequenzen zwischen 500 und 100 Megahertz (500 Millionen - 1 Milliarde Schwingungen pro Sekunde).

Das Auflösungs-

vermögen liegt bei ca. 1 Mikron, d.h. im Bild sind noch Objekte von 1/1000 mm
Durchmesser auszumachen.
Die zu untersuchende Probe wird auf einen dünnen Plastikfilm aufgebracht
und in Wasser zwischen zwei Saphirkristallstäben placiert.
schickt die Schallwellen aus, der andere nimmt sie auf.
sind konkav geschliffen.

Einer der Stäbe

Die Enden der Stäbe

In Verbindung mit dem in der Vertiefung gehaltenen

Wassertropfen wird es auf diese Weise möglich, den Schallwellenstrahl an der
Eintrittsstelle in die Probe auf einen winzigen Punkt zu zentrieren. Der
Kristallstabempfänger, der die Impulse nach deren Durchgang durch das zu untersuchende Objekt aufnimmt, leitet sie zu einem Transducer, wo die je nach der
Absorptionsfähigkeit der geprüften Materie veränderten Uberschallwellen in
elektrische Signale zur Sichtbarmachung auf einem Bildschirm umgesetzt werden.
Die Probe wird horizontal und vertikal abgetastet.
Das
- 1 -

�Das Auflösungsvermögen bei diesem Verfahren reicht aus, um z.B. menschliche Zellen im Detail zu studieren.

Da auf dem Schallbild Merkmale in Er-

scheinung treten, die bei einer Untersuchung mit dem optischen Mikroskop niemals sichtbar werden, können Vergleiche zwischen Aufnahmen nach beiden Verfahren dem Diagnostiker helfen, sich mehr Einsichten in Zellfunktionen und
deren Störungen zu verschaffen.

An der Stanford-Universität bemüht sich jetzt ein Wissenschaftlergruppe
darum, dem akustischen Rastermikroskop ein noch größeres Auflösungsvermögen
zu geben und einen Weg zu finden, es mit einem Lichtmikroskop zu kombinieren.
Das neue Verfahren hat sich übrigens auch für die Materialprüfung bei mikrominiaturisierten Schaltkreisen außerordentlich bewährt.

Diese winzigen elek-

tronischen Bauelemente werden vor allem für Herzschrittmacher, Hörgeräte und
Minicomputer verwendet.

Ein Zwei-Stufen-Mikroskop für 500millionenfache Vergrößerungen haben
Dr. Lawrence S. Bartell, Prof. der Chemie an der Universität von Michigan,
und Charles L. Ritz, einer seiner Doktoranden, konstruiert.

Die Mittel für

diese neuartige Entwicklung stellte die "National Science Foundation" (NSF Amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung) zur Verfügung.

Das Gerät ist eine Kombination von Elektronen- und Lichtmikroskop, wobei jedoch nicht gewöhnliches "Mischlicht" verschiedenster Frequenzen, sondern
einfarbiges und in einem Wellenzug schwingendes Laserlicht verwendet wird. In
der ersten Stufe wird durch einen extrem kurzwelligen Elektronenstrahl ein
Hologramm erzeugt.

In der zweiten Stufe kann eine stark vergrößerte Abbildung

des Objekts rekonstruiert werden, indem man einen Laserstrahl durch das Hologramm schickt.

Die beiden Chemiker weisen jedoch darauf hin, daß ihr In-

strument in seiner gegenwärtigen Ausführung nur bestimmte Arten von Atomen und
Molekülen sichtbar machen könne.

Dabei sei aber das Auflösungsvermögen zehn-

mal größer als jenes von Spezialmikroskopen, die noch Objekte bis zu 1 Angström
(l/lO 000 000 mm) Durchmesser erfassen.

+ + + + +
- 2 -

�</text>
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Nummer 4

26. F e b r u a r 1975

Inhalt

INFORMATION
Klarstellung der Bestimmungen für USA-Besucher
Ausstellung und Fachtagung "Umweltschutz" im US-Handelszentrum
in Frankfurt am Main

DOKUMENTATION
Devisenausgleich - Bericht Präsident Fords an den US-Kongreß
- Wortlaut Kissinger-Gromyko-Erklärung vom 17. Februar 19 75
- Wortlaut -

WIRTSCHAFT
Kissinger: Energieproblem über den Preis lösen
- Rede des US-Außenminister vor dem National Press Club -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erdöl aus Pioniergebieten
US-Regierung dringt auf beschleunigte Erschließung neuer Vorkommen

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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4/1975

KLARSTELLUNG DER BESTIMMUNGEN FÜR USA-BESUCHER

BONN - (AD) - Eine kürzlich von der amerikanischen Einwanderungsbehörde
(US-Immigration and Naturalization Service) verfügte Änderung der Bestimmungen
über die Aufenthaltsdauer ausländischer Besucher in den Vereinigten Staaten
hat nach Ansicht amerikanischer Botschaftskreise in Bonn verschiedentlich zu
Mißverständnissen geführt.

Um die künftig für die Einreise in die Vereinigten

Staaten gültigen Bestimmungen klarzustellen, wird von diesen Stellen zu den Anordnungen der amerikanischen Einwanderungsbehörde folgendes festgestellt:

Bis vor kurzem konnten Besucher der Vereinigten Staaten die Erlaubnis
erhalten, bis zu sechs Monaten in den USA zu bleiben, und dann konnte eine Verlängerung des Aufenthalts um weitere
wanderungsbehörde beantragt werden.

sechs Monate bei der amerikanischen EinDie neuen Bestimmungen besagen, daß vom

16. Februar an ein in die Vereinigten Staaten einreisender Besucher eine Aufenthaltenserlaubnis entsprechend dem Zweck seines Besuches erhalten kann. Der
Zeitraum beläuft sich höchstens auf sechs Monate - es sei denn, daß zwingende
Gründe vorliegen, und auch dann beträgt die Höchstgrenze 12 Monate.

Verlängerungen

werden nicht gewährt.

Die neuen Bestimmungen haben nach Ansicht der Botschaft möglicherweise
deshalb Verwirrung ausgelöst, weil allgemein der Unterschied zwischen Visum
und der Bewilligung der Aufenthaltsdauer nicht bekannt ist.

Ein
- 1 -

�Ein Besuchervisum für die Vereinigten Staaten wird von einem Konsularbeamten ausgestellt.
USA es gilt.

Es gibt an, für wie lange und für wie viele Reisen in die

Das Visum ist jedoch keine Genehmigung für eine Einreise in die

USA und auch keine Genehmigung, sich eine bestimmte Zeit in den Vereinigten
Staaten aufzuhalten.

Es besagt lediglich, daß der Inhaber des Visums sich an

den Ort der vorgesehenen Einreise begeben und dort bei der amerikanischen Einwanderungsbehörde einen Antrag auf Einreise stellen darf.

Wenn diese Erlaubnis

am Ort der Einreise erteilt ist, dann wird damit auch eine Genehmigung für eine
bestimmte Aufenthaltsdauer gegeben.

Nach den neuen Bestimmungen ist die Auf-

enthaltsdauer für jeden Einreisenden normalerweise auf sechs Monate begrenzt
und dieser Zeitraum kann nicht verlängert werden.

Die meisten deutschen Besucher erhalten ein Visum, das unbegrenzt und für
eine mehrmalige Einreise gültig ist.

Das bedeutet, daß der Inhaber des Visums

so oft in die Vereinigten Staaten reisen kann, wie er dies will und so lange
sein Paß gültig ist.

Bei jeder Einreise in die Vereinigten Staaten muß ihm

jedoch am Ort der Einreise die Aufenthaltsdauer für diesen neuen Besuch genehmigt
werden.
m

Die Konsularbeamten weisen noch besonders darauf hin, daß die neuen Bestimmungen nur für Touristen und nicht für Geschäftsreisende gelten.

+ + + + +

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4/1975

AUSSTELLUNG UND FACHTAGUNG "UMWELTSCHUTZ" IM
US-HANDELSZENTRUM IN FRANKFURT AM MAIN

Im amerikanischen Handelszentrum in Frankfurt am Main, Bockenheimer
Landstraße 2 - 4 , findet vom 22. bis 25. April 1975 eine Ausstellung zum
Thema Umweltschutz - Luft, Wasser, feste Abfallstoffe und Lärm statt. Auf
der angeschlossenen Fachtagung im großen Hörsaal des Amerika Hauses Frankfurt
berichten Fachleute über den neuesten Stand des Wissens auf den Gebieten der
Bekämpfungsmaßnahmen und der Meßtechnik im Dienste der Umweltüberwachung.

Die Ausstellung vermittelt einen weitgespannten Überblick über das Angebot amerikanischer Hersteller, insbesondere auf den Sektoren Emissions- und
Imissions-Meßgeräte und Anlagen zur Beseitigung von Schadstoffen aus gasförmigen und flüssigen Medien sowie der Abfallbeseitigung und Lärmbekämpfung.

Folgende Exponate werden u.a. zu sehen sein:

Gasanalysatoren einschließ-

lich GasChromatographen, Aerosolteilchenzähler, Spektralphotometer und andere
optische Meßgeräte, Wasser- und Abwasserüberwachungseinrichtungen, Filtersysteme,
Einrichtungen zur Beiiandlung von festen Abfallstoffen, Geräuschpegelmeßgeräte
und Gehörschützer.
Weitere Informationen und komplettes Programm durch:
US-Handelszentrum, 6COO Frankfurt/Main, Bockenheimer Landstraße 2 - 4
Tel.: (0611) 72 08 Ol, Telex: 41 65 35.
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4/1975

DEVISENAUSGLEICH - BERICHT PRÄSIDENT FORDS AN DEN US-KONGRESS

- Wortlaut -

WASHINGTON -

(AD) - P r ä s i d e n t Gerald R. Ford h a t am 20. F e b r u a r 19 75 gemäß

dem sogenannten Jackson-Nunn-Amendment

f

812, des Gesetzes ü b e r d i e B e w i l l i g u n g

des V e r t e i d i g u n g s h a u s h a l t e s d e r USA dem Kongreß e i n e n B e r i c h t über den F o r t s c h r i t t beim Ausgleich des Z a h l u n g s b i l a n z d e f i z i t s v o r g e l e g t , s o w e i t d i e s e s
aus d e r S t a t i o n i e r u n g a m e r i k a n i s c h e r S t r e i t k r ä f t e i n e u r o p ä i s c h e n M i t g l i e d s t a a t e n
d e r NATO h e r r ü h r t .

Diese B e r i c h t e müssen v i e r t e l j ä h r l i c h e r s t e l l t werden, und

d e r Kongreß h a t von ihnen d i e A u f r e c h t e r h a l t u n g d e r Zahl d e r amerikanischen S o l d a t e n i n Europa abhängig gemacht.

Der j ü n g s t e B e r i c h t h a t folgenden W o r t l a u t :

"An den Kongreß d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n :
Gemäß A b s c h n i t t 812 (D) des Defense A p p r o p r i a t i o n A u t h o r i z a t i o n Act 1974
(Bewilligung des V e r t e i d i g u n g s h a u s h a l t e s )

( P u b l i c Law 93-155) habe i c h d i e

Ehre, dem Kongreß e i n e n B e r i c h t ü b e r den F o r t s c h r i t t beim A u s g l e i c h des Zahlungsb i l a n z d e f i z i t s zu u n t e r b r e i t e n , s o w e i t es aus d e r D i s l o z i e r u n g

amerikanischer

S t r e i t k r ä f t e i n NATO-Europa h e r r ü h r t .
Wie i n A b s c h n i t t 812 v o r g e s e h e n , h a t das H a n d e l s m i n i s t e r i u m i n K o n s u l t a t i o n e n
mit dem V e r t e i d i g u n g s m i n i s t e r i u m und d e r Bundeskasse daran g e a r b e i t e t ,

das

amerikanische Z a h l u n g s b i l a n z d e f i z i t b e i m i l i t ä r i s c h e n T r a n s a k t i o n e n für das

�das H a u s h a l t s j a h r 1974 zu d e f i n i e r e n ,
tungen a u f g e t r e t e n i s t .

das auf Grund u n s e r e r NATO-Verpflich-

Ich habe dem Kongreß b e r e i t s i n meinem November-Bericht

vom Handelsministerium zusammengestellte v o r l ä u f i g e Zahlen zukommen l a s s e n ,

die

unsere Ausgaben für das H a u s h a l t s j a h r 1974 auf 1,983 M i l l i a r d e n D o l l a r s c h ä t z t e n .
Diese Zahl i s t j e t z t a l s e n d g ü l t i g e Höhe der Ausgaben für das H a u s h a l t s j a h r

1974

b e s t ä t i g t worden.

Das Handelsministerium i s t gegenwärtig damit, b e f a ß t , d i e Z a h l u n g s b i l a n z einnahmen im H a u s h a l t s j a h r 1974 aus m i l i t ä r i s c h e n Verkäufen und Exporten an
unsere e u r o p ä i s c h e n NATO-Verbündeten f e s t z u s t e l l e n ,

und zwar sowohl d e r s t a a t -

l i c h e n m i l i t ä r i s c h e n Verkäufe d e r USA an das Ausland (FMS) wie auch der Verkäufe
auf kommerzieller B a s i s .

Sobald d i e Gesamteinnahmen f e s t g e s t e l l t s i n d , werden

s i e von den 1,983 M i l l i a r d e n D o l l a r an Ausgaben a b g e s e t z t , um so das
für das H a u s h a l t s j a h r 1974 zu e r r e c h n e n .

Defizit

Das H a n d e l s m i n i s t e r i u m k o n n t e zwar

d i e Käufe d e r Verbündeten auf FMS-Basis b e s t ä t i g e n , es war jedoch n i c h t i n d e r
Lage, e i n e Zahl für d i e kommerziellen Einnahmen zu nennen.

Die vom Handelsmi-

n i s t e r i u m angewandten Verfahren zur A u f s t e l l u n g d e r Z a h l u n g s b i l a n z s i n d n i c h t
d e t a i l l i e r t genug, um a l l e d i e s e Käufe aussondern zu können.

Unter Verwendung

der uns von unseren Verbündeten über das W i r t s c h a f t s d i r e k t o r a t d e r NATO z u r
Verfügung g e s t e l l t e n Informationen s u c h t das H a n d e l s m i n i s t e r i u m g e g e n w ä r t i g
m ö g l i c h s t v i e l e d i e s e r T r a n s a k t i o n e n zu i d e n t i f i z i e r e n und s i e i n i h r e Aufs t e l l u n g des Z a h l u n g s b i l a n z d e f i z i t s

einzubeziehen.

Ein I n t e r m i n i s t e r i e l l e r Ausschuß d e r Regierung s u c h t gegenwärtig andere
T r a n s a k t i o n e n zu i d e n t i f i z i e r e n ,
b i l a n z d e f i z i t auszugleichen.

d i e dazu b e i t r a g e n k ö n n t e n , d i e s e s Z a h l u n g s -

Von g r o ß e r Bedeutung i s t das Offset-Abkommen

zwischen den USA und d e r Bundesrepublik Deutschland für d i e H a u s h a l t s j a h r e
und 1975, das im Mai-Bericht 1974 im D e t a i l d a r g e l e g t worden i s t .

Wir a r b e i t e n

s e i t d e m gemeinsam mit unseren Verbündeten d a r a n , w e i t e r e O f f s e t - K a t e g o r i e n
zulegen.

1974
fest-

Diese werden Käufe d e r Verbündeten von m i l i t ä r b e z o g e n e n Ausrüstungen

e i n s c h l i e ß e n , d i e b e i dem Berechnungssystem für d i e a m e r i k a n i s c h e

Zahlungsbilanz

n i c h t g e s o n d e r t ausgewieser. werden können. Ich werde E i n z e l h e i t e n ü b e r d i e s e
K a t e g o r i e i n meinem M a i - B e r i c h t 1975 an den Kongreß d a r l e g e n .
Wenn

�Wenn unsere Analyse abgeschlossen und das m i l i t ä r i s c h e

Zahlungsbilanz-

d e f i z i t f e s t g e l e g t i s t , rechne i c h f e s t damit, daß d i e s e s D e f i z i t dann durch
d i e von uns f e s t g e l e g t e n P o s i t i o n e n a u s g e g l i c h e n wird und daß d i e E r f o r d e r n i s s e des A b s c h n i t t s 812 e r f ü l l t w e r d e n . "

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KISSINGER-GROMYKO-ERKLARUNt; VOM 1 7 . FEBRUAR l « " ^

- Wortlaut -

GENF - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kiwetngei
und sein sowjetischer Kollege A.A. Gromyko haben rxm Abschluß ihr-er tfeeprAehe
in Genf am 17. Februar folgende gemeinsame Erklärung her«nsgeaeb»m

Wie zuvor vereinbart, hat am 16. und 17. Februar In Genf »in» Suaemmenkunft zwischen dem Außenminister der USA und Berater des Präsidenten frti
Fragen der Nationalen Sicherheit, Henry A. Kissinger, und dorn Mitglied d»«
Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU und Außenminister de* UdSSR, A.A.
Gromyko, stattgefunden.

Sie haben einen Gedankenaustausch über eine Reihe von Fragen der hila
teralen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sowie über verschiedene gegen
wärtig zwischen ihnen geführte Verhandlungen und über bestimmte international«
Fragen von beiderseitigem Interesse gepflogen.

Beide Seiten haben ilno Rn1

schlossenheit betont, an dem Kurs einer weiteren Verbesserung der sowletisrh
amerikanischen Beziehungen im Einklang mit den bestehenden Vereinbarungen und
Grundsatzabkommen festzuhalten, die ihrer festen Auffassung nach dem inter-esoe
der Völker der USA und der UdSSR sowie des Weltfriedens dienen.

Beide Seiten haben die große Bedeutung der (Ibereinknnft übel die weitere
Begrenzung der strategischen Offensivwaffen unterstrichen, die auf dem Treffen
im November 1974 in Wladiwostok zwischen dem Präsidenten der USA, Gerald
1-

�Gerald R. Ford, und dem Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen
Partei der Sowjetunion, L.I. Breschnew erreicht worden war.

Beide Seiten be-

absichtigen, weitere energische Anstrengungen zu unternehmen, um auf der Basis
dieser Übereinkunft ein zweckmäßiges langfristiges Abkommen in diesem Jahr
auszuarbeiten.

Es wurde festgestellt, daß auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ein beträchtlicher Fortschritt erzielt worden ist. Beide
Seiten erklärten, daß sie weiterhin gemeinsam mit den übrigen Teilnehmern aktive Anstrengungen unternehmen werden, um die Konferenz zu einem baldigen Zeitpunkt zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.

Sie erwarten, daß die er-

zielten Ergebnisse einen Abschluß dieser Konferenz auf höchster Ebene gestatten
werden.

Sie haben ferner vereinbart, daß aktive Anstrengungen unternommen werden
sollten, um positive Ergebnisse bei der beiderseitigen Reduzierung der Streitkräfte und Rüstungen in Mitteleuropa auf der Basis der Prinzipien zu erreichen,
die in dem amerikanisch-sowjetischen Kommunique vom 24. November 1974 ange*

führt werden.

Im Verlauf der Gespräche wurde dem Nahen Osten besondere Aufmerksamkeit
geschenkt.

Beide Seiten sind weiterhin besorgt über die der dortigen Situation

innewohnenden Gefahren.

Sie haben ihre Absicht bekräftigt, alle Anstrengungen

zu unternehmen, um eine Lösung der wichtigen Fragen eines gerechten und dauerhaften Friedens in diesem Raum auf der Basis der UN-Resolution 338 zu fördern,
wobei die legitimen Interessen aller Völker dieses Gebietes, einschließlich des
palästinensischen Volkes, und des Gebietes selbst berücksichtigt werden sollen.

Beide Seiten glauben, daß die Genfer Konferenz eine wichtige Rolle bei
der Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten spielen
und daß sie ihre Arbeit zu einem baldigen Zeitpunkt wieder aufnehmen sollte.

Sie haben einen Gedankenaustausch über Zypern geführt.

Beide Seiten haben

erneut ihre feste Unterstützung der Unabhängigkeit, Souveränität und terri-

�territorialen Integrität Zyperns bekräftigt.

Beide Seiten sind weiterhin

der Ansicht, daß eine gerechte Regelung der Zypern-Frage auf der strikten
Durchführung der vom Sicherheitsrat und von der Vollversammlung der Vereinten
Nationen verabschiedeten Resolutionen zu Zypern basieren muß.

Die Gespräche haben in einer sachlichen und konstruktiven Atmosphäre
stattgefunden und beide Seiten haben ihrer Befriedigung über die Ergebnisse
Ausdruck verliehen.

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4/1975

KISSINGER: ENERGIEPROBLEM ÜBER DEN PREIS LÖSEN
Rede des US-Außenminister vor dem National Press Club

Der amerikanische Außenminister, Dr. Henry
A. Kissinger, hat in einer vielbeachteten
Rede vor dem National Press Club in Washington
am 3. Februar 1975 die Frage eines für Erzeuger und Verbraucher fairen Preises als
das zentrale Problem bei der Lösung der
Energiekrise bezeichnet. Die USA, so betonte Kissinger, müßten die Initiative ergreifen, um gemeinsam mit anderen das weltweite Energieproblem zu lösen. Die Ausführungen des Außenministers haben folgenden
Wortlaut:

Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, vor diesem Kreis über unsere Energieprobleme zu sprechen.

Dieses Thema ist höchst aktuell, fällt doch gerade in

diese Woche ein wichtiger Moment unserer nationalen wie auch unserer internationalen Reaktion auf die Energiekrise.

Am Mittwoch tritt der Lenkungsausschuß der Internationalen Energiebehörde
(IEA) in Paris zu seiner monatlichen Tagung zusammen.

Diese Organisation, die

aus der Washingtoner Energiekonferenz hervorgegangen ist, stellt eine der bedeutsamsten Erfolgsgeschichten der Zusammenarbeit der industrialisierten Demokratien im letzten Jahrzehnt dar. Diese Behörde hat in den letzten Monaten damit

�damit begonnen, die Anstrengungen der industrialisierten Demokratien zur Einsparung von Energie und zur Erforschung und Entwicklung neuer Energiequellen
zu mobilisieren und zu koordinieren.

Die IEA hat bereits eine ganze Reihe von

Bausteinen einer koordinierten Energiepolitik aufeinandergeschichtet.

Auf

der genannten Tagung werden die Vereinigten Staaten umfassende Vorschläge für
gemeinsame Aktionen unterbreiten, deren Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer
Energiequellen und der Vorbereitung einer gemeinsamen Haltung der Ölverbraucherstaaten im bevorstehenden Dialog mit den Förderländern liegen wird.

Von gleicher Bedeutung ist die Tatsache, daß die entscheidend wichtige
nationale Debatte über die Zielsetzungen iund Erfordernisse unseres nationalen
Energieprogramms nunmehr in Gang gekommen ist.

Der Kongreß wird in Kürze

kritische Entscheidungen treffen - Entscheidungen, die andere Länder ebenso
wie uns selbst tief berühren werden.

Die Art der Herausforderung

Die internationalen und nationalen Dimensionen der Energiekrise sind
untrennbar miteinander verwoben.

Was in bezug auf die internationale

*

Energie-

politik geschieht, wird grundlegende Auswirkungen auch auf die Gesundheit der
amerikanischen Wirtschaft zeitigen.

Und die internationale Wirtschafts- und

Energiekrise läßt sich ohne zielstrebiges Handeln und ohne führende Beteiligung
der Vereinigten Staaten nicht lösen. Die nationalen und internationalen Programme sind unlöslich miteinander verbunden.

Die Energiekrise brach in Gestalt plötzlicher und unerwarteter Ereignisse
über unser Bewußtsein herein. Angebahnt hatte sie sich aber Schritt für Schritt
über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten hinweg.

Im Jahre 1950 waren die Vereinigten Staaten hinsichtlich ihrer Ölversorgung praktisch autark; bis 1960 hatte sich unsere Abhängigkeit von ausländischem
öl auf 16 Prozent des Bedarfs erhöht und im Jahre 1973 35 Prozent erreicht.
Wenn wir es zulassen, daß sich dieser Trend fortsetzt, werden wir dahingelangen,
- 2-

�dahingelangen, daß wir in den achtziger Jahren hinsichtlich mindestens der
Hälfte unseres Bedarfs von importiertem Öl abhängen.

Dieser langsame, aber unaufhaltsame Marsch in die Abhängigkeit wurde 1973
durch ein ölembargo und die Erhöhung der Rohölpreise um 400 Prozent in weniger
als einem einzigen Jahr rasant beschleunigt.

Diese Aktionen - größtenteils

Ergebnisse politischer Entscheidungen - riefen sowohl in diesem Land als auch
rund um die Welt eine unmittelbare Wirtschaftskrise hervor.

Eine Kürzung der

Öleinfuhr um 10 Prozent, die nur ein knappes halbes Jahr andauerte, kostete
Amerika eine halbe Million Arbeitsplätze und über ein Prozent des Bruttosozialproduktes; sie ließ den Preisindex um mindestens fünf Prozentpunkte ansteigen
und trug zur Entwicklung der schlimmsten Inflation seit dem zweiten Weltkrieg
bei; sie bereitete den Boden für eine ernste Rezession; und sie ließ die öleinkünfte der OPEC-Staaten von 23 Milliarden Dollar im Jahr 1973 auf eine derzeitige Jahresrate von 110 Milliarden Dollar steigen und löste damit eine der
größten und plötzlichsten Vermögensumverteilungen in der Geschichte aus.

Die Auswirkungen auf andere Länder, die noch viel stärker von Öleinfuhren
abhängig sind, waren dementsprechend größer.

In allen Industriestaaten drohen

sich die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten, die die Fähigkeit
der Regierungen, sie unter Kontrolle zu halten, ohnehin schon fast überstrapaziert hatten, nunmehr jeglicher Beeinflussung zu entziehen.

Haben wir nichts aus dem vergangenen Jahr gelernt?

Wenn wir es zulassen,

daß unser Ölverbrauch uneingeschränkt steigt, wird die Verwundbarkeit unserer
Wirtschaft durch Lieferunterbrechungen von außen noch ganz erheblich zunehmen
und von Jahr zu Jahr größer.
wird ein

Sofern wir nicht energische Abhilfe schaffen,

künftiges Lieferembargo verheerende Auswirkungen auf die Beschäftigung

und Produktion in Amerika haben:

über zehn Prozent der Beschäftigung und des

Ausstoßes sowie ein zentraler Faktor der Preisstruktur der amerikanischen Wirtschaft würden damit Entscheidungen Dritter unterworfen werden, auf die unsere
nationale Politik nur geringen Einfluß ausüben könnte.

Wie

�Wie wir in den zwanziger und dreißiger Jahren bitter erfahren mußten,
ergeben sich aus massiven wirtschaftlichen Verzerrungen zwangsläufig tiefgreifende politische Konsequenzen. Wirtschaftliche Not heizt soziale und
politische Unruhen an und untergräbt das Vertrauen des Volkes in den demokratischen Staat und das Vertrauen der Völker in die internationale Harmonie.
Not ist fruchtbarer Boden für Konflikte im nationalen wie im internationalen
Bereich.

Noch ist die Lage nicht so ernst, droht aber so ernst zu werden.

Die

gesamte industrialisierte Welt sieht sich gleichzeitig einer großen Krise der
Wirtschaft, des Staates und des Moralgefüges gegenüber. Wir und unsere Partner
stehen gegenwärtig in einer Bewährungsprobe - wir müssen nicht nur die technische Fähigkeit beweisen, die Energieprobleme zu meistern, sondern auch zeigen,
und das ist noch wichtiger, daß wir mit Voraussicht zu handeln verstehen, wenn
es darum geht, die Kontrolle über unsere Zukunft zurückzugewinnen.

Allen diesen

Schwierigkeiten liegt eine Krise des Geistes zugrunde, die ihrerseits direkt
zu ihnen beiträgt:

die Verzweiflung von Menschen und Völkern angesichts der Tat-

sache, daß sie die Kontrolle über ihr eigenes Geschick verloren haben.

Es

scheinen Kräfte freigesetzt worden zu sein, deren Macht die Fähigkeit des
Staates und der Gesellschaft, ihrer Herr zu werden, übersteigt.

In einem gewissen Sinne haben wir in Amerika noch insofern Glück, als
politische Entscheidungen das Energieproblem in den Vordergrund rückten, noch
ehe wirtschaftliche Entwicklungen unserer Verletzlichkeit zu einem irreversiblen
Zustand gemacht hatten. Wären wir immer tiefer in diese Situation hineingeschlittert, hätten uns Kräfte mit sich gerissen, die weit fürchterlicher sind,
als diejenigen, derer wir uns heute erwehren müssen.

So wie die Dinge heute liegen, ist die Ölkrise noch immer lösbar. Die
Vereinigten Staaten wurden von dem plötzlichen Übergang von der fast vollständigen Autarkie zu einer starken Abhängigkeit von Importieröl stärker betroffen
als andere Länder.

Sie sind aber auch in der besten Position, dieser Heraus-

forderung entgegenzutreten.

Wenn wir uns jetzt zu größeren Anstrengungen - z/u

'

�zu größerer Sparsamkeit, zu technischen Neuerungen und zur internationalen
Zusammenarbeit - aufraffen, werden wir uns und den anderen Ländern der Erde
eine bessere Zukunft sicher können.

Eine Demonstration der Entschlossenheit

Amerikas im gegenwärtigen Augenblick wird entscheidend dazu beitragen, die
anderen Industriestaaten zur Mitarbeit zu veranlassen, um die derzeitige Tendenz zu

größerer Abhängigkeit in ihr Gegenteil zu verkehren.

Die alles über-

schattende Ölkrise könnte sich später in der Rückschau als der Anfang einer
neuen Periode der Kreativität und der Zusammenarbeit erweisen.
Eine unserer wichtigsten internationalen Prioritäten muß es sein, unsere
Verwundbarkeit durch Lieferunterbrechungen und Preismanipulationen zu vermindern.
Kein Land kann dieses Problem für sich allein lösen. Wenn wir nicht alle Risiken gemeinsam tragen, und das internationale Finanzsystem kräftigen, werden
immer neue Zahlungsbilanzkrisen alle Volkswirtschaften den Gefahren finanzieller
Zusammenbrüche aussetzen.

Wenn nicht alle Verbrauchernationen parallel zuein-

ander handeln, um den Energieverbrauch durch Einsparungen zu senken und neue
Energiequellen zu entwickeln, werden sich die Anstrengungen jedes einzelnen
Landes als vergeblich herausstellen;

die Ölpreise unverändert bleiben; und

die kollektiven wirtschaftlichen Lasten weiterwachsen.

Sofern die Verbraucher

ihre Auffassungen nicht aufeinander abstimmen, wird der Dialog mit den Ölförderländern ergebnislos sein.

Die Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten gegenwärtig treffen, stehen im
Mittelpunkt aller Hoffnungen auf eine weltweite Lösung.

Unser Verbrauch und

seine potentielle Zunahme sind so groß, daß ein nationales Sparprogramm erforderlich ist. Ohne amerikanische Technologie und Unternehmerinitiative wird die
rasche Erschließung größerer neuer Liefermöglichkeiten und die Entwicklung
alternativer Energiequellen nicht möglich sein.

Es gibt keinen anderen Ausweg.

Die Erdölproduzenten mögen es gelegent-

lich als in ihrem Interesse liegend ansehen, uns unsere Bürde vorübergehend zu
erleichtern.

Aber der Preis wird ein höheres Maß an Abhängigkeit und eine umso

größere Agonie in wenigen Jahren sein.

Entweder befassen wir uns sogleich mit

der sich uns stellenden Aufgabe oder wir werden mit ihr in den vor uns liegenden
- 5-

�liegenden Jahren immer wieder aufs neue, aber unter zunehmend ungünstigeren
Umständen konfrontiert werden. Wenn diese Administration sich ihr nicht zuwendet, wird sich die nächste Administration einer viel schlimmeren Krise gegenübersehen - und noch schmerzlicherere Entscheidungen treffen müssen.
Die Geschichte hat uns eine große Chance beschert, die sich als Kriser
verkleidet darbietet.

Eine entschlossene Energiepolitik wird nicht nur aktuelle

Schwierigkeiten verringern, sondern auch mithelfen, die Weltwirtschaft, die Lebenskraft aller wichtigen industriellen Demokratien und die Hoffnungen der Menschheit auf eine gerechte und prosperierende Welt wieder aufleben lassen.

Die Strategie der Zusammenarbeit auf dem Energiesektor

Wir verfolgen seit nunmehr einem Jahr gemeinsam mit unseren Partnern in
der Internationalen Energiebehörde eine in drei Phasen gegliederte Strategie:

- Die erste Phase dient dem Zweck, Vorkehrungen gegen eventuelle Notstände
zu treffen. Wir müssen uns darauf vorbereiten, von der Verwendung von Öl oder
Öldollars als politische Waffe abzuschrecken und uns für den Fall, daß uns
dies nicht gelingt, in die bestmögliche Verteidigungsposition versetzen.

Das

zu tun, haben wir uns auf das Programm zur gemeinsamen Nutzung der EnergieVorräte geeinigt, um eventuelle neue Liefersperren überbrücken zu können; wir
haben ferner neue Mechanismen geschaffen, unsere finanziellen Institutionen gegen einen Zusammenbruch abzusichern.

Diese Phase unserer gemeinsamen Strategie

steht vor ihrem Abschluß.

- Die zweite Phase läuft darauf hinaus, die Marktbedingungen für OPECÖl zu verändern»

Wenn wir unseren Verbrauch von Importöl entschlossen senken

und alternative Energiequellen entwickeln, wird dies einen zunehmenden Druck
auf den ölpreis ausüben.

Die zur Erreichung dieses Ziels erforderlichen Maß-

nahmen liegen gegenwärtig der Internationalen Energiebehörde oder den Parlamenten
ihrer Mitgliedstaaten zur Billigung vor; wir hoffen, noch vor Ende März wichtige Übereinkünfte bezüglich dieser Maßnahmen treffen zu können.
- Sobald

�- Sobald die Verbrauchernationen diese wichtigen Schritte zur Verminderung
ihrer Verwundbarkeit ergriffen haben, werden wir in die dritte Phase unserer
Strategie eintreten:

Wir werden mit den Förderländern über angemessene Preise,

eine vernünftige Marktstruktur und die langfristigen Wirtschaftsbeziehungen verhandeln.

Von der Annahme ausgehend, daß die Bausteine der Verbrauchersolidarität

aufgeschichtet sind, sehen wir der Einberufung einer vorbereitenden Tagung für
eine Konferenz der ölproduzierenden und der ölverbrauchenden Ländern noch vor
Ende März entgegen.

Unsere Maßnahmen auf allen diesen Bereichen sind eng miteinander verknüpft.
Es besteht keine Möglichkeit, auf die eine oder andere zu verzichten, da sie
sich gegenseitig stärken und jede von Wichtigkeit für alle anderen ist.

Kein

Nostandsprogramm kann seinen Zweck erfüllen, wenn die kollektive Abhängigkeit
vof1 OPEC-Öl Jahr für Jahr zunimmt.

Neue Energiequellen werden sich - unab-

hängig vom Ausmaß des diesbezüglichen Investitionsprogramms - als unwirksam
erweisen, wenn nicht strenge Maßnahmen ergriffen werden, der ungehinderten und
verschwenderischen Zunahme des Verbrauchs Einhalt zu gebieten.

Sofern die In-

dustriestaaten nicht den politischen Willen demonstrieren, auf allen diesen Gebieten wirksam zu handeln, werden sich die ölförderstaaten auch weiterhin versucht fühlen, unsere Verwundbarkeit auszunutzen.

In den letzten Monaten haben wir und unsere Partner wichtige Maßnahmen
ergriffen, unsere Gesamtstrategie zu verwirklichen.

Zwei Sicherheitsvorkehrungen

für den Fall eines Notstands wurden inzwischen getroffen:

Im November ver-

gangenen Jahres nahm die IEA einen Plan für die gegenseitige Hilfe bei Verhängung eines neuen Embargos an, der ohne Vorbild ist. Alle beteiligten Nationen
verpflichteten sich darin, eine Notstandsölreserve zu unterhalten.

Im Falle

einer Liefersperre werden alle Länder ihren Verbrauch um den gleichen Prozentsatz kürzen und das verfügbare öl gemeinsam nutzen.

Ein Embargo gegen ein Land

wird damit zu einem Embargo gegen alle.

Und im Januar dieses Jahres - knapp zwei Monate nachdem die Vereinigten
Staaten erstmals einen diesbezüglichen Vorschlag gemacht hatten - beschlossen
die großen Industriestaaten einen mit 25 Milliarden Dollar ausgestatteten Soli- 7-

�Solidaritätsfond für die gegenseitige Unterstützung in Finanzkrisen zu errichten.
Dieser Versicherungsfond auf Gegenseitigkeit wird den Ländern, die am stärksten
unter Zahlungsbilanzdefiziten zu leiden haben, Kredite und Garantien gewähren,
und auf diese Weise die Weltwirtschaft von den Folgen von Verlagerungen, Kün^
digungen oder Sperren von Krediten durch die Ölförderstaaten zu bewahren.

Die

nächsten Schritte sollten darin bestehen, unsere Bemühungen um die Einsparung
von Energie und die Entwicklung neuer Energiequellen zu beschleunigen.

Die

diesbezüglichen gemeinsamen Maßnahmen werden sich als ein mächtiger Druck auf
die inflationierten Preise erweisen.

Kein Kartell ist so unabhängig von allen

sonstigen wirtschaftlichen Bedingungen, daß sein Preisgebahren nicht durch Veränderungen des Marktgeschehens beeinflußt wird.

Wegen des Rückgangs des Ölverbrauchs im abgelaufenen Jahr haben die OPECLänder bereits ein Viertel ihrer Kapazität - dies entspricht einer Tagesförderung
von neun Millionen Barrel - stillgelegt, um auf diese Weise den Preis konstant
zu halten.

Die Ölsuche, die als Folge fünfmal so hoher Preise beschleunigt

vorangetrieben wird, bringt die Entdeckung immer neuer gewaltiger Reserven
außerhalb des Bereichs der OPEC mit sich.

i

Der Aufwand von lO Milliarden Dollar

für die Energieforschung innerhalb der USA - Forschungsarbeiten im Ausmaß des

t

Manhattan-Projekts und des Mondlandeprogramms - wird sicherlich früher oder
später neue Durchbrüche zeitigen.

Je stärker die industrialisierten Länder den Verbrauch einschränken, und
das heimische Energieangebot, ausweiten, um so schwieriger wird es für die OPEC,

den einzelnen Ländern die weiteren Produktionsbeschränkungen aufzuerlegen, die
sie für erforderlich halten mag.

Heute schon gewähren einzelne OPEC-Länder

Preisnachlässe, um ihre Einnahmen nicht zu verlieren und ihren Marktanteil zu
wahren.

Es ist in der Tat nicht zu früh, in die Planung für dieses Jahrzehnt

der Energieverknappung auch die Möglichkeit eines Energieüberangebots

in den

achtziger Jahren einzubeziehen.

Die Strategie, die wir gemeinsam mit unseren Partnern seit der Washingtoner
Energiekonferenz verfolgen, hat unsere nationale und internationale Energiepolitik zu einem kohärenten Ganzen verschmelzen lassen. Wir haben bemerkens-

�bemerkenswerte Fortschritte erzielt;

dennoch bleibt noch viel zu tun.

Die

Frage lautet nun, ob die Industriestaaten den Willen aufbringen, diese vielversprechenden Initiativen fortzuführen und zu verstärken.

Die Einsparung von

Energie und die Entwicklung neuer Energiequellen stehen auf unserer gemeinsamen
Tagesordnung und an vorderster Stelle.

Einsparung von Energie

Der uneingeschränkte Verbrauch billigen Öls ist die Hauptursache der derzeitigen Verwundbarkeit der Industrieländer.

Weder die Vereinigten Staaten

noch andere Verbraucherländer können ihre Abhängigkeit von Öleinfuhren wirksam
vermindern, solange sie nicht das normale - das heißt verschwenderische - Wachstum
des Verbrauchs in das Gegenteil verkehren.
Es gibt einfach keinen Ersatz für Sparsamkeit.
stehen auf fünf bis zehn Jahre nicht zur Verfügung.

Alternative Energiequellen
In den nächsten Jahren

werden uns deshalb Einsparungen, und nur Einsparungen, in die Lage versetzen,
sowohl die derzeitige Belastung durch hohe Energiekosten zu tragen als auch
Anstrengungen zu unternehmen, das Gleichgewicht in den Beziehungen zwischen ölverbrauchemund Ölförderländer

wiederherzustellen.

Nur ein entschlossen realisiertes Sparprogramm kann zeigen, daß wir und
unsere Partner den Willen besitzen, uns jedem Druck zu widersetzen.

Sollten die

Industriestaaten nicht willens sein, die mit Einsparungen verbundenen relativ
kleinen Opfer zu bringen, wird damit die Glaubwürdigkeit aller unserer anderen
Anstrengungen und Abwehrmaßnahmen in Frage gestellt.

Manche Kreise behaupten, wir stünden vor der Wahl zwischen der Einsparung
von Energie und der Rückkehr zum wirtschaftlichen Wachstum.
trifft zu.

Das Gegenteil

Nur wenn wir der exorbitant gestiegenen internationalen Energie-

kosten Herr werden, können wir zu einem verläßlichen langfristigen Wachstum gelangen. Wenn wir uns selbst zu einer 50prozentigen Abhängigkeit von importierter
Energie verdammen und damit die Versorgung und den Preis eines zentralen Faktors
- 9 -

�Faktors unserer Volkswirtschaft der Manipulation durch äußere Kräfte unterwerfen, besteht nicht die geringste Gewähr, daß sich uns die Möglichkeit bieten
wird, zu Vollbeschäftigung und Wachstum zurückzukehren und diese langfristig
zu gewährleisten.

Die notwendigen Entscheidungen würden dann von fremden Ländern

getroffen, für die unsere Prosperität nicht notwendigerweise eine zwingende
Zielsetzung darstellt.

Sicherlich hat die Einsparung von Energie - auf welche Weise auch immer einen wirtschaftlichen Preis. Die mit ihr verbundene Umstrukturierung und
die Einstellung der Produktion und des Verbrauchs energieintensiver Waren wird
kurzfristige

Verzerrungen des Wirtschaftsgefüges hervorrufen.

Rezession bereitet uns dies zwangsläufig gewisse Sorgen.
Kosten solcher Umstellungen

In Zeiten der

Dennoch sind diese

klein im Vergleich zu denen, die uns auferlegt

werden würden, wenn wir nicht handeln.

Ohne Sparmaßnahmen werden wir die Ver-

wundbarkeit unserer Wirtschaft und nationalen Politik ebenso wie die überhöhten
internationalen Energiepreise verewigen, die dem ganzen Problem zugrunde liegen.

Gegenwärtig, mitten in einer Rezession, importieren die Vereinigten Staaten
6,7 Millionen Barrel Rohöl im Tag. Wenn unsere Wirtschaft wieder auf vollen
Touren zu laufen beginnt, wird diese Ziffer steigen und bis 1977 voraussichtlich
acht oder neun Millionen Barrel täglich erreichen, sofern wir keine Sparmaßnahmen ergreifen.
zunehmen.

In der Zeit danach werden die Einfuhren noch

weiter

Trotz des bis dahin zu erwartenden Produktionsbeginns in Alaska

und im Bereich des äußeren Kontinentalschelfs wird deshalb eine Einfuhrlücke
verbleiben, wenn wir den Verbrauch nicht beträchtlich und noch dazu rasch senken,

Angesichts dieser Aussichten hat Präsident Ford das Ziel gesetzt, bis Ende
dieses Jahres den Verbrauch um eine Million und bis 19 77 um zwei Millionen
Barrel Importöl pro Tag zu kürzen.

Das entspricht der Zunahme des Verbrauchs

für den Fall, daß Einsparungen unterbleiben und die Wirtschaft wieder zu expandieren beginnt.

Unsere Bemühungen um Einsparungen werden durch parallel gerichtete Maßnahmen unserer Partner in der IEA und anderer interessierter Länder wie

�wie Frankreich

erheblich verstärkt.

dem unsrigen gleich.

Ihr Ölverbrauch insgesamt kommt in etwa

Sie sind willens, gemeinsam mit uns ein konzertiertes

Sparprogramm durchzuführen; manche unter ihnen haben sogar bereits eigene Sparprogramme eingeleitet.

Die Bemühung jeden einzelnen Landes werden jedoch

vergeblich sein, wenn wir nicht durch ein entsprechendes Verhalten anderer
Konsumenten ergänzt werden.

Deshalb haben die Vereinigten Staaten ihren IEA-

Partnern den Vorschlag gemacht, ihre Sparziele den unsrigen anzugleichen. Gemeinsam können wir in diesem Jahr zwei Millionen und 1977 mindestens vier Millionen Barrel Öl pro Tag sparen.

Wenn wir diese Ziele erreichen, werden die OPEC-Länder unter den derzeitigen
wirtschaftlichen Verhältnissen gezwungen sein, die Förderung weiter einzuschränken;

die OPEC wird selbst im Falle der Rückkehr zur Vollbeschäftigung

Überschußkapazitäten besitzen.

Zusätzlich verfügte Förderbeschränkungen würden

sich angesichts des ohnehin gegebenen Produktionsrückgangs um täglich neun Millionen Barrel nicht so leicht durchsetzen lassen.

Es wird sich vielmehr ein

Druck in Richtung auf eine Steigerung der Förderung oder eine Senkung der
Preise herausbilden - und das zu einer Zeit, zu der in den ölproduzierenden
Staaten ehrgeizige Verteidigungs- und Entwicklungsprogramme anlaufen.

Bis

1977 werden manche Ölförderländer Zahlungsbilanzdefizite aufzuweisen haben;
der Wettbewerb um verfügbare Märkte wird sich deshalb verstärken.

Die Macht

des Kartells, ein Embargo zu verhängen und den Preis als Waffe zu benutzen,
wird damit wesentlich geringer.

Wenn Amerika - das am wenigsten anfällige und reichste Verbraucherland aber nicht handelt, wird auch kein anderes Land handeln.

So wie unser Handeln

einen multiplen Effekt hat, würde unsere Untätigkeit die Anstrengungen anderer
hemmen.

Statt abzunehmen würde unsere Gesamteinfuhr an Rohöl um zwei bis vier

Millionen Barrel täglich steigen.

Die gegenwärtig umstrittene Fähigkeit der

OPEC, die Preise zu erhöhen, würde dann wieder hergestellt.

Als Gegenleistung

für eine kurze Atempause von einem oder zwei Jahren würden wir die Verwundbarkeit der industrialisierten Welt durch einen neuen verheerenden Schlag der
Erdölförderländer erheblich vergrößern.

Und wenn jene Verwundbarkeit durch ein

neues Embargo oder weitere Preiserhöhungen in das Bewußtsein der Öffentlich- 11 -

�Öffentlichkeit gerückt wird, könnte sich das amerikanische Volk mit Recht
fragen, warum seine Führer es versäumt haben, entsprechende Maßnahmen zu
einer Zeit zu treffen, zu der sie diese an sich hätten treffen sollen.

Ein Embargo - und eine Wirtschaftskrise - sollten ausreichen, die Implikationen einer Abhängigkeit der geschilderten Art zu unterstreichen.

Die Bedeutung neuer Energiequellen

Sparmaßnahmen allein, so wichtig sie auch sein mögen, können unsere Abhängigkeit von Importöl nicht auf die Dauer vermindern.

Um diese Abhängigkeit

langfristig abzubauen, müssen wir die Entwicklung alternativer Energiequellen
beschleunigen.

Das stellt uns vor eine schwere und vielschichtige Aufgabe.

Aber ein

Land, das in fünf Jahren die Geheimnisse der Kernspaltung entschleierte und
in acht Jahren einen Menschen auf dem Mond landete, sollte in dieser Herausforderung eine reizvolle Aufgabe erblicken.

Die amerikanische Regierung ist

•

willens, in dieses Unterfangen ebenso hohe Beträge zu investieren, wie in die
vorgenannten Pionierleistungen, und die Ergebnisse mit unseren IEA-Partnern
auf der Basis der Gleichheit zu teilen.
Viele Industriestaaten sind mit beträchtlichen und noch unerschlossenen
Energiereserven gesegnet:

Nordseeöl, deutsche Kohle, Ölvorkommen in den Ver-

einigten Staaten und Kernkraft in allen Ländern.

Wir verfügen über die tech-

nischen Fähigkeiten und die Hilfsquellen, synthetische Treibstoffe aus Ölschiefern und Ölsänden und durch Kohlevergasung und -Verflüssigung zu gewinnen.
Es wurde auch bereits viel getan, die Nutzung neuer Energiequellen und -formen
wie Brutreaktoren, die Kernfusion und die Sonnenenergie möglich zu machen.

Die Gesamtanstrengungen werden zwangsläufig gigantische Ausmaße erreichen.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen im Verlauf der nächsten zehn Jahre zu
Investitionen in den Energiesektor in Höhe von 5GO Milliarden Dollar anzu-

�anzuregen.

Die Bundesregierung allein wird innerhalb der nächsten fünf Jahre

zehn Milliarden Dollar für Zwecke der Energieforschung und der Erschließung
alternativer Energiequellen aufwenden - eine Summe, die sich bei Hinzurechnung
der einschlägigen privaten Investitionen aller Voraussicht nach verdoppeln
wird.

Sollen diese Bemühungen jedoch Erfolg haben, müssen wir jetzt handeln,
um zwei wichtigen Problemen Rechnung tragen zu können:

den Kosten für Energie

•aus neuen Energiequellen und den unterschiedlichen Fähigkeiten der einzelnen
Industriestaaten,einen Beitrag zu leisten.

Energie aus neuen Quellen wird wesentlich mehr kosten, als das, was wir
1973 für Energie aufgewendet haben,und sie wird nie mit den Kosten von Nahostöl konkurrieren können.

Diese Diskrepanz zwischen den Gestehungskosten stellt uns vor ein Dilemma.
Gelingt es den Industrieländern, ergiebige alternative Energiequellen zu entwickeln, wird die Nachfrage nach OPEC-Öl zurückgehen und damit der internationale
Energiepreis stark gedrückt.

Billige Ölimporte könnten dann die Rentabilität

der Investitionen gefährden, die bis dato zur Entwicklung alternativer Energiequellen getätigt wurden:

der niedrigere ölpreis könnte ferner die ölnachfrage

wieder beleben und den Zyklus zunehmender Importe bei wachsender Abhängigkeit
und Verwundbarkeit erneut in Gang bringen.

Deshalb müssen wir paradoxerweise zum Schutz der hohen Investitionen der
Industriestaaten, die zur Erreichung einer Senkung der internationalen ölpreise erforderlich sind, die Gewähr schaffen, daß der Ölpreis auf dem heimischen Markt nicht unter ein gewisses Niveau fällt.

Die Vereinigten Staaten werden deshalb der Internationalen Energiebehörde
am kommenden Mittwoch folgenden Vorschlag unterbreiten:

Um zu ausreichenden Investitionen in die Entwicklung konventioneller,
nuklearer und fossiler Energiequellen anzuregen, sollen die öleinfuhrländer über- 13 -

�übereinkommen, den Verkauf von Importöl zu Preisen, die die neuen Energiequellen wettbewerbsunfähig machen würden, zu unterbinden.

Dieses Ziel läßt sich auf zwei Wegen erreichen:

Die Verbraucherländer

könnten sich darauf einigen, einen gemeinsamen Grundpreis für Importöl festzusetzen, dessen Einhaltung jedes Land durch ihm geeignet erscheinende Methoden
wie Einfuhrzölle, variable Abgaben oder Importquoten garantieren müßte.

Jedes

Land könnte in diesem Falle, ohne den Verbrauch neu zu beleben, alle sich hieraus ergebenden Zahlungsbilanz- und Steuervorteile wahrnehmen, sobald der Weltpreis unter den vereinbarten Grundpreis fällt.

Umgekehrt könnten die IEA-

Mitgliedstaaten einen gemeinsamen Zoll auf Öleinfuhren festsetzen.

Ein solcher

Zoll könnte sich in bescheidenen Grenzen halten und stufenweise eingeführt
werden, sobald sich die Notwendigkeit hierzu ergibt.

Präsident Ford ist im Kongreß um gesetzgeberische Maßnahmen eingekommen,
die der Regierung die Festsetzung eines Grundpreises und die Anwendung anderer
angemessener Maßnahmen gestatten, um die zur Gewährleistung der Ölautarkie
erforderlichen Preise durchzusetzen.
Eingehende technische Studien wären nötig, das angemessene Niveau zu
bestimmen, von dem an die Preise geschützt werden sollen. Wir glauben, daß
der Grundpreis wesentlich niedriger als der derzeitige Weltölpreis und dennoch
hoch genug sein sollte, die langfristige Entwicklung von alternativen Energiequellen zu begünstigen.

Diese geschützten Preise könnten ihrerseits als Bezugsgrößen

für ein

eventuelles Übereinkommen zwischen den Ölverbraucher- und Förderländern dienen.
Insoweit die derzeitigen hohen OPEC-Preise durch die Furcht vor späteren Preisrückschlägen hervorgerufen werden, sollten die Verbraucherstaaten als Gegenleistung für Liefergarantien bereit sein, den Förderländern einen garantierten
Preis für einen festen Zeitraum zu bieten, der allerdings erheblich unter dem
derzeitigen Preis liegen müßte.
Mit
- 14 -

�Mit kurzen Worten, die tatkräftige Entwicklung alternativer Energiequellen
durch die Industrieländer wird die OPEC vor die Wahl stellen, umgehend beträchtliche Preissenkungen als Gegenleistung für Stabilität über einen längeren Zeitraum hinweg zuzugestehen, oder das Risiko eines dramatischen Preisverfalls in
Kauf zu nehmen, mit dem zu rechnen ist, wenn das Programm zur Erschließung
alternativer Energiequellen Früchte zu tragen beginnt. Je länger die OPEC-Länder
warten, umso stärker wird unsere Verhandlungsposition.

Das zweite Problem besteht darin, daß die Möglichkeiten der Industriestaaten, neue Energiequellen zu entwickeln, stark voneinander abweichen.

Einige

unter ihnen besitzen reiche und bisher unangetastete Vorkommen an fossilen Brennstoffen;

einige verfügen über die erforderlichen industriellen Fertigkeiten

und über fortschrittliche Technologien; und andere haben ausreichend Kapital.
Einige wenige besitzen sogar alle drei.

Jedes dieser drei Elemente ist notwendig.
finden,

sie wirkungsvoll zusammenzufassen.

Es gilt, Mittel und Wege zu

Jeder Verbraucherstaat hat deshalb

ein Interesse daran, an den Energieentwicklungsprogrammen aller anderen mitzuarbeiten.

Die Vereinigten Staaten werden deshalb der IEA am Mittwoch dieser Woche
die Schaffung eines Konsortiums für synthetische Treibstoffe innerhalb dieser
Behörde vorschlagen.

Ein solches Gremium würde Länder, die zur Bereitstellung

von Technologie und Kapital bereit sind, zur Teilnahme an den Projekten zur Gewinnung synthetischer Energie anderer Länder ermutigen.

Die Vereinigten Staaten

haben sich bis 1985 zur Erstellung von Kapazitäten zur Herstellung von synthetischen
Treibstoffen in der Größenordnung von einer Million Barrel täglich verpflichtet;
andere Länder werden eigene Programme einrichten.

Diese Programme sollten

koordiniert werden, damit die Mitglieder der IEA Gelegenheit erhalten, über
die Beteiligung an den Investitionen in den Genuß der Ergebnisse zu gelangen.
Die fraglichen Teilnehmerstaaten hätten dann in dem Maße Zugang zur Produktion
synthetischer Brennstoffe, das ihren Investitionen entspricht.

Die
- 15 -

�Die Vereinigten Staaten werden ferner die Errichtung eines Energieforschungs- und Entwicklungskonsortiums innerhalb der IEA vorschlagen.

Seine

Hauptaufgabe soll es sein, die umfassenden Forschungsanstrengungen auf Gebieten wie der Kernfusion und der Sonnenenergie - wo der Kapitalaufwand und
der Bedarf an Fachkraft' n extrem hoch, die Anlaufzeiten sehr lang und der
Nutzen in Gestalt kostengünstiger Energie potentiell enorm sein werden - zu
fördern, zu koordinieren und zusammenzufassen.

Das Konsortium soll auch den umfassenden Informationsaustausch intensivieren, der in bezug auf die Kohle, die Kerntechnik, die Sonnenenergie und
die Kernfusion innerhalb der IEA bereits in Gang gekommen ist.

Wir sind

willens, einen beträchtlichen Teil unserer eigenen Forschungs- und Entwicklungsaufwands auf kooperative Anstrengungen zusammen mit solchen IEA-Ländern
zu verwenden, die an einer solchen Zusammenarbeit interessiert sind.

Eine

derartige Zusammenfassung der geistigen Anstrengungen der großen industriellen
Demokratien wird zwangsläufig dramatische Ergebnisse zeitigen.

Wenn diese Maßnahmen voll und ganz in die Praxis umgesetzt sind, wird
sich das, was als Krise begann, in echte Chancen verwandeln.

Der fast panik-

artige Schreck aus der Zeit vor einem Jahr wird der Hoffnung weichen und die
Verletzlichkeit wird sich in Stärke verkehren.

Die gemeinsamen Interessen von Ölverbraucher- und öiförderlandern
Verbrauchersolidarität ist kein Selbstzweck.

In einer interdependenten

Welt beruhen unsere Hoffnungen auf Prosperität und Stabilität letzten Endes
auf der Herstellung kooperativer langfristiger Beziehungen zwischen Ölverbraucher- und Förderländern.

Sie ist seit langem schon unser Ziel.

Eben weil uns so sehr daran liegt,

daß der Dialog zwischen beiden Wesentliches bringt und konstruktive Ergebnisse
zeitigt, besteh n wir darauf, daß die Verbraucherstaaten zunächst Ordnung in
ihrem eigenen Haus schaffen.
Kollektive

�Kollektive Maßnahmen zu dem Zweck, das Gleichgewicht innerhalb des internationalen Weltwirtschaftsgefüges wiederherzustellen und die gleichfalls auf
der Tagesordnung stehende Entwicklung einer gemeinsamen Haltung der Verbraucherstaaten noch vor Beginn des Dialogs zwischen den Ölverbraucher- und den Förderländern werden die Wahrscheinlichkeit seines erfolgreichen Verlaufs erhöhen.
Ohne diese Maßnahmen wird es lediglich zu einer abermaligen Bekräftigung unserer
Meinungsverschiedenheiten kommen, was manche in Versuchung führen könnnte, einseitige Vorteile auf Kosten ihrer Partner anzustreben.

Das Ergebnis wäre Ver-

wirrung, Demoralisierung und Ungerechtigkeit, nicht aber ein gerechter und versöhnlicher Ausgleich zwischen beiden Seiten.

Eine versöhnliche Haltung unter Mitarbeit der Förderstaaten ist dringend
notwendig, weil es keine vernünftige Alternative gibt.

Das Schicksal aller

Länder hängt von der Gesundheit der Weltwirtschaft ab.

Die Ölförderländer er-

streben ein besseres Leben für ihre Völker und eine Zukunft frei von Abhängigkei
von einem einzigen und noch dazu erschöpfenden Rohstoff; die Industriestaaten
sind bestrebt, den schwerverdienten wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt
von Jahrhunderten zu bewahren; die ärmeren Völker ringen verzweifelt um den
Wiederbeginn ihres Fortschritts in Richtung auf ein hoffnungsvolleres Dasein.
Die legitimen Forderungen der ölproduzenten und der Ölverbraucher wie auch der
Industrie- und der Entwicklungsländer können und müssen in einem neuen Gleichgewicht der Interessen und des gemeinsamen Nutzens miteinander in Einklang gebracht werden.

Wir müssen von der Annahme ausgehen, daß wir weder zu den Zuständen der
Vergangenheit zurückkehren, noch die derzeitigen Verhältnisse ad infinitum akzeptieren können.

Vor 1973 waren die Marktbedingungen für die Förderländer

oftmals unfair; heute sind sie für die Verbraucherstaaten untragbar.

Sie be-

drohen das Gesamtgefüge des internationalen Wirtschaftssystems, auf dem die
Produzenten hinsichtlich ihres Wohlstands letzten Endes ebenso angewiesen sind,
wie die Verbraucher.

Die Ölverbraucherstaaten sehen der Begegnung mit den Förderstaaten entgegen.

Welches sind die Grundprinzipien von denen sie sich leiten lassen

sollen?

Die

- 17 -

�Die Vereinigten Staaten werden ihren Partnern in der IEA folgende Vorschläge unterbreiten:

Erstens sollten wir kooperative Maßnahmen der ölverbraucher- und Förderländer bezüglich der Wiedereinschleusung der von letzteren angesammelten gewaltigen Finanzüberschüsse sondieren.

Die Ölproduzenten sind sich darüber im

klaren, daß ihre neuen Aktiva - es handelt sich um weit größere Summen, als
sie zu absorbieren vermögen - neue Managementmechanismen erforderlich machen.
Umgekehrt wissen die Industriestaaten, daß die Stabilität des weltweiten Wirtschaf tsgeiüges die konstruktive Mitarbeit der Förderländer voraussetzt.

Zweitens, und engstens damit verwandt, besteht die Notwendigkeit, unsere
internationale Investitionspolitik zu überprüfen.

Die ölförderländer brauchen

Möglichkeiten für die produktive Anlage ihrer Einkünfte;

die industrialisierten

Demokratien, wiewohl sie neue Investitionen grundsätzlich begrüßen, möchten
die Kontrolle über entscheidend wichtige Sektoren ihrer Volkswirtschaften in
eigenen Händen behalten.

Diese Erfordernisse lassen sich durch Erörterungen

&gt;

und Regelungen zwischen den Verbraucher- und Förderländern miteinander in
Einklang bringen.

,

Drittens müssen wir die Ölförderländer in ihren Bemühungen unterstützen,
produktive Möglichkeiten zur Nutzung ihres Reichtums, zur Entwicklung ihrer
Wirtschaft und zur Verminderung ihrer Abhängigkeit von erschöpflichen Rohstoffen zu finden. Neue Industrien sollten errichtet werden, wobei sich die
Technologie der industrialisierten Welt mit den Energie- und Kapitalressourcen
der Förderländer zusammenfinden müßten - zum Nutzen beider und auch der ärmeren
Staaten.

Die Schaffung von Kunstdüngerfabriken und petrochemischen Werken

gehört sicherlich zu den Möglichkeiten, die den größten Erfolg versprechen.

Viertens, teilen sich die ölförderstaaten und die industriellen Verbraucherländer in die Verantwortung, die Not der ärmsten Nationen zu lindern, deren
Volkswirtschaften durch die Preissteigerungen der OPEC verheerend geschädigt
worden sind.

Technologie und Kapital müssen in internationalen Anstrengungen

zusammengefaßt werden, den von der derzeitigen Wirtschaftskrise an schlimmsten

�schlimmsten betroffenen Ländern zu helfen.

Fünftens, besteht die Notwendigkeit, den Ölverbraucherstaaten die Verfügbarkeit der benötigten Liefermengen zu gewährleisten.

Ein weiterer Versuch,

Öl als Waffe zu benutzen, würde die Volkswirtschaften der Industriestaaten
schwer bedrohen und die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen Verbraucherund Förderländern zunichte machen.

Spezifische Vereinbarungen über die Nutzung

der ölbestände durch die Verbraucherstaaten könnten wohl die Wirkung der Ölwaffe vorübergehend erheblich abschwächen; dennoch würde sich über einen längeren
Zeitraum hinweg natürlich zwangsläufig eine Atmosphäre der Konfrontation herausbilden.

Wenn der Dialog zwischen den Förder- und den Verbraucherländern einen

Sinn haben soll, kommt somit Vereinbarungen bezüglich der langfristigen Belieferung mit öl eine entscheidende Bedeutung zu.

Ein zentrales Problem ist selbstverständlich der Preis.

Es ist ent-

scheidend wichtig, daß wir uns langfristig auf Preise einigen, die den Erfordernissen der ölverbraucher- ebenso wie der Förderländer genügen.

Die Zahlungs-

bilanzkrise der Verbraucherstaaten muß abgeschwächt werden, und die Erzeugerländer haben ein Recht darauf, zu wissen, daß sie über einen längeren Zeitraum
hinweg mit einem vernünftigen Einkommensniveau rechnen können.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, in Konsultationen mit anderen größeren
Verbraucherstaaten über diese Punkte der Tagesordnung einzutreten.

Wir sind

willens, über unsere Vorschläge hinauszugehen und werden jede Anregung unserer
Freunde begrüßen, die uns in die Lage versetzt, ein gemeinsames und positives
Programm auszuarbeiten.

Alles in allem stehen heute die Verbraucher- wie auch die Förderländer an
einer Wegscheide.

Wir können gemeinsam neue politische und institutionelle

Beziehungen schmieden oder jeder für sich seinen eigenen Weg gehen, wobei dann
aber auch jeder den Preis für unsere Unfähigkeit wird bezahlen müssen, die Dinge
langfristig zu sehen.

Gemeinsame Interessen sollten uns enger zusammenführen;

nur Selbstsucht kann uns trennen.

Die amerikanische Haltung ist versöhnlich.
Die

- 19 -

�Die Implikationen für das gesamte Gefüge der Weltpolitik sind weitgreifend. '
Handeln wir mit staatsmännischer Klugheit, können wir ein neues Verhältnis
zwischen Ölverbraucher- und Förderländern wie auch zwischen Industrie- und den
Entwicklungsländern zustandebringen, das das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts
zum Anfang einer ersten wahrhaft globalen und kooperativen Weltgemeinschaft darstellen könnte.

Die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns

Die Vereinigten Staaten werden in Kürze den 200. Jahrestag der Erlangung
ihrer Unabhängigkeit feiern.

In jenen 200 Jahren haben die Amerikaner mit

Stolz auf ihre Freiheit gepocht, sich den Reichtum der Natur in produktiver
Weise zu Nutze gemacht und ihr Recht zur Bestimmung ihres eigenen Geschicks
eifersüchtig gehütet.

Weil wir dies getan haben, sind wir zur mächtigsten Nation der Erde und
zu einem Symbol der Hoffnung für alle jene geworden, die sich nach Fortschritt
sehnen und für Gerechtigkeit eintreten.

Heute aber scheinen wir manchmal hin-

sichtlich unserer Zukunft unsicher geworden zu sein, von unserer eigenen jüngsten*
Vergangenheit beunruhigt und hinsichtlich unserer Zielsetzungen verwirrt.

Wir müssen aber auf unserem Weg weiter voranschreiten, weil uns keine
andere Wahl bleibt.

Entweder wir führen oder niemand führt, entweder haben wir

Erfolg oder die Welt wird für unser Versagen zahlen müssen.

Die sich aus den Energieproblemen ergebende Herausforderung hat internationale Ausmaße angenommen.
aller

Wir können ihr nur durch kooperative Maßnahmen

industrialisierter Demokratien gerecht werden. Wir sind in unserem ge-

meinsamen Bemühen mit unseren Partnern weit fortgeschritten, eine große Herausforderung in eine kühne schöpferische Leistung und eine entschlossene Alternative zu verwandeln.

Unsere
- 20 -

�Unsere eigenen Hoffnungen bezüglich der Zukunft, beruhen weitgehend auf
den Entscheidungen, die wir in den vor uns liegenden Tager. und Wochen in bezug
auf unser eigenes Energieprogramm treffen werden.

Unser Vorstoß wird im Guten

wie im Bösen den Weg für uns selbst wie für viele andere abstecken.

Wenn wir

zaudern, oder die Dinge vor uns herschieben, werden dies auch unsere Partner
tun.

Wollten wir bereits getroffane Maßnahmen rückgängig machen, ohne gleich-

zeitig alternative Programme an ihre Stelle zu setzen, würde dies Auswirkungen
zeitigen, die weit über die bevorstehende Debatte hinausgreifen.
Die Vereinigten Staaten würden die Verantwortung nicht einfach aus einem
Gefühl des Altruismus oder einer abstrakten Hingabe an eine gemeinsame gute
Sache tragen - obwohl diese Atribute

kaum einer Apologie bedürfen.

Wir tragen

sie, weil wir begriffen haben, daß die Arbeitsplätze und die Prosperität in
Amerika - und unsere Hoffnungen auf eine bessere Zukunft - in entscheidendem
Maße von einer nationalen Anstrengung abhängen, gemeinsame Bemühungen mit
unseren ausländischen Partnern zustandezubringen.

Gemeinsam können wir die

Kontrolle über unsere eigenen Angelegenheiten zurückgewinnen und ein neues internationales Gefüge in Zusammenarbeit mit den ölförderstaaten aufbauen.

Getrennt

werden wir zur Beute des Schicksals.

Ein heimisches Programm zur Gewährleistung unserer Unabhängigkeit, ein
kooperatives Programm zusammen mit anderen Verbraucherstaaten und eine Übereinkunft mit den Förderländern - dies sind die unerläßlichen und nicht voneinander
zu trennenden Schritte in Richtung auf ein neues Gleichgewicht der Interessen
und auf Gerechtigkeit.

Kein Schritt wird für sich allein bei Unterlassung der

beiden anderen erfolgreich sein.

Unser Land ist dafür bekannt, daß es immer dann, wenn es herausgefordert
wird, im Geist und in der Entschlossenheit auf seinem Weg voranschreitet, große
Dinge zu wagen.

Es ist heute an der Zeit, einmal mehr so zu verfahren.

Wenn

wir dies tun, werden damit vor uns selbst und vor der Welt erneut bekräftigen,
daß diese Generation von Amerikaner die charakterliche Integrität besitzt, das
noble Experiment fortzuführen, das vor 200 Jahren begonnen hat.
+ + + + +
- 21 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wissenschaft
und
Technik

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 • 8 54 3 2

4/1975

ERDÖL AUS PIONIERGEBIETEN
US-Regierung dringt auf beschleunigte Erschließung neuer Vorkommen

- (AD) - Die Zeit dringt, neue Erdöl- und Erdgasvorkommen zu erschließen,
wenn Amerika von Importen weitgehend unabhängig ./erden will.

In seiner "Bot-

schaft über die Lage der Nation" vom Januar 1975 richtete Präsident Ford einen
dringenden Appell an den US-Kongreß.

Durch rasche gesetzgeberische Maßnahmen

die kommerzielle Erdölproduktion der "Elk Hills Naval Petroleum Reserve" in
Kalifornien zu ermöglichen.

Dieses Gebiet, meist kurz als "NPR-1" bezeichnet,

könnte schon innerhalb weniger Monate 160 000 Barrel Öl pro Tag (1 Barrel =
159 Liter), ab 1977 täglich ca. 300 OOO Barrel liefern.

Ein Teil des dort ge-

förderten Erdöls würde für die Vorratshaltung der Streitkräfte verwendet.
Die übrigen Menden nollen auf dem freien Markt verkauft oder gegen Raffin^rieprodukte zur Verwendung durch die Streitkräfte getauscht werden.

Dagegen ist bei der "Naval Petroleum Reserve Nr. 4" (NPR-4) in Alaska,
die nach den Plänen der US-Regierung im Interesse der Wirtschaft ebenfalls möglichst bald erschlossen werden soll, kaum vor 1982 mit der Aufnahme der Produktion zu rechnen.

Für die noch erforderlichen Explorationen müßte die Regierung,

wenn sie diese in eigener Regie durchführen wollte, in nächster Zeit mehr als
400 Millionen Dollar aufwenden.

Es wird jedoch erwogen, Teile der Region an

Unternehmen der Privatwirtschaft zu verpachten, so daß die daraus erwachsenden
Einkünfte die Kosten mehr als aufwiegen würden.

Man schätzt, daß die tägliche

�%
tägliche Ausbeute des Feldes NPR-4 nach Aufnahme der vollen Produktion bei
2 Millionen Barrel liegen wird.

Allerdings wäre für den Abtransport des Öls eine zusätzliche Pipeline erforderlich.

Denn die mehr als 1200 km lange Rohrleitung, die gegenwärtig zwi-

schen der Prudhoe-Bucht am Eismeer in Nordalaska und dem eisfreien Hafen Valdez
am Golf von Alaska gebaut wird, würde durch die Produktion vom sog. North
Slope mit 2 Millionen Barrel Tagesmenge Ende dieses Jahrzehnts völlig ausgelastet sein.

Bauherr ist die Alyeska Pipelxne Company, ein Konsortium von Firmen der
amerikanischen Mineralölindustrie.

In einem Gemeinschaftsprojekt mit der "Na-

tional Oceanographic and Atmospheric Administration" (NOAA - Bundesamt für
Meeres- und Atmosphärenforschung), deren "National Geodetic Survey" auch für
alle Landvermessungsaufgaben zuständig ist, werden von April bis August 1975
entlang eines fast 700 km langen Teilstücks der Pipeline-Trasse Meßpfosten in
den Boden, gerammt.

Sie dienen als Markierungshilfen zur Ermittlung und Über-

wachung eventuell auftretender seismischer Aktivität in diesem Gebiet.

Die

Pfosten werden bis zu zweieinhalb Meter tief in den Dauerfrostbeden getrieben,
damit eine Fehlinterpretation von Meßdaten infolge Aufwölbung des auftauenden
Bodens vermieden wird.

Wissenschaftler der Stanford-Universität schlugen nach Abschluß zweijähriger Experimente vor, das "North Slope"-Öl für den Transport durch die Rohrleitung nach Valdez nicht zu erwärmen, sondern es durch Vermengen mit Methanol
fließfähig zu machen.

Dies sei die billigste und nach ökologischen Gesichts-

punkten günstigste Methode.

Das Methanol, das mit dem Rohöl eine Suspension

bilden soll, ließe sich leicht aus dem Erdgas gewinnen, das sowieso zusammen
mit dem öl an die Oberfläche kommt.

Und da die Suspension bis auf Temperaturen

um den Gefrierpunkt abgekühlt und somit auch durch eine unterirdische Leitung
gepumpt werden könnte, brauchte die Pipeline nicht oberirdisch verlegt zu werden.
Davon befürchten die Umweltschützer nicht nur Schäden für die Tier- und Pflanzenwelt sowie eine Verschandelung der Landschaft, sondern auch das für Flora und
Fauna und nicht zuletzt für die Verkehrswege so gefährliche Auftauen des Perma-

�Permafrostbodens durch das a u f g e h e i z t e

Pipeline-Öl.

Die Mischmethode würde außerdem e i n z w e i t e s Problem l ö s e n - nämlich den
Bau e i n e r zweiten P i p e l i n e für den T r a n s p o r t von Erdgas aus dem Prudhoe-Geb i e t ü b e r f l ü s s i g machen.

Nach den Berechnungen von Prof. S u l l i v a n S. Marden

und P h i l i p R. Hooker von der S t a n f o r d - U n i v e r s i t ä t könnte d i e Suspension zu
7 0 - 8 0 P r o z e n t aus Rohöl und zu 20 - 30 P r o z e n t aus Methanol b e s t e h e n ;
der R a f f i n e r i e l i e ß e n s i c h d i e Komponenten l e i c h t wieder t r e n n e n .

in

Dabei s e i

e s g l e i c h g ü l t i g , wo d i e R a f f i n e r i e s t e h e , da das Gemisch k e i n e Sonderbehandlung e r f o r d e r e und s e i n T r a n s p o r t i n Tankern k e i n e S c h w i e r i g k e i t e n b e r e i t e .
Eine " a g g r e s s i v e " E x p l o r a t i o n und P r o s p e k t i o n in den äußeren Gebieten
des K o n t i n e n t a l s o c k e l s rund um d i e USA s o l l außerdem h e l f e n , m i t einem Minimum
an Zeitaufwand d i e Meereszonen auszumachen, wo s i c h d i e E r s c h l i e ß u n g neuer Erdö l - und E r d g a s q u e l l e n am e h e s t e n l o h n t .

Mit einem neuen Programm d e r NOAA

für Meeres-Geodäsie, das b i s Ende März 1975 l ä u f t , wird z u n ä c h s t d i e P o s i t i o n
dafür w i c h t i g e r Bohrplattformen 65 b i s 160 km vor der amerikanischen Küste
im Golf von Mexiko genau bestimmt.

In d e r n ä c h s t e n Phase s o l l e n F o r s c h u n g s -

s c h i f f e und andere Ausrüstungen zur Durchführung m e e r e s t e c h n i s c h e r Aufgaben
auf S c h l ü s s e l p o s i t i o n e n in einem Bereich d i r i g i e r t werden, der etwa 250 km
i n s Meer h i n a u s r e i c h t .

Als H i l f s m i t t e l für d i e Positionsbestimmung werden u . a .

d i e F u n k s i g n a l e von E r d s a t e l l i t e n der US-Marine b e n u t z t .

+ + + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klarstellung der Bestimmungen für USA-Besucher&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausstellung und Fachtagung "Umweltschutz" im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Devisenausgleich - Bericht Präsident Fords an den US-Kongress&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger-Gromyko-Erklärung vom 17. Februar 1975&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger: Energieproblem über den Preis lösen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenminister vor dem National Press Club -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erdöl aus Pioniergebieten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Regierung dringt auf beschleunigte Erschließung neuer Vorkommen&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

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300

Information
und
Dokumentation

08-85432

3

12. Februar 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT
Präsident Ford legt neuen amerikanischen Haushalt vor
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft Der Wirtschaftsbericht des amerikanischen Präsidenten
- Wortlaut -

INFORMATION
Das Wirtschaftsprogramm der amerikanischen Regierung
Ausführliche Unterrichtung ausländischer Korrespondenten

DOKUMENTATION
Die Rolle d e r US-Armee i n d e r NATO
Von Howard Callaway

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�! amerika dienst
U n i t e d
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Wirtschaft

300

08-85432

3/1975

PRÄSIDENT FORD LEGT NEUEN AMERIKANISCHEN HAUSHALT VOR
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

Präsident Ford hat dem amerikanischen Kongreß am 3. Februar 1975
seinen neuen Haushalt für das Finanzjahr 1976 (vom 1. Juli 1975
bis 30. Juni 1976) vorgelegt. Der Voranschlag weist bei Ausgaben
von 349,4 Milliarden Dollar und Einnahmen von 297,5 Milliarden
Dollar ein voraussichtliches Defizit von 51,9 Milliarden Dollar
aus.
Von den Gesamtausgaben sind 134,3 Milliarden Dollar für Soziales,
94 Milliarden Dollar für die nationale Verteidigung, 28 Milliarden
Dollar für Gesundheitsprogramme, 34,4 Milliarden Dollar für den
Schuldendienst und rund 59 Milliarden Dollar für sonstige Programme
vorgesehen. Die Aufwendungen für die Verteidigung sind von 8,9 Prozent des Bruttosozialproduktes im Finanzjahr 1969 auf 5,9 Prozent
im Finanzjahr 19 76 zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum erhöhten
sich die Aufwendungen für alle sonstigen Programme von 11,6 Prozent auf 16 Prozent des Bruttosozialproduktes. Die Gesamtausgaben
des neuen US-Haushaltes liegen um 11 Prozent höher als die des
laufenden Finanzjahres.
In den folgenden Auszügen aus der Haushaltbotschaft des Präsidenten
bedeuten Jahreszahlen jeweils Haushaltjahr, wobei z.B. 19 76 die
Zeit vom 1. Juli 1975 bis 30. Juni 1976 bezeichnet.

Die in diesem Haushalt unterbreiteten Empfehlungen bilden einen integralen
Bestandteil des umfassenderen Paketes von Vorschlägen, die ich in meiner Botschaft über die Lage der Nation umrissen habe.

Diese Vorschläge sehen unter

anderem vor:
• Finanzpolitische

- 1 -

�- Finanzpolitische Maßnahmen zur Steigerung der Kaufkraft und Stimulierung der wirtschaftlichen Wiederbelebung, darunter Steuersenkungen und
eine wesentlich erhöhte Unterstützung für die Arbeitslosen;

ein großes neues Energieprogramm, das den Energieverbrauch niedrig
halten, die Entwicklung einheimischer Energiequellen beschleunigen und die
Energieforschung und -entwicklung fördern soll;

ein einjähriges Moratorium für neue Ausgabenprogramme der Bundesregierung, die Energieprogramme ausgenommen; und

- eine temporäre Höchstgrenze von 5 Prozent bei Gehaltserhöhungen für
Bundesbedienstete sowie für solche Zuwendungen an Einzelpersonen, die an die
Entwicklung der Verbraucherpreise gekoppelt sind.

Diese Politik erfordert entschlossenes Handeln, um das Wirtschaftswachstum und die Selbstversorgung auf dem Energiesektor wiederherzustellen.

Meine Vorschläge sehen eine einmalige Steuersenkung von 16 Milliarden
Dollar vor - 12 Milliarden Dollar für die einzelnen Steuerzahler und 4 Milliarden Dollar für Unternehmen -, um die wirtschaftliche Wiedererholung anzuregen.

Die gesamten Bundesausgaben werden 1976 gegenüber 1975 um schätzungsweise 11 Prozent steigen.

Es ist unerläßlich, daß wir die Ausgaben unter

strenger Kontrolle halten, damit verhindert wird, daß sie noch weiter ansteigen und eine Steuersenkung unklug erscheinen lassen.

Ich bin der Auffassung,

daß eine steuerliche Entlastung - und nicht höhere Regierungsausgaben - der
Schlüssel ist für eine Wende der wirtschaftlichen Entwicklung in Richtung auf
erneutes Wachstum ...

Mein Energieprogramm fordert höhere Abgaben auf Importöl und eine Verbrauchssteuer auf im Inland gewonnenes Erdöl und Erdgas. Diese Vorschläge
sehen ferner eine Herausnahme der ölpreise aus den Kontrollen bei gleich-

�gleichzeitiger Besteuerung von Spekulationsgewinnen und Aufhebung der Preisbestimmungen für neu gewonnenes Erdgas vor.

Diese Maßnahmen werden vor einem

zu hohen Energieverbrauch abschrecken und unsere Abhängigkeit vom Importöl
verringern.

Die 30 Milliarden Dollar an Einnahmen, die diese Maßnahmen er-

bringen werden, sollen an die amerikanische Bevölkerung weitergegeben werden ... Alle diese ausgleichenden Maßnahmen werden zusätzlich zu der von mir
vorgeschlagenen steuerlichen Entlastung in Höhe von 16 Milliarden Dollar erfolgen.
Meine Haushaltsempfehlungen für 1976 sehen Ausgaben von insgesamt 349,4
Milliarden Dollar vor - eine Zunahme gegenüber 1975 um 35,9 Milliarden Dollar und gehen von Einnahmen in Höhe von 297,5 Milliarden Dollar aus - eine Zunahme
gegenüber 1975 um 18,8 Milliarden Dollar.
Das Kontrollgesetz des Kongresses für Haushalt und Einnahmen von 1974
(Congressional Budget and Impoundment Control Act of 1974) bringt für das
Haushaitsrecht wichtige Reformen.

Im Rahmen dieser Reformen wird - beginnend

1977 - das Haushaltjähr für den Bundeshaushalt von der gegenwärtigen Basis
Juli bis Juni auf die Basis Oktober bis September umgestellt.

Dies bedingt

- zwischen dem Ende des HaushaltJahres 1975/76 und dem Beginn des Haushaltjahres 1976/77 - ein gesondertes Übergangsvierteljahr, das von 1. Juli bis
30. September 1976 dauert.

Die Vorschläge für dieses Übergangsvierteljahr

sind in diesem Haushalt enthalten.

Im allgemeinen gehen sie davon aus, daß

die Programme des Haushaltjahres 1975/76 in ihrem Umfang in diesen zusätzlichen
drei Monaten unverändert fortgeführt werden.

Der Haushalt und die Wirtschaft

Wenn der Kongreß, was die von mir in meiner Botschaft über die Lage der
Nation verkündete neue Politik anbetrifft, entschlossen handelt und wenn wir
in einem vernünftigen Maß Geduld und Zurückhaltung üben, dann können wir bei
der Lösung der vielen wirtschaftlichen Probleme, denen sich unser Land gegenwärtig gegenübersieht, weit vorankommen.
Es

�Es muß klar verstanden werden, daß diese Probleme ernster Natur und daß
starke Kuren voll gerechtfertigt sind.
wärtig in einer Rezession.

Die Wirtschaft befindet sich gegen-

Die Arbeitslosigkeit ist viel zu hoch und die

Produktivität ist zurückgegangen.

Gleichzeitig trägt die Inflation - seit

fast einem Jahrzehnt ein ernstes und ständig wachsendes Problem - weiter zur
Zerrüttung unserer Wirtschaft auf wichtigen Gebieten bei. Die diesen Problemen
zu Grunde liegende Tatsache ist, daß wir bei unserer Energieerzeugung weit von
einer Selbstversorgung entfernt sind und daß die Wiedergewinnung der Kapazität
zu einer solchen Autarkie, selbst mit den von mir vorgeschlagenen Maßnahmen,
Jahre dauern wird. Die Versorgung mit importierten Brennstoffen ist einmal
unterbrochen worden und bleibt verwundbar und die Ölpreise sind um das Vierfache erhöht worden.

Bei der steigenden Arbeitslosigkeit und den anhaltenden Preiserhöhungen,
unter denen wir jetzt zu leiden haben, handelt es sich um Probleme, die wir
mit der übrigen Welt teilen.

Die Ursachen dieser Probleme sind komplex.

Der

starke Preisanstieg bei Importöl zum Beispiel hat direkt zu Preiserhöhungen
geführt, aber gleichzeitig auch - durch Senkung des Realeinkommens der amerikanischen Verbraucher und Transferierung dieses Einkommens in die erdölexportierenden Länder - wie eine Steuererhöhung gewirkt.

Niedrigere Realeinkommen

haben zusammen mit dem Widerstand der Verbraucher gegen die steigenden Preise
zu einem Rückgang der Güternachfrage auf dem amerikanischen Markt geführt.
Solche Faktoren, die zu dem unvermeidlichen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit
nach der Hochkonjunktur der Jahre 1972/73 noch hinzukamen, bilden die Ursache
der Rezession, in der wir uns gegenwärtig befinden.

Der Rückgang der Verbrauchernachfrage und der Investitionen wiederum beginnt einen dämpfenden Einfluß auf Preis- und Lohnerhöhungen auszuüben.
zeichnet sich ein Nachlassen des inflationären Druck
dürfte andauern.

Somit

bereits ab und dies

Die einmalige Erhöhung der Brennstoffkosten, die zur Ein-

dämmung des zu hohen Energieverbrauchs notwendig ist, wird keine Umkehr dieses
grundlegenden Trends bewirken.

Förderung

�Förderung der wirtschaftlichen Wiedererhoiung: ... Die für 1975 und 1976
veranschlagtet Haushaltsdefizite sind, abgesehen von den Auswirkungen der vorgeschlagenen Steuersenkung, weitgehend die Felge von Aspekten des Haushalts
und des Steuersystems, die automatisch auf Veränderungen
reagieren.

in der Wirtschaft

Bei einem Rückgang der Wirtschaftstätigkeit gehen die Steuerein-

nahmen des Bundes stärker zurück als die Einkommen und Gewinne, und die Zahlungen von Arbeitslosenunterstützung steigen rasch an.

Diese Faktoren führen

zu einer Dämpfung des Wirtschaftsrückganges und tragen zur Erhaltung von Personaleinkommen und Gesellschaftsgewinnen bei.

Diese stabilisierenden Einflüsse sind beträchtlich.

Wenn die Wirtschaft

19 76 eine so gute Beschäftigungslage wie 1974 aufzuweisen hätte, dann würden
wir 40 Milliarden Dollar mehr an Steuern einnehmen, vorausgesetzt, daß sich
die Steuersätze nicht geändert hätten.

Die Unterstützungszahlungen an die Ar-

beitslosen werden - einschließlich der von mir vorgeschlagenen und vom Kongreß
im Dezember letzten Jahres verabschiedeten Maßnahmen - 1976 um i2,7 Milliarden
Dollar höher liegen als 1974 und 14,7 Millionen Empfängern und deren Familien
(ine Einkommensunterstützung geben.

1975 waren die Steuereinnahmen um 30 Mil-

liarden Dollar und die Arbeitslosenunterstützung um 9 Milliarden Dollar höher
als 1974 gewesen.

Diese Faktoren alleine machen schon einen höheren Betrag

aus als die für 1975 und 1976 zu erwartenden Haushaltsdefizite,

Die Regierung muß entschlossen handein, um zur Wiederherstellung einer
gesunden Wirtschaft beizutragen, und sie muß aus Mitgefühl handeln, um den am
härtesten von der Arbeitslosigkeit betroffenen zu helfen . .

Haushaltstrends und P loritäten

Der Bundeshaushalt spiegelt unsere nationalen Prioritäten wieder und trägt
gleichzeitig dazu bei, daß unser Land ihrer Verwirklichung näher kommt.

Die

letzten Jahre haben einen beachtlichen Wandel in der Zusammensetzung des Bundes
haushalts gebracht:

Der auf die Verteidigung entfallende Teil des Haushalts

ist seit 1964 beträchtlich zurückgegangen, während gleichzeitig der nicht auf
- 5 -

�'

auf die Verteidigung entfallende Teil entsprechend zugenommen hat. Diese
Veränderung hat sich seit 1969 besonders rasch vollzogen, was zum Teil auf
die Beendigung des amerikanischen Kampfengagements in Vietnam zurückzuführen
ist.

Die Verteidigungsausgaben in Dollar blieben von 1969 bis 19 74 praktisch
gleich, wobei beträchtliche Kostensteigerungen aufgefangen wurden - darunter
auch die erforderlichen Gehaltserhöhungen, um den in unseren Streitkräften
dienenden Männern und Frauen eine gerechte Besoldung zu bieten und den Übergang zu einem Freiwilligenheer

vollziehen zu können.

Die Verteidigungsaus-

gaben sind - real gesehen - erheblichen Kürzungen unterzogen worder - Kürzungen von rund 40 Prozent bei Personal und Material.

Die Folge war, daß die

Verteidigungsausgaben einen immer geringeren Teil unseres Bruttosozialproduktes
ausmachten - sie gingen von 8,9 Prozent 1969 auf 5,9 Prozent des Bruttosozialprodukts 1976 zurück.

Gleichzeitig haben die Ausgaben der Bundesregierung

für nicht mit der Verteidigung zusammenhängende Programme sowohl in laufenden „
wie in konstanten Dollar beträchtlich zugenommen, und zwar von 11,6 Prozent
des Bruttosozialproduktes 1969 auf schätzungsweise 16 Prozent in diesem
halt.

Haus-

Im Verlaufe dieses Prozesses hat sich auch die Form der Ausgaben der

Bundesregierung entscheidend geändert - statt Unterstützung direkter Bundesprogramme mehr direkte Zuwendungen an Einzelpersonen sowie nicht-rückzahlbare
Zuwendungen an die Einzelstaaten und die Kommunalbehörden...

Es ist nicht mehr realistisch, die steigenden Kosten von Verteidigungsprogrammen durch eine weitere Kürzung militärischer Progjamme und militärischer
Stärke auszugleichen.

Daher schlägt dieser Haushalt eine Erhöhung der Vertei-

digungsausgaben in laufenden Dollar vor, sodaß diese Verteidigungsbereitschaft
sowie die zahlenmäßige Stärke an Reservisten trotz der steigenden Kosten aufrechterhalten werden kann.
an

Diese Vorschläge stellen ein vernünftiges Minimum

Verteidigungsausgaben dar, um die Streitkräfte zu unterhalten, die zusammen

mit denen unserer Verbündeten zur Erhaltung des militärischen Gleichgewichts
ausreichen werden.

Die Erhaltung dieses Gleichgewichts ist für unsere nationale

Sicherheit und die Wahrung des Friedens unbedingt erforderlich.
1969

�1969 lagen die Verteidigungsausgaben um fast 20 Prozent über den Gesamtausgaben für die Unterstützung von Einzelpersonen im Rahmen von Sozialprogrammen und für die Hilfe an Einzelstaaten und Kommunen.

Trotz der Erhöhung

der Verteidigungsausgaben in laufenden Dollar sieht dieser Haushalt - nur
sieben Jahre später - doppelt so viel Geld für Zuwendungen an Einzelpersonen
sowie an Einzelstaaten und Kommunen vor als für die Verteidigung...

Energie

Der von den ölexportierenden Ländern diktierte Anstieg der Ölpreise auf
das Vierfache war ein Hauptgrund für das starke Anwachsen der Inflation in den
letzten eineinhalb Jahren.

Er gefährdet den gesunden Welthandel und führt zu

beträchtlichen finanziellen und wirtschaftlichen Störungen überall in der Welt.
Unter anderem beeinträchtigt der hieraus resultierende starke Preisanstieg
für Düngemittel die Bemühungen um eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung der Welt und erschwert dadurch das weltweite Ernährungsproblem.

Btennstoffeinsparung:

Ich bin weiterhin der Ansicht, daß Brennstoffein-

sparung und Senkung der Welterdölpreise im langfristigen Interesse sowohl
der Verbraucher- wie auch der Erzeugerländer liegen.

Daher habe ich eine Reihe

von einschneidenden Maßnahmen zur Brennstoffeinsparung vorgeschlagen, darunter
Steuern auf Erdöl und Erdgas, deren Wirkung durch Einkommenssteuersenkung,
Zuwendungen an Personen mit niedrigem Einkommen und verstärkte Unterstützung
der Einzelstaaten und Kommunen ausgeglichen wird.

Insgesamt wird dieses Pro-

gramm die Kaufkraft von Verbrauchern und Unternehmen erhalten, gleichzeitig
aber nachhaltig den Verbrauch von Erdöl bremsen.

Änderungen des Gesetzes über

die Reinerhaltung der Luft und andere von mir vorgeschlagenen Maßnahmen werden
zu einer wesentlichen Senkung des Benzinverbrauches der Kraftfahrzeuge beitragen und eine vermehrte Verwendung einheimischer Kohle für die Kraftstromerzeugung ermöglichen, so daß damit unser Bedarf an Importöl weiter gesenkt
wird.
Gleichzeitig

- 7-

�Gleichzeitig unternimmt meine Regierung diplomatische Anstrengungen, um
die Finanz- und Versorgungsprobleme der Industriestaaten zu erleichtern.

Die Entwicklung von einheimischen Energiequellen:

Maßnahmen zur Brenn-

stoffeinsparung und vermehrte diplomatische Anstrengungen sind nur ein Teil
der Lösung des Energieproblems.

Nachhaltige Anstrengungen zur beschleunigten

Erschließung unserer riesigen einheimischen Energiequellen - vor allem Öl,
Erdgas, Kohle und Kernenergie - sind ebenfalls notwendig.

Im Rahmen dieser Be-

mühungen hat meine Regierung einen umfassenden Plan zur Vergabe von Schürfrechten für die auf unserem äußeren Festlandsockel vor den Küsten liegenden
öl- und Erdgasvorkommen ausgearbeitet.

Im Augenblick werden Studien durchge-

führt, um sicherzustellen, daß Erschließung und Förderung sicher und in einer,
was die Umwelt anbetrifft, akzeptablen Form durchgeführt werden. Wir streben
ferner eine verantwortungsbewußte Verwendung der großen Erdölreserven unserer
Marine in Kalifornien und Alaska an und ergreifen Maßnahmen zur verstärkten
Nutzung unserer riesigen einheimischen Kohlevorkommen.
unter

Diese Maßnahmen, dar-

auch durchführbare und präzise Gesetze zur Regulierung des Tagebaus

sollen einen vernünftigen Ausgleich zwischen Energiebedarf und Umwelterwägungen schaffen.

Ich werde ein Gesetz zur Unterstützung bestimmter Versor-

gungsunternehmen vorschlagen, die sich ernsten finanziellen Schwierigkeiten
gegenübersehen, durch das diese Versorgungsunternehmen ermutigt werden sollen,
andere Brennstoffe als Öl und Erdgas zu verwenden.

Eine verstärkte einhei-

mische Versorgung, - dazu gehört auch die Schaffung eines strategischen Bevorratungssystems von Erdöl, - werden zusammen mit der Brennstoffeinsparung
dazu beitragen, unsere Abhängigkeit von Erdölimporten und unsere Anfälligkeit
gegenüber einer Unterbrechung der Auslandsversorgung zu verringern.

Darüber hinaus hat die Bundesregierung ihr Forschungs- und Entwicklungsprogramm weiter ausgebaut, um die für eine vermehrte Nutzung unserer einheimischen Energiequellen erforderlichen neuen und verbesserten Technologien zu
schaffen.

Die Ausgaben für Energieforschung und -entwicklung werden sich 1976

auf 1,7 Milliarden Dollar stellen und damit um 36 Prozent über denen von 1974
liegen.

Meine Haushaltsempfehlungen sehen eine Fortsetzung unseres großen

nuklearen Forschungs- und Entwicklungsprogramms und die weitere Bes chleunigung
- 8-

�Beschleunigung der nicht-nuklearen Energieforschung und -entwicklung vor
- vor allem bei Kohle und Sonnenenergie.

Um hierfür einen besseren organi-

satorischen Rahmen zu schaffen, habe ich im Oktober vorigen Jahres ein Gesetz
über die Schaffung eines Amtes für Energieforschung und -entwicklung unterzeichnet, das die verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprogramme für
fossile Brennstoffe, Kernenergie sowie sonstige Energietechnologien, wie
z.B. geothermale und Sonnenenergie, in einer einzigen Regierungsbehörde zusammenfaßt.

Es ist ferner eine unabhängige Nuklearüberwachungskommission ge-

schaffen worden, um die Kontrollverfahren

im Zusammenhang mit der Lizenzierung

von Kernkraftwerken, der Sicherheit und den Schutzbestimmungen bei nuklearen
Materialien zu verbessern und diese Aufgaben von den Programmen zur Entwicklung von Kernenergie abzutrennen.

Landwirtschaft:

Neben den Brennstoffkosten bildeten die Kosten der Nah-

rungsmittel das andere Hauptproblem bei dem raschen Anstieg der Inflation während der letzten beiden Jahre.

Ein weltweiter Rückgang der Agrarerzeugung,

z.T. auf Grund schlechter Wetterbedingungen, hat zu Verknappungen geführt,
die in einigen Gebieten kritische Ausmaße annahmen und ein starkes Ansteigen
der Lebensmittelpreise auf der Welt bewirkten.

Auf Grund dieser Verknappungen

haben wir die von der Regierung verfügten Anbaubeschränkungen, die ursprünglich
Überschüsse verhindern sollten, aufgehoben und so die amerikanische Erzeugung
angekurbelt.

Unsere Steigerung der Agrarerzeugung wird zur Eindämmung der In-

flation beitragen und mithelfen, ernste Lebensmittelverknappungen in anderen
Ländern zu mildern.

In dem Maße, wie wir über unseren einheimischen Bedarf

hinaus produzieren können, werden wir auch unsere Agrarexporte steigern und
so unsere größeren Vorräte mit den hungernden Völkern in anderen Ländern
teilen können.

Nationale Sicherheit und Auswärtige Beziehungen

Das letzte Ziel der amerikanischen Außenpolitik ist es, Freiheit, Sicherheit und Wohlstand der Vereinigten Staaten als Teil einer friedlichen und
prosperierenden internationalen Völkergemeinschaft zu gewährleisten.

- 9 -

Unsere

�Unsere Diplomatie, hinter der eine starke nationale Verteidigung steht, bemüht
sich um eine Stärkung dieser internationalen Völkergemeinschaft durch die
friedliche Beilegung internationaler Streitigkeiten, durch eine Kontrolle der
Rüstungen sowie durch Stärkung der Zusammenarbeit und wechselseitige

Zurück-

haltung. Wir wollen eine gesunde Weltwirtschaft erreichen - durch expandierenden Handel, durch gemeinsame Lösungen für die Energieprobleme und durch
eine Steigerung der Agrarerzeugung der Welt, um den Bedarf der Menschheit an
Nahrungsmitteln decken zu können.

In der heutigen interdependenten Welt dient

jedes dieser Ziele unserem eigenen nationalen Interesse genau so wie es anderen
dient-..

Nationale Sicherheit:

Die von mir mit dem sowjetischen Generalsekretär

Breschnew in Wladiwostok erzielte Übereinstimmung bedeutet einen wichtigen
Schritt auf dem langen und steilen Weg zur Kontrolle und schließlich zur Reduzierung der nuklearen Rüstungen.

Zum ersten Mal

haben wir eine Überein-

stimmung über spezifische und gleiche Begrenzungen für strategische Nuklearwaffen erreicht.

Sobald wir ein Abkommen auf der Basis dieser Übereinstimmung

abgeschlossen haben, werden wir bereit sein, den nächsten Schritt zu tun weitere Reduzierungen zu erreichen, wie wirdies bereits im Falle der Abschußbasen für antiballistische Raketen (ABM) getan haben.

Der von uns auf dem Wege zu einer friedlichen Reduzierung der strategischen
Waffen erzielte Fortschritt war nur möglich, weil wir stark geblieben sind.
Wenn wir weitere Fortschritte machen wollen, dann müssen wir handeln und unsere
strategische Stärke erhalten.

Meine Verteidigungsvorschläge enthalten die

notwendigen Verbesserungen für die Streitkräfte und sehen die Entwicklung strategischer Alternativen vor, die notwendig sind, um in den Grenzen der Vereinbarung von Wladiwostok eine glaubwürdige strategische Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Mehr Aufmerksamkeit muß jetzt der Erhaltung eines ausreichenden Gleichgewichts bei den Mehrzweckstreitkräften geschenkt werden.

Auf diesem Gebiet

teilen wir die Verteidigungslasten mit unseren Verbündeten.
Staaten haben Verhandlungen zwischen den NATO-Mitgliedstaaten
- 10 -

Die Vereinigten
und dem Warschauer

�Warschauer Pakt über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR)
aufgenommen. Wenn diese Verhandlungen erfolgreich sind, könnten einige der
in Europa stationierten amerikanischen Truppen ohne Beeinträchtigung der Sicherheit

abgezogen werden.

Im Augenblick jedoch müssen die Vereinigten

Staaten und ihre Verbündeten die gegenwärtigen Truppenstärken aufrechterhalten,
und mit der Stärkung des konventionellen Kampfpotentials fortfahren.

In dem Bemühen, mit der vorhandenen Mannschaftsstärke eine Steigerung der
Schlagkraft und ein größeres Kampfpotential zu erreichen, hat die Armee damit
begonnen, bis zum Juli 1976

16 aktive Kampfdivisionen mit etwa der gleichen

Mannschaftsstärke, wie sie im Juni 1974 für 13 Divisionen bewilligt war, bereitzustellen.

Diese Kampftruppe von 16 Divisionen wird zusätzliche Ausrüstung

benötigen, die in meinen Haushaltsempfehlungen vorgesehen ist.
Da der Wohlstand und der Fortbestand der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten von dem Fluß des Handels und der Versorgungsgüter über die Ozeane
abhängig ist, sind starke Seestreitkräfte notwendig.

In den letzten Jahren

ist die Zahl der Schiffe der Kriegsmarine zurückgegangen, vor allem, weil
zahlreiche alte, während des zweiten Weltkrieges gebaute Schiffe, aus dem
Dienst gezogen worden sind.

Die mit dieser Maßnahme erzielten Einsparungen

wurden zur Stärkung des Kampfpotentials der übrigen Streitkräfte benutzt.
Dieser Haushalt sieht ein umfangreiches Programm für den Bau neuer Schiffe und
für Modernisierungsmaßnahmen vor, das zur Erhaltung des künftigen Gleichgewichts der Seestreitkräfte notwendig ist.

Auswärtige Beziehungen:

Neben der Erhaltung eines starken Verteidigungs-

potentials bemühen sich die Vereinigten Staaten, durch ihre Diplomatie friedliche Beziehungen zwischen den Völkern zu entwickeln und zu erhalten. Die
Auslandshilfe ist sowohl ein Ausdruck unserer humanitären Sorge als auch ein
flexibles Instrument der Diplomatie.

Unsere Hilfe für Indochina ist ein wich-

tiger Beitrag für die Sicherheit und den Wiederaufbau der Länder in diesem
Raum.

Weitere Militärhilfe ist jetzt notwendig, um die südvietnamesische und

die kambodschanische Regierung in die Lage zu versetzen, sich gegen den wachsenden militärischen Druck verteidigen zu können.

Unsere Hilfe für den Nahen

�*

Nahen Osten ist ein integraler Bestandteil unserer diplomatischen Bemühungen,
den Fortschritt in Richtung auf eine friedliche Lösung der Probleme dieses
Raumes fortzusetzen.

Ein wachsender Teil unseres wirtschaftlichen Hilfspro-

gramms ist dazu bestimmt, den Entwicklungsländern bei der Steigerung der Produktivität ihrer Landwirtschaft zu helfen.

Höhere ölpreise, weitverbreitete Nahrungsmittelknappheit, Inflation und
sich ausbreitende Rezession haben das Gefüge der internationalen Zusammenarbeit
einer schweren Belastungsprobe unterworfen.

Die Vereinigten Staaten haben

mehrere große diplomatische Initiativen mit dem Ziel ergriffen, zur Wiederherstellung der Stabilität der Weltwirtschaft beizutragen.

Unsere diploma-

tischen Bemühungen trugen mit zum Aufbau der Internationalen Energiebehörde
und ihres Programmes bei, das eine Aufteilung der ölvorräte in Krisenfällen,
Bemühungen um eine Einsparung sowie die Entwicklung alternativer Energiequellen
vorsieht.

Erst vor kurzem haben die Vereinigten Staaten einen besonderen,

mit 25 Milliarden Dollar dotierten Finanzierungsfonds vorgeschlagen, der den
Industriestaaten bei der Überwindung von Zahlungsbilanzschwierigkeiten helfen
soll.

Diese neue Fazilität wird die erweiterte Tätigkeit des Internationalen

Währungsfonds ergänzen. Auf der Welternährungskonferenz in Rom haben die Vereinigten Staaten eine Reihe Maßnahmen zur Lösung des Ernährungsproblems der
Welt vorgeschlagen, darunter auch die Schaffung eines internationalen Systems
von Getreidereserven.
•

Darüber hinaus wird das vom Kongreß im Dezember vorigen Jahres verabschiedete Handelsgesetz eine Stärkung der internationalen Handelsbeziehungen
ermöglichen, indem es die Vereinigten Staaten in d^e Lage versetzt, mit anderen
Ländern auf einen Abbau der Zölle und der nicht-tarifären Handelsschranken
sowie auf eine Verbesserung des Zuganges zu den Rohstoffen hinzuarbeiten.

Die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit auf den Gebieten des
Handels und des Finanzwesens ist notwendig, wenn wir und die übrigen Länder
erfolgreich die gegenwärtigen wirtschaftlichen Belastungen überwinden wollen.
Sie ist eine Voraussetzung für einen erneuten wirtschaftlichen Fortschritt im
Inland wie im Ausland ...
Zus ammen fass ung

�Zusammenfassung

Gerade jetzt, da wir uns dem zweihundertjährigen Bestehen als Nation
nähern, liegen schwere Aufgaben vor uns.

Die Empfehlungen dieses Haushalts

sprechen die Probleme des Landes in einer direkten, konstruktiven und verantwortungsbewußten Form an. Sie sollen das Land in Richtung auf eine gesunde
und stabile Wirtschaft voranbringen.
recht werden.

Sie sollen dem Bedarf der Menschen ge-

Sie sollen eine starke Verteidigung schaffen, die für unsere

nationale Sicherheit und unsere ständigen Bemühungen um eine Erhaltung des
Weltfriedens notwendig ist.
Wenn wir über die 200-Jahr-Feier hinaus auf das Jahr 2000 blicken, werden
die praktischen Grenzen für das Anwachsen der Rolle der Bundesregierung in
unserer Gesellschaft immer deutlicher.

Die sehr starke Ausweitung der Hilfs-

programme in unserem Lande in den letzten Jahren war insgesamt zu begrüßen.
Ein großer Teil der Last für die Unterstützung der Alten und der Bedürftigen
ist vom Einzelnen und von Institutionen genommen und der Gesellschaft als
Ganzes aufgebürdet worden, und zwar in dem Maße, wie die Programme der Bundesregierung zur Umverteilung der Einkommen ausgedehnt worden sind.

Diese Programme können jedoch nicht ständig in dem Maße weiter ausgedehnt
werden, wie wir dies in den letzten zwei Jahrzehnten erlebt haben. Die Ausgaben auf allen Regierungsebenen belaufen sich auf ein Drittel unseres Sozialproduktes.

Wenn die Ausweitung der Hilfsprogramme in unserem Lande in den

nächsten zwei Jahrzehnten in dem gleichen Tempo wie in den letzten 20 Jahren
weitergehen würde, dann würden die gesamten Regierungsausgaben auf über die
Hälfte unseres Sozialprodukts anwachsen.

Die Besteuerung der Einzelpersonen

und der Unternehmen, die notwendig wäre, um eine solche Ausweitung bezahlen
zu können, würde untragbar hoch werden.
oder liberaler Denkweise.

Das ist keine Frage konservativer

Das ist eine harte Tatsache, die sich leicht durch

Hochrechnung beweisen läßt. Wir müssen damit beginnen, die Wachstumsrate unserer Haushaltsverpflichtungen für Hilfeleistungen im eigenen Land auf ein
tragbares Maß zu beschränken.
Die

�Die Ausweitung dieser Hilfsprogramme im eigenen Lande ist weitgehend planlos und zerstückelt erfolgt. Das Ergebnis waren zu viele sich überlappende
Programme, mangelnde Koordination und Ungerechtigkeit.

Einige der weniger

Bedürftigen erhalten heute einen unangemessen großen Teil der Zuwendungen der
Bundesregierung, während einige der weit Bedürftigeren viel weniger erhalten.
Wir müssen die Anstrengungen der letzten fünf Jahre verdoppeln, um diese
Programme zu rationalisieren und zu straffen.

Das bedeutet, daß wir auf ein

stabiles und integriertes System von Programmen hinarbeiten müssen, das die
Verantwortung der öffentlichen Hand für den privaten Sektor widerspiegelt.
Das bedeutet ferner eine Dezentralisierung der Regierungstätigkeit und die Entwicklung einer engeren Partnerschaft zwischen Bundesregierung, Einzelstaaten
und Kommunen und den einzelnen Staatsbürgern ...

Verteidigung

Die Gesamtaufwendungen für die nationale Verteidigung werden sich von
85,3 Milliarden Dollar 1975 auf 94,0 Milliarden Dollar 1976 erhöhen ...

Um ein militärisches Gleichgewicht zu erreichen und zu erhalten, müssen
die amerikanischen Streitkräfte verstärkt werden.

Um eindeutige strategische

Abschreckungsmittel gegen das ganze Spektrum möglicher Bedrohungen zur Verfügung zu haben, sind verbesserte strategische Nuklearstreitkräfte und die Entwicklung möglicher strategischer Systeme für künftige Dislozierungen geplant.

Die Kampfkraft der Mehrzweckstreitkräfte wird ebenfalls verstärkt werden,
jedoch ohne einen oder nur einen geringen Zuwachs des gegenwärtigen Personalstandes.

Dies wird durch eine Versetzung von Personal von Versorgungsfunk-

tionen zu Kampfaufgaben und durch die Modernisierung von Waffensystemen und
Ausrüstung erreicht werden.

Die Hauptveränderung, die&gt; geplant ist, besteht

in einer Erhöhung der Zahl der aktiven Heeresdivisionen von 13 im Juni 1974
auf 16 bis September 1976. Die Reserve und die Nationalgarde, die die aktiven
Streitkräfte verstärken, werden eine bessere Ausbildung, verbesserte Ausrüstung
und einen größeren Anteil an den Kampfaufgaben erhalten.
- 14 -

Die taktischen Luft-

�Luftstreitkräfte werden durch den Ersatz älterer Flugzeuge durch neuere und
bessere Maschinen modernisiert werden.

Zur Verbesserung und Vergrößerung der

Flotte ist ein nachhaltiges Schiffbauprogramm geplant.

Verteidigungsministerium

Die Aufwendungen für militärische Funktionen das Verteidigungsministeriums
und für die Militärhilfe werden 1976 um 8 Milliarden Dollar erhöht werden.

Diese

Steigerung ist notwendig, um Erhöhungen der Personalkosten und Preise abzudecken
und die Verteidigungsbereitschaft aufrechtzuerhalten ...

Um die Planung der Erfordernisse der nationalen Sicherheit zu erleichtern,
sind die Streitkräfte, ohne Rücksicht auf Teilstreitkräfte, nach ihren Hauptaufgaben gegliedert ...

Die Gesamtausgabenvollmacht schließt die Haushaltsvollmacht ein, die in
jedem Jahr vom Kongreß verabschiedet wird, plus die Vollmacht aus früheren
Jahren, die auf folgende Jahre übertragen wird.

Strategische Streitkräfte:

Die Verhandlungen in Wladiwostok mit der

Sowjetunion stellen einen bedeutsamen Erfolg dar.

Zum ersten Mal in unseren

Verhandlungen mit der Sowjetunion haben wir ein Übereinkommen über spezifische
und gleiche Begrenzungen der Gesamtzahl der strategischen Trägerwaffen und Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfei (MIRV) erreicht.

Durch die Festsetzung quan-

titativer Gesamtbegrenzungen kann eine wesentliche Erweiterung strategischer
Streitkräfte vermieden werden.

Im Rahmen der durch das Abkommen gesetzten Grenzen werden die Vereinigten
Staaten weiterhin eine wirksame Kombination von strategischen Bombern, landgestützten Raketen und unterseebootgestützten Raketen dislozieren und Optionen
für die Dislozierung verbesserter Systeme in Zukunft entwickeln.

Das strate-

gische Programm für 1976 einschließlich der im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogramms finanzierten Systeme wird es uns ermöglichen:
- Die
- 15 -

�»

- Die technische Entwicklung des strategischen Bombers vom Typ B-l fortzusetzen und die Produktion 1976 voll anlaufen zu lassen, wenn die angestrebten
Einsatzeigenschaften im Verhältnis zu den Kosten erreicht worden sind;
- mit dem Unterseebootsystem TRIDENT weiterzumachen, daß 1979 disloziert
werden soll, und eine billigere Alternative zum TRIDENT-System zu entwerfen;

- Optionen für die künftige Dislozierung verbesserter Interkontinentalraketen zu entwickeln, die von festen Silos oder mobilen Abschußrampen abgefeuert werden können;

- die Entwicklung einer verbesserten Treffgenauigkeit von Raketengefechtsköpfen und Flugkörpern mit Luftstrahlantrieb fortzusetzen;

- die Technologie für Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen aufrechtzuerhalten und die Fähigkeit zur Überwachung und Frühwarnung vor Nuklearangriffen zu verbessern;

- die Befehls-, Kontroll- und Fernmeldeeinrichtungen der strategischen
Streitkräfte zu verbessern.

Mehrzweckstreitkräfte:

Die meisten Land-, See- und Luftstreitkräfte

dienen der Erfüllung der allgemeinen Aufgabe, vor Angriffen abzuschrecken oder
Angriffe abzuwehren, die nicht durch die Androhung strategischer Nuklearvergeltung abgeschreckt worden sind.

Diese Bedrohungen reichen von isolierten

Zwischenfällen bis zum Großangriff durch eine Kombination von Gegnern ...

Die Vereinigten Staaten haben Verhandlungen zwischen dem NATO-Bündnis
und dem Warschauer Pakt über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
eingeleitet.

Wenn diese Verhandlungen Erfolg haben, könnten einige der in

Europa stationierten amerikanischen Truppen abgezogen werden.

Zum gegenwärtigen

Zeitpunkt jedoch müssen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten den gegenwärtigen Personalstand aufrechterhalten und die konventionelle Kampfkraft stärken.

Dies wird durch eine Verlegung von Personal aus Versorgungstätigkeiten _in

�in Kmapffunktionen und durch eine Modernisierung der Waffensysteme und der
Ausrüstung erreicht werden.. Ferner wird der Nachdruck auf einer verstärkten
Standardisierung der Waffen liegen ...

Die Produktion moderner Geräte für die Landstreitkräfte wird 19 76 steigen,
wobei der Nachdruck auf Panzern und Panzerabwehrwaffen liegt. Weitere Prioritäten in der Beschaffung sind bewaffnete Hubschrauber, gepanzerte Mannschaftsfahrzeuge und Luftabwehrwaffen.

Diese ProduktionsSteigerungen sind zum Teil

notwendig, um Gerät und Waffen zu ersetzen, die nach Ländern des Nahen Ostens
geliefert wurden, um die dortigen Streitkräfte nach dem Jom Kippur-Krieg wieder
aufzufüllen.

Dabei handelt es sich vor allem um die Lüef©£Ung von Panzern, ge-

panzerten Mannschaftsfahrzeugen, Artillerie auf Selbstfahrlafetten und Panzerabwehrwaffen . ..

Das Ausscheiden vieler veralterter Schiffe, die während des zweiten Weltkrieges gebaut wurden, und das rasche Anwachsen der sowjetischen Flotte zwingen
die Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung eines nachhaltigen Programms des
Schiffsneubaus und der Modernisierung der Seestreitkräfte.

Die Beschaffung

von 10 Lenkwaffenfregatten wird zur Aufrechterhaltung eines angemessenen
Flottengleichgewichts beitragen.

Zu dem Schiffbauprogramm für 1976 gehören

auch zwei weitere nukleargetriebene Angriffsunterseeboote, ein ... nukleargetriebener Lenkwaffenkreuzer, und zwei Tragflächenschiffe mit Raketen.

Ferner

werden eine Reihe von Tendern, Tankern und Hochseeschlepptern beschafft werden,
um die ausreichende Wartung und Versorgung der Flotte zu gewährleisten ...

Die Beschaffung von Flugzeugen als Ersatz für ältere Systeme wird 1977
planmäßig weitergehen.

Um die Luftüberlegenheit aufrechtzuerhalten, ist die

zusätzliche Produktion von Jagdflugzeugen des Typs F-15 für die Luftwaffe geplant.

Die Dislozierung des Kampf- und Jagdflugzeuges F-16 wird weitergehen.

Für die enge Luftunterstützung von Bodentruppen ist die volle Aufnahme der
Produktion der neuen A-10 vorgesehen.

Um den Luftarm der Marine und des Marine-

korps zu stärken, werden trägergestützte F-14 S mit Phönix-Raketen, A-7- und
A-6-Bomber, EA-6 B-Maschinen für die elektronische Kriegführung und E-2 C-Frühwarn- und Aufklärungsmaschinen beschafft werden ...
Luft-

�Luft- und Seebrückenstreitkräfte:

Der Transport großer Nachschubmengen

während des Nahostkrieges vom Oktober 1973 auf kurze Frist demonstrierte die
Wirksamkeit von Luftbrücken für strategische Zwecke ...

Mehrere 1974 eingeleitete Anstrengungen zur Verbesserung der strategischen
Luftbrückenkapazität werden 1976 fortgesetzt werden.

Nationalgarde und Reserve:

Die Nationalgarde und die Reserve sind die

ursprünglichen und hauptsächlichen Personalquellen, um die aktiven Streitkräfte
im Notfall zu verstärken.

Nationalgarden- und Reserveeinheiten des Heeres

zur Verstärkung der aktiven Divisionen werden in der Auswahlreserve auf einem
hohen Stand der Einsatzbereitschaft aufrechterhalten und mit den aktiven Einheiten, denen sie zugeteilt sind, zusammen ausgebildet werden. Nationalgardenund Reserveeinheiten der Luftwaffe werden zum ersten Mal an der strategischen
Aufgabe des Auftankens beteiligt werden ...

Forschung und Entwicklung:

Um die Forschungs- und Entwicklungsprogramme

aufrechterhalten zu können, die die amerikanischen Streitkräfte auf einem modernen Stand halten und die technologische Überlegenheit aufrechterhalten, ist
eine Erhöhung der Gesamtausgabenvollmacht notwendig.

Über die bereits angeschnittenen strategischen Entwicklungsprogramme hinaus sind wesentliche Erhöhungen der taktischen Programme geplant.

Zu diesen

gehört die Entwicklung eines modernen Kampfflugzeuges für die Marine und die

Luftwaffe.

Dieses System sollte 1978 als billiges Kampfflugzeug zur Ergänzung

der hochentwickelten Flugzeuge vom Typ F-14 und F-15 beschaffungsreif sein,
die jetzt bei der Marine und bei der Luftwaffe disloziert sind.

Die Entwick-

lung eines neuen Kampfpanzers, gepanzerter Infanteriekampffahrzeuge und eines
Angriffshubschraubersystems werden fortgesetzt werden, um den Vorteil des
Warschauer Paktes an gepanzerter Stärke zu überwinden.

Die Entwicklungspro-

gramme der Marine werden Nachdruck auf die Unterseebootabwehr und Luftverteidigungssysteme legen.

Die Luftwaffe wird erhöhte Anstrengungen unternehmen,

um ihre Kapazität zur Durchdringung und Ausschaltung gegnerischer Luftverteidigungssysteme und für den Angriff auf gegnerische Landstreitkräfte außerhalb

�f

außerhalb der Reichweite eigener Landstreitkräfte zu verbessern ...

Ausbildung, Sanitätswesen und andere allgemeine Versorgungstätigkeiten:
Die Vereinigten Staaten haben durch angemessene Besoldung und eine wirksame
Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt eine Streitmacht erreicht, die nur aus Freiwilligen besteht. Wenn die gegenwärtigen Trends bei der Rekrutierung und
Weiterverpflichtung anhalten, dann wird der bewilligte Personalstand 1975
und 1976 erreicht werden.

Die dritte Überprüfung der militärischen Besoldungsordnung, die alle
vier Jahre stattfindet und Anfang Januar 1975 begonnen wurde, soll gewährleisten, daß alle Aspekte der militärischen Besoldung mit den Verteidigungserfordernissen in Einklang stehen.

Dabei wird jeder Bereich der Militärbe-

soldung überprüft werden, um sicherzustellen, daß eine gerechte Entlohnung
erfolgt und unnötige Kosten beseitigt werden.

Verwaltung und damit zusammenhängende Tätigkeiten:

Es ist eine wirksame

Nutzung der Erdölreserven der Marine geplant, um die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von der Einfuhr von Erdölerzeugnissen zu verringern und mit dazu
beizutragen, politische und wirtschaftliche Störungen der Versorgung auszuschließen.

Es sind gesetzliche Maßnahmen gefordert worden, um die Produktion

der Naval Petroleum Reserve Nr. 1 in Elk Hills, Kalifornien,, zu steigern.

Die

Einkünfte aus dem Verkauf dieses Öls werden zur Finanzierung einer weiteren
Suche nach Reserven in Alaska und für die Anlaufkosten der Schaffung einer nationalen strategischen Erdölreserve verwendet werden.

Diese strategische Re-

serve wird bis zu 1 Milliarde Barrel Erdöl oder Erdölprodukte für den einheimischen und industriellen Bedarf und 0,3 Milliarden Barrel für den militärischen
Bedarf in Zeiten des nationale:, Notstandes oder der ernsthaften Störung der Versorgung enthalten.

Unterstützung anderer Länder:

Zu diesem Programm gehört die Militärhilfe

für die Streitkräfte Südvietnams und anderer Länder.

Für 1976 wird eine Summe

von 1,3 Milliarden Dollar als Gesamtausgabevollmacht für die Militärhilfe in
Vietnam empfohlen.

Beginnend mit dem Übergangsquartal (1. Juli 1976) wird die
- 19 -

�die Militärhilfe für Südvietnam im Rahmen des Auslandshilfegesetzes bewilligt
werden, das im Kapitel Internationale Angelegenheiten behandelt wird ...

Verteidigungsaktivitäten auf dem Gebiet der Atomenergie:

Die Forschung

und Entwicklung für die unterirdische Erprobung von Kernwaffen wird 1976 gesteigert werden, vor allem um den detaillierten Entwurf und die Erprobung bestimmter Waffen abzuschließen, deren Entwicklung bereits vor dem Inkrafttreten
des Vertrages über das Verbot von Versuchen oberhalb einer bestimmten Schwelle
gebilligt worden sind.

Auf Grund gesteigerter Arbeits- und Brennstoffkosten

werden die Ausgaben für die Produktion von Plutonium und Tritium im Zusammenhang mit der künftigen Produktion von Kernwaffen steigen.

Für die Entwicklung

verbesserter Nuklearantriebsanlagen für Kriegschiffe werden mehr Mittel notwendig sein, vor allem wegen der Erfordernisse für die TRIDENT-Unterseeboote .

Internationale Angelegenheiten und Finanzen

In der interdependenten Welt von heute verlangt das Wohl der Nation eine
zweckgemäße und verantwortliche Beteiligung an der Suche nach dem Weltfrieden
und dem Streben nach internationalen wirtschaftlichen Fortschritten ...

Die Suche nach dem Frieden umfaßt die Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungen, die Diplomatie im Nahen Osten und die fortgesetzten Bemühungen um die
Lösung der Probleme in Indochina. Auslandshilfeprogramme sind eine unerläßliche Ergänzung der amerikanischen Diplomatie und dienen als ein flexibles
Mittel, den Sicherheitserfordernissen, den humanitären Aufgaben und den Entwicklungsnotwendigkeiten in einer Welt nachzukommen, die noch immer von Feindseligkeit, Unruhe und wirtschaftlichen Verzerrungen heimgesucht wird...

Um ein ausreichendes Energieangebot zu gewährleisten, hat unser Land im
November vorigen Jahres in Zusammenarbeit mit 15 Industrienationen ein internationales Energieprogramm aufgestellt, das im Falle eines Notstandes die
gemeinsame Nutzung der vorhandenen Energiequellen, Maßnahmen zur Einsparung
von Energie und die Entwicklung alternativer Energiequellen vorsieht.
- 20 -

Um

�Um sicherzustellen, daß die industrialisierten Länder in der Lage sein werden,
die als Ergebnis hoher Ölpreise zu erwartenden Zahlungsbilanzdefizite und die
damit einhergehenden Verzerrungen im Finanzgefüge zu finanzieren, haben die
Vereinigten Staaten eine Sonderfazilität in der Größenordnung von 25 Milliarden Dollar vorgeschlagen;

sie soll diese Defizite finanzieren helfen,

wenn sich andere Kreditquellen als unzureichend erweisen.

Diese Fazilität

wird die erweiterte Tätigkeit des internationalen Währungsfonds ergänzen ...

Die Vereinigten Staaten unterstützen ferner mehrere Initiativen, die auf
der Welternährungskonferenz angeregt wurden, darunter Schritte wie die Gewährung
von Nahrungsmittelhilfe an iotleidende Länder in größerem Ausmaß als bisher,
die Vergabe von zusätzliche!: Hilfe zur Steigerung der Nahrungsmittelproduktion
in den ärmeren Ländern und die Schaffung eines internationalen Systems der
Getreidevorratshaltung ...

Militärhilfe:

Die Militärhilfe schließt sowohl nichtrückzahlbare Zuwen-

dungen als auch Verkäufe von Ausrüstungen auf Kredit, Ausbildungshilfe und
andere Dienstleistungen ein, um die Verteidigungsanstrengungen befreundeter
Länder zu unterstützen; sie wird vom Verteidigungsministerium verwaltet ...

Zusätzlich zu den 7'0 Millionen Dollar an Haushaltermächtigungen zur Gewährung nichtrückzahlbarer Militärhilfe in 1976 wird eine Ausgabeermächtigung
in Höhe von 250 Millionen Dollar für 1976 beantragt, um die Teilstreitkräfte
für Vorräte zu entschädigen, die diese gemäß der Notstandsklausel des Auslandshilfegesetzes 1974 nach Kambodscha geliefert haben.

Die Verteidigungsanstrengungen Südvietnams hängen von der Fortsetzung der
amerikanischen Militärhilfe ab. Weil die 1975 erteilte Ermächtigung von 700
Millionen Dollar für diesen Zweck nicht ausreicht, den kritischen Bedart Südvietnams zu decken, wird eine Zusatzermächtigung von 300 Millionen Dollar beantragt.

Die Militärhilfe an Südvietnam ist in einem besonderen Posten der

Ermächtigungen für das Verteidigungsministerium zusammengefaßt.

Hinzu kommt,

daß die Höhe der Hilfe für Kambodscha, wie sie durch das Auslandshilfegesetz
von 1974 autorisiert wurde, zur Deckung der Mindestbedarfs nicht ausreicht. Des-

- 21 -

�Deshalb wird e i n e Gesetzesbestimmung zur B e s e i t i g u n g b e s t e h e n d e r E i n s c h r ä n kungen d i e s e r Ermächtigung und e i n e Haushaltabänderung i n G e s t a l t e i n e s Ant r a g s z u r Ermächtigung w e i t e r e r 222 Millionen D o l l a r für Kambodscha v o r g e schlagen.
Um d i e a n h a l t e n d e Bedeutung d e r A u s b i l d u n g s h i l f e für a u s l ä n d i s c h e s Mil i L Ä r p e r s o n a l zu u n t e r s t r e i c h e n , i s t d i e m i l i t ä r i s c h e A u s b i l d u n g s h i l f e f ü r das
Ausland für 1976 i n einem Sonderposten g e t r e n n t von d e r allgemeinen M a t e r i a l h i l f e i n Form n i c h t r ü c k z a h l b a r e r Zuwendungen ausgewiesen.
für a l l e Arten d e r M i l i t ä r h i l f e

Die Aufwendungen

( u n t e r Ausschluß e i n e s aus Treuhandfonds

ent-

nommenen B e t r a g s i n Höhe von 0 , 2 M i l l i a r d e n Dollar)werden auf O,8 M i l l i a r d e n
D o l l a r i n 1976 g e s c h ä t z t .

Wirtschaftshilfe:

Die W i r t s c h a f t s h i l f e

s c h l i e ß t M i t t e l für d i e S i c h e r -

h e i t s h i l f e für den Nahen Osten, Wiederaufbauhilfe

für I n d o c h i n a ,

Entwicklungs-

h i l f e für ärmere Länder, N a h r u n g s m i t t e l h i l f e , F l ü c h t l i n g s h i l f e und Aufwendungen
für i n t e r n a t i o n a l e Rauschgiftüberwachungsprogramme
Sicherheitshilfe i s t erforderlich,

ein.

um den F o r t s c h r i t t i n Richtung auf d i e

a n g e s t r e b t e Verhandlungsregelung im Nahen Osten zu g e w ä h r l e i s t e n .

Wirtschaft-

l i c h e H i l f e und H i l f e für Zwecke des Wiederaufbaus und d e r Entwicklung i s t
für I s r a e l , Ä g y p t e n , J o r d a n i e n und S y r i e n v o r g e s e h e n .

Der Fonds für b e s o n d e r e

E r f o r d e r n i s s e im Nahen Osten b e s i t z t genügende F l e x i b i l i t ä t ,
sehene E r f o r d e r n i s s e

g e r e c h t werden zu können.

um u n v o r h e r g e -

Die Aufwendungen 19 76 für

d i e s e Programme werden auf 410 M i l l i o n e n D o l l a r g e s c h ä t z t .
Die N a c h k r i e g s - W i e d e r a u f b a u h i l f e
i s t erforderlich,

für Südvietnam, Kambodscha und Laos

um d i e w i r t s c h a f t l i c h e S t a b i l i t ä t a u f r e c h t z u e r h a l t e n ,

Wiederhaufbau und d i e Entwicklung zu b e t r e i b e n und d i e F l ü c h t l i n g s h i l f e
finanzieren.

den
zu

Die Aufwendungen werden s i c h 1976 auf 762 M i l l i o n e n D o l l a r b e -

ziffern.
Die m u l t i l a t e r a l e E n t w i c k l u n g s h i l f e i n Form von B e i t r ä g e n für i n t e r n a t i o n a l e Entwicklungsbanken und O r g a n i s a t i o n e n b l e i b e n auch w e i t e r h i n eirie wich- 22 -

�wichtige Komponente der Auslandshilfe.

Die Aufwendungen 19 76 werden auf 990

Millionen Dollar veranschlagt.

Die internationalen Entwicklungsbanken schließen ein:

die Weltbankgruppe

und die Interamerikanische, die Asiatische und die Afrikanische Entwicklungsbank.

Während der letzten Jahre wurden die Programme dieser Institutionen fort-

gesetzt ausgeweitet, während die Vereinigten Staaten ihren Anteil an den Gesamtmitteln verringert haben.

Diese Institutionen erhalten nunmehr den größten

Teil der für die private Kapitalgüterfinanzierung erforderlichen Mittel im Ausland - seit allerjüngster Zeit von ölausfuhrländern, die erhebliche Summen zur
Weiterverleihung an Entwicklungsländer zur Verfügung gestellt haben. Aufwendungen in Höhe von 818 Millionen Dollar für 1976 sind erforderlich, um die
amerikanischen Verpflichtungen gegenüber internationalen Entwicklungsbanken zu
erfüllen.

Darüber hinaus werden, nach Konsultation mit dem Kongreß, die Ver-

handlungen über die vierte Aufstockung der Mittel der Interamerikanischen Entwicklungsbank fortgeführt, und es kann sich zu einem späteren Zeitpunkt 1976
als notwendig erweisen, um eine Bewilligung für diese Aufstockung einzukommen.

Freiwillige Beiträge in Höhe von 173 Millionen Dollar an Ausgaben werden
für internationale Organisationen vorgeschlagen.

Die größten Beträge sind für

das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen bestimmt, das Entwicklungsländern
technische Hilfe und Hilfe bei der Analyse von Investitionsmöglichkeiten gewährt,
sowie für die Hilfs- und Arbeitsbeschaffungsbehörde der vereinten Nationen, die
die Palästina-Flüchtlinge unterstützt.

Die bilaterale Entwicklungshilfe, die in der Hauptsache vom US-Amt für
Internationale Entwicklung (AID) verwaltet wird, trägt der Notwendigkeit einer
Steigerung der Nahrungsmittelproduktion in den ärmeren Ländern Rechnung.

Bei-

hilfen und langfristige Kredite zu niedrigen Zinssätzen, werden für die Entwicklung der Landwirtschaft, die Verbesserung der Anbaumethoden und die Züchtung neuer und besserer Sorten bereitgestellt.

Die Haushaltermächtigung für

Nahrungsmittel- und Ernährungshilfe soll von 282 Millionen in 1974 auf 629
Millionen Dollar in 1976 erhöht werden.

Die sonstigen Entwicklungsprogramme

konzentrieren sich auf die niedrigsten Einkommensgruppen in den ärmsten Ländern und hier insbesondere auf die Verbesserung der Gesundheitsbetreuung, der
- 23 -

�d e r Familienplanung und d e r Erziehung.

Die Gesamtauslagen für H i l f s - und

Entwicklungsprogramme für 1976 werden auf 1,129 M i l l i a r d e n D o l l a r g e s c h ä t z t .
Die G e s e l l s c h a f t für P r i v a t i n v e s t i t i o n e n i n Übersee (Overseas P r i v a t e
Investment C o r p o r a t i o n - OPIC) b i e t e t amerikanischen Firmen, d i e i n E n t w i c k l u n g s l ä n d e r n i n v e s t i e r e n , e i n e Versicherung gegen p o l i t i s c h e R i s i k e n an
und gewährt auch Garantien für K r e d i t e , d i e Firmen i n solchen Ländern e i n g e räumt werden.

Die OPIC a r b e i t e t mit e i n e r Gruppe von p r i v a t e n V e r s i c h e r u n g s -

g e s e l l s c h a f t e n zusammen, um e i n e gemeinsame R ü c k v e r s i c h e r u n g s g e s e l l s c h a f t
d i e p o l i t i s c h e R i s i k o v e r s i c h e r u n g zu s c h a f f e n .

für

Die OPIC a r b e i t e t auf d e r B a s i s

umlaufender M i t t e l und b e d a r f d e s h a l b 1976 k e i n e r H a u s h a l t e r m ä c h t i g u n g .
Die I n t e r a m e r i k a n i s c h e S t i f t u n g

(Inter-American Foundation)

unterstützt

e x p e r i m e n t e l l e Entwicklungsvorhaben i n L a t e i n a m e r i k a , d i e i n e r s t e r L i n i e von
p r i v a t e n gemeinnützigen O r g a n i s a t i o n e n unternommen werden.

Die Aufwendungen

h i e r f ü r werden 19 76 auf 10 M i l l i o n e n D o l l a r g e s c h ä t z t .
N i c h t r ü c k z a h l b a r e N a h r u n g s m i t t e l h i l f e und K r e d i t e zu v e r g ü n s t i g t e n Bedingungen im Rhamen des Programms ' N a h r u n g s m i t t e l - f ü r - d e n - F r i e d e n '

(Public

'

Law 480) dienen e i n e r Reihe von a u ß e n p o l i t i s c h e n Z i e l e n , zu denen auch d e r
Kampf gegen Hunger und Unterernährung g e h ö r t .

Diese Programme werden für d i e

Völker i n den Entwicklungsländern von k r i t i s c h e r Bedeutung s e i n , b i s i h r e
l a n g f r i s t i g e n Bemühungen zur S t e i g e r u n g d e r N a h r u n g s m i t t e l p r o d u k t i o n d i e g e wünschten E r f o l g e

zeitigen.

Die Auswanderungs- und F l ü c h t l i n g s h i l f e b e s t e h t aus B e i t r ä g e n zu amerikanischen f r e i w i l l i g e n Hilfsorganisationen,

den V e r e i n t e n Nationen und dem

Z w i s c h e n s t a a t l i c h e n Ausschuß für d i e Auswanderung aus Europa.
Ein Zuschuß zur i n t e r n a t i o n a l e n Rauschgiftbekämpfung i n Höhe von 38 M i l l i o n e n D o l l a r kommt a u s l ä n d i s c h e n Regierungen und i n t e r n a t i o n a l e n
zugute.

Organisationen

Er t r ä g t zur Unterbindung des g e s e t z w i d r i g e n Anbaus und d e r i l l e g a l e n

P r o d u k t i o n von g e f ä h r l i c h e n N a r k o t i k a und damit zur Behinderung des Handels
m i t d i e s e n Stoffen und zur Eindämmung i h r e r Einfuhr nach den V e r e i n i g t e n
Staaten b e i .
Der
- 24 -

�»

Der Fonds des Präsidenten für Auslands-Notstandshilfe:

Dieser Fonds ge-

stattet es den Vereinigten Staaten, auf unvorhersehbare Erfordernisse zu reagieren, vor allem dann, wenn humanitäre Hilfsaktionen notwendig werden.

Es

wird um eine Haushaltermächtigung in Höhe von 30 Millionen Dollar für 1976
nachgesucht.

Sonderfinanzierungsfazilität:

Um den hohen Ölpreisen und den sich daraus

ergebenden Verzerrungen im internationalen Finanzgefüge Rechnung zu tragen,
haben die Vereinigten Staaten die Errichtung einer internationalen Kreditfazilität in Höhe von 25 Milliarden Dollar vorgeschlagen.

Diese Fazilität soll

Kredite vergeben, um andere, den Industriestaaten mit hohen Zahlungsbilanzdefiziten zur Verfügung stehende Kreditquellen zu ergänzen.

Die Vereinigten

Staaten sind bereit, dieser Fazilität bis zu 7 Milliarden Dollar zu leihen.
Die Aufwendungen hierfür in 1976 werden auf eine Milliarde Dollar veranschlagt.

Friedenskorps:

In 1976 werden schätzungsweise 6000 Freiwillige des

Friedenskorps 68 Gastländer in ihren Anstrengungen zur Lösung von Entwicklungsprobleme unterstützen und humanitäre Hilfe leisten.

In 1976 werden

sich die Bemühungen des Friedenskorps auf die Gebiete der Landwirtschaft,
der Gesundheit und Ernährung und der Erziehung sowie auf Konservierungsmaßnahmen konzentrieren

- 25 -

�amerika dienst
United
53

Status

Bonn-Bad

T e l :

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Wirtschaft

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3/1975

DER WIRTSCHAFTSBERICHT DES AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTEN
- Wortlaut -

Präsident Ford hat dem amerikanischen Kongreß
am 4. Februar seinen Wirtschaftsbericht vorgelegt, der einen Ausblick auf die künftige
Wirtschaftspolitik der USA gibt. Den Ausführungen des Präsidenten ist der Bericht des
Wirtschaftsbeirats beigefügt, der an Hand
von zahlreichen Statistiken und Tabellen ein
umfassendes Bild von der gegenwärtigen Lage
der amerikanischen Wirtschaft aufzeichnet.
Der Bericht des Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:

Die Wirtschaft befindet sich in einer ernsten Rezession.
keit ist zu hoch und wird noch weiter steigen.

Die Arbeitslosig-

Die Inflationsrate ist ebenfalls

zu hoch, obwohl einiger Fortschritt bei ihrer Senkung erzielt worden ist. Die
Zinsen sind von ihrem außergewöhnlich hohen Stand, der im Sommer 1974 erreicht
worden war, zurückgegangen, aber sie spiegeln die Inflationsrate wider und bleiben immer noch viel zu hoch.

Darüber hinaus müssen wir, während wir jetzt Lösungen für diese Probleme
anstreben, auch nach Lösungen für das Energieproblem suchen. Wir müssen wirksame Programme zur Einsparung von Energie und zur Erschließung neuer Energie-

�1
Energiequellen in Angriff nehmen, wenn wir den Anteil des vdn unsicheren
Quellen importierten Öles verringern wollen.

Ein Fehlschlag oder eine Ver-

zögerung hierbei würde eine weiterhin wachsende Abhängigkeit der Vereinigten
Staaten von ausländischen Ölquellen bedeuten.
Wir stehen daher drei Problemen gegenüber:

dem unmittelbaren Problem

der Rezession und Arbeitslosigkeit, dem weiterhin bestehenden Problem der Inflation und dem neueren Problem, die Verwundbarkeit Amerikas durch Ölembargos
zu verringern.

Diese Probleme sind genauso dringlich wie wichtig.

Die von uns vorge-

schlagenen Lösungen sind das Ergebnis einer sorgfältigen Studie, aber sie werden keine raschen und unmittelbaren Ergebnisse bringen.
se Programme und Vorschläge wirksam sind.

Ich glaube, daß die-

Ich ersuche den Kongreß dringend

darum, sie zu verabschieden und mir dabei zu helfen, mit weiteren Maßnahmen
nachzukommen, wie sie die sich ändernden Umstände wünschenswert erscheinen
lassen.

Bei unseren Bemühungen müssen wir uns darüber klar sein, daß die von

uns erarbeiteten Maßnahmen sowohl wirksam sein wie auch mit unseren langfristigen
Zielen im Einklang stehen müssen, die für die künftige Prosperität unserer Wirtschaft wichtig sind.

Um einen Schritt voran zu tun, dürfen wir nicht eine Po-

litik einschlagen, die uns schließlich um zwei Schritte zurückwerfen würde.

Wie ich Ihnen bereits in meiner Botschaft über die Lage der Nation dargelegt habe, braucht die Wirtschaft sofort für ein Jahr eine Steuersenkung um
16 Milliarden Dollar.

Das ist ein notwendiger erster Schritt für jedes Pro-

gramm zur Wiederherstellung der Kaufkraft, zur Rückgewinnung des Vertrauens
der Verbraucher und zur Steigerung der Investitionsanreize für die Wirtschaft.

Bei der Suche nach dem besten Wege, der Wirtschaft zu helfen, sind verschiedene Vorschläge zur Senkung der-Einkommensteuer erwogen worden.

Wir ha-

ben das Verfahren gewählt, das der Wirtschaft am ehesten einen sofortigen Anreiz zu bieten vermag, ohne damit unser Haushaltsproblem permanent zu verschlimmern.
Daher

�•
Daher habe ich eine zwölfprozentige Rückvergütung auf die Steuern des
Jahres 19 74 bis zu einem Höchstbetrag von lOOO Dollar empfohlen.

Die Rückver-

gütung, die insgesamt 12 Milliarden Dollar ausmacht, soll in zwei großen Schüben erfolgen, wobei die erste Rückzahlung im Mai und die zweite im September
vorgesehen ist.

Ich habe ferner einen Investitionssteuerkredit in Höhe von 4 Milliarden
Dollar vorgeschlagen, der die Wirtschaft anspornen würde, jetzt neue Verpflichtungen und Ausgaben für Projekte einzugehen, die dieses Jahr oder bis Ende
nächsten Jahres erstellt werden können.

Die sofortige Verabschiedung der Steuersenkung um 16 Milliarden Dollar
ist eine Angelegenheit von äußerster Dringlichkeit, wenn wir die natürlichen
Kräfte des wirtschaftlichen WiederaufSchwungs stärken wollen.

Wenn ich mir

auch der Notwendigkeit einer temporären Steuersenkung bewußt bin, so bin ich
mir doch ebenso über die Tatsache im klaren, daß sich damit das Ausmaß unseres
Haushaltsdefizits erhöht.

Das alles ist umso mehr ein Grund dafür, unsere

Bemühungen um eine Eindämmung des Wachstums der Bundesausgaben zu verstärken.
Ich habe den Kongreß ersucht, Maßnahmen zu ergreifen, die im Haushalt für das
Finanzjahr 1976 rund 17 Milliarden Dollar einsparen werden.

Trotzdem rechnen

wir für das am 1. Juli beginnende Finanzjahr mit einem Defizit von über 50
Milliarden Dollar. Außerdem wird das Haushaltsdefizit, selbst ohne Initiativen
für neue Ausgaben, auch im Finanzjahr 1977 sehr groß bleiben.

Daher werde ich

keine neuen Ausgabenprogramme vorschlagen, ausgenommen solche, die für das
Energieprogramm notwendig sind.

Ich ersuche den Kongreß ferner, gemeinsam mit mir weitere Wege zu finden,
um die Zuwachsrate der Bundesausgaben zu verlangsamen.

Haushaltsausgaben für

neue Programme oder für die Ausweitung bestimmter Programme würden sich auf
die Wirtschaft erst auswirken, nachdem die wirtschaftliche Erholung bereits
lange im Gange ist.

Es ist wichtig, daß das Defizit deutlich verringert wird,

sobald die Wirtschaft wieder zur Vollbeschäftigung zurückzukehren beginnt.

Die

Kontrolle der Ausgaben bildet den einzigen Weg, wie wir einer zu großen Steigerung des Teiles unserer Einkommen Einhalt gebieten können, den die Regierung
- 3-

�:

Regierung dann später für sich nimmt.

Eine einfache Rechnung zeigt bereits das Ausmaß des Problems, dem wir uns
gegenübersehen.

Die Geldüberweisungen an Einzelpersonen durch die Bundesre-

gierung haben - nach inflationsbedingter Anpassung - in den letzten zwei Jahrzehnten um fast 9 Prozent jährlich zugenommen.

Eine Fortsetzung dieser Ent-

wicklung in den kommenden zwei Jahrzehnten würde zusammen mit nur bescheidenen
Steigerungen bei den übrigen Bundesausgaben sowie bei den Ausgaben der Einzelstaaten und der Kommunen die Ausgaben auf allen Regierungsebenen von einem Drittel des Bruttosozialproduktes auf über die Hälfte des Bruttosozialproduktes ansteigen lassen.

Ausgaben in einer solchen Größenordnung würden eine wesent-

liche Erhöhung der Steuerlast für die durchschnittliche amerikanische Familie
bedingen.

Dies könnte leicht jeden Anreiz und jede Initiative ersticken, die

für weitere Steigerungen der Produktivität wie auch unseres Lebensstandards
notwendig sind.

Wir können unsere Unabhängigkeit auf dem Energiesektor weder rasch noch
leicht erreichen.

Gleichgültig welche Programme auch immer verabschiedet wer-

den, es werden Beharrlichkeit auf Seiten des amerikanischen Volkes und eine
Bereitschaft notwendig sein, auch Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, um
dieses wichtige Ziel zu erreichen.

Die amerikanische Wirtschaft wurde seiner-

zeit auf der Basis niedriger Energiekosten aufgebaut.

Unsere Industrieanlagen

und unsere Produktionsverfahren waren auf dieses zentrale Element der amerikanischen Erfahrungen ausgerichtet.

Billige Energie entband die Architekten un-

serer Bürogebäude von der Notwendigkeit, für einen rationellen Energieverbrauch
zu planen.

Private Wohngebäude wurden billiger, weil die kostspielige Iso-

lierung entfiel, solange Energie reichlich vorhanden war.

Billige Energie

ermöglichte es auch mehr Bürgern, in den Vororten zu leben, und gab den Bewohnern auf dem Lande und in den Städten mit ihren Kraftfahrzeugen größere Beweglichkeit.

Die niedrigen Energiekosten während des größten Teils des 20. Jahrhunderts
waren auf Grund reicher amerikanischer Vorkommen an Öl, Erdgas und Kohle möglich.
Diese Zeit ist nun zu Ende. Wir haben den Preis für Erdgas unter dem Stand ge_ 4_

�•

gehalten, der notwendig ist, um einen Anreiz für Investitionen zur Erforschung
und Erschließung neuer Vorkommen zu bieten, und unter dem Stand, der zu einem
sparsameren Verbrauch geführt hätte.

Indem wir die relativ b.lligen ausländischen

Ollieferungen nutzten, haben wir den Lebensstandard für die Amerikaner verbessert
und unser eigenes Öl für den künftigen Verbrauch gespart.

Da wir jedoch die

Vorbereitungen für den möglichen Fall von Importunterbrechungen vernachlässigten,
blieben wir in zu hohem Maße von unzuverlässigen ausländischen Lieferunten abhängig.

Dia gegenwärtige Situation und die künftige Sicherheit der amerikanischen
Wirtschaft lassen uns keine andere Wahl, als uns auf einen höheren relativen
Preis für Energieerzeugnisse einzustellen.

Wir haben in der Tat

bereits da-

mit begonnen, doch möchte ich betonen, daß noch ein langer Weg vor uns liegt.
Die Verbraucher sind schon bei ihren Käufen energiebewußter geworden.

Die hohen

Energiekosten haben die Industrie bereits veranlaßt, Energie durch Einführung
neuerProduktionsverfahren und durch Investitionen für energiesparende Kapitalgüter einzusparen.

Diese Anstrengungen müssen gefördert und aufrechterhalten

werden, bis sich unsere Verbrauchsgewohnheiten und unsere Industriestruktur auf
die neue Relation zwischen Energie-, Arbeits- und Kapitalkosten eingestellt
haben.

Dieser Anpassungsprozeß hat sich verlangsamt, weil nicht zugelassen wurde,
daß die amerikanischen Energiekosten in einem angebrachten Maße stiegen.

Die

Preise für etwa zwei Drittel unseres einheimischen Rohöls werden immer noch
so niedrig gehalten, daß sie unter der Hälfte der Kosten des Importöls liegen.
Und die Erdgaspreise werden auf einem noch niedrigeren Stand gehalten.

Der-

artige künstlich niedrig gehaltene Preise ermuntern zu einem verschwenderischen
Verbrauch von Energie und erschweren die künftige Förderung.

Wenn keine Än-

derung unserer Preispolitik für einheimische Energie sowie in unseren Verbrauchsgewohnheiten eintritt, dann werden wir 1985 die Hälfte unseres Öles importieren müssen, und einen großen Teil davon aus unzuverlässigen Quellen.

Da

unsere Wirtschaft in so hohem Maße von der Energie abhängt, ist es unbedingt
notwendig, daß wir unsere Anfälligkeit gegenüber Unterbrechungen der Lieferungen
und gegenüber der monopolistischen Preisgestaltung einiger ausländischer Öl- 5 -

�ölerzeuger verringern.

Die Notwendigkeit, für eine zuverlässige Energieversorgung unserer Wirtschaft zu sorgen, bildet die Grundlage des von mir vorgeschlagenen Energieprogramms.

Der Hauptzweck ist, es unserer Wirtschaft zu ermöglichen - und sie

dazu anzuspornen - ihren Energieverbrauch im letzten Teil des 20. Jahrhunderts
den neuen Realitäten des Marktes anzupassen.

Die Verringerung unserer Abhän-

gigkeit von unzuverlässigen Öllieferungen wird Maßnahmen der Regierung bedingen, aber selbst auf diesem entscheidend wichtigen Gebiet sollte die Rolle der
Regierung im Wirtschaftsleben nur auf solche Funktionen beschränkt bleiben,
die sie besser verrichten kann als die Privatwirtschaft.

Uns stehen zwei Wege zur Lösung unseres Energieproblems offen:

der erste

ist eine staatliche Rationierung und Zuteilung; der zweite ist die Anwendung
des Preismechanismus.

Ein Programm zur Energierationierung könnte für einen

kurzen Zeitraum tragbar sein, aber ein wirksames Programm würde bedingen, daß
wir den Verbrauch für einen längeren Zeitraum niedrig halten.

Ein Rationierungs-

programm für einen Zeitraum von fünf Jahren oder noch länger wäre sowohl untragbar als auch unwirksam.

Die Kosten, die sich allein durch die Verlangsamung

von Entscheidungen ergäben, wären riesig.

Die Rationierung würde bedeuten, daß

jedes neue Unternehmen die Regierung um eine Lizenz
kauf von Brennstoff ersuchen müßte.

zum Ankauf oder zum Ver-

Sie würde bedeuten, daß jede neue Er-

weiterung von Fabrikanlagen oder jedes neue Fertigungsverfahren in der Industrie
einer Genehmigung bedürfte.

Sie würde ähnliche Beschränkungen für den Wohnungs-

bau bedeuten, wo es bereits in weiten Teilen des Landes unmöglich ist, einen
Anschluß für Erdgas zu erhalten.

Nach fünf oder zehn Jahren würde ein solches starres Programm mit Sicherheit
die Dynamik der amerikanischen Wirtschaft beeinträchtigen, weil es bürokratische
Entscheidungen an die Stelle solcher des Marktes setzen würde.
ein faires, langfristiges Rationierungssystem auszuarbeiten.

Es wäre unmöglich

Der einzige prak-

tisch durchführbare und wirksame Weg zur Erreichung der Unabhängigkeit auf dem
Energiesektor ist daher, daß man ein Ansteigen der Preise für Öl und Gas zuläßt
- so hoch, daß dies vor einem Verbrauch abschreckt und zur Erforschung und Er-

�*

Erschließung neuer Energiequellen ermutigt.

Ich habe daher eine Verbrauchssteuer für einheimisches Rohöl und Erdgas
sowie eine Importabgabe auf Importöl und eine Herausnahme des Rohölpreises aus
der Kontrolle empfohlen.

Diese Maßnahmen werden den Preis aller energieinten-

siven Erzeugnisse steigen lassen sowie den Ölverbrauch und die Ölimporte senken.
Ich habe den Kongreß ersucht, eine Steuer für die Erzeuger von einheimischem
Rohöl zu verabschieden, um Spekulationsgewinne zu verhindern, die als Folge
der Herausnahme des Ölpreises aus der Kontrolle entstehen könnten.

Andere Teile meines Programms werden gewährleisten, daß die Importe nicht
zu Störungen auf dem einheimischen Energiemarkt führen können.

Änderungen zu

dem Gesetz über die Reinerhaltung der Luft werden einen vermehrten Verbrauch
von Kohle gestatten, ohne daß hierdurch eine wesentliche Beeinträchtigung der
Umwelt entsteht, und Anreize zur rascheren Entwicklung der Kernenergie und
synthetischer Brennstoffe werden gleichzeitig zu einer Steigerung der einheimischen Energieerzeugung führen.

Insgesamt wird das Energiepaket die Schädigung durch irgendwelche künftigen
Importunterbrechungen auf ein Maß reduzieren, das sich bewältigen läßt.
Energieprogramm wird uns jedoch auch Kosten auferlegen.

Das

Auf Grund der Import-

abgabe und der Kombination von Steuern werden von den Energieverbrauchern etwa
30 Milliarden Dollar abgeführt werden müssen.

Ich habe jedoch ebenfalls ein

faires und gerechtes Programm für ständige Steuersenkungen vorgeschlagen, das
den Verbrauchern einen Ausgleich für diese höheren Kosten bringen soll.

Die-

ses Programm wird Einkommenssteuersenkungen in Höhe von 16 Milliarden Dollar
für Einzelpersonen, direkte Zahlungen in Höhe von insgesamt 2 Milliarden Dollar
für Bürger mit niedrigen Einkommen, die wenig oder keine Steuern zahlen, Körperschaftsstcuers-enkungen in Höhe von 6 Milliarden Dollar, eine Erhöhung dev
Finanzausgleichs für die Einzelstaaten und Kommunen und eine Erhöhung der Bundesausgaben um 3 Milliarden Dollar umfassen.

Eine geeignete Steuer- und Energiepolitik bildet zwar den Kernpunkt für
die Wiederherstellung des Gleichgewichtes in unserer Wirtschaft, sie wird je- 7-

�!

jedoch durch I n i t i a t i v e n auf e i n e r Reihe a n d e r e r Gebiete e r g ä n z t werden müssen.
Ich habe im Dezember das Gesetz über d i e A r b e i t s l o s e n u n t e r s t ü t z u n g

unterzeichnet,

das Zahlungen für einen l ä n g e r e n Zeitraum und e i n e Erweiterung des K r e i s e s der
erfaßten Arbeitslosen vorsieht.

Der Haushalt b r i n g t w e i t e r e i n e b e t r ä c h t l i c h e

Ausweitung der B e s c h ä f t i g t e n z a h l im Ö f f e n t l i c h e n D i e n s t .

Ich e r s u c h e den Kongreß

f e r n e r , d i e noch bestehenden Beschränkungen für d i e Agrarerzeugung

aufzuheben,

ein Gesetz zur Stärkung der F i n a n z i e r u n g s i n a u i t u t e zu v e r a b s c h i e d e n und d i e
f i n a n z i e l l e Lage der G e s e l l s c h a f t s u n t e r n e h m e n zu v e r b e s s e r n .
Haftnahmen g e f o r d e r t ,

Ich habe außerdem

um d i e Befugnisse d e r Regierung z u r Durchführung von A n t i -

Trust-Untersuchungen zu s t ä r k e n und um e i n e n g e s t e i g e r t e n Wettbewerb im T r a n s portgewerbe zu ermöglichen.
Wenn wir v e r s c h i e d e n e Z i e l e g l e i c h z e i t i g zu e r r e i c h e n suchen, werden w i r
manchmal f e s t s t e l l e n ,
stehen.

daß d i e Z i e l e n i c h t immer v ö l l i g m i t e i n a n d e r im Einklang

Maßnahmen z u r Verwirklichung e i n e s Z i e l e s wirken sitäx zuweilen n a c h -

t e i l i g für e i n anderes a u s .

Ich weiß, daß d i e A n t i - ' ^ - s e ü s i o n s - S t e u e r s e n k u n g

um 16 M i l l i a r d e n D o l l a r , d i e s i n b e r e i t s großes D e f i z i t im Bundeshaushalt noch
e r h ö h t , d i e Erreichung der P r e i s s t a b i l i t ä t v i e l l e i c h t h i n a u s z ö g e r n kann.
e i n e s o f o r t i g e Steuersenkung i s t unbedingt e r f o r d e r l i c h .

Aber

Mein Programm wird

zu e i n e r Erhöhung des E n e r g i e p r e i s e s für d i e Verbraucher führen;

a b e r wenn

d i e s e notwendige Anpassung a b g e s c h l o s s e n i s t , s o l l t e es u n s e r e n F o r t s c h r i t t

in

Richtung auf das Z i e l n i c h t b e e i n t r ä c h t i g e n , i n den kommenden J a h r e n e i n e w e i t
g e r i n g e r e Zuwachsrate des allgemeinen P r e i s n i v e a u s zu e r r e i c h e n .

Wenn wir uns j e t z t mit unseren v o r d r i n g l i c h e n Problemen b e f a s s e n ,

können

w i r es uns n i c h t l e i s t e n , d i e k ü n f t i g e n Auswirkungen auf u n s e r e p o l i t i s c h e n
I n i t i a t i v e n zu i g n o r i e r e n .
schaft unterstützen.

Die S t e u e r - und W ä h r u n g s p o l i t i k muß 1975 d i e W i r t -

Während w i r d i e W i r t s c h a f t u n t e r s t ü t z e n , dürfen w i r es

jedoch n i c h t z u l a s s e n , daß uns d e r Sieg im Kampf gegen d i e I n f l a t i o n aus den
Händen g l e i t e t .

Es i s t e n t s c h e i d e n d w i c h t i g , daß w i r ü b e r dem A r b e i t s l o s e n -

problem n i c h t d i e Notwendigkeit aus dem Auge v e r l i e r e n , e i n e Senkung d e r I n f l a t i o n s r a t e n i c h t nur 1975, sondern auch 1976 und d a r ü b e r h i n a u s zu e r reichen.
Die

- 8 -

�Die künftige wirtschaftliche Prosperität unseres Landes erfordert die
Wiederherstellung eines größeren Maßes an Preisstabilität.

Dies wird eine

verantwortungsbewußtere Politik seitens der Regierung erfordern.
hier viel auf dem Spiele.

Es steht

Die Inflation verringert die Kaufkraft unserer

Einkommen, drückt auf die Gewinne und führt zu Verzerrungen auf unseren Kapitalmärkten.

Die Fähigkeit unserer freien Wirtschaft, einen immer höheren

Lebensstandard zu schaffen, würde beeinträchtigt werden. Wir dürfen uns nicht
in die Vorstellung einlullen lassen, daß die Inflation jetzt kein Hauptanliegen
unserer Wirtschaftspolitik mehr sei, da die Preissteigerungsrate sich zu verlangsamen scheint.

Die von mir unterbreiteten Vorschläge zu den Problemen der Rezession,
der Inflation und der Energie tragen der Tatsache Rechnung, daß die amerikanische Wirtschaft mehr und mehr ein Teil der Weltwirtschaft ist. Was wir tun,
berührt die Volkswirtschaften der anderen Länder, und was im Ausland geschieht,
wirkt sich auf unsere Volkswirtschaft aus. Enge Kommunikation, eine Koordinierung der Politik und Konsultationen mit den führenden Männern der anderen
Länder werden notwendig sein, wenn wir unsere wirtschaftlichen und finanziellen
Schwierigkeiten angehen, die mehr oder weniger die gleichen sind, wie in anderen
Industriestaaten der westlichen Welt.

Wir arbeiten bereits mit den anderen zusammen, um sicherzustellen, daß
das internationale Währungssystem dem Druck standhält, der durch die höheren
Ölpreise entstanden ist.

Die Verabschiedung des Handelsgesetzes von 1974 wird

es uns ermöglichen, in diesem Jahr entscheidend wichtige Verhandlungen über
eine weitere Liberalisierung des internatioanlen Handelssystems aufzunehmen,
und wir werden weiterhin mit den übrigen Ländern bei der Lösung der spezifischen Ernährungs- und Energieprobleme zusammenarbeiten.

Die wirtschaftlichen Probleme, die sich in den siebziger Jahren ergeben
haben, sind schwierig.
planung.

Einige von ihnen sind die Folge von Jahren der Fehl-

Unsere Anstrengungen zur Überwindung der wirtschaftlichen Schwierig-

keiten unseres Landes müssen sich auf Lösungen richten, die später nicht zu

- 9 -

�zu noch größeren Problemen führen.

1975 muß zu einem Jahr werden, in dem

wir uns unseren wirtschaftlichen Problemen stellen und den Weg zu echten
Lösungen einschlagen.

+ + + + +

- 10 -

�• amerika dienst
j}-

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53

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3/1975

DAS WIRTSCHAFTSPROGRAMM DER AMERIKANISCHEN REGIERUNG
Ausführliche Unterrichtung ausländischer

Korrespondenten

WASHINGTON - (AD) - F ü h r e n d e V e r t r e t e r d e r F o r d - A d m i n i s t r a t i o n h a b e n am
2 7 . J a n u a r i n W a s h i n g t o n a u s l ä n d i s c h e K o r r e s p o n d e n t e n im D e t a i l ü b e r d a s n e u e
Wirtschaftsprogramm

unterrichtet.

Das m e h r s t ü n d i g e s e h r s a c h k u n d i g e I n f o r m a t i o n s g e s p r ä c h w u r d e vom USInformationsamt

(USIA) v e r a n s t a l t e t ,

d e s s e n Aufgabe d i e D a r s t e l l u n g d e r Ver-

e i n i g t e n S t a a t e n g e g e n ü b e r dem A u s l a n d i s t .

D i e e i n f ü h r e n d e n Worte

U S I A - D i r e k t o r JAMES KEOGH; d i e T e i l n e h m e r a u f R e g i e r u n g s s e i t e
WILLIAM E . SIMON,

sprach

waren:

Finanzminister

JACK F . BENNETT, S t a a t s s e k r e t ä r

für Währungsangelegenheiten

CHARLES W. ROBINSON, S t a a t s s e k r e t ä r
ministerium
ERIC ZAUSNER, S t e l l v e r t r e t e n d e r
schaft

fürwirtschaftliche

im F i n a n z m i n i s t e r i u m

A n g e i g e n h e i t e n im A u ß e n -

L e i t e r d e s neuen Bundesamtes f ü r E n e r g i e w i r t -

GERALD L . PARSKY, U n t e r s t a a t s s e k r e t ä r
Finanzministerium.

f ü r H a n d e l , E n e r g i e u n d F i n a n z e n im

STEVEN w. BOSWORTH, L e i t e r d e s R e f e r a t - s
nisterium.

Brennstoff

u n d E n e r g i e im A u ß e n m i -

SIMON v e r w i e s e i n g a n g s a u f s e i n e d o p p e l t e F u n k t L o n a l s e r s t e r Mann d e r
internationalen Wirtschaftspolitik

und C h e f b e r a t e r

Vorsitzender des (Regierungs)-Ausschusses
-

1-

i n Energiefragen

fürWirtschaftspolitik

sowie a l s

und d a m i t a l s

�•4
a l s Hauptsprecher für b i n n e n w i r t s c h a f t l i c h e

*

i

Angelegenheiten.

Der F i n a n z m i n i s t e r k o n z e n t r i e r t e s i c h zunächst auf das - im w e s e n t l i c h e n b i n n e n w i r t s c h a f t l i c h e Programm des P r ä s i d e n t e n - S t i c h w o r t e :

Rezession,

f l a t i o n und Energie - und v e r t e i d i g t e d i e s e s Programm n a c h d r ü c k l i c h .

In-

Aller-

dings warnte auch e r vor e i n e r w e i t e r e n S t e i g e r u n g der Regierungsausgaben und
d e r Gefahr wachsender H a u s h a l t s d e f i z i t e .

"Es d a u e r t e 186 J a h r e , ehe w i r den

e r s t e n 100 M i l l i a r d e n D o l l a r - H a u s h a l t h a t t e n , das war 1962.

Wir b r a u c h t e n dann

nur noch neun J a h r e , um den e r s t e n 200 M i l l i a r d e n D o l l a r - H a u s h a l t zu haben, und
nur noch v i e r w e i t e r e J a h r e b i s zum 300 M i l l i a r d e n D o l l a r - H a u s h a l t " , so s a g t e
SIMON.

SIMON sah keine S c h w i e r i g k e i t e n für das Antirezessionsprogramm Fords im
Kongreß.

Bezüglich des Energieprogramms wandte e r s i c h n a c h h a l t i g gegen j e d e

Form der R a t i o n i e r u n g oder d e r Einfuhrquoten für Erdöl und E r d ö l p r o d u k t e , da
j e d e s s o l c h e System r i e s i g e Verwaltungskosten und v i e l e U n g e r e c h t i g k e i t e n b r i n g e .
Eine Senkung des Verbrauchs, d . h . E n e r g i e e i n s p a r u n g , könne und müsse über den
P r e i s e r r e i c h t werden.

Auf d i e s e Weise werde auch d i e Entwicklung

alternativer

E n e r g i e q u e l l e n und d i e w i r t s c h a f t l i c h e r e Nutzung der Energie v o r a n g e t r i e b e n .
S t a a t s s e k r e t ä r BENNETT k ü n d i g t e u . a . d i e b a l d i g e Abschaffung des amtlichen
G o l d p r e i s e s beim IWF an,

warnte davor, d i e Schwäche des D o l l a r zu ü b e r t r e i b e n ,

da man s e i n e n Wert n i c h t nur a l l e i n im V e r h ä l t n i s zur DM und zum Schweizer
Franken sehen d ü r f e .

Eine w e i t e r e Ausgabe von S o n d e r z i e h u n g s r e c h t e n - vor

allem zur E n t w i c k l u n g s f i n a n z i e r u n g - durch den IWF h i e l t BENNETT i n absehbar e r Zukunft füir a u s g e s c h l o s s e n .
ohne F l e x i b i l i t ä t n i c h t

Im ü b r i g e n könne d i e i n t e r n a t i o n a l e

Wirtschaft

funktionieren.

Die Abwertung d e s . D o l l a r , so b e t o n t e BENNETT, s e i n i c h t d i e Ursache,
sondern d i e Auswirkung t i e f e r e r w i r t s c h a f t l i c h e r

Ursachen..

S t a a t s s e k r e t ä r ROBINSON vom US-Außenministerium hob d i e w e c h s e l s e i t i g e
Verbundenheit und Abhängigkeit d e r Länder h e r v o r und e r k l ä r t e , d i e USA h ä t t e n
e i n Stadium d e r w i r t s c h a f t l i c h e n I n t e r d e p e n d e n z gegenüber der ü b r i g e n Welt e r - 2 -

�erreicht und die Wirtschaftspolitik müsse "in Harmonie mit dieser Realität"
gebracht werden.

Unterstaatssekretär PARSKY vom Finanzministerium ging auf die Energiepolitik ein, die aus drei Teilen bestehen müsse:

Zusammenarbeit der Verbraucher-

länder, starke Binnenpolitik, Zusammenarbeit mit den ölerzeugern.

Die Ölkrise

lasse sich weder bilateral lösen, noch dürfe sich der Verbraucher-ErzeugerDialog nur auf den Ölpreis erstrecken.

Letztlich gehe es um die wirtschaft-

liche Entwicklung.

PARSKY verteidigte ebenso wie ZAUSNER und BOSWORTH die vom Präsidenten
eingeschlagene Energiepolitik.

Sie vertraten übereinstimmend die Auffassung,

daß die Vereinigten Staaten - in Konsultationen mit Freunden und Verbündeten ihre Anstrengungen zur Energieunabhängigkeit vorantreiben müßten.

(Interessenten können den vollen 85seitigen Wortlaut des Informationsgespräches
bei USIS Bonn anfordern).

+ + + + +

�* amerika dienst
K

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

3/1975

DIE ROLLE DER US-ARMEE IN DER NATO
Von Howard Callaway

Der amerikanische Staatssekretär für die
Armee (Armeeminister) Howard H. Callaway
hat auf der XII. Internationalen WehrkundeBegegnung in München am 1. und 2. Februar
1975 über die Rolle der Armee der Vereinigten Staaten im Atlantischen Bündnis
gesprochen. Nach kurzen persönlichen Begrüßungsworten machte Callaway - am 2. Februar - folgende Ausführungen:

Meine Ausführungen werden zunächst.die Rolle der Landstreitkräfte der Vereinigten Staaten in der NATO behandeln. Anschließend werde ich eingehend darüber berichten, was die Armee der Vereinigten Staaten tut, um dieser Rolle gerecht zu werden.

Das ist ein Gebiet, mit dem ich mich selbst am meisten be-

fasse.

Zunächst möchte ich einiges über den Aufgaben- und Operationsbereich der
NATO sagen.

Die Welt wird heute von vielen Gefahren bedroht, insbesondere be-

droht sind die Sicherheit und der Frieden. Zum Beispiel scheint die Entspannung
die Erkenntnis mancher Menschen gegenüber dem Vorhandensein offensichtlicher
Gefahr zu schwächen.

Entspannung wird von manchen als Tatsache hingenommen,

bei anderen erhält sie als Politik Beifall und wiederum bei anderen wird sie

�I

sie als neues Zeitalter begrüßt, und sie schafft die Grundlage zu Überlegungen für jene, die die westlichen Streitkräfte auf eine Stufe vermindern
möchten, die meiner Ansicht nach gefährlich wäre.

Entspannung wird von

einigen Leuten in den Vereinigten Staaten, die den Abzug einer großen Anzahl
von Truppen aus Europa wünschen, durchaus als Realität betrachtet, trotz der
bedrohlichen Tatsache des Vorhandenseins einer großen und schlagkräftigen
gegnerischen Streitmacht.

Ich glaube, daß es fair ist zu sagen, daß wir, wenn es uns auch gelungen
ist, in der Entspannung kleine Fortschritte zu erzielen, noch keinesfalls
einen richtigen Frieden haben.

Manchen mag die Tatsache, daß wir keinen Krieg

führen, schon als Frieden genügen, aber wenn es uns nicht gelingt, die Kriegsgefahr in der ganzen Welt zu verringern, kann es keinen sicheren und dauerhaften Frieden geben, auf den wir uns verlassen können.

Entspannung bedeutet

lediglich, daß die Spannungen unter den Ländern der Welt etwas nachgelassen
haben.

Es ist eine Ermessensfrage wieviel und was erreicht worden ist.

Ent-

spannung ist auch eine Idee, eine Auffassung 'von Absichten unter den Ländern
und als solches ist sie keine objektive Tatsache.

Sie kann sich ebenso schnell wie die Auffassungen ändern. Die Sicherheits- und Verteidigungspolitik muß sich aber mit Tatsachen befassen - mit der
wirklichen Macht, der Wirksamkeit und der Stärke - besonders wenn wir so
wichtige Probleme wie die Sicherheit Europas behandeln. Wir sollten den Traum
vom Frieden nicht verwerfen - helfe uns Gott, wenn wir diese Vision verlieren noch sollten wir die Hoffnung aufgeben, daß Entspannung uns die Mittel dazu
gibt, den wahren Frieden zu erreichen, den wir uns alle wünschen. Wir dürfen
aber auch den Blick für die wirklichen Bedrohungen und Gefahren, wo immer sie
bestehen, nicht verlieren, ebenso wie unsere Bereitschaft, ihnen begegnen zu
können.

Die hier vertretenen Länder haben große Fortschritte erzielt in ihren Bemühungen ihrer diplomatischen Beziehungen zu anderen Ländern, die als mögliche
Gegner angesehen werden.

Es ist aber interessant festzustellen, daß, obwohl

die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahrzehnt ihre Streitkräfte wesentlich
- 2 -

�•

wesentlich verringert haben, weder die Sowjetunion, noch irgendein anderer
Staat des Warschauer Pakts diesem Beispiel gefolgt ist - im Gegenteil - sie
haben ihre Streitkräfte ständig und überaus eindrucksvoll vergrößert.

Wir müssen uns deshalb sorgfältig vor der Illusion hüten, daß Entspannung
irgendwie die Notwendigkeit für Abschreckung und Verteidigung überflüssig werden
läßt.

Die NATO selbst erkannte im HARMEL-Bericht vom Jahre 1967, daß "militärische Sicherheit und Entspannungspolitik sich nicht widersprechen, sondern
sich ergänzen.
Weltpolitik.

Die kollektive Verteidigung ist ein Stabilitätsfaktor in der

Sie ist eine notwendige Voraussetzung für eine wirksame Politik,

die darauf ausgerichtet ist, eine Verminderung der Spannungen zu erreichen".
Nur wenn wir unsere Stärke erhalten und vergrößern, dienen wir der Entspannung.
Wir stellen fest, daß die Sowjetunion darin scheinbar keinen Widerspruch sieht,
zu erklären, daß sie die Entspannung sucht, während sie dabei die Kampfbereitschaft ihrer Streitkräfte vergrößert.

Die1intensiven sowjetischen Initiativen

auf dem Gebiet der strategischen Waffen sind gekoppelt mit ihren offensichtlichen Bemühungen, ihre konventionellen Streitkräfte zu verstärken.

Ihr Mo-

dernisierungsprogramm hat einen bemerkenswerten und außerordentlich großen
Fortschritt gemacht - besonders bei ihren höchst beweglichen und hochentwickelten
Landstreitkräften.

Sie haben mit ihren Bemühungen auf diesem Gebiet in zuneh-

mendem Maße Erfolge erzielt. Aus diesem Grunde und wegen der offensichtlichen
Bedrohung ist die NATO da. Unsere kombinierten Streitkräfte müssen in der Lage
sein, jede unbesonnene oder provozierte Aktion durch den Warschauer Pakt abzuschrecken.

Ein wirksames Gegengewicht ist ein wesentlicher Bestandteil der

Abschreckung.

Sollten aber alle unsere Bemühungen zur Verhinderung eines An-

griffs versagen, müssen wir in der Lage sein, einem Angriff erfolgreich entgegenzutreten.

Unsere Länder können einen Krieg nur dadurch verhindern, indem sie deutlich
zeigen, daß,während sie bemüht sind, ihn zu vermeiden, jeder von uns bereit und
in der Lage ist, zu kämpfen, wenn es nötig werden sollte. Während wir uns in
jeder Weise um einen echten Frieden bemühen, müssen wir aber auch zeigen, daß
- 3-

�daß wir bereit sind, uns und unsere gemeinsamen Interessen zu verteidigen.
Ich glaube, wenn die anderen deutlich erkennen, daß wir bereit sind der Bedrohung eines Krieges entgegenzutreten, werden wir die Schrecken eines Krieges
nicht erleben müssen.

Es ist dieses grundlegende Abschreckungskonzept das

das Band unseres Bündnisses bildet. Vor diesem Hintergrund hat die NATO im
Sommer des vorigen Jahres erneut bestätigt, daß sie sich zur kollektiven
Sicherheit bekennt - durch Anerkennung der neuen Atlantischen Charta, durch
öffentliche Verkündigung unserer Verpflichtungen zum Frieden, und das feierliche Versprechen, zusammenzustehen zur Erhaltung unserer Freiheit, unserer
Unabhängigkeit und unserer vertrauten Lebensart.

Es ist höchst ermutigend, daß diese nochmalige Bestätigung unserer gemeinsamen Verpflichtung zum richtigen Zeitpunkt erfolgte, und daß diese erneuerte Verpflichtung in einer Zeit übernommen wurde, in der es in zunehmendem
Maße schwieriger wurde, für diese Verpflichtung einzustehen.

Es gab und wird

auch weiterhin wirtschaftliche Spannungen in den Industrieländern geben, weitgehenden Mangel an Rohstoffen, sowie steigende soziale Forderungen in unseren
nationalen Haushalten.

Es ist ein dramatisches Zeugnis für die Stärke unseres

gemeinsamen Entschlusses, daß jeder NATO-Partner sich weiterhin bemüht, angemessenes Menschenpotential, Industrieerzeugnisse und finanzielle Mittel zur
gemeinsamen Verteidigung beizutragen.

Nachdem wir die Hintergründe für die Bedrohung der Verteidigung in Europa
betrachtet haben, bin ich überzeugt, daß Sie mein Gefühl der Zufriedenheit

über das kürzlich erzielte grundsätzliche Übereinkommen in Wladiwostok über
die Beschränkung der strategischen Waffen teilen werden.

Ich glaube, daß

dieses Übereinkommen, trotz der Forderung nach weiteren, in Einzelheiten gehende Verhandlungen, einen großen Schritt vorwärts bedeutet.

Ich glaube, daß

dieses Übereinkommen zur Stabilisierung und zu den Bemühungen um einen echten
Frieden wesentlich beitragen wird.

Ich begrüße auch die Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene
Truppenverringerung, die zur Zeit in Wien geführt werden.

Unser Hauptziel bei

diesen Gesprächen ist es, eine ungefähre Gleichheit im Sinne einer gemeinsamen
- 4 -

�gemeinsamen Abgrenzung nach oben zwischen den Landstreitkräften der NATO
und des Warschauer Pakts in Mitteleuropa zu erreichen, den Rüstungswettlauf
zu verlangsamen und, hoffentlich, die Verteidigungskosten zu verringern.
Gleichzeitig soll die militärische Stärke, die genügt, um die Kräfte des
Warschauer Pakts abzuschrecken, erhalten und, ein freies und sicheres Westeuropa bewahrt werden.

Diese Gespräche beweisen die Lebensfähigkeit und den

Zusammenhalt des Bündnisses. Der am meisten ermutigende Aspekt der Gespräche
in Wien war für mich die Solidarität der NATO.

Die NATO-Länder haben bei

diesen Gesprächen ihre gemeinsame Haltung beibehalten und standen während
des ganzen Verhandlungsverlaufs miteinander in enger Verbindung.

Bei den in

Wien geführten Gespräche zeigte sich derselbe Geist der Zusammenarbeit für
ein gemeinsames Ziel, wie er auch bei der Konferenz über die Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa zu spüren ist.

Zusammen mit den Besprechungen über

die Beschränkung strategischer Waffen, bei denen wir ebenfalls ständig Gespräche mit unseren Verbündeten führten, könnten diese wichtigen Entwicklungen zu Eckpfeilern eines neuen Bollwerks des Vertrauens für diesen Teil
der Welt werden.

Diese Ereignisse liefern den Beweis für eine Verschiebung

von der Konfrontation zur Verhandlung.

Es sind wichtige Bestandteile einer

guten Friedensstruktur.

Lassen Sie mich nun dazu übergehen, darzulegen, wie ich mir den Beitrag
der Armee der Vereinigten Staaten zu den Zielen der NATO und zu anderen wichtigen Aufgaben, die ich erwähnt habe, vorstelle.

Ein großer Teil unserer

Landstreitkräfte ist für die Verteidigung Europas vorgesehen.

Ungefähr ein

Drittel unserer aktiven Kampfverbände ist hier in Deutschland stationiert
und ist zum sofortigen Einsatz bereit, und wir sind dabei, sie noch in diesem
Jahr zu verstärken.

Weiterhin sind wir bereit, unsere Streitkräfte auf dem

Kontinent im Notfall kurzfristig zu verstärken - eine Fähigkeit, die wir
schon wiederholt und nachdrücklich bewiesen haben.

Wir waren ständig be-

strebt, die Qualität und Kampfkraft unserer Landstreitkräfte zu erhöhen durch
Einführung von verbessertem Gerät und durch solche Verstärkungsmaßnahmen wie
z.B. die Erhöhung der Zahl von Panzerabwehrwaffen bei Kampfeinheiten.

Dabei

haben wir unsere taktische Nukleareinsatzbereitschaft nicht vernachlässigt,
da wir meinen, daß diese Verteidigungsart ebenso wichtig ist wie eine starke
- 5-

�starke konventionelle Kampfkraft.

Ich möchte bemerken, daß die Einführung

des LANCE-Boden-Boden-Raketensystems bei unserer Armee in Europa diesen Teil
unserer Einsatzbereitschaft bestimmt erhöht hat.

Ich glaube, daß die Bemühungen der Armee der Vereinigten Staaten zur
Aufrechterhaltung und Erhöhung ihres Beitrages an Landstreitkräften für die
NATO am besten erläutert werden kann, wenn wir eine Beschreibung davon geben,
was wir gegenwärtig innerhalb der Armee tun. Wir legen größten Nachdruck
darauf, sicherzustellen, daß die Armee vor allem bereit und sofort einsatzfähig ist und zweitens, daß sie jederzeit für einen beschränkten und flexiblen
Einsatz bereitsteht.

Zu dieser Schwerpunktbildung möchte ich Ihnen nun ein

paar Gedanken mitteilen.

Erstens, unsere Armee ist eine Streitmacht, die jederzeit bereit und
sofort einsatzfähig ist.
Kampfwert.
bildet.

Es ist keine Streitkraft von lediglich symbolischem

Sie ist keine Kaderarmee, sondern diszipliniert und gut ausge-

Sie ist in der Lage jeden Kampfauftrag sofort und wirksam durchzu-

führen.

Zweitens, unsere Armee kann jederzeit einen beschränkten und flexiblen
Einsatz durchführen.

Wir haben unsere Streitkräfte und ihre Einsatzfähigkeit darauf eingestellt, daß jede gegebene Situation durch den am besten geeigneten Einsatz
gemeistert werden kann.

Wir möchten sicherstellen, daß unser Präsident im

Notfall eine Reihe von Möglichkeiten für die Auswahl von bestimmten und geeigneten Streitkräften hat, um die Gefahr einer Überreaktion oder Eskalation zu
vermeiden.

Nachdem ufiser Einsatz in Vietnam beendet war, verringerten sich

die Größe und Kampfbereitschaft unserer Armee sehr rasch.

Durch diese raschen

Änderungen entstand ein Zustand voller Unruhe und Ungewißheit.

Nachdem dieser

Rückgang zum Stillstand gekommen war, sahen wir unsere Hauptaufgabe darin, die
Einsatzbereitschaft unserer Armee wieder zu erhöhen, und ihr zu helfen, ihre
Stabilität zurückzuerlangen, um die Unruhe unter den Menschen und in den Ein
heiten zu beenden, und um ihre Bereitschaft zur Unterstützung unserer großen
- 6 -

�großen Aufgabe in Europa zu verbessern.

Eine der entscheidensten Maßnahmen

zur Förderung der Entwicklung der Armee war der Übergang zu einem vollkommenen
Berufsheer.

Ich freue mich, berichten zu können, daß das Berufsheer nun Wirk-

lichkeit geworden ist und daß diese Maßnahme offensichtlich erfolgreich War.
Unser Ziel hinsichtlich der Rekrutierung wurde im letzten Jahr voll erreicht
und es besteht kein Zweifel, daß wir unser Ziel auch in diesem Jahr wieder erreichen werden.
Als Folge davon waren wir in der Lage, die Anforderungen für die Auslese
der Soldaten bei der Rekrutierung wesentlich heraufzusetzen.

Durch die Erlangung der Personalstabilität wurde die Entwicklung eines
hohen Grades an fachlichem Leistungsniveau innerhalb unseres Berufsheeres
möglich.

Ich glaube getrost sagen zu können, daß unsere heutige Armee eine

stärkere Armee ist, als sie jemals zu Friedenszeiten war.

Um ihre Schlagkraft

weiter zu erhöhen, bemühen wir uns um die Zustimmung und Unterstützung des
Kongresses der Vereinigten Staaten um eine Gliederung zu erreichen, die als
16 zu 8 Divisionsverhältnis bezeichnet wird, d.h. 16 aktive ArmeediVisionen
und ein Kontingent von 8 Reservedivisionen.

Das bedeutet wiederum 3 zusätz-

liche aktive Divisionen im Vergleich zur gegenwärtigen Stärke, sodaß

durch

diesen Zuwachs die Glaubwürdigkeit unserer Armee als wirksame Streitmacht zur
Erhaltung des Friedens wesentlich erhöht wird.

Zusätzlich zu diesen Divisionen

verfügen wir über die effektive Kampfstärke einer Anzahl von selbständigen
Brigaden und Regimentern, die, obwohl sie kleiner sind, über einen längeren
Zeitraum als unabhängige Einheiten eingesetzt werden können.
sionen, Brigaden und Regimenter

Über die Divi-

hinaus kommen noch Ranger-Bataillone und

verschiedene andere kleinere Kampfverbände hinzu, um unsere Fähigkeit zu erhöhen, einer Vielzahl von Herausforderungen entgegenzutreten.

Wie ich bereits

gesagt habe, ist es unser Ziel, unserem Präsidenten die größtmögliche Auswahl
an Alternativen, sowie maximalen Spielraum und große Flexibilität zu geben,
für den Fall, daß ein militärischer Einsatz notwendig werden sollte.

Seit einigen Jahren bemühen wir uns besonders, die Kampfkraft unserer
Armee in Europa im Rahmen unserer festgesetzten Personalhöchststärke zu er-

- 7-

�erhöhen.

Wir erreichen es durch die Erhöhung des Verhältnisses zwischen den

Kampf- und Versorgungsverbänden unserer konventionellen Armee in Europa. Beträchtliche Kürzungen an Versorgungspersonal werden durch Maßnahmen wie die
Auflösung von Stäben, die Inaktivierung bestimmter Einheiten, und die Personalreduzierung bei einigen Verbänden erreicht.

Diese von Militärpersonal be-

setzten Stellen können rasch in Planstellen für Kampftruppen umgewandelt werden.

Daraus ergibt sich, daß etwa 6000 Planstellen für Kampftruppen für un-

sere Armee in Europa während der nächsten Monate bereitgestellt werden können.
Die kürzlich von Senator Nunn vorgelegte Gesetzesvorlage hat diesem Trend nach
größerer Kampfstärke neuen Nachdruck verliehen.

Ein Rückblick zeigt, daß der Anteil an Kampftruppen unserer in Europa
stationierten Landstreitkräfte im Jahre 1972 etwa 59 Prozent betrug.
Rest bestand aus Versorgungsverbänden.
vorigen Jahr auf 61 Prozent.

Der

Der Anteil der Kampftruppen stieg im

Er beträgt zur Zeit 62 Prozent, und wird sich

vor Ende des Jahres 1975 auf etwa 64 Prozent erhöhen.

Verständlicherweise

sind wir über diese bedeutende Verbesserung der Kampfstärke auf dem Kontinent
erfreut;

sie wird sich bald in der Struktur unserer Landstreitkräfte, die

der NATO zugeteilt sind, zeigen.

Im Jahresausblick wird das Verhältnis der

Kampftruppen zu Versorgungseinheiten im Jahre 1976 sogar noch günstiger sein.
Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Anteil der Kampftruppen auf etwa 68 Prozent
gestiegen sein.
werden.

Im Jahre 1977 wird mit 71 Prozent der Höhepunkt erreicht

Es ist klar, daß wir die Versorgungsverbände nicht verringern können,

ohne einige Ausgleichsmaßnahmen zu treffen.

Einer der Schlüssel zu diesem

Problem ist ein größeres Vertrauen auf eine internationale Unterstützung bei
der Logistik und Versorgung, worauf ich noch näher eingehen werde.

Diese dramatische Erhöhung der Kampfstärke wird zur Folge haben, daß
möglicherweise

etwa 12 OOO Mann an Kampftruppen zusätzlich für den Einsatz

in Europa zugeteilt werden.

Eine Brigade der 2. Panzerdivision in Fort Hood,

Texas, wird ab März dieses Jahres nach Deutschland verlegt.
werden weitere Kampfverbände in Deutschland stationiert.

Im nächsten Jahr

Ich möchte betonen,

daß diese Verlegung keine allgemeine Zunahme der Zahl amerikanischer Soldaten
bedeutet, denn die neuen Kampfeinheiten werden Versorgungsverbände, die auf-

�aufgelöst werden, ersetzen.

Nebenbei bemerkt ist es vorgesehen, jeden dieser

neuen Kampfverbände für eine Zeit von sechs Monaten in Deutschland zu stationieren und dann nach Ablauf dieser sechs Monate durch einen ähnlichen Verband
abzulösen.

Die Angehörigen der Soldaten werden in den Heimatstandorten in

den Vereinigten Staaten verbleiben.

Im vorigen Jahr haben wir uns eine engere Verbindung zwischen unserer
aktiven Armee und unseren Reservekontingenten zum Ziel gesetzt.

Heute können

wir über große Fortschritte in der Erreichung dieses Zieles berichten.

Früher

wurden unsere Reservekontingente als getrennt von den aktiven Streitkräften
betrachtet.

Das Konzept ihrer Verwendung verlangte einen beträchtlichen Zeit-

aufwand für die Aufstellung und Vorbereitung.

Die Folge davon war, daß sie

nicht die Beachtung und Unterstützung erhielten, die notwendig war, um ihr
ganzes Potential auszuschöpfen.

Heute sind unsere Reservekontingente direkt

mit der aktiven Armee verbunden, um unsere Gesamttruppen zu vervollständigen.
Unter Umständen würden Reserveeinheiten zusammen mit aktiven Einheiten sofort
eingesetzt werden.

In anderen Fällen würden sie dem Einsatz von aktiven Ein-

heiten unmittelbar folgen.

Auf diese Weise kommen die Reserveeinheiten der

Erreichung ihres vollen Potentials viel näher.

Ich glaube, daß dadurch die

allgemeine Einsatzbereitschaft unserer Armee in einem gewaltigen Ausmaß erhöht worden ist.

Damit eine Armee kampfkräftig wird, braucht sie nicht nur gute Soldaten,
eine vernünftige Organisation und eine wirksame Doktrin, sondern sie muß auch
gut ausgerüstet sein.

Die Armee der Vereinigten Staaten hat die Entwicklung

verschiedener neuer Waffen und Ausrüstungsgegenstände, die ihre Kampfkraft
auf einem modernen Schlachtfeld erhöhen, mit Nachdruck betrieben.

Aus ver-

waltungstechnischen Gründen mögen hier nur die wichtigsten Waffen und Ausrüstungsgegenstände genannt sein, die entwickelt werden, nämlich die "Großen
Fünf".

Diese Ausrüstungsgegenstände stellen ein geschlossenes "Paket" neuer

Systeme dar, die geplant worden sind, um den Gefahren auf dem Schlachtfeld
der achtziger Jahre zu begegnen.

Erlauben Sie mir, diese Systeme kurz zu

beschreiben.
Eines
- 9 -

�\
*

Eines unserer Vorhaben, das in der Entwicklung den größten Vorrang hat,
ist ein neuer Hauptkampfpanzer unter der Bezeichnung "XM1".

Dieser Panzer

ist gekennzeichnet durch Feuerkontrollsysteme, größere Feuerkraft, bessere
Geländegängigkeit und verbesserte Panzerung.
Ein weiterer bedeutender Zuwachs in unserem Arsenal ist ein Fahrzeug,
das den derzeitigen Schützenpanzer ersetzen soll.

Dieses neue Fahrzeug, das

wir "Mechanized Infantry Combat Vehicle" (etwa Schützenkampfpanzer) nennen,
ist ein leichtes gepanzertes Kettenfahrzeug mit Geländegängigkeit, aufgesetzten Waffen, Fernmeldeanlage und Panzerschutz für den Einsatz von motorisierten Infanteriegruppen zu Fuß oder aufgesessen.
fähig.

Er ist ferner schwimm-

Mit der Produktion dieses Fahrzeuges wird voraussichtlich im August

1976 begonnen.

Ein weiterer anspruchsvoller Ausrüstungsgegenstand steht ebenfalls in
der Entwicklung - der moderne Angriffskampfhubschrauber (advanced attack
helicopter).

Es handelt sich dabei um ein zweimotoriges Fluggerät, das

8 - 1 2 Panzerabwehrraketen tragen kann - die sogenannte
800 - lOOO Schuß Munition für seine 30 mm-Kanone.

"TOW"-Rakete, sowie

Durch die verbesserten

Merkmale dieses Fluggeräts erhöht sich seine Überlebensfähigkeit und wird
ein außerordentlich wirkungsvoller Kampfeinsatz sogar bei Nacht und bei
schlechtem Wetter möglich.

Unser Programm für die Entwicklung dieses an-

spruchsvollen Hubschraubers ist deshalb sehr vielversprechend.
Die letzten zwei Ausrüstungsgegenstände sind ein verbesserter Mehrzweckhubschrauber, um die Beweglichkeit im Kampfeinsatz zu erhöhen, sowie ein
Raketensystem, das wir als

"SAM D"

Truppen im Kampfeinsatz dienen soll.

bezeichnen, das der Luftabwehr für unsere
Zusammengefaßt, bilden diese fünf Ent-

wicklungsprogramme das Rückgrat unserer Waffensysteme für die nahe Zukunft.

Es liegt auf der Hand, daß die Bewaffnung, wenn sie anspruchsvoller wird,
auch mehr kostet.

Dadurch entsteht für diejenigen, die Entscheidungen treffen

müssen, ein schwieriges Problem.

Wenn immer wir uns entschließen, eine neue

Waffe unserem Arsenal hinzuzufügen, müssen wir uns fragen:
- 10 -

Sollen wir we-

�weniger der teuren Typen bestellen und dafür eine größere Anzahl der vorhandenen Modelle zum selben Preis?

So müssen wir beispielsweise bei unserem

Panzerprogramm in Erwägung ziehen, wieviel

"XM1" wir uns leisten können in

Vergleich zu der Zahl von Panzern, die gegenwärtig disloziert sind, zum selben Preis. Nebenbei bemerkt, wir haben unsere vorhandenen Bestände an Panzern verbessert und zwar die M-60 Serie, wie auch einige unserer älteren
Modelle der M-48 Serie.

Dieser Verbesserungsprozeß ermöglicht es uns, unsere

Streitkräfte allmählich zu modernisieren anstatt zu warten, bis wir nach Vollendung der Entwicklung eines völlig neuen Projektes dieses benutzen können.

Unsere Politik zielt darauf ab, bestimmte Kampfeinheiten mit der Anzahl
von hochmodernem Gerät auszustatten,das. sie bei der Durchführung ihrer Aufgabe benötigen, und den verbleibenden Bedarf mit vorhandenen Modellen zu
decken.

Dieses Verfahren wird als

"High-low-Mix"

bezeichnet.

Durch eine der-

art abgestimmte Verteilung sind wir in der Lage, eine vernünftige Preisgrenze
einzuhalten und trotzdem die allgemeine Kampfkraft dieser Einheiten zu verbessern, um den Erfolg im Kampfeinsatz sicherzustellen.

Im Rahmen dieses

neuen Konzepts werden amerikanische Kampfeinheiten, die für die Verteidigung
an vorderster Front bestimmt sind, mit einem verhältnismäßig großen Anteil
an hochmoderner Bewaffnung ausgerüstet, um ihnen Erfolg in der wichtigen
ersten Kampfphase zu gewährleisten.

Wenn wir über Ausrüstung sprechen, kommen wir auf ein Thema, das für
alle Landstreitkräfte ebenso wie für Luft- und Seestreitkräfte der NATO von
größter Bedeutung ist, nämlich die Notwendigkeit der Standardisierung.

In-

flation und schlechte wirtschaftliche Verhältnisse treffen uns alle. Auf
diesem Gebiet ist es für jeden von uns dringend notwendig, äußerste Sparsamkeit walten zu lassen. Wir können es uns aber kaum leisten, unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Verbesserung unserer militärischen Schlagkraft zu
vermindern oder einzuschränken.

Wir müssen zusammenarbeiten, um das gemein-

same Ziel zu erreichen, die bestmögliche Verteidigungsstärke mit den uns zur
Verfügung stehenden Mitteln zu entwickeln.
- 11 -

Ein wichtiges Verfahren, um we-

�wesentliche Einsparungen erzielen zu können und dabei dennoch die Wirksamkeit zu verbessern, ist die Standardisierung.

Die Standardisierung wird es

uns ermöglichen, eine allgemein größere Wirksamkeit bei geringeren Kosten
zu erreichen.

Wir haben uns deshalb voll zur Unterstützung eines gemeinsamen Forschungs-,
Entwicklungs- und Beschaffungsprogramms verpflichtet.

Das vergangene Viertel-

jahrhundert brachte eine kaum abzuschätzende Verschwendung sowohl amerikanischer als auch europäischer Mittel an Arbeitskräften, Geld, Energie und
Material - einfach deswegen, weil wir es oft versäumt haben, unsere Bemühungen
zu vereinen und kostspielige Überschneidungen zu vermeiden.

Zum Beispiel gibt

es vier verschiedene Hauptkampfpanzer in den Armeen von acht Verbündeten,
13 verschiedenen Typen von Nahkampf-Panzerabwehrwaffen bei 22 Armeen, und vier
verschiedene Boden-Luft-Raketensysteme, die gegenwärtig entwickelt werden.
Wir müssen die natürliche Tendenz

"Kaufe im eigenen Land"

wir müssen lernen, unsere Protektionstendenzen abzubauen.

überwinden und
Wir sind bereit,

•

mit den anderen Armeen der NATO voll zusammenzuarbeiten, um eine kostspielige
•,

Doppelentwicklung von Geräten zu vermindern.

Unsere Verpflichtung zur Standardisierung darf nicht nur leeres Gerede
sein, sondern muß sich in unserem Handeln

widerspiegeln.

Ich glaube, daß

verschiedene Maßnahmen, die die Verteidigungsbehörden der Vereinigten Staaten
kürzlich durchgeführt haben, unsere echte Absicht beweisen, daß wir für die
Standardisierung sind.

Die Bundesrepublik Deutschland verändert gegenwärtig eines ihrer in
der Entwicklung befindlichen LEOPARD II-Panzermodelle, um die

"XMl" Bedin-

gungen zu erfüllen hinsichtlich Panzerschutz, Systemausführung, Verläßlichkeit, Unterhalt und Herstellungskosten.

Wir planen, diesen deutschen Proto-

typ auszuwerten als Konkurrenten von jeglichem Panzer, der an der Spitze des
Wettbewerbs in den Vereinigten Staaten erscheinen sollte. Wir hoffen, daß
das Endergebnis ein Modell sein wird, das sowohl den Bedürfnissen der Vereinigten Staaten, der Bundesrepublik Deutschland, als auch den anderen ver-

�verbündeten Ländern entspricht.

Damit wäre ein einheitliches Panzermodell

vorhanden, das letztlich zu einer Kosteneinsparung und Verbesserung der Kampfkraft führen würde.

Ungeachtet dessen, ob nun die endgültige Wahl auf den LEOPARD II als
neuen Hauptkampfpanzer fällt oder nicht, so sind sich die Vereinigten Staaten,
Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland über die Entwicklung eines
einheitlichen Panzergeschützsystems einig, um eine Standardisierung dieser
wichtigen Waffe zu erreichen.

Eine Standardisierung des Geschützes würde die Probleme wesentlich verringern, die durch die Verwendung von verschiedenen Munitionsarten entstehen
und den multinationalen Streitkräften hinderlich sind.

Gegenwärtig vergleichen

wir in England die verschiedenen Geschütztypen bei einem Wettbewerb im Übungsschießen.

Danach können die nationalen Entscheidungen darüber getroffen werden,

mit welchem Geschütz der beteiligten drei Nationen die Hauptkampfpanzer ausgerüstet werden sollen.

Erst kürzlich haben sich die Vereinigten Staaten entschlossen, das
ROLAND-Allwetter-Nahbereichs-Luftverteidigungssystem zu erwerben, welches
von einem deutsch-französischem Konsortium entwickelt worden ist und zur Zeit
in der Bundesrepublik Deutschland abschließenden Prüfungen unterzogen wird.
Wir konnten uns überzeugen, daß infolge der ausgezeichneten Eigenschaften
des ROLAND-Systems hinsichtlich seiner Treffsicherheit, der Beibehaltung der
Schlagkraft und der Beweglichkeit im Einsatz, dieses System für uns günstig
wäre und zur weiteren Standardisierung innerhalb der NATO beitragen würde.

Die Standardisierung sollte natürlich nicht nur bei der Kampfausrüstung
Anwendung finden, sondern auch bei anderen wichtigen Versorgungsfaktoren,
wie z.B. bei logistischen Systemen.

Jetzt kann die Zeit zur Überprüfung der

Politik der NATO gekommen sein - ob nämlich Logistik eine Angelegenheit der
nationalen Verantwortung sei.

Es könnte durchaus in Betracht gezogen werden,

daß bestimmtes Gerät aus der zivilen Wirtschaft des Gastlandes (z.B. Lastkraftwagen und schwere Baumaschinen) zur Verfügung gestellt wird, um den Bedarf
- 13 -

�&lt;
Bedarf der Gaststreitkräfte, dort große Vorräte zu lagern, zu vermindern.
Solche Maßnahmen würden eine Standardisierung erleichtern und würden auch
einen großen Schritt vorwärts hinsichtlich einer rationelleren und wirkungsvolleren Ausnutzung des Potentials bedeuten.
Weitere Einsparungen und eine erhöhte Wirksamkeit beim Einsatz könnten
auch durch die Zusammenlegung und Standardisierung des Fernmeldewesens der
NATO erzielt werden.

Die zunehmende gegenseitige Abhängigkeit (Interdependenz)

zwischen unseren Ländern weist auf die Notwendigkeit hin, daß der internationalen Zusammenarbeit und der multinationalen Unterstützung auf diesem Gebiet
mehr Nachdruck verliehen werden muß, insbesondere in bezug auf die Führung
und Überwachung, die Feuerkraft und die strategische

Beweglichkeit.

Ich habe großes Vertrauen zur NATO und zu allen Völkern, die im Bündnis
vertreten sind.

Ich bin sicher, daß wir getrost jeder Gefahr begegnen können,

wenn wir den Willen haben, diesen Gefahren zu trotzen, ehe sie uns überwältigen.

Wenn wir uns das zur Aufgabe machen, sind wir bereits weit vorange-

kommen auf dem Wege zum wahren Frieden, den sich die Menschen auf der ganzen
Welt ersehnen.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Amerikadienst 12.02.1975</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford legt neuen amerikanischen Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Wirtschaftsbericht des amerikanischen Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Wirtschaftsprogramm der amerikanischen Regierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführliche Unterrichtung ausländischer Korrsepondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der US-Armee in der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Howard Callaway&lt;/em&gt;</text>
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29. Januar 1975

Nummer

Inhalt
DOKUMENTATION:
US-Außenministerium veröffentlicht Bericht über Lage in Vietnam
-WortlautKommunique der Zehnergruppe vom 16. Januar 1975
-WortlautKommunique des IWF-Interimsausschusses vom 16. Januar 1975
-Wortlaut»

WIRTSCHAFT:

Erfolgreicher Abschluß der Washingtoner Währungsgespräche
Von Eugene Brake

HINTERGRUNDMATERIAL:
John J. Sparkman
-Der neue Vorsitzende des Außenpolitisches Ausschusses des US-Senats-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Satelliten wachen über die Umwelt
-ERTS-System wird ausgebaut-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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2/1975

US-AUSSENMINISTERIUM VERÖFFENTLICHT BERICHT ÜBER LAGE I N VIETNAM
-

Wortlaut

-

WASHINGTON --(AD)— Das amerikanische Außenministerium hat am 24. Januar
1975 einen Sonderbericht veröffentlicht, in der die Lage in Vietnam dargestellt wird, wie sie sich in den zwei Jahren seit Unterzeichnung des Pariser
Abkommens vom 27. Januar 1973 entwickelt hat. Der dokumentarische Bericht hat
folgenden Wortlaut:
Am 27. Januar 1973 wurde in Paris das Abkommen zur Beendigung des Krieges
und der Wiederherstellung des Friedens in Vietnam unterzeichnet. Wir erzielten
eine Regelung, die die Herauslösung der amerikanischen Streitkräfte erlaubte,
die Regelung der politischen Zukunft Vietnams Verhandlungen zwischen den vietnamesischen Beteiligten überließ und die die amerikanischen Kriegsgefangenen
heimführte. Wir machten unsere Absicht deutlich, unser noch bestehendes Engagement in Vietnam so rasch zu beenden, wie es die Umstände erlaubten.
Die Nordvietnamesen haben jetzt einen stark intensivierten militärischen
Feldzug begonnen. Zum ersten Mal seit 1972 ist eine Provinzhauptstadt (Song
Be in der Provinz Phuoc Long) überrannt worden. Der umfang der Verluste und
der Zerstörung hat den höchsten Punkt seit Unterzeichnung des Abkommens er-

-1-

�erreicht. Die jüngsten Angriffe scheinen die erneute Entschlossenheit Hanois
widerzuspiegeln, Südvietnam mit Gewalt zu erobern.
Diese Entwicklungen lassen es jetzt, da wir uns dem zweiten Jahrestag
der Unterzeichnung des Pariser Abkommens nähern, besonders wichtig erscheinen,
daß wir die Lage in Vietnam, wie sie sich in den letzten zwei Jahren entwickelt
hat, und ihre Auswirkungen für die Zukunft eingehend untersuchen.
Es kann heute kein wirkliches Argument mehr geben, ob wir unser langes
und kostspieliges Engagement in Vietnam beenden werden. Die einzige Frage ist,
wann und wie wir es beenden.
Unser Ziel ist der Abschluß des Prozesses der Beendigung unseres Engagements so rasch wie möglich, und zwar auf eine Weise, die:
- einen politischen, wirtschaftlichen oder militärischen Zusammenbruch
in Südvietnam verhindert, der zur neuen Instabilität und Unruhe in dem Gebiet
•führen und neue Herausforderungen an einander zuwiderlaufende Großmachtinteressen stellen würde;
- ein vernünftiges Maß an politischer Stabilität und geordneter Entwicklung in Südostasien unterstützt und die friedliche Lösung des Konflikts in dem
Gebiet und sonstwo in der Welt fördert;
- die Opfer respektiert, die das amerikanische Volk in Vietnam gebracht
hat; und
- unserer Verantwortung als Signatarmacht gerecht wird, das Pariser Abkommen zu erfüllen.
Durch Unterzeichnung des Abkommens (und durch unsere Politik der Vietnamisierung des Krieges) haben wir den Südvietnamesen praktisch erklärt, daß wir
sie nicht mehr mit unseren Streitkräften verteidigen, aber sie - wie in dem Ab-

�Abkommen erlaubt - mit den Mitteln ausstatten würden, um sich selbst verteidigen zu können. Sie haben nach Übernahme dieser Aufgabe diese sehr wirksam erfüllt. Nun sollten wir das, was wir zugesagt haben, auch halten.

Die Einhaltung des Pariser Abkommens
Die Nordvietnamesen unterzeichneten das Pariser Abkommen zu einem Zeitpunkt, da sie gleichzeitig eine Offensive in letzter Minute durchführten, um
so viel südvietnamesisches Territorium wie möglich in ihre Hand zu bekommen,
bevor der Waffenstillstand eintrat. Nach Unterzeichnung des Abkommens und der
Abwehr dieser Offensive gingen die Feindseligkeiten eine Zeit lang zurück. Wir
hegten die Hoffnung, daß das Abkommen nun einen Rahmen bieten würde, innerhalb
dessen die Vietnamesen ihre eigene politische Wahl treffen und ihre eigenen
Probleme in einer Atmosphäre des Friedens lösen könnten. Leider wurde diese
Hoffnung - eine Hoffnung, die die Republik Vietnam und das südvietnamesische
Volk teilten - durch die Handlungen Nordvietnams und der Provisorischen Revolutionsregierung zunichtegemacht. In klarer Verletzung des Abkommens haben
sie:
- über 170 000 nordvietnamesische Soldaten nach Südvietnam eingeschleust
und ihre Hauptstreitmacht im Süden von 220 000 Mann zur Zeit des Abkommens auf
jetzt 300 000 Mann verstärkt (von denen 225 000 Nordvietnamesen sind);
.

- ihr militärisches Nachschubsystem durch Laos, Kambodscha und die ent-

militarisierte Zone, sowie auch innerhalb Südvietnams ausgebaut und ihre Waffenlager verstärkt;
- sich

�- sich geweigert, den Teams Zugang zu gewähren, die nach dem Abkommen
den Waffenstillstand überwachen sollen;
- sich geweigert, ihren vereinbarten Teil an den Ausgaben für die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission (ICSS) zu leisten;
- ihre Verpflichtungen zur Zusammenarbeit bei der Aufklärung des Schicksals amerikanischer und anderer Militärpersonen,die als vermißt gelten, nicht
erfüllt,ja, sie haben alle Gespräche über diese Angelegenheit abgebrochen und
sich seit sieben Monaten geweigert, mit Vertretern der Vereinigten Staaten und
der Republik Vietnam in dem Gemeinsamen Viermächte-Militärausschuß zusammenzutreffen;
- alle Verhandlungen mit der Republik Vietnam abgebrochen, einschließlich der politischen Verhandlungen in Paris und der Verhandlungen der Gemeinsamen Zweimächte-Militärkommission in Saigon und auf die wiederholten Forderungen nach bedingungsloser Wiederaufnahme der Verhandlungen mit unsinnigen
Forderungen nach dem Sturz der Regierung als Vorbedingung für eine Wiederaufnahme der Gespräche reagiert; und
- ihren militärischen Druck ständig erhöht, mehrere Gebiete überrannt,
darunter elf Distriktstädte, die zum Zeitpunkt des Waffenstillstandes eindeutig und unbestritten in der Hand der Republik Vietnam waren. Ihre jüngste und
gefährlichste Eskalation der Kämpfe begann Anfang Dezember 1974 mit Offene-i^ron

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J

*

�Alle amerikanischen Streitkräfte und Berater wurden innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens abgezogen. Es besteht keine faktische
Grundlage für die Behauptung Hanois, daß sich Tausende amerikanischer Militärberater als Zivilisten getarnt in Vietnam befänden.
Die amerikanische Militärhilfe an die Republik Vietnam hat sich dem Zugum-Zug-Ersatz, dem Stück-für-Stück-Ersatz, nicht einmal angenähert, der durch
das Abkommen genehmigt ist, während die russische und chinesische Militärhilfe
an Nordvietnam während der letzten fünf Jahre praktisch auf dem gleichen Stand
geblieben ist (mit Ausnahme sehr großer Lieferungen im Jahre 1972, dem Hauptinvasionsjahr) und eine wesentliche Verstärkung der nordvietnamesischen Arsenale im Süden seit Unterzeichnung des Abkommens erlaubt hat.
Da das Abkommen der südvietnamesischen Regierung keine einseitige Waffenruhe auferlegt, hat die Republik Vietnam militärische Maßnahmen ergriffen,um
ihre Bevölkerung und ihr Territorium zu verteidigen. Dazu ist allerdings zu
sagen:
- Die südvietnamesischen Streitkräfte stehen in der Defensive. Sie
kämpfen nicht in Nordvietnam und sie versuchen nicht, dessen Regierung oder
politisches System zu stürzen.
- Die Regierung hat die Stärke ihrer Streitkräfte nicht erhöht.
- Sie hat mit der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission voll
zusammengearbeitet und ihren Anteil an den Kosten für die Kommission bezahlt.
- Sie hat die bedingungslose Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der Demokratischen Republik (Nord) Vietnam und mit der Provisorischen Revolutionsregierung gefordert.
- Sie

-5-

�- Sie hat Pläne für eine politische Regelung, einschließlich international
überwachter Wahlen zu einem bestimmten Zeitpunkt,unterbreitet.

Die Lage in Südvietnam
Das Pariser Abkommen sollte dem südvietnamesischen Volk die Gelegenheit
bieten, seine eigene Wahl zu treffen und seine eigenen Probleme auf friedliche
Weise zu lösen. Es war und ist nicht die Politik der Vereinigten Staaten, Südvietnam eine Regierung oder ein Gesellschaftssystem aufzuzwingen, das den Wünschen der Mehrheit der Bevölkerung zuwiderliefe. Nach Auffassung der amerikanischen Regierung stellt die Auferlegung politischer Lösungen durch militärische
Gewalt nicht nur eine Verletzung unserer Prinzipien von Recht und Gerechtigkeit
dar, sondern führt auch nicht zu einem echten Frieden.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die südvietnamesische Regierung in •&gt;'
fairen und freien Wahlen wie in jedem anderen sinnvollen Test der öffentlichen
Meinung in Südvietnam einen überwältigenden Sieg über die kommunistische Seite
davontragen würde. Das ist selbst den Kommunisten klar, weshalb sie alle Bemühungen zur Verwirklichung der Bestimmungen des Pariser Abkommens, die Wahlen
unter internationaler Überwachung vorsehen, bisher so beharrlich vereitelt haben.
Da sind zunächst einmal die Aussagen der Flüchtlinge. Sie sind bisher fast
ausnahmslos nach von der Regierung kontrollierten Gebieten geflohen, selbst
wenn es für sie leichter und sicherer gewesen wäre, dort zu bleiben, wo sie
waren und die kommunistische Herrschaft auf sich zu nehmen, oder nach Gebieten
abzuwandern, die unter der Kontrolle der Kommunisten stehen. Das ist auch heute

-6-

�heute noch der Fall, wo immer die Kampfhandlungen neue Flüchtlinge schaffen.
Hinzu kommt, daß es für alle, die dies wünschen, sehr leicht ist, nach Gebieten unter kommunistischer Kontrolle abzuwandern (und die Kommunisten ermutigen sogar hierzu) - sehr wenige aber haben bisher von dieser Möglichkeit
Gebrauch gemacht.
An den Kriegsanstrengungen der Regierung sind rund zwei Millionen Südvietnamesen aktiv und unmittelbar beteiligt. Wenn sich die Regierung nicht der
Unterstützung durch die Allgemeinheit erfreute, würden diese Menschen sicherlich ihre Gewehre gegen die Regierung richten, statt für sie zu kämpfen, oder
zumindest desertieren, statt Tag für Tag ihr Leben oder die Ermordung von Familienangehörigen durch kommunistische Terroristen zu riskieren..
Manche Kritiker der amerikanischen Vietnam-Politik behaupten, die beste
Methode zur Herstellung des Friedens wäre es, die amerikanische Hilfe für Südvietnam zu verringern oder gänzlich einzustellen und damit die südvietnamesische Regierung zu zwingen, eine politische Lösung auszuhandeln. Dieser Vorschlag beruht auf der irrigen Annahme, es sei die südvietnamesische Regierung,
die die Verhandlungen zur Herbeiführung einer Regelung blockiere.
In Wahrheit sind es die Nordvietnamesen, denen der Abbruch der Verhandlungen und die Fortsetzung des Krieges zuzuschreiben ist. Die einzige Art von
Frieden, die Nordvietnam anstrebt, ist ein mit Waffengewalt aufgezwungener
Friede.
Das ist nicht die Art von Frieden, die das Pariser Abkommen vorsieht.
Das ist nicht die Art von Frieden, um dessentwillen wir und das südvietnamesische Volk so lange gekämpft haben.
Das

-7-

�Das ist nicht die Art von Frieden, die sich mit den Grundsätzen vereinbaren läßt, für die die Vereinigten Staaten eintreten.
Südvietnam hat ausgezeichnete langfristige Möglichkeiten. Seine Streitkräfte haben die Fähigkeit unter Beweis gestellt, ihr Land gegen den militärischen
Druck aus Nordvietnam zu verteidigen, und sie werden bei angemessener logistischer Unterstützung auch weiterhin dazu in der Lage sein. Die natürlichen
Hilfsquellen des Landes, darunter auch eine tüchtige Bevölkerung, sein reicher
Boden und seine Fischgründe, und insbesondere die kürzlich entdeckten Ölvorkommen, bieten eine feste Basis für eine rasche wirtschaftliche Entwicklung,
die der anderer Länder in diesem Gebiet gleichkommen könnte.
Unserer Auffassung nach ist Südvietnam fähig, wirtschaftlich und militärisch stark genug zu werden, sich selbst zu verteidigen. Unserer Auffassung
nach sollte es - wie im Pariser Abkommen vorgesehen - in die Lage versetzt
werden, sein politisches System und dessen Führer selbst zu bestimmen und ein
langfristiges Arrangement mit dem Norden auszuhandeln. Unserer Auffassung nach
wären dann unsere Ziele in Südvietnam erreicht.

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2/1975

KOMMUNIQUE DER ZEHNERGRUPPE VOM 16. JANUAR 1975
- Wortlaut WASHINGTON — ( A D ) — Die Minister und Zentralbank-Gouverneure der in der
Zehnergruppe vertretenen Länder haben zum Abschluß ihrer Washingtoner Beratungen am 16. Januar folgendes Kommunique herausgegeben:

1.

Die Minister und Zentralbank-Gouverneure der zehn Teilnehmerländer an

den Allgemeinen Kreditvereinbarungen traten am 14. und 16. Januar 1975 unter
dem Vorsitz des japanischen Finanzministers Masayoshi Chira in Washington
zusammen.
Der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds, H.J.
Witteveen, nahm an der Sitzung teil, bei der auch der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, F. Leutwiler, der Generalsekretär der OECD, E. van
Lennep, der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich,
R. Larre, und der Vizepräsident der EG-Kommission, W. Haferkamp, zugegen
waren.
2.

-1-

�2.

Nachdem sie einen Bericht des Vorsitzenden ihrer Stellvertreter, Rinaldo

Ossola, gehört hatten, einigten sich die Minister und Gouverneure darauf, daß
ein Solidaritäts-Fonds als neue, allen OECD-Mitgliedern zugängliche finanzielle Unterstützungs-Vereinbarung zum frühestmöglichen Zeitpunkt geschaffen werden
sollte. Jeder Teilnehmer erhält eine Quote, mit der seine Verpflichtungen und
seine Kreditansprüche sowie sein relatives Stimmgewicht festgelegt werden. Die
Aufteilung der Quoten erfolgt hauptsächlich auf der Basis von Bruttosozialprodukt und Außenhandel. Die Summe aller Teilnehmerquoten wird etwa 25 Milliarden
US-Dollar betragen.

3.

Das Ziel dieser Vereinbarung ist es, die Entschlossenheit der teilnehmen-

den Länder zur Verfolgung einer angemessenen Binnen-und Außenwirtschaftspolitik zu unterstützen, einschließlich

gemeinschaftlicher Maßnahmen zur Ermuti-

gung von Produktionserhöhungen und Energieeinsparungen. Es wurde vereinbart,
daß diese Vereinbarung ein Sicherheitsnetz sein soll, das nur als letzte Möglichkeit in Anspruch genommen werden soll. Teilnehmer, die unter der neuen Vereinbarung Kredite beantragen, müssen nachweisen, daß sie in ernsthaften Zahlungsbilanz-Schwierigkeiten sind und ihre eigenen Reserven sowie die ihnen auf
anderen Wegen zugänglichen Hilfsquellen voll und in angemessenem umfang nutzen.
Alle unter dieser Vereinbarung gewährten Kredite werden unter angemessenen
wirtschaftspolitischen Bedingungen eingeräumt. Es wurde darüber hinaus vereinbart, daß alle Teilnehmer das Risiko der Nicht-Rückzahlung von Krediten unter
dieser Vereinbarung gemeinsam im Verhältnis und bis zur Grenze ihrer Quoten
tragen.

�4.

Stellt ein Teilnehmer einen Kreditantrag, so beschließen die anderen

Teilnehmer bei Krediten bis zur Höhe der Quote mit Zweidrittel-Mehrheit über
die Einräumung des Kredits, seine Bedingungen und darüber, ob irgendein Land
aus Zahlungsbilanzgründen nicht dazu verpflichtet sein sollte, einen direkten
Beitrag zu leisten.
Die Einräumung eines Kredits über die Cuote hinaus und bis zu 200 %
der Quote erfordert eine sehr hohe Mehrheit und darüber hinaus einen einstimmigen Beschluß. Falls ein oder mehrere Teilnehmer nicht zur Leistung eines
Beitrags zur Finanzierung eines Kredits verpflichtet sind, so müssen die
Voraussetzungen für die Genehmigung des Kredits auch

hinsichtlich der Bei-

träge leistenden Teilnehmer erfüllt sein.
5.

Weitere Untersuchungen sind noch erforderlich, um die Art der Finanzie-

rung festzulegen. Diese könnte durch direkte Beiträge und/oder durch gemeinsame Kreditaufnahme auf den Kapitalmärkten erfolgen. Bis zur vollen Funktionsfähigkeit der neuen Vereinbarung könnte die Finanzierung vorübergehend durch
Kreditvereinbarungen der Zentralbanken vorgenommen werden.

6.

Die Minister und Gouverneure vereinbarten, die sofortige Einsetzung einer

ad-hoc-Arbeitsgruppe der OECD unter Beteiligung von Vertretern aller interessierten OECD-Länder zu empfehlen, um entsprechend den obigen Grundsätzen
den Entwurf eines Abkommens vorzubereiten. Nach ihrer Ansicht sollte diese Arbeit so rechtzeitig abgeschlossen werden, daß es vom Rat der OECD Ende Februar
1975 gebilligt werden kann.
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2/1975

KOMMUNIQUE DES IWF-INTERIMSAUSSCHUSSES VOM 16.JANUAR 1975
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Das vom Interimsausschuß des Internationalen Währungsfonds
(IWF) zum Abschluß seiner Washingtoner Beratungen am 16. Januar herausgegebene Kommunique hat folgenden Wortlaut:
1.

Der Interimsausschuß des Internationalen Währungsfonds trat am 15. und

16. Januar 1975 in Washington D.C. zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Den
Vorsitz führte John N. Turner, Finanzminister von Kanada. Der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds, H. Johannes Witteveen, nahm
an der Sitzung teil. Die folgenden Beobachter waren bei der Erörterung der
in den folgenden Absätzen 2,3 und 4 behandelten Themen durch den Ausschuß anwesend: Henri Konan Bedie,Vorsitzender des Gemeinsamen Entwicklungsausschusses von Weltbank und Währungsfonds

Gamani Corea, Generalsekretär der UNCTAD;

Wilhelm Haferkamp, Vizepräsident der EG-Kommission

Mahjoob A. Hassanain,

Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der OPEC- RenS Larre, Generaldirektor der BIZ' Emile van Lennep, Generalsekretär der OECD

Olivier Long, Ge-

neraldirektor des GATT; Robert S. Mcnamara, Präsident der Weltbank.
2.

-1-

�2.

Der Ausschuß erörterte die weltwirtschaftlichen Aussichten und vor diesem

Hintergrund den internationalen Anpassungsprozeß. Dabei wurde über Ausmaß und
Dauer der gegenwärtigen rezessiven Tendenzen große Besorgnis geäußert. Mit
Nachdruck wurde auf die Verfolgung einer gegen die Rezession gerichteten Politik gedrängt, bei gleichzeitiger Fortsetzung des Kampfes gegen die Inflation,
insbesondere seitens der Länder in relativ starker Zahlungsbilanzposition. Es
wurde darauf hingewiesen, daß sehr hohe Ungleichgewichte nicht nur zwischen
den großen ölexportierenden Ländern als Gruppe und allen anderen Ländern bestehen, sondern auch unter den Ländern der zuletztgenannten Gruppe, vor allem
zwischen Industriestaaten und rohstoffproduzierenden Ländern. Auch wurde die
Befürchtung geäußert, daß nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen könnten,
um das gegenwärtige, sehr hohe, etwa 30 Milliarden US-Dollar betragende
Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, das für die Entwicklungsländer (ohne
die großen ölexportierenden Länder) für 1975 erwartet wird.

3. Der Ausschuß kam überein, daß 1975 die Olfazilität auf breiterer Grundlage
bestehen bleiben sollte. Er forderte den Geschäftsführenden Direktor auf, so
bald wie möglich mit wichtigen ölexportierenden Mitgliedern des Fonds und mit
anderen Mitgliedern in starker Reserve-und Zahlungsbilanzposition Gespräche
über Darlehen dieser Länder zur Finanzierung der Fazilität zu führen. Der Ausschuß einigte sich auf eine Summe von 5 Milliarden SZR als Gesamtbetrag der
für diesen Zweck aufzunehmenden Darlehen. Ferner wurde vereinbart, etwa ungenutzte Teile der 1974 aufgenommenen Darlehen im Jahre 1975 verfügbar zu machen
Der Ausschuß war der Ansicht, daß es wegen der derzeitigen Unsicherheiten der
Weltwirtschaftslage erforderlich ist, das Funktionieren der Olfazilität fort-

�fortlaufend zu überprüfen,um zu weiteren Maßnahmen bereit zu sein, die im Interesse der internationalen Völkergemeinschaft notwendig werden könnten.
Außerdem hielt man es für nützlich, im Verlauf der nächsten Monate die Politik, die Geschäftspraktiken und die Mittel des Fonds zu überprüfen, da es angebracht sei, zwecks Deckung des Bedarfs der in Schwierigkeiten geratenen
Mitglieder von den regulären Währungsbeständen des Fonds stärkeren Gebrauch
zu machen.

4.

Der Ausschuß unterstrich die Notwendigkeit durchschlagender Hilfsmaßnah-

men zu Gunsten der besonders hart betroffenen Entwicklungsländer. Im Zusammenhang mit der Ölfazilität unterstützte der Ausschuß voll die Empfehlung des
Geschäftsführenden Direktors, daß angemessene Beiträge der ölexportierenden
Staaten, der Industrieländer und vielleicht auch anderer beitragsfähiger Mitglieder auf ein neu einzurichtendes Sonderkonto gezahlt werden sollten und daß
der Fonds dieses Sonderkonto verwalten sollte, um den besonders hart betroffenen Mitgliedern die ihnen im Rahmen der Ölfazilität entstehenden Zinslasten
zu erleichtern.

5.

Der Ausschuß befaßte sich mit Fragen, die mit der im Gang befindlichen

sechsten allgemeinen Überprüfung der Mitgliedsquoten zusammenhängen und vereinbarte, daß vorbehaltlich einer zufriedenstellenden Änderung der IWF- Statuten der Gesamtbetrag der derzeitigen Quoten um 32,5 %, aufgerundet auf
39 Milliarden SZR, heraufgesetzt werden sollte. Man verständigte sich darauf,
daß der Zeitraum bis zur nächsten allgemeinen Quotenüberprüfung von fünf auf
drei Jahre verkürzt werden sollte.
Außerdem

�Außerdem vereinbarte der Ausschuß, daß die Quoten der wichtigen Ölexporteure durch Verdoppelung des Anteils dieser Gruppe beträchtlich heraufgesetzt werden sollten und daß der gemeinsame Anteil aller anderen Entwicklungsländer nicht unter seinen derzeitigen Stand fallen sollte. Da ein wichtiges
Ziel der Heraufsetzung der Quoten die Stärkung der Fondsliquidität ist, bestand Übereinstimmung darüber, daß Vorkehrungen getroffen werden sollten, um
alle Landeswährungsbestände des Fonds im Einklang mit seiner Geschäftspolitik
verwendbar zu machen. Der Ausschuß forderte die Exekutivdirektoren auf, die
Quoten auf der Grundlage der vorstehenden Absprachen zu überprüfen und so
schnell wie möglich detaillierte Empfehlungen für die Heraufsetzung der Quoten der einzelnen Mitgliedsländer vorzulegen.
I

6.

I.

Der Ausschuß behandelte die Frage der Änderung der IWF-Statuten.
4

Es wurde vereinbart, daß die Exekutivdirektoren gebeten werden sollten, mit
ihren Arbeiten in dieser Angelegenheit fortzufahren und dem Ausschuß so bald
wie möglich Änderungsentwürfe zu den folgenden Themen zur Prüfung vorzulegen:
(A) Umwandlung des Interimsausschusses in einen ständigen Ministerausschuß ("Council") zu gegebener Zeit, in dem jedes Mitglied die Stimmen der
von ihm vertretenen Länder gesondert abgeben darf. Der Ministerausschuß soll
gemäß den ihm vom Gouverneursrat übertragenen Vollmachten zu Beschlüssen legitimiert sein.
(B) Verbesserungen im Generalkonto,die Folgendes einschließen würden:
(1) Abschaffung der Verpflichtung von Mitgliedsländern, bei Zahlungen
an den Fonds für Subskriptionen und Rückkäufe Gold zu verwenden sowie - nach
Prüfung durch die Exekutivdirektoren - die Festlegung der Zahlungsmedien;und

�•

und
2.

Vorkehrungen, die sicherstellen, daß unter zufriedenstellenden Absiche-

rungen die Fondsbestände an allen Währungen bei seinen Operationen für alle
Mitglieder verwendbar sind.
(C) Verbesserungen der Wesensmerkmale der SZR, die geeignet sind, sie zum
Hauptreserve-Aktivum des internationalen Währungssystems zu machen.
(D) Vorkehrungen für stabile, aber anpassungsfähige Paritäten und für
die Freigabe von Wechselkursen in besonderen Situationen und unter geeigneten
Regeln sowie Überwachung durch den Fonds, wie in den Richtlinien für die Reform vorgesehen.

II. Der Ausschuß diskutierte auch die Möglichkeit einer Statutenänderung zwecks
Herstellung einer Verbindung zwischen der Zuteilung von SZR und der Entwicklungsfinanzierung, doch bestehen in dieser Angelegenheit auch weiterhin unterschiedliche Meinungen. Es wurde vereinbart, die Angelegenheit weiter aktiv zu
untersuchen, zugleich aber andere Wege zur vermehrten Übertragung realer Hilfsquellen an die Entwicklungsländer zu prüfen.

7.

Der Ausschuß kam weiter überein, die Exekutivdirektoren zu beauftragen,

mögliche Verbesserungen der Fonds-Fazilitäten für die kompensierende Finanzierung von Ausfuhrfluktuationen und die Stabilisierung von Rohstoffpreisen zu
untersuchen und dabei die Möglichkeit einer Statutenänderung zu prüfen, die dem
Fonds die unmittelbare Unterstützung internationaler Ausgleichslager von Rohstoffen erlauben würden.

-5-

�i
8.

Eingehend wurde über künftige Vereinbarungen über das Gold diskutiert.

Der Ausschuß bekräftigte, daß so bald wie möglich Schritte unternommen werden sollten, um dem Sonderziehungsrecht die zentrale Stellung im internationalen Währungssystem zu geben. Es bestand allgemeines Einverständnis, daß
der offizielle Goldpreis abgeschafft und die Verpflichtung der Mitgliedsländer zu Goldzahlungen an den Fonds beseitigt werden sollte. Bei der Vorbereitung eines vollständigen Pakets vereinbarter Statutenänderungen zum Gold ist
beträchtlicher Fortschritt erzielt worden, unter anderem über die Abschaffung
des offiziellen Goldpreises und die Freiheit der nationalen Währungsbehörden
zum Abschluß von Goldgeschäften unter bestimmten Einzelregelungen, die unabhängig von den IWF-Statuten zwischen den nationalen Währungsbehörden getroffen werden, um sicherzustellen, daß die Rolle des Goldes im internationalen
Währungssystem allmählich vermindert wird. Es wird erwartet, daß nach weiteren
Untersuchungen durch die Exekutivdirektoren, bei denen die Interessen aller
Mitgliedsländer berücksichtigt werden, in nächster Zeit volles Einverständnis
erzielt werden kann, so daß es möglich wäre, diese Statutenänderungen mit
dem in den obigen Abschnitten 6 und 7 beschriebenen Anderungspaket zusammenzufassen.

9.

Der Ausschuß vereinbarte, Anfang Juni 1975 in Paris erneut zusammenzu-

treten.

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2/1975

ERFOLGREICHER ABSCHLUSS DER WASHINGTONER WÄHRUNGSGESPRÄCHE
Von Eugene Brake

WASHINGTON —(AD)-- Die in der ersten Januarhälfte in Washington auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Gremien geführten mehrtägigen Währungsgespräche haben zu einer Reihe von Abkommen geführt, die den Industriestaaten wie den
Entwicklungsländern ohne eigene Ölvorkommen die Finanzierung der - aufgrund der
starken Ölpreiserhöhungen durch die OPEC-Länder - jetzt erheblich teureren 01importe wesentlich erleichtern werden. Allerdings müssen die meisten dieser Abkommen noch von den Parlamenten der einzelnen Länder ratifiziert werden.
Die im Zehnerklub sowie im IWF-Interimsausschuß beschlossenen Abkommen
sehen unter anderem vor:
-- Die Schaffung eines Solidaritätsfonds der Industriestaaten, auf den solche Industrieländer zurückgreifen können, die sich nach Ausschöpfung aller eigenen Finanzierungsquellen noch immer hohen Zahlungsbilanzdefiziten gegenübersehen,
sofern diese durch die derzeitige Ölpreissituation entstanden sind.
-- Die Verlängerung der Laufzeit der IWF-Ölfazilität (Sonderfonds für ölbedingte Zahlungsbilanzdefizite) um ein Jahr und ihre Aufstockung auf über

-1-

�über 6 Milliarden Dollar ( 5 Milliarden IWF-Sonderziehungsrechte).
—

Einrichtung eines neuen IWF-Sonderfonds zur Zinssubventionierung von

Krediten der Entwicklungsländer, die durch die weltwirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Zeit am härtesten betroffen wurden. Dieser Fonds soll mit
Finanzbeiträgen der übrigen IWF-Mitgliedsstaaten in Höhe von 65 Millionen Dollar ausgestattet werden.
-- Eine Erhöhung der IWF-Quoten um 32,5 Prozent, die 1976 in Kraft treten und dem Internationalen Währungsfonds neue Mittel zuführen soll.
-- Die Durchführung einer Studie über Statutenänderungen, so daß der
IWF künftig mehr Kredite in mehr Währungen zur Verfügung stellen kann. Damit
wäre es dann auch möglich, Ziehungen in Währungen der erdölexportierenden
Länder vorzunehmen.
Ferner wurden auf den Konferenzen Fortschritte in Richtung auf eine internationale Währungsreform erzielt. So sollen den Mitgliedsstaaten noch in
diesem Jahr verschiedene Änderungsvorschläge zu den IWF-Statuten vorgelegt
werden.
Der Vorsitzende des IWF-Interimsausschusses, der kanadische Finanzminister John M. Turner,

bezeichnete die neuen Abkommen vor der Presse als

einen Beweis für die Zusammenarbeit zwischen den Ländern der Welt und betonte, daß nunmehr die einzelnen Länder nicht mehr in Versuchung geraten würden,
Zu einseitigen Maßnahmen wie Handels-oder Devisenbeschränkungen zu greifen.
Der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, Jack Bennett,
äußerte sich äußerst zufrieden über das Ausmaß der erzielten Vereinbarungen.

Der

-2-

�Der Solidaritätsfonds wird allen Mitgliedsstaaten der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

OECD; offen stehen. Die Mit-

gliedsstaaten werden einen Gesamtbetrag von rund 25 Milliarden Dollar bereitstellen, die in den nächsten zwei Jahren auf Abruf für Finanzierungsaufgaben
verfügbar gemacht werden können, falls dies notwendig werden sollte. Die Quoten
der einzelnen Länder sollen in Kürze nach der. Bruttosozialprodukt und dem
Außenhandel fixiert werden. Eine Anleihe aus diesem Fonds kann mit zwei Drittel Mehrheit gewährt werden, soweit sie die Einlagequote des Anleihenehmers
nicht übersteigt. Das gleiche gilt, falls ein Land aus Zahlungsbilanzgründen
um eine temporäre Befreiung von der Einlagepflicht ersucht. Bei Anleihen bis
zu 200 Prozent der Quote ist eine erheblich größere Stimmenmehrheit erforderlich und bei noch höheren Beträgen muß die Anleihe einstimmig gebilligt werden.
Die auf über 6 Milliarden Dollar aufgestockte Ölfazilität des IWF soll
aus Krediten der großen Erdölexportstaaten sowie solcher Mitglieder gespeist
werden, die starke Reserve-und Zahlungsbilanzpositionen aufweisen. Gespräche
zwischen dem IWF und den betreffenden Ländern sollen in Kürze aufgenommen werden. Unabhängig hiervon soll ein IWF-Sonderfonds zur Zinssubventionierung von
Krediten der Entwicklungsländer eingerichtet werden. Die Mittel in Höhe von
65 Millionen Dollar sollen durch Beiträge der reichen Länder aufgebracht werden. Bei einer Zinsverbilligung um 5 Prozent könnte so eine Kreditaufnahme
der ärmsten Entwicklungsländer in Höhe von bis zu 1,3 Milliarden subventioniert werden.
Beide

�Beide, Finanzminister Turner wie auch Staatssekretär Bennett, unterstrichen vor der Presse, daß die Finanzierung des hohen "Öldefizits" der Länder ohne eigene Ölvorkommen keineswegs auf die 6 Milliarden Dollar der IWFÖlfazilität und die 25 Milliarden Dollar des Solidaritätsfonds beschränkt
sei. Der Solidaritätsfonds stelle praktisch nur ein letztes "Sicherheitsnetz"
dar, wenn alle anderen Finanzierungsmöglichkeiten der betreffenden Länder voll
ausgeschöpft worden seien, zum Beispiel die Möglichkeiten des internationalen
Geschäftsbankensystems, zwischenstaatliche Abmachungen, Vereinbarungen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft, Geldanlagen oder andere Maßnahmen der
erdölexportierenden Länder oder Unterstützung durch internationale Hilfsorganisationen wie die Weltbank und deren Tochtergesellschaften.
Die Änderungsvorschläge zu den IWF-Statuten sollen von den Experten bis
zur Junisitzung des Interimsausschusses entscheidungsreif ausgearbeitet werden. So sollen zum Beispiel der Interimsausschuß zu einem ständigen Gremium
mit Entscheidungsbefugnissen ausgebaut und die Vorschrift aufgehoben werden,
daß die IWF-Mitgliedsstaaten einen Teil ihrer Quoten beim Währungsfonds in
Gold hinterlegen müssen. Hinsichtlich des Goldpreises waren sich die Finanzminister einig darüber, daß der offizielle Goldpreis aufgehoben werden soll.
Staatssekretär Bennett bezeichnete es als möglich, daß die Vorschläge des Interimsausschusses dem amerikanischen Kongreß bereits nach der Junisitzung des
Ausschusses zugeleitet werden können. Das Abkommen über den Solidaritätsfonds
dagegen werde schon früher dem Kongreß vorgelegt werden und er rechne mit
seiner Verabschiedung in diesem Jahr.

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2/1975
JOHN J. SPARKMAN
Der neue Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats

WASHINGTON --(AD)-- Der Name John J. Sparkman mag vielleicht noch nicht den
Klang haben wie J. William Fulbright, und der demokratische Senator aus Alabama mag vielleicht nicht so in den Ruf eines "spiritus rector" der amerikanii

sehen Außenpolitik kommen wie sein demokratischer Vorgänger aus Arkansas.
Fest steht, daß auch Senator Sparkman als Vorsitzender des Außenpolitischen

*
Ausschusses des Senats wesentlich mit an den Weichen stellen wird.
Der Lebensweg des am 20. Dezember 1899 als Sohn armer Farmpächter auf
dem Lande in Alabama geborenen John J. Sparkman kann als Modellfall für die
Aufstiegschancen des Tüchtigen in den USA gelten. Mit den 75 Dollar aus einer
Baumwollernte schrieb er sich im Jahre 1917 an der Universität des Staates
Alabama ein, arbeitete hart, legte ein Examen nach dem anderen mit Auszeichnung
ab und ließ sich dann als erfolgreicher Anwalt nieder.
Nichts wäre törichter, als die Auffassung Sparkmans, die Außenpolitik sei
die Domäne des Präsidenten, als "hinterwäldlerisch" zu bezeichnen. Sparkman
kennt das politische Geschäft in Washington seit fast 40 Jahren aus eigener

-1-

�eigener Anschauung, und er beeilt sich, zu betonen, daß der Außenpolitische
Ausschuß an der "Gestaltung" der Außenpolitik beteiligt sein und klar zum
Ausdruck bringen müsse und werde, wenn er nicht einer Meinung mit dem Präsidenten sei. Man braucht jedoch kein Konservativer wie Sparkman zu sein, um
zu wissen, daß die Verfassung der Vereinigten Staaten den Senat zu einem Gremium des "Anratens und der Zustimmung" macht, dem Präsidenten aber die "vollziehende" Gewalt überträgt. Sparkman dürfte also - bei entsprechender Haltung des Präsidenten - wenig Neigung verspüren, in die Außenpolitik "hineinzuregieren".
In einem Rundfunkinterview kurz vor der Übernahme des Vorsitzes im Ausschuß legte Senator Sparkman seine Auffassung selbst dar: "Unsere Augabe (im
Ausschuß; ist es, uns mit Rat und Zustimmung -

oder auch NichtZustimmung -

zu den Fragen zu äußern, die an uns herangetragen werden. Das ist die Position,
die uns gegenüber dem Präsidenten zugeschrieben ist. Das heißt keineswegs,daß
wir alles tun müssen, was er von uns verlangt - und das werden wir auch nicht..
...
Aber wir müssen in einer Position bleiben, ihm das zu gewähren, was die
Verfassung verlangt: "Anraten und Zustimmung". Wir machen keine Außenpolitik;
nach der Verfassung ist der Präsident mit der Aufgabe der Gestaltung der Aussenpolitik beauftragt, und der Außenminister ist sein ausführendes Organ ...
Wir können zur Gestaltung der Außenpolitik beitragen, aber dies geschieht
durch den Verfassungsauftrag des "Anratens und der Zustimmung".
Die "New York Times" schrieb, Senator Sparkman habe weder im Kongreß
noch in der Administration Feinde. Er sei wegen seines brillanten Geistes
hoch angesehen, wenn auch als Liberaler

etwas zu "pro-Administration"

�.
1

»
"pro-Administration" eingestellt. Sicher ist, daß der Senator aus Alabama ebenso "ablehnen" wie "zustimmen" kann.
Die öffentliche Karriere Sparkmans begann im Jahre 1936, als Freunde in
Huntsville, Alabama, wo er als Anwalt praktizierte, ihn zu einer Kandidatur als
Kongreßabgeordneter überredeten..Daß diese Freunde wußten, was sie taten, ergibt sich aus der Tatsache, daß er fünfmal hintereinander wiedergewählt wurde.
Sparkman ist auch der einzige Amerikaner, der je in das Repräsentantenhaus und in den Senat zugleich gewählt wurde. Im Jahre 1936 stand er auf der
Liste für das Repräsentantenhaus, wurde gewählt, und dann mußte eine Nachwahl
für die noch nicht abgelaufene Legislaturperiode eines verstorbenen demokratischen Senators stattfinden. Auch hier erreichte Sparkman mühelos die Mehrheit
und gab dann seinen Sitz im Repräsentantenhaus ab. Seither ist er wiederum
fünfmal - zuletzt 1972 - in den Senat wiedergewählt worden.
Im Ausschußwesen ist Senator Sparkman ebenfalls ein alter Hase. Ob im
Militärausschuß des Repräsentantenhauses, als Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses für Verteidigungsproduktion oder als Vorsitzender des Banken-und Währungsausschusses des Senats hat sein Wort stets Gewicht gehabt.
Sparkman ist sicherlich alles andere als ein Isolationist. Er tritt für
die Auslandshilfe und für die Vereinten Nationen ein, und er hält an den Verpflichtungen der USA in der Welt, vor allem am NATO-Bündnis, fest. Daß ihm die
Anliegen der Landwirte, vor allem der armen, in den USA und in aller Welt am
Herzen liegen, erklärt sich aus seiner Herkunft.
Sein

-3-

�*

Sein Interesse an und seine Erfahrung in der Außenpolitik stammen aus
seinem weitgefächertem Studium der Geschichte und der Politischen Wissenschaften neben Jura und nicht zuletzt aus seiner engen Freundschaft mit dem verstorbenen Präsidenten Harry S. Truman. Dieser entsandte ihn als Mitglied der
amerikanischen Delegation zu den Vereinten Nationen, und Sparkman reiste auch
dreimal nach der Sowjetunion und kennt praktisch alle wichtigen Länder der Erde aus eigener Anschauung.
Sein Wort wird in der künftigen Außenpolitik der Vereinigten Staaten
sicherlich Gewicht haben.

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SATELLITEN WACHEN ÜBER DIE UMWELT
-ERTS-System wird ausgebaut-

--(AD)=.~ "Wenn ich eine Entwicklung der Raumfahrttechnik nennen sollte, mit
der der Welt am meisten gedient sei, dann wäre es das System ERTS und die
daraus entwickelten Satelliten, die in den nächsten Jahren folgen."
Dr. James C. Fletcher, der Leiter des US-Amtes für Luft-und Raumfahrt (NASA),
geht in seiner Begeisterung für die ERTS-Geräte zur Erforschung von Bodenschätzen, Beobachtung von Vegetation oder Erfassung von Umweltschäden sicherlich nicht zu weit. Denn in 29 Monaten hat der im Juli 1972 gestartete
Satellit ERTS-1 mit mehr als 100 000 Aufnahmen

und vielen anderen Messungen

demonstriert, wie wichtig dieses Projekt für eine wissenschaftliche und
wirtschaftliche Bestandsaufnahme unserer Erde und für künftige Planungsaufgaben tatsächlich ist.
Inzwischen hat der Satellit, der noch immer fotografiert, mißt und sendet, Gesellschaft bekommen. ERTS-2, am 22. Januar 1975 von der Abschußbasis
in Kalifornien ebenfalls auf eine polare Umlaufbahn gebracht, wird mit gleichen Instrumenten die Untersuchungen ergänzen und fortführen, wenn ERTS-1,
der in bezug auf Qualität und Betriebsdauer alle Erwartungen übertraf, einmal
seine Sendungen einstellt.

Diese
-1-

�Diese Geräte machen es möglich, Boden, Wasser und Luft unter ganz bestimmten Gesichtspunkten zu sondieren und Entwicklungen aufzudecken, die das
menschliche Auge kaum wahrzunehmen vermag, oder die bei Untersuchungen, welche unmittelbar an der Erdoberfläche mit Instrumenten vorgenommen werden, nur
schwer erfaßt werden können. So lieferte ERTS-1 Meßdaten, die genaue
Schätzungen der Wachstumsgeschwindigkeit von Getreide wie Weizen, Gerste,
Mais und Reis sowie der zu erwartenden Erntemengen zuließen. Aufnahmen von
den von verheerender Dürre heimgesuchten Gebieten der Sahel-Zone in Afrika
zeigten eindrucksvoll, welche Schutzwirkung die Einzäunung von Weideflächen
besitzt und daß auf diese Weise Wüstenboden einer produktiven Nutzung zugeführt werden kann.
Für die Forstwirtschaft ließen sich genaue Schätzwerte für den Nutzholzbestand und die Holzmengen erarbeiten, die geschlagen werden können. Zur Vorbereitung von Karten waren nur noch Tage statt wie früher Monate und Jahre
erforderlich - Karten, die Stadtverwaltungen und Behörden von Bundesstaaten
der USA für Zwecke der Raumordnung und Bodennutzung verwendeten . Bisher nicht
bekannte geographische Merkmale wie Berge in unzugänglichen Regionen und Land
in der Antarktis wurden entdeckt. ERTS-Bilder von Gebieten, vor und nach
einer Überschwemmung, gaben wichtige Hinweise, welche Maßnahmen zum Schutz
gegen Hochwasser am wirksamsten sind.
Geologen können Verwerfungszonen und Risse im Oberflächenbereich der
Erdkruste identifizieren, die häufig mit Erdbeben und mit bestimmten Mineralvorkommen in Zusammenhang stehen. Die Belastung von Flüssen mit Sedimenten
und die Auswirkung der Beseitigung von Industrieabfällen und Abwasser in
Küstengewässern läßt sich mit Hilfe der ERTS-Daten vorhersagen und über-

�überwachen. Diese Daten spielen z.B. auch für Planungen zum Ausbaggern von
Häfen und für die Bekämpfung von Wasserverschmutzung eine wichtige Rolle.
Alle 18 Tage überfliegen die ERTS-Satelliten die gleichen Gebiete und
sondieren die gleichen Geländeausschnitte von 180 mal 180 km/Fläche. Fernsehkameras machen Aufnahmen in verschiedenen Spektralbereichen. Die separate
Auswertung dieser "Falschfarbenbilder", die übereinanderkopiert ein originalgetreues Farbbild ergeben, lassen Rückschlüsse auf veränderliche Prozesse
wie abnehmende und zunehmende Bodenfeuchtigkeit oder das Auftreten und die
Verbreitung von Pflanzenkrankheiten bereits in einem Stadium zu, in dem der
Befall normalerweise noch gar nicht erkannt wird.
Gleichzeitig mit den Kameras tasten Sensoren den überflogenen Raum ab
und registrieren elektromagnetische Strahlungen, die unter der Einwirkung von
Sonnenergie alle tote und lebende Materie abgibt. Da die verschiedenen Materialien Sonnenenergie unterschiedlich und jeweils auf eine für sie typische
Weise reflektieren, wird es mit Hilfe solcher Sensoren möglich, auch unbekanntes Material zu identifizieren. Eine an Hand der Erfahrungswerte ständig verfeinerte Auswertung der Daten führte z.B. dazu, große Fischschwärme und ihre
Wanderwege im Meer, die Konzentration von Nährstoffen im Oberflächenwasser,
die Wassertrübung in Küstengewässern, die Verdünnung von Industrieabgasen in
der Luft oder sogar die Quelle besonders schädlicher Luftverschmutzung ausfindig zu machen.
Die ERTS-Satelliten sind außerdem Vorreiter für die Schaffung eines weltweiten Netzes von automatischen Meßstationen für Umweltdaten. Sie sammeln die
über Funk abgestrahlten Meßwerte über Temperaturen am Boden, Luftfeuchtigkeit,

�Luftfeuchtigkeit, Windstärke und Windrichtung von bis zu 1 ooo Plattformen
in den USA - alles Daten, die die Meßwerte der Bordinstrumente ergänzen. Diese
werden von drei amerikanischen Empfangsstationen aufgefangen und an das
Goddard Space Flight Center in Greenbelt (Maryland)

zur Auswertung weiterge-

geben. Kopien aller Meßdaten und Fotos gehen anschließend an die Zentrale für
die "Earth Resources Observation Systems" (EROS) in Sioux Falls (Süddakota),
die sie gegen geringe Gebühr jedem Interessenten im In-und Ausland zur Verfügung stellt.
Mehr als 40 Länder sind mit eigenen Forschungsprojekten am ERTS-Programm
beteiligt. Kanada und Brasilien haben bereits eigens Bodenstationen eingerichtet, wo sie die über ihren Ländern aufgenommenen Daten direkt von den Satelliten empfangen können.
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15. Januar 1975

Nummer

Inhalt
DOKUMENTATION:
Ford umreißt neues Wirtschafts-und F.nergieprogramm
-Rundfunk-und Fernsehansprache des Präsidenten am 13. Januar 1975-

INFORMATION:
Veranstaltungskalender 1975 im US-Handelszentrum Frankfurt/Main
Neues für die Bekleidungsindustrie aus USA
-Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt/MainUSA entwickeln deutsch-französische Rakete Roland II weiter

WIRTSCHAFT:
Das neue amerikanische Handelsgesetz
-Ford mit Einschränkungen zufrieden-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Der 94. Kongreß der Vereinigten Staaten
-Jünger, liberaler und noch mehr Demokraten.

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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1/1975

FORD UMREISST NEUES WIRTSCHAFTS- UND ENERGIEPROGRAMM
- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten am 13. Januar 1975

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ford hat in einer Rundfunk- und Fernsehansprache am Abend des 13. Januar dem amerikanischen Volk die Grundzüge seiner
Vorschläge für die Wirtschafts- und Energiepolitik dargelegt.

Damit hat zum

ersten Mal ein amerikanischer Präsident vor seiner Botschaft über die Lage
der Nation in dieser Form der Öffentlichkeit Ankündigungen über politische
Programme gemacht.

Ford kündigte unter anderem an, daß die Einfuhrabgaben für Rohöl in den
nächsten drei Monaten auf drei Dollar pro Barrel erhöht werden.

Ferner will

er den Kongreß um eine umfassendere Besteuerung von Rohöl und Erdgas ersuchen,
um eine Senkung des Verbrauchs zu erreichen, und die Wirtschaft durch Steuersenkungen beleben.

Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Ohne viel Worte zu verlieren, möchte ich heute abend mit Ihnen darüber
sprechen, wie wir unser eigenes Haus in Ordnung bringen können.
Amerika eine neue Richtung geben.

Wir müssen

Wir müssen die gegenwärtige Rezession um-

kehren, die Arbeitslosigkeit abbauen und mehr Arbeitsplätze schaffen. Wir

- 1 -

�(
Wir müssen das Vertrauen der Verbraucher ebenso wie das der Investoren wiederherstellen. Wir müssen weiterhin einen wirksamen Plan zur Bekämpfung der Inflation verfolgen.

Wir müssen ohne Verzug unseren Fortschritt als freies Volk

wieder fest in die Hand bekommen.

Gemeinsam können und werden wir diese Aufgabe erfüllen.

Was Selbstdiszip-

lin und Durchsetzungsvermögen angeht, so ist unser nationaler Charakter stark.
Die Amerikaner sind immer dann am besten, wenn es schwierig wird.
es schwierig und es kann vielleicht noch schwieriger werden.

Derzeit ist

Aber wenn wir tun,

was getan werden muß, dann werden wir auf dem Wege zu besseren Tagen sein.

Wir

haben eine historische Chance.

Am Mittwoch werde ich dem neuen Kongreß die Botschaft über die Lage der
Nation vorlegen und ihn um seine Unterstützung bitten, diese Lage rasch zu
verbessern. Aber weder der Kongreß noch der Präsident können Gesetze verabschieden oder Verordnungen erlassen, die automatisch zur wirtschaftlichen Besserung und zur sofortigen Prosperität führen.

Die Regierung kann dabei helfen,

ungleiche Lasten besser zu verteilen, ein Beispiel gesunder wirtschaftlicher
Maßnahmen geben und mit einem klaren und koordinierten Programm des nationalen
WiederaufSchwungs eine führende Rolle übernehmen.

Heute abend möchte ich mit Ihnen über das sprechen, was getan werden muß,
denn schließlich sind Sie es, die am meisten betroffen sind.

Seit ich vor fünf

Monaten Ihr Präsident geworden bin, sind die wirtschaftlichen Probleme mein
größtes Anliegen gewesen.
flation und Energie.

Zwei Elemente unseres Problems sind langfristig - In-

Diese beiden Elemente werden nicht nur durch unser Han-

deln, sondern auch durch internationale Kräfte beeinflußt, die außerhalb unserer direkten Kontrolle liegen.

Das neue und beunruhigende Element im wirt-

schaftlichen Bild ist unsere sich verschärfende Rezession und die damit verbundene Arbeitslosigkeit.

Wir haben einige Fortschritte dabei gemacht, die sich nach oben drehende
Spirale der Inflation zu verlangsamen und die Zinssätze in eine Abwärtsbewegung
zu bringen.

Aber wir haben beim Absatz und bei der Arbeitslosigkeit plötzliche

�plötzliche und schwere Rückschläge erlitten.

Aus diesem Grunde müssen wir unseren Nachdruck von der Inflation auf die
Rezession verlegen.

Aber wenn wir das tun, dürfen wir die sehr realen und

tödlichen Gefahren steigender Preise und rückläufiger Binnenenergieversorgung
nicht aus dem Auge lassen. Wir Amerikaner haben nicht länger unser eigenes
nationales Schicksal völlig in der Hand, wenn dieses Schicksal von der unsicheren Versorgung mit ausländischen Brennstoffen zu hohen, von anderen festgesetzten Preisen abhängt.

Die höheren Energiekosten tragen sowohl zur Infla-

tion als auch zur Rezession bei.

Und die Abhängigkeit von anderen bei der

künftigen Energieversorgung ist für unsere nationale Sicherheit untragbar.

Wir müssen einen gleichzeitigen Dreifrontenkrieg gegen Rezession, Inflation und Abhängigkeit in der Energieversorgung führen.

Wir haben keine andere

Wahl.

Wir brauchen innerhalb von 90 Tagen das nachdrücklichste und weitreichendste
Energiesparprogramm, das wir jemals hatten.
mehr kosten als bisher.

Jawohl, Benzin und Öl werden noch

Aber dieses Programm wird zwei wichtige Ziele erreichen:

Es wird vom unnötigen Verbrauch an Erdölprodukten abhalten und es wird die Entwicklung und Einführung anderer Brennstoffe und neuer Energiequellen vorantreiben.

Um einen dringend erforderlichen nationalen Energieplan sofort in Gang zu
setzen, werde ich die Vollmachten des Präsidenten für Notfälle benutzen, um
unsere Abhängigkeit von ausländischem öl dadurch zu verringern, daß ich die
Importabgaben für jedes Barrel ausländischen Rohöls während der nächsten drei
Monate von 1 Dollar auf 3 Dollar erhöhe.

Ein umfassenderes Programm der Be-

steuerung von Öl und Erdgas zur Energieeinsparung, um den Verbrauch wesentlich
zu senken, muß vom Kongreß verabschiedet werden.

Die Einkünfte aus solchen

Steuern werden in die Wirtschaft zurückgeführt werden.

Darüber hinaus enthält

mein Energiesparprogramm die Vollmacht zur Ölzuteilung, um in bestimmten geographischen Gebieten, wie etwa Neuengland, oder in bestimmten Industriezweigen
oder Gebieten des menschlichen Bedarfs, wo Öl unerläßlich ist, unnötige Härten

- 3-

�)
1

«.
Härten zu vermeiden.
zeuger.

Der Plan verhindert auch Spekulationsgewinne der Er-

Ferner müssen freiwillige Anstrengungen gemacht werden, um den Ver-

brauch von Benzin und anderer Energie zu senken.

Mein nationaler Energiespar-

plan wird den Kongreß ersuchen, einen fünfjährigen Aufschub der höheren Umweltverschmutzungsnormen für Automobile zu gewähren, um einen 40 Prozent geringeren
Verbrauch - in Gallonen pro Meilen - zu erreichen.

Von ebenso entscheidender

Bedeutung sind nachhaltigere Maßnahmen, um die Entwicklung anderer einheimischer
Energiequellen wie Kohle, geothermale, Sonnen- und Nuklearenergie zu beschleunigen.
Dieser Flan erfordert persönliche Opfer.

Aber wenn wir alle mitmachen,

dann werden wir unser Ziel erreichen, bis Ende dieses Jahres die ausländischen
ölimporte um eine Million Barrel pro Tag und bis Ende 1977 um zwei Millionen
Barrel pro Tag zu senken.

Die Energiesparmaßnahmen, die ich heute abend um-

rissen habe, werden durch die Vollmacht des Präsidenten ergänzt, die ölimporte

%

soweit zu begrenzen, wie dies für die volle Erreichung dieser Ziele notwendig
ist.

Bis 1985 - also in zehn Jahren - werden die Vereinigten Staaten gegen
Störungen der ausländischen Energieversorgung oder gegen Ölembargos, wie wir
sie im vorigen Jahr erlebt haben,unverwundbar sein.

Natürlich steht unser Be-

darf im eigenen Lande an erster Stelle. Aber unsere Fortschritte in der Unab- hängigkeit der Energieversorgung werden mit unseren Freunden im Ausland voll
koordiniert werden.

Unsere Anstrengungen sollten ähnliche Maßnahmen unserer

Verbündeten auslösen.

Wenn der Kongreß dieses Nationale Energieprogramm rasch verabschiedet,
dann wird keine Notwendigkeit für eine Zwangsrationierung oder für lange Schlangen an den Tankstellen bestehen.

Die Benzinpreise werden steigen, wenn auch

nicht so sehr, wie bei einer Steuer von 20 Cent pro Gallone.

Im übrigen wird

die Belastung durch die Besteuerung zum Zwecke der Öleinsparung auf alle Verbraucher nicht nur auf die Kraftfahrer, umgelegt werden.

Lassen Sie mich jetzt noch etwas zu dem Problem der Arbeitslosigkeit sagen.

�sagen.

Dieses Land braucht eine sofortige Senkung der Bundeseinkommenssteuer

um 16 Milliarden Dollar.

Drei Viertel dieser Gesamtkürzung oder 12 Milliarden

Dollar sollen dem einzelnen Steuerzahler in Form einer Barrückzahlung zugute
kommen, die sich auf 12 Prozent seiner Steuerzahlungen im Jahre 1974 belaufen
würde - bis zu einer Rückzahlung von 10O0 Dollar. Wenn der Kongreß die Behandlung bis 1. April abschließt, werden Sie ihren ersten Scheck über die halbe
Rückzahlung im Mai und für den Rest im September bekommen.
Das restliche Viertel der Steuersenkung, also rund 4 Milliarden Dollar,
werden an steuerzahlende Unternehmer, einschließlich Farmer, gehen, um Betriebsausweitungen zu fördern und mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Dies wird in Form

einer Erhöhung der Investitionssteuerabschreibung auf 1^2 Prozent für ein Jahr
geschehen. Besondere Bestimmungen werden wichtige öffentliche Versorgungseinrichtungen dabei unterstützen, ihre Energiekapazität auszuweiten.

Dies wird

Kapitalinvestitionen und Produktivität, der Schlüssel zu Wiederaufschwung und
Wachstum,anregen.

Sobald die neuen Einnahmen aus den Energiesparsteuern eingegangen sind,
werden wir in der Lage sein, 3 Milliarden Dollar - in Form zusätzlicher Zahlungen und Anleihen an Einzelpersonen, Unternehmen sowie einzelstaatliche und
kommunale Behörden - in die Wirtschaft zurückzuführen.

Auch diejenigen, die auf Grund ihrer niedrigen Einkünfte keine Einkommensteuern zahlen, können Barauszahlungen aus diesem Gesamtbetrag erhalten. Sie
sind von der Inflation und den gestiegenen Energiekosten am härtesten betroffen.

Dieses kombinierte Programm beläuft sich insgesamt auf 46 Milliarden
Dollar - 30 Milliarden Dollar an wiederausgeschütteten Einnahmen aus der Energiesteuer als Ausgleich für die gesti^jenen Brennstoffkosten - und 16 Milliarden
Dollar an Steuersenkungen, die zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen
sollen.

Und die Einnahmen aus der Energiesparsteuer werden solange in die

Wirtschaft zurückfließen, wie die Krise anhält.
Dieses
- 5 -

�I
Dieses Wirtschaftsprogramm unterscheidet sich in seinem Schwergewicht
von den Vorschlägen, die ich im Oktober vorigen Jahres unterbreitet habe. Der
Grund dafür ist, daß sich die Situation geändert hat. Sie wissen das, und ich
weiß das. Was wir heute am dringendsten brauchen, ist mehr Geld zum Ausgeben
in unserem Geldbeutel und nicht im Schatzamt in Washington.
darüber im klaren sein:

Wollen wir uns

Eine Steuersenkung zur Stärkung der Wirtschaft be-

deutet vorübergehend ein größeres Defizit im Bundeshaushalt, und ich habe mein
ganzes öffentliches Leben lang gegen Defizite gekämpft. Aber wenn die Wirtschaft nicht rasch wieder gesundet, werden die Steuereinnahmen des Bundes so
stark schrumpfen, daß die künftigen Defizite noch größer ausfallen würden.
Aber ich habe meine grundsätzliche Überzeugung,- daß fiskalische Zurückhaltung
notwendig ist, nicht aufgegeben.

Langfristig gibt es kein anderes wirkliches

Heilmittel für unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Als ich mich mit dem Haushalt für dieses und für das kommende Finanzjahr
herumschlug, stellte ich fest, daß mindestens drei Viertel
ausgaben bereits gesetzlich festgelegt sind.

der gesamten Bundes-

Der Präsident ist durch Gesetze

daran gehindert, die Ausgaben für eine ständig wachsende Liste von Programmen zu
kürzen, die Zahlungen an einzelstaatliche Behörden, Kommunen, Familien und
Einzelpersonen vorschreiben.

Wenn diese Gesetze nicht geändert werden, dann

gibt es, das kann ich Ihnen sagen, nur zwei Wege - noch höhere Bundessteuern
oder die noch ruinösere versteckte Besteuerung über die Inflation.

So wie

sie sind, werden die gesetzlich vorgeschriebenen Programme des Bundes die Hauptursache für das Defizit im Bundeshaushalt in diesem und im kommenden Jahr in
einerGrößenordnung von 30 bis 50 Milliarden Dollar sein.

Defizite in einer

solchen Größenordnung sind schlecht - es sei denn, sie seien unter ganz ungewöhnlichen Umständen auf einer vorübergehenden Basis zustandegekommen.

Eine

Reform dieser kostspieligen, gesetzlich vorgeschriebenen Ausgabenprogramme des
Bundes braucht Zeit.

Für diesen Zeitraum habe ich, um das Haushaltdefizit so

niedrig wie möglich zu halten, beschlossen, Interimsmaßnahmen zu ergreifen.

In meiner Botschaft über die Lage der Nation werde ich keine neuen Ausgabenprogramme des Bundes vorschlagen - den Energiesektor ausgenommen.

Und

der Kongreß - Ihre Vertreter in Washington - teilen mit mir eine gleiche Ver-

�Verantwortung, darauf zu achten, daß keine neuen Ausgabenprogramme verabschiedet werden.

Ich werde nicht zögern, ein Veto gegen jedes neue Ausgaben-

programm einzulegen, das der Kongreß mir vorlegt.

Zahlreiche vorgeschlagene

Ausgabenprögramme des Bundes sind wünschenswert und wären von mir in der Vergangenheit unterstützt worden.

Aber sie kosten Geld - Ihre Steuer-Dollar.

Es ist wirklich an der Zeit, ein einjähriges Moratorium für neue Ausgabenprogramme des Bundes zu erlassen.

Ich brauche hierzu Ihre Unterstützung.

Es ist entscheidend wichtig, daß Ihre Vertreter im Kongreß wissen, daß Sie
diese Sorge wegen der Inflation teilen.

Ich meine, die Bundesregierung muß allen Amerikanern zeigen, daß sie das,
was sie anderen über Opfer und Selbstbeschränkung prodigt, auch selbst tut.
Daher werde ich darauf bestehen, daß im Jahr 1975 jede Gehaltserhöhung beim
Bund auf fünf Prozent begrenzt bleibt und ich werde den Kongreß ersuchen, die
gleiche vorübergehende Höchstgrenze von fünf Prozent auch für die automatischen,
an die Lebenshaltungskosten gebundenen Pensionserhöhungen für ehemalige Regierungsbedienstete und Soldaten sowie bei der Sozialversicherung festzusetzen.
Die Regierung allein kann die Lebenshaltungskosten nicht senken.

Aber bis sie

zurückgehen, kann die Regierung davon Abstand nehmen, sie weiter in die Höhe
zu treiben.

Denn nur wenn die Lebenshaltungskosten heruntergehen, kann jeder

für seinen Pensions- und Gehaltsscheck den vollen Gegenwert erhalten.

Ich

möchte diesen Tag schneller herbei führen.

Heute abend habe ich die wichtigsten Punkte meiner Energie- und Wirtschaftsprogramme zusammengefaßt.

Sie müssen, so wie ich das sehe, Hand in Hand gehen.

Am Mittwoch werde ich diese Vorschläge vor dem Kongreß erläutern.

Es werden

noch weitere Empfehlungen, kurzfristige und langfristige, kommen, um unser Programm für alle so fair wie möglich zu gestalten.
deln und verantwortungsbewußte Gesetze drängen.

Ich werde auf promptes HanDie Gefahr, nichts zu tun,

ist groß; die Gefahr, zuviel zu tun, ist ebenso groß.

Wir können es uns nicht

leisten, Sand in das Getriebe unserer komplexen Wirtschaftsmaschinerie zu
streuen, nur weil sie nicht auf vollen Touren läuft.
Wir
- 7-

�Wir befinden uns in Schwierigkeiten.
einer neuen großen Rezession.

Aber wir stehen nicht am Anfang

Unserpolitisches und wirtschaftliches System

ist heute um ein Vielfaches stärker als in den dreißiger Jahren.

Wir haben

in unsere Wirtschaft Maßnahmen zum Schutz der Einkommen und zur Milderung der
Arbeitslosigkeit eingebaut.

Ich habe alle erforderlichen Schritte ergriffen,

und werde dies auch weiterhin tun, um massive Verzerrungen und persönliche
Härten und vor allem das Unglück einer wachsenden Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Aber vernünftige Lösungen unserer wirtschaftlichen Schwierigkeiten hän-

gen in erster Linie von der nachdrücklichen Unterstützung durch jeden von Ihnen
ab.

Die großen und die kleinen Unternehmen, die organisierten und die nicht

organisierten Arbeiter, die Behörden der Einzelstaaten und der Kommunen wie
auch die Bundesregierung müssen Selbstbeschränkung üben. Es wird niemandem
gestattet werden, aus den vorübergehenden Härten, die die meisten von uns
willig auf sich nehmen, Gewinn zu schlagen.

Ebensowenig können wir es zulassen,

daß irgend welche Sonderinteressen aus unserer gemeinsamen Notlage Vorteil
ziehen.
Um die wirtschaftlichen Aussichten zu verbessern, müssen wir zunächst
einmal den Glauben an uns selbst zurückgewinnen.

Niemand wird uns aus unseren

Schwierigkeiten heraushelfen, es sei denn wir .selbst mit eigener Kraft.

In

den 200 Jahren als Nation haben wir über äußere Feinde und innere Konflikte
triumphiert - und jedes Mal sind wir stärker als zuvor daraus hervorgegangen.
Dies hat immer entschlossene Führer und ein hingabebereites Volk verlangt, und
dieser Ruf ist niemals angehört verhallt.

In jeder Krise hat sich das amerikanische Volk enger zusammengeschlossen,
die Ärmel hochgekrempelt und das getan, was getan werden mußte.

Ich rufe Sie

und diejenigen, die Sie im Kongreß vertreten auf, eine Wende in unserer Wirtschaft herbeizuführen, unsere Unabhängigkeit auf dem Energiesektor zu verkünden
und dafür zu sorgen, daß unsere freie Gesellschaft wieder von der übrigen Welt
bewundert wird.

Der Beginn unserer Zweihundert Jahrfeier ist ein guter Zeitpunkt, um erneut
unseren Stolz und unsere Ziele als Amerikaner zu bekräftigen, die sich selbst

�selbst helfen und die ihren Nachbarn helfen, gleichgültig wie schwer die
Aufgabe ist. Was mich anbetrifft, so wer,de ich das tun, was ich für unser
gesamtes Volk als richtig erachte - ich werde mein Westes für Amerika geben,
so lange ich in diesem historischen Gebäude wohne.
ist.

Es ist jetzt an der Zeit, es zu tun.

und unsere Zukunft schützen.

Wir wissen, was zu tun

Wir müssen unsere Nation erhalten

Laßt uns gemeinsam handeln, und möge Gott unser

Unterfangen segnen."

+ + + + +

�»

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1/1975
VERANSTALTUNGSKALENDER 1975 IM US-HANDELSZENTRUM FRANKFURT/MAIN
--(AD)— Im ersten Halbjahr 1975 wird das US-Handelszentrum in Frankfurt fol
gende Ausstellungen und Fachtagungen veranstalten:
Materialprüfung - Geräte und Instrumente

11.-14. Februar 1975

Maschinen und Geräte für die Bekleidungsindustrie

18.-21. März 1975

Umweltverschmutzung - Meß- und Kontrolleinrichtungen

22.-25. April 1975

Klimaanlagen und Kühleinrichtungen

13.-16. Mai

1975

Sport, Freizeit und Erholung

10.-13. Juni

1975

Für das zweite Halbjahr sind folgende Themen geplant:
Bauelemente für die Mikroelektronik

September 1975

Industrielle Alarm-, Sicherheits-und Wartungseinrichtungen

Oktober

1975

Fertigungseinrichtungen für die Elektronik

November

1975

Industrielle Prozeßsteuerung

Dezember

1975

Die genauen Termine für das zweite Halbjahr stehen in Kürze zur Verfügung. Anfragen und Programmbestellungen sind zu richten an: US-Handelszentrum Frankfurt/Main, 6 000 Frankfurt,Bockenheimer Landstr.2-4. Tel.72 08 01,
Telex: 41 65 35

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1/1975

NEUES FÜR DIE BEKLEIDUNGSINDUSTRIE AUS USA
-Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt/Main-

-(AD)-- Das US-Handelszentrum in Frankfurt/Main veranstaltet vom 18.-21.März
1975 eine Fachausstellung zum Thema "Maschinen und Geräte für die Bekleidungsindustrie" .
Bekleidungsindustrie und Modebranche sind heute mehr denn je zu einer
weitgehenden Rationalisierung ihrer Fertigungsbetriebe gezwungen. Die Preiswürdigkeit amerikanischer Erzeugnisse angesichts der Dollar/D-Mark-Relation
einerseits sowie Erfahrung und Fortschritt in der Produktionsautomatisierung
andererseits machen die hier ausgestellten Produkte für den europäischen Textilverarbeiter attraktiv.
Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über das US-Angebot
an technischen Ausrüstungen für alle Verarbeitungsphasen in der Bekleidungsindustrie - vom Entwurf über den Schnitt bis zum Nähen, Applizieren, Ausrüsten/
Finishing einschließlich Einrichtungen zur Rationalisierung des Arbeitsflusses,
Ein Teil der Aussteller sucht in erster Linie Kontakte zu deutschen
Firmen(vertriebsfirmen,Lizenznehmer oder Partner für gemeinsame Projekte).
Anfragen und Programmbestellungen sind zu richten an: US-Handelszentrum,Frankfurt/Main, Bockenheimer Landstr. 2/4, Tel.:(0611) 72 08 Ol Telex: 41 65 35.

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1/1975

USA ENTWICKELN DEUTSCH-FRANZÖSISCHE RAKETE ROLAND I I
WEITER

WASHINGTON --(AD)-- Die Vereinigten Staaten- werden die von deutschen und
französischen Firmen gemeinsam entwickelte Boden-Luft-Rakete Roland II zur
Erprobung übernehmen, wie das amerikanische Verteidigungsministerium am
9. Januar bekanntgab. Die Roland II entstand bei Euromissile, an der Messerschmitt- Bölkow-Blohm und die französische Firma Aerospatiale beteiligt sind.
Das amerikanische Verteidigungsministerium hat an die amerikanische
Flugzeugfirma Hughes Aircraft Corporation, die zusammen mit Boeing die
Alleinlizenz für den Bau der Rakete in den den Vereinigten Staaten besitzt,
einen Kontrakt von 108,4 Millionen Dollar vergeben. Der Kontrakt erstreckt
sich auf die Erprobung und Anpassung des Flugkörpers für die amerikanischen
Streitkräfte.
Insgesamt waren 21 Firmen zu Angeboten aufgefordert worden. In Auswahl
hatten unter anderem zwei weitere europäische Raketen, die britische Rapier
und die französische Cotale , gestanden. Ein Sprecher des Pentagon erklärte
jedoch, die Roland sei das "kosteneffektivste", also preisgünstigste System,
das gegenwärtig zur Verfügung stehe.
Die

-l-

�Die Roland ist von Euromissile nach den Erfordernissen der französischen
und deutschen Streitkräfte entwickelt worden. Es handelt sich um eine Allwetter-Rakete, die vor allem für die Abwehr von Tieffliegern eingesetzt werden
soll. Für amerikanische Zwecke wird sie zunächst auf einem vierrädrigen Fahrzeug montiert werden, das die Boeing Company baut.
Die Entscheidung der amerikanischen Regierung wird als ein Durchbruch
der europäischen Waffenhersteller betrachtet. Obwohl in der zwei-bis dreijährigen Laufzeit des Kontrakts nur 5,5 Millionen Dollar an Euromissile gehen,
sind viele Experten der Auffassung, daß sich damit eine neue Bereitschaft des
Pentagon erkennen läßt, auch in Europa Waffen und Gerät zu beschaffen. In zuständigen Kreisen in den USA wie auch bei der NATO hat sich seit langem die
Überzeugung durchgesetzt, daß die Einführung der jeweils preisgünstigsten,
also auch europäischer Waffensysteme bei den amerikanischen Streitkräften, die
Entwicklungskosten im Bündnis senken und seinen Streitkräften eine größere
Schlagkraft verleihen würde.
Der einzige größere Beschaffungsauftrag, den die Vereinigten Staaten bisher ans Ausland vergeben haben, war der Kauf des britischen Flugzeuges Harrier
im Jahre 1971 für das Amerikanische Marinekorps.
Von den 108,4 Millionen Dollar sind 10,8 Millionen Dollar sofort angewiesen worden, und von dieser Summe gehen 2 Millionen Dollar an Euromissile.
Im amerikanischen Verteidigungsministerium wird in diesem Zusammenhang
betont, daß sich

der Kontrakt nur auf die Entwicklung bezieht und keine Be-

schaffung einschließt.
Nach

�Nach amerikanischen Presseberichten würden die eigentlichen Produktionskosten auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Sprecher des Pentagon wiesen jedoch
alle solchen Spekulationen zurück, da noch keine endgültige Entscheidung über
die Beschaffung der Roland II getroffen sei.
Wenn sich die Vereinigten Staaten entschließen sollten, das Waffensystem,
das bei der deutschen Bundeswehr die Bezeichnung Fla-Rak-Panzer I trägt, zu
produzieren, dann würde es die Raketen vom Typ Vulcan und Chapparal in Buropa
ersetzen.
Die Verlautbarung des amerikanischen Verteidigungsministeriums hat folgenden Wortlaut:
"Der Staatssekretär für die Armee (Armeeminister Howard H. Callaway) gab
heute (9. Januar) die Vergabe des folgenden Kontrakts bekannt:
Der Firma Hughes Aircraft, Canoga Park, Ca.,ist für die technische Entwicklung einer Allwetter-Kurzstrecken-Luftabwehr-Rakete (Short Range Air Defense = SHORAD) ein Kontrakt in Höhe von 108 394 160 Dollar für Kosten und Gebühren gewährt worden, von denen 10 769 702 Dollar heute angewiesen werden.
Der Vergabe ist eine Ausschreibung vorausgegangen, an der 21 Firmen teilgenommen und unsere Bedingungen erhalten haben. Kontraktor ist das U.S.Army Missile
Command, Redstone Arsenal in Huntsville, Alabama."

-3-

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1/1975

DAS NEUE AMERIKANISCHE HANDELSGESETZ
-Ford mit Einschränkungen zufrieden-

WASHINGTON --(AD)-- Das neue amerikanische Handelsgesetz, das nach zweijährigem Tauziehen am 20. Dezember 1974 vom Kongreß verabschiedet und am 3. Januar
1975 von Präsident Ford unterzeichnet wurde, wird übereinstimmend als das wichtigste Gesetzgebungswerk des 93. Kongresses bezeichnet. Das Repräsentantenhaus
verabschiedete die mehrfach geänderte Vorlage mit 323 gegen 36 Stimmen, der
Senat mit 72 gegen 4 Stimmen, so daß mit einem starken Rückhalt der Legislative gerechnet werden kann.
Bei der Unterzeichnung machte Präsident Ford zwar gewisse Einschränkungen, bezeichnete das Gesetz jedoch als "eine Grundlage für die Zusammenarbeit
mit allen Handelsnationen".
Der umstrittene Teil des sehr umfangreichen Gesetzeswerkes bezieht sich
auf die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel für kommunistische Staaten,
die von der Mehrheit des Kongresses mit gewissen innenpolitischen Bindungen
verknüpft wurden. Die Ford-Administration, und nicht zuletzt Außenminister
Kissinger, warnte vor solchen politischen Forderungen. Zu dem jetzt gefundenen
Kompromiß erklärte Präsident Ford, die Bestimmungen über die Gewährung der
Meistbegünstigungsklausel im Handel mit kommunistischen Ländern seien kompliziert und schwer anwendbar und einige Staaten würden sicherlich Einwände erheben.

Ford

�Ford begrüßte ferner die Möglichkeit der Zollpräferenzen für Importe aus
Entwicklungsländern, bedauerte jedoch ebenfalls die "Starrheit und Unfairness
dieser Bestimmungen, vor allem gegenüber bestimmten ölproduzierenden Ländern"
Positiv sah der Präsident jedoch jetzt die Möglichkeit, den wirtschaftlichen Wohlstand der Welt durch einen verstärkten Fluß von Gütern und Dienstleistungen zu heben. Ebenso begrüßte Ford die verstärkten Möglichkeiten, importgeschädigten Firmen und Arbeitern besser und schneller helfen und gegen
unfaire Handelspraktiken vorgehen zu können.
Das Gesetz,so erklärte Präsident Ford wörtlich, "wird auf viele Jahre
hinaus die amerikanischen Handelsbeziehungen mit der übrigen Welt bestimmen."
Dieses so lange erwartete Gesetz, der "Trade Act 1974", ist die Voraussetzung für den Beginn der weltweiten Handelsverhandlungen im Rahmen des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT). Es gibt dem amerikanischen Präsidenten die Vollmacht, über eine Senkung der Zölle und einen Abbau von nichttarifären Handelsschranken zu verhandeln. Solche Maßnahmen sind vor allem
auch für die Entwicklungsländer von lebenswichtiger Bedeutung.
Der amtierende Vorsitzende des Finanzausschusses des Abgeordnetenhauses,
AI Ullman, Demokrat aus dem Staate Oregon, erklärte vor der entscheidenden
Abstimmung, das Gesetz gebe dem Präsidenten die Vollmacht, Handelsabkommen
auszuhandeln "und andere Vollmachten, die der Präsident braucht, um die Verpflichtungen der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft erfüllen zu können." Diese Verhandlungsvollmachten seien jedoch "sehr sorgfältig begrenzt
und die Grenzen genau definiert worden, um die Wirtschaft der amerikanischen
Nation zu schützen."
Die neue Runde im Rahmen des GATT wird zeigen, ob es unter den gegenwärtigen schwierigen weltwirtschaftlichen Verhältnissen gelingen wird, eine

�eine weitere Liberalisierung des Handels zu erreichen, wie die Vereinigten
Staaten dies anstreben.

Die Bestimmungen des Gesetzes
Kurz zusammengefaßt enthält das Handelsgesetz 1974 folgende Bestimmungen:

I. Verhandlungsvollmacht
Vollmachten für Verhandlungen: Für die Dauer von fünf Jahren mit Einbringung von Abgabenreduzierungen über zehn Jahre bis zu einer Höhe, die wertmäßig 3 Prozent pro Jahr nicht übersteigen darf oder mit jährlichen Reduzierungen von einem Zehntel des Gesamten - je nachdem, welcher Wert größer ist.
Zollsenkungen: Zölle über 5 Prozent ad valorem können 60 Prozent gesenkt
werden, Zölle von wertmäßig 5 Prozent oder darunter können aufgehoben werden.
Zollerhöhungen: In erster Linie um die Höhe der Zollsätze auf die der anderen Länder abzustimmen, können bis zu einem Mehr von 50 Prozent über den
Sätzen von 1934 oder bis zu 20 Prozent ad valorem über den bestehenden Sätzen
ausgehandelt werden.
Eine Senkung, Eliminierung oder Harmonisierung der nichttarifären Schranken (NTBS) wird dringend gefordert. Abkommen, die diese nichttarifären Handelsschranken reduzieren, eliminieren oder harmonisieren, können mit einem
"Schnell-Verfahren" für die Billigung durch den Kongreß rechtskräftig gemacht
werden.
Zu einer solchen Durchführungs-Gesetzesvorlage sind Zusätze und Änderungen nicht erlaubt und es sind Bestimmungen vorgesehen, um
1) einen Ausschuß von der Erörterung einer solchen Gesetzesvorlage zu
entbinden;
2)
-3-

�2) Anträge zu begrenzen, die im Zusammenhang mit der Erörterung einer
solchen Gesetzesvorlage gemacht werden können;
3) die Debatten zeitlich zu

begrenzen und

4) den Termin für die abschließende Entscheidung festzusetzen.
Ehe der Präsident irgendein Handelsabkommen eingeht, hat er sich mit den
zuständigen Kongreßausschüssen über die Art und Weise zu beraten, wie die
Durchführungsgesetze dem Kongreß zu unterbreiten sind.
Ziele der Verhandlungen: Das allgemeine Ziel der Verhandlungen besteht
darin, einen offeneren und faireren Zugang zu den Märkten zu erlangen, sowie
in der Eliminierung, Reduzierung oder Harmonisierung der Instrumente, die den
Handel und den Warenverkehr verzerren.
Weitere Verhandlungsziele sind:
1) bis zu einem höchstmöglichen Grad Chancen für den amerikanischen Export in geeigneten Sektoren der Industrieproduktion und auf dem landwirtschaftlichen Sektor zu schaffen, die denjenigen gleichwertig sind, die die USA ausländischen Staaten für ähnliche Produkte bietet.
2) Bilaterale Handelsabkommen abzuschließen, wenn der Präsident entscheidet, daß solche Abkommen wirksamer für die Förderung des amerikanischen Wirtschaftswachstums und die Schaffung von Arbeitsplätzen sein werden als multilaterale.
3) Handelsabkommen abzuschließen, die sowohl den Entwicklungsländern als
auch den Vereinigten Staaten Nutzen bringen.
4) Zu befriedigenden internationalen Regeln und Bestimmungen in bezug auf
binnenwirtschaftliche Sicherungen zu gelangen, d.h., temporäre Anpassungen an
den Importwettbewerb und

1)

�5) Abkommen über den Zugang zu Rohstoffquellen zu erlangen.
Mitwirkung des Kongresses, der Öffentlichkeit und der Behörden:
Eine Mitwirkung des Kongresses ist durch die Ernennung von jeweils fünf
Mitgliedern des Finanzausschusses des Repräsentantenhauses und des Senates
als Berater für die amerikanische Delegation bei den Handelsverhandlungen sowie durch die Bestimmung gewährleistet, daß jeder Vorlage eines Abkommens über
nichttarifäre Handelsschranken zur Billigung durch den Kongreß Konsultationen
vorausgehen müssen. Das Gesetz enthält ferner fünf spezifische Fälle, in denen
der Kongreß Entscheidungen, die von der Exekutive getroffen wurden, überprüfen
und überstimmen kann.
Ein Netz von Beratungskomitees des öffentlichen und privaten Sektors soll
während der Vorverhandlungen und der eigentlichen Verhandlungsperiode tätig
sein. Die Administration muß darüber berichten, wie die auf diese Weise erteilten Ratschläge berücksichtigt wurden und die Komitees sollen dem Kongreß, der
über die Handelsabkommen berät, ihre Berichte vorlegen.
Bestimmte Verfahren während der Vorverhandlungen, wie die Veröffentlichung
einer Liste aller Artikel, für die eine Zollsenkung vorgesehen wird, Konsultation der Zollkommission und der Exekutive sowie öffentliche Anhörungen sind
erforderlich, ehe irgendwelche Angebote über grundlegende Zollabkommen gemacht
werden können; dies gilt auch für Neuverhandlungen und Kompensationsabkommen.
Die gleichen Verfahren sind notwendig, ehe für irgendeinen Handelsartikel allgemeine Präferenzen gewährt werden können.
Weitere Vollmachten:
Zahlungsbilanz-Vollmacht: Der Präsident ist gehalten, in Zeiten eines
amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits die amerikanischen Handelsschranken _zu

-5-

�zu erhöhen, wenn solches Defizit spezielle Maßnahmen gegen Importe erfordert
und diese Schranken in Zeiten eines Handelsbilanzüberschusses zu senken. Wenn
der Präsident entscheidet, daß die Restriktionen dem nationalen Interesse entgegenlaufen würden, braucht er die Handelsschranken nicht zu erhöhen, muß aber
den Kongreß darüber konsultieren. Maßnahmen,die vom Präsidenten aus Gründen der
Zahlungsbilanz getroffen werden, sind auf eine Dauer von 150 Tagen beschränkt,
die vom Kongreß verlängert werden kann.
Ausgleichs-Vollmacht: Wenn Maßnahmen zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft vor Importen getroffen werden, kann der Präsident die Abgaben für andere
Waren bis zu 30 Prozent senken, um betroffenen Handelspartnern einen Ausgleich
zu gewähren. Dabei muß der Präsident berücksichtigen, ob das andere Land Handelskonzessionen zum Vorteil der USA verletzt hat - es sei denn, es habe dafür
einen Ausgleich geleistet.
Die Vollmacht zur Neuverhandlung reicht zwei Jahre über die ursprüngliche
Fünfjahres-Vollmacht hinaus und der Ausgleich darf sich nicht über mehr als
2 Prozent der amerikanischen Gesamtimporte in einem Jahr erstrecken.
Vollmacht zur Kündigung: Alle im Rahmen des Gesetzes abgeschlossenen Handelsabkommen müssen eine Klausel über das Recht der Kündigung durch die Vereinigten Staaten enthalten. Wenn immer ein Land oder eine Einrichtung Verpflichtungen
zum Wohle der USA im Rahmen von Handelsabkommen einstellt oder aussetzt, ohne
einen entsprechenden Ausgleich zu leisten, kann der Präsident entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.
Keine gegenseitige Diskriminierung: Die allgemeine Regel der gegenseitigen
Meistbegünstigung wird bekräftigt. Das Gesetz verlangt jedoch vom Präsidenten,
in jedem Fall zu prüfen, ob ein wichtiges Industrieland bei den kommenden Ver-

�»

Verhandlungen entsprechende Konzessionen macht, die amerikanischen Produzenten
im wesentlichen die gleichen Wettbewerbsvorteile einräumt, wie den Produzenten
dieses Landes in den USA eingeräumt werden. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, muß er dem Kongreß eine gesetzliche Regelung vorschlagen, die das Ungleichgewicht beseitigt.
Ausgenommene Artikel: Zölle für Waren,die in den Rahmen der nationalen
Sicherheit oder des Schutzes der amerikanischen Industrie fallen, dürfen nicht
verringert und es dürfen auch keine Präferenzen gewährt werden.
Reform des internationalen Handelssystems: Es wird eine Revision des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) und die Aushandlung weiterer Handelsabkommen empfohlen, um die Entwicklung eines offenen, nicht diskriminierenden
und fairen Weltwirtschaftssystems zu fördern.

II. Schutzmaßnahmen
Unter Titel II (Import Relief) sind die Kriterien und Verfahren der früheren "Ausweichklausel" wesentlich liberalisiert worden:
1) Es braucht kein kausaler Zusammenhang mehr zwischen erhöhten Importen
und Konzessionen im Rahmen von Handelsabkommen zu bestehen.
2) Erhöhte Importe müssen eine "wesentliche" Ursache (substantial cause)
für ernste Schäden oder die Drohung solcher ernster Schäden für die amerikanische Industrie darstellen, statt wie früher die "Haupf'-Ursache (major cause)
zu sein. Wesentlich (substantial) wird "als wichtig und nicht geringer als
irgend eine andere Ursache" definiert.
3)

-7-

�3) Ein Schaden für die einheimische Industrie ist auch gegeben, wenn sie
sich auf ein bestimmtes geographisches Gebiet konzentriert und ihr Markt hauptsächlich in diesem Gebiet liegt und die Importe auch dieses Gebiet treffen.
In diesen Fällen muß der Präsident Maßnahmen gegen alle Importe eines solchen Artikels oder solcher Artikel oder gegen die Einfuhr aus einen oder mehreren Ländern ergreifen. Dazu gehören einzeln oder kombiniert: Einführung oder
Erhöhung von Abgaben oder Quoten, Verkündung einer Zollsatzquote oder Aushandlung eines Abkommens über die geregelte Vermarktung. Der Präsident kann Abstand
von solchen Maßnahmen nehmen, wenn er glaubt, daß solche Hilfeleistungen nicht
im nationalen Wirtschaftsinteresse liegen. Zuständig für solche Maßnahmen ist
die Internationale Handelskommission (International Trade Commission), die Nachfolgerin der Amerikanischen Zollkommission (U.S.Tariff Commission), Wenn der Präsident gegen die Empfehlungen der Kommission handelt, kann der Kongreß die Entscheidung des Präsidenten überstimmen.
Die Anwendung der Ausweichklausel ist zeitlich begrenzt und muß nach drei
Jahren abgebaut und nach fünf Jahren beendet werden, wobei eine Verlängerung um
drei Jahre möglich ist.
Anpassungshilfe: Arbeiter: In Ergänzung der einzelstaatlichen Arbeitslosenunterstützung können bis zu 52 Wochen und bis zu 70 Prozent des Durchschnittswochenlohnes zusätzliche Beihilfen gewährt werden. Ferner sind Ausbildungs-und
Umschulungsbeihilfen vorgesehen.
Firmen: Das Firmen-Beihilfeprogramm soll vor allem kleineren Unternehmen
zugute kommen und ist auf solche beschränkt, die anderweitig auf dem privaten
Kapitalmarkt keine Mittel aufbringen können. Zu dem Programm gehören technische Unterstützung, Kreditgarantien und direkte Anleihen.
Gemeinden:

�Gemeinden: Das Gemeinde-Unterstützungsprogramm soll kleineren Kommunen
bei der Ansiedlung neuer Industrien helfen und schließt technische Unterstützung, Zuwendung, Anleihen und Kreditgarantien ein.

III. Unfaire Handelspraktiken
Unter Titel III werden die gegenwärtigen Bestimmungen zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs verschärft. Das neue Gesetz bietet die Handhabe

gegen

ungerechtfertigte (ungesetzliche) und unvernünftige (unfaire) Handelspraktiken anderer Länder. Die Liste der Fälle, in denen Gegenmaßnahmen ergriffen
werden können, ist erweitert und auf Restriktionen für den Zugang zu und die
Exportsubvention nach Drittmärkten sowie auf Dienstleistungen ebenso wie auf
Waren ausgedehnt worden. Die Gegenmaßnahmen können selektiv oder nicht-diskriminierend (Meistbegünstigungsklausel) sein.
Zu den

Antidumpingbestimmungen gehören Fristen und Verfahrensänderun-

gen, die von der Administration vorgeschlagen werden, sowie Untersuchungen der
Internationalen Handelskommission. Ferner sind Bestimmungen gegen multinationale Gesellschaften vorgesehen,die durch umfangreiche Verkäufe über Tochtergesellschaften in geschützten Auslandsmärkten Billigverkäufe nach den Vereinigten Staaten unterstützen.
Die Verfahren der Gegenzölle werden auf zollfreie Importe ausgedehnt.
Die Fristen für Maßnahmen sind dahingehend eingeengt worden, daß eine erste
Entscheidung innerhalb von sechs Monaten und eine endgültige Entscheidung
innerhalb eines Jahres nach Antragstellung getroffen werden muß. Eine gerichtliche Prüfung von Entscheidungen ist sichergestellt.
IV.

-9-

�•

IV. Importe aus Staatshandelsländern

Unter Titel IV wird der Präsident ermächtigt, Ländern, die bisher ausgeschlossen waren, unter bestimmten Bedingungen die Meistbegünstigungsklausel
einzuräumen.
V. Allgemeine Präferenzen

Das neue Gesetz gibt unter Titel V dem Präsidenten die Vollmacht - unter
Berücksichtigung einer Reihe von Einschränkungen - Importen aus Entwicklungsländern Zollpräferenzen zu gewähren.

VI. Allgemeine Bestimmungen
Unter Titel VI schließlich wird der Präsident ermächtigt, Verhandlungen
über ein Handelsabkommen mit Kanada einzuleiten, um eine sich auf die USA und
Kanada erstreckende Freihandelszone einzurichten.
Ferner wird bestimmt, daß keine amerikanische Regierungsbehörde - mit
Ausnahme der Warenkreditgesellschaft - im Zusammenhang mit Exporten nach der
Sowjetunion Anleihen, Kreditgarantien oder -absicherungen über einen Betrag
von 300 Millionen Dollar hinaus ohne vorherige Zustimmung des Kongresses gewähren darf.

-10-

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1/1975

DER 94. KONGRESS DER VEREINIGTEN STAATEN
- Jünger, liberaler und noch mehr Demokraten -

WASHINGTON - (AD) - Der im November 1974 gewählte 94. Kongreß der Vereinigten Staaten ist am 14. Januar zu seiner ersten Sitzungsperiode zusammengetreten.

In beiden Häusern haben die Demokraten ihre Mehrheit gegenüber dem vorangegangenen 93. Kongreß erheblich ausbauen können, wobei vor allem die Zahl
der liberalen Demokraten zugenommen hat. Von den 435 Mitgliedern des Repräsentantenhauses gehören 291 der Demokratischen Partei an und 144 sind Republikaner.

Im Senat sehen sich die 39 republikanischen Senatoren einer Mehrheit

von 61 Demokraten gegenüber.

In beiden Häusern sind allerdings geringfügige

Änderungen der Stärkeverhältnisse noch möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich, da in verschiedenen Stimmbezirken mit besonders knappen AusZählungsergebnissen Einspruch erhoben wurde.

Besonders hoch - mit fast 20 Prozent -

ist die Zahl der erstmalig in den Kongreß gewählten Abgeordneten und Senatoren;
im Repräsentantenhaus sind es 92 Abgeordnete, darunter 75 Demokraten, und im
Senat 11 Senatoren, darunter 8 Demokraten.

Damit hat sich auch das Durch-

schnittsalter der Parlamentarier verringert und, wie politische Beobachter
betonen, der Einfluß der liberalen Politiker im Kongreß erheblich zugenommen.

Angesichts der großen demokratischen Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses wird sich die gesetzgeberische Arbeit in den kommenden Monaten vor
allem auf solche Vorlagen konzentrieren, die die liberalen Demokraten im letzten

Kongreß durchbringen wollten, die letztlich aber doch nicht verabschiedet wurden.

�wurden.

Hierunter fallen zum Beispiel Maßnahmen wie einschneidendere Be-

stimmungen für die Wirtschaft, Planungen für die Landnutzung, Verbraucherschutz und Lohn-Preiskontrollen.

Nach Ansicht der Zeitschrift "National

Journal Reports" wird im neuen Kongreß ferner verstärkt die Neigung bestehen,
Auslandshilfe sowie Verteidigungsausgaben zu kürzen.

Dies würde besonders

die Ausgaben für neue Waffensysteme und für Militärstützpunkte im Ausland betreffen.

Zweifellos wird der neue Kongreß versuchen, seine Position gegenüber
der Exekutive zu stärken und vor allem in außenpolitischen Fragen vermehrt
mitzusprechen.

Er dürfte ferner Maßnahmen ergreifen, um die Tätigkeit des

amerikanischen Geheimdienstes CIA besser kontrollieren zu können; die "Hearings" zu dieser recht delikaten Frage

haben bereits begonnen.

Aber die alles

überragende Aufgabe für den neuen Kongreß wird die Frage sein, wie die wirtschaftlichen Probleme am schnellsten gelöst werden können.

Die maßgebenden
i

Politiker beider großen politischen Parteien werden einem ungewöhnlich starken
Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt sein, Lösungen für diese Probleme - Inflation und Rezession - zu finden.

Sollte dem neuen Kongreß dies nicht ge-

lingen, würde die Öffentlichkeit ihm Unvermögen vorwerfen, und die Demokraten,
die den Kongreß zur Zeit kontrollieren, würden an Prestige und damit an Stimmen bei den nächsten, November 1976 stattfindenden Präsidentschaftswahlen verlieren.

Die demokratischen Politiker im Kongreß sind sich durchaus im klaren

darüber, unter welchem Zwang sie stehen.
Theoretisch sollten die Demokraten angesichts ihrer großen Mehrheit in
beiden Häusern des Kongresses keine Schwierigkeiten haben, ihre Programme zu
verwirklichen.

In der Praxis sieht es jedoch anders aus, und viel wird davon

abhängen, ob es ihnen gelingt, einheitliche politische Zielsetzungen zu erarbeiten und ihre Abgeordneten und Senatoren auf sie festzulegen.

Im Gegensatz

zu Europa kennt das politische System in den USA keine auch nur annähernd so
starke Parteisolidarität.

Die Abgeordneten und Senatoren beugen sich weniger

dem Diktat der Partei, sondern fühlen sich in erster Linie ihren Wählern verantwortlich.

Trotzdem ist damit zu rechnen, daß im neuen Kongreß die Ange-

hörigen der Demokratischen Partei geschlossener auftreten und abstimmen werden
2 -

�werden, als in früheren Jahren.

Wie der neue Kongreß, der nochfcärkerdemokratisch orientiert, noch reformfreudiger und - was das Durchschnittsalter der Abgeordneten und Senatoren
anbetrifft - weit jünger ist, die Probleme des Landes meistern wird, bleibt
abzuwarten.

Der Fraktionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, John

Rhodes, hat erst kürzlich betont, daß es nicht zu einem Patt zwischen einem
republikanischen Präsidenten und einem demokraitschen Kongreß kommen darf.
Rhodes verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß auch Präsident Truman seinerzeit 1947 mit einem republikanischen Kongreß regieren mußte und beide Seiten
damals ihre Meinungsverschiedenheiten zurückstellten, um den Marshall-Plan ins
Leben zu rufen . Diese Haltung müsse auch heute vorherrschen, denn niemals zuvor in der Geschichte der USA sei es so wichtig gewesen, daß beide Parteien
die Probleme des Landes gemeinsam angehen.

Ob nun der demokratische 94. US-Kongreß mit dem republikanischen Weißen
Haus zusammenarbeiten wird oder ob die Demokraten ihre große Mehrheit ausnutzen
und zu zeigen versuchen werden, daß sie mehr für das Land tun können, als die
Republikaner, darüber gibt es vorerst nur Vermutungen.

Am Ende der zwei Sit-

zungsperioden dieses Kongresses stehen Präsidentschaftswahlen und eine Anzahl
einflußreicher demokratischer Politiker trägt sich mit der Absicht, für dieses
höchste Amt in den USA zu kandidieren.

Dies ist ein Faktor, der sich sowohl

in Richtung auf eine Zusammenarbeit wie auch in Richtung auf einen Konflikt
auswirken kann.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ford umreißt neues Wirtschafts- und Energieprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten am 13. Januar 1975 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Veranstaltungskalender 1975 im US-Handelszentrum Frankfurt/ Main&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues für die Bekleidungsindustrie aus USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt/ Main -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA entwickeln deutsch-französische Rakete Roland II weiter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das neue amerikanische Handelsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ford mit Einschränkungen zufrieden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der 94. Kongress der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Jünger, liberaler und noch mehr Demokraten -&lt;/em&gt;</text>
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DOKU mSritOtlOn

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1 8 . Dezember

1974

Inhalt
INFORMATION
Materialprüfung - Geräte und Instrumente
- Ausstellung im US-Handelszentrum Berichtigung zu: Fachausstellung
"Moderne V e r k a u f s h i l f e n " im
U S - H a n d e l s z e n t r u m F r a n k f u r t am Main

DOKUMENTATION
Das f r a n z ö s i s c h - a m e r i k a n i s c h e

Abschlußkommunique v o n M a r t i n i q u e

- Wortlaut \

WIRTSCHAFT
Präsident Ford ruft zu gemeinsamer Lösung der Welthandelsprobleme auf
- Wortlaut der Rede auf der "American Conference on Trade" in Washington
Ford; Inflationsbekämpfung bleibt wichtigste Aufgabe
- Rede des Präsidenten vor dem Business Council Die Depressionsaingst ist unbegründet
Von Senator William Proxmire

HINTERGRUNDMATERIAL
Entscheidungshilfen für "Project Independence"
Mehr als 500 Experten analysierten Energieversorgungslage der
USA bis 1985

WIR WÜNSCHEN ALLEN UNSEREN BEZIEHERN EINE
GESEGNETE WEIHNACHT UND EIN ERFOLGREICHES NEUES JAHR
UNSERE NÄCHSTE AUSGABE ERSCHEINT AM 15. JANUAR

19 75

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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26/1974
MATERIALPRÜFUNG - GERÄTE UND INSTRUMENTE
- Ausstellung im US-Handelszentrum -

--(AD)-- Das Amerikanische Handelszentrum in Frankfurt/Main veranstaltet
vom 11.-14.Februar 1975 eine Ausstellung zum Thema "Materialprüfung" mit
angeschlossener Fachtagung.
Obwohl Deutschland der führende Hersteller von Materialprüfmaschinen
ist, mit einem sehr großen Exportanteil - besonders nach den USA - hat die
amerikanische Industrie neben der Lieferung von Spezialprüfeinrichtungen wie
elektrohydraulische und elektrodynamische Schwingprüfeinrichtungen eine besondere Bedeutung für den europäischen Markt auf dem Gebiet einiger zerstörungsfreier Prüfverfahren, speziell auf dem Sektor der elektronischen Meßtechnik erlangt. Dies gilt für Meßwertaufnehmer (Sensoren) für mechanische
Größen wie Kraft, Beschleunigung, Dehnung etc., und besonders für elektronische Systeme zur Signalauswertung, die bei dynamischen Prüfverfahren verwendet werden, wie beispielsweise Echtzeit-Frequenzanalysatoren, Korrelationsanalysatoren, Magnetbandaufzeichnungsgeräte, Digitalbausteine und Minicomputer.
Auf

�Auf der Ausstellung wird ein repräsentativer Querschnitt des amerikanischen Angebots auf den Sektoren dynamische Prüfung, zerstörungsfreie Prüfung,
Meßwertaufnehmer

und elektronische Signalauswertungstechnik gezeigt. Auf der

angeschlossenen Fachtagung referieren namhafte Experten über einschlägige
Themen.

.

•

.

j

Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4,
Tel. (0611) 72 08 Ol, Telex? 41 $5 35

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BERICHTIGUNG ZU: FACHAUSSTELLUNG "MODERNE VERKAUFSHILFEN" IM
US-HANDELSZENTRUM FRANKFURT AM MAIN

Wir müssen Ihnen leider mitteilen, daß die in unserer Ausgabe Nr. 25
vom 4. Dezember für den Zeitpunkt 14.-17. Januar 1975 angekündigte
Fachausstellung zum Thema "Moderne Verkaufshilfen" durch das
Amerikanische Handelsministerium in Washington auf einen späteren
Zeitpunkt verschoben wurde, der Ihnen noch gesondert bekanntgegeben
wird.

Wir bitten um Ihr Verständnis für diese Änderung.

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26/1974

DAS FRANZÖSISCH-AMERIKANISCHE ABSCHLUSSKOMMUNIQUE VON MARTINIQUE
- Wortlaut -

MARTINIQUE - (AD) - Das zum Abschluß des f r a n z ö s i s c h - a m e r i k a n i s c h e n

Gipfel-

t r e f f e n s auf M a r t i n i q u e v e r ö f f e n t l i c h t e gemeinsame Abschlußkommunique h a t f o l genden W o r t l a u t :
Der P r ä s i d e n t d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n , Gerald R. Ford, und d e r P r ä s i d e n t
der f r a n z ö s i s c h e n Republik»Valery Giscard d 1 E s t a i n g , s i n d vom 14. b i s 16. Dezember
1974 auf M a r t i n i q u e zusammengekommen, um a k t u e l l e Fragen von b e i d e r s e i t i g e m
I n t e r e s s e zu e r ö r t e r n .

An i h r e n Gesprächen nahmen d e r Außenminister und B e r a t e r

des P r ä s i d e n t e n f ü r Fragen d e r N a t i o n a l e n S i c h e r h e i t , Henry A. K i s s i n g e r , und
Außenminister J e a n Sauvagnargues sowie F i n a n z m i n i s t e r William Simon und F i n a n z m i n i s t e r J e a n - P i e r r e Fourcade t e i l .

Die M i n i s t e r f ü h r t e n f e r n e r u n t e r s i c h e r -

gänzende Gespräche.
Das Treffen fand i n e i n e r Atmosphäre d e r H e r z l i c h k e i t und d e s g e g e n s e i t i g e n
Vertrauens s t a t t .

P r ä s i d e n t Ford und P r ä s i d e n t Giscard d ' E s t a i n g b e g r ü ß t e n

d i e G e l e g e n h e i t , d e t a i l l i e r t e und s u b s t a n t i e l l e Gespräche über den gesamten Ber e i c h d e r Fragen von b e i d e r s e i t i g e m I n t e r e s s e führen zu können.

Als t r a d i t i o n e l l e

Freunde und Verbündete haben d i e beiden Nationen gemeinsame Werte und Z i e l s e t zungen, und d i e b e i d e n P r ä s i d e n t e n bekundeten i h r e E n t s c h l o s s e n h e i t , b e i den Bemühungen um e i n e Lösung d e r gemeinsamen Probleme auf d i e s e r B a s i s zusammenzuarbeiten.
Sie
- 1-

�Sie erörtern die internationale Lage auf wirtschaftlichem, finanziellem
und monetärem Gebiet.

Die beiden Präsidenten stimmten darin überein, daß die Regierungen der
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft, in deren Namen der
französische Präsident über dieses Thema sprach, eine konsequente Wirtschaftspolitik verfolgen müssen, mit deren Hilfe wirksam die Arbeitslosigkeit vermieden
wird, während sie die Inflation bekämpfen.

Im besonderen waren sie sich darüber

einig, daß es wichtig ist, Maßnahmen protektionistischer Natur zu vermeiden.
Und sie beschlossen, die Initiative zur Einberufung weiterer überstaatlicher
Konferenzen zu ergreifen, sollten sich diese zur Erreichung der angestrebten
Kontinuität der grundlegenden Wirtschaftspolitik der Industriestaaten als notwendig erweisen.

Angesichts der raschen Veränderungen, die sich bei den internationalen
finanziellen Positionen in der heutigen Welt vollziehen, stimmten die Präsidenten voll darin überein, daß es wünschenswert, sei,das Tempo der Gespräche
über eine engere finanzielle Zusammenarbeit, sowohl innerhalb des Internationalen Währungsfonds (IWF) als auch bei ergänzenden Maßnahmen,beizubehalten.

Als

eine spezifische Maßnahme zur Stärkung des bestehenden finanziellen Rahmens vereinbarten die Präsidenten, daß es angebracht wäre, wenn jede Regierung, die
dies wünscht, die gegenwärtigen Marktpreise als Grundlage für die Bewertung
ihrer Goldbestände nimmt.
Die beiden Präsidenten erörterten eingehend das Energieproblem und dessen
schwerwiegende und störende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Sie erkannten

die Bedeutung an, die für die USA, die EWG und die übrigen Industriestaaten die
Einleitung einer Politik zur Einsparung von Energie, zur Entwicklung bestehender
und alternativer Energiequellen sowie zur Schaffung neuer Mechanismen für eine
finanzielle Solidarität hat.

Sie unterstrichen die Wichtigkeit einer Solidarität

der ölimportländer in diesen Fragen.

Die beiden Präsidenten führten ferner einen Meinungsaustausch über die
Zweckmäßigkeit eines Gesprächs zwischen den Verbrauchern und den Erzeugern und

�und erörterten in diesem Zusammenhang den Vorschlag des Präsidenten der französischen Republik vom 24. Oktober für eine Konferenz der Ölexport- und Importländer.

Sie stimmten darin überein, daß es wünschenswert sei, eine solche

Konferenz zum frühest möglichen Zeitpunkt einzuberufen.

Sie betrachten es als

wichtig, daß alle betroffenen Parteien besser über ihre jeweiligen Interessen
und Sorgen informiert sind und daß harmonische Beziehungen zwischen ihnen geschaffen werden, um eine gesunde Entwicklung der Weltwirtschaft zu fördern.

Die beiden Präsidenten stellten fest, daß ihre Ansichten in diesen Fragen
sich ergänzen, und vereinbarten, daß folgende miteinander zusammenhängende
Schritte der Reihe nach getroffen werden sollten:

- Sie stimmten überein, daß im Rahmen der bestehenden Institutionen und
Abkommen, denen sie angehören, und in Konsultation mit anderen interessierten
Verbrauchern zur Stärkung ihrer Zusammenarbeit zusätzliche Schritte unternommen
werden sollten.

Eine solche Zusammenarbeit sollte Programme zur Energieein-

sparung, zur Entwicklung bestehender und alternativer Energiequellen und zur
finanziellen Solidarität einschließen.

- Sich auf die bedeutenden, auf den vorher erwähnten Gebieten erzielten
Fortschritte stützend; kamen die beiden Präsidenten überein, daß es wünschenswert wäre, eine vorbereitende Konferenz zwischen Verbrauchern und Erzeugern
vorzuschlagen, mit dem Ziel, eine Tagesordnung und Verfahren für eine Konferenz
der Verbraucher und Erzeuger festzulegen.

Der angestrebte Zeitpunkt für eine

solche vorbereitende Konferenz sollte der März 1975 sein.

- Auf die vorbereitenden Gespräche sollten eingehende Konsultationen zwischen den Verbraucherländern folgen, um eine Position für die Konferenz vorzubereiten.

Die beiden Präsidenten stimmten überein, daß die oben aufgezählten Maßnahmen schnellstmöglich und unter voller Berücksichtigung des gemeinsamen Interesses durchgeführt werden sollen, um dieser kritischen Situation zu begegnen,
in der sich die Vereinigten Staaten, Frankreich und alle übrigen Länder in
- 3-

�in gleicher Weise befinden.

Präsident Ford und Präsident Giscard d'Estaing erörterten die jüngsten
Entwicklungen auf dem Gebiet der Ost-West-Beziehungen.

Sie sprachen über ihre

jeweiligen Zusammenkünfte mit Generalsekretär Breschnjew, und Außenminister
Kissinger berichtete über seine Gespräche mit den Führern der Volksrepublik
China.

Sie führten einen Gedankenaustausch über den Verlauf der Ost-West-Ver-

handlungen, einschließlich der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa.

Sie äußerten ihre Überzeugung, daß beim Abbau der Spannungen ein

Fortschritt erzielt worden sei.

Die beiden Präsidenten tauschten ihre Ansichten über die gegenwärtige
Situation im Nahen Osten aus.

Sie waren sich einig darüber, daß ein rascher

Fortschritt in Richtung auf einen gerechten und dauerhaften Frieden in diesem
Gebiet wichtig ist.

Präsident Giscard d'Istaing erläuterte die gegenwärtigen Bemühungen Frankreichs und anderer Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft, den Prozeß des
europäischen Zusammenschlusses zu fördern.

Präsident Ford bekräftigte erneut

die Unterstützung der Bemühungen um eine europäische Einigung durch die Vereinigten Staaten.

Die beiden Präsidenten erörterten die Situation in Indochina.

Sie stellten

fest, daß die Fortschritte in Laos in Richtung auf eine Aussöhnung und Wiedervereinigung ermutigend waren.

Die beiden Präsidenten waren sich über die Notwendigkeit einig, daß alle
Parteien die Pariser Friedensabkommen für Vietnam voll unterstützen.

Bezüglich

Kambodschas äußerten sie die Hoffnung, daß die sich bekämpfenden Parteien in
naher Zukunft in Verhandlungen eintreten werden, statt den militärischen Kampf
fortzusetzen.

Sie äußerten die Hoffnung, daß nach Laos nunmehr auch Kambodscha

und Vietnam ihren politischen Weg zu einem Frieden für die Völker finden werden.

Die

- 4-

�Die b e i d e n P r ä s i d e n t e n e r n e u e r t e n d i e f e i e r l i c h e n Zusagen i h r e r b e i d e n Reg i e r u n g e n , d i e engen Beziehungen auf dem Gebiet d e r V e r t e i d i g u n g a l s M i t g l i e d e r
des A t l a n t i s c h e n Bündnisses f o r t z u s e t z e n .

Sie stimmten d a r i n ü b e r e i n , daß d i e

Zusammenarbeit zwischen F r a n k r e i c h und d e r NATO e i n w i c h t i g e r F a k t o r für d i e
S i c h e r h e i t Europas i s t .
Sie nahmen m i t Genugtuung z u r K e n n t n i s , daß d i e p o s i t i v e n S c h r i t t e b e i
den SALT-Verhandlungen, d i e auf dem s o w j e t i s c h - a m e r i k a n i s c h e n T r e f f e n
Wladiwostok e r g r i f f e n wurden, d i e Gefahr e i n e s n u k l e a r e n W e t t r ü s t e n s
haben.

in
vermindert

Die b e i d e n P r ä s i d e n t e n p r ü f t e n , wie i h r e b e i d e n Länder a l s E x p o r t e u r e

von nuklearem M a t e r i a l und n u k l e a r e r Technologie i h r e Bemühungen k o o r d i n i e r e n
können, um b e s s e r e S i c h e r h e i t s g a r a n t i e n h i n s i c h t l i c h solchen M a t e r i a l s zu g e währleisten.
Der f r a n z ö s i s c h e P r ä s i d e n t d e u t e t e an, daß s e i n e Regierung b e r e i t s e i , zu
e i n e r f i n a n z i e l l e n Regelung d e r Kosten für d i e R e d i s l o z i e r u n g NATO-gebundener
a m e r i k a n i s c h e r S t r e i t k r ä f t e und S t ü t z p u n k t e zu g e l a n g e n , d i e im J a h r e 1967 von
F r a n k r e i c h i n andere Länder v e r l e g t worden s i n d .

Das f r a n z ö s i s c h e Angebot von

100 M i l l i o n e n D o l l a r a l s Gesamtregelung wurde von P r ä s i d e n t Ford f o r m e l l akzeptiert.

Die b e i d e n P r ä s i d e n t e n kamen zu dem S c h l u ß , daß der p e r s ö n l i c h e Kontakt
und das p e r s ö n l i c h e Gespräch auf diesem Treffen Übereinstimmung i n z a h l r e i c h e n
Fragen ergeben haben, und s i e bekundeten i h r e E n t s c h l o s s e n h e i t , engen Kontakt
zu h a l t e n , um e i n e b r e i t e Zusammenarbeit auf Gebieten von gemeinsamen I n t e r e s s e n
für d i e b e i d e n Länder zu e r m ö g l i c h e n .

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26/1974
PRÄSIDENT FORD RUFT ZU GEMEINSAMER LÖSUNG DER WELTHANDELSPROBLEME AUF
- Wortlaut der Rede auf der "American Conference on Trade" in Washington -

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Ford hat alle Länder aufgerufen, die derzeitigen internationalen Handelsprobleme gemeinsam und konstruktiv zu lösen. Vor
der "American Conference on Trade" erklärte der amerikanische Präsident am
3. Dezember, "wir müssen mithelfen, eine Weltwirtschaft aufzubauen, die zur
Gesundheit und Prosperität der Volkswirtschaften aller Länder beiträgt".
Die Rede Präsident Fords hat folgenden Wortlaut:
"Vor kurzem bin ich um die halbe Welt gereist. Ich bin mit den führenden Staatsmännern Japans, Südkoreas und der Sowjetunion zusammengetroffen.
Heute bin ich hier, um Sie, meine amerikanischen Mitbürger, aufzurufen, sich
zusammen mit mir zu einer neuen, noch weiteren Reise aufzumachen - einer Reise,
die zu den wichtigsten in unserem Leben - dem Ihrigen und dem meinigen - zählen und sich in den kommenden Jahren auf ungezählte Amerikaner auswirken wird.
Es geht einfach darum, die Rolle der Vereinigten Staaten im Welthandel neu zu
definieren und neu zu gestalten.
Es ist eine neue Welt - dort draußen!
Wir erleben heute eine weltweite wirtschaftliche Revolution.
Neue
-1-

�Neue, akute wirtschaftliche Probleme und Anliegen sind mit überraschender Schnelligkeit auf der Szenerie des weltpolitischen Geschehens aufgetaucht.
Die Nationen - große wie kleine - definieren ihre nationalen Interessen neu.
Manche von ihnen bedienen sich dabei solcher Begriffe wie wirtschaftliche
Blockbildung, Vorteil durch Blockbildung oder Gebietszusammenschluß, und andere stehen vor der wachsenden Gefahr einer ganz simplen, harten Realität:
Überleben.
Die Vereinigten Staaten und die Mehrzahl der anderen Nationen sehen sich
vor die bedrohlichste wirtschaftliche Herausforderung der Nachkriegszeit gestellt. Die Probleme der Energie, der Ernährung, der Inflation und Rezession
stellen in allen Teilen der Welt Bedrohungen bisher unbekannten Ausmasses dar.
Sie gefährden die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit und sie bedro=
hen die politischen Beziehungen und die Sicherheitssysteme, an deren Gestaltung die Vereinigten Staaten eine Generation lang mitgewirkt haben.
Wenn wir diesen Problemen nicht in konstruktiver und kooperativer Weise
zusammen mit unseren Haupthandelspartnern entgegentreten, dann könnten wir
und die Welt uns auf eine Krise sehr bedrohlichen Ausmasses hinbewegen.
Zeiten wie diese fordern eine positive und konstruktive amerikanische
Führungsrolle. Die Vereinigten Staaten können es sich nicht leisten, auf ein
Meer internationaler Unsicherheit zu einer Zeit hinausgetrieben zu werden,
da ihre höchsten wirtschaftlichen Interessen entschlossenes Handeln fordern.
Wir können keine Führungsrolle in der freien Welt beanspruchen, wenn wir nicht
- mit praktischen politischen Maßnahmen und realer Zielsetzung - auf eine
größere wirtschaftliche Zusammenarbeit hinzuwirken vermögen.
Wir

�Wir dürfen nicht der Illusion verfallen, wir könnten es im Alleingang
schaffen.
Das ist der Grund, warum Sie heute abend hier versammelt sind, und warum
ich bei Ihnen bin. Die Kunde muß heute abend von hier aus an das amerikanische
Volk, an die Völker der anderen Staaten und vor allem an unsere Freunde im
Kongreß gehen, daß Amerika seine Entscheidung getroffen hat: Wir müssen das
Handelsreformgesetz verabschieden - und zwar jetzt. Es ist von entscheidender
Bedeutung für die Zukunft der Handelspolitik der USA und auch für die der
Welt.
Es geht um die Gesundheit unserer Binnenwirtschaft und die Stärke - ja
die eigentliche Struktur - unserer internationalen Wirtschaftsbeziehungen.
Der Kongreß muß handeln - und ich sage dies mit äußerstem Ernst - oder aber
seine Untätigkeit wird meine Bemühungen, unsere Wirtschaft wieder hochzubringen, schwer beeinträchtigen. Sie würde meine Fähigkeit einschneidend beschränken, im Ausland auf eine internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit hinzuwirken.
Sie wissen genau wie ich, daß dieser legislative Akt aller Wahrscheinlichkeit nach lang hinausgeschoben, ja möglicherweise für immer verhindert
wird, wenn er nicht in der jetzigen Sitzungsperiode des Kongresses zur Verabschiedung gelangt. Das aber bedeutet, daß ich für das nächste Jahr und die
weitere Zeit, wenn die wirtschaftliche Situation entschlossene Entscheidungen
verlangt, als Ihr Präsident meine Funktion ausüben muß, ohne die Macht zu haben, meine Verpflichtungen auf diesem für den Handel unserer Nation so entscheidend wichtigen Gebiet wirklich erfüllen zu können.
Diese

-3-

�Diese so wesentliche Gesetzesvorlage - das Handelsreformgesetz - liegt
dem Kongreß nun schon beinahe seit zwei Jahren vor. Faktisch hat kein Präsident der Vereinigten Staaten seit dieser Zeit die Vollmacht besessen, Angelegenheiten des internationalen Handels auszuhandeln. Seit der Verabschiedung
des historischen und fundamentalen amerikanischen Gesetzes über Handelsvereinbarungen vom Jahre 1934 sind vierzig Jahre vergangen.
Der Kernpunkt dieser Handelsreformgesetzgebung ist die enge Wechselbeziehung zwischen unserer Binnenwirtschaft und unseren internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Lassen Sie uns einen Blick auf diese wichtige Wechselbeziehung
werfen.
Man muß einräumen, daß sich die amerikanische Wirtschaft derzeit in einer
Rezession befindet. Der inflationäre Druck ist stark. In unserem Volke wächst
die Angst vor der Arbeitslosigkeit.
Es wird in den kommenden Wochen und Monaten von höchster Priorität für
meine Administration sein - so wie es dies seit meiner Amtsübernahme vor vier
Monaten immer gewesen ist - diese wachsenden und sich wandelnden Wirtschaftsprobleme anzupacken. Und eine der wirksamsten Methoden, damit zu beginnen,ist
die Verabschiedung dieser Handelsreformvorlage - in unserem nationalen Selbstinteresse. Ich werde die volle Zusammenarbeit mit dem Kongreß brauchen. Ich
begrüße den jüngsten Appell von Senator Mansfield- dem Fraktionsführer der
Mehrheit im Senat - daß es zu einer Kooperation beider Parteien kommen möge.
Ich danke anerkennend dem Finanzausschuß des Senats und seinem Vorsitzenden
Russell Long für sein maßvolles Handeln und dafür, daß keine irrelevanten
Änderungen und Zusätze vorgenommen wurden.
Die

-4-

�Die Weltwirtschaft steht vor ähnlichen Schwierigkeiten.
Bei der Inflation handelt es sich um ein weltweites Problem. Die meisten
Volkswirtschaften in der industrialisierten Welt sind - zum Teil als Folge inflationistischer Verzerrungen - in einen Abwärtszyklus eingetreten.
Internationale Zusammenarbeit ist eine absolute Notwendigkeit, wenn die
Welt die beiden Seuchen - globale Rezession und globale Inflation - überwinden soll. Wir in den Vereinigten Staaten müssen eine koordinierte binnen-und
außenwirtschaftliche Initiative gegen die Inflation und die Rezession entwickeln. Bei diesem Programm kommt dem Handel eine entscheidende Bedeutung zu.
Der amerikanische Außenhandel - in beiden Richtungen - stellte sich in
den ersten zehn Monaten dieses Jahres auf wertmäßig 163 Milliarden Dollar.
Das sind unsere neuesten Zahlen. Damit verbleibt in unserer Handelsbilanz ein
Defizit von 2,3 Milliarden Dollar. Es ist in erster Linie auf den enormen
Kostenanstieg bei Importöl zurückzuführen. In den ersten zehn Monaten dieses
Jahres haben uns die Ölimporte 20,1 Milliarden Dollar gekostet gegenüber 7,8
Milliarden Dollar im ganzen Jahr 1973. Ohne diesen enormen Kostenanstieg bei
Öl hätten wi r dieses Jahr einen guten Handelsüberschuß aufzuweisen. Im letzten Jahr haben wir einen Handelsüberschuß von 1,3 Milliarden Dollar erzielt.
Aber wichtig ist: Unsere Exporte lagen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres - auf Jahresbasis umgerechnet - um 36 Prozent höher als 1973.
Diese Exporte schaffen zahlreiche

Arbeitsplätze für Amerikaner in allen

Teilen des Landes und allen Bereichen unserer Gesellschaft. Rund drei Millionen amerikanische Arbeitnehmer verdienen ihren Lebensunterhalt durch den Export - angefangen bei Hafenarbeitern und Flugzeugmechanikern bis zu Büroange-

-5-

�Büroangestellten amerikanischer Großunternehmen, aber auch kleinerer Firmen
- drei von fünf erfolgreichen amerikanischen Exportfirmen haben weniger als
100 Angestellte. Über 20 Prozent der Einkünfte der amerikanischen Landwirtschaft stammen aus Auslandsgeschäften,

Handel ist für Arbeitnehmer und Fir-

men in den Gemeinden in allen Teilen des Landes eine Lebensfrage. Dies gilt
für die Landwirtschaft wie für die Geschäftswelt und die Industrie.
In all den Jahren beeinflußte der Handel unsere Volkswirtschaft äußerst
positiv. Importe wie auch Exporte nützen der amerikanischen Wirtschaft - den
Verbrauchern wie den Arbeitnehmern. Das erklärt sich wie folgt:
Unsere Gesamtimporte in den ersten 10 Monaten dieses Jahres stellten sich
wertmäßig auf rund 83 Milliarden Dollar. Davon entfallen 37 Milliarden Dollar
auf Dinge, die für die Produktion in den USA gebraucht werden - Metalle, Nahrungsmittel, Chemikalien und Mineralien einschließlich Öl.
Zahlreiche amerikanische Unternehmen sind in hohem Maße abhängig von den
importierten Mineralien. Lassen Sie mich Ihnen einige spezifische Beispiele
dafür nennen, wie die Importe uns als Industriestaat helfen. Wir sind bei so
entscheidend wichtigen Mineralien wie Chrom, Platin, Titan und Mangan fast
völlig vom Ausland abhängig. Über 85 Prozent unseres Aluminiums kommen aus dem
Ausland. Das gilt auch für den größten Teil unseres Bauxits.
Fassen wir die Dynamik dieser Importe und die Stärke unseres Exports zusammen, so läßt sich leicht ermessen, welche Bedeutung der Handel für eine gesunde Wirtschaft in den USA hat. Handel bedeutet für die amerikanischen Arbeitnehmer zusätzliches Einkommen und stärkt unsere wirtschaftliche Vorangstellung
in der Welt,
In

�In unserer Handelsbilanz wird es dieses Jahr angesichts der besorgniserregend hohen Kosten des Importöls keinen Überschuß geben. Sonst wären wir wieder weit im Plus.

Ich halte den Preis, den wir für das Öl zahlen, für viel

zu hoch. Er hat für unsere Binnenwirtschaft verheerende Folgen. Wenn Sie die
gestiegenen Kosten der Ölimporte herausnehmen, würden die USA in den ersten
sechs Monaten dieses Jahres eine positive Handelsbilanz von fast 8 Milliarden
Dollar aufweisen. Die Ölpreiserhöhungen bringen das gesamte internationale
Wirtschaftssystem durcheinander.
Die Anpassungen und die Lösungen müssen durch internationale Verhandlungen und internationale Zusammenarbeit erreicht werden, und dem räumt meine Administration höchste Priorität ein.
Die Auswirkungen unseres Handels in ihrer Gesamtheit sind äußerst positiv. Das Gesetz über die Reform des Handels enthält jedoch spezifische Bestimmungen für die Unterstützung derjenigen, die durch Importe Nachteile erleiden. Kein Bereich unserer Wirtschaft wird schwerwiegenden Schädigungen ausgesetzt sein. Das Gesetz besagt ganz klar - und ich werde dies nachdrücklich
unterstützen.-, daß wir den Arbeitnehmern, Firmen und Gemeinden helfen werden, die durch Importe Schaden erleiden.
In diesen schweren Zeiten mögen manche unter uns versucht sein, sich vom
Ausland abzukehren. Mächtige Kräfte im Lande denken nicht nur in dieser Richtung, sondern fordern tatsächlich einen nach innen orientierten gesetzgeberischen Kurs. Das würde die amerikanische Nachkriegspolitik in ihr Gegenteil verkehren und wäre äußerst schädlich für uns.
Wir

-7-

�Wir wollen jetzt einen Blick auf das komplexe Bild des Welthandels werfen. Unser Land lebt und handelt in der.internationalen Völkergemeinschaft
in einem höchst verwickelten Rahmen politischer, sicherheitspolit.ischer

und

wirtschaftlicher Beziehungen, die die Länder überall auf der Welt miteinander
verbinden. Da gibt es Länder auf der Welt, die glauben, daß einseitige und bi=
laterale Maßnahmen - zur Förderung ihrer eigenen Interessen - rascheste und
vielversprechendste Lösungen für ihre Probleme bieten. Wir sind der Ansicht,
daß eine solche Politik nur zum Konflikt führen kann - zu einer endlosen Kette
von Unruhen und Streitigkeiten in allen Teilen der Welt.
Vielmehr glauben die Vereinigten Staaten - und ich werde für diese Politik eintreten, wenn der Kongreß rasch handelt und mich verhandeln läßt -, daß
die einzige richtige Lösung die langfristige ist - nämlich die Zusammenarbeit
der Welt. Ich strebe für die gemeinsamen Probleme multilaterale Lösungen an,
die allen Ländern nützen. Aber ich brauche das Gesetz über die Handelsreform
- und zwar jetzt - wenn der Präsident der Vereinigten Staaten auf der internationalen Bühne mitreden soll.
Lassen Sie mich einige der Folgen aufzeigen, die eintreten, wenn ich dieses dringend benötigte Gesetz nicht bekomme:
-- Die bevorstehenden internationalen Handelsverhandlungen im Rahmen des
GATT - an denen 105 Mitgliedsstaaten beteiligt sind - bekämen einen lähmenden
Schlag..Ich würde nicht über die erforderlichen gesetzlichen Vollmachten verfügen, um zu Übereinkommen gelangen zu können. Daher wäre es praktisch unmöglich, irgendwelche wesentlichen Handelsabkommen zu erreichen.
Die

�Die internationalen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten würden untergraben werden. Dies würde
meines Erachtens Unruhe und Instabilität auf der Welt fördern. Und lassen Sie
es mich noch präziser ausdrücken:
-- Auf dem Energiesektor arbeiten Außenminister Kissinger und Finanzminister Simon geduldig auf eine internationale Zusammenarbeit hin. Aber eine
solche Zusammenarbeit kann nicht in einer Welt erreicht werden, die in wachsendem Maß in Handelsstreitigkeiten verwickelt ist.
-- Das internationale Währungssystem bedarf einer wesentlichen Verbesserung. Wenn wir zurückfallen in Handelskriege, dann untergraben wir unsere Bemühungen, das internationale Währungssystem funktionsfähig und wirksam zu erhalten. Ein freundschaftlicher Handel ist ein Muß, wenn wir die Ungleichgewichte auf dem Markt abbauen wollen.
-- Handel ist notwendig, damit die Entwicklungsländer die in verschiedenen
Formen erfolgte Auslandshilfe zurückzahlen können. Einige dieser Entwicklungsländer spielen eine direkte Rolle in unserem eigenen Wachstum. Sie besitzen
- gegenwärtig knappe - Rohstoffe und andere Ausgangsprodukte, die wir für unsere eigene wirtschaftliche Entwicklung brauchen.
Das Gesetz über die Reform des Handels gibt mir ausreichende Verhandlungsvollmachten, um weltweit einen wesentlichen Abbau des Zollniveaus zu erreichen. Es gibt mir die Möglichkeit, auf einen verstärkten Zugang für amerikanische Erzeugnisse auf den Auslandsmärkten hinzuarbeiten.
Das bedeutet mehr Arbeitsplätze für Amerikaner. Es bedeutet eine gesündere Wirtschaft. Es bedeutet, daß der Kongreß dieses Gesetz jetzt verabschieden
muß.
Ich
-9-

�Ich möchte auch auf eine andere Tatsache hinweisen - die Russen sind
keineswegs untätig. Sie wollen nicht nur Zuschauer sein. Sie wollen ebenfalls
handeln. Die Russen sind zum Handel bereit - politisch und wirtschaftlich -,
aber das braucht Zeit. Wir werden - manchmal auch hart - verhandeln müssen.
Wir haben in politischer Hinsicht einen guten Anfang gemacht - wir haben einen
Durchbruch bei der Kontrolle der neuesten Generation von Nuklearwaffen erzielt, einen Durchbruch für den Frieden. Lassen Sie uns auch beim Handel einen
Durchbruch erzielen - der für die Entspannung unbedingt notwendig ist.
Im Jahre 1973 haben die Vereinigten Staaten im Handel mit der Sowjetunion
einen Handelsüberschuß von über einer Milliarde Dollar erzielt. Einen weiteren Handelsüberschuß von 900 000 Dollar brachte der Handel mit den anderen
sozialistischen Ländern. Der Handel mit diesen Ländern war daher ein entscheidender Faktor für unseren Handelsüberschuß im Jahre 1973 von insgesamt 1,7
Milliarden Dollar.
Die Sowjets werden nicht mit sich reden lassen, wenn wir keine beiden
Seiten zum Vorteil gereichende Handelspolitik betreiben - und dies schließt
die Beseitigung der Diskriminierung gegen ihren Handel ein

- und wenn wir

nicht bereit sind, innerhalb des vom Kongreß gesetzten Rahmens angemessene
Kreditlinien zu gewähren,
Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Unsere mit uns konkurrierenden Handelspartner in Westeuropa und Japan gewähren den sozialistischen Ländern, mit
denen sie jetzt Handel treiben, Kredite. Die Kreditwürdigkeit

der Sowjets

ist gut. Die von uns gewährten Kredite sind verglichen mit den Krediten unserer westlichen Handelspartner klein.
Die

•10-

�Die Welt blickt heute auf die Vereinigten Staaten und erwartet von ihnen,
daß sie die Führung übernehmen. Ich würde es - genauso wie zahlreiche Mitglieder des Kongresses und viele Amerikaner - als unentschuldbar empfinden, wenn
dieses Gesetz als Folge von Verzögerungen untergehen sollte.
Der Kongreß und die Exekutive haben bei dieser Vorlage enger und länger
zusammengearbeitet als bei irgendeinem anderen Gesetz in den letzten sechs
Jahren.
Ich würde es auch als unentschuldbar betrachten, wenn dieses Gesetz mit
irrelevanten und sachfremden Änderungen und Zusätzen belastet würde. Diese
sachfremden Änderungen sind - eben weil sie nicht zur Sache gehören - nicht in
den zuständigen Kongreßausschüssen behandelt worden. Aber die Zeiten sind
heute zu ernst für derartige legislativen Praktiken. Die Vereinigten Staaten
können sich genauso wenig wie die übrige Welt den Luxus solcher Spielereien
leisten. Ich hoffe, der Senat wird sich an die Regel der unbedingten Sachzugehörigkeit halten.
Ich meine, eine Gesellschaft ist dann groß, wenn das Volk groß denkt und
groß handelt. Jetzt ist ein Augenblick gekommen, der Größe verlangt.
Die Reise, die wir heute abend angetreten haben, hat kein Ende. Denn das
Werk, das wir beginnen, wird niemals vollendet sein: am Aufbau einer Weltwirtschaft mitzuwirken, die zur Gesundheit und Prosperität aller Völker beiträgt.
Jedes Land muß seinen Anteil an der Last auf sich nehmen, um sich und
andere nach oben zu tragen.
Jedes Land muß anderen Ländern die Hand reichen - zur Zusammenarbeit, zur
Beteiligung an Schweiß und Opfern -, getragen von dem Wissen, daß keiner es
alleine durchzustehen braucht. Das könnte wahrhaftig eine der größten Stunden
der Welt sein. Wollen wir sie dazu machen. Ich danke Ihnen.

+++

-11-

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26/1974

FORD: INFLATIONSBEKAMPFUNG BLEIBT WICHTIGSTE AUFGABE
- Rede des Präsidenten vor dem Business Council -

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Ford hat in einer Rede vor dem Business Council
in Washington am 11. Dezember betont, daß die Bekämpfung der Inflation die
vorrangige Aufgabe bleibe. Er kündigte an, daß er dem neuen Kongreß im Januar
konjunktur-politäsche Vorschläge unterbreiten werde. Die Rede des Präsidenten
hat folgenden Wortlaut:
Ich begrüße die Gelegenheit,mit Ihnen, den führenden Männern aus Handel
und Industrie zusammenzutreffen, um über einige der ernsten wirtschaftlichen
Probleme zu sprechen, vor denen wir alle stehen.
Wie beidseitig unsere Probleme sind, ist noch nie vorher so klar zum
Ausdruck gebracht worden wie kürzlich, als ich auf einer Wirtschaftskonferenz
vorgestellt wurde. Der Veranstalter

erklärte, •Die Größe Amerikas liegt da-

rin, daß jeder Präsident einer Autofirma, Präsident einer Fluggesellschaft,
Präsident eines öffentlichen Dienstleistungsbetriebes oder Präsident der
Vereinigten Staaten werden kann1. Er machte dann eine lange Pause und fügte
hinzu, »das muß man eben in Kauf nehmen*.
Vor

-1-

�;

Vor vier Monaten habe ich in meinen ersten Äußerungen als Präsident
meinen Mitbürgern versprochen, von Zeit zu Zeit ein offenes Wort unter Freunden mit ihnen zu sprechen. Ich hoffe, daß ich heute unter Freunden bin - denn
wir dienen alle der gleichen Aufgabe, dieses Land politisch und wirtschaftlich
stabil und stark zu erhalten und durch den Genius unseres amerikanischen
Systems immer mehr Menschen ein besseres Leben zu bringen.
Die Geschäftsleute sind nicht die einzigen Amerikaner, die auf dieses
Ziel hinarbeiten, aber es steht fest, daß dieses Ziel ohne sie nicht erreicht,
werden kann.
Und jetzt zu dem offenen Wort:
Die Wirtschaft ist in schwierigen Gewässern. Wir befinden uns in einer
Rezession. Die Produktion geht zurück und die Arbeitslosigkeit nimmt zu.
Ferner stehen wir vor anhaltend hohen Inflationsraten - Inflationsratens
die größer sind, als über einen längeren Zeitraum tragbar ist. Es gibt einiges
Gutes aus der Wirtschaft zu berichten, aber auch viel Schlechtes.
Trotzdem muß man sagen, daß sich unser Land nicht in einer Wirtschaftskrise befindet. Eine Krise - im Sinne einer nationalen Krise - ist etwas,was
sofortiges und drastisches Handeln verlangt. Ein nationales Problem ist etwas5
was überall begriffen werden muß und sorgfältig überlegte Lösungen erfordert
- Kuren also, die nicht schlimmer sind als die Krankheit selbst.
In den 25 Jahren, die ich in der Hauptstadt unseres Landes verbrachte,
hat unsere Wirtschaft mindestens fünf Rezessionen durchgemacht. Und wir haben
sie alle überstanden. Wir werden auch diese überstehen. Die Frage ist nicht
nur, wann, sondern auch wie. Ihre Frage an mich als Präsident ist, was ich
tue.

Ich

�Icl kann und will Ihnen keine plötzliche Änderung zum Besseren versprechen.
Soweit ich sehe, besteht keine Aussicht auf eine sofortige Besserung in der
Wirtschaft. Ohne daß ich die heutigen Schwierigkeiten im einzelnen aufzählen
will, wissen Sie und ich, daß

diese aus politischen Entwicklungen vergangener

Jahre herrühren. Die Wirkung von heute ergriffenen politischen Maßnahmen wird
erst in Monaten spürbar werden.
Kurzfristige Kuren können keinen Erfolg auf lange Sicht bringen. Es
scheint In diesen Tagen eine Tendenz zu bestehen, sich nur auf die unmittelbaren Auswirkungen einer vorgeschlagenen wirtschaftlichen Heilmethode zu konzentrieren und die langfristigen Auswirkungen außer acht zu lassen. Darauf lasse
ich mich nicht ein.
Und ebensowenig glaube ich, daß das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft durch schöne Worte wiederhergestellt werden kann - seien sie von mir
oder von anderen politischen Mitspielern oder gar Zuschauern. Ich glaube auch
nicht, daß das Vertrauen allein durch das Handeln der Bundesregierung wiederhergestellt werden kann. Ich glaube allerdings, daß es durch wirkungsvolle Teamarbeit urd wohlerwogenes Selbstinteresse aller Elemente unseres freien Wirtschaftssystems und unseres repräsentativen freien politischen Systems in
Amerika wiederhergestellt werden kann.
Nicht nur der Präsident, nicht nur der Kongreß, nicht nur Unternehmer
oder Arbeitnehmer oder Verbraucher, sondern wir alle müssen handeln, um unsere
Wirtschaft und den Glauben eines jeden an sie wieder zu erneuern und mit neuem
Leben zu erfüllen. Hoffentlich werden wir hauptsächlich richtige Dinge und nur
wenig falsche Dinge tun, denn nur überhaupt etwas tun - so viel einem dies auch
an öffentlicher Sympathie einbringen mag - könnte sich als das Allerschlimmste
erweisen.

ner

�Der Mensch überlebt durch seinen Instinkt, Fortschritte aber macht er
durch seinen Geist. Vielleicht könnten wir überleben, indem wir einfach unseren Instinkten folgen, was heute heißen würde: eine sofortige Rückkehr zu Lohnund Preiskontrollen, wie dies manche Leute fordern, zur sofortigen Benzinrationierung, für die andere eintreten, oder zur Einführung anderer Reglementierungen, die die Symptome behandeln, aber den Heilungsprozeß verzögern.
Ich habe mir lange genug besorgte Menschen angehört und bin lange genug
im Wahlkampf gestanden, um ein Mitgefühl mit jenen zu haben, die solche Patentlösungen verfechten. Aber ich bin auch alt genug, um zu wissen, daß sie
niemals funktionieren.
Ich bin der Meinung, daß die Instinkte vom Geist beherrscht werden müssen
und daß die Tagespolitik sich dem Grundsätzlichen beugen muß, wenn wir einen
vernünftigen wirtschaftlichen Fortschritt erreichen wollen, den wir auch auf.
rechterhalten können. Und das ist genau mein Ziel.
Ich bin heute mit den führenden Vertretern beider Parteien im Repräsentantenhaus und im Senat im Weißen Haus zusammengekommen. Der Wahlkampf ist vorbei, der Wähler hat gesprochen, und der alte Kongreß beginnt sich zu vertagen.
Die verantwortlichen Männer der Demokraten, die verantwortlichen Männer der
Republikaner, die sich als Repräsentanten bei mir in meinem Raum versammelten,
legten einen Geist der Besorgnis für unser Land an den Tag, den zu beschreiben
ich die Eloquenz zu haben wünschte.
Sie werden es nicht glauben, wie gut wir gelegentlich miteinander auskommen, wenn die Türen geschlossen sind.
Und so habe ich meine früheren Kollegen gefragt - und ich glaube, die
meisten von ihnen haben völlig zugestimmt _, ob wir nicht eine Art informelles

'

�informelles Moratorium für parteipolitische Wirtschaftspolitik einführen könnten - zumindest, bis der neue Kongreß im Januar zusammengetreten ist. Könnten
wir uns nicht sozusagen auf die Zunge beißen, wenn wir versucht sind, Dinge zu
sagen, die das Vertrauen in die Wirtschaft noch mehr schwächen und die Konfusion in den Köpfen vieler Amerikaner über ihre Zukunft noch verstärken könnten.
Lassen Sie mich Ihnen dazu zunächst einmal folgendes sagen: glauben Sie
nicht,ich nätte irgendwelche wirtschaftlichen Entscheidungen getroffen, bevor
Sie es nie it von mir selbst hören. Ich habe die Absicht, meine Experten über
die Feiert.ige arbeiten zu lassen und eine Reihe neuer oder alternativer Maßnahmen zur Vervollständigung und Modernisierung des Wirtschaftspaketes,das ich
dem Kongreß vor zwei Monaten vorgelegt habe, in detaillierte Maßnahmen zu übersetze; . Wir werden den sich verändernden Prioritäten,den gegenwärtigen und den
künftigen, gerecht werden.
Meine neuen Vorschläge werden den neuen Mitgliedern des Kongresses, wenn
sie Mitte Januar zusammentreten, auf den Tischen liegen - vielleicht sogar früher. In den wenigen Tagen, die noch für diese Sitzungsperiode bleiben, werde
ich, wie ich den führenden Vertretern zugesichert habe, zu ihnen bis an die
äußerste Grenze meiner Grundsätze Verbindung halten, mich nachgiebig zeigen,
Kompromisse schließen und zusammenarbeiten, um rasche Verabschiedung der
dringendsten Wirtschaftsvorlagen sicherzustellen.
Dazu gehören das bislang hinausgeschobene Handelsreformgesetz ebenso wie
Gesetze, die sicherstellen, daß Arbeitslose temporäre Unterstützung erhalten;
dies schließt auch Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst und Fortzahlung der
Arbeitslosenunterstützung zum Schutze ihrer Existenz ein. Wenn diese Gesetze

-5-

�Gesetze sich einigermaßen an die Kriterien halten, die ich vor zwei Monaten
aufgestellt habe, dann werde ich ausreichende Dollarbeträge zur Verfügung stellen, wie sie angesichts der Verschlechterung der Beschäftigungslage, vor allem
in einigen Industrien, erforderlich sind.
Morgen will ich mit führenden Vertretern der Automobilindustrie zusammenkommen - Roy Chapin von American Motors, Lee Iacocca von Ford, Thomas Murphy
von General Motors, Lynn Townsend von Chrysler - und mit Leonard Woodcock von
der Automobilarbeiter-Gewerkschaft zusammentreffen (UAW). Dies wird ein direktes Gespräch über die besonderen Probleme dieses Industriezweiges werden. Meine
Tür ist und bleibt offen für jeden verantwortlichen Sprecher eines jeden Sektors unserer Wirtschaft, der durch unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten
übermäßig geschädigt worden ist.
Ich werde weiterhin auf Gesetze und Verordnungen drängen, die einen verstärkten Anreiz zur und eine Förderung der Modernisierung, Erneuerung und Ausweitung der Industrie bieten, um heutigen und künftigen Generationen eine gesunde industrielle Grundlage zu schaffen und als Nahziel die Einrichtung neuer
Arbeitsplätze zu erreichen. Erhöhte Produktivität ist ein Kernstück des Systems
des freien Unternehmertums, das Amerika zu dem gemacht hat, was es heute ist,
und an das ich mein ganzes Leben lang geglaubt habe. Ich werde diese meine
Überzeugung als Präsident der Vereinigten Staaten nicht ändern.
Ich will damit sagen, daß, soweit ich es verhindern kann, die fundamentalen Regeln des wirtschaftlichen Spiels nicht ein über den anderen Monat oder
ein über das andere Jahr, weder auf kurze noch auf lange Sicht, geändert werden. Aber ich will damit auch sagen, daß, soweit ich es erreichen kann, die
Programme und politischen Maßnahmen der Bundesregierung auf veränderte Umstände

�*

Umstände und unsere besten verfügbaren wirtschaftlichen Voraussagen reagieren
werden.
Einige Faktoren - vor allem Brennstoff und Nahrungsmittel - tragen, wie
Sie alle wissen, wesentlich zu unseren gegenwärtigen Wirtschaftsproblemen bei.
Wenn ich an diesem Wochenende mit dem französischen Staatspräsidenten zusammenkomme,werde ich unsere Schwierigkeiten im eigenen Lande keineswegs hintenanstellen, wenn ich das Klima der Zusammenarbeit unter den ölverbrauchenden Industriestaaten durch eine gemeinsame Anstrengung verbessere, um eine ausreichende Brennstoff-und Lebensmittelversorgung zu annehmbaren Preisen sicherzustellen.
So wie alle Ihre Unternehmen von einer ausreichenden Energieversorgung
abhängen, so hängen sie auch von einer genügenden Zahl von Kunden ab. Kunde
ist in Ihren Ohren ein wohl tönendes Wort. Und Verbraucher klingt wie organisierte Interessenvertretung. In Wirklichkeit sind diese Worte austauschbar.
Und die Verbraucher in Amerika machen sich ebenso Sorgen über die Wirtschaft
wie Angestellte und Aktionäre - denn es sind ja die gleichen Menschen.
Diese Administration hat sich verpflichtet, die Kaufkraft des Verbrauchers - die Kundenkaufkraft - zu schützen, da dies ein wesentliches Element
für die Aufrechterhaltung und Stärkung des freien Unternehmersystems ist.
Hier kommt der freiwillige Teil meines Wirtschaftsprogramms ins Spiel - vor
allem, wenn es um die zielbewußte Entschlossenheit eines jeden Einzelnen geht
der lei :htfertigen Verschwendung zu steuern und sein Geld vernünftig auszugeben.
Die

-7-

�Die»WIN»-Kampagne, eine überparteiliche freiwillige Bürgerinitiative,hat
sich als ein nicht abzusehender Erfolg herausgestellt. Diese Kampagne hat
meine volle Unterstützung und verdient auch die Ihrige. Ich darf Ihnen sagen,
daß ich über 200 000 Schreiben in Unterstützung des »WIN»,-Programmes erhalten
habe - bei weitem die größte positive Reaktion der Öffent]lichkeit auf irgendetwas, was ich seit meiner Amtsübernahme getan habe.
Mir persönlich ist es egal, ob die Buchstaben WIN alls Abkürzung für
»Whip Inflation Now» (Besiege die Inflation jetzt) oder für »Work Is Needed9
(Es geht um Arbeit) stehen. Amerika braucht den Geist des Sieges, um seine gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Wo immer sie
herausgefordert werden, wollen Amerikaner siegen.
Wenn es unter Ihnen hier jemanden geben sollte, der von mir eine Wendung
um 180 Grad von der Bekämpfung der Inflation zu einem Anheizen der Konjunktur
erwartet, dann wird er enttäuscht sein. In Wahrheit ist Qs so, daß ich über
alle drei Übel in unserem Lande - Inflation, Rezession und Energie - zutiefst,
besorgt bin. Alle drei sind Teil der gleichen wirtschaftlichen Plage, die heute alle Industrienationen heimsucht. Ich werde diese allgemeine wirtschaftliche Erkrankung auch weiterhin mit einem ausgewogenen Programm bekämpfen. Wir
haben uns nicht und dürfen uns nicht und werden uns nicht ausschließlich auf
einen einzigen Aspekt unserer komplexen Wirtschaft konzentrieren. Wir müssen
uns auf das Gesamtbild konzentrieren.
Bisher habe ich die Verzerrungen hervorgehoben,die die Inflation hervorruft, denn der Preisauftrieb muß gedämpft werden, ehe wir realistischerweise
erwarten können, wieder zu einer Zunahme der Beschäftigung und der Kapitalinvestition zu gelangen.
Es
.8-

�Es gibt jetzt erste Signale, daß der Preisdruck nachzulassen beginnt. Ich
rechne damit, daß sich die Inflation stetig nach unten und aus dem Bereich der
untragbaren zweistelligen Zahlen herausbewegen wird.
D:.e Situation ändert sich rasch.
Nur durch verantwortungsbewußtes Handeln können wir das Vertrauen stärken
und zu einem Wiederaufschwung gelangen, ohne den angesammelten antiinflationären Schwung zu vernichten, der sich spürbar zu machen beginnt.
Ich weiß, daß der Business Council diesen Aufgaben gewachsen ist und
ich sage Ihnen auch warum: Ich erinnere mich an Ihre Geschichte. Sie und Ihre
Vorgänger sind ein Schlüsselfaktor gewesen, wenn es darum ging, die Regierung
bei der Mobilisierung der Wirtschaft im Zweiten Weltkrieg zu unterstützen.
Welch unglaubliche Leistungen haben Sie vollbracht, in Spitzenpositionen und
in der Regierung, in der Industrie und beim Militär.
Meine Herren,Sie müssen wieder mobilisieren. Diese Administration wird
ihren Teil tun, ich werde meinen Teil tun. Was das Land braucht, ist Ihre volle
Mitarbeit und Unterstützung.
Was wir brauchen ist das Zusammengehen unserer gesamten Führungsspitze in
Amerika. Wir dürfen uns nicht bei dieser Anstrengung durch selbstzerstörerischen Pessimismus aufspalten lassen.
Einer der aufrichtigsten Beobachter in Washington schrieb kürzlich in
einem Leitartikel unter der Überschrift: Die Unkenrufer: 'Die Lage ist jetzt
bedenklich und in der Automobilindustrie ist sie alarmierend, aber die Unkenrufer tragen nur zur Depressionspsychose bei und machen die Dinge noch schlimmer als sie sind.
So

-9-

�So scheinen z.B. jetzt zahlreiche Firmen aus Angst vor dem, was 1975 geschehen könnte, notwendige Anschaffungen zurückzustellen. Bei Preisen und
Löhnen besteht ein starker,nach oben gerichteter Druck, weil man glaubt, daß
der Präsident letztlich gezwungen sein wird, zu Lohn-und Preiskontrollen zu
greifen. Kurz gesagt, viele Menschen beginnen aus Angst heraus zu handeln,die
schlimmer ist als die Wirklichkeit.
Washington ist auch etwas nervös geworden. Da jeder, der Kummer hat, früher oder später hierherkommt, um zu klagen, ist man in der Hauptstadt geneigt
zu glauben, alle Leute hätten Kummer.
Es herrscht also ein gewisses Durcheinanderund jeder hält nach schmerzlosen Lösungen Ausschau und hofft, daß wir wieder dahin zurückkommen, wo wir
waren - mit billigem Benzin und 96 neuen Automodellen zur Auswahl. Aber das
ist vorbei, Leute. Diese Welt gibt es nicht mehr. Wir werden uns eine Weile
drehen und wenden müssen, aber wir sind ein sehr starkes Land und werden es
schaffen, wenn wir uns nicht in eine Katastrophenstimmung hineinreden',
Das ist das Ende dieses Zitats.
Mr. Reston hat zum Schluß mit Recht gesagt, dies sei ein sehr starkes
Land. Es begann schwach und uneinig, aber zwei Jahrhunderte später sind sowohl
unser freies Wirtschaftssystem als auch unser freies politisches System die
stärksten und beständigsten auf der Welt geworden. So lange ich Präsident bin,
werde ich dafür sorgen, daß sie es bleiben. Ich danke Ihnen".
-I- -i

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26/1974

DIE DEPRESSIONSANGST IST UNBEGRÜNDET
Von Senator William Proxmire

Als Vorsitzender des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des amerikanischen Kongresses
ist Senator William Proxmire ein anerkannter
Fachmann für Konjunkturfragen. Der Demokrat
aus dem Staate Wisconsin, der seit 17 Jahren
dem Senat angehört, warnt vor dem Depressionsgerede und legt in dem folgenden Artikel die
grundlegenden Unterschiede zwischen der Situation in den dreißiger Jahren und den
heutigen Verhältnissen dar.

Im Kongreß wie auch in der Presse wird immer wieder von der Möglichkeit
gesprochen, daß es zu einer Depression im Stile der dreißiger Jahre kommen könne
Meinungsumfragen zeigen, daß eine sehr große Zahl von Amerikanern, die in die
Millionen geht, meint, mit einer solchen Depression rechnen zu müssen.

Alle diese Beurteilungen der Wirtschaftslage sind falsch.

Erstens ist die Möglichkeit, daß es erneut zu eirer solchen Depression
kommen könnte, außerordentlich gering. Natürlich ist nichts unmöglich.

Aber be-

trachten wir einmal die Unterschiede zwischen der Situation heute und der Situation zu Beginn der dreißiger Jahre.
Zwischer

�Zwischen 1929 und 1933 ging die Gesamtbeschäftigtenzahl in den USA um
18 Prozent zurück und in der Wirtschaft allein - ohne Landwirtschaft - betrug
der Rückgang sogar 23 Prozent.

Die Arbeitslosenquote stieg von 3,2 auf 24,9

Prozent an und jeder vierte Arbeitswillige war ohne Arbeit.

Demgegenüber ist die Arbeitslosenquote in den USA Ende 1974 von 4,5 auf
rund 6 Prozent gestiegen und sie wird sich vielleicht noch weiter auf 7,5 oder
8 Prozent erhöhen. Die Gesamtbeschäftigtenzahl ist jedoch nicht zurückgegangen,
sondern hat sogar noch zugenommen.

Im Oktober hielt sie sich weiter auf dem im

Vormonat erreichten Rekordstand; allerdings muß vielleicht im neuen Jahr mit
einem leichten Rückgang um ein oder zwei Prozent gerechnet werden.

Unsere heutige wirtschaftliche Stärke basiert auf einem stabilen Beschäftigtenstand, was bedeutet, daß die in Arbeit stehenden Männer und Frauen weiter Güter
kaufen können - und dies auch tun - und so unser Wirtschaftssystem stärken.

Das

ist die vorderste Verteidigungslinie unserer wirtschaftlichen Stabilität, aber
keineswegs die letzte.

Neben den über 86 Millionen heute in Arbeit stehenden Amerikanern erhalten
weitere 30 Millionen Zuwendungen aus der Sozialversicherung - und ihre Zahl
nimmt weiter zu. Diese Amerikaner verfügen also über feste, indexgebundene Einkünfte, die durch den Kaufkraftschwund nicht ausgehölt werden können.

Demgegenüber gab es zu Beginn der dreißiger Jahre praktisch keine Sozialversicherungsempfänger in den USA - erst gegen 1940 erhielten einige hunderttausend' Amerikaner Zuwendungen aus der Sozialversicherung,
Heute erhalten die meisten Arbeitnehmer beim Verlust ihres Arbeitsplatzes
Arbeitslosenunterstützung, die die Hälfte oder mehr ihres früheren Einkommens
ausmacht. Allerdings sind manche von ihnen so lange ohne Arbeit, daß sie
schließlich ihren Anspruch auf Unterstützung verlieren, doch beträgt die Zahl
dieser Ausgesteuerten noch keine fünf Prozent aller Arbeitslosen.

Auf der

anderen Seite kommen Arbeitslose in einzelnen Industriezweigen auf fast 95 Prozent ihrer früheren Bezüge und sie erhalten diese Zuwendungen bis zu einem Jahr
lang.

Die

�Die Depression der dreißiger Jahre nahm damals so große Ausmaße an, weil
unser gesamtes Kreditsystem lahm gelegt wurde.

Es kam zu zahlreichen Banken-

zusammenbrüchen und die Kunden fürchteten um ihre Ersparnisse

Die Einlagen

wurden abgezogen, ja der Sturm auf die Banken nahm fast panikartige Ausmaße
an.

Die Banken wiederum taktierten äußerst vorsichtig, zogen ihre Außenstände

ein und kündigten selbst ganz sichere Kredite fast über Nacht,

Dadurch wurde

die Wirtschaftstätigkeit noch mehr eingeengt.

Heute dagegen garantiert die bundesweite Einlagenversicherung allen Bankkunden die Sicherheit ihrer Bankeinlagen bis zu einer Höhe von 40 000 Dollar;
praktisch werden von diesem System 99 Prozent aller Bankeinlagen erfaßt- Ähnliche Einlagenversicherungen gibt es auch für andere Finanzierungsinstitute.
Darüber hinaus hat die Bundesbank (Federal Reserve System) dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des Kongresses zugesagt, daß sie jeder solventen Bank als letzte
Hilfe mit Krediten unter die Arme greifen werde. Auf Grund all dieser Sicherheiten konnten die Geschäftsbanken in den USA ihre Kredittätigkeit ganz erheblich ausweiten.

Und sollte sich diese Kreditausweitung in den kommenden Jahren

etwas langsamer vollziehen, so ist doch klar, daß es auf Grund der Unterstützung
durch die Bundesbank zu keiner solchen Paniksituation wie in den dreißiger
Jahren und zu keiner wesentlichen Kontraktion im Kreditgeschäft kommen wird.

Eine weitere wichtige Verteidigungslinie ist das starke Engagement der
öffentlichen Hand in der Wirtschaft. Während 1930 lediglich 10 Prozent der
Wirtschaftstätigkeit auf die Öffentliche Hand entfielen, sind es heute fast
40 Prozent. Und der Prozentsatz der Arbeitnehmer - gemessen an der Gesamtbeschäftigtenzahl - die in irgend einer Form für die öffentliche Hand arbeiten,
liegt über dreimal so hoch wie 1930. Ihre Zahl wird auch in einer Rezession
im großen ganzen konstant bleiben und somit auf den Arbeitsmarkt stabilisierend
wi rken.

Aber es gibt auch andere Gründe, warum es nach einer angemessenen Zeitspanne wieder zu einem Wirtschaftsaufschwung kommen wird.

Seit dem zweiten

Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten fünf Rezessionen, die im Durchschnitt
jeweils neun Monate - die längste von ihnen etwas über 12 Monate - dauerten,, Die
- 3-

�Die gegenwärtige Rezession dauert bereits neun Monate an. Das bedeutet nun
nicht unbedingt, daß sie in den nächsten Monaten zu Ende sein muß; sie könnte
auch noch wesentlich länger anhalten.

Ja, sie könnte sich noch verstärken,

aber dies erscheint nach allen Erfahrungen der Vergangenheit unwahrscheinlich.
Schon verhältnismäßig begrenzte Regierungsmaßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaus oder zur Beschleunigung dringend notwendiger Umweltprogramme könnten Millionen zusätzlicher Arbeitsplätze

schaffen und der Wirtschaft den Auftrieb

geben, den sie offensichtlich braucht.

Was nun Kontrollen - der Löhne, Preise, Zinsen oder Gewinne - anbetrifft,
so sind solche Maßnahmen unangebracht.
pulär.

Natürlich wären solche Kontrollen po-

Inflation ist ein schmerzlicher, grausamer und unsozialer Prozeß. Wir

haben Gesetze, wonach Diebstahl, Mord, Geschwindigkeitsüberschreitunggn, falsches Parken bestraft werden. Warum sollte es nicht Gesetze gegen die Inflation
und gegen Preistreiber geben?

Die Antwort ist einfach. Wir haben das versucht.

Solche Kontrollen wirken eine begrenzte Zeit - besonders in Kriegszeiten, wenn
sie durch Patriotismus untermauert werden und niemand mit einer langen Dauer
des Krieges rechnet. Aber in Friedenszeiten haben sie produktivitätsschädliche
Auswi rkungen.

Es bleibt immer die Frage, wann man sie beenden soll.

Es gibt keinen

"günstigen" Zeitpunkt dafür. Baut man die Kontrollen ab, kommt es zu einer Preisexplosion.

Sollte man also die Kontrollen auf unbegrenzte Zeit beibehalten?

Das würde bedeuten, daß politische Gesichtspunkte und nicht der Markt darüber
entscheiden, wieviel die Arbeitnehmer, Banken, Firmen, Großgrundbesitzer und Aktionäre verdienen.

Die Politiker würden die Preise für alle Güter und Dienst-

leistungen bestimmen und die Wirtschaft befände sich in einer ständigen Zwangsjacke, aus der es für unser Land auf absehbare Zeit hinaus kein Entkommen geben
würde.

Das bedeutet aber nicht, daß wir gar nichts tun sollen.

Es gibt Maßnahmen,

die der Kongreß jetzt beschließen kann und sollte. Und es gibt Maßnahmen, die
der Präsident jetzt ergreifen kann und sollte. Unbedingt notwendig ist allerdings, daß wir unsere Augen offen halten, damit unsere Wirtschaft nicht auf
ewig unter staatliche Bevormundung gerät.
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26/1974

ENTSCHEIDUNGSHILFEN FÜR "PROJECT INDEPENDENCE"
Mehr als 500 Experten analysierten Energieversorgungslage der
USA bis 1985

- (AD) - "Das Ziel des Projekts 'Independence1 (Unabhängigkeit) besteht
nicht darin, die USA von der übrigen Welt zu lösen", erklärte Präsident Ford.
Es solle vielmehr die Vereinigten Staaten in die Lage versetzen, auf wirksame
Weise ihr Teil zu den weltweiten Anstrengungen beizutragen, mehr Energie zu
erzeugen.

Wenn die Weltwirtschaft nicht ruiniert werden soll, muß Energie zu

tragbaren Preisen verfügbar sein.

So könnte dieses umfassende amerikanische

Projekt zur Verwirklichung und Durchsetzung einer nationalen Energiepolitik
in den kommenden 10 bis 15 Jahren auch eine wichtige Funktion in neuen internationalen Aktionsprogrammen haben.

Die US-Energiebehörde FEA (sie wurde kürzlich erweitert und in "Bundesbehörde für Energieforschung und Entwicklung" umbenannt) nahm Anfang 1974 eine
umfangreiche Analyse der Situation und der möglichen Wege zur Überwindung der
Schwierigkeiten in der Energieversorgung in Angriff.

Im November 1974 erschien

der mehr als 300 Seiten starke Bericht, an dem über 500 Fachleute mitarbeiteten.
Er empfiehlt keine spezifischen energiepolitischen Maßnahmen. Aber er untersucht sorgfältig die Auswirkungen von vier "Hauptstrategien", die prinzipiell
als Möglichkeiten der Wahl in Frage kommen, um die Anfälligkeit der Volkswirtschaft gegen Störungen der Energieversorgung durch Importe auf ein erträgliches

- 1 -

�erträgliches Maß zu reduzieren.

Der Legislative, der Wirtschaft und der Ad-

ministration wird damit eine Arbeitsbasis für künftige Entscheidungen über Maßnahmen an die Hand gegeben, die den Energieverbrauch verringern, die Versorgung
aus einheimischen Quellen steigern, wirksame Notstandsprogramme im Falle eines
Embargos ermöglichen und - last not least - die internationalen Beziehungen
verbessern sollen.

Finanzierung

Neben der Technologie zur wirtschaftlicheren Nutzung von Energie und zur
Erschließung alternativer Energiequellen spielt natürlich die Finanzierung eine
Schlüsselrolle.

Der FEA-Bericht beziffert angesichts der Tatsache, daß seit

1950 die energiebezogenen Investitionen bei Kohle, Öl und Gas in den USA durchschnittlich 23 Prozent der Wirtschaftsinvestitionen ausmachten, das zwischen
1975 und 1985 verfügbare Kapital (in Dollars von 1973) auf 379 - 474 Milliarden
Dollar.

Jedoch schätzt Robert Holland, Mitglied des"Federal Reserve Board"

(Zentralbankenrat), daß bis zum Stichjähr 1985 zur Deckung des Energiebedarfs
in den USA 700 Milliarden Dollar investiert werden müßten.

Und da auch auf ,

anderen Gebieten steigende Investitionen erforderlich sind, wird bei der EnergieEntwicklung die Frage der Prioritäten zwangsläufig eine wichtige Rolle spielen.
Es ist anzunehmen, daß die künftige Energiepolitik in Anbetracht so mannigfaltiger Faktoren wie lokaler und regionaler Wirtschaftsstrukturen und geographischer
Gegebenheiten oder des notwendigen und wirtschaftlich vertretbaren Schutzes der
Umwelt, eher in einer Kombination der verschiedenen möglichen Hauptstrategien
denn in der Ausrichtung auf eine einzige Strategie bestehen wird.

Neue Energiequellen

Es fällt auf, daß in dem FEA-Bericht neue Energiequellen wie Ölschiefer,
Synthesegas und synthetische Treibstoffe, Sonnenenergie und geothemische Energie
nicht eingehend behandelt werden.

Der Grund ist darin zu suchen, daß erst

nach 1985 die Technologie ausreichend vervollkommnet sein wird.

Deshalb sind

�sind vorher keine nennenswerten kommerziellen Kapazitäten für die Prouktion
zu erwarten.

Eine Ausnahme bildet die Gasgewinnung aus Kohle. Der "Federal Power
Commission"

(Bundesbehörde für Elektrizitätswirtschaft) liegen mehrere An-

wendungsanträge zur Genehmigung vor, die die Einbeziehung von Synthesegas aus
Kohle in die Brennstoffwirtschaft zu wettbewerbsfähigen Preisen noch vor 1985
erlauben.

Da Kohle 95 Prozent der amerikanischen Energiereserven ausmacht,

wird jetzt mit Nachdruck an der Modifizierung der im Labor entwickelten Synthesegas-Verfahren für ihre Anwendung in Demonstrationsanlagen gearbeitet.

Im

Bundesstaat Illinois allein sind acht solcher Werke (zwei davon bereits in Betrieb)

für die Kohleumwandlung vorgesehen.

Bei synthetischen Flüssigbrennstoffen muß wahrscheinlich die Entwicklung
von "Verfahren der zweiten Generation" abgewartet werden.

Vorher erscheint

die Aufnahme einer Produktion im großtechnischen Umfang nicht gerechtfertigt.
Soweit sich dies heute übersehen läßt, dürfte diese Phase im Jahr 1985 erreicht
werden, so daß ab 1990 mit einem wesentlichen Beitrag von dieser Seite zur
Energieversorgung gerechnet-werden kann.

Die Erschließung der riesigen Ölschieferlager im amerikanischen Westen
für die Gas- und Ölgewinnung bereitet allerdings noch Schwierigkeiten.

Da ist

zunächst der hohe Wasserbedarf beim Aufschluß des Rohmaterials, das in Gebieten
liegt, wo es wenig Wasser gibt.

Die Mineralölfirmen, die in den Rocky Mountains

vier große Parzellen pachteten, werden sich zunächst noch auf Sondierungs- und
Entwicklungsprojekte konzentrieren.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge könnte bei günstigem Investitionsklima die Ausbeute um 1985 ca. 35 700 Tonnen Öl pro Tag betragen.

Jedoch dürfte

bei forcierter Entwicklung um 1985 die Tagesmenge bis um das Vierfache größer
sein.

Dabei wäre aber zu bedenken, daß die Ausweitung der Landverpachtung für

diesen Zweck auch zu einer erhöhten Salzbelastung des Colorado River führt,
was wiederum der Agrarwirtschaft in den stromabwärts gelegenen Regionen und
dem pflanzlichen und tierischen Leben im Fluß schadet.
- 3-

Die Erzeugung der not-

�notwendigen Prozeßwärme verschlechtert die Luftqualität.

Der Abbau von Öl-

schiefer in großem Umfang könnte neben der Zerstörung der Landschaft die Vegetation verändern.

Und die Bevölkerungszahl in einem heute kaum bewohnten Ge-

biet würde rapide zunehmen.

Mit einer Nutzbarmachung der Sonnenenergie zur zentralen Stromerzeugung
in Kraftwerken ist vor 1985 kaum zu rechnen.

Die amerikanische Bundesregierung

hat jedoch im Rahmen ihres Energieforschungs- und Entwicklungsprogramms (es
ist vorläufig auf 5 Jahre befristet und mit 10 Milliarden Dollar ausgestattet)
den Anteil für die Entwicklung von solaren Heiz- und Kühlanlagen für Gebäude
wesentlich erhöht.

Im Jahr 1975 erhält die Forschung 50 Millionen Dollar, 1976

werden es 75 Millionen sein.

Weitere 60 Millionen sind zur Weiterentwicklung

in den darauffolgenden Jahren reserviert, jedoch wird die entgültige Entscheidung von der dann bestehenden Situation abhängig gemacht.

Heißdampf aus der Erde

wird in Kalifornien und an einigen Plätzen im Aus-

land bereits zur Stromerzeugung genutzt. Gegenwärtig erkunden amerikanische
Ingenieurgruppen im Auftrag der Regierung und der Privatwirtschaft in anderen
Gebieten der USA die Möglichkeiten, ob bzw. die wie Erdwärme oder andere "freie
Energiequellen", z.B. Gezeiten und Wind, eingesetzt werden könnten.

Für geo-

thermäle Projekte wurden in den USA bisher 18 Parzellen auf Bundesland verpachtet.

Auch die Kernenergie zählt zu den neuen Energiequellen.

Während die kontrol-

lierte Kernfusion bestenfalls in ein paar Jahren zur Verfügung stehen könnte,
trägt in den USA die Produktion auf der Basis der Kernspaltung ca. 5 Prozent
zur Stromerzeugung bei.
um 15 Prozent steigen.

Dem FEA-Bericht zufolge soll dieser Anteil bis 1985
(Fachleute erwarten, daß im Jahr 2000 mehr als 50 Pro-

zent des Strombedarfs aus Kernkraftwerken gedeckt werden.)

Gegenwärtig sind

48 Reaktorstationen in Betrieb, 71 in Bau, 118 weitere sind für die kommenden
Jahre geplant.

Das zeitraubende Genehmigungsverfahren blockiert in vielen

Fällen die zügige Durchführung solcher Projekte.

Der
- 4

�Der Bericht verweist darauf, daß eine forcierte Nutzbarmachung der Kernenergie möglicherweise die Qualität (infolge zu starker Erwürmung) und die
Verfügbarkeit von Wasser beeinträchtigt.

Auch aus der Standortbestimmung

könnten sich Probleme ergeben, weil die Befürchtungen wegen des Aussickerns
radioaktiver Stoffe nicht völlig ausgeräumt seien.

Das größte Umweltproblem

bei stärker Ausweitung des Atomkraftpotentials sei jedoch die langfristige Lagerung fester radioaktiver Abfälle.

Konventionelle Energiequellen

Neben der sekundären und tertiären Ausbeutung bereits erschlossener
Erdöl- und Erdgasquellen tritt die Prospektierung und Entwicklung neuer Reserven - vor allem im äußeren Schelfgebiet - immer mehr in den Vordergrund.
Da die Vereinigten Staaten gegenwärtig etwa 2,428 Millionen Tonnen öl pro Tag
verbrauchen, aber nur 1,571 Millionen Tonnen/Tag selbst produzieren, ist dies
von größter wirtschaftlicher Bedeutung.

Im Jahr 19 74 entsprach die US-Bundesregierung Pachtanträgen von Mineralölfirmen zur Erschließung von insgesamt 1,38 Millionen Hektar Fläche im Schelfgebiet; 1975 dürften weitere 5 Millionen Hektar vor den Küsten der USA freigegeben werden.

Bis 1985 ließe sich die amerikanische Tagesproduktion an Erd-

öl verdoppeln, wenn u.a.
1) die Vorkommen in Nordalaska mit einer möglichen Tagesausbeute bis zu
357 OOO Tonnen und in den militärischen Sperrgebieten mit 285 OOO Tonnen
in Anspruch genommen werden,

2) die Förderleistung vor der kalifornischen Küste auf 186 OOO Tonnen pro
Tag gesteigert und

3) vor der Atlantikküste die Förderung aufgenommen würde, wo zunächst
eine Ausbeute von 71 500 Tonnen pro Tag zu erzielen wäre.

Bevor

�Bevor jedoch Bohrungen in den äußeren Schelfgebieten niedergebracht werden,
will die US-Regierung gemeinsam mit den Anlieger-Bundesstaaten in umfassenden
Studien die möglichen Auswirkungen solcher Maßnahmen auf die gesamte Umwelt der
betreffenden Regionen untersuchen lassen.

Jede Mineralölfirma, die in Pacht-

verträge eintritt, muß sich verpflichten, das Ausquellen von Öl und die Folgeschäden mit allen erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen zu verhindern.

Wenn dennoch

Schaden entsteht, muß Schadenersatz geleistet oder für die Säuberung gesorgt
werden.

Angesichts der riesigen Kohlevorkommen in den USA wäre eine rasche Ausweitung der Produktion - im Rahmen der versorgungs- und bergbautechnischen Möglichkeiten - ohne signifikante Kostensteigerung zu bewältigen.

Da sich aber

nicht jede Kohle für die mannigfachen Verwendungszwecke eignet und vor allem
Kohle mit hohem Schwefelgehalt besondere Probleme aufwirft, dürfte sie vorläufig
nur in relativ bescheidenem Umfang zur Steigerung der einheimischen Energieproduktion beitragen.

Unter Zugrundelegung von 11 Dollar Weltmarktpreis pro Barrel

Rohöl (159 Liter) dürfte die Förderleistung von 650 Millionen Tonnen Kohle im
Jahr 1974 auf 1085 Millionen Tonnen im Jahr 1985 erhöht werden.

(Bei einem

niedrigeren Weltmarktpreis für Öl etwa im Bereich von 7 Dollar/Barrel, wären
für 1985 ca. nur 945 Millionen Tonnen geförderte Kohle anzusetzen, da in diesem
Fall die Kraftwerke und die Industrie mehr Öl verbrauchen.)
sind auch die Kohleexporte berücksichtigt:

In diesen Zahlen

Sie lagen im Jahr 1974 bei 70 Mil-

lionen Tonnen und dürften bis 1985 auf 85 Millionen Tonnen steigen.

Die im Jahr 1970 erheblich verschärften Umweltschutzbestimmungen zur Reinhaltung der Luft verbieten in einer Reihe von Bundesstaaten praktisch die Verwendung von fast zwei Dritteln der Kohlemengen, die Heizkraftwerke verbrauchen
(1975 ca. 360 Millionen Tonnen).

Die Installierung von "scrubbers", wie in Kurz-

form Anlagen zur Rauchgasreinigung von Staub und Schwefeldioxid genannt werden,
könnte einen - vorläufig allerdings noch kostspieligen - Ausweg aus diesem
Dilemma bieten.

Bis 1977 sollen 93 solcher Anlagen in amerikanischen Kraftwerken

betriebsbereit sein.
zurück.

Sie halten 85 bis 90 Prozent der Schwefeldioxid-Emission

Allerdings muß ihr kontinuierlicher Betrieb gewährleistet sein, was

bisher noch gewisse Schwierigkeiten bereitet.
Einsparung
- 6 -

�Einsparung von Energie

Während des Ölembargos im vergangenen Winter wurden in den USA nach
Schätzungen der Bundesenergiebehörde infolge von Sparmaßnahmen 1 5 - 2 0 Prozent
weniger Kraft- und Brennstoffe verbraucht.

Wenn künftig systematisch nach Mög-

lichkeiten zur Einsparung von Energie gesucht und entsprechende Programme konsequent durchgeführt werden, dürften bis 1980 täglich Mengen im Energiewert
von 1 Million Tonnen öl, 1985 von 1,8 Millionen Tonnen öl anderweitig verwendbar werden.

Auf Initiative Präsident Fords wurden bereits Programme zur Zusammenarbeit
mit den Vertretern der verschiedenen Sektoren der Wirtschaft in die Wege geleitet.

Die Autoindustrie ist z.B. gehalten, sich in den kommenden Jahren um

eine Erhöhung der Treibstoffökonomie bei Kraftfahrzeugen zu bemühen.

In jüngster

Zeit ließ sich Bundesinnenminister Rogers C.B. Morton von Vertretern der chemischen
Industrie, der Aluminium- und Stahlindustrie, der Mineralölindustrie, der Zement-,
Papier- und Papierindustrie darüber informieren, was sie als besonders energieintensive Branchen zu unternehmen gedenken, um den Energieverbrauch rationeller
zu gestalten.

- 7-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Materialprüfung - Geräte und Instrumente&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausstellung im US-Handelszentrum -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berichtigung zu: Fachausstellung "Moderne Verkaufshilfen" im US-Handelszentrum Frankfurt am Main&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das französisch-amerikanische Abschlusskommuniqué von Martinique&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford ruft zu gemeinsamer Lösung der Welthandelsprobleme auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rede auf der "American Conference on Trade" in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ford: Inflationsbekämpfung bleibt wichtigste Aufgabe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten vor dem Business Council -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Depressionsangst ist unbegründet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Senator William Proxmire&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entscheidungshilfen für "Project Independence"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mehr als 500 Experten analysieren Energieversorgungslage der USA bis 1985&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>a m e r i k a dienst
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Dokumentation

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Nummer

4. Dezember 1974

25

Inhalt

INFORMATION:
Moderne Verkaufshilfen
-Ausstellung im US-Handelszentrum-

WIRTSCHAFT:
,

Präsident der US-Bundesbank fordert nachdrückliche Maßnahmen zur
Lösung des Ol-Problems
-Burns vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des Kongresses-

Energie und internationale Zusammenarbeit
Von Stephen W. Bosworth
Leiter des Referates für Brennstoff und Energie im US-Außenministerium

DOKUMENTATION:
Das Gemeinsame amerikanisch-sowjetische Kommunique von Wladiwostok
-WortlautGemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung zu SALT
-Wortlaut-

WISSENSGHAFT UND TECHNIK:
Looping am Jupiter
-PIONIER 11 besucht zwei GroßplanetenVon Gertrud Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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25/1974

MODERNE VERKAUFSHILFEN
Ausstellung im US-Handelszentrum
--(AD)— Zwanzig amerikanische Firmen beteiligen sich an der Ausstellung "Moderne Verkaufshilfen", die vom 14. bis 17. Januar im Frankfurter US-Handelszentrum (Zürich-Haus am Opernplatz) stattfindet. Ein Teil der Aussteller ist
neu auf dem deutschen Markt und sucht hier in erster Linie Vertretungen, Lizenznehmer oder Partner für gemeinsame Projekte.
Die Amerikaner zeigen in Frankfurt unter anderem Maschinen zum Bedrucken
von Klebeetiketten, Anhängern und Heftetiketten, Geräte zum halbautomatischen
Anheften von Etiketten, Markier Stempel, ein Computer-System einschließlich Terminal, sowie tragbare Datenerfassungs-, Übertragungs-und Empfangsgeräte für
Lagerorganisation, Bestandsaufnahme, Auftrags-und Anfragenbearbeitung, BarCode-Leser und -Drucker sowie Drucker für lesbare Codes mit Eingabemöglichkeit
über Computer-Interface oder zur direkten Tastatureingabe, Klimaanlagen zur
Dachinstallation für Supermärkte etc., Aluminiumtüren für Kühl-und Lagerräume,
Kühl-und Isolieranlagen, Alarmanlagen und Diebstahlsicherungen, Verkaufsvitrinen, Ausweissysteme für Belegschaften, Reinigungsmaschinen und Wartungsgeräte
für Großläden.
Weitere Informationen und Programme durch US Trade Center,6000 Frankfurt,
Bockenheimer Landstraße 2-4, Tel.72 08 Ol, Telex: 416535

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PRÄSIDENT DER US- BUNDESBANK FORDERT NACHDRÜCKLICHE MASSNAHMEN
ZUR LÖSUNG DES ÖL-PROBLEMS
-Burns. vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des Kongresses-

WASHINGTON »-(AD)-- Der Präsident des amerikanischen Federal Reserve System
(Bundesbank), Arthur Burns, hat am 27. November vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses nachhaltige Maßnahmen zur Lösung des Ölproblems, darunter verordnete Einsparungen, gefordert.
Wenn die Ölpreise auf der gegenwärtigen Höhe bleiben, wird nach Auffassung von Burns eine Umverteilung der wirtschaftlichen und politischen
Macht in der Welt eintreten und einige Industriestaaten könnten einen wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch erleben. Alle Nationen müßten
Öl sparen und - ohne Handelsrestriktionen - eine verantwortungsbewußte Anpassung vornehmen. Die aussichtsreichste Methode, um das Ölkartell der
OPEC zu brechen, sei die Verringerung der Importe aus diesen Ländern.
Die USA und andere Importeure sollten alternative Energiequellen entwickeln und sofort verschärfte Maßnahmen zur Senkung des Ölverbrauchs ergreifen.
Im

�Im folgenden geben wir die Ausführungen des Präsidenten des Federal
Reserve System in wesentlichen Auszügen wieder:
Der Anstieg der Ölpreise hat zu einer spektakulären Steigerung des Einkommens der OPEC-Länder geführt. Allein die Vereinigten Staaten werden in
diesem Jahr für Brennstoffeinfuhren rund 27,5 Milliarden Dollar ausgeben im Gegensatz zu 8,8 Milliarden Dollar für das im wesentlichen gleiche Importvolumen im Jahre 1973. Die höheren Preise für Importöl stellen praktisch eine
schwere Besteuerung des amerikanischen Verbrauchers dar und haben auf schwächeren Binnenmärkten bereits ihre Opfer gefordert.
Während der ersten zehn Monate des Jahres 1974 haben die OPEC-Länder von
anderen Ländern rund 75 Milliarden Dollar für Ölverkäufe eingenommen, also
fast dreimal so viel wie während des ganzen Jahres 1973. Die Importe der OPECLänder sind prozentual zwar rasch angestiegen, aber sie sind weit hinter den
erhöhten Einnahmen zurückgeblieben. Als Ergebnis haben die ölerzeugenden Länder schätzungsweise einen Überschuß von 45 Milliarden Dollar an Gütern und
Dienstleistungen allein in den ersten zehn Monaten dieses Jahres erzielt. Der
größte Teil dieses Geldes ist in höchst flüssigen,kurzfristigen Papieren des
EURO-Währungsmarkt es und auf den britischen und amerikanischen Geldmärkten investiert worden.
Von den 45 Milliarden Dollar sind etwa 10,5 Milliarden Dollar in den
Vereinigten Staaten angelegt worden.
Der weit größte Anteil - etwa 16,5 Milliarden Dollar oder über ein Dritf

tel der Gesamtsumme - ist auf den EURO-Währungsmarkt gekommen. Fast alle diese Gelder sind in Form von EURO-Dollar-Einlagen angelegt, deren durchschnitt»

�durchschnittliche Laufzeit sehr kurz ist. Die Hauptempfänger dieser Einlagen
sind Banken in Großbritannien gewesen.
Während der ersten 10 Monate des Jahres 1974 stiegen die OPEC-Anlagen in
Pfund Sterling um den Gegenwert von etwa 6,5 Milliarden Dollar.
Die bisher spezifizierten OPEC-Anlagen - in den Vereinigten Staaten,
Großbritannien und auf den EURO-Währungsmärkten - belaufen sich in etwa auf
dreiviertel des Gesamtzuwachses der OPEC-Guthaben von 45 Milliarden Dollar.
Von dem restlichen Geld sind schätzungsweise 3,5 Milliarden Dollar an Regierungsinstitutionen auf dem westeuropäischen Festland und in Japan verliehen
worden.
Schuldverschreibungen, die von internationalen Finanzinstitutionen herausgegeben wurden oder Anleihen an den Internationalen Währungsfonds zur Verwendung im Rahmen der Ölfinanzierungseinrichtung

belaufen sich auf zwei

Milliarden Dollar. Weitere zwei Milliarden Dollar sind für Zuwendungen oder
Kredite an weniger entwickelte Länder entweder direkt oder durch Beiträge an
regionale Entwicklungsbanken bereitgestellt worden. Der größte Empfänger
solcher Hilfe ist wahrscheinlich Ägypten gewesen. Der verbleibende Zuwachs an
OPEC-Guthaben - auf vier Milliarden Dollar geschätzt - ist auf andere Anlagen,
einschließlich privater Papiere und Immobilien in Kontinental-Europa und in
Japan verteilt worden.
Bisher sind die gewaltigen Geldströme nach und von den OPEC-Ländern in
erster Linie - und einigermaßen gut - von Privatmärkten, vor allem Handelsbanken, aufgefangen worden. Aber es besteht kein Anlaß zur Selbstgefälligkeit
bezüglich der Zukunft.
Grob

-3-

�Grob gesprochen werden sich die Einnahmen der OPEC-Länder in einer Grössenordnung von 100 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen, wenn sie ihre gegenwärtigen Ölexporte und -preise aufrechterhalten. Das ist das Vierfache der
Summe des'Jahres 1973. Auf der Importseite haben einige der OPEC-Länder - wie
etwa Indonesien, der Iran, Nigerien und Venezuela - eine große Aufnahmefähigkeit. Ein beträchtlicher Teil der Einnahmen der anderen Ölexporteure - vor
allem Saudi-Arabien und die Staaten des Persischen Golfes - werden jedoch in
naher Zukunft nicht für zusätzliche Importe ausgegeben werden. Die beiden anderen entscheidenden Faktoren im Gesamtbild - der Strom von Investitionserträ«=
gen nach den OPEC-Ländern und der Transfer von Mitteln aus den OPEC-Ländern
nach weniger entwickelten Ländern - spielen bisher noch eine geringe Rolle im
Vergleich zu dem Strom der Öleinnahmen. Während der künftige Umfang der von
den OPEC-Ländern geleisteten Hilfe ungewiß ist, versprechen jedoch ihre Investitionserträge mit einer sehr raschen Rate anzuwachsen.
All dies deutet auf sehr große OPEC-Überschüsse hin, die im Jahre 1975
etwa in der Größenordnung von 55 bis 60 Milliarden Dollar liegen dürften, bei
50 Milliarden Dollar im Jahre 1976 und noch mindestens für fünf weitere Jahre
sehr groß sein dürften. Diesen Überschüssen würde praktisch die Anhäufung
eines gewaltigen Schuldenberges der öl importierenden Länder gegenüberstehen
- es sei denn, der Ölpreis geht herunter oder die Verbraucherländer unternehmen wesentliche Schritte, um ihre Abhängigkeit vom Importöl zu verringern...
Die Tatsache, daß die "Recycling"-Techniken in den Vordergrund des Interesses gerückt sind, hat die bedauerliche Nebenwirkung gehabt, die Aufmerk»
samkeit von der fundamentalen Notwendigkeit abzulenken, den Ölpreis herunterzubekommen. Wenn dies nicht geschieht, dann ist es äußerst fraglich, ob die

�die durch den gewaltigen Anstieg des Ölpreises hervorgerufenen finanziellen
Probleme überhaupt in den Griff zu bekommen sind. Praktisch gesehen bedeutet
"Recycling" nichts weiter, als daß die öl importierenden Länder immer tiefer
in Schulden geraten werden. Wenn man Schulden auf Schulden häuft - oder, realistischer gesprochen, fragwürdige Schulden auf gute Schulden häuft - dann
kann dies nicht unendlich weitergehen noch sollte es unendlich weitergehen.
Wenn der Ölpreis in etwa auf dem gegenwärtigen Stand bleibt - und es
gibt in OPEC-vLändern immer wieder Bemühungen, ihn noch höher zu setzen - dann
wird dies eine massive Umverteilung der wirtschaftlichen und politischen Macht
unter den Ländern der Welt bedeuten. Das allein schon birgt Gefahren für die
Zukunft unseres Landes.
Es liegt auf der Hand, daß in dem Maße, in dem die finanziellen Guthaben
in den Händen der OPEC-Länder wachsen, der Schuldendienst für diese Guthaben
wachsen wird. Die Last der künftigen Rückzahlung wird wachsen. Darüber hinaus
wird in dem Maße, in dem die Möglichkeit für die Verlagerung von Einlagen von
einer Bank zu einer anderen wächst, die Anfälligkeit der Finanzinstitutionen
hier und dort zunehmen. Das gleiche könnte für Devisenmärkte gelten, wenn
Mittel abrupt bewegt und in großem Ausmaß von einer Währung in eine andere
transferiert werden. Man kann diese Gefahren natürlich leicht übertreiben,
aber sie können nicht außer acht gelassen werden. Ebenso wenig dürfen wir die
Möglichkeit ignorieren, daß dies oder jenes andere Industrieland, das sich
bereits in einer geschwächten Position befindet, nicht mehr in der Lage wäre,
sich in ausreichendem Maße an den belastenden Ölpreis anzupassen und als Ergebnis einen wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch erleiden würde...
Die
-5-

�Die finanzielle Klugheit setzt der Bereitschaft der Banken Grenzen, sich
auf große,zinsbringende und potentiell sehr bewegliche Einlagen einer relativ kleinen Zahl von Kunden zu stützen. Banken müssen darauf aus sein, daß die
Laufzeitstruktur ihrer Guthaben und Verpflichtungen nicht ihre Liquidität ge~
fährdet. Sie müssen darauf aus sein, daß sie nicht in zu hohem Maße einem einzelnen Land ausgeliefert sind. Sie müssen darauf aus sein, daß das Verhältnis
ihres Kapitals zu ihren Verpflichtungen sich nicht negativ entwickelt. Die in
der Öffentlichkeit wohlbekannten Schwierigkeiten einiger Banken, die sich
stark in internationalen Finanzgeschäften engagiert haben, haben als Warnung
gedient, die die Bankiers nicht übersehen haben. Und auch ihre Aufsichtsbehörden haben nicht gänzlich geschwiegen.
Es liegt daher auf der Hand, daß die Klugheit gebietet, daß Banken die
Rolle des Zwischenträgers für die Ströme von Ölgeld nicht in dem Umfang fortsetzen können, wie dies in der jüngsten Vergangenheit geschehen ist. In dem
Maße, in dem Banken sich in den Grenzen einer verantwortungsbewußten Mittlerrolle bewegt haben, haben sie sogar begonnen, die Zinssätze zu senken, zu denen sie große neue Einlagen auf kurzfristiger Basis akzeptierten. In den
jüngsten Monaten haben die OPEC-Länder keinen so großen Anteil ihrer Guthaben
mehr in die EURO-Währungsmärkte eingebracht wie sie dies im ersten Halbjahr
1974 getan haben. Und es gibt gewisse Hinweise auf eine größere Streuung von
OPEC-Guthaben auf verschiedene Länder.
Es ist jedoch noch keine große Verlagerung auf langfristige Anlagen durch
die OPEC-Länder eingetreten. Wie bereits festgestellt, bestehen die meisten
ihrer Einlagen weiterhin in kurzfristigen Anlagen,,,., Als große und immer bedeutendere Kreditoren müssen sie ein zunehmendes Interesse an der internationalen Finanzstabilität haben und sie sollten dazu beitragen, indem sie sich

�sich rascher entschließen, langfristige Anlagen zu erwerben. Eine weitere Senkung der Zinssätze für große kurzfristige Einlagen dürfte eine solche Bewegung beschleunigen.
Aber selbst dann bietet die Lage der Länder, deren schwache Finanzposition es ihnen unmöglich macht, auf internationalen Geldmärkten zu leihen, weiterhin großen Anlaß zur Sorge. Wenn den Ländern in einer schwachen Finanzsituation keine Hilfe gewährt wird, dann könnten sie dazu getrieben werden, eine
Handelspolitik auf Kosten der Nachbarn einzuschlagen und damit würden die internationalen Handelsbeziehungen gestört. Sie könnten zu einer exzessiv knappen Binnenpolitik getrieben werden mit der Drohung einer anhaltenden Rezession
und Störung der politischen Ordnung. Und in ihrer verzweifelten Not könnten
sie versucht sein, sich dem politischen Willen ölexportierender Länder zu
beugen, um Kredite zu erhalten.
Es liegt daher im Interesse der Vereinigten Staaten und der gesamten Ge
meinschaft der Industrieländer, daß wir Institutionen entwickeln, um die finanziellen Belastungen zu erleichtern, die auf das eine oder andere dieser Länder
zukommen könnten. Wenn die schwächeren Länder

ungeschützt ihrer Ölrechnung

ausgesetzt werden, dann könnten sie zu Sonderabmachungen mit ölproduzierenden
Ländern gezwungen sein. Solche Abmachungen könnten die Verhandlungsposition
der ölverbrauchenden Länder unterlaufen und den Tag hinauszögern, an dem die
gegenwärtigen exorbitanten Ölpreise gesenkt werden...
Der amerikanische Vorschlag für einen neuen Finanzmechanismus, der zusammen mit der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) ausgearbeitet werden soll, würde den beteiligten Ländern, die - nachdem

-7-

�nachdem sie ihrerseits alle denkbaren Anstrengungen zur Bewältigung ihrer
Ölimport-und Zahlungsbilanprobleme unternommen haben, in Schwierigkeiten geraten, einen finanziellen Beistand bieten. Der Vorschlag zielt darauf ab, die
Zusammenarbeit unter ölimportierenden Ländern zu fördern und den vernünftigen
Dialog mit den ölexportierenden Ländern zu erleichtern. Er soll nicht dazu dienen, den privaten Markt und andere offizielle Kanäle wie etwa den Internationalen Währungsfonds zu ersetzen, sondern diese Einrichtungen ergänzen.
Im Hinblick auf diese Sicherheit sollten die beteiligten Länder kooperative Anstrengungen unternehmen, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern. Sie sollten sich ferner verpflichten, eine verantwortungsbewußte Anpassungspolitik zu verfolgen, und zwar unter Vermeidung von Handelsrestriktionen.
Die Einrichtung könnte durch direkte Beiträge der beteiligten Regierungen oder
durch Kreditgarantien finanziert werden, wobei das Kreditrisiko aufgeteilt würde. Für eine Beteiligung der Vereinigten Staaten wird auf jeden Fall die Erteilung einer Vollmacht durch den Kongreß notwendig sein.
Das von der Administration vorgeschlagene Programm hat also zum Ziel ,die
wichtigen ölverbrauchenden Länder zu einer gemeinsamen Anstrengung zusammenzubringen. Es hat zwei Hauptaspekte: Zusammenarbeit zur Verringerung der Abhängigkeit von Importöl und finanzielle Zusammenarbeit.

Finanzielle Zusammenar-

beit allein reicht nicht. Selbst bei einer ordnungsgemäßen Finanzierung der
Defizite bleibt doch weiterhin die gewaltige Last des Schuldendienstes und
der schließlichen Rückzahlung. Die finanzielle Zusammenarbeit mag den Übergang
erleichtern, aber sie bietet keine Antwort auf die höchst beunruhigende Frage
"Übergang zu was?".
Das

-8-

�Das fundamentale Problem ist die gewaltige Ölrechnung der importierenden
Länder und eine fundamentale Lösung erfordert eine Senkung des Ölpreises. Das
OPEC-Kartell wird nicht ewig bestehen und der vielversprechendste Weg, es zu
brechen oder zu schwächen, besteht darin, Veränderungen im Verhältnis von
Nachfrage und Angebot auf dem Ölmarkt herbeizuführen. Einige Veränderungen in
diesem Verhältnis finden bereits statt. Die 'Jberschußkapazität der Ölerzeuger
ist heute bereits sehr viel größer als im vorigen Jahr. In Bolivien, China,
Malaysia und Mexiko, um nur einige Länder zu nennen, sind neue Ölvorkommen
entdeckt worden. Die bestätigten Ölvorkommen in der Nordsee haben sich im
letzten Jahr verdoppelt. In den Vereinigten Staaten ist das Potential der Ölfelder im Küstenvorfeld gewaltig. Der hohe Preis regt also zur Suche nach neuen Ölfeldern an und auch zur Entwicklung von Kohle-und Nuklearenergie sowie
zur Entwicklung von alternativen Energiequellen.
Während die Auswirkungen dieser Anpassungen auf die Versorgungsseite
nicht sofort sichtbar werden, finden bereits unmittelbare Anpassungen auf der
Nachfrageseite statt. Der Ölverbrauch in den Importländern wird dieses Jahr
etwa drei Prozent unter dem des Vorjahres liegen. Eine Reihe von Ländern hat
in jüngster Zeit die Maßnahmen zur Einsparung von Öl intensiviert. Frankreich
hat eine Grenze für die Ausgaben für Ölimporte gesetzt. Im neuen britischen
Haushalt wird die Benzinsteuer erneut erhöht, und als Folge davon werden die
britischen Autofahrer jetzt etwa 1,20 Dollar für die Gallone bezahlen müssen.
Die Vereinigten Staaten verbrauchen rund 30 Prozent der Weltölerzeugung.
Zum Teil aus diesem Grund und zum Teil wegen unserer strategischen Rolle in
der

Welt erwarten andere Länder von uns Führung. Die Administration hat

-9-

�hat andere Industriestaaten eingeladen, zusammen mit uns eine nachhaltige
Anstrengung zu unternehmen, um mit dem ersten Ölproblem fertig zu werden. Wir
sollten jetzt das unsrige tun, indem wir entschlossener handeln, um Energie
zu sparen,indem wir gezielter handeln, um im eigenen Lande Alternativen zum
Importöl zu entwickeln, und indem wir unsere Anfälligkeit gegenüber der Drohung eines Embargos durch die Erhöhung unserer Lagerkapazität verringern.
Im Oktober dieses Jahres hat der Präsident eine Reihe von Vorschlägen
unterbreitet,um Energie zu sparen und alternative Quellen im eigenen Lande zu
entwickeln....
Das Sofortziel des Programms war die Erreichung einer Senkung des Ölverbrauchs um eine Million Barrel pro Tag bis 1975. Die Vorschläge des Präsidenten verdienen die nachhaltige Unterstützung durch den Kongreß und die Öffentlichkeit.
Obwohl das Programm des Präsidenten den Nachdruck auf freiwilliges Handeln legt, sollte nicht vergessen werden, daß er angedeutet hat, daß in Zukunft einschneidende Maßnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit vom Importöl notwendig werden könnten. Im Hinblick auf den Ernst der internationalen
Energiesituation bin ich der Auffassung, daß sofort mit der Vorausplanung für
schärfere Maßnahmen zur Verringerung des Verbrauchs im eigenen Lande begonnen
werden sollte. Zu diesen Maßnahmen könnte eine fühlbare Besteuerung von Benzin
oder Importöl oder von Automobilen nach Gewicht und PS-Zahl gehören...

Die

-10-

�Die Politik, für die ich heute hier eingetreten bin,ist eine Politik
der Sparsamkeit. Ich bin mir darüber im klaren, daß sie klug und vorsichtig
durchgeführt werden muß - wenn möglich ohne Verschärfung der Rezessionstendenzen, die sich in unserer Wirtschaft bereits zeigen. Wenn wir die Dinge
treiben lassen, dann, so fürchte ich, könnte dies zu einem stetigen Abstieg
der wirtschaftlichen und politischen Macht unseres Landes in einer äußerst
unruhigen Welt führen.

(U.S.Information Service,
5300 Bonn-Bad Godesberg)

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ENERGIE UND INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
Von Stephen W. Bosworth
Leiter des Referates für Brennstoff und Energie im US-Außenministerium

Die wechselseitige Abhängigkeit, d.h. die Interdependenz in der
Weltwirtschaft ist im letzten Jahr auf schmerzliche Weise sichtbar geworden. Das jüngste Olembargo hat eine Reihe von Entwicklungen ausgelöst,
die direkte Auswirkungen auf Industriestaaten wie Entwicklungsländer hatten.
Im Dezember 1973, auf dem Höhepunkt des Embargos, lag die Olförderung der arabischen Länder um 24 Prozent unter dem Stand vor Beginn der
Einschränkungen. Obwohl der Rückgang, auf die gesamte Olförderung der Welt
bezogen, noch keine 8 Prozent ausmachte, bekamen alle Industriestaaten
- auch die Vereinigten Staaten - die Auswirkungen in Form von rückläufiger
Gütererzeugung und steigender Arbeitslosigkeit zu spüren.
Gleichzeitig begann die Veränderung des Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage auf den internationalen Ölmärkten - die bereits Ende
der sechziger Jahre eingesetzt hatte - aufgrund von Marktstörungen und
hieraus resultierenden Unstimmigkeiten zwischen den Ölimporteuren immer

�4

i

immer größere Ausmaße anzunehmen. Die Ölerzeuger machten sich diese Uneinigkeit der Verbraucher zunutze und nahmen über die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) eine Reihe massiver Preiserhöhungen vor. Im Januar 1974 lagen die Ölpreise um rund 400 Prozent über dem Stand vom Januar
1973, und sie sind seitdem das ganze Jahr hindurch weiter gestiegen.
Diese massiven und plötzlichen Preiserhöhungen haben für die Weltwirtschaft eine Reihe ernster Probleme geschaffen:
-«• die bereits zu hohe Inflationsrate zog noch weiter an;
-- praktisch alle Industriestaaten und Entwicklungsländer wiesen hohe
Zahlungsbilanzdefizite auf;
-- die privaten Finanzmärkte wurden starken Belastungen ausgesetzt;
-- und, was vielleicht am schwersten wog, im internationalen Wirtschaftsklima machte sich eine große Unsicherheit bemerkbar.
Die starke Abhängigkeit vom Importöl bedeutete eine wirtschaftliche und
politische Anfälligkeit, die einfach nicht mehr tragbar-war. Die amerikanische
Reg ierung hat daher ein

Reihe binnenwirtschaftlicher und internationaler

Initiativen ergriffen mit dem Ziel, diese Anfälligkeit zunächst einmal einzugrenzen und dann zu verringern.
Die Vereinigten Staaten stehen gegenwärtig im Begriff, ein nationales
Energieprogramm auszuarbeiten, das die Abhängigkeit vom Importöl in den kommenden Jahrzehnten ganz wesentlich verringern wird. Das kurzfristige Ziel ist
die Verringerung der Ölimporte um 1 Million Barrel pro Tag bis Ende 1975.
Langfristig wollen die Vereinigten Staaten bis zum Jahre 1985 die Ölimporte
sogar auf 1 Millium Barrel pro Tag senken - gegenüber gegenwärtig über
6 Millionen Barrel pro Tag. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Vereinig-

2-

�Vereinigten Staaten ihre großen einheimischen Ol-, Kohle- und sonstigen Energiequellen mobilisieren. Gleichzeitig muß die Wachstumsrate des Energieverbrauchs der gesamtwirtschaftlichen Wachstumsrate angepaßt werden.
Anfang 1975 wird der Präsident auf eine Reihe umfassender politischer
Empfehlungen zurückgreifen können, die bis dahin aus dem Entwurf für das
"Projekt Unabhängigkeit" erarbeitet sein werden. Hohe Prioritäte in der im
Januar beginnenden neuen Sitzungsperiode des Kongresses wird der Verabschiedung von Gesetzen zukommen, die die Energiepolitik der USA in den kommenden
Jahrzehnten bestimmen werden.
Im Verlauf der letzten 12 Monate war klar geworden, daß wohl kaum ein
Land über eine ausreichende Machtposition auf den internationalen Olmärkten
verfügt, um einseitig eine Lösung der Ölkrise zu erreichen. Nur durch umfassende internationale Zusammenarbeit - zunächst zwischen den Verbraucherländern und dann zwischen Verbrauchern und Erzeugern - kann eine ausreichende
Energieversorgung zu vernünftigen Preisen sichergestellt werden.
Als direktes Ergebnis der Washingtoner Energiekonferenz vom Februar
dieses Jahres haben die Vereinigten Staaten und 15 weitere große Ölverbraucherländer ein Abkommen über die Schaffung eines Internationalen Energieprogrammes (IEP) unterzeichnet. Dieses Programm, das von der als autonome Institution innerhalb der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) geschaffenen neuen Internationalen Energiebehörde verwaltet wird, stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung auf eine wirksame Zusammenarbeit der Verbraucherländer in Energiefragen dar.
Das

-3-

�Das Programm besteht aus zwei wichtigen Teilen, die sich beide mit dem
Problem der Abhängigkeit vom Importöl befassen: Einmal geht es kurzfristig
um eine Krisenvereinbarung und zum anderen langfristig um ein gemeinsames
Vorgehen.
Die sich an dem Programm beteiligenden Länder haben ein integriertes
Krisenprogramm vereinbart, um, falls es dazu kommen sollte, auf jede künftige Unterbrechung der Ölversorgung vorbereitet zu sein und dann handeln zu
können. Dieses Krisenprogramm enthält drei Zusagen der beteiligten Länder,
die in einem engen Zusammenhang zueinander stehen:
»- Erstens, diese Länder werden einen gemeinsamen Grad der Selbstversorgung in Krisenfällen festlegen, der sich

jeweils nach ihrem Potential rich-

tet, ohne Importe auskommen zu können. Sie werden dieser Zusage im allgemeinen durch Anlegen von Ölvorräten entsprechen.
-- Zweitens, diese Länder haben vereinbart, Programme zur Einschränkung der
Nachfrage zu entwickeln, so daß sie im Falle einer Unterbrechung der Versorgung unverzüglich den Ölverbrauch um eine gemeinsame Rate senken können.,
-- Und drittens, diese Länder haben beschlossen, das verfügbare Öl
- d.h. die einheimische Förderung und die weiterlaufenden Importe - im Falle
einer Krise der Gruppe zur Verfügung zu stellen, um die Ausfälle proportional
auf die Mitglieder aufzuteilen. Dieses System wird im Falle eines allgemeinen
Embargos wie auch eines selektiven, nur gegen ein oder zwei Mitglieder der
Gruppe gerichteten Embargos angewandt werden.
Damit besitzen wir jetzt einen Rahmen für eine Solidarität der Verbraucher, so daß wir uns bei einer erneuten Unterbrechung der Versorgung in einer
weitaus besseren Position befinden werden. Wir müßten dadurch eine Aushöhlung

�Aushöhlung unserer politischen und wirtschaftlichen Beziehungen, wie dies bei
dem kürzlichen Embargo der Fall war, vermeiden können.
Bei dem Krisenprogramm, so nötig dies auch ist, handelt es sich jedoch
im Grunde nur um eine kurzfristige Politik, die Sicherheit geben soll. Daher
haben sich die Mitgliedsstaaten der neuen Energiebehörde ferner verpflichtet,
gemeinsame langfristige Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Abhängigkeit
vom Importöl für immer zu verringern.
Den nationalen Programmen, wie zum Beispiel dem amerikanischen"Projekt
Unabhängigkeit" muß dabei die Hauptaufgabe zufallen. Doch ist es notwendig,
daß solche Programme im Rahmen einer multilateralen Zusammenarbeit erfolgen.
Von einem Land auf dem Energiesektor durchgeführte Programme wirken sich ganz
zwangsläufig auch auf andere Länder aus. Daher hat die Internationale Energiebehörde ein umfassendes Programm für eine langfristige Zusammenarbeit bei der
Energieeinsparung, der Erschließung neuer Energiequellen, der Energieforschung und -entwicklung sowie der Urananreicherung aufgenommen.
Zwar liegt der Schwerpunkt bei der Schaffung eines Rahmens für eine Zusammenarbeit der Verbraucherländer, doch haben die Vereinigten Staaten gleichzeitig auch ihren Dialog mit den Erzeugerländern zu verstärken gesucht. Es wurden bilaterale Kommissionen mit bestimmten Energieexportländern, vor allem im
Nahen Osten, gebildet. Diese Kommissionen haben neue Beziehungen auf Gebieten
wie Investitionen, Handel, Technologie, Wissenschaft und Kultur angebahnt.
7AP\

dieser Kommissionen war es, den Bestrebungen dieser Länder durch Entgegen-

kommen auf anderen Bereichen zu entsprechen. Die Vereinbarungen selbst gereichen beiden Seiten zum Vorteil und sollen die Beziehungen auf anderen Handelsgebieten fördern.

Darüber

�i
Darüber hinaus haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet,mit den
anderen Verbraucherländern in der Internationalen Energiebehörde zusammenzuarbeiten, um die Beziehungen zu den Erzeugerländern zu verbessern. Die Erzeugerländer müssen sich jedoch mehr als bisher darüber klar sein, welche schwerwiegenden Auswirkungen die hohen Olpreise und die Unterbrechung der Versorgung
auf die Weltwirtschaft haben. Sie müssen ferner begreifen, daß alle Länder
-Ölexporteure wie Ölimporteure - ein entscheidendes Interesse an Stabilität
und Prosperität der Weltwirtschaft haben müssen.
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten schließt die wachsende Zusammenarbeit der Verbraucherländer im Rahmen des internationalen Energieprogramms in
keiner Weise eine Zusammenarbeit mit den weniger entwickelten Verbraucherländern oder den Ölerzeugern selbst aus. Das Krisenprogramm ist defensiver und
nicht offensiver Natur.
Die Vereinigten Staaten und die übrigen Mitgliedsstaaten des Internationalen Energieprogramms wollen genau das erreichen, was verschiedene Erzeugerländer ihnen nahegelegt haben, nämlich Energie sparen und gleichzeitig die
Entwicklung alternativer Energiequellen beschleunigen.

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25/1974

DAS GEMEINSAME AMERIKANISCH-SOWJETISCHE KOMMUNIQUE VON WLADIWOSTOK
- Wortlaut -

WLADIWOSTOK —(AD)-- Im Anschluß an das Treffen zwischen dem amerikanischen
Präsidenten Gerald R. Ford und dem Generalsekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, Leonid I. Breschnew, am 23. und 24. November in der Nähe von Wladiwostok wurde am 24. November folgendes gemeinsame amerikanisch-sowjetische
Kommunique veröffentlicht:
In Übereinstimmung mit dem früher bekanntgegebenen Übereinkommen fand
am 23. und 24. November 1974 in der Nähe von Wladiwostok ein Arbeitstreffen
zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Gerald R. Ford
und dem Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, L.I.Breschnew, statt.
An den Gesprächen nahmen teil der Außenminister der Vereinigten Staaten von
Amerika und Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit,
Henry A. Kissinger, und das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der
KPdSU und Außenminister der UdSSR, A.A. Gromyko.
Sie erörterten einen weiten Bereich von Fragen bezüglich der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und der gegenwärtigen internationalen Lage.
An

�An den Gesprächen nahmen ferner teil:
auf amerikanischer Seite: Walter J. Stoessel, Botschafter der USA in der
UdSSR; Helmut Sonnenfeldt, Leiter der Rechtsabteilung des amerikanischen Aussenministeriums; Arthur A. Hartman, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten; Generalleutnant Brent Scowcroft, Stellvertretender Berater des
Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit; und William Hyland, Leitender Bediensteter des amerikanischen Außenministeriums;
auf sowjetischer S-ite: A. Dobrynin, Botschafter der UdSSR in den USA;
A.M. Alexandrow, Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU;
und G.M. Kornijenko, Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR.

I.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion bekräftigen ihre
Entschlossenheit, ihre Beziehungen in der Richtung weiter zu entwickeln, wie
sie in den fundamentalen gemeinsamen Entschließungen und Grundverträgen sowie
Abkommen zwischen den beiden Staaten in den letzten Jahren festgelegt worden
sind.
Sie sind überzeugt, daß der Kurs der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, der auf die Stärkung des Weltfriedens, die Vertiefung des Abbaus der internationalen Spannungen und die Ausweitung einer beiderseits vorteilhaften
Zusammenarbeit von Staaten unterschiedlicher Gesellschaftssysteme ausgerichtet
ist, den Lebensinteressen der Bevölkerung beider Staaten und anderer Völker
entspricht.
Beide Seiten sind der Ansicht, daß auf der Grundlage der zwischen ihnen
erreichten Abkommen bei der fundamentalen Neugestaltung der amerikanisch-2-

�ft
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen auf der Basis der friedlichen Koexistenz
und der gleichen Sicherheit wichtige Ergebnisse erzielt worden sind. Diese Ergebnisse bilden eine feste Grundlage für Fortschritte in der Neugestaltung
der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen.
Dementsprechend haben sie die Absicht, ohne in der Schwungkraft nachzulassen die Ausweitung des Ausmaßes und der Intensität ihrer kooperativen Anstrengungen auf allen Gebieten fortzusetzen, wie dies in den Abkommen niedergelegt ist, die sie unterzeichnet haben, damit der Prozeß der Verbesserung der
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR ohne Unterbrechung
andauern und nicht mehr umkehrbar sein wird.
Es wurde beiderseits die Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, die gegenseitigen Verpflichtungen strikt und voll einzuhalten, die von den Vereinigten Staaten und der UdSSR in Übereinstimmung mit den zwischen ihnen abgeschlossenen Abkommen und Verträgen eingegangen worden sind.

II.
Besondere Aufmerksamkeit wurde im Verlaufe der Gespräche einem Angelpunkt der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen geschenkt: Maßnahmen zur Beseitigung der Drohung eines Krieges und zur Beendigung des Wettrüstens.
Beide Seiten bekräftigen, daß die zwischen den Vereinigten Staaten und
der UdSSR erreichten Abkommen über die Verhütung eines Nuklearkrieges und die
Begrenzung der Strategischen Rüstungen ein guter Anfang in dem Prozeß sind,
Garantien gegen den Ausbruch eines nuklearen Konfliktes und eines Krieges
allgemein zu schaffen. Sie brachten ihre tiefe Überzeugung zum Ausdruck, daß
es notwendig ist, diesen Prozeß voranzutreiben, und äußerten die Hoffnung,

-3-

�»

I
Hoffnung, daß andere Staaten ebenfalls dazu beitragen werden. Die Vereinigten
Staaten und die UdSSR ihrerseits werden weiterhin nachhaltige Anstrengungen
unternehmen, um diese historische Aufgabe zu erfüllen.
Eine gemeinsame Erklärung zur Frage der Begrenzung strategischer Offensivwaffen wird getrennt herausgegeben.
Beide Seiten unterstrichen erneut die Bedeutung und Notwendigkeit einer
ernsthaften Anstrengung zur Verhütung der Gefahren, die mit der Ausbreitung
von Nuklearwaffen in der Welt verbunden sind. In diesem Zusammenhang unterstrichen sie die Bedeutung einer Erhöhung der Wirksamkeit des Vertrages über
die Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen.
Es wurde festgestellt, daß in Übereinstimmung mit früheren Abkommen erste
Kontakte zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten und der "dSSR über Fragen hergestellt worden sind, die mit unterirdischen Nuklearexplosionen für
friedliche Zwecke, Maßnahmen zur Überwindung der Gefahren einer Anwendung von
Techniken zur Veränderung der Umwelt für militärische Zwecke sowie Maßnahmen
zu tun haben, die sich mit den gefährlichsten tödlichen Mitteln der chemischen
Kriegführung befassen. Es wurde vereinbart, die aktive Suche nach beiderseits
akzeptablen Lösungen dieser Fragen fortzusetzen.

III.
Im Verlauf des Treffens fand ein Meinungsaustausch über eine Reihe von
internationalen Fragen statt: besondere Aufmerksamkeit wurde den bereits in
Gang befindlichen Verhandlungen geschenkt, an denen beide Seiten beteiligt
sind und die dazu dienen sollen, bestehende Ursachen der Spannungen zu besei-

-4-

�beseitigen und die

Stärkung der internationalen Sicherheit und des Weltfrie-

dens herbeizuführen.
Nach einer Erörterung der Situation auf der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa kamen beide Seiten zu dem Schluß, daß die Möglichkeit für einen baldigen erfolgreichen Abschluß dieser Konferenz besteht.
Sie gehen von der Annahme aus, daß die im Laufe der Konferenz erzielten Ergebnisse ihren Abschluß auf höchster Ebene erlauben werden, und damit ihrer Bedeutung für die Sicherung der friedlichen Zukunft Europas entsprechen werden.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken messen ebenso den Verhandlungen über eine beiderseitige Verringerung von Streitkräften und Rüstungen sowie damit zusammenhängenden Maßnahmen in Mitteleuropa große Bedeutung bei. Sie stimmen darin überein, aktiv
zur Suche nach beiderseits akzeptablen Lösungen auf der Basis des Grundsatzes
unverminderter Sicherheit für jeden der Beteiligten und der Verhinderung von
einseitigen militärischen Vorteilen beizutragen.
Nach Erörterung der gegenwärtigen Lage im östlichen Mittelmeer erklären
beide Seiten ihre feste Unterstützung der Unabhängigkeit, Souveränität und
territorialen Integrität von Zypern und werden jede Anstrengung in dieser Richtung unternehmen. Sie sind der Auffassung, daß eine gerechte Lösung der Zypernfrage auf der strikten Durchführung der Resolutionen beruhen muß, die vom
Sicherheitsrat und der Vollversammlung der Vereinten Nationen bezüglich Zyperns
gefaßt worden sind.
Im Verlaufe ihres Meinungsaustauschs über den Nahen Osten brachten beide
Seiten ihre Besorgnis über die gefährliche Lage in dieser Region zum Ausdruck.

-5-

�Ausdruck. Sie bekräftigten ihre Absicht, alle Anstrengungen zu unternehmen,
um eine Lösung der Schlüsselfragen eines gerechten und dauerhaften Friedens
in diesem Gebiet auf der Grundlage der Resolution Nr. 338 der Vereinten Nationen zu fördern, wobei die legitimen Interessen aller Völker des Gebietes einschließlich des palästinensischen Volkes, und die Achtung des Rechtes auf unabhängige Existenz für alle Staaten in dem Gebiet berücksichtigt werden sollen.
Beide Seiten sind der Überzeugung, daß die Genfer Konferenz eine wichtige
Rolle bei der Herstellung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen
Osten spielen und ihre Arbeit so bald wie möglich wieder aufnehmen sollte.

IV.
Der Stand der Beziehungen wurde auf dem Felde der kommerziellen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Bindungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken überprüft. Beide Seiten bestätigten die große Bedeutung, die ein weiterer
Fortschritt auf diesen Gebieten für die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
haben würde, und brachten ihre feste Absicht zum Ausdruck, die Ausweitung und
Vertiefung der beiderseits vorteilhaften Kooperation fortzusetzen.
Beide Seiten unterstrichen die besondere Bedeutung, die sie der Entwicklung einer langfristigen Basis für die kommerzielle und wirtschaftliche Zusammenarbeit beimessen, einschließlich beiderseits nützlicher Großprojekte.
Sie sind der Überzeugung, daß eine derartige kommerzielle und wirtschaftliche
Kooperation der Sache einer Stärkung der Stabilität der sowjetisch-amerikani-

-6-

�amerikanischen Beziehungen dienen wird.
Beide Seiten stellten mit Befriedigung den Fortschritt in der Durchführung
von Abkommen und bei der Entwicklung der Bindungen und der Kooperation zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR auf den Gebieten der Wissenschaft, Technologie und Kultur fest. Sie sind überzeugt, daß die weitere Expansion einer
derartigen Zusammenarbeit den Völkern beider Länder zugutekommen und ein wichtiger Beitrag zur Lösung weltweiter wissenschaftlicher und technischer Probleme sein wird.
Die Gespräche wurden in einer Atmosphäre der Offenheit und des gegenseitigen Verständnisses geführt, die den konstruktiven Wunsch beider Seiten erkennen lassen, das friedliche kooperative Verhältnis zwischen den Vereinigten
Staaten

von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zu

stärken und weiter auszubauen und den Fortschritt in der Lösung offener internationaler Probleme im Interesse der Erhaltung und Stärkung des Friedens zu
sichern. Die Ergebnisse der Besprechungen stellten eine überzeugende Demonstration des praktischen Wertes sowjetisch-amerikanischer Gipfeltreffen und
ihrer außergewöhnlichen Bedeutung für die Gestaltung eines neuen Verhältnisses
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion dar.
Präsident Ford erneuerte die Einladung an L.I.Breschnew,den Vereinigten
Staaten im Jahre 1975 einen offiziellen Besuch abzustatten. Das genaue Datum
des Besuches wird später vereinbart werden.

Für die Vereinigten Staaten von Amerika
gez. Gerald R. Ford
Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika
24. November 1974
-H-i-7-

Für die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken
gez. L. I. Breschnew
Generalsekretär des Zentralkomitees
der KPdSU

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24/1974

GEMEINSAME AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ERKLÄRUNG ZU SALT
- Wortlaut WASHINGTON --(AD)— Die am 24. November in Wladiwostok herausgegebene gemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung zu den SALT~Verhandlungen, auf die
im gemeinsamen Kommunique verwiesen wird, hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Gerald R. Ford, und
der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, L.I. Breschnew, erörterten während ihres Arbeitstreffens in der Nähe von Wladiwostok am 23. und
24. November 1974 im einzelnen die Frage weiterer Begrenzungen der strategischen Offensivwaffen.
Sie bekräftigten erneut die große Bedeutung, die beide, die Vereinigten
Staaten und die UdSSR, der Begrenzung der strategischen Offensivwaffen beimessen. Sie sind überzeugt, daß ein langfristiges Abkommen über diese Frage
ein bedeutsamer Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sowie
zur Verringerung der Kriegsgefahr und der Förderung des Weltfriedens sein würde. Unter Hinweis auf den Wert früherer Abkommen über diese Frage, darunter
das Interimsabkommen vom 26. Mai 1972, bekräftigten sie ihre Absicht, ein

-1-

�ein neues Abkommen über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen zu
schließen, das bis Ablauf des Jahres 1985 gelten soll.
Als Folge des Gedankenaustausches über die Substanz eines solchen neuen
Abkommens kamen der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU zu dem Schluß, daß günstige Aussichten für einen Abschluß der Arbeiten an diesem Abkommen im Jahre 1975 bestehen.
Es wurde Übereinkunft darüber erzielt, daß weitere Verhandlungen auf der
Grundlage folgender Bestimmungen geführt werden:
1. In das neue Abkommen werden die relevanten Bestimmungen des Interimsabkommens vom 26. Mai 1972 mit aufgenommen werden, die bis Oktober 1977 in
Kraft bleiben werden.
2. Das neue Abkommen wird sich über den Zeitraum von Oktober 1977 bis zum
31. Dezember 1985 erstrecken.
3. Gestützt auf den Grundsatz der Gleichheit und gleichen Sicherheit
wird das neue Abkommen die folgenden Begrenzungen einschließen:
a) Beide Seiten werden berechtigt sein, eine bestimmte vereinbarte
Gesamtzahl von strategischen Trägerwaffen zu besitzen.
b) Beide Seiten werden berechtigt sein, eine bestimmte vereinbarte Gesamtzahl von ICBMs (Interkontinentalraketen) und SLBMs (unterseebootgestützte
Raketen) mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVS)

zu besitzen.

4. Das neue Abkommen wird eine Bestimmung über weitere nicht später als
1980-81 beginnende Verhandlungen über die Frage einer weiteren Begrenzung und
möglichen Reduzierung der strategischen Waffen im Zeitraum nach 1985 enthalten.
5.

�5. Verhandlungen zwischen den Delegationen der Vereinigten Staaten und
der UdSSR mit dem Ziel der Ausarbeitung eines neuen, die vorgenannten Punkte
umfassenden Abkommens werden im Januar 1975 in Genf aufgenommen werden.

+++

-3-

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25/1974

LOOPING AM JUPITER
PIONIER 11 besucht zwei Großplaneten

Von Gertrud Weiss

- (AD) - Zum zweiten Mal bekam Jupiter, der riesige Ball aus Wasserstoff
und Helium, Besuch von der Erde. Für die amerikanische Forschungssonde PIONIER 11,
die am 5. April 1973 vom Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida die ca. 1 Milliarde
km weite Reise zum größten Planeten unseres Sonnensystems antrat, begann in der
Nacht zum 3. Dezember 1974 der wohl kritischste Teil der ganzen Mission. Sie
hatte, von Süden her kommend, in 136 000 km Abstand vom Jupiter die inneren
Strahlungsgürtel zu passieren, wo das Bombardement von Elektronen und Protonen
fast 40 OOO mal intensiver ist als in den Strahlungsgürtel.der Erde.

Die Schwestersonde PIONIER 10, die als Pfadfinder zu den Großplaneten vor
einem Jahr den Jupiter und dessen Umgebung zum ersten Mal sondiert hatte, war
in Äquatorhöhe schräg in diese Zone eingeflogen und deshalb relativ lange dem
Partikelbombardement ausgesetzt. Als Folge davon fielen einige Instrumente eine
Zeitlang aus oder arbeiteten mit verminderter Leistung.

Um dieses Risiko bei

PIONIER 11 möglichst klein zu halten, galt es, die Sonde auf schnellstem Wege
und senkrecht durch den Bereich stärkster Strahlung zu bringen.
Zweck vorgenommene

Die zu diesem

Kurskorrektur bewirkte u.a., daß sich PIONIER 11 dem Planeten

Jupiter bis auf 41 000 km (PIONIER 10: ca. 130 OOO km) näherte, wcbei der Roboter auf 172 000 km pro Stunde bzw. 48 000 m/sec (PIONIER 10: 132 000 km pro

- I -

�pro Stunde bzw. 36 650 m/sec) beschleunigt wurde. Vermutlich absorbierte
PIONIER 11 nur ein Viertel der Strahlungsdosis, die der Vorgänger abbekam.

Ballspiel nach den Gesetzen der Himmelsmechanik

Die enorme Beschleunigung im Schwerefeld des Giganten, der mehr als
140 000 km Äquatordurchmesser, das 317fache der Erdmasse und das 1347fache
des Erdvolumens aufweist, führte außerdem zu einer krassen Veränderung der
Flugbahn der Sonde. In Gegenrichtung zur Jupiter-Rotation - der Planet dreht
sich in der kurzen Zeit von nur 9 Stunden und 55 Minuten einmal um die eigene
Achse - raste PIONIER 11 über den Nordpol wieder davon, zurück in den inneren
Bereich der Heliosphäre.

Die geheimnisvollen Kräfte der Gravitation hatten

eine Bahnänderung erzwungen, die einem halben Looping um die Jupiter-Pole vergleichbar ist. Der Kurs führt in einem weiten Bogen über Erdbahn und Sonne
hinweg bis zur Umlaufbahn des Planeten Saturn.

Fünf Jahre, genau bis zum September 1979, wird PIONIER 11 brauchen, um
die ca. 3,2 Milliarden km bis zur Saturn-Bahn zurückzulegen.

Dabei passiert

er noch nie erforschte Räume, denn die neue Flugbahn verläuft bis zu 15 Grad
(oder mehr als 160 Millionen km) über der Ebene der Ekliptik, d.h. der Bahnebene der Erde relativ zum Himmelsäquator.
selbst "sieht"

Die inneren Planeten und die Sonne

PIONIER 11 also eine Zeitlang aus einer Art Vogelperspektive.

Eine Kurskorrektur einige Wochen nach dem Rendezvous mit Jupiter soll dafür
sorgen, daß der absteigende Bogen auf der dem Looping-Punkt gegenüberliegenden
Seite, jenseits der Sonne, die Bahn des Planeten Saturn an einem bestimmten
Punkt schneidet.

PIONIER 11 wird diesen Punkt im September 1979 just zu der

Zeit erreichen, in der auch der Saturn auf seinem Lauf um die Sonne sich dort
befindet.

�»
Ist der Ringplanet dem Jupiter ähnlich?

Dieser Planet mit 10 bisher bekannten Monden und einem System flacher,
leuchtender Ringe um den Äquator umkreist die Sonne in einem mittleren Abstand
von 1,438 Milliarden km.

Er braucht für einen Umlauf 29,46 Erdenjahre. Fern-

rohrbeobachtungen vermitteln den Eindruck, als ob auch die Saturn-Oberfläche
eine

Streifenstruktur aufweist, wie man sie vom Jupiter kennt und dank der

PIONIER-Sonden aus der Nähe studieren konnte. Allerdings scheint dieser zweitgrößte Planet im Sonnensystem eine geringere mittlere Dichte als Jupiter und
im Gegensatz zu diesem kein Magnetfeld zu haben.

Jedenfalls war das Magnetfeld,

falls es doch existieren sollte, bisher nicht festzustellen.

Wenn die Bordinstrumente von PIONIER 11 das Strahlenbombardement am Jupiter
- der nach den bisherigen Erkenntnissen der Astrophysik vielleicht sogar als
"Halbbruder"

der Sonne betrachtet werden kann - und den weiten Weg durch die

Heliosphäre ohne nennenswerte Schäden überstehen, hätte die Wissenschaft in
knapp fünf Jahren zum ersten Mal die Möglichkeit, auch den fernen Saturn zum
ersten Mal aus der Nähe zu sondieren.

Eine der fünf zur Wahl stehenden Passagen

am Saturn würde zwischen dem Zentralkörper und dem inneren Ring hindurchführen.
In diesem Fall würde PIONIER 11 den Planeten von der rechten Seite her anfliegen
und danach, wie PIONIER 10, das Sonnensystem schließlich verlassen.

Die Projekt-

leiter am Arnes-Forschungsinstitut der NASA in Kalifornien können sich jedoch
noch Zeit lassen mit der Entscheidung, welcher "Fein"-Kurs zum Ziel Nr. 2 genommen werden soll.

Mit der jetzt auch am Jupiter praktizierten

"Swing-by"-Technik

wird die

Gravitationskraft eines anderen Himmelskörpers dazu benutzt, ein von Menschenhand geschaffenes Fluggerät weit draußen im Weltraum auf eine andere Bahn zu
katapultieren.

Zum ersten Mal wurde dieses Verfahren Anfang 1974 bei der Sonde

MARINER lO mit großem Erfolg erprobt, die unter dem Einfluß der Gravitationskraft des Planeten Venus eine Bahnveränderung um ca. 90 Grad erfuhr, so daß
sie ein paar Wochen später den Planeten Merkur aus wenigen Hundert Kilometern
Abstand fotografieren konnte.
Um

- 3-

�Um die Flugbahn einer "Swing-by"-Sonde
lose Fremdfaktoren, d.h. Daten

berechnen zu können, müssen zahl-

anderer Himmelskörper, berücksichtigt werden.

Aber dadurch wird es möglich, ohne technische Neuentwicklungen, z.B. neuartige
Antriebssysteme, Forschungsgeräte sowohl zu den erdnächsten Planeten und zur
Sonne als auch in die äußeren Bereiche unseres Sonnensystems zu dirigieren.

Energieentladungen - "Kurzschluß" im Jupiter-Magnetfeld?

Die Projektgruppe für das Experiment

PIONIER 11 hofft, aus den Meßdaten

der Bordinstrumente Hinweise auf den Mechanismus der ungeheuren Energieentladungen am Jupiter zu bekommen.

Für Beobachter auf der Erde ist neben der Sonne

der Planet Jupiter eine der "lautesten"

Quellen von Radiostrahlung.

Nach den

gegenwärtigen Erkenntnissen scheint der Jupitermond Jo, der den Planeten in
ca. 350 OOO km Abstand umkreist, die starken elektrischen Entladungen auszulösen - vielleicht in der Weise, daß er magnetische Kraftlinien im Jupiterfeld
verbindet.

Die Messungen an dem viele Millionen Kilometer in den Raum hinaus-

reichenden, stark pulsierenden Magnetfeld sowie in den Strahlengürteln des
Jupiter zählen zu den wichtigsten Aufgaben von PIONIER 11. Auf Grund ihrer
Flugbahn vermag die Sonde die Veränderungen während einer kompletten Rotation
zu registrieren.

Schon im November begann PIONIER 11 mit den Farbaufnahmen, von denen etwa
500 erwartet werden.

In Ergänzung zu den Bildern, die PIONIER lO von den

horizontalen Wolkenbändern samt ihrer Feinstruktur und dem

"Roten Fleck" über-

mittelte, sieht PIONIER 11 beim Überfliegen der Polarzonen die Wolkenbänder
als konzentrische Ringe. Vielleicht ist es über den Polen, wo die Atmosphäre
dünner sein muß als im Äquatorgebiet, sogar möglich, mehr Informationen über
tieferliegende Regionen zu bekommen.

Mehr als neun Monate waren die am PIONIER-Projekt beteiligten Wissenschaftler
mit der Auswertung der PIONIER 10-Ergebnisse beschäftigt, um eine vorläufige
Bilanz zu ziehen.

Sie ergab u.a., daß der größte Planet ein rotierender Ball

von flüssigem Wasserstoff sein muß, Falls er überhaupt einen Gesteinskern be- 4 -

�besitzt, so wäre dieser außerordentlich klein und verflüssigt.

Konzentrationen

von festen Massen, wie sie etwa einer Kruste entsprechen, waren nicht zu finden.

Die obere Atmosphäre besteht zu 82 Prozent aus Wasserstoff, zu 17 Prozent
aus Helium und zu einem Prozent aus anderen Elementen.

Infrarot-Beobachtungen

ergaben außerdem das Vorhandensein von Äthan und Azethylen in der Atmosphäre
- von Molekülen also, die für die Entwicklung von Leben erforderlich sind.
Das heißt jedoch nicht, daß Leben auf dem Jupiter vermutet wird.

Die Existenz

dieser Moleküle hat jedoch insofern Bedeutung, als sie die chemische Evolution
des Planeten deuten hilft.

Unter der ca. 240 km dicken Wolkendecke dürfte sich im unteren Teil der
Atmosphäre eine ca. 1000 km tiefe Übergangszone befinden, in der Wasserstoff
aus dem gasförmigen in den flüssigen Zustand übergeht.

Eine weitere Übergangs-

zone mit flüssigem und metallischem Wasserstoff liegt etwa 25 OOO km tief.
o
Dort erreichen die Temperaturen bis zu 11 000 C und der Druck dürfte drei
Millionen Mal höher sein als auf der Erde.

Falls im Zentrum (66 740 km unterhalb der Außenzone) ein Kern existiert,
wäre dort mit Temperaturen um fast 30 000

C zu rechnen.

PIONIER 10 bestätigte

auch die Anfang der sechziger Jahre geäußerte Vermutung, daß der Jupiter mehr
Energie abgibt als er von der Sonne aufnimmt. Auf Grund der Sonden-Messungen
strahlt er zwei- bis dreimal mehr Wärme ab. . Die Wissenschaftler nehmen heute
an, daß der Jupiter sich verdichtet, an Volumen verliert und abkühlt.

Die

dabei abgegebene Wärme wäre dann Restenergie aus der Zeit seiner Entstehung.

Das "Wetter" auf dem Jupiter hat mit dem auf der Erde keine Ähnlichkeit.
Nach Prof. Andrew Ingersoll (Technische Universität Kalifornien) sind die grauweißen Bänder Wolkengipfel aufsteigender Atmosphäre.
die orangefarbenen und bräunlichen Gürtel

"Wolkentäler"

die etwa 20 km tiefer liegen als die weißen Wolken.
bekannten

"Roten Fleck"

Im Gegensatz dazu sind
absinkender Atmosphäre,

Bei dem seit 300 Jahren

dürfte es sich um einen riesigen Wirbel handeln, in

dem, ähnlich wie bei einem Hurrikan auf der Erde,Materie nach oben gesogen wird.
Seine Zusammensetzung ist jedoch noch immer ungeklärt.
Auch
- 5 -

�Auch die atmosphärische Zirkulation ist von der auf der Erde völlig verschieden.

Die Wolken sind so weit auseinandergezogen, daß sie sich wie Bänder

um den Planeten legen.

Dies dürfte nicht nur eine Folge der gewaltigen Rota-

tionsgeschwindigkeit sein (sie liegt bei 35 200 km pro Stunde), sondern auch
der Wärmestrahlung aus dem Planeteninneren.

Die Dichte von vier Jupitermonden wurde: mit Hilfe von PIONIER 10 ziemlich
genau bestimmt.

Jo, der innerste der großen Monde, hat etwa die gleiche Dichte

wie der Erdmond.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß die Dichte dieser

vier Monde ihrem Abstand vom Jupiter direkt proportional ist.

Die Monde Jo

und Europa weisen die größte Dichte auf, so daß anzunehmen ist, daß sie aus
Gestein bestehen.

Ganymed und Callisto dagegen sind weniger dicht und dürften

aus einem Gemenge von Wassereis und Gestein aufgebaut sein.

Im Gegensatz zum Erdmond haben wahrscheinlich alle Monde des Jupiter - der
13. wurde erst im September 1974 entdeckt - eine Atmosphäre.

Sie ist sehr dünn,

so daß es PIONIER 10 sogar gelang, optische Eindrücke von der Oberfläche der
zwei größten Jupiter-Satelliten zu übermitteln. Auf dem Mond Ganymed scheint
es hoch- und tiefliegende Gebiete zu geben, dem Hochland und den "Meeren" auf
dem Erdenmond vergleichbar.

+ + + + +

- 6 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Moderne Verkaufshilfen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausstellung im US-Handelszentrum -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident der US-Bundesbank fordert nachdrückliche Maßnahmen zur Lösung des Öl-Problems&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Burns vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des Kongresses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Energie und internationale Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Stephen W. Bosworth&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Leiter des Referates für Brennstoff und Energie im US-Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Gemeinsame amerikanisch-sowjetische Kommuniqué von Wladiwostok&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung zu SALT&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Looping am Jupiter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- PIONIER 11 besucht zwei Großplaneten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Gertrud Weiss&lt;/em&gt;</text>
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Service

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Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

24

22. November 1974

Inhalt

ENERGIE:

Kissinger umreißt Programm zur Lösung des Energieproblems
-Wortlaut der Rede des US-Außenministers vor der Universität von Chicago&gt;

WIRTSCHAFT:
Simon erläutert Energie-Vorschläge der USA
-Wortlaut der Rede des amerikanischen Finanzministers in New York-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Sonnensonde HELIOS
-Deutsch-amerikanisches Projekt zur Erforschung der Sonne und des
sonnennahen RaumesVon G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�Energie
nergie
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gie
KISSINGER UMREISST PROGRAMM ZUR LOSUNG DES ENERGIEPROBLEMS
Wortlaut der Rede des US-Außenministers vor der Universität von Chicago

CHICAGO --(AD) —

Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger hat

am 14. November in einer richtungweisenden Rede vor der Universität von
Chicago einen Fünf-Punkte-Plan zur Lösung des Energieproblems vorgelegt.
Grundlage dieses Planes ist die Solidarität der Verbraucherländer und
ihre Bereitschaft zu durchgreifenden Sparmaßnahmen. Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

- Das Problem Vor einer Generation erlebte die westliche Welt eine historische Krise
- den Zusammenbruch der internationalen Ordnung nach einem Weltkrieg. Von
wirtschaftlichem Chaos und politischen Unruhen bedroht haben die westlichen
Länder ein System von Sicherheitspakten und kooperativen Institutionen
errichtet, das seitdem unsere Sicherheit, unseren Wohlstand und unsere
Freiheit gewährleistet.hat. Ein Augenblick ernster Krise wurde so zu einem
Akt einer dauernden schöpferischen Kraft.
Wir

e

�Wir stehen heute vor einem ähnlichen Augenblick. Es steht genauso viel
auf dem Spiel wie vor 25 Jahren. Was unseren Mut, unseren Weitblick und unseren Willen anbetrifft, so sind wir genau so gefordert wie damals. Und unsere
Chancen sind genauso groß wie damals.
Wie wird unsere Antwort lauten?
Ich spreche natürlich von der Energiekrise. Ich möchte Ihnen heute darlegen, wie die Administration dieses Problem sieht, was wir bisher getan haben und was wir jetzt erreichen müssen. Ich werde zwei Punkte herausstellen,
die diese Regierung bereits vor eineinhalb Jahren betont hat:
Erstens, das Problem ist ernst, aber es ist lösbar.
Zweitens, internationale Zusammenarbeit, vor allem zwischen den Industriestaaten Nordamerikas und Westeuropas sowie Japan ist eine unausweichliche
Notwendigkeit.
Die wirtschaftlichen Fakten liegen auf der Hand. Im Jahre 1973 sprengte
die weltweite industrielle Expansion die Grenzen der Energieversorgung; die
Gefahr von Verknappungen war bereits gegeben. Dann wurden wir, ohne jede Warnung, zuerst mit einem politischen Embargo, und dann sehr schnell mit massiven
Steigerungen des Erdölpreises konfrontiert. Im Laufe eines einzigen Jahres
wurde der Preis des wichtigsten strategischen Rohstoffes der Welt um 400 Prozent erhöht. Die Auswirkungen waren drastisch und weltweit:
—

Die Industriestaaten sehen sich jetzt einem gemeinsamen Zahlungsbilanz-

defizit von 40 Milliarden Dollar gegenüber - dem größten in der Geschichte
und einem Defizit, das die Erfahrungen oder die Kapazitäten unserer Finanzinstitutionen übersteigt. Wir erleben gleichzeitig

einen Rückgang der Güter-

erzeugung und eine Beschleunigung der Inflation, die unter Kontrolle zu

�zu bringen bereits die äußersten Anstrengungen der Regierungen erforderte.
-- Die Entwicklungsländer sehen sich einem gemeinsamen Zahlungsbilanzdefizit von jährlich 20 Milliarden Dollar gegenüber, das zur Hälfte auf den
Anstieg der Erdölpreise zurückzuführen ist. Der Anstieg der Energiekosten
entspricht in seinen Ausmaßen praktisch den gesamten Zuwendungen an Auslandshilfe. Anders gesagt, die neue Ölrechnung bedroht die Hoffnungen auf einen
Fortschritt und Verbesserung und macht es problematisch, ob wir auch nur den
grundlegenden menschlichen Bedarf, wie Nahrungsmittel, finanzieren können.
-- Die Erdölerzeuger erzielen jetzt einen Zahlungsbilanzüberschuß von
60 Milliarden Dollar, der ihren Bedarf an Zahlungsmitteln und wirtschaftlicher Entwicklung weit übersteigt und ganz eindeutig über dem liegt, was
sie investieren können.

Riesige, nicht absorbierte Einnahmeüberschüsse

stellen jetzt das Funktionieren des internationalen Währungssystems in Frage.
Doch dies ist nur das erste Jahr der inflationierten Erdölpreise; die
ganze Wucht der Flut von Petro-Dollar werden wir erst noch zu spüren bekommen. Bei einem Anhalten der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung werden wir weltweit weitere und wachsende Verknappungen, Arbeitslosigkeit, Armut
und Hunger erleben. Kein Land, im Osten wie im Westen, im Norden wie im Süden,
Verbraucher wie Erzeuger, wird von den Auswirkungen verschont bleiben.
Eine Wirtschaftskrise von solchem Ausmaß wird zwangsläufig auch gefährliche politische Auswirkungen haben. Wachsende Inflation und Rezession - ausgelöst durch Entscheidungen am grünen Tisch, auf die die Verbraucher keinen
Einfluß haben - werden die Enttäuschung all derer schüren, deren Hoffnungen
auf wirtschaftlichen Fortschritt so plötzlich und grausam zunichte gemacht
wurden. Dies ist ein Nährboden für sozialen Konflikt und politische Unruhe.

-3-

(f

�i
Unruhe. Gemäßigte Regierungen und gemäßigte Lösungen werden hart angegriffen
werden. Demokratische Gesellschaftsordnungen könnten für den Druck der Extremisten von rechts oder von links in einem Maße anfällig werden, wie wir dies
seit den zwanziger und dreißiger Jahren nicht mehr erlebt haben. Die große
Leistung dieser Generation - die Erhaltung unserer Institutionen und die
Errichtung einer internationalen Ordnung - wird gefährdet sein.
Das Schicksal der Verbraucher wie der Erzeuger liegt in dem gleichen
weltweiten Wirtschaftssystem, von dessen Fortschritt beide abhängig sind.
Wenn einer von beiden versucht, sich durch aggressive Schritte wirtschaftliche Macht zu verschaffen, führt dies für beide zu ernsten Risiken. Die politische Zusammenarbeit, Voraussetzung für eine blühende Weltwirtschaft, zerbricht. Gerade jetzt, da der Antagonismus von zwei Jahrzehnten des kalten
Krieges zu schwinden begonnen hat, überschwemmen neue Spannungen die Welt.
Die potentiell schwerwiegendsten internationalen Folgen könnten sich
in den Beziehungen zwischen Nordamerika, Europa und Japan ergeben. Wenn die
Energiekrise weiterhin ungebrochen anhält, werden einige Länder versucht sein,
sich durch gesonderte Vereinbarungen mit den Erzeugern einseitige Vorteile auf
Kosten der Zusammenarbeit zu verschaffen, die langfristig die einzige Hoffnung
auf Überleben bietet. Solche einseitigen Vereinbarungen führen nur dazu, die
inflationierten Preise festzuschreiben, die Verhandlungsposition der Verbraucher zu schwächen und die wirtschaftliche Last für alle zu verewigen. Die politischen Auswirkungen der Unordnung würden alles durchdringen. Wegen der
Abhängigkeit von einem strategisch wichtigen Rohstoff könnten traditionelle
politische Verhaltensweisen aufgegeben werden. Selbst der zu Hoffnungen berechtigende Prozeß eines Abbaus der Spannungen zu unseren Gegnern könnte _in

�in Mitleidenschaft gezogen werden, da er stets von der politischen Einigkeit
der atlantischen Nationen und Japan ausging.

- Die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit der Verbraucher Das braucht nicht unser Schicksal zu sein. Im Gegenteil, die Energiekrise sollte erneut die gemeinsamen Anstrengungen auf den Plan rufen, die die
Politik Nordamerikas, Westeuropas und Japans ein Viertel Jahrhundert lang getragen haben. Die atlantischen Nationen und Japan verfügen - wenn wir den
Willen dazu haben - über das Potential, nicht nur die Energiekrise zu meistern
sondern auch aus ihr heraus eine neue Ära der Kreativität und des gemeinsamen
Fortschritts aufzubauen.
Praktisch bleibt uns keine andere Alternative.
Die Energiekrise ist kein Problem für eine Übergangslösung. Unsere Finanzinstitutionen und unsere Mechanismen der Zusammenarbeit waren niemals darauf eingerichtet, einen so abrupten und künstlich aufrechterhaltenen Preisanstieg bei einem so wichtigen Rohstoff und mit so umfassenden wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen zu meistern. Wir stehen vor einem langfristigen Ausblutungsprozeß, der uns entweder zu gemeinsamem Handeln bewegt
oder uns zu ewiger Krise verurteilt.
Das Problem wird nicht dadurch beseitigt, daß wir die Inflation weitergehen lassen, um so das Gleichgewicht zwischen Erdölproduzenten und den Erzeugern anderer Güter wiederherzustellen. Inflation ist die wohl groteskeste
Form der Anpassung, bei der alle Bereiche der binnenwirtschaftlichen Struktur
durcheinander gebracht werden, nur um für einen Teilbereich - die Ölrechnung einen Ausgleich zu schaffen. Auf jeden Fall könnten und würden die Erzeuger

-5-

�Erzeuger mit steigenden Preisen reagieren und so alle die von mir aufgezeigten politischen und sozialen Gefahren beschleunigen.
Ebensowenig können die Verbraucher ihre Ölrechnung auf die Weise finanzieren, daß sie sich gegenüber den Erzeugern verschulden, da sie dadurch ihre
Binnenwirtschaft den Entscheidungen anderer als Faustpfand ausliefern würden.
Die Erzeuger können größere Störungen auf den Finanzmärkten bereits dadurch
auslösen, daß sie Investitionsgelder von einem Land in ein anderes oder von
einer Institution zu einer anderen transferieren. Die politischen Folgerungen
lassen Böses ahnen und sind nicht abzusehen. Diejenigen, die finanzielle Macht
ausüben, werden früher oder später die politischen Bedingungen de'r neuen Beziehungen zu diktieren suchen.
Und schließlich werden Preissenkungen nicht allein durch einen Dialog
zwischen Verbrauchern und Erzeugern herbeigeführt. Der Ölpreis wird nur dann
heruntergehen, wenn objektive Bedingungen für eine Senkung geschaffen sind,
und nicht vorher. Heute können die Produzenten die Preise willkürlich und
offensichtlich ungestraft manipulieren. Sie waren durch unsere Darstellungen,
welcher Schaden sich für unsere Gesellschaftssysteme und Volkswirtschaften
ergeben würde,

nicht zu überzeugen, da wir selbst nicht genug getan haben, um

sie zu schützen. Sie zeigen sich ungerührt von unseren Alarmrufen bezüglich
der Gesundheit der westlichen Welt, der sie niemals angehörten und von der sie
manchmal ausgebeutet wurden. Und selbst wenn die Produzenten schließlich begreifen, daß ihr langfristiges Interesse eine kooperative Anpassung des Preisgefüges erfordert, dann wäre es töricht, darauf zu bauen oder tatenlos darauf
zu warten.
Wir

�Wir sind uns einig, daß ein Dialog zwischen Verbrauchern und Erzeugern
notwendig ist. Aber er muß mit der Schaffung einer größeren Solidarität der
Verbraucher einhergehen. Im Mittelpunkt unseres Vorgehens muß die Zusammenarbeit der Verbraucherländer stehen. Diese Anstrengung wird uns niemand abnehmen.
- Eine Strategie für die Zusammenarbeit der Verbraucher Die Zusammenarbeit der Verbraucher bildete den Kernpunkt unserer Politik
in den letzten eineinhalb Jahren.
Im April 1973 warnten die Vereinigten Staaten, daß die Energie sich zu
einem Problem von noch nie dagewesenen Ausmaßen entwickeln werde und daß die
Zusammenarbeit unter den Ländern des Westens und Japan notwendig sei. Im Dezember des gleichen Jahres schlugen wir ein Programm kollektiver Maßnahmen vor.
Dies führte zur Washingtoner Energiekonferenz im Februar 1974, auf der die
großen Verbraucherländer ein neues System für Konsultationen schufen - mit
einem Mandat, so bald wie möglich Institutionen für eine Zusammenfassung der
Anstrengungen, Risiken und Technologien zu errichten.
Im April 1974 und dann wieder im Herbst dieses Jahres vor der UN-Vollversammlung haben Präsident Ford und ich erneut die amerikanische Auffassung bekräftigt, daß die weltweite Zusammenarbeit die einzige langfristige Lösung
biete und daß unsere Anstrengungen und die der anderen Verbraucher darauf abzielten, den Weg für einen konstruktiven Dialog mit den Produzenten zu ebnen.
Im September 1974 hielten wir eine Konferenz der Außen-und Finanzminister
Großbritanniens, Japans, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreichs und der
Vereinigten Staaten ab, um weitere Maßnahmen für eine Zusammenarbeit der Ver-

-7-

�Verbraucher zu eröertern. Und im vorigen Monat hat Präsident Ford eine langfristige nationale Politik der Einsparung und Entwicklung zur Stärkung unserer
internationalen Anstrengungen verkündet, um der Herausforderung auf dem Energiesektor zu begegnen.
Nach unserer Auffassung muß eine konzertierte Strategie der Verbraucher
aus zwei grundlegenden Elementen bestehen:
Erstens, wir müssen die erforderlichen objektiven Bedingungen schaffen,
-die notwendig sind, damit die Ölpreise zurückgehen. Da die Industriestaaten
die Hauptverbraucher sind, kommt ihrem Vorgehen eine entscheidende Bedeutung
zu. Entschlossenes nationales Handeln, verstärkt durch kollektive.Bemühungen,
kann den Markt verändern - durch Senkung unseres Ölverbrauchs und beschleunigte Entwicklung neuer Energiequellen. Im Laufe der Zeit wird dies zu einem starken Druck auf die Preise führen.
Zweitens, in der Zwischenzeit müssen wir die Lebenskraft unserer Volkswirtschaften schützen. Wirksame Sparmaßnahmen werden Monate erfordern, die
Entwicklung alternativer Energiequellen' wird Jahre brauchen. In der Zwischenzeit sehen wir uns zwei großen Gefahren gegenüber. Die eine ist die Gefahr
eines neuen Embargos. Die andere ist, daß unser Finanzsystem nicht in der Lage
sein könnte, die chronischen Defizite und das Recycling des riesigen Flusses
an Öl-Dollar zu bewältigen, die

die Produzenten jedes Jahr in unseren Volks-

wirtschaften investieren werden. Ein finanzieller Zusammenbruch - oder die Gefahr eines solchen Zusammenbruchs - irgendwo in dem System könnte zu restriktiven monetären,fiskalischen und handelspolitischen Maßnahmen sowie einer Abwärtsentwicklung bei Einkommen und Arbeitsplätzen führen.
Eines

-8-

�Eines der Ergebnisse der Washingtoner Energiekonferenz war eine neue
ständige Einrichtung für die Zusammenarbeit der Energieverbraucher - die Internationale Energiebehörde. Diese Behörde wird umfassende gemeinsame Anstrengungen leiten - zur Einsparung, für gemeinsame Forschung und Entwicklung, für
umfassende neue Maßnahmen auf dem Gebiet der nuklearen Anreicherung, für Investitionen in neue Energiequellen und zur Ausarbeitung von Verbraucherpositionen für den Dialog zwischen Verbrauchern und Erzeugern .
Gleichermaßen bedeutsam ist die beispiellose Übereinkunft, im Falle einer
erneuten Krise das vorhandene Erdöl unter den Hauptverbrauchern zu teilen.
Das internationale Energieprogramm, das als Ergebnis der Washingtoner Konferenz entstand und das in der nächsten Woche offiziell verabschiedet werden
soll, ist ein historischer Schritt zur Solidarität der Verbraucher. Es ist
ein detaillierter Plan für ein gemeinsames Handeln für den Fall eines allgemeinen oder selektiven Embargos. Es ist eine defensive Vereinbarung und keine
Drohung an die Produzenten. Aber die Erzeugerländer sollen wissen, daß er die
Entschlossenheit der Verbraucher bekundet, nicht länger gegenüber einem.Druck
von außen verwundbar bleiben zu wollen und ihre eigene Zukunft selbst gestalten zu wollen. Di%e Internationale Energiebehörde und das internationale Energieprogramm sind die ersten Früchte unserer Anstrengungen. Aber sie sind nur
Grundlagen. Jetzt müssen wir unseren Plan in die Tat umsetzen.

- Die nächsten Schritte Zur Verwirklichung des Gesamtzieles müssen die Verbraucherländer auf
fünf miteinander zusammenhängen Gebieten handeln:
Erstens,wir müssen unsere nationalen Programme zur Energieeinsparung
beschleunigen und sie koordinieren, um ihre Wirksamkeit zu gewährleisten.
Zweitens

�I
Zweitens, wir müssen die Erschließung neuer Erdölvorkommen und die Entwicklung alternativer Energiequellen nachdrücklich vorantreiben.
Drittens, wir müssen die wirtschaftliche Sicherheit stärken - um uns gegen Ölkrisen abzusichern und das internationale Finanzsystem zu schützen.
Viertens, wir müssen den armen Ländern helfen, deren Hoffnungen auf und
Bemühungen um Fortschritt durch den Olpreisanstieg des letzten Jahres grausam
zunichtegemacht worden sind.
Fünftens, wir sollten auf der Basis der Solidarität der Verbraucher in
einen Dialog mit den Produzenten eintreten, um faire und dauerhafte langfristige Beziehungen zu schaffen.
Ich möchte jetzt der Reihe nach jeden dieser Punkte aufgreifen.

- Einsparung und neue Vorkommen Einsparung und Erschließung neuer Energiequellen sind entscheidend für
die Lösung: die Industriestaaten zusammen importieren gegenwärtig zwei Drittel ihres Erdöls und über ein Drittel ihrer gesamten Energie. Im Laufe des
nächsten Jahrzehnts müssen wir genügend Erdöl einsparen und ausreichende alternative Vorkommen erschließen, um diese Importe auf nicht mehr als ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs zu senken. Das bedingt, daß die Industriestaaten das Wachstum ihrer Volkswirtschaften so ausrichten, daß sich ihre Ölimporte in den kommenden zehn Jahren mengenmäßig nicht erhöhen.
Die Wirkung dieser verringerten Abhängigkeit wird von entscheidender Bedeutung sein. Wenn wir Erfolg haben, dann wird die Nachfrage seitens der Industriestaaten nach Importöl konstant bleiben, während neue Energiequellen
innerhalb und außerhalb der OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder)

-10-

�Länder) verfügbar werden. Die OPEC könnte versuchen, den Bemühungen um vermehrte Einsparungen und die Entwicklung alternativer Energiequellen durch
immer größere Produktionskürzungen entgegenzuwirken und würde damit die Einkünfte der Erzeuger verringern, die jedoch höhere Einnahmen für ihre wirtschaftliche Entwicklung anstreben. Die Mehrzahl der Erzeuger wird dann feststellen, daß ihr Interesse in einer Ausweitung der Lieferungen liegt, und
einen neuen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu fairen Preisen anstreben.
Die Begrenzung der Ölimporte in die Industriestaaten auf eine in etwa
konstante Menge ist ein äußerst wichtiges Ziel, das Disziplin bei der Einsparung und den Investitionen für die Erschließung neuer Energievorkommen voraussetzt. Die Vereinigten Staaten, die gegenwärtig ein Drittel ihres Öls und ein
Sechstel ihrer gesamten Energie

einführen, werden weitgehend autark werden.

Im besonderen werden wir es uns als Ziel setzen, unsere Importe im Laufe des
kommenden Jahrzehnts von sieben Millionen Barrel pro Tag auf nicht mehr als
eine Million Barrel pro Tag oder weniger als zwei Prozent unseres gesamten
Energieverbrauchs zu senken.
Einsparung ist natürlich der direkteste Weg zu einer Lösung. Präsident
Ford hat erklärt, daß die Vereinigten Staaten bis Ende 1974 die Ölimporte um
eine Million Barrel pro Tag senken werden - eine Verringerung um 15 Prozent.
Aber die Senkung des Verbrauchs in einem Land kann wirkungslos bleiben, wenn
die anderen großen Verbraucher sich nicht anschließen. Glücklicherweise haben die anderen Länder eigene Sparprogramme begonnen. Notwendig ist jetzt
eine Abstimmung dieser Programme auf ein gemeinsames Ziel und eine gemeinsame
Richtung. Daher schlagen die Vereinigten Staaten ein internationales Abkommen

-11-

�i

Abkommen vor, daß Richtzahlen für den Verbrauch gibt. Die Vereinigten Staaten
sind bereit, sich einem internationalen Sparabkommen anzuschließen, das zu
systematischen und langfristigen Einsparungen auf einer gerechten Basis führen
würde.
Als Teil eines solchen Programms schlagen wir vor, daß die Industriestaaten ihren Ölverbrauch bis Ende 1975 um drei Millionen Barrel pro Tag gegenüber
der ursprünglich vorgesehenen Menge senken - eine Kürzung um etwa 10 Prozent
der Gesamtimporte dieser Gruppe. Diese Kürzung kann ohne Beeinträchtigung des
wirtschaftlichen Wachstums

und der Arbeitsplätze durch Beseitigung des ver-

schwenderischen und unrationellen Energieverbrauchs sowohl im persönlichen Bereich als auch in der Industrie erfolgen. Die Vereinigten Staaten sind bereit,
ihren fairen Anteil zu der Gesamtkürzung beizutragen .
Die Verbraucherländer sollten jedes Jahr zusammenkommen, um entsprechende
Jahresziele festzulegen.
Sparmaßnahmen werden insoweit wirksam werden, als sie Teil eines dynamischen Programms zur Entwicklung anderer Energiequellen sind. Alle Länder müssen eine wesentliche Schwerpunkteverlagerung auf die Kernenergie, die Kohle,
das Gas und andere Energiequellen vornehmen. Wenn wir für die achtziger Jahre
bedeutende Mengen an neuer Energie sicherstellen wollen, dann müssen wir jetzt
den Anfang machen. Wenn die Industrieländer die Schritte ergreifen, die in
ihrer Macht stehen, dann werden sie in der Lage sein, aus den Energieverknappungen zu Energieüberschüssen in den achtziger Jahren zu gelangen.
Der amerikanische Beitrag zu diesem Bemühen ist das Projekt "Unabhängigkeit" (project independence). Es bedeutet die Investition von vielen hundert
Milliarden Dollar - aus öffentlichen und privaten Mitteln - und stellt unser
-12-

�unser Mondlandeprogramm und das Manhattan-Projekt - zwei frühere Beispiele
der für ein großes Ziel mobilisierten amerikanischen Technologie - weit in
den Schatten. Projekt Unabhängigkeit demonstriert, daß die Vereinigten Staaten es niemals zulassen werden, daß man sie - in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht - als Geisel benutzt.
Das Projekt Unabhängigkeit wird durch eine aktive Politik der Unterstützung kooperativer Projekte mit anderen Verbraucherländern ergänzt werden.
Die Internationale Energiebehörde, die in der kommenden Woche ins Leben gerufen werden soll, ist bestens dafür geeignet, derartige Programme einzuleiten und zu koordinieren. Es sind bereits Pläne für gemeinsame Projekte auf
dem Gebiet der Kohletechnologie und der Sonnenenergie entworfen worden. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, diese kollektiven Aktionen zu erweitern, so
daß sie auch Gebiete wie die Urananreicherung einschließen.
Das Gebiet der kontrollierten thermo-nuklearen Fusion bietet für solche
gerneinsamenkühnen Vorstöße besonders günstige Aussichten, da es Energie
machen würde. Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit anderen Mitgliedern der
Internationalen Energiebehörde in einem umfassenden Programm der gemeinsamen
Planung, des Austauschs von wissenschaftlichem Personal, der gemeinschaftlichen Nutzung nationaler Anlagen und der Entwicklung gemeinsamer Einrichtungen zur Beschleunigung der Verwirklichung der Kernverschmelzung als Energiequelle zusammenzuarbeiten.
Und schließlich werden wir der Internationalen Energiebehörde vorschla gen, einen gemeinsamen Fonds zu schaffen, um die Investitionen bei verheißungsvollen Energieprojekten in den Teilnehmerstaaten und bei all denen, die
bereit sind, mit der Internationalen Energiebehörde auf langfristiger Basis

-13-

�i

Basis zusammenzuarbeiten, zu finanzieren und sicherzustellen.

- Finanzielle Solidarität Das schwerwiegendste unmittelbare Problem, dem sich die Verbraucherländer
gegenübersehen, ist die sich aus den hohen Erdölpreisen ergebende wirtschaftliche und finanzielle Anspannung. Die Einnahmen der Produzenten werden zwangsläufig in der industrialisierten Welt re-investiert werden; die Mittel können
nirgendwo sonst hinfließen. Aber sie werden nicht unbedingt in die Länder zurückfließen,deren Zahlungsbilanzprobleme am akutesten sind. Damit werden viele
Länder weiterhin nicht in der Lage sein,ihre Defizite zu finanzieren, und sie
werden anfällig sein für massive plötzliche Geldabzüge.
Die Industriestaaten können, wenn sie gemeinsam handeln, dieses Ungleichgewicht korrigieren und ihre Anfälligkeit verringern. So wie es den Produzenten
freisteht, zu wählen, wo sie ihr Geld anlegen wollen, so muß es den Verbrauchern freistehen, diese Gelder umzudisponieren, um ihren eigenen Erfordernissen
und denen der Entwicklungsländer zu entsprechen.
Private Finanzinstitutionen sind bereits in hohem Maße in diesen Prozeß
eingeschaltet. Zur Unterstützung ihrer Anstrengungen übernehmen die Zentralbanken die Gewähr, daß der erforderliche Rückhalt der privaten Institutionen
gegeben ist - vor allem, nachdem, ein so großer Teil der Olgelder in verhältnismäßig kurzfristigen Schuldverschreibungen investiert ist. Die privaten Institutionen sollten jedoch nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus alle diese Risiken
tragen müssen. Wir können es uns nicht leisten, bis an die Grenzen ihrer Kapazität zu gehen.
Daher sollten die Regierungen Westeuropas, Nordamerikas und Japans jetzt

-14-

�jetzt Schritte zur Schaffung eines multilateralen Stützungssystems ergreifen,
das, wo immer notwendig, die privaten Kanäle ergänztund stärkt. Die Vereinigten Staaten schlag-en die Schaffung einer gemeinsamen Kredit-und Garantieeinrichtung vor, um die Umverteilung von bis zu 25 Milliarden Dollar im Jahre
1975 und nochmals, falls erforderlich, den gleichen Betrag im darauffolgenden
Jahr, zu ermöglichen. Bei dieser Einrichtung wird es sich nicht um eine neue
Hilfsorganisation handeln", die aus zusätzlichen Steuermitteln finanziert wird.
Es wird sich vielmehr um einen Mechanismus für das Recycling zu kommerziellen
Zinssätzen der Gelder handeln, die aus den Erdöl erzeugenden Ländern in die
industrialisierte Welt zurückfließen. Die Unterstützung aus dieser Einrichtung
würde nicht automatisch erfolgen, sondern von der vollen Ausschöpfung privater
Finanzierungsmöglichkeiten und von vernünftigen Selbsthilfemaßnahmen abhängen.
Ein Land, das keine wirksamen Maßnahmen ergreift, um seine Abhängigkeit von
importiertem Öl zu verringern, dürfte keine finanzielle Unterstützung erwarten.
Eine solche Einrichtung wird dazu beitragen, die Stabilität des gesamten
Finanzsystems und die Kreditwürdigkeit der beteiligten Regierungen zu gewährleisten. Auf lange Sicht würde s ie die Notwendigkeit offizieller Finanzierung
verringern. Wenn sierasch eingeführt würde, könnte

sie:

-- Finanzinstitutionen vor den übergroßen Risiken schützen, die durch
eine gewaltige Anforderung an Mitteln jenseits ihrer Kontrolle und Kapazität
entstehen;
-- sicherstellen, daß kein Land gezwungen wird, aus Mangel an ausreichenden Finanzierungsmöglichkeiten eine marktverzerrende und restriktive Politik zu verfolgen;
-»- gewähr-15-

�*

-- gewährleisten, daß kein Verbraucherland gezwungen sein wird, eine
Finanzierung zu politisch und wirtschaftlich untragbaren Bedingungen zu akzeptieren; und
-- jedes beteiligte Land in die Lage versetzen, der Bevölkerung zu demonstrieren, daß die Anstrengungen und Opfer gerecht verteilt werden.- daß der
Fortbestand der Nation durch eine Solidarität der Verbraucher untermauert
wird.
Wir haben bereits mit der Erörterung dieses Vorschlags begonnen. Er
stand im Brennpunkt des Treffens der Finanz-und Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, der Vereinigten Staaten, Japans, Großbritanniens und
Frankreichs im September in Washington.

- Die Entwicklungsländer Di« von mir hier aufgezeigte Strategie ist ferner unerläßlich, um die
ernste Not vieler Entwicklungsländer zu lindern. Alle ÖlVerbraucherländer
bedürfen dringend der Entlastung von den extrem hohen Ölpreisen; die Entwicklungsländer aber können nicht zuwarten, bis ein solcher Prozeß in Gang kommt.
Für sie hat die Ölkrise bereits einen Notstand heraufbeschworen. Die Ölrechnung hat im Falle der ärmeren Entwicklungsländer schon die ihnen zufließende
Auslandshilfe aufgezehrt, die Entwicklung auf dem Agrarsektor und im industriellen Bereich zum Stillstand gebracht und die Preise für die meisten Waren des
Grundbedarfs, einschließlich Nahrungsmitteln, inflationiert. Im Gegensatz zu
den Industrienationen haben die Entwicklungsländer nur geringe Möglichkeiten
zur Selbsthilfe; ihr Bereich für Energieeinsparungen ist begrenzt; und sie
haben kaum die Fähigkeit, alternative Energiequellen zu entwickeln.
Aus
,16-

�Aus moralischen wie auch aus praktischen Gründen können wir es nicht
zulassen, daß in diesen Ländern die Hoffnung auf Entwicklung stirbt, und wir
können uns nicht von den politischen und wirtschaftlichen Nöten eines so
großen Teils der Menschheit abkehren. Die Industriestaaten müssen als mindestes ihre Hilfe an die Entwicklungsländer in dem bisherigen umfang aufrechterhalten und in den multilateralen Handelsverhandlungen auf ihre Erfordernisse besondere Rücksicht nehmen.
Wir müssen nach Wegen suchen, um auf dem kritischen Gebiet der Nahrungsmittelversorgung zu helfen. Ich habe auf der Welternährungskonferenz eine
Strategie zur Deckung des Bedarfs an Nahrungsmitteln und anderen Agrarprodukten in den am wenigsten entwickelten Ländern aufgezeigt. Die Vereinigten
Staaten sind auf einzigartige Weise dafür gerüstet, auf diesem Gebiet einen
Beitrag zu leisten, und sie werden einen Beitrag leisten, der ihrer besonderen Stärke angemessen ist.
Ein Großteil der Verantwortung muß jenen Ölförderländern obliegen, deren
Vorgehen die Probleme der Entwicklungsländer erschwert und die nunmehr aufgrund ihres neuerworbenen Reichtums erheblich größere Möglichkeiten zur Hilfeleistung haben.
Aber selbst wenn alle derzeitig verfügbaren Mittel mobilisiert werden,
bleibt ein ungedecktes Zahlungsdefizit in der Größenordnung von ein bis zwei
Milliarden Dollar für die 25 oder 30 Länder, die von den hohen Olpreisen am
stärksten betroffen sind. Dieses Defizit könnte 1976 noch höher ausfallen.
Wir brauchen neue internationale Mechanismen, um dieses Defizit zu
decken. Eine Möglichkeit wäre, die bestehenden regulären IWF-Krediteinrichtungen durch Schaffung eines vom IWF zu verwaltenden Treuhandfonds zu

-17-

�4

zu ergänzen, der Kredite zu Zinssätzen ausleiht, die die Empfängerstaaten
aufbringen können. Die erforderlichen Mittel wären durch Beiträge der interessierten Länder einschließlich natürlich der Ölproduzenten aufzubringen. Der
IWF selbst könnte die Erlöse aus eigens für diesen Zweck vorzunehmenden Goldverkäufen beisteuern. Wir ersuchen den Interimsausschuß des IWF und den Gemeinsamen Entwicklungsausschuß des IWF und der Weltbank, diesen Vorschlag umgehend zu prüfen.

- Die Beziehungen zu den Erdölförderländern Sobald gewisse kollektive Maßnahmen getroffen sind, die auf eine dauerhafte Lösung abzielen - d. h. Maßnahmen zur Förderung der Einsparung von Energie und der Entwicklung neuer Energiequellen -, und sobald der zwischenzeitliche Schutz unserer Volkswirtschaften dank unserer Energieplanung und finanziellen Solidarität gewährleistet ist, sind auch die Vorbedingungen für einen
konstruktiven Dialog mit den Erdölförderländern gegeben.
Wir erachten die Zusammenarbeit unter den Verbraucherstaaten nicht als
im Gegensatz zu einer Zusammenarbeit unter Verbraucher-und Förderländern stehend, sondern als notwendige Vorbedingung für einen konstruktiven Dialog. Das
tun sogar viele Förderländer, die die Verbraucherländer gedrängt haben, die
Inflation einzudämmen, Energie zu sparen und die internationale Währungsstabilität aufrechtzuerhalten.
Ein Dialog, der nicht sorgfältig vorbereitet ist, wird die Probleme,die
er lösen soll, eher verwirren. Solange die Verbraucherstaaten zu keiner einheitlichen Einstellung zu ihren eigenen Problemen finden, werden Erörterungen
mit den Förderländern in einem multilateralen Gremium nur eine Wiederholung

-18-

�Wiederholung der vielen bilateralen Gespräche bringen, die gegenwärtig schon
geführt werden.
Hauptthema eines solchen Dialogs muß zwangsläufig die Frage des Ölpreises bilden. Die Stabilität des Systems, von dem die Gesundheit selbst der
Volkswirtschaften der Ölexportländer abhängt, macht eindeutig eine Senkung
der Ölpreise notwendig. Eine gerechte Lösung muß auch der von den Förderländern erhobenen Forderung nach einer langfristigen Einkommens Sicherung und
nach langfristigem wirtschaftlichem Wachstum Rechnung tragen. Wir sind bereit,
dieses Problem systematisch durchzudiskutieren.
Vorab sollten die Förderländer einsehen, daß sich weitere Preissteigerungen in der Vorbereitungsphase dieses Dialogs und zu einem Zeitpunkt, zu dem
das bestehende System noch nicht einmal die vorausgegangenen Preiserhöhungen
verkraftet hat, zerstörerisch auswirken würden und sehr gefährlich wären.
Auf dieser Grundlage - Solidarität unter den Verbraucherstaaten hinsichtlich des sparsamen Umgangs mit Energie, der Entwicklung von alternativen Energiequellen und der finanziellen Sicherheit; maßvolle und verantwortungsbewußte Politik seitens der Förderländer; und gemeinsame Anerkennung der wechselseitigen Abhängigkeit - Interdependenz - und der langfristig gesehenen Interessengleichlage - besteht berechtigte Hoffnung, daß ein Dialog zwischen Verbraucher-und Förderländern diese Krise zu beenden vermag, die die Welt bis
in ihre wirtschaftlichen Grundfesten erschüttert hat.

- Der nächste Schritt Ein Jahr und ein Monat sind seit Ausbruch der Ölkrise vergangen. Wir
haben uns für den Anfang gut gehalten; die eigentliche

-19-

Bewährungsprobe steht

�«
steht uns aber erst noch bevor.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen,schon in nächster Zukunft weitere
Vorschläge zur Durchführung des von mir umrissenen Programms zu unterbreiten. Wir werden der neuen Internationalen Energiebehörde in der kommenden
Woche ein spezifisches Programm für kooperative Anstrengungen unterbreiten,
die die Einsparung von Energie, die Erschließung neuer Energiequellen, die
Anreicherung von Kernbrennstoffen und die Ausarbeitung der Verhandlungsposition der Verbraucherstaaten in dem bevorstehenden Dialog zwischen ihnen und
den Fördernländern zum Ziel haben.
Gleichzeitig wird Finanzminister Simon unsere Vorstellungen von finanzieller Solidarität in dem von mir dargelegten Sinne bis in Einzelheiten erläutern, und unser Vertreter in der Zehnergruppe wird sie seinen Kollegen unterbreiten.
Wir werden ferner den Vorsitzenden des Interimsausschusses des Weltwährungsfonds wie auch den des neuen Gemeinsamen Entwicklungsausschusses des
Währungsfonds und der Weltbank ersuchen, ein Dringlichkeitsprogramm zur Gewährung von Sonderhilfe zu Vorzugsbedingungen an die ärmsten unter den Entwicklungsländern zu erwägen. Gestern kündigte Innenminister Morton ein Programm zur beschleunigten Suche nach neuen Erdölvorkommen im eigenen Land und
zu deren unverzüglicher Ausbeutung an.
Präsident Ford beabsichtigt, dem neuen Kongreß ein detailliertes und umfassendes Energieprogramm vorzulegen.
-Zusammenfassung-

-20-

�- Zusammenfassung Niemand sollte daran zweifeln, daß das Energieproblem lösbar ist. Es
wird uns nur dann überwältigen, wenn wir seinen Realitäten den Rücken kehren.
Es kann allerdings keine Lösung ohne kollektive Anstrengungen der Länder Nordamerikas, Westeuropas sowie Japans geben- eben jener Länder, deren Zusammenarbeit mehr als zwei Jahrzehnte hindurch der Nachkriegswelt Prosperität und
Frieden gebracht hat. Und es gibt letzten Endes auch keine Lösung ohne einen
Dialog mit den Förderländern, der im Geiste der Versöhnlichkeit und Kompromißbereitschaft geführt wird.
Eine große Verantwortung lastet auf Amerika, obwohl es keine ausschließlich "amerikanische Lösung" geben kann. Ohne unsere Hingabebereitschaft.und
ohne unsere Führung sind Fortschritte unmöglich. Unser Land trägt seit vielen
Jahren die Hauptverantwortung, wenn es darum geht, den Frieden zu wahren, die
Hungernden zu ernähren, das internationale wirtschaftliche Wachstum zu gewährleisten und alle jene zu inspirieren, die frei sein wollen. Wir haben diese
schwere Bürde nicht gewollt und wir waren oft versucht, sie abzulegen. Wir
haben es aber dennoch nie getan, und wir können es uns heute nicht leisten,
diese Bürde abzulegen

- weil sonst die Generation nach uns den Preis für unse-

re Selbstgefälligkeit zahlen müßte.
Über ein Jahrzehnt lang ist Amerika von Krieg, sozialen Unruhen, dem
Generationskonflikt und einer Verfassungskrise gepeinigt. Die eindrucksvollste Lehre aus diesen Ereignissen ist der Beweis unserer grundlegenden Stabilität und Stärke. In einer Zeit der Gärung im eigenen Land haben wir es fertiggebracht, die Spannungen rund um den Erdball zu vermindern. Unser Volk und
unsere Institutionen sind aus unseren inneren Kämpfen mit außerordentlicher

�außerordentlicher Spannkraft hervorgegangen, Und heute sind die Führungsimpulse, die von uns auf den Gebieten der Technologie, der Landwirtschaft, der
Industrie und des Fernmeldewesens ausgehen, einmal mehr von entscheidender
Bedeutung für die Genesung der Welt.
Woodrow Wilson bemerkte einmal: "Die Freiheit der Welt ist engstens verwoben mit der fortlaufenden Perfektionierung dieser Freiheit durch die vereinten Anstrengungen aller zivilisierten Völker". Das ist letztlich genau das,
worum es in der Energiekrise geht. Denn letztlich steht unsere Freiheit auf
dem Spiel, und um sie zu erhalten, bedarf es der gemeinsamen Anstrengungen
aller demokratischen Industriestaaten.
Die Gefahren, die Woodrow Wilson und seiner Generation drohten, waren im
Vergleich zu den heutigen Gefahren relativ harmlos und überschaubar. Die Gefahren, mit denen wir uns heute konfrontiert sehen, sind weit subtiler und
ernster. Die größeren Zusammenhänge, in denen wir handeln müssen, sind mannigfaltiger als selbst in der Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg. Damals
war es die Sorgepflicht für andere, die uns inspirierte; heute müssen wir Inspiration aus der Partnerschaft mit anderen ziehen. Damals wurden wir und unsere Verbündeten durch eine Bedrohung von außen geeint; heute müssen wir die
Einigkeit in uns selbst finden und in unserer Hingabe an die politischen und
wirtschaftlichen Institutionen freier Menschen, die um eines gemeinsamen Zieles
willen zusammenarbeiten, Unsere Aufgabe ist es, den Geist der Zusammenarbeit
unter gleichgesinnten Nationen aufrechtzuerhalten, der uns eine Generation hindurch so gute Dienste geleistet hat,und den Beweis dafür anzutreten, daß, wie
Woodrow Wilson zu anderer Zeit und an einem anderen Ort erklärte, "die höchste
und beste Form der Effizienz die spontane Zusammenarbeit freier Menschen ist."
+ + + + +

(U.S. Information Service,
5300 BN-Bad Godesberg)

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Wirtschaft

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

24/1974

SIMON ERLÄUTERT ENERGIE-VORSCHLÄGE DER USA
Wortlaut der Rede des amerikanischen Finanzministers in New York

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Finanzminister William Simon hat
am 18. November die Vorschläge näher erläutert, die Außenminister Kissinger
am Wochende zur Lösung der internationalen Energiekrise unterbreitet hat. In
einer Rede vor dem Nationalen Außenhandelskonvent in New York ging Simon vor
allem auf die finanziellen Aspekte ein.

Seine Ausführungen haben folgenden

Wortlaut:
"Wir kommen heute in ernsten Zeiten zusammen - Zeiten, die ein offenes
Wort verlangen - und ich will hier ganz offen und deutlich sprechen.
Wie Sie alle wissen, stellt die Politik des Ölkartells heute eine fundamentale Bedrohung der wirtschaftlichen und politischen Struktur dar, die der
Weltgemeinschaft ein ViertelJahrhundert lang gute Dienste geleistet hat.

Einige

,ind sogar der Auffassung, daß die Welt vor der größten Wirtschaftskrise seit
den ersten Nachkriegsjähren steht. Aber eine Krise braucht nicht, wie Präsident Eisenhower einst bemerkte, die Menschen in blinde Panik zu versetzen.
Eine Krise', so sagte er, 'ist auch der schärfste Stachel, um die schöpferische
- 1 -

�schöpferische Energie des Menschen anzuspornen, vor allem, wenn er erkennt,
daß es an seine Grundfesten geht, und wenn er mit Glauben, Überlegung und
Mut an die Lösung der Aufgabe herangeht'.
Das war eine Lehre, die die führenden Männer der ersten Nachkriegsjähre
bereits gelernt hatten, und sie wendeten diese Lehre gut an.

Ihr Weitblick

und ihre Leistung schufen die Grundlagen für eine Periode des beispiellosen
Wachstums und Fortschritts - nicht nur in den Industriestaaten, sondern auch
in den neu entstehenden Ländern.
Heute brauchen wir wieder einmal den Weitblick und die schöpferische
Kraft - und vor allem auch die Grundsätze - jener früheren Jahre. Was die Verbraucher angeht, so müssen wir eine neue Einheit der Zielsetzung und eine neue
Stärke der gemeinsamen Anstrengung finden.

Was die Erzeuger angeht, so müssen

wir unsere Meinungsverschiedenheiten durch gegenseitiges Verständnis und gegenseitige Zusammenarbeit lösen.

Und was die Entwicklungsländer angeht, so

müssen wir weiterhin Hilfe und Unterstützung gewähren, damit sich ihre Träume
des Fortschritts erfüllen mögen.

Das ist die Grundlage, von der die Ver-

einigten Staaten heute in ihrer Handelspolitik und in ihrer Energiepolitik
ausgehen.

Handelsgesetz muß rasch verabschiedet werden
Nachdem die Handelsdefizite in fast allen Ländern außerhalb des Blocks
der ölproduzierenden und -exportierenden Länder zunehmen, sind die Regierungen
in vielen Ländern L n wachsendem Maße versucht, unter dem Vorwand der Verknappung,
des Überschusses, der Inflation oder der Arbeitslosigkeit den Handel einzuschränken.

Wie wir jedoch schon einmal in diesem Jahrhundert erfahren haben,

ist diese Politik, daß der eine die Last auf den anderen abzuwälzen versucht,

�versucht, letztlich für alle Beteiligten unheilvoll.

Dies ist nicht mehr

die Zeit für einen aneingeschränkten Bilateralismus, für monopolistische
Einschränkung der Versorgung oder andere administrative Maßnahmen, die den
normalen Verlauf von Handel und Investition verzerren.

Die Lösungen für die

Probleme einer interdependenten Welt liegen in einer verstärkten Interdependenz
und nicht in ihrer Schwächung.

Eine expandierende Weltwirtschaft mit einiger-

maßen stabilen Preisen ist von wesentlicher Bedeutung für die politischen,
sozialen und wirtschaftlichen Interessen aller Länder. Das kann nur erreicht
werden, wenn Verhältnisse geschaffen werden, die es dem Außenhandel und de n
Auslandsinvestitionen erlauben, ihre historische Rolle als Motor des wirtschaftlichen Fortschritts zu spielen.
Zu keiner Zeit waren Verhandlungen über den Handel und die Handelsbeziehungen angebrachter als jetzt. In diesem Zusammenhang messen wir der Verabschiedung des Handelsreformgesetzes noch vor Ende dieses Jahres größte Bedeutung bei.

Ein klar gefaßtes Gesetz, das nicht durch sachfremde Zusätze

belastet ist, ist für den Präsidenten von größter Dringlichkeit.

Nur mit

diesem Mandat der Legislative können unsere Delegierten wirksam verhandeln
und für ein offenes und flexibles Handelssystem eintreten, und nur mit der
Beteiligung der Vereinigten Staaten können wir die gemeinsamen Wirtschaftsprobleme lösen.
Frühere internationale Handelsverhandlungen haben sich auf das Problem
der Eröffnung nationaler Märkte für die Exporte anderer Länder konzentriert.
Es ist wesentlich, daß sich die multilateralen Handelsverhandlungen in Tokio
jetzt der anderen Seite der Frage zuwenden und Mittel und Wege finden, um
den internationalen Zugang zu Lebensmitteln und Rohstoffen sicherzustellen.
Die
- 3-

�Die Herausforderung des OPEC-Blocks
Dieses Problem des Zugangs zu Rohstoffen ist natürlich durch die Maßnahmen
der ölexportierenden Länder, die dem OPEC-Block angehören, besonders zugespitzt worden - zunächst durch das Embargo im Herbst vorigen Jahres, dann durch
eine Vervierfachung der Preise und schließlich durch die Drosselung ihrer Produktion zur Aufrechterhaltung der Preise.
Vor dem Preisanstieg im Oktober vorigen Jahres betrug der durchschnittliche Preis »der für ein Barrel Öl an die Erzeugerländer bezahlt wurde - wobei
das saudi-arabische leichte Rohöl als Richtschnur diente -»weniger als 2 Dollar.
Heute beträgt der Preis rund 10 Dollar.
Länder, die im Jahre 1973

Die Zahlungen für Öl an die OPEC-

22 Milliarden Dollar betrugen, dürften in diesem

Jahr nach allen Erwartungen 85 Milliarden Dollar überschreiten und vom Herbst
dieses Jahres an eine Jahresrate von etwa 100 Milliarden Dollar erreichen.
Allein in diesem Jahr werden die OPEC-Länder über 60 Milliarden Dollar an Einnahmen verfügen, die sie nicht für Importe von Gütern und Dienstleistungen ausgeben.

Ein Haben der OPEC-Gruppe ist natürlich ein Soll für die ölimportieren-

den Länder und ein Überschuß der OPEC ist ein Defizit für die übrige Welt. Die
importierenden Länder können als Gruppe nur für das öl bezahlen, indem sie sich
bei den OPEC-Ländern mehr und mehr verschulden.
Die Kosten, die der Weltwirtschaft durch die exorbitanten ölpreise auferlegt werden, sind schwer und tiefgreifend.

Sie machen unseren Kampf gegen

die Inflation nur noch schwieriger und die Inflation selbst nur noch virulenter.
Wenn die Welt jetzt

Mittel umdirigiert, um ein neues Energiegleichgewicht

zu erreichen, dann wird dies zu ernsten Reibungen und unvermeidlichen Kosten
für die strukturelle Anpassung führen. Das Widerstreben, Jahr für Jahr Geld
zu borgen, um Ölkäufe finanzieren zu können, wird die Nationen veranlassen, einen

�einen niedrigeren Stand der Wirtschaftstätigkeit aufrechtzuerhalten und das
wirtschaftliche Wachstum wird sich verlangsamen.

Es besteht eindeutig die

Gefahr, daß einige Länder unangemessene oder verzerrende Maßnahmen ergreifen
könnten, wobei das Risiko der Vergeltung und der Zufluchtnahme zu Wettbewerbsrestriktionen besteht.

Irgendwann werden natürlich darüber hinaus reale Mittel

an die OPEC-Länder transferiert werden müssen, um für die angelaufene Schuld
zu bezahlen.

Die direkte Auswirkung wird nicht für alle Länder gleich sein,

aber alle Länder werden direkt oder indirekt ihre Hoffnungen auf Prosperität
gedämpft finden.

Ich wüßte keine einzelne Veränderung zu nennen, die als sol-

che die Aussichten für die Weltwirtschaft mehr verbessern könnte als eine wesentliche Senkung des Olpreises.

Und ich kann mir keine Entwicklung vorstellen,

die für die Erhaltung unseres internationalen Handelssystems von entscheidender
Bedeutung wäre.

Warum die Ölpreise schließlich fallen müssen
Die Erzeugerländer sind sich klar darüber, daß Öl nicht gefeit ist gegenüber den Kräften von Angebot und Nachfrage.

Das starke Anziehen der Preise

hat bereits zu einem geringeren Ölverbrauch überall auf der Welt geführt - und
wenn weitere Anpassungen im Laufe der Zeit möglich werden, so wird sich der
Rückgang noch erheblich verstärken.

In den Erdöl importierenden Ländern der

nicht-kommunistischen Welt sehen die Verbrauchsvoranschläge einen Rückgang
von 48 Millionen Barrel pro Tag im Jahre 1973 auf rund 46 1/2 Millionen Barrel
pro Tag in diesem Jahr vor.

Als sich der rückläufige Verbrauch bemerkbar zu

machen begann, hatten eine Reihe von OPEC-Ländern ihre Forderung - und nicht
ihren Preis - gesenkt.

Vor dem Embargo des letzten Jahres beliefen sich die

freien Kapazitäten der OPEC-Länder auf 1 bis 1 1/2 Millionen Barrel pro Tag.
- 5 -

�Tag.

Jetzt betragen die ungenutzten Kapazitäten fast 8 Millionen Barrel pro

Tag.

Selbst während des Embargos hatten die überschüssigen Kapazitäten nicht

eine solche Höhe erreicht. Wenn diese überschüssigen Kapazitäten weiter zunehmen, wird der Druck auf die Preise zwangsläufig zunehmen.
Angesichts der hohen Preise haben die Verbraucher ferner die Erschließung
ihrer eigenen Energiequellen beschleunigt, deren Energie dann beträchtlich
unter dem gegenwärtigen Preis für das OPEC-Öl liegen wird.

Wenn die OPEC -

Länder fortfahren sollten, um den Preis zu halten, die Förderung weiter zu
drosseln, dann werden sie feststellen, daß sowohl ihre Märkte als auch ihre
Einkünfte sich drastisch verschlechtert haben.

Für mich stellt sich nicht

die Frage, ob die Ölpreise fallen werden, sondern wann sie fallen werden.
Ich weiß, es gibt Propheten, die für die Energielage der Welt schwarz
sehen und glauben, daß die Welt eines Tages ohne Öl dastehen wird.
Propheten liegen völlig falsch.

Diese

Einmal gibt es nach Ansicht zahlreicher Ex-

perten allein im Nahen Osten neben bekannten Ölvorkommen von fast 400 Milliarden Barrel weitere noch unbekannte Vorkommen von mindestens der gleichen
Größenordnung.

Und genauso wenig sind die Energieverbraucher der Welt allein

auf die OPEC angewiesen.

Die Erdöl- und Energiereserven der Welt außerhalb

der OPEC-Länder sind weit größer als die in diesen Ländern.

Hier in den Ver-

einigten Staaten verfügen wir über ein riesiges Ölförderpotential aus neuen
Vorkommen vor unseren Küsten und in der Arktis, sowie aus älteren Vorkommen
auf Grund verbesserter und intensiverer Förderverfahren.

Andere traditionelle

Energiequellen - Erdgas, Kohle und Kernenergie - werden in wachsendem Maße an
Bedeutung gewinnen, je mehr der Markt einen Anreiz zur Erschließung unserer
Vorkommen bietet.

Und schließlich, das ist Zukunftsmusik, werden neue Energie-

quellen durch technologischen Fortschritt und wirtschaftliche Anreize er-

- 6-

�erschlossen werden - der gleiche Prozeß, der in der Vergangenheit zur Erschließung unserer Energiequellen geführt hat.
Natürlich wird bei einigen Energiequellen eine gewisse Zeit vergehen, bevor es zu einer nennenswerten Produktion kommt. Aber der Erdölmarkt selbst
befindet sich bereits in einem Umwandlungsprozeß.

Allein im letzten Jahr ist

die Entdeckung von 26 beträchtlichen neuen Vorkommen gemeldet worden.

Die

festgestellten Vorkommen außerhalb der OPEC-Länder haben sich um wenigstens
30 Milliarden Barrel Öl erhöht - das ist eine Zunahme um 25 Prozent.

Die in

der Nordsee festgestellten Öl-Vorkommen haben sich seit dem letzten Herbst
verdoppelt; Mexiko hat riesige neue Vorkommen entdeckt; selbst China hat Vorkommen gemeldet, die es zu einem bedeutenden Erdölexporteur werden lassen können.
Erdöl ist ferner in kommerziell bedeutenden Mengen in Guatemala, in dem
peruanischen Amazonas-Gebiet, in der Tierra del Fuego Region Chiles und
Argentiniens, in Gabun, Zaire, Cabinda, Angola, Tunis, Indien, Bangladesh,
Burma, Malaysia, Brunei, Thailand, Südvietnam, Taiwan und Ägypten vorhanden.
Und alle diese Vorkommen wurden innerhalb nur einen Jahres entdeckt.
Alle diese Länder außerhalb der OPEC werden 1980 ein geschätztes Förderpotential von 13 Millionen Barrel pro Tag haben.

Und dies schließt noch nicht

einmal das Erdöl ein, das aus Alaska und unserem äußeren Kontinentalshelf kommt.
Wir haben eine Energiekrise, aber es ist ganz klar, daß sie gelöst werden
kann.

Wenn die OPEC-Länder ihre Ölförderungsrate einschneidend einschränken,

schaffen sie zwangsläufig damit die Voraussetzungen, nun große Energiemengen
aus anderen Quellen verfügbar zu machen - und zwar zu Preisen, die erheblich
unter dem derzeitigen Preisniveau liegen.
Der gegenwärtige Ölpreis ist durch nichts gerechtfertigt.
keinem Verhältnis zu den Förderkosten.
- 7-

Er steht in

Die Behauptung einzelner OPEC-Länder, daß

�daß die Preiserhöhung notwendig sei, um mit den steigenden Preisen für andere
Güter Schritt zu halten, trifft einfach nicht zu.

Für ein Barrel Öl kann man

heute rund fünfmal so viel Importgüter kaufen als vor zwanzig Jahren und viermal so viel als im September letzten Jahres.
Es sollte ferner klar gestellt werden, daß es sich hier nicht um einen
Fall von Marktmanipulationen durch Produktionsunternehmen handelt.

Die Gewinne

der ölgesellschaften sind gestiegen, doch hier handelt es sich lediglich um
eine kurzfristige

Erscheinung auf Grund einer Neubewertung der Lagerbestände,

auf Grund von Gewinnen aus Zweigindustrien z.B. auf dem Chemie- und dem Transportsektor

sowie auf Grund anderweitiger Faktoren.

Gewiß beabsichtigen die

Ölgesellschaften kein Komplott, um die Einkünfte aus den OPEC-Ländern ins uferlose zu steigern, da dann die Gastländer ihre Anlagen übernehmen würden. Erdöl hat heute einen überhöhten Preis und zwar aus einem einzigen Grund:

Weil

eine kleine Gruppe von Ländern sich zusammengetan hat, um den Preis zu manipulieren.

Sicherung der Zusammenarbeit zwischen den Verbraucher!ändern
Wir hatten gehofft, daß diese Länder erkennen würden, daß ihre Politik
weder in ihrem eigenen Interesse noch im Interesse der Welt liegt.

Für sie

genau wie für uns liegt die Hoffnung in der Wiederaufnahme des internationalen
Handels zu vernünftigen Bedingungen.

Bis jetzt jedoch scheinen unsere Argu-

mente auf taube Ohren gestoßen zu sein.

Die Vereinigten Staaten hatten seit

langem erkannt, daß Logik und Mäßigung nicht die Oberhand behalten würden, und
aus diesem Grund haben wir in den letzten eineinhalb Jahren die Grundlagen für
eine wirksamere Antwort auf diese an die großen Verbraucherlander gerichtete
Herausforderung geschaffen.
Ein

�Ein Hauptanliegen unserer Politik war, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Verbraucherländern zu erreichen.

Der Verwirklichung dieses Zieles

waren buchstäblich hunderte von Stunden an geheimer und öffentlicher Diplomatie
unserer höchsten Regierungsbeamten gewidmet.

Die Tatsachen sprechen für sich:

- Im April 1973 hat Präsident Nixon gewarnt, daß die Energie zu einem
Hauptproblem werden würde und daß eine enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten, Westeuropas und Japan notwendig sei.
- Im Februar 1974 kamen auf unsere Einladung hin ein Dutzend der großen
Verbraucherländer hier zu der Washingtoner Energiekonferenz zusammen.

Ich habe

damals ein detailliertes Dokument über die finanziellen und wirtschaftlichen Aspekte der internationalen Ölpreise sowie über die Notwendigkeit von Einsparungen
und einer Ausweitung der Förderung vorgelegt.

Auf dieser Konferenz wurde die

internationale Energiekoordinierungsgruppe ins Leben gerufen, die den erforderlichen Rahmen für Konsultationen und Verhandlungen zwischen den Verbraucherländern
gibt.
- Nach langen Erörterungen zwischen den Mitgliedstaaten dieser Koordinierungsgruppe wurde im letzten September in Brüssel eine Übereinkunft über
einen in seiner Art noch nie dagewesenen Plan erreicht, in Krisenzeiten die
Energiequellen zwischen den Mitgliedstaaten zu teilen.

Das Brüsseler Abkommen

stellt einen wichtigen Durchbruch dar, denn es gewährt einen gegenseitigen Schutz
in Notzeiten, und es wurde erst erreicht, nachdem frühere Versuche fehlgeschlagen
waren.

Das Brüsseler Abkommen gab ferner Richtlinien für gemeinsame lang-

fristige Anstrengungen zur Energieeinsparung, zur Energiegewinnung sowie zur
Energieforschung und Entwicklung und führte zur Gründung einer neuen, mit der
OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) assoziierten Organisation, die dieses Programm durchführen soll - der Internationalen

�V

Internationalen Energiebehörde.

Der Aufsichtsrat dieser neuen Behörde hält

heute seine erste Sitzung ab. Dies sind alles solide Erfolge, aber wir müssen
weiter voranschreiten.

Die neuen amerikanischen Vorschläge
Auf zahlreichen Zusammenkünften mit hohen Beamten anderer Länder in den
letzten zehn Monaten haben Außenminister Kissinger und ich sowie unsere Stellvertreter unsere Ansichten über die gegenwärtige weltwirtschaftliche Lage dargelegt und die Auffassungen der anderen zur Kenntnis genommen.

Wir haben ständig

betont, daß sich Energie-, Wirtschafts- und Finanzprobleme nicht voneinander
trennen lassen und daß neue Initiativen auf dem einen Gebiet zusammen mit neuen
Initiativen auf den anderen Gebieten erfolgen müssen.

In den letzten Wochen

haben wir in vertraulichen Gesprächen mit einer begrenzten Zahl von großen Industriestaaten eine Reihe umfassender Vorschläge unterbreitet, und die anschließenden Erörterungen waren sehr eingehend und konstruktiv.

Präsident Ford

betrachtet die in Brüssel erzielten Vereinbarungen als eine solide Grundlage,
auf der aufgebaut werden kann, und hat Anweisung erteilt, daß die Vereinigten
Staaten nunmehr ihre Vorschläge öffentlicht vorlegen sollen.
laß für die Rede von Dr. Kissinger in

Dies war der An-

Chicago am letzten Donnerstagabend, in

der er die globalen Aspekte unserer Position darlegte, und meiner Rede hier am
heutigen Tag, in der ich die finanziellen Aspekte unserer Vorschläge mehr im
Einzelnen erläutern werde.
Das wesentliche des amerikanischen Standpunktes läßt sich kurz umreißen:
- Der Ölpreis selbst, nicht seine finanziellen Auswirkungen, ist die wirkliche Ursache der Unruhe in der Weltwirtschaft.
- Um mit zu einer Senkung der Ölpreise sowie einer Verringerung der wirt- 10 -

�wirtschaftlichen Belastung durch die Olimporte beizutragen, sollten die großen
Verbraucherländer zusammenarbeiten, um eine wesentliche Reduzierung ihrer Importe von OPEC-Öl zu erreichen.
- Sie sollten ferner ihre Politik koordinieren und ihre technischen Hilfsquellen zusammentun, um die Energiegewinnung in ihren Ländern zu steigern.
- Die Hilfsquellen des IWF (Internationaler Währungsfonds) sollten vermehrt
für alle Mitgliedstaaten herangezogen werden.
- Es sollte eine große neue Finanzinstitution in Verbindung mit der OECD
errichtet werden, um finanziellen Beistand in solchen Fällen zu gewähren, in
denen eines der beteiligten Länder in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät,
obwohl angemessene eigene Anstrengungen unternommen wurden.
- Es sollte ferner die Errichtung eines besonderen, vom IWF verwalteten
Treuhandfonds erwogen werden, um den Entwicklungsländern zu helfen, die am
meisten leiden und eine Finanzierung zu günstigen Bedingungen benötigen.
- Schließlich sollten ernsthafte Vorbereitungen für einen eventuellen
Dialog zwischen einer geeinten Verbrauchergruppe und den Erzeugerländern getroffen werden.
Unsere Ideen erfordern die aufrichtige, ehrliche Anstrengungen der großen
Industriestaaten der Welt zur Lösung der internationalen Energiekrise.

Es werden

weitere Wochen diplomatischer Aktivitäten mit unseren Verbündeten und Freunden
notwendig sein, um eine derartige weitreichende Initiative zu verwirklichen.
Wir werden die Kooperation des Kongresses und Ihre sowie aller anderen Unterstützung hierfür brauchen.

Senkung der Olimporte
Wir wollen jetzt diese Vorschläge genauer betrachten.

Alle großen Ölver-

�Ölverbraucherländer haben nationale Energiesparprogramme aufgenommen, um die
Olimporte zu senken. Präsident Ford hat ein amerikanisches Programm verkündet,
um die Olimporte um eine Million Barrel pro Tag unter den Stand zu senken, den
sie sonst Ende 1975 erreicht haben würden.

Der Präsident hat klar gesagt, daß

wir dieses Ziel erreichen werden und alle hierzu erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden.

Die französische Regierung hat vor einigen Wochen angekündigt,

daß sie Maßnahmen ergreifen werde, um 1975 die Olimporte nach Frankreich soweit
einzuschränken, daß die importierte Menge nicht mehr als die Einfuhren des
Jahres 1974 kosten wird.

Erst vor einer Woche hat die britische Regierung

zwecks Senkung der Olimporte eine neue Benzinsteuer angekündigt.

Andere Re-

gierungen haben Grenzen, Ziele und politische Maßnahmen beschlossen, die je
nach den nationalen Gegebenheiten voneinander abweichen, aber alle auf eine
Senkung der Olimporte abgestellt sind.
Diese ersten Schritte zur Einsparung könnten noch verstärkt werden, wenn
die großen Industriestaaten als Gruppe ihre vorgeschlagenen Sparprogramme sowie
ihre vorgeschlagenen Programme zur Steigerung der Energiegewinnung vorbringen
würden, so daß sie auf internationaler Ebene überprüft und erörtert werden
könnten, um festzustellen, ob sie insgesamt angemessen sind und gleichmäßig
von allen Ländern getragen werden.
Unseres Erachtens könnten wirksame nationale Sparprogramme bis Ende 1975
zu einer Senkung der Importe der großen Industriestaaten der Welt um wenigstens
3 Millionen Barrel pro Tag führen, ohne daß hierdurch die Wirtschaftstätigkeit
oder die wirtschaftliche Leistung über Gebühr beeinträchtigt würde.

Eine sol-

che Senkung der Importe, sofern sie vereinbart und durchgeführt wird, würde
bei dem derzeitigen Preisniveau zu Einsparungen auf der Importseite von jährlich 11 Milliarden Dollar führen und einen starken Druck auf den Markt ausüben,
- 12 -

�ausüben, um die Ölpreise herunterzubringen.

Die Wirkung der von jedem ein-

zelnen von uns unternommenen Anstrengungen kann durch Anstrengungen von uns
allen auf ein Vielfaches gesteigert werden.

Ich wäre Ihnen gegenüber nicht

aufrichtig, wenn ich den Eindruck hinterlassen wollte, als wäre es einfach,
dieses Ziel zu erreichen.

Aber ich wäre erst recht nicht ehrlich, wenn ich

behaupten würde, daß das, was leicht ist, auch wirksam ist.
Umgehende Anstrengungen zur Senkung der Ölimporte sind unbedingt notwendig.
Aber genauso notwendig sind auch die erforderlichen Anstrengungen, um langfristig die Einsparung und die Gewinnung von Energie zu fördern.

Glücklicher-

weise verfügen wir jetzt in der neuen Internationalen Energiebehörde über
ein Gremium für die Entwicklung und Koordinierung neuer nationaler und internationaler politischer Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles.

Es ist kein

Geheimnis, daß es noch in fast allen Ländern - auch in den Vereinigten Staaten administrative und politische Hindernisse für Einsparung und vermehrte Gewinnung von Energie gibt. Es ist ebenso kein Geheimnis, daß internationale Anstrengungen zur Erreichung der gleichen Ziele auf zahlreiche Schwierigkeiten
stoßen.

Aber es ist unbedingt erforderlich, daß wir entschieden voranschreiten.

Ein grundlegendes Erfordernis ist es, innerhalb der Internationalen Energiebehörde ein gemeinsames langfristiges Ziel für die Senkung der Wachstumsrate
beim Energieverbrauch und bei den Ölimporten aufzustellen.

Ein solches lang-

fristiges Ziel wird den Regierungen helfen, wenn sie nationale politische Entscheidungen treffen müssen, und wird ferner dazu beitragen, den OPEC-Ländern
zu zeigen, wohin sie ihr gegenwärtiger Kurs führt.
Wir sollten ferner ein Verfahren festlegen, um innerhalb der Internationalen
Energiebehörde die von den Mitgliedstaaten zur Erschließung neuer Energiequellen
verfolgten Politik zu überprüfen.

Aus diesem Prozeß sollten nicht nur nützliche

�f

nützliche Richtlinien für die Energiegewinnung erwachsen, sondern auch ein
steigendes Bewußtsein aller Mitgliedstaaten für die Notwendigkeit erfolgreicher
politischer Maßnahmen auf diesem Gebiet.
Ein weiteres komplexes Problem, mit dem wir in der Internationalen Energiebehörde fertig werden müssen, ist das Problem, das sich durch das sogenannte
'Preisverfallrisiko' (downside risk) ergibt.

Welche Energiequellen künftig

entwickelt werden und in welchen Mengen, wird davon abhängen, wie die Investoren
die künftigen Preisentwicklungen bei Öl einschätzen.

Etwaige Investoren in

Energieprojekten dürften sich in einer Situation vorsichtig verhalten, in der
der ölpreis genauso leicht fallen kann, wie er seinerzeit angezogen hat.

Daher

müssen wir Verfahren für eine internationale Zusammenarbeit erwägen, um Investoren
ein angemessenes Maß an Schutz gegen solche Risiken zu geben.
Schließlich gibt es noch ungenutzte Möglichkeiten auf dem Gebiet der
Energieforschung und Entwicklung - KernverSchmelzung, Kohletechnologie, Verwendung von Wasserstoff und angereichertem Uran - und die neue Internationale
Energiebehörde kann von Nutzen sein, um eine solche Zusammenarbeit auf diesen
und auf anderen Gebieten zu beschleunigen und zu erleichtern.
Auf allen diesen Gebieten wird eine gemeinsame Entschlossenheit, schnell
und wirksam voranzuschreiten, nicht nur dazu dienen, unsere Abhängigkeit von
Öl aus den OPEC-Ländern zu verringern, sondern auch den Prozeß zu beschleunigen,
um den Preis des OPEC-Öls auf ein tragbares Niveau zu senken.

Finanzielle Sicherheit
Gleichzeitig müssen die Länder, die sich verpflichten, auf dem Energiesektor gemeinsam zu handeln, aber auch sicher sein, daß ihnen im Falle einer
finanziellen Notlage Kredit zu vernünftigen Bedingungen zur Verfügung steht.

- 14 -

�steht. Eine solche Sicherheit könnte ihnen durch eine neue zusätzliche Finanzinstitution gegeben werden, die die großen Industriestaaten selbst errichten könnten.
erhalten.

Unter anderem würden sie Kapital aus den OPEC-Überschüssen

Den OPEC-Ländern müssen nicht besondere Garantien, über den Markt-

sätzen liegende Erträge oder Wertindexklausein geboten werden.
Geld anlegen, wo sie wollen.

Sie können ihr

Notwendig sind lediglich ausreichende Vereinba-

rungen - private und staatliche -, um sicherzustellen, daß die Gelder unter
den verschiedenen ÖlImportländern so zur Verteilung gelangen, daß unnötig
große wirtschaftliche Schwierigkeiten in den einzelnen Ländern vermieden werden.
Die bestehenden privaten und öffentlichen Institutionen haben diese
Aufgabe der Umverteilung in der Vergangenheit übernommen, und es liegen keinerlei Hinweise dafür vor, daß sie dies nicht auch künftig tun können.

Die Probleme,

die sich aus der Finanzierung der höheren Ölrechnungen ergeben, lassen sich bewältigen, bis die Ölpreise wieder fallen - sie lassen sich nicht einfach, ohne
Härten und ohne Anstrengungen lösen, aber sie können gelöst werden.

Beträcht-

liche Mengen an OPEC-Geldern, wahrscheinlich 45 Milliarden Dollar in den
ersten 10 Monaten dieses Jahres, sind auf verschiedene Weise investiert worden.
Fast ein Viertel dieser Gelder sind direkt auf dem amerikanischen Markt und
fast ein weiteres Viertel in inländischen Titeln anderer Industriestaaten investiert worden.

Die OPEC-Länder haben ferner direkt Kredite an ausländische

Regierungen vergeben und weitere Gelder an internationale Institutionen - z.B.
den Ölsonderfonds des IWF - transferiert.

Darüber hinaus sind beträchtliche

Summen auf dem Euro-Markt angelegt worden - doch der Gesamtbetrag, weniger als
40 Prozent, ist nicht so hoch, wie manche geglaubt haben.

Für Kreditnehmer

stellen alle diese Investitionen eine potentielle Geldquelle dar und einen
weiten Rahmen alternativer Finanzierungsmöglichkeiten.
Das

�Das internationale Finanzsystem hat sich zwar bewährt, wir müssen jedoch einsehen, daß einzelne Länder in Schwierigkeiten geraten könnten, wenn
die benötigten Kredite zu knapp oder zu teuer werden, um ihnen die Aufrechterhaltung einer offen Wirtschaftsform zu einem angemessenen Stand der Wirtschaftstätigkeit zu erlauben. Eine zusätzliche, von den in der OECD verbundenen Hauptindustriestaaten geschaffene Krediteinrichtung würde den Rückhalt
bieten, der zur Ergänzung der bestehenden Finanzierungskanäle notwendig ist.
Das ist das finanzielle Sicherheitsnetz, das die Vereinigten Staaten empfehlen.
Für einen solchen Mechanismus müßten bestimmte fundamentale Grundsätze
gelten:
1. Die Beteiligung müßte mit der Verpflichtung verbunden sein, bei der
Verringerung der Abhängigkeit von Ölimporten mitzuwirken.
2. Die Teilnehmer würden sich ferner verpflichten, eine verantwortungsbewußte Anpassungspolitik zu verfolgen und jeden Rückgriff auf restriktive
Maßnahmen in der Handelspolitik, oder Versuche, dem anderen die Last aufzubürden, zu unterlassen.
3. Wie bei jedem Versicherungsunternehmen müßte die Institution groß genug sein, um die Aufgabe erfüllen zu können. Es muß klar sein, daß das Potential für Anleihen angemessen ist, um der Anforderung entsprechen zu können.
Wir empfehlen eine Einrichtung mit Gesamteinlagen von allen Mitgliedern in
Höhe von 25 Milliarden Dollar für das Jahr 1975. In den darauffolgenden Jahren
würden,im Falle es notwendig sein sollte, weitere Mittel verfügbar gemacht,

4.

-16-

�4.

Die Krediteinrichtung sollte eine Ergänzung zu den privaten Kanälen

des Marktes und zu anderen Kanälen darstellen, einschließlich des IWF und anderer internationaler Institutionen. Sie sollte aber nicht an deren Stelle treten. Aus diesem Grund sollte sie ihre Kredite zu Marktbedingungen vergeben.
5. Entscheidungen über Bereitstellung einer Finanzhilfe sollten durch
Mehrheitsabstimmung nach Beteiligung erfolgen und auf der Grundlage der gesamtwirtschaftlichen Position des Kreditnehmers, nicht aber nach einem Einzelkriterium wie etwa dem der Olimport-Rechnung getroffen.werden.

6. Wenn immer von der Krediteinrichtung eine Unterstützung gewährt wird,
sollten alle Mitglieder das Kreditrisiko auf der Basis ihrer Beteiligung
gleichmäßig tragen.
Über diese allgemeinen Prinzipien hinaus bleiben noch viele Einzelheiten
auszuarbeiten, wozu wir eine offene, aufgeschlossene Einstellung einnehmen.
Eine Frage, die geklärt werden muß, ist die Art und Weise, in der die Krediteinrichtung in den Besitz der Mittel gelangt, die sie vergeben kann. Die Regierung eines Landes könnte der neuen Krediteinrichtung Gelder direkt leihen
oder dieser gestatten, direkt an die Kapitalmärkte der Welt heranzugehen und
Mittel auf der Grundlage der von diesem Staat gegebenen Garantie aufzunehmen.
Offensichtlich wäre es von Vorteil, wenn der Institution anstelle von
Bürgschaften Gelder durch Direktkredite der Mitgliedsregierungen zur Verfügung
gestellt würden. Der Kreditweg ist schon immer effektiver gewesen und er ist
billiger. Trotzdem könnte es wünschenswert sein, bei der Errichtung der Institution in dieser Hinsicht .ine gewisse Flexibilität zu belassen, einfach weil
die nationalen Praktiken und legislativen Erfordernisse stark

voneinander

�I
voneinander abweichen. Gleichgültig, welcher Weg eingeschlagen wird, die Vereinigten Staaten benötigen eine spezielle Ermächtigung durch den Kongreß, um
handeln zu können.
Für die Vereinigten Staaten könnte die Teilnahme am besten über den Devisenstabilisierungsfonds erreicht werden. Dieser Fonds ist ermächtigt, zur Stabilisierung des Dollarkurses internationale Kreditgeschäfte zu tätigen, und
dies wäre ein Hauptziel unserer Beteiligung an der vorgeschlagenen Institution.
Ferner müßten Vereinbarungen über die Verwaltung dieser Institution ausgehandelt werden. Wir sind der Auffassung, daß sie mit der OECD in ähnlicher
Weise assoziiert sein sollte wie die neue Internationale Energiebehörde und
daß sie von einem eigenen Aufsichtsrat verwaltet werden sollte, dessen

Mit-

glieder aus den maßgebenden Finanzexperten der Mitgliedstaaten ausgewählt werden sollten.
Der Frage der Anteile kommt bei der Errichtung einer solchen Institution
große Bedeutung zu. Es sind verschiedene Punkte erwähnt worden, die dabei be~
rücksichtigt werden sollten, die Höhe der Ölimportrechnungen der Mitgliedstaaten, die relative Höhe des Bruttosozialproduktes, der Anteil am Welthandel oder irgend eine Kombination dieser Faktoren. Die verschiedenen Möglichkeiten werden sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen.
Es könnte ferner von Bedeutung sein, darzulegen, daß nach unserer derzeitigen Auffassung Geldaufnahmen bei der Institution nicht in einem bestimmten
Zusammenhang mit den Ölimporten stehen sollten. »Öl=&gt;Def izite8 lassen sich
immer weniger von »Nicht^l-Defiziten» trennen. Und selbst der Begriff der Zahlungsbilanzdefizite ist in der Welt, in der wir heute leben, von begrenztem
Nutzen. Unseres Erachtens sollte die Inanspruchnahme der Institution aufgrund

-18-

�aufgrund einer Gesamtwertung des Bedarfs eines Landes erfolgen, die auch
seine Hilfsquellen, seine grundlegende Wirtschaftspolitik und die von ihm ergriffenen Maßnahmen einschließt, um seine Abhängigkeit vom OPEC-Öl zu verringern.
Wir haben die allgemeinen Grundzüge mehrere Monate lang erörtert, wie
eine solche Institution mit verschiedenen anderen Regierungen zusammenarbeiten könnte. Sowohl meine persönlichen Gespräche mit anderen Finanzministern
als auch unsere offiziellen Kontakte stimmen mich zuversichtlich, daß wir auf
dieser allgemeinen Linie Unterstützung finden werden. Wir werden jetzt auf
eine mehr formelle Erörterung dieser Vorstellungen in den Gesprächen drängen,
die diese Woche auf offizieller Ebene in Paris geführt werden. Ich möchte darauf hinweisen, daß der Generalsekretär der OECD unabhängig Vorschläge für
einen zusätzlichen Finanzierungsmechanismus entwickelt hat, der in mancher
Hinsicht dem von mir soeben erläuterten ähnelt. Seine Vorstellungen, die sehr
zu begrüßen sind, werden ebenfalls auf dem Verhandlungstisch sein, wenn die
OECD-Arbeitsgruppe III und die Gruppe der zehn Stellvertreter diese Woche in
Paris tagen.
Wir sind darauf vorbereitet, in den nächsten Wochen viele Stunden und
Tage harter Arbeit darauf zu verwenden, aus diesen allgemeinen Anregungen ein
arbeitsfähiges Programm zu machen. Wir werden sehr eng mit den IWF-Ins tanzen
sowie dem neugeschaffenen IWF-Interimsausschuß zusammenarbeiten. Unser Kongreß wird ferner eingehend konsultiert werden, und ich bin sicher, daß unsere
Partner bei diesem Unterfangen ebenfalls ihre Parlamente umfassend konsultieren werden.
Unsere

-19-

�Unsere Vorschläge sind in keiner Weise als Ersatz für den Internationalen Währungsfonds gedacht, der als ständige Institution die grundlegende finanzielle Unterstützung für eine gut funktionierende Weltwirtschaft gewährt.
Der IWF ist in der Lage, jedem seiner Mitglieder beträchtliche zusätzliche
Unterstützung zu geben. Er verfügt über 10 Milliarden Dollar in verschiedenen
Währungen, die verfügbar sind

und wirksam eingesetzt werden können, unabhän-

gig von seinen Goldbeständen.
Wir sind bereit, bei der derzeitigen Überprüfung der IWF-Quoten eine beträchtliche Erhöhung dieser Zahl zu unterstützen. Darüber hinaus sind wir bereit, baldige Maßnahmen zu unterstützen, um eine wirksame Mobilisierung der
Hilfsquellen zu gewährleisten, über die der IWF jetzt verfügt.
Gleichzeitig schlagen wir außerhalb des IWF eine Initiative vor, zum Teil,
weil der potentielle Transferierungsbedarf zwischen den großen Industriestaaten sehr hoch sein kann, und zum Teil, weil Bestimmungen und Konditionen der
finanziellen Operationen des IWF angesichts der außergewöhnlichen Umstände,
wie wir sie jetzt haben, nicht geeignet sind. Ferner wäre es unangebracht.
- selbst wenn dies möglich wäre - in den IWF

die ganze Vielzahl der politi-

schen Fragen hineinzutragen, die berücksichtigt werden müssen, wenn hinsichtlich der finanziellen Unterstützung bei wichtigen Industriestaaten Entscheidungen getroffen und Gutachten abgegeben werden müssen.
Deckung des Bedarfs der Entwicklungsländer
Gleiche Bedeutung kommt unserer Sorge für die Entwicklungsländer und die
kleineren Industriestaaten zu. Natürlich ist es richtig, daß es für die Entwicklungsländer wichtig ist, daß die großen Industriestaaten angesichts der

- 20 -

�der Ölkrise gesunde, expandierende Volkswirtschaften haben. Die Entwicklungsländer sind von den Industriestaaten insofern abhängig, als diese eine wachsende Menge ihrer Exporte aufnehmen und ihnen weiterhin erforderliche Hilfe
zu günstigen Bedingungen gewähren. Wenn wir eine Institution schaffen, die
sicherstellen will, daß die Wirtschaftstätigkeit in den Industriestaaten aufrechterhalten wird, so unterstützen wir damit genauso

die Entwicklungsländer.

Zahlreiche Entwicklungsländer sind weiterhin von großen Kapitalzuflüssen abhängig, damit so ihr schnelles Wirtschaftswachstum gefördert wird. Durch Sicherstellung eines normalen Zuganges zu den wichtigsten Kapitalmärkten, wodurch gleichzeitig die Gefahr eines unfairen Wettbewerbs um die überschüssigen
Investitionsgelder der Olexporteure verringert würde, könnte die Errichtung
einer neuen Finanzierungsinstitution für die Industriestaaten auch das Potential zahlreicher Entwicklungsländer stärken, große Kapitalmengen anzuziehen,
die sie brauchen und die sie produktiv einsetzen können. Diese Länder könnten
sich ferner der Hilfsquellen des IWF in geeigneter Weise bedienen.
Eine Gruppe von Entwicklungsländern - die mit dem niedrigsten pro-KopfEinkommen und die am stärksten von Naturkatastrophen und anderen Problemen
Betroffenen - werden jedoch Hilfe zu günstigen Bedingungen benötigen. Wir
und andere Industriestaaten haben unsere zinsgünstige Hilfe an diese Länder
neu ausgerichtet und fordern die interrationalen Finanzierungsinstitutionen
auf, das gleiche zu tun. Wir erwarten ferner von den Ölexporteuren, daß sie
angesichts des Anstiegs der Olpreise einen großen Teil der von diesen Ländern
benötigten zusätzlichen zinsgünstigen Gelder bereitstellen. Die von diesen,
zu den ärmsten zählenden Länder, benötigten zusätzlichen Gelder - vielleicht
1,5 Milliarden Dollar im Jahre 1975 - sind, verglichen mit den Überschüssen

- 21 -

�Überschüssen der Ölexporteure, nur ein kleiner Betrag. Doch wenn er auch
- weltweit gesehen - nur relativ bescheiden ist, so ist er doch für diese
Länder angesichts ihrer so verzweifelten Lage sehr groß.
Wir werden die Probleme dieser Länder in dem neuen Entwicklungsausschuß
vordringlich behandeln, indem wir auch ständig die verfügbaren Mittel sowie
die Bemühungen der Entwicklungsländer überprüfen, maximale Anstrengungen für
einen wirksamen Einsatz der verfügbaren Hilfsmittel zu machen. Ein Weg, diesen Ländern zu helfen, wäre die Schaffung eines vom IWF verwalteten Treuhandfonds, der von den OPEC-Staaten sowie anderen Stellen Zuwendungen erhält.
Vielleicht könnte der IWF selbst einem solchen Fonds Gewinne zuführen, die
aus dem Verkauf eines Teiles seiner Goldbestände auf dem freien Markt erzielt
werden. Ein Treuhandfonds dieser Art, der Kredite zu verhältnismäßig niedrigen Zinsen - vielleicht zwei bis vier Prozent und bei einer verhältnismäßig
langen Laufzeit - anbieten könnte, würde für diese am schwersten betroffenen
Länder zu Bedingungen Gelder bereitstellen, die für andere Geldgeber nicht
möglich sind. Wir hoffen, daß die Minister im IWF-Interimsausschuß und im
IWF/ISRD-Entwicklungsausschuß diesem Vorschlag vordringlich ihre Aufmerksamkeit schenken werden.

Zusammenarbeit mit den OPEC-Ländern
Den amerikanischen Vorschlägen für eine größere Solidarität der wichtigsten Industriestaaten liegt in keiner Weise der Wunsch nach einer Konfrontation mit den OPEC-Ländern zugrunde. Wir erkennen die legitimen Bestrebungen
dieser Länder an, ihre eigene wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen,
Grundlagen für Industrie und Landwirtschaft zu schaffen und den Lebensstandj
-2 2-

�Lebensstandard ihrer Bevölkerung heute und in den kommenden Jahren zu verbessern, und unterstützen diese Bestrebungen.
Wir haben eine gemeinsame Kommission für eine Zusammenarbeit mit den
wichtigsten Ölerzeugern im Nahen Osten geschaffen, um so zur Verwirklichung
dieser Ziele beizutragen. Wir haben innerhalb unserer Regierung beträchtliche
Anstrengungen unternommen, um ihnen die bei der Entwicklung der Wirtschaft
unseres eigenen Landes- gemachten Erfahrungen zugänglich zu machen, und mitzuhelfen, diese Erfahrungen auf ihre Entwicklungsprogramme anwendbar zu machen.
Ich habe persönlich im vergangenen Juli eine Reihe von Ländern im Nahen Osten
besucht, um diese Bemühungen in Gang zu bringen, und ich beabsichtige, sehr
bald dorthin zurückzukehren, um ihr Fortschreiten zu gewährleisten. Auf meinen Besuch im vergangenen Sommer folgten Zusammenkünfte hier und im Nahen
Osten zwischen anderen hohen amerikanischen Beamten, Technikern und Experten
und ihren Gesprächspartnern von der anderen Seite. Wir haben der von uns geschaffenen Kommission feste Formen gegeben. Wir sind bereit, das in unseren
Kräften stehende zu tun, um die wirtschaftliche Entwicklung der OPEC-Länder zu
beschleunigen und um die Privatwirtschaft unseres Landes und die anderer Industriestaaten zu ermutigen, eine aktive Rolle in diesem Prozeß zu übernehmen.
In der Zwischenzeit werden wir diesen Ländern weiterhin gestatten, auf unseren
Märkten zu investieren, und ich bin überzeugt, daß ihnen auch genauso Investitionen auf den Märkten anderer Länder gestattet werden.
Die OPEC-Länder ihrerseits müssen sich klar darüber sein, daß sich ihre
Position in der Weltwirtschaft bereits dramatisch verändert hat. Diese Länder
werden weiterhin großen Einfluß in der Welt haben, selbst wenn die Ölpreise
beträchtlich fallen sollten. Diese Staaten bilden jetzt die großen Überschuß-

-2 3-

�Überschußländer der Welt mit Überschüssen in einer Größenordnung, wie es sie
in der Geschichte noch nie gegeben hat. Für die Erhaltung einer gesunden und
ausgeglichenen Weltwirtschaft ist es von entscheidender Wichtigkeit, daß sie
unverzüglich die Verantwortung akzeptieren, die in der Geschichte großen
Gläubigerstaaten stets

zugefallen ist.

Ich habe bereits von ihrer Verantwortung gesprochen, den Bedürftigen der
Welt zu helfen. Sie müssen ebenso verstehen, daß ihre Auslandsinvestitionen
nicht anders behandelt werden können als die Investitionen anderer Länder.
Sie können nicht ernstlich erwarten, daß die übrige Welt für sie alleine ein
besonderes Garantiesystem entwirft. Sie müssen ferner solche überholten Gewohnheiten ablegen, die sie als Entwicklungsländer mit begrenzten Hilfsquellen angenommen hatten. Die Hilfsquellen dieser Ländergruppe reichen aus, um
ihre legitimen Entwicklungsbestrebungen zu finanzieren, auch wenn die Situation in den einzelnen OPEC-Ländern unterschiedlich sein mag. Ihre überschüssigen Einnahmen in diesem Jahr allein belaufen sich auf fast das Sechsfache
der Entwicklunghilfe an alle Entwicklungsländer im letzten Jahr. Dieser neuen
Realität muß in der Politik unserer internationalen Finanzierungsinstitutionen Rechnung getragen werden, die nicht länger mehr aufgefordert werden können, knappe Finanzierungsmittel für die wirtschaftliche Entwicklung wohlhabender OPEC-Länder zu verwenden, während Teile der übrigen Welt um das nackte
Überleben kämpfen.
In meinen Gesprächen mit Beamten der OPEC-Länder und auf meinen Reisen
in den Nahen Osten habe ich festgestellt, daß die OPEC-Länder weitgehendes
Verständnis für die Verantwortungen haben, die ihnen in ihrer neuen internationalen Rolle zufallen. Natürlich sind die führenden Politiker der OPEC-

-24-

�OPEC-Länder sich durchaus darüber im klaren,was ein gesundes Weltwirtschaftssystem für sie bedeutet. Ich bin weiterhin zuversichtlich, daß eine Basis gefunden werden kann, auf der die Industriestaaten der Welt weiter konstruktiv
mit den OPEC-Ländern zusammenarbeiten können.
Natürlich müssen sie wissen, daß wir weiterhin nachdrücklich die von ihnen getroffenen. Maßnahmen ablehnen, um einen vorübergehenden massiven Transfer von

Hilfsquellen - realen und finanziellen - aus der übrigen Welt in die-

se Länder zu erzwingen. Unseres Erachtens können sie ihre wirtschaftlichen Entwicklungsziele

bei einem wesentlich niedrigereren Olpreisniveau auf einer

sichereren Basis erreichen.
Sie müssen sich ebenso darüber im klaren sein, daß jeder Tag, der verstreicht, uns einen Schritt weiter weg von einer optimalen Nutzung der Hilfsquellen der Welt bringt, wenn jetzt die übrigen Länder ihre Politik, was ihre
Abhängigkeit von Ölimporten anbetrifft, überprüfen. Natürlich besteht auch
heute keine Möglichkeit mehr, daß die Ölverbraucher-Länder zu den Energiepraktiken von vor zwei Jahren zurückkehren. Aber die Reaktion der Verbraucherländer
ist in ihrem vollen Umfang noch nicht festgelegt und die Hoffnung besteht weiterhin, daß vernünftige Männer vernünftige Lösungen finden werden.
Wir bleiben weiter überzeugt, daß sich eine extreme Politik im Laufe der
Zeit für die grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Bestrebungen dieser
Länder sehr nachteilig erweisen wird und daß noch eine solide Grundlage besteht, um eine konstruktive Lösung dieser Frage zu erreichen.Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Industriestaaten der Welt gemäß den von Außenminister
Kissinger und mir letzte Woche und heute aufgezeigten

-25-

Leitlinien wird dazu

�'

dazu beitragen, die Grundlage für eine solche Übereinkunft zu schaffen.

Schlußbemerkungen
In ihrem eigenen Interesse und im Interesse der Welt als Ganzes müssen
die großen Industriestaaten jetzt das Übel an der Wurzel packen. Die uns vorliegenden Tatsachen - galoppierende Inflation und wirtschaftliche Stagnation verheißen wenig Ermutigendes für die Zukunft, es sei denn, wir ergreifen
jetzt entschlossene gemeinsame Maßnahmen, um den gegenwärtigen Gang der Ereignisse zu wenden. Wir müssen gemeinsam handeln,um unsere Abhängigkeit vom
Importöl zu verringern und unsere gemeinsame wirtschaftliche und finanzielle
Solidarität zu stärken. Dies wird zwangsläufig durch Entscheidungen und Maßnahmen geschehen müssen, die oftmals den Anschein haben, als seien sie technischer Natur und nur begrenzten Umfanges. Aber alles, was wir tun, muß sich
auf soliden Verpflichtungen begründen - auf einer politischen Übereinstimmung,
daß wir gemeinsam handeln werden, um unser eigenes Schicksal zu bestimmen und auf einem gemeinsamen Glauben, daß wir das tun können. Wir müssen zu unseren Verpflichtungen stehen, Handel und Auslandsinvestitionen auszuweiten. Wir
sind auf dem Wege der Interdependenz bereits zu weit vorangeschritten, um noch
zurück zu können. Wir haben es in der Hand, zu wählen, ob wir die Gefangenen
einer noch zu schreibenden Geschichte sein wollen oder die Architekten einer
noch nicht sichtbaren Zukunft. Ich habe keinen Zweifel, wie unsere Wahl ausfallen wird. Wir wissen, wie die erforderliche internationale Antwort lauten
muß.
+++ ++

-26-

�%

amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

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und
Technik

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24/1974

SONNENSONDE HELIOS
Deutsch-amerikanisches Projekt zur Erforschung der Sonne und des sonnennahen
Raumes
Von G. Weiss
--(AD)-- Unentbehrlich ist die Sonne für den Menschen, ja für alles Leben
auf der Erde. Völker alter Kulturen, die längst untergegangen sind, haben sie
als höchste Gottheit verehrt. In der Naturforschung nimmt der glühende Ball
seit jeher einen außerordentlichen Platz ein. Wie erzeugt er die Energie,die
er als sichtbare und unsichtbare Strahlung so verschwenderisch abgibt? Die
Erde kann davon nur einen winzigen Bruchteil empfangen. Welche Kräfte sind
im Spiel, wenn sich die Helligkeit plötzlich verändert, wenn an der Sonnenoberfläche dunkle Flecken entstehen und vergehen - Flecken,die in 11-JahresPerioden besonders auffällig in Erscheinung treten? Nach welchem Heizmechanis
mus brennt der Sonnenofen? Welche

Art "Motor" treibt den Sonnenwind? Welche

Prozesse führen zu den Explosionen, bei denen riesige Fackeln glühender Materie aus dem Sonnenkörper ausbrechen, ionisiertes Gas in den Weltraum
hinausgeschleudert wird und Plasmawolken aus den Gasmassen der Sonne in die
Tiefe unseres Planetensystems vordringen? Daß dies alles auf die Erde samt

-l-

�samt Lufthülle und Magnetfeld erheblichen Einfluß hat, ist eine bekannte
Tatsache. Und aller Wahrscheinlichkeit nach werden auch viele Lebens-und
Krankheitsprozesse davon berührt.
Großangelegte internationale Forschungsvorhaben wie das "Internationale Geophysikalische Jahr" (1957/58) und das "Jahr der ruhigen Sonne" (1964/
65) erbrachten u,a.aufschlußreiche Einzelerkenntnisse über physikalische
Vorgänge an der Oberfläche des Glutballs, der sich, wie die Spektralanalyse
zeigt, aus den gleichen Elementen zusammensetzt, die man auch auf der Erde
findet. Mehr als zwei Drittel der bekannten irdischen Elemente wurden bereits
nachgewiesen. Das braucht aber nicht zu bedeuten, daß das restliche Drittel
auf der Sonne nicht vorhanden ist. Schließlich können mit wissenschaftlichen
i

Instrumenten ja nur die äußeren Gasschichten bis in ein paar Hundert Kilometer Tiefe sondiert werden.
Dies geschah bisher in erster Linie von der Erde aus. Einige Forschungssatelliten wie die der amerikanischen OSO-Serie lieferten wichtige Mosaiksteinchen zu unserem gegenwärtigen Sonnenbild. Sie umkreisen die Erde in etwa
700 km Höhe und messen mit Bordinstrumenten, die seit 1962 ständig weiterverbessert wurden, Emissionen von elektromagnetischer Strahlung (Ultraviolett-,
Röntgen-und Gammastrahlung) und von Partikelstrahlung (Protonen, Elektronen,
Neutronen). Das große Sonnenobservatorium der SKYLAB-Station gab Astrophysikern auf der Erde zum ersten Mal Gelegenheit,im Funk-und Fernsehkontakt mit
den amerikanischen Astronauten an Bord von SKYLAB spezielle Beobachtungen der
Sonne und der Sonnenaktivität von einer Position außerhalb der störenden Erdatmosphäre vornehmen zu lassen.
Bei

-2-

�Bei allen diesen Untersuchungen betrug die Entfernung zur Sonne fast
150 Millionen Kilometer. Satelliten oder interplanetare Sonden, die bisher in
Bahnen zwischen Erde und Sonne eingeschossen wurden, hatten primär meist andere Aufgaben zu erfüllen oder waren nur begrenzt leistungsfähig. Erst mit dem
deutsch-amerikanischen Projekt HELIOS wurde eine Konzeption gefunden, ein
leistungsstarkes Meßgerät in große Sonnennähe zu bringen und es mindestens
eineinhalb Jahre lang zur Beobachtung bestimmter Vorgänge auf der Sonne und
der von ihnen ausgelösten Effekte im interplanetaren Raum zu benutzen. Man
hofft, dadurch z.B. mehr über die Mechanismen der Energieübertragung im Raum
zwischen Sonne und Planeten und vielleicht auch der Energieerzeugung auf der
Sonne selbst zu erfahren.
Bis auf 45 Millionen Kilometer (das entspricht 0,3 AE»astronomischen
Einheiten) soll sich HELIOS der Sonne nähern. Der sonnennächste Bahnabschnitt liegt ein gutes Stück innerhalb der Umlaufbahn des Planeten Merkur,
der zum ersten Mal im März und September 1974 mit Hilfe der Fernsehbilder des
Forschungssatelliten MARINER 10 an der Oberfläche inspiziert werden konnte.
Für einen Umlauf auf seiner elliptischen Bahn braucht Helios sechs Monate.
Sie

führt um die Sonne herum und dann wieder in die Nähe der Erdbahn.
Mit sieben deutschen und drei amerikanischen Experimenten, die aufeinan-

der abgestimmt sind, sollen der Sonnenwind, Richtung und Intensität von Magnetfeldern im interplanetaren Raum, Radio-und Plasmawellen, Partikelstrahlung
von der Sonne und aus Räumen außerhalb unseres Sonnensystems, kosmischer Staub
und das sogenannte Zodiakallicht untersucht werden. Dieses schwache Leucht—
phänomen, das in unseren Breiten im Frühjahr und Herbst zu beobachten ist,
wird als Streustrahlung von Staub-und Gasteilchen angesehen, die die Sonne in

-3-

�in einer sehr flachen "Scheibe", aber in einem weiten Bereich umgeben. Ein
elftes Experiment der Bundesrepublik, für das aber kein wissenschaftliches Instrument, sondern nur ein starker Transponder erforderlich ist, soll helfen,
einige physikalische "Grundgesetze", zu überprüfen, die in der Allgemeinen Relativitätstheorie zusammengefaßt sind.
Mehr als fünf Jahre intensiver Vorbereitungen liegen hinter den wissenschaftlich-technischen Arbeitsgruppen der Deutschen und Amerikaner. Der Start
ist jetzt auf den 8. Dezember 1974 (als frühestem Termin in den zwei darauf
folgenden Wochen) vorgesehen. Die in der Bundesrepublik entwickelte und gebaute Sonde (Gewicht 340 kg, Höhe 4,2 m, größter Durchmesser 2,77 m, 3 Betriebsantennen, Länge der ausfahrbaren Antenne für eines der 10 Experimente 16 m)
wird vom Kennedy-Raumflugzentrum aus mit einer TITAN III - CENTAUR-Rakete bei
der fantastischen Beschleunigung auf 20 000 m/sec in die Flugbahn zur Sonne
eingeschossen. Für den Betrieb und die Beobachtung ist während der ersten vier
Wochen das amerikanische Kontrollzentrum der NASA in Pasadena (Kalifornien),
in der Folgezeit die DFVLR (Deutsche Forschungs-und Versuchsanstalt für Luftund Raumfahrt)in Oberpfaffenhofen mit der Kommandostation Weilheim und dem
während der Tagesstunden zur Aufnahme von Meßdaten benutzten Radioteleskop
Effelsberg in der Eifel

verantwortlich. Auch die amerikanischen Beobachtungs-

stationen in Australien und Spanien mit ihren riesigen Parabolantennen, die
Teil des "Deep Space Network" der NASA sind, werden in die Funkverbindung mit
HELIOS eingeschaltet sein. Dadurch soll gewährleistet werden, daß von den
HELIOS-Meßdaten nichts verloren geht. Während der 3 bezw.8 Tage nach 70 und
107 Flugtagen, an denen der direkte Funkkontakt

zur Sonde unterbrochen ist,

weil sie - von der Erde aus gesehen - sich direkt vor oder hinter der Sonne

�Sonne befindet, werden die Daten an Bord gespeichert und auf Abruf gesendet.
Mit ca. 500 Millionen DM Gesamtkosten ist HELIOS das bisher größte wissenschaftlich-technische Projekt deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit. Für
das Raumfahrtsystem und die deutschen Experimente allein waren 340 Millionen
DM aufzubringen. Die drei amerikanischen Experimente sind mit 10 Millionen
Dollar, die beiden Trägerraketen (im Herbst 1975 soll HELIOS-B als zweite
Sonde folgen) mit je 35 Millionen Dollar veranschlagt. Das Management für das
Raumfahrtsystem lag in deutscher Hand. Eie Auswertung der Daten nehmen Wissen-»
schaftler deutscher und amerikanischer Institute vor, die Ergebnisse werden
ausgetauscht.
Die Auslegung der Sonnensonde HELIOS - Konstruktion, Werkstoffe, Bordausrüstung, Isoliertechnik zur Abschirmung gegen die intensive Sonnenstrahlung,
Instrumente - findet auf amerikanischer Seite höchste Anerkennung. Die Geräte
müssen trotz extremer Veränderungen von Temperatur, Strahlung und Entfernung
zur Erde jederzeit funktionsfähig bleiben, die Funksignale müssen bis zu 300
Millionen km überbrücken. In Simulatoren wurde die Sonde harten Belastungstests unterzogen. Je nach dem Abstand zur Sonne schwankt beispielsweise die
Strahlungsintensität zwischen 1 und 11 Solarkonstanten - das bedeutet u.a.,
o
daß die Temperatur in Sonnennähe bis etwa 300 C ansteigt. Aber die von einer
deutschen Firma entwickelten, äußerst wärmefestuen Sonnenzellen sind auf der
Außenseite des HELIOS, der wie eine große Zwirnspule aussieht, so angeordnet
und mit Quarzplättchen als "Kühl"-Elementen durchsetzt, daß ihre Aufheiztemperatur auf weniger als die Hälfte dieses Wertes herabgedrückt wird. Die ausgetüftelten Isolierverfahren zum Wärmeschutz der Bordinstrumente führten sogar
dazu, daß im Innern der "Zwirnspule" normale Raumtemperatur herrscht -

-5-

�o
herrscht - 20 C dürften kaum überschritten werden.
HELIOS A und HELIOS B werden die Sonne zu einer Zeit des Fleckenminimums
beobachten. Um 1980 könnte ein weiteres deutsch-amerikanisches Forschungsprojekt mit verbesserten Instrumenten die wissenschaftlichen Untersuchungen auf
die kommende Periode des Sonnenflecken-Maximums ausdehnen und so die Forschung
in wichtigen Punkten ergänzen.
• •

~M—1~

�</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

Bonn-Bad

T e l :

Nu

States

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G o d e s b e r g l ,

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Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

7. November 1974

23

Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede Kissingers vor der Welternährungskonferenz
-WortlautDas amerikanisch-sowjetische Kommunique vom 27. Oktober
-Wortlaut-

HINTERGRUNDMATERIAI:

Die Rolle des Bombers in der amerikanischen Abschreckung
-Von Verteidigungsminister James R. SchlesingerEigenproduktion die beste Welthungerhilfe
-Exklusivinterview mit Dr. Paarlberg vom US-LandwirtschaftsministeriumRauschgiftschmuggel sucht neue Kanäle

INFORMATION:
US-Firmen auf der «ELECTRONICA 74»
Minicomputer und Peripheriegeräte
-Dezember-Ausstellung im US-Handelszentrum-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

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Service

Dokumentation

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Te I e x : 08-85432

23/1974

REDE KISSINGERS VOR DER WELTERNÄHRUNGSKONFERENZ
- Wortlaut -

ROM --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger hat vor der
Welternährungskonferenz der Vereinten Nationen am 5. November in Rom eine
vielbeachtete Rede gehalten, die folgenden Wortlaut hat:

Wir kommen hier zusammen, um uns mit dem fundamentalsten Bedürfnis des
Menschen zu befassen. In unserer ganzen Geschichte sind die Menschen und Völker von der Drohung der Hungersnot und dem Hunger selbst verfolgt worden. Unsere Anwesenheit hier entspringt der Erkenntnis, daß dieses ewige Problem
jetzt ein bisher nie dagewesenes Ausmaß und eine nie dagewesene Dringlichkeit
angenommen hat, und daß es nur durch ein konzertiertes weltweites Handeln
bewältigt werden kann.

Unsere Aufgabe geht weit über ein einziges Gebiet der menschlichen Bemühung oder eine einzige internationale Konferenz hinaus. Wir stehen nicht
nur vor dem Problem der Ernährung, sondern vor einer immer größer werdenden

�werdenden gegenseitigen Abhängigkeit oder Interdependenz. Die Welt steht auf
halbem Wege zwischen dem Ende des zweiten Weltkrieges und dem Beginn des
21. Jahrhunderts. Wir sind festgefahren zwischen alten Vorstellungen des politischen Verhaltens und einer völlig neuartigen Umwelt, zwischen der Unzulänglichkeit des Nationalstaates und dem wachsenden Zwang zur globalen Gemeinschaft. Während der letzten dreißig Jahre hat sich die Welt daran gewöhnt,
von der Voraussetzung auszugehen, daß ein stabiles Wirtschaftssystem und
wachsende Prosperität sich unbegrenzt fortsetzen würden. Neue Nationen machten sich zuversichtlich auf den Weg der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Technische Erfindungen und die Ausweitung der Industrie versprachen
eine stetige Verbesserung des Lebensstandards für alle Völker. Überschüsse an
Brennstoff, Nahrungsmitteln und Rohstoffen wurden eher als eine Last als ein
Segen angesehen. Wenn auch noch in vielen Teilen des Erdballs Armut und Not
herrschten, so herrschte doch auf lange Sicht weltweite Hoffnung . Diese
Zeitspanne wurde treffend als eine "Revolution zunehmender Erwartungen" bezeichnet. Diese Zeit ist vorbei. Heute tauchen fundamentale Fragen auf, oh
wir überhaupt in der Lage sind, auch nur unsere grundlegendsten Bedürfnisse
erfüllen zu können. Im Jahre 1972 ging wegen des schlechten Wetters auf der
ganzen Welt die Weltgetreideernte zum ersten Mal in zwei Jahrzehnten zurück.

Es wurde uns drohend verkündet, daß Hoffnung und Hunger nur um Haaresbreite auseinanderliegen, und daß die Welt von der Überschußproduktion einiger weniger Länder abhängig ist. Im Jahre 1973 haben zunächst ein politisches Embargo und dann abrupt erhöhte Preise für Öl die Produktion in den
Fabriken und auf den Farmen der Welt beeinträchtigt und eine weltweite Inflation angeheizt, deren Kontrolle schon vorher für die Regierungen kaum noch

�noch möglich war. Im Jahre 1974 dauert die wachsende Belastung des internationalen Währungs-und Handelssystems an, das noch nicht in der Lage ist, das gehäufte Gewicht wiederholter Erschütterungen zu absorbieren. Die Institutionen
dieses Systems ringen noch mit dieser Aufgabe. Die gleiche Interdependenz,die
gemeinsamen Fortschritt gebracht hat, bedroht uns jetzt mit gemeinsamem Untergang.

Wir müssen jetzt handeln und wir müssen gemeinsam handeln, wenn wir die
Herrschaft über unser gemeinsames Schicksal wiedergewinnen wollen. Eine nicht
vorhersehbare Katastrophe kann mangelndem Weitblick oder höherer Gewalt angelastet werden. Die gegenwärtige Entwicklung liegt jedoch auf der Hand, und es
liegt in unserer Macht, mit ihr fertig zu werden. Wenn wir nicht mutig handeln, dann wird die Katastrophe einem mangelnden Willen zuzuschreiben sein.
Unser Vorherwissen beinhaltet die Möglichkeit, moralisch schuldig zu werden.
Die politische Aufgabe ist klar: Werden die Völker der Welt zusammenarbeiten, um einer Krise zu begegnen, die auf der Hand liegt und weltweiter Natur ist? Oder wird jede Nation oder Region oder jeder Block seine besonderen
Vorteile als Waffe anstatt als Beitrag betrachten? Werden wir unsere Stärke
und unseren Fortschritt vereinen, oder unsere Stärke aufs Spiel setzen und
gemeinsam untergehen?

Präsident Ford hat mir aufgetragen, im Namen der Vereinigten Staaten folgendes zu erklären:
Wir

�r

A
Wir betrachten unser glückliches Schicksal und unsere Stärke auf dem Gebiet der Ernährung als eine globale Verpflichtung. Wir sind uns über unsere
Verantwortung aufgrund unserer außerordentlichen Produktivität, unserer modernen Technologie und unserer Tradition auf dem Gebiet der Hilfe im klaren.
Darum haben wir diese Konferenz vorgeschlagen. Darum hält ein amerikanischer
Außenminister diese Ansprache. Die Vereinigten Staaten werden eine wesentliche Anstrengung machen, ihre Fähigkeit nach der Größe der Aufgabe auszurichten. Wir sind überzeugt, daß eine kollektive Inang riffnahme der Aufgabe einen
wesentlichen Einfluß auf die Welt haben wird, die unsere Kinder erben werden.

Wenn wir jetzt auf das nächste Jahrhundert zugehen, dann müssen die hier
versammelten Nationen mit der Ausarbeitung einer Globalkonzeption beginnen.
Wir sind nun einmal unlösbar miteinander verbunden - durch interdependente
Volkswirtschaften und menschliche Hoffnungen, durch unmittelbare Kommunika- i
tion und durch die nukleare Gefahr. Was heute auf dem Gebiet der Energie, der
Ernährung und der Inflation auf der Tagesordnung steht, ist zuviel, als daß
es eine Regierung für sich, ja selbst eine kleine Gruppe von Regierungen bewältigen könnte.

Alle Nationen - ob in Ost oder West, Nord oder Süd - sind in einem einzigen Wirtschaftssystem miteinander verbunden. Wer sich mit eng begrenzten
Vorteilen befaßt, ist dem Untergang geweiht. Eine solche Einstellung muß zur
sterilen Konfrontation führen, die die internationale Zusammenarbeit untergräbt, von der die Erreichung nationaler Ziele abhängt. Die ärmsten und
schwächsten Nationen werden am meisten leiden. In allen Ländern werden Unzu-

�Unzufriedenheit und Instabilität gewaltig zunehmen. Dem kürzlichen Erfolg bei
der Verringerung internationaler Spannungen wird neue Gefahr drohen.

Aber unsere Zukunft braucht so nicht auszusehen. In der gegenwärtigen
Krise liegt eine große Chance ebenso wie eine große Gefahr. Die Erkenntnis unseres Zustandes kann uns endlich von überholten Vorstellungen frei machen,von
institutioneller Trägheit und steriler Rivalität. Wenn wir die Wirklichkeit
erfassen und entsprechend handeln, dann können wir ein Zeitalter des beispiellosen Fortschritts mit Folgen einleiten, die weit über die Themen dieser Konferenz hinausreichen. Wir würden dann ein internationales System aufgebaut
haben, das den Fähigkeiten und den Hoffnungen der Menschheit würdig wäre.

Die Aufgabe der Ernährung

Wir müssen hier mit der Aufgabe der Ernährung beginnen. Kein Gesell"
schaftssystem, keine Ideologie und kein Prinzip der Gerechtigkeit kann eine
Welt dulden, in der das geistige und physische Potential von hunderten von
Millionen Menschen durch elementaren Hunger oder Unterernährung nicht zur Entfaltung gelangen kann. Nationalstolz oder regionaler Argwohn verlieren jede
moralische oder praktische Rechtfertigung,wenn sie uns an der Überwindung
dieser Geißel hindern.

Noch vor einer Generation waren viele Landwirte autark. Heute sind Treibstoff, Düngemittel, Kapital und Technologie von entscheidender Bedeutung für
ihr wirtschaftliches Überleben. Noch vor einer Generation waren viele Länder

�r
*
Länder autark. Heute müssen viele Exporteure dafür sorgen, daß die Grenze zwischen Leben und Tod für viele Millionen nicht überschritten wird.
V

Damit sind Lebensmittel zu einem zentralen Element der internationalen
Wirtschaft geworden. Eine Welt der Energieknappheit, der wild um sich greifenden Inflation und eines immer schwächer werdenden Handels-und Währungssystems
wird auch eine Welt der Lebensmittelknappheit sein. Und Lebensmittelknappheit
wiederum sabotiert das Wachstum und beschleunigt die Inflation.

Das Ernährungsproblem liegt auf zwei Ebenen: Einmal geht es darum, die
Ernährung in Notfällen sicherzustellen, und zum zweiten, die langfristige Versorgung und einen ausreichenden Ernährungsstand unserer wachsenden Bevölkerung zu gewährleisten.

Während der fünfziger und sechziger Jahre nahm die Nahrungsmittelerzeugung mit großer Beharrlichkeit zu. Selbst in den Ländern mit einem Nahrungsmitteldefizit stieg die Erzeugung pro Kopf der Bevölkerung. Die Gesamterzeugung der Welt nahm um über die Hälfte zu. Aber genau in dem Augenblick, in
dem eine zunehmende Bevölkerung und steigende Erwartungen eine Fortsetzung
dieses Trends unbedingt notwendig gemacht hätten, trat ein dramatischer Wandel ein. Während der letzten drei Jahre ist die Weltgetreideerzeugung zurückgegangen. Die Reserven sind bis zu dem Punkt erschöpft, an dem eine Mißernte
eine große Katastrophe bedeuten kann.

Die Aussichten auf lange Frist sind sogar noch düsterer: Selbst heute
schon haben hunderte von Millionen von Menschen nicht genug zu essen, um ein

-6-

�ein menschenwürdiges und produktives Leben zu leben. Da der Zuwachs der Produktion nicht gleichmäßig verteilt wird, ist die absolute Zahl unterernährter
Menschen heute wahrscheinlich größer als jemals zuvor, außer in Zeiten der
Hungersnot. In vielen Teilen der Welt sterben 30 bis 50 Prozent der Kinder,
bevor sie das Alter von fünf Jahren erreicht haben - Millionen von ihnen an
Unterernährung. Viele überleben nur mit einem ständigen Schaden ihrer geistigen und physischen Fähigkeiten..

Man rechnet damit, daß sich die Weltbevölkerung bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdoppeln wird. Es liegt auf der Hand, daß wir den Ernährungsbedarf
decken müssen, der damit verbunden ist. Aber es liegt ebenso auf der Hand,
daß die Bevölkerung nicht bis in alle Ewigkeit sich in jeder Generation verdoppeln kann. An einem bestimmten Punkt werden wir unausweichlich die Kapazität der Erde überschreiten, menschliches Leben unterhalten zu können.

Die kurzfristigen wie auch die langfristigen Ernährungsaufgaben bestehen
aus drei Komponenten:
- Da besteht zunächst das Problem, angesichts des Bevölkerungswachstums
so viel zu produzieren, um selbst den gegenwärtigen unzureichenden Stand der
Ernährung und der Lebensmittelversorgung aufrechtzuerhalten,was bedeutet,daß
wir zu Ende dieses Jahrhunderts das Doppelte an Nahrungsmitteln erzeugen müssen. Eine ausreichende Ernährung würde 150 Prozent mehr Nahrungsmittel oder
eine jährliche Gesamtproduktion von drei Milliarden Tonnen Getreide bedeuten.

- Dann

-7-

�- Dann besteht das Problem der Verteilung. Generalsekretär Marei
schätzt, daß bei der gegenwärtigen Wachstumsrate von 2,5 Prozent pro Jahr die
Lücke zwischen dem, was die Entwicklungsländer selbst erzeugen, und dem, was
sie brauchen, bis 1985 von über 25 Millionen auf 85 Millionen Tonnen pro Jahr
steigen wird. In absehbarer Zukunft werden Nahrungsmittel in wesentlichem Um=
fang aus Überschußgebieten in Gebiete der Knappheit gebracht werden müssen.

- Und dann gibt es das Problem der Reserven. Der Schutz vor Unbilden des
Wetters und Naturkatastrophen erfordert dringend eine Nahrungsmittelreserve.
Nach unseren Schätzungen dürften bis zu 60 Millionen Tonnen über den gegenwärtigen Übertrag hinaus benötigt werden.

Kurz gesagt, wir sind überzeugt, daß die Welt vor einer Aufgabe steht,
die in ihrer Schwere, ihrem Umfang und in ihrer globalen Dimension ganz neuartig ist. Unser Minimalziel für das nächste Viertel Jahrhundert muß darin be-,,
stehen, die Weltnahrungsproduktion mehr als zu verdoppeln und ihre Qualität
zu verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, schlagen die Vereinigten Staaten
dieser Konferenz ein umfassendes Programm dringender kooperativer weltweiter
Maßnahmen vor:

- Erhöhung der Produktion der Nahrungsmittelexporteure;
- Steigerung der Produktion in den Entwicklungsländern;
- Verbesserung der Mittel und Wege zur Verteilung und Finanzierung von
Nahrungsmitteln;
- Verbesserung der Qualität der Nahrungsmittel;
- Sicherung gegen Hungersnöte.
Ich

�Ich möchte mich jetzt jedem dieser Gebiete zuwenden.

Erhöhung der Produktion der Nahrungsmittelexporteure

Eine Handvoll Länder können durch glückliches Geschick und Technologie
mehr erzeugen als sie brauchen, und daher exportieren. Der Rückgriff auf diese Produktion wird während des nächsten Jahrzehnts und vielleicht noch darüber
hinaus sicherlich zunehmen. Wenn wir die Welt nicht zum chronischen Hunger
verdammen wollen, dann müssen die Hauptexportländer ihr Potential rasch erweitern und ein langfristiges Wachstum ihrer Lieferungen garantieren, auf das man
sich verlassen kann.

Sie müssen daher damit anfangen, daß sie ihre Landwirtschaftspolitik an
eine neue wirtschaftliche Realität anpassen. Jahrelang ging diese Politik von
den Prämissen aus, daß eine Produktion mit voller Kapazität unerwünschte Überschüsse und gedrückte Märkte schuf, wodurch dem Landwirt jeder Anreiz, zu investieren und zu produzieren, genommen wurde. Es dürfte heute jedem klar geworden sein, daß das nicht das Problem ist,vor dem wir stehen. Solange es
ungedeckten Bedarf gibt,gibt es keine Überschüsse. So gesehen hat niemals ein
Überschuß bestanden. Das Problem ist immer gewesen, daß wir kollektiv versagt
haben, wenn es darum ging, augenscheinliche Überschüsse in Gebiete der Knappheit zu verbringen. Unter den gegenwärtigen und absehbaren Verhältnissen kann
dies geschafft werden, ohne den Anreiz zur Produktion sowohl in dem einen wie
in dem anderen Gebiet zu dämpfen.
Die

-9-

�i

Die Vereinigten Staaten haben umfassende Maßnahmen ergriffen, um ihre
Produktion auf ein Maximum zu steigern. Sie haben bereits 167 Millionen Acres
(fast 67 Millionen Hektar) Land für den Getreideanbau unter dem Pflug, was
eine Steigerung um 23 Millionen Acres gegenüber dem Stand von vor zwei Jahren
bedeutet. In einer Ansprache vor dem Kongreß im vorigen Monat hat Präsident
Ford eine noch größere Anstrengung gefordert. Er hat an alle amerikanischen
Farmer appelliert, in voller Kapazität zu produzieren. Er hat die Abschaffung
aller restriktiven Praktiken angeordnet, die zu einer Erhöhung der Lebensmittelpreise führen. Er hat den Farmern zugesichert, daß er seine gegenwärtigen Vollmachten nutzen und weitere Vollmachten anstreben wird, um ihnen den
benötigten Treibstoff und die benötigten Düngemittel zukommen zu lassen. Und
er hat die Beseitigung noch bestehender Anbaubeschränkungen gefordert.
Diese

Anstrengungen sollten alle exportierenden Länder durch entsprechen-

de Maßnahmen ergänzen. Eine Maximalproduktion wird eine wesentliche Steigerung der Investitionen erforderlich machen. Das beste Land, das am leichtesten
zugängliche Wasser und die augenfälligsten Verbesserungen werden bereits genutzt. Im vorigen Jahr erhöhten die Vereinigten Staaten ihre Investitionen in
der Landwirtschaft um 2,5 Milliarden Dollar. Die amerikanische Regierung führt
eine systematische Untersuchung des weiteren Investitionsbedarf durch und
prüft Mittel und Wege, wie dieser Bedarf gedeckt werden kann.

Es ist von entscheidender Bedeutung, daß andere Länder eine ähnliche
Anstrengung unternehmen. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß es
eines kooperativen Handelns der Exportländer bedarf, um eine vernünftige Planung und die notwendigen Produktionssteigerungen herbeizuführen. Wir sind

-10-

�sind bereit, uns mit anderen wichtigen Exporteuren in einer gemeinsamen Verpflichtung zusammenzutun, um die Produktion zu steigern, die notwendigen Investitionen zu 'tätigen und mit dem Wiederaufbau der Reserven für die Sicherung der Ernährung zu beginnen.

Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß unmittelbar nach Beendigung
dieser Konferenz eine Gruppe großer Exportländer zusammentritt - eine Exportplanungsgruppe -,um ein konkretes und koordiniertes Programm zur Erreichung
dieser Ziele auszuarbeiten.

Produktionssteigerung in den Entwicklungsländern
Die Lebensmittel exportierenden Länder allein werden einfach nicht in
der Lage sein, den grundlegenden Bedarf der Welt zu decken. Ironischer- aber
glücklicherweise sind es die Länder mit den am raschesten wachsenden Lebensmitteldefiziten,die auch über die größte Fähigkeit zur Steigerung der Produktion verfügen. Sie besitzen die größten ungenutzten Reserven an Land und Wasser. Obwohl sie gegenwärtig 35 Prozent mehr Land im Getreideanbau haben als
die Industrienationen, erzeugen sie auf diesem Land 20 Prozent weniger. Kurz
gesagt, das stärkste Wachstum der Weltlebensmittelproduktion kann - und muß in den Ländern mit chronischen Defiziten stattfinden.

Und doch vergrößert sich in diesen Ländern die Lücke zwischen Angebot und
Nachfrage, statt sich zu verkleinern. Nach Schätzungen wird sich das Defizit
in der Getreideversorgung bei der gegenwärtigen Wachstumsrate mehr als verdreifachen und bis 1985 etwa 88 Millionen Tonnen erreichen. Allein um diese

-11-

�1
diese Lücke nur halb zu schließen, wäre es erforderlich, daß diese Länder
ihre Wachstumsrate von dem bisherigen hohen Durchschnitt von 2,5 Prozent im
Jahr auf 3,5 Prozent steigern - was einer Steigerung der Wachstumsrate um
4o Prozent entsprechen würde.
Die Erreichung selbst dieses Minimalzieles bedarf eines starken Nachdrucks auf zwei Schlüsselgebieten: neue Forschung und neue Investitionen.

Internationale und nationale Forschungsprogramme müssen sich auf die
besonderen Erfordernisse dieser Länder mit einem chronischen Lebensmitteldefizit konzentrieren und müssen intensiviert werden. Es müssen neue Technologien entwickelt werden, um die Ernteerträge zu steigern und die Kosten zu verringern und um die besonderen Eigenschaften ihrer arbeitsintensiven und kapitalknappen Volkswirtschaften zu nutzen.
r

A,uf internationaler Ebene müssen wir das Forschungsnetz stärken und ausdehnen, das die weniger entwickelten Länder mit den Forschungseinrichtungen
der Industrieländer und- mit den bestehenden acht internationalen landwirtschaftlichen Forschungszentren verbindet. Wir schlagen vor, daß die Mittel
für diese Zentren bis 1980 mehr als verdoppelt werden. Die Vereinigten Staaten
werden ihrerseits im gleichen Zeitraum ihren eigenen Beitrag zu den internationalen Zentren,zu den landwirtschaftlichen Forschungsanstrengungen in den
weniger entwickelten Ländern und zur Erforschung landwirtschaftlicher Probleme
der Entwicklungsländer an amerikanischen Universitäten verdreifachen. Die bestehende Beratergruppe für intsrnationale Agrarforschung kann in diesem Bemühen eine wichtige, koordinierende Rolle spielen.
Die
-12-

�Die Vereinigten Staaten sind über den Fortschritt bei zwei Initiativen
befriedigt, die wir auf der 6. Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten
Nationen im April angeregt haben: das internationale Zentrum für Düngemittelentwicklung und die Studie über die Auswirkung klimatischer Veränderungen auf
die Lebensmittelversorgung. Das Düngemittelzentrum wurde im vorigen Monat in
den Vereinigten Staaten mit Mitteln eröffnet, die Kanada und die USA bereitgestellt haben. Wir laden zu einer größeren Beteiligung ein und verpflichten
uns, die Mittel dieses Zentrums für die Erfordernisse der Entwicklungsländer
einzusetzen. Und die wichtige Studie über Klima und Lebensmittelversorgung
ist vom Weltwetterdienst der Vereinten Nationen in Angriff genommen worden.

Nationale wie auch internationale Forschungsanstrengungen müssen zum
Tragen gebracht werden. Die Vereinigten Staaten erbieten sich, die Ergebnisse
ihrer modernen Forschung mit den Entwicklungsländern zu teilen. Wir haben bereits ein beträchtliches Maß an vielversprechenden Projekten in Angriff genommen: um den Proteingehalt des üblichen Getreides zu erhöhen, um die Grundnahrung mit billigen Nährstoffen anzureichern, um die Stickstoffbindung in Pflanzen zu verbessern und damit den Bedarf an Säuredüngemitteln zu verringern und
um neue billige Kleingeräte und Maschinen für die Millionen kleiner Landwirte
in der Welt zu entwickeln.

Wir planen auch eine Reihe neuer Projekte. Im kommenden Jahr werden unsere Weltraumbehörde, unsere Landwirtschaftsbehörden und unser Wetterdienst moderne Satellitentechniken für die Überwachung und die Voraussage wichtiger Lebensmittelernten erproben. Wir werden in Nordamerika beginnen und dann das Projekt auf andere Teile der Welt ausdehnen. Um die Studien des Weltwetter-13-

�1

I
Weltwetterdienstes über klimatische Veränderungen zu unterstützen, haben wir
begonnen, eigene Analysen der Beziehung zwischen klimatischen Verhältnissen
und Ernteerträgen über eine statistisch bedeutsame Zeitspanne aufzustellen.
Dies ist ein vielversprechender und potentiell lebenswichtiger Beitrag zur
vernünftigen Planung der Welterzeugung.

Die Vereinigten Staaten werden die Ergebnisse dieser Projekte auch anderen Nationen zugänglich machen.

Und schließlich hat Präsident Ford die Nationale Akademie der Wissenschaften ersucht, in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium und anderen Regierungsbehörden ein weitreichendes Lebensmittel-und Ernährungs-Forschungsprogramm in Angriff zu nehmen, um die Talente Amerikas zu mobilisieren.
Es ist das Ziel des Präsidenten, die Mittel Amerikas und das wissenschaftliche Talent des Landes dafür einzusetzen, neue Lösungen zu finden, die sowohl
dem gewaltigen Umfang des menschlichen Bedarfs als auch der Fülle unserer wissenschaftlichen Fähigkeiten entsprechen.

Wenn wir auch auf technologische Durchbrüche hoffen dürfen, so können wir
doch nicht auf sie zählen. Es gibt keinen Ersatz für zusätzliche Investitionen
in den Ländern mit einem chronischen Lebensmitteldefizit. Neue Bewässerungssysteme, Lager und Verteidigungssysteme, Produktionseinrichtungen für Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Saatgut sowie landwirtschaftliche Krediteinrichtungen sind alles Dinge,die dringend gebraucht werden. Vieles davon kann
auf örtlicher Ebene in die Wege geleitet und finanziert werden. Aber noch auf
einige Zeit werden wesentliche Mittel von außen gebraucht werden.
Die

-14-

�Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß die Investitionen auf
entscheidend wichtigen Gebieten konzentriert werden sollten, wobei vorhandene
und in einigen Fällen ganz einfache Technologien auf die kritischen Variablen
im Prozeß der Lebensmittelerzeugung angewandt werden müssen. Dazu gehören Düngemittel, bessere Lagereinrichtungen und Pflanzenschutzmittel.

Moderne Düngemittel sind wahrscheinlich das entscheidend wichtigste Einsatzmittel zur Erhöhung der Ernteerträge. Sie sind auch das zuverlässigste Gebiet neuer Investitionen. Nach unserer Auffassung ist die Düngemittelproduktion
ein ideales Gebiet für die Zusammenarbeit zwischen reicheren und ärmeren Ländern, vor allem,wenn man die Technologie der Industrieländer, das Kapital und
die Rohstoffe der ölproduzierenden Länder und den wachsenden Bedarf der am
wenigsten entwickelten Länder zusammenfaßt. Die bestehende Produktionskapazität ist weltweit unzureichend. Vor allem in den Entwicklungsländern sollten
neue Düngemittelindustrieen aufgebaut werden, um den langfristigen lokalen und
regionalen Bedarf zu decken. Dies könnte am wirksamsten auf der Basis der regionalen Zusammenarbeit erreicht werden.

Die Vereinigten Staaten werden solche regionalen Anstrengungen nachdrücklich unterstützen. Wir werden in unseren Investitions-und Hilfsprogrammen dem
Aufbau von Düngemittelindustrien den Vorrang geben und unsere moderne Technologie anderen zugänglich machen.

Ein weiteres wichtiges vorrangiges Ziel muß die Verringerung der Verluste
durch unsachgemäße Lagerung, unsachgemäßen Transport und unzureichende Kontrolle von Pflanzenkrankheiten sein. Tragischerweise gehen oft bis zu 15 Prozent

-15-

�1

l

Prozent der Lebensmittelproduktion eines Landes durch Schäden verloren, die
durch unzureichende Lagereinrichtungen bei Getreide auftreten. Wir müssen
bessere Methoden der sicheren Lagerung lehren und soweit wie möglich verbreiten. Vorhandene Pestizide müssen allgemeiner verfügbar gemacht werden. Viele
dieser Techniken sind einfach und billig. Investitionen auf diesen Gebieten
könnten eine rasche und wesentliche Auswirkung auf die Lebensmittelversorgung
der Welt haben.

Um eine zusammenhängende Investitionsstrategie zu planen, schlagen die
Vereinigten Staaten die sofortige Bildung einer Koordinierungsgruppe für Lebensmittelerzeugung und Investitionen vor. Wir empfehlen, daß sich die Weltbank mit der Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zusammentut, um eine solche Gruppe noch in
diesem Jahr einzuberufen. Diese Gruppe sollte Vertreter der traditionellen
Geberländer und der neuen Finanzmächte, von multilateralen Behörden und aus
den Entwicklungsländern mit dem folgenden Auftrag zusammenführen:

- Bilaterale und internationale Hilfsprogramme zu ermutigen, die von
außen erforderlichen Mittel zur Verfügung

zu stellen;

- die wirksamste Verwendung neuer Investitionen in den Ländern mit einem
chronischen Defizit zu fördern;
- Regierungen dabei zu unterstützen, größere Eigenmittel für die Landwirtschaft bereitzustellen.

Die

-16-

�Die Vereinigten Staaten haben seit langem einen wesentlichen Beitrag
zur landwirtschaftlichen Entwicklung geleistet. Wir haben die Absicht, diesen
Beitrag zu vergrößern. Wir haben die Prioritäten unserer Entwicklungshilfe
neu geordnet, um den Hauptnachdruck auf Lebensmittel-und Ernährungsprogramme
zu legen. Wir haben in unserem laufenden Haushalt eine Erhöhung um fast 350
Millionen Dollar für diese Programme beantragt. Dieser neue Nachdruck wird
so lange anhalten,wie ein Bedarf besteht.

Wenn alle diese internationalen Maßnahmen wirksam sein sollen, dann müssen die Regierungen ihre Landwirtschaftspolitik und ihre Praktiken allgemein
überprüfen. Länder können von außerhalb mit Technologie und der Gewährung von
Mitteln helfen. Die Prioritäten richtig zu setzen, bleibt die Aufgabe der
nationalen Behörden. In vielzu vielen Ländern besteht für die Landwirte kein
Anreiz,die für die Erhöhung der Produktion notwendigen Investitionen vorzunehmen, da die Preise auf einem nichtlohnenden Stand fixiert sind, weil keine
Kredite verfügbar sind

oder weil die Transport-und Verteilereinrichtungen

unzureichend sind. So wie sich die exportierenden Länder in ihrer Politik an
die neuen Realitäten anpassen müssen, so müssen die Entwicklungsländer in
ihren Entwicklungsbudgets und in ihrer Steuerkredit-und Investitionspolitik
der Lebensmittelerzeugung eine höhere Priorität einräumen. •

Verbesserung der Mittel und Wege zur Verteilung und Finanzierung von Nahrung

Obwohl die Steigerung der Lebensmittelerzeugung vordringlich ist, kommt
auch dem Problem der Verteilung weiterhin eine entscheidende Bedeutung zu.

-17-

�•

!

zu. Selbst bei einer maximalen künftigen Ausweitung der Agrarerzeugung in den
Entwicklungsländern wird sich ihr Importbedarf am Lebensmitteln Mitte der
achtziger Jahre auf rund 4o Millionen Tonnen pro Jahr oder fast das Doppelte
des gegenwärtigen Standes belaufen.
Wie können die Kosten dieser Importe gedeckt werden?

Die Hauptquelle hierfür bleiben natürlich die Einkünfte der Entwicklungsländer selbst. Die Industriestaaten können durch die Erleichterung des Zugangs zu ihren Märkten einen wesentlichen Beitrag leisten. Mit der unmittelbar
bevorstehenden Verabschiedung des Handelsgesetzes bekräftigen die Vereinigten
Staaten erneut ihre Zusage,ein System allgemeiner Zollpräferenzen für die
Entwicklungsländer einzuführen und ihren Bedürfnissen bei den bevorstehenden
multilateralen Handelsverhandlungen besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Trotzdem wird ein verstärkter Fluß von Lebensmittelhilfe ganz eindeutig
notwendig werden. Im laufenden Finanzjahr werden die Vereinigten Staaten trotz
der ungünstigen Witterung,die sich auch auf unsere Ernte ausgewirkt hat, ihren Beitrag zur Lebensmittelhilfe erhöhen. Das amerikanische Volk empfindet
es als eine ernste und ständige Pflicht, mitzuhelfen, daß die an Unterernährung Leidenden und die Hungernden Lebensmittel erhalten. Wir werden alles menschenmögliche tun, um sicherzustellen, daß unser künftiger Beitrag dem wachsenden Bedarf entspricht.

Die Verantwortung für die Finanzierung der Lebensmittelimporte kann jedoch nicht allein bei den Lebensmittelexporteuren liegen. Vor allem in den
nächsten Jahren wird der Finanzierungsbedarf der Entwicklungsländer mit Le-

-18-

�Lebensmitteldefiziten einfach zu groß sein - sowohl für ihre eigenen begrenzten Mittel wie auch für die der traditionellen Geberländer von Lebensmittel. hilfe.
Den Erdöl exportierenden Ländern fällt in dieser Hinsicht eine besondere Verpflichtung zu. Viele von ihnen verfügen über Einkünfte, die weit über
dem liegen, was zum Ausgleich ihrer Zahlungsbilanzen oder zur Finanzierung
ihrer wirtschaftlichen Entwicklung notwendig ist. Der anhaltende massive
Transfer von Reichtum und der hieraus resultierende Auftrieb für die weltweite Inflation haben den Entwicklungsländern die Möglichkeit genommen, Lebensmittel, Dünger und andere Güter zu kaufen. Und die Wirtschaftskrise hat zu
einem scharfen Rückgang der Importe der Industriestaaten aus den Entwicklungsländern geführt.

Die Vereinigten Staaten empfehlen, daß die traditionellen Geberländer
und die neuen, der Koordinierungsgruppe für die Lebensmittelerzeugung und Investitionen angehörenden Finanzmächte umfassende Anstrengungen unternehmen,
um die benötigten Lebensmittel und Gelder bereitzustellen. Sie könnten einen
Unterausschuß für Lebensmittelerzeugung bilden, der als eine erste Aufgabe in
Verhandlungen weltweit eine Mindestmenge an Lebensmitteln festlegen würde,
für deren Transfer in die Entwicklungsländer mit Lebensmitteldefiziten während der nächsten drei Jahre sie bereit sind, die erforderlichen Gelder aufzubringen.

Ich habe die verschiedenen Massnahmen zur Steigerung der Erzeugung,zur
Verbesserung der Einkommensmöglichkeiten für die Entwicklungsländer und zur
....

.
-19-

�I
zur Erschließung neuer Quellen an ausländischer Hilfe aufgezeigt. Aber es
steht nicht fest, ob selbst diese Maßnahmen ausreichen werden, um die langfristige Aufgabe lösen zu können, vor allem, wenn sich unsere gegenwärtigen
Schätzungen über das Ausmaß des Defizits im Jahre 1985 und darüber hinaus als
• * • •

'

zu konservativ erweisen sollten.
Daher müssen Wege gefunden werden, um einen größeren Teil der Überschüsse aus Erdöleinkünften für langfristige Kredite oder nicht rückzahlbare Zuwendungen an die ärmeren Länder verfügbar zu machen. Die Vereinigten Staaten
schlagen vor, daß der auf der letzten Sitzung der Gouverneure

der Weltbank

und des Internationalen Währungsfonds (IWF) gebildete Entwicklungsausschuß
mit der raschen Durchführung einer Studie darüber beauftragt wird, ob die
vorhandenen Finanzierungsquellen ausreichen, um den erwarteten Importbedarf
der Entwicklungsländer decken zu können. Sollten diese Quellen nicht ausreichen, so müssen zusätzliche Mittel gefunden werden. Dies muß zu einem der vorrangigen Ziele der Länder und Institutionen werden, die den größten Einfluß
auf das internationale Währungssystem ausüben.

Verbesserung der Qualität der Nahrungsmittel
Vorräte alleine stellen den Nahrungsbedarf der Menschheit nicht sicher.
Selbst in Industriestaaten mit ausreichenden Vorräten werden durch falsche
Ernährung schwerwiegende Gesundheitsprobleme hervorgerufen. In den Entwicklungsländern ist das Problem um ein Vielfaches größer. Nicht nur eine unzulängliche Verteilung, sondern auch die steigenden Nahrungsmittelpreise zwingen
die ärmsten und somit anfälligsten Bevölkerungsgruppen - die Kinder und
Mütter - mit qualitativ schlechteren sowie unzulänglichen Mengen an Nahrungs-

-20-

�Nahrungsmitteln auskommen zu müssen. Selbst bei einer starken Ausweitung der
Nahrungsmittelerzeugung würde über der Welt das Gespenst der Unterernährung
schweben.

Erstens müssen wir das Problem besser erkennen.Wir wissen eine Menge
über den Stand der weltweiten Erzeugung. Aber unser Wissen über den weltweiten Ernährungsstand ist unzulänglich. Daher schlagen die Vereinigten Staaten
vor, daß von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der UN-Ernährungs-und
Landwirtschaftsorganisation (FAO) und dem UN-Kinderhilfsfonds (UNICEF) ein
weltweites System für die Überwachung des Ernährungsstandes geschaffen wird.
Besondere Aufmerksamkeit sollte vor allem den Bedürfnissen der Mütter und
der Kleinkinder geschenkt werden, und es sollte bei örtlichen Notständen, die
sich gerade auf diese anfälligstenBevölkerungsgruppen auswirken, rasch gehandelt werden. Die Überwachung des Ernährungsstandes ist ein Gebiet, auf dem gerade die Vereinigten Staaten über beträchtliche Erfahrungen verfügen. Wir sind
bereit, unsere Kenntnisse und Verfahren anderen zugänglich zu machen.

Zweitens brauchen wir neue Verfahren zur Bekämpfung der Unterernährung.
Die Vereinigten Staaten laden WHO, FAO und UNICEF ein, ein international koordiniertes Programm für angewandte Ernährungsforschung einzurichten. Ein solches Programm sollte Prioritäten setzen, die am besten geeigneten Zentren für
die Forschung festlegen, und die erforderlichen Mittel beschaffen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit fünf Millionen Dollar dazu beizutragen, dieses
Programm in Gang zu bringen.
Drittens

-21-

�t

I

Drittens müssen wir Probleme in Angriff nehmen, die bereits erkannt sind.
Die Vereinigten Staaten schlagen vor, einen sofortigen Kampf gegen zwei der
häufigsten und schrecklichsten Folgen der Unterernährung aufzunehmen: Erblindung durch Mangel an Vitamin A und Anämie durch Eisenmangel. Auf ersteren Mangel sind über eine halbe Million Fälle von Erblindung in den Entwicklungsländern zurückzuführen. Die gegenwärtige Lebensmittelknappheit wird voraussichtlich diese Zahl noch erhöhen. Anämie infolge Eisenmangels hat in zahlreichen
Gebieten der Welt zu einer niedrigen Produktivität geführt.
So wie die Welt Pocken, gelbes Fieber und Kinderlähmung nahezu ausgemerzt
hat, so kann sie auch diese Krankheiten besiegen. Es stehen neue und verhältnismäßig billige Verfahren zur Verfügung, die eine beträchtliche Wirkung haben. Die Vereinigten Staaten sind bereit, zusammen mit den Industriestaaten
und den internationalen Spendern die erforderlichen Programme durchzuführen.
Wir sind bereit, zehn Millionen Dollar zu einem internationalen Programm beizutragen.

Schließlich müssen wir uns um die Qualität der Nahrungsmittel in den bestehenden Programmen kümmern. Diese Konferenz sollte den Lebensmittelhilfeprogrammen besondere Aufmerksamkeit widmen, die ausschließlich dazu bestimmt sind,
die Unterernährung unter den am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen zu
bekämpfen. Die Vereinigten Staaten werden die Mittel für dieses Programm in
diesem Jahr um wenigstens 50 Millionen Dollar erhöhen.
Sicherung

-22-

�Sicherung gegen Hungersnöte

Die Ereignisse der letzten Jahre haben gezeigt, welch ernste Folgen Lebensmittelverknappungen für die Menschheit haben können, die durch Mißernten,
Überschwemmungen, Kriege und andere Katastrophen verursacht werden. Die Welt
ist heute von wenigen Exportländern, und hier besonders von den Vereinigten
Staaten»dahingehend abhängig, daß diese die erforderlichen Reserven unterhalten. Aber es gibt keine Reserven mehr, trotz der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten praktisch alle ihre Anbaubeschränkungen aufgehoben und unsere Farmer umfassende Anstrengungen unternommen haben, ihre Erzeugung auf ein Maximum zu steigern. Eine über die derzeitigen Überhangbestände hinausgehende
weltweite Reserve von 60 Millionen Tonnen Lebensmitteln wird erforderlich
sein, um auf dem Ernährungssektor ausreichende Sicherheit zu geben.

Es ist weder klug noch praktisch durchführbar, wenn ein Landoder einige
wenige Länder allein die Reserven der Welt unterhalten. Länder, die in der
Vergangenheit krasse Schwankungen bei ihrem Importbedarf aufzuweisen hatten,
haben die Pflicht»sowohl gegenüber ihrem eigenen Volk als auch gegenüber der
Völkergemeinschaft der Welt, sich an einem System zu beteiligen, das die Verantwortung auf einen weiteren Kreis verteilt. Und die Exportländer können es
sich nicht länger leisten, plötzlich überrascht zu werden. Sie müssen im
Voraus Informationen haben, um Produktion und Export planen zu können. Wir
begrüßen die von FAO-Generaldirektor Boerama auf dem Gebiet der Reserven ergriffene Initiative. Die Vereinigten Staaten teilen seine Auffassung, daß ein
kooperatives multilaterales System notwendig ist, um größere Gerechtigkeit
und Wirksamkeit zu erzielen. Daher schlagen wir vor, daß diese Konferenz eine

-2 3-

�eine Gruppe zur Koordinierung der Reserven einsetzt, die zum frühestmöglichen
Zeitpunkt Verhandlungen über ein detailliertes Abkommen über ein internationales System von in nationaler Hand befindlichen Getreidereserven führt. Dieses Abkommen sollte alle wichtigen Exportländer sowie solche Länder einschliessen, deren Importbedarf voraussichtlich am größten sein wird. Die Arbeit dieser Gruppe sollte in enger Zusammenarbeit mit anderen internationalen Bemühungen um eine Verbesserung des Welthandelssystems durchgeführt werden.

Ein internationales Reservesystem sollte die folgenden Elemente enthalten:

- Austausch von Informationen über die Höhe der Reserven und greifbaren
Bestände, über Ernteaussichten und über beabsichtigte Importe oder Exporte;
- ein Abkommen über die Höhe der weltweiten Reserven, die erforderlich
sind, um uns vor Hunger und Preisschwankungen zu schützen;

- die Aufteilung der Verantwortung für die Unterhaltung von Reserven;
- Richtlinien über die Verwaltung der nationalen Reserven, in denen die Bedingungen für eine Aufstockung von Reserven und für Freigaben aus ihnen festgelegt sind;
- die Bevorzugung kooperierender Länder bei der Verteilung von Reservebeständen;
Verfahren zur Anpassung von Zielplanung und für die Beilegung von Streitigkeiten sowie Maßnahmen bei Nichteinhaltung.
Zeitplan

-24-

�Zeitplan für die Zukunft

Die Aufgabe,vor der diese Konferenz steht,ist,den Bedarf in Programme
und Programme in Ergebnisse umzusetzen. Wir haben keine Zeit zu verlieren.

Ich habe ein Fünf-Punkte-Programm für gemeinsames Handeln vorgelegt:
- um die Anstrengungen der großen Überschußländer zusammenzufassen, mit
dazu beizutragen, den weltweiten Bedarf zu decken;
um das Potential der Entwicklungsländer mit chronischen Nahrungsmitteldefiziten für Wachstum und stärkere Selbstversorgung auszuweiten;
- um zwecks Deckung der noch verbleibenden Lücke Hilfsquellen und Nahrungsmittel weiterzuleiten;
- um zwecks Sicherstellung einer ausreichenden Ernährung die Qualität
der Lebensmittel zu verbessern;
- und um Menschen und Völker vor plötzlichen Katastrophen und Launen
des Wetters zu schützen.
Ich habe den Beitrag erläutert, den die Vereinigten Staaten zu nationalen und multinationalen Programmen zu leisten bereit sind, um jedes dieser
Ziele zu erreichen. Und ich habe drei neue internationale Gremien vorgeschlagen, um die nationalen Anstrengungen zu stärken, sie zu koordinieren und
ihnen einen globalen Mittelpunkt zu geben:

- die Planungsgruppe der Exporteure;
- die Koordinierungsgruppe für Lebensmittelproduktion und Investitionen;
- die Gruppe zur Koordinierung der Reserven.
Es

-25-

�i
Es sind eine Reihe von Vorschlägen für ein zentrales Gremium gemacht worden, das unsere Anstrengungen zusammenfassen und die Führung übernehmen soll.
Die Vereinigten Staaten stehen einer solchen Institution aufgeschlossen gegenüber. Wir sind jedoch der festen Ansicht, daß unabhängig von der Art der
Organisation ein einheitliches, gemeinsames und umfassendes Vorgehen eine absolute Notwendigkeit ist. Die von unserem geschätzten Landwirtschaftsminister
Earl Butz geleitete amerikanische Delegation steht bereit, mit Vorrang Gespräche über die Verwirklichung unserer Vorschläge aufzunehmen. Wir begrüssen die hier vorgetragenen Anstrengungen anderer Länder. Wir werden hart und
kooperativ arbeiten.

Zusammenfassung

Nichts beschäftigt den menschlichen Geist mehr oder stellt unsere Werte
und unsere Träume mehr in Frage als der verzweifelte Kampf ums Überleben.
Keine Tragödie trifft uns mehr als der verzweifelte Blick eines verhungernden Kindes.
Früher einmal wurde die Hungersnot als Bestandteil des normalen Lebens»
Zyklus des Menschen, als eine örtliche oder schlimmstenfalls nationale Tragödie betrachtet. Heute erstreckt sich unser Gewissen auf die ganze Welt.
Unsere Leistungen, unsere Erwartungen und unsere moralischen Überzeugungen
haben diese Frage zu einem universalen politischen Anliegen gemacht.

Die große Versprechung unseres Zeitalters besteht darin, daß wir zum
ersten Mal über die technische Fähigkeit verfügen dürften, die Menschheit von

-26-

�von der Geißel des Hungers zu befreien. Deshalb müssen wir heute ein kühnes
Ziel verkünden - daß innerhalb eines Jahrzehnts kein Kind mehr hungrig zu Bett
gehen wird, daß keine Familie um das Brot für den nächsten Tag zu bangen
braucht, und daß die Zukunft und die Fähigkeiten keines menschlichen Wesens
mehr durch Unterernährung beeinträchtigt sein werden.

Unsere Verantwortung liegt auf der Hand.
Mögen die hier versammelten Nationen sich entschließen, sich der Aufgabe
zu stellen, statt sich gegeneinander zu stellen.
Mögen wir Übereinstimmung finden, daß das Ausmaß und der Ernst der Aufgabe eine gemeinsame Anstrengung erfordern, wie sie beispiellos in der Geschichte ist.

Und mögen wir die globale Zusammenarbeit in der Ernährung zu einem Modell
für unsere Reaktion auf andere Aufgaben einer interdependenten Welt machen
- Energie, Inflation, Bevölkerungswachstum und Umweltschutz.

William Faulkner hat die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß "der
Mensch nicht nur überdauern, sondern die Oberhand behalten wird", Wir leben
heute in einer so komplexen Welt, daß der Mensch, wenn er auch nur überdauern
will, die Oberhand behalten muß. Weltgemeinschaft ist nicht länger ein sentimentales Ideal, sondern eine praktische Notwendigkeit. Nationale Zielsetzungen, internationale Realitäten und menschliche Bedürfnisse fordern den Menschen zu einer neuen Bewährungsprobe seiner Fähigkeit und seiner Moral heraus.
Wir können dieser Aufgabe nicht den Rücken kehren. Menschliche Vernunft,so
hat Thomas Mann geschrieben, braucht nur ein stärkeres Wollen als das Schicksal und sie ist Schicksal.
-27-

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23/1974

DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE KOMMUNIQUE VOM 27. OKTOBER
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Das zum Abschluß des Besuches des amerikanischen
Außenministers Dr. Henry A. Kissinger in Moskau am 27. Oktober herausgegebene
gemeinsame Kommunique hat folgenden Wortlaut:
Wie vorher vereinbart hat Henry A. Kissinger, Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika

und Berater des Präsidenten für Fragen der

Nationalen Sicherheit, vom 23. bis 27. Oktober Moskau besucht.

Er führte Besprechungen mit Leonid Breschnew, Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, und mit Andreij Gromyko,
Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der
Sowjetunion und Außenminister der UdSSR.
den Gesprächen teil:
A.F. Dobrynin;

Von sowjetischer Seite nahmen an

Der Botschafter der UdSSR in den Vereinigten Staaten,

der Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der Kom-

munistischen Partei

der Sowjetunion, A.M. Alexandrow und das Mitglied des

Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR, G.M. Kornijenko.
Seite nahmen teil:
Walter J. Stoessel;

Auf amerikanischer

der Botschafter der Vereinigten Staaten in der UdSSR,
die Angehörigen des Außenministeriums Helmut Sonnenfeldt,

Arthur A. Hartman, Alfred A. Atherton, William G. Hyland und Winston Lord
sowie Jan M. Lodal und A. Denis Clift vom Stab des Nationalen Sicherheitsrates.
Im
- 1 -

�t
Im Verlauf der Gespräche fand ein gründlicher Meinungsaustausch über
einen weiten Bereich von Fragen bezüglich der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen sowie über eine Reihe aktueller internationaler Probleme statt.

Beide Seiten stellten mit Befriedigung fest, daß sich die Beziehungen
zwischen den USA und der UdSSR in Übereinstimmung mit dem früher festgelegten
Kurs weiterhin stetig verbessern.

In diesem Zusammenhang haben sie erneut die fundamentale Bedeutung der
Entscheidungen betont, die als Ergebnis des amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffens getroffen wurden, und haben sie ihre beiderseitige Entschlossenheit
unterstrichen, weiterhin energische Anstrengungen zu unternehmen, um einen
ununterbrochenen Fortschritt in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
sicherzustellen.

Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Problem der weiteren Begrenzung
strategischer Rüstungen geschenkt.

Bei ihrer Erörterung dieses Problems

wurden beide Seiten von dem fundamentalen Einvernehmen hinsichtlich der Entwicklung eines neuen langfristigen Abkommens geleitet, das an die Stelle
des Interimsabkommens vom 26. Mai 1972 treten soll.

Es fand ein nützlicher

Meinungsaustausch über die Einzelheiten eines solchen Abkommens statt. Die
Erörterung dieser Fragen wird fortgesetzt werden.

Beide Seiten stellten fest, daß sich im ganzen gesehen die Beziehungen
zwischen den USA und der UdSSR auf den verschiedenen Gebieten erfolgreich
entwickeln.

Sie stimmten überein, daß die volle Verwirklichung der bereits

geschlossenen Abkommen günstige Aussichten auf eine weitere Ausdehnung der
beiderseits vorteilhaften Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern eröffnen
we rden.

Beide Seiten sind weiterhin besorgt über die Lage im Nahen Osten.

Sie

bekräftigten ihre Entschlossenheit, Anstrengungen zu unternehmen, um Lösungen
für die Kernfragen einer gerechten und dauerhaften Lösung in diesem Gebiet
zu finden. Beide Seiten stimmten überein, daß die baldige Wiedereinberufung
- 2 -

�Wiedereinberufung der Genfer Konferenz eine nützliche Rolle spielen dürfte,
um eine solche Lösung zu finden.

Unter Feststellung des auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erreichten Fortschritt kamen beide Seiten überein, weiterhin
aktiv auf einen erfolgreichen Abschluß dieser Konferenz zu einem baldigen
Zeitpunkt hinzuarbeiten.

Sie sind ferner der Überzeugung, daß es möglich

ist, bei den Gesprächen über eine beiderseitige Reduzierung der Streitkräfte
und Rüstungen in Mitteleuropa einen Fortschritt zu erzielen.

Der Meinungsaustausch war von einem sachlichen und konstruktiven Geist
gekennzeichnet.

Beide Seiten betrachten ihn als höchst nützlich.

In diesem

Zusammenhang bekräftigten sie den positiven Wert der vereinbarten Praxis
regelmäßiger Konsultationen zwischen beiden Ländern.

Beide Seiten unter-

strichen die besondere Bedeutung der Gipfeltreffen für eine konstruktive
Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR.

Wir bekanntge-

geben wurde, werden der Präsident der Vereinigten Staaten, Gerald Ford, und
der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSR, L.I. Breschnew, Ende November 1974 in der Nähe von Wladiwostok ein Arbeitstreffen abhalten.

+ + + + +

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23/1974

DIE ROLLE DES BOMBERS IN DER AMERIKANISCHEN ABSCHRECKUNG
-Von Verteidigungsminister James R. Schlesinger-

Ich möchte hier das Verhältnis zwischen der Bomberstreitmacht der Vereinigten Staaten und unserer Gesamtabschreckung untersuchen, da von diesen
Überlegungen die Entscheidung abhängen wird, ob wir mit der Produktion des
neuen Bombertyps B-l beginnen werden.
Die strategischen Nuklearstreitkräfte der Vereinigten Staaten existieren
für einen einzigen, alles überragenden Zweck: vor einem großen Angriff auf
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten abzuschrecken. Die Aufstellung
dieser Streitkräfte erfolgt nicht nach Gesichtspunkten ihres spezifischen
kostenwirksamen Beitrages zur Zerstörung von Zielen im engeren Sinn, sondern
nach ihrem weitergefaßten Beitrag zu dem Gesamtpotential der Macht, das die
Abschreckung bewirkt. In ihrer internationalen Rolle stellen die strategischen Streitkräfte einen Rahmen und ein Paket von Zwängen dar, das im Falle
eines Konfliktes diesen auf eine niedrigere Stufe der Gewaltanwendung zwingen
würde, als dies sonst der Fall wäre.
Wenn

�Wenn die Abschreckung funktioniert - und wir dürfen darauf zählen,

daß

sie funktioniert - dann werden strategische Nuklearwaffen niemals eingesetzt
zu werden brauchen. Es klingt paradox, aber der Wert der Investitionen in diese strategischen Streitkräfte ist so hoch, daß er kaum zu berechnen ist, da
sie eben die Erreichung des Zieles erleichtern, daß sie nicht eingesetzt zu
werden brauchen. Sie sind also keineswegs nutzlos, sondern im Gegenteil höchst
nützlich,und zwar eben in dem Maße, daß sie unbenutzt bleiben.
Die Vereinigten Staaten unterhalten seit langem eine auf drei Säulen gestützte strategische Streitmacht, die sogenannte Triade von Bombern, Interkontinentalraketen (ICBM) und unterseebootgestützten Raketen (SLBM). Wir halten
heute diese Triade nicht aufrecht, weil jede ihrer Säulen unabhängig für sich
die Fähigkeit garantieren müßte, nach einem Erstangriff zurückschlagen und
einem Gegner unannehmbare Zerstörung zufügen zu können. Insgesamt müssen diese Streitkräfte natürlich diese Fähigkeit aufrechterhalten - wobei jede Komponente zur Erreichung des größeren Zweckes der Abschreckung beiträgt und
die anderen unterstützt.
•

Die Vereinigten Staaten sind selbstverständlich bereit, über einen Abbau
der Streitkräfte zu verhandeln, aber wir dürfen niemals die Notwendigkeit vergessen, ein ungefähres Gleichgewicht gegenüber jenen Kapazitäten von aussen
zu erhalten,die eine potentielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellen.
Welchen Einfluß hat all das - in einer Umgebung der Verhandlungen über
Rüstungskontrollen und eine Begrenzung der strategischen Rüstungen - auf die

�die Entscheidungen hinsichtlich der Bomberflotte?

Erstens ist es wichtig, sich daran zu erinnern, daß nach dem Moskauer Abkommen vom Mai 1972 das Ergebnis auf der Basis gerechtfertigt wurde, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zu diesem Zeitpunkt in etwa auf einem
Gleichstand hinsichtlich der Megatonnage waren-beide Länder verfügten über
etwas mehr als 4 000 Megatonnen. Ebenso wichtig ist die Feststellung, daß für
gut über die Hälfte der Megatonnage darUSA die Bomber als Träger vorgesehen
sind. Wenn also das Kriterium vergleichbarer Megatonnage weiterhin konsequent
angewandt werden soll, dann kommt man direkt zu der Notwendigkeit, die Bomber
durch neue zu ersetzen.

Zweitens erlegt das SALT-Abkommen vom Mai 1972 recht strenge zahlenmässige Grenzen auf - und dies dürfte auch bei jedem künftigen SALT-Abkommen der
Fall sein. Das bedeutet natürlich, daß die amerikanische Bomberflotte weit
kleiner sein wird als in früheren Zeiten - um das Jahr 1960 herum betrug die
Zahl der strategischen Bomber der USA etwa 1700.

Darüber hinaus hat das SALT-Abkommen der amerikanischen Raketenstreitmacht
niedrigere zahlenmäßige Grenzen gesetzt als der sowjetischen - was eben durch
die größere Zahl der Bomber ausgeglichen sein sollte. Auch das führt zu der
Notwendigkeit, eine neue Generation von Bombern zu entwickeln.

Aber es führt auch zu der Überlegung, daß unter den gegebenen Umständen
und gemäß den Bestimmungen eines jeden zu erwartenden Abkommens, also bei der
strikten Begrenzung der Zahl der Bomber, das Verhältnis von Kosten und Quanti-

-3-

�•

I
Quantität weit weniger relevant ist, als es bei einer unbegrenzteren Beschaffungsmöglichkeit automatisch eine Rolle spielen würde. Wenn also die Zahl begrenzt ist, dann besteht ein starker Anreiz, eine möglichst hohe Leistungsfähigkeit pro Einheit zu erreichen.
Wenn wir uns über diese Gesichtspunkte im klaren sind, dann stellt sich
die Frage, welchen Stellenwert wir der besonderen Rolle beimessen, die Bomber
in der Gesamtabschreckung spielen.

Ich habe eingangs darauf hingewiesen, daß Abschreckung weit mehr ist,als
nur die "wirtschaftliche" Zerstörung eines Zieles oder die Zerstörung eines
Industriegebietes. Abschreckung, so sagt man, liegt im Auge des Betrachters.
Sie funktioniert, indem sie sich auf die Psychologie und die Haltung eines po-tentiellen Angreifers

und darauf auswirkt, daß er sich seine Schwierigkeiten

vorstellen kann. In dieser Hinsicht spielt der Bomber eine einmalige Rolle.
Es gibt keinen befriedigenden Ersatz für seinen Beitrag zum Gesamtpaket der
Streitkräfte, die die Abschreckung bewirken.

Ein besonderer und wesentlicher Beitrag des Bombers sind die massiven
Komplikationen, die er in jeden Angriffsplan gegen die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten bringt. Bomber erschweren die Koordination von
Abschuß einer Waffe und Zielwirkung bis zur Unmöglichkeit - zur Unmöglichkeit,
die Vergeltungsstreitkräfte der USA in ausreichendem Maße zu vernichten. Die
Schwierigkeiten der zeitlichen Koordination erzwingen Verschiebungen im Planungsprozeß, die für jede Streitmacht einen ausreichend koordinierten Überraschungsangriff unmöglich machen.
Diesen

-4-

�Diesen ungeheuer wichtigen, ja vielleicht unerläßlichen Beitrag leistet
das überlebensfähige Flugzeug. Aber darüber hinaus erschwert der Bomber auch
einem potentiellen Gegner die Entscheidungen und die Führung seiner Streitkräfte. Die weitere Existenz von Bombern, die eindringen können, schafft für die
Sowjetunion ein besonderes Dilemma bei der Verteilung der Mittel für die Verteidigung. Die Sowjetunion wird ständig vor der Wahl stehen, den Bombern freien Einflug zu lassen - wie dies nach dem Abkommen von 1972 auch für Raketen
beinahe der Fall ist. Oder sie muß weiterhin ganz wesentliche Mittel für die
Luftverteidigung aufwenden - die bisher immer einen großen Anteil der sowjetischen Verteidigungsausgaben erhalten hat. Und Luftverteidigung ist ein Aspekt
der militärischen Position der Sowjetunion, die uns in Amerika am- wenigsten
Sorgen bereitet und die wir am wenigsten bedrohlich empfinden.

Auf diese Weise trägt ein "Mix" - also eine Mischung - der Streitkräfte,
die Bomber einschließt, auf das gleiche Ziel hin zusammenwirkend zur Erreichung unseres letztlichen Zieles bei: zur Abschreckung.

Dies unterstreicht die Notwendigkeit, eine aus mehreren verschiedenen
Komponenten zusammengesetzte Streitmacht, also einen "Mix" in der Art unserer
Triade, aufrechtzuerhalten, weil jede Komponente einen besonderen und einzigartigen Beitrag

zur

Gesamtabschreckungsmacht der Vereinigten Staaten leistet.

Indem wir mannigfaltige und flexible Streitkräfte aufrechterhalten, vermeiden
wir das Risiko, von einer einzigen Fähigkeit oder Kapazität abhängig zu werden, die plötzlich durch die Entwicklung von Gegenmitteln ihren Wert verlieren
könnte. Gleichzeitig machen wir die Aufgabe, die strategischen Streitkräfte
der Vereinigten Staaten anzugreifen, so ungeheuer komplex, daß sie weiterhin
jede Attraktivität verlieren dürfte.
• i • I • (•

-5-

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23/1974

EIGENPRODUKTION DIE BESTE WELTHUNGERHILFE
-Exklusivinterview mit Dr. Paarlberg vom US-Landwirtschaftsministerium-

Das ständig wachsende Lebensmitteldefizit in den Entwicklungsländern läßt sich
auf die Dauer nur durch eine Steigerung
der Eigenerzeugung und nicht durch massive
Hilfslieferungen schließen. Diese Auffassung hat der Abteilungsleiter im US-Landwirtschaftsministerium, Dr. Don Paarlberg,
am Vorabend der Welternährungskonferenz
in einem Interview mit dem Korrespondenten
des US-Informationsamtes (USIA), John
Halway, vertreten.
In seinem Interview hat Dr. Paarlberg die
politischen Vorstellungen der Vereinigten
Staaten wie folgt umrissen:
Frage: Den Vereinigten Staaten ist von Kritikern vorgeworfen worden, daß
sie ohne feste politische Vorstellungen oder mit mangelndem Interesse nach
Rom gehen. Stimmt das? Haben die Vereinigten Staaten eine eigene Politik?
Werden wir in Rom einen Vorschlag unterbreiten?

Antwort: Wir werden eine ganze Anzahl von Vorschlägen unterbreiten. Wir haben
eine eigene Politik ausgearbeitet und diese ist konstruktiv. Wir gehen nach
Rom mit der Zusage, die Außenminister Kissinger bereits im Frühjahr gegeben

-1-

�gegeben hat, unsere technische Hilfe an die Entwicklungsländer zu verstärken. Wir gehen nach Rom mit der Zusage, die der Präsident vor einem oder
zwei Monaten gegeben hat, unsere direkte Lebensmittelhilfe zu steigern. Wir
gehen nach Rom mit einem Vorschlag, wieder überall auf der Welt Lebensmittelreserven anzulegen. Das sind die Hauptpunkte, die wir dort vortragen werden.
Die Behauptung, daß wir keinen eigenen Standpunkt hätten, ist völlig ungerechtfertigt.
Frage: Die Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen
(FAO) stellt in ihrem letzten Bericht fest, daß zwischen dem Lebensmittelbedarf der Entwicklungsländer und ihrer Eigenerzeugung ein Defizit von rund
85 Millionen Tonnen pro Jahr besteht - oder in 10 Jahren bestehen wird
und daß der Fehlbedarf vielleicht noch größer sein wird, wenn die Witterung
ungünstig ist. Können wir diese Lücke überbrücken? Bestätigen die amerikanischen Vorausschätzungen diese Auffassung?

Antwort: Unsere eigenen Vorausschätzungen liegen unter dieser Zahl von
85 Millionen Tonnen, aber auch wir kommen auf eine noch ganz beträchtliche
Zahl. Der Weg zum Abbau dieses Defizits führt über eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktionsrate der Entwicklungsländer über den gegenwärtigen
Trend hinaus, und das erfordert eine langfristige Verpflichtung. Das erfordert technische Hilfe, vermehrte Forschung, bessere Ausbildung der Landwirte,
bessere Kreditversorgung und erhöhte Bereitstellung von Mitteln für die Entwicklung der Landwirtschaft. Ich hoffe, daß diese Konferenz zu größeren Zusagen dieser Art führen wird. Wenn das der Fall ist, dann wird sich die Pro-

�Produktion nach oben entwickeln und das Defizit, so groß es auch sein mag,
wird kleiner werden.

Frage: Was können die Entwicklungsländer zur Steigerung ihrer eigenen Lebensmittelerzeugung tun?

Antwort: Sie können vermehrten Nachdruck auf die Entwicklung der Landwirtschaft
legen. Wenn sie die Wahl zwischen Investitionen auf dem Industrie-oder auf dem
Agrarsektor haben, können sie die Landwirtschaft vorziehen. Sie können ihre
landwirtschaftliche Forschungs-und Informationstätigkeit verstärken. Sie können ihre landwirtschaftlichen Krediteinrichtungen verbessern. Sie können zum
Beispiel Bewässerungsprojekte durchführen. Die bereits bestehenden Forschungseinrichtungen der Ford-und der Rockefellerstiftung und die Programme der Weltbank ermöglichen es ihnen, ihre Arbeit auf diesem Gebiet zu verstärken.

Frage: Wenn nun dieses Defizit von 85 Millionen Tonnen Lebensmitteln nicht
durch eine Steigerung der Eigenerzeugung der Entwicklungsländer abgedeckt wird,
dann würde doch sicherlich ein Druck auf die Industriestaaten ausgeübt werden,
dieses Defizit auszugleichen. Können diese Länder das schaffen?
Antwort: Meines Erachtens muß die Frage lauten: Können und sollten wir das
tun? Nehmen wir den zweiten Teil der Frage vorweg: Es ist viel besser, wenn die
Vereinigten Staaten ihre Zusagen erhöhen, diesen Ländern bei der Steigerung ihrer Eigenerzeugung zu helfen, als ihnen Lebensmittel auf der Basis von Zugeständnissen zu liefern, nur weil sie ihre Eigenerzeugung nicht erhöhen können.
Ich hpffe und wünsche, daß wir größere Zusagen für die Entwicklung ihrer Landwirtschaft machen, damit es gar nicht erst zu diesem Defizit von 85 Millionen

-3-

�»

I
Millionen kommt.

Sollte es aber zu einem solchen Defizit kommen, dann ergibt sich die grosse Frage, ob hier überhaupt der Wille besteht, so viele Lebensmittel - und
einen großen Teil davon auf der Basis von Zugeständnissen - zu liefern. Da
ergibt sich das Problem der Verschiffung, der Häfen, des Weitertransports in
den betreffenden Ländern und der Verteilung, damit diese großen Lebensmittelmengen wirklich in die Hände der Empfänger gelangen. Was ich sagen möchte,
ist, daß alles getan werden sollte, um zu vermeiden, daß so große Lebensmittelmengen verschifft werden müssen.

Frage: Der Landwirtschaftsausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses hat
in einem Bericht "Malthus und Amerika" ein "sehr düsteres" Bild gemalt und die
Frage aufgeworfen, inwieweit die Amerikaner bereit sein werden,Opfer auf sich
zu nehmen. Glauben Sie, daß viele Politiker in den Vereinigten Staaten gewillt
sind, die Hilfe zu erhöhen? Und wird dies einen starken Einfluß auf die Preise
haben?

Antwort: Meines Erachtens besteht in den Vereinigten Staaten eine beträchtliche Bereitschaft zu einer Steigerung der direkten Lebensmittelhilfe, und ich
glaube nicht,daß sich daran etwas geändert hat. Der Wille ist vorhanden und
würde auf eine starke Führung reagieren. Natürlich würde es auch einigen Widerstand geben. Die Vereinigten Staaten haben sich nach meiner Meinung aufgrund der Enttäuschung über unsere Unternehmungen in Südostasien und in anderen Gebieten etwas nach innen gewandt. Es würde daher einer echten Führung
bedürfen, um die bei vielen Amerikanern vorhandene Bereitschaft zu mobilisie-

-4-

�mobilisieren, den Hungrigen in anderen Ländern zu helfen.

Frage: Welche Reaktionen sehen Sie in anderen Exportländern wie Kanada und
Australien bezüglich einer Steigerung ihrer Hilfe?

Antwort: Diese Länder beteiligen sich über die Welthungerhilfe und andere
Projekte an diesem Vorhaben Sie haben keine so großen Programme wie wir, aber
sie haben welche. Ich möchte meinen, daß auch in diesem Ländern eine gewisse
Bereitschaft zu einer Steigerung der Lebensmittelhilfe besteht, wenn der Bevölkerung die Not nachdrücklich vor Augen geführt wird.

Frage: Die Russen müssen aus den Vereinigten Staaten Getreide importieren.
Sind sie überhaupt in der Lage, ihre eigene Hilfe an die Entwicklungsländer
zu erhöhen?

Antwort: Sie importieren, aber sie exportieren auch. Sie könnten intern Anpassungen vornehmen, wenn sie nachdrücklich genug dazu motiviert werden, und
anderen Lebensmittel verfügbar machen. Sie haben im Rahmen der durch ihre eigene Versorgung gesetzten Grenzen Lebensmittel für einige Länder bereitgestellt.
Frage: Japan und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft haben als Folge des
Ölembargos selbst große Zahlungsbilanzprobleme. Sind sie überhaupt in der Lage, ernsthaft eine Erhöhung dieser Hilfe zu erwägen?

Antwort: Meines Erachtens müssen wir uns darüber im klaren sein, daß Lebensmittelhilfe in verschiedener Form gewährt werden kann.
Die

�Die Gewährung solcher Hilfe fällt nicht ausschließlich in den Verantwortungsbereich der Lebensmittel exportierenden Länder. Die Verantwortung liegt
bei allen Ländern, die über entsprechende Mittel verfügen. Es stimmt allerdings, daß das Ölproblem die verfügbaren Devisen verringert und eine bereits
schwierige Situation noch mehr kompliziert hat.

Frage: Die erdölexportierenden Länder sind für die Gewährung von Hilfe von
großer Bedeutung. Liegen Hinweise dafür vor, daß sie sich beteiligen werden?

Antwort: Das ist schwer zu sagen. Es ist schwierig, diese Länder in einem multilateralen Programm zusammenzubringen. Möglicherweise werden sie von sich aus
auf bilateraler Basis Wesentliches tun. Wichtig ist, daß sie irgendwie, nicht
unbedingt durch multilaterale Organisationen, herausgefordert werden, sich diesem Problem zu stellen. Wenn sie bereit sind, Bedürftigen auf bilateraler Basis zu helfen, dann sollte dies ebenfalls begrüßt werden.

Frage: Sie haben viel über das Problem des Bevölkerungswachstums und die sich
daraus ergebenden langfristigen Folgerungen geschrieben. Trotzdem wurde auf der
kürzlichen Weltbevölkerungskonferenz (in Bukarest) den Forderungen, daß die
Entwicklungsländer ihr Bevölkerungswachstum etwas einschränken, einiger Widerstand entgegengesetzt. Wenn dem Bevölkerungswachstum nicht Einhalt geboten
wird, wie geht es dann weiter? Wie lange

können wir noch den Versuch fort-

setzen, eine ständig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren?

Antwort: Es besteht noch auf einige Jahrzehnte hinaus berechtigte Hoffnung, daß
die Lebensmittelerzeugung dem Bevölkerungswachstum einen halben Schritt voraus
bleiben kann. Betrachtet man jedoch das Bevölkerungswachstum der ferneren Zu-

-6-

�#

Zukunft, im 21. Jahrhundert, so erhält man Zahlen, die sich einfach nicht mehr
bewältigen lassen - ja, die unvorstellbar sind. Es geht dann nicht mehr nur darum, diese Massen von Menschen zu ernähren, sondern auch darum, die von ihnen
benötigten Rohstoffe bereitzustellen. Es gibt dann Übervölkerungsprobleme und
Probleme der Umweltverschmutzung sowie soziale Probleme, die sich aus dem zu
dichten Zusammenwohnen zu vieler Menschen ergeben. So wie ich es sehe

haben

wir jetzt eine gewisse Zeitspanne, die durch die Fortschritte der Landwirtschaft unter hohen Kosten erkauft wurden und die es uns ermöglicht, vorübergehend einen Vorsprung vor der Rate des Bevölkerungswachstums zu halten. Es
ist wichtig, daß diese Zeit genutzt wird, um die Rate des Bevölkerungswachstums unter Kontrolle zu bringen.

Ich sehe die Bukarester Konferenz unter einem etwas optimistischeren
Licht als Sie es offensichtlich tun. Es gab zum Schluß der Konferenz ein Übereinkommen, das ohne Einwände von allen Teilnehmern akzeptiert wurde, daß nämlich den Völkern aller Länder das Recht zustehe, so viele Kinder zu haben wie
sie wollen, und daß es die Pflicht der Regierungen dieser Länder sei, darauf
zu achten, daß die einzelnen Völker die Informationen und die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, damit sie die Zahl von Kindern haben können, die sie
sich wünschen. Das ist ein großer Schritt voran gegenüber dem Stand vor einem
Jahrzehnt. Ich sehe also auf dem Bevölkerungssektor Grund zur Hoffnung.

Frage: Gehen wir zu den Reserven über; meines Wissens werden die Vereinigten
Staaten in Rom einen Plan vorlegen, wonach die großen Export-und Importländer
Reserven unterhalten müssen. Wie groß sollten die Reservebestände sein, die wir
anvisieren? Geht es um Reserven, die ausreichen, um uns vor einem schlechten

-7-

�schlechten Jahr zu schützen, wenn ein solches alle fünf oder zehn Jahre auftritt? Wie groß sollen die Reserven sein, damit wir gegen die verschiedenen
Notfälle abgesichert sind?

Antwort: Darüber wird natürlich gesprochen werden. Man kann sich nicht gegen
jeden Notfall absichern - und sollte das auch nicht versuchen. Es gibt einige
Risiken, die meines Erachtens durch verschiedene Anpassungen in der Größe der
Viehbestände und bei der Zusammensetzung der Nahrung sowie auf andere Weise
ausgeglichen werden können. Die Lagerbestände sollten, sagen wir, zwei Drittel oder vier Fünftel der Ausfälle ausgleichen oder uns in etwa dieser Grössenordnung sichern. Ein hundertprozentiger Schutz gegen alle Ausfälle oder
eine völlige Absicherung gegen alle Unbilden, die sich aus zwei aufeinanderfolgenden schlechten Erntejahren ergeben, ist schlecht möglich. Man müßte ungeheure Mengen von Getreide unter sehr hohen Kosten einlagern und unzumutbare Kosten auf sich nehmen, wenn man sich gegen jeden möglichen Notfall absichern wollte.

Frage: Ich habe gehört, Sie hätten gesagt, daß die Einlagerung von Getreide
auf fünf Jahre genau so viel kosten würde wie der ursprüngliche Ankauf des Ge
treides, so daß dies ein sehr kostspieliges Unterfangen ist. Landwirtschaftsminister Earl Butz erklärt, der Steuerzahler wolle solche Kosten nicht länger
tragen. Er meint, daß der private Handel die Reserven halten sollte. Aber
kann und würde der private Handel diese Ausgaben eher tragen als der Steuerzahler?
Antwort:

-8-

�Antwort: Wir werden abwarten müssen. Meines Erachtens können die Farmer einen
Teil der Kosten übernehmen. Möglicherweise könnten den Farmern oder dem Handel
Anreize gegeben werden, diese Reserven nach irgend einem Plan zu halten. Es
dauert eine gewisse Zeit, bis diese Reserven angelegt worden sind.

Wir haben

im Augenblick keine Reservebestände und wir werden am Ende des laufenden
Markt Jahres über keine nennenswerten Bestände verfügen. Frühestens könnte in
zwei Jahren von jetzt an gerechnet ein wesentlicher Überhang vorhanden sein.
Bis dahin wird genügend Zeit sein, eine Basis für eine solche Lagerhaltung
zu finden.

Frage: Minister Butz hat ferner die Befürchtung geäußert, daß politischer
Druck einen zu frühzeitigen Verkauf öffentlicher Reserven erzwingen könnte.
Aber würde der private Handel dem gleichen Druck, zu verkaufen, widerstehen
können? Würden unsere Reserven in einer solchen Situation nicht genauso zerrinnen wie staatliche Reserven?

Antwort: Ich glaube, da ist etwas daran.

Frage: Die Russen haben den amerikanischen Markt vor nicht allzu langer Zeit
in ein Chaos gebracht, als sie plötzlich mit großen Käufen auftraten. Ist ein
weltweites System ohne die Russen funktionsfähig?

Antwort: Es würde meiner Ansicht nach ohne russische Beteiligung nur sehr
schwer funktionieren,

Frage: Meines Wissens haben die Russen praktisch zwei Reserven - eine strategische Reserve, die der höchsten Geheimhaltungsstufe unterliegt, und eine

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�(
eine kommerzielle Reserve, die nicht ganz so geheim ist. Wenn sie ihre kommerziellen Informationen den Lebensmittelexporteuren zugänglich machen, würde
dies genügen, damit die Exporteure besser planen können?

Antwort: Es wäre eine sehr große Hilfe, auch wenn es kein Hinweis wäre, wie
groß ihre gesamten Vorräte wirklich sind. Ihre strategische Reserve, oder wie
auch immer Sie sie nennen,ist vermutlich so festgelegt, daß sie nicht für kommerzielle Zwecke herangezogen werden könnte.

Frage: War es nicht unter dem alten Weizenabkommen möglich, daß manche Teilnehmerländer es durch unterschiedliche Preisangebote auf der Basis der Ozeanfrachten umgehen konnten, wobei sie sich technisch an die Bestimmungen hielten
und uns trotzdem unterboten? Gibt es eine Möglichkeit, wie wir verhindern können, daß sich dies wiederholt?

Antwort: Das ist eine der tatsächlichen Schwierigkeiten solcher internationaler Abkommen.

Frage: Minister Butz hat erklärt, daß seines Erachtens Markt und Preis die
Mittel für eine Einteilung knapper Bestände seien, aber der Präsident der FAO,
A. H. Boerma, erklärte dagegen, daß "jede reine Konzeption von einem freien
internationalen Lebensmittelhandel restlos überholt" sei. Kann der Markt wirklich diese Aufgabe lösen? Oder bedarf es irgendwelcher Manipulationen, um eine
faire Aufteilung knapper Bestände zu gewährleisten?

Antwort: Minister Butz hat durch sein^,HändeIn erkennen lassen, daß er durchaus
zu Modifikationen, seiner Markt-Preis-Konzeption bereit ist. Er leitet das

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�das "Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm" (Gesetz Nr. 480), wozu er nach
dem Gesetz verpflichtet ist, und er hat in der Vergangenheit dieses Gesetz
Nr. 480 liberaler ausgelegt, als es der Kongreß niedergeschrieben hat. Praktisch hat er einige recht schwierige Marktsituationen gemeistert und im Rahmen
des Gesetzes Reisprogramme durchgeführt. Und er tut dieses Jahr das gleiche
mit Futtergetreide und mit Weizen. Das beweist mir, daß der Landwirtschaftsminister in dieser Beziehung kein solcher "Ideologe" ist, wie dies in der
Presse gesagt wird.
Frage: Rußland und dem Gemeinsamen Markt ist es gelungen, sich vor den Weltmarktpreisen abzuschirmen - der Gemeinsame Markt durch die gemeinsame Agrarpolitik, was bedeutet, daß der größte Teil der Fluktuationen der Weltmarktpreise auf die Vereinigten Staaten zurückzufallen scheint und die inneramerikanischen Preise praktisch eine Art Stoßdämpfer sind. Können oder sollten die Vereinigten Staaten irgendwie versuchen, diesem Beispiel zu folgen und sich abzuschirmen suchen, oder sollten wir weiter den freien Markt aufrechterhalten?

Antwort: Ich halte es für falsch, zu versuchen, sich abzuschirmen. Meines Erachtens sollten wir versuchen, auf diesen Zugang zu den Märkten sowohl für
die Erzeuger als auch für die Verbraucher hinzuarbeiten. Der Versuch,auf der
Welt eine Reihe von völlig abgeschirmten Räumen zu errichten, wäre ein Schritt
zurück. Wir haben seit Mitte der dreißiger Jahre im großen

und ganzen in der

ganzen Welt eine Bewegung in Richtung auf einen offeneren, liberaleren Handel
erlebt,und dies war meines Erachtens sowohl für die Export-als auch für die
Importländer nützlich.Es wäre ein großer Fehler,so glaube ich,wenn wir
einigen der protektionistischen Initiativen nacheifern würden,wie wir sie überall auf der Welt erleben.

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23/1974

RAUSCHGIFTSCHMUGGEL SUCHT NEUE KANÄLE

--(AD)— Im Gegensatz zu den Erfolgen, die die Rauschgiftfahndung mit der
Zerschlagung internationaler Händlerringe in Europa, im Nahen Osten und
in Südostasien sowie der Schließung geheimer Heroin-Laboratorien in Frankreich verzeichnen kann, hat sich die Lage in bezug auf Mexiko eher verschlechtert. Seit etwa sechs Monaten versuchen illegale Händler, von dort
aus neue Kanäle für das Einschleusen von Heroin in die Vereinigten Staaten
zu öffnen. Dies berichtete Dr. Robert DuPont, der Direktor der Abteilung
Sonderaktionen des US-Präsidialamtes zur Verhinderung von Drogenmißbrauch,
kürzlich in einem Gespräch mit Vertretern der "Voice of America".

Die befürchtete Verlagerung der illegalen Opiumproduktion für den illegalen Handel aus der Türkei nach dem "Goldenen Dreieck" zwischen Burma, Laos
und Thailand sei, so Dr. DuPont, nicht eingetreten - möglicherweise deshalb,
weil ein beträchtlicher Anteil des dort erzeugten Heroins innerhalb dieses
Gebietes konsumiert werde. In der Türkei dagegen gebe es keinen nennenswerten
Absatzmarkt. Das totale Verbot des Mohnanbaus hat die türkische Regierung aus

�aus agrarwirtschaftlichen Gründen wieder aufgehoben. Sie machte jedoch ein
bestimmtes Verfahren beim Abernten der Mohnkapseln zur Auflage, um die aus
den Kapseln gewonnenen Opiummengen besser kontrollieren zu können.

Die Zusammenarbeit amerikanischer Stellen mit den Behörden anderer Länder bei der Drogenüberwachung hatte bewirkt, daß in den USA Heroin immer
knapper und auf diese Weise der Drogenkonsum erheblich eingedämmt wurde.
Jetzt aber scheinen die Händlerbanden über Mexiko Wege gefunden zu haben.
Der Kampf gegen diese neue Gefahr sei jetzt vordringlich - "wir müssen alles
tun, um sie unter Kontrolle zu bringen", erklärte Dr. DuPont. "Zwar werden
wir uns mit dem Problem neuer Nachschubkanäle immer herumzuschlagen haben,
aber ich bin überzeugt, daß wir es den Händlern

sehr, sehr schwer machen

können".

Nach Meinung DuPonts müssen außerdem die Maßnahmen sowohl zur Behandlung
Süchtiger als auch im Rechtsvollzug intensiviert werden. Darauf angesprochen,
ob Heroinsucht als "ein amerikanisches Problem anzusehen ist und wir von unseren Freunden draußen nicht sehr viel verlangen, uns bei der Bewältigung dieses besonderen Problems zu helfen", gab Dr.DuPont zu bedenken, daß die HeroinProbleme überall in der Welt zu finden seien. Allerdings sei der Anteil
Heroinsüchtiger an der Gesamtbevölkerung in den Vereinigten Staaten größer
als in vielen anderen Ländern - ausgenommen Südostasien oder einige Nahostländer, wo ähnliche Quoten wie in den USA anzutreffen seien. Es gebe keine
Anzeichen dafür, daß politische Feinde der USA die eigentlichen Drahtzieher
für das Einschleusen von Heroin nach Amerika seien. Vielmehr handle es sich

�sich um Aktionen der Unterwelt, die den Rauschgiftschmuggel als lohnendes Geschäft betreibt.
Auch der Handel mit anderen Drogen wie Marijuana, Kokain, Amphetaminen
und-Barbituren kam zur Sprache. Weil die beiden letztgenannten Suchtstoffe,
Weckamine und Schlafmittel, von amerikanischen Arzneimittelfirmen hergestellt
werden, macht man mancherorts im Ausland Amerika den Vorwurf, dies sei das
"amerikanische Opium", das die USA in die Welt hinausschickten. Dr.DuPont wies
ihn als ungerechtfertigt zurück. Auch in den USA werde der Mißbrauch solcher
Präparate mit großer Besorgnis beobachtet. Bis jetzt sei es aber den illegalen Händlern ein Leichtes gewesen, von einem Land in ein anderes auszuweichen.
Deshalb sei nur auf der Basis internationaler Zusammenarbeit eine Lösung dieses Problems möglich. Als eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine wirksame Bekämpfung des Drogenmißbrauchs habe allerdings nie ermüdende Wachsamkeit
auf allen Ebenen und über Ländergrenzen hinweg zu gelten.

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23/1974

US-FIRMEN AUF DER 'ELECTRONICA 74 '

- (AD) - Wie schon in den vergangenen Jahren ist die amerikanische
Elektronik-Industrie auch auf der diesjährigen 6, 'ELECTRONICA 74'

(21. -

27. November 1974 in München) mit großem Aufgebot vertreten. Allein in
der vom amerikanischen Handelsministerium organisierten Gemeinschaftsschau
repräsentieren 58 Aussteller 78 Firmen aus den USA.

Das Angebot reicht vom

einbaufertigen elektronischen Bauelement bis zur kompletten Fertigungseinrichtung zur Herstellung hochwertiger Fertigfabrikate.

Die neuesten Entwicklungen für Bau- und Funktionsgruppen, Hilfsmittel
und Materialien zur Schaltungserstellung, Halbfertigfabrikate sowie zahlreiche
spezielle Test-, Meß- und Abgleichgeräte werden in München vorgestellt. Von
dem reichhaltigen amerikanischen Angebot sollen nicht nur die Hersteller aus
dem Bereich der elektrotechnischen Industrie und Firmen mit System-Entwicklungen, sondern auch Ausrüster, Vertriebsfirmen und Endverbraucher im weitesten
Sinn angesprochen werden.

Zu diesem Kreis gehören Abnehmer auf dem Sektor

Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, bei der Luftfahrt und bei militärischen
Stellen, in Automation und industrieller Fertigung, im kommerziellen Bereich
und in der Nachrichtenübertragungstechnik.

Jede der 58 amerikanischen Firmen ist mit einem eigenen Stand in Halle 16
vertreten.

Technische und kaufmännische Fachleute stehen als Berater zur

Verfügung.
Insgesamt
- 1 -

�Insgesamt 900 Firmen aus 24 Ländern werden auf der 'ELECTRDNICA 74",
für die 80 000 gm Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen, ihre Produkte
zeigen;

285 Firmen kommen aus dem Ausland.

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23/1974

MINICOMPUTER UND PERIPHERIEGERÄTE
Dezember-Ausstellung im US-Handelszentrum

- (AD) - Ungewöhnlich hohe Besucherzahlen erwartet das Frankfurter
US-Handelszentrum bei seiner Ausstellung "Minicomputer und Peripheriegeräte".
Vom 3. bis 6. Dezember 1974 präsentieren hier mehr als 50 amerikanische Hersteller, darunter viele bekannte Namen, aber auch eine Reihe von Firmen, die
neu auf dem europäischen Markt sind, ihre neuesten Entwicklungen. Angeschlossen ist eine Fachtagung, auf der deutsche und amerikanische Experten
zum Ausstellungsthema referieren und diskutieren werden.

Die Palette der ausgestellten Produkte ist außerordentlich umfangreich
und sowohl für Endkunden als auch für den OEM-Bereich gleichermaßen interessant.
Neben leistungsfähigen Minicomputern, Tischrechnern, programmierbaren Tischrechnern für technisch/wissenschaftliche Anwendungen und Taschenrechnern zeigen
die Amerikaner Datenspeicher und Ausgabegeräte aller Art, Digital-Plotter,
Interface, Fehlerraten-Prüfgeräte für Ubertragungswege, Geräte zur Digitalisierung

von Koordinatenwerten,

A/D- und D/A-Wandler, einen Simulator für

Computerausgabe in menschlicher Sprache, Geräte und Systeme für kommerzielle
und wissenschaftliche Anwendungen.
Weitere Informationen und Programme durch US-Handelszentrum,
6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4;
Telefon: (0611) 72 08 Ol, Telex: 416535
+ +++ +
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede Kissingers vor der Welternährungskonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Das amerikanisch-sowjetische Kommunique vom 27. Oktober&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle des Bombers in der amerikanischen Abschreckung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Verteidigungsminister James R. Schlesinger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigenproduktion die beste Welthungerhilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Exklusivinterview mit Dr. Paarlberg vom US-Landwirtschaftsministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Firmen auf der "ELECTRONICA 74"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Minicomputer und Peripheriegeräte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dezember-Ausstellung im US-Handelszentrum -&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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