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18. August 1976

15

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL
Walter F. Mondale: Der Vizepräsidentschaftskandidat der
DemokraterT
- Ein Liberaler mit sozialer Verantwortung US-Abhängigkeit von Importöl
- Stellungnahme des Chefs der Bundesenergiebehörde -

INFORMATION
Mikrocomputer im US-Handelszentrum Frankfurt
- Letzte Veranstaltung vor Verlegung nach Köln

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartige "Akustische Kamera"

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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15/1976

WALTER F. MONDALE: DER VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER DEMOKRATEN
- Ein Liberaler mit sozialer Verantwortung -

WASHINGTON - (AD) - Senator Walter Frederick Mondale verlor bisher nur
einmal in der Öffentlichkeit seine Beherrschung, als er 1970 einen Vertreter
der Großfarmer aus Florida anhörte und dieser nur von den Sorgen der Farmer
und nicht vom Elend der landwirtschaftlichen Wanderarbeiter sprach, um die
es ging. "Ich möchte einmal von Ihnen hören, daß Sie das persönlich bewegt",
so schrie Mondale und schlug mit der Faust auf den Tisch.
Der Senator aus dem Staate Minnesota spricht sonst leise und gemessen
und gilt bei all seinem sozialen Engagement als einer der liberalsten Vertreter der Demokraten.

Daß der demokratische Präsidentschaftskandidat Jimmy

Carter ihn am 15. Juli zu seinem Mitstreiter erkor - was durch den Parteikonvent gebilligt wurde - geht nicht nur auf wahltaktische Überlegungen zurück.
Natürlich sprechen der eher konservative Kandidat Carter und der Liberale
Mondale ein breites Spektrum der Bevölkerung an, und der Südstaatler Carter
und der Mann aus dem Norden, Mondale, geben sozusagen ein gutes Gespann ab,
aber Carter suchte, wie er selbst sagte, einen Mann, mit dem ein Gleichklang
herrscht.

Carter wählte den Mann mit der 'großen Verträglichkeit" und dem

"tiefen Verständnis und Mitgefühl für diejenigen, die die Leistungen der Regierung am meisten brauchen".
Mondale

�*

Mondale war einer unter sechs "Finalisten", die zur Wahl standen.

Die

anderen waren die Senatoren Edmund Muskie aus Maine, Frank Church aus Idaho,
Adlai Stevenson III aus Illinois, John Glenn aus Ohio und Henry Jackson aus
dem Staate Washington»
Carter hat seine Wahl wohlerwogen und seinen Beschluß nicht auf Anhieb
gefaßt:

"Aber ich habe absolut keinen Zweifel, daß dies die richtige Ent-

scheidung ist!"
Walter Frederick Mondale hat sich seinen Platz in der amerikanischen
Politik durch Tüchtigkeit, harte Arbeit und Fleiß erkämpft - und er war
sicherlich auch immer zur rechten Zeit am richtigen Ort.

Er sieht in der Vize-

präsidentschaft keinen "zeremoniellen Posten", sondern nahm die Kandidatur erst
an, als Carter ihm versicherte, daß er "seinen Vizepräsidenten in einem sehr
weiten Aufgabenbereich in der Innen- wie der Außenpolitik heranziehen" werde.
Die erste Aufgabe sei, die Wahl zu gewinnen.
Mondale wurde am 5. Januar 1928 als eines von sieben Kindern des Methodistenpfarrers Theodore Sigvaard Mondale in dem kleinen Städtchen Ceylon im
südlichen Minnesota geboren. Seine Familie ist norwegischer Herkunft und hieß
eigentlich Mundal; der heutige Name geht auf einen Schreibfehler der Einwanderungsbehörden zurück. Was aus Namen werden kann, zeigt sich auch daran, daß
aus Frederick der Spitzname "Fritz" wurde, der dem Senator heute noch anhängt.
Er besuchte die öffentliche Schule seines Heimatortes und von 1946 bis 1949
das Macalester College in St. Paul, Minnesota. Im letzten Studienjahr wechselte er an die Staatsuniversität von Minnesota, wo er 1951 den akademischen
Grad eines Bachelor of Arts erwarb. Sein Studium finanzierte er durch Arbeit
in einer Lebensmittelfabrik.
Schon 1948 war er in der Politik zu finden. Damals war er als Wahl kämpfleiter im Zweiten Kongreßwahlbezirk des Staates für den - erfolgreichen - Senatskandidaten Hubert H. Humphrey, damals Bürgermeister von Minneapolis, tätig.
Mondale trug wesentlich dazu bei, daß Humphrey in dem vorher stark republikanischen Wahlbezirk als demokratischer Senator mit beachtlicher Mehrheit ge- 2 -

&gt;

�gewann.

Seit dieser Zeit datiert die politische Freundschaft der beiden.

Im Jahre 1951 wurde Mondale Soldat und diente in Korea. Nach seiner
Entlassung mit dem Rang eines Korporals im Jahre 1953 studierte er Jura an
der Universität von Minnesota.
Er heiratete 1955 Joan Adams, die Tochter eines Geistlichen. Das Paar
hat drei Kinder - zwei Söhne, Theodore und William, und eine Tochter, Eleanor
Jane.
Nach seiner Zulassung bei der Anwaltskammer von Minnesota im Jahre 1956
arbeitete Mondale vier Jahre in dem großen Anwaltsbüro von Larson, Loevinger,
Lindquist, Freeman und Fräser.

Einer der Partner dieses Büros, Orville L.

Freeman, der spätere Landwirtschaftsminister unter Kennedy und Johnson, kandidierte für den Posten des Staatsgouverneurs von Minnesota. Mondale führte
für ihn den Wahlkampf und war wiederum erfolgreich.
Nachdem er zwei Jahre als Sonderberater des General Staatsanwalts seines
Heimatstaats gearbeitet hatte, wurde er 1960 von Gouverneur Freeman auf den
Posten des Generalstaatsanwalts berufen, der mit dem Rücktritt seines bisherigen Inhabers vakant geworden war.

Im November 1962 wurde er mit einer über-

zeugenden Mehrheit von 59,6 Prozent erneut für dieses Amt gewählt.
Unter den Delegierten Minnesotas nahm Mondale 1964 am Nationalkonvent
der Demokraten teil, auf dem der damalige Präsident Lyndon B. Johnson Senator
Humphrey zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten auswählte.

Am 17. November

- nach dem überwältigenden Wahlsieg der Gespanns Johnson-Humphrey - wurde
Mondale von Gouverneur Roolvag mit dem Senatssitz Humphreys betraut, der nach
dessen Ausscheiden noch für zwei Jahre vakant war.

Seither hat Mondale zwei-

mal - 1966 und 1972 - selbst als Senator kandidiert und wurde beide Male mit
überzeugender Mehrheit gewählt.
Mondale gehört dem einflußreichen Budget-Ausschuß des Senats, dem FinanzAusschuß, der mit der Abfassung der Steuer- und Handelsgesetze betraut ist,
- 3 -

�V
ist, und dem Ausschuß für Arbeit und öffentliche Wohlfahrt an. Außerdem arbeitete Mondale in dem Sonderausschuß mit, der unter Vorsitz von Senator
Frank Church aus Idaho mit der Untersuchung

der Verbindungen zwischen Re-

gierung und Geheimdiensttätigkeiten betraut war.
Bei seinen Kollegen im Senat gilt Mondale als Vertreter gemäßigter bis
liberaler Anschauungen.
Mondale tritt für Steuerreformen ein, die vor allem der breiten Masse
der Amerikaner Steuererleichterungen bringen sollen, und hat in diesem Zusammenhang auch die Forderung nach einer Straffung der Verteidigungsausgaben
gestellt, um der "Durchschnittsfamilie" finanziell zu helfen.
Er sei für Entspannung, so sagte er, aber auch für eine gesicherte Verteidigung.

Sein Kampf richte sich gegen jede Vergeudung von Mitteln und eine

einseitige Eskalation des Wettrüstens.

Wenn man in der Rüstung eine Milli-

arde Dollar einsparen könne, so stünden diese für andere vordringliche Aufgaben zur Verfügung, beispielsweise für das Erziehungswesen und die Programme
der Kinderbetreuung.
Im Jahre 1975 stimmte er für die Bereitstellung von Mitteln zur Fortsetzung der Forschungs- und Entwicklungsprogramme für den umstrittenen B-1-Bomber,
in dem er eine "nichtbedrohliche amerikanische Abschreckung" gegen die weiterentwickelten sowjetischen Nuklearwaffen sah.

Im Mai dieses Jahres jedoch er-

klärte er im Senat, daß er "ernste Zweifel" habe, ob es geraten sei, mit der
Produktion der Modelle dieses Bombertyps fortzufahren, und schlug vor, die
Entscheidung darüber dem nächsten Präsidenten zu überlassen.

(Der Senat schloß

sich diesem Vorschlag an, doch weigerte sich das Repräsentantenhaus diesen
"Aufschub" zu akzeptieren, worauf der Senat nachgab, so daß mit dem Bau der
ersten drei Prototypen des neuen Bombertyps begonnen werden konnte.)
Außer Einsparungen im Verteidigungshaushalt hat Mondale auch Kürzungen
der Auslandshilfe vorgeschlagen.

Nach seiner Auffassung könnten die Mittel
- 4 -

�Mittel für aufwendige Weltraumprogramme wie "SKYLAB" und "SPACE SHUTTLE"
ebenfalls besser für innenpolitische Aufgaben verwendet werden.
In seinem kürzlich veröffentlichten Buch "The Accountability of Power"
(Die Verantwortlichkeit der Macht) tritt Mondale für eine Ausgewogenheit der
Macht des Präsidenten und eine stärkere Verantwortlichkeit der Exekutive gegenüber dem Kongreß und dem Volk ein. Im übrigen hat er das gegenwärtig
praktizierte System der Vorwahlen in 30 Einzelstaaten und der Nominierungsversammlungen in den übrigen 20 Staaten nach unterschiedlichem Modus als
"chaotisch" bezeichnet. Er hat sich für regionale Vorwahlen in allen 50
Staaten der Union - nach geographischen Gesichtspunkten geordnet - ausgesprochen, denn die Nominierung eines Präsidentschaftskandidaten einer Partei
sei "eine nationale Angelegenheit, die auf nationaler Ebene stattfinden
sollte."

- 5 -

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15/1976

US-ABHÄNGIGKEIT VON IMPORTÖL
Stellungnahme des Chefs der Bundesenergiebehörde

- (AD) - An der wachsenden Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von
Importöl, die durch die Erholung der Wirtschaft im vergangenen Jahr noch
verstärkt wurde, wird sich nach Ansicht der Bundesenergiebehörde FEA
vorläufig nichts ändern. Frank Zarb, der Leiter der FEA, verwies anläßlich eines Pressegesprächs darauf, daß im Frühjahr 1976 die amerikanische Rohölförderung mit 1,15 Millionen Tonnen pro Tag auf den
niedrigsten Stand seit mehr als 10 Jahren abgesunken sei. Gleichzeitig
habe der Verbrauch, auf den Jahresdurchschnitt umgerechnet, nach einem
bemerkenswerten Rückgang in den Jahren 1974 und 1975 wieder um 4,1 Prozent
zugenommen. Die Importe stiegen von 850 000 Tonnen/Tag im Jahr 1975
(das entspricht 37 Prozent des gesamten Inlandsverbrauchs) auf mehr als
1 Million Tonnen/Tag (ca. 41 Prozent des für 1976 geschäetzten Verbrauchs).
Die Kosten für Erdölimporte dürften sich von 27 Milliarden Dollar im Jahr
1975 auf 3^ Milliarden im laufenden Jahr erhöhen. 37 Prozent der Importe
werden von den arabischen Mitgliedstaaten, 45 Prozent von den übrigen
Partnern der OPEC bezogen.

In dem neuen Halbjahresbericht der FEA heißt es, eine Änderung des
gegenwärtigen Trends sei erst dann zu erwarten, wenn Ende 1977 öl aus
Alaska verfügbar werde, wenn außerdem die Preiskontrolle für inländisches
Erdöl und Erdgas aufgehoben, diezusätzliche Förderung aus den bisher der
US-Marine
- 1 -

�US-Marine vorbehaltenen Ölvorkommen aufgenommen und weitere Einsparungsmaßnahmen wirksam seien.

In Vercindui;g mit der Anlage einer strategischen

ölreserve von rund 215 Millionen Tonnen könnte diese Entwicklung dazu
beitragen, die Vereinigten Staaten gagen ein weiteres ölembargo immun zu
machen.

Allerdings habe in einigen unkten, insbesondere auf dem Gebiet

der Einsparung von Energie, der US-Kongress noch keine Entscheidung getroffen.
Die Situation in bezug auf bestimmte Energie-Sektoren skizzierte Frank
Zarb folgendermaßen:
- Die Förderung von einheimischem Erdgas wird in den nächsten Jahren
wahrscheinlich den Stand von 1975 (562,8 Milliarden Kubikmeter) noch
unterschreiten, könnte jedoch bei einer Freigabe der Preise bis 1985 auf
616 Milliarden Kubikmeter/Jahr ansteigen.

Wird die jetzt gültige einge-

schränkte Preiskontrolle beibehalten, dürfte bis 1985 ein Anstieg der
Förderung auf ca. 588 Milliarden cbm zu erwarten sein.
- Die Kohleförderung wird sich im laufenden Jahr (1976) vermutlich
auf 612,2 Millionen Tonnen stellen (1975: 580,5 Millionen Tonnen).
- Das Ziel der Regierung, bis Ende 1976 so viele Kernkraftwerke in
Betrieb zu haben, daß auf diese 26 Prozent der Gesamtstromerzeugung
entfallen, wurde nicht erreicht. Die Gründe dafür sind in erster Linie
höhere Kosten und längere Anlaufzeiten bis zum Baubeginn.
- Die bisher erlassenen Verfügungen zur Umstellung konventioneller
Kraftwerke von öl bzw. Erdgas auf Kohlefeuerung bis Ende 1976 könnte zu
einer Einsparung von 43 Millionen Tonnen öl pro Jahr beitragen.
- Die Begrenzung der Einfuhr von verflüssigtem Erdgas auf zunächst 56
Milliarden cbm pro Jahr, die vom Präsidial bei rat für Energie-Rohstoffe
kürzlich genehmigt wurde, könnte einen Anreiz zur Steigerung der einheimischen Erdgasförderung schaffen.

Die Einfuhr aus einem einzelnen

Lieferland ist auf 20,4 Milliarden cbm/Jahr begrenzt.
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MIKROCOMPUTER IM US-HANDELSZENTRUM FRANKFURT
- Letzte Veranstaltung vor Verlegung nach Köln -

- (AD) - Noch einmal - bevor das US-Handelszentrum in Frankfurt seine
Tore schließt - findet vom 12. bis 15. Oktober 1976 eine Ausstellung und
Fachtagung statt, zu der eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Besuchern erwartet wird. Das Thema lautet "Mikrocomputer/Prozessoren und Zubehör". Etwa
40 amerikanische Hersteller, darunter viele wohlbekannte Namen, aber auch
eine Reihe von Firmen, die neu auf dem europäischen Markt sind, präsentieren
hier ihre neuesten Entwicklungen.
Die besondere Aktualität des Themas wird durch die gleichzeitig stattfindende Fachtagung unterstrichen, auf der deutsche und amerikanische Experten aus Industrie und Forschung zu einschlägigen Fragen Stellung nehmen werden.
Die Ausstellungspalette überdeckt praktisch alle Bereiche der Mikrocomputertechnik; sie ist sowohl für Endkunden als auch für OEM-Anwender gleichermaßen interessant.

Neben kompletten Computersystemen werden Datenspeicher

und Ausgabegeräte aller Art, "intelligente" Fernmeldeprozessoren, Datenmodems,
Zeitmultiplexer, Magnetbandformatierer sowie Hilfsgeräte (Locher usw.) gezeigt.
Besonders

�Besonders erwähnenswert ist ein "Baukasten"-Mikrocomputersystem das
durch außerordentliche Preiswürdigkeit neue, bisher aus Kostengründen verschlossene, Anwendungsgebiete eröffnet.
Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum
Bockenheimer Landstr. 2 - 4
6000 Frankfurt a.M.
Tel.: (0611) 72 08 01

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NEUARTIGE "AKUSTISCHE KAMERA"

- (AD) - Ein elektronisches System zur Fokussierung von Ultraschallwellen in einer "akustischen Kamera" wurde anläßlich der gemeinsamen Tagung
des Amerikanischen Instituts für Ultraschall in der Medizin und der Weltorganisation für Ultraschall in Medizin und Biologie Anfang August 1976
in San Francisco (Kalifornien) zum ersten Mal öffentlich demonstriert.
Das neue System, das von Prof. Gordon S. Kino (Mikrowellenlaboratorium
des Department für Elektrotechnik), Dr. James Havlice und Prof. Calvin
Quate (Department für angewandte Physik) an der Stanford-Universität
entwickelt wurde, wird nunmehr von der Fa. Unirad Corp. 'Denver, Colorado)
in Lizenz gebaut. Es macht akustische Linsensysteme überflüssig.
Das Ultraschall-Fokussierungssystem "verarbeitet" Schallimpulse, die
von piezoelektrischen Detektoren oder Energiewandlern aufgenommen wurden.
Die Detektoren wandeln die Schallwellen, nachdem diese das zu untersuchende Objekt passiert haben, in elektrische Signale um. Die Signalstärke ist davon abhängig, welche Veränderungen die Schallwellen beim
Durchgang durch das Material erfahren haben. In der Praxis bedeutet dies,
daß man mit Hilfe von Ultraschall-Aufnahmen Körpergewebe verschiedener
Dichte, bis hin zu Gefäßen, Fett- und Muskelgewebe, voneinander unterscheiden kann. Im Gegensatz zu dieser Technik ist weiches Gewebe auf
Röntgenaufnahmen nahezu unsichtbar, sofern es nicht durch Kontrastmittel
besonders hervorgehoben wird. Das Scniucken oder die Injektion bestimmter
Kontrastmittel ist jedoch für den Patienten oft recht unangenehm.
Außerdem

�Außerdem bedeutet jede Röntgenaufnahme eine zusätzliche Strahlenbelastung,
eine Ultraschall-Aufnahme dagegen nicht.
Die Detektoren der "akustischen Kamera" sind flache, in bestimmter
Reihenordnung plattenförmig montierte Keramiksegmente.

Die Rückseite

jedes Segments ist an einen "Mixer" angeschlossen, der seinerseits vom
sog. SAW-System (SAW = "rurface acoustic wave delay 1 ine") gesteuert wird.
Auf diese Weise wird über die einzelnen Segmente ein elektronisches
"Raster" vom Objekt erzeugt und gleichzeitig die Fokussierung auf die
für die Untersuchung wichtige Ebene erreicht.
Tiefenzone im Körper möglich.

Sie ist optimal für jede

Das "Schallbild" erscheint auf einem

Bildschirm und erlaubt z. B. die Beobachtung des Ablaufs bestimmter
Prozesse im Organismus.
Da es sich bei dem neuen Stanford-Verfahren um ein elektronisches
System handelt, ist eine mechanische Fokussierung überflüssig. Der
elektronische Brennpunkt ändert sich automatisch mit der Entfernung,
so daß ein Bild produziert wird, das in allen Tiefen scharf erscheint.
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GERALD R. FORD: PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER

Washington - (AD) - Gerald R. Ford hatte bereits vor Übernahme des
höchsten Staatsamtes der Vereinigten Staaten als Vizepräsident Gelegenheit,
sich mit allen Aspekten der Regierungsarbeit vertraut zu machen. Und aufgrund seiner 25jährigen Zugehörigkeit zum Repräsentantenhaus verfügte er
über besonders enge Verbindungen zum Kongreß. Als Fraktionsführer der
republikanischen Minderheit im Repräsentantenhaus seit 1965 war es seine
Aufgabe in den Tagen der Regierung Johnson, die Politik der Opposition und
nach der Wahl Nixons zum Präsidenten die der Administration dort zu
vertreten.
Vor seiner Wahl zum Vizepräsidenten durch den Kongreß nach dem Rücktritt
seines Vorgängers Spiro T. Agnew mußte sich Ford vielen und kritischen
Fragen in den Ausschüssen stellen,

Er bezeichnete sich als "konservativ in

fiskalischen Dingen, gemäßigt in innenpolitischen Angelegenheiten und liberal
in der Außenpolitik".

Und er erklärte schon damals, daß es ihm nicht um

persönliche Macht oder Größe gehe, sondern daß er seine Aufgabe übernehmen
wolle "einfach weil ich glaube, daß es wichtig für die Innen- und Außenpolitik unseres Landes ist."

Er errang im Kongreß die Achtung und Aner-

kennung seiner politischen Freunde wie auch Gegner.

In seinem Wahlkreis

in Michigan hat er bei se'ner ersten Wahl zum Abgeordneten in das Repräsentantenhaus und bei seinen 12 Wiederwahlen niemals weniger als 60 Prozent
der Stimmen gewonnen.
Seine

- 1-

�Seine politische Laufbahn begann er 1948 mit der erfolgreichen Kandidatur
für einen Sitz im Repräsentantenhaus, dem er bis zur Vereidigung als Vizepra'sidentder USA angehörte.

Ford, der nicht mit der gleichnamigen Auto-

Dynastie verwandt ist, hatte sich vor allem in Fragen der nationalen Sicherheit stets mit größtem Nachdruck hinter die Politik seiner Vorgänger gestellt und hält die Aufrechterhaltung der militärischen Stärke der USA nach
wie vor für unerläßlich.

Auf zahlreichen Auslandsreisen, die ihn bis in

die Volksrepublik China führten, und vor allem in seinen Verhandlungen mit
den Sowjets gewann er aus eigener Anschauung eine klare Vorstellung von
den Notwendigkeiten der amerikanischen Außenpolitik im heutigen Zeitalter
des Wandels.
In der Republikanischen Partei gilt Ford als Gemäßigter, der überzeugend
zu argumentieren und zielbewußt zu handeln versteht.

Er hat wiederholt

die Fähigkeit bewiesen, die Fraktion und darüber hinaus die Partei in der
Diskussion selbst schwieriger Fragen zu einen.
Gerald R. Ford wurde am 14. Juli 1913 in Omaha im Staate Nebraska als
Leslie King geboren. Nach Scheidung der Eltern und Wiederverheiratung der
Mutter wurde er von seinem Stiefvater, Gerald R. Ford, Sr., adoptiert,
einem Farben- und Lackfabrikanten aus Grand Rapids im Staate Michigan und
führenden Mitglied der örtlichen Parteiorganisation. Nach Absolvierung
der Oberschule in Grand Rapids bezog Ford die Universität von Michigan in
Ann Arbor, an der er 1935 den Grad eines Bachelor of Arts erwarb. Er trieb
in seiner Freizeit eifrig Sport - er schwimmt übrigens noch heute täglich,
um sich körperlich in Form zu halten - und gehörte zu den Stars der FootballMannschaft seiner Universität. Während der Depressionsjahre verdiente er
sich sein Studium mit allerlei Nebenbeschäftigungen - unter anderem als
Tellerwäscher. Und auch später, als er das Jurastudium an der Yale-Universität aufnahm, mußte er als Football- und Boxtrainer Geld verdienen und
deshalb mit fünf bis sechs Stunden Schlaf auskommen. Nach dem Studienabschluß als Bachelor of Laws 1941 und der kurz darauf erfolgten Zulassung zu
den Gerichten von Michigan und zum Obersten Bundesgericht wurde er Teilhaber
einer

�einer Rechtsanwaltskanzlei, der er bis 1949 angehörte.

Im zweiten Welt-

krieg diente er bei der US-Marine und wurde auf einem Flugzeugträger im
Pazifik eingesetzt, zuletzt im Range eines Korvettenkapitäns.
Aus dem Militärdienst entlassen, nahm er 1946 seine Anwaltstätigkeit
wieder auf und begann sich aktiv in einer Reformgruppe der Republikanischen
Partei zu betätigen, mit der er schon vor dem Krieg in engem Koniakt gestanden hatte.

Zwei Jahre später stellte ihn die Partei als Kandidaten

für das US-Repräsentantenhaus auf, in das er nach dem Sieg in den Novemberwahlen 1948 im Januar 1949 einzog.
Gerald R. Ford ist mit Elizabeth Bloomer verheiratet und hat drei Söhne
und eine Tochter.
Seine Familie gibt Ford sehr viel Kraft, und sie kann als beispielhaft angesehen werden.

Sie ist typisch amerikanisch und hat auch in der Zeit im

Weißen Haus keinen Wert auf Extravaganz gelegt.

Die familiären und

politischen Gespräche am großen runden Küchentisch in dem wohnlichen Haus
des Fraktionsführers der republikanischen Minderheit im Repräsentantenhaus
brachten viel Anregung.

Die Gastlichkeit ohne übertriebene Etikette wurde

nicht zuletzt von Diplomaten in Washington geschätzt.
Als Gerald Ford am 6. Dezember 1973 auf sein Amt als Vizepräsident der
Vereinigten Staaten vereidigt wurde, übernahm er eine Pflicht, die ihm
der Kongreß mit 92 gegen drei Stimmen im Senat und mit 387 gegen 35 Stimmen
im Repräsentantenhaus übertragen hatte. Jetzt kämpft er als der Kandidat
seiner Partei um die Präsidentschaft als gewählter Präsident.
+ + + + + +

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GERALD R. FORD: PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER

Washington - (AD) - Gerald R, Ford hatte bereits vor Übernahme des
höchsten Staatsamtes der Vereinigten Staaten als Vizepräsident Gelegenheit,
sich mit allen Aspekten der Regierungsarbeit vertraut zu machen.

Und auf-

grund seiner 25jährigen Zugehörigkeit zum Repräsentantenhaus verfügte er
über besonders enge Verbindungen zum Kongreß.

Als Fraktionsführer der

republikanischen Minderheit im Repräsentantenhaus seit 1965 war es seine
Aufgabe in den Tagen der Regierung Johnson, die Politik der Opposition und
nach der Wahl Nixons zum Präsidenten die der Administration dort zu
vertreten.
Vor seiner Wahl zum Vizepräsidenten durch den Kongreß nach dem Rücktritt
seines Vorgängers Spiro T. Agnew mußte sich Ford vielen und kritischen
Fragen in den Ausschüssen stellen.

Er bezeichnete sich als "konservativ in

fiskalischen Dingen, gemäßigt in innenpolitischen Angelegenheiten und liberal
in der Außenpolitik".

Und er erklärte schon damals, daß es ihm nicht um

persönliche Macht oder Größe gehe, sondern daß er seine Aufgabe übernehmen
wolle "einfach weil ich glaube, daß es wichtig für die Innen- und Außenpolitik unseres Landes ist."

Er errang im Kongreß die Achtung und Aner-

kennung seiner politischen Freunde wie auch Gegner.

In seinem Wahlkreis

in Michigan hat er bei seiner ersten Wahl zum Abgeordneten in das Repräsentantenhaus und bei seinen 12 Wiederwahlen niemals weniger als 60 Prozent
der Stimmen gewonnen.
Seine

- 1 -

�Seine politische Laufbahn begann er 1948 mit der erfolgreichen Kandidatur
für einen Sitz im Repräsentantenhaus, dem er bis zur Vereidigung als Vizepräsidentder USA angehörte.

Ford, der nicht mit der gleichnamigen Auto-

Dynastie verwandt ist, hatte sich vor allem in Fragen der nationalen Sicherheit stets mit größtem Nachdruck hinter die Politik seiner Vorgänger gestellt und hält die Aufrechterhaltung der militärischen Stärke der USA nach
wie vor für unerläßlich. Auf zahlreichen Auslandsreisen, die ihn bis in
die Volksrepublik China führten, und vor allem in seinen Verhandlungen mit
den Sowjets gewann er aus eigener Anschauung eine klare Vorstellung von
den Notwendigkeiten der amerikanischen Außenpolitik im heutigen Zeitalter
des Wandels.
In der Republikanischen Partei gilt Ford als Gemäßigter, der überzeugend
zu argumentieren und zielbewußt zu handeln versteht.

Er hat wiederholt

die Fähigkeit bewiesen, die Fraktion und darüber hinaus die Partei in der
Diskussion selbst schwieriger Fragen zu einen.
Gerald R. Ford wurde am 14. Juli 1913 in Omaha im Staate Nebraska als
Leslie King geboren. Nach Scheidung der Eltern und Wiederverheiratung der
Mutter wurde er von seinem Stiefvater, Gerald R. Ford, Sr., adoptiert,
einem Farben- und Lackfabrikanten aus Grand Rapids im Staate Michigan und
führenden Mitglied der örtlichen Parteiorganisation. Nach Absolvierung
der Oberschule in Grand Rapids bezog Ford die Universität von Michigan in
Ann Arbor, an der er 1935 den Grad eines Bachelor of Arts erwarb. Er trieb
in seiner Freizeit eifrig Sport - er schwimmt übrigens noch heute täglich,
um sich körperlich in Form zu halten - und gehörte zu den Stars der FootballMannschaft seiner Universität. Währpnd der Depressionsjähre verdiente er
sich sein Studium mit allerlei Nebenbeschäftigungen - unter anderem als
Tellerwäscher. Und auch später, als er das Jurastudium an der Yale-Universität aufnahm, mußte er als Football- und Boxtrainer Geld verdienen und
deshalb mit fünf bis sechs Stunden Schlaf auskommen. Nach dem Studienabschluß als Bachelor of Laws 1941 und der kurz darauf erfolgten Zulassung zu
den Gerichten von Michigan und zum Obersten Bundesgericht wurde er Teilhaber
einer

�einer Rechtsanwaltskanzlei, der er bis 1949 angehörte.

Im zweiten Welt-

krieg diente er bei der US-Marine und wurde auf einem Flugzeugträger im
Pazifik eingesetzt, zuletzt im Range eines Korvettenkapitäns.
Aus dem Militärdienst entlassen, nahm er 1946 seine Anwaltstätigkeit
wieder auf und begann sich aktiv in einer Reformgruppe der Republikanischen
Partei zu betätigen, mit der er schon vor dem Krieg in engem Kontakt gestanden hatte.

Zwei Jahre später stellte ihn die Partei als Kandidaten

für das US-Repräsentantenhaus auf, in das er nach dem Sieg in den Novemberwahlen 1948 im Januar 1949 einzog.
Gerald R. Ford ist mit Elizabeth Bloomer verheiratet und hat drei Söhne
und eine Tochter.
Seine Familie gibt Ford sehr viel Kraft, und sie kann als beispielhaft angesehen werden.

Sie ist typisch amerikanisch und hat auch in der Zeit im

Weißen Haus keinen Wert auf Extravaganz gelegt.

Die familiären und

politischen Gespräche am großen runden Küchentisch in dem wohnlichen Haus
des Fraktionsführers der republikanischen Minderheit im Repräsentantenhaus
brachten viel Anregung.

Die Gastlichkeit ohne übertriebene Etikette wurde

nicht zuletzt von Diplomaten in Washington geschätzt.
Als Gerald Ford am 6. Dezember 1973 auf sein Amt als Vizepräsident der
Vereinigten Staaten vereidigt wurde, übernahm er eine Pflicht, die ihm
der Kongreß mit 92 gegen drei Stimmen im Senat und mit 387 gegen 35 Stimmen
im Repräsentantenhaus übertragen hatte.

Jetzt kämpft er als der Kandidat

seiner Partei um die Präsidentschaft als gewählter Präsident.
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16/1976

SENATOR ROBERT J. DOLE; VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER
- Der Mann aus dem Mittelwesten -

Washington - (AD) - Als Präsident Ford am 19. August 1976 - kurz nach
seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei für die
Wahlen am 2. November - den außerhalb der USA relativ unbekannten Senator
Robert Dole aus Kansas zu seinem Mitstreiter als Vizepräsidentschaftskandidat auswählte, hatte er nicht zuletzt die Einigung seiner Partei im
Sinne. Obwohl Präsident Ford im ersten Wahlgang mit 1187 Stimmen gegen
seinen Konkurrenten Gouverneur Ronald Reagan - auf den 1070 Stimmen fielen siegte, galt es jetzt, die Partei für den Wahlkampf wieder möglichst geschlossen ins Feld zu führen. Und so stellte Ford den Mann seiner Wahl
flankiert von Vertretern der Flügel der Republikanischen Partei vor - zu
seiner Linken Vizepräsident Nelson Rockefeller und zu seiner Rechten den
Wahlkampfmanager seines Gegenspielers Ronald Reagan, Senator Paul Laxalt
aus Nevada. Und Ford betonte, daß die Wahl von Senator Dole die Zustimmung
von Reagan gefunden habe.
Senator Dole hat seinen Ruf als erfolgreicher W a M kämpf er und harter
Arbeiter. Mit Ford und Dole hat sich die Republikanische Partei auf das
amerikanische Kernland konzentriert: beide kommen aus dem Mitteiwesten.
Was die Anschauungen der beiden angeht, so besteht weitgehende Übereinstimmung zwischen Ford und Dole, Beide sind alte Kollegen aus dem
amerikanischen Repräsentantenhaus, wo sie acht Jahre gemeinsam Politik machten.
Beide kündigten einen harten Wahlkampf gegen die demokratischen Kandidaten
Carter und Mondale an
,

Die

�I

•
Die Wahl von Senator Dole beendet einen zweijährigen Streit in den
Reihen der Republikaner um die Vizepräsidentschaft, nachdem der jetzige
Vizepräsident Nelson Rockefeller nie den Beifall des konservativen Flügels
gefunden hatte
zu rechnen-

Dole braucht kaum mit Widerstand in den eigenen Reihen

Er ist ein ausgezeichneter und präziser Redner und besitzt

trotz gelegentlicher scharfer Formulierungen viel Humor.

Er könnte sich

als idealer Partner für Ford erweisen. Schließlich fiel die Entscheidung
Fords nach reiflicher Überlegung und Beratung mit den führenden Vertretern der Republikanischen Partei in Washington und in den Einzel Staaten.
Robert Joseph Dole kommt vom geographischen Mittelpunkt der Vereinigten
Staaten,und

sein politischer Standort ist im Mittelpunkt der republi-

kanischen Anschauungen und Überzeugungen.
Am 22. Juli 1923 in Russell im Staate Kansas geboren, wuchs e&gt;- ganz
in der Nähe des Ortes auf, an dem ihn der Parteikonvent der Republikaner
jetzt zum Vizepräsidentschaftskandidaten erkor.

Er verbrachte die letzten

16 Jahre in Washington, zunächst als Abgeordneter im Repräsentantenhaus
und dann als Senator. Auf dem Parteikonvent hatte er temporär den Vorsitz inne.
Aus einem Agrarstaat kommend, gilt Doles Hauptinteresse begreiflicherweise der Landwirtschaft,

Er ist führendes Mitglied der republikanischen

Minderheit im Senatsausschuß für Landwirtschaft und Forsten und hat sich
für die Unterstützung der Farmer eingesetzt.
Er gehörte als Berater der amerikanischen Delegation auf der Konferenz
der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen 1965
in Rom an, war 1966 Mitglied der Kongressdelegation, die die Ernährungskrise in Indien prüfte, sowie 1967 Mitglied einer ähnlichen Delegation
zur Prüfung des Flüchtlingsproblems im Nahen Osten.
Im Jahre 1971 wurde er von Präsident Nixon zum Vorsitzenden der
Republikanischen Partei berufen, schied jedoch schon 1972 trotz des
überwältigenden

�überwälticenden Wahlsieges Nixons wieder aus diesem Amt,

Der Senator schrieb

dies nicht dem Präsidenten, sondern Intrigen im Weißer Haus zu.

Dole

sprach sich - als einer der ganz wenigen in seiner Partei - gegen einen
Rücktritt Nixons aus und für das Durchstehen des Impeachment-Verfahrens.
Seine persönliche Integrität wurde jedoch niemals angetastet.

Der Republikaner Dole wurde im Jahre 1960 - als John F. Kennedy die
Präsidentschaft für die Demokraten gewann - zum erstenmal in das amerikanische Repräsentantenhaus gewählt und dann dreimal hintereinander wiedergewählt.

Im Jahre 1968 - als Nixon das Weiße Haus für die Republikaner

eroberte - gewann er einen Sitz im Senat für seinen Heimatstaat Kansas
und wurde 1974 nach einem harten Wahlkampf knapp wiedergewählt.

Seinen

Wahlsieg damals schreibt er vor allem der Wahlhilfe von Präsident Ford zu.

Während er im Repräsentantenhaus noch als "Hinterbänkler" galt - wenn
auch als tüchtiger - trat er im Senat wiederholt mit seiner Unterstützung
der Nixon-Administration und seinen Angriffen gegen die Demokröten hervor.
Er hat, wie berichtet, Präsident Ford wiederholt geraten, feste Positionen
zu beziehen, um seine Wahl als Präsident zu gewinnen.
Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Dole in einer Gebirgsdivision in Ttalien
und wurde schwer verwundet.

Er lag drei Jahre im Lazarett und leidet noch

heute an einer Lähmung seiner rechten Hand.

Er wurde als Hauptmann ent-

lassen und gehört zahlreichen Veteranen- und Bürgervereinigungen an.

Im Dezember 1975 heiratete Senator Dole zum zweitenmal - Mary
Elisabeth Hanford, Mitglied der Bundeshandelskommission - nachdem er 1972
von Phyllis Helden geschieden wurde, mit der er seit 1948 verheiratet war
und mit der er eine 22jährige Tochter, Robin, hat.

Dole hat an der Universität von Arizona studiert und dort den akademischen Grad eines Bachelor of Arts und an der Washburn Municipal University
in Topeka, der Hauptstadt des Staates Kansas, den akademischen Grid eines
Bachelor
- 3 -

�Bachelor of Laws (Rechtswissenschaften) erworben. Vor seiner Wahl in
das Repräsentantenhaus in Washington war Dole Abgeordneter im Parlament
seines Heimatstaates. Sein Hobby ist die Politik.

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�amerika dienst
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16/1976

FORD PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER
- Wortlaut seiner Rede vor dem Parteikonvent am 19. August 1976 -

Kansas City - (AD) - Präsident Ford hat am 19. August die ihm angetragene
Nominierung seiner Partei zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner
angenommen und in seiner "Acceptance Address" - der traditionellen Einwilligungsansprache - sein politisches Konzept in großen Zügen umrissen.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Delegierte und Stellvertreter dieses Republikanischen Parteikonvents:
Ich fühle mich durch Ihre Nominierung geehrt - und ich nehme sie an.
Ich nehme sie an mit Stolz, mit Dankbarkeit und mit dem festen Willen, für
das amerikanische Volk einen großen Sieg zu erringen. Wir werden in allen
Teilen unseres Landes einen erfolgreichen Wahl kämpf führen - von den
schneereichen Gefilden Minnesotas bis zu den sandigen Ebenen Georgias. Wir
werden keinen Staat auslassen. Wir werden auf keine einzige Stimme verzichten. Heute abend stehe ich voll Stolz vor diesem Parteikonvent als der
erste amtierende Präsident seit Dwight Do Eisenhower, der vor dem amerikanischen Volk sagen kann: Amerika hat Frieden. Heute abend kann ich Ihnen
ganz ehrlich sagen: Unser Land ist gesund. Unser Land ist sicher. Unser
Land befindet sich auf dem Weg zu einem vollen wirtschaftlichen Aufschwung
und einer besseren Lebensqualität für alle Amerikaner. Und ich werde Ihnen
noch etwas sagen. Ich bin bereit, ich brenne sogar darauf, vor das amerikanische Volk zu treten und von Angesicht zu Angesicht mit Jimmy Carter eine
Debatte über die wirklichen Probleme zu führen. Das amerikanische Volk
hat
- 1 -

�hat ein Recht darauf, aus erster Hand zu erfahren, wo genau wir beide stehen.
Ich bin denen zutiefst dankbar, die mir zur Seite gestanden haben, um die
Nominierung durch die Partei zu gewinnen, deren Sache ich mein ganzes Leben,
seit ich volljährig bin, vertreten habe.

Ich respektiere die Auffassung

derer, die einen Wechsel in Washington wollen.
Wechsel.

Ich möchte ebenfalls einen

Nach 22 langen Jahren der Mißwirtschaft einer Mehrheit sollten

wir den amerikanischen Kongress verändern.
Meine Dankbarkeit geht weit über diesen Saal hinaus; sie gilt auch den
zahllosen Freunden, deren Vertrauen, harte Arbeit und selbstlose Unterstützung mich an diese Stelle gebracht haben.
jemanden herauszustellen.

Es wäre unfair, irgend

Aber ich möchte eine Ausnahme bei meiner wunder-

vollen Familie machen - Mike, Jack, Steve und Susan und vor allem meiner
lieben Betty.

Wir Republikaner erlebten einen harten Wettstreit.

predigen nicht nur den Wettstreit, wir praktizieren ihn auch.

Wir

Heute abend

jedoch kommen wir zusammen, nicht um auf eineiji Schlachtfeld eine Waffenruhe
zu vereinbaren, sondern um uns sozusagen nach dem Training zusammenzuschließen, das uns alle für den vor uns liegenden harten Wahl kämpf fit gemacht hat.
Ich möchte Ihnen aus tiefstem Herzen folgendes sagen: Nach all dem
Hin und Her der letzten Monate ist es wirklich ein gutes Gefühl, zu wissen,
daß Ron Reagan auf der gleichen Seite der Linie steht. Zur Stärkung unseres
Führungsteams hat der Parteikonvent den klugen Beschluß gefaßt, einen der
befähigsten Amerikaner, Senator Bob Dole aus dem großen Staate Kansas, zu
unserem nächsten Vizepräsidenten zu wählen. Mit seiner Hilfe, mit Ihrer
Hilfe, mit der Hilfe der Millionen Amerikaner - die für den Frieden einstehen, die wollen, daß in Amerika die Freiheit erhalten bleibt, der Wohlstand allen zu Gute kommt und wir stolz auf Amerika sein können - werden
wir diese Wahl gewinnen. Ich spreche nicht von einem Sieg der Republikaner,
sondern von einem Sieg für das amerikanische Volk. Sie, die heute abend
in ihren Wohnungen zuhören - Sie sind das Volk, das die Steuern entrichtet und
die

�die Gesetze einhält. Sie sind diejenigen, die unser System mit Leben erfüllen. Sie sind diejenigen, die Amerika zu dem gemacht haben, was es
heute ist. Ich komme aus Ihren Reihen und stehe an Ihrer Seite.
Etwas, was beinahe an ein Wunder grenzt, ist unserem Lande in den beiden
letzten Jahren widerfahren.

Uns allen wurde es am 4. Juli bewußt.

Nach all den Jahren der Wirren und Tragödien, der Kriege und Unruhen,
der Morde und der Vergehen in höchsten Ämtern haben die Amerikaner sich
wieder zu dem Geist von 1776 bekannt. Wir erblickten vor uns wieder die
Vision der Pioniere, wie sie unsere revolutionären Gründerväter und unsere
eingewanderten Vorfahren hatten.
Ihre Vision waren freie Männer und freie Frauen mit einer eingegrenzten
Regierung und unbegrenzten Möglichkeiten.
Das Mandat, das ich 1976 anstrebe, ist, diese Vision zu einer Realität
zu machen.

Aber es wird der Stimmen zahlreicher anderer Amerikaner be-

dürfen, die nicht Republikaner sind, um dieses Mandat bindend und meine
Mission möglich zu machen.
Ich bin ein nicht gewählter Präsident und ein Zufallspräsident genannt
worden.

Wir werden das von der anderen Partei immer wieder hören - trotz

der Tatsache, daß deren gewählte Vertreter im Kongress meine Eignung für
unser höchstes Amt bestätigt haben.

Sie stimmten im Repräsentantenhaus mit

387 gegen 35 Stimmen und im Senat mit 92 gegen 3 Stimmen für mich.
Nachdem ich Vizepräsident und dann Präsident geworden bin, ohne damit
zu rechnen oder eines dieser Ämter anzustreben, habe ich eine besondere
Einstellung zu diesen hohen Ämtern gewonnen.
Für mich waren das Präsidentenamt und das Amt des Vizepräsidenten keine
Preise
- 3 -

�Preise, die zu gewinnen waren, sondern eine Pflicht, die übernommen werden
mußte.

So sind es heute nicht die Macht und der Glanz des Prä'sidentenamtes,

die mich veranlassen, Sie um weitere vier Jahre zu bitten.

Es ist vielmehr

etwas, was jeder hart arbeitende Amerikaner verstehen wird - die Herausforderung einer Aufgabe, die einen guten Anfang hatte, aber bei weitem noch
nicht zu Ende geführt ist.
Vor zwei Jahren, am 9. August 1974, legte ich meine Hand auf die Bibel,
die Betty hielt, und legte den gleichen Eid auf die Verfassung ab, den
einst George Washington abgelegt hat.

Ich vertraute auf unser Volk, auf

unsere Institutionen und auf mich selbst.
"Meine amerikanischen Mitbürger", so sagte ich damals, "unser langer
nationaler Alptraum ist jetzt vorbei".
Es war eine Stunde unserer Geschichte, die unsere Sinne beunruhigte und
unsere Herzen aufwühlte. Zorn und Haß hatten gefährliche Ausmaße erreicht, Freunde und Familien wurden auseinandergebracht. Die Polarisierung
unserer politischen Gesellschaft hatte so unwürdige Leidenschaften wie Vergeltung und Rache geschürt.
Unser Regierungssystem war dem Stillstand näher als zu irgendeinem
Zeitpunkt, seit Abraham Lincoln den gleichen Amtseid abgelegt hat.
/

Unsere Wirtschaft wurde von einer galoppierenden Inflation erschüttert,
die uns Hals über Kopf in die schwerste Rezession stürzte, seit Franklin
D. Roosevelt den gleichen Eid ablegte.
An diesem Tage sagte ich zu meinen Mitbürgern: "Ich bin mir voll bewußt, daß Sie mich nicht mit Ihren Stimmen zu Ihrem Präsidenten gewählt
haben, daher bitte ich Sie.mich mit Ihren Gebeten als Ihren Präsidenten
zu bestätigen".
An

�An einem Marmorkamn des Weißen Hauses ist ein Gebet eingraviert, das
John Adams geschrieben hat.

Es schließt mit den Worten: "Mögen nur ehrliche

und weise Männer unter diesem Dach herrschen".
Seit ich in diesem historischen Gebäude wohne, habe ich versucht, diesem
Gebet nachzuleben.
Ich habe vor zahlreichen schweren Probienen gestanden.
vielleicht manchen Fehler begangen.

Ich habe

Aber insgesamt haben Amerika und die

Amerikaner seit dem August 1974 einen unglaublichen Wiederaufschwung erlebt.
Niemand kann ehrlicherweise etwas anderes behaupten.
Und die volle Wahrheit ist, daß der große Fortschritt, den wir - im
Inland und im Ausland - erzielt haben, trotz der Mehrheit erreicht worden
ist, die den Kongress regiert.

Zwei Jahre lang habe ich für das ganze

Volk gegen die stimmenhungrige, ausgabenfreudige Mehrheit im Kongress gestanden.
Fünfundf'ünfzigmal habe ich mein Veto gegen ausgefallene und unkluge
Gesetzesentwürfe eingelegt.
durchgesetzt worden.

Vierundvierzigmal ist dieses Veto durch mich

Durch diese Vetos sind dem amerikanischen Steuer-

zahler Milliarden und Abermilliarden an Dollar erspart geblieben.
Ich bin gegen den großen Steuerausgeber und für den kleinen Steuerzahler.
Ich habe mich für eine permanente Steuersenkung verbunden mit Ausgabereduzierungen eingesetzt, um die Wirtschaft zu fördern und dem hartbedrängten Steuerzahler mittleren Einkommens Erleichterungen zu verschaffen.

Ihre

persönliche Steuerfreiheit muß von 750 Dollar auf 1000 Dollar erhöht werden.
In dem Programm der anderen Partei ist von Steuerreformen die Rede,
aber es gibt dabei ein großes Problem: deren eigener Kongress wird sie nicht
verabschieden.

.,

�Ich habe mich für vernünftige, verfassungmäßige Beschränkungen des vom
Gerichtshof angeordneten Transports von Schulkindern mit Bussen (busing)
ausgesprochen.
Das Programm der anderen Partei räumt ein, daß dieser Bustransport ein
"letztes Mittel" sein sollte; aber auch hier gibt es dasselbe Problem:
deren eigener Kongress wird dem nicht zustimmen.
Ich habe mich für eine wesentliche Überarbeitung unseres Strafrechtes
ausgesprochen, um das Verbrechen und den illegalen Drogenhandel einzudämmen .
Das Programm der anderen Partei bedauert, daß das Verbrechen Amerika
90 Milliarden Dollar kostet; und auch hier ist das Problem: deren eigener
Kongress wird nicht handeln.
Das Programm der anderen Partei spricht von einer starken Verteidigung und hier ist nun die andere Seite des Problems: deren eigener Kongress hat
tatsächlich gehandelt. Er nahm während der vergangenen zehn Jahre Abstriche von 50 Milliarden Dollar an unseren nationalen Verteidigungsausgaben
vor.
Meine Freunde: Das Problem heißt nicht Washington, der Kongress ist das
Problem. Sie alle wissen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten kein
Zauberer ist, der eine Wand bewegen oder ein Dokument unterzeichnen kann,
durch das ein Krieg sofort beendet wird, oder der eine Rezession beseitigen
oder eine Bürokratie verschwinden lassen kann. Ein Präsident hat aufgrund
der Verfassung gewaltige Vollmachten, aber sie alle rühren letztlich vom
amerikanischen Volk und desssen Mandat her.
Deshalb wende ich mich heute abend an das amerikanische Volk und bitte
nicht nur um Ihre Gebete, sondern auch um Ihre Kraft und Ihre Unterstützung
um Ihren Zuspruch und um Ihre Stimme.
Ich

-6-

i
j

�Ich trete vor Sie hin mit einem zweijährigen Nachweis von Tätigkeiten
und Leistungen - ohne Ihr Mandat.

Ich biete Ihnen feierlich vier Jahre noch

größerer Leistungen an - mit Ihrem Mandat.
Wie Gouverneur AI Smith zu sagen pflegte: "Wollen wir uns die Tatsachen
betrachten".
Vor zwei Jahren betrug die Inflationsrate 12 Prozent.
Der Absatz ging zurück, Fabriken wurden stillgelegt, jede Woche wurden
Tausende arbeitslos.
Die Furcht vor der Zukunft beeinträchtigte unsere Wirtschaft und bedrohte
Millionen von Familien.
Lassen Sie uns das seit August 1974 Erreichte betrachten.
Die Inflation ist um die Hälfte reduziert.
Die Gehälter steigen, die Gewinne steigen, die Produktion steigt und die
Käufe steigen.
Seit die Rezession in ihr Gegenteil verkehrt wurde, haben fast vier
Millionen unserer Mitbürger neue Arbeitsplätze gefunden oder ihre alten
zurückerhalten. In diesem Jahr haben mehr Männer und Frauen Arbeit als
jemals zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Das Vertrauen ist zurückgekehrt. Wir befinden uns in vollem Tempo auf
dem Wege zu einem gesunden Wiederaufschwung zur Prosperität.
Vor zwei Jahren steckte Amerika in dem Sumpf des Rückzuges aus Südostasien.

Ein Jahrzehnt lang hatte der Kongress unsere globale Verteidigung

gekürzt und unsere strategische Position in Frage gestellt.

Die wachsende
Spannung

- 7 -

�Spannung zwischen Israel und den arabischen Ländern ließ einen weiteren Krieg
unausweichlich erscheinen.
Die ganze Welt beobachtete dies und fragte sich, welchen Weg Amerika
gehen würde.

Würden wir mit unserem innenpolitischen Durcheinander den

Willen, die Ausdauer und die Einigkeit aufbringen, für die Freiheit aufzustehen?
Betrachten wir, was wir seit August vor zwei Jahren geleistet haben.
Heute lebt Amerika in Frieden und erstrebt den Frieden für alle Nationen.
Heute abend kämpft kein einziger Amerikaner irgendwo auf dem Antlitz dieser
Erde.
Unsere wirtschaftlichen wie militärischen Bindungen mit Westeuropa und
Japan varen niemals stärker.

Unsere Beziehungen mit Osteuropa, der Sowjet-

union und Festland-China sind fest, wachsam und auf die Zukunft gerichtet.
Von mir eingeleitete Politiken bieten einen gesunden Fortschritt für die
Völker des Pazifik, Afrikas und Lateinamerikas.
Israel und Krypten haben im Vertrauen auf die Vereinigten Staaten einen
historischen ersten Schritt getan, der mit der Zeit eine gerechte Regelung
für den gesamten Nahen Osten verspricht.
Die Welt achtet heute Amerikas Politik des Friedens durch Stärke.
Vereinigten Staaten sind wieder der vertrauensvolle Führer
Niemand stellt unsere Hingabe an

Jie

der freien Welt.

den Frieden in Frage, aber niemand

bezweifelt auch unsere Entschlossenheit, unsere Stärke einzusetzen, wenn es
um lebenswichtige Interessen geht.
Ich habe eine moderne, mächtige Armee, Marine und Luftwaffe und ein ebensolches Marinekorps verlangt, die die Sicherheit Amerikas auf Jahrzehnte gewährleisten werden.

Eine starke militärische Position ist immer der beste

Garant des Friedens.
Aber
- 8 -

�Aber die Stärke Amerikas ruhte nicnals auf den Waffen allein.

Sip hat

ihre Wurzeln in der gegenseitigen Verpflichtung von Bürgern und Führern,
an den höchsten Normen der Ethik und der Moral festzuhalten.
Vor zwei Jahren ist das Vertrauen des Volkes in seine höchsten Vertrete» denen sie mit überwältigender Mehrheit die Macht übertragen hatte - zweimal
erschüttert worden.

Mit dem Verlust des Vertrauens in das Wort ihrer ge-

wühlten Führer verloren die Amerikaner von ihrem Vertrauen in sich selbst.
Und wieder dürfen wir auf das blicken, was wir seit August 1974 geleistet
haben.
Meine Administration ist von Anfang an offen und ehrlich gewesen.
Als mein gesamtes öffentliches und privates Leben einer eingehenden
Untersuchung unterzogen wurde, als es um meine Stellung als Vizepräsident ging,
da bekräftigte ich meine lebenslange Oberzeugung, dal3 Wahrheit der Kitt ist,
der die Regierung zusammenhält •- nicht nur die Regierung, sondern die Zivilisation überhaupt.
In den 24 Jahren im Dienste meiner Nachbarn in Michigan lernte ich, ihnen
zuzuhören und sie zu verstehen.

Als Ihr Präsident bin ich mit Tausenden von

Bürgern aus allen Lebensbereichen und aus allen 50 Staaten der Union zusammengekommen.

Ich habe mir andere Meinungen und Kritik arjehört.

Ich habe alle

Fragen beantwortet und der Nation meine Standpunkte frei und umfassend dargelegt.
Ich habe von jedem in der Exekutive Ehrlichkeit, Anständigkeit und persönliche Integrität verlangt.
gleiche Pflicht.

Das Repräsentantenhaus und der Senat haben die

Das amerikanische Volk wird im Kongress der Vereinigten

Staaten keine doppelte Moral akzeptieren.
Diejenigen, die heute unsere Gesetze beschließen, dürfen den Ruf unserer
großen gesetzgebenden Körperschaften nicht ruinieren, die so große Männer
_ g .

hervorgebracht
*

�hervorgebracht haben wie Daniel Webster, Henry Clay, Sam Rayburn und Robert
A

Taft. Ob in der Hauptstadt der Nation oder in der Hauptstadt eines

Einzel Staates oder im Rathaus einer Stadt müssen private Untadeligkeit und
öffentliches Vertrauen Hand in Hand gehen.
Die Entwicklung von August 1974 bis August 1976 zeigt einen stetigen
Fortschritt nach oben zu Prosperität, Frieden und öffentlichem Vertrauen.
Was ich aufzuweisen habe, sind Fortschritte und keine Allgemeinplätze.
Was ich aufzuweisen habe, sind spezifische Dinge und kein Lächeln.
Was ich aufzuweisen habe, ist Handeln und keine Versprechungen.
Mit dem, was ich aufzuweisen habe, kann ich mit Stolz kandidieren.
Das, was ich aufzuweisen habe, wird das amerikanische Volk - Demokraten
Unabhängige ebenso wie Republikaner - am 2. November unterstützen.
Ich verspreche Ihnen, daß ich in den nächsten vier Jahren an dem festen
Kurs festhalten werde, mit dem wir begonnen haben.
Aber ich habe nicht die Absicht, mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen.
Wir werden weiterhin den Kampf gegen die Inflation siegreich führen.
Wir werden weiterhin den Ballast und die Übergriffe der Bürokratie
abbauen
Wir werden bis 1978 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen» ,
Wir werden am Arbeitsplatz, in der Freizeit und in unseren Heimen und i
unserer Nachbarschaft die Qualität des Lebens weiter verbessern.
Wir
- 10 -

�Wir werden die Städte nicht im Stich lassen.

Wir werden die Sanierungs-

programme für die Städte fördern, die Sicherheit auf den Straßen gewährleisten,
eine gesunde Umwelt schaffen und die bevorzugte Stellung der Gemeinden wiederherstellen.
Wir werden Eltern und örtlichen Schulbehörden wieder die Aufsicht über
die Erziehung und Ausbildung der Kinder übertragen.
Wir werden sicherstellen, daß die Partei Lincolns die Partei der Gleichberechtigung bleibt.
Wir werden ein Steuersystem schaffen, das für alle unsere Bürger fair ist,
das die Kontinuität der Familienheime, der Familienfarmen und der Familenunternehmen schützt.
Wir werden die Integrität des Sozialversicherungssystems gewährleisten
und den Gesundheitsdienst (Medicare) weiter verbessern, so daß die älteren
Bürger sich eines gesunden und glücklichen Lebensabends erfreuen können, den
sie sich durch ihre Arbeit verdient haben.

Es gibt keinen Grund, warum es

ihnen schlecht statt gut gehen sollte.
Wir werden sicherstellen, daß unser reiches Land nicht die Bürger vernachlässigt, die weniger vom Glück begünstigt waren, sondern ihnen mit Anteilnahme und Würde das gibt, was sie brauchen.
Wir werden die Ausweitung und die Kosten des Regierungsapparates abbauen
und es allen Arbeitnehmern und Unternehmen ermöglichen, mehr von ihrem verdienten Geld für sich zu behalten.
Wir werden ein Klima schaffen, in dem die Wirtschaft jedem, der arbeiten
will, einen zusagenden Arbeitsplatz anbieten und allen Amerikanern einer,
angemessenen Lebensstandard geben kann.
Wir

- 11 -

�Wir werden sicherstellen, daß alle unsere jungen Leute in ihrem Leben
bessere Chancen haben, als wir sie hatten - eine Ausbildung, die sie im Leben
gebrauchen können, und einen Aufstieg im Beruf, auf den sie stolz sein können.
Wir werden eine Agrarpolitik verfolgen, die dem Farmer einen fairen Marktpreis garantiert, die zur Vollproduktion anspornt, zu Rekordexporten führt
und den Hunger der Menschheit lindern hilft.
Wir werden niemals den Überfluß der amerikanischen Landwirtschaft als
Druckmittel in der internationalen Diplomatie benutzen.

Keine Embargos!

Wir werden unsere führende Stellung weiterhin dazu nutzen, überall dort,
wo Unruhe herrscht, vor allem im Nahen Osten, für Frieden, Gerechtigkeit und
wirtschaftlichen Fortschritt einzutreten.
Wir werden eine sicherere und gesündere Welt schaffen, durch geduldiges
Verhandeln und zuverlässige Rüstungsabkommen, die die Gefahr eines Konflikts
verringern und die Schrecken eines thermonuklearen Krieges ausschalten.

So-

lange ich Präsident bin, werde ich nicht auf einen Kollisionskurs zurückkehren,
der die Zivilisation zu Asche

werden

lassen könnte.

Wir werden ein Amerika errichten, in dem die Menschen reich an geistigen
wie auch weltlichen Gütern sein werden.

Wir werden ein Amerika schaffen,

in dem die Menschen stolz auf sich und auf ihr Land sein werden.
Wir werden auf Leistung, nicht auf Versprechungen; auf Erfahrung, nicht auf
selbstsüchtige Berechnung; auf echten Fortschritt, nicht auf mysteriöse
Pläne, die verschwommen In einer weit entfernten Zukunft aufgezeigt werden,
bauen.
Das amerikanische Volk ist klug, klüger als unsere Gegner glauben.
weiß, wer die Zeche für Wahl Versprechungen bezahlen muß.
die Wahrheit zu hören.

Es hat keine Angst,

Wir werden ihm die Wahrheit sagen.
Vom
- 12 -

Es

�Vom ersten bis zum letzten Tag wird unser Wahl kämpf glaubwürdig sein.
Er wird verantwortungsbewußt geführt werden.

Wir werden kämpfen.

Und wir

werden siegen.
Wir kennen alle die Meinungsumfragen und die weisen Sprüche, in denen
es heißt, unsere Partei sei tot.

Ich habe das schon früher gehört.

Und

genauso war es bei Harry Truman.
Ich werdp Ihnen sagen, was meine Meinung ist:

Die einzigen Meinungsum-

fragen, die zählen, sind die Wahlurnen, an die das amerikanische Volk am
2. November tritt.
Und ich sage Ihnen jetzt schon, das amerikanische Volk wird an diesem
Abend sagen: Jerry, du hast gute Arbeit geleistet; mache weiter so.
Und wenn ich mir so vorzustellen versuche, wie es in all den Wohnungen
aussieht, in denen Familien den Ausgang dieses Parteikonvents beobachten,
so kann ich von den Gesichtern her nicht sagen, wo Republikaner, wo Demokraten und wo Unabhängige sind.

Ich kann ihre Hautfarbe nicht sehen und

weiß nicht, welchen Glaubens sie sind.

Ich sehe nur Amerikaner.

Ich sehe Amerikaner, die ihre Männer, ihre Frauen und ihre Kinder lieben.
Ich sehe Amerikaner, die ihr Land lieben für das, was es war und was es
werden muß.
Ich sehe Amerikaner, die hart arbeiten, die aber auch bereit sind, alles,
was sie sich erarbeitet haben, zu opfern, damit ihre Kinder und ihr Land
weiterhin frei bleiben.
Ich sehe Amerikaner, die auf ihre Weise im Stillen für den Frieden urter
den Völkern und für den Frieden unter sich selbst beten. Sie lieben ihre
Nachbarn und sie vergeben denen, die gegen sie gesündigt haben.

Ich
- 13 -

�Ich sehe eine neue Generation, die weiß, was recht ist, und die sich
kennt - eine Generation, die entschlossen ist, ihre Ideale, ihre Umwelt,
unser Land und unsere Welt zu bewahren.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich freue mich über das, was ich sehe.
Ich fürchte nicht um die Zukunft unseres großen Landes.

Und wenn wir jetzt

gemeinsam weiter voranschreiten, verspreche ich Ihnen erneut, was ich Ihnen
schon einmal versprochen hatte: die Verfassung zu verteidigen;

das zu tun,

was recht ist, so wie Gott mich das Rechte erkennen läßt; und das Beste, wie
es in meinen Kräften steht, für Amerika zu tun.
Mit Gottes Hilfe werde ich Sie nicht im Stich lassen.
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16/1976

WASSERBEHANDLUNG - GENERALTHEM." DER AUSSTELLUNG "AQUATECH1
- Umfangreiche Beiträge aus den Vereinigten Staaten -

- (AD) - Mit mehr als 100 Ausstellern werden die Vereinigten Staaten auf
der internationalen Messe AQUATECH 76 vertreten sein, die vom 14. - 18. September 1976 in Amsterdam stattfindet.
AQUATECH ist eine der größten Ausstellungen der Welt, die dem Thema
"Wasser" gewidmet sind. Zum ersten Mal wird sie in diesem Jahr in Verbindung mit dem internationalen Kongreß über Wasserversorgung abgehalten.
Auf der Ausstellung werden mehr als 400 000 Besucher aus aller Welt erwartet.
Der amerikanische Ausstellungsbeitrag präsentiert in mannigfaltiger
Weise die neuesten technologischen Entwicklungen und Fortschritte auf den
zahlreichen Gebieten von Wassernutzung und Wasserbehandlung, die für die
verschiedensten Industrien von Bedeutung sind. Nur die wichtigsten seien
hier genannt: Stahl- und Automobilindustrie, chemische und petrochemische
Industrie samt Ölraffinerien, Hersteller pharmazeutischer und kosmetischer
Produkte, Meerestechnik, Hersteller und Benutzer von Bohrausrüstungen für
die Verwendung zu Lande und auf See, Bergbauunternehmen, Lebensmittelindustrie,
Brauereien und Brennereien, Baufirmen, Wasserwerke und Klärwerke bis hin zu
Krankenhäusern und Forschungslaboratorien.
Das

- 1 -

�Das Angebot läßt erkennen, in welch hohem Maße sich die einschlägige
Industrie in den Vereinigten Staaten um die Lösung ökologischer Probleme und
die Verminderung der Umweltbelastung bemüht.

Nach Auskunft des US-Handels-

ministeriums ist vorgesehen, alle Arten von Ausrüstungen und Konstruktionstechniken zu demonstrieren, die bei der Einsparung, Reinigung, Behandlung und
Entsalzung von Wasser, bei der Beseitigung von Abwässern, beim Transport und
der Speicherung von Wasser, im Zusammenhang mit dem Betrieb von Wasserkraftwerken und selbst beim Damm- und Talsperrenbau in den USA angewandt werden.
Im einzelnen werden u. a. Ausrüstungen für die Behandlung und Qualitätseinstellung von Wasser, Meßuhren aller Art, Ventile, Röhren und Ausrüstungen
für Leitungsreparaturen, Kompressionsverbindungen, Bohrausrüstungen und
Speichersysteme, Pumpen, Filter, Ausrüstungen und Materialien zur Abscheidung
von öl, verschiedene Typen von Separatoren, Analyseninstrumente sowie
Apparaturen für die Wasserentsalzung nach dem Verfahren der Umkehrosmose gezeigt.

Außerdem können sich die Messebesucher bei den Ausstellern aus den

USA über das Angebot an Spezialkameras für die Überwachung von Wasserbrunnen,
Bohrungen, Leitungen, Ölquellen, über ein komplettes System fiberglas-verstärkter Druckkessel und über eine neuartige Vorrichtung informieren, mit
der der Wasserverbrauch bei WCs um 30 Prozent verringert werden kann.

Die

amerikanischen Aussteller sind an Kontakten mit führenden Vertretern der
einschlägigen Industrie anderer Länder sowie der zuständigen Ressorts von Ministerien und kommunalen Verwaltungen interessiert.

Zwanzig der US-Firmen be-

absichtigen, in Europa, Nordafrika und in Mittelostländern Vertretungen
einzurichten.
Im Zusammenhang mit der Ausstellung AQUATECH verdient ein Verfahren Erwähnung, das gegewärtig von Wissenschaftlern der Stanford-Universität in
Kalifornien zur Wasser-Rückgewinnung aus Kanalisationsabwässern und Auffüllung des Grundwasserreservoirs im Raum südlich von San Francisco mit
Frischwasser entwickelt wird. Durch Anwendung einer Technik, die Erdölingenieuren längst vertraut ist, will die Forschergruppe (ihr gehören u. a. die
Professoren Perry L. McCarty, Henry J. Ramey, Robert C. Cooper, James 0.
Leckie
- 2 -

�Leckie und Paul V. Roberts an) Frischwasser in Grundwasserschichten pumpen,
in die bereits Salzwasser aus der Bucht von San Francisco eingedrungen ist.
Dadurch soll nach und nach das Salzwasser wieder ausgeschwemmt werden.
Als "Arbeitsmedium" dienen täglich ca. 7,5 Tonnen behandelte Abwässer
aus dem Klärwerk Palo Alto, die auf nahezu Trinkwasserqualität gereinigt
und zum größten Teil in den Untergrund gepumpt werden, D I P Qualität und
unterirdische Verteilung dieses Wassers wird durch Bohrungen, die an
"strategischen" Punkten niedergebracht werden, ständig überwacht. Durch
kontinuierliche Injektion und Extraktion von Wasser an neun Doppel bohrungen
hoffen die Wissenschaftler, den Salzgehalt allmählich soweit zu verringern,
daß schließlich Trinkwasserqualität erreicht wird.
Mit Oberflächen- und Grundwasser werden ca. 60 Prozent des Wasserbedarfs
von Landwirtschaft, Industrie und Stadtregionen in diesem Raum gedeckt. Jedoch hat die übermäßige Inanspruchnahme des Grundwassers dazu geführt, daß
stellenweise das Oberflächenniveau abgesunken und Salzwasser aus der Bucht
in Grundwasserschichten eingesickert ist. Deshalb muß jetzt Frischwasser
"importiert" werden, um das Grundwasser aufzufüllen. Die Zuführung aus
weiter entfernten Gegenden wird jedoch zunehmend schwieriger, so daß die
Wasserbehörde des Bezirks in Zusammenarbeit mit der Stanford-Universität
nach neuen Wegen der Wasserversorgung sucht. Das Projekt zur Nutzbarmachung von Abwässern für diesen Zweck wird von der Umweltschutzbehörde der
USA (EPA) und anderen staatlichen Stellen mit Zuschüssen in Höhe von mehr
als fünf Millionen Dollar gefördert.
++++++

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ANPASSUNGSPROZESS DER US-FORSCHUNGSPOLITIK
Schwerpunkte: Verteidigung, Energie, angewandte Forschung und Entwicklung -

- (AD) - Die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten
Jahrzehnts haben zwangsläufig auch die Forschungspolitik der Industriestaaten
beeinflußt. In den Vereinigten Staaten waren es vor allem die Aufgaben und
Probleme der Rohstoffversorgung, die überhandnehmende Umweltbelastung als
Folge der massiven industriellen Expansion in Verbindung mit einem nicht
minder massiven Einsatz neuer Errungenschaften der Technik und nicht zuletzt
die Energiekrise, die dazu zwangen, die Forschungspolitik zu überdenken und
der neuen Situation anzupassen,
Die "National Science Foundation" (NSF - Nationale Wissenschaftsstiftung),
die für ein leistungsfähiges Forschungswesen und ein ebenso leistungsfähiges
Bildungswesen im Interesse von Wissenschaft und Wirtschaft in den Vereinigten
Staaten zu sorgen hat, analysiert periodisch die laufenden Forschungs- und
Entwicklungsprogramme und gibt der Bundesregierung Empfehlungen über die
Weiterführung und Neuaufnahme von Projekten auf den verschiedensten Gebieten.
Sie unterstützt experimentelle Forschung, um zu erhöhten Investitionen auch
durch Kreise außerhalb der Bundesregierung in Forschung und Entwicklung anzuregen und den Umsetzungsprozeß in die praktische Anwendung von Forschungsergebnissen durch Industrie, Regierung und andere Stellen zu beschleunigen.
Besondere Beachtung finden Programme, die die Förderung von Wirtschaftswachstum
und Produktivität erwarten lassen, die zu einer Verbesserung der Umweltqualität führen können und die helfen, Lösungen für soziale Fragen zu finden.
Regierung

�k
Regierung und Öffentlichkeit werden durch Berichte der Nationalen Wissenschaftsstiftung, die z„ B, auch Anhaltspunkte zum gegenwärtigen und künftigen
Personalbedarf der wissenschaftlichen und technischen Berufe gibt, über Ergebnisse periodisch vorgenommener Erhebungen informiert.
Die Tatsache, daß der Anteil der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in den USA am Bruttosoyialprodukt seit 1964 von knapp 3 Prozent
auf 2,3 Prozent im Jahr 1975 zurückging (für 1976 wird eine weitere Reduzierung auf 2,2 Prozent erwartet), ist vor allem auf verminderte Beiträge
seitens der Regierung zu den Gesamtaufwendungen zurückzuführen.

Aus den

NSF-Statistiken geht hervor, daß der Regierungsanteil von 2 auf 1,2 Prozent
sank, während der Anteil der übrigen Finanzierungsquellen (Industrie, Universpäten und Colleges sowie anderer gemeinnütziger Institutionen) nahezu
konstant bei 1,1 Prozent des Bruttosozialprodukts geblieben ist.

Im Jahr

1976 entfallen von 38,1 Milliarden Dollar Gesamtaufwendungen 21,6 Milliarden
(53 %) auf die Regierung, 16,6 Milliarden (43 t) auf die Industrie, 800
Millionen (2 %) auf Universitäten und Colleges, die 55 Prozent der Grundlagenforschung durchführen, und der Rest auf andere gemeinnützige Institutionen.
In der Praxis sieht es jedoch so aus, daß in der Form von Auftragsforschung der größte Teil der staatlichen Mittel der Industrie zufließt.
Denn nur 15 Prozent der derzeitigen Projekte von Forschung und Entwicklung
werden von Regierungsinstitutionen, dagegen 69 Prozent von der Industrie,
10 Prozent in Universitäten und Colleges, 3 Prozent in den von der Bundesregierung geförderten Forschungszentren der Universitäten und 3 Prozent in
anderen gemeinnützigen Instituten durchgeführt. Auf den Sektor "Entwicklung"
entfallen 24,4 Milliarden, auf "Angewandte Forschung" 8,9 Milliarden und
auf "Grundlagenforschung" 4,8 Milliarden Dollar. Etwa zwei Drittel der ca.
530 000 in Forschung und Entwicklung voll beruflich tätigen Wissenschaftler
und Ingenieure sind bei der Industrie, 16 Prozent an Universitäten und
Colleges und 12 Prozent in regierungseigenen Institutionen beschäftigt.
In dem
- 2 -

*

�In dem für 1977 vorgesehenen Haushaltsplan wird der Forschungs- und
Entwicklungsetat für "Verteidigung" um 1,3 Milliarden auf 11,2 Milliarden
Dollar steigen.

Der nächstgrößte Posten - nämlich 476 Millionen Dollar

mehr als im Jahr 1976 - ist für die Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA vorgesehen.

Deren neues Budget liegt mit 3,3 Milliarden

Dollar nur geringfügig unter dem des Bundesamtes für Luft- und Raumfahrt
(NASA), das 3,5 Milliarden Dollar erhalten soll. Auf den Gebieten Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialwesen werden über das zuständige Bundesministerium
und die ihm angeschlossenen Forschungsinstitute 2,54 Milliarden Dollar investiert.
Von den NASA-Programmen kann heute die Mehrzahl der wichtigen Projekte
in der Kategorie "Entwicklung" geführt werden - Projekte, die in früheren
Jahren als Grundlagen- oder angewandte Forschung zu klassifizieren waren.
+ + + + + +

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NACHRICHTENSATELLIT FÜR ÖFFENTLICHES US-FERNSEHNETZ

- (AD) - Die 165 Stationen des "öffentlichen Fernsehens" der USA werden
ab 1979 ihre Programme über einen geostationären Satelliten der "Western
Union" ausstrahlen. Mit einem Kostenaufwand von 39,5 Millionen Dollar
werden für diesen Zweck eine Haupt-Erdefunkstelle, fünf regionale Empfangsund Sendestationen sowie 150 kleine Antennenanlagen gebaut, die nur
empfangen, aber nicht senden können. Dieses System kommt alles in allem
billiger als die bisher benutzten - und nur begrenzt verfügbaren Leitungen über Land.
Wie Henry Loomis, der Präsident der "Corporation for Public Broadcasting" (CPB - Gesellschaft für öffentliche Sendestationen) kürzlich
auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte, werden über das künftige
Satelliten-Fernsehnetz mindestens drei, wahrscheinlich sogar vier Programme
gleichzeitig angeboten, aus denen die Stationen auswählen können. Dies
bedeute mehr Abwechslung und vor allem größere Flexibilität in der Programmgestaltung.
Die öffentlichen Fernsehstationen sind unabhängig, jedoch gehören alle
dem "Public Broadcasting System" (PBS) an, das auch den öffentlichen Hörfunk
unterstützt.

Die Finanzierung erfolgt durch Mittel, die der US-Kongress

bewilligt, und durch freiwillige Beiträge von privater Seite.

Im Gegensatz

zu den kommerziellen Anstalten bringen die öffentlichen Stationen keine
Werbesendungen.

Das Hörfunk- und Fernsehpublikum braucht dennoch keine

Gebühren zu entrichten.
Von
- 1 -

�Von der in der Nähe der Bundeshauptstadt Washington stationierten
Haupt-Erdefunkstelle aus können über den "Heimsatelliten" alle £0 Bundesstaaten der USA sowie Puerto Rico und die amerikanischen Jungferninseln
erreicht werden. Im Interesse der spanisch-sprechenden Bevölkerung in
Puerto Rico und in den südwestlichen US-Bundesstaaten sind umfangreiche
Sendungen in spanischer Sprache vorgesehen.
++++++

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter F. Mondale: Der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Liberaler mit sozialer Verantwortung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Abhängigkeit von Importöl&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme des Chefs der Bundesenergiebehörde -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mikrocomputer im US-Handelszentrum Frankfurt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Letzte Veranstaltung vor Verlegung nach Köln -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuartige "Akustische Kamera"</text>
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Dokumentation

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14

4. August 1976

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL
Jimmy Carter: Vom Erdnußfarmer zum Präsidentschaftskandidaten
- Person und Werdegang Von Hugh 0. Muir
Die Kontinuität im öffentlichen Dienst der USA
- Geringe Auswirkungen bei Regierungswechsel Von J. Douglas Hoff
Bundesamt für den zivilen Regierungsdienst

INFORMATION
Internationale Textilmaschinenmesse in USA
Vom 21. - 29. Oktober 1976 in Greenville (South Carolina)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Überraschungen vom Mars
Viel Sauerstoff im Boden, Stickstoff in der Atmosphäre
Vorstufe zum modulierbaren Hochleistungslaser
Erfolgreiche Versuche an der Stanford-Universität

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergrundmaterial

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14/1976

JIMMY CARTER: VOM ERDNUSSFARMER ZUM PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
- Person und Werdegang Von Hugh 0. Muir

WASHINGTON - (AD) - Am 13. Dezember 1974 kam Jimmy Carter - in den
letzten Wochen seiner vierjährigen Amtszeit als Gouverneur des Staates
Georgia - nach Washington, um eine Pressekonferenz abzuhalten. Vor einer
kleinen Gruppe von Freunden und Reportern gab er seinen Entschluß bekannt,
für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu kandidieren. Ein
im politischen Leben - außer im tiefen Süden der USA - praktisch Unbekannter
sprach jene heute weltweit bekannten Worte: "Mein Name ist Jimmy Carter,
und ich bewerbe mich um das Amt des Präsidenten ... Ich bin Farmer, Ingenieur,
Geschäftsmann, Planer, Wissenschaftler, Gouverneur und Christ."
Carter selbst erklärte einmal in einem Interview, daß er niemals einem
amerikanischen Präsidenten persönlich begegnet sei, ehe er Gouverneur von
Georgia wurde. "Die einzige Ausnahme war Harry Truman," so sagte er, "den
ich 1952 bei der Kiellegung der USS-Nautilus, des ersten amerikanischen Atomunterseeboots, in New London sah. Ich war Leutnant, der für Admiral Rickover
arbeitete."
"Für mich war die Präsidentschaft stets ein ganz erhabenes und sehr verehrungswürdiges Amt.

Das ist es immer noch!

Aber nachdem ich Gouverneur

�Gouverneur geworden war, traf ich mit Leuten zusammen, die entweder Präsident waren oder es zu werden hofften - Richard Nixon, Agnew.McGovern, Wallace,
Reagan, Rockefell er, Muskie - und ich fühlte mich keinem von ihnen unterlegen.
Ich bin überzeugt, daß ich genau so geeignet bin zum Präsidenten wie einer
von ihnen."
Jimmy Carter hat sich zum ersten Mal im Jahre 1962, als 37jähriger, um
ein politisches Amt beworben, nachdem er als Sohn eines Erdnußfarmers in der
Nähe von Plains im Staate Georgia aufgewachsen war, als Offizier in der
amerikanischen Marine gedient hatte und anschließend den im Familienbesitz befindlichen Farmbetrieb geleitet hatte.

Er kandidierte für den Senat des

Staates Georgia und konzentrierte seinen Wahl kämpf vor allem auf den ländlichen Bezirk im Südosten Georgias, in dem seine Familie seit 200 Jahren ansässig war.

Sein Gegenkandidat, ein Vertreter des politischen Establishments

gewann die Wahl mit buchstäblich einer "Handvoll" Stimmen.

Carter schöpfte

Verdacht, weil in einem Bezirk, dessen Stimmenmehrheit gegen ihn entschied,
in der Wahlurne 422 abgegebene Stimmen gezählt wurden, obwohl nur 333 Stimmzettel ausgegeben worden waren.

Carter beauftragte damals einen bewährten

Anwalt aus Atlanta, Charles Kirbo, mit der Untersuchung des Falles.

Er ge-

wann, und eine Neuwahl wurde angesetzt, bei der er mit 1500 Stimmen Mehrheit
siegte.

Kirbo ist seither der engste politische Berater Jimmy Carters.

Nach zweijähriger Amtszeit im Senat von Georgia wurde der Posten des
Staatsgouverneurs auf Grund einer Erkrankung des damaligen Gouverneurs vakant,
und Carter bewarb sich um die Nominierung für diesen Posten bei seiner Partei.
Trotz intensiver Kampagne, die er und seine ganze Familie führten, verlor er
als ein selbst in Georgia praktisch Unbekannter gegen Lester Maddox, der zum
Gouverneur gewählt wurde,
"Diese ganze Erfahrung," so schrieb Carter später,"war für mich eine
tiefe Enttäuschung.
loren.

Ich hatte Riesenschulden und 20 Pfund an Gewicht ver-

Ich wartete etwa einen Monat und begann dann erneut, mich um den

Gouverneursposten zu bemühen ... Diesmal wollte ich nicht wieder verlieren."
Er

�f

Er nutzte die vier Jahre bis zur nächsten Wahl, um seinen Heimatstaat
nach allen Richtungen zu bereisen und sich eine politische Basis zu schaffen.
Dabei vernachlässigte er keineswegs das eigene Familienuntern^hmen.
ser Zeit entwickelte er auch starke religiöse Impulse.

In die-

Er hatte schon seit

seinem 18. Lebensjahr an seiner Heimatkirche, einer Gemeinde der Southern
Baptists (Südliche Baptisten), wann immer er Zeit hatte, an der Sonntagsschule gelehrt.
Carter, dem vorgeworfen wurde, er habe seine Freunde unter den Ahängern
der Rassentrennung, versuchte 1964 die Rassentrennung in seiner Kirchengemeinde aufzuheben, die einzigen sechs Stimmen für die Aufhebung kamen jedoch
von seiner Familie. Die Southern Baptists Church praktiziert übrigens heute
noch die Rassentrennung. Carter nahm auch zweimal, 1968 und 1969,an Evangelisierungskampagnen seiner Kirche in Pennsylvania und Massachusetts teil:
"Mein kirchliches Leben gewann immer stärkere Bedeutung für mich' , so sagt er
heute. Er führte lange Gespräche mit seiner Schwester Ruth, die sich als
Evangelistin ganz in den Dienst ihrer Kirche gestellt hatte. Als sie ihn einmal fragte, ob er für seinen Glauben alles aufgeben würde, bejahte er zunächst,
räumte dann aber nach langem Nachdenken ein, daß er die Politik nicht aufgeben
würde.
Welche Intensität seine politische Betätigung erreichte, wird aus der
Tatsache deutlich, daß er in den vier Jahren bis zur Gouverneurswahl 1970 rund
1800 Reden hielt und mit seiner Frau Rosalynn - mit der er sich den Staat für
die Wahlkampagne aufgeteilt hatte.so diß sie meist getrennt auftraten - rund
600 000 Menschen die Hand schüttelten. Sein Gegner war ein populärer früherer
Gouverneur, Carl Sanders, der als liberal galt. Kritiker warfen Carter vor,
seine Anhängerschaft unter Konservativen und Anhängern der Rassentrennung zu
finden. Er hält dem entgegen, daß er sich stark um die schwarzen Wähler bemüht und zwar bei den Vorwahlen nicht sehr gut abgeschnitten,aber bei den Wahlen im Herbst (1970) die Mehrheit der Schwarzen für sich gewonnen habe.
Und dieses mal gewann er,und mit seiner Amtsantrittsrede ließ er nicht
nur die Einwohner des Staates Georgia aufhorchen, sondern verschaffte sich zum
- 3 -

�zum ersten Mal in ganz Amerika Gehör, als er erklärte:
unsere Bevölkerung so gut wie jeder andere.

"Ich glaube, ich kenne

Auf Grund dieser meiner Kennt-

nis ... sage ich Ihnen ganz offen, daß die Zeit der rassischen Diskriminierung
vorbei ist ... Kein armer, ländlicher, schwacher oder schwarzer Mensch sollte
jemals die zusätzliche Last tragen müssen, der Bildungschancen, eines Arbeitsplatzes oder der Gerechtigkeit schlechthin beraubt zu sein."
Die Presse machte Gouverneur Carter nach dieser Rede zu einem Vertreter
des "Neuen Südens",und er kam auf das Titelblatt eines großen Nachrichtenmagazins.

Er selbst bemerkte dazu:

solches Aufheben machen.

"Ich weiß nicht, warum die Leute darüber ein

All das habe ich schon den ganzen Sommer gesagt."

Während der vier Jahre seiner Amtszeit (die Verfassung des Staates Georgia
läßt nur eine Amtsperiode zu) legte er seinen besonderen Stolz in die Reorganisation der einzelstaatlichen Regierung.

Er faßte rund 300 Behörden in etwa

zwei Dutzend zusammen, führte eine Gefängnisreform durch, machte den Haushalt
übersichtlich und bot weitgehend Schwarzen Zugang zu den einzelstaatlichen Behörden,

Er prallte nicht selten mit der gesetzgebenden Körperschaft seines

Staates (Landesparlament) zusammen und erwarb sich den Ruf, daß er die Zügel
fest, wenn nicht gar zu fest, in der Hand hielte. Aber der Großteil seines
Programms wurde verabschiedet.
Während seiner Amtszeit als Gouverneur unternahm Carter auch zwei große
Auslandsreisen, die ersten, wenn man von seiner Zeit bei der Marine absieht.
An der Spitze einer Handelsmission seines Staates besuchte er im April 1972
Mexiko, Kolumbien, Brasilien und Costa Rica.

Im Mai nächsten Jahres folgte

eine Europareise, die ihn durch zahlreiche Städte führte, darunter London, Bonn,
Köln, Düsseldorf, Heidelberg, Berlin und Brüssel.

An diese Reise schloß sich

ein mehrtägiger Aufenthalt in Israel an.
Das Jahr 1972 brachte auch ein starkes Engagement in der amerikanischen
Innenpolitik.

Er nahm an Konferenzen der 50 Staatsgouverneure teil und wurde

von Aspiranten auf die Präsidentschaft, wie Hubert Humphrey, Edmund Muskie,
- 4 -

�r

Muskie, George McGovern und Henry Jackson umworben.

Auf dem demokratischen

Parteikor.vent 1972 wandte er sich gegen die Nominierung von McGovern und
setzte sich für Jackson ein.

"Ich begann das Amt des Präsidenten immer mensch-

licher und nicht unter historischen Aspekten zu sehen", so sagte er später.
Nach den Wahlen 1972 zog er sich an seinen Heimatort Plains zurück und
besuchte seine kranke Mutter.
du machen, wenn du
später erzählte:

Eines Abends fragte sie ihn:

nicht mehr Gouverneur bist?"

"Jimmy, was wirst

Seine Antwort war, wie sie

"Ich werde mich um das Amt des Präsidenten bewerben".

"Prä-

sident von was?", war ihre verblüffte Frage.
In den Jahren 1973 und 1974 schuf Carter die Grundlage für einen bundesweiten Wahlkampf.

Als Vorsitzender des Wahlkampfausschusses der Demokratischen

Partei für die Kongrefiwahlen 1974 (die sogenannten Zwischenwahlen zwischen den
Präsidentschaftswahlen) bereiste er das ganze Land, um seine Partei zu stärken
und zu reorganisieren.

Vor allen Dingen ging es ihm darum, die Scharte des

zweimaligen Verlustes des Präsidentenantes an die Pxepublikaner auszuwetzen.
Im Dezember 1S74 gab er dann, wie eingangs berichtet, seine Absicht bekannt,
sich um die Präsidentschaft zu bewerben.
Carter nutzte das Jahr 1975, um die Vereinigten Staaten intensiv zu bereisen und sich eine politische Organisation aufzubauen.

Unterstützt wurde

er von einem jungen Mann, Jody Powell, öer zum Pressesekretär avancierte.
Im Mai 1975 stattete er auch Japan einen Besuch ab.
Als im Januar 1976 der Prozeß der Nominierung der Delegierten für den
Parteikonvent begann - mit Vorwahlen und Nominierungsversammlungen in den einzelnen Staaten - war Carter bereit.
James Earl Carter Jr. wurde am 1. Oktober 1924 in Plains im Staate Georgia
als ältester von zwei Söhnen und zwei Töchtern des James Earl Carter sr. geboren.

Seinen amtlichen Vornamen benutzte weder er noch sonst jemand; er war

"Earl" oder "Jimmy" und das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben und wird
- 5 -

�wird voraussichtlich auch so bleiben.

Auch als Gouverneur unterzeichnete

er mit "Jimmy Carter",und daran will er auch als Präsident festhalten, wenn
er gewählt wird.
Er wuchs in einer kleinen Gemeinde drei Meilen östlich von Plains auf,
die Archery heißt und aus etwa 30 verstreuten Familien besteht, davon bis
auf zwei alles Schwarze.
der Familie aufwuchs.

Jimmy war die fünfte Generation, die auf der Farm

Bäuerliches Leben hieß morgens um vier Uhr aufstehen,

die Maultiere einspannen, bei der Ernte helfen, zu Fuß in die Schule gehen
- und spielen in der freien Natur - seine Spielgefährten waren alle Schwarze.
"Wir jagten, fischten, gingen auf Entdeckung, arbeiteten, bauten Baumhäuser, sammelten wilden Honig, ritten und spielten Karten", so erinnert er
sich.

"Wir haben Zuckerrohr gemahlen, Syrup gekocht, mit Maultieren gepflügt,

Melonen eingemacht, Gänse gerupft, Schafe geschert, Baumwolle gepflückt, Kühe
gemolken, Zäune geflickt, Hühner gefüttert, Haferflocken gepreßt und Baumwollbau en geschnürt".

All das spielte sich auf dem staubigen roten Lehmbo-

den an den beiden Flüßchen Choctawatchee und Kinchatoonee ab.

"Aber wenn es

zur Kirche oder zur Schule ging", so berichtete Carter erst kürzlich, "dann
trennten sich unsere Wege, und wir verstanden eigentlich nicht warum.

Unser

Leben wurde von unausgesprochenen, ungeschriebenen aber mächtigen Gesetzen
beherrscht, die praktisch nie in Frage gestellt wurden."
Eine Person, die diese Gesetze in Frage stellte, war seine Mutter, modern, liberal und unabhängig, die als ausgebildete Krankenschwester allen
half,ob schwarz oder weiß. "Miss Lillian", wie sie von Freunden und Bekannten
heute noch genannt wird, meldete sich mit 67 Jahren zum amerikanischen Friedenskorps und arbeitete zwei Jahre als Krankenschwester in Indien.
Jimmy Carter war der erste der Familie, der eine College-Ausbildung erstrebte.

Beeinflußt durch einen Onkel, der bei der Marine gewesen war, durch

seinen Vater, der eine Schwäche für das Militär hatte und im Ersten Weltkrieg
Leutnant gewesen war, und nicht zuletzt im Hinblick auf die hohen Ausbildungs-

�Ausbildungskosten auf einem privaten College bewarb er sich bei der Marineakademie in Annapolis.

1942 nahm er sein vorbereitetes Studium an der Tech-

nischen Hochschule von Georgia auf und wurde 1943 zur Marineakademie zugelassen.

Die Marine war für die nächsten zehn Jahre sein Leben.
Neben der sehr umfangreichen und harten Ausbildung leistete sich Kadett

Carter als einzigen Luxus Spanisch als Fremdsprache - die er heute noch beherrscht.

Er spielte in der Football-Mannschaft und war ein guter Langläufer.

Sein Jahrgang erhielt auf einem alten Schlachtschiff in der Karibischen
See 1945 die praktische Ausbildung.

An Bord wurden sie über den Einsatz der

ersten Atombombe durch Präsident Truman und dann einige Tage später über das
Kriegsende unterrichtet.

Ein Jahr später wurde er zum Leutnant z. See beför-

dert.
Es folgten zwei Jahre Routinedienst,und 1948 meldete er sich zu den UBooten, wo er vier Jahre Dienst tat.

Ein entscheidender Abschnitt seines

Lebens war 1952 die Bewerbung zu dem neuen - umstrittenen - AtomunterseebootProgramm unter der Leitung von Admiral Hyman Rickover.

Das Gespräch mit Rickover,

bei dem er sich meldete, hat einen tiefen Eindruck bei Carter hinterlassen und
wird heute noch zitiert.

Rickover, so berichtet Carter, überließ ihm die Wahl

der Themen, die er behandeln wolle, und er wählte Dinge, von denen er glaubte,
sie seien ihm vertraut - nur um herauszufinden, daß Rickover weit besser Bescheid wußte.

Und als Carter schließlich voller Stolz erklärte, daß er auf

der Akademie unter 820 Kadetten immerhin als 59. abgeschnitten habe, fragte
Rickover:

"Haben Sie immer Ihr Bestes geaeben?", und Carter mußte nach langem

Nachdenken bekennen:

"No, Sir!"

Und die einzige Antwort Rickovers war:

"Warum nicht?"
"Warum nicht das Beste?" wurde so zum geflügelten Wort in der Wahlkampagne Carters und zum Titel seiner Autobiographie "Why not the Best?".
Carter besuchte Sender!ohrgänge für Reaktortechnik und Kernphysik und
- 7 -

�t

und war als Technischer Offizier für das zweite Atom-U-Boot der USA, die
Seawolf, vorgesehen.

Doch nach einem Jahr trat ein Ereignis ein, das seinen

Lebensweg völlig änderte.

Sein Vater erkrankte an Krebs und starb.

Nach reiflicher Überlegung - und "den ersten ernsthaften Auseinandersetzungen in meiner Ehe" - gab er sein Offizierspatent zruück und zog mit seiner
Frau und seinen drei kleinen Söhnen nach Plains, um zuhause den Familienbetrieb zu übernehmen.
In dem Jahrzehnt zwischen seiner Rückkehr nach Plains und seinem ersten
politischen Amt als Senator in Georgia modernisierte Carter die Farm und das
Erdnußgeschäft, er betätigte sich im kommunalen Bereich, etwa im Schulausschuß,
aber er trat eigentlich nicht hervor.

Als im Jahre 1954 die Rassentrennung

an öffentlichen Schulen durch das Oberste Bundesgericht als verfassungswidrig
verboten wurde, kam es als Reaktion im Süden der USA zur Gründung zahlreicher
"Weißer Bürgerräte" für die Einrichtung von Privatschulen.
zu den wenigen, die sich weigerten, beizutreten.

Carter gehörte

Ein daraufhin seinem Unter-

nehmen angedrohter Boykott schlug jedoch fehl, und das Schulproblem begann
mit der Zeit an Bedeutung zu verlieren.
Im Jahre 1962 übernahm Carters elf Jahre jüngerer Bruder, Billy, die
Leitung des Farmbetriebs und Jimmy Carter konnte sich ganz auf seine politische Karriere konzentrieren.
In den Jahren seiner politischen Tätigkeit wuchs seine Familie heran
- seine drei Söhne - John William, 29 Jahre, James Earl III (genannt "Chip"),
26 Jahre, und Jeffrey, 24 Jahre, sind alle verheiratet; in der Familie des
ältesten Sohnes wurde der erste Enkel geboren, der heute einjährige Jason.
Als später Nachkömmling in der Familie sorgt die heute achtjährige Tochter
Amy, ein strohblonder kleiner Wildfang und bekannt als Besitzerin eines vielbesuchten Limonadenstandes in Plains, für Leben und Frohsinn in der Carterfamilie. Die Carters feierten 1976 ihren 30jährigen Hochzeitstag - Rosalynn,
seine Frau, die selbst in der fünften Generation in Georgia ansässig ist, war
- 8 -

�war Jimmy Carter in Plains während ,ei .er Ausbildung an der Marineakademie
von Annapolis begegnet und ein Jahr darauf wurde geheiratet.
Als Carter im Januar 1976 sich offiziell um die Stimmen der Delegierten
für den Parteikonvent der Demokraten bewarb, galt er als einer der sechs
stärksten Kandidaten für die Nominierung seiner Partei.

Politische Beobachter

allerdings sahen in ihm eher den wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Nominierung als Vizepräsident, da sein Status als Gemäßigter des "tiefen Südens"
eine hervorragende Kombination ergeben würde.

Von Anfang an aber erwies er

sich als weitaus mehr als nur ein regionaler Kandidat, nachdem er in der ersten
Nominierungsversammlung im Staate Iowa die Mehrheit gewann und auch bei den
ersten Vorwahlen im Staate New Hampshire sich als überlegen erwies. Als er
in Florida seinen ebenfalls aus dem Süden kommenden Konkurrenten, George
Wallace, schlug, wurde ganz Amerika auf ihn aufmerksam und er erreichte einen
Vorsprung in der Zahl der Delegiertenstimmen, den er immer weiter ausbauen
konnte.

Sein Hauptrivale der liberalen Seite, Morris Udall, konnte sich gegen

ihn nicht behaupten und sein anderer größter Rivale der konservativen Seite,
Henry Jackson, wurde von ihm in Pennsylvania entscheidend geschlagen.

Das

späte Eingreifen der beiden Liberalen Frank Church und Edmund Brown in die
Nominierungskampagne konnten seinen Siegeszug zwar etwas aufhalten.aber dank
seiner starken Organisation nicht mehr entscheidend beeinflussen.
Mit dem Sieg in Ohio am letzten Tag der Vorwahlen stieg die Zahl seiner
Delegiertenstimmen auf 1091, vierhundert weniger als für die Nominierung erforderlich. Sein Rivale, Morris Udall, der auf dem zweiten Platz lag, hatte
nur 313 Stimmen und innerhalb von 48 Stunden wurden unter der Führung von
Illinois so viele bisher noch nicht festgelegte Stimmen für Carter abgegeben,
daß seine Nominierung gesichert war.
Der Höhepunkt für den 51jährigen ehemaligen Gouverneur und Erdnußfarmer
war erreicht, als er am 15. Juli in New York das Podium des Demokratischen
Parteikonvents betrat und unter dem jubelnden Applaus der 20 000 in der Halle
Versammelten die traditionelle Ansprache zur Annahme der Nominierung hielt.
Er
- 9 -

�Er begann sie mit den gleichen Worten, die er vor 580 Tagen, am Anfang
seines Wahlkampfes, gesprochen hatte: "Mein Name ist Jimmy Carter und ich
bewerbe mich um das Amt des Präsidenten."

- 10 -

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14/1976

DIE KONTINUITÄT IM ÖFFENTLICHEN DIENST DER USA
- Geringe Auswirkungen bei Regierungswechsel Von J. Douglas Hoff
Bundesamt für den zivilen Regierungsdienst

- (AD) - Ein Regierungswechsel in den Vereinigten Staaten, den die Neuwahl eines Präsidenten häufig mit sich bringt, hat keineswegs Massenentlassungen im Staatsdienst zur Folge, wie dies vielfach unter Hinweis auf das
amerikanische Patronage-System - das Recht der in den Wahlen siegreichen Partei, gewisse Ämter neu zu besetzen - angenommen wird.

Was geschieht tatsäch-

lich, wenn der neue Präsident der anderen als der bisherigen Regierungspartei
angehört?
Nach den Wahlen von 1968, in denen das amerikanische Volk nach acht
Jahren demokratischer Administration einen Republikaner in das Weiße Haus
wählte, schieden noch nicht einmal 5000 hohe Regierungsbeamte - weniger als
0,2 Prozent der Gesamtzahl von 2,8 Millionen Bundesbediensteten - auf Grund
des Wahlausgangs aus dem Amt. Dabei handelte es sich ausschließlich um sogenannte "politische Beamte" - Minister und Leiter der Selbständigen Bundesbehörden sowie deren engste Mitarbeiter. Hierzu gehören die Stellvertreter dieser Amtsstellenleiter, Staatssekretäre, Unterstaatssekretäre, politische Berater und persönliche Assistenten und Referenten sowie die Botschafter, die
als persönliche Repräsentanten des Präsidenten einem neuen Präsidenten ihren
- 1 -

�1

I
ihren Rücktritt anzubieten pflegen.
Die Ämterpatronage hat im amerikanischen Regierungssystem einen festen
Platz.

Die Berufung von politischen Beamten - im Gegensatz zu Karrierebeamten -

in die höchsten Staatsämter bietet die Gewähr, daß sich die Männer und Frauen
in den Spitzenpositionen persönlich für ihre politischen Entscheidungen sowie
deren Durchführung durch die ihnen nachgeordneten Karrierebeamten verantwortlich fühlen - und hierfür auch verantwortlich gemacht werden können.
Die politischen Beamten gehören nicht zum Stammpersonal der Regierung,
das seine Dienstobliegenheiten unabhängig davon ausübt, wer jeweils als politischer Beamter die Richtlinienseiner Tätigkeit festlegt.

Den Karrierebeamten

obliegt mithin die Durchführung der Entscheidungen, die die politischen Beamten getroffen haben.

Sie sind es, die für die kontinuierliche Durchführung der

Regierungsprogramme Sorge tragen.
Sollte am 20. Januar 1977 ein neuer Präsident in das Weiße Haus einziehen,
brauchen die Bundesbediensteten insgesamt nicht zu befürchten, daß ihnen der
Regierungswechsel die Kündigung ins Haus bringen könnte - auch dann nicht, wenn
sie eine andere politische Meinung vertreten als der neue Präsident. Ihre Anstellungsbedingungen regeln sich nach zwei Gesetzen, die ihnen Schutz vor Entlassungen aus politischen Gründen gewähren: das Gesetz über den Bundesdienst
von 1883 und das Gesetz zur Regelung der politischen Betätigung der Bundesbediensteten aus dem Jahre 1939. Diesen Gesetzen zufolge haben Bundesbedienstete
das Recht auf Ausübung ihrer politischen Rechte, d.h. des Rechts, einer politischen Partei anzugehören, des Wahlrechts und des Rechts der freien Meinungsäußerung. Sie sind lediglich gehalten, sich nicht aktiv an der Parteiarbeit
zu beteiligen.
Das Verbot einer aktiven politischen Betätigung der Bundesbediensteten
ist Teil des "merit System", der in der Tradition und im Gesetz von 1883 verankerten Verpflichtung aller Bundesbehörden, Stellenbewerber auf Grund ihrer
persönlichen Qualifikationen und Eignung, nicht aber auf Grund ihrer Parteizu- 2 -

�Parteizugehörigkeit zu bewerten.

Dieses Gesetz soll sicherstellen, daß

erstens offene Stellen mit dem jeweils bestqualifizierten Bewerber besetzt
werden, daß zweitens alle Bewerber gleicher Qualifikation und Eignung die
gleiche Chance haben und daß drittens die Kontinuität im Staatsdienst auch
in Zeiten eines Administrationswechsels voll erhalten bleibt.
Unabhängig davon, ob die nächste Regierung also von einem Republikaner
oder einem Demokraten gebildet werden wird, dürften höchstens 6000 politische
Beamte ausgewechselt werden. Massenentlassungen in irgend einem Ministerium
oder in einer oberen Bundesbehörde wird es nicht geben. Der Präsident genießt natürlich das Vorrecht, Männer seines Vertrauens in die höchsten Regierungsstellen zu berufen - das sind schätzungsweise 1500 Männer und Frauen,
die der Präsident nach der Verfassung oder nach gesetzlichen Vorschriften nominiert und mit Zustimmung des Senats ernennt sowie deren engste Mitarbeiter,
die diese sich auswählen dürfen.

- 3 -

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14/1976

INTERNATIONALE TEXTILMASCHINENMESSE IN USA
Vom 21. - 29. Oktober 1976 in Greenville (South Carolina)

- (AD) - Die amerikanische Textilmaschinenindustrie rüstet sich für die
nächste, im Zweijahres-Turnus abgehaltene internationale Ausstellung, die
vom 21. - 29. Oktober 1976 wieder in Greenville im Bundesstaat South Carolina
stattfindet. Mehr als 200 Firmen aus den Vereinigten Staaten und Dutzende
weiterer führender Herstellerfirmen aus 31 anderen Ländern präsentieren die
neuesten Versionen von Textilmaschinen und Zubehörausrüstungen, die der Markt
zu bieten hat.
Ein herausragendes Merkmal des amerikanischen Angebots ist u.a. eine
große technische Flexibilität, die es ermöglicht, ein- und dieselbe Maschine
zur Herstellung der verschiedensten Gewebearten zu verwenden. Nie zuvor wurden
in den USA so viele und verschiedenartige Webmaschinen neben Strick-, Färbund Druckmaschinen gezeigt. Darüber hinaus werden auf der bevorstehenden
Messe die neuesten Finish-Verfahren für Webmaterialien und Gewebe demonstriert.
Die amerikanische Textilmaschinenindustrie hat sich in ihren Entwicklungsprojekten auf energiesparende Maschinen konzentriert, um so die rapide steigenden
Kosten für Betriebsstoffe und Strom abzufangen. Aber auch die Reduzierung des
Wasserverbrauchs beim Fabrikationsprozeß, der Schadstoffe in Abwässern und
des Lärms in Textilfabriken waren Ziele, die mit den neuen Ausrüstungen er- 1 -

�erreicht werden sollten.
Das US-Handelsministerium richtete bereits Sonderbüros zur Betreuung
der ausländischen Aussteller und Besucher ein.

Die ersten drei Ausstellungs-

tage sind führenden Vertretern von Industrie, Geschäftswelt und Fachmedien
aus dem Ausland sowie Vertretern des diplomatischen Corps reserviert.

Der

Gouverneur des Bundesstaates South Carolina, James B. Edwards, wird bei dem
Empfang am 22. Oktober, mit dem die Sonderausstellung im County Museum von
Greenville über die"Textilmanufaktur als erste große Industrie Amerikas" eröffnet wird, persönlich die Repräsentanten der auf der Messe vertretenen Firmen des In- und Auslandes als Ehrengäste begrüßen.

Vor zwei Jahren beherberg-

te die Stadt Greenville Messebesucher aus 68 Ländern.

,

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14/1976

ÜBERRASCHUNGEN VOM MARS
Viel Sauerstoff im Boden, Stickstoff in der Atmosphäre

- (AD) - Die Szenerie ist inzwischen vertraut: Eine Landschaft mit
orangerotem Boden, darauf verstreut lebhaft gefärbte Steinbrocken. Ein
Plateau am fernen Horizont. In der Nähe der Landesonde VIKING 1 eine Kette
von Hügeln, zwei davon übersät mit Felsen, die vielleicht aus unsichtbaren
Kratern jenseits der Hügelkette ausgeworfen wurden. Eine nahe Sanddüne,
gekrönt von einem schwarzen Felsen, erscheint unwirklich, wie in das Bild
hineingezeichnet.
•

Am späten Nachmittag beginnt der Wind von Osten zu wehen. Aber es ist
eher eine Brise, 20 km/st werden kaum überschritten. Gegen Mitternacht wird
es windstill. Später gerät die Luft wieder in Bewegung. Jetzt kommt der
Wind von Süden und Südwesten. Gelegentlich auftretende Böen erreichen
60 km/st - aber kein Vergleich in dieser Sommerszeit zu den schweren Stürmen
im Frühjahr und Herbst mit Windgeschwindigkeiten von Hunderten von Kilometern pro Stunde.
Nachts wechselt der Wind öfter die Richtung - dann nämlich, wenn sich
die Luft infolge der Kälte verdichtet und an den Abhängen zur Talsohle gleitet.

Denn in der Nacht wird es bitterkalt, mit Temperaturen um minus 85 Grad

Celsius.

Bis zum Nachmittag steigen die Werte wieder an, derzeit bis minus

�minus 29 Grad Celsius an der VIKING-Wetterstation 1,6 m über dem Boden.
Ganz unten ist es ein bißchen wärmer.
Den schwarzen Himmel färbt die Sonne am Morgen für ganz kurze Zeit
blaugrau, wie er auch uns Erdenbewohnern in der Morgendämmerung vertraut
ist.

Dann nimmt aber rasch die rosa-lachsrote Färbung überhand, an die man

sich in Pasadena inzwischen gewöhnt hat.

"Wir hätten es uns eigentlich den-

ken können", räumte Prof. Carl Sagan (Cornell-Universität) nach der Panne
mit der ersten Farbbildauswertung ein, in der von einem "blauen Marshimmel"
die Rede war.

Die Färbung wird durch rötlichen Staub in der überaus dünnen

Atmosphäre erzeugt; der Staub absorbiert blaues Licht und streut rotes Licht
von der Sonne.
Sechs verschiedene Gesteinsarten werden bereits in der Umgebung des
Landegeräts im Chryse-Becken unterschieden. Und der Boden ist tatsächlich
rot - ein tiefes rostiges Rot, wie man es auf der Erde findet, wo Wasser,
Luft und Mineralien zusammengewirkt haben. Die Farbe des Bodens läßt vermuten, daß der Mars einst ein ganz anderes Klima hatte - und viel fließendes
Wasser dazu. Heute befindet er sich nach Meinung von Dr. Tobias Owen
(Staatsuniversität New York) in einer Eiszeit. Der Planet ist kalt. Die
Oberflächentemepraturen sind viel zu niedrig, als daß sich nennenswerte
Mengen von flüssigem Wasser halten könnten. Große Mengen scheinen verdampft
und entwichen, weitere im Dauerfrostboden unter der Oberfläche gebunden zu
sein.
Die riesigen Strombetten, die durch Fluten ausgewaschen wurden, könnten,
so Dr. Harold Masursky, gut eine Milliarde Jahre alt sein. Aber kleinere
Flußbetten und "Zuflüsse" sind möglicherweise erst durch Regenfälle in den
letzten 100 Millionen Jahren entstanden. Auffällig die glatten Ränder des
sauber gezogenen ersten Grabens, den der Arbeitsarm des Roboters produziert
hat. Der Graben ist 17 cm lang, 6,3 cm breit und 5 cm tief. Das Ganze "sieht
aus wie nasser Sand", sagte Dr. Robert Hargraves (Princeton-Universität).
"Wir wissen natürlich, daß es kein nasser Sand sein kann. Dafür ist es viel
- 2 -

�viel zu kalt.

Aber irgendetwas hält die Sandkörnchen zusammen."

zugrundeliegt, muß erst noch herausgefunden werden.

Was dem

Die ersten 7 ccm, etwa

einen Teelöffel voll, erhielt das Biolabor, wo die Probe auf drei Experimente
verteilt wurde.

"Das Material ist jetzt am Kochen", verkündete Leonard Clark,

der die Probennahme überwacht, erleichtert.

Unter "Kochen" sind die chemischen

und Temperaturbehandlungen in fünf bis 11 Tagen zu verstehen, die bei den biologischen Untersuchungen für den ersten Durchgang gebraucht werden.

Ergeb-

nisse sind kaum vor dem 10. August zu erwarten.
Nur ein Kubikzentimeter Bodenmaterial ist für die molekulare Analyse mit
dem Gaschromatographen und Massenspektrometer (GCMS) erforderlich, bei der
nach organischen und anorganischen Verbindungen in der Oberflächenschicht geforscht wird. Das Gerät wird außerdem dazu benutzt, die Zusammensetzung der
Marsluft in Oberflächennähe zu bestimmen und mögliche Veränderungen im Verlauf
der Jahreszeiten aufzuspüren.
Zur großen Überraschung der Wissenschaftler weist die Atmosphäre in Bodennähe fast 3 Prozent Stickstoff auf, außerdem etwa 2 Prozent Argon neben
95 Prozent Kohlendioxid. Stickstoff und Argon sind Produkte aus dem Planeteninnern, die durch Ausgasung in die Atmosphäre gelangten. Angesichts der geringeren Gravitationskraft und des überaus schwachen Magnetfeldes des Planeten
Mars dürften diese Gase nach Ansicht von Dr. Michael McElroy (Harvard-Universität) zu einem großen Teil in den Weltraum entwichen sein. "Ich war von dem
hohen Stickstoffanteil überrascht", erklärte er. Die Ergebnisse der VIKINGMessungen von Isotopen der Elemente Stickstoff und Sauerstoff will Dr. McElroy
benutzen, um zu berechnen, wieviel Gas aus dem Planeteninnern kam - und entwichen ist.
Die Anwesenheit von Stickstoff erhärtet die Vermutung, daß der Mars in
vieler Hinsicht Bedingungen aufweist, die jenen auf der Erde ähnlich sind oder
zumindest ähnlich waren - im Hinblick auf das bei wahrscheinlich günstigerem
Klima und dichterer Atmosphäre ehedem vorhandene Wasser könnten diese Bedingungen auch für die Entwicklung von Leben günstig gewesen sein.
Einen

�Einen überraschend hohen Sauerstoffgehalt weist eine der inzwischen
untersuchten Bodenproben auf, Jedoch wollen die Wissenschaftler gerade dieses
Ergebnis noch "sehr sorgfältig prüfen".

Eisen, Silizium, Aluminium, Calzium,

Rubidium, Strontium und Zirkon wurden mit dem Röntgen-Fluoreszenzspektrometer
bereits'identifiziert,, Aber die Untersuchungen mit diesem Gerät, die der anorganischen Chemie unter Marsbedingungen gelten, sind gerade erst angelaufen.
Um schlüssige Aussagen machen zu können, sind noch viele Analysen erforderlich,
Die Kameras des Landeroboters überwachen jede einzelne Probenentnahme, so daß
die Wissenschaftler in Pasadena genau wissen, wo im Umkreis von mehr als 3 m
die jeweils analysierte Mars-"Erde" gelegen hat„
.

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14/1976

VORSTUFE ZUM MODULIERBAREN HOCHLEISTUNGSLASER
Erfolgreiche Versuche an der Stanford-Universität

1

- (AD) - Eine Physikergruppe der Stanford-Universität konnte experimentell die These von Prof. John M.J. Madey bestätigen, daß es möglich sein müsse,
Lichtstrahlen mit Energie von einem Elektronenstrahl in einem Magnetfeld zu
verstärken. Darüber hinaus wiesen die Wissenschaftler nach, daß durch Variieren der Energie des Elektronenstrahls die Frequenz der Lichtwelle verändert
und so moduliert werden kann, daß eine Abstimmung auf die Schwingungen angeregter Atome in allen Arten von Materie möglich wird.
Ein nach diesen Prinzipien arbeitender Laser würde die Isotopentrennung
außerordentlich vereinfachen und die industrielle Anwendung photochemischer
Reaktionen in der Verfahrenstechnik erlauben.

So wäre es denkbar, durch die

Abstimmung des Laserstrahls auf die Frequenzen verschiedener Elemente in einer
Verbindung chemische

Reaktionen in Gang zu setzen, durch die völlig neuartige

Materialien erzeugt werden können.

Mit den heute angewandten Methoden sind sol-

che Reaktionen nicht durchzuführen.
Die Experimente demonstrierten die Möglichkeit zur Herstellung einer
neuen Klasse von Lasern.

Sie wurden mit dem neuen Elektronenbeschleuniger

des Instituts für Hochenergiephysik der Stanford-Universität durchgeführt,
der als erstes Gerät dieser Art in der Welt die Supraleitfähigkeit bei der
Magnetfelderzeugung nutzt.

Zur Lichtverstärkung schicken die Wissenschaftler

�Wissenschaftler den Lichtstrahl zusammen mit einem Elektronenstrahl durch
ein 5,16 m langes Kupferrohr, das mit einer supraleitfähigen Spule umwickelt
ist.

Auf dem Weg durch das im Hochvakuum gehaltene Rohr wurde die Energie

des Lichtstrahls um 7 Prozent gesteigert.
Die Forschergruppe, der u.a. die Professoren William M. Fairbank und
H. Alan Schwettman sowie Dr. Luis R. Elias und Dr. Todd I. Smith als Assistenten angehören, plant nunmehr die Installierung eines Wechsel feidmagneten
innerhalb eines "Speicherrings" mit Spiegeln an beiden Magnetenden.

Wie bei

herkömmlichen Lasern würde das zwischen den zwei Spiegeln reflektierte Licht
jedesmal beim Durchgang durch das Magnetfeld mit dem Elektronenstrahl verstärkt.
Speicherringe werden seit langem in der Hochenergiephysik für Elektronen aus
einem Beschleuniger benutzt.

Die Teilchen bewegen sich nahezu mit Lichtge-

schwindigkeit in einem Hochvakuumrohr, wobei sie durch Magnetkraft "auf Kurs"
gehalten werden.
Prof. Madey schätzt, daß ein Speicherring mit einem Elektronenstrahl von
1 Ampere und 240 Millionen Volt einen Laserstrahl von 100 000 Watt erzeugen
könnte.

Zwar gibt es bereits Laser noch höherer Energie (sie wurden mit ho-

hem Kostenaufwand gebaut); sie können jedoch nicht moduliert werden.

Zur Ver-

stärkung von Laserstrahlen wurden bisher Feststoffe, Flüssigkeiten oder Gase,
d.h. Moleküle und Atome, benutzt.
Den Wissenschaftlern der Stanford-Universität gelang als ersten die
Lichtverstärkung mit Elektronen im Höchstvakuum. Mit Hilfe des Elektronenstrahls kann nach Ansicht der Wissenschaftler Strahlung bei jeder Wellenlänge verstärkt werden - Strahlung der Frequenz von 10 Micron (zehntausendstel
Millimeter) im Infrarotteil des Spektrums bis über den Bereich des sichtbaren
Lichts hinaus. Bereits existierende modulierbare Laser erreichen nicht annähernd die hohe Leistung, die für photochemische Verfahren im großtechnischen Stil oder andere Aufgaben in Verbindung mit dem Einsatz von Speicherring-Lasern notwendig ist.
Jedoch

�Jedoch seien, so Prof. Madey, noch wichtige Probleme zu lösen, bis
diese neuartigen Laser anwendungsreif sind.

Vor allem müsse sichergestellt

werden, daß beim Betrieb der Elektronenstrahl erhalten bleibt, und die speziell entwickelten optischen Elemente - Linsen, Fenster und Spiegel - den
hohen Belastungen gewachsen sind.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jimmy Carter: Vom Erdnussfarmer zum Präsidentschaftskandidaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Person und Werdegang -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hugh O. Muir&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kontinuität im öffentlichen Dienst der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Geringe Auswirkungen bei Regierungswechsel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von J. Douglas Hoff&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bundesamt für den zivilen Regierungsdienst&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Textilmaschinenmesse in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vom 21. - 29. Oktober 1976 in Greenville (South Carolina)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Überraschungen vom Mars&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Viel Sauerstoff im Boden, Stickstoff in der Atmosphäre&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorstufe zum modulierbaren Hochleistungslaser&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erfolgreiche Versuche an der Stanford-Universität&lt;/em&gt;</text>
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21. J u l i 1976

13

Inhalt

DOKUMENTATION:
Jimmy Carter Präsidentschaftskandidat der Demokraten
- Wortlaut seiner Rede vor dem Parteikonvent am 15. Juli 1976

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Das Universum ist noch älter
Genauere "Meßuhr" für kosmologische Berechnungen
Photosynthese in der Bakterienzelle
Biologische Ionenpumpe arbeitet mit Sonnenlicht

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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13/1976

JIMMY CARTER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER DEMOKRATEN
- Wortlaut seiner Rede vor dem Parteikonvent am 15. Juli 1976 -

NEW YORK - (AD) - Jimmy Carter, ehemaliger Gouverneur des Staates
Georgia, Marineoffizier a.D. und Erdnußfarmer, hat am 15. Juli die Nominierung seiner Partei zum Präsidentschaftskandidaten angenommen. Am gleichen
Tag gab er bekannt, daß er Senator Walter F. Mondale aus dem Staate Minnesota zum Vizepräsidentschaftskandidaten gewählt habe. Diese Wahl wurde durch
den Parteikonvent bestätigt. Der Präsidentschaftskandidat und der Vizepräsidentschaftskandidat der Republikaner werden auf dem Parteikonvent dieser Partei vom 16. bis 18. August in Kansas City, Missouri, nominiert werden.
Jimmy Carter hat in der traditionellen "Acceptance Address" - der Einwilligungsansprache - sein politisches Konzept in großen Zügen umrissen.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Mein Name ist Jimmy Carter, und ich bewerbe mich um das Amt des Präsidenten.
Es ist lange her, seit ich diese Worte zum erstenmal aussprach, und
heute stehe ich hier, nachdem unser großes Land mit Ihrer Nominierung einverstanden war. Ich nehme die Nominierung mit den Worten von John F. Kennedy
"aus ganzem und dankbarem Herzen - und mit der einen einzigen Verpflichtung
- 1 -

�Verpflichtung - an, mich mit allen Fasern meines Körpers, meines Herzens
und meines Geistes dafür einzusetzen, unsere Partei wieder zum Sieg und unsere Nation wieder zur Größe zu führen."
Es ist mir eine Freude,hier bei Ihnen als Demokraten zu sein und sagen
zu können, daß unsere Zweihundertjahrfeiern und unser Parteikonvent im 200.
Jahr des Bestehens unserer Nation ein Parteikonvent des Glanzes und der Ordnung ohne alle Kämpfe oder Zügellosigkeit war.
was nur alle zweihundert Jahre vorkommen.

Unter Demokraten kann so et-

Aber mit einer so einigen Demo-

kratischen Partei sind wir bereit und erwartungsvoll, im November gegen jeden
Kandidaten anzutreten, den die Republikanische Partei nominieren mag.
1976 wird kein Jahr der Politik im üblichen Sinne werden.
einem Jahr der Inspiration und Hoffnung werden.

Es kann zu

Und es wird ein Jahr der Teil-

nahme und der ruhigen und nüchternen Besinnung auf den Charakter und die Zielsetzung unserer Nation werden - ein Jahr in dem bereits jetzt die Wähler die
Experten einigermaßen ratlos dastehen ließen.
Und ich garantiere Ihnen, es wird das Jahr sein, in dem wir die Regierung
dieses Landes dem Volk dieses Landes zurückgeben werden.
In Amerika herrscht eine neue Stimmung.
Wir sind durch einen tragischen Krieg in Übersee und durch Skandale und

gebrochene Versprechungen im eigenen Lande erschüttert worden.

Unser Volk

sucht nach neuen Stimmen und neuen Ideen und neuen Führern.
Auch wenn jede Regierung ihre Grenzen hat und nicht alle unsere Probleme
lösen kann, so lehnen wir Amerikaner doch die Auffassung ab, wir müßten uns
mit Versagen und Mittelmäßigkeit oder einer geringeren Lebensqualität zufrieden geben.
Ich

�Ich bin der Überzeugung, daß wir aus dieser Zeit der Unruhe stärker
denn je hervorgehen werden.

Wie Soldaten, die in der Schlacht waren, sind

wir im Feuer gehärtet worden - wir wurden diszipliniert und erzogen.

Von be-

ständigen und einfachen moralischen Werten geleitet,sind wir hervorgegangen
als Idealisten ohne Illusionen, als Realisten, die die alten Träume von Gerechtigkeit und Freiheit nicht vergessen haben - von unserm Land und von der
Gemeinschaft.
In diesem Jahr haben wir 30 einzelstaatliche Vorwahlen abgehalten - mehr
als jemals zuvor - die es uns ermöglichten, unseren Wahl feidzug dem amerikanischen Volk direkt nahe zu bringen - in die Wohnungen und Einkaufszentren,
zum Schichtwechsel in die Fabriken, an die Hochschulen, in die Friseursalons,
an die landwirtschaftlichen Erzeugermärkte und in die Gewerkschaftsversammlungen „
Es war ein langer und persönlicher Wahlfeldzug - eine Erfahrung, die
demütig machte und uns daran erinnerte, daß politischer Einfluß letztlich
nicht bei den Managern der Macht, sondern beim Volke liegt. Es war eine Zeit
des Lernens und des Gedankenaustauschs, eine Zeit harter Debatten über die
wichtigen Fragen unseres Landes» Diese Art von Debatte gehört zu unserer Tradition, und als Demokraten sind wir Erben einer großen Tradition.
Ich bin nie mit einem demokratischen Präsidenten zusammengekommen, aber
ich bin immer Demokrat gewesen. Ich erinnere mich, wie ich vor Jahren als
Bauernjunge mit meiner Familie mitten in der Nacht draußen vor dem Haus saß
- alles eng um ein Batterieradio herum, das an unsere Autobatterie angeschlossen war, um Berichte über demokratische Parteikonvente in fernen Städten zu
hören.
Es war ein langer Weg von dem Auswahlprozeß hierher, und ich fühle mich
heute abend meiner Sache viel näher»

Unsere Partei ist die Partei jenes

Mannes, der damals auf diesen weit entfernten Konventen gewählt wurde und der
unsere Nation in ihren dunkelsten Stunden inspirierte und wieder aufrichtete
- 3 -

�aufrichtete - Franklin D. Roosevelt.
Unsere Partei ist die Partei eines kämpferischen Demokraten, der bewies, daß ein gewöhnlicher Mann ein ungewöhnlicher Führer sein kann - Harry
So Truman.
Unsere Partei ist die Partei eines tapferen jungen Präsidenten, der jene aufrief, die - ohne Rücksicht auf ihr Alter - im Herzen jung sind, um zu
neuen Grenzen nationaler Größe aufzubrechen - John F. Kennedy.
Unsere Partei ist auch die Partei eines großherzigen Texaners, der in
einer tragischen Stunde sein Amt übernahm und der dann mehr als jeder andere
Präsident in diesem Jahrhundert tat, um die Sache der Menschenrechte voranzutreiben - Lyndon EL Johnson.
Unsere Partei entstand aus den Knochenmühlen der alten Lower East Side,
den dunklen Hügeln von New Hampshire, den glühenden Hochöfen von Illinois,
den Kohlengruben von Pennsylvania, den kargen Farmen der südlichen Küstenebenen und aus den grenzenlosen Grenzen Amerikas.
Unsere Partei ist die Partei, die Generationen von Einwanderern willkommen hieß - die Juden, die Iren, die Italiener, die Polen und all die anderen - die sie in ihre Reihen aufnahm und die politischen Kämpfe ausfocht,
die ihnen halfen, sich in den großen Strom der Amerikaner einzufügen - und
sie haben den Charakter unserer Partei bestimmt.
Das ist unser Erbe. Unsere Partei ist niemals vollkommen gewesen, wir
haben Fehler gemacht,und wir haben dafür bezahlt. Aber wir haben eine Tradition der Führerschaft und des Mitgefühls und des Fortschritts, Unsere Führer
haben für jedes Stück progressiver Gesetzgebung von den ersten Anfängen bis
zur Sozialversicherung und den Bürgerrechten gekämpft. Wenn es darauf ankam,
waren die Demokraten da.

In

�•'

In den letzten Jahren hat unsere Nation jedoch ein Versagen de»- Führung
erlebt.

Wir sind verletzt worden,und wir sind desi^lusioniert worden.

W:r

haben eine Maue&lt;- hochgehen sehen, die uns von unsere»* eigenen Regierung trennt
Wir haben einige kostbare Dinge verloren, die unser Volk und unsere Regierung
historisch miteinander verbunden haben.
Wir spüren, daß ein moralischer Verfall unser Land geschwächt hat, daß es
du^ch einen Mangel an Zielen und Werten beeinträchtigt ist,und wir spüren, daß
unsere Diener der Öffentlichkeit den Glauben an uns verloren haben. Wir sind
eine Nat.on, die zu lange dahingetrieben ist. Wir sind zu 'ange ohne Führung gewesen. Wi^ haben zu lange eine gespaltene, aktionsunfähige Regierung gehabt.
Wir sind zu 'ange durch das Veto regiert worden. Wir haben zu U n g e unter den
Händen einer müden abgekämpften Administration ohne neue Ideen, ohne Jugend
oder Lebenskraft,ohne Weitblick und ohne das Vertrauen des amerikanischen Volkes gelitten.
Es besteht die Angst, daß unsere besten Jahre hinter uns lägen, und ich
sage Ihnen, daß die besten Jahre unserer Nation noch vor uns liegen. Unser
Land hat eine Zeit der Erschütterung durchlebt. Jetzt ist die Zeit zur Heilung gekommen
Wir wollen wieder Glauben haben.
Wir wollen wieder stolz sein.
Wir wollen einfach wieder Wahrheit haben.
Es ist an der Zeit, daß die Regierung vom Volke ausgeht und nicht umgekehrt
Es ist an der Zeit, unsere Familien, unsere Nachbarschaft und unsere
verschiedenartigen Kulturen und Gepflogenheiten zu ehren und zu stärken.
Wir brauchen einen demokratischen Präsidenten und einen Kongreß, um auf
einen Wandel hinzuarbeiten, - in Harmonie, unter gegenseitiger Achtung und
offen auf einen Wandel hinzuarbeiten.

Im kommenden Jahr werden wir diese neue

Führung haben.
Es
- 5 -

�Es ist an der Zeit für Amerika, voranzuschreiten und zu reden - nicht
mit großen Worten und feindseliger Haltung, sondern mit ruhiger Stärke - um
in der Weltpolitik nicht lediglich von der Größe eines Waffenarsenals, sondern von der Nobilität der Ideen abzuhängen - und im eigenen Lande nicht durch
Konfusion und Krise, sondern mit Anstand und Einfallsreichtum und Vernunft
zu regieren.
Zu viele Menschen mußten unter den Händen einer politischen und wirtschaftlichen Elite leiden, die die Entscheidungen gestaltet haben und sich
niemals für Fehler rechtfertigen oder unter Ungerechtigkeit leiden mußten.
Wenn überall Arbeitslosigkeit herrscht, sie stehen niemals an, um einen Arbeitsplatz zu suchen.

Wenn Benachteiligung und Not aus einem konfusen und

verwirrenden Wohlfahrtssystem entstehen, ihnen fehlt es niemals an Nahrung
oder Kleidung oder an einem Platz zum Schlafen.

Wenn die öffentlichen Schulen

unzulänglich oder durch Streit zerrissen sind, dann gehen ihre Kinder auf exklusive Privatschulen.

Und wenn die Bürokratie nicht mehr aus und ein weiß,

dann wird es den Mächtigen immer gelingen, Nischen des besonderen Einflusses
und der besonderen Privilegien zu finden und zu besetzen.
system dient ihren Zwecken.

Ein unfaires Steuer-

Und enge Geheimhaltung scheint immer die Reform

zu verhindern.
Wir müssen alle aufpassen, daß wir uns nicht gegenseitig betrügen. Zu
oft sind unheilige, sich selbst fortzeugende Bündnisse zwischen Geld und Politik geschlossen worden,und der durchschnittliche amerikanische Bürger ist
auf Distanz gehalten worden.
Jedes Mal, wenn unsere Nation einen ernsthaften Fehler machte, ist das
amerikanische Volk vom Prozeß ausgeschlossen worden.

Die Tragödie von

Vietnam und Kambodscha wie die Schande von Watergate und der Ärger über die
CIA-Enthüllungen hätten vermieden werden können, wenn unsere Regierung dem
vernünftigen Urteil, dem guten gesunden Menschenverstand und dem hohen moralischen Charakter des amerikanischen Volkes entsprochen hätte.

Es

�Es ist an der Zeit, daß wir unsere eigene Regierung mit neuen Augen betrachten; die Geheimnistuerei abstreifen, den unberechtigten Druck von Interessengruppen an den Tag bringen, Verschwendung beseitigen, unsere öffentlichen Bediensteten von bürokratischem Chaos befreien, um ein festes Management
einzusetzen und immer daran zu denken, daß in jeder Stadt und in jedem Dorf
der Bürgermeister, der Gouverneur und der Präsident alle genau die gleichen
Wähler vertreten.
Als Gouverneur mußte ich mich jeden Tag mit der komplizierten, verwirrten,
sich überschneidenden und verschwenderischen Bürokratie der Bundesregierung
auseinandersetzen. Als Präsident möchte ich, daß Sie mir helfen, eine leistungsfähige, wirtschaftliche,zielstrebige und verwaltbare Regierung für unsere Nation zu entwickeln. Ich weiß, wie schwierig das ist, aber wenn ich gewählt
werde, wird es getan werden.
Wir müssen die Regierung stärken, die am engsten mit dem Volk verbunden
ist.

Unternehmen, Gewerkschaften, Landwirtschaft, Bildungswesen, Wissenschaft

und Regierung sollten nicht isoliert voneinander kämpfen, sondern sollten in
der Lage sein, nach gemeinsamen Zielen und nach gemeinsamen Chancen zu streben.

Wir sollten unsere Hauptinvestitionen in das Volk machen und nicht in

Gebäude und Waffen.

Die Armen, die Schwachen, die Alten und die vom Schicksal

betroffenen müssen mit Achtung und Mitgefühl und mit Liebe behandelt werden.
Ich habe in diesem Jahr viel von Liebe gesprochen, aber Liebe muß aktiv
in einfache Gerechtigkeit übersetzt werden. Die Bewährungsprobe für jede Regierung ist nicht, wie populär sie bei den Mächtigen ist, sondern wie ehrlich
und fair sie jene behandelt, die von ihr abhängen.
Es ist an der Zeit, für eine völlige Renovierung unseres Einkommenssteuersystems.

Es ist eine Schande für die Menschheit.

Mein ganzes Leben

lang habe ich Versprechungen für eine Steuerreform gehört, aber sie ist niemals richtig gekommen.

Mit Ihrer Hilfe wird sie endlich kommen.
Es
- 7 -

�Es ist an der Zeit

für eine umfassende Wählerregistrierung.

Es ist an der Zeit

für ein nationales umfassendes Gesundheitsprogramm

für unser ganzes Volk.
Es ist an der Zeit, die Beendigung der Diskriminierung auf Grund von Rasse
oder Geschlecht zu gewährleisten, indem jene, die wissen, was es heißt, unter
dieser Diskriminierung zu leiden, voll in die EntScheidungsprozesse unserer
Regierung einbezogen werden.
Es ist an der Zeit, daß dem Recht zum Durchbruch verholfen wird.

Wir

können nicht unsere Kinder erziehen, Harmonie unter unserer Bevölkerung schaffen
oder die grundlegenden menschlichen Freiheiten erhalten, wenn wir keine geordnete Gesellschaft haben.

Verbrechen und Mangel an Gerechtigkeit sind besonders

für jene grausam, die am wenigsten in der Lage sind, sich selbst zu schützen.
Rasche Verhaftung und rascher Prozeß und faire und einheitliche Strafen sollten
all jene erwarten, die unsere Gesetze brechen.
Es ist an der Zeit, daß die Verantwortlichen in unserer Regierung das Gesetz nicht weniger respektieren als der einfachste Bürger, damit der doppelte
Standard der Gerechtigkeit in Amerika beendet werden kann. Ich sehe keinen
Grund, warum die großen Übeltäter frei ausgehen sollten, während die armen
ins Gefängnis kommen.
Ein richtiges Funktionieren der Regierung bedeutet, daß es leicht ist,
Gutes und schwierig Böses zu tun. Als Ingenieur, Planer und Geschäftsmann erkenne ich ganz klar den Wert eines starken Systems des freien Unternehmertums,
das auf einer verstärkten Produktivität und angemessenen Löhnen basiert. Wir
Demokraten glauben, daß der Wettbewerb der Lenkung vorzuziehen ist, und wir
haben die Absicht, starke Sicherheiten für die Verbraucher mit einer Mindesteinmischung der Regierung in unser freies Wirtschaftssystem zu verbinden.

Ich

�Ich glaube, daß jeder, der in der Lage ist zu arbeiten, auch arbe^ten
sollte - und die Chance zu arbeiten haben sollte. Wir werden die Inflat'onsspirale niemals beenden können, wenn wir nicht ein ausgewogenes Budget haben - und ich bin entschlossen, das zu erreichen, solange es acht oder neun
Millionen Amerikaner gibt, die keine Arbeit finden können.
Jedes Wirtschaftssystem ist bankrott, das meint, aus der Arbeitslosigkeit Nutzen ziehen zu können. Wir können einfach nicht der Inflation Einhalt
gebieten, wenn wir unsere Menschen von der Arbeit abhalten.
Die oberste Verantwortung eines jeden Präsidenten ist es, die Sicherheit
unserer Nation zu garantieren - das heißt, die Garantie der Freiheit vor der
Drohung eines erfolgreichen Angriffs oder der Erpressung und die Garantie der
Fähigkeit, gemeinsam mit unseren Verbündeten den Frieden zu wahren.
Aber der Friede ist nicht nur einfach das Fehlen von Krieg. Friede bedeutet Maßnahmen zur Beseitigung des internationalen Terrorismus, Friede bedeutet die unaufhörlichen Bemühungen zur Wahrung de" Menschenrechte
Frede
ist die zusammengefaßte Demonstration der Stärke und des guten Willens. Wir
werden für den Frieden beten und arbeiten, bis wir alle Nationen von der Gefahr einer atomaren Zerstörung befreit haben»
Mit der Geburt Amerikas wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der
Menschheit aufgeschlagen. Unser Land war das erste, das sich so klar der
grundlegenden Moral und den folgenden Leitsätzen verpflichtet hat: daß alle
Menschen gleich geschaffen und mit dem unveräußerlichen Recht auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück ausgestattet sind und daß s^ch die Macht der
Regierung aus der Zustimmung der Regierten herleitet.
Diese nationale Verpflichtung war ein einzigartiger Akt der Klugheit und
des Mutes, und sie führte die Besten und Tapfersten an unsere Ufer.
Es war eine revolutionäre Entwicklung, die Besitz ergriff von der Vorstellungskraft der Menschheit.
Sie
- 9 -

�Sie schuf die Grundlage für eine einzigartige Rolle Amerikas in der Welt
- die eines Pioniers bei der Schaffung würdigerer und gerechterer Beziehungen
zwischen Menschen und Gesellschaftsformen.
Heute, 200 Jahre später, müssen wir dieser Rolle gerecht werden sowohl
bei unseren Handlungen im eigenen Land als auch bei unseren Taten im Ausland
- in bezug auf die Menschen in aller Welt, die politisch bewußter, sozial geschlossener geworden sind und die in zunehmendem Maße ungeduldig hinsichtlich
der weltweiten Ungerechtigkeiten werden und die nun in mehr als 150 verschiedenen Nationen zusammengefaßt sind.
Dies erfordert nichts weniger als das kontinuierliche Bemühen, einen internationalen Rahmen des Friedens zu schaffen, innerhalb dessen unsere eigenen
Ideale allmählich eine globale Realität werden können.
Unsere Nation sollte ihren Charakter direkt aus unserem Volk herleiten;
dies sollte die Stärke und das Image sein, mit denen wir uns der Welt zeigen.
Unseren Freunden und Verbündeten sage ich, daß das, was uns durch unsere
gemeinsame Hingabe an die Demokratie einigt, sehr viel wichtiger ist, als das,
was uns gelegentlich in wirtschaftlichen oder politischen Fragen trennt.
Den Nationen, die sich aus der Armut erheben wollen, sage ich, daß
Amerika ihre Hoffnungen und Wünsche teilt und ihnen seine Hand entgegenstreckt,
Jenen Nationalstaaten, die sich mit uns messen wollen, sage ich, daß wir
weder den Wettbewerb fürchten, noch ihn als Hindernis für eine stärkere Zusammenarbeit betrachten.
Allen Menschen sage ich, daß Amerika nach 200 Jahren weiterhin vertrauensvoll und jugendlich an seinen Verpflichtungen gegenüber der Freiheit und
Gleichheit festhält.

In
- 10

�In diesem Wahljahr werden wir Kandidaten Sie um Ihre Stimme bitten,
und von uns wird man fordern, daß wir unsere Ideen und Vorstellungen darlegen.
Meine Vorstellung von dieser Nation und ihrer Zukunft hat sich während
der 19 Monate, in denen ich unter Ihnen meinen Wahl kämpf um die Präsidentschaft geführt habe, vertieft,und sie ist gereift. Ich habe niemals mehr
Vertrauen in Amerika gehabt als heute.
Wir haben ein Amerika, das,wie Bob Dylan sagte, noch mit seiner Geburt
und nicht mit seinem Tod beschäftigt ist.

Wir können eine amerikanische

Regierung haben, die sich von Skandal und Korruption und amtlichem Zynismus
abwendet und unserem Volke gegenüber anständig und kompetent ist.
Wir können ein Amerika haben, das seine wirtschaftlichen Erfordernisse
mit dem Wunsch nach einer Umwelt vereinbart, die wir mit Stolz der nächsten
Generation weitergeben können.
Wir können ein Amerika haben, das für die Erziehung meines Kindes und
Ihres Kindes und jeden Kindes Ausgezeichnetes leistet.
Wir können ein Amerika haben, das stolz ist, auf unsere ethnische
Vielfalt auf unsere religiöse Vielfalt und auf unsere kulturelle Vielfalt
und sie ermutigt, in dem Wissen, daß aus unserem pluralistischen Erbe die
Stärke und Lebenskraft und Kreativität gekommen ist, die uns groß gemacht
haben und uns groß erhalten werden.
Wir können eine amerikanische Regierung haben, die ihre eigene Bevölkerung nicht unterdrückt oder ihr nachspioniert, sondern unsere Würde und
unsere private Sphäre und unser Recht, zufriedengelassen zu werden,respektiert.
Wir können ein Amerika haben, in dem sich Freiheit und Gleichheit gegenseitig unterstützen und nicht in Konflikt zueinander stehen und in dem die
- 11 -

�die Träume der ersten Führer unserer Nation in unseren Tagen voll verwirklicht werden.
Wir können ein Amerika haben, das den Idealismus der Studenten, das Mitgefühl der Krankenschwester oder des Sozialarbeiters, die Entschlossenheit
des Farmers, die Klugheit des Lehrers, die praktische Leistung des Wirtschaftsführers, die Erfahrung des älteren Bürgers und die Hoffnung des Arbeiters in
seinen Dienst stellt, um ein besseres Leben für uns alle aufzubauen.
Wie ich bereits gesagt habe, können wir einen amerikanischen Präsidenten
haben, der nicht mit einer negativen Einstellung und in Angst vor der Zukunft
regiert, sondern mit Nachdruck und Weitblick und zupackender Führung - ein
Präsident, der nicht von unserem Volk isoliert ist, sondern der Ihre
Schmerzen fühlt

und Ihre Träume mit Ihnen teilt

und seine Stärke und Viel-

falt und seinen Mut von Ihnen nimmt.
Ich sehe ein Amerika, das wieder vorwärts schreitet, geeint, eine vielfältige und lebensstarke und tolerante Nation, die mit Stolz und Vertrauen
in das dritte Jahrhundert ihres Bestehens eintritt, ein Amerika, das der Gröü-»
unserer Verfassung und dem einfachen Anstand unseres Volkes gerecht wird.
Das ist das Amerika, das wir wollen.
Das ist das Amerika, das wir haben werden.
Wir werden aus diesem Parteikonvent vielleicht mit manchen Meinungsverschiedenheiten herausgehen, aber trotzdem geeint in unserer ruhigen Entschlossenheit, unser Land wieder groß, vorwärts schreitend und hochgemut zu machen,
bereit, große nationale Taten zu vollbringen. Und wieder, Brüder und Schwestern,
werden unsere Herzen vor Stolz schwellen, wenn wir uns Amerikaner nennen.

+ + + + +

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13/1976

DAS UNIVERSUM IST NOCH ÄLTER
Genauere "Meßuhr" für kosmologische Berechnungen

(AD) - Auf 20 Milliarden Jahre kommen Wissenschaftler des Lawrence
Livermore Laboratory der Universität Kalifornien in Livermore bei der
Berechnung des Alters des Universums. Sie stützen sich dabei auf eine
neue, sehr viel empfindlichere und, wie sie glauben, genauere Methode,
die auf dem radioaktiven Zerfall von Rhenium-187 beruht. Dabei wird
ein Elektron abgegeben. Es entsteht das stabile, nicht radioaktive
Isotop Osmium-187.
Eine Berechnung des Alters der Welt ist nur mit theoretischen Überlegungen möglich. Bisher legte man dafür in erster Linie den radioaktiven
Zerfall von Uran und Thorium und die Rotverschiebung der Spektral!inien
von außergalaktischen Systemen, d. h. von Sternsystemen außerhalb unserer
Milchstraße zugrunde. Je weiter diese Systeme von uns entfernt sind,
desto schneller scheinen sie sich von uns fortzubewegen. Denn umso
stärker sind die Linien ihrer Spektren nach Rot verschoben.
Bei Anwendung der Uran-Thorium-Meßmethode, bei der das gegenwärtige
Mengenverhältnis der Ausgangselemente Uran und Thorium und ihrer in
bekannten Zeitabläufen entstehenden Zerfallsprodukte bestimmt wird, reicht
die kosmische Zeitskala ca. 14 Milliarden Jahre zurück«

Legt man die

�die Expansion des Weltalls mit der daraus resultierenden Rotverschiebung
der Spektren ferner Sternsysteme zugrunde, kommt man auf 17 Milliarden
Jahre.
Die amerikanischen Physiker John C. Browne und Barry L. Berman vom
Lawrence Livermore Laboratory konnten nunmehr dank einer außerordentlichen
Verfeinerung kernphysikalischer Meßmethoden die "Rhenium-Osmium"-Uhr für
kosmologische Berechnungen einsetzen, die schon 1964 von Prof. D. D.
Clayton (Rice-Universität, Houston in Texas) vorgeschlagen worden war.
Damals war es jedoch noch nicht möglich, die oben erwähnte Umwandlungsreaktion von zwei anderen Kernreaktionen zu trennen, durch die Osmium-187
gebildet und wieder abgebaut werden kann.
Das Prinzip der neuen kosmologisehen Uhr

ist die Bestimmung der

Länge einer Epoche in der Geschichte des Weltalls - der Zeitdauer der
sog. Nukleosynthese.

Sie begann mit der Bildung unseres Sternensystems,

der Milchstraße, und endete mit der Bildung unseres Sonnensystems.
wird angenommen, daß die Sternensysteme (Galaxien) etwe

Es

zwei Milliarden

Jahre nach der Geburt des Universums entstanden; des weiteren wird angenommen, daß unsere Sonne etwa 4,6 Milliarden Jahre alt ist.

Auf der Grund-

lage dieser Zahlen versuchten Dr. Browne und Dr. Berman die dazwischenliegende Zeitspanne zu ermitteln, in der im wesentlichen alle chemischen
Elemente durch Kernreaktionen entstanden sind»
In diesem Zusammenhang interessieren vor allem zwei Kernreaktionen,
und zwar stellare Wechselwirkungen von Neutronen mit Atomkernen, die in
den Sternen aufgebaut wurden. Im einen Fall fängt Osmium-186 ein Neutron
ein und wird Osmium-187; im anderen Fall fängt Osmium-187 ein Neutron ein
und wird zu Osmium-188,, Da diese Isotope außerordentlich selten sind
und ihre Reindarstellung große Schwierigkeiten bereitet, war bislang so
gut wie nichts darüber bekannt, in welchem Umfang Osmium-187 auf diese
Weise auf- und wieder abgebaut wird. Mit dem Calutron-Isotopenseparator des Oak Ridge National Laboratory gelang es jedoch, einige
Gramm hochreiner Präparate von Osmium-186 und Osmium-187 zu erzeugen.

�Bei Experimenten mit diesen Proben am Elektron-Positron-Linearbeschleuniger im Livermore-Institut, bei denen Neutronen mit Energien
erzeugt wurden, die jenen in Sternen vergleichbar sind (und die einer
Termperatur von ca. 300 Millionen Grad Celsius entsprechen), vermochten
die beiden Physiker den Ablauf der beiden Kernreaktionen zu bestimmen:
Der Zerfall von Rhenium-187 in Osmium-187 durch die Emission eines BetaTeilchens (d. h. eines Elektrons) geht sehr langsam vor sich. Die
Halbwertszeit liegt bei etwa 44 Milliarden Jahren. Auf Grund des
Mengenverhältnisses dieser beiden in Meteoriten gefundenen Isotope und
der nunmehr berechenbaren Mengen von Osmium-187, das durch Neutroneneinfang gebildet und wieder zerstört wird, wurde errechnet, daß die Periode
der Nukleosynthese vor etwa 18 Milliarden Jahren begann. Das ergibt
ein Gesamtalter von ca. 20 Milliarden Jahren für das Universum.
+ + +

- 3 -

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PHOTOSYNTHESE IN DER BAKTERIENZELLE
Biologische Ionenpumpe arbeitet mit Sonnenlicht

(AD) - Jeder Gärtner weiß, daß seine Pflanzen Sonne brauchen, um zu
wachsen und zu gedeihen. Mit einem Prozess, den wir "Photosynthese"
nennen, hat die Natur einen einzigartigen Mechanismus geschaffen.
Chlorophyll, der grüne Farbstoff in Pflanzenzellen, wird vom Sonnenlicht aktiviert und setzt chemische Reaktionen in Gang, mit denen aus
Wasser und Kohlendioxid Traubenzucker synthetisiert wird. Diese Verbindung dient wiederum als Grundsubstanz für den Aufbau von Zuckern,
Stärke, Zellulose, Fetten und ölen in Pflanzenzellen. Aufspaltungsprodukte bilden in Reaktion mit Stickstoff, z. T. auch mit Phosphor und
Schwefel die Aminosäuren, die Grundbausteine für Eiweiß.
Diesen Weg der Nutzbarmachung von Sonnenenergie hielt man bisher
für ein Monopol der Pflanzen. Aber eine Gruppe von Wissenschaftlern in
den USA vermochte jetzt nachzuweisen, daß auch einfache Bakterien
(Halobacterium halobium) imstande sind, mittels Sonnenlicht chemische
Energie und physiologisch wichtige Substanzen zu produzieren. Der
Schlüssel für diese zweite Form der Photosynthese ist das Eiweißmolekül
Bakteriorhodopsin, ein Pigment, das dem Sehpurpur in der menschlichen
Netzhaut ähnlich ist.
Prof. Walther Stoeckenius, Zellbiologe an der Universität Kalifornien
in San Francisco, entdeckte die "Purpurmembran" der Halobium-Bakterien

�Halobium-Bakterien vor etwa fünf Jahren, als er noch an der Rockefell erUniversität in New York tätig war.

Er befaßte sich damals eingehend mit

dem Aufbau und den Funktionen von Zellmembranen im Zusammenhang mit Projekten der Herz- und Kreislaufforschung.

Veränderungen an Membranen können

beispielsweise zu einer Reihe von Störungen der Herztätigkeit und des
Kreislaufsystems beitragen was z. B. zu Herzversagen und Arteriosklerose
führen kann.
Am Biochemie-Department und am Institut für Herz- und Kreislaufforschungder Staatsuniversität San Francisco setzte Prof. Stoeckenius
seine Untersuchungen fort, für die sich inzwischen auch Wissenschaftler
des Ames-Instituts der NASA in Moffett Field (Kalifornien) interessierten.
Denn im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für das VIKING-Projekt,
speziell für die Aufgabenstellung und Ausrüstung des Biolabors im VIKINGLandeteil, wollte man Organismen studieren, die unter höchst ungewöhnlichen Umständen leben und auch bei extremen Bedingungen lebensfähig
sind.
Halobium-Bakterien sind solche Gesellen. Sie würden, so scheint es,
am liebsten in einer starken Salzlauge leben. Sie bevorzugen Salzwassertümpel und salzreiche Meere, beispielsweise das Mittelmeer und
die Region um San Francisco. Die Salzkonzentration kann so groß sein,
daß schon beinahe der Sättigungspunkt erreicht wird und sich in der
Flüssigkeit gar kein Salz mehr löst. Halobium-Bakterien sind die Ursache,
wenn sich Salzwasser orange verfärbt und Heringe rotfleckig werden.
Prof. Stoeckenius fand heraus, daß Halobium-Bakterien purpurrote
Membranflecke direkt unter der Zellwand bilden, wenn Sauerstoff oder
Nährstoffe im Umgebungswasser rar werden.

Die Proteine in dieser

Purpurmembran erhalten dann unter dem Einfluß von Sonnenlicht lebenswichtige Zellfunktionen solange aufrecht, bis Sauerstoff und Nährstoffe
wieder reichlicher angeboten werden.

Durch ganze Serien des Austauschs

von Protonen (elektrisch positiv geladener Atomkern des Wasserstoffs) wird

�wird in der Zelle Energie in der Form von ATP (Adenosintriphosphat)
gespeichert.
Die Forschergruppe unter der Leitung von Walther Stoeckenius (ihr
gehören Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Cornell-Universität in New York, des California Institute of Technology in Pasadena,
der Universität San Francisco, des Arnes-Forschungsinstituts der NASA,
des Weizmann-Instituts in Israel und der Universität Würzburg an) vermochte die Struktur von Bakteriorhodopsin weitgehend aufzuklären.

Dem

heutigen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse zufolge ist es das
einzige Protein in Membranen, das durch Lichtquanten aktiviert wird,
um Lebensvorgänge zu erhalten.
Die Aufgaben des Rhodopsins (Sehpurpur) in den Stäbchen der Netzhaut
des menschlichen Auges sind anderer Art. Es fungiert als Empfänger für
Lichtimpulse und als Signalwandler, der Lichtenergie in Nervenimpulse
umsetzt, die zum Gehirn weitergeleitet werden. Dort werden diese aufgenommen und interpretiert - die Endstation des Vorgangs, den wir als
"Sehen" bezeichnen. Für diesen Vorgang ist gespeicherte chemische
Energie erforderlich, die unter Lichteinwirkung freigesetzt wird. Denn
sobald Licht auf das Rhodopsin in der Zellaußenwand trifft, zerfällt
das Molekül über Retinin in Vitamin A und in Protein-Komponenten,
die später wieder zum Neuaufbau von Rhodopsin benutzt werden. Ein gewisser Anteil von Vitamin A geht jedoch verloren. Er muß über die
Nahrung ersetzt werden.
Bakteriorhodopsin dagegen setzt unter Lichteinwirkung eine Ionenpumpe in Gang, wobei elektrische Ladungen in der Form von Protonen aus
der Zelle transportiert werden.

Dadurch wird das für die Erhaltung der

Stoffwechsel Vorgänge notwendige.energieliefernde Enzym erzeugt.
Zwar ist der Nutzeffekt dieses Prozesses geringer als in Verbindung
mit Chlorophyll.

Aber das System ist einfacher und könnte der Wissen-

schaft auf vielen Gebieten weiterhelfen - z. B. allgemein in der Zell- 3 -

�Zell- und Membranforschung, vor allem bei der Aufklärung des Ionentransports durch Zellmembranen bei allen nur erdenklichen Lebewesen,
von primitiven Protozoen bis zum Menschen.

Da Bakteriorhodopsin dem

Sehpurpur der Netzhaut ähnlich ist, könnte es die überaus komplizierten
Detail Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Netzhaut-Rhodopsin
erleichtern.

Selbst die Technik könnte profitieren, indem man eines

Tages mit Hilfe künstlicher Protonenpumpen den Salzgehalt von Wasser
verändert, d. h. Salzwasser für Bewässerungszwecke entsalzt oder den
Salzgehalt in der Form von Nitrat erhöht, um Düngemittel anzureichern.
Und schließlich wäre es sogar denkbar, unter Verwendung des Halobium-Mechanismus aus Sonnenenergie Strom zu erzeugen.
+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jimmy Carter Präsidentschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut seiner Rede vor dem Parteikonvent am 15. Juli 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Universum ist noch älter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Genauere "Messuhr" für kosmologische Berechnungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Photosynthese in der Bakterienzelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Biologische Ionenpumpe arbeitet mit Sonnenlicht&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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23. Juni 1976

Inhalt
HINTERGRUNDMATERIAL:
USA 200
Das dritte Jahrhundert Amerikas
Ausstellung über Wissenschaft und Technik im Kennedy-Raumflugzentrum
US-Marine feiert Amerikas 200. Geburtstag
Internationale Flottenparade und Segel schifftreffen in New York

WIRTSCHAFT:
Wirtschaftsaufschwung in den USA übertraf Erwartungen
Auszüge aus dem Halbjahresbericht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords

US-Kongreß entwickelt Alternativprogramm gegen die Arbeitslosigkeit

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Neue Materie-Teilchen entdeckt

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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USA 200
(5)
DAS DRITTE JAHRHUNDERT AMERIKAS
Ausstellung über Wissenschaft und Technik im Kennedy-Raumflugzentrum

Eine Vorschau auf das Leben in Amerika im dritten Jahrhundert der Geschichte der Vereinigten Staaten soll eine von Präsident Ford angeregte Ausstellung vermitteln, die bis zum 7. September 1976 auf dem Gelände des John
F. Kennedy-Raumflugzentrums am Kap Canaveral in Florida zu sehen ist. Als
einzige der zahlreichen Ausstellungen, die anläßlich des 200. Geburtstages
der Vereinigten Staaten vorgesehen sind, ist diese ausschließlich von der
Regierung selbst ausgerichtet worden. Die gezeigten Objekte stammen aus Laboratorien von 16 Ministerien und anderen Bundesbehörden, von 10 führenden
Firmen der Industrie und von zahlreichen Universitäten des Landes.
15 Fuller-Kuppeln rund um die riesige Halle, in der einst die Mondraketen SATURN V und die APOLLO-Raumschiffe montiert wurden, beherbergen, wie
die Halle selbst und zwei der ehemaligen KontrollZentren für den Start der
Raumschiffe, für drei Monate die "Zukunftsschau". Sie vermittelt Einblicke
in die erwarteten Auswirkungen der Fortschritte von Wissenschaft und Technik
auf das tägliche Leben.
An der südlichen Peripherie sind die riesigen Stufen der Mondrakete
und ein APOLLO-Raumschiff horizontal aufgebaut.
- 1 -

Sie erinnern an die Großtat

�I

4
Großtat der sechziger Jahre - Landung von Menschen auf dem Mond.

In einem

Kontrollraum können die Besucher noch einmal die letzte Phase des Countdown
und den Start von APOLLO 11 an den Schaltkonsolen, Bildschirmen und mitsamt
dem Funksprechverkehr miterleben.

Eine Multi-Media-Schau erläutert das amerika-

nische Raumfahrtprogramm mit unbemannten Satelliten.
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium präsentiert eine Ausstellung, die der Nahrungsmittel Versorgung und der notwendigen Steigerung der
Nahrungsmittelproduktion angesichts der rapide wachsenden Weltbevölkerung gewidmet ist» U.a. werden neue Verfahren der Bodenbearbeitung, des Schutzes vor
Erosion und Auslaugung demonstriert,, die gleichzeitig helfen, Zerit, Arbeitsaufwand und Traktortreibstoff zu sparen.
Die NOAA (US-Bundesbehörde für Meeres- und Atmosphärenforschung) zeigt
eine mit Instrumenten vollgepackte Boje (Gewicht 100 Tonnen,

Durchmesser 12 m ) ,

die automatisch meteorologische und meereskundliche Meßdaten sammelt und über
eine Weltraum-Relaisstation, d.h. einen Nachrichtensatelliten, zu Empfangsstellen an der Küste funkt.

Von dort aus werden sie zum Wetterdienst für die

täglichen Vorhersagemeldungen und an zentrale Informationsstellen für die
Schiffahrt weitergeleitet.
tung.

Etwa ein Jahr lang braucht die Boje keinerlei War-

Den Betriebsstrom liefern leistungsstarke Batterien.

Am Pavillon der Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde (ERDA) können
Besucher Probefahrten mit Turbinen- und Elektroautos unternehmen - mit Fahrzeugen, die umweltfreundlich sind und zur Reduzierung der Luftverschmutzung
beitragen könnten. Allgemeine und spezielle Probleme der Wasserversorgung,
Produktion und Verbrauch von Energie und Mineralien, ferner AbfallWirtschaft
und Recycling, Arbeit und Freizeit, Vermessung und Prospektierung der Schelfgebiete, Raumordnung und Bodennutzung sind.Themen, die das amerikanische
Innenministerium aufgegriffen hat.
"Freiheit von Abhängigkeit"
ministeriums.

lautet das Motto im Pavillon des Gesundheits-

Hier wird der Fortschritt'der medizinischen Technik in seinen

Auswirkungen für Diagnose und Therapie erläutert - Leistungen, die in Verbin- 2 -

�Verbindung mit medizinischer Vorsorge und vernünftiger Lebensweise die Gefährdungen durch Krankheit verringern und die Lebenserwartung erhöhen.

Viele der neuen Entwicklungen in der Medizin gehen direkt oder indirekt
auf die Raumfahrt zurück.
NASA.

Einige davon demonstriert auch die Raumfahrtbehörde

Von Besuchern ständig umlagert ist ein Stand, wo man nur die Handfläche

auf eine Platte zu legen braucht, um ein EKG (Elektrokardiogramm) zu bekommen.
Die Herzstromkurven erscheinen auf einem Bildschirm.

Blutdruckwerte und Herz-

dimension werden mit Hilfe weniger Meßpunkte ermittelt.

Röntgen- und Ultraviolett-Astronomie, Anwendung der Weltraumfotografie,
Atmosphärenforschung, Astrophysik, Planetenforschung und mikrobiologische
Untersuchungen fallen unter Projekte der Auftragsforschung, die die NASA an
amerikanische Universitäten vergeben hat.

In einem der Ausstellungspavillons

können sich die Besucher über interessante Einzelheiten informieren.

Nutzbarmachung der Sonnenkraft zur Stromerzeugung im großen Stil mittels
riesiger Sammlerplatten im Weltraum und auf der Erde, Kolonien und Industriezentren im Weltraum oder Bergbau auf dem Mond sind zwar noch Zukunftsmusik.
Aber eines Tages dürfte auch dies realisiert werden, wie Funk und Fernsehen
via Satelliten rund um die Erde längst selbstverständlich geworden sind.

Die NASA zeigt u.a. ein Modell des Anwendungssatelliten ATS-6, mit dem
vom 1. August bis zum 31. Oktober 1976 Demonstrationsprojekte für

30 Länder

in Südost- und Vorderasien, Afrika, Mittel- und Südamerika geplant sind.

Sie

sollen zeigen, wie mit Hilfe eines solchen Geräts, das in 36 000 km Höhe über
der Erdoberfläche "stationiert" werden kann, Verbesserungen im Bildungs-, Gesundheits- und Nachrichtenwesen, bei der Erfassung und Überwachung landwirtschaftlicher Anbauflächen und Waldgebiete, der Boden- und Wassernutzung, der
Städteplanung und Wetterbeobachtung zum Wohle der Allgemeinheit zu erreichen
sind.

Am 1. August läuft die Jahresfrist ab, für die die indische Regierung
ATS-6 von den USA gepachtet hatte, um über den leistungsstarken Nachrichten-

�Nachrichtensatelliten, der übrigens auch großflächige Wolkenfeidbilder aufnimmt, Schul Programme in 2400 abgelegene Dörfer auszustrahlen und der Bevölkerung zahlreiche andere Informationen zu geben.
Der Satellit wird nun langsam von seinem gegenwärtigen Standort über dem
35

Grad östlicher Länge zu einem Punkt über dem 130. Längengrad West "ver-

schoben", was drei Monate in Anspruch nimmt.

Die NASA stellt den Ländern in

deren unmittelbaren Bereich er dabei kommt, auf Wunsch Techniker zur Verfügung, die Sende- und Empfangsgeräte zur Übermittlung landeseigener Programme
über ATS-6 installieren.

Dabei können die Regierungen selbst Erfahrungen

über die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten dieser Technik für die Landesentwicklung sammeln.

Das Amt für Internationale Entwicklung (AID) ist gemeinsam

mit der NASA an dem Projekt beteiligt.

Von November 1976 an dient ATS-6 als

Weltraum-Relaisstation, über die versuchsweise Bildungsprogramme und medizinische Informationen in abgelegene Gebiete der Vereinigten Staaten ausgestrahlt
werden.

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U/1976
USA 200
US-Marine feiert Amerikas 200. Geburtstag

Internationale Flottenparade und Segel schifftreffen 1n N?w York

— ( A D ) - - Mit einer Internationalen Flottenparade von 88 Kriegsschiffen aus
27 Ländern im Hafen von New York und einem Segelschiffkonvol aus 225 Seglern auf dem Hudson River erreichen die Feier der amerikanischen Marine aus
Anlaß des 200. Jahrestages der Proklamierung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten am 4. Juli 1776 Ihren Höhepunkt.
Die an der International Naval Review und der Operation Sail '76 auf dem
Hudson teilnehmenden Schiffe werden am frühen Morgen des 3. Juli im New Yorker
Hafen erwartet und sollen gegen acht Uhr Liegeplätze auf dem Hudson und in
der Upper Bay einnehmen. Am gleichen Tag sollen in New York auch Offiziersabordnungen aus 14 Ländern eintreffen, die keine Schiffe entsenden.
Die amerikanische Schiffsabordnung aus 2o Einheiten modernster Bauart
- darunter mit Fernlenkwaffen bestückte Kreuzer, Fregatten und Zerstörer sowie Versorgungsschiffen und Amphibienfahrzeugen wird von der USS F0RRESTAL,
einem 8 ooo-Tonnen Flugzeugträger angeführt. Die Bundesmarine entsendet den
Lenkwaffenzerstörer HESSEN, und das Segel schulschiff GORCH FOCK.
Am

- 1 -

�Am 4. Juli werden die Schiffe von Deck eines Lenkwaffen-Kreuzers der
amerikanischen Atlantikflotte aus durch Vertreter der Admiralität mit militärischen Ehren begrüßt.

Anschließend tritt der Segelschiffkonvoi von der

Verrazano-Brücke aus über The Narrows die Fahrt in die Upper Bay an der
Freiheitsstatue vorbei an. Der Konvoi wird nach rund sechsstündiger Fahrt
den Hudson River aufwärts am Manhattan Tower vorbei den Zielpunkt bei
Spuyten Duvil rund 3,5 km oberhalb der George Washington-Brücke erreichen.
Hauptattraktion werden die Marine-Segelschulschiffe aus acht Ländern sein.
An der Spitze segeln die EAGLE, ein Schulschiff der US-Küstenwache, und die
GAZEL PRIMEIRO aus dem Besitz des Marinemuseums von Philadelphia.

Die

Operation Sail '76 mit 16 Großschiffen und Hunderten von Seglern aller Kies*
sen kann als eine der spektakulärsten Veranstaltungen aus Anlaß des 200. Geburtstages der Vereinigten Staaten betrachtet werden.
Am 5. Juli werden alle an der International Naval Review und an der
Operation Sail '76 beteiligten Schiffe an Kais in Manhattan, Jersey City,
Port Newark, Brooklyn und Hoboken festmachen und zur Besichtigunc freigegeben.
Einen Tag darauf werden Abordnungen der Kriegsschiffe aus Offizieren und Kadetten in den Straßen von Lower Manhattan paradieren.

Die meisten Schiffe

werden am 7. Juli ihre Heim- bezw, Weiterreise antreten.

Ein Treffen von

Segelschiffen der Größenordnung der Operation Sail '76 hat es bisher noch
nirgends auf der Welt gegeben.

Die diesjährige internationale Flottenparade ist die vierte, die die Vereinigten Staaten veranstalten. Die erste derartige Veranstaltung fand im Jahre
1893 aus Anlaß des 400. Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Columbus
statt. Die Hafenstadt Hampton Roads im Staate Virginia richtete dann 1907
und 1957 in Erinnerung an die Gründung der Siedlung Jamestown vor 300 bezw.
35o Jahren die zweite und dritte Flottenparade aus. Die einzige sonstige internationale Flottenparade dieser Größenordnung fand im Zusammenhang mit der
Krönung von Königin Elizabeth II von England im Juni 1953 statt.

XXX

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11/1976
WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG IN DEN USA OBERTRAF ERWARTUNGEN
Auszüge aus dem Halbjahresbericht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords

WASHINGTON --(AD)-- Der Wirtschaftsaufschwung in den USA im ersten Halbjahr
1976 hat alle Erwartungen übertroffen. Dies stellt der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords, Alan Greenspan, in seinem am 10„ Juni veröffentlichten Halbjahresbericht an den amerikanischen Kongreß fest. Greenspan
zeigte sich nicht nur optimistisch hinsichtlich des weiteren Verlaufes der
Konjunktur, sondern auch hinsichtlich des Abbaus der Arbeitslosenquote, die
Ende des Jahres bei 7 Prozent liegen werde, und des weiteren Rückgangs der
Inflationsrate. Als tragende Kraft des derzeitigen Wirtschaftsaufschwungs
nannte Greenspan die Verbrauchernachfrage. Der Erfolg bei der Bekämpfung der
Inflation habe das Vertrauen der Verbraucher in die künftige wirtschaftliche
Entwicklung gestärkt und so zu einer Belebung der Nachfrage geführt.
In seinem Bericht führt der Wirtschaftsbeirat unter anderem aus:
" Ein Rückblick auf die erste Hälfte dieses Jahres zeigt, daß die Wirtschaft fast alle früheren Erwartungen - auch meine eigenen - übertroffen hat.».
In den letzten drei Quartalen ist das Bruttosozialprodukt real mit einer Jahresrate von 8,4 Prozent gestiegen. Die Wiedererholung auf dem Arbeitsmarkt war
ebenso bemerkenswert. Die Arbeitslosenquote ist zwar immer noch hoch, ist

�4
ist jedoch schneller zurückgegangen, als dies die optimistischsten Beobachter noch vor einem Jahr zu hoffen gewagt hätten, da die Zahl der Arbeitsuchenden damals eine sehr starke Zuwachsrate aufwies.
Die Inflation ist nicht nur weiter zurückgegangen, auch die jüngsten
Anzeichen - unter gebührender Berücksichtigung der einer solchen Voraussage
innewohnenden Unsicherheite . - deuten darauf hin, daß die beim Abbau der Inflation und der Überwindung der Inflationsmentalität erzielten Erfolge sich
nunmehr konsolidieren. Nach dem kürzlichen Rückgang wird sich jetzt möglicherweise zeigen, daß ein Anziehen der Preisindexe zu einem großen Teil nur auf temporäre Faktoren

.urückzuführen ist. Es mag auch sein, daß die Inflationsri-

siken jetzt unterschätzt werden. In ihrer Gesamtheit jedoch deuten die vorliegenden Zahlen darauf hin, daß die grundlegende Inflationsrate in den Vereinigten Staaten auf etwa 5 bis 6 Prozent abgebaut worden ist...
Der Anstieg der Produktion im ersten Quartal dieses Jahres wurde durch
die einsetzenden Bemühungen um eine Wiederaufstockung der Lagerbestände auf
einen normaleren Stand noch beschleunigt. Trotzdem ist die Nachfrage seitens
der Endverbraucher real rasch angestiegen, wobei dieser Anstieg in den letzten
drei Quartalen eine Jahresrate von 4,7 Prozent verzeichnet- Wir sollten jedoch nicht erwarten,daß der Anstieg der Produktion in den nächsten Quartalen
das Tempo der letzten neun Monate beibehalten wird.
Nicht nur die Wiedererholung der Wirtschaft hat an Schwung gewonnen, sondern die ihr innewohnenden grundlegenden Elemente hauen sich ebenfalls progressiv immer mehr gefestigt. Der Wiederaufschwung war gut ausgewogen, was
angesichts seines raschen Tempos überrascht...
Vielleicht am wichtigsten ist jedoch, daß der Abbau der zugrundeliegenden
Inflationsrate wie auch der Arbeitslosigkeit zu einer wesentlichen Wiederherstellung des Vertrauens der Verbraucher wie auch der Unternehmer in die

�die Kraft dieses Wiederaufschwungs geführt haben. Nachdem man sich über die
inzwischen eingetretene wesentliche Wiedererholung klar geworden war, zeigten
sich die Verbraucher wieder eher geneigt, in größerem Umfang Kraftfahrzeuge,
Häuser und andere Dauergüter zu kaufen. Die Investitionen der Wirtschaft, obwohl noch zu niedrig, beginnen zuzunehmen. Die Absichten oder Pläne der Wirtschaft für künftige Investitionen werden nach oben hin revidiert. Daher liegen, obwohl mit einer geringfügigen Verlangsamung des Tempos des Wiederaufschwungs gerechnet werden sollte, keinerlei Anzeichen dafür vor, daß der Wiederaufschwung in naher oder ferner Zukunft sich abflacher oder gar auslaufen
könnte. Vielmehr lassen - nachdem keinerlei Ungleichgewichte bestehen - der
Erfolg beim Abbau der Inflation und der Überwindung der Inflationsmentalität, die jetzt zu verzeichnenden beträchtlichen Zunahmen bei Einkommen und
Beschäftigtenzahl sowie die starke grundlegende Nachfrage nach Kapitalgütern,
mit der wir für Ende dieses Jahres rechnen, vermehrt eine stetige und dauerhafte Wiedererholung erwarten.
Zur Jahresmitte hat es daher nicht den Anschein, als ob zwingende Gründe
wesentliche Veränderungen in der Gesamtvorschau auf das Jahr 1976 erforderlich machen, die der Wirtschaftsbeirat in seinem Wirtschaftsbericht im Januar
gegeben hat..., in der er von einer jährlichen Zunahme des Bruttosozialproduktes um real 6 bis 6,5 Prozent ausging. Unter Berücksichtigung der letzten
Entwicklungen wären wir allerdings heute geneigt, unsere Erwartungen etwas
höher anzusetzen,. Wir möchten annehmen, daß der von uns erwartete jährliche
Anstieg der Preise um 6 Prozent etwas, allerdings nur geringfügig, niedriger
ausfallen wird. Einige der Faktoren, die dazu beitrugen, daß der erwartete
Preisanstieg in den letzten Monaten etwas niedriger war, vor allem bei Nahrungsmitteln und Energie, dürften kaum länger Bestand haben»..
Die Kapitalinvestitionen der Wirtschaft haben im 1. Quartal 1976 mit
einer Jahresrate von real 1],9 Prozent zugenommen und uns somit in unserer
Auffassung bestärkt, daß die Kapitalinvestitionen für die Wiedererholung in
diesem Jahr zu einem wichtigen Faktor werden dürften...

- 3 -

�Zur Zeit sind wir der Ansicht, daß die in dem Bericht auf 5 bis 6 Prozent veranschlagte Zunahme der Kapitalinvestitionen immer noch eine angemessene Voraussage darstellt. Die verbesserte Wirtschaftslage und das bessere
Investitionsklima haben uns jedoch in der Auffassung bestärkt, daß die latente starke Nachfrage nach Kapitalgütern auch 1977 weiterhin zum Tragen kommen
wird...

Der Index der Verbraucherpreise ist im vorigen Jahr (April 1975 bis
April 1976) um 6,1 Prozent gestiegen, aber die Zuwachsrate betrug in den
letzten vier Monaten lediglich 3,5 Prozent. Der rasche und anhaltende Rückgang
der Inflation Anfang 1976 war

auf ein beträchtliches Nachgeben der Preise

für Nahrungsmittel und für Energie zurückzuführen....
Alle anderen vom Verbraucherpreisindex erfaßten Warengruppen hatten eine
Zunahme - auf Jahresbasis - von 7,5 Prozent zu verzeichnen. In den nächsten
Monaten ist mit einem mäßigen Anziehen der Nahrungsmittel preise zu rechnen...
Wenn die Ernte in den USA und in der übrigen Welt so ausfällt, wie dies vom
amerikanischen Landwirtschaftsministerium und privaten Organisationen vorausgesagt worden ist, dann wird die relative Preisstabilität bei Nahrungsmitteln
auch 1977 weiter andauern. Natürlich können wetterbedingte Änderungen der
Voranschläge für die diesjährige Getreideernte die Situation ändern.„.
In jüngster Zeit b estand eine gewisse Tendenz für
hen der Preise für sensitive Industrierohstoffe. Es ist
festzustellen, daß die Preise für Industrierohstoffe in
- saisonbereinigt - mit einer Jahresrate von noch nicht
sind.

ein zyklisches Anziedaher ermutigend,
diesem Jahr bisher
3 Prozent gestiegen

Die im 1. Quartal dieses Jahres ausgehandelten großen Kollektivabkommen
haben für das erste Jahr ihrer Laufzeit zu Lohnerhöhungen von durchschnittlich
8,8 Prozent geführt. Der durchschnittliche Stundenlohn der Arbeiter - ohne
Landwirtschaft - ohne überstunden-und Schichtzuschläge erhöhte sich von Dezem-

- 4 -

�Dezember 1975 bis Mai 1976 - auf einer saisonbereinigten Jahresbasis um 6,9 Prozent. Vor uns liegen schwierige Lohnverhandlungen, aber die bisherigen Erfahrungen in diesem Jahr sind in ihrer Gesamtheit ermutigend. Die Lchnabschlüsse entsprachen dem allgemeinen Preisverhalten, wie wir dies für dieses Jahr vorgeschlagen hatten.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Besserung auf dem Arbeitsmarkt
anhalten wird. Die Arbeitslosenquote ist fast ununterbrochen von 8,9 Prozent
im Mai 1975 auf 7,3 Prozent im Mai 1976 zurückgegangen...

Die Haushaltsansätze sind kritisiert worden, weil sie für die Aufrechterhaltung des Tempos des Wiederaufschwungs unzureichend seien, Das Hauptargument stützte sich auf die Auffassung, die Wiederbelebung der Nachfrage sei
schwächer, als in unseren Voraussagen angegeben, Daraus wird gefolgert, daß
der vorgeschlagene Abbau des Defizits im Bundeshaushalt für 1977 eine zu
starke Zurückhaltung bedeute und möglicherweise dazu führen könne, daß sich
der Wiederaufschwung totläuft,
Wir haben dieser Ansicht nicht beigepflichtet, sondern glauben, daß e&gt;ne
starke Wiederbelebung der privaten Nachfrage sowohl das wahrscheinlichste wie
auch das wünschenswerteste Ergebnis sein dürfte. Diese Auffassung bedingt jedoch eine deutliche und progressive Änderung der Finanzpolitik in Richtung
auf geringere fiskalische Anreize in den nächsten drei Jahren, beginnend mit
dem Finanzjahr 1977.
Bisher stützen die vorliegenden Fakten eindeutig die Auffassung, daß der
Wiederaufschwung weiterhin stark sein wird» Es hat jedoch den Anschein, als ob
es bei diesem Argument in Wirklichkeit um weit mehr geht als darum, welche
Voraussage richtig und welche falsch ist. Nehmen wir an, unsere Voraussage
sei zu optimistisch und die private Nachfrage entwickelt sich weniger stark
als vorausgesagt» Sollte dies eintreten, dann verfügen wir über Möglichkeiten,
durch Steuersenkungen und geringere fiskalische Zurückhaltung recht rasch

�rasch gegenzusteuern. Praktisch könnte ein solcher Fehler sehr leicht korrigiert werden, und er wäre daher weniger schwerwiegend als die Folgen eines Fehlers in anderer Richtung, Eine Politik, die sich praktisch auf der Erwartung
einer sehr bescheidenen Zunahme der privaten Nachfrage und dementsprechend auf
der Notwendigkeit stärkerer fiskalischer Anreize begründet, läßt sich nicht
so rasch korrigieren, falls sie sich als falsch erweisen sollte, Die Risiken,
unter einem solchen Plan ein neues Inflationsfeuer zu entfachen, wären sehr
groß, weil unsere Möglichkeiten, bei den Bundesausgaben zu bremsen oder die
Steuern zu erhöhen, stark begrenzt sind„,,
Unser Unvermögen, die Folgen einer zu expansionistischen Politik zu
meistern, beweist eindeutig, wie erwünscht ein größeres Maß an Vorsicht bei
der von uns befolgten Politik ist. Wir sind der Ansicht, daß die wirtschaftliche Entwicklung höchstwahrscheinlich eine fiskalische Zurückhaltung erfordern
wird» Die Wirtschaftsstatistiken der letzten Monate besagen recht eindeutig,
daß ein solches Vorgehen richtig sein dürfte".

XXX

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11/1976

US-KONGRESS ENTWICKELT ALTERNATIVPROGRAMM GEGEN DIE ARBEITSLOSIGKEIT

WASHINGTON --(AD)-- Die Erfahrungen der letzten Jahre, als die Vereinigten
Staaten und andere Industrienationen schwere Inflation und starke Arbeitslosigkeit gleichzeitig erlebten - man spricht heute von Stagflation - haben
die nie endende Debatte über "Vollbeschäftigungspolitik" in den USA tiefgreifend beeinflußt. Man glaubt nicht mehr daran, daß man nur die richtige
Kombination von geld oder haushaltspolitischen Maßnahmen zu finden und anzuwenden brauche, um ganz leicht die Vollbeschäftigung und ein nichtinflationäres Wachstum zu gewährleisten. Und wenn es jemals eine wesentliche Gruppe
von Amerikanern gab, die "ein bißchen" Inflation als sichere Kur gegen die
Arbeitslosigkeit betrachteten, dann ist auch dieser Glaube zutiefst erschüttert,
Und seit den schlechten Erfahrungen mit den Lohn- und Preiskontrollen vor
einigen Jahren sind die meisten Amerikaner jeder Art von "Einkommenspolitik"
- also jedem Versuch der Regierung, die Lohn- und Preisentscheidungen direkt
zu beeinflussen - gegenüber höchst mißtrauisch.
Man sucht daher nach neuen Kombinationen politischer Maßnahmen, die die
Arbeitslosigkeit auf einem möglichst niedrigen Stand halten, ohne gleichzeitig wieder eine unnannehmbar

hohe Inflationsrate zu bewirken.
Der

- 1 -

�Der amerikanische Kongreß hat sich mit der Behandlung des "Gesetzes
über Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum von 1976" aktiv in das Problem
eingeschaltet. Der "Füll Employment and Balanced Growth Act of 1976" oder,
nach seinen Hauptinitiatoren, Senator Hubert Humphrey und Abgeordneter
Augustus Hawkins, als Humphrey-Hawkins-Bill bekannt, wird in mehreren Ausschüssen und Anhörungen gegenwärtig heftig debattiert.
Die Vorlage kann als Alternativprogramm der demokratischen Mehrheit im
Kongreß betrachtet werden, und wird praktisch von allen Bewerbern um die demokratische Präsidentschaftskandidatur unterstützt. Bei der republikanischen Administration unter Präsident Ford hat das Programm allerdings keine Unterstützung gefunden. Aber auch von Seiten führender Vertreter der Demokraten
fehlt bisher noch die letzte Zustimmung in bezug auf Einzelheiten seiner
Durchführung. Man kann jedoch damit rechnen, daß der Gesetzesvorschlag nach
gründlichen Ausschußdebatten und entsprechenden Abänderungen und Verbesserungen den Demokraten als Alternativprogramm zur derzeitigen Binnenwirtschaftspolitik der Ford-Administration dienen und damit zu einem wesentlichen Punkt in
dem bevorstehenden Präsidentschaftswahl kämpf werden wird*
Faktisch vereint die Humphrey-Hawkins-Bill zwei Problemkomplexe: die
Frage, welche Politik die amerikanische Regierung einschlagen soll, und die
andere Frage, wie weit sich die Regierung in die Koordinierung der Wirtschaftstätigkeit der Nation einschalten sollo
Was die Arbeitslosigkeit anbetrifft, so fordert die Vorlage, daß die Bundesregierung das Ziel einer Arbeitslosenrate von 3 Prozent bei den Erwachsenen
ansteuern solle, eine Zahl, die spätestens vier Jahre nach Inkrafttreten des
Gesetzes zu erreichen sei. Von der Regierung wurde gefordert, daß sie ihre
fiskalischen und monetären Werkzeuge auf die Erreichung dieses Zieles ansetzt,
daß sie aber zugleich ein ganzes Spektrum spezifischerer Maßnahmen entwickelt,
um die Zahl der Arbeitsplätze zu vermehren, und zwar vor allem auf dem priva-

- 2 -

«

�privaten Sektor. Sollte trotz dieser Maßnahmen die Zahl der Arbeitslosen
nicht rasch genug zurückgehen, so wäre die Regierung gehalten, yewissermas*en
als letztes Mittel, Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst zu schaffen, um so
das gesetzte Ziel einer Arbeitslosenrate von 3 Prozent zu erreichen.
Was die Planung anbetrifft, so sieht das Gesetz einen sorgsam bis ins
Detail ausgearbeiteten Prozeß vor, vermittels dessen der Präsident, der Wirtschaftsbeirat, die Bundesbank, der Kongreß und eine Gruppe von Beratergremier,
alljährlich einen "Plan für Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum'
aufstellen würden. Dieser Plan wäre aber keine Direktive für alle Sektoren
der Wirtschaft, sondern würde nur soweit ins Detail gehen, daß er "eine umfassende Gesamtperspektive unserer Bedürfnisse und Kapazitäten liefert und
als weit voraus weisende Richtlinie ftlr optimale private, bundesstaatliche,
einzelstaatliche und lokale Maßnahmen dient".
Alle an den Debatten über die Gesetzesvorlage Beteiligten stimmen darin
überein, daß es eine äußerst schwierige Aufgabe sein werde, die Arbeitslosenziffer bei den Erwachsenen auf 3 Prozent herunterzubringen. Im gegenwärtigen
Stadium besteht auch noch keine Klarheit darüber, wie der Begriff der "Erwachsenenarbeitslosigkeit" aufgefaßt werden soll. Doch hat der Staatssekretär
im Arbeitsministerium, William H. Kolberg, dazu vor den Kongreßmitgliedern
folgende Erklärung unter den verschiedenartigen Voraussetzungen gegeben:
"Wenn sich das Ziel der 3 Prozent auf diejenigen bezieht, die 18 Jahre
oder älter sind, dann wäre dies gleichbedeutend mit einer Arbeitslosenziffer
von fast 3 1/2 Prozent für alle Erwerbstätigen, sofern man ihre derzeitige
Zusammensetzung zugrundelegt. Während der letzten 30 Jahre hat die Arbeitslosenziffer für die Gruppe von 18 Jahren und darüber nur in den Jahren 1952-53
und 1968-69 in der Nähe der Drei prozentmarke gelegen; dies aber waren Perioden, in denen die Zahl der bei den Streitkräften tätigen Männer bei über
3,5 Millionen lag... Bezieht sich die bei diesem Ziel angestrebte Arbeits-

- 3 -

�Arbeitslosenziffer aber auf die Altersgruppe von 21 Jahren und darüber, so
entspräche dies

nach unserem besten Wissen einer Arbeitslosenziffer für

alle zivilen Erwerbstätigen von annähernd 4,1 Prozent. Im Verlauf der letzten
3o Jahre ist eine solche Ziffer in den Perioden von 1947-48, von 1951-53 und
von 1966-69 erreicht worden". Kolberg und andere Gegner der Gesetzesvorlage
argumentieren, daß die stimulierenden Maßnahmen, die notwendig wären, um
eine solche Ziffer zu erreichen, mit Sicherheit einen gefährlichen inflationären Druck erzeugen würden.
Das auf 3 Prozent festgesetzte Ziel hat selbst bei liberalen Wirtschaftsexperten, die im allgemeinen die Ziele der Demokraten unterstützen, Kritik
hervorgerufen.
So verwies Charles Schultze von der Brooking Institution vor einem Senatsausschuß auf die Relation zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit während
der vier Inflationsperioden in den Vereinigten Staaten seit 1949. "Der zentrale Punkt", so sagte er, "ist klar - sowie die Arbeitslosenziffer bei den
Erwachsenen unter die 4,5 Prozentschwelle herabgedrückt wird, steigt die Inflationsrate über ihr anfängliches Niveau. Solange es keine neuen wirksamen
Instrumente für eine Inflationskontrolle gibt, würde das Herabdrücken der Erwachsenenarbeitslosenziffer auf das Drei-Prozent-Ziel mit Sicherheit zu beträchtlicher Inflation führen."
Die Leiterin des Budgetamtes des Kongresses, Alice Rivlin, hat warnend
darauf hingewiesen, daß "niemand sich mit der Möglichkeit einer Beschleunigung
der Inflation, sobald die Wirtschaft

sich der Drei-Prozent-Ziffer in der Ar-

beitslosigkeit nähert, unbesorgt abfinden könne."
Vor einigen Jahren, als die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten
weitaus niedriger lag als heute und auch niedriger als in den meisten anderen
Industriestaaten, wurde von vielen die Ansicht vertreten, daß die Vereinigten
Staaten gewillt sein müßten, eine höhere Inflationsrate zu akzeptieren, um

- 4 -

�*

um auf diese Weise menschliches Leid zu mildern und die sozialen Kosten zu
vermeiden, die sich aus einer hohen Arbeitslosigkeit ergeben. John Kenneth
Galbraith hat sich in seinen Darlegungen vor dem Bankenausschuß des Senats
der Auffassung anderer dort ihre Ansicht vertretender Zeugen angeschlossen,
wenn er warnend darauf hinwies, daß dieser Standpunkt heute niemals die politische Unterstützung finden würde, die für eine Verabschiedung des Gesetzes
notwendig wäre.
Da die fiskalische und monetäre Politik die Inflation bekämpft, ind*»sie Arbeitslosigkeit schafft, bleibt nach Ansicht von Galbraith nur die eine
Alternative, daß man der Regierunq die Macht gibt, durch Intervention die
Lohn- und Preissteigerungen zu bremsen.
Nicht jeder jedoch ist von der Wirksamkeit der Einkommenspolitik überzeugt, und auch andere Experten, die vor dem Ausschuß ihre Aussagen zu diesem
Themenkomplex machten, sind mit Schultze der gleichen Meinung, daß zusätzliche
Instrumente eingesetzt werden müßten, um die Arbeitslosenziffer zu senken,
ohne deshalb eine inflationistische Wirkung hervorzurufen.
In der Humphrey-Hawkins-Bill sind bereits mehrere Arten zusätzlicher Maßnahmen, die r?.n °r"reifen könnte, aufgeführt, darunter ein erweitertes Ausbildungsprogramm

für arbeitslose Jugendliche, Beschleunigung bei der Durch-

führung öffentlicher Bauvorhaben, die bei steigender Arbeitslosigkeit automatisch in Angriff genommen werden würden, und direkte Einstellungen im öffentlichen Dienst, um Arbeitsplätze für all diejenigen zu schaffen, die trotz der
anderen Maßnahmen keinen Arbeitsplatz gefunden haben.
In einem immer wieder gegen den Gesetzesvorschlag vorgebrachten Einwand
wird darauf hingewiesen, daß eben diese Bestimmung, Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst als "letztes Mittel" zu schaffen, sich stark inflationär auswirken würde . Nach der Vorlage würde die Regierung gehalten sein, für diese

- 5 -

�*

diese Arbeitsplätze die "gängigen" Löhne zu zahlen. Viele Kommentatoren haben
nun hervorgehoben, daß diese "«ängigen" Löhne relativ hoch liegen und daß
manche, die dann Stellen mit niedrigen Löhnen haben, versucht sein könnten,
ihre derzeitigen Arbeitsplätze aufzugeben, für einige Wochen Arbeitslosenun*
terstützung zu beziehen, um dann Anspruch auf eine Stelle im öffentlichen
Dienst zu erheben, die ihnen mehr Geld einbringt, als sie an ihrem früheren
Arbeitsplatz verdienten.
An dem Gesetzentwurf sind, seit er im vorigen Jahr zum erstenmal eingebracht wurde, schon drastische Revisionen vorgenommen worden,und es spricht
vieles dafür, daß noch weitere Revisionen erfolgen werden. Senator Humphrey
bemerkte vor kurzem, daß die Gesetzesvorlage "während der Debatte, den Erörterungen und Hearings zweifellos noch poliert und verbessert werden wird."
Aber selbst eine drastisch revidierte Version dürfte kaum die Gunst der
derzeitigen Administration finden. Alan Greenspan, der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates von Präsident Ford, vertritt die Ansicht, daß die beste Antwort auf das Problem der exzessiven Arbeitslosigkeit in den USA wohl in einem
guten Arbeitslosenversicherungsprogramm zu liegen scheine - wie es die Nation
bereits hat - gekoppelt mit langfristigen Ausbildungs- und Umschulungsprogrammen .
Wie Greenspan hinzufügte, "wird das Fehlen an produktiven Arbeitsplätzen
für unsere Arbeiterschaft im privaten Sektor der Wirtschaft eine erhebliche
Steigerung an Kapitalinvestitionen erfordern." In diesen Ausführungen wird
seine Überzeugung deutlich, daß die Regierung nur dann Vollbeschäftigung erreichen kann, wenn sie eine Politik verfolgt, die solche Investitionen ermutigt.
Die Bundesregierung ist nach dem noch geltenden Beschäftigungsgesetz
von 1946 ohnehin verpflichtet, für Vollbeschäftigung zu sorgen. Danach muß
sie alles in ihren Kräften stehende tun, um Bedingungen zu schaffen, "die

- 6 -

�I
"die maximale Beschäftigung, Produktion und Kaufkraft fördern."

Durch

dieses Gesetz wurden unter anderem auch der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten
und der Gemeinsame Wirtschaftsausschuß (beider Häuser) des amerikanischen
Kongresses ins Leben gerufen.
Das Gesetz aus dem Jahre 1946 wird jedoch heute von vielen Befürwortern
der Vollbeschäftigung als nicht mehr strikt genug betrachtet. Hier soll die
neue Vorlage von 1976 Abhilfe schaffen. Aber ob die Fachleute, und vor allem
die Öffentlichkeit, diese Vorlage als besser empfinden werben, solange sie
nicht neben dem Ziel der Vollbeschäftigung auch eine antiinflationäre Zielsetzung enthält, ist noch sehr die Frage.

X X X

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11/1976

NEUE MATERIE-TEILCHEN ENTDECKT

— ( A D ) - - Die Entdeckung eines "höchst exotischen Atoms" gab Ende Mai 1976
Professor Melvin Schwartz (Stanford-Universität) bekannt, der zur Zeit
mit einer Forschergruppe am Brookhaven National Laboratory (New York)
arbeitet. Es handelt sich um die Kombination eines geladenen Pi-Mesons mit
einem entgegengesetzt geladenen My-Meson, in der die beiden Partikel durch
elektrostatische Anziehung miteinander verbunden sind. Diese Objekte, die
von ihren Entdeckern als "Pionium-Atome" bezeichnet werden,

ähneln dem ge-

wöhnlichen Wasserstoffatom, sind aber hundertmal kleiner. Sie entstehen als
außerordentlich seltene Zerfallsprodukte des neutralen K-Mesons (K°. ), eines
Atomteilchens mit der Lebensdauer von 50 Milliardstel Sekunden.
Die Bausteine des Pioniums sind überaus instabile Teilchen, die normalerweise nur äußerst flücl.-ig bei der Kollision energiereicher Partikel wie
Protonen und Neutronen auftreten. Das Pi-Meson, auch Pion genannt, wird zur
Gruppe jener Teilchen gerechnet, die vermutlich den "Kitt" der Atomkerne darstellen. Im freien Zustand existiert es höchstens für die Dauer von 20
Milliardstel Sekunden, um dann in ein My-Meson (Myon) und ein Neutrino zu
zerfallen. Das Myon verhält sich ganz ähnlich wie schweres Elektron. Seine
Rolle beim Ablauf von Kernreaktionen ist eines der großen Rätsel in der Teilchenphysik. Mit einer Lebensdauer von ca. 2 Millionstel Sekunden gilt es
als eines der "langlebigen" Partikel.

DU

�Die eigentliche Motivation für die Durchführung der Experimente war
laut Professor Schwartz die Tatsache, daß das Pionium ein einzigartiges
empfindliches System für das Studium der Wechselwirkungskräfte zwischen einem
Pion und einem Myon darstellte Den heute gültigen Hypothesen zufolge ist diese
Kraft elektromagnetischer Natur« Deshalb seien, so wird daraus gefolgert, alle
Eigenschaften des Pioniums und seine Produktionsrate gut v-hersagbar. Jede
Abweichung von solchen Voraucsagen aber zeige eine - für die theoretische
Kernphysik interessante - Anomalie in der Pion-Myon-Bindung an, die möglicherweise Aufschluß über die Natur des My-Mesons geben könne.

Welche Schwierigkeiten diese Art von Experimenten bereiten, ist daraus
ersichtlich, daß nur etwa alle 10 Stunden ein Pionium-Atom nachzuweisen war«
Die errechnete Wahrscheinlichkeit für das Zustandekommen einer Bindung zwischen
einem Pion und einem Myon liegt bei 1:10 000 000. Man versucht jetzt, diese
auch experimentell zu bestimmen. Alles in allem wurden bisher erst 21 Pionium"Kandidaten" ermittelt» Professor Schwartz will durch weitere Experimente
mehr Informationen zu dem von ihm und seinen Mitarbeitern entdeckten Partikel
sammeln, dessen Existenz bisher nur postuliert, aber nicht beobachtet worden
war.
Ein ähnlich wichtiger Schritt gelang Wissenschaftlern vom Lawrence
Berkeley Laboratory (LBL) der Universität Kalifornien und des Linearbeschleuniger-Instituts (SLAC) der Stanford-Universität in Palo Alto (Kalifornien) mit
der Entdeckung eines Teilchens, das sich durch die seit langem vorausgesagten,
jetzt aber zum ersten Mal experimentell erfaßten "Charm"- Eigenschaften auszeichnet. Die Masse dieses Teilchens, dem seine Entdecker noch keinen Namen
gegeben haben, ist fast doppelt so groß wie die eines Protons (Atomkern von
einfachem Wasserstoff). Es ist von relativ langer Lebensdauer, bevor es in
leichtere, häufiger auftretende Partikel zerfällt.
Diese Eigenschaften und die Zerfallsreaktionen lassen darauf schließen,
daß es zu eine.r völlig neuen Familie subatomarer Teilchen mit "Charm"- Eiigen -

�Eigenschaften gehört. "Charm" hat in diesem Zusammenhang eine ähnlich große
Bedeutung wie zum Beispiel die elektrische Ladung.

Der Entdeckung gingen - ur^er Anwendung von Neutrino-Strahlen - langwierige Versuchsserien am Bronkhaven National Laboratory (New York), am FermiNational Laboratory (Chicago) und am Europäischen Kernforschungszentrum
(CERN) in Meyrin bei Genf voraus, in deren Verlauf die beteiligten Physiker
aufgrund ihrer Beobachtungen bereits zu der Vermutung kamen, daß "charmed
particles" existieren müßten. Aber sie vermochten weder die Masse noch die
Zerfallsreaktionen dieser Teilchen aufzuspüren.
Bei den Experimenten der Gruppen von Berkeley und Stanford wurden Elektroden- und Positronen-Strahlen frontal aufeinandergerichtet. Mit der Kollision
kirn es zu einer "Zerstrahlung" und gegenseitigen Auslöschung der Materiefeil chen, die in den Zustand reiner Energie übergingen. Daraus wiederum entstanden, bekannten physikalischen Gesetzen folgend, Materie-Partikel in verschiedenen Kombinationen. Auf diese Weise lassen sich Eigenschaften subatomarer Partikel unter kontrollierten Bedingungen studieren. Die Experimente
werden fortgesetzt.

XXX

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA 200&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das dritte Jahrhundert Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausstellung über Wissenschaft und Technik im Kennendy-Raumflugzentrum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Marine feiert Amerikas 200. Geburtstag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationale Flottenparade und Segelschifftreffen in New York&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsaufschwung in den USA übertraf Erwartungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Halbjahresbericht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Kongress entwickelt Alternativprogramm gegen die Arbeitslosigkeit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Materie-Teilchen entdeckt</text>
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9. Juni 1976

Nummer 10

Inhalt
DOKUMENTATION:
Gemeinsame Erklärung Kissingers und Simons zu UNCTAD IV

WIRTSCHAFT:
Das internationale Gipfeltreffen in Puerto Rico
- Offizielle Verlautbarungen des Weißen Hauses •

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die Herausforderung des Westens unter veränderten strategischen
Bedingungen
Von General Alexander Haig, Jr.
Unternehmungsgeist, Know-How, Weltoffenheit
- Schlüssel zum amerikanischen Erfolg in Wissenschaft und Forschung

U m Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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10/1976

GEMEINSAME ERKLÄRUNG KISSINGERS UND SIMONS ZU UNCTAD IV

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
und der amerikanische Finanzminister William Simon haben zum Abschluß der
Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung - UNCTAD IV (Welthandelskonferen) in Nairobi am 31. Mai eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie die Ablehnung des Vorschlages der Vereinigten Staaten für die Schaffung einer Internationalen Rohstoffbank bedauern. Im Namen
der amerikanischen Delegation werden Vorbehalte gegenüber der von den Entwicklungsländern verabschiedeten Schlußresolution geltend gemacht. Die USA,
so heißt es weiter, hätten jedoch zum Geiste der Harmonie beitragen wollen.
Umso bedauerlicher sei die Ablehnung der weiteren Prüfung der Möglichkeiten
für die Schaffung einer Internationalen Rohstoffbank gewesen. Die Vereinigten
Staaten würden jedoch ihren Vorschlag erneut vorbringen.
Die in Washington veröffentlichte Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten kamen in einem ernsthaften und kooperativen
Geiste zur UNCTAD IV nach Nairobi. In Vorbereitung der Konferenz haben wir
eine gründliche Überprüfung der internationalen Wirtschaftspolitik Amerikas
vorgenommen, an der alle Regierungsstellen beteiligt waren. Es gab eine
Übereinstimmung über eine Reihe von Vorschlägen von besonderer Bedeutung für

- 1 -

�i
i

für die Entwicklungsländer, die wir auf der UNCTAD vortrugen. Wir waren
mit der höchstrangigen Delegation in der Geschichte der UNCTAD-Konferenzen
vertreten, und der Standpunkt der Vereinigten Staaten wurde zum ersten Mal
in einer Eröffnungserklärung vom Außenminister selbst unterbreitet. In dieser Erklärung legten die Vereinigten Staaten ihre Vorschläge dar, wie man die
Probleme der Entwicklungswelt lösen könnte, einschließlich von Vorschlägen,
die sich direkt auf Rohstoffe bezogen, und gleichzeitig ließen sie erkennen,
daß bestimmte andere Vorschläge von uns nicht akzeptiert würden. Während der
ganzen vier Wochen der Konferenz haben die Vereinigten Staaten mit anderen
Ländern zusammengearbeitet, und in einer Reihe von Fragen wurde auf der Konferenz ein wichtiger Fortschritt erzielt.
In unserer Überprüfung internationaler Rohstoffpolitiken in Vorbereitung der Konferenz und auch sonst haben wir versucht, Mittel und Wege zu finden, um den Anliegen der Entwicklungsländer im Rahmen eines leistungsfähigen
internationalen Marktsystems gerecht zu werden. Wie wir auf der UN-Konferenz
dargelegt haben, sind wir bereit, an einer Prüfung der Vereinbarungen von
Fall zu Fall teilzunehmen, um das Funktionieren der internationalen Rohstoffmärkte durch einen weiten Bereich von Maßnahmen, wie sie für spezifische
Rohstoffe angebracht sind, zu verbessern. Wir haben jedoch Mechanismen zur
Festsetzung von Preisen oder einer Begrenzung der Erzeugung durch zwischenstaatliche Maßnahmen abgelehnt.
Einer der bedeutendsten amerikanischen Vorschläge sprach das Problem der
Erhöhung der Investitionen im Bergbau an. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten in einer Anstrengung, den Interessen der Entwicklungsländer wie
auch der Weltwirtschaft insgesamt gerecht zu werden, eine Internationale Rohstoff bank vorgeschlagen, um den anhaltenden Fluß von Kapital, Management und
Technologie für die Entwicklung neuer Rohstoffquellen in den Entwicklungsländern zu erleichtern.

�1

L

Im Laufe der Konferenz hat eine interministerielle Gruppe leitender
Beamter in Washington alle der Konferenz vorgelegten Vorschläge in dem Sinne
geprüft, möglichst viele der von den Entwicklungsländern und anderen Ländern
unterbreiteten Vorschläge in Übereinstimmung mit unseren eigenen Grundprinzipien anzunehmen.
Auf der abschließenden Plenarsitzung wurde eine Resolution der Entwicklungsländer durch Konsens angenommen.Die interministerielle Gruppe sprach
sich für Vorbehalte bezüglich von Teilen dieser Resolution aus, und diese
Vorbehalte wurden auf der Konferenz verlesen. Wir schlössen uns jedoch dem
Konsensus an, weil wir auf den Schlußsitzungen der Konferenz zu dem Geist
der Harmonie beitragen wollten und weil die Resolution eine Anzahl von Elementen unserer eigenen umfassenden Vorstellungen enthielt, auf die wir uns in
seiner (des US-Außenministers) Rede vor drei Wochen geeinigt hatten. Wie unsere Vorbehalte erkennen lassen, waren wir nicht der Überzeugung, daß alle
Aspekte der Vorschläge der Entwicklungsländer praktisch durchführbar seien.
Wir verpflichteten uns jedoch zu einer Suche nach konkreten praktischen Lösungen für die Rohstoffprobleme, die im Interesse sowohl der Erzeuger als auch
der Verbraucher liegen.
Es ist daher umso bedauerlicher, daß die Resolution, in der eine weitere
Prüfung der Einrichtung einer Internationalen Rohstoffbank mit einer Mehrheit
von zwei Stimmen bei 31 Ja-Stimmen abgelehnt wurde; 90 Länder enthielten sich
in letzter Minute der Stimme oder verließen den Saal.
Ein wesentlicher Teil der 33 Gegenstimmen kam von sozialistischen Ländern,
deren Beitrag zur Entwicklung der ärmeren Länder der Welt geringfügig ist.
An dieser Bemühung wirkten 44 Länder mit, indem sie sich bei der Resolution über die Internationale Rohstoffbank der Stimme enthielten, und 46 Staaten
verließen den Saal - fast alles Entwicklungsländer. Das ist kein gutes Omen

- 3 -

�Omen für den künftigen Dialog über die weltweite Entwicklungsanstrengung.
Wenn die Vereinigten Staaten, deren Rolle so lebenswichtig ist, große Anstrengungen zur Zusammenarbeit unternehmen, dann dürfen sie erwarten, daß ihre
Vorschläge nicht Zufallsmehrheiten ausgesetzt werden.
Wenn der Dialog zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen, dem
wir große Bedeutung beimessen, Erfolg haben soll, dann müssen von den Industrieländern vorgelegte Vorschläge - wie der Vorschlag für eine Internationale Rohstoffbank auf der UNCTAD - sachlich und ernsthaft geprüft und behandelt werden. Die Entwicklungsländer dürfen sich nicht durch jene Staaten, die
nichts zur Entwicklung der armen Länder der Welt beitragen, zu parlamentarischen Manipulationen verleiten lassen.
Wir werden auf späteren Konferenzen, einschließlich der in der Rohstoffresolutioi.

v on

UNCTAD IV vorgesehenen Vorbereitungskonferenzen, auf die

Probleme der Finanzierung der Rohstoffentwicklung zurückkommen. Wir werden
den Vorschlag für eine Internationale Rohstoffbank erneut vorlegen, und wir
erwarten, daß er mit der gleichen Achtung und Sorgfalt behandelt werden wird,
mit der die Vereinigten Staaten die Vorschläge prüfen werden, die die Ent
wicklungsländer unterbreiten werden.
Die Vereinigten Staaten kamen mit einem weiten Bereich anderer Vorschläge nach Nairobi, die auf eine konstruktive und pragmatische Behandlung der
dringenden Probleme der Entwicklungswelt abzielten.
Wir sind befriedigt, daß die Konferenz eine Reihe dieser Vorschläge aufgegriffen hat, die sich mit dem Transfer von Mitteln und Technologie und der
Ausweitung des Handels befassen. Wir werden diese Vorschläge in den geeigneten
Gremien weiter ausarbeiten - wie auch den Vorschlag für die Errichtung einer
Rohstoffbank - denn sie sind für die Probleme, die wir behandeln, genau
richtig.
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10/1976

DAS INTERNATIONALE GIPFELTREFFEN IN PUERTO RICO
-Offizielle Verlautbarungen des Weißen Hauses-

WASHINGTON — ( A D ) — Das Weiße Haus hat am 3. Juni 1976 in einer offiziellen
Erklärung bekanntgegeben, daß die Staats- und Regierungschefs Frankreichs,
der Bundesrepublik Deutschland, Italiens, Japans, Großbritanniens und der
Vereinigten Staaten sowie Kanadas am 27. und 28, Juni in Puerto Rico zur
Erörterung wirtschaftlicher Fragen zusammentreffen werden.
In amtlichen Kreisen in Washington wird darauf hingewiesen, daß dieses
Treffen nicht das erste seiner Art sei und auch nicht das letzte sein dürfte.
Präsident Ford und seine Mitarbeiter seien überzeugt, daß die wachsende Interdependenz der Volkswirtschaften der Welt enge und häufige Konsultationen der
führenden Männer der wichtigen Industriestaaten erfordern. Ein Hauptthema in
Puerto Rico wird voraussichtlich das Tempo des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs in den Industrieländern und dessen Auswirkungen auf die Probleme
der Entwicklungsländer sein.
Das erste dieser Gipfeltreffen hatte vom 15. bis 17. November vorigen
Jahres in Rambouillet stattgefunden.
Die Verlautbarung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
"Auf

- 1 -

�"Auf Einladung des Präsidenten der Vereinigten Staaten werden am 27.
und 28. Juni die Staats-und Regierungschefs von Frankreich, der Bundesrepublik
Deutschland Italien, Japan, des Vereinigten Königreichs von Großbritannien
und Nordirland und der Vereinigten Staaten von Amerika in Puerto Rico zusammenkommen. Darüber hinaus hat der Präsident der Vereinigten Staaten aufgrund der engen Bindungen und Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten
und Kanada und aufgrund der Tatsache, daß die Konferenz in der westlichen
Hemisphäre stattfindet, Kanada zur Teilnahme eingeladen.
Die Teilnehmer werden Probleme von gemeinsamem Interesse erörtern
- unter anderem den Fortschritt ihres wirtschaftlichen Wiederaufschwungs und
die gegenwärtige Phase ihrer Bemühungen, ein anhaltendes wirtschaftliches
Wachstum zu erreichen, Finanz-und Währungsfragen, Handel, Energie und die
Beziehungen zu den Entwicklungsländern,
Angesichts des Beitrages, den das Gipfeltreffen in Rambouillet zu dem
bedeutsamen Fortschritt geleistet hat, der bei der Erreichung eines starker,
wirtschaftlichen Wiederaufschwungs in den Industrieländern, bei der Verbesserung des internationalen Währungssystems und der Währungszusammenarbeit, bei
der Gewährleistung einer offenen internationalen Handelsordnung, bei der
Stärkung der Zusammenarbeit der Industrieländer auf dem Energiesektor und beim
Aufbau eines konstruktiven Dialogs

mit der Entwicklungswelt erzielt worden

ist, sind die führenden Staatsmänner überzeugt, daß dieses Treffen weiteren
Fortschritt auf allen Gebieten gemeinsamen Interesses bringen kann."
Das Weiße Haus hat ferner am gleichen Tage eine Verlautbarung mit Hintergrundinformationen zu dem Gipfeltreffen herausgegeben, die folgenden Wortlaut
hat:
"Die Interdependenz, die zwischen den demokratischen Industrieländern
entstanden ist, und die Verzweigtheit der gemeinsamen Probleme, vor denen sie

�sie stehen, haben zu der Erkenntnis der Notwendigkeit einer intensiven Konsultation und Zusammenarbeit unter den führenden Staatsmännern in einem weiten Bereich von gegebenen Aufgaben und Möglichkeiten geführt. Dies muß laufend gesehen, um die Übereinstimmung für gemeinsames Handeln aufzubauen, um
Probleme zu erkennen und zu lösen und um zu verhindern, daß sie sich zu zerstörerischen Krisen auswachsen.
Das Gipfeltreffen von Rambouillet, das vom 15. bis 17. November vorigen
Jahres abgehalten wurde, diente dazu, die Bedeutung eines intensiven Meinungsaustauschs unter den Führern der großen demokratischen Industrieländer
über Entwicklungen der Weltwirtschaft und über gemeinsame Probleme ihrer jeweiligen Länder zu unterstreichen. Zu den in Rambouillet erörterten Themen
gehörten die Anstrengungen zur Erreichung eines anhaltenden wirtschaftlichen
Wiederaufschwungs, eine Reform des Währungssystems, eine Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit in Währungs- und Finanzfragen, eine Beschleunigung des Fortschritts der multilateralen Handelsverhandlungen in Genf, eine
Förderung der ordnungsgemäßen und fruchtbaren Steigerung der wirtschaftlichen
Beziehungen zu den sozialistischen Ländern, eine Zusammenarbeit zur Verringerung der Abhängigkeit von importierter Energie und die Einrichtung eines konstruktiven Dialogs mit den Entwicklungsländern.
In den Monaten seit Rambouillet ist in der Weltwirtschaft ein bedeutsamer
Fortschritt erzielt worden. Das Übereinkommen von Rambouillet hat einen wichtigen Beitrag zu diesem Fortschritt geleistet.
- Es herrschte Übereinstimmung über die Notwendigkeit, ein anhaltendes
Wachstum ohne Inflation zu erreichen. Obwohl es urmöglich ist, genau auszurechnen, welchen Beitrag Rambouillet geleistet hat, liegt es auf der Hand,
daß es dazu diente, die Entschlossenheit der führenden Staatsmänner zu stärken, den Forderungen nach übertriebener Konjunkturförderung zi widerstehen
und die politisch schwierigen Entscheidungen zu treffen, die notwendig waren,

�1
4
waren, um ihre Länder auf den Weg zu einem stabilen wirtschaftlichen Wiederaufschwung zu bringen,
- Die Teilnehmer verpflichteten sich, protektionistischen Forderungen zu
widerstehen und weiterhin auf einen erfolgreichen Abschluß der multilateralen
Handelsverhandlungen in Genf zu drängen. Dementsprechend haben sie trotz
großer Schwierigkeiten im eigenen Lande die Stärke ihrer kollektiven Verpflichtungen auf beiden Gebieten demonstriert.
- Es wurde Obereinkunft über eine Basis der Reform des internationalen
Währungssystems erreicht. Dieses Übereinkommen bereitete den Boden für die
Januar-Tagung des Interimsausschusses des Internationalen Währungsfonds (IWF)
in Jamaica, wo eine umfassende Übereinkunft erzielt wurde, die langfristige
strukturelle Reformen mit Maßnahmen zur Behebung des unmittelbaren Finanzierungsbedarfs verschiedener Länder verband.
- Die Beteiligten kamen überein, auf rasche Verbesserungen der internationalen Vereinbarungen zur Stabilisierung der Exporterlöse der Entwickluncsländer
hinzuarbeiten. Dies wurde auf der Sitzung des Interimsausschusses in Jamaica
Wirklichkeit.
Seit Rambouillet haben sich auf verschiedenen Gebieten die Verhältnisse
geändert. Viele Volkswirtschaften beschleunigen ihre Tätigkeit in einem befriedigenden Tempo; manche wachsen sogar in einem rascheren Tempo als ursprünglich erwartet. Das kommende Gipfeltreffen wird die Möglichkeit bieten, über
die gegenwärtige Phase der Bemühungen der einzelnen Teilnehmer bei der Herbeiführung eines anhaltenden wirtschaftlichen Wachstums zu sprechen, und kann
sich daher als nützlich für die Identifizierung möglicher Probleme und die
Möglichkeit ihrer Vermeidung erweisen.
Die Zusammenkunft findet auch in einem wichtigen Augenblick des sich entwickelnden Verhältnisses zwischen den Industrieländern und den Entwicklungs-

- 4 -

�Entwicklungsländern statt. Die Teilnehmer werden die Möglichkeit haben, über
die Ergebnisse der kürzlich beendeten UNCTAD-Konferenz in Nairobi zu befinden.
Sie können über zusätzliche Schritte sprechen, die in den kommenden Monaten
auf der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Paris
im Hinblick auf allseits nützliche Vereinbarungen getan werden können.
Im übrigen dürften wahrscheinlich neben anderen Themen gemeinsamen Interesses auch die Zusammenarbeit der Verbraucher zur Verringerung der Abhängigkeit von importiertem öl und verstärkte Bemühungen in den multilateralen
Handelsverhandlungen zu Erreichung einer offeneren und verbesserten Welthandel sordnung behandelt werden."

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10/1976
DIE HERAUSFORDERUNG DES WESTENS UNTER VERÄNDERTEN STRATEGISCHEN BEDINGUNGEN
Von General Alexander Haig, Jr.
Oberster Alliierter Befehlshaber Europa
(Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des nato-briefs)

--(AD)-- Seit im April 1951 das Oberste Hauptquartier der Allierten Mächte in
Europa und der Alliierte Befehlsbereich Europa in Paris ins Leben gerufen wurden, ist über ein Vierteljahrhundert vergangen. Hinter dem Schutzschild der
NATO und des Alliierten Militärkommandos ist nicht ein Quadratmeter Bündnisterritorium unter sowjetische Herrschaft gefallen. Die europäischen NATO-Staaten haben sich über 25 Jahre eines Friedens, eines Fortschritts und eines
Wohlstandes erfreut, wie es in der Geschichte Europas einmalig ist.
Obgleich Westeuropa nicht mehr, wie es General Eisenhower sagte, im gleichen Maße "den Impuls der Angst spürt", so sehen wir doch heute für das Bündnis als Ganzes eine Fülle von Problemen. Wir erleben eine sozialwirtschaftliche Krise; wir erleben das verwirrende Dilemma der Ost-West-Beziehungen; und
wir erleben eine Flut von Schwierigkeiten und Problemen an der südlichen
Flanke des Bündnisses, die tiefgreifend und gefährlich sind. Vor diesem Hintergrund erleben wir noch dazu ein unablässiges Anwachsen der militärischen

- 1 -

i

�militärischen Kapazität der Sowjets. Diese Probleme haben sich so gehäuft,
daß heute eine Atmosphäre herrscht, in der sich die Frage nach der Gesundheit
und der Lebenskraft unserer kollektiven Anstrengung stellt. Manche Leute gehen
sogar noch weiter und stellen die Grundgedanken, die Logik hinter unserer
traditionellen Einstellung zum atlantischen Sicherheitsrahmen in Frage.
Von denen, die sich den Zielen des Bündnisses verschrieben haben, werden
nur wenige diese Überzeugungen teilen, aber ihre Folgen sind schwerwiegend
genug, um eine grundlegende Untersuchung und Beurteilung der ihnen zugrundf3liegenden Prämissen zu rechtfertigen. In dem Prozeß dieser Selbstprüfung
muß man sich sorgfältig vor der gegenwärtigen Neigung zu überstürzten Analysen
und groben Verallgemeinerungen hinsichtlich unserer fundamentalen Lebensinteressen hüten. Solche Verallgemeinerungen sind meist falsch.

Veränderungen der strategischen Bedingungen
Ohne näher auf die historische Perspektive seit dem Zweiten Weltkrieg
einzugehen, kann man einige fundamentale Veränderungen der strategischen Bedingungen feststellen.
Der Erfolg der Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg und ihre geopolitische Vorherrschaft hatte zu einem überaktiven, paternalistischen Führungsstil geführt, aus dem sich ein Gefühl der Verantwortung für alles, was in der
ganzen Welt passierte oder auch nicht passierte, entwickelte. Diese Überaktivität und dieses globale Verantwortungsgefühl wurden jedoch entscheidend gedämpft, als sich die Vereinigten Staaten Mitte der sechziger Jahre durch ihre
Erfahrungen mit der Dritten Welt enttäuscht und entblößt sahen. Der entscheidende Wandel, den wir heute feststellen können, ist die klare Erkenntnis, daß
die Vereinigten Staaten ihren einzigartigen hegemonialen Status verloren haben, der die erste Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kennzeichnete. Die einge-

�f

eingetretenen Kräfteverschiebungen erlauben es den Vereinigten Staaten nicht
mehr, den Ausgang globaler Ereignisse einseitig und nach Belieben zu bestimmen.
Was Westeuropa anbetrifft, so war der Wandel ebenfalls dramatisch. Wir
haben den Übergang von der Erschöpfung und der Zerstörung nach dem Kriege zum
wirtschaftlichen, sozialen, politischen und militärischen Wiederaufschwung
erlebt. Wenn darüber hinaus Westeuropa in seinem Kampf um den Wiederaufstieg
nach dem Kriege bequemerweise amerikanische Lösungen akzeptiert hat, so
besitzt es heute die Fähigkeit zur Konkurrenz. Man ist für Partnerschaft und
Zusammenarbeit mit dem atlantischen Partner, aber nicht für Bevormundung.
Eine Analyse der Dritten Welt läßt erkennen, daß in der Zeit unmittelbar
nach dem Kriege deren Führer nach wirtschaftlicher Unterstützung und politischen Lösungen suchten, sowohl um ihre eigene politische Macht zu konsolidieren als auch um ihre Gesellschaften zu einer höheren Entwicklungsstufe zu
führen. In dieser Hinsicht tendierten sie zu diktatorischen Lösungen von
rechts oder links. Auch heute noch suchen diese Länder nach vernünftigen Beziehungen zum Westen- aber im allgemeinen zu ihren Bedingungen. Für den
Westen geht es dabei darum: Erstens, die wahre Macht der Dritten Welt in bezug
auf Rohstoffe und Energie klar zu erkennen, und zweitens, diese Realität mit
Gerechtigkeit und Verantwortungsbewußtsein anzupacken. Die jüngsten Erfahrungen
haben eindeutig bestätigt, wie entscheidend wichtig es ist, daß sich die industrialisierten Verbraucherländer dieser Herausforderung gemeinsam stellen,
oder sie riskieren, einzeln ausgebeutet zu werden.

Die veränderte Bedrohung
Die Art der Bedrohung der westlichen Industrienationen hat sich grundlegend geändert. Was sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als monolithisch
dargestellt hat, ist heute multipolar geworden. Es haben sich drei Zentren

- 3 -

�*
4

Zentren der marxistischen Macht entwickelt: Moskau, Peking und jene Gruppe
revolutionärer Entwicklungsländer, um deren Kontrolle Moskau und Peking
kämpfen. Und was das wichtigste ist, es liegt heute auf der Hand, daß in vielen strategischen Schlüssel fragen die Animosität zwischen Moskau und Peking
größer ist als zwischen dem einen oder dem anderen und der westlichen Welt.
Das bedeutet aber für den Westen, daß er nur dann Vorteile aus dieser Multipolarität ziehen kann, wenn er in jedem der Zentren der marxistischen Macht
als einig, zuverlässig und kompetent für den Ausgang globaler Entwicklungen
angesehen wird.
Bei einer Beurteilung der heutigen militärischen Bedrohung ist es zweckmäßig, sich mit den Lehren zu befassen, die die Sowjets aus der Kuba-Krise im
Jahre 1962 gezogen haben. Für die Sowjets lagen die Dinge auf der Hand. Ihr
Nachgeben mußte sich aus zwei Faktoren ergeben: Einmal durch ihre numerische
Unterlegenheit an strategischen Waffensystemen und zweitens durch ihre Unfähigkeit, konventionelle Macht nach der 10 000 Meilen von der Basis Rußland
entfernten Insel zu projizieren. Die Erfahrung in der kubanischen RaketenKrise führte zu einer unermüdlichen und anhaltenden Anstrengung, um die strategische Unterlegenheit zu beseitigen und, was vielleicht noch wichtiger war,
eine im echten Sinne globale konventionelle militärische Macht, sprich Flotte,
aufzubauen.
In den Jahren seither haben die Sowjets unvergleichlich große Mittel für
die Verteidigung bereitgestellt. Nach Angaben des früheren amerikanischen Verteidigungsministers Schlesinger haben die Sowjets im letzten Jahrzehnt ihre
Verteidigungsausgaben um jährlich brutto zwischen drei und fünf Prozent erhöht. Nach seinen Schätzungen hat die Sowjetunion die Supermacht USA im Jahre
1975 um etwa ein Drittel an militärischen Ausgaben übertroffen - bei Forschung und Entwicklung um 20 Prozent, bei der Beschaffung um 25 Prozent, bei
den Streitkräften um 20 Prozent und bei strategischen Systemen sogar um 60
Prozent, wobei das letztere besonders alarmierend ist.
Auf

- 4 -

�Auf strategischem Gebiet hat die UdSSR die frühere Unterlegenheit von 10
zu eins an strategischen Systemen im Jahre 1962 ganz eindeutig überwunden, und
heute kann man, wie es der amerikanische Verteidigungsminister Rumsfeld tat,
von einer "annä'herenden Gleichwertigkeit" an zentralen strategischen Systemen
sprechen. Der Trend ist jedoch dynamisch. Die UdSSR hat die Entwicklung von
vier neuen Raketensystemen abgeschlossen. Drei davon sind mit Mehrfachgefechts
köpfen erprobt worden, und alle haben eine wesentlich höhere Treffsicherheit *
gegen feste Ziele aufgewiesen. Darüber hinaus haben die Sowjets eine neue unterseebootgestützte Rakete entwickelt, die SS-N-8, die eine Reichweite von
4 200 Seemeilen hat. Mit dieser Rakete sind die Unterseeboote der Delta-Klasse und die neuen vergrößerten Boote der Super-Delta-Klasse ausgerüstet worden.
Beide dieser Bootstypen können im Beringmeer tauchen und von dort aus den gesamten nordamerikanischen Kontinent - bis zum Panamakanal - mit Raketen mit
Nukleargefechtsköpfen erreichen - und selbstverständlich das ganze Westeuropa
und große Teile des kommunistischen China.
Die Entwicklungen auf strategischem Gebiet hängen natürlich eng mit den
SALT-Verhandlungen zusammen.Eines ist jedoch heute schon mit Sicherheit zu sagen Wenn e' zu keinem akzeptablen SALT-Abkommen kommt, dann werden die Vereinigten Staaten vor großen Ausgaben stehen, um das gegenwärtige "annähernde
Gleichgewicht" in zentralen Systemen zu erhalten.
Was die nuklearen "Gefechtsfeldwaffen" anbetrifft so hat der Westen auch
heute noch eine qualitative und quantitative übprlegenheit, obwohl auch hier
der Trend äußerst dynamisch ist. Die Sowjets unternehmen große Anstrengungen,
um ihre Trägerwaffen zu verbessern, was vor a M e m bei der Raketenartillerie
und möglicherweise auch bei der Rohrartillerie mit Nuklearkapazität zu beobachten ist. Ferner haben sie eine neue Zwischenstreckenrakete (RBM) vom Typ
SS-X-20 entwickelt, die mobil ist und mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückt
werden kann. Schließlich wird ein neues, modernes taktisches Flugzeug mit
Nuklearkapazität und größerem Aktionsradius und höherer Tragkraft eingeführt.

Als

�Als wichtigstes Machtpotential unter den gegenwärtigen Umständen

haben

die Sowjets in ganz bewußter Entscheidung ihren Flottenaufbau von der Küstenverteidigung auf weltweite Kapazität umgestellt. Gleichzeitig haben sie ihre
Streitkräfte während der letzten zehn Jahre um rund eine Million Mann verstärkt, davon allein um 100 000 in Mitteleuropa. Was uns bei der Verstärkung
der Landstreitkräfte am meisten beunruhigt, ist die Einführung von Artillerie,
•Panzern und Personal auf der Ebene der Armee, der Division und noch darunter.
Was die Flugzeuge angeht, so hat die NATO noch immer einen qualitativen
Vorsprung, der Warschauer Pakt jedoch eine zahlenmäßige Überlegenheit von
zwei zu eins. Eine dritte Generation sowjetischer Flugzeuge, die derzeit in
den Truppendienst gelangen, läßt erkennen, daß auch hier die Entwicklung dynamisch ist.
Aus dieser allgemeinen unbeschönigten Beurteilung der militärischen Bedrohung muß man zu dem Schluß kommen,daß die Sowjetunion zweifellos eine
Supermacht geworden ist und über die militärischen Mittel und Fähigkeiten verfügt, eine globale, imperialistische Phase ihrer Außenpolitik einzuleiten.
Angola ist in diesem Zusammenhang ein besonders wichtiges Beispiel. Eine zweite klare Erkenntnis, zu der der Westen kommen muß, ist die Tatsache, daß wir
mit dieser neuen globalen Kapazität der Sowjets nur fertig werden können, wenn
die militärischen Mittel und Fähigkeiten der atlantischen Gemeinschaft gemeinsam abgestimmt und eingesetzt werden. Einzel stehende oder gar miteinander konkurrierende Säulen der atlantischen Verteidigung sind heute sowohl militärisch
als auch psychologisch unzureichend.

Die sozial-wirtschaftliche Krise
Mit der sogenannten sozial-wirtschaftlichen Krise ist noch eine weitere
Veränderung der strategischen Bedingungen eingetreten, die für uns im Westen
von noch größerer Bedeutung ist. Manche Leute behaupten, bei dieser Krise handele es sich lediglich um ein zyklisches, fiskalisches Phänomen, und wenn die
Staaten nur ausharrten und ihre Last trügen, dann würden sie sich bald wieder
auf dem aufsteigenden Ast befinden.

F.

�T

Es gibt jedoch vier Aspekte dieser Krise, die sie fundamental anders
und tiefgreifender erscheinen lassen als früher. Erstens einmal ist schon
der fiskalische Aspekt ein anderer, da hier zum ersten Mal westlich" Marktwirtschaften - ohne Rücksicht auf die politischen Systeme - gle chzeitig die
gleiche "Stagflation" erlebt haben. Die traditionelle Flexibilität

daß sich

die Länder der westlichen Welt gegenseitig helfen konnten, indem ein Land
auf dem aufsteigenden Ast ein im Abschwung befindliches unterstützen konnte,
besteht nicht mehr. Zweitens, zum ersten Mal in der Geschichte der modernen
Industriegesellschaften mußte der Westen erkennen, daß es hinsichtlich der
Rohstoffe definitive Grenzen gibt, und daß sich damit die reale und die eingebildete Macht der Dritten Welt explosionsartig vermehrte. Drittens gibt es
die Herausforderung der egalitären Wirtschaft, wie man es oft zu nennen
pflegt, die ein Produkt des Erfolgs der westlichen Industriegesellschaft
ist. Diese Herausforderung stellt unsere Regierungen vor die große Aufgabe,
die Früchte unseres Systems so gerecht und verantwortungsbewußt wie möglich
zu verteilen. Und schließlich hat sich auf dem Gebiet des elektronischen Fernmeldewesens, vor allem im Fernsehen, eine Revolution

abgespielt, was tief-

greifende Auswirkungen auf das politische Denken in jeder Gesellschaft hat.
Diese sozial-wirtschaftliche Krise stellt eine Herausforderung an das
System selbst dar - an den Kern und den Inhalt der industrialisierten Struktur
des Westens - wie die Regierungsform in jedem einzelnen Land auch immer aussehen mag. Man spürt jedoch auch ein wachsendes Bewußtsein der fundamentalen
Aspekte dieser Krise und eine wachsende Einsicht, daß gerade, weil die Krise
allen westlichen Gemeinschaften gemeinsam ist, auch eine gemeinsame Lesung
gefunden werden muß. Ebenso wie die vorhin angeführte militärische Bedrohung
verlangt auch diese sozial-wirtschaftliche Bedrohung kollektive politische
und wirtschaftliche Anstrengungen.
In jeder kollektiven Anstrengung zur Lösung dieses Problems liegt jedoch
ein innerer Widerspruch. Auf der einen Seite sind sich die führenden Politiker
im Westen über die Tatsache im klaren, daß auf den Gebieten des Handels, der
Energi

und damit zusammenhängender Fragen kollektive sozial-wirtschaftliche

- 7 -

�•
i

wirtschaftliche Anstrengungen notwendig sind. Auf der anderen Seite sind
viele von ihnen zu der Auffassung gelangt, daß dies nur auf Kosten der bekannten Sicherheitserfordernisse erreicht werden könne. Daraus resultiert
eine Tendenz, bei der Zuteilung knapper Mittel genau das Fundament zu zerstören, auf dem alle erfolgreichen kollektiven Maßnahmen aufgebaut sein
müssen. Jeder führende Politiker im Westen, der glaubt, er könne das sozialwirtschaftliche Problem lösen und gleichzeitig das Fundament für alle erfolgreichen Kollektivmaßnahmen angreifen, wird herausfinden, daß er sich auf ein
totgeborenes Unterfangen eingelassen hat. Das anhaltende Vertrauen in unsere
Sicherheitseinrichtungen ist absolute Voraussetzung für einen erfolgreichen
sozial-wirtschaftlichen Fortschritt.

Bündnis und Abschreckung
Wenn wir heute das Bündnis betrachten, dann sehen wir, daß große Anstrengungen im Gange sind, um eine wirksamere und kosteneffektivere Verteidigung
zu erreichen. Es steht außer Frage, daß die Militärs unbedingt die Pflicht
haben, die Wirksamkeit unserer Verteidigung zu verbessern, damit unsere Länder von einer Basis des Vertrauens in unsere Sicherheitseinrichtungen operieren können.
Daher ist es in Zeiten knapper Mittel ein zwingendes Gebot für die Militärexperten, die militärische^ Kapazitäten zu analysieren, um die kosteneffektiven Strukturen zu finden. Die Gefahr einer Überbetonung rein kosteneffektiver Lösungen liegt jedoch darin, daß lediglich auf Wirksamkeit ausgerichtete Analysen sich leicht nur auf die Kapazitäten für die Führung eines
Krieges konzentrieren und dabei die Hauptaufgabe der NATO übersehen, nämlich den Ausbruch eines Krieges zu verhindern. Das geschieht in erster Linie durch die"Abschreckung". Diese kaum quantifizierbare, aber entscheidend
wichtige Aufgabe entzieht sich weitgehend dem Maßstab quantifizierbarer
Wirksamkeit. Ein zentraler Aspekt der Abschreckung ist vor allem, wie der

- 8 -

�r
der Gegner den kollektiven Willen, die Solidarität und die Entschlossenheit
des Westens sieht, die Kapazität zur Führung eines Krieges anzuwenden, die
der Steuerzahler bereitstellt. Der fundamentale Maßstab, der daher an jede
Initiative zur Verbesserung der Wirksamkeit angelegt werden muß, ist ihre Auswirkung auf das gegenseitige Vertrauen und die Einigkeit im Bündnis. Jede
kosteneffektive Initiative, die diesen fundamentalen Test nicht besteht, muß
ohne Rücksicht auf etwaige Einsparungen zumindest neu überdacht werden.
Hinsichtlich der Gefahr, sich zu sehr auf die Fähigkeiten zur Führung
eines Krieges zu konzentrieren, muß noch ein weiterer Punkt hervorgehoben werden. Eine solche Befangenheit könnte sich leicht ausschließlich auf den Bereich
Mitte konzentrieren, der den Zugang zum Herzen Europas schützt und dem im
Falle eines allgemeinen Konflikts die Hauptsorge gilt. Aber muß es in einer
Zeit des nuklearen Gleichgewichtes bei einer Abwägung der militärischen Bedrohung nicht wahrscheinlicher erscheinen, daß wir es mit jenen gleichen zwiespältigen,
.inchmal berechneten, manchmal zufälligen Zwischenfällen
an den Flanken zu tun haben werden, die die strategische Umwelt während des
letzten Jahrzehnts gekennzeichnet haben?
Diese Zwischenfälle sind aus der Unruhe in der Dritten Welt in Gebieten
entstanden - und werden weiterhin entstehen - in denen bewußt oder unbewußt
die Interessen der Großmächte immer stärker mit auf dem Spiele stehen. Wie in
der Vergangenheit wird es dem Westen schwerfallen, eine Übereinstimmung über
die Wichtigkeit der anstehenden Probleme und über die notwendigen Maßnahmen
zu erzielen. Wenn wir also angesichts dieser zu erwartenden Herausforderungen
die Verteidigung des Bündnisses betrachten, dann müssen wir sie als ein Ganzes
sehen und dürfen uns nicht ausschließlich auf Mitteleuropa konzentrieren.
Interdependenz

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Interdependenz

Die Analyse der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Überlegungen bestätigt insgesamt die wachsende gegenseitige Abhängigkeit, die Interdependenz, der westlichen Welt. Unter diesen sich wandelnden strategischen
Bedingungen kann man angesichts der erwähnten relativen Machtverschiebungen
von den Vereinigten Staaten nicht länger erwarten, daß sie den Ausgang globaler Ereignisse rein durch das Gewicht ihres einzigartigen hegemonialen Status
beeinflussen. Und ebensowenig kann sich Europa länger den Luxus leisten, als
Beobachter am Spielfeldrand zu stehen, wenn die Vereinigten Staaten versuchen,
für sich allein den Ausgang globaler Krisen zu bestimmen. Angesichts der globalen sowjetischen Kapazitäten dürften sich exklusive oder konkurrierende
Verteidigungsrahmen für die atlantische Sicherheit als unzulänglich erweisen.
Wenn im übrigen auf beiden Seiten des Atlantik die jeweils andere Seite unter
Begriffen wie Unzuverlässigkeit, Unerheblichkeit, Verschlafenheit oder Kurzsichtigkeit betrachtet wird, dann kann das nur die Hoffnung auf trügerische
Alternativen nähren.
Ähnliche Schlüsse lassen sich aus einer Analyse der aufgespaltenen multipolaren Bedrohung des Westens heute ziehen. Das Ausmaß, in dem diese Multipolarität dem Westen einen größeren diplomatischen Spielraum und geopolitische
Vorteile verschafft, hängt davon ab, in welchem Maße der Westen global gesehen
als zuverlässig oder gewichtig betrachtet wird.
Und was schließlich den rein militärischen Gesichtspunkt angeht, so liegt
die Herausforderung auf der Hand. Unter den heutigen veränderten strategischen Bedingungen muß der Westen in einem stärkeren Maße denn je seine gesamten kollektiven Mittel zusammenfassen, um mit der globalen sowjetischen Militärmacht fertig werden zu können. Wenn wir in einer Zeit annähernder strategischer Gleichgewichtigkeit an die Bewältigung dieser Aufgabe gehen, dann bekommt die Aufrechterhaltung regionaler Gleichgewichte eine besondere Bedeutung.

- 10 -

�Bedeutung. Wenn es darum geht, die Fähigkeit zur Beeinflussung von Ereignissen zu besitzen und über die Mittel zu verfügen, eine Eskalation der zwiespältigen, ungewissen Situation zu verhindern, die sich aus der Unruhe in
der Dritten Welt ergeben, dann muß °ine brauchbare konventionelle Macht eine
vorrangige Rolle als Stütze und Basis der westlichen Diplomatie spielen.

Die Aufgabe für den Westen ist groß, aber er verfügt auch mit der doppelt
so großen industriellen Basis und anderthalbmal mehr Menschen eindeutig über
die Fähigkeit, mit dieser Herausforderung fertig zu werden. Die entscheidende
Frage unter den heutigen stratecn- •VIP« Bedingungen ist die, ob der Westen die
neue Ära der atlantischen Interdependenz begreifen und die notwendigen Prioritäten setzen wird, um den so wesentlichen gemeinsamen und abgestimmten Einsatz
von Anstrengungen und Mittel zu erreichen.

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UNTERNEHMUNGSGEIST, KNOW-HOW, WELTOFFENHEIT
-Schlüssel zum amerikanischen Erfolg in Wissenschaft und Forschung-

--(AD)-- Dem Zeitgenossen der 200-Oahrfeier der Vereinigten Staaten von
Amerika wird kaum mehr bewußt, welch atemberaubende Entwicklung die politische, wirtschaftliche und technische Weltmacht Amerika seit ihrer Staatsgründung im Jahre 1776 durchgemacht hat. Er setzt voraus, daß die USA z.B. auch
in der Wissenschaft an der Spitze stehen, obgleich der internationale Konkurrenzkampf auf diesem Gebiet an Schärfe erheblich zugenommen hat.
Im Jubiläumsjahr werden die Vereinigten Staaten rund 38,1 Milliarden
Dollar (2,2 Prozent des Bruttosozialproduktes gegenüber dem Höchststand von
3 Prozent im Jahre 1964) für Forschung und Entwicklung aufwenden. Davon kommen
20,1 Milliarden Dollar aus dem Staatssäckel, der Rest wird von der Wirtschaft und von privater Seite aufgebracht. Im letzten Jahrzehnt ist der amerikanische Kongreß mit der Bewilligung von Wissenschaftsgeldern sparsamer geworden. Die Rangfolge der Schwerpunktprogramme lautet derzeit: Verteidigung
(10,6 Milliarden Dollar), Raumfahrt (3,4 Milliarden Dollar), Energieforschung und Entwicklung (2,38 Milliarden Dollar), Gesundheits-, Bildungs- und
Sozialwesen (2,32 Milliarden Dollar).
Wer denkt heute noch daran, daß in den Vereinigten Staaten zur Zeit der
ersten Volkszählung im Jahre 1790 weite Teile unbekannte Wildnis waren, daß
sich große Gebiete im Besitz Frankreichs und Spaniens befanden? Dje_

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I

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Die "Westfront" für die Siedler jener Zeit waren die Berge der Appalachen.
Im Jahre 1806, drei Jahre nach dem Ankauf des Louisiana-Territoriums westlich
des Mississippi, entsandte Präsident Jefferson eine erste kleine Expedition
von St. Louis aus in den heutigen Nordwesten, um diesen geographisch, geologisch und nach Klima-und Lebensbedingungen erkunden zu lassen. Durch Kauf
und Verträge war schließlich bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch der "Ferne
Westen" Hoheitsgebiet der Vereinigten Staaten geworden. Jedoch waren damals
viele Menschen überzeugt, daß mindestens noch ein halbes Jahrtausend vergehen
werde,

bis das weite Land mit seiner Vielfalt geographischer und klimati-

scher Regionen erschlossen und besiedelt sei.
Entgegen den Voraussagen ist dies längst vollzogen, geschehen in

der

Zeitspanne eines Menschenlebens. Mit Mut, Beharrlichkeit und Energie wurden
die Aufgaben angepackt, die nun einmal bewältigt werden mußten.

Initiative

und tatkräftiges Handeln des einzelnen wie der Gemeinschaft sind noch immer
typisch für die Haltung und die Bereitschaft "der Amerikaner" ungeachtet ihrer
ethnischen Herkunft, Rasse und Religion, sich einer Herausforderung zu stellen. Die Mannigfaltigkeit an individuellen Meinungen, Ideen, Zielen und an
Möglichkeiten, Beiträge zu leisten, schmälert offenbar auch unter erschwerten
Bedingungen nicht die Widerstandskraft der Nation. Ja, sie scheint sogar eine
der wesentlichen Kraftquellen Amerikas zu sein.

Praxisbezogene Wissenschaft
Von Anfang an war die Wissenschaft in das Werk des Aufbaus einer neuen
Zivilisation auf dem amerikanischen Kontinent einbezogen - allerdings in einem
sehr pragmatischen Sinne. In der im Jahre 1789 offiziell angenommenen Verfassung der Vereinigten Staaten wird dem Kongreß aufgetragen, "den Fortschritt
der Wissenschaft und der nützlichen Künste"zu fördern. Die führenden Männer
jener Zeit - Politiker, Militärs, Staatsmänner, Diplomaten - waren wissenschaftlich interessiert und, wie Benjamin Franklin, Thomas Jefferson, John
Adams, Robert Livingston, auch mehr oder weniger stark engagiert. Und obgleich

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�obgleich sie den Naturwissenschaften oder schönen Künsten nur aus Liebhaberei
huldigten, hatten manche von ihnen bahnbrechende Leistungen oder Entdeckungen
aufzuweisen - zum Teil Leistungen, durch die sie in Europa schon vor der Wahrnehmung ihrer politischen Funktionen bekannt geworden waren.
Die Zahl der Universitäten und Hochschulen,zur Zeit der Staatsgründung
nur ein gutes Dutzend, nahm rasch zu in dem jungen Bundesstaat. Dennoch blieben
für Amerika die Gelehrten und die wissenschaftlichen Institutionen des alten
Europa das bewunderte Vorbild. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, deutlich erkennbar nach dem Ende des Bürgerkrieges in einer durch die industrielle Revolution von Grund auf veränderten Welt, waren Wissenschaft und Technik
in den Vereinigten Staaten eigenständig etabliert und wurden ihrerseits in zunehmendem Maße richtungweisend für andere Nationen.

Harter Kampf ums Dasein
In dem noch dünn besiedelten Land hatte der Kampf ums Dasein zunächst einmal handwerkliche Fertigkeiten und Erfindergeist herausgefordert. Da gab es
zum Beispiel auf den Baumwollplantagen des Südens Textilrohstoff in Hülle und
Fülle - aber das Entkernen und Enthülsen der reifen Kapseln von Hand brachte
nicht einmal ein Pfund Fasern pro Mann und Tag. Mit diesem Problem sah sich
Eli Whitney,Absolvent der Yale-Universität in Connecticut, auf einer Reise
durch die Südstaaten in Georgia konfrontiert. Er konstruierte 1793 eine Maschine, mit der die Tagesleistung eines Plantagenarberiers auf 100 kg gereinigte Baumwollfasern erhöht werden konnte. Den TextilmanufaKturen war dadurch ein
nahezu unbegrenzter Zufluß von Rohmaterial garantiert.
Sechs Jahre später führte
Serienproduktion ein, d.h. die
teile eines Produkts und deren
typ des sachkundigen, cleveren

Whitney als einer der ersten Unternehmer die
Herstellung exakt zueinander passender EinzelMontage in großer Stückzahl. Er war der Protound gleichzeitig risikofreudigen Geschäfts-

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�Geschäftsmannes, der sein Unternehmen durch Massenproduktion und "Know-how1'
zum Erfolg führt und konkurrenzfähig erhält.
Die Weite des Landes und der Mangel an Arbeitskräften hatten in Amerika
zwangsläufig zur Folge, daß man früher als anderswo die Dampfkraft zum Heben,
Bewegen, Ziehen, Sägen, Zerkleinern und für andere Schwerarbeit nutzte. Und
während Erfinder in Frankreich und England noch mit dem Dampfantrieb für
Schiffe experimentierten, baute Robert Fulton in Amerika schon das erste
kommerzielle Dampfschiff.

Am 17. August 1807 nahm die

CLERMONT auf dem

Hudson-Fluß den Liniendienst zwischen New York und Albany auf - "nicht etwa,
weil wir die besseren Techniker oder einen höheren Stand der Technik als die
Europäer gehabt hätten", erklärt heute Dr. Brooke Hindle', Direktor des Na- •
tionalmuseums für Geschichte und Technik der Smithsonian Institution in
Washington. "Aber wir hatten nur wenige und noch dazu miserable Straßen. Also
waren wir auf die Flüsse als Transportwege angewiesen".
Starken Aufschwung für Handel, Wirtschaft und Verkehr brachte nach 183o
die Eisenbahn. Das Streckennetz war 186o auf fast 50 000 km ausgebaut. Neun
Jahre später, am 10. Mai 1869, wurde die erste Verbindung quer durch den Kontinent hergestellt. Und heute ergänzt das Flugzeug den Verkehr auf Wasserwegen, Schiene und Straße. Die jährlich zurückgelegten Tonnenkilometer für
Luftfracht betragen fast 10 Milliarden, die Passagierkilometer liegen nur wenig unter der 250-Milliarden-Marke.

Raumfahrt - die neue Herausforderung
Fast genau 100 Jahre nach der Vollendung einer durchgehenden Schienenstrecke von der Atlantik-zur Pazifikküste, am 21. Juli 1969, betrat der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Das amerikanische Raumfahrtprogramm, das im Januar 1958 mit dem Start des ersten EXPLORER-Satelliten begonnen hatte, erreichte mit der Verwirklichung des APOLLO-Projektes
1969-1972 einen spektakulären Höhepunkt. Bei sechs Expeditionen landeten

�landeten insgesamt 12 amerikanische Astronauten auf dem Erdtrabanten, brachten Gesteins-und Bodenproben zurück und installierten von den Ebenen bis
hinaif ins Hochland wissenschaftliche Instrumente, die nach wie vor wertvolle
Meßdaten zur Erde funken. Das Material vom Mond ist gesichtet und sortiert.
Es wurde vorläufig in mehr als 2 000 Proben unterteilt und wird nach und nach
in zahlreichen Instituten analysiert. Allein aus dem Ausland gehen bei der
amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA monatlich 50-60 Anforderungen für die
Durchführung spezieller Untersuchungen ein.
Hunderte von unbemannten Satelliten hat die NASA in 18 Jahren auf Erdumlaufbahnen gebracht oder zur Erkundung des interplanetaren Raumes, der
Sonne und ihrer Planeten und noch weiter entfernter kosmischer Bereiche auf
den Weg geschickt. Sie brachten Kunde - und übermittelten zahlreiche Nahaufnahmen - von Venus und Merkur, passierten den Asteroidengürtel und sondierten bereits Mars und Jupiter samt einiger Monde. Nach ihrem Vorbeiflug am
Planeten Jupiter im Dezember 1973 und 1974 dringen nunmehr die Robotersonden
PIONIER 10 und 11 zu den Umlaufbahnen der äußeren Planeten unseres Sonnensystems vor. Sie werden es Anfang der achtziger Jahre verlassen.
Manche wissenschaftlichen Theorien wurden durch die bisher ermittelten
Beobachtungsergebnisse umgestoßen, neue Einsichten taten sich auf. Die vergleichende Planetenforschung hat gezeigt, daß jeder Planet eine eigene und
besondere Entwicklung durchgemacht hat, und daß sich die Planeten gegenwärtig in unterschiedlichen Stadien befinden. Beim Merkur, der am meisten dem
Mond ähnlich ist, scheint eine Art Stillstand eingetreten zu sein. Er ist
weniger stark verändert, d.h. primitiver als der Mars, und dieser wiederum
scheint weniger

Veränderungen als die Erde durchgemacht zu haben. An Hand

der Planetenforschung können die Wissenschaftler Prozesse untersuchen, die
die Erde in ihrer Frühgeschichte durchgemacht haben mag, deren Spuren inzwischen aber verwischt wurden. Es ist z.B. durchaus möglich, daß die Erde in
den ersten 600 Millionen Jahren genauso von Riesenmeteoriten bombardiert
wurde wie Mond und Merkur - die Krater auf deren Oberfläche zeugen noch heute
davon.
Mars

�Mars wieder im Visier

Das heutige Erscheinungsbild der Marsoberfläche,wie es sich nach 11 Monaten Beobachtung durch MARINER IX (1971-72) gegenwärtig darstellt, könnte
dem der Erde vor Millionen Jahren ähnlich sein. Neue Aufschlüsse über das
gegenwärtige Entwicklungsstadium sollen die Landeroboter der beiden amerikanischen VIKING-Sonden, aber auch die in einer Marsumlaufbahn verbleibenden
sogenannten ORBITER bringen.
Vielleicht geben die Meßdaten einiger Instrumente der Landegeräte sogar
Hinweise darauf, ob Leben auf dem Mars existiert oder einst existiert hat,
wenn auch nur in primitiver Form. Die Lander sind praktisch vollautomatische
geologische, geophysikalische und biologische Laboratorien - die kompliziertesten Geräte, die je gestartet wurden. Sie sollen Elemente und Moleküle am
und im Boden sowie in der Atmosphäre des Mars entziffern, Bewegungen im
Marsinnern registrieren, das Wetter beobachten und den Sand nach Anzeichen
für die Existenz von Organismen sondieren.
Zur Feier des 200. Geburtstages der Vereinigten Staaten hat die Weltraumbehörde NASA den Flug der im August

und September 1975 gestarteten Sonden so

programmiert, daß VIKING I am 4. Juli 1976 (21.41 amerikanischer Zeit, d.h.
am 5. Juli 1976 um 2.41 Uhr MEZ) in dem zuvor sorgfältig ausgesuchten Landegebiet auf dem Mars aufsetzen und anschließend mit den Messungen beginnen
könnte.

Erdforschung durch die Raumfahrt intensiviert
Wettersatelliten schicken regelmäßig Meßdaten und Wolkenfeidbilder zur
Erde. Mit Hilfe der Infrarottechnik können sie auch bei Nacht Aufnahmen von
Land-und Seegebieten machen. Sie tragen viel dazu bei, daß jetzt die Treffsicherheit der Wettervorhersage für die nächsten 36 Stunden bei 82 Prozent

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�T

Prozent liegt. Noch vor 10 Jahren war dies nur für Vorhersagen bis zu 12
Stunden möglich.
über Fernmeldesatelliten sind heute mehr als 90 Länder rund um den Erdball miteinander verbunden. Allein 72 Mitgliedsstaaten des amerikanischeFernmeldesatellitennetzes betreiben eigene Empfangs- und Sendestationen. Und
während "EARLY BIRD" (gestartet 1965 als INTELSAT I) über 240 Kanäle für Telefongespräche verfügte, kann der neueste Typ, INTELSAT IV-A, 6500 Gespräche
gleichzeitig bewältigen und als Relaisstation für Fernsehsendungen mit mehr
als 6000 Sendestunden pro Jahr dienen.
Erst die Raumfahrt und Erdaufnahmen aus dem Weltraum haben demonstriert,
daß Beobachtungen unmittelbar an der Oberfläche mit den Nachteilen und Fehlerquellen der Nahblindheit behaftet sind. Mit speziellen optischen Instrumenten
und Sonden ausgerüstete Satelliten z^iqen neue Wege auf, um landwirtschaftliche Anbaugebiete und ausgedehnte Wälder,'lasser, Eis, Schnee, Stadt- und Landregionen zu überwachen, schädliche Entwicklungen zu erkennen und neue Rohstoff vorkommen zu finden. Geologie, Geochemie und Geophysik, Atmosphärenforschung und Biologie, ja selbst die Medizin haben enorm von der Raumfahrt profitiert - und die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft.
Die Erde ist der einzige bisher bekannte Planet, auf dessen Oberfläche
Wasser, Kontinente und vielfältige Formen von Leben existieren. Die Aufnahmen
aus dem Weltraum haben uns zum ersten Mal die ganze Schönheit, Geschlossenheit, aber auch die Verletzlichkeit dieses Systems "Erde" vor Augen geführt.
Sie als die Heimstatt der Menschen funktionsfähig zu erhalten, muß eine der
vordringlichen Zukunftsaufgaben sein.
XXX
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung Kissingers und Simons zu UNCTAD IV&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das internationale Gipfeltreffen in Puerto Rico&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Offizielle Verlautbarungen des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung des Westens unter veränderten strategischen Bedingungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von General Alexander Haig, Jr.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unternehmungsgeist, Know-How, Weltoffenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schlüssel zum amerikanischen Erfolg in Wissenschaft und Forschung -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

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300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

Nummer

7. Juni 1976

12

Inhalt

DOKUMENTATION

Kissinger: Solidarität der demokratischen Industriestaaten notwendig
- Rede des amerikanischen Außenministers am 25. Juni 1976 vor dem
Internationalen Institut für Strategische Studien in London -

Die außenpolitische Konzeption Carters
Wortlaut der Rede am 23. Juni 1976 vor der Außenpolitischen Gesellschaft
in New York

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

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Bonn-Bad

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I n f o r m a t i o n

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Dokumentation

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T e I e x : 08 - 8 54 3 2

12/1976

KISSINGER: SOLIDARITÄT DER DEMOKRATISCHEN INDUSTRIESTAATEN NOTWENDIG
- Rede des amerikanischen Außenministers am 25. Juni 1976 vor dem
Internationalen Institut für Strategische Studien in London -

Meine Damen und Herren, Freunde!
Als ich vor sieben Jahren nach Washington kam, war eine meiner ersten
Handlungens eine Gruppe erfahrener Wissenschaftler auf dem Gebiet der europäischen Angelegenheiten zusammenzurufen, damit sie einen neuen Präsidenten
bezüglich unserer Beziehungen zu unseren Verbündeten beraten sollten. Der
Vorsitzende dieser Gruppe war Alastair Buchan.
Man darf ihn für die Ergebnisse nicht verantwortlich machen, aber es
war natürlich, seinen Rat zu suchen. Alastair Buchan war mehr als nur ein
hervorragender Fachmann. Er war ein Mann des Westens in Vollkommenheit.
Schotte von Geburt, betrachtete er sich als Europäer. Er lebte viele Jahre
in den Vereinigten Staaten und besuchte uns oft und beschäftigte sich mit
seinem durchdringenden Verstand mit Amerika und seiner Rolle in der Welt. Er
war ein Verfechter der Wichtigkeit ja der Unausweichlichkeit der transatlantischen Bindung zwischen Nordamerika und Europa.
Hinter einem skeptischen Äußeren stand ein leidenschaftliches Engagement
für die Werte und Traditionen, die wir als westliche Kultur schätzen. Sir
Peter Ramsbotham betonte in seinem Nachruf für Alastair Buchan in Washington,

�Washington, daß keiner seiner Landsleute mehr zum Verständnis der internationalen Angelegenheiten und der strategischen Auswirkungen der Kernkraft in der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beigetragen habe.

Aber Alastair Buchan

konzentrierte sich nicht nur auf die Struktur der globalen Politik und die Wurzeln des Krieges, sondern er wandte sich auch besonders der zentralen Rolle
des Westens bei der Erhaltung des Friedens und der moralischen Zielsetzung zu.
Ihr Institut hier ist ein Denkmal seines Strebens.
Alastair Buchan besaß jene Verbindung von Geist und Gefühl, die man als
Weisheit bezeichnet.

Sie war das Motiv für seinen großen Beitrag, den er zur

Wissenschaft und zum Verständnis der Transformationen internationaler Beziehungen
für eine ganze Generation leistete.
Jeder von uns hier ist in gewisser Weise durch ihn geprägt worden. Während der letzten sieben Jahre hat er nie gezögert» mich in aller Freundschaft
zu schelten, wenn die amerikanische Politik nach seiner Ansicht nicht der grossen Sache der europäisch-amerikanischen Zusammenarbeit gerecht wurde. Ich
möchte meinen 9 daß er, lebte er noch, zu der Auffassung käme9 daß wir nach vielen
Anfängen große Fortschritte in der Stärkung der Einheit des Westens gemacht haben.
Und wenn er zu dieser Überzeugung gelangen würde 9 dann wäre ich stolz darauf.
"In der relativen Macht und dem relativen Einfluß der wichtigen Staaten",
so schrieb Alastair Buchan, "sind strukturelle Veränderungen eingetreten. In
der gegenseitigen Abhängigkeit - Interdependenz - der westlichen Gesellschaften
und in den Anforderungen, die wir an die natürlichen Hilfsquellen stellen, haben
sich quantitative Veränderungen kolossalen Ausmaßes vollzogen. Und in dem» womit sich unsere Gesellschaften beschäftigen, ist ein qualitativer Wandel zu verzeichnen." Er stellte dann die Frage" "Können die hochindustrialisierten
Staaten eine Qualität ihres nationalen Lebens erhalten oder wiedergewinnen, die
nicht nur die neue Generation befriedigt, sondern auch als Beispiel oder attraktive Kraft für andere Gesellschaften dienen kann?"

Wir

�Wir alle hier9 die wir das Andenken von Alastair Buchan ehren wollens
müssen das auf die Weise tuns wie er es am liebsten gehabt hätte, nämlich
indem wir beweisen» daß die Antwort Ja ist.
Eine Welt, die nach wirtschaftlichen Fortschritten.» sozialer Gerechtigkeit»
politischer Freiheit und einem stabilen Frieden schreit, braucht unsere kollektive Verpflichtung und unseren kollektiven Beitrag. Ich bin der festen Überzeugung, daß die demokratischen Industriestaaten» wenn sie zusammenarbeiten»
über die Mittel verfügens eine neue Ära der internationalen Angelegenheiten zu
gestalten» wenn sie den Willen dazu haben. Wir sind ja heute bereits auf vielen
Gebieten dabei, das zu tun - nicht zuletzt dank der Klarheit» die Alastair Buchan
in unsere Zielsetzung und Richtung gebracht hat.
Vor einer Generation schufen westliche Staatsmänner neue Institutionen
der Zusammenarbeit» um eine gemeinsame Bedrohung abzuwehren. Unser Fortschritt
in 30 Jahren war eindrucksvoll. Die Abschreckung verhinderte einen Weltkrieg,
und alle demokratischen Industriestaaten leben mit einem erhöhten Gefühl der
Sicherheit. Unsere Volkswirtschaften sind die blühendsten auf Erden. Unsere
Technologie und unser schöpferischer Geist haben sich als unverzichtbar für alle
Länder erwiesen, die das Wohlergehen ihrer Völker verbessern wollen - seien es
sozialistische Länder oder Entwicklungsländer. Unsere Gesellschaften stellen
mehr denn je ein Leuchtfeuer der Hoffnung für all jene dar» die sich nach Freiheit, Gerechtigkeit und Fortschritt sehnen.
In keinem anderen Teil der Welt und unter keinem anderen System leben Men
sehen so gut und in so viel Freiheit. Wenn Leistung überhaupt ein Maßstab
ist, dann haben die demokratischen Industriestaaten den Wettkampf zwischen Freiheit und Kommunismus, von dem man vor drei Jahrzehnten noch so viel hielt» gewonnen.
Und doch vernehmen wir in unseren Ländern gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt Warnungen des Niedergangs» Besorgnis über die Mühen und Plagen des Westens
und über das Vorrücken des Autoritären.
•

3

Könnte es sein» daß unsere eigentlichen

�eigentlichen Probleme nicht die der Ressourcen, sondern die des Willens,
nicht die der Macht» sondern die der Konzeption sind?
Wir, die wir vor 30 Jahren große Gefahren überwunden haben» dürfen uns
jetzt nicht durch Illusionen der Bedeutung lähmen lassen.

Wir haben bereits

die Schaffung eines neuen Systems der internationalen Beziehungen eingeleitet,
dieses Mal in globalen Ausmaßen.

Wir müssen die Entschlossenheit aufbringen,

in Einigkeit und gegenseitiges Vertrauen auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Für Amerika ist die Zusammenarbeit mit freien Nationen nicht nur eine
praktische, sondern auch eine moralische Notwendigkeit.

Amerikaner haben

sich nie mit reinen Berechnungen der Interessen und der Macht zufriedengegeben.
Amerika braucht um seiner selbst willen ein Gefühl der Identität und der Zusammenarbeit mit anderen Nationen gleicher Wertauffassung.
Unsere Verbindung mit Westeuropa, Kanada und Japan berührt daher den Kern
unserer nationalen Zielsetzung. Gemeinsame Anstrengungen mit unseren Schwesterdemokratien erheben die Ziele unserer Außenpolitik über das physische Oberleben
hinaus zu einem Frieden in menschlichem Fortschritt und Menschenwürde. Die i
Bindungen der geistigen Kultur, der demokratischen Tradition, der geschichtlichen
Verbindung und mehr als eine Generation gemeinsamer Bemühungen knüpfen uns
fester zusammen, als dies jede pragmatische Konzeption des nationalen Interesses alleine konnte. Die Einigkeit der demokratischen Industriestaaten ist
30 Jahre lang der Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik gewesen - und das
wird, so weit wir das absehen können, auch so bleiben.
Und so möchte ich heute abend Alastair Buchans gedenken, indem ich mich
den Themen zuwende, die er angesprochen hat;

Können Amerika» Europa und die

demokratischen Industrieländer die Herausforderungen der Zukunft der Welt bewältigen?

Wie steht es toit unseren frsziehuttgBn?

Die

�Die Vereinigten Staaten und ein Vereintes Europa
Im Jahre 19739 als Vietnam endlich hinter uns lag und wir gerade einen
neuen Anfang mit China und der Sowjetunion gemacht hatten, schlugen die Vereinigten Staaten vor, der Zusammenarbeit mit den demokratischen Industriestaaten einen neuen Auftrieb zu geben.

Die militärische Sicherheit, zwar

immer noch von entscheidender Bedeutung, genügte nicht mehr,um unseren weiter
gefaßten Beziehungen Inhalt oder politischen Zusammenhalt zu geben oder die
Unterstützung einer neuen Generation zu finden.

Wir standen vor wichtigen

Ost-West-Verhandlungen über europäische Sicherheit und Truppenreduzierungen,
einer neuen Agenda internationaler Wirtschaftsprobleme, der Herausforderung
der Neugestaltung unseres Verhältnisses zur Entwicklungswelt und der Notwendigkeit, die Beziehungen zwischen Amerika und einer gestärkten und erweiterten
Europäischen Gemeinschaft neu zu definieren.
Es ist akademisch, heute darüber zu streiten, ob die Vereinigten Staaten
zu theoretisch gehandelt haben, als sie vorschlugen, diese Herausforderungen
durch die Ausarbeitung einer neuen Atlantischen Deklaration anzugehen, oder
ob unsere europäischen Freunde klug gehandelt haben, als sie diesen Vorschlag
als einen Testfall für die europäische Identität ansahen. Die dogmatischen
Argumente des Jahres 1973 bezüglich des Verfahrens für atlantische Konsultationen oder darüber, ob Europa seine ihm zukommende globale Rolle gespielt
habe, oder ob Wirtschafts- und Sicherheitsfragen miteinander verknüpft werden
sollten, sind durch die Praxis der Konsultationen und Zusammenarbeit in einem
einzigartigen Ausmaß und einer einzigartigen Intensität überwunden worden. Die
Realität und der Erfolg unserer gemeinsamen Bemühungen haben die beste Definition und Neubelebung unseres Verhältnisses gebracht.
Es ist heute keine Frage mehr, daß Europa und die Vereinigten Staaten
eng zusammenarbeiten müssen - unter welchem Namen auch immer - und daß die
Einheit Europas in diesem Prozeß von entscheidender Bedeutung ist.
In ihren Anfängen war die Europäische Gemeinschaft der Konzentrations-

�Konzentrationspunkt eines großen amerikanischen Idealismus und vielleicht
auch eines gewissen Paternalismus, als wir unsere europäischen Freunde zu
Modellen der föderalen Einheit und der transatlantischen Lastenteilung drängten.

Inzwischen begreifen beide Seiten des Atlantik, daß die europäische

Einheit nicht durch Amerikaner oder durch ein amerikanisches Rezept herbeigeführt werden kann, sie muß aus europäischen Initiativen entstehen.
Die Evolution der europäischen Initiativen - sowohl Erfolg wie Rückschlag - führt unvermeidlicherweise zu neuen Fragen, ob die Vereinigten Staaten
immer noch die europäische Einheit begrüßen.

Lassen Sie mich bei dieser Ge-

legenheit unsere Überzeugung unterstreichen, daß die europäische Einheit von
entscheidender Bedeutung für Europa, für den Westen und für die Welt ist.

Wir

unterstützen und ermutigen sie mit allem Nachdruck.
Wir sehen - was unseren Beitrag zu diesem Prozeß anbetrifft - die Dinge
heute etwas differenzierter. Wir rechnen nicht mehr damit, daß sie aus dem
Wunsche erwächst, die Bürden Amerikas zu erleichtern. Wenn Europa einen Teil
der Verantwortung des Westens in der Welt tragen soll, dann muß es dies auf
Grund eigener Konzeptionen und in seinem eigenen Interesse tun. Alastair
Buchan schrieb dazu: "Es ist unmöglich, Westeuropa zur politischen Einheit
zu inspirieren oder das Selbstgefühl Japans zu fördern, es sei denn, sie haben
die Freiheit und das Vertrauen, ihre Interessen auf allen Bereichen zu definieren - Interessen, die im Einklang mit denen der Vereinigten Staaten stehen,
aber nicht ihnen untergeordnet sein müssen."
Die Vereinigten Staaten unterstützen diesen Grundsatz aus ganzem Herzen.
Es ist den Vereinigten Staaten nicht zuträglich, das einzige Zentrum der Initiative und der Führung in der demokratischen Welt zu sein. Und es ist Europa
nicht zuträglich, nur ein passiver Teilnehmer zu sein, wie eng die Freundschaft
und wie vertraut die Konsultationen auch sein mögen.
Wir begrüßen daher die Tatsache, daß die Rolle Europas in weltpolitischen
Fragen an Kraft und Wirksamkeit zunimmt.

Ein vitales und zusammenstehendes

Westeuropa ist ein unersetzliches Gewicht in der Waagschale der globalen JJi- 6 -

�Diplomatie; die amerikanische Politik kann nur gewinnen» wenn sie einen
starken Partner mit parallelen moralischen Zielsetzungen hat.
Selbstverständlich wünschen wir nicht, daß Europa seine Identität in Gegnerschaft zu den Vereinigten Staaten findet,,
nünftiger Europäer»

Aber das wünscht auch kein ver-

Natürlich wird es Meinungsverschiedenheiten im Hinblick

auf die Taktik, manchmal auch die Perspektiven wenn nicht sogar die Ziele zwischen uns geben.

Aber ich glaube nicht, daß die Amerikaner so viel an Selbst-

vertrauen verloren haben, daß sie anderen, mit denen wir vielleicht gelegentliche Differenzen haben, die jedoch unsere höchsten Werte teilen, ihre Rolle
verbieten wollen.

Die klügsten Staatsmänner auf beiden Seiten des Ozeans haben

immer gewußt, daß die europäische Einheit und die atlantische Partnerschaft beide entscheidend wichtig sind und sich gegenseitig stärken.
So wollen wir denn endlich die Debatte darüber, ob die Einheit Europas die
Unterstützung Amerikas hat, hinter uns lassen. Wir betrachten die Frage als erledigt. Wir sollten uns lieber den dringenden Fragen beiderseitigen Interesses
zuwenden, denen sich ein sich einigendes Europa, die Vereinigten Staaten und
alle demokratischen Industriestaaten gemeinsam stellen müssen
gemeinsame Verteidigung, Ost-West-Beziehungen und internationale Wirtschaft.

Die Sicherheit und die Demokratien
Die Sicherheit ist die Grundlage für alles, was wir tun.

Vor einem Vier-

tel Jahrhundert bot die amerikanische Verteidigungsverpflichtung für Europa den
Schutzschild, hinter dem Westeuropa seine wirtschaftliche Gesundheit und seine
politische Lebenskraft wiedergewann.

Auch heute ist unser kollektives Bündnis

- sowie das amerikanisch-japanische Verhältnis - weiterhin von entscheidender Bedeutung für die Stabilität auf der Welt.

Aber die Art der Sicherheit und Stra-

tegie hat sich seit der Zeit, da unsere Bündnisse geschaffen wurden, fundamental geändert:
- Die
- 7 -

�- Die Sowjetunion hat sich von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges
erholt und schreitet auf dem Weg des industriellen Wachstums kräftig voran.
über Ressourcen kontinentalen Ausmaßes verfügend und vom sowjetischen
Volk im Namen ihrer Ideologie gewaltige Opfer verlangend, hat die UdSSR ihre
gewaltige wirtschaftliche Stärke und Technologie bis zu einem Punkt entwickelt,
an dem sie dem Westen auf zahlreichen Sektoren der industriellen und militärischen Macht ebenbürtig ist.

Sie zeigt keine Zeichen, die auf eine Änderung

der Prioritäten hindeuten.
- Jahrhundertelang galt der Satz, daß eine Zunahme an militärischer Macht
praktisch unmittelbar in einen politischen Vorteil umgewandelt werden konnte.
Heute liegt auf der Hand, daß in der strategischen Rüstung das Hinzukommen
neuer Waffen oder Zerstörungskraft nicht automatisch zu militärischen oder politischen Vorteilen führt. Die Zerstörungskraft strategischer Waffen hat zu
der Entstehung eines nuklearen Patt geführt. Keine Seite wird, wenn sie auch
nur mit einem Funken Klugheit handelt, zulassen, daß sich das Kräfteverhältnis
entweder im Wettrüsten oder in einem Abkommen zur Begrenzung der Rüstungen zu
ihren Ungunsten verschiebt.
- Unter dem Schutz des Nuklearschirms nimmt die Versuchung zu, es mit
regionalen Kräften oder durch einen Krieg durch Dritte zu versuchen. Das
ständige Wachstum der konventionellen Militärmacht und der Seemacht der Sowjetunion und ihre sich ausweitende globale Reichweite können nicht übersehen werden.
Konventionelle Streitkräfte und Militärhilfe für Verbündete gewinnen
entscheidende Bedeutung. Wir müssen sicherstellen, daß die Stärke und die
Flexibilität aller für die örtliche Verteidigung zur Verfügung stehenden Streitkräfte zunehmen. Und wir müssen eine kluge und starke Außenpolitik führen, die
bereit ist, unsere Stärke einzusetzen, um der Expansion Einhalt zu gebieten.
Diese neuen Realitäten verlangen von uns vor allem Standhaftigkeit.

De-

mokratische Gesellschaften haben in ihrer Einstellung zur Verteidigung immer
geschwankt - zwischen Selbstgefälligkeit und übertriebener Sorge.

Die lange

�lange Anlaufzeit neuer Waffen und ihre Kompliziertheit machen beide d eser
Irrwege gefährlich»

Wenn wir ein zusammenhängendes Verteidigungsprogramm

und die Unterstützung der Öffentlichkeit für die notwendigen Anstrengungen
haben wollen, dann können wir uns solche Schwankungen zwischen Nachlässigkeit
und Tobsuchtsausbrüchen nicht leisten.

Wir brauchen eine alliierte Verte'd

gungsposition, die unseren Gefahren entspricht,, für Freunde und Gegner gleicher
maßen glaubhaft und unserem Volke gegenüber vertretbar ist„

Und wir müssen

bereit sein, diese Position auf lange Zeit zu halten.
Es ist ein Gebot, daß wir die Programme fortsetzen» die gewährleisten
daß das Gleichgewicht aufrechterhalten bleibt. Aber wir sind es uns schuldig9
das militärische Kräfteverhältnis in der richtigen Perspektive zu sehen.
Selbstgefälligkeit kann zu Schwäche führen, aber Übertreibung der Gefahr
kann zum Verlust des Willens führen. Es hat ohne Frage einen stetigen Aufbau
der sowjetischen Militärmacht gegeben. Aber wir haben im gleichen Zeitraum auch
das stetige Wachstum und die stetige Verbesserung unserer eigenen Streitkräfte
erlebt.
- Wir standen immer sowjetischen Landstreitkräften gegenüber, die stärker
waren als unsere eigenen - zum Teil weil die Sowjetunion als eine Macht im Her
zen der eurasischen Landmasse mit einer eingebildeten Bedrohung an beiden Flanken ihre Erfordernisse so definiert. Ihre Seemacht stellt zwar ein zunehmendes
und ernstes Problem dar 9 aber sie ist weit schwächer als die alliierte See
macht zusammen - an Tonnage» Feuerkraft» Reichweite, Zugang zu den Meeren, E'
fahrung und seemännischem Können.
- Die Vereinigten Staaten ihrerseits erhöhen ihre Armee durch neue Straf
fungsmaßnahmen von 13 auf 16 Devisionen. Wir erhöhen unsere Kampftruppen in
Europa. W V planen die Stationierung einer neuen Armeebrigade in dem kritischen
Sektor der norddeutschen Tiefebene. Wir verstärken unsere Seestreitkräfte. Unsere europäischen Verbündeten haben umfangreiche Programme für den Aufbau einer
gemeinsamen Infrastruktur abgeschlossen. Wir haben neue gemeinsame Anstrengungen
zur Standardisierung und Austauschbarkeit der alliierten Streitkräfte unter
nommen.
_.

�t

- Die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten sind an Treffsicherheit, Vielfalt, Zuverlässigkeit, Überlebensfähigkeit und nuklearen Mehrfachgefechtsköpfen überlegen0

Wir haben auf dem Gebiet der strategischen Bom-

ber eine beachtliche Führung.

Hinzu kommen die amerikanischen Dislozierungen

in Obersee und die Nuklearstreitkräfte von zwei atlantischen Verbündeten«
- Selbst bei unseren unterschiedlichen Prioritäten ist die wirtschaftliche
und technologische Basis, die der militärischen Stärke des Westens als Grundlage dient, an Größe und Innovationsfähigkeit weit überlegen.

Die Sowjetunion

leidet an einer endemischen Schwäche ihrer Industrie und ihrer Landwirtschaft.
Jüngste Studien lassen erkennen, daß diese chronische Unzulänglichkeit in einem
weit größeren Maße, als man bisher glaubte, sogar in den militärischen Sektor
hineinreicht.
Diese unsere Stärken demonstrieren, daß unsere gegenwärtige Sicherheitsposition zureichend ist und daß es durchaus in unserer Macht liegt, auch weiterhin die verschiedenen Elemente der sowjetischen Macht entsprechend aufzuwiegen.
Die notwendige Verteidigung aufrechtzuerhalten, ist mehr eine Frage der
Führung als der Macht. Unsere Verantwortung für die Sicherheit ist zu bewältigen, und sie hört nie auf. Wir müssen auf unbestimmte Zukunft hinaus bedeutsame zusätzliche Anstrengungen unternehmen. So weit wir in die Zukunft blicken
können, werden wir in einem Zwielicht zwischen Ruhe und offener Konfrontation
leben.
Das ist eine Aufgabe für beide Seiten des Atlantik.

Unsere Verteidigungs-

anstrengung im Bündnis wird wesentlich von dem Ausmaß abhängen, in dem das
amerikanische Volk überzeugt ist, daß unsere Verbündeten ähnliche Vorstellungen
von der militärischen Herausforderung haben wie wir und eine vergleichbare Entschlossenheit, ihr zu begegnen.

Die größte Bedrohung des Bündnisses würde ein-

treten, wenn - aus was für Gründen auch immer - durch falsche Beurteilung der
Bedrohung oder zu geringes Augenmerk auf die konventionellen Streitkräfte oder
ein Nachlassen der Verteidigungsanstrengungen der Verbündeten oder durch innenpolitische Entwicklungen in NATO-Ländern die Unterstützung der amerikanischen
- 10 -

�amerikanischen Öffentlichkeit für die NATO geschwächt würde.
Die Aufgabe der Beschaffung ausreichender Waffen selbst ist leichter als
jene der geopolitischen Einsicht, der politischen Koordination und vor allem
der Entschlossenheit.
Im Nuklearzeitalter ist es, wenn erst eine Veränderung im geopolitischen
Gleichgewicht eindeutig zutage getreten ist, zu spät, um noch etwas zu ändern.
So groß unsere Stärke auch sein mag, sie wird sich als leer erweisen, wenn wir
nicht augenscheinlich marginalen Veränderungen widerstehen, deren kumulative
Wirkung unsere Sicherheit unterminieren kann. Macht nützt nicht viel ohne die
Doktrinen und Konzeptionen, die definieren, wo unsere Interessen ihre Anwendung
erfordern.
Wollen wir uns also nicht durch ein Geschwätz der Schwäche lähmen lassen.
Wollen wir uns auf den Aufbau des Verständnisses unserer strategischen Interessen konzentrieren, das jeder Politik zugrunde liegen muß. Tatsache ist, daß
der Westen nirgendwo aus einem Mangel an Stärke besiegt worden ist. Unsere
Rückschläge haben wir uns selbst zugefügt - entweder weil führende Männer sich
Ziele ausgesucht haben, die wir psychologisch nicht verkraften konnten, oder
weil unsere Gesetzgeber sich weigerten, das zu unterstützen, was unsere Exekutive
als wesentlich ansah. Das - und nicht die verschiedenen "Lücken", von denen in
Amerika in allen Jahren gesprochen wird, die durch vier teilbar sind»- ist das
schwerste Sicherheitsproblem, vor dem wir stehen.
Bereits seit dem Harmel-Bericht vom Dezember 1967 hat das Atlantische
Bündnis die Gewährleistung der militärischen Sicherheit und realistische Maßnahmen zum Abbau der Spannungen zwischen Ost und West als ihre "zwei Hauptfunktionen" angesehen.

Niemals haben wir die Konfrontation oder die Eindämmung als

Selbstzweck gesehen, selbst wenn sie uns durch die andere Seite aufgezwungen
wurde.

Wir waren auch niemals der Ansicht, daß Meinungsverschiedenheiten mit

der Sowjetunion automatisch verschwinden würden.

Im Gegenteil: die eigentliche

Konzeption der "Detente" war immer nur auf ein Verhältnis der Gegnerschaft anwendbar.

Sie war dazu bestimmt, ein Abgleiten in militärische Feindseiigkeiten
- 11 -

�Feindseligkeiten zu verhindern und Bedingungen für ein Verhältnis zu schaffen,
das allmählich und vorsichtig verbessert werden sollte.
Somit hat die Politik des Bündnisses gegenüber dem Osten zwei notwendige
Dimensionen.

Wir suchen zu verhindern, daß die Sowjetunion ihre militärische

Macht in politische Expansion umsetzt. Gleichzeitig suchen wir eine Lösung
von Konflikten und Streitfragen durch Verhandlungen und eine Stärkung der Impulse für eine Mäßigung, indem der Bereich konstruktiver Beziehungen erweitert
wi rd.
Diese beiden Dimensionen stärken sich gegenseitig.

Eine starke Verteidi-

gung sowie der Widerstand gegenüber Abenteuern sind die Voraussetzungen für das
Bemühen um Ausgleich.

Gleichzeitig kann nur der demonstrierte Einsatz für den

Frieden die innenpolitische Unterstützung einer angemessenen Verteidigung und
einer umsichtigen Außenpolitik erlangen.

Unsere öffentlichkeit und der Kongreß

werden keine Politik unterstützen, die Krisen heraufzubeschwören scheint, noch
würden sie Festigkeit in einer Krise unterstützen, wären sie nicht überzeugt,
daß alle friedlichen und ehrenhaften Alternativen ausgeschöpft sind.

Und vor

allem sind wir es uns selbst sowie künftigen Generationen schuldig, nach einer
Welt zu streben, die auf etwas Stabilerem und Hoffnungsvollerem basiert

als

auf einem Gleichgewicht des Schreckens, um das auch noch ständig gestritten
wi rd.
Mit welchem Namen auch immer wir eine solche Politik versehen, sie wird
uns durch die noch nie dagewesenen Bedingungen des nuklearen Zeitalters auferlegt.
Kein Staatsmann kann leichten Herzens das Leben von vielen Millionen aufs
Spiel setzen. Jeder amerikanische Präsident ist - nachdem er sein Amt angetreten "und sich mit den Fakten vertraut gemacht hatte'-zu der Ansicht Präsident Eisenhowers gelangt, daß "es keine Alternative zum Frieden gibt". Unsere
Generation steht unter dem Trauma des Zweiten Weltkrieges, weil wir daran denken müssen, daß der Krieg infolge eines Ungleichgewichts der Macht ausbrach.
Diese Lektionen dürfen wir nie vergessen.

Genauso wenig dürfen wir die

Lektion des Ersten Weltkrieges vergessen, als der Krieg trotz eines Gleichge- 12 -

�Gleichgewichts der Macht ausbrach.

Eine internationale Ordnung, die nur durch

ein Gleichgewicht der Kräfte zusammengehalten wird, wird früher oder später
in einer Katastrophe enden.

In unserer Zeit könnte dies das Ende des zivili-

sierten Lebens bedeuten. Wir müssen daher eine Politik treiben* die wenn möglich große Gefahren abwendet und sie in erträglichen Grenzen hält, wenn sie
sich als unvermeidbar erweisen - eine Diplomatie, die Streitfragen löst, Zurückhaltung fördert und auf beiderseitigem Vertrauen beruhende Zusammenarbeit
schafft.
In allen unseren Ländern findet eine solche Politik ihre Kritiker. Manche nehmen das relative Nichtvorhandensein ernsthafter Krisen als selbstverständlich, wozu diese Politik beigetragen hat9 kreiden ihr dann jedoch an, daß
sie nicht das goldene Zeitalter zustande bringt, worauf sie niemals einen Ansspruch erhoben hat. Manche ziehen ihre Ziele ins Lächerliche und stellen sie
in exaltierterer Form dar als irgendeiner ihrer Befürworter, und das ist eine
unmögliche Einstellung. Sie sprechen von der Entspannung, als ob sie das Ende aller Rivalitäten bedeutes und wenn die Rivalitäten anhalten» dann kommen
sie zu dem Schluß, daß die Detente versagt habe, und beschuldigen deren Befürworter der Täuschung oder der Naivität.
Sie messen den Erfolg der Politik gegenüber den Gegnern an Kriterien,
die traditionellen Freundschaften vorbehalten sein sollten. Sie nutzen die
Realität des Wettbewerbs zu einem Angriff auf das Ziel der Koexistenz, statt
dessen Notwendigkeit zu erläutern.
In Wirklichkeit hat diese Politik niemals auf einer solchen Hoffnung oder
Möglichkeit basiert. Sie war stets auf die Schaffung von Bedingungen abgestellt bei denen ein kühles Abwägen der Interessen Zurückhaltung und nicht
Opportinusmus9 Beilegung von Konflikten und nicht deren Verschärfung fördern
würde. Die Politik des Westens kann bestenfalls den Ost-West-Wettstreit lenken und formen, aber nicht abtun.
Ein entscheidender Punkt in den Ost-West-Beziehungen sind die amerikanischsowjetischen Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen.
- 13 -

�Rüstungen.

In immer stärkerem Maße sehen die strategischen Streitkräfte ihre

Aufgabe darin, abzuschrecken und miteinander gleichzuziehen.

Ein fortdauern-

der Aufbau der strategischen Rüstungen führt daher lediglich zu immer neuen
Gleichgewichten - aber bei höherem Ausgabenniveau und größeren Unsicherheiten.
In einer Zeit wachsender technologischer Möglichkeiten ist es unmöglich, vernünftige Entscheidungen über Stärkeplanungen zu treffen, ohne einen gewissen
Anhalt über die weitere strategische Entwicklung zu haben.

Ein fortdauerndes

Wettrüsten würde ferner Hilfsquellen von anderen wichtigen Gebieten abziehen,
zum Beispiel von den Streitkräften für eine regionale Verteidigung, wo Ungleichgewichte ernste geopolitische Folgen haben könnten.

Alle diese Punkte haben

dazu geführt, daß eine Begrenzung der Rüstungen im wirklichen Interesse beider
Seiten liegt und daß sie auch ein Faktor für die Stabilität auf der Welt ist.
Wir haben in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte in Richtung
auf eine Eindämmung des strategischen Wettrüstens gemacht.

Wir werden dieses

Ziel weiterhin nachdrücklich auf eine Weise verfolgen, die die westlichen Interessen schützt und den Rat unserer Verbündeten berücksichtigt.
Für die Definition und Verfolgung einer Politik des Abbaus der Spannungen
mit dem Osten ist die Einigkeit der demokratischen Industriestaaten unerläßlich.
Unsere Konsultationen waren intensiv und häufig,und der Zusammenhalt der westlichen Länder in den letzten Jahren war ermutigend - bei den Verhandlungen, die
zu dem Viermächte-Abkommen über Berlin führten; bei den SALT-Verhandlungen und
bei der Vorbereitung der Konferenz über europäische Sicherheit.
Die Zusammenarbeit der
Konsultation uqd Abstimmung
wenn die Politik des Abbaus
Fragen befassen müssen, die

Verbündeten und die von uns entwickelte Form der
wird für die Zukunft noch weit wichtiger sein. Denn
der Spannungen vorankommt, werden wir uns auch mit
den Kern aller unserer Interessen berühren.

Niemand sollte an der Stärke unseres Engagements bei diesem Prozeß Zweifel haben. Aber wir müssen uns auch klar über seine Grenzen und über unsere Konzeption der Gegenseitigkeit sein:
- Wir
- 14 -

�- Wir sollten miteinander übereinstimmende Verhaltensnormen für die
verschiedenen Teile der Welt fordern.
•

Der Westen muß klarstellen, daß Koexistenz beiderseitige Zurückhaltung
bedingt, nicht nur in Europa und in den zentralen strategischen Beziehungen,
sondern auch im Nahen Osten, in Afrika, in Asien - praktisch weltweit. Die
NATO-Außenminister haben auf ihrer Oslo-Tagung im vorigen Monat den engen
Zusammenhang zwischen Stabilität und Sicherheit in Europa und in der Welt ins
gesamt unterstrichen. Wir müssen das bekräftigen, nicht nur durch unsere Worte,
sondern vor allem durch unsere Taten.
- Wir sollten klarstellen, was eine tragbare Definition für die weltweite ideologische Rivalität ist. Wir schrecken nicht vor einem ideologischen
Wettstreit zurück. Wir haben allen Grund,auf die nicht zu unterdrückende
Stärke des Strebens der Menschen nach Freiheit zu bauen. Aber wir können dem
nicht beipflichten, daß es allein um Ideologie geht, wenn die sowjetische
Macht im Namen der nationalen Befreiung auf Gebiet wie Südafrika ausgedehnt
wird oder wenn unter dem Namen des proletarischen Internationalismus regionale
oder örtliche Instabilität geschürt und ausgenutzt wird.
- Wir dürfen es nicht zulassen, daß die Sowjetunion die Entspannung innerhalb des Bündnisses selektiv anwendet. Wettstreit zwischen uns in unserer
Diplomatie oder unserer Wirtschaftspolitik gegenüber dem Osten birgt das Risiko in sich, daß westliche Vorteile verschleudert werden oder daß den Sowjets
Möglichkeiten aufgetan werden. Wir müssen einer Spaltung widerstehen und eine
äußerst enge Koordinierung aufrechterhalten.
Der Prozeß der Verbesserung der Ost-West-Beziehungen in Europa darf nicht
auf die Beziehungen zur Sowjetunion beschränkt bleiben. Die Vorteile eines Abbaus der Spannungen müssen Osteuropa wie auch Westeuropa zugute kommen.
Es darf kein Raum für Fehleinschätzung der amerikanischen Politik sein:,
- Wir
- 15 -

�- Wir sind entschlossen, Osteuropa auf der Basis der Souveränität
und der Unabhängigkeit jedes einzelnen seiner Länder zu begegnen„

Wir erkennen

. keine Einflußsphären oder Hegemonievorstellungen an. Zwei amerikanische Pra
sidenten und verschiedene Kabinettsmitglieder haben Rumänien und Polen wie
auch das blockfreie Jugoslawien besuchts um unser

Interesse an dem Aufblühen

und der Unabhängigkeit dieser Länder zu demonstrieren.
- Aus dem gleichen Grund werden wir unsere Bemühungen um eine Verbesserung
der Kontakte und die Weiterentwicklung unserer konkreten bilateralen Beziehungen
auf wirtschaftlichem Gebiet wie auch auf anderen Gebieten zu den Ländern Osteuropas fortsetzen.
- Die Vereinigten Staaten unterstützen die Bemühungen der westeuropäischen
Länder um eine Stärkung ihrer bilateralen und regionalen Beziehungen zu den
Ländern Osteuropas,, Wir hoffen, daß dieser Prozeß dazu beitragen wird» die
Spaltung Europas zu heilens die seit dem Zweiten Weltkrieg andauert.
- Und wir werden weiterhin Maßnahmen zur Verbesserung des Lebens der Menschen in Osteuropa durchführen, die die grundlegenden menschlichen Lebensbedingungen betreffen wie Erleichterung der Auswanderung, Familienzusammenführung,,
verstärkter Informationsfluß» vermehrter Güteraustausch und mehr Reisemöglichkeiten.
Die Vereinigten Staaten werden, gleichlaufend mit ihren Verbündeten« fort=
fahrens die Beziehungen zu Osteuropa weitmöglichst auszubauen.

Das ist ein lang-

fristiger Prozeß; es ist absurd, zu glauben9 daß eine Konferenz allein schon
die innere Struktur der Kommunistischen Regierungen ändern kann. Worte sind
kein Ersatz für geduldige und realistische Taten.
Wir werden keine Erwartungen wecken, die wir nicht erfüllen können. Aber
wir werden niemals aufhören» unsere traditionellen Prinzipien der menschlichen
Freiheit und der nationalen Selbstbestimmung zu verteidigen. Im Verlauf der
Ost-West-Beziehungen wird es zwangsläufig Hindernisse und Rückschläge geben. Wir
16 ™

*

�Wir werden vor einer Aushöhlung der Erfolge auf der Hut sein, die wir in
einer Reihe schwieriger Verhandlungen erzielt haben; wir werden sicherstellen,
daß bereits ausgehandelte Abkommen auch richtig verwirklicht werden. Wir müssen sowohl Sentimentalität, die Stärke durch guten Willen ersetzen würde, wie
auch scheinbare Härte anstelle einer klaren Konzeption unserer Zielsetzungen
vermeiden.
Wir im Westen verfügen über die Mittel, um eine solche Politik erfolgreich
zu verfolgen. Ja, wir haben keine realistische Alternative. Wir haben von dem
Wettstreit nichts zu befürchten. Sollte es einen militärischen Wettstreit geben,
so verfügen wir über die Stärke zur Verteidigung unserer Interessen. Sollte es
ein wirtschaftlicher Wettstreit sein, so haben wir diesen schon vor langer Zeit
gewonnen. Sollte es ein ideologischer Wettstreit sein, so hängt die Kraft unserer Ideen lediglich von unserem Willen ab, sie hoch zu halten.
Wir müssen nur zusammenstehen und an dem Kurs festhalten. Wenn wir das
tun, so kann der Prozeß der Ost-West-Beziehungen im Laufe der Zeit des Gebäude
des Friedens stärken und das Leben aller Menschen auf der Welt wahrhaft verbessern.

Unsere wirtschaftliche Stärke
Eine der größten Stützen der industriellen Demokratien ist ihre unbestrittene wirtschaftliche Überlegenheit. Wir haben, zum Teil weil wir uns der freien
Marktwirtschaft verpflichtet fühlen, die uns diese Überlegenheit gebracht hat,
die Möglichkeiten - ja die Notwendigkeit - noch nicht voll erkannt, wie unsere
wirtschaftliche Stärke konstruktiv zur Gestaltung eines besseren internationalen
Klimas eingesetzt werden kann.
Auf die demokratischen Industriestaaten zusammen entfallen 65 Prozent der
Gütererzeugung der Welt und 70 Prozent des Welthandels. Unser wirtschaftliches
Verhalten ist der Motor für den internationalen Handel und das internationale
- 17 -

�internationale Finanzwesen.

Unsere Investitionen, unsere Technologie, unsere

unternehmerische Erfahrung und die Produktivität unserer Landwirtschaft bilden
die Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wohlstandes überall auf
der Welt.

Unsere riesigen Kapazitäten werden um ein Vielfaches vermehrt, wenn

wir unsere Politik und unsere Anstrengungen koordinieren.
Den Kern unserer Stärke bilden die Lebenskraft und das Wachstum unserer
eigenen Volkswirtschaften.

Auf dem Wirtschaftsgipfel vom November vorigen

Jahres in Rambouillet, auf der Gipfelkonferenz in Puerto Rico, in der OECD und
in zahlreichen anderen Gremien haben die großen demokratischen Nationen ihre
Fähigkeit zur Zusammenarbeit unter Beweis gestellt.

Aber ein umfangreiches

Programm liegt noch vor uns. Wir werden weitere Anstrengungen unternehmen müssen, um unsere Wiedererholung fortzusetzen und das nichtinflationäre Wachstum
zu fördern.

Wir werden Erleichterungen für ausreichende Investitionen und Roh-

stoffvorräte gewähren müssen.

Wir müssen weiterhin alle protektionistischen

Maßnahmen vermeiden, und wir müssen die Möglichkeit multilateraler Handelsverhandlungen zur Stärkung und Ausweitung des internationalen Handelssystems nutzen.
Wir müssen unsere Anfälligkeit und Abhängigkeit vom Importöl durch Einsparungen,
neue Energiequellen und gemeinsame Vorbereitungen für etwaige Krisen verringern.
Und wir müssen auf den in Rambouillet und auf Jamaika im Januar dieses Jahres
gemachten Fortschritten bei der Verbesserung des internationalen Währungssystems
aufbauen.
Unsere zentrale Aufgabe ist die Zusammenfassung unserer Stärke, die Verbesserung der Koordinierung und die Abstimmung unserer Politik auf die Zukunft.
Auf der Basis einer soliden Zusammenarbeit zwischen uns müssen wir noch wirksamer die Aufgaben der Weltwirtschaft anpacken - zum Beispiel unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu den zentral gelenkten kommunistischen Volkswirtschaften
und zu den zahllosen jungen Nationen, deren Anliegen die wirtschaftliche Entwicklung ist.
Der wirtschaftliche Austausch zwischen Ost und West, obwohl an Umfang noch
relativ klein, wird zu einem wichtigen wirtschaftlichen und politischen Faktor.
Seine Zunahme spiegelt unsere fundamentale Stärke wider.
- 18 -

Er birgt Risiken und

�und Komplikationen in sich, sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Natur.
Aber er bietet auch Möglichkeiten für eine Stabilisierung der Beziehungen und
die Einbeziehung der kommunistischen Länder in ein verantwortungsbewußtes internationales Verhalten. Wenn die Demokratien eine gleichlaufende Politik verfolgen - wenn sie nicht zulassen, daß die kommunistischen Länder den schwächenden
Wettstreit zwischen uns fördern oder diesen zu ihrem eigenen einseitigen Vorteil manipulieren - können die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West eine
Stütze für Frieden und Wohlstand sein.
Wir müssen eine Wechselseitigkeit der Vorteile gewährleisten» Wir müssen
große Handelsungleichgewichte vermeiden, die Möglichkeiten für einen politischen
Druck eröffnen könnten. Wir sollten die wirtschaftlichen Beziehungen so gestalten, daß die kommunistischen Länder in das internationale Wirtschaftssystem einbezogen werden und seine Ordnung akzeptieren. Wenn wir es mit Volkswirtschaften
der Staatshandelsländer zu tun haben, müssen wir uns klar darüber sein, daß den
Wirtschaftsbeziehungen ein hohes Maß an politischer Bedeutung zukommt und daß
sie nicht ausschließlich auf einer normalen kommerziellen Basis abgewickelt werden können. Ganz offensichtlich ist die Einträglichkeit ein Gesichtspunkt. Wir
brauchen jedoch eine umfassendere Strategie, die im Einklang mit unserem freien
Unternehmersystem steht, damit diese wirtschaftlichen Beziehungen zu den politischen Zielsetzungen beitragen. Die demokratischen Industriestaaten sollten
ihre Politik untereinander koordinieren, um eine stetige und nützliche Weiterentwicklung der Ost-West-Bezeihungen sicherzustellen. Hierzu haben die Vereinigten Staaten der OECD vorgeschlagen, daß wir unsere Analysen über Probleme und
Möglichkeiten, die dem Ost-West-Handel innewohnen, unter dem Gesichtspunkt verstärken, gemeinsame Zielsetzungen und Wege abzustecken.

Wenn die wirtschaftliche Stärke der demokratischen Industriestaaten für
die sozialistischen Länder wichtig ist, so ist sie für die Entwicklungsländer
von entscheidender Bedeutung.

Diese wollen die alles durchdringende Armut

überwinden und den Gesichtskreis ihrer Länder erweitern. Sie fordern gleichen
Anteil an den weltweiten wirtschaftlichen Segnungen und eine stärkere Mitsprache
bei sie betreffenden internationalen Entscheidungen.
Der
- 19 -

�Der Entwicklungsprozeß ist nicht nur für die ärmeren Länder, sondern
auch für die Industriestaaten von entscheidender Wichtigkeit. Unser eigener
Wohlstand ist in hohem Maße von den Rohstoffen, den Absatzmärkten und den Bestrebungen der Entwicklungsländer abhängig.

Eine internationale Ordnung kann

nur dann stabil sein, wenn alle Länder sie als von Grund auf gerecht betrachten und überzeugt sind, daß sie aus ihr Nutzen ziehen. Auf lange Sicht sind
daher kooperative Nord-Süd-Beziehungen ganz eindeutig im Interesse aller, und
die Ziele der Industriestaaten und der Entwicklungsländer sollten sich ergänzen.
Der Nord-Süd-Dialog lief jedoch alles andere als glatt. Zu oft wurde
durch eine Taktik des Druckes oder durch eine zu starke Hervorhebung von rhetorischen Siegen auf Konferenzen eine Atmosphäre der Konfrontation geschaffen.
Eine solche Haltung verdeckt die fundamentale Realitäts daß Entwicklung ein
mühsamer langfristiger Prozeß ist. Sie wird nur vorankommen, wenn beide Seiten
sich den Fakten ohne Illusion stellen und dabei sowohl eine Konfrontation als
auch Sentimentalität vermeiden.
Es geht hierbei um weitaus mehr, als nur um die rein mechanische Anwendung von Technologie und Kapital gegen die Armut. Es muß innerhalb des Entwicklungslandes ein Gefühl bestehen für Zielsetzung und Richtung, für eine entschlossene Führerschaft, und - was vielleicht am wichtigsten ist - es muß im
Volk ein Impuls für Veränderungen vorhanden sein. Entwicklung bedingt eine
nationale Verwaltung, eine komplexe Infrastruktur, ein erneuertes Erziehungssystem sowie zahlreiche andere soziale Reformen. Sie ist ein tiefgehender,
verwirrender Prozeß, der Jahrzehnte andauert. Für viele neue Länder ist sie
in der Tat noch schwieriger als ähnliche Anstrengungen seitens der westlichen
Länder vor einem Jahrhundert, denn ihre sozialen und geographischen Bedingungen
spiegeln die oft willkürlichen Unterteilungen der Kolonialherrschaft wider.
Einige dieser Länder sehen sich Hindernissen gegenüber, die selbst durch
die größten eigenen Anstrengungen nicht überwunden werden können.

Ihr Fort-

schritt hängt davon ab, wie gut die internationale Gemeinschaft auf das Gebot
der wirtschaftlichen Interdependenz reagiert.
Es
- 20 -

�Es ist daher sinnlos, so zu tun, als ob die Entwicklung durch schnelle
Festlegungen oder einseitige Lösungen vorankommen könne. Künstlische Majoritäten auf internationalen Konferenzen verwirren die Sachlage nur.

Eine

Taktik der Konfrontation wird beizeiten in den Industrieländern die innenpolitische Unterstützung für eine vorausschauende Politik zunichte machen, die
die Entwicklungsländer so dringend benötigen.
Die demokratischen Industriestaaten tragen jedoch genauso besondere Verantwortungen.
beit.

Entwicklung erfordert ihre anhaltende und kollektive Zusammenar-

Sie stellen die größten Märkte sowie den größten Teil der Technologie

und des Kapitals der Welt. Sie haben die Verpflichtung, Verständnis zu zeigen
für das Elend der Ärmsten und das Streben nach Fortschritt aller Entwicklungsländer. Aber sie erweisen den Entwicklungsländern keinen Gefallen, wenn sie
zu einem Leben in einer Phantasiewelt beitragen.
Wenn sie darin wetteifern, bei wesentlichen propagandistischen Dingen
um Gunst zu buhlen, dann werden die Beiträge verwässert, Ressourcen nicht richtig genutzt und undurchführbare Projekte gefördert werden.
Was die Entwicklungsländer von uns benötigen, ist nicht ein Gefühl der
Schuld, sondern vernünftige und realistische Vorschläge, die die Interessen
beider Seiten in einer expandierenden Weltwirtschaft vereinen.
- Erstens müssen wir den Mechanismus unserer eigenen Zusammenarbeit weiterentwickeln. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten auf der kürzlich beendeten OECD-Tagung eine Reihe von konkreten Vorschlägen unterbreitet.
- Zweitens sollten die demokratischen Industriestaaten ihre nationalen
Hilfsprogramme besser koordinieren, damit unsere jeweiligen Erfahrungsgebiete
und unser technisches Können zum größtmöglichen Vorteil genutzt werden. Der
Vorschlag von Staatspräsident Giscsxd für einen integrierten Afrika-Fonds des
Westens ist eine sehr einfallsreiche Methode für die regionale Entwicklung.
- Drittens
- 21 -

�- Drittens sollten wir im Rahmen wichtiger internationaler Verhandlungen
und Konferenzen regelmäßig Konsultationen führen und eng zusammenarbeiten.
Die Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Multinationalen Handelsverhandlungen, Sondersitzungen der UN-Vollversammlungen,
Weltkonferenzen über Nahrungsmittel, Bevölkerungsfragen, Umwelt und Wohnung,
die UNCTAD-Konferenzen - sie alle werden weit erfolgreicher sein, wenn die
demokratischen Industriestaaten mit einer klaren und kohärenten Zielsetzung
an sie herangehen.
- Viertens sollten wir damit aufhören, Verhandlungen im Rahmen einer
Tagesordnung zu führen, die nicht unsere eigene ist. Wir sollten nicht zögern,
unsere eigenen Lösungen für gemeinsame Probleme zu unterbreiten.
- Und schließlich benötigen wir eine klare langfristige Strategie für die
Entwicklung. Die diversen Elemente des Prozesses, einschließlich der verschiedenen Formen der Hilfe, des technologischen Transfers, des Handels und der Finanzpolitik, müssen besser integriert werden.
Eine Zusammenarbeit zwischen den Industrieländern heißt nicht Konfrontation zwischen Nord und Süd, wie dies oft behauptet worden ist. Tatsache ist,
daß eine verantwortungsvolle Entwicklungspolitik nur möglich ist, wenn die demokratischen Industriestaaten realistische Ziele mit Überzeugung, Leidenschaft
und Zusammenarbeit verfolgen. Sie dürfen weder sich selbst noch ihre Gesprächspartner mit leichten Universalheilmitteln täuschen oder Schlagworte für Fortschritt ansehen. Wir leisten den größten Beitrag zur Entwicklung, wenn wir darauf bestehen, daß der Nord-Süd-Dialog Substanz statt Ideologie unterstreicht
und sich auf praktische Programme statt auf inhaltslose Debatten konzentriert.

Die Zukunft der demokratischen Gesellschaften
In jedem Bereich unserer Aktivitäten treten die demokratischen Industriestaaten mit beträchtlichen Kapazitäten und Möglichkeiten in die neue Ära ein.
- 22 -

�ein.

Gleichzeitig wäre es müßig abzustreiten, daß die moralische Kreft des

Westens in den letzten Jahren ernstlich herausgefordert worden ist.
Seit ihren ersten Anfängen hat die westliche Kultur die Beziehungen des
Einzelnen zu seiner Gesellschaft und dem Staat ganz eindeutig definiert. In
Südeuropa hat die Renaissance den Menschen zum Maßstab aller Dinge gemacht.
In Nordeuropa hat die Reformation, mit der Verkündung des Priesteramtes aller
Gläubigen und dem Angebot der Belohnung für individuelle Anstrengungen, das
Schwergewicht auf den Einzelnen gelegt. In England haben sich das Gefühl für
Gerechtigkeit und Menschenrechte sowie das Verantwortungsbewußtsein aus der
Weiterentwicklung des Common Law erqeben. Vor 200 Jahren haben die Verfasser
unserer Unabhängigkeitserklärung auf dieses Erbe zurückgegriffen; für sie hatte
jedes menschliche Wesen ein unveräußerliches Recht auf Leben, Freiheit und
Wohlstand. Der Staat war dazu da, den Einzelnen zu schützen und ihm den Gebrauch
dieser Rechte in vollem Umfang zu ermöglichen.
Heute besteht im Westen, 30 Jahre nach dem Marshall-Plan, unsere größte
Aufgabe darin, daß eine neue Generation die Fragen von Freiheit und sozialer
Verantwortung in einer Zeit neu erforschen muß, in der neue Gemeinwesen enorm
an Umfang, Komplexität und Dynamik gewachsen sind.

Die moderne Industriege-

sellschaft, obwohl in Freiheit begründet und mit dem Angebot der Prosperität,
geht das Risiko ein, den Einzelnen in der Masse zu verlieren und seine Entfremdung zu fördern.

Die technische Komplexität der öffentlichen Aufgaben stellt

das Funktionieren der Demokratie in Frage. Massenmedien und die Schwächung
der Strukturen von Parteien und Gruppierungen fördern die Isolierung des Einzelnen; sie verändern die demokratische Politik und fügen ihr neue Elemente der
Unbeständigkeit und Unvorhersagbarkeit hinzu.

Der bürokratische Staat bildet

eine grundlegende Aufgabe für die politischen Führer und ihre Verantwortung gegenüber den Willen der Allgemeinheit.
Es werden grundlegende moralische Fragen aufgeworfen:

Wie können wir eine

fragende neue Generation in einem relativistischen Zeitalter und in einer Gesellschaft unpersönlicher Institutionen begeistern?

Werden nicht Skeptizismus

und Zynismus die geistigen Kräfte unserer Zivilisation gerade in dem Augenblick
- 23 -

�Augenblick ihres größten technischen und materiellen Erfolges untergraben?
Werden unsere Gemeinwesen mit ihrer versachlichten Autorität jetzt Zuflucht
nehmen zu falschen Vereinfachungen, demagogischen Überzeugungen oder extremistischen Allheilmitteln?
Diese Fragen sind keine Voraussagen, sondern ein Test - ein Test der Kreativität und der moralischen Stärke unserer Völker und Staatsmänner,
Die westliche Kultur hat derartige Prüfungen bereits bestanden. Im
späten fünfzehnten Jahrhundert befand sich Europa in einer Periode der schwermütigen Schau nach innen, völlig in Anspruch genommen durch ein Gefühl der
Verzweiflung und des Dahinsterbens. Die Städte, die nach den islamischen Eroberungen Ausdruck des Wiederauflebens gewesen waren, verfielen. Europa wurde
durch die Plünderungen eines machtvollen Invasoren aus dem Osten in Mitleidenschaft gezogen. Sein geistiges, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum
- Italien - war der Anarchie und Zersplitterung verfallen.
Und dennoch stand Europa bereits zu diesem Zeitpunkt an der Schwelle zu
einer Periode des größten politischen und geistigen Fortschritts der Welt. Die
Renaissance und die Reformation, die großen Entdeckungen, die Erneuerung der
humanistischen Werte, die industriellen und demokratischen Revolutionen - all
dies schuf den Charakter und die Dynamik der westlichen Kultur und Zivilisation,
deren Erben wir zu beiden Seiten des Atlantik geworden sind.
Und ähnlich verfügt der Westen heute über Aktiva, um den Herausforderungen
begegnen und damit die Grundlagen für neue schöpferische Maßnahmen schaffen zu
können. Es waren unsere Länder, die das moderne Zeitalter eingeleitet haben.
Es sind unsere Gesellschaften, die sich geistig und moralisch als das größte
Laboratorium des Modernisierungsexperimentes erwiesen haben. Und was über allem
steht: Es sind die westlichen Demokratien, von denen die Vision der politischen
Freiheit, der sozialen Gerechtigkeit und des wirtschaftlichen Wohlstandes für
alle Völker ausging und die diese Vision heute am Leben erhalten. Keiner von
uns wird dieser Vision in idealer Weise und ständig gerecht. Aber die strengen
Maßstäbe, die wir bei unserer eigenen Beurteilung anlegen, unterscheiden uns von
den totalitären Gesellschaften der linken wie der rechten Seite. .,
OA
Unsere

�Unsere moralische Aufgabe muß also sein:
Erstens:

Als demokratische Regierungen müssen wir immer und immer wieder

das Vertrauen unserer Völker gewinnen.

Als eine Nation, die die Last der Füh-

rung auf sich genommen hat, tragen die Vereinigten Staaten eine besondere Verantwortung:

Wir müssen die Traumata der letzten Zeit überwinden, ihre Ursachen

beseitigen und die Fähigkeiten bewahren, die die Führungsrolle in der Welt verlangt.

In Europa sollte es, wo immer ein Nachlassen der Aufgeschlossenheit der

Regierungen gegenüber den Ansprüchen der Bürger zu verzeichnen ist, Reformen
und eine Wiederbelebung geben.
Zweitens: Wir müssen uns den komplexen Tatsachen einer pluralistischen
Welt stellen. Das erfordert mehr als spezifisch technische Lösungen. Es erfordert von den führenden Staatsmännern die Bereitschaft, die wahren Alternativen darzulegen, wie kompliziert oder schwierig dies auch sein mag. Und es
erfordert von den Wählern das Verständnis, daß wir inmitten einer unsicheren
Situation Entscheidungen treffen müssen, wo es vielleicht kein unmittelbares
Resultat gibt oder dieses auch nicht auf einfache Schlagworte reduzierbar ist.
Drittens:

Wir müssen unsere Einstellung gegenüber jenen politischen Kräf-

ten innerhalb der westlichen Gesellschaften klarstellen, die sich an die Wähler
mit der Behauptung wenden, daß sie in einer Regierung größere Wirksamkeit an
den Tan legen würden.

Aber wir kommen nicht um die Frage der Verpflichtung

dieser Kräfte für die demokratischen Werte herum, noch um die Besorgnis über
die Tendenzen, die eine auf temporäre Annehmlichkeiten basierende Entscheidung
in Bewegung setzen würde.

Gleichzeitig ist eine Opposition gegenüber diesen

Kräften einfach nicht genug.

Es muß eine Antwort auf legitime soziale und wirt-

schaftliche Bestrebungen sowie auf die Notwendigkeit von Reformen von Mißständen geben, aus denen diese Kräfte einen großen Teil ihrer Anziehungskraft beziehen.
Schließlich ist die Solidarität der demokratischen Nationen in der Welt
dringend erforderlich sowohl als materielle Unterstützung als auch als moralisches Symbol.

Für unsere Völker kann es keine größere Inspiration geben,
- 25 -

�geben9 als die Bekräftigung ihrer gemeinsamen Zielsetzungen und die überzeugung9 daß sie ihr Geschick in Freiheit gestalten können.

Wir können uns weder

eine gefährliche Beschaulichkeit noch einen lähmenden Pessimismus leisten.
Alastair Buchan hat seine Fragen gestellt, nicht um Lähmung herbei zuführen,
sondern um zu klügeren Schritten und neuer Leistung anzuspornen.
Wir wissens was wir tun müssen.
Wir wissen auch9 was wir tun können.
Es bleibt uns nurs es zu tun.

- 26 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

DIE AUSSENPOLITISCHE KONZEPTION CARTERS
Wortlaut der Rede am 23. Juni 1976 vor der Außenpolitischen Gesellschaft in
New York

Der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei,
Jimmy Carter, hat große Aussicht, auf dem
bevorstehenden Parteikonvent der Demokraten
im Juli in New York bereits im ersten Wahlgang die für eine Nominierung erforderliche Stimmenzahl von 1 505 Delegierten
auf sich zu vereinen. In einer richtungweisenden Rede vor der Außenpolitischen Gesellschaft im New Yorker Waldorf Astoria
Hotel hat Carter jetzt erstmalig seine
außenpolitische Konzeption umrissen, die
von beiden großen politischen Parteien
in den Vereinigten Staaten getragen werden
soll. Die Rede Carters hat folgenden Wortlaut:
In den letzten 17 Monaten habe ich, als einer der Kandidaten für das
Präsidentenamt, zum amerikanischen Volk gesprochen und es angehört.
Das war für mich eine unvergeßliche Erfahrung und brachte mir unabschätzbare Erkenntnisse. Wenn mein Wahlfeldzug erfolgreich war, so ist dies darauf
zurückzuführen, daß ich von unserem Volk gelernt habe und daß ich genau seine
Sorgen, seine Enttäuschungen und seine Wünsche und Hoffnungen angesprochen
habe.
Was

�Was das Gebiet der Außenpolitik anbetraf, so war unser Volk beunruhigt,
verwirrt und manchmal ärgerlich. Es wurde zu viel Gewicht auf vergängliche
Schaueffekte und zu wenig Gewicht auf Substanz gelegt. Wir waren zutiefst besorgt, nicht nur über so offensichtliche Tragödien wie den Vietnam-Krieg,
sondern auch über die schleichende Aushöhlung von Zielrichtung und Moral
unserer Außenpolitik.
Unter der Nixon-Ford-Administration hat sich eine Art von geheimer Einzelgänger-Außenpolitik entwickelt - eine Ein-Mann-Politik der internationalen
Abenteuer. Das ist nicht die richtige Politik für Amerika.
Wir haben manchmal versucht, andere Nationen gegeneinander auszuspielen,
statt die freien Nationen zu organisieren, damit sie die weltweite Verantwortung durch gemeinsames Handeln miteinander teilen. Wir haben publizistisch
äußerst stark herausgestellte Versuche unternommen, um den großen kommunistischen Mächten zu schmeicheln, während wir unsere natürlichen Freunde und Verbündete vernachlässigten.
Eine auf Geheimhaltung basierende Außenpolitik mußte zwangsläufig sorgfältig abgeschirmt werden und amoralisch sein,und wir mußten auf Offenheit,
Konsultationen und ein stetiges Festhalten an den fundamentalen Prinzipien und
hohen moralischen Normen verzichten.
Wir haben oftmals dramatische und überraschende Sofortergebnisse - statt
langfristige Lösungen - für die großen Probleme angestrp^t. die ein sorgfältiges Planen in Konsultation mit anderen Nationen erfordert hätten.
Wir müssen in unserer inneren Entschlossenheit stark sein, um im Ausland ein starker Führer sein zu können. Das ist nicht möglich, wenn der Kongreß und das amerikanische Volk im Ungewissen gelassen werden. Wir müssen einfach eine internationale Politik demokratischer Führerschaft haben,und wir
müssen mit dem Versuch aufhören, ein einsames Spiel der Machtpolitik spielen

�spielen zu wollen. Wir müssen unsere Außenpolitik offen und frei entwickeln
und führen. Es muß übprparteiliehe Eintracht und Zusammenarbeit zwischen
Präsident und Kongreß bestehen,und wir müssen einen Geist gemeinsamer Zielsetzungen unter den demokratischen Nationen wiederherstellen.
Was wir anstreben.ist, daß unser Land eine Außenpolitik hat, in der die
Anständigkeit, die Großzügigkeit und der gesunde Menschenverstand unseres
Volkes zum Ausdruck kommen.
Wir hatten eine solche Politik vor über hundert Jahren und - zu unseren
Lebzeiten - in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Vereinten Nationen, der Marshall-Plan, das Abkommen von Bretton
Woods, die NATO, das Punkt-4-Programm, die OECD, der japanische Friedensvertrag - all das waren historische Taten einer Außenpolitik, die von beherzten
Präsidenten geleitet, von überparteilichen Mehrheiten im Kongreß getragen und
vom amerikanischen Volke unterstützt wurden.
Die Welt hat sich seitdem grundlegend gewandelt,und das Tempo des Wandels
wird immer schneller.

Es gibt einhundert neue Nationen und zwei Milliarden

mehr Menschen,,
Die Ost-West-Spannungen mögen weniger akut sein, aber die Ost-West-Rivalität ist in ihren Ausmaßen weltweit geworden.
Die Probleme zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern
sind ernster geworden und haben sich in manchen Regionen in gefährlicher Weise
mit der Ost-West-Rivalität vermengt.
Wirtschaftlicher Nationalismus kompliziert die internationalen Beziehungen,
und unkontrollierte Inflation kann vielleicht erneut unseren gemeinsamen
Wohlstand bedrohen.
Und

�Und schließlich rufen weltweite Krisen wie Lebensmittel Verknappungen,
Übervölkerung und Armut nach einer gemeinsamen Lösung trotz aller nationalen
und weltanschaulichen Unterschiede.
Es ist daher unbedingt erforderlich, daß die Vereinigten Staaten die Führung übernehmen, damit die demokratischen Gemeinschaften der Welt erneut in
die Lage versetzt werden, auf dem Wege zur Schaffung einer gerechteren und
stabileren Weltordnung voranzuschreiten.
In den letzten Wochen habe ich zu dem Thema der Ausbreitung der Kernwaffen und ebenso über den Nahen Osten gesprochen. In den kommenden Monaten werde ich auch zu anderen Themen von internationalem Interesse das Wort ergreifen.
Heute möchte ich über unsere Bündnisse reden und über Möglichkeiten, wie
sie verbessert werden können, um unseren nationalen Interessen und den Interessen anderer Länder zu dienen, die nach Frieden und Stabilität auf der Welt
streben.
Wir müssen prüfen, wie wir - zusätzlich zu den Bündnissen, die in den vergangenen Jahren zu ausschließlich militärischen Zwecken geschlossen wurden umfassendere Vereinbarungen treffen können, um Probleme wie das Wettrüsten,
die Armut auf der Welt und die Aufteilung von Hilfsquellen in den Griff zu bekommen.
Es ist jetzt an der Zeit, daß wir eine Partnerschaft zwischen Nordamerika,
Westeuropa und Japan suchen. Unsere drei Gebiete haben gemeinsame wirtschaftliche, politische und Sicherheitsinteressen, die es logisch erscheinen lassen,
daß wir eine ständig zunehmende Einigkeit und Verständigung anstreben.

Ich

�Ich habe Japan und Westeuropa in den letzten Jahren bereist und mit den
führenden Politikern dort gesprochen. Ihre Länder haben

bereits bedeutenden

Einfluß in der Welt; und sie sind bereit, eine noch größere weltweite Rolle
bei der Gestaltung einer neuen internationalen Ordnung zu übernehmen.
Da sind die, die sagen, daß die Demokratie im Sterben liege, daß wir in
der Endphase einer Epoche lebten, und daß es das Schicksal des mordernen Menschen sei, Zeuge des Dahinschwindens der Freiheit zu sein.
In Japan, in Westeuropa, in Kanada, in einigen lateinamerikanischen Ländern, in Israel und in zahlreichen anderen Ländern habe ich keinen Niedergang
der Demokratie, sondern eine dynamische Verpflichtung zu ihren Prinzipien
festgestellt.

Ich möchte hinzufügen, daß ich persönlich die Stärke des demokratischen
Prozesses in unserem eigenen Lande bezeugen kann.
Zusätzlich zu der Zusammenarbeit zwischen Nordamerika, Japan und Westeuropa besteht ebenso eine Notwendigkeit für vermehrte Einigkeit und Konsultationen zwischen uns und solchen demo'-^tisehen Gemeinwesen wie Israel, Austra
lien, Neuseeland und anderen Ländern,wie etwa die in unserer Hemisphäre, die
unsere demokratischen Werte teilen und auch zahlreiche unserer politischen und
wirtschaftlichen Interessen.
Es müssen häufigere Konsultationen auf vielerlei Ebenen abgehalten werden.
Wir sollten periodische Gipfelkonferenzen und gelegentliche Treffen der Führer
aller industriellen Demokratien abhalten sowie häufige Zusammenkünfte auf Kabinettsebene. Darüber hinaus müssen wir mit der Abschaffung der Ein-Mann-Diplomatie erneut unseren gesamten außenpolitischen Apparat für die Wiederherstellung kontinuierlicher Kontakte auf allen Ebenen einsetzen. Gipfelkonferenzen
sind kein Ersatz für eine laufende enge Zusammenarbeit auf Arbeitsebene«

Bei

�Bei Konsultationen sind sowohl Form als auch Inhalt wichtig. Es ist ein
grundlegender Unterschied, ob eine Regierung, nachdem etwas geschehen ist,
informiert wird, oder ob sie in den Prozeß einer gemeinsamen Entwicklung der
Politik einbezogen wird. Die für die Entwicklung unserer Politik Verantwortlichen haben in

den letzten Jahren zu oft diesen grundlegenden Unterschied

ignoriert.

Ich brauche nur die "Nixon-Schocks" und die abrupten Maßnahmen anzuführen,
die von dem früheren Finanzminister Connally ergriffen wurden.
Wir müssen ferner erkennen, daß unsere westeuropäischen Verbündeten in
den letzten Jahren tief besorgt waren - und mit Recht - über unseren einseitigen Umgang mit der Sowjetunion. Soweit irgend möglich sollten unsere Verhandlungen mit der Sowjetunion den gemeinsamen Ansichten der Demokratien Rechnung
tragen und dadurch das Mißtrauen unserer Verbündeten vermeiden, daß wir ihre
Interessen vernachlässigen könnten.
Wir wollen kein Kondominium der Mächtigen, sondern eine Gemeinschaft der
Freien.
Es gibt zumindest drei Gebiete, auf denen die demokratischen Nationen aus
engeren, schöpferischen Beziehungen Nutzen ziehen können.
I.
Einmal sind das unsere wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten.
Im wirtschaftlichen Bereich muß es unser grundlegendes Ziel sein, das
internationale System offen zu halten, in dem der Austausch von Gütern, Kapital
und Ideen andauern und sich ausweiten kann.
Eine

- 6 -

�Eine stärkere Abstimmung unter den industriellen Demokratien kann
dazu beitragen, die Wiederholung von Ereignissen wie der Inflation der Jahre
1972/73 und der Rezessionen noch jüngeren Datums zu vermeider.. Beide wurden
durch einen expansionistische

Übereifer und dann durch die deflatorischen

Reaktionen in Nordamerika, Japan und Europa noch verschärft
Auch wenn jedes Land seine eigenen wirtschaftlichen Entscheidungen treffen muß,so müssen wir doch mehr über die Interessen und die Absichten des anderen wissen,, Wii müssen einseitige Maßnahmen vermeiden, und wir müssen versuchen, bei der Verfolgung der gleichen Ziele nicht unbewußt einander entgegenzuhandeln. Wir müssen nicht in allen Fragen einer Meinung sein, aber wir
sollten darin übereinstimmen, alle Fragen zu erörtern.
Wir sollten unsere Bemühungen um einen Abbau der Handelsschranken zwischen den Industriestaaten als einen Weg zur Bekämpfung der Inflation fortsetzen. Die gegenwärtige Tokio-Runde multilateraler Handelsverhandlungen sollte zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden.
Aber wir müssen noch mehr tun. Das internationale Währungssystem sollte
so erneuert werden, daß es uns für das nächste Viertel Jahrhundert gute Dienste
leisten kann.
Im Januar vorigen Jahres wurde auf einem Treffen der führenden Finanzpolitiker eine Übereinkunft über ein neues System erreicht, das auf einer grösseren Flexibilität der Wechselkurse beruht Es besteht keine Aussicht, bald
zu festen Wechselkursen zurückzukehren - die unterschiedlichen wirtschaftlichen
Erfahrungen der einzelnen Länder sind dazu zu groß Aber wir müssen für die
wirksame Handhabung eines Systems schwankender Wechselkurse noch viel lernen.
Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um große und unberechenbare Fluktuationen zu
vermeiden, ohne dadurch die grundlegenden monetären Anpassungen zu verhindern,
die in den kommenden Jahren zwischen den Ländern notwendig werden. Es wird
nützlich sein, die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) als Zentral -

- 7 -

�Zentralstelle zur Beobachtung und Lenkung der Weltwirtschaft zu stärken, die
das Zusammenwirken der einzelner, Volkswirtschaften verfolgt und den Regierungen Empfehlungen gibt, wie die Weltwirtschaft am besten reibungslos funktionieren kann.
Neben der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit haben wir noch
viel voneinander zu lernen. Ich war immer wieder beeindruckt, welche Leistungen die Japaner und die Europäer auf innenpolitischem Gebiet aufzuweisen haben.

Die Japaner zum Beispiel haben eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten

und die niedrigste Verbrechensrate aller Industriestaaten,und ihre Stadtbevölkerung scheint auch weniger unter dem modernen Problem der Wurzellosigkeit
und der Entfremdung zu leiden.
Ebenso können wir von den Europäern auf den Gebieten wie Gesundheitsvorsorge, Städteplanung und Massentransportmittel lernen,
Es gibt viele Wege, wie kreative Bündnisse sich für eine bessere Welt
einsetzen können. Lassen Sie mich nur ein Gebiet erwähnen, die Menschenrechte.
Viele von uns haben gegen die Verletzung der Menschenrechte in Rußland protestiert und mit Recht, Aber solche Verletzungen sind nicht auf ein Land oder
eine Weltanschauung beschränkt. Es gibt andere Länder, die die Menschenrechte
auf die eine oder andere Weise verletzen - durch Foltern, durch politische Verfolgungen oder durch rassische oder religiöse Diskriminierung»
Wir und unsere Verbündeten können in einer schöpferischen Partnerschaft
die Führung bei der Erstellung und Förderung grundlegender weltweiter Normen
für die Menschenrechte übernehmen»
Wir respektieren die Unabhängigkeit aller Länder, aber durch unser Beispiel, durch unsere Äußerungen und durch die uns zur Verfügung stehenden verschiedenen Formen wirtschaftlicher und politischer Einflußnahme können wir
ganz bestimmt die Ungerechtigkeiten auf der Welt verringern.
Wir

�Wir müssen das unbedingt versuchen.
Lassen Sie mich noch auf einen weiteren Punkt im politischen Bereich verweisen- Demokratische Prozesse könnten vielleicht in einigen Ländern Parteien
oder Politiker an die Macht bringen, deren Weltanschauung von den meisten
Amerikanern nicht geteilt wird. Wir mögen derartige Änderungen vielleicht
nicht begrüßen,und wir werden sie bestimmt nicht unterstützen, Wir müssen jedoch die Ergebnisse demokratischer Wahlen und das Recht der Länder, selbst
frei über sich zu entscheiden, respektieren, wenn wir unseren eigenen grundlegenden Idealen treu bleiben wollen. Wir müssen lernen, mit einer Vielfalt
der Anschauungen zu leben, und wir können weiter zusammenarbeiten,

solange

solche politischen Parteien den demokratischen Prozeß respektieren, die bestehenden internationalen Verpflichtungen einhalten und nicht politischen
Anweisungen von außen gehorchen. Das demokratische Zusammenwirken der Länder
sollte nur die ausschließen, die sich selbst durch Ablehnung der Demokratie
ausschließen.
Unser Volk hat heute gelernt, wie töricht unser Versuch war, unsere
Machtposition bei inneren Angelegenheiten anderer Länder zum Tragen bringen
zu wollen. Es ist an der Zeit, daß unsere Regierung diese Lehre ebenfalls
beherzigt.
Obwohl es noch zu früh ist, das Endergebnis der italienischen Wahlen
von diesem Wochenende zu bewerten, und obwohl das Ergebnis Anlaß zu einer gewissen Erleichterung ist, da es der kommunistischen Partei nicht gelungen ist,
die Mehrheit zu erreichen, so ist doch klar, daß die politischen Probleme
Italiens aufgrund der schlechten sozialen Situation des Landes entstanden
sind. Diese andauernde schlechte Situation zu meistern wird nicht nur einen
Willensakt seitens der politischen Führer Italiens, sondern auch geduldige
und bedeutsame Hilfe von Seiten Italiens westeuropäischer Nachbarn und auch
von Seiten der Vereinigten Staaten erfordern, Wir müssen solche notwendige
Hilfe schnellstens und wohlwollend prüfen.
II.

- 9 -

�-.

II.
Das zweite Gebiet einer vermehrten Zusammenarbeit ist der Bereich der
gegenseitigen Sicherheit. Hier müssen wir uns jedoch darüber im klaren sein,
daß die atlantischen und pazifischen Regionen ganz verschiedene Erfordernisse
und unterschiedliche politische Empfindlichkeiten aufweisen.
Da die Vereinigten Staaten sowohl eine atlantische als auch eine pazifische Macht sind, bedeutet das, daß unsere Verpflichtungen gegenüber der
Sicherheit Westeuropas und Japans untrennbar mit unserer eigenen Sicherheit
verbunden

sind. Ohne diese Verpflichtungen und unser entschlossenes Eintre-

ten für sie würden das System der atlantischen und pazifischen Zusammenarbeit
ernsthaft geschwächt und der Frieden in der Welt gefährdet werden.
Wenn wir das pazifische Gebiet betrachten, sehen wir eine Anzahl von Veränderungen und großen Chancen. Aufgrund des potentiellen sowjetischen Konfliktes sind die russischen und chinesischen Streitkräfte nicht gemeinsam als
mögliche Gegner disloziert, sondern stehen einander entlang ihrer gemeinsamen
Gren7e in einer Konfrontation gegenüber. Darüber hinaus hat unser Rückzug vom
südasiatischen Festland eine Verbesserung der Beziehungen zwischen uns und der
Volksrepublik China ermöglicht.
Was unseren hauptsächlichen Verbündeten im Pazifik, Japan, angeht, so
werden wir unsere bestehenden Sicherheitsvorkehrungen aufrechterhalten, solange das japanische Volk und seine Regierung dies wünschen.
Ich bin der Ansicht, daß es möglich sein wird, unsere Landstreitkräfte
aus Südkorea phasenweise über eine Zeitspanne hinweg abzuziehen, die nach
Konsultationen sowohl mit Südkorea als auch mit Japan festgelegt werden muß.
Gleichzeitig sollte es der südkoreanischen Regierung klar gemacht werden,
daß unser Volk dem im Lande ausgeübten Druck ablehnend gegenübersteht und
daß dieser der Unterstützung unserer dortigen Verpflichtungen abträglich ist.
Auf
- 10 -

�Auf dem atlantischen Sektor unserer Verteidigung stehen wir einem unmittelbareren Problem gegenüber.
Die Sowjetunion hat in den letzten Jahren ihre Streitkräfte in Mitteleuropa verstärkt. Die Streitkräfte des Warschauer Paktes, denen sich die NATO
heute gegenübersieht, setzen sich im wesentlichen aus sowjetischen Kampftruppen zusammen, und diese Truppen sind modernisiert und verstärkt worden. Im
Falle eines Krieges sind sie auf einen umfassenden Konflikt von kurzer Dauer
und großer Intensität ausgerichtet.
Die Landstreitkräfte der NATO sind weitgehend europäische Verbände. Die
Vereinigten Staaten stellen etwa ein Fünftel der Kampftruppen sowie den strategischen Schutzschirm, und ohne diese amerikanische Verpflichtung könnte sich
Westeuropa nicht erfolgreich verteidigen.
Während der letzten Jahre ist auf beiden Seiten eine neue Militärtechnologie entwickelt worden, einschließlich zielgenauer Lenkwaffen, die den Charakter einer Landkriegsführung verändern.
Unglücklicherweise leidet das NATO-Arsenal an einem Mangel an Standardisierung, der unnötigerweise die NATO-Kosten vermehrt, und die NATO-Strategie
scheint allzu häufig an Pläne und Konzeptionen der Vergangenheit gebunden zu
sein. Wir dürfen es nicht zulassen, daß unser Bündnis zu einem Anachronismus
wird. Kurz gesagt: Es ist für uns und unsere Verbündeten notwendig, eine Überprüfung der Streitkräfte der NATO und ihrer Strategie angesichts sich ändernder militärischer Gegebenheiten vorzunehmen.
Um die Verteidigungskraft der NATO zu stärken, ist ein umfassendes Programm erforderlich, um die genaueren Luftverteidigungs- und Panzerabwehrwaffen zu entwickeln, zu beschaffen und die NATO damit auszurüsten, die durch
neue technologische Erkenntnisse möglich geworden sind. Man muß sich über Waffenarsenale und die voraussichtliche Dauer eines potentiellen Konfliktes einig

- 11 -

�einig werden. Wir sollten ferner die Struktur der NATO-Reserven überprüfen,
damit sie rascher für Kampfeinsätze verfügbar werden.
Alle diese Dinge erfordern wesentliche europäische und gemeinsame Anstrengungen. Bei einem Unterfangen, das ein wirklich beiderseitiges Verteidigungsbemühen sein muß, wird unser Volk keine einseitigen amerikanischen Beiträge unterstützen.
Selbst wenn wir jetzt unsere militärische Situation überprüfen, dürfen
wir doch keine Anstrengungen scheuen, um einen Abbau der Kräfte herbeizuführen,
die sich einander in Mitteleuropa gegenüberstehen.
Man kann nur hoffen, daß die festgefahrenen Gespräche über eine beiderseitige Truppenreduzierung in Wien bald Ergebnisse zeitigen werden, damit die
Streitkräfte beider Seiten in einer Weise reduziert werden können, die die
Sicherheit keiner Seite beeinträchtigt. Das Erfordernis ausgewogener Reduzierungen kompliziert die Verhandlungen, aber es ist ein wichtiges Erfordernis für
die Aufrechterhaltung der Sicherheit in Europa.
Ähnlich müssen wir bei den SALT-Gesprächen eine bedeutsame nukleare Abrüstung anstreben, die die Grundinteressen beider Seiten gewährleistet.
Lassen Sie mich jetzt etwas sagen, was ich in den letzten Monaten schon
häufiger erklärt habe: die Ost-West-Beziehungen werden auf lange Zeit hinaus
kooperativ und auf Wettbewerb angelegt sein. Wir wollen, daß dieser Wettbewerb
friedlich verläuft, und wir wollen, daß die Kooperation zunimmt. Wir werden
jedoch niemals eine Anpassung auf Kosten unserer eigenen nationalen Interessen
oder der Interessen unserer Verbündeten anstreben.
Unsere potentiellen Gegner sind intelligente Leute. Sie respektieren
Stärke, sie respektieren Beständigkeit und sie respektieren Offenheit. Sie
werden unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten verstehen. Sie

- 12 -

�Sie werden uns sogar noch sorgfältiger zuhören, wenn wir und unsere Verbündeten mit gemeinsamer Entschlossenheit sprechen. Wir sollten uns auch vor Augen
halten, daß ein echter Geist der Kooperation zwischen den Demokratien und
der Sowjetunion über die reine Beendigung der Feindseligkeiten hinausgehen
sollte und sich auf gemeinsame Bemühungen bei der Bewältigung solcher inter nationaler Probleme wie der landwirtschaftlichen Entwicklung und der Bevölkerungskrise erstrecken sollten.
Die große Herausforderung, der wir Amerikaner uns gegenübersehen, ist,
der Sowjetunion zu beweisen, daß unser guter Wille genau so groß ist wie unsere Stärke, bis unsere beiden Nationen trotz aller Hindernisse neue Positionen
erreichen und neues Vertrauen schaffen können

und bis einmal die schreckliche

Last des Wettrüstens von unsern Völkern genommen werden kann.

Ein realistischer Schritt wäre es, sich darüber klar zu werden, daß trotz
gewisser Fortschritte auf bilateraler Basis wir in den verschiedenen Krisenherden der Erde sozusagen stellvertretend in Konfrontation stehen.

Diese indirekten Herausforderungen sind vielleicht potentiell gefährlicher
als direkte Meinungsverschiedenheiten, und bestenfalls sind sie ein Hohn auf
die Konzeption der Entspannung. Wenn wir echten Fortschritt wollen, dann muß
er auf allen Ebenen eintreten.

III.
Unsere Demokratien müssen ferner enger in dem gemeinsamen Bemühen zusammenarbeiten, den Hunderten von Millionen Menschen auf diesem Planeten zu helfen, die in Armut und Verzweiflung leben.
Wir
- 13 -

�Wir alle haben das Anwachsen der Nord-Süd-Spannungen in weltpolitischen
Angelegenheiten erlebt - Spannungen, die oft auf legitimen wirtschaftlichen
Beschwerden basieren. Wir haben im Nahen Osten das Zusammentreffen des OstWest- und des Nord-Süd-Konfliktes erlebt und die sich daraus ergebende Bedrohung des Weltfriedens.
Die demokratischen Länder müssen auf die Herausforderung menschlicher
Ansprüche auf drei Ebenen reagieren:
- Erstens, indem die Chancen für echte Nord-Süd-Konsultationen ausgebaut
werden. Die Entwicklungsländer dürfen nicht nur ein Objekt der Politik sein,
sondern sie müssen an der Gestaltung dieser Politik teilhaben. Ein guter Beginn ist hier mit der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit gemacht worden, der vertieft und verstärkt werden sollte.
- Zweitens, indem jene Nationen unterstützt werden, die diese Unterstützung direkt benötigen. Es gibt viele Möglichkeiten, mit denen die Demokratien gemeinsam dazu beitragen können, eine stabilere und gerechtere Weltordnung zu schaffen. Wir können zusammenarbeiten, um die Handelsschranken abzubauen,und können wesentlich dazu beitragen, um jene internationalen Institutionen vermehrt zu unterstützen, die gegenwärtig der Dritten Welt Kapital zur
Verfügung stellen.
Dies wird Hilfe von Europa, Japan und Nordamerika und den wohlhabenderen
Mitgliedern der OPEC für die Tochtergesellschaft der Weltbank, die Internationale Entwicklungsgesellschaft, die zinsgünstige Anleihen vergibt, erforderlich
machen. Die wohlhabenderen Länder sollten ebenfalls solche Spezialfonds unterstützen, wie den neuen Weltfonds für Landwirtschaftliche Entwicklung, der
Ressourcen der öl exportierenden Länder sowie der Industrienationen für eine
Stärkung der Nahrungsmittelerzeugung in armen Ländern zur Verfügung stellt.
Wir könnten uns vielleicht auch darum bemühen, unter den Auspizien der Weltbark ein "Weltentwicklungsbudget" zu institutionalisieren, um diese und ähnliche Anstrengungen zu rationalisieren und zu koordinieren.
Für

- 14 -

�Für die Sowjetunion, die nur etwa ein Prozent ihres Bruttosozialproduktes
für Auslandsh-&gt;lfe aufwendet, ist es ebenfalls an der Zeit, großzügiger auf
eine globale Wirtschaftsentwicklung hinzuarbeiten.

Zum Thema Auslandshilfe darf ich anmerken, daß wir zwar eine großzügige
Nation, jedoch keine dumme Nation sind, und unser "olk wird von den Empfängerländern erwarten, daß sie die benötigten Reformen zur Förderung ihrer eigenen
Entwicklung unternehmen. Darüber hinaus müssen alle Nationen sich darüber im
klaren sein, daß die Nord-Süd-Beziehungen nicht durch einseitige Selbstgerechtigkeit, nicht durch die Durchsetzung automatischer Prioritäten in internationalen Gremien und nicht durch Intoleranz gegenüber den Ansichten oder der
Existenz anderer Länder erleichtert werden.

- Wir und unsere Verbündeten müssen zusammenarbeiten, um den Fluß von
Waffen in die Entwicklungsländer einzudämmen.
Der Nord-Süd-Konflikt ist zum Teil ein Sicherheitsproblem. Solange die
mächtigeren Nationen die weniger mächtigen Länder ausbeuten, werden sie dafür
Terrorismus, Haß und potentielle Gewalt ernten. Wenn unsere Politik selbstsüchtig oder zynisch oder kurzsichtig ist, dann wird es unvermeidl icherweise
einen Tag der Abrechnung geben.
Ich bin insbesondere besorgt über die Rolle, die unser Land als führender
Waffenverkäufer der Welt spielt. Wir haben im vorigen Jahr für Milliarden
Dollar Waffen verkauft oder weggegeben, in erster Linie an die Entwicklungsländer.

Beispielsweise beginnen wir jetzt damit, moderne Waffen nach Kenia

und Zaire auszuführen, wodurch der Rüstungswettlauf zwischen Ost und West in
Afrika angeheizt wird, während wir sogar unsere eigenen Verbündeten - Großbritannien und Frankreich - in ihren Beziehungen zu diesen afrikanischen Ländern verdrängen. Manchmal versuchen wir, dieses anstößige Geschäft zynisch
damit zu begründen, daß wir durch eine Rationierung der Mittel der Gewalt
irgendwie die Gewalt auf der Welt kontrollieren könnten.
Tatsache
- 15 -

�Tatsache ist, daß wir nicht beides haben können. Können wir gleichzeitig
der Vorkämpfer für den Frieden in der Welt und der Welt führender Lieferant
von Waffen des Krieges sein? Wenn ich Präsident werde, dann werde ich zusammen mit unseren Verbündeten, von denen einige ebenfalls Waffenlieferanten
sind, darauf hinarbeiten - und ich werde dies auch mit den Sowjets versuchen verstärkten Nachdruck auf Frieden zu legen und den Handel mit den Kriegswaffen zu reduzieren.
Die Herausforderung, der wir und unsere Verbündeten hinsichtlich der Entwicklungsländer gegenüberstehen, ist groß, anhaltend und erregend. Sie ist
erregend, weil sie auf so zahlreichen Ebenen von so vielen Ländern und Einzelpersonen so viel schöpferische Kraft verlangt»
Ich habe Schritte vorgeschlagen, die wir und unsere Verbündeten ergreifen
könnten, um zu einer stabileren und gerechteren Weltordnung zu gelangen. Ich
behaupte nicht, alle Antworten zu wissen. Ich hoffe, daß Sie mich unterstützen
werden, sie zu finden.

Was ich jedoch habe, ist das starke Gefühl, daß unser Land dahintreibt
und daß es eine neue Führung und eine neue Leitung braucht. Die Zeit ist reif
f'ü. neue schöpferische Impulse auf dem Gebiet der Außenpolitik, ähnlich wie
es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall war„ Die alten internationalen Institutionen reichen nicht mehr aus Die Zeit ist gekommen für
ein neues Bemühen um den Aufbau, mit schöpferischer Initiative seitens unserer
Nation, wobei der Grundpfeiler eine wachsende Zusammenarbeit zwischen den demokratischen Industriestaaten und das ständige Ziel Friede und Gerechtigkeit ist.

Wir leben in einer Zeit der Herausforderungen und der großen Chancen.
Wenn die Werte, die wir hochhalten, bewahrt werden sollen - die Ideale der
Freiheit, der Würde und der Chancen für alle - dann müssen wir in engster Zusammenarbeit mit gl eichgesinnten Nationen wirken und uns darum bemühen, durch
die Stärke, die aus kollektiven Maßnahmen erwächst, ein internationales

- 16 -

�internationales System zu schaffen, das die Grundsätze und Werte unseres
nationalen Erbes widerspiegelt.
Das Hauptziel unserer Außenpolitik ist es, Verhältnisse auf der Welt zu
schaffen und aufrechtzuerhalten, unter denen unser großes Experiment der Freiheit Liberleben und gedeihen kann.
Unsere Welt wäre kalt und einsam ohne die anderen Demokratien Europas,
ohne Japan, Australien, Neuseeland, Israel und die westliche Hemisphäre - Länder, mit denen wir große gemeinsame Zielsetzungen teilen. Zwischen uns besteht
ein besonderes Verhältnis, das nicht notwendigerweise auf einem gemeinsamen
Erbe basiert, sondern auf unserer Partnerschaft bei großen Vorhaben. Unsere
gegenwärtigen Grenzen sind nicht Grenzen der natürlichen Ressourcen, sondern
der Ideen und Eingebungen,
Das erste große Erfordernis ist die Wiederherstellung der Moral und des
Geistes des amerikanischen Volkes.
Es ist wieder an der Zeit, daß die Welt den Vorwärtsdrang und die pulsierende Antriebskraft eines dynamischen und zuversichtlichen Amerikas spürt.

- 17 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger: Solidarität der demokratischen Industriestaaten notwendig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Außenministers am 25. Juni 1976 vor dem Internationalen Institut für Strategische Studien in London -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die außenpolitische Konzeption Carters&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede am 23. Juni 1976 vor der Außenpolitischen Gesellschaft in New York&lt;/em&gt;</text>
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9

26. Mai 1976

Inhalt

INFORMATION:
Kein Pardon für Rauschgifthä'ndler
-Neue Botschaft Präsident Fords zum Problem "Drogenmißbrauch und
seine Bekämpfung"

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Internationales Abkommen zur Beobachtung der Ozonschicht
-USA, England und Frankreich beginnen Fünf-Jahres-Studie-

Keimfreie Blutkonserven

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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9/1976

KEIN PARDON FÜR RAUSCHGIFTHÄNDLER
-Neue Botschaft Präsident Fords zum Problem "Drogenmißbrauch und seine
Bekämpfung"-

--(AD)-- Mehr als 5 000 Menschenleben, Hunderttausende zerstörter Existenzen,
Überfälle, Diebstahl, Erpressung und Betrug - das ist derzeit der traurige
Jahrestribut für die neue Rauschgiftwelle in den Vereinigten Staaten. Der Verlust für die Volkswirtschaft wird auf 17 Milliarden Dollar im Jahr geschätzt.
Als sich Ende der sechziger Jahre erstmals die Öffentlichkeit des Problems bewußt wurde, handelte die amerikanische Bundesregierung rasch und energisch. Es wurden Sonderorganisationen wie das US-Bundesamt für Drogenüberwachung (Drug Enforcement Administration - DEA) und das Nationale Institut zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse) geschaffen,
über die diplomatischen Kanäle wurde versucht, weltweit den Rauschgifthandel
wirksam zu bekämpfen und zu unterbinden. Angesichts der Erfolge hatte es
Mitte 1973 den Anschein, als wäre der Wendepunkt erreicht. In heutiger Sicht
aber waren nur einzelne Schlachten gewonnen - der Krieg ging weiter. Anfang
1975 zeigte sich erneut ein Anstieg des Drogenkonsums. Bereits gewonnenes
Territorium ging wieder verloren.
In

- 1 -

�In der Botschaft zum Problem "Drogenmißbrauch und seine Bekämpfung", die
Präsident Ford Ende April 1976 dem US-Kongreß unterbreitete, kündigt der Präsident neue und aggressive Maßnahmen an, um den gegenwärtigen Trend wachsenden
Drogenkonsums in den Vereinigten Staaten zu brechen und ins Gegenteil zu
verkehren.
Die im "Weißbuch über Drogenmißbrauch" vom Jahre 1975 von der Drogenkommission gegebenen Empfehlungen bilden die Grundlage für eine weitere Intensivierung und Ausweitung der von der US-Regierung vorgesehenen Maßnahmen. Vor
allem den Rauschgifthändlern und Schmuggel ringen soll das verbrecherische
Handwerk gelegt werden. Es genüge nicht, wie Präsident Ford erklärte, diese
Leute dingfest zu machen, wenn sie anschließend von den Justizbehörden mit
Glacehandschuhen angefaßt würden.

Selbst notorische Händler würden nach der

Verhaftung gegen Kaution, deren Beschaffung ihnen nicht schwer falle, wieder
auf freien Fuß gesetzt. Eine Erhebung des US-Justizministeriums zeige, daß
jeder vierte des Heroinhandels überführte Verbrecher überhaupt keine Haftstrafe erhalte. Und wenn eine Verurteilung erfolge, betrage die Haftstrafe
bei jedem dritten weniger als drei Jahre. Selbst zu längerer Haft Verurteilte
könnten, wenn sie ein Drittel der Zeit abgesessen hätten, auf Bewährung entlassen werden.
Dieses Vorgehen, so erklärte Präsident Ford, sei gegenüber Kriminellen
nicht angebracht, die aus der Not der Menschen ihre Profite ziehen. Es sei
auch falsch gegenüber den Opfern des Rauschgifts, und es sei falsch vom
Standpunkt des amerikanischen Rechtswesens aus gesehen. Deshalb habe die Regierung dem US-Kongreß Gesetzesvorlagen unterbreitet, denen zufolge Personen,
die des Handels mit Heroin und ähnlichen Suchtstoffen überführt sind, zu
Haftstrafen verurteilt werden müssen. Für Ersttäter soll die Haftdauer mindestens drei Jahre, für Wiederholungstäter oder solche, die Rauschgift an
Jugendliche verkaufen, mindestens sechs Jahre betragen.
Präsident

�Präsident Ford hebt hervor, daß die neuen Vorschläge nicht au

Rachege-

lüsten geboren seien. Ihnen liege vielmehr das Bestreben und die Pflicht der
Regierung zugrunde, die Allgemeinheit vor solchen Schmarotzern zu schützen
und abschreckende Maßnahmen zu ergreifen. Diese sehen unter anderem vor,
keine Freilassung von Rauschgifthändlern mehr zu gewähren, wenn der Festgenommene bereits einschlägig vorbestraft ist, wenn eine Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, wenn er Ausländer ist, wenn bei ihm bei der Festnahme
ein falscher Paß gefunden wurde, wenn er aus Poliezigewahrsam oder dem Gefängnis flüchtet oder bereits früher wegen Flucht verurteilt wurde.
Die Bestimmungen über Leibesvisitationen und die Beschlagnahme von
Kraftfahrzeugen, Booten und Flugzeuoen, die zum Schmuggein von Suchtstoften
und Geldgewinnen von Rauschgifthändlern benutzt werden, durch den amerikanischen Zoll werden erheblich verschärft. Außerdem werden Meldefristen beim
Zoll für private Eigner kleiner Küstenboote drastisch verkürzt und Geldbußen
erhöht.

Synthetische Suchtstoffe
Als vordringlich bezeichnet Präsident Ford die Ratifizierung der Internationalen Konvention über nsychotrope Substanzen durch den US-Kongreß. Sie
wurde bereits 1971 zur Überwachung des internationalen Handels mit synthetischen,suchtgefährdenden Substanzen geschlossen - vor allem zur Überwachung von
Barbituraten, Amphetaminen und Tranquillantien. Durch den Mißbrauch von Präparaten auf der Basis dieser Substanzen entstand in den Vereinigten Staaten
bereits ein ähnlich schwerwiegendes Problem wie durch Heroin.

Straffung

- 3 -

�Straffung des Regierungsprogramms

Die Tätigkeit der zuständigen Abteilungen in sieben Bundesministerien
und 17 anderen Behörden, die in das Regierungsprogramm zur Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs eingeschaltet sind, soll besser koordiniert werden. Präsident
Ford setzte zu diesem Zweck zwei neue Kabinettsausschüsse ein: Der eine befaßt sich mit den Fragen des Rechtsvollzugs im Zusammenhang mit der Rauschgiftbekämpfung, der andere mit vorbeugenden Maßnahmen sowie der Therapie und
Rehabilitation bei Opfern des Drogenmißbrauchs.
Der letztgenannte Ausschuß, der unter dem Vorsitz des Bundesministers
für das r esundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen steht, wird sich besonders
darauf konzentrieren, mehr Möglichkeiten zur Wiedereingliederung Süchtiger
in das Berufs- und Arbeitsleben zu schaffen. Denn Behandlung allein ist erfahrungsgemäß nicht genug.

Vielmehr müssen die Lebensbedingungen, die das

Drogenopfer zur Flucht ins Rauschgift veranlaßten, grundlegend geändert werden. Andernfalls ist immer wieder mit einem Rückfall zu rechnen. Um den Bemühungen zum Erfolg zu verhelfen, ist nach Ansicht des Präsidenten auch eine
bessere Koordinierung der Maßnahmen solcher Stellen, die sich mit Vorbeugung
und Rehabilitation befassen, und jenen der Justiz erforderlich.
Auf internationaler Ebene werden die Anstrengungen zur Zusammenarbeit mit
anderen Regierungen auf der Basis der bisherigen Erfahrungen weiter verstärkt.
Die USA geben Beistand über die in einer Anzahl von Ländern stationierten
amerikanischen Fahndungsbeamten, die gemeinsam mit den einheimischen Behörden
gegen Händler-und Schmugglerringe vorgehen. Jedoch müsse der Auf - und Ausbau
von Institutionen und eines wirksamen Systems internationaler Verträge, die
den juristischen Rahmen für internationale Gegenschläge gegen die Rauschgiftkriminalität abgeben, beharrlich vorangetrieben und verbessert werden.

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INTERNATIONALES ABKOMMEN ZUR BEOBACHTUNG DER OZONSCHICHT
- USA, England und Frankreich beginnen Fünf-Jahres-Studie-

— ( A D ) — Die Sorge wegen möglicher schädlicher Auswirkungen von Flugzeugabgasen und anderen chemischen Stoffen auf die Stratosphäre veranlaßte die
Vereinigten Staaten, England und Frankreich, ein Fünf-Jahres-Abkommen zur
Beobachtung dieses Bereiches der irdischen Lufthülle, insbesondere der stratosphärischen Ozonschicht, abzuschließen. Es wurde Anfang Mai 1976 von Regierungsvertretern der drei Länder in Paris unterzeichnet.
Amerika, England und Frankreich wollen künftig alle einschlägigen Forschungsprojekte koordinieren und mit den für dieses Spezialgebiet zuständigen
internationalen Organisationen abstimmen. Denn der Verdacht ist begründet, daß
bestimmte chemische Verbindungen, die mit Verbrennungsprodukten und durch
andere Prozesse in die Atmosphäre gelangen, diese so stark zusätzlich belasten, daß die wegen ihrer Schutzwirkung unbedingt lebenswichtige Ozonschicht massiv angegriffen und "verdünnt" wird. Gegenüber aggressiven natürlichen Verbindungen hat sich im Laufe von Jahrmilliarden unter Mitwirkung
der Sonnenenergie eine Art Gleichgewicht für die atmosphärische Ozonkonzentration eingestellt. Die Ozonschicht wurde bisher ausreichend regeneriert.
Durch Abgase aller Art, durch die in aller Welt in großen Mengen verwendeten

-l -

�verwendeten Fluorkohlenwasserstoffe und den immer dichter werdenden Flugverkehr in immer größeren Höhen erwächst jedoch die Gefahr einer zu geringen Neubildung von Ozon. Häufung von Hautkrebs und Augenkrankheiten beim Menschen,
schwere Beeinträchtigung biologischer Prozesse bis hin zur Plantonproduktion
sowie Klimaveränderungen zählten aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Folgen.
•

Um Art und Größenordnung künstlich ausgelöster Veränderungen in der Lufthülle der Erde und die daraus erwachsenden Gefahren erkennen zu können, haben
bereits verschiedene Länder Forschungsprojekte in Angriff genommen. Das Dreierabkommen soll helfen, bereits laufende Untersuchungen, auch solche unter der
Regie der Vereinten Nationen sowie nationaler und internationaler regionaler
Wissenschaftsorganisationen, zu beschleunigen und zu unterstützen. Es fordert
vor allem die enge Zusammenarbeit mit der UN-Organisation für Meteorologie
(WMO)» dem UN-Umweltgremieum (UNEP) und der.Internationalen Organisation
für die Zivile.Luftfahrt. Man will mehr Möglichkeiten für die kontinuierliche
Beobachtung der Ozonschicht schaffen, die.Forschung in bezug auf biologische
und klimatische Auswirkungen einer Veränderung der Verhältnisse in der Stratosphäre intensivieren und die Frage klären, ob und in welcher Form internationale Richtlinien hinsichtlich höchstzulässiger Mengen und Bestandteile von
Flugzeugabgasen für die Zivilluftfahrt eingeführt werden müssen.
Die Regierungen der USA, Englands und Frankreichs werden darauf hinarbeiten, daß bessere Mittel und Wege gefunden werden, um mehr Meßdaten über die
stratosphärische Ozonschicht zu sammeln, die Auswertung von Meßprogrammen zu
beschleunigen und Analysenergebnisse so rasch wie möglich auszutauschen. Die
Vertragsparteien unterrichten einander über bereits laufende oder geplante
Forschungs- und Analysenprogramme und nutzen alle Chancen zur Durchführung
neuer, qemeinsamer Forschungsprojekte. Aufgrund von Erkenntnissen zu möglichen
Veränderungen der Ozonkonzentration in der Stratosphäre will man gemeinsam
Empfehlungen über die künftige Verbesserung des Meßstellennetzes ausarbeiten.
•

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�In den Vereinigten Staaten sind die Bundesluftfahrtbehörde (FAA - Federsl
Aviation Administration), die US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung
(NOAA - National Oceanic and Atmospheric Administration), die Weltraunbehörde
(NASA - National Aeronautic and Space Administration), das Verteidigungsministerium und die Umweltschutzbehörde EPA in die Fünf-Jahres-Studie eingeschaltet. Sie wurde auf Anregung des amerikanischen Verkehrsministers William
Coleman in Angriff genommen, als dieser im Februar 1976 entschied, das britisch-französische Überschau-Passagierflugzeug CONCORDE versuchsweise für
die Dauer von 16 Monaten zur Aufnahme eines begrenzten Liniendienstes nach
New York und Washington zuzulassen.

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KEIMFREIE BLUTKONSERVEN

--(AD)-- Raumflugkörper wie die amerikanischen VIKING-Sonden, die im Verlauf dieses Sommers auf dem Mars landen sollen, müssen zuvor aufs sorgfältigste keimfrei gemacht worden sein. Andernfalls besteht die Gefahr, daß sie
die Umgebung des Landeplatzes mit irdischen Organismen verseuchen. Mitarbeiter der US-Weltraumbehörde NASA entwickelten besondere Sterilisierverfahren,
die die Gewähr geben, daß einerseits vorhandene Keime abgetötet werden,
andererseits aber durch die dabei angewandten hohen Temperaturen keinerlei
Schäden an den empfindlichen Instrumenten entstehen können.
Auf dem im Jet Propulsion Laboratory (JPL-Institut für Strahlantriebe)
der Universität Kalifornien in Pasadena ständig weiter verbesserten Verfahren
beruht eine neue Methode, um Behälter und Verbindungsschläuche für das Aufbewahren und Umfüllen von Blutkonserven, die dazu wieder aufgetaut werden
müssen, absolut keimfrei zu machen. Die Schläuche bildeten bisher das
schwächste Glied in der Sterilisierkette. Das neue Verfahren erlaubt es jedoch, auch die Schläuche so stark zu erhitzen, daß eventuell bei der Montage
eingesickerte Keime mit Sicherheit abgetötet werden.
Die doppelwandigen Schläuche werden unter Hitzeeinwirkung verschweißt
und gleichzeitig sterilisiert. Ihr äußerer Teil und die flachen Anschlußstücke
bestehen aus einem gewöhnlichen Kunststoff, nämlich Plyvinylchlorid. Die

- l -

�Die Innenwandung, die direkt mit dem Blut in Berührung kommt, ist mit einer
speziellen, hitzebeständigen Auflage beschichtet., Sobald die Schläuche zusammengefügt sind, wird bei den Anschlußstücken mit der Wärmebehandlung (200
Grad C) begonnen. Durch das sofort einsetzende Verschweißen wird die Ausbreitung von Keimen verhindert. In den Schläuchen vorhandene Keime werden abgetötet, Das ganze Verfahren nimmt weniger als eine Minute in Anspruch.

X X X

�</text>
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Nummer 8

1 2 . Mai 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:

Kissinger umreißt Programm zur Lösung der Nord-Südprobleme
-Rede des US-Außenministers auf der Welthandelskonferenz am 6.Mai 1976-

INF0RMATI0N:
Mit Energie sparsamer wirtschaften
-US-Energiebehörde ERDA fordert Maßnahmen für rationelleren VerbrauchInternationale Verpackungs-Fachmesse in USA

HINTERGRUNDMATERIAL:
UN-Konferenz "Habitat"

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8/1976

KISSINGER UMREISST PROGRAMM ZUR LÖSUNG DER NORD-SÜDPROBLEME
- Rede des US-Außenministers auf der Welthandelskonferenz am 6. Mai 1976 -

NAIROBI --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger hat am
6. Mai vor der Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) in einer
wirtschaftspolitischen Grundsatzerklärung ein umfassendes Programm zur Lösung
der Nord-Südprobleme entwickelt. Der wohl wichtigste der amerikanischen Vorschläge sieht die Errichtung einer Internationalen Ressourcenbank (IRB) vor,
die mit einem Stammkapital von einer Milliarde Dollar ausgestattet und die
Förderung gesunder Ressourcenprojekte in den Entwicklungsländern zu für diese
tragbaren Bedingungen übernehmen soll. Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Delegierte, meine
Damen und Herren:
Wir sind hier zusammengekommen, um eines der wichtigsten Unterfangen in
der Geschichte voranzutreiben - es handelt sich um die Anstrengungen unabhängiger Länder zur Förderung der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung und
zur Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen auf der Erde. Unser Ziel
ist kein Geringeres, als ein System internationaler Zusammenarbeit zu gestalten, das von Bestand ist und allen Völkern Frieden und Wohlstand, gleiche
Möglichkeiten und Würde verheißt.
Die
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�Die Menschen haben sich ^

nach Frieden und e i n e r g e r e c h t e n Weltord.

nung gesehnt. In unserer Zeit sind diese beiden miteinander verflochtenen
Ziele zu einer realistischen Möglichkeit geworden. Ihre Verwirklichung fordert
von uns, daß wir Aufgaben bewältigen, deren Umfang das Vermögen einzelner
Länder übersteigt, deren Komplexität die Schlagworte und Lösungen der Vergangenheit Lügen straft und deren Tempo das der traditionellen Diplomatie
in den Schatten stellt.
Wir alle müssen uns mit dem zwingenden Gebot einer weltweiten Stabilität
befassen wie auch mit der Aufgabe, Konflikte beizulegen, Spannungen abzubauen
und dem Aufflackern eines neuen Imperialismus, neuer Unterdrückungen und
neuer Gefahren entgegenzutreten. Hier haben die Vereinigten Staaten gemeinsam
mit den übrigen Ländern eine schwere Verantwortung auf sich genommen.
Unsere positiven Bestrebungen gehen aber noch über das hinaus. Das amerikanische Volk ist ein humanes Volk. Wir wissen, daß Stabilität nicht genug
ist; der Friede muß die Menschen einem besseren Leben näher bringen. In der
Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, dem Dokument, das unsere
nationale Existenz begründete, heißt es, daß "alle Menschen gleich geschaffen sind" und daß sie ein Recht auf "Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück" haben. Diese Bestrebungen haben mich nach Nairobi geführt - um im Namen
von Präsident Ford und der amerikanischen Regierung diese große Sache, die wir
alle

gemeinsam verfolgen, zu fördern.
Im großen geschichtlichen Rahmen gesehen wird die Zukunft von Frieden und

Fortschritt möglicherweise ganz eindeutig dadurch bestimmt werden, wie wir
auf die Erfordernisse reagieren, die sich für uns durch unsere wirtschaftliche
Interdependenz zwingend ergeben. Dies ist die Aufgabe, deretwegen wir hier
zusammengekommen sind - die dringende Notwendigkeit, kooperative Lösungen für
die neuen globalen Probleme der Weltwirtschaft zu finden. Diese Fragen bestimmen die Thematik der sich entwickelnden Beziehungen zwischen Nord und
Süd, zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern.
- Es

�- Es handelt sich um Fragen wirtschaftlicher Natur - die Schaffung eines
wirksamen Systems für Handel, Währungsbeziehungen und Entwicklungshilfe und
um Maßnahmen, die sicherstellen, daß die Prosperität einiger Länder nicht auf
Kosten der übrigen geht.
- Es handelt sich um Fragen politischer Natur - wie die Länder sich zueinander verhalten und wie wir eine Weltordnung schaffen können, die dem Frieden dient.
- Es handelt sich um Fragen der Moral - die Erkenntnis, daß wirtschaftliche Macht nicht Recht schafft.
- Und es handelt sich um Fragen der Gerechtigkeit - die Einsicht, daß der
Wohlstand unserer Väter von einem internationalen System abhängig ist, das
für alle fair und offen ist.
Das moderne Zeitalter, unsere gemeinsame Moral und unsere ständigen Beteuerungen setzen die Achtung vor der Menschenwürde und die Entfaltung der
menschlichen Persönlichkeit voraus. Aber eine Welt, in der ungezählte Millionen weiter in Armut und Elend leben, würde diesen Forderungen Hohn sprechen.
Die Männer und Frauen wären tagtäglich vor die harte Notwendigkeit des bloßen
Überlebens gestellt; die ganze Kraft der Völker würde in Haß und Rivalität verbraucht werden. Wir müssen stattdessen eine Welt der Zusammenarbeit und immer
größerer Möglichkeiten für die Menschen errichten, die der grundlegenden Interdependenz unseres Schicksals Rechnung trägt.
Heute binden die immer schneller wirkenden Kräfte der Modernisierung
- technologische, wirtschaftliche, soziale und politische - die Völker der
Welt enger aneinander als jemals zuvor. Diese Kräfte können die Konflikte
verschärfen oder sie können uns noch nie dagewesene Möglichkeiten in die
Hand geben, um unsere gemeinsamen Ziele zu fördern. Alle Nationen sind Teil
eines weltweiten Wirtschaftssystems. Wenn dieses System blühen soll, dann
muß es auf der festen Grundlage von Sicherheit, Fairneß und gleichen Mög-

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�Möglichkeiten für alle, die sich an ihm beteiligen wollen - für Reiche und
Arme, für Nord und Süd, für Verbraucher und Erzeuger - basieren. Es muß die
Interessen aller wahrnehmen, wenn es von allen unterstützt werden soll. Präsident Ford hat mich mit dem Auftrag hierher gesandt, konstruktive und kooperative Beziehungen zwischen den Industriestaaten und Entwicklungsländern für
den Rest dieses Jahrhunderts zu schaffen.
Die UNCTAD- Ministertagung ist die erste ihrer Art, die in Afrika abgehalten wird. Dies ist besonders deshalb angebracht, weil die Bedeutung Afrikas
in der Weltpolitik ständig zunimmt. Und die afrikanischen Länder haben ein
besonders großes Interesse an einer erfolgreichen Konferenz, die zu konkreten
Fortschritten führt. Kein Kontinent war anfälliger für die weltweite wirtschaftliche Instabilität. Kein Kontinent hat so schwer darunter zu leiden,
wenn es aufgrund mangelnder Niederschläge zu Mißernten kommt. Kein Kontinent
hat größere Belastungen zu ertragen, wenn die Rohstoffpreise starken Schwankungen unterliegen. Und kein Kontinent hat mehr zu gewinnen von der organisierten Zusammenarbeit aller Länder, die den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt fördern und sicherstellen soll, daß die Entwicklungsländer bei den
wirtschaftlichen Planungen der Welt eine größere Rolle spielen.
i

Afrika ist ein Kontinent stolzer Traditionen und junger Nationen, wachsender Erwartungen und steigender Entschlossenheit angesichts einer wahrhaft
monumentalen Herausforderung. Hier kann - und in der Tat muß - gezeigt werden, daß Menschen aller Rassen und Hautfarben in Frieden mit gleichen Rechten
und unter gegenseitiger Achtung zusammen leben und zu Wohlstand gelangen können.
......

,

In den letzten beiden Wochen hatte ich die Ehre, Gast Afrikas sein und
mich der ungewöhnlich großzügigen Gastfreundschaft seiner Völker und seiner
Staatsmänner erfreuen zu dürfen. Ich habe aus meinen Gesprächen mit den
afrikanischen Staatsmännern großen Nutzen gezogen und ich habe vieles über die
Sorgen und Hoffnungen der Völker Afrikas gelernt. Die Nationen dieses Kontinents können zuversichtlich sein, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,mit

�mit ihnen in ihrem großen Kampf um Gerechtigkeit, wirtschaftlichen Fortschritt und Freiheit von ausländischer Intervention zusammenzuarbeiten.

Heute stehen wir alle in einem ganz besonderen Maße in der Schuld der
Republik Kenia und ihres in der ganzen Welt hochgeschätzten Führers, des Präsidenten Kenyatta, der diese herrliche Stadt als Konferenzort zur Verfügung gestellt hat. Die amerikanische Delegation ist nach Nairobi gekommen, um gemeinsam mit den Vertretern der anderen Nationen einen wichtigen Schritt vorwärts
in Richtung auf eine internationale Zusammenarbeit zu tun.

Wir treten in diese Konferenz in einem Augenblick großer Möglichkeiten
ein. Die Welt erholt sich gegenwärtig von einer schweren Rezession, mein eigenes Land vielleicht am raschesten. Die wachsende amerikanische Nachfrage nach
Erzeugnissen anderer Länder wird einen wesentlichen Beitrag zur Wiedererholung
überall auf der Welt leisten. Zahlreiche Hindernisse für ein stetiges Wirtschaftswachstum bestehen weiter; aber es gibt überzeugende Anzeichen dafür,
daß wir den schlimmsten Teil der Wirtschaftskrise Verstanden haben und daß
vor uns, wenn wir klug und energisch handeln, die Möglichkeit für eine neue
und lange Zeit des Wohlstandes liegt.

Daher ist dies vielleicht ein entscheidender Augenblick, der uns eine
kurze, aber ganz besondere Gelegenheit bietet, das internationale Wirtschaftssystem der Welt zu festigen und zu verbessern. Jetzt ist der Augenblick gekommen, um die Welt von den zersetzenden Zyklen von Hochkonjunktur und wirtschaftlichem Niedergang zu befreien und die Möglichkeiten für die Entwicklungsländer zu stärken.
Die Vereinigten Staaten könnten - besser fast als jedes andere Land eine Periode der Wirtschaftskriege überstehen. Wir können Konfrontationen und
rhetorischen Angriffen begegnen, falls andere Staaten sich, für diesen Weg entscheider, sollten.'Ind wir können unrealistische Vorschläge und ungerechtfertig-

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�ungerechtfertigte Forderungen ignorieren. Aber die sich jetzt bietende histori-*sche Gelegenheit würde uns entgleiten. Es liegt bei uns als den Sprechern der
Länder, die auf diesem Forum der Welt zusammengekommen sind, unbeeinflußt von
den Zweifeln und Versuchungen des Augenblicks die ständigen internationalen
Interessen von uns allen anzusprechen, Wenn wir dies tun, können wir Mut aus
der Erkenntnis schöpfen, daß die Mittel zur Verwirklichung einer schöneren Zukunft vorhanden sind. Es liegt im Bereich unserer Macht, eine Welt zu gestalten, in der alle Menschen in Würde leben und nach Fortschritt trachten können.
So wollen wir uns als Ziel dieser Konferenz und dieses Dialogs zwischen
Industriestaaten und Entwicklungsländern das Motto der Republik Kenia vor
Augen halten: "Harambee - arbeitet zusammen zum Wohle aller".
. . . .

t

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.

So wollen wir auf den positiven Ergebnissen der 7." Sondersitzung der UNVollversammlung im letzten September aufbauen. Auf dieser Tagung haben Industriestaaten und Entwicklungsländer in einer ermutigenden Demonstration der Übereinstimmung die ideologische Konfrontation beiseite geschoben, es als ihr gemeinsames Ziel erklärt, Fortschritte durch Kooperation zu erreichen, und
einen gemeinsam vereinbarten Aktionsplan verabschiedet.
Im Namen von Präsident Ford appelliere ich an diese Konferenz, die Anstrengungen zu beschleunigen und i'n dem kooperativen Geist von damals weiterzuarbeiten. Ich werde neue Vorschläge zu all den vorrangigen Anliegen dieser Konferenz unterbreiten, die dem Rechnung tragen, was wir von Ihren Vorstellungen
und Bestrebungen in der Mänila-Deklration und in anderen Foren - dies schließt
auch die Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Paris
ein - vernommen haben.
Diese Vorschläge sind ein Beitrag aller zuständigen Ämter und Behörden der
amerikanischen Regierung, die der Weisung des Präsidenten unterstehen. Ich habe
bei der Formulierung dieses-von uns vorgelegten Programms besonders eng mit
meinem Kollegen, Finanzminister Simon, zusammengearbeitet.
Die

�Die nachhaltige Unterstützung unseres Programms durch beide politische
Parteien ist darauf zurückzuführen, daß wochenlang enge Konsultationen zwischen der Exekutive und den beiden Häusern unseres Kongresses stattgefunden
haben. Dies wird auch dadurch demonstriert, daß zwei geschätzte Senatoren
an dieser Konferenz hier teilnehmen, die unsere beiden politischen Parteien
vertreten. Weitere Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses werden
hierherkommen, sobald unsere Arbeit voranschreitet.
Die Vereinigten Staaten versichern feierlich, daß sie sich voll und ganz
für eine Zusammenarbeit in den kommenden Jahrzehnten einsetzen werdpn und hierzu bereit sind. Wir tun dies in aller Aufgeschlossenheit. Wir wollen Ihre
Vorstellungen und Vorschläge hören. Wir sind hier, um Gedanken auszutauschen
und eine erneute Obereinstimmung zu erreichen.

Wo stehen wir mit unseren Anstrengungen?

Zunächst möchte ich einen Überblick über das geben, was unsere Länder gemeinsam seit dem September letzten Jahres erreicht haben:
- Wir haben auf der 7. Sondersitzung Maßnahmen vereinbart, die dazu beitragen sollen, eine grundlegende wirtschaftliche Sicherheit gegen Zyklen zu
gewährleisten, durch die unsere Exporterlöse ausgehöhlt und die wirtschaftliche Entwicklung untergraben werden könnten. Im Januar hat der Internationale
Währungsfonds (IWF) die von uns vorgeschlagene kompensierende Finanzierungsfazilitat aufgestockt, um mehrere Milliarden Dollar zur Stabilisierung der
Exporterlöse verfügbar zu machen.
- Im September hatten wir zugesagt, das Wirtschaftswachstum durch verbesserten Zugang für die Entwicklungsländer zu den Kapitalmärkten und zu neuen
Technologien zu beschleunigen. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten

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�Staaten, andere Industriestaaten und mehrere Erdölförderländer, damit begonnen, vermehrt Kapital, technologisches Wissen und Arbeitskräfte zur Förderung
der wirtschaftlichen Entwicklung bereit zu stellen,, Wir stehen gegenwärtig in
Verhandlungen über eine Erhöhung des Kapitals der Weltbank um 8 Milliarden
Dollar; wir werden unseren fairen Beitrag zu einer Aufstockung der Mittel der
Interamerikanischen Entwicklungsbank um 6 Milliarden Dollar leisten; wir werden einen Beitrag zur Aufstockung des Afrikanischen Entwicklungsfonds leisten;
wir beteiligen uns aktiv an den Gesprächen über eine Wiederauffüllung der Mittel des Asiatischen Entwicklungsfonds und der Asiatischen Entwicklungsbank.
•

•

- Auf der Sondersitzung ist die Völkergemeinschaft der Welt dafür eingetreten, Handel und Investitionen bei den wichtigsten Rohstoffen zu verbessern.
Bei verschiedenen wichtigen RohstoffProblemen sind bereits internationale Lösungen erreicht worden; so waren die Verhandlungen über Kaffee- und Zinnabkommen erfolgreich. Fortschritte sind ferner bei einer besseren Versorgung der
Welt mit ihrem wichtigsten Rohstoff - mit Nahrungsmitteln - erzielt worden.
- Und schließlich hat die Völkergemeinschaft der Welt auf der Sondersitzung
die Verpflichtung übernommen, den besonderen Erfordernissen der ärmsten Länder
zu entsprechen, die am stärksten unter der jüngsten Wirtschaftskrise zu leiden
hatten. Wir haben wesentliche Fortschritte bei der Bereitstellung finanzieller
und technischer Hilfe zur Steigerung der Lebensmittelerzeugung sowie bei der
Einführung neuer Verfahren erzielt, die zu einer Milderung der erdrückenden Zahlungsbilanzprobleme der ärmsten Staaten beitragen sollen»
Diese Erfolge sind lediglich der Anfang dieses Prozesses, Wir stehen dieses
Jahr in der Mitte der wohl umfassendsten Serie internationaler Verhandlungen
auf den Gebieten des Handels, der Finanzierung, der Rohstoffe und der Wirtschaftsentwicklung der Geschichte - bei diesen Verhandlungen sind mehr Länder
beteiligt, werden mehr Fragen angesprochen und von ihnen werden mehr Völker betroffen denn jemals zuvor in der Geschichte- Diese Konferenz hat eine wichtige
Rolle zu spielen. Im besonderer, können wir unsere Arbeit auf vier Schlüssel -

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�Schlüssel gebieten vorantreiben:
Erstens müssen wir erneute Anstrengungen bei den Rohstoffprob lernen unternehmen; dies schließt auch die Probleme der Investitionen bei und des Handels
mit Rohstoffen ein. Rohstoffe - Energie, Nahrungsmittel und andere Primärerzeugnisse - sind die Bausteine, auf denen Wachstum und Prosperität sich begründen. Für zahlreiche Länder bildet die Erschließung der Ressourcen den
Schlüssel zur Industrialisierung, zu höherer Beschäftigung, angemessenen Einkommen und gesunder Ernährung. Alle Länder brauchen eine ausreichende Versorgung mit Primärerzeugnissen und eine faire Kompensierung für ihre Erzeugung.
Die Lösung des Komplexes all dieser Fragen ist ein entscheidender Test dafür,
ob wir in der Lage sind, gemeinsam systematisch auf eine Steigerung des Wohlstandes der Welt zum Wohle aller hinzuarbeiten*
Zweitens müssen wir ein weitreichendes, langfristiges Programm zur Beschleunigung des technologischen Transfers entwickeln. Der Umfang der Kapitalinvestitionen an sich gewährleistet noch keine stetige wirtschaftliche Entwicklung. Es müssen genauso stetige Steigerungen der Produktivität erzielt
werden, die nur neue Technologien und ausgebildete einheimische Arbeitskräfte
bringen können. Umfassende Anstrengungen sind entscheidend wichtig: diese Frage verdient hohe Priorität und wird umfassende Anstrengungen erfordern.
Drittens müssen wir uns mit schwerwiegenden Zahlungsbilanz- und Schuldenproblemen befassen, denen sich eine Reihe von Entwicklungsländern gegenübersieht. Wachsende Importkosten, zum gr0-3ten Teil durch höhere ölpreise verursacht, und geringere Exporterlöse, die auf die Rezession in den Industriestaaten zurückzuführen sind, haben noch nie dagewesene Zahlungsbilanzprobleme geschaffen. Eine Besserung der Weltwirtschaftslage wird das Problem automatisch
für zahlreiche Länder mildern. Trotzdem müssen wir weiter nach Wegen suchen, wie
angesichts der besonderen Probleme bestimmter Entwicklungsländer geholfen werden kann.
Viertens

�Viertens müssen

w&gt; weiterhin den besonderen und dnnnenden Erfordernis-

sen der ärmsten Länder Rechnung tragen. Die Unterstützung dieser Länder wird
nicht nur zeigen, daß die Weltwirtschaft in der Lage ist, allen Ländern gleich
zu dienen; sie wird auch Ausdruck unseres kollektiven Verantwortungsbewußtseins sein.
Lassen Sie mich jetzt spezifische neue Wege vorschlagen, wie jedem dieser
vier Probleme begegnet werden kann:
Die Rohstoffexporte sind für die wirtschaftliche Entwicklung von entscheidender Wichtigkeit. Die Entwicklungsländer ohne eigene Ölvorkommen sind bei
ihren Exporterlösen fast zu zwei Dritteln auf Primärerzeugnisse angewiesen.
Produktion und Export dieser Rohstoffe werden jedoch durch die Launen des Wetters, die Fluktuationen der weltweiten Nachfrage sowie die neuen Technologien
beeinflußt. Die Zyklen von Verknappung und Überfluß, von zu geringer Investitionstätigkeit und Überkapazitäten wirken sich nachteilig auf die wirtschaftlichen Bedingungen in den Entwicklungsländern wie auch in den Industriestaaten
aus.
Es ist in den letzten Jahren klar geworden, daß ein schrittweises Anpacken
dieser Probleme nicht ausreicht. Das UNCTAD-Sekretariat hat mit seinem integrierten Rohstoffprogramm einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Probleme
geleistet. Die Vereinigten Staaten können zwar nicht alle seine Elemente akzeptieren, doch sind sie zu einer Erörterung zahlreicher Aspekte bereit.

Auf dieser Konferenz unterbreiten die Vereinigten Staaten einen eigenen
umfassenden Plan zur Lösung der Rohstoffprobleme. Er trägt zahlreichen Zielen
des integrierten Programms wie auch unserem Wunsch nach konstruktiven Maßnahmen
auf allen Bereichen dieser Herausforderung Rechnung. Der Plan enthält folgende
Punkte:

�- Er soll eine ausreichende Finanzierung der Erschließung von Ressourcen
und eine gerechte Beteiligung des Gastlandes an den Erträgen sicherstellen;
- er soll die Bedingungen für den Handel mit und Investitionen bei den
einzelnen Rohstoffen verbessern und bei zu starken Preisschwankungen mildernd
wirken;
- er soll die Gesamtexporterlöse der Entwicklungsländer stabilisieren;
- er soll den Entwicklungsländern einen verbesserten Zugang zu den Absatzmärkten für verarbeitete Erzeugnisse geben und gleichzeitig den Verbrauchern eine zuverlässige Belieferung gewährleisten.
Lassen Sie mich jetzt zu jedem dieser Punkte Stellung nehmen:

Ausreichende Investitionen
Der größte Teil der Gewinnung von Rohstoffen auf der Welt findet in der
Tat in den Industriestaaten statt. Wenn jedoch die wirtschaftliche Entwicklung voranschreiten soll, müssen besondere Anstrengungen zur Steigerung der
Gewinnung und des Exports von Primärerzeugnissen in den Entwicklungsländern gemacht werden. Ein solches Programm muß die folgenden Probleme lösen:
Erstens: wir müssen die politischen und wirtschaftlichen Probleme realistisch angehen,durch die Investitionen aus Entwicklungsländern in Industriestaaten abgeleitet werden. Paradoxerweise suchen gerade die Länder von einer
Erschließung von Ressourcen abzuraten, die ihrer am meisten bedürfen. Nationalisierung und erzwungene Veränderung der Konzessionsbedingungen in einigen
Entwicklungsländern haben das allgemeine Klima für Ressourceninvestitionen in
der unterentwickelten Welt verschlechtert. Soziale und politische Unsicherheit
haben die Aussichten für Investitionen weiter kompliziert. Infolgedessen sind
wirtschaftlich lebensfähige Projekte hinausgeschoben, aufgegeben oder andernorts durchgeführt worden. Kapital Überschüsse, Management und Technologie sind
für eine teurere Erschließung von Rohstoffen in der industrialisierten Welt
verwandt worden.

Zweitens:

�Zweitens: Schon im nächsten Jahrzehnt wird der weltweite Gesamtbedarf
an Investitionen zur Erschließung von Ressourcen gewaltig sein. Einzelne Projekte werden Kapital summen in bisher unbekannter Größenordnung und komplizierte.finanzielle Arrangements erfordern. Auch wird die Zeitspanne zwischen
dem Beginn eines Projekts und seiner Vollendung zwangsläufig immer größer.
Alle diese Faktoren vermehren die politischen Unsicherheiten und wirken sich
als weiteres Hemmnis für rationelle Investitionen aus.
Drittens: Es gibt keine Institution, die sich in umfassender Weise dafür
einsetzen kann, daß die Erschließung von Ressourcen - vor allem auf dem Gebiet der Energie und der Mineralien - erleichtert oder eine faire Beteiligung
an ihrer Nutznießung gefördert wird.
Wenn die derzeitigen Trends weiter anhalten, dann sind schwerwiegende
Fehlleitungen von Kapital, Management und Technologie unvermeidbar» Die Kosten
für Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte werden explodieren. Viele potentielle Produzenten werden nicht in der Lage sein, das erforderliche Kapital
zu erhalten. Alle Länder werden den Preis dafür in Form beschleunigter Inflation und verlangsamten Wachstum zahlen - wobei die ärmsten Länder am meisten
darunter zu leiden haben.
Um diese Probleme zu überwinden

schlagen die Vereinigten Staaten die Ein-

richtung einer Internationalen Ressourcenbank (IRB) vor. Diese neue Institution würde der Förderung einer rationelleren, systematischeren und faireren
Erschließung von Ressourcen in den Entwicklungsländern dienen. Sie würde die
technologische Entwicklung und die unternehmerische Ausbildung in den Entwicklungsländern erleichtern. Sie würde mithelfen, den Rohstoffbedarf sicherzustellen, damit die Expansion der Weltwirtschaft aufrechterhalten werden kann, und
sie würde zu einer Abschwächung der Fluktuationen bei den Grundstoffpreisen
beitragen.

�Die Internationale Ressourcenbank würde Kapital für gesunde Projekte zur
Erschließung von Ressourcen durch Unterstützung einzelner Ressourcenprojekte
mobilisieren, um eine Direktfinanzierung sicherzustellen, und sie würde Bonds
herausgeben, für die der betreffende Rohstoff als Sicherheit dienen könnte.
Eine Alternative wäre, daß die Bonds mit Lieferung eines bestimmten Rohstoffes
eingelöst würden. Rohstoff-Bonds dieser Art könnten die Bedingungen für Lieferung und Marktzugang wesentlich verbessern und den Entwicklungsländern bei
der Stabilisierung ihrer Exporterlöse helfen.
Um das Vertrauen sowohl der Gastregierungen als auch der Investoren zu
stärken, würde die Internationale Ressourcenbank ihre Tätigkeit mit einem Kapitalfonds von einer Milliarde Dollar beginnen. Sie würde zusammen mit den
ausländischen Investoren und den Gastregierungen an den Abkommen für die Projekte beteiligt sein, in denen die Bedingungen für die Investition auf einer
für alle Parteien akzeptablen Basis genau festgelegt werden. Ein solches Abkommen könnte eine Formel für die Aufteilung der Produktion sowie Zusagen des
Investors einschließen, bei der Entwicklung des Manager-, Technologie- und
Vertriebspotentials des Gastlandes zu helfen. Die Bank würde hinter der Garantie stehen, daß sowohl der Investor als auch das Gastland sich gemäß den Bedingungen verhalten, die in dem Projektabkommen festgelegt worden sind.
Um eine wirksame Koordinierung mit anderen öffentlichen Institutionen zu
gewährleisten, könnte die Internationale Ressourcenbank mit der Weltbankgruppe
assoziiert werden, und zwar in einer Form, die von den Mitgliedsstaaten festzulegen wäre. Sie könnte in enger Zusammenarbeit - und zwar weit wirksamer mit anderen Institutionen wie der Weltbank und der mit dieser assoziierten Internationalen Finanzierungsgesellschaft, der Interamerikanischen Entwicklungsbank wie auch mit dem Revolvingfonds der Vereinten Nationen für die Mineralexploration ihre Tätigkeit durchführen.
Der IRB-Vorschlag bietet zahlreiche Vorteile und neue Konzeptionen:
- Ihre

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�- Ihre Förderrolle als dritte Partei neben dem Gastland und dem ausländischen Investor würde Bedingungen für die Projektentwicklung schaffen,
die den international anerkannten Normen der Gleichberechtigung entsprechen.
- Das IRB-System gibt eine multilaterale Garantie dafür, daß sich sowohl das Gastland als auch der ausländische Investor so verhalten, wie dies
in dem Projektabkommen festgelegt worden ist - dadurch werden die nichtkommerziellen Risiken verringert. Dies muß praktisch zu einem verstärkten
Fluß von Investitionskapital für Ressourcenprojekte zu tragbaren Bedingungen
führen.
- Der Vorschlag sieht Vereinbarungen über die Aufteilung der Produktion
vor, die dem ausländischen Investor einen festen Prozentsatz der Gesamtproduktion zusichern,während

das Gastland die freie Verfügung über den Rest

hat. Das Gastland wird so von Anfang an an der Produktion beteiligt und verfügt
damit über eine Basis für die Weiterverarbeitung des Rohstoffes, sofern sich
dies als wirtschaftlich möglich erweisen sollte.
- Rohstoff-Bonds wären ein nützliches neues internationales Instrument,
um Vorauskäufe von Rohstoffen zu ermöglichen. Sie könnten zu einer Stabilisierung der Erlöse beitragen, und - unter bestimmten Bedingungen - zur Finanzierung von Ausgleichsbeständen. Sie würden dem Gastland zusätzlich Gewähr für
den Zugang zu den Märkten und dem Verbraucher für den Zugang zu den Rohstoffen geben.
- Schließlich würden über
lungsländer kommen. Die beiden
liche Entwicklung - Management
Investor direkt in einer neuen

die IRB moderne Technologien in die Entwickwichtigsten Voraussetzungen für eine wirtschaftund Technologie - werden von dem ausländischen
Form der Kapitalinvestition eingebracht. Das

tri-laterale Abkommen könnte Bestimmungen für einen schrittweisen Erwerb von
Technologien durch das Gastland einschließen und so wesentlich zu dem Prozeß
des technologischen Transfers beitragen.
Wir

�Wir betrachten die Internationale Ressourcenbank als eine grundsätzliche,
neuartige und bedeutsame Antwort auf die grundlegenden Erfordernisse der Entwicklungsländer und der internationalen Völkergemeinschaft. Sie stellt einen
bedeutenden Fortschritt dar bei der Aufteilung der Gewinne und der Verantwortungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern. Sie wird dazu beitragen, den erforderlichen Fluß von Kapital, Management und Technologien in
die Erschließung von Ressourcen unter Bedingungen sicherzustellen, die für
die Gastländer akzeptabel sind. Und sie wird die Möglichkeiten genauer Voraussagen stärken, die notwendig sind, um Investitionskapital anzuziehen. Wir
hoffen, daß andere Länder sich uns in den nächsten Monaten anschließen werden, um dieser weltweiten Institution Form zu geben und sie aufzubauen.

Bessere Bedingungen für Handel und Investitionen bei den einzelnen Rohstoffen

Wir sind alle mit den Problemen vertraut, denen die Weltwirtschaft auf
diesem Gebiet sich in den letzten Monaten gegenübersah. Innerhalb von nur
zwei Jahren folgte auf die angespannte Versorgungslage und die astronomischen
Preise bei zahlreichen wichtigen Rohstoffen eine Zeit nachgebender Preise. Zahlreiche Volkswirtschaften wurden schwer erschüttert und verschiedene Länder
mußten Zahlungsbilanzkrisen durchstehen. Drastische Preisänderungen treffen
die Entwicklungsländer besonders hart und führen zu einem Chaos bei ihren Devisenerlösen und Entwicklungsplänen. Und weil Projekte für die Gewinnung von
Rohstoffen Jahre für ihre Entwicklung brauchen und hohe Risiken einschließen,
führen schwankende Preise zu ungleichmäßigem Investitionsverhalten.
Es gibt verschiedene Wege zur Stärkung der Rohstoffmärkte - langfristige
Kontrakte, besserer Austausch von Marktinformationen, bessere Verteilung, wirksamere Produktionsverfahren sowie bessere Bevorratung und Transporteinrichtungen.
Wir

�Wir pflichten dem UNCTAD-Sekretariat bei, daß Ausgleichsvorräten besondere Beachtung geschenkt werden sollte. Bei den Rohstoffen, bei denen Ausgleichsvorräte möglich sind, lassen sich starke Preisschwankungen durch Anlegen von Vorräten in einer Zeit mildern, in der die Märkte schwach sind. Und
eine ausreichende Versorgung kann durch Freigabe von Vorräten sichergestellt
werden, wenn die Marktlage angespannt ist.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß Ausgleichsvorräte durch eine
Kombination von Mitteln finanziert werden können - direkte Beiträge der Teilnehmerländer; Exportsteuern;kommerzielle Anleihen, die durch die an den Ausgleichsvorräten beteiligten Länder garantiert werden,ode

über die bestehenden

Einrichtungen der internationalen Institutionen. Sollten sich die vorhandenen
Mittel als unzureichend erweisen, wären wir auch bereit, die IRB als zusätzliche Quelle für die Finanzierung eines bestimmten Ausgleichsvorratslagers in
Erwägung zu ziehen. Wir sind überzeugt, daß auf diese Weise eine ausreichende
internationale Finanzierung der Ausgleichsvorräte im Rahmen des jeweiligen
Rohstoffabkommens sichergestellt werden kann, unter dem die Vorräte angelegt
worden sind. Natürlich wollen die Vereinigten Staaten nicht, daß eine Ausgleichsbevorratung, für die wir eine Beteiligung zugesagt haben, mangels einer
ausreichenden Finanzierung nicht zustandekommt.

Die Vereinigten Staaten haben eine konstruktive Haltung zu anderen Aspekten des Rohstoffproblems eingenommen:
- Wir haben gemeinsam mit den Erzeugern und Verbrauchern der wichtigsten
Rohstoffe einer Vereinbarung über Maßnahmen zugestimmt, um die Märkte zu verbessern und zu stabilisieren.
- Wir haben bei Kaffee und bei Zinn Rohstoffabkommen unterzeichnet

und

wir werden uns an den Verhandlungen über Zucker beteiligen,, Wir meinen, daß sich
Kakao für ein Abkommen über Ausgleichsvorräte gut eignet. Wir sind jedoch über
das vor einigen Monaten ausgehandelte Abkommen enttäuscht, das unseres Erach-

�Erachtens kaum zu einem besseren Funktionieren der Kakao-Märkte beitragen
wird. Falls andere Parteien interessiert sind, so stehen wir für neue Verhandlungen über dieses Abkommen bereit.
- Die Vereinigten Staaten haben kürzlich an der ersten Zusammenkunft der
Erzeuger und Verbraucher von Kupfer teilgenommen. Wir hoffen auf die Einsetzung einer ständigen Erzeuger-Verbrauchergruppe.
- Die landwirtschaftlichen Rohstoffe bedürfen ebenfalls eingehender Beachtung. Denen, die von einem Rückgang an Absatzmärkten aufgrund wachsenden
Wettbewerbs durch Erzeuger, die zu niedrigeren Kosten produzieren, und durch
synthetische Produkte bedroht werden, kann durch Marktförderung, Forschung,
Steigerung der Produktivität und bessere Vermarktung oder Ausweichen auf andere Erzeugnisse geholfen werden. Wir empfehlen, daß die Erzeuger-Verbrauchergremien, die sich mit den einzelnen Rohstoffen befassen, ihr Augenmerk auf
solche Möglichkeiten richten. Wir fordern, daß die Weltbank und die regionalen
Entwicklungsbanken der Finanzierung von Projekten für solche Zwecke hohe Priorität einräumen.
Heute schlagen die Vereinigten Staaten folgende zusätzliche Maßnahmen
vor:
- Erstens: Wir wollen ein Abkommen über einen festen Zeitplan zur Untersuchung der spezifischen Rohstoffprobleme, die für die Entwicklungsländer von
Interesse sind, erreichen. Wir sind bereit, gemeinsame Beratungen in diesem
Jahr mit den Erzeuger-Verbrauchergremien über Maßnahmen aufzunehmen, um Stabilität, Wachstum und Funktionsfähigkeit der Absatzmärkte für alle wichtigen
Rohstoffexporte aus den Entwicklungsländern zu verbessern. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Einsetzung solcher Gruppen für Bauxit und für Eisenerz gegeben werden.
- Zweitens:

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�Zweitens: Da viele der ärmsten Länder bei ihren Exporterlösen von diesen Erzeugnissen abhängig sind, fordern wir, daß Weltbank und regionale Institutionen Projekte zur Verbesserung der Produktionseinrichtungen und der
Absatzmärkte für Jute, Sisal und andere Hartfasern fördern - oder daß sie ein
Ausweichen auf andere Erzeugnisse erleichtern, so daß diese Länder nicht
mehr in so hohem Maße von diesen Produkten abhängig sind.
- Schließlich sollte jedes Programm zur Erschließung von Ressourcen die
beiden wichtigsten internationalen Ressourcen - Nahrungsmittel und Energie herausstellen.
Voraussagen über gute Ernten dürfen uns nicht dazu verführen, daß wir
den auf der Welternährungskonferenz begonnenen Fortschritt uns wieder entgleiten lassen. Auf dieser Konferenz haben die Länder beschlossen, auf ein
System internationaler Getreidereserven hinzuarbeiten, um die Sicherstenung
der Ernährung besser gewährleisten zu können. Sie haben ferner vereinbart,
die landwirtschaftliche Forschung stärker zu unterstützen, Programme zur Verbesserung der Ernährung zu entwickeln und die Entwicklung der Landwirtschaft
in Ländern mit Niedrigeinkommen zu verstärken.
Wir rufen die anderen Länder auf, gemeinsam mit uns darauf hinzuarbeiten,
damit die Konzeption internationaler Lebensmittelreserven verwirklicht wird,
die Unterstützung der Entwicklung der Landwirtschaft in

den ärmeren Ländern

zu verstärken und die erforderliche Nahrungsmittelhilfe zu gewähren.
Auf dem Energiesektor unterstützen wir nachdrücklich die Bemühungen der
Erdölerzeuger und -Verbraucher sowohl aus den Industriestaaten als auch aus
den Entwicklungsländern,auf der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit gemeinsame Lösungen zu erreichen. Wir fordern, uaß unser Vorschlag für ein Internationales Energieinstitut - das den Entwicklungsländern
helfen würde, ihre einheimischen Energiequellen vermehrt zu nutzen - in den
kommenden Monaten mit Vorrang behandelt wird.
Stabilisierung

�Stabilisierung der Exporterlöse der Entwicklungsländer

Auf der 7. Sondersitzung haben die Vereinigten Staaten betont, daß die
Notwendigkeit, den Entwicklungsländern wirtschaftliche Sicherheit zu geben,
für sie oberste Priorität hat. Wir sind weiterhin der Auffassung, daß das
Wirtschaftssystem der Welt den Entwicklungsländern größere Sicherheit vor
den schlimmen Auswirkungen schwankender Preise, einer Rezession, Inflation
oder anderer Wirtschaftskrisen geben muß, die sie nicht verhindern oder denen
sie nicht ausweichen können.
Wir begrüßen die schnelle Verwirklichung unserer Vorschläge auf der
Sondersitzung für eine weitgehende Erweiterung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese Neufestsetzungen machen Milliarden Dollar für neue Finanzierungen frei, um starke Rückgänge bei den Exporterlösen auszugleichen. Der
wohl wichtigste Schritt voran war die Zusage des IWF, seine kompensierende
Finanzierungsfazilität zu liberalisieren. Bis jetzt sind aus dieser verbesserten Fazilität rund 800 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt worden. Wenn
diese Rate anhält, wird von dieser Fazilität in diesem Jahr mehr Geld ausgeliehen worden sein als in den letzten 12 Jahren insgesamt zur Verfügung gestellt wurde.
Ein weiterer wichtiger Fortschritt war die Errichtung eines IWF-Treuhandfonds, um den ärmsten Ländern zu helfen, den Zahlungsbilanzerfordernissen zu entsprechen. Obwohl zahlreiche Entwicklungsländer beträchtliche
Zuwendungen von der kompensierenden Finanzierungsfazilität erhalten haben,
benötigen die Länder mit Niedrigeinkommen, deren Exporteinnahmen von einem
oder zwei Rohstoffen abhängig sind, oftmals zusätzliche finanzielle Hilfe, um
ihre Zahlungsbilanzprobleme lösen zu können. Um diesen ärmsten Ländern zu
helfen, haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß der Treuhandfonds
den ärmeren Ländern eine konzessionelle Finanzierung gewährt, um Erlösrückgänge bei einer vereinbarten Liste besonders wichtiger Rohstoffe auszugleichen.
Weiter

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�Weiter wären die Vereinigten Staaten bereit, gemeinsam mit anderen nach
Wegen zu suchen, um die Mittel des Treuhandfonds aufzufüllen, falls sie sich
für die Stabilisierung der Erlöse der Entwicklungsländer mit Niedrigeinkommen
als unzureichend erweisen sollten. Wir fordern besonders die ölerzeugerlander
mit starken Reserven auf, zu dem Kreditpotential des Treuhandfonds beizutragen.

Ausweitung des Handels mit Ressourcen und weiterverarbeiteten Erzeugnissen
Handel ist für alle Länder ein Motor des Wachstums gewesen; für zahlreiche Entwicklungsländer ist er das wohl wichtigste Mittel zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Die Vereinigten Staaten haben eine Reihe von Initiativen zur Deckung des besonderen Kapitalbedarfs der Entwicklungsländer ergriffen. Wir haben die weltweiten Handelsschranken abgebaut, vor allem die
für weiterverarbeitete Erzeugnisse; wir haben zahlreichen Exporten aus den
Entwicklungsländern bevorzugt Zugang zu unserem Markt gewährt; wir haben bei
den multilateralen Handelsverhandlungen in Genf auf einen Abbau der Handelsschranken für tropische Erzeugnisse hingearbeitet und wir haben in unserer Handelspolitik generell den besonderen Handelsbedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung getragen.
Wir stehen jetzt vor folgenden Aufgaben:
- Wir müssen das Tempo beim Abbau der internationalen Handelsschranken
beibehalten.
- Wir müssen unser Augenmerk ganz besonders auf den Abbau der Handelsschranken für weiterverarbeitete Erzeugnisse konzentrieren, die die Industrialisierungsbemühungen der Entwicklungsländer verzögern.
- Wir brauchen zusätzliche internationale Vereinbarungen, um die Zuverlässigkeit der Versorgung zu gewährleisten, denn ein stetiger Fluß von neuen
Rohstoffen ist für jedes Land entscheidend wichtig.

.._

�Um das Tempo beim Abbau der Handelsschranken beizubehalten, haben die
Industriestaaten der OECD, trotz der Belastungen ihrer Volkswirtschaften
durch die gestiegenen Energiekosten und die Rezession, feierlich zugesagt,
restriktive Handelsmaßnahmen zu unterlassen. Die Vereinigten Staaten werden
gemeinsam mit den anderen Industriestaaten auf der nächsten OECD-Ministertagung im Juni diese feierliche Zusage erneuern.
Darüber hinaus werden wir bei den gegenwärtig in Genf stattfindenden multilateralen Handelsverhandlungen den Interessen der Entwicklungsländer besondere Aufmerksamkeit widmen, vor allem auf Gebieten wie dem Export von weiterverarbeiteten Erzeugnissen, tropischen Erzeugnissen und nicht-tarifären Handelsschranken.
Die Einführung eines allgemeinen Präferenzsystems (GSP) durch die Vereinigten Staaten hat im Verein mit den Präferenzsystemen der anderen Industriestaaten den Entwicklungsländern bedeutsame Handelschancen eröffnet. Unser
eigenes Präferenzsystem erstreckt sich bereits auf über 2 700 Handelsartikel
aus fast hundert Ländern. Der jährliche Handelswert dieser Produkte liegt bei
ungefähr 2,5 Milliarden Dollar. Wir prüfen die Möglichkeit einer Aufnahme weiterer Produkte in dieses System.

Die Vereinigten Staaten gewähren dem UN-Entwicklungsprogramm zur Finanzierung eines gemeinsamen GATT/UNCTAD-Programms für technische Hilfe an die
Entwicklungsländer vorrangige Unterstützung. Das Programm wird diesen Ländern
helfen, die sich ihnen mit den Präferenzssystemen der Industriestaaten bietenden Vorteile dadurch voll auszuschöpfen, daß sie die produktivsten Gebiete
für neue und vermehrte Exporte herausfinden sowie die besten Techniken für den
Verkauf ihrer Produkte in Anwendung bringen können.
Außerdem werden zur Zeit im MTN intensive Verhandlungen über die Frage
der Zölle bei solchen tropischen Produkten, einschließlich der weiterverarbeiteten Produkte und Fertigerzeugnisse, geführt, die für die Entwicklungsländer
von besonderem Interesse sind. Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, auf

- 21 -

�auf diesem Gebiet so bald wie möglich zu vereinbarten Zollsenkungen zu gelangen, nachdem über den Gesamtkomplex der tropischen Produkte Einigung erzielt worden ist.
Die Vereinigten Staaten sind im Einklang mit der Deklaration von Tokio
der Überzeugung, daß die MTN-Verhandlungen über Bestimmungen für die nichttarifären Zoll-und Handelsschranken den Erfordernissen

der Entw4ck1«ngslander

größere Beachtung schenken müssen. So glauben die Vereinigter Staaten beispielsweise, daß ein Kodex über die Anwendung von Ausgleichszöllen bei Exportsubventionen die besonderen Bedingungen berücksichtigen sollte, denen
sich die Entwicklungsländer gegenübersehen. Wir werden darauf dringen, daß
die besonderen Erfordernisse der Entwicklungsländer in Rechnung gestellt werden, wenn neue internationale Regeln über Ausgleichsmaßnahmen aufgestellt werden.
Was die neuen Bestimmungen über Sicherheitsmaßnahmen bei Importschäden
anbetrifft, so werden wir für die Entwicklungsländer, die nur geringe Mengen
exportieren oder als neue Partner zum amerikanischen Markt finden, eine Sonbehandlung in Erwägung ziehen.

Wir sind uns auch darüber im klaren, daß Entwicklungsländer noch an anderen Reformen des Handelssystems interessiert sind, die derzeit nicht zur Verhandlung stehen. Wir werden auf die von ihnen vertretenen Ansichten mit aller
Aufgeschlossenheit eingehen. Wir sind zuversichtlich, daß bei gutem Willen auf
allen Seiten ein konstruktives Abkommen über spezielle Reformprobleme innerhalb des zeitlichen Rahmens der multilateralen Handelsverhandlungen erreicht
werden kann.

Die Senkung der Zölle für den Export von weiterverarbeiteten Rohstoffen
aus den Entwicklungsländern ist besonders wichtig. Ein Abbau dieser Zollschranken würde neue Möglichkeiten für eine Ausweitung und Diversifizierung
des Exports schaffen, vor allem dort, wo die derzeitigen Zölle entsprechend

�entsprechend dem Grad der Weiterverarbeitung sprungartig in die Höhe schnellen. Dementsprechend wird der Vorschlag zu einer Zoll Senkung, den die Vereinigten Staaten bei den MTN gemacht haben, nicht nur zu einer erheblichen Reduzierung der Zölle führen, sondern auch eine Eskalation des Zolls abbremsen.
Wir glauben, daß die Entwicklungsländer hierin einen Anreiz zu einer positiven Zusammenarbeit bei den derzeitigen Verhandlungen sehen werden.

Wenn ein offenerer Zugang zu den Märkten die eine Säule eines expandierenden internationalen Handelssystems ist, so ist die größere Sicherheit und
Zuverlässigkeit bei der Rohstoffversorgung die andere. Ohne angemessene Zusicherungen seitens der Erzeugerländer, nicht willkürlich störend in die Exporte einzugreifen, müßten sich die Importländer nach anderen Lieferquellen
umsehen. Die Verbraucher würden dann die Kosten einer weniger effizienten
Produktion, die unzuverlässigen Produzenten aber die Kosten für verlorene
Märkte und verringerte ausländische Investitionen zu tragen haben.
Es besteht ein dringendes Bedürfnis für eine Analyse der Methoden zur
Verbesserung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Rohstofflieferungen. Wir
fordern nachdrücklich, daß im GATT unverzüglich mit Untersuchungen begonnen
wird, die feststellen sollen, ob ein internationaler Kodex über Exportkontrollen durchführbar ist. Ein solcher Kodex sollte in klarerer Form die Umstände
definieren, unter denen Länder legitimerweise Exportkontrollen zur Anwendung
bringen können. Dies würde die Unsicherheiten für die Verbraacher und für die
Exporteure reduzieren und es würde den politischen Schaden in den Beziehungen
zwischen den Ländern etwas verringern, wenn den Exporten Restriktionen auferlegt werden.
Die Vereinigten Staaten werden sich weiterhin um bindende Zusagen für
eine zuverlässige Belieferung mit Rohstoffen im Rahmen der spezifischen Abkommen bemühen, die für einzelne Rohstoffe ausgehandelt sind.
Herr

- 23 -

�Herr Präsident, hochverehrte Delegierte, dieses Vier-Punkte-Programm
- eine neue Internationale Ressourcenbank; Bemühungen,

'VÖli Fall zu Fall die

Bedingungen für Handel und Investitionen bei Primärerzeugnissen zu verbessern;
Stabilisierung der Exporterlöse und verbesserte Markt-und Lieferungsbedingungen - dieses Programm erkennt an, daß diese Fragen mvceinander zusammenhängen;
es erlaubt jedoch eine pragmatische und flexible Behandlung spezifischer Probleme. Der von mir beschriebene Weg ist ein von den Vereinigten Staaten unternommener großangelegter Versuch, mit den RohstoffProblemen auf umfassender
Basis fertig zu werden. Er ist praktisch durchführbar und realisierbar; es ist
ein Programm, das den Erfordernissen von Entwicklungsländern und Industriestaaten in gleichem Maße gerecht wird. Wir bitten um günstige Aufnahme unserer Vorschläge und rasche gemeinsame Maßnahmen.

Technologie für die Entwicklung
i

•

i*"

Lassen Sie mich auf ein anderes Gebiet von großer Bedeutung zu sprechen
kommen: die Anwendung der Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung.
Die Technologie ist der wesentliche Kern des Entwicklungsprozesses; sie
ermöglicht es dem Menschen, seine Horizonte über den bloßen Kampf um die Erhaltung der Existenz auszuweiten. Die Technologie holt aus den begrenzten
Ressourcen unseres Erdballs das Äußerste heraus, Sie spannt die Intelligenz
des Menschen und die Kräfte der Natur ein, um die menschlichen Bedürfnisse
zu befriedigen.'
Seit zwei Jahrhunderten hat der technische Fortschritt das Fundament für
rasches industrielles Wachstum abgegeben. Eine zentrale Aufgabe unserer Zeit
ist es, die Segnungen der Technologie aller Ländern zugänglich zu machen
Es gibt eine Reihe von Hindernissen, die einem raschen und wirksamen
Transfer von Technologie aus den Industriestaaten in die Entwicklungsländer
im Wege stehen.
Erstens,

- 24 -

�Erstens, in vielen Fällen dürfte die Technologie aus den Industriestaaten nicht den wirklichen Erfordernissen der Entwicklungsländer entsprechen.
Ganz allgemein besteht die Aufgabe nicht in der Übertragung einer getreuen
Kopie der bestehenden Technologie, sondern in der Entwicklung einer neuen Technologie und neuer technologischer Institutionen, die den Bedingungen der einzelnen Entwicklungsländer besser entsprechen.
Zweitens, den Entwicklungsländern fehlt es oft an entsprechenden Informationen und der Sachkunde, um die Technologie zu bestimmen, die ihren Erfordernissen am besten gerecht wird.
Drittens, oft besteht ein Mangel an ausgebildetem Personal, das gebraucht
wird, um die Technologie auszuwählen, anzupassen und wirksam in Betrieb zu
halten.
Viertens, Technologie läßt sich oft nicht von Kapital und Management
trennen. Daher ist sie eines der Elemente des gesamten Investitionsprozesses.
Um erfolgreich zu sein, muß die Technologie innerhalb reines Rahmens der Regierungspolitik angewandt werden, der den Prozeß des technologischen Transfers erleichtert und fördert.
Die Aufgabe besteht daher nicht einfach darin, Formeln oder Konstruktionspläne zu übergeben. Wir müssen nach einer umfassenderen Methode vorgehen, die
uns einen weiten Bereich von Programmen und Anreizen an die Hand gibt, um
beides, Technologie und das fundamentale Wissen und Können, zu übertragen, damit es Wurzel schlagen und sich wirksam entfalten kann.
Um dies zu unterstützen und zu fördern schlagen die Vereinigten Staaten
vor, nach einem Fünf-Punkte-Konzept vorzugehen:
Erstens, um die Technologie den Erfordernissen der Entwicklungsländer anzupassen, treten die Vereinigten Staaten dafür ein, ein Netz von Forschungsund Entwicklungsinstitutionen auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene
- 25 -

�Ebene einzurichten. Wir müssen die globalen Forschungskapazitäten für die Entwicklung und zur Erweiterung der Zusammenarbeit zwischen den Regierungen
stärken.
Daher unterbreiten wir folgende Vorschläge:
- Es sollte ein internationales Industrialisierungsinstitut zur Förderung
von Forschung und Entwicklung industrieller Technologien, die sich für Entwicklungsländer eignen, geschaffen werden. Eine Konferenz der Gründer, die
alle interessierten Länder einschließt, sollte spätestens im Herbst dieses
Jahres abgehalten werden.
- Die Energiekommission der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit sollte ein internationales Energieinstitut errichten, das die
Energieforschung und die Anwendung energiebezogener Technologien entsprechend
den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer fördern sollte.
Wir sollten das bestehende Netz für angewandte Forschung auf den Gebieten
der Landwirtschaft, des Gesundheitswesens und der Ausbildung ausweiten. Die
Schaffung neuer Institutionen muß von Maßnahmen begleitet sein, die den Prozeß des technologischen Transfers unterstützen. Zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern schlagen die Vereinigten Staaten neue Programme auf drei Gebieten der fortgeschrittenen Wissenschaften vor, auf denen wir wesentliche Beiträge an Wissen und Erfahrungen leisten
können;
bei der Satellitentechnologie
bei der Erschließung der Wasserressourcen und
bei der Meerestechnologie.
- Die Satellitentechnologie ist als Instrument der wirtschaftlichen Entwicklung ganz besonders vielversprechend. Hochempfindliche Satellitensonden
können zur Ortung von Ressourcen, zur Erntevoraussage und zur verbesserten
Landnutzung in den Entwicklungsländern eingesetzt werden. Sie können dazu bei•

- 26 -

�beitragen, Naturkatastrophen vorherzusagen und zu analysieren. Moderne Kommunikationstechnologien, unter Einschluß von Satelliten, bieten ein großes,
noch nicht ausgeschöpftes Potential zur Verbesserung des Schulwesens, der
Ausbildung, des Gesundheitswesens, der Nahrungsmittelerzeugung sowie anderer
für die wirtschaftliche Entwicklung notwendiger Projekte.
Daher werden die Vereinigten Staaten von Juli bis Oktober dieses Jahres
für interessierte Entwicklungsländer Vorführungen über die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten veranstalten, die der experimentelle ATS-6 Kommunikationssatellit,

die Landsat-Satellitensonde und Satellitenkameras mit Hoch-

leistungsoptik für die wirtschaftliche Entwicklung bieten. Wir sind bereit,
mit den Entwicklungsländern bei der Einrichtung von Zentren, der Ausbildung
von Personal und, wo möglich, der Ausrichtung unserer zivilen Satellitenprogramme auf ihre Erfordernisse zusammenzuarbeiten.
- Die Vereinigten Staaten werden eine führende Rolle bei der Anwendung
der technologischen ERkenntnisse auf dem Gebiet der Wasserressourcen für
Aufgaben wie die Verbesserung von Qualität und Produktivität der Landwirtschaft
sowie die Entwicklung neuer Industrien übernehmen. Wir werden uns aktiv an
der Wasserkonferenz der Vereinten Nationen, die im März kommenden Jahres
stattfinden soll, beteiligen und Programme zur Weitergabe unseres Wissens
und unserer Erfahrungen vorlegen.
- Die erforderlichen Technologien für die Erschließung der Ressourcen
im Meeresboden, für das Fischereiwesen sowie die Nutzbarmachung des riesigen
Potentials der Ozeane werden gegenwärtig rasch entwickelt. Die Vereinigten
Staaten haben wesentliche Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt.
Wir beabsichtigen, Wissenschaftler, Manager und Techniker aus den verschiedenen Ländern zur Teilnahme an unseren wissenschaftlichen Projekten einzuladen. Und wir unterstützen nachdrücklich die Bestimmungen des Seerechtsabkommens, die Anreize für die Weitergabe der Tiefseetechnologie bieten, soweit diese den Erfordernissen eines Entwicklungslandes entsprechen.
- Schließlich
- 27 -

�- Schließlich besteht ein dringender Bedarf für die Entwicklung von
Verfahren, um die Technologie zur Verbesserung der fundamentalen Existenz der
A^men anzuwenden. Die Vereinigten Staaten verstärken gegenwärtig die technische Komponente ihrer Entwicklungsprogramme, um die Grundnahrungsmittel, Gesundheitsdienst und Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
Das zweite Element unseres Programmes ist die Verbesserung von Umfang
und Qualität der technologischen Informationen, die den Entwicklungsländern
zugänglich gemacht werden, sowie die bessere Auswahl der Technologien entsprechend ihrem Bedarf. Wir unterstützen die Bemühungen des internationalen Zentrums für den Austausch technologischer Informationen der Vereinten Nationen,
umfassende Informationen über Potential und Einrichtungen der nationalen und
regionalen Informationsdienste zu sammeln. Die Vereinigten Staaten ihrerseits
werden ihre nationalen technologischen Informationsquellen inventarisieren
und den Entwicklungsländern sowie der UN-Zentrale Berater und andere Dienstleistungen zur Verfugung stellen, um ihnen einen besseren Zugang zu unseren nationalen Informationseinrichtungen zu gewähren. Dies schließt die Nationale
Medizinische Bibliothek, die Abteilung Wissenschaftliche Informationen der
Amerikanischen Stiftung der Wissenschaften, die Nationale Landwirtschaftsbibliothek sowie den Smithsonian Informationsdienst ein„
Die Vereinigten Staaten unterstützen ferner den vorgeschlagenen UNCTADBeratungsdienst, der die Entwicklungsländer besser in die Lage versetzen soll,
die für ihren Bedarf am besten geeigneten Technologien festzustellen, auszuwählen und zu erwerben. Wir unterstützen die Konzeption eines unter de»"
UNCTAD arbeitenden regionalen Beratungsdienstes. Der für den technologischen
Bedarf bestimmter Gebiete und Länder Unternehmen und Ressourcen bereit stellen soll. Diese regionalen Zentren könnten als Leitstelle für die Aktivitäten
anderer Programme und Institutionen zur Nutzbarmachung von Technologie für
die Entwicklungsländer dienen.
Drittens

�Drittens schlagen die Vereinigten Staaten zur Heranbildung neuer Generationen von Technologen und technologischen Managern vorrangige Anstrengungen
für die Ausbildung von Personen vor, die für den Bedarf der Entwicklungsländer
geeignete Technologien entwickeln, abgrenzen und anwenden können. Hierzu
Folgendes:
- Die Ausbildung kompetenter Manager künftiger Technologien sollte Hauptziel des vorgeschlagenen internationalen Industrialisierungsinstituts und
des Internationalen Energieinstituts sein.
- Die Vereinigten Staaten ihrerseits werden Universitäten, Forschungsinstitute und Ausbildungsschulen der Industrie in den Vereinigten Staaten ermutigen, besondere Institute und Studienpläne für die technologische Ausbildung
in den Entwicklungsländern einzurichten; wir werden ihre Schwesterinstitutionen in den Entwicklungsländern unterstützen. Wir laden andere Industriestaaten ein, sich uns bei diesen Bemühungen anzuschließen.
- Schließlich schlagen die Vereinigten Staaten die Entwicklung geeigneter Anreize und Maßnahmen vor, um die Abwanderung hochspezialisierter Arbeitskräfte aus den Entwicklungsländern zu unterbinden. Denn wenn die ausgebildeten
Technologiemanager ihre Heimatländer verlassen, so haben die Entwicklungsländer
keinen Nutzen mehr von ihnen„
In diesem Zusammenhang wird die amerikanische Regierung die Bildung eines
technologischen Korps fördern, das, was Organisation und Tätigkeit anbetrifft,
unserem Verwaltungskorps entsprechen wird. Es wird sich hier um eine private,
gemeinnützige Organisation handeln, zu der Wirtschaftsunternehmen und Universitäten hochspezialisierte Fachkräfte abstellen würden, die über besondere Erfahrungen in der Leitung wissenschaftlicher und technischer Programme verfügen. Sie werden mit den einheimischen Arbeitskräften bei bestimmten Entwicklungsprojekten zusammenarbeiten und an ihrer Ausbildung mitwirken.
Das

- 29-

�Das vierte Element unserer Initiative betrifft den Prozeß des Transfers
vorhandener Technologien, der wirksamer und gerechter werden soll.
In den Industriestaaten sind neue Technologien in erster Linie im privaten Wirtschaftssektor anzutreffen. Private Unternehmen sind am ehesten in der
Lage, Management, Technologie und Kapital als zusammengehöriges Ganzes zur
Verfügung zu stellen. Um diesen Beitrag zu ermöglichen, müssen Industriestaaten wie auch Entwicklungsländer ein für einen technologischen Transfer förderliches Klima schaffen,, Die Vereinigten Staaten empfehlen die Entwicklung
freiwilliger Richtlinien, die die Bedingungen und Normen des technologischen
Transfers festlegen und die einen ordnungsgemäßen Transfer von Technologien
ermutigen, erleichtern und optimal gestalten sollen.
Die vorgeschlagene Internationale Ressourcenbank bietet ebenfalls Möglichkeiten, die Fähigkeit der Entwicklungsländer auf dem Gebiet des technologischen Managements zu stärken und dadurch den technologischen Transfer zu
fördern. In dem tri-lateralen Abkommen zwischen dem Gastland und der Internationalen Ressourcenbank würde der ausländische Investor in der Regel Management und Technologie zur Verfügung stellen. Das Investmentprojekt könnte im
beiderseitigen Einvernehmen die Verpflichtung für einen schrittweisen Transfer eines Teiles der Technologie an das Gastland nach Auslaufen des Abkommens
einschließen und das Entwicklungsland so schneller in die Lage setzen, solche
Technologien selbst zu verwalten.
Der Fluß von Technologien in die Kanäle des Welthandels kann durch restriktive Praktiken umgeleitet werden. Einige Praktiken könnten den technologischen Transfer direkt einengen; darüber hinaus könnten dort, wo ein technologischer Transfer erfolgte, restriktive Bestimmungen für den Handel mit
technologischen SpezialProdukten die Vorteile dieses Transfers für andere begrenzen. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die internationale Aufmerksamkeit auf den gesamten Bereich dieser Praktiken gelenkt wird

mit dem

Ziel ihres Abbaus oder ihrer Beseitigung.
Das

�Das fünfte Element des amerikanischen Programms ist die Festsetzung von
Zielen, die vor und während der jetzt für das Jahr 1979 vorgeschlagenen Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung erreicht werden sollen. Die Vereinigten Staaten unterstützen nachdrücklich diese Konferenz und ihre Ziele. Die Vorbereitungen
für diese Konferenz bieten den Industriestaaten wie auch den Entwicklungsländern eine große Chance, ihre Verantwortung für die Weitergabe und Anwendung
von Technologien zu überprüfen.
Zur Beschleunigung unserer Vorbereitungen werden die Vereinigten Staaten
im kommenden Jahr auf einer nationalen Konferenz unsere besten Wissenschaftler
aus Universitäten, Stiftungen und Privatunternehmen zusammenbringen. Ihre
Aufgabe wird es sein, den weiten Rahmen der technologischen Fragen zu erörtern,
die für die Entwicklungsländer von Interesse sind. Man wird sie bitten, zur
Mobilisierung der amerikanischen Ressourcen beizutragen, um den Entwicklungsländern bei der Deckung ihres Forschungsbedarfs zu helfen. Man wird sie ermutigen, detaillierte amerikanische Vorschläge für die von mir erwähnten Konferenzen und Institute auszuarbeiten.
Wir empfehlen ferner, daß die OECD-Länder vordringlich die Möglichkeiten
eines größeren Beitrages aller Industriestaaten prüfen, um die Probleme des
technologischen Transfers zu lösen.

Dieses fünf Punkte-Programm verkörpert die umfassendsten Anstrengungen,
die von den Vereinigten Staaten jemals unternommen wurden, um die Aufgabe zu
meistern, die Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung nutzbar zu
machen. Wir hoffen, daß die UNCTAD-Konferenz diese Initiativen ernsthaft
prüft. Wir bitten um Ihre Ideen und Vorschläge. Durch gemeinsames Vorgehen
können wir dafür sorgen, daß unser technologisches Zeitalter die Lebensqualität aller Völker in einer Weise verbessern wird, wie sie frühere Generationen
sich niemals erträumt haben.
Zahlungsbilanzen
- 31 -

�Zahlungsbilanzen und Schuldenproblemr

Die weitgehend durch die höheren ölpreise verursachten steigenden Importkosten und die aufgrund der Rezession in den Industriestaaten zurückgegangenen
Exporterlöse haben noch nie dagewesene internationale Zahlungsbilanzschwierigkeiten ausgelöst. Obwohl eine weltweite wirtschaftliche Wiedererholung eingesetzt hat, werden sich zahlreiche Länder in diesem Jahr hartnäckigen Defiziten
gegenübersehen.
Es müssen große institutionelle Anstrengungen unternommen werden, wenn
diese Länder ernste Rückschläge bei ihren Importen und daraus resultierende
Rückgänge ihres Wirtschaftswachstums vermeiden sollen. Folgende drei Gebiete
sind hier vorrangig:
- Wir müssen sicherstellen, daß der Fluß von Geldern für Entwicklungsprojekte weder verringert noch aufgrund kurzfristiger wirtschaftlicher Probleme
abgeleitet wird. Darüber hinaus muß die langfristige Finanzierung erhöht und
ihre Qualität verbessert werden.
- Wir müssen die privaten Märkte in die Lage versetzen, weiterhin eine
wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Entwicklungskapital zu spielen. Denn
für zahlreiche Länder ist der Fluß privaten Kapitals die Hauptquelle für die
Entwicklungsfinanzierung und wird es auch weiterhin sein.
- Wir müssen darauf achten, daß die Binnenwirtschaftspolitik aller Länder
gesund ist. Sie darf nicht einen ungebührlichen Druck auf die Zahlungsbilanzpositionen ausüben, indem unnötig Schulden angehäuft werden. Wir müssen den
Ländern besondere Aufmerksamkeit schenken, die nicht in der Lage sind, kritische Schuldenprobleme zu vermeiden.
Erstens: Der Fluß von Ressourcen. Die ungeheuren Anstrengungen, die seit
der 7. Sondersitzung gemacht worden sind, um eine ausreichende Zahlungsbilanz-

�Zahlungsbilanzfinanzierung für die Entwicklungsländer sicherzustellen, haben
uns sehr ermutigt. Besonders wichtig war die Ausweitung der Kreditfazilitäten
des Internationalen Währungsfonds. Diese Anstrengungen sollten mit sicherstellen, daß eine ausreichende Zahlungsbilanzfinanzierung auf einer kumulierenden Basis für die Entwicklungsländer zur Verfügung steht.
Krisenkredite können jedoch kein Ersatz für eine wirksame und qualitativ
hochwertige Auslandshilfe sein. Obwohl der größte Teil der Auslandshilfe der
Vereinigten Staaten und der anderen Geberländer zu äußerst entgegenkommenden
Bedingungen gewährt wird, kann noch viel zur Verbesserung der Qualität des
Flusses an Ressourcen getan werden. In vielen Fällen wird die Wirkung der
Hilfe in bezug auf Finanzierung und Entwicklung durch ihre Bedingungen eingeschränkt: ein Beispiel ist die Bindung der Hilfe «n nn schaffungskäufe im Geberland, die ihren Wert herabsetzen kann. Die Vereinigten Staaten werden daher den OECD-Entwicklungshilfeausschuß auffordern, Vereinbarungen für die
gegenseitige Aufhebung von Bindungen der Entwicklungshilfeauszuarbeiten.
Zweitens: Privatkapital. Bei zahlreichen Entwicklungsländern, vor allem
solchen, die sich mitten in ihrem Industrialisierungsprozeß befinden, wird der
Hauptteil des Entwicklungskapitals von privaten Stellen zur Verfügung gestellt.
Von den 35 Milliarden Dollar an Zahlungsbilanzdefiziten der nichl CT produzierenden Entwicklungsländer war fast die Hälfte über private Kapitalflüsse
finanziert worden. Ohne diesen Beitrag wären die Folgen dieses Mammutdefizits
nicht mehr zu bewältigen gewesen. Der IWF/IBRD Entwicklungsausschuß prüft geT
genwärtig ein weites
eld von Maßnahmen, um sicherzustellen, daß die internationalen Kapitalmärkte weiterhin großzügig dem Bedarf der Entwicklungsländer
entsprechen.
Weiter sind die Verhandlungen über die Wiederauffüllung der Mittel der
Internationalen Finanzierungsgesellschaft (IFC), die wir auf der 7. Sondersitzung vorgeschlagen hatten, wesentlich vorangekommen. Die IFC prüft derzeit
aktiv den amerikanischen Vorschlag für einen internationalen Investmenttrust,
der Portfolio-Kapital für Investitionen in einheimischen Unternehmen mobili-

- 33 "

�mobilisieren soll. Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Bemühungen
nachdrücklich.
Drittens: Schuldenprobleme. Zahlreiche Länder müssen bei der Finanzierung ihrer Defizite zu kurzfristigen Kapital aufnahmen im Ausland schreiten.
Die Belastung durch die Schuldenbedienung wächst; verschiedene Länder haben
ernste Schwierigkeiten, ihren Schuldenverpflichtungen nachzukommen.
Eine allgemeine Umschul düng ist nicht die Lösung. Dadurch würde die Kreditwürdigkeit der Kreditnehmerländer auf den privaten Kapitalmärkten untergraben. Durch Bindung der Schuldenfinanzierung werden die wesentlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern verwischt und wird verhindert, daß die
am meisten bedürftigen Länder entsprechend berücksichtigt werden. Das wäre
auch nicht fair gegenüber den Ländern, die einschneidende politische Maßnahmen zum Abbau ihrer Verpflichtungen ergriffen haben.
Das Schuldenproblem muß in Relation zu der spezifischen Position und
dem spezifischen Bedarf jeden einzelnen Landes gesehen werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, den Ländern, die am meisten unter

Schuldenbedie-

nungsproblemen zu leiden haben, durch dem jeweiligen Fall angemessene Maßnahmen zu helfen. Die Verfahren müssen für den Geldgeber und für den Schuldner
in gleicher Weise annehmbar sein. Ein Kreditorenklub könnte ein flexibles Instrument für Verhandlungen sein.
Zur Stärkung des Rahmens für die Verhandlungen zwischen Debitoren und
Kreditoren haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß die Schaffung
eines geeigneten Gremiums vereinbart wird, das die Probleme bei akuten Finanzierungs-und Schuldenbedienungsschwierigkeiten auf Seiten der Entwicklungsländer prüfen soll. Es sollte seine Empfehlungen noch in diesem Jahr vorlegen.
Die

34 -

�Die ärmsten Länder
Die Bedürfnisse vieler Entwicklungsländer sind groß; die besonderen Bedürfnisse der ärmsten Länder aber sind gewaltig. Diese Konferenz hat eine
kollektive moralische Verantwortung, auf diese Herausforderung zu reagieren.
Wir müssen erhebliche Anstrengungen auf die Verbesserung der Programme für
die ärmsten Länder verwenden und dort, wo dies notwendig ist, neue Programme
aufstellen, weil die ärmsten Länder ohne ausreichende Hilfe zu fortgesetzter
Armut und Hilflosigkeit verurteilt wären. Wir müssen den Zustrom von Ressourcen verstärken, die Bedingungen hierfür verbessern und qualitativ mehr bieten.
Die Hilfe muß zu günstigeren Bedingungen gewährt werden, weil die ärmsten
Länder per definitionem nicht in der Lage sind, den Schuldendienst zu
leisten, es sei denn, man räumt ihnen äußerst günstige Sonderbedingungen
ein.
Der Zustrom von Ressourcen nach den ärmsten Ländern muß von den Restriktionen bezüglich der Lieferquelle und der Finanzierung örtlicher Kosten befreit werden, die die Planung von Projekten verzerren, Ressourcen vergeuden
und eine übermäßige Verwendung importierter Ausrüstungen verursachen.
Der IWF-Treuhandfonds, der nunmehr errichtet wird, dürfte die unmittelbaren Zahlungsbilanzprobleme der ärmsten Länder erheblich lindern.
Bei längerfristiger Betrachtung ist eine beträchtliche Aufstockung der
Mittel der Internationalen Entwicklungsgesellschaft eine dringende Notwendigkeit. Die Vereinigten Staaten werden ihrer Verpflichtung gegenüber dieser
wichtigen Quelle zur Vergabe von Hilfe wie immer nachkommen. Wir erwarten
großzügige Unterstützung dieser wichtigen Institution auch von Seiten der
OPEC-Länder.
Somit haben die Vereinigten Staaten bereits eine Reihe von Schritten
unternommen, die Hilfsbedürftigsten unter den Ländern zu unterstützen. Wir
werden noch mehr tun:
- Um
- 35-

�- Um den dringendsten Bedürfnissen der Sahel-Region Genüge zu tun, beteiligen wir uns aktiv an den

Beratungen des Club des

Amis du Sahel. Darüber

hinaus haben wir vorgeschlagen, umgehend eine Studie über die Methoden anzustrengen, nicht nur der Dürre entgegenzuwirken, sondern die Wasserknappheit
durch Mobilisierung der Wasser der großen afrikanischen Ströme zu beseitigen,
um die Hilfe nicht zu verewigen, sondern grundlegende Reformen einzuleiten.
- Der amerikanische Kongreß hat bereits einen Beitrag von bis zu 200
Millionen Dollar für den Internationalen Fond zur Entwicklung der Landwirtschaft bereitgestellt; wir warten nunmehr auf die Bevollmächtigtenkonferenz,
die für Juni zur Unterzeichnung dieser Vereinbarung einberufen wurde; und
wir fordern andere Länder dringend auf, ihrerseits einen großzügigen Beitrag
zu leisten, damit das Ziel, die Aufbietung von 1 Milliarde Dollar, erreicht
wird.
- Wir haben im Rahmen unseres Auslandshilfegesetzes die Befugnis erhalten, alle örtlichen Kosten für Hilfsprojekte in den am wenigsten weit entwickelten Ländern zu finanzieren, sofern dies für ihren Erfolg notwendig ist.
- 70 Prozent unserer bilateralen Entwicklungshilfe sind nunmehr für Länder mit einem Bruttosozialprodukt von 300 Dollar pro Kopf oder weniger "3serviert. Was die Länder angeht, deren Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt unter 500
Dollar liegt, setzen wir uns nachdrücklich für den Vorschlag ein, ihren Anteil an den nichtrückzahlbaren Zuschüssen aus dem Entwicklungsprogramm der
Vereinten Nationen auf über 80 Prozent zu erhöhen. Ein Drittel hiervon wiederum
sollte den am geringsten entwickelten Länder innerhalb dieser Kategorie zugutekommen.
- Wir verpflichten uns, unsere Anstrengungen zur Entwicklung integrierter Systeme für die wichtigsten kommunalen Gesundheitsdienste zu verstärken.
Hierzu gehören ärztliche Betreuung, Familienplanung, Informationen über richtige Ernährung sowie der Einsatz örtlich ausgebildeter medizinischer Hilfskräfte.
- Auf

�-

Auf der Seerechtskonferenz, die gegenwärtig in New York stattfindet,

haben die Vereinigten Staaten einen detaillierten Vorschlag unterbreitet, demzufolge Einkünfte aus dem Abbau von Lagerstätten der Tiefsee und aus der Ausbeutung anderer Meeresressourcen unter der Völkergemeinschaft - unter der besonderen Berücksichtigung der ärmsten Länder - aufgeteilt werden sollen.
Das sind erhebliche Anstrengungen. Sie müssen jedoch auch von einer Verbesserung der Bedingungen der bilateralen Hilfe für die ärmsten Länder begleitet sein. Zu diesem Zweck schlagen die Vereinigten Staaten vor, daß sich
alle Geberländer darauf einigen, die gesamte Entwicklungshilfe an die relativ
am wenigsten fortgeschrittenen Länder auf der UNCTAD-Liste in der Form von Zur
Schüssen zu gewähren.
Die amerikanische Regierung wird den Kongreß um die Vollmacht ersuchen,
die gesamte Entwicklungshilfe an die ärmsten Länder auf dieser Basis gewähren
zu dürfen. Sie besitzt bereits die Vollmacht, einen Teil der Rückzahlungsverbindlichkeiten aus unseren Krediten gemäß Public Law 480 unter gewissen Bedingungen in nichtrückzahlbare Zuschüsse umzuwandeln. Zusammen werden diese
beiden Schritte den Anteil solcher Zuschüsse an unseren bilateralen Hilfsprogrammen

merklich steigern.

Menschliches Leid und menschliche Not sind keine Fragen der Ideologie
oder der Blockpolitik. Sie berühren die elementaren Bedürfnisse des Menschen
und die grundlegenden Gebote universeller moralischer Werte. Wir dürfen hier
nicht versäumen, unsere Pflicht zu tun.

Schlußfolgerungen:

- 37-

�Schlußfolgerungen

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Delegierte: Wirtschaftliche Entwicklung ist eine Aufgabe mit vielen Dimensionen. Wie unterschiedliche Standpunkte wir untereinander auch immer einnehmen mögen, die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß eine Reihe von Schlußfolgerungen
klar hervorgetreten sind:
- Entwicklung ist ein Unterfangen, dessen Anstrengungen zu gegenseitiger
Stärkung führen. Die Unterscheidung zwischen entwickelten und in Entwicklung
begriffenen Ländern ist nicht permanent.
Entwickelte Länder gedeihen dann am sichersten und machen dann die größten Fortschritte, wenn die internationale Wirtschaft kräftig und stetig
wächst. Wenn die Vereinigten Staaten sehen, wie sich andere Länder entwickeln
und industrialisieren, fühlen sie sich in ihrem Vertrauen in das Weltwirtschaftssystem und in die eigene wirtschaftliche Zukunft bestärkt. Anhaltendes
Wachstum und anhaltende Entwicklung machen es notwendig, daß wir kooperativ
zusammenarbeiten.
Entwicklung erfordert gemeinsame Verantwortung. Die internationale Zusammenarbeit kann nicht einseitig sein. Die Stärke der Industriestaaten muß als
ein Treuhandgut zum Fortschritt aller angesehen werden; die Entwicklungsländer
schaden sich selbst, wenn sie diese Stärke durch künstliche Verknappungen,
Kartelle, Embargos oder willkürliche Enteignungen schwächen. Gleichzeitig
haben die Industriestaaten eine Verpflichtung, alles zu tun, was in ihren
Kräften steht, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Unsere
diesbezüglichen Anstrengungen müssen die Sorgen und die Beiträge aller Länder
berücksichtigen: der Industriestaaten wie auch der Entwicklungsländer, der
Erzeuger- wie der Verbraucherländer, der Länder in Ost und West, der Länder
in Nord und Süd.
Entwicklung

- 38 -

�Entwicklung ist ein Prozeß des ''andels und der Neuerung. Er muß nicht
nur einer sich rasch verändernden Technologie Rechnung tragen, sondern auch
der Evolution politischer Auffassungen. Die alten Beziehungen von Geber- und
Empfängerländer werden von den Empfängern in zunehmendem Maße als paterna1 istisch und anachronistisch empfunden;

sie können auch einigen Ländern,die

seit langer Zeit als Geber fungieren, als eine einseitige Last erscheinen.
Wir müssen einen neuen Geist der Zusammenarbeit erwecken, der sich auf
der Selbstachtung und der souveränen Gleichheit aller Nationen gründet. Jedes
Land muß seinen Weg zur wirtschaftlichen Entwicklung finden, der es ihm gestattet, seine Selbstachtuno und seine Identität, seine Kultur und seine
ideologischen Neigungen beizubehalten. Wirtschaftliche Entwicklung als solche aber ist keine Funktion der Ideologie - sie muß vielmehr praktische Lösungen und den Geist der internationalen Zusammenarbeit in sich vereinen. Sie
erwächst nicht aus Doktrinen der Konfrontation und nicht aus der Ausbeutung
der Verzweiflung.
Entwicklung ist ein menschliches Unterfangen. Es sind die Tüchtigkeit
und die Anstrengungen von Individuen, die die Entwicklung zu einer Realität
machen, und sie sind es auch, die ihre eigentlichen Nutznießer sind. Unser
erstes Ziel ist die Gewährleistung eines Minimums an den Lebensnotwendigkeiten - Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf - und die Beseitigung
von menschlichem Leid und von Monotonie, von Krankheiten mit bleibenden Schäden, von Unwissenheit und von erzwungener Knechtschaft durch Dritte. Somit
muß die Entwicklung über das reine überleben hinausgreifen und Chancen für
Bildung, größere persönliche Freiheit und die Würde und Selbstachtung des
Individuums schaffen. Schließlich muß die Entwicklung auch die Qualität des
Lebens erfassen: die Würde des Individuums, seine persönliche Freiheit und
die Gleichheit der Chancen aller ohne Ansehen von Rasse, Religion, Geschlecht
oder politischer Überzeugung.
Herr

- 39 -

�Herr Präsident, die Größe der vor uns liegenden Aufgaben wird ein bisher
unbekanntes Maß an internationaler Zusammenarbeit erforderlich machen. Keine
Nation kann für sich allein mit den gegebenen Schwierigkeiten fertig werden
- und nur gemeinsam können alle Nationen meistern, was als eine unausweichliche weltweite Herausforderung historischen Ausmaßes zu betrachten ist.
Wir sehen uns jedoch nicht mit einem Übermaß an negativen Vorzeichen und
auch nicht mit unüberwindlichen Hindernissen konfrontiert. Es steht in unserer
Macht, in unserer Generation ein Maß an wirtschaftlichem Fortschritt zu erreichen, das ohnegleichen in der gesamten Erfahrung der Menschheit da steht.
Noch in jedem Zeitalter haben Männer und Frauen größere Prosperität und
mehr Gerechtigkeit und Würde angestrebt. Dennoch gab es in der Vergangenheit
immer wieder Rückschläge: die Geschichte verzeichnet ein Übermaß an Not und
Verzweiflung.

Unser Zeitalter ist das erste, in dem wir die Wahl haben, es

anders zu machen. Und wir müssen diese Wahl treffen.

Sofern wir Erfolg haben, wird man sich dieses Jahrzehnts als eines Wendepunktes in der wirtschaftlichen und politischen Evolution des Menschen erinnern.
Die neuen Institutionen und Mechanismen, die wir schaffen, könnten als die Bausteine der internationalen Zusammenarbeit angesehen werden, die das Gemeinschaftsgefühl der Welt gestärkt haben. Die sich hieraus für den Weltfrieden
und für die wirtschaftliche Zusammenarbeit ergebenden Implikationen sind gewaltig.
Die Vereinigten Staaten gehen von der Überzeugung aus, daß Moral und praktische Interessen in dieselbe Richtung weisen, nämlich in die Richtung auf
ein von Hingabebereitschaft diktiertes gemeinschaftliches Unterfangen.
Wenn man uns in kooperativem und realistischem Geiste entgegenkommt, sind
wir bereit, unsere nationalen Kapazitäten zur Unterstützung einer historischen
Ausweitung der Wirtschaft und Entwicklung auf der gesamten Welt anzubieten.
Somi t
•

- 40 -

i

—

—

�Somit wollen wir mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Laßt uns dieser
Aufgabe die Priorität eines mit allen Mitteln der Außenpolitik anzustrebendes
Zieles einräumen. Laßt uns über der Sache stehen, aber gleichzeitig wollen wir
uns davor hüten, daß unser Streben nach dem Ideal die Verwirklichung des
tatsächlich Erreichbaren blockiert. Laßt uns zu einer Einigung über praktische Schritte kommen, die das Los unserer Mitmenschen verbessern. Wir schulden
unserem Volk Taten, nicht Schlagworte; Ergebnisse, nicht schöne Reden.
Die Vereinigten Staaten strecken jenen die Hand entgegen, die mit uns den
Weg in eine menschlichere und reichere Zukunft einschlagen wollen. Wir müssen
diesen Weg gemeinsam gehen, und wir müssen auf dieser Konferenz einen weiteren
Schritt auf ihm gehen.
Ich danke Ihnen.

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8/1976

MIT ENERGIE SPARSAMER WIRTSCHAFTEN
US-Energiebehörde ERDA fordert Maßnahmen für rationelleren Verbrauch

- (AD) - Wichtiger als alle kurzfristigen Programme, die die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Importöl verringern sollen, ist nach Ansicht von ERDA-Chef Dr. Robert Seamans die rationellere und sparsame Verwendung von Energie. Unter diesem Gesichtspunkt wurde der Nationale Energieplan, den die amerikanische Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA
Ende Juni 1975 veröffentlichte, noch einmal überarbeitet und teilweise revidiert. Die neue Fassung liegt nunmehr dem US-Kongreß zur Stellungnahme vor.
Industrie, Bauwesen, Verkehrswesen sowie Produktion und Verbrauch von
elektrischem Strom seien, wie Dr. Seamans auf einer Pressekonferenz in
Washington erklärte, die wichtigsten Sektoren für ein wirksames Sparprogramm,
das schon in den nächsten fünf Jahren den öl bedarf um ca. 140 000 Tonnen pro
Tag, bis zum Jahr 2000 sogar um 1,4 Millionen Tonnen täglich, reduzieren
könnte.

Bei der Neuorientierung der kurzfristigen Programme ergäben sich wei-

tere Vorteile dadurch, daß die Umweltbelastung und der Kapitalbedarf geringer
wären und die Technologien, die schon in kurzer Zeit Energie einsparen helfen
könnten, nicht erst neu entwickelt werden müssen.

Somit würden für das kurz-

fristige Programm auch weniger Staatsgelder benötigt.

Der ERDA-Plan hebt im

einzelnen hervor:
Industrie

-1 -

�Industrie - Diese verbraucht gegenwärtig 40 Prozent der gesamten amerikanischen Energieproduktion.

Der Nutzeffekt des Energieverbrauchs könnte aber

um mehr als 30 Prozent erhöht werden, wenn der Anwendungsbereich bestimmter
Technologien erweitert würde.

Darunter fällt in erster Linie die Anwendung

von Wärmepumpen zur Reduzierung des Verbrauchs an Primärenergie, von Turbogeneratoren zur Stromerzeugung aus der Abwärme von Aluminium- und Glasschmelzöfen,
Methoden der Übertragung und der Speicherung von Wärmeenergie für Versorgungssysteme innerhalb der Industrie, Hochtemperatur-Isolierung sowie der Einsatz
von Rekuperatoren und Regeneratoren zur Speicherung von Abwärme.
Der Energieverbrauch der Industrie könnte auf diese Weise so rationell
gestaltet werden, daß bis 1985 Einsparungen möglich würden, die 250 000 bis
400 000 Tonnen öl pro Tag entsprächen.
Bauwesen - Energie im Äquivalent von weiteren 400 000 Tonnen öl pro Tag
könnten durch Schalenbauweise und verbesserte Isolierung, Ventilation, Heizund Klimatechnik sowie eine effektivere Müll Verwertung bis zum Jahr 1985 eingespart werden.

Gegenwärtig beanspruchen in den USA kommerzielle Bauten und

Wohnbauten allein schon 28 Prozent der Energieproduktion.
Verkehrswesen - 31 Prozent der gesamten amerikanischen Energieproduktion
werden 1m Transport- und Verkehrswesen verbraucht.

Auch auf diesem Sektor

wären bis 1985 Einsparungen in der Größenordnung von 72 000 - 100 000 Tonnen
öl/Tag möglich, wenn z.B. durch spezielle Blechverkleidungen an schweren Lastkraftwagen und zwischen den Güterwagen der Eisenbahn der Luftwiderstand beim
Fahren verringert würde.

Die PS-Leistung von Personenwagen ließe sich erhöhen,

wenn bei der Formgebung und Ausstattung die Strömungsverhältnisse stärker als
bisher berücksichtigt würden und man auf Verzierungen, die Fahrenergie kosten,
verzichtete.

Außerdem sollte sich die Autoindustrie um eine Gewichtsreduzierung

bei Motoren bemühen .
Kraftwerke und Stromverbrauch

- Hier sind sowohl in bezug auf die Bean-

spruchung von Landflächen und Kapital als auch den Bedarf an Betriebsenergie
- 2 -

�Betriebsenergie Einsparungen möglich.

Sie könnten im letztgenannten Fall

das Äquivalent von 215 000 Tonnen öl pro Tag erreichen, wenn verbesserte Ausrüstungen für Kraftwerke und für den Stromtransport verwendet würden, Elektrogeräte effektiver arbeiteten und der Verbraucher sparsamer mit Strom umginge.
Die Bemühungen um eine intensivere Nutzbarmachung der reichen amerikanischen Kohlevorkommen, den Ausbau der Atomkraft, den Einsatz von Sonnenenergie
und Erdwärme und die Erschließung der ölschiefervorkommen gehen weiter. Jedoch
sei, so Dr. Seamans, erst nach 1985 mit der großtechnischen Produktion von
synthetischen Brennstoffen aus Kohle und Ölschiefer und mit der verstärkten
Nutzung von Sonnenkraft zum Heizen und Kühlen, von Erdwärme sowie von Abwärme
zu rechnen. Auf weite Sicht jedoch, d.h. gegen Ende dieses Jahrhunderts und
später, müßten immer stärker erneuerungsfähige Energiequellen herangezogen
werden - Brutreaktoren, Fusionsreaktoren sowie Sonnenenergie, die über Wind-,
Heiz- und Lichtkraftwerke zur Stromerzeugung genutzt wird. Dann dürfte man
auch soweit sein, die thermische Energie der Meere und Wasserstoff für die
Energieerzeugung einzusetzen.
Die Atomkraftwerke, die in den USA heute in Betrieb sind, haben eine
Gesamtkapazität von 39,6 Millionen eKW. Der ERDA-Plan sieht vor, bis zum
Jahr 2000 die nukleare Kapazität auf 450 Millionen bis 800 Millionen eKW auszuweiten. Die Verwirklichung dieses Programms hängt jedoch von der Lösung einer
Reihe von Problemen ab - u.a. einer genaueren Erfassung der amerikanischen Uranvorkommen, der Ausweitung der Kapazität zur Urananreicherung und der Entwicklung verbesserter Verfahren zur Fabrikation und Aufarbeitung von Kernbrennstoff
sowie zur Endlagerung der radioaktiven Abfallprodukte.

+ + + + +

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8/1976

INTERNATIONALE VERPACKUNGS-FACHMESSE IN USA

— ( A D ) - - Vom 25. bis 29. Oktober 1976 findet in Chicago, Illinois, die "USA
National Packaging Week International Exposition And Assembly" statt. Die
Veranstaltung gehört zu den führenden Fachmessen auf dem Gebiet der Verpakkungstechnologie und umfaßt nahezu alle wichtigen amerikanischen Hersteller
von Verpackungsmaschinen und Packmitteln- Sie ist entstanden aus dem Zusammenschluß der "PMMI-Pack Expo" und der "Ama National Packaging Exposition",
die früher von den einschlägigen Fachverbänden getrennt durchgeführt wurden.
Ungefähr 450 Aussteller werden auf der neuen vergrößerten Messe auf
einer Fläche von mehr als 100 000 Quadratmetern über 2 000 Verpackungs- und
verpackungsverwandte Maschinen zeigen. Hinzu kommt ein vollständiges Sortiment von Verpackungsmaterialien. Während der Ausstellung werden führende Vertreter der amerikanischen Verpackungsindustrie und deren Organisationen Fachvorträge halten, die sich mit den Problemen, Möglichkeiten und dem neuesten
Stand der Verpackungstechnologie in den USA befassen. Die Veranstaltung konzentriert sich in der Hauptsache auf die Interessen und Bedürfnisse aller Verpacker von Lebensmitteln, Getränken, Konsumgütern, Pharmazeutika und industriel
len Erzeugnissen.
Vertreter

�Vertreter des amerikanischen Handelsministeriums stehen auf der Messe
ausländischen Besuchern zur individuellen Beratung zur Verfügung. Auf Wunsch
können Werksbesichtigungen in Chicago und der näheren Umgebung arrangiert
werden. Im Auftrage des amerikanischen Handelsministeriums bereiten die Botschaft der Vereinigten Staaten in Bonn und die U.S. Generalkonsulate in der
Bundesrepublik in Zusammenarbeit mit dem "American Express"-Reisebüro in
Bremen eine Gruppenreise zum Besuch dieser Fachmesse vor. Interessenten werden gebeten, sich wegen weiterer Einzelheiten an ihren Fachverband, ihre zuständige Industrie-und Handelskammer oder direkt an das American ExpressReisebüro, Am Wall 128-134, 2800 Bremen 1, zu wenden.

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8/1976
UN-KONFERENZ "HABITAT"
Fernziel: Menschenwürdiger Lebensraum für die Erdbevölkerung

VANCOUVER — ( A D ) — Unter Beteiligung von 2 000 Delegierten der Regierungen von
135 Ländern tagt vom 31. Mai bis 11. Juni 1976 in Vancouver (Kanada) die UNKonferenz "Habitat". Die Veranstaltung ging aus der ersten Umweltkonferenz
der Vereinten Nationen vom Jahre 1972 in Stockholm hervor. Programm und Aufgabenstellung für "Habitat" ("Menschliches Siedeln", wie der Titel der Tagung
in der deutschen Fassung lautet) kristallisierte sich jedoch erst nach den UNKonferenzen über Bevölkerungs- und Nahrungsprobleme im Jahre 1974 sowie der
Konferenz über Frauenrecht und Probleme der Frau im Jahre 1975 heraus. Es
war nicht einfach, die vielschichtigen und regional so unterschiedlichen Nöte
und Themenstellungen unter dem Generalnenner "Habitat" zu vereinigen. Dem
kleinen Organisationsstab unter der Leitung von Generalsekretär Enrique
Panalosa (Kolumbien) ist es jedoch gelungen, ein Programm auszuarbeiten, das
zur Ausgangsbasis für die "Verbesserung der Lebensqualität im Dasein des einzelnen und der Gemeinde, in Dorf und Stadt, in jeder Nation und geographischen Region" werden könnte.
Der Beitrag der Vereinigten Staaten basiert auf dem Bericht Präsident
Fords von 1976 über "Wachstum und menschliche Entwicklung". Ein wesentlicher
Teil befaßt sich mit Wohnen und Wohnungsbeschaffung, mit dem Einsatz von
Satelliten für Aufgaben des täglichen Lebens, mit Geburtenkontrolle und der
Erschließung ländlicher Regionen. Niemand erwarte, wie ein Sprecher der US-

- 1 -

�US- Delegation betonte, daß "Habitat" schwerwiegende Probleme über Nacht zu
lösen vermöchte. Die USA vertrauen jedoch darauf, daß die Konferenz den Menschen in aller Welt die jeweiligen Situationen der anderen klar und eindringlich vor Augen führt und wichtige Anregungen gibt.
Das Dasein in einem menschenwürdigen Lebensraum zu verbringen,wird künftig ein Problem von immer größerer Bedeutung sein. Denn überall in der Welt
strömen die Menschen vom Lande in die Städte - mit seinen riesigen Landmassen
steht selbst Afrika jetzt vor dieser Situation. Elendsviertel, Jugendkriminalität, Verbrechen, Armut und Entwurzelung der Menschen sind zwangsläufig die
Folge, wenn eine Integration nicht möglich ist. Deshalb ist es so wichtig, die
daraus resultierenden Aufgaben in der Gesamtschau zu analysieren und anzugehen
und,wie die bekannte amerikanische Anthropologin Margaret Mead fordert, "die
bisher praktizierte Aufsplitterung zu beenden... Umwelt, Hunger, Übervölkerung,
unwürdiges Wohnen, Benachteiligung der Frauen, Kinderelend - alle diese Probleme dürfen nicht einzeln betrachtet werden".

In einem von Generalsekretär Penalosa ausgearbeiteten Deklarationsentwurf
sind die Arbeitsgrundsätze für "Habitat"

und die geplante künftige Zusammen-

arbeit internationaler Institutionen nach den Vorschlägen einer Expertengruppe
zusammengefaßt. Ein Hauptziel der Konferenz ist es, Vorschläge für wirksame
nationale Maßnahmen zu finden, die die spezielle Situation in den einzelnen
Ländern und Regionen berücksichtigen. Zur Dokumentation "Habitat" werden 121
Länder u. a. mit eigener Präsentation von Kurzfilmen und Diapositiv-Serien
aus ihrer Sicht beitragen.

XXX

- 2 -

�</text>
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28. A p r i l 1976

7

Inhalt

DOKUMENTATION
Kissinger umreißt US-Politik gegenüber dem südlichen Afrika
- Rede des Außenministers in Lusaka am 27. April 1976 Seerecht:

Prüfstein für internationale Zusammenarbeit

- Außenminister Henry Kissinger legt US-Standpunkt auf der 3. Internationalen Seerechtskonferenz dar -

WIRTSCHAFT
Schlechte Weizenernte im Südwesten der USA erwartet
- Seit Monaten ungewöhnlich hohes Regendefizit -

INFORMATION
"Lärmschutz"
Fachausstellung im US-Handelszentrum, Frankfurt/Main

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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7/1976

KISSINGER UMREISST US-POLITIK GEGENÜBER DEM SODLICHEN AFRIKA
-Rede des Außenministers in Lusaka am 27. April 1976-

LUSAKA — ( A D ) - - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger hat
am 27. April in einer Rede in Lusaka die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber dem südlichen Afrika dargelegt, die für alle Völker in diesem Raum
auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit abzielt. Die Rede des amerikanischen
Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Präsident Ford hat mich mit einer Botschaft der Verpflichtungen und der
Zusammenarbeit hierher gesandt.
Ich bin nach Afrika gekommen, weil die Herausforderungen Afrikas auf so
vielerlei Weise die Herausforderungen unseres gesamten Zeitalters darstellen.
Das Drama der nationalen Unabhängigkeit in Afrika hat im Verlaufe der letzten
Generation die internationale Politik moralisch und politisch verändert. Mehr
als jede andere Region der Erde symbolisiert Afrika die Tatsache, daß die
vorausgegangene Ära der Weltpolitik - die Kolonialzeit - eine Sache der Vergangenheit ist. Die großen Aufgaben, vor die Sie sich gestellt sehen - was
den Aufbau der Nationen, die Erhaltung des Friedens und der Integrität dieses Kontinents, die wirtschaftliche Entwicklung, die Erlangung einer angemessenen Rolle in den RatsVersammlungen der Welt und die Verwirklichung der
Rassengerechtigkeit angeht - reflektieren die Herausforderung, die der Auf-

- 1 -

�Aufbau einer humanen und progressiven Weltordnung darstellt.
Ich bin offenen Sinnes und offenen Herzens nach Afrika gekommen, um den
Wunsch meines Landes darzutun, gemeinsam mit Ihnen an diesen großen Aufgaben
zu arbeiten. Meine Reise dient der Absicht, unserer Zusammenarbeit einen
neuen Anstoß zu geben und ein neues Zeitalter in der amerikanischen Politik
einzuleiten.
Die Vereinigten Staaten waren eine der treibenden Kräfte des Prozesses
der Entkolonialisierung. Das amerikanische Volk hat die jungen Nationen in
der Weltgemeinschaft willkommen geheißen und zwei Jahrzehnte hindurch dem
wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in Afrika Hilfe und Ermutigung zuteil werden lassen. Amerikas Verantwortung als Weltmacht erfüllt uns heute
mit einem starken Interesse an der Unabhängigkeit, am Frieden und an der Wohlfahrt dieses weiten Kontinents, der ein Fünftel der Landmasse der Erde umfaßt.
Denn ohne Friede, rassische

Gerechtigkeit und wachsende

Prosperität in

Afrika können wir nicht von einer gerechten internationalen Ordnung sprechen.
Eine Debatte über die Frage, ob Amerika in der Vergangenheit Afrika vernachlässigt oder sich afrikanischen Zielsetzungen in unzureichendem Maße verpflichtet gefühlt habe, bringt nichts ein. Die Vereinigten Staaten tragen vielfältige Verantwortungen in der Welt. Angesichts der Bürde, die mein Land in
der Nachkriegszeit auf sich genommen hat, konnte es einfach nicht alle Dinge
gleichzeitig tun. Die afrikanischen Länder selbst haben ihre eigenen Prioritäten und Sorgen, die nicht immer mit den unseren übereinstimmen. Es kann aus
gegenseitigen Beschuldigungen nichts Gutes kommen. Unsere unterschiedlichen
Perspektiven konvergieren in der gemeinsamen Absicht, eine sichere und gerechte Zukunft für Afrika aufzubauen. In aktiver Zusammenarbeit können wir
viel bewerkstelligen - im Widerstreit miteinander oder jeder allein auf sich
gestellt, werden wir große Chancen verpassen. Präsident Ford, die amerikanische Regierung und das amerikanische Volk sind bereit, mit Tatkraft und
gutem Willen mit Ihnen zusammenzuarbeiten, wenn Sie uns im gleichen Geist
entgegenkommen.
Es
- 2 -I

�Es ist somit an der Zeit, von Schlagworten abzulassen und nach praktischen Lösungen zu suchen. Es ist an der Zeit, gemeinsamen Grund und Boden zu
finden und kühn auf gemeinsame Zielsetzungen hinzuarbeiten,
Afrika ist ein Kontinent der Hoffnung - ein modernes Zukunftsland. Die
Vereinigten Staaten waren von den ersten Anfängen an ein Land der Zukunft, aufgebaut von Männern und Frauen voller Hoffnung. Das amerikanische Volk kennt
aus seiner eigenen Geschichte die Bedeutung des Ringens um Unabhängigkeit,
Rassengleichheit, wirtschaftlichen Fortschritt und Menschenwürde.
Ich bin nicht hier, um amerikanische Rezepte für afrikanische Probleme
anzubieten. Ihr Programm muß ein afrikanisches Programm sein. Die grundlegenden Entscheidungen und Zielsetzungen müssen afrikanische Entscheidungen und
Zielsetzungen sein. Wir aber sind bereit, zu helfen.
Ich bin auch nicht hier, um Afrikaner gegen Afrikaner aufzubringen, weder
Regierung gegen Regierung noch einen Flügel einer Befreiungsbewegung gegen den
anderen. Afrikanische Probleme lassen sich ohne Schaffung eines Vereinten
Afrika nicht lösen» und auch Ihre Geschicke können sich ohne ein solches Afrika nicht erfüllen„Amerika unterstützt die Einheit Afrikas. Wir fordern alle
anderen Länder auf, ein Gleiches zu tun.
Hier in Afrika ist der Bereich sowohl der Herausforderung als auch der
Chancen der Menschheit in seiner ganzen Komplexität und in seiner gewaltigen
Verheißung deutlich absehbar. Die gewaltige Macht und die Größe der Natur
liegt hier in allen ihren Aspekten vor uns - als strenger Meister und williger Diener der Menschheit. Hier können wir die reichen und lebendigen Kulturen
erfüllen, die die Kunst, die Musik und das Denken überall auf der Welt verändert
und mit neuer Kraft erfüllt haben. Und hier auf diesem Kontinent werden wir
uns bewähren müssen, wir alle, um zu sehen, ob unsere Zukunft für uns oder
durch uns bestimmt wird, ob die Menschheit Opfer oder Architekt ihres
Schicksals ist.
Das

- 3 -

�»

Das Problem des südlichen Afrika
Unter allen Her 'jsforderungen, vor die wir uns gestellt sehen, von
allen Zielsetzungen, die wir gemeinsam haben, ist die Rassengerechtigkeit die
grundlegendste. Das ist eine dominierende Frage unseres Zeitalters, innerhalb
der Völker ebenso wie unter den Völkern, Wir wissen aus eigener Erfahrung,
daß das Ziel der Rassengerechtigkeit ebenso gebieterisch wie erreichbar ist.
Unser Eintreten für dieses Prinzip im südlichen Afrika ist nicht nur eine
Frage der Außenpolitik, sondern ein zwingendes Gebot unseres eigenen moralischen Erbes.
Das Volk von Sambia braucht man nicht erst an die Wichtigkeit dieses
Zieles zu erinnern. Aufgrund seiner geographischen Lage und der gegebenen wirtschaftlichen Notwendigkeiten wird Sambia durch die Auseinandersetzungen im
südlichen Afrika direkt und schmerzlich berührt. Politische Stabilität in diesem Gebiet bedeutet für Sambia mehr als für viele andere Länder. Sambia aber
hat sich entschlossen,zu seinen Prinzipien zu stehen, seine Grenze zu Rhodesien zu schließen und die wirtschaftlichen Folgen auf sich zu nehmen. Das legt
Zeugnis für die Entschlossenheit des Volkes von Sambia und auch für das
staatsmännische Können seines großen Führers, des Präsidenten Kaunda, ab.
Es war vor sieben Jahren in dieser Stadt, daß Führer ost- und zentralafrikanischer Staaten ihr Manifest über das südliche Afrika proklamierten. Die
Ähnlichkeit hinsichtlich der Geisteshaltung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der des Manifestes von Lusaka ist verblüffend. Vor 200 Jahren
schrieb Thomas Jefferson: "Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: Daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer
mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingesetzt sind, die ihre rechtmäßige Macht aus
der Zustimmung der Regierten herleiten."
Und

- 4 -

�Und vor sieben Jahren haben führende Politiker aus Ost-und Zentralafrika
hier in Lusaka erklärt: "Wir möchten durch dieses Manifest über den Schatten
jeden Zweifels hinaus unsere Anerkennung der Auffassung deutlich machen, daß
alle Menschen gleich sind

und das gleiche Recht auf menschliche Würde und

Respekt haben - ohne Ansehen der Hautfarbe, der Rasse, der Religion oder des
Geschlechtes. Wir glauben, daß alle Menschen das Recht und die Pflicht haben,
als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft an ihrem eigenen Staat zu
partizipieren."
Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Vereinigten Staaten den Grundsätzen ihrer eigenen Unabhängigkeitserklärung weiterhin verpflichtet bleiben.
Daraus folgt, daß wir auch zu den Überzeugungen stehen, die im Manifest von
Lusaka zum Ausdruck gebracht wurden.
Deshalb möchte ich hier in Lusaka die unwiderrufliche Verpflichtung der
Vereinigten Staaten auf die Menschenrechte bekräftigen, so wie sie in den
Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen und der universellen Erklärung
der Menschenrechte zum Ausdruck kommt. Wir treten für die Selbstbestimmung

|

die 'errschaft der Mehrheit, gleiche Rechte und menschliche Würde für alle
Völker des südlichen Afrika ein - im Namen der Moralgrundsätze, des internationalen Rechts und des Weltfriedens.

Die Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber Rhodesien

Die Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber Rhodesien ist klar und unmißverständlich. Wie Präsident Ford erklärte, "haben sich die Vereinigten
Staaten voll der Aufgabe geweiht, dafür Sorge zu tragen, daß die Mehrheit des
Volkes zur herrschenden Macht in Rhodesien wird." Wir erkennen das rhodesische Minderheitsregime nicht an. Die Vereinigten Staaten haben für die Resolutionen des Sicherheitsrates von 1966 und 1968 gestimmt - und sie fühlen

-5 -

�fühlen sich an sie gebunden -, die wirtschaftliche Zwangssanktionen gegen das
illegale rhodesische Regime verhängen. Anfang dieses Jahres haben wir im
Sicherheitsrat gemeinsam mit anderen eine Resolution eingebracht, die einstimmig angenommen wurde und eine Verlängerung dieser Zwangssanktionen vorsah.
Und im März dieses Jahres haben wir gemeinsam mit anderen Mozambique zu seiner
Entscheidung beglückwünscht, diese Sanktionen selbst um den Preis hoher wirtschaftlicher Kosten durchzusetzen.
Es ist unser aller Verantwortung, die wir eine Lösung auf dem Verhandlungswege anstreben, der rhodesischen Minderheit klarzumachen, daß die Weltgemeinschaft in ihrem Interesse an einem raschen Wandel einig dasteht. Es ist
die Verantwortung jener Kreise in Rhodesien, die an den Frieden glauben, die
notwendigen Schritte einzuleiten, um eine große Tragödie abzuwenden.
Die Politik der Vereinigten Staaten, die auf eine gerechte und dauerhafte Lösung für Rhodesien abzielt, beruht deshalb auf zehn Elementen:
Erstens erklären die Vereinigten Staaten mit allem erdenklichen Nachdruck „
ihre Unterstützung der Vorschläge des britischen Premierministers Callaghan
vom 22. März dieses Jahres, denen zufolge der Unabhängigkeit

die Mehrheits-

herrschaft vorausgehen müsse, die spätestens zwei Jahre nach einem alsbaldigen
Abschluß der Verhandlungen erreicht werden muß. Wir erachten diese Vorschläge als Basis für eine Lösung, die allen Einwohnern Rhodesiens gegenüber fair
ist. Wir fordern, daß man sie annimmt.
Zweitens muß das Regime in Salisbury begreifen,daß es von den Vereinigten Staaten in keiner Phase eines Konfliktes mit afrikanischen Ländern oder
Befreiungsbewegungen diplomatische oder materielle Hilfe erwarten kann. Ganz
im Gegenteil, sie wird sich unserer ungebrochenen Opposition bis zu jenem Tage
gegenüberseher, an dem eine Regelung auf dem Verhandlungswege erzielt worden
ist.
Drittens

�Drittens werden die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen,um ihrer Verpflichtung nach dem internationalen Recht zu

zwangsweisen wirtschaftlichen

Sanktionen gegen Rhodesien nachzukommen. Wir werden den Kongreß noch in diesem Jahr dringend ersuchen, den Byrd-Zusatz zu widerrufen, der die Einfuhr von
Chrom aus Rhodesien nach den Vereinigten Staaten gestattet - ein Vorgehen,
das mit den Sanktionen der Vereinten Nationen unvereinbar ist. Parallel zu
diesen Anstrengungen werden wir uns auch an andere Industriestaaten wenden, um
die strikteste und weitestmögliche internationale Durchführung der Sanktionen
sicherzustellen.
Viertens, um sicherzustellen, daß keine Mißverständnisse über die Rolle
der Führer der Minderheit in Rhodesien aufkommen, werden die Vereinigten Staaten nach Abschluß meiner Konsultationen in Schwarzafrika gegenüber dem Regime
in Salisbury klar und direkt unsere Auffassung von der Dringlichkeit einer
raschen Verhandlungsregelung erklären, die zu einer Herrschaft der Mehrheit
führt.
Fünftens wird die Regierung der Vereinigten Staaten ihrer Verantwortung
nachkommen, unsere Bürger darüber zu informieren, daß wir keine offizielle
Vertretung in Rhodesien unterhalten und deshalb auch dort nicht über die Mittel verfügen, ihnen Hilfe und Schutz zu gewähren. Amerikanischen Touristen
wird von der Einreise nach Rhodesien abgeraten und unseren Bürgern mit Wohnsitz in Rhodesien nahegelegt werden, das Land umgehend zu verlassen.
Sechstens,wie vor Jahren im Falle Sambias sollten Maßnahmen ergriffen
werden, um im Einklang mit der jüngsten Resolution des UN-Sicherheitsrates
Mozambique zu helfen, das seine Grenzen zu Rhodesien in Ausführung der Sanktionen geschlossen hat, was für dieses Land eine große zusätzliche wirtschaftliche Härte bedeutet. Die Vereinigten Staaten sind im Einklang mit dieser Resolution bereit, 12,5 Millionen Dollar an Hilfe zu gewähren.
Siebtens

�Siebtens sind die Vereinigten Staaten oemeinsam mit anderen Mitgliedern
der Vereinten Nationen willens, wirtschaftliche Härten in Anrainerstaaten
Rhodesiens lindern zu helfen, die sich durch Schließung ihrer Grenzen für die
Verwirklichung der Sanktionen entscheiden.
Achtens gilt es, humanitäre Vorkehrungen für Tausende von Flüchtlingen
zu treffen, die aus Not aus Rhodesien in benachbarte Länder flüchten. Die
Vereinigten Staaten werden Hilfeersuchen für diese Flüchtlinge seitens des
UN-Hochkommissars für Flüchtlinge oder anderer zuständiger internationaler
Organisationen wohlwollend prüfen.
Neuntens sollte die Weltgemeinschaft dem Volk von Rhodesien ihre

Unter-

stützung gewähren, sobald es den friedlichen Obergang zu einer Herrschaft der
Mehrheit und zur Selbständigkeit vollzieht, und sie sollte Hilfe

ferner

einem neu etablierten unabhängigen Simbabwe gewähren. Zu diesem Zweck sind
wir bereit, uns gemeinsam mit anderen interessierten Ländern an einem Programm
zur wirtschaftlichen, technischen und Ausbildungshilfe zu beteiligen, das
ein unabhängiges Simbabwe in die Lage versetzen soll, den Fortschritt und den
Platz in der Gemeinschaft der Völker zu erringen, zu dem es seine natürlichen
Hilfsquellen und das Können seiner gesamten Bevölkerung berechtigen.
Zehntens bringen wir unsere Überzeugung zum Ausdruck, daß Weiße ebenso
wie Schwarze eine sichere Zukunft und einen Anspruch auf Bürgerrechte in
einem Staat Simbabwe haben, der die Rassengerechtigkeit verwirklicht. Eine
verfassungsgemäße Staatsform sollte die Rechte der Minderheit schützen und
eine Herrschaft der Mehrheit errichten. Wir sind bereit, einen Teil unserer
Hilfsprogramme auf diese Zielsetzung zu verwenden.
Zwecks Verwirklichung dieses Programms werden wir enge Konsultationen
mit den Präsidenten von Botswana, Mozambique, Tansania und Sambia führen.
Nach

�Ni.ch unserer Ansicht handelt es sich hier um wichtige Maßnahmen. Wir stehen zusätzlichen Schritten, die zur Beschleunigung einer Lösung beitragen
können, aufgeschlossen gegenüber. Die Vereinigten Staaten werden eingehende
Konsultationen mit den afrikanischen Staatsmännern, vor allem mit diesen vier
Präsidenten und mit den anderen Freunden über das rhodesische Problem führen.
Denn der Hauptgrund, warum ich hierher gekommen bin, ist, zu unterstreichen,
daß sich die Vereinigten Staaten der Aufgabe voll und ganz verschrieben haben,
zur Herbeiführung einer raschen, gerechten und afrikanischen Lösung der Rhodesienfrage beizutragen.

Namibia
Rhodesien ist das vordringlichste, aber keinesweas das einzige kritische
Problem im südlichen Afrika. Der Status von Namibia war mehr als drei Jahrzehnte lang Gegenstand eines Streites zwischen der Völkergemeinschaft der Welt und
Südafrika.
Das Gebiet von Südwestafrika wurde nach dem Z/eiten Weltkrieg Gegenstand
ernster internationaler Meinungsverschiedenheiten. Als sich die
Nationen weigerten, den südafrikanischen Vorschlägen für

Vereinten

eine Annexion dieses

Gebietes zuzustimmen, lehnte es Südafrika ab, ein Treuhandabkommen abzuschliessen, und seitdem hat es sich geweigert, die Vereinten Nationen als rechtmäßigen Souverän anzuerkennen. Im Jahre 1966 hat die UN-Vollversammlung das
Mandat Südafrikas über dieses Gebiet aufgehoben. 1971 hat der Internationale
Gerichtshof entschieden, daß die Besetzung Namibias durch Südafrika illegal
ist und daß Südafrika sich zurückziehen solle.
Die Vereinigten Staaten haben 1966 für die Resolution der Vollversammlung
gestimmt. Wir waren die einzige Großmacht, die vor dem Internationalen Gerichtshof erklärte, daß die südafrikanische Besetzung illegal sei. Und

- 9 -

JJTI

�im Januar 1976 stimmten die Vereinigten Staaten für die UN-Resolution, in der
die Besetzung Namibias verurteilt und Südafrika aufgefordert wurde, spezifische Schritte in Richtung auf die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit Namibias
zu ergreifen.
Wir sind durch den offensichtlichen Beschluß der südafrikanischen Regierung, Namibia auf den Weg zu Unabhängigkeit zu bringen, ermutigt. Wir sind
überzeugt, daß eine Lösung gefunden werden kann, die für die gesamte Bevölkerung gleiche Rechte bringt und die gleichzeitig die Interessen aller schützt,
die dort leben und arbeiten. Aber wir sind besorgt, weil Südafrika es unterlassen hat, einen festen Zeitplan für die Verwirklichung der Selbstbestimmung
bekanntzugeben, weil nicht alle Menschen und politischen Gruppen in Namibia
an der Entscheidung über die Regierungsform, die sie eines Tages haben werden,
teilhaben dürfen, und weil Südafrika es weiterhin verhindert, daß die Vereinten Nationen die ihnen zukommende Rolle bei der Schaffung eines freien und unabhängigen Namibias übernehmen.
Die Vereinigten Staaten haben daher folgende Haltung bezogen:
- Wir appellieren erneut an die südafrikanische Regierung, es allen Menschen und Gruppen in Namibia zu gestatten, frei und unter Überwachung durch die
Vereinten Nationen ihre Ansicht über die politische Zukunft und die verfassungsmäßige Struktur ihres Landes zu äußern.
- Wir fordern die südafrikanische Regierung auf, einen festen Zeitplan
für die Verwirklichung der Selbstbestimmung bekanntzugeben, der für die Völkergemeinschaft der Welt akzeptabel ist.
- Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit der internationalen Völkergemeinschaft und vor allem mit den afrikanischen Staatsmännern zusammenzuarbeiten und gemeinsam festzulegen, welche weiteren Schritte die Aussichten auf
einen raschen und akzeptablen Obergang zur Unabhängigkeit Namibias verbessern
würden. Wir sind davon überzeugt, daß dringend ein Fortschritt erzielt werden
muß.
- Sobald

�- Sobald konkrete Fortschritte in Richtung auf die Selbstbestimmung im
Gange sind, werden die Vereinigten Staaten ihre Restriktionen für den Handel
mit Namibia und für Investitionen dort lockern. Wir sind bereit, wirtschaftliche und technische Hilfe zu gewähren, um Namibia zu helfen, seinen ihm rechtmäßig zustehenden Platz unter den unabhängigen Nationen der Welt einzunehmen.

Südafrika
Die Apartheid-Frage in Südafrika muß diejenigen weiterhin mit großer Sorge
erfüllen, die sich der Gerechtigkeit für alle Rassen und der Menschenwürde
verschrieben haben.
Kein Land, kein Volk kann für sich in Anspruch nehmen, daß es auf dem Gebiet der Menschenrechte perfekt ist. Wir in Amerika sind uns unserer eigenen
Unvollkommenheiten bewußt. Aber weil wir eine freie Gesellschaft sind, erörtern wir unsere Probleme und unsere Fehler in aller Öffentlichkeit und zeigen
sie vor der Welt. Und wir haben allen Grund, stolz auf unseren Fortschritt
zu sein, den wir in der Frage der Gerechtigkeit für alle in unserem Lande erzielt haben.
Die Völkergemeinschaft der Welt ist nicht nur deshalb über Südafrika
besorgt, weil dort Rassendiskriminierung besteht. Einmalig ist, wie stark diese Rassendiskriminierung institutionalisiert, im Gesetz verankert und alle
Bereiche durchdringend ist.
Niemand - und dies gilt auch für die Führer Schwarzafrikas - bestreitet
das Recht der weißen Südafrikaner, in ihrem Lande zu leben. Sie sind keine
Kolonialisten; historisch gesehen sind sie ein afrikanisches Volk. Aber die
weißen Südafrikaner müssen sich auch darüber klar sein, daß die Welt weiter
darauf bestehen wird, daß die institutionalisierte Rassentrennung ein Ende
haben muß. Die Vereinigten Staaten appellieren an Südafrika, die Warnzeichen
der letzten beiden Jahre zu beherzigen: noch ist Zeit, eine Wiederaussöhnung

- 11 -

�Wiederaussöhnung der südafrikanischen Völker zum Wohle aller herbeizuführen.
Aber diese Zeit ist begrenzt - die Grenze ist weit enger gezogen als man noch
vor wenigen Jahren allgemein geglaubt hat.
Eine friedliche Beendigung der institutionalisierten, ungleichen Behandlung liegt im Interesse aller Südafrikaner. Die Vereinigten Staaten werden
weiterhin zu einer friedlichen Veränderung ermutigen und darauf hinarbeiten.
Unsere Politik gegenüber

Südafrika basiert auf der Prämisse, daß es inner-

halb einer angemessenen Zeit zu einer eindeutigen Entwicklung in Richtung auf
gleiche Chancen und die grundlegenden Menschenrechte für alle Südafrikaner
kommen wird. Die Vereinigten Staaten werden alle ihre Anstrengungen darauf konzentrieren, daß die Entwicklung diese Richtung nimmt. Wir fordern die südafrikanische Regierung dringend auf, diese Prämisse zu einer Realität werden
zu lassen.
In der unmittelbar vor uns liegenden Zeit kann die Republik Südafrika
ihre Hinwendung zu Afrika - und ihren potentiellen Beitrag zu Afrika - dadurch beweisen, daß sie ihren Einfluß in Salisbury für die Förderung einer
raschen Verhandlungslösung zugunsten einer Mehrheitsregierung in Rhodesien
geltend macht. Dies würde von der Völkergemeinschaft wie auch von dem übrigen
Afrika, dessen sind wir sicher, positiv bewertet werden.

Eine Zukunftsvision
Südafrika besitzt alle die Voraussetzungen für eine atemberaubende Zukunft. Es verfügt über reiche Mineral vorkommen, ein großes landwirtschaftliches Potential, große Wasserkraftreserven, ein günstiges Klima und, was am
wichtigsten ist, große menschliche Ressourcen. Es muß lediglich noch das
menschliche Versagen im Rassenstreit überwinden, um allen seinen Menschen
bessere Zukunftsaussichten zu geben.
Wir

- 12 -

�Wir wollen uns alle darum bemühen, den Anbruch des Tages zu beschleunigen, an dem diese Vision Wirklichkeit wird.
Die Vereinigten Staaten sind zur Zusammenarbeit mit den Ländern des südlichen Afrika bereit, um ihnen zu helfen, den wirtschaftlichen Fortschritt zu
erreichen, der ihrer politischen Unabhängigkeit Bedeutung und ihrem Kampf um
Gleichberechtigung Sieg verleiht.
Wie Sie wissen, begleitet mich der stellvertretende Außenminister Robinson,
ein Experte für wirtschaftliche Entwicklung, bei diesem Resuch. Das ist das
erste Mal, daß ein amerikanischer Außenminister und ein stellvertretender
Außenminister gemeinsam eine solche Mission unternommen haben, und zeigt, welche Bedeutung wir der wirtschaftlichen Entwicklunci des südlichen Afrika beimessen. Mr. Robinson und ich sprechen mit der afrikanischen Führern in den
verschiedenen Hauptstädten über den Bedarf an wirtschaftlicher Entwicklung,
und wir werden diese Konsultationen auf der UNCTAD-Tagung in Nairobi nächste
Woche fortsetzen. Nach meiner Rückkehr nach Washington werder wir auf der
Basis dessen, was wir gesehen haben, vordringlich ein neues Hilfsprogramm für
diesen Kontinent prüfen.
Afrika und seine Freunde stehen vor einer zweifachen Aufgabe: sofortiges
und langfristiges Wachstum. Kurzfristig kann es durch Naturkatastrophen oder
starke Schwankungen der weltweiten Wirtschaftslage, auf die die Entwicklungsländer wenig Einfluß nehmen können, zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten kommen. Solche wirtschaftlichen Rückschläge müssen überwunden werden, wenn die
Völker dieses Raumes sich ihren hart erarbeiteten Fortschritt auf dem Gebiet
der wirtschaftlichen Entwicklung erhalten wollen. Beispielsweise hat der
scharfe Rückgang der Weltkupferpreise verheerende Auswirkungen auf die Volkswirtschaften von Sambia und Zaire gehabt. Die Vereinigten Staaten werden diesem Problem in ihren bilateralen Hilfsprogrammen für diese Länder Rechnung
tragen, wie auch in unseren Programmen für multilateral Maßnahmen zur Erschließung von Ressourcen, zur Anlage von Ausgleichslagerbeständen sowie zur
Stabilisierung der Erlöse, die nächste Woche auf der UNCTAD-Tagung vorgeschlagen werden sollen.
Unsere

�Unsere grundlegende Sorge muß jedoch der Bewältigung von Krisen gelten.
Wir müssen vordringlich Probleme entwickeln, um die Grundlagen für ein stetiges Wirtschaftswachstum zu legen, das die Entwicklungsländer im südlichen Afrika in die Lage versetzt, weltweiten wirtschaftlichen Rückschlägen und Trends
wirksam zu begegnen.
Ich möchte vier Punkte erwähnen, die für das südliche Afrika besonders
relevant sind: ausgebildete einheimische Arbeitskräfte, wirtschaftliche Erschließung der ländlichen Gebiete, fortschrittliche Technologie und ein modernes Transportwesen.
- Für Namibia und Simb abwe sollten die Ausbildungsprogramme jetzt verstärkt werden, damit die benötigten Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, sobald
eine Mehrheitsregierung erreicht ist. Die bestehenden Programme, Flüchtlinge
aus Namibia und Simbabwe für die Verwaltung und als Techniker auszubilden, sollten schnellstmöglich ausgeweitet werden. Wir haben für diesen Zweck im Kongreß
zusätzliche Mittel angefordert. Wir ersuchen andere Geldgeber und die internationalen Organisationen dringend, mehr zu tun.
- Die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten südlichen Afrikas bedingt
einen Prozeß, um das Leben auf dem Lande zu ändern. Wir sind bereit, bei der
Entwicklung der Landwirtschaft, bei den Gesundheitsprogrammen, bei der Ausbildung von Arbeitskräften und bei der Verbesserung des Transportwesens auf dem
Lande durch bilaterale wie auch durch multilaterale Programme zu helfen.
- Eine Revolutionierung der Entwicklungsplanung könnte durch den Einsatz
von Satelliten für das Sammeln wichtiger Informationen über

Ernten, Wetter,

Wasservorräte, Landbestellung und Erschließung von Mineral vorkommen erreicht
werden. Die Vereinigten Staaten haben-bereits Informationen an die Entwicklungsländer weitergegeben, die wir über unsere ersten Satelliten'zur Erkundung der
Ressourcen der Erde erhalten haben. Wir sind jetzt bereit, weit umfassendere
Programme zur Anwendung dieser Technologie auf Afrika in Angriff zu nehmen
- dies schließt auch Ausbildungsprogramme und die Erstellung von Ausbildungs-

- 14 -

�Ausbildungseinrichtungen und Satellitenbodenstationen in Afrika selbst ein.

- Langfristig benötigt die Wirtschaft des südlichen Afrikas vielleicht am
dringendsten ein regionales Transportsystem. Das Ausmaß der erforderlichen Anstrengungen übersteigt das Vermögen jedes einzelnen Landes und jeder Gruppe
von Ländern. Aus diesem Grunde schlagen die Vereinigten Staaten vor, daß die
Weltbank vorrangig die Aufstellung einer multilateralen Beratungsgruppe von
Geldgebern betreibt, um ein modernes regionales Transportsystem für das südliche Afrika zu entwickeln. Wir unsererseits sagen unsere volle Mitarbeit bei der
Ausarbeitung eines langfristigen Programms und für die Finanzierung eines angemessenen Teiles dieses Programmes zu.
- Und schließlich kann ich heute bekanntgeben, daß wir mit einer Verdreifachung unserer Förderung für die Entwicklungsprogramme im südlichen Afrika
sowie in Zentralafrika in den nächsten drei Jahren rechnen.

Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten die Übernahme einer führenden
Rolle in zahlreichen internationalen Gremien angeboten, um die wirtschaftliche
Entwicklung durch multilaterale Zusammenarbeit zu fördern. Die Industriestaaten,
die zu neuem Wohlstand gelangten öl Produzenten und die Entwicklungsländer
selbst müssen zusammenarbeiten, um das Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung
zu erreichen. Afrika ist ein Hauptnutznießer der zahlreichen Initiativen der
Vereinigten Staaten in den multilateralen Institutionen und Programmen- um die
wirtschaftliche Sicherheit durch Stützung der Exporterlöse angesichts starker
wirtschaftlicher Fluktuationen zu stärken, um die Agrarerzeugung zu beschleunigen, um die Bedingungen für Handel und Investitionen bei den wichtigsten Rohstoffen zu verbessern und um den speziellen Bedarf der ärmsten Nationen zu
decken.
Schlußbemerkungen

- 15 -

�Schlußbemerkungen

Meine Damen und Herren, heute habe ich die Prinzipien der amerikanischen
Politik in bezug auf die zwingenden Aufgaben im südlichen Afrika dargelegt.
Unsere Vorschläge sind kein Programm, das in Amerika gemacht worden ist und
von den Afrikanern passiv akzeptiert werden soll. Sie sind Ausdruck eines gemeinsamen Strebens und ein Zeitplan der Zusammenarbeit. Ihnen liegt unsere
feste Überzeugung zugrunde, daß das Schicksal der Afrikaner weiterhin in den
Händen der Afrikaner liegen muß.
Keiner, der diesem Kontinent wohl will, kann wünschen, daß die Afrikaner
in Nationen oder in Befreiungsbewegungen gespalten sind. Die Afrikaner können
nicht wünschen, daß Außenstehende ihnen Lösungen aufzuzwingen suchen oder
sich zwischen Ländernoder Bewegungen entscheiden. Die Vereinigten Staaten ihrerseits streben keinen proamerikanischen afrikanischen Block an, der einem
Block gegenüberstehen würde, den irgendeine andere Macht unterstützt. Noch
wollen wir einen Flügel einer Befreiungsbewegung gegen einen anderen ausspielen. Aber genauso wenig sollte irgendein anderes Land Hegemonialbestrebungen
verfolgen oder eine Blockpolitik betreiben. Jedem solchen Versuch eines Landes wird zwangsläufig von einem anderen Land entgegengetreten werden. Die
Vereinigten Staaten unterstützen daher kategorisch die Einheit und Integrität
Afrikas als das Grundprinzip unserer Politik.
Es gibt keine bessere Garantie gegen ausländischen Druck von irgendeiner
Seite, als die Entschlossenheit der afrikanischen Nationen, ihre eigene Unabhängigkeit und Einheit zu verteidigen. Sie haben nicht afrikanische Institutionen geschaffen, um zu erleben, wie ausländische Mächte sie in miteinander
konkurrierende Blöcke aufspalten. Die Vereinigten Staaten unterstützen eine
echte Blockfreiheit und Einheit Afrikas. Wir sind zur Zusammenarbeit auf der
Basis der gegenseitigen Achtung bereit. Wir tun dies

geleitet von unseren

Überzeugungen und unseren Werten. Ihre Sache läßt sich ebenfalls mit unseren

�unseren Prinzipien vereinbaren, denn Sie müssen ihre Sache nicht durch Taktiken der Konfrontation mit den Vereinigten Staaten verfolgen. Unsere Selbstachtung ist zu groS, als daß wir uns, sei es direkt oder durch dritte Mächte,
zu etwas drängen ließen.
Was Afrika jetzt von den Vereinigten Staaten braucht, sind keine überschwenglichen Versprechungen oder der emotionelle Ausdruck guten Willens.
Was Afrika braucht, ist ein konkretes Programm, das ich heute anzubieten versucht habe. So lassen Sie uns jetzt an die Arbeit gehen. Wollen wir unsere
Augen direkt auf unsere großen Ziele richten - nationale Unabhängigkeit,
wirtschaftliche Entwicklung, Rassengerechtigkeit - Ziele, die durch gemeinsames Handel erreicht werden können.
Afrika ist in diesem Jahrzehnt ein Prüfstein für die Wissenschaft und
die Visionen der Welt. Daß Schwarze und Weiße zusammen in Eintracht und
Gleichberechtigung leben, ist ein moralisches Gebot unserer Zeit. Wollen wir
beweisen, daß diese Ziele durch Entscheidungen der Menschen verwirklicht
werden können, daß der Gerechtigkeit kraft ihrer Richtigkeit und nicht durch
Waffengewalt Geltung verschafft werden kann.
Das sind Ideale,die alle menschlichen Rassen aneinanderketten. Sie sind
das Gebot von Anstand, Fortschritt und Frieden.
Dieses dramatische Geschehen wird sich noch zu unseren eigenen Lebzeiten
vollenden. Unseren Kindern bleibt als Erbe unser Erfolg oder unser Versagen.
Die Welt blickt voll Hoffnung auf uns und wir beginnen voll Zuversicht.
So soll einmal von uns gesagt werden, daß schwarze Menschen und weiße
Menschen, durch Zusammenarbeit auf diesem Kontinent - der so viel Leid getragen und so viel Ungerechtigkeiten erlebt hat - eine neue Ära des Friedens,
des Wohlstands und der Menschenwürde geschaffen haben.
XXX
- 17 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Dokumentation

300

08-85432

7/1976

SEERECHT: PRÜFSTEIN FÜR INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
-Außenminister Henry Kissinger legt US-Standpunkt auf der 3. Internationalen
Seerechtskonferenz dar--(AD)-- In einer Rede auf der bis zum 7. Mai 1976 in New York tagenden Internationalen Seerechtskonferenz unterbreitete US-Außenminister Henry A. Kissinger
am 8. April 1976 neue Vorschläge der Vereinigten Staaten. Sie sollen einen
wichtigen Beitrag dazu leisten, die noch bestehenden Streitfragen im Verlaufe
dieses Jahres zu lösen. Eindringlich legte der Außenminister dar, wie notwendig im Interesse der ganzen Menschheit angesichts der weltweiten Probleme und
der immer rascher und umfassender wirksamen technologischen, wirtschaftlichen,
sozialen und politischen Kräfte die Arbeit dieser Konferenz ist, um zu einem
für die Völker der Welt akzeptablen Ergebnis zu kommen.
Die jetzt behandelten Fragen berühren praktisch alle Gebiete und Aspekte
der Nutzung der Meere - von den Küsten bis zu den fernsten Tiefenregionen der
Ozeane. Aber, so erklärte Kissinger, "wie die Meere selber eine Einheit bilden, so stehen auch die vielen und so verschiedenartigen Probleme miteinander
in engem Zusammenhang. Ohne Vereinbarungen über alle Fragen sind Einzel abkommen ohne Inhalt. Denn die Völker werden eine Teillösung nicht akzeptieren
- und dies umso weniger, als einige der bisher gemachten Zugeständnisse auf
der Erwartung basieren, daß auch in den noch offenen Fragen Fortschritte erzielt werden."
Der
- 1 -

�Der amerikanische Außenminister begrüßte die bemerkenswerten Ergebnisse,
die auf dem Wege zu einer Lösung der zahlreichen Schlüssel Probleme bereits erzielt wurden - insbesondere hinsichtlich der Ausweitung der Hoheitsgewä'sser auf
12 Seemeilen und der ungehinderten Durchfahrt durch Meerengen. Ähnliches gelte
auch für die vorgesehenen Kontrollbefugnisse von Küstenstaaten in Gebieten
jenseits ihrer Hoheitsgrenzen, nämlich in der 200 Seemeilen breiten sogenannten Wirtschaftszone, auf die sich die Konferenz nun voraussichtlich einigen
werde.
Nach wie vor sei aber die Frage offen, wer das Recht auf Ausbeutung von
Rohstoffquellen jenseits der 200-Meilen-Zone in Regionen habe, in denen das
kontinentale Schelfgebiet über die 200-Meilen-Grenze hinausreiche, und wer
von den Vorteilen profitieren solle, die sich aus der Nutzung jener Gebiete ergeben. Die USA streben eine Lösung an, die den Interessen der internationalen
Gemeinschaft gerecht wird, gleichzeitig aber den Wunsch der Küstenstaaten mit
breiter Schelfzone berücksichtigt, diese über die vorgesehene Wirtschaftszone
hinaus in Anspruch zu nehmen.
Das gegenwärtig erörterte System würde vorsehen, daß die Küstenstaaten
der Völkergemeinschaft einen bestimmten Anteil am Wert der in diesem Gebiet geförderten mineralischen Rohstoffe zugunsten der Entwicklungsländer und jener
Länder überlassen, die keinen Zugang zum Meer haben. Schließlich müßten aber
auch zur Lösung der lebenswichtigen Frage des Umweltschutzes im ozeanischen
Raum alle Anstrengungen unternommen werden, um befriedigende Vereinbarungen
über Schutzbestimmungen zu erzielen.
Der "Fortschritt bei diesen Schlüsselfragen ist ermutigend" betonte Kissinger. "Aber wir nti ;sen uns auch über die verbliebenen Streitfragen einig
werden, wenn das b.iher Erreichte nicht wieder verloren gehen und die Gefahr
einer weltweiten Anarchie heraufbeschworen werden soll". Auf diese strittigen
Punkte und die zu ihrer Lösung unterbreiteten Vorschläge der Vereinigten Staaten eingehend, führte Kissinger weiter aus:

�Drei Hauptfragen sind noch ungelöst:
- Erstens müssen Wege gefunden werden, um zur Meeresforschung zugunsten
der ganzen Menschheit zu ermutigen und gleichzeitig die berechtigten Interessen der Küstenländer innerhalb ihrer 200-Meilen-Wirtschaftszone zu schützen,
d.h. in jenem Gebiet, wo heute 80 Prozent der ozeanischen Forschungsvorhaben
durchgeführt werden.
- Zweitens muß der Vertrar Bestimmungen über eine zwangsweise und unparteiische Beilegung von Streitfällen enthalten, damit Meinungsverschiedenheiten über seine Auslegung und Praktiken, die mit dem Vertragswerk unvereinbar
sind, auf friedlichem Wege beigelegt werden können.

- Und drittens müssen wir die Rohstoffgewinnung aus der Tiefsee, d.h.
aus den bisher unzugänglichen Meeresregionen jenseits der Wirtschaftszonen und
der Schelfränder, in internationale Regie nehmen.

Die Vereinigten Staaten unterbreiten heute folgendes Vorschlagspaket als
einen Beitrag, der der Konferenz zu einer raschen und umfassenden Lösung der
noch offenen Probleme verhelfen soll:

Meeresforschung
Gesundheit, Sicherheit und Fortschritt der Völker der Erde könnten in hohem Maße vom Ausmaß der Meeresforschung abhängen. Diese muß gefördert und darf
nicht behindert werden. Um die Meeresforschung voranzubringen, sind die Vereinigten Staaten bereit, einem vernünftigen Ausgleich zwischen internationalen
Interessen und den Interessen der Küstenländer hinsichtlich der Meeresforschung
in der Wirtschaftszone zuzustimmen. Wir werden uns mit einer Kontrolle von
Projekten, die unmittelbar mit der Erforschung und Ausbeutung von Rohstoff-

�Rohstoffquellen in der Wirtschaftszone zusammenhängen, durch die Küstenstaaten einverstanden erklären. Aber wir werden auch darauf bestehen, daß andere
Projekte der Meeresforschung nicht behindert werden.
Wir sind uns bewußt, daß sich durch diese Unterscheidung in der Praxis
schwierige Fragen ergeben können. Deshalb glauben wir, daß die Entscheidung
darüber weder den Küstenländern noch ienen Ländern überlassen werden darf, die
Forschung betreiben wollen. Sie muß letztlich von einer unparteiischen Körperschaft getroffen werden

Beilegung von Streitigkeiten
Keine Nation könnte die einseitige Interprr+ation eines derart umfassenden Vertragswerkes durch einzelne Staaten oder eine Internationale Organisation für die Nutzung der Ozeane oder irgendeine andere interessierte Partei
akzeptieren. Um eine faire Beilegung von Streitfällen im Zusammenhang mit der
Interpretation des Vertrages zu fördern, schlagen die USA die Schaffung eines
unparteiischen Schlichtungssystems vor, dessen Entscheidungen für alle Signatarstaaten bindend w'*"ren. Dadurch würde sichergestellt, daß alle Staaten
einen Rechtsweg in Anspruch nehmen könnten, der unpolitisch und unparteiisch
ist und schnell zum Ziel führt. Er würde im besonderen die Rechte aller Staaten in der Wirtschaftszone schützen, indem er Meinungsverschiedenheiten zur
Interpretation des Vertrages beilegt, die zu ernsten Konflikten zwischen den
Parteien führen könnten. Er muß verantwortlich für das angemessene Gleichgewicht zwischen den Rechten der Küstenländer und den Rechten anderer Staaten
sorgen, die ebenfalls die Wirtschaftszone der Küstenländer nutzen - ja häufig
sogar darauf angewiesen sind. Und seine Entscheidungen müssen absolut bindend
sein
Die

- 4 -

�Die Tiefsee

Der dritte, äußerst komplexe und wichtige Punkt ist das Problem der
Tiefsee. Seit Jahrzehnten wissen wir, daß die Tiefsee ein großes potentielles
Reservoir für Nickel, Mangan, Kobalt und Kupfer darstellt - Rohstoffe, deren
Gewinnung beträchtlich zum künftigen Wirtschaftswachstum beitragen könnte.
Erst in jüngster Zeit wurden Technologien entwickelt, die es uns ermöglichen,
zu diesen Rohstoff-Feldern vorzudringen und sie abzubauen...
Die Vereinigten Staaten sind in der Technologie des Meeresbergbaus den
anderen Ländern um Jahre voraus, und wir werden unsere Interessen in jeder
Hinsicht zu schützen wissen. Auch wenn keine internationale Vereinbarung über
die Ti&lt;?fsee zustande kommt, könnten und würden die USA weiterhin Forschung
und Abbau betreiben.

Aber ein solche? Vorgehen brächte nur kurzfristig Vorteile ein. Auf weite Sicht ist es gefährlich. Schließlich wird jeder technologische Vorsprung
eines Landes von anderen einmal eingeholt. Dann würde ein Wettlauf um die Ausbeutung der Tiefsee beginnen. Dies kann nur zum Wirtschaftskrieg eskalieren,
die Freiheit der Schiffahrt gefährden und letztlich zu Kraftproben und militärischen Konflikten führen. Amerika würde sich selbst und seinem moralischen
Erbe untreu, wenn es eine Welt akzeptierte, in der Macht vor Recht geht

Lassen Sie mich kurz auf die speziellen Probleme zu sprechen kommen, denen wir uns gegenübersehen,und Ihnen die Vorschläge unterbreiten, die unseres
Erachtens die Basis für eine Übereinstimmung hinsichtlich der Tiefseegebiete
abgeben könnten - nämlich
- erstens Entscheidungsapparat für die Bewirtschaftung der Tiefseeregionen...
- zweitens Zugang zu den Tiefseeregionen...
- drittens Auswirkungen von Meeresbergbau auf Produzenten, die an Fest-

- 5 -

�Festlandvorkommen gebunden sind...
Die Vereinigten Staaten sind bereit, für eine gerechte Lösung dieser Fragen große Anstrengungen zu unternehmen und die Seerechtskonferenz zu einem
rasrhen und erfolgreichen Abschluß zu bringen. In diesem Sinne machen die
USA folgende Vorschläge:
1. Um ein gerechtes Entscheidungssystem zu gewährleisten, sollte nach
amerikanischer Ansicht nach wie vor der Vertrag zur Errichtung einer Internationalen Meeresboden-Rohstoffbehörde ermächtigen, die die Prospektion und Erschließung der Tiefseeregionen überwacht. Die Behörde würde aus vier Hauptorganen bestehen:
- einer Versammlung mit den Delegierten aller Mitgliedsstaaten zur Erteilung allgemeiner politischer Richtlinien;
- einem Exekutivrat, der als politisches Entscheidungsgremium fungiert,
Betriebs- und Umweltschutzvorschriften für den unterseeischen Bergbau erläßt und die Abbauverträge für die Tiefseeregionen überwacht;
- einem Schiedsgericht, um Streitfälle auf dem Rechtswege beizulegen, und
- einem Sekretariat für die Durchführung der täglichen Verwaltungsaufgaben der Behörde.
Die USA schlagen vor
- daß der Vertrag die Befugnisse der Behörde sorgfältig detailliert, damit alle jene Rechte hinsichtlich der Nutzung der Meere erhalten werden, die
nicht unter die Zuständigkeit der Behörde fallen, und damit jegliche Oberschneidung in Rechtsfragen mit anderen internationalen Organisationen vermieden wird;
- daß Zusammensetzung und Aufbau des Exekutivrates die Interessen von
Produzenten und Verbrauchern jener Staaten reflektieren, die sich am meisten

- 6 -

i.

�*

meisten mit dem Meeresbergbau befassen. Alle Nationen, deren lebenswichtige
nationale Wirtschaftsinteressen von Beschlüssen der Behörde betroffen werden,
müssen ihren Interessen gemäß Stimme und Einfluß im Rat haben;
- daß die vorgeschlagene ständige Meeresboden-Schlichtungsstelle Fragen
der Interpretation des Vertrages und der Befugnisse der Internationalen Behörde, die von Vertragspartnern oder von im Meeresbergbau tätigen Privatfirmen
vorgebracht werden, verbindlich klärt. Ohne ein solches Schiedsgericht kommt
es mit Sicherheit zu Streitereien ohne Ende. Eine derartige Körperschaft ist
notwendig, wenn ein Vorschlag zur Meeresbodennutzung auf breiter Basis akzeptiert werden soll.

2. Angemessener Zugang zu dpn Abbaufeldern im Meer muß für alle Nationen,
Industrieländer wie Entwicklungsländer, gewährleistet sein. Die USA schlagen
vor, daß der Vertrag in nichtdiskriminierender Weise für die Staaten und ihre
Bürger den Zugang zu den Tiefsee-Rohstoffen unter spezifizierten und vernünftige'" Bed-ngungen garantiert.
- Die Forderung nach garantiertem Zugang wird nicht erfüllt, wenn der Vertrag willkürliche oder restriktive Höchstgrenzen für die Zahl der von den Nationen auszubeutenden Abbaufelder festsetzt. Solche Begrenzungen sind außerdem unnötig, weil der Meeresbergbau gar nicht monopolisiert werden kann. Es
gibt weitaus mehr produktive Abbaufelder im Meer als vermutlich in Jahrhunderten abgebaut werden können.
- Die Vereinigten Staaten sind einverstanden, wenn als Teil der internationalen ozeanischen Rohstoffbehörde ein "Unternehmen" geschaffen wird, das
berechtigt ist, die Tiefseefelder unter denselben Bedingungen zu nutzen,die
ellgemein für den Bergbau gelten.
- Die

- 7 -

�- Die USA könnten als Teil einer allgemeinen Regelung ein System akzeptieren, in dem Primärabbaufelder ausschließlich der Ausbeutung durch besagtes
Unternehmen oder direkt durch Entwicklungsländer vorbehalten bleiben - falls
dieser Modus breite Unterstützung findet. Unter diesem System würde jeder
einzelne Vertragnehmer zwei Abbaufelder vorschlagen. Die Behörde würde dann
eines der Felder auswählen, das direkt durch die Behörde ausgebeutet würde,
oder zu dem Entwicklungsländer nach eigenem Gutdünken Zugang hätten. Das zweite Feld würde vom Vertragsnehmer in eigener Regie abgebaut.
Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die internationale Behörde ein
Verteilersystem für Einkünfte aus Bergbauaktivitäten zugunsten aller Staaten,
in erster Linie aber für den Bedarf der ärmsten Länder überwacht. Diese Einkünfte werden nicht nur Fortschritt und Wachstum der Entwicklungsländer fördern. Sie liefern auch den konkreten Beweis, daß politische Zusammenarbeit
einen fairen Anteil weltweiter Wirtschaftsaktivität einbringt. Die Beteiligung an den Einkünfte könnte entweder auf einem Abgabesystem oder auf der
Beteiligung an Bergbaugewinnen der Vertragsnehmer basieren. Durch ein solches
System würde der erklärte Vorsatz verwirklicht, die Tiefseeregionen als gemeinsames Gut der Menschheit zu betrachten.
- Schließlich sind die Vereinigten Staaten auch bereit, sich intensiv um
die Förderung des technischen Know-how und des Zugangs von Entwicklungsländern
zu modernen unterseeischen Bergbauverfahren zu kümmern, um ihnen auf diesem
Gebiet Hilfestellung zu leisten. So sollten beispielsweise Privatfirmen Anreize gegeben werden, sich an Vereinbarungen über den Technologietransfer und
die Ausbildung von Fachleuten aus Entwicklungsländern zu beteiligen.

3) Angesichts der berechtigten Besorgnisse der auf Festlandsvorkommen
angewiesenen Produzenten von Mineralien, welche auch in Tiefseefeidern gefunden
werden, bieten wir als zusätzlichen wichtigen Beitrag zu den Verhandlungen
folgende Schritte an:
- Die

- 8 -

�)

- Die Vereinigten Staaten sind in Bezug auf die Produktion von Meeresmineralien für die Dauer einer im Vertrag festgelegten Zeitspanne bereit, eine
temporäre Begrenzung zu akzeptieren, di'p an Prognosen für das - gegenwärtig
auf ca. 6 Prozent pro Jahr geschätzte - Wachstum dp«; Weltnickelmarktes gebunden ist. Dies würde im Endeffekt auch die Produktion anderer, in unterseeischen Erzknollen enthaltenen Mineralien, einschließlich Kupfer, begrenzen.
Nach Ablauf dieser Periode sollte sich die unterseeische Produktion an den
allgemeinen Marktverhältnissen orientieren können.
- Die USA schlagen vor, daß die Internationale Meeresboden-Behörde das
Recht zur Beteiligung an allen internationalen Abkommen über handelsfähige Güter aus der ihrer direkten Verantwortung unterstehenden unterseeischen Produktion gemäß deren Umfang erhält. Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit Flexibilität die Einzelheiten von Abkommen zu prüfen, die die Beziehungen zwischen
der Behörde und den Partnern jeglicher künftiger Abkommen über handelbare
Güter betreffen.
- Die vereinigten Staaten schlagen vor, daß ein Teil der Einkünfte der
Internationalen Meeresrohstoff-Behörde für Anpassungs-Hilfeleistungen verwendet wird, und daß Weltbank, regionale Entwicklungsbanken und andere internationale Institutionen Länder bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbschancen
oder anderen Wegen zur Diversifikation ihrer Produktion unterstützen, falls
sie durch die Gewinnung unterseeischer Mineralien ernstlich geschädigt sind.
Eine vordringliche Aufgabe der Internationalen Behörde, existiert diese einmal,
wird es sein, gemeinsam mit anderen internationalen Institutionen ein Anpassungs-Hilfeprogramm für Länder auszuarbeiten, deren Wirtschaft infolge des
unterseeischen Bergbaues aus dem Gleichgewicht gerät.
Diese Vorschläge zur Frage der Tiefsee-Rohstoffe werden im Geiste der
Zusammenarbeit und der Kompromißbereitschaft unterbreitet, der auch unsere
wirtschaftlichen Vorschläge auf der 7. Sondersitzung kennzeichnete und der
unsere Politik gegenüber den Entwicklungsländern leitet. Die Vereinigten

- 9 -

�V

Vereinigten Staaten prüfen ein breites Spektrum von Warenhandelsproblemen und
von Mitteln und Wegen, wie sie auf annehmbare Weise zu lösen sind. Wir beabsichtigen, auf der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung im kommenden Monat
in Nairobi eine aktive Rolle zu spielen und legen spezielle Vorschläge vor.
Wir hoffen in der Rohstoffkommission der Konferenz über internationale
wirtschaftliche Zusammenarbeit in Paris au* einen konstruktiven Dialog, und
wir sind an den Gesprächsrunden zwischen Produzenten und Verbrauchern, in denen - wie kürzlich auf der Kupferkonferenz - über einzelne Güter verhandelt
wird, aktiv beteiligt.
Die USA sind der Ansicht, daß sich die Weltgemeinschaft einer ernsten Verantwortung gegenübersieht. Unser Land darf

seine Bemühungen nicht aufschieben,

durch Tiefsee-Bergbauprojekte eine gesicherte Versorgung mit wichtigen Rohstoffen aufzubauen. Wir befüworten dringend ein

internationales Abkommen, das

bereits vor der Erschließung dieser Rohstoffe einen stabilen rechtlichen Rahmen
schafft, einen Rahmen, der gewährleistet, daß alle Rohstoffe zum Besten der
Weltgemeinschaft verwertet werden und daß sich alle daran beteiligen können.
Kommt jedoch in diesem Jahr ein solches Abkommen nicht zustande, so wird es
zunehmend schwieriger werden,

sich dem Druck zu einseitigem Vorgehen zu wider-

setzen. Durch ein Abkommen über die Tiefseerohstoffe würde es jedoch möglich,
die weltweite Interdependenz von einem Schlagwort in Realität zu verwandeln

XXX

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7/1976

SCHLECHTE WEIZENERNTE IM SÜDWESTEN DER USA ERWARTET
- Seit Monaten ungewöhnlich hohes Regendefizit -

--(AD)-- In den Bundesstaaten Colorado, Kansas, Neu Mexiko, Oklahoma und
Texas rechnet das amerikanische Landwirtschaftsministerium 1976 mit einem Minderertrag an Winterweizen gegenüber der Ernte im Jahre 1975 um ca. 26 Prozent. Infolge der Trockenheit dürfte in dieser Region die diesjährige Ernte
nur ca. 14,2 Millionen Tonnen (19,2 Millionen Tonnen im Vorjahr) erbringen.
Normalerweise liefern die genannten fünf Bundesstaaten ein Drittel der gesamten Weizenernte der Vereinigten Staaten, die 1975 insgesamt 58,1 Millionen
Tonnen betrug.
Schon während der Aussaat im Herbst war es ungewöhnlich trocken; die
Niederschläge erreichten nur ein Viertel der sonst üblichen Menge. Und während
der sowieso niederschlagsarmen Monate Dezember und Januar lag das Defizit
wiederum bei mehr als 5o Prozent. In einigen Landstrichen hat es seit Monaten
nicht mehr geregnet. Durch Winderosion wurden zusätzliche Schäden verursacht.
Trotz

- 1 -

�Trotz der düsteren Prognosen für den amerikanischen Südwesten haben bisher jedoch die Weizenpreise kaum angezogen. Die Gründe dafür sind in den noch
immer beträchtlichen Vorräten aus der Vorjahresernte und den bisher relativ
günstigen Wetterbedingungen in den übrigen Weizenanbaugebieten zu suchen.
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium kündigte für den 10. Mai
1976 die Veröffentlichung eines Berichtes über die Gesamtsituation in den
Weizenanbaugebieten an.

X X X

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7/1976

"LÄRMSCHUTZ"
Fachausstellung im US-Handelszentrum, Frankfurt/Main

Vom 22. bis 25. Juni 1976 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Ausstellung, an der etwa 25 amerikanische Hersteller
von Geräten und Vorrichtungen für Lärm/Vibrationsanalyse und -Schutz teilnehmen. Auch für diese Ausstellung ist, wie üblich, eine Fachtagung mit
Interessantem Vortragsprogramm geplant. Auf ihr werden die neuesten Entwicklungen der amerikanischen Aussteller vorgestellt, unter anderem:
Schallmeßgeräte:

Automatische und manuelle Schallmeß- und -Über-

wachungsgeräte, Eichnormale, Digitalrechner für Fourier- und Spektralanalyse, Filter, Lärmbelastungsmesser, stationär und tragbar, Geräuschgeneratoren, Oszillografen.
Schall Schutzeinrichtungen und -materialien:

Schallschutzkabinen,

-Vorhang sowie -trennwandsysteme, Maschinenprüfzellen, Echolose Räume,
Geräuschdämpfer, Dämmplatten, -matten und andere Materialien.
Gehörschutzeinrichtungen:

Überwachungsgeräte,

"Elektrische Ohren",

Ohrensch'ützer mit und ohne Kopfhörer und Mikrofon.
Geräte

�Geräte mit Vibrationsmeßtechnik: Vibrationsdämpfer, Monitoren und
Analysatoren, Prüfgeräte und -Systeme.
Der Lärmbekämpfung wird in Deutschland immer mehr Bedeutung zugeordnet.
Das Marktvolumen auf diesem Gebiet wird derzeit auf etwa 30 Millionen DM
geschätzt, bei einer jährlichen Zuwachsrate von mindestens 20 Prozent bis
zum Jahre 1979. Im kommenden Jahr werden sich etwa 11 500 Ingenieure und
Techniker in Industrie, Behörden und Organisationen speziell mit der Lärmbekämpfung befassen, gegenüber ca. 5700 im Jahre 1971. Infolge der bereits
existierenden oder noch zu erlassenden Arbeitnehmerschutzvorschriften ist
ein Marktpotential von ca. 55 000 Industriebetrieben vorhanden. Dieses
wird ergänzt durch Aufwendungen im Rahmen des allgemeinen Umweltschutzes.
Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum
Bockenheimer Landstraße 2/4
5000 Frankfurt/Main
Tel.: (0611) 72 08 Ol, Telex: 4-16535

+ + + + +

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger umreißt US-Politik gegenüber dem südlichen Afrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Außenministers in Lusaka am 27. April 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seerecht: Prüfstein für internationale Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Außenminister Henry Kissinger legt US-Standpunkt auf der 3. Internationalen Seerechtskonferenz dar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schlechte Weizenernte im Südwesten der USA erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Seit Monaten ungewöhnlich hohes Regendefizit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Lärmschutz"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fachausstellung im US-Handelszentrum, Frankfurt/Main&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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5

17. März 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:

Präsident Ford zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten
- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am
12. März 1976 Kissinger zieht außenpolitische Bilanz
- Rede des amerikanischen Außenministers in Boston am 11. März 1976

HINTERGRUNDMATERIAL:

Atomwaffensperre bleibt Ziel der US-Politik
Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuß für
Regierungstätigkeit

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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5/1976

PRÄSIDENT FORD ZUR AUSSENPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am 12. März 1976 -

CHICAGO - (AD) - Präsident Ford hat in einer vielbeachteten Rede vor dem
Chicago Council of Foreign Relations am 12. März 1976 die großen Linien der
amerikanischen Außenpolitik aufgezeigt. Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit, Ihre Fragen zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten zu beantworten.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg gegründet, hat

Ihre Organisation sehr viel früher als jeder andere Amerikaner die Bedeutung
der internationalen Rolle erkannt, die der Verlauf der Geschichte unserem Lande aufgebürdet hat.
Seit über einem halben Jahrhundert haben Sie wesentlich dazu beigetragen,
daß unsere Bürger die außenpolitischen Probleme der Vereinigten Staaten besser
verstanden haben. In den entscheidend wichtigen dreißiger Jahren kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Europa hat einer ihrer früheren Ratsvorsitzenden, der verstorbene Gouverneur Stevenson, Ihre Ziele klar dargelegt.
"Nur wenn wir uns die Probleme bewußt machen, vor denen unsere geplagte
Welt steht, können die Freiheit und die Privilegien, die wir heute schon als
selbstverständlich voraussetzen, für die künftigen Generationen der noch Unge- 1 -

�Ungeborenen gesichert werden".

Jahre später, als ich für General Eisenhower

einen heftigen Wahl kämpf gegen Gouverneur

Stevenson führte, hätte ich mir

nicht träumen lassen, daß ich sie beide heute hier in Chicago zitieren würde.
Aber ich kann das tun, weil die Annalen des öffentlichen Dienstes für
Amerika eindeutig ausweisen, daß sowohl Präsident Eisenhower als auch Gouverneur
Stevenson,

obwohl sie politische Rivalen waren, als es darauf ankam und die

nationalen Interessen der Vereinigten Staaten auf dem Spiele standen, nachhaltige und überzeugte Verfechter unserer überparteilichen Nachkriegspolitik des
Friedens durch Stärke waren.
Präsident Eisenhower hat unsere nationale Zielsetzung in klaren Worten
ausgesprochen:
"Wir streben nach dem Frieden, weil wir wissen, daß Frieden das Klima der
Freiheit ist.

Und wir streben heute, wie zu keiner anderen Zeit, nach ihm,

weil wir durch die Gewalt moderner Waffen gewarnt sind, daß Frieden das einzige
Klima überhaupt sein könnte, in dem menschliches Leben möglich ist ...
Wir sind aufgerufen, den Preis für diesen Frieden zu zahlen. Um der Drohung jener zu begegnen, die die Herrschaft durch Gewalt suchen, müssen wir die
Kosten für unsere eigene notwendige militärische Stärke aufbringen und anderen
beim Aufbau ihrer Sicherheit helfen." Unsere Politik des Friedens durch Stärke
ist nicht erst jetzt von mir erfunden worden. Sie ist bereits in unseren Geschichtsbüchern vorzufinden, wenn wir den weisen Ratschlag George Washingtons
lesen:
"Auf den Krieg vorbereitet zu sein, ist eines der wirksamsten Mittel
um den Frieden zu erhalten." Frieden durch Stärke war ein Thema in meinem
ersten politischen Wahl kämpf, als ich dem verstorbenen Senator Arthur Vandenberg,
meinem großen Freund und Mentor aus Grand Rapids, in der Unterstützung der
NATO, des Marshall-Plans und der Hilfe für Griechenland und die Türkei folgte.
Frieden durch Stärke war meine ständige Richtschnur in den 553 Abstimmungen über Fragen der Verteidigung und der Außenpolitik als Mitglied des Kongresses

�Kongresses der Vereinigten Staaten, als führendes republikanisches Mitglied
des Bewilligungsunterausschusses des Verteidigungsausschusses und als Fraktionsführer der Minderheit im Repräsentantenhaus.
mein ständiges Ziel als Präsident gewesen.

Frieden durch Stärke ist

Lassen Sie mich erklären, was

ich unter Frieden durch Stärke verstehe - nicht mit der Rhetorik eines Wahljahres, sondern anhand von Fakten.

Lassen Sie mich unsere nationale Sicher-

heitspolitik darlegen - nicht mit Worten, sondern mit dem, was wir tatsächlich für den Frieden in der Welt und die Aufrechterhaltung der Stärke im eigenen Land getan haben.
In meinen ersten Worten nach Ablegung des feierlichen Eides als Präsident habe ich mich zu einer ununterbrochenen und ernsthaften Suche nach Frieden verpflichtet. Ich sagte damals: "Amerika wird stark und einig bleiben,
aber seine Stärke wird der Sicherheit und der Würde der gesamten Menschheit,
wie auch unserer eigenen kostbaren Freiheit gewidmet bleiben."
Man braucht sich nur an Pearl Harbor zu erinnern um zu wissen, daß
Schwäche zum Krieg einlädt.
gend einer Front.

Aber heute kämpfen keine Amerikaner mehr an ir-

Es gibt viele ernsthafte - meiner Meinung nach jedoch kurz-

sichtige - Menschen, die glauben, daß die Milliarden für die Verteidigung für
andere Programme besser ausgegeben werden könnten.
Ich bin überzeugt, daß ausreichende Ausgaben für die nationale Verteidigung eine Versicherungspolitik sind - eine Versicherungspolitik für den
Frieden, auf die zu verzichten wir uns in der heutigen Welt nicht leisten können.

Wir brauchen diese Lebensversicherung, da wir einem mächtigen Gegner ge-

genüberstehen, der mit tödlichen Waffen gerüstet ist, und dessen Grundsätze
und Zielsetzungen sich von den unsrigen fundamental unterscheiden.

Wir werden

daran arbeiten, die Konfrontation abzubauen und eine nukleare Katastrophe zu
vermeiden.

Aber wir müssen auch bereit sein, Herausforderungen entgegenzu-

treten, wo immer und wann immer sie auftreten.
Es ist kein Geheimnis, daß die Vereinigten Staaten und die UdSSR in der
politischen und wirtschaftlichen Ideologie fundamental verschieden sind.

Wir

�Wir werden niemals aufhören, die Grundsätze zu verteidigen, für die wir eintreten - Freiheit, Rechte des Einzelnen, und unsere tiefe Überzeugung, daß
eine Regierung da ist, um ihren Bürgern zu dienen.
doppelte:

Unsere Aufgabe ist eine

die Ideale des amerikanischen Volkes zu verteidigen und zu fördern

und, wo immer möglich, die Spannungen und Konfrontationen abzubauen, die zur
nuklearen Katastrophe führen könnten.

Um das zu tun, müssen wir eine Position

der unbezweifelbaren Stärke aufrechterhalten.
Aus diesem Grunde habe ich einige Monate nachdem ich Präsident wurde,
dem Kongreß den höchsten Friedensverteidigungshaushalt in der Geschichte unseres Landes mit über 104 Milliarden Dollar vorgelegt.

Bedauerlicherweise

kürzte der Kongreß meinen Voranschlag um über 6 Milliarden Dollar.
In diesem Jahr habe ich dem Kongreß erneut einen Rekordverteidigungshaushalt von 112,7 Milliarden Dollar unterbreitet.
Der jetzt dem Kongreß vorliegende Haushaltsvoranschlag für die Verteidigung ist der Ausdruck meiner Entschlossenheit, die Verteidigung Amerikas - sowohl strategisch als auch konventionell - auf dem Stande aufrechtzuerhalten,
den unsere nationale Sicherheit erfordert. Dazu gehört eine Zunahme von 7,4
Milliarden Dollar in realer Kaufkraft zum Kauf neuer Waffensysteme, zur weiteren Verbesserung der Einsatzbereitschaft der vorhandenen Streitkräfte und zur
Verstärkung bestimmter Teile der Streitkräfte, während wir überall unnötiges
Fett abschneiden.
Der Voranschlag enthält Mittel für 16 neue Schiffe für unsere Marine und
die weitere Modernisierung der Flotte, einschließlich nukleargetriebener Unterseeboote und Lenkwaffenfregatten.

Ich werde mehr Mittel anfordern, wenn eine

derzeitige Studie zeigen sollte, daß die Marine noch rascher verstärkt werden
muß.
Die Arbeit am Trident-Unterseeboot, dem B-l Bomber, den Flugkörpern mit
Luftstrahltriebwerk

(Cruise Missiles) und ballistischen Raketen, einem neuen

Jagdbomber für die Marine und die Luftwaffe, modernen Panzern, Amphibien- 4 -

�Amphibienfahrzeugen und Infanteriefahrzeugen wird weitergeführt werden.
So wie wir unermüdlich an der Aufrechterhaltung der Elemente der Stärke
Amerikas gearbeitet haben, so habe ich geduldig nach dem Frieden durch diese
Stärke gestrebt.

Ich bin dreimal als Präsident nach Europa gereist, um un-

sere NATO-Verpflichtung mit unseren westlichen Verbündeten zu bekräftigen, unsere Wirtschafts- und Energiepolitiken mit den demokratischen Industrienationen
zu koordinieren, und unseren Handel und unsere Kontakte mit den Völkern Osteuropas zu verbessern und sie unserer Freundschaft zu versichern.
Ich ging nach Europa, um den Führern der Länder des Warschauer Pakts
- ja den Führern von 33 europäischen Nationen aus Ost und West - zu erklären,
daß die Nachkommen der Europäer in Amerika noch heute nach den Grundsätzen
leben, die hier vor 200 Jahren verkündet worden sind, daß alle Menschen - nicht
nur Amerikaner, sondern alle Männer und Frauen überall - von ihrem Schöpfer
mit unveräußerlichen Rechten auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück ausgestattet worden sind.
Ich habe ihnen unumwunden erklärt, - und ich bin stolz, das heute erneut
zu erklären - daß wir Amerikaner noch immer an diese Grundsätze glauben - daß
sie die Richtschnur unserer nationalen Politik bleiben - und daß sie weiterhin
Millionen von Menschen, die sich in Europa und sonstwo in der Welt nach Freiheit sehnen, Hoffnung geben.
Ich bin zweimal als Präsident nach Asien gereist, um unsere lebenswichtige Partnerschaft mit dem Nachkriegsjapan und unseren anderen freien Verbündeten zu stärken und unsere Beziehungen zu China weiter zu verbessern.

All

dies ist entscheidend wichtig für den friedlichen Fortschritt im Rahmen meiner pazifischen Doktrin.

Ich traf ferner in Wladiwostok mit Generalsekretär

Breschnew zusammen, und wir haben dort ein vorläufiges Übereinkommen über die
Begrenzung des unkontrollierten strategischen Nuklearwettrüstens zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten erreicht.

Wie Sie wissen,

verhandeln

wir noch immer über die Details eines solchen Abkommens, und ich kann noch
nicht sagen, wann oder sogar ob diese Verhandlungen abgeschlossen werden.

Aber

�V

Aber ich kann sagen, daß seitdem die Russen im Jahre 1949 ihre erste Kernexplosion ausgelöst haben, jeder Präsident der Vereinigten Staaten versucht
hat, dieses tödliche Duell zu bremsen oder zu beenden, und wir sind dem heute
seither am nächsten gekommen.

Und ich will heute auch ohne Zögern sagen, daß

ich niemals irgend einem solchen Vertrag zustimmen oder ihn dem Senat der Vereinigten Staaten zur Ratifizierung vorlegen werde, wenn ich nicht absolut überzeugt bin, daß er im besten Interesse der Vereinigten Staaten und des Friedens
in der Welt liegt.
Wenn wir ein gutes SALT II-Abkommen erlangen, dann wird es für die
nächsten sieben bis zehn Jahre den strategischen Waffen eine Grenze nach oben
setzen.
stecken.

Es wird die Russen zwingen, in ihren gegenwärtigen Plänen zurückzuUm ein solches Abkommen wirklich verifizieren zu können, werden wir

die Nachrichtendienst-Kapazität der Vereinigten Staaten als die beste in der
Welt aufrechterhalten müssen.
Aus diesem Grunde habe ich eine grundlegende Reform zur Stärkung und
Verbesserung unserer nachrichtendienstlichen Tätigkeit im Ausland angeordnet
und gleichzeitig weiteren Mißbräuchen der Rechte von Amerikanern Einhalt geboten. Dies fällt beides in den Aufgabenbereich und die Verantwortung des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Aber ich werde nicht zulassen, daß irgendjemand unsere Kapazität der weltweiten nachrichtendienstlichen Tätigkeit zerstört.
Ich bin im übrigen der Meinung, daß es an der Zeit ist, damit aufzuhören,
Amerika und die Institutionen Amerikas herabzusetzen. Ich glaube an dieses
Land, an die Güte seiner Menschen und die Rechtschaffenheit seiner Zielsetzung.
Weil wir unsere große Stärke und unseren großen Einfluß benutzt haben, um anderen zu helfen, sind die Vereinigten Staaten in der Lage, eine positive Rolle
als Friedensstifter in der Welt zu spielen.
Das Sinai-Abkommen zwischen Israel und Ägypten vom September vorigen
Jahres funktioniert gut und ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten. Wir stärken unsere alten und neuen Freund- 6 -

�Freundschaften mit den Nationen Lateinamerikas und Afrikas, und ich habe das
Kuba Castros und seine sowjetischen Schirmherren vor jedem weiteren bewaffneten Abenteurertum auf einem Kontinent dieser Erde gewarnt. Wir stehen in den
Vereinten Nationen für unsere Grundsätze ein, und wir werden das auch weiterhin
tun.

Wir fördern unseren Außenhandel und haben wieder eine positive Zahlungs-

bilanz hergestellt - zu einem guten Teil durch die Anstrengungen amerikanischer
Farmer, deren Produktivität eine unserer größten Faktoren unserer Stärke für
den Frieden ist.
Frieden und Stärke sind Teil einer einzigen Politik, die zwei Seiten
derselben Medaille. Außenminister Kissinger und unser Mitbürger aus Illinois,
Verteidigungsminister Rumsfeld, führen eine einzige amerikanische Politik aus.
Ein gutes Beispiel dafür erscheint diese Woche in der Ausgabe der Zeitschrift
"U.S. News and World Report", die ausführliche Interviews mit meinen beiden
Kabinettsmitgliedern enthält. Sie wurden getrennt gefragt, und keiner kannte
die Antworten des anderen. Aber die Politik,die sie darlegen, ist klar und
eindeutig übereinstimmend. Sie haben verschiedene Aufgaben, aber ein einziges
Ziel. Dieses Ziel - Frieden durch Stärke - ist in diesen schwierigen und gefährlichen Zeiten die richtige Politik für unser Land.
Lincoln rief die beunruhigten Amerikaner seinerzeit auf, daran zu glauben,
daß Recht Macht schafft.

Er hat die Stärke nicht vernachlässigt, die aus

materieller Macht entsteht. Auch wir können das nicht. Aber ebensowenig
dürfen wir die Rechtschaffenheit dessen vergessen, für das wir in der Welt eintreten.

Wir treten für die Freiheit ein - weil Freiheit Recht ist. Wir tre-

ten für den Frieden ein - weil Frieden Recht ist.
Wir treten für die Stärke ein - unsere nationale Stärke, die sowohl den
Frieden als auch die Freiheit sichert - für uns selbst und für andere - weil
diese Art der Stärke Recht ist und sicherlich die Oberhand behalten wird.

+ + + + +

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5/1976

KISSINGER ZIEHT AUSSENPOLITISCHE BILANZ
- Rede des amerikanischen Aussenministers in Boston am 11.März BOSTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger hat am
11. März in einer Rede vor dem World Affairs Council in Boston in einer aussenpolitischen Bilanz seine Politik gegenüber den Kritikern im eigenen Lande
verteidigt und gleichzeitig die Sowjetunion gewarnt, daß verbesserte Beziehungen zwischen beiden Ländern "kein zweites Angola" vertrügen. Neben den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen behandelte Kissinger unter anderem die NATO
und die Dritte Welt. Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Botschafter Lodge, verehrte Gäste und Freunde!
Ich weiß die Ehre, die Sie mir heute zuteil werden lassen, besonders zu
schätzen, nicht nur, weil sie mir von alten Freunden in Massachusetts zugedacht
wird, sondern auch wegen des Namens, der damit verbunden ist. In seiner langen
Laufbahn als Parlamentarier, Gouverneur und Außenminister verkörperte
Christian Herter die Ideale des selbstlosen öffentlichen Dienstes und verantwortungsbewußten Patriotismus, die die großen Führer unserer Nation immer gekennzeichnet haben. Vor allem war Christian Herter ein Mann, der an sein Land
und an das Gute seines Landes glaubte. Er begriff die entscheidende Rolle, die
dieses Land um der Sicherheit, des Fortschritts und der Gerechtigkeit willen
in der Welt spielen muß.
In

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�In diesem Wahljahr, zehn Jahre nach Christian Herters Tod, täten wir
alle gut daran, uns seiner Weisheit zu erinnern. Amerika ist auch heute noch
das große und gute Land, an das er geglaubt hat, und unsere Beteiligung an
der internationalen Szene ist noch genau so entscheidend, wenn wir in unserer
Zeit den Frieden und ein besseres Leben für die Menschheit erleben wollen.
Wir dürfen niemals vergessen. c M '•r'-^re
liegen hat, die über dieses Wahljahr

Nation bleibende Interessen und An-

.inaus bewahrt werden müssen.

Wir können eine Zeit der nationalen Erneuerung erleben - in der Amerikaner frei ihren Gesellschaftsvertrag neu aushandeln. Wenn aber das Streben nach
kurzfristigen Vorteilen die Oberhand ü h T alle anderen Überlegungen behält,
dann kann ^s eine Periode irreführender Vereinfachungen, weiterer Spaltungen
und steriler gegenseitiger Beschuldigungen werden.
Diese Administration ist seit vielen Monaten bereit, ihre Politik, ihre
Prämissen und ihre Vorstellungen von der Zukunft dem amerikanischen Volk vorzulegen. Der Präsident hat oft über unsere Anliegen und Hoffnungen in der Welt
gesproch»
Ich habe allein während der letzten 14 Monate 17 große Reden gehalten, 20 große Pressekonferenzen abgehalten und zahllose Interviews gegeben,
und ich habe 39 mal vor Kongreßausschüssen Rede und Antwort gestanden.
"

•

Natürlich kann es unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der Politik geben, die in einer komplexen und gefährlichen Welt zu verfolgen sei. Wer aber
die heutige Politik in Frage stellt, der hat die Verpflichtung, über Kritik,
Schlagworte und Beschimpfungen hinauszugehen und im Detail darzulegen, welche
Vorstellungen und Alternativen er hat, was das wohl kosten würde und wie die
Chancen und Risiken aussehen.
Amerika hat eine schwierige Zeit durchgemacht - da unsere Institutionen
angegriffen, unsere Zielsetzungen angezweifelt, und unser Wille in Frage gestellt wurde. Es ist jetzt an der Zeit, wie Adlai Stevenson sagte, "mit dem
amerikanischen Volk ein ernstes Wort zu reden".
Als

�Als Nation stehen wir vor neuen Gefahren und Chancen. Aber weder die Gefahren noch die Chancen werden auf unsere Entscheidungen im kommenden November
warten, und sie kennen beide zutiefst von dem beeinflußt werden, was wir in
der Zwischenzeit sagen und tun. Komplexe Realitäten können nicht durch nostalgische Vereinfachungen aus der Welt geschafft werden.
Durch die ganzen Wirren dieses Jahrzehnts hat unsere Außenpolitik unsere
fundamentalen Ziele mit Energie und Ausdauer verfolgt:
- Seit über einem Jahrzehnt leben wir zum ersten Mal in Frieden. Kein
Amerikaner braucht irgendwo auf der Welt zu kämpfen.
- Unsere Beziehungen zu unseren Freunden und Verbündeten in der atlantischen Gemeinschaft und mit Japan sind niemals stärker gewesen.
- Mit der Volksrepublik China ist eine neue und dauerhafte Beziehung angebahnt und gefördert worden.
- Die Konfrontation im Herzen Europas hat nachgelassen. Ein ViermächteAbkommen über Berlin hat anderthalb Jahrzehnte der Krise und Konfrontation
abgelöst.
- Wir haben ein Interims-Abkommen zur Begrenzung strategischer Rüstungen
mit der Sowjetunion ausgehandelt, das der zahlenmäßigen Ausweitung sowjetischer
strategischer Programme Einhalt geboten und gleichzeitig die Durchführung eigener notwendiger Programme erlaubt hat.
- Wir verhandeln gegenwärtig über ein langfristiges Abkommen, das, wenn
erfolgreich abgeschlossen, zum ersten Mal in der Geschichte der Gesamtzahl
strategischer Waffen eine obere Grenze setzen und de Sowjetunion zwingen wird,
einige ihrer bestehenden Systeme abzubauen.
- Hinsichtlich einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten ist ein bedeutsamer
Fortschritt erreicht worden. Es bleibt noch viel zu tun und es gibt noch viele
Gefahren, aber zum ersten Mal seit der Gründung des Staates Israel ist der
Friedensprozeß in Gang gekommen.
- In

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�- In unseren Beziehungen zu Lateinamerika zeichnet sich eine neue Reife
und ein neuer Auftrieb ab, der die sich wandelnden Realitäten in der westlichen Hemisphäre und die wachsende Bedeutung dieser Länder auf der internationalen Bühne widerspiegelt.
- Die Vereinigten Staaten haben die globale Führungsrolle bei der Ausarbeitung einer umfassenden Agenda für eine neue und beiderseits nützliche Beziehung

zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten übernom-

men.
- Wir haben in allen internationalen Gremien wie auch in unseren bilateraler Beziehungen die Rechte und Würde des Menschen verteidigt.
Das ist eine ansehnliche Liste amerikanischer Leistungen, die über Parteigrenzen hinausgeht, denn das meiste ist unter Zusammenarbeit beider Parteien erreicht worden. Es entspricht den Idealen des amerikanischen Volkes,
es kündet für unsere Nation eine anhaltende Rolle moralischer und politischer
Führung an - wenn wir die Einsicht, den Willen und die Einheit an den Tag
legen, um die uns von der Geschichte gebotene Chance zu ergreifen.
Vor 30 Jahren begann dieses Land sich zum ersten Mal in Friedenszeiten
dauerhaft in außenpolitischen Angelegenheiten zu engagieren. Wir haben Großes
erreicht und wir können dies auch weiterhin tun, solange wir bereit sind, uns
der Tatsache zu stellen, daß wir in einer komplexeren Zeit leben:
- Die Sowjetunion ist heute eine Supermacht. Wir hätten nichts tun können, was diese Entwicklung verhindert hätte, nach dem Anstoß, den zwei Generationen industriellen und techpologisehen Fortschritts dem militärischen und
wirtschaftlichen Wachstum der Sowjetunion gegeben haben. Aber zusammen mit
anderen müssen wir sicherstellen, daß russische Macht und russischer Einfluß
nicht in eine Expansion sowjetischer Kontrolle und Herrschaft über die Grenzen
der UdSSR hinaus umgesetzt werden. Das ist eine Vorbedingung für eine konstruktivere Beziehung.
- Heute

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�- Heute sind Dutzende neuer Nationen entstanden und haben neue Einflußzentren geschaffen. Diese Nationen stellen beharrliche Ansprüche an das globale System, sie bringen ihre neue wirtschaftliche Macht ins Spiel und sie
streben nach einer größeren Rolle und einem größeren Anteil an der Prosperität der Welt.
- Heute sind die Kräfte der Demokratie zu neuerlicher schöpferischer
Kraft und zu neuerlichem Weitblick aufgerufen. In einer Welt der Vielfältigkeit - in einer Welt des Gleichgewichts und der Koexistenz, des Wettbewerbs
und der Interdependenz - sind es unsere demokratischen Werte, die unserem
Opfer wahre Bedeutung und unseren Anstrengungen die Zielsetzung geben. So
hat der Zusammenhalt der demokratischen Industrienationen eine moralische
ebenso wie eine politische und wirtschaftliche Bedeutung.
Die Amerikaner sind ein realistisches Volk, das die Definition einer
Herausforderung niemals als eine Prophezeiung des Untergangs oder als ein
Zeichen des Pessimismus angesehen hat. Statt dessen haben wir es immer als
einen Aufruf zum Kampf betrachtet. Die Tapfersten, so sagt Thukydides, sind
sicherlich jene, die den klarsten Blick für das vor ihnen liegende haben, ob
Sieg oder Gefahr, und doch nicht zögern, den Dingen zu begegnen. Das ist seit
je die Bewährungsprobe der Demokratie gewesen - und es ist seit je die Stärke
des amerikanischen Volkes gewesen.
Lassen Sie mich jetzt auf die bleibenden Interessen Amerikas eingehen:
Frieden, Fortschritt und Gerechtigkeit.

Gleichgewicht und Frieden
Seit Anbruch des Atomzeitalters bildeten die Beziehungen zwischen -den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gleichsam den Dreh- und Angelpunkt
für die Furcht der Welt vor einer Katastrophe oder für ihre Hoffnungen auf
Frieden.
In einer Zeit, in der zwei Länder über die Macht verfügen, die Welt innerhalb weniger Stunden in eine Trümmerwüste zu verwandeln, gibt es kein

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�kein dringlicheres und höheres Gebot, als sicherzustellen, daß die Beziehungen
zwischen den Supermächten wirksam und vernünftig gestaltet werden. Dies ist
eine Aufgabe, wie es sie noch nie bisher gegeben hat. In der Geschichte haben
ideologischer Konflikt und geopolitische Interessen, wie sie für die gegenwärtige internationale Situation charakteristisch sind, nahezu unabänderlich
in einem Konflikt geendet. Aber in dem Zeitalter der thermonuklearen Waffen
und des strategischen Gleichgewichtes würde die Menschheit eine solche Wiederholung der Geschichte nicht überleben. Keine noch so harte Rhetorik kann an
diesen Realitäten etwas ändern. Die Zukunft unseres Landes und der Menschheit
hängt davon ab, wie gut es uns gelingt, eine Konfrontation ohne Preisgabe
unserer lebenswichtigen Interessen zu vermeiden, und wie gut es uns gelingt,
stabile, zu mehr Hoffnungen berechtigende Beziehungen ohne Preisgabe von Prinzipien zu errichten.
Wir stehen daher vor der Notwendigkeit, eine zweigleisige Politik zu verfolgen: Auf der einen Seite sind wir entschlossen, zu verhindern, daß die
sowjetische Militärmacht für eine politische Expansion eingesetzt wird; wir
werden eine solche abenteuerliche Politik entschlossen einzuschränken suchen
und ihr mit Entschiedenheit entgegentreten. Zugleich aber können wir nicht
jeden politischen Disput zu einer zentralen Krise aufbauschen, noch können wir
uns damit zufrieden geben, Außenpolitik mit Krisenmanagement gleichzusetzen.
Es ist unsere Pflicht, auf eine positivere Zukunft hinzuarbeiten. Wir müssen
Widerstand gegen Druck und unverantwortliches Verhalten mit echten Bemühungen
um den Aufbau einer kooperativen Welt verbinden.
Die Geschichte kann uns bei diesen Bemühungen leiten - oder auch fehlleiten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg standen Staatsmänner und Völker eine Generation lang unter dem Trauma der Erfahrungen von München; sie glaubten, daß die
Geschichte bewiesen habe, wie töricht es ist, einem Gegner zu gestatten, ein
Übergewicht an Macht zu erlangen. Dies war und bleibt eine entscheidend wichtige Lehre.
Eine

�Eine spätere Generation wurde durch die Vietnamerfahrungen geläutert;
es steht fest, daß Amerika sich niemals wieder zu stark expon^ren oder sich
übernehmen wird, indem es sich in weit entfernte Kriege ohne klaren strategischen Sinn einläßt. Auch dies ist eine Lehre von entscheidender Bedeutung.
Gleich wichtig jedoch und zu oft unbeherzigt ist die Lehre, die eine frühere Generation erfahren mußte. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es ein
tatsächliches Mächtegleichgewicht. Krise nach Krise führte die Länder zur Konfrontation und dann zum Rückzug auf den Kompromiß. Stabilität wurde als
Selbstverständlichkeit betrachtet, bis - ohne irgend einen erkennbaren Entschluß zum Sturz des internationalen Systems - eine Krise, die wie jede andere
begann, außer Kontrolle geriet. Ein Land nach dem anderen schlitterte in einen
Krieg hinein, dessen Ursachen sie nicht verstanden,aber aus dem sie sich auch
nicht heraushalten konnten. Die Folgen waren der Tod von vielen Millionen Menschen, die Zerstörung der weltweiten Ordnung und innenpolitische Umstürze, unter deren Auswirkungen die Menschheit immer noch zu leiden hat.
Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, so dürfen wir nicht nur die
Lehren herausgreifen und annehmen, die uns zur Inspiration dienen. Die Geschichte dieses Jahrhunderts zeigt uns:
- daß ein Ungleichgewicht der Macht zur Aggression ermutigt;
- daß die Übernahme zu großer Verpflichtungen innenpolitisch nicht tragbar ist;
- und daß ein Gleichgewicht, das auf einer ständigen Konfrontation basiert, letztlich in einer Katastrophe enden wird.
Aber in den Lehren der Geschichte liegt keine Automatik; jede Generation
muß sie auf ganz konkrete Fälle anwenden.
Es steht außer Zweifel, daß Frieden in erster Linie auf der Erhaltung
eines Gleichgewichts globaler Stabilität beruht. Wenn man sich letztlich nicht
auf Stärke stützen kann, wird aus Ausgleich bald Kapitulation. Mäßigung ist
nur bei denen eine Tugend, von denen man glaubt, daß sie auch anders könnten.

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�könnten.
Diejenigen, die ein übertriebenes Bild von der sowjetischen Stärke und
der amerikanischen Schwäche malen, leisten unserem Land damit keinen Dienst,
genausowenig wie die, die zögern, Widerstand zu leisten, wenn wir herausgefordert werden, oder die, die nicht die Chancen sehen, die sich uns bieten, um
die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen durch eigenes selbstsicheres Handeln
zu gestalten. Die sowjetische Stärke ist ungleich; die Schwächen und Enttäuschungen im sowjetischen System sind offenkundig und eindeutig dokumentiert
worden. Trotz des zwangsläufigen Zuwachses an Stärke bleibt die Sowjetunion
bei einer Gesamtbewertung der militärischen, wirtschaftlichen und technologischen Stärke weit hinter uns und unseren Verbündeten zurück; es wäre äußerst
unbesonnen, wollte die Sowjetunion die großen demokratischen Industriestaaten
herausfordern. Und auch die sowjetische Gesellschaft ist nicht länger mehr abgeschirmt gegen die Einflüsse und die Anziehungskraft der Welt außerhalb ihrer
Grenzen oder unberührt von der Notwendigkeit, Kontakte zu der übrigen Welt zu
unterhalten.
Die großen demokratischen Industrienationen verfügen über die Mittel, um
der sowjetischen Expansion Einhalt zu gebieten und das sowjetische Verhalten
zu mäßigen. Wir dürfen auf diese Verantwortung nicht verzichten, indem wir
uns selbst entweder dadurch schwächen, daß wir unsere Verteidigung nicht genügend unterstützen oder uns weigern, unsere Macht zur Verteidigung unserer
Interessen einzusetzen. Wir müssen zusammen mit unseren Verbündeten immer das
tun, was zur Aufrechterhaltung unserer Sicherheit notwendig ist.
Es ist richtig, daß wir nicht der Polizist der Welt sein können. Nicht
alle lokalen Kriege und regionalen Konflikte wirken sich auf die globale Stabilität oder das nationale Interesse Amerikas aus. Aber wenn eine der Supermächte diese Konflikte systematisch zu ihrem eigenen Vorteil ausnützt, und
durch ihre Intervention die Waagschalen entscheidend nach der einen oder anderen Seite beeinflußt, dann wird mit der Zeit das Gesamtgleichgewicht berührt
werden. Wenn man zuläßt, daß in lokalen Krisen das Abenteurertum Erfolg hat,

�hat, dann ist ein gefährlicher Präzedenzfall mit größeren Konsequenzen geschaffen. Andere Nationen werden ihre Politik nach ihrer Vorstellung des
herrschenden Trends einrichten. Unsere Fähigkeit, künftige Krisen zu kontrollieren, wird geringer werden. Und wenn dieser Entwicklung nicht Einhalt geboten wird, dann wird Amerika letztlich vor schwereren Entscheidungen, höheren
Kosten und ernsteren Krisen stehen.
Unsere Verpflichtung geht jedoch über die Erhaltung des Gleichgewichts
der Kräfte hinaus. Ein bloßes Gleichgewicht ist eine zu brüchige Grundlage
für unsere Zukunft auf lange Sicht. Ein Gleichgewicht des Terrors, das ständig
auf die Probe gestellt wird, bringt keine Ruhe. Wir müssen der doppelten Versuchung der Provokation und des die Hände in den Schoß-legens widerstehen.
Unser Kurs muß gerade sein und darf nicht dem folgen, was gerade in Mode ist.
Wir müssen eine Politik verfolgen, die unsere Gegner respektieren, die unsere
Verbündeten unterstützen und an die unser Volk glaubt und die es trägt.
Darum haben wir versucht, mit der Sowjetunion die Schatten einer nuklearen Katastrophe zu vertreiben - indem wir konkrete Probleme wie Berlin zu
lösen - und die Konfrontation abzubauen suchten, und indem wir über die Begrenzung strategischer Rüstungen verhandelten, um das Wettrüsten zu verlangsamen. Und wir haben die Aussicht auf kooperative Beziehungen auf wirtschaftlichem und anderen Gebieten angeboten, wenn die politischen Verhältnisse ihre
Verwirklichung und Weiterentwicklung erlauben.
Es steht außer Frage, daß dieser Prozeß nur auf der Basis der Gegenseitigkeit vor sich gehen kann. Er kann nicht den ständigen Versuch überleben,
einseitige Vorteile anzustreben. Er kann vor allen Dingen kein weiteres Angola überleben. Wenn die Sowjetunion bereit ist, sich einer echten Koexistenz
zu stellen, dann sind wir bereit, jede nur mögliche Anstrengung zu unternehmen, um ein System der Zurückhaltung und des beiderseitigen Interesses zu
gestalten, das der Koexistenz einen zuverlässigeren und positiveren Charakter
geben und beiden Seiten bewul. machen wird, was durch eine Konfrontation verloren ginge und was durch Kooperation gewonnen werden kann. Wenn eine nachhaltige Reaktion auf einen sowjetischen Übergriff erforderlich werden sollte,
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�sollte, dann, dessen sind wir gewiß, wird der Präsident die Unterstützung des
amerikanischen Volkes - und unserer Verbündeten - in dem Maße besitzen, in
dem er demonstrieren kann, daß uns die Krise aufgezwunger, wurde und daß sie
nicht daraus resultierte, daß wir Chancen für eine Verbesserung der Aussichten für den Frieden verpaßt haben.
Es gibt keine Politik, die in Bälde, wenn überhaupt, den Wettstreit und
die nicht zu vereinbarenden ideologischen Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion aus der Welt schaffen wird. Ebensowenig
werden alle Interessen miteinander vereinbar sein. Wir befinden uns in einem
sich hinausziehenden Prozeß eines unvermeidbaren Auf und Ab. Aber es gibt
keine Alternative für die Politik der Bestrafung des Abenteurertums und der
Anreize für die Zurückhaltung. Was schlagen jene, die so leichtfertig von
Einbahnstraßen oder Konzessionen ohne Gegenleistungen sprechen, konkret vor,
was dieses Land tun sollte? Was ist denn eigentlich genau aufgegeben worden?
Welche Risiken würden sie eingehen? Welche Veränderungen unserer Verteidigungsposition, welchen Stand an Ausgaben über welchen Zeitraum würden sie genau vorschlagen? Wie würden ihre Vorschläge für die Handhabung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in einer Ära strategischer Gleichwertigkeit
konkret aussehen?
Es wäre an der Zeit, daß wir eine Antwort auf alle diese Fragen bekämen.
Wir müssen - und wir werden - kurz gesagt, die beiden großen Linien
unserer Politik gegenüber der Sowjetunion weiter verfolgen: Festigkeit angesichts von Druck und Weitblick in der Arbeit für eine bessere Zukunft. Dazu
sind wir durchaus fähig. Das schulden wir unserem Volk, unserer Zukunft, unse
ren Verbündeten und der übrigen Menschheit.
Die

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�Die Weltgemeinschaft
Die politischen Umwälzungen dieses Jahrhunderts haben eine weitere Aufgabe hervorgebracht - die fundamentale Notwendigkeit der Neugestaltung der
Struktur internationaler Beziehungen. Zum ersten Mal in der Geschichte ist
das internationale System im echten Sinne global. Die Entkolonialisierung und
die Ausweitung der Weltwirtschaft haben zur Geburt von Dutzenden neuer Nationen und neuer Zentren der Macht und Initiative geführt. Unsere heutige Welt,
in der es beinahe 150 Nationen gibt, kann zur Brutstätte zunehmender Wirtschaftskriege, politischer Instabilität und ideologischer Konfrontation werden
oder sie kann zu einer Gemeinschaft werden, die von einer beispiellosen
internationalen Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Die Interdependenz der
Nationen - die Unteilbarkeit unserer Sicherheit und unserer Prosperität kann unseren gemeinsamen Fortschritt beschleunigen oder unseren gemeinsamen
Niedergang..
Daher müssen wir über ein Gleichgewicht der Macht in den Ost-West-Beziehungen hinausstreben, daher müssen wir über das Messen der Kräfte in den
Nord-Süd-Beziehungen hinauskommen und eine echte Weltgemeinschaft aufbauen.
Wir müssen das in unserem eigenen Interesse tun, denn das heutige Geflecht wirtschaftlicher Beziehungen verknüpft das Schicksal der ganzen Menschheit. Der Preis und das Angebot von Energie, die Handelsbedingungen, die Ausweitung der Lebensmittelproduktion der Welt, die technologischen Grundlagen
der wirtschaftlichen Entwicklung, der Schutz der Umwelt, die Rechtsnormen, die
für die Ozeane der Welt und den Weltraum gelten - all dies sind Anliegen, die
alle Nationen angehen und die nur im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit befriedigend bewältigt werden können.
Auch hier müssen wir den langen Atem einer vielfältigen Politik haben.
Wir müssen Taktiken der Konfrontation widerstehen, aber unser größeres Ziel
muß es sein, neue internationale Beziehungen zu gestalten, die kommende Jahrzehnte überdauern werden. Wir werden uns durch Druck oder Drohungen nicht in
Panik bringen lassen. Aber es liegt in unserem eigenen Interesse, ein inter-

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�internationales Wirtschaftssystem zu schaffen, das alle Nationen als legitim
ansehen werden, weil sie selbst ein Interesse daran haben, und weil sie selbst
es als gerecht betrachten.
Als stärkste Macht der Welt könnten die Vereinigten Staaten eine Ära des
Wirtschaftskrieges überleben. Aber selbst wir würden davon getroffen werden,
und kein Amerikaner, der an das humane Erbe seines Landes glaubt, könnte eine
Befriedigung in der Welt finden, die im Gefolge der Konfrontation entstünde.
Die Vorteile einer gemeinsamen Anstrengung liegen so sehr auf der Hand, und die
Aussichten eines Wirtschaftskrieges wären so schädlich, daß es keine moralische oder praktische Alternative zu einer Welt der erweiterten Zusammenarbeit
gibt.
Daher haben die Vereinigten Staaten auf der Welternährungskonferenz im
Jahre 1974, in der Sondersitzung der UN-Vollversammlung im September vorigen
Jahres und auf der gegenwärtigen Konferenz über internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit in Paris im Angebot von Programmen der praktischen Zusammenarbeit die Führung übernommen. Wir haben eine Vielzahl von Vorschlägen vorgelegt, um die Exporterlöse zu sichern, um das Wachstum von Industrie und Landwirtschaft zu beschleunigen, um bessere Bedingungen für den Handel mit und
für Investitionen bei den wichtigsten Rohstoffen zu schaffen und um das Los
der ärmsten Länder zu erleichtern - und sind energisch bestrebt, sie durchzusetzen. Auf jedem wichtigen Gebiet haben wir Formen der Zusammenarbeit zwischen
allen Ländern vorgeschlagen - dies schließt die anderen Industriestaaten, die
jetzt reich gewordenen ölproduzenten und auch die Entwicklungsländer selbst
ein.
Der Westen - und in einem sehr großen Maße unser Land - verfügt über die
Hilfsquellen, die Technologien, das Wissen, die Organisationsfähigkeit und den
guten Willen, die Anreiz und Einladung für eine Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern sind. In dem weltweiten Dialog zwischen den Industriestaaten
und den Entwicklungsländern fallen die kommunistischen Länder durch ihr Fehlen
und in der Tat durch ihre Interesselosigkeit auf.
Doci

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�Doch gerade in dem Augenblick, in dem die großen demokratischen Industriestaaten den Bestrebungen der Entwicklungsländer zu entsprechen beginnen, suchen viele von ihnen durch Gewalt das zu erpressen, was ihnen in Wirklichkeit bereits freiwillig angeboten worden ist.
Die Vereinten Nationen und andere internationale Gremien werden nur zu
oft durch unsachliche Abstimmungen, undurchführbare Resolutionen und willkürliche Verfahren beherrscht. Länder, die ursprünglich die Blockfreiheit gewählt
haben, um sich gegen den Druck globaler Koalitionen zu wehren, haben jetzt
selbst einen starren ideologischen, in Konfrontation stehenden eigenen Block
gebildet. Einer der herausragendsten Blöcke in der Welt ist heute ironischerweise der fast automatische Zusammenschluß der Blockfreien.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, verantwortungsbewußt und
positiv auf die Ansprüche von Ländern zu reagieren, die ernsthaft nach Gerechtigkeit und einem ausgewogenen Weltwirtschaftssystem streben. Der Fortschritt hängt jedoch von einem Geist der gegenseitigen Achtung, des Realismus
und der praktischen Zusammenarbeit ab. Es soll sich niemand täuschen: Erpressung wird nicht funktionieren und wird sicherlich nicht akzeptiert werden. Es
geht um zu viel, als daß man mit selbstgerechten großen Worten oder einem Imponiergehabe weiterkommen würde.
Es geht nicht einfach nur um die wirtschaftlichen Vereinbarungen für das
nächste Vierteljahrhundert, sondern um die Legitimität der internationalen
Ordnung.
Die Technologie und die Realitäten der Interdependenz bieten unserer Generation die Chance, die Beziehungen zwischen den Industrienationen und den
Entwicklungsländern für das nächste Vierteljahrhundert zu bestimmen. Es wird
an der Qualität des staatsmännischen Denkens liegen, um zu erkennen, daß unsere Notwendigkeiten, unsere praktischen Hoffnungen und unsere moralischen Zielsetzungen miteinander verknüpft sind. Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich
dieser Aufgabe zu stellen.
Die

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�Die moralische Einheit der großen Demokratien
Wenn wir uns anstrengen, Frieden und Fortschritt aufzubauen, so spiegelt
dies unseren tiefverwurzelten Glauben an die Freiheit und an die Hoffnung auf
eine bessere Zuku.ift für die ganze Menschheit wider. Das sind Werte, die wir
mit unseren engsten Verbündeten, den großen demokratischen Industrienationen,
gemeinsam haben. Die Widerstandsfähigkeit unserer Länder, sich aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten wieder zu erholen und ihre Zusammenarbeit zu festigen,
hat eine Bedeutung, die weit über unser unmittelbares Wohlergehen hinausgeht. Denn so wie Außenpolitik ohne ein Element des Pragmatismus undenkbar ist,
so ist der Pragmatismus ohne zugrundeliegende moralische Zielsetzung wie ein
steuerloses Schiff.
Zusammen mit ihren Verbündeten haben die Vereinigten Staaten über 30 Jahre
lang den Frieden auf der Erde gewährleistet und die Weltwirtschaft getragen.
Der Geist der Erneuerung und des Fortschritts unserer Gesellschaften sucht
seinesgleichen und findet sicherlich nichts Ebenbürtiges in jenen Gesellschaften, die sich als "revolutionär" bezeichnen. Selten in der Geschichte haben
Bündnisse wie das unsrige unter sich so stark verändernden globalen und geopolitischen Verhältnissen überlebt oder gar sich positiv entwickelt. Die
Ideale der demokratischen Industrienationen bieten die Motivation für unsere
Anstrengungen zur Verbesserung der Beziehungen zum Osten, zum Dialog mit der
Dritten Welt und zu vielen anderen Sphären gemeinsamer Anstrengungen.
Unsere Bindungen mit den großen demokratischen Industrienationen sind daher keine Bündnisse in dem üblichen Sinne, sondern eine Union im Grundsatz
der Verteidigung von Werten und einer Lebensform.
Genau in diesem Zusammenhang müssen wir über die Möglichkeit besorgt sein,
daß kommunistische Parteien in Regierungen von NATO-Ländern an die Macht kommen, oder mit an die Macht kommen. Letztlich muß diese Entscheidung natürlich
von den Wählern der jeweiligen Länder selbst getroffen werden. Aber niemand
sollte glauben, daß diese Fragen unserer Regierung keine Sorge bereiten.
Ob

�Ob einige der kommunistischen Parteien in Westeuropa tatsächlich von
Moskau unabhängig sind, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, solange ihre
Wahlinteressen so weitgehend mit ihren Ansprüchen zusammenfallen. Ihre innerparteilichen Verfahren - ihre leninistischen Grundsätze und Dogmen - sind und
bleiben die Antithese der demokratischen Parteien. Und sollten sie an die
Macht kommen, dann träte dies ein, nachdem sie Jahrzehnte lang Programme und
Werte vertreten haben, die unseren traditionellen Bindungen zuwiderlaufen.
Schon aus dieser Vergangenheit heraus würden sie ohne Frage der Sicherheit und
den westlichen Verteidigungsanstrengungen, die nicht nur für die Freiheit Europas, sondern auch für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Macht in der
Welt so entscheidend wichtig sind, nur eine niedrige Priorität einräumen. Sie
wären versucht, ihre Wirtschaft sehr viel stärker nach dem Osten auszurichten.
Wir müßten damit rechnen, daß westeuropäische Regierungen, in denen die Kommunisten eine beherrschende Rolle spielen, günstigstenfalls die Politik ihrer
Länder auf eine Position der Blockfreien hinsteuern würden. Die politische
Solidarität und die kollektive Verteidigung des Westens,und damit die NATO,
würden unvermeidlich geschwächt, wenn nicht untergraben.
Und in unrerem Lande würde die Verpflichtung des amerikanischen Volkes,
das Gleichgewicht der Kräfte in Europa aufrechtzuerhalten, so gerechtfertigt
es auch aus pragmatischen, geopolitischen Gründet wäre,

4

er moralischen

Grundlage entbehren, auf der sie 30 Jahre lang beruhte.
Wir betrachten die Einheit der großen demokratischen Industrienationen
als von entscheidender Bedeutung für alles, was wir in der Welt tun. Aus diesem Grunde waren wir bestrebt, unsere Zusammenarbeit auf Gebiete über unsere
gemeinsame Verteidigung hinaus auszuweiten - auf eine verbesserte politische
Konsultation, auf die Koordinierung unserer Haltung bei Verhandlungen mit dem
Osten, auf die Unterstützung unserer jeweiligen Wirtschaftspolitiken, auf die
Entwicklung einer gemeinsamen Energitpolitik und auf die Erarbeitung gemeinsamer Standpunkte bei dem immer wichtiger werdenden Dialog mit den Entwicklungsländern. Wir haben auf all diesen Gebieten bemerkenswerte Fortschritte
erzielt. Und wir sind entschlossen, hier weiterzumachen. Es gibt keine höhere
Priorität für unsere Außenpolitik.
Die

�Die Debatte im eigenen Lande
So sieht also unsere Außenpolitik in großen Zügen aus:
- Wir besitzen mit unseren Verbündeten zusammen die militärische und
wirtschaftliche Macht, um eine Aggression zu verhüten.
- Wir besitzen das Selbstvertrauen und den Weitblick, über die Konfrontation hinaus zu einem Abbau der Spannungen und letztlich einer kooperativen
Welt zu gelangen.
- Wir verfügen über die Mittel, die Technologie und das organisatorische
Genie, um ein neues Verhältnis mit den Entwicklungsländern aufzubauen.
- Wir haben den moralischen Mut, zusammen mit unseren Verbündeten in
einer turbulenten und sich rasch verändernden Welt das Banner der Freiheit
hochzuhalten.
Die vor uns liegenden Aufgaben sind gewaltig. Aber nicht jede Generation
erhält die Chance,eine neue internationale Ordnung zu gestalten. Wenn wir die
Chance verpassen, dann werden wir in einer Welt des Chaos und der Gefahr leben.
Wenn sie verwirklicht wird, dann werden wir in eine Ära des Friedens und des
Fortschritts und der Gerechtigkeit eintreten.
Aber wir können unsere Hoffnungen nur als geeintes Volk verwirklichen.
Unsere Aufgabe - und ihre Lösung - liegen in uns selbst. Das größte Problem
unserer Außtenpolitik ist unsere Spaltung im Innern. Das dringendste Erfordernis unserer Außenpolitik ist nationaler Zusammenhalt und eine Rückkehr zu dem
Bewußtsein, daß wir in der Außenpolitik alle in einem gemeinsamen nationalen
Unterfangen engagiert sind.
Die Welt beobachtet mit Verwunderung - unsere Gegner mit hämischer Freude
und unsere Freunde mit wachsender Sorge -,wie Amerika in einer Orgie der
Selbstzerfleischung es darauf anzulegen scheint, seinen Einfluß zu untergraben
und seine Leistungen in der Weltpolitik zu zerstören.
Sie

�Sie erlebte, wie unsere Politik in Afrika, im östlichen Mittelmeer, in
Lateinamerika, in den Ost-West-Beziehungen durch willkürliche Maßnahmen des
Kongresses unterminiert wird, deren Wirkung rückgängig zu machen Jahrzehnte
dauern kann.
Sie erlebte, wie unsere Nachrichtendienste durch fortwährende wahllose
Angriffe schwer geschädigt werden.
Sie erlebte, daß ein Land praktisch nicht mehr in der Lage ist, sich
mit der Diskretion zu verhalten, die in der Diplomatie unerläßlich ist.
Sie erlebte, wie Enthüllungen von unrechtmäßigen Handlungen im Ausland
seitens amerikanischer Firmen den politischen Strukturen befreundeter Nationen
schweren Schaden zufügen. Was auch immer an unrechten Dingen geschehen sein
mag - und so verdammenswert sie auch sein mögen - so sollte man sie doch in
einer Art und Weise behandeln, die im Einklang mit unseren eigenen juristischen Verfahren und mit der Würde verbündeter Nationen steht.
Sie erlebte, wie manche Kritiker plötzlich so tun , als ob die Sowjets
alle Riesen seien, und als ob Amerika, trotz aller Beweise des Gegenteils,
eine zweitklassige Nation würde. Diese Kritiker wissen, daß diese falschen
und verantwortungslosen Behauptungen gefährlich sind, da sie, wenn sie weitergehen, unsere Verbündeten und unsere Gegner überzeugen könnten, daß wir
schwach seien, was die einen zur Anpassung, die anderen zum Abenteurertum
veranlassen könnte.
Sie erlebt, daß diese Administration - die von den einen Kritikern für
nachhaltige Reaktionen auf den Ex^nsionismus in Südost-Asien, im Nahen Osten
und in Afrika gescholten worder ist

gleichzeitig

von einer anderen

Gruppe von Gegnern beschuldigt wird, sie ließe einseitige Gewinne der
Sowjets zu.
Sie erlebt, daß diese Administration, deren Verteidigungshaushalte in
den letzten sieben Jahren vom Kongreß um rund 39 Milliarden Dollar gekürzt
worden sind, gleichzeitig beschuldigt wird, die Verteidigung Amerikas zu

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�zu vernachlässigen.
Auch das amerikanische Volk erlebt das alles mit und es fragt sich, wie
das enden soll. Es weiß, daß wir weder unseren Verantwortungen noch den geopolitischen Realitäten der Welt um uns herum entkommen können.

Ein großes

Volk, das die Ereignisse nicht bewältigt, wird bald von ihnen überwältigt
werden.
Wenn eine Gruppe von Kritikern die RüstungskontrollVerhandlungen untergräbt und die Aussicht auf konstruktivere Bindungen mit der Sowjetunion ausschließt, während eine andere Gruppe an unseren Verteidigungshaushalten und
Nachrichtendiensten nagt und den amerikanischen Widerstand gegen sowjetisches
Abenteurertum schwächt, dann werden beide zusammen, ob sie es wollen oder
nicht, damit enden, daß sie die Fähigkeit des Landes zerstören, eine starke,
schöpferische, gemäßigte und kluge Außenpolitik zu führen. Das Ergebnis wird
die Lähmung sein, wer auch immer im November gewinnen mag. Und wenn Amerika
nicht fähig ist, zu handeln, dann werden es andere tun, und wir und alle anderen freien Völker der Erde werden den Preis dafür zu zahlen haben.
Unser Problem ist also gleichzeitig komplex und auch einfacher als in
früheren Zeiten. Die Herausforderungen sind beispiellos, aber die Lösungen
liegen in unserer Hand. Diese Administration hat Vertrauen in die Stärke, die
Widerstandskraft und die Lebensfähigkeit Amerikas. Wenn wir den Geist Amerikas
zusammennehmen und unsere Einheit wiederherstellen, werden wir eine entscheidende und positive Wirkung auf eine Welt ausüben, die mehr denn je sich auf unser
Leben auswirkt und nach unserer Führung schreit.
Jene, die an Amerika glauben.werden dem amerikanischen Volk die Wahrheit
sagen:
- Daß wir stark sind und in Frieden leben,
- daß es keine leichten oder endgültigen Antworten auf unsere Probleme
gibt,
- daß wir eine langfristige und verantwortungsbewußte Außenpolitik ohne

�ohne Ausweichen und ohne Pausen führen müssen,
- daß das im Augenblick Erreichbare unweigerlich hinter dem Idealen
zurückbleiben wird,
- daß unserer Macht und unseren Zielen Grenzen gesetzt sind,
- daß wir trotzdem über die Stärke und Entschlossenheit verfügen, unsere
Interessen und die Überzeugung zur Bewahrung unserer Werte zu verteidigen,
- und daß wir schließlich die Chance haben, unseren Kindern eine kooperativere; gerechtere und friedlichere Welt zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben.
Wenn wir das 200. Jahr unseres Bestehens begehen, dann feiern wir Ideale,
die vor bald 350 Jahren an den Küsten von Massachusetts Form und Gestalt angenommen haben. Wir haben als geeintes Volk Großes erreicht. Es bleibt noch
viel zu tun. Das Werk dieses Landes in der Welt ist keine Last, sondern ein
Triumph - und der Maßstab kommender Größe.
Amerikaner haben immer Geschichte gemacht und sich nie von der Geschichte
treiben lassen. Wir, die gegenwärtige Generation von Amerikanern, werden
nicht dahinter zurückstehen. So möge dieses Jahr das Ende unserer Spaltung
bringen. Möge es der Beginn einer Ära nationaler Versöhnung und der neuen
Hingabe aller Amerikaner an ihr gemeinsames Schicksal sein. Wollen wir doch
klar erkennen, was vor uns liegt - Sieg und Gefahr - und gemeinsam vorwärts
schreiten, um die Zukunft zu meistern.

XXX

- 19 -

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53

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5/1976

ATOMWAFFENSPERRE BLEIBT ZIEL DER US-POLITIK
Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuß für
Regierungstätigkeit

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger
nahm am 9. März 1976 vor dem Sehatsausschuß für Regierungstätigkeit zur Politik der Vereinigten Staaten in der Frage der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen Stellung.

Wir geben im folgenden die Äußerungen Außenminister Kissingers

in wesentlichen Auszügen im Wortlaut wieder:
"Die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen ist bereits in der sechsten
Administration ein primäres außenpolitisches Ziel der Regierung der Vereinigten
Staaten, wobei auf Grund amerikanischer Initiativen, die die Ernsthaftigkeit
dieser Politik demonstrierten, wesentliches erreicht worden ist.
Ich erwähne hier z.B. die Annahme bilateraler Sicherungsmaßnahmen und
Kontrollen in unseren mit anderen Regierungen einzeln abgeschlossenen Verträgen
über Zusammenarbeit, die Schaffung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien und das Inkrafttreten des Atomwaffensperrvertrages. Als
ein Ergebnis dieser Schritte ist die Zahl der Staaten mit Kernwaffen stark begrenzt ...
Lassen

�Lassen Sie mich betonen, daß die Verfolgung einer energisch betriebenen
Sperrpolitik für Nuklearwaffen ein elementares Prinzip der Außenpolitik dieser
Regierung darstellt.
- Wir sehen in der Notwendigkeit, die Gefahr eines Nuklearkrieges zu verringern, das Kernstück unserer Politik.

Wenn weitere Staaten in den Besitz von

Kernwaffen gelangten, würde die Stabilität weltweit gefährdet, und regionale
Konflikte liefen Gefahr, zum Nuklearkrieg zu führen mit möglichen katastrophalen
Folgen nicht nur für die unmittelbar beteiligten Länder, sondern auch für alle
Großmächte.
- Wir sehen in der friedlichen Beilegung regionaler Konflikte und in
einer stabileren Weltordnung fundamentale Ziele der Vereinigten Staaten.

Aber

in einer Welt mit vielen Atommächten würden sich erhöhte politische Spannungen
und verstärkte Instabilität auf Grund der Befürchtungen ergeben, daß - ob von
vornherein gewollt oder infolge Fehleinschätzung einer Situation - Atomwaffen
eingesetzt werden könnten.
- Wir unterstützen das weltweite Ziel, Quellen für Substitutionsenergie
zu finden, um die Abhängigkeit vom öl zu verringern.
•

Dennoch könnte eine weitere Proliferation dem beständigen Wachstum friedlicher Nuklearenergie im Dienste des Bedarfs der Menschheit entgegenstehen oder
sie gar völlig abwürgen, wenn sowohl Exporteure als auch Importeure das Vertrauen in die Fähigkeit des internationalen Systems verlieren, wirksame Verfahren
für die Realisierung der Vorzüge friedlicher nuklearer Energie und gleichzeitig
zur Ausschaltung des ihr nun einmal innewohnenden Sicherheitsrisikos zu finden .. .
Ich brauche diesem Ausschuß nicht zu sagen, wie schwierig es ist, eine
Strategie zu entwickeln, die erfolgreich garantieren kann, daß das Anwachsen
der Anzahl von Ländern mit Atomwaffen in den nächsten Jahrzehnten verhindert
wird. Aber ich kann gar nicht stark genug unsere Überzeugung betonen, daß die
Anstrengung zur Eindämmung der nuklearen Proliferation unternommen werden kann

�kann und muß, selbst wenn wir nicht sicher sein können, daß eine weitere
nukleare Proliferation völlig und wirksam blockiert wird.
In dem hier beschriebenen Rahmen haben wir in den letzten zwei Jahren
erhebliche Anstrengungen unternommen, um das weltweite Schema der Proliferationssperre zu stärken.

Diese Strategie enthielt zwei verstärkende Elemente:

- Multilaterale Aktionen, um gemeinsam mit anderen Staaten der Aufgabe
der weltweiten Proliferationssperre gerecht zu werden; und
- eine nationale Exportpolitik auf nuklearem Gebiet, die sicherstellt,
daß die Vereinigten Staaten weiterhin eine führende Rolle bei der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen spielen ...

Multilaterale Strategie
Beschränkungen auf amerikanischer Seite allein werden wenig bewirken,
wenn sich andere nukleare Lieferländer weigern, die gleichen Beschränkungen
zu praktizieren.

In Erkenntnis dieses Sachverhalts verfolgen wir eine Politik

der Konsultation mit anderen nuklearen Exportländern in dem Bemühen, gemeinsame Normen für Sicherheitsmaßnahmen und andere einschlägige Kontrollen im
Zusammenhang mit Nuklearexporten für friedliche Zwecke zu formulieren.

Ich bin

überzeugt, daß diese Anstrengungen in beachtlichem Umfang erfolgreich waren.
Auf Grund dieser Konsultationen haben sich die Vereinigten Staaten entschlossen, als Teil der nationalen Politik ihre künftigen Nuklearexporte gewissen Grundsätzen unterzuordnen. Wir wurden davon unterrichtet, daß eine Anzahl anderer Länder dies ebenfalls zu tun beabsichtigt.
Wie bereits von anderen Regierungsvertretern in den letzten Wochen in
ihren Aussagen vor einem anderen Senatsausschuß erwähnt wurde, zählen zu diesen Grundsätzen:
- Vorkehrungen

�- Vorkehrungen für die Anwendung von IAEO-Sicherheitsbestimmungen bei
Exporten von Material, Ausrüstungen und Technologien;
- Verbote der Inanspruchnahme von Unterstützung zur Zündung nuklearer
Sprengsätze jeglicher Art, einschließlich jener für

"friedliche Zwecke";

- Erfordernisse für sicherheitstechnische Maßnahmen bei nuklearen Ausrüstungen und Materialien;
- Anwendung einschränkender Maßnahmen in bezug auf den Transfer sensitiver Technologien (z.B. Anreicherung und Wiederaufarbeitung);
- Befürwortung multinationaler regionaler Anlagen für Wiederaufarbeitung
und Anreicherung; und
- Sonderbedingungen zur Regelung des Gebrauchs oder Rücktransfers von
sensitiven Materialien, Ausrüstungen und Technologien.
Dies sind signifikante Grundsätze, die das Niveau und den Umfang internationaler Kontrollen für die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen erheblich
über den Stand von vor wenigen Jahren weiterentwickelt haben.
Aber es ist wichtig, zu erkennen, daß künftige Anstrengungen zur Verbesserung und Ausweitung dieser Prinzipien notwendig und daß unsere eigenen Anstrengungen Teil eines progressiven und sich noch entwickelnden Prozesses sind;
wir werden sie in enger Konsultation mit anderen üeferländern fortsetzen.
Ein zweites wichtiges Element unserer internationalen Proliferationssperrstrategie sind unsere Anstrengungen, die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags auf breitestmöglicher Basis sicherzustellen. Die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags ist ein Schlüsselelement dafür, die nukleare Proliferation
zu verhindern, denn damit ist eine umfassende Verpflichtung von Staaten ohne
eigene Atomwaffen verbunden, keine nuklearen Sprengsätze zu entwickeln - eine
Verpflichtung, die durch IAEO-Sicherheitsmaßnahmen in allen, friedlichen

�friedlichen Zwecken dienenden Nuklearanlagen des betreffenden Landes überprüft wird.

Ein Schlüsselelement auch deshalb, weil sie Sicherungsmaßnahmen

bei nuklearen Exporten erfordert ...
Ein weiteres wesentliches Merkmal unserer internationalen Strategie
- und in der Tat ein Merkmal, das den von uns erzielten Fortschritt in Konsultationen mit anderen Lieferländern noch unterstreicht und ein Grundelement
des Atomwaffensperrvertrags selbst darstellt - ist das umfassende Sicherheitssystem der Internationalen Atomenergie-Organisation

(IAEO).

Selbst wenn Empfängerländer nicht Partner des Atomwaffensperrvertrags
sind, sieht das IAEO-System international anerkannte Sicherungsmaßnahmen vor,
um zu gewährleisten, das nukleare Exporte für friedliche Zwecke verwendet
werden ...
Zwar kann ein Sicherungssystem keine absolute Garantie verschaffen, daß
alle nur erdenklichen Arten von Abzweigungen, und seien sie noch so geringfügig, erfaßt werden;

das braucht es auch nicht.

Was es aber bewirken muß

- und was die IAEO zuverlässig erreicht - ist ein außerordentlich großes Risiko, entdeckt zu werden, für denjenigen, der eine mißbräuchliche Verwendung
beabsichtigt.
Wir wissen, daß manche die Eignung und Qualität der im Laufe der Jahre
entwickelten internationalen Kontrollen für nukleare Materialien und Anlagen
in Frage stellen. Jedoch existierten in dem einen Fall, in dem ein nuklearer
Sprengsatz unter Verwendung vom Ausland bezogener Ausrüstungen gezündet wurde,
weder Sicherungsvorkehrungen an der betreffenden Anlage noch hinsichtlich der
damit hergestellten Produkte. Folglich war in diesem Fall auch die Frage angemessener Sicherungsvorkehrungen einfach nicht gegeben. Tatsächlich wurde uns
seit der Einführung von Sicherungsmaßnahmen kein einziges Lande bekannt, das
durch irgendwelche Abzweigung von nuklearem Material, welches entweder bilateralen oder IAEO-Sicherheitsmaßnahmen unterliegt, zu Atomwaffen gekommen
wäre ...

Ein

�Ein weiteres Element in unserer internationalen Strategie ist dazu bestimmt, dem wohl

heikelsten Problem der Atomwaffensperre, dem wir uns gegen-

übersehen - zu begegnen - nämlich dem Problem der sogenannten sensitiven Technologien wie Wiederaufbereitung, Anreicherung und Produktion von Schwerem
Wasser.
cher

Das Problem wurde immer stärker akut, je mehr Länder am Erwerb sol-

"sensitiven"

Anlagen Interesse zeigten.

Im Sinne der Risiken für die

Ausweitung des Kreises von Atommächten ergibt sich durch Plutonium-Aufarbeitungsanlagen im Ausland das größte unmittelbare Problem.

Dies ist ein un-

glücklicher Umstand, da für die meisten Länder - für jene ohne besonders umfangreiche Atomkraftwerksprogramme - die wirtschaftlichen Vorteile der Aufarbeitung verbrauchter Kernbrennstoffe auch künftig zweifelhaft sind.
Als ein Ergebnis wachsenden Erkennens der direkten Gefahr einer Proliferation wenden offenbar Liefer- als auch Empfängerländer für sogenannte
sensitive Technologien Beschränkungen an und treffen rigorose Sicherheitsvereinbarungen.

Was dies betrifft, so begrüßen wir außerordentlich den Ent-

schluß (Süd)-Koreas, keine eigene nationale Aufbereitungsanlage zu errichten;
wir hoffen, daß auf diese Weise multilaterale Bemühungen um die Entwicklung
von Alternativen zu nationalen Kapazitäten gefördert werden.
Ein Vorgehen, durch das eventuell die künftigen Erfordernisse gewisser
Länder hinsichtlich Wiederaufarbeitung auf möglichst wirtschaftliche Weise
erfüllt und gleichzeitig einige unserer Besorgnisse wegen der durch solche
Anlagen gegebenen Proliferationsgefahr entfallen, wäre die Schaffung eines
multinationalen Regional Zentrums für den Brennstoffzyklus. Vor der UN-Vollversammlung habe ich mich im vergangenen Jahr persönlich für diese Konzeption
eingesetzt.
Solche Anlagen - für Management, Betrieb und wohl auch Eigentumsrechte
wäre mehr als nur ein Land zuständig - würden den Anreiz zur Errichtung
kleiner und unwirtschaftlicher nationaler Anlagen verringern und zusätzlich
nützliche Sicherheiten gegen eine einseitige Abschaffung von Proliferationssperrmaßnahmen gewährleisten, insbesondere dort, wo gleichzeitig andere Einrichtungen für den Brennstoffzyklus wie z.B. zur Fabrikation und Lagerung nuk-

�nuklearer Materialien vorhanden sind.

Sie würden auch die Anwendung inter-

nationaler Sicherheitsmaßnahmen erleichtern.

Die IAEO untersucht gegenwärtig

das multinationale Konzept in einer Studie.

Das letzte Schlüsselelement unserer internationalen Strategie der Proliferationssperre betrifft die Frage der technischen Sicherungsmaßnahmen für
nukleare Anlagen und Materialien, im besonderen aber die Sorge, daß eine
Minderheiten-

oder Terroristengruppe sich nuklearer Materialien bemächtigen

könnte.

In unseren Konsultationen mit anderen Ländern, bei denen es darum ging,
die Anwendung angemessener technischer Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten,
haben wir ausgezeichnete Mitarbeit gefunden.

Hauptlieferländer bauen heute

in ihre Abkommen über nukleare Zusammenarbeit Bestimmungen ein, die von den
Empfängerländern spezielle technische Sicherungsmaßnahmen zum Schutz nuklearer
Materialien und Ausrüstungen in angemessenem Umfang verlangen ...

Wir verfolgen auch unseren Vorschlag für eine internationale Konvention
weiter, die Normen für den technischen Schutz nuklearer Materialien setzt,
damit die internationale Zusammenarbeit erleichtert wird und Verfahrensweisen
auf diesem Gebiet vereinheitlicht werden ...

US-Politik auf nationaler Ebene

Auf nationaler Ebene lassen Politik und Praktiken der US-Regierung gerade auf diesem Gebiet unsere besonders intensive Beschäftigung mit dem Problem der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen erkennen.

Unsere Politik ist

in mancher Hinsicht strenger als die anderer Lieferländer.

Die grundlegende Prämisse der Beteiligung der USA an nuklearen Programmen
seit mehr als 20 Jahren war und ist die weltweite Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung der Atomenergie unter wirksamen Kontrollen.
Wir
- 7 -

�Wir gingen davon aus, langfristige Garantien für die Versorgung mit
angereichertem Uran in Verbindung mit der besonders wirtschaftlichen amerikanischen Reaktortechnologie anzubieten und als Gegenleistung die Zustimmung
zu wirksamen Sicherungsvereinbarungen zu erhalten ...
Wie ich bereits früher ausführte, steht unsere nukleare Exportpolitik
voll im Einklang mit den Grundsätzen, die auf Grund von Konsultationen unter
der Lieferländer akzeptiert wurden, und geht auf einigen Gebieten sogar noch
ein Stück weiter.

So zielte unsere Grundhaltung z.B. bei Aufarbeitung, An-

reicherung und Schwerwasserproduktion darauf ab, den Export solcher sensitiven
Technologien zu vermeiden.

Zur Gewährleistung angemessener Kontrollen erließ

die Exekutive im Jahr 1972 Sonderregelungen für alle auf diesen Gebieten vorgeschlagenen Transaktionen ...
Was das allgemeine Problem der Aufarbeitung betrifft, so geben die Vereinigten Staaten der IAEO technische und finanzielle Unterstützung bei deren
Studie über nukleare Regional Zentren für den Brennstoffzyklus. Wir dringen
außerdem darauf, daß mit dem Problem befaßte Staatengruppen untereinander die
Möglichkeiten dieser Konzeption erörtern ...
In Verfolg der technischen Sicherheitsmaßnahmen haben wir es als Ergebnis von Konsultationen unter Lieferländern so gehalten, daß die Exportgenehmigung für größere Mengen sensitiven nuklearen Materials nur dann erteilt
wird, wenn gev/ährleistet ist, daß im Empfängerland angemessene technische
Schutzmaßnahmen angewandt werden; amerikanische Expertengruppen für Sicherheitstechnik haben im Zusammenhang damit zahlreiche Länder besucht, um sich
über deren Schutzsysteme zu informieren und ihre Wirksamkeit zu beobachten.
Vor dem Hintergrund der von uns auf internationaler Ebene verfolgten
Strategie und im Interesse der nationalen Politik halte ich es für angemessen,
hier einigen Kritikern unserer nuklearen Exportpolitik zu antworten - Kritikern, die meines Erachtens zu strikte Einschränkungen fordern, welche für unsere Bemühungen um eine Proliferationssperre einen ernsten Rückschlag, nicht

�nicht aber einen Fortschritt bedeuten.

Diese Vorschläge reichen von einem

totalen Moratorium für unsere nuklearen Exporte und einem Embargo für nukleare Transferaktionen in Länder, die keine Partner des Atomwaffensperrvertrages sind, bis zu Vorschlägen, nuklearen Exporten in Nicht-Mitgliedstaaten
nur dann zuzustimmen, wenn diese genehmigte IAEO-Sicherungsmaßnahmen für alle
ihre friedlichen Atomprogramme akzeptiert haben.
Alles in allem sind wir der Meinung, daß durch die Annahme auch nur
eines dieser Vorschläge z.B.:
- eine Anzahl internationaler Vereinbarungen über Zusammenarbeit bei
friedlichen Atomprogrammen dem Geiste, ja womöglich auch dem Buchstaben nach
verletzt würden; auch Artikel Vier des Atomwaffensperrvertrags zählt dazu;
- unseren politischen Beziehungen zu einer großen Zahl von Ländern, die
mit uns langfristige Abkommen geschlossen haben, weit über den nuklearen Bereich hinaus Schaden erwachsen würde;
- weitere Zweifel an der Zuverlässigkeit amerikanischer Lieferverpflichtungen und an der Beständigkeit unserer Politik ausgerechnet in einem Augenblick auftauchen würden, in dem wir uns solche Zweifel am wenigsten leisten
können;
- der Einfluß geschmälert würde, der jetzt im Sinne unserer Ziele in
bezug auf die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen zum Tragen käme, da es
unwahrscheinlich ist, daß derartige Vorschläge von allen wichtigen Lieferländern befürwortet werden; und
- als Folge davon die Zusammenarbeit der Lieferländer leicht auseinanderbrechen und es erneut zu einem relativ unkontrollierten Wettbewerb unter anderen Lieferländern kommen könnte ...
Die Probleme der Proliferation sind kompliziert und ebensowenig raschen
- 9 -

�raschen wie einfachen Lösungen zugänglich.

Will man die künftige Ausweitung

von Möglichkeiten zum Bau von Kernwaffen blockieren, ist es erforderlich,
komplexe politische und technische Maßnahmen beharrlich zu verfolgen, welche
die Bestrebungen zur Proliferation abschwächen und gleichzeitig wirksame
Kontrollen dagegen errichten.

Diese Regierung ist diesem Ziel strikt verpflich-

tet, und ich weiß, daß wir auf den US-Kongreß zählen können, mit uns zusammenzuarbeiten, damit die Erreichung dieses lebenswichtigen Zieles gewährleistet
wi rd ...
Um in unseren Bemühungen um den Proliferationsstop erfolgreich zu sein,
müssen wir die inzwischen geschaffenen multilateralen und nationalen politischen Grundlagen bewahren und auf ihnen weiterbauen.

Wie ich bereits sagte,

erfordert dies die ständige Bereitschaft zur Konsultation mit den Empfängerländern und die konstruktive Unterstützung internationaler Mechanismen, die unserer Proliferations-Sperrpolitik Beständigkeit geben können."

+ + + + +

- 10 -

�</text>
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