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29. Dezember 1976

Inhalt
DOKUMENTATION:
Harold Brown: Der neue Verteidigungsminister der USA
Griffin Bell: Der neue Justizminister der USA
Cecil Andrus: Der neue Innenminister der USA
Robert Bergland: Derjieue Landwirtschaftsminister der USA
Juanita M. Kreps^ Die neue Handelsministerin der USA
F. Ray Marshall: Der neue Arbeitsminister der USA
Joseph A. Califano: Der neue Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialmini_s_ter der USA
Patricia Harris: Die neue Wohnungsbauministerin der USA
Charles Schultze: Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten
Theodore C. Sorensen: Der neue Leiter des Zentralamtes für Nachrichten
und Abwehr (CIA)
Andrew Young: Der neue UN-Botschafter der USA
Zbigniew Brzezinski: Der neue Sicherheitsberater Carters
James Schlesinger: Der neue Berater Carters für Energiefragen

HINTERGRUNDMATERIAL:
Aktionsprogramm Energie
Appell an den US-Kongreß und die neue Regierung der Vereinigten Staaten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Mehr Geld für Grundlagenforschung
Schwerpunkte: Landwirtschaft, Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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HAROLD BROWN: DER NEUE VERTEIDIGUNGSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
hat den Nuklearphysiker und früheren Luftwaffenminister Dr. Harold Brown
zum neuen Verteidigungsminister der USA ernannt.

Damit kehrt der bisherige

Präsident des California Institute of Technology ins Pentagon zurück, wo er
während der sechziger Jahre bereits in führenden Positionen tätig war.

Die Rückkehr ins Verteidigungsministerium stellt das jüngste Kapitel
in der brillanten Karriere Dr. Browns dar, der schon in seiner Jugend als
Wunderkind galt.

Er wurde am 19. September 1927 in New York geboren, besuch-

te eine höhere Schule für Begabte,die er schon mit 15 Jahren abschloß, und
studierte dann an der Columbia-Universität, an der er mit 21 Jahren promovierte.

Der junge Physiker war einer der neuen Männer, die Präsident John F.
Kennedy zu Beginn seiner Regierungszeit nach Washington holte.

Er war dem

Kennedy-Team als Direktor eines großen Waffenentwicklungs- und Forschungsprojekts in Kalifornien aufgefallen, das gemeinsam von der Amerikanischen
Atomenergiekommission (AEC) und dem Lawrence-Strahlungslaboratorium
ben wurde.

betrie-

Hier hatte es Brown innerhalb von zehn Jahren vom Leiter einer

Arbeitsgruppe bis zum Direktor gebracht.

Im Pentagon war Dr. Brown zunächst

von 1961 - 1965 Direktor der Forschungs- und Entwicklungsabteilung und wurde

- 1 -

�wurde dann von Präsident Lyndon B. Johnson zum Luftwaffenminister berufen
- einen Posten, den er von 1965 - 1969 innehatte.
Aber selbst nachdem Brown das Verteidigungsministerium verlassen hatte,
war er immer wieder für die amerikanische Regierung tätig.

So gehörte er der

US-Delegation bei den Verhandlungen über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen - SALT - an und stand später bei der zweiten Runde dieser Gespräche
der amerikanischen Abrüstungsbehörde als Berater zur Verfügung.

Brown unter-

stützte nachdrücklich das 1972 unterzeichnete SALT I-Abkommen, das er als einen
"wesentlichen ersten Schritt" zur Förderung der Sicherheit beider Seiten und
der ganzen Welt bezeichnete. Allgemein wird erwartet, daß Brown - der zwar
als vorsichtiger Verfechter der Rüstungskontrolle gilt - auch auf ein baldiges
Abkommen mit der Sowjetunion in der gegenwärtigen SALT-Runde drängen wird.
Dr. Brown war im Pentagon tätig, als der damalige Verteidigungsminister
Robert McNamara das Verteidigungsministerium nach den Maßstäben eines Managers

•

reorganisierte. Mit ähnlichem dürfte jetzt zu rechnen sein, und hier befindet
er sich in voller Übereinstimmung mit Carter, der sich während seines Wahlfeld- "
zuges verpflichtet hat, unproduktive Ausgaben aus dem Pentagon-Budget herauszustreichen.
Anläßlich der Ankündigung seiner Ernennung sagte Brown: "... Eine Regierung hat keine größere Verpflichtung als die Wahrung des Friedens und der
Sicherheit ihres Volkes. Wir müssen über eine starke Verteidigung verfügen,
die es möglich macht, diese Funktion zu erfüllen und unseren lebenswichtigen
außenpolitischen Verpflichtungen voll nachzukommen. Dies muß von unserem eigenen Volk sowie von der übrigen Welt so verstanden werden."
Er ist seit 1953 mit Colene D. McDowell verheiratet; das Ehepaar hat
zwei Töchter.

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GRIFFIN BELL: DER NEUE JUSTIZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Griffin Boyette Bell ist seit 111 Jahren der erste
SUdstaatler, der auf den Posten des amerikanischen Justizministers - Attorney
General - berufen wurde. Der 58jährige hat sich in 15 Jahren als Bundesrichter in seinem Heimatstaat Georgia einen Namen in der Verbrechensbekämpfung
gemacht und sich gleichzeitig für eine klare Anwendung und Verwirklichung der
Bürgerrechtsgesetze eingesetzt.
Bell wurde von Präsident Kennedy als Bundesrichter in Georgia eingesetzt und leitete auch die Kommission für Verbrechensbekämpfung und Strafvollzug in Atlanta.

Seine Ernennung zum Justizminister fand zwar nicht den unge-

teilten Beifall der Vereinigung zur Förderung Farbiger (NAACP), doch hat er
sich den Ruf erworben, keine Diskriminierungen am Arbeitsplatz zu dulden. Was
die Aufhebung der Rassentrennung an Schulen anbetrifft, so gilt er als gemässigt bis konservativ.
Bei der Nominierung des neuen Justizministers

auf der Pressekonferenz

am 20. Dezember betonte der designierte Präsident Carter, daß sich Bell auf
dem Gebiet des Bürgerrechts "ausgezeichnet" bewährt habe.

Bell versprach,

alles in seiner Macht stehende zu tun, um den Grundsatz zu verwirklichen, daß
vor dem Gesetz jeder gleich ist.
Griffin

�Griffin Boyette Bell wurde am 31. Oktober 1918 in Americus im Staate
Georgia, etwa 15 Kilometer von dem Heimatort Jimmy Carters entfernt, geboren.
Er studierte Jura am Southwestern College in Americus und an der Merger-Universität in Macon in Georgia.

Von 1941 bis 1946 diente er in der amerika-

nischen Armee und erwarb 1948 an der Merger-Universitat den akademischen Grad
eines Bachelor of Law.
Bereits 1947 wurde er zur Anwaltskammer des Staates Georgia zugelassen
und praktizierte zunächst in Savannah und Rome, Georgia, um dann 1953 in eine
bekannte Anwaltsfirma in Atlanta, der Hauptstadt Georgias, einzutreten.
Im Jahre 1959 wurde Bell Personalchef des damaligen Gouverneurs des
Staates, S. Ernest Vandiver, der 1960 vor dem Parlament von Georgia erklärte,
er werde sich der Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen seines Staates
widersetzen.

Die Auswirkungen dieser Erklärung seines Gouverneurs blieben

zum Teil an Bell hängen.

Im Jahre 1960 beteiligte sich Bell führend am Prä-

sidentschaftswahlkampf Kennedys in Georgia und wurde im folgenden Jahr, nachdem Kennedy Präsident geworden war, von diesem als Richter am Appelationsgericht des Fünften Bezirks eingesetzt.

In den sechziger Jahren hat Bell dann

für die gerichtliche Durchsetzung der Aufhebung der Rassentrennung an zahlreichen Schulen in Georgia gesorgt.
Am 1. März 1976 hat Bell in seinem Schreiben an Präsident Ford seinen
Rücktritt eingereicht, da die Arbeit an den Bundesgerichten in einem Umfang
zugenommen habe, daß keine Zeit für die notwendige gründliche Behandlung eines
jeden einzelnen Falles mehr bleibe - eine Beschwerde, die von zahlreichen Bundesrichtern

geführt wird.

Bell hat sich wiederholt für die Berufung von Schwarzen auf hohe Posten
im Justizministerium eingesetzt, da die USA ein Land mit vielen Rassen seien
und das Ministerium dies widerspiegeln müsse.
Er ist Mitglied verschiedener juristischer Verbände und Organisationen und
mit der geborenen Mary Foy Powell verheiratet; das Ehepaar hat einen Sohn.
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CECIL ANDRUS: DER NEUE INNENMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung des Gouverneurs des Staates Idaho,
Cecil Andrus, hat der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter, einen engen
Freund und dezidierten Verfechter des Umweltschutzes in sein Kabinett berufen.
Die beiden Männer sind seit Anfang der siebziger Jahre miteinander befreundet, und wenn Gouverneur Andrus zunächst auch die Bemühungen von Senator
Frank Church aus Idaho um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der
Demokraten förderte, so unterstützte er dann doch mit großem Nachdruck den
Wahl feidzug Carters, nachdem Senator Church das Rennen aufgegeben hatte. Carter
wiederum hatte zuvor Gouverneur Andrus unterstützt, als dieser sich 1974 um
eine zweite Amtszeit als Gouverneur bewarb.
In vieler Hinsicht denken beide Politiker in der gleichen Richtung, was
besonders während der Amtszeit Carters als Gouverneur von Georgia und der von
Andrus als Gouverneur von Idaho deutlich wurde. So reorganisierte Andrus die
Staatsbürokratie seines Bundesstaates und reduzierte die Anzahl der Behörden
von 268 auf 20. Ähnlich verfuhr Carter in Georgia. Beide gelten auch fiskalisch als konservative Politiker, die um einen Abbau der Regierungsdefizite
bemüht sind.
Einen
- 1 -

�Einen besonderen Namen hat sich Andrus jedoch als Verfechter des Umweltschutzes gemacht.

Er hat sich in seinem Staat gegen verschiedene Projekte ge-

wandt, die der Umwelt geschadet hätten.

So konnte auf seine Initiative hin ein

riesiges Waldgelände in Idaho erhalten werden, das jetzt der Bevölkerung für
Erholungszwecke zur Verfügung steht
Nationalparks einbezogen wurde.

und das in das System der amerikanischen

Bei all diesem Einsatz um die Erhaltung der

Umwelt muß Andrus dennoch als Pragmatiker angesehen werden, der immer bestrebt
ist, die Interessen der Umweltschützer mit denen der Industrie und Wirtschaft
in Einklang zu bringen.

So trat er beispielsweise für die Errichtung eines re-

gionalen Stromnetzes ein, das Atomstrom benutzt, um den Bedarf decken zu können.
Der fast zwei Meter große Gouverneur wurde am 25. August 1931 in Hood
River im Staate Oregon geboren.
ging jedoch - bevor er
Marine.

Er besuchte die Staatsuniversität von Oregon,

einen Abschlußgrad erworben hatte - zur amerikanischen

Unter anderem war er in Korea eingesetzt.

Nach seiner Entlassung aus der Marine zog Andrus in den Staat Idaho
und ging in die Politik.
von Idaho.

Mit 29 Jahren gewann er einen Sitz im Staatssenat

Im Jahre 1966 bewarb er sich dann zum erstenmal - erfolglos - um

das Amt des Gouverneurs.

Vier Jahre später gelang ihm dann der Sprung in

dieses höchste Amt des Staates, wobei er eine fast 25jährige Vorherrschaft
der Republikaner durchbrach.
Andrus ist mit Carol May verheiratet; das Paar hat drei Töchter.

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ROBERT BERGLAND: DER NEUE LANDWIRTSCHAFTSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der Kongreßabgeordnete Robert Bergland, den der
designierte Präsident der USA, Jimmy Carter, zu seinem Landwirtschaftsminister berufen hat, ist selbst Farmer und tritt mit Nachdruck für eine neue
Agrarpreispolitik ein, die er im Interesse sowohl der Farmer als auch der
Verbraucher liegend ansieht. Sollte seine Politik verwirklicht werden eine Entscheidung, die der Zustimmung des Kongresses bedarf - dann dürfte
dies nachhaltige Auswirkungen auf die Preise haben, die sowohl die einheimischen als auch die ausländischen Verbraucher für amerikanische Agrarerzeugnisse zu zahlen haben.
Obwohl Bergland seine Politik als grundsätzlich marktorientiert ansieht, ist er der Meinung, daß es einen völlig freien Markt für Agrarprodukte
nicht gibt. "Außerhalb unserer Grenzen gibt es keinen freien Markt", so erklärte er, "da alle anderen getreideexportierenden Länder ihre Getreidepreise regulieren".
Der aus dem Staate Minnesota stammende Abgeordnete hat schon vor seiner
Tätigkeit als Mitglied des Agrarausschusses des Repräsentantenhauses jahrelange Erfahrungen in der Landwirtschaftspolitik sammeln können.

Unter Land-

wirtschaftsminister Orvilie Freeman in den Administrationen der Präsidenten
Kennedy und Johnson war Bergland von 1963 - 1968 als Direktor des Stabili-

�Stabilisierungs- und Konservierungsamtes der Regierung für den Mittelwesten
tätig.
Bergland wurde am 22. Juli 1928 in Roseau im Staate Minnesota geboren.
Als Sohn norwegischer Einwanderer absolvierte er die Universität von Minnesota
und heiratete 1950 Helen Grahm, "ein Mädchen aus dem Heimatort". Sie erwarben
eine Farm von 113 Hektar und schufen sich praktisch aus dem Nichts eine Existenz.
Als sich die Eltern B^rglands 1960 aufs Altenteil zurückzogen, übernahm er
die 242 Hektar große Farm seines Vaters, auf der in erster Linie Weizen angebaut wird.

Sie wird jetzt von seiner Tochter - das Ehepaar hat sieben Kinder -

und deren Mann bewirtschaftet.
Nach seiner Tätigkeit für das Landwirtschaftsministerium in den sechziger
Jahren bewarb sich Bergland um einen Sitz im Repräsentantenhaus.

Sein erster

Anlauf im Jahre 1968 schlug fehl, aber in den darauffolgenden Jahren gewann er
die Wiederwahl stets mit großer Mehrheit.
Während des Wahlfeldzuges um die Präsidentschaft des Jahres 1976 war
Bergland als landwirtschaftlicher Berater von Senator Walter Mondale tätig,
der der designierte Vizepräsident der USA ist.

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JUANITA M. KREPS: DIE NEUE HANDELSMINISTERIN DER USA

WASHINGTON - (AD) - Mrs. Juanita Morris Kreps, die der designierte
Präsident der USA, Jimmy Carter zur Handelsministerin ernannt hat, ist es
gewohnt, Ehren in Bereichen einzuheimsen, die bis vor kurzem als den Männern vorbehalten galten. Sie ist nicht nur das erste weibliche Mitglied
des Kabinetts Carter, sondern war auch die erste Frau, die an der Duke-Universität in Durham im Staate North Carolina einen Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften erhielt und Vizepräsidentin dieser Hochschule wurde. Außerdem war sie die erste Direktorin der New Yorker Börse und der J.C. Penny
Company. Ganz zu schweigen davon, daß sie dem Vorstand von drei großen
amerikanischen Gesellschaften angehört: der Eastman Kodak, den R.J. Reynolds
Industries und der North Carolina National Bank.
Als Expertin für Fragen der Arbeitsmarktpolitik und für wirtschaftliche
Probleme der Alten sieht Carter in ihr eine Wissenschaftlerin, die die besten
Eigenschaften für ihr neues Amt mit sich bringt.
Auf der Pressekonferenz vom 20. Dezember, in deren Verlauf ihre Ernennung bekanntgegeben wurde, erklärte Mrs. Kreps im Hinblick auf ihren neuen
Aufgabenbereich: "Mir scheint, daß die amerikanische Wirtschaft heute weltweit auf die Probe gestellt wird. Ihre Antwort auf diese Herausforderung betrifft unser aller Leben sowie das Leben der Menschen in aller Welt. Die
- 1 -

�Die Hauptrolle des Handelsministeriums, wie ich sie sehe, besteht darin,
jene Aktivitäten nach besten Kräften zu unterstützen, die zur Verbesserung
des Loses der Menschheit beitragen.

Ich werde mit Nachdruck an diesem Be-

mühen teilhaben."
Mrs. Kreps wurde am 11. Januar 1921 in Lynch, Kentucky, geboren.

Sie

besuchte das Berea College und wechselte dann an die Duke-Universität über,
an der sie auch promovierte. Zehn Jahre lang lehrte sie dann an der
Dennison-Universität in Ohio und kehrte 1955 an die Duke-Universität zurück.
Sie ist Verfasserin mehrerer Bücher und hat eine große Anzahl von Artikeln
über wirtschaftliche Probleme der Frauen, der Jugendlichen und der Alten geschrieben.
Mrs. Kreps ist mit einem Wirtschaftsprofessor verheiratet, der an der
Universität von North Carolina lehrt.

Das Ehepaar hat drei Kinder.

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F. RAY MARSHALL: DER NEUE ARBEITSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Dr. F. Ray Marshall, am 21. Dezember von dem designierten eiierikam'sehen Präsidenten Jimmy Carter zum Arbeitsminister berufen, ist der festen Überzeugung, daß es in den Vereinigten Staaten niemals eine dauerhafte Prosperität geben wird, solange nicht alle wichtigen
Bevölkerungsgruppen an dieser Prosperität teilhaben. Carter bezeichnete den
48jährigen Wirtschaftswissenschaftler aus Texas als "jung, tatkräftig, einen
guten Manager und sehr kompetent". Obwohl manche Gewerkschaftskreise vielleicht eine andere Wahl bevorzugt hätten, gilt er als akzeptabel, da er
seine ganze Tatkraft einsetzen wird, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Dr. Marshall, zuletzt Professor für Volkswirtschaft und Direktor des
Instituts für Arbeitsmarktfragen an der Universität von Texas in Austin,
tritt vor allem für ein von der Regierung und der Privatwirtschaft finanziertes Ausbildungsprogramm für rassische Minderheiten ein, bei denen traditionell die größte Arbeitslosigkeit herrscht. Bei seiner Nominierung erklärte Dr. Marshall, er sei sich der "gewaltigen Aufgaben" bewußt, vor denen
er und die Carter-Administration stünden, wenn es gilt, die Arbeitslosigkeit
und die rassische Diskriminierung abzubauen und die Produktivität zu steigern,
ohne die Inflation anzuheizen. Diese Aufgaben seien von der Regierung allein
nicht zu lösen, sondern erforderten die Zusammenarbeit des öffentlichen und
des privaten Sektors.
Am
- 1 -

�Am 22. August 1928 in Oak Grove in Louisiana geboren, riß Marshall
mit 15 Jahren aus einem baptistischen Waisenhaus aus und trat - im Zweiten
Weltkrieg - in die amerikanische Marine ein.

Nach seiner Entlassung schloß

er seine Schulausbildung ab und studierte am Millspas-College in Jackson,
Mississippi,und dann an der Staatsuniversitä't von Louisiana in Baton Rouge
(der Hauptstadt dieses Staates), wo er den akademischen Grad eines Master
of Arts in Betriebswissenschaft erwarb.

Im Jahre 1955 promovierte er an

der Universität von Kalifornien in Berkeley zum Dr. rer.

pol.

Dr. Marshall setzte seine wissenschaftlichen Arbeiten in Finnland und
dann an der Harvard-Universität fort und nahm anschließend seine Lehrtätigkeit an der Universität von Mississippi, der Universität von Louisiana und
schließlich an der Universität von Texas auf.

Er hat zahlreiche Bücher und

Artikel über Arbeitsfragen vor allem im Zusammenhang mit Minderheiten veröffentlicht.
Dr. Marshall ist mit Patricia Williams verheiratet, das Ehepaar hat
fünf Kinder.

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JOSEPH A. CALIFANO: DER NEUE GESUNDHEITS-, ERZIEHUNGS- UND
SOZIALMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Joseph A. Califano, der 45jährige Anwalt aus
Washington, den der designierte Präsident Jimmy Carter zum neuen Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister ernannt hat, hat sich bereits in
den sechziger Jahren einen Namen als Verfechter der sozialen Gerechtigkeit
gemacht. Als Sonderberater des Weißen Hauses von 1965 - 1968 war er hauptverantwortlich für Präsident Johnsons "Große Gesellschaft" - jenes Programm,
das auf eine Hebung des Lebensstandards der Armen in den USA abzielte.
Zu den wichtigsten Gesetzen, die Califano in jenen Jahren ausgearbeitet
hat, gehören das Gesetz für gleiche Beschäftigungsbedingungen, das Modellstädtegesetz sowie das Gesetz zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in den
Großstädten. Maßgebend war er auch an der Konzipierung des Programms "Krieg
gegen die Armut" beteiligt. Bei all diesen Vorhaben war Califano immer bestrebt, eine größtmögliche Beteiligung der Wirtschaft und des freien Unternehmertums sicherzustellen.
Wenn die USA ihre sozialen Probleme bewältigen wollen, so hat Califano
wiederholt erklärt, müssen sie auf ihre innenpolitischen Erfordernisse ebensoviel

geistige und finanzielle Hilfsquellen in Friedenszeiten verwenden wie

auf die militärischen in Kriegszeiten.

Die nobelste Aufgabe einer modernen

�modernen Gesellschaft, so erklärte er anläßlich seiner Ernennung, sei es,
für die Gesundheit der Bevölkerung zu sorgen, der Jugend eine echte Ausbildung zu garantieren sowie die Alten und Armen mit Respekt zu behandeln.
Joseph Califano wurde am 15. Mai 1931 in Brooklyn, New York, als Sohn
eines italienisch-amerikanischen Vaters und einer Mutter irischer Abstammung

geboren.

Er besuchte das Holy Cross-College in Worchester, Massachusetts,

und studierte dann an der Harvard-Universität Rechtswissenschaften.

Nach

seiner Dienstzeit in der amerikanischen Marine - er war in der Militärgerichtsbarkeit in Washington eingesetzt - trat er in das bekannte New Yorker
Anwaltsbüro des früheren Gouverneurs Thomas E. Dewey ein.
Nachdem Califano einige Zeit in der Reformbewegung der Demokratischen
Partei New Yorks tätig gewesen war,ging er 1961 nach Washington, wo er Sonderberater des damaligen Leiters der Rechtsabteilung im US-Verteidigungsministerium, Cyrus Vance, wurde.

Als Vance 1962 den Posten des Armeeministers

übernahm, folgte ihm Califano und wurde Leiter der Rechtsabteilung der Armee.
Im Jahre 1964 ernannte ihn der damalige Verteidigungsminister Robert McNamara
zu seinem Sonderberater und Verbindungsmann zum Weißen Haus.
Nach der Wahl Präsident Johnsons im Jahre 1964 siedelte Califano ins
Weiße Haus über, wo er als Nachfolger des zum Sprecher des Weißen Hauses berufenen Bill Moyers Referent für Gesetzgebungsfragen und Hauptberater Johnsons
für diesen Aufgabenbereich wurde. Für die enge Zusammenarbeit zwischen dem
Präsidenten und ihm steht der Satz Johnsons: "Wenn Joe spricht, dann ist es
meine Stimme, die Sie hören."
Als Johnson sich 1968 nicht mehr um die Wiederwahl bewarb, schied
Califano aus dem Regierungsdienst aus und eröffnete ein eigenes Anwaltsbüro
in Washington.
Califano ist mit Gertrude Zawacki verheiratet; das Ehepaar hat drei
Kinder.
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PATRICIA HARRIS: DIE NEUE WOHNUNGSBAUMINISTERIN DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
hat die bekannte Washingtoner Anwältin und frühere erste schwarze Botschafterin Amerikas, Patricia Harris, zur neuen Ministerin für Wohnungsbau und
Städteplanung ernannt. Sie hat damit Gelegenheit, das in der Praxis zu beweisen, was sie ihre Studenten immer gelehrt hat: daß das Studium der Jurisprudenz viele Türen öffnet.
Mrs. Harris ist der Oberzeugung, daß eine Ausbildung als Jurist zur
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit einer Person wesentlich beiträgt- Als
Ministerin für Wohnungsbau und Städteplanung wird sie diese Anpassungsfähigkeit nun auf einem Gebiet zu beweisen haben, von dem Carter während seines
Wahl feidzuges gesagt hat, daß ihm seine Administration besondere Aufmerksamkeit schenken werde. Die Notwendigkeit, Wohnungen für Familien zu schaffen,
sowie die Bedürfnisse der amerikanischen Städte, so sagte Carter, machten
besondere Anstrengungen des Bundes erforderlich.
Patricia Harris wurde am 3. Mai 1924 in Mattoon, Illinois, als Tochter
eines Speisewagenkellners geboren. Sie wuchs in Chicago auf und besuchte
dort eine höhere Schule. Beim Schulabgang wurden ihr fünf Universitätsstipendien angeboten; sie entschied sich für die Howard-Universität in
Washington, die vorwiegend von Schwarzen besucht wird. Nach Beendigung ihres
- 1 -

�ihres Studiums, das sie als Bachelor of Arts mit summa cum laude abschloß,
kehrte sie für zwei Jahre nach Illinois zurück, wo sie an der Universität von
Chicago tätig war.

Washington lockte jedoch wieder; 1949 ging sie an die

dortige American University.

Gleichzeitig hatte sie den Posten eines stell-

vertretenden Direktors des Amerikanischen Rates für die Menschenrechte inne.
Von 1953 - 1959 war Mrs. Harris als Exekutivsekretär einer NegerstudentinnenVerbindung tätig.

Im Jahre 1955 heiratete sie einen Washingtoner Juristen,

William Beasley Harris, der damals zum Lehrkörper der Howard-Universität gehörte.
Zum Teil auf Drängen ihres Ehemannes und zum Teil aufgrund ihres wachsenden Interesses an der Jurisprudenz schrieb sie sich an der juristischen
Fakultät der George Washington-Universität ein. Im Jahre 1960 schloß sie
ihr Jurastudium als Beste in einer Klasse von 94 ab.
Nach einjähriger Tätigkeit als Staatsanwältin im amerikanischen Justizministerium schloß sie sich dem Lehrkörper der Howard-Universität an und erhielt eine Professur für Rechtswissenschaften.
Unter den Administrationen Kennedy und Johnson gehörte Mrs. Harris
verschiedenen Kommissionen an, die für die Förderung der Frauenrechte eintraten. Im Jahre 1965 ernannte sie Präsident Johnson dann zur amerikanischen
Botschafterin im Großherzogtum Luxemburg; damit wurde Mrs. Harris die erste
schwarze Botschafterin der USA. Nach zwei erfolgreichen Jahren in Luxemburg,
wo auch ihr Ehemann als Rechtsberater des State Department tätig war, kehrte
das Paar nach Washington zurück. Mrs. Harris nahm ihre Lehrtätigkeit an der
Howard-Universität wieder auf, die allerdings nach kurzer Zeit schon wieder
unterbrochen wurde, als Präsident Johnson sie zum Mitglied der amerikanischen
Delegation bei den Vereinten Nationen ernannte.
An die Howard-Universität zurückgekehrt, wurde sie 1969 Dekan der
juristischen Fakultät, trat von diesem Posten jedoch schon nach einem Monat

- 2 -

�Monat wieder zurück, weil sie sich den Forderungen schwarzer Studenten
nach einer größeren Mitspracherolle nicht beugen wollte.
Mrs. Harris war Mitglied der Washingtoner Anwaltsfirma Fried, Frank,
Harris, Shriver und Kampelmann.

Sie ist Inhaberin von 30 Auszeichnungen.

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CHARLES SCHULTZE: VORSITZENDER DES WIRTSCHAFTSBEIRATES DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON - (AD) - Charles Schultze, der Mann, den sich Carter als Vorsitzender seines Wirtschaftsbeirates ausgesucht hat,nannte als erste Priorität, "die Wirtschaft wieder auf den Kurs eines soliden anhaltenden Aufschwungs
zu bringen." Schultze gilt als Liberaler, aber auch als Verfechter einer vorsichtigen Ausgabenpolitik. Sein Hauptkampf hat immer der Inflation gegolten,
die er als Hauptiibel der Wirtschaft bezeichnet, das alle anderen Übel - vor
allem die Arbeitslosigkeit - nach sich zieht.
Der 52jährige liberale Demokrat hatte Posten bei demokratischen und republikanischen Administrationen inne. So gehörte er dem Wirtschaftsbeirat
von Präsident Eisenhower an und war später bei Präsident Johnson Direktor
des Budget-Amtes. Als führendes Mitglied der renommierten BrooKings Insitution
war er auch als Berater führender demokratischer Politiker tätig.
Seine Hauptsorge gilt der Erhöhung des ülpreises durch die OPEC, wobei
er bei der vorigen großen Preiserhöhung dafür eintrat, die Profite der ülgesellschaften durch eine sogenannte Windfall Tax - eine Steuer gegen Spekulationsgewinne - abzuschöpfen. Er gilt als hervorragender Fachmann für Wirtschaftsfragen.
Charles Schultze wurde am 12. Dezember 1924 in Alexandria im Staate
Virginia, nicht weit von der amerikanischen Bundeshauptstadt, geboren. Im
- 1 -

�Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in der amerikanischen Armee in Europa und
erhielt hohe Tapferkeitsauszeichnungen.
Mit dem Amtsantritt Nixons schied Schultze aus dem Regierungsdienst aus,
und seine wirtschaftspolitischen Auffassungen standen meist im Gegensatz zu
denen Nixons und Fords und deren Berater.

Er warf den Republikanern vor, daß

sie nach Beendigung des Vietnam-Krieges ihre Verteidigungsausgaben nicht senkten, und er warnte vor der Einführung neuer Programme ohne eine gründliche
Analyse ihrer Wirtschaftlichkeit.
Politiker.

Er kritisierte jedoch auch demokratische

So widersetzte er sich dem von Senator Hubert Humphrey einge-

brachten Vollbeschä'ftigungsgesetz im Juli 1976. Wenn die Arbeitslosigkeit
zu rasch und zu stark gesenkt würde, dann führe das zu einer Beschleunigung
der Inflation, solange keine wesentlichen neuen Instrumente zu ihrer Kontrolle
vorhanden seien.
Schultze hat sich wiederholt für gezielte Maßnahmen zum Abbau der
Jugendarbeitslosigkeit und der strukturell bedingten Arbeitslosigkeit eingesetzt. In erster Linie muß nach seiner Auffassung jedoch der Kampf gegen
die Inflation geführt werden, und zwar gerade solange die Arbeitslosigkeit
hoch sei. Er warnte vor allgemeinen Versprechungen von Kürzungen und Regierungsausgaben und tritt für eine Belebung der Konjunktur durch Steuererleichterungen ein.

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25/1976

THEODORE C. SORENSEN: DER NEUE LEITER DES ZENTRALAMTES FÜR
NACHRICHTEN UND ABWEHR (CIA)

WASHINGTON - (AD) - Die Benennung Theodore C. Sorensens als künftiger
Leiter des Zentralamtes für Nächrichten und Abwehr (Central Intelligence Agency
- CIA) durch den designierten Präsidenten Jimmy Carter bringt einen der
engsten Berater des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy in den Staatsdienst zurück.

Sorensen, 48 Jahre alt, war ein persönlicher Freund Kennedys und hat
viele seiner Reden verfaßt.

Schon zu der Zeit, als Kennedy noch dem Senat

angehörte und an dem Buch "Profile in Courage" (deutsche Ausgabe: Zivilcourage) arbeitete, war ihm Sorensen bei der Material Sammlung behilflich.
In dem Präsidentschaftswahlfeldzug 1960 half er Kennedy bei der Abfassung
zahlreicher Wahlreden und Stellungnahmen zu Einzelthemen.

Nach dem Wahlsieg

holte dieser ihn als persönlichen Berater in das Weiße Haus.

Anläßlich der Bekanntgabe seiner Nominierung zum Chef des CIA durch
Carter erklärte Sorensen, er sei sich der "schweren Verantwortung" bewußt,
die die Stellung eines Leiters des Nachrichten- und Abwehrdienstes der USA
mit sich bringe,und habe sich nicht um die Übernahme dieser Verantwortung
bemüht.

"Da dieses Amt aber von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhal-

tung des Weltfriedens ist, konnte ich es meiner Auffassung nach nicht ab- 1 -

�ablehnen," fügte er hinzu.
Theodore Chaikin Sorensen wurde am 8. Mai 1928 in Lincoln, Nebraska,
geboren. Sein Vater war ein Liberal-Republikaner dänischer Herkunft und
zeitweilig Chef der Justizverwaltung des Staates Nebraska. Seine Mutter,
eine fanatische Frauenrechtlerin und Pazifistin, war russisch-jüdischer Abkunft. Die Mittelinitiale "C" aller fünf Sorensen-Geschwister erinnert an
ihren Mädchennamen.
Vater Sorensen nahm seinen Sohn Ted wiederholt auf politische Versammlungen mit und veranlaßte ihn nicht selten, vom Rednerpult herab selbst "ein
paar Worte" an das jeweilige Publikum zu richten.

Das Haus der Sorensen, in

dem liberale Zeitschriften und Bücher jederzeit zur freien Benutzung herumlagen, war ein Treffpunkt liberaler Kreise, die hier oft lebhafte Debatten
über aktuelle politische Probleme führten.

Das alles blieb - ebenso wie das

Bekenntnis der Familie zu den Lehren der unitarischen Kirche - nicht ohne
Einfluß auf den Heranwachsenden.
Nach Abschluß der Oberschule in Lincoln im Jahre 1945 konnte Sorensen
auf Grund eines Stipendiums die Universität von Nebraska beziehen, an der er
1949 das erste Abschlußexamen ablegte, um anschließend an der juristischen
Fakultät der gleichen Universität, wiederum mit einem Stipendium ausgezeichnet, sein Fachstudium zu betreiben. Im Jahre 1951 promovierte er dort als
Jahrgangsbester zum Bachelor of Laws. Die erste Stat; . seines Berufslebens war die Stellung des Rechtsberaters einer damals kleinen Bundesbehörde,
die später im Zuge einer Umorganisierung zum Ministerium für Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialfragen erweitert werden sollte. Diese Stelle gab er
jedoch bald wieder auf, um sich einem Forschungsstab eines Kongreßausschusses
als wissenschaftlicher Mitarbeiter anzuschließen. Als der Forschungsstab
seine Tätigkeit 1953 einstellte, zeigte sich der inzwischen verstorbene Senator Paul Douglas aus Illinois von den Leistungen Sorensens so sehr beeindruckt, daß er ihn dem neugewählten Senator John F. Kennedy aus Massachusetts
als Referenten empfahl.
Von

�Von der gemeinsamen Liebe zu Büchern und zur Politik beflügelt, arbeiteten die beiden Männer äußerct harmonisch und auch erfolgreich zusammen.
Dank seiner bemerkenswerten analytischen Fähigkeiten entwickelte Sorensen
eine besondere Vorliebe für die Bearbeitung von Gesetzesvorlagen, die Abfassung von kritischen Studienberichten und die Beschaffung von Material für
die Ausarbeitung von Reden und Zeitschriftenartikeln.
Nach der Ermordung Präsident Kennedys im November 1963 blieb Sorensen
nur noch kurze Zeit auf seinem Posten als Präsidentenberater im Weißen Haus.
Er trat im Januar 1964 zurück, um fortan als Rechtsanwalt zu fungieren - ohne
sich allerdings auf diesen Beruf allein zu beschränken. Im Jahre 1965 veröffentlichte er eine Biographie des ermordeten Präsidenten unter dem Titel
"Kennedy" (deutsch 1966: Kennedy), auf die er 1969 "The Kennedy Lenacy"
(deutsch 1969: Das Vermächtnis der Kennedys) folgen ließ. Im Wahljahr 1968
beteiligte er sich an dem infolge seiner Ermordung nur kurzen Wahlkampf von
Senator Robert F. Kennedy, einem Bruder des Präsidenten John F. Kennedy und
ehemals Justizminister unter diesem.
Im Jahre 1970 bewarb sich Sorensen vergeblich um den einstigen Senatssitz von Robert F. Kennedy im Staat New York. Er kehrte deshalb an seinen
Schreibtisch - als Rechtsanwalt wie als politischer Schriftsteller - zurück.
Sein jüngstes Buch "Watchmen in the Night" Presidential Accountability after
Watergate" (Wachleute in der Nacht: Die Pflicht des Präsidenten zur Rechenschaftslegung in der Zeit nach Watergate).
Sorensen ist mit Gillian Martin verheiratet; das Ehepaar hat vier Kinder.

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25/1976

ANDREW YOUNG: DER NEUE UN-BOTSCHAFTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Zum neuen Chefdelegierten der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen hat der designierte Präsident Jimmy Carter den
44jährigen Schwarzen Andrew Young berufen. Young hat sich als Mitarbeiter
von Martin Luther King in den sechziger Jahren einen Namen in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gemacht. Er war der erste und einzige Schwarze
aus dem Staate Georgia seit 1871, der einen Sitz im Repräsentantenhaus errungen hat. Seinen Posten bei der Weltorganisation bezeichnete er als "glänzende Chance und Selbstmordjob".
Auf der Pressekonferenz am 16. Dezember, als Carter die Nominierung von
Young bekanntgab, erklärte dieser, sein Entschluß, als Botschafter zu den Vereinten Nationen zu gehen, sei vor allem auf seine Oberzeugung zurückzuführen,
daß die Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle in Afrika zu spielen hätten.
Young, der als attraktiv und freimütig angesehen wird, hat durch seinen
Einsatz für den Präsidentschaftskandidaten Carter diesem sicherlich Stimmen
der schwarzen Bevölkerung gebracht. Auf den Posten bei den Vereinten Nationen
angesprochen, zeigte er zunächst eine Neigung, auf seinem gewählten Posten
im Kongreß zu bleiben. Eine Reise durch mehrere Länder Afrikas mit einer
Kongreß-Delegation überzeugte ihn jedoch, daß er bei den Vereinten Nationen
eine nützliche Rolle spielen könne - nicht zuletzt, um auf eine Mehrheitsregierung in Südafrika hinzuwirken.
Andrew
- 1-

�1
Andrew Jackson Young wurde am 12. März 1932 in New Orleans im Staate
Louisiana als Sohn eines Zahnarztes und einer Lehrerin geboren und wuchs
in einer vorwiegend weißen Nachbarschaft auf.

Als "reicher Leute Kind" be-

trachtet, zog es ihn zu dem Beruf des Geistlichen, da er in diesem Beruf die
größte unabhängige Wirkungsmöglichkeit bei seinen schwarzen Mitbürgern sah.
Er studierte an der hauptsächlich von Schwarzen besuchten Howard-Universität
in Washington und am Theologischen Seminar in Hartford, Connecticut.
Als junger Geistlicher wirkte er in kleinen Gemeinden in Südgeorgia
und kam mit der Arbeit von Dr. Martin Luther King in Berührung.

Der 29-

jährige Geistliche der Vereinten Kirche Christi trat 1961 dem BürgerrechtsAusbildungsprogramm bei, wo er mit seiner damaligen Verlobten und heutigen
Frau Jean schwarze Mitbürger auf die Prüfungen zur Erlangung des Wahlrechtes
vorbereitete.
King.

Bald wurde er zu einem der wichtigsten Mitarbeiter von Dr.

Er erlebte die Ermordung des bekannten amerikanischen Bürgerrechtlers

und Geistlichen am 4. April 1968 persönlich mit und führte die Arbeit Dr.
Kings zwei Jahre weiter.
Im Jahre 1970 kam er zu der Überzeugung, daß er das Vermächtnis seines
großen Vorbildes am besten erfüllen könnte, wenn er sich der Politik zuwandte.
Bei den Wahlen 1970 kandidierte er in Georgia für einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington in einem Wahlbezirk, in dem 60 Prozent Weiße leben. Ironischerweise verlor er wegen der schwachen Wahlbeteiligung der Schwarzen. Bei
den gleichen Wahlen gewann Jimmy Carter im zweiten Anlauf den Posten des Gouverneurs von Georgia. Young ließ sich nicht entmutigen und arbeitete bis zur
nächsten Wahl intensiv in Bürgerrechtsfragen und gewann die Wahl 1972 mit
52,9 Prozent. Seine Wiederwahl 1974 und 1976 brachte ihm überwältigende
Mehrheiten.
Seine Oberzeugungen schöpft Young nicht zuletzt aus den Schriften
Ghandis.

Das alte Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn", so erklärt Young, läßt

uns am Ende blind und ohne Zähne.

Er tritt vielmehr für eine Politik der

Versöhnung auf der Basis der Menschenrechte für alle ein.
Mit

�*

Mit seiner Frau Jean, die ebenfalls in der Bürgerrechtsbewegung außerordentlich aktiv ist, hat er vier Kinder.

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25/1976

ZBIGNIEW BRZEZINSKI: DER NEUE SICHERHEITSBERATER CARTERS

WASHINGTON - (AD) - Als sich Jimmy Carter im Oktober auf die wichtige
Fernsehdebatte mit Präsident Ford über die Außenpolitik und die nationale Verteidigung vorbereitete, rief er einen bekannten amerikanischen Sowjetologen,
Professor Zbiqniew Brzezinski von der New Yorker Columbia-Universität, zu
sich nach San Francisco, um sich umfassend über weltpolitische Fragen unterrichten zu lassen. Jetzt hat der designierte Präsident diesen Mann mit dem
schwer aussprechbaren Namen, Sohn eines früheren polnischen Diplomaten und
schon während des Wahlfeldzuges einer der einflußreichsten Berater Carters,
mit dem überaus wichtigen Posten des Beraters für Fragen der Nationalen Sicherheit betraut. Dieses Amt hatte während der Nixon-Administration Außenminister
Kissinger inne.
Bei der Ankündigung dieser Berufung anläßlich einer Pressekonferenz
Carters am 16. Dezember meinte Brzezinski, er sei zutiefst überzeugt, daß
sich die USA als Nation zwei fundamentalen Alternativen gegenübersähen: dem
Gebot verstärkter internationaler Zusammenarbeit oder der Gefahr verstärkter
weltweiter Unruhe.

Er sähe seine Hauptverantwortung darin, den Entscheidungs-

prozeß in der Außenpolitik zu fördern.

Dieser Prozeß, so fügte Brzezinski

hinzu, betreffe natürlich in erster Linie den Präsidenten aber auch vor allem
dessen außenpolitischen Hauptberater, den Außenminister der USA, sowie den
Verteidigungs- und Finanzminister und andere Kabinettsmitglieder.
Diese
- 1 -

�J
Diese Bereitschaft, seinen eigenen Beitrag herunterzuspielen, ist
charakteristisch für die Bescheidenheit des neuen Sicherheitsberaters. Einem
Reporter, der ihn nach seiner Vertrautheit mit Carter während dessen Wahlfeldzug befragte, sagte er, seiner Meinung nach sei seine Rolle durch die Medien erheblich übertrieben dargestellt worden.

Tatsache sei vielmehr, daß

andere einen weitaus größeren Einfluß gehabt hätten als er.
Das Interesse Brzezinskis am Kommunismus und an osteuropäischen Fragen
ist nicht zuletzt mit seiner Herkunft zu erklären.

Er wurde am 28. März 1928

als Sohn eines polnischen Diplomaten in Warschau geboren.

Den größten Teil

seiner frühen Kindheit verlebte er mit seinem Eltern in Frankreich und Deutschland, wo er Privatschulen besuchte.

Brzezinski begleitete seine Eltern 1938

nach Kanada, wo sein Vater am polnischen Konsulat in Montreal tätig war.

Als

in Polen die Kommunisten die Macht übernahmen, blieb die Familie in Kanada.
Weitere schulische Stationen Brzezinskis waren katholische Ausbildungsinstitute in Kanada, die McGill-Universität in Montreal sowie die Harvard-Universität in den USA an der er 1953 promovierte und einen Lehr- und Forschungsauftrag erhielt.

Er gehörte dem Lehrkörper dieser renommierten Hochschule bis

1960 an und ging dann an die New Yorker Columbia-Universität. Im Jahre 1961
übernahm er die Leitung des neugegründeten Instituts für Fragen des Kommunismus an dieser Universität und erwarb sich in den darauffolgenden Jahren den
Ruf eines Experten für osteuropäische Angelegenheiten.

Im Jahre 1961 war er

einer der wichtigsten außenpolitischen Berater des neugewählten Präsidenten
John F. Kennedy, und von 1966 bis 1968 gehörte er dem politischen Planungsstab des State Department an.

In dieser Eigenschaft unterstützte er nach-

drücklich die Präsenz der USA in Vietnam.
Im Jahre 1973 vertrat Brzezinski in einem Artikel, der in der bekannten
Zeitschrift "Foreign Affairs" erschien, die Ansicht, daß die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Welt ein Hauptproblem der USA bleibe, führte
jedoch gleichzeitig die Fragen der Entwicklungsländer sowie die Aufrechterhaltung der Beziehungen zu den Industrienationen als zwei weitere wichtige
Gebiete an.

Um sich mit diesen Problemen effektiver auseinandersetzen zu_
- 2 -

�zu können, schlug Brzezinski eine engere Zusammenarbeit zwischen Nordamerika,
Westeuropa und Japan vor.

Er war Mitbegründer der "Trilateralen Kommission",

einer privaten Gruppe zur Förderung dieses Zieles, der auch Jimmy Carter als
Mitglied angehörte, und hier begann bereits die enge Zusammenarbeit beider
Männer.
Brzezinski hat sich häufig über die Bemühungen der USA ausgesprochen,
die Beziehungen zur Sowjetunion zu verbessern; in einem Interview mit der
"New York Times" kurz vor den Wahlen unterstrich er jedoch, daß er die Entspannung nicht ablehne. Man müsse allerdings zu einer umfassenderen Entspannung gelangen, so meinte er, und man dürfe nicht eine Detente akzeptieren,
in der die Sowjets die Spielregeln festlegten und die Prioritäten setzten.
In einer Rede vor dem Nationalen Demokratischen Frauenclub, ebenfalls
kurz vor der Wahl »forderte Brzezinski Vorverhandlungen über ein Abkommen zur
Begrenzung strategischer Waffen zwischen den USA und der Sowjetunion, das die
Anzahl der strategischen Bomber, der nuklearen Sprengköpfe sowie der Raketen
auf beiden Seiten reduziere.
Seit Jjni 1955 ist Brzezinski mit Emilie Benes, einer Großnichte des
ehemaligen tschechoslowakischen Präsidenten Eduard Benes, verheiratet. Sie
haben drei Kinder.

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25/1976

JAMES SCHLESINGER: DER NEUE BERATER CARTERS FÜR ENERGIEFRAGEN

WASHINGTON - (AD) - James R. Schlesinger, der Mann, den der designierte Präsident der USA zu seinem Hauptberater für Energiepolitik ernannt
hat, verfügt über einen größeren Bereich an Erfahrungen im Regierungsdienst
als jeder andere, der in die neue Administration berufen worden ist. Die
Ernennung Schlesingers gilt als sicheres Anzeichen dafür, daß Carter einen
größeren Nachdruck auf den Energiebedarf der Nation und die damit zusammenhängenden Probleme legen wird, als dies bisher der Fall war.
Nahezu sieben Jahre,von 1969 - 1975,war Schlesinger - übrigens die
einzige Persönlichkeit aus der Nixon- und Fordära, die Carter in seine Administration berufen hat - in einer Reihe von hohen Regierungspositionen
tätig, und auf jedem dieser Posten wurde seine Arbeit als brillant und effektiv gelobt. Zunächst war er Stellvertretender Direktor der alten BudgetAbteilung, dann siedelte er in die US-Atomenergie-Kommission über, wurde
dann Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA), um schließlich das Verteidigungsministerium zu übernehmen.
Im Jahre 1975 wurde Schlesinger von Präsident Ford aus dem Amt des
Verteidigungsministers im Zuge einer umfassenden Regierungs-Reorganisation
entlassen.

Ford hat niemals im einzelnen seine Gründe dafür dargelegt,

außer daß er seinen eigenen Mann, Donald Rumsfeld, auf diesem Posten haben
- 1 -

�haben wollte. Allerdings hatte Ford, als er noch Vizepräsident war, einmal erklärt, er würde Schlesinger wegen dessen schlechten Beziehungen zum
Kongreß entlassen.
James Rodney Schlesinger wurde am 15. Februar 1929 in New York City geboren.

Er schrieb sich 1946 an der Harvard-Universität ein, studierte Wirt-

schaftswissenschaften und schloß sein erstes Examen 1950 summa cum laude ab.
Sechs Jahre später erwarb er den Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften an
der Harvard Universität.
Bis 1963 lehrte er dieses Fach an der Universität von Virginia und
übernahm dann eine Tätigkeit bei der Rand Corporation, der renommierten "DenkFabrik" für nationale Sicherheit, wobei er sich vor allem mit der nuklearen
Waffentechnik und mit strategischen Analysen befaßte.

Auf diesem Gebiet hatte

er sich bereits vorher durch Vorträge sowie durch sein 1960 veröffentlichtes
Buch "The Political Economy of National Security" (Die politische Ökonomie
der Nationalen Sicherheit) einen Namen gemacht.
:

Sein umfassendes Wissen auf den Gebieten der Wirtschaft, der Kernenergie,
der nationalen Sicherheit und der Verteidigung gab ihm das erforderliche Rüstzeug für seine erfolgreiche Arbeit auf den hohen Regierungsposten in der
Budget-Abteilung, der Atomenergie-Kommission,dem CIA und dem Verteidigungsministerium, auf die er von Präsident Nixon während dessen Administration berufen wurde.
Nach seiner Entlassung als Verteidigungsminister unter Präsident Ford
arbeitete Schlesinger am "Center for International Studies" der Johns HopkinsUniversität und trat während der Präsidentschaftswahlen 1976 als Berater
Carters in Erscheinung.
In seiner Ernennung zum Berater für Energiefragen des neuen Präsidenten
sieht Schlesinger eine "herausfordernde Aufgabe".

Er werde sich bemühen, den

"Enthusiasmus und die Energie des amerikanischen Volkes" für die Lösung der
2 -

�der auf diesem Gebiet sich stellenden Probleme zu mobilisieren.

Es gelte,

den Anstieg des Gesamtenergieverbrauchs und vor allem das Anwachsen der Rohölimporte zu begrenzen, um die Gefahr allzugroßer Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischen Energiequellen zu verringern.

In diesem Sinne

werde er daher auch bestrebt sein, die Entwicklung von Automobilen mit geringerem Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten zu fördern.
In der amerikanischen Öffentlichkeit gilt Schlesinger als pfeifenrauchender Intellektueller, der eigentlich mehr im Hörsaal der Universität
als im bürokratischen Gewirr der Verwaltungsorganisationen zu Hause ist und
auf politischem Parkett leicht die Geduld verliert. Dieses Bild geht auf
Vorfälle im Jahre 1975 zurück, als Schlesinger weitere Kürzungen seines bereits vom Weißen Haus gestutzten Verteidigungshaushalts durch das Repräsentantenhaus mit scharfen öffentlichen Attacken gegen diese Maßnahmen der Legislative beantwortete. Die sich daraus entwickelnde Kontroverse zog ihm
den Zorn vieler Kongreßmitglieder zu, sicherte ihm aber auch auf vielen Seiten den Respekt wegen seiner unerschrockenen und klaren Haltung, die die
"Dinge in die richtige Perspektive" setze.
Wie der designierte amerikanischen Präsident Carter ist auch Schlesinger
ein starker und intensiver Bücherleser. Er ist mit Rachel Mellinger verheiratet. Das Ehepaar hat acht Kinder.

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25/1976

AKTIONSPROGRAMM ENERGIE
Appell an den US-Kongreß und die neue Regierung der
Vereinigten Staaten

- (AD) - Zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft gegen die Auswirkungen weiterer Ülpreis-Erhöhungen und möglicher künftiger Störungen in der
Versorgung mit Import-Energierohstoffen sei ein "Aktionsprogramm Energie"
eine der vordringlichen Aufgaben der Regierung Carter. Diese Ansicht vertraten der US-Handelsminister Elliot Richardson und der Leiter der US-Energiebehörde Dr. Frank Zarb bei Anhörungen vor dem Unterausschuß für Energie
und Strom des US-Kongresses in ihrer Funktion als Vorsitzender bzw. Leitender
Direktor des Präsidialrates für Energierohstoffe (ERC). In einem inzwischen
auch der Öffentlichkeit übergebenen Situationsbericht ("Perspektiven der
Energiepolitik") sind die wichtigsten Aufgaben zusammengefaßt, die nach Ansicht von Richardson und Zarb sofort in Angriff genommen werden sollten:
1) Steigerung der amerikanischen Kohleproduktion von ihrem gegenwärtigen Stand von ca. 608 Millionen Tonnen pro Jahr auf mehr als 900 Millionen
Tonnen bis Mitte der achtziger Jahre.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen

bereits bewilligte Programme zur Kohlenutzung voll durchgeführt werden. Außerdem sei eine engere Zusammenarbeit von Bundesregierung, den Regierungen der
einzelnen Bundesstaaten, kommunaler Verwaltungen und den Vertretern von
Bürgerinitiativen erforderlich.

Aueinandersetzungen über Umweltfragen müßten
- 1-

�müßten beigelegt werden.

Auch seien größere Anstrengungen zu unternehmen»

um synthetische Brennstoffe aus Kohle zu gewinnen.
2) Ausweitung der einheimischen ölförderung in den neuen Feldern
Alaskas und der äußeren Schelfgebiete sowie intensivere Nutzung erschlossener Vorkommen.

Dies erfordere allerdings beschleunigte Verfahren zur Auf-

hebung der öl Preiskontrollen unabhängig von der Frage, ob ein "Mischpreis"
auf nationaler Ebene einzuführen sei.

Unnötiges Reglement seitens des Staa-

tes müsse abgeschafft werden, bessere Beziehungen zwischen lokalen Verwaltungen und der Erdölindustrie seien zu fördern.
3) Steigerung der amerikanischen Erdgasproduktion.

Diese sei nur in

Verbindung mit Maßnahmen des US-Kongresses zur Aufhebung der Preiskontrolle
bei neuen Erdgasquellen und rascher Lösung des Problems des Gastransports
von Alaska nach den übrigen 48 kontinentalen Bundesstaaten möglich.
4) Steigerung der Anwendung regenerationsfähiger Energiequellen wie
Sonnen- und Windenergie sowie Erdwärme.

Auf diesen Gebieten sollten For-

schung und Entwicklung Teil des Gesamtenergieplanes sein.
5) Aufbau einer strategischen ölreserve im Umfang von mindestens 500
Millionen Faß. Zu den bisher erzielten Fortschritten zählt u.a. die Bewilligung von Mitteln durch den US-Kongreß zur Anlage eines Grundstocks an ölreserven von 40 Millionen Faß. Nach Meinung von hohen Beamten der Regierung
Ford müsse jedoch zum Schutz gegen mögliche Unterbrechungen der Belieferung
mit öl das Programm rasch zu Ende geführt werden.
6) Verringerung der Wachstumsrate für den Energiebedarf von bisher
3,5 Prozent im Jahr auf 2,5 Prozent.

Da die technischen Möglichke*ten zur

Einsparung von Energie zum großen Teil bereits ausgeschöpft werden, dürfte
es jedoch schwierig sein, dies ohne Preiserhöhungen oder restriktive Maßnahmen wie verordnete Verbrauchseinschränkungen zu erreichen.

Die

�/

i
Die Frage der Energiepolitik erfordert dem ERC-Bericht zufolge 1977
und 1978 Maßnahmen seitens der Regierung.
der Energiefinanzierung sei zu klären.

Auch die Rolle der Regierung in

Zum Abbau der Abhängigkeit von Im-

portöl sei außerdem internationale Zusammenarbeit unerläßlich.

Handelsminister Richardson schlägt vor, daß alle Regierungsressorts
gemeinsam Management-Pläne für den Fall eines neuen ölembargos ausarbeiten.
Dabei müsse auch die optimale Nutzung der strategischen ölreserven im Hinblick auf das Programm der Internationalen Energiebehörde und auf mögliche
Maßnahmen zur Verbrauchseinschränkung analysiert werden.

Präsident Carter

sollte vom Kongreß ermächtigt werden, im Fall einer Unterbrechung der Versorgung mit Energierohstoffen oder bei starken Preiserhöhungen Notstandssteuern oder Gebühren auf Erdölprodukte zu erheben und diese Produkte für
bestimmte Verbrauchergruppen zu rationieren.

Der Rat für Energierohstoffe habe, wie Richardson erklärte, zahlreiche
Wege zur Organisation des Energiesektors sondiert.

Jedoch sei die Organi-

sation allein kein Ersatz für die Prozesse, die eine verantwortungsbewußte
und substantielle Entwicklung der Energiepolitik gewährleisten.

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25/1976

MEHR GELD FÜR GRUNDLAGENFORSCHUNG
Schwerpunkte: Landwirtschaft, Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung

- (AD) - Eine Anhebung der Etats für Grundlagenforschung auf Schwerpunktgebieten um drei Prozent zusätzlich zum Inflationsausgleich schlägt Präsident Ford für den Haushalt 1978 vor.

Besonders berücksichtigt werden sol-

len neben der Energieforschung bestimmte Projekte der Weltraumforschung samt
Erderkundung aus dem Weltraum,

Erdbebenvorhersage und Agrarforschung.

Auf dem letztgenannten Gebiet sind Projekte interessant, die neue Wege
zur Stickstofffassimilierung eröffnen könnten und das Ziel haben, Eigenschaften von Hülsenfruchtpflanzen eines Tages auch auf wichtige Getreidesorten
wie Mais und Weizen zu übertragen.

Wenn es gelänge, deren Erbstruktur so zu

verändern, daß auch sie, beispielsweise in Verbindung mit Bodenbakterien,
Luftstickstoff in Ammoniak umwandeln, würde der Weltbedarf an Kunstdünger
rapide sinken.

Dr. Guyford Stever, Vorsitzender des Präsidialbeirats für

Wissenschaft und Technologie und Direktor der Nationalen Wissenschaftsstiftung der USA, hält angesichts der überragenden Leistungen der amerikanischen
Agrarforschung in der Vergangenheit Erfolge in dieser Richtung für durchaus
denkbar.

Ein Sonderfonds von 20 - 25 Millionen Dollar soll künftig eine Mög-

lichkeit schaffen, daß sich Wissenschaftler nicht nur im Rahmen des konventionellen Bewilligungssystems, sondern auch direkt an höchster Stelle um
- 1-

�um Forschungsgelder bemühen können. Dadurch würden mit höherer Wahrscheinlichkeit die besten Ideen unbürokratisch gefördert.
Die Forschungsmittel für die Erdbebenvorhersage (bisher ca. 20 Millionen Dollar) sollen mindestens verdoppelt werden, wobei der Steigerungsbetrag in erster Linie für die Entwicklung neuer Instrumente, Verfahren und
Ideen zur Erkennung und Auswertung bestimmter Phänomene, die Erdbeben ankündigen, verwendet würde.

Einschlägige Studien in Japan, China, der UdSSR und

den USA haben bereits gezeigt, daß es vor einem Erdbeben zu mancherlei Veränderungen kommt. Jetzt gilt es, sie rechtzeitig zu erfassen und richtig zu
interpretieren, um, ähnlich wie in der Wettervorhersage, eine Erdbeben-"Vorwarnung" geben zu können.
Beispielsweise wurde in einem 7200 qkm großen Gebiet im Räume Los
Angeles in Kalifornien seit den sechziger Jahren ein "Anschwellen" der Oberfläche um ca. 25 cm beobachtet. Geologen sind der Auffassung, daß eine solche Bodenhebung Spannungen im Erdinnern anzeigt, die sich vor einem Erdbeben
aufbauen. In Japan gingen 1964, in Kalifornien 1972 derartige Erscheinungen
einem Erdbeben voraus.
Zu den neuen Programmen, die für die Raumfahrt empfohlen werden, gehört
ein 2,4 m-Hochleistungsteleskop, das mit dem Raumtransporter auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden soll. Es würde Anstronomen in allen Ländern zum
Studium von Himmelsobjekten,die von der Erdoberfläche aus überhaupt nicht zu
beobachten sind, zur Verfügung stehen.
Nunmehr soll auch für die Erforschung des Planeten Jupiter, wie zuvor
schon bei Mond und Mars, ein Orbiter eingesetzt werden.

Der Start zu dem

zwei Jahre dauernden Anflug zum größten Planeten unseres Sonnensystems ist
Ende 1981 geplant.

Nach dem Einschwenken des Roboters in eine Jupiter-Um-

laufbahn würde sein Orbit von Zeit zu Zeit geändert, damit die Sonde nach
und nach die 13 Jupitermonde möglichst nahe passiert.

Vor allem interessieren

die vier großen, von Galilei entdeckten Monde, die ungefähr so groß sind wie

�•

wie der Planet Merkur.

Der Orbiter soll außerdem eine Sonde absetzen, mit

der die dichte und turbulente Atmosphäre untersucht und die ersten direkten
Messungen von Temperaturen und Zusammensetzung der unterschiedlich gefärbten
Wolkenbänder vorgenommen werden sollen.
Mit einem verbesserten Satelliten zur Erdfernerkundung wird das Projekt
LANDSAT ausgeweitet, an dem schon heute mehr als 50 Länder teilnehmen. In
den USA haben die LANDSAT-Meßdaten zur Vorhersagen der Getreideernte, insbesondere der Weizenernte, eine mehr als 90prozentige Übereinstimmung mit dem
tatsächlichen Ernteertrag gezeigt. Die Meßdaten aus der Beobachtung der
sowjetischen Weizenernte, die amerikanische LANDSAT-Wissenschaftler auf Ersuchen der UdSSR sammelten, stimmten mit den in der UdSSR angestellten Vorausberechnungen ebenfalls gut überein. Solche Studien erleichtern gerade angesichts der Bedeutung der beiden Länder für den Weltgetreidemarkt eine ausgewogene Disposition. Der Einsatz von Fernerkundungssatelliter für Aufgaben
der Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, des Umweltschutzes und der
Rohstoffsuche entwickelt sich gegenwärtig zu einem der wichtigsten Anwendungsgebiete der Raumfahrttechnologie.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Harold Brown: Der neue Verteidigungsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Griffin Bell: Der neue Justizminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cecil Andrus: Der neue Innenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robert Bergland: Der neue Landwirtschaftsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Juanita M. Kreps: Die neue Handelsministerin der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F. Ray Marshall: Der neue Arbeitsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Joseph A. Califano: Der neue Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Patricia Harris: Die neue Wohnungsbauministerin der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charles Schultze: Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Theodore C. Sorensen: Der neue Leiter &amp;nbsp;des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andrew Young: Der neue UN-Botschafter der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zbigniew Brzezinski: Der neue Sicherheitsberater Carters&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;James Schlesinger: Der neue Berater Carters für Energiefragen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aktionsprogramm Energie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Appell an den US-Kongress und die neue Regierung der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Geld für Grundlagenforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schwerpunkte: Landwirtschaft Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung&lt;/em&gt;</text>
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15. Dezember 1976

DOKUMENTATION

lnha,t

Carter: Die NATO ist das Kernstück der atlantischen Partnerschaft
- Botschaft an die Ministertagung Cyrus R. Vance: Der neue Außenminister der USA
W. Michael Blumenthal: Der neue amerikanische Finanzminister
Brock Adams: Der neue Verkehrsminister der USA
Thomas B. Lance: Der neue Direktor des US-Budgetamtes
Thomas P. O'Neill: Der neue Sprecher des US-Repräsentantenhauses
HINTERGRUNDMATERIAL
Carter wirbt um liberparteiliche Unterstützung seiner Außenpolitik
- Eingehende Aussprache mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats Achtung vor den Menschenrechten
Wesentliches Kriterium für US-Auslandshilfe
Allianz gegen Rauschgiftsyndikate
- Amerikanische Parlamentarier fordern internationale Konferenz und
koordinierte Maßnahmen HIRTSCHAFT
US-Experte fordert weltweite konzertierte Maßnahmen gegen Abhängigkeit
vom öl
- öl Preiserhöhung würde den Wiederaufschwung bremsen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Aktionen zum Umweltschutz in den USA
Die nächste Eiszeit kommt bestimmt
- US-Wissenschaftler untersuchen Tiefsee-Sedimente -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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24/1976

CARTER: DIE NATO IST DAS KERNSTÜCK DER ATLANTISCHEN PARTNERSCHAFT
- Botschaft an die Ministertagung -

BRÜSSEL - (AD) - Der neugewä'hlte amerikanische Präsident Jimmy Carter
hat in einer Botschaft an die Ministertagung des Nordatlantikrates in Brüssel
das NATO-Bündnis als das Kernstück der Partnerschaft zwischen Nordamerika und
Westeuropa bezeichnet und versichert, daß das Bündnis unter seiner Regierung
fortgesetzt und gestärkt werden soll.
Die Botschaft Carters, die der scheidende amerikanische Außenminister
Dr. Henry A. Kissinger dem Nordatlantikrat übermittelte, hat folgenden Wortlaut:
Unser NATO-Bündnis ist das Kernstück der Partnerschaft zwischen Nordamerika und Westeuropa.

Die NATO ist das entscheidend wichtige Instrument

zur Stärkung unserer kollektiven Sicherheit.

Die amerikanische Verpflichtung,

das NATO-Bündnis aufrechtzuerhalten, wird unter meiner Regierung fortbestehen
und verstärkt werden.
In den vergangenen Monaten habe ich von einer Reihe von großen Aufgaben
gesprochen, denen sich die NATO gegenübersieht:
- daß

- 1 -

�- daß wir eine gemeinsame Strategie gegen gemeinsame Bedrohungen beibehalten;
- daß wir über einsatzfä'hige und starke Streitkräfte verfügen; und
- daß wir enge Konsultationen pflegen, wenn wir mit anderen sowohl über
europäische als auch über weltweite Probleme verhandeln.
Ich zweifle nicht daran, daß diese großen Aufgaben gelöst werden können,
Ich nehme die Gelegenheit dieser Botschaft wahr, um diese Oberzeugung
zu bekräftigen.

Ich bin davon überzeugt, daß die Aufgabe der NATO und das

nordatlantische Bündnis heute nicht weniger wichtig sind, als zu dem Zeitpunkt der Gründung der NATO.

Ich freue mich auf eine enge Zusammenarbeit

mit allen auf dieser Konferenz vertretenen Regierungen.

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CYRUS R. VANCE: DER NEUE AUSSENMINISTER DER USA
- Außenpolitischer Experte und Krisenmanager -

WASHINGTON - (AD) - Der von dem designierten amerikanischen Präsidenten
Jimmy Carter zum künftigen amerikanischen Außenminister ernannte 59jährige
Cyrus R. Vance hat nach zwanzigjähriger Tätigkeit im Staatsdienst den Gipfel
seiner Karriere erreicht. In deren Verlauf fand er als Verfasser der Rechtstatuten für die amerikanische Raumfahrt, als Armeeminister und Stellvertretender Verteidigungsminister und vor allem als Krisenmanager, der unter Präsident
Johnson mit der Verhandlungsführung in schwierigsten Konfliktsituationen beauftragt war, wegen seines großen Könnens und Geschicks höchste Anerkennung.
Seine letzte große Aufgabe im öffentlichen Dienst löste Vance als Vertreter des amerikanischen Verhandlungsführers Averell Harriman bei den Pariser
Vietnam-Verhandlungen, um dann im Februar 1969 wieder als Privatmann in seine
angesehene New Yorker Anwaltsfirma zurückzukehren.
Eine der bekanntesten amerikanischen Zeitungen nahm seinen Rücktritt damals zum Anlaß, um in einem Leitartikel unter der Überschrift "Trouble-shooter
erster Klasse" auf die lange Reihe seiner mit höchstem Geschick durchgerührten
schwierigsten diplomatischen Missionen hinzuweisen.
Zum erstenmal hatte Vance diese Fähigkeiten unter Präsident Johnson unter
Beweis gestellt, der ihn 1964 nach den antiamerikanischen Unruhen nach Panama

�Panama entsandte, wo es ihm gelang, eine grundsätzliche Einigung zu erzielen,
auf deren Basis die Verhandlungen mit dem Ziel eines neuen Vertrags über den
Panar.akanal ihren Ausgang nehmen konnten.
Als im Jahre darauf in der Dominikanischen Republik der Bürgerkrieg ausbrach, war GS wiederum dem sicheren Verhandlungsgeschick von Vance zu verdanken, daß der Konflikt bereinigt werden konnte.
Als die Rassenunruhen während des "langen, heißen Sommers" in Detroit
bürgerkriegsähnlichen Charakter annahmen, wurde Vance von Präsident Johnson
als Beauftragter der Bundesregierung mit der schwierigen Aufgabe betraut, die
Gewalttätigkeiten einzudämmen, in deren Verlauf es bereits 39 Tote gegeben
hatte.

Ihm wurde das Verdienst zuerkannt, durch "humanitäres" Vorgehen mit

großem Takt und großer Energie unter Einsatz der staatlichen Ordnungskräfte
die Kontrolle über den Unruheherd mit einem Minimum an Gewalteinsatz wiedererlangt zu haben.

In gleicher Weise gelang es Vance dann, die im folgenden

Frühling nach der Ermordung Martin Luther Kings jr., in den Negervierteln
Washingtons ausbrechenden Unruhen zu dämpfen und ihr übergreifen auf die gesamte Nation weitgehend zu verhindern.
Ende 1967 drohten die Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland
sich zu einem offenen Konflikt auszuweiten. Präsident Johnson beauftragte
Vance, als sein persönlicher Emissär zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln, und es gelang ihm, die drohende Kriegsgefahr abzuwenden. Nach dieser
Mission erklärte Vance, daß er ins Privatleben als Anwalt zurückkehren werde,
einerseits weil ihn ein sehr schmerzhaftes altes Rückenleiden behinderte, und
zum anderen weil die Ausbildung seiner fünf Kinder ihn nötigte, sich einem
besser bezahlten Beruf als dem Staatsdienst zuzuwenden.
Bei seiner Abschiedspressekonferenz im Weißen Haus, wurde er gefragt,
was an den Gerüchten dran sei, daß er als Nachfolger Robert McNamaras für
den Posten des Verteidigungsministers vorgesehen sei.
"Ich

�\

"Ich arbeite jetzt als Anwalt," antwortete Vance, "und ich liebe die
Anwaltsarbeit sehr, und daher werde ich sie auch aufnehmen."

"Für immer?", so wurde er gefragt.
"Immer", so entgegnete Vance nach einer charakteristischen Pause, ::das
ist eine l^ige Zeit".
Schon nach wenigen Wochen wurde er von Präsident Johnson erneut mit Sonderaufgaben betraut.

Zuerst mit den Verhandlungsführungen im Zusammenhang

mit der "Pueblo"-Krise im Januar 1968 - bei der es darum ging, die Freilassung
der Mannschaft des von Nordkorea aufgebrachten amerikanischen Schiffes zu erreichen und zugleich Südkorea der weiteren amerikanischen Unterstützung angesichts nordkoreanischer Drohungen zu versichern.

Und schließlich reiste er

im Mai 1968 zur Aufnahme der Friedensverhandlungen mit Nordvietnam zusammen
mit dem amerikanischen Delegationsleiter Averell Harriman nach Paris. Die
monatelangen zähen Verhandlungen mit den Vertretern Nordvietnams wurden mit
dem Sieg der Republikaner unter Nixon unterbrochen.

Vance blieb in Paris und

unterstützte den neuen Chefdelegierten der Nixon-Administration, Henry Cabot
Lodge, bei der Einarbeitung in sein neues Amt, um dann nach New York zurückzukehren.

Hier arbeitete er als Teilhaber einer angesehenen Anwaltsfirma, wurde
zum Präsidenten der New Yorker Anwaltskammer und in den Aufsichtsrat so angesehener Unternehmen wie PANAM-Airways, IBM und der New York Times gewählt.
Aber schon 1976 gehörte er zu de
litischen Einsatzgruppe"

von Jimmy Carter zusammengestellten "außenpo-

und war immer stärker daran beteiligt, die außenpo-

litischen Horizonte des Präsidentschaftskandidaten abzustecken.

Immer häufiger wurde sein Name als einer der wahrscheinlichen Kandidaten
für ein hohes Amt in der Carter-Administration genannt.

Des Rätsels Losung

ergab sich - in der Rückschau - als Mr. Vance an einer Konferenz in Plains
in Georgia am 1. Dezember teilnahm, zu der Carter 16 führende Vertreter aus

- 3 -

�,
«

aus Wirtschaft und Industrie geladen hatte.

Da Vance fachlich zu keiner

dieser Gruppen gehörte, nahmen politische Beobachter an, daß er in seiner
Rolle als künftiger Außenminister an der Konferenz teilnahm.

Sie hatten

recht.
Cyrus Roberts Vance wurde am 27. März 1917 in Clarksburg im Staate
West Virginia geboren.

Er verlor mit fünf Jahren seinen Vater, und seine

Erziehung lag in den Händen einer überaus dynamischen Mutter, die erst kürzlich im Alter von 85 Jahren verstorben ist.

Vance besuchte in jungen Jahren

eine Privatschule in der Schweiz, wo er die französische Sprache erlernte,
und siedelte dann nach Connecticut über, wo er sich neben seinen schulischen
Leistungen als Fußball- und Eishockeyspieler hervortat.

Diese Sportarten

übte er auch an der Yale-Universität aus, an der er 1936 studierte.

Hier

zog er sich auch eine Sportverletzung zu, die ihn in den späteren Jahren
immer wieder plagte und die dazu führte, daß er sich 25 Jahre später zweimal
wegen eines Bandscheibenrisses operieren lassen mußte.

Seither muß er ein

Stahlkorsett tragen.
Vance beendete sein Jurastudium in Yale und trat im Jahre 1942 in die
amerikanische Marine ein. Er fuhr auf Zerstörern im Atlantik und im Pazifik
und schied bei Kriegsende als Leutnant z. See aus. Im Jahre 1947 heiratete
er Grace Sloan, mit der er fünf Kinder - vier Mädchen und einen Jungen - hat,
die heute zwischen 20 und 30 Jahre als sind. Im gleichen Jahr trat er auch
in die bekannte New Yorker Rechtsanwaltsfirma Simpson, Thacher und Bartlett
ein.
Die Regierungskarriere von Vance begann - wenn man so sagen darf - mit
dem sowjetischen Sputnik.

Die Sowjetunion schoß im Oktober 1957 den ersten

künstlichen Erdsatelliten ins Weltall, und dies führte in den USA zur Bildung
eines Unterausschusses des amerikanischen Senats, der das Satelliten- und Raketenprogramm der Vereinigten Staaten überprüfen sollte,

Vorsitzender dieses

Unterausschusses war Senator Lyndon Johnson, und Cyrus Vance ging nach
Washington als Sonderberater dieses Gremiums.
Im

- 4 -

�!

Im Jahre 1958 wurde Vance Berater des Senatsausschusses für Weltraumfahrt, und in dieser Eigenschaft arbeitete er die Gesetzgebung aus, die die
Grundlage für die Schaffung der Weltraumbehörde NASA und letztlich für das
amerikanische Weltraumprogramm bildete.
Lyndon Johnson war von der Tätigkeit seines Mitarbeiters Vance überaus
beeindruckt.

Als er 1961 unter John Kennedy dessen Vizepräsident wurde,

wurde Vance zum Rechtsberater des Verteidigungsministeriums ernannt.

In

dieser Funktion hat er Verteidigungsminister Robert McNamara maßgebend bei
der Reorganisation des Ministeriums unterstützt.

Präsident Kennedy ernannte

Vance dann im Jahre 1962 zum Armeeminister, und Präsident Johnson berief ihn
im Jahre 1964 zum zweiten Mann des Pentagon - zum Stellvertretenden Verteidigungsminister der USA.

Im Jahre 1967 trat Vance von diesem Posten zurück und

nahm die Arbeit in seinem Anwaltsbüro wieder auf, die dann allerdings immer
wieder durch seine Rolle als Krisenmanager unterbrochen wurde.
Ein ehemaliger Mitarbeiter beschrieb die Arbeitsweise von Vance folgendermaßen: "Er arbeitet still und ruhig. Er haßt leeres Gerede und große Worte.
Sein Arbeitspensum ist kaum zu übertreffen. Er macht während der Konferenzen
seine Notizen auf einem gelben Schreibblock, wie dies Anwälte häufig tun, und
er ist sehr darum bemüht, alle Fakten zu sammeln, bevor er eine Entscheidung
trifft. Er geht in fast alle Konferenzen mit mehr Tatsachenmaterial ausgestattet als jeder andere."
Und ein früherer Kollege aus dem Verteidigungsministerium sagte folgendes: "Er läßt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Er ist der menschlichste Kollege, dem ich je begegnet bin. Er ist ein hervorragender Diplomat,
weil er sich mit so großem Mitgefühl einsetzt."
Was sein Denken vielleicht am besten charakterisiert, ist der Rat, den
er einst der Abschlußklasse einer seiner Töchter mit auf den Weg gab:
"Stelle alles in Frage, prüfe alles und triff dann deine eigene Entscheidung".
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W. MICHAEL BLUMENTHAL: DER NEUE AMERIKANISCHE FINANZMINISTER
- Ein Mann mit weltwirtschaftlicher Erfahrung -

WASHINGTON - (AD) - Als der designierte amerikanische Präsident Jimmy
Carter auf seiner Pressekonferenz am 14. Dezember den früheren Professor,
Diplomaten und Wirtschaftler W. Michael Blumenthal zu seinem Finanzminister
nominierte, betonte er, daß dieser Mann "hervorragend" geeignet sei, mit
internationalen wirtschaftlichen Problemen fertig zu werden.
Blumenthal war seit Wochen für einen hohen Posten in der Carter-Administration im Gespräch gewesen. Seine Berufung zum Finanzminister gibt ihm eine
Stellung, in der er einen starken Einfluß auf binnen- und weltwirtschaftliche
Probleme ausüben wird. Blumenthal genießt sowohl bei Arbeitgebern als auch
bei den Gewerkschaften Vertrauen. Er hat als Leiter des amerikanischen Verhandlungsteams während der Kennedy-Runde in Genf im Rahmen des All9 eme i n en
Zoll- und Handelsabkommens (GATT) von 1963 bis 1967 große Erfahrung gesammelt
und sich internationales Ansehen erworben. Carter wies im Zusammenhang mit
der Nominierung Blumenthals vor allem auf dessen Verdienste am Zustandekommen
des internationalen Baumwollabkommens hin, das wesentlich zur Ausweitung des
Welthandels auf dem Gebiet der Fasern beigetragen hat.
Die Tatsache, daß Carter einen Mann zum Finanzminister berufen hat, der
mit den verschlungenen Wegen internationaler Handelsverhandlungen vertraut

�vertraut ist, wird in Washington als ein Hinweis darauf gewertet, daß die
jetzt in Genf stattfindende Tokio-Runde der HandelsVerhandlungen bei der
neuen Administration hohe Priorität haben wird.
W. Michael Blumenthal wurde am 3. Januar 1926 in Berlin geboren

und

mußte im Jahre 1939 mit seinen Eltern und seiner Schwester vor der Verfolgung
durch die Nationalsozialisten fliehen.

Die Familie verbrachte den Zweiten

Weltkrieg in dem später von den Japanern besetzten Shanghai, zum Teil in einem
Konzentrationslager.

Nach Kriegsende freigelassen, konnte Blumenthal 1947

in die Vereinigten Staaten einwandern.
Um sein Studium zu verdienen, arbeitete er in allen möglichen Berufen
- als Portier, als Fernfahrer, als Gepäckträger und bei der Müllabfuhr.

Er

legte seine erste volkswirtschaftliche Prüfung an der Universität von Kalifornien
in Berkeley ab und promovierte 1953 an der Princeton-Universität.

Er lehrte

zunächst für einige Jahre Volkswirtschaft und ging 1957 in die Wirtschaft, wo
er eine brilliante Karriere machte.
Präsident Kennedy lud 1961 den jungen Manager ein, als Stellvertretender
Unterstaatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten in das Außenministerium
nach Washington zu kommen.

In dieser Position erwarb er sich bald einen Ruf

als Fachmann für Rohstoffpolitik.

Zwei Jahre später, 1963, wurde er zum Leiter

der amerikanischen Delegation bei den Zoll Verhandlungen in Genf ernannt.
Nach Abschluß der Kennedy-Runde 1967 verließ Blumenthal den öffentlichen
Dienst und ging wieder in die Privatwirtschaft.

Er wurde Präsident der Bendix

International und rückte sehr bald in Spitzenpositionen in der Zentrale dieser
international bekannten Firma auf.
Bei all diesen Tätigkeiten bewies Blumenthal ein aktives Interesse an internationalen Beziehungen.

Er wurde Vorsitzender der privaten Gesellschaft für

die Vereinten Nationen und bereiste in nicht-amtlicher Eigenschaft mehrfach
die Sowjetunion, um dort über Fragen der europäischen Sicherheit, Nahost-

�Nahostprobleme, Kernwaffen und vor allem des Handels zu sprechen.

Einer

seiner Begleiter bei diesen Missionen in der UdSSR war Cyrus Vance, der
jetzt zum neuen amerikanischen Außenminister ernannt worden ist.
Anläßlich seiner Nominierung erklärte Blumenthal:
"Wir leben in einem großen Land, wir verfügen über gewaltige menschliche
und materielle Ressourcen,und ich verspreche Ihnen, Gouverneur Carter, daß ich
mein Bestes tun werde, um Ihre Programme und Ihre Politik für den Einsatz dieser Ressourcen durchzuführen, damit unsere Wirtschaft vorwärts schreiten kann,
geschützt vor Inflation, mit der Schaffung von Arbeitsplätzen für alle und im
Zusammenhang mit einer weltwirtschaftlichen Umgebung, die für Frieden und Stabilität sorgt, nicht nur für uns, sondern auch für alle unsere Freunde unc
Verbündeten".
Blumenthal ist verheiratet und hat drei Kinder.

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BROCK ADAMS: DER NEUE VERKEHRSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der neugewählte amerikanische Präsident Jimmy Carter
hat am 14. Dezember den langjährigen Kongreßabgeordneten Brock Adams zum neuen
Verkehrsminister der USA ernannt.

Der 49jährige Anwalt aus dem Staate

Washington vertritt diesen Bundesstaat seit 1964 im amerikanischen Repräsentantenhaus und hat sich in diesem Gremium vornehmlich mit Verkehrsfragen, insbesondere mit dem Eisenbahnwesen der USA, befaßt und einen Namen gemacht.

Brock Adams wurde am 13. Januar 1927 in Atlanta, Georgia, geboren. Er
studierte Rechtswissenschaften zunächst an der Universität von Washington und
wechselte dann an die Harvard-Universität, wo er 1952 sein Abschlußexamen
machte.

Danach eröffnete er in Seattle ein Anwaltsbliro, praktizierte jedoch

nur wenige Jahre, weil er sich dann der Politik zuwandte.

Es war der damalige

Senator John F. Kennedy, der Brock Adams während eines Besuches des Staates
Washington kennenlernte und diesen in die Arbeit für die Demokratische Partei
hineinzog.

Adams war dann in seinem Heimatstaat aktiv für Kennedy während

dessen Wahlfeldzug im Jahre 1960 tätig und bewarb sich vier Jahre später erfolgreich um einen Abgeordnetensitz im US-Repräsentantenhaus.

Adams gilt als liberal.

Er ist im Kongreß als unermüdlicher Arbeiter

bekannt und hat sich immer wieder dafür eingesetzt, daß von der Regierung
unterstützte Programme, die sich als nicht nützlich erwiesen haben, abge-

- 1 -

�abgeschafft oder doch stark reduziert werden sollten.

Damit befindet er

sich in voller Übereinstimmung mit den von Carter verkündeten Absichten.
Er war der erste Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, der vor zwei Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, dem Kongreß
systematischere Möglichkeiten einer Kontrolle der Regierungsausgaben zu geben.
Adams ist seit 1952 mit Mary Elizabeth Scott verheiratet.
Kinder - zwei Söhne und zwei Töchter.

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Sie haben vier

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THOKAS B. LANCE: DER NEUE DIREKTOR DES US-BUDGETAMTES
- Bankier aus Atlanta -

WASHINGTON - (AD) - Mit Thomas Bertram Lance hat der neugewä'hlte amerikanische Präsident Jimmy Carter einen engen Freund und langjährigen politischen Mitarbeiter und Berater auf den wichtigen Posten des Direktors des
Amtes für Planung und Haushalt berufen.

Lance, 45 Jahre alt und mehrfacher

Millionär, gilt in seinen fiskalischen Ansichten als konservativ; sie sind
deckungsgleich mit denen Carters.
Lance, dessen Ernennung noch vom amerikanischen Senat nach der Amtsübernahme Carters am 20. Januar bestätigt werden muß, ist Präsident der Nationalbank von Georgia, des fünftgrößten Finanzinstituts dieses Bundesstaates.
Er gehört seit vielen Jahren der Demokratischen Partei an und ist in Expertenkreisen als nachdrücklicher Verfechter eines ausgeglichenen Haushaltes bekannt,
Seine Ernennung wird in den Vereinigten Staaten als ein Zeichen dafür angesehen, daß die Regierung Carters sich mit besonderer Sorgfalt den wirtschaftlichen Problemen des Landes annehmen wird.
Auf der Pressekonferenz am 3. Dezember sprach Lance, nachdem Carter die
Berufung öffentlich bekanntgegeben hatte, von den großen Aufgaben, die im
wirtschaftlichen Bereich bewältigt werden müßten.

Er werde größten Nachdruck

auf das Verhältnis der Wirtschaft zum gesamten Wohlergehen des Landes legen.
- 1 -

�legen.

Bereits am 28. November hatte Lance in einem Interview des "Christian

Science Monitor" unterstrichen, daß der neuen Regierung die Auswirkungen der
fiskalischen und monetären Politik der USA auf den einzelnen Bürger ein besonderes Anliegen sein werden. Er gab ferner zu verstehen, daß er alles in
seinen Kräften stehende tun werde, um bis zum Jahre 1980 einen ausgeglichenen
Haushalt zu erreichen.

Lance betonte, er werde nicht unverzüglich auf eine

allgemeine Senkung der Einkommensteuer drängen.

Er schloß jedoch eine solche

Senkung nach einer "logischen, ordnungsgemäßen und legitimen" Prüfung nicht
aus.
Lance, der von seinen Freunden "Bert" genannt wird, wurde am 3. Juni 1931
in Gainsville, Georgia, als Sohn eines ehemaligen College-Präsidenten geboren.
Er begann seine berufliche Laufbahn 1951 als Kassierer einer Bank in Calhoun
im Staate Georgia, deren Präsident er 1963 wurde.

Drei Jahre später unter-

stützte er mit großem Nachdruck einen jungen Politiker, Jimmy Carter, der
sich - zunächst ohne Erfolg - um den Posten des Gouverneurs von Georgia bewarb.
Im Jahre 1970, als Carter in einem neuerlichen Anlauf zum Gouverneur gewählt worden war, wurde Lance Leiter des Transportwesens von Georgia und später der Mann, der für die Reorganisation der Regierungsstruktur des Bundesstaates verantwortlich wurde. Im Jahre 1974, als die Amtszeit Carters als
Gouverneur auslief, unterstützte dieser seinen alten Kampfgefährten bei dessen - allerdings nicht erfolgreichem - Wahlfeldzug um den Gouverneursposten
von Georgia. Im Jahre 1975 wurde Lance Präsident der Nationalbank von Georgia
in Atlanta und fungierte während des Wahl feidzuges Carters um das Amt des Präsidenten der USA als dessen Verbindungsmann zu Industrie und Wirtschaft.
Bevor Lance ins Bankgewerbe eintrat, studierte er an der Emory-Universität in Atlanta, an der Universität von Georgia, an der Staatsuniversität von
Louisiana sowie an der Rutgers-Universität.

Lance ist Direktor der Handels-

kammer von Atlanta sowie Mitglied verschiedener Aufsichts- und Treuhänderräte.
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24/1976

THOMAS P. O'NEILL, JR.: DER NEUE SPRECHER DES US-REPRÄSENTANTENHAUSES
- Dritter Mann im Staate -

Zum neuen Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses wurde der
bisherige Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit in der Zweiten Kammer,
Thomas P. O'Neill, von seiner Fraktion nominiert.

Der 64jährige Politiker

aus Massachusetts, der dem Haus seit 24 Jahren angehört, übernimmt damit
ein Amt, das in der Nachfolge für den Präsidenten nach dem Vizepräsidenten
den dritten Rang hat.

Thomas O'Neill wurde von seiner Demokratischen Fraktion am 6. Dezember
einstimmig nominiert.

Da die Demokraten die überwältigende Mehrheit im Re-

präsentantenhaus besitzen, ist seine Wahl damit gesichert, sodaß er im kommenden Monat, wenn der neue 95. Kongreß zusammentritt, offiziell sein Amt antreten wird.

Der neue Sprecher, ein Mann von bärenhafter Gestalt, kommt aus einem
konservativen Kongreßdistrikt bei Boston.

Er selbst bezeichnet sich als

ein "Liberaler des Establishments", der etwa in der politischen Mitte seiner
Partei steht.

O'Neill kam 1953 nach Washington, er übernahm den Sitz John F. Kennedys
im Repräsentantenhaus,als dieser in den Senat gewählt worden war. Der von

- 1 -

�von ihm vertretene Wahldistrikt - Massachusetts VIII - umfaßt die größte
Zahl von Hochschulen (36) und Studenten in den USA - darunter die HarvardUniversität, das Radcliffe-College, das Massachusetts Institute of Technology,
die Universität von Boston und das Boston College, an dem O'Neill studierte.
Bei allem bemerkenswerten Kontakt, den er zu der in seinem Wahlbezirk konzentrierten akademischen Welt aufrechterhielt, blieb er doch mehr der Vertreter
der irischen und italienischen ethnischen Gruppen von North Cambridge.
Nach seinem Einzug ins Repräsentantenhaus nahm ihn der damalige Sprecher,
John McCormack aus Boston, ebenfalls irischer Abstammung, unter seine Fittiche.
Er berief ihn in den Geschäftsordnungsausschuß, der durch seine Kontrollfunktionen für alle vom Kongreß zu verabschiedenden Gesetze eine äußerst wichtige
Rolle einnimmt.

O'Neill wurde hier bald zu einem Experten für die parlamen-

tarischen Verfahren im Repräsentantenhaus.
Im Jahre 1971 berief ihn der damalige Fraktionschef der demokratischen
Mehrheit, Haie Boggs, zum "Whip" (dem deutschen Fraktionsgeschäftsführer entsprechend), dem dritthöchsten Posten in der Fraktion. Als Boggs 1972 bei
einem Flugzeugunglück in Alaska ums Leben kam, wurde O'Neill zu seinem Nachfolger gewählt.
Ein politischer Beobachter schrieb damals: "Seine Wahl bedeutet einen
historischen Wandel ... nicht nur, daß die alte Garde ihn mag, nein, er findet
auch Unterstützung bei den jüngeren, auf Veränderung ausgerichteten Liberalen.
Er ist ein Mann des Repräsentantenhauses, aber er hat mehr als andere eine
Brücke geschlagen".

Als der Sprecher des Hauses, Carl Albert, im November

bekanntgab, daß er sich nicht zur Neuwahl stellen würde, war O'Neill einhellig als sein Nachfolger ausersehen.
Thomas Philip O'Neill wurde am
sehr aktiven amerikanischen Bürgers
Massachusetts, geboren. Sein Vater
wählt worden und leitete später das

9. Dezember 1912 als Sohn eines politisch
irischer Abstammung in Cambridge,
war in den Stadtrat von Cambridge geWasserwerk der Stadt. Sein Großvater, der

- 2 -

�der wegen der Hungersnöte aus Irland ausgewandert war, arbeitete in Boston
als Maurer.

Unmittelbar nachdem der junge O'Neill seine Studien am Boston

College beendet hatte, ließ er sich zur Wahl für den Stadtrat aufstellen und
verlor mit 150 Stimmen, weil er - wie er reumütig erklärte - sich nicht direkt
und persönlich an die Wähler gewandt hatte.

Diesen Fehler machte er nicht wieder.

Nach einem Jahr als Angestellter

einer Versicherungsgesellschaft, kandidierte er 1936 für einen Sitz im Repräsentantenhaus von Massachusetts, und von nun an begann für ihn eine ununterbrochene Kette von Wahlsiegen.

Im Jahre 1947 wurde er zum Fraktionsführer der

Demokraten gewählt, und als seine Partei im Jahre 1948 zum erstenmal seit einem
Jahrhundert die Mehrheit im Repräsentantenhaus seines Heimatstaates gewann,
wurde er - mit 36 Jahren - der jüngste Sprecher des Hauses in der Geschichte
des Staates Massachusetts.

Während seiner späteren politischen Tätigkeiten in Washington erwarb er
sich den Ruf eines gemäßigten Liberalen.

O'Neill war maßgeblich an der Ver-

abschiedung zahlreicher wichtiger Gesetze im Repräsentantenhaus - vor allem
auf innenpolitischem Gebiet - beteiligt und brachte - nach seinem Bruch mit
der Administration wegen des Vietnamkrieges - im Jahre 1971 eine Gesetzesvorlage ein, die zum ersten Male einen Zeitplan für den Abzug der amerikanischen
Truppen aus Südvietnam vorsah.

O'Neill ist seit 1941 mit Mildred Ann Miller verheiratet.
hat fünf Kinder.

Das Ehepaar

Der älteste Sohn, Thomas P. III, ist mit 32 Jahren Stell-

vertretender Gouverneur des Staates Massachusetts.

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24/1976

CARTER WIRBT UM ÜBERPARTEILICHE UNTERSTÜTZUNG SEINER AUSSENPOLITIK
Eingehende Aussprache mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats
Von unserem Korrespondenten James S. Aldrich

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der Vereinigten Staaten,
Jimmy Carter, unternimmt in der Geschichte der USA beispiellose Anstrengungen, sich der überparteilichen Unterstützung seiner Außenpolitik durch den
amerikanischen Kongreß zu versichern. Am 23. November traf er zu einem einstündigen Gespräch mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats zusammen
- die Niederschrift der Aussprache wurde am 2. Dezember veröffentlicht. Am
1. Dezember hat er in einem Interview mit Barbara Walters von der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC versichert, daß er führende Mitglieder des
Kongresses auf seinen Auslandsreisen mitnehmen werde. Zwischen dem 3. und
20. Januar wird Carter eine zweitägige Konferenz mit führenden Vertretern
des Außenpolitischen Ausschusses des Senats und des Repräsentantenhauses über
die "Chancen" und "Probleme" der Vereinigten Staaten in ihren Beziehungen zu
anderen Ländern abhalten.
Im Rahmen der Verwirklichung seiner "offenen" Politik will der künftige
Präsident der Vereinigten Staaten nicht nur das Gespräch mit seinen Mitbürgern suchen, sondern in den Dialog mit anderen Ländern auch führende Vertreter des Kongresses einschalten.

In seinem ABC-Interview wie auch gegenüber

den Senatoren hat Carter immer wieder darauf abgehoben, die Außenpolitik aus
parteipolitischen Erwägungen herauszuhalten.
- 1-

In seinem Interview mit Barbara

�Barbara Walters erklärte er, "vor allem in diplomatischen und außenpolitischen
Angelegenheiten möchte ich gerne die Kongreßvertreter hinzuziehen."

Er werde

bei Auslandsreisen "eine relativ kleine Zahl" führender Vertreter beider Häuser des Kongresses mitnehmen, und, so fügte er hinzu, "ich möchte die Beteiligung überparteilich halten".
Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Gepflogenheiten von Präsident
Truman, zu dessen Zeiten es für die Außenpolitik der USA auch keine Rolle gespielt habe, ob im Kongreß die Republikaner oder die Demokraten die Mehrheit
hatten.
"Ich meine", so betonte er, "daß andere Nationen in der Welt uns achten,
- unser gesundes Urteil und unsere Stärke - wenn sie wissen, daß eine Erklärung des Präsidenten oder des Außenministers die Zustimmung oder Beteiligung
oder Unterstützung des Kongresses hat."
An der für Januar - außerhalb Washingtons - vorgesehenen Zusammenkunft .
sollen neben führenden Kongreßvertretern und dem designierten Präsidenten
der neu ernannte Außenminister Cyrus Vance sowie die außenpolitischen Berater
Carters teilnehmen.
Der Teilnehmerkreis an dem einstündigen Gespräch mit dem Außenpolitischen
Senatsausschuß am 23. November war folgender: Senator John Sparkman als Vorsitzender sowie die Senatoren Mansfield, Church, Symington, Pell, McGhee,
Humphrey, Biden, Case, Pearson, Percy und Griffin. Darüber hinaus waren die
Senatoren Mondale (designierter Vizepräsident), Baker, Steniss, McClellan,
Bentsen, Gravel, Haskell, Glenn, Sone, Inouye, Stevenson, Randolph, Culver,
Bumpers, Gary, Hart, Leahy, Abourezk und Durkin anwesend. Der einflußreiche
Senator Javits ließ sich wegen seiner wichtigen Besprechungen über Währungsfragen in Europa entschuldigen.
Der Vorsitzende des Ausschusses begrüßte im Namen seiner Kollegen die
Initiative Carters, die ohne Beispiel sei. Er hoffe und erwarte, so sagte

�sagte Senator Sparkman, daß dies ein "gutes Omen für eine Periode einer
beispiellosen Zusammenarbeit zwischen dem Präsidenten und dem Senat in Fragen der Außenpolitik sei - einer Zusammenarbeit, die, wenn sie fruchtbar
sein soll, auf der gegenseitigen Achtung vor der jeweiligen verfassungsmässigen Rolle des anderen basieren muß."

Carter unterstrich immer wieder, daß ihm an einer persönlichen Zusammenarbeit auf überparteilicher Basis mit dem Kongreß gelegen sei.

"Ich bin

der Überzeugung", so sagte er, "daß wir viele der Tragödien, die die Welt
und unser Land in den letzten Jahren erlebt haben, hätten vermeiden können,
wenn eine solche Politik (der Zusammenarbeit) in den letzten acht Jahren
oder noch länger aufrechterhalten worden wäre".

Es ist sicherlich neu in der amerikanischen Politik, daß ein designierter Präsident mit seinen Beratern den unmittelbaren Kontakt mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats und des Repräsentantenhauses pflegt.

Selbst

Präsidenten im Amt haben meist ihre Kabinettsmitglieder - den Außenminister
oder andere Vertreter - vorgeschickt, um ihre Außenpolitik vor dem Kongreß
darzulegen.

Das liegt in der Gewaltenteilung der drei Zweige der amerika-

nischen Regierung - Exekutive, Legislative und Judikatur - begründet.

Ein

Präsident spricht zwar auf "gemeinsamen Sitzungen" des Kongresses - er trägt
dort beispielsweise seine Botschaft über die Lage der Nation (State of the
Union Message) vor - tritt aber sonst auf dem Kapitol kaum in Erscheinung.

Carter ließ jedoch auch keine Zweifel daran, daß er von seiner verfassungsmäßigen Verantwortung für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten Gebrauch machen werde.

Ebenso räumte Senator Sparkman ein, daß der Präsident

- zwar mit Unterstützung durch den Kongreß - nach der Verfassung allein für
die Außenpolitik der USA verantwortlich sei.

Der designierte Präsident sagte

zu, daß er den Kongreß über die Entwicklungen und Probleme auf dem laufenden
halten wolle, aber, so fügte er hinzu, "ich werde der Präsident sein, und ich
werde das Land in auswärtigen Angelegenheiten vertreten."

Carter
- 3 -

�Carter ließ erkennen, daß er zu einzelnen außenpolitischen Fragen eine
dezidierte Meinung habe, daß er jedoch vor seinem Amtsantritt nicht öffentlich Stellung nehmen wolle.

Die amerikanische Regierung, so betonte er, werde

durch den Präsidenten im Amt, Gerald Ford, und durch Außenminister Kissinger
gut vertreten.

Carter sagte zu, daß er sich nach seinem Amtsantritt zu außen-

politischen Problemen äußern werde, deren Dringlichkeit er durchaus erkenne.
Er nannte in diesem Zusammenhang die Fortsetzung der amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT), das Nahostproblem, das Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei, den PanamaKanal, die Frage der öl Preiserhöhung und anderes.
Carter stimmte auch einer Anregung von Senator Humphrey zu, daß die
Außenpolitik heute in zunehmendem Maße von wirtschaftlichen Überlegungen beeinflußt werde.

Er sicherte zu, daß in seiner Administration das Finanzmi-

nisterium in stärkerem Maße bei außenpolitischen Entscheidungen konsultiert
werde.
Als der Vorsitzende am Ende der
fragte, ob er einer Veröffentlichung
Carter, daß er keine Einwände habe.
des Kongresses zu, daß sie jederzeit
könnten, und traf die entsprechenden

Aussprache den designierten Präsidenten
der Niederschrift zustimme, betonte
Im übrigen sicherte Carter den Vertretern
telefonisch mit ihm in Verbindung treten
Vereinbarungen mit ihnen.

Es steht zu hoffen, daß Jimmy Carter ein neues Kapitel der überparteilichen Zusammenarbeit in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten aufgeschlagen hat.

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24/1976

ACHTUNG VOR DEN MENSCHENRECHTEN
WESENTLICHES KRITERIUM FÜR US-AUSLANDSHILFE
Von unserem Korrespondenten Nick Harrison

WASHINGTON - (AD) - Bei der Entscheidung über die Gewährung von Auslandshilfe an andere Staaten stellt die Frage der Menschenrechte einen entscheidend wichtigen Faktor für die Vereinigten Staaten dar.
Gemäß den Bestimmungen einer Reihe in den letzten Jahren erlassener Gesetze prüfen Ausschüsse des amerikanischen Kongresses regelmäßig die politische Situation in den Empfängerländern, wobei die Entscheidung beim Kongreß
liegt, ob eine Hilfeleistung eingeschränkt oder auch gänzlich ausgesetzt werden soll, wenn festgestellt wird, daß eine Regierung ständig "grobe Verletzungen der international anerkannten Menschenrechte begeht".
In jüngster Zeit sah sich der amerikanische Kongreß in zwei Fällen aus
solchen Erwägungen zu negativen Aktionen veranlaßt.
So wurde die Hilfe für Südkorea für 1974 auf 145 Millionen Dollar wegen
angeblicher Verstöße gegen die Menschenrechte in diesem Lande begrenzt. Im
gleichen Jahr wurde jede weitere Militärhilfe für Chile gestrichen und auch
die Wirtschaftshilfe beträchtlich eingeschränkt.
Diese
- 1 -

�Diese und andere Vorfälle gaben die Grundlage ab für eine umfassendere
Vollmacht, wie sie mit den zwei bedeutenden neueren Gesetzen gegeben ist dem Gesetz für internationale Entwicklung und Lebensmittelhilfe von 1975 und
dem Gesetz über internationale Sicherheitshilfe und die Kontrolle von Waffenexporten von 1976. Beides sind Zusätze zu dem grundlegenden Auslandshilfegesetz von 1961, und aus ihnen leiten sich die Verfahren und Richtlinien für
nahezu sämtliche amerikanischenHilfeleistungen ab, die auf den Gebieten der
Militärhilfe, der Entwicklungshilfe und der Landwirtschaftshilfe gewährt werden.
Alle diese Gesetze stützen sich in hohem Maße auf das schon traditionelle amerikanische Eintreten für die Sache der Menschenrechte sowie auf die
international festgelegten Normen für ihren Schutz.
In den Abschnitten, die sich auf die Menschenrechte beziehen, wird in
diesen Gesetzen oft die gleiche Ausdrucksform angewandt wie in der allgemeinen
Deklaration der Menschenrechte, die von den Vereinten Nationen im Jahre 1948
abgefaßt wurde.
Beide Gesetze definieren den Begriff "grobe Verletzung" der Menschenrechte in fast der gleichen Weise wie das Dokument der Vereinten Nationen. So
wird beispielsweise im Falle des Militärhilfegesetzes dargelegt, daß dieser
Begriff "Folter oder grausame, unmenschliche oder entwürdigende Behandlung
oder Bestrafung, lange Haft ohne Anklage und Gerichtsverfahren und andere
flagrante Beschränkungen des Rechts auf Leben, Freiheit oder Sicherheit der
Person" umfaßt.
Für die Anwendung der Gesetze bedient man sich dabei in weitgehendem
Maße der Informationen der bekannten internationalen Organisationen, die für
die Einhaltung der Menschenrechte auf der Welt eintreten. Ehe eine Maßnahme
gegen ein Land wegen angeblicher Verletzungen der Menschenrechte ergriffen
werden kann, muß der amerikanische Kongreß die entsprechenden Berichte solcher
Organisationen wie die Vereinten Nationen, das Internationale Rote Kreuz oder

�oder die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) eingehend zu Rate
ziehen.
Die Bestimmungen der beiden Gesetze verlangen ferner, daß berücksichtigt
werden muß, inwieweit eine Regierung sich bereitfand, bei Untersuchungen einer
internationalen Organisation mitzuarbeiten bzw. diese zuzulassen.

Nach dem

Gesetz muß der Kongreß zuerst die in diesem Zusammenhang relevanten Faktoren
prüfen, ehe er eine Verringerung der Auslandshilfe vornimmt.
Bei der Ausarbeitung dieser Gesetze hat der Kongreß auch noch andere
besondere Umstände in Rechnung gestellt. So kann beispielsweise bei direkter
Entwicklungs- und Lebensmittelhilfe, die wegen Verletzungen der Menschenrechte
verringert werden müßte, diese Hilfe fortgesetzt werden, wenn nachgewiesen
wird, daß sie bedürftigen Menschen direkt zugute kommt. Bei Militärhilfe kann
der Präsident feststellen, daß "außergewöhnliche Umstände" vorliegen, die eine
Fortsetzung dieser Hilfe im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten notwendig machen.
Der Kongreß hat sich in diesem Zusammenhang selbst die Aufgabe gestellt,
entsprechende Informationen über Einhaltung oder Verletzung der Menschenrechte
aus einer Vielzahl von Quellen zu sammeln.

Neben den von internationalen Or-

ganisationen veröffentlichten Daten stehen dem Kongreß auch die Unterlagen des
amerikanischen Außenministeriums und Informationen aus öffentlichen Anhörungen
zur Verfügung.
Das Außenministerium hat vom Kongreß den ausdrücklichen Auftrag, durch
seinen Koordinator für humanitäre und Menschenrechtsfragen formelle Berichte
über die Menschenrechtslage in allen Ländern einzureichen, die amerikanische
Militärhilfe erhalten.

Dies geschieht im Rahmen der jährlichen Vorlage des

weltweiten Auslandshilfeprogramms durch den Präsidenten, über das der Kongreß
dann befindet.

Ferner können die befaßten Kongreßausschüsse Sonderberichte

anfordern.
Das
- 3 -

�Das Gesetz über die direkte Entwicklungs- und Lebensmittelhilfe verlangt
keine solchen getrennten Berichte des Außenministeriums, jedoch muß hier der
Präsident "einen vollen und umfassenden Bericht", darüber vorlegen, inwieweit er Menschenrechtsüberlegungen zum Maßstab für die Verteilung der Auslandshilfe gemacht hat.
Der Kongreß läßt sich bei den Ausschußsitzungen eingehend informieren.
Im Zuge der Anhörungen in den Ausschüssen werden die Umstände in jedem einzelnen Lande, vor allem wenn Berichte über Menschenrechtsverletzungen vorliegen,
eingehend geprüft.

Die Ergebnisse dieser Anhörungen werden veröffentlicht.

Eines der aktivsten Mitglieder des Kongresses auf dem Gebiet des Schutzes der Menschenrechte ist der demokratische Abgeordnete Donald M. Fräser
aus Minnesota.

Fräser ist Vorsitzender des Unterausschusses für internatio-

nale Organisationen, der zum Ausschuß für internationale Beziehungen gehört.
In einem Bericht an das Repräsentantenhaus hat der Abgeordnete Fräser festgestellt, daß sein Unterausschuß in der abgelaufenen Legislaturperiode allein
40 Anhörungen über Menschenrechtsfragen abgehalten hat.
Bei diesen Anhörungen werden amerikanische Regierungsvertreter ebenso
als Zeugen aufgerufen wie frühere oder derzeitige Staatsangehörige der betroffenen Länder oder Vertreter internationaler Menschenrechtsorganisationen und
Wissenschaftler.
"Die Aussagen dieser Leute", so heißt es in dem Bericht Fräsers, "waren
gegenüber der amerikanischen Politik und den betroffenen Regierungen negativ
wie positiv."
Die Aufnahme von Menschenrechtsfaktoren in die Gesetzgebung für die Auslandshilfe dient nach Fräser zwei Zielen:

Einmal soll die Fähigkeit interna-

tionaler Organisationen gestärkt werden, international anerkannte Normen der
Menschenrechte wirksam zu schützen, und zum zweiten soll der Menschenrechtsfaktor in der amerikanischen Außenpolitik noch stärker herausgestellt werden.
Fräser

�Fräser betont, daß die Vereinigten Staaten nach seiner Auffassung ein
Recht haben, sich um den Schutz der Menschenrechte auch außerhalb ihrer Grenzen zu kümmern.

"Die moralische Rechtfertigung für das amerikanische Engage-

ment liegt in der demokratischen Tradition unseres Volkes und wird von unseren
führenden Männern immer wieder herausgestellt.

Unser Land kann der Welt wahr-

haft keinen größeren Beitrag leisten, als ein Beispiel einer funktionierenden
Demokratie zu geben, die die fundamentalen Freiheiten des Einzelnen garantiert",
erklärt Fräser.
Der Abgeordnete räumt ein, daß Maßnahmen des amerikanischen Kongresses
allein die Einhaltung der Menschenrechte anderswo in der Welt nicht sichern
können, aber, so betont er, "es lohnt sich, die Aufmerksamkeit auf die Probleme der Menschenrechte zu lenken - in der Hoffnung, daß wir einen Beitrag
zum positiven Wandel leisten."

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24/1976

ALLIANZ GEGEN RAUSCHGIFTSYNDIKATE
- Amerikanische Parlamentarier fordern internationale Konferenz
und koordinierte Maßnahmen -

- (AD) - Die Einberufung einer internationalen Konferenz nach Genf zur
Untersuchung des weltweiten und erneut stark angestiegenen Drogenmißbrauchs
forderte der amerikanische Parlamentarier Lester Wolff auf einer Pressekonferenz Anfang Dezember 1976 in Washington.

Er hatte als Vorsitzender des Aus-

schusses für Mißbrauch und Kontrolle von Suchtstoffen, den das US-Repräsentantenhaus kürzlich gebildet hat, gemeinsam mit einer Gruppe von Abgeordneten
vom 4. - 21. November 1976 Europa und Asien bereist.

In einzelnen Schwerpunkt-

gebieten der Produktion, des Transits und des Konsums von Rauschgift wollten
sich die Parlamentarier "vor Ort" informieren und mit Politikern, Vertretern
von Polizei, Zoll und der Justiz über effektivere Abwehrmethoden beraten.
Besucht wurden die Länder Frankreich, Schweiz, Bundesrepublik Deutschland,
Italien, Ägypten, Afghanistan und Pakistan.
Gespräche mit Verwaltungsbeamten des in Genf stationierten UN-Fonds für
die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs (UNFDAC) ließen die ungeheuren Schwierigkeiten erkennen, die allein schon aus der Gleichgültigkeit vieler Regierungen
gegenüber dem Drogenproblem sowie der Weigerung bestimmter Länder, diese UNOrganisation zu unterstützen, für eine wirksame Arbeit erwachsen. Der
- 1 -

�n

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Der UNFDAC-Fonds verfügt z.Zt. über 22,8 Millionen Dollar.
die USA 18 Millionen, Kanada 1 Million Dollar bereit.

Davon stellten

Die UdSSR z.B. und

andere Ostblockländer sowie die Volksrepublik China haben bisher überhaupt
nichts beigetragen.
Nach Ansicht des demokratischen Abgeordneten Wolff würden Leistungen
der einzelnen Länder etwa in der Größenordnung der Leistung Kanadas ausreichen,
um UNFDAC in die Lage zu versetzen, mit 50 - 100 Millionen Dollar als Jahresbudget schon innerhalb eines halben Jahrzehnts eine "wirksame Handhabe gegen
das wachsende Problem des illegalen Rauschgifthandels zu schaffen".

Statt

dessen werde heute der illegale Handel, der keineswegs nur die Vereinigten
Staaten bedrängt, durch die Untätigkeit mancher Regierungen geradezu eingeladen, seine Aktivitäten immer stärker auszuweiten.

Er ist mit dem interna-

tionalen Verbrechertum eng verknüpft und bedeutet für die Syndikate ein Milliardengeschäft.
Um der gegenwärtigen Entwicklung entgegenzuwirken, sollten sich nach
Meinung der amerikanischen Parlamentarier wie auch des Leiters des US-Bundesamtes für Drogenüberwachung (DEA) Fachleute aus den am stärksten betroffenen,
etwa zwei Dutzend Ländern so rasch wie möglich zusammensetzen. Diese internationale Konferenz müßte die Voraussetzungen schaffen für die "dringend
notwendigen Abschreckungsmaßnahmen in der Form umfassender internationaler
Fahndung und einheitlicherer Bestrafung jener Personen, die von der Zerstörung
des Lebens anderer Menschen profitieren". Lester Wolff will dem künftigen
US-Präsidenten Jimmy Carter diesen Vorschlag unterbreiten. Er soll helfen,
Aktionen, wie sie zur Zeit im Rahmen der Zusammenarbeit der USA mit einer
Anzahl anderer Länder durchgeführt werden, zu straffen und entsprechend der
Sachlage auszudehnen.

Rauschgift

- 2 -

�Rauschgift im Überangebot

Auch in der Bundesrepublik wird mit Besorgnis die Ausweitung des Drogenkonsums beobachtet.

Stadt und Land sind gleichermaßen stark betroffen.

Und

die Rauschgiftsucht findet immer jüngere Opfer in allen Schichten der Bevölkerung.

Immer mehr Abhängige greifen zu harten Drogen, die in sehr viel grös-

seren Mengen als noch vor zwei oder drei Jahren angeboten werden.

Schon im

ersten Halbjahr 1976 war die Zahl der Todesfälle fast so hoch wie in den 12
Monaten des Vorjahres.

Nach den Feststellungen der amerikanischen Parlamentarier besteht z.Zt.
weltweit ein Überangebot an Drngenrohmaterial.

Umso wichtiger sei es jetzt,

den illegalen Handel zu blockieren, was automatisch zu einer Verringerung der
illegalen Nachfrage nach Rauschgift führe.
bindung des Opiumnachschubs aus der Türkei:

Wolff nennt als Beispiel die UnterInnerhalb kurzer Zeit sei die

Zahl der Drogenabhängigen in den USA von einer halben Million Opfer auf eine
Viertelmillion zurückgegangen.

Erfreulicherweise seien jetzt die Bemühungen

der türkischen Regierung um eine Kontrolle des Mohnanbaus recht effektiv.

Durch die "neue Welle" des Drogenhandels in Europa, dessen Hauptquellen
nunmehr in Afghanistan und Pakistan lägen, würden dort jedoch, wie Lester
Wolff weiter erklärt, die jungen Menschen ähnlich betroffen wie die Jugend
in den USA in den sechziger Jahren.

Wolff hält es für seine Pflicht, auf

die Gefahr hinzuweisen, daß "die alten türkisch-französischen Heroin-Schleichwege eines Tages wieder gangbar gemacht werden.

Denn Geld ist in kritischen

Zeiten noch immer die stärkste Macht".

Wolff und DEA-Chef Peter Bensinger sind der Ansicht, daß 90 Prozent des
Rauschgifts, das illegal produziert wird, die Märkte deshalb erreicht, weil
es an der Quelle nur wenig wirksame Kontrolle gibt.

Hat aber das Rohprodukt

den Anbauort erst einmal verlassen, ist es auf dem Weg der Weiterverarbeitung
bis zum Bestimmungsort nur noch schwer zu verfolgen.

Die
- 3 -

�Tie bisherige Erfahrung zeigt, daß in den USA wie im Ausland meist
nur 10, günstigstenfalls 20 Prcz^nt der illegalen Drogen in den Maschen
von Zoll und Polizei hängen bleiben. Deshalb scheint die Kontrolle oder
Vernichtung der Anpflanzungen der einzige Weg zu sein, das Angebot drastisch
zu verringern. Diese auPerordentlich schwierige "nd heikle Aufgabe ist auch
Teil des Internationalen Programms zur Narkotikc-Kontrolle des US-Aussenmi nisten" ums.
Herkunftsländer
Aus Burma kommt die , ößte Menge des illegalen Opiums in der Welt etwa 450 Tonnen pro Jahr. Die burmesische Regierung begann 1975, unterstützt durch technische Hilfe wie Helikopter aus den USA, mit der Zerschlagung von Laboratorien und Händlerorganisationen. Während der Anbaiund Erntezeit 1975/76 wurden 17 der größten "Opiumküchen" und 7200 Hektar
Mthnfelder zerstört. Die Vereinigten Staaten wandten im Haushaltjahr 1976
allein 13,3 Millionen Dollar für Massnahmen zur Drogenbekämpfung in Burma
auf; das Programm wird fortgeführt. Aber noch auf Jahre hinaus muß dort
mit hoher Opiumproduktion gerechnet werden, weil sich die jetzigen Anbaugebiete praktisch außerhalb der Regierungskontrolle befinden.
Große Mengen des illegalen Opiums werden auf den Transitwegen zu
internationalen Märkten in Thailand entdeckt. Mit einer Beratergruppe
des US-Zclis konnten im letzten Jahr vom thailändischen Zoll erhebliche
Rauschgiftmengen auf dem internationalen Flughafen in Bangko!' beschlagnahmt werden. Spürhunde werden zur Gepäckkontrolle eingesetzt; auf Schiffen
sind Beschlagnahmeaktionen angelaufen.
Et,:i 150 Tonnen illegalen Opiums werden jährlich in Pakistan produziert - entweder in Gebieten, die außerhalb der Regierungskontrolle
liegen, oder die wirtschaftlich von Opiumproduktion abhängig sind.

Mit
- 4 -

�'.

4

Mit Hilfe der Vereinten Nationen und der USA werden gegenwärtig Studien
und Modell Projekte durchgeführt mit dem Ziel, für die traditionellen
Mohnanbaugebiete andere Einkommensquellen zu erschliessen. Gleichzeitig
wird ein Fahndungsnetz aufgebaut, um den illegalen Opiumhandel an
"strategischen Punkten" zu unter rechen. Der Erfolg blieb aber bisher
weit hinter den Erwartungen zurück.
Weitere 150 Tonnen illegalen Opiums kommen aus unkontrollierten
Gebieten Afghanistans. Das UN-Programm zur Unterstütyuna
r Polizei
bei ihren Bemühungen um die Kontrolle von Rauschnift. zeigte noch
wenig Wirkung. Die Regierung bemüht sich derzeit um neue Einkommensquellen
für die Bauern. Als blockfreias Land wollte Afghanistan internationale
Hilfe im Drogenkrieg bisher nur über die Vereinten Nationen in Anspruch
nehmen. Lester Wolff vermochte nun eine diplomatische Bresche zu
schlagen: Präsident Daoud versprach der Delegation, sich um ein bilaterales
Abkommen mit den Verein igten Staaten zu bemühen, das Afghanistan, ähnlich
wie Mexiko und anderen lateinamerikanischen Nationen,materielle Hilfe aus
den USA im Drogen, rieq verschafft.
Nach der "Neutralisierung" der türkischen Produktion im Jahr 1972
wurde für die amerikanische Drogenszene Mexiko zur Heroinquelle Nummer Eins.
Deshalb wandten die USA im Finanzjahr 1976 c? 14,5 Millionen Dollar, d.h.
30 Prozent der Mittel aus ihrem Internatioralen °rogram zur Orogenbekämpfung,
fuer Hilfeleistungen an Mexiko, in der Form technischer Unterstützung und
Bereitstellung von Flugzeugen auf. Der Betrag für 1977 beläuft sich auf
11 Millionen Dollar. Die mexikanische Regierung ist ihrerseits - auch unter
dem neuen Präsidenten Lopez Portillo - darum bemüht, daß illegal
angebaute Mohnfelder zerstört werden und der Rauschgifthandel unterbunden
wird.
Neben Heroin bildet jedoch Kokain eine zunehmende Gefahr. Ein
großer Teil des in die USA eingeschmugjelten Kokains wird in Kolumbien
aus
- 5 -

�aus Coca-Paste raffiniert; das Rohmaterial liefern Coca-Pflanzen die in
Peru und Bolivien angebaut werden. Den Grundstein zu einem umfangreichen
Aktionsprogramm zur Bekämpfung der illegalen Kokainproduktion legten
Präsident. Banzer (Bolivien) und der amerikanische Außenminister im
Juni 1976: im Verlauf von fünf Jahren stellen die USA über AID-Kredite
45 Millionen Dollar für landwirtschaftliche Hilfer in unbemittelte
Bauern in Coca-Anbaugebieten bereit - vorausgesetzt, daß die zuständigen
Regierungen in der Lage sind, aussichtsreiche Projekte und Programme
zu entwickeln, die zu einer wirksamen Kontrolle der Coca-Produktion
führen. Mit weiteren 8 Millionen Dollar sollen Organe der Fahndung und
des Vollzugswesens ausgestattet werden. Inzwischen meldete auch Peru
sein Interesse an einem ähnlichen Programm an.

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US-EXPERTE FORDERT WELTWEITE KONZERTIERTE

MASSNAHMEN

GEGEN ABHÄNGIGKEIT VOM ÖL
- öl Preiserhöhung würde den Wiederaufschwung bremsen •
Interview mit Edward R. Fried

In einem Exklusivinterview mit dem
Korrespondenten des US-Informationsdienstes (USIS) Sam Burks hat der
bekannte amerikanische Wirtschaftsfachmann
Edward R. Fried vor den Folgen einer ölpreiserhöhung gewarnt und zu weltweiten
gemeinsamen Anstrengungen aufgerufen, um
die Abhängigkeit vom H zu verringern.
Fried gehört zu den iührenden Mitgliedern
derBrookings Institution und war früher
Leiter der Arbeitsgruppe für Internationale
Entwicklung und Berater im Weißen Haus und
war auch als Stellvertretender Unterstaatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium tätig.
FRAGE: Es ist damit zu rechnen, daß die Organisation Erdölexportierender
Länder (OPEC) demnächst zusammentritt, um über eine Erhöhung der ölpreise zu
sprechen.

Was wären nach Ihrer Auffassung im gegenwärtigen Stadium des

wirtschaftlichen Wiederaufschwungs die weltweiten Folgen einer solchen
Preiserhöhung?
Antwort:

�ANTWORT: Man fängt vielleicht am besten damit an, daß man sich selbst fragt,
was die unmittelbare direkte Auswirkung wäre.

Eine zehnprozentige Erhöhung

des ölpreises zum gegenwärtigen Zeitpunkt hätte eine direkte Folge in einer
Größenordnung von 11 Milliarden Dollar an Mehrkosten für die Nettoimportländer.

Für sie alle würde es zu einer gewissen Erhöhung der Preise und

zu einer Verschlechterung ihrer Zahlungsbilanzen führen.

Obwohl die

Gesamtauswirkung keineswegs so groß wäre wie bei dem öl schock 1973/74, so
wäre das doch gegenwärtig grundsätzlich beunruhigend, da die Erhöhung zu
einem Zeitpunkt käme, da die Weltwirtschaft in ihren Anstrengungen zur
Überwindung der Rezession nachläßt.

In diesem Zusammenhang würde sie die

Probleme noch erschweren.
FRAGE: Welche Auswirkung hätte eine öl Preiserhöhung auf die Volkswirtschaften
der Vereinigten Staaten und der meisten anderen Industrieländer?
ANTWORT: Von der gesamten direkten Auswirkung würden die Industriestaaten
rund 10 Milliarden Dollar zu verspüren bekommen. Die Auswirkung in den
Vereinigten Staaten wäre geringer als in den anderen Industrieländern, da
bei uns das Importöl einen geringeren Prozentsatz des gesamten Energieverbrauchs ausmacht als in Westeuropa und Japan. Nach sehr überschlägigen
Schätzungen könnte man sagen, daß eine zehnprozentige Erhöhung des ölpreises
zu einer Gesamtpreiserhöhung von etwas weniger als einem halben Prozent in
den Vereinigten Staaten führen würde, während die Preiserhöhung in Westeuropa und Japan im Durchschnitt bei über einem Prozent liegen dürfte. Das
könnte schon allein dazu führen, die Formulierung der Großwirtschaftspolitik
im eigenen Lande ebenso zu komplizieren wie die Probleme der Aufrechterhaltung eines in vernünftigem Rahmen raschen wirtschaftlichen Wiederaufschwungs.
FRAGE: Wie sieht es mit der Auswirkung auf die nicht ölexportierenden
Entwicklungsländer aus?
Antwort:

�ANTWORT: Für sie könnte sich die direkte Auswirkung einer zehnprozentigen
öl Preiserhöhung in einer Größenordnung von 1 bis 1,5 Milliarden Dollar
bemerkbar machen.

Und das ist ein ganz beachtlicher Betrag, wenn man ihn

beispielsweise mit der Hilfe unter bevorzugten Bedingung vergleicht, die
sie erhalten.

Er ist jedoch relativ klein im Vergleich zu ihrem laufenden

Zahlungsbilanzdefizit, das sich für dieses Jahr und 1977 auf 30 bis 35
Milliarden Dollar belaufen dürfte.
FRAGE: In welchem Ausmaß sind die gegenwärtigen finanziellen Probleme dieser
Länder direkt oder indirekt auf die öl Preiserhöhungen zurückzuführen?

ANTWORT: In beträchtlichem Ausmaß!

Der Anstieg des ölpreises seit Oktober

1973 hat ohne Frage die Einfuhrkosten der öl importierenden Länder um etwa
10 bis 12 Milliarden Dollar pro Jahr erhöht.
käme natürlich noch hinzu.

Eine weitere Preiserhöhung

Das ist eine sehr hohe Belastung, die in etwa

dem entspricht, was diese Länder - als Gruppe - an bevorzugter Hilfe von
allen Ländern - Industriestaaten wie OPEC-Länder zusammen - erhalten.

Das

ist eine große und anhaltende Belastung, die sicherlich als starke Bremse
für ihr wirtschaftliches Wachstum gewirkt hat.

FRAGE: Gibt es irgend welche wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen, die die ölimportierenden Länder einzeln oder gemeinsam unternehmen könnten, um einer
Preiserhöhung der OPEC zu begegnen?

ANTWORT: Die schwerwiegendste Folge einer erneuten Preiserhöhung der OPEC
wäre ein genereller Preisanstieg in den Industrieländern.

Ferner hätte sie

die unglückliche Wirkung, die Gesamtnachfrage in den Industrieländern zu
dämpfen.

Sie würde sich wie eine Verbrauchssteuer auswirken, die die

Erzeugerländer den Verbraucherländern auferlegen - nur mit dem wesentlichen
Unterschied, daß in diesem Falle die Erträge aus der Verbrauchssteuer nicht
sofort, sondern erst im Laufe der Zeit ausgegeben werden.
Manko an Nachfrage ausgeglichen werden.

Daher muß das

Leider besteht der einzige uns

bekannte Weg zur Steigerung der Nachfrage, bzw. zum Ausgleich dieses
Nachlassens
- 3-

�Nachlassens der Nachfrage in expansionistischen fiskalischen Maßnahmen oder
einer Politik des leichten Geldes.

Beide Mittel sind inmitten des inflation-

istischen Drucks, der in all unseren Volkswirtschaften noch herrscht, nur
schwer anzuwenden.

Wir verfügen nicht über die Mittel, die wirksam angepaßt

werden könnten, um mit dem Problem einer Erhöhung der relativen Preise
fertig zu werden, wie es sich mit einer Erhöhung der ü'ipreise stellen würde.
Nach meiner Auffassung wäre es jedoch, wenn der öl preis erhöht wird, ein
weiterer Grund für einen mäßigen Konjunkturanreiz in den Industrieländern.
FRAGE: Gibt es für die Entwicklungsländer, die kein öl besitzen, eine
andere Möglichkeit, die nachteiligen Auswirkungen von öl Preiserhöhungen
aufzufangen als durch eine Verlangsamung ihres wirtschaftlichen Wachstums?
ANTWORT: Der beste und naheliegende Weg wäre natürlich, wenn sie von den
OPEC-Ländern Preisnachlässe oder verstärkte Hilfe zu Vorzugsbedingungen
erhalten würden. Das wäre der direkteste und wirksamste Weg, mit diesem
außerordentlich schwierigen Problem fertig zu werden. Ansonsten könnten
sie nur versuchen, weiterhin das zu tun, was sie bisher getan haben,
nämlich ihre Volkswirtschaften bis zu einem gewissen Grad gegen den ölpreisschock von außen dadurch abzuschirmen, daß sie ihre Kapital aufnähme
aus der übrigen Welt erhöhen. Das ist bisher durch eine ganze Reihe von
Maßnahmen erreicht worden, einschließlich erhöhter Kreditaufnahme auf dem
internationalen privaten Kapitalmarkt durch Entwicklungsländer mit einer
ausreichend starken Wirtschaft und damit Kreditposition; durch erhöhte
Kreditaufnahme bei internationalen Finanzinstituten - wie die Weltbank und
die regionalen Entwicklungsbanken - sowie durch erhöhte Hilfe von OECDLändern und - in jüngster Zeit auch - OPEC-Ländern.
FRAGE: Wie stark hat sich die Hilfe seitens der OPEC-Länder ausgewirkt?
ANTWORT: Ich glaube, fairerweise sollte man zwei Dinne sagen:
Erstens, sie ist wesentlich größer geworden; die Kapitalflüsse von den
OPEC-Ländern dürften sich gegenwärtig in einer Größenordnung von 3 bis 4
Milliarden

�Milliarden Dollar pro Jahr bewegen, was bedeutet, daß sie etwa ein Viertel
ihrer erhöhten Einnahmen, die sie von den öl importierenden Entwicklungsländern aufgrund der erhöhten Preise erhalten, wieder zurücksenden.

Der

größte Teil ihrer Zuwendungen und Kredite konzentriert sich jedoch auf ganz
wenige Länder, vor allem im Nahen Osten.

Ihr wirkliches Ziel sollte es je-

doch nach meiner Meinung sein, größere Kapital betrage zu Vorzugsbedingungen
vor allem den ärmsten der öl importierenden Entwicklungsländer zu Verfügung
zu stellen, und das in größtmöglichem Umfang über internationale
Institutionen.

So wäre es beispielsweise nach meiner Überzeugung außer-

ordentlich hilfreich, wenn die OPEC-Länder - vor allem die reichsten unter
ihnen - der Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA), der Tochtergesellschaft der Weltbank für weiche Kredite.eine besondere und außerordentliche Zuwendung machen würden.

Eine solche Geste in großem und großzügigem

Umfang könnte viel dazu beitragen, den ärmsten Ländern zu helfen, und könnte
als ein Hinweis dienen, daß sich diese Länder dem Wohlergehen der ärmsten
Völker verpflichtet fühlen.
FRAGE: In welchem Umfang wäre nach Ihrer Einschätzung eine Erhöhung der
öl preise durch die OPEC wegen des inflationsbedingten Preisanstiegs der
Güter gerechtfertigt, die diese Länder aus den Industriestaaten beziehen?
ANTWORT: In einer Hinsicht überhaupt nicht.

Der derzeitige ölpreis ist

aufgrund seiner Verfünffachung seit Oktober 1973 sehr viel höher als es die
seitherige Inflation rechtfertigen würde. Und eine Erhöhung könnte auch
hinsichtlich, des, wie ich es nennen möchte, langfristigen gerechten Preises
in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren nicht gerechtfertigt werden.

Der

Preis ist durch die Stärke der Erzeuger auf dem Markt hochgehalten worden.
Die Erzeuger erhalten einen hohen Preis, weil sie in der Lage sind, die
Versorgung auf einem Markt zu kontrollieren, der nerade wieder zu expandieren
beginnt.

Wenn Sie meine Antwort im Sinne einer engaren Interpretierung Ihrer

Frage hören wollen - in welchem Umfang die Preise der Güter, die die OPECLänder importieren, gestiegen sind seit der letzten ülPreiserhöhung durch
die OPEC-Länder - dann muß ich sagen, daß das etwas schwierig zu beantworten

ist
- 5 -

�ist, aber je nach Währungsschwankungen und Änderungen der Ölabnahme-Vereinbarungen, liegt die Antwort zwischen null und acht Prozent.
FRAGE: Welche Maßnahmen würden Sie den Industriestaaten empfehlen, un die
weltweite Nachfrage nach öl zu verringern und ihre Verhandlungsposition mit
den OPEC-Ländern über den künftigen öl preis zu stärken?
ANTWORT: Allgemein gesehen bin ich der Auffassung, daß der einzige Weg,
wie wir mit dem Problem der wirtschaftlichen Verwundbarkeit gegenüber
künftigen wirtschaftlichen OPEC-Schocks fertig werden können - einmal
ganz abgesehen von den offenkundigen politischen Problemen eines etwaigen
neuerlichen politischen ölambargos der OPEC - darin liegt, unsere Abhängigkeit von Importöl zu verringern.

Das muß von allen Industrieländern in

gemeinsamem Handeln erreicht werden.
agentur (IEA) geschaffen worden.

Dafür ist die Internationale Energie-

Der Erfolg wird natürlich in erster

Linie von den Vereinigten Staaten abhängen, denn wir sind aus zwei Gründen
entscheidend: £rstens, unsere ölimporte haben wesentlich zugenommen.

Unser

Prokopfverbrauch an Energie liegt mindestens doppelt so hoch wie in anderen
Industriestaaten.

Zweitens, wir verfügen - unter den Industrieländern -

über die größten Möglichkeiten, unsere Versorgung mit allen Artr 1 von Energie
zu erhöhen.

Es liegt also an uns, zusammen mit anderen Ländern die ent-

scheidenden Maßnahmen zu treffen, um mit der Zeit und schrittweise unsere
ölimporte zu verringern.

Wenn uns das gelingt, dann werden wir meiner

Meinung nach die Verhandlungsposition der öl importierenden Länder stärken
und die Fähigkeit der OPEC schwächen, den Marktpreis für Erdöl zu bestimmen
und zu manipulieren.
FRAGE: Das Direktorium der Internationalen Energieagentur hat kürzlich
bekanntgegeben, daß Mitgliedsstaaten ein übereinkommen getroffen hätten,
spezifische Maßnahmen zur Verringerung ihrer Abhängigkeit von Importöl zu
treffen. Eines ihrer Ziele würde es sein, bis zum Frühjahr nächsten Jahres
quantitative Importziele festzusetzen. Welche Auswirkung würde dies weltweit auf Angebot und Nachfrage bei öl haben?
Antwort'
- 6 -

�*.

ANTWORT: Wenn die Importländer mit ihrem Maßnahmen zur Verringerung ihrer
Abhängigkeit von dem öl sämtlicher Exportländer tatsächlich erfolgreich
wären, dann würde das eine sehr, sehr weitgehende Auswirkung haben. Man
muß verstehen, daß es sich beim ölmarkt um einen Weltmarkt handelt; es
ist eher ein Markt für Energie als lediglich ein Markt für öl. So würden
alle Aktionen, die unternommen werden, um das Ansteigen und den Verbrauch
von Energie zu verringern, und auch alle Maßnahmen, die getroffen werden,
um die Nutzung von primären Energiequellen irgendwo auf der Welt zu
steigern, sich dämpfend auf die Fähigkeit der ölexporteure auswirken, die
Preise zu kontrollieren.

Eine Steigerung des Energieangebots - wie zum

Beispiel durch eine Steigerung der Kohleproduktion in Indien, oder der
Nuklearenergie in Japan oder des Nordseeöls in Europa - hat auf den Weltmarkt und den Weltölpreis etwa genau so eine Auswirkung, wie eine Steigerung
der ölproduktion in den Vereinigten Staaten.

Das gleiche gilt auf Seiten

der Nachfrage: Jede einzelne Einschränkung im Verbrauch hilft allen.

Das

ist auch der Grund, warum es sich hier vornehmlich um ein Problem handelt,
das eine konzertierte Aktion erfordert.
FRAGE: Welchen Fortschritt - wenn überhaupt - sehen Sie in dem Energiedialog,
der zur Zeit zwischen den OPEC-Mitgliedern, den Industriestaaten und den
nicht ölexportierenden Entwicklungsländern auf der Konferenz über wirtschaftliche Zusammenarbeit stattfindet?
ANTWORT: Vielleicht wird es schließlich doch einmal möglich sein, die ölfrage ganz im Sinne eines Verbrauchsgüterabkommens zu behandeln. Es könnte
möglich sein, daß es zwischen den ölproduzenten und den öl importierenden
Ländern zu periodischen Abmachungen kommt, die den Fluß des Öls zu einem
bestimmten Preis für eine bestimmte Periode regeln.

Das hätte den Vorteil,

daß es für die importierenden Länder weniger notwendig wäre, mit doch recht
hohen Kosten verbundene Maßnahmen zu ergreifen, um das Energieangebot zu
vermehren oder das Ansteigen des Verbrauchs zu drosseln.

Für die exportieren-

den Länder könnte es eine gewisse Ausweitung der Märkte für ihr öl zu Preisen
bedeuten, die sie für lohnend ansehen würden.

Ich glaube jedoch nicht, daß
eine

- 7 -

�eine Hoffnung besteht, solche Übereinkommen, oder wie Sie es nannten, ein
solcher Dialog könne zu etwas führen, soiange die Industriestaaten nicht
ihre Verhandlungsposition verbessern.

Und das bedeutet einfach, daß die

Industrieländer mit Maßnahmen beginnen müssen, die ihre Abhängigkeit von
Importöl verringern.

Das hat gar nichts mit Autarkie zu tun.

Der Welt-

markt für öl hat gegenwärtig einen Umfang von etwa 29 bis 30 Millionen
Barrel pro Tag.

Das ist in etwa der gesamte Weltexport der öl exportierenden

Länder an die öl importierenden Länder.

Wenn die Gesamtexporte auf nicht

mehr als 25 Millionen Barrel pro Tag reduziert werden könnten, dann hätten
es meiner Meinung nach die OPEC-Länder nicht mehr so leicht, die Preise auf
dem gegenwärtigen Stand zu halten, und sie wären daran interessiert, sich den
Markt auf andere Weise zu sichern.
FRAGE: Was können die Vereinigten Staaten tun, um in den kommenden Jahrzehnten
eine umfassende Energiepolitik zu entwickeln?
ANTWORT: Die Dinge haben sich bei uns langsamer entwickelt, als ich gehofft
hatte. Aber es war auch ein großes Pensum zu bewältigen und viel Durcheinander zu beseitigen. Wir begreifen heute besser, daß wir es mit einem
Kartell zu tun haben, das die Macht hat, die Preise zu manipulieren, und
daß wir die harten Maßnahmen ergreifen müssen, die notwendig sind, um unseren
Energie- und Ölverbrauch zu senken. Das bedeutet, daß wir bereit sein müssen,
in Zukunft einen schrittweisen Anstieg der Preise für andere Energiequellen - für alle Quellen - zuzulassen. Diese Maßnahmen könnten und
sollten meiner Ansicht nach durch einschlägige Vorschriften ergänzt werden wie etwa strengere Bauvorschriften für die Isolierung von Gebäuden;
stärkere Nutzung von Steinkohle für die Stromerzeugung anstelle von Erdgas
und öl oder den Bau von sparsameren Automotoren, angeregt durch eine
Besteuerung nach PS oder eine Verbrauchssteuer für Benzin. All das kann
schrittweise geschehen, aber wir dürfen keinen Zweifel daran lassen, in
welche Richtung wir gehen und gehen müssen, um unseren Ölverbrauch gegenüber früher einzuschränken.
Frage:

- 8 -

�1

FRAGE: Wenn Sie sagen, diese Maßnahmen müßten schrittweise eingeführt
werden, meinen Sie dann, daß jeder wirtschaftliche Schock vermieden werden
müsse, der unserer Wirtschaft schaden könnte?
ANTWORT: Genau das! Wenn wir es beispielsweise für ratsam halten würden,
eine Verbrauchssteuer auf Benzin einzuführen, etwa in der Größenordnung
von 50 Cent pro Gallone, dann könnten wir das auf einen Zeitraum von zehn
Jahren mit jährlich 5 Cent verteilen. Das würde dem amerikanischen Volk
klarmachen, daß der Realpreis, den jeder zu zahlen hat, in die Höhe geht.
Das hätte eine Auswirkung auf die Entscheidung eines jeden einzelnen, was
für ein Auto er sich kauft. Und wenn wir die Steuer schrittweise einführen, dann hätten wir auch die Möglichkeit, sie wieder abzuschaffen, wenn
sich herausstellen sollte, daß sich die Anpassungen in Angebot und Nachfrage
rascher vollziehen, als wir aus guten Gründen annehmen dürfen. Es ist
unbedingt erforderlich, daß die von uns ergriffenen Maßnahmen auf dem
Gebiet der Energie schrittweise eingeführt werden, um ihre binnenwirtschaftlichen Auswirkungen oder Schocks zu dämpfen, aber die Richtung
muß klar erkennbar sein, damit sich die Bevölkerung vernünftig darauf
einstellen kann.

+ + + + +

- 9-

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24/1976

NEUE AKTIONEN ZUM UMWELTSCHUTZ IN DEN USA

- (AD) - Das amerikanische Regierungsprogramm, das eine Einschränkung
der Anwendung von Chlor-Fluor-Kohlenwasserstoffen vorsieht, wurde jetzt vom
Präsidialbeirat für Umweltqualität (CEQ) bekanntgegeben. Es soll helfen,
einen gefährlich starken Abbau der atmosphärischen Ozonschicht, die für die
Abschwächung intensiver Ultraviolettstrahlung von der Sonne lebensnotwendig
ist, zu verhindern.
In einem Memorandum an die US-Umweltschutzbehörde (EPA), die Bundesbehörde für Nahrungsmittel und pharmazeutische Produkte (FDA) und an die Kommission für Verbraucherschutz (CPSC) sind die Maßnahmen skizziert, die in
den Vereinigten Staaten fürs erste ergriffen werden sollen. Sie gründen sich
auf die Ergebnisse einer Anzahl von Studien, die von Wissenschaftlern an Universitäten sowie staatlichen und privaten Forschungsinstituten bisher durchgeführt wurden.
Unter anderem ist vorgesehen, daß FDA, EPA und CPSC bis April 1977 Vorschriften darüber ausarbeiten, wie nicht unbedingt notwendige Chlor-FluorKohlenwasserstoffe als Sprühdosentreibmittel und in der Anwendung auf den
Sektoren Lebensmittel, Arzneimittel und Kosmetika allmählich aus dem Verkehr
zu ziehen sind.

Die FDA fordert, daß durch Aufkleber schon jetzt auf solche

Verbindungen in nicht unbedingt lebenswichtigen Aerosol-Produkten aufmerksam
gemacht wird.

Unter Leitung der EPA werden sich die drei Behörden gemeinsam

-1 -

�«-

gemeinsam um die Ausarbeitung künftiger Vorschriften und die Durchführung
notwendiger Analysen kümmern, die die Umweltqualitä't kontrollieren und die
wirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Maßnahmen ermitteln sollen.

Schä'dl ingsbekämpfung
Bei der US-Umweltschutzbehörde EPA wurde auf Grund eines neuen Gesetzes
zur Kontrolle toxischer Präparate eine besondere Abteilung für toxische Substanzen geschaffen. Sie soll alle Aufgaben im Zusammenhang mit einschlägigen
Programmen übernehmen, die bisher z.B. von den Abteilungen "Wasser und gefährliche Materialien", "Schädlingsbekämpfung" u.s.w. mitverwaltet werden.
Inzwischen bereiten sich Farmer und kommerzielle Unternehmen, die sog.
gefährliche Präparate zur Schädlingsbekämpfung anwenden, auf ihre amtliche
Zulassung vor. Ab Oktober 1977 ist es Pflicht für jedermann aus diesem Personenkreis, sich für den Umgang mit stark toxischen Pestiziden einem besonderen
Trainingskurs mit Abschlußprüfung zu unterziehen. Dadurch soll verhindert
werden, daß eine unsachgemäße Anwendung Schäden bei Menschen und Umwelt verursacht. Der US-Kongreß beabsichtigt mit dem Gesetz außerdem, daß diese Personen auch damit vertraut werden, welche langfristigen und möglicherweise lange
Zeit verborgenen Wirkungen bestimmter Pestiziden zu erwarten seien, welche
neuen Produkte verfügbar sind und wie ihre Anwendung nach den neuesten Erkenntnissen erfolgt.
Welche Substanzen zu den "stark toxischen Pestiziden" zählen, bestimmt
die EPA mit der Klassifizierung "Anwendung eingeschränkt". Die übrigen Präparate sind für "Allgemeine Anwendung" freigegeben, sofern die Gebrauchsanweisung beachtet wird. Auf solche Präparate müssen künftig Personen ausweichen,
die die Zulassungsprüfung für die Anwendung stark toxischer Präparate nicht
ablegen wollen oder können. Die EPA schätzt, daß sich etwa die Hälfte der
drei Millionen amerikanischer Farmer, bei denen ohnehin weniger hohe Anfor- 2 -

�Anforderungen als an Personen von kommerziellen Unternehmen zur Schädlingsbekämpfung gestellt werden, um die Zulassungsprüfung bemühen werden.

Mehr

als 135 000 in 37 Bundesstaaten haben sie bereits abgelegt.
Je nach den bereits bestehenden einzelstaatlichen Bestimmungen, den
örtlichen und regionalen Problemen des Schädlingsbefalls und entsprechend der
bisher üblichen Anwendung von Pestiziden sind die Trainingsprogramme von Staat
zu Staat etwas unterschiedlich. Jedoch müssen alle bestimmten Mindestanforderungen genügen und von der EPA genehmigt worden sein.

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24/1976

DIE NÄCHSTE EISZEIT KOMMT BESTIMMT
- US-Wissenschaftler untersuchen Tiefsee-Sedimente -

(AD) - Die Ergebnisse der Analyse von Tiefsee-Sedimenten gaben der
Forschung jetzt zum ersten Mal Gelegenheit, Zyklen für einschneidende
Klimaveränderungen auf der Erde auch statistisch nachzuweisen.

Es zeigte

sich, daß Eiszeiten und Zwischeneiszeiten die Folge von Veränderungen der
Sonneneinstrahlung sind, welche durch eine relativ geringfügig veränderte
Neigung der Erdachse, durch Pol Schwankungen und Faktoren verursacht
werden, die zu einer leichten Bahnänderung auf dem Weg der Erde um die
Sonne führen.

Mögliche Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf das Klima blieben
bei der Studie unberücksichtigt.

Ausschließlich auf Grund der Sediment-

analysen ziehen die Wissenschaftler den Schluß, daß der nördlichen Erdhemisphäre in den nächsten par Tausend Jahren eine "ausgedehnte"
Vergletscherung bevorstehe.
Schon im Jahr 1920 hatte der serbische Geophysiker M . Milankowitsch
auf mögliche Zusammenhänge zwischen Bahnfaktoren und Erdklima hingewiesen.
Diese Theorie konnten nun Dr. James D. Hays (Lamont-OLservatorium der
Columbia-Universität, New York), Dr. John Imbrie (Brown-Universität,
Providence, Rhode Island) und Dr. Nicholas J. Shackelton (Universität
Cambridge, England) zum ersten Mal belegen.

Ihre Untersuchungen waren

Teil des von der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) finanzierten
amerikanischen Beitrags zur Internationalen Dekade für Meeresforschung
und
- 1 -

�und Klimadynamik, die unter Mitwirkung von Forschern aus aller Welt
u. a. das Ziel verfolgt, das Erdklima während der letzten Eiszeit vor
18 000 Jahren sowie während der letzten Zwischeneiszeit vor 12f 000
Jahren zu rekonstruieren u,nd Voraussagen zur künftigen Klimaentwicklung
zu machen.

Man will den Ursachen für Veränderungen auf die Spur kommen,

die von warmen Zwischeneiszeiten zu Eiszeiten führen.

In den letzten

paar Millionen Jahren ist es jedenfalls häufig zu solchen Klimaänderungen
gekommen.
Mit der statistischen Analyse der experimentellen Meßdaten - in
erster Linie der unterschiedlichen geochemischen und biologischen
Befunde an den Bohrkernen aus Tiefsee-Sedimenten - konnten Zyklen von
21 000 Jahren, 42 000 Jahren und 100 000 Jahren für einschneidende
Klimaänderungen ermittelt werden.

Sie entsprechen genau den Zyklen,

in denen sich die Neigung der Erdachse, die Lage der Pole und bestimmte
Bahnfaktoren auf dem Weg der Erde um die Sonne ändern.

(Ein Bericht

Über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Studie erschien in der Zeitschrift SCIENCE vom 12. Dezember 19/6.)

+ + + + +

�</text>
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Dokumentation

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?3

1. Dezember 1976

Inhalt

INFORMATION
Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1977/78

HINTERGRUNDMATERIAL
Jody Powell - Der künftige Pressesekretär des Weißen Hauses
Die Präsidentschaftswahlen 1976: Eine Analyse
Von Dr. George Gal1up
Direktor des Amerikanischen Instituts für Meinungsforschung
(The Gallup Pol 1)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Blaualgen machen der I n d u s t r i e Konkurrenz
Stickstoffdünger und F u t t e r m i t t e l aus der Kläranlage

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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23/1976

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR 1977/76

Für das Studienjahr 1977/78 schreibt die Fulbright-Kommission eine beschränkte Zahl von Reisestipendien aus; Anträge werden in der Zeit vom 1.
Dezember 1976 bis 15. Januar 1977 angenommen.

Voraussetzungen sind u.a.,

daß die Bewerber einen Studienaufenthalt von einem akademischen Jahr als
ordentliche Studierende planen, daß die Aufenthaltsfinanzierung anderweitig
geplant ist und daß die Bewerber zum Zeitpunkt der Abreise (September 1977)
mindestens 4 Hochschulsemester, davon mindestens 2 an einer deutschen Hochschule studiert haben.

Bewerbungsformulare für Fulbright-Reisestipendien

werden direkt bei der Fulbright-Kommission, Theaterplatz la, 5300 Bonn-Bad
Godesberg angefordert.

Vorläufige Anträge sollten innerhalb der Bewerbungs-

frist auch dann eingereicht werden, wenn Einzelheiten über das Amerika-Studium noch nicht bekannt sind.

Vollstipendien zum Studium in den USA können

für 1977/78 nicht mehr beantragt werden.
Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen
Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst.

+ +++ +

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23/1976

JODY POWELL - DER KÜNFTIGE PRESSESEKRETÄR DES WEISSEN HAUSES

WASHINGTON - (AD) - Zum künftigen Pressesekretär des Weißen Hauses hat
der neugewählte amerikanische Präsident Jimmy Carter den 33jährigen Jody
Powell, einen seiner langjährigen und bewährtesten politischen Mitarbeiter,
ernannt. Von Powell, den viele als das "zweite Ich" des künftigen Präsidenten ansehen, hat Carter einmal gesagt, daß ihn wohl niemand - mit Ausnahme
seiner Frau - besser kenne als er.
Die Parallelen zwischen beiden Männern sind weitreichend und ausgeprägt.
Beide wurden in dem gleichen südwestlichen Gebiet des Staates Georgia geboren
- Powell in Cordele, das rund 50 Kilometer östlich von Plains, dem Geburtsort
Carters,liegt. Beide wuchsen als Söhne von Farmern in engem Kontakt mit Land
und Leuten auf. Beide haben sich - wenn auch im altersmäßigen Abstand einer
Generation (Powell wurde im gleichen Jahr geboren, in dem Carter in die Marineakademie eintrat) - mit vollem Einsatz der politischen Praxis zugewandt,und
außer Hamilton Jordan - dem Wahlkampfmanager Carters - hat wohl niemand dem
künftigen amerikanischen Präsidenten länger und treuer gedient als Jody Powell.
Seit 1970, als er sich freiwillig für Carters Wahlkampagne um den Gouverneursposten in Georgia zur Verfügung stellte, war Powell der ständige und für
viele Monate der einzige politische Berater und enge Mitarbeiter Carters in
den Anfangsphasen sowohl des Wahlkampfes um den Posten des Gouverneurs &amp;]s_
- 1 -

I

�als auch bei der Präsidentschaftswahl.

In dieser Eigenschaft wurde er zugleich

zum Berater und Sprecher Carters, und diese Stellung gedenkt er auch nicht aufzugeben, wenn er ins Weiße Haus zieht.
Man darf wohl erwarten, daß er wegen dieses direkten Zugangs zum Präsidenten und seiner Beraterrolle dem Amt des Pressesekretärs des Präsidenten ein anderes Siegel aufprägen wird als seine Vorgänger.
Carter und Powell begegneten sich zum erstenmal im Jahre 1966, als Carter,
der sich damals zum erstenmal (erfolglos) um den Posten des Gouverneurs bewarb,
sich händeschüttelnd durch eine Menschenmenge in einem Geschäftsviertel einer
Stadtiim Süden von Georgia hindurcharbeitete und mit den Worten: "Hallo, ich
bin Jimmy Carter und bewerbe mich um das Amt des Gouverneurs!" auch die Hand
eines jungen Mannes ergriff.

Dieser Mann war Jody Powell.

Der damals 23jährige, der soeben sein Bakkalaureat für politische Wissenschaften an der Staatsuniversität Georgia erworben hatte und jungverheiratet
bei einer Versicherungsgesellschaft in Atlanta Geld verdiente, um zugleich an
seiner Doktorarbeit weiterarbeiten zu können, hatte nur wenig Zeit für die politische Praxis.
Vier Jahre später jedoch, als Carter 1970 erneut für den Gouverneursposten
kandidierte, schloß sich Powell der Wahlkampagne an und zwar als Chauffeur
Carters. Zusammen fuiren sie kreuz und quer über die großen und kleinen Straßen
des Landes.
Oft war Powell der einzige Pressesprecher, den Carter hatte, und als er
im November die Gouverneurswahl gewann, machte er ihn zu seinem Pressesekretär.
Diese Funktion hat Powell seither ständig ausgeübt,auch als es mit Beginn der
Präsidentschaftskampagne 1975 nach Beendigung der Amtszeit Carters als Gouverneur wieder hieß, die langen einsamen Zwei-Mann-Wahlreisen anzutreten.
Aber

�Aber nach den ersten Vorwahlsiegen kam der Wahl kämpf Carters mächtig
in Schwung,und Powell stand plötzlich im Rampenlicht der Nation.

Die ihn

kennen, sagten, daß ihn dies ganz und gar nicht verändert habe.

Er blieb

sich gleich in seinem meist etwas zerknautschten Anzug und seinem freimütigen
und offenen Ausdruck - immer bestrebt, ein gutes Verhältnis zur Presse zu
unterhalten.

Im Gegensatz zu Carter, der nicht trinkt, nicht raucht und früh

zu Bett geht, liebt es sein Pressesprecher,kettenrauchend den Arbeitstag bei
einem Glas Bier oder Whisky im Gespräch mit Journalisten oder Freunden bis in
die späte Nacht oder frühen Morgenstunden auszudehnen.
Obwohl stets Realist - als im Juli die Woge des Erfolgs in der Präsidentschaftskampagne Carters ihren Höhepunkt erreicht hatte, sagte er: "Was auch
immer zwischen heute und September geschieht, unser Vorsprung wird wahrscheinlich zurückgehen,und wir werden im Oktober sicherlich einen wirklichen Kampf
zu kämpfen haben" - eine Vorhersage, die sich bewahrheitete - so hat Powell dennoch mit der Möglichkeit seiner jetzigen Stellung durchaus seit langem gerechnet. "Wenn ich jemals zum Pressesekretär des Weißen Hauses ernannt werden
sollte", so sagte er nach der Nominierung Carters auf dem Parteikonvent der Demokraten im Juli, "dann würde ich mich für eine offenere Regierung und mehr Zugang zum Präsidenten einsetzen, und ich würde niemals lügen."
Joseph Lester Powell Jr. (der wie sein Chef den formellen Namen nicht
liebt und für alle als "Jody" bekannt ist) wurde am 30. September 1943 geboren
und wuchs in dem kleinen Städtchen Vienna auf.

Seine Mutter, die als Lehrerin

für politische Wissenschaften an einer Oberschule unterrichtet, weckte in ihm
frühzeitig das Interesse an der Politik und die Liebe zur Literatur.
Im Jahre 1961 wurde Powell als Kadett in die amerikanische LuftwaffenAkademie aufgenommen. Drei Jahre später, als Fähnrich, wurde er entlassen,
weil er bei einem Examen in Geschichte gegen den Ehrenkodex verstoßen hatte.
"Während einer Pause las ich in einem Notizbuch nach," so berichtete er später
darüber. "Sie fragten mich, ob ich es getan hätte. Ich sagte, 'Ja'. Sie
schickten mich nach Hause".
Als

�Als er sich Carter anschloß, der selbst die Marineakademie absolviert
hatte, berichtete er ihm als erstes über diesen Vorfall.

"Er sagte zu mir,

das sei vorbei,und ich sollte es vergessen", so erinnerte sich Powell später.
Nach dem Vorfall auf der Akademie zog Powell nach Atlanta und widmete
sich ganz seinen Studien in politischer Wissenschaft, seiner Familie und der
Karriere Carters.
"Ich arbeite mit der Presse," so sagte Powell nach seiner Ernennung zum
künftigen Pressesprecher des Weißen Hauses, "aber ich werde für den Präsidenten
arbeiten und meine Loyalität gehört ihm - solange er sich so verhält, wie er
sich von der Zeit an verhalten hat, da ich seiner zum erstenmal gewahr wurde."

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23/1976

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN 1976: EINE ANALYSE
Von Dr. George Gallup
Direktor des Amerikanischen Instituts für Meinungsforschung
(The Gallup Pol 1)

Der bekannte amerikanische Meinungsforscher
und Gründer des Gallup-Instituts, Dr. George
Gallup, hat in einem Exklusivartikel für
das amerikanische Informationsamt (USIA) die
Präsidentschaftswahlen 1976 analysiert. Der
nachfolgende Artikel gibt seine persönliche
Meinung wieder.

Die Präsidentschaftswahlen 1976 endeten mit einem der knappsten Siege in
diesem Jahrhundert. Aber es hätte auch ein Erdrutschsieg für Jimmy Carter werden können.
Bei jeder Präsidentschaftswahl kommt bei der Entscheidung der Wähler eine
Vielfalt von Einflüssen zum Tragen. Sucht man aber nach den Hauptgründen, die
den Sieg Carters erklären, so sind es vor allem zwei: die Wirtschaft sowie der
Stolz und das Selbstbewußtsein der Südstaaten.
Die Frage des Geldbeutels ist in der amerikanischen Politik immer ein sehr
empfindlicher Punkt gewesen.

Der Partei, die im Weißen Haus sitzt, werden alle
- 1 -

�T

alle wirtschaftlichen Mißstände angelastet - Inflation, Arbeitslosigkeit,
schlechte Geschäftslage - ohne Berücksichtigung der besonderen Umstände oder
ihrer Bemühungen um die Förderung der

Prosperität.

In gleicher Weise aber

erkennt man der Partei, die an der Macht ist, auch das Verdienst für "gute
Zeiten" zu - ob dies nun gerechtfertigt ist oder nicht.
Seit der großen Depression in den dreißiger Jahren verbindet sich in den
Vorstellungen vieler Wähler die Partei der Demokraten mit Prosperität, dagegen
die der Republikaner mit Rezession und Depression.
Obgleich Präsident Ford auf eine bemerkenswerte Aufwärtsentwicklung in der
Wirtschaft seit seinem Amtsantritt hinweisen konnte, war die in den letzten
Wochen des Wahlkampfs wieder deutlich hervortretende Abschwächungstendenz in
der Wirtschaft für viele Wähler Anlaß zur Besorgnis.

In der Zeit zwischen

Jahresbeginn und Oktober stieg die Prozentzahl der Erwachsenen, die hohe Lebenshaltungskosten oder Arbeitslosigkeit als die Probleme von höchster Priorität für die Nation bezeichneten, von 62 Prozent auf 78 Prozent, wie eine Wählerumfrage im Oktober zeigte.
Bei einem Drittel der Beschäftigten in den USA bestand die Furcht, sie
könnten ihren Arbeitsplatz verlieren, bei der nicht-weißen Bevölkerung lag
diese Zahl mit 50 Prozent sogar noch höher - woraus sich zweifellos die überwältigende Zahl der schwarzen Wählerstimmen für Carter erklären läßt.
In der bisherigen Geschichte waren die beiden Hauptthemen jeder Präsidentschaftswahl der Friede und die Prosperität. Es mag daher überraschen, daß
bei dieser Wahl zum erstenmal seit 1936 die Außenpolitik kein Hauptthema während der Wahlkampagne war. Bei jeder anderen Präsidentschaftswahl während dieser vierzigjährigen Periode waren die Vereinigten Staaten entweder in einen
Krieg verwickelt oder versuchten, einen Krieg zu beenden, oder waren in Sorge,
in einen Krieg hineingezogen zu werden.

S£
- 2 -

�So wie die Demokraten seit den dreißiger Jahren in der Frage der Prosperität einen - wenn auch fragwürdigen - Vorteil genossen, so zogen die Republikaner in der gleichen Weise Nutzen aus der Frage von Krieg und Frieden, hauptsächlich aufgrund des geschichtlichen Zufalls und der Tatsache, daß in diesem
Jahrhundert immer dann Kriege ausbrachen, wenn ein Demokrat im Weißen Haus regierte.

Selbstbewußtsein und Stolz des Südens
Die 13 Südstaaten, die von den Tagen des Bürgerkriegs an in der Mehrzahl
für demokratische Präsidentschaftskandidaten gestimmt hatten, begannen in den
Wahlen des Jahres 1952 diese historische Position zu verlassen und waren bei
den Präsidentschaftswahlen des Jahres 1972 bis an das andere Ende des politischen Spektrums gelangt. In jenem Jahr konnte der republikanische Präsidentschaftskandidat, Richard Nixon, 71 Prozent der Wählerstimmen dieser Region auf
sich vereinigen, während der Kandidat der Demokraten, George McGovern, nur 29
Prozent erhielt. Nachdem der Süden die demokratischste Region der USA gewesen
war, war er nun zur republikanischsten geworden. Oder vielleicht sollte man
richtiger sagen: zur konservativsten.
Das Selbstbewußtsein des Südens war ein wichtiger Faktor bei der Veränderung dieser Situation bei den letzten Wahlen. Die Bevölkerung der Südstaaten
überwand ihre traditionell konservative Einstellung und stimmte für Jimmy Carter,
den ersten Politiker aus dem Süden, der seit Zachary Taylor im Jahre 1848 ins
Weiße Haus einziehen wird. Nur zwei der 13 Südstaaten, nämlich Virginia und
Oklahoma, stimmten für Präsident Ford. Carters Heimatstaat - Georgia - entschied sich mit überwältigender Mehrheit für ihn - zwei Drittel aller Stimmen
entfielen auf den Mann aus Plains. Zur gleichen Zeit konnte Ford in seinem
Heimatstaat nur mit knappem Vorsprung gewinnen.
Eine
- 3 -

�Eine Analyse der Wahlergebnisse dieses Jahres zeigt, daß in keinem anderen
Teil des Landes die Verschiebungen zwischen 1972 und 1976 so groß waren.

Vor

vier Jahren konnte Nixon den Süden mit insgesamt 71 Prozent auf seine Seite
bringen, Präsident Ford erhielt in diesem Jahr lediglich 45 Prozent - eine Verschiebung um 26 Punkte.

In den übrigen Teilen des Landes ergab sich nur eine

Verschiebung um 10 Prozent - von 60 Prozent für den Kandidaten der Republikaner
im Jahre 1972 auf 50 Prozent bei den diesjährigen Wahlen.

Zwei Wahlfeldzüge um die Präsidentschaft
Die meisten Wähler schätzen die Tatsache nicht allzu sehr, daß die Präsidentschaftskandidaten zwei völlig unterschiedliche Wahlfeldzüge durchführen
müssen, um ins Weiße Haus einzuziehen. Zunächst geht es einmal um die Nominierung durch die Partei, die üblicherweise nur erreicht werden kann, wenn der
Kandidat nach harten Monaten voller Reden und Reisen durch das ganze Land bekannt genug geworden ist, um die Vorwahlen zu gewinnen. Im Januar 1976 gaben
übrigens nur ganze vier Prozent der "üblichen"Demokraten Jimmy Carter den Vorzug.
Der zweite eigentliche Wahlfeldzug beginnt nach den jeweiligen Parteikonventen. Die Wählerschaft bei diesen beiden Wahlfeldzügen ist außerordentlich
unterschiedlich. Bei den Vorwahlen geben nur relativ wenige Personen ihre
Stimme ab, in einigen Staaten weniger als zehn Prozent aller Stimmberechtigten.
Diejenigen, die sich dieser Mühe unterziehen, sind meistens ältere, konservativere und mehr parteiorientierte Bürger.
Während der Zeit der Vorwahlen erschien Jimmy Carter als ein Kandidat, der
gegen Washington auftrat: bereit, gegen die ständig wachsende Bürokratie und
die dortigen Affairen etwas zu unternehmen.

Inmitten einer Menge von müden

Politikern, die auf altbekannte Mittel und Wege sowie auf Lösungen eingeschworen
waren, die unsere Probleme nicht beseitigen konnten, tauchte plötzlich ein neues
- 4 -

�neues Gesicht auf.

Carter war offen, aggressiv und religiös.

erster Linie die Konservativen an.

Er sprach in

Dabei hatte er solchen Erfolg, daß seine

Gegner, die unter einem liberalen Banner fochten, dieses Wort nicht mehr gebrauchen wollten und euphemistisch davon sprachen» "progressiv" zu sein.
Der zweite Wahlkampf beginnt nach dem Sieg auf dem Parteikonvent.
Demokrat muß dann eine neue Strategie einschlagen.

Ein

Um gegen einen Konserva-

tiver, gewinnen zu können, muß der demokratische Kandidat die Koalition zusammenhalten, die Franklin D. Roosevelt Anfang der dreißiger Jahre geschaffen hat.
Diese Koalition setzt sich aus Intellektuellen, Gewerkschaften, Schwarzen und
verschiedenen ethnischen Gruppen - und im allgemeinen aus den "Mittellosen" zusammen.

Wenn es gelingt, die Stimmen des Südens mit den Stimmen des in-

dustriellen Nordens zusammenzubringen, wo diese Gruppen am stärksten vertreten
sind, dann ist damit eine unschlagbare Kombination zustande gekommen.
Nachdem Carter die Nominierung erreicht hatte, war es sein Hauptproblem,
starken Anklang bei der politischen Linken zu finden, und mehr noch, die Leute
auf der Linken anzuspornen, am Wahltag auch an die Wahlurnen zu gehen.
Es war diese ideologische Wendung Carters zwischen den Frühjahr und dem
Herbst, - diktiert durch die Notwendigkeiten des Wahlkampfes - die viele Wähler
verwirrte. Immer wieder beklagten sich Leute, die wir interviewten, daß sie
nicht wüßten, "wo Carter wirklich steht" oder was für ein Präsident er eigentlich werden würde.
Vom Gesichtspunkt der politischen Strategie her sollte der ideologische
Standort eines Kandidaten mit dem der wahlberechtigten Bevölkerung einigermaßen identisch sein.

Vor den Parteikonventen stimmte der angenommene poli-

tische Standort Carters einigermaßen mit den eigenen politischen Standortvorstellungen der Öffentlichkeit überein.

Gegen Ende des Wahlkampfes machte sich

eine wesentliche Veränderung der Vorstellungen von den Auffassungen Carters bemerkbar, wie die folgenden Zahlen zeigen.
Der
- 5 -

�«

Der politische Standort in den Augen der Wähler:

Frühjahr

Oktober

"Links"

46 Prozent

60 Prozent

"Mitte"

8 Prozent

8 Prozent

"Rechts"

46 Prozent

32 Prozent

Die befragten Wähler ordneten sich selbst wie folgt ein:
Links 37 Prozent,

Mitte 12 Prozent,

Rechts 51 Prozent

Die Republikaner hatten ebenfalls ihr ideologisches Problem:

Ronald

Reagan übte eine Anziehungskraft auf die weit rechts stehenden Wähler aus,
Präsident Ford mehr auf die gemäßigten Rechten.

Während jedoch in der Einord-

nung Fords durch die Öffentlichkeit im ganzen Wahl kämpf kaum Veränderungen zu
verzeichnen waren, ergaben sich bei der Position Carters, wie oben gezeigt, wesentliche Veränderungen.

Der Wahl kämpf
Vor dem Parteikonvent der Republikaner führte Carter mit 33 Prozent gegen
Ford - ein Vorsprung, wie er in der Geschichte der Meinungsumfragen in den USA
noch nie registriert worden war.

Eine ähnliche Führung hatte nur Präsident

Lyndon B. Johnson gegenüber seinem Konkurrenten Barry Goldwater im Jahre 1974
- und Johnson konnte einen Erdrutschsieg für sich verbuchen.
Der Parteikonvent der Republikaner und die Rede, mit der Ford die Nominierung seiner Partei annahm, bewogen offensichtlich viele Anhänger von Reagan,
in den Schoß der Republikaner zurückzukehren.
alle wieder im heimatlichen Lager.

Am Wahltag waren sie praktisch

Am 2. November hatten nur 11 Prozent der
- 6 -

�V

der Republikaner der Partei den Rücken gekehrt, während 19 Prozent der Demokraten sich von Carter abgewandt hatten.
Als Carter mit dem Flugzeug von Stadt zu Stadt eilte und sich Interessengruppen zuwandte, geriet er zunehmend in die Fallstricke eines typischen Politikers - er war nicht mehr der Anti-Washington- und "New York"-Kandidat der
Frühlingsmonate.

Die von ihm zum Ausdruck gebrachten Ansichten wurden weiter

links angesiedelt als sein Standpunkt zu Beginn, und dementsprechend begann er
an Boden zu verlieren.

Der Abstand zwischen ihm und Ford wurde immer kleiner.

Dann kamen die großen Fernsehdebatten.
Die erste dieser Debatten hat nach unseren Umfragen Ford "gewonnen".
Carter schien nervös zu sein, und seine Antworten waren zu verschwommen. In
den folgenden Tagen - bis zur zweiten Debatte - gewann der Wahl kämpf Fords
immer stärkere Konturen. Unsere Umfrage zur Mitte des Wahlkampfes zeigte
Carter nur noch mit zwei Prozent Vorsprung.
Die zweite Debatte brachte das Ende des Aufwärtstrends für Präsident Ford.
Diese zweite Debatte wurde in den Augen der Öffentlichkeit von Carter gewonnen,
vor allem wegen des unerklärlichen Lapsus, den Ford hinsichtlich Polens machte,
das, wie er sagte, frei von sowjetischer Kontrolle sei. Unsere Umfrage in der
folgenden Woche zeigte zum erstenmal wieder eine Aufwärtsentwicklung bei Carter
- er führte mit sechs Prozent. Diese Führung ging zwar in den letzten Tagen
des Wahlkampfes wieder zurück auf rund zwei Prozent, aber es gelang Carter,
diesen Vorsprung am Wahltag zu halten.
Dies entspricht in etwa der Erfahrungen aus dem Jahre 1960, als John F.
Kennedy auch von hinten aufkam und nach der ersten Debatte einen Vorsprung erzielte, den er bis zum Wahltag halten konnte.
Carter selbst hat erklärt, daß es die Debatten gewesen seien, die seinem
Wahlkampf den letzten Aufschwung gegeben und es ihm ermöglicht hätten, die
- 7 -

�1

die Wahl zu gewinnen.

Ironischerweise war es gerade die Debatte über die

Außenpolitik, von der man dachte, daß sie Fords stärkstes Gebiet sei, die
den Abwärtstrend bei Carter stoppte und dem Wahl kämpf Fords Wind aus den
Segeln nahm.

Die Wahlergebnisse
Wie knapp das Ergebnis ist, geht aus den - noch immer nicht offiziellen folgenden Zahlen hervor:
Wählerstimmen

Wahlmännerstimmen

Carter

50,4 Prozent

297

Ford

48,3 Prozent

241

McCarthy

0,8 Prozent

Sonstige (Schätzung)

0,5 Prozent

Das Rennen um die Präsidentschaft steht so sehr im Mittelpunkt des Interesses der Massenmedien, daß andere, ebenso wichtige Wahlergebnisse zu wenig
Beachtung finden.
Die Ergebnisse zeigen eine ungebrochene Stärke der Demokratischen Partei.
Das neue Repräsentantenhaus setzt sich aus 291 Demokraten und 142 Republikanern
zusammen - eine Mehrheit wie 1974 nach dem Watergate-Skandal. Im Senat sitzen
62 Demokraten und 38 Republikaner. Die demokratischen Gouverneure lassen mit
37 gegen 12 ihre republikanischen Kollegen weit hinter sich.
Die Vorherrschaft der Demokratischen Partei im politischen Leben Amerikas
wird am besten aus folgenden Zahlen deutlich:

Die Republikaner hatten während

der letzten 44 Jahre - jetzt 46 Jahre - nur vier Jahre lang eine Mehrheit im
Repräsentantenhaus, d.h. bei einer parlamentarischen Regierungsform hätten die
Republikaner nur in vier Jahren die Führung gehabt.
Die
- 8 -

�Die McCarthy-Stimmen
Eine Katastrophe für Carter hätten die für den früheren Senator Eugene
McCarthy abgegebenen Stimmen werden können, wenn die Stärke McCarthys mit
dem Herannahen des Wahltages nicht mehr und mehr zusammengeschrumpft wäre.
Mehr Staaten als in irgend einer Präsidentschaftswahl in diesem Jahrhundert
wurden in einem Abstand von 53 gegen 47 Prozent gewonnen, bzw. verloren.

Allein

in 27 Staaten führte der Sieger mit diesem Abstand.
Wenn McCarthy vier bis fünf Prozent der Gesamtstimmen für sich hätte
verbuchen können, dann hätte sicherlich Präsident Ford den Wahlsieg geschafft,
da ein großer Teil der McCarthy-Stimmen zu Lasten Carters gingen. Ein Staat
allein hätte eine Wende bringen können - New York. In diesem Staat wurde der
Name McCarthys in letzter Minute durch Gerichtsbeschluß von den Stimmzetteln
verbannt.

Gruppenverhalten
Eine Analyse des Wahlverhaltens der verschiedenen Bevölkerungsgruppen
zeigt einige interessante Verschiebungen.
mäßiger verteilt als üblich.

Katholiken haben ihre Stimmen gleich-

Im Jahre 1972 gaben sie dem demokratischen Kan-

didaten, McGovern, 18 Prozent mehr Stimmen als die Protestanten.

In diesem

Jahr gaben sie Carter 54 Prozent und Ford 46 Prozent ihrer Stimmen.

Ford er-

hielt 53 Prozent der protestantischen Stimmen, Carter 47 Prozent.
Zwischen Männern und Frauen war kein Unterschied im Wählerverhalten festzustellen.

Anfang des Jahres neigten noch wesentlich mehr Frauen zu Ford als

zu Carter.
Das Bildungsniveau wirkte sich wie folgt aus: Wähler mit Hochschulbildung gaben Ford eine klare Mehrheit - 58 Prozent gegen 42 Prozent; Wähler mit
- 9 -

�1

mit höherer Schulbildung stimmten für Carter - 55 Prozent gegen 45 Prozent;
und Wähler mit Grundschulbildung neigten mit 62 Prozent gegen 38 Prozent zu
Carter.
Die Jungwähler favorisierten relativ stärker als 1972 den republikanischen
Kandidaten.

Trotzdem gaben die 18- bis 29-Jährigen Carter 56 Prozent ihrer

Stimmen, verglichen mit 52 Prozent der 30- bis 49-Jährigen und 48 Prozent der
über 50-Jährigen.
Die weißen Wähler zogen Ford mit 53 gegen 47 Prozent vor; Schwarze und
andere Farbige gaben Carter 87 Prozent ihrer Stimmen gegenüber 13 Prozent für
Ford.

Arbeiter stimmten - traditionsgemäß - für den demokratischen Kandidaten -

bei dieser Wahl mit 63 Prozent gegen 37 Prozent.

Wahlbeteiligung
Normalerweise wirkt sich eine geringe Wahlbeteiligung bei einer Präsidentschaftswahl zugunsten der Republikaner aus. Das geringste Interesse an der
Ausübung des Wahlrechts findet man bei den unteren Einkommens- und Bildungsschichten und bei den Jungwählern. Diese Gruppen favorisieren normalerweise
demokratische Kandidaten im Verhältnis zwei zu eins.
Die Wahlbeteiligung am 2. November dieses Jahres war nicht ganz so groß
wie vor vier Jahren - 54 Prozent gegenüber 56 Prozent - die Zahl der tatsächlich abgegebenen Stimmen lag jedoch höher. Durch den Bevölkerungszuwachs waren
in diesem Jahr 150 Millionen Amerikaner wahlberechtigt, gegenüber 140 Millionen
im Jahre 1972.
Die Wahlbeteiligung war zwar nicht so niedrig wie vorausgesagt, aber es
besteht trotzdem kein Anlaß für Amerika, stolz darauf zu sein.

- 10 -

Nur etwas mehr

�mehr als die Hälfte aller Amerikaner über 18 Jahre ging zur Wahlurne.
Einen großen Einfluß auf das Ergebnis hatte die Wahlbeteiligung nicht,
denn Carter gewann selbst mit der relativ geringen Beteiligung.

- 11 -

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23/1976

BLAUALGEN MACHEN DER INDUSTRIE KONKURRENZ
Stickstoffdünger und Futtermittel aus der Kläranlage

- (AD) - Mit dem Drei-Stufen-Verfahren im Klärwerk will Dr. W. J. Oswahl,
Professor für öffentliches Gesundheitswesen und Hygienetechnik an der Universität Berkeley (Kalifornien), aus Abwässern billigen Stickstoffdünger, eiweißreiche Futtermittel und "Rohstoff" für die Methan-Produktion gewinnen.

Ober

Einzelheiten des Systems, an dessen Entwicklung er schon seit einigen Jahren
arbeitet, berichtete Dr. Oswald kürzlich auf einem RANN-Symposium in Washington.
RANN ist die Abkürzung für "Research Applied to National Needs", ein Programm
der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA, mit dem die Forschung auf
bestimmten Gebieten im Interesse wirtschaftswichtiger Neuentwicklungen gefördert wird.
Kulturen von Grünalgen und Blaualgen sowie Pflanzenkolonien der Wasserhyazinthe sollen nach den Plänen Dr. Oswalds als Medien für die Zersetzung von
Belastungsstoffen in den Abwässern, zur Reinigung des Wassers und gleichzeitig
für den Aufbau nutzbarer Produkte eingesetzt werden. Der besondere Vorteil dieses biologischen Klärsystems läge darin, daß der Prozeß selbst kaum Energie benötigt, gleichzeitig aber bei umfassender Anwendung helfen könnte, Primärenergie in der Form von Erdöl oder Erdgas als Wasserstoffquelle für die Ammoniaksynthese zu sparen und billig Stickstoffdünger zu produzieren.
Der
- 1 -

�Der Weltbedarf an Düngerstickstoff, der im Jahr 1974 etwa 40 Millionen
Tonnen betrug, wird sich bis zum Jahr 2000 vervierfachen.
kosten sind mit den Erdölpreisen enorm angestiegen.

Die Produktions-

In den Vereinigten Staaten

werden derzeit zwei Prozent des heimischen Erdgases für die Düngemittelerzeugung verbraucht.

Und 87 Prozent der Primärenergie, die für die Kunstdüngerfa-

brikation benötigt wird, entfallen allein auf die Synthese von Ammoniak (NH 3 )
als der wichtigsten Verbindung für Stickstoffdünger.

Diesen brauchen z.B. die

Pflanzen, um mehr Eiweiß zu bilden, das wiederum für den tierischen Organismus
lebenswichtig ist und nach der Nahrungsaufnahme in das Gewebe eingebaut wird.
Industriell hergestellter Mineraldünger ist teuer:
100 Dollar und mehr.

Eine Tonne kostet

Auf 10 Dollar pro Tonne hofft Dr. Oswald den Preis sen-

ken zu können, wenn Stickstoffdünger auf biologischem Wege nach dem von ihm
entwickelten Verfahren erzeugt wird.

Während mancherorts Algen bereits zur

Abwasserreinigung oder zur Düngung (beispielsweise auf Reisfeldern) genutzt
werden - allerdings mit recht unterschiedlichem Erfolg -, handelt es sich hier
um den ersten Versuch, beides zu kombinieren, den Nutzeffekt um ein Vielfaches
zu erhöhen und Kosten zu senken.
"Gegenwärtig sieht es so aus", meinte Dr. Oswald, "daß pro Hektar Klärfläche 10 000 Dollar investiert werden müssen und jährliche Betriebskosten
von ca. 1000 Dollar anfallen." In etwa zwei Jahren dürften die noch bestehenden Probleme geklärt sein: Für einzelne Algenarten müssen noch die günstigsten
Kulturbedingungen ausfindig gemacht werden. Auch dürfen die für Futtermittel
gezüchteten Algen keinerlei toxische Stoffe enthalten. Das Team experimentiert
z. Zt. mit verschiedenen Algenarten, mit offenen und geschlossenen Becken und
unterschiedlicher Wasserverteilung. Angestrebt wird, pro Tag auf 1 qm Fläche
ein Gramm assimilierten Stickstoff zu produzieren.
Der Drei-Stufen-Prozeß funktioniert nach folgendem Prinzip:
Becken werden 30 cm hoch mit Abwasser gefüllt.

Drei

Schaufelräder halten das

Wasser ständig in Bewegung, um einer Schlick- und Schichtbildung entgegenzuwirken.

Im ersten Becken werden Grünalgen (z.B. Spirogyra) gezüchtet, die
- 2 -

�»

die beim Wachsen und Vermehren die Belastungsstoffe des Abwassers zersetzen.

Diese Algen ergeben Tierfutter oder organischen Dünger.

Auch Fer-

mentationsprodukte für die Gewinnung von Methangas fallen aus diesem Becken
an.
Das so vorgereinigte Wasser wird einem zweiten Becken zugeführt, wo
restlicher Ammoniak und Nitrate durch Pflanzen wie Wasserhyazinthen entzogen werden. (Diese sind als Gewächse in Gräben und Kanälen gefürchtet,
weil sie in kurzer Zeit den Wasserlauf blockieren.) Jetzt erst ist das Wasser für das mit Blaualgen besetzte Becken Nr. 3 geeignet. Denn Blaualgen
gedeihen nur in einem Medium, das selbst arm an Stickstoffverbindungen ist.
Sie haben jedoch, ebenso wie Wurzelbakterien bestimmter Pflanzenarten, z.B.
Leguminosen, die Fähigkeit, Luftstickstoff zu binden und mit der Assimilation in eine Form zu bringen, in der Stickstoff von lebendem Gewebe verwertet werden kann.
•

Die Blaualgen werden mit rotierenden Trichterfiltern geerntet, getrocknet
und als Dünger aufs Feld gebreitet.

Wichtig ist der Zeitpunkt der Ernte, wie

das Beispiel der mit Blaualgen gedüngten Reisfelder in Südostasien zeigt:
Weil sich dort Schlickschichten ungehindert bilden können, wird der assimilierte Stickstoff gerade dann an die Atmosphäre zurückgegeben, wenn ihn die
Reispflanzen am dringendsten benötigten.
Das Aufbrechen der engen Bindung zwischen den zwei Atomen des atmosphärischen Stickstoffmoleküls besorgen Blaualgen oder Knöllchenbakterien an den
Wurzeln von Hülsenfrüchten. Mit Wasserstoff aus den Wirtspflanzen bilden
dann die Stickstoffbakterien Ammoniak. Dagegen hat die Industrie bei der
Ammoniak-Synthese, die ohnehin nur bei hoher Temperatur, unter hohem Druck
und mit Katalysatoren möglich ist, einen enorm großen Aufwand an Energie.
Außerdem wird der Preis für Stickstoff-Kunstdünger noch durch die Kosten beeinflußt, die die Reinigung der Abwässer von unerwünschten StickstoffVerbindungen verursacht. Die modernen Abwasser-Behandlungsmethoden erfordern, so
Dr. Oswald, einen Kapital- und Arbeitsaufwand, der pro Jahr und Kopf der Be- 3 -

�Bevölkerung 25 Dollar erreicht.

Im Gegensatz dazu würde beim Oswald-Verfahren Stickstoff ohne energiekonsumierende Zwischenstufen in Dünger verwandelt - der Kreislauf wäre "kurzgeschlossen".

Versuche, der Natur nachzuhelfen
Da viele Nutzpflanzen das tatsächliche Stickstoffangebot nur unzureichend nutzen (Getreide wie Mais und Weizen nur zu 50 Prozent, Reis zu 30 40 Prozent), bemühen sich vor allem Mikrobiologen gegenwärtig intensiv um
eine Verbesserung der Stickstoffbilanz.

Die US-Wissenschaftsstiftung (NSF)

finanziert Forschungsarbeiten, die z.B. das Ziel verfolgen, die Fähigkeit
der Knöllchenbakterien zur Stickstoff-Assimilation bestimmten anderen Bakterienarten durch Gen-Transplantation "aufzupfropfen",

über diese und andere

Versuche wurde auf dem Symposium "Biologische Umwandlung der Sonnenenergie"
im November 1976 in Washington berichtet:
Vor fünf Jahren identifizierten Dr. Raymond C. Valentine (Universität
Kalifornien in Davis) und seine Mitarbeiter ein Gen im DNS-Molekül von Bakterien, das die Umwandlung von Stickstoff in Ammoniak steuert. Daraufhin
wurde es auch möglich, dieses Gen auf andere Organismen zu übertragen. Normalerweise beenden Bakterien die Ammoniakproduktion, sobald ihre Umgebung
mit assimiliertem Stickstoff oder Ammoniak gesättigt ist. Inzwischen gelang
es der Arbeitsgruppe Dr. Valentines, in einer Bakterienart bestimmte Gene so
zu verändern, daß sie auch in einem ammoniakreichen Medium weiterhin NHU produzieren.
Jetzt wird dies auch bei jenen Blaualgen versucht, die in Azolla-Pflanzen (Schwimmfarn) leben.
käme die nächste Hürde:

In 2 - 3 Jahren hofft man,am Ziel zu sein.

Dann

Die Azolla-Pflanze muß für die Reisfeld-Kultur mit

Verteidigungswaffen ausgestattet werden, um neben nichtveränderten Spezies
bestehen zu können. Würde dies (vielleicht nach weiteren 3 - 5 Jahren) er-

�erreicht, so könnte Azolla mit ihren Stickstofflieferanten als "natürliche
Düngemittelfabrik" benutzt und zusammen mit Nutzpflanzen oder in landwirtschaftlichen Bewässerungssystemen kultiviert werden.
Ein weiteres Forschungsprojekt ist die Verbesserung der natürlichen Fähigkeit von Leguminosen, Stickstoff mit Hilfe ihrer Wurzelbakterien zu assimilieren.
niak.

Die Bakterien leben von Zuckern der Pflanze und liefern ihr Ammo-

Die Forscher wollen erreichen, daß mehr Zucker zu den Wurzelknollen

transportiert wird

und daß die Bakterien diesen Zucker für die Ammoniakpro-

duktion besser nutzen.

Das Ergebnis wären höhere Ernteerträge.

Schließlich

existieren bereits Pläne, die Fähigkeit der Leguminosen, Stickstoff zu assimilieren, auf Getreidepflanzen wie z.B. Weizen, Mais und Roggen zu übertragen.
Wie Dr. Valentine erklärt, habe man gerade in letzter Zeit hinsichtlich
der Arbeitsweise der Wurzelknöllchen vieles hinzugelernt:

So ließe sich

z.B. der Energieverbrauch der Bakterien und der daraus resultierende Wirkungsgrad berechnen.

Die bisherigen Erfahrungen aus Modellversuchen mit künst-

lichen Wurzelknöllchen und Bakterien zeigen allerdings, daß diese Art der
Ammoniakproduktion, in industrielle Größenordnungen übertragen, unwirtschaftlich wäre.

Die Natur arbeitet mit Sonnenlicht und Pflanzen viel rationeller.

Letztes großes Forschungsgebiet sind gegenwärtig Bakterien, die Ammoniak
und daneben Wasserstoff produzieren.

Je mehr Wasserstoff sie erzeugen, desto

weniger Ammoniak liefern sie. Wenn man das Enzym fände, das die Wasserstoffproduktion steuert, könnte es möglicherweise so verändert werden, daß mehr
Ammoniak anfällt.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1977/78&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jody Powell - Der künftige Pressesekretär des Weißen Hauses&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Präsidentschaftswahlen 1976: Eine Analyse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dr. George Gallup&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Direktor des Amerikanischen Instituts für Meinungsforschung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(The Gallup Poll)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Blaualgen machen der Industrie Konkurrenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stickstoffdünger und Futtermittel aus der Kläranlage&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>a m e r i k a dienst
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Dokumentation

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22

16. November 1976

Inhalt
DOKUMENTATION
Kissinger sichert reibungslosen Obergang zu
- Anweisung an US-Auslandsvertretungen Was ich tun werde: Carters Ausblick
(TIME INTERVIEW) Nachdruck mit Genehmigung des Nachrichtenmagazins TIME
HINTERGRUNDMATERIAL
Neue US-Nuklearpolitik verlangt konzertierte Aktion
Von Nick Harrison
Rosalynn Carter
Die künftige First Lady der USA
INFORMATION
Amerikanische Beteiligung auf der Kölner Internationalen Hausratsmesse 1977
WIRTSCHAFT
Die amerikanische Handelspolitik: Rückblick und Vorausschau
Von Botschafter Frederick B. Dent
Mit freundlicher Genehmigung von THE INTERNATIONAL ESSAYS FOR BUSINESS
DECISION
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Wissenschaftler wollen verantwortungsbewußte Forschung
Selbstbeschrä'nkung und Kontrolle bei genetischen Experimenten
Straffung internationaler Programme für künftige Nahrungs-, Wasser- und
Energieversorgung
Gasisolierte Höchstspannungsleitung
Batterien mit höherer Leistung
Neuartiges Elektrodenmaterial - Interessant für Industrie, Wirtschaft und
militärische Zwecke - Vorteile für die Raumfahrt

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Information

Godesbergl,

89-3240

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e l e x: 0 8 - 8 5 4 3 2

22/1976

KISSINGER SICHERT REIBUNGSLOSEN ÜBERGANG ZU
- Anweisung an US-Auslandsvertretungen -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Henry Kissinger
hat die diplomatischen Vertretungen der Vereinigten Staaten in aller Welt
am 4. November 1976 ersucht, ihn bei seinen Bemühungen um einen reibungslosen Übergang von der alten zur neuen Administration zu unterstützen. Das
Schreiben Kissingers an die Auslandsmissionen hat folgenden Wortlaut:
Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist eine überparteiliche Angelegenheit.

Die bleibende Zielsetzung Amerikas - die Erhaltung des Frie-

dens, die Gewährleistung des Fortschritts und die Förderung der Freiheit und
der Menschenrechte - wird von allen Amerikanern gemeinsam vertreten; alle
Amerikaner haben sich diesen Zielen verschrieben.

Die Fachleute des Außen-

ministeriums und des Auswärtigen Dienstes sind ein entscheidend wichtiges Instrument für die Verwirklichung der Ziele Amerikas im Ausland.

Ich weiß, daß

man sich auf sie verlassen kann, wenn es gilt, mit Hingabe, Patriotismus und
Können zu arbeiten - Eigenschaften, die für den Auswärtigen Dienst und die
anderen Fachleute des Außenministeriums charakteristisch sind.

Für die kom-

menden Wochen haben sie keine wichtigere Aufgabe, als einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Ich

�Ich habe heute den Stellvertretenden Staatssekretär für Verwaltung,
Lawrence Eagleburger, zum Übergangs-Koordinator des Ministeriums ernannt
und ihn angewiesen, dafür zu sorgen, daß das Außenministerium uneingeschränkt
mit dem Übergangs-Team des gewählten Präsidenten zusammenarbeitet, sobald es
ernannt ist, und diesem Unterlagen und Personal auf Ersuchen zur Verfügung
stellt und ihm in jeder anderen Weise behilflich ist.
Bis zum 20. Januar 1977 wird die Verantwortung für die außenpolitischen
Beziehungen der Vereinigten Staaten selbstverständlich weiterhin bei Präsident
Ford und bei mir liegen. Alle ausländischen Regierungen sollten sich darüber
im klaren sein, daß diese Administration in der ihr verbleibenden Zeit weiterhin die Freunde Amerikas unterstützen und seinen Gegnern Widerstand leisten
wird.

Keine Nation braucht sich Sorgen zu machen, daß wir unseren Verpflich-

tungen nicht nachkommen könnten.

Keine Nation sollte fälschlicherweise glau-

ben, daß jetzt eine Zeit gekommen wäre, die Entschlossenheit der Vereinigten
Staaten auf die Probe zu stellen.

Wir haben die Absicht, der neuen Administra-

tion eine funktionierende Außenpolitik zu übergeben.
Während der Übergangszeit wird der gewählte Präsident seine eigenen politischen Vorstellungen zur Verwirklichung nach seinem Amtsantritt formulieren.
Ich möchte jeden daran erinnern, daß mit Spekulationen über die Politik der
neuen Administration gegenüber ausländischen Regierungen dem gewählten Präsidenten und den Vereinigten Staaten ein schlechter Dienst erwiesen würde.
Wir müssen alle mitarbeiten, um einen ordnungsgemäßen und schöpferischen
Übergang zu gewährleisten, und immer im Auge behalten, daß die außenpolitischen
Leistungen der neuen Administration die Leistungen des ganzen amerikanischen
Volkes sein werden und daß die Welt sich auf unsere Zielbewußtheit, Festigkeit
und Einigkeit stützt.

+ + + + +

- 2 -

�amerika dienst
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22/1976

WAS ICH TUN WERDE: CARTERS AUSBLICK
(TIME-INTERVIEW)
Nachdruck mit Genehmigung des Nachrichtenmagazins TIME
(c) 1976 Time, Inc.

Der Chefkorrespondent des Nachrichtenmagazins TIME, Murray Gart, und der
Washingtoner Korrespondent des Magazins,
Stanley Cloud, haben den gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Jimmy
Carter, über seine Pläne und Vorstellungen
für sein kommendes Amt befragt. Nachfolgend das in der Ausgabe vom 15. November
1976 veröffentlichte Interview:

FRAGE:

Was steht auf Ihrer Tagesordnung als sofort zu erledigen? Was

hat bei einem Ausblick auf die Zukunft größten Vorrang?
ANTWORT:

Eine der Zusagen, die ich gemacht habe, ist, meine außenpo-

litischen Berater sowie die führenden Vertreter des Kongresses zusammenzurufen, um einige Tage an einem abgeschiedenen Ort zu verbringen.

Wir wollen

dabei über unsere außenpolitischen Erfolge und Fehlschläge sowie über die vor
uns liegenden großen Aufgaben diskutieren, und wir sind darauf vorbereitet,
über fast jedes einzelne Land zu sprechen.

Ich möchte sicherstellen, daß meine

�meine Kenntnisse und mein Wissen auf diesem Gebiet so umfassend wie möglich
sind und daß Einmütigkeit besteht - zumindest eine gemeinsame Verständigung
darüber, welchen Kurs wir in den nächsten vier Jahren steuern werden.

Dies

wird ein augenfälliges Abweichen von dem darstellen, wie gegenwärtig verfahren wird.

Ich bin der Meinung, daß Mr. Kissinger dem Kongreß nur dann ge-

stattet hat, an dem Entscheidungsprozeß teilzuhaben, wenn ihm dies - politisch gesehen - ratsam erschien.
FRAGE:

Würde Ihr Außenminister in dieser Gruppe vertreten sein?

ANTWORT:

Ich denke doch, wenngleich ich zur Zeit noch keine Vorstellung

habe, wer der Außenminister sein könnte.

Ich habe folgendes vor:

Ich werde

nach der gleichen allgemeinen Prozedur verfahren, um die wesentlichsten Regierungsvertreter auszuwählen, wie dies im Sommer bei der Aufstellung des Kandidaten für die Vizepräsidentschaft der Fall war, nämlich eine sorgfältige Beurteilung der Qualifikationen der einzelnen Leute vorzunehmen, einschließlich
der Qualifikationen anderer, die für den Posten eines Außenministers in Frage
kommen könnten.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Hat dieser Prozeß bereits begonnen?
Ja, aber ich habe mich noch nicht direkt daran beteiligt.
Welches sind Ihre innenpolitischen Pläne für die nächste Zeit?

ANTWORT: Ich beabsichtige, mit Unternehmern und mit Gewerkschaftsführern
zusammenzuarbeiten, um den Rahmen für eine freiwillige Zurückhaltung in der
Lohn- und Preisfrage abzustecken. Ich möchte soweit wie möglich auf einer
rein freiwilligen Basis auf dieses Ziel hinarbeiten. Vielleicht wäre das für
die gesamten vier Jahre
den Kongreßvertretern werkschaften - über die
allem auf den Gebieten,

angebracht. Ich möchte darüber hinaus mit den führenund ohne Frage auch mit den Unternehmern und den Geschnelle Schaffung neuer Arbeitsplätze sprechen, vor
wo ein Minimum an Regierungsausgaben erforderlich ist.
- 2 -

�ist»

Der Wohnungsbau muß ganz dringend wiederbelebt werden, und ich möchte

im Hinblick auf den Wohnungsbau für ältere Mitbürger alles in meinen Kräften
stehende tun. Wir sind auch darauf vorbereitet, so meine ich, in der Zeit
zwischen der Wahl und dem Ende dieses Jahres - und wiederum in Zusammenarbeit
mit den führenden Vertretern der betroffenen Gruppen - einigermaßen umfassende
Mittel und Wege hinsichtlich des Verkehrswesens, der Energie und der Sozialreformen zu entwickeln.
FRAGE: Wird dies alles seinen Niederschlag in der Botschaft über die
Lage der Nation finden?
ANTWORT: Das hoffe ich. Und wenn ich hier etwas nicht erwähne, so möchte
ich nicht, daß der Eindruck entsteht, es gehöre nicht dazu - wie beispielsweise
das Gesundheitswesen. Ganz zweifellos gehören hierher das Gesundheits- und
das Erziehungswesen. Ich möchte auf keinen Fall, daß irgend jemand annimmt,
ich hätte diese Probleme außer acht gelassen. Wir haben in dieser Hinsicht
bereits beachtliche Fortschritte erzielt. Ganz offensichtlich sind die meisten
größeren Unternehmer geneigt, republikanisch zu wählen. Das war schon immer so,
aber ich glaube doch, daß sie bestrebt sein werden, mir bei der Suche nach einer
Lösung dieser Probleme zu helfen. Darüber bin ich in keiner Weise besorgt.
Ich bin auch Geschäftsmann, und ich spreche ihre Sprache.
FRAGE:

Hoffen Sie, daß die Vorschläge für eine Steuerreform schon bis zu

dem Zeitpunkt ausgearbeitet sein können, an dem der neue Kongreß zusammentritt?
ANTWORT: Nein, das wird nicht möglich sein. Dazu sind einige weitere
Studien erforderlich, und ich möchte das nicht mit leichter Hand abtun. Ich
möchte niemanden irreführen, aber die Arbeit ist bereits in vollem Gange, und
zwischen heute und dem 20. Januar wird zusammen mit den Beratern, aber auch
mit Leuten wie Senator Russell Long (dem Vorsitzenden des Finanzausschusses
des Senats) und dem Abgeordneten AI Ullman (dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses) eine Menge an Arbeit geleistet werden. Ich
möchte annehmen, daß mehrere Monate des nächsten Jahres ins Land gehen werden,

�werden, bevor wir spezifische Vorschläge zur Behandlung durch den Kongreß
unterbreiten können.
FRAGE:

Denken Sie an eine überparteiliche Besetzung Ihrer Administra-

tion - in dem Sinne, daß zumindest ein Republikaner Ihrem Kabinett angehört?
ANTWORT:

Ich bin geneigt, Leute aus beiden Parteien einzusetzen, aber

ich möchte mich wirklich nicht auf einen Renommier-Republikaner festlegen.
Ich werde vielmehr jeden Fall auf Verdienste und Leistungen hin prüfen, und
ich würde sagen, daß auf dieser Grundlage - rein auf der Grundlage der Verdienste und Leistungen - einer der zwölf Kabinettsmitglieder wahrscheinlich
ein Republikaner sein wird.
FRAGE:

Anschließend an das, was sie bereits ausgeführt haben - gibt es

so etwas wie eine Liste von Dingen, die Sie in den ersten hundert Tagen Ihrer
Präsidentschaft erledigt sehen möchten?
ANTWORT: Wir werden versuchen, bis zum Zusammentreten des Kongresses im
Januar ein Alternativbudget (zu dem von Präsident Ford unterbreiteten) fertig
zu haben. Wir führen bereits Konsultationen mit den führenden Vertretern der
Haushaltsausschüsse im Repräsentantenhaus und im Senat sowie mit anderen führenden Persönlichkeiten im Kongreß, so daß wir rasche Fortschritte in dem Bemühen machen können, daß das erste Budget meiner Administration eine Antwort
auf die Fragen gibt, die ich aufgeworfen habe,und die Versprechungen einlöst,
die ich gegeben habe.
Aber das ist ein gewaltiges Unterfangen. Eines der Dinge, die wir zu tun
gedenken, ist die Entsendung einer kleinen Arbeitsgruppe in die Büros der republikanischen Kabinettsmitglieder, die dann etwa folgendes sagen werden: "Wir
sind nicht hier, um Ihre Ministerien zu leiten. Wir wollen nur lernen und
fragen, was Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen in den nächsten vier Jahren tun würden, um Ihr Ministerium aktiver, effektiver und wirksamer zu machen. Wir hoffen,
daß Sie mit uns zusammenarbeiten werden". Und ich glaube, daß sie dies tun
werden. So bin ich bereits vorgegangen, als ich zum Gouverneur gewählt worden

�r

worden war, und es hat sehr gut geklappt.

Insbesondere möchte ich, daß die

wichtigsten Beamten mir beim Verständnis helfen, wie ihre Arbeit und der Einsatz ihrer Untergebenen effektiver gestaltet werden kann.
FRAGE: Was gedenken Sie hinsichtlich der Schaffung von guten Beziehungen
zu den führenden Vertretern beider Häuser des Kongresses zu tun?
ANTWORT:

Da ist bereits sehr viel getan worden.

Ich habe Ihnen hier

dargelegt, was ich hinsichtlich der Konsultationen mit dem Kongreß auf dem
Gebiet der Außenpolitik tun werde; und dasselbe gilt für das Gesundheits- und
Sozialwesen, für Steuern und Landwirtschaft.
FRAGE:

Würden Sie die Berater in Studiengruppen zusammenfassen?

ANTWORT:

Unbedingt, Leute von außen!

FRAGE: Sie haben gesagt, daß Ihr Weg zur Reorganisation der Regierung
darin bestehen wird, den Kongreß um exekutive Vollmacht zur Herbeiführung der
Veränderungen zu ersuchen und dem Kongreß ein späteres Veto-Recht einzuräumen.
Wann werden Sie den Kongreß um diese Vollmacht ersuchen?
ANTWORT: Sofort, damit wir mit dem Planen beginnen können. Ich möchte,
daß der Kongreß den Präsidenten anweist, die Exekutive zu reorganisieren, wobei dem Kongreß das spätere Recht des Vetos zu einzelnen Vorschlägen zustehen
soll. Das würde der ganzen Sache gewaltigen Auftrieb geben. Man könnte in
ein Ministerium gehen und sagen: "Das und das wollen wir tun. Das Gesetz
sagt, daß es getan werden muß, und ich bin der Präsident und ich führe die
Anweisungen des Kongresses aus und mein eigenes Versprechen an das amerikanische Volk."
FRAGE:

Wie ließe sich Ihr Weg mit der Hoover-Kommission vergleichen?

(Anm. der Redaktion:

Die Hoover-Kommission wurde im Jahre 1947 eingesetzt

und von dem früheren Prsäidenten Hoover geleitet.
- 5 -

Die überparteiliche Gruppe

�Gruppe untersuchte Wege zur Straffung der Regierung.

Der Kongreß hat später

einioe der vorgeschlagenen Reformen, darunter vor allem die Schaffung eines
Ministeriums für Gesundheit, Erziehung und Sozialfragen, verwirklicht.)
ANTWORT:

Es handelt sich um etwas ähnliches, aber ich werde sehr viel

stärker selbst engagiert sein.
FRAGE:

Wird Ihnen eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die sehr

angesehen ist, helfend zur Seite stehen?
ANTWORT: Ich neige dazu, mehr als nur eine Person heranzuziehen. Ich
werde wahrscheinlich eine Arbeitsgruppe angesehener amerikanischer Bürger einsetzen - sechs bis zehn Leute, die sich hauptamtlich damit beschäftigen, und
ihre Dienste der Nation ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Das sind meine
derzeitigen Vorstellungen. Ich behalte mir das Recht vor, Änderungen (in den
Empfehlungen) vorzunehmen, aber ich möchte der Vorsitzende einer Gruppe sein;
es gilt daran zi: gehen, das weiterzuentwickeln. Es ist ein großes Unterfangen,
und wenn wir eine vom Kongreß und vom Präsidenten isolierte getrennte Kommission
hätten, dann würde ihr das von ihrer potentiellen Stärke, die sie haben muß,
nehmen.
FRAGE:

Wären Sie dann nicht gebunden, die Vorschläge der Kommission

auszuführen?
ANTWORT: Ja, ich wäre dafür verantwortlich. Als ich Gouverneur war,
erklärte ich einer Studiengruppe in Georgia, die sechs Monate lang hauptamtlich (mit der Reorganisation der Regierung) beschäftigt war und der insgesamt
etwa 120 Personen angehörten, daß sie sich keine Sorgen um die Politik machen
sollte. "Lassen Sie uns Empfehlungen ausarbeiten, die für unseren Staat das
Beste sind," so sagte ich. "Aber schwächen Sie keineswegs Ihre Empfehlungen
ab, weil Sie meinen, daß sie nicht durchführbar seien. Wenn wir Streit mit
der Legislative bekommen, dann werden wir uns direkt an die Bevölkerung wenden
und sie die Entscheidung treffen lassen." Und wir hatten in Georgia einen

�einen außerordentlichen Erfolg.

Wenn man das, was vorgeschlagen wird, ab-

schwächt oder sich aus Erwägungen politischer Zweckdienlichkeit dazu zögernd
und zaudernd verhält, dann nimmt man dem gesamten Prozeß viel von seiner
Stärke und Kraft.

Seine Einfachheit, seine Geschlossenheit und Vollständig-

keit, der offenkundige Vorteil der Veränderungen für die Nation - das sind
die Hauptanziehungspunkte, die man hat.

Wenn man die aus politischen Erwä-

gungen vorzeitig preisgibt, dann ist das, was man dem amerikanischen Volk
bietet, bei weitem nicht mehr so attraktiv.
FRAGE:

Werden Sie nach Ihrem Dafürhalten für Ihren Null-Haushaltsansatz

die Billigung des Kongresses brauchen?

(Nach genanntem System muß jede Re-

gierungsstelle beim Haushaltsansatz von Null ausgehen und jeden angeforderten
Cent begründen.)
ANTWORT:

Es ist nicht erforderlich, daß der Kongreß das Verfahren des

Präsidenten zur Ausarbeitung seines eigenen Haushalts billigt,

übrigens

nimmt die Neigung des Kongresses zu einerTechnik der BudgetaufStellung auf
der Nullbasis sehr rasch zu.

Auch das "Sunset-Law" gehört hierher, das ja

de facto dazu führt, daß jedes Programm alle fünf Jahre auf seine Wirksamkeit
überprüft wird.
FRAGE:

Wieviele von den hundert oder mehr Personen, die den Kern Ihrer

Administration bilden werden, haben Sie in Gedanken bereits ausgewählt?
ANTWORT:

Keine.

Ich habe das bewußt vermieden.

sicht gar nicht besonders scheu.

Ich bin in dieser Hin-

Es sind ungefähr 75 Personen, die ich selbst

auswählen werde, und unter diesen 75 Positionen habe ich noch keine einzige
Person für eine bestimmte Position festgelegt.

Ganz gewiß gibt es im Lande

eine Reihe von Leuten, die ich sehr ernsthaft auffordern würde, in die Regierung einzutreten, Gouverneure oder Bürgermeister oder vielleicht auch einige Kongreßmitglieder oder führende Persönlichkeiten der verschiedensten Berufsgruppen.
FRAGE:

�FRAGE:
schließen?
ANTWORT:

Wie lange wird es dauern, um diesen Prozeß einigermaßen abzuDie ersten dreißig Tage?
Das bezweifle ich.

Ich möchte doch sehr sorgsam und vorsich-

tig vorgehen5und im übrigen gibt es nichts, was einen künftigen Außenminister,
auch wenn er noch nicht offiziell nominiert wurde, hindern könnte, sich voll
und ganz an der Ausarbeitung einer künftigen Außenpolitik zu beteiligen. Die'
eigentliche Identifizierung eines Kabinettsmitglieds (nach außen) ist nicht
so wichtig wie die Tatsache, daß mir diese Person beim;Prozeß des Übergangs
hilft.

Ich fühle mich nicht unter Zeitdruck.

FRAGE:

Was hoffen Sie speziell in der Politik gegenüber Südafrika, dem

Nahen Osten und Asien zu erreichen?
ANTWORT: Lassen Sie mich mehr generell als speziell sprechen. Ich hoffe
nach besten Kräften eine Position zu schaffen, in der unser Land der Führer
der Welt ist - nicht auf der Basis militärischer Macht oder wirtschaftlichen
Drucks oder politischer Einflußnahme, sondern auf der Basis der Tatsache, daß
wir in Ordnung und anständig sind; daß wir jedem Land gegenüber, so gut wir
können, eine Position einnehmen, die dem entspricht, was das Beste für die Menschen ist, die dort leben. Ich trete nachdrücklich für eine Mehrheitsregierung
in Rhodesien und in Südafrika ein. Ich habe vor, die Welt das wissen zu lassen.
Zweitens, ich plane, diplomatische Vertreter zu ernennen, die ausgezeichnete Leistungen vorweisen können, und ich werde sie grundsätzlich auf der Basis
ihrer Fähigkeiten und nicht als Belohnung für politische Gunstbezeigungen ernennen. Das ist ein Versprechen, für das ich mein Ehrenwort gegeben habe, und
ich werde es halten.
Eine weitere Sache ist, die Entwicklungsländer als einzelne Länder und
nicht als Block zu behandeln.

Und das würde nicht nur für die Länder Afrikas,

sondern auch für jene in Lateinamerika und Osteuropa gelten.

Ich möchte nach

besten Kräften ein gutes Verhältnis auf den Gebieten des Handels, des Kulturaustauschs, des Studentenaustauschs, des Tourismus und der Auslandshilfe festi-

�festigen. Ich werde dabei mich selbst, die Mitglieder meines Kabinetts und
vielleicht gelegentlich Gouverneure (von Einzelstaaten) und Mitglieder meiner
eigenen Familie als Sonderbotschafter einsetzen, um, wie ich hoffe, eine "Weltordnung" zu erreichen statt Machtpolitik. Weltordnung heißt für mich, den
Frieden zu suchen.
FRAGE:

Das klingt ganz ähnlich wie die Politik Kissingers, nur unter an-

derem Namen?
ANTWORT: Ich habe keinen Aspekt von dem, was ich gesagt habe, gefunden,
der mit dem vereinbar wäre, was Kissinger gesagt hat,
FRAGE: Den Frieden dadurch zu erhalten, indem man anderen Ländern begreiflich macht, daß der Frieden in ihrem eigenen besten Interesse liegt - ist
das nicht in etwa das, was Kissinger sagt?
ANTWORT: Ich glaube, daß in Kissingers Außenpolitik eine Neigung liegt,
die Welt in zwei Machtblöcke aufzuteilen und die Länder beinahe zu zwingen,
Stellung zu beziehen: "Ich bin für die Vereinigten Staaten und gegen die Sowjetunion" oder "Ich bin für die Sowjetunion und gegen die Vereinigten Staaten".
Ich meine,damit nimmt man eine ständig spaltende Haltung in der Weltpolitik ein.
Ich will versuchen, von dieser Haltung wegzukommen und mit anderen Ländern auf
individueller Basis zu verkehren - nach der Überlegung, was für ihre eigene
Bevölkerung gut ist. Ich möchte sie nicht zwingen, zwischen uns (und der Sowjetunion) zu wählen, sondern sie sollen unser Land wählen, weil unser System am
besten funktioniert und weil ihr Handel mit uns und ihr offenes Gefühl für uns
in ihrem eigenen Interesse lägen/
FRAGE:

Sie werden mit ausländischen Staatsmännern in persönlichen Kon-

takt treten müssen?
ANTWORT:

Jawohl, ich werde das sofort tun, vor allem mit den Führern der

wichtigen Nationen.

Ich bin von vielen von ihnen eingeladen worden, entweder
- 9 -

�)

entweder in ihr Land zu kommen - oder sie zu einem Besuch hier zu empfangen.
Aber ich habe absichtlich bis nach den Wahlen gewartet*
das Beste.

Ich meine das war

Aber ich werde den Kontakt zur Sowjetunion, der Volksrepublik

China, den wichtigen europäischen Ländern und Kanada und Mexiko herstellen.
FRAGE:

Sie haben wiederholt gesagt, daß Sie in der ersten Woche im Amt

eine allgemeine Amnestie für Wehrdienstverweigerer im Vietnamkrieg verkünden
wollen.

Werden Sie dieses Versprechen einlösen?

ANTWORT:

Ich werde alle meine Versprechen einlösen»

FRAGE: Das wird vermutlich gleich nach Ihrer Amtsübernahme einen hohen
Vorrang haben?
ANTWORT:

Das ist richtig.
i

FRAGE: Manche Leute haben Ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht, daß sie
in Ihrem politischen Denken einen Hang zur Gleichmacherei entdeckt hätten.
Wie stehen Sie zu der Frage der Gleichheit im Gegensatz zur Initiative des Einzelnen?
ANTWORT: Ich hege keine Neigung, eine homogene Gesellschaft herbeizuwünschen, in der jemand, der stark oder begabt oder hervorragend ist - oder
auch nur Glück hat - bestraft wird und seiner Existenz - ich meine jetzt seine
finanzielle Existenz - beraubt wird und diese unter jene verteilt wird, die
weniger hoch veranlagt sind. Ich möchte keine Steuersätze mit Strafcharakter
für die oberen Einkommen, aber ich werde weiterhin Mittel und Wege suchen, um
sicherzustellen, daß diejenigen, die unterprivilegiert sind, die chronisch arbeitslos sind, deren Familien unter früheren Diskriminierung zu leiden hatten,
in den Prozeß der Regierung und des privaten Lebens eingegliedert werden.
Ich glaube,diejenigen, die in der Regierung Entscheidungen treffen, und
diejenigen, die mit Einfluß gesegnet waren, sind wohl kaum jene gewesen, die zu
leiden hatten, wenn die Regierung einen Fehler gemacht hat. Ich möchte, daß
- 10 -

�daß wir davon abkommen, und ich glaube, die Mächtigen im Lande möchten das
auch.

Es muß nicht sein, daß die großen Gauner frei ausgehen - sie kommen

niemals ins Gefängnis - und daß der Durchschnittsamerikaner, der ein Gesetz
übertritt, sehr viel eher ins Gefängnis wandert.

Das ist nicht in Ordnung;

das ist nicht fair und das ist nicht anständig.
Es gibt noch immer unfaire Unterschiede. Es gibt sie noch immer im
Steuersystem. Es gibt sie noch immer bei den Berufschancen, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche. Selbst wenn der Kongreß ein Gesetz verabschiedet,
das ausdrücklich der Unterstützung der Armen dienen soll, dann gehen die aufgewandten Steuergelder oft eher an die wohlhabenderen Menschen, an die besser
organisierten, an jene, die sich besser vernehmlich machen können, die die
komplizierten Bestimmungen der Gesetze besser begreifen, die sich besser darauf
verstehen, Zuwendungen einzuheimsen. Ich möchte sicherstellen, daß dieser
Trend umgekehrt wird. Ich glaube, ich kann meine Anliegen dem amerikanischen
Volk mit Gesprächen am Kamin und ähnlichem durchaus nahebringen, und es wird
sicherlich eine breite Unterstützung für Veränderungen geben.

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22/1976

NEUE US-NUKLEARPOLITIK VERLANGT KONZERTIERTE AKTION
Von Nick Harrison

- (AD) - Für die Durchführung der von Präsident Ford angekündigten
neuen Nuklearpolitik der Vereinigten Staaten sind besondere Maßnahmen und
Aktionsprogramme verschiedener staatlicher Stellen erforderlich:
Auf internationaler Ebene soll, so beschloß Präsident Ford, durch beschleunigt vorgetragene diplomatische Initiativen in Zusammenarbeit mit
nuklearen Liefer- und Käuferländern versucht werden, die Kontrolle der Technologie zu erreichen, die für die Abtrennung von Plutonium von nuklearen
Abbrandelementen notwendig ist.

Plutonium, das aus Reaktor-Abfallprodukten

mit chemischen Methoden einer mehreren Nationen zugänglichen Technologie
extrahiert werden kann, ist sowohl für weitere Energieproduktion als auch
für die Herstellung von Waffen verwendbar.
Für die Vereinigten Staaten selbst hat Präsident Ford die amerikanische
Politik hinsichtlich der Aufarbeitung von Kernbrennstoff zur Plutoniumgewinnung geändert und betont, die Gefahr einer weltweiten Verbreitung von Kernwaffen sei so groß geworden, daß ein mindestens dreijähriges Moratorium für
die technologische Weiterentwicklung erforderlich sei.
Mit der Durchführung des neuen Planes Präsident Fords für die Nuklear-

�8
Nuklearpolitik, der am 28. Oktober 1976 bekannt gegeben wurde, sind der
Außenminister und der Leiter der amerikanischen Behörde für Energieforschung
und Entwicklung (ERDA - U.S. Energy Research and Development hdministration)
beauftragt.

Jeder von ihnen hat dabei, ebenso wie der Präsident selbst, eine

besondere Rolle zu übernehmen.

Auch der amerikanische Kongreß, die Wirt-

schaft und Industrie der USA, internationale Kontrollbehörden und die Regierungen vieler anderer Länder sind eingeschaltet.
Der Leiter der ERDA hat die vordringlichste Aufgabe zu erfüllen - die
Revision der Politik und der Programme seiner Behörde, welche bisher auf der
Voraussetzung basierten, daß in den Vereinigten Staaten die Plutoniumaufbereitung auch weiterhin betrieben werde.

Die Behörde wird umgehend die Privat-

wirtschaft zur Ausweitung der Lagereinrichtungen für Abbrandelemente ermutigen,
die andernfalls zur Gewinnung von Plutonium aufbereitet worden wären.

Präsi-

dent Ford hat die ERDA angewiesen, bis 1978 Demonstrationsprogramme für alle
Phasen der nuklearen Entsorgungstechnik aufzustellen und bis 1985 eine Anlage
für die Endlagerung von kommerziellen hochaktiven Rückständen fertigzustellen.
m

Als Alternative zur Plutonium-Extraktion wird die ERDA die Möglichkeiten
einer Wiederverwendung von Kernbrennstoff für die Energieproduktion unter Verzicht auf die Abtrennung des Plutoniums vom Abbrandmaterial erforschen. Jedoch müssen nach Weisung Präsident Fords alle Verfahren, die in diesem Zusammenhang untersucht werden, mit internationalen Zielsetzungen vereinbar sein.
Wie der Präsident in seiner Erklärung zur Nuklearpolitik ausführte, könne
keine Nation, auch nicht die Vereinigten Staaten, wirklich hoffen, von sich
aus die Verbreitung der Aufbereitungstechnik und die hieraus resultierende
Verfügbarkeit von Plutonium wirksam unter Kontrolle zu bringen. Er appellierte
an alle Nationen, "maximale Zurückhaltung" in der Weitergabe der Technik der
Plutoniumgewinnung und von Ausrüstungen zur Abfall-Aufbereitung während der
Drei-Jahres-Frist zu üben, die die Vereinigten Staaten einhalten wollen.
Bei den Bemühungen auf diplomatischer Ebene zur Kontrolle einer Kernwaffen-Pro! iferation, gleichzeitig aber auch zur Deckung des Weltbedarfs an^
- 2 -

�an Kernenergie, kommt dem Außenminister eine wichtige Aufgabe zu.

Er lei-

tete bereits einen Konsultationsprozeß ein, bei dem die Länder, die Kernbrennstoff liefern, über die neue Politik informiert wurden, noch ehe die
Öffentlichkeit davon erfuhr.

Lieferländer werden auch künftig dringend er-

sucht, ihre Abnehmer mit Kernbrennstoff, nicht aber mit technischen Informationen und Ausrüstungen zu versorgen,

die zur Produktion von Waffen benutzt

werden könnten.
Der Außenminister wurde im Rahmen der Politik Präsident Fords ermächtigt,
weiterhin Verhandlungen und Konsultationen zu führen, um:
- die Möglichkeiten für koordinierte Anstrengungen mit dem Ziel zu sondieren, daß die Belieferung mit sicheren und wirtschaftlichen Kernbrennstoffen
weltweit gewährleistet wird;
- multinational kontrollierte Lagerzentren für überschüssiges Plutonium
aus nicht-militärischen Einrichtungen und für Reaktor-Abbrandelemente zu
schaffen;
- verbesserte technische Sicherheitsnormen für nukleare Anlagen zu entwickeln und anzuwenden;
- bestehende Abkommen mit den neuen amerikanischen Kriterien und etablierten internationalen Richtlinien in Einklang zu bringen.
- gemeinsam mit der Nuklearen Aufsichts- und Lizenzbehörde der USA
(NRC - Nuclear Regulatory Commission) darauf hinzuarbeiten, daß die Kontrollen
der Nicht-Weiterverbreitung im Zusammenhang mit Exportgenehmigungen noch stärker betont werden;
- andere Nationen zur Teilnahme an der Ausarbeitung eines Programms zur
Begutachtung von Aufbereitungsverfahren einzuladen.
Der
- 3 -

�f

I
Der Außenminister und der Leiter der ERDA wurden außerdem beauftragt,
gemeinsam mit anderen Nationen alles daran zu setzen, um dem Sicherheitsprogramm der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) mehr Gewicht zu
verschaffen.
(

Präsident Ford erklärte, er werde sich um die Zustimmung des amerikanischen Kongresses zu Gesetzen bemühen, die die Ausweitung der Kapazitäten
der Vereinigten Staaten für die Produktion von angereichertem Uran erlauben
und die Rolle des Landes als zuverlässiger Lieferant von Kernbrennstoff stärken.

Der Präsident ist auch dafür verantwortlich, daß auf Verletzungen von

Sicherheitsabkommen mit den USA als Partnerland entsprechend reagiert wird.
Zu der von Präsident Ford skizzierten umfassenden und vorausschauenden Politik
der Vereinigten Staaten in bezug auf nukleare Hilfsquellen gehören spezielle
Schritte seitens offizieller Vertreter der USA und anderer Nationen, damit
der Bedarf an Nuklearenergie weltweit gedeckt, gleichzeitig aber nicht unnötig die Proliferation von Kernwaffen riskiert wird.

-

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22/1976

ROSALYNN CARTER
Die künftige First Lady der USA

Die künftige First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika, Rosalynn
Smith Carter, wurde im Jahre 1927 als Tochter der Eheleute Allie Murray und
Edgar Smith in dem Landstä'dtchen Plains im Südwesten des Staates Georgia geboren.
Hier ging sie zur Schule - zusammen mit Jimmy Carter, ihrem späteren
Mann.

Sie besuchte anschließend das Georgia Southwestern College in Americus

im Staate Georgia, das sie 1946 mit dem Abschlußexamen verließ.

In diesem

Jahre beendete auch Jimmy Carter seine Ausbildung an der amerikanischen Marineakademie und heiratete im Sommer Rosalynn.
Die folgenden sieben Jahre, in denen Carter aktiv in der amerikanischen
Marine diente, führten das Paar weit in der Welt herum. In dieser Zeit wurden
ihnen drei Söhne geboren: Jack (1947), Chip (1950) und Jeff (1952). Ihr
viertes Kind, Tochter Amy, wurde 1967 geboren.
Im Jahre 1953 kehrten die Carters in ihre Heimatstadt Plains zurück und
eröffneten ein kleines Geschäft für Saatgut und Düngemittel.

Rosalynn führte

die Bücher, während ihr Mann das eigentliche Geschäft und die vom Vater über- 1 -

�übernommene Erdnußfarm leitete.

Es gelang den Carters,das Geschäft zu einem

ertragreichen Unternehmen auszubauen, das die Farmer des umliegenden Kreises
mit landwirtschaftlichem Bedarf belieferte.
Im Jahre 1962 wurde Jimmy Carter in den Senat des Staates Georgia gewählt, ein Amt, das er zwei Legislaturperioden hindurch bekleidete.
mit begann für Rosalynn der Eintritt in das politische Leben.

Und da-

Nach einer in-

tensiven Kampagne wurde Carter dann im Jahre 1970 zum Gouverneur des Staates
Georgia gewählt.

Mit der gleichen Energie und dem unermüdlichen Einsatz, mit

dem Jimmy Carter seine Wahlkampagne geführt hatte, war seine Frau auf der politischen Bühne für ihn eingetreten und hatte in der Zeit des Wahlkampfs überall im Staate Georgia für ihren Mann geworben.
Als Frau des Gouverneurs und First Lady des Staates Georgia setzte sich
Mrs. Carter mit großer Hingabe für die Sache der geistig Behinderten und
seelisch Kranken ein, ein Gebiet der Krankenfürsorge, für das sie schon immer
ein besonderes Interesse gehabt hatte.

Sie besuchte die entsprechenden Pflege-

einrichtungen und -anstalten des Staates Georgia und arbeitete eine Zeitlang
als Freiwillige im Bezirkskrankenhaus in Atlanta.
Außerdem übernahm sie den Ehrenvorsitz für das vom Staate Georgia für
die Sonder-Olympiade behinderter Kinder aufgestellte Team und begleitete dieses
zu den Spielen nach Kalifornien im Jahre 1972. Sie arbeitete auch im Ausschuß
des Gouverneurs für die Verbesserung der Betreuung der geistig Behinderten und
seelisch Kranken im Staate Georgia mit.
Ein vom Verkehrsministerium des Staates Georgia eingeführtes Programm
zur Verschönerung der Straßen fand in der Frau des Gouverneurs eine aktive
Fürsprecherin und energische Mitarbeiterin.
Als im Jahre 1975 die Amtszeit Carters als Gouverneur endete, zogen er
und seine Frau Rosalynn mit der siebenjährigen Tochter Amy zurück nach Plains.
Sie gehören hier der Baptistengemeinde von Plains an.
Am
- 2 -

�i

Am 20. Januar begann Carter dann seine Kampagne um die Nominierung
zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten und die Wahl zum amerikanischen
Präsidenten mit der aktiven Mithilfe seiner Frau.

- 3 -

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22/1976

AMERIKANISCHE BETEILIGUNG AUF DER KÖLNER INTERNATIONALEN HAUSRATSMESSE 1977

Ab Januar 1977 öffnet das neue U.S. International Marketing Center in
Köln seine Tore, um - unter anderem - in verstärktem Maße die Beteiligung
amerikanischer Hersteller an großen deutschen und anderen europäischen Messen
zu fördern.
Die erste Ausstellung, an der sich unter der Schirmherrschaft des U.S.
International Marketing Centers etwa 30 Firmen aus USA beteiligen, ist die
Internationale Hausratmesse in Köln vom 12. bis 14. Februar 1977.
Der amerikanische Gemeinschaftsstand bietet unter anderem Haushaltmaschinen und -gerate aller Art, Küchengeräte, die vornehmlich der Arbeitsersparnis dienen, Reinigungsgeräte und -materialien, Kleinmöbel und Korbwaren,
Schneidgeräte, Bestecke und Feinmetallwaren.

Darüber hinaus wird alles zu

sehen sein, was zu einer kultiviert gedeckten Tafel gehört; außerdem Geschenkartikel sowie diverse Gegenstände aus dem Bereich Kunst und Handwerk.
Wenngleich der amerikanische Marktanteil auf diesem Sektor in Deutschland bisher noch sehr gering ist, so rechnen sich die Hersteller dennoch gute
Absatzchancen für ihre Produkte aus.

In den 23,7 Millionen Haushalten der Bundes-

republik wurden 1975 rund 9 Milliarden DM für Hausrat ausgegeben; und dieser Markt

�Markt soll sich in den kommenden 3 Jahren jährlich zwischen 3 und 5 Prozent
steigern.
Weitere Informationen und komplette Programme über das Angebot des USGemeinschaftsstandes bis Januar 1977 noch durch:
US-Handelszentrum Frankfurt am Main
Bockenheimer Landstraße 2-4
6000 Frankfurt am Main
Tel.: 72 08 Ol
Ab Mitte Januar durch:
US-International Marketing Center
ABC-Haus
Bahnhofstraße 9-11
5000 Köln

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22/1976

DIE AMERIKANISCHE HANDELSPOLITIK: RÜCKBLICK UND VORAUSSCHAU
Von Botschafter Frederick B. Dent
Mit freundlicher Genehmigung von THE INTERNATIONAL ESSAYS FOR
BUSINESS DECISION
(c) 1976 The Annual International Trade Conference of the Southwest

Als Sonderbeauftragter des Präsidenten
für Zoll- und Handelsverhandlungen und
früherer Handelsminister der USA gehört
Botschafter Dent zu den führenden Gestaltern der amerikanischen Handelspolitik.
Vor seinem Eintritt in den Regierungsdienst hatte Dent, der in New Jersey geboren ist und an der Yale-Universität
studierte, leitende Positionen in der
Wirtschaft inne.

Eine 200-Jahr-Feier ist, wie jedes Jubiläum, der rechte Zeitpunkt zu
einer Überprüfung und - wie zu hoffen - zu einem erneuten Bekenntnis zur eigenen geschichtlichen Vergangenheit. Es ist aber zugleich auch der Zeitpunkt,
den Blick nach vorn zu richten und die Zukunft zu bedenken. Wenn wir in diesem
Jahr die Amerikanische Revolution feiern, so denken wir auch über die Veränderungen nach, die zwei Jahrhunderte der Erfahrungen uns gebracht haben,und wel- 1 -

�welches Rüstzeug uns diese Veränderungen für eine nur allzu ungewisse Zukunft
geben - mit anderen Worten,wir machen uns Gedanken über die amerikanische Revolution.
In keinem Bereich des wirtschaftlichen Lebens unserer Nation hat der Prozeß der Evolution eine größere Signifikanz gehabt als in der Bedeutung, die der
Außenhandel für uns einnahm.

Um seine Signifikanz in die richtige Perspektive

zu rücken, ist ein kurzer Blick auf den zurückliegenden Geschichtsverlauf von
Nutzen.

Der Handel war natürlich das Lebenselement, ja das Herzblut der Ameri-

kanischen Kolonien - wie es die Bostoner Tea Party so dramatisch bezeugte.

Die

schnellen amerikanischen Segler - die Yankee Clippers - waren in dem nachfolgenden dreiviertel Jahrhundert die Träger des amerikanischen Wohlstands.
Dann kam die große Wende zum Westen, der Vorstoß in ein Landgebiet von
kontinentalem Ausmaß und die Entdeckung und Erschließung unserer reichsten Lager
an Bodenschätzen.

Nachdem

die industrielle Revolution Amerikas den Bürger-

krieg und den Ersten Weltkrieg durchstanden hatte, wandte sich das Interesse in
unserem Lande ganz nach innen, und der legendäre "Yankee Trader" war zum "SmootHawley Protektionisten" geworden.

Das war der erste Wendepunkt für die amerika-

nische Handelspolitik.
Auf ihn folgte - wenn wir bei unserem kurzen Abriß der Entwicklungen bleiben - der zweite und fundamentale Wendepunkt in unserer nationalen Einstellung
zum Außenhandel. Mit dem Programm gegenseitiger HandelsVereinbarungen von 1934,
das in den Krisen und Wirren einer weltweiten Rezession als Gesetz verabschiedet
wurde, setzten wir den Kurs fest, auf dem wir im Verlauf eines knappen Jahrzehnts
zur mächtigsten Industrienation der Welt werden sollten - ein Kurs, der fest auf
eine noch größere Expansion und Liberalisierung des Welthandels ausgerichtet war.
Meine These ist, daß wir diesen Kurs im Verlauf der letzten 42 Jahre - das
heißt in einem Zeitraum, der mehr als ein Fünftel unserer gesamten Geschichte
als Nation ausmacht, im Grunde nicht geändert haben. Wir haben Rezessionen, den
Zweiten Weltkrieg und verschiedene regionale Kriege durchgestanden, wir haben die

�»

die umwälzendsten Veränderungen dramatischster Art in der Wissenschaft und
der Weltpolitik erlebt und wir haben in sechs großen multilateralen Handelsverhandlungen nach dem Zweiten Weltkrieg an einer Handelspolitik festgehalten,
die einen gewaltigen Beitrag nicht nur zu unserem eigenen wirtschaftlichen
Wachstum und unserer Wirtschaftsstärke

geleistet

hat, sondern auch zu der der

Staaten in Westeuropa, zu der Kanadas und Japans und - wenn auch in geringerem
Maße - zu der der Entwicklungsländer in Lateinamerika, Asien und Afrika.
Jetzt sind wir auf dem Weg, die fraglos zweitschlimmste weltweite Rezession in der Geschichte zu überwinden, die für die Staaten nicht nur hohe
Arbeitslosenziffern und Marktschrumpfungen brachte, sondern auch eine Verfünffachung der Energiekosten, durch die eine verheerende Inflation angefacht wurde.
Und was bekommen wir jetzt über einen freieren Handel zu hören? Was hält
die Welt von den hochherzigen Prinzipien der Deklaration von Tokio des Jahres
1973, die unsere derzeitige siebente Runde der multilateralen Handelsgespräche
in Gang setzte - Prinzipien, die erneut bekräftigt und beteuert wurden in der
Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), auf
dem Wirtschaftsgipfel der Industrienationen in Rambouillet und im Neunziger-Ausschuß für Handelsverhandlungen der Tokio-Runde in Genf?
Wir hören, daß die Welt, geführt von den Vereinigten Staaten, im Begriff
stehe, zu dem alten, nur das Eigeninteresse

berücksichtigenden Handelsprotek-

tionismus der zwanziger und dreißiger Jahre zurückzukehren, der nach Ansicht
vieler Fachleute und Historiker wesentlich zur Großen Depression und zum Zweiten
Weltkrieg beigetragen hat, wenn nicht sogar die eigentliche Ursache war.
Wenn diese Behauptungen auch glücklicherweise nicht den Tatsachen entsprechen, so bleibt doch die sehr ernsthafte Frage, warum sie in der Welt gerne
geglaubt und als gültig akzeptiert werden.

Warum hat sich ein solcher Pessi-

mismus ausgebreitet? Wo liegen seine Wurzeln?
Man
- 3 -

�A

Man muß offen zugeben, daß es vielfache Ursachen dafür gibt.

Niemand

kann die Tatsache leugnen, daß sich beinahe jeder Staat in der Welt auf Grund
der internationalen Rezession einem wachsenden protektionistischen Druck ausgesetzt sieht.

Es ist auch richtig, daß die Handelsverhandlungen der Tokio-Runde

in Genf keinen dramatischen Fortschritt erbracht haben und daß sie nicht - wie
ursprünglich vorgesehen - Ende 1975 erfolgreich abgeschlossen werden konnten.
Von einigen Ländern wurden außerdem im Verlauf der letzten 12 bis 18 Monate Maß
nahmen auf dem Gebiet des Handels getroffen, die weitaus restriktiver sind, als
man es sich hätte wünschen können.
Da sich die Kritik vor allem gegen die Vereinigten Staaten richtet, ist
es wichtig,hier nach der Antwort zu suchen.
Eine Hauptursache für das Befremden und die Besoronis liegt in dem völlig
falschen Verständnis des Handelsgesetzes von 1974, das doch die wesentliche
Basis für unsere Teilnahme an der Tokio-Runde und die Verhandlungen selbst bietet.
Die Schwierigkeit ist, daß dieses Handelsgesetz allzu vielen Leuten immer
gerade als das erscheint, was es ihrem Wunsch nach sein sollte oder wofür sie
es jeweils aus ihrer spezifischen Sicht halten.
Die durch dieses Gesetz der Exekutive erteilte Vollmacht für Verhandlungen ist so groß wie noch nie in der amerikanischen Geschichte und durchaus beeindruckend. Es ist jedoch keineswegs so etwas wie eine Lizenz für freie Jagd,
mit der man automatisch alle noch verbliebenen tarifären und m'chttarifären
Handelsschranken, die auf der Welt und im eigenen Land existieren, abschließen
könnte.
Es ist bezeichnend, daß eines der Hauptanliegen dieses Gesetzes in der
Behebung von Mißständen und der Behandlung von Beschwerden auf dem Gebiet des
Binnenhandels liegt - wozu auch die Liberalisierung der Anwendungsweisen der
sogenannten "Ausweichklausel" zur Importentlastung gehört; ferner die Festset- 4 -

�Festsetzung kürzerer Fristen für die Behandlung von Beschwerden auf dem Gebiet
des Binnenhandels durch die Exekutive sowie die Aufstellung des Begriffs der
"Vernünftigkeit" und Fairness und der Auswirkungen und Legalität der Außenhandel spraktiken.

All dies aber reicht nicht aus, um eine Kritik dieses Gesetzes

als "protektionistisch" zu rechtfertigen.
Will man also die wahre Bedeutung des Handelsgesetzes verstehen, so
ist es nützlich, sich eine Reihe historischer Fakten vor Augen zu führen.
Einmal hat sich in unserem Lande seit vielen Jahren immer mehr die übereinstimmende Meinung herausgebildet, daß alle unsere internationalen Verhandlungen, wozu auch die Verhandlungen auf dem Gebiet des Außenhandels gehören,
weitaus mehr von

Erwägungen der Außenpolitik als von unseren innenpolitischen,

vor allem auch unsere"! nationalökonomischen Interessen bestimmt gewesen seien.
Was nun die Handelspolitik anbetrifft, so spezifiziert sich hier die allgemeine Überzeugung dahingehend, daß wir die legitimen Beschwerden unserer eigenen Industrie und Arbeiterschaft in bezug auf den Handel nicht angemessen
berücksichtigt hätten,als die traditionelle Hürde der Einfuhrzölle wesentlich
gesenkt wurde, nur um durch üppig ins Kraut schießende sogenannte nichtzollursächliche Handelsschranken ersetzt zu werden, zu denen auch so schwer zu
identifizierende und in den Griff zu bekommende Praktiken gehören

wie Re-

gierungsinterventionen in Form von Importquoten, Beschaffungspraktiken, Exportsubventionen, variable Importsteuern, Präferenzen bei Zoll- und Exportkontrollen.
Diese allgemeine Ansicht entwickelte sich unabhängig von dem Platz, den
Amerikas Exporte im internationalen Handel einnahmen,oder der Tatsache, daß
Amerika in fast allen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wachsende und beständige Handelsüberschüsse erzielte.

Die Wiedererstarkung anderer Industrienationen,

ihre wachsende Konkurrenzfähigkeit auf den amerikanischen Exportmärkten und
schließlich die zunehmende Schwäche des amerikanischen Dollar auf den internationalen Devisenmärkten bestärkte und verschärfte diese Auffassung in unserem
Lande.
Sieht
- 5 -

�Sieht man sie im Zusammenhang mit dem ölembargo und der daraus resultierenden weltweiten Rezession,dann sind diese Züge von Eigeninteresse in unserem Handelsgesetz eigentlich weit weniger überraschend als die Tatsache,
daß die nun wahrhaft protektionistische Burk-Hartke-Gesetzesvorlage in vier
Sitzungsperioden des Kongresses scheiterte.
Es ist nun eben einmal eine Tatsache, daß die Vereinigten Staaten, was
den Außenhandel anbetrifft, nicht in die Vorkriegsmentalität zurückgefallen
sind, genauso wenig wie unsere tragische Erfahrung in Vietnam uns dazu bewogen hat, für einen politischen und diplomatischen Isolationismus zu stimmen.
In einfachen Worten gesagt, jetzt, da wir die Niederlage verspürt haben,
sind wir uns der Tatsache bewußt geworden, daß andere imstande sind zu siegen
- oder in der Sprache des Außenhandels ausgedrückt: daß wir anderen industriell
entwickelten Nationen nicht länger helfen müssen, das Ziel eines Konkurrenzvorteils zu erreichen.

Die meisten von ihnen sind an diesem Ziel längst ange-

kommen .
Das bedeutet nicht, daß wir als Handelsnation unsererseits die Konkurrenzfähigkeit verloren hätten.

Ganz im Gegenteil, seit wir 1971 den Dollar abge-

wertet haben, sind wir auf dem Weltmarkt wieder mit ganz erheblicher Vehemenz
in Erscheinung getreten, wie es der Handelsüberschuß des letzten Jahres in Rekordhöhe von 3,8 Milliarden Dollar beweist.
Wie hat sich nun vor diesem Hintergrund gesehen die amerikanische Handelspolitik seit der Verabschiedung der Handelsgesetze entwickelt?
Hier wäre als erstes Element der vermehrte Anteil des privaten Sektors
und die Beteiligung des Kongresses an der Formulierung der amerikanischen Handelspolitik und den Verhandlungspositionen bei multilateralen Verhandlungen
hervorzuheben.
Dies

�Dies, wie die liberalisierten Verfahren für die Behandlung von Beschwerden des Binnenhandels, wurde bewußt in das Gesetz als Moment des Ausgleichs
und Gegengewichts im besten Sinne der amerikanischen Tradition eingearbeitet.
Allzuoft vergessen wir, daß Artikel II der Verfassung der Exekutive die Führung
der Außenpolitik überträgt, die Regelung des Außenhandels aber der Legislative
vorbehält.
Seitdem im Jahre 1934 die ersten Handelsvereinbarungen Gesetz wurden,
hat der Kongreß die Vollmacht zur Aushandlung internationaler Handelsabkommen
an die Exekutive delegiert. In dem Gesetz von 1974 gewährte der Kongreß eine
größere Vollmacht als je zuvor, schrieb aber in diesem gleichen Gesetz auch
spezifische und klar definierte größere Rollen sowohl für den Kongreß als auch
für den privaten Sektor - für Industrie, Landwirtschaft, Arbeitnehmer, Einzelhandel, Dienstleistung und Gewerbe und Verbraucher - bei der Formulierung und
Billigung der Durchführung dieser Vollmacht vor.
Zehn designierte Kongreßvertreter aus dem Finanzausschuß des Senats und
dem Ha'jshaltsausschuß des Repräsentantenhauses sowie ein Stab von Beratern
und 882 Männer und Frauen, die als private Bürger in 45 Beratergruppen sitzen,
repräsentieren das erwähnte breite Spektrum,und sie alle haben jetzt eine festumrissene Rolle bei der Entwicklung der amerikanischen Handelspolitik und der
Verhandlungspositionen gemäß dem neuen Handelsgesetz.
Das sind einige der Elemente, die die Öffentlichkeit gerne übersieht
oder mißversteht, wenn sie im Jahr des 200jährigen Bestehens der USA die amerikanische Außenhandelspolitik beurteilt.
Unsere Handelspolitik hat sich nicht geändert: ihre Gestaltung und Durchführung hat sich aus einer Sache der einsamen Beschlüsse einiger weniger Fachleute zu einer öffentlichen Angelegenheit entwickelt.
Das läßt noch immer die Frage offen: Ist Amerika protektionistisch geworden?
Um
- 7 -

�•

Um diese Frage zu beantworten, sollten wir einmal die Tatsachen überprüfen.

Bei den über 100 Beschwerde-Petionen, die im Rahmen des Handelsge-

setzes eingereicht wurden, um Schutz vor Importen zu erhalten oder unfaire
oder ungesetztliche Außenhandelspraktiken abzuwehren, ist folgender Stand zu
berichten:
Abgeschlossen sind 51 Fälle.

Von diesen haben acht zur Einführung von

Einfuhrbeschränkungen geführt - fünf zu Ausgleichszöllen und zwei zu Strafen
wegen Dumping; 45 Fälle wurden ohne restriktive Maßnahmen abgeschlossen.

Rund

50 Fälle sind noch anhängig; bei elf davon liegen positive Beweise vor, es
wird jedoch noch mit den entsprechenden Handelspartnern verhandelt.

Die üb-

rigen Fälle sind noch nicht in das Entscheidungsstadium eingetreten.
Selbst wenn man davon ausgeht, daß es bei den acht Fällen, über die noch
international verhandelt wird, zu Importrestriktionen kommen sollte, so bedeutet
das immer noch, daß bei weniger als zwei von zehn solcher Beschwerden restriktive Maßnahmen ergriffen werden

und daß in über der Hälfte dieser Fälle mit

unseren Handelspartnern darüber verhandelt wird.
Diese Fälle werden im Rahmen eines komplizierten interministeriellen
Verfahrens geprüft - wobei oft bis zu elf Ministerien und Bundesbehörden beteiligt sind - bis das Kabinett dem Präsidenten die entsprechenden Empfehlungen
unterbreitet. Bei der Gestaltung unserer Außenhandelspolitik kommen also alle
relevanten Faktoren zum Tragen,und alle Beteiligten - Unternehmer, Arbeitnehmer
und Verbraucher - werden gehört.
Unsere größten Hoffnungen setzen wir auf die multilateralen Handelsverhandlungen in Genf, wenn es gilt,langfristige Lösungen für derzeitige Probleme
des Managements des Handels zu finden und zu einer dauerhaften Verbesserung des
internationalen Handelssystems zu gelangen - zu einem Handelssystem, das mit
dem wachsenden Umfang des Welthandelsvolumens mit möglichst wenig Einschränkungen fertig werden kann.
Amerika
- 8 -

�Amerika selbst hat ein wachsendes Interesse an diesem Handel, der an
diesem jüngsten Wendepunkt unserer Geschichte als Handelsnation zum bedeutsamsten Faktor werden konnte.

Obwohl wir dem Volumen nach schon lange die

größte Handelsnation der Welt sind, so wird der Handel heute immer mehr zu
einer lebenswichtigen Angelegenheit für die amerikanische Wirtschaft.

Nicht

nur unsere Exporte haben sich in den letzten Jahren auf einen Stand von 100
Milliarden Dollar verdoppelt, auch der Anteil dieses Handels am Bruttosozialprodukt hat sich von 4 Prozent auf 8 Prozent verdoppelt. Und was noch wichtiger
ist, rund 16 Prozent unserer Gesamtproduktion fließen in den internationalen
Handel - ein Prozentsatz,wie er für die Weltproduktion insgesamt zutrifft.
Einfuhren von kritischen Rohstoffen gewinnen immer mehr Bedeutung für unsere
Stärke und Sicherheit im eigenen Lande.
Wenn wir auf das vor uns liegende dritte Jahrhundert unserer Geschichte
blicken, dann sehen wir Amerika als ein Land, das sich keineswegs vom internationalen Wettbewerb weg nach innen wendet, sondern das eine immer wichtigere
Führungsrolle im internationalen Handel spielen wird. Wir laden unsere Handelspartner ein, sich zusammen mit uns an die oft langsame und mühselige, aber
lebenswichtige Aufgabe zu machen, einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen
sich alle Nationen der wichtigen Vorzüge eines freieren und faireren internationalen Handels erfreuen können.

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22/1976

US-WISSENSCHAFTLER WOLLEN VERANTWORTUNGSBEWUSSTE FORSCHUNG
Selbstbeschränkung und Kontrolle bei genetischen Experimenten
Straffung internationaler Programme für künftige Nahrungs-,
Wasser- und Energieversorgung

- (AD) - Eine Kommission zur Überwachung und Gewährleistung von Sicherheitsmaßnahmen bei Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Gen-"Transplantation"
und Neukombination von Genen aus DNS-Molekülen, die von Organismen nicht-verwandter Art stammen, hat Anfang Oktober 1976 die amerikanische Stanford-Universität (Kalifornien) eingesetzt.
senschaftler der Fachrichtungen

Dem 12köpfigen Gremium gehören sechs Wis-

Biochemie, Pharmakologie, Medizin und Patholo-

gie an, von denen jedoch nur drei an Projekten der Gen-Kombination arbeiten.
Weitere Mitglieder sind ein Ingenieur als Spezialist für den Bau und Betrieb
sicherer Forschungseinrichtungen, ein Jurist, ein Theologe sowie je ein Vertreter der Universitätsverwaltung, der Öffentlichkeit und der Studentenschaft.
Den Vorsitz führt Dr. Allan M. Campbell (47), Professor der Mikrobiologie und
Genetik; er befaßt sich allerdings nicht mit Gen-Transplantation.
Das Verfahren der DNS-Rekombination, das es ermöglicht, gezielt Gene
aus dem Erbmaterial eines Organismus zu entnehmen und sie in Chromosomen eines
anderen Organismus einzubauen, ist in der Genetik umstritten.

-l -

Meist werden

�t

werden Bakterien als Empfänger-Organismen verwendet, um die Organisation komplexer Chromosomen zu studieren.

Die Forschung könnte auf diese Weise Mög-

lichkeiten schaffen, um beispielsweise durch das Einfügen bestimmter Gene in
die DNS leicht zu züchtender Bakterien

regelrechte "Bakterienfabriken" aufzu-

bauen, die medizinische Substanzen wie Insulin, Hormone oder Antibiotika synthetisieren.

Diese Technik könnte auch, wie ihre Befürworter sagen, z.B. für die

Landwirtschaft Bedeutung gewinnen, wenn sich auf Nutzpflanzen das Gen übertragen ließe, das Bakterien die Fähigkeit gibt, Stickstoff zu binden.

Ein Erfolg

würde die weltweite Abhängigkeit von Düngemitteln erheblich verringern.

Auch

wäre es denkbar, Mikroorganismen in großen Massen zu züchten, die Nahrungseiweiß
und andere wirtschaftlich wichtige Naturprodukte synthetisieren.
Von Anfang an waren sich die Wissenschaftler im klaren, daß bei derartigen Experimenten auch biologisch gefährliche Gen-Kombinationen zustande kommen können.

Deshalb beschlossen die Teilnehmer einer Konferenz amerikanischer

Mikrobiologen in Asiiomar (Kalifornien) im Jahr 1974, bestimmte Experimente vorläufig auszusetzen, bis bindende Sicherheitsrichtlinien vorlägen.

Diese wurden

inzwischen von den Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National
Institutes of Health) ausgearbeitet und im Juni 1976 veröffentlicht.
Schweden hat sie bereits übernommen. In der Sowjetunion werden sie ebenfalls anerkannt und wie amtliche Richtlinien gewertet. Dies gab anläßlich der
16. ICSU-Generalversammlung in Washington (11. - 17. Oktober 1976) Dr. W. J.
Whelan von der Universität Miami bekannt. Im ICSU (International Council of
Scientific Unions) sind 41 nichtpolitische Organisationen der Welt zusammengeschlossen, darunter 17 internationale wissenschaftliche Vereinigungen (z.B. für
Geophysik, Geodäsie, Biologie, Biophysik, Weltraumforschung), neun wissenschaftliche Komitees, Kommissionen etc., die etwa 700 000 Wissenschaftler repräsentieren. Auch die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) ist
dem ICSU angeschlossen.
Auf der Konferenz von Washington, an der 500 Wissenschaftler aus 45 Ländern teilnahmen, standen sowohl reine Fachthemen als auch Fragen zu Diskussion,

�Diskussion, die beispielsweise der Rolle von Wissenschaft und Technik in
der wirtschaftlichen Entwicklung von Nationen und der Sicherung eines lebenswerten Lebens künftiger Generationen galten.
fordert:

U.a. wurden behandelt oder ge-

Überprüfung der weltweiten Wetterforschungsprogramme, gemeinsame

Forschungsanstrengungen zur Steigerung der Nahrungsmittel Versorgung der Menschheit, Verwertung der Erkenntnisse aus der 10-Jahres-Studie des ICSU zu den
Wasserreserven der Erde, Schaffung eines internationalen Programms zur Planetenforschung und Erderkundung, und Bildung eines neuen internationalen Komitees,
das genetische Forschungsexperimente überwacht.

Das mit einem Jahresetat von

172 000 Dollar auszustattende COGENE (Committee on Genetic Experimentation)
gibt dem ICSU die Möglichkeit, sowohl als internationales Clearing-House für
Informationen und Ausbildung in der genetischen Forschung tätig zu sein, gleichzeitig aber auch beratende und kontrollierende Funktionen auszuüben.
Eine Anzahl europäischer Länder, darunter die Bundesrepublik und Japan
haben inzwischen auf der Grundlage der amerikanischen Richtlinien eigene Sicherheitsvorkehrungen getroffen bzw. vorbereitet.

Zu ihnen gehören beispielsweise

spezielle bauliche Maßnahmen und Experimentiereinrichtungen sowie streng gehandhabte Versuchsprotokolle ähnlich jenen, die in der medizinischen Forschung
beim Umgang mit gefährlichen Viren oder Mikroorganismen geführt werden müssen.

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GASISOLIERTE HÖCHSTSPANNUNGSLEITUNG

- (AD) - Ein mit fast 1 000 000 Dollar dotierter Entwicklungsauftrag
für Instrumente zur Überwachung und Steuerung des Stromflusses in gasisolierten Höchstspannungsleitungen von 1200 Kilovolt wurde von der US-Behörde für
Energieforschung und Entwicklung (ERDA) an die General Electric Co. in
Schenectady (New York) vergeben.

Die Instrumente sollen bereits serienmäßig

gebaut werden, wenn der in großen Kraftwerksblöcken produzierte Strom über
Höchstspannungsleitungen verteilt und zu den Verbrauchszentren transportiert
werden muß.
Systeme mit sehr hoher Spannung haben beim Stromtransport nicht nur
geringere Energieverluste, sondern sie sind auch in bezug auf Materialien
und Platzbedarf für die Installation der Leitungen rentabler.

Zahlreiche

amerikanische Fachleute sind der Ansicht, daß sich gasisolierte Kabel besonders gut für den unterirdischen Stromtransport unter Höchstspannung (1200 kV)
eignen.

Dazu sind jedoch Instrumente für die kontinuierliche Überwachung und

rasche Lokalisierung von Störpunkten unerläßlich.

+ + + ++

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22/1976

BATTERIEN MIT HÖHERER LEISTUNG
Neuartiges Elektrodenmaterial - Interessant für Industrie, Wirtschaft
und militärische Zwecke - Vorteile für die Raumfahrt

- (AD) - Eine völlig neue Gruppe von Hochleistungsbatterien - sie speichern, gemessen an Größe und Gewicht, bis zu 20 mal mehr Energie als die heute
üblichen Autobatterien - wird z. Zt. am Lawrence-Livermore-Laboratorium der
Universität Kalifornien untersucht.

Bei ihnen werden Materialien verwendet,

die normalerweise heftig miteinander reagieren, nämlich Lithium und ein wäßriger Elektrolyt.
Die "Bändigung" dieser Chemikalien geht auf eine Entdeckung von Ingenieuren der Raumfahrtabteilung der Fa. Lockheed vom Jahr 1969 zurück: Wenn
ein elektrischer Strom durch die Grenzzone zwischen Lithium und der wäßrigen
Lösung geschickt wird, bildet sich eine chemische Schutzschicht, die unerwünschte Reaktionen zwischen beiden Komponenten verhindert. Die daraufhin angestellten Untersuchungen und Berechnungen ergaben, daß derartige Batterien
z.B. für den Kraftfahrzeugantrieb (kleine und mittelgroße Wagen) geeignet
wären. Unter der Leitung des Physikchemikers Dr. John F. Cooper werden gegenwärtig die speziellen Merkmale von Batterien auf Lithium-Basis untersucht.
Vor allem interessiert die Schutzschicht, die vermutlich aus Lithiumhydroxid
besteht.

Außerdem

�Außerdem soll herausgefunden werden, ob sich auch Metalle wie Kalzium,
Magnesium, Aluminium, Natrium und deren Legierungen für Batterien eignen würden.

Dabei handelt es sich um sog. Primärelemente, bei denen die Elektroden

durch den Betrieb verbraucht werden und, da sie nicht wieder aufgeladen werden
können, durch neue ersetzt werden müssen.

Die US-Behörde für Energieforschung

und Entwicklung (ERDA) prüft z. Zt. die Möglichkeiten für eine Beteiligung der
Industrie an dem Projekt.

Sekundärelemente
Wiederaufladbar ist dagegen die Lithium-Schwefel-Batterie, die am Argonne
National Laboratory, einer direkt der ERDA unterstellten Institution, entwickelt
worden ist. Sie arbeitet mit Elektroden aus einer Lithiumlegierung und einem
Metallsulfid.

In einer Marktstudie will die ERDA jetzt die Anwendungsmöglich-

keiten für diesen Batterietyp, der sowohl für den Umweltschutz als auch für
die Verminderung der Abhängigkeit von Erdöl und Mineralöl Produkten Bedeutung
hätte, in Industrie und Bergbau, bei Kraftfahrzeugen und Flugzeugen und auf dem
militärischen Sektor ermitteln lassen.

Produzenten "herkömmlicher" Batterien

beteiligen sich an dieser Untersuchung.
Gemeinsam mit der Industrie beabsichtigen Ingenieure des Argonne-Instituts
bis Anfang 1979 ein mit ihren neuen Batterien betriebenes Versuchsauto zu entwickeln, das im Stadtverkehr mit häufigem Anfahren und Halten 160 km Reichweite,
im außerstädtischen Verkehr 240 km Reichweite haben und eine Fahrgeschwindigkeit
von 80 - 90 km/st erreichen soll. Die Batterie kann über Nacht mit gewöhnlichem
Haushaltsstrom neu aufgeladen werden. Das Versuchsfahrzeug, ein Vorläufer von
serienmäßigen Klein- und Kompaktwagen mit Elektroantrieb, wird ca. 1135 kg
wiegen; davon entfallen 363 kg auf die Batterien. Durch weitere technische Verbesserungen könnte bis 1985 das Batteriegewicht auf 250 kg weiter reduziert
werden. Im Vergleich dazu wäre für den Elektroantrieb bei gleicher Leistung
unter Verwendung der heuteüblichen Bleiplatten-Säure-Batterien eine Akku-Aus-

�Akku-Ausrüstung im Gewicht von 1180 kg erforderlich.

Speicher für Kraftstrom
Die Lithium-Schwefel-Batterien könnten sogar für Kraftwerke interessant
werden. Sammelbatterien, aus Tausenden von Einheiten aufgebaut, könnten in
Zeiten geringer Inanspruchnahme des Netzstromes geladen werden und bei Spitzenbelastung ihre Energie wieder abgeben.
Auf diese Weise würde der Einsatz zusätzlicher Turbinen zur Bedarfsdeckung in Spitzenbelastungszeiten überflüssig;
außerdem könnten die Generatoren im Dauerbetrieb auf ihrer günstigen Leistungsstufe gehalten werden. Wenn man die Batterien in der Nähe der Bedarfszentren
stationierte, verringerten sich auch die Kosten für den Energietransport.
ERDA und das Industrie-Forschungszentrum für Kraftstrom (EPRI) fördern
z. Zt. ein Entwicklungsprogramm der Fa. Rockwell (Canoga Park, Kalifornien)
für Batterien mit hoher Speicherkapazität.
für 300 Wattstunden erprobt.
System weiter ausbaufähig ist.

Gegenwärtig werden Kompaktzellen

Die bisherigen Versuche haben gezeigt, daß das
Im Jahr 1982 soll ein auf fünf Megawattstunden

ausgelegtes System im Verbundnetz erprobt werden.

Trockenzellen für Raumfahrtgeräte
Statt mit den bisher üblichen Nickel-Cadmium-Elektroden werden die
Batterien eines neuen Versuchssatelliten der US-Marine mit Nickel-WasserstoffElektroden arbeiten. Diese neuartigen Batterien sind nach fünfjähriger Entwicklungszeit jetzt für die Raumfahrt anwendungsreif geworden. Sie haben eine
Lebensdauer von mehr als 10 Jahren, während Nickel-Cadmium-Batterien als Quelle
für Betriebsstrom während des Fluges im Erdschatten, d.h. in den Perioden, in
denen die Solarzellen keinen Strom produzieren können, nur 4 bis 7 Jahre voll
funktionsfähig bleiben.

An
- 3 -

~~

�An dem Navigations-Testsatelliten NTS-2, der von der US-Marine im März
1977 in eine kreisförmige Umlaufbahn in 20 100 km Höhe (12 Stunden Umlaufzeit)
eingeschossen werden soll, will man auch leistungsfähigere Sonnenzellen erproben.

Das Gerät hat außerdem zwei Quarzuhren und zwei Cäsium-Atomuhren an

Bord, die auf ihre Eignung als Signalgeber zur exakten Zeit- und Positionsbestimmung getestet werden sollen.
stoff-Maser.

Noch 10 bis 100 mal genauer wären Wasser-

Im Auftrag des Marine-Forschungsamtes der USA wird an der Mini-

aturisierung solcher Systeme gearbeitet; in der gegenwärtig vorliegenden Ausführung sind sie zu groß, um in einem Raumfahrtgerät untergebracht werden zu
können.
Die Nickel-Wasserstoff-Zellen, eine Entwicklung der C0MSAT Laboratorien,
können 4 bis 8 mal größer als die bisher üblichen Ni-Cadmium-Trockenzeller
wieder aufgeladen werden.

Sie haben eine wesentlich höhere Energiedichte und

zeigen - über die Messung des Wasserstoffdruckes - den Grad der Batterieladung
direkt an.

Einem möglichen Nachteil, nämlich dem Aussickern von Wasserstoff,

versuchen die Wissenschaftler der COMSAT-Laboratorien zu begegnen, indem anstelle von Wasserstoff eine chemische Verbindung in der Form eines Hydrids
als sichere*Wasserstoffträger benutzt wird.

- 4 -

�</text>
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2. November 1976

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Fords zur Nuklearpolitik der Vereinigten Staaten

Erklärung Carters zur amerikanischen Nuklearpolitik
- Erwiderung auf die Veröffentlichung Fords -

l

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Fords zur Nuklearpolitik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters zur amerikanischen Nuklearpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erwiderung auf die Veröffentlichung Fords -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

0 8 - 8 5 4 32

2.

21

November 1976

Inhalt

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Fords zur N u k l e a r p o l i t i k der V e r e i n i g t e n Staaten

Erklärung Carters zur amerikanischen N u k l e a r p o l i t i k
- Erwiderung auf d i e V e r ö f f e n t l i c h u n g Fords -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

21/1976

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT FORDS ZUR NUKLEARPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ford hat in
einer am 28. Oktober vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung die Völker zur
internationalen Zusammenarbeit bei der Verhinderung der Weiterverbreitung der Kernwaffenkapazitäten durch einen mindestens
dreijährigen Stop in der Aufbereitung des
nuklearen Abfalls von Kernkraftwerken aufgerufen. Durch diese Maßnahme soll die Gefahr verringert werden, daß das bei der
Aufbereitung gewonnene Plutonium zur Waffenherstellung verwendet wird. Der Vorschlag
Fords enthält eine Reihe weiterer wichtige«"
Beschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen
gegen die Weitergabe gefährlicher NuklearTechnologie und -Anlagen bei gleichzeitiger
Garantie der Versorgung mit friedlicher
Technologie.

Wir wissen seit Beginn des Kernzeitalters vor über 30 Jahren, daß diese
Energiequelle sowohl das Potential gewaltiger Vorteile für die Menschheit als
auch das Potential für Zerstörungen ohnegleichen besitzt.

Es besteht einer-

seits kein Zweifel, daß die Kernenergie eine der größten Hoffnungen auf die
Befriedigung des steigenden Weltenergiebedarfs bei einem Mindestmaß an Umweltbelastungen darstellt und das Potential der Verminderung der Abhängigkeit von
ungewissen und im Schwinden begriffenen WeltölVorräten birgt.
Andererseits

�Andererseits erzeugen Kernbrennstoffe im Zuge der Energieabgabe
Plutonium, das chemisch von den ausgebrannten Brennstoffelementen getrennt
werden kann.

Das Plutonium kann wiederaufbereitet und zur Erzeugung zusätz-

licher Kernenergie verwandt werden und damit die Inanspruchnahme zusätzlicher
Energiequellen teilweise überflüssig machen. Unglücklicherweise - und das
ist die Wurzel des Problems - läßt sich das Plutonium, das in Kernkraftwerken
erzeugt wird, nach der chemischen Trennung auch dazu verwenden, nukleare
Sprengstoffe herzustellen.

Die Weltgemeinschaft kann nicht dulden, daß sich

das potentielle Ausgangsmaterial für Kernwaffen oder die Technologie, solches
herzustellen, ungeingeschränkt über den ganzen Erdball verbreitet.

Die Welt-

gemeinschaft muß sicherstellen, daß die Erzeugung und Verwendung dieses Materials
durch jedes Land nur unter den strengsten Sicherheitsbedingungen und -Vorkehrungen erfolgt.
Die Erschließung der gewaltigen Vorteile der Kernenergie bei gleichzeitiger Entwicklung von Methoden zur Unterbindung der Weiterverbreitung von Kernwaffen ist eine der wichtigsten Aufgaben, vor die sich alle Nationen der Erde
heute gestellt sehen.
Die Normen, die wir zur Beurteilung der meisten heimischen und internationalen Aktivitäten anwenden, sind nicht streng genug, um mit diesem außerordentlich vielschichtigen Problem fertig zu werden.
Unsere diesbezüglichen Maßnahmen dürfen nicht nur zum Teil erfolgreich
sein. Entweder sind sie richtig - in welchem Falle wir der Proliferation Einhalt gebieten können - oder sie sind falsch - in welchem Falle sich die nukleare Proliferation in dem Maße beschleunigen wird, in dem Nationen, die ursprünglich nicht die Absicht hatten, nukleare Waffen zu erwerben, zu der Schlußfolgerung gelangen, daß sie durch Maßnahmen anderer hierzu gezwungen seien.
Sollte dies eintreten, stünden wir einer Welt gegenüber, in der die Sicherheit
aller Länder in höchstem Maße gefährdet ist. Die Aufrechterhaltung der internationalen Stabilität wäre in einer solchen Welt unermeßlich schwierig und gefährlich. In Zeiten regionaler oder globaler Krisen würden sich die Risiken

�Risiken einer nuklearen Verwüstung unermeßlich erhöhen - falls nicht auf
Grund eines direkten Angriffs, dann in einen Prozeß immer weitergehender
Eskalation.
Das Problem läßt sich solange meistern, wie wir es klar verstehen und
im Verein mit anderen Ländern klug handeln.

Wir sehen uns jedoch mit einer tra-

gischen Bedrohung konfrontiert, wenn es uns nicht gelingt, dieses Problem in
den Griff zu bekommen oder wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Somit bürdet der Ernst und die Mannigfaltigkeit des Problems allen
jenen, die Mittel und Wege zur Eindämmung der Proliferation vorschlagen, eine
besondere Verantwortung auf. Sie müssen der Versuchung rhetorischer Tiraden,
leerer Drohungen und eines angeberischen Gehabes widerstehen. Sie müssen politische Maßnahmen und Programme anbieten, die einer Welt Rechnung tragen,
wie sie ist, nicht aber, wie wir vielleicht wünschen, daß sie sein soll.
Ziel ist es, die Proliferation zu verhindern, nicht lediglich zu bedauern.
Die erste Aufgabe bei der Behandlung des Problems der Proliferation
ist es, die Weltlage auf dem nuklearen Sektor zu begreifen.
über 30 Länder besitzen Kernkraftwerke oder planen, solche zu errichten, um der Segnungen der Nuklearenergie teilhaftig zu werden.

Die Energie-

krise von 1973 führte allen Völkern auf dramatische Art und Weise nicht nur
die Gefahren eines übermäßigen Angewiesenseins auf öleinfuhren vor Augen,
sondern auch die Realität, daß die Weltvorräte an fossilen Brennstoffen zu
Ende gehen.

Infolgedessen

betrachten viele Länder heute die Kernenergie

als ein unerläßliches Mittel zur Befriedigung des steigenden Energiebedarfs
ohne vorzeitige Erschöpfung der begrenzten Vorräte an fossilen Brennstoffen.
Wir müssen die Motive verstehen, die diese Länder - Entwicklungsländer und
Industriestaaten - dazu veranlassen, eher noch größeren Nachdruck als wir
auf die Entwicklung der Kernenergie zu legen.

Solange wir ihre realen Be-

dürfnisse nicht begreifen, können wir nicht damit rechnen, Mittel und Wege
zur Zusammenarbeit mit ihnen in dem Bemühen zu finden, die Befriedigung sowohl
unserer als auch ihrer legitimen Ansprüche sicherzustellen.
Darüber
- 3 -

�Darüber hinaus verfügen außer den Vereinigten Staaten auch noch andere
Länder über die Technologie, die notwendig ist, um sowohl die Vorteile als
auch das destruktive Potential der Kernenergie zu nutzen.

Die Nationen, die

diese Fähigkeiten und Möglichkeiten besitzen, können ihre Kerntechnologie und
die dazugehörigen Anlagen exportieren.
Somit kann keine Nation allein für sich hoffen - auch nicht die Vereinigten Staaten - die Verbreitung der Aufbereitungstechnik und die hieraus
resultierende Verfügbarkeit von Plutonium wirksam unter Kontrolle zu bringen.
Die Vereinigten Staaten waren einst der maßgebende Weltlieferant von
Kernmaterial und der zu seiner Aufbereitung erforderlichen technischen Anlagen und Kenntnisse.

Wenngleich wir die führende Nation auf diesem Gebiet

geblieben sind, teilen sich heute andere Lieferanten mit uns in den internationalen Markt - wobei die USA heute weniger als die Hälfte des Reaktorexports bestreiten.
In kurzen Worten, die Vereinigten Staaten haben seit nahezu zehn Jahren
in bezug auf die Kerntechnik kein Monopol mehr.

Wir spielen wohl eine wich-

tige Rolle, sind aber nicht in der Lage, die weltweite Entwicklung auf dem
nuklearen Sektor wirklich zu lenken.
Aus diesen Gründen müssen Maßnahmen zur Eindämmung der Proliferation
internationaler kooperativen Bemühungen entspringen, an denen sich viele Nationen unter Einschluß sowohl der Liefer- als auch Abnehmerländer von Kernmaterial beteiligen.

Es ist notwendig, gemeinsame Normen zu entwickeln, die

von allen Beteiligten anerkannt werden.

Wenn dies nicht geschieht, wird sich

ein uneingeschränkter Handel mit modernster Kerntechnologie und aktivierungsfähigen Kernmaterialien entwicklen - und niemand wird fähig sein, ihm Einhalt
zu gebieten.
Wir in den Vereinigten Staaten müssen begreifen, daß das Interesse an
der Kernenergie von Nation zu Nation anders gelagert ist.
- 4 -

Wir müssen ferner

�ferner einsehen, daß einige Länder ihr Augenmerk auf die Kernenergie richten,
weil sie über keine annehmbare Energie-Alternative verfügen.

Wir müssen

sicherstellen, daß unsere Bemühungen um Eindämmung der Proliferation von diesen Völkern nicht als ein Akt gewertet werden, sie daran zu hindern, in den
Genuß der Segnungen der Kernenergie zu gelangen.

Wir müssen ferner sicher-

stellen, daß sich alle Nationen mit den Vereinigten Staaten in die Überzeugung
teilen, daß die Ziele der Nicht-Proliferation Vorrang gegenüber Vorteilen auf
den Gebieten der Wirtschaft und der Energieversorgung haben, wo immer eine
solche Wahl zu treffen ist.

Frühere Maßnahmen
In den letzten 30 Jahren waren die Vereinigten Staaten unangefochten
die führende Nation in dem weltweiten Bemühen, sicherzustellen, daß die Segnungen der Kernenergie allen zugängig gemacht, die destruktiven Anwendungen
aber unterbunden werden.

Ich habe diesen beiden Zielsetzungen in den ver-

gangenen zwei Jahren meine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, und wir haben
wichtige neue Fortschritte insbesondere in den Bestrebungen erzielt, die
Weiterverbreitung von Kernwaffenkapazitäten unter den Nationen der Erde einzudämmen.
Im Jahre 1974, kurz nachdem ich das Präsidentenamt übernahm, begann
ich mir Sorgen darüber zu machen, daß einige Liefernationen von Kernmaterial
um irgendwelcher Wettbewerbsvorteile willen bereit waren, Nuklearexporte unter we
niger strengen Bedingungen zu tätigen als denen, die wir aus Sicherheitsgründen für angebracht halten. Im Herbst dieses Jahres haben die Vereinigten
Staaten vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen vorgeschlagen, die
Maßnahmen zur Verhütung der Proliferation künftig erheblich strenger zu handhaben. Ich habe meine diesbezüglichen Besorgnisse auch den Regierungs- und
Staatschefs der wichtisten Liefer- und Empfängernationen direkt bekundet.
Ich habe den Außenminister angewiesen, auf ein multilaterales Vorgehen zu
- 5 -

�zu drängen, um die Gefahren des Wettbewerbs in Grenzen zu halten.
Auf amerikanische Initiative wurde in London im April 1975 eine erste
Zusammenkunft der wichtigsten Lieferstaaten von Kernmaterialien einberufen.
Daran schlössen sich mehrere Tagungen und intensive bilaterale Konsultationen
an.
Als Ergebnis dieser Zusammenkünfte haben wir die internationalen Normen
durch progressive neue Richtlinien für den Export von nuklearen Materialien
beträchtlich verschärft.

Sie betreffen di^ Sicherheitsvorkehrunaen (safe-

guards), die Kontrollen zur Verhütung der Abzweigung von Kernmaterialien und
zum Schutz vor Mißbräuchen der Nukleartechnologie.und die technische Sicherung
vor Entwendung und Sabotage.

Die Vereinigten Staaten haben diese Richtlinien

zu politischen Richtlinien für ihre Nuklear-Exporte erhoben.
Darüber hinaus haben wir Schritte unternommen, um den speziellen Gefahren zu begegnen, die mit dem Umgang mit Plutonium verbunden sind:
- Wir haben die Ausfuhr von Wiederaufbereitungs- und anderen kerntechnischen Verfahren verboten, die zu einer weiteren Proliferation beitragen
könnten.
- Wir haben uns entschieden gegen die Aufbereitung von Kernmaterial in
Korea und Taiwan ausgesprochen. Wir begrüßen die Entscheidung beider
Länder, auf diesbezügliche Maßnahmen zu verzichten. Wir werden auch weiterhin von der Aufbereitung in besonders gefährdeten Gebieten abraten.
- Wir haben Vereinbarungen zur Zusammenarbeit mit Ägypten und Israel
ausgehandelt, die die strengsten Wiederaufbereitungsvorschriften und anderweitigen nuklearen Kontrollen vorsehen, die je in der 25jährigen Geschichte
unseres Programms zur nuklearen Zusammenarbeit vereinbart worden sind.
- Darüber

�- Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten kürzlich Verhandlungen
abgeschlossen, die darauf abzielen, die zivilen Nuklearanlagen in den USA
der Überwachung durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zu unterstellen.
Die IAEA hat ihrerseits dem Abschluß einer diesbezüglichen Vereinbarung
zugestimmt.

Neue Initiativen
Im Sommer dieses Jahres ordnete ich eine eingehende Überprüfung unserer
gesamten Nuklearpolitik sowie deren Optionen an, um herauszufinden, welche
weiteren Schritte erforderlich sind. Ich habe die Ergebnisse dieser Überprüfung sorgfältig studiert, mit führenden Männern im Kongreß durchgesprochen
und aus diesbezüglichen Konsultationen mit Staatsmännern anderer Länder gelernt. Ich gelangte dabei zu dem Schluß, daß neue Maßnahmen erforderlich sind
und daß wir auf den Fortschritten der beiden vorausgegangenen Jahre weiterbauen sollten. Heute gebe ich eine Reihe von Maßnahmen und Vorschlägen bekannt, die sich auf folgende Zielsetzungen richten:
- Die

Bekräftigung de» Verpflichtungen der Nationen der Erde auf das

Ziel der Nicht-Proliferation und den Aufbau eines wirksamen Systems internationaler Kontrollen zur Verhütung der Proliferation;
- die Veränderung und Intensivierung der amerikanischen Nuklearpolitik
im inneren und der Programme zur Förderung unserer Zielsetzungen in bezug auf
die Nicht-Proliferation; und
- die Schaffung gesunder Grundlagen für die fortgesetzte und zunehmende
Nutzung der Kernenergie in den Vereinigten Staaten und in der Welt auf sichere
und wirtschaftliche Weise durch hierzu geeignete Maßnahmen.
Die

�Die Aufgabe, der wir uns gegenübersehen, erfordert ein internationales
und kooperatives Vorgehen in bisher beispiellosen Dimensionen.

Die Vereinigter,

Staaten sind bereit, mit allen Völkern zusammenzuarbeiten.

Grundlegende politische Entscheidungen
Ich bin zu der Schlußfolgerung gelangt, daß die Aufbereitung und Rückgewinnung von Plutonium aufhören müsse, bis hinreichend Grund zu der Schlußfolgerung besteht, daß die Weltgemeinschaft die mit der Proliferation verbundenen
Risiken wirksam ausschließen kann.

Ich bin der Überzeugung, daß die Vermei-

dung der Profileraticn Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben muß. Ich
bin ferner zu dem Schluß gelangt, daß die Vereinigten Staaten und andere Völker die Nutzung der Kernenergie für friedliche Zwecke verstärken können und
sollten, selbst wenn die Aufbereitung und Wiederaufbereitung von Plutonium
für unakzeptabel gehalten werden.
Tatkräftige Maßnahmen im Linern wie auf internationaler Ebene sind erforderlich, um diesem Beurteilung Geltung zu verschaffen:
- Ich habe entschieden, daß die Vereinigten Staaten im Verein mit anderen Liefer- und Verbraucherstaaten nuklearer Brennstoffe ihre diplomatischen
Initiativen verstärken müssen, um die Anhäufung von Plutonium und die Weiterverbreitung der Technologien zur Trennung von Plutonium einzudämmen.
Wirksame Nicht-Proliferationsmaßnahmen machen die Beteiligung und Mitwirkung von Nuklearliefer- wie auch Verbraucherstaaten erforderlich. Wir bedürfen zusätzlicher Koordinierungs- und Einschränkungsmaßnahmen, damit ein
wirksames Nicht-Proliferationssystem zustandekommt.
Wir bedürfen ferner der
Zusammenarbeit und der Gewährleistung einer zuverlässigen Belieferung mit Nuklearbrennstoffen, um den Energiebedarf für friedliche Zwecke decken zu können.
- Ich

�- Ich habe entschieden, daß die Vereinigten Staaten die Aufbereitung
vor, Abbrandelementen für die Erzeugung von Plutonium nicht mehr
länger als einen notwendigen und unvermeidlichen Schritt im nuklearen Brennstoffzyklus betrachten und daß wir die Aufbereitung und Rückgewinnung von
Plutonium in Zukunft nur dann betreiben werden, wenn sie als mit unseren internationalen Zielsetzungen vereinbar zu betrachten ist.
Wir müssen sicherstellen, daß unsere Politik im Inneren und unsere
heimischen Programme mit unserer internationalen Haltung in der Frage der
Plutoniumaufbereitung vereinbar sind

und daß wir mit anderen Nationen in

der Beurteilung der Problematik der Aufbereitung von Abbrandelementen
eng zusammenarbeiten.
- Die Schritte, die ich heute bekanntgebe, werden die Gewähr schaffen,
daß die angezeigte zunehmende Nutzung der Kernenergie unter Wahrung der Sicherheitserfordernisse und ohne Vergrößerung der Gefahr der Proliferation erfolgen kann.
Selbst angesichts energischer Anstrengungen zur Einsparung von Energie
werden wir mit dem wachsenden Energiebedarf einer expandierenden amerikanischen
Wirtschaft rechnen müssen.

Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, müssen wir

uns solange auf die zunehmende Nutzung von Kernenergie und von Kohle stützen,
bis akzeptable Alternativen entwickelt werden.

Wir werden die Arbeit an der

Erschließung verheißungsvoller alternativer Energiequellen wie der Sonnenenergie verstärkt fortführen; für den Augenblick aber müssen wir uns auf Technologien konzentrieren, die in der Praxis bereits einsatzfähig sind.

Einen

größeren Beitrag zu unserer Energieversorgung können wir von diesen alternativen Technologien erst gegen Ende dieses Jahrhunderts erwarten.
Um meine gesamtpolitischen Entscheidungen zu verwirklichen, habe ich eine
Reihe von politischen Maßnahmen beschlossen, die notwendig und angebracht sind,
unsere Ziele im Bereich der Nicht-Proliferation und der Energieversorgung zu
verwirklichen:
- Erstens

�- Erstens muß unsere heimische Politik dahingehend geändert werden,
daß sie meiner Entscheidung über den Aufschub der Kommerzialisierung des
Prozesses der chemischen Aufbereitung von Kernbrennstoffen, der die Trennung
von Plutonium zur Folge hätte, entsprechen.
- Zweitens fordere ich alle Nationen auf, wie wir in der Frage des
Transfers der Aufbereitungs- und Anreicherungstechnologie und der hierzu notwendigen Anlagen größtmögliche Zurückhaltung zu üben - dergestalt, daß sie
derartige risikoreiche Ausfuhren oder Lieferverpflichtungen auf mindestens
drei Jahre unterlassen.
- Drittens bedarf es neuer kooperativer Maßnahmen, um allen Nationen
eine ausreichende und verläßliche Belieferung mit den für den eigenen Bedarf
notwendigen Energiemengen gewährleisten zu können.

Meiner Überzeugung nach

haben die meisten Liefernationen - und das halte ich für äußerst wichtig eine besondere Verpflichtung, ihren Abnehmern die Gewähr einer ausreichenden
Brennstoffversorgung für ihre Kernkraftwerke zu bieten, sofern diese auf den
Erwerb von Aufbereitungs- und Urananreicherungsanlagen verzichten und sich
wirkungsvollen Proliferations-Kontrollen unterwerfen.
- Viertens müssen die Vereinigten Staaten ihre Rolle als einer der
wichtigsten und verläßlichsten Weltlieferanten von Nuklearreaktoren und Kernbrennstoffen für friedliche Zwecke auch weiterhin spielen. Unsere starke Position als Liefernation hat bisher die hauptsächliche Basis für unseren Einfluß auf die weltweiten Nicht-Proliferationsanstrengungen und unsere diesbezügliche Führungsrolle abgegeben. Eine starke Position wird in Zukunft
von nicht geringer Bedeutung sein. Unter Bekräftigung ihrer Absicht»als verläßlicher Lieferant zu fungieren, suchen die Vereinigten Staaten über das
weltweite System wirksamer Nicht-Proliferations-Kontrollen, das ich heute fordere, keineswegs irgendwelche Wettbewerbsvorteile für sich zu erlangen.
- Fünftens müssen wir neue Anstrengungen unternehmen und alle Nationen
dringend auffordern, sich an den großangelegten und umfassenden internatio-

�internationalen kooperativen Anstrengungen zu beteiligen, die ich später
im einzelnen noch erläutern werde, ein System wirksamer Kontrollen zur Verhinderung der Proliferationen zu entwickeln.
- Sechstens müssen die Vereinigten Staaten neue Schritte in bezug auf
ihre eigenen Exporte unternehmen, um die Proliferation zu unterbinden und
die diesbezüglichen multilateralen Richtlinien zu verbessern.
- Siebtens müssen die Vereinigten Staaten in Unterstützung der von mir
eingeleiteten internationalen Politik ein Programm zur Bewertung von Aufbereitungsverfahren in Angriff nehmen.
- Schließlich sind wir zu dem Schluß gelangt, daß es neuer Schritte bedarf, um die Gewähr zu schaffen, daß in den Vereinigten Staaten und überall
auf der Welt in dem Augenblick, in dem sich die Notwendigkeit hierzu ergibt,
Einrichtungen für die langfristige Lagerung oder Beseitigung von nuklearem
Abfall zur Verfügung stehen.

Maßnahmen zur Verwirklichung unserer Nuklearpolitik

Um die von mir umrissene Nuklearpolitik verwirklichen zu können, wird
es erheblicher Anstrengungen innerhalb der Vereinigten Staaten und seitens
vieler Nationen in aller Welt, die an der Kernenergie interessiert sind, bedürfen. Um in diesem Bemühen voranzukommen, leite ich heute eireAnzahl von
Maßnahmen ein und unterbreite anderen Nationen eine Reihe von Vorschlägen.

I. Änderungen
- 11 -

�I. Änderungen der amerikanischen Politik bezüglich der Aufbereitung von Kernbrennstoffen
Im Hinblick auf die Aufbereitung von Kernbrennstoffen weise ich die
zuständigen amerikanischen Exekutivbehörden an, meine Entscheidung in die
Tat umzusetzen, die Kommerzialisierung von Aufbereitungsverfahren in den
Vereinigten Staaten aufzuschieben, bis alle Unsicherheiten beseitigt sind.
- Ich weise den Leiter der Behörde für Energieforschung und -entwicklung (Energy Research and Development Agency - ERDA) an,
die Politik und die Programme der ERDA, die bisher auf der Annahme
basierten, daß Aufbereitungsverfahren keinen Beschränkungen unterliegen,zu
ändern;
zu prompten Maßnahmen zur Erweiterung der Lagerkapazitäten für
Abbrandelemente

7

u ermutigen, um auf diese Weise den Versorgungsbetrieben

die Gewähr zu bieten, daß sie keine Einstellung des Betriebes von Nuklearreaktoren auf Grund eines Mangels solcher Lagermöglichkeiten zu befürchten haben;
und
•

die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen aufzuzeigen, derer es bedarf, um die Praktikabilität der Rückgewinnung des Energiepotentials
von Abbrandelementen ohne Trennung des darin enthaltenen Plutoniums
zu erforschen.

II. Zurückhaltung in der Weitergabe sensitiver kerntechnologischer
Kenntnisse und Anlagen
Trotz der Fortschritte, die in der Eindämmung der Proliferation gemacht
worden sind, erfordern die Gefahren, die aus der Aufbereitung von Plutonium und
- 12 -

�und der Aussicht auf eine uneingeschränkte Verfügbarkeit dieses Elements
erwachsen, weitere

entschiedene internationale Maßnahmen.

Eine wirksame

Beschränkung des mit einer Weitergabe der Urananreicherungstechnologien verbundenen Risikos ist ebenso notwendig.

Um diesen Gefahren zu begegnen,

- fordere ich alle Nationen auf, wie wir größte Zurückhaltung in der
Weitergabe von Aufbereitungs- und Anreicherungstechnologien und der dazu gehörigen Anlagen zu üben und zu diesem Zweck derartige sensitive Ausfuhren oder Lieferverpflichtung für einen Zeitraum von mindestens drei Jahre
anzusetzen.
Dies wird es Liefer- und Verbraucherländern gestatten, in der Zwischenzeit, in der wir die Frage der Zweckmäßigkeit der Verwendung von Plutonium
sorgfältig überprüfen können, gemeinsam verläßliche Mittel und Wege für die
Deckung ihres nuklearen Bedarfs bei einem Mindestmaß an Risiko in der Zeit
zu erarbeiten. Während wir in diesen Bemühungen voranschreiten, dürfen wir
uns nicht von irgendwelchen Pressionen dazu verleiten lassen, den Export
solcher sensitiver Anlagen zu gestatten.

III. Die Gewährleistung einer ausreichenden Energieversorgung der Abnehmerstaaten
Ich fordere die Nuklearexportstaaten dringend auf, die Verbraucherländer
mit Kernbrennstoffen, statt mit sensitiven Technologien oder Anlagen zu
beliefern.
Nationen, die wirksame Nicht-Proliferationsbeschränkungen auf sich
nehmen, haben ein Recht auf zuverlässige Belieferung mit Kernreaktoren und
den dazugehörigen nicht-sensitiven Brennstoffen zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen.
Alle
- 13 -

�Alle diese Nationen möchten an den Vorteilen einer sicheren Belieferung
mit Kernbrennstoffen teilhaben, auch wenn hinsichtlich Zahl und Standort von
Anlagen zur Brennstoffgewinnung in Rücksicht auf die Zielsetzungen der NichtProliferation gewisse Beschränkungen bestehen.

Die Verfügbarkeit von Service-

Stationen zur zyklischen Wiederaufbereitung von Abbrandelementen in mehreren
Ländern bietet den Verbraucherstaaten reichliche Gewähr für eine fortgesetzte
und stabile Belieferung mit Kernbrennstoffen.
Es ist ferner wünschenswert, dem Gedanken näherzutreten,

7ur Befrie-

digung der regionalen Bedürfnisse einige multinationale Zentren für die zyklische Aufbereitung von Brennstoffen an geeigneten Orten einzurichten, sofern
diese einer wirksamen Überwachung unterstellt werden und wirtschaftlich arbeiten können.

Durch diese und damit zusammenhängende Mittel können wir den

Anreiz zur Weiterverbreitung gefährlicher Anlagen zur zyklischen Aufbereitung
von Brennstoffen auf ein Mindestmaß reduzieren.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, zusammen mit anderen betroffenen
Nationen Vorkehrungen zu treffen, um eine zuverlässige Versorgung mit Kernbrennstoffen zu angemessenen Preisen aller jener Länder sicherzustellen, die
verantwortungsbewußt Beschränkungen ihrer Kernenergieprogramme in bezug auf
die Aufbereitung, die Plutoniumbeseitigung und die Anreicherungstechnik auf
sich nehmen.
- Ich weise den Außenminister an, Konsultationen einzuleiten, um gemeinsam mit anderen Ländern Vorkehrungen zur Koordinierung des BrennstoffService

und andere Methoden zu sondieren, die sicherzustellen vermögen, daß

die Zuliefererstaaten schwach angereicherten Uranbrennstoff und BrennstoffService

jederzeit zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen anbieten und

die Veroraucherlander diese auch abnehmen können.
Die diesbezüglichen Erörterungen werden sich auch auf Mittel und Wege
erstrecken, die zur Mitarbeit bereiten Länder gegen wirtschaftliche Benachteiligungen abzusichern und jeglichen Wettbewerb auszuschließen, der geeignet
- 14 -

�geeignet scheint, unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Gewährleistung der
Nicht-Proliferation zu unterminieren.
Um zu dieser Initiative beizutragen, bieten die Vereinigten Staaten
derzeitigen und künftigen Abnehmern von Kernbrennstoffen, die bereit sind,
solche von Verantwortungsbewußtsein getragene Beschränkungen auf sich zu
nehmen, bindende Lieferzusagen an.
Wo dies angebracht ist, werden die Vereinigten Staaten die Verbraucherländer entweder mit frischem schwach angereicherten Uranbrennstoff beliefern
oder, als Gegenleistung für qeaenseitige Vereinbarungen über die Beseitigung
ausgebrannter Brennstoffe,soweit oie Beseitigung nachweislich unserer gemeinsamen und kooperativen Zielsetzungen hinsichtlich der Nicht-Proliferation begünstigt, anderweitige Vorkehrungen treffen.

Die Vereinigten Staaten erstre-

ben in den Sondierungen von Optionen der Brennstoffbeseitigung und der Gewährleistung der Brennstoffversorgung keinerlei kommerziellen Vorteile.
- Schließlich werden die USA im Verein mit anderen Ländern die kooperativen Anstrengungen zur Entwicklung der heimischen nicht-nuklearen Energiequellen derselben ausweiten.
Die Vereinigten Staaten haben die Errichtung eines Internationalen
Energieinstituts vorgeschlagen - und treten auch weiterhin für diesen Vorschlag ein -,das dem erklärten Zweck dienen soll, den Entwicklungsländern
bei der Anpassung ihrer wirtschaftlichen und am ehesten verfügbaren Energiequellen an ihren Energiebedarf zu helfen,

über dieses Institut und andere

geeignete Einrichtungen werden wir technologische Hilfe zur Entwicklung heimischer Energiequellen leisten.

IV. Stärkung
- 15 -

�IV. Stärkung der Rolle der Vereinigten Staaten als verläßlicher Lieferant
Sollen die Vereinigten Staaten ihre führende Rolle in den weltweiten
Bemühungen um die Nicht-Proliferation weiter spielen, müssen sie ein zuverlässiger Lieferant von Kernreaktoren und -brennstoffen für friedliche Zwecke
sein.

Es gibt zwei hauptsächliche Maßnahmen, die wir als Beitrag zu diesem

Ziel leisten können:
- Ich werde dem neuen Kongreß Gesetzgebungsvorschläge unterbreiten,
die die Ausweitung der Kapazität der Vereinigten Staaten zur Herstellung von
angereichertem Uran gestatten und die Vollmacht zur Ausweitung des staatseigenen Werkes in Portsmouth, Ohio, einschließen.

Ich werde ferner mit dem

Kongreß zusammenarbeiten, um einen Rahmen für private wettbewerbsfähige
Unternehmen zur Finanzierung, zum Bau, zum Besitz und zum Betrieb von Anreicherungsanlagen zu schaffen.
Die amerikanische Kapazität ist seit Mitte 1974 voll ausgelastet, so
daß neue Lieferverträge nicht mehr abgeschlossen werden können.

Der Kongreß

hat meine in Einzelheiten gehenden Vorschläge nicht verabschiedet und lediglich eine nach Umfang und Zeit begrenzte Vollmacht bezüglich der Erweiterung
des Werkes Portsmouth erteilt.

Wir brauchen weitergehende Vollmachten, um un-

verzüglich mit der Expansion der Kapazität vorankommen TU können.
- Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die Gewähr zu
schaffen, daß die Gesetzgebung zur Verbesserung unserer Ausfuhrkontrollen
Vorkehrungen einschließt, die die maximale Gewähr bieten, daß die Vereinigten
Staaten ein zuverlässiger Lieferant für andere Nationen während der gesamten
Zeit der Gültigkeit von Liefervereinbarungen sein wird.
Eine

der Hauptsorgen bezüglich der Exportgesetzgebung, die dem letzten

Kongreß vorgeschlagen worden war, stand im Zusammenhang mit der Befürchtung,
ausländische Kunden könnten willkürlich Kontrollen unterworfen werden, die
nach Unterzeichnung langfristiger Vereinbarungen und Lieferverträgen bezüg- 16 -

�geeignet scheint, unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Gewährleistung der
Nicht-Proliferation zu unterminieren.
Um zu dieser Initiative beizutragen, bieten die Vereinigten Staaten
derzeitigen und künftigen Abnehmern von Kernbrennstoffen, die bereit sind,
solche von Verantwortungsbewußtsein getragene Beschränkungen auf sich zu
nehmen, bindende Lieferzusagen an.
Wo dies angebracht ist, werden die Vereinigten Staaten die Verbraucherländer entweder mit frischem schwach angereicherten Uranbrennstoff beliefern
oder, als Gegenleistung für qeaenseitige Vereinbarungen über die Beseitigung
ausgebrannter Brennstoffe,soweit oie Beseitigung nachweislich unserer gemeinsamen und kooperativen Zielsetzungen hinsichtlich der Nicht-Proliferation begünstigt, anderweitige Vorkehrungen treffen.

Die Vereinigten Staaten erstre-

ben in den Sondierungen von Optionen der Brennstoffbeseitigung und der Gewähr
leistung der BrennstoffVersorgung keinerlei kommerziellen Vorteile.
- Schließlich werden die USA im Verein mit anderen Ländern die kooperativen Anstrengungen zur Entwicklung der heimischen nicht-nuklearen Energiequellen derselben ausweiten.
Die Vereinigten Staaten haben die Errichtung eines Internationalen
Energieinstituts vorgeschlagen - und treten auch weiterhin für diesen Vorschlag ein -,das dem erklärten Zweck dienen soll, den Entwicklungsländern
bei der Anpassung ihrer wirtschaftlichen und am ehesten verfügbaren Energiequellen an ihren Energiebedarf zu helfen,

über dieses Institut und andere

geeignete Einrichtungen werden wir technologische Hilfe zur Entwicklung heimischer Energiequellen leisten.

IV. Stärkung
- 15 -

�IV. Stärkung der Rolle der Vereinigten Staaten als verläßlicher Lieferant
Sollen die Vereinigten Staaten ihre führende Rolle in den weltweiten
Bemühungen um die Nicht-Proliferation weiter spielen, müssen sie ein zuverlässiger Lieferant von Kernreaktoren und -brennstoffen für friedliche Zwecke
sein.

Es gibt zwei hauptsächliche Maßnahmen, die wir als Beitrag zu diesem

Ziel leisten können:
- Ich werde dem neuen Kongreß Gesetzgebungsvorschläge unterbreiten,
die die Ausweitung der Kapazität der Vereinigten Staaten zur Herstellung von
angereichertem Uran gestatten und die Vollmacht zur Ausweitung des staatseigenen Werkes in Portsmouth, Ohio, einschließen.

Ich werde ferner mit dem

Kongreß zusammenarbeiten, um einen Rahmen für private wettbewerbsfähige
Unternehmen zur Finanzierung, zum Bau, zum Besitz und zum Betrieb von Anreicherungsanlagen zu schaffen.
Die amerikanische Kapazität ist seit Mitte 1974 voll ausgelastet, so
daß neue Lieferverträge nicht mehr abgeschlossen werden können.

Der Kongreß

hat meine in Einzelheiten gehenden Vorschläge nicht verabschiedet und lediglich eine nach Umfang und Zeit begrenzte Vollmacht bezüglich der Erweiterung
des Werkes Portsmouth erteilt.

Wir brauchen weitergehende Vollmachten, um un-

verzüglich mit der Expansion der Kapazität vorankommen TU können.
- Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die Gewähr zu
schaffen, daß die Gesetzgebung zur Verbesserung unserer Ausfuhrkontrollen
Vorkehrungen einschließt, die die maximale Gewähr bieten, daß die Vereinigten
Staaten ein zuverlässiger Lieferant für andere Nationen während der gesamten
Zeit der Gültigkeit von Liefervereinbarungen sein wird.
Eine

der Hauptsorgen bezüglich der Exportgesetzgebung, die dem letzten

Kongreß vorgeschlagen worden war, stand im Zusammenhang mit der Befürchtung,
ausländische Kunden könnten willkürlich Kontrollen unterworfen werden, die
nach Unterzeichnung langfristiger Vereinbarungen und Lieferverträgen bezüg- 16 -

�bezüglich Kernkraftwerken und -brennstoffen verhängt werden.

Im Falle von

Kernanlagen und -brennstoffen sind verläßliche langfristige Vereinbarungen
dringend angezeigt, und wir müssen unsere Exportkontrollen dieser Tatsache
anpassen, damit sie einerseits die Verläßlichkeit garantieren und andererseits unseren Zielsetzungen auf dem Gebiet der Nicht-Proliferation Genüge
leisten.

V., Internationale Kontrollen zur Verhütung der Proliferation

Um die vorerwähnten politischen Maßnahmen zu verstärken, müssen wir
Mittel und Wege finden, internationale Beschränkungen bezüglich der Ansammlung von Plutonium zustandezubringen - ob in der Form von abgetrenntem Plutonium oder in Form von Plutonium in nicht aufbereiteten ausgebrannten Brennstoffen.

Die Anhäufung von Plutonium,insbesondere abgetrennten Plutoniums,

unter nationaler Überwachung, ist eines der wichtigsten Proliferationsris i ken.
- Ich weise den Außenminister an, raschestens Gespräche einzuleiten,
die die Schaffung einer neuen internationalen Regelung für die Lagerung von
Plutonium aus dem zivilen Bereich und von ausgebrannten Reaktorbrennstoffen
zum Ziel haben.
Die Vereinigten Staaten haben diesen Vorschlag der Internationalen
Energiebehörde (IAEA) und anderen interessierten Nationen bereits im Frühjahr dieses Jahres unterbreitet.
Die Schaffung einer solchen Regelung wird das Vertrauen der Welt erheblich stärken, daß die zunehmenden Mengen von überschüssigem Plutonium und
von

Abbrandelementen

bis zur Wiedereinschleusung in den nuklearen

Brennstoffzyklus oder bis zu einer anderweitigen gefahrlosen Beseitigung
sicher gelagert werden können.

Ich fordere die IAEA, die zur Schaffung von
- 17 -

�von Plutonium-Deponien ermächtigt ist, dringend auf, dieses Konzept umgehend
zu verwirklichen.
Wenn eine weithin repräsentative IAEA-Regelung zur Lagerung dieser Stoffe
zustandekommt, sind wir bereit, unsere eigenen überschüssigen zivilen Bestände
an Plutonium und Abbrandelementen ihrer Kontrolle zu unterstellen. ,
Wir sind darüber hinaus bereit, die Bereitstellung geeigneter Lagerplätze für
eine internationale Lagerung unter den Auspizien der IAEA in Erwägung zu ziehen.
Das Inspektonssystem der IAEA bleibt ein Schlüsselelement in unserer
gesamten Nicht-Proliferationsstrategie.

Die Weltgemeinschaft muß sicherstellen,

daß die Internationale Atomenergiebehörde über die technischen und menschlichen
Hilfsquellen verfügt, derer sie bedarf, um ihren zunehmenden Verantwortlichkeiten gerecht zu werden.

Auf meine Anweisung hin haben wir kürzlich erheb-

liche zusätzliche Mittel bereitgestellt, um dem Ausbau des technischen
Sicherungsapparates der IAEA zu fördern, und ich glaube, wir sollten die
Sicherheitsfunktionen der IAEA weiter stärken.
- Ich weise den Außenminister und den Leiter der ERDA an, größtmögliche
internationale Anstrengungen zu unternehmen, um sicherzustellen, daß angemessene
Hilfsquellen für diese Zwecke bereitgestellt werden und daß wir unsere besten
wissenschaftlichen Talente zur Unterstützung jener Behörde mobilisieren.

Unsere

wichtigsten nationalen Laboratorien mit einschlägigen Erfahrungen sind angewiesen, dem IAEA-Sekretariat auf kontinuierlicher Basis Hilfestellung zu
leisten.
Die schreckliche Zunahme von Gewalt und Terror überall auf der Erde hat
unser Bewußtsein der dringend gebotenen Gewährleistung eines umfassenden
Schutzes vor aktivierungsfähigen nuklearen Materialien und den dazugehörigen
Ausrüstungen geschärft. Möglicherweise wird die Notwendigkeit, dieser Probleme
Herr zu werden, nunmehr von weiteren Kreisen anerkannt. Viele Länder sind
auf meine diesbezüglichen Initiativen eingegangen, indem sie ihre technischen
- 18 -

�technischer Sicherungsvorkehrungen erheblich verschärft und an der Entwicklung internationaler Richtlinien für die IAEA mitgearbeitet haben.

Als Er-

gebnis von Konsultationen unter den wichtigsten Lieferstaaten wurden Vorkehrungen zur Gewährleistung der technischen Sicherheit zu einer normalen
Lieferbedingung erhoben.
Wir haben in den Vereinigten Staaten ein wirksames System technischer
Sicherungen.

Dennoch sind Maßnahmen erforderlich, die technischen Sicherungs-

systeme weiterzuentwickeln und eine unverzügliche internationale Zusammenarbeit bei der Wiederbeschaffung verlorener oder entwendeter Materialien zu gewährleisten.
Ich habe den Außenminister angewiesen, sich dem Problem der technischen
Sicherheit sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler Ebene zu widmen
und die Möglichkeit zum Abschluß einer internationalen Konvention energisch
zu sondieren.
Die Vereinigten Staaten haben die Entwicklung des Systems internationaler Kontrollen, das ich hier umrissen habe, zugesichert.

Selbst nach Ab-

schluß des Aufbaus wird ein Kontrollsystem nur wirksam sein, wenn hinsichtlich potentieller Verstöße die Auffassung herrscht, daß der Erwerb von Kernsprengstoffen von der Völkergemeinschaf

nicht mit Gleichgültigkeit hingenommen

werden wird.
Jede ernsthafte Verletzung einer nuklearen Sicherheitsvereir.barung
- insbesondere die Abzweigung von nuklearem Material für die Herstellung
von Sprengstoffen - muß universell als ein äußerst schwerwiegendes Vergehen
gegen die Weltgemeinschaft angesehen werden, das die sofortige Verhängung
drastischer Sanktionen erfordert.
Ich kündige heute an, daß die Vereinigten Staaten auf jeder Verletzung
von Sicherheitsvereinbarungen, die wir mitunterzeichnet haben, durch jedes
beliebige Land, mit der sofortigen Einstellung unserer Lieferungen von_
- 19 -

�von nuklearen Brennstoffen und unserer Zusammenarbeit mit ihm reagieren
werden.
Wir würden darüber hinaus auch noch weitergehende Maßnahmen, die sich
nicht notwendigerweise auf das Gebiet der nuklearen Zusammenarbeit beschränken müssen, gegen die des Vertragsbruchs schuldige Nation in Erwägung ziehen.
Und unsere Aktionen würden sich auch nicht auf die Verletzung von Abkommen
beschränken, an denen wir direkt beteiligt sind.

Im Falle ernsthafter Ver-

letzungen irgendwelcher Sicherheitsvereinbarungen, insbesondere aber von Abkommen mit der IAEA, werden wir umgehend Konsultationen mit allen interessierten Nationen aufnehmen, um eine Entscheidung über angemessene Maßnahmen herbeizuführen.
Die internationale Anerkennung der vollständigen Unannehmbarkeit der
Aufkündigung oder Verletzung von Nicht-Pro!iferationsvereinbarungen ist
einer der wichtigsten Schritte, die wir unternehmen können, um eine weitere
Proliferation zu verhindern. Wir fordern alle interessierten Regierungen
auf, öffentlich zu bekräftigen, daß sie jeder nuklearen Verfehlung als eine
untragbare Verletzung anerkannter Normen des internationalen Verhaltens betrachten werden, die umgehend strenge Gegenmaßnahmen auslösen würde.

VI. Die Nuklear-Exportpolitik der Vereinigten Staaten
Während der letzten beiden Jahre haben die Vereinigten Staaten ihre
eigene Nuklear-Exportpolitik gefestigt.
jedoch nicht nur auf Kontrollen.

Unsere Interessen beschränken sich

Die Vereinigten Staaten tragen eine be-

sondere Verantwortung, sich mit anderen Ländern in die Segnungen der friedlichen Atomenergie zu teilen.

Wir waren stets bemüht, anderen Nationen als

verläßlicher Lieferant von Nuklearbrennstoffen und den dazugehörigen Ausrüstungen zu dienen.

Wo immer wir vor der Wahl zwischen wirtschaftlichen Vorteilen

und Fortschritten in Richtung auf unsere Nicht-Proliferationsziele standen,
- 20 -

�standen, haben wir der Nicht-Proliferation Vorrang eingeräumt und wir werden
dies auch weiterhin tun.

Es sollte jedoch keine Unvereinbarkeit zwischen

Nicht-Proliferation und dem Bemühen bestehen, anderen Nationen dabei zu helfen, ebenfalls der Segnungen der friedlichen Kernkraft teilhaftig zu werden,
sofern alle Lieferstaaten eine gemeinsame Nuklearexportpolitik betreiben. Es
besteht allerdings die Notwendigkeit, noch strengere Kontrollen als die bisher
ausgeübten zu verhängen, und es besteht ferner die Notwendigkeit, politische
Richtlinien zu vereinbaren, die jene Nationen begünstigen,die aus Verantwortungsbewußtsein heraus Nicht-Proliferationsbeschränkungen auf sich nehmen.
- Ich habe beschlossen, daß wir fortan neue Kriterien zur Beurteilung
der Frage anwenden, ob wir einer neuen oder erweiterten Kooperationsvereinbarung beitreten oder nicht. Die Einhaltung des Abkommens über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen wird ein starker positiver Faktor sein, der
die Zusammenarbeit mit Staaten begünstigt, die nicht im Kernwaffenbesitz sind.
Staaten, die keine Kernwaffen besitzen und das Abkommen über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen nicht befolgt haben, werden positive Berücksichtigung finden, wenn sie bereit sind, bis zur Befolgung des Abkommens
den gesamten Brennstoffzyklus den SicherheitsVorkehrungen zu unterwerfen.
Wir werden Empfängernationen begünstigen, die bereit sind, auf die Errichtung nationaler Aufbereitungs- oder Anreicherungskapazitäten zu verzichten
oder diese langfristig hinauszuschieben, und auch solche, die in besonders gelagerten Fällen bereit sind, ihre Aufbereitungs- und Anreicherungsanlagen und
den Zeitpunkt ihres Baus so auszulegen, daß sie den Bedürfnissen der NichtProliferation Rechnung tragen.
Positive Anerkennung werden wir auch jenen Nationen zollen, die bereit
sind, sich an einer internationalen Lagerregelung zu beteiligen, derzufolge
ausgebrannte Brennstoffe und alles abgetrennte

Plutonium bis zu deren Ver-

wendung unterstellt würde.
Es
- 21 -

�Es mag Sonderfälle geben, in denen der Nicht-Proliferierung am ehesten
durch die Zusammenarbeit mit Ländern gedient wird, die diesen Anforderungen
noch nicht genügen.

Ich versichere jedoch, daß der Kongreß nicht ersucht

werden wird, ein neues oder geändertes Abkommen zu billigen, das nicht diesen
neuen Kriterien entspricht, sofern ich nicht persönlich dahingehend entscheide,
daß eine diesbezügliche Vereinbarung unsere Ziele im Bereich der Nicht-Proliferation voll und ganz unterstützt.

Im Falle einer solchen Entscheidung werde

ich dem Kongreß meine Gründe rückhaltlos darlegen.
- Bezüglich der Länder, die gegenwärtig Empfänger amerikanischer Nuklearlieferungen sind, weise ich den Außenminister an, Verhandlungen mit dem
Ziel aufzunehmen, diese Vereinbarungen auf die international vereinbarten
Richtlinien abzustimmen und durch diplomatische Initiativen und auch mit
Brennstofflieferungen gekoppelte Anreize zu versuchen, deren Zustimmung zu
unseren neuen Kriterien zu erlangen.
Wir müssen die Notwendigkeit effektiver multilateraler Nicht-Proliferationsvorkehrungen anerkennen und sicherstellen, daß Nuklear-Exportkontrollen
nicht zu einem Element des kommerziellen Wettbewerbs werden.
- Ich weise den Außenminister an, die Erörterungen mit anderen Nuklearlieferstaaten zu intensivieren, die darauf abzielen, die gemeinsamen Richtlinien für friedliche kooperative Vereinbarungen dahingehend zu erweitern,
daß sie mit diesen Kriterien übereinstimmen.
In diesem Zusammenhang wären die Vereinigten Staaten bereit, Mittel
und Wege zur Entwicklung von Anreizen in Erwägung zu ziehen, die zur Annahme
dieser Kriterien führen können, darunter die Gewährleistung von Brennstofflieferungen an solche Nationen, die die neuen Beschränkungen akzeptieren.
Die Zuverlässigkeit amerikanischer Zusicherungen an andere Nationen
ist ein Aktivposten* dem wenige Länder der Erde, wenn überhaupt eines,
Gleichwertiges entgegensetzen können. Wir dürfen ihn nicht verspielen. Nichts
- 22 -

�Nichts könnte in der Tat unsere Bemühungen zur Stärkung der bestehenden
Nicht-Proliferationsvereinbarungen mehr gefährden, als die willkürliche Aussetzung oder unbegründete Verzögerung der Einhaltung von Lieferverpflichtungen gegenüber Ländern, die in bezug auf wirksame Sicherheitsmaßnahmen
und -beschränkungen in gutem Glauben mit uns zusammenarbeiten.
Trotz meiner persönlichen Bemühungen, vertagte sich der 94. Kongreß,
ohne das Nuklearexportgesetz zu verabschieden, das unsere Position in Nuklearverhandlungen mit anderen Nationen erheblich gefestigt hätte.
- Angesichts des Fehlens eines solchen Gesetzes weise ich den Außenminister an, eng mit der Nuklearen Aufsichts- und Lizenzbehörde (Nuclear
Regulatory Commission - NRC) zusammenzuarbeiten, um eine angemessene Berücksichtigung der Nicht-Proliferationsbelange beim Lizenzierungsverfahren für
Nuklear-Exporte sicherzustellen.
Ich werde auch weiterhin darauf hinarbeiten, im Kongreß eine von beiden
Parteien getragene Unterstützung der Bemühungen zur Verbesserung unserer
Nuklear-Exportgesetzgebung zu erreichen.

VII. Ein Programm zur Beurteilung der Frage der Wiederaufbereitung
Die Weltgemeinschaft verlangt nach einem aktiven Programm zur Entwicklung der internationalen Kontrollen und kooperativen Regelungen, die ich vorstehend aufgezeigt habe. Ich bin bereit, ein solches Programm in den Vereinigten Staaten zu entwickeln.
- Ich weise den Leiter der ERDA an,
umgehend damit zu beginnen, ein Programm zur Beurteilung der Frage der
Wiederaufbereitung und der Wiederverwendung von Kernmaterial auszuarbeiten, das
- 23 -

�das im Einklang mit den in dieser Erklärung umrissenen internationalen
Zielsetzungen steht.

Dieses Programm soll die laufenden Überlegungen der

Nuklearen Aufsicht- und Lizenzbehörde bezüglich der technischen Sicherheit,
der internationalen Sicherheitsvorkehrungen und der Umweltschutzerfordernisse bei der Aufbereitung und Wiederaufbereitung und insbesondere die Erklärung des NRC bezüglich spezifischer Umweltschäden auf Grund der Verwendung gemischter Oxidbrennstoffe berücksichtigen; und
die Möglichkeit der Rückgewinnung des Energieanteils an Abbrandelementen
ohne Abtrennung des Plutoniums zu untersuchen.
- Ich weise den Außenminister an, andere Länder zur Teilnahme an der
Planung und Durchführung des ERDA-Programms zur Beurteilung von Verfahren
zur Aufbereitung und Wiederverwendung von Brennstoffen aufzufordern, insoweit dies mit unseren Zielsetzungen hinsichtlich der internationalen Zusammenarbeit auf dem Energiesektor und den Zielen der Nicht-Proliferation vereinbar
ist.

Ich werde anordnen, daß alle Maßnahmen, die in den Vereinigten Staaten

im Zusammenhang mit diesem Programm getroffen werden, den IAEA-Sicherheitsvorschriften und -inspektionen voll und ganz unterworfen werden.
•

.

VIII. Die Lagerung von nuklearem Abfall
Der Teil unseres heimischen Nuklearprogramms, der die langfristige
Lagerung von nuklearem Abfall aus unseren kommerziellen Kernkraftwerken betrifft, hat in der Vergangenheit nicht genügend Aufmerksamkeit erfahren. In
meinem Voranschlag für das Haushaltjahr 1977 schlug ich eine Erhöhung der
Haushaltmittel für dieses Programm das in den Tätigkeitsbereich mehrerer Bundesbehörden hineinreicht, um das Vierfache vor. Wir haben kürzlich eine abermalige Überprüfung des Programms vorgenommen, um festzustellen, welche zusätzlichen Maßnahmen erforderlich sind, um sicherzustellen, daß Mitte der achtziger Jahre im Bundesbesitz befindliche und vom Bund betriebene Deponien für
- 24 -

�für die langfristige Lagerung von nuklearem Abfall zur Verfügung stehen,
noch ehe sich beträchtliche Mengen solcher Abfallstoffe ansammeln.
Es wurde mir versichert, daß die Technologie für die langfristige Lagerung oder Beseitigung von muklearem Abfall verfügbar ist, daß aber notwendig sei, Demonstrationsprojekte zu errichten.
- Ich habe den Leiter der ERDA angewiesen, die notwendigen Schritte zu
unternehmen, um dieses Programm zu beschleunigen, damit bis 1978 alle Komponeten der Technologie der Abfall Verwahrung und bis 1985 eine vollständige Deponie für solche Abfälle als Demonstrationsvorhaben in der Praxis zur Verfügung stehen.
- Ich habe ferner angeordnet, daß bei der NRC Antrag auf Lizenzierung
der ersten Demonstrations-Deponien für hochgradigen Abfall, die im Besitz der
Regierung sein wird, gestellt wird, um deren technische Sicherheit und die
Vereinbarkeit mit den Erfordernissen des Schutzes der Bevölkerung zu gewährleisten.
Im Hinblick auf die heute bekanntgegebenen Entscheidungen habe ich den
Leiter der ERDA ferner angewiesen, die Gewähr zu schaffen, daß die Abfalldeponien in der Lage sein werden, auch Abbrandelemente sowie getrennte und verfestigte Abfallstoffe aufzunehmen, die anfallen würden, falls wir die Wiederaufbereitung nuklearer Brennstoffe weiter betreiben.
Die Vereinigten Staaten spielen auch künftig auf dem Gebiet der Beseitigung von nuklearem Abfall die führende Rolle in der Welt.

Ich fordere an-

dere Nationen auf, sich an unseren Programmen zu beteiligen

und daraus zu

lernen.
- Ich weise den Außenminister an, mit anderen Ländern und mit der IAEA
die Möglichkeit der Errichtung zentral gelegener und auf multinationaler Basis
zu betreibender Deponien für nukelaren Abfall zu erörtern, damit die Zahl der
- 25 -

�der hierzu benötigten Lagerplätze begrenzt werden kann.

Die zunehmende Verwendung von Kernenergie in den Vereinigten Staaten
Trotz aller Anstrengungen zur Einsparung von Energie wird die Energienachfrage in den Vereinigten Staaten auch weiterhin auf Grund des zunehmenden
Energiebedarfs einer expandierenden Volkswirtschaft

steigen.

Die ein-

zige Alternative zu einem zunehmenden Einsatz von Kernenergie und Energie aus
Kohle für die nächsten 15 bis 20 Jahre wäre eine Vertiefung unserer Abhängigkeit von öleinfuhren, die die Stärke und das Wohlergehen unseres Landes gefährden würde.
Es werden heute in den Vereinigten Staaten 62 lizenzierte Kernkraftwerke
betrieben, auf die ungefähr neun Prozent an der US-Elektrizitätserzeugung entfallen. Bis 1985 werden wir 145 bis 160 Kernkraftwerke besitzen, die 20 Prozent oder mehr der Elektrizitätserzeugung unseres Landes bestreiten werden.
In vielen Fällen ist Elektrizität aus Kernkraftwerken merklich billiger
als Elektrizität aus öl- oder kohlebeheizten Kraftwerken. Kernenergie ist im
Hinblick auf die Erfordernisse des Umweltschutzes anderen Formen der Stromerzeugung in mehrerer Hinsicht vorzuziehen.
Die kommerziellen Kernkraftwerke genießen, was die Sicherheit angeht,
einen ausgezeichneten Ruf, haben sie doch in nahezu 200 Betriebsjahren (die
Betriebszeit aller Kernkraftwerke in 18 Jahren zusammengerechnet) nicht einen
einzigen Todesfall als Folge eines nuklearen Betriebsunfalls zu verzeichnen.
Ich habe Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen,daß dieser gute Ruf auch in
Zukunft gewahrt werden kann. So habe ich beispielsweise die Haushaltansätze
der selbständigen Nuklearen Aufsichts- und Lizenzbehörde und der Behörde für
Energieforschung und -entwicklung für Zwecke der Sicherheitsforschung aufgestockt.
Die
- 26 -

�Die Entscheidungen und Maßnahmen, die ich heute bekanntgebe, werden
mit dazu beitragen, bestehende Unsicherheiten zu beseitigen, die bisher dazu
geführt haben, eine umfassendere Nutzung der Kernenergie in den Vereinigten
Staaten hinauszuzögern.

Eine wie große Bedeutung der Entscheidung, die Wieder-

aufbereitung aufzuschieben, auch zukommen mag, wird sie uns nicht an der zunehmenden Nutzung der Kernenergie hindern.

Wir sind in Amerika mit unserem

Kernenergieprogramm auf dem richtigen Weg.

Die Änderungen, die ich heute be-

kanntgebe,

schaffen die Gewähr, daß wir auf diesem Wege fortfahren.

Meine heutigen Entscheidungen haben keinerlei Auswirkungen auf das
amerikanische Forschungs- und Entwicklungsprogramm um Brutreaktoren. Dieses
Programm beruht auf der Annahme, daß vor 1986 keine Entscheidung über den
kommerziellen Betrieb von Brutreaktoren, die Plutoniumbrennstoffe erfordern,
getroffen werden wird.

Schlußbemerkung
Ich unterschätze die Herausforderung, vor die uns die Schaffung eines
weltweiten Programms zur Nutzung der Vorteile der Kernenergie bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des erforderlichen Schutzes vor einer nuklearen Proliferation stellt, nicht im geringsten. Es handelt sich hierbei um eine Herausforderung, der wir durch technische Maßnahmen nur teilweise und zeitweise begegnen können.
Sie ist nur dann voll und ganz zu meistern, wenn die Völker bereit sind,
auf offensichtliche kurzfristige Vorteile zugunsten grundlegender langfristiger
Erträgnisse zu verzichten. Wir fordern alle Nationen auf, zu erkennen, daß
ihren individuellen und kollektiven Interessen am ehesten durch international
gewährleistete und gesicherte Lieferungen von Kernbrennstoffen und die dazugehörigen Dienstleistungen und Lagerstätten gedient ist. Wir ersuchen sie,
von dem Bestreben abzulassen, nukleare Kapazitäten zu erwerben, die von zwei fei - 27 -

�I

I
zweifelhaftem wirtschaftlichem Wert sind und ominöse Implikationen bezüglich der nuklearen Proliferation und der Instabilität überall auf der Welt
haben.
Der zunehmende internationale Konsensus bezüglich der Notwendigkeit
der Verhinderung der Proliferation von Kernwaffen ist eine Quelle der Ermutigung, nicht aber ein Grund zur Selbstgefälligkeit.
Ein Erfolg in den Bemühungen, der Herausforderung zu begegnen, vor die
wir uns gestellt sehen, hängt von einer außerordentlichen Koordination der
Politik aller Nationen um des gemeinsamen Wohles willen ab.

Die Vereinigten

Staaten sind bereit, hierbei die Führungsrolle zu übernehmen, können aber für
sich allein nicht obsiegen.

Wenn die Nationen gemeinsam konstruktiv und im

Geist der Zusammenarbeit handeln, um die gemeinsamen Nuklearprobleme in den
Griff zu bekommen, werden wir damit unsere kollektive Sicherheit erhöhen.
Wir werden dann besser in der Lage sein, unsere Energien und unsere Hilfsquellen auf die große Aufgabe des Aufbaus zu verwenden, statt sie in einer
immer gefährlicheren Rivalität zu vergeuden.

�J. amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300
Telex:08-85432

21/1976

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR AMERIKANISCHEN NUKLEARPOLITIK
Erwiderung auf die Veröffentlichung Fords -

New York - (AD) - Jimmy Carter, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, hat in einer Erwiderung auf die Erklärung von Präsident Ford zur
amerikanischen Nuklearpolitik am 28. Oktober seinerseits in einer Stellungnahme das Thema als durchaus der Erwägung eines Präsidenten w'ütdig, jedoch
als "zu wenig und zu spät" bezeichnet. Die in New York veröffentlichte
Erklärung Carters hat folgenden Wortlaut:
Wenngleich Präsident Ford schließlich und endlich erkannt hat, daß die
Ausbreitung von Kernwaffen eine Angelegenheit ist, die der Überlegungen eines
Präsidenten würdig ist, so ist doch seine heutige Erklärung zu wenig und
zu spät. Es handelt sich nur um ein schwaches Echo auf die starke und
verantwortungsbewußte Poltiik, die ich immer wieder zur Kontrolle der
nuklearen Proliferation vorgeschlagen habe.
In der Zeit der Präsidentschaft Fords haben drei Ereignisse stattgefunden,
die all denen recht gegeben haben, die eine Ausbreitung der Kernwaffen befürchten.
Indien hat eine Kernwaffe zur Explosio.. gebracht, ohne daß irgend eine
Maßnahme, ja auch nur ein formeller Protest seitens der Vereinigten Staaten
erfolgt wäre.

Unser eigenes

Außenministerium befürwortet noch immer neue

nukleare Verkäufe an Indien, obwohl Indien amerikanisches Material zur
Herstellung
- 1 -

�Herstellung seiner ersten Waffe benutzt hat und wir keine Zusicherungen
haben, daß es in Zukunft davon Abstand nehmen wird.
Die Franzosen haben sich bereit erklärt, Pakistan eine Anlage zu verkaufen, die dieses Land in die Lage versetzen würde, eine Bombe herzustellen.
Die Bundesrepublik Deutschland hat einen ähnlichen Verkauf mit Brasilien
vereinbart.

Aber während der ganzen Verhandlungen über diese Verkäufe

haben es der Präsident und Außenminister Kissinger versäumt, im Namen
unseres Landes ihre Ablehnung zum Ausdruck zu bringen.

Im Gegenteil, der

heutige Vorschlag des Präsidenten enthält keinerlei Hinweise oder Vorschläge wie diese ernsten Proliferationsprobleme behandelt werden sollten.
Es fällt mir schwer zu glauben, daß der Zeitpunkt der Veröffentlichung
dieses Vorschlages nichts mit wähl politischen Erwägungen zu tun hat.

Ich

bedaure es, daß diese Erklärung nicht vor der außenpolitischen Debatte oder
zumindest vor unserer allgemeinen Debatte am Freitag veröffentlicht worden
ist.

Das amerikanische Volk hätte eine Chance verdient, die Unterschiede

zwischen unseren Auffassungen in einer Frage zu prüfen und zu werten, die
von lebenswichtiger Bedeutung für unsere nationale Sicherheit und den
Weltfrieden ist.
Ich möchte hier einige dieser Unterschiede aufzählen:
Als Nukleartechniker erkenne ich sehr wohl den Nutzen,aber auch die
Risiken nuklearer Energie. Während wir uns zwar weiterhin zur Deckung eines
Teils unseres Bedarfs an Strom auf Kernreaktoren werden verlassen müssen,
werde ich versuchen, unsere Abhängigkeit von dieser Energiequelle auf einem
Minimum zu halten. Mr. Ford dageqen befürwortet eine stärkere Nutzung von
Nuklearenergie in unserem eigenen Lande und in allen anderen Ländern der
Welt.
Nach meiner Überzeugung können Energieeinsparung und eine Verlagerung
auf Kohle unserem Lande wesentlich bei der Dekcung unseres Energiebedarfs
helfen

�helfen.

Mit seiner Befürwortung der Nuklearenergie legt Mr. Ford nur ein

Lippenbekenntnis zur Energieeinsparung und zum Ausbau der Kohle ab.
Ich bin nicht der Meinung, daß wir die Wiedergewinnung von Plutonium
für Waffen aus Reaktorbrennstoffabfall betreiben sollten, es sei denn, es
stellt sich eindeutig heraus, daß dies notwendig, sicher und wirtschaftlich
ist. Mr. Fords heutiger Vorschlag verschleiert nur dünn sein Interesse an
einem massiven Ein-Milliarden-Dollar-Regierungsprogramm für die Rückgewinnung von Plutonium durch eine sogenannte Anreicherung. Das "Wall Street
Journal" bezeichnete seinen Vorschlag, der bereits an die Presse durchgesickert war, als "einfach schrecklich". Ein solcher Vorschlag erklärt der
übrigen Welt - und unserem eigenen Volk - "tut das, was wir sagen, und
nicht das, was wir tun."
Ich bin der Auffassung, daß die Vereinigten Staaten eine starke Führung
bieten und ihre eigenen Experten auf dem Gebiet nuklearer Brennstoffe und
der Nukleartechnologie einsetzen müssen, um andere Länder davon zu überzeugen, daß sie nicht nach der Technologie zur Herstellung der Bombe streben
oder daß si&lt;? diese Technologie nicht verkaufen« Mr 0 Ford zählt nur einige
wenige Kriterien auf, von denen er nicht einmal verspricht, sie auf alle
Länder anzuwenden, und er macht damit nicht einmal den Versuch, ernsthaft der
Verhütung der Ausbreitung der Kernwaffen verpflichtet zu erscheinen.
Hätte Mr. Ford seinen heutigen Vorschlag vor zwei Jahren unterbreitet,
dann wäre das ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Heute handelt es
sich um einen kurzsichtigen, von Wahlkamrferwägungen gleiteten Versuch, die
schwachen Leistungen der Vergangenheit zu korrigieren. Ich bin überzeugt,
daß das amerikanische Volk trotz der Kompliziertheit dieser Frage die fundamentalen Gefahren begreift, die in einer weiten Verbreitung der Verfügbarkeit von Kernwaffen liegt. Indien, Pakistan, Brasilien, Ägypten, Taiwan
und Korea haben alle ihr Interesse an der Bombe zum Ausdruck gebracht. Das
amerikanische Volk ist sich bewußt, daß wir mit der Korrektur eines bereits
ernsten Problems eine schwere Aufgabe vor uns haben. Die Entschuldigungen
des
- 3 -

�des Präsidenten, der Kongress habe versagt, wenn in Wirklichkeit das
•Weiße Haus sich gegen die Maßnahmen des Kongresses gestellt hat, werden
nicht ziehen.
Die Vorschläge, die ich im Mai dieses Jahres den Vereinten Nationen
und erneut im September dieses Jahres in San Diego unterbreitet habe, enthalten die festen Zusagen, die unser Land braucht, um die Vereinigten
Staaten - und alle anderen Nationen - von den unannehmbaren Gefahren eines
Atomkrieges und des nuklearen Terrorismus wegzuführen.

+

+

+

�</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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300

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und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

27. Oktober 1976

20

Inhalt

DOKUMENTATION

Die moralischen Grundlagen der amerikanischen Außenpolitik
Von Henry Kissinger

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Dokumentation

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

20/1976

DIE MORALISCHEN GRUNDLAGEN DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
Von Henry Kissinger

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister Henry Kissinger hat am 19. Oktober
1976 in einer vielbeachteten Rede die moralischen Grundlagen der Außenpolitik der USA
umrissen und dabei festgestellt, daß die
Außenpolitik Amerikas der moralischen Verheißung der Nation gerecht werden müsse, während sie gleichzeitig den praktischen Erfordernissen der Weltordnung Rechnung trage.
In seinem Grundsatzreferat anläßlich eines
Essens zum 50jährigen Jubiläum des Rates
der Synagogen Amerikas in New York sagte der
Außenminister, die USA hätten international
immer dann ihre größte Wirksamkeit erzielt,
wenn die idealistischen und die pragmatischen
Traditionen des Landes miteinander zum Tragen
gebracht worden seien.
Die Rede Kissingers hat folgenden Wortlaut:
Die Amerikaner stehen heute inmitten der alle vier Jahre stattfindenden
Debatte über unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und über die Zukunft, die
wir zu schaffen hoffen.

Es ist eine dramatische Demonstration

serer Demokratie und der Größe unserer Nation.

der Stärke un-

Was immer das Ergebnis sein

mag, wir Amerikaner sollten stolz darauf sein, daß wir wieder einmal die Lebenskraft einer freien Gesellschaft unter Beweis gestellt haben, die den zahllosen
Millionen in aller Welt die von Gewaltregimen und intoleranten Ideologien be-

�i

beherrscht werden, Hoffnung gibt.
Es ist auch - wollen wir ehrlich sein - eine Zeit der Verwirrung und
Übertreibung,

Manche Leute sagen uns, wir seien schwach; andere sagen uns,

wir seien starko

Manche Leute sagen, daß unser Prestige schwinde; andere be-

haupten, daß unser weltweiter Einfluß auf Frieden und Fortschritt niemals
größer gewesen sei. Manche Leute sagen uns, daß wir uns überall auf der Welt
auf dem Rückzug befänden, andere wiederum sagen uns, daß wir draußen in der
Welt niemals mehr respektiert worden und erfolgreicher gewesen seien als heute.
Als Außenminister muß ich mich natürlich von parteipolitischen Debatten
fernhalten, obwohl meine Sympathien aus bestimmten Gründen nicht bei den "manchen Leuten", sondern bei den "anderen" liegen.
Aber wie sehr auch immer die Meinungen der Amerikaner in spezifischen Fragen ,
auseinander gehen mögen, die Geschichte der Nachkriegszeit hat keinen Zweifel
über Art und Wesen unserer globalen Verantwortung gelassen. Ohne den Einsatz
*
Amerikas kann es keine wahre Sicherheit in der Welt geben. Ohne unser Eintreten kann es keinen Fortschritt geben. Ohne unsere Stärke werden die Völker auf
der ganzen Welt in Furcht leben. Ohne unseren Glauben und unsere Treue werden
sie in Verzweiflung leben.
Amerikas Beitrag zum weltpolitischen Geschehen entstammt aus unserer Überzeugung, daß»selbst wenn die Geschichte oft grausam ist, das Schicksal durch
menschlichen Glauben und menschlichen Mut gestaltet werden kann. Unser Optimismus ließ uns begreifen, daß die größten Leistungen Träume waren, ehe sie zur
Wirklichkeit wurden. Wir haben - wie nur wenige sonst - aus Erfahrung gelernt,
daß alles, was schöpferisch ist, letztlich eine moralische Gewißheit ist - der
Glaube, der auch dort wagt, wo die Sicherheit fehlt, der Mut, angesichts von
Not und Mißgeschick voranzuschreiten.
Für uns alle hier ist das überleben und die Sicherheit Israels ein tiefes
Anliegen. Aber wir wissen auch, daß selbst das Schicksal unserer engsten Freunde
- 2 -

�Freunde nicht in einem Vakuum gesichert werden kann.

Frieden, Fortschritt und

Gerechtigkeit werden nur dann für Amerika oder Israel zu einem sicheren Besitz
werden, wenn sie in einer friedlichen, fortschrittlichen und gerechten internationalen Ordnung eingebettet sind.

Die Aufgaben, eine solche Ordnung zu ge-

stalten, ist die fundamentale Herausforderung an unsere

Zeit.

Kein Volk hat mehr von des Menschen Erhöhung - und des Menschen Erniedrigung - erfahren als das jüdische Volk.

Das jüdische Volk weiß, daß das über-

leben ein ständiges Kämpfen und Ringen ist.

Aber es weiß genau so gut, daß der

Friede - wenn er mehr als eines Propheten Traum sein soll - auf dem Gewissen der
Menschheit ruhen muß, das durch konkrete Anstrengungen aller Völker und aller Nationen seinen Ausdruck findet.
Amerika ist auf Grund seines eigenen Erbes ständig um eine solche Erforschung seines Gewissens bemüht. Wie dient unsere Außenpolitik moralischen
Zwecken? Wie kann Amerika seine Rolle als Beispiel des Humanen und als Vorkämpfer der Gerechtigkeit in einer Welt spielen, in der die Macht doch oft noch
den letzten Ausschlag gibt? Wie können wir beides - unsere Existenz und unsere
Werte - Sichern? Wie können wir Mittel und Zweck, Prinzip und überleben miteinander in hinklang bringen?
Diese Fragen sind in unserer ganzen Geschichte gestellt worden; sie werden
heute zu Recht erneut gestellt. Aber sie erfordern mehr als simple Antworten
und gängige Schlagworte.
Es besteht kein Zweifel, daß Politik ohne moralische Zielsetzung wie ein
Schiff ohne Steuer ist, das richtungslos von Krise zu Krise treibt.

Eine auf

bloßer Berechnung beruhende Politik ist inhaltsleer, ohne Vision und Humanität.
Ihr fehlt nicht nur die Richtung, sondern auch die Verankerung und das Herz.
Amerikaner haben stets die Ansicht vertreten, daß Amerika für eine moralische
Zielsetzung über und jenseits der materiellen Errungenschaften eintritt.
Aber

�»

Aber wir müssen uns auch daran erinnern, daß die Politik die Kunst des
Möglichen ist; die Wissenschaft vom Relativen.

Wir leben in einer Welt mit

150 souveränen Nationen, tiefgreifenden ideologischen Differenzen und nuklearen
Waffen

Unsere Macht ist gewaltig, aber sie ist dennoch endlich und begrenzt.

Eine wahrhaft moralische Politik muß die Ziele zu den Mitteln und die Verpflichtungen zu den Möglichkeiten ins Verhältnis setzen.

Amerika muß,um sich selbst

treu zu sein, seinen Blick auf entfernte Horizonte gerichtet halten; wir müssen
aber auch mit unseren Beinen fest auf dem Boden der Wirklichkeit stehen,, W
müssen Moral von moralisieren unterscheiden lernen.

Wir müssen uns erinnern,

daß die feierliche Anrufung hochfliegender Prinzipien in unserer Geschichte genau so oft zu Verzicht wie zu Übereinsatz geführt hat«

Beide Tendenzen aber

wären für die internationale Ordnung und unser Wohlergehen katastrophal.
Es ist die große Aufgabe der amerikanischen Außenpolitik, der moralischen
Verheißung Amerikas gerecht zu werden und dabei die praktischen Erfordernisse
der Weltordnung zu erfüllen.

Wie wir damit fertig werden, wird für den Frieden

und den Fortschritt Amerikas und der Welt entscheidend sein.
Das ist das Thema, über das ich heute mit Ihnen sprechen möchte.
Von Anbeginn ihrer Geschichte an haben die Amerikaner geglaubt, daß dieses
Land eine moralische Aufgabe und Bedeutung habe, die seine geographische, militärische und wirtschaftliche Macht transzendiere. Ohne Beispiel unter den anderen Nationen der Welt wurde Amerika als eine bewußte Tat von Männern geschaffen, die mit voller Hingabe für ein System politischer und ethnischer Grundsätze
eintraten, die - wie sie glaubten - weltweit gültig und anwendbar seien. Wen
kann es wundern, daß dann Santayana zu dem Schluß kam: "Ein Amerikaner zu sein,
das ist als solches schon beinahe ein moralischer Zustand."
Aber dieser Idealismus stand auch in ständiger Spannung zu einer anderen
tiefreichenden Strömung in unserer geschichtlichen Erfahrung. Seit de Tocqueviile
ist immer wieder darauf hingewiesen worden, daß wir auch ein pragmatisches Volk
seien - mit common sense, undogmatisch und undoktrinär - eine Nation, deren
- 4 -

�deren Energie, Einfallsreichtum und Geist auf die Praxis ausgerichtet sind.
Wir haben die Toleranz und den Kompromiß zur Grundlage unseres politischen Lebens hier in den USA gemacht.

Wir haben unsere grundsätzlichen Ziele defi-

niert - Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Fortschritt - und zwar in
offener und freiheitlicher Form, wodurch die Chancen und die Freiheit

ver-

größert und keine uniformen Verhaltensnormen aufgezwungen werden.
Amerika hat international immer dann seine größte Wirksamkeit erzielt, wenn
unsere idealistischen und pragmatischen Traditionen miteinander zum Tragen gebracht wurden. Unsere Gründerväter waren Idealisten, die ein neues Experiment
der menschlichen Freiheit begannen. Sie waren aber auch welterfahrene und weltoffene Männer; sie verstanden etwas vom europäischen Gleichgewicht der Kräfte
und wandten dies in brillanter Weise an, um ihre Unabhängigkeit zu sichern.
Danach widmeten wir unsere Energie ein Jahrhundert lang der Entwicklung
unseres Kontinents, bereit, die Welt durch ein moralisches Beispiel zu beeinflussen.

Durch zwei Ozeane und die britische Marine abgeschirmt und mit einer

freigebigen Natur des Landes gesegnet, gelangten wir zu der Überzeugung, daß
unsere spezielle Situation

weltweit Gültigkeit habe - selbst für Länder, deren

engerer Lebensraum bedeutete, daß ihre Auswahlmöglichkeiten weitaus begrenzter
waren als die unsrigen.

Wir schätzten die Macht gering ein, selbst als wir

stärker wurden; wir neigten dazu, unsere Erfolge nicht als Ergebnis günstiger
Umstände zu sehen, sondern als das Resultat von Tugend und der Reinheit unserer Motive.
Als unsere Macht wuchs, wurden uns ihre Anwendung und die damit verbundene Verantwortung unbehaglich; wir wurden ungeduldig bezüglich der Kompromisse
der tagtäglichen Diplomatie.

Unser Aufstieg zur Großmacht wurde von zahlreichen

Amerikanern gefürchtet und abgelehnt, die nur den Prozeß einer immer größeren
Verwicklung in eine moralisch fragwürdige Welt voraussahen.
In den frühen Jahrzehnten dieses Jahrhunderts versuchten wir, die Spannungen
zwischen Idealen und Interessen dadurch auszugleichen, daß wir uns auf humanitäre
- 5 -

�humanitäre Anstrengungen beschränkten und Zuflucht nahmen zu unserem Glauben
an die Vorherrschaft des Rechts. Wir leisteten Pionierarbeit bei den Hilfsprogrammen, wir setzten uns für freien Handel und Auslandsinvestitionen ein.
Wir bemühten uns um juristische Lösungen von internationalen Konflikten - wir
versuchten es mit Schlichtung, Aussöhnung, juristischen Vorkehrungen, Verträgen
zur Beseitigung des Krieges, Neutralitätsgesetzgebung, kollektiven Sicherheitssystemen o Diese Anstrengungen, die Realität der Macht zu verbannen, wurden
durch unser Engagement in zwei Weltkriegen zunichte gemacht.

Während wir ein

klares Sicherheitsinteresse an einem Europa hatten, das frei von Beherrschung
durch irgendeine Macht war, verschleierten wir dieses Interesse mit Behauptungen,
daß wir eigentlich für weltweite moralische Ziele - "einen Krieg zur Beseitigung
des Krieges" - oder für die bedingungslose Kapitulation des Aggressors kämpfen
würden.
Eine Desillusionierung machte sich breit, als das Ergebnis der beiden Weltkriege zwangsläufig nicht den Erwartungen entsprach. Nach dem Ersten Weltkrieg
wuchs die Flut isolationistischer Gefühle, die moralische Proklamationen mit
der Verweigerung konkreter Verpflichtungen verbanden. Wir waren nicht willens,
uns einer Welt mangelhafter Sicherheit, unbequemer Bündnisse, sich ständig
wiederholender Krisen sowie der Notwendigkeit einer politischen Struktur zu
stellen, die den Frieden sichern würde.
Unsere erste längere Periode einer Führungsrolle in der Welt in Friedenszeiten während der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg war getragen von einem
überaus großen Selbstbewußtsein, das glücklicherweise mit einer überwältigenden
materiellen Überlegenheit gepaart war. Und wir standen einem Gegner gegenüber,
dessen politisches System und dessen Handeln auf weltpolitischer Bühne unsere
am höchsten geschätzten Grundsätze ausdrücklich in ihrer Existenz bedrohten.
In einer Zeit, in der offensichtlich eine eindeutige, traditionelle SchwarzWeiß-Betrachtungsweise vorherrschte, sahen wir uns auf der ganzen Welt wirtschaftlichen Problemen gegenüber - die wir im eigenen Lande erfolgreich gelöst hatten
und die wir nun überall zu überwinden suchten, indem wir einfach das Gewicht

�Gewicht unserer materiellen Mittel in die Waagschale warfen - oft mit erstaunlichem Erfolg.

Wir projizierten unsere innenpolitischen Erfahrungen ins Aus-

land und gingen davon aus, daß wirtschaftlicher Fortschritt automatisch zu politischer Stabilität führen müsse.

Und im Verlauf dieses Prozesses - ohne eine

bewußte Entscheidung in diesem Sinne zu treffen - versuchten wir, die Welt nach
unseren Vorstellungen zu gestalten.

Die Welt ist komplexer geworden
Unsere Politik nach dem Kriege war durch große Erfolge gekennzeichnet:
Wiederaufbau Europas und Japans, Widerstand gegen Aggression und Förderung der
Entkolonialisierung.
Unsere heutige Welt ist nicht mehr so einfach.
Wir bleiben weiterhin die stärkste Nation und der größte Einflußfaktor in
der Weltpolitik. Dreißig Jahre lang hat unsere Führung für Weltfrieden, Fortschritt und Gerechtigkeit gesorgt. Unsere Führung wird heute noch genau so gebraucht, aber sie muß im Lichte veränderter Bedingungen neu definiert werden.
Wir leben nicht mehr in einer Welt des amerikanischen Nuklearmonopols,sondern
in einer Welt des praktischen nuklearen Gleichgewichts. Wir leben nicht mehr
in einer Welt solider Blöcke und klarer Trennungslinien, sondern in einer Welt
ständig zunehmender Zentren der Macht und des Einflusses. Wir leben nicht mehr
in einer Welt, die nationalen oder regionalen Lösungen zugänglich wäre, sondern
in einer Welt der wirtschaftlichen Interdependenz und gemeinsamer globaler Aufgaben.
Damit machten wir Amerikaner zum ersten Mal die Erfahrung, daß wir uns
weder der Welt entziehen noch sie beherrschen können.

Wir müssen vielmehr

- wie alle anderen Völker in der Geschichte - heute unsere Diplomatie

mit

Fingerspitzengefühl, Flexibilität, Beharrungsvermögen und Einfallsreichtum füh-

�fuhren, wenn wir unsere nationalen Ziele bewahren und fördern wollen.
Wir können nicht mehr anderen unsere Lösungen aufzwingen; und doch wird
unser Handeln - oder unsere Tatenlosigkeit - den Gang der Ereignisse, oft entscheidend, beeinflussen.

Wir können nicht die Macht aus der Weltpolitik verban-

nen, aber wir können unsere gewaltige Macht klug und fest benutzen, um vor der
Aggression abzuschrecken und die Zurückhaltung zu ermutigen.
legung von Streitigkeiten durch Verhandlungen fördern.

Wir können die Bei-

Wir können zum Aufbau

gerechterer Beziehungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern und
einer stärkeren Interessengemeinschaft aller Nationen beitragen.

Und wir müs-

sen weiterhin für Freiheit und Menschenwürde in der Welt eintreten.
Das sind Ziele, die es wert sind, verfolgt zu werden.
werden.

Sie können erreicht

Aber sie verlangen eine andere Dimension der moralischen Überzeugung

als jene einer einfacheren Vergangenheit.

Sie verlangen Standfestigkeit, um

inmitten von Zwiespältigkeit und endloser Belastung auszuharren; sie verlangen
den Mut, an dem festzuhalten, an das wir glauben - auch in der Erkenntnis, daß
jedes Mal unsere Hoffnungen wahrscheinlich nur zum Teil erfüllt werden.
Wir dürfen niemals vergessen, daß wir vor anderthalb Jahrzehnten genau
unter den Bannern weltweiter moralistischer Schlagworte zu Abenteuern antraten,
die unser Land spalteten und unsere internationale Position unterhöhlten. Erst
in den letzten Jahren haben wir wieder damit begonnen, unsere Verpflichtungen
entsprechend unseren Fähigkeiten auszurichten.
Wir müssen ohne Frage unsere Werte und unsere Grundsätze aufrechterhalten;
aber wir riskieren eine Katastrophe, wenn wir sie nicht nach nationalen Interessen und einer internationalen Ordnung ausrichten, die nicht auf dem Impuls,
sondern auf einer stetigen Zielsetzung beruhen, die das amerikanische Volk auf
lange Sicht aufrechterhalten kann.
Hier geht es nicht um eine Wahl zwischen Moralität und Pragmatismus. Wir
können der einen wie dem anderen nicht ausweichen,ohne unserem eigenen National- 8 -

�Nationalcharakter oder den Erfordernissen der Weltgemeinschaft untreu zu werden.

Unsere Sache muß eine gerechte Sache sein, aber sie muß in einer Welt

souveräner Nationen und konkurrierender Willen gedeihen können.

Wir können

keine positiven Ziele erreichen, wenn wir nicht überleben; und überleben stellt
ganz praktische Anforderungen.

Weder moralistische Rhetorik noch eine Politik

reiner Machtbesessenheit werden eine Außenpolitik hervorbringen können, die
unserer Chancen wert wäre - oder für unser überleben ausreichen würde.

Die Moralitat von Mittel und Zweck
Amerika - und die Gemeinschaft der Völker - stehen heute vor unausweichlichen Aufgaben:
- Wir müssen einen sicheren und gerechten Frieden aufrechterhalten.
- Wir müssen eine kooperative und allen nützlichen internationale Ordnung
schaffen.
- Wir müssen die Rechte und die Würde des Menschen verteidigen.
Jede dieser Aufgaben hat eine moralische und eine praktische Dimension.
Bei jeder geht es um wichtige Zwecke, aber Zwecke, die manchmal im Gegensatz
zueinander stehen. Wenn das der Fall ist, dann stehen wir wirklich vor dem
moralischen Dilemma der Außenpolitik: der Notwendigkeit, zwischen legitimen
Zielen und Zwecken zu wählen und unsere Zwecke den Mitteln anzupassen.

Frieden
In einem Zeitalter, in dem der Fortbestand der Menschheit überhaupt durch

�durch einen nuklearen Weltbrand bedroht ist, ist der Friede ein fundamentales
moralisches Gebot.

Ohen Frieden kann nichts anderes, was wir tun oder anstre-

ben, letztlich Bedeutung haben.

Niemand soll sich darin täuschen - die Abwen-

dung der Gefahr eines Atomkrieges und die Begrenzung und schließliche Verringerung der zerstörerischen nuklearen Arsenale ist ein moralischer und ein politischer Akt.
Im Nuklearzeitalter müssen traditionelle Machtpolitik, der Kampf um marginale Vorteile, das Streben nach Prestige und einseitigen Gewinnen einem bisher nie dagewesenen Verantwortungsgefühl weichen.

Die Geschichte lehrt uns, daß

Kräfteverhältnisse auf der Grundlage eines ständigen Messens der Kräfte immer
zum Krieg geführt haben.

Aber der gesunde Menschenverstand sagt uns, daß wir

im Nuklearzeitalter nicht zulassen dürfen, daß sich die Geschichte wiederholt.
Jeder Präsident wird früher oder später mit Präsident Eisenhower übereinstimmen
müssen, daß "es keine Alternative zum Frieden gibt".
Aber so entscheidend wichtig der Frieden ist, so kann er doch nicht unser
einziges Ziel sein. Wenn wir ihn um jeden Preis anstreben würden, dann würde
uns das moralisch wehrlos machen und die Welt auf Gnade oder Ungnade dem Unbarmherzigsten überlassen. Die Menschheit muß, wie schon Tacitus sagte, mehr tun,
als nur eine Wüste schaffen und das Frieden nennen.
In einer Welt, deren Besessenheit vom Frieden zur Beschwichtigung führt,
wird es keine Sicherheit geben. Aber ebenso wenig wird es in einer Welt Sicherheit geben, in der das einzige Maß des Wettbewerbs die rhetorische Drohgebärde
und die Anhäufung von Waffen sind. Wir schulden unserem Volk eine überzeugende
Begründung für die Belastung, die es zu tragen hat. Wir müssen alles in unseren
Kräften stehende tun, um den künftigen Generationen einen hoffnungsvolleren Frieden zu hinterlassen als den des Gleichgewichts des Schreckens.
Vor kaum vier Jahren forderten Demonstrationen auf den Straßen "Frieden"
als oberstes Ziel vor allen anderen Überlegungen.

Heute wird eine Politik der

Versöhnung oft als eine Politik einseitiger Zugeständnisse beschimpft.
Extreme gehen an unserer Aufgabe vorbei.

Beide

In der Suche nach Frieden sind wir

�wir ständig aufgerufen, Bilanz zu ziehen - zwischen Stärke und Versöhnung;
zwischen der Notwendigkeit, unsere Werke und Interessen zu verteidigen, und
der Notwendigkeit, die Auffassungen der anderen in Rechnung zu stellen; zwischen Teillösungen und Gesamtlösungen.
Die Aufgabe der Außenpolitik besteht darin, die richtige Bilanz zwischen
konkurrierenden Zielen und Zwecken und zwischen Mitteln und Zwecken zu finden.
Jede gewissenhafte politische Entscheidung wird zwangsläufig von Problemen der
Wahl des Zeitpunktes, der Methode und der Durchführbarkeit bestimmt.

Es gibt

bestimmte Experimente, die man gar nicht erst versuchen kann -, nicht weil die
Ziele nicht wünschenswert wären, sondern weil die Folgen eines Fehlschlags so
groß wären, daß nicht einmal das höchste Ziel das Risiko rechtfertigen kann.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Nahe Osten. Kein Volk sehnt sich mehr
nach einem umfassenden Frieden als das Volk von Israel, dessen Existenz in
seiner ganzen Geschichte von keinem seiner Nachbarn je anerkannt wurde. Es
gibt Leute, die behaupten, daß im Gefolge des Krieges von 1973 der ganze Komplex arabisch-israelischer Fragen - Grenzen, Friedensauflagen, Flüchtlinge
usw. - gleichzeitig auf einer Konferenz hätte angepackt werden sollen. Aber
die Befürworter dieses Kurses lassen die Tatsache außer acht, daß sich dies
damals wahrscheinlich als katastrophal erwiesen hätte: Die Vereinigten Staaten
hatten mit mehreren der wichtigen arabischen Staaten überhaupt keine diplomatischen Beziehungen; praktisch war die Sowjetunion der Anwalt der arabischen
Sache; es herrschte noch immer ein ölembargo; und die Feindseligkeit zwischen
den arabischen Staaten und Israel blieb noch immer am Zündpunkt. Unter solchen
Umständen mußten die Chancen für den Erfolg einer umfassenden Inangriffnahme
gering sein, und die negativen Auswirkungen eines Fehlschlags wären weitreichend
gewesen: Fortsetzung des ölembargos, Verbleiben der amerikanischen Beziehungen
zur arabischen Welt auf dem Nullpunkt, entsprechende Zunahme des sowjetischen
Einflusses, Belastung des Verhältnisses zu unseren Verbündeten in Europa und
Japan, zunehmende Isolierung Israels - und damit die Wahrscheinlichkeit eines
erneuten Aufflackerns des Nahostkrieges unter noch schwierigeren Bedingungen.

Wir
- 11 -

�i

Wir zogen es vor, Schritt für Schritt jene Fragen in Angriff Z J
nehmen, bei denen Raum für ein übereinkommen vorhanden zu sein schien.

Wir

versuchten, ein neues Verhältnis zur arabischen Welt herzustellen, die
Fähigkeit der Sowjets zur Ausnutzung von Spannungen zu verringern

und

unter den direkt Beteiligten ein neues Gefühl des Vertrauens aufzubauen,
das eines Tages Gesamtlösungen möglich machen würde.

Wir nahmen den Frieden

schrittweise in Angriff - aber immer mit der Absicht, am Ende die einzelnen
Schritte zu einer umfassenden Lösung zu vereinen.
In dem kurzen Zeitraum von 18 Monaten wurden drei Abkommen erreicht zwei zwischen Ägypten und Israel und eines zwischen Syrien und Israel. Als
Ergebnis sind heute die Chancen für einen echten Frieden größer als jemals
zuvor.
Es bleibt noch ein tiefer Argwohn, aber die ersten wichtigen Schritte
sind getan. Die Anfänge eines gegenseitigen Vertrauens - vorher niemals zu
sehen - beginnen sich abzuzeichnen. Einige arabische Staaten sprechen zum
ersten Mal öffentlich von Frieden und der Beendigung eines generationsalten
Konflikts. Es ist außenstehenden Ländern nicht mehr so leicht möglich,
einmal verringerte Spannungen zu verschärfen. Die Inangriffnahme Schritt
für Schritt hat uns damit an einen Punkt gebracht, an dem umfassende
Lösungsversuche der nächste logische Schritt sind.
Die Entscheidung, vor der wir heute stehen, ist nicht ob, sondern wie
die nächste Verhandlungsphase einzuleiten ist. Und wir werden uns zusammen mit unseren israelischen Freunden - mit neuer Hoffnung und neuem
Vertrauen an diese Aufgabe machen.
Internationale

- 12 -

�Internationale Zusammenarbeit
Das zweite moralische Gebot für Amerika ist die wachsende Notwendigkeit einer weltweiten Zusammenarbeit.
Wir leben in einer Welt von mehr als 150 Staaten, von denen jeder
Souveränität fordert und das Recht auf Verwirklichung seiner nationalen
Bestrebungen und Hoffnungen beansprucht.

Es liegt auf der Hand, daß keine

Nation alle ihre Ziele verwirklichen kann, ohne daß dadurch die Rechte
anderer beeinträchtigt werden.

Daher sind zumindest bei einigen Streit-

fragen Kompromisse und ein gemeinsames Vorgehen unerläßlich.

Die

wachsende Interdependenz der Staaten macht angesichts polarisierender
Tendenzen des Nationalismus und der Ideologie die Schaffung einer echten
Weltgemeinschaft unbedingt erforderlich.
Wir leben in einem Zeitalter der Teilung - der Teilung zwischen Ost
und West und der Teilung zwischen modernen Industrienationen und den
Entwicklungsländern. Es liegt auf der Hand, daß eine Welt, in der einige
wenige Nationen Inseln des Wohlstands inmitten eines Meeres der Armut,
der Krankheit und der Verzweiflung darstellen, von Grund auf unsicher und
moralisch unerträglich ist. Jene Nationen, die sich vom Besitz ausgeschlossen fühlen, werden zur Brutstätte von Aufruhr. Die Konfrontationstaktiken jedoch, mit denen einige der Entwicklungsländer ihre Ziele verfolgen,sind ebenso unerträglich wie gefährlich.
Die großen Aufgaben der Weltgemeinschaft werden realistische Vorstellungen sowie Maßnahmen von Nord und Süd gleichermaßen erfordern.

Die

Industrienationen sollten nicht von einem Gefühl der Schuld besessen sein
oder auf ewig am Status quo festhalten.

Die Entwicklungsländer anderer-

seits sollten nicht versuchen, ihre Ziele durch Nötigung oder Erpressung
zu erreichen.

Notwendig ist in aller Welt der ernsthafte Einsatz für die

Erfordernisse der Zusammenarbeit, ohne die weder die eine noch die andere
Gruppe ihre Ziele verwirklichen kann.
Die
- 13 -

�Die Ziele der Entwicklungsländer sind klar: sie wollen wirtschaftliche
Entwicklung, sie wollen bei internationalen Entscheidungen, die sie berühren, eine Rolle spielen, und sie wollen einen fairen Anteil an weltweiten wirtschaftlichen Vorteilen.

Die Ziele der Industrieländer sind

gleichermaßen klar: eine wachsende Prosperität, ein offenes weltweites
Handels- und Investitionssystem mit expandierenden Märkten für Nord und
Süd und eine verläßliche und gerechte Entwicklung der Vorräte der Welt an
Nahrungsmitteln, Energie und Rohstoffen.
Die Ziele beider Seiten können nur verwirklicht werden, wenn sie als
komplementär und nicht als antagonistisch gesehen werden.

Der Prozess der

Schaffung einer neuen Ära internationaler Wirtschaftsbeziehungen wird über
die restlichen Jahre dieses Jahrhunderts anhalten.

Wenn diese Beziehungen

gerecht und von Dauer sein sollen, dann werden ohne Fragen Verhandlungen und
Kompromisse hinsichtlich der verschiedenartigen und in Widerstreit miteinander
stehenden Interessen nötig sein.

Vor allem aber wird ein moralischer Akt

notwendig sein: auf Seiten der Industriestaaten bedarf es der Bereitschaft,
die für die Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls notwendigen Opfer zu
bringen - solange es noch Zeit für versöhnliche Maßnahmen ist -, und auf
Seiten der Entwicklungsländer bedarf es der Bereitschaft, auf Nötigung und
Erpressung zu verzichten - und zv-r jetzt, bevor die Welt unwiderruflich
in zwei sicii befehdende Lager gespalten ist - und Forschritte durch Zusammenarbeit zu suchen.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits haben sich dem Weg der Zusammenarbeit
verschrieben sowie der Schaffung einer stabilen und kreativen Welt, an deren
Erhaltung alle Nationen - neue und alte, schwache und starke, reiche und
arme - ein Interesse haben, weil sie an ihrer Gestaltung Anteil hatten.
Menschliche

�Menschliche Werte:
Unser drittes moralisches Gebot ist die Pflege der menschlichen Werte.
Es ist die Tragödie unserer Zeit, daß eben die gleichen Werkzeuge der
Technologie, die unser Jahrhundert zu dem produktivsten in der Geschichte
der Menschheit gemacht haben, auch dazu dienten, Millionen von Menschen
einer völlig neuen Dimension der Einschüchterung, des Leidens und der
Furcht zu unterwerfen.
Die Gewissens- und Ausdrucksfreiheit des Einzelnen ist das stolzeste
Erbe unserer Kutlur. All unser Bemühen bei der Suche nach Frieden, im Ringen
um stärkere politische Zusammenarbeit und um eine faire und blühende
internationale Wirtschaft ist in unserer Überzeugung verankert, daß nur
die persönliche Freiheit es ermöglicht, die schöpferische Kraft des
Menschen zu vollstem Ausdruck zu bringen. Wir wissen, daß technischer
Fortschritt ohne Gerechtigkeit der Humanität Hohn spricht; daß nationale
Einheit ohne Freiheit ein hohler Triumph ist und daß Nationalismus ohne
klares Wissen um die menschliche Gemeinschaft - wozu auch das Eintreten
für die Menschenrechte gehört - Gefahr läuft, ein Instrument der Unterdrückung und eine Kraft des Bösen zu werden.
Es ist unsere Pflicht als führende Demokratie der Welt, uns dafür
einzusetzen, daß die Freiheit für den menschlichen Geist gewährleistet
wird. Aber die Verantwortung zwingt uns auch zur Erkenntnis unserer
Grenzen. Unsere Bündnisse, die politischen Beziehungen, die zwischen uns
und anderen Nationen im Verlauf der Jahre aufgebaut wurden, dienen der Sache
des Friedens, indem sie regional und weltweit die Sicherheit stärken. Richtig
verstanden sind sie kein Gunsterweis an andere, sondern Anerkennung gemeinsamer Interessen. Sie sollten aufgelöst werden, wenn diese Interessen
sich wandeln. Sie sollten jedoch in der Regel nicht als Hebel benutzt
werden, um eine Verhaltensnorm zu erzwingen oder Aktionen zu bestrafen, mit
denen wir nicht übereinstimmen. In vielen Ländern - so verschieden ihre
inneren Strukturen auch von den unsrigen sein mögen - ist die Bevölkerung
einmütig in dem Wunsch, unsere Protektion gegen eine
Aggression
- 15 -

�Aggression von außen zu erlangen.

In vielen Ländern haben sich unsere

außenpolitischen Beziehungen nicht als Hindernis für die Kräfte des
Wandels erwiesen.

Und in anderen hat der Prozess der Abkehr Amerikas das

Geühl der Sicherheit untergraben und damit das Gefühl geweckt, daß eine
stärkere innere Disziplin notwendig sei - während sich gleichzeitig unser
Vermögen verringerte, Einfluß auf die innenpolitischen Praktiken, die wir
kritisieren, zu nehmen.
Es gibt keine einfache Antwort auf das Dilemma, dem sich eine große
Demokratie unter solchen Umständen gegenübersieht.

Wir haben sowohl eine

moralische als auch eine praktische Verpflichtung,für unsere Werte einzustehen und Ungerechtigkeit zu bekämpfen. All jene, die sich mit Entschiedenheit für die Freiheit aussprechen und die Übergriffe repressiver Regime
brandmarken, tun dies in der besten amerikanischen Tradition. Sie kennen und haben - damit dramatische und erfreuliche Wirkungen erzielen. Aber es
gibt auch Zeiten, in denen der Versuch, einem anderen Lande eine moralische
Lektion zu erteilen, sich als Rückschlag für die Werte erweisen kann, die
wir zu fördern suchen.
Es ist die Überzeugung dieser Administration, daß jede nur erdenkliche
Anstrengung unternommen werden muß, um die Achtung vor den Menschenrechten
zu fördern und zu vergrößern, daß aber ein öffentlicher Kreuzzug dazu meist
nicht die wirksamste Methode ist.
Unser Ziel waren Resultate, nicht Publizität. Wir waren besorgt - und
das mit gutem Grund - daß die Forderungen des nationalen Prestiges den Sieg
über die ehrenwertesten Ziele erringen würden, wenn solch c'irfizile und
heikle Fragen zur Kraftprobe zwischen Regierungen gemacht würden. Wir waren
generell gegen alle Versuche, solche diffin .en internationalen Menschenrechtsfragen durch gesetzgeberische Maßnahmen zu behandeln • da die Gesetzgebung fast immer zu wenig flexibel, zu sehr an die Öffentlichkeit gewandt
und ein zu schwerfälliges Mittel ist, um das zu erreichen, was man erstrebt.
Durch

�Durch stille Diplomatie hat diese Administration die gänzliche oder
vorläufige Entlassung von vielen Hunderten von Gefangenen in der ganzen
Welt zu erwirken vermocht und in einer Reihe von Ländern repressive Verhältnisse gemildert.

Aber wir haben Erfolge in spezifischen Fällen selten

der Öffentlichkeit bekanntgemacht.
Das eindringlichste Beispiel war der Fall der jüdischen Auswanderung
aus der Sowjetunion. Die Zahl der sowjetischen Juden, denen im Jahre 1968
die Auswanderung gestattet wurde, betrug 400; bis 1973 war diese Zahl auf
35 000 angestiegen. Der Grund für dieses sprunghafte Hochschnellen der
Zahl liegt weitgehend in den beharrlichen,aber vertraulich behandelten
Vorstößen bei der sowjetischen Regierung und der parallel einhergehenden
Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen insgesamt. Hunderte
von Härtefällen wurden von Präsiient Ford und seinen nächsten Mitarbeitern
in vertraulichen persönlichen Diskussionen behandelt. Es gab keine
öffentliche Bekanntgabe oder Konfrontation. Aber die Ergebnisse waren
für alle sichtbar. Als man noch größere Forschritte durch Konfrontation
und Gesetze zu erreichen versuchte, war das Ergebnis tragisch. Heute ist
die ji'-Hsche Emigration aus der Sowjetunion auf die Zahl von annähernd
10 000 im Jahr zurückgefallen. Ich betone dies hier nicht, um Pluspunkte in
der Debatte gegen Männer zu erlangen, deren Ernsthaftigkeit in der Zielsetzung und Hingabe an die Sach&lt;~ der jüdischen Emigration ich zutiefst
respektiere. Vielmehr soll es ein Hinweis darauf sein, daß moralische
Zwecke als solche of nicht ausreichen. Auch die angewandten Mittel haben
eine moralische Qualität und moralische Konsequenzen. Und welche ehrlichen
Meinunsverschiedenheiten auch immer zwischen betroffenen Einzelnen in Bezug
auf das Problem der jüdischen Emigration aus der Sowjetunion bestanden haben
mögen, diese Administration bleibt dem Ziel verschrieben. Sie wird keine
Anstrengung sparen, um den Strom der Emigranten erneut zu verstärken,und
wird mit den zuständigen Organisationen in diesem Bemühen zusammenarbeiten.

Die

- 17 -

�&gt;

Die Frage der Menschenrechte ist - wie ich gesagt habe - keine leichte
Sache,und man sollte sich ihrer Kompliziertheit voll bewußt sein.

Die

Erfahrung des letzten Jahrzehnts dürfte uns gezeigt haben, daß wir unsere
Fähigkeit, soziale und politische Veränderungen in anderen Ländern vorauszusehen, geschweige sie zu gestalten, nicht so überschätzen sollten.
Eingedenk dieser schmerzlichen Lehre, möchte ich jetzt die Grundsätze
darlegen, die die Ford-Administration bei ihrer Arbeit leiten:
- Die Menschenrechte sind ein legitimes internationales Anliegen und
sind in internationalen Abkommen seit über einer Generation so definiert
worden.
- Die Vereinigten Staaten werden die Sache der Menschenrechte in geeigneten internationalen Foren und im Meinungsaustausch mit anderen
Regierungen fördern.

Wir werden all unseren Einfluß nutzen, um ein humanes

Verhalten in und zwischen den Ländern zu unterstützen.
*

- Wir werden der Grenzen unserer Einflußmöglichkeiten eingedenk
bleiben; wir werden uns des Unterschieds zwischen öffentlichem Bekennermut
zur Befriedigung unserer Selbstachtung und einer auf positive Resultate
abzielenden Politik bewußt bleiben.
- Wir werden niemals vergessen, daß die Opfer unserer c ehler - unserer
Handlungen und Unterlassungen - Menschen sind, und daran müssen wir unser
Handeln letztlich messen.
Somit kehren wir also zu dem zentralen Problem von Mittel und Zweck
zurück. Wenn jede Nation auf der Welt auf die unverzügliche Verwirklichung
ihrer Werte, Hoffnungen und Wünsche drängt, dann wird ein ewiger Konflikt
unvermeidlich sein. Sind wir, wenn wir darauf beharren, daß andere alle
unsere moralischen Vorstellungen akzeptieren, dann auch bereit, unsere
militärische Macht zum Schutze derjenigen einzusetzen, die tun, was wir
fordern? Und wenn diejenigen, die unsere Vorstellungen ablehnen, keine
Unterstützung mehr von uns erhalten - was werden wir dann unternehmen, wenn
die Isolation dieser Regierungen Druck von außen oder Angriffe seitens
noch repressiverer Staaten hervorruft?
Dienen
- 18 -

�Dienen wir moralischen Zielen, wenn wir dadurch unsere eigene Sicherheit gefährden?

Wenn wir weltweite moralische Ansprüche mit Macht durch-

setzen, dann laden wir uns die Rolle des Weltpolizisten auf - eine Rolle,
die das amerikanische Volk in einem Jahrzehnt des Aufruhrs abgelehnt hat.
Wenn wir aber diese Ansprüche nicht durchsetzen, dann werden wir an Bedeutung und Glaubwürdigkeit verlieren; wir werden eine Politik um der
eigenen Genugtuung willen ohne jede Wirksamkeit und letztlich ohne jedes
Format betreiben.

Ist es moralischer, das Unerreichbare anzustreben und

es nicht zu erreichen, oder nur die Zusagen zu machen, von denen wir wissen,
daß wir sie auch einhalten können?
Für die Amerikaner von heute gibt es nichts Wesentlicheres als die
Notwendigkeit, sich über die unvermeidlichen und ausweichlichen Spannungen
klar zu werden zwischen unseren moralischen Zielen - die notwendigerweise
in globalen Begriffen dargelegt werden - und dem ständigen Gebot, zwischen
konkurrierenden Zielen zu wählen, das uns durch die Begrenztheit unserer
Mittel auferlegt ist. Die Gestaltung und Durchführung der Außenpolitik ist genau wie im Leben - ein ständiges Bemühen, das richtige Verhältnis zwischen
dem Erstrebenswerten und dem Erreichbaren zu finden -, zwischen dem
erstrebten Zweck und den angewandten Mitteln. Wir brauchen moralische
Stärke, um zwischen den sich anbietenden, oft quälenden Möglichkeiten auszuwählen, und eine ethische Zielsetzung, um zwischen den Untiefen schwieriger
Entscheidungen navigieren zu können. Aber wir benötigen genauso einen ausgereiften Sinn für die anzuwendenden Mittel, damit wir nicht Wunschdenken an
die Stelle des für den Fortbestand Erforderlichen setzen. Der letztliche
Prüfstein für die moralischen Grundlagen der Außenpolitik sind nicht nur
die Werte, die wir proklamieren, sondern auch die Dinge, die zu verwirklichen
wir bereit und fähig sind.
Ich habe das Dilemma einer moralischen Auswahl nicht erörtert, um
Resignation zu predigen, sondern um eine Botschaft der Hoffnung zu verkünden.

So sehr wir Amerikaner auch zur Selbstkasteiung neigen - vor allem

in Jahren, die durch vier teilbar sind (Wahljahren), so können wir doch
stolz

�»
i

stolz sind aufdie außenpolitischen Erfolge der letzten Jahre, Erfolge,die
sowohl auf moralischer als auch auf praktischer

Grundlage fußen:

- Wir haben den vorgefundenen Krieg beendet und den Frieden bewahrt,
- Wir haben unsere Partnerschaft mit den demokratischen Industrieländern und unseren Schwesterrepubliken in dieser Hemisphäre wieder aufgebaut und gestärkt.
-iWir haben neue Beziehungen zu unseren Gegnern angeknüpft.
- Wir haben damit begonnen,dem nuklearen Wettrüsten Einhalt zu gebieten,
- Wir haben dazu beigetragen, daß die Saat des Friedens im Nahen Osten
gelegt wurde, und wir haben den Prozess der Aussöhnung im südlichen Afrika
eingeleitet.
- Wir haben damit begonnen, eine umfassende Agenda für eine Zusammenarbeit zwischen den Industrienationen und den Entwicklungsländern zu verwirklichen, um Armut, Unwissenheit, Krankheit, Not und Hunger zu bekämpfen.
- Wir haben in Zusammenarbeit mit anderen neue weltweite Aufgaben angepackt, die über Grenzen und Ideologien hinausreichen - nämlich die Probleme
der Umweltverschmutzung, der Beteiligung an den Ressourcen der Meere und
des technologischen Transfers.
- Wir haben unsere Werte und Interessen in aller Welt verteidigt.
Aber zwangsläufig ist eine ebenso große Liste unerledigt geblieben. Große
Möglichkeiten liegen noch vor uns:
- Die demokratischen Industrienationen können eine neue und dynamische
Periode der Kreativität in ihren Beziehungen zueinander einleiten und die
Grundlage für eine neue Einstellung gegenüber den Entwicklungsländern der
Welt schaffen.
Wir stehen vor der baldigen Möglichkeit, die strategischen Kernwaffenarsenale zu begrenzen und von dort aus zu einer Reduzierung dieser Waffen
zu gelangen.
- Wir

- 20 -

�- Wir können auf der vielversprechenden Grundlage der neuen Beziehungen zu der Volksrepublik China aufbauen.
- Wir haben die Möglichkeit, wichtige Fortschritte in Richtung auf
den Frieden im Nahen Osten zu erzielen, während wir gleichzeitig unsere
Verpflichtung für die Sicherheit und den Fortbestand Israels bekräftigen.
- Wir können dazu beitragen, daß die Völker Afrikas nach Versöhnung,
menschlicher Gerechtigkeit und Entwicklung streben statt nach Gewalt und Hass.
- Wir können dafür sorgen, daß das Atom zum Segen der Menschheit und
nicht zu deren Vernichtung benutzt wird.
- Die Entwicklungsländer können echte

Partner innerhalb der inter-

nationalen Gemeinschaft werden.
- Alle Länder können zusammenarbeiten, um eine weltweite Gemeinschaft
sowohl auf dem Lande als auch im weiten Bereich der Ozeane zu gestalten.
Bei der Verfolgung dieser Ziele müssen wir den Mut haben, uns der
Kompliziertheit zu stellen, und die innere Festigkeit besitzen, auch mit
nuklearen Situationen fertig zu werden. Wir müssen bereit sein, bequeme
Schlagworte zu durchschauen und zu erkennen,daß große Ziele nur mit Geduld
und oft nur Schritt für Schritt erreicht werden können. Eine Welt der
Unruhe und der Gefahr schreit förmlich nach klarer Gliederung und Führung.
Die heutige Zeit verlangt ein beständiges,entschlossenes, zielstrebiges
und selbstbewußtes Amerika. Das erfordert Vertrauen - das Vertrauen der
Führung in die eigenen Werte, das Vertrauen der Öffentlichkeit in ih^e
Regierung und das kollektive Vertrauen der Nation in den Wert ihrer Z'ele.
Es ist an der Zeit, uns daran zu erinnern, daß - wenn wir auch hinsichtlich
der Mittel nicht einer Meinung sein mögen - wir doch als Amerikaner alle
den gleichen Traum haben: Frieden, Prosperität und Gerechtigkeit in unserem
Lande und überall auf der Welt.
Vor vielen Jahren stellte Abraham Lincoln fest, daß kein Land auf Dauer
"halb als Sklave und halb als freier Mensch" leben könne, und damit rührte
er an das Gewissen der Nation.

Heute rufen die Menschen in aller Welt
laut
- 21 -

�I
laut nach Freiheit, Würde und Respektierung, und sie blicken voller
Hoffnung und Sehnsucht auf Amerika, denn wir haben an das Gewissen der
ganzen Menschheit gerührt.

Wenn wir an unseren Idealen festhalten,

wenn wir unsere Ziele hoch ansetzen, aber ohne Selbstgefaeiligkeit, dann
werden die nach uns kommen den Generationen zumindest einmal sagen können,
daß kein Mensch Sklave und kein Mensch Herr ist.

+ + +

- 22 -

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United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Nummer

Information

Godesbergl,

89-3240

Service

Postfach 300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

19

20. Oktober 1976

Inhalt
INFORMATION
Walter J. Stoessel, Jr.
Der neue amerikanische Botschafter in Bonn

HINTERGRUNDMATERIAL
Militärische Stärke und Entspannung
Von James H. Schlesinger
US-Wähler stimmen auch über Einwegflasche und Kernenergie ab
- 35 Einzelstaaten verbinden Präsidentschafts- und Kongreßwahlen mit
Volksabstimmungen -

WIRTSCHAFT
Die amerikanische Rohstoffpolitik nach UNCTAD IV
Von J. Robert Vastine
Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kontrolle für Fluorkohlenwasserstoffe
USA wollen Anwendung begrenzen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel.

8 9 - 3 2 4 0

Information

G o d e s b e r g l ,

Service

Postfach

Telex:

Information

300

0 8 - 8 54 32

19/1976

WALTER J. STOESSEL, JR.
Der neue amerikanische Botschafter in Bonn

- (AD) - BONN - Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten in der
Bundesrepublik Deutschland, Walter J. Stoessel, Jr., ist Berufsdiplomat und
war zuletzt, von Januar 1974 bis September 1976, US-Botschafter in Moskau.
Am 24. Januar 1920 in Manhattan im Staate Kansas geboren, erwarb Stoessel
1941 an der Stanford University in Kalifornien den Grad eines Bachelor of A^ts
und trat im darauffolgenden Jahr in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten
Staaten ein. Er erhielt nach kurzer Einweisung seine erste Auslandsberufung
nach Caracas, Venezuela. Der zweite Weltkrieg unterbrach seine Diplomatenlaufbahn vorübergehend: von 1944 bis 1946 leistete er Kriegs- und Wehrdienst
bei der US-Marine.
Nach Kriegsende und dem Ausscneiden aus der Marine kehrte Stoessel in
das Außenministerium zurück, das ihn 1947 für zwei Jahre nach Moskau entsandte,
wo er zunächst das Konsulat leitete und später in der Politischen Abteilung
der Botschaft arbeitete. Im Anschluß an die Moskauer Tätigkeit studierte er
von 1949 auf 1950 am Russischen Institut der New Yorker Columbia-Universität.
Die Jahre 1950 bis 1952 leitete er ein politisches Ressort bei der Amerikanischen
Hochkommission für Deutschland in Bad Nauheim. Im weiteren Verlauf des letzteren
Jahres, übernahm er die Leitung des Rußland-Büros in der Zentrale in Washington
- 1-

�Washington - eine Funktion, die er bis zu seiner Abstellung als Referent
des außenpolitischen Beraters des Präsidenten im Jahre 1956 ausübte.
Noch im gleichen Jahr erfolgte jedoch Stoessels Versetzung an die Botschaft in Paris, an der er bis 1959 in der Politischen Abteilung tätig war.
Anschließend erhielt er Gelegenheit, sein politisches Wissen am Institut für
Außenpolitische Fragen der Harvard-Universität (Harvard Center for International
Affairs) weiter zu vertiefen.

Von Harvard zurück, stand er 1960 bis 1961 an

der Spitze des Exekutivsekretariats des State Department.

Im Jahre 1961 wurde

Stoessel dem Hauptquartier des Alliierten Oberbefehlshabers in Europa (SHAPE)
in Paris als politischer Berater zugeteilt.
Von dort aus ging Stoessel 1963 als Gesandter und stellvertretender
Missionschef an die amerikanische Botschaft in Moskau. Zwei Jahre darauf,
1965, wurde Stoessel zum Stellvertretenden und 1972 - nach fast vierjährigem
Wirken als Botschafter in Polen von 1968 bis 1972 - zum Unterstaatssekretär
für Europäische Angelegenheiten und Leiter der Europa-Abteilung im US-Außenministerium berufen. Im Januar 1974 schließlich kehrte er wiederum nach Moskau
zurück, um das Amt des Botschafters der Vereinigten Staaten in der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken zu übernehmen - den letzten Posten vor seiner
Berufung nach Bonn, wo er am 20. Oktober 1976 die Nachfolge Botschafter Martin J.
Hillenbrands antrat.
Walter John Stoessel, Jr., ist verheiratet mit der ehemaligen Mary
Ferrandou.

Das Ehepaar hat drei Töchter.

+ + + + +

�' amerika dienst
'

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53

States

Bonn-Bad

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8 9 - 3 2 4 0

Service

Ptitfoch

Hintergrundmaterial

300

T e I e x -. 0 8 - 8 54 3 2

19/1976

MILITÄRISCHE STÄRKE UND ENTSPANNUNG
Von James H. Schlesinger

Dr. Schlesinger, ehemals Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, ist gegenwärtig Mitarbeiter des Center for Foreign
Policy Research (Außenpolitisches Forschungszentrum) der Johns Hopkins University in
Baltimore, Maryland.

Das Ziel der Außenpolitik der Vereinigten Staaten, aus dem sich jeweils
die Verteidigungserfordernisse herleiten, bleibt weiterhin der Schutz und die
Bewahrung unserer sozialen Ordnung in einer feindseligen Umwelt.
Die internationale Verantwortung der Vereinigten Staaten ergibt sich aus
der Notwendigkeit der Erhaltung der eigenen Freiheit wie der unserer Verbündeten.
Sie bestimmt unsere Außenpolitik und damit indirekt auch unsere Verteidigungsstrategie sowie auch den Aufbau unserer Streitkräfte.
Angesichts der Machtverhältnisse sind die Vereinigten Staaten seit 1945
das einzige Gegengewicht zur Sowjetunion.

Diese Erkenntnis bildet seither den

unwandelbaren Kern der amerikanischen Außenpolitik.

Ohne eine Stärkung der

amerikanischen Präsenz und das verbindende Element des amerikanischen Verteidigungsbeitrags würde das Atlantische Bündnis zerfallen.
- 1 -

Amerikas Verbündete, die

�die europäischen Demokratien, sähen sich dann gezwungen, sich mit der Sowjetunion zu arrangieren.

Amerikas europäische Verbündete, kleine und mittelgroße

Staaten, könnten sich ohne Rückendeckung durch eine Supermacht der Sowjetunion
in nichts widersetzen.
Die politische und militärische Stabilität sind in einer Welt fortgesetzter
Feindseligkeiten engstens miteinander verknüpft.

Amerikas militärische Ent-

scheidungen bezüglich Strategie und Truppendislozierungen müssen deshalb stets
in einem vernünftigen Verhältnis zu den Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik stehen.
Wenngleich das Militär für Amerika unentbehrlich ist, stellt es doch nicht
die einzige Stütze seiner Außenpolitik dar.

Die Vereinigten Staaten suchen

vielmehr das internationale Gleichgewicht auch durch Verhandlungen zu gewährleisten - insbesondere durch Vereinbarungen über die Beschränkungen der Rüstungen.

Diese Bestrebungen und die Hoffnungen, die sie verkörpern, dürfen wir nie

aufgeben.

Trotz der entmutigenden Charakteristika der sowjetischen Doktrin ver-

folgen die Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion seit 1933 eine Politik
der Entspannung - worunter sie allerdings in sinnvollen Verhandlungen erzielte
Regelungen verstehen.

Selbst in der Periode, die wir heute als den Höhepunkt

des Kalten Krieges betrachten, wurde die Entspannungspolitik unter Begriffen
wie "Geist von Genf" oder "Geist von Camp David" fortgeführt.

Und in jüngster

Zeit schließlich sprach man von Detente - bis diese Bezeichnung offiziell aufgegeben wurde.
Wenn wir davon ausgehen, daß die Vereinigten Staaten in dem heutigen internationalen ideologischen Konflikt der fortschrittliche Partner sind, dann haben
sie die moralische Verpflichtung, immer verhandlungsbereit zu sein und selbst
die Initiative zu solchen Verhandlungen zu ergreifen.

Es gilt die Hoffnung

aufrechtzuerhalten, daß Spannungen, die aus einer Mischung von Ideologie und
Macht entstehen, allmählich oder letztlich doch abklingen.
darf nicht in Illusionen ausarten.

Die Hoffnung aber

Wenngleich wir immer auf einen vernünftigen

Ausgleich bedacht sein wollen, bedeutet das keineswegs, daß wir uns unrealistischen

�unrealistischen Forderungen beugen sollten.
Die planmäßige Aufrechterhaltung der militärischen Macht seitens der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten seit etwa Ende der vierziger Jahre hat
ein effektives Fundament für die Abschreckung geschaffen, die einen unmittelbaren militärischen Angriff ausschließen dürfte. Militärische Macht kann letztlich nicht mehr ausrichten, als vor einem Angriff abzuschrecken. Sie kann beispielsweise nicht subversiver Bestrebungen Herr werden. Sie kann nicht direkt
mit Problemen des inneren politischen Zerfalls fertig werden, wenngleich die
indirekten Auswirkungen jener Aura der Stärke, die militärische Macht zu verbreiten vermag, geeignet scheinen, das Vertrauen und den Zusammenhalt von Ländern, die sich einem gemeinsamen politischen Druck ausgesetzt sehen, zu verändern. Unter dem Schatten einer feindseligen Militärmacht besteht die Gefahr,
daß die politische Selbständigkeit und das politische Verständnis und Vertrauen
allmählich schwinden. In Westeuropa beispielsweise dürfte die Aufrechterhaltung
des militärischen Gleichgewichts für die Aufrechterhaltung des Vertrauens der
westeuropäischen Länder von ebenso großer Wichtigkeit sein wie die Abschreckung
vor einem direkten militärischen Angriff.
Das wichtigste Charakteristikum militärischer Macht ist, daß ihre Existenz
allein die Notwendigkeit ihrer Anwendung von vornherein ausschließt. Militärische
Macht sollte unter allen Umständen dort für angebracht angesehen werden, wo ihre
alleinige Existenz schon dazu beiträgt, den Frieden zu erhalten. Bedauerlicherweise nimmt man in demokratischen Ländern kaum Kenntnis von der Funktion, die
nicht angewandte militärische Macht vielfach zu haben pflegt. Die sich daraus
ergebende Erosion schwächt die Abschreckungswirkung und zieht im höchsten Maße unerwünschte politisch-militärische Konsequenzen nach sich.
Im Kern bedeutet die Abschreckung die Entwicklung von strategischen Maßnahmen und Streitkräften, die im Falle eines direkten militärischen Angriffs
eine glaubwürdige Vergeltung gestatten.

Die Notwendigkeit einer solchen vor-

bedachten Gegenschlagkapazität, die ebenso glaubwürdig wie wirksam sein muß,
ist ein häufig mißverstandener Aspekt jeder erfolgversprechenden Verteidigungs-

�Verteidigungsposition.

Ohne eine glaubwürdige Gegenschiagkapazitat wird die

Abschreckung zur reinen Fassade.

Sollte die Abschreckung versagen, gäbe es

ohne eine solche vorbedachte Gegenschiagkapazitat keine wirksame Methode der
Erwiderung - damit könnte in Zeiten der Spannung ein Angriff geradezu attraktiv
erscheinen.
In den letzten Jahren herrscht weithin und verständlicherweise die allerdings irrige Auffassung, die Entspannung könnte irgendwie zu einem Ersatz für
die auf ausreichende militärische Kapazität gestützte Abschreckung werden.
Diese Auffassung tritt glücklicherweise mehr und mehr in den Hintergrund.

Es

liegt auf der Hand, daß die Aussichten auf Entspannung vom Gleichgewicht der
Macht abhängen.
täre Begriffe.

Abschreckung und Entspannung sind notwendigerweise komplemenEs ist in der Tat eine Ironie, daß die Aufrechterhaltung der

amerikanischen Verteidigungsstärke zur Abstützung der Entspannung ebenso notwendig ist wie zu unserer Absicherung für den Fall ihres Scheiterns.
Heute beurteilt man die Detente - oder welches Wort man immer dafür setzen mag - in den Vereinigten Staaten mit größerem Realismus (mancherorts auch
mit einem unangemessenen Grad der Desillusionierung). Vor einigen Jahren noch
herrschte eine euphoristische Betrachtungsweise der Detente vor; man glaubte,
sie schließe die Möglichkeit von Konflikten aus, und die Vereinigten Staaten
könnten deshalb einseitig abrüsten. Die amerikanischen Vorstellungen von
einer "Verminderung der Spannungen" waren jedoch nur sehr schwer mit dem
offen verkündeten sowjetischen Dogma in Einklang zu bringen, demzufolge die
Detente "die Intensivierung der ideologischen Auseinandersetzung" erforderlich
mache.
Für die Sowjets ist Detente, und das ist typisch, mit der Leninschen
"friedlichen Koexistenz" gleichzusetzen, die wiederum nichts anderes als eine
- schmackhaftere - Taktik in fortgesetztem Klassenkampf ist. Nach sowjetischer
Auffassung ist der Fortschritt in der Detente durch eine Reihe von Meilensteinen
gekennzeichnet, die die fortgesetzte Veränderung der "Korrelation der Streitkräfte" zugunsten der Sowjetunion und zuungunsten des Westens markieren. Wenn die

�i
die Sowjets mithin von der Intensivierung der ideologischen Auseinandersetzung
sprechen, ist es ihnen bitter ernst.

Der Westen aber war sicherlich schlecht

darauf vorbereitet, diese Realitäten zu begreifen.
Die Erfahrungen der letzten drei Jahre machen deutlich, daß sich die Vorstellungen von Detente an einer realistischen Einschätzung von sowjetischen Auffassungen und taktischen Maßnahmen orientierer, niissen.Das Vorgehen der Sowjetunion
seit 1973, als Mitgarant der Pariser Verträge über die Feuereinstellung in
Vietnam,im Nahost-Krieg von 1973, im Anschluß an die Konferenz von Helsinki
und in Angola - das alles beweist nur die Kluft, die zwischen den besänftigenden Worten der Sowjets (die wir nur allzu gern geglaubt hätten) und ihrer rauhen Handlungsweise (die zur Kenntnis zu nehmen uns so sehr widerstrebt) besteht.
Schließlich aber hat man diese Kluft doch erkannt. Detente wurde
wiederholt neu definiert - und zwar noch vor der Zeit, zu der dieses Wort aus
dem offiziellen Vokabularium gestrichen worden ist. Die allzu ansprechende
Vorstellung vergangener Jahre, die Sowjetunion sei auf die eine oder andere Art
und Weise zu einer Macht des Status quo geworden, hat man inzwischen aufgegeben.
Der Glaube, die Detente werde eine Beendigung des weiteren Ausbaus der sowjetischen Rüstung mit sich bringen, ist dahingeschwunden und machte der Erkenntnis
Platz, daß das Wettrüsten weitergeht. Auch der Glaube, daß Verhandlungen allmählich an die Stelle von Konfrontationen treten werden, gehört der Vergangenheit an. Das Gebiet, das der Detente vorbehalten sein sollte, hat man seither
ständig verengt. Heute geht die offizielle Auffassung von der Politik der Detente,
wiewohl längst nicht mehr mit jenem Wort umschrieben, nur noch dahin, daß sie
die Vermeidung eines Krieges mit Kernwaffen, das Streben nach Vereinbarungen
zur Beschränkung der Kernwaffen und die Einengung der weltweiten sowjetischen
Macht bedeutet.
Ganz offensichtlich liefen die Versuche, das Konzept der Detente zu dehnen
und zu beugen letztlich darauf hinaus, daß die Detente heute, was politische
Maßnahmen angeht, nur noch herzlich wenig bedeutet: eine Reihe veränderlicher
Formeln.

Detente erweist sich damit als ein Begriff allumfassender Art, mit
- 5 -

�mit der man immer gerade das abdeckt, was man gerade als den jeweiligen
Stand in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen empfindet.

Historisch

gesehen hat Detente im Laufe der Jahre von der gegenseitigen Aussöhnung bis
zum Kernwaffenalarm im arabisch-israelischen Krieg von 1973 so gut wie alles
bedeutet.

Wenn aber Detente so gut wie alles bedeuten kann, bedeutet sie

in Wirklichkeit so gut wie gar nichts.
Detente hat mithin ihren

spezifischen Charakter eingebüßt.

Sie bedeutet

nicht mehr länger dauerhafte Entspannung, sondern lediglich den Willen zur
Vermeidung eines Krieges mit Kernwaffen.
auf Detente.

Dieser aber beschränkt sich nicht

Die Vermeidung eines Krieges war vielmehr auch das Ziel, und

zwar das erfolgreich verwirklichte Ziel, in der Zeit des Kalten Krieges.

Sie

hängt im Grunde genommen aber nicht so sehr von Verhandlungen als von der Aufrechterhaltung einer angemessenen Abschreckungsmacht ab.

Was bleibt, ist mit-

hin die Hoffnung auf weitere Verhandlungen und die Bereitschaft, sie zu führen.
Breschnew hat auf dem jüngsten kommunistischen Parteitag einmal mehr betont, daß die Detente keineswegs die Gesetze des Klassenkampfes aufhebt. Mit
anderen Worten legt die sowjetische Doktrin auch weiterhin den Nachdruck auf
die Rivalität zum Westen und die Konfrontation mit ihm - wenngleich sie dieser
Rivalität nicht gestatten wird, in einen direkten militärischen Zusammenprall
der beiden Supermächte auszuarten.
Die Vereinigten Staaten werden sich gezwungen sehen, ihre eigenen Vorschläge und politischen Maßnahmen auf das zu beschränken, was angesichts der
sowjetischen Einstellung und Taktik innerhalb des größeren Rahmens möglicher
Verhandlungsgegenstände zwischen den Sowjets und den Vereinigten Staaten als
wirklich verhandlungswürdig anzusehen ist. Traurig! Wenn aber die Politik die
Kunst des Möglichen ist, so gilt dies für die Außenpolitik, die Rüstungsbeschränkung und die Detente nicht minder.
Die sowjetische Gesellschaft wird auch weiterhin ernstliche Schwächen
zeigen - auf wirtschaftlichem und auch auf politischem Gebiet. Trotz der
Strenge ihrer Lehre, kann die Sowjetunion nicht verbergen, daß der revolutio-

�revolutionäre Eifer erheblich nachläßt.

Das Ende aber der ideologischen Aus-

einandersetzung ist noch nicht abzusehen.

Und so ist demzufolge auch der

Friede in des Wortes eigentlicher Bedeutung noch weit.
Die Vereinigten Staaten haben eben erst eine relativ schwierige Periode
ihrer Geschichte durchgestanden. Noch besteht in weiten Kreisen ein Gefühl
der Verbitterung und des Mißtrauens.
Vietnam hat Amerika in so starkem Maße
angerührt, daß viele Amerikaner darüber zu vergessen scheinen, ein wie totalitäres System in der Sowjetunion herrscht. Seit jedoch die sowjetische Unterdrückung, und seit Solschenizyn und Sacharow in den Mittelpunkt des Interesses gerückt sind, haben sich die Verhältnisse von Grund auf gewandelt: wir
wurden uns des totalitären Charakters des Sowjetstaates erneut bewußt. Wie
groß auch immer die Ungerechtigkeit innerhalb der amerikanischen Gesellschaft
oder die Schwäche der staatlichen Politik in unserem Lande sein mag, ein
Archipel Gulag wird es bei uns nie geben.
Zweifelsohne ist die Zivilisation des Westens einschließlich.der der Vereinigten Staaten in eine Periode politischer und moralischer Krisen eingetreten.
Diese Krisen können aber auch ein Zeichen potentieller Gesundheit sein. Es
gibt bestimmt keine Zwangsläufigkeit des Verfalls*und es gibt auch keine
Spenglersehe Schicksalshaftigkeit.

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- 7 -

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19/1976

US-WÄHLER STIMMEN AUCH ÜBER EINWEGFLASCHE UND KERNENERGIE AB
- 35 Einzelstaaten verbinden Prä'sidentschafts- und Kongreßwahlen
mit Volksabstimmungen -

- (AD) - Am 2. November werden alle amerikanischen Wähler über den künftigen Präsidenten und Vizepräsidenten sowie über ihren Kongreßabgeordneten
entscheiden. Viele werden darüber hinaus ihren Senator (der Senat wird zu
einem Drittel neu gewählt) und ihren Gouverneur (die Gouverneurswahl steht in
14 Staaten an) bestimmen müssen. Und schließlich steht eine Vielzahl öffentlicher Ämter - vom Hundefänger über den Sheriff bis zum Bezirksrichter - zur
Wahl. Aber in 35 Staaten der Union kann der Wähler auch direkt zu einzelstaatlichen und kommunalen Gesetzesvorhaben entscheidend Stellung nehmen. In weiteren acht Staaten kann das Referendum auf Kreis-und Kommunalebene benutzt
werden.
Es ist nicht möglich, eine genau Zahl dieser einzelstaatlichen, regionalen
und kommunalen Volksabstimmungen anzugeben, aber man rechnet mit etwa 300 einzel
staatlichen und rund 15 000 kommunalen Themen zur Abstimmung. Diese Themen
reichen vom Verbot der Einwegflasche über die Einführung des Zahlenlottos bis
zum Streit über Kernkraftwerke.
Drei der heißesten Eisen sind Kernkraftwerke, Faustfeuerwaffen und Stromtarife.
Nachdem

�I
Nachdem die Gegner der Kernenergie im Juni bei einem Referendum in
Kalifornien eine Niederlage erlitten, haben sie jetzt das Thema auf die Stimmzettel in sieben Einzelstaaten setzen können:
Missouri, Montana und Washington.

Arizona, Colorado, Ohio, Oregon,

Erste Meinungsumfragen lassen erkennen, daß

die Gegner der Kernkraftwerke in drei Staaten - Washington, Oregon und Colorado in der überhand sind.

Die meisten der Bürgerinitiativen fordern ein Verbot

für die Errichtung weiterer Kernkraftwerke - es sei denn mit Auflagen, die
wiederum von der Atomindustrie als unannehmbar und unerfüllbar bezeichnet werden.
Von großer Bedeutung dürfte auch der Ausgang einer Initiative von rund
150 000 Bürgern und Bürgerinnen in Massachusetts sein, die in ihrem Staat ein
Referendum über den Besitz von Faustfeuerwaffen durchgesetzt haben.

Zum ersten

Mal in der amerikanischen Geschichte ist diese umstrittene Frage damit dem
Wähler zur Entscheidung vorgelegt worden.

Sollte die Initiative in Massachusetts

Erfolg haben, dann ist mindestens in 20 weiteren Staaten der Union mit ähnlichen
Bemühungen zu rechnen.
Der in Massachusetts zur Abstimmung gestellte Antrag sieht vor, daß die
Besitzer von Faustfeuerwaffen, d.h. Schußwaffen mit einer Länge des Laufes von
weniger als 40 cm, sechs Monate Zeit hätten, diese Waffen abzugeben. Ausgenommen bleiben Polizei, Waffenmuseen und lizenzierte Waffenhersteller. Man schätzt
die Zahl der unter ein etwaiges Verbot fallenden Waffen auf rund 400 000. Da
dem Bürger für die abgegebenen Waffen eine Entschädigung gezahlt werden soll,
würde das den Staat 25 bis 40 Millionen Dollar kosten.
Ein weiteres umstrittenes Thema, für das in Massachusetts eine wichtige
Vorentscheidung fallen wird, ist der Stromtarif. Bisher mußten Privathaushalte
und Kleinbetriebe - wegen der geringeren Abnahmemengen - einen höheren Tarif
zahlen als Großbetriebe. Nach dem jetzt zur Abstimmung vorliegenden Antrag
sollen alle Bezieher von Elektrizität mit ganz wenigen Ausnahmen den gleichen
Tarif zahlen. Das würde in der Praxis bedeuten, daß die Stromrechnung für
Privathaushalte und Kleinbetriebe zwischen 15 und 40 Prozent niedriger und für
- 2 -

�für die Industrie um 20 bis 30 Prozent höher würde.
In den Vereinigten Staaten gibt es drei Formen der "direkten Demokratie"
durch das Referendum:
1. Die gesetzgebende Körperschaft eines Einzelstaates kann ein Gesetz freiwillig der Wählerschaft zur Billigung vorlegen;
2. die Verfassung eines Einzelstaates kann die Vorlage bestimmter Gesetze
- meist Gesetze über den Schuldenplafond - zur Billigung durch den Wähler verlangen; und
3. Bürger können auf dem Wege der Petition ein Referendum - meist mit der
Absicht, eine Gesetzesaufhebung oder -änderung herbeizuführen - verlangen. Die
Verfahren für ein solches "Initiativreferendum" variieren von Einzelstaat zu
Einzelstaat.
Das Referendum geht auf die "Bürgerversammlung" in Neuengland zurück.
Nachdem die Zahl der Bürger, sprich Wähler, für solche Versammlungen einfach
zu groß wurde, schlug man den Weg des Referendums mit Hilfe des Stimmzettels
ein, um einen direkten Einfluß auf die Gesetzgebung nehmen zu können.
Es gibt Argumente für und gegen diese Praxis der Demokratie. In den Vereinigten Staaten behielt sie bisher immer die Oberhand, da sich ein gesundes
Mißtrauen gegen staatliche Institutionen und starker Bürgersinn als tragende
Kraft im politischen Leben durchgesetzt haben. In diesem Zusammenhang ist auch
festzustellen, daß der einzelne Abgeordnete im Kongreß viel stärker von seinen
Wählern "kontrolliert" wird als ein Parlamentarier in Europa.
Das Argument, das Referendum zerstöre die republikanische Staats- und Regierungsform, wurde schon 1903 vom Obersten Gerichtshof des Staates Oregon zurückgewiesen, der feststellte, daß der repräsentative Charakter der Regierung
dabei durchaus erhalten bliebe; "das Volk hat sich lediglich einen größeren An-

�Anteil an der gesetzgeberischen Macht vorbehalten."
Das Ergebnis einiger der jetzt anstehenden Referenden wird sicherlich
weit über den kommunalen oder einzelstaatlichen Bereich hinaus Beachtung finden.

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19/1976

DIE AMERIKANISCHE ROHSTOFFPOLITIK NACH UNCTAD IV
Von J. Robert Vastine
Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium

J. Robert Vastine hat am Haverford College
und an der Johns Hopkins-Universität Volkswirtschaft und Politische Wissenschaften
studiert und vor seiner Berufung in das
Finanzministerium für den Senatsausschuß
für Regierungstätigkeiten gearbeitet. Im
Ministerium ist er für Fragen der Handelsund Rohstoffpolitik zuständig.

Seit etwa zwei Jahren sind in den Vereinigten Staaten intensive interministerielle Bestrebungen im Gange, die wirtschaftlichen Probleme zwischen Nord
und Süd gründlich zu analysieren und eine entsprechende amerikanische Politik
festzulegen. Wir haben uns dabei von einer Reihe fundamentaler Grundsätze und
Überlegungen leiten lassen:
Erstens, wirtschaftliches Wachstum wird letztlich von den Anstrengungen und
dem Können der Entwicklungsländer selbst abhängen, mit denen sie ihre menschlichen
und materiellen Hilfsquellen einsetzen.

Die Industrieländer können den Entwick-

lungsländern dabei durch eine konstruktive Politik des Handels und der technischen
und finanziellen Unterstützung wesentlich helfen.

Aber diese Hilfe wird nur dann

auf die Dauer wirken, wenn sie mit einer gesunden Politik der Entwicklungsländer
selbst einhergeht.
Zweitens,

�Zweitens, die zentrale Antriebskraft der wirtschaftlichen Entwicklung ist
die Investition.

Investitionskapital in internationalem Maßstab ist jedoch nur

begrenzt verfügbar.

Die Entwicklungsländer sollten das benötigte Investitions-

kapital dadurch anziehen, daß sie die Bedingungen für Privatinvestitionen verbessern.
Drittens, das Funktionieren freier und fairer Märkte ist die wirksamste
Methode zur Steigerung der Produktion, zur Verbesserung der Produktivität und
zur Anregung des Wachstums.

Wir sollten die Leistungsfähigkeit

der internatio-

nalen Märkte verbessern, statt sie durch neue Beschränkungen und Kontrollen - sei
es von Regierungsseite oder privater Seite - zu behindern.
Viertens, wir müssen uns bei der Behandlung der Probleme der Entwicklungsländer vor bequemen Verallgemeinerungen hüten.

Jedes Entwicklungsland, jeder

Rohstoff, jeder Industriezweig hat seine eigenen Probleme.

Wir müssen das Pro-

blem der Schulden oder der Zahlungsbilanz eines Entwicklungslandes, die Marktstrukturen eines bestimmten Rohstoffs, den Investitionsbedarf eines speziellen
Industriezweiges jeweils von Fall zu Fall behandeln.
Im Sinne dieser Prinzipien haben wir immer wieder betont, daß wir bereit
sind, uns gemeinsam mit den Entwicklungsländern darum zu bemühen:
- daß genügend Investitionskapital für die Entwicklung von Rohstoffen in
die Entwicklungsländer fließt;
- daß die Gesamtexporterträge der Entwicklungsländer - vor allem jener,
die nur wenige Rohstoffe exportieren - stabilisiert werden;
- daß den im Rahmen multilateraler Handelsgespräche verarbeiteten Erzeugnissen von Entwicklungsländern - unter Gewährleistung einer zuverlässigen Versorgung für den Verbraucher - der Zugang zu den Märkten erleichtert wird; und
- daß die Bedingungen für den Handel und die Investitionen in einzelnen
Rohstoffen verbessert und exzessive Preisschwankungen gedämpft werden - immer

�immer auf der Basis einer Analyse der Investitions-, Produktions- und Marktbedingungen in jedem einzelnen Fall.

Wir haben bereits eine Reihe von Schritten zur Erreichung dieser Ziele
unternommen.
Was die Investitionen angeht, so haben wir einige bedeutsame Vorschläge gemacht.

Der wichtigste davon ist die Schaffung einer Internationalen Rohstoffbank

(International Resource Bank - IRB) zur Förderung und Erleichterung direkter Privatinvestitionen in die Rohstoffentwicklung - vor allem Mineralien und Energie
- in den Entwicklungsländern.

Die Vereinigten Staaten bemühen sich auf interna-

tionaler Ebene nachdrücklich um die Realisierung ihres Vorschlages.

Wir haben

ferner eine Erhöhung des Einlagekapitals der Internationalen Finanzierungsgesellschaft (International Finance Corporation - IFC) der Weltbank um 480 Millionen
Dollar vorgeschlagen.

Damit könnte die IFC ihre Förderungstätigkeit für Privat-

investitionen in Entwicklungsländern vervierfachen.

Und schließlich haben die

USA die Schaffung eines Internationalen Investitionstreuhandfonds zur Förderung
der Privatinvestitionen in den Entwicklungsländern vorgeschlagen.
Was die Stabilisierung der Exporterlöse angeht, so haben die Vereinigten
Staaten und andere Mitglieder des Internationalen Währungsfonds (IWF) den wichtigen Vorschlag zur Liberalisierung der bestehenden IWF-Bestimmungen über den
Finanzausgleich und zur Bereitstellung eines Teils des neuen IWF-Treuhandfonds
für Vorzugsanleihen und Zuwendungen an die ärmsten Entwicklungsländer verwirklicht, die unter Ertragsschwankungen bei Rohstoffen zu leiden haben.

Die revi-

dierte Finanzausgleichsfazilität des IWF hat bereits in diesem Jahr Sonderziehungsrechte (SDR) in Höhe von 1,7 Milliarden bewilligt - verglichen mit dem bisherigen
Jahresmaximum von 300 Millionen Sonderziehungsrechten und der Gesamtsumme von
1,2 Milliarden SDR von 1966 bis 1975.

Allein Entwicklungsländer haben in diesem

Jahr 1,1 Milliarden SDR gezogen.
Was den Zugang zu den Märkten anbetrifft, so haben wir die Ernsthaftigkeit
unserer Bemühungen unter Beweis gestellt.

Bereits am 1. Januar 1976 hat der Prä-

sident neue Zol1 Präferenzen bekanntgegeben, die 2700 Produkte aus 130 Ländern

- 3 -

�Ländern - 1975 im Werte von 2,5 Milliarden Dollar - umfassen.

Wir sind auch

bereit, den Entwicklungsländern bei multilateralen Handelsverhandlungen Sonderkonditionen einzuräumen.
Hinsichtlich der Rohstoffmärkte schließlich haben die USA die Schaffung
von Erzeuger-Verbraucher-Foren vorgeschlagen, wo diese für wichtige Rohstoffe
noch nicht existieren.
zustandezubringen.

So hoffen wir, demnächst ein solches Gremium für Kupfer

Wir sind bereit, mit Erzeugern und Verbrauchern eines jeden

Rohstoffs über eine Ausweitung der Märkte und eine Stabilisierung der Erträge
zu sprechen.
Die Vereinigten Staaten werden sich in den kommenden Monaten aktiv an der
Erörterung der Rohstoffprobleme beteiligen, so unter anderem auf der Konferenz
über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) in Paris und selbstverständlich im Rahmen der UN-Konferenz über Handel und Entwicklung (UNCTAD).
Die im Mai in Nairobi auf der UNCTAD IV verabschiedete Resolution sieht
eine Serie von Konferenzen über 18 einzelne Rohstoffe vor, die - bis Ende 1978 zu formellen Rohstoffabkommen oder anderen Maßnahmen führen sollen. Die USA
haben ihre Absicht kundgetan, sich daran zu beteiligen - allerdings unter bestimmten Bedingungen. Die Vereinigten Staaten betrachten diese Konsultationen
als eine Gelegenheit, die tatsächlichen Probleme jedes einzelnen Rohstoffes
zwischen Erzeugern und Verbrauchern zu erörtern. Wir wollen uns an den Bemühungen
beteiligen, die Märkte zu stärken und zu verbessern. Wenn die Probleme geklärt
sind, dann woller. wir mit anderen Beteiligten entscheiden, welche Maßnahmen zu
ihrer Lösung geeignet sind und getroffen werden sollen. In manchen Fällen mögen
sich formelle Abkommen als richtig erweisen - dann werden sich die USA selbstverständlich beteiligen - in anderen mag sich herausstellen, daß formelle Abkommen nicht geeignet sind.
Auf der UNCTAD kam man ferner überein, daß vorbereitende Gespräche für
eine Konferenz über die Einrichtung eines gemeinsamen Fonds zur Finanzierung
von Stützvorräten abgehalten werden sollen. Diese Konferenz soll bis März 1977

�1977 unter Dach und Fach sein.

Die Vereinigten Staaten haben auch hinsichtlich

dieses Teils der Resolution ernsthafte Einwände geltend gemacht.

Wir stehen

auf dem Standpunkt, daß ein solcher gemeinsamer Fonds nicht notwendig ist und
nicht funktionieren wird.

Nach unserer Auffassung muß zunächst einmal festge-

stellt werden, ob für einen bestimmten Rohstoff überhaupt eine Preisstabilisierung
notwendig ist, und wenn ja, ob Stützvorräte dafür die geeignete Methode wären.
Erst dann können Entscheidungen über die Finanzierung getroffen werden.

Die USA

werden sich zwar an den Vorgesprächen beteiligen - aber ohne Verpflichtung einer
Teilnahme an der Konferenz selbst.
Wir sind der Ansicht, daß eine generelle vorherige Verpflichtung zur Finanzierung die Anlage von unnötigen Stützvorräten begünstigen würde. Die technischen
Probleme und die Kosten von Stützvorräten, die groß genug sind, um einen echten
Markteinfluß auszuüben, wiederum sind nach unserer Auffassung so groß, daß solche Stützvorräte bei den meisten der 18 Rohstoffe eine zweifelhafte Angelegenheit
sind. Es wäre praktisch eine Verschwendung, Milliarden von Dollar des ohnehin
knappen Weltkapitals für eine so fragwürdige Sache stillzulegen. Und das in
einer Zeit, in der dieses Kapital so dringend für wichtige Entwicklungsprojekte
benötigt wird.
Auch die Anlage von wirtschaftlichen - im Gegensatz zu strategischen - Vorräten scheint uns fragwürdig.

Diese Vorräte wären zur Sicherung der Versorgung

im Falle einer Unterbrechung aus nicht strategischen Gründen, d.h. bei einem
Embargo oder einer Naturkatastrophe gedacht.

Hier erhebt sich die Frage, wann

solche Vorräte am günstigsten angelegt werden könnten, wann man sie freigeben
soll und welchen Umfang sie haben sollten.

Die große Gefahr ist, daß die Anlage

solcher Vorräte zu schweren Verzerrungen eines normalen Marktes führen.

Die USA

haben hier während des Korea-Krieges schlechte Erfahrungen gemacht.
Nach unserer Auffassung liegen auch noch keine ausreichenden Analysen hinsichtlich des notwendigen Umfangs solcher Vorräte vor, und man ist sich auch
noch nicht darüber im klaren, welche Rohstoffe in die Vorratsliste aufgenommen
werden sollten.
Wir
- 5 -

�Wir sind also, zusammengefaßt, der Ansicht, daß die Frage der wirtschaftlichen Vorratshaltung noch sehr viel eingehender geprüft werden muß, ehe eine
Entscheidung getroffen werden kann.
Nach unserer Auffassung sollte man sich hier sehr viel stärker auf die Vorratshaltung der Privatindustrie und auf die privaten Märkte verlassen.

Die Pri-

vatindustrie hat ihre Fähigkeit unter Deweis gestellt, ausreichende Vorräte an
wichtigen Rohstoffen zu halten.

Wir wollen dieser Privatinitiative sicherlich

nicht in den Arm fallen, indem wir der Regierung die Last der Lagerhaltung aufbürden.

- 6 -

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19/1976

KONTROLLE FÜR FLUORKOHLENWASSERSTOFFE
USA wollen Anwendung begrenzen

BRÜSSEL - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben erste Schritte unternommen,
um die Anwendung von Fluorkohlenwasserstoffen unter Kontrolle zu stellen.
gab Rüssel

Dies

E. Train, der Leiter der US-Umweltschutzbehörde EPA, auf der Oktober-

tagung 1976 der CCMS-Gruppe in Brüssel bekannt. CCMS, das Komitee der NATOMitgliedstaaten für "Aufgaben der Modernen Gesellschaft", befaßt sich u.a. mit
Problemen der Umweltverschmutzung und der Entwicklung internationaler Programme
für sachgerechte Lösungen.
Fluorkohlenwasserstoffe sind jene geruchlosen, farblosen und unbrennbaren
Verbindungen, die als Kältemittel in Kühl Systemen bei verschiedenen Produktionsverfahren der chemischen Industrie, als Reinigungsmittel und - dies ist heute
das eigentliche Problem - als Treibmittel in Spraydosen überall auf der Welt in
großen Mengen angewandt werden.

Die Weltproduktion für alle Verwendungszwecke

liegt bei etwa 1,3 Millionen Tonnen.

Davon entfallen ca. 44 Prozent auf die USA,

37 Prozent auf Westeuropa, 11 Prozent auf die Sowjetunion und osteuropäische
Länder.
Am Boden und in den unteren Luftschichten sind die nach ihrer Freisetzung
aus Spraydosen gasförmigen Treibmittel (sie machen den größten Teil der Fluorkohlenwasserstoff-Produktion aus) chemisch inaktiv.

-1 -

Das ändert sich jedoch,

�jedoch, wenn sie in die Stratosphäre gelangen.

Dort werden sie unter dem Ein-

fluß des energiereichen Ultraviolettlichts der Sonne in mehr oder weniger stark
reaktionsfähige Einzelkomponenten aufgespalten.

Eine der Komponenten ist Chlor,

das Ozon angreift und überdies in zahlreichen Wechselreaktionen die Neubildung
von Ozon wesentlich verzögert. Ähnliche Wirkungen zeigen bestimmte Bestandteile
von Flugzeugabgasen.

Deshalb stehen zahlreiche Wissenschaftler dem überschall-

Flugverkehr äußerst skeptisch gegenüber, weil sich dieser in viel größeren Flughöhen als bisher, d.h. im unteren Bereich der Ozonschicht, abspielen wird.
Eine "Verdünnung" der natürlichen Ozonschicht durch derartige Chemikalien
könnte aber letztlich Mensch, Tier und Pflanze auf der Erde gefährden.

Denn

Ozon in der Stratosphäre ist in seiner natürlichen Konzentration ein Schutzschirm
gegen zu hohe Einstrahlung des Ultraviolettlichts der Sonne. Zwar braucht der
Organismus sogar eine geringe Dosis ultravioletter Strahlung zur Regelung biologischer Prozesse wie Wachstum, Bildung von Vitamin D oder Aufbau von Hautpigmenten.

Würde jedoch das zwischen 12 000 und 50 000 m Höhe in der Erdatmosphäre

angereicherte Ozon übermäßig stark abgebaut, wäre mit einer Häufung von Verbrennungen, Hautkrebs, Augenerkrankungen und wohl auch genetischen Schäden zu rechnen.
Die Meinungen über das Ausmaß möglicher Schäden gehen auseinander. Jedoch
sollten, so erklärte Rüssel E. Train in Brüssel, vorsorglich Maßnahmen ergriffen
werden, die zumindest zum Verzicht auf die nicht unbedingt notwendige Anwendung
von Fluorkohlenwasserstoffen, z.B. als Treibmittel, führen. Einige amerikanische
Firmen haben bereits freiwillig eine Umstellung bei Spraydosen vorgenommen. Auf
Grund der bisher vorliegenden Ergebnisse einer Reihe von Studien, die in den USA
durchgeführt wurden bzw. weiterhin durchgeführt werden, ist die US-Regierung entschlossen, auf die allmähliche Einschränkung der Anwendung von Fluorkohlenwasserstoffen hinzuwirken.
Wie Berichte z.B. der Amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften
und der britischen Regierung zeigen, sei es, so Train, noch nicht zu spät, um vorsorgliche Maßnahmen auf nationaler und internationaler Basis zu treffen.
es müsse gehandelt werden, ehe sich die Situation zur Krise ausweite.

Aber

Der Schutz

�Schutz der Ozonschicht sei ein weltweites Problem und verlange weltweite Zusammenarbeit.

Als Chef der US-Umweltschutzbehörde beabsichtigt Rüssel E. Train,

Vertreter der Hauptproduzenten von Fluorkohlenwasserstoffen für April 1977 zu
einer Konferenz nach Washington einzuladen,auf der geeignete Kontrollmaßnahmen
besprochen und koordiniert werden sollen.

Als nächster Schritt sei, wie der

norwegische Delegierte Erik Lykke auf der CCMS-Tagung in Brüssel erklärte, ein
internationaler Vertrag über den Schutz der Stratosphäre nicht nur gegen Fluorkohlenwasserstoffe, sondern auch gegen künftige Flotten von Überschallflugzeugen
und ähnliche Entwicklungen erforderlich.
Train meinte, daß angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die ein
sofortiges Verbot der Anwendung von nicht unbedingt notwendigen Aerosolen, insbesondere von Treibmitteln auf der Basis von Fluorkohlenwasserstoffen, bewirken
würde, der Industrie eine mindestens zweijährige Frist für Umstellungsmaßnahmen
einzuräumen sei. Dennoch sei es ratsam, so früh wie irgend möglich aktiv zu
werden. Weitere wichtige Informationen über den Gesamtkomplex seien von der
Tagung des Umweltgremiums der Vereinten Nationen (UNEP) im Februar 1977 in
Washington zu erwarten, auf der die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse zur
Frage der Gefährdung der Ozonschicht erörtert werden.
Daß z.B. zwischen der Häufigkeit von Hautkrebs (sowohl bei der bösartigen
Form des Melanoms als auch der relativ gut zu beherrschenden Form des Basalioms)
eine direkte Relation zur Einwirkung von ultravioletter Strahlung besteht, hat
kürzlich eine Studiengruppe des Nationalen Krebsforschungsinstituts der USA
(Bethesda, Maryland) nachgewiesen: Von Einfluß sind die Dauer der Exposition
und die - nach Jahreszeit, Breitengrad und Meereshöhe - regional unterschiedliche Intensität der UV-Strahlung.

Jedoch scheinen auch Klima, Beruf, Aufent-

halt im Freien, Häufigkeit des Wechsels zwischen verschiedenen Regionen und
rassische Zugehörigkeit eine Rolle zu spielen.

An den zehn Meßplätzen innerhalb

der USA zwischen Ost und West, Süd und Nord wurde die intensivste UV-Einstrahlung
(mit 60 % der gesamten Tagesmenge) zwischen 10 und 14 Uhr festgestellt.

Die im

Hinblick auf eine mögliche Schwächung der Ozonschicht durchgeführte Studie wird
noch über einige Jahre fortgesetzt.
Luftverschmutzung

�Luftverschmutzung
Wie auf der Brüsseler CCMS-Tagung weiter berichtet wurde, ist inzwischen
in zwei Dritteln der überwachten Ballungszentren mit mehr als 600 000 Einwohnern
die Luftverschmutzung zurückgegangen.

Die Beobachtungsprogramme in den NATO-

Ländern sind aus einer der ersten CCMS-Pilotstudien hervorgegangen, in der es um
die Entwicklung von optimalen Methoden zur Messung der Luftverschmutzung ging.
In drei Großstädten, nämlich St. Louis (Miss., USA), Frankfurt am Main und
Ankara, der Hauptstadt der Türkei, wurden aufeinander abgestimmte Beobachtungen
angestellt.

Heute zeigt sich, daß im Gegensatz zu den anderen Großstädten in

Ankara die Partikelanzahl in der Luft leicht zugenommen hat.

Als Ursachen für

die verbesserte Luftqualität in der Mehrzahl der Beobachtungsgebiete werden
u.a. die Ausrüstung von neuen Fabrikanlagen mit modernen Apparaturen, die
Schliessung veralteter Anlagen, strengere Kontrollbestimmungen, z.T. aber auch
Auswirkungen von Energiekrise und wirtschaftlicher Rezession vermutet.
Der Vertreter Norwegens verwies darauf, daß gewisse Schadstoffe wie
Schwefeldioxid in internationaler Zusammenarbeit bekämpft werden müßten. Schäden durch Schwefeldioxid aus Heizkraftwerken mit Kohle- und ölfeuerung werden,
wie norwegische Wissenschaftler an Wald- und Fischbeständen ermittelten, häufig
Hunderte von Kilometern von Industriebetrieben und Kraftwerken entfernt verursacht. Norwegen hofft, daß man sich auf der Helsinki-Folgekonferenz im Jahr
1977 in Belgrad über die Einberufung einer Sachverständigenkonferenz einigt,
auf der die Harmonisierung der Maßnahmen in Ost- und Westeuropa zur Kontrolle
der Emission bestimmter Schadstoffe behandelt wird.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Amerikadienst 20.10.1976</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter J. Stoessel, Jr.&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der neue amerikanische Botschafter in Bonn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Militärische Stärke und Entspannung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von James H. Schlesinger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wähler stimmen auch über Einwegflasche und Kernenergie ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 35 Einzelstaaten verbinden Präsidentschafts- und Kongresswahlen mit Volksabstimmungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Rohstoffpolitik nach UNCTAD IV&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von J. Robert Vastine&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kontrolle für Fluorkohlenwasserstoffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA wollen Anwendung begrenzen&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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Dokumentation

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T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

Nummer 1 8

6. Oktober 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede von Außenminister Kissinger am 30. September 1976 vor der UNVollversammlung
- Wortlaut .)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Antarktisforschung 1976/77
Schwerpunktprogramme der USA:

Ross-Eisschelf und Trockentäler

"ENTERPRISE" - Debüt des US-Raumtransporters

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
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Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

18/1976

REDE VON AUSSENMINISTER KISSINGER AM 30. SEPTEMBER 1976
VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Henry A. Kissinger hat am 30. September in einer richtungweisenden Rede vor
der Vollversammlung der Vereinten Nationen zur weltpolitischen Lage Stellung
genommen und die Weltorganisation aufgefordert, sich von den ideologischen
Taktiken und den Konfrontationen der Vergangenheit freizumachen und auf ein
gemeinsames Aktionsprogramm zu konzentrieren.
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Außenminister und
Delegierte:
Lassen Sie mich diesem Gremium zunächst zur Wahl von Botschafter Amerainche
aus Sri Lanka zum Präsidenten dieser 31. Sitzungsperiode der Vollversammlung
gratulieren. Er genießt als Diplomat großes internationales Ansehen und hat
neben zahlreichen Erfolgen bei den entscheidend wichtigen Verhandlungen über
das Seerecht eine bedeutende führende Rolle übernommen.
Ich möchte ferner dem Generalsekretär für seine unermüdlichen Bemühungen
um die Völkergemeinschaft der Welt meine Hochachtung aussprechen.

- 1-

Ihm ist es

�»

es gelungen, die in der Charta niedergelegten Prinzipien der Fairness, der
Unparteilichkeit und der Hingabe an die Sache eines weltweiten Friedens und
der Menschenwürde in seiner Person zu verkörpern.
Die Vereinten Nationen wurden aus der Überzeugung geboren, daß der Friede
unteilbar ist und mehr als lediglich Stabilität bedeutet, daß Friede, wenn er
von Dauer sein soll, dem Streben der Menschheit nach Gerechtigkeit, Freiheit,
wirtschaftlichem Wohlstand, Herrschaft des Rechts und Förderung der Menschenrechte Erfüllung bringen muß.

Aber die Geschichte dieser Organisation brachte

immer mehr zu Bewußtsein, daß die Menschheit sich nicht zwangsläufig zu einem
gemeinsamen einheitlichen Vorgehen in Richtung auf diese Ziele bereitfinden
würde.
Die Vereinten Nationen haben 30 Jahre gewaltiger Veränderungen in dem
internationalen System überdauert - und zur Herbeiführung dieser Veränderungen
beigetragen.

Sie haben die schwere Zeit des Kalten Krieges überstanden.

Sie

haben eine entscheidend wichtige Rolle bei der Auflösung der Kolonialreiche gespielt.

Sie haben zur Milderung von Konflikten beigetragen,und ihre Truppen

besetzen Waffensti11 Standslinien in Krisengebieten der Welt.

Sie haben einzig-

artige Anstrengungen auf Gebieten wie dem öffentlichen Gesundheitswesen, der
Entwicklungshilfe und der technischen Zusammenarbeit unternommen.
Aber die wichtigste Aufgabe dieser Organisation liegt noch vor uns: die
positiven und hohen Ziele der Menschheit zu verteidigen und den Völkern bei der
Errichtung einer neuen auf Verständigung beruhenden Gemeinschaft zu helfen.
Durch die modernen Kommunikationsmittel ist das Streben der Menschen zu
einer gemeinsamen Erfahrung für die Völker in allen Teilen dieses Planeten geworden. Wir haben gemeinsam Teil an den Wundern der Wissenschaft und Technologie, den Bemühungen um Industrialisierung und sozialen Wandel und sind uns
ständig des Schicksals und der Hoffnungen unserer Mitmenschen bewußt.
Die Entfernungen auf der Welt sind geschrumpft, aber die Völker der Welt
sind einander nicht näher gekommen.

Es ist paradox, daß der Nationalismus gera-

- 2 -

�gerade in dem Augenblick zugenommen hat, da die meisten schwerwiegenden Fragen, denen wir alle uns gegenübersehen, nur gelöst werden können, wenn wir
uns unserer Interdependenz bewußt sind.

Der moralische und politische Zusam-

menhalt unserer Welt scheint gerade in dem Moment zu schwinden, in dem ein
Gefühl der Gemeinsamkeit unerläßlich geworden ist.
Die Zersplitterung hat selbst vor diesem Gremium nicht haltgemacht. Die
Völker haben Entscheidungen en bloc oder auf regionaler Basis nach starren
ideologischen Gesichtspunkten getroffen, ohne zuvor auch nur den Debatten in
diesen Hallen zuzuhören. Bei zahlreichen Fragen ist bereits vorher eine Entscheidung auf früheren Konferenzen getroffen worden, an denen über die Hälfte
der Mitglieder der Vereinten Nationen teilnahmen. Es besteht eine weitverbreitete Tendenz, hierherzukommen, um zu kämpfen und nicht um zu verhandeln. Wenn
dieser Trend anhält, wird die Hoffnung der Völkergemeinschaft der Welt zerstört
und wird der moralische Einfluß dieser Organisation immer mehr zurückgehen.
Dies wäre eine Tragödie. Die Mitglieder dieser Organisation befassen
sich heute mit einer Vielzahl von Initiativen, gerechte Lösungen für die komplexen und explosiven Probleme zu finden. Noch herrscht eine scheinbare Ruhe,
aber unter ihrer Oberfläche wird sie durch die fundamentalen Kräfte des Wandels
in Frage gestellt - technologische, wirtschaftliche, soziale. Mehr denn je zuvor leben wir in einer Zeit, in der es der Staatskunst und der Zurückhaltung,
der Ausdauer, aber auch des Wagemutes bei dem Streben nach Frieden und Gerechtigkeit bedarf. Die Dogmen vom immerwährenden Streit führen nur zu Blutvergießen und Verbitterung; sie lösen Kräfte der Zerstörung und Unterdrückung aus
und legen die Saat für künftige Konflikte. Appelle des Hasses - sei es auf
der Basis der Rassen, der Klassen, der Hautfarbe, der Nationalität oder der
Ideologie - schlagen letztlich auf die zurück, von denen sie ausgingen und werden die Sache der Freiheit und der Gerechtigkeit auf der Welt keineswegs fördern.
Lassen Sie uns niemals vergessen, daß die Vereinten Nationen den kleineren
und schwächeren Ländern am meisten nützen.

Gerade sie haben am meisten unter

ihrem Versagen zu leiden, denn ohne die Herrschaft des Rechts werden Streitig-

�Streitigkeiten auf eine Weise beigelegt werden, wie sie in der Geschichte nur
allzu oft und schmerzhaft beigelegt worden sind - nämlich durch Machtproben.
Es sind nicht die Schwachen, die in einer Welt des Chaos die Oberhand behalten
würden.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß diese 31. Vollversammlung sich von den ideologischen Taktiken und Konfrontationen freimachen muß,
die kennzeichnend für einige frühere Vollversammlungen waren, und sich zu
einem gemeinsamen Aktionsprogramm bekennen muß.
Die Vereinigten Staaten kommen zu dieser Vollversammlung mit der Bereitschaft, an gemeinsamen Aktionsprogrammen mitzuarbeiten.
Vorschläge vorlegen.

Wir werden konkrete

Wir werden den Ideen anderer Gehör schenken.

Wir werden

uns jedem Druck widersetzen und die Zusammenarbeit anstreben.
Lassen Sie mich jetzt die drei Hauptaufgaben erörtern, vor denen wir
stehen - das Problem des Friedens, die Aufgabe, wirtschaftlichen Wohlstand zu
schaffen und die Agenda für eine globale Interdependenz.
Das Zeitalter der Vereinten Nationen ist auch ein Zeitalter häufiger
Konflikte gewesen. Wir sind von einem dritten Weltkrieg verschont geblieben,
aber wir können nicht von der Annahme ausgehen, daß diese Verhältnisse für
immer und ohne Anstrengungen so bleiben werden.
Ein Zeitalter thermonuklearer Waffen und ständiger nationaler Rivalitäten
erfordert von uns äußerste Anstrengungen, um die Geißel des Krieges unter Kontrolle zu halten. Unsere Generation muß aus der Vielzahl von Ländern ein System
von Beziehungen schaffen, das die Kräfte der Nationen und Völker für die positiven Aufgaben freisetzt, ohne daß man sich vor einem Krieg fürchten muß oder
ein solcher droht.
Im Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik stehen unsere Schwesterdemokratien, die Industriestaaten Nordamerikas, Westeuropas, des südlichen Pazifik
und Japan sowie unserer traditionellen Freunde in der westlichen Hemisphäre. Wir

�Wir sind mit diesen Nationen durch die Bande der Geschichte, der Zivilisation,
der Kultur, durch gemeinsame Prinzipien und eine Generation gemeinsamer Anstrengungen verbunden.
Unsere Bündnisse, auf dem Fels der gemeinsamen Sicherheit begründet, reichen jetzt über die gemeinsame Verteidigung hinaus und erstrecken sich auf eine
Vielzahl neuer Fragen:

die sozialen Aufgaben, die sich den hochentwickelten

technologischen Gesellschaften gemeinsam stellen; gemeinsame Initiativen zum
Abbau der Spannungen gegenüber unseren Gegnern; die Gestaltung positiver Beziehungen zu den Entwicklungsländern.

Die gemeinsamen Anstrengungen der in-

dustriellen Demokratien sind nicht auf exklusive Ziele gerichtet, sondern sind
eine Brücke zu einem umfassenderen, sichereren und kooperativen internationalen
System sowie zur Ausbreitung der Freiheit und des Wohlstands auf alle Nationen
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihre historischen Freundschaften
in der westlichen Hemisphäre.

Im modernen Zeitalter müssen sie - und sie sind

es - auf Gleichberechtigung und beiderseitigem Vorteil begründet sein.

Wir

haben eine einzigartige Gelegenheit, daß der große Dialog zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern seine schöpferische Lösung in der Hemisphäre
finden kann, wo die moderne Demokratie geboren wurde und wo die Zusammenarbeit
zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern, zwischen kleinen und großen,
eine seit langem bestehende Tradition ist.
Immer wieder haben in der Geschichte Ideologie und Macht die Länder in die
Versuchung geführt, sich einen einseitigen Vorteil zu verschaffen. Aber die
zwingende Lehre des nuklearen Zeitalters ist, daß die Politik der Machtproben
sich mit dem überleben der Menschheit nicht mehr vereinbaren läßt. Traditionelle Machtpolitik wird irrational, wenn der Krieg das zivilisierte Leben vernichten kann und wenn keine Seite einen entscheidenden strategischen Vorteil
erlangen kann.
Daher fällt den großen nuklearen Mächten eine besondere Verantwortung in
bezug auf Zurückhaltung und Einsicht zu.

Sie sind in der Lage, das volle Aus-

maß der Katastrophe zu ermessen, die die Menschheit vernichten könnte.

Sie

�Sie müssen aufpassen, daß sie, wenn sie ihre Rivalitäten mit den bisher üblichen Methoden austragen, nicht die Dispute weiter schüren.

Wenn sie ört-

liche Konflikte zum Gegenstand globalen Wettstreits machen, dann wird früher
oder später dieser Wettstreit außer Kontrolle geraten.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Zukunft der Menschheit eine Koexistenz mit der Sowjetunion erfordert.

Alte Schlagworte können

die Notwendigkeit konstruktiverer Beziehungen nicht verschleiern.

Wir werden

darauf bestehen, daß die Zurückhaltung auf Gegenseitigkeit beruht, nicht nur
in bilateralen Beziehungen, sondern überall auf der Welt.
tive Entspannung geben.
beibehalten.

Es kann keine selek-

Wir müssen unsere Verteidigung und unsere Wachsamkeit

Aber wir wissen, daß harte Worte nicht Stärke bedeuten, daß wir

den künftigen Generationen hoffnungsvollere Aussichten schuldig sind, als sie
ein hauchdünnes Gleichgewicht furchtbarer Streitkräfte bietet.
Frieden setzt ein Gleichgewicht strategischer Stärke voraus.
die Vereinigten Staaten aufrechterhalten.

Dies werden*

Aber die Vereinigten Staaten sind

überzeugt, daß das Ziel eines strategischen Gleichgewichts sich weit sicherer
durch Abkommen als durch ein Wettrüsten erreichen läßt.

Die Verhandlungen

über die Begrenzung der Rüstungen stehen daher im Mittelpunkt der amerikanischsowjetischen Beziehungen.
Es sind in der Vergangenheit Abkommen über die Begrenzung und Kontrolle
der nuklearen Waffen erreicht worden, wie sie in der Geschichte ohne Beispiel
sind. Gegenwärtig wird ein historischer Versuch unternommen, eine Höchstgrenze für die strategischen Arsenale beider Seiten festzulegen, die im Einklang
mit dem Abkommen von Wladiwostok steht. Und wenn dies erst einmal erreicht
ist, sind wir bereit, sofort einen Abbau des Standes der strategischen Rüstungen anzustreben.
Die Vereinigten Staaten begrüßen den kürzlichen Fortschritt, der bei der
weiteren Einschränkung der Kernwaffenversuche und bei der erstmaligen Festsetzung eines Verfahrens für friedliche Kernexplosionen erzielt worden ist.
Die beiden Verträge, die jetzt unterzeichnet worden sind und noch der Ratifi-

�Ratifizierung bedürfen, sollten die Grundlage für weiteren Fortschritt auf
diesem Gebiet bilden.
Zusammen mit mehreren unserer europäischen Verbündeten setzen wir die Bemühungen fort, eine ausgewogene Reduzierung der militärischen Streitkräfte zu
erreichen, die sich in Mitteleuropa gegenüberstehen. In gewisser Beziehung
sind dies die schwierigsten Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung, die
je unternommen worden sind. Wir hoffen, daß durch geduldige Bemühungen, auf
Gegenseitigkeit beruhende Truppenkürzungen bald erreicht werden können, die
die Sicherheit aller beteiligten Länder noch verbessern.
Die Vereinigten Staaten bleiben weiterhin der Arbeit des Genfer Abrüstungsausschusses verpflichtet. Wir begrüßen den dort gemachten Fortschritt, jede
Veränderung der Umwelt für destruktive Zwecke zu ächten. Wir werden alle Ideen
ernsthaft prüfen, gleichgültig von wem sie kommen, die die Rüstungslasten senken könnten. Wir werden unsere eigenen Initiativen vorantreiben, nicht aus
Propagandagründen oder wegen einseitiger Vorteile, sondern um Frieden und Sicherheit für alle zu fördern.
Aber Koexistenz und Verhandlungen über die Kontrolle der Rüstungen finden
nicht in einem Vakuum statt. Wir sind beunruhigt über die weitere Anhäufung
von Waffen und die jüngsten Fälle militärischer Interventionen zur Beeinflussung der Entscheidungen bei lokal begrenzten Konflikten in weit entfernten Erdteilen. Wir haben unverhüllte Versuche erlebt, die diplomatischen Absichten
zu entstellen und den hoffnungsvollen Fortschritt in Richtung auf eine friedliche Lösung schwieriger Fragen zu verhindern. Solche Bemühungen verstärken
nur die Spannungen; sie lassen sich nicht mit einer Politik zur Verbesserung
der Beziehungen vereinbaren. Wenn Koexistenz etwas mehr als ein unsicherer
Waffenstillstand sein soll, müssen beide sich darüber klar sein, daß Ideologie
und Machtpolitik im Gegensatz zu den Realitäten des nuklearen Zeitalters stehen
und daß ein Streben nach einseitigen Vorteilen nicht akzeptiert werden kann.
In
- 7 -

�In den letzten Jahren haben die neuen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Volksrepublik China große Bedeutung für die weltweite Sicherheit erlangt.
Wir kamen zusammen aus der Notwendigkeit und dem beiderseitigen Glauben
heraus, daß die Welt frei von militärischer Erpressung und dem Streben nach Hegemonie bleiben soll. Wir haben einen neuen Weg beschritten - durch weitreichende Konsultationen, bilateralen Austausch, die Eröffnung von Büros in unseren
beiden Hauptstädten und Beschleunigung der Schritte zur Normalisierung.

Und wir

haben daraus für uns beide Vorteile gezogen - wir haben ein klareres Verständnis
für das Streben unserer Völker gewonnen, bessere Aussichten auf ein internationales Gleichgewicht erreicht, die Spannungen in Asien abgebaut und die Möglichkeiten für gleichlaufende Schritte bei globalen Fragen verbessert.
Diese Elemente bilden die Grundlage für wachsende und dauerhafte Beziehungen, die auf einem objektiven gemeinsamen Interesse fußen. Die Vereinigten
Staaten haben sich verpflichtet, die Bindungen zwischen uns zu stärken und
auf dem Wege zur Normalisierung unserer Beziehungen in strikter Übereinstimmung mit den Prinzipien des Kommuniques von Schanghai fortzufahren. Im Zuge dieses
Prozesses muß jede Seite Zurückhaltung zeigen sowie die Interessen und Überzeugungen des anderen respektieren. Wir werden uns der chinesischen Interessen
bei allen internationalen Fragen bewußt bleiben und werden unser äußerstes tun,
um sie zu berücksichtigen. Wenn jedoch diese Beziehungen sich verstärken sollen, dann muß es ein ähnliches Verständnis für unsere Ansichten und Belange
geben.
Auf dieser Grundlage wird die progressive Entwicklung unserer Beziehungen
zum volkreichsten Land der Welt ein entscheidendes Element der Außenpolitik der
Vereinigten Staaten sein.
Die Welt ist heute Zeuge kontinuierlicher regionaler Krisen.
ihnen könnte in einen größeren Konflikt ausufern.

Jede von

Jede verlangt unsere sorg-

samsten Bemühungen um Aussöhnung und Zusammenarbeit.

Die Vereinigten Staaten

haben eine aktive Rolle bei der Suche nach Frieden in zahlreichen Gebieten cje_i
- 8 -

�gespielt - im südlichen Afrika, im Nahen Osten, in Korea und auf Zypern - und
werden diese Rolle auch weiterhin spielen.
Rassische Ungerechtigkeit sowie die widerwillige Aufgabe kolonialer Macht
haben das südliche Afrika zu einem bitteren Test der Hoffnungen der Welt auf
Frieden und Gerechtigkeit unter der Charta der Vereinten Nationen werden lassen.
Eine große Zahl von Stimmen ist hier in diesem Saal gehört worden, die warnend
darauf hinwiesen, daß - wenn wir nicht schnell Lösungen für die Krisen in
Namibia und Rhodesien fänden - dieser Teil der Welt zu einem unheilvollen Kampffeld mit Konsequenzen für jeden Teil der Welt werden könnte.
Ich war auf Ersuchen von Präsident Ford soeben in Afrika, um festzustellen,
was wir tun können, um den Völkern jenes Kontinentes bei der Verwirklichung ihres Strebens nach Freiheit und Gerechtigkeit zu helfen.
Es besteht gegenwärtig eine Chance, von dem Rand des Abgrundes zurückzuweichen. Ich bin der Ansicht, daß Afrika jetzt vor dem Preis steht, um den es
solange gerungen hat, nämlich vor der Möglichkeit für die Afrikaner, sich eine
Zukunft des Friedens, der Gerechtigkeit, der rassischen Harmonie und des Fortschrittes zu schaffen.
Die Vereinten Nationen haben sich seit ihrer Gründung mit der NamibiaFrage befaßt. 30 Jahre lang war dieses Gebiet ein Prüfstein für die Fähigkeit
dieser Institution, ihre Entscheidung in die Praxis umzusetzen.
In den vergangenen Monaten waren die Vereinigten Staaten mit Nachdruck
bemüht, den betroffenen Parteien dabei zu helfen, den Prozeß in Richtung auf
die Unabhängigkeit Namibias zu beschleunigen.

Die Vereinigten Staaten sprechen

sich für folgendes aus: Die Unabhängigkeit Namibias innerhalb eines festgelegten kurzfristigen Zeitraums; die Einberufung einer verfassungsgebenden Konferenz an einem neutralen Ort unter der Ägide der Vereinten Nationen und die
Beteiligung aller authentischen nationalen Kräfte, einschließlich insbesondere
auch der Swapo, an dieser Konferenz.
Fortschritte erzielt worden.

Bei der Erreichung all dieser Ziele sind

Wir werden unsere Anstrengungen darauf richten,
- 9 -

�richten, die noch vorhandenen Hindernisse zu beseitigen und eine Konferenz
zustandezubringen, die dann mit gutem Willen und Klugheit einen Plan für den
neuen Staat Namibia und seine Beziehungen zu den Nachbarn ausarbeiten kann.
Wir unterstreichen hiermit unsere anhaltende Sorge um die Unabhängigkeit von
Namibia, damit es schließlich zu einem stolzen Erfolg dieser Organisation und
einem Symbol der internationalen Zusammenarbeit werden kann.
Vor noch nicht einer Woche kündigten die rhodesischen Behörden an, daß sie
bereit seien, mit den nationalistischen Führern von Simbabwe zusammenzutreffen,
um eine Übergangsregierung zu bilden, die innerhalb von zwei Jahren eine Mehrheitsregierung zustande bringen soll.

Mit ihrer Forderung nach unmittelbaren

Verhandlungen haben die afrikanischen Präsidenten gezeigt, daß sie bereit sind,
diese Gelegenheit für eine Regelung zu ergreifen, und indem die britische Regierung ihre Bereitschaft zur Einberufung einer Konferenz kund tat, hat sie ihr
großes Verantwortungsbewußtsein und ihre Sorge um eine schnelle und gerechte
Unabhängigkeit Rhodesiens gezeigt.
Es ist unvermeidlich, daß nach 10 Jahren der Auseinandersetzungen der Argwohn tief wurzelt.. Viele Hindernisse müssen noch überwunden werden. Großmut
zu zeigen, ist niemals leicht, und schon gar nicht nach einer Generation der
Bitterkeit und des rassischen Konfliktes. Aber wir dürfen nicht aus den Augen
verlieren, was schon erreicht worden ist: Die Verpflichtung für eine Mehrheitsregierung innerhalb von zwei Jahren, die Verpflichtung, unverzüglich eine Übergangsregierung mit einer afrikanischen Mehrheit im Kabinett und einem afrikanischen Ministerpräsidenten zu bilden, die Bereitschaft, hierauf eine verfassungsgebende Konferenz folgen zu lassen, die den rechtlichen Rahmen eines unabhängigen Simbabwe definiert.
Die Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit mit anderen Ländern wesentliche Anstrengungen geleistet, und wir werden auch in Zukunft unser äusserstes tun, um den hoffnungsvollen Prozeß, der nun möglich ist, zu unterstützen. Aber es sind die Menschen in Afrika, die ihre Zukunft gestalten müssen.
Die Bevölkerung Rhodesiens und die Nachbarstaaten stehen jetzt vor einer außerordentlich großen Herausforderung. Ihre Fähigkeit, zusammenzuarbeiten, und
- 10 -

�und ihre Fähigkeit, sich zu vereinigen, wird in den kommenden Monaten wie
niemals zuvor auf die Probe gestellt.
Es mag einige Länder geben, die eine Chance darin sehen, aus der Anfachung der Flammen des Krieges und des Rassenhasses Vorteile zu ziehen.

Was

sie dazu veranlaßt, ist jedoch nicht die Sorge um die Völker Afrikas oder um
den Frieden.

Sollten sie Erfolg haben, dann könnten damit Möglichkeiten zu-

nichte gemacht werden, die vielleicht nie wiederkehren.
In Südafrika selbst nimmt das Tempo der Veränderungen zu. Das System der
Apartheid - oder welchen Namen es immer tragen mag - verneint unsere gemeinsame
Humanität und ist ein Stachel für das Gewissen der Menschheit. Veränderungen
sind unvermeidlich. Die führenden Politiker Südafrikas haben eine kluge Haltung bei der Herbeiführung einer friedlichen Lösung in Rhodesien an den Tag
gelegt. Die Weitgemeinschaft nimmt dies zur Kenntnis und fordert, während es
noch Zeit ist, dieselbe Klugheit, um eine Rassengerechtigkeit nach Südafrika
zu bringen.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so sind wir davon überzeugt, daß
unseren Werten und Interessen am besten gedient wird durch ein Afrika, das sich
um die Gestaltung seines eigenen Geschickes frei von äußeren Interventionen bemüht. Deshalb werden wir keine Gruppierungen unterstützen, weder in Rhodesien
noch anderswo. Wir werden auch nicht versuchen, irgendwo Lösungen aufzuzwingen
Es liegt bei den Afrikanern, über die Führung und die Zukunft eines unabhängigen Simbabwe wie auch für den Rest von Afrika zu entscheiden. Die Vereinigten
Staaten werden sich an deren Entscheidung halten. Wir fordern alle anderen
nichtafrikanischen Staaten auf, dies ebenfalls zu tun.
Die Vereinigten Staaten wollen keine Sonderposition und auch keine Einflußsphäre.

Wir respektieren die afrikanische Einheit.

Die Rivalität und die

Einmischung nichtafrikanischer Mächte würden dem schwer gewonnenen Kampf um Unabhängigkeit von fremder Herrschaft Hohn sprechen.

Dies würde unvermeidlich

zu Widerstand führen und eine direkte Bedrohung der fundamentalsten Grund- 11-

�Grundsätze, auf denen sich die Vereinten Nationen begründen, darstellen.
Jede Nation, die die Charta unterzeichnet hat, ist verpflichtet, den Nationen Afrikas, deren Völker so viel Leid ertragen mußten, endlich die Erfüllung ihrer Träume von Unabhängigkeit, Frieden, Einheit und Menschenwürde zu
gestatten und zwar auf deren eigene Weise und nach eigenen Entscheidungen.
Seit ihrer Gründung sind die Vereinten Nationen in den chronischen Nahost-Konflikt hineingezogen worden.

Jeder sich daraus ergebende Krieg hat grös-

sere Bedrohungen mit sich gebracht und die vergrößerte Gefahr einer Konfrontation der Großmächte sowie immer ernstere weltweite wirtschaftliche Verzerrungen.
Auf Ersuchen der betroffenen Parteien haben sich die Vereinigten Staaten
aktiv in die Suche nach Frieden im Nahen Osten eingeschaltet.

Seit dem Krieg

des Jahres 1973 hat das staatsmännische Verhalten aller Seiten zu bisher einzigartigen Schritten auf dem Wege zur Lösung dieses bitteren Konfliktes geführt.
Es gibt Abkommen, die die Kriegsgefahr verringern, und es wurden beiderseitige
Verpflichtungen eingegangen, um den Verhandlungsprozeß mit Dringlichkeit
weiterzuführen, bis ein endgültiger Friede erreicht worden ist.

Als Ergebnis

hiervon sind wir dem Ziel des Friedens näher gekommen als zu irgend einem anderen Zeitpunkt seit einer Generation.
Die Rolle der Vereinten Nationen war von entscheidender Bedeutung. Die
Genfer Konferenz trat im Jahre 1973 unter ihrer Ägide zusammen,und die Verwirklichung entsprechender Abkommen ist in den einzelnen Arbeitsgruppen behandelt
worden. Die Resolutionen des Sicherheitsrates bilden den einzigen vereinbarten
Verhandlungsrahmen. Die Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die Beobachtergruppen sowie die Waffensti11 Standsüberwachungskommission tragen gegenwärtig
dazu bei, daß der Frieden an den Waffenstillstands!inien bewahrt bleibt. Ich
möchte den Generalsekretär sowie seine Mitarbeiter in New York, Genf und im
Nahen Osten selbst zu ihrer energischen Unterstützung des Friedensprozesses in
kritischen Augenblicken beglückwünschen.
Die
- 12 -

�Die Vereinigten Staaten bleiben ihrer Verpflichtung treu, den betroffenen
Parteien bei der Erreichung einer Lösung zu helfen.

Die schrittweisen Ver-

handlungen der letzten drei Jahre haben uns an einen Punkt gebracht, wo umfassende Lösungen möglich erscheinen.

Wir stehen jetzt vor der Entscheidung,

wie die nächste Phase von Verhandlungen in Gang gebracht werden kann.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich an einer baldigen Wiederaufnahme
der Arbeit der Genfer Konferenz zu beteiligen. Wir sind der Ansicht, daß eine
vorbereitende Konferenz für eine Erörterung der Struktur künftiger Verhandlungen
nützlich sein könnte, aber wir sind anderen Vorschlägen stets offen. Die zu
treffenden Schritte müssen sorgfältig vorbereitet werden, damit - nachdem der
Prozeß einmal in Gang gesetzt worden ist - die betroffenen Länder stetig auf
dem Wege zu einem Abkommen vorankommen.
Die bereits gelegten Grundlagen stellen eine historische Chance dar.

Die

Vereinigten Staaten werden alles in ihren Kräften stehende tun, um sicherzustellen, daß zu dem Zeitpunkt, da diese Vollversammlung im nächsten Jahr wieder
zusammentritt, es möglich sein wird, über weitere bedeutsame Fortschritte in
Richtung auf einen gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten zu berichten.
Seit die Vollversammlung zum letzten Mal hier zusammentraf, hat die Bevölkerung im Libanon unsägliches Leid befallen. Die Vereinigten Staaten unterstützen mit Nachdruck die Souveränität, Einheit und territoriale Integrität
dieses geplagten Landes. Wir sind gegen eine Teilung. Wir hoffen, daß die
libanesischen Angelegenheiten schon bald wieder in die Hände des libanesischen
Volkes gelegt werden. Alle Mitglieder der Vereinten Nationen und alle sich im
Konflikt befindlichen Parteien im Libanon haben die Verpflichtung, die Bemühung
des neuen libanesischen Präsidenten um Wiederherstellung des Friedens und den
Einsatz aller Energien für den Wiederaufbau des Landes zu unterstützen. Und die
Sonderorganisationen der Vereinten Nationen können bei diesem Wiederaufbaubemühen eine wichtige Rolle spielen.
Die
- 13 -

�Die Konfrontation zwischen Nord- und Südkorea stellt weiterhin eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität dar.
wichtigen Interessen von Weltmächten berühren sich in Korea.

Die lebens-

Ein Konflikt

dort bedeutet unvermeidlicherweise die Drohung eines größeren Krieges.
Wir und zahlreiche andere UN-Mitglieder begrüßen die Tatsache, daß in
diesem Herbst eine von Streit bestimmte und sterile Debatte über Korea vermieden werden wird.

Lassen Sie uns diese Möglichkeit also dazu benutz n, das

zentrale Problem anzugehen, wie das koreanische Volk selbst über seine Zukunft
bestimmen und sein letztliches Ziel einer friedlichen Wiedervereinigung ohne
eine Erneuerung des bewaffneten Konfliktes erreichen kann.
Unsere eigenen Ansichten über das Koreaproblem sind wohlbekannt.

Wir

haben uns für die Wiederaufnahme eines ernsthaften Dialoges zwischen Nordund Südkorea ausgesprochen.

Wir haben erweiterte Verhandlungen zur Förderung

der Sicherheit und zum Abbau der Spannungen gefordert.

Wir sind bereit, das

Kommando der Vereinten Nationen auflösen zu lassen, solange das Waffenstillstandsabkommen - das die einzige existierende legale Vorkehrung ist, durch
die die betroffenen Parteien zur Wahrung des Friedens verpflichtet werden entweder gewahrt oder durch dauerhaftere Abmachungen ersetzt wird.

Wir sind

bereit, unsere Beziehungen zu Nordkorea zu verbessern, vorausgesetzt, daß
seine Verbündeten ebenfalls bereit sind, ähnliche Schritte gegenüber der Republik Korea zu machen.

Wir sind bereit, mit Nordkorea über die Zukunft der

Halbinsel zu sprechen; wir werden dies jedoch nicht ohne die Beteiligung der
Republik Korea tun. .
Im Herbst letzten Jahres haben die Vereinigten Staaten eine Konferenz vorgeschlagen, die alle am direktesten betroffenen Parteien - Nord- und Südkorea,
die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China - einschließen sollte und
auf der Möglichkeiten einer Anpassung des Waffensti11 Standsabkommens an die
neuen Verhältnisse sowie dessen Ersatz durch permanentere Abmachungen erörtert
werden sollten.

Am 22. Juli habe ich unsere Bereitschaft erklärt, unverzüglich

mit diesen Parteien zusammenzutreffen, um den angemessenen Rahmen für eine solche Konferenz zu erörtern.

Diese Bereitschaft bekräftige ich heute.
Sollte
- 14 -

�Sollte sich eine solche Konferenz zu diesem Augenblick als unpraktikabel
erweisen, so würden die Vereinigten Staaten ein phasenweises Vorgehen unterstützen. Vorbereitende Gespräche zwischen Nord- und Südkorea, einschließlich
einer Diskussion über den Rahmen und Umfang der Konferenz, könnten sofort beginnen. In dieser Phase könnten die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik
China als Beobachter oder in einer beratenden Rolle fungieren. Sollten diese
Erörterungen zu konkreten Ergebnissen führen, dann könnten sich die Vereinigten
Staaten und China den Gesprächen offiziell anschließen. Dies wiederum könnte
den Rahmen für eine weitergefaßte Konferenz bilden, an der sich andere Länder
mit Vorkehrungen beteiligen könnten, die einen dauerhaften Frieden auf der
koreanischen Halbinsel garantieren.
Wir hoffen, daß Nordkorea und andere betroffene Parteien positiv auf dieses vorgeschlagene Verfahren reagieren oder einen konstruktiven Alternativvorschlag unterbreiten werden.
Die Weltgemeinschaft ist tief besorgt darüber, daß sich keinerlei Fortschritt in der Lösung des Zypernproblems zeigt.
Innenpolitischer Druck, nationalistische Zielsetzungen und internationale
Rivalität haben die betroffenen Parteien daran gehindert, auch nur die elementarsten Schritte in Richtung auf eine Lösung zu ergreifen. Bei den wenigen Gelegenheiten, da Vertreter der beiden zypriotischen Gemeinschaften zusammengetroffen sind, verfielen sie in Verfahrensstreitfragen, die zu nichts führten.
Das Verstreichen der Zeit hat nur dazu geführt, die innenpolitischen Schwierigkeiten zu komplizieren und die Möglichkeiten für eine konstruktive Aussöhnung
zu verringern. Die Gefahr eines Konfliktes zwischen Griechenland und der
Türkei hat sich auch auf andere Fragen ausgedehnt, wie wir dies kürzlich in
der Ägäis erlebt haben.
Alle Betroffenen müssen sich auf die Verpflichtung konzentrieren, die
alles überragenden Ziele zu erreichen, nämlich das Wohlergehen des leidenden
zypriotischen Volkes und den Frieden im östlichen Mittelmeer.
Eine
- 15 -

�Eine Lösung muß von den zypriotischen Gemeinschaften selbst kommen.

Sie

müssen entscheiden, wie die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Regierung
ihrer Insel wieder aufgebaut werden.

Sie müssen über das letztliche Verhält-

nis der beiden Gemeinschaften sowie über die territoriale Ausdehnung der beiden Bereiche entscheiden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, dabei mitzuwirken, daß der Verhandlungsprozeß neue Schwungkraft erhält.

Wir sind der Ansicht, daß die Zustimmung

zu einer Reihe von Grundsätzen den Parteien helfen könnte, die Verhandlung wieder aufzunehmen.

Wir möchten hier einige Konzeptionen vorschlagen:

- eine Regelung sollte die Unabhängigkeit, die Souveränität und die territoriale Integrität Zyperns wahren;
- die gegenwärtigen Trennungslinien auf Zypern müssen neu geregelt werden,
um das zur Zeit von der türkischen Seite kontrollierte Gebiet zu verringern;
- die territoriale Regelung sollte die wirtschaftlichen Erfordernisse und

.

die humanitären Belange der beiden zypriotischen Gemeinschaften berücksichtigen,
einschließlich der Not derjenigen, die Flüchtlinge bleiben;
- eine verfassungsmäßige Regelung sollte Bedingungen schaffen, unter denen
die beiden zypriotischen Gemeinschaften in Freiheit leben können und eine größere
Stimme in ihren eigenen Angelegenheiten haben; und
- es sollten Sicherheitsvorkehrungen vereinbart werden, die den Abzug ausländischer Streitkräfte außer denen, die sich dort im Rahmen internationaler
Abmachungen befinden, gestatten.
Ich habe dieses Vorgehen mit dem Generalsekretär und mit verschiedenen
westlichen Staatsmännern besprochen. In den vor uns liegenden Tagen werden die
Vereinigten Staaten auf dieser Grundlage mit allen interessierten Parteien Konsultationen pflegen. Inzwischen fordern wir den Generalsekretär auf, seine
entschlossenen Bemühungen fortzusetzen.
Wirtschaftliche
_ 16 -

�Wirtschaftliche Entwicklung und Fortschritt
Die wirtschaftliche Teilung unseres Planeten in eine nördliche und eine
südliche Hemisphäre sowie die Teilung in Industrie- und in Entwicklungsländer
ist eine der dominierenden Fragen unserer Zeit.

Unsere gegenseitige Abhängig-

keit um der Prosperität willen ist eine Realität, kein Slogan.

Das sollte uns

veranlassen, unser Bestes zu tun, um gemeinsam Fortschritte zu erzielen.

Wir

müssen uns dem Streben verpflichten, den Traum der Menschheit von einem besseren Leben noch in unseren Lebzeiten der Verwirklichung näher zu bringen.
Es gibt viele Gründe,warum die Zusammenarbeit nicht viel weiter gediehen
ist:
- Die industriellen Demokratien waren manchmal eher dazu bereit, von der
Aufgabe der Entwicklung zu reden, als ihre Reden mit den tatsächlichen Ressourcen in Einklang zu bringen.
Die Erdölförderlander verfügen über große Reichtümer, und manche von ihnen
tragen großzügig zur internationalen Entwicklung bei.

Ihre Gesamtleistung - was

die Aufgabe angeht, jenen Reichtum positiven Verwendungszwecken zuzuführen bleibt gemessen an deren Größe aber unzureichend.
- Die Länder mit nicht-marktorientierten Volkswirtschaften sind stets zu
verbalen Angriffen bereit, ihre Leistungen aber stehen in einem umgekehrten Verhältnis zu ihren Reden.
minimal.

Ihr echter Beitrag zur Entwicklungshilfe war bisher

Im vergangenen Jahr zum Beispiel haben die nicht-marktorientierten

Länder nur etwa 4 Prozent der staatlichen Hilfe aufgebracht, die den Entwicklungsländern zugeflossen sind.
- Die Entwicklungsländer fühlen sich angesichts Armut, Analphabetentums
und Seuchen verständlicherweise frustriert und sind unzufrieden. Sie haben
aber allzu oft Forderungen nach Veränderungen erhoben, die ebenso sehr auf Konfrontation abzielen, wie sie unrealistisch sind. Sie sprechen manchmal von
einer neuen Wirtschaftsordnung, als ob Wachstum ein Schnell- und Allheilmittel
- 17 -

�Allheilmittel wäre und als ob es dazu nur einer richtigen Neuverteilung der
Schätze der Erde bedürfe - in der Form von Kräfteproben statt in der eines
Prozesses der Selbsthilfe über Generationen hinweg.

Im Endeffekt verlieren

sie mit solchen taktischen Manövern mehr als sie gewinnen, weil sie auf diese
Weise die Sympathien der Allgemeinheit in den industriellen Demokratien verlieren, die im Hinblick auf die Bereitstellung der Ressourcen und den Zugang
zu deren Märkten - für die es anderswo keinen Ersatz gibt und die für
ihre Entwicklung dringend benötigt werden - wichtig sind.
Die Zielsetzungen der Entwicklungsländer sind klar:

Ein rascher An-

stieg des Einkommens ihrer Bevölkerung; eine größere Rolle bei internationalen
Entscheidungen, die sie berühren; und fairer Zugang zu den wirtschaftlichen
Chancen der Welt.
Die Zielsetzungen der Industrienationen sind ebenso klar:

Ein leistungs-

fähiges und offenes System des Welthandels und der internationalen Investitionen; eine Ausweitung der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Produktion sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen Halbkugel; die zuverlässige
und gerechte Entwicklung der Ressourcen der Welt an Nahrungsmitteln, Energie
und Rohstoffen; und eine Weltwirtschaft, in der die Prosperität so universell
verbreitet ist, wie Einbildungskraft und Energie uns dies gestatten.
Diese Ziele ergänzen sich gegenseitig, ja sie müssen sich sogar ergänzen,
da keine von beiden Seiten ihre Ziele auf Kosten der Gegenseite zu erreichen
vermag. Sie lassen sich nur in Zusammenarbeit verwirklichen.
Wir haben in diesem Jahr auf der siebten Sondersitzung dieser Vollversammlung gemeinsam einen wichtigen Schritt nach vorne unternommen, und wir
haben seither die Entwicklung in vielen Bereichen weiter vorangetrieben:
- Wir haben Schritte unternommen, die wirtschaftliche Sicherheit der Entwicklungsländer vor den Folgen zyklischer Finanzkatastrophen zu bewahren.

Die

neuerlich erweiterten kompensatorischen Finanzfazilitäten des Internationalen
Währungsfonds haben allein in diesem Jahr den Entwicklungsländern über zwei
- 18 -

�zwei Milliarden Dollar zugewandt.
- Ein Treuhänderfonds des Internationalen Währungsfonds, der aus Goldverkäufen finanziert wird, wurde zugunsten der Länder mit geringem Einkommen
eingerichtet.
- Die erneute Aufstockung der Einlagen der Weltbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der Asiatischen Entwicklungsbank wird weitere
Mittel für Entwicklungszwecke bereitstellen helfen.
- Die weltweite Nahrungsmittelhilfe wurde weiter ausgedehnt. Wir haben
uns verpflichtet, die Weltnahrungsmittel Versorgung zu erweitern. Mit einem
Beitrag der Vereinigten Staaten in Höhe von 200 Millionen Dollar haben wir den
Internationalen Fonds für Agrarentwicklung so weit gefördert, daß er bald seine
Tätigkeit aufnehmen kann.
- Die wichtigsten Industriestaaten haben Vorkehrungen getroffen, um die
Handelschancen

der Länder der Dritten Welt zu verbessern.

Wir haben uns

feierlich verpflichtet, die Liberalisierung des Welthandels im Rahmen der
Tokio-Runde gegenseitiger Handelsverhandlungen bis nächstes Jahr zum Abschluß
zu bringen.

Die Vereinigten Staaten haben ein System allgemeiner Präferenzen

eingerichtet, das allein im Jahre 1975 Exporte aus Entwicklungsländern nach
den Vereinigten Staaten im Umfang mehrerer Milliarden Dollar bewirkt hat.
Die Vereinigten Staaten führen diesen Prozeß insofern fort, als sie auf
der vierten Ministerkonferenz der Vereinten Nationen über Fragen des Handels
und der Entwicklung (UNCTAD) im Mai 1976 eine Reihe neuer Vorschläge machten.
Wir schlugen einen umfassenden Plan zur Verbesserung der Kapazität der Entwicklungsländer vor, geeignete technologische Methoden für ihre Entwicklung auszuwählen und diese anzupassen, zu verbessern und anzuwenden.

Wir verpflichteten

uns, unsere Hilfe in qualitativer Hinsicht zu verbessern, und schlugen gleichzeitig vor, daß ein größerer Prozentsatz der Hilfe an die armen Länder in
Form von nicht-rückzahlbaren Zuwendungen und frei von der Einkaufsverpflich- 19 -

�Einkaufsverpflichtung im Geberland gewährt werden solle. Wir erklärten uns
mit ernsthaften Bemühungen einverstanden, die Märkte von 18 grundlegend wichtigen Rohstoffen zu verbessern.
Diese Maßnahmen, die wir in der Zeit seit unserer letzten hiesigen Zusammenkunft vor einem Jahr unternommen haben, werden den Völkern der Erde
helfen, die gegenwärtig größte Anstrengung

machen, die Ketten der Armut ab-

zuschütteln. Wir helfen nicht mit Reden und Versprechungen, sondern auf praktische und konkrete Art und Weise.
Es bleibt noch viel zu tun übrig:
Erstens, die Anwendung der Erkenntnisse der Naturwissenschaften und der
Technologie ist der eigentliche Ausgangspunkt eines jeden Entwicklungsprozesses.
Die Vereinigten Staaten haben deshalb im Bewußtsein ihrer Pionierrolle auf dem
Gebiet der Technologie drei Grundprinzipien aufgestellt, für die wir Geld und
Talente aufzubieter. willens sind:
- um Kräfte auszubilden, die die künftige Technologie der Entwicklungsländer feststellen, auswählen und handhaben können;
- um beim Aufbau nationaler und internationaler Institutionen zu helfen,
die fähig sind, heimische Technologien zu entwickeln und ausländische Konstruktionen und Erfindungen den heimischen Erfordernissen anzupassen; und
- um den privatwirtschaftlichen Sektor anzuspornen, einen größtmöglichen
Beitrag zur Entwicklung und zur Weitergabe des technologischen Fortschritts
zu leisten.
Um diese Zielsetzungen erreichen zu können, laden wir heute zu einer Weltkonferenz über Fragen der Wissenschaft und Technologie für Entwicklungszwecke
(World Conference on Science and Technology for Development) ein, die 1979
hier in meinem Lande zusammentreten soll.

In Vorbereitung auf jene Konferenz

haben wir im Bereich Naturwissenschaften tätige Vertreter der Industrie, der
- 20 -

�der Hochschulen und der Berufsverbände aus allen Teilen der Vereinigten Staaten
für November 1976 nach Washington eingeladen.

Sie werden dort wichtige Initia-

tiven überprüfen, die mein Land ergreifen kann, um die technologische Basis für
die Entwicklung zu erweitern; und sie werden sich ferner bemühen, neue Methoden
zu entwickeln.
Zweitens, die Ministertagung der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (Conference on International Economic Cooperation) in
Paris sollte neue Impulse erhalten.

Wir machen diesbezüglich mehrere neue Vor-

schläge:
- Wir werden bemüht sein, jenen Nationen zu helfen, die sich einem ernsten
Schuldenberg gegenübersehen. Für akute Fälle werden wir Richtlinien für die
Führung von Schuldenverhandlungen vorschlagen. Für Länder, die sich langfristigen Problemen gegenübersehen, werden wir eine systematische Überprüfung
möglicher Abhilfemaßnahmen vorschlagen, zu denen auch eine Verstärkung der Hilfe gehört.
- Wir werden neue Vorstellungen für eine erweiterte Zusammenarbeit auf
dem Energiesektor unterbreiten, darunter Regeln und Verfahren für den Informationsaustausch unter Energieproduzenten und -Verbrauchern sowie den erweiterten Transfer energiebezogener Technologien auf energiearme Entwicklungsländer.
Drittens, die industrialisierten Demokratien waren nur allzu bereit, auf
Forderungen von Entwicklungsländern zu warten, statt eigene Vorschläge zu
machen.

Nunmehr aber sind die OECD-Länder auf Anregung der Vereinigten Staaten

übereingekommen, die langfristige

Entwicklungsplanung zu überprüfen und eine

einheitliche und umfassendere Haltung zur Frage des weltweiten Wachstums und
der universellen wirtschaftlichen Gerechtigkeit zu entwickeln.
Viertens, Naturkatastrophen fordern Jahr für Jahr tausende von Opfern und
verursachen Verluste in Höhe von Milliarden Dollar.

Sie treffen größtenteils

jene, die sich solche Opfer am wenigsten leisten können: die ärmsten Länder der
Erde.

Die hieraus resultierende Belastung wird durch eine große Reihe von
- 21 -

�von weltweiten Problemen zusätzlich erschwert: die Übervölkerung, den Nahrungsmittelmangel, Umweltschäden und die wirtschaftliche Unterentwicklung.
Die Vereinten Nationen haben die einmalige Fähigkeit, sich diesen globalen
Nöten zuzuwenden und auf diese Weise die Position des Menschen im Ringen gegen
die Natur zu verbessern.

Wir fordern diese Körperschaft auf, sich an die

Spitze der Bemühungen um die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit zu
stellen, um Naturkatastrophen zu verhüten und ihre Folgen zu mildern.
Unser Traum geht dahin, daß alle Kinder dieser Erde in Hoffnung und mit
größeren Entwicklungschancen aufwachsen können.

Keine Nation kann dieses Ziel

für sich allein erreichen; und keine Gruppe von Völkern kann es über Konfrontationen erreichen.

Gemeinsam aber haben wir echte Aussichten auf große Fort-

schritte - und das noch im Laufe dieser Generation.
Wechselseitige Abhängigkeit und Gemeinsamkeit
Es ist eine Ironie unserer Zeit, daß ein Zeitalter ideologischer und
nationalistischer Rivalitäten gleichzeitig Raum für eine große Zahl von Herausforderungen bietet, denen kein Volk für sich allein entgegenzutreten vermag:
- Die Weiterverbreitung der Möglichkeit des Kernwaffenbaus fügt der Gefahr
politischer Konflikte regionalen und weltweiten Ausmaßes eine neue Dimension
hinzu;
- während uns die Technologie Zugang zu den Weltmeeren erleichtert, bedrohen uns im Widerstreit befindliche nationale Forderungen oder Interessen
mit Chaos;
- der Erfindungsreichtum des Menschen brachte ein neues entsetzliches
Instrument des Terrors hervor, das unschuldige Opfer auf allen Kontinenten
fordert; und
- die
- 22 -

�- die Menschen-

und die Bürgerrechte werden weitgehend mißbraucht und

bilden deshalb heute eine allenthalben akzeptierte Sorge der Weltgemeinschaft.
Lassen Sie mich die Haltung der Vereinigten Staaten zu diesen Fragen darlegen:
Die wachsende Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen gibt Anlaß zu
ernsten Fragen bezüglich der Fähigkeit des Menschen, seinen eigenen Fortbestand zu gewährleisten.
Wir haben drei gefährliche Jahrzehnte durchlebt, in denen die Katastrophe
eines Kernwaffenkrieges trotz strategischer Rivalitäten unter relativ wenigen
Nationen vermieden werden konnte.
Nunmehr aber sehen wir uns vor eine völlig neue Situation gestellt. Viele
Nationen haben das Potential, Kernwaffen zu bauen.

Wenn sie dieses Potential

voll und ganz ausschöpfen sollten, könnten Drohungen mit dem Einsatz von Kernwaffen im Verein mit sich gegenseitig verstärkenden Mißverständnissen zu einem
ständig wiederkehrenden Charakteristikum lokaler Konflikte in allen Teilen der
Erde werden.

Es bestünde dann die steigende Gefahr von Zwischenfällen, Er-

pressungsversuchen, Diebstahl und nuklearem Terrorismus.
Sofern sich die derzeitigen Entwicklungstendenzen nicht rasch ändern,
wird die Wahrscheinlichkeit der Vernichtung durch Kernwaffen in den künftigen
Jahren stetig wachsen.
Wir müssen uns erst einmal um die Wurzeln des Problems kümmern:
- Seit der Energiekrise von 1973 und der drastischen Anhebung der ölpreise
erblicken sowohl die Industrie- als auch die Entwicklungsländer in der Nuklearenergie ein Mittel zur Senkung der Strompreise und zur Verminderung der Abhängigkeit von Einfuhröl.
- In
- 23 -

�- In einem Zeitalter des wachsenden Nationalismus sehen manche den Erwerb und die Nutzung der Kernenergie als Symbol eines gesteigerten nationalen
Prestiges an.

Und es ist klar, daß manche Nationen angesichts der Beherrschung

der friedlichen Technologie auch den Wunsch empfinden können, sich für die Zukunft die Option zum Erwerb von Kernwaffen offen zu halten.
Erwirbt ein Land das Potential zur Schaffung von Kernwaffenkapazitäten,
muß es die Folgen seines Handelns tragen:

Es löst damit zwangsläufig kompen-

satorische Maßnahmen seitens seiner Nachbarn und damit eine weitere Proliferation aus und beschleunigt auf diese Weise einen Prozeß, der letztlich seine
eigene Sicherheit untergräbt.

Es ist wenig einfallsreich, nukleare Anlagen,

die offenkundig massiver militärischer Zerstörungen fähig sind, als "friedlich"
ausgeben zu wollen.

Die Errichtung von Kernreaktoren und von Brennstoffaufbe-

reitungskapazitäten, vor allem bei Fehlen offensichtlicher wirtschaftlicher Notwendigkeiten und in Verbindung mit ehrgeizigen und mehrdeutigen politischen
und militärischen Motiven,droht eine Profileration von Kernwaffen und alle
damit einhergehenden Gefahren heraufzubeschwören.
Die Zeitfrage spielt hier eine wichtige Rolle.

Auf keinem Gebiet von

internationalem Belang hängt die Zukunft dieses Planeten so unmittelbar von
dem ab, was die derzeitige Generation tut - oder zu tun verabsäumt.

Wir

müssen deshalb an drei Fronten zugleich vorangehen:
Erstens müssen wir die internationalen Sicherheitsvorkehrungen verstärken
und für deren strenge Einhaltung sorgen. Die Belieferung mit Kernmaterialien,
die für zivile Kernenergieprogramme benötigt werden, und deren Verwendung müssen sorgfältigen Kontrollen unterstellt werden, damit sie nicht umgangen
werden können.
Die Lieferstaaten von Kernmaterialien müssen sich selbst größte Zurückhaltung auferlegen und dürfen es nicht zulassen, daß die Versuchung in Gestalt
kommerzieller Vorteile gegenüber den Risiken der Proliferation die Oberhand
gewinnt.

Die physische Sicherheit von Kernmaterialien - ob im Gebrauch, auf_
- 24 -

�auf Vorratslager oder im Transfer - muß verbessert werden.

Die Internatio-

nale Atomenergiebehörde (IAEA) muß die volle Unterstützung aller Länder in
dem Bemühen erhalten, diese Sicherheitsvorkehrungen wirksam, verläßlich und
universal anwendbar zu machen.

Jedes Land, das gegen die Sicherheitsvorschrif-

ten der IAEA verstößt, muß unmittelbarer und drastischer Strafen gewärtig sein.
Zweitens, die Befolgung der Sicherheitsvorschriften, wiewohl von größter
Wichtigkeit, bietet keinen sicheren Schutz vor künftigen Proliferationen. Wir
müssen in unseren Bemühungen fortfahren, internationale Vorkehrungen gegen den
Erwerb oder die Weitergabe von Aufbereitungsanlagen zu treffen, die Plutonium
getrennt darzustellen vermögen, und auch von Anreicherungsanlagen, die stark
angereichertes Uran zu erzeugen geeignet sind - weil beide für den Bau von
Kernwaffen verwendet werden können.
Drittens müssen wir anerkennen, daß einer der Hauptanreize für das Streben
nach dem Besitz waffenfähiger Aufbereitungs- und Anreicherungstechnologien die
Angst ist, daß entscheidende nicht-waffenfähige Materialien, insbesondere reaktorverwendungsfähige Uranbrennstoffe, nicht garantiert jederzeit verfügbar
sein werden.

Länder, die ihr internationales Verantwortungsbewußtsein durch

Annahme wirksamer Beschränkungen unter Beweis stellen, haben ein Recht, eine
verläßliche Belieferung mit friedlichen Kernreaktoren und den zugehörigen nichtwaffenfähigen Brennstoffen zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen zu erwarten.
Die Vereinigten Staaten sind als einer der Hauptlieferanten dieser Dinge bereit, in dieser Hinsicht verantwortungsbewußt zu verfahren.
In naher Zukunft wird Präsident Ford ein umfassendes Programm für ein
internationales Vorgehen im Hinblick auf die Nicht-Proliferation verkünden,
das die weltweite Forderung nach einer garantierten Versorgung mit Kernmaterialien mit den weltweiten Erfordernissen nuklearer Kontrollen in Einklang
bringen soll.

Wir nehmen zu der Problematik der Proliferation auch weiterhin

eine Haltung ein, die auf der Anerkennung der Verantwortlichkeit basiert, die
wir und die anderen Nuklearmächte tragen - sowohl hinsichtlich der Begrenzung
unserer eigenen Waffenarsenale als auch hinsichtlich der Gewähr, daß die Segnungen der friedlichen Nutzung der Kernenergie allen Ländern innerhalb eines
- 25 -

�eines gemeinsamen Rahmens wirksamer internationaler Sicherheitsvorkehrungen
zugute kommen.

Auf diese Art und Weise kann das Atom einmal mehr als ein Se-

gen und nicht als Bedrohung für die Menschheit angesehen werden.
Eine weitere Frage von umfassenden weltweiten Konsequenzen ist das Seerecht.

Die Verhandlungen,die gerade erst in New York vertagt worden sind,

stellen ein

vielschichtiges und ehrgeiziges diplomatisches Unterfangen dar

- eines der wichtigsten der gesamten Geschichte.

Man braucht nur zu überle-

gen, um was es hier geht:
- Die Menschheit versucht eine internationale Regelung zu treffen, die
nahezu dreiviertel der Erdoberfläche angeht.
- Rund 150 Länder nehmen an diesem Unterfangen teil, die die unterschiedlichsten nationalen Perspektiven, Ideologien und praktischen Sorgen der Länder
dieser Erde vertreten.
von betroffen:

Ein umfassender Bereich von Lebensinteressen ist hier-"

die wirtschaftliche Entwicklung, die militärische Sicherheit,

die Freiheit der Meere, entscheidend wichtige und im Schwinden begriffene Nah-"
rungsmittelquellen, die anfällige Ökologie der Meere, die Meeresforschung und
ein ungeheures Potential

an Mineral schätzen.

- Die Weltgemeinschaft ist bemüht, wichtige neue internationale juristische Prinzipien aufzustellen: die Ausweitung der vor langer Zeit festgesetzten Hoheitsgewässer, die Schaffung völlig neu konzipierter, 200 Meilen
breiter Wirtschaftszonen und die Anerkennung des Tiefseebettes als "gemeinsames
Erbe der Menschheit".
Wir sind in diesen Verhandlungen in den letzten Jahren ein außerordentliches Stück vorangekommen - nicht zuletzt dank des Geschicks und der Hingabebereitschaft des hervorragenden Präsidenten dieser Versammlung.

Es besteht

bereits Übereinstimmung hinsichtlich gewisser Schlüsselkonzeptionen: Ausweitung
der Hoheitsgewässer auf 12 Meilen; ungehinderte Durchfahrt über und unter
Wasser durch die Meerengen; eine 200 Meilen breite Wirtschaftszone und wichtige Kontrollen zur Verhütung von Verschmutzung.
- 26 -

Auf vielen Gebieten haben

�haben wir ideologische Debatten durch ernste Anstrengungen zu ersetzen vermocht, konkrete Lösungen zu treffen.

Und es herrscht wachsende Übereinstim-

mung darüber, daß die anstehenden Probleme auf der nächsten Sitzung gelöst
werden müssen.
Dennoch besteht kein Grund zur Selbstgefälligkeit.

Wichtige Fragen

stehen noch offen, die, sofern sie nicht geregelt werden, Anlaß dazu geben
könnten, den unter großen Mühen erzielten Fortschritt wieder zu verspielen.
Die Seerechtkonferenz muß sich erst noch auf den Ausgleich zwischen den Rechten des Küstenstaates und dem internationalen Recht innerhalb der Wirtschaftszone einigen; auf die Freiheit der wissenschaftlichen Meeresforschung; auf
einen Mechanismus zur Bereinigung von Streitfragen und, was noch entscheidender
ist, auf eine Regelung betreffend der Ausbeutung der Tiefseeböden.
Die Vereinigten Staaten haben wichtige Vorschläge zur Lösung der Frage
der Tiefseeböden gemacht. Wir haben dem Gedanken zugestimmt, die Tiefseeböden
als ein gemeinsames Erbe der gesamten Menschheit anzusehen.

Wir haben ein

duales System für die Ausbeutung der in den Tiefseeböden lagernden Mineralien
vorgeschlagen, demzufolge die Hälfte der Tiefsee-Lagerstätten einer internationalen Behörde zugesprochen werden soll, während die andere Hälfte von einzelnen
Ländern und deren Staatsangehörigen auf der Basis ihrer technischen Fähigkeiten
erschlossen werden könnte.

Wir haben das Angebot gestellt, Finanzierungsmög-

lichkeiten aufzuzeigen und die Technologie bereitzustellen, die notwendig ist,
einen internationalen Abbau in der Praxis zu verwirklichen.

Und im Licht der

vielen Unsicherheiten, die vor uns liegen, schlugen wir ferner vor, daß eine
Revision beispielsweise in 25 Jahren zulässig sein solle, um festzustellen,
ob

.ie Bestimmungen über den Abbau auf den Tiefseeböden in der Praxis gerecht

gehandhabt werden.
In Erwiderung hierauf haben einige Nationen sowohl ihre Forderungen als
auch die Streitbarkeit verstärkt, mit der sie diese vertreten.
Ich muß hier in aller Deutlichkeit erklären, daß es Grenzen gibt, über
die hinauszugehen keine amerikanische Administration je bereit oder fähig sein
- 27 -

�sein wird.

Sollte man Konzessionen erzwingen wollen, die jenseits dieser

Grenzen liegen, wird es zwangsläufig zu einseitigen Maßnahmen kommen.
die in voraussehbarer Zukunft keinerlei technologische

Länder,

Kapazitäten zum Ab-

bau von Mineralien auf dem Tiefseeboden besitzen werden, sollten nicht darauf
aus sein, jenen Nationen, die allein über solche Kapazitäten verfügen und
die aus freien Stücken angeboten haben, sich in diesen mit anderen zu teilen,
die Doktrin einer völligen Internationalisierung aufzuzwingen.

Die Vereinigten

Staaten haben ein Interesse an der progressiven Entwicklung des internationalen
Rechts,an einer stabilen Ordnung und an weltweiter Zusammenarbeit.

Wir sind

bereit, hierfür Opfer zu bringen - sie können aber nicht über die Grenzen dessen
hinausgehen, was recht und billig ist.
Deshalb sollten wir taktische Verzögerungsmaßnahmen und Pressionen aufgeben und stattdessen den Weg der Zusammenarbeit beschreiten.

Wenn wir den

Weitblick aufbringen, einen Vertrag zu schließen, der von der ganzen Menschheit als fair und gerecht empfunden wird, dann kommt unseren Bemühungen tiefe
Bedeutung zu: nicht nur für den Meereshaushalt, sondern auch für die Bemühungen
um den Aufbau einer friedlichen, kooperationsbereiten und prosperierenden
Völkergemeinschaft.

Die Vereinigten Staaten werden die Konferenzpause dazu

nutzen, ihre Position erneut zu überprüfen und rechtzeitig vor der nächsten
Sitzung auf politischer Ebene Fühlung mit anderen Nationen aufnehmen, um die
bestmöglichen Vorbedingungen für einen erfolgreichen Abschluß der Konferenz zu
schaffen.
Eine Generation, die vom Weltfrieden und vom wirtschaftlichen Fortschritt
träumt, wird geplagt durch eine neue brutale, feige und blindwütige Form der
Gewalt - durch den internationalen TerrOrismus. Kleine Gruppe von Menschen
haben die Normen des zivilisierten Verhaltens zurückgewiesen und in brutaler
Weise das Leben von schütz- und wehrlosen Männern, Frauen und Kindern genommen - von unschuldigen Opfern, in deren Macht es nicht stand, den Ablauf der
Ereignisse zu beeinflussen. In dem Jahr, seit ich zuletzt vor diesem Gremium
sprach, hat es elf Flugzeugentführungen, 19 Personenentführungen, 42 bewaffnete
Angriffe und 112 Bombenattentate gegeben, die durch internationale Terroristen
ausgeführt wurden, über 70 Menschen haben ihr Leben verloren und über 200
- 28 -

�200 wurden verletzt.
Es ist an der Zeit, daß diese Organisation der Welt erklärt, daß die
heimtückische Ermordung sowie der Mißbrauch unschuldiger Menschen nicht
durch die Berufung auf hehre Motive gerechtfertigt oder entschuldigt werden
kann.

Verbrecherische Maßnahmen gegen die Menschlichkeit, welches Ziel auch

immer dafür angegeben werden mag, können von keiner zivilisierten Nation entschuldigt werden.
Dieser Bedrohung durch den Terrorismus sollte mit Hilfe der kooperativen
Anstrengung aller Länder begegnet werden. Es müssen jetzt strengere Maßnahmen
ergriffen werden,um den Flugzeugentführern und den Terroristen eine sichere
Zuflucht zu verwehren. Zusätzliche Maßnahmen sind erforderlich, um den Passagieren sowohl in den Durchgangs- wie in den Endflughäfen als auch während des
Fluges Schutz zu gewähren.
Die Vereinigten Staaten werden sich innerhalb der internationalen Zivilluftfahrtsorganisation (ICAO) bemühen, ihre gegenwärtige technische Unterstützung so auszuweiten, daß sie die Sicherheit der Flugzeuge und der Einrichtungen
am Endflughafen einschließen. Wir fordern die weltweite Verwirklichung der
Luftsicherheitsnormen, die die ICAO angenommen hat. Wir sind bereit, die Bemühungen anderer Regierungen um die Verwirklichung dieser Normen zu unterstüzen.
Die Vereinigten Staaten werden neue Initiativen unterstützen, die die
Sicherheit des Unschuldigen garantieren sollen. Der Vorschlag des hochverehrten Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, Maßnahmen gegen die
Geiselnahme zu ergreifen, verdient die ernsthafteste und wohlwollendste Beachtung dieser Vollversammlung.
Die Vereinigten Staaten werden alles in ihrer Kraft stehende tun, um
in den Vereinten Nationen und anderen internationalen Gremien in Zusammenarbeit mit anderen darauf hinzuwirken, daß der Geißel des Terrorismus ein Ende
gesetzt wird.

Aber wir haben auch die Verpflichtung, das Leben unserer Bürger
- 29 -

�Bürger zu schützen, wenn sie hier im Inland oder im Ausland reisen, und wir
beabsichtigen voll und ganz dieser Verpflichtung nachzukommen.

Wenn deshalb

multilaterale Anstrengungen durch diejenigen behindert werden, die ihre Zielsetzung ohne Rücksicht auf Leiden oder Tod verfolgen, werden die Vereinigten
Staaten im Rahmen ihrer eigenen legislativen Verfahren und in Obereinstimmung
mit anderen handeln, die willens sind, sich uns anzuschließen.
Der Terrorismus ist ein internationales Problem.

Es ist einfach undenk-

bar, daß eine Organisation der Nationen der Welt keine wirksamen Maßnahmen
dagegen treffen wird.
Der letzte Maßstab für all unser gemeinsames Tun, ist selbstverständlich
der Mensch selbst.

Unsere gemeinsamen Anstrengungen, um die Rechte des Men-

schen zu definieren, zu wahren und ihre Respektierung zu fördern, stellen somit eine letztliche Probe der internationalen Zusammenarbeit dar.
Wir Amerikaner sind uns im Jahr unseres 200jährigen Bestehens unserer
Traditionen bewußt und stolz auf sie. Unsere Gründerväter schrieben vor 200
Jahren von der Gleichheit und den unveräußerlichen Rechten aller Menschen.
Seither sind die Ideale der Freiheit und der Demokratie zu universellen und
unzerstörbaren Zielen der Menschheit geworden.
Aber die einfache Wahrheit - eine Wahrheit von tragischen Proportionen ist, daß die Menschenrechte in weitesten Teilen des Erdballs gefährdet sind.
Willkürliche Verhaftung, Verweigerung der fundamentalen Verfahrensrechte,
Sklavenarbeit, Unterdrückung der Religionsfreiheit, rassische Ungerechtigkeit,
politische Unterdrückung, Anwendung von Folter und Behinderungen der Kommunikation und des Ausdrucks - diese Mißbräuche sind nur allzu vorherrschend.
Die Leistungen des Systems der Vereinten Nationen beim Schutz der Menschenrechte haben bei weitem nicht das erbracht, was man im Blick hatte, als diese
Organisation gegründet wurde.
klar genug.

Die Prinzipien der weltweiten Deklaration sind

Aber ihre Heranziehung und Anwendung in den allgemeinen Debatten

dieses Gremiums sowie in den Foren der Menschenrechtskommission sind durch
- 30 -

�durch Heuchelei, DoppeTdeutigkeit und Diskriminierung beeinträchtigt worden.
Die flagrante und ständige Vorenthaltung der Menschenrechte ist in dem einen
Land oder dem einen sozialen System nicht weniger abscheulich als in einem
anderen.

Auch ist sie nicht akzeptabler, wenn sie unter den Mitgliedern der-

selben Rasse praktiziert wird, als wenn die eine Rasse sie einer anderen zufügt.
Die internationale Völkergemeinschaft hat eine einzigartige Aufgabe.
Die Anwendung der Prinzipien und Normen der weltweiten Menschenrechtserklärung sollte gerechten und fähigen internationalen Gremien übertragen werden.
Aber lassen Sie uns gleichzeitig sicherstellen, daß diese Gremien nicht zu
Plattformen werden, von denen aus Nationen, die die schlimmsten Missetäter
sind, heuchlerische Urteile über die angeblichen Fehler anderer abgeben.
Lassen Sie uns gemeinsam nach praktischen Methoden suchen:
- um auf den in früheren Vollversammlungen und von der Menschenrechtskommission gelegten Grundlagen aufzubauen, damit die verabscheuungswürdige
Praxis offiziell sanktionierter Folterungen eingeschränkt wird;
- um die Annahme von Verfahren zum Schutz der Rechte von Inhaftierten
zu fördern, wie den Zugang zu Gerichtshöfen, Rechtsbeistände und den Besuch
von Familienangehörigen, eine eventuelle sofortige Freilassung oder ein gerechtes öffentliches Verfahren;
- um die Arbeitsverfahren internationaler,mit den Menschenrechten befaßter Gremien zu fördern, damit sie in fairer und wirksamer Weise Anwendung
finden;
- um die Fähigkeit der Vereinten Nationen zu stärken, sich mit den tragischen Problemen der immer größer werdenden Zahl der Flüchtlinge zu befassen,
denen die Menschenrechte durch Kriege und Konflikte in fast jedem Kontinent
genommen worden sind.
Die
- 31 -

�Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihre energische Unterstützung dieser
Bemühungen.

Schlußbemerkung:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Delegierte:
Die Herausforderung an das staatsmännische Verhalten dieser Generation
besteht darin, von der Bewältigung von Krisen zum Aufbau einer stabileren und
gerechteren internationalen Ordnung vorzudringen - einer Ordnung, die sich
nicht auf die Macht, sondern auf die Zurückhaltung von Macht stützt, nicht auf
die Stärke von Waffen, sondern auf die Stärke des menschlichen Geistes.
Globale Kräfte des Wandels formen jetzt unsere Zukunft. Es bieten sich
zwei Wege für das Zustandekommen einer Ordnung: entweder sie wird durch die
Starken und Rücksichtslosen aufgezwungen oder aber durch den klugen und weitblickenden Einsatz internationaler Institutionen herbeigeführt, durch die
die Sphäre der gemeinsamen Interessen vergrößert und der Gemeinschaftssinn gefördert werden.
Es ist einfach und verlockend, rücksichtslos auf nationale Vorteile zu
drängen. Es ist unendlich viel schwieriger, in Anerkennung und Respektierung
der Rechte anderer zu handeln.
Im Laufe der Geschichte ist die Größe von Menschen und Nationen in Zeiten
aktiver Gefahr an deren Taten gemessen worden.
die bewältigt werden müßte.

Heute gibt es keine Einzelkrise,

Stattdessen gibt es eine ständige Herausforderung

von beunruhigender Komplexität: die Notwendigkeit, eine universelle Gemeinschaft
zu schaffen, die sich auf Zusammenarbeit, Frieden und Gerechtigkeit stützt.
Wenn wir schwanken, dann werden zukünftige Generationen für unser Ver-

- 32 -

�Versagen den Preis zahlen müssen.

Wenn wir jedoch Erfolg haben, dann haben

wir uns den Hoffnungen der Menschheit würdig erwiesen.
Ich bin überzeugt, daß wir Erfolg haben können.
Und es ist hier, in der Vollversammlung der Nationen, wo wir beginnen
sollten.

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18/1976

ANTARKTISFORSCHUNG 1976/77
Schwerpunktprogramme der USA: Ross-Eisschelf und Trockentäler

- (AD) - Einen Vorstoß in die ewige Nacht des Ross-Meeres unter der
420 m mächtigen Schelfeisdecke will eine internationale Wissenschaftlergruppe
während der Forschungssaison 1976/77 in der Antarktis unternehmen.

Wie die

amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) bekanntgab, sollen unter
der Leitung von Prof. John W. Clough (Geophysiker an der Universität Nebraska)
das Schelfeis durchbohrt, meereskundliche Untersuchungen in verschiedenen
Wasserschichten des darunter liegenden 250 m tiefen Ross-Meeres vorgenommen
sowie Bohrproben aus dem Meeresboden geholt werden.
Aus den Bohrkernen von der Oberfläche bis zum Grund des Eispanzers über
dem Rossmeer, der mit 516 000 qkm Ausdehnung ungefähr der Größe Spaniens entspricht, hoffen die Wissenschaftler das Alter des Eises bestimmen sowie seine
Geschichte rekonstruieren zu können. Man möchte z.B. wissen, welche Gase und
Asche- bzw. Staubteilchen es als Einschlüsse enthält, wie dick die einzelnen
Schichten sind, worin sie sich voneinander unterscheiden. Dies wiederum läßt
zahlreiche Rückschlüsse auf Klimaveränderungen, geophysikalische und geologische
Prozesse in der jüngeren Geschichte, d.h. in den letzten paar Millionen Jahren
nicht nur in der Region der Antarktis, sondern auch auf der ganzen Erde zu.
Parallel

�Parallel zum Projekt RISP (Ross Ice Shelf Project) läuft ein Teil des
1973 begonnenen Projektes RIGGS (Ross Ice Shelf Geological and Glaciological
Survey) weiter, mit dem vor allem die Schelfeisdicke in dem Dreieck zwischen
Marie Byrd-Land, Transantarktik-Gebirge und dem freien Rossmeer, die Tiefe des
Wassers unter dem Schelfeis und die Tonographie des Meeresbeckens bestimmt
wurden.

Ziel der Untersuchungen war u.a., Anhaltspunkte für die Perioden und

Größenordnungen

der Zunahme und Verringerung der gesamten Eismasse der Ant-

arktis zu uekommen.

Die Kenntnis des "Verhaltens" der Antarktis-Eisdecke ist

deshalb wichtig, weil davon das Klima und die Höhe des Meeresspiegels auf der
ganzen Erde beeinflußt werden.

Eine Anzahl von Wissenschaftlern vertritt die

Meinung, daß sich das Antarktiseis in einer Abbauphase befinde.
Einer der wesentlichen Punkte des RISP-Programms sind jedoch biologische
Untersuchungen. Denn es wäre durchaus denkbar, daß selbst in dem kalten Wasser
unter dem Schelfeis, zu dem seit Jahrmillionen kein Lichtstrahl vordringen
konnte, Lebewesen existieren. Sie aufzufinden wäre von besonderem wissenschaftlichen Interesse, da bei ihnen ja biologische Prozesse im Spiel sein müßten,
die in ewiger und völliger Dunkelheit ablaufen. "Vielleicht entdecken wir auch
bisher unbekannte Wechselwirkungen zwischen Organismen", meint Dr. Clough. In
der Isolation könnten sich Lebensformen entwickelt haben, bei denen beispielsweise für den Prozeß der Photosynthese Licht benutzt wird, das Leuchtbakterien
oder andere, mit Leuchtorganen ausgestattete Lebewesen abgeben. "Es gibt kaum
einen Bereich in der irdischen Biosphäre", so Dr. Clough, "der sich in bezug
auf Isolation und Eigenart mit dem Ross-Eisschelf messen kann - nicht einmal
Tiefseegräben oder unterirdische Höhlen."
Man will herausfinden, inwieweit und in welcher Weise Wechselwirkungen
zwischen biologischer Aktivität unter dem Schelfeis mit biologischer Aktivität
in den freien Regionen des angrenzenden Ross-Meeres und Pazifischen Ozeans bestehen.
Die RISP-Forschergruppe wird außerdem zu klären versuchen, ob und inwieweit durch Untersuchungen am Schelfeis selbst, an den darunter liegenden
- 2 -

�liegenden Wassermassen und den pflanzlichen und tierischen Populationen Umfang und Wirkungsweisen der weltweiten Umweltverschmutzung besser zu erkennen
und zu verstehen sind.

Vom Wasser unter dem Ross-Eisschelf werden Temperatur-

und Tiefenprofile sowie die chemischen Merkmale der einzelnen Wasserschichten
bestimmt.

Auch die Strömungsverhältnisse unter dem Eis werden untersucht,

ebenso Dicke und Art der Ablagerungen am Meeresboden.

Letztere können u.a.

Aufschluß über geologische Strukturen in dieser Region der Erde geben.
An der RISP-Station, die jetzt nach dreijähriger Vorbereitung ca. 780 km
südöstlich der großen US-Forschungsbasis McMurdo eingerichtet wird, sollen
drei Bohrungen im Eis niedergebracht werden. Die erste dringt bis in 300 m
Tiefe vor. Das Eis wird schichtweise geschmolzen, das Alter des Schmelzwassers
und der freigesetzten Gase durch Radioisotope bestimmt. Dann wird das Schmelzwasser zur Oberfläche gepumpt, um feste Einschlüsse auszufiltern und zu analysieren.
Durch die zweite Bohrung gewinnt man Bohrkerne von 5 und 7,5 cm Durchmesser von der Oberfläche bis zum Grund des 420 m dicken Eispanzers. Die Eisproben gehen nach einer ersten Untersuchung auf Aussehen und einige physikalische Merkmale in Kühlbehältern an die Staatsuniversität New York, von wo aus
sie an Forschungsinstitute für detaillierte Analysen weiterversandt werden.
Die dritte Bohrung (Durchmesser 30 cm) öffnet den Wissenschaftlern den Zugang
zum Wasser unter dem Ross-Eisschelf und zum Meeresboden, aus dem man Bohrkerne
bis zu 30 m Tiefe zu gewinnen hofft.
Für das Vorhaben wurden Spezialbohrausrüstungen entwickelt.

Die Bohrungen

laufen Tag und Nacht unter einem Schutzbau, damit Stürme, Kälte und Schnee nicht
zu einer Unterbrechung der Arbeit zwingen können.

Für die Wissenschaftler sind

feste Quartiere errichtet. Mit Hilfe eines Wärmeaustausches wird das 30-cmBohrloch offengehalten, um den Zugang zum Wasser unter der 420 m dicken Eisdecke zu sichern.
Wenn alles nach Plan verläuft, wird am 14. Dezember eine UnterwasserFernsehkamera hinabgelassen, um zum ersten Mal die Unterseite des Eises und
- 3 -

�und den Meeresboden zu inspizieren.

Die zwei Objektive der Kamera ermöglichen

Aufnahmen nach unten und nach der Seite.
Wasser ca. 9 m betragen.

Die Sichtweite wird bei klarem

Mit Netzen, Fallen und mit Ködern besetzten Leinen

hofft man, Lebensformen in dieser geheimnisvollen Welt unter dem Eis auf die
Spur zu kommen.

Einige der Wissenschaftler werden vier Monate an der RISP-

Station ausharren.

Nach einer achtmonatigen Winterpause sollen die Unter-

suchungen 1977/78 fortgesetzt werden.
Angesichts der Bedeutung des RISP-Projekts (eines von 85 Projekten im
diesjährigen Antarktis-Forschungsprogramm der Vereinigten Staaten) haben bereits während der Planungsphase Wissenschaftler anderer Länder großes Interesse daran bekundet.

Jetzt nehmen neben Amerikanern Forscher aus Australien,

der Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, England, Japan, Neuseeland, Norwegen,
der Sowjetunion und der Schweiz daran teil.

Eis- und schneefreie Trockentäler
Was die sogenannten Trockentäler im südlichen Victoria-Land, einem Teil
des Transantarktik-Gebirges nahe der US-Station an der McMurdo-Bucht, eisund schneefrei hält, ist noch nicht geklärt. Die Analysen der Bohrkerne, die
amerikanische Forscher im Verlauf der letzten vier Jahre gemeinsam mit Kollegen
aus Japan und Neuseeland aus dem Boden geholt haben,sind erst jetzt voll angelaufen. Die Ergebnisse werden Mitte 1978 anläßlich eines Seminars in Japan
bekanntgegeben. In der diesjährigen Forschungssaison werden die Bohrlöcher
benutzt, um den Wärmefluß im Boden und die Ausbreitungsgeschwindigkeit seismischer Wellen zu studieren.
Eine weitere amerikanische Forschergruppe von der Universität Nebraska
hat bereits damit begonnen, vulkanisches Gestein im Gebiet der Trockentäler
kartographisch zu erfassen, seine Herkunft zu bestimmen und die Radioaktivität
der Gesteine im Hinblick auf Uran- und Thoriumvorkommen zu messen. Geologen
des Geologischen Bundesamtes der USA befassen sich damit, die sogenannte Dufek-

�Dufek-Intrusion zu bestimmen.

Dabei handelt es sich um Intrusivgestein

aus dem Schmelzfluß von ausgequollenem und erstarrtem Magma, aus dem die
Nordhälfte des Pensocola-Gebirges (am Südende des Ronne-Eisschelfs am
Weddell-Meer) besteht und das sich unter den Eismassen angrenzender Gebiete
fortsetzt.

Die Geologen sind daran interessiert, Anhaltspunkte für die Vor-

gänge zu bekommen, die zur Einlagerung der Intrusivmassen in das Erdkrustengestein führten.
Auf den Gebieten Meteorologie, Atmosphären- und Weltraumforschung, Biologie und Meeresforschung werden z.T. bereits früher begonnene Projekte weitergeführt. Ein Forschungsinstitut aus Reno (Nevada) entsendet eine Gruppe von
vier Wissenschaftlern zur Palmer-Station auf der den Orkney-Inseln gegenüberliegenden Antarktischen Halbinsel, wo eine Wetter-Radarstation installiert
wird. Sie arbeitet mit 3 cm-Wellen, so daß beispielsweise Schnee- und Eiskristalle in der Luft und See-Eis beobachtet werden können.
Die Halbinsel gilt als eine Region mit starken Wechselwirkungen zwischen
großen Gebieten offenen Wassers und kalten, darüberstreichenden Luftmassen,
die sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen. Das Projekt ist Teil des Versuchs, ein
weltweites meteorologisches Beoabachtungsnetz zu schaffen, bei dem auch Methoden der Fernerkundung eingesetzt werden. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist jedoch die Entwicklung zuverlässiger Verfahren für die Datengewinnung
und die Koordinierung sämtlicher Beobachtungsprogramme. Die Anwendung eines
solchen Programms hätte nicht nur für die Beobachtung der Eisbewegungen in den
Meeren um die Antarktis, sondern auch für kurzfristige Wettervorhersagen und
möglicherweise auch langfristige Klima-Voraussagen Bedeutung. Später wird
die Arbeit dieser Radarstation auf die Beobachtung von Zugvögeln ausgedehnt.

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18/1976

"ENTERPRISE" - DEBÜT DES US-RAUMTRANSPORTERS

- (AD) - Die amerikanische Öffentlichkeit hatte zum ersten Mal Gelegenheit, das erste Orbiter-Gerä't des Raumtransporters
Werksgelände der "Rockwell International Space

zu besichtigen.

Auf dem

Divison" in Palmdale (Kalifor-

nien) wurde der in schwarz, grau und weiß gehaltene Flugkörper am 17. September
1976 aus der Halle gerollt.

In Anwesenheit von NASA-Chef Dr. James C. Fletcher,

Mitgliedern des US-Kongresses und prominenten Vertretern von Industrie und
Wirtschaft wurde das Raumschiff auf den Namen "ENTERPRISE" getauft.
Es ist das Modell Nr. 101, mit dem die ersten Testserien und Probeflüge
durchgeführt werden.
ten.

Erst das zweite Gerät wird in eine Erdumlaufbahn eintre-

Es soll im Jahr 1980 das bei ERNO in Bremen unter Beteiligung von 10 euro-

päischen Ländern gebaute Raumlabor ("SPACELAB") in einen niedrigen Erdorbit
bringen.

Dieses Unternehmen wird eine Ära einleiten, in der Projekte der be-

mannten Raumfahrt zur Routinesache werden und der Erfüllung zahlreicher wissenschaftlicher und industriell-technischer Aufgaben dienen.
Das Raumschiff ENTERPRISE startet senkrecht mit zwei riesigen Feststoffraketen, die nach dem Brennschluß abgeworfen und zur Wiederverwendung geborgen
werden.

Die drei eigenen, mit flüssigem Treibstoff arbeitenden Haupttriebwerke

des Orbiter beschleunigen das Gerät weiter, bis es Kreisbahngeschwindigkeit er- l -

�erreicht und in den Erdorbit in ca. 185 km Höhe eintreten kann. Auch der 50 m
lange Flüssigtreibstoff-Tank wird abgeworfen.

Der flugzeugähnliche Orbiter

kann mit vier Mann Besatzung und zwei bis vier Wissenschaftler-Passagieren bis
zu 30 Tagen in der Umlaufbahn bleiben.
ENTERPRISE ist mit 37,19 m Länge etwa so groß wie eine DC-9. Sie ist
mit Delta-Tragflächen ausgerüstet, deren Spannweite im Heckbereich 23,8 m beträgt.

Bei der Rückkehr zur Erde vermag sich der Orbiter in der allerletzten

Phase des Durchgangs durch die Atmosphäre wie ein antriebsloses Flugzeug der
Landebahn zu nähern.

Er kann mehrfach wiederverwendet werden, was gegenüber

allen bisherigen bemannten Raumfahrtunternehmen - noch dazu im Hinblick auf die
hohe Nutzlastkapazität von ca. 27 Tonnen - erhebliche Kosteneinsparungen bedeutet.
Die systematische "Vereinfachung" und Arbeitsteilung bei den Flugaufgaben war eine Voraussetzung dafür, daß beispielsweise europäische Wissenschaft-"
ler an solchen Flügen teilnehmen und im SPACELAB, einer 18 m langen, mehrfach
unterteilten Druckzelle, eigene Forschungsprojekte durchführen können.

Die

beiden Hauptsegmente der ENTERPRISE sind der doppelstöckige Kabinenteil und der
sich anschließende 365 cbm große Nutzlastraum, der sowohl für die Aufnahme des
SPACELAB als auch für andere Nutzlasten, z.B. offene Instrumenten-Arrangements,
während der Operationen im Erdorbit, verwendbar ist. Dadurch ist es möglich,
Satelliten zu transportieren, die im Weltraum abgesetzt oder eingeholt werden
sollen, Reparatur- und Montagegerät für die Wartung von Erdsatelliten mitzunehmen und große Forschungsapparaturen außerhalb der Druckzeilen in Betrieb zu
halten.
Im Oberdeck des Cockpits (Rauminhalt: 71,7 cbm) befinden sich die Steuerungs- und Überwachungsinstrumente für die Bordsysteme, im Unterdeck die Aufenthalts-, Schlaf- und Arbeitsräume für Besatzung und Wissenschaftler-Passagiere.

Letztere werden sich vor allem mit Aufgaben aus den Gebieten Astronomie,

Astrophysik, Sonnenforschung, Biologie und Medizin, Werkstofftechnik und Fernerkundung der Erde befassen.
Die

�Die NASA hat inzwischen Wissenschaftler in aller Welt aufgefordert, Vorschläge zu Experimenten für spätere Orbiter-Missionen einzureichen.

Im Ge-

gensatz zum ersten Einsatz wird dann keine Druckkabine benutzt, sondern die
Instrumente sind auf Paletten montiert und dem Weltraumvakuum direkt ausgesetzt.

Sie werden vom Cockpit aus kontrolliert und ferngesteuert.

Die kana-

dische Regierung läßt bereits ein Manipulatorsystem bauen, mit dem Ausrüstungen
und Transportgüter bewegt oder versetzt werden können.
Die Erprobung des jetzt vorgestellten Modells 101 der ENTERPRISE soll im
Januar 1977 beginnen. Im April unternimmt der Orbiter (unbemannt) den ersten
Huckepack-Flug auf einer Boing 747. Nach 15 solcher Testflüge, die bis Ende
Juni 1977 abgeschlossen sein sollen, gehen erstmals Astronauten an Bord, um
weitere Huckepack-Flüge im Cockpit des Orbiters zu absolvieren. Für Juli 1977
ist der erste freie Flug geplant - d.h., die ENTERPRISE wird in 8400 m Höhe nahe
der Landebahn von der Boing 747 gelöst, macht eine U-Kehre und führt das Landemanöver selbständig durch.
Der erste Start in den Weltraum ist mit Modell Nr. 2 für März 1979 vorgesehen.

Nach

sechs weiteren Testflügen des Orbiters wird der Raumtransporter

1980 einsatzbereit sein.

Die ersten Piloten kommen aus dem Team der AP0LL0-

Astronauten (im Johnson-Raumflugzentrum in Houston, Texas, sind derzeit noch 28
Astronauten stationiert); die NASA hat jedoch inzwischen mit der Auswahl von
15 weiteren Piloten sowie von 15 Nutzlast-Spezialisten begonnen.

Interessenten

- auch Frauen sind zugelassen - können ihre Bewerbungen bis zum 30. Juni 1977
einreichen.

+ + + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Kissinger am 30. September 1976 vor der UN-Vollversammlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Antarktisforschung 1976/77&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schwerpunktprogramme der USA: Ross-Eisschelf und Trockentäler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"ENTERPRISE" - Debüt des US-Raumtransporters</text>
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15. September 1976

17

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL
Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei
- Internationale Beziehungen und Verteidigung Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei
- Internationale Beziehungen und Verteidigung Keine Chance f ü r Splitterparteien
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Abgase von Überschallflugzeugen
- U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest Interferon gegen chronische Hepatitis

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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17/1976

AUSZÜGE AUS DEM WAHLPROGRAMM DER DEMOKRATISCHEN PARTEI
- Internationale Beziehungen und Verteidigung -

Internationale Beziehungen
Die nächste demokratische Administration muß und wird eine neue amerikanische Außenpolitik einleiten.
Acht Jahre Nixon-Ford-Diplomatie haben unser Volk vom Ausland isoliert
und im Inland gespalten. Die Politik wurde mit der Zeit der geheim gehaltenen Bombardierung Kambodschas bis zu der kürzlichen verschleierten Hilfe
an Angola von dem zuständigen Ministerium in aller Heimlichkeit und willkürlich entwickelt und durchgeführt. Es handelte sich um eine Politik, die sich
auf einseitige ad-hoc-Maßnahmen und eine Diplomatie des Gleichgewichts der
Kräfte stützte, die besser in das vorige Jahrhundert als in das gegenwärtige
gepaßt hätte. Sie hat die traditionellen amerikanischen Prinzipien verächtlich gemacht, die sich einst die Achtung der anderen Völker erworben und unser eigenes Volk angespornt haben. Statt sich um die Förderung von Freiheit
und Gerechtigkeit auf der Welt zu bemühen, hat die republikanische Administration eine traurige Bilanz aufgestellt - an Mißachtung der Menschenrechte, an
manipulierter Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder und,
immer wieder, an einem stärkeren Interesse für unsere Beziehungen zu den tota-

�totalitären Gegnern statt zu unseren demokratischen Verbündeten.

Und ihre

Bemühungen, den internationalen Status quo zu erhalten statt zu reformieren,
verrät einen Zweck-Pessimismus, der im Gegensatz zu dem traditionellen amerikanischen Bekenntnis zur Möglichkeit des Fortschritts der Menschheit steht.
Verteidigungspolitik und Ausgaben für die Streitkräfte müssen im Einklang mit der Erfüllung der realen Sicherheitserfordernisse des amerikanischen
Volkes stehen.

Wir sind uns bewußt, daß die Sicherheit unseres Landes in

erster Linie von der inneren Stärke der amerikanischen Gesellschaft abhängig
ist - der wirtschaftlichen, der sozialen und der politischen.

Wir sind uns

ebenso bewußt, daß ernste internationale Bedrohungen unserer Sicherheit nicht
ausschließlich militärischer Natur sind und daß ihnen nicht durch militärische
Gewalt oder durch Androhung von Gewalt begegnet werden kann.

Die republika-

nische Administration hat durch Mißwirtschaft und falsche Politik die Sicherheit unseres Landes untergraben, indem sie die menschlichen Erfordernisse im
eigenen Lande vernachlässigte und gleichzeitig, zum ersten Male in der Geschichte unseres Landes, nach einem Krieg die militärischen Ausgaben erhöhte.
Milliarden von Dollar wurden für verschwenderische, extravagante und - in einigen Fällen - einer Stabilisierung abträgliche
zweigt.

militärische

Programme abge-

Unser Land kann - und unter einer demokratischen Administration wird

es dies tun - nachdrücklich auf die Verwirklichung einer Politik der Vollbeschäftigung und des wirtschaftlichen Wachstums hinarbeiten, die uns in die Lage
versetzen wird, dem berechtigten Eigenbedarf unserer Bürger wie auch unseren
Erfordernissen für eine ausreichende nationale Verteidigung zu entsprechen.
Eine demokratische Administration wird auf die Entwicklung einer Außenpolitik hinarbeiten, die der Stärke und Würde des amerikanischen Volkes entspricht, indem sie sich an die folgenden grundlegenden Prinzipien und Prioritäten hält:
Wir werden nach der Prämisse handeln, daß beim politischen Handeln die
Offenheit mit all ihrer Verantwortung der Geheimniskrämerei vorzuziehen ist.
Der Kongreß wird in die wichtigen internationalen Entscheidungen unserer jte^

�Regierung eingeschaltet werden, und unsere Außenpolitik wird offen geführt
und dem amerikanischen Volk ständig erläutert werden.

Selbst wenn diploma-

tische Taktiken und nationale Sicherheitsinformationen manchmal geheim bleiben müssen, kann es keine Entschuldigung dafür geben, die grundlegende Politik
ohne Wissen und Unterstützung der Öffentlichkeit auszuarbeiten und durchzuführen.
Unsere Politik muß auf der Verpflichtung unseres Landes zu den Idealen
der Freiheit und Gerechtigkeit für den Einzelnen basieren. Die Erfahrung hat
uns gelehrt, daß wir uns nicht ausschließlich auf militärische Stärke und wirtschaftliche Macht verlassen dürfen, so notwendig diese auch sind, um unsere
internationalen Zielsetzungen zu verfolgen. Wir müssen uns auch auf die moralische Stärke unserer demokratischen Werte verlassen - die für unsere Freunde
größter Ansporn und für unsere Gegner das am meisten gefürchtete Attribut sind.
Wir werden sicherstellen, daß die Erfordernisse der Menschen nicht militärischen Aufgaben geopfert werden, gleichzeitig aber die Streitkräfte aufrechterhalten, die wir für unsere Sicherheit benötigen.
Wir werden unsere Bindungen zu den anderen großen Demokratien stärken
und mit ihnen zusammenarbeiten, um unsere gemeinsamen wirtschaftlichen und
sozialen Probleme zu lösen und unsere

Verteidigung stark zu erhalten.

Wir werden die demokratische Tradition der Freundschaft und Unterstützung
der Länder der Dritten Welt wiederherstellen.
Wir müssen ferner nach Gebieten für eine Kooperation mit unseren traditionellen Gegnern suchen. Es bleibt keine andere Wahl, denn es geht um das
überleben der Menschheit. Doch das Streben nach Entspannung setzt voraus,
daß wir eine starke militärische Abschreckung der USA unterhalten, unsere
eigenen Interessen nachdrücklich vertreten, das Anhalten des Wettstreits erkennen und der amerikanischen Öffentlichkeit die unmittelbaren Vorteile einer
solchen Politik nicht übertrieben positiv darstellen.
Wir

�Wir werden das grundlegende Bekenntnis der USA zu den Menschenrechten
überall auf der Welt erneut bekräftigen.

Amerika muß sich für die Freilas-

sung aller politischen Gefangenen in allen Ländern einsetzen - der Männer
und Frauen, die sich im Gefängnis befinden, nur weil sie friedlich gegen die
Politik ihrer Regierung angegangen sind oder weil sie anderen dabei geholfen
haben.

Amerika muß eine feste Haltung einnehmen und das bestehende US-Gesetz

unterstützen und durchführen, das die Liberalisierung der Auswanderungspolitik
in solchen Ländern bewirken soll, die die freie Auswanderung einschränke1" oder
verbieten.

Amerika muß festhalten an seiner Unterstützung des Rechts der Ar-

beiter, sich zu organisieren, und der Gewerkschaften, frei und unabhängig tätig
zu werden, wie auch an seiner Unterstützung der Pressefreiheit.

Amerika muß

weiterhin als Bollwerk für die Unterstützung der menschlichen Freiheit in allen
Ländern dastehen.

Eine Rückkehr zu dieser Grundsatzpolitik setzt eine erneute

Bekräftigung der menschlichen Freiheiten überall auf der Welt voraus.

Die Herausforderung der Interdependenz
Die Weltwirtschaft
Acht Jahre der Mißwirtschaft in der amerikanischen Wirtschaft haben zu
weltweiter Rezession und Inflation beigetragen.

Der wichtigste Beitrag, den

eine demokratische Administration zur Wiedergesundung der Weltwirtschaft leisten
kann, ist die Wiedergesundung der amerikanischen Wirtschaft mit all ihrem Einfluß auf Stabilität und Fortschritt der Weltwirtschaft.
Wir bekennen uns zu einer Handelspolitik, die einer Wirtschaft mit Vollbeschäftigung nützt - durch Schaffung neuer Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter, Erschließung neuer Absatzmärkte für amerikanische Farmer und Unternehmen, Senkung der Preise und Ausweitung des Warenangebots für die amerikanischen
Verbraucher.

Ein stetiger Abbau der Handelsschranken sollte auf einer Basis

der Gegenseitigkeit ausgehandelt werden, so daß es anderen Ländern nicht mög-

�möglich ist, uns den Zugang zu ihren Märkten zu verwehren, während sie Zugang zu unserem Markt haben.

Diese Maßnahmen müßten von verbesserten Pro-

grammen begleitet sein, um die Folgen von Verzerrungen und die Härten für solche amerikanischen Arbeiter zu mildern, die von dem ausländischen Wettbewerb
betroffen werden.
Die Demokratische Partei wird ferner einen höheren Lebensstandard für
die Arbeiter in solchen Ländern zu fördern suchen, in denen die Produktivität
weit über den Löhnen liegt, so daß der amerikanische Arbeiter durch eine unfaire Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte geschädigt und amerikanisches Kapital ermutigt wird, die durch die Niedriglöhne sich bietenden Möglichkeiten
zu nutzen, die unserer eigenen Wirtschaft schaden und den Dollar schwächen.
Wir werden die Führung bei den internationalen Bemühungen um eine Stärkung des Weltwirtschaftssystems übernehmen. Die Auffassung der Ford-Administration, man solle sich auf die internationale "Marktwirtschaft" verlassen,
entspricht nicht mehr einer Welt, in der einige Regierungen und multinationale Gesellschaften aktiv Lenkung und Beeinflußung der Marktkräfte betreiben.
Wir verpflichten uns zu ständigen Bemühungen, um die Währungssysteme der
Welt funktionsfähig zu erhalten und so ein einigermaßen stabiles Wirtschaftsklima für die Unternehmen zu schaffen sowie einen Import von Inflation zu verhindern.

Wir werden die Reform des internationalen Währungssystems unter-

stützen, um so die institutionellen Mittel für eine Koordinierung der nationalen Wirtschaftspolitik, vor allem mit unseren europäischen und japanischen
Verbündeten, zu stärken und die Bemühungen unserer und anderer Regierungen
zur Vollbeschäftigung zu erleichtern.
Die Demokratische Partei hat sich zu einer starken und wettbewerbsfähigen, in den USA gebauten und mit amerikanischen Seeleuten bemannten Handelsflotte bekannt, die den internationalen Beziehungen sowie der nationalen Sicherheit dient.

Zur Neubelebung unserer Handelsflotte verpflichtet sich die

Partei zu einer stärkeren Koordinierung der Schiffahrtspolitik, zu einer er- 5 -

�erneuten Bekräftigung der Zielsetzungen der Handelsmarinegesetze von 1936
und 1970 und zur Ausarbeitung einer nationalen Frachtenpolitik, die der
amerikanischen Handelsflotte einen fairen Anteil am gesamten amerikanischen
Handel sichert.
Eine demokratische Administration wird nachdrücklich internationale
Verhandlungen betreiben, um sicherzustellen, daß die multinationalen Aktivitäten von Gesellschaften, amerikanischen wie ausländischen, gegenüber der
internationalen Völkergemeinschaft mehr Verantwortungsbewußtsein zeigen. Wir
werden unsere Aufmerksamkeit vorrangig der Schaffung eines internationalen
Verhaltenskodexes für multinationale Gesellschaften und Gastländer widmen.
Wir werden die multinationalen Gesellschaften ermutigen - vor Produktionsverlagerungen über internationale Grenzen hinweg -, im voraus ausreichende Vorkehrungen für solche Arbeiter zu treffen, deren Arbeitsplätze dadurch
betroffen werden.
Wir werden Bestechungen und andere korrupte Praktiken beseitigen.
Wir werden diese Gesellschaften daran hindern, sich in die politischen
Systeme der Länder einzumischen, in denen sie tätig sind.
Wenn ein Kodex nicht durch Verhandlungen erreicht werden oder sich als
undurchführbar erweisen sollte, dann sollte sich unser Land das Recht zu einseitigen Maßnahmen vorbehalten, die jedes dieser Probleme ansprechen und im
besonderen Bestechungen und andere unrechtmäßige Zahlungen an Regierungsbeamte
anderer Länder für ungesetzlich erklären.
Zur Verwirklichung offener und fairer internationaler Wirtschaftsbeziehungen werden wir nach Mechanismen, auch gesetzlicher Art, suchen, die sicherstellen, daß ausländische Regierungen in den Außenhandel der USA keinen Boykott
dritter Parteien und keine Diskriminierung aus rassischen oder religiösen
Gründen einführen.
Energie

�Energie
Die Vereinigten Staaten müssen bei der Förderung der Zusammenarbeit der
Industriestaaten in der Entwicklung alternativer Energiequellen und der Senkung des Energieverbrauchs die Führung übernehmen, um so unsere Abhängigkeit
von Importen aus dem Nahen Osten zu verringern und den hohen Energiepreisen
Einhalt zu gebieten.

Unter einer demokratischen Administration werden die

Vereinigten Staaten ferner internationale Bemühungen zur Erschließung des
riesigen Energiepotentials der Entwicklungsländer unterstützen.
Wir werden uns ferner aktiv darum bemühen, die Gefahren zu begrenzen,
die sich aus der internationalen Entwicklung der Atomenergie sowie der Ausbreitung der Kernwaffen ergeben.
geräumt werden sollte, gehören:

Zu den Schritten, denen hohe Priorität einNeubelebung des Atomsperrvertrages; Auswei-

tung der Befugnisse der Internationalen Atomenergiebehörde und anderer internationaler Sicherheiten sowie die Kontrolle nationaler Anlagen; Zusammenarbeit bei internationalem Terror mit Kernwaffen; ein Abkommen der Erzeugerländer, keine Anreicherungs- oder Wiederaufbereitungsanlagen weiterzugeben; eine
internationale Garantie, nukleare Brennstoffe nur an solche Länder zu liefern,
die sich an die strikten Bestimmungen des Atomsperrvertrages halten; Subventionierung multinationaler Nuklearanlagen und allmähliche Unterstellung des
nicht für Waffenzwecke bestimmten spaltbaren Materials unter internationale
Kontrolle.

Die Entwicklungsländer
Wir haben während des nächsten Jahrzehnts eine historische Chance, Ausmaß und Qualität der Zusammenarbeit zwischen den reichen und den armen Ländern
zu verbessern.

Die potentiellen Vorteile einer Politik der konstruktiven Zu-

sammenarbeit mit den Entwicklungsländern wären für unser Land beträchtlich:
unbehinderter Zugang zu Rohmaterialien und Rohstoffen bei angemessenen Preisen
- 7 -

�Preisen; niedrigere Raten der weltweiten Inflation; besserer Absatz für unsere Erzeugnisse auf den Weltmärkten; und eine bessere Atmosphäre für internationale Verhandlungen ganz allgemein.

Vor allem die Aussichten auf Frieden

werden in einer Welt bedeutend höher sein, in der immer weniger Menschen unter
Angst vor Hunger und unter dem Joch wirtschaftlicher Unterdrückung zu leiden
haben.
Wir unterstützen die Bemühungen zur Stabilisierung und Steigerung der
Exporterlöse der Entwicklungsländer durch unsere Beteiligung an vernünftigen
Rohstoffabkommen.

Wir unterstützen die Stärkung der weltweiten Finanzierungs-

mechanismen und die Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels. Wir werden
die Förderung größerer Kapitalmärkte in den Entwicklungsländern unterstützen.
Da unser Land Lebensmittel und Textilfasern in die gesamte Welt liefert,
ist der amerikanische Farmer in hohem Maße abhängig von den Weltmärkten.

Die

Entwicklung auf diesen Märkten muß sich so vollziehen, daß ein ungestümes Hochschnellen der Lebensmittelpreise und periodische Verknappungen vermieden werden, wie sie unter der letzten republikanischen Administration allgemein üblich waren.

Wir verpflichten uns zu einer beträchtlichen finanziellen Unter-

stützung des Internationalen Fonds für die Entwicklung der Landwirtschaft; zu
einer wirksameren Lebensmittelhilfe durch Überprüfung des US-Lebensmittel-fürden-Frieden-Programms; zu beträchtlichen Beiträgen an ein multinationales System
für Lebensmittelreserven, das angemessene Sicherheiten für die amerikanischen
Farmer enthält; sowie zu ständigen Anstrengungen zur Förderung der amerikanischen
Lebensmi ttelexporte.
Die Ausbreitung der Rüstungen, sowohl der konventionellen als auch der
nuklearen, bildet eine wichtige potentielle Konfliktquelle in der unterentwickelten und in der industrialisierten Welt.

Die Vereinigten Staaten sollten

den Verkauf konventioneller Waffen wesentlich einschränken und die militärische
Hilfe an Entwicklungsländer abbauen.

Sie sollten den Transfer konventioneller

Waffen in die Rüstungskontroilagenda einbeziehen und bei dem Transfer amerikanischer Waffen bei jedem Land eine eingehende Begründung verlangen.
- 8 -

Solche

�Solche Verkäufe oder eine solche Hilfe müssen nach den außenpolitischen Vorteilen für die USA gerechtfertigt sein und nicht lediglich nach den wirtschaftlichen Vorteilen für die amerikanischen Waffenproduzenten.
Ein Hauptziel der amerikanischen Hilfe, der militärischen wie auch der
wirtschaftlichen, ist die Stärkung der Freiheit auf der Welt.

Die Vereinigten

Staaten sollten nirgendwo auf der Welt Hilfe an Regierungen gewähren, die sich
zur Durchsetzung ihrer Macht der Geheimpolizei, des Freiheitsentzugs ohne Anklage sowie der Folter bedienen.

Ausnahmen von dieser Politik sollten selten

sein, und die Hilfe sollte dann auf das absolut Notwendige beschränkt bleiben .

Vertei di gungspoli ti k
Umfang und Struktur unserer Streitkräfte müssen sorgfältig auf die Erfordernisse unserer Außenpolitik in der heutigen Zeit abgestimmt sein.

Sie

sollten auf einer sorgfältigen Bewertung dessen basieren, was langfristig notwendig ist, um unsere potentiellen Gegner abzuschrecken; um notfalls konventionelle Kriege in Gebieten führen zu können, in denen unsere nationale Sicherheit bedroht ist; und um unseren Verbündeten und Freunden - vor allem in Westeuropa, Japan und im Nahen Osten - Sicherheit zu geben.

Daher müssen unsere

strategischen Nuklearstreitkräfte eine starke und glaubwürdige Abschreckung
vor einem nuklearen Angriff und einer nuklearen Erpressung sein.

Unsere kon-

ventionellen Streitkräfte müssen stark genug sein, um vor einer Aggression
in Gebieten abzuschrecken, die für unsere eigene Sicherheit entscheidend wichtig sind.

So wie es mit diesen Zielen zu vereinbaren ist, sollten wir uns

um Abrüstungs- und Rüstungskontroi labkommen bemühen, die zu einer beiderseitigen Reduzierung sowohl der nuklearen als auch der konventionellen Rüstungen
beitragen.
Charakteristisch für die Verteidigungspolitik der Nixon-Ford-Administrationen waren jedoch Stagnation und Verwundbarkeit.
Durch

�Durch ihre Zögern, Veränderungen auf solchen Gebieten unserer Streitkräfte vorzunehmen, die einer Lösung von Problemen aus der Vergangenheit
dienten, hat die Administration nicht nur Verteidigungsgelder verschleudert,
sondern auch Verbesserungen vernachlässigt, die zur Erhöhung der Kampfkraft
und des Abschreckungspotentials unserer STreitkräfte bei einer künftigen
Aggression notwendig waren.
Wie die überaus starke Betonung des Gesamtumfangs des Verteidigungsbudgets als wichtigster Maßstab für unsere nationale Entschlossenheit und die
Schlagkraft unserer STreitkräfte zeigt, hat die Administration übersehen, daß
wir nicht danach trachten, mehr auszugeben als unsere potentiellen Gegner,
sondern daß wir vielmehr in der Lage sein wollen, abschreckend auf sie zu wirken und ihnen im Kampfe überlegen zu sein.

Wir müssen die Gelder ausgeben,

die legitim für die Verteidigung benötigt werden, doch sind Kürzungen bei
Überschneidungen und Verschwendung sowohl möglich als auch notwendig.

Sofern

es zu keiner wesentlichen Änderung der internationalen Lage kommt, sind wir
der Ansicht, daß wir bei richtiger Verwaltung, richtiger Verwendung der Verteidigungsgelder und richtiger Auswahl der militärischen Programme die gegenwärtigen Verteidigungsausgaben um 5 bis 7 Milliarden Dollar senken können.

Wir müs-

sen einen harten Maßstab bei der Entwicklung neuer Waffensysteme anlegen, die
nur von untergeordnetem militärischem Wert sind.

Die Höhe unseres Verteidi-

gungsbudgets sollte nicht durch bürokratische Gebote oder Erfordernisse der
Rüstungsindustrie, sondern durch unsere Bewertung der internationalen Realitäten bestimmt werden.

Um eine umfassende Überprüfung der B-1-Erprobung und

ihres Auswertungsprogramms zu ermöglichen, sollte vor Februar 1977 keine Entscheidung über eine Produktion der B-l getroffen werden.
Das Pentagon hat eine der am stärksten überzüchteten Bürokratien der
Bundesregierung. Das Verteidigungsministerium kann wirksamer und sparsamer
arbeiten, und sein Budget kann gekürzt werden, ohne daß unsere Verteidigungsposition dadurch irgendwie beeinträchtigt wird. Unsere Streitkräfte haben
heute mehr Admiräle und Generäle als während des Zweiten Weltkrieges, als unsere Streitkräfte weitaus größer waren als heute. Wir können das zahlenmäßige
- 10 -

�zahlenmäßige Verhältnis von Offizieren und Mannschaften und von Versorgungseinheiten und Kampftruppen verbessern ...
Es bedarf einer neuen Einstellung

zu den Dingen.

Unsere strategischen

Nuklearstreitkräfte sollten so gegliedert sein, daß sichergestellt ist, daß
sie einen nuklearen Angriff überstehen können und daß somit eine Abschreckung
vor einem Atomkrieg gewährleistet ist.

Eine erfolgreiche nukleare Abschreckung

ist eine äußerst wichtige Aufgabe unserer Streitkräfte.

Wir sollten jedoch

vermeiden, uns auf Ausgaben einzulassen, die nur symbolischen oder Prestigewert haben oder die zu einer nuklearen Instabilität beitragen.
Die amerikanische Marine muß die stärkste Flotte der Welt bleiben.

Un-

sere Seestreitkräfte sollten verbessert werden, wobei der Nachdruck auf das
überleben gelegt werden sollte, und unsere moderne Technologie sollte mit
neuen Methoden für die Offenhaltung der wichtigen Seewege eingesetzt werden.
Konkret ausgedrückt, wir sollten mehr Nachdruck auf neuartige Sensoren und
Rüstungen legen und auf eine Marine, die aus einer größeren Zahl kleiner und weniger verwundbarer Schiffe besteht, Vorrang einräumen.
Unsere Landstreitkräfte sollten so gegliedert sein, daß sie bei der Unterstützung unserer politischen und militärischen Verpflichtungen wirksam kämpfen können. Hierfür sind moderne, gut ausgerüstete und äußerst mobile Landstreitkräfte wichtiger als eine große Zahl sparsam ausgerüsteter Infanteriedivisionen.
Unsere taktischen Luftstreitkräfte sollten so ausgerichtet sein, daß sie
im Falle von Feindseligkeiten rasch die Luftüberlegenheit erringen und unsere
Land- und Seestreitkräfte unterstützen können.
Wir können und werden wesentliche Einsparungen beim Oberkommando sowie
beim Nachschub unserer Streitkräfte vornehmen.
Das Beschaffungssystem für Verteidigungsausrüstung sollte reformiert wer- 11 -

�werden.

Es sollten, wo immer dies möglich und mit den Bemühungen um eine

volle Beteiligung kleinerer Unternehmen zu vereinbaren ist, Ausschreibungen
auf Wettbewerbsbasis und andere Verbesserungen im Beschaffungswesen vorgenommen werden, um einen uneingeschränkten und fairen Wettbewerb zwischen allen potentiellen Lieferfirmen zu fördern und die gegenwärtige Verschwendung
im militärischen Beschaffungswesen zu unterbinden.

Es sollte eine gerechtere

Formel für die Verteilung von Verteidigungsaufträgen und anderen Beschaffungsaufträgen der Bundesregierung auf einzelstaatlicher oder regionaler Basis erwogen werden.
Die Vereinigten Staaten und andere Länder haben ein gemeinsames Interesse an einer Verringerung der militärischen Ausgaben und einer Zuteilung der
eingesparten Mittel für Programme zur Hebung des Lebensstandards.

Um den

Weg für solche Änderungen zu ebnen, sollten Exekutive und Kongreß eine langfristige Planung der von Verteidigungsaufträgen abhängigen Gemeinden, der Leitung der Firmen der Rüstungsindustrie und der Gewerkschaften fördern.

Dieser

Prozeß sollte sich im Rahmen der Verpflichtung der Demokratischen Partei zu
einer geplanten Vollbeschäftigung vollziehen.
Unsere zivilen und militärischen Geheimdienste sollten so gegliedert
sein, daß sie rechtzeitig und genaue Informationen sowie Analysen außenpolitischer und militärischer Fragen beschaffen können.

Geheime Aktionen dürfen

nur in ganz wichtigen Fällen erfolgen, wenn dies entscheidend wichtig für
die Sicherheit der USA ist; Mordaufträge müssen verboten

sein.

Es sollte

eine umfassende und genaue Kontrolle unserer Geheimdienste durch den Kongreß
geben.

Die verfassungsmäßigen Rechte der amerikanischen Bürger können und müs-

sen voll geschützt sein, und Mißbräuche des Geheimdienstes sollten korrigiert
werden, ohne daß die Vertraulichkeit des zurecht als geheim eingestuften Geheimdienstmaterials gefährdet oder die grundlegende Aufgabe des Geheimdienstes
aufs Spiel gesetzt wird.
Die

- 12 -

�Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind die einzigen Mächte, die
durch Rivalität oder durch Fehleinschätzung unsere Zivilisation in einen allgemeinen Atomkrieg stürzen könnten.

Ein Hauptziel muß der weitere Abbau der

Spannungen mit der Sowjetunion sein.

Dies kann jedoch nur durch Festhalten an

unseren Prinzipien und Interessen und durch rein sachliche Verhandlungen über
spezifische Fragen erreicht werden, nicht durch schlechte Verträge, dramatisches
Auftreten

und Betonung allgemeiner Deklarationen, wie sie für die Entspannungs-

politik der Nixon-Ford-Administration charakteristisch waren.
Sowjetische Schritte führen weiterhin zu ernsten Bedrohungen des Friedens
und der Stabilität in zahlreichen Teilen der Welt und unterlaufen die westliche Unterstützung fruchtbringender Verhandlungen über allen zum Nutzen gereichende Abkommen.

Die Sowjetunion hat während der letzten Jahre bei ihrer

Marine, ihren strategischen Streitkräften sowie ihren in Osteuropa und Asien
stationierten Landstreitkräften eine bedeutende militärische Aufrüstung vorgenommen.

Sie hat in den Verhandlungen einseitige Vorteile angestrebt und hat

politischen und militärischen Druck in Gebieten wie dem Nahen Osten und Afrika
ausgeübt sowie ohne Zögern nach Angola eigene Berater sowie Expeditionsstreitkräfte ihrer Satelliten entsandt.
Die andauernde militärische Vorherrschaft der Sowjetunion in zahlreichen
osteuropäischen Ländern bleibt eine Quelle der Unterdrückung für die Völker
dieser Länder - eine Unterdrückung, die wir nicht akzeptieren und die wir aus
moralischen Gründen ablehnen.

Jeder Versuch seitens der Sowjetunion, in ähn-

licher Weise andere Teile Europas - wie zum Beispiel Jugoslawien - zu beherrschen, würde eine ernste Bedrohung für den Frieden darstellen.

Osteuropa kann

kein Gebiet echter Stabilität sein, solange diese Länder nicht ihre Unabhängigkeit wiedererlangt haben und Teil eines großen europäischen Systems geworden
sind.
Unsere Aufgabe ist es, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen auf eine
- 13 -

�eine stabile Basis zu stellen und dabei jedes Übermaß an Hoffnung oder Angst
zu vermeiden.

Geduld, ein klarer Sinn für unsere eigenen Prioritäten und

eine Bereitschaft zu Verhandlungen über spezifische bindende Abkommen auf Gebieten von gemeinsamem Interesse können die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wieder ins Gleichgewicht bringen.
Auf dem Gebiet der nuklearen Abrüstung und der Rüstungskontrolle sollten
wir hinarbeiten:
auf eine Begrenzung der internationalen Ausbreitung von spaltbarem Material
und Nuklearwaffen;
auf spezifische Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstungen, die
die Stabilität des strategischen Gleichgewichts erhöhen und das Risiko eines
Atomkrieges verringern und die beiderseitige Reduzierungen und Begrenzungen
für künftige Waffendislozierungen nachdrücklich betonen, welche das strategische
Gleichgewicht am meisten gefährden, weil ihre Charakteristika auf eine Anwendung bei einem potentiellen Erstschlag hindeuten;
auf ein umfassendes Verbot von Kernversuchen;
auf einen beiderseitigen Abbau - mit der Sowjetunion und anderen - unserer nuklearen Arsenale unter sicheren Garantien, der schließlich zur völligen Beseitigung solcher Arsenale führt;
auf beiderseitige Beschränkungen - mit der Sowjetunion und anderen - des
Verkaufs und Transfers von Waffen an Entwicklungsländer; und
auf Abkommen über konventionelle Rüstungen und beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa.
Auf dem Gebiet der Begrenzung der strategischen Rüstungen sollten die Vereinigten Staaten jedoch nur solche Abkommen akzeptieren, die die Gesamtstärke
- 14 -

�1

Gesamtstärke ihrer interkontinentalen strategischen Streitkräfte nicht so
stark begrenzen, daß sie unter den für die Sowjetunion vorgesehenen Begrenzungen liegt.
Auf lange Sicht sollte die Weiterentwicklung noch umfassenderer wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beiden
Ländern wesentliche Vorteile bringen.

Die Sowjetunion hat jedoch versucht,

durch unfaire Handelspraktiken solche strategisch wichtigen Gebiete wie die
Handelsschiffahrt zu beherrschen.

Statt diesen Versuchen wirksam entgegenzu-

treten, hat die Nixon-Ford-Administration solchen Schritten wie der Subventionierung des amerikanisch-sowjetischen Handels durch Gewährung von Vorzugskrediten an die Sowjetunion aufgeschlossen gegenübergestanden.

Sie hat eine Aus-

weitung des Handels auf Grund einer kurzsichtigen Hoffnung gefördert, den Handel zur Modifizierung des politischen Verhaltens benutzen zu können, und sogar
wichtige amerikanische Energieinvestitionnen zum Faustpfand der sowjetischen
Politik gemacht. Wo bilaterale Handelsabkommen mit der Sowjetunion zu unserem
wirtschaftlichen Vorteil sind, sollten wir sie verfolgen, aber die Parole für
uns sollte sein: hartes Verhandeln und konkrete wirtschaftliche, politische
oder sonstige Vorteile für die USA.

Wir sollten die Sowjetunion ferner dazu

drängen, einen größeren Anteil der Verantwortung bei multilateralen Lösungen
für solche Probleme wie die Anlage ausreichender internationaler Getreidereserven zu übernehmen.
Unsere Haltung in der Frage der Menschenrechte und der politischen Freiheiten in der Sowjetunion ist wichtig für die Selbstachtung der Amerikaner und
unsere moralische Stellung in der Welt. Wir sollten die Sowjetunion ständig
- durch

Worte und durch unser Verhalten - daran erinnern, d?ß sie sich in

Helsinki der Freizügigkeit von Menschen und Ideen verpflichtet hat, und wie
beleidigend wir und andere freie Völker ihre Verletzungen der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen empfinden.

Im Rahmen unserer Austausch-

programme der Regierung, der Technik, des Handels und der Kultur sowie sonstiger Austauschprojekte sollten wir die sowjetischen Führer drängen, ihre Gesellschaft einem echten Austausch von Menschen und Ideen zu öffnen.
Wir
- 15 -

�«

Wir dürfen nicht von der Annahme ausgehen, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in ihrer Gesamtheit größer seien als die Summe ihrer
Teile; daß ein Abkommen besser sei als überhaupt nichts, oder daß wir als
Bittsteller wirksam verhandeln könnten. Wir müssen uns darüber klar sein,
daß unsere Festigkeit dazu beitragen kann, uns Achtung zu verschaffen und die
langfristigen Möglichkeiten für allen zum Vorteil gereichende, konkrete Abkommen zu verbessern.

Wir müssen uns vor der Ansicht hüten, daß die sowjetisch-

amerikanischen Beziehungen ein nahtloses Netz seien, in dem Konzessionen auf
einem Gebiet uns Vorteile auf anderen bringen werden.

Ferner müssen wir mit

unseren Mitteln haushalten, und uns auf das für uns Wichtigste konzentrieren.
Eine Entspannung muß militärisch wie auch politisch sein.
Was noch wichtiger ist, wir müssen uns darüber klar sein, daß der allgemeine Charakter unserer Außenpolitik nicht durch unsere direkten Beziehungen
zur Sowjetunion bestimmt wird und auch nicht werden darf.
und Freunde müssen zuerst kommen.

Unsere Verbündeten

Genausowenig darf die Verfolgung unserer

Interessen irgendwo auf der Welt durch die Sorge um die Ansichten der Sowjets
bestimmt werden.

Zum Beispiel sollte die amerikanische Politik gegenüber

China weiterhin auf dem Wunsch nach einer stetigen Verbesserung und Erweiterung basieren, gleichgültig welchen Verlauf und welche Richtung die chinesisch-sowjetischen Beziehungen einschlagen.
Vor allem aber müssen wir uns selbst und unseren Verbündeten gegenüber
offen, ehrlich, besonnen und geduldig handeln.

Wir müssen uns darüber im

Klaren sein, daß langfristig eine wirksame Politik gegenüber der Sowjetunion
nur auf ehrlichen Gesprächen und bis zu einem gewissen Maße auch auf internationaler Übereinstimmung basieren kann.

Unsere eigenen Institutionen, vor

allem der Kongreß, müssen konsultiert werden und zur Formulierung unserer
Politik beitragen.

Die Regierungen unserer Verbündeten und Freunde müssen zu

Partnern unserer Initiativen gemacht werden.

Übereilung und geheime bilate-

rale Regierungsvereinbarungen bei unseren Verhandlungen mit der Sowjetunion
können nur ein Klima der Unsicherheit und des Argwohns fördern, das die öffent
liehe Unterstützung untergräbt, die für wirksame und stabile internationale Be
Ziehungen notwendig ist.

Amerika
- 16 -

�Amerika in der Weltgemeinschaft
Zahlreiche der entscheidend wichtigen außenpolitischen Fragen, vor denen
wir stehen, erfordern globale Initiativen.

Aber wenn die Vereinigten Staaten

eine wirksame internationale Rolle spielen sollen, sc bedingt dies auch ein
wirksames Zusammenarbeiten mit den besonderen Interessen bestimmter anderer
Länder und Gebiete.

Der Prüfstein für unsere Politik müssen unsere eigenen

Interessen sein, was wiederum bedeutet, daß wir nicht versuchen und auch nicht
erwarten sollten, Ereignisse irgendwo auf der Welt zu kontrollieren.

Vielmehr

setzt eine kluge Verfolgung unserer Interessen voraus, daß wir uns darüber
klar sind, daß wir auch dort, wo unser Interesse groß und unser Engagement notwendig ist, nicht alleine handeln können, sondern nur in einem internationalen
Rahmen, wo andere ebenfalls Interessen und Zielsetzungen haben.
Wir können unseren nationalen Werten nur Ausdruck verleihen, wenn wir auch
weiterhin bei der Arbeit der Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen
eine starke Rolle spielen.
vertreten.

Dabei müssen wir unsere Standpunkte fest und positiv

Wir sollten eine große Anstrengung zur Reform und Neugestaltung

der Vereinten Nationen unternehmen.

Das Ausmaß der in gegenseitiger Beziehung

zueinander stehenden Probleme nimmt rasch zu, und die Fragen von Krieg und
Frieden werden immer mehr die Form wirtschaftlicher und sozialer Probleme und
nicht von militärischen Sicherheitsproblemen annehmen, die in den internationalen Bezeihungen seit 1945 dominieren.
Die heißen Debatten in der Vollversammlung sollten nicht den Wert unserer
Unterstützung von Initiativen der Vereinten Nationen zur Wahrung des Friedens
oder von Initiativen bei den immer komplexeren technischen und sozialen Problemen - wie Luftverschmutzung, Gesundheitswesen, wirtschaftliche Entwicklung
und Bevölkerungswachstum - verdunkeln, vor die sich die Völkergeireinschaft der
Welt gestellt sieht.

Aber wir müssen die Welt wissen lassen, daß antiamerika-

nische Polemik kein Ersatz für eine gesunde Politik ist und daß die Vereinten
Nationen durch lautstarke Worte oder blasphemische Resolutionen wie die, die
Zionismus und Rassismus gleichsetzt, geschwächt werden.
Eine
- 17 -

�Eine demokratische Administration sollte einen fairen und umfassenden Seerechtsvertrag anstreben, der ausgewogen den Interessen der Industriestaaten
und der Entwicklungsländer dient.

Europa
Die Länder Westeuropas sind zusammen mit Japan unsere engsten Verbündeten.
Abgesehen von unseren nächsten Nachbarn in dieser Hemisphäre sind dies die Gebiete, in denen unsere Interessen am stärksten mit denen anderer Länder verflochten sind.

Gleichzeitig lassen die wachsende wirtschaftliche und politische

Stärke Europas und Japans aber auch Gebiete des Konflikts und der Spannung in
den Beziehungen aufkommen, die beide Seiten eng und gesund halten müssen.
Bei den großen wirtschaftlichen Fragen - Handel, Energie, Beschäftigung,
internationale Finanzen, Ressourcen - müssen wir mit den Europäern und Japanern
sowie anderen Ländern im Hinblick auf unser langfristiges beiderseitiges Interesse an Stabilität und Wachstum sowie der wirtschaftlichen Entwicklung der ärmeren Länder zusammenarbeiten.
Die militärische Sicherheit Europas ist von grundlegender Bedeutung für
unsere eigene Sicherheit.

Aus diesem Grunde bleibt die NATO auch weiterhin

eine lebenswichtige Verpflichtung.

'-Mr sollten in Europa weiterhin einen

amerikanischen Beitrag zu den NATO-Streitkräften leisten, so daß diese ausreichen, um vor einem Angriff abzuschrecken oder einen solchen abzuschlagen,
ohne daß vorzeitig zu nuklearen Waffen gegriffen werden müßte.

Dies schließt

keineswegs mäßige Reduzierungen der Truppenstärken aus, soweit solche durch
eine größeren Schlagkraft möglich gemacht werden, und es erfordert unbedingt
eine grundlegende Reform und Überprüfung der Streitkräfte, Planungen und Dislozierungen der NATO.

Wir ermutigen unsere europäischen Verbündeten, ihren Anteil

an den Beiträgen zur NATO-Verteidigung zu erhöhen, sowohl an Truppen als auch
an Ausrüstungsmaterial.

Durch beiderseitige Abkommen oder durch Modernisie- 18 -

�Modernisierung ließen sich die vielen Tausend taktischen Nuklearwaffen in
Europa reduzieren, so daß Geld und Truppen eingespart und unsere eigene wie
auch die internationale Sicherheit erhöht werden.
Europa sieht sich gleich der übrigen Welt einer beträchtlichen politischen Herausforderung gegenüber. Wir können diesen Prozeß nicht kontrollieren. Wir können jedoch öffentlich bekanntgeben, daß wir Entwicklungen
den Vorzug geben, die im Einklang mit unseren Interessen und Prinzipien stehen. Im besonderen sollten wir die schnellstmögliche Ausweitung stabiler
demokratischer Institutionen in Spanien und ein Fortschreiten auf dem Wege
zur Demokratie in Portugal und Griechenland fördern, die sich einer autoritären Machtübernahme von links oder von rechts widersetzen. Wir können unsere Auffassung zu den Risiken und Gefahren einer Beteiligung der Kommunisten
an westeuropäischen Regierungen klarmachen, und gleichzeitig klarstellen, daß
wir auf einem weiten Gebiet nichtmilitärischer Fragen mit jeder legal konstituierten Regierung zusammenarbeiten werden, die bereit ist, uns gegenüber genauso zu handeln. Wir müssen ferner unsere Unterstützung einer ständigen Ausweitung und eines weiteren Zusammenschlusses der Institutionen der Europäischen
Gemeinschaft erneut bekräftigen.
Die Stimme der Vereinigten Staaten sollte in Nordirland gehört werden.
Sie richtet sich gegen Gewalt und Terror und gegen die Diskriminierung, Unterdrückung und Enteignung, die zu diesem Bürgerkrieg geführt haben, und sie tritt
für die Bemühungen der Parteien um eine friedliche Lösung für die Zukunft Nordirlands ein. Einschlägige Bündnisse wie die NATO und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen müssen über das Interesse der Vereinigten
Staaten an der Position Irlands in der internationalen Völkergemeinschaft
klar und deutlich unterrichtet sein.
Wir müssen alles in unseren Kräften stehende tun, um im Einklang mit unserem Interesse an einer starken NATO in Südeuropa und der Stabilität im östlichen Mittelmeer eine faire Lösung des Zypernproblems zu fördern, das weiterhin Menschenleben fordert.
Naher
- 19 -

�Naher Osten
Wir werden uns weiterhin um einen gerechten und dauerhaften Frieden im
Nahen Osten bemühen.

Der Grundstein unserer Politik ist ein festes Bekennt-

nis zur Unabhängigkeit und Sicherheit des Staates Israel.

Diese besondere

Beziehung präjudiziert keineswegs bessere Beziehungen zu den übrigen Nationen
dieses Gebietes.

Ein wirklicher Friede im Nahen Osten wird es Israel und

seinen arabischen Nachbarn gestatten, ihre ganze Kraft der inneren Entwicklung
zuzuwenden, und wird die Gefahr eines weltweiten Konflikts beseitigen, der sich
aus den Spannungen dort entzündet.
Der Nahostkonflikt ist kompliziert, und ein realistisches, pragmatisches
Vorgehen ist notwendig ...

Asien
Wir bleiben eine pazifische Macht mit wichtigen Interessen und Zielen
in diesem Gebiet.

Aber der Vietnam-Krieg hat uns gezeigt, wie töricht es

ist, sich auf ein militärisches Engagement dort einzulassen, wo es nicht um
unsere lebenswichtigen Interessen geht.
Freundschaft und Zusammenarbeit bilden den Eckstein unserer Interessen
und Politik in bezug auf Asien.

Unser Eintreten für die Sicherheit Japans

ist entscheidend für unsere eigene Sicherheit und eine wichtige Voraussetzung
dafür, daß dieses Land eine konstruktive und friedliche Rolle in dem künftigen
Asien spielen kann ...
Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung für die Sicherheit der Republik Korea - sowohl an sich als auch als Schlüssel für die Sicherheit Japans.
Wir können jedoch auf vorsichtiger und sorgfältig geplanter Basis die amerikanischen Landstreitkräfte redislozieren und allmählich zurücknehmen und können
- 20 -

�können die jetzt in Korea stationierten Kernwaffen abziehen, ohne diese Unterstützung zu gefährden, solange unsere taktischen Luft- und Seestreitkräfte
in diesem Gebiet stark bleiben.

Unsere anhaltende Entschlossenheit in diesem

Raum sollte nicht mißverstanden werden.

Wir bedauern jedoch die Verweigerung

der Menschenrechte in der Republik Korea, genauso wie wir die brutalen und
aggressiven Handlungen des Regimes in Nordkorea bedauern ...
Die Verbesserung der Beziehungen zu China in jüngster Zeit, die die Unterstützung beider großen politischen Parteien erhalten hatte, entspringt der erfreulichen Erkenntnis, daß es nur wenige Gebiete gibt, auf denen unsere Interessen mit denen Chinas aufeinanderprallen. Unsere Beziehungen zu China sollten
auf friedlichem Wege weiterentwickelt werden; dies schließt auch baldige
Schritte in Richtung auf eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen
im Zusammenhang mit einer friedlichen Lösung für die Zukunft Formosas ein ...

Lateinamerika
Wir sind uns der fundamentalen Bedeutung enger Beziehungen und der Verminderung der wirtschaftlichen Spannungen mit unseren kanadischen und mexikanischen Nachbarn bewußt.
In den letzten acht Jahren haben sich unsere Beziehungen zu Lateinamerika
verschlechtert, wobei man auf hoher Ebene indifferent blieb, die dominierende
Stellung der Militärs in den lateinamerikanischen Regierungen zunahm und die
starke amerikanische Einmischung in die Innenpolitik Chiles und anderer Länder
sichtbar wurde. Die Prinzipien einer Politik der guten Nachbarschaft und die
Allianz für den Fortschritt, in der wir uns zur Zusammenarbeit mit den Ländern der beiden Amerikas als Gleichberechtigte verpflichtet haben, sind auch
heute noch gültig, scheinen jedoch von der gegenwärtigen Regierung vergessen
worden zu sein.
Die
- 21 -

�&lt;

Die USA sollten auf den Gebieten des Handels, der Hilfe und der Investitionen eine Politik einschlagen, die auch Rohstoffabkommen und ein geeignetes
System von Handelspräferenzen einschließt...

+ + + + +

- 22

�a m e r i k a dienst
United
53

States

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17/1976

AUSZÜGE AUS DEM WAHLPROGRAMM DER REPUBLIKANISCHEN PARTEI
- Internationale Beziehungen und Verteidigung -

Allgemeines
Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten definiert die Beziehungen, die
wir zur ganzen Welt, zu Freunden und Gegnern, anstreben. Unsere Politik muß
fest im Grundsatz verwurzelt sein und muß unsere Ziele klar zum Ausdruck
bringen. Unsere Grundsätze dürfen nicht nach vergänglichen Regungen ausgerichtet sein, sondern sie müssen wahr, stark,,folgerichtig und dauerhaft sein.
Wir treten für eine realistische und grundsatztreue Außenpolitik ein,
die auf die Erfordernisse der Nation für die kommenden Jahre ausgerichtet ist.
Die Politik, die wir verfolgen, bedarf eines informierten Konsensus; die Grundlage dieses Konsensus wird das amerikanische Volk sein, dessen höchster Wunsch
ist, in Freiheit und Frieden und sicher vor Krieg oder Kriegsdrohung zu leben.
Die Vereinigten Staaten sind eine Weltmacht mit weltweiten Interessen
und Verantwortlichkeiten. Wir treten für die Fortsetzung der Bemühungen um
eine Neubelebung unserer traditionellen Bündnisse und die Aufrechterhaltung
enger Konsultationen mit unseren Freunden ein. Internationale Zusammenarbeit
und Kollaboration sind notwendig, denn wir können weder unsere wichtigsten
Ziele noch unsere eigene Sicherheit in jener Art von "splendid Isolation" erreichen, die von so vielen lauten Stimmen gefordert wird.
Das
- 1-

�Das bedauerliche Auftreten des Neoisolationismus, wie er im Kongreß und
anderswo zum Ausdruck kommt, ist nach unserer Überzeugung einer gesunden
Außenpolitik abträglich.
Die Zweige der Regierung können und müssen zusammenarbeiten.
die notwendige Voraussetzung für eine gesunde Außenpolitik.

Das ist

Wir bedauern das

unbesonnene Eindringen eines Zweiges in die klaren verfassungsmäßigen Vorrechte eines anderen.

Mit so vielen Herausforderungen und Krisen konfrontiert,

müssen die Vereinigten Staaten wieder mit einer Stimme sprechen, vereint im
Geist und im Handeln.

Wir lehnen parteipolitische und ideologische Streitig-

keiten zwischen den Parteien ab und fordern die Demokratische Partei auf, mit
uns zusammen die Grundlagen für einen echten überparteilichen Geist zu schaffen.
Wollen wir doch mit einer Stimme für dieses Land sprechen, damit unsere Politik
von unseren Verbündeten und unseren potentiellen Gegnern nicht mißverstanden
wird.
Eine wirksame Politik muß auf Zusagen beruhen, die verstanden und befürwortet werden, und sie muß nach Prioritäten definiert werden.

So wie sich

die Welt in dynamischer Weise verändert hat, so haben sich auch unsere Prioritäten und Ziele geändert und unsere Methoden der Diskussion dieser Ziele.

Als

wir vor acht Jahren die Exekutive übernahmen, fanden wir den Apparat der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik in Scherben.

Die Praxis bei Krisen war

eine Reaktion in letzter Minute.
Der Nationale Sicherheitsrat, unter Präsident Eisenhower so wirksam,
wurde praktisch nicht mehr benutzt.

Als erster wichtiger Schritt wurde der

Apparat des Nationalen Sicherheitsrats gestrafft, um mit den Problemen des
Augenblicks und der langfristigen Planung fertig werden zu können.

Die Wieder-

herstellung dieses Prozesses erlaubt wieder eine ausführliche Erörterung aller
Optionen, unter denen ein Präsident wählen muß.

Ganz anders als bei der Unter-

drückung der internen Debatte und der anderen Meinung, wie dies in der Vergangenheit praktiziert wurde, lädt die republikanische Führung heute zur Beurteillung komplexer Fragen in einem geordneten Entscheidungsprozeß ein und fördert
- 2 -

�fördert diesen Prozeß.
Die republikanische Führung hat auch Schritte unternommen, um umfassend
über ihre Außenpolitik und die Ziele der nationalen Sicherheit zu berichten.
Eine jährliche "Botschaft über die Lage der Welt" zur Stärkung der Kommunikation mit dem Volk und dem Kongreß ist zu einer ständigen Praxis des Präsidenten geworden.
Ein starkes und wirksames Programm weltweiter öffentlicher Diplomatie
ist eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Außenpolitik.

Im Zeit-

alter der unmittelbaren Unterrichtungsmöglichkeiten ist die Welt unendlich und
endgültig kleiner geworden, und wir müssen über die Fähigkeit verfügen, uns der
Welt mitzuteilen - zu informieren, zu erläutern und uns vor ungewollten oder
gewollten Verzerrungen der amerikanischen Politik zu schützen.
Die Interdependenz ist zu einem Faktum des internationalen Lebens geworden und stellt unsere Maßnahmen und unsere Politik in einen Zusammenhang mit
den Maßnahmen und der Politik der ganzen Welt.

Die Vereinigten Staaten sollten

anderen Nationen die Hand reichen, um diese Interdependenz zu bereichern.

Die

republikanische Führung hat demonstriert, daß die Anerkennung der Bindungen an
unsere Freunde in schöpferischer Weise unseren beiderseitigen Interessen dient
und die Chancen des Weltfriedens fördert.

Moral in der Außenpolitik
Das Ziel der republikanischen Außenpolitik ist die Erreichung von Freiheit unter dem Recht sowie ein gerechter und dauerhafter Frieden in der Welt.
Die Grundsätze, die uns leiten, um den Frieden zu erreichen und die Interessen
der Vereinigten Staaten zu schützen, müssen Ausdruck des wiederhergestellten
Vertrauens unseres Volkes sein.
Wir

�Wir begrüßen und würdigen jenes leuchtende Beispiel menschlichen Mutes
und menschlicher Moral, Alexander Solschenizyn, wegen seiner überzeugenden
Botschaft, daß wir die Welt ohne Illusionen hinsichtlich der Natur der Tyrannei sehen müssen.

Wir werden eine Außenpolitik verfolgen, die sich dies

ständig vor Augen hält.
Wir werden eine Außenpolitik verfolgen, die der Tatsache Rechnung trägt,
daß wir bei internationalen Verhandlungen keine unangebrachten Konzessionen
machen;

daß wir bei dem Streben nach Entspannung keine einseitigen Vorteile

nur in der Hoffnung gewähren, dafür zukünftige Vorteile zu erlangen.
Abkommen, die ausgehandelt werden - wie das in Helsinki unterzeichnete dürfen nicht denen, die keine Freiheit haben, die Hoffnung nehmen, diese eines
Tages zu gewinnen.
Und schließlich sind wir fest einer Außenpolitik verpflichtet, in der
geheime Abkommen, die unserem Volk vorenthalten werden, keinen Platz haben.
Ehrlich, offen und mit fester Oberzeugung werden wir als geeintes Volk
unseren Weg gehen, um einen dauerhaften Frieden in der Welt zu schaffen, der
sich auf unseren tiefen Glauben an die Menschenrechte, auf die Herrschaft
des Rechts sowie auf die lenkende Hand Gottes stützt.

Nationale Verteidigung
Eine erstklassige nationale Verteidigung ist die fundamentale Voraussetzung für ein sicheres Amerika sowie für Frieden und Freiheit in der Welt.
Militärische Stärke bietet den Weg zum Frieden.

Eine gesunde Außenpolitik muß

auf einer erstklassigen Verteidigungskapazität fußen, und beide müssen als
eine Abschreckung vor Aggression und als Mittel zur Unterstützung unserer nationalen Interessen angesehen werden.
Das

�Das amerikanische Volk erwartet, daß seine Führer eine nationale Verteidigungsposition garantieren, die keiner anderen unterlegen ist.

Es weiß,

daß die Pläne für unsere nationale Sicherheit ein gemeinsames Unterfangen
des Präsidenten und des Kongresses sein müssen.
des Parteienstreits sein.

Dies kann nicht Gegenstand

Und dies sollte auch nicht zum Spielball innenpo-

litischen und parteipolitischen Abenteurertums gemacht werden.
Eine Minimalgarantie zur Wahrung der Freiheit und zum Schutz vor Erpressung und Drohung erfordert - angesichts einer wachsenden sowjetischen
Militärmacht - eine Periode des anhaltenden Wachstums in unseren Verteidigungsanstrengungen. In konstanten Dollar ausgedrückt wird das gegenwärtige Verteidigungsbudget nur dem Verteidigungshaushalt von 1964 entsprechen - ein
Jahr, bevor eine demokratische Administration Amerika so tief in den Vietnamkrieg verwickelte. Im Jahre 1975 überstiegen die sowjetischen Verteidigungsprogramme die unsrigen an Investitionen um 85 Prozent, an Operationskosten um
25 Prozent und an Forschung und Entwicklung um 66 Prozent. Worum es geht, ist,
ob unsere Streitkräfte den zukünftigen Herausforderungen gewachsen sein werden.
Wir sagen, sie müssen es sein.
Für jeden für die Verteidigung ausgegebenen Dollar müssen wir ein Maximum
an Wert herausholen.

Zusammen mit der Aufhebung der Wehrpflicht und der

Schaffung einer Berufsstreitmacht aus Freiwilligen - unter einem republikanischen Präsidenten - haben wir den Personalbestand bei Versorgungseinheiten
reduziert, ohne daß dadurch unsere Grundposition beeinträchtigt wurde.
sind heute weniger Amerikaner in Uniform als im Herbst 1950.

Es

Wesentliche Ein-

sparungen wurden bei der Waffenbeschaffung gemacht, und wir werden weiterhin
im Hinblick auf unsere Verteidigungsgelder vorsichtig verfahren.
Unsere nationalen Verteidigungsanstrengungen werden weiterhin die Fortsetzung unseres wichtigen Modernisierungsprogramms für unsere strategischen
Raketen- und Bomberstreitkräfte, die Entwicklung einer neuen ballistischen
Interkontinentalrakete sowie einer neuen mit Raketen ausgerüsteten Unterseebootstreitmacht und eines modernen Bombers - B-l - einschließen, der in der

�der Lage ist, auch die modernste Luftverteidigung der achtziger Jahre zu
durchdringen.

Diese Elemente werden eine Abschreckung allererster Ordnung

darstellen.
Wir werden unsere Armee auf 16 Divisionen erhöhen, unsere Programme
für die Produktion neuer Panzer und anderer gepanzerter Fahrzeuge verstärken
und die Entwicklung neuer höchst zielgenauer Präzisionswaffen unterstützen.
Unsere Marine, der Garant der Freiheit der Meere, muß sich auf ein wesentliches Schiffsbauprogramm stützen können, wobei ein angemessenes Gleichgewicht
zwischen nuklearen und nicht-nuklearen Schiffen bestehen muß.

Die Zusammen-

setzung der Flotte muß auf einer realistischen Bewertung der Drohung beruhen,
der wir uns gegenübersehen, und muß sicherstellen, daß kein

Gegner die Über-

legenheit zur See gewinnt.
Ein wichtiges Modernisierungsprogramm für unsere taktischen Luftstreitkräfte ist in Angriff genommen worden.

Wir werden neue Jagd- und Auffang-

flugzeuge für die Luftstreitkräfte, die Marine und die Marineinfanterie benötigen.

Als notwendige Komponente unserer langfristigen Strategie werden

wir in zeitlich angemessener Weise den B-1-Bomber produzieren und dislozieren, was uns in den Stand setzt, die Überlegenheit in der Luft zu behalten.
Unsere Investitionen in die militärische Forschung und Entwicklung sind
von großer Bedeutung für unsere zukünftige Verteidigungskapazität.
nicht die entscheidende Schwungkraft einbüßen.

Wir dürfen

Bei der zunehmenden Kompliziertheit der Waffen betragen die Anlaufzeiten
für Waffensysteme oft ein Jahrzehnt, was sorgfältige Planung und kluge finanzielle Entscheidungen erforderlich macht.

Ein herausragendes Beispiel dieses

Prozesses ist die Entwicklung und Dislozierung der Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk (Cruise Missile), die auf Grund modernster Leitsysteme eine hundertprozentige Präzision bieten und außerdem als Waffe überaus wirtschaftlich herzustellen ist.
Programme

�Programme zur Unterstützung der Sicherheit unserer Verbündeten sind für
diese wichtig, und wir werden auch in Zukunft deren Anstrengungen zur Selbstverteidigung fördern.

Die Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Kapazität kann

dazu beitragen, daß das Gleichgewicht in der Welt sich nicht zu unseren Ungunsten verändert, und kann außerdem dazu dienen, daß die Möglichkeiten für
eine direkte Verwicklung der USA in fernliegende Konflikte verringert werden.
Als entscheidend wichtige Komponente unserer gesamten nationalen Sicherheitsposition müssen die Vereinigten Staaten über das beste Geheimdienstsystem
in der Welt verfügen. Die Effektivität unseres Geheimdienstsystems muß in
Übereinstimmung mit den von Präsident Ford eingeführten Reformen wiederhergestellt werden. Wir befürworten die Einführung einer unabhängigen Überwachungsfunktion seitens des Kongresses und werden uns allen parteipolitischen Bemühungen widersetzen, irgendeinen Teil unseres Geheimdienstsystems zu einem politischen Zankapfel zu machen. Wir werden jede Vorsichtsmaßnahme ergreifen,
um den Zusammenbruch der Sicherheitskontrollen bei sensitiven Geheimdienstinformationen zu verhindern, wodurch das Leben amerikanischer Regierungsvertreter im Ausland gefährdet oder die Fähigkeit des Präsidenten beeinträchtigt
werden könnte, unverzüglich zu handeln, wenn immer legitime außenpolitische
oder verteidigungspolitische Erfordernisse dies notwendig machen.

Die NATO und Europa
Die Grundlage einer stabilen und sicheren Welt ist die Aufrechterhaltung
unserer Bündnisse.

Die Organisation des Nordatlantikvertrages (NATO), die

fast dreißig Jahre besteht, ist weiterhin gesund und lebensfähig.
Die Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheit durch eine totalitäre
Macht, die auf Expansion ausgerichtet ist, hat 15 Nationen zusammengebracht.
Der Ausdruck unseres kollektiven Widerstandswillens führte zur Schaffung und
Aufrechterhaltung einer militärischen Abschreckung, die trotz aller gelegent•

- 7 -

�gelegentlichen Belastungen unseren lebenswichtigen Interessen sehr gut gedient hat.

Die Bedrohung dauert heute weiter an.

Es ist uns gelungen, unsere Zusammenarbeit in der NATO auszuweiten, und
wir haben kühne neue Schritte in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit unseren Partnern unternommen.

Angesichts einer ernsten Krise nach dem uns auf-

erlegten ölboykott haben wir bewiesen, daß es möglich ist, unser gemeinsames
Handeln mit anderen NATO-Partnern zu koordinieren.
Die wirtschaftliche Stärke Westeuropas ist bis zu dem Punkt gewachsen,
an dem unsere NATO-Partner jetzt einen größeren Anteil an der gemeinsamen Verteidigung übernehmen können.

Auf unser Drängen hin demonstrieren unsere Ver-

bündeten eine größere Bereitschaft, entsprechend zu handeln.

Es ist nicht an

der Zeit, eine einseitige Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa
zu empfehlen; wir werden jedoch eine ausgewogene Verringerung der Streitkräfte
in West- und in Osteuropa weiterhin anstreben; und zwar auf der Basis von Abkommen, die die Sicherheit des Bündnisses nicht in Frage stellen.
Zusammen mit unseren Bündnispartnern treten wir nachdrücklich für eine
starke NATO-Verteidigung auf der Basis der amerikanischen militärischen Präsenz ein, die lebenswichtig ist für die Verteidigung Westeuropas.
Einige unserer NATO-Verbündeten haben rasche und dynamische Veränderungen
erlebt.

Wir sind durch die Entwicklung auf der Iberischen Halbinsel ermutigt,

wo Portugal und Spanien heute mit einer vielversprechenden Zukunft rechnen
dürfen.

Wir sollten bald die Aufnahme Spaniens in die NATO überlegen.

Auf der anderen Seite würden wir mit Besorgnis jede politische Entwicklung
anderswo in Europa betrachten, die die Interessen der NATO aus dem Gleichgewicht
bringen würden.

Der Demokratie und der Freiheit wird am besten gedient, indem

wir sicherstellen, daß jene fundamentalen Rechte gewahrt bleiben und auf künftige Generationen ausgedehnt werden, die sich für die Freiheit entscheiden.
Das

�Das schwierige Zypern-Problem, das unsere Freunde Griechenland und die
Türkei trennt, sollte angepackt und von diesen beiden Ländern gelöst werden.
Die Ostflanke der NATO erfordert die Wiederherstellung der Zusammenarbeit
dort und schließlich wieder freundschaftliche Beziehungen zwischen diesen
beiden Ländern.
Die republikanische Führung hat die guten Beziehungen dieses Landes zu
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in einer Zeit wachsender Konkurrenz
und möglicher Störungen gestärkt. Wir werden die ausgezeichneten Beziehungen
zur EWG aufrechterhalten und weiter ausbauen.
Letztlich wird das NATO-Bündnis so wirksam sein wie der Wille und die
Entschlossenheit der USA wie auch der Verbündeten, es zu unterstützen. Die
Funktion der kollektiven Sicherheit ist die Abschreckung vor einem Krieg und,
wenn notwendig, die Kriege zu führen und zu gewinnen, die nicht verhütet werden konnten. Unsere Wachsamkeit ist besonders in Perioden des Nachlassens
der Spannungen mit unseren Gegnern erforderlich, weil wir es uns nicht erlauben können, Worte und Versprechungen für Taten zu nehmen. Wir sind entschlossen, daß das NATO-Bündnis nicht in ein falsches Gefühl der Sicherheit gewiegt
werden darf. Es kann und muß entschlossen handeln, wenn es gefordert wird ...

Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Die amerikanische Außenpolitik muß auf einer realistischen Bewertung der
kommunistischen Bedrohung in der Welt fußen.

Es liegt auf der Hand, daß der

Bereich der Freiheit überall auf der Welt angesichts der kommunistischen Bedrohung auch weiterhin schrumpfen wird.

Seit 1917 arbeitete der totalitäre

Kommunismus mit dem Mittel der rohen Gewalt - nicht mit dem Mittel freier
Wahlen -, um einen ständig wachsenden wesentlichen Teil der Landmasse und der
Völker der Welt unter seine Herrschaft zu bringen.

So sind beispielsweise

erst kürzlich Südvietnam, Kambodscha und Laos unter die Kontrolle kommuni- 9 -

�kommunistischer Diktaturen gefallen, und in jenem Teil der Welt verstärkt
sich der kommunistische Druck gegen Thailand, die Republik China und die Republik Korea.

In Afrika haben kommunistische kubanische Truppen, ganz offen

unterstützt durch die Sowjetunion, erst kürzlich dem Volk von Angola eine
kommunistische Diktatur aufgezwungen.

Andere Länder in Afrika und in der

ganzen Welt erwartet ein ähnliches Schicksal - das sind die Realitäten der
Macht in der Welt in unserer Zeit.

Wenn die Außenpolitik der Vereinigten

Staaten von diesen Realitäten ausgeht, dann ist das ganz und gar gerechtfertigt.
Vor 30 Jahren befanden sich die Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in einer Phase großer Schwierigkeiten, was zu
den Spannungen der Zeit des Kalten Krieges führte.

Obwohl es Veränderungen

in dieser entscheidend wichtigen Beziehung der Großmächte gegeben hat, bestehen weiterhin fundamentale und tiefgehende Differenzen zwischen uns.
Republikanische Präsidenten haben bei aller Erkenntnis der Tiefe der
Kluft, die unsere freie Gesellschaft von der sowjetischen Gesellschaft trennt,
methodisch versucht, die Gebiete unserer Beziehungen herauszufinden und zu
entwickeln, die dazu beitragen könnten, die Spannungen zu mildern und die Möglichkeiten eines unerwünschten Konfliktes zu verringern.
In einer Welt, die bedrängt wird durch unzählige Möglichkeiten für Unstimmigkeiten und bewaffnete Konflikte, ist die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von entscheidender Bedeutung;
ruhen die Hoffnungen der Welt auf Frieden.

auf ihr

Wir bieten eine Politik an, die

unsere fundamentale Stärke wahrt und unsere feste Entschlossenheit demonstriert, einen aggressiven Einsatz der sowjetischen Macht zu verhindern.
Die Rolle eines verantwortungsbewußten, mitarbeitenden Kongresses bei
der Wahrung dieser diplomatischen und militärischen Position ist entscheidend
wichtig für den Erfolg.

Die Vereinigten Staaten müssen ein loyaler und ver-

läßlicher Verbündeter bleiben und sie müssen bereit sein, den Willen zum Han- 10 -

�Handeln zu zeigen und zu beweisen.

Es kann nicht angehen, daß der Wider-

stand gegen eine offene Aggression wie im Falle der von sowjetischer Seite
unterstützten Intervention Kubas in Angola zum Gegenstand parteipolitischer
Debatten wird, und es kann auch nicht angehen, daß so etwas zu einem unwidersprochenen und etablierten Muster internationalen Verhaltens wird, wenn unsere Glaubwürdigkeit und unsere Abschreckungsstärke nicht entscheidend vermindert werden sollen.
Die sowjetische Militärmacht ist in den letzten Jahren rapide gewachsen;
und wenn wir auch ein militärisches Ungleichgewicht oder eine plötzliche Verschiebung des globalen Machtgleichgewichts verhindern werden, so werden wir
jedoch auch sorgfältig mit der Sowjetunion neue Wege sondieren, um die Spannungen abzubauen und zu beiderseitig nützlichen und durchsetzbaren Abkommen
auf allen Gebieten der internationalen Aktivität zu gelangen. Wichtige Schritte
sind bereits ergriffen worden, um die strategische Nuklearrüstung zu begrenzen.
Das übereinkommen von Wladiwostok vom November 1974 legte eine Begrenzung der
strategischen Streitkräfte sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion fest.
Weitere Rüstungskontroll Verhandlungen dauern an.
den Preis werden wir nicht zustimmen.

Einem Abkommen um je-

Im Gegenteil, wir werden sicherstellen,

daß jedes Abkommen auch fundamentalen Nutzen für unsere nationale Sicherheit
mit sich bringt.
Ein Beispiel für unser hartes Verhandeln ist unser Erfolg beim Abschluß
von Abkommen zur Begrenzung der Stärke von unterirdischen Nuklearversuchen, der
wird es den Vereinigten Staaten zum ersten Male gestatten wird,Inspektionen in der
Sowjetunion an Ort und Stelle durchzuführen.
nach praktischen Maßstäben bewertet werden.

Dieser wichtige Schritt kann nun
Alle derartigen Abkommen müssen

die Bewährungsprobe der Verifizierung bestehen.

Ein Abkommen, daß diese Si-

cherung nicht bietet, ist schlechter als überhaupt kein Abkommen.
Wir
- 11 -

�Wir unterstützen die Konsolidierung gemeinsamer Anstrengungen mit unseren Verbündeten, die sicherstellen sollen, daß unsere Politiken hinsichtlich der Weitergabe von Technologie an die Sowjetunion und ihre Verbündeten
in Einklang miteinander stehen und daß Konsultationen geführt werden, um den
Verkauf solcher Technologie-intensiver Produkte an die Sowjetunion seitens
der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten zu verhindern, die direkt oder
indirekt unsere nationale Sicherheit gefährden.

Unser Handel auf nichtstrate-

gischen Gebieten schafft Arbeitsplätze hier in den USA, verbessert wesentlich
unsere Zahlungsbilanz-Position und kann zu einer Verbesserung des politischen
Klimas in der Welt beitragen.

Der Verkauf unserer Agrarprodukte nach Übersee

nützt den amerikanischen Farmern und Verbrauchern.

Zum Schutz vor jeder plötz-

lichen Änderung des einheimischen Preisgefüges als Folge unangekündigter Käufe
haben wir strikte Meldeverfahren sowie andere vertragliche Sicherungen geschaffen.

Wir werden keine Gefälligkeitsverkäufe landwirtschaftlicher Erzeugnisse

an die Sowjetunion zulassen, wie wir auch nicht zulassen werden, daß die
Sowjetunion oder andere durch irreguläre oder nicht voraussehbare Verkäufe
Einfluß auf unsere Agrarexporte nehmen.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stehen weiterhin in einem ideologischen Wettstreit.

Wir schrecken vor einer solchen Herausforderung nicht

zurück; im Gegenteil, wir begrüßen die Möglichkeit,zu demonstrieren, daß unsere Lebensform von ihrer Natur her einer Reglementierung und einer von Regierungsseite aufgezwungenen Orthodoxie vorzuziehen ist.

Wir erwarten von der

Sowjetunion, daß sie die Menschenrechts-Deklaration der Vereinten Nationen sowie die Abkommen von Helsinki verwirklicht, die die Bedingungen für den freien
Austausch von Informationen und das Recht auf Auswanderung garantieren, wobei
die Auswanderung sowjetischer Juden, Christen, Moslems und anderer, die zu nahen Verwandten im Ausland reisen wollen, eingeschlossen ist.
In diesem Geist erwarten wir die Beendigung aller Formen von Behinderung,
einschließlich der Inhaftierung oder der Einberufung zum Militärdienst, die
darauf abzielen, eine Auswanderung zu verhindern.

Amerika muß eine feste Hal-

tung einnehmen, um eine Liberalisierung der Auswanderungspolitik in Ländern zu
- 12 -

�7

zu erreichen, die eine freie Auswanderung beschränken oder verhindern.

Re-

gierungen, die sich des Vertrauens ihrer Bevölkerung erfreuen, brauchen keine
Angst vor kultureller, intellektueller oder Pressefreiheit zu haben.
Unsere Unterstützung für die Völker Mittel- und Osteuropas, Selbstbestimmung zu erreichen, wird auch in Zukunft anhalten.

Ihre Fähigkeit, über

ihre Zukunft selbst zu entscheiden, ist von großer Bedeutung für den Frieden
und die Stabilität.

Wir befürworten wachsende Kontakte zwischen Ost- und

Westeuropa und unterstützen die wachsenden wirtschaftlichen Bindungen aller
europäischen Länder.

Wir unterstützen mit Nachdruck die Fortsetzung der Sen-

dungen der Stimme Amerikas, von Radio Free Europe und Radio Liberty mit angemessenen Mitteln.

Unsere Beziehungen zur Sowjetunion müssen von dem Grundsatz

strikter Gegenseitigkeit beherrscht werden.

Wir bringen unsere Besorgnis um

die Sicherheit unserer diplomatischen Vertreter in der Sowjetunion zum Ausdruck,
und wir bestehen darauf, daß Praktiken wie die gegen die amerikanische Botschaft
gerichtete Mikrowellenbestrahlung unverzüglich eingestellt werden.
Unsere Beziehungen zur Sowjetunion werden also von festen Prinzipien geleitet werden.

Wir werden unsere strategischen und konventionellen Streitkräfte

aufrechterhalten; wir werden uns gegen die Dislozierung sowjetischer Macht zu
einseitigen Vorteilen oder zu politischer und territorialer Expansion wenden;
wir werden niemals eine Verschiebung des strategischen Gleichgewichts

zu un-

serem Nachteil dulden; und wir werden gegenüber jedem Druck fest bleiben, während wir gleichzeitig unsere Bereitschaft zum Ausdruck bringen, auf der Basis
strikter Gegenseitigkeit auf neue Abkommen hinzuwirken, die zur Erreichung von
Frieden und Stabilität beitragen.

Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen
Eine für die Zukunft Asiens und für die Welt bedeutsame Entwicklung trug
im Jahre 1972 ihre Früchte, als unsere Verbindungen mit der Volksrepublik China
- 13 -

�I

.-

China wiederhergestellt wurden.

Dieses Ereignis hat uns in den Stand gesetzt,

einen Dialog mit den Führern eines Viertels der Weltbevölkerung einzuleiten,
und es wurden Handelskanäle mit der Volksrepublik eröffnet, die für beide Seiten vorteilhaft sind.
Die Volksrepublik China kann und wird in weltpolitischen Fragen eine immer bedeutendere Rolle spielen.

Wir werden uns darum bemühen, daß sich die

Volksrepublik China an einem ständig weiter werdenden Netz von Kontakten und
Handelsbeziehungen beteiligt.

Ein solcher Prozeß kann sich realistischerweise

nicht in einem forcierten oder unvorsichtigen Tempo vollziehen; maßvolle, aber
ständige Weiterentwicklung unserer Beziehungen dient unseren Interessen am
besten.

Wir ignorieren keineswegs die profunden Unterschiede in unseren jewei-

ligen Auffassungen, Regierungseinrichtungen, Politiken und Ansichten über die
Freiheit des Einzelnen, und wir hoffen, daß die grundlegenden Menschenrechte
auf das chinesische Volk angewendet werden. Wirklich von Bedeutung ist, daß
wir reguläre Arbeitskanäle mit der Volksrepublik China eingerichtet haben und
daß dieser Vorgang einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden leisten kann.
Unsere freundlichen Beziehungen zu einer großen Macht sollten flicht als
Herausforderung irgendeiner anderen Nation ausgelegt werden, sei sie nun groß
oder klein. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die sich um eine Normalisierung der Beziehungen zu China bemüht hat, wird auch weiterhin die Freiheit
und Unabhängigkeit unseres Freundes und Verbündenten, der Republik China und
ihrer 16 Millionen Menschen, unterstützen. Die Vereinigten Staaten werden ihre
Verpflichtungen gegenüber der Republik China, wie den gegenseitigen Verteidigungsvertrag, erfüllen und einhalten.

Die Länder Amerikas
Die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu den Ländern Amerikas sind von
lebenswichtiger und unmittelbarer Bedeutung.
- 14 -

Die Frage, wie wir unsere Ange-

�Angelegenheiten mit unseren Nachbarn im Norden und Süden regeln, wird auch
weiterhin vorrangig sein.
In den letzten Jahren wurde unsere Aufmerksamkeit gelegentlich auf entfernter gelegene Teile der Welt gelenkt.

Es gibt keine vernünftige Alterna-

tive für enge Beziehungen und Verständigung unter den Nationen dieser Hemisphäre.
Es ist an der Zeit, daß wir eine Reihe neuer Initiativen in unseren Beziehungen zu Kanada ergreifen.
wie auch umgekehrt.

Kanada ist unser wichtigster Handelspartner

Wir als Amerikaner empfinden ein tiefes Gefühl der Ver-

wandtschaft für unsere kanadischen Freunde, und wir haben ein großes Interesse an der Entwicklung engerer Beziehungen, die auf gegenseitigem Verständnis
und völliger Gleichheit basieren ...
Der gegenwärtige Vertrag über den Panama-Kanal bestimmt, daß die Vereinigten Staaten in der Kanalzone Jurisdiktionsrechte haben, als "seien sie der
Souverän." Die Vereinigten Staaten strebten immer danach, daß der PanamaKanal als internationaler Wasserweg für die Schiffe aller Nationen erhalten
bleibt. Der sichere Zugang wird durch Beziehungen gefördert, die die Respektierung von Amerikanern und Panamesen verlangen und den Menschen beider Länder
zugute kommen. In den Gesprächen mit Panama sollen die amerikanischen Unterhändler jedoch in keiner Weise irgendwelche Rechte, Machtbefugnisse, Autorität,
Jurisdiktionsterritorien oder Eigentum abtreten, schwächen, aufgeben, vertraglich einschränken oder transferieren, die zum Schutz und zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und der gesamten westlichen Hemisphäre notwendig sind.
Wir bekräftigen unser Vertrauen in die Fähigkeit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die weiterhin ein wertvolles Instrument der inter-amerikanischen Konsultation bleibt.

Internationale
- 15 -

�I
Internationale Zusammenarbeit
Jahrzehntelang ist eine starke Unterstützung der internationalen Zusammenarbeit ein Kennzeichen der internationalen Politik der Vereinigten Staaten
gewesen.

Zwei republikanische Administrationen haben die Einrichtungen der

internationalen Zusammenarbeit nicht nur aus humanitärer Sorge für andere
unterstützt, sondern auch weil es den Interessen der Vereinigten Staaten dient,
ein gewissenhaftes Mitglied der Weltgemeinschaft zu sein.
Der politische Charakter der Vereinten Nationen ist kompliziert geworden.
Bei 144 souveränen Mitgliedern müssen sich die Vereinten Nationen mit Problemen
auseinandersetzen, die eine"so großen, manchmal schwerfälligen und nicht homogenen Körperschaft anhaften.

Wir sind bemüht, uns diesen Veränderungen im

Geiste freundlicher Anteilnahme anzupassen; wenn sich jedoch die Vereinten Nationen aus ideologischen oder anderen enggefaßten Gründen gegen die lebenswichtigen Interessen irgendeines ihrer Mitgliedstaaten stellen, dann sind die eigentlichen Grundsätze dieser Organisation gefährdet.

Die Vereinigten Staaten

wollen den Vereinten Nationen nichts diktieren, sie haben jedoch jedes Recht
zu erwarten und darauf zu bestehen, daß die Rechte aller Mitglieder auf das
sorgfältigste beachtet werden ...
Vor acht Jahren haben wir uns verpflichtet, Überschneidungen zu beseitigen
und die Auslandshilfeprogramme der Vereinigten Staaten auf einer mehr geschäftsmäßigen Basis durchzuführen.

Wir haben uns bemüht, diese Verpflichtungen zu

erfüllen.
Unsere Programme der wirtschaftlichen Unterstützung für das Ausland werden
jetzt in wirksamer Weise durchgeführt, wobei der Nachdruck darauf liegt, andern dabei zu helfen, sich selbst zu helfen: bei der Lebensmittel Produktion
und der landwirtschaftlichen Entwicklung, bei Gesundheitsprogrammen, einer gesunden Familienplanung und bei der Entwicklung menschlicher Ressourcen.
Wir
- 16 -

�Wir haben uns bemüht, andere - einschließlich der öl produzierenden Länder zu ermutigen, einen größeren Teil der Unterstützungslasten zu übernehmen.

Wir werden auch weiterhin bemüht sein, adäquate Finanzquellen für

wirtschaftliche Projekte in aufstrebenden Ländern sicherzustellen ...
Mit allem Nachdruck verurteilen wir illegale Zahlungen von Gesellschaften hier in den USA wie auch im Ausland.

Um illegale Zahlungen seitens

amerikanischer Gesellschaften zu Amtspersonen im Ausland auszuschließen,
unterstützen wir die Verabschiedung der von Präsident Ford vorgeschlagenen
Gesetzgebung und die OECD-Deklaration über Investitionen, die vernünftige
Leitlinien über das Verhalten der Wirtschaft beinhalten.
Die Ausweitung der zivilen Nukleartechnologie und die steigende Nachfrage
nach Kernenergie als Alternative zu den zunehmend kostspieliger werdenden
fossilen Brennstoffen machen es beide nötig, daß wir uns über die potentiellen
Gefahren klar werden, die mit solchen Entwicklungen verbunden sind.

Alle Na-

tionen müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß Abkommen und Verträge,
die sich mit der nuklearen Technologie und mit nuklearen Exporten befassen,
sorgfältig überwacht werden.

Wir werden neue multilaterale, den Export der

sensitiven Nukleartechnologie betreffende Richtlinien ausarbeiten.
Die sich überstürzenden Ereignisse der letzten Jahre in der Weltwirtschaft stellten enorme Anforderungen an unsere Kreativität und unsere Fähigkeit, der Führungsrolle nachzukommen.

Wir sind aus dieser schwierigen Pe-

riode mit einer neuen Position in der Welt hervorgegangen, und wir haben einen gesunden Wiederaufschwung eingeleitet und zustandegebracht.
Um die Beständigkeit unserer Prosperität sicherzustellen, müssen wir mit
anderen zusammenarbeiten und dabei unsere Führungsrolle sowie die Lebenskraft
unserer Wirtschaft unter Beweis stellen.

Zusammen mit den demokratischen In-

dustrienationen müssen wir ein beständiges, nichtinflationäres Wachstum sichern,
das auf einer sich erweiternden internationalen Zusammenarbeit basiert.

Die
- 17 -

�I

•&gt;

Die republikanische Administration wird in vollem Umfange mitwirken,
um das internationale Handels- und Währungssystem zu stärken, das die Grundlage bildet für unsere Prosperität und die aller Nationen.
Wir werden hart verhandeln, um die Schranken, die ein offenes Wirtschaftssystem behindern, zu beseitigen, und wir werden uns neuen Handeisrestriktionen
widersetzen.

Wir werden auch weiterhin bei den in Genf stattfindenden Handels-

gesprächen mit Nachdruck die wirtschaftlichen Interessen unserer Nation vertreten, vor Protektionismus auf der Hut sein und darauf bestehen, daß die Prinzipien eines fairen Handels sorgfältig beachtet werden.

Wenn Industrien und Ar-

beitsplätze durch ausländische Konkurrenz nachteilig betroffen sind, wird im
Rahmen des Handelsgesetzes von 1974 Anpassungsunterstützung gewährt.

Dieses

Gesetz muß ständig überprüft werden, um sicherzustellen, daß es den sich ändernden Verhältnissen gerecht wird.
Die Republikanische Partei ist der Überzeugung, daß eine Zusammenarbeit
auf dem Gebiete der Energie unerläßlich ist für die internationale Stabilität.
Die meisten demokratischen Industrieländer und Entwicklungsländer sind in zunehmendem Maße von importiertem öl abhängig, was sie politisch, wirtschaftlich
und strategisch verwundbar macht.

Durch die Schaffung der Internationalen

Energieagentur sind Schritte zur Ausweitung der Zusammenarbeit der Verbraucher
ergriffen worden.

Wir werden auch den Dialog mit den ölförderländern fort-

setzen.
Wir werden weiterhin eng mit den Entwicklungsländern zusammenarbeiten,
um ihr wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Diese Länder werden ermutigt
werden, in beiderseits nützliche Handelsbeziehungen mit uns einzutreten, die
zum Weltfrieden beitragen. Um dies zu erreichen, müssen wir das Vertrauen der
wichtigen Industrienationen bei Gesprächen mit den Entwicklungsländern stärken.
Es gibt keinen Grund für ein defensives Verhalten unsererseits; unsere gemeinsamen Aktiva können im Rahmen einer koordinierten Strategie eingesetzt werden,
um unseren Einfluß zur Geltung zu machen. Wir werden gegenüber Drohungen
oder einer Konfrontationspolitik nicht nachgeben.
Wenn
- 18 -

�\

Wenn wir auch verstärkte weltweite Investitionen in natürliche Hilfsquellen aller Art unterstützen, so werden wir doch die Ablösung des Mechanismus des freien Marktes durch Kartelle, Preisabsprachen oder Rohstoffabkommen
ablehnen.

Wir werden weiterhin eine Politik verfolgen, die den Verbrauchern

in freien Marktwirtschaften im Ausland garantiert, daß die Vereinigten Staaten
auch in Zukunft ein verläßlicher Lieferant landwirtschaftlicher Produkte bleiben.

Zusammenfassung
Das amerikanische Volk kann stolz sein auf die außenpolitischen Leistungen
unserer Nation während der vergangenen acht Jahre.
sind stark.

Wir leben in Frieden.

Wir

Wir bekräftigen die Bedeutung unserer Bindungen zu den Nationen

des amerikanischen Kontinents.

Unsere Beziehungen zu den Verbündeten in der

Atlantischen Gemeinschaft und zu Japan waren niemals zuvor enger.

Auf dem Wege

zu einer gerechten und dauerhaften Lösung im Nahen Osten sind bedeutsame Fortschritte erzielt worden.

Wir haben Verhandlungen und keine Konfrontation mit

unseren Gegnern angestrebt, während wir gleichzeitig unsere strategische Abschreckungsstärke gewahrt haben.

Der Aufschwung der Weltwirtschaft, angeführt

durch die Vereinigten Staaten, ermöglicht die Rückkehr zu wirtschaftlichem
Wachstum.
In diesem Jahr, da unsere Nation ihr 200jähriges Bestehen feiert, hat
das amerikanische Volk Vertrauen zu sich selbst und ist optimistisch hinsichtlich der Zukunft.

Wir, die Republikanische Partei, legen Ihnen mit Stolz un-

sere Bilanz und unser Wahlprogramm vor.

+ + + + +

-19 -

�amerika dienst
States I n f o r m a t i o n Service
53

Bonn-Bad

Tel:

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

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KEINE CHANCE FÜR SPLITTERPARTEIEN

- (AD) - Fast bei jeder Wahl in den Vereinigten Staaten haben neben der
Demokratischen Partei und der Republikanischen Partei auch andere, kleinere
Parteien Präsidentschaftskandidaten aufgestellt.

Seit 1860 brachten es diese

Parteien jedoch nur mit vier Ausnahmen auf zusammen mehr als zehn Prozent
der insgesamt abgegebenen Stimmen.

Generell kann man daher von einem Zwei-

parteiensystem sprechen.
Die Minderheitsparteien, oder sogenannten "Dritten Parteien",lassen sich
in zwei Kategorien einteilen.

Einmal gibt es die ideologisch gebundenen Par-

teien, die, offensichtlich mit geringem Erfolg, versuchen,die Öffentlichkeit
für ihre jeweilige Doktrin zu gewinnen.

Zu dieser Gruppe gehören unter an-

derem die Kommunistische Partei, die Sozialistische Partei (Socialist Party
(USA)), die beiden Sozialistischen Arbeiterparteien (Socialist Workers Party
und Socialist Labor Party) und die Liberale Partei (Libertarian Party).
Zur zweiten Kategorie gehören dip Parteien, die aus diesen oder jenen
Gründen von den beiden großen Parteien abgesplittert sind oder sich aus einem
regionalen oder nationalen Protest gegen sie gebildet haben.

Eine solche Partei

ist die Amerikanische Unabhängige Partei (American Independent Party), die
1968 von George Wallace gegründet wurde, der für die Rechte der Einzelstaaten
kämpfte, sowie die Amerikanische Arbeiterpartei (U.S. Labor Party), die mit

�mit großer Heftigkeit gegen sozialistische Gruppen kämpft.

Letztlich wäre

hier auch noch der nicht parteigebundene Wahl kämpf des früheren demokratischen
Senators und erfolglosen Bewerbers um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Jahre 1968, Eugene McCarthy»einzuordnen.
Man kann sagen, daß all diese Parteien und Kandidaten an der Peripherie
des politischen Lebens in den Vereinigten Staaten liegen, und die Chancen für
einen solchen "Außenseiter", in das Weiße Haus gewählt zu werden, sind verschwindend gering.
Der Kandidat der Sozialistischen Partei (USA), Norman Thomas, der sich
zwischen 1928 und 1948 sechs Mal zur Wahl stellte, erklärte den Mißerfolg so:
"Die Republikaner und die Demokraten haben mein Wahlprogramm gestohlen".
Dabei muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Wahlgesetze
von den Einzel Staaten erlassen werden

und die Voraussetzungen für die Zulas-

sung eines Kandidaten oder einer Partei von Staat zu Staat variieren.
Einheitlich geregelt ist dagegen die Sendezeit in Rundfunk und Fernsehen.
Eine Verordnung der Bundesfernmeldekommission bestimmt, daß Rundfunk- und Fernsehsender, die freie Sendezeit für Wahlsendungen zur Verfügung stellen, allen
Kandidaten - ob von einer großen oder einer kleinen Partei - die gleiche Sendezeit gewähren müssen.

Damit ist hier die Gleichheit der Chancen gewährt.

Auch

hinsichtlich der Finanzierung mit öffentlichen Mitteln haben alle Parteien die
gleiche Chance, wenn sie bei der
Gesamtstimmenzahl erreicht haben,

vorangegangenen Wahl mindestens 5 Prozent der
üa allerdings bei der Wahl 1972 keine der

Minderheitsparteien die Fünfprozentklausel erfüllte, erhalten bei den Wahlen
1976 nur die Demokratische Partei und die Republikanische Partei Zuschüsse aus
Bundesmitteln.

Falls jedoch eine der "Dritten Parteien" die Hürde der 5 Pro-

zent nehmen sollte, kann sie einen Antrag auf Rückerstattung von Wahl kampfkosten entsprechend ihres Stimmenanteils stellen.
Am Rande sei vermerkt, daß die älteste und am längsten bestehende "Dritte

�"Dritte Partei" die Prohibition Party ist.

Die Prohibitionisten formierten

sich im September 1869 in Chicago, als 500 Delegierte aus 20 Bundesstaaten
zusammenkamen.

Dabei hatten zum ersten Mal in der amerikanischen Politik

weibliche Delegierte die gleichen Rechte wie die männlichen.

Die Delegierten

beschlossen die Gründung einer Partei, die dann 1872 an den Wahlen teilnahm.
Zu dem Wahlprogramm gehörte schon damals die Forderung nach dem Frauenwahlrecht.

Während es zwar den Alkoholgegnern vor allem über Frauenorganisationen

gelang, ein Verbot der Herstellung und des Verkaufs alkoholischer Getränke in
zahlreichen Einzelstaaten durchzudrücken - und 1919 mit dem 18. Verfassungszusatz für die ganzen USA (was 14 Jahre später mit dem 21. Verfassungszusatz
wieder aufgehoben wurde) - so konnten die Prohibitionisten als Partei doch
nie über 2,2 Prozent der Wählerstimmen erringen.

Seit 1924 liegt der Durch-

schnitt sogar nur bei 0,2 Prozent.
Die "Dritten Parteien" werden im allgemeinen von bestimmten programmatischen Aussagen geprägt, wobei ihre Kandidaten selten über ihre engere
Umgebung hinaus bekannt werden. Aber gerade diese Möglichkeit, bestimmte
Anliegen vorzutragen und öffentlich für sie einzutreten, machen die Minderheitsparteien zu einer Bereicherung des politischen Lebens in den Vereinigten
Staaten, auch wenn sie, was die politische Macht anbetrifft, nur Randerscheinungen sind.

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17/1976

ABGASE VON OBERSCHALLFLUGZEUGEN
U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest -

- (AD) - Für zivile Überschallflugzeuge (SST) hat die amerikanische
Umweltschutzbehörde EPA Abgashöchstwerte festgesetzt. Sie treten für
umgerüstete Triebwerke der CONCORDE und Motoren entsprechender Flugzeugtypen ab 1980 in Kraft. Sie gelten außerdem für Weiterentwicklungen von
Triebwerken für Überschallflugzeuge der "nächsten Generation", die ab
1984 zugelassen werden.
Im erstgenannten Fall müssen die Emissionen an Kohlenmonoxid um 58 Prozent
und an Kohlenwasserstoffen um 77 Prozent verringert werden,
während die Werte für Stickstoffoxide etwa gleich bleiben können. Die
zulässigen Höchstwerte für Rauchgase werden geringfügig reduziert. Bei
Motoren, die ab 1984 entwickelt und zugelassen werden, ist eine Verringerung der Emission an Kohlenmonoxid um mindestens 88 Prozent, an
Kohlenwasserstoffen um 94 Prozent und an Stickstoffoxiden um 44 Prozent
gegenüber den Emissionen erforderlich, die bei den gegenwärtigen C0NC0RDETriebwerken auftreten.
Die neuen Normwerte gelten in erster Linie für den Start- und Landebetrieb.

Sie sollen die Luftqualität im Bereich von Großflughäfen ver-

bessern helfen.

Die Untersuchungen der EPA zur Luftbelastung durch Trieb-

werksemissionen in der höheren Atmosphäre beim Langstreckenflug sind dagegen noch nicht abgeschlossen.

Die Behörde beabsichtigt, notfalls
zusätzliche

�zusätzliche Vorschriften zur Emissionskontrolle sowohl für Oberschallals auch für Unterschallflugzeuge einzuführen, falls sich dies zum
Schutz der Ozonschicht als notwendig erweisen sollte.

Zur Klärung dieser

Fragen führt die EPA gegenwärtig mit dem Bundesluftfahrtamt der USA (FAA)
ein gemeinsames Forschungsprogramm durch.
Nach dem "Gesetz zur Reinhaltung der Luft" sind hinsichtlich der
Inkraftsetzung und des Umfangs von höchstzulässigen Belastungsmengen der
Stand der gegenwärtigen und voraussehbaren künftigen Technik sowie die
Kosten für eine Umstellung innerhalb einer gewissen Entwicklungszeit zu
berücksichtigen.

Den jetzigen Berechnungen zufolge werden umgerüstete

SST-Triebwerke, die ab 1980 eingesetzt werden, noch immer die vierfache
Menge dessen an Abgasen emittieren, was von vergleichbarer. UnterschallTriebwerken zu erwarten ist, die bis zum Ende dieses Jahrzehnts den EPAVorschriften entsprechend modifiziert werden.

Deshalb empfiehlt die EPA,

"so früh wie möglich nach Aufnahme des kommerziellen SST-Liniendienstes
in den USA" die Abfertigung der Flugzeuge auf den Flughäfen zu ändern. •
Dazu gehöre beispielsweise, daß das Flugzeug nicht mit eigener Kraft vom
Flugsteig zur Startbahn rollt, sondern zun, Startplatz jeschleppt wird
und von dort aus ohne weitere Verzögerung starten könne.
Die Entwicklungskosten für die Industrie zum Umrüsten der Triebwerke
bis zum Jahr 1980 schätzt die EPA auf 10 Millionen Dollar. Infolge des
höheren Aufwandes für Wartung dürften auch die Betriebskosten geringfügig
steigen, nämlich um 5 Dollar pro Triebwerk und Stunde. Bis zum Inkrafttreten entsprechender Abgasvorschriften seitens der Internationalen
Organisation für den zivilen Flugverkehr gelten die amerikanischen Vorschriften auch für Flugzeuge, die im Ausland registriert sind und innerhalb der USA operieren.

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17/1976

INTERFERON GEGEN CHRONISCHE HEPATITIS

- (AD) - In den Kliniken der Stanford-Universität (Stanford, Kalifornien)

konnten bei Patienten mit chronischer Hepatitis, welche durch

den Erreger vom Typ B verursacht war, Erfolge durch eine Behandlung mit
Interferon erzielt werden. Interferon ist ein Protein, das vom Abwehrsystem des Organismus produziert wird, um die Ausbreitung von Virusinfektionen einzudämmen.

Die Gewinnung von Interferon ist jedoch noch sehr

schwierig und kostspielig.

Die einzige Quelle, die bisher zur Verfügung

steht, sind weiße menschliche Blutzellen; allerdings beginnt jetzt die
pharmazeutische Industrie damit, die Substanz in menschlichen Zellen zu
produzieren, die im Laboratorium gezüchtet werden.

Die Stanford-Wissenschaftler, deren Versuche mit Zuschüssen des Nationalen Institutes für Allergie- und Infektionskrankheiten (NIAID in
Bethesda, Maryland) durchgeführt wurden, verweisen darauf, daß das erzielte
günstige Ergebnis vorläufigen Charakter habe und die Erprobung von Interferon fortgesetzt werden müsse.

Der Forschergruppe gehören u. a. Prof.

C. Merigan, Prof. William S. Robinson, Dr. Harry Greenberg und Dr. Peter
Gregory an.

Es wurden vier Patienten mit verschiedenen Infektionsgraden

(Hepatitis-Virus Typ B) für die Behandlung ausgewählt.

Vor Beginn war

nachgewiesen, daß das Blut jedes Patienten sog. Dane-Partikel enthielt, die
nach den heutigen Erkenntnissen das komplette Hepatitis-B-Virus enthalten.
Dr. Robinson hatte einen Test entwickelt, mit dem ihre Anwesenheit im Blut
gemessen
- 1 -

�gemessen werden kann.
Es zeigte sich- daß bei kurzzeitiger Interferongabe (über eine Woche)
der Anteil der Dane-Partikel zwar merklich absank, nach Absetzen der
Therapie aber wieder auf den früheren Stand anstieg.

Bei länger-

fristiger Behandlung dagegen (einen Monat oder länger) blieb ihr Spiegel
auch später niedrig oder die Partikel waren überhaupt nicht mehr nachzuweisen.

Nach Meinung der Wissenschaftler scheint Interferon die

Produktion von Dane-Partikeln zu unterdrücken. Jedoch sei der Nachweis
noch nicht erbracht, daß die beobachteten Effekte bedeuteten, die vom
Patienten ausgehende Ansteckungsgefahr wirlich eindämmen oder eine
chronische Infektion endgültig beseitigen zu können.

Zunächst wird

das Serum der Patienten, bei denen keine Dane-Partikel mehr nachzuweisen
sind, immer wieder daraufhin geprüft, ob es dennoch Hepatitis auslösen
kann.
Hepatitis-Viren verursachen Leberentzündung. Während das Virus vom
Typ A mit dem epidemischen Auftreten von Gelbsucht in Zusammenhang gebracht
wird, ist eine Hepatitis nach einer Bluttransfusion oder einer Injektion bei
Verwendung nicht ausreichend sterilisierter Nadeln meist vom Virustyp B
verursacht. In den USA sind gegenwärtig mehr als eine Million Menschen
von dieser Infektion betroffen. Etwa 10 Prozent der Infizierten tragen
ihr Leben lang die Erreger in Leber und Blut. Dennoch fühlen sich viele
keineswegs krank. Sie wissen oft gar nicht, daß sie infiziert sind und
können andere Personen anstecken. Bei diesen brauchen nicht in jedem Fall
Krankheitssymptome aufzutreten - ein Umstand, der die Virus-Hepatitis B so
gefährlich macht und die Medizin veranlaßt, neue Wege für eine wirksame
Behandlung zu suchen.
Das Interferon für die an der Stanford-Universität durchgeführte Studie
wurde von dem oben genannten Institut (NIAID) zur Verfügung gestellt.

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