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                    <text>Information
und
Dokumentation

1

1
I

United States Information Service

26. A p r i l 1977

10

INHALT

DOKUMENTATION
Carter legt sein Energieprogramm vor
- Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses am 20. April

Carter fordert drastische Energiesparmaßnahmen
- Ansprache an das amerikanische Volk am 18. April 1977

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 3 0 0 ,
D 5 3 0 0 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

10/1977

CARTER LEGT SEIN ENERGIEPROGRAMM VOR
Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses am 20. April

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Rede vor beiden
Häusern des amerikanischen Kongresses am 20. April 1977 seine neue Energiepolitik dargelegt. Wie bereits in seiner Ansprache an das amerikanische
Volk zwei Tage zuvor forderte der Präsident eine einschneidende Senkung
des Energieverbrauchs im Rahmen eines umfassenden Pakets von Maßnahmen.
Carter fordert vom Kongreß Gesetze, die jede Verschwendung von Energie
steuerlich bestrafen und jede Einsparung entsprechend belohnen.
Die Rede des Präsidenten vor dem Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des Kongresses, verehrte Gäste:
Das letztemal, daß wir in dieser Gruppierung zusammenkamen, war vor genau
drei Monaten am Tage meiner Amtseinführung. Wir haben bei der Inangriffnahme der Probleme unseres Landes einen guten Start gehabt.
Aber in den kommenden Monaten müssen wir noch enger zusammenarbeiten,
denn wir stehen vor der größten innenpolitischen Herausforderung, die unsere
Nation zu unseren Lebzeiten je zu bestehen haben wird.

Wir müssen jetzt -

gemeinsam - handeln, um einen nationalen Energieplan auszuarbeiten und zu

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zu verwirklichen, damit wir mit einer Krise fertig werden können, die uns
sonst überwältigen würde.
Meine Rede heute abend wird keine Begeisterung auslösen können.
handelt sich um eine nüchterne und schwierige Darstellung.

Es

Während der

letzten drei Monate ist mir völlig klar geworden, warum nicht bereits eine
umfassende Energiepolitik entwickelt worden war.

Das ist eine undankbare

Aufgabe, aber es ist nun einmal unsere Aufgabe, und ich glaube, wi. haben
einen fairen, wohl ausgewogenen und effektiven Plan anzubieten.
zu einem noch besseren Leben fuer das amerikanische Volk führen.

Er kenn
Der Kern

unseres Energieproblems besteht darin, daß unser Bedarf an Brennstoff
rascher steigt als unsere Produktion, und unser Hauptmittel, um dieses
Problem zu lösen, besteht darin, Verschwendung und Unfähigkeit zu verringern.
öl und Erdgas stellen 75 Prozent unseres Verbrauchs in diesem Lande, aber
sie stellen nur sieben Prozent unserer Reserven dar. Unsere Nachfrage nach
öl ist jedes Jahr um über fünf Prozent gestiegen, aber die einheimische
öl Produktion ist in letzter Zeit um über sechs Prozent zurückgegangen.
Unsere ölimporte sind stark angestiegen - was uns umso verwundbarer macht,
wenn die Versorgung unterbrochen wird - aber Anfang der achtziger Jahre wird
selbst das ausländische öl zunehmend kanpp werden. Wenn sich die Weltnachfrage während der achtziger Jahre weiterhin mit der gegenwärtigen Rate
von fünf Prozent steigern könnte, dann könnten wir bis Ende des nächsten Jahrzehnts die gesamten bekannten öl Vorräte der ganzen Welt verbraucht haben.
Unsere Handelsdefizite nehmen zu. Wir haben im vorigen Jahr für über
35 Milliarden Dollar öl eingeführt, und wir werden in diesem Jahr noch sehr
viel mehr ausgeben.

Es ist

jetzt an der Zeit, Einhalt zu gebieten.

Wir könnten natürlich dieses Problem weiterhin einfach links liegen lassen aber wenn wir das täten, dann würden wir unser Volk einer drohenden Katastrophe
aussetzen.
Darum
- 2 -

�Dokumentation
United States Information Service

10/1977

CARTER LEGT SEIN ENERGIEPROGRAMM VOR
Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses am 20. April

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Rede vor beiden
Häusern des amerikanischen Kongresses am 20. April 1977 seine neue Energiepolitik dargelegt. Wie bereits in seiner Ansprache an das amerikanische
Volk zwei Tage zuvor forderte der Präsident eine einschneidende Senkung
des Energieverbrauchs im Rahmen eines umfassenden Pakets von Maßnahmen.
Carter fordert vom Kongreß Gesetze, die jede Verschwendung von Energie
steuerlich bestrafen und jede Einsparung entsprechend belohnen.
Die Rede des Präsidenten vor dem Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des Kongresses, verehrte Gäste:
Das letztemal, daß wir in dieser Gruppierung zusammenkamen, war vor genau
drei Monaten am Tage meiner Amtseinführung. Wir haben bei der Inangriffnahme der Probleme unseres Landes einen guten Start gehabt.
Aber in den kommenden Monaten müssen wir noch enger zusammenarbeiten,
denn wir stehen vor der größten innenpolitischen Herausforderung, die unsere
Nation zu unseren Lebzeiten je zu bestehen haben wird.

Wir müssen jetzt -

gemeinsam - handeln, um einen nationalen Energieplan auszuarbeiten und zu

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zu verwirklichen, damit wir mit einer Krise fertig werden können, die uns
sonst überwältigen würde.
Meine Rede heute abend wird keine Begeisterung auslösen können.
handelt sich um eine nüchterne und schwierige Darstellung.

Es

Während der

letzten drei Monate ist mir völlig klar geworden, warum nicht bereits eine
umfassende Energiepolitik entwickelt worden war.

Das ist eine undankbare

Aufgabe, aber es ist nun einmal unsere Aufgabe, und ich glaube, wi, haben
einen fairen, wohl ausgewogenen und effektiven Plan anzubieten.
zu einem noch besseren Leben fuer das amerikanische Volk führen.

Er kann
Der Kern

unseres Energieproblems besteht darin, daß unser Bedarf an Brennstoff
rascher steigt als unsere Produktion, und unser Hauptmittel, um dieses
Problem zu lösen, besteht darin, Verschwendung und Unfähigkeit zu verringern.
öl und Erdgas stellen 75 Prozent unseres Verbrauchs in diesem Lande, aber
sie stellen nur sieben Prozent unserer Reserven dar. Unsere Nachfrage nach
öl ist jedes Jahr um über fünf Prozent gestiegen, aber die einheimische
öl Produktion ist in letzter Zeit um über sechs Prozent zurückgegangen.
Unsere ölimporte sind stark angestiegen - was uns umso verwundbarer macht,
wenn die Versorgung unterbrochen wird - aber Anfang der achtziger Jahre wird
selbst das ausländische öl zunehmend kanpp werden. Wenn sich die Weltnachfrage während der achtziger Jahre weiterhin mit der gegenwärtigen Rate
von fünf Prozent steigern könnte, dann könnten wir bis Ende des nächsten Jahrzehnts die gesamten bekannten öl Vorräte der ganzen Welt verbraucht haben.
Unsere Handelsdefizite nehmen zu.

Wir haben im vorigen Jahr für über

35 Milliarden Dollar öl eingeführt, und wir werden in diesem Jahr noch sehr
viel mehr ausgeben.

Es ist

jetzt an der Zeit, Einhalt zu gebieten.

Wir könnten natürlich dieses Problem weiterhin einfach links liegen lassen aber wenn wir das täten, dann würden wir unser Volk einer drohenden Katastrophe
aussetzen.
Darum
- 2 -

�Darum brauchen wir eine umfassende nationale Energiepolitik.

Ihr Rat

hat bei der Ausarbeitung dieses Planes einen wichtigen Einfluß ausgeübt.
Viele der darin enthaltenen Vorschläge gehen auf Ihre eigenen gesetzgeberischen Initiativen zurück.
Vor zwei Tagen habe ich zum amerikanischen Volk über die Grundsätze gesprochen, die hinter unserem Plan und unseren Zielen für 1985 stehen:
- Wir wollen die jährliche Wachstumsrate unseres Energiebedarfs auf
weniger als zwei Prozent senken.
- Wir wollen unseren Benzinverbrauch um 10 Prozent senken.
- Wir wollen unsere Importe an ausländischem öl auf sechs Millionen
Barrel pro Tag senken - also auf weniger als die Hälfte des Standes, den
wir erreichen würden, wenn wir keine Einsparungen vornähmen.
- Wir wollen eine strategische Erdölreserve von einer Milliarde Barrel etwa den Bedarf für zehn Monate - einrichten.
- Wir wollen unsere Kohleförderung um über zwei Drittel auf über eine
Milliarde Tonnen pro Jahr steigern.
- Wir wollen 90 Prozent der amerikanischen Häuser und alle Neubauten
wärmeisolieren.
- Wir wollen für über 2,5 Millionen Häuser Sonnenenergie nutzen.
Ich hoffe, daß der Kongreß diese Ziele in Form einer gemeinsamen
Resolution als eine Demonstration der gemeinsamen Verpflichtung zur
Erreichung dieser Ziele verabschieden wird.
Heute abend möchte ich die spezifischen Schritte umreißen, durch die
wir diese Ziele erreichen können.

Die Vorschläge fallen unter folgende

Hauptkategorien:
- Einsparung
- Produktion
- Umstellung
- Entwicklung
- Fairness - die eine Hauptüberlegung bei all unseren Vorschlägen ist.
Wir
- 3 -

�Wir ziehen es vor, diese Ziele durch freiwillige Zusammenarbeit mit einem
Minimum an Zwang zu erreichen.

In vielen Fällen schlagen wir finanzielle

Anreize vor, die die Menschen ermutigen werden, Energie zu sparen, und die
Kräfte unserer freien Wirtschaft mobilisieren werden, das Notwendige zu tun.
Aber ich muß Ihnen sagen, daß freiwillige Mitarbeit allein nicht ausreichen wird - das Problem ist zu groß und die Zeit ist zu kurz.
In einigen wenigen Fällen sind Strafen und Beschränkungen zur Verringerung der Verschwendung unerläßlich.
Unser erstes Ziel ist die Einsparung.

Sie ist der billigste und

praktikabelste Weg, um mit unserem Energiebedarf zurecht zu kommen und
unsere wachsende Abhängigkeit von ausländischem öl zu verringern.
Mit der richtigen Planung können wir selbst bei einer Beseitigung der
Energieverschwendung wirtschaftliches Wachstum,mehr Arbeitsplätze und eine
höhere Lebensqualität erreichen.
Die beiden Gebiete, auf denen wir am meisten Energie verschwenden,sind
der Transport und unsere Heizungs- und Kühlungssysteme.
Der Transportsektor verbraucht 26 Prozent unserer Energie - und die
Hälfte davon wird verschwendet. In Europa wiegt ein durchschnittliches
Kraftfahrzeug 2 700 (US-) Pfund - in unserem Lande (US-) 4 100 Pfund.
Der Kongreß hat bereits Brennstoffverbrauchsnormen aufgestellt, die
verlangen, daß bis 1985 neue Autos im Schnitt nicht mehr als eine Gallone
auf 27,5 Meilen verbrauchen dürfen - gegenüber heute durchschnittlich
18 Meilen.
Um

- 4 -

�Um sicherzustellen, daß dieser bestehende Auftrag des Kongresses erfüllt wird, schlage ich eine abgestufte Verbrauchssteuer auf neue "Benzinfresser" vor, die den durchschnittlichen Verbrauchsnormen nicht entsprechen.
Die Steuer wird niedrig anfangen und bis 1985 jedes Jahr weiter steigen.
Im Jahre 1978 wird ein Wagen, der 15 Meilen mit einer Gallone fährt, mit
180 Dollar besteuert werden, und ein Wagen, der nur 11 Meilen mit einer
Gallone fährt, mit 450 Dollar.

Im Jahre 1985 werden sich die Steuern für

solche aufwendige Neuwagen mit einem so hohen Verbrauch auf 1 600 Dollar
und 2 500 Dollar stellen.
Das gesamte durch diese Verkaufssteuer auf verschwenderische Automobile
eingenommene Geld wird durch Rabatte auf Wagen mit einem wirtschaftlicheren
Verbrauch wieder an den Verbraucher zurückgegeben werden. Wir gehen davon
aus, daß nach diesem Vorschlag die Leistungsfähigkeit und die gesamte
Automobil Produktion und der Absatz steigen werden. Wir werden sicherstellen, daß die amerikanischen Automobilarbeiter und ihre Familien keinen
unfairen Anteil an der Bürde tragen werden. Selbstverständlich werden wir
auch mit unseren Handelspartnern zusammenarbeiten, um dafür zu sorgen, daß
auch sie fair behandelt werden.
Und jetz möchte ich über die umstrittensten und mißverstandensten
Teile des Energievorschlags sprechen - eine vorsorgliche Benzinsteuer.
Der Benzinverbrauch macht die Hälfte unseres Gesamtölverbrauchs aus.
Wir müssen einfach Benzin sparen, und ich bin überzeugt, daß das
amerikanische Volk mit dieser Herausforderung fertig werden kann. Es ist
eine Sache des Patriotismus und des Pflichtgefühls.
Wir gehen davon aus, daß zwischen heute und 1980 der Benzinverbrauch
etwas über den gegenwärtigen Stand steigen wird.

In den darauf folgenden

fünf Jahren, wenn wir leistungsgünstigere Automobile haben, müssen wir
den Verbrauch Jahr für Jahr drosseln, um unsere Ziele für 1985 zu erreichen.
Ich
- 5 -

�Ich schlage vor, daß wir uns selbst zu diesen fairen, vernünftigen und
notwendigen Zielen verpflichten und gleichzeitig ein Gesetz über eine zusätzliche Steuer von 5 Cent pro Gallone verabschieden, das automatisch
jedes Jahr in Kraft treten wird, in dem wir die jährlich gesteckten Ziele
nicht erreichen.

Als zusätzlichen Anreiz würden wir, wenn wir in einem

Jahr die Ziele nicht erreichen, aber im nächsten Jahr wieder in der Norm
sind, die zusätzliche Steuer wieder abschaffen.

Wenn das amerikanische

Volk unserem Aufruf folgt, können wir diese Ziele erreichen, ohne daß diese
Benzinsteuer jemals in Kraft zu treten braucht.

Sie wissen ebenso gut wie

ich, daß das zu schaffen ist.
Wie bei allen anderen Steuern müssen wir die negativen Auswirkungen
auf unsere Wirtschaft so klein wie möglich halten - und jene, die sparen,
belohnen - und jene bestrafen, die verschwenden.

Daher sollten alle

Einkünfte aus dieser Steuer, sollte sie je in Kraft treten, wieder in
gerechter Weise an die Öffentlichkeit zurückgegeben werden.
Wir werden eine Reihe anderer Maßnahmen vorschlagen, um unser Verkehrssystem leistungsfähiger zu machen.
Eine der Nebenwirkung der Benzineinsparung besteht darin, daß die
Regierungen der einzelnen Bundesstaaten weniger Geld durch die Benzinsteuer
einnehmen. Um die für sie daraus entstehenden Härten zu verringern und
eine angemessene Instandhaltung der Bundesstraßen zu gewährleisten,
sollten wir die Einzel Staaten für diesen Verlust über den Straßen-Treuhandfonds entschädigen.
Ein zweites Gebiet, auf dem wir die Energieverschwendung reduzieren
können, sind unsere Häuser und Gebäude.

Bei einigen dieser großen Gebäude

wird die Hälfte der für Heiz- und Kühlanlagen verwendeten Energie verschwendet.

Von heute an müssen wir sicherstellen, daß neue Gebäude so wirk-

sam wie möglich mit Isolier- und Heizsystemen ausgestattet werden, durch die
der Verbrauch von Brennstoff einschneidend verringert werden kann - und daß
- 6 -

�daß auch die älteren Gebäude entsprechend ausgerüstet - oder umgestaltet
werden.
Die Bundesregierung sollte hier ein Beispiel geben.

Ich werde in einem

Präsidialerlaß strikte Einsparungsziele sowohl für alte als auch für neue
Gebäude festsetzen - eine 45-prozentige Steigerung in der wirksamen Energienutzung für neue Gebäude und eine zwanzigprozentige Steigerung für bereits
bestehende Gebäude bis zum Jahre 1985.
Wir brauchen ferner Anreize, um all denen, die eigene Häuser und
Geschäfte besitzen, bei der Energieeinsparung zu helfen.
Diejenigen, die ihre Gebäude "wetterfest" machen lassen, sollten für die
ersten 800 Dollar, die sie für Einsparungsmaßnahmen investieren, eine
25-prozentige Steuererleichterung erhalten und 15 Prozent für die nächsten
1500 Dollar.
Wenn die Hausbesitzer es jedoch vorziehen, können sie auch einen Werkdienst mit der Durchführung solcher Arbeiten betrauen. Alle großen
Elektrizitätswerke werden gehalten sein, derartige Dienstleistungen anzubieten. Die Heiz- und Elektrizitätswerke würden für die Durchführung der
entsprechenden Arbeiten Sorge tragen und eine vernünftige Finanzierung
ermöglichen. Der Kunde würde für die Verbesserungen kleine, regelmäßige
Zuschläge zu seinen monatlichen Stromrechnungen zahlen. In vielen Fällen
würdtn sich diese zusätzlichen Kosten fast völlig durch den niedrigeren Energieverbrauch ausgleichen, der durch die Energieeinsparungsvorrichtungen
erzielt wird.
Weitere Vorschläge für Energieeinsparung in Häusern und Gebäuden betreffen:
- Eine direkte Bundeshilfe für Bürger mit niedrigem Einkommen;
- eine zusätzliche zehnprozentige Steuererleichterung auf Geschäftsinvestitionen;
- Bundesausgleichs- 7 -

�- Bundesausgleichsmittel für öffentliche Schulen und Krankenhäuser;
- öffentliche Gelder, um die einzelstaatlichen und kommunalen Amtsgebäude "wetterfest" zu machen.
Wenn wir unsere Geschäfts- und Fabrikgebäude und unsere Häuser auf diese
Weise in Bezug auf Energieeinsparung verbessern, müssen wir auch für eine
verbesserte Energienutzung bei unseren elektrischen Haushaltsgeräten sorgen.
Ich schlage daher ein Gesetz vor, das zum erstenmal bis zum Jahre 1980
strenge Leistungsnormen für Haushaltsgeräte festsetzen soll.
Wir müssen auch unser Strompreis-System reformieren.

Viele Jahre hindurch

haben wir die Energievergeudung belohnt, indem wir den größten Verbrauchern
die billigsten Stromtarife gewährten.

Wegen des Wettbewerbs um neue Industrien

ist es für einzelne Staaten schwierig, solche Reformen durchzuführen.

Der

einzige faire Weg besteht darin, sich an eine Reihe von Prinzipien zu halten,
die für die gesamte Nation Anwendung finden.
Ich schlage daher ein Gesetz vor, das im Verlauf der nächsten zwei Jahre
folgende Maßnahmen erfordern würde:
- Allmähliche Einstellung der Reklame - Tarife und anderer Preisanreizsysteme, die Erdgas und Elektrizität für Großverbraucher künstlich billig
halten und nicht die
wahren Kosten wiedergeben.
- Angebot von Preistarifen unter Berücksichtigung der Spitzenbelastungszeiten, mit höheren Preisen für die Tagestunden, wenn der Bedarf am größten
ist und niedrigeren Sätzen für die Stunden, in denen der Bedarf klein ist.
- Einzelzähl er für jede Wohnung in neuen Gebäuden statt nur eines Hauptzählers.
ET werden zur Zeit bereits Pläne eröertert, nach denen dar TennesseeValley Administration-Elektrizitätssystem als Modell für die Durchführung
solcher neuen Programme zur Energieeinsparung dienen soll.
Noch
- 8 -

�Noch ein weiterer Schritt zur Energieeinsparung besteht darin, die
Industrie und die Versorgungswerke zu ermutigen, ihre "Kogenerationsprojekte"
weiter auszubauen, bei denen ein großer Teil des Dampfes genutzt wird, der
jetzt bei der Elektrizitätserzeugung vergeudet wird.

In der Bundesrepublik

Deutschland kommen 29 Prozent der gesamten Energie aus solchen Kogenerationsanlagen, in den Vereinigten Staaten dagegen nur 4 Prozent.
Ich schlage eine besondere zehnprozentige Steuervergünstigung für
Investitionen in solche Projekte vor.
Im Verein mit der Energieeinsparung ist das zweite Hauptziel unserer
Strategie die Produktior und eine vernünftige Preisgestaltung.
Wir können unsere Erdöl- und Erdgasproduktion niemals so weit steigern,
daß wir unseren Bedarf decken können, aber wir müssen sichergehen, daß unser
Preissystem vernünftig ist, vor jeder Vergeudung abschreckt und die Erschließung neuer Quellen und neue Produktion ermutigt.
Einer der Grundsätze unserer Energiepolitik ist, daß der Preis für
Energie den echten Kosten für ihre Erneuerung entsprechen muß, um auf diese
Weise auf lange Sicht Angebot und Nachfrage in ein Gleichgewicht zu bringen.
Eine realistische Preisgestaltung ist vor allem für unsere knappen Brennstoffe, wie öl und Erdgas,wichtig. Vorschläge für eine sofortige und
völlige Aufhebung der Preisbindung für einheimisches öl und Erdgas wären
jedoch katastrophal für unsere Wirtschaft und für die arbeitenden Menschen
in den USA und würden darüber hinaus die langfristigen Probleme der
schwindenden Vorräte auch nicht lösen.
Wir werden erlauben, daß der Preis für neuentdecktes öl über einen
dreijährigen Zeitraum auf den Weltmarktpreis von 1977 steigt - mit
entsprechenden Ausgleichen für die Inflation.

Der laufende Ertrag für die

Erzeuger von früher entdecktem öl würde der gleiche bleiben, ausgenommen
natürlich die Anpassungen an die Inflation.

- 9 -

�Da die Fairness eine wesentliche Strategie unseres Energieprogramms
ist, wollen wir den Produzenten keine Spekulationsgewinne (Windfall profits)
zukommen lassen - über die Anreize hinaus, die sie für die Erschließung
und Produktion brauchen.

Wir machen uns jedoch selbst etwas vor, wenn wir

bei unserer Preisgestaltung nicht die Kosten für die Erneuerung der Energie
in Rechnung stellen.
Daher schlage ich vor, daß wir für die bestehenden Vorräte eine BohrlochSteuer einführen, die der Differenz zwischen dem gegenwärtigen gebundenen
Preis des Öls und dem Weltmarktpreis entspricht.

Das mit dieser Steuer

eingenommene Geld soll den Verbrauchern und den arbeitenden Menschen
Amerikas zurückgegeben werden.
Wir sollten auch mit den künstlichen Verzerrungen der Preise für Erdgas
in den verschiedenen Gebieten unseres Landes ein Ende machen, die dazu
geführt haben, daß Menschen in den Erzeugerstaaten exorbitante Preise bezahlt
haben, während vor allem im Nordosten eine Verknappung imd Arbeitslosigkeit
und wirtschaftliche Stagnation eintraten.

Wir dürfen nicht zulassen, daß

Energieverknappungen unsere Nation zersplittern und zerstückeln.
Ich möchte mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um den Erdgasproduzenten
einen ausreichenden Anreiz für die Erschließung neuer Vorkommen zu geben,
indem wir mit aller Vorsicht auf eine Preisfreigabe neuentdeckter Erdgasvorkommen hinarbeiten, wenn die Marktverhältnisse dies erlauben.
Ich schlage jetzt vor, daß die Preisgrenze für alles irgendwo in unserem
Lande verkaufte neue Erdgas mit Anfang 1978 bei dem Preis festgeleqt wird,
der dem entsprechenden Energiewert von einheimischem Rohöl entspricht.

Dieser

Vorschlag wird sowohl für neues Gas als auch für auslaufende zwischenstaatliche Verträge (zwischen den einzelnen Bundesstaaten) gelten.
berührt würden bestehende Verträge.
Wir

- 10 -

Nicht

�Wir müssen sicherstellen, daß öl und Erdgas nicht von Industrien und
Versorgungsbetrieben verschwendet werden, die an ihrer Stelle Kohle verwenden könnten.
Unsere dritte Strategie ist die Umstellung von knappen Brennstoffen auf
Kohle, wo immer dies möglich ist.
Obwohl die Kohle heute nur 18 Prozent unseres Energiebedarfs deckt, so
macht si° doch 90 Prozent unserer Energiereserven aus.

Ihre Förderung und

Verwendung schafft Schwierigkeiten für die Umwelt, aber wir können durch
kontrolierten Tagebau und Normen gegen die Luftverschmutzung mit ihnen
fertig werden.
Um eine Steigerung des Kohleverbrauchs in der Industrie und in Versorgungsbetrieben um 400 Millionen Tonnen oder 65 Prozent bis 1985 zu erreichen,
schlage ich mit Beginn 1979 eine progressive Besteuerung von großen
industriellen Verbrauchern von öl und Erdgas vor. Hersteller von
Düngemitteln und Getreidetrockner, die Erdgas benutzen müssen, wären von
dieser Steuer befreit. Versorgungsbetriebe würden diesen Steuern erst 1983
unterworfen, da es länger dauert, sie auf Kohle umzustellen.
Ich werde auch Vorschläge für eine erweiterte Forschung und Entwicklung
auf dem Gebiet der Kohle unterbreiten. Wir müssen bessere Methoden finden,
um sie sicherer abzubauen und sauberer zu verbrennen und um sie für die
Herstellung anderer sauberer Energiequellen zu verwenden. Wir haben
Milliarden für die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Kernenergie
ausgegeben, aber nur wenig für die Kohle. Hier können Investitionen reiche
Dividende bringen.
Aber selbst mit diesen Umstellungsanstrengungen haben wir noch immer eine
Lücke - zwischen der Energie, die wir brauchen, und der Energie, die wir
produzieren und importieren.

Deshalb müssen wir als letzten Ausweg weiterhin

in zunehmendem Maße die Kernenergie benutzen.
Wir
- 11 -

�Wir verfügen heute über 63 Kernkraftwerke, die etwa drei Prozent unserer
Gesamtenergie produzieren, und 70 weitere Kernkraftwerke sind zum Bau freigegeben.

Die einheimischen Uranvorrä'te reichen aus, um diese Zahl von

Anlagen für weitere 75 Jahre zu betreiben.

Wirksame Sparanstrengungen

können dazu beitragen, den Anteil der Kernenergie so klein wie möglich zu
halten.

Es besteht keine Notwendigkeit, in das Plutonium-Zeitalter einzu-

treten, indem wir einen Schnellen Brutreaktor, wie die vorgeschlagene
Demonstrationsanlage in Clinch River, genehmigen oder bauen.
Wir müssen jedoch unsere Kapazität für die Erzeugung von angereichertem
Uran für Leichtwasser-Kernkraftwerke steigern, indem wir die neue ZentrifugenTechnologie anwenden, die nur etwa ein Zehntel der Energie verbraucht wie
die bestehenden Gasdiffusionsanlagen.
Wir müssen ferner die Verfahren für die Genehmigung von Nuklearanlagen
reformieren. So sollten keine neuen Anlagen in erdbebengefährdeten Zonen
oder in der Nähe dichtbesiedelter Zentren gebaut werden; die Pläne sollten
so weit wie möglich genormt werden; und es muß ausreichendere Vorsorge für
die Lagerung von ausgebranntem Brennstoff getroffen werden.
Aber auf der anderen Seite sollte es selbst bei den gründlichsten
Sicherheitsvorkehrungen keine zehn Jahre bis zur Genehmigung für den Bau
einer Anlage dauern. Ich schlage vor, daß wir vernünftige, objektive
Kriterien für die Baugenehmigung aufstellen, und daß Anlagen, die auf
einem genormten Plan beruhen, für die Baugenehmigung keine Einzelprüfung
der Pläne brauchen.
Unsere vierte Strategie ist die Entwicklung dauerhafter und zuverlässiger neuer Energiequellen.
Am vielversprechendsten ist die Sonnenenergie, für die schon ein
Großteil der Technologie zur Verfügung steht. Wassererwärmungsanlagen und
Raumheizung mit Sonnenenergie sind bereits in einem Stadium der kommerziellen

�kommerziellen Produktion.

Alles, was notwendig ist, sind einige Anreize

für die Entwicklung eines großen Marktes.
Ich schlage daher eine stufenweise abnehmende Steuerabschreibung von
heute bis 1984 für all jene vor, die zugelassene Sonnenheizungsanlagen
kaufen.

Zunächst soll die Abschreibung 40 Prozent auf die ersten

1 000 Dollar und 25 Prozent für die nächsten 6 400 Dollar betragen, die
investiert werden.
Eine zunehmende Produktion von Energie aus Erdwärme kann sichergestellt
werden, indem wir die gleichen Steueranreize wie für die Förderung von
Erdgas und Erdöl einräumen.
Als wir diesen Plan entwickelten, ließen wir uns von dem Grundsatz leiten, daß er vor allen Dingen fair sein muß.
Niemand soll ein unfaires Opfer bringen müssen.
Niemand soll einen unfairen Gewinn erzielen dürfen.
Der Wunsch nach Gerechtigkeit wird in unserem ganzen Plan deutlich:
- in der Bohrlochsteuer, die zur Sparsamkeit anregt, aber wieder
zurück an die Öffentlichkeit fließt;
- in einer Dollar-für-Dollar-Rückzahlung der Bohrlochsteuer, soweit
sie öl für Wohnungsheizung berührt;
- in einer Verringerung der unfairen Preisgestaltung für Erdgas;
- in der Sicherstellung, daß Wohnungen über das benötigte öl und
Erdgas verfügen werden, während sich die Industrie auf die reichlicher
verfügbare Kohle umstellt, die deren Bedarf ebenso dienlich ist;
- in einer Preisgestaltung der Versorgungswerke auf der Basis der
echten Kosten, damit jeder Kunde einen fairen Anteil bezahlt;
- in der Automobilsteuer und dem Rabattsystem, das jene belohnt, die
Energie sparen und jene bestraft, die sie verschwenden.
Ich
- 13 -

�Ich schlage noch einen weiteren Schritt vor, um eine Ausgewogenheit
in unserem Plan sicherzustellen.

Wir brauchen genauere Informationen über

unsere Energieversorgung und über die Firmen, die sie produzieren.
Wenn wir von uns selbst Opfer verlangen, dann brauchen wir Fakten, von
denen wir ausgehen können.

Wir brauchen ein unabhängiges Informations-

system, das uns zuverlässige Daten über Energiereserven und Energieproduktion, Kapazitäten für den Notfall und finanzielle Angaben über die
Energieproduzenten liefert.
Ich glaube nun einmal an den Wettbewerb, und wir haben nicht genug
Wettbewerb.
In dieser Zeit der zunehmenden Verknappung muß der Wettbewerb unter
Energieproduzenten und Verteilern sichergestellt werden.
Ich emofehle, daß von den EnergieapsellSchäften ein individuelle
Rechnung!egung für Produktion, Raffirerie, Verteilung und Vermarktung
verlangt wird - getrennt nach einheimischer und ausländischer Geschäftstätigkeit. Die strikte Anwendung der Kartellgesetze kann auf diesen
Daten basieren und könnte die Notwendigkeit für eine Bestrafung verhindern.
ProfitJägerei durch steuerliche Schlupflöcher muß verhindert werden,
und unabhängige Bohrunternehmen sollten die gleichen unangreifbaren
Steuerabschreibungen erhalten wie die großen Gesellschaften.
Die Energieindustrie darf keine großen unverdienten Gewinne einheimsen.
Steigende Preise für vorhandene ölvorräte dürfen nicht zu Spekulationsgewinnen führen, sondern müssen für die Bevölkerung unseres Landes abgeschöpft werden.
Wir müssen jedermann klarmachen, daß jetzt unser Volk durch seine
Regierung unsere Energiepolitik festlegt.
Das
- 14 -

�Das neue Energieministerium muß ohne Verzug eingerichtet werden. Die
weitere Aufsplitterung der Zuständigkeit und Verantwortlichkeit der
Regierung für das Energieprogramm unserer Nation ist gefährlich und unnötig.
Vor zwei Tagen habe ich erklärt, daß diese schwere Anstrengung das
moralische Gewicht eines Krieges habe.

Diese Anstrengung wird, wenn sie

erfolgreich ist, unsere Arbeitsplätze, unsere Umwelt, unsere nationale
Unabhängigkeit, unseren Lebensstandard und unsere Zukunft schützen.

Unsere

Energiepolitik wird innovativ, aber auch fair und vorhersehbar sein.

Sie

wird nicht leicht sein.

Sie wird von uns allen das Beste fordern - unseren

Weitblick, unsere Hingabe, unseren Mut und unser Gemeinsamkeitsgefühl.
Es handelt sich um ein sorgfältig ausgewogenes Programm und hängt,
wenn es fair sein soll, von all seinen wichtigen Einzelbestandteilen ab.
Es wird ein Prüfstein für unsere grundlegende politische Stärke und
Fähigkeit sein.
Aber wir sind schon früher mit Herausforderungen fertig geworden, und
unsere Nation ist immer noch stärker daraus hervorgegangen.

Das ist die

Aufgabe vor der wir stehen - Sie hier im Kongreß, die Mitglieder meiner
Administration und die gesamte Bevölkerung unseres Landes.
sicher, daß wir gemeinsam erfolgreich sein werden.
+ + +

- 15 -

Ich bin

�Dokumentation
United States Information Service

10/1977

CARTER FORDERT DRASTISCHE ENERGIESPARMASSNAHMEN
Ansprache an das amerikanische Volk am 18. April 1977

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 18. April 1977 in
seinem zweiten sogenannten "Gespräch am Kamin" - diesmal von seinem Schreibtisch aus - das amerikanische Volk zu drastischen Energiesparmaßnahmen aufgerufen.

In einem wie er selbst eingangs sagte, "unangenehmen Gespräch" be-

reitete er die Öffentlichkeit auf seine am übernächsten Tag dem Kongreß vorgelegte neue Energiepolitik vor.
Die von allen Rundfunk- und Fernsehanstalten übertragene Ansprache des
Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend mit Ihnen ein unangenehmes Gespräch über ein
Problem

führen, das in unserer

Geschichte ohne Beispiel dasteht.

Abgesehen

von der Verhütung eines Krieges stellt es die größte Aufgabe dar, der sich
unser Land zu unseren Lebzeiten gegenübersieht.

Die Energiekrise hat uns

nicht überwältigt, sie wird es aber tun, wenn wir nicht rasch handeln.
Sie

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Sie ist ein Problem, das wir nicht in einigen wenigen Jahren werden lösen können.

Es wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach bis Ende dieses Jahr-

hunderts immer mehr verschärfen.

Wir dürfen weder selbstsüchtig noch schüch-

tern sein, wenn wir unseren Kindern und Kindeskindern eine brauchbare Welt
hinterlassen wollen.

Wir müssen einfach die Nachfrage nach Energie in Ein-

klang mit unseren rasch schwindenden Ressourcen bringen.

Wenn wir jetzt han-

deln, können wir über unsere Zukunft selbst bestimmen und brauchen nicht zuzulassen, daß die Zukunft über uns bestimmt.
In zwei Tagen werde ich dem Kongreß meine Energievorschiä'ge unterbreiten.
Seine Mitglieder werden meine Partner sein, und sie haben mir bereits viele
wertvolle Ratschläge erteilt.
Viele meiner Vorschläge werden unpopulär sein.

Einige werden von Ihnen

verlangen, Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen und Opfer zu bringen.
Das wichtigste Charakteristikum dieser Vorschläge besteht darin, daß
die Alternativen zu ihnen einer nationalen Katastrophe gleichkämen. Jeder
weitere Aufschub kann unsere Stärke und unsere Macht als Nation beeinträchtigen. Unsere Entscheidungen auf dem Energiesektor werden den Charakter des
amerikanischen Volkes und die Regierungsfähigkeit des Präsidenten und des
Kongresses auf die Probe stellen. Dieses schwierige Unterfangen wird das
"moralische Äquivalent des Krieges" sein - abgesehen davon, daß wir unsere
Anstrengungen zusammenfassen, um aufzubauen, und nicht, um zu zerstören.
Ich weiß, daß manche unter Ihnen zweifeln werden, ob wir überhaupt vor
einer echten Energieknappheit stehen. Die Schlangen vor den Tankstellen aus
dem Jahre 1973 sind verschwunden, und unsere Wohnungen sind wieder warm.
Unser Energieproblem ist aber heute schwieriger als es 1973 und selbst
noch vor einigen Wochen in der Starre des Winters war. Es ist deshalb schlimmer, weil es zu weiterer Verschwendung gekommen und noch mehr Zeit verstrichen
ist, ohne daß wir etwas für die Zukunftsplanung getan hätten. Und es wird
- 2 -

�wird jeden Tag schwieriger werden, wenn wir nicht endlich handeln.
Die Erdöl- und Erdgasvorkommen, von denen wir in unserer Energieversorgung zu 75 Prozent abhängig sind, nähern sich der Erschöpfung.

Trotz zuneh-

mender Anstrengung geht die heimische Produktion seit Jahren stetig um jährlich rund 6 Prozent zurück.
Jahren verdoppelt.

Die Einfuhren haben sich in den vergangenen fünf

Die Unabhängigkeit unserer Nation von wirtschaftlichen

und politischen Maßnahmen wird zunehmend eingeengt.

Wenn wir keine tiefgrei-

fenden Veränderungen bewirken, um unseren Ölverbrauch zu vermindern, wird es
nach unseren Erkenntnissen schon Anfang der achtziger Jahre dahinkommen, daß
die Welt nach mehr öl verlangt, als die Erde zu geben vermag.
Die Welt verbraucht gegenwärtig etwa 60 Millionen Barrel öl pro Tag,
und die Nachfrage steigt jährlich um etwa fünf Prozent. Das bedeutet, daß
wir, um auch nur Schritt zu halten, jedes Jahr ein neues Texas, alle neun Monate ein neues Nordalaska oder alle drei Jahre ein neues Saudi-Arabien brauchten. So kann es offensichtlich nicht weitergehen.
Wir müssen auf unsere Geschichte zurückblicken, um unsere Energieprobleme zu verstehen. Zweimal kam es in den letzten Jahrhunderten zu einer
Wende in der Art der Energienutzung.
Die erste erfolgte vor rund 200 Jahren:

Die Abkehr vom Holz, das bis

dahin etwa 90 Prozent des Brennstoffbedarfs gedeckt hatte, und die Hinwendung zur Kohle, die sich als weit effizienter erwies.

Dieser Wandel gab

die Basis für die industrielle Revolution ab.
Die zweite Wende erfolgte in diesem Jahrhundert mit dem wachsenden Einsatz von öl und Erdgas. Sie waren praktischer und billiger im Gebrauch als
Kohle, und die Vorräte schienen fast unbegrenzt. Sie machten das Zeitalter
des Automobils und Flugzeugs als Reisemittel möglich. So gut wie alle heute
Lebenden sind in diesem Zeitalter aufgewachsen und haben es nie anders gekannt.,
Weil
- 3 -

�Weil öl und Gas knapp zu werden beginnen, müssen wir uns rasch auf
einen dritten Wandel vorbereiten: Auf starke Einsparungen bei diesen Energiestoffen und die zunehmende Verwendung von Kohle und die Nutzung von erneuerungsfä'higen Energiequellen wie beispielsweise die Sonnenenergie.
Die Welt ist auf eine solche Zukunft nicht vorbereitet.

In den fünf-

ziger Jahren wurde zweimal so viel öl wie in den vierziger Jahren verbraucht,
und in den sechziger Jahren wiederum doppelt so viel wie in den fünfziger Jahren.

In jedem einzelnen dieser Jahrzehnte wurde mehr öl verbraucht als in

der ganzen vorausgegangenen Menschheitsgeschichte.
Der Weltverbrauch an öl steigt noch immer.

Würde diese steigende Ten-

denz in den siebziger und achtziger Jahren bei einer Steigerungsrate von jährlich fünf Prozent wie in der Vergangenheit beibehalten, wären bis Ende des
nächsten Jahrzehnts alle bekannten ölreserven in allen Teilen der Welt aufgebraucht.
Ich weiß, daß viele unter Ihnen vermuten, gewisse öl- und Gasvorkommen
seien bisher verheimlicht worden.

Sie können durchaus recht haben.

Aber Ihr

Mißtrauen gegen die ölgesellschaften kann die Tatsache nicht aus der Welt
schaffen, daß die Erdölvorräte zu Ende gehen.
Wir alle haben von den riesigen ölfeldern im Norden Alaskas gehört. In
einigen Jahren, wenn die ölförderung dort auf vollen Touren laufen wird,
dürfte sie gerade dem Zwei Jahreszuwachs unserer Energienachfrage entsprechen.
Jede neue Bestandsaufnahme der Welt-Erdölreserven hat sich bisher als beunruhigender erwiesen als die vorausgegangene. Die Erdölförderung kann vielleicht noch sechs bis acht Jahre steigen; aber zu irgendeinem Zeitpunkt in
den achtziger Jahren wird sie nicht mehr wesentlich erhöht werden können. Die
Nachfrage wird die Förderung übersteigen. Es gibt keinen Ausweg.
Wir
- 4 -

�Wir haben jedoch insofern eine Wahl, als wir uns klar machen können, wie
wir uns in den nächsten Jahren verhalten wollen. Jeder Amerikaner verbraucht
das Energieäquivalent von 60 Barrel öl pro Jahr,
schwenderischste Land der Erde„

Unser Land ist das ver-

Wir vergeuden mehr Energie als wir einführen.,

Bei etwa gleich hohem Lebensstandard verbrauchen wir etwa die doppelte Energiemenge pro Kopf der Bevölkerung wie andere Länder, darunter selbst Deutschland, Japan und Schweden,
Eine Alternative besteht darin, fortzufahren wie bisher. Wir können uns
so noch einige weitere Jahre dahintreiben lassen. Unser Ölverbrauch würde
dann Jahr für Jahr weiter steigen. Unsere Kraftfahrzeuge würden auch weiterhin zu groß und unwirtschaftlich sein. Dreiviertel derselben würden nach wie
vor nur einen Menschen - den Mann am Steuer - befördern, während unsere Massenverkehrsmittel weiterhin etwa 50 Prozent der dort anfallenden Wärme als Abwärme vergeuden würden. Wir können auch damit fortfahren, knaoDes öl und Erdgas zur Elektrizitätserzeugung zu verwenden und in diesem Prozeß zwei Drittel
des Heizwertes zu verschwenden.
Wenn wir nicht handeln, werden wir auf diese Weise gegen 1985 rund 33
Prozent mehr Energie verbrauchen als heute. Wir können unsere heimische Erzeugung nicht mehr wesentlich steigern, so daß wir gezwungen wären, doppelt
so viel Erdöl zu importieren als heute.
Die Lieferquellen werden unsicher sein, die Kosten werden weiter steigen. Vor sechs Jahren zahlten wir 3,7 Mrd. Dollar für unsere Erdöl Importe;
im vorigen Jahr waren es 36 Mrd. Dollar - oder fast zehnmal so viel; und dieses Jahr werden wir wahrscheinlich 45 Mrd. Dollar aufbringen müssen
Wenn wir nichts unternehmen, werden wir bis 1985 über 550 Mrd, Dollar
für die öleinfuhr aufwenden müssen - über 2500 Dollar für jeden Mann, für jede Frau und für jedes Kind in Amerika.

Zusätzlich zu diesem Geld werden wir

auch weitere Arbeitsplätze verlieren und immer anfälliger gegen Lieferunterbrechungen werden.
Heute
- 5 -

�Heute haben wir noch eine Wahl. Wenn wir aber länger zuwarten, werden
wir in ständiger Angst vor Lieferembargos schweben. Wir würden damit unsere
Freiheit gefährden, in außenpolitischen Fragen als souveräne Nation zu handeln.
Innerhalb von zehn Jahren wären wir dann nicht mehr in der Lage, öl in
ausreichenden Mengen einzuführen - aus keinem Land und auf keinen Fall zu einem annehmbaren Preis.
Wenn wir zuwarten und nicht handeln, werden sich unsere Fabriken außerstande sehen, unsere Leute angesichts rückläufiger Brennstofflieferungen weiter zu beschäftigen.

Allzuwenige Kraftwerke werden dann auf Kohle, den wich-

tigsten heimischen Energiestoff, umgestellt sein. Wir werden dann nicht bereit sein, unser Transportsystem mit kleineren und wirtschaftlicheren Kraftfahrzeugen und einem verbesserten Netz von Bussen, Bahnen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln zu betreiben.
Wir werden dann unter verstärkten Druck geraten, unsere Umwelt noch mehr
auszuplündern.

Wir werden dann ein Sofortprogramm zum Bau von noch mehr

Kernkraftwerken, zur Intensivierung des Tagebaus, zur Verbrennung noch größerer Kohlemengen und zur Erbohrung von noch mehr Ölquellen vor der Küste in
Angriff nehmen müssen, als dies notwendig sein wird, wenn wir heute schon mit
der Einsparung von Energiestoffen beginnen.
Die Inflation wird sich dann beschleunigen und die Produktion verlangsamen während immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.
Es wird ferner ein noch härterer Wettbewerb unter den Völkern und unter
den einzelnen Regionen innerhalb des eigenen Landes ausbrechen.
Wenn wir es versäumen, umgehend geeignete Maßnahmen zu treffen, werden
wir einer wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Krise entgegen'
gehen, die unsere freien Institutionen gefährden könnte.
Wir

�Wir haben jedoch auch eine andere Möglichkeit.
beginnen, uns hierauf vorzubereiten.
deln, solange wir Zeit haben.

Wir können heute damit

Wir können uns entschließen, zu han-

Das genau ist das Konzept der Energiepolitik,

die wir am Mittwoch vorschlagen werden.
Unsere nationale Energieplanung stützt sich auf zehn grundlegende Prinzipien.
Das erste Prinzip besagt, daß wir eine wirksame und umfassende Energiepolitik nur dann betreiben können, wenn die Regierung die Verantwortung übernimmt und wenn das Volk den Ernst der Herausforderung begreift und bereit
ist, die erforderlichen Opfer zu bringen.
Das zweite Prinzip postuliert, daß ein gesundes Wirtschaftswachstum anhalten muß. Nur bei entsprechenden Einsparungen an Energie können wir unseren
Lebensstandard aufrechterhalten und unserem Volk genügend Arbeitsmöglichkeiten
bieten. Ein wirksames Energiesparprogramm wird Hunderttausende neuer Arbeitsplätze schaffen.
Das dritte Prinzip betrifft den notwendigen Schutz unserer Umwelt. Unsere Energieprobleme haben dieselben Ursachen wie unsere Probleme auf dem Gebiet des Umweltschutzes: die verschwenderische Nutzung natürlicher Ressourcen.
Deren Konservierung gestattet es uns, beide Probleme in einem Zuge zu lösen.
Das vierte Prinzip besagt, daß wir unsere Verwundbarkeit bei möglicherweise verheerenden Liefersperren verringern müssen.

Wir können uns selbst von

ungewissen Zulieferungen unabhängig machen, indem wir unseren ölbedarf durch
eine möglichst weitgehende Inanspruchnahme reichlich vorhandener Energiestoffe
wie Kohle und die Anlage strategischer Erdölreserven vermindern.
Der fünfte Grundsatz beinhaltet die Forderung, fair zu sein. Unsere Lösungen müssen jeder Region, jeder Bevölkerungsschicht und jeder Interessengruppe etwa gleich große Forderungen auferlegen. Die Industrie wird ihren
- 7 -

�ihren Teil zu den Energieeinsparungen ebenso beisteuern müssen wie dies von
den Verbrauchern erwartet werden wird.

Auch die Energieproduzenten verdie-

nen eine faire Behandlung; wir werden es aber nicht zulassen, daß die ölgesellschaften die eigentlichen Nutznießer sein werden.
Das sechste Prinzip, das eigentliche Fundament unserer Politik, läuft
darauf hinaus, die Nachfrage durch Einsparungsmaßnahmen zu senken.

Unsere

nachdrückliche Betonung von Einsparungen markiert einen eindeutigen Unterschied zwischen diesem Plan und früheren Plänen, die lediglich zu erhöhten
Förderungsleistungen anspornen sollten.

Die Einsparung von Energie ist die

rascheste, billigste und praktischste Energiequelle.

Die Einsparung von

Energie ist auch die einzige Methode, mittels derer wir ein Barrel Rohöl für
ein paar Dollar kaufen können; ein Barrel ül zu verschwenden, aber kostet
13 Dollar.
Das siebte Prinzip bestimmt, daß die Preise für Energie im allgemeinen
den tatsächlichen Gegenwert derselben widerspiegeln müssen. Es hieße uns
selbst betrügen, wenn wir die Energiekosten künstlich niedrig halten und somit mehr Energie verbrauchen würden, als wir uns tatsächlich leisten können.
Das achte Prinzip entspricht der Auffassung, daß die staatliche Politik vorhersagbar und sicher sein muß. Sowohl die Verbraucher als auch die
Produzenten verlangen nach einer Politik, auf die sie in ihrer Planung für morgen zählen können. Das ist einer der Gründe, warum ich gemeinsam mit dem
Kongreß ein neues Energieministerium zu errichten beabsichtige, das über 50
Behörden ersetzen soll, die gegenwärtig gewisse Kontrollbefugnisse auf dem
Energiesektor ausüben.
Das neunte Prinzip bestimmt, daß wir bei solchen Brennstoffen sparen
müssen, die selten vorkommen und in erster Linie solche verwenden sollten,
die in größeren Mengen verfügbar sind. Wir können nicht damit fortfahren,
öl und Gas zur Deckung von 75 Prozent unseres Energiebedarfs heranzuziehen,
während sie nur sieben Prozent unserer gesamten heimischen Energiereserven dar-

�darstellen.

Wir müssen auf die reichlich vorhandene Kohle zurückgreifen

und gleichzeitig Vorkehrungen zum Umweltschutz treffen und strengere Sicherheitsmaßstä'be bezüglich der Kernenergie einführen.
Das zehnte Prinzip erfordert, daß wir umgehend damit beginnen, neue unkonventionelle Energiequellen zu erschließen, auf die wir uns im nächsten
Jahrhundert stützen können.
Von diesen zehn Grundsätzen, gingen wir auch bei der Entwicklung der Politik aus,die ich Ihnen und dem Kongreß am Mittwoch unterbreiten werde.
Unser Energieplan wird auch eine Reihe spezifischer Ziele einschließen,
an Hand derer sich der Fortschritt in Richtung auf ein stabileres Energiesystem bemessen lassen wird.
Folgende Ziele werden für 1985 festgesetzt:
- Die Jahreswachstumsrate unseres Energiebedarfs auf einen Satz von weniger als zwei Prozent zu senken.
- Den Benzinverbrauch gegenüber dem derzeitigen Bedarf um zehn Prozent
zu kürzen.
- Den Anteil des Importöls am amerikanischen Ölverbrauch um die Hälfte
zu kürzen - von potentiell 16 Millionen Barrel pro Tag auf nur sechs Millionen
Barrel pro Tag.
- Eine strategische Erdölreserve von einer Milliarde Barrel oder mehr als
einem Halbjahresbedarf zu errichten.
- Unsere Kohleförderung um etwa zwei Drittel auf über eine Milliarde
Tonnen im Jahr zu steigern.
- 90 Prozent aller amerikanischer Wohnungen und sämtliche Neubauten
wärmezuisolieren.
- Die Sonnenenergie in über zweieinhalb Millionen Häusern zu nutzen.
Wir
- 9 -

�Wir werden den Fortschritt in Richtung auf diese Zielsetzungen Jahr
für Jahr analysieren.

Unser Plan sieht noch strengere Einsparungsmaßnahmen

für den Fall vor, daß die gesteckten Ziele nicht erreicht werden.
Ich kann Ihnen nicht sagen, daß diese Maßnahmen leicht fallen werden,
und sie werden auch nicht populär sein.

Nach meinem Dafürhalten werden sich

jedoch die meisten unter Ihnen darüber im klaren sein, daß eine Politik, die
keine Änderungen und Opfer erforderlich macht, keine erfolgreiche Politik sein
kann.
Dieser Plan ist von entscheidender Bedeutung für unsere Bestrebungen,
die Arbeitsplätze zu sichern, die Umwelt zu schützen, unseren Lebensstandard
zu erhalten und für die Zukunft zu sorgen.
Ob dieser Plan wirklich etwas verändert, wird sich nicht hier in
Washington, sondern in jeder Stadt, Fabrik und Familie wie auch auf jeder
Fernstraße und jeder Farm entscheiden.
Nach meinem Dafürhalten handelt es sich hier um eine positive Herausforderung. An den Veränderungen, die wir zu bewirken hoffen, haftet etwas
typisch und spezifisch Amerikanisches. Wir waren in unserer gesamten Geschichte immer stolz, ein zu Leistungen fähiges Volk zu sein. Wir waren immer stolz auf unseren Einfallsreichtum und unser Geschick bei der Lösung
amerikanischer Probleme. Wir brauchen diese Leistungsfähigkeit und diesen
Ideenreichtum heute mehr denn je.
Wir waren stolz auf unsere führende Rolle in der Welt. Nunmehr haben
wir Gelegenheit, der Welt abermals ein positives Beispiel zu geben.
Und wir waren immer stolz auf unsere Zukunftsvorstellungen.

Wir hatten

immer den Wunsch, unseren Kindern und Kindeskindern eine Welt zu hinterlassen,
die ihnen reichere Möglichkeiten bietet, als sie uns zu Gebote standen. Unsere Kinder sind es, für die wir heute Vorsorge treffen müssen.
- 10-

Sie sind

�sind diejenigen, die am meisten darunter leiden würden, wenn wir nicht handeln.
Ich habe Ihnen hier einige der Prinzipien meines Plans dargelegt.
Ich bin sicher, daß jedem unter Ihnen irgendetwas an den Einzelheiten
unserer Vorschläge mißfallen wird.

Dieser Plan verlangt von Ihnen, daß Sie

Opfer bringen und Veränderungen in Ihrem Lebensstil hinnehmen.

Gewiß, die

Opfer werden schmerzlich sein - aber das ist jedes einigermaßen sinnvolle
Opfer.

Sie werden zu manchen Kostensteigerungen führen und manche größere

Unbequemlichkeiten für jedermann

mit sich bringen.

Die Opfer werden aber nur allmählich gefordert werden und realistisch
und notwendig sein. Allem voran werden sie fair sein. Niemand wird einen
unangemessenen Vorteil aus diesem Plan ziehen können, und niemand wird gezwungen sein, einen ungebührlichen Anteil an seinen Lasten zu tragen. Wir
werden die Daten, die uns die öl- und Erdgasgesellschaften zugängig machen,
genau prüfen, um zu erfahren, wieviel sie tatsächlich produzieren, welche
Vorräte und Reserven sie besitzen und welche Gewinne sie machen.
Bürger, die darauf bestehen, riesige und übermotorisierte Kraftfahrzeuge
zu fahren, können sicher sein, daß sie für diesen Luxus künftig mehr als bisher bezahlen müssen.
Wir müssen damit rechnen, daß sämtliche Interessengruppen in unserem
Land jeweils den Teil dieses Plans angreifen werden, der sie unmittelbar betrifft. Sie werden erklären, daß Opfer gut seien, solange andere sie bringen, daß aber das ihnen abverlangte Opfer unvernünftig, unfair und dem Lande
abträglich wäre. Wenn sie damit Erfolg haben, wäre den normalen Bürgern, die
in keiner Interessengruppe organisiert sind, eine Bürde aufgelastet, unter
der sie zusammenbrechen müßten.
Es
- 11 -

�Es gibt nur einen Maßstab für dieses Programm: den Nutzen für unser Land.
Andere Generationen von Amerikanern fanden sich vor große Herausforderungen gestellt und sie haben sie bewältigt.

Ich vertraue darauf, daß die

Lösung dieser Aufgabe unser eigenes Leben bereichern wird.

Wenn Sie sich

uns anschließen und im Geiste des Patriotismus und des Mutes mit uns zusammenarbeiten, werden wir den Beweis liefern, daß unsere große Nation die Welt
in ein Zeitalter des Friedens, der Unabhängigkeit und der Freiheit zu führen
vermag.

- 12 -

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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service

22. A p r i l 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Carter umreißt Lateinamerika-Politik der Vereinigten Staaten
- Rede vor dem Ständigen Rat der OAS am 14. April 1977 -

WIRTSCHAFT
Das Anti-Inflationsprogramm Carters
- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 15. April 1977

HINTERGRUNDMATERIAL
Kernstoff Plutonium - Gemeinrisiko für die Sicherheit
- Präsident Carter begründet neue US-Nuklearpolitik und Stopp für
kommerzielle Wiederaufbereitungsanlagen -

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�3
I 3

Dokumentation
United States Information Service

9/1977

CARTER UMREISST LATEINAMERIKA-POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede vor dem Ständigen Rat der OAS am 14. April 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 14. April in einer
richtungweisenden Rede vor dem Ständigen Rat der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) die Lateinamerika-Politik seiner Administration dargelegt. In
kurzen Begrüßungsworten, teilweise in Spanisch, erinnerte Carter an eine Ansprache, die er vor drei Jahren nach einer Lateinamerikareise vor dem gleichen
Gremium gehalten hat. Die anschließenden Ausführungen des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
"An jenem Tag in Atlanta vor drei Jahren vermittelte ich Ihnen einige
der Gedanken, die meine Frau und ich im Laufe unseres Besuches in mehreren
amerikanischen Staaten gesammelt hatten. Ich sprach vor allem von der Notwendigkeit ständiger Zusammenarbeit, Konsultation und Harmonie unter den Nationen der westlichen Hemisphäre. Daran glaube ich heute als Präsident der
Vereinigten Staaten noch genau so fest wie damals vor drei Jahren als Gouverneur von Georgia.
Ich freue mich, daß ich hier in diesem schönen Haus der OAS zu Gast
sein darf.

Die Organisation Amerikanischer Staaten stand drei Jahrzehnte

lang für gegenseitige Achtung unter souveränen Staaten, für Frieden und für

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�für die Herrschaft des Rechts in der westlichen Hemisphäre.

Die Charta

der OAS verpflichtet uns zur persönlichen Freiheit und zur sozialen Gerechtigkeit.

Ich bin heute hierhergekommen, um unsere eigene Verpflichtung zu

diesen Zielen erneut zu bekräftigen.
Die Herausforderung, vor der wir heute stehen, erfordert jedoch mehr
als nur eine Bekräftigung dieser Grundsätze.
finden, sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir müssen Mittel und Wege
Wenn wir das tun wollen, dann

müssen wir uns über die Veränderungen in unseren Beziehungen klar werden,
die in den letzten zehn Jahren stattgefunden haben, und wir müssen offen und
ehrlich die Unterschiede eingestehen, die zwischen uns bestehen.
Wir müssen unsere heutige Politik und unsere heutigen Institutionen
an diese Veränderungen anpassen, damit wir unsere Ziele wirksamer verfolgen
können.
Als Nationen der 'Neuen Welt' glaubten wir einst, daß wir in Isolation
von der 'Alten Welt' gedeihen könnten. Aber vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir alle so lebenswichtige Rollen in der Weltgemeinschaft übernommen, daß Isolation heute unseren eigenen besten Interessen und anderen
Ländern schaden würde. Unser Beitritt zum Internationalen Währungsfonds, zur
Weltbank und zum Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) sind Zeichen
dafür, daß wir das begriffen haben. Dazu gehört auch die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD), die Raul Prebisch aus
Argentinien zu einem wichtigen Forum der Entwicklungswelt machte. Venezuela
ist heute Ko-Vorsitzender der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) in Paris. Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika ist eine Quelle vieler schöpferischer Ideen für die
Entwicklung in der ganzen Welt. Die Führer vieler lateinamerikanischer Staaten
sind eine treibende Kraft zur Verbesserung der Nord-Süd-Verhandlungen gewesen.
Auf all diese Weise gehörten die Nationen Lateinamerikas zu den ersten,
die in unserer sich verändernden Welt erkannt haben, wie wichtig es ist, daß
- 2 -

�daß sich globale Institutionen an die neuen Realitäten von heute anpassen.
Die Probleme und die Aussichten unserer Region sind so vielfältig geworden wie die der ganzen Welt.

Die Volkswirtschaften der meisten latein-

amerikanischen Länder haben sich rasch entwickelt, wenn auch natürlich in
unterschiedlichem Tempo.

Manche haben eine eindrucksvolle Wachstumsrate

aufzuweisen; einige gehören zu den ärmsten Entwicklungsländern der Welt.
Manche verfügen über reichliche Energiequellen; andere leben in einer verzweifelten Energieknappheit.

Manche unserer Länder exportieren nur Grund-

stoffe; andere sind zu wichtigen Exporteuren von modernen Fertigwaren geworden, wieder andere exportieren kaum etwas.

Ihre Probleme des Marktzugangs,

des Technologietransfers und der Schuldenregelung trotzen manchmal selbst
einer regionalen Lösung.
Neben der wirtschaftlichen Unterschiedlichkeit haben wir alle auch vielerlei Formen und Systeme in der Regierung entwickelt.

Diese Unterschiedlich-

keit hat zu Nationalstolz und nationaler Stärke geführt,und in dem Maße, in
dem Sie eine unabhängigere und wichtigere Rolle in der Weltpolitik gespielt
haben, haben wir alle damit begonnen, eine normalere und ausgewogenere und
gleichberechtigte Beziehung aufzubauen.
Im Lichte dieser Veränderungen hätte eine einschichtige amerikanische
Politik gegenüber Lateinamerika wenig Sinn.

Wir müssen die Dinge heute in

einem größeren Zusammenhang sehen und eine flexiblere Haltung einnehmen, zu
der wir in enger Konsultation mit Ihnen gelangen.

Wir werden zusammen Poli-

tiken entwickeln, die der Eigenart und dem Potential einer jeden Nation besser
entsprechen.

Bei diesem Prozeß werde ich besonders darauf bedacht sein, daß

wir nicht versuchen, die Nationen Lateinamerikas untereinander zu spalten
oder Lateinamerika von der übrigen Welt zu isolieren.

Unser Ziel ist, die

Probleme in einer Weise anzupacken, die zu einer produktiven Lösung führt
- global, regional und bilateral.
Unsere
- 3 -

�Unsere neue Haltung wird auf drei Grundelementen beruhen:
Das erste dieser Elemente ist die hohe Achtung vor der Individualität
und Souveränität eines jeden Landes in Lateinamerika und in der Karibik.
Wir werden in anderen Ländern nichts unternehmen, was wir in unserem eigenen
Lande nicht dulden würden.
Das zweite ist unsere Achtung vor den Menschenrechten, eine Achtung,
die so sehr Teil Ihrer eigenen Tradition ist.

Unsere und Ihre Werte verlan-

gen von uns, daß wir gegen Verletzungen der Freiheit des Einzelnen, einschließlich jener, die aus politischer, sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit
geschehen, kämpfen.
Daß diese Werte auch unser eigenes Anliegen sind, wird natürlich unsere
Beziehungen mit den Ländern der westlichen Hemisphäre beeinflussen, und Sie
werden unser Land, die Vereinigten Staaten von Amerika, in der ganzen Welt
bereitfinden, nachdrücklich neben jenen Nationen zu stehen, die die Menschenrechte achten und die demokratischen Ideale fördern.
Das dritte ist unser Wunsch, den großen Fragen zum Durchbruch zu verhelfen, die die Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern berühren. Ihre wirtschaftlichen Probleme sind ebenfalls ihrer Natur
nach global und können nicht allein auf regionaler Basis gelöst werden. Einige unserer eigenen globalen Politiken sind von besonderem Interesse für andere amerikanische Staaten. Wenn auf diesen Gebieten wesentliche Entscheidungen getroffen werden, dann werden wir uns mit Ihnen konsultieren.
Die Vereinigten Staaten werden eine positive und offene Haltung zu Verhandlungen über Abkommen zur Stabilisiemng der Rohstoffpreise, einschließlich
der Einrichtung einer gemeinsamen Vereinbarung zur Finanzierung
von Ausgleichsvorräten (Buffer Stocks), einnehmen, wo diese Bestandteil eines
individuellen und ausgehandelten Abkommens sind.
Wir

�Wir nehmen aktiv an den multilateralen Handelsverhandlungen mit Ihren
Regierungen in Genf teil.

Wir haben uns verpflichtet, Handelsschranken auf

ein Minimum zu senken und die besonderen Handelsprobleme der Entwicklungsländer in Rechnung zu stellen sowie für eine besondere und günstigere Behandlung
zu sorgen, wo dies möglich und angebracht ist.

Wir sind der Überzeugung, daß

dies in unserem gegenseitigen Interesse liegt und wichtige neue Möglichkeiten
für den Lateinamerikahandel bietet.
Unsere eigene Wissenschaft und Technologie kann für viele Ihrer,Länder
von Nutzen sein. So sind wir beispielsweise bereit, Ihre Techniker auszubilden, damit sie mehr Informationen nutzen können, die von unseren Erdsatelliten gesammelt werden, und Sie damit in die Lage versetzt werden, bessere
Entscheidungen im Management ihrer Ressourcen und Ihrer Umwelt zu treffen.
Die Technologie des Weltraumfernmeldewesens kann ferner ein schöpferisches
Werkzeug sein, um Ihnen beim Aufbau Ihrer nationalen Fernsehsysteme zur Förderung der Bildungs- und Kulturaufgaben zu helfen.
Ich habe den Kongreß ersucht, unsere Zusagen für die Interamerikanische
Entwicklungsbank und die anderen multilateralen Kreditinstitute voll zu erfüllen, die einen großen Teil ihres Kapitals an die relativ fortschrittlichen
Entwicklungsländer in Lateinamerika ausleihen.
Und schließlich lenken wir mehr und mehr unserer bilateralen Wirtschaftshilfe in die ärmeren Länder. Wir sind ferner bereit, zusammen mit anderen
Ländern neue Mittel und Wege zu sondieren, wie wir in einem weiteren Bereich
institutioneller, menschlicher Entwicklung hilfreich sein können, sowie technologische Wege, die diese Länder in die Lage versetzen könnten, wirksamer mit
den Problemen der Bedürftigen fertig zu werden. Wir alle tragen eine besondere Verantwortung, den ärmsten Ländern der Welt zu helfen, ebenso wie den
ärmsten Menschen in jedem unserer Länder.
Ich möchte noch kurz etwas über Privatinvestitionen sagen.

Ihre Re-

gierungen sind begreiflicherweise daran interessiert, Regeln festzulegen, die
- 5 -

�die private Investoren dazu ermutigen, eine wichtige Rolle in Ihrer Entwicklung zu spielen.

Wir unterstützen Ihre Bemühungen und sind uns darüber im

klaren, daß es heute einer neuen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bedarf,
wenn ausländische Investitionen in der Kombination von Technologie, Kapitalmanagement und Markterfahrung bei Ihrem Entwicklungsbedarf den größten Nutzen
bringen sollen.

Wir werden auf diesem Gebiet das unsrige tun, um zwischen

Ihren Regierungen und der unsrigen Meinungsverschiedenheiten und Mißverständnisse zu vermeiden.
Einer der bedeutsamsten Trends unserer Zeit ist das Verhältnis zwischen
den Entwicklungsländern der Welt und den Industriestaaten.

Wir ziehen aus

Ihrem Rat und Beistand Nutzen, und wir zählen darauf, daß Sie Ihre konstruktive Führung einbringen und uns in diesem Nord-Süd-Dialog helfend zur Seite
stehen werden.
Wir hoffen ferner darauf, mit allen Nationen zusammenzuarbeiten, um der
Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von Kernsprengstoff Einhalt zu gebieten.

Die Staaten Lateinamerikas haben vor zehn Jahren die Initiative er-

griffen, als Sie die erste kernwaffenfreie Zone in irgendeinem

bewohnten Ge-

biet der Erde schufen.
Der Vertrag von Tlatelolco ist ein Modell, das unserer Bewunderung würdig ist. Die Vereinigten Staaten werden ihrerseits unterzeichnen, und ich
werde den Senat ersuchen, das Protokoll Nr. 1 des Vertrages zu ratifizieren,
das die Stationierung von Kernwaffen in Lateinamerika verbietet.
Das Verbot der Ausbreitung von nuklearen Brennstoffen erfordert jedoch
keine Aufgabe der Vorteile der friedlichen Nukleartechnologie. Wir wollen
mit Ihnen allen bei der Entwicklung neuer Technologien für die Nutzung des
Atoms für friedliche Zwecke eng zusammenarbeiten.
Um den kostspieligen Aufbau konventioneller Waffen zu bremsen, streben
wir eine weltweite Politik der Zurückhaltung an.
- 6 -

Wir legen in unserer eigenen

�eigenen Politik in der ganzen Welt Zurückhaltung an den Tag, und wr

werden

mit Liefernationen und in Frage kommenden Käufern über Mittel und *agt sprechen, um eine gemeinsame Lösung auszuarbeiten.

Wir sind ferner der Aurfassuriy,

daß regionale Abkommen zwischen Produzenten und Käufern ebenfalls einer solchen weltweiten Anstrengung dienen können.
Ich habe den größten Teil des heutigen Vormittags damit zugebracht, an
einer neuen amerikanischen Politik zur Verringerung der Verkäufe von konventionellen Waffen in der ganzen Welt zu arbeiten.
teinamerika die Führung übernommen.

Auch hier haben Sie in La-

Die Verpflichtung von acht südamerika-

nischen Staaten, den Erwerb von Offensivwaffen in ihrer Region zu begrenzen,
ist ein eindrucksvolles Beispiel. Wenn diese acht Länder ihre Verpflichtung
verwirklichen können, dann werden nicht nur ihre eigenen Völker davon profitieren.

Sie werden eine Norm für andere in der ganzen Welt aufgestellt haben

Das sind unsere Herausforderungen für die Zukunft. Es gibt auch Probleme
aus der Vergangenheit, die uns plagen, und wir müssen zusammenarbeiten, um
sie zu lösen.
Ein Problem, das sich uns stellt, ist der Panama-Kanal.

In den ersten

Tagen meiner eigenen Administration, erst vor ein paar Wochen, habe ich Anweisung gegeben, mit einem neuen Geist an unsere Verhandlungen mit Panama über
einen neuen Kanal vertrag heranzugehen.

Im Lichte der Veränderungen, von denen

ich vorhin gesprochen habe, ist der Vertrag aus dem Jahre 1903, der unser Verhältnis mit Panama bezüglich des Kanals regelt, nicht mehr angemessen oder
sachgerecht.
Ich habe mich fest verpflichtet, so unverzüglich wie möglich einen neuen
Vertrag auszuhandeln, der die legitimen Ansprüche Panamas als souveräner Staatund unsere und Ihre Interessen an einem leistungsfähigen Betrieb des neut^ait-Kanals in Rechnung stellt, der ohne jede Diskriminierung allen Benutzern offen
steht.
Ein
- 7 -

�Ein weiteres Problem, das wir irgendwie gemeinsam anpacken müssen, ist
die Kuba-Frage. Wir sind der Meinung, daß ein normales Verhalten in den internationalen Beziehungen und insbesondere die Beilegung von Differenzen eine
Kommunikation mit allen Ländern der Welt erfordert.

Dieses Ziel vor Augen,

bemühen wir uns festzustellen, ob die Beziehungen zu Kuba auf einer ausgewogenen und beiderseitigen Grundlage verbessert werden können.
Ich trete für Freizügigkeit zwischen den einzelnen Ländern ein.

Ich

habe die Beschränkungen für amerikanische Staatsbürger aufgehoben, die ins
Ausland zu reisen wünschen.
Beschränkungen mehr.

Heute gibt es keine von unserem Lande auferlegte

Heute habe ich ebenfalls ähnliche Reisebeschränkungen

für in den USA ansässige Ausländer aufgehoben.
Wir wollen den internationalen Reiseverkehr fördern, und wir müssen in
diesem Zusammenhang die über die nationalen Grenzen hinausreichenden Probleme
stärker berücksichtigen.

Drogen und internationales Verbrechen, einschließ-

lich des Terrorismus, stellen die traditionellen Konzeptionen der Diplomatie
vor neue Aufgaben.
zusammenarbeiten.

Zum Nutzen unserer Völker müssen wir bei diesen Fragen
Mit jedem weiteren Jahr nehmen diese Probleme einen zentra-

leren Platz in unseren Überlegungen ein.
Seit langem habe ich ein Interesse an der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) gezeigt, und mir liegt sehr daran, daß sie eine immer konstruktivere Rolle spielt.
Die Vollversammlung der OAS ist immer ein wichtiges Forum für den direkten
Meinungsaustausch zwischen unseren Regierungen gewesen. Solche ministeriellen
Konsultationen sind außerordentlich nützlich. Sie setzen uns in den Stand, unsere kollektive Stärke auf politische und wirtschaftliche Probleme zu konzentrieren.
Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte hat wertvolle Dienste
geleistet.

Sie verdient verstärkte Unterstützung für die Wahrung und Förderung
- 8 -

�Förderung der Menschenrechte, und die Vereinigten Staaten werden koordinier
und multilaterale Maßnahmen auf diesem Gebiet anstreben.

Die Vereinigten

Staaten werden die Amerikanische Konvention für Menschenrechte unterzeichnen,
die vor einigen Jahren in Costa Rica ausgehandelt worden ist. und den Senat,
um Billigung ersuchen.

Und wir werden in Zusammenarbeit mit internationalen

Behörden erweiterte Programme zur Unterstützung politischer Flüchtlinge fordern.

Ich fordere diese Organisation und all ihre Mitgliedstaaten nachdrück-

lich auf, eine aktivere Rolle bei der Versorgung, dem Schutz und der Wiederansiedlung politischer Flüchtlinge zu spielen.
Die friedenserhaltende Funktion der OAS ist fest in ihre Charta eingebettet. Ich möchte den Generalsekretär der OAS ermutigen, auch in Zukunft
eine aktive und effektive Rolle in dem Bemühen um friedliche Lösungen verschiedener schon langanhaltender Streitfragen in der westlichen Hemisphäre
zu spielen. Die Vereinigten Staaten werden seine Bemühungen und Initiativen
unterstützen.
Die OAS ist natürlich nicht das einzige Instrument der Zusamnr^arbeit
zwischen den Nationen des amerikanischen Kontinentes. Die Interamerikanische
Entwicklungsbank gehört zu den wichtigsten multilateralen Institutionen für
die Förderung der Entwicklung in der Welt von heute» Dadurch, daß wir Länder
von außerhalb mit einbeziehen, legt die Interamerikanische Entwicklungsbank
Zeugnis für das wachsende Engagement Lateinamerikas gegenüber der übrigen Welt
ab.
Innerhalb der westlichen Hemisphäre arbeiten viele von Ihnen bei der regionalen Integration von Anstrengungen mit - einschließlich der Bemühungen
im karibischen Raum, beim Mittelamerikanischen Gemeinsamen Markt und im AndenPakt.

Wir befürworten solche Anstrengungen.

Sie sind die ersten Schritte

auf dem Wege zur Verwirklichung der Vision Bolivars von einer vereinigten
Hemisphäre.
Lassen

�Lassen Sie mich zum Abschluß eine Sache anschneiden, die mir auf Grund
meines langjährigen Interesses an interamerikanischen Angelegenheiten besonders am Herzen liegt.

Meine Frau und ich haben Mexiko und Brasilien be-

reist, die beiden größten und sich am raschesten verändernden Länder in Lateinam*&gt;rika, und dort viele Freunde gewonnen.

Und wir haben auch andere Län-

der in Mittel- und Südamerika besucht und auch dort zahlreiche Freunde gewonnen.

Meine Frau lernt gegenwärtig Spanisch, zusammen mit der Gattin des Außen-

ministers, und ich selbst habe versucht, meine Spanischkenntnisse, die ich
auf der Schule erworben habe, nicht einrosten zu lassen.

Ich habe mit aller

Deutlichkeit erkannt, wieviel Gutes und welche Bereicherung mein Land durch
die Völker und Kulturen der Karibik und Lateinamerikas erfahren haben.

Wir

sind miteinander verbunden - das sehe ich ganz klar - durch die Kultur, die
Geschichte und durch gemeinsame Zielsetzungen und Ideale.
In den Vereinigten Staaten lebt praktisch die viertgrößte Spanisch sprechende Bevölkerung der Erde.

Ich habe mich bemüht, während meines Wahlfeld-

zuges in den letzten zwei Jahren mit vielen dieser Menschen zusammenzutreffen.
Sie gaben mir ihre Unterstützung, ihre Ermutigung und ihren Rat.

Die Bücher,

die wir lesen, die Musik, die wir hören, der Sport, den wir treiben - dies
alles spiegelt wider, daß wir einander immer mehr bewußt werden.
Dieser Austausch auf geistigem, sozialem, kulturellem und pädagogische'"
Gebiet wird weitergehen - sei es mit oder ohne Regierungshilfe. Es gibt jedoch Maßnahmen, die die Regierungen treffen können, um diesen Prozeß zu beschleunigen und zu intensivieren. Wir planen daher,in den kommenden Monaten
zusammen mit Ihren Regierungen - auf individueller Basis oder hier in der OAS Möglichkeiten für neue "people-to-people" (Volk zu Volk)-Programme, für einen
verstärkten Austausch von Wissenschaftlern und Experten und für andere Wege
zu sondieren, durch die die zwischen uns bereits bestehenden Bande noch verstärkt werden können.
Wir stehen vor der Aufgabe, unsere Institutionen einer sich wandelnden
Welt gegenüber wach und aufgeschlossen zu halten.
- 10 -

Wir müssen unsere Aufmerk-

�-

T

-

Aufmerksamkeit auf die Probleme, denen sich unsere Länder gegenübersehen,
konzentrieren und jede Lösung den einzelnen Problemen anpassen.
Wie Sie wissen, bin ich neu im Amt des Präsidenten.
Menge zu lernen.
amerika.

Ich habe noch eine

Mein Herz und mein Interesse gehören in hohem Maße Latein-

Ich begrüße jede Gelegenheit, um die Bande der Freundschaft und das

Gefühl einer gemeinsamen Zielsetzung und enger Konsultation mit den Staaten
und den Völkern der Karibik und Lateinamerika zu stärken.
Viele von Ihnen hier sind Führer und Repräsentanten

Ihrer Regierung» Ich

bitte Sie um Ihren Rat und um Ihre Unterstützung, wenn wir in der Zukunft gemeinsam Problemen gegenüberstehen werden.

Für unser Land und auch für uns be-

deutet es sehr viel, enge, bilaterale und direkte Beziehungen zu Ihnen zu unterhalten.
Wir sehen in der OAS, die dankenswerter Weise hier in Washington ihr
Hauptquartier hat, eine Verbindungsstelle, über die wir mehr lernen und Ratschläge erhalten und Pläne für die Zukunft machen können.
Simon Bolivar war überzeugt, daß wir unsere Ziele nur erreichen könnten,
wenn unsere Völker frei sind und unsere Regierungen harmonisch zusammenarbeiten,
Ich hoffe, daß die von mir heute umrissenen Maßnahmen und gegebenen Zusicherungen uns zu diesen Zielen des Friedens und der Freiheit hinführen werden.
Ich danke Ihnen!"

+ + + + +

- 11 -

�Wift/chaft
United States Information Service

9/1977

DAS ANTI-INFLATIONSPROGRAMM CARTERS
Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 15. April

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 15. April 1977 ein umfassendes Programm zur Bekämpfung der Inflation in den Vereinigten Staaten
bekanntgegeben. Das Programm enthält 19 Punkte und soll dazu dienen,
die Inflation in den USA bis Ende 1979 um zwei Prozentpunkte zu senken.
Wie Carter auf einer Pressekonferenz am gleichen Tage versicherte, ist
nicht an Lohn- oder Preiskontrollen gedacht, sondern der Präsident erwartet, daß sich Unternehmer und Arbeitnehmer freiwillige Zurückhaltung
auferlegen werden. Daneben ist eine Reihe von Maßnahmen der Regierung
vorgesehen, um unter anderem eine Zurückhaltung in der Ausgabenpolitik,
eine Senkung des Verwaltungsaufwandes und eine Stabilisierung der Rohstoffpreise zu erreichen.
Carter wies auf seiner Pressekonferenz darauf hin, daß das am 20. April
erwartete Energieprogramm der Regierung eine gewisse inflationäre Wirkung
haben könne und daher gegengesteuert werden müsse. Trotzdem werde das
Konjunkturprogramm fortgesetzt. Die am 14. April getroffene Entscheidung,
die Steuerrückzahlung von 50 Dollar pro Person - die zur Belebung der Verbrauchernachfrage gedacht war - nicht durchzuführen, hänge nicht direkt mit

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�mit dem Anti-Inflationsprogramm zusammen, erklärte der Präsident, jedoch
sei die Nachfrage stärker gestiegen als erwartet.

Daher habe man auf

diesen weiteren Anreiz verzichtet.
Wesentlicher Teil des Anti-Inflationsprogramms ist ein Konsultationsmechanismus von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Regierung
konzertierter

- eine Art

Aktion.

Die vom Weißen Haus herausgegebene Erklärung Carters hat in wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:
Ich gebe heute eine Reihe von Maßnahmen bekannt, die darauf abzielen,
die Inflation unter Kontrolle zu bringen und zu senken.

Dieses Programm

umfaßt folgende Elemente:
•

- Fiskalische Disziplin, um bis zum Hauhaltsjähr 1981 mit einer Rückkehr zu einer normalen Wirtschaft ein ausgeglichenes Budget zu erreichen.
- Ein Abkommen zwischen führenden Unternehmern und Gewerkschaftern, um
den Rahmen für Konsultationen mit der Regierung zu schaffen, wie wir unsere
Ziele der Arbeitsplatzbeschaffung, Inflationskontrolle und anderer wirtschaftlicher Prioritäten erreichen können.
- Bemühungen des Rates für Lohn- und Preisstabilität, Analysen anzustellen und Informationen über die inflationären Verhältnisse auf einzelnen
Märkten und in einzelnen Industriezweigen zu liefern.
- Ein Frühwarnsystem im Rahmen des Rates für Lohn- und Preisstabilität,
das Verknappungen und Engpässe voraussagt und verhütet.
- Wirksame Anreize für die Unternehmer, im Rahmen einer umfassenden
Steuerreform die Investitionen in neue Produktionskapazität zu erhöhen.
- Ein
- 2 -

�- Ein neues Programm, um den Anstieg der Krankenhauskosten zu dämpfen.
- Eine Beschäftigungspolitik, die Nachdruck legt auf fachliche Ausbildung, gezieltere Arbeitsplatzvermittlung und verbesserte Vermittlungsdienste, um offene Stellen mit verfügbaren Arbeitskräften zu besetzen.
- Förderung erhöhter Produktivität in Unternehmen und Landwirtschaft.
- Initiativen, um die starken Schwankungen in der Rohstoffversorgung
abzuschwächen, die die Inflation in den letzten Jahren angeheizt haben.
Das soll durch folgende Maßnahmen geschehen: Lebensmittelreserven beim
Farmer, um die Verbraucherpreise und das Einkommen der Farmer stabilisieren zu helfen... Verhandlungen zur Verringerung der Schwankungen im
Weltmarktpreis von Zucker und Getreide und eine offene Betrachtung der
Möglichkeiten von Preisabkommen für andere Rohstoffe... Zusammenarbeit mit
dem Kongreß, um zu gewährleisten, daß Rohstoffe aus den strategischen Vorräten Amerikas zur Verfügung gestellt werden, wenn es in Friedenszeiten zu
Versorgungsschwierigkeiten kommen sollte.
- Regelmäßige monatliche Zusammenkünfte des Vorsitzenden des Zentralbankenrates, meiner selbst und meiner Hauptwirtschaftsberater, um eine
bessere Koordinierung der Währungs- und der Haushaltspolitik zu erreichen.
- Volle Überprüfung der wirtschaftlichen Kosten wichtiger Regierungsverordnungen durch eine wirksamere Analyse ihrer wirtschaftlichen Auswirkung.
-Größerer Nachdruck darauf, die Einhaltung von Verordnungen durch Anreize
und Verhaltensnormen zu erreichen statt durch detaillierte Festlegung von
Durchführungsbestimmungen, größerer Nachdruck auf Anstrengungen zur Erhöhung der Effektivität und zum Abbau der Bürokratie und der zeitlichen
Verschleppung.
- Reform

�- Reform der Preisbindung, um eine verstärkte Konkurrenz innerhalb
preisgebundener Industrien zu erreichen, einschließlich einer großen
Anstrengung, die Fluggesellschaften und andere Industriezweige, in denen
die Preisbindung den Wettbewerb unnötig hemmt, aus der Preisbindung herauszunehmen.
- Zusammenarbeit mit anderen Ländern, einschließlich einer Unterstützung des Internationalen Währungsfonds, um die weltweite Inflationstendenz zu verringern.
- Benutzung der internationalen Handelspolitik, um Wettbewerbspreise
für den Verbraucher sicherstellen zu helfen, während glächzeitig die
legitimen Forderungen bestimmter amerikanischer Industriezweige und
Arbeiter in Rechnung gestellt werden.
- Ausarbeitung von Verfahren, um kostspielige und unnötige Verzögerungen bei der Erteilung von Baugenehmigungen durch Regierungsbehörden
zu vermeiden.
- Strikte Anwendung der KarteiIgesetze, einschließlich einer Verhinderung von Preisabsprachen und monopolistischen Praktiken.
- Reorganisation der Bundesregierung, um die Regierungstätigkeit zu
straffen, ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen und sie zu einem wirksameren
Instrument zur Erreichung unserer nationalen Ziele im Rahmen der Haushaltsgrenzen zu machen.
- Eine wirksamere Beschaffungspolitik des Bundes, einschließlich noch
stärkerer wettbewerbsorientierter Ausschreibungen und eines stärkeren und
wachsameren Neuverhandlungsausschusses.
Im vorigen Jahr betrug die Inflationsrate im Durchschnitt sechs Prozent.
Wenn wir diese Inflationsrate senken wollen, dann bedarf dies einer ver-

�vereinten natione&gt;n Anstrengung.
übernehmen.

Die Bundesregierung wird die Führung

Ich habe bereits Haushaltsentscheidungen getroffen, um das

Defizit im Bundeshaushalt zu senken und die Kosten für öffentliche
Programme im Rahmen zu halten, und ich habe überhöhte Zölle und Quoten
für die Einfuhr von Schuhen und Pilzen abgelehnt.

Diese Entscheidungen

waren schwer, aber für das große Ziel der Verringerung der Inflation notwendig.
Niemand sollte von der Regierung leichte Antworten erwarten, denn es
gibt keine. Und die Regierung kann die Aufgabe nicht allein schaffen.
Wir stehen auf dem Gebiet der Energie und auf anderen Gebieten von
nationaler Wichtigkeit vor schweren Entscheidungen.

Ich bin jedoch über-

zeugt, daß Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam, sozusagen
als Zwischenziel, vernünftigerweise eine Verringerung der Inflationsrate
um zwei Prozentpunkte bis Ende 1979 anstreben können, ohne dabei unsere
Verpflichtung zur Vollbeschäftigung aufgeben zu müssen.
Wenn wir die Inflation in den Griff bekommen wollen, dann müssen alle
Teile der amerikanischen Volkswirtschaft zusammenarbeiten. Auf lange Sicht
ist der einzige Weg, der zu mehr Arbeitsplätzen führt, stabile Preise und
ein höheres Realeinkommen für unsere ganze Bevölkerung...
Das Anti-Inflationsprogramm... ist auf die Natur des Problems zugeschnitten, vor dem wir stehen.
Es besteht aus drei Hauptteilen:
Wirtschafts- und haushaltspolitische Maßnahmen, die das Wachstum
fördern und gleichzeitig jede übermäßige Stimulierung vermeiden; spezifische staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation; und freiwillige
Anstrengungen seitens der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Regieruna,
das uns allen gemeinsame Ziel der Bereitstellung von neuen Arbeitsplätzen,
der Förderung eines stetigen Wachstums und der Eindämmung der Inflation TM_
- 5 -

�zu erreichen...
Die Wirtschaft bietet bei Zugrundelegung wirklich objektiver Maßstäbe
hinreichenden Spielraum für eine weitere Expansion, ohne einen NachfrageÜberhang zu produzieren.

Viele Kreise fürchten jedoch, daß die der-

zeitige staatliche Haushaltspolitik einen erneuten inflatorisehen Druck
zur Folge haben wird.

Ich möchte mich diesen Befürchtungen direkt zuwenden.

Unzureichende Steuereinnahmen als Folge einer Stagnation der Wirtschaft nicht aber legitime Ausgabenvorhaben des Bundes - sind die Hauptursache von
Defiziten.

Wir haben heute hohe Haushaltdefizite, weil die schlimmste

Rezession der letzten 40 Jahre noch immer nicht abgeschlossen ist.
In diesem Maße, in dem die Rezession zurückgeht, müssen auch die
Defizite schrumpfen und schließlich gänzlich aufhören.

Wir dürfen es nicht

zulassen, daß die Drivate und die staatliche Nachfrage zusammengenommen
die Produktionskapazität der heimischen Wirtschaft übersteigen, weil dies
mit Sicherheit den inflatorisehen Druck verstärken würde.

Ich habe die

bindende Zusage gemacht, bis zum Haushallsjahr 1981 in einer normalisierten
Volkswirtschaft zu einem ausgeglichenen Haushalt zu gelangen, und ich werde
alles tun, was ich zu tun vermag, um dieses Versprechen zu halten.
Zwei Schritte sind für einen ausgeglichenen Staatshaushalt von entscheidender Bedeutung. Der erste ist eine anhaltende Ausweitung der
privaten Wirtschaft, die eine stetige Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze,
der Einkommen und der Steuereinnahmen des Bundes auslösen wird. Meine
Vorschläge bezüglich der unmittelbaren Schaffung neuer Arbeitsplätze
und der ständigen Verminderung der Steuersätze für die Bezieher niedriger
und mittlerer Einkommen werden uns auf diesem Weg ein Stück voranbringen,
und ich ersuche deshalb den Kongreß dringend, die diesbezüglichen
gesetzgeberischen Maßnahmen unverzüglich zu verabschieden.
Der

- 6 -

�Der zweite Schritt besteht darin, die Zunahme der öffentlichen Ausgaben
in den vor uns liegenden Jahren in engen Grenzen zu halten.

Die Haushalts-

voranschläge, die ich einzubringen gedenke, werden deshalb vertretbare
Ausgaben-Obergrenzen vorsehen, und ich werde unablässig mit allen Regierungsstellen und auch dem Kongreß zusammenarbeiten,um sicherzustellen, daß diese
auch tatsächlich eingehalten werden.
Die Haushaltsvoranschläge, die meine Zustimmung erhalten, werden auf einen
Plus-Minus Null-Ausgleich aller Programme der Bundesregierung gerichtet sein.
Der Kongreß hat in Durchführung der im Haushalt-Reformgesetz niedergelegten
Verfahren seine Sorge um eine verantwortungsbewußte Haushaltspolitik zum
Ausdruck gebracht. Nach meinem Dafürhalten können wir in Zusammenarbeit
sowohl den Erfordernissen unseres Landes nachkommen als auch gleichzeitig
innerhalb vertretbarer Grenzen der Steuerpolitik bleiben.
Ich habe die Reorganisation der Regierung und die Steigerung ihrer
Effektivität zu einer Schlüsselfrage meines Präsidentschaftswahl kämpfes
gemacht.

Ich beabsichtige, die mir inzwischen vom Kongreß erteilten neuen

Reformvollmachten dazu zu benutzen, die Arbeitsweise der Bundesregierung
zu straffen.
Um eine engere wirtschaftliche Konsultation innerhalb des gesamten
Regierungsapparates sicherzustellen, werden wir regelmäßig monatliche
Zusammenkünfte zwischen mir, dem Vorsitzenden des Zentralbankenrates und
einigen meiner Wirtschaftsberater abhalten.
Ein Kurs in der Steuer- und Geldpolitik, wie ich ihn hier umrissen
habe, sollte es dem Zentralbankenrat gestatten, eine Ausweitung der Geldmenge und des Kreditvolumens zuzulassen, die mit mäßigen Zinssätzen und
einem stetigen und nicht-inflationären Wachstum der Beschäftigung und der
Produktion vereinbar ist... Zusätzlich zu einer wohlüberlegten Steuerpolitik
kann die Regierung eine Reihe spezifischer Maßnahmen ergreifen, um unsere
Verletzlichkeit durch neue inflatorische Pressionen zu vermindern und die

- 7 -

�die derzeitigen Inflationsraten zu senken.

Ich schlage Maßnahmen auf

insgesamt elf Gebieten vor
1.

Der Rat für Lohn- und Preisstabilität: Wir werden in unserer Strategie

im Kampf gegen die Inflation den Schwerpunkt auf die Bemühungen legen,
spezifische inflationäre Probleme schon bei ihrem Auftauchen zu erkennen
und sogleich wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen.

Um dieses Ziel zu erreichen,

- wird der Rat für Lohn- und Preisstabilität seine Tätigkeit auf die
Erstellung bis in Einzelheiten gehender und zeitbezogener Analysen der
Wirtschaftslage in jenen Industriezweigen und auf jenen Märkten ausrichten,
die für die Stabilisierung der Preise wichtig sind...
- wird der Rat die bereits bestehende Praxis fortführen, sachliche
Informationen in bezug auf Löhne, Preise, Kapazitäten und andere Entwicklungen in besonderen Industriezweigen zu veröffentlichen.

Er wird

ferner künftig gelegentlich im Zusammenhang mit wichtigeren inflatorisehen
Entwicklungen öffentliche Anhörungen vornehmen...
- wird der Rat für die jeweils zuständigen Behörden Analysen spezifischer staatlicher Verordnungen und gesetzgeberischer Maßnahmen auf deren
inflatorische Auswirkungen hin erstellen.
Die gesetzliche Vollmacht zur Tätigkeit des Rates erlischt am
30. September 1977. Ich ersuche den Kongreß, dieselbe um weitere zwei
Jahre zu verlängern. Ich beantrage ferner eine bescheidene Erhöhung
der Haushaitsbewi11igungen für den Rat...
2.

Ein Frühwarnsystem: Ich werde den Rat für Lohn- und Preisstabilität

anweisen, in Einzelheiten gehende Branchen-Studien im Bereich der Industrie
zum Zwecke der frühzeitigen Erkennung sich herausbildender Engpässe,
Kapazitätsknappheiten und anderer Probleme zu erstellen, die, sofern man
nichts gegen sie unternimmt, erhebliche Preissteigerungen zur Folge haben
könnten.

Der Rat wird seine besondere Aufmerksamkeit auf die Grundstoff-

industrien, auf Märkte mit künftig möglichen Verknappungen, auf Märkte von
größerer wirtschaftlicher Bedeutung und auf Märkte richten, auf denen die
- 8 -

�die staatliche Politik beträchtliche Auswirkungen auf die Nachfragesituation
im Inneren zu zeitigen vermag.
3.

Rohstoffvorrats!ager:

Wenn die Preise für Rohstoffe und Nahrungs-

mittel bei steigender Tendenz schwanken, werden davon meist alle Wirtschaftszweige berührt, kommt es doch zu generellen Preis- und Lohnerhöhungen;
ein Nachgeben der Rohstoffpreise hat jedoch keine vergleichbaren Rückwirkungen auf Preise und Löhne.

Eine Verminderung der Ausschläge bei den

Rohstoffpreisen trägt somit zur Eindämmung der Inflation bei. Um ausreichende Rohstoffvorratslager anlegen zu können, müssen mehrere Maßnahmen
getroffen werden:
- Der Landwirtschaftsminister hat, gestützt auf bereits bestehende
gesetzliche Handhaben, ein Programm entwickelt, das eine geregelte, farmseitige Anlage von Futtergetreidereserven in Perioden günstiger Erträge
und niedriger Preise gestattet. Diese Vorräte können unter gewissen Bedingunger, zur Gewährleistung einer stabileren Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten freigegeben werden. Sie können ferner mithelfen,
den Absatz amerikanischer Agrarprodukte im Ausland zu beleben, indem wir
mit ihrer Hilfe den Beweis erbringen, daß wir Lieferverpflichtungen auch
in Zeiten nachkommen können, in denen wir selber schlechte Ernten zu verzeichnen haben.
- Meine Regierung wird in Verhandlungen zum Abschluß internationaler
Getreide- und Zuckerabkommen eintreten, um Preisschwankungen zu vermindern.
Wir werden auch mit Offenheit andere Produkteabkommen in Erwägung ziehen,
die auf eine Verminderung der Preisausschläge abzielen.
- Wir werden mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß
Rohstoffe aus unseren strategischen Vorratslagern dazu benutzt werden,
um Versorgungsschwierigkeiten in Friedenszeiten zu beheben. Um der Industrie
die Beurteilung der künftigen Marktverhältnisse zu erleichtern, sollten alle
diesbezüglichen Anstrengungen jedoch die Verwendung strategischer Vorräte
für Zwecke der allgemeinen Preisstabilisierung ausschließen.
4. Anreize

�4.

anreize für Neuinvestitionen und Kapazitätserweiterung: Das Tempo

der Erweiterung der Produktionskapazitäten muß erhöht werden, um mögliche
Verknappungen zu vermeiden... Wirksame Investitionsanreize werden eine
Schlüssel rolle in der umfassenden Steuerreform dieser Administration
spielen...
5.

Staatliche regulierte Expansionsraten: In der Vergangenheit haben

staatliche Lenkungsmaßnahmen häufig eher dazu beigetragen, die hiervon
begünstigten Industrien zu schützen, statt ihre Leistungsfähigkeit zu
steigern und ihre Kosten zu senken.
eine Tendenzwende einzuleiten.

Wir haben viele Möglichkeiten, hier

Die Neufassung beziehungsweise gänzliche

Beseitigung von Bestimmungen, die nicht länger den nationalen Erfordernissen gerecht werden, kann die Verbraucherpreise senken helfen.
Diese Administration hat bereits zu verstehen gegeben, daß sie für eine
Reform der Bestimmungen zur Regulierung der Luftfahrt eintritt. Wir werden
auch die Möglichkeiten für eine Steigerung des Wettbewerbs in anderen
staatlich reglementierten Wirtschaftszweigen im Auge behalten.
Eine Behörde für Verbraucherberatung, die zu errichten ich den Kongreß
bereits ersucht habe, könnte für den Verbraucher, der ja letztlich doch
die Rechnung zu bezahlen hat, auch insofern eine nützliche Rolle spielen,
als sie schon bei der Abfassung von regulativen Bestimmungen mitwirken
kann.
6.

Andere Bestimmungen:

Es sind Schritte möglich, die Umwelt zu ver-

bessern und die Verbraucher und Arbeiter vor Gefahren für ihre Gesundheit
und Sicherheit ohne übermäßige Kosten und ohne viel Bürokratie zu schützen.
- Ich habe zu Anstrengungen angeregt, unnötige staatliche Bestimmungen
aufzuheben und neu erforderliche staatliche Bestimmungen zu vereinfachen
und mit geringerem zeitlichen Verzug inkraftzusetzen.

Es muß ein Über-

prüfungsverfahren entwickelt werden, um alle zum Erlaß von derartigen
Bestimmungen ermächtigten Stellen zu ermutigen, den wirtschaftlichen Aus- 10 -

�Auswirkungen der Verfügung, die sie treffen, gebührendes Gewicht beizumessen. ..
7.

Beschäftigungs- und Arbeitsmarktprogramme: Wir können sowohl unsere

Arbeitslosigkeit als auch die Inflation durch Maßnahmen reduzieren, die
die fachliche Ausbildung verbessern, die Effizienz des Arbeitsmarktes
fördern und Arbeitsmöglichkeiten für solche Gruppen einplanen, die unter
sehr hohen Arbeitslosenraten leiden.

Die staatlichen Arbeitsbeschaffungs-

programme, die in meinen Vorschlägen zur Förderung der Wirtschaft enthalten
sind, zielen auf Gruppen und Gebiete mit hoher Arbeitslosigkeit ab...
8. Internationale Handelspolitik: Eine Zusammenarbeit mit den
Regierungen anderer Industrieländer ist von entscheidender Bedeutung für
einen Abbau der weltweiten Inflation.
Meine Administration wird die sich für den Verbrauc1 n.r aus dem Welthandel ergebenden Vorteile in Übereinstimmung bringen mit der Notwendigkeit, störende Einflüsse auf die amerikanischen Arbeiter und Firmen zu
mildern. Der Handel kann eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Inflation
spielen. Er ist ein wirksames Mittel, um die Effizienz zu verbessern und
um einen Wettbewerb innerhalb der amerikanischen Industrie zu wahren.
Wir können in den Genuß der Vorteile niedrigerer Preise und größerer
Produktivität gelangen, wenn wir unsere Produktion bei denjenigen
Industriezweigen erweitern, bei denen wir im Vergleich zu anderen Ländern
einen Wettbewerbsvorteil haben, während wir solche Güter einführen, die
wir bei uns zu teureren Preisen produzieren müßten.
Zoll- und Quotenrestriktionen können manchmal Vergeltungsmaßnahmen des
Auslandes gegenüber unseren eigenen Erzeugnissen auslösen.

Sie haben

Verkaufsverluste und Beschäftigungseinbußen für unsere Exportindustrie zur
Folge und führen dazu, daß die Verbraucher höhere Preise zahlen müssen.
Wir
- 11 -

�Wir werden die Vorteile eines freieren Handelssystems bei den internationalen Verhandlungen unterstreichen.

Insbesondere werden die Ver-

einigten Staaten auf einen erfolgreichen Abschluß der Tokio-Runde von
Handelsverhandlungen drängen.
Gleichzeitig ist es wichtig, daß wir Mittel und Wege finden, um zu
verhindern, daß die Einfuhrkonkurrenz einzelne einheimische Industrien
ernsthaft schädigt, und um dafür zu sorgen, daß die Effizienz und die
Wettbewerbsposition der betroffenen Industrien verbessert werden...
Diese Kombination umsichtiger wirtschaftlicher und fiskalischer Maßnahmen, die ich vorgeschlagen habe, wird gegen die Gefahr eines erneuten Anstiegs der Inflation schützen sowie sicherstellen, daß die Regierung selbst
nicht eine Hauptkraft bei der Aufrechterhaltung der Inflation darstellt.
Um jedoch dabei erfolgreich zu sein, die gegenwärtige Inflationsrate abzubauen und Fortschritte auf dem Wege zur Preisstabilisierung zu erzielen,
muß der private Sektor ebenfalls eine wichtige Rolle spielen...
Um Fortschritte ben" der Behandlung dieses Problems zu erzielen, muß
diese Aufgabe langfristia angegangen werden.
nachdrückliche und geduldige Anstrengungen.

Sie erfordert kontinuierliche,
Fs muß eine ganz Serie von

anti-inflationistischen Maßnahmen ergriffen werden, die Arbeitsplätze
schaffen, die Preise stabilisieren und die allgemeine Wirtschaftsentwicklung unter Berücksichtigung des Prinzips der Fairness und der Gerechtigkeit fördern werden.
Wenn dieser Kampf gegen die Inflation Erfolg haben soll, dann bin ich
vor allem davon überzeugt, daß eine enge Zusammenarbeit zwischen den
Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Regierung erforderlich ist. Diese
kollektive Anstrengung sollte darin bestehen, daß man der Regierung mit
Rat und Tat zur Seite steht hinsichtlich der Zielsetzungen für unsere
Wirtschaft, hinsichtlich der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Reduzierung der Inflation sowie hinsichtlich der Wege, die beschritten werden
- 12 -

�werden sollten, um diese Ziele zu erreichen und die Ergebnisse auf einer
kontinuierlichen Basis zu überprüfen.

Und was am wichtigsten ist, diese

gemeinsamen Anstrengungen müssen freiwillig und auf kooperativer Basis
erfolgen und dürfen sich nicht auf zwangsweise oder unnütze Kontrollen
gründen.
Ich habe dieses Problem mit Vertretern der Gewerkschaften und der
Wirtschaft erörtert und habe deren Zusage erhalten, daß sie bei der
Entwicklung einer gemeinsamen anti-inflationistischen Anstrengung voll
und ganz mit uns zusammenarbeiten werden.
Demgemäß habe ich den Präsidenten der AFL-CIO und den Vorsitzenden der
General Electric Company gebeten, bei der Koordinierung dieser neuen
Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften, Managerent und der Regierung
mitzuwirken. Innerhalb der Regierung habe ich den Vorsitzenden der
wirtschaftlichen Beratergruppe ersucht, im Zusammenwirken mit meinen
anderen wirtschaftlichen Beratern mit diesen Herren sowie mit anderen
Vertretern der Wirtschaft und der Gewerkschaften zusammenzuarbeiten,
um detailliertere Vorkehrungen für die Durchführung dieses Teils meines
Anti-Inflationsprogramms zu formulieren.
Ich rechne damit, daß diese Arbeiten unverzüglich beginnen. Während
diese konzertierte Aktion auf einer permanenten Basis erfolgen sollte,
hoffe ich doch, daß einige konkrete Mittel und Wege für eine Kooperation
hinsichtlich der Verminderung der Inflation auf privatwirtschaftlichem
Sektor innerhalb der nächsten Monate gefunden werden können. Ich werde
persönlich laufend informiert werden und von Zeit zu Zeit - so wie dies
notwendig wird - mit Vertretern der Gewerkschaften und der Wirtschaft
zusammentreffen...
+ + +

- 13 -

�9/1977

KERNSTOFF PLUTONIUM - GEMEINRISIKO FÜR DIE SICHERHEIT
Präsident Carter begründet neue US-Nuklearpolitik und Stopp
für kommerzielle Wiederaufbereitungsanlagen

- (AD) - Mehr als zehn Jahre lang war der mit flüssigem Natrium gekühlte
"Schnelle Brüter" (LMFBR) die zentrale Entwicklungsaufgabe im langfristigen
amerikanischen Atomprogramm.

Ende 1983 sollte die erste große Demonstrations-

anlage für eine kommerzielle Anwendung des Verfahrens kritisch werden - die
Station "Clinch River Breeder Reactor Plant" (CRBRP) im US-Bundesstaat Tennessee.

Die Kosten, ursprünglich mit einigen Hundert Millionen Dollar angesetzt,

erhöhten sich von Jahr zu Jahr und wurden zuletzt auf 1,950 Milliarden Dollar
veranschlagt.

Wachsende und ständig weiter vertiefte Informationen und Er-

fahrungen hatten zu erheblichen Änderungen der Schwerpunkte, Methodik und Organisation des LMFBR-Programms geführt.

Seine Befürworter argumentierten je-

doch stets damit, daß ohne diesen Typ eines Schnellbrutreaktors die voraussehbare Verknappung an Uran die tatsächlichen Kosten der Stromerzeugung in
den nächsten fünf Jahrzehnten in die Höhe treiben werde.

Mit dem schnellen

Brüter sei es dagegen möglich, den effektiven Kernbrennstoffvorrat beträchtlich zu erweitern und somit Stromkostensteigerungen als Folge einer begrenzten Uran-Verfügbarkeit weit in die Zukunft zu verlegen.

D-

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die beim Schnellbrutreaktor mit Flüssigmetallkühlung angewandte Technologie stellt einen der Wege dar, mit der Kernspaltung nicht nur Strom,
sondern gleichzeitig neuen und noch dazu mehr Kernbrennstoff zu erzeugen,
als für den Prozeß selbst verbraucht wird.

Im LMFBR-Reaktor wird Plutonium

"erbrütet" - ein Material, aus dem auch Atombomben hergestellt werden können.
In den Vereinigten Staaten wurden angesichts dieser Sachlage von politischer Seite und aus Wissenschaftlerkreisen immer mehr Stimmen laut, die
vor einer Forcierung und allgemeinen Anwendung der Schneilbrutreaktortechnologie nach dem LMFBR-System ebenso wie vor einer Ausbreitung der "sensitiven
Technologien" warnten.

Darunter sind kerntechnische Verfahren zu verstehen,

die - beispielsweise über die kommerzielle Wiederaufbereitung abgebrannter
Kernbrennstoffelemente - direkten Zugang zu Plutonium, hoch angereichertem
Uran oder anderen, für die Atomwaffenproduktion geeigneten Materialien ermöglichen.

Die Gefahr einer Weiterverbreitung von Kernwaffen, die schon durch

die wachsende Zahl "konventioneller" Atomkraftwerke in aller Welt größer geworden sei, werde durch solche Entwicklungen in untragbarer Weise verstärkt.
Denn auch die Abbrandelemente der Leichtwasserreaktoren, mit denen heute die
meisten Atomkraftwerke ausgerüstet sind, enthalten Plutonium - wenn auch in
wesentlich geringerer Menge,als mit dem LMFBR-Reaktor erbrütet würde.
In der kommerziellen Produktion und der Anwendung von Plutonium als
Kernbrennstoff sei nunmehr, wie Sprecher der US-Regierung erklärten, ein
"Gemeinrisiko für die Sicherheit aller Nationen" zu sehen.

Die Konsequen-

zen, die eine weitere Verbreitung von Kernwaffen oder die Ausweitung der Kapazitäten zur Herstellung von nuklearem Sprengmaterial für die Welt haben
würde, veranlaßten Präsident Carter zu einer Neuformulierung des amerikanischen Atomprogramms.

Wie er im Zusammenhang mit den damit veröffentlichten

Erklärungen erläuterte, werden die Vereinigten Staaten ihre nuklearen Forschungs- und Entwicklungsprojekte so umdirigieren, daß künftig die Arbeit
an alternativen Brennstoffzyklen, d.h. Zyklen unter Umgehung der Erzeugung
von Plutonium oder anderem potentiellem Atombombenmaterial, beschleunigt
wird.
Außerdem
- 2 -

�Außerdem wollen die USA ihre Produktionskapazität für andere, weniger
gefahrenträchtige Kernbrennstoffe vergrößern, "um ausreichend und rechtzeitig Kernbrennstoffe für den Bedarf des In- und Auslandes bereitzustellen".
Für die erforderlichen gesetzlichen Maßnahmen, die Anqebote auf Kernbrennstoff-Lieferverträge und Liefergarantieen an andere Länder ermöglichten, würden entsprechende Vorschläge ausgearbeitet.

Gleichzeitig wollen sich die

Vereinigten Staaten gemeinsam mit allen anderen Ländern darum bemühen, bessere Lösungen für die Probleme und Risiken der nuklearen Proliferaticn zu
finden.

Zwei wichtige Projekte des bisherigen amerikanischen Atomproqramms sind
von der neuen Nuklearpolitik der US-Regierung direkt betroffen: 1) die kommerzielle Wiederaufarbeitung von Abbrandelementen und die Rückführung des
daraus zu gewinnenden Plutoniums in den Kernbrennstoffzykliis, und 2) der
"Schnelle Brüter" LMFBR.

Auf die kommerzielle Aufbereitung von Abbrand. wie

sie in der industriellen Großanlage von Barnwell (South Carolina) mit der geplanten Jahreskapazität von ca. 1500 Tonnen vorgesehen war, wird völlig verzichtet.

Von Regierungsseite sind zu dem 500-Mil lionen-Dollarprojek1; künf-

tig weder Zuschüsse noch die erforderlichen Betriebsgenehmigungen zu erwarten.

Und das Brüterprogramm wird so umstrukturiert, daß z.B. die ursprüng-

lich als Schneilbrüter-Prototyp geplante Station "Clinch River" in erster
Linie Experimentierzwecken dienen und künftig nur noch wesentlich niedrigere
Zuwendungen aus dem Bundesetat als bisher erhalten wird.

Präsident Carter hob hervor, daß er nicht beabsichtige, alle Arbeiten
am Clinch-River-Projekt einstellen zu lassen, wie dies in der Ende März 1977
veröffentlichten Studie, die 21 namhafte Wissenschaftler und Wirtschaftler
im Auftrag der Ford-Stiftung durchgeführt hatten, empfohlen worden war. Aber
die Weiterentwicklung der Schnellbrutreaktor-Technologie brauche zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht forciert zu werden, weil sowohl genügend Uran als
auch Anreicherungskapazität vorhanden sei, um die jetzige Generation von
Leichtwasser-Reaktoren mit Kernbrennstoff zu versorgen.

Diese dürften bis

zum Ende dieses Jahrhunderts ihren Zweck als Stromlieferanten erfüllen.
Bei
- 3 -

�Bei der Erörterung von Alternativen zur Verwendung von Plutonium in
der nächsten Generation von Brutreaktoren, die im nächsten Jahrhundert die
Leichtwasser-Reaktoren ablösen sollen, verwies der amerikanische Präsident
u.s. auf die Möglichkeiten zur Verwendung von Thorium.

Dieses Element ist

zwar von Natur aus nicht spaltbar, kann aber unter Neutronenbeschuß durch
Neutroneneinfang in spaltbares Uran-233 umgewandelt werden.
sich als Kernbrennstoff für Reaktoren.

Dieses eignet

In Versuchsprojekten verschiedener

Länder, darunter der Bundesrepublik Deutschland, wird an dieser Entwicklung
z.T. schon seit Jahren gearbeitet.

In den USA ging der Prototyp für ein

kommerzielles Atomkraftwerk, das Thorium verwendet, im vergangenen Jahr in
Betrieb.

Jedoch sind nach Ansicht amerikanischer Experten noch weitere mög-

liche Kernbrennstoffe oder Brennstoff-Kombinationen für den Einsatz in Brutreaktoren denkbar, die unter dem Gesichtspunkt der Nichtweiterverbreitung
von Kernwaffen sicherer und damit attraktiver wären als Plutonium.

Ein

Gremium der US-Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde (ERDA) ist gegenwärtig dabei, das gesamte Feld der Brutreaktorentwicklung zu prüfen, mögliche
neue Entwicklungen aufzuzeigen und Empfehlungen auszuarbeiten.

Zu den neueren Entwicklungen zählt beispielsweise der Typ des gasgekühlten Hochtemperaturreaktors. Im Februar 1977 wurde zwischen den USA
und der Bundesrepublik ein Abkommen über die Zusammenarbeit in Forschung
und Entwicklung bei diesem Leistungsreaktortyp geschlossen. Es gilt zunächst für zehn Jahre, kann aber auf beiderseitigen Wunsch verlängert werden. Die Vereinbarung hat zum Ziel, Lösungen und Probleme von Konstruktion,
Entwicklung, Bau und Betrieb von Atomkraftwerken mit gasgekühlten Hochtemperaturreaktoren und schnellen Brütern zu finden und wissenschaftlich-technische wie wirtschaftliche Informationen auszutauschen, die sich dabei ergeben. Eine enge Zusammenarbeit der mit den einschlägigen Aufgaben befaßten
Wissenschaftlern, Ingenieuren und anderen Spezialisten ist vorgesehen.
Die Verfasser der von der Ford-Stiftung finanzierten Studie zur NuklearPolitik (sie trägt den Titel "Nuclear Power: Issues and Choices") hatten
empfohlen, anstelle

einer mit besonderem Nachdruck betriebenen Schnell- 4 -

�Schnellbrüter-Entwicklung auf der Basis des Plutonium-Brennstoffzyklus eine
größere Flexibilität in der gesamten Reaktortechnologie anzustreben.

Zum

gegenwärtigen Zeitpunkt bestehe für die Industrieländer kein zwingender
Grund, Plutonium als Kernbrennstoff einzuführen - nicht zuletzt deshalb,
weil die bisherigen Schätzungen der Uranvorräte zu niedrig

angesetzt seien.

Dennoch sollten die Brüterprogramme nicht aufgegeben, sondern unter Berücksichtigung von mehr Aspekten als bisher weitergeführt werden, damit im nächsten Jahrhundert größere Möglichkeiten zum Abfangen zu hoher Energie-Kosten
gegeben sind.
(Zu den Autoren der Studie zählen u.a. der ehemalige Präsident des
"California Institute of Technology" und jetzige US-Verteidigungsminister,
Harold Brown, der ehemalige Leiter der US-Energiebehörde FEA und jetzige Präsident der Universität New York, John C. Sawhill, der Direktor des Linearbeschleuniger-Zentrums der Stanford-Universität, Wolfgang Panofsky, der
Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Kennetz Arrow, und der Vizepräsident der Internationalen Bank für Aufbau und Entwicklung, Hollis B.
Chenery.)

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter umreißt Lateinamerika-Politik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Ständigen Rat der OAS am 14. April 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Anti-Inflationsprogramm Carters&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 15. April 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kernstoff Plutonium - Gemeinrisiko für die Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter begründet neue US-Nuklearpolitik und Stopp für kommerzielle Wiederaufbereitungsanlagen -&lt;/em&gt;</text>
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l

31
3

Information
und
Dokumentation

I

United States Information Service

15. A p r i l 1977
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zur Kernenergiepolitik vom 7. April 1977
- Wortlaut Carter erläutert seine Kernenergiepolitik
- Pressekonferenz vom 7. April 1977 INFORMATION
Interhospital '77
- US-Gemeinschaftsschau vom 7. bis 10. Juni 1977 WIRTSCHAFT
Blumenthal: Mindestens drei Jahre Prosperität
- Interview mit dem amerikanischen Finanzminister HINTERGRUNDMATERIAL
Die Begrenzung der Kernwaffen: Ein 30jähriges Bemühen
Von Alexander M. Süllivan

Um Über/endung von
Belegexemplaren uilrd
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation

E H m\
r^

United States Information Service

8/1977

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUR KERNENERGIEPOLITIK
VOM 7. APRIL 1977
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 7. April 1977 eine Erklärung zur Kernenergiepolitik der Vereinigten Staaten abgegeben, die ein
Sieben-Punkte-Programm enthält.

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

"Es gibt heute kein schwerer zu lösendes Dilemma als das im Zusammenhang
mit der Anwendung der Kernkraft. Viele Länder betrachten die Kernenergie
als die einzige reelle Chance, zumindest in diesem Jahrhundert, die Abhängigkeit ihres wirtschaftlichen Wohlergehens vom ausländischen öl zu
verringern - eine Energiequelle von unsicherer Verfügbarkeit, steigenden
Preisen und schließlicher Erschöpfung. Die Vereinigten Staaten verfügen
im Gegensatz dazu über eine große einheimische Energiequelle - Kohle aber ihre Verwendung hat auch ihre Nachteile, und auch unsere Pläne sehen
die Verwendung von Kernkraft als einen Anteil an unserer Energieproduktion
vor.
Die

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�r

Die Vorteile der Kernenergie sind also sehr real und praktisch.

Aber

die weltweite Verwendung von Kernkraft ist mit einem ernsthaften Risiko
verbunden - dem Risiko, daß Komponenten des Kernkraftprozesses dazu
verwandt werden, Atomwaffen herzustellen.
Wir haben einen wichtigen Schritt zur Verringerung des Risikos der
Ausweitung des Besitzes von Atomwaffen durch den Atomwaffensperrvertrag Nonproliferationsvertrag - unternommen, in dem über 100 Nationen übereingekommen sind, keine solchen Sprengkörper herzustellen.
noch weiter gehen.

Aber wir müssen

Die Vereinigten Staaten sind zutiefst besorgt über die

Folgen einer weiteren Ausbreitung von Kernwaffen oder der Fähigkeit zu
ihrer Herstellung für alle Nationen. Wir sind der Überzeugung, daß diese
Risiken durch eine weitere Verbreitung sensitiver Technologien, die den
direkten Zugang zu Plutonium, hochangereichertem Uran oder anderem für
die Waffenherstellung verwendbarem Material nach sich ziehen, gewaltig
erhöht werden.

Die Frage, mit der ich mich seit meinem ersten Tag im

Amt befaßt habe, ist die, wie das erreicht werden kann, ohne auf die greifbaren Vorteile der Kernkraft zu verzichten.
Wir stehen vor dem Abschluß einer überaus gründlichen Überprüfung all
der Fragen, die in Bezug auf die Nutzung der Kernkraft relevant sind.

Wir

sind zu dem Schluß gekommen, daß die bedenklichen Konsequenzen einer Proliferation und die direkten Auswirkungen auf Frieden und Sicherheit - aber
auch gewichtige wissenschaftliche und wirtschaftliche Gründe - folgende
Schritte erfordern:
- Eine wesentliche Umgestaltung der amerikanischen Kernenergiepolitik
und Kernenergieprogramme im eigenen Lande, und
- die vereinte Anstrengung aller Nationen, bessere Antworten auf die
Probleme und Risiken zu finden, die sich mit einer verstärkten Nutzung
der Kernkraft ergeben.
Ich
- 2 -

_-

�Ich gebe heute einige meiner Entscheidungen bekannt, die sich aus dieser
Untersuchung ergeben haben.
Erstens, wir werden die kommerzielle Wiederaufbereitung und Wiederverwendung des in den amerikanischen Kernkraft-Programmen erzeugten Plutoniums
auf unbestimmte Zeit aufschieben.

Aus unserer eigenen Erfahrung sind wir

zu dem Schluß gekommen, daß ein funktionsfähiges und wirtschaftliches
Kernkraftprogramm ohne eine solche Wiederaufbereitung und Wiederverwendung
in Gang gehalten werden kann.

Die Anlage bei Barnwell (Slid-Karolina) wird

vom Bund weder Unterstützung noch finanzielle Hilfe für ihren Ausbau als
Wi ederaufbereitungsanlage erhalten.
Zweitens, wir werden das amerikanische Programm für Brutreaktoren umgestalten, um Alternativvorschlägen für Brutreaktoren Priorität einzuräumen
und den Zeitpunkt hinauszuschieben, an dem Brutreaktoren kommerziell genutzt
werden.
Drittens, wir werden die Finanzierung der amerikanischen Kernforschungsund Entwicklungsprogramme so abändern, daß unsere auf alternative Kernbrennstoffzyklen gerichteten Forschungsbemühungen, die keinen direkten Zugang
zu für Kernwaffen verwendbaren Materialien bieten, beschleunigt werden.
Viertens, wir werden die amerikanische Produktionskapazität für angereichertes Uran steigern, um Kernbrennstoffe für den eigenen Bedarf und für
den Bedarf des Auslandes ausreichend und rechtzeitig verfügbar zu machen.
Fünftens, wir werden die notwendigen legislativen Maßnahmen vorschlagen,
um den Vereinigten Staaten die Möglichkeit zu geben, Kontrakte über die
Lieferung von Kernbrennstoffen anzubieten und die Lieferung dieser Kernbrennstoffe an andere Länder zu garantieren.
Sechstens

�/-

Sechstens, wir werden das Embargo für den Export von Ausrüstungen und
Technologien, die die Anreicherung von Uran und die chemische Wiederaufbereitung ermöglichen würden, weiterhin beibehalten.
Siebtens, wir werden sowohl mit den Liefer- als auch den Empfängerländern weiterhin über einen weiten Bereich internationaler Konzeptionen
und Systeme diskutieren, die es allen Nationen gestatten werden, bei
gleichzeitiger Verringerung der Weiterverbreitung der Möglichkeit zur Herstellung nuklearer Sprengstoffe ihre Ziele in der Energiepolitik zu erreichen.
Unter anderem werden wir die Möglichkeiten für die Erstellung eines Auswertungsprogrammes für Kernbrennstoffzyklen sondieren, das auf die Entwicklung alternativer Brennstoffzyklen und eine Reihe unterschiedlicher
internationaler und amerikanischer Maßnahmen abzielt, die all den Nationen
den Zugang zu Kernbrennstoffvorräten und der Lagerung von verbrauchtem
Brennmaterial gewährleisten sollen, die gemeinsam die Ziele der Nonproliferation teilen.
Wir werden weiterhin mit einer Reihe von Regierungen sehr enge Konsultationen über die wünschenswertesten multilateralen und bilateralen
Abmachungen führen, durch die sichergestellt wird, daß die Kernenercie in
schöpferischer Weise für friedliche wirtschaftliche Ziele mobilisiert wird.
Es ist unser Ziel, durch systematische und gründliche Konsultationen eine
umfassendere internationale Zusammenarbeit hinsichtlich dieser lebenswichtigen Frage zu entwickeln."

+ + + + +

- 4 -

�I

ms

r^

Dokumentation

ö

United States Information Service

8/1977

CARTER ERLÄUTERT SEINE KERNENERGIEPOLITIK
- Pressekonferenz vom 7. April 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat auf einer Pressekonferenz am
7. April 1977 seine kurz zuvor veröffentlichte Erklärung zur KernenergieDolitik der Vereinigten Staaten näher erläutert.

In einer einleitenden

Erklärung ging er zunächst kurz auf sein Konjunkturprogramm für die
amerikanische Wirtschaft ein, um dann zur Nuklearpolitik überzuleiten.
Die Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:
"Guten Morgen, ich möchte heute auf zwei Punkte eingehen und bin dann
bereit, einige Fragen zu beantworten.
Der eine Punkt bezieht sich auf die Wirtschaft und die Notwendigkeit,
das Konjunkturprograr"1 weiterhin mit Nachdruck zu verfolgen.

Nach allen uns

gegenwärtig zur Verfügung stehenden Unterlagen werden wir für das laufende
Haushaltsjahr - das Haushaltsjahr 1977 - zusammengenommen ein Ausgabenminus
plus einem Einnahmeneingang über den erwarteten Betrag von rund 10 Milliarden
Dollar hinaus haben.

Mit anderen Worten, wir haben 1977 etwa 10 Milliarden

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�•

Milliarden Dollar mehr vom amerikanischen Steuerzahler eingenommen, als
wir an Ausgaben angesetzt haben.
Ich bin unbedingt der Meinung, daß dieses Geld an den amerikanischen
Steuerzahler zurückfließen sollte. Wir brauchen es, damit die Wirtschaft
ihre gegenwärtige Stärke aufrechterhalten kann, und der einzige gerechte
Weg, den ich sehe, wäre die bereits vorbereitete Steuerrückzahlung von
im Durchschnitt 50 Dollar pro Person.

Das wären, wie ich bereits früher

gesagt habe, rund 30 Prozent der Einkommensteuer für das Jahr 1976 für
eine Familie mit einem Einkommen von rund 10 000 Dollar pro Jahr.
Der zweite Punkt, den ich anführen möchte, ehe ich Fragen beantworte,
betrifft die Bemühungen der Vereinigten Staaten, die Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von Kernsprengstoffen unter Kontrolle zu bringen.
Bereits vor 30 Jahren machte unsere Regierung bei den Vereinten Nationen
den Vorschlag, strikte internationale Kontrollen über Kernbrennstoffe
auszuüben - vor allem aber über solche, aus denen man Sprengstoffe herstellen könnte.
Während des Präsidentschaftswahl kämpfes forderten wir beide, ich und
Präsident Ford, strikte Kontrollen über Kernbrennstoffe, um eine Weiterverbreitung - eine weitere Proliferation - der Fähigkeit zur Herstellung
von Kernsprengstoffen zu verhindern.
Das schwierigste Dilemma, dem wir heute gegenüberstehen, ergibt sich im
Zusammenhang mit der Anwendung der Atomkraft. Viele Länder sehen in der
Atomkraft ihre einzige reale Chance, um mit den schwindenden öl beständen,
dem steigenden öl preis und der schließlichen Erschöpfung der öl- und Erdgasvorkommen fertig zu werden.
Unser Land ist da in einer etwas besseren Lage. Wir haben unsere
eigenen Ölvorkommen, und wir besitzen sehr umfangreiche Kohlenreserven.
Aber auch die Kohle hat ihre Grenzen. So werden auch wir weiterhin die
- 2 -

�die Atomkraft als Beitrag zu unserer Gesamtenergieerzeugung verwenden.
Die Vorteile der Kernkraft, vor allem für einige ausländische Staaten,
die weder über eigenes öl noch eigene Kohle verfügen, sind sehr konkret und
entscheidend wichtig.

Aber mit der Verwendung von Kernbrennstoffen ist

ein schwerwiegendes Risiko verbunden - das Risiko, daß Komponenten dieses
Energieerzeugungsprozesses dazu verwandt werden, Sprengstoffe oder Atomwaffen zu erzeugen.
Wir haben vor einigen Jahren mit der Durchsetzung des Atomwaffensperrvertrages (NonproliferationsVertrages), der inzwischen von annähernd 100
Staaten unterzeichnet wurde, einen wichtigen Schritt zur Verringerung dieses
Risikos getan. Aber wir müssen noch weitergehen.
Wir haben vor kurzem erlebt, daß Indien einen Sprengsatz entwickelte,
der aus einer friedlichen Kernkraftanlage gewonnen wurde, und wir wissen,
daß einige andere Staaten sehr bald ebenfalls zu den Mächten gehören werden,
die über Kernsprengstoffe verfügen.
Die Vereinigten Staaten sind tief besorgt über die Folgen der unkontrollierten Weiterverbreitung dieser Kapazität zur Erzeugung von Kernwaffen. Wir können anderen Ländern nichts vorschreiben. Aber wir sind
der Ansicht, daß diese Risiken durch eine weitere Verbreitung von Wiederaufbereitungsanlagen für den verbrauchten Kernbrennstoff, aus dem Sprengstoffe gewonnen werden können, gewaltig vergrößert werden würden.
Plutonium ist besonders giftig, und natürlich können angereichertes
Uran, Thorium und andere Metalle ebenfalls verwendet werden.
Wir stehen jetzt vor dem Abschluß einer äußerst gründlichen Überprüfung
unseres eigenen Kernkraftprogrammes. Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß
sich aus unserer eigenen Nachlässigkeit im Umgang mit diesen Materialien
und der Weiterverbreitung ihrer Anwendung durch andere Länder sehr schwer- 3 -

�schwerwiegende Konsequenzen ergeben können, und wir sind überzeugt, daß
es gewichtige wissenschaftliche und wirtschaftliche Gründe dafür gibt, daß
die Zeit für eine Änderung gekommen ist.
Daher werden wir in der Kernenergiepolitik und den Kerneneroieprogrammen
der Vereinigten Staaten im eigenen Lande eine wesentliche

Änderung vornehmen,

die ich heute bekanntgebe.
Wir werden gemeinsam mit allen anderen Ländern eine konzertierte
Anstrengung unternehmen, um bessere Antworten auf die Probleme und Risiken
der nuklearen Proliferation zu finden, und ich möchte hier einige Dinge
aufzählen, die wir speziell vorhaben.
Als erstes werden wir die kommerzielle Wiederaufbereituno und Wiederverwendung des in den amerikanischen Kernkraftprogrammen erzeugten
Plutoniums auf unbestimmte Zeit aufschieben.

Aus unserer eigenen Erfahrung

sind wir zu dem Schluß gekommen, daß ein funktionsfähiges und wirtschaftliches Kernkraftprogramm auch ohne eine solche Wiederaufbereitung und
Wied'"Verwendung von Plutonium au1rechterhalten werden kann.

So wird

beispielsweise die Anlage in Barnwell (Sud-Karohna) vom Bund weder
Unterstützung noch finanzielle Hilfe für ihren Ausbau als Wiederaufbereitungsanlage erhalten.
Zweitens, wir werden das amerikanische Programm für Brutreaktoren umgestalten, um Alternativen, d. h. Brutreaktoren, die nicht mit Plutonium
arbeiten, größere Priorität einzuräumen und den Zeitpunkt hinauszuschieben.
an dem Brutreaktoren kommerziell genutzt werden.
Wir werden die Forschung und Entwicklung nicht erstellen, aber wir
werden uns vom Plutonium abwenden u?id die Abhängigkeit vom Brutreaktor für
kommerzielle Zwecke hinausschieben,
Drittens

�Drittens, wir werden die Finanzierung der amerikanischen Kernforschungs- und Entwicklungsprogramme so lenken, daß unsere auf alternative Kernbrennstoffzyklen gerichtete Forschungen, die keinen direkten
Zugang zu für Kernwaffen verwendbaren Materialien bieten, beschleunigt
werden.
Viertens, wir werden die amerikanische Produktionskapazität für
Kernbrennstoffe, vor allem für angereichertes Uran, steigern, um andere
Länder, die sie brauchen, ausreichend und rechtzeitig mit Kernbrennstoffen versorgen zu können, damit sie es nicht notwendig haben oder ermutigt werden, ihre eigenen Materialien wieder aufzubereiten.
Fünftens, wir werden dem
Schritte vorschlagen, die es
zu unterzeichnen und anderen
verfügen, das Verlangen nach
abzunehmen.

Kongreß die notwendigen gesetzgeberischen
uns erlauben, diese Versorgungsve^träge
Ländern, die nicht über diese Fähigkeiten
Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen

Sechstens, wir werden das Embargo für den Export von Ausrüstungen
oder Technologien, die die Anreicherung von Uran und die chemische
Wiederaufbereitung ermöglichen würden, weiterhin beibehalten.
Siebtens, wir werden sowohl mit den Liefer- als auch mit den Empfängerländern weiterhin über einen weiten Bereich internationaler Konzeptionen
und Systere diskutieren, die es allen Nationen gestatten werden, bei gleichzeitiger Verringerung der Weiterverbreitung der Möglichkeit zur Entwicklung nuklearer Sprengstoffe ihren eigenen Energiebedarf zu decken.
Ein weiterer Punkt, der im Rahmen internationaler Verhandlungen
festgehalten werden müßte, ist die Tatsache, daß wir dazu beitragen
müssen, Mittel und Wege für die Lagerung von verbrauchtem Kernbrennstoff zu
finden, der hochexplosiv und hoch radioaktiv ist.
Ich

�Ich habe sehr eng und persönlich mit einigen der führenden ausländischen Staatsmänner zusammengearbeitet, die in die von uns getroffenen
Entscheidungen stark involviert sind.

Wir versuchen nicht, solchen

Ländern wie Japan, Frankreich, Großbritannien und der Bundesrepublik
Deutschland, die bereits über Wiederaufbereitungsanlagen in Betrieb
verfügen (oder bald verfügen werden), unseren Willen aufzuzwingen.
Sie haben einen besonderen Bedarf, den wir nicht haben, weil ihnen
keine eigenen Erdölprodukte zur Verfügung stehen.

Wir hoffen .iedcch, daß

sie sich uns anschließen werden, und ich bin überzeugt, daß sie sich
uns anschließen werden, wenn es gilt, eine weltweite Einsicht zu
schaffen, daß die weitere Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung
nuklearer Sprengstoffe eine außerordentliche Gefahr mit sich bringt.
Ich bin jetzt gerne bereit, einige Fragen zu beantworten.
Frage: Die vorige Administration hat einen Vorschlag gemacht,
regionale Aufbereitungsanlagen einzurichten. Manche Leute glauben, hier
werde der Nachdruck auf die falsche Sache gelegt. Bedeutet das, daß
Sie nicht für regionale AufbereitungsZentren eintreten, und zweitens, wären
Sie gewillt, die Versorgung eines Landes, das die nukleare Schwelle überschreitet, mit jeder Art von nuklearem Material einzustellen?
Antwort: Ich kann heute beide Fragen noch nicht beantworten.

Ich

habe in den letzten Tagen eingehende Gespräche "n't Ministerpräsident
Fukuda, mit Bundeskanzler Schmidt und auch mitPrenierminister Callaghan
geführt, wie diese Art Probleme gemeinsam in Angriff genommen werden
könnten.
Es liegt auf der Hand, daß die kleineren Länder, diejenigen, die heute
arbeitende Atomkraftwerke haben, einen Ort brauchen, wo sie ihren abgebrannten Brennstoff lagern oder wiederaufbereiten lassen können.

Und ich

glaube, wir werden sehr wahrscheinlich eine Aufrechterhaltung der Wieder-

�Wiederaufbereitungskapazität in ienen Ländern erleben, die ich oerade
genannt habe, und vielleicht auch in anderen.
Wir haben in unserem eigenen Lande diese Erfordernisse nicht.

Es ist

eine Option, die wir noch auf viele, viele Jahre in die Zukunft werden
prüfen müssen.
Aber ich hoffe, daß wir durch dieses einseitige Handeln eine Norm
setzen können und daß jene Länder, die heute ni H über Wiederaufbereitungsanlagen verfügen, diese Kapazität in Zukunft nich erwerben
werden.
Regionale Anlagen unter strikter internationale Kontrolle sind
offensichtlich eine Option, die wir erwägen würden.
Darüber ist noch keine Entscheidung gefallen.

Wenn wir zu der

R

Überzeugung gelangen sollten, da die Lieferung von Atombrennstoff an
ein Land erfolgt, das nicht unsere Verpflichtung zur Nonproliferation
teilt, dann würden wir diesen Brennstoff nicht liefern.
Frage: Herr Präsident, dies beinhaltet die Zusicherung - und Sie hatten
vorhin davon gesprochen - einer qarantierten und angemessenen Lieferung angereicherten Urans anstelle des benötigten Plutoniums. Denken Sie dabei
auch an irgendeine Art von Preisgarantien für Entwicklungsländer und für
ärmere Nationen, damit die Lieferungen nicht nur sichergestellt wären,
sondern auch zu einem vernünftigen Preis erfolgten für den Fall, caf
aus fehlender Wiederaufbereitung die Preise steigen würden?
Antwort: Ich weiß nicht, wie die Uranpreise in Zukunft sein werden.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird etwa ein Drittel des von uns produzierten
angereicherten Urans exportiert, ein Drittel etwa fließt in unseren eigenen
Verbrauch und etwa ein Drittel wird gelagert.
In
- 7 -

�In den letzten Jahren wurden die Planungen hinsichtlich des Baus
von Atomkraftwerken in unserem 'ande in etwa fortgeführt. Andere üinder
allerdings gehen immer stärker den Weg zu Atomkraftwerken.

Aber zum

gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich Ihnen nicht sagen, daß wir einen Preis
für Uranbrennstoff garantieren werden, der unter unseren eigenen Produktionskosten liegt; das wäre eine Frage von Verhandlungen - vielleicht
sogar auf der Basis von Verhandlungen mit den einzelnen Ländern.
Meiner Meinung nach wäre ein Standardpreis vorzuziehen; aber wir
könnten sehr wohl auch einem bestimmten Land, das nicht über die erforderlichen Mittel verfügt oder sehr eng mit uns befreundet ist oder
mit uns in dieser Angelegenheit zusammengearbeitet hat, irgendeine
finanzielle Unterstützung gewähren, um den Ankauf zu erleichtern.
Frage: C!e haben während des vergangenen Jahres wiederholt erklärt,
daß Sie eine Wel -energiekonferenz einzuberufen hofften, auf der diese
Frage wie auch andere Angelegenheiten erörtert werden könnten.

Rechnen

Sie damit, daß dies fn absehbarer Zeit der Fall sein könnte?
Antwort: Die Frage der Atomkraftwerke, die Handhabung abgebrannter
Kernbrennstoffe sowie die Begrenzung der Möglichkeit, da': neue Ländedie Kapazität erwerben, nukleare Explosivstoffe zu entwickeln,werden
auf der Tagesordnung der Gespräche stehen, die Anfang Mai in London
stattfinden. Und dies wird für uns ein kontinuierlicher Prozeß sein.
Ich darf hinzufügen, daß Außenminister Vance diese Frage auch
während seines jüngsten Besuches in Moskau mit den sowjetischen Stellen
erörtert und sie ersucht hat, sich uns in dem Bemühen anzuschließen, die
Konzeption der Nichtweiterverbreitunn zu fördern.

Ihre Antwort war

günstig. Abei dies wird längerer Verhandlungen bedürfen, und ich kann
nicht voraussagen, was die rrneDnisse. solcher Verhandlungen sein werden.
Natürlich hoffen wir, daß sie auf alle Länder der Welt anwendbar sein
werden.
Frat;c.
- 8 -

�Frage: Bedeutet die Änderung unseres einheimischen Pro'&lt;rammes, daß
Sie den Bau des Brutreaktors am Clinch River in Tennessee nicht
genehmigen werden?
Antwort: Der Clinch River-Brutreaktor wird als solcher nicht
fertiggestellt.

In meinen Haushaltsempfehlungen an den Kon&lt;iref&lt; haben

wir - ich erinnere mich nicht an die ronaue Zahl • das Plutonium-Brutreaktorprogramm, das Flüssigmetall-Schneilbrüterpronramn, um etwa
250 Millionen Dollar gekürzt.
Ich b-»n der Meinung, wir sollten mit dem Brutreaktor-Pronramm auf einer
experimentellen Basis fortfahren - Forschung und Entwicklung - aber unr
nicht annähernd so schnell auf irgendeine Art kommerzieller Nutzung
zu bewegen.
Natürlich sind wir auch besorgt über die nachteilicen wirtschaftlichen
Auswirkungen dieser Änderungen. In den Gebieten, in denen derzeitig
bestehende Arbeitsmöglichkeiten verloren gehen, werden wir im Zune
der Ausweitung unserer Kapzitäten zur Brennstoffherstellung mittels
neuer technischer Verfahren statt des bisherigen Gas^usionsprozesses etwa durch Verwendung von Zentrifugen und Laserstrahlen -- bemüht sein,
die entsprechenden Anlagen im Laufe der Zeit dort anzusiedeln.
Dies ist ein sehr langsamer Prozeß wie im Raum von Clinch River, wo
diese nachteiligen Auswirkungen auftreten könnten.
Frage: Herr Präsident, heißt das, daß Kanada, das Kernkrafteinrichtungen
an Frankreich und andere verkauft, und Frankreich, das ebenfalls an
andere verkauft - heißt das, daß wir diese anderen Länder beliefern
werden, damit sie nicht mehr Kraft(anlagen) herstellen?
Antwort:

�Antwort: Ich möchte meinen, daß die beiden Länder, die sich den
von uns ausgesprochenen Verpflichtungen am meisten nähern und uns
auf diesem Gebiet sogar noch voraus sind, Kanada - vielleicht wegen
der unglücklichen Erfahrung mit Indien - und Australien gewesen sind.
Beide Länder besitzen, so wie wir, selber beträchtliche Kernbrennstoffvorräte.
Ich möchte hoffen, daß wir mit anderen Ländern eine enge wechselseitige Beziehung entwickeln können, um den Aspekt der Konkurrenz aus
der Frage der Wiederaufbereitung auszuschalten.

Offensichtlich wird

es weiterhin einen Wettbewerb zwischen unserem eigenen Land, Kanada,
Frankreich, Deutschland und England beim Verkauf von Atomkraftanlagen
als solchen geben.

Es müßte eine klare Unterscheidung getroffen werden

zwischen der legitimen und notwendigen Verwendung von Uran und anderen
angereicherten Brennstoffen zur Elektrizitätserzeugung einerseits und
dem Verbot der Verwendung dieser Brennstoffe für Sprengstoffe andererseits.
Wir wären schlecht beraten, und es wäre für uns auch unmöglich und
unergiebig, wollten wir versuchen, andere Länder daran zu hindern, die
Kapazität zur Erzeugung von Elektrizität aus Atomkraft, die sie
brauchen, zu erlangen. Aber ich möchte hoffen, daß wir und andere
Länder eine Allianz bilden könnten, die in dieser Hinsicht doch recht
uniform sein könnte. Ich weiß, daß all die anderen Länder diese Hoffnung
mit uns teilen.
Die eine Differenz, die sehr empfindlicher Natur gewesen ist, soweit
es sich auf - sagen wir - Deutschland, Japan und andere bezieht,
besteht darin, daß sie meinen, unsere einseitige Aktion im Verzicht auf
die "iederaufbereitung verbrauchter Brennstoffe zur Produktion von
Plutonium könnte bedeuten, daß wir ihnen mit Verboten kommen oder
sie sehr ernsthaft wegen ihres eigenen Bedarfs an Wiederaufbereitungsverfahren kritisieren könnten. Das ist nicht der Fall. Sie haben voll

�voll und ganz das Recht, weiter voranzuschreiten und ihre Versuche zur
Wiederaufbereitung fortzuführen.

Wir hoffen aber, daß sie sich

gemeinsam mit uns bemühen werden, in Zukunft auszuschließen, daß es
weitere Länder gibt, die möglicherweise eine solche Kapazität zu
entwickeln im Stande wären.
Frage:Herr Präsident, sind Sie der Ansicht, daß einige der
kleineren Nationen, die sich jetzt um die Technologie der Wiederaufbereitung bemühen, dies tun, um eine Kernwaffenkapazität zugleich mit
der Befriedigung ihres legitimen Energiebedarfs oder noch zusätzlich
zu dieser zu erlangen?
Antwort: Ohne in Einzelheiter zu gehen - ich möchte nicht beginnen, Namen zu nennen - g'iaube ich, daß es auf der Hand liegt, daß
einige der Länder, über die wir uns Sorgen machen, ihre Kernkraftanlagen
dazu benutzt haben, eine eigene Kapazität zur Sprengstoffherstrllung
zu entwickeln.
Darüber gibt es keiner. Zweifel.

Indien, eine im Grunde frier" icho

Nation - zumindest ist dies die weltweit verbreitete Meinung, hat aus
den Lieferungen, die es von Kanada und von uns erhalten hat, die
Fähigkeit zur Sprengstoffherstellung entwickelt.
Wir sind überzeugt, daß es noch andere Nationen gibt, die bereits
über die potentiell^ Kapazität verfügen, Sprengstoffe zu entwickeln.
Aber wir versuchen sicherzustellen, d-'ß von diesem Zeitpunkt an die
wachsende Zahl von Staaten, die sich dem Kreis der Nuklearmächte zugesellt hätten, drastisch verringert wird. Wir können die Fehler, die
in der Vergangenheit gemacht wurden, nicht auf einmal ungeschehen
machen. Aber ich glaube, daß dies ein Schritt in der richtigen
Richtung ist.
+ + +

- 11 -

�I

Information

I

United States Information Service

8/1977

INTERHOSPITAL '77
US-Gemeinschaftsschau vom 7. bis 10. Juni 1977

Zur INTERHOSPITAL '77, die vom 7. bis 10. Juni 1977 in Hannover stattfindet, haben sich rund 35 Aussteller für den US-Gemeinschaftsstand angemeldet.

Diese Firmen sind bis auf zwei Ausnahmen in Deutschland und im übrigen

Europa noch nicht vertreten, zählen auf ihren Gebieten jedoch in den meisten
Fällen zu den bedeutendsten Lieferanten in den USA. Ihre Erzeugnisse sind
auch für den europäischen Markt teilweise neu - auf jeden Fall aber interessant.

So wird zum Beispiel ein Körperpflegesystem für bettlägerige Patien-

ten angeboten, das aus einer Spezialwanne, in der der Wascheffekt durch Wasserverwirbel ung hervorgerufen wird, besteht.
ein Spezialsitz sowie ein Spezialrollstuhl.

Ebenfalls zum System gehören
Damit wird nicht nur der Pflege-

und Personal aufwand wesentlich herabgesetzt, sondern eine wirksamere und
hygienischere Pflege erzielt.
Spezialventile für Herz-Lungen-Maschinen, Krankenhaus- und Laboreinrichtungsgegenstände, Ultraschallreinigungsanlagen, Muskelstimulatoren,
Bandagen, Kryoextraktoren für die Ophtalmologie gehören ebenso zum Ausstellungsprogramm der Amerikaner wie neuartige Impfpistolen zur nadellosen Ver-

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�«

Verabreichung von Impfungen und Injektionen (Diabetiker), wobei das Medikament durch die Kraft des Strahls in die Haut injiziert wird.
Einen breiten Raum nimmt natürlich die Elektronik ein. Hier werden unter anderem gezeigt: ein elektronisch gesteuertes Beatmungsgerät mit einstell
baren Parametern, neuartige Diagnosegeräte für extrakraniale Karotisokklusionen, ein Prozeßsteuergerät für die Laboranalysatoren Technicon SMA 12/60
und 6/60 auf Minicomputer-Basis, neuentwickelte Blutüberwachungsgeräte für
Neugeborene, Kinder und Erwachsene sowie tragbare Röntgengeräte, Spektrometer
und automatische EKG-Geräte.
Ebenfalls interessant ist ein vollständiges System für die Kryochirurgie
sowie kryochirurgische Geräte für Urologie, Proktologie, Gynäkologie, Neurochirurgie, Dermatologie, Ophtalmologie, etc.
Weitere Informationen und komplette Ausstellungsprogramme durch:
B. von Tobien
c/o J. Walter Thompson Public Relations GmbH
Siesmayerstraße 15
6000 Frankfurt a.M.
Tel.: 0611/ 75 10 76

+ + + + +

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Wirt/choft

ft

United States Information Service

8/1977

BLUMENTHAL: MINDESTENS DREI JAHRE PROSPERITÄT
- Interview mit dem amerikanischen Finanzminister -

Copyright (c) 1977, U.S. News and World Report, Inc.

Der amerikanische Finanzminister W.
Michael Blumenthal hat in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin U.S.
News and World Report in der Ausgabe
vom 11. April einen umfassenden Oberblick über den Stand und die Aussichten der Wirtschaft in den Vereinigten
Staaten gegeben. Nachfolgend ein Nachdruck in deutscher Übersetzung.

FRAGE: Herr Minister, wie lange wird die heutige Prosperität dauern?
ANTWORT: Es gibt keinen Grund, warum wir keine stetige Verbesserung der
wirtschaftlichen Verhältnisse auf lange Sicht hinaus haben könnten - mit
einem Rückgang der Arbeitslosigkeit und der Inflation und einem steigenden
Lebensstandard für alle Amerikaner.

FRAGE: Steuern wir auf einen Boom zu?
ANTWORT:

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�/

»

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß sich auf irgendeinem Gebiet der Wirtschaft ein Boom im Sinne eines nicht haltbaren Anstiegs abzeichnet.

Der

Einzelhandel läuft gut, aber nicht in einem Ausmaß, daß man von einem Boom
sprechen könnte, und das ist auch für die absehbare Zukunft nicht zu erwarten.
Immerhin rechne ich aber für das Jahr 1978, ja sicherlich für die nächsten drei Jahre, mit Aufschwung und Wachstum,

über diesen Zeitraum hinaus

kann man keine sinnvollen Voraussagen machen.
FRAGE: Wird das stetige Wachstum zu stärkerer Inflation führen?
ANTWORT: Es besteht keine Notwendigkeit, daß die Inflation schlimmer
wird.

Ja, es ist sogar so, daß wir eine gute Chance haben, die Inflations-

rate zu senken.

Wir sollten uns nicht durch die Ereignisse irgendeines be-

stimmten Monats - oder zweier Monate - hypnotisieren lassen - wie beispielsweise durch das sehr kalte Wetter, das im Februar eine außergewöhnliche Preiserhöhung für Zitrusfrüchte und Frischgemüse gebracht hat.
Auf längere Sicht gesehen ist es so, daß die Tatsache, daß wesentliche
Elemente der Wirtschaft untergenutzt sind, zu dem Schluß führt, daß es auf
Grund unseres Konjunkturprogramms für die Wirtschaft keine Beschleunigung
der Inflation zu geben braucht.
Wenn es zu einer starken Erhöhung des ölpreises kommt, dann wird das
eine Auswirkung haben, aber dagegen können wir nicht allzuviel tun. Aber
es gibt eine Menge interner Faktoren, die wir beeinflussen können, um die Inflation zu senken: inflationäre und übertriebene Regierungsverordnungen, Handelspolitik und Farmprogramm und unwirtschaftliche Auflagen, die die Unternehmen viel Geld kosten und das Gegenteil von dem bewirken, was sie bewirken
sollen.
Wir können Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu überzeugen versuchen, daß
die Politik der Carter-Administration Schritt für Schritt und verantwortungsbewußt vorgehen wird; daß den Regierungsausgaben ein strenger Zügel angelegt
wird, um den Haushalt bis 1981 auszugleichen. Wenn wir auf diese Weise Ver- 2 -

�Vertrauen schaffen können und ein gemäßigtes Programm haben, um eine lebendigere und effektivere Wirtschaftstätigkeit herbeizuführen, dann werden wir
nach meiner Meinung die Inflation wesentlich senken können.
FRAGE: Wie weit?
ANTWORT: Es gab einmal eine Zeit, als die Inflationsrate in diesem Lande
1 oder 2 Prozent pro Jahr betrug, und es besteht kein Grund, warum wir mit
einer vernünftigen Politik nicht im Laufe der Zeit wieder dahin zurückkommen
könnten. Der Präsident ist absolut entschlossen, in diese Richtung zu gehen.
FRAGE: Was können Sie gegen die hohe Arbeitslosigkeit tun?
ANTWORT: Wenn unser Konjunkturprogramm Erfolg hat, dann dürften wir bis
Ende des Kalenderjahres 1977 die Arbeitslosenrate auf 7 Prozent oder darunter
gesenkt haben - von 8 Prozent im November vorigen Jahres. Und 1978 sollte es
uns sicherlich gelingen, die Rate auf etwa 6 Prozent zu drücken.
FRAGE: Wird sich die Wirtschaftstätigkeit voraussichtlich verlangsamen,
wenn die Wirkung des Steuernachlasses von 50 Dollar abklingt?
ANTWORT: Wir haben versucht, ein Programm zu entwickeln, das dieses Problem in Rechnung stellt - und einen Anreiz über einen langen Zeitraum hinweg
bietet. Der Steuernachlaß ist das eine Mittel, um im Jahre 1977 mehr Kaufkraft in die Wirtschaft zu bringen. Andere Elemente des Anreiz-Paketes Carters
werden in späteren Zeitabschnitten greifen.
So wird beispielsweise eine ständige Steuersenkung für diejenigen, die
den Standardfrei betrag in Anspruch nehmen, in dem am 1. November (1977) beginnenden Haushaltsjahr 5,7 Milliarden Dollar in die Wirtschaft pumpen.

Das

wird zu einer Minderung der Steuereinnahmen von rund 4 Milliarden Dollar pro
Jahr in den späteren Jahren führen.
steuer

Die Vorschläge für die Körperschafts-

werden der Wirtschaft weitere rund 2,5 Milliarden Dollar in Form einer

Erhöhung der Investitionssteuerabschreibung oder einer Abschreibung für die
Schaffung von Arbeitsplätzen zukommen lassen.
FRAGE:

�FRAGE: Welches sind die wesentlichen Bedrohungen einer anhaltenden
Prosperität?
ANTWORT: Die große Gefahr für die Wirtschaft liegt darin, daß sich die
Unternehmer bei den Investitionen zurückhalten, wenn wir die Wirtschaft auf
einem zu niedrigen Stand weiterlaufen lassen.
keine Verbesserung der Produktivität

Das würde langsames Wachstum,

und einen verstärkten inflationären

Druck auf die Wirtschaft bedeuten, sowie höhere Löhne gefordert werden.

Wenn

man die Dinge zusammen nimmt - steigende Preise, keine Steigerung der Produktivität, nicht genug Beschäftigte, nicht genügend Produktion - dann hat man
eine neue Rezession. Aber ich halte das nicht für wahrscheinlich.
FRAGE: Warum können Sie Arthur Burns, den Präsidenten des Federal
Reserve Board (US-Bundesbank), nicht zu einer Zustimmung zu dem Steuernachlaß von 50 Dollar bewegen?
ANTWORT: Ich glaube, die grundlegende Meinungsverschiedenheit besteht
darin, daß Dr. Burns die Notwendigkeit eines Anreizes bezweifelt. Wir sind
der Oberzeugung, daß ein Anreiz notwendig ist. Fast alle Wirtschaftler, die
sich zu diesem Thema geäußert haben, angefangen von Walter Heller bis zu
Paul McCracken, den früheren demokratischen und republikanischen Vorsitzenden
des Wirtschaftsbeirates (des Präsidenten), haben geraten, daß mehr getan werden sollte, um die Wirtschaft anzuregen.
Das allererste, was ich tat, als ich in das Finanzministerium kam, war,
mich mit Unternehmern und Wirtschaftlern zusammenzusetzen, und mit einer oder
zwei Ausnahmen stimmten alle darin überein, daß etwas getan werden müßte.
FRAGE: Sollte die Regierung mehr tun, um die Investitionen in der Wirtschaft entweder durch eine Steuerreform oder durch andere Mittel zu ermutigen?
ANTWORT: Zunächst einmal muß die Wirtschaft erkennen können, daß diese
Regierung eine folgerichtige und vorhersehbare Politik verfolgt; daß die Administration in ihrer Ausgabenpolitik sehr vorsichtig ist und daß wir uns
darüber im klaren sind, daß die Lösung der großen wirtschaftlichen Probleme
- 4 -

�«

V

Probleme von der Schaffung von mehr privaten Arbeitsplätzen abhängt - und um
das zu bewirken, müssen wir die Investitionen in Betriebe und Ausrüstungen
und eine höhere Produktivität fördern.
Die grundlegende Steuerreform, die wir im Herbst empfehlen werden,wird
diese Absicht unterstreichen. Und die umfassende Energiepolitik, die der
Präsident am 20. April vorlegen will, wird zeigen, daß wir endlich umfassende,
integrierte Mittel und Wege gefunden haben, um die Energieprobleme anzupacken
- dazu werden manche Dinge gehören, die nicht allen Amerikanern gefallen werden.
Nehmen Sie diese Dinge zu dem Anreiz, den wir für den Einzelhandel bieten, dann erkennen Sie jene Art von Steigerung der Investitionen, die wir
brauchen.
FRAGE: Wie sehen die Steuerreformen aus, die Sie planen?
ANTWORT: Es gibt drei Ziele:
Das erste ist eine Vereinfachung des Steuersystems, damit die Menschen
nicht vor diesem unglaublich komplizierten System stehen, bei dem sie zum
Steuerberater gehen müssen, um herauszufinden, wieviel Steuern sie zu bezahlen haben und wie sie ihre Steuererklärung ausfüllen müssen.
Zweitens wollen wir das Steuergesetz so gerecht wie möglich machen - was
bedeutet, noch verbliebene Schlupflöcher und Sondervorteile zu beseitigen,
die keinerlei sozial nützlichem Zweck dienen.
Und drittens wollen wir versuchen, unterschiedliche Quellen des Einkommens so weit wie möglich in gleicher Weise zu besteuern und viele der heutigen
Sonderbehandlungen zu beseitigen.
FRAGE: Heißt das, daß Kapitalerträge wie normales Einkommen behandelt
werden?
ANTWORT: Das ist nur ein Beispiel. Wir werden uns auch mit der Doppelbesteuerung von Körperschaftsgewinnen befassen und mit der Unterscheidung zwischen nicht verdienten und verdienten Einkommen von Einzelpersonen und mit
- 5 -

�mit Marginal raten sowohl für die Körperschaftssteuer als auch für die Einkommensteuer, damit wir das Problem in den Griff bekommen, welches Steuersystem am besten geeignet ist, Menschen zu Innovation sowie dazu anzuregen,
Geld in den Wertpapiermarkt und in andere Investitionen zurückfließen zu
lassen.
Die ganze Frage, wie die Kapitalbildung in den Vereinigten Staaten beschleunigt werden kann, ist einer der Schlüssel für ein langfristiges Wachstum
sowie dafür, wie wir uns im Verhältnis zu anderen Ländern leistungsfähig und
wettbewerbsfähig machen können.
FRAGE: Sehen Sie mit der wachsenden Forderung nach Importrestriktionen
für Zucker, Schuhe, Fernsehgeräte und andere Erzeugnisse die Gefahr eines
Handelskrieges?
ANTWORT: Der Präsident steht in den nächsten Monaten vor einigen außerordentlich schwierigen Fragen, und die Welt wird ihn sehr genau beobachten.
Wenn es sich herausstellen sollte, daß wir im wesentlichen eine protektionistische Richtung einschlagen, dann wird dieses Signal von anderen Ländern aufgegriffen werden, und sie werden ohne Frage unserem Beispiel folgen.
Wenn wir Schranken gegen Produkte aus Ländern aufrichten, die im Rahmen des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) das Recht zur Vergeltung haben,
dann besteht immer die Gefahr, daß sie von diesem Recht Gebrauch machen. Man
kann sich also eine Situation vorstellen, in der übereilte Maßnahmen unsererseits zu Gegenmaßnahmen führen und sich zu einem Handelskrieg auswachsen könnten.
FRAGE: Wie groß ist dieses Risiko?

ANTW0R T : i c n glaube nicht, daß Präsident Carter je zulassen wird, daß
dies eintritt. Er ist voll und ganz von der Überzeugung getragen, daß der
Weltfrieden auf politischem Gebiet von der Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem
Gebiet abhängt. Und das Konzept für ein wirtschaftliches Gipfeltreffen im Mai,
auf dem die führenden Männer der wichtigen Länder zusammenkommen, um über die
Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet zu sprechen, läuft genau darauf
&lt;• 6 -

�darauf hinaus, großen einseitigen Maßnahmen entgegenzuwirken, die uns in die
entgegengesetzte Richtung führen würden.
Ich glaube also, daß der Präsident sehr, sehr vorsichtig sein wird selbstverständlich mit der Erkenntnis, daß in ganz bestimmten Fällen Maßnahmen getroffen werden müssen, wenn alle anderen Möglichkeiten erschöpft
sind und kein anderer Ausweg besteht.
FRAGE: Wie können die Vereinigten Staaten ihre Industrie schützen, ohne
Handelsschranken zu errichten oder einschränkende Quoten einzuführen?
ANTWORT: Erstens möchte ich einen wichtigen Unterschied zwischen ausländischer Konkurrenz und unfairer Konkurrenz machen.
Ich meine, es gibt geeignete und ausreichende Bestimmungen im Gesetz,
um die amerikanische Industrie und die amerikanischen Arbeiter gegen unlauteren Wettbewerb - Dumping, ruinöse Preisgestaltung, Überschwemmung des
Marktes mit einem bestimmten Erzeugnis, um den Markt zu ruinieren - zu schützen. Wir haben im Finanzministerium alle möglichen Verfahren, um mit diesen
Problemen fertig zu werden. Wir haben die Internationale Handelskommission,
die sich mit Fragen der Schädigung befaßt.
Ein ganz anderes Problem ist es, wenn eine Konkurrenz auftritt, die uns
zwar schadet, die aber nicht unfair ist. Es gibt einen Wettbewerb, der daraus entsteht, daß die Industrie irgendeines anderen Landes leistungsfähiger
ist als unsere eigene. Dieser Wettbewerb kommt dem amerikanischen Verbraucher
zugute, denn er hält die Preise niedrig und versetzt das exportierende Land
in die Lage, sich die Devisen zu verdienen, mit denen es Waren von uns kaufen kann.
Wir sollten alles daran setzen, um die amerikanische Industrie und die
amerikanischen Arbeiter vor unlauterem Wettbewerb zu schützen, aber nicht vor
normalem Wettbewerb. Wenn ein Industriezweig nicht in der Lage ist, gegen
diese normale Konkurrenz zu bestehen, dann gibt es verschiedene Dinge, die
man tun kann.
Die
- 7 -

�Die Regierung kann dem betroffenen Industriezweig verschiedene Arten von
Hilfe gewähren, damit er leistungsfähiger wird.

Die sogenannte Anpassungs-

hilfe hat in der Vergangenheit nicht allzu gut gewirkt, und wir müssen uns
Mittel und Wege einfallen lassen, um sie effektiver zu gestalten, um kleineren
Unternehmen Zugang zu Computern, moderner Technologie, modernen ManagementMethoden und ausreichendem Kapital zu verschaffen, damit sie moderne Anlagen
bauen, mit denen sie gegen internationalen Druck konkurrieren können. Das
wäre besser, als einen Zoll oder eine Quote zu forcieren, die das Randunternehmen zwar am Leben, aber weiterhin leistungsunfähig erhalten und die Preise
für alle hochhalten und damit zum inflationären Druck beitragen.
FRAGE: Für was wird die Anpassungshilfe gegenwärtig verwandt?

ANTWORT: Für die Schulung, als Übergangshilfe für Arbeiter, die einen anderen Beruf suchen, und auch als finanzielle Unterstützung für Betriebe, um
ihre Schließung zu verhindern.
FRAGE: Was kann noch getan werden, um solchen Firmen zu helfen?

ANTWORT: Manchmal ist es uns möglich, mit einem oder zwei Ländern, die
ein bestimmtes Problem verursachen, zu einem freiwilligen Obereinkommen zu
gelangen - wie beispielsweise mit Japan im Fall der Fernsehgeräte.
Es gibt einen ganzen Bereich von Maßnahmen, die hinsichtlich der Zölle
und Quoten ergriffen werden können. Einige davon sind sehr restriktiv und
auf eine Senkung der Einfuhren ausgerichtet; andere sollen versuchen, die Importe auf dem gegenwärtigen Stand zu halten. Einige dieser Maßnahmen haben
eine direkte Auswirkung auf die Preise und treffen daher alle Verbraucher.
Andere berühren die Produkte mit niedrigen Preisen nicht, sondern nur die am
oberen Ende der Preisskala.
In diesem weiten Bereich muß der Präsident eine Entscheidung treffen,
und jeder einzelne Fall ist ein Fall für sich. Die Lage auf dem Zuckermarkt
ist eine ganz andere als bei den Schuhen und bei den Farbfernsehgeräten. Die
Fernsehgeräte sind im Grunde ein japanisches Problem. Wenn es sich nur um
ein Land handelt, dann ist es nicht allzu schwer, zu einem Übereinkommen zu
- 8-

�zu gelangen.

Wenn es sich um 20 Exportländer handelt, wie im Falle der

Schuhe, dann ist die Sache sehr viel komplizierter.

FRAGE: Würden protektionistische Maßnahmen nicht Ihren Bemühungen um
eine Senkung der I nf latlonsrate zuwiderlaufen?.
ANTWORT: Sicherlich! Die größte Zunahme der Schuhimporte ist bei billigen Schulen zu verzeichnen - der Art von Schuhen, wie man sie im Sonderangebot erhält.

Wenn man diese Einfuhren stoppt oder wesentlich reduziert,

dann werden die Leute am Ende Schuhe kaufen müssen, die einige Dollar teurer sind.

Das ist Inflation ...

Internationale Finanzprobleme

FRAGE: Wie sieht es mit den internationalen Finanzprob lernen aus? Was
kann beispielsweise getan werden, um schwächeren Ländern zu helfen, das benötigte Öl zu bezahlen, da die Araber den Preis so stark erhöht haben?
ANTWORT: Das ist eines der wichtigen Themen für den Wirtschaftsgipfel
in London im nächsten Monat.

Natürlich kann die Welt nicht zusehen, wie

sich in den Händen einiger weniger Länder weiterhin Überschüsse anhäufen
und andere gewaltige Defizite haben - vor allem viele der Entwicklungsländer und von den Privatbanken erwarten, daß sie das ganze Risiko tragen.

Das ist

einfach zu viel.
In Zusammenarbeit der wichtigsten Länder muß noch etwas Zusätzliches
getan werden.

Eine Lösung wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, daß sich

die ölexportierenden Länder mit Überschüssen - nicht alle ölexportierenden
Länder haben nämlich Überschüsse - daran beteiligen, durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) oder andere Einrichtungen Mittel zur Verfügung stellen.

FRAGE: Warum sollten die Araber Geld in den IWF stecken?
Antwort:
- 9 -

�ANTWORT: Ich meine, sie haben ein Interesse an einer gesunden Weltwirtschaft.
FRAGE: Zeigen sie großes Interesse?
ANTWORT: Es gibt Anzeichen, daß Länder mit Oberschüssen, wie Saudi arabien und Kuwait, sich dieses Problems durchaus bewußt und interessiert
sind, mit uns an Lösungen zu arbeiten.
FRAGE: Wären Sie bereit, Ihnen ein größeres Stimmrecht im IWF einzuräumen, wenn sie mehr Mittel zur Verfügung stellen, die der IWF braucht, um
die Defizite der schwächeren Länder finanzleren zu helfen?
ANTWORT: Es ist nur recht und billig, daß sie eine Stimme haben sollen,
die der wichtigen Rolle entspricht, die sie spielen - in Grenzen. Darüber
muß verhandelt werden, aber es ist klar, daß sie, wenn sie wesentliche Mittel
zur Verfügung stellen, auch bei der Verwendung dieser Mittel ein Mitspracherecht haben sollten.
FRAGE: Machen Sie sich generell Sorgen über die Höhe der Anleihen, die
unsere Großbanken den Entwicklungsländern gewährt haben?
ANTWORT: Nein! Bisher hat es keine Probleme gegeben.
Anleihen ist sehr gut. Es hat keine Insolvenzen gegeben.

Die Erfahrung mit
Die Leute haben

ihre Schulden bezahlt.
Die Anleihen an die weniger entwickelten Länder sind weder im Prozentsatz des Gesamtvermögens noch des Anleihegeschäfts der Banken übertrieben
hoch. Aber wenn sich diese Anleihetätigkeit in Zukunft fortsetzt, dann könnte es bei einigen der Schuldnerländer Probleme geben. Wir müssen vorsichtig
sein und die Finanzierung den Rückzahlungsfähigkeiten der Schuldnerländer
entsprechend gestalten.

Bekämpfung

�Bekämpfung der Bestechung durch Firmen

FRAGE: Treten Sie für strengere Gesetze gegen die Bestechung durch
Firmen ein?
ANTWORT: Selbstverständlich! Derzeit gibt es kein Gesetz, das die Bestechung eines Regierungsvertreters eines anderen Landes zu einem Verbrechen
in unserem Lande machen würde.

Wenn Sie versuchen, die Zahlung von Ihrer

Einkommensteuer abzusetzen,oder wenn Sie börsenfähige Emissionen begeben und
die Zahlung nicht angeben, dann haben Sie natürlich ein Problem.
Handlung an sich ist per se nichts Kriminelles.

Aber an der

Es kann eine strafbare Hand-

lung in dem Land sein, in dem die Zahlung gemacht wird, aber nicht hier in
den USA.
Wenn sich also die Frage stellt, ob solche Zahlungen als eine strafbare
Handlung nach amerikanischem Recht angesehen werden sollten oder licht, dann
sagen wir, daß sie als solche angesehen werden sollte, denn sie sind mit
nichts entschuldbar.

Bestechu; g durc'" Firmen ist unnötig.

Es gibt keinerlei

Entschuldigungsgründe, und wenn wir solche Zahlungen als ungesetzlich erklären, dann würden wir jene amerikanischen Firmen,die das noch betreiben, darin
bestärken, davon abzulassen.

FRAGE: Wie würden Sie die Einhaltung eines solchen Gesetzes gewährleisten
können?
ANTWORT: Das wäre sicherlich keine einfache Sache.

Wenn es gilt, Anklage

zu erheben und eine Strafverfolgung einzuleiten, dann werden sich schon einige Probleme ergeben.

So könnte beispielsweise in einem Fall im Lande X ein

Staatsangehöriger des Landes Y verwickelt sein.

Das ist einer der Gründe,

warum wir den Abschluß eines internationalen Anti-Korruptionsabkommens in den
Vereinten Nationen so aktiv betreiben.

Aber ich meine, es ist auch schon aus

phychologisehen Gründen wichtig, daß die Vereinigten Staaten selbst klipp und
klar erklären, daß sie derartige Dinge nicht dulden.
FRAGE:
- 11 -

�FRAGE: Wollen Sie damit sagen, daß die Geschäftsmoral nicht an den
Grenzen haltmachen darf?
ANTWORT: Genau das! Ich hatte dieses Problem, als ich die Bendix
Corporation leitete.

Wenn ein ausländischer Vertreter zu uns kam und sagte:

"Wenn ihr einen Kontrakt wollt, dann kostet das so und so viel", dann erklärten wir ihm: "in diesem Falle wollen wir keinen Kontrakt."
FRAGE: Was würden Sie Geschäftsleuten sagen, die Ihnen erklären, daß
amerikanische Unternehmen im Ausland keinen Fuß auf den Boden bekommen, wenn
sie nicht ein bißchen Geld unter dem Tisch zustecken?
ANTWORT: Ich sage Ihnen: "Wenn das der einzige Weg ist, wie Sie ins Geschäft kommen können, dann lassen Sie das Geschäft", und weiter: "Ich glaube
nicht, daß Sie so Ihre Geschäfte machen müssen."
FRAGE: Nehmen Sie diesen Standpunkt aus moralischen Gründen ein oder
aus praktischen Überlegungen heraus?
ANTWORT: Es ist eine Kombination aus beidem.

Einmal ist der Präsident

klar und deutlich der Meinung, daß es unmoralisch, unethisch und falsch ist,
so etwas zu tun.

Weiter besteht die Auffassung, daß es unnötig ist und uns

- in wirtschaftlichen Vorteilen ausgedrückt - nicht sehr viel einbringt. Und
schließlich dürften die politischen Risiken am Ende alle möglichen Vorteile
bei weitem überwiegen.
FRAGE: Aus wievielen Ländern mußte sich Bendix wegen Ihrer Haltung zurückziehen?
ANTWORT: Nicht aus einem einzigen!

Wenn Sie ein gutes Erzeugnis ver-

kaufen, einen guten Service bieten, gute Technologie verwenden und schließlich einen guten Preis machen, dann können Sie auch Erfolg haben.

Die Vor-

stellung, man könne nur Geschäfte machen, wenn man einige Hände wasche, oder
man gehe pleite, ist eine gewaltige Übertreibung.
FRAGE:
- 12 -

�FRAGE: Warum halten Sie es für so wichtig, daß die Vereinigten Staaten
bei dem Verbot von Bestechungen eine klare Haltung einnehmen?
ANTWORT: Aus mehreren Gründen!
Einmal verdient das amerikanische Volk, daß es Vertrauen in unser Wirtschaftssystem haben kann.

Und es gibt genug Hinweise, daß die Bevölkerung,

wenn man sie nach Firmen fragt, eine recht zynische Einstellung hat - und
einiges von diesem Zynismus geht auf das Gefühl der Unmoral zurück.

Die Be-

stechungen durch Firmen untergraben also unser gesamtes System.
Zweitens führt es zu riesigen Komplikationen zwischen uns und anderen
Ländern, wenn die Sache herauskommt.- Es kann Regierungen zu Fall bringen
und unsere Investitionen.in anderen Ländern gefährden.

Es kann zu Beschrän-

kungen für andere amerikanische Firmen führen, die mit solchen Praktiken
nichts zu tun haben.
FRAGE: Die amerikanische Geschäftswelt scheint mit Präsident Carter noch
immer nicht ganz glücklich zu sein. Warum?
ANTWORT: Ich glaube, das hängt damit zusammen, daß viele amerikanische
Geschäftsleute zur Republikanischen Partei tendieren und automatisch davon
ausgehen, jeder demokratische Präsident werfe das Geld zum Fenster hinaus.
Sie setzen automatisch unausgeglichene Haushalte mit Inflation gleich, und
sie neigen zu Prophezeiungen, die ihr Eintreffen selbst herbeiführen. Wenn
sie glauben, ein Konjunkturprogramm führe zur Inflation, dann neigen sie zu
Präventivmaßnahmen - nämlich einer raschen Erhöhung der Preise- was wirklich
Inflation schafft. So werden aus Erwartungen Realitäten.
FRAGE: Wie stark sind die Inflationserwartungen gegenwärtig?

ANTWORT: Es besteht eine wachsende Furcht vor der Inflation. Es gibt
hier und dort einen inflationistischen Druck, der nichts mit der Politik der
Regierung zu tun hat, aber vielleicht in der ganzen Aufregung untergegangen
ist.
Anstieg
- 13 -

�Anstieg der Energiekosten
*

m

l

I |

FRAGE: Wird die Administration eine Erhöhung der Benzinsteuer vorschlagen?
ANTWORT: Ich weiß noch nicht, obwohl durchaus die Möglichkeit besteht.
Aber ich weiß eines: Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir eine Energiepolitik haben können, die überhaupt etwas darstellt, ohne daß der Preis für
Energie generell steigt.
Eine nationale Energiepolitik - die wir unbedingt brauchen und die unserem Lande auf lange Sicht viel Gutes bringen würde - wird sicherlich einen
Anstieg der Preise für Erdgas, öl, Kohle und alle anderen Energiequellen bedeuten.

Dessen bin ich mir ziemlich sicher.

FRAGE: Warum?
ANTWORT: Weil es notwendig sein wird, Energie einzusparen, und man spart
leichter Energie ein, wenn sie teurer ist. Darüber hinaus werden wir Geld aufbringen müssen, um eine Verlagerung von einer Energieart auf eine andere zu
untersuchen und zu fördern.
FRAGE: Hätte das nicht inflationäre Folgen?
ANTWORT: Nicht notwendigerweise. Es wird nicht billig und einfach werden,
aber wir werden Mittel und Wege finden, um etwas von den höheren Steuern an
die Bevölkerung zurückzugeben.
FRAGE: Mehr Steuerrückzahlungen?
ANTWORT: Es gibt viele Mittel und Wege!
FRAGE: Was geschieht mit der Automob!Iindustrie, wenn das Benzin teurer
wird?
ANTWORT: Sie wird kleinere Autos bauen!
+ ++ ++
- 14 -

�8/1977

DIE BEGRENZUNG DER KERNWAFFEN: EIN 30JÄHRIGES BEMÜHEN
Von Alexander M. Sullivan

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carters Vorschlag eines "völligen Neubeginns" bei der Begrenzung der Kernwaffen ist der jüngste Schritt in dem 30jährigen Bemühen der Vereinigten Staaten, eine Kraft unter Kontrolle zu
bringen, die ihre eigenen Wissenschaftler einst als erste freigesetzt haben.
Die USA begannen mit der Entwicklung des Atoms in den ersten Jahren des
Zweiten Weltkrieges, als Albert Einstein den damaligen amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt über die Arbeiten von Kollegen unterrichtete,
die seit der Jahrhundertwende im Gange waren.

Er wies dabei warnend darauf

hin, daß es theoretisch möglich sei, die Grundstruktur eines Elementes wie
Uran aufzuspalten, wobei eine gewaltige Zerstörungskraft freigesetzt werde.
In einem Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Furcht, daß eine der "Geheimwaffen", von denen Hitler häufig sprach, eine Atomwaffe sein könnte, riefen die Amerikaner ihr "Manhattan-Projekt" ins Leben, ein Notprogramm zur
Entwicklung dieser Waffe, bevor Hitler an sie herankam.

Diese Anstrengungen

gipfelten in dem ersten Atomwaffenversuch in Alamogordo im Staate New Mexico

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�r-

»»

Mexico am 16. Juli 1945 - einer Explosion, die der Explosivkraft von etwa
19 000 Tonnen des herkömmlichen Sprengstoffes TNT entsprach.
Präsident Harry S. Truman sah in der neuen Waffe ein Mittel, um den Krieg
ohne eine großes Blutvergießen fordernde Invasion Japans zu beenden. Er warnte zunächst die Japaner vor der furchtbaren Zerstörungskraft dieser neuen Waffe
und befahl, als seine Forderung nach Kapitulation zurückgewiesen wurde, den
Abwurf der Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945.
Fast unverzüglich danach begannen die USA mit dem Versuch, diese entsetzliche Waffe zu internationalisieren und die Atomkraft ausschließlich der friedlichen Verwendung zuzuführen.
Eine Sonderkommission der Vereinten Nationen empfahl am 31. Dezember
i.946 der Welt die Annahme des .&gt;aruch Hlanes - so benannt nach seinem Urheber,
dem Berater des amerikanischen Präsidenten, Bernard Baruch - der eine internationale Kontrolle aller Nükleafranlac i vorsah.
Die Sowjetunion stellte sich dem entgegen und legte im Juni des folgenden Jahres ihren eigenen Plan vor, der sich vom Baruch-Plan weitgehend unterschied.

Der sowjetische Plan sah nur begrenzte Inspektionsrechte vor, wo-

durch ein Schlupfloch offen blieb, das es den Nationen ermöglichte, heimlich
Atomwaffen zu bauen.
Am 22. Juni 1948 verhinderte die Sowjetunion durch ihr Veto im Weltsicherheitsrat die Durchführung des Baruch-Plars.und obwohl die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 4. November 1S48 ir.it 40 gegen 6 Stimmen für
seine Annahme stimmte, verhinderte die sowjetische Opposition die Verwirklichung der vorgesehenen Kontrollmechanismen.
Im September 1949 gab Präsident Truman bekannt, daß in der Sowjetunion
eine Atombombe zur Explosion gebracht worden war.

Großbritannien zündete

seine erste Bombe im Jahre 1952, Frankreich im Jahre 1960, die Volksrepublik
- 2 -

�Volksrepublik China im Jahre 1964 und schließlich Indien im Jahre 1974.
Nachdem die Sowjetunion nunmehr auch über die Atombombe verfügte, ordnete Präsident Truman am 31. Januar 1950 einen weiteren Ausbau der Rüstung
an und wies die Wissenschaftler der Vereinigten Staaten an, eine noch weitaus stärkere Waffe - die Wasserstoffbombe oder H-Bombe - zu bauen, deren
Sprengkraft nicht aus der Spaltung, sondern der Verschmelzung der Atome gewonnen wird.
Die Vereinigten Staaten führten den ersten H-Bombenversuch am 16. November 1952 auf dem Eniwetok-Atoll im Pazifik durch. Am 21. Mai 1956 wurde
dann die erste amerikanische H-Bombe in der Luft gezündet, bei der eine
Sprengkraft erzeugt wurde, die der von 10 Millionen Tonnen des herkömmlichen
TNT-Sprengstoffs entsprach.
Im folgenden Jahr zündete die Sowjetunion ihre erste Wasserstoffbombe»
und am 29. Oktober 1961 wurde in der Sowjetunion eine Bombe zur Explosion
gebracht, deren Gewalt der Sprengkraft von 50 Millionen Tonnen TNT entsprach
und die die größte in der Welt jemals ausgelöste Detonation war.
Großbritannien zündete seine erste H-Bombe im Jahre 1957, die Volksrepublik China im Jahre 1967 und Frankreich im Jahre 1968.
Während der fünfziger Jahre wurden von so vielen Staaten eine derart
große Zahl von Kernsprengsätzen gezündet, daß es schwierig war, die Zahl der
Explosionen festzuhalten.

Eine Folge davon war der sogenannte "fall-out"

- radioaktive Rückstände der Explosionen, die sich mit der Luftströmung über
die Erde verbreiteten.

Strontium-90 und Jod-131 - beides radioaktive Ele-

mente - zeigten sich in der Milch und anderen Nahrungsmitteln.

Die Furcht

vor einer Verseuchung der Menschen mit krebserzeugenden Agentien führte dazu, daß die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion im Jahre
1958 ihre Atomwaffenversuche in der Atmosphäre informell einstellten.
Dieser
- 3 -

�f

Dieser informelle Versuchsstop - Moratorium - wurde von Moskau im Jahre
1961, als Frankreich sein nukleares Testprogramm begann, gebrochen,und
Washington und London nahmen im darauffolgenden Jahr ihre Versuche in der
Atmosphäre ebenfalls wieder auf.

Im Jahre 1963 erzielten dann jedoch die

Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion ein Übereinkommen
über einen Vertrag, der alle Atomwaffenversuche in der Luft, am Boden oder
unter Wasser verbot.

Unterirdische Versuche waren jedoch auch weiterhin zu-

gelassen.
Diesem Vertrag folgte der Vertrag, durch den die Weiterverbreitung von
Kernwaffen verboten wurde - der sogenannte Nonproliferations-Vertrag.

Seine

Bestimmungen verpflichten all die Staaten, die keine Kernwaffen besitzen und
sich dem Vertrag angeschlossen haben, auf die Produktion aller nuklearen
Sprengstoffe zu verzichten.

Der Vertrag wurde 1968 zur Unterzeichnung ausge-

legt und trat im März 1970 in Kraft.
Am 11. Februar 1971 wurde dann der Vertrag zur Unterzeichnung ausgelegt,
durch den der Einsatz von Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden verboten wurde. Der Vertrag trat am 18. Mai 1972 in Kraft.
Die derzeitige Phase im Ringen um die Rüstungskontrolle geht auf die Gespräche zwischen Präsident Johnson und dem sowjetischen Ministerpräsidenten
Kossygin bei ihrem Zusammentreffen in Glassboro (New Jersey) im Juni des Jahres 1968 zurück. Sie führten zu einer beachtlichen neuen Initiative in dem
Bemühen, die moderne Technologie in der Waffenentwicklung unter Kontrolle zu
halten.
Präsident Johnson war es, der in Glassboro seinem sowjetischen Gesprächspartner gegenüber das Thema ansprach, von der Entwicklung eines neuartigen
Waffensystems zur Abwehr ballistischer Raketen, des sogenannte ABM-SystemS,Abstand zu nehmen.

Dieses System, so hatten seine Fürsprecher erklärt, könne

die nuklearen Sprengköpfe gegnerischer Raketen noch im Flug vernichten, ehe
sie ins Ziel gelangten.
Präsident
- 4 -

»,

�Präsident Johnson wies darauf hin, daß damit das Gleichgewicht der
Kräfte erschüttert würde. Wenn die eine Seite das ABM-System installierte,
dann wäre die andere gezwungen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen oder
sich mit einer Verschiebung des strategischen Gleichgewichts zu ihren Ungunsten abzufinden.
Das ABM-System wurde daraufhin zuerst stark reduziert und schließlich
durch die 1972 und 1974 in Moskau unterzeichneten Abkommen

praktisch eli-

miniert.
Im November 1974 in Wladiwostok einigten sich dann der sowjetische
Parteichef Breschnew und Präsident Ford im Prinzip auf eine Zahl von offensiven Raketen, die jeder der beiden Seiten gemäß dem ständigen Übereinkommen
über Offensivwaffen zustehen sollte. Jede Seite sollte 2400 Raketen auf Abschußrampen zu Land, zur See und in der Luft dislozieren dürfen, von denen
1320 mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet sein dürfen.
Zur Zeit der Abkommen von 1972 wies Kissinger warnend darauf hin, daß
die Zeit verrinne und der Mensch Gefahr laufe, die Kontrolle über die Technologie zu verlieren.
Ein Beispiel dafür waren die Mehrfachgefechtsköpfe. Im Jahre 1972 gehörten sie noch nicht zu den spezifizierten Punkten des Abkommens. Aber
schon knapp zwei Jahre später wurden sie zum Kernstück des Übereinkommens
von Wladiwostok. Im Verlauf dieser beiden Jahre hatten die USA die Technik
dieser neuen Waffen vervollkommnet und begonnen, ihre Raketen mit mehreren,
voneinander unabhängig ziel programmierten Gefechtsköpfen, den sogenannten
MIRV's,auszurüsten. Damit war eine einzige Rakete imstande, während des
Flugs bis zu acht oder zehn Gefechtsköpfe auf verschiedene Ziele abzuschießen.
Die Installierung der MIRV's ließ sich nicht stoppen, aber man erzielte
in Wladiwostok ein Übereinkommen über die Kontrolle der Zahlen der auf beiden Seiten verfügbaren Waffen dieser Art.
Nach
- 5 -

�J~

Nach Wladiwostok brachte die technische Weiterentwicklung der Waffensysteme neue Probleme.

Die Sowjets entwickelten einen neuen Bomber - der

im Westen "Backfire-Bomber" genannt wird.

Von sowjetischer Seite wurde be-

hauptet, dieser Bomber habe nur eine mittlere Reichweite und sei keine strategische Waffe.

Er könne Ziele in den Vereinigten Staaten nicht erreichen.

Die amerikanischen Militärexperten wandten dagegen jedoch ein, daß durch die
neuen Auftanktechniken in der Luft der Back-fire-Bomber leicht von einer
taktischen zu einer strategischen Waffe verwandelt werden könnte.
Auch die Vereinigten Staaten entwickelten seit Wladiwostok eine neue
Waffe - die allerdings noch nicht in Produktion gegangen ist - den sogenannten Marschflugkörper (Cruise Missile).

Auch er kann sowohl als taktische

als auch als strategische Waffe angesehen werden.

Nach Presseberichten hat

der eine Typ dieser neuen Waffe - die vom Fli'okörper aus abgeschlossene Version - eine Reichweite von 3200 Kilometern.
Vom militärischen Standpunkt ist die Cruise Missile eine außerordentlich interessante Neuentwicklung, weil sie gegenüber den ballistischen Raketen gewaltige Vorteile besitzt.

Eine ballistische Rakete ist nach ihrem

Abschuß bis zum Flug ins Ziel den Gesetzen der Physik unterworfen genau so
wie eine Artilleriegranate.

Der Marschflugkörper dagegen ist praktisch ein

Flugzeug ohne Pilot, das vom Start bis ins Ziel durch ein Leif-system in sehr
niedriger Höhe gesteuert werden kann.
Das mit diesen beiden neuen Waffensystemen entstandene Problem stand
dem Abschluß des Wladiwostok-Abkommens im Wege.
Präsident Carter hat die Wladiwostok-Formel bei den jüngsten Gesprächen
in Moskau als eine "Auffang-Position" bezeichnet und erklärt, daß er bereit
wäre, das Abkommen von Wladiwostok abzuschließen und das durch den BackfireBomber und die Marschflugkörper entstandene Problem künftigen Erörterungen
zu überlassen, wenn Moskau den Vorschlag zu einer drastischen Reduzierung
der Trägersysteme - dem Carter den Vorzug gibt - zurückweisen sollte.
Moskau
- 6 -

^

�Moskau hat beide Vorschläge Carters zurückgewiesen.
der Dinge - zumindest für den gegenwärtigen Zeitpunkt.

+ + + + +

- 7

Das ist der Stand

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zur Kernenergiepolitik vom 7. April 1977&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter erläutert seine Kernenergiepolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 7. April 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Interhospital '77&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Gemeinschaftsschau vom 7. bis 10. Juni 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Blumenthal: Mindestens drei Jahre Prosperität&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem amerikanischen Finanzminister -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Begrenzung der Kernwaffen: Ein 30jähriges Bemühen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Alexander M. Sullivan&lt;/em&gt;</text>
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und

CT

United States Information Service

6. April 1977
INHALT

DOKUMENTATION
Carter: Weitere entschlossene Abrüstungsbemühungen
- Erklärung zur Begrüßung von Außenminister Vance am 2. April 1977
Carter-Pressekonferenz vom 30. März 1977 zu den SALT-Verhandlungen
- Wortlaut Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique

INFORMATION
Amerikanische Computerkonferenz: Technik - Anwendung - Probleme
- Tagung vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas) -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Einzelatome mit Laser-Lichtenergie identifiziert
Supermagnet in Hybrid-Konstruktion
- Energiebedarf fast zwei Drittel geringer -

Um Übci/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�3

1

I

I

Dokumentation
United States Information Service

7/1977

CARTER: WEITERE ENTSCHLOSSENE ABRÜSTUNGSBEMÜHUNGEN
Erklärung zur Begrüßung von Außenminister Vance am 2. April 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat bei der Begrüßung von Außenminister Vance nach dessen Rückkehr von den SALT-Verhandlungen in Moskau am
2. April 1977 die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten unterstrichen,
mit den Sowjets zu einem Abkommen über die Begrenzung und Reduzierung der
strategischen Waffen zu gelangen.
Der Präsident gab auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington,
wo die Maschine von Vance gelandet war, folgende kurze Erklärung ab:
"Wir haben zum ersten Mal einen umfassenden Vorschlag unterbreitet, um
die Atomwaffen in der Welt zu begrenzen und dann drastisch zu verringern.
Wir betrachten das als einen notwendigen ersten Schritt.

Wir sind absolut

entschlossen, unermüdlich mit den sowjetischen Führern harmonisch zusammenzuarbeiten, um die Abhängigkeit von Atomwaffen zu verringern.

Wir werden

alles in unserer Macht stehende tun, um die Bindungen der Freundschaft und
des gegenseitigen Vertrauens mit den sowjetischen Führern zu stärken.
Ich

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�r

Ich möchte dem Außenminister meinen Dank für die gute Reise und die gute
Verhandlungsposition und den Erfolg der Reise aussprechen.

Und ich möchte

Herrn Breschnew und Herrn Gromyko und anderen in der Sowjetunion meinen Dank
aussprechen für die sehr produktiven Verhandlungen über viele der angeschnittenen Fragen.
Wie der Außenminister gesagt hat, Verhandlungen über einen drastischen
Abbau der Atomwaffen nach all den Jahren - einem Vierteljahrhundert - sind
eine sehr schwierige Angelegenheit.

Aber wir werden sie mit Entschlossenheit,

mit Ausdauer und mit Hoffnung auf Erfolg weiterbetreiben.
Unsere ganze Administration wird sehr viel Mühe auf die Vorbereitung der
Fortsetzung der Gespräche verwenden, die im Mai in Genf stattfindet.

Und ich

bin der Überzeugung, daß die Sowjets letztlich mit uns übereinstimmen werden,
daß es dem sowjetischen Volk und dem amerikanischen Volk und der übrigen Welt
zum Vorteil gereicht, wenn wir unsere Abhängigkeit von diesen zerstörerischen
Waffen verringern."

Vance: Rüstungskontrolle kann nicht über Nacht erreicht werden
Nach der Rückkehr des amerikanischen Außenministers äußerten sich am
3. April 1977 Präsident Carter wie auch Außenminister Vance selbst optimistisch
über die Zukunft der SALT-Gespräche, wobei darauf hingewiesen wurde, daß die
Vorschläge der USA sorgfältiger und längerer Verhandlungen bedürften.
Vor Journalisten sagte der amerikanische Außenminister wörtlich:
"... Ich hoffe, daß die Sowjets - nachdem sie die Einzelheiten unseres
Planes näher prüfen konnten- mit Fragen zu den verschiedenen Aspekten an uns
herantreten werden, und selbstverständlich sind wir bereit, diese mit ihnen
zu erörtern.
Sie
- 2 -

�Sie haben nachdrücklich zu verstehen gegeben, daß sie die Gespräche
weiterführen wollen, und sie haben dementsprechend ein Datum Mitte Mai für
die Wiederaufnahme der Gespräche genannt.
war sachlich und offen.

Die Haltung während der Gespräche

Ich fand, daß die Verhandlungen nützlich waren. Und

Sie wissen sicherlich, daß auch Außenminister Gromyko gesagt hat, er finde,
daß die Gespräche sehr nützlich und notwendig gewesen seien.

Wie ich schon

einmal gesagt habe: Rüstungskontrolle ist eine Angelegenheit, die nicht
über Nacht erreicht werden kann ..."

+ + + + +

3 -

�Dokumentation
United States Information Service

7/1977

CARTER-PRESSEKONFERENZ VOM 30. MÄRZ 1977
ZU DEN SALT-VERHANDLUNGEN
- Wortlaut -

Washington - (AD) - Präsident Carter hat am 30. März auf einer besonderen Pressekonferenz zu den SALT-Verhandlungen von Außenminister Vance
in Moskau Stellung genommen, die vom 28. bis 30. März stattfanden. Die
Einleitung Carters sowie die Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
"Guten Tag!

Wir waren den ganzen Nachmittag mit den aus Moskau einge-

gangenen Berichten und Depeschen beschäftigt, und nun möchte ich dem
amerikanischen Volk über das, was sich ereignet hat, Bericht erstatten.
Wir haben den sowjetischen Führern in den letzten beiden Tagen ein
umfassendes Paket von Abkommen unterbreitet, die - falls sie abgeschlossen
werden - ein dauerhaftes Fundament für eine friedlichere Welt legen würden:
durch eine Verringerung der großen Gefahr der Atomwaffen, die das politische
Gleichgewicht und die Kapazität und das Gleichgewicht der strategischen
Waffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erhalten würde.
Einer

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�*

Einer unserer Vorschläge bei diesem Gespräch über Nuklearwaffen war
sehr kurz und war unsere zweite Option.

Das wäre praktisch die Ratifizie-

rung des Übereinkommens von Wladiwostok, das man bereits erreicht hatte.
Der Unterschied zwischen uns und der Sowjetunion in diesem Punkt besteht darin, daß die Sowjets behaupten, Außenminister Kissinger und meine
Vorgänger - Präsident Ford und vor ihm Nixon - hätten zugestimmt, auf eine
Dislozierung der Marschflugkörper (Cruise Missiles) zu verzichten.

Wir

sind dagegen der Auffassung, daß wir uns niemals zu etwas derartigem bereiterklärt haben.

Wir haben die Sowjetunion jedoch ersucht, ein Abkommen

über alle anderen Dinge zu akzeptieren und die Frage der Marschflugkörper
und des neuen russischen Bombers, des Backfire-Bombers, bis auf spätere
fortzuführende Verhandlungen zu vertagen.

Diesen Vorschlag lehnten sie ab.

Der andere Vorschlag ist sehr viel weitreichender und hat tiefgreifende
Auswirkungen, die, wie ich meine, für "nsere eiaenen Nation und für die
übrige Welt segensreich wären.

Dabei geht es um wesentliche Reduzierungen

des Standes der Dislozierung von Raketenrampen und MIRV-Raketen unter den
Höchststand von 2400 und 1320, der in den Übereinkommen von Wladiwostok
festgelegt worden war - also um wesentliche Reduzierungen.
Zweitens geht es darum, die Entwicklung und Dislozierung jeglicher
neuer Waffensysteme zu stoppen. Ein dritter Punkt zielt darauf ab, den
der7Pitigen Stand von etwa 550 Interkontinentalraketen - unsere Minuteman
und die als SS-17, SS-18 und SS-19 bekannten sowjetischen Raketen - einzufrieren.
Ein nächster Punkt ist die Dislozierung aller mobilen Raketen - ihrer
SS-16 sowie anderer und unserer - im Entwicklungsstadium stehenden MX-Rakete.
Bei einem weiteren Punkt handelte es sich darum, zu einer strikten Begrenzung in der Dislozierung des Backfire-Bombers und einer strikten Be- 2 -

JL

�•

..

Begrenzung der Reichweite für Marschflugkörper zu gelangen.
Ein weiterer Teil unseres Vorschlags besteht darin, die Zahl der
Testflüge für Raketen auf sechs Abschüsse pro Jahr für Interkontinentalraketen und sechs für Mittelstreckenraketen zu begrenzen und die Sowjetunion zu ersuchen, uns eine sichere Möglichkeit zu geben, um zwischen ihrer
Interkontinentalrakete mit mobiler Abschußrampe - der SS-16 - und ihrer
mobilen Rakete mit begrenzter Reichweite - der SS-20 - unterscheiden zu
können.
Insgesamt bedeuteten diese Vorschläge eine faire, ausgewogene und
wesentliche Reduzierung im Wettrüsten, was - wie ich glaube - die Gewähr
für eine dauerhafte Verringerung der Spannungen und für gegenseitigen Nutzen
für unsere beiden Länder geboten hätte. Auch diesen Vorschlag haben die
Sowjets zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptiert.
Beide Partner haben, wie morgen in einem gemeinsamen Kommunique bekanntgegeben werden wird, vereinbart, die Erörterungen in der ersten Hälfte des
Monats Mai in Genf fortzusetzen.
Es wird Sie vielleicht interessieren, zu erfahren, daß einige andere
Punkte, die wir vorschlugen, darin bestanden, eine angemessene Verifizierung
zu erreichen, die Verschleierung zu beenden und eine sogenannte Daten-Bank
zu schaffen, mit deren Hilfe wir die Sowjetunion über den Stand unserer
eigenen Rüstungen zu einem bestimmten Zeitpunkt unterrichten würden und die
Sowjets uns über den ihren, so daß wir einen gesicherten, gegenseitig vereinbarten Stand der Waffenkapazität besitzen würden.
Ich darf vielleicht auf noch einige weitere Dinge eingehen. Außer der
Erörterung der SALT-Abkommen Anfang Mai in Genf haben wir vereinbart, noch
weitere Themen zu besprechen - Südafrika und die anstehenden möglichen
Nahostverhandlungen - und wir sind übereingekommen, acht Arbeitsgruppen einzusetzen: eine, um ein Abkommen auszuarbeiten, aufgrund dessen wir auf eine
- 3 -

�•J

eine Entwicklung von Kapazitäten zur Zerstörung von Beobachtungssatelliten
verzichten würden, damit wir ein sicheres Mittel besitzen, um die Sowjets
zu beobachten;und sie können damit ebenfalls über ein sicheres Mittel verfügen, um uns von Satelliten aus zu beobachten.
Die zweite Gruppe soll die Bedingungen für ein möglichst umfassendes
Verbot von Atomwaffenversuchen erörtern, damit wir in Zukunft keine
Nuklearwaffen mehr testen.

Und wir haben die Sowjets auch ersucht, mit

uns auf ein Verbot der Versuche mit Nuklearsprengsätzen für friedliche
Zwecke hinzuwirken.
Eine weitere Arbeitsgruppe, die nach beiderseitiger Vereinbarung eingesetzt werden soll, wird sich mit den Bedingungen befassen, aufgrund derer
wir den Indischen Ozean entmilitarisieren oder die militärischen Anstrengungen in dieser Region verringern könnten.
Wieder eine andere Arbeitsgruppe wird aus Experten gebildet werden, um
die Bedingungen zu erörtern, die uns die Möglichkeit geben, uns auf eine
Vorausankündigung aller Raketentests zu einigen,so daß wir vielleicht schon
24 Stunden vorher die Sowjets davon in Kenntnis setzen würden, daß wir als
Versuch eine unserer Raketen abfeuern werden. Die Sowjets würden uns in der
gleichen Weise benachrichtigen.
Eine weitere Gruppe wird Wege prüfen, um eine umfassende Rüstungskontrolle in der Lieferung konventioneller Waffen an Drittländer, vor allem
Entwicklungsländer, zu erreichen.
Eine andere Gruppe soll erörtern, wie wir beiderseits zur Verhinderung
der Ausbreitung der Nuklearwaffenkapazität (Nonproliferation) beitragen
könnten. Die Länder brauchen eine Möglichkeit, um Atomkraft für die
Herstellung von Elektrizität zu verwenden, aber wir hoffen, daß sich die
Sowjets uns und unseren Verbündeten und Freunden anschließen werden, um die
Fähigkeit der Nationen zu verringern, Nuklearbrennstoffe für die Herstellung
- 4 -

�*

V

Herstellung von Sprengkörpern zu verwenden.
Ein weiterer Punkt ist, daß wir - auf Ersuchen der Sowjetunion - übereingekommen sind, über die Abschaffung der Kapazität zur Führung eines
Krieges mit Strahlen oder chemischen Waffen zu sprechen.
Die achte Gruppe schließlich, auf deren Einsetzung wir uns geeinigt
haben, soll Mittel und Wege prüfen, wie wir uns gegenseitig darauf einigen
könnten, auf größere Anstrengungen in der Zivilverteidigung zu verzichten.
Wir sind der Ansicht, daß die Sowjets auf dem Gebiet des Bevölkerungsschutzes
sehr viel getan haben. Wir haben weniger getan, aber wir möchten, daß wir
uns beide darauf einigen, keine großen Summen für diese Anstrengungen auszugeben.
Das Gesamtergebnis der Besprechungen bestand also darin, einen festen
Vorschlag über drastische Verringerungen der Nuklearkapazit?t in der
Zukunft zu unterbreiten, auf den die Sowjets noch nicht reagiert haben diese Gespräche werden Anfang Mai fortgesetzt werden - und Studiengruppen einzusetzen, die die Analyse der anderen acht von mir aufgezählten
Punkte weiterführen sollen.
Ich bin jetzt gerne bereit, Ihre Fragen zu beantworten.
Frage: Herr Präsident, entschuldigen Sie, wenn ich nicht aufstehe,
aber ich möchte nicht die Kamera hier blockieren.
Sind Sie noch immer der Auffassung, daß die Sowjets unsere Menschenrechtskampagne in keiner Weise mit den Rüstungskontroll Verhandlungen in
Zusammenhang gebracht haben?
Antwort:

Ich kann Ihnen natürlich nicht garantieren, ob nicht im

Denker der Sowjets ein Zusammenhang zwischen den Menschenrechtsanstrengungen
und diesen jetzigen SALT-Verhandlungen besteht.
- 5 -

Wir haben jedenfalls keinen

�V

keinen Beweis, daß dies der Fall wäre.
Außenminister Vance hat es beispielsweise für recht beachtlich gefunden,
daß, als Generalsekretär Breschnew eine vorbereitete Erklärung zur Frage
der Menschenrechte abgab, er es auf einer völlig getrennten Sitzung von der
Zusammenkunft tat, auf der SALT besprochen wurde.
So wie wir es beurteilen, bestand kein Zusammenhang.

Aber ich kann

nicht garantieren, daß im Denken der Sowjets kein Zusammenhang besteht.
Frage:

Herr Präsident, Sie haben gesagt, daß die Sowjets behaupteten,

Außenminister Kissinger und Ihre Vorgänger hätten versprochen, daß sie
die Marschflugkörper (Cruise Missiles) als Waffensystem nicht installieren
würden.
Antwort: Ja!
Frage: Wo aber und in welcher Weise haben sie behauptet, daß dieses
Versprechen gegeben wurde, und haben Sie nachgeprüft, um herauszufinden, ob
es tatsächlich der Fall war?
Antwort: Ja. Beide, Präsident Ford und Außenminister Kissinger haben
vor der Öffentlichkeit und im privaten Gespräch mir gegenüber darauf bestanden, daß es von Seiten der Vereinigten Staaten niemals irgendeine
Zustimmung gegeben habe, die Dislozierung oder Entwicklung der Marschflugkörper einzuschränken oder zu verbieten.
Die in dem ersten Übereinkommen von Wladiwostok, das wie Sie wissen,
bisher noch nicht ratifiziert worden isc, gebrauchte Formulierungen sprachen
von einem Verbot von aus der Luft gestarteten Raketen.
Außenminister Kissinger vertrat den Standpunkt - und er ist weitaus
besser in der Lage,dies darzulegen, als ich für ihn sprechen könnte - daß
damit ballistische Raketen, die das Thema der Wladiwostok- übereinkommen
- 6 -

K.

�Wladiwostok-Übereinkommen bildeten, gemeint seien.
Vor zweieinhalb Jahren, als diese Verhandlungen geführt wurden, wußte
man noch wenig über die Kapazität dieser Marschflugkörper, und es gab über
sie überhaupt keine ins einzelne gehende Diskussion.

Die Sowjets be-

haupteten, daß sie bei der Diskussion über die aus der Luft gestarteten
Raketen von den Marschflugkörpern (Cruise Missiles) gesprochen hätten.
Außenminister Kissinger sagte, daß er nicht über Cruise Missiles gesprochen habe.
Frage:

Herr Präsident, um bei dem Punkt zu bleiben, die Sowjets

behaupten nicht, daß es irgendeine geheime Vereinbarung oder Erörterung
oder irgendetwas derartiges gegeben habe?
Antwort:
Frage:

Nein!
Sie sprachen also über den Text, die Formulierungen des

Wladiwostok-Übereinkommens?
Antwort:
Frage:

Genau!
Hatten die Russen zu SALT einen Gegenvorschlag, den sie uns ange-

boten haben, oder begnügten sie sich damit, unsere Vorschläge anzuhören?
Antwort: Sie hörten unsere beiden Vorschläge an. Gewiß, ihr Vorschlag
bestand darin, das Wladiwostok-Übereinkommen gemäß ihrem Verständnis zu
ratifizieren, wozu gehörte, daß sie den Backfire-Bomber entwickeln dürfen,
wir dagegen nicht unsere Marschflugkörper. Das ist ein Abkommen, das wir
niemals als Teil des Wladiwostok-Übereinkommens verstanden haben.
Frage:

Mr. Carter, wenn es zur Erzielung eines Fortschrittes notwendig

sein sollte, wären Sie bereit, Ihre Erklärungen zu den Menschenrechten zu_
- 7 -

�zu modifizieren?
Antwort:

Nein!

Ich werde meine Erklärungen zu den Menschenrechten

nicht modifizieren.

Meine Erklärungen zu den Menschenrechten stehen im

Einklang mit dem Gewissen unseres Landes.

Ich meine, daß im internationalen

Recht immer wieder aberkannt wurde, daß verbale Erklärungen oder irgend
welche Äußerungen der Überzeugung einer Nation keine Einmischung in die
Angelegenheiten eines anderen Landes bedeuten.
Im übrigen haben die Sowjets doch die Menschenrechte ratifiziert^als
sie die Charta der Vereinten Nationen angenommen haben.

Das Helsinki-Über-

einkommen, das noch in diesem Jahr in Belgrad auf seine Einhaltung überprüft
wird, schließt ebenfalls die Menschenrechte ein.
Absicht, meinen Standpunkt zu ändern.

Ich habe daher nicht die

Es ist ein Standpunkt, der nach

meiner Auffassung genau die Haltung unseres Landes wiedergibt.
Ich halte es nicht für richtig, die Konzeption der Menschenrechte
mit den SALT-Verhandlungen zu verknüpfen. Ich betrachte das al*- eine
falsche Verbindung. Ich hoffe, daß die SALT-Verhandlungen Erfolg haben
werden, wenn wir diese Gespräche im Laufe des Jahres im mühevollen Detail
fortsetzen. Sie werden nur dann erfolgreich sein, wenn die Sowjets überzeugt sind, daß es in ihrem Vorteil liegt, auf eine weitere Verpflichtung eine sehr kostspielige Verpflichtung und eine sehr bedrohliche Verpflichtung zum Wettrüsten zu verzichten - und nur, wenn unser eigenes Volk glaubt,
daß wir den gleichen Vorteil daraus ziehen. Darauf hoffen wir.
Frage: Herr Präsident, wie würden Sie das charakterisieren, was heute
vorgefallen ist? Wie groß ist der Rückschlag? Haben wir damit gerechnet,
daß die Sowjets unseren Positionen gegenüber aufgeschlossener sein würden?
Antwort:

Es gab weder in direkten noch in indirekten Kontakten mit

Breschnew Hinweise darauf, daß sie bereit wären, unsere Standpunkte zu
akzeptieren.

Wir haben in einem Zeitraum von fünf bis sechs Wochen
- 8 -

�Wochen sorgfältig einen Vorschlag für drastische Reduzierungen ausgearbeitet, den wir als ausgewogen betrachteten.
Ich darf sagen, daß die wichtigen Mitglieder des Kongresses, das
Außenministerium, mein eigener Stab, der Verteidigungsminister, die
Mitglieder des Gemeinsamen Stabes (der US-Streitkräfte) einstimmig der
Meinung waren, daß es sich um einen guten und fairen Vorschlag handelt.
Ich habe gehofft, daß die Substanz unseres Vorschlages in Zukunft von
der Sowjetunion akzeptiert werden wird, denn es liegt in ihrem und unserem
Vorteil, das zu tun.
Aber ich bin überhaupt nicht entmutigt. Außenminister Vance hat mir
telegraphiert, daß er enttäuscht darüber ist, daß wir nicht sofort zu
einem Übereinkommen gelangt sind, aber er war nicht entmutigt. Ich meine,
die Tatsache, daß ein gemeinsames Kommunique verfaßt wurde, das morgen früh
veröffentlicht wird und die Tatsache bekannt gibt, daß unsere beiden
Länder diese Gespräche ohne Unterbrechung fortsetzen, ist ebenfalls sehr
ermutigend.
Frage:

Herr Präsident, wäre es fair zu sagen, daß die Gespräche zusam-

mengebrochen sind, weil die Vereinigten Staaten gegenwärtig nicht bereit
sind, Einschränkungen für die Marschflugkörper (Cruise Missiles) zu
akzeptieren?
Antwort:
Frage:
Antwort:

Nein!
Ist das nicht der Kernpunkt?
Das ist keineswegs der Kernpunkt. Wir sind bereit, Ein-

schränkungen für die Marschflugkörper zu akzeptieren, wenn dies Bestandteil
eines ausgewogenen Gesamtpaketes ist. Wir sind nicht bereit, ein
einseitiges Verbot für die Entwicklung oder die Dislozierung von Marschflugkörpern zu akzeptieren, wenn die Sowjetunion nicht entsprechende Zugeständnisse macht, einschließlich des Backfire-Bombers.
- 9 -

Wir haben eiji

�-K

ein Paket zusammengestellt, das fair und ausgeglichen ist, aber wir sind
nicht bereit, einseitig auf eine Möglichkeit zu verzichten, wenn die Sowjetunion nicht eine entsprechende Gegenleistung bietet.
Frage:

Ich habe nicht gemeint einseitig, aber bei der Reise von

Außenminister Kissinger in die Sowjetunion im Januar 1976 fanden aktive
Verhandlungen über eine ausgewogene Reduzierung statt, bei denen es auch
um gewisse Begrenzungen für Marschflugkörper ging.
Wenn Sie also sagen, daß die Sowjets erklärten, wir hätten einer
Einschränkung der Marschflugkörper zugestimmt, beziehen sie sich dann
nicht auf das Jahr 1976 und nicht auf Wladiwostok, als die Marschflugkörper
tatsächlich nur auf dem Reißbrett existierten und nicht in der Wirklichkeit?
Antwort: Ich glaube nicht - aber ich möchte mich nicht in die Lage
versetzen, für Außenminister Kissinger zu sprechen - daß es jemals die
Unterstellung eines amerikanischen Einverständnisses hätte geben können,
daß die Sowjets ohne Begrenzung den Backfire-Bomber bauen und dislozieren
dürften, während wir die Marschflugkörper einschränkten. Das ist der
Standpunkt, den die Sowjets in dem Obereinkommen von Wladiwostok einnahmen.
Frage: Herr Präsident, haben die Russen erklärt, warum sie den umfassenden Vorschlag ablehnen? War es deswegen, weil sie keine so drastischen
Reduzierungen wollen, wie Sie sie vorgeschlagen haben, oder war es,weil sie
glaubten, die Begrenzungen für Marschflugkörper wären nicht ausreichend?
Haben sie irgendwelche Gründe angeführt?
Antwort: Ich weiß noch nicht. Ich habe noch keine endgültige Analyse
von Außenminister Vance vorliegen. Er war noch vor einigen Minuten in der
amerikanischen Botschaft in Moskau und hat einen ausführlichen Bericht über
den Verlauf der Verhandlungen für mich vorbereitet. So weit ich zu diesem
Zeitpunkt weiß, haben die Sowjets keine spezifischen Gründe dafür genannt,
warum sie unseren Vorschlag ablehnten.
Ich
- 10 -

�Ich vermute, daß dieser Vorschlag so substantiell ist und eine radikale
Abkehr vom bisherigen bedeutet, indem er strikte Begrenzungen und eine
Reduzierung der vorhandenen Raketen und ein Verbot der Entwicklung oder
Dislozierung neuer Raketen für die Zukunft enthält, daß die Sowjets einfach
mehr Zeit brauchen, um ihn zu prüfen.
Ob sie ihn bei den Verhandlungen in Genf im Mai oder später akzeptieren
werden oder nicht, kann ich heute einfach noch nicht sagen.
Frage: Die Gespräche im Mai werden zwischen Herrn Gromyko und Herrn
Vance stattfinden?
Antwort:
Frage:

Das ist richtig.
Herr Präsident, Senator Baker hat gerade vorhin erklärt, daß Sie

bei der Unterrichtung der führenden Vertreter des Kongresses gesagt hätten,
Sie beabsichtigten/hart 1 zu bleiben.

Haben Sie das gesagt, und was meinen

Sie damit?
Antwort: Ja, das habe ich gesagt. Ich glaube, daß es wichtig für uns
ist, in diesem Jahr eine Chance zu nutzen, nicht nur eine oberflächliche
Ratifizierung von Regeln auszuhandeln, wie das Wettrüsten weitergehen kann,
sondern ein Einfrieren der Entwicklung und Dislozierung neuer Raketen und
eine tatsächliche Reduzierung der Träger und der Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) unter den früher vereinbarten Stand.
Was diese Punkte anbetrifft, so beabsichtige ich,in meiner Haltung sehr
fest zu bleiben. Ich halte es nicht für vorteilhaft für unsere Nation,
stückweise zusätzliche Vorschläge zu machen. Unsere Erfahrungen in der
Vergangenheit haben uns gelehrt, daß die Sowjetunion aus umfassenden Vorschlägen jene Punkte herauslöst, die für sie von Vorteil sind, und die
Verhandlungen über jene Punkte des Vorschlags fortsetzen will, die für sie
nicht so günstig wären.
Ich

�Ich habe daher die Absicht, stark weiterzuverhandeln, um die führenden
Männder unseres Landes wissen zu lassen, was wir vorschlagen, und ich bin
nicht in Eile.

Es ist schon wichtig genug, methodisch und sorgfältig

vorzugehen, aber ich möchte hoffen, daß sich die Sowjets mit uns auf
drastische Reduzierungen und strikte Begrenzungen in Zukunft einigen werden,
die niemals Teil eines bisherigen Abkommens gewesen sind.
Frage:

Herr Präsident, darf ich hier nachhaken?

Antwort: Bitte!
Frage:

Wenn Sie sagen, Sie wollen die Verhandlungen fortsetzen,

besteht dann eine Chance, daß Sie im Mai nach Genf gehen könnten, da Sie
sich ohnehin Anfang Mai in Europa aufhalten werden?
Antwort:

Es steht tatsächlich auf meinem Plan, nach Europa zu

reisen - nicht nur, um mit den Verbündeten in London zusammenzukommen,
sondern auch mit Präsident Assad aus Syrien, und wo dieses Treffen stattfinden wird, weiß ich noch nicht.

Aber ich habe gegenwärtig keine Absichten,

auf dieser Reise mit sowjetischen Führern zusammenzutreffen.
Frage:

Herr Präsident, wie wird diese Daten-Bank funktionieren?

Wird

sie auch alle konventionellen Rüstungen einschließen?
Antwort: Das wäre eine Sache, die getrennt erörtert werden müßte. Seit
langem bildet die Daten-Bank eine Streitfrage bei den in Wien stattfindenden
Verhandlungen über eine beiderseitige, ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte, in deren Rahmen wir die Sowjets ersucht haben, uns einen Überblick
über ihr Arsenal innerhalb der Staaten des Warschauer Paktes zu geben.
Hierbei handelt es sich in erster Linie um konventionelle Waffen.
Die

�Die Daten-Bank jedoch, auf die ich mich heute nachmittag bezog, ist
eine Inventur der Kernwaffen, die in die SALT-Gespräche einbezogen wurden der strategischen Kernwaffen.

Bisher haben wir auf beiden Seiten eine

ziemlich gute Methode der Inventur von Waffen entwickelt, die tatsächlich
disloziert worden sind.

Wir streben jedoch einen freien und exakten Aus-

tausch mit der Sowjetunion über die Frage an, über wieviele Waffen sie und
über wieviele wir verfügen, damit wir genauer jede Abweichung von diesen
Zahlen feststellen können.
Frage:

Wenn ich hieran anknüpfen dürfte, würde dies irgendeine Art

der Verifizierung beinhalten?
Antwort: Ja. Wir möchten die Frage der Verifizierung mit allem Nachdruck offenlegen. Bei einem umfassenden Testverbot hätten wir gerne eine
Inspektion an Ort und Stelle. Die Sowjets haben diesem Prinzip niemals
zugestimmt, aber sie haben dies im Rahmen der Erörterungen einige Male
erwähnt. Außenminister Gromyko hat im vorigen Jahr vor den Vereinten
Nationen eine Erklärung abgegeben, in der von der Möglichkeit von
Inspektionen an Ort und Stelle die Rede war. Wir sind in der Tat der
Meinung, daß die Verifizierung bei einem umfassenden Rüstungsbegrenzungsabkommen eine entscheidend wichtige Rolle spielt. Es ist ganz klar, daß
es bei einer Verifizierung eine Verschleierung nicht gibt, und eine Verifizierung in begrenzterem Umfang beinhaltet auch die Daten-Bank, von der ich
gerade sprach. Noch eine Frage.
Frage: Darf ich bitte diese Frage stellen. Hat das Scheitern dieser
Gespräche in irgendeiner Weise Ihre Einstellung hinsichtlich der Entwicklung
künftiger amerikanischer Waffensysteme beeinflußt? Mit anderen Worten,
sind Sie jetzt eher geneigt, sich für eine volle Produktion des B-l-Bombers
oder für irgendein anderes modernes Waffensystem einzusetzen?
Antwort:

Nun, wenn wir zum Abschluß der Erörterungen im nächsten Monat

den Eindruck gewinnen, daß die Sowjets uns gegenüber nicht in Treu und
- 13 -

�und Glauben handeln und daß ein Abkommen unwahrscheinlich ist, dann wäre
ich gezwungen, eine weit tiefergehende Verpflichtung gegenüber der Entwicklung und Dislozierung zusätzlicher Waffen einzugehen.

Aber ich möchte

eine solche Entscheidung so lange nicht treffen, bis ich zu der Überzeugung
gelangt bin, daß die Sowjets nicht in Treu und Glauben handeln.

Ich hoffe,

sie werden in Treu und Glauben handeln.
Ich möchte jetzt noch eine Frage von Wes beantworten.
Frage:

Herr Präsident, noch eine Frage hinsichtlich der einschneidenden

Reduzierungen.

Weil die Sowjets anscheinend heute über mehr Trägersysteme

verfügen als wir, gibt es deshalb Einwände, daß sie im Falle einschneidender
Reduzierungen mehr Waffen vernichten müßten als wir?
Antwort: Einschneidende Reduzierungen würden beide Seiten in etwa
gleichem Maße betreffen. Weniger einschneidende Reduzierungen, sagen wir
einmal von 2 400 auf 2 200 Träger, würden die Sowjets weitaus nachteiliger
treffen als uns. Ein Teil unseres Verhandlungspaketes betrifft die
schweren Raketen, die SS-9 und die SS-18, von denen es gegenwärtig 308 Stück
gibt.
Wir haben in unser Verhandlungspaket eine wesentliche Reduzierung unter
diese Zahl einbezogen.

Aber ich glaube, daß Einzelheiten unseres Vorschlages

zu einem späteren Zeitpunkt enthüllt werden sollten.

Ich möchte mir hin-

sichtlich der Einzelheiten Zurückhaltung auferlegen, weil Außenminister
Vance und Außenminister Gromyko Absprachen in bezug auf die Darlegung der
Verhandlungen getroffen haben, über die ich noch nicht voll informiert bin.
Aber ich glaube, die genauen Zahlen können zu einem späteren Zeitpunkt
verfügbar gemacht werden.
Ich danke Ihnen."

+ + +
- 14 -

�1

Hß

py

b]

Dokumentation
United States Information Service

7/1977

GEMEINSAMES AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE

WASHINGTON - (AD) - Die USA und die Sowjetunion naben am 31. März 1977
nach Abschluß der Gespräche, die US-Außenminister Cyrus R. Vance in Moskau
geflihrf hat, ein gme-'nsame" Kommuniq' -&gt; veröffentlich*
Das Kommunique hat
folgenden Wortlaut:
Vom 28. bis 30. März 1977 führten der Generalsekretär des Zentralkomitees
der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, L I . Breschnew und das Mitglied
des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion,
Außenminister der UdSSR, A.A. Gromyko, Gespräche mit dem Außenminister der
Vereinigten Staaten von Amerika, Cyrus R. Vance, der sich zu einem offiziellen
Besuch in Moskau aufhielt.
Im Laufe der Gespräche fand eine allgemeine Erörterung der amerikanischsowjetischen Beziehungen sowie bestimmter internationaler Probleme von gemeinsamem Interesse für die Vereinigten Staaten und die UdSSR statt.
Die Behandlung von Fragen, die für den Abschluß des neuen Abkommens über
die Begrenzung strategischer Offensivwaffen relevant sind, nahmen den zentralen

Postfach 300,
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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zentralen Platz in den Gespräche ein. Beide Seiten sind übereingekommen»die
Erörterung dieser Fragen fortzusetzen.
Ferner fand ein Meinungsaustausch über eine Reihe anderer Fragen bezüglich der Begrenzung der Rüstungen und der Abrüstung statt.

Es wurde verein-

bart, daß bilaterale Kontakte, einschließlich von Zusammenkünften von Experten,
gepflogen würden, um diese Angelegenheiten zu erörtern.
Die Behandlung internationaler Fragen schloß die Vorbereitende Konferenz
in Belgrad sowie die Lage auf Zypern und im südlichen Afrika ein. Sie bekräftigten die Bedeutung des Viermächte-Abkommens vom September 1971. Besondere
Aufmerksamkeit wurde der Lage im Nahen Osten geschenkt.

Beide Seiten sind

übereingekommen, daß die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und
der UdSSR als Ko-Vorsitzende der Genfer Konferenz wesentlich ist, um einen gerechten und dauerhaften Frieden in diesem Gebiet herbeizuführen.

Es wurde

Übereinkunft erzielt, in der ersten Hälfte des Monats Mai 1977 in Genf ein
Treffen des Außenministers der Vereinigten St&lt; cen un^ des Außenministers der
UdSSR abzuhalten, um einen gründlichen Meinungsaustausch über das Nahost-Problem, einschließlich der Frage der Wiederaufnahme der Genfer Konferenz,zu pflegen.

Einige der anderen in den Gesprächen in Moskau behandelten Fragen werden

dann ebenfalls besprochen werden.
Die Erörterung praktischer Fragen der bilateralen Beziehungen führte zu
mehreren spezifischen Übereinkommen.

+ + + + +

�7/1977

AMERIKANISCHE COMPUTERKONFERENZ: TECHNIK - ANWENDUNG - PROBLEME
Tagung vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas)

- (AD) - Ein sorgfältig zusammengestelltes Vortragsprogramm, Seminare
und Analysen der jüngsten Entwicklungen bei Kleincomputeranlagen, insbesondere auf dem rapide wachsenden Gebiet der verbraucherorientierten Datenspeicherung und Datenverarbeitung, kennzeichnen die "Nationale Computerkonferenz" vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas). Mehr als 300 Firmen und
Institute sind außerdem mit Ausstellungen vertreten, die die modernsten technischen Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten präsentieren. Die ca.
25 000 Besucher, die erwartet werden, erhalten Gelegenheit, sich umfassend
darüber zu informieren, welche Arbeitsmethoden und Ausrüstungen den jeweiligen Anforderungen am besten gerecht werden, kostengünstig sind und zu optimalen Ergebnissen führen. Aber auch der Komplex Datenschutz und sicherer
Prozeßablauf, einschließlich der Gefahr von Datenmißbrauch und Manipulation,
des Zugriffs Unberechtigter oder der Beeinflußbarkeit von Computerprogrammen,
sowie politische Probleme und Aufgaben im Zusammenhang mit der elektronischen
Datenverarbeitung werden eingehend behandelt.
Veranstalter ist die "American Federation of Information Processing

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�r -»

Processing Societies" (AFIPS - US-Verband der Gesellschaften für Datenverarbeitung).

Angesichts ihrer Bedeutung als Treffpunkt der Fachwelt nicht

nur aus den Vereinigten Staaten, sondern auch aus Europa, Asien, Lateinamerika,
dem Nahen Osten und Afrika erfährt die Konferenz eine besondere Förderung seitens des US-Außenministeriums und des US-Handelsministeriums.

Ähnlich wie

bei der vorangegangenen Tagung im Jahre 1975 in New York erwartet man im Juni
Hunderte von Teilnehmern aus dem Ausland.

Das Ereignis bietet Vertretern von

Wirtschaft und Industrie aus aller Herren Ländern eine einzigartige Gelegenheit zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch.
Die rapide fortschreitenden Veränderungen in der Technik der Informationsverarbeitung und ihrer Anwendung machen, so Konferenzvorsitzender Dr. Portia
Isaacson, kontinuierliche Weiterbildung zu einem dringenden Bedürfnis.

Die

Tagung sei deshalb so geplant und vorbereitet worden, daß sie Computerspezialisten, Organisationschefs für elektronische Datenverarbeitung (EDV), leitenden Persönlichkeiten in Wirtschaft und Industrie, Benutzern, Lehrern und Regierungsvertretern Gelegenheit gibt, zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln.
Der einzelne soll Unterstützung für die Wahrnehmung seiner speziellen beruflichen Aufgaben erhalten und im Hinblick auf sein berufliches Fortkommen gefördert werden.
Wie ein Sprecher der AFIPS erklärte, werden in jedem der 11 vorgesehenen
Seminare über Themen, die für EDV-Management und für technische Spezialisten
von besonderer Bedeutung sind, die jeweiligen Fragenkomplexe ausgelotet. Die
Leitung jedes der ganztägigen Seminare liegt in den Händen von Kapazitäten
ihres Fachs. Die Themenbreite reicht vom flächenabdeckenden Datenübertragungsnetz mit Satellitenstationen und zentraler Verarbeitungseinheit bis zur Langzeitplanung. Von den mehr als 300 Vorträgen der Experten basiert ein Teil auf
gleichzeitig eingereichten wissenschaftlichen Abhandlungen. In Round-TableGesprächen zwischen Vertretern führender Herstellerfirmen und Benutzern, in
Lehrveranstaltungen und Sonderarbeitskreisen für EDV-Organisationschefs nimmt
der Informationsaustausch zwischen Computerspezialisten und den für die Datenverarbeitung verantwortlichen Spitzenvertretern der Unternehmen einen beson- 2 -

-K

�besonderen Platz ein.

Mehr als 1100 Stände sind bereits reserviert, um "die

bisher größte und umfassendste Ausstellung von Computern und Zubehör, Softwaren, Systemen und Dienstleistungen zu präsentieren".

Vorgesehen sind fer-

ner ein nationaler Programmier-Wettbewerb, der einen in seiner Art einzigartigen Test für Logik- und Programmierleistung darstellt, und eine Ausstellung verbraucherorientierter Computer.
Die Themen in den Seminaren umfassen u.a. strukturierte Information,
d.h. "linienbezogener" Informationsumfang entsprechend dem Informationsbedürfnis auf den verschiedenen Stufen der betrieblichen Hierarchie, ferner
die Entwicklung von EDV-Langzeitplänen, on-line-Systeme, Einführung in die
physikalischen Vorgänge bei Anwendung der Software und in Computer-Verbundsysteme, Datenbank-Organisation, Vergleich von Datenbank-Systemen, Berufsbildung für Informatiker, Normierung der Software und Mikroprozessoren samt Ursprung und Trends sowie nach Anwendungsbereichen gegliedertes Konstruktionskonzept. Für Interessenten aus dem Ausland hat AFIPS eine mehrsprachige Broschüre über die Konferenz und ihre Ziele herausgebracht.
Die Betreuung der Besucher ist aufs Beste organisiert. Unter der Telefonnummer 800-556-6882, die von jedem Ort innerhalb der USA gebührenfrei angerufen werden kann, erhält der Interessent die gewünschten Auskünfte über
die günstigsten Anreisewege und Unterbringungsmöglichkeiten. Zum Service gehört außerdem die Reservierung der billigsten Flugbilletts nach Dallas (mit
Einsparungen bis 30 Prozent) für den Konferenzbesucher selbst. Familieangehörige und Kollegen. Am Flughafen Dallas-Fort Worth und im Konferenzzentrum
sind besondere Schalter für die Betreuung der ankommenden und weiterreisenden
Konferenzteilnehmer eingerichtet.

+ + + + +

- 3 -

�UUi//cn/choft
und Technik
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7/1977

EINZELATOME MIT LASER-LICHTENERGIE IDENTIFIZIERT

- (AD) - Über die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem erstmals einzelne Atome angeregt, erfaßt und identifiziert werden können, berichten
Wissenschaftler des Oak Ridge National Laboratory (ORNL) in Tennessee, USA.
Es wurde "ein völlig neuartiges Instrument" der analytischen Chemie geschaffen, mit dem das absolute Höchstmaß an Empfindlichkeit zu erreichen und nicht
nur das einzelne Atom, sondern auch dessen Reaktion mit anderer Materie zu beobachten ist.
Das Verfahren beruht auf der Anregung einzelner Atome in Gasen durch
die Photonen eines intensiven Laserstrahls. Im ORNL wurde demonstriert, daß
auf diese Weise Einzelatome des Elementes Caesium in einigen Trillionen anderer Atome und in Molekülen verschiedenster Art erfaßt werden können. Die
Methode ist aus Projekten der Grundlagenforschung hervorgegangen, die von
der Abteilung Biomedizin und Umweltforschung der ERDA (US-Energieforschungsund Entwicklungsbehörde) zur Verbesserung von Meßverfahren für die Kontrolle
der Luftqualität in Angriff genommen wurden.
Die Bewegungen einzelner Atome können mit dem Raster-Elektronenmikroskop
"sichtbar" gemacht werden.

Ebenso läßt sich der radioaktive Zerfall eines

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�-

eines Atoms registrieren.

Aber bei diesen Verfahren ist es nicht möglich,

ein Einzelatom auszuwählen, zu isolieren und zu beobachten.

Das neue ORNL-

Verfahren ist vor allem für solche Gebiete der Forschung von Bedeutung, wo
es zur Lösung von Problemen darauf ankommt, geringe Mengen von Atomen zu
identifizieren und zu zählen.

Dies trifft z.B. für die Identifizierung und

Messung chemischer Schmutz- und Schadstoffe zu. Außerdem könnte die neue
Methode die Identifizierung neuer, nur in äußerst kleinen Mengen synthetisierter Elemente erleichtern.

Sie könnte ferner helfen, seltene nukleare

Reaktionen wie jene zu registrieren, die unter Beteiligung von Neutrinos aus
der Sonne vor sich gehen. Auch bei der Suche nach den "Quarks", die heute
als die eigentlichen Grundbausteine der Materie angesehen werden, erhofft
man sich bessere Meßmethoden mit dieser Art einer "Laser-Sonde".
Das Verfahren wird folgendermaßen beschrieben: Ein intensiver Laserstrahl wird in einen Proportionalzähler gepulst - ein Registrierinstrument,
in dem sich gleichzeitig die Kammer mit der Gasprobe befindet.

Die Intensi-

tät und gleichzeitig sorgfältig gesteuerte Frequenz des uaserlicht-Impulses
sorgen dafür, daß jedes Atom jenes Typs, den man erfassen will, zunächst angeregt und dann ionisiert wird.

Das führt dazu, daß jedes Atom des "ange-

sprochenen" Elements ein Elektron verliert, während die Milliarden von Atomen
oder Molekülen anderen Typs im wesentlichen unbeeinträchtigt bleiben.

Der

Proportionalzähler ist so empfindlich, daß er erlaubt, einzelne Elektronen
zu zählen, die innerhalb der Kammer von Atomen abgestreift werden.

Die im

ORNL demonstrierte Methode läßt sich unter Verwendung verschiedener Instrumente auf etwa die Hälfte aller bekannten Elemente anwenden; unter gewissen
Umständen werden auch mehrere Laser eingesetzt. Auch Moleküle sind zu klassifizieren, indem man sie aufspaltet und dann die atomaren Bestandteile identifiziert.

+ + + + +

�Uli//cn/ch(ift
und Technik
United States Information Service

7/1977

SUPERMAGNET IN HYBRID-KONSTRUKTION
Energiebedarf fast zwei Drittel geringer

- (AD) - Mit einem Hybrid-Magnetsystem, der Kombination aus einem herkömmlichen w^ssergeLiulten Magneten und einer superleitfähigen Spule, wurde
am Nationalen Francir&gt;-Bitter-Magnetforschungsinstitut (NML) in Cambridge
(Massachusetts) eine Feldstärke von 254 000 Gauss erzielt. Dies entspricht
etwa dem 500 OOOfachen der Stärke des erdmagnetischen Feldes. Bei dem Gerät handelt es sich um eine Sonderkonstruktion im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts amerikanischer und niederländischer Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. B. Bruce Montgomery (NML). Das Institut steht unter der Regie
des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und wird von der amerikanischen
Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) gefördert.
Für die Erzielung der Höchstleistung in der jüngsten Versuchsserie waren 4,5 Megawatt (4,5 Millionen Watt) Strom erforderlich. Man hätte jedoch,
wie Dr. Montgomery erklärte, 12 - 13 Megawatt gebraucht, wenn ausschließlich
ein wassergekühlter Kupfermagnet gleicher Größe und Feldstärke benutzt worden
wäre. Bei der Hybrid-Konstruktion wird ein solcher wassergekühlter Magnet nur
als Einsatz für die große Außenspule verwendet, die aus einem Supraleiter be-

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Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�/ «

besteht.

Superleitfähiges Material zeichnet sich dadurch aus, daß sein

elektrischer Widerstand bei Abkühlung auf extrem tiefe Temperaturen auf Null
zurückgeht, so daß der einmal zugeführte elektrische Strom ständig fließt.
Für die Erzeugung eines Magnetfeldes wird keinerlei Strom verbraucht - die
Energie ausgenommen, die für die Kühlung der Spule auf Tiefsttemperatur erforderlich ist.

Bestimmte Materialien,

z.B. eine Legierung aus den Metal-

len Niob und Tantal, eignen sich als Supraleiter besonders gut.

In vielen

Laboratorien arbeiten Werkstoffexperten jetzt daran, zum Zweck der Kostenund Energieeinsparung Supraleiter zu entwickeln, dere. "Sprungtemperatur"
- d.h. jene Temperatur, bei der die Superleitfähigkeit einsetzt - nicht so
extrem niedrig liegt wie beispielsweise bei der Niob-Tantal-Legierung.
Im Gegensatz zu wassergekühlten Magneten läßt sicn jedoch bei Supraleiter-Magneten die Feldstärke nichtbeliebig steigen.. Mit zunehmender
magnetischer Feldstärke wächst der elektrische Widerstand. Bei der NiobTantal-Legierung liegt die Feldstärken-Grenze bei ca. 85 000 Gauss. Ein
wassergekühlter Magnet dagegen ist in seiner Leistung nicht begrenzt. Mit
mehr Energie ließen sich theoretisch immer höhere Felci.vcärken erzeugen. In
der Praxis jedoch müssen neben den Anforderungen an die Kühlung zum Abführen
der riesigen Wärmemengen, die den Magneten zerstören würden, auch die enoniien
mechanischen Belastungen der Spule durch die elektromagnetischen Kräfte berücksichtigt werden. Prof. Francis Bitter vom MIT, n-ch dem heute das Nationale Laboratorium für Magnetforschung benannt ist, war einer der Pioniere
für die Konstruktion der modernen wassergekühlten Magnete.
Im Verbund leisten die beiden Magnettypen jedoch das itestmögliche, was
technisch auf dem Gebiet der Magnetkonstruktion gegenwärtig zu erreichen ist.
Bei den künftigen Versuchsserien im NML will man u.a. Feldstärken bis zu
300 000 Gauss erzeugen.

Dafür wären ca. 10 Megawatt Energie erforderlich -

die Grenze dessen, was die Generatoren des Instituts zu produzieren vermögen.
Später wird der Hybridmagnet für die Durchführung weiterer Experimente nach
Nijmwegen (Holland) transportiert, wo vor kurzem ein Magnetlabor (mit einer
Energieproduktion bis 6 Megawatt) eingerichtet wurde.
Nach
- 2 -

�Nach Ansicht der Wissenschaftler des NML bedeutet die Entwicklung des
Hybrid-Magneten einen wichtigen Schritt zur Konstruktion großer SupraleiterMagnetsysteme.

Diese könnten u.a. für die Stromerzeugung im Rahmen neuer

Techniken, einschließlich der Kernfusion, von Bedeutung sein.

Außerdem H e s -

sen sich damit extrem starke Magnetfelder für die Untersuchung und Erprobung
verbesserter Supraleiter erzeugen.

In der Grundlagenforschung werden Magnet-

felder hoher Intensität zum Studium von Materie-Eigenschaften benutzt - z.B.
von Atomen, Halbleitern oder magnetischen Materialien.

Geräte, mit denen

Magnetfelder von mehr als 300 000 Gauss erzeugt werden können, würden der
experimentellen Physik noch bessere Hilfsmittel als bisher verfügbar an die
Hand geben, um vor allem die Geheimnisse der magnetischen und elektrischen
Eigenschaften der Materie zu lüften.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Amerikadienst 06.04.1977</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Weitere entschlossene Abrüstungsbemühungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Begrüßung von Außenminister Vance am 2.April 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter-Pressekonferenz vom 30. März 1977 zu den SALT-Verhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Computerkonferenz: Technik - Anwendung - Probleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Tagung vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;Einzelatome mit Laser-Lichtenergie identifiziert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Supermagnet in Hybrid-Konstruktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Energiebedarf fast zwei Drittel geringer -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>pfifft Uli

ÄG

Information
und
Dokumentation
United States Information Service

23. März 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Rede Präsident Carters vor den Vereinten Nationen am 17. März 1977
- Wortlaut Carter umreißt amerikanische Auslandshilfepolitik
- Botschaft an den Kongreß vom 18. März 1977 Präsident Carter fordert Maßnahmen gegen Ölverschmutzung
- Botschaft an den Kongreß vom 18. März 1977 Dr. Frank Press: Neuer Wissenschaftsberater Präsident Carters

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�»

a
a

Dokumentation
United States Information Service

6/1977

REDE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEN VEREINTEN NATIONEN AM 17. ÜÄRZ 1977
- Hortlaut

New York - (AD) - Präsident Carter haJ am 17. März 1977 in einer Rede
vor Ständigen Vertretern bei den Vereintet, Nationen zu zahlreichen außenpolitischen Problemen Stellung genommen.

Am Sitz der Weltorganisation

u

forderte er eine Einstellung des nu learen Wettrüstens und dann einen Abbau der Kernwaffen.

Der Präsident behandelte ferner internationale Wirt-

schaftsfragen, den Nahen Osten, Afrika, die Entwicklungsländer und Menschenrechtsfragen.
Die Rede von Präsident Jimmy Carter hat folgenden Wortlaut:
Ich bin stolz, heute abend hier in diesem Hause, in dem die gemeinsamen
Hoffnungen der Menschheit ihren Ausdruck finden können, vor Ihnen sprechen
zu dürfen.
Ich bin hierhergekommen, um meine Unterstützung, die anhaltende Unterstützung meines Landes, für die Ideale der Vereinten Nationen zum Ausdruck
zu bringen.
Wir

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�•

Wir sind stolz darauf, daß die Vereinten Nationen in den 32 Jahren seit
ihrer Gründung auf amerikanischem Boden zusammengekommen sind.

Und wir

teilen mit Ihnen die Verpflichtung für Freiheit, Selbstregierung, Menschenwürde, gegenseitige Toleranz und friedliche Lösung von Streitigkeiten wie sie in den Gründungstatuten der Vereinten Nationen so klar zum Ausdruck
kommt und von Generalsekretär Kurt Waldheim so gut vertreten wird.
Keine Nation könnte für sich allein eine Welt bauen, die diese Werte
reflektierte.

Aber die Vereinigten Staaten verfügen über ein Reservoir

der Stärke - wirtschaftlicher Stärke, an der wir andere teilhaben lassen
wollen;
brauchen;

militärischer Stärke, die wir hoffentlich nie mehr einzusetzen
geistiger Stärke, die wir als Rückgrat unserer Außenpolitik

voll aufrechtzuerhalten gedenken.
Es ist jetzt acht Wochen her, seit ich mein Amt als Präsident übernahm.
Ich habe in dieses Amt ein festes Versprechen auf eine offenere Außenpolitik
mitgebracht. Ich glaube, das amerikanische Volk erwartet von mir, daß ich
offen über die Politik spreche, die wir einzuschlagen gedenken, und in
diesem Geiste möchte ich heute abend über unsere Hoffnungen für die Zukunft
sprechen.
Ich sehe eine hoffnungsvolle Welt, - eine Welt, die beherrscht wird von
wachsenden Forderungen nach den Grundfreiheiten, nach den Grundrechten,
nach einem höheren Standard der menschlichen Existenz.
uns an der Gestaltung dieser Welt zu beteiligen.

Wir sind begierig,

Aber in diesem Streben nach einer besseren Welt sind wir nicht blind
gegenüber der Realität des Streites noch der herrschenden Gefahren, vor
denen wir stehen.

Jede Schlagzeile, die wir lesen, erinnert uns an bittere

Spaltungen, an nationale Feindseligkeiten, an territoriale Konflikte, an
ideologischen Wettstreit.
jahrhundert überfällig.
liche Afrika.

Im Nahen Osten ist der frieden seit einem ViertelEin zunehmender Rassenkonflikt bedroht das süd-

An der Südspitze Afrikas bauen sich neue Spannungen auf.
- 2 -

Im

�Im östlichen Mittelmeer bleiben Streitfragen ungelöst.
Aber vielleicht noch unheildrohender ist das beunruhigende Wettrüsten.
Die Sowjetunion und dl« Vereinigten Staaten haben Tausende von Kernwaffen
angehäuft.

Unsere beiden Länder verfügen heute über fast fünfmal so viele

Raketengefechtsköpfe wie vor acht Jahren.

Trotzdem sind wir nicht etwa

fünfmal sicherer. Im Geoenteil, das Wettrüsten hat das Risiko eines Konflikts nur erhöht.
Wir können diese !!elt nur verbessern, wenn wir ihre Komplexität realistisch
sehen. Die Streitigkeiten, die heute existieren, haben tiefe Wurzeln und
stellen oft schwierige geistige wie auch praktische Fragen an uns. Sie
lassen sich weder rasch noch leicht beilegen. Das Wettrüsten ist heute in
das Gewebe der Weltpolitik eingebettet und kann nur unter größten Schwierigkeiten eingedämmt werden. Armut und Ungleichheit haben so gewaltige Dimensionen angenommen, daß es Jahrzehnte gezielter und entschlossener Anstrengungen bedürfen wird, um die Situation auch nur zu verbessern.
Ich hebe diese Gefahren und diese Schwierigkeiten hervor, weil ich möchte,
daß wir uns alle einer andauernden und anhaltenden Anstrengung verschreiben,
um
- den Frieden zu erhalten und das Wettrüsten zu verringern;
- ein besseres und kooperativeres internationales Wirtschaftssystem
aufzuholen; und
- mit potentiellen Gegnern ebenso wie mit unseren Freunden zur
Förderung der Sache der Menschenrechte zusammenzuarbeiten.
Weltweite Aufgaben
Ich bin mir darüber Im klaren, daß die Vereinigten Staaten bei dem
Streben nach diesen Zielen die Probleme der Welt nicht allein lösen können.
Wir können gelegentlich anderen helfen, ihre Differenzen beizulegen, aber
wir können das nicht auf die Weise tun, daß wir anderen unsere individuellen
- 3 -

�individuellen Lösungen aufzwingen.
In den kommenden Monaten wird es für uns alle wichtige Arbeit geben, um
die internationale Zusammenarbeit und den wirtschaftlichen Fortschritt
im Dienste des Friedens zu fördern:
- Noch in diesem Frühjahr werden die Führer mehrerer Industrieländer
Europas, Nordamerikas und Japans auf einer Gipfelkonferenz in London Mber
einen weiten Bereich von Themen sprechen.

Wir müssen die Gesundheit unserer

industriellen Volkswirtschaften fördern, wir müssen die Inflation eindämmen
und Mittel und Wege finden, um unsere Volkswirtschaften zum Wohle der Weltwirtschaft zu leiten.
- Wir müssen mit den multilateralen Handelsverhandlun^en in Genf weiterkommen .
- Die Vereinigten Staaten werdti die 3emühungen unser -r Freunde unterstützen, um die derriokratisehen Institutionen in Europa, insbesondere in
Portugal und Spanien, zu stärken.
- Wir werden auf der anstehenden Folgekonferenz der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) mit unseren Freunden in Europa eng
zusammenarbeiten.

Wir wollen sicherstellen, daß alle Bescii.imungen der Schluß-

akte von Helsinki voll verwirklicht werden und ein Fortschritt bei der
Förderung der Zusammenarbeit zwischen Ost und West erzielt wird.
- Im Nahen Osten tun wir unser Bestes, um Gebiete der Übereinstimmung
abzuklären, unterschwellige Gemeinsamkeiten an den Tag zu bringen und dazu
beizutragen, beiderseits akzeptable Grundsätze zu entwickeln, die einen
flexiblen Rahmen für eine gerechte und dauerhafte Lösung abqeben kennen.
- Im

�- Im südlichen Afrika werden wir daran arbeiten, um zur Herstellung einer
Mehrheitsregierung durch friedliche Mittel beizutragen.

Wir sind der Über-

zeugung, daß eine solche grundsätzliche Umwandlung zum Wohle der Schwarzen
und der Weißen erreicht werden kann.

Alles andere könnte nur zu einem

hinausgezogenen Rassenkrieg mit verheerenden Folgen für alle führen. In
dieser Woche haben die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergriffen, um unser
Land in volle Übereinstimmung mit den Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen das unrechtmäßige Regime in Rhodesien zu bringen.
- Wir werden unsere Beziehungen zu Lateinamerika auf eine konstruktivere
Basis stellen - in der Erkenntnis des globalen Charakters der Probleme
dieser Region. Wir arbeiten ferner daran, die Zukunft des Panamakanals
durch freundschaftliche Verhandlungen zu klären.
- Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, unser Verhältnis zur Volksrepublik China weiter auszubauen. Wir sind uns über unsere parallelen
strategischen Interessen an einer Aufrechterhaltung der Stabilität in
Asien im klaren und werden im Geiste des Kommuniques von Schanghai handeln.
- In Südostasien und im Pazifik werden wir unsere Verbindungen mit unseren
traditioneller. Freunden stärken und die Beziehungen zu unseren früheren
Gegnern zu verbessern suchen.
- Wir sind bereit, in der ganzen Welt unsere Beziehungen zu normalisieren
und eine Versöhnung mit allen Staaten anzustreben, die bereit sind, mit uns
an der Förderung des Fortschritts in der ganzen Welt zu arbeiten.
Einhalt dem Wettrüsten!
Vor allem erfordert die Suche nach Frieden eine sehr viel bewußtere Anstrengung, um das weltweite Wettrüsten einzudämmen.

Lassen Sie mich in

diesem Zusammenhang zunächst von den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
sprechen und dann von der weiterreichenden Notwendigkeit, die Ausbreitung der
- 5 -

�der Rüstung innerhalb der Weltgemeinschaft einzudämmen.
Ich habe die Absicht, die Gespräche über die Begrenzung der strategischen
Rüstungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion mit Entschlossenheit und Energie fortzusetzen.
SALT ist eine außerordentlich komplizierte Materie.

Das grundlegende

Faktum ist jedoch, daß das Wettrüsten weitergeht und die Sicherheit beider
Länder sowie der ganzen Welt gefährdet ist, während sich die Verhandlungen
in der Sackgasse befinden.

Ich würde strikte Kontroll er oder sogar ein

Einfrieren neuer Waffentypen und neuer Generatio en von Waffensystemen zu
sammen mit einer einschneidenden Verringerung der strategischen Rüstung
beider Seiten bevorzugen.

Ein solch wichtiger Schritt nicht nur zur

Rüstungsbegrenzung, sondern zur Rüstungssenkung würde von der ganzen Menschheit als gewaltiger Fortschritt auf dem Wege zum Frieden begrüßt werden.
Stattdessen könnten wir - vielleicht leichter - ein begrenzter^ Afkommen abschließen, das sich auf jene Elemente des Übereinkommens von
Wladiwostok stützt, über die wir uns einigen können, und das die strittigeren
Fragen sowie die tiefergreifenden Reduzierungen, die ich bevorzuge, für eine
Erörterung und Verhandlung zunächst ausklammert.
Wir werden ferner die Möglichkeit für eine völlige Einstellung der
Kernwaffenversuche prüfen. Wenn unser letzliches Ziel auch die Einstellung
der Versuche seitens aller Nuklearmächte ist, so sehen wir dies doch nicht
als eine Vorbedingung für die Aussetzung der Versuche durch die beiden
Hauptatommächte an. Wir sollten jedoch auch über diese Frage ein umfassendes und ständiges multilaterales Abkommen anstreben.
Wir werden uns ferner um die sowjetische Bereitschaft bemühen, mit uns
ein Abkommen über eine beiderseitige Zurückhaltung im Indischen Ozean sowie
über Waffenexporte in Krisengebiete der Welt zu erzielen.
Wenn

�Wenn ich solche Anpassungen vorschlage, dann bin ich mir weiterhin
völlig darüber im klaren, daß

die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen

auch in Zukunft unter einem starken Konkurrenzkampf stehen werden;

aber ich

glaube, daß dieser Wettstreit ausgewogen werden muß durch eine Zusammenarbeit bei der Wahrung des Friedens und damit zugunsten unseres beiderseitigen Überlebens.

Ich werde mich ernsthaft und aufrichtig um eine

solche Zusammenarbeit bemühen.

Die Anstrengung, das Wettrüsten einzudämmen, ist jedoch keine Angelegenheit, die die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion alleine angeht.

Es

müssen breiter angelegte Bemühungen unternommen werden, um den Fluß von
Waffen in alle Krisengebiete unserer Erde einzudämmen.

Dementsprechend

werden wir weiter gefaßte Abkommen zwischen Erzeuger- und Verbraucherländern
zu erreichen suchen, um den Export konventioneller Jaffen zu begrenzen, und wir
werden eigene Initiativen entwickeln, da ja die Vereinigten Staaten einer der
größten Waffenlieferanten dei- Welt geworden sind.

Wir haben uns mit allem Nachdruck verpflichtet, der Weiterverbreitung
von Nuklearwaffen unter den Ländern der Welt Einhalt zu gebieten.

Wir werden

neue Anstrengungen unternehmen, um multilaterale Abkommen zur Sicherstellung
legitimer Vorräte an nuklearem Brennstoff zu erreichen, während gleichzeitig der giftige und gefährliche Atommüll kontrolliert wird.

Durch die Zusammenarbeit mit anderen hier vertretenen Nationen hoffen
wir, auf solche Weise die Sache des Friedens zu fördern.

Wir werden einen

nachhaltigen und positiven Beitrag zu der bevorstehenden Sondersitzung über
die Abrüstung leisten.

Gerechtes Weltwirtschaftssystem

Das Streben nach Frieden aber heißt auch Streben nach

Gerechtigkeit.

Eine der größten Aufgaben, der wir uns als Nation gegenübersehen - und damit
auch eine unserer größten Chancen - besteht darin, an der Gestaltung eines

- 7 -

�eines globalen Wirtschaftssystems mitzuwirken, das den Menschen in allen
Ländern größeren Wohlstand bringen wird.
Ich komme aus einem Teil der Vereinigten Staaten, der weitgehend Landwirtschaftsgebiet ist und dem es lange Zeit an angemessenen Transport- und
Verkehrsmöglichkeiten, erfahrenem Kapitalmanagement und Schulen mangelte wie sie in den Industriestaaten der Union zur Verfügung standen.

Ich kann

daher Verständnis und Mitgefühl für die Führer der Entwicklungsländer
aufbringen und möchte ihnen versichern, daß wir unseren Beitrag leisten
werden.
Zu diesem Zweck werden die Vereinigten Staaten Vorschläge unterbreiten,
die darauf ausgerichtet sind, den grundleoenden menschlichen Ansprüchen der
Entwicklungsländer gerecht zu werden und ihnen bei der Steigerung ihrer
Produktionskapazität zu helfen.

Ich habe den Kongr°ß um die Bereitstellung

von 7,5 Milliarden Dollar an Auslandshilfe für das kommende Jahr ersucht
und werde mich bemühen, eine anhaltende amerikanische Hilfeleistung im Rahmen
des fortschreitenden globalen wirtschaftlichen Entwicklungsprozesses zu
gewährleisten.

Ich werde den Kongreß ferner ersuchen, unsere Beiträge für

das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zu erhöhen und unseren
den multilateralen Kreditinstitutionen gegebenen Zusagen nachzukommen - vor
allem gegenüber der Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) der
Weltbank.
Wir bekennen uns auch weiterhin zu einem offenen internationalen Handelssystem, einem System, das die innenpolitischen Anliegen und Interessen in
den Vereinigten Staaten nicht außer acht läßt.

Bei den multilateralen

Handelsverhandlungen in Genf haben wir beträchtliche Handelskonzessionen in
Bezug auf Güter angeboten, die für die Entwicklungsländer von primärem
Interesse sind.

In Übereinstimmung mit der Deklaration von Tokio prüfen wir

ferner Mittel und Wege, um den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer noch weiter entgegenzukommen.

Die

�Die Vereinigten Staaten sind gewillt - in einer positiven und offenen
Einstellung - die Verhandlung über Abkommen zur Stabilisierung von Rohstoffen in Erwägung zu ziehen, darunter auch ein Abkommen über die
Schaffung eines gemeinsamen Fonds zur cinanzierung von Ausgleichsvorratslagern, sofern sie Teil bestimmter, vereinbarter Abkommen sind.
Ich bin ferner der Meinung, daß die Entwicklungsländer zu einer
stärkeren Beteiligung an dem globalen wirtschaftlichen EntScheidungsprozeß
gelangen müssen. Ein gewisser Fortschritt in dieser Hinsicht wurde bereits
durch die größere Beteiligung der Entwicklungsländer am Internationalen
Währungsfonds gemacht.
Wir müssen unsere gesamten natürlichen Ressourcen klug und konstruktiv
nutzen. Heute werden unsere Ozeane ausgeplündert und verschmutzt. In einem
erneuten Geist der Zusammenarbeit und Hoffnung schließen wir uns der Seerechtskonferenz an, um die Fehler der vorigen Generationen gutzumachen und
sicherzustellen, daß alle Nationen an den Reichtümern der Weltmeere teilhaben können.
Wir müssen uns außerdem bewußt werden, daß die Welt vor gefährlichen
Energieverknappungen steht. Hier handelt es sich um ein wahrhaft weltweites Problem. Wir sind unsererseits entschlossen, jede Verschwenduna zu
reduzieren und mit anderen auf eine angemessene Beteiligung an den Segnungen
und auch den Kosten der Energiequellen hinzuarbeiten.
Menschenrechte für alle
Das Streben nach Frieden und Gerechtigkeit bedeutet aber auch die
Achtung vor der Menschenwürde.

Alle Unterzeichner der Charta der Vereinten

Nationen haben sich feierlich verpflichtet, die grundlegenden Menschenrechte
einzuhalten und zu achten.

So kann denn auch kein Mitglied der Vereinten

Nationen behaupten, daß eine Mißhandlung seiner Bürger einzig und allein
seine eigene Angelegenheit sei.

Genauso wenig kann sich ein Mitglied seiner

�seiner Verantwortung entziehen, zu prüfen und seine Stimme zu erheben, wenn
es in irgendeinem Teil der Welt zu Folterungen oder ungerechtfertigten
Freiheitsberaubungen kommt.
Der Grundzug in der menschlichen Entwicklung läuft auf eine universalere
Forderung nach fundamentalen Menschenrechten hinaus. Die Vereinigten Staaten
haben ein historisch angestammtes Recht, sich mit diesem Prozeß zu identifizieren.
Wir in den Vereinigten Staaten übernehmen diese Verantwortung im vollsten
und konstruktivsten Sinne. Für uns ist das eine unbedingte Verpflichtung und
nicht nur eine politische Attitüde.

Ich weiß sehr wohl, daß unsere Ideale

auf dem Gebiet der Menschenrechte in den Vereinin+en Staaten nicht immer
erreicht worden sind, aber das amerikanische Volk fühlt sich der vollen
Verwirklichung dieser Ideale unbedingt verpflichtet.

Wir sind daher entschlos-

sen, die bei uns bestehenden Mängel rasch und in aller Offenheit anzugehen.
Um diese Verpflichtung unter Beweis zu stellen, werde ich, nachdem ich
den Kongreß um seine Billigung ersucht habe, die Konvention der Vereinten
Nationen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und die
Konvention über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnen. Ich werde
in enger Zusammenarbeit mit unserem Kongreß seine Unterstützung nicht nur
für die Ratifizierung dieser beiden Vertragsinstrumente sondern auch für die
Konvention der Vereinten Nationen gegen Völkermord und den Vertrag über die
Beseitigung aller Formen rassischer Diskriminierung zu erhalten suchen. Ich
habe soeben die letzten verbliebenen Restriktionen für Auslandsreisen der
Amerikaner aufgehoben und werde darangehen, die Reisemöglichkeiten nach
Amerika zu liberalisieren.
Die Vereinten Nationen sind das dem Frieden und dem Wohlergehen jedes
einzelnen dienende Weltforum - gleichgültig wie schwach oder arm er sein mag.
Aber wir haben es zugelassen, daß ihr Menschenrechtsmechanismus ignoriert
und manchmal sogar für politische Zwecke mißbraucht wurde. Es gibt VieUs ,

�Vieles, was zu seiner Stärkung getan werden könnte.
Die Kommission für Menschenrechte sollte häufiger zusammentreten.
Und alle Nationen sollten bereit sein, dieser Kommission ihre vollste Unterstützung angedeihen zu lassen, ihre Untersuchungsarbeit begrüßen, mit
ihren Vertretern zusammenarbeiten und 'hran Berichten gemäß handeln.
Ich würde es begrüßen, wenn die gesamte Menschenrechtsabteilung der
Vereinten Nationen hierher ins zentrale Hauptquartier zurückkehren würde,
wo ihre Tätigkeit im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen würde und
wo wir aufgrund der Aufmerksamkeit der Presse veranlaßt wären, uns ernsthaft
mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Der vor zwölf Jahren von der
Regierung von Costa Rica unterbreitete Vorschlag, einen Hochkommissar der
Vereinten Nationen für die Menschenrechte einzusetzen, verdient ebenfalls
unsere erneute Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Ein verstärkter internationaler Mechanismus wird uns allen helfen, die
Kluft zwischen Versprechung und Ausführung beim Schutz der Menschenrechte zu
schließen. Wenn erhebliche und weitverbreitete Verletzungen stattfinden
und zwar im Gegensatz zu internationalen Verpflichtungen, dann geht uns das
alle an. Die feierlichen Verpflichtungen der Charta der Vereinten Nationen,
globale Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen, die Schlußakte von
Helsinki und viele andere internationale Abkommpn müsr°n genauso ernst
genommen werden wie Handels- oder Sicherheit?vertrage.
Diese Angelegenheit hat ihr eigenes Gewicht. Sie sollte nicht den
Fortschritt bei anderen wichtigen Fragen blockieren, die die Sicherheit
und das Wohlergehen unserer Menschen sowie den Weltfrieden berühren. Es
liegt auf der Hand, daß der Abbau der Spannungen, die Kontrolle der
nuklearen Rüstungen, die Herstellung von Harmonie in Krisengebieten der
Welt, die Bereitstellung von Lebensmitteln sowie die Stärkung des Gesundheits- und Erziehungswesens unabhängig voneinander zur Förderung der
menschlichen Verhältnisse beitragen werden.

In
- 11 -

�In unseren Beziehungen zu anHeren Ländern werden sich diese gemeinsamen
Anliegen in unserer politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Haltung
widerspiegeln.
Wenn wir also mit anderen Mitf1iedsstaaten zur Stärkung und Verbesserung
der Vereinten Nationen zusammenarbeiten, so ergeben sich folgende Grundprioritäten:
- Wir werden in den Krisengebieten der Welt nach Frieden streben.
- Wir werden uns energisch um eine Kontrolle der Waffen des Krieges
bemühen.
- Wir werden ein neues System des internationalen wirtschaftlichen
Fortschritts und der Zusammenarbeit fördern.
- Wir werden standhaft bleiben in unserem Eintreten für die Würde und
das Wohlergehen der Menschen in aller Welt.
Ich bin der Überzeugung, daß dies eine Außenpolitik darstellt, die in
Übereinstimmung mit den historischen Werten und Verpflichtungen Amerikas
steht.

Ich bin der überzer^ung, daß dies eine Außenpolitik ist, die in

Übereinstimmung mit den Idealen der Vereinten Nationen steht.
Ich danke Ihnen.
+ + +

- 12 -

�Dokumentation
United States Information Service

6/1977

CARTER UMREISST AMERIKANISCHE AUSLANDSHILFEPOLITIK
- Botschaft an den Kongreß vom 18. März 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 18. März 1977 in einer
Botschaft an den amerikanischen Kongreß die Auslandshilfepolitik der Vereinigten Staaten umrissen und Verbesserungen und Straffungen des Programms
gefordert.
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
In den Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten
die wirtschaftliche Entwicklung in der ganzen Welt durch eine Vielfalt von
Wirtschaftshilfeprogrammen gefördert.
Die meisten unserer Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, manche schlugen fehl.

Heute haben wir die Möglichkeit, wie bei vielen unserer Programme

im eigenen Lande, aus unseren Erfahrungen zu lernen und unsere Politik in
Zukunft zu verbessern.
Mitglieder

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�r

Mitglieder meiner Administration sagen gegenwärtig zugunsten unseres
Gesichtspunktes der Auslandshilfe aus. Ich übermittle Ihnen diese Botschaft, um einige der Grundsätze zu erläutern, die hinter diesem Programm
stehen - vor allem um die Lehren aufzuzeigen, die wir auf dem Gebiet der
Auslandshilfe gewonnen haben, und die Ziele, die wir jetzt zu erreichen
hoffen.
Die Zukunft der Vereinigten Staaten wird von der Fähigkeit der Entwicklungsländer beeinflußt werden, die Armut zu überwinden, ein gesundes Wachstum

zu erreichen und ihrer Bevölkerung ein gesicherteres Leben zu bieten.

Wir wollen uns mit anderen Ländern zusammenschließen, um unsere Anstrengungen, unser Wissen und unsere Mittel gemeinsam einzusetzen, um ärmeren Ländern bei der Überwindung der Probleme des Hungers, der Krankheit und des
Analphabetentums zu helfen. Wir streben wichtige Verbesserungen in unserem
Programm an, die z.T. eine Änderung des Schwerpunkts und der Einstellung
erkennen lassen:
- Wir werden sicherstellen, daß Kreditinstitutionen ausreichende Selbsthilfeklauseln mit ihren Anleihen verknüpfen, damit die Empfängerländer die
ihnen zugehenden Mittel auch wirklich effektiv nutzen.
- Wir werden gewährleisten, daß der Kongreß in der Lage ist, seiner
rechtmäßigen Verantwortung nachzukommen, die Wirksamkeit unserer Hilfsprogramme zu überwachen.
- Wir werden andere wohlhabende Länder ermutigen, einen größeren Anteil
zu der multilateralen Hilfsanstrengung zu leisten, und wir werden unseren
eigenen Anteil senken, wo er zu hoch war.
- Wir haben in enger Zusammenarbeit mit dem Kongreß sichergestellt, daß
unsere Hilfe zu Vorzugsbedingungen jenen zukommt, die sie am meisten benötigen.

Wir werden weiter in diesem Sinne verfahren.
- Wir

�- Wir reformieren gegenwärtig eine Politik, die gelegentlich dazu geführt hat, daß repressive Regime, die die Menschenrechte verletzen, freizügige Zuwendungen und Anleihen erhielten.
- Wir werden Mißwirtschaft und Unfähigkeit ausrotten, wo sie sich in
unseren Auslandshilfeprogrammen finden sollten, um zu gewährleisten, daß die
Leistungen immer an jene gelangen, für die die Programme gedacht sind.
- Wir haben festgestellt, daß Gehälter und Lebensstil einiger Angestellter übertrieben gewesen sind, und wir werden darauf bestehen, daß die von uns
unterstützten internationalen Programme mehr tun, um ihre hohen Verwaltungskosten zu senken.
Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um dafür zu sorgen, daß
unsere Hilfsanstrengungen enger auf die internationalen wirtschaftlichen und
politischen Umstände abgestimmt werden, und ich werde zu amerikanischen Bürgern offen über die wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen
Vorteile sprechen, die wir aus unseren Auslandshilfeprogrammen ziehen.
Für die Wirksamkeit unserer Anstrengungen ist die enge Mitarbeit und
die Unterstützung des Kongresses von entscheidender Bedeutung.

In einigen

wenigen Gebieten erfordert das von mir vorgelegte Programm eine wesentliche
Erhöhung der Mittel - aber ich habe nur dort darum ersucht, wo ich sicher
bin, daß die Erhöhung zweckmäßig ist.
Um unsere Ziele zu erreichen, den Völkern der Welt zur wirtschaftlichen
Selbständigkeit zu verhelfen, die Opfer von Katastrophen zu unterstützen,
in eine gesunde Weltwirtschaft zu investieren und die Sicherheit befreundeter Nationen zu untermauern, bitte ich Sie um die wohlwollende Behandlung
folgender Punkte:

Multilaterale

�r

Mu11i1aterale Entwi cklungshi 1 fe
Internationale Finanzierungsinstitute, wie die Weltbankgruppe - vor
allem die Internationale Entwicklungsgesellschaft und die Interamerikanische
und die Asiatische Entwicklungsbank - sind die Hauptquellen für Hilfsanleihen
an die armen Nationen der Welt.
professionell gearbeitet.

Diese Institutionen haben außerordentlich

Sie tragen dazu bei, politische Überlegungen von

Entwicklungsanstrengungen zu beseitigen, und sie ermutigen die Entwicklungsländer, eine vernünftige Innenpolitik zu verfolgen.

Sie versetzen viele Ge-

ber in die Lage, ihre Anstrengungen zusammenzuschließen - einschließlich einiger der öl exportierenden Länder.

Ein erster bescheidener amerikanischer

Beitrag zur Afrikanischen Entwicklungsbank wird unsere Ermutigung dieser vielversprechenden regionalen Anstrengung sein.
Wir ersuchen um 540 Millionen Dollar an zusätzlichen Bewilligungen für
das Haushaltjahr 1977, um Zusagen aus der Vergangenheit an internationale
Finanzierungsinstitute erfüllen zu können, und um 2,7 Milliarden Dollar an
neuen Bewilligungen für das Haushaltjahr 1978. Dies bedeutet eine Steigerung
um rund ein Drittel für eine Anstrengung, die sich als höchst effektiv erwiesen hat. Der größte Einzelposten ist die amerikanische Beteiligung an der
fünften Auffüllung der Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA), die
den ärmsten Ländern der Welt Anleihen zu günstigen Bedingungen gewährt.
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, das der Entwicklungswelt wichtige technische Hilfe gewährt, hat ebenfalls seine Wirksamkeit und
seinen Wert bewiesen. Wir ersuchen um eine Bewilligung von 130 Millionen
Dollar für das Haushaltjahr 1978, was gegenüber dem Vorjahr eine 30prozentige
Erhöhung darstellt.

Bilaterale Entwicklungshilfe
Der Kongreß hat bei der Ausarbeitung unserer bilateralen Programme, die
- 4 -

-^

�die eine direkte amerikanische Unterstützung für Entwicklungsprogramme in
den ärmeren Ländern darstellen, eine wichtige Rolle gespielt.

Durch diese

Programme haben wir anderen Ländern unser Fachwissen und unsere Mittel zukommen lassen.

Unsere bilateralen Programme zielen auf die ärmsten Menschen

in der Bevölkerung dieser Länder ab.

Ihr Schwerpunkt liegt auf Nahrungsmit-

teln und Ernährung, Bevölkerung und Gesundheit, Erziehung und menschlicher
Entwicklung sowie auf Wissenschaft und Technologie, einschließlich der Energieentwicklung.
Wir stellen bestimmte Erwartungen an die Länder, denen wir helfen. Wir
haben nicht die Absicht, ihre Regierungen oder ihre Volkswirtschaften zu betreiben, sondern wir erwarten von ihnen, daß sie in der Entwicklungsanstrengung ihre eigenen Ressourcen mobilisieren, um sicherzustellen, daß auch die
Armen in den Genuß des Fortschritts kommen und die Grundrechte des Menschen
respektiert werden.
Ich ersuche den Kongreß um 1,3 Milliarden Dollar für das bilaterale Entwicklungshilfeprogramm für das Haushaltjahr 1978. Dies ist eine 20prozentige
Steigerung gegenüber dem für das Haushaltjähr 1977 vorgesehenen Betrag, und
ich bin überzeugt, daß sich diese Steigerung lohnt.
Im vorigen Jahr hat der Kongreß aus eigener Initiative fünf Millionen
Dollar bewilligt, um zur Entwicklung eines umfassenden langfristigen Wiederaufbauplans für die Sahel-Region beizutragen, die unter einer katastrophalen
Dürre gelitten hat. Als ersten wesentlichen amerikanischen Beitrag zu diesem Programm ersuche ich um die Bewilligung von 50 Millionen Dollar für das
Haushaltjahr 1978. Wir werden mit anderen interessierten Nationen zusammenarbeiten, um weitere Beiträge für die künftige Entwicklungsanstrengung im
Sahel zu leisten.

Das

�r

Das PS-480 Programm
Die gewaltige Leistungsfähigkeit der amerikanischen Agrarproduktion erlaubt es uns, einen Teil unseres Überflusses in Form von Lebensmittelhilfe
zu vergeben.

Unsere Programme im Rahmen des öffentlichen Gesetzes Nr. 480

sollen nicht nur den ärmeren Ländern bei der Verbesserung der Quantität und
Qualität ihrer Ernährung helfen, sondern auch Selbsthilfeprogramme fördern,
die ihre Fähigkeit erhöhen werden, in Zukunft ihre Bevölkerung selbst zu ernähren.

Und diese Programme ermöglichen es uns, Hilfe bei Hungersnot und

Entbehrung im Gefolge natürlicher und menschlicher Katastrophen zu gewähren.
Im Haushaltjahr 1978 werden im Rahmen unserer Lebensmittel hilfeprogramme landwirtschaftliche Erzeugnisse im Werte von 1,4 Milliarden Dollar verteilt werden.

Das Sicherheitshilfeprogramm
Nur wenn Frieden und Sicherheit gewährleistet sind, können freie Nationen
ihre volle Energie auf die Entwicklung verwenden. Unsere Sicherheitshilfeprogramme sind auf diese Ziele abgestimmt und dienen der Förderung der Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit unseren Freunden und
Verbündeten. Beinahe zwei Drittel der für die Sicherheitshilfe angeforderten
Mittel werden für Programme der wirtschaftlichen Unterstützung verwandt werden.
Ich habe die von der vorigen Administration vorgeschlagenen Beträge für den
Nahen Osten erhöht. Dies wird die wirtschaftlichen Stützen verstärken, die
für die Erreichung unseres Zieles des Friedens und der Stabilität in dieser
lebenswichtigen Region so entscheidend wichtig sind.
Für das Haushaltjahr 1978 sind die wesentlichen Elemente eines Sicherheitshilfeprogramms die folgenden:
- Militärische Hilfszuwendungen: 284,6 Millionen Dollar an acht Länder;
in den meisten dieser Länder haben wir auch amerikanische Militäreinrichtungen,
die für unsere globalen Interessen von wesentlicher Bedeutung sind. Dazu ge- 6 -

�gehören 224 Millionen Dollar in Programmen plus 60,6 Millionen Dollar in allgemeinen und Verwaltungskosten, von denen die meisten aus anderen Quellen
erstattet werden.
- Zuwendungen für militärische Ausbildung:

35,7 Millionen Dollar für

die Ausbildung künftiger führender Militärs.
- Finanzierung ausländischer Militärkäufe: 708 Millionen Dollar, mit
denen Anleihen in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar finanziert werden, um ausländischen Regierungen zu helfen, mit der Zeit ihren wesentlichen Sicherheitsbedarf selbst decken zu können, statt von amerikanischen Zuwendungen abhängig
zu sein.
- Wirtschaftliche Sicherheitshilfe: 1,9 Milliarden Dollar zur Finanzierung
von Programmen in Ländern, deren wirtschaftliche Verhältnisse ein Faktor in unseren Anstrengungen zur Gewährleistung der internationalen Sicherheit darstellen. Die beiden Gebiete, für die der größte Teil dieser Mittel aufgewandt
wird - der Nahe Osten und, je nach dem Gang der Ereignisse, das südliche Afrika sprechen für die Bedeutung dieser Programme.
- Diese Vorschläge stehen in vollem Einklang mit meinem Wunsch, Haushaltserhöhungen auf das wesentliche zu begrenzen. Mein Hilfsprogramm ist
Teil einer Anstrengung, die Unterstützung der wirtschaftlichen Interessen und
der Sicherheit unseres Landes mit dem Mitgefühl für die verarmten Millionen
von Mitmenschen zu verbinden, die die Welt mit uns teilen.
Ich hoffe, daß das jetzt Ihnen vorliegende Wirtschaftshilfeprogramm Ihre
sorgfältige prompte und positive Aufmerksamkeit erhalten wird. Es stellt
einen lebenswichtigen Schritt zur Partnerschaft in einer friedlichen und gerechten Weltordnung dar.
+ + + + +

�Dokumentation

I

United States Information Service

6/1977

PRÄSIDENT CARTER FORDERT MASSNAHMEN GEGEN ÖLVERSCHMUTZUNG
- Botschaft an den Kongreß vom 18. März 1977 Washington - (AD) - Präsident Carter hat in einer am 18. März veröffentlichten Botschaft an den US-Kongreß eine Reihe von Maßnahmen zur Verhinderung
der Verschmutzung der Weltmeere durch öl gefordert. Sie sollen sowohl ölkatastrophen als Folge von Tankerunfällen als auch das routinemäßige Ablassen
von öl aus dem Betrieb von Schiffsmotoren verhindern.
Die Botschaft hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Eine Serie von Tankerunfällen in amerikanischen Gewässern und deren Nähe
hat uns in jüngster Zeit ernsthaft an die Risiken erinnert, die mit der Verschiffung von öl einhergehen. Wenngleich sich diese Risiken nie vollständig
ausschließen lassen, können wir sie doch verringern. Ich kündige heute eine
Reihe verschiedener, aber dennoch zusammengehöriger Maßnahmen an, die dem Ziel
dienen, letzteres zu bewerkstelligen.
Diese

Postfach 300,
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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

Diese Maßnahmen berühren sowohl internationale als auch nationale Bereiche.
Die Verschmutzung der Meere ist ein weltweites Problem, das weltweite Lösungen
erforderlich macht.

Ich beabsichtige mich direkt mit den führenden Politikern

der wichtigsten Schiffahrtsnationen in Verbindung zu setzen, um sie für das
angezeigte internationale Vorgehen zu gewinnen.

Die Ölverschmutzung ist auch

ein ernsthaftes einheimisches Problem, das prompte und wirksame Maßnahmen
seitens der amerikanischen Bundesregierung notwendig macht, um die Gefahr für
das Leben amerikanischer Bürger, für die amerikanische Wirtschaft und für die
amerikanischen Strände und Küsten abzuwenden;

die Schritte die ich einleite

werden dies bewerkstelligen.
Die nachstehend aufgeführten Maßnahmen verfolgen drei Zielsetzungen:
Erstens, die Wasserverschmutzung durch öl als Folge von Tankerunfällen und
des Ablassens von öl im routinemäßigen Schiffsbetrieb zu verringern;

zweitens,

unsere Fähigkeit zu verbessern, in Fällen, in denen es dennoch zum Auslaufen
großer Mengen von öl kommt, rasch und wirksam Abhilfe zu schaffen; und
drittens, den Opfern einer etwaigen Ölverschmutzung vollen und verläßlichen
Schadenersatz zu gewähren.
Folgende Maßnahmen schlage ich vor:
- Ratifizierung der Internationalen Konvention zur Verhinderunq von
schiffsverursachter Ölverschmutzung. Ich leite dieses weitreichende und umfassende Vertragswerk dem Senat zum Zweck der Beratung und Zustimmung zu.
Dieser Vertrag stellt insoweit, wie er getrennte Ballasträume bei GroßtankerNeubauten vorschreibt und jedes Ablassen von Schiffsöl strengen Kontrollen
unterwirft, einen wichtigen multilateralen Schritt in Richtung auf eine Verminderung des Risikos einer Verschmutzung der Meere durch öl dar. Die zur
Verwirklichung dieser Konvention notwendigen Gesetzgebungsmaßnahmen werde ich
dem Kongreß in Kürze vorschlagen.
- Neugestaltung

- 2 -

-»

�- Neugestaltung der Schiffsbau- und Ausrlistungsnormen.

Ich weise den

Verkehrsminister an, innerhalb von 60 Tagen neue Normen für öltanker zu entwickeln.

Die diesbezüglichen Vorschriften sollen für alle amerikanischen

und ausländischen öltanker mit über 20 000 t Wasserverdrängung gelten, die
amerikanische Häfen anlaufen.

Diese Vorschriften verlangen zwingend:

doppelte Böden bei allen Tankern;
Gasabsauganlagen auf allen Tankern;

getrennte Ballasträume bei allen Tankern;
Echo-Ra^ar einschließlich Kollisions-

warnanlage auf allen Tankern; und verbesserte Normen für die Steuerbarkeit
in Notfällen für alle Tanker.
Diese Forderungen werden innerhalb von fünf Jahren volle Wirksamkeit erlangen.

Wo technologische Verbesserungen und Alternativen aufgezeigt werden

können, die dasselbe Maß an Schutz vor Verschmutzung gewährleisten, werden
die zu erlassenden Vorschriften deren Verwendung gestatten.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß Schiffsbau- und Ausrüstungsnormen nur dann
wirksam sind, wenn sie von starken Durchsetzungsvorkehrungen gestützt werden.
Da die Schiffsinspektionen in einigen Ländern hinsichtlich ihrer Strenge nicht
an die amerikanische Praxis heranreichen, habe ich das Außenministerium und
die Küstenwacht angewiesen, diplomatische Schritte einzuleiten, um das derzeitige internationale Inspektions- und Zulassungssystem zu verbessern.
Darüber hinaus habe ich die baldigst mögliche Anberaumung einer besonderen
internationalen Konferenz empfohlen, die sich noch vor Ende 1977 mit
Konstruktions- und Inspektionsmaßnahmen befassen soll.
- Verbesserung der Normen hinsichtlich der Qualifikationen und der Ausbildung von Schiffspersonal. Ich weise den Verkehrsmirn'ster an, umgehend
Schritte zur Erhöhung der Normen für die Lizenzierung und Qualifizierung
amerikanischen Schiffspersonals zu ergreifen.

Die

�•J

Die internationalen Erfordernisse in bezug auf die Qualifikation der
Mannschaften, die alles andere als streng sind, sollen im kommenden Jahr auf
einer größeren internationalen Konferenz erörtert werden, an der wir uns
beteiligen.

Ich weise den Verkehrsminister an, zusätzliche Forderungen aufzu-

stellen, die dort noch zur Diskussion gestellt werden sollen und die, falls
dies nicht geschieht, 1978 seitens der Vereinigten Staaten auf sämtliche
Mannschaften aller Schiffe angewendet werden können, die amerikanische Häfen
anlaufen.
- Aufstellung eines Tankerinspektionsprogramms und eines amerikanischen
Informationssystems zur Gewährleistung der Sicherheit der Seeschiffahrt.

Ab

sofort wird die amerikanische Küstenwacht jeden unter ausländischer Flagge
fahrenden Tanker, der einen amerikanischen Hafen anläuft, mindestens einmal
im Jahr - nötigenfalls aber auch mehrmals - betreten und inspizieren.

Diese

Inspektion wird sicherstellen, daß das Schiff allen Sicherheits- und Umweltschutzbestimmungen genügt.

Schiffen, bei denen dies nicht zutrifft, kann

der Zugang zu amerikanischen Häfen oder gegebenenfalls das Recht zum Verlassen
eines amerikanischen Hafens bis zur Behebung der festgestellten Mängel verweigert werden. Die Informationen, die dieses Inspektionsprogramm abwirft,
werden es der Küstenwacht möglich machen, jene Tanker zu ermitteln, die wegen
schlechter Wartung durch Unfälle und die Verletzung von Bestimmungen zur
Verhinderung von Verschmutzungen mehrfach aifgafallen sind. Wir werden ferner
die Bekanntgabe der Namen der Eigner von Tankern, der Großaktionäre und
eines eventuellen Wechsels des Schiffsnamens verlangen und diese Angaben in
unser Informationssystem zur Gewährleistung der Sicherheit der Seeschiffahrt
einbeziehen.
- Annahme des Prinzips einer umfassenden Verantwortlichkeit für Ölverschmutzungen und einer entsprechenden Schadenersatzgesetzgebung. Ich übermittle dem
Kongreß angemessene Gesetzesvorschläge zur Schaffung einer einheitlichen
nationalen Norm für eine strikte Verantwortlichkeit für Fälle des Auslaufens
von öl. Ein solches Gesetz verfolgt die Absicht, die derzeitigen fragmentarischen und sich teils überlappenden Systeme von Bundes- und einzel- 4 -

�fr

einzelstaatlichen Haftungsgesetzen und Schadensausgleichsfonds zu ersetzen.
Das vorgeschlagene Gesetz sieht ferner die Schaffung eines mit 200 Millionen
Dollar ausgestatteten Fonds zur Beseitigung von ausgelaufenem öl und zur
Entschädigung der Opfer von Schäden infolge von Ölverschmutzung vor.
- Verbesserung der Fähigkeit des Bundes, bei Ölverschmutzung einzugreifen.
Ich habe die zuständigen Bundesbehörden, insbesondere die Küstenwacht und die
Umweltschutzbehörde angewiesen, in Zusammenarbeit mit den Einzelstaaten und
Kommunal Verwaltungen unsere Fähigkeit zu verbessern, die Schäden bei auslaufendem öl zu begrenzen und zu vermindern. Ziel ist die Fähigkeit, bei
Auslaufen von öl in einer Menge bis zu 100 000 Tonnen innerhalb von sechs
Stunden aktiv zu werden.
Die Verschmutzung der Ozeane durch öl ist ein ernstes Problem, das
konzentrierte, energische und prompte Aufmerksamkeit erfordert. Ich bin der
Auffassung, daß diese Maßnahmen ein wirksames Programm darstellen, dieses
Problem in den Griff zu bekommen. Meine Regierung versichert, daß sie in
Zusammenarbeit mit der ganzen Völkergemeinschaft, dem Kongreß und der
'Öffentlichkeit alles in ihren Kräften stehende tun wird, um die Weltmeere
und deren Ressourcen vor Schaden zu hewa^ren.
+ + 4

_ c; _

�Dokumentation
United States Information Service

6/1977

DR. FRANK PRESS: NEUER WISSENSCHAFTSBERATER PRÄSIDENT CARTERS

WASHINGTON - (AD) - Dr. Frank Press, ein namhafter Geophysiker und Erdbebenforscher, wurde von Präsident Carter am 18. März 1977 zu seinem Wissenschaftsberater nominiert.
Dr. Press, der einen Lehrstuhl am Massachusetts Institute of Technology
(MIT) innehat, ist in den Vereinigten Staaten und in internationalen Fachkreisen vor allem wegen seines energischen Eintretens für den Ausbau eines
amerikanischen Programms für die Erdbebenvorhersage bekannt geworden.
Als Leiter des Amtes für Wissenschaft und Technik wird Dr. Press für
die Gestaltung der Grundziele und Richtlinien in diesen beiden entscheidend
wichtigen Bereichen des modernen Daseins verantwortlich sein. Das Amt für
Wissenschaft und Technik wurde als ein Beratergremium unter Präsident Eisenhower
geschaffen, dann im Jahre 1973 von Präsident Nixon aufgelöst und 1976 unter
der Ford-Administration vom Kongreß erneut ins Leben gerufen.
In den letzten zwölf Jahren war Dr. Press Vorsitzender der Abteilung
für terrestrische und planetarische Forschungen am Massachusetts Institute of

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�of Technology.

Er ist außerdem Mitglied des Direktoriums der Nationalen

Stiftung für die Wissenschaften und Präsident der Amerikanischen Geophysikalischen Gesellschaft.

Dr. Press, der heute 52 Jahre als ist, wurde be-

reits als 33jä'hriger in die hochangesehene Amerikanische Akademie der Wissenschaften gewählt und war damals der jüngste amerikanische Wissenschaftler, der jemals in dieses ehrwürdige Gremium aufgenommen wurde.-.-; .
Dr. Press gehört ferner zu dem Stab der sowjetisch-amerikanischen Arbeitsgruppen für Erdbebenvorhersage und Meeres-Geologie/Geophysik und ist
seit 1975 Vorsitzender des mit der Volksrepublik China zusammenarbeitenden
Komitees für wissenschaftliche Mitteilungen.
An den Beratungen der Genfer Konferenzen über die Einstellung der Atomwaffenversuche in den Jahren 1959, 1960 und 1961 und den Verhandlungen in
Moskau 1963 nahm er als Mitglied der amerikanischen Delegation teil.
Weitere wichtige Beraterfunktionen übte Dr. Press im Bundesamt für
Luft- und Raumfahrt (NASA) aus sowie ferner im amerikanischen Außenministerium, dem Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung, dem Amt für Internationale
Entwicklung (AID) und dem Amt für geologische Forschung. Von 1961 bis 1964
arbeitete er im wissenschaftlichen Beratungsausschuß des amerikanischen Präsidenten.
Seine wissenschaftlichen Pionierarbeiten vollbrachte Dr. Press auf dem
Gebiet der Erdbebenforschung durch Entwicklung von Methoden zur Bestimmung
von Struktur und Aufbau der Erdkruste und des äußeren Erdmantels vermittels
seismischer Wellen und durch die Anwendung seismischer Meßinstrumente zur
Entdeckung unterirdischer nuklearer Explosionen.

Er verwandte die von ihm

entwickelten Methoden mit Erfolg zur Bestimmung der Struktur der antarktischen
Eiskappe und des unter ihr liegenden Festlandes.
In der amerikanischen Öffentlichkeit ist Dr. Press aber vor allem wegen
seines Eintretens für die Entwicklung besserer Techniken für die Erdbeben- 2 -

�Erdbebenvorhersage bekannt geworden.

Nach seiner Ansicht müßte es mit der-

art vervollkommneten Techniken möglich sein, starke Erdbeben auf Jahre hinaus vorherzusagen und auch kurzfristig - auf Wochen oder Tage voraus - vor
der Wahrscheinlichkeit eines Bebens zu warnen.
Dr. Press wurde in Brooklyn, N.Y. geboren, wuchs in New York auf und
promovierte 1949 an der Columbia-Universität. Nach kurzer Lehrtätigkeit an
der Columbia-Universität wurde er als Professor für Geophysik an das California
Institute of Technology (CALTECH) berufen. Hier wurde er später Direktor des
Seismologischen Institutes, das heute ein ausgedehntes Netz seismischer Stationen unterhält, die sich vor allem auf den erdbebengefährdeten San AndreasGraben bei San Francisco konzentrieren. Im Jahre 1965 übernahm er seinen
heutigen Posten am Massachusetts Institute of Technology.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede Präsident Carters vor den Vereinten Nationen am 17. März 1977&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter umreißt amerikanische Auslandshilfepolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft an den Kongress vom 18. März 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter fordert Maßnahmen gegen Ölverschmutzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft an den Kongress vom 18. März 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Frank Press: Neuer Wissenschaftsberater Präsident Carters</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

3

United States Information Service

16. März 1977
INHALT
DOKUMENTATION
Presseerklärung des Weißen Hauses zum Besuch Genschers
Carter-Pressekonferenz vom 9. März 1977
- Auszüge Robert S. Strauss: Der neue Sonderbeauftragte des Präsidenten für
HandelsVerhandlungen
John J. Gilligan: Der neue Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (AID)

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Möglichkeiten der amerikanischen Außenpolitik in den kommenden Jahren
Von Senator John Sparkman
Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats
Präsident Carter schlägt Energieministerium vor

WIRTSCHAFT
Rascherer Wirtschaftsaufschwung in USA wirkt sich weltweit aus
- Auszüge aus einem Interview mit John W. Kendrick -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Genmanipulation und biologische Fixierung von Stickstoff
- Konferenz im Brookhaven National Laboratory/USA -

Um Übei/endung von
Belegexemplaren uilrd
gebeten

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

5/1977

PRESSEERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUM BESUCH GENSCHERS

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 14. März 1977 anläßlich des
Besuches des Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich
Genscher, bei Präsident Carter folgende Presseerklärung veröffentlicht:
"Der Präsident traf heute mit dem Außenminister der Bundesrepublik
Deutschland zusammen.
Beide unterstrichen die tiefe Bedeutung anhaltender enger und freundschaftlicher Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern, die sich in den
letzten drei Jahrzehnten entwickelten. Es gibt starke grundsätzliche Interessen und gemeinsame Zielsetzungen, die beide Länder vereinen und die für
unser Verhältnis fundamental sind. Außenminister Genscher brachte die Dankbarkeit seiner Regierung und des deutschen Volkes für die starke Unterstützung zum Ausdruck, die die Regierung der Vereinigten Staaten für Berlin an
den Tag gelegt hat, und besonders für die Erklärung von Vizepräsident Mondale
anläßlich seines kürzlichen Besuches in der Stadt.
Der Präsident und der Außenminister unterstrichen den Wunsch der amerikanischen Regierung und der Bundesrepublik, ihre Bindungen zu stärken und auf
allen Gebieten gemeinsamen Interesses zusammenzuarbeiten.

Sie waren sich

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�sich über die Wichtigkeit der anhaltenden Lebenskraft des Atlantischen
Bündnisses für die Sicherheit Nordamerikas und Europas einig.

Sie brachten

ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, für eine enge Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft zu arbeiten.
Sie sehen den Gipfeltreffen entgegen, bei denen der Präsident und
Bundeskanzler Schmidt zusammen mit anderen Führern die Gelegenheit haben
werden, über zahlreiche wichtige Fragen zu sprechen.
Der Präsident brachte dem Außenminister seine Dankbarkeit für die Hilfe
zum Ausdruck, die der deutsche Botschafter in Kampala während der kürzlichen
Schwierigkeiten für Amerikaner in Uganda geleistet hat.
Der Präsident wurde vom Vizepräsidenten, Außenminister Vance, dem Berater für Fragen der nationalen Sicherheit, Zbigniew Brzezinski, und dem
Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates, Gregory Treverton, begleitet.
Der Außenminister wurde von Botschafter Berndt von Staden, dem Leiter
der Politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Ministerialdirektor Guenther
van Well, und dem Dolmetscher Heinz Weber begleitet."

+ + + + +

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

5/1977

CARTER-PRESSEKONFERENZ VOM 9. MÄRZ 1977
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf seiner Pressekonferenz am 9. März 1977 neben innenpolitischen Themen zu den Menschenrechten,
Israel, Korea und SALT Stellung genommen.

In einer Einleitung kündigte er zunächst ein Programm zur Bekämpfung der
Jugendarbeitslosigkeit mit einem Aufwand von 1,5 Milliarden Dollar an, das
er dem Kongreß zugeleitet hat und auf dessen baldige Verabschiedung er hofft.

Weiter teilte er mit, daß er Außenminister Vance angewiesen habe, die
Reisebeschränkungen für amerikanische Staatsbürger nach Vietnam, Nordkorea,
Kuba und Kambodscha aufzuheben.

Carter wies jedoch warnend darauf hin, daß

die Vereinigten Staaten in diesen Ländern keine diplomatische Vertretungen
hätten und die Reisenden nicht schützen könnten.

Die Maßnahme erfolge, um

jede Einschränkung der Menschenrechte in den USA zu beseitigen.

Menschenrechte:

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Menschenrechte:
Zum Thema der Menschenrechte gab es folgende Fragen und Antworten:
FRAGE: Der amerikanische Delegierte bei der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen hat erklärt, daß er glaubt und hofft, daß seine Beschuldigungen hinsichtlich des Terrors in Chine heute mit Ihrer Menschenrechtspolitik übereinstimmen.

Ist das der Fall?

ANTWORT: Ich weiß nicht, welchen Delegierten Sie meinen oder welches
sein Anliegen war.

Aber wir sind weiterhin besorgt über die Unterdrückung

der Menschenrechte in vielen Ländern der Welt.

Chile ist, wie ich meine,

eines dieser Länder, bezüglich deren Besorgnis geäußert wurde.

Und mir liegt

daran, daß das amerikanische Volk weiß, daß dies ein sehr heikles Thema ist.
Wir haben versucht, in unseren Äußerungen der Besorgnis breit angelegt
und verantwortungsbewußt zu sein.

Zunächst hat man fälschlicherweise ange-

nommen, unsere Politik befasse sich ausschließlich mit der Sowjetunion.
Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß unser eigenes Land in einigen
Dingen nicht ganz in Ordnung war. Aus einigen Ländern der Welt wird über
Folterungen berichtet. Wir tragen, wie es im Gesetz verlangt wird, diese
Dinge dem Kongreß vor. Aber wir sind uns der Besorgnis um die Menschenrechte in der ganzen Welt bewußt - in Lateinamerika, in unserem eigenen Lande,
in den kommunistischen Staaten Osteuropas und in der Sowjetunion.
Ich meine, es ist unbedingt angebracht, daß unser Land die Führungsrolle übernimmt, damit die Welt sagen kann, daß der zentrale Punkt für die
Erhaltung und den Schutz der Menschenrechte die Vereinigten Staaten von
Amerika sind. Darauf bin ich stolz.
Ich bin entschlossen, mit aller nur möglichen persönlichen Verpflichtung daran festzuhalten, und ich glaube, daß ich zu diesem Thema in ausreichendem Maße für das amerikanische Volk spreche.
FRAGE:

�FRAGE: Herr Präsident, heißt das, daß Sie keine Einwände gegen die Bemerkungen unseres Delegierten haben?
ANTWORT: Ich meine, die Bemerkungen unseres Delegierten bezüglich unserer Verwicklung in die politischen Angelegenheiten Chiles in der Vergangenheit waren unangebracht.

Ich wußte davon vorher nichts.

Es war der Aus-

druck der persönlichen Auffassung dieses Delegierten.
Ich meine, der Church-Ausschuß des Senats konnte keinerlei Beweise finden, daß die Vereinigten Staaten am Sturz der Allende-Regierung in Chile beteiligt waren. Es wurden einige Beschuldigungen erhoben - vielleicht zurecht, wie ich meine - daß wir finanzielle Unterstützung und andere - ich
will sagen, finanzielle Unterstützung, um genau zu sein - an politische Elemente in Chile geleistet hätten, die zum Regierungswechsel beigetragen haben. Aber ich glaube, es gibt keine Beweise für ungesetzliche Handlungen
dort, und die von dem Delegierten abgegebenen Erklärungen waren seine persönlichen Erklärungen, nicht die der (amerikanischen) Regierung.

Israel:
FRAGE: Herr Präsident, es ist in letzter Zeit viel über verteidigungsfähige Grenzen und was dies in bezug auf den Nahen Osten bedeutet, geredet
worden.

Sind Sie der Meinung, daß es bei einer Nahost-Friedensregelung den

Israelis zustände, einen Teil des von ihnen während des Krieges im Jahre 1967
besetzten Gebietes zu behalten, um damit sichere Grenzen zu haben?
ANTWORT: Wenn von verteidigungsfähigen Grenzen geredet wird und von
sicheren Grenzen geredet wird, handelt es sich offensichtlich nur um eine
Frage der Semantik.

Ich glaube, es ist eine relativ bemerkenswerte Entwick-

lung in der Darstellung einer möglichen Regelung im Nahen Osten»über diese
Dinge in ihrer eigentlichen Bedeutung zu sprechen.
Die
- 3 -

�1

&lt;

Die anerkannten Grenzen müssen beiderseits anerkannt sein.

Die ara-

bischen Staaten, der Staat Israel müssen zu einer Einigung über dauerhafte
und sichere Grenzen gelangen, mit legaler Souveränität in beiderseitigem
Übereinkommen.

Die Verteidigungslinien mögen in absehbarer Zukunft diesen

legalen Grenzen entsprechen oder auch nicht.

Es mag Ausweitungen der is-

raelischen Verteidigungskapazität über diese dauerhaften und anerkannten Gren&lt;

zen hinaus geben.
Ich glaube, dieser Unterschied wird heute von den Führern Israels anerkannt,

über die Festlegung der Grenzen auf geographischer Basis bleibt

jedoch noch

zu entscheiden.

Aber ich glaube,es ist von Bedeutung für die

Welt und für die betroffenen Parteien, da3 sie zu verstehen beginnen, da3
zwischen dem einen und dem anderen ein deutlicher Unterschied bestehen kann,
nämlich der Fähigkeit Israels sich selbst durch ein internationales Abkommen
zu verteidigen oder durch die gelegentliche Verlegung israelischer Streitkräfte oder durch Warn- und Meldestationen, wie es in Sinai der Fall gewesen
ist, und zwar über die tatsächlichen Souveränitätsgrenzen hinaus, wie sie
von Israel und seinen Nachbarn beiderseits vereinbart wurden.

FRAGE: Bedeutet das internationale Zonen zwischen den Ländern?
ANTWORT: Internationale Zonen könnten sehr wohl Bestandteil eines Abkommens sein. Ich glaube, in zunehmendem Maße einen schrittweisen Prozeß
sehen zu können, bei dem es zu beiderseitiger Übereinstimmung kommen könnte,
daß die endgültige Regelung, die auch die Grenzziehungen einschließen würde,
an einem bestimmten festgelegten Punkt zustandekommt. In dem Interimsstadium - mag es zwei Jahre, vier Jahre, acht Jahre oder länger dauern - wird
eine beiderseitige Bezeugung von Freundschaft und eine Erklärung der Beendigung des Kriegszustandes erfolgen.
Ich denke, das, was Israel gerne haben möchte, ist genau das, was auch
wir gerne haben würden: Eine Beendigung des Kriegszustandes mit Israel durch
seine Nachbarn, die Anerkennung des Existenzrechtes Israels, das Recht, jji
- 4 -

�in Frieden zu existieren, die Öffnung der Grenzen mit freiem Handel, Reiseverkehr, kultureller Austausch zwischen Israel und seinen Nachbarn; mit anderen Worten: eine Stabilisierung der Situation im Nahen Osten ohne ständige Bedrohung der Existenz Israels durch seine Nachbarn.
Das würde einen weitgehenden Rückzug Israels von den derzeit unter
Kontrolle gehaltenen Gebieten mit sich bringen. Wo dieser Rückzug sein Ende finden mag, das weiß ich nicht. Ich möchte annehmen, es gäbe einige
kleinere Anpassungen der Grenzen von 1967. Aber das bliebe noch Gegenstand
von Verhandlungen.
Ich glaube auch, daß es ein langer und mühsamer Prozeß sein wird. Wir
werden von Seiten unserer Regierung große Anstrengungen unternehmen, um die
Parteien 1977 nach Genf zu bringen. Ganz sicherlich muß jedes Abkommen zwischen den unmittelbar Beteiligten erfolgen. Wir werden als Vermittler auftreten, wenn unsere guten Dienste von Nutzen sein werden.
Aber ich versuche nicht, die Haltung unserer Nation gegenüber den vielleicht endgültigen Details eines Abkommens vorher festzulegen, das für den
Frieden der Welt so viel bedeuten kann.

FRAGE: Herr Präsident, ich möchte, wenn es gestattet ist, versuchen,
die Situation Israels

zu klären.

Vorhin sprachen Sie bei der Beantwortung

einer Frage von der Möglichkeit, eines weitgehenden Rückzugs der israelischen Kontrolle über Gebiete, und dann - nur wenige Sekunden später - sprachen Sie von der Möglichkeit kleinerer territorialer Konzessionen von Seiten Israels.
Was meinen Sie hier nun genau? Sprechen Sie wirklich über größere Rückzüge oder nur über kleinere Rückzüge?
ANTWORT:
habe.

Ich glaube nicht, daß ich das Worf'kleinerer Rückzug"gebraucht

Ich glaube, daß es kleinere Anpassungen an die Grenzen von 1967 und

vor 1967 geben könnte.

Aber das ist eine Angelegenheit, über die Israel und

seine Nachbarn selbst zu entscheiden haben.
Ich
- 5 -

�Ich meine, daß wir - ich würde sagen bis Mitte Mai 4 die Positionen
der Beteiligten weitaus klarer erkennen werden.

Ich bin bislang mit den

Führern im Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten und Saudi-Arabien - das weniger direkt beteiligt ist - noch nicht zusammengekommen und habe noch nicht
mit ihnen gesprochen.
Ich werde mit alloidiesen führenden Männern bis Mitte Mai zusammengetroffen sein.

Ich möchte keinesfalls versuchen, die exakte Festlegung der

Grenzen in spezifischer Form zu definieren, aber ich meine, daß es ganz
offensichtlich eines der schwerwiegendsten Probleme ist, daß es hier drei
grundlegende Elemente gibt: einmal

die äußerste Verpflichtung zu einem völ-

ligen Frieden im Nahen Osten; zum anderen

Festlegung der Grenzen, die aus-

serordentlich umstritten sind und bisher noch von keiner Seite definiert
wurden,und drittens die Behandlung der Palästinenserfrage.

FRAGE: Herr Präsident, ich möchte gern noch etwas weiter auf Ihre Erörterung der Frage der verteidigungsfähigen Grenzen eingehen.
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann sprechen Sie von der Möglichkeit einer Art israelischer Verteidigungslinie entlang des Jordanflusses und
vielleicht auch an einigen Punkten in der Sinai-Wüste und vielleicht an einigen Punkten auf den Golan-Höhen, dort würden sich Verteidigungsstreitkräfte
befinden, aber keine legalen Grenzen.
Habe ich Sie richtig verstanden, daß nach Ihrer Auffassung, die Israelis
eine Art Verteidigungsstreitkräfte entlang des Jordanflusses und an diesen
anderen Punkte haben werden?
ANTWORT:

Sie haben eine Menge zu dem hinzugefügt, was ich gesagt habe.

Zunächst einmal habe ich keinen besonderen Teil aus der Geographie um Israel
herum erwähnt.

Ich habe die Verteidigungskapazität nicht auf israelische

Streitkräfte begrenzt.
sein.

Es könnten sehr wohl auch internationale Streitkräfte

Es könnte sich sehr gut auch um eine Linie handeln, die - sagen wir -

20 oder mehr Kilometer breit ist, wo eine Entmilitarisierung auf beiden Seiten
garantiert ist.

r

�Es könnte sich sehr wohl auch um Außenposten, elektronische oder vielleicht auch bemannte Vorposten handeln, wie sie in dem Sinai-Gebiet auf Grund
des Abkommens zwischen Ägypten und Israel geschaffen wurde.
Ich werde nicht versuchen, spezifischer zu werden, indem ich sage, was
und was nicht der Fall sein wird.

Aber das ist eine Möglichkeit, um die

Spannungen dort zu verringern,und zugleich eine, über die ich mit den Vertretern der arabischen Staaten sprechen werde, wenn sie hierherkommen.

Korea
FRAGE: Selbst auf die Gefahr hin, Herr Präsident, die Dinge allzu sehr
zu vereinfachen, meine ich doch, daß Sie während des Wahlfeldzuges einen
allmählichen Abzug amerikanischer Landstreitkräfte aus Korea vorgeschlagen
haben.
ANTWORT: Ja.

FRAGE: Unddoch hat sich die Armee, nachdem Sie Ihren revidierten Haushalt unterbreitet haben, an den Kongreß gewandt und für das Finanzjahr 1978
um die Verdoppelung der Mittel für Militärbauten in Korea ersucht und um
mehr als 110 Millionen Dollar für ähnliche Zwecke während der folgenden drei
Jahre.

Wie verträgt sich das mit Ihren Abzugsplänen?

ANTWORT: Meine Verpflichtung, amerikanische Landstreitkräfte aus Korea
abzuziehen, hat sich nicht geändert.
Außenminister Südkoreas zusammen.

Ich treffe heute nachmittag mit dem

Dies wird eine der Fragen sein, die ich

mit ihm erörtere.
Ich habe ferner mit General Vessey gesprochen, der unsere Streitkräfte
in Korea befehligt.

Ich bin der Meinung, daß der Zeitrahmen, von dem ich

während des Wahlkampfes sprach - nämlich ein Zeitraum von vier bis fünf Jah- 7 -

�Jahren - angemessen ist.

Der Zeitplan für einen Abzug amerikanischer Land-

streitkräfte müßte sehr sorgfältig mit der südkoreanischen Regierung ausgearbeitet werden.

Dies müßte auch mit vollem Einvernehmen und vielleicht der

Beteiligung Japans geschehen.
Ich möchte, daß in Südkorea angemessene Landstreitkräfte verbleiben,
über die die südkoreanische Regierung zum Schutz gegen jedes Eindringen seitens Nordkoreas verfügt und die sie kontrolliert.

Ich könnte mir die Fort-

dauer eines amerikanischen Schutzes aus der Luft für Südkorea für einen langen Zeitraum vorstellen.
Aber dies sind die Grundelemente; und ich bin entschlossen, in einem bestimmten Zeitraum - wie beschrieben - unsere Landstreitkräfte abzuziehen.

SALT
FRAGE: Welche Auswirkungen - wenn überhaupt - wird die Debatte im Senat
über die Qualifikationen Mr. Warnkes für das Amt des Hauptverhandlungsführers
bei den SALT-Gesprächen letztlich auf unsere Verhandlungsposition haben?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß das genaue Abstimmungsergebnis im Senat
über die Bestätigung Mr. Warnkes eine größere Auswirkung auf künftige SALTVerhandlungen mit der Sowjetunion haben wird.
Sorgen macht mir der offenkundige Eindruck eines Mangels an Vertrauen
in meine eigene Fähigkeit und meine Haltung als Chefverhandler seitens des
Senats. Es ist doch ganz klar, daß jede Entscheidung, die mit den Russen über
eine Reduzierung der Atomwaffen getroffen wird, von mir gebilligt werden muß.
Ich habe dem Gemeinsamen Stab der Streitkräfte, der in der Vergangenheit
vielleicht im Zuge dieses Prozesses übergangen worden ist, zugesagt, daß wir
im voraus wissen werden, welche Haltung wir am Verhandlungstisch einnehmen
werden.

Ich habe dem Gemeinsamen Stab nicht zugesagt, daß er das Recht haben

werde, jeden einzelnen Verhandlungspunkt zu billigen oder zu mißbilligen. Ich
- 8 -

�Ich hoffe jedoch, daß sich der Senat mit großem Nachdruck für Mr. Warnke aussprechen wird.
Ich glaube, daß viele derjenigen, die gegen Mr. Warnke sind, keine wesentlichen Reduzierungen bei den Atomwaffen sehen möchten, obwohl diese von
uns und der Sowjetunion vereinbart wurden und obwohl sie die Gefahr einer
nuklearen Vernichtung der Welt vermindern sollen.
Ich bin zutiefst der Meinung, daß wir mit allen nur möglichen Mitteln ein
Abkommen mit der Sowjetunion über eine wesentliche Reduzierung der Atomwaffen
anstreben sollten.

Ich glaube, Mr. Warnke ist auch dieser Meinung, die meisten

der Senatoren sind es.
Wenn es auch Gründe gibt, nicht für Mr. Warnke zu stimmen, so habe ich
doch volles Vertrauen zu ihm. Ich darf hinzufügen, daß es einen weiteren sehr
wichtigen Schutz vor jedem Fehler gibt, den ich und Mr. Warnke und der Außenminister sowie andere vielleicht machen könnten. Der Senat muß nämlich mit
Zweidrittel-Mehrheit - nach umfasender und offener Debatte - jedes mit der
Sowjetunion unterzeichnete Abkommen billigen. Und deshalb meine ich, daß die
Angriffe auf Mr. Warnke in erster Linie von denen ausgehen, die keine wesentliche Reduzierung der nuklearen Waffen in der Welt sehen möchten.

FRAGE: Herr Präsident, Sie haben bei verschiedenen Anlässen davon gesprochen, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, ein baldiges SALT-Abkommen anzustreben, wobei - falls notwendig - die Marschflugkörper (Cruise
Missiles) sowie die Backfire-Bomber weggelassen werden sollten. Ich möchte
gerne wissen, ob Sie schon irgendwelche Hinweise bezüglich der sowjetischen
Absichten zu diesem Thema bekommen haben?
ANTWORT: Soweit mir bekannt ist, möchte die Sowjetunion immer noch die
Frage der Marschflugkörper in die gegenwärtigen Verhandlungen einbeziehen.
Die Frage der Backfire-Bomber möchte sie jedoch überhaupt nicht erörtern.
Meine Hoffnung war und ist, daß wir durch die Ausklammerung dieser beiden
kontroversen Fragen, die langwierige und umfassende Verhandlungen erfordern, zu
- 9 -

�».

I
zu einem schnelleren SALT II-Abkommen gelangen und dann unverzüglich in nachfolgenden Verhandlungen beispielsweise mit der Erörterung der Frage der Backfire-Bomber und der Marschflugkörper beginnen könnten.

Aber mir liegen noch

keinerlei Hinweise dafür vor, daß die Sowjets ihre Haltung zu diesem Thema geändert haben.

FRAGE: Herr Präsident, wie steht es mit dem Abbau der nuklearen Rüstungen?
ANTWORT: Hier wiederum, so meine ich, kann man auf zweifache Weise an diese Frage herangehen.
Ich habe der Sowjetunion sowohl direkt als auch indirekt, öffentlich und
privat, vorgeschlagen, daß wir versuchen sollten, jene Punkte abzugrenzen,
über die relativ weitgehende Einigung besteht * noch keine völlige, weil sich
die Details gelegentlich als sehr schwierig erweisen.

So habe ich beispiels-

weise vorgeschlagen, daß wir auf die Möglichkeit, Satelliten zu bewaffnen, sowie auf die Möglichkeit, Beobachtungssatelliten zu zerstören, verzichten sollten.
Wir haben ferner vorgeschlagen, daß der Indische Ozean völlig entmilitarisiert und ein umfassendes Versuchsverbot verwirklicht wird und daß eine
vorherige Unterrichtung über Raketenstarts erfolgt. Ich möchte, daß diese
Fragen, über die man mit den Sowjets einig werden könnte, schnell abgeschlossen werden, und daß man sich dann den schwierigeren Verhandlungen über tiefgreifendere, weltweite Verpflichtungen hinsichtlich der Atomwaffen zuwendet
- mit dem Ziel, letztlich die Atomwaffen in aller Welt völlig zu beseitigen.
Das ist ein schwieriger, langsamer und langwieriger Prozeß.

Aber ich

denke, wenn die Sowjets und wir uns hinsichtlich der leichteren Fragen verständigen könnten, und zwar bald - allerdings ist keine von ihnen sehr leicht -,
dann würden wir guten Willen zeigen.

Ich meine, wir sollten die Welt wissen

lassen, daß wir ernsthaft darum bemüht sind, ein für alle Mal das zu stoppen,
was sich als eine kontinuierliche und rasche Eskalation der Atomwaffen-Kapazität erwiesen hat, seit diese entwickelt wurde.
+ + + + +

- 10 -

�irifim

Dokumentation

JLJ

United States Information Service

5/1977

ROBERT S. STRAUSS: DER NEUE SONDERBEAUFTRAGTE DES PRÄSIDENTEN
FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Robert Schwartz Strauss, der Mann den Präsident
Carter am 11. März 1977 für den Posten des Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen nominierte, ist für seine Tatkraft ebenso bekannt wie für
seine Begabung und seine Leistungen. Strauss, der die Nachfolge von Botschafter Frederick B. Dent antritt, war zuletzt Vorsitzender des Nationalkomitees der Demokratischen Partei und hat unter anderem die Finanzen dieser Partei saniert. Seine enge Beziehung zu Präsident Carter und sein Zugang zum Präsidenten werden ihm bei den kommenden schwierigen Verhandlungen
über einen Abbau der Handelsschranken - der sogenannten Tokio-Runde - im
Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) sicherlich zugute
kommen.
Der Rechtsanwalt und Millionär aus Texas hat eine bewegte Karriere
hinter sich.
Robert S. Strauss wurde am 8. Oktober 1918 in Lockhart im Staate Texas
geboren.

Sein Studium an der Universität von Texas finanzierte er durch

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�durch eine Tätigkeit als Bürogehilfe im Staatsparlament in Austin.

Sein

Klassenkamerad und späterer Gouverneur des Staates Texas, John B. Connally,
mit dem ihn heute noch eine enge Freundschaft verbindet, bewog ihn dazu,
in die Politik zu gehen.

Schon 1937 nahm er aktiv an dem ersten Wahl kämpf

von Lyndon B. Johnson teil, der dem späteren Präsidenten einen Sitz im
Kongreß in Washington brachte.

Im Jahre 1941 schloß Strauss seine juristi-

schen Studien mit dem Bakkalaureat ab.

Zunächst arbeitete er für das Bun-

deskriminalamt (FBI) in Iowa, Ohio, und in Dallas, Texas.
Im Jahre 1945 gründete Strauss zusammen mit anderen eine Anwaltsfirma,
die sich in ganz Texas einen guten Ruf erwarb.

Er investierte mit gutem

Gewinn in Grundstücken und (in den USA privaten) Rundfunksendern und gelangte in den Aufsichtsrat von weltbekannten Firmen wie Columbia-Film, Braniff
Airlines und Xerox.
Als sein Freund Connally 1962 zum erstenmal als Gouverneur des Staates
Texas kandidierte, brachte Strauss große Spenden für den Wahl kämpf bei. Nach
gewonnener Wahl berief ihn Gouverneur Connally in den Bankenaufsichtsausschuß des Staates und entsandte ihn 1968 in das Nationalkomitee der Demokratischen Partei.

Im gleichen Jahr sorgte Strauss auch für die Finan-

zierung des Präsidentschaftswahlkampfes von Humphrey und Muskie im Staate
Texas.
Im Jahre 1970 zum Schatzmeister des Nationalkomitees der Demokratischen
Partei berufen, bewältigte er die herkulische Aufgabe, nach dem Debakel von
1968 die Finanzen der Partei wieder zu sanieren. Auf Grund der erneuten
Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen im November 1972 wurde Strauss am
9. Dezember 1972 zum Vorsitzenden des Nationalkomitees der Demokratischen Partei gewählt - ein Posten, der nicht unbedingt mit dem Posten eines ParteiVorsitzenden in der Bundesrepublik Deutschland vergleichbar ist.
Auf seinem neuen Posten sorgte Strauss nicht nur für eine Gesundung der
Finanzen der Partei, sondern auch für ihre politische Konsolidierung, indem

�•

indem er die verschiedenen Flügel in Nord und Süd und die Minderheiten an
einen Tisch brachte.

Die große Geschlossenheit und Einigkeit, die auf dem

Parteikonvent im Juli 1976 in New York zutage traten und dann in der praktisch einstimmigen Nominierung von Jimmy Carter gipfelten, sind nicht zuletzt dem Wirken von Strauss zu verdanken.
Robert S. Strauss ist seit 1941 mit der Tochter eines Zeitungsverlegers
in Texas verheiratet; das Ehepaar hat drei erwachsene Kinder und fünf Enkel.

+ + + + +

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Dokumentation
United States Information Service

5/1977

JOHN J. GILLIGAN: DER NEUE LEITER DES AMTES FÜR
INTERNATIONALE ENTWICKLUNG (AID)

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 10. März 1977 den ehemaligen Gouverneur des Bundesstaates Ohio, John Joyce Gilligan, zum neuen
Leiter des US-Amtes für internationale Entwicklung (AID) nominiert. Die Ernennung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden. Damit soll ein
Mann diese für die Auslandshilfe der USA verantwortliche Position übernehmen,
von dem Freunde und Gegner sagen, daß er in seiner über 20jährigen Laufbahn
als Politiker immer im Mittelpunkt schwieriger EntScheidungsprozesse gestanden hat. So traf er während seiner Amtszeit als Gouverneur von Ohio die
schwierige und sicherlich nicht populäre Entscheidung, zum ersten Male in
diesem Staat eine Einkommenssteuer einzuführen.
Sollte der Senat seine Nominierung bestätigen, so gilt als sicher, daß
sich Gilligan in seiner Eigenschaft als Leiter des AID mit allem Nachdruck
für weltweite Programme einsetzen wird, mit deren Hilfe das Erziehungs- und
Gesundheitswesen für die ärmere Bevölkerung auf der Erde verbessert werden
soll.
John

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�John Joyce Gilligan, der irischer Abstammung ist, wurde am 22. März 1921
in Cincinnati im Staate Ohio geboren.

Er besuchte die Universität von Notre

Dame sowie die Xavier-Universität in Cincinnati, schloß sein Studium mit dem
Grad eines Master of Arts ab und war anschließend bis 1953 Dozent für englische Literatur an der Xavier-Universität.

Sein Interesse an der Politik

wurde während des Präsidentschaftswahlkampfes von 1952 wach, und im darauffolgenden Jahr wurde er zum Stadtrat von Cincinnati gewählt - einen Posten,
den er bis Anfang und dann noch einmal bis gegen Ende der sechziger Jahre innehatte.

Dazwischen, von 1964 - 1966 vertrat er seinen Heimatstaat als Abgeord-

neter im Repräsentantenhaus in Washington und machte sich hier als Verfechter
der Idee der "Großen Gesellschaft" Präsident Johnsons einen Namen.

Als er

sich 1966 zur Wiederwahl für das Repräsentantenhaus stellte, unterlag er seinem Gegner Robert Taft, Jr. der einer der bekanntesten Familien in der politischen

Geschichte des Staates Ohio angehörte.

Auch seine Niederlage im

Rennen um einen Sitz im amerikanischen Senat im Jahre 1968 konnte Gilligan
nicht entmutigen.

Er bewarb sich im November 1970 um den Posten des Gouver-

neurs von Ohio und gewann die Wahl.

Damit wurde Gilligan einer der wenigen

Gouverneure, die die Demokraten für diesen großen Industriestaat bisher stellten.

Gleichzeitig gewann er einen großen Einfluß innerhalb der Demokratischen

Partei.

Nach seinem Ausscheiden als Gouverneur im Jahre 1975 war Gilligan am
Internationalen Woodrow Wilson Center der Smithsonian Institution in Washington
tätig, wo er Botschafter Elliot Richardson als Leiter der Studiengruppe für
einzelstaatliche und kommunale Regierungsfragen ablöste. Bereits Ende der
sechziger Jahre war er an das Stevenson-Institut der Universität Chicago
(1967) und an das John F. Kennedy-Institut der Harvard-Universität (1969) berufen worden.
Gilligan hat sich bereits sehr früh für eine Präsidentschaftskandidatur
Jimmy Carters eingesetzt; bei der Ausarbeitung des Wahl Programms der Demokraten im Jahre 1976 spielte er eine aktive Rolle.
Während
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2

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Während des Zweiten Weltkrieges wurde Gilligan zur amerikanischen Marine
einberufen und war im Atlantik,

im Mittelmeer und im Pazifik eingesetzt.

Gilligan ist seit 1945 mit Mary Kathryn Dixon verheiratet; das Ehepaar
hat vier Kinder.

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Während des Zweiten Weltkrieges wurde Gilligan zur amerikanischen Marine
einberufen und war im Atlantik,

im Mittelmeer und im Pazifik eingesetzt.

Gilligan ist seit 1945 mit Mary Kathryn Dixon verheiratet; das Ehepaar
hat vier Kinder.

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Während des Zweiten Weltkrieges wurde Giiiigan zur amerikanischen Marine
einberufen und war im Atlantik,

im Mittelmeer und im Pazifik eingesetzt.

Giiiigan ist seit 1945 mit Mary Kathryn Dixon verheiratet; das Ehepaar
hat vier Kinder.

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I

United States Information Service

5/1977

DIE MÖGLICHKEITEN DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
IN DEN KOMMENDEN JAHREN
Von Senator John Sparkman
Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats

Der demokratische Senator John Sparkman
aus Alabama ist seit Januar 1975 Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses
des amerikanischen Senats. Der folgende
Artikel ist eine Zusammenfassung seines
Dritten Jahresberichts über die amerikanische Außenpolitik an den Senat, der am
24. Februar 1977 vorgelegt wurde.

Aus allerhand Gründen - z.T. aus Glück und z.T. auf Grund solider
Leistungen

der Ford-Administration - steht die neue Administration zwar vor

vielen Problemen in unseren außenpolitischen Beziehungen, aber kaum vor irgendwelchen akuten Krisen.

Die meisten dieser Probleme - angefangen vom Wett-

rüsten, dem Nahen Osten, Afrika bis zum unkontrollierten Bevölkerungswachstum
in der Dritten Welt - tragen den Keim der Krise in sich, ja sogar der "rise
erster Ordnung, wenn wir nicht innerhalb relativ kurzer Zeit klug handeln. Da
sie aber keine unmittelbare Reaktion eines Krieges oder einer Konfrontation

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

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i-

Konfrontation erfordern, lassen sie uns genug Zeit, eine gesunde und vernünftige Politik zu entwickeln - aber auch wenig Ausflüchte, das nicht zu
tun.
Ich glaube, man kann ohne Übertreibung sagen, daß der Abschluß eines
neuen Abkommens über die Begrenzung strategischer Waffen zu den ein, zwei
oder drei vordringlichsten Aufgaben unserer Außenpolitik gehört.
Fachleute für sowjetische Angelegenheiten führen eine hitzige Debatte
über das Ausmaß und die Absichten des gegenwärtigen militärischen Aufbaus
der Sowjets.

Manche von ihnen erklären, die Sowjets strebten nach einer

strategischen und konventionellen Überlegenheit auf militärischem Gebiet,
andere behaupten, die Sowjets versuchten lediglich, mit den Vereinigten Staaten
gleichzuziehen.

Der Weg, dieses Problem zu lösen, liegt sicherlich nicht dar-

in, davon auszugehen, daß das Schlimmste eintreten wird, sondern darin, die
Sowjets hinsichtlich ihrer eigenen versöhnlichen Worte auf die Probe zu stellen, wie dies Präsident Carter versuchen will.

Wenn sich herausstellen sollte,

daß es die Sowjets nicht ernst meinen mit einem neuen SALT-Abkommen oder nur
ein so loses und begrenztes Abkommen anstreben, daß es ihnen für eine politisch
untragbare strategische Überlegenheit freie Hand läßt, dann werden wir selbstverständlich entsprechend reagieren müssen.
Das kann jedoch nur ein letzter Ausweg sein, z.T. wegen der gewaltigen
Kosten eines beschleunigten nuklearen strategischen Wettrüstens, aber vor
allem, weil es eine schreckliche Bedrohung des Weltfriedens bedeuten würde.
Konventionelle militärische Stärke und taktische Nuklearwaffen in Europa
sind wieder ein anderes Problem. Der gegenwärtige militärische Aufbau der
Sowjets auf konventionellem Gebiet könnte nicht mehr sein als der Höhepunkt
eines langfristigen Programms, oder er könnte mehr mit der wachsenden Unruhe
in Osteuropa zu tun haben als mit einer ausdrücklichen Bedrohung der NATO.
Eine weitere Möglichkeit wäre die Absicht der politischen Einschüchterung
Westeuropas oder noch genauer der Stärkung und Unterstützung der kommu- 2 -

�kommunistischen Parteien in Ländern wie Frankreich und Italien.

Die Motive

des sowjetischen Aufbaus sind ungewiß, die Tatsache dieses Aufbaus keineswegs. Unter diesen Umständen und angesichts der bisher ergebnislosen Marathonverhandlungen in Wien über "beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen" wäre es für die Vereinigten Staaten höchst unklug, irgendwelche einseitigen Verringerungen unserer gegenwärtigen Streitkräfte von rund
300 000 Mann in Europa zu erwägen. Vizepräsident Mondale traf meiner Ansicht
nach den Nagel auf den Kopf, als er dem Nordatlantikrat mitteilte, daß die
Vereinigten Staaten an ihrer Verpflichtung gegenüber der NATO festhalten, ja
diese erhöhen und nur dann Truppen abziehen oder sonstwie einer Verringerung
der Verteidigungskraft der NATO zustimmen werden, wenn mit dem Warschauer Pakt
ein Abkommen über beiderseitige Truppenreduzierungen zustande kommt.
Ich möchte hier zwei Einschränkungen machen: Erstens, niemand wird von
den Vereinigten Staaten erwarten können - und man wird vom amerikanischen
Kongreß nicht erwarten können, daß er das unterstützt - einen hohen Stand
oder einen noch höheren Stand der Unterstützung für die NATO aufrechtzuerhalten, wenn die europäischen Verbündeten nicht entsprechende Anstrengungen
unternehmen.
Zweitens, selbst wenn wir es als notwendig betrachten sollten, unsere
Unterstützung für die NATO derzeit zu erhöhen, dann dürfen wir unser weitergefaßtes Ziel nicht aus den Augen verlieren, nämlich die Verhältnisse zu
schaffen, die uns unter sicheren Bedingungen eine Senkung - keine Erhöhung! unserer militärischen Anstrengungen erlauben. Wenn in absehbarer Zeit ein
neues SALT-Abkommen geschlossen werden kann, wie Präsident Carter das hofft,
dann dürfte sich die Atmosphäre für einen neuen Anlauf zu beiderseitigen
Truppenreduzierungen in Europa wesentlich verbessert haben. Hierauf muß
unser Hauptnachdruck liegen.
Die neue Administration hat auch sehr rasch die Initiative hinsichtlich
der Verhinderung der Ausbreitung von Kernwaffenpotentialen übernommen. Präsident Carter hat internationale Kontrollen gefordert, um alle Exporte von
- 3 -

�von Brennstoffanreicherungs- und Wiederaufbereitungstechnologie zu stoppen,
mit deren Hilfe Plutonium für Waffenzwecke hergestellt werden kann.
Aber es ist wahrscheinlich zu spät, der weiteren Ausbreitung von Kernwaffen in der Welt Einhalt zu gebieten.

Der Geist ist aus der Flasche, und

selbst wenn sie nicht gekauft werden kann, so kann diese Technologie heute
entwickelt werden. Wir müssen trotzdem versuchen, zu einem internationalen
Abkommen zu gelangen, das die Weitergabe von Anreicherungs- und Wiederaufbereitungstechnologie an Länder verbietet, die heute keine Nuklearwaffen besitzen.

Wenn wir auch realistischerweise nicht hoffen dürfen, die weitere

Ausbreitung von Kernwaffen gänzlich zu verhindern, so müssen wir doch alles
in unserer Macht stehende tun, um sie einzudämmen und aufzuhalten.

Eine

nukleare Welt - das dürfen wir nie vergessen - ist eine instabile Welt. Und
wenn es außerhalb unserer Macht steht, dem rechtzeitig Einhalt zu gebieten,
dann müssen wir wenigsten versuchen, Zeit zu gewinnen,und in der gewonnenen
Zeit an Durchbrüchen arbeiten und auf solche hoffen, die diese schreckliche
gemeinsame Gefahr für die ganze Menschheit stärker ins Bewußtsein rücken.
Ein weiteres Problem, vor dem die neue Administration steht, - ein moralisch ebenso komplexes Problem wie in seinen politischen Auswirkungen ist das Problem der wirtschaftlichen und militärischen Hilfe und der Waffenverkäufe. Das Grunddilemma ist zwiefältig: Einmal stehen einige der Staaten,
denen wir Waffen verkaufen oder schenken oder denen wir Wirtschaftshilfe
leisten, zwar den Vereinigten Staaten freundlich aber sich gegenseitig feindlich gegenüber. Das zweite Dilemma ist, daß einige dieser Staaten, obwohl
sie eine Außenpolitik führen, die mit der unsrigen durchaus vereinbar ist,
sich auf internationale Praktiken einlassen, die unsere Normen der Menschenrechte verletzen.
Der neue Präsident hat erklärt, daß er in Zukunft die Waffenverkäufe
einschränken will und daß er jeden Fall persönlich prüfen will. Aber darüber
hinaus müssen der Präsident und der Kongreß zusammenarbeiten, um die Mittel
und Wege zur Lösung des von mir aufgezeigten zwiefältigen Dilemmas zu finden.
Beispielsweise
- 4 -

�Beispielsweise gründeten sich Vorschläge für die Einstellung bestimmter
Waffenlieferungen an arabische Länder auf der durchaus berechtigten Besorgnis
um die Sicherheit Israels.

Aber sie zeigten unzureichende Besorgnis um die

Sicherheit der betreffenden arabischen Staaten - Länder, deren Freundschaft
für die Vereinigten Staaten wichtig ist.

In ähnlicher Weise sind Einwände

gegen unsere militärischen Lieferungen an den Iran erhoben worden, weil über
Verletzungen der Menschenrechte in jenem Land berichtet wurde

wie auch über

Extravaganz und ein übertriebenes amerikanisches Engagement.

All diese Ein-

wände mögen mehr oder weniger begründet sein, aber sie lassen die echten
Sicherheitserfordernisse des Iran als Nachbarn der Sowjetunion und auch den
Wert dieses Landes als Verbündeten der Vereinigten Staaten außer acht.
Ich hoffe - und vertraue - daß die neue Administration bei der Bewertung
dieser schwierigen Fragen das Extrem der Indifferenz gegenüber den Menschenrechten auf der einen und der scheinheiligen Zudringlichkeit auf der anderen
Seite vermeiden wird.
Es ist bemerkenswert, daß die ersten Initiativen der neuen Administration auf diesem Gebiet Erklärungen gewesen sind, in denen die Verweigerung
fundamentaler Freiheiten durch die Sowjetunion und die Tschechoslowakei in
Verletzung der Schlußakte von Helsinki verurteilt wurden. Nach meiner eigenen
Auffassung sollten Verurteilungen der internen Praktiken anderer Länder mit
Zurückhaltung und nur bei ungewöhnlichen Umständen ausgesprochen werden.
Wenn jedoch Proteste geäußert werden, dann sollten sie in gleicher Weise an
Verbündete und Gegner gerichtet werden.
Wir können unsere Hilfe nicht verstärken oder unsere Waffen verkaufen
und dabei die Art und Weise, wie die Regierungen ihr eigenes Volk behandeln,
gänzlich außer acht lassen; dennoch muß die Sicherheit der Vereinigten Staaten,
ihrer Verbündeten und Freunde und die Aufrechterhaltung

des Weltfriedens un-

ser Hauptanliegen bleiben.

Ich
- 5 -

�Ich möchte der neuen Administration außerdem dringend anraten, eine
Strategie für unsere Hilfsmaßnahmen und Waffenverkäufe zu entwickeln, die
jede einzelne Transaktion im Zusammenhang weiter gefaßter politischer Fragen und in bezug zu anderen Hilfs- und Verkaufsprogrammen in der gleichen
Region bewertet.
Wenn wir uns jetzt einigen regionalen Problemen zuwenden, denen sich
die neue Administration gegenübersieht, dann können wir Gefahren - und Chancen - erkennen: im Nahen Osten, Afrika, Asien und Lateinamerika - wobei der
Nahe Osten vom Standpunkt unseres nationalen Interesses als eine mögliche
Krisenzone wiederum an erster Stelle steht.

Während der letzten Sitzung

des Kongresses legte ich dar, daß wir meiner Ansicht nach zwei entscheidend
wichtige Interesse im Nahen Osten haben - das überleben und die Sicherheit
Israels und das öl und die Freundschaft der Araber. Diese Interessen, so
sagte ich damals und wiederhole es jetzt, "lassen sich nicht trennen, aber
sie ließen sich - dessen bin ich sicher - miteinander versöhnen - durch eine
allgemeine Lösung, die auf Garantien

für Israel, dem Rückzug aus den be-

setzten Gebieten und der Selbstbestimmung für das palästinensische Volk beruht."
Es wäre wahrscheinlich unklug, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten
einen ins einzelne gehenden Plan für eine Nahost-Lösung vorlegen würde. Ich
hielte es jedoch für sehr angebracht, wenn der Präsident so bald wie möglich
die Gelegenheit wahrnimmt, um in einer öffentlichen Erklärung unsere grundlegenden Interessen in bezug auf den Nahen Osten zum Ausdruck zu bringen und
vielleicht auch einige Grundprinzipien für eine gerechte und faire Lösung
vorzuschlagen. Diese grundlegenden Prinzipien - über die heute unter den informierten und gemäßigten Beobachtern des Nahost-Problems ein Konsens zu bestehen scheint - lassen sich etwa folgendermaßen zusammenfassen:
Erstens, die arabischen Staaten und auch die PLO müssen ohne Einschränkung die Legitimität und den dauerhaften Bestand Israels als eines souveränen
Staates anerkennen, der das Recht hat, in Frieden und Sicherheit in anerkann- 6 -

�anerkannten Grenzen zu leben.
Zweitens, Israel muß sich - innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts,
auf seine Grenzen vom Jahre 1967 zurückziehen, wobei es Modifikationen nur
so weit geben kann, als man sich auf sie einigt.
Drittens, den Palästinensern muß das Recht der Selbstbestimmung zuerkannt werden, sei es in der Form einer Konföderation mit Jordanien oder als
ein selbständiger Westufer-Gaza-Staat, entsprechend ihrer eigenen freien Wahl.
Viertens, die arabischen Staaten - einschließlich des neuen Staates oder
politischen Gebildes der Palästinenser - müssen der Einstellung aller feindseligen Aktionen oder Propaganda gegen Israel zustimmen und sich bereitfinden,
ein festgesetztes zeitliches Schema für die Errichtung normaler politischer
und wirtschaftlicher Beziehungen zu Israel einzuhalten.
Fünftens, die Gesamtlösung sollte durch solide internationale Garantien
getragen werden - darunter Abkommen über entmilitarisierte Zonen, Rüstungsbegrenzungen, Verpflichtungen des Weltsicherheitsrates, auf die Einhaltung der
Bedingungen des Abkommens zu achten und sie, wenn notwendig, zu verteidigen,
sowie - falls dies erwünscht - eine ausdrückliche amerikanische Garantie für
die Existenz und Sicherheit Israels.
Obwohl das Nahost-Problem vom Standpunkt unserer nationalen Sicherheit
aus gesehen an erster Stelle steht, ist Südafrika das Gebiet der im Augenblick unmittelbarsten Gefahr. Im Anschluß an den Angola-Konflikt und die dortige sowjetisch-kubanische Intervention, begannen die Vereinigten Staaten
eine festere und bestimmtere - wenn auch theoretisch nicht neue Politik des
Eintretens für die Herrschaft der Mehrheit und die Rechte der Minderheit in
Rhodesien und Namibia einzuschlagen.
Namibia - oder wie es bis vor kurzem hieß: Südwestafrika - hat als unter dem Schutz der internationalen Gemeinschaft stehend einen Sonderstatus.

�Sonderstatus.

Es kam nach dem ersten Weltkrieg als Mandatsgebiet des Völker-

bundes unter die Herrschaft Südafrikas, aber Südafrika gestattete nicht, daß
es nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Treuhandgebiet der Vereinten Nationen
umgewandelt wurde, und die Südafrikaner brachten dann ihr System der rassischen Apartheid in dieses Territorium.

Es ist die offizielle Position dtr

Vereinigten Staaten - wie sie von Außenminister Kissinger in seiner Rede vor
der UN-Vcllversammlung vom 30. September 1976 umrissen wurde .-,. daß eine von
den Vereinten Nationen getragene Konferenz zusammentreten sollte, um für
Namibia die Unabhängigkeit

"innerhalb eines festgelegten, kurzen Zeitab-

schnitts" zu erlangen.
Ich fordere die Carter-Administration auf, diese Politik fortzusetzen,
wobei man sich jedoch vor Augen halten sollte, daß es unser Ziel ist, sowohl
die iiehrheitsregierung als auch die Minderheitenrechte zu fördern - und zwar
durch friedliche und gesetzliche Mittel.
Die gefährlichere Situation für die unmittelbare Zukunft liegt in
Rhodesien. Die Genfer Gespräche zwischen der weißen rhodesischen Regierung
und den schwarzen Führern sina zusammengebrochen, vielleicht für immer, was
zum Teil auf die Unnachgiebigkeit der Regierung lan Smith, zum Teil auf die
Kivalität zwischen den schwarzen Gruppen und zum Teil auf den Mangel an Vermittlungskraft Großbritanniens zurückzuführen ist. Wenn nicht bald diplomatische Initiativen ergriffen werden, ist ein ständiger, vielleicht sich beschleunigender Guerillakrieg vorauszusehen, wobei die Sowjetunion und möglicherweise Kuba die militanten Guerillas unterstützen und ermutigen werden.
Die diplomatische Last wird jedoch - unwi11 kommenerweise - wieder auf
die Schultern der Vereinigten Staaten verlagert, Der grundsätzliche Plan,
für den Außenminister Kissinger im vorigen Jahr die Zustimmung der rhodesischen
Steller erhielt und der eine multi-rassische Interimsregierung, gefolgt von
einer Mehrheitsregierung innerhalb von zwei Jahren vorsah, ist weiterhin eine
vernünftige Zielsetzung. Es ist jetzt an Präsident Carter, neue Initiativen
zur Förderung dieser Politik zu ergreifen, und - wie bereits gesagt - er hat.

�hat nicht mehr viel Zeit.

Ich würde vorschlagen, daß er die amerikanische

Verpflichtung für eine Mehrheitsregierung zu einem festgelegten Zeitpunkt
und für die Minderheitenrechte bekräftigt - wobei die letzteren durch etwas
Greifbareres als vage oder allgemeine Zusicherungen garantiert werden sollten.
Vielleicht könnte eine neu zusammentretende Konferenz über Rhodesien
einen Plan für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Schwarzen und
Weißen und für den Schutz der Eigentumsrechte sowie für gleiche Rechte für
alle Bürger ohne Rücksicht auf die Rasse entwerfen - oder ihn doch empfehlen.
Vielleicht wäre es für die unmittelbare Zukunft ratsam, wenn die Vereinigten
Staaten eine temporäre Sondermission nach Rhodesien entsenden würden - nicht
als ein Zeichen der Anerkennung des gegenwärtigen Regimes, und schon gar
nicht als ein Zeichen der Zustimmung, sondern einzig und allein zu dem Zweck,
Verbindung mit den rhodesischen Stellen und auch mit den schwarzen Nationalistenführern zu halten, wobei jede sich bietende Möglichkeit genutzt werden sollte, die Mäßigung auf beiden Seiten zu fördern.
Vor einem Jahr habe ich tiefe Sorge hinsichtlich des sowjetisch-kubanischen Engagements in Angola zum Ausdruck gebracht. Es befinden sich
immer noch etwa 12 000 - 16 000 kubanische Soldaten in Angola, die von der
Sowjetunion bezahlt werden und - wie berichtet - der Neto-Regierung, der
sie zur Macht verhalfen, die entscheidende Unterstützung bei dem Versuch gewähren, den anhaltenden Guerilla-Widerstand zu brechen. Obwohl einige kubanische Truppen aus Angola abgezogen wurden, muß doch gesagt werden, daß - solange kubanische Streitkräfte auf dem afrikanischen Kontinent verbleiben diese einen potentiellen Störfaktor im Hinblick auf die Rhodesien- und
Namibiafrage darstellen.
Es gibt Zeiten und Schauplätze, wo das Nützlichste, was man tun kann,
ist, nur wenig oder gar nichts zu tun.

Das scheint im Augenblick auf un-

sere Fernost-Politik zuzutreffen, wo im Hinblick auf China und Taiwan,
Vietnam ind Korea ungelöste Probleme verbleiben.
Ich
- 9 -

�*

Ich bin nicht der Meinung, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt irgendetwas getan werden sollte, um unsere Beziehungen zu Taiwan zu ändern.

Die

Volksrepublik China behauptet, keine normalen Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten unterhalten zu können, wenn wir nicht unseren Sicherheitsvertrag
mit Taiwan auflösen.

Dies, so scheint mir, wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt

unklug und auch unnötig.
Früher oder später - vermutlich noch in diesem Jahr - wird Vietnam in
die Vereinten Nationen aufgenommen werden, und wir werden schließlich den
Wunsch haben, normale Beziehungen zum neuen Vietnam aufzunehmen.

Das letzte-

re, so darf ich wohl sagen, wird umfassende Verhandlungen erforderlich machen.
Diese dürften jedoch erleichtert werden, wenn im Laufe der Zeit die aufgrund
des langen Krieges verbliebenen Animositäten zu schwinden beginnen.
In den letzten Jahren ist die Forderung nach einem Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Korea, wo wir immer noch 40 000 Soldaten stationiert haben, immer größer geworden. Es sind nun fast 24 Jahre ins Land gezogen, seit der Koreakrieg beendet wurde, und es scheint für die Vereinigten
Staaten angemessen zu sein, erneut über das geeigneteste Mittel nachzudenken,
wie wir auch weiterhin unseren Sicherheitsvertrag mit der Republik Korea erfüllen können. Diese Verpflichtung ist meines Erachtens immer noch gerechtfertigt und wichtig, nicht nur um die Republik Korea vor Angriffen aus dem
Norden zu schützen, sondern auch in dem größeren strategischen Zusammenhang
unserer Beziehungen zu Japan und der Volksrepublik China. Es mag durchaus
ratsam sein, unsere Landstreitkräfte in Korea eine gewisse Entfernung von
der entmilitarisierten Zone zurückzunehmen, um damit die Gefahr einer unmittelbaren, automatischen amerikanischen Verwicklung bei irgendwelchen
Grenzzwischenfällen auszuschließen. Wir könnten vielleicht auch die Auswirkungen eines allmählichen, phasenweisen Rückzuges unserer Truppen prüfen,
wobei in jedem Stadium jede mögliche Gefährdung der Sicherheit Südkoreas und
auch die Haltung Japans in Rechnung gestellt werden müßte.
Wenn
- 10 -

�Wenn ich mich jetzt kurz unserer eigenen Hemisphäre zuwende, dann möchte
ich sagen, daß wir uns in diesem Jahr mit Problemen konfrontiert sehen, die
den Panama-Kanal und auch Kuba betreffen.
Es gibt allen Grund zu der Annahme - und auch Hoffnung - daß nach zwölf
Jahren vergeblicher Bemühungen wir in diesem Jahr ein Abkommen über einen
Panamakanal-Vertrag erzielen werden. Der Vertrag von 1903, der die Kanalzone
den Vereinigten Staaten überließ, und zwar "auf alle Zeiten" mit der Vollmacht, "als wenn sie souverän wären", wird seit langem von der panamesisehen
Bevölkerung als unerträglich angesehen, und im Jahre 1965 hat Präsident Johnson
die Vereinigten Staaten grundsätzlich auf die Aufhebung des alten Vertrages
und die Aushandlung eines neuen festgelegt. Wenn jetzt die Verhandlungen
wieder aufgenommen werden, dann muß an verschiedene zentrale Ziele gedacht
werden: An die Notwendigkeit eines Arrangements, das die Republik Panama
juristisch gesehen als gleichberechtigten Partner behandelt und solide Garantien dafür gewährt, daß die Neutralität des Kanals aufrechterhalten wird.
Welche spezifischen Vorkehrungen auch immer getroffen werden mögen hinsichtlich der Disposition der Kanalzone sowie der amerikanischen Stützpunkte und
der Einrichtungen, so müssen doch unsere Verhandlungsführer der Verhandlungsgrundlage eingedenk sein, die der 94. Kongreß verabschiedet hat, daß nämlich
"jeder neue Panamakanal-Vertrag oder jedes Abkommen ... die lebenswichtigen
Interessen der Vereinigten Staaten in der Kanalzone und den Betrieb, die Aufrechterhaltung, das Eigentum sowie die Verteidigung des Panamakanals schützen
muß."
Auf der Tagesordnung unserer Hemisphäre für das Jahr 1977 steht auch die
Frage unserer Beziehungen zu Kuba.

Im Zuge unserer Entspannungspolitik ge-

genüber der Sowjetunion und unserer Öffnung gegenüber China im Jahre 1972 war
es angemessen, unseren politischen und wirtschaftlichen Boykott Kubas zu
überprüfen.
Wenn Kubas militärische Intervention in Afrika nicht gewesen wäre, hätte
ich es für richtig gehalten, weitere Maßnahmen zur Wiederherstellung der Be- 11 -

�t

Beziehungen zu Kuba zu ergreifen.

Aus Gründen sowohl einer vernünftigen

Politik gegenüber den Vereinten Nationen als auch der Respektierung der Weltorganisation können die Vereinigten Staaten eine kubanische Intervention in
Afrika weder akzeptieren noch billigen.

Wir sollten in der Tat ganz deut-

lich machen, daß wir uns mit allem Nachdruck gegen jede weitere Verletzung
des Völkerrechts wenden werden.

Dennoch hat die neue Administration zu er-

kennen gegeben, daß sie bereit ist, auf dem Wege der Normalisierung der Beziehungen voranzuschreiten, und im Hinblick auf unsere Politik gegenüber der
westlichen Hemisphäre scheint mir das unbedingt der richtige Kurs zu sein
- und wenn auch keinem anderen Grunde als dem, daß die Politik der Isolierung
Kubas fehlgeschlagen ist.

Eine Normalisierung der Beziehungen zur Castro-

Regierung wird vielleicht "künftige Angolas" nicht verhindern, aber es erscheint uns dadurch zumindest möglich, daß wir einen Verhandlungsspielraum
erhalten, den die Politik der Isolierung Kubas ganz offensichtlich nicht geboten hat.
Und schließlich möchte ich noch einige Worte zu den Vereinten Nationen
sagen, die wie bei einem verlorenen Sohn Anlaß zur Verzweiflung, aber auch
zur besten Hoffnung hinsichtlich unserer Außenpolitik bieten.
Unsere Verzweiflung hat ihre Wurzel in der nicht abzustreitenden Tatsache, daß die Weltorganisation nicht in der Lage ist, mit zahlreichen Fragen fertig zu werden.
Darüber hinaus wendet die Mehrheit der Dritten Welt in der Vollversammlung - wie schon vorher aufgezeigt - in ihrer Kritik gegenüber den verschiedenen moralischen Übeln eine doppelte Moral an.
Auf der anderen Seite haben sich die Vereinten Nationen als fähig erwiesen, begrenzte, jedoch nützliche Funktionen der Friedenswahrung auszuüben.
Friedenstruppen der Vereinten Nationen haben eine wichtige Rolle bei der Überwachung des Waffenstillstandes auf Zypern, im Kongo im Jahre 1964 sowie bei
verschiedenen Anlässen im Nahen Osten gespielt.
Die
- 12 -

�Die Vereinten Nationen haben ferner eine konstruktive Rolle hinsichtlich gewisser sozialer und wirtschaftlicher Fragen gespielt, vorzugsweise
im Hinblick auf den sogenannten Nord-Süd-Dialog über Wirtschaftsfragen sowie die Verteilung des Wohlstandes auf der Welt.

Die Konferenz über die

Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit, CIEC, hat zwar in Paris mit
unterschiedlichem Erfolg getagt, ist aber insgesamt gesehen doch konstruktiv verlaufen.

Sie hat sich mit der beunruhigenden Zunahme der internatio-

nalen Verschuldung insbesondere der ärmeren Länder befaßt, die in hohem Maße
auf den vielfachen Anstieg der Preise der ölimporte zurückzuführen ist.
Wenn die CIEC-Konferenz im April wieder zusammentritt, dann würde ich
es begrüßen, wenn die Vereinigten Staaten sich in einem generösen, aber verantwortungsbewußten Geist den Erfordernissen der Entwicklungsländer für eine
Entschuldung, eine Finanzierung der Energieeinfuhren und eine Stabilisierung
der Rohstoffpreise zuwenden werden.
Ich würde es ferner gern sehen, wenn die Vereinigten Staaten - innerhalb des Rahmens der Vereinten Nationen - in diesem Jahr eine energische
Initiative ergreifen, um die Programme zur Geburtenkontrolle zu unterstützen.
Wenn die Überbeanspruchung des internationalen Finanzsystems die auf kurze
Sicht größte Bedrohung für die Weltwirtschaft darstellt, so ist kaum zu bezweifeln, daß ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum die größte Gefahr auf
lange Sicht ist.
Dementsprechend würde ich darauf drängen, daß die Carter-Administration
- über bilaterale Maßnahmen und durch internationale Organisationen - einen d
rekten Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Unterstützung und wirksamen
Bevölkerungskontroll-Programmen herstellt. Dies mag hart erscheinen, aber
unsere Ressourcen sind begrenzt, und es müssen Prioritäten gesetzt werden.
Warum, so mag man fragen - ist es für die Vereinigten Staaten wichtig,
mit einer so mangelhaften Organisation wie den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten und zu versuchen, sie zu stärken? Die Antwort liegt weniger in
- 13 -

�'

in den Leistungen der Weltorganisation als vielmehr darin, daß sie immer
noch eine große Verheißung für die Zukunft bietet.

Die Charta von 1945

bleibt die einzige reale Hoffnung, die wir in bezug auf ein System des Weltfriedens unter internationalem Gesetz im Nuklearzeitalter haben, und das
sich entwickelnde System der Vereinten Nationen verkörpert wahrscheinlich
unsere beste Hoffnung auf eine Welt, in der soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit allen Menschen greifbar nahe gebracht werden kann.

- 1.4 -

�5/1977

PRÄSIDENT CARTER SCHLÄGT ENERGIEMINISTERIUM VOR

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat Anfang März den amerikanischen
Kongreß ersucht, die Schaffung eines neuen Bundesministeriums für Energiefragen (Department of Energy - DOE) zu genehmigen.

In ihm sollen die Funktionen

der Bundesenergiebehörde (Federal Energy Administration - FEA), der Bundeskommission für Energie (Federal Power Commission - FPC), der Bundesbehörde
für Energieforschung und Entwicklung (Energy Research and Development Administration - ERDA) sowie einer Reihe anderer staatlicher Organisationen mit Befugnissen auf dem Energiesektor zusammengefaßt werden.

Gegenwärtig ist ein

umfassender Energieplan in Vorbereitung, den Carter am 20. April 1977 dem
amerikanischen Kongreß unterbreiten will.
Die Reorganisation soll helfen, dem gegenwärtig aufgesplitterten und
mit zahlreichen Überschneidungen von Aktivitäten behafteten System einen
Rahmen zu geben, in dem eine umfassende nationale Energiepolitik sowohl entwickelt als auch verwirklicht werden kann. "Sie wird uns zum ersten Mal erlauben", so Präsident Carter, "unser Forschungs- und Entwicklungsprogramm auf
unsere Energiepolitik und die entsprechenden Erfordernisse abzustimmen. Dies
ist besonders wichtig, wenn wir von regenerationsfähigen Energiequellen wie

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�wie der Sonnenenergie Gebrauch machen sollen ... Die Reorganisation wird uns
in die Lage versetzen, durch die Kombination von Energie-Einsparungsprogrammen der FEA und ERDA schneller und wirksamer voranzukommen.

Und um sicher-

zustellen, daß wir auch Erfolg sehen, wird die Legislative das Amt eines
Unterstaatssekretärs für Energieeinsparung schaffen, der für die Durchführung
des Sparprogramms persönlich verantwortlich ist ... Die Befugnisse für die
Lenkung von Brennstoffen und Brennstoffverteilungssystemen werden in einer
einzigen Behörde zusammengefaßt - Befugnisse, in die sich bisher FEA und FPC
gemeinsam mit der Effekten- und Börsenkommission (SEC - Securities and ExcangeCommission) und der Kommission für den Handel zwischen den US-Bundesstaaten
teilten."
Die bisherige FEA ist für die Preisgestaltung bei Erdöl und Erdölprodukten zuständig.

Sie war 1974 mit temporärem Charakter ins Leben gerufen

worden, um den Auswirkungen des arabischen ölembargos und dem daraus resultierenden rapiden Preisanstieg zu begegnen.

Die ERDA, die nach der Auflösung

der US-Atomenergie-Kommission (AEC) gegründet wurde, befaßt sich vor allem
in bezug auf Atomenergie, aber auch auf den Sektoren Kohlenutzung, Erdwärme,
Sonnen- und Windenergie,mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben.

Der FPC,

die ursprünglich die Errichtung neuer Wasserkraftwerke zu genehmigen und das
Stromverbundnetz bundesweit zu überwachen hatte, wurde 1938 auch die Aufsicht
über Erdgasproduktion und Pipeline-Erdgastransport von Bundesstaat zu Bundesstaat übertragen.
Das neue Energieministerium würde neben den Funktionen dieser drei Behörden folgende Aufgabenbereiche übernehmen:
- Gewisse Programme und Funktionen des Innenministeriums, einschließlich einiger Kompetenzen für die Verpachtung bundeseigenen Landes im Küstenund Schelfgebiet sowie einen Teil der Kohleforschungsprogramme;
- Zuständigkeit für Standardisierungsprogramme hinsichtlich der Wärmedämmung bei Wohnungs- und Gewerbebauten, die bis Ende 1979 vorliegen müssen
- 2 -

�müssen und gegenwärtig vom Bundesministerium für Wohnungsbau und Städteplanung wahrgenommen werden;
- Zuständigkeit für bisher vom Handelsministerium durchgeführte Maßnahmen, um die von der Industrie auf freiwilliger Basis vorgenommenen Energie-Sparprogramme zu fördern;
- Rechtliche und verwaltungsmäßige Zuständigkeit für die drei der USMarine vorbehaltenen ölfelder in den Bundesstaaten Kalifornien und Wyoming
sowie die ebenfalls für die Marine reservierten ölschiefervorkommen in
Colorado und Utah, die jetzt noch dem US-Verteidigungsministerium unterstehen;
- Bestimmte Kompetenzen der Effekten- und Börsenkommission (SEC), um
Fusionen in der Elektrizitätswirtschaft zu regeln;
- Zuständigkeit für die Kontrolle von ölpipelines, einschließlich der
jeweiligen Wertermittlung und Gebührenfestsetzung, was gegenwärtig von der
Kommission für den Handel zwischen den US-Bundesstaaten wahrgenommen wird.
Darüber hinaus wird das neue Energieministerium das Verkehrsministerium bei
der Empfehlung von Leistungsnormen und Kraftstoffverbrauch bei Kraftfahrzeugen beraten.
Mit allen diesen Funktionen wird das DOE auch etwa 20 000 Mitarbeiter
aus den bisher zuständigen Behörden übernehmen; der Etat für 1978 liegt bei
ca. 10 Milliarden Dollar. Es w,ird erwartet, daß Präsident Carter James R.
Schlesinger, z. Zt. Energieberater im Weißen Haus, zum Chef des neuen Ministeriums ernennen wird.
Zur Frage der Reorganisation erklärte Schlesinger , das neue Energieministerium sei "ein längst notwendiges Instrument". Aber nicht seine Existenz,
sondern erst die von dieser Stelle aus betriebene Politik können die EnergieProbleme der Lösung näher bringen. Dabei seien auch unpopuläre Maßnahmen
nicht auszuschließen.
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Uliil/chofl
United States Information Service

5/1977

RASCHERER WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG IN USA WIRKT SICH WELTWEIT AUS
- Auszüge aus einem Interview mit John W. Kendrick -

Genf - (AD) - Die Tatsache, daß die amerikanische Wirtschaft in diesem
Jahr eine Wachstumsrate von sechs Prozent statt der ursprünglich angenommenen 4,5 Prozent aufweisen wird, dürfte sich positiv auf die Volkswirtschaften der Industrieländer auswirken und auch den Entwicklungsländern
helfen. Diese Auffassung vertrat der Wirtschaftsberater der amerikanischen
Handelsministerin Juanita Kreps, John W. Kendrick, am 7. März in einem
Interview in Genf. Kendrick, der an einer Konferenz führender Wirtschaftsfachleute im Rahmen der Wirtschaftskommission für Europa (ECE) der Vereinten
Nationen teilnahm, betonte, daß dieses erhöhte Wachstum ohne eine Beschleunigung der Inflationsrate erreicht werden könne.
Nachfolgend die wesentlichen Auszüge aus dem Interview mit John W.
Kendrick:
Frage: Wie würden Sie den Tenor der Konferenz hier in dieser Woche
charakterisieren?
Antwort: Es geht definitiv aufwärts.

Wie Sie wissen, gehören der ECE

alle Länder Europas in Ost und West an. Ich spüre einen beträchtlichen
Wunsch, die Zusammenarbeit zu verbessern, den Handel zu fördern und eine

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�eine stärkere Zusammenarbeit für die Zukunft voranzutreiben.
Ferner möchte ich sagen, daß der Ton hinsichtlich der kurzfristigen und
längerfristigen wirtschaftlichen Aussichten im allgemeinen etwas optimistischer
ist.
Frage: Könnten Sie etwas über die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen
in den Vereinigten Staaten und den Ausblick für 1977 unter der neuen Administration sagen?
Antwort: Darf ich Sie zunächst einmal daran erinnern, daß sich die
amerikanische Regierung jetzt schon seit zwei Jahren von der Rezession 1973/75
erholt. Während dieser zwei Jahre ist das reale Bruttosozialprodukt um etwa
11 Prozent angestiegen, die Inflationsrate wurde von über 10 Prozent auf etwa
5 Prozent gesenkt, und die Arbeitslogikeit ist von einem Höchststand von etwa
9 Prozent im Frühjahr 1975 im Januar dieses Jahres auf 7,3 Prozent zurückgegangen.
Man hat erwartet, daß das reale Bruttosozialprodukt in diesem Jahr selbst
ohne einen besonderen fiskalischen Anreiz um etwa 4,5 Prozent zunehmen würde.
Präsident Carter hat jedoch schon vor seinem Amtsantritt erklärt, daß dies
nicht genug sei und daß das Ziel der neuen Administration ein Wachstum von
6 Prozent vom vierten Quartal 1976 bis zum vierten Quartal 1977 sei.
Um dieses Ziel zu erreichen, schlug er ein Paket fiskalischer Anreize
vor, das für das Haushaltsjahr 1977/78 etwa 31 Milliarden Dollar kosten wird.
Wirtsrhaftler, die diese Zahlen an ihren ökonometrisehen Modellen erprobten, kamen zu dem Ergebnis, daß dies gerade der richtige Betrag sei, um
uns in diesem Jahr ein Wachstum von etwa 6 Prozent zu bringen - und wir gehen
davon aus, daß dies ohne irgendwelche wesentliche Beschleunigung der Inflation
vonstatten gehen wird, die etwa in dem Bereich von 5 bis 6 Prozent bleiben
dürfte.
Frage: Was wird dies für andere Länder bedeuten?
Antwort: Eine
für andere Länder
unseres Wachstums
tiv bedeuten, daß

Expansion in den Vereinigten Staaten ist offensichtlich auch
von Nutzen, denn der Umfang unserer Importe, d.h. der Anstieg
in diesem Jahr von 4,5 Prozent auf 6 Prozent dürfte definiandere Industrieländer mit freier Marktwirtschaft ein

�ein Wachstum von etwa 4,5 Prozent erleben werden, statt der etwas weniger
als 4 Prozent, die sie früher vorausgesagt haben. Es wird auch den weniger
entwickelten Ländern helfen, indem die amerikanische Wirtschaft einen größeren
Importbedarf an Rohstoffen, Lebensmitteln usw. haben wird, so daß im allgemeinen die Tatsache, daß für die amerikanische Wirtschaft jetzt ein etwas
rascheres Wachstum erwartet wird als für die übrige freie Welt, den anderen
Volkswirtschaften helfen wird, etwas höhere Wachstumsraten zu erreichen„
Cv

^ge: Bedeutet das Vorhandensein von Überschußkapazität n der Wirtschaft,

da[„ in diesem Jahr kein Ansteigen des Investitionsbedarfs in den Vereinigten
Staaten und anderen Ländern zu erwarten ist?
Antwort: Nein, weil nicht alle Investitionen dazu dienen, die Produktionskapazität auszudehnen, über die Hälfte der Investitionen wird
jr die
Modernisierung oder Kostensenkungen oder eine Steigerung der Produktivität
aufgewandt
Diese Investitionen gehen ohne Rücksicht auf die betriebliche
Kapazitätsauslastung weiter, vorausgesetzt daß die Gewinne ausreichen, um
die Investitionen finanzieren zu helfen und einen Anreiz für Investitionen
zi bieten. Die Gewinne in den USA sind tatsächlich im vorigen Jahr um über
ein Viertel gestiegen und steigen weiter und bieten damit Anreize zu neuen
Investitionen, Dazu kommt eine zehnprozentige Investitionssteuerabschreibung
Untersuchungen amerikanischer Firmen lassen erkennen, daß in diesem Jahr
mindestens 13 Prozent mehr für Fertigungsstätten und Ausrüstungen aufgewandt
werden
Ich bin der Auffassung, daß auch die anderen Länder bei der gegenwärtig stattfindenden Erholung eine Expansion der Investitionen erleben werden
Es ist jedoch richtig, daß wir, bis wir zu einer etwa 85 prozentigen Auslastung der Betriebe gelangen werden, keine Investitionen für längerfristige
Kapazitätsausweitungen erleben werden. Ich glaube diese werden erst Ende
1977 und 1978 beginnen - und das ist einer der Faktoren, auf d-e wir uns
verlassen, um das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr und darüber hinaus
aufrechterhalten zu können,
Frage: Sie sprechen von der übrigen Welt ebenso wie von den Vereinigten
Staaten?
Antwort:

�Antwort: Ja, von beiden, da auch andere Länder, die ebenfalls durch
Rezession und Anpassunnen gegangen sind, wieder an dem Auslösungspunkt
ier Nutzungsraten angekommen sind, der eine grundlegende Ausweitung der
industriellen Kapazität erfordert.

Ich bin daher der Auffassung, daß die

Faktoren, die das in den Vereinigten Staaten herbeiführen werden, auch,in
anderen Ländern, wahrscheinlich spätestens 1978, zum Tragen kommen werden.
Frage: Ihre Analyse ist so weit optimistisch.

Das stimmt nicht ganz

mit einigen der Presseberichte über^in, die wir in letzter Zeit in Europa
gesehen haben und die einen etwas pessimistischeren Ausblick erkennen lassen.
Könnten Sie dazu etwas sagen?
Antwort: Wenn ich mit anderen führenden Wirtschaftsberatern aus Europa
spreche, dann stelle ich fest, daß ihre Auffassungen heute etwas optimistischer zu sein scheinen, als, sagen wir, noch vor ?°chs Monaten.
Die vielleicht niedrigste vorgesehene Wachstumsrate liegt bei etwa zwei
Prozent in Großbritannien. Aber Vertreter der Bundesrepublik Deutschland
rechnen mit 4 bis 6 Prozent, und eine ähnliche Wachstumsrate wird auch in
Frankreich erwartet. Im allgemeinen rechnet die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heute mit etwa 4,5 Prozent, verglichen mit einer Voraussage von etwas weniger als 4 Prozent noch vor einigen
Monaten. Ich möchte sagen, daß die fiskalischen Maßnahmen der CarterAdministration, um die Wachstumsrate in den Vereinigten Staaten zu steigern,
die Aussicht für die Expansion in Westeuropa etwas günstiger gestaltet haben.
Alle Voraussagen unterliegen natürlich einem gewissen Maß an Irrtum. Die
von mir angeführten Zahlen könnten natürlich etwas zu hoch liegen, aber ich
bin der Oberzeugung, daß sie, wenn überhaupt, im Endeffekt etwas zu niedrig
liegen -^rden, weil die Laaerbestände im Verhältnis zum Absatz ziemlich
niedrig sind, zumindest in den Vereinigten Staaten, und ich glaube, daß eine
ganz beträchtliche Erhöhung der Lagerbestände eintreten könnte, was den Ausblick noch zusätzlich günstig beeinflussen dürfte.
Ich möchte daher sagen, daß die von mir genannten Zahlen, wenn nicht ganz
zutreffend, eher etwas zu niedrig angesetzt sein dürften, denn es gibt eine
kumulative Qualität der Expansion, und wenn sich herausstellen sollte, daß
- 4 -

�f

daß, das Wachstum etwas größer ist als erwartet, dann stehen Firmen oft ohne
ausreichende Lagerbestände da,und die Zunahme der Aufträge, um die Bestände
aufzufüllen, regt die Wirtschaft als Ganzes weiter an.
Frage: Wie steht es nun mit dem Rückschlag, den die amerikanische
Wirtschaft durch das außerordentlich kalte Wetter im Januar und Februar erlebt hat, und wie hat sich das auf die Volkswirtschaften anderer Länder ausgewirkt?
Antwort: Es ist richtig, daß wir, als wir gerade auf Expansion eingestellt waren, sechs Wochen erlebten, die unsere Produktion verlangsamt haben,
aber dies wirkte sich für uns und andere nur sehr temporär aus. Der Einfluß
des Wetters auf die amerikanische Produktion dauerte nicht lange, wenn er
auch vielleicht unmittelbar eine gewisse Verlangsamung einiger unserer
Importv. gebracht hat. Aber ich glaube nicht, daß dies eine wesentliche
Auswirkung auf andere hatte, denn die meisten Aufträge an ausländische Lieferfirmen waren schon vorher herausgegangen, und wir können damit rechnen, den
Produktionsverlust auszugleichen. Die Auswirkungen auf die Exporte anderer
Länder dürften nach meiner Auffassung minimal sein.

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1

Uli//cn/chofl
\md Technik
United States Information Service

5/1977

GENMANIPULATION UND BIOLOGISCHE FIXIERUNG VON STICKSTOFF
Konferenz im Brookhaven National Laboratory/USA

- (AD) - Eine Konferenz über Fragen und Probleme der Genmanipulation
zur Ausweitung der Möglichkeiten für die biologische Fixierung von Stickstoff hat vom 13. - 17. März 1977 im Kernforschungszentrum Brookhaven
National Laboratory (Upton, Long Island) in der Nähe von New York stattgefunden. Veranstalter war die gemeinnützige Organisation "Associated Universities, Inc." (AUI), in der eine Anzahl führender Universitäten in den
nordöstlichen Bundesstaaten der USA zusammengeschlossen sind. Die Schirmherrschaft übernahm die Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) im Rahmen
ihrer Forschungsprogramme zur Förderung wirtschaftswichtiger Vorhaben (RANN),
Unter biologischer Stickstoff-Fixierung versteht man die Umwandlung von
molekularem Luftstickstoff durch bestimmte Algen und Bodenbakterien in Ammoniak und andere stickstoffhaltige Verbindungen, die Pflanzen für ihren
Zellaufbau und z.B. die Bildung von Eiweiß verwerten können. Die Mikroorganismen werden durch Gene gesteuert, deren Funktion man beeinflussen möchte, um die Menge des so gebundenen Stickstoffs zu erhöhen. Dies könnte
letztlich zur Steigerung der Produktion von Eiweiß als einer der wichtigsten

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�wichtigsten Nahrungsquellen führen.

'

Auf der Konferenz wurde der gegenwärtige Stand der Genmanipulation
hinsichtlich der Fixierung von Stickstoff erörtert.

Dabei kamen auch die

Möglichkeiten und Grenzen des Verfahrens hinsichtlich einer Steigerung
der pflanzlichen Produktion sowie die Probleme und Streitfragen auf umweltund gesundheitspolitischem, rechtlichem und sozialem Gebiet im Zusammenhang mit der Genmanipulation zur Sprache. Alle Stellungnahmen - von Experten und Laien - werden später veröffentlicht.

Forschung mit Rekombinations-DNS
Die Konferenz schloß an ein dreitägiges öffentliches Forum (7. - 9.
März 1977 in Washington) an, auf dem in Anwesenheit von Vertretern aus 15
Nationen, von verschiedenen Interessengruppen aus der amerikanischen Öffentlichkeit, der Regierung, des US Kongresses, Juristen, der pharmazeutischen
Industrie und Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen das Thema "Forschung mit Rekombinations-DNS" behandelt wurde.

Rekombinations-DNS ist der

Kurzbegriff für eine in den letzten Jahren entwickelte Methode, mit der man
im Laboratorium versucht, Fragmente von DNS-Molekülen (DNS = Desoxyribonukleinsäure, Substanz der Gene und Träger der Erbfaktoren) aus einem Organismus mit
DNS-Fragmenten eines anderen Organismus zu verbinden und so eine neue "Lebensform" zu schaffen.
Diese neue Technik der "Manipulation" von Genen wird u.a. als wichtiges
Instrument zur Erforschung der Mechanismen und Funktionen betrachtet, die
alles Leben und alle biologischen Abläufe steuern. Bei den Diskussionen in
Washington, einer Veranstaltung der Nationalen Akademie der Wissenschaften
(NAS), wurden die potentiellen, aber doch ungewissen Vorteile dieser neuen
Methode und die befürchteten, aber ebenso ungewissen Risiken der DNS-Rekombination erörtert. Kernpunkt war die Frage, ob in den USA diese speziellen
Forschungen abgebrochen oder fortgesetzt werden sollen, und wenn ja, unter
- 2 -

�I
unter welchen Sicherheitsvorkehrungen, Richtlinien, Genehmigungsverfahren,
Einschränkungen und Laborbedingungen.
Die Meinungen gingen weit auseinander.

Während sich die einen neue

Möglichkeiten erhoffen, die Einblick in die Natur und den Ursprung des Lebens geben und für Biologie und Medizin im weiten Sinne wichtige Fortschritte
bringen könnten, fürchten andere, daß damit nur eine "Büchse der Pandora"
geöffnet werde, die soviel übles berge, daß das überleben der Menschheit gefährdet sei. Die Bedeutung der neuen Technik und ihr Kraftpotential wird mit
der Spaltung des Atoms verglichen: Die Biologen unserer Zeit sehen sich ähnlichen Fragen gegenüber wie die Physiker in den vierziger Jahren, als sie
mit der Nutzung der Atomtechnik konfrontiert wurden.
"Behauptungen über unkontrollierbare Epidemien oder Umweltkatastrophen
sind ebenso irreführend und unnütz wie Behauptungen, daß von den Experimenten keine Gefahren drohen könnten", erklärte Dr. Maxine Singer, Leiterin der
Abteilung Nukleinsäure-Enzymforschung im Nationalen Krebsforschungsinstitut
(Bethesda, Maryland).

Prof. George Wald vor, der Harvard-Universität dagegen

bezeichnete die Frage als "die größte Streitfrage in der Geschichte der Wissenschaft, den größten Bruch mit der Natur in der Geschichte der Menschheit".
Nobelpreisträger Prof. Wald, Gegner der DNS-Rekombinationsforschung, will
sie - unter größten Vorbehalten - nur einigen wenigen Instituten zugestehen,
sofern strengste Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden.

Er stand kürzlich

im Mittelpunkt der Kontroverse, die sich im Stadtrat von Cambridge (Massachusetts)
über die Genehmigung neuer DNS-Forschungseir.richtungen für die Harvard-Universität und das "Massachusetts Institute of Technology" entwickelte.

Man einig-

te sich schließlich auf neue Vorschriften und Richtlinien, die weit über jene
hinausgehen, welche von den Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA
(National Institutes of Health) im Juni 1976 festgelegt wurden.

Die strenge-

ren neuen Regeln für Cambridge dürften als Richtschnur für ein neues Bundesgesetz dienen, an dem gegenwärtig ein noch unter Präsident Ford eingesetzter
interministerieller Ausschuß arbeitet.

Darüber hinaus wurden und werden im

Repräsentantenhaus und Senat eine Anzahl weiterer Gesetzesvorlagen eingebracht.
Mitte März 1977 beginnen Anhörungen zur Frage der DNS-Rekombination im US-Kongreß.
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Presseerklärung des Weißen Hauses zum Besuch Genschers&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter-Pressekonferenz vom 9. März 1977&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robert S. Strauss: Der neue Sonderbeauftragte des Präsidenten für Handelsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;John J. Gilligan: Der neue Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (AID)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Möglichkeiten der amerikanischen Außenpolitik in den kommenden Jahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Senator John Sparkman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter schlägt Energieministerium vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rascherer Wirtschaftsaufschwung in USA wirkt sich weltweit aus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem Interview mit John W. Kendrick -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Genmanipulation und biologische Fixierung von Stickstoff&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Konferenz im Brookhaven National Laboratory/USA -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

3

United States Information Service

2 . März 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Carter-Pressekonferenz vom 23. Februar 1977
- Auszüge -

WIRTSCHAFT
Präsident Carter legt revidierten Haushalt vor
- Botschaft des Präsidenten vom 22. Februar 1977

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Versuchszentrum für Geothermal-Anlagen
- USA intensivieren Erschließung der Erdwärme

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

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�Dokumentation
United States Information Service

4/1977

CARTER-PRESSEKONFERENZ VOM 23. FEBRUAR 1977
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf seiner Pressekonferenz
am 23. Februar 1977 neben innen- und energiepolitischen Fragen auch zu einer
ganzen Reihe außen- und verteidigungspolitischen Themen Stellung genommen, so
zum Verteidigungshaushalt, dem CIA, den Menschenrechten, Kuba und zur allgemeinen Außenpolitik.
In seiner Einleitung gab Präsident Carter bekannt, daß er dem Kongreß
eine Gesetzesvorlage übermittelt habe, in der er um die Vollmacht einer umfassenden Reorganisation der Exekutive ersucht. Er rechne mit einer raschen
Behandlung dieser Vorlage. Carter teilte ferner mit, daß er den Kabinettsmitgliedern und den Leitern von Bundesbehörden ein neues Programm vorgelegt habe,
um den übertriebenen Papierkrieg einzudämmen. Die neuen Verordnungen sehen
eine wesentliche Vereinfachung des Schriftverkehrs vor.
Der Präsident kündigte an, daß noch in dieser Woche eine Vorlage über
die Schaffung eines neuen Energieministeriums fertiggestellt und daß er voraussichtlich am 20. April in einer Ansprache vor beiden Häusern des Kongresses
dem amerikanischen Volk seine energiepolitischen Vorstellungen darlegen werde.
Schließlich

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�*

Schließlich brachte Carter seine Besorgnis über die Entwicklung der Inflation zum Ausdruck und erklärte, seine Wirtschaftsberater nähmen gegenwärtig eine eingehende Analyse des Problems vor und erarbeiteten entsprechende
Gegenmaßnahmen.

Schließlich habe er dem Kongreß ein Gesetz über die Aufhe-

bung der Preisvorschriften für

Fluggesellschaften vorgelegt.

Verteidic;ungshaushalt
Die Fragen und Antworten zum Verteidigungshaushalt haben folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben dem Wahlprogrammausschuß der Demo-

kratischen Partei erklärt, daß nach Ihrer Auffassung die gegenwärtigen Verteidiguncjsausgat' n um fünf bis sieben Milliarden Dollar gesenkt werden könnten.
Ich glaube, Sie haben Ihren Standpunkt seither etwas geändert.

Offensichtlich

hatten Sie in der kurzen Zeit, seit Sie im Amt sind, noch nicht die Gelegenheit, derartige Kürzungen im Budget Ihres Vorgängers vorzunehmen.
Aber wird es nicht so sein, daß auch der Verteidigungshaushalt im nächsten
J?.hr höher sein wird als der in diesem Jahr?
ANTWORT:

Wegen des inflationären Drucks und wegen der Unmöglichkeit, die

potentielle Bedrohung unseres Landes durch andere Länder vorauszuberechnen, ist
es schwer, genau vorauszusagen, wie hoch sich die Verteidigungsausgaben belaufen werden.
Trotz der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, um das vorgegebene
Budget zu überarbeiten - es waren drei Wochen harter Arbeit - ist es uns gelungen, die vorgeschlagenen Ausgaben um fast drei Milliarden Dollar zu senken
- etwa 2,75 Milliarden Dollar.

Dies wurde getan - und ich glaube Senator Stennis
- 2 -

�Stennis hat das kürzli.;:i ii; öffei.i.riehen Erklärungen bestätigt - ohne unsere
eigene Vemeidicungskapazität zu schwächen.
Die wesentlichen Einsparungen in den Verteidigungsausgaben, die unsere
Muskeln keineswegs schwächen, werden auf solchen Gebieten vorgenommen wie
vernünftige Überlegungen bei Waffen, langfristige Planung, Überprüfung bereits ausstehender Verteidigungskontrakte für Bau und Reparaturen, Neuordnung
der Prioritäten für die Entwicklung neuer Haffen, die sich in Zukunft als
außerordentlich kostspielig erweisen können, längere Dienstzeit von Personal
an Standorten vor einer Versetzung und vordringliche Korrektur von Ungerechtigkeiten und unfairen Maßnahmen bei dem System der Pensionierung.
All diese
aber ich werde
daß das Budget
besserungen in

Dinge können natürlich nicht in drei Wochen erreicht werden,
in meinen Bemühungen darum nicht nachlassen, und ich glaube,
für 197S, der erste Haushalt meiner Administration, diese Verbeträchtlichem Ausmaße zeigen wird.

FRAGE: Wird der Verteidigungshaushalt im nächsten Jahr tatsächlich niedriger liegen als der jetzt unterbreitete?
ANTWORT:

FRAGE:

Das kann ich noch nicht sagen.

In Beantwortung einer früheren Frage haben Sie, Herr Präsident,

erklärt, Sie könnten nicht sagen, ob der Verteidigungshaushalt im nächsten
Jahr höher oder niedriger liegen wird als in diesem Jahr.

Wenn ich es rich-

tig sehe, dann haben Sie früher erklärt, daß Sie ohne Rücksicht auf die Höhe
der Gesamtausgaben eine Senkung von fünf bis sieben Milliarden Dollar erreichen
wollten.

Halten Sie noch immer an dieser Zahl fest?

Fühlen Sie sich diesem

Ziel noch immer verpflichtet?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ja, die von mir bis jetzt vorgenommene Analyse des Verteidi-

gungshaushalts, die sich, wie Sie wissen, auf eine einmonatige Studie - neben
anderen - beschränkt hat, läßt erkennen, daß dies ein erreichbares Ziel ist.

FRAGE:

Herr Präsident, Sie sagten während des Wahlkampfes, die B-l

sei eine Verschwendung, und Sie haben auch versprochen, die Verschwendung aus
dem Verteidigungshaushalt herauszuschneiden.

Wann würden Sie damit rechnen,

die Produktion der B-l - im Gegensatz zur Forschung und Entwicklung der B-l einzustellen?
ANTWORT:

Ich meine, ich habe über 200 Millionen Dollar aus dem B-l-Pro-

gramm aus dem Budget herausgestrichen, das ich jetzt dem Kongreß vorgelegt
habe.
Ich habe ernsthafte Zweifel, ob die B-l in Zukunft im Mittelpunkt unserer
Verteidigungskapazität in der Luft stehen sollte. Aber ich habe noch einige
Monate Zeit, um eine Entscheidung in dieser Angelegenheit zu treffen.
Der Nationale Sicherheitsrat, dem, wie Sie wissen, der Außenminister,
der Finanzminister, der Verteidigungsminister und eine Reihe weiterer Regierungsmitglieder angehören und der eng mit mir zusammenarbeitet, nimmt gegenwärtig eine vollständige Oberprüfung vor, ob der B-1-Bomber benötigt wird.
Ich weiß noch nicht, ob wir uns entscheiden werden, die Arbeiten daran
fortzusetzen oder nicht, und ich weiß nicht, ob wir die Produktion dann vorantreiben werden oder nicht. Was dabei zum Teil eine Rolle spielt, ist die
Haltung der Sowjetunion. Wenn wir zu einem allgemeinen Nachlassen der Spannungen kommen, zu einer erkennbaren Verpflichtung der sowjetischen Seite zur
Abrüstung, dann würde es sicherlich weniger wahrscheinlich, daß wir mit der
B-l weitermachen würden.
Aber ich kann diese Frage nicht beantworten, ehe ich meine eigene Studie
völlig abgeschlossen habe, und ich glaube, daß diese bis Ende Mai abgeschlossen
sein dürfte.
CIA
- 4 -

�CIA
FRAGE:

Herr Präsident, glauben Sie, es war korrekt, daß das Zentralamt

für Nachrichten und Abwehr (CIA) König Hussein und anderen ausländischen Persönlichkeiten Zahlungen zukommen ließ, und welche Schritte planen Sie, um
sich sachkundiger und verantwortlicher für das zu machen, was das CIA unternimmt?
ANTWORT:

Ich verfolge die Politik - und davon werde ich auch nicht ab-

gehen - nicht direkt zu irgendeiner spezifischen Aktivität des CIA Stellung
zu nehmen, aber ich kann Ihnen mitteilen, daß ich damit begonnen habe, eine
genaue Analyse aller CIA-Tätigkeiten vorzunehmen, die innerhalb der nächsten
Woche abgeschlossen sein wird.
Ich habe bereits sehr wesentliche Berichte erhalten. Ich habe die mehr
kontroversen Enthüllungen überprüft, die in den letzten Tagen veröffentlicht
worden sind - einige davon sind ganz falsch, einige enthalten einen gewissen
Grad an Genauigkeit. Diese Operationen sind auch von dem Geheimdienstkontrollgremium, einem unabhängigen Gremium, und ebenfalls vcn meinem Vorgänger im Amt,
Präsident Ford, überprüft worden.
Ich habe nichts Ungesetzliches oder Inkorrektes festgestellt.

Sollte ich

bei künftigen Überprüfungen, die in Kürze stattfinden werden, eine solche Inkorrektheit oder Ungesetzlichkeit feststellen, dann werde ich nicht nur unverzüglich korrigierende Maßnahmen treffen, sondern auch das amerikanische Volk
darüber unterrichten.
Ich kann vielleicht folgendes sagen: Es handelt sich hierbei um das sehr
schwierige Problem, wie in einer Demokratie angemessenes Geheimdienstmaterial
gesammelt, ausgewertet und benutzt werden kann, um die Sicherheit unseres Landes zu garantieren. Es liegt nicht in der amerikanischen Eigenart, Dinge im
geheinen zu tun. Historisch bedingt und auch noch in der heutigen Zeit, besteht
natürlich die Notwendigkeit, die Informationsquellen aus anderen Ländern zu
schützen.
In

�In einigen Fällen arbeiten andere Regierungen voll und ganz mit uns zusammen.

In anderen Fällen tun sie es nicht.

Aber ich will versuchen sicher-

zugehen, und das wird auch Stan Turner tun, der der nächste Direktor unseres
Geheimdienstes sein wird.

Er wird versuchen sicherzustellen, daß alles, was

wir unternehmen, nicht nur korrekt und gesetzlich, sondern auch voll vereinbar mit der Einstellung und Haltung des amerikanischen Volkes ist.
Ein weiterer Punkt, den ich noch anführen möchte, ist folgender:

Es

kann überaus schädlich für unsere Beziehungen zu anderen Ländern, für die
potentielle Sicherheit unseres Landes sogar in Friedenszeiten sein, wenn derartige Operationen, die legitim und korrekt sind, enthüllt werden.

Es ist

schwer für uns, eine Grundlage zu schaffen, von der aus wir in Kriegszeiten
einer Bedrohung erfolgreich begegnen könnten, wenn wir uns nicht an ein gewisses Maß von Geheimhaltung halten.
Ich bin ziemlich besorgt über die Anzahl von Leuten, die gegenwärtig Zugang zu dieser Art von Information haben, und ich habe gestern und heute mit
den führenden Politikern des Kongresses sehr eng zusammengearbeitet, um die
Gesamtzahl derjenigen, die einen solchen Zugang zu den Informationsquellen haben, zu reduzieren. Dies wird jedoch in den Grenzen erfolgen, die ich beschrieben habe: Korrektheit, Gesetzmäßigkeit und Auffassung des amerikanischen
Volkes zur Frage der Geheimhaltung. Ich werde alles in meinen Kräften stehende
tun, um keinen Fehler zu machen. Ich werde ferner auf einer kontinuierlichen
Basis die direkte persönliche Verantwortung für die Operationen aller Geheimdienste unserer Regierung übernehmen, um sicherzustellen, daß sie diesen Maßstäben entsprechen.

FRAGE:

Herr Präsident, wenn es falsche Informationen gegeben hat, wäre

es dann nicht angebracht, daß Sie die Dinge richtigstellen?
ANTWORT:

In mancher Hinsicht stellen wir die Dinge richtig, doch wenn

ich jetzt anfangen würde, jeden einzelnen Artikel, der in bezug auf das CIA
- cD -

�CIA geschrieben wurde, entweder in Zweifel zu ziehen oder zu bestätigen
- ob er nun korrekt oder falsch ist - dann würden diese Dinge, die notwendigerweise geheim sind, nicht mehr geheim sein.

FRAGE: Herr Präsident, um noch einmal auf (König) Hussein zurückzukommen: Als diese Meldung neulich veröffentlicht wurde, hat Ihr Pressesekretär
eine Stellungnahme abgegeben, die praktisch auf "kein Kommentar" hinauslief.
Er wurde dann weiter gefragt, ob Sie eine ähnliche Antwort gegeben hätten,
wenn diese Meldung während Ihres Wahl feidzuges veröffentlicht worden wäre,
und er antwortete darauf: "Nein, das weiß ich nicht."
Darf ich Sie also fragen, was Ihre Antwort gewesen wäre?

Wäre sie die

gleiche gewesen?
ANTUORT:

Das weiß ich nicht. (Gelächter)

FRAGE: Herr Präsident, zum gleichen Thema: Sie sagten vorhin, daß Ihre
Überprüfung der CIA-Aktivitäten nichts Ungesetzliches oder Inkorrektes erbracht habe, und fügten später hinzu, diese Aktivitäten seiner, legitiir. und
korrekt. Ist das nicht ein Werturteil, das die amerikanische Öffentlichkeit
vielleicht teilen möchte; wie kann sie dies jedoch, wenn Sie sich weigern,
der Öffentlichkeit irgendeinen Hinweis darauf zu geben, was Sie im Zuge dieser
Überprüfung in bezug auf Geldzahlungen festgestellt haben, einschließlich der
im geheinen gemachten?
ANTWORT: Das ist ein Werturteil. Es wurde von dem unabhängigen Geheimdienstkontrollgremium getroffen, das von Präsident Ford geschaffen und berufen wurde. Dieses Gremium hat sich dem Generalinspekteur, jedem Mitarbeiter
des CIA oder der Geheimdienste innerhalb des Verteidigungsninisteriums zur
Verfügung gestellt cder jedem anderen, dem auch nur Gerüchte über Inkorrektes
zu Gehör gekommen sine.
Das
- 7 -

�•

Das Gremium hat diese Operationen überprüft.

Es hat entsprechende Un-

tersuchungen angestellt, was in Übereinstimmung steht mit dem Präsidialerlaß
Präsident Fords an den Justizminister der Vereinigten Staaten und auch an den
Präsidenten.
Ich habe diese Korrespondenz gelesen.

Sie ist sehr umfangreich.

Ich

denke, ich kann sagen, daß auch der Ausschuß von Senator Inouye sowie die entsprechenden Ausschüsse des Repräsentantenhauses diese Informationen in der
Vergangenheit erhalten haben.

Ich habe mit Senator Inouye gesprochen, und

er hat mir bestätigt, was ich Ihnen gerade gesagt habe.

Ich denke, er würde

ebenfalls bestätigen, daß es im Zusammenhang mit jeder gegenwärtigen CIA-Operation nichts Inkorrektes oder Ungesetzliches gibt.

Menschenrechte
FRAGE: In Ihrem Schreiben an Herrn Sacharow erklärten Sie, daß die Vereinigten Staaten ihre guten Dienste anbieten würden, um die Freilassung der
aus Gewissensgründen Eingesperrten zu erreichen. Und Sie erklärten, Sie wollten weiterhin an einer Welt arbeiten, die den menschlichen Aspirationen entspricht. Wie Sie wissen, gibt es in vielen Ländern Menschenrechtsprobleme.
Und einige der Länder, wie den Iran und die Philippinen, unterstützen wir mit
Waffen und mit amerikanischer Hilfe. Das sind Länder, in denen viele Leute
glauben, daß wir einen stärkeren Hebel ansetzen könnten als in der Sowjetunion.
Was planen Sie, wenn überhaupt, um den Opfern der politischen Unterdrückung
in diesen Ländern zu helfen?
ANTWORT:

Ohne daß ich versuchen will., das mir zuzuschreiben, so kann ich

doch sagen, daß in der ganzen Welt eine wesentliche Bewegung in Gang gekommen
ist im Sinne dieser Sorge um die Menschenrechte.
einem Dutzend oder mehr Länder stattgefunden.
8 -

Ich meine, das hat wohl in

Es herrscht ein

zunehmendes

�zunehmendes Interesse an dem Standpunkt, den unsere eigene Regierung und unser
freies Land hier bezieht.

Ganz offensichtlich gibt es einen Entzug 6er Men-

schenrechte - selbst noch brutaler, als wir bisher darüber gesprochen haben.
Die Handlungen in Uganda haben die ganze zivilisierte Welt entsetzt, und,
wie Sie wissen, haben wir keine diplomatischen Beziehungen zu Uganda.
Aber hier handelt es sich um ein Ereignis, bei dem sowohl Botschafter
Young als auch ich unserer großen Besorgnis Ausdruck verliehen haben. Die
Briten überlegen gegenwärtig, ob sie die Vereinten Nationen ersuchen sollen,
die grauenhaften Morde zu untersuchen, die offensichtlich in Uganda stattfinden - nämlich die Verfolgung jener, die den Zorn von Herrn Amin hervorgerufen haben.
Ich habe meiner Besorgnis Ausdruck verliehen über politische
in Südkorea, in Kuba und in vielen - oder besser gesagt einigen amerikas, und ich werde das auch weiterhin tun. Ich habe niemals
gehabt, die Sowjetunion als einziges Land herauszustellen, in dem
rechte eingeschränkt werden.

Gefangene
Ländern Süddie Absicht
die Menschen-

Wir haben, wie ich meine, eine Verantwortung und eine rechtliche Pflicht,
unsere Mißbilligung über Verletzungen der Menschenrechte zum Ausdruck zu bringen. Die Schlußakte von Helsinki garantiert im sogenannten Korb 3, daß einige
dieser Menschenrechte unbedingt eingehalten werden müssen. Wir haben die
Schlußakte von Helsinki unterzeichnet.
Wir sind in gewisser Weise selbst schuldig, indem wir nicht jedem das
Recht geben, in unserem Lande überall hinzureisen, oder nach meiner Meinung
in unnötiger Weise den Besuch unseres Landes durch Leute einschränken, die
politisch anderer Meinung sind als wir.
So meine ich, daß wir alle, in unserem Lande und bei unseren Freunden
und Verbündeten und unter unseren potentiellen Gegnern, den Standpunkt einnehmen sollten, daß die Menschenrechte etwas sind, für das wir an erster Stelle
eine große Verantwortung tragen sollten. Und ich habe gegenüber der Sowjetunion
- 9 -

�A
Sowjetunion und anderen in Osteuropa klargemacht, daß ich nicht versuche,
eine einseitige Kritik gegen sie in Gang zu bringen, sondern daß ich viel
mehr versuche, in unserem eigenen Lande eine Norm zu setzen und meinen Be
sorgnissen in der ganzen Welt Gehör zu verschaffen, und daß ich nicht ein
bestimmtes Land herausgreifen will.

Kuba
FRAGE:

Herr Präsident, sind Sie bereit, das Handelsembargo gegen Kuba

als einen Schritt zur Normalisierung der Beziehungen aufzuheben?
ANTWORT:

Ich glaube, jeder wesentliche Schritt in unseren Beziehungen

zu Kuba muß von weiteren indirekten Besprechungen mit ihnen (den Kubanern) abhängen und auch von greifbaren Beweisen für uns, daß sie zur Wiederherstellung der „
grundlegenden Menschenrechte in Kuba bereit sind; das betrifft die Anzahl der
Gefangenen, die inhaftiert sind, die Haltung Kubas gegenüber überseeischen
Abenteuern wie in Angola sowie andere Angelegenheiten.
Ich kann deshalb nicht sagen, wie die Zukunft aussehen wird, Ich bin
jedoch bereit, diese Fragen mit den führenden Staatsmännern Kubas zu erörtern.
Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt unterhalten wir politisch keine direkten Beziehungen zu ihnen, allerdings werden durch Vermittler Stellungnahmen in der
einen wie der anderen Richtung ausgetauscht - wie beispielsweise durch meine
öffentlichen Erklärungen wie jetzt im Augenblick. Es erreichen uns jedoch
Botschaften von Leuten, die Kuba besuchen.

Allgemeine Außenpolitik
FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben uns in Ihrer einführenden Erklärung

eine Art Terminkalender für Ihr innenpolitisches Programm unterbreitet.
- 10 -

Ich

�Ich hätte gerne gewußt, ob es einen ähnlichen Terminkalender auch hinsichtlich dessen gibt, was Sie in der Außenpolitik zwischen dem heutigen Tag und
dem Jahresende bezüglich des Nahen Ostens, Zyperns und des Panama-Vertrags
erhoffen?
ANTWORT:

Natürlich kann ich diese Frage nicht im einzelnen beantworten,

weil ich nicht weiß, welche Zusammenarbeit wir von anderen Nationen erhalten
werden.

Und ich weiß auch nicht, was diese Länder in den umstrittenen Gebie-

ten einander gegenüber zu tun gedenken.
Außenminister Vance ist gerade von einer Nahost-Reise zurückgekehrt, die
ich für sehr erfolgreich halte.

Er hat nicht nur mit den Regierungschefs und

deren Kabinettsmitgliedern deren eigene öffentlichen und privaten Positionen
hinsichtlich kontroverser Fragen, die bisher einen Frieden im Nahen Osten verhindert haben, sondiert, sondern er hatte auch die Gelegenheit, deren Haltung
zu den einzelnen Fragenkomplexen zu vergleichen - über welche Probleme Einvernehmen besteht und über welche man immer noch nicht einig ist.
Wir haben auch alle führenden Staatsmänner dieser Länder zu einem Treffen mit mir eingeladen. Alle haben diese Einladung angenommen, und ich werde
mit allen Staats- und Regierungschefs der miteinander im Streit liegenden
Länder des Nahen Ostens noch vor Ende Mai zusammenkommen.
Der erste Besuch

eines dieser Staatsmänner, der von Herrn Rabin, wird

- so glaube ich - am 12. Mai erfolgen.

Ihm werden dann die Regierungschefs

Ägyptens, Jordaniens, Syriens und Saudi-Arabiens folgen; und ich freue mich
auf die Zusammenkünfte mit ihnen.

Zu jenem Zeitpunkt hoffe ich, ein sehr kla-

res Bild der Rolle zu haben, die die amerikanische Regierung spielen sollte.
Das gleiche gilt für die Situation zwischen uns und der Türkei, zwischen uns
und Griechenland, sowie zwischen uns und Zypern.
Wir kennen unseren Willen anderen Völkern nicht aufzwingen; aber wenn sie
ehrlich nach einer Lösung streben, dann sind wir absolut bereit, unsere guten
Dienste als ein Land anzubieten, das Einfluß hat und daran interessiert ist,
- 11 -

�'

ist, ihnen bei der Lösung ihrer eigenen Schwierigkeiten zu helfen.

Aber in

erster Linie muß diese Initiative von den betroffenen Ländern selbst ausgehen.
Wir haben in der letzten Woche erneut mit den Erörterungen über einen
Panamakanal-Vertrag begonnen.

Wir verfügen dabei über zwei überaus gute Ver-

handlungsführer, und ich hoffe, daß sie Erfolg haben werden.

Zum gegenwärti-

gen Zeitpunkt vermag ich nicht zu sagen, in welchem Ausmaß ein Erfolg erzielt
worden ist. Wir stehen gerade erst am Anfang.
Wir sind also dabei, hinsichtlich aller umstrittenen Gebiete, einschließlich Südafrikas und anderer, auf die ich jetzt nicht näher eingehen kann, Sondierungen zu führen - und zwar um nach besten Kräften eine Möglichkeit für Lösungen in diesen Spannungsgebieten zu finden.
Wir treffen heute - ja praktisch war es schon die ganze Woche so - mit
britischen Vertretern zusammen, um erneut einen Vorschlag hinsichtlich der
Rhodesien betreffenden Fragen zu unterbreiten, und dann bleibt natürlich
immer noch Namibia und schließlich die Frage der Mehrheitsregierung in Südafrika.
Aber ich bin jetzt erst einen Monat im Amt. Ich behaupte nicht, daß
ich auf alles eine Antwort bereithabe; schließlich sind diese Fragen, die
nun schon seit 25 oder 30 Jahren bestehen, nicht leicht zu lösen. Aber wir
werden alles in unseren Kräften stehende tun - und zwar in aller Öffentlichkeit und mit allem Nachdruck. Wir werden unsere guten Dienste anbieten und
nicht versuchen, unseren Willen anderen Völkern aufzuzwingen.

Nach Veröffentlichung der Niederschrift der Pressekonferenz Präsident
Carters gab das Weiße Haus folgende "Mitteilung an die Presse" heraus:
Auf seiner Pressekonferenz am heutigen Nachmittag sprach der Präsident
von dem zukünftigen Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin
in den USA, wobei er erklärte, daß dieser Besuch wahrscheinlich am 12. März
- 12 -

�März stattfinden werde.
Eine Nachprüfung hat jedoch ergeben, daß dieser Besuch voraussichtlich
für den 7. und 8. März geplant ist.
Der Präsident hat ferner erklärt, daß die Vereinigten Staaten keine
diplomatischen Beziehungen zu Uganda unterhielten.
nicht ganz den Tatsachen.

Diese Erklärung entspricht

Zwar haben die Vereinigten Staaten ihre Mission aus

Uganda abgezogen und unterhalten damit keine direkte diplomatische Vertretung
in diesem Lande, doch werden die amerikanischen Angelegenheiten durch die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Republik Uganda wahrcenommen; die
Republik Uganda unterhält eine amtierende Botschaft in Washington und hat hier
einen Geschäftsträger.

+ + + + +

- 13 -

�1

Wift/choft

I

United States Information Service

4/1977

PRÄSIDENT CARTER LEGT REVIDIERTEN HAUSHALT VOR
- Botschaft des Präsidenten vom 22. Februar -

Washington - (AD) - Präsident Carter hat am 22. Februar 1977 dem amerikanischen Kongreß seinen revidierten Haushalt vorgelegt, der sich in einigen
Punkten wesentlich von dem Voranschlag seines Vorgängers Gerald Ford unterscheidet.

Für das Hauhaltsjahr 1978 (vom 1. Oktober 1977 bis 30. September

1978) sind Ausgaben von 459,4 Milliarden Dollar und Einnahmen von 401,6
Milliarden Dollar vorgesehen, was zu einem Defizit von ca. 57,8 Milliarden
Dollar führt.

Der revidierte Voranschlag für das laufende Haushaltsjahr

1977 (vom 1. Oktober 1976 bis 30. September 1977) sieht Ausgaben von 417,4
Milliarden Dollar und Einnahmen von 349,4 Milliarden Dollar vor, was ein
Defizit von 68 Milliarden Dollar ergibt.
Im Vergleich zu den Voranschlägen der vorigen Administration liegen
die Ansätze Carters netto für 1977 um 6,2 Milliarden Dollar und für 1978
um 19,4 Milliarden höher.

Vor allem für die sozialen Aufgaben werden höhere

Beträge angesetzt, so z. B. für 1977 zusätzlich 1,2 Milliarden Dollar und
für 1978 zusätzlich 8,3 Milliarden Dollar für Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsprogramme.

Dagegen hat Carter beim Verteidigungshaushalt gegen-

über den Voranschlägen Fords eine Kürzung um 2,755 Milliarden Dollar vorgenommen - jedoch die Mittel für die amerikanischen Streitkräfte in Europa erhöht.

Die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage deckt sich bei dem Haushaltsvoranschlag Carters im wesentlichen mit der im Ford-Voranschlag.

Für das

vierte Quartal 1977 wird mit einem Wachstum des Bruttosozialprodukts um etwa
6 Prozent gerechnet.

Die wesentlichen Daten werden wie folgt geschätzt:
(Kalenderjahr)
in Milliarden Dollar
1976

1977

1978

(laufende Dollar)

1 692

1 884

2 105

(feste Dollar 1972)

1 265

1 334

1 406

1 375

1 528

1 698

Löhne und Gehälter

890

992

1 108

Körperschaftsgewi nne

149

173

197

Bruttosozialprodukt

Einkommen (laufende Dollar)
Personal einkommen

BS0 Deflator (Prozent)

5,1

5,6

6,0

7,7

7,1

6,3

für Preisindex
Arbeitslosenrate (Prozent)

Präsident Carter hat angekündigt, daß sein Haushaltsvoranschlag im
nächsten Jahr eine radikale Abkehr von der bisherigen Praxis bringen werde,
während der jetzt vorgelegte Haushalt im wesentlichen noch der Haushalt
Präsident Fords sei. Die vorgeschlagenen Änderungen lassen jedoch schon jetzt
eine sorgfältige Überlegung erkennen. Präsident Carter hat es sich zum Ziel
gesetzt, bis 1981 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.
Ein wesentlicher Bestandteil des neuen Haushalts ist das Konjunkturprogramm,
das für 1977 Steuererleichterungen und erhöhte Ausgaben von 15,7 Milliarden
Dollar und für 1978 von 15,9 Milliarden Dollar versieht.

DAZU

gehört ein

Einkommensteuernachlaß von 50 Dollar pro Kopf.

Die

�Die Kürzung des verteidigungshaushaltes stellt, wie von Präsident Carter
und von Verteidigungsminister Harold Brown betont wird, keine Schwächung der
Kampfkraft der amerikanischen Streitkräfte dar.

Die Ausgaben liegen für

das Haushaltsjah&gt;* 1978 trotzdem um 10,2 Milliarden Dollar höher als im
laufenden Haushaltsjahr.
Im einzelnen ergeben sich die von Carter vorgenommenen Einsparungen wie
folgt:
Von dem neuen überschalIbomber B-l sollen nur 5 statt 8 Maschinen

be-

schafft werden, was eine Einsparung von 280 Millionen Dollar bedeutet.
Die Kurzstrecken-Angriffsrakete (SRAM) die zur Bewaffnung der B-l gehört, wird ebenfalls in geringerer Stückzahl beschafft; Einsparung 24 Millionen Dollar.
Die volle Entwicklung der neuen Interkontinentalrakete M-X wird auf
1979 hinausgeschoben; Einsparung 160 Millionen Dollar.
Die Jahresproduktion des taktischen Kampfflugzeuges F-15 wird von 108
auf 78 Stück gesenkt; Einsparung 334 Millionen Dollar.
Die Modifizierung eines kommerziellen Großflugzeuges als Tanker/Lastflugzeug wird um ein Jahr verschoben;

Einsparung 227 Millionen Dollar.

Der Bau eines nuklear angetriebenen Kreuzers, zweier Lenkwaffenfregatten
und eines Angriffs-Unterseebootes wurde verschoben, was Einsparungen von fast
700 Millionen Dollar erbringt.
Dagegen werden unter anderem für die Verbesserung der Oberlebensfähigkeit der in Europa stationierten amerikanischen Flugzeuge 60 Millionen Dollar
mehr angesetzt, und ebenso 50 Millionen Dollar mehr für zusätzliche Wartungseinrichtungen für Waffen und Geräte in Europa.
Wortlaut

�Wortlaut der Botschaft des Präsidenten
Der Präsident hat seinen revidierten Haushaltsvoranschlag mit folgender
Botschaft an den Kongreß übermittelt:
"Ich lege heute Vorschläge für Änderungen im Haushalt 1978 vor.

Obwohl

ich noch nicht in der Lage war, dieses Budget (von Präsident Ford im Januar
1977 unterbreitet) in allen Einzelheiten zu analysieren, weichen diese Vorschläge wesentlich von denen der vorigen Administrator ab.
Es wurden Ansätze abgelehnt, die die Bürden für die älteren Menschen und
für jene unnötig erhöht hätten, die von MEDICARE, MEDICAID und dem Lebensmittelbon-Programm abhängen.
Ich habe Ansätze gestrichen, die den einzelstaatlichen und kommunalen
Behörden weitere finanzielle Belastungen auferlegt hätten.
Es wurden Änderungen vorgenommen, die es uns ermöglichen werden, unseren
Verpflichtungen auf so lebenswichtigen Gebieten wie Umweltschutz, Bildung
und Wohnungsbau rascher nachzukommen; und ich habe Maßnahmen vorgeschlagen,
um eine unannehmbare Inflation der Kosten im Gesundheitswesen unter Kontrolle
zu bringen.
Die geplante Erhöhung der Verteidigungsausgaben ist verringert, während
unsere reale militärische Stärke erhöht wird.
Es sind Revisionen vorgenommen worden, die neue Prioritäten auf dem Gebiet
der Wasserversorgung und der Energie setzen, wobei größerer Nachdruck auf die
Energieeinsparung, die Entwicklung nicht-nuklearer Energiequellen und die
Ausweitung unseres Erdölvorratsprogramms gelegt werden. Später in diesem
Frühjahr wird zusammen mit dem Kongreß die Arbeit an einer umfassenden, langfristigen nationalen Energiepolitik abgeschlossen werden.
Dieser
- 4 -

�Dieser Haushaltsvoranschlag enthält ein wirtschaftliches Konjunkturprogramm, das die Arbeitslosigkeit senken und ein stetiges, ausgewogenes
wirtschaftliches Wachstum fördern wird.

Das Paket, das seit seiner ersten

Vorlage im Kongreß im vorigen Monat geringfügig verändert wurde, sieht für
1977 Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen von 15,7 Milliarden Dollar vor
und für 1978 von 15,9 Milliarden Dollar. Dies schließt ein einen Einkommensteuernachlaß von 50 Dollar pro Kopf; eine Erhöhung des allgemeinen Freibetrags; eine Senkung der Körperschaftssteuer, um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern und die Investitionstätigkeit anzuregen; eine Ausweitung
der Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsprogramme; eine Erhöhung der Ausgaben der öffentlichen Hand sowie zusätzliche Mittel für Zuwendungen an
einzelstaatliche und kommunale Behörden im Rahmen des anti-zyklischen
Finanzausgleichs.
Ich ersuche den Kongreß ferner um eine Verlängerung des Zusatzleistungsprogramms, das jetzt ausläuft, damit jeder Arbeitslose bis zum Ende dieses
Jahres bis zu 52 Wochen Arbeitslosenunterstützung beziehen kann.
*

Es gibt noch weitere wichtige Ziele, die in diesen Änderungen nicht
angesprochen werden, da meine Administration noch nicht die Zeit gehabt hat,
alle derzeitigen Steuer- und Ausgabenprogramme genau zu überprüfen und eigene
Vorschläge im Detail auszuarbeiten. Der Haushalt 1978 ist im wesentlichen
noch Präsident Fords Haushalt - mit den begrenzten Revisionen, für die
meine Administration die notwendige Zeit hatte. Diese Änderungen spiegeln
jedoch unsere sorgfältige Auswahl unter den vielen möglichen Optionen wider.
Sie sind wichtige erste Schritte auf dem Wege zu einer Bundesregierung, die
wirksamer funktioniert und besser auf die Erfordernisse unserer Bevölkerung
eingeht.
Im vorigen Jahr waren die Ausgabenansätze zu hoch, und die Gestaltung
der Wirtschaftspolitik wurde negativ beeinflußt.

Da die Zeit keine

detaillierte Oberprüfung der gegenwärtigen Vorausschätzungen erlaubte, habe
ich das Amt für Planung und Haushalt angewiesen, eine sorgfältige Untersuchung
- 5 -

�Untersuchung dieser Vorausschätzungen vorzunehmen.

Der Kongreß wird über

etwaige Revisionen unterrichtet werden.
Der in dem beiliegenden Dr'ument umrissene Haushaltsvoranschlag läßt
noch immer die gegenwärtiger! Überschneidungen und die schwerfällige Struktur
der Bundesregierung erkennen - eine Struktur, die ich mit Hilfe des Kongresses zu vereinfachen und zu verbessern gedenke.
Es war in diesen Revisionen des Haushalts 1978 noch nicht möglich, aber
künftige Budgets werden detaillierte, von der Null-Basis ausgehende Neufassungen der Ausgabenprogramme des Bundes, eine umfassende Reform des
Stueersystems und eine fundamentale Neuorganisation der Regierung enthalten."
+ + +

�I

I
I

Uli//en/choft
und'
i i
United States Information Service

4/1977

VERSUCHSZENTRUM FÜR GEOTHERMAL-ANLAGEN
USA intensivieren Erschließung der Erdwärme -

- (AD) - Das "Imperial Valley" in Kalifornien, auch "amerikanische
Sahara" genannt, zählt zu den trockensten Regionen in den Vereinigten
Staaten. Aber im Untergrund gibt es riesige Vorkommen naturheißen Wassers,
das für die Energiegewinnung zunehmend mehr an Interesse gewinnt.
Nach fünfjährigen Vorbereitungen konnte im Juni 1976 in Niland in der
Nähe des Salton-Sees eine Versuchsanlage der Gas- und Elektrizitätswerke
von San Diego (SDG &amp; E) in Betrieb genommen werden, die mit Heißdampf von
mehr als 300°C aus der Erde arbeitet und eine elektrische Leistung von 10
Megawatt erreicht.

An den Gesamtkosten von acht Millionen Dollar beteiligte

sich die Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA mit 50 %.
Im Verlauf der nächsten zwei Jahre wird sich in der Praxis zeigen, inwieweit die Ausrüstungen dem aggressiven Medium standhalten.

Denn die Sole

enthält gelöste Salze und Minerale in der Konzentration von 175 000 bis
250 000 ppm (parts per million - Teilchen pro 1 Million Teile Wasser).
Manche Probebohrungen im Gebiet des Imperial Valley förderten sogar Sole
mit 30 % Salzgehalt zutage.

Die hohe Salinität wurde in den letzten zwei

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

A
zwei Jahrzehnten, als Geothermal-Projekte in Nordkalifornien und| andernorts in den USA wachsende Unterstützung erfuhren, als zu hohes technisches
Risiko angesehen, um das 75 m unter dem Meeresspiegel liegende Imperial
Valley in die Programme einzubeziehen.
Inzwischen ist das "Pionierunternehmen" SDG &amp; E auch im Raum Heber
(Imperial Valley) fündig geworden.

Hier enthält die Sole nur 12 000 gelöste

Teilchen auf 1 Million Teile Wasser, hat allerdings eine niedrigere Temperatur.
Gegenwärtig wird unter ökologischen, wirtschaftlichen, tectinologisehen und
arbeitspolitischen Gesichtspunkten in einer Studie des Forschungsinstituts
der amerikanischen Energiewirtschaft (EPRI) geprüft, ob in diesem Gebiet
ein Erdwärme-Kraftwerk errichtet werden kann.

Vorläufig ist eine Pilot-

Anlage von 50 Megawatt elektrischer Leistung geplant.
Acht Städte und ein Landkreis in Nordkalifornien haben kürzlich ein
*
gemeinsames Programm zum Bau von Erdwärme-Kraftwerken in Angriff genommen,
die zusammen 165 Megawatt el. Leistung erbringen sollen. Für dieses Projekt
wird ein 580 großes Areal .im "Land der Geysire" erschlossen. Der Dampf
aus der Tiefe soll um 50 % unter dem heute üblichen Gestehungspreis für
Heißdampf im Heizkraftwerk liegen. Die neuen Geothermal-Kraftwerke können
die Stromversorgung für 165 000 Menschen sicherstellen - ein Heizkraftwerk
entsprechender Leistung würde 3 Millionen Faß (1 Faß - ca. 159 Liter) öl
pro Jahr verfeuern. Schon heute werden im Geysir-Distrikt von Nordkalifornien
(Sonoma-County) 608 Megawatt Strom aus Geothermal-Anlagen erzeugt. Man nimmt
an, daß sich allein in diesem Gebiet der Stromverbrauch bis zum Ende des
Jahrhunderts verdoppeln wird.
Wenn in den USA alle natürlichen Erdwärmequellen angezapft und nutzbar
gemacht werden könnten, würden sie eine Energiemenge zur Stromversorgung beitragen, die dem Verbrauch von ca. 60 Milliarden Faß öl entsprächen. (Zum
Vergleich: Die Jahresförderung an öl liegt gegenwärtig bei ca. 2,8 Milliarden
Faß, der Jahresverbrauch bei ca. 4,9 Milliarden Faß.) Aber die technologischen Schwierigkeiten waren bisher einfach zu groß, um Geothermalquellen
- 2 -

�Geothermalquellen in großem Maßstab zu erschließen.

Um diesen Schwierig-

keiten künftig begegnen sowie ökologische, wirtschaftliche und soziale Fragen
im Zusammenhang mit der Verwirklichung solcher Projekte besser lösen zu
können, wurde in East Mesa im Süden des Imperial Valley im Auftrag der ERDA
und der Bundesbehörde für Bodennutzung ein Versuchszentrum errichtet und im
Dezember 1976 eröffnet, wo von Wärmeaustauschverfahren über Korrosionsforschung bis zur Generatortechnik und Entsalzung der heißen Sole alle nur erdenklichen Probleme untersucht und optimal gelöst werden sollen.

Die

Versuchsanlage, mit einem Kostenaufwand von ca. 1 Million Dollar erbaut,
wird von Wissenschaftlern und Ingenieuren des Lawrence Berkeley Laboratory
der Universität Kalifornien betrieben.

Sie steht auch der Privatwirtschaft

und Wissenschaftlern anderer Universitäten zur Verfügung.

+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1.&amp;nbsp; Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter-Pressekonferenz vom 23. Februar 1977 &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt revidierten Haushalt vor &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft des Präsidenten vom 22. Februar. 1977 - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Versuchszentrum für Geothermal-Anlagen&lt;br /&gt; &lt;em&gt;- USA intensivieren Erschließung der Erdwärme -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

3
I

United States Information Service

16.Februar 1977

INHALT

DOKUMENTATION

Carter fordert amerikanisch-sowjetische Maßnahmen zur nuklearen
Rüstungskontrolle
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 8. Februar 1977 Admiral Stansfield Turner als Leiter des Zentralamtes für Nachrichten
und Abwehr (CIA) nominiert

WIRTSCHAFT
Carter-Administration formuliert internationale Wirtschaftspolitik

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schnell-Information über den langen Draht
Weltweiter US-Computerdienst für wissenschaftlich-technische Daten

Um Übcr/cncJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation

fü

Öl

United States Information Service

3/1977

CARTER FORDERT AMERIKANISCH-SOWJETISCHE MASSNAHMEN
ZUR NUKLEAREN ROSTUNGSKONTROLLE
Auszüge aus der Pressekonferenz vom 8. Februar 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat sich am 8. Februar 1977
auf seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Amtsantritt vor allem mit Fragen der nuklearen Rüstungskontrolle befaßt. Außerdem nahm er zum Problem
der Menschenrechte sowie zu einigen innenpolitischen Themen Stellung.
Die Fragen und Antworten zur Rüstungskontrolle und zu den Menschenrechten haben folgenden Wortlaut:

Nukleare Rüstungskontrolle
FRAGE: Herr Präsident, Sie bezeichneten die Verminderung der Rüstungen
als Hauptgrundsatz, oder einen der Hauptgrundsätze, Ihrer Politik. Werden
Sie unter den gegebenen Umständen als ersten Schritt hierzu den Verkauf von
Concussion Bombs (Aerosol-Sprengbomben) an ein fremdes Land blockieren?
ANTWORT:

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�ANTWORT:

Der Verkauf von Concussion Bombs an ein fremdes Land ist eine

Frage, die mich sehr beschäftigt. In der kommenden Woche werde ich nach Abschluß der Überprüfung der Angelegenheit, die gegenwärtig im Gange ist, hierzu eine Erklärung abgeben. Die vorausgegangene Ankündigung, daß AerosolSprengbomben verkauft werden würden, war weder mit dem Außenministerium noch
mit dem Verteidigungsministerium abgesprochen.

Ich habe diese gebeten, die

politischen und militärischen Konsequenzen des Verkaufs zu analysieren. Ich
bin besorgt dieserhalb, aber ich habe noch keine Entscheidung über eine Verweigerung des Verkaufs getroffen.

FRAGE: Bedeutet dies, Herr Präsident, daß Sie eine Blockierung des Verkaufs in Erwägung ziehen?
ANTWORT: Das ist eine der Optionen, die ich habe. Die Entscheidung werde
ich nächste Woche treffen.

FRAGE: Herr Präsident, der von Ihnen als Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung nominierte Paul Warnke schrieb vor etwa eineinhalb
Jahren, die Vereinigten Staaten "sollten versuchen, eine Politik der Mäßigung
zu betreiben, und gleichzeitig ebenso große Mäßigung seitens der Sowjetunion
fordern"; Mr. Warnke schien aber nicht zu meinen, daß dies im voraus in einer
Vereinbarung garantiert werden müsse. Ist das eine Auffassung, der Sie beipflichten, und können Sie darlegen, warum oder warum nicht?
ANTWORT: Ich kenne Mr. Warnke sehr gut. Ich bin mehrfach mit ihm zusammengetroffen, um seine Einstellung zur Frage der Abrüstung mit ihm zu erörtern. Ich setze volles Vertrauen in ihn. Die ersten beiden Male, als ich ihn
bat, diese Aufgabe zu übernehmen, hat er diese Bitte abgeschlagen. Wir versuchten .einen anderen Mann für diese Aufgabe zu finden, der ebenso qualifiziert wäre wie er, meine Auffassungen und jene Auffassungen zum Ausdruck zu
bringen, die meinem Land akzeptabel erscheinen. Es ist mir nicht gelungen,

�gelungen, einen Mann seines Kalibers zu finden. Schließlich erklärte er
sich auf mein ausdrückliches Beharren hierauf bereit, dieses Amt zu übernehmen - als einen Dienst an der Öffentlichkeit.
Ich glaube, ich habe seine Ansichten wohl bedacht. Ich akzeptiere sie.
Meiner Meinung nach wird Mr. Warnke, sofern der Senat in Erwägung zieht, für
was er eintritt, mit überwältigender Mehrheit bestätigt werden. Ich bin erklärtermaßen der Überzeugung, daß beide Seiten Initiativen ergreifen müssen
- sowohl die Sowjetunion als auch die Vereinigten Staaten. Die meisten unserer Erörterungen werden ihrem Wesen nach bilateral sein. Im Laufe der
Zeit hoffe ich dann, andere Länder mit einbeziehen zu können, um beispielsweise Fragen eines umfassenden Atomtestverbots und anderweitige Fragen zu
diskutieren: die europäischen Länder, die Nuklearmächte sind, und auch die
Chinesen. Das würde aber erst später der Fall sein.
Ich halte Mr. Warnkes Vorschläge für vernünftig. Bezüglich seiner Auffassungen habe ich keinerlei Bedenken.

Es wird im Zusammenhang mit den Kern»-

waffen immer wieder der Fall eintreten, daß das eine oder andere Land irgendwelche Initiativen ergreifen muß. Die Gesamtbilanz der gegenseitigen Zurückhaltung, die die Gesamtabhängigkeit von Kernwaffen vermindert, ist das, was
zählt.
Ich darf vielleicht noch einen weiteren Punkt hinzufügen. Mr. Warnkes
Stellung wird sorgfältig mit der meinen koordiniert werden - in enger Zusammenarbeit mit dem Außenministerium und mit Vertretern des Verteidigungsministeriums.
Unsere in Zusammenarbeit mit der Sowjetunion getroffenen Entscheidungen werden
der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Wir werden Konsultationen mit unseren
Verbündeten pflegen, wann immer dies möglich ist.
Die Ratifizierung einer Vereinbarung mit der Sowjetunion bedarf ganz
offensichtlich der Zustimmung der Senatoren.

Selbst wenn ich, Mr. Warnke oder

irgend eine andere Person bei den Verhandlungen einen Fehler machen sollte,
würde dieser Fehler zwangsläufig von der Öffentlichkeit eingehend geprüft wer- 3 -

�werden; doch ich habe volles Vertrauen in ihn.

FRAGE:

Herr Präsident, nur um diese Frage ... noch etwas weiter zu

verfolgen: Können Sie uns sagen, ob Ihrer Meinung nach eine ungefähre Parität

zwischen den Nuklearstreitkräften der Sowjetunion und der Vereinigten

Staaten bestehen sollte?

Glauben Sie, daß wir in den R'üstungsverhandlungen

eine überlegene Streitmacht anstreben sollten, oder meinen Sie, daß es, solange wir die Fähigkeit besitzen, der Gegenseite schreckliche Schäden zuzufügen, in Wirklichkeit nicht darauf ankommt, wer die meisten Bomben besitzt?
ANTWORT:

Im gegenwärtigen Augenblick geht mein Urteil dahin, daß wir

überlegene nukleare Kapazitäten besitzen.

Die Sowjetunion hat die größere

Nutzlastkapazität, die größeren Raketen, die größeren Sprengköpfe.

Wir ha-

ben mehr Raketen, eine weit höhere Zielgenauigkeit und drei verschiedene
Mechanismen, wovon jeder für sich allein ausreicht, Atomwaffen zum Einsatz
zu bringen:

Flugzeuge, Unterseeboote und interkontinentale Raketen. Wir sind

im großen und ganzen meines Erachtens gleichwertig - auch wenn wir meiner
Meinung nach überlegen sind - insofern gleichwertig, als die Sowjetunion oder
wir einen großen Teil des anderen Landes vernichten könnten, sollte es zu
einem Großangriff kommen, der Verluste in der Größenordnung von 50 bis 100
Millionen Menschen fordern würde, wenn ein großer Schlagabtausch stattfände.
Wir haben ebenso wie die Sowjets die Fähigkeit, den Start von Raketen
auf der Gegenseite festzustellen, und dann stünden ich, als Präsident, uhd
die Führer Rußlands vor der Frage, ein wie großer Vergeltungsschlag zu führen sei. Aber in einem Schlagabtausch würden Millionen und Abermillionen
Menschen getötet werden, und es ist die Bedrohung mit dieser Art von Katastrophe, die es wichtig macht, daß wir eine ausreichende Abschreckungskapazität beibehalten; und es ist auch von entscheidender Wichtigkeit für
uns alle, dessen eingedenk zu bleiben, wie notwendig es ist, eine einschneidende Verminderung in der Abhängigkeit von Atomwaffen zu erreichen.

- 4 -

�In fast jeder wichtigen Rede, die ich seit meinem Eintritt in die Bundespolitik hielt, habe ich mich ausdrücklich verpflichtet, erstens die Lage
zu stabilisieren, zweitens eine nachweisbare Verminderung der Abhängigkeit
von Atomwaffen zu erlangen und als verbindliches langfristiges Ziel auf die
vollkommene Beseitigung der Kernwaffen auf der ganzen Erde hinzuarbeiten.
Ich hatte erst heute morgen ein Zusammentreffen mit einem Vertreter der
Volksrepublik Chinas, der mir sehr freimütig erklärte, daß es das Ziel der
chinesischen Regierung sei, die Abhängigkeit von Kernwaffen bis auf Null zu
verringern.
Wenn wir und die Sowjetunion die Fähigkeit beweisen können, das derzeitige Rüstungswachstum zu stoppen und anschließend beträchtliche Verminderungen zu erreichen, dann können wir uns, meine ich, an die Franzosen,
die Engländer, die Chinesen und andere Länder wenden und ihnen sagen: "Sind
Sie bereit, es uns gleich zu tun und alle Tests einzustellen und die Abhängigkeit von Atomwaffen in eindeutig registrierbarer Weise zu vermindern?"

FRAGE: Um an diese Frage anzuschließen, Herr Präsident: Sie sagten,
wenn ich Sie richtig verstanden habe, kurz vorher, Sie wären der Auffassung,
die beiden Länder, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, könnten gezwungen sein, irgendwelche Initiativen zu ergreifen. Ich möchte versuchen,
dies auf einige andere Probleme auszudehnen, mit denen wir uns konfrontiert
sehen. Sind die Vereinigten Staaten heute bereit, die Initiative insofern
zu ergreifen und die Entwicklung von Cruise Missiles (Flugkörper mit Luftstrahlantrieb) einzustellen, um die SALT-Gespräche wieder in Gang zu bringen?
ANTWORT:

Ich möchte keine Waffe im Entwicklungsstadium herausgreifen,

möchte Ihnen aber eine Reihe von Beispielen geben, die ihrem Wesen nach symbolisch sind - ohne dabei allzusehr in die Tiefe zu gehen.

Das eine ist,

daß ich der Sowjetunion vorschlug, sie sollten uns, und wir sie, wissen lassen, wenn wir irgend eine Art von interkontinentaler Rakete im Teststadium zu
- 5 -

�zu starten gedenken.
Force Base.

Wir starten unsere Raketen von der Vandenberg Air

Wir starten sie nicht aus Standard-Raketensilos.

Die Sowjet-

union jedoch startet Raketen auch zu diesen Zwecken aus Standard-Abschußsilos.

Nach meinem Dafürhalten würde eine vorherige Ankündigung, daß ein

solcher Abschuß innerhalb von 24 oder 48 Stunden stattfinden werde, sehr
hilfreich sein.
Ich habe die Sowjetunion aufgefordert, mit uns ein

umfassendes Test-

verbot zu vereinbaren, um alle Nukleartests zumindestens über einen längeren
Zeitraum hinweg - zwei, drei oder vier Jahre - einzustellen.

Die Sowjets ,

sind daran interessiert, nukleare Sprengkörper zur Ableitung eines Flusses
in Nordrußland zu verwenden.
mehr nötig sind.

Ich glaube, daß weitere Versuche hierzu nicht

Wenn sie eine Bestimmung in ein Abkommen einzubauen wünschen,

daß sie die Vorbereitungen weiterführen und jenen Fluß umleiten dürfen, so
handelt es sich hierbei meines Erachtens um eine Angelegenheit, über die wir
verhandeln könnten, sofern man uns die Entsendung von Beobachtern zugesteht,
damit diese an Ort und Stelle von den Sowjets hören können und umgekehrt.
Nach meinem Dafürhalten ist jedenfalls die Ausarbeitung von Vorschlägen, die
für beide Seiten akzeptabel sind, sehr, sehr wichtig.
Wir haben zwei ungelöste Fragen, die sich aus der SALT II genannten Vereinbarung von Wladiwostok ergeben haben; ich meine die Frage der Cruise Missiles
und die des Backfire Bombers. Ich wäre bereit, mit der Sowjetunion voranzukommen, umgehend eine Vereinbarung zu schließen und dabei, sofern sie dies
für ratsam hält, die Frage des Backfire Bombers und der Cruise Missiles im
gegenwärtigen Stadium aus den Verhandlungen auszuklammern und diese beiden
Punkte anschließend .gegebenenfalls in den Verhandlungen von SALT III, zur
weiteren Diskussion wieder auf die Tagesordnung zu setzen.
Ich halte es jedoch, ohne irgendwelchen gegen mich gerichteten Druck, für
uns wichtig, nicht allzu rasch voranzuschreiten, sondern ehe. auf eine sehr
sorgfältige und methodische Art und Weise vor der Welt darzutun, daß wir es
ernst meinen.
FRAGE:

�FRAGE: Es tut mir leid, daß ich weiter auf diesem Thema beharre, möchte
es aber dennoch tun. Als Mr. Warnke jenen Satz schrieb, meinte er offensichtlich sowohl Waffensysteme als auch nukleare Sprengköpfe.

Er sprach damals

wohl von der Einschränkung der Entwicklung spezifischer Waffensysteme und
hoffte dabei auf Reziprozität seitens der Sowjets.
Meine Frage lautet: Wären Sie bereit, gegenüber den Sowjets zu erklären,
daß wir beispielsweise den Bomber des Typs B-l oder ein anderes Waffensystem
ein halbes Jahr lang nicht weiterentwickeln würden, dafür aber im Sinne der
Reziprozität etwas auch von ihrer Seite zu sehen wünschten?
ANTWORT: Lassen Sie mich auch hier die Bezugnahme auf irgend ein spezifisches Waffensystem auf unserer Seite vermeiden. Ich möchte vielmehr auf
ein Waffensystem auf ihrer Seite hinweisen. Die Sowjets haben eine Rakete
mit begrenzter Reichweite, die ihrem Wesen nach nicht interkontinental ist,
die sogenannte SS-20. Sie haben damit begonnen, diese Raketen auf mobilen
Abschußrampen zu dislozieren, mit deren Hilfe sie diese heimlich von einem
Teil des Landes in einen anderen Teil transportieren können. Das macht es
sehr schwer, ihren genauen Standort zu bestimmen.
Ich sähe
bilen Raketen
ten handelt.
Typs SS-16 zu

es qerne, wenn die Sowjets zu einem Entwicklungsstop der mobereit wären, auch wenn es sich nicht um InterkontinentalrakeEs ist sehr schwierig, sie von der Interkontinentalrakete des
unterscheiden.

Wenn sie der Einstellung des Einsatzes oder der Dislozierung jener Art
mobiler Raketen zustimmen könnten, die vor dem Start von einem Ort nach einem
anderen verbracht werden können, wäre dies für uns ein sehr wichtiges Argument,
was den Abschluß eines gegenseitigen Abkommens angeht.

Das würde bedeuten, daß

wir für diesen Fall wahrscheinlich jene großen Geldbeträge nicht aufwenden
müßten, die die Entwicklung einer mobilen Rakete erforderlich macht.

Wenn

sich die Sowjets jedoch zur Entwicklung von Raketen entschließen sollten, die
unentdeckt von einem Ort zu einem anderen transportiert werden können, würde
- 7 -

�würde uns dies stark unter Druck setzen, eine eigene mobile Rakete zu entwickeln.
Ich glaube, hier bedarf es einleitender Maßnahmen auf beiden Seiten.
Wenn man aber einzelne Waffensysteme einschränkt und diesbezügliche Initiativen nutzt, dann muß man auch die Gewähr schaffen, daß die Balance der Abschreckung insgesamt nicht gestört wird.

Menschenrechte
FRAGE: Herr Präsident, es hat eine Reihe von Maßnahmen gegeben, die
die Sowjetunion kürzlich ergriffen hat, darunter die Ausweisung amerikanischer
Journalisten sowie die Verhaftung von Alexander Ginsburg - Maßnahmen, mit
denen wir uns in der einen oder anderen Form auseinandergesetzt haben. Wie
besorgt sind Sie, daß wir durch unsere Offenheit und Freimütigkeit in Fragen
der Menschenrechte möglicherweise unsere Beziehungen zur Sowjetunion in anderen Fragen gefährden könnten?
ANTWORT: Dies bringt jene Frage auf, die gemeinhin Verkettung (linkage)
genannt wird. Ich glaube, wir verfahren besser gegenüber der Sowjetunion,
wenn ich beständig und nachdrücklich für die Förderung der Menschenrechte eintrete - nicht nur im Hinblick auf die Sowjetunion, sondern auch im Hinblick
auf alle anderen Länder. Ich denke, dies kann durchaus getrennt werden von
unserer Neigung, mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, beispielsweise bei
der Reduzierung der Abhängigkeit von atomaren Waffen und auch bei dem Bemühen
um eine beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierung in Europa.
Ich möchte nicht, daß zwischen beiden Dingen ein Zusammenhang hergestellt wird. Ich glaube, die vorhergehende Regierung - unter Außenminister
Kissinger - war der Meinung, daß es eine solche Verkettung gäbe. Falls man
von Menschenrechten spräche oder Mr. Solschenizyn ins Weiße Haus einlade, dann

�dann könnte der Fortschritt der SALT-Gespräche gefährdet werden.
Ich bin nicht dieser Meinung. Ich glaube vielmehr, es sollte klar
sein - und ich habe dies in den Kommunikationen mit Mr. Breschnew und in
meiner Unterredung mit Botschafter Dobrynin direkt klargestellt - daß ich
mir das Recht vorbehalte, mit großem Nachdruck immer dann zu sprechen, wenn
die Menschenrechte in Gefahr sind - vielleicht nicht in jedem Falle, aber
dann, wenn ich dies für angebracht halte. Dies ist nicht als ein öffentlicher Angriff auf die Sowjetunion gedacht, und ich hoffe doch, daß die
sowjetischen Führer sich darüber im klaren sind, daß die Menschenrechte ein
echtes Anliegen des amerikanischen Volkes sind.
Ich glaube, daß in zahlreichen Ländern der Welt Fortschritte erzielt
worden sind. So hat sich beispielsweise die Zahl der Juden, denen die Auswanderung aus der Sowjetunion gestattet worde ist, in den letzten Monaten
erhöht.
Sollte diese Tendenz anhalten, so würde mich das ermutigen. Aber
ich muß mir vorbehalten, eine unabhängige Position in meinen öffentlichen
Erklärungen einzunehmen. Ich habe noch eine Menge zu lernen ... Aber wir
müssen fest bleiben und mit Nachdruck auftreten. Allerdings möchte ich
nicht alles in einem Paket zusammenschnüren, sodaß man dann zaghaft beim
Eintreten für die Menschenrechte ist.

FRAGE: Legen Sie dies in irgendeiner Weise als Test für Sie seitens
der Sowjetunion aus?
ANTWORT: Nein, das ist nicht der Fall. Ich interpretiere dies nicht
als einen Test. Ich bedauere die Tatsache, daß die Sowjetunion es für angebracht hielt, einen Reporter auszuweisen. Ich bedauere zutiefst die Tatsache, daß die Sowjetunion jetzt Mr. Ginsburg eingekerkert hat, der in der
Darstellung des Falles der Dissidenten in der Sowjetunion einer der führenden
Männer gewesen ist. Aber ich kann ja nicht mit Truppen einmarschieren, um
den inneren Mechanismus der sowjetischen Regierung zu ändern zu suchen.
Aber

�Aber ich glaube nicht, daß dies darauf abzielt, meine Lage zu erschweren
oder mich oder den Willen unseres Landes auf die Probe zu stellen. Mein Eintreten für die Menschenrechte ist klar. Ich werde diese Klarheit bis zum
größtmöglichen Ausmaß aufrechterhalten.
Ich möchte das amerikanische Volk im Hinblick auf
über der Sowjetunion und den anderen nicht irreführen,
keinen Erfolg erwarten. Es ist ein langwieriger, hart
fältig bedachter Fortschritt erforderlich. Ich rechne
ten, aber meine Entschlossenheit ist sehr tiefgehend.

- 10 -

unser Verhalten gegenüber Nacht können wir
erarbeiteter und sorgnicht mit Wunderantwor-

�ELm

1 W»
\ \

•^

Dokumcnlcilion
United States Information Service

3/1977

ADMIRAL STANSFIELD TURNER ALS LEITER DES ZENTRALAMTES FÜR NACHRICHTEN
UND ABWEHR (CIA) NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat Admiral Stansfield Turner als
neuen Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) nominiert,
nachdem der ursprünglich für diesen Posten vorgesehene Theodore C. Sorensen
verzichtet hatte.
Turner ist nach Ansicht Präsident Carters auf Grund seiner langjährigen
militärischen Erfahrungen und seines Wirkens als Militärwissenschaftler in
hervorragender Weise für den Posten des Leiters des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) geeignet. Er war seit August 1975 Oberbefehlshaber der
Alliierten Streitkräfte Südeuropa in Neapel, befehligte zuvor die zweite Amerikanische Flotte und die NATO-Einsatzflotte im Atlantik, studierte aber auch
als Rhodes-Stipendiat in Oxford und leitete mehrere Jahre das Naval War
College in Newport, Rhode Island.
Als Carter den Admiral am 7. Februar in einer Kabinettssitzung für diesen wichtigen Posten berief, würdigte er ihn als eine Persönlichkeit, die sehr
wohl einmal zum "George Marshall der Zukunft" werden könne. Marshall war

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�war während des Zweiten Weltkrieges Stabschef der US-Armee und später unter
Präsident Truman Außenminister der USA.

Turner, sei ein Mann, so sagte

Carter, der seine Mitarbeiter mitreiße
und organisatorisches Können verfüge.

und über großes verwaltungstechnisches
Der Präsident wies in diesem Zusammen-

hang insbesondere auf die Reorganisation des Naval War College hin, die Turner
als dessen Leiter in den Jahren 1972 - 1974 vornahm.

Damals wurden an dieses

College auch Gegner des Vietnam-Krieges zu Vorträgen eingeladen, um kontroverse
Fragen von allen Seiten zu behandeln.

Auch Jimmy Carter, zu jener Zeit Gou-

verneur des Staates Georgia, sprach zu den Lehrgangsteilnehmern,

übrigens be-

suchten Carter und Turner gleichzeitig (im Jahre 1947) die amerikanische Marineakademie in Annapolis, doch kannten sie einander nur flüchtig.
Turner wurde am 1. Dezember 1923 in Highland Park im Staate Illinois geboren.

Nach einem zweijährigen Studium am Amherst College trat er in die Ma-

rineakademie ein, die er absolvierte, um dann als Rhodes-Stipendiat nach
Oxford (England) zu gehen.

Seinem Einsatz als Kommandant eines Minensuchers

und einer Lenkwarfenfregatte, die er in den Gewässern um Vietnam befehligte,
folgte Mehrjähriger Dienst auf verschiedenen Posten im Pentagon.

Im Jahre

1970 wurde Turner zum Konteradmiral befördert und übernahm an Bord des Flugzeugträgers "USS Independence" das Kommando einer Einsatzgruppe der Sechsten
Amerikanischen Flotte im Mittelmeer.

Leiter des Naval War College (1972-1974),

Kommandant der Zweiten Amerikanischen Flotte (1974/1975) und Oberbefehlshaber
der Alliierten Streitkräfte Südeuropa mit Sitz in Neapel (ab August 1975),
waren die nächsten Stationen in der Karriere Turners.
Der Admiral ist ein starker Befürworter eines neuen amerikanischen Schiffbauprogramms, um die Seekontrolle gegenüber der neuen verstärkten sowjetischen
Marine zu wahren.
Admiral Turner ist mit Patricia Busby Whitney verheiratetl das Ehepaar
hat zwei Kinder.

+ + + + +

- 2 -

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United States Information Service

3/1977

CARTER-ADMINISTRATION FORMULIERT INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSPOLITIK

WASHINGTON - (AD) - Bei der Gestaltung der künftigen Weltwirtschaftspolitik unter der neuen Carter-Administration wird - wie sich jetzt schon deutlich abzeichnet - eine engere Zusammenarbeit zwischen den wichtigsten Industriestaaten eines der Hauptanliegen sein.
Diese enge Zusammenarbeit ist, wie ein Vertreter der neuen Administration betonte, nicht nur von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche
Gesundheit der Industriestaaten selbst, sondern genau so lebenswichtig für
die Entwicklungsländer, die durch Fehlentwicklungen der Volkswirtschaften der
großen Industriestaaten empfindlich getroffen werden können.
Die Carter-Administration hebt vier Problembereiche in der Weltwirtschaft heraus, auf denen eine engere Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten
Staaten und anderen großen Wirtschaftsmächten unbedingt erforderlich ist: den
Bereich, den man in etwa als "internationales Wirtschaftsmanagement" bezeichnen kann; den Nord-Süd-Dialog zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern; die laufenden multilateralen Handelsverhandlungen und den Energie-

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�Energiebereich. Die amerikanische Einstellung zu diesen Sachgebieten wurde
von Vizepräsident Walter Mondale während seiner jüngsten Europa- und Japanreise in den Grundzügen umrissen.

Sie dürften Diskussionsgegenstand auf dem

geplanten Gipfeltreffen der führenden Vertreter der großen Industrienationen
sein, das für Mitte dieses Jahres vorgesehen ist.
Ein enges Ineinandergreifen und die Koordination der Wirtschaftsstrategien
der wirtschaftlich stärksten Staaten gewinnt nach Auffassung eines Vertreters
der Carter-Administration deshalb eine immer größere Bedeutung, weil die Frage, ob es diesen Staaten gelingt, ihre eigenen Volkswirtschaften in Ordnung
zu halten und gut zu führen, in immer stärkerem Maße davon abhängt, inwieweit
sie das gesamte Weltwirtschaftssystem in eine befriedigende Form zu bringen
vermögen.
Eine solche Gestaltung der Weltwirtschaft heißt keinesfalls Auferlegung
von Handelsrestriktionen oder die Einführung anderer Maßnahmen mit dem Ziel,
den Industriestaaten auf Kosten der übrigen Welt wirtschaftliche Vorteile zu
sichern, so wird in Washington betont. Spezifisch heißt das vielmehr in der
gegenwärtigen Situation, daß die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik Deutschland und Japan - als die Industriestaaten, die gegenwärtig die wirtschaftlich
stärkste Position einnehmen - die besondere Pflicht haben, einen ausreichenden
wirtschaftlichen Anreiz zu schaffen, um den schwächeren Industriestaaten und
den Entwicklungsländern dabei zu helfen, die Nachwehen der Weltrezession zu
überwinden und ihre Bilanzdefizite auszugleichen.
Nach Ansicht der Carter-Administration ist es für die Weltwirtschaft von
größter Bedeutung, daß die wirtschaftlich Stärkeren nicht hinter ihre angekündigten Wachstumsziele zurückfallen und daß sie bei einem solchen Zurückfallen unverzüglich stärkere Anreize und Impulse setzen.
Ein vom Export getragenes Wachstum für jedes Land ist eine Unmöglichkeit,
irgendjemand muß die gesteigerten Importe aufnehmen. Die Vereinigten Staaten
glauben, daß sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben und Verantwortlichkeiten beige- 2 -

�beigetragen haben, indem sie mit relativer Ruhe ein Defizit in ihre1" e"'§enen
derzeitigen Bilanz hinnehmen, das sich im Jahre 1976 auf 6 Milliarde
belief.

Dollar

Wie man in Washington erklärt, wäre die Weltwirtschaft onne das ge-

genwärtige Defizit der Vereinigten Staaten im Augenblick einer sehr $w$thaf*
ten Belastung ausgesetzt.

Deutschland aber und Japan - die beiden änderen

wirtschaftlich starken Mächte - scheinen weniger bereit zu sein, zur Zeit e m
Defizit in ihrer Handelsbilanz als Beitrag zu einer weltweiten wirtschaftlichen
Gesundung hinzunehmen.
Man ist in Kreisen der neuen amerikanischen Administration davon überzeugt, daß die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit auch nicht nach eine»*
völligen Überwindung der Rezession enden wird. Vielmehr glaubt man, Ca2 die
Industriestaaten auf kontinuierlicher Basis werden zusammenarbeiten müssen,
um die Wachstums- und Inflationsraten zu bestimmen, die Zahlungsauswirkungen
zu überprüfen und die Wirtschaftstätigkeit der einzelnen Länder zu beobachten.
Eine Erörterung des Verhaltens der einzelnen Länder auf internationaler Ebene,
so wird erklärt, könne dazu beitragen, denen zu helfen, die innerhalb der jeweiligen Länder für gesunde Wirtschaftsprogramme eintreten. Dies gelte sowohl für die USA als auch für andere Länder.
Die Entwicklungsländer könnten nach Washingtoner Ansicht wohl mehr als
irgend jemand sonst gewinnen, wenn eine bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit
zwischen den Industriestaaten es ihnen gestattet, Phasen der Inflation, die
sich mit Phasen der Rezession abwechseln, zu vermeiden. Schließlich seien es
häufig die Entwicklungsländer, die am meisten unter den weltweiten Auswirkungen
einer Wirtschaftspolitik von "Gasgeben und Bremsen" seitens der Industrienationen litten.
Im Hinblick auf einen anderen bedeutsamen Bereich der Weltwirtschaft
- den Bereich des Handels - ist die Carter-Administration der Ansicht, daß
von den gegenwärtig in Genf stattfindenden multilateralen Handelsverhandlungen
nicht die erforderlichen lebenswichtigen Impulse ausgehen; sie möchte diese
Verhandlungen daher mit neuem Leben erfüllen. Im ersten Quartal 1977 wird so- 3 -

�I
sowohl die neue Administration in Washington als auch die neue Führung im
EG-Hauptquartier in Brüssel damit beschäftigt sein, die jeweiligen Positionen
neu zu bewerten.

Die Vereinigten Staaten würden es jedoch begrüßen, wenn

die Handelsverhandlungen noch in diesem Jahr ein schnelleres Tempo annähmen,
als dies bisher der Fall war.

Die Teilnehmer, so wird in der amerikanischen

• Hauptstadt betont, müßten im Jahre 1977 bemüht sein, so umfassende Fortschritte
wie nur möglich zu machen.
Die Landwirtschaft bleibt weiterhin der schwierigste Bereich der Handelsverhandlungen, aber nach Ansicht eines Vertreters der Carter-Administration
ist die Möglichkeit gegeben, daß sowohl die Vereinigten Staaten als auch die
Europäische Gemeinschaft in Zukunft eine größere Flexibilität auf diesem wie
auch auf anderen Gebieten des Handels an den Tag legen.
'-

• Was den Bereich des Nord-Süd-Dialoges angeht, so haben Vizepräsident
Mondale und seine Begleitung auf ihrer Reise die Frage erörtert, welche Position die Industriestaaten auf den bevorstehenden Sitzungen der Konferenz
über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) einnehmen sollten,
auf der sowohl erdölexportierende als auch nicht -erdölexportierende Entwicklungsländer vertreten sind. Die Regierung Carter ist der Ansicht, daß eine
große Menge an Vorbereitungsarbeit seitens der Industrieländer zu leisten
ist - und zwar in enger Zusammenarbeit miteinander - wenn die abschließende
Ministerratssitzung dieser Konferenz von Erfolg gekrönt sein soll. Diese Sitzung dürfte aller Voraussicht nach im Frühjahr stattfinden.
Wenn auch noch nicht feststeht, welche neuen Ideen seitens der USA am
Konferenztisch vorgebracht werden, so warnt man in Washington doch davor,
dramatische Änderungen in der amerikanischen Haltung zu erwarten. Die amerikanische Opposition in der Vergangenheit gegenüber einigen Vorschlägen, die
die Entwicklungsländer vorbrachten, ging auf die Frage zurück, wie diese wirtschaftlich verwirklicht werden könnten, und dies, so wird betont, bleibe auch
unter der neuen Administration in Washington ein ernstes Anliegen - genauso
wie in den Hauptstädten anderer Industrieländer. Es könne durchaus einige Mo- 4 -

�Modifizierungen in der amerikanischen Haltung geben, doch werde sich die
Carter-Administration jedem Druck widersetzen, wirtschaftlich ungesunde und
unvernünftige Vorschläge nur aus der Hoffnung heraus anzunehmen, dadurch vorübergehende politische Gewinne zu erzielen.
Vor allem aber darf man erwarten, daß die neue Administration mit einer
durchaus undoktrinären Einstellung an diese Aufgabe herangehen wird. Diese
Einstellung dürfte sich auch auf die Prüfung aller Möglichkeiten für neue
Abkommen über Handelsgüter erstrecken, obwohl es hier keine Garantie geben
kann, daß durch diese unvoreingenommene neue Einstellung sich weitere wirtschaftlich gesunde Möglichkeiten für Abkommen über Handelsgüter auffinden
lassen werden, die nicht auch schon von der vorigen Administration ins Auge
gefaßt wurden.
Was als ein "Erfolg" der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit anzusehen ist, dürfte von Land zu Land verschieden bewertet
werden. Nach amerikanischer Auffassung ist jedoch der springende Punkt, daß
diese Konferenz nicht als das Ende, sondern lediglich als ein weiterer Schritt
des Dialogs zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten angesehen werden sollte.
Was den vierten Bereich, den der Energie, anbetrifft, so haben die amerikanischen Partner bei Vizepräsident Mondale und seiner Delegation während der
jüngsten Besuchsreise darauf gedrängt, daß die Vereinigten Staaten die Energiesparmaßnahmen verstärken und ihre Entwicklungsprogramme intensivieren sollten.
Von Seiten der Delegation wurde dazu erklärt, daß die Carter-Administration
zur Zeit ein neues nationales Energieprogramm aufstellt - das im April bekanntgegeben werden soll - und daß in ihm die Fragen der Einsparung und der
Neuproduktion einen besonderen Nachdruck erhalten würden.
Die Notwendigkeit einer engen internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit besteht nach Ansicht der Carter-Administration nicht nur für die Industriestaaten.
Es
- 5 -

�Es bleiben weiterhin schwerwiegende Probleme als Folge der großen Zahlungsbilanzdefizite der öl importierenden Länder und des entsprechenden Geldüberschusses bei einigen öl exportierenden Ländern bestehen.

In Washington

ist man der Auffassung, die ölexportierenden Länder könnten dadurch, daß sie
Anleihen an die wirtschaftlich schwachen Länder direkt vergeben oder einen
größeren Teil «ihrer finanziellen Überschüsse den offiziellen internationalen
Finanzierungsinstituten zufließen lassen einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung und Verbesserung des Weltwirtschaftsgefüges leisten.

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

3/1977

SCHNELL-INFORMATION ÜBER DEN LANGEN DRAHT
Weltweiter US-Computerdienst für wissenschaftlich-technische Daten

- (AD) - "Project Info/Speed" heißt ein Demonstrationsprojekt, das
Interessenten in anderen Ländern Gelegenheit gibt, wissenschaftliche und
technische Informationen über gewöhnliche Telefonleitungen aus einer der
größten amerikanischen Datenbanken zu beziehen.

Das Programm steht unter

der Schirmherrschaft des US-Informationsamtes (United States Information
Agency - USIA) in Washington und wird mit Unterstützung von Experten des
Nationalen Technischen Informationsdienstes

National Technical Information

Service - NTIS) des US-Handelsministeriums sowie der USIA-Vertretungen
im Ausland (US-Informationsdienst - USIS) durchgeführt.
Ende Februar beginnen die jeweils ein- bis dreitägigen Demonstrationen
in Ländern des Nahen Ostens; in Südostasien, Afrika und Lateinamerika werden
sie anschließend bis Ende August 1977 fortgesetzt.

Sie sind vor allem für

hohe Regierungsbeamte, Vertreter von Universitäten, Wirtschaft und Industrie,
ferner für Wissenschaftler, Ingenieure und andere Personen in Schlüsselpositionen gedacht.

Die Themenbereiche, über die innerhalb von Minuten In-

formationen zu den neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen

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�9

fr
Erkenntnissen eingeholt werden können, umfassen ein weites Spektrum - von
der Landwirtschaft über die Medizin und Biologie bis zu den Ingenieur-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, vom industriellen Management
über Umweltschutz, Naturschutz und Bodenmelioration bis zum Patentwesen und
zu einer Vielzahl anderer Sachgebiete.
Für Entwicklungsländer ist dieses Projekt besonders interessant, denn
es vermittelt in gewisser Weise den direkten Zugang zu einer riesigen Fachbibliothek, die täglich ergänzt und auf den neuesten Stand gebracht wird.
Im Routinebetrieb würden gegen relativ niedrige Gebühr die bestmöglichen Informationen vermittelt - z.B. an Ingenieure, die Straßen und Brücken bauen,
an Ärzte, die über Reaktionen auf spezielle Behandlungsverfahren

bei Krank-

heiten Bescheid wissen müssen, an Verwaltungsbeamte, die zur Überwindung der
verschiedensten Probleme nach geeigneten Maßnahmen suchen.

Das Info/Speed-

System gibt ihnen umgehend Auskunft darüber, welche Untersuchungen in bezug
auf die einzelnen Fragen bereits durchgeführt wurden und wie andere, die
sich ähnlichen Situationen gegenübersahen, in der Praxis dann vorgegangen
sind.

«

Der "National Technical Information Service" hat von Amts wegen die
Aufgabe, Forschungsergebnisse aus regierungseigenen Laboratorien und vielen
privaten wissenschaftlichen Instituten zu sammeln und an Personen und Organisationen in den USA und in anderen Ländern zu vermitteln, die sie für
eigene Arbeiten benötigen. Zu den "Lieferanten" zählen beispielsweise die
US-Weltraumbehörde NASA, die Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA,
die Umweltschutzbehörde EPA und das US-Handelsministerium mit den ihm angeschlossenen Laboratorien.
Darüber hinaus sichten Arbeitsstäbe von Spezialisten ständig Tausende
von wissenschaftlichen und technischen Publikationen aus aller Welt. Von
allen wichtigen Artikeln und Referaten werden Zusammenfassungen oder Kurzberichte angefertigt und auf Magnetband in Computern gespeichert. Die NTISDatenbanken sind auf Computer von drei großen amerikanischen Privatunternehmen
- 2 -

�Privatunternehmen verteilt - bei der

System Development Corporation (SDC)

in Santa Monica (Kalifornien), der "Lockheed Information Systems Corporation"
in Palo Alto (Kalifornien) und den "Bibliographie Retrieval Services"(BRS)
in Schenectady (New York). Jedoch wird bei dem bevorstehenden "Info/Speed"Demonstrationsprogramm nur der SDC-Computer-Suchdienst in Anspruch genommen.
Dies geschieht folgendermaßen: Ein in einem Koffer verstautes TerminalGerät, nach Größe und Gewicht etwa einer Kofferschreibmaschine vergleichbar,
wird durch Auflegen des Hörers auf die dafür vorgesehene Gabel an der Terminal-Tastatur an das Telefon angeschlossen. Der Benutzer wählt die Nummer
des Computers in Santa Monica, der so programmiert ist, daß er automatisch
das für ihn bestimmte "Gespräch" annimmt.
Ist der Kontakt hergestellt, gibt der Benutzer seine Anfrage mit Hilfe
der Terminal-Tastatur ein. Sie wird am Gerät auf Papier ausgedruckt, kann
aber auch auf einem Bildschirm erscheinen, wenn zusätzlich der FernsehMonitor angeschlossen ist. Gleichzeitig wird die "Botschaft" in eine Serie
akustischer Signale umgesetzt, wobei jeder Ton einem Buchstaben des Alphabets
oder einer Zahl entspricht. Diese Signale sind es, die per Telefon über Kabel- oder Satelliten-Leitungen zum Computer übertragen werden.
Am anderen Ende der Leitung erfolgt die Rückumsetzung der Töne in die
ihnen zugeordneten Drucklettern bzw. Zahlen, und der Computer beginnt nun,
die Datenbank nach der gewünschten Information abzufragen. Als Antwort kommt
normalerweise eine Liste von Buchtiteln, Zeitschriftenartikeln, wissenschaftlichen Abhandlungen, Broschüren und anderen Unterlagen zu dem betreffenden
Thema. Zu jedem Titel gehören meist zusätzliche Informationen in der Form
kurzer Zusammenfassungen, die manchmal zur Beantwortung der Anfrage schon
genügen. Ist dies nicht der Fall, kann der Benutzer von jedem auf der Liste
aufgeführten Dokument eine vollständige Textkopie anfordern. Auch diese Order wird über das Terminal-Gerät an den Computer durchgegeben, der sie sofort an das Bibliothekspersonal weiterleitet. Dieses sorgt dafür, daß dem
Anfragenden - in der Regel innerhalb von 24 Stunden - die Kopie des Dokuments

�Dokuments per Luftpost zugeschickt wird.
Die Kosten für die Inanspruchnahme des Info/Speed-Dienstes auf kommerzieller Basis hängen davon ab, welches Terminal-Gerät angeschafft oder gemietet wird, wielange das Telefongespräch und die Suche durch den Computer
dauern und welche Gebührensätze mit den Besitzern der Computer in der Datenbank vereinbart wurden. Eine kurze Fragenliste des Benutzers ist meist schon
in wenigen Minuten beantwortet, da die Computer innerhalb von Sekunden Millionen von eingegebenen Daten prüfen können.
Die ersten Info/Speed-Demonstrationen führen J. Frank Post (NTIS-Koordinator für internationale Programme) und Donald V, Black (Projektdirektor
für den SDC-Suchdienst) persönlich durch.

Bei den Vorführungen werden Geräte

vom Typ Miniterm 1023 (Terminal-Gerät mit Tastatur und Printer, 30 Zeichen
pro Sekunde) und Digilog 33/11 (Terminal-Gerät mit Tastatur und Bildmonitor
zum Ablesen aller ausgehenden und ankommenden Meldungen) benutzt. Im Gegensatz ,
zu Digilog 33/11 druckt Miniterm 1203 alle Meldungen (ähnlich wie eine Schreibmaschine) auf Papier; gleichzeitig können diese auch von einem Bildschirm abge - '
lesen werden, wenn ein TV-Monitor angeschlossen ist.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß für das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes Informationen vielfach noch wichtiger sind als Maschinen.
Ideen und Lehren aus der Praxis können den sozialen Gegebenheiten in anderen
Ländern oft besser Rechnung tragen und entsprechend modifiziert angewandt werden, was zu mehr Erfolg führt als ein schematischer Transfer von Technologie.
(Stationen im Projekt Info/Speed: Jidda/ Saudi-Arabien, Madras/Indien,
Kairo/Ägypten, Lagos/Nigeria, Nairobi/Kenia, Djakarta/Indonesien, Hongkong;
später Panama, Lima/Peru, Buenos Aires/Argentinien und Brasilia/Brasilien.)

+ + + + +

. 4.

�</text>
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                <text>Amerikadienst 16.02.1977</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter fordert amerikanisch-sowjetische Maßnahmen zur nuklearen Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 8. Februar 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Admiral Stansfield Turner als Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter-Administration formuliert internationale Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schnell-Information über den langen Draht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weltweiter US-Computerdienst für wissenschaftlich-technische Daten&lt;/em&gt;</text>
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4. Februar 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter richtet Ansprache an die amerikanische Nation
- Auszüge aus seinem ersten "Kamingespräch" am 2. Februar HINTERGRUNDMATERIAL
Der Amtsantritt Carters: Zeremoniell und tiefere Bedeutung
von Hugh Sidey - Chef des Washingtoner Büros des Nachrichtenmagazins
"Time"
Erfolgreiche amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit auf dem Gebiet
des Umweltschutzes
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VIKING-Geräte sondieren weiter
Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten - Programme bis Oktober 1977
Neues Bordkontroll System schafft Raum im Cockpit

Um Uber/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation

I 3

United States Information Service

2/1977

PRÄSIDENT CARTER RICHTET ANSPRACHE AN DIE AMERIKANISCHE NATION
Auszüge aus seinem ersten"Kamingespräch" am 2. Februar

Washington - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat sich am 2. Februar in
einer Fernsehansprache an das amerikanische Volk gewandt und darin eine Reihe
vor allem innenpolitischer - Probleme behandelt. Fs war die erste Ansprache
in einer Serie von ihm geplanter zwangloser "Kamingespräche" aus dem Weißen
Haus. Der Präsident befaßte sich mit dem aufgrund der gegenwärtigen Kältewelle in den USA besonders dringlichen Energieproblem,mit seinem Wirtschaftsprogramm, der Straffung und Reorganisation der Bundesregierung sowie mit
sozialpolitischen Fragen. Kurz ging er auch auf die amerikanische Außenpolitik ein.
Energiepolitik
Zum Energieproblem führte der Präsident unter anderem folgendes aus:
"Eines unserer dringendsten Projekte ist die Entwicklung einer nationalen
Energiepolitik. Wie ich schon im Wahlkampf erklärte, sind die Vereinigten
Staaten die einzige wichtige Industrienation ohne eine langfristige Energiepolitik.

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�T

t

Das außerordentlich kalte Wetter in diesem Winter hat unsere Vorräte an
Erdgas und Heizöl in gefährlicher Weise schwinden lassen und Hunderttausende
von Arbeitern gezwungen, ihren Arbeitsplatz zu verlassen.

Ich beglückwünsche

den Kongreß zu seiner raschen Maßnahme hinsichtlich des Erdgas-Notstandgesetzes, das heute verabschiedet und am Abend unterzeichnet wurde.
Aber das wahre Problem - die Tatsache, daß wir nicht für die Zukunft
planten oder die Energieeinsparung nicht ernst nahmen - begann schon lange
vor diesem Winter, und um es zu lösen, wird eine längere Zeit notwendig
sein.

Ich bin mir darüber im klaren, daß viele von Ihnen nicht geglaubt

haben, daß wir wirklich ein Energieproblem haben.

Aber dieser Winter hat

uns allen klargemacht, daß wir handeln müssen.
Der Kongreß hat bereits zahlreiche Vorbereitungen für eine Energie-Gesetzgebung getroffen.

Der Energieberater des Präsidenten, Dr. James

Schlesinger, ist dabei, die Bemühungen um die Entwicklung einer nationalen
Energiepolitik zu leiten.

Das geht zahlreiche Gruppen von Amerikanern an.

Bis zum 20. April werden wir die Planung?" für unser Energieprogramm abgeschlossen haben und den Kongreß dann um seine Mithilfe bei der Verabschiedung
einer verantwortungsbewußten Gesetzgebung ersuchen.
Unser Programm wird den Nachdruck auf Einsparungen legen. Was jetzt an
Energie verschwendet wird und eingespart werden könnte, ist mehr als die
Gesamtenergiemenge, die wir jetzt aus dem Ausland einführen. Wir werden
ferner Nachdruck auf die Erschließung unserer reichhaltigen Kohlereserven legen - und zwar in umweltfreundlicher Weise -, die Forschung in bezug auf
die Sonnenenergie und andere sich nicht erschöpfende Energiequellen vorantreiben und strikte Sicherheitsbestimmungen für die notwendige Erzeugung von
Atomenergie aufrechterhalten.
Die Verantwortung für die Gestaltung der Energiepolitik ist derzeit unter
über 50 verschiedenen Behörden, Ministerien und Regierungsdienststellen aufgeteilt.

Ich werde noch in diesem Monat den Kongreß um seine Unterstützung

�Unterstützung ersuchen, um diese Dienststellen in einem neuen Energieministerium zusammenzufassen, um Ordnung in dieses Chaos zu bringen.
Führende Vertreter des Kongresses arbeiten schon eine ganze Zeit daran

"

Wirtschaftspolitik
über seine wirtschaftspolitischen Pläne sagte Präsident Carter wörtlich:
"Ich habe im Wahlkampf auch erklärt, daß unsere Administration alles in
ihren Kräften stehende tun würde, um wieder eine gesunde amerikanische
Wirtschaft herzustellen.
Unsere Nation ist auf dem Grundsatz der Arbeit, nicht der Wohlfahrt, der
Produktivität, nicht der Stagnation aufgebaut. Ich übernahm mein Amt jedoch
in der Mitte der schlimmsten Rezession in den letzten 40 Jahren, über 7,5
Millionen Menschen suchen Arbeit und können keine finden. Wegen der hohen
Arbeitslosigkeit und stilliegender Fabriken hat die amerikanische Durchschnittsfamilie im Jahr 1800 Dollar an Einkommen verloren, und das Steueraufkommen des Bundes liegt um 40 Milliarden Dollar niedriger als in einer
blühenden Wirtschaft.
Auch die Inflation trifft uns alle, überall im Lande müssen wir, ob wir
einen Arbeitsplatz haben oder einen suchen, uns beeilen, um mit dem
ständigen Preisanstieg Schritt zu halten.
Die Inflation trifft uns nicht bei den Luxusgütern am härtesten, sondern
beim Grundbedarf: Lebensmittel, Energie, Gesundheit, Wohnung. Sie merken es
jedesmal, wenn Sie einkaufen gehen. Ich bin mir darüber im klaren, daß
Arbeitslosigkeit und Inflation etwas ganz Reales sind und vielen amerikanischen Familien wehtun.
Nichts macht es schwerer, unserer Bevölkerung eine vernünftige Gesundheitsfürsorge, vernünftige Wohnungen und eine vernünftige Ausbildung zu
garantieren, unsere Umwelt zu schützen oder unser 7iel eines ausgewogenen
- 3 -

�r
i

ausgewogenen Haushalts zu erreichen, als eine stagnierende Wirtschaft.
Sofort nach meiner Wahl begannen die führenden Vertreter des Kongresses
und meine eigenen Berater mit mir zusammen einen Vorschlag für einen
wirtschaftlichen Wiederaufschwung auszuarbeiten.

Wir waren von dem Grundsatz

geleitet, daß jeder, der arbeiten kann, auch arbeiten soll; daß unsere
wirtschaftliche Stärke in einem gesunden, produktiven privatwirtschaftlichen
Sektor liegt; daß wir denjenigen die größte Hilfe zukommen lassen müssen,
die ihrer am meisten bedürfen; und daß es ein vorhersehbares und stetiges
Wachstum unserer Wirtschaft geben muß.
Vor zwei Tagen habe ich diesen Plan dem Kongreß unterbreitet.

Es ist ein

ausgewogener Plan mit vielen Elementen, um den vielen Ursachen unserer
wirtschaftlichen Probleme zu Leibe zu rücken.
Ein Element ist die Senkung der Steuern, r : einmalige Steuersenkung,
die für eine vierköpfige Durchschnittsfamilie mit einem Einkommen von
10 OOOüollar jährlich 200 Dollar beträgt, stellt eine 30prozentige Senkung
der diesjährigen Steuern dar.
Mein oberstes Anliegen sind Arbeitsplätze, und diese Steuererleichterungen
sind der einzige rasche und effektive Weg, Geld in die Wirtschaft zu pumpen
und diese Arbeitsplätze zu schaffen.
Gleichzeitig senken wir die Steuern auf lange Sicht, indem wir die
normale Abschreibung erhöhen, die die meisten Steuerzahler in Anspruch nehmen
können. Eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 10 000 Dollar wird
bei den Steuern in den nächsten Jahren 133 Dollar - rund 20 Prozent - sparen.
Das wird ein weiterer Schritt zur Vereinfachung der Steuer sein und es
75 Prozent aller Steuerzahler ermöglichen, den normalen Frei betrag in
Anspruch zu nehmen und eine ganz einfache Steuererklärung abzugeben.

Wir

�Wir werden auch den Unternehmen Steueranreize gewähren, um sie zur
Bekämpfung der Inflation durch Ausweitung der Produktion und die Einstellung
von Arbeitssuchenden zu ermutigen.

Ich meine, es ist sinnvoller, wenn die

Regierung dazu beiträgt, daß Arbeiter ihren Arbeitsplatz behalten, als sie
zu Empfängern von Arbeitslosenunterstützung zu machen.

Ein großes

öffentliches Arbeitsprogramm wird den Bau ausgewühlter Projekte ermöglichen, d
am dringendsten nötig sind.
Dabei wird es sich nicht um Arbeitsbeschaffungsprogramme handeln.

Sie

werden von besonderem Wert für Gemeinden sein, in d°nen Haushaitskürzunqen
zu einem Abbau der öffentlichen Dienstleistungen geführt haben, und sie
werden eine Erhöhung der Gemeindesteuern abwehren helfen.
Da die Arbeitslosigkeit bei bestimmten Gruppen unseres Volkes am
schlimmsten ist - bei Jugendlichen, Behinderten und Minderheiten - werden
wir unser Ausbildungsprogramm auf diese konzentrieren.
Die höchste Dringlichkeitsstufe in unseren Berufsbildungsprogrammen
werden die jungen Teilnehmer des Vietnamkrieges erhalten. Die Arbeitslosigkeit ist unter Kriegsteilnehmern wesentlich höher als unter den anderen
Angehörigen dieser Altersgruppe, die nicht in Vietnam gedient haben. Ich
hoffe, daß die Rückführung Tausender von Veteranen in den Arbeitsprozess
ein weiterer Schritt sein wird, um die Wunden der Kriegsjahre zu heilen
und jenen zu helfen, die in den vergangenen Jahren unserem Lande geholfen
haben.
Ich bin mir darüber im klaren, daß nur ganz wenige Menschen diesen
Gesamtwirtschaftsplan für perfekt halten. Viele Gruppen würden lieber mehr
Hilfe der einen und weniger der anderen Art sehen. Ich bin jedoch überzeugt, daß es der ausgewogenste Plan ist, den wir für die wirtschaftliche
Gesundung unseres Landes insgesamt aufstellen können.

Er
- 5 -.

�Er wird ein stetiges, ausgewogenes und anhaltendes Wachstum hervorrufen.
Er läßt bei der Lösung des Arbeitslosenproblems die Inflation nicht außer
acht- und umgekehrt.

Er verlangt nicht von einer Gruppe, daß sie allein

für die anderen Opfer bringt.

Er fordert uns alle auf, mitzumachen und

unseren Anteil zu leisten, um unser Land wieder auf den Weg zur Vollbeschäftigung zu bringen.
Er ist eine ausgezeichnete Investition in die Zukunft."
Außenpolitik
In dem außenpolitischen Teil seiner Ansprache erklärte Carter:
"Ich habe außerdem Versprechungen hinsichtlich der Außenpolitik gemacht.
Als Oberbefehlshaber bin ich entschlossen, eine starke, gestraffte und
wirksame Streitmacht zu erhalten.

Unsere Politik sollte auf einer engen

Zusammenarbeit mi:. unseren Verbündeten sowie auf der weltweiten
Respektierung der Menschenrechte beruhen, und sie muß immer unsere eigenen
moralischen Werte widerspiegeln.

Ich möchte, daß Sie auf die Maßnahmen

unserer Nation stolz sein können.
Gestern ist Vizepräsident Mondale von seinem zehntägigen Besuch bei
führenden Staatsmännern Westeuropas und Japans zurückgekehrt. Ich hatte ihn
gebeten, diese Reise zu unternehmen, um unsere Absicht zu dokumentieren,
unsere traditionellen Verbündeten in allen wichtigen Fragen zu konsultieren,
Ich war über seinen Bericht erfreut. Der Vizepräsident wird mein ständiger
und enger Berater sein.
In einem Geiste der internationalen Freundschaft werden wir hier in
Kürze die führenden Staatsmänner verschiedener Länder begrüßen; den Anfang
werden unsere Nachbarn, Kanada und Mexiko, machen.
In diesem Monat wird Außenminister Cyrus Vance nach dem Nahen Osten
reisen, um nach Mitteln und Wegen für die Schaffung eines echten Friedens

�Friedens zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn zu suchen.
Unser Botschafter bei den Vereinten Nationen, Andrew Young, ist gestern
zu einem Besuch Afrikas abgereist, um den afrikanischen Völkern unsere
Freundschaft zu demonstrieren sowie unser Eintreten für friedliche Veränderungen auf dem Wege zur Mehrheitsregierung im südlichen Afrika.
Ich werde mich ebenfalls darum bemühen, unsere Beziehungen zur Sowjetunion und zur Volksrepublik China zu verbessern; dabei spll unsere Sicherheit gewahr"-, bleiben, während gleichzeitig versucht wird, die Risiken eines
Konflikte:, zu vermindern.
Wir werden auch weiterhin unsere Besorgnisse über die Verletzung von
Menschenrechten zum Ausdruck bringen,- wie wir dies in der vergangenen Woche
getan haben -, ohne dadurch unsere Bemühungen um freundliche Beziehungen
zu anderen Ländern zu stören.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich Ihnen

einen umfassenden Bericht über außenpolitische Fragen geben."

+ + + + +

- 7

T

�2/1977

ERFOLGREICHE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE

ZUSAMMENARBEIT

AUF DEM GEBIET DES UMWELTSCHUTZES

Washington - (AD) - Das Abkommen über die Zusammenarbeit beim Umweltschutz, das zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Mai 1972
geschlossen wurde, hat sich als wirksames Instrument für die Inangriffnahme
und Durchführung von Projekten erwiesen, die nicht nur für die beiden Länder,
sondern für die ganze Welt von Bedeutung sind.

Bisher wurden 40 Projekte

auf 11 verschiedenen Gebieten in Angriff genommen; Hauptpunkte in dem Ende
vorigen Jahres von den obersten Gremien beider Länder verabschiedeten fünften
Jahresbericht sind u. a.
- Eine gemeinsame Analyse amerikanischer und sowjetischer Wissenschaftler
der seismischen Aktivität, die durch die Füllung des Nurek-Stausees hinter dem
größten Erddamm der Welt und den dazugehörigen Wasserkraftwerken in der
tadschikischen Sowjetrepublik verursacht wird. Die Untersuchung zeigte, daß
in drei Gebieten Bebenherde existieren, einer davon direkt unter dem Stausee,
das bereits bis zur 200 m-Marke gefüllt ist: Die Analyse ist für die Standortwahl und den Bau von Stauanlagen in seismisch aktiven Gebieten rund um
die Erde von Bedeutung.

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�t

- Amerikanische und sowjetische Forscher analysierten die Anomalien
der Radon-Emission als Verboten von Erdbeben. (Radon ist das schwerste
Edelgas; es rntsteht als Zwischenprodukt beim Zerfall von Uran,Thorium
und Actinium.) Die Anomalien wurden im Mai 1976 beobachtet, als sich
ein Erdbeben im Raum Gazli in der Sowjetunion ereignete.
- Gemeinsame Experimente in Menlo Park (Kalifornien) zur Frage der
Bedeutung von Hohlräumen bzw. Rissen im Bereich einer geologischen Verwerfung für Gleitvorgänge zeigte, daß erste Rißbildungen vor dem eigentlichen Beben in bestimmten "Mustern" auftreten. Diese Erkenntnis macht
es eher möglich, geringfügige Bodenveränderungen als Vorboten von größeren
Erdbeben zu deuten.
- Im Juli 1976 unternahmen amerikanische und sowjetische Experten den
zweiten gemeinsamen Ballonversuch in Laramie (US-Bundesstaat Wyoming) zur
Messung von Aerosolen in der Stratosphäre. Zweck der Versuche ist die
Untersuchung von Veränderungen der Strahlungseigenschaft der Stratosphäre,
die durch Schmutz- und Schadstoffe in der Atmosphäre hervorgerufen werden.
Außerdem will man die Auswirkung solcher Veränderungen auf das Klima
ermitteln.
- Amerikanische und sowjetische Ingenieure erprobten gemeinsam ein
elektrostatisches System amerikanischer Bauart zur Entstaubung und Rauchnasreinigung bei Heizkraftwerken sowie eine sowjetische Anlage, die im
Naßverfahren arbeitet.
- Die Sowjetunion schickte insgesamt 26,5 Tonnen von gelöschtem Koks und
von der als Ausgangsmaterial benutzten Kohle als Proben in die Vereinigten
Staaten, wo von Mitgliedfirmen des Industrieverbandes für Eisen und Stahl
Tests mit dem Ziel durchgeführt werden, für die Koks- und Stahlproduktion
umweltfreundlichere Verfahren zu entwickeln.

- 2-

�\ -

•

•»

- Beide Länder tauschten Mikrobenkulturen und Kulturen bestimmter
anderer Organismen aus, die unschädlich sind und in der Landwirtschaft zur
biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden könnten.
- Ein amerikanischer Wissenschaftler nahm an einer Fahrt des sowjetischen
Forschungsschiffes MUSSON im MitteUtlantik teil, auf der u. a. Verfahren
zur internationalen Standardisierung chemischer Analysenmethoden 'ür die
Bestimmung von öl und Mineral öl Produkten in Meerwasser getestet wurden.
- Die beiden Länder tauschten zum ersten Mal Expertendelegationen aus,
die Planung und Bau von Rohrleitungen in Dauerfrostgebieten wie Alaska und
Sibirien unter dem Gesichtspunkt untersuchen, Umweltschäden im Ökosystem
des hohen Nordens so gering wie möglich zu halten.

+ + + +

- 3 -

+

�I

Wi//en/chaft
imö Technik
United States Information Service

2/1977

VIKING-GERÄTE SOI-iJIEREN WEITER

Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten
Programme bis Oktober 1977

- (AD) - Ein "höchst ungewöhnliches Ereignis" registrierte das Seismometer von VIKIH 2 am 7. November H
gegen 1900 Uhr. Unter normalen
Umständen könnten die über ca. 30 Minuten aufgezeichneten Meßdaten als
Marsbeben der Stärke 6 nach der Richterskala interpretiert werden, dessen
Epizentrum in etwa 7000 km Entfernung vom Standort der Sonde lag. Das
Kurvenbild ähnelt auffallend den Meßdaten von seismischer Aktivität auf dem
Mond. Dr. Don L. Anderson, Chef des seismologisehen Instituts der
Technischen Universität Kalifornien in Pasadena und Leiter des SeismologieProjekts im VIKING-Programm, warnt jodoch vor voreiligen Schlüssen. Die
Aufzeichnung war die erste dieser Aru, die auf dem Mars gemacht wurde. Im
Januar 1977 wurde erneut eine schwache Erschütterung registriert. Die
Bestätigung durch eine zweite Station gibt es noch nicht, weil nur das VIKING 2
Seismometer arbeitet. Man hofft allerdings, das seit der Landung im Juli
1976 festgeklemmte Gerät von VIKING 1 in den nächsten Wochen doch noch
lösen und betriebsbereit machen zu kennen.

Postfach 300,
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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Das "Ereignis", über das Dr. Anderson im Januar 1977 berichtete,
fiel bereits in die insgesamt fünfwöchige Nachrichtenpause von November/
Dezember 1976, während der die Sonne die Sicht von der Erde zum Mars verdeckte.

Deshalb erfuhren die Wissenschaftler im Jet Propulsion

Laboratory (JPL), der VIKING-Flugleitzentrale, erst nach der Wiederaufnahme der Funkverbindungen zu den beiden Orbiter- und VIKING-Landegeräten
in der zweiten Dezemberhälfte davon, als sie die in der Zwischenzeit von
den VIKING-Sonden gespeicherten Meßdaten und Fotos abriefen.
Angesichts der riesigen Vulkane und der oft Hunderte von Kilometern
weiten Felder erstarrter Lava auf dem Mars, die durch die Fotos der
VIKING-Orbiter immer besser bekannt werden, wäre die Erfassung tektonischer
Vorgänge für die Wissenschaft von größtem Interesse. Seismische Aktivität
gibt Anhaltspunkte für den Aufbau eines Planetenkörpers und die Temperaturbereiche im Innern. Sie könnte die Frage beantworten helfen, ob der Mars
im geologischen Sinne noch aktiv oder ein bereits "ausgebrannter",
sterbender Planet ist. Wie "lebendig" z.B. unsere Erde noch immer ist,
zeigen die Erdbeben und Vulkanausbrüche an der Oberfläche, auf festem
Land und unter den Meeren. Druckkräfte auf Grund der Vorgänge im heißen
Erdinnern waren und sind noch immer die Ursache für das Aufbrechen und Auseinanderdriften der Kontinente, für das Werden und Vergehen großer Meere.
Der Wind bläst nach der Uhr
Meßdaten des VIKING 2-Seismometers verraten außerdem, wie stark die
täglichen Luftbewegungen den Roboter in der Utopia-Ebene vibrieren lassen.
Der Wind setzt um die Mittagszeit ein, verstärkt sich gegen 14 Uhr und
flaut gegen 17 Uhr ab, um eine Stunde später fast ganz zu erlöschen. Man
könnte, so Dr. Anderson, "die Uhr danach stellen". In Abständen von ca.
45 Minuten wird der Wind für etwa eine Viertelstunde stark böig. Die
größte Windstärke, die VIKING 2 bisher gemessen hat, sind 46 km pro Stunde.
Weder Wind noch mögliche Erschütterungen durch den Betrieb anderer Bordinstrumente vermögen nach den bisherigen Erfahrungen die Meßgenauigkeit des
Seismometers zu beeinträchtigen.
Die
- 2 -

�Die Bewährungsprobe im Staubsturm steht allerdings noch aus. Von
früheren Fernbeobachtungen weiß man, daß Staubstürme mit enormer Energie
über die Marsoberfläche dahingegen. Die ersten werden Anfang April erwartet; wie die Kameras und der Greifarm mit seinem empfindlichen
Mechanismus auf Staubbombardements reagieren werden, bleibt abzuwarten.
Änderungen im Wettergeschehen kündigten sich schon Ende Oktober an. Am
Standort von VIKING 1 in der Chryse-Region ging der Luftdruck von 7,7
Millibar (z.Zt. der Landung am 20. Juli 1976) auf 6,5 Millibar zurück, an
dem ca. 7000 km entfernten und 1400 km näher zum Nordpol gelegenen Standort
von VIKING 2 (auf der anderen Seite der Nordhalbkugel) sank er von 7,74 auf
7,4 Millibar. Eine durchziehende "Wetterfront" verursachte in der UtopiaRegion fünf Tage lang einen weiteren Luftdruckabfall. Der bis dahin mit der
Tageszeit umlaufende leichte Wind verstärkte sich um 18 - 35 km/st und blies
nun stetig aus Nordost. Nach Ansicht von Prof. Seymour Hess (Universität
Florida), der das VIKING-Meteorologieprogramm leitet, sind auf dem Mars bis
April noch "dramatische Veränderungen" im Wettergeschehen zu erwarten.
Kohlendioxideis am "Winterpol"
Als Ursache für die in der Zwischenzeit eingetretene Stabilisierung des
Luftdrucks vermuten die Wissenschaftler das Ende einer Periode der
Kondensation von atmosphärischem Wasserdampf, vor allem aber von Kohledioxid in dem in tiefem Winter liegenden Südpolgebiet. Daß demgegenüber
die noch vorhandenen Reste der Eisdecke am Nordpol, w,o der Sommer allmächlich
zur Neige geht, hauptsächlich aus Wassereis bestehen, wurde mit Hilfe der
Meßgeräte des VIKING 2-0rbiters bereits nachgewiesen. Um die Polregionen
künftig noch besser unter die Lupe nehmen zu können, hat man die Umlaufbahn
von Orbiter 2 so geändert, daß sich die Sonde im unteren Bahnbereich dem
Mars auf 800 km anstatt, wie bisher, nur auf 1500 km nähert.
"Das Radiometer", erklärter. Gerald Soffen (VIKING-Projektleiter
während der ersten Beobachtungsphase. Ende Dezember 1976 für die "erweiterte" Phase durch Dr. Calvin Broome abgelöst.),"hat uns die Augen für
Kondensationsprozesse an den Polen geöffnet, an die zuvor überhaupt niemand

�niemand dachte."

Offenbar wird Kohlendioxid (CO2) nur am jeweiligen

"Winterpol" als Eis deponiert.

Dieses Reservoir löst sich wieder auf,

sobald die Eiskappe im Sommer abzuschmelzen
Teil des Wassereises zurückbleibt.

beginnt, während der größte

Durch besondere sorgfältige Messungen

der Druck- und Temperaturwerte im Verlauf des Jahres 1977 hofft man,
Anhaltspunkte für die Menge des am Winterpol abgelagerten KohlendioxidEises zu bekommen.
Die beiden Orbiter sollen außerdem den Veränderungen der Wasserdampfkonzentration in der gesamten Marsatmosphäre auf der Spur bleiben.

Denn

es zeigte sich, daß diese je nach Breitengrad, Tages- oder Jahreszeit stark
variiert: Während der Sommermonate lag auf der Nordhalbkugel die Konzentration in der Nordpolregion um etwa das Tausendfache höher als in Südpolnähe.
"Wir haben Dunst, wolkenähnliche Schwaden und Nebel gesehen, wo später
Sanddünen zum Vorschein kamen", sagt Dr. Soffen.

Messungen zur vertikalen

Verteilung von Wasser haben gezeigt, daß die stärkste Konzentration am
Boden zu finden ist.

Jetzt geht es u. a. darum, genauer festzustellen, wo

sich die Dauerfrostgebiete auf dem Planeten befinden und wieweit sie
reichen.

Vielleicht ergeben sich sogar Hinweise darauf, wie es - bei

höheren Temperaturen und wesentlich dichterer Atmosphäre, die im übrigen
Bestandteile wie die Erdatmosphäre aufweist - zu den Stromsystemen und zu
den massiven Überschwemmungen kam, die den Mars einst heimgesucht haben
müssen.
Auf einem Nordpolfoto des Orbiter 2 von En^e Oktober 1976 sind am
Rande von Gletschern mit verhältnismäßig dünnem Eis steile, ca. 500 m
tiefe Abhänge zu erkennen. Sie sind terrassenförmig gegliedert, einzelne
"Stufen" könnten bis zu 50 m hoch sein. Die Regelmäßigkeit der Schichten
läßt Zusammenhänge mit periodischen Veränderungen der Rotationsachse und der
Marsumlaufbahn um die Sonne vermuten, etwa von einer Kreis- zu einer
Ellipsenbahn und umgekehrt. Sie dürften auch die Frequenz und Intensität
von Staubstürmen und somit die Mengen von Material beeinflussen, aus denen

- 4 -

�denen Sedimentschichten im Terrain entstehen.

Auch dieErde ist solchen

periodischen Veränderungen ausgesetzt, die möglicherweise auch den Rhythmus
von Eiszeiten und Warmperioden mitbestimmen.

Nach den neuesten

Erkenntnissen der Forschung scheint dabei die Massenanziehung des Jupiter,
des "Königs der Planeten" in unserem Sonnensystem, eine wichtige Rolle zu
spielen.

Es sieht ganz so aus, als verdankten wir auf der Nordhalbkugel

der Erde die wärmeren Perioden nach einer Eiszeit der Einwirkung des
Jupiter.
Die Foto-Aufklärung der Nordpolregion des Mars ist gegenwärtig stark
beeinträchtigt, weil über dem Gebiet eine "Haube" aus Wasserdunst liegt.
"Das haben wir jetzt am Nordpo' erwartet", meint Dr. Michael Carr vom
Geologischen Bundesamt der USA. "Völlia überrascht wurden wir jedoch von
der Ausbildung einer ähnlichen Nebelhaube über dem Südpo"." Die Beobachtung
des Wassertransports innerhalb der Marsatmosphäre schält sich immer mehr als
eine Aufgabe von größter Bedeutung heraus, wenn sie auch nie soviel öffentliche Beachtung finden wird wie etwa die Frage nach der Existenz von Leben
auf dem Mars.
Mikroben im Kälteschlaf?
Für die Apparaturen der biologischen Labors an Bord der beiden VIKINGLander wurden angesichts der verblüffenden und teilweise unerklärlichen
Ergebnisse der ersten dreieinhalb Forschungsmonate einige Arbeitsprogramme
geändert. Die Frage, ob es Leben auf dem Mars gibt oder jemals gegeben
haben könnte, läßt sich vorläufig weder mit "Ja" noch mit "Nein" beantworten.
Die Wissenschaftler haben bei einem der Experimente die Inkubationszeit für
Bodenproben, in der vielleicht doch vorhandene Organismen aus einem Kälteschlaf geweckt werden könnten, von 90 auf 200 Tage verlängert. Das Modell
dazu lieferten Reaktionen, die man in Bodenproben aus der Antarktis und
Arktis beobachten konnte: Die darin enthaltenen Mikroben machten sich erst
nach mehr als sechs Monaten bemerkbar.
Dr. Harold Klein,
—

- 5 -

.11-

—

I.

—

—

—

•

•

,

-

-

,,,,,

�Dr. Harold Klein, Chefbiologe des VIKING-Programms, berichtet, daß
bei einem der recht komplizierten Inkubationsexperimente unter Zusatz
einer Nährlösung und mit anschließendem chemischen Aufbrechen des Produkts
durch Erhitzen eine "zwar sehr geringe, aber doch bemerkenswerte Menge von
organischem Material" gefunden worden sei.

Das Ergebnis habe gezeigt, daß

"bei diesem Experiment etwas vor sich gegangen ist".

Aber die Synthese der

winzigen Menge von organischem Material im Licht und von einer noch kleineren
Menge in Dunkelheit wurde durch eine geringe Menge Wasser sofort zum Stillstand gebracht.

"Sollte es sich um biologische Vorgänge gehandelt haben", so

Dr. Klein, "wäre es eine höchst eigenartige Biologie, wenn Wasser sie
auslöschen kann."
Die Entdeckung durch die VIKING-Landegeräte, daß die kohlendioxidreiche
Marsatmosphäre auch molekularen Stickstoff (dazu Stickstoffoxid) und Sauerstoff enthält, nährt erneut den Verdacht auf die Entwicklung von Leben auf
dem Mars. Eine weitere Überraschung war der ungewöhnlich hohe Anteil von
Sauerstoff im Bodenmaterial. Am Standort von VIKING 1 wie von VIKING 2 ist
die Konzentration 20 Mal größer als erwartet. Die Bodenproben wirken wie
Oxydantien, wenn sie mit den Nährlösungen im Biolabor zusammengebracht
werden - es kommt zu Reaktionen, die sowohl chemischer als auch biologischer
Natur sein könnten. Die Auffindung des eisenreichen Tonminerals Montmorillorit, das häufigste aller Mineralien überhaupt, führte außerdem die
Forscher auf eine neue Spur: Montmorillorit wäre z. B. ein ausgezeichneter
Katalysator, um Aminosäuren zu Proteinen zu verbinden. Dies hatte der
Chemiker Aram Katchalski vom Weizmann-Institut in Israel mit seinen
Forschungen bereits nachgewiesen. Sie zeigen einen der Wege auf, den
die biologische Evolution unter Verwendung toter Materie gegangen sein
könnte.

+ + + + +

- 6 -

�I

Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service

2/1977

NEUES BORDKONTROLLSYSTEM SCHAFFT RAUM IM COCKPIT

- (AD) - Nach zweijähriger Erprobung in einem Flugsimulator wird im
Laufe dieses Jahres zum ersten Mal an Bord einer Boeing 737 ein neuartiges
elektronisches Sicherungssystem für Passagier- und Frachtflugzeuge getestet,
das den Piloten und den Fluginqenieur ohne jede Verzögerung mit Informationen über den jeweiligen Zustand der Bordsysteme versorgt. Wie H.W.
Withington, Technischer Direktor der Boeing-Flugzeugwerke, auf einer
Tagung des "American Institute for Astronautics and Aeronautics" (AIAA) in
Washington berichtete, genügt für die Cockpitbesatzung der Blick auf einen
Bildschirm, um sofort die Störquelle zu erkennen und Korrekturmaßnahmen zu
treffen.
Das Herz des Systems ist ein Digitalcomputer, der Informationen von
zahlreichen Sensoren im Flugzeug in eine Form umsetzt, die das Ablesen der
Ergebnisse vom Signal schirm zweier Kathodenröhren ermöglicht. Ober eine
Tastatur unterhalb der Schirme kann der Pilot auch einzelne Informationsgruppen, etwa die Checklisten vor Start und Landung, die Druckwerte in den
hydraulichen Systemen, die Treibstoff-Förderung, Abgastemperaturen und
andere wichtige Daten abrufen.

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�%

Das neue System würde zahlreiche Meßuhren, Anzeigegeräte und Bedienungsknöpfe überflüssig machen, mit denen ^as Cockpit eines modernen Flugzeuges
vollgestopft ist.

Die Folge: Viel bessere Übersicht für Piloten und Flug-

ingenieur bei geringerer Beanspruchung, mehr Raum im Cockpit, Einsparung von
Gewicht und, alles in allem, mehr Sicherheit.

Bei Störungen in einem der

Bordsysteme leuchtet sofort das Alarmsignal auf; gleichzeitig wird die
Fehlerquelle angegeben.

Daraufhin wählt der Pilot die entsprechende Prüf-

liste an, die ihm auch Instruktionen zur bestmöglichen Beseitigung der
Störung erteilt.

Auch Störungen innerhalb des Überwachungssystems werden

sofort signalisiert.
Militärflugzeuge wie die F-14 sind bereits mit solchen Anzeigesystemen
ausgerüstet.

Die kommerzielle Luftfahrt sieht sich allerdings erst jetzt

in der Lage, sie zu übernehmen, da nunmehr Größe und Preis der Dicjitalcomputer soweit reduziert sind, daß der Einbau der für ein Großflugzeug
erforderlichen Systeme auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus tragbar
erscheint.

+ + + + +

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

1

I
3

United States Information Service

12. Januar 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Warren B. Christopher: Der neue Stellvertretende Außenminister der USA
Das neue Team im US-Außenministen'um
John E. Reinhardt: Neuer Direktor des US-Informationsamtes (USIA)

HINTERGRUNDMATERIAL
Schädlingsbekämpfung in Entwicklungsländern
AID legt Bericht über amerikanische Hilfsaktionen vor

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Solarheizung kann mit Elektroheizung konkurrieren

Um Übef/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Dokumentation

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United States Information Service
1/1977

WARREN M. CHRISTOPHER: DER NEUE STELLVERTRETENDE AUSSENMINISTER DER USA

Washington - (AD) - Der designierte Außenminister der USA, Cyrus Vance,
hat den 51jährigen Anwalt aus Los Angeles, Warren M. Christopher, zu seinem
Stellvertreter ausersehen. Vance folgt damit der von Jimmy Carter verkündeten "Generallinie", die es den neuen Kabinettsmitgliedern freistellt,
ihre engsten Mitarbeiter selbst zu benennen. Christopher hat zwar auf
internationaler Ebene relativ geringe Erfahrungen,erwies sich jedoch als
stellvertretender amerikanischer Justizminister während der letzten beiden
Jahren der Amtszeit Präsident Johnsons als geschickter Verhandlungsführer.
Außerdem war er Anfang der sechziger Jahre Berater des amerikanischen
Außenministeriums und nahm in dieser Eigenschaft an verschiedenen internationalen Verhandlungen über Fragen des Textilhandels teil.
Warren M. Christopher wurde am 27. Oktober 1925 in Scranton, North
Dakota, geboren. Er absolvierte ein Jurastudium an der Stanford-Universität
in Kalifornien und war dann zunächst als Mitarbeiter des Richters am Obersten
Bundesgerichtshof der USA, William 0. Douglas, tätig, bevor er sich einem
Anwaltsbüro in Los Angeles anschloß und für die Demokratische Partei aktiv
wurde. Während der Rassenunruhen der sechziger Jahre wurde er weithin in
den USA bekannt, zunächst als Mitglied der Unte»suchungskommission von
Kalifornien, die sich mit den Unruhen in Watts bei Los Angeles befaßte, und
dann durch seine Tätigkeit in Detroit nach den dortigen Vorfällen im Jahre
1967. Damals arbeitete er eng mit Cyrus Vance zusammen, den Präsident
Johnson als Krisenbewältiger in die Automobilmetropole entsandt hatte. Der
dama'ige amerikanische Justizminister Ramsey Clark holte Christopher dann
nach Washington, wo sich dieser als Vertreter deL US-Justizministeriums mit

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�mit der Beilegung der Unruhen nach der Ermordung von Martin Luther King
befaßte.
Christopher ist mit Marie Josephine Wyllis verheiratet; das Ehepaar
hat vier Kinder.

+ + +

2 -

�Dokumentation
United States Information Service

1/1977

DAS NEUE TEAM IM US-AUSSENMINISTERIUM

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
und der künftige amerikanischen Außenminister, Cyrus R. Vance, haben nun das
Team zusammengestellt, das die wichtigsten Posten im State Department besetzen soll.

Nach Warren M. Christopher, der als Stellvertreter von Vance vor-

gesehen ist, wurden folgende Persönlichkeiten für die höchsten Ämter im amerikanischen Außenministerium nominiert:

Philip C. Habib: Staatssekretär für Politische Angelegenheiten
Philip C. Habib wird seinen Posten - das dritthöchste Amt im State
Department - beibehalten.

Er hatte diese Position vor einem Jahr übernommen.

Habib, 56 Jahre alt, ist Berufsdiplomat.

Er vertrat sein Land in der

Republik Korea, nachdem er zuvor von 1968-1971 Hauptberater der amerikanischen
Delegation bei den Pariser Vietnamverhandlungen war.

Während seiner 28jährigen Tätigkeit als Berufsdiplomat hat Habib sich
weitgehend mit asiatischen Fragen befaßt.

Nach dreijährigem Aufenthalt als

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�&gt;

als Botschafter der USA in Seoul wurde er 1974 auf den Posten des Unterstaatssekretärs für ostasiatische und pazifische Angelegenheiten im State Department
berufen.

Von 1965-1967 war er als Berater für politische Fragen im Rang eines

Gesandten in Saigon tätig.
Richard N. Cooper: Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten
Der Wirtschaftsprofessor an der Yale-Universität, Richard N. Cooper,
ist zum Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium ernannt worden.

Dieses ist der vierthöchste Posten im State Department.

Cooper ist 42 Jahre alt und hat als Wirtschaftsfachmann in den USA einen hervorragenden Ruf.

Unter Präsident Johnson war er bereits stellvertretender

Unterstaatssekretär für Internationale Währungsfragen.
Lucy Wilson Benson: Staatssekretärin für Militärhilfe
Zur Staatssekretärin für Militärhilfe (Security Assistance) ist die 49jährige Lucy Wilson Benson ernannt worden. Dies ist der höchste Posten, den
je eine Frau im amerikanischen Außenministerium innegehabt hat. Bisher wurde
von diesem Amt aus die Unterstützung geleitet, die die USA anderen Ländern für
die Erhaltung ihrer Sicherheit gewähren. In der neuen Mannschaft soll ihr
jedoch besondere Verantwortung für die Bemühungen übertragen werden, die Ausbreitung von Kernwaffen einzudämmen und sicherzustellen, daß die Kernenergie
ausschließlich für friedliche Zwecke verwendet wird.
Mrs. Benson war früher Präsidentin der Liga der weiblichen Wähler und
hat sich im Staate Massachusetts lange Zeit mit Gesundheits- und Wohlfahrtsprogrammen sowie mit Fragen der Jugendkriminalität befaßt.

Anthony
- 2 -

�Anthony Lake: Leiter der Abteilung Politik und Planung
An die Spitze der Politischen Planungsabteilung des amerikanischen Außenministeriums tritt Anthony Lake, der dem Überleitungsteam Carters
Ministerium vorstand.

in diesem

Lake ist 37 Jahre alt und hat Carter während des Wahl-

feldzuges in außenpolitischen Fragen beraten.
Lake hat sich vom Direktorposten einer privaten Hilfsorganisation beurlauben lassen - einen Posten, den er 1970 übernommen hatte, nachdem er sich
aus Protest gegen die amerikanische Invasion in Kambodscha vom Stab Kissingers
getrennt hatte.
Richard Moose: Stellvertretender Staatssekretär für Verwaltungsfragen
Zum Stellvertretenden Staatssekretär für Verwaltungsfragen im State
Department ist Richard Moose ernannt worden.

Moose war bisher Leiter des

Arbeitsstabes des Senatsunterausschusses für die Auslandshilfe, der dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats unterstellt ist. Außerdem gehörte er dem Arbeitsstab des Nationalen Sicherheitsrates unter Kissinger an.
Auf seinem neuen Posten wird sich Moose vor allem mit Personal fragen befassen.

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Dokumentation
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1/1977

JOHN E. REINHARDT: NEUER DIREKTOR DES US-INFORMATIONSAMTES (USIA)

Washington - (AD) - Dr. John E. Reinhardt, der von dem neugewählten
Präsidenten Carter nominierte Direktor des US-Informationsamtes - U.S. Information Agency oder abgekürzt USIA - ist der erste Direktor seit Gründung
dieser Einrichtung im Jahre 1953, der aus den eigenen Reihen kam, und der
zweite Schwarze an der Spitze dieses Amtes.
Dr. Reinhardt, dessen Nominierung Carter am 7. Januar 1977 bekanntgab,
trat im Jahre 1956 in den Informationsdienst (United States Information
Service - USIS, wie die Funktionskomponente des Amtes im Ausland genannt
wird) ein. Er war zunächst Sachbearbeiter für Kulturelle Angelegenheiten
in Manila, dann Sachbearbeiter für Öffentliche Angelegenheiten in Kyoto,
um dann einen leitenden Posten in Tokio zu übernehmen. Im Jahre 1963 wurde
er Leiter der Abteilung für Kulturelle Angelegenheiten an der amerikanischen
Botschaft in Teheran und kehrte als Stellvertretender Regionadirektor für
Ostasien und den Pazifik in die Zentrale in Washington zurück. Zwei Jahre
später wurde er Regionaldirektor für Afrika und nach weiteren zwei Jahren
Regionaldirektor für Ostasien und den Pazifik.

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�Im Jahre 1971 wurde er an das Außenministerium überstellt und zum
Botschafter der Vereinigten Staaten in Nigeria ernannt - einen Posten, den
er vier Jahre innehatte.

Im April 1975 wurde er als Unterstaatssektretär

für Öffentliche Angelegenheiten ins State Department zurückberufen.
Botschafter Reinhardt hat als Berufsdiplomat den Rang eines Gesandten bei USIA relativ selten - und ist Träger zahlreicher hoher Auszeichnungen.
Nach dem Journalisten Carl Rowan (Februar 1964 bis August 1965) ist Reinhardt
der zweite Schwarze, der dieses wichtige Amt innehat.
Er wurde am 8. März 1920 in Glade Springc im Staate Virginia geboren und
wuchs in Knoxville, Tennessee auf. Am dortigen College erwarb er 1939 den
akademischen Grad eines Bachelor of Arts und bekam eine Stelle als Englischlehrer am College.

Er lehrte dann an der Pädagogischen Hochschule von North

Carolina, bis er 1942 zur Armee ging.
1946 als Leutnant ab.

Er war im Ausland eingesetzt und ging

Reinhardt setzte seine Studien an der Universität

von Wisconsin fort, wo er 1947 den Grad eines Master of Arts erwarb und 1950
zum Dr. phil. promovierte.

Anschließend erhielt er eine Professur für

Englisch am State College von Virginia, die er bis zu seinem Eintritt in den
Informationsdienst innehatte.
Dr. Reinhardt ist mit Carlyne Davis verheiratet; das Ehepaar hat drei
Töchter.

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�1/1977

SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
AID legt Bericht über amerikanische Hilfsaktionen vor

- (AD) - Für Entwicklungsländer ist eine gezielte und sachgerechte
Schädlingsbekämpfung lebensnotwendig. Man schätzt, daß heute noch jährlich
- je nach Land, Jahreszeit und Art der Nutzpflanzen - 20 bis 80 Prozent der
verfügbaren Lebensmittel durch Schädlinge vernichtet werden. Das US-Amt für
Internationale Entwicklung (AID) hat deshalb, wie aus einem jetzt veröffentlichten Bericht hervorgeht, bereits 1973 ein Programm geschaffen, um Fachleute aus Entwicklungsländern in Seminaren mit den jeweils günstigsten Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung vertraut zu machen. Für 1977 sind wiederum
drei Seminare geplant: im März in Alexandria (Ägypten), im April in Bangkok
(Thailand) und im Oktober in Bogota (Kolumbien).
In Studien der Universität Kalifornien war schon vor Jahren nachgewiesen worden, daß eine wirksame Schädlingsbekämpfung nur dann möglich ist,
wenn die jeweiligen lokalen und regionalen Gegebenheiten sehr genau berücksichtigt und die Aktionen mit Pestiziden und Chemikalien an diesen Verhältnissen orientiert werden.

Die Entwicklungsländer, in denen gegenwärtig etwa

2,5 Milliarden Menschen leben, müssen damit rechnen, daß sie im Jahr 2000

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�2000 fast fünf Milliarden Menschen zu ernähren haben.

Demgegenüber dürfte

die Bevölkerungszahl der Industrieländer, die heute ca. eine Milliarde Menschen umfaßt, im gleichen Zeitraum auf 1,4 bis 1,7 Milliarden ansteigen.
Die kommenden 24 Jahre bis zum neuen Jahrtausend werden als besonders kritisch
erachtet, weil sich erst danach die Wachstumsrate für die Zahl der Weltbevölkerung stabilisieren dürfte und auch die Nahrungsmittel Produktion erst nach
diesem Zeitpunkt dem Bedarf entsprechend zu steigern wäre.
Die Untersuchungen der Universität Kalifornien im Auftrag der AID,die in
enger Zusammenarbeit mit anderen amerikanischen Staatsuniversitäten durchgeführt wurden, ließen erkennen, daß Schädlingsbekämpfung in Entwicklungsländern häufig völlig isoliert von anderen Problemen und ohne jede Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf Mensch und Umwelt betrieben wird.

Die Studien-

gruppen, denen jeweils ein Entomologe, ein Pflanzenpathologe, ein Nematologe
und ein Spezialist für Unkrautbekämpfung angehörten, besuchten in Ostasien
sieben, in Mittelost und Vorderasien vier, im Nahen Osten und Mittelmeerraum
fünf, in Afrika acht, in Zentralamerika sechs und in Südamerika fünf Länder.
Die bisher vorliegenden 20 Berichte besagen u.a., daß Pestizide häufig wahllos, bei den falschen Pflanzen und in falscher Dosierung gebraucht werden.
In vielen Ländern erleiden jährlich Hunderte von Menschen Vergiftungen - z.B.
Landarbeiter bei der Anwendung, Familienangehörige durch die Weiterverwendung
von Chemikalienbehältern im Haushalt

oder Verbraucher infolge zu hoher

toxischer Rückstände in den Nahrungsprodukten.
Die AID-Seminare sind darauf abgestellt, nicht nur technische, für Landwirte und Agrarfachleute wichtige Informationen zu geben, sondern auch Verwaltungsbeamte aus Entwicklungsländern einzubeziehen, um ihnen sowohl die Gefahren als auch die wirtschaftlichen Verluste infolge falscher Anwendung von
Schädlingsbekämpfungsmitteln klarzumachen. Daß diese Praxis bei den Betroffenen Anklang findet, zeigt nicht zuletzt das zunehmende Interesse von Regierungen und Laboratorien vieler Entwicklungsländer an kurzfristig angesetzten
Beratungsaktionen der AID an Ort und Stelle (etwa in Ägypten, Bangladesch,
Kolumbien und auf den Philippinen) sowie an Sonderkursen wie jenen der Uni-

�Universität Miami, in denen Fragen der Wirkungs- und Qualitätskontrolle bei
Pestiziden und der bestmögliche Einsatz einzelner Präparate und Chemikalien
behandelt werden.
In allen Ländern, in denen amerikanische Hilfsprogramme im Gange sind,
läuft zumindest auch ein landwirtschaftliches AID-Programm. Es wird dafür gesorgt, daß diese Entwicklungsländer die notwendigen Geräte, verbessertes Saatgut, Düngemittel und Pflanzenschutzpräparate erhalten. Außerdem stellt die
AID nach Konsultation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Pestizide im
Zusammenhang mit Programmen zur Bekämpfung von Krankheiten (u.a. Malaria,
Schlafkrankheit und Flußblindheit in Afrika) zur Verfügung.
Die Einführung neuer Praktiken in der Landwirtschaft führte schon in
vielen Ländern oft überraschend schnell zu Produktionssteigerungen. Aber
auch die Verlagerung von Schwerpunkten im landwirtschaftlichen Bereich und
- wenn auch nur in einzelnen Gebieten - eine Verstärkung von Problemen durch
Schädlingsbefall und Krankheiten sind zu beobachten. Dies alles erfordert
die Ausbildung und gegebenenfalls die ständige Weiterbildung der Spezialisten,
die sich in Entwicklungsländern mit dem Pflanzenschutz und der Schädlingsbekämpfung befassen. Im Hinblick auf zu erwartende Anforderungen aus den
wichtigsten Entwicklungsregionen begann AID ein auf Weiterbildung zugeschnittenes Seminarprogramm, das über 38 Monate (bis Dezember 1979) laufen soll
und ca. 1,3 Millionen Dollar kosten wird. Neben einer Reihe amerikanischer
Universitätsinstitute sind auch Forschungslaboratorien des US-Landwirtschaftsministeriums an der Durchführung des Programms beteiligt.
Durch Regierungsverordnungen wurde die rechtliche Grundlage dafür geschaffen, daß in der von der AID gewährten und finanzierten Entwicklungshilfe
auch die Konsequenzen für die Umwelt im Empfängerland ermittelt und berücksichtigt werden.
amt für

Von der Bestimmung, daß die innerhalb der USA vom Bundes-

Umweltschutz (EPA) nicht zugelassenen Pestizide auch von der AID nicht

bereitgestellt werden dürfen, sind Ausnahmen möglich, sofern deren begrenzte
Anwendung in bestimmten anderen Regionen als sicher erachtet werden kann und
- 3 -

�und in den betreffenden Gebieten angemessene Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.
Die Teilnehmer an den Arbeitsgruppen und Seminaren der AID befassen
sich vor allem mit Fragen der Bekämpfung von Insekten aller Art, ferner von
Nematoden (FadenwLirmern), Unkraut, Vögeln und anderen Wirbeltieren.

Weitere

Themen sind Infektionskrankheiten und deren Erreger wie Viren, Mykoplasmen,
Bakterien und Pilze sowie die Ursachen nichtinfektiöser Krankheiten unter
der Einwirkung toxischer Minerale oder Mangel an Mineral Stoffen, Umweltbelastungen durch Chemikalien, unzuträgliche Umweltbedingungen und falsche
Landnutzung.

Dies sind die Hauptquellen für Produktivitätsverluste in der

Landwirtschaft.

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und Technik
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1/1977

SOLARHEIZUNG KANN MIT ELEKTROHEIZUNG KONKURRIEREN

- (AD) - In gut isolierten Neubauten kann nunmehr in den meisten Gebieten der Vereinigten Staaten ein Heizsystem auf der Basis von Sonnenenergie
mit herkömmlicher elektrischer Widerstandsheizung konkurrieren. Dies ergab
eine Studie, die eine amerikanische Privatfirma im Auftrag der Bundesbehörde
für Energieforschung und Entwicklung (ERDA) in den Bundesstaaten Georgia,
North Dakota, Massachusetts, South Carolina, Missouri, Texas, Colorado,
California, Wisconsin und Washington sowie in den Städten New York und
Washington durchgeführt hat.
Ein solares Heizsystem gilt der Studie zufolge dann als wirtschaftlich,
wenn die jährlichen Einsparungen an Brennstoff höher sind als die jährlichen
Kosten für Kapital und Zinsen über einen Zeitraum von fünf Jahren oder wenn
es sich innerhalb von 15 Jahren durch niedrigere Brennstoffkosten selbst trägt.
"Unser Ziel", so Dr. Henry Marvin, Direktor der Abteilung Sonnenenergie der
ERDA, "ist eine Verringerung der Kosten für solare Installationen um 50 Prozent bis zum Jahr 1980 durch den Wettbewerb auf dem Markt, verbesserte Leistung, Kostensenkung bei Ausrüstungen und Einbau und möglicherweise mit Hilfe
wirtschaftlicher Anreize. Dann könnten solare Heizsysteme in den meisten Re-

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�Regionen unseres Landes mit allen Brennstoffen, auch mit Erdgas, konkurrieren."
In der Studie wurden Brennstoffkosten und Witterungsverhältnisse sowie
die Kosten für Hausbesitz in den verschiedenen Regionen berücksichtigt. Es
wurde davon ausgegangen, daß die Häuser neu sind und nicht für eine Installsation mit einem Solarsystem umgebaut wurden.

Sie haben Ziegelverkleidung,

ein Asphaltdach, Doppelfenster und eine 30 cm dicke Isolierung im Dachgeschoß.
Die Solarheizung ist das primäre Heizsystem, jedoch ist das Haus noch mit einer
konventionellen Heizung für Notfälle ausgerüstet.

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