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                    <text>Information
und

I

PTIÜ'JIIWIUIT
»

United States Information Service

22. März 1978
I N H A L T

DOKUMENTATION
Carter: Die USA stehen zu ihren Verteidigungsverpflichtungen
- Rede Präsident Carters vor der Wake Forest-Universität Carter unterzeichnet Nonproliferationsgesetz
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten Rede Goldbergs auf der Abschlußsitzung der KSZE-Nachfolgekonferenz
- US-Botschafter bezeichnet Konferenz als erfolgreich INFORMATION
USA lehnen sowjetischen Antrag auf Verbot der Neutronenwaffe ab
Botschaft Carters ar die UN-Menschenrechtskommission
WIRTSCHAFT
Amerikanische Dlimporte 1978 zeigen sinkende Tendenz
- von unserem Korrespondenten John Holway HINTERGRUNDMATERIAL
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Die NATO zwischen den Gipfeltreffen
- Interview mit dem amerikanischen NATO-Botschafter W. Tapley Bennett
Nahrungsmangel und Fehlernährung
- Dritte Welt braucht bessere Verteilung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Behandlung von Entzugssymp';omen mit synthetischem Endorphin
Schutzantrich für Aluminiumboote
SchalIwellen-Spektrometer beschleunigt Analyse

Um Über/endung von
ßcIcgcKcmpkiren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1

Dokumentation
»

United States Information Service

22. März 1978

CARTER: DIE USA STEHEN ZU IHREN VERTEIDIGUNGSVERPFLICHTUNGEN
- Rede Präsident Carters vor der Wake Forest-Universität -

WINSTON-SALEM, NORTH CAROLINA - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am
17. März 1978 in einer Rede vor der Wake Forest-Universität in Winston-Salem
im Bundesstaat North Carolina einen Oberblick über die Verteidigungsanstrengungen der Vereinigten Staaten gegeben und dabei unterstrichen, daß die USA
immer zu ihren Verteidigungsverpflichtungen stehen werden.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vor 198 Jahren haben 400 nordkarolinische Milizsoldaten im südlichen
Teil Ihres Staates die Waffen in unserem Unabhängigkeitskrieg erhoben. Gegenüber einer Streitmacht von 1300 britischen Soldaten errang die nordkarolinische Miliz einen Sieg:

und ihre Schlacht von Ramsour's Mill wurde ein

Schritt auf dem Weg zum Sieg von Yorktown ein Jahr später.
Ihre Vorfahren in Nordkarolina, meine in Georgia und Ihre Nachbarn im
ganzen Gebiet der 13 Kolonien errangen ihre Freiheit im Kampf.

Das ist ein

Opfer, da$ Amerikaner in der Geschichte unserer Nation wiederholt zu bringen
hatten.

Wir haben gelernt, daß Stärke der beste Schutz der Freiheit ist.
Das

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Das ist eine Verpflichtung und ein Opfer, die ich so gut verstehe, ist
doch die Tradition des Militärdienstes in meiner eigenen Familie tief verwurzelt.

Mein erster Vorfahr, der sich in Georgia niederließ, James Carter, nahm

am Befreiungskrieg teil.

Mein Vater war Oberleutnant der Armee im ersten Welt-

krieg, und mein ältester Sohn meldete sich als Freiwilliger nach Vietnam.

Ich

selbst brachte elf Jahre meines Lebens als Angehöriger der amerikanischen Marine
zu.

Das ist für viele amerikanische Familien typisch.
Durch die Generationen hindurch blieb der Zweck unserer Streitkräfte der

gleiche:

Unsere Sicherheit zu verteidigen, wenn sie bedroht wird, und durch

erwiesene Stärke die Aussichten zu vermindern, daß wir wieder werden kämpfen
müssen.
Folgende Worte John F. Kennedys leiten uns noch immer in unserem Handeln:
"Der Zweck unserer Waffen ist der Friede, nicht der Krieg - sicherzustellen,
daß sie niemals angewendet werden."
Dieser Zweck ist unverändert der gleiche.

Die Welt aber hat sich verän-

dert, und unser Eingehen auf sie muß sich mit ihr verändern.
Heute morgen möchte ich zu Ihnen über Fragen der nationalen Sicherheit
sprechen:

Wo wir heute stehen, mit welchen Umständen wir konfrontiert sind,

und was wir in der Zukunft tun werden.
Lassen Sie mich eingangs auf einige irrige Vorstellungen hinweisen.
Eine dieser Vorstellungen besagt, daß sich dieses Land irgendwie davon
zurückziehe, seine Interessen und Freunde rund um die Erde zu schützen.

Das

ist nicht der Fall, wie in dieser Rede dargelegt und in unseren Handlungen
als Nation demonstriert werden wird.
Eine andere wiederum besagt, unser Verteidigungshaushalt sei eine zu
große Belastung und beanspruche einen ungebührlichen Anteil an den Einkünften

�Einkünften des Bundes.

Die nationale Verteidigung ist natürlich ein umfang-

reicher und wichtiger Ausgabenposten; er macht jedoch lediglich fünf Prozent
unseres Bruttosozialproduktes aus und nimmt schätzungsweise ein Viertel unseres derzeitigen Bundeshaushalts in Anspruch.
Es wäre auch ein Fehler, zu glauben, daß die Verteidigungsausgaben unseres
Landes in erster Linie auf Interkontinentalraketen oder Kernwaffen entfallen.
Etwa zehn Prozent unseres. Verteidigungshaushaltes entfallen auf die strategischen Streitkräfte für Zwecke der nuklearen Abschreckung,

über 50 Prozent

hiervon ist einfach dafür aufgewandt, die Männer und Frauen in unseren Streitkräften zu bezahlen.
Schließlich meinen einige Leute, wir brauchten angesichts der Tatsache,
daß wir Nuklearwaffen von großer Zerstörungskraft besitzen, weiter nichts mehr
zu tun, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Unsere potentiellen Gegner
haben inzwischen mit konventionellen Waffen - Panzer, Flugzeuge, Infanterie
und motorisierte Einheiten - ausgerüstete Streitkräfte aufgebaut. Diese
Truppen könnten zur politischen Erpressung benutzt werden und unsere lebenswichtigen Interessen bedrohen, sofern wir und unsere verbündeten Freunde nicht
unsere eigene konventionelle Stärke als Gegengewicht verfügbar haben.
Natürlich beruht unsere nationale Sicherheit auf mehr als lediglich
der militärischen Macht. Sie beruht zum Teil auf der Produktionskapazität
unserer Farmen und Fabriken, auf angemessenen Vorräten von Rohstoffen, auf
einem Wirtschaftssystem, das die Freiheit des Menschen über die zentralisierte
Kontrolle stellt, auf den kreativen Ideen unserer besten Hirne, auf harter Arbeit, auf dem Zusammenhalt, der moralischen Stärke und der Entschlossenheit
unseres Volkes und auf der Freundschaft unserer Nachbarn. Unsere Sicherheit
hängt von starken Bindungen zu unseren Verbündeten und davon ab, ob andere
Nationen in Frieden zu leben bestrebt sind und sich des Versuchs enthalten,
die Anliegerstaaten zu beherrschen.
Ausreichende und tüchtige Streitkräfte sind aber noch immer ein wesentliches Element unserer nationalen Sicherheit. Wir haben wie unsere Vorfahren
- 3 -

�i

Vorfahren die Verpflichtung, eine militärische Stärke aufrechtzuerhalten,
die den Herausforderungen der Welt, in der wir leben, angemessen ist.
Lassen Sie uns überprüfen, inwieweit sich die Probleme der nationalen .
Sicherheit in den letzten ein bis zwei Jahren verändert haben.
Die Welt wurde vielschichtiger und geriet in wachsende wechselseitige
Abhängigkeit.

Es bestehen heute Spaltungen unter den kommunistischen Mächten;

die alten Kolonialbereiche sind zusammengebrochen, und viele neue Staaten
sind an ihre Stelle getreten.

Alte ideologische Etikettierungen haben teil-

weise ihre Bedeutung verloren.
Veränderungen sind auch im militärischen Gleichgewicht unter den Staaten eingetreten.

Im Verlaufe der letzten 20 Jahre haben die Streitkräfte

der Sowjetunion beträchtlich zugenommen:

Sowohl in absoluten Zahlen als

auch im Verhältnis zu unseren eigenen.
Es hat sich auch eine unheilvolle Neigung seitens der Sowjetunion gezeigt, ihre militärische Macht einzusetzen - um in örtliche Konflikte mit Beratern, Ausrüstungen und mit voller logistischer Unterstützung und Ermutigung für Söldner aus anderen kommunistischen Ländern einzugreifen, wie wir
dies heute in Afrika beobachten können.
Diese Verstärkung der sowjetischen Militärmacht hält seit langer Zeit
an.

Wenn man die Inflation ausklammert, haben sich die sowjetischen Militär-

ausgaben seit 1960 verdoppelt und steigen weiterhin jährlich um drei bis vier
Prozent, während unser Militärhaushalt heute effektiv niedriger ist als 1960.
Die Sowjetunion, die ihrer Tradition nach keine erhebliche Seemacht darstellte, rangiert heute hinsichtlich ihrer Stärke zur See an zweiter Stelle
in der Welt.
Hinsichtlich ihrer ausgewogenen strategischen Nuklearkapazitäten haben
die Vereinigten Staaten einen wichtigen Vorsprung aufrechtzuerhalten ver- 4 -

�vermocht, dennoch hat aber der stetige sowjetische militärische Aufbau bei
den strategischen Streitkräften zu funktioneller Gleichwertigkeit
mit den Vereinigten Staaten geführt.
Diese Veränderungen machten es erforderlich, daß wir angemessene diplomatische, wirtschaftliche und militärische Gegengewichte aufrechterhalten.
Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte bin ich für die Modernisierung,
Ausweitung und Verbesserung unserer Streitkräfte verantwortlich, wenn immer
unsere Sicherheit solche Maßnahmen erforderlich macht. Wir haben kürzlich
eine wichtige Neubewertung unserer nationalen Verteidigungsstrategie aufgestellt. In diesem Prozeß haben wir einige umfassende Prinzipien erarbeitet,
die dem Zweck dienen, unsere nationale Sicherheit während der vor uns liegenden Jahre zu gewährleisten.
- Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten und Freunden gegen jede
uns bedrohende Macht durch eine Kombination von Truppen, politischen Bemühungen und wirtschaftlichen Programmen ein Gegengewicht schaffen. Wir werden
es nicht dulden, daß irgendeine Nation die militärische Überlegenheit uns
gegenüber erlangt.
- Wir werden die Mitarbeit der Sowjetunion und anderer Nationen bei
der Verminderung der Spannungsbereiche anstreben. Wir wünschen nicht, militärisch in die inneren Affären anderer Länder einzugreifen oder regionale
Konflikte zu verstärken, und wir werden uns auch der Intervention anderer
widersetzen.
- Während wir unsere militärischen Kapazitäten aufrechterhalten, werden
wir durch verläßliche und verifizierbare Rüstungskontroll Vereinbarungen, wo
immer solche möglich sind, Sicherheit anstreben.
- Wir werden unsere großen wirtschaftlichen, technologischen und diplomatischen Vorteile dazu benutzen, unsere Interessen zu verteidigen und für
unsere Wertvorstellungen einzutreten.

Wir sind bereit, mit der Sowjetunion

- 5 -

�Sowjetunion beispielsweise zur Erreichung gemeinschaftlicher, sozialer,
wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Zielsetzungen zusammenzuarbeiten
- sollte

sie aber hinsichtlich der Raketenprogramme und anderer Truppen-

stärken keine Mäßigung zeigen und auch hinsichtlich der Entsendung sowjetischer oder als Ersatz dienender anderer Streitkräfte in Länder und Kontinente keine Zurückhaltung üben, dann wird eine derartige Zusammenarbeit bei
der Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten keine Unterstützung finden.
Diese Grundsätze bedeuten, daß wir - obwohl wir eine Einigung hinsichtlich der Rüstungskontrollen anstreben - unsere strategischen Systeme modernisieren und unsere konventionellen Streitkräfte mit neuer Stärke erfüllen.
Wir werden unsere Politik auf dreierlei Art und Weise verwirklichen:
- durch die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts bei den strategischen
Nuklearstrei tkräften;
- durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten zur Stärkung
und Modernisierung unserer Verteidigungsanstrengungen in Europa; und
- durch die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung von Streitkräften,
die ein Gegengewicht für jede Bedrohung unserer Verbündeten und unserer lebenswichtigen Interessen in Asien, im Nahen Osten und in anderen Gebieten der
Erde bilden.
Lassen Sie mich jeden dieser drei Punkte einzeln aufgreifen:
Unsere erste und fundamentalste Sorge geht dahin, einen Krieg mit Kernwaffen zu vermeiden. Die Schrecken eines nuklearen Konflikts und unser
Wunsch, die Arsenale der Welt von furchterregenden Nuklearwaffen zu befreien,
entheben uns nicht der Notwendigkeit, die Situation objektiv zu analysieren
und vernünftige Entscheidungen hinsichtlich unserer Zielsetzungen und der
Mittel zu ihrer Erreichung zu treffen.
Unsere

�Unsere strategischen Streitkräfte müssen - und das muß bekannt sein ein Gegengewicht zu den Möglichkeiten der Sowjets sein.

Diese dürfen nie

in der Lage sein, ihre nuklearen Streitkräfte dazu zu benutzen, unsere Freunde zu bedrohen, Zwang auf uns auszuüben oder uns zu erpressen.
Unsere anhaltenden energischen Bestrebungen in den SAIT-Gesprächen, die
gegenwärtig in Genf stattfinden, sind ein Mittel zur Erreichung des Zieles
der strategischen nuklearen Stabilität. Wir und die Sowjetunion haben in
einigen grundlegenden Punkten bereits Übereinstimmung erzielt, während für andere erst noch eine Regelung gefunden werden muß.
Wir erstreben keine einseitigen Vorteile. Ehe ich jedoch ein SALT-Abkommen im Namen der Vereinigten Staaten unterzeichne, werde ich sicherstellen,
daß es das strategische Gleichgewicht aufrechterhält, daß wir seine Einhaltung durch die Sowjets auf unabhängige Weise verifizieren können und daß wir
in Relation zur Sowjetunion mindestens ebenso stark sind, wie wir ohne ein
solches Abkommen wären. Aber zusätzlich zu den Begrenzungen und Verringerungen eines SALT II-Abkommens müssen wir andere Schritte unternehmen, um das
strategische Gleichgewicht zu bewahren. Im nächsten Jahrzehnt können Verbesserungen an den sowjetischen Raketen unsere landgestützten Raketenstreitkräfte gegenüber einem sowjetischen Erstschlag in zunehmendem Maße verletzlich machen. Ein solcher Angriff käme für die Sowjetunion zwar dem nationalen
Selbstmord gleich; wenn dies auch eine sehr entfernt liegende Möglichkeit
ist, stellt es doch eine Bedrohung dar, vor der wir uns ständig hüten müssen.
Wir haben eine überlegene U-Boot-Flotte, die gegenüber Angriffen relativ
unverwundbar ist, und gegenwärtig befinden sich neue Trident-U-Boote und
Trident-Rakteten im Bau, die unserer U-Boot-gestützten Raketenstreitmacht eine
noch größere Reichweite und Sicherheit gewährleisten würden. Ich habe die
unverzügliche Entwicklung und Dislozierung unserer Marschflugkörper angeordnet, um den strategischen Wert unserer Bomber zu erhöhen.

Wir arbeiten an

der interkontinentalen ballistischen Rakete des Typs M-X und an einer Trident
II-Rakete für U-Boote, um uns mehr Optionen zur Entgegnung auf strategische

- 7 -

�strategische Dislozierungen der Sowjets an die Hand zu geben.

Sollte es not-

wendig werden, die eindeutige Unverwundbarkeit unserer strategischen Abwehrkräfte zu gewährleisten, werde ich nicht zögern, Maßnahmen zu einer Entwicklung und Dislozierung dieses Systems in uneingeschränktem Ausmaß zu treffen.
Unsere strategischen Verteidigungskräfte sind dreifacher Natur:

boden-

gestützte Raketen, seegestützte Raketen und Systeme im Luftraum wie Bomber
und Marschflugkörper.

Durch die von mir umschriebenen Pläne werden alle drei

Elemente dieses Dreiersystems modernisiert und verbessert werden.

Jedes wird

die Fähigkeit beibehalten, einem Gegner vernichtende Vergeltungsschläge beizubringen.
Seit über 30 Jahre sind wir auf die Verteidigung Europas verpflichtet
- gebunden durch das Wissen, daß die Sicherheit Westeuropas entscheidend für
unsere eigene Sicherheit ist. Wir werden auch weiterhin mit unseren NAT0Verbündeten in einer Strategie der flexiblen Antwort zusammenarbeiten und:
dabei konventionelle und nukleare Streitkräfte miteinander verbinden, damit
kein Aggressor das Territorium der Freiheit bedrohen kann, das wir in der
Vergangenheit in gemeinsamem Ringen verteidigt haben.
Seit mehreren Jahren versuchen wir und unsere Verbündeten, mit den Sowjets und den anderen Staaten des Warschauer Paktes über beiderseitige und ausgewogene Reduzierungen der Streitkräfte in Europa zu verhandeln, aber in der
Zwischenzeit haben die Sowjets ihre Streitkräfte weiterhin verstärkt und modernisiert und zwar über den Stand hinaus, der für die Verteidigung notwendig ist. Angesichts dieses exzessiven sowjetischen Aufbaus mußten wir und
unsere NATO-Verbündeten wichtige Maßnahmen ergreifen, um kurzfristige Schwächen zu beseitigen und um auf langfristige Bedrohungen zu reagieren. -Wir
verstärken die in Westeuropa stationierten amerikanischen Streitkräfte beträchtlich und verbessern unsere Fähigkeit, zusätzliche Land- und Luftverstärkungen in Krisenzeiten beschleunigt zur Verteidigung Europas heranzuführen.
''
Unsere

- 8

�Unsere europäischen Verbündeten, die den Hauptteil der konventionellen
Kampfkraft der NATO stellen, verbessern ebenfalls ihre Einsatzbereitschaft,
ihre Verstärkungskapazität sowie ihre Panzerabwehr-Verteidigung.

Die Regie-

rungschefs der NATO-Länder werden im Mai an einem Gipfeltreffen in den Vereinigten Staaten teilnehmen, auf dem wir uns mit einem langfristigen Verteidigungsprogramm befassen werden, das die Verteidigungspläne der Verbündeten
erweitern und integrieren wird.
Seit vielen Jahren sind die Vereinigten Staaten eine wirklich globale
Macht. Unsere Interessen und Anliegen umfassen seit langem unsere eigenen
Sicherheitsinteressen wie auch die unserer Verbündeten und Freunde über diese
Hemisphäre und Europa hinaus.
Wir haben eine wichtige historische Verantwortung, den Frieden in Ostasien, im Mittleren Osten, im Persischen Golf und in unserer eigenen Hemisphäre zu fördern. Wir ziehen es in all diesen Gebieten dabei vor, zunächst
zu internationalen Abkommen zu gelangen, die den Gesamtstand der Rüstungen
reduzieren und die Gefahr eines Konfliktes vermindern. Aber wir haben den
Willen - und wir müssen auch die Kapazität aufrechterhalten -, unsere Verpflichtungen zu erfüllen und unsere Interessen in diesen kritischen Gebieten
zu schützen.
Im Pazifik wird unsere kollektive Sicherheit gefördert durch gemeinsame
Verteidigungsverträge mit unseren Verbündeten sowie durch unsere Freundschaft
und Zusammenarbeit mit anderen pazifischen Nationen.
Japan und Südkorea, mit den Vereinigten Staaten eng verbunden, liegen
an geographischen Stellen, wo die lebenswichtigen Interessen von Großmächten
konvergieren. Es ist unbedingt notwendig, daß Nordostasien stabil bleibt.
Wir werden unsere militärische Stärke in diesem Raum aufrechterhalten und
sie sogar noch erhöhen, unsere Stärke zur Luft verbessern, und wir werden
unsere Landstreitkräfte vermindern, so wie die südkoreanische Armee weiterhin
ihre eigene Kapazität modernisiert und verstärkt.
Im
- 9 -

�v

Im Nahen Osten und in dem Gebiet des Indischen Ozeans streben wir nach
ständigem Frieden und nach Stabilität.

Die wirtschaftliche Gesundheit und

das wirtschaftliche Wohlergehen der Vereinigten Staaten, Westeuropas und Japans hängen von dem kontinuierlichen Zugang zum öl am Persischen Golf ab.
In all diesen Situationen fällt die Haupverantwortung für die Wahrung
des Friedens und der militärischen Stabilität den Ländern dieses Gebietes zu.
Wir werden auch weiterhin mit unseren Freunden und Verbündeten zusammenarbeiten, uni ihre Fähigkeit zu stärken, Bedrohungen ihrer und unserer Interessen
zu verhindern. '•' Darüber hinaus werden wir jedoch Streitkräfte aufrechterhalten, auf die nötigenfalls zurückgegriffen werden könnte, um gemeinsame Verteidigungsanstrengungen zu unterstützen.

Auf meine Weisung hin wird der'

Verteidigungsminister schnell-dislozierbare Streitkräfte - in der Luft, zu
Lande und zur See - weiter verstärken und aufbauen, um unsere Interessen
überall auf der Welt zu verteidigen.
Abkommen über die Rüstungskontrolle sind ein wesentliches Ziel als Mittel
unserer nationalen Sicherheit; aber dies wird nur möglich sein, wenn wir eine
angemessene Truppenstärke aufrechterhalten. Wenn wir ausgewogene, verifizierbare Abkommen mit unseren Gegnern erreichen, dann kann dies die Kosten für
die Sicherheit begrenzen und die Kriegsgefahr reduzieren. Aber selbst dann
müssen und werden wir mit jeweils den Rüstungsprogrammen, die unsere Sicherheit erfordert, in wirksamer Weise vorgehen.
Wenn ich dieses Auditorium jetzt verlasse, werde ich der Besatzung
eines unserer modernsten Flugzeugträger im Atlantischen Ozean einen Besuch
abstatten. Die Männer und Frauen unserer Streitkräfte bleiben - gut ausgebildet und als patriotische Amerikaner - dem Ziel unserer gemeinsamen Verteidigung verpflichtet. Sie müssen ständig einsatzbereit sein für den Kampf in der Hoffnung, daß durch Stärke ein Kampf verhindert werden kann. Wir müssen sie in dieser Wachsamkeit immer unterstützen.
Ich habe heute ernst und nüchtern zu Ihnen gesprochen, aber das ist kein
Anlaß, pessimistisch zu sein.

Wir stehen vor einer Herausforderung, und wir
- 10 -

�wir werden alles tun, was notwendig ist, um ihr zu begegnen.

Wir werden

unser Land bewahren und schützen und werden weiterhin bemüht sein, den Frieden in aller Welt zu fördern und aufrechtzuerhalten.
Dies bedeutet, daß wir auch in Zukunft starke und wirksame Streitkräfte
unterstützen müssen.
Für den größten Teil unserer Geschichte haben sich die Menschen vergeblich gewünscht, daß die Freiheit - und die Entfaltung des menschlichen Geistes,
aus der die Freiheit erwächst - letztlich nicht von der Macht der Waffen abhängig sein möge.

Wir wie unsere Vorfahren leben in einer Zeit, wo diejenigen,

die die Freiheit zerstören würden, weniger durch ihre Respektierung der Freiheit selbst davon abgehalten werden als durch ihr Wissen, daß diejenigen, die
sich der Freiheit erfreuen, stark sind.
Wir sind eine große Nation talentierter Menschen. Wir können uns durchaus die notwendigen Kosten für unsere Streitkräfte leisten und auch eine Vergrößerung des Rahmens, wenn dies notwendig ist, um jeden Gegner von einer Unterhöhlung des Friedens auf der Welt abzuhalten. Das Geld, das wir für die
Verteidigung ausgeben, ist nicht verschwendet - genauso wenig wie dies der Fall
ist mit dem Geld, das wir für die Aufrechterhaltung einer örtlichen Polizei
ausgeben, um den Frieden zu erhalten. Durch diese Investierung erlangen wir
die Freiheit, die erstrebenswerten Ziele unserer Nation zu realisieren.
Die SUdstaatler, deren Vorfahren vor einhundert Jahren die Schrecken
eines durch Krieg verwüsteten Heimatlandes kennengelernt haben, sind besonders entschlossen, daß uns ein Krieg niemals wieder heimsuchen sollte. Alle
Amerikaner begreifen die Grundlehre der Geschichte, daß wir entschlossen und
fähig sein müssen, um Drohungen und die Beherrschung durch andere zu verhindern.
Ganz gleich, wie friedlich, sicher und leicht die äußeren Umstände unseres

- 11 -

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unseres Lebens gegenwärtig erscheinen mögen, wir haben keine Garantie dafür, daß diese Segnungen anhalten werden. Deshalb müssen wir immer die Stärke bewahren, die wir - so Gott will - niemals werden anwenden müssen.
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�Dokumentation

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United States Information Service

22. März 1978

CARTER UNTERZEICHNET NONPROLIFERATIONSGESETZ
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 10. März 1978
das vom amerikanischen Kongress verabschiedete Gesetz zur Verhütung der
Weiterverbreitung von Nuklearwaffen - Nonproliferationsgesetz - unterzeichnet, das die Politik der Vereinigten Staaten hinsichtlich der
Lieferung von Nuklearbrennstoff an andere Länder regelt.

Dabei sind

strikte Sicherheitsvorkehrungen und Einschränkungen vorgesehen.

Bei der

Unterzeichnung des Gesetzes sagte Carter, "einige unserer Freunde in
Obersee"werden ihre Politik neu ausrichten müssen.

Er habe, so betonte

der Präsident, dieses Gesetz mit anderen Staats- und Regierungschefs erörtert und er glaube, daß sie die Klugheit der Bestimmungen des "Nuclear
Non-Proliferation Act of 1978" erkennen würden.
Die Vorlage für dieses Gesetz war seit Jahren im Kongress anhängig,
kam jedoch erst zum Zuge, als Carter dieses Problem im Jahre 1976 in
seinem Wahlkampf anschnitt. Präsident Carter hat dann am 27. April 1977
in einer Botschaft an den Kongress die Verabschiedung des Gesetzes

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Gesetzes gefordert, die jetzt mit Unterstützung der beiden großen
Parteien erfolgte.
Die offizielle Erklärung des Präsidenten anläßlich der Unterzeichnung des Gesetzes hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, heute das Gesetz Nr. H.R. 8638 - Nuclear NonProliferation Act of 1978 (Nonproliferationsgesetz 1978) - zu unterzeichnen.

Das Inkrafttreten dieses Gesetzes bringt uns der Erreichung

eines Zieles näher, das die Vereinigten Staaten mit anderen Staaten gemeinsam haben - der Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von
Nuklearwaffen Einhalt zu gebieten, während gleichzeitig die friedliche
Nutzung der Kernenergie weiterhin ermöglicht wird.
Der Kongress hat auf diese Aufgabe mit Sorgfalt und Mut reagiert
und einen Rahmen geschaffen, der gewährleistet, daß wir diese Ziele erreichen.

Meine Achtung und mein Dank gehören den Senatoren Ribicoff,

Glenn und Percy, den Abgeordneten Zabiocki, Bingham und Findley und ihren
Kollegen in den Ausschüssen, die dieses Gesetz ausgearbeitet haben, sowie ihren Mitarbeitern für die Führung, die sie in dieser Frage gezeigt
haben.

Es war für mich, wie für Außenminister Vance und andere

Mit-

glieder meines Kabinetts, eine Ehre, bei der Ausarbeitung des Nonproliferationsgesetzes 1978 mit ihnen zusammenzuarbeiten.
Unsere Bemühungen, die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen zu verhindern, begannen vor über 30 Jahren, als wir den Vereinten Nationen das
Angebot machten, bestimmte Aspekte der Kernenergie unter internationalen
Besitz und internationale Kontrolle zu stellen. Die Verabschiedung des
Atomenergiegesetzes von 1954, die Billigung des Nonproliferationsvertrages (Atomwaffensperrvertrages) durch die Vereinten Nationen im Jahre
1968 und dieses Gesetzes hier haben uns auf dem Wege zur Erreichung
unserer Nonproliferationsziele ein gutes Stück weiter gebracht.
Am 7. April
- 2 -

�An 7. April und am 27. April vorigen Jahres habe ich die Politik
und die Programme umrissen, die wir einschlagen wollen, um die Risiken
der Proliferation zu verringern. Heute möchte ich die nachhaltige Verpflichtung dieser Administration zu dieser Politik bekräftigen. Wir
sind uns auch darüber im klaren, daß heute in Betrieb befindliche Kernkrafttechnologien, zu denen keine Wiederaufbereitung des Kernbrennstoffs gehört, eine wichtige Energiequelle für unser Land und für andere
Länder sein können und müssen. Unser gegenwärtiger Brennstoffzyklus
mit einem Durchgang (einmaliger Nutzung) ist ein wichtiger Beitrag zu
unserer Energieversorgung und wird es auch weiterhin sein. Richtig betrieben, kann er ohne eine Erhöhung des Risikos der Proliferation
funktionieren. Unsere Politik schlägt einen verantwortungsbewußten
Kurs ein zwischen einem Verzicht au f d^n Energienutzen der Kernkraft
und einer Verpflichtung zur kommerziellen Nutzung von Plutonium, bevor
wir wissen, ob wir mit den damit verbundenen Risiken überhaupt fertig
werden können.

Ich bin weiterhin dagegen, voreilige und unnötige Zusagen für die
kommerzielle Nutzung des Schnellen Brüters (Brutreaktors) und der
Wiederaufbereitung zu machen, wie sie in den Vereinigten Staaten am
Beispiel der Projekte Clinch River und Barnwell zu finden sind.
Wir und die anderen Nationen der Welt müssen die Zeit nutzen, die
wir heute haben, um sicherere Technologien, bessere institutionelle
Vereinbarungen und verbesserte Sicherheitsbestimmungen zu entwickeln,
die allen Ländern erlauben, ihre Energieziele zu erreichen,und gleichzeitig die Ausbreitung von Kernwaffen verhindern.
über 40 Länder haben sich uns bereits in einer Internationalen
Überprüfung des Kernbrennstoffzyklus angeschlossen, um herauszufinden,
mit welchen Mitteln wir dieses doppelte Ziel erreichen können. In
dieser Periode der Überprüfung können die weitverbreitet in Betrieb

- 3 -

�Betrieb befindlichen Reaktoren mit Uranbrennstoff benutzt werden, ohne
daß dadurch neue Proliferationsrisiken entstehen.

Wenn unsere gemeinsame

Suche nach verbesserten Institutionen und Technologien jedoch erfolgreich
sein soll, dann müssen sich alle Länder solcher Schritte enthalten, die
das Ergebnis der Internationalen Überprüfung des Kernbrennstoffzyklus
präjudizieren würden.
Das Nonproliferationsgesetz legt die Bedingungen und Kriterien fest,
die die amerikanische Zusammenarbeit mit anderen Ländern in unseren Bemühungen leiten werden, die friedliche Nutzung der Kernenergie weiterzuentwickeln.

Die Ermutigung zur weltweiten Ratifizierung des Atomwaffen

Sperrvertrages (Nonproliferationsvertrages) ist ebenso ein zentrales Anliegen des Gesetzes wie die Schaffung eines umfassenden Pakets von
Kontrollen, einschließlich der Anwendung der Sicherheitsbestimmungen
der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und einer Vereinbarung über
einen stabilen Rahmen für die internationale Zusammenarbeit und den
Handel auf nuklearem Gebiet.

Das Gesetz wird auch den Prozess für unsere

Exportlizenzierung überschaubarer machen.
Wir werden ferner Schritte unternehmen, um die Sicherheit und die
Sicherung des heute von uns praktizierten Brennstoffzyklus zu stärken
und sicherzustellen, daß er auch weiterhin eine leistungsfähige und zuverlässige Energiequelle für uns im eigenen Lande und für das Ausland
sein wird.
Im Laufe dieses Jahres werden wir umfassende politische Richtlinien für dasManagement und die Entsorgung radioaktiver Abfälle ausarbeiten, einschließlich der Verwirklichung des im vergangenen Oktober
angekündigten Programms für die Einlagerung abgebrannten Brennstoffs.
Um sicherzustellen, daß wir auch weiterhin in der Lage sind, ein
zuverlässiger Lieferant von Uranbrennstoff für jene zu bleiben, die mit
uns die Ziele der Nonproliferation teilen, schreiten wir mit der

- 4 -

�der Errichtung einer neuen Anreicherungsanlage in Portsmouth, Ohio,
voran.
Die Verhütung der nuklearen Proliferation wird nicht leicht sein manche Leute haben es sogar als unlösbare Aufgabe bezeichnet.

Ich bin

jedoch der Überzeugung, daß es einfach zwingend notwendig ist, der Ausbreitung der Kernwaffen Einhalt zu gebieten.
strengungen nicht nachlassen.

Wir dürfen in unseren An-

Die Angst vor dem Fehlschlag darf nicht

zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden.
In dem ersten Jahr unserer Administration haben wir wesentliche
Fortschritte erzielt. Die Nuklear-Lieferländer haben sich auf Richtlinien f!ir den Export von nuklearem Brennstoff und Nukleartechnologie
geeinigt und diese veröffentlicht. Die Internationale Überprüfung des
Kernbrennstoffzyklus ist im Gange. Wenn diese Vorlage jetzt Gesetz
wird, legen wir deutliche Kriterien und Anreize für die nukleare Zusammenarbeit wie auch für Sanktionen gegen Verletzungen der Sicherheitsbestimmungen fest.
Obwohl ich Vorbehalte gegenüber den zahlreichen Bestimmungen dieses
Gesetzes habe, die feststellen, daß der Kongress durch gleichlautende
Entschließung (Resolution beider Häuser) Handlungen der Exekutive außer
Kraft setzen oder billigen kann, unterzeichne ich es wegen seiner überwältigenden Bedeutung für unsere Nonproliferationspolitik.

Ich möchte

jedoch klarstellen, daß ich durch die Unterzeichnung des Gesetzes nicht
damit übereinstimme, daß der Kongress bewilligte Maßnahmen der Exekutive
durch Verfahre,, wiederrufen kann, die in der Verfassung nicht vorgesehen
sind.
Zusammenfassend möchte ich sagen, daß ich überzeugt bin, daß die
neuen Kriterien, Anreize und Verfahren dieses Gesetzes zur Lösung des
Problems der Proliferation beitragen werden. Sie werden gewährleisten
helfen, daß der Zugang zu Nuklearenergie nicht von einer Ausbreitung

- 5 -

�Ausbreitung der Fähigkeit begleitet sein wird, nukleare Sprengkörper
herzustellen. Ich räume zwar ein, daß einige dieser Bestimmungen Anpassungen seitens unserer Freunde in Übersee erforderlich machen mögen,
aber diese umfassendere Politik wird die internationale Sicherheit
wesentlich erhöhen. Ich bin überzeugt, daß c^'e erhöhte Sicherheit der
Welt die Schritte rechtfertigt, die wir alle tun i üssen, um das zu erreichen. Die Kontrolle über die Ausbreitung der Nuklearwaffen auf
unserem Planeten ist die überragende Frage unserer Zeit.
Wenn die Welt aus dem großen Potential der Kernkraft Nutzen ziehen
soll, dann müssen wir jetzt handeln, um uns und künftige Generationen
vor ihren schwersten Gefahren zu schützen. Wir in den Vereinigten
Staaten werden unser Fachwissen und unsere technischen Mittel für diese
Aufgabe einsetzen, und wir appellieren an andere Länder, das gleiche zu
tun. Wollen wir weiterhin zusammenarbeiten, um diese Ziele zu erreichen!

+ + + + +

�IUIiRrTO

ff ! 3 • i

Dokumentation
United States Information Service

8

22. März 1978

REDE GOLDBERGS AUF DER ABSCHLUSSITZUNG DER KSZE-NACHFOLGEKONFERENZ
- US-Botschafter bezeichnet Konferenz als erfolgreich -

BELGRAD - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei der Belgrader
Nachfolgekonferenz der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE), Botschafter Arthur J. Goldberg, erklärte auf der Abschlußsitzung am 8. März, diese Konferenz habe ihre Aufgabe erfüllt und
obwohl es manchmal schwierig gewesen sei, könne man sie doch als "erfolgreich" bezeichnen.
Die Ansprache Goldbergs hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, ich möchte unseren jugoslawischen Gastgebern für
die Art und Weise danken, auf die sie während dieser Konferenz für uns gesorgt haben. Das Sekretariat unter der fähigen Leitung von Botschafter
Bozinovic, die jugoslawische Delegation und die Regierung und die Bevölkerung von Jugoslawien haben alle nur möglichen Anstrengungen unternommen, um diese Konferenz zu einem Erfolg werden zu lassen. Ich
möchte meine besondere Hochachtung vor seiner Exzellenz, Botschafter

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Botschafter Pesic, zum Ausdruck bringen.

Seine unerschütterliche Haltung

und Entschlossenheit, selbst wenn unsere Arbeit in ihren schwierigsten
Stunden steckte, war eine Inspiration für uns alle.
Es ist für die amerikanische Delegation eine besondere Genugtuung,
daß sich Präsident Tito gerade in dieser Woche in den Vereinigten Staaten
aufhält, wo Präsident Carter seine persönliche Wertschätzung der einzigartigen konstruktiven Rolle ausgesprochen hat, die Jogoslawien nicht nur
auf der Belgrader Konferenz, sondern während des gesamten Prozesses des
Aufbaus von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gespielt hat.
Ich halte es für angebracht, daß ich in dieser Schlußerklärung frei
und offen die Auffassungen der amerikanischen Regierung hinsichtlich der
Belgrader Konferenz und des KSZE-Prozesses zum Ausdruck bringen, der in
Helsinki begonnen hat und in Madrid und danach fortgesetzt werden wird.
In den vergangenen Monaten hat unsere Konferenz - mit der Unterstützung durch unsere freundlichen und geduldigen jugoslawischen Gastgeber und durch die gewissenhaften Anstrengungen der Delegierten - die
Lebensfähigkeit der Konzeption von Helsinki bestätigt.
Belgrad war der Prüfstein für die Gültigkeit und Anpassungsfähigkeit des KS2E-Prozesses. Es war kein leichtes Unterfangen, aber
wir haben das Ausmaß des Prozesses abgesteckt und ihn weiter vertieft.
Aber vor allem haben wir uns verpflichtet, den Prozess zu erhalten und
sein Gedeihen zu einem gemeinsamen Anliegen zu machen.
Wir haben den Meinungsaustausch über die Verwirklichung der Bestimmungen und über die Aussichten für verbesserte gegenseitige Beziehungen geführt, wie ihn die Schlußakte vorsieht. Wir haben unsere
eigenen überzeugunaen vertreten und die Meinungen jener angehört, die
nicht mit uns übereinstimmen.
Auf diese Weise
- 2 -

�Auf diese Weise waren wir in der Lage, die Erfolge der Vergangenheit,
die fortbestehenden Mängel und die künftigen Aufgaben nüchtern zu beurteilen.

Wir sind übereingekommen, dieses Gespräch bilateral und im Jahre

1980 in Madrid fortzusetzen.
Die Vereinigten Staaten haben die Erfüllung der Verpflichtungen der
Schlußakte immer als Teil eines schrittweisen aber ständig fortschreiterden Prozesses angesehen, die Kluft zwischen Ost und West zu überbrücken
und die Segnungen von Sicherheit und Zusammenarbeit auf ganz Europa, einschließlich selbstverständlich Berlins, auszudehnen.
Der Beitrag der KSZE bestand darin, 35 Staaten - unterschiedlich
in Größe und System, Geschichte und Zukunft - für diese lebenswichtige
Aufgabe zu engagieren. Die Rolle der Belgrader Konferenz bestand darin,
dieses Engagement zu vertiefen und das damit erwartete Verhalten zu spezifizieren.
Aus unseren Gesprächen hier hat sich ein klareres Verständnis der
vor uns liegenden Aufgabe entwickelt. Wir dürfen es keinem Lande erlauben, sich bestimmte Abschnitte der Schlußakte zur Beachtung herauszusuchen und andere zu ignorieren, ber Fortechritt auf dem Gebiet der
Menschenrechte und der menschlichen Beziehungen wie auf dem Gebiete der
Abrüstung und der wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen
Zusammenarbeit sind in der Schlußakte unlösbar miteinander verbunden.
Die Bedeutung der Verwirklichung der Schlußakte - und der Überprüfung
ihres Fortschrittes in Belgrad - liegt genau in der Kombination der verschiedenen Elemente der Entspannung in einem zusammenhängenden und zusammengehörenden Ganzen.
Im Oktober vorigen Jahres sprach ich davon, der Entspannung "ein
menschliches Antlitz und ein menschliches Maß" zu verleihen.

Das war

in der Tat eines der Hauptthemen auf dieser Konferenz. Und wenn wir
auch hier sind, um Regierungen zu vertreten, so haben wir doch versucht,

- 3 -

�versucht, die Probleme der l&lt; ansehen ebenso anzusprechen wie die Probleme
der Macht.

Wir haben die Ansprüche von einzelnen abgewogen, nicht nur

die Interessen von Staaten.
So haben wir die in Helsinki gemachten Versprechungen überprüft,
die Rolle des einzelnen und von Gruppen bei der Prüfung der Verwirklichung
der Schlußakte zu achten, die Wunden getrennter Familien zu heilen, das
Recht auf freie Auswanderung zu erleichtern und die Bedingungen zu verbessern, unter denen Wissenschaftler, Journalisten, Gelehrte und Geschäftsleute arbeiten.

Auf einigen dieser Gebiete hat sich ein gewisser,

aber bei weitem nicht ausreichender Fortschritt abgezeichnet, und bedauerlicherweise hat es sogar Rückschläge gegeben.
Unsere Konferenz behandelte natürlich als zentrales Thema ausführlich die Frage der Menschenrechte und Grundfreiheiten: Gedankenfreiheit, Gewissens- und Religionsfreiheit. Die Freiheit der wirksamen
Ausübung der Bürgerrechte - einzeln oder in Gruppen - führte in Belgrad
zur Behandlung heikler Fragen. Daß diese Fragen so heikel waren, läßt
gerade ihre Bedeutung erkennen. Unsere Konferenz war die erste, auf
der diese Fragen von prominenter Seite und legitim in den Rahmen der
multilateralen Ost-West-Diplomatie gestellt wurden.
Das ist eine mächtige Idee, und sie hat in Belgrad mächtige Unterstützung gewonnen. Sie hat auch starke Opposition hervorgerufen. Wir
haben die Behauptung vernommen, die Menschenrechte seien rein innere Angelegenheiten, daß die Erörterung ihrer Einhaltung in einem anderen Lande
die Souveränität dieses Landes verletze und eine Einmischung in Angelegenheiten bedeute, die Außenseiter nichts angingen.
Die Schlußakte weist ein solches Denken zurück.

Die Belgrader

Konferenz hat es unhaltbar gemacht.
Dank des Prinzips

�Dank des Prinzips Sieben sind die Menschenrechte ein direktes Anliegen aller Unterzeichnerstaaten der Schlußakte.

Gemäß den Bestimmungen

der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Menschenrechtserklärung und der Internationalen Konventionen - wie auch der Schlußakte sind sie Thema internationaler Unterfangen.

Sie sind damit ohne Frage

ein geeignetes Thema für die diplomatische Überprüfung und Aussprache,
wie wir sie

in Belgrad vorgenommen haben.

Belgrad weiterhin

Und sie werden auch nach

im Mittelpunkt anhaltender Bemühungen und Stellung-

nahmen bleiben.
Das Streben nach Freiheit ist ein nie endendes Unterfangen des
Menschen und die beste Garantie für seine Sicherheit und den Frieden.
Die Schlußakte verpflichtet uns alle,nach etwas zu streben, was Alexander
Puschkin vor langer Zeit als "eine bessere Art der Freiheit" bezeichnet
hat. Das ist, wie er schrieb, die Freiheit, sein Gewissen, sein Denken
oder seinen Nacken nicht vor Rang oder Macht zu beugen. Die Vorstellung
von der Würde des Einzelmenschen ist heute noch die Vision, die uns die
Schlußakte bietet - die Vision an deren Verwirklichung mitzuarbeiten
wir uns alle verpflichtet haben.
Wir wissen jedoch, daß nicht alle von uns die Verpflichtung ganz
und gar oder in gutem Glauben erfüllt haben. Die amerikanische Delegation hat in Belgrad ganz offen über die gebrochenen und unerfüllten
Versprechen hinsieht Prinzip Sieben und Korb 3 gesprochen. Wir haben
unsere Sorge und unser Bedauern, ja gelegentlich unseren Zorn über Vorfälle geäußert, die sich in direktem Widerspruch zur Schlußakte und
unter tiefer Mißachtung ihrer Bestimmungen auf dem Gebiet der Menschenrechte und Grundfreiheiten ereignet haben.
Unsere Konferenz konnte nicht über solche Episoden hinwegsehen, vor
allem wenn sich die ungerechtfertigte Unterdrückung gegen Männer und
Frauen richtet, deren einziges Vergehen darin zu bestehen scheint, daß sie

- 5 -

�sie lediglich die Bestimmungen und Versprechen der Schlußakte von Helsinki
beobachten, durchsetzen oder verwirklichen wollen.
in der Schlußakte Ermutigung.

Ihre Tätigkeit findet

Sie muß geschützt und darf nicht bestraft

werden.
In ähnlicher Weise konnten wir bei unserer Überprüfung der Verwirklichung nicht einfach über die Not von Männern und Frauen hinwegsehen und können es auch heute nicht -,die wegen ihres religiösen Glaubens verfolgt werden und weil sie diesen Glauben an ihre Kinder weitergeben wollen.
Und wir können heute • wie in Zukunft - ebenso wenig schweigen, wenn Angehörigenvölkischer Minderheiten die Gleichberechtigung, vor allem bei
ihren Bemühungen um die Erhaltung ihrer Sprache und ihrer Kultur, die für
ihre Identität wesentlich sind, vorenthalten wird.
Wir können nicht einfach so tun, als ob solche Fragen für die Verwirklichung der Schlußakte irrelevant, für diese Konferenz störend oder wenn besprochen - der Entwicklung der Entspannung abträglich wären. Wir
leben in der wirklichen Welt und nicht in einer eingebildeten Welt. Wir
können unsere Welt nicht verbessern, wenn wir von ihren Fehlern die Augen
verschließen.
Diese Mängel - genauso wie unsere Erfolge und unsere Möglichkeiten waren das legitime Thema des Belgrader Überprüfungstreffens. Diese
Überprüfung befaßte sich in produktiver Weise mit den wahren Mängeln hinsichtlich der Verwirklichung der Schlußakte (von Helsinki), so daß aus
dieser Überprüfung heraus jeder von uns und wir alle abhelfende Maßnahmen
ergreifen könnten.
Diese Maßnahmen bleiben für uns immer noch notwendig.

Leider werden

sie im Abschlußdokument dieses Treffens nicht detailliert aufgeführt.
Grund hierfür liegt auf der Hand: es kam zu keiner Übereinstimmung, und
dies bedauere ich zutiefst.
Die Bemühungen,
- 6 -

Der

�Die Bemühungen, hier in Belgrad oder im eigenen Land die Wahrheit
zu unterdrücken, werden die Wahrheit nicht ändern.

Und sie werden die

Vereinigten Staaten nicht davon Tbbrin«]en, darauf zu bestehen, daß
Offenheit für die heilsame Entwicklung des internationalen Vertrauens
genauso wichtig ist wie die Respektierung der souveränen Gleichheit und
der Individualität.
Offenheit und Respektierung müssen zusammenwirkende Elemente beim
Streben nach Sicherheit und Zusammenarbeit sein. Die mit der Schlußakte von Helsinki geschaffene Grundlage - verstärkt durch die Bilanz von
Belgrad - sollte uns in die Lage versetzen, eine noch festere Struktur der
Entspannung zu schaffen. Unsere erste Priorität - und dies bleibt immer
die alles überragende Aufgabe - ist auch weiterhin einfach die Verwirklichung der Schlußakte in allen ihren Teilen; und dies muß in gutem
Glauben und mit der gebotenen Ell" erfolgen. Das Anfangstempo ist dabei nicht so wichtig wie die Tatsache einer anhaltenden Vorwärtsbewegung.
Die Vereinigten Staaten haben die Absicht, hier von Belgrad aus
vorenzuschreiten.
Die Leistungen meines Landes sind hier in Frage gestelit worden, und ein Teil dieses Infragestellens war konstruktiv. Dies
wird meinem Lande helfen, seine Bilanz zu verbessern. Ich wünschte,
andere hätten gleiches im Sinne.
Mrine Delegation hat ebenfalls sehr sorgsam Kenntnis genommen von
den ernsthaften Vorstellungen zahlreicher Delegationen über Maßnahmen,
die in Übereinstimmung mit den Impulsen und dem Geist der Schlußakte
stehen. Einige dieser Vorschläge können durch einseitige oder durch
bilaterale Maßnahmen in Gang gesetzt werden. Viele andere können aufgeschoben und fertiggestellt werden f ür eine Entscheidung in Madrid. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, konstruktiv an solchen Maßnahmen teilzunehmen.
Wir bewerten insbesondere die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa als Rahmen für einen zunehmenden politischen
- 7 -

�politischen Austausch zwischen Teilnehmerstaaten.

Die zahlreichen und

vielfältigen spezifischen Bestimmungen der Schlußakte bieten eine reichhaltige Palette für dieses Vorhaben.

Die Vereinigten Staaten werden bei

ihrem Bemühen, die politischen Beziehungen zu allen KSZE-Staaten zu vertiefen, auch weiterhin bestrebt sein, diese Möglichkeit in Realität umzusetzen.
So haben wir beispielsweise auf dem Gebiet der vertrauensfördernden
Maßnahmen in der Praxis erlebt, wie Staaten - ausgehend vom Buchstaber,
der Schlußakte - den Geist dieses Dokumentes verwirklichen können.

Durch

die Ankündigung kleinerer Manoever und dadurch, daß diese Ankündigungen
ausreichend informativ gehalten sind und den Beobachtern einen guten
Manoeverüberblick bieten, haben einige Staaten ein Beispiel gegeben, dem
andere in positiver Weise folgen können. Solche Erfahrungen sind konstruktiv.

Sie müssen auf größere Truppenbewegungen angewendet werden.

Darüber

hinaus können wir - ganz allgemein - von neuem über Mittel und Wege zur
"Entwicklung und Verstärkung von Maßnahmen (nachdenken), die auf die
Förderung des Vertrauens abzielen" - eine Möglichkeit, die die Schlußakte
uns ausdrücklich vor Augen führt.

Obwohl die KSZE nicht als Forum für

Abrüstungsverhandlungen konzipiert wurde, sind wir uns doch alle über die
Impulse im klaren, die sie diesem lebenswichtigen Prozess geben kann.
Ferner haben unsere offenen Diskussionen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen und kommerziellen Zusammenarbeit ca-&gt; Bewußtsein gestärkt,
daß die bestehenden Handelshemmnisse reduziert - ja, durch gemeinsame
Maßnahmen - beseitigt werden müssen. Das Potential für die Zusammenarbeit
auf diesem Felde ist groß, und die Vereinigten Staaten sind voll und ganz
bereit, die zahlreichen Möglichkeiten für unilaterale und reziproke Maßnahmen zu sondieren.
"°nn das Belgrader Treffen auch bis zu einem gewissen Ausmaß die Bewegungsfreiheit der Menschen in Fluß gebracht hat, so muß doch noch eine

- 8 -

�eine ähnliche Auswirkung hinsichtlich des Flusses von Informationen erfolgen.

Zu viele Staaten behindern immer noch den Zugang zu dem, was

zahlreiche Bürger dieser Länder lesen, sehen und hören möchten.

Schließ-

lich können wir noch viel tun, um die bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit zu fördern, um das Ausmaß und die Qualität der Kontakte
zwischen Wissenschaftlern und Gelehrten, zwischen Männern und Frauen der
Literatur und der Künste zu erweitern und zu verbessern.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin der Frage der
Menschenrechte besondere Aufmerksamkeit widmen. W"&gt;'r sind zutiefst besorgt über jene Personen und Organisationen, die meine Delegation im
Verlaufe unserer Diskussionen nach Namen und'and erwähnt hat und denen man
ihre elementaren Menschenrechte verwehrt. Und sie sind auf keinen Fall
die einzigen. Die Liste derjenigen, die unter der Repression leiden,
ist viel zu lang, und ihr Schicksal gibt zu den größten Besorgnissen Anlaß.
Dr. Martin Luther King hat einmal gesagt, daß "die Ungerechtigkeit
irgendwo auf der Welt der Feind der Gerechtigkeit überall auf der Welt
ist."
Die Schlußakte umfaßt das Konzept der Gerechtigkeit - nicht das
Privileg oder die Macht -,das die Angelegenheiten zwischen Menschen und
die Beziehungen zwischen Staaten beherrscht und regelt. Das Treffen von
Belgrad hat diesen zentralen Punkt im Kontext der Entspannung in Europa
bekräftigt. Wie wir gesehen haben, hängt der Friede von dem gerechten
Verhalten der Nationen gegenüber ihren eigenen Bürgern und unter einander
ab.
Helsinki hat große Hoffnungen wachgerufen. Mancherorts scheint
Helsinki auch große Befürchtungen hervorgerufen zu haben. In Belgrad
haben wir unsererseits offen und aufrichtig versucht, sowohl über die

- 9 -

�die Hoffnungen als auch über die Befürchtungen von Regierungen und
Völkern zu sprechen. Wir erkennen an, daß manche Hoffnungen nicht mehr
so groß sein mögen, wie sie es vielleicht waren, als wir r.a:h Belgrad
kamen. Aber wir waren uns immer der Tatsache bewußt, daß der Weg zum
Frieden, zur Sicherheit und zur Zusammenarbeit lang und mühsam ist.
Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, weiterzumachen.
Zwischen heute und Madrid sowie in Madrid und in der Zeit danach werden wir
bemüht sein, die Verwirklichung aller Bestimmungen der Schlußakte zu
fordern. Und wir geloben feierlich, alles in unserer Kraft stehende zu
tun, um die Hoffnungen von Helsinki am Leben zu erhalten.

+ + + + +

- 10 -

�Information
United States Information Service

22. März 1978

USA LEHNEN SOWJETISCHEN ANTRAG AUF VERBOT DER NEUTRONENWAFFE AB

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben auf der Genfer Abrüstungskonferenz einen sowjetischen Antrag auf Verbot der sogenannten
Neutronenwaffe als "einseitiges Propagandamanoever" abgelehnt.
Der sowjetische Konferenzdelegierte Viktor I. Lichatschew hatte
am 9. März 1978 den Entwurf für eine Konvention zum Zwecke des Verbots
vorgelegt.

Der Delegierte der Vereinigten Staaten, Botschafter Adrian

Fisher,bezeichnete diesen Schritt als einen Versuch, die Konferenz von
ihrer eigentlichen Aufgabe, ausgewogene Rüstungskontrollmaßnahmen auszuarbeiten, abzulenken.
Die angesprochene - noch nicht dislozierte - Waffe mit verringerter Sprengwirkung und verstärkter Strahlenwirkung (kurz Neutronenwaffe genannt) würde sicherlich zum schrecklichen Tod führen, aber das
gelte genauso

für die bereits dislozierten sowjetischen Waffen, von

denen einige eine mehr als 20 000 fache Wirkung haben, so sagte Botschafter Fisher.

Er wies ferner kategorisch die sowjetische Behauptung

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�Behauptung zurück, die Dislozierung der vorgeschlagenen Waffe würde die
atomare Schwelle senken.
Die Neutronenwaffe sei eine taktische Nuklearwaffe, die eine
Möglichkeit bietet, einem massierten Panzerangriff zu begegnen, so
führte Fisher aus, und es sei angesichts der gewaltigen Panzerüberlegenheit der Sowjets in Europa nur natürlich, daß sich die NATO Gedanken über solche Waffen mache.

Bei der Waffe, die eine unterschied-

liche Wirkung habe, handle es sich auf jeden Fall um eine Kernwaffe,
und die Vereinigten Staaten hofften zutieftst, daß sie - wie alle anderen
Nuklearwaffen - niemals eingesetzt zu werden brauche.
Botschafter Lichatschew beschuldigte die potentiellen Hersteller
der Waffe, deren wahre Natur verheimlichen zu wollen, um damit eine
günstige Stimmung für ihre Legalisierung zu schaffen.

Botschafter

Fisher erklärte darauf, niemand habe je behauptet, die Neutronenwaffe
sei zuträglich oder harmlos.
die Dinge zu reden.

Es sei an der Zeit, einmal offen über

Alle Nuklearwaffen, so betonte Fisher, seien dazu

entwickelt, andere zu töten; "das Antlitz des Krieges ist das Antlitz
des Todes".
Auf eine Reihe von Reden in jüngster Zeit eingehend, in denen die
Sowjetunion und ihre Verbündeten auf der Genfer Abrüstungskonferenz
die Neutronenwaffe angegriffen haben, erklärte der amerikanische Delegierte:
"Ich habe gehört..., daß diese Waffe 'unmenschlich' und barbarisch'
sei.

Ich würde diese Bezeichnungen ohne weiteres akzeptieren, aber sie

auf alle Dinge anwenden wollen, die dazu dienen sollen, menschliches
Leben auszulöschen, ganz besonders auf Nuklearwaffen.'
Aber, so fuhr Fisher fort, "wir warten vergebens darauf," daß die
Sowjetunion und ihre Verbündeten von den Nuklearwaffen in den
- 2 -

�den sowjetischen Arsenalen spräche, wie "die SS-20, eine neue mobile Gefechtsfeldrakete mit Mehrfachgefechtskopf, die in der Lage ist, jedes
Ziel in Europa mit großer Genauigkeit und gewaltiger Zerstörungskraft
zu treffen, und die derzeit in großer Zahl in der Sowjetunion disloziert
wird."
Botschafter Fisher bekräftigte die amerikanische Verpflichtung,
sich für eine ausgewogene Verringsrung des Wettrüstens einzusetzen.
"Die Vereinigten Staaten drängar, weiterhin nachdrücklich auf die Erreichung des Zieies eines umfassenden Nuklearversuchsverbotes", so
sagte er weiter. "Die Vereinigten Staaten unternehmen alle Anstrengungen,
die gegenwärtigen Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen
Rüstungen (SALT) zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen."
Er fügte hinzu: "Auf lange Sicht streben die Vereinigten Staaten danach
beiderseits entsprechende Verringerungen der Zahl der Nuklearwaffen
mit dem Ziel einer schließlichen Beseitigung aller Nuklearwaffen aus
den Arsenalen der Staaten zu erreichen."
In der Zwischenzeit lehne seine Regierung jeden Versuch ab, "die
Genfer Abrüstungskonferenz in ein öropagandaforum zu verwandeln und
sie von ihren wichtigen Aufgaben ab -.ulenken."

+ + + + +

- 3 -

�Information
United States Information Service

22. März 1978

8

BOTSCHAFT CARTERS AN DIE UN-MENSCHENRECHTSKOMMISSION

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat in einer Botschaft an
die Menschenrechtskommission der Vereinigten Nationen die Leistung
dieses Gremiums der Weltorganisation im "Ringen um die allgemeine
Respektierung der grundlegenden Rechte des Menschen" gewürdigt.
Die Kommission, in der 32 Nationen vertreten sind, hat ihre 34.
Sitzung nach fünfwöchiger Dauer am 10. März in Genf beendet. Die
Botschaft Carters, die vom Leiter der amerikanischen Delegation, Edward
M. Mzvinsky, verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
"Die 34. Sitzung der Menschenrechtskommission der Vereinigten
Nationen findet in diesem Jahr zu einem Zeitpunkt statt, da wir des
30. Jahrestas der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gedenken.
Wohl kein anderes Dokument der Vereinten Nationen ist so bekannt
wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Drei Jahrzehnte hindurch ist sie als eine von der internationalen Gemeinschaft abgegebene
Grundsatzerklärung und als ein Symbol der Hoffnung für alle diejenigen

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�diejenigen angesehen worden, die für die Verwirklichung der grundlegenden
Menschenrechte für alle Menschen eintreten.

Zu einem guten Teil ist es

diesem Dokument zu verdanken, daß heute keine Regierung mehr vorgeben
kann, eine Mißhandlung der eigenen Bürger sei lediglich ihre eigene
innere Angelegenheit.

Keine Regierung kann heute noch behaupten, das

Wesen ihrer Verpflichtungen sei ihr unbekannt.
Es bleibt noch viel zu tun, um für alle Menschen die in der
Allgemeinen Erklärung zugesagten Rechte zu gewährleisten.

Die Regierung

der Vereinigten Staaten rechnet damit, daß die Menschenrechtskommission
einen starken Impuls im Ringen um die allgemeine Respektierung dar grundlegenden Rechte des Menschen geben wird.

Es ist meine Hoffnung und die

Hoffnung der amerikanischen Delegation, daß die Kommission ihren Aufgaben und Verpflichtungen in einer fairen und umfassenden Weise nachkommen wird.
Wir sind überzeugt, daß dieses Gremium, in dem sich die Weisheit
aller großen Traditionen der Welt vereint, einen Weg finden wird, um
die höchsten Erwartungen der Menschheit auf Frieden, auf eine Welt
ohne Not, auf Gemeinsamkeit und auf die Würde des Einzelmenschen erfüllen zu helfen.

+ + + + +

�I
I

Ulirl/chofl
United States Information Service

22. März 1978

AMERIKANISCHE ÖLIMPORTE 1978 ZEIGEN SINKENDE TENDENZ
- Von unserem Korrespondenten John Holway -

WASHINGTON - (AD) - Nach Auffassung offizieller amerikanischer Kreise
dlirften die amerikanischen ülimporte in diesem Jahr um drei bis vier Prozent
zurückgehen und damit der seit langem bestehende Aufwärtstrend dank der gesteigerten amerikanischen Produktion und den Einsparungsbemühungen sein Ende
finden.
Den Hauptanteil an dieser Produktionssteigerung tragen die ölförderungen im Staate Alaska; aber auch in den anderen Bundesstaaten, in denen Erdöl
gefördert wird, schwächt sich der seit langem bestehende Abfall der Produktionskurve infolge intensiverer Erdölbohrungen ab.
Zwar werden die ülimporte im Jahre 1979 und auch danach wahrscheinlich
wieder ansteigen, doch rechnet man damit, daß sich dieser Anstieg etwa in der
Größenordnung von zwei Prozent im Jahr bewegen wird und damit deutlich unter
dem erwarteten Wirtschaftswachstum der USA liegen dürfte - in jedem Falle aber
weit unter den Importanstiegen von 18 und 20 Prozent, wie sie für die vergangenen Jahre zu verzeichnen waren.
Auf privater Seite ist man mit den Voraussagen sogar noch optimistischer
als in Regierungskreisen.

Hier gehen die Schätzungen bis zu einer fünfpro-

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�fiinfprozentigen Abnahme der ölimporte für dieses Jahr.
Nach Ansicht von Lawrence Goldstein von der Forschungsstiftung der Erdölindustrie "sind die Tage des massiven Wachstums im amerikanischen ölimport
vorüber."
Der Rückgang tritt deutlich zu Tage. So lagen die Importe im Monat Fetbruarunter acht Millionen Barrel pro Tag, verglichen mit fast 10 Millionen
Barrel im gleichen Monat des Vorjahres. Man räumt dabei jedoch ein, daß der
extrem kalte Winter des Vorjahres als Faktor für die damaligen höheren Importe
zu berücksichtigen ist.
Welche Auswirkungen der amerikanischen Bergarbeiterstreit im einzelnen
auf die ölimporte haben wird, ist noch nicht klar ersichtlich.

Einige Kreise

sagen aufgrund der daraus resultierenden Verlangsamung des Wirtschaftswachstums
voraus, daß die ölimporte sogar noch niedriger liegen würden als ursprünglich
angenommen.

Andere meinen, daß größere Mengen an Heizöl erforderlich sein

und die ölimporte dadurch etwas über den ursprünglich angesetzten Mengen liegen werden.
Insgesamt aber rechnet man allgemein auch weiterhin mit einem Absinken
der Importe für dieses Jahr. Einer der Hauptgründe dafür ist das durch die
neue "pipeline" aus Alaska zufließende öl. Derzeit werden auf den ölfeldern
in Alaska rund 700 000 Barrel öl pro Tag gefördert.
Kürze auf 1,2 Millionen Barrel gesteigert werden.
Natürlich gibt es da gewisse Imponderabilien.

Diese Leistung soll in

So wurde durch die Sabotage

an der Erdölleitung im vergangenen Monat der ölfluß unterbrochen und die erwartete Leistung nicht erreicht.

Hier zeigt sich, wie sehr eine ähnliche Stö-

rung sich auch in Zukunft negativ auf die "ölbilanz" auswirken könnte.
Ein weiterer wichtiger Grund ist die Tatsache, daß das Absinken der Produktion auf den alten Erdölfeldern der amerikanischen Staaten gestoppt wurde.

�wurde.

Mit steigenden Preisen haben die Erdöl Produzenten ihre Bohrtätigkeit

wieder stärker in Gang gesetzt, was dazu führte, daß die Produktion sich heute
etwa stetig auf der Höhe des vergangenen Jahres hält.

Ein dritter Grund sind die Einsparungsmaßnahmen.

Der Benzinverbrauch

wird geringer, und man sieht immer mehr kleinere Autos auf den Fernstraßen
Amerikas. Nach offizieller Schätzung wird der Benzinverbrauch gegen Ende dieses Jahrzehnts nicht weiter steigen, obwohl die Amerikaner in ihren Wagen mehr
Kilometer zurücklegen, als sie es heute tun.

Der Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium, C. Fred Bergsten, weist die Behauptungen, daß die
Vereinigten Staaten ein riesiges Energiedefizit wegen ihes "verschwenderischen
Ölverbrauchs" haben, zurück.

Der Anstieg der ölimporte in den vergangenen

fünf Jahren ist nach seiner Meinung fast zur Hälfte auf das Absinken der amerikanischen Produktion zurückzuführen.

Für die Zukunft wird nach Ansicht offizieller amerikanischer Kreise viel
davon abhängen, wie sich der Kongreß gegenüber dem von Präsident Carter eingebrachten Energiegesetz verhält.

Eine endgültige Abstimmung über die Gesetzes-

vorlage dürfte innerhalb der nächsten Wochen erfolgen.
Für die Entwicklungen bis 1985 gibt es für die Administration drei Kursmöglichkeiten:

entweder ohne den Plan des Präsidenten oder mit seinem Energie-

plan oder mit dem Plan und zusätzlichen Einsparungsvorkehrungen.

Selbst wenn der Plan Carters vom Kongreß nicht gebilligt werden sollte,
so dürften sich nach Ansicht amtlicher Kreise in Washington die ölimporte
bis 1985 etwa insgesamt auf 11,5 Millionen Barrel pro Tag belaufen.

Das aber

wäre ein Anstieg von nur vier Prozent im Jahr, verglichen mit den jährlichen
Importanstiegen bis zu 20 Prozent in den vergangenen Jahren.

Für die ein-

heimische Produktion wird ein Ausstoß von 10,4 Millionen Barrel pro Tag, das
sind etwa 47 Prozent des gesamten Verbrauchs, vorausgesagt.
Wenn

\

- 3-

�Wenn der Energieplan des Präsidenten jedoch in allen seinen Elementen
gebilligt wird, dann ergäbe sich nach Ansicht der gleichen Kreise ein noch
viel günstigeres Bild.

Die Importe würden auf nur sieben Millionen Barrel

pro Tag zurückgehen, während die Produktion, durch finanzielle Anreize gefördert, auf 10,6 Millionen Barrel - oder 60 Prozent des gesamten Ölverbrauchs ansteigen würde.
Mit zusätzlichen Einsparungsmaßnahmen könnten nach Ansicht der Administration die Importe weiter bis auf 5,8 Millionen Barrel pro Tag gesenkt werden.

Bei gleicher Höhe der Produktion im eigenen Land würden diese 65 Prozent

des gesamten amerikanischen Ölverbrauchs decken.
Das letzte große Problem, über das im Kongreß noch verhandelt wird, ist
die Frage der Rohöl-Ausgleichssteuer.

Auch wenn diese Steuer nicht gebilligt

werden sollte, dürften durch die übrigen in dem Plan vorgesehenen Maßnahmen bis
zu drei Millionen Barrel öl pro Tag bis zum Jahre 1985 eingespart werden - was
für die Zahlungsbilanz eine Einsparung von 15 Milliarden Dollar im Jahre bedeuten würde.
•

+ + + + +

�22. März 1978

DIE NATO ZWISCHEN DEN GIPFELTREFFEN
Interview mit dem amerikanischen NATO-Botschafter W. Tapley Bennett
Von Peggy Post

Schon kurz nach seinem Amtsantritt nahm Präsident Carter im Mai 1977 an einem NATOGipfeltreffen in London teil und bekräftigte
dort die amerikanische Verpflichtung auf das
Bündnis. In seiner Rede vor dem Nordatlantikrat schlug er mehrere Initiativen vor,
darunter auch die Einberufung einer weiteren
NATO-Gipfelkonferenz nach Washington für
Mai 1978. Im Verlauf seines Blitzbesuches
in Brüssel Anfang Januar dieses Jahres nahm
der Präsident auf seinen ausdrücklichen Wunsch
hin an einer regulären Sitzung des Nordatlantikrates teil. Er versicherte den Ständigen
Vertretern der Mitgliedstaaten, daß sie bei
der Vorbereitung dieser Frühjahrskonferenz
in Washington seiner Unterstützung gewiß
sein könnten. Botschafter W. Tapley Bennett
der Ständige Vertreter der USA im Nordatlantikrat und persönlicher Freund Präsident
Carters, nimmt in dem nachstehenden Interview, das er einer Mitarbeiterin der Zeitschrift "Commerce in Belgium" im Februar
1978 gewährt hat, zu wichtigen Fragen in
bezug auf die NATO und zum Verhältnis der USA
zur NATO Stellung.
Nachdruck mit Genehmigung der Zeitschrift "Commerce in Belgium".

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�FRAGE:

Warum wollte Präsident Carter am NATO-Gipfeltreffen im Frühjahr

1977 teilnehmen?
ANTWORT:

Das war meines Erachtens seinem Wunsch zuzuschreiben, seine

europäischen Kollegen kennenzulernen.

Er hat, wie Sie wissen, damals erklärt

und erst jüngst noch einmal wiederholt, daß die NATO das Kernstück der amerikanischen Außenpolitik bleibt.

In London tagten unsere engsten Verbündeten -

die Leute, die er kennenlernen wollte.

Darüber hinaus hatte er einige posi-

tive Initiativen entwickelt, die er darzulegen suchte.
FRAGE:

Um welche Initiativen handelte es sich?

Wurden sie durch den

Ausbau der militärischen Kapazitäten der Länder des Warschauer Paktes veranlaßt?
ANTWORT: Es ist meines Erachtens inzwischen vollkommen klar - und wird
auch in allen Bündnisstaaten allgemein so gesehen -, daß die Sowjets ihre
militärischen Kapazitäten sowohl in qualitativer als auch in quantitativer
Hinsicht ständig ausgeweitet haben. Der Westen hatte wohl einen Vorsprung,
ist aber gewissermaßen auf seinem Niveau stehengeblieben, so daß sich die
Erkenntnis durchzusetzen begann, wir müßten uns mehr um unsere Verteidigung
kümmern. Es erhob sich ferner die Frage, wie wir uns in Rücksicht auf die voraussehbaren Entwicklungen im nächsten Jahrzehnt auf die achtziger Jahre vorbereiten könnten. Deshalb lief eine der Initiativen darauf hinaus, eine umfassende Ost-West-Studie zu erstellen. Sie dient dem Zweck, nicht nur die politischen
und wirtschaftlichen Trends im Osten zu bewerten, sondern auch die demographischen und soziologischen Entwicklungen und all jene Dinge zu berücksichtigen,
die geeignet scheinen, die Entscheidungen der Sowjets in der Zukunft zu beeinflussen. Diese Untersuchung wird eine faktische und konzeptionelle Basis für
die Beurteilung der Lage in den achtziger Jahren abgeben.
Eine zweite Initiative bestand darin, ein langfristiges Verteidigungsprogramm zur Stärkung unserer Verteidigungsvorkehrungen auf allen Gebieten
zu initiieren, damit wir in den achtziger Jahren weiter voranschreiten und

�und den Frieden erhalten können.

Die NATO hat große Erfolge erzielt.

Während

es in anderen Teilen der Welt viele Schwierigkeiten gegeben hat, kam es in den
letzten dreißig Jahren in Europa zu keinerlei kriegerischen Auseinandersetzungen.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, diese Initiativen seien aus der Erkennt-

nis der NATO-Mitgliedstaaten bzw. Präsident Carters erwachsen, daß sich die
Waage zugunsten der Sowjets und der Länder des Warschauer Paktes geneigt habe?
ANTWORT:

Nein.

Die Waagschale hat sich nicht geneigt.

Es handelt sich

nur darum, daß sie sich neigen könnte, wenn wir den Dingen wie bisher freien
Lauf lassen.
FRAGE:
Sorge sehen?

Gibt es irgendein Gebiet bezüglich dessen Sie Anlaß zu besonderer

ANTWORT: Nein. Um dem vorzubauen, betrachten wir ja die Ost-WestSituation aus einem so weiten Blickwinkel. Deshalb haben wir das langfristige
Verteidigungsprogramm auf eine Reihe von Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich
mit Teilbereichen des Gesamtkomplexes der militärischen Bereitschaft wie Logistik, Befehls- und Leitstrukturen, Fernmeldewesen, Kampfbereitschaft und Reserven befassen. Alle diese unterschiedlichen Aspekte der militärischen Planung sind Bestandteile auch des langfristigen Programms. Es ist dies das
erste Mal, daß sich die NATO eines Arbeitsgruppensystems bedient. An der
Spitze jeder dieser Gruppen steht ein Delegierter aus einem anderen NATO-Mitgliedstaat. Der Großteil der Arbeitsgruppen arbeitet hier in Belgien, einige
aber auch am Sitz des Obersten Alliierten Befehlshabers Atlantik (SACLANT) in
Norfolk, Virginia, und eine wurde am Sitz des Oberbefehlshabers Ärmelkanal in
England etabliert.
FRAGE:

Was wird aus dem kurzfristigen Verteidigungsprogramm?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Das schreitet sehr rasch voran. Auf dem Gipfeltreffen in

Washington Ende Mai dieses Jahres wird von positiven und unmittelbaren Ergebnissen zu berichten sein.

Sie betreffen die Verstärkung der Panzerwaffe, die

Vergrößerung der Kampfbereitschaft und der Reserven und anderes mehr.

Das

sind in erster Linie Aufgaben von General Haig (für den Befehlsbereich Europa)
und Admiral Kidd (für den Befehlsbereich Atlantik).
FRAGE:

Wenn die NATO gegenwärtig den Schwerpunkt auf den Ausbau der

Verteidigungsvorkehrungen legt, sehen Sie hierzu eine Parallele im Osten?
ANTWORT:

Wir sind der Auffassung, daß der Osten seit langem schon eine

ständige Verstärkung betreibt. Wie in Demokratien üblich, liegen unsere Prioritäten auf sozialem Gebiet, wo es zahlreiche Dinge gibt, die wir lieber täten.

Jetzt aber ist es an der Zeit, uns um unsere Verteidigung zu kümmern.
FRAGE:

Das erinnert mich an die Gespräche über die beiderseitige Ver-

ringerung der Streitkräfte, die die NATO und der Warschauer Pakt im Jahre 1973
in Wien aufgenommen haben.

Wenn andere gesellschaftlichen Prioritäten die

NATO-Länder zu größerer Zurückhaltung bei den Verteidigungsausgaben und verstärkten Bemühungen um eine Verminderung der Truppenstärken bestimmen könnten,
sind ähnlich große Drücke auch in den Ländern des Ostblocks vorstellbar?
ANTWORT:

Auch sie sind an einer Verringerung der Militärausgaben in-

teressiert - schon deshalb, weil sie bisher sehr wenig für ihre Völker getan
haben und dort vom Volk ein wachsender Druck ausgeht, das Verbraucherangebot
auszuweiten. Polen bietet ein glänzendes Beispiel. Dort kam es zu Straßenunruhen, die die Regierung in Gefahr brachten. Sicherlich wäre der Osten
ebenso froh wie der Westen, wenn ein Teil der militärischen Belastungen aufhörte. Alle könnten aufatmen. Es ist an der Zeit, daß der Osten den Ansprüchen seiner Völker mehr Rechnung trägt,statt lediglich den Bedarf des
Staatsapparates zu berücksichtigen.
FRAGE:

- 4 -

�FRAGE:

Welche politischen Realitäten stehen Versuchen entgegen, die

Mitgliedstaaten der NATO zur Bereitstellung von mehr Geld oder mehr Arbeitskräften zu bestimmen?
ANTWORT:

Die Brüsseler Verteidigungsminister-Konferenz vom Mai vorigen

Jahres im Anschluß an die Londoner Gipfelkonferenz einigte sich auf eine Erhöhung des Finanzbeitrags der Länder um real drei Prozent.

Es freut mich,

sagen zu können, daß allem Anschein nach alle Länder dieser Forderung nachkommen werden, bis auf ein oder zwei, denen dies aus verständlichen innenpolitischen Gründen voraussichtlich nicht möglich sein wird.
FRAGE:

Glauben Sie, daß sich die Vereinigten Staaten stärker auf die

NATO ausgerichtet haben, vor allem seit sie keine Verpflichtungen gegenüber
Vietnam mehr haben?
ANTWORT: In hohem Maße sogar. Die Vereinigten Staaten und ihr Präsident sind sehr stark NATO-orientiert. Präsident Carter hat ausdrücklich eine
halbe Milliarde Dollar zusätzlich für den NATO-Haushalt eingeplant. Der amerikanische Staatshaushalt für das Haushaltsjahr 1979 wird in manchen Positionen Kürzungen aufweisen, der Voranschlag für die NATO aber wird erweitert
werden.
FRAGE:

Besteht auch Übereinstimmung hinsichtlich der Notwendigkeit,

die Verteidigungsanstrengungen zu verstärken, dürften doch noch viele Details
umstritten bleiben. Es gab beispielsweise Klagen, eine Ausweitung der Verteidigungskapazitäten bedeute mehr Käufe der Europäer in Amerika. Es scheint
jedoch eine neue Initiative zu geben, die man hier als "zweibahnige Straße"
umschreibt.
ANTWORT:
herausstelle.

Ja, das ist eine weitere Initiative, die ich tatsächlich gerne
Die "zweibahnige Straße" bezieht sich auf das europäische Inter-

esse an amerikanischen Beschaffungskäufen in Europa.

Präsident Carter selbst

sprach auf dem Londoner Gipfeltreffen davon, daß er sich der Notwendigkeit

- 5 -

�Notwendigkeit größerer Käufe bewußt sei; er sagte, er halte sehr viel vom
Prinzip der "zweibahnigen Straße".

Das ganze ist eine Frage der Organisation.

Weil die amerikanische Produktionsbasis um soviel größer ist, müssen die Europäer ihre Anstrengungen zusammenfassen, um wettbewerbsfähig zu sein.

Anfang

Dezember vergangenen Jahres hielten die Europäer eine Tagung zu diesem Thema
ab.

Nunmehr, da sich die Europäer in diesem Sinne zusammentun, kann der trans-

atlantische Dialog beginnen.
FRAGE:

Wir hören sehr viel von Standardisierung, der Verwendung der

gleichen Waffen, Geräte oder Systeme durch alle NATO-Mitgliedstaaten.

Es

ist auch die Rede von der Interoperabilität, der Verwendung baugleicher Ersatzteile und Nachschubgüter für im übrigen nicht vollkommen normierte Waffen,
Geräte oder Systeme aus verschiedenen Herstellungsländern.

Was geschieht in

dieser Hinsicht?
ANTWORT: Dieses Jahr geht es um die Panzerkanone. Es ist eine sehr
wichtige Frage, ob man die amerikanische, die deutsche oder die britische
Version einer solchen Kanone verwenden soll. Eine weitere Frage von echter
Bedeutung betrifft die Fernmeldeeinrichtungen. Als ich beispielsweise im
Herbst letzten Jahres an den Manövern in Deutschland teilnahm, besuchte ich
auch das amerikanische Hauptquartier, dem auch ein belgischer Verbindungsstab
zugeteilt war. Mit diesem konnten wir nicht Kontakt halten, obwohl wir in
benachbarten Abschnitten lagen. Wir konnten sie über Funk nicht direkt ansprechen, weil unsere Geräte nicht aufeinander abgestimmt sind, konnten sie
aber - schließlich leben wir in einem modernen Zeitalter - über Satelliten
erreichen: Die Meldungen wurden an einen Satelliten abgesetzt und von dort
auf die nur drei Meilen von uns entfernten Belgier zurückgestrahlt. Das ist
somit ein weiteres Gebiet, dem wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen.
FRAGE: Handelt es sich bei der Konzeption der Standardisierung der
Waffen nicht um eine langfristige Angelegenheit?
ANTWORT:

- 6 -

�ANTWORT:

Es ist eine Konzeption, an der wir arbeiten.

Ein anderer

Schlüsselbegriff ist der der "Interoperabilität", weil meiner Meinung nach
ohnehin niemand glaubt, daß wir zu einer vollkommenen Standardisierung gelangen werden.

Jedes Land hat seine Industrie, die es mit Rücksicht auf die ei-

genen nationalen Interessen

in Gang halten will.

Es geht somit im Grunde um

die Frage, ob man, wenn man schon nicht alle Waffen normieren kann, nicht
besser interoperable Waffen bauen sollte: diese Granate sollte auch für jene
Kanone passen

usw.

FRAGE: Es sind zwölf Jahre her, daß Frankreich seine militärische Verpflichtung gegenüber der NATO aufgekündigt hat. Glauben Sie, daß dieser Faktor eine Rolle gespielt hat, Präsident Carter zu seinem Frankreichbesuch zu
bestimmen?
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht, daß die NATO im Hinblick auf den Be-

such in Frankreich eine besondere Rolle gespielt hat.
wurde neu belebt.

Das alte Bündnis aber

Schließlich machten die beiden Staatschefs ihre gemeinsame

Reise in die Normandie.

Das ist das Gebiet, wo die Amerikaner den Fuß

auf französischen Boden setzten, als sie zum letzten Mal gebraucht wurden, um
bei der Befreiung Frankreichs und Europas mitzuhelfen.

Deshalb glaube ich,

daß die Frage der europäischen Sicherheit in ebenso großem Maße von beiderseitigem Interesse wie von NATO-Interesse ist.
FRAGE:

Zur Zeit der Ford-Administration schienen die Vereinigten Staaten

der Auffassung zu sein, die NATO würde in Gefahr geraten, wenn die kommunistische
Partei in irgendeinem NATO-Land an der Regierung beteiligt werde.
liche Problem lag damals in Italien.

Das eigent-

Sehen Sie ähnliche Probleme wie mit

Italien auch für Portugal oder Frankreich voraus?

Welche Haltung nimmt die

derzeitige Administration zu dieser Frage ein?
ANTWORT:

Die amerikanische Regierung hat klargestellt, daß die Ent-

scheidung eines Landes, kommunistisch zu werden oder Kommunisten zur Regierung
zuzulassen, eine Frage sei, die ihm selbst überlassen bleibe, daß ein solcher

- 7 -

�solcher Schritt aber ernste Rückwirkungen auf das bilaterale Verhältnis und
auch auf Beziehungen innerhalb der NATO haben könnte.
FRAGE:

Man hört immer wieder Schätzungen bezüglich der Kapazität des

Warschauer Paktes, Europa zu überrennen.
drei Wochen.

Es ist die Rede von 48 Stunden bis

Können Sie hierzu einen Kommentar abgeben?

Worin besteht die

eigentliche Bedrohung?
ANTWORT:

Das ist eine Frage, über die manche Leute seltsame Spekula-

tionen des Inhalts anstellen: Wieviel Vorwarnzeit wäre gegeben?

Einer der

Gründe für das langfristige Verteidigungsprogramm, das wir inzwischen in Angriff genommen haben, ist das Bestreben, unsere Verletzlichkeit auf diesem
Gebiet zu verringern und sicherzustellen, daß ausreichende nachrichtendienstliche Erkenntnisse vorliegen und daß entsprechende organisatorische Vorkehrungen getroffen werden, damit wir rechtzeitig davon erführen, wenn die Gegenseite beginnen würde, Leute nach Osteuropa einzuschleusen - noch ehe sie
bis zur Grenze gelangten.

Es steht außer Frage, daß der Ostblock hinsichtlich

der Panzerwaffe stark im Vorteil ist.
derer sich die Leute sorgen.
und andere Programme.

Das ist einer der Gründe, bezüglich

Aber hierfür haben wir die nukleare Abschreckung

Wir brauchen ebenso starke Truppen und auch ebenso viele

Waffen, wie sie haben - auch wenn wir nicht daran denken, in irgendein
einzufallen.
hätten.

Land

Natürlich werden sie uns erklären, daß sie das auch nicht vor-

Sei dem, wie es wolle, wir wissen nur, daß der Westen nichts der-

gleichen beabsichtigt.
•

FRAGE:

Gab es irgendwelche neue, Probleme, die der Präsident bei seinem

Zusammentreffen mit der NATO angeschnitten hatsoder ging es ihm in erster Linie darum, die amerikanische Verpflichtung gegenüber der NATO und auch die fortgesetzte Unterstützung der NATO erneut zu bekräftigen?
ANTWORT: Präsident Carters Erscheinen vor dem Nordatlantikrat am 6.
Januar 1978 bot dem Präsidenten einmal mehr Gelegenheit, seine persönliche
Bindung an die NATO zu unterstreichen und herauszustellen, daß die amerika-

- 8 -

�amerikanische Regierung auf eine Stärkung des NATO-Bündnisses als dem Kernstück der amerikanischen Außenpolitik bedacht ist.

Auf dieser Tagung sprach

der Präsident von der Erhöhung der Haushaltausgaben und der Stärkung der NATOStreitkräfte in Europa.

Er sagte mir persönlich hinterher noch, daß diese

Tagung für ihn sehr wertvoll gewesen sei und daß ihm die dort gebotene Gelegenheit der freien Aussprache und des freien Meinungsaustauschs mit Amerikas
engsten Verbündeten sehr zustatten gekommen sei.

+ + + + +

- 9 -

�22. März 1978

8

NAHRUNGSMANGEL UND FEHLERNÄHRUNG
Dritte Welt braucht bessere Verteilung

- (AD) - "In Indien sterben jährlich 500 000 Menschen an Unterernährung",
besagt eine Verlautbarung des Nationalen Ernährungsinstituts in New Delhi von
Anfang März 1978. Trotz einer stark angestiegenen Nahrungsmittel Produktion
sei der Hunger für große Teile der Bevölkerung nicht geringer geworden. Die
Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren ist mit 36,1 Prozent sogar
fast ein Prozent höher als 1951. Betroffen sei vor allem die Landbevölkerung,
wo jedes dritte Kind an Vitaminmangel und anderen Mangelkrankheiten leide.
Dies ist nur ein Beispiel von vielen. In ihrer neuesten Untersuchung
zur Welternährungslage stellt die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) Mangelernährung bei einem Drittel der Bevölkerung in 92 Ländern
fest. Die Anzahl der Menschen in der Welt, die durch unzureichende Versorgung
und einseitige Kost unterernährt sind, sei von 400 Millionen im Jahr 1971 auf
455 Millionen gestiegen. Und dies angesichts einer Weltgetreideproduktion von
etwa 1,3 Milliarden Tonnen, die laut Prof. Peter Timm (Cornell-Universität,
New York) ausreichen würde, um jeden Bewohner unseres Planeten täglich mit
65 Gramm Eiweiß und dem Normal bedarf an Kalorien zu versorgen.
Demnach bedürfen die Mechanismen der Verteilung dringend der Verbesserung
und Korrektur. Dies gilt nicht nur für die Verteilung zwischen und innerhalb

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�innerhalb von Regionen, sondern auch innerhalb einzelner Entwicklungsländer,
ja selbst zwischen den verschiedenen Schichten ihrer Bevölkerung und oft genug auch in der Familie.

Die wichtigsten Erzeugerländer für Nahrungsmittel

versuchen nach wie vor, akute Not durch Hilfslieferungen zu lindern - wohl
wissend, daß davon keine Dauerlösungen zu erwarten sind.

So haben sich die

USA kürzlich auf der internationalen Weizenkonferenz, die parallel zur UNKonferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf abgehalten wurde, bereit
erklärt, 1978 mindestens 4,47 Millionen Tonnen Getreide zu der auf 10 Millionen Tonnen angehobenen Gesamtmenge beizusteuern, die die Mitgliedstaaten
der Lebensmittelhilfe-Konvention in diesem Jahr für Entwicklungsländer bereitstellen wollen.

Von den Vereinigten Staaten erhalten 23 der ärmsten

Länder im laufenden Haushaltjahr überdies direkte Nahrungsmittelhilfe im Wert
von 155 Millionen Dollar.
"Grüne Revolution" in der Anpassung
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Aufgrund der Ergebnisse ihrer Untersuchungen fordert die FAO für zahlreiche Entwicklungsländer eine wesentliche Erhöhung der Nahrungsangebote innerhalb der nächsten 12 Jahre. Damit müßten allerdings Maßnahmen einhergehen,
die sicherstellen, daß die zusätzlichen Lebensmittel den am meisten bedürftigen
Bevölkerungsteilen zukommen.
•

Der "Grünen Revolution" mit der Einführung kurzstämmiger, besonders ertragreicher Weizen- und Reissorten war es in hohem Maße zu verdanken, daß seit
Mitte der sechziger Jahre manche Entwicklungsländer ihre Eigenerzeugung an
Nahrungsmitteln drastisch zu steigern vermochten. So konnte Mexiko die Weizenproduktion seit 1950 vervierfachen. Indien und Pakistan verdoppelten sie im
Zeitraum von nur vier Jahren (von 1968 auf 1972). Mexiko, früher auf Importe
angewiesen, wurde in weniger als 15 Jahren zum Getreide-Selbstversorger und
exportiert jetzt sogar in bescheidenem Umfang. In Indien und Pakistan, wo
früher pro Hektar Land jährlich nur etwa 1 Tonne Weizen und 1,5 Tonnen Reis
zu erwarten waren, stieg in einzelnen Gebieten der Ertrag auf 5 Tonnen Weizen
und 7 Tonnen Reis an. Beachtliche Verbesserungen der Weizenernten wurden außer-

�außerdem in China, im Iran, in der Türkei, in Jordanien, Syrien, Ägypten,
Libyen, Tunesien und in Dutzenden anderer Länder erzielt.

Neue Reissorten

brachten den Philippinen, Thailand, Bangladesch und einigen weiteren asiatischen Ländern wesentlich höhere Ernteerträge ein.
Die Zuwachsraten gingen jedoch in letzter Zeit zurück, der Hunger scheint
wieder im Vormarsch zu sein. Dafür gibt es vielerlei Gründe: Die neuen Weizen- und Reissorten, die bei intensiver Düngung auch häufigere Ernten möglich
machen, sind den früheren Kulturen im Ertrag, nicht aber im Nährwert überlegen. Die Gefahr einseitiger Ernährung besteht also weiter. Während die Anbauflächen in Asien und im Nahen Osten nach Feststellungen von Fachleuten des
US-Landwirtschaftsministeriums 1973 und 1974 noch um jeweils 18 Prozent ausgeweitet wurden, lag diese Quote 1975 nur bei 8 Prozent - vermutlich eine Folge der nach der Erdölkrise stark angestiegenen Düngemittel preise. Die neuen
Sorten verdrängten andere Kulturen, insbesondere eiweißreiche Bohnen und andere Hülsenfrüchte, die in zahlreichen Entwicklungsländern für eine ausgewogene
Ernährung notwendig sind. Sie verlangten aber auch vielerorts künstliche Bewässerung, den Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen und große Mengen kostspieliger Düngemittel, so daß in erster Linie Großbetriebe und wohlhabende
Grundbesitzer von den neuen Methoden profitieren, die Masse der bäuerlichen
Kleinbetriebe jedoch kaum.
überdies ging in einer Reihe von Ländern die massive Ausweitung der Feldkulturen auf Kosten früherer Wald- und Dschungelgebiete. Die Kehrseite der
Medaille: Weite Gebiete von Indien, Bangladesch und Pakistan werden neuerdings von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht, weil es am Fuß des
Himalaya nicht mehr die Wälder gibt, die früher den Wasserüberschuß zum Teil
speicherten. Schwere Regenfälle in den ehemaligen Dschungelgebieten von
Mexiko, Guatemala und Brasilien laugten in kürzester Zeit die dünne Humusschicht aus, der früher durch Busch- und Baumwerk ständig Nährstoffe zugeführt
wurden. Die Sonne tut ein übriges und brennt den Boden aus. Auf den Philippinen hat der massive Gebrauch von Düngemitteln beim Anbau besonders ertragreicher Reissorten zu einem großen Fischsterben in Flüssen und Seen geführt

- 3 -

�geführt - und dies in einer Region, deren Bevölkerung dringend auf Fisch als
Quelle von tierischem Eiweiß angewiesen ist. Alle diese Beispiele zeigen, daß
die Anwendung moderner agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse und Techniken nicht
ausreicht, um den Entwicklungsländern den Weg zur Selbsthilfe zu erleichtern.
Sie müßte vielmehr von Maßnahmen begleitet sein, die ökologische Gleichgewichte
schützen helfen.
Die meisten Menschen in Entwicklungsgebieten sind gezwungen, ihren Eiweißbedarf direkt aus Mais, Weizen, Reis und anderem Getreide zu decken. Pflanzliches Eiweiß trägt dort etwa 62 Prozent, tierisches Eiweiß - Fleisch, Milch,
Eier - dagegen nur 7 Prozent zur Ernährung bei. Pflanzengenetiker und Agrarwissenschaftl er richten deshalb bei der Sortenzüchtung ihr Augenmerk immer
mehr darauf, daß bei höherem Ertrag auch ein höherer Proteingehalt des Korns,
dazu geringere Anfälligkeit der Pflanzen gegen Schädlinge und Krankheiten, eine
bessere Klimafestigkeit und gute Trocknungs- und Lagereigenschaften erzielt
werden.

In der Praxis ist es allerdings schwieriger als zunächst angenommen,

diese günstigen Eigenschaften zu kombinieren.
Gleichzeitig wird jetzt in zunehmendem Maße versucht, mit den Neuschöpfungen den jeweiligen Umweltbedingungen aus der Geschmacksrichtung in einzelnen Entwicklungsgebieten bzw. Ländern auch dadurch mehr Rechnung zu tragen,
daß man mit einheimischen Sorten experimentiert, um sie in die neuen Sorten
einzukreuzen. Denn die Neuzüchtungen sollen ja von den Bauern und Verbrauchern
in der Förderregion akzeptiert werden. Dabei spielen Aussehen, Farbe, Konsistenz und Geschmack des Ernteproduktes und der daraus gewonnenen Nahrungsmittel eine nicht unerhebliche Rolle. Der Agrarforschung hat mit Hybridsorten,
an die sich die Einheimischen nicht oder nur schwer gewöhnen, wenig Chancen.
Hinzu kommt, daß ausgedehnte Monokulturen die Wirtschafts- und Sozialstruktur
in Gebieten einschneidend verändern würden, wo von altersher Kleinbauern natürliche Risiken wie Dürre, Hochwasser, Schädlingsbefall oder Pflanzenkrankheiten durch Mehrfruchtanbau zu verringern oder zu umgehen trachteten. Trotz
der überwiegend positiven Ergebnisse der ersten Phase der "Grünen Revolution"
muß auf solche Traditionen künftig wohl mehr Rücksicht genommen werden. Sie
spielen möglicherweise eine Rolle für die Erreichung des langfristigen Ziels,
- 4 -

�Ziels, in Entwicklungsgebieten jene Bedingungen zu schaffen, unter denen die
benötigten Nahrungsmittel im Lande selbst produziert werden können.
Geburtenzuwachsrate geht zurück
Die Tatsache, daß in Asien und Lateinamerika ein beachtlicher, noch vor
kurzem nicht erwarteter Rückgang der Geburtenzuwachsrate (von 1,9 Prozent im
Jahr 1970 auf 1,7 Prozent im Jahr 1977) zu verzeichnen ist, verschafft den mit
Entwicklungsaufgaben befaßten Wissenschaftlern, Landwirtschaftsexperten und
Wirtschaftlern eine Atempause. Sie brauchen sie dringend, um Planung und Organisation für die Zukunft wirksamer zu gestalten. Und sie wäre ihnen wohl
kaum vergönnt gewesen, wenn die vor zehn Jahren aufgestellten Forderungen der
FAO noch gelten müßten: Damals schätzte man, daß bis 1985 die Nahrungsproduktion um 34 Prozent, bis zum Jahr 2000 um 97 Prozent gesteigert werden müsse,
wenn die Wachstumsrate für die Erdbevölkerung weiterhin jährlich 2 Prozent betrage.
Nach den früheren Vorausberechnungen wären im Jahr 2000 etwa 7 Milliarden
Menschen zu ernähren gewesen.

Hält aber der jetzt beobachtete Trend in Entwick-

lungsländern an (Afrika ausgenommen, wo die Geburtenzuwachsrate weiter steigt),
und verzeichnen die Industrieländer auch künftig nahezu Nullwachstum für die
Bevölkerung ihrer Regionen, dürfte zur Jahrtausendwende nur noch mit 5,5 bis
5,8 Milliarden Menschen auf der Erde zu rechnen sein.

Und dies bedeutete eine

gewaltige Entlastung in Sachen Ernährung.
Für weitere Produktionssteigerungen sind selbst den klassischen Exportländern für Agrarprodukte wie USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Argentinien praktische Grenzen gesetzt - auch wenn, wie z.Zt. in den USA, der Zuwachs für bebautes Land vorläufig noch größer ist als der Landverlust durch
Siedlungs-, Straßen- und Industriebau.

Die Barrieren für eine weitere Expansion

sind eher wirtschaftlicher, finanzieller, ökologischer und transporttechnischer
Natur.
Neuzüchtungen

- 5 -

�Neuzü'chtungen aus der Zelle
•
•

Erst

.

Erfolge mit völlig neuartigen Züchtungsmethoden, an denen jetzt

in vielen Laboratorien in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern gearbeitet wird, und die Anwendung der Ergebnisse auf breitester Basis könnten
die Situation grundlegend verbessern.

Aber vorläufig dürften die Forscher

noch mindestens zehn, wahrscheinlich sogar 20 und mehr Jahre mit Projekten
zu tun haben, bei denen es um die Züchtung von "Superpflanzen" geht.

An die

Stelle der Züchtung mit geschlechtlicher Fortpflanzung tritt die Regeneration
einer kompletten Pflanze aus der Zelle, deren Erbgut man gezielt verändert
hat oder zu verändern sucht.
Diese Art der Übertragung von Merkmalen erfordert die Verschmelzung speziell präparierter Einzelzellen von Pflanzen bestimmter Sorten und sogar Arten. Das Verfahren baut auf Experimenten auf, in denen es amerikanischen Forschern schon in den fünfziger und sechziger Jahren gelungen ist, aus Zellkulturen Pflanzen von Tabak, Zuckerrohr und Karotten heranzuzüchten. Jetzt steuern Pflanzenphysiologen das Fernziel an, aus Zellen von Hafer, Weizen, Kartoffeln, Gerste, Roggen, Reis und anderen Kulturpflanzen mit Methoden der
Biochemie und Genchirurgie Veränderungen hervorzubringen und komplette Pflanzen zu regenerieren, die auf ganz bestimmte Umweltbedingungen zugeschnitten
sind. Ist dieses Verfahren erst einmal ausgereift, wären nach Ansicht von
Dr. Donald Senich (Nationale Wissenschaftsstiftung der USA) Pflanzengenetiker
eines Tages sogar in der Lage, wünschenswerte Merkmale einzelner Pflanzenarten,
z.B. die Fähigkeit zur Assimilation von Luftstickstoff in Verbindung mit Wurzelbakterien, höherer Nährwert, höherer Ertrag, mehr Widerstandsfähigkeit
gegen Krankheiten, Schädlinge oder Kälte, in andere Arten einzuzüchten, die
solche Merkmale von Natur aus nicht besitzen.

Auf jeden Fall würde der normalerweise sehr langwierige Prozeß herkömmlicher Kreuzungsversuche, der bis zur Erzielung einer relativ reinen Linie
mindestens fünf bis acht Generationen (= Jahre) braucht, um Jahre verkürzt.
An die Stelle von Zufallsergebnissen träten schon in der zweiten Generation

- 6.

�Generation

Resultate "nach Plan", s,ofern die neue Technik sich bei der be-

treffenden Pflanze als anwendbar erweist.

Dies im Verein mit Methoden, die

darauf abzielen, den Wirkungsgrad der Photosynthese zu erhöhen (sei es durch
Zuführung von zusätzlichen Kohlendioxid in riesigen Gewächshäusern, sei es
durch Züchtung von Hybridpflanzen mit Blattstrukturen, die Sonnenlicht und
atmosphärisches Kohlendioxid weitaus besser nutzen), könnte zu einer Steigerung des Nahrungsangebots in der Welt um viele Millionen Tonnen führen.
Fehlernährung durch zu reiche Kost
Die Ernährungsprobleme sind allerdings nicht nur solche des Mangels in
Entwicklungsländern. Dr. Moises Behar, Leiter der Abteilung Ernährung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), spricht im gleichen Zuge auch das Problem
der Überernährung in den entwickelten Ländern an. In dem Bericht "Die beiden
Gesichter der Fehlernährung", der vom "Worldwatch Institute", einer unabhängigen Forschungsorganisation mit Sitz in Washington, veröffentlicht wurde,
wird die "Überschußdiät" ziemlich eingehend erörtert. Sie ist dort gang und
gäbe, wo die Einkommen weit über dem Existenzminimum liegen und den Menschen
der Zugang zu den Erzeugnissen eines überaus produktiven Agrarsystems offensteht. Die "überschußdiät" besteht aus großen Mengen tierischer Proteine und
Fette in der Form von Fleisch und Molkereiprodukten, dazu aus stark ausgemahlenem Mehl und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln, die an die Stelle grober
Kohlehydrate wie Vollkornbrot, aber auch von Obst und Gemüse getreten sind.
Der Bericht bestätigt die Feststellung Dr. Behars, daß ungeachtet ihres hohen Nährwerts die überschußdiät keineswegs gesund ist. Sie wird vielmehr
als Hauptverursacher z.B. von Diabetes, vor allem aber von Herz- und Gefäßkrankheiten betrachtet, die in den Industrieländern die Hälfte der Todesursachen ausmachen.
Die Lösung dieses Problems wäre einfach, wenn sich die Masse der Bevölkerung dazu bequemen könnte, den beschwörenden Appellen vieler Ernährungswissenschaftler zu folgen und ihre Eßgewohnheiten zu ändern.

In den Vereinig-

ten Staaten hatten solche erzieherischen Bemühungen bereits recht auffällige

- 7 -

�auffällige Erfolge. Dr. Jean Mayer, Ernährungswissenschaftler und Präsident
der Tufts-Universität in Massachusetts, berichtete von einem frappierenden
Rückgang der Sterblichkeitsziffer als Folge von Herz- und Gefäßkrankheiten in
den letzten drei Jahren. Er schreibt dies verbesserten Kontrollmethoden für
erhöhten Blutdruck und vor allem einer bewußten Änderung der Zusammensetzung
der Mahlzeiten zu. Weite Teile der amerikanischen Bevölkerung haben offenbar gelernt, Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an tierischen Fetten zu
meiden.

+ + + + +

8 -

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Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service

22. März 1978

8

BEHANDLUNG VON ENTZUGSSYMPTOMEN MIT SYNTHETISCHEM ENDORPHIN

- (AD) - Synthetisches Beta-Endorphin, die Nachbildung eines Produkts
der menschlichen Hypophyse, eignet sich möglicherweise zur Bekämpfung schwerer Schmerzzustände und zur Behandlung von Entzugssymptomen bei suchtkranken
Patienten. Zu dieser Hoffnung berechtigen die Ergebnisse erster amerikanischer
Versuche am Menschen, die von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien
durchgeführt wurden. Wie Dr. Don H. Catlin, Assistenzprofessor für Medizin und
Pharmakologie an der Universitätsklinik in San Francisco, auf dem Kongreß
für Endorphin-Forschung in San Juan (Puerto Rico, Dezember 1977) berichtete,
wurde Beta-Endorphin benutzt, das Dr. C.H. Li (Direktor des Hormonforschungsinstituts der Universität) chemisch synthetisiert hatte und das dem menschlichen Bety-Endorphin entsprach.
Catlin wandte das Präparat intravenös bei drei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs zur Bekämpfung der starken Schmerzen und bei zwei Suchtkranken an, die zur Entwöhnung von Heroin auf Methadon umgestellt worden waren
und bei denen sich nach dem Absetzen von Methadon schwere Entzugssymptome bemerkbar machten. Im letztgenannten Fall wurden unter der Endorphin-Behandlung
bemerkenswert gute Ergebnisse erreicht. Zwei der Krebspatienten berichteten
über eine wesentliche Befreiung von ihren Schmerzen, der dritte jedoch nur über
einem leichten schmerzdämpfenden Effekt.
Klinische

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Klinische Versuche weisen außerdem darauf hin, daß Beta-Endorphin
vielleicht auch zur Behandlung von Schizophrenie und Depressionen nützlich
sein könnte. Darüber wurde im September 1977 von Dr. Nathan S. Kl ine, Psychiater am Rockland Research Institute in Orangeburg (New York), und von
Dr. Heinz Lehmann, Psychiater an der McGi11-Universität in Montreal (Kanada),
berichtet, die mit Endorphin-Präparaten von Dr. Li gearbeitet hatten.

+ + + + +

4

�Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service

22. März 1978

SCHUTZANSTRICH FÜR ALUMINIUMBOOTE

- (AD) - Einen neuartigen Schutzanstrich für Kleinboote, insbesondere
für die außerordentlich schwer zu schützenden Boote aus Aluminium, entwickelte
eine amerikanische Firma in New Jersey. Die Anstrichmasse ALUMAGUARD ist
frei von Kupfer, das mit Aluminium reagieren und schließlich das Material angreifen würde. Der Anstrich schützt sowohl gegen mechanische Beschädigungen
wie z.B. Kratzer als auch gegen Muschel-, Algen- und Moosbesatz. Im Gegensatz
zu anderen Präparaten behält er seine Schutzwirkung, wenn das Boot aus dem
Wasser genommen wird, weil er an der Luft nicht oxidiert. Deshalb ist es auch
nicht notwendig, das Boot vor dem Wiedereinsetzen im Frühjahr neu anzustreichen
oder seine Oberfläche gründlich zu reinigen.
(Hersteller: Pettit Paint Company, Dept. CN, 36 Pine Street, Rockaway,
New Jersey, 07866. Preis 1977: 19,50 Dollar/Liter).

+ + + + +

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Wi//en/chcift
und'
United States Information Service

22. März 1978

8

SCHALLWELLEN-SPEKTROMETER BESCHLEUNIGT ANALYSE

- (AD) - Die Analyse unbekannter Medikamente und Drogen wird mit Hilfe
eines neuartigen Spektrometers wesentlich vereinfacht und beschleunigt. Während andere Verfahren eine langwierige Vorbereitung der Proben, die vielleicht
gelöst oder verdampft werden müssen, notwendig machen, wird im "photoakustischen Spektrometer" die Probe einfach pulverisiert und Licht ausgesetzt. Dabei erhöht sich ihre Temperatur, die Probenmasse dehnt sich aus. Nach dem
Abschalten des Lichts zieht sie sich beim Abkühlen wieder zusammen. Ausdehnung und Kontraktion werden als Schallwellen wahrgenommen, die von Mikrophonen
erfaßt und registriert werden. Aus dem Schallwellen-Bild ist die Zusammensetzung der Probe nach Menge und Art ihrer Bestandteile abzulesen.
(Hersteller:

Princeton Applied Research Corporation, Dpt. CN,

P.O. Box 2565, Princeton, New Jersey, 08540.

Preis Ende 1977: 34 900 Dollar).

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Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�</text>
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                <text>Amerikadienst 22.03.1978</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Carter: Die USA stehen zu ihren Verteidigungsverpflichtungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Präsident Carters vor der Wake Forest-Universität -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Carter unterzeichnet Nonproliferationsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede Goldbergs auf der Abschlußsitzung der KSZE-Nachfolgekonferenz&lt;br /&gt;- US-Botschafter bezeichnet Konferenz als erfolgreich -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA lehnen sowjetischen Antrag auf Verbot der Neutronenwaffe ab&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Botschaft Carters an die UN-Menschenrechtskommission&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerikanische Dlimporte 1978 zeigen sinkende Tendenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von unserem Korrespondenten &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;John Holway -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO zwischen den Gipfeltreffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem amerikanischen NATO-Botschafter W. Tapley Bennett -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nahrungsmangel und Fehlernährung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dritte Welt braucht bessere Verteilung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Behandlung von Entzugssymptomen mit synthetischem Endorphin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schutzantrich für Aluminiumboote&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schallwellen-Spektrometer beschleunigt Analyse</text>
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3
I 3

Information
und

1

pT3!(if nt-TilM
United States Information Service

8. März 1978

INHALT

DOKUMENTATION
Der Pazifik und Ostasien im amerikanischen Verteidigungskonzept
- Rede von Harold Brown in Los Angeles WIRTSCHAFT
USA fordern internationale Begrenzung der Exportsubventionen
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten John J. Harter HINTERGRUNDMATERIAL
Carters Reise soll Beziehungen zu Lateinamerika und Afrika festigen
- Von unserem Korrespondenten Alexander M. Sullivan Wirtschaftsinteressen in der Antarktis
- USA fordern internationales Statut zum Schutz des Ökosystems WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pflanzen aus Wüsten- und Regenwaldzonen
- Neue Rohstoffquellen für Eiweiß und industrielle Rohstoffe öl-Kohle-Schlamm für den Kraftwerksbetrieb

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1

31

f^

fe]

Dokumentation
United States Information Service

8. März 1978

DER PAZIFIK UND OSTASIEN IM AMERIKANISCHEN VERTEIDIGUNGSKONZEPT
- Rede von Harold Brown in Los Angeles -

Der amerikanische Verteidigungsminister
Harold Brown hat am 20. Fenruar 1978 in
einer Rede vor dem privaten Weltpolitischen
Rat in Los Angeles die Verteidigungspolitik
der Vereinigten Staaten mit besonderem
Hinblick auf den Pazifik, Ostasien und den
Nahen Osten erläutert. Was in Asien vorgehe,
so erklärte Brown, habe großen Einfluß auf
die Beziehungen der USA zur Sowjetunion.
Die Rede Browns hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, wieder in Südkaiifornien zu sein und heute abend vor Ihnen
sprechen zu dürfen. Wegen des besonderen Interesses Kaliforniens an Asien und
am Pazifik möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um unsere Sicherheitspolitik
unter dem besonderen Aspekt Ostasiens zu behandeln. Ich möchte das auch tun,
weil nach meiner Ansicht dieser Aspekt unserer Verteidigungsposition nicht
die öffentliche Aufmerksamkeit findet, die er verdient.
Ich bin gerade von einem mehrtägigen Besuch der Pazifikflotte und einer
Oberprüfung unserer Verteidigungsposition im Pazifik und in Ostasien mit

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�»

mit unseren höchsten militärischen Befehlshabern dort zurückgekehrt. So wie
sie bin auch ich besorgt über eine, wie man es nur nennen kann, falsche
Vorstellung von unserer Politik - d.h. über die gelegentlich hier im eigenen
Lande und im Ausland vorgebrachte Auffassung, daß sich die Vereinigten Staaten
aus Asien zurückzögen.
Diese Vorstellung ist ganz einfach falsch. Wir sind eine bedeutende
Macht im Pazifik und werden es bleiben. Anders kann es gar nicht sein. Wir
waren schon vor zweihundert Jahren, als diese Westküste Nordamerikas noch
spanisch, britisch und russisch war, in Asien engagiert. Wir haben auch
weiterhin tiefreichende und umfassende Beziehungen zu Asien in politischer,
wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht und auf dem Gebiet der Sicherheit.
Geographisch ist unser Territorium auf den Aleuten, auf Hawaii und Guam
im Herzen des Pazifik gelegen. Ein großer Teil unserer Bevölkerung kommt aus
Asien.
- Was die Wirtschaft betrifft, so ist unser Handel mit Asien sprunghaft
gestiegen. Im vorigen Jahr erreichte er die Höhe von 60 Milliarden Dollar.
Japan, die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, ist ein Hauptelement in
diesem Handel. Japan als stabilen politischen und wirtschaftlichen Partner
der Koalition zu erhalten, die für das, was die Welt heute an Ordnung und
Fortschritt ausweist, so viel bedeutet, ist ein Gebot höchster Priorität für
die amerikanische Außenpolitik.
- Was das Politische anbetrifft, so finden wir eine Reihe unserer zuverlässigsten Verbündeten im pazifischen Becken, und wir sind feierliche Verpflichtungen eingegangen, ihnen bei der Aufrechterhaltung ihrer Sicherheit
zu helfen. Außerdem hat das, was in Asien geschieht, einen großen Einfluß
auf unsere Beziehungen zu der Sowjetunion.
Ganz eindeutig muß unsere Verteidigungsposition in Asien darauf abgestellt
sein, diese Interessen und die unserer Freunde und Verbündeten zu schützen und

- 2 -

i

�und bei der Erhaltung von Frieden und Stabilität mitzuwirken. Unsere Streitkräfte in Asien leisten hierzu einen entscheidend wichtigen Beitrag.
Genau so bedeutsam ist die Tatsache, daß unsere asiatische Verteidigungspolitik Teil unserer globalen Politik ist. Wir können nicht in Europa
stark und in Asien schwach sein. Vielmehr unterstützt unsere Stärke in Asien
unsere Stärke in Europa und umgekehrt. Es sind zwei Seiten der gleichen Münze.
Wir sind eine globale Macht mit globalen Aufgaben. Wir müssen bereit sein,
die

uns gestellt Aufgabe in Asien zu lösen, genau so wie wir bereit sind, sie

anderswo zu lösen.
Warum aber werden dann von anderer Seite unsere Absichten in Asien in Frage
gestellt? Es scheint dafür zwei Gründe zu geben:
- Erstens, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hat sich während des
vorigen Jahres auf die sensationelleren und interessanteren Aspekte der
Verteidigungs- und Außenpolitik Präsident Carters konzentriert - auf das
strategische Gleichgewicht, den B-1-Bomber, die Marschflugkörper (Cruise
Missiles), die NATO und den Nahen Osten.
- Zweitens, der Teil unserer asiatischen Verteidigungsposition, dem man
die meiste Aufmerksamkeit zuwandte, war unser Plan, unsere Landstreitkräfte
aus Korea abzuziehen. Was wir dagegen tun, um unsere bereits sehr starken
Streitkräfte in dieser Region beizubehalten und zu verstärken, das hat in den
Zeitungen weniger Beachtung gefunden.
Lassen Sie mich auf diese beiden Punkte etwas detaillierter eingehen:
Erstens, wie kommt es, daß sich die Aufmerksamkeit so stark auf die
nicht-asiatischen Aspekte unserer Verteidigungsposition konzentriert hat?
Das liegt zum Teil daran, daß diese Position viele Aspekte hat.
So ist die

�So ist die

Sowjetunion natürlich unser schwierigstes nationales

Sicherheitsproblem. Sie hat ihre Kapazität zu einer weltweiten Machtprojektion
ständig erweitert und sich entweder selbst militärisch oder durch die Soldaten
anderer Länder in immer stärkerem Maße in den Entwicklungsländern engagiert.
Ihre Kernwaffen stellen die einzige direkte Gefahr für unser nationales
überleben dar. Die Sowjets haben ihre Nuklearstreitkräfte ständig verbessert
und dislozieren derzeit ihre vierte Generation von Interkontinentalraketen
der Typen SS-17, SS-18 und SS-19 - in einer Zahl von etwa 135 Stück pro Jahr.
Zur Zeit besteht ein ungefähres strategisches Gleichgewicht - was wir
als "Ausgewogenheit im Wesentlichen" bezeichnen - das heißt, keiner genießt
durch seine strategischen Streitkräfte einen militärischen oder politischen
Vorteil gegenüber den anderen. Da wir uns der sowjetischen Absichten nicht
sicher sein können, so besteht unser unmittelbares militärisches Anliegen
darin, sicherzugehen, daß dieses Kräfteverhältnis stabil bleibt, daß unsere
Kapazitäten den sowjetischen weder faktisch nachstehen noch als unterlegen
angesehen werden. Daher planen wir die Entwicklung der Marschflugkörper als Teil
unserer strategischen Streitkräfte zur Luft weiterzuführen; wir werden ferner
in Kürze mit der Dislozierung der Trident-Raketen beginnen und die Entwicklungsarbeiten an der mobilen Rakete beschleunigen und intensivieren.
Wir versuchen außerdem, das derzeitige Gleichgewicht zu erhalten und
zu stärken und das Wettrüsten durch Verhandlungen über Rüstungskontrollen
einzugrenzen. Ich glaube, daß wir bei den SALT-Verhandlungen Fortschritte
in Richtung auf dieses Ziel machen. Berücksichtigt man die fundamentale
Bedeutung, die dem strategischen Gleichgewicht zukommt, so kann der Nachdruck,
den wir darauf und auf mit ihm in Zusammenhang stehende Fragen gelegt haben,
kaum als "fehl am Platze" bezeichnet werden.
In ähnlicher Weise hat sich unser Augenmerk im vorigen
konzentriert. Auch das ist durchaus angebracht, denn Europa
sowjetische Bedrohung mit konventionellen Waffen am größten
Anwachsen der sowjetischen konventionellen Kapazität in den
- 4 -

Jahr auf Europa
liegt dort, wo die
ist. Hier hat das
letzen Jahren

�Jahren die am meisten beunruhigende Bedrohung des Gleichgewichts zwischen
der NATO und dem Warschauer Pakt geschaffen. Außerdem aber ist es das Gebiet,
in dem die Vereinigten Staaten ihrerseits ihren Beitrag während unseres
zehnjährigen Engagements in Südostasien reduzieren mußten. Als Antwort auf
die sowjetische Bedrohung mußten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um unsere Streitkräfte in der
NATO zu verstärken. Aber ein derartiges Schwergewicht auf der einen Seite
geht nicht zu Lasten unserer anderen Verpflichtungen und Programme. Wir
erweitern zwar unsere militärischen Kapazitäten in Europa, aber wir reduzieren deshalb unsere Stärke an anderen Orten nicht.
Und schließlich stellt der Nahe Osten und der Persische Golf die
amerikanische Politik vor gewaltige Aufgaben. Es steht hier außerordentlich
viel auf dem Spiel. Jahrelang ist dies ein Gebiet voller Unruhe und Unbeständigkeit gewesen - und die ständigen Zusammenkünfte der Staatschefs und
Außenminister haben natürlich auch viel dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit
der Öffentlichkeit auf dieses Gebiet zu lenken.
Weil in diesem Gebiet die größten Ölquellen der Welt liegen, ist die
Sicherheit des Nahen Ostens und des Persischen Golfs von unserer eigenen
Sicherheit sowie der der NATO und unserer Verbündeten in Asien nicht zu
trennen. Japan, beispielsweise, importiert 80 Prozent seines Öls aus diesem
Gebiet. Wir werden die ölproduktion und seinen Transport an die Verbraucherstaaten schützen, ohne daß feindliche Mächte sich einmischen können. Wir
sind ferner verpflichtet, bei der Suche nach einem gerechten Frieden im Nahen
Osten mit angemessener Sicherheit für Israel mitzuhelfen.
Diese Dinge sind wichtig. Aber die Aufmerksamkeit, die wir dem
strategischen Gleichgewicht, der NATO und dem Nahen Osten haben zuteil werden
lassen, ist - zumindest

soweit es diese Administration betrifft - nicht auf

Kosten unserer Position in Asien gegangen.
Das bringt mich auf

�»

Das bringt mich auf meinen zweiten Punkt zurück - warum hat sich die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, wenn unsere Verteidigungsposition in
Asien Schlagzeilen machte.,

so sehr unseren Plänen für einen Abzug der

Landstreitkräfte aus Korea zugewandt und nicht auf das, was sonst noch in
dieser Region geschieht und was wir sonst dort noch tun?
Auch hier dürfte die Antwort auf der Hand liegen: Der geplante Abzug
der Landstreitkräfte ist etwas "Neues", während es die Konstanz unserer
Verpflichtung nicht ist.
Und wir entfernen ja sozusagen aus dem Zentrum des Schauplatzes ein
Element, das ein Viertel Jahrhundert lang einen prominenten Platz eingenommen
hat. Eine solche Veränderung kann verständlicherweise Unruhe in einem Gebiet
hervorrufen.
Lassen Sie mich Ihnen versichern, daß unser Abzugsprogramm sehr gründlich
sowohl in Washington als auch mit den Koreanern ausgearbeitet wurde. Es stellt
die Fortsetzung eines Prozesses dar, der im Jahre 1970 mit dem Abzug der einen
unserer beiden Divisionen in Korea begann. Das Programm hat die Unterstützung
des Chefs des Gemeinsamen Stabes und unserer Truppenkommandeure.
Wir können den Abzug unserer Landstreitkräfte planen, weil wir überzeugt sind, daß sich die Verhältnisse auf der koreanischen Halbinsel soweit
geändert haben, daß für die Vereinigten Staaten keine Notwendigkeit mehr
besteht, ihre Landstreitkräfte auf unbegrenzte Zeit in Korea zu belassen.
Südkorea hat sich zu einem modernen Staat von eindrucksvollen militärischen
und wirtschaftlichen Dimensionen gewandelt. Auch Nordkorea hat beeindruckende
militärische Kapazitäten entwickelt, aber der Süden ist weitaus dynamischer,
und seine wirtschaftliche Überlegenheit nimmt weiterhin zu. Im letzten Jahrzehnt hat Südkorea in wirtschaftlicher Hinsicht Nordkorea klar überholt was die Steigerung der Arbeitsproduktivität, die Übernahme moderner Technologie und den Aufbau einer internationalen finanziellen Macht anbetrifft. Südkoreas
Bruttosozialprodukt hat sich im letzten Jahrzehnt verdreifacht und hat eine

- 6 -

«

�eine Wachstumsrate, die 50 Prozent höher ist als die des Nordens, auch sein
Pro-Kopf-Einkommen hat das des Nordens weit hinter sich gelassen. Der Süden hat
die Grundindustrien - wie Stahl, Schiffbau, Elektronik, Petrochemie - aufgebaut, die für die Inganghaltung eines modernen Militärapparates von entscheidender Wichtigkeit sind. Seine Kreditwürdigkeit steht außer Zweifel,
und es hat einen weitaus besseren Zugang zu modernen Formen der Technologie
als der Norden. Das alles zeugt für die Stärke, den Unternehmungsgeist und die
Entschlossenheit des koreanischen Volkes.
Die Südkoreaner haben nicht nur diese wirtschaftlichen Großtaten vollbracht, sie haben auch einen unbedingten Einsatz für die Erhaltung ihrer
Unabhängigkeit und militärischen Sicherheit gezeigt. Dies ist für jeden
klar ersichtlich, der heute Südkorea besucht. Der Anteil ihrer Ressourcen,
die für die nationale Verteidigung zur Verfügung gestellt werden, hat sich
von rund vier Prozent zu Anfang der siebziger Jahre auf fast sieben Prozent
im Jahre 1977 erhöht, ein erheblich größerer prozentualer Anteil als wir
oder unsere europäischen Verbündeten ihn aufbringen. In absoluten Zahlen
wandte die Republik Korea im Jahre 1977 rund 2 Milliarden Dollar für die
Verteidigung auf - sechs mal so viel wie im Jahre 1970. In diesem Jahrzehnt
haben sie die Verantwortung für die entmilitarisierte Zone übernommen und
praktisch auch für die gesamte Vorneverteidigung ihrer Nation, sodaß die
noch dort befindliche amerikanische Division in Reserveposition gehalten wird.
Kurzum, die Koreaner sind fähig und willens, ihr Land zu verteidigen. Was
aber genau so wichtig ist, die Situation hat sich im Verlauf des letzten
Jahrzehnts im übrigen Asien ebenfalls in dramatischer Weise verändert. Das
nicht-kommunistische Asien hat sich in eindrucksvoller Weise weiterentwickelt;
die kommunistisehen Nationen sind gespalten und verfeindet:
Die wachsende militärische Kapazität der Sowjets und der Chinesen ist
weitgehend in kräftebindender und feindseliger Weise gegeneinander gerichtet.
Keines der beiden Länder hat eine besondere Fähigkeit gezeigt, die militärische
Macht zu einem bemerkenswerten politischen Vorteil und Gewinn in Asien ZJJ

- 7 -

�zu nutzen. Ihre ideologische Anziehungskraft für andere Nationen in Asien
ist geschwunden. Ihr Streit hat die Wahrscheinlichkeit drastisch reduziert,
daß wir einen Krieg in Asien entweder gegen China oder gar gegen beide die Sowjetunion und China - zu führen haben werden. Wir gehen bei unseren
Planungen für die Streitkräfte nicht mehr länger von der Annahme eines
möglichen Landkrieges gegen China in Asien aus.
- Zweitens, die Verbesserung der amerikanischen Beziehungen zur Volksrepublik China kennzeichnete das Ende unserer Konfrontation mit dem Lande
mit der größten Bevölkerungszahl der Welt. Wir sind der Oberzeugung, daß
die Fortsetzung effektiver Beziehungen zu China das Interesse dieses Landes
an der regionalen Stabilität stärken wird. Wir erwarten mit der Zeit eine
Normalisierung unserer diplomatischen Beziehungen zu China, um das bereits
erreichte noch weiter festigen zu können. Wir sind überzeugt, daß es andere
Probleme in der Welt gibt, bei denen wir zusammenarbeiten können.
- Drittens, Japans Wirtschaftswunder hat diesem Lande einen großen
regionalen und weltweiten Einfluß verschafft. Die amerikanisch-japanischen
Sicherheitsbeziehungen un&lt;i die enge Freundschaft unserer beiden Nationen,
sind von fundamentaler Bedeutung für unsere Position in Asien. Dies hat
beide Länder in die Lage versetzt, im Interesse von Frieden und Stabilität
zusammenzuarbeiten. Unser Schutzschirm hat es Japan ermöglicht, in zunehmendem
Maße eine konstruktive Rolle in diesem Gebiet zu spielen, während es im Rahmen
des Bündnisses bedeutsame, aber rein defensive Kapazitäten aufgebaut hat.
- Viertens, nach dem Zusammenbruch Südvietnams und Kambodschas gab es in
Südostasien große Befürchtungen einer unaufhaltsamen kommunistischen Woge.
Man dachte, daß der Elan der nordvietnamesischen Eroberer sich in irgend einer
Form in Siege der Insurgenten In Thailand und sonstwo umsetzen würde. Aber
was geschah? Vietnam, Laos und Kambodscha befinden sich in tiefer wirtschaftlicher
Not. Ja, es ist so, daß historische Feindseligkeiten und Nationalgefühle
rasch wieder aufgetaucht sind, was zu wiederholten ernsten Zusammenstößen zwischen
Vietnam und Kambodscha geführt hat. Die nicht-kommunistischen Nationen Südost-

- 8 -

�Südostasiens hingegen erfreuen sich einer Periode der wirtschaftlichen
Entwicklung und wir sind durch die wachsende Vitalität des Zusammenschlusses
südostasiatischer Nationen - ASEAN - ermutigt. Die nicht-kommunistischen
Länder Asiens haben auch einen gesunden und kontrollierten Nationalismus
und eine Entschlossenheit an den Tag gelegt, jedem Druck von außen zu
widerstehen.
Kurz gesagt, die Situation, die wir in Asien vorfinden, unterscheidet
sich wesentlich von der in Europa. In Europa liegen die Bindungen fest, mit
den sowjetischen Streitkräften und ihren Verbündeten auf der einen und den
Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten auf der anderen Seite. Das
militärische Kräfteverhältnis läßt sich leichter messen. Während in Europa
die militärische Kapazität der Sowjets gewaltig und auf einen Punkt gerichtet
ist, ist in Asien die Bedrohung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
zwar ebenfalls real, aber diffuser. Freund und Feind sind nicht immer klar
auseinanderzuhalten. Das Wechselspiel der Mächte ist fließender. Dementsprechend sind unsere Verteidigungserfordernisse zwar weniger anspruchsvoll
als in Europa, aber in vielen Fällen aufgrund der politischen Faktoren
viel komplexer.
Die Situation in Asien ist für unsere Interessen heute günstiger als in
der Vergangenheit. Wir wollen dafür sorgen, daß diese Verhältnisse bestehen
bleiben. Wir unterhalten daher große Streitkräfte im Westpazifik. Dazu gehören
Bomber vom Typ B-52, Raketenunterseeboote, neun taktische Kampfstaffeln der
US-Luftwaffe, zwei Flugzeugträger, 20 Kreuzer und Zerstörer, zwei Drittel einer
Division des Marinekorps und ein Flugzeuggeschwader des Marinekorps.
Der Präsident hat beschlossen, daß die Vereinigten Staaten, mit Ausnahme
des geplanten Abzuges aus Korea, diesen gegenwärtigen Stand der Kampfverbände
in Asien aufrechterhalten werden. Wir vernachlässigen auch nicht die Möglichkeit, daß viele im Westen (der USA) stationierte Streitkräfte in einem Ernstfall ebenso in Asien disloziert werden könnten wie in Europa. Das ist der Grund,
warum wir gemischte, nichtstrategische Streitkräfte mit all der Flexibilität,
- 9 -

�Flexibilität, die solche Streitkräfte bieten, unterhalten.
In den nächsten fünf Jahren werden wir unsere Streitkräfte in dieser
Region auch durch die Einführung verschiedener moderner Waffensysteme stärken,
wie durch TRIDENT-Nuklearraketen für unsere Unterseeboote, Marschflugkörper
für unsere Bomber vom Typ B-52, Kampfflugzeuge vom Typ F-14 für unsere
Flugzeugträger, Flugzeuge vom Typ F-15 für unsere Luftwaffe, das Frühwarnund Leitsystem AWACS und andere Verbesserungen. Wir werden den Umfang unserer
Pazifikflotte aufrechterhalten und sie in dem Maße, wie es unser Schiffbauprogramm erlaubt, modernisieren und vergrößern.
Wir führen noch andere verteidigungsbezogene Maßnahmen durch, um zur
Erhaltung des Friedens und der Stabilität beizutragen. In Korea planen wir
den Abzug unserer Landstreitkräfte dadurch auszugleichen, daß wir Südkorea
durch die Lieferung des notwendigen Geräts für die koreanischen Streitkräfte
und die Ausweitung von Krediten zum Kauf zusätzlichen militärischen Geräts
dabei helfen, seine eigenen Streitkräfte zu verbessern. Wir haben Gesetzesvorlagen in diesem Sinne im Kongreß eingebracht, und ich werde übermorgen
zur Begründung dieser Gesetzesvorlagen aussagen. Wir werden ferner unsere
Luftstreitkräfte in Korea auf unbegrenzte Zeit aufrechterhalten und werden
sie zahlenmäßig noch vor Ende dieses Jahres verstärken.
Anderswo in dieser Region befinden wir uns in aktiven Verhandlungen mit
den Philippinen, in dem Versuch, ein befriedigendes Abkommen über unsere
Stützpunkte zur Stabilisierung und Stärkung unserer Präsenz dort auszuhandeln.
Wir haben ferner stetig daran gearbeitet, im Rahmen unseres gegenseitigen
Sicherheitsvertrages zu einer noch engeren Verteidigungszusammenarbeit zu
gelangen.
Warum, so mögen Sie fragen, sind diese Verbesserungen notwendig, vor allem,
wenn die Situation in Ostasien und im Pazifik so günstig ist, wie ich dies
gerade angedeutet habe?
Lassen Sie mich die
- 10 -

�Lassen Sie mich die Beantwortung dieser Frage mit der Feststellung
beginnen, daß die Situation

in Asien zwar heute günstig ist, daß es jedoch

keine Gewähr gibt, daß sie so bleiben wird - vor allem, wenn wir Asien
ignorieren, unsere dortige Kapazität verringern und unsere Aufmerksamkeit anderswo konzentrieren sollten.
Es gibt in Asien große Ungewißheiten, die den künftigen Frieden in
Asien und in Europa bedrohen könnten. Das Gleichgewicht, das sich in
Ostasien in diesem Jahrzehnt herausgebildet hat - in dem die Vereinigten
Staaten, die UdSSR, die Volksrepublik China und Japan die wichtigsten Rollen
spielen - ist nicht nur für Asien von Vorteil, sondern trägt auch zur
Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in Europa bei.
Dieses Gleichgewicht braucht jedoch nicht notwendigerweise auf Dauer
zu bestehen. Die militärische Stärke der Sowjetunion in Asien und im Pazifik
wächst ständig. Es ist möglich, daß in den sino-sowjetischen Beziehungen
Änderungen von fundamentaler strategischer Bedeutung eintreten. Nordkorea
ist immer ein Element der Unsicherheit, das den Frieden auf der Halbinsel
stören und die Großmächte hineinziehen könnte. Die wirtschaftliche Entwicklung der weniger entwickelten nicht kommunistischen Länder in dieser
Region könnte zusammenbrechen. Vietnam könnte eine Politik gegen seine nichtkommunistischen Nachbarn einschlagen. Wenn wir nicht Asien geben, was Asiens
iat, wenn wir nicht die notwendigen Streitkräfte ebenso wie eine ausreichende
wirtschaftliche und politische Stärke in dieser Region aufrechterhalten, um
uns vor diesen Ungewißheiten zu schützen, dann könnte sich das günstige
politische Kräfteverhältnis, das wir heute in Asien vorfinden, rasch verschlechtern.
Unsere weitere militärische Präsenz in diesem Gebiet - zusammen mit unseren
gegenseitigen Verteidigungsverträgen mit unseren Hauptverbündeten in dieser
Region - bietet nicht nur einen Schutz vor künftigen Ungewißheiten, sondern
erhöht auch die Wahrscheinlichkeit eines anhaltenden Friedens in Asien ganz
wesentlich. Unsere militärische Präsenz erhöht die politischen Hemmungen
- 11 -

�Hemmungen potentieller Gegner und dient als Abschreckung. Sie bietet ferner
ein wichtiges psychologisches Element der Sicherheit für befreundete
Länder. So bringt unser enges Bündnis mit Japan Stetigkeit in die japanische
Diplomatie , trägt zu einer aufblühenden Demokratie in Japan bei und fördert
eine konstruktive japanische Rolle in Asien. In ähnlicher Weise sind die
Länder des ASEAN-Paktes der Überzeugung, daß unsere weitere militärische
Präsenz in dem Gebiet einen wichtigen stabilisierenden Faktor bildet.
Unsere militärische Präsenz zwingt auch unseren potentiellen Gegnern
bestimmte defensive Überlegungen auf. Die sowjetische Pazifikflotte muß immer
mit dem Gedanken an die Siebte Amerikanische Flotte operieren. Wenn wir einen
wesentlichen Teil der amerikanischen Pazifikflotte abziehen, - oder darauf
verzichten, unsere Streitkräfte in dem Maße zu verbessern, wie die sowjetischen Streitkräfte verbessert werden - dann würde das militärische und
politische Potential der sowjetischen Pazifikflotte beträchtlich erhöht.
Und schließlich sind wir, wie ich bereits vorhin gesagt habe, und was
das wichtigste ist, eine pazifische Macht - mit lebenswichtigen Interessen
und feierlichen Verpflichtungen in dieser Region. Unsere militärische
Präsenz und die geplante Verbesserung unserer Streitkräfte sollen dazu
dienen, unbedingt sicherzustellen, daß wir über die Kapazität verfügen, um
diese Interessen weiterhin zu schützen und unsere Verpflichtungen weiter
einhalten zu können. Wir können uns darum nicht herumdrücken, und wir können
unsere Verantwortung für die Aufrechterhaltung des Friedens in diesem Gebiet
nicht abschütteln. Aus diesen Gründen werden wir unsere Streitkräfte in Asien
noch einige Zeit dort brauchen. Das muß jeder begreifen. Der Präsident und
seine Administration begreifen es, und wir werden entsprechend handeln.

+ + + + +

�7

8. März 1978

USA FORDERN INTERNATIONALE BEGRENZUNG DER EXPORTSUBVENTIONEN
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die Regierung Carter tritt für die Einführung eines
internationalen Kodex zur Begrenzung staatlicher Exportförderungsmaßnahmen
ein. Ein solcher Kodex käme der gesamten Weltwirtschaft zugute, weil damit
die Gewähr geschaffen wäre, daß staatliche Zuwendungen zur Stärkung der Ausgangsposition gewisser Exporteure eingestellt würden, erklärten zwei amerikanische Regierungsvertreter am 23. Februar 1978 vor einem Kongreßausschuß.
Die Ausfuhrbeihilfen, mit denen die Europäische Gemeinschaft den Export
gewisser Agrarprodukte fördert, stellen ein nicht-tarifäres Handelshindernis
und eine Behinderung der amerikanischen Agrarausfuhren dar, wie Dale Hathaway,
Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten und Rohstoffprogramme
im amerikanischen Landwirtschaftsministerium dem Ausschuß darlegte. Unterstaatssekretär für Industrie- und Handelsfragen im US-Handelsministerium,
Frank A. Weil, berichtete dem Ausschuß, daß die amerikanischen Einfuhren in
den letzten Jahren einen in der gesamten Wirtschaftsgeschichte bisher einmaligen Umfang erreicht hätten, der es dringend erforderlich macht, der Ausfuhrförderung höchstmögliche Priorität zuzuerkennen.
Senator

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Telex:08-85432

�Senator Adlai Stevenson, Vorsitzender des Ausschusses, betonte in diesem
Zusammenhang, die Vereinigten Staaten müßten die Programme zur Stärkung der
amerikanischen Ausfuhren - darunter auch die Exportförderungsmaßnahmen der
Export-Import-Bank und der Gesellschaft zur Rohstoffkreditfinanzierung (Commod
ity Credit Cooporation) - stärker als!bisher bezuschussen.
"Dies sind sehr heikle Fragen," versicherte Unterstaatssekretär Weil,
"die sich auch auf die Außenpolitik auswirken.

Deshalb bedarf es, meiner Auf-

fassung nach .klarer Definitionen der einschlägigen Begriffe - die sich mit
großer Wahrscheinlichkeit aus der Tokio-Runde ergeben werden. "Wir sollten",
fuhr er fort, "nach meinem Dafürhalten bei der Anwendung der Bestimmungen des
US-Handelsgesetzes von 1974 eine aggressivere Haltung einnehmen.

Das Gesetz

ermächtigt den Präsidenten, Schutzzölle oder Antidumpingabgaben zu verhängen,
um heimische Produzenten vor dem unfairen Wettbewerb von staatlich subventionierten Exporteuren aus anderen Ländern zu schützen.

Wir sollten uns aber

davor hüten, zu ebenso unfairen Handelspraktiken überzugehen."
Ein Vertreter der amerikanischen Privatwirtschaft erklärte vor dem Ausschuß, die Regierung solle es als ihre Aufgabe ansehen, die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Exporteure zu stärken, "wobei jedoch Ausfuhrbeihilfen
nicht die richtige Antwort sind."
"Die amerikanischen Steuerzahler sind nicht gewillt, Unternehmen zu bezuschussen, damit sie ihre Produkte in Übersee zu Niedrigpreisen absetzen
oder höhere Gewinne einheimsen können," so erklärte Professor C. Michael Aho,
Wirtschaftswissenschaftler an der George Washington-Universität in Washington
D.C. "Staatliche Beihilfen sollten vielmehr zu dem Zweck gewährt werden, die
Arbeitsproduktivität zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen
Industrie zu stärken."
Unterstaatssekretär Weil stellte in einem Rückblick auf die Entwicklung
des amerikanischen Exports im Jahr 1977 folgende Fakten besonders heraus:
- Die

�- Die 4,6prozentige Zunahme der amerikanischen Ausfuhren im Jahre 1977
war die geringste seit 1971,und der Anteil der Vereinigten Staaten an den
Weltausfuhren insgesamt wie auch an den Ausfuhren an Fertigwaren ist weiter
stark rückläufig.
- Besonders starke Einbußen erlitten die amerikanischen Ausfuhren auf
ihren traditionellen Märkten wie Kanada, Japan und Lateinamerika, weil diese
zu den Einfuhrmärkten mit den niedrigsten Wachstumsraten zählten.
- Kapital guter bestreiten den Hauptanteil an den Ausfuhren der amerikanischen Fertigungsindustrie und damit auch an der amerikanischen Außenhandelsbilanz, so daß sich das Ausbleiben einer stärkeren Nachfragebelebung bei
Kapitalgütern im Ausland negativ auf die Steigerung der amerikanischen Ausfuhren auswirkte.
- Die Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer
Erzeugnisse wäre geeignet, den Anteil der USA am Weltexport von Gütern der
Fertigungsindustrie zu steigern oder zumindest zu stabilisieren.

+ + + + +

- 3 -

�8. März 1978

7

CARTERS REISE SOLL BEZIEHUNGEN ZU LATEINAMERIKA UND AFRIKA FESTIGEN
Von unserem Korrespondenten Alexander M. Sullivan

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter wird auf seiner Reise nach Südamerika und Afrika in der Zeit vom 28. März bis 3. April 1978 Venezuela,
Brasilien, Nigeria und Liberia besuchen.
Wie der Berater des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit,
Dr. Zbigniew Brzezinski, am 24. Februar in Washington erklärte, dient die
Reise Carters dem Bemühen der amerikanischen Politik "sich auf die neuen
Realitäten in der Außenpolitik einzustellen - nämlich das Auftreten neuer,
aus regionalen oder globalen Gründen wichtiger Mächte, deren Stimmen in den
internationalen Gremien neuen Einfluß gewonnen haben."
Präsident Carter wird auf seiner Reise zwei größere Reden halten.
Die eine bei seinem Aufenthalt in Caracas vor dem Kongreß Venezuelas wird
sich vor allem mit dem Verhältnis zur südlichen Hemisphäre befassen und
wahrscheinlich auch auf die besonderen Beziehungen zwischen Verbraucherund Erzeugerstaaten im Nord-Süd-Verhältnis eingehen.
Seine

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�Seine zweite Rede wird Carter in Lagos in Nigeria halten.

Sie wird

die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Afrika und das Verhältnis
zwischen den afrikanischen Nationen und den Vereinigten Staaten zum Thema
haben.
Mit seinen Besuchen holt der Präsident jenen Abschnitt seiner schon im
vorigen Jahr geplanten und durchgeführten Reise nach, der gestrichen worden
war, weil Carter damals während der Beratungen des Kongresses über die Energiegesetzvorlage nicht von Washington abwesend sein konnte.
Wie Brzezinski weiter ausführte, wird der amerikanische Präsident mit
den Staatsmännern der genannten Länder internationale und regionale Probleme sowie bilaterale Angelegenheiten erörtern.
In Venezuela, das Brzezinski als ein "bedeutendes und demokratisches
Land" bezeichnete, das sowohl in regionalen und internationalen Fragen eine
"immer wichtigere Rolle" spiele, werde Carter auch über die Frage sprechen,
welche Möglichkeiten es für

eine Verbesserung der Förderung der Menschen-

rechte auf der gesamten westlichen Hemisphäre gebe.
Carter wird bei seinem Aufenthalt in Venezuela am 28. und 29. März mit
dem venezolanischen Präsidenten Carlos Andres Perez auch die Frage anschneiden, wie die Weiterverbreitung von nuklearem Waffenmaterial eingedämmt werden kann und die Probleme zwischen Erzeuger- und Verbraucherländern sowie
die internationale Energiesituation und die Frage des ölpreises erörtern.
Außerdem werden regionale und internationale Probleme und die Zusammenarbeit in der Karibik zur Sprache kommen. Es wird übrigens das dritte mal
sein, daß Carter mit Perez zusammentrifft.
Brzezinski wies in diesem Zusammenhang auf die aktive Rolle hin, die
Venezuela - eines der Gründungsmitglieder der Organisation Erdölexportierender Länder (OPECJ - bei den Bemühungen um eine Lösung des Belize-Problems
und dem Bestreben Boliviens, einen Zugang zum Meer zu erhalten, gespielt hat.
Anschließend
- 2 -

�Anschließend wird der amerikanische Präsident nach Brasilien reisen,
der einzigen südamerikanischen Nation, deren Soldaten Seite an Seite mit
amerikanischen Truppen während des Zweiten Weltkrieges gekämpft haben.

Carter

wird am 29. März Brasilia und am 30. und 31. März Rio de Janeiro besuchen.
Themen seiner Gespräche mit dem brasilianischen Präsidenten Ernesto Geisel,
mit dem er zum erstenmal zusammentreffen wird, werden die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffenmaterial, Energiefragen, handelspolitische Probleme und
die politischen Entwicklungen auf der westlichen Hemisphäre sowie die Frage
der Menschenrechte sein.
Auf seiner Afrikareise wird Präsident Carter zuerst nach Nigeria kommen und sowohl die Hauptstadt des Landes, Lagos }als auch die im Norden gelegene Stadt Kano, mit ihrer in ethnischer, religiöser und sozialer Hinsicht
sehr unterschiedlichen Bevölkerung besuchen.

Von nigerianischer Seite war

der dringende Wunsch geäußert worden, daß Carter beide Gebiete des Landes besuchen möchte.
Nigeria spielt nach den Worten Brzezinskis eine wichtige Rolle als Vermittler in regionalen afrikanischen Streitfällen, unter anderem auch im Konflikt zwischen Äthiopien und Somalia und den Spannungen im südlichen Afrika.
Brzezinski hob in diesem Zusammenhang die konstruktive Rolle hervor, die
Nigeria bei den anglo-amerikanischen Vorschlägen für dieses Gebiet gespielt
hat und verwies auf das große Ansehen, das das Land in der Organisation für
Afrikanische Einheit (OAU) genießt. Nigeria ist derzeit Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und gehört der OPEC an.
Mit dem nigerianischen Präsidenten, General Olusegun Obasanjo, wird
Carter über allgemeine Probleme der Weltwirtschaft, den öl preis und Fragen
im Zusammenhang mit der Seerechtskonferenz sprechen.
Ein weiteres wichtiges Thema wird der Konflikt zwischen Äthiopien und
Somalia sein und die Frage, wie er am besten gelöst werden und eine Einmischung
sowjetischer und kubanischer Truppen in afrikanische Angelegenheiten verhindert

- 3 -

�verhindert werden kann.

Washington, so erklärte Brzezinski, trete für eine

friedenstiftende Rolle der Organisation für Afrikanische Einheit ein.
Der amerikanische Präsident wird am 31. März in Lagos eintreffen, wo
ihm am 1. April ein offizieller Empfang bereitet werden wird.

Am 2. April

wird er nach Kano reisen und am 3. April nach Lagos zurückkehren, um von dort
nach Liberia weiterzufliegen.
In Liberia, das Brzezinski als einen der ältesten Freunde der USA in
Afrika bezeichnete - die Beziehungen gehen bis auf das Jahr 1882 zurück wird Carter die Gelegenheit eines kurzen Aufenthalts benutzen, um mit seinem
Präsidenten, William Tolbert, die bilateralen Beziehungen, Investitionsprobleme und Fragen der regionalen Sicherheit sowie der westafrikanischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu erörtern.

+ + + + +

�6. März 1978

7

WIRTSCHAFTSINTERESSEN IN DER ANTARKTIS
USA fordern internationales Statut zum Schutz des Ökosystems

- (AD) - Lange Zeit war die Antarktis die Domäne der Wissenschaftler,
deren Rechte auf Freizügigkeit in der gesamten Region der Antarktis-Vertrag
von 1959 garantiert. In zunehmendem Maße findet jetzt jedoch das Gebiet
wegen seines vermuteten Reichtums an Ressourcen auch wirtschaftliches Interesse. Dieses konzentriert sich derzeit primär auf Fischbestände und andere
Formen von Nahrungsreserven in den Randmeeren, insbesondere Kri11, während
Bodenschätze weniger im Vordergrund stehen.
Im Jahr 1979, zum 20. Jahrestag der Unterzeichnung des Antarktisvertrags in Washington, werden die Vereinigten Staaten Gastgeber für die
10. Konferenz der Konsultativmächte sein. Bis dahin befassen sich multinationale Gremien der Vertragspartner auf sechs bis sieben Konferenzen mit
speziellen Fragen, beispielsweise der Verbesserung der Nachrichtenverbindungen zum Weißen Kontinent, aber auch mit dem Arbeitspaket für die noch in
diesem Jahr abzuhaltende "Entscheidungs-Konferenz", auf der ein Statut zum
Schutz der antarktischen Lebenswelt und der Nahrungsreserven formuliert
werden soll. Es wird eine Konferenz auf diplomatischer Ebene sein, an der
nicht nur die Konsultativmächte, d.h. die Partnerstaaten des Antarktisvertrages, sondern auch andere Länder mit direkten Interessen an den Nah-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Nahrungsreserven in der Antarktis sowie internationale Organisationen als
Beobachter teilnehmen.

Eine Vorstufe ist die gegenwärtig (vom 27. Februar

bis 16. März 1978) in Canberra (Australien) tagende Sonderkonferenz der
Konsultativmächte.
Der Standpunkt der Vereinigten Staaten im Fragenkomplex "Antarktis"
wurde kürzlich vor einem Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des
Senats von Patsy Mink, Unterstaatssekretärin im US-Außenministerium für Angelegenheiten der Meere und für internationale Umwelt- und Wissenschaftsfragen, dargelegt.

Den Ausführungen der Unterstaatssekretärin zufolge wird

die Antarktis-Politik der USA von zwei Erwägungen bestimmt:

1. Schutz der

Umwelt und Bewahrung des Ökosystems vor ungebührlicher Schädigung sind von
größter Bedeutung.

2. Falls die Ressourcen jemals ausgebeutet würden,

müßten diese klug genutzt und unter geeigneten Umweltschutzmaßnahmen entnommen werden.
Daß dieser Standpunkt von den anderen elf Vertragspartnern geteilt
wird, zeigen die Empfehlungen zur Frage der mineralischen Rohstoffe, die
auf der 8. und 9. Konsultativkonferenz angenommen wurden. Sie befürworten die rechtzeitige Schaffung eines internationalen Statut, das eine mögliche Nutzung der Ressourcen regelt, und ersuchen interessierte Länder
dringend, in der Zwischenzeit Zurückhaltung bei der kommerziellen Nutzung
zu üben.
Einer der Grundsätze, die in das Statut aufgenommen werden sollen,
betrifft das Ökosystem der antarktischen Meere angesichts der Möglichkeit,
daß dort Fischerei im großen Stil betrieben wird. Sie könnte nämlich das
gesamte Ökosystem gefährden. Die Meere um die Antarktis sind biologisch
sehr produktiv. Unkontrollierte Fangtätigkeit hat jedoch bereits die Walund Robbenbestände stark dezimiert. In den sechziger Jahren richtete sich
die Aufmerksamkeit sowohl der Wissenschaftler als auch der Fischereiexperten
auf den in großen Mengen vorkommenden Krill - kleine, garneeienartige Krebse
(Euphausia), von denen sich auch die Großwale ernähren. Eine Krillart,

- 2 -

�Krillart,Euphausia Superba, bildet an oder nahe der Wasseroberfläche
dichte Schwärme.

Dieser Umstand und der hohe Eiweißgehalt des Krills ma-

chen diese Krebsart zu einem begehrenswerten Objekt für kommerzielle Fangexpeditionen, um sie dem Konsum direkt zuzuführen oder Fischmehl daraus
herzustellen.

Auch bestimmte Fischarten sowie Tintenfisch scheinen ergie-

bige Fänge zu gewährleisten.
Als erste sondierten sowjetische und japanische Fangschiffe die antarktischen Meere. In letzter Zeit haben sich Expeditionsschiffe anderer
Länder zu ihnen gesellt, insbesondere der Bundesrepublik Deutschland, die
nicht Mitglied des Antarktisvertrages ist, und Polens. Auch Südkorea plant
für Ende 1978 eine Krill-Expedition. Die Schätzungen über die Krillmengen
- sie bewegen sich zwischen einigen 10 Millionen und weit über 100 Millionen Tonnen pro Jahr - machen im Verein mit freiem Fischfang in fernen Gewässern den kommerziellen Fang angesichts der Beschränkungen innerhalb der
200-Meilen-Zonen wahrscheinlich, und dies wohl eher früher als später.
Aber es gibt bisher wenig Erfahrungen mit dem Massenfang von Krill,
der in der Nahrungskette weit vornean steht und eine so zentrale Rolle im
Ökosystem der Meere spielt. Dieses ist in der Antarktis wegen der extremen
Umweltbedingungen besonders fein ausbalanciert und den Verhältnissen angepaßt, so daß unkontrollierter Krillfang oder die Ausbeutung anderer SystemKomponenten unvorhersehbare und vielleicht nicht wieder gutzumachende Auswirkungen haben könnten.
Angesichts dieses Sachverhalts sehen die Vertragspartner den angemessenen Schutz der antarktischen Lebenswelt als vordringlich an, was im Empfehlungen zum Ausdruck kommt, die auf der 9. Konsultativkonferenz (19. September bis 17. Oktober 1977 in London) verabschiedet wurden. Sie besagen u.a.,
daß
1. ein wirksames System für den Schutz der antarktischen Reserven, einschließlich Krill, in Kraft sein sollte, ehe Fänge im großen Stil aufgenommen

�2. ein Schutzstatut die ganze Skala der Lebenswelt in der Antarktis
und damit des gesamten antarktischen Ökosystems erfassen solle;
3. das Schutzstatut in eine internationale Konvention einzubinden
sei und Vorkehrungen getroffen werden müssen, daß an den Verhandlungen die
Konsultativmächte, andere Länder mit direkten Interessen an den betreffenden Ressourcen und zuständige internationale Organisationen teilnehmen.
Das Statut, das Teil des Vertrages würde, hätte feste Zielsetzungen und
würde die Verpflichtungen, Funktionen und den erforderlichen Apparat zu
deren Erfüllung umreißen.
Mit dem Schutzstatut sollen alle Spezies erfaßt werden, die noch nicht
in bestehende internationale Schutzabkommen (beispielsweise die Konventionen
über Walfang und über den Schutz der antarktischen Robben) aufgenommen sind.
Dadurch will man sicherstellen, daß jegliche Fangaktivität in der Antarktis
in Übereinstimmung mit vernünftigen Schutzprinzipien und Praktiken erfolgt.
Insbesondere soll jegliches überfischen von Antarktis-Gewässern verhindert
und gewährleistet werden, daß der Fang einer bestimmten Spezies die Population von ihr abhängiger oder verwandter Spezies nicht beeinträchtigt.
Das Ökosystem darf nicht durch Fangaktivitäten, welcher Art auch immer,
Schaden leiden.
Um dies zu erreichen, müßte das Schutzstatut Sorge tragen, daß grundlegende wissenschaftliche Daten über die Natur, die Wechselbeziehungen und
die Dynamik des marinen Ökosystems in der Antarktis gesammelt sowie die Bestände der Komponenten des antarktischen Nahrungsreservoirs quantitativ
bestimmt und der Umfang jeglicher Fänge aus diesen Beständen detailliert angegeben werden. Außerdem sind die schutzwürdigen Bestände zu identifizieren; für die Durchführung spezieller Schutzbestimmungen, einschließlich
einer Beschränkung von Fängen, müssen Vollzugsmaßnahmen entwickelt werden.
Das Schutzstatut soll reguläre und bleibende Funktionen haben, für deren
Durchführung ein wirksames organisatorisches System erforderlich ist.

Als

�Als wichtige Frage im Zusammenhang mit einer zufriedenstellenden Lösung des Problems sowohl der lebenden als auch der mineralischen Ressourcen
gilt die Behandlung der Rechtspositionen der Länder, die Hoheitsansprüche
stellen, und der Länder, die keine solchen Ansprüche stellen.

Wie die Fra-

ge der Souveränitätsrechte im allgemeinen behandelt wird, kommt im Antarktisvertrag bereits zum Ausdruck.

Aufgrund des Vertrages vertreten die USA den

Standpunkt, keinerlei Ansprüche auf Gebietshoheit in der Antarktis zu erheben
oder anzuerkennen.

Da der Vertrag die Frage der Ressourcen nicht erwähnt,

stellt sich angesichts möglicher Aktivitäten zur Inanspruchnahme von Ressourcen diese Frage jetzt in direkter Form.
Wie Patsy Mink vor dem Senatsausschuß betonte, sind die Vereinigten
Staaten zuversichtlich, daß Lösungen gefunden werden. In der amerikanischen
Antarktispolitik habe auch in Zukunft die gesicherte Beibehaltung des Systems
des Antarktisvertrags sowie die Bewahrung von Umwelt und Ökosystem in der
Antarktis Vorrang. Die USA konzentrieren sich ebenso wie ihre Partner im
Antarktisvertrag auf die Untersuchung von Fragen, die beispielsweise die
Festlegung von Standorten bzw. Gebieten betreffen, welche von besonderem
wissenschaftlichen Interesse, sind. Ihre Sorge gilt ferner Umweltproblemen
als Folge des zunehmenden Tourismus $wie Problemen, die sich aus der Exploration und dem Abbau von Mineral vorkommen ergeben könnten. Gleichzeitig
setzen die Wissenschaftler ihre Arbeit in der Antarktis im Geist der Zusammenarbeit fort, der bisher das Gütezeichen für den Antarktisvertrag gewesen
ist.

+ + + + +

- 5-

�fiifflan 11
I

3

Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service

8. März 1978

PFLANZEN AUS WÜSTEN- UND REGENWALDZONEN
Neue Rohstoffquellen für Eiweiß und industrielle Rohstoffe

(AD) - Etwa 300 000 Pflanzenarten wurden bisher auf der Erde identifiziert. Knapp 2 000 davon gelten als Nutzpflanzen, von denen aber
nur etwa 50 in großem Umfang angebaut werden. So ist es nicht verwunderlich,
wenn Forscher bisher unbeachtete Pflanzen "entdecken", die die Nahrungsproduktion bereichern und der Industrie wertvolle Rohstoffe liefern
könnten.
Dazu gehört beispielsweise die Spargelbohne (auch Goa-Bohne genannt,
lateinische Bezeichnung Psophocarpus Tetragonolobus), die in Afrika, Südamerika und Sü'dostasien heimisch ist. Wie Dr. Christine Newell (Universität
Illinois) kürzlich auf der 144. Jahrestagung der AAAS (Amerikanische
Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften) vom 12. - 17. Februar 1978
in Washington berichtete, enthält sie reichlich Eiweiß und öl. Bei entsprechender Nutzung könnte sie sogar der Sojabohne Konkurrenz machen. Sie
würde dann auch besondere Bedeutung für die regenreichen Tropengebiete
erlangen, wo die Bevölkerung weitgehend auf Yamsbohne und Manickwurzel als
Eiweißquellen angewiesen ist. Gegenwärtig werden Verfahren entwickelt, die

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�die einen großflächigen Anbau der Spargelbohne und vereinfachtes Abernten
der rebenähnlichen Pflanzen sowie ihre kommerzielle Verwertung ermöglichen
sollen.
Keimplasma für die intensive Untersuchung von Wachstum und Nährwert
steht erst seit 1973 zur Verfügung. In der Zwischenzeit wurden außer in den
Vereinigten Staaten in Australien, Neuguinea, Bangladesch, Indien, Indonesien, Malaysia, Sri Lanka, Thailand, auf

den Philippinen, in Kolumbien,

Nigeria und Ghana Forschungsprogramme in Angriff genommen. In enger Zusammenarbeit mit zwei amerikanischen Stiftungen richtet z.Zt. die Universität
Florida ein Großprojekt für Anbau, Absatz und Verteilung von zwei Zuchtlinien der Spargelbohne ein, wofür in Kürze Saatgut in ausreichender Menge
zur Verfügung stehen wird.
Die Bohne wächst rasch und trägt reichlich. Ihre grünen Schoten, die
Blätter, die Kerne und die Wurzeln sind reich an Eiweiß und Vitaminen. Selbst
ihre Blüten, Stengel und Schößlinge sind genießbar. In der Volksmedizin
dient die Pflanze als wirksames Mittel zur Behandlung von Augen- und Ohrinfektionen. Aber trotz all dieser Qualitäten wurde sie bisher nur in PapuaNeuguinea und in Südostasien genutzt. Pflanzenbiologen bemühen sich jetzt
darum, Varianten mit speziellen, verbesserten Merkmalen zu züchten.
Für die industrielle Verwertung sind die Bohnenfrüchte des JajobaStrauches ("Simmondsia Californica", gelegentlich auch als Jojoba-Strauch
bezeichnet) interessant, der im Südwesten der USA und in Mexiko heimisch
ist. Die Sträucher und niedrigen Bäume wachsen auf leicht alkalischen Böden
an zerklüfteten Abhängen in der Sonora-Wüste in Arizona und in Südkalifornien.
Am besten gedeiht die Pflanze in Regionen, wo jährlich etwa 38 - 45 cm Regen
fallen. Sie verträgt starke Temperaturschwankungen (zwischen minus fünf und
plus 42 Grad Celcius) im Tag- und Nacht-Rhythmus oder im Wechsel der Jahreszeiten.
Die Forschung

�Die Forschung befaßt sich erst seit sechs Jahren mit ihr. Wie
Lemoyene

Hogan von der Universität Arizona auf der AAAS-Tagung erklärte,

könnte die Jajoba-Bohne wegen ihres Gehalts an Palmitinsäurecetylester
(C, 5H31C00-C,gH32» eine Verbindung mit Cetylalkohol) Ersatz für Walrat,
bzw. Walöl bieten. Dieses ungesättigte Wachs, aus den Kopfhöhlen des
Pottwals gewonnen, ist ein wertvoller Rohstoff für die Herstellung von
Hochdruck-Schmiermitteln, Poliermitteln, pharmazeutischen und kosmetischen Präparaten sowie für Produkte, die von der Textil- und Lederindustrie benötigt werden. Weil aber der Pottwal zu den gefährdeten und
somit schutzbedürftigen Tierarten zählt, wird Walöl bald nicht mehr zu
beschaffen sein. In Mexico und in den Vereinigten Staaten wurden im
vergangenen Jahr (1977) bereits 45,4 Tonnen Jajoba-Öl produziert. Inzwischen haben Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Riverside,
ferner in der mexikanischen Provinz Sonora und an der Ben-Gurion-Universität (Israel) Forschungsprojekte mit Jajoba-Pflanzen aufgenommen.

Als "Industriepflanzen" ist möglicherweise auch der Guayule-Strauch
(Parthenium Argentatum) im Kommen, der, ähnlich wie der brasilianische
"Gummibaum" (Hevea Brasiliensis) Kautschukmilch liefert. Dr. Noel Vietmeyer von der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS)
berichtete über die Ergebnisse einer 18-monatigen Studie, die zeigte, daß
die Species angesichts ihrer Eigenschaften und Rohstoffkapazitat gut verwertbar wäre. In großen Kulturen angelegt, könnten die Pflanzen maschinell
bearbeitet werden.

Guayule-Sträucher sind Wildgewächse im US-Bundesstaat Texas und im
angrenzenden Mexiko. In der mexikanischen Chihuahua-Wüste und in anderen
Nordprovinzen Mexikos fanden Regierungsbeamte dicht_bestandene Flächen, die
insgesamt etwa 1 Million Hektar ausmachen. Obgleich

es sich laut Dr. Vietmeyer

um eine echte Wüstenpflanze handelt, sei der Bewuchs so gut, daß die Flächen
als kommerziell attraktive "Latex-Felder" betrachtet werden könnten. Auch
wenn monatelang oder gelegentlich sogar jahrelang kein Regen fällt, leiden
die Pflanzen nicht unter Trockenheit. Gibt es Wasser, werden Blätter, Stämme

- 3 -

�Stämme, Blüten und Wurzeln weiter ausgebildet. Ist es aber trocken und
kühl, schaltet die "innere Chemiefabrik" auf Latex um. Dann können Stämme
und Wurzeln der Sträucher bis zu einem Viertel ihres Gewichts aus
Kautschukmilch bestehen. Schon während des Krieges waren vereinzeilt
Experimente mit Guayule-Pflanzen als Quelle für Naturkautschuk unternommen,
später aber nicht weitergeführt worden, weil zu jener Zeit Naturkautschuk
vom brasilianischen Gummibaum (Hevea) billiger war.
In den letzten 25 - 30 Jahren hatte man sich daran gewöhnt, daß vor
allem in der chemischen Industrie pflanzliche Rohstoffe immer mehr durch
Erdöl und Erdölprodukte verdrängt wurden. Die einschneidenden ölpreiserhöhungen seit 1973 scheinen jedoch mancherorts Unternehmer zu veranlassen,
sich erneut auf pflanzliche Rohstoffe zu besinnen, deren kommerzielles
Potential sicherlich noch lange nicht ausgeschöpft ist.
Ein Schulbeispiel für die Vielseitigkeit einer Pflanze, die über Jahrtausende nur im fernen Osten bekannt war, ist die Sojabohne. Amerikanische
Seeleute brachten im vorigen Jahrhundert erstmals Soja-Samen mit. Was die
bescheidenen Kulturen ergaben, wurde an Schweine verfüttert. Um die Jahrhundertwende begannen sich landwirtschaftliche Versuchsstationen mit der
Sojabohne und ihrem möglichen Wert als "industrieller Rohstoff" zu befassen mit dem Erfolg, daß bis Mitte der sechziger Jahre die Soja-Jahresernte
in den Vereinigten Staaten auf 16,3 Millionen Tonnen, bis Mitte der
siebziger Jahre soqar auf 34 Millionen Tonnen anstieg. Die Farmer schätzen
die Sojabohne,weil sie Geld bringt und als Zwischenfr'rht den Boden düngt.
Die Chemiker entdeckten in ihr die vielseitigste Fe'dfrucht, die es gibt.
Die Zahl der Produkte, die sich daraus herstellen lassen, scheint nahezu
unbegrenzt zu sein. Fette, Lezithin, Eiweiß und Kohlehydrate sind die
Hauptbestandteile der Sojabohnen. Sojaöl, das 20 Prozent der Masse ausmacht, wird vor allem zu Kochfetten, Margarine und Salatöl verarbeitet. Es
dient ferner als Zusatz zu Farben, Lacken, Bodenbelägen, ölkleidung, Jalousien, Druckfarben, Kitt, Insektiziden, Desinfektionsmitteln und Seife.
Das nach Auspressen des Öls verbleibende Mehl ist nicht nur ein wertvoller
- 4 -

�wertvoller und allgemein üblicher Zusatz zu Vieh- und Geflügelfutter, sondern
wird auch zur Herstellung von Klebemitteln, Textilfasern, Imprägniermitteln,
wasserfestem Leim, Polierwachs, Zusatzstoffen für die Papier- und Kunststoff-Fabrikation verwendet. Die vielfältigsten Anwendungsmöglichkeiten
hat auch die Nahrungsmittelindustrie für Sojaprodukte entdeckt - als Zusatzmittel für Fertigsuppen, Saucen, Schoko-Getränke, Brot- und Backwaren,
Fleisch-, Milch- und Kaffee-Ersatz, Frühstücksflocken, Süßwaren und Aromastoffen bis zu Kindernahrung und Nudel Produkten. Es ist ihr gelungen, den
eigentümlichen Soja-Geschmack auszuschalten, der vielen Verbrauchern nicht
angenehm ist.

+ + + + +

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

8. März 1978

ÖL-KOHLE-SCHLAMM FÜR DEN KRAFTWERKSBETRIEB

(AD) - Die Verwendung einer Mischung aus pulverisierter Kohle und
ül soll dazu beitragen, den Erdöl- und Erdgasverbrauch durch Heizkraftwerke zu reduzieren. Auf der Basis von Kontrakten, die die amerikanische
Bundesenergiebehörde 1977 an Elektrizitätsgesellschaften in San Antonio
(Texas) und Westborough (Massachusetts) vergab, werden von der Bundesregierung für die Zeit von knapp dreieinhalb Jahren fast 40 Millionen
Dollar an Fördermitteln bereitgestellt, um geeignete Demonstrationsprojekte zu entwickeln. Die Unternehmen werden bestehende Kesselanlagen umbauen und in Verbindung mit neuen Anlagen zum Mischen von Kohlepulver und
öl und für den Transport des Schlammes im Betrieb erproben.
Die Kraftwerke, die bisher ausschließlich Erdgas (San Antonio) und
Erdöl (Westborough) verwendeten, haben sich außerdem verpflichtet, ÖlKohle-Schlamm sowohl mit verschiedenen Kohlesorten, z.B. Magerkohle aus
dem Bundesstaat Wyoming und Kohle aus den amerikanischen Oststaaten, als
auch mit Erdöl amerikanischer wie ausländischer Herkunft herzustellen und
auf seine Eignung im Heizkraftwerkbetrieb zu untersuchen. Inzwischen ließen
auch einige Industrieunternehmen Interesse an diesem Verfahren erkennen.
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�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

i

a

I

United States Information Service

22. Februar 1978

INHALT

WIRTSCHAFT
Sollen die Vereinigten Staaten den Dollar stützen?
- Von Harvard-Professor Dr. Hendrick S. Houthakker
HINTERGRUNDMATERIAL
US-Gesetz gegen Weiterverbreitung von Kernwaffen
- Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß William H. Webster - der neue Direktor des FBI
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Müllhalde im Weltraum
- Sicherungsaktion für SKYLAB Feuerwehr per Hubschrauber
- Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Wift/choft
United States Information Service

22. Februar 1978

SOLLEN DIE VEREINIGTEN STAATEN DEN DOLLAR STÜTZEN?
Von Harvard-Professor Dr. Hendrick S. Houthakker

Vor jetzt fast fünf Jahren mußten die Industriestaaten erkennen, daß das
Währungssystem von Bretton Woods praktisch zusammengebrochen war. Und so kamen
sie zu dem Entschluß, die Wechselkurse gleiten, oder wie der technische Ausdruck lautet, "floaten" zu lassen. Mit zum Floating gehörte, daß es jedem
Land praktisch freigestellt wurde, selbst zu entscheiden, wann es auf den Devisenmärkten intervenieren wollte. Seither haben alle wichtigen Währungen
ihre Schwankungen nach oben und nach unten erlebt.
Einige Länder, vor allem in Europa und Japan, haben immer wieder interveniert, jedoch meist um eine Aufwertung und nicht eine Abwertung zu verhindern. Andere Länder, an ihrer Spitze die Vereinigten Staaten, haben nur sporadisch interveniert, um auf "Unordnungen" auf dem Markt zu reagieren. Feste
Regeln hinsichtlich der Intervention sind nie aufgestellt worden.
Man ist sich seit langem darüber im klaren, daß ein internationales
Währungsregime ohne anerkannte Regeln leicht zu politischen Konflikten unter
den beteiligten Ländern führen könnte.

Diese Gefahr ist erst kürzlich

durch

den scharfen Anstieg des Wertes der europäischen und der japanischen Währungen
im Verhältnis zum Dollar in den letzten Monaten des Jahres 1977 akut gewor-

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D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�geworden.

Die derzeitigen Zahlungsbilanzüberschü'sse einiger europäischer Län-

der und Japans stärken deren Währungen, während das große und ständig wachsende Defizit der Vereinigten Staaten private Besitzer von Dollar veranlaßt hat,
in stärkere Währungen zu flüchten.

Abgesehen von einigen gelegentlichen Trans-

aktionen und einer kürzlichen Erhöhung des Diskontsatzes haben die Vereinigten Staaten generell an ihrer Politik festgehalten, die Kräfte des freien Marktes die Wechselkurse bestimmen zu lassen.

Das sich daraus ergebende Wertver-

hältnis der Währungen stellt eine ernste Bedrohung der Exporte einer Reihe von
Ländern dar, die mit höheren Exporten gerechnet hatten, um ihre Wirtschaftsrezession im eigenen Lande zu überwinden.
Diesen Ländern ist es nicht gelungen, die weitere Aufwertung ihrer Währungen durch eigene Intervention zu verhindern.

Praktisch war das einzige Resul-

tat, daß sie auf großen Mengen immer weniger wert werdenden Dollar
blieben.

sitzen

Es war daher nicht verwunderlich, daß diese Länder die Vereinigten

Staaten aufforderten, durch Rückgriff auf die Swap-Vereinbarungen oder Einsatz ihrer eigenen Reserven den Dollar zu stützen.

Obwohl die Carter-Admi-

nistration verständnisvolle Erklärungen abgegeben hat, steht keineswegs fest,
ob die Vereinigten Staaten bereit wären, ihre Politik zu ändern.

Die Haupt-

frage, die hier behandelt werden soll, ist die, ob eine solche Umkehr tatsächlich im allgemeinen Interesse läge.
Wenn die Vollbeschäftigung gesichert wäre, dann läge es im Interesse eines
jeden Landes, daß seine Währung im Verhältnis zu den Währungen anderer Länder
so hoch wie möglich bewertet wäre. Das würde jedes Land in die Lage versetzen,
für seine Exporte das größtmögliche Volumen an Importen zu erhalten, was wiederum das Realeinkommen der Bevölkerung maximieren würde. Wie hoch der Wechselkurs gehen kann, hängt von der Notwendigkeit des Gleichgewichts in der Zahlungsbilanz ab, oder genauer gesagt, von dem Wunsch des Landes, seine internationalen Reserven zu erhöhen oder zu vermindern.
In der realen Welt ist die Vollbeschäftigung jedoch nicht gesichert, und
in der Vergangenheit haben Länder immer wieder versucht, dieses Problem durch

- 2 -

�».

durch einen Exportüberschuß zu lösen.

Eine solche Politik erfordert einen

Wechselkurs, der niedriger liegt als es dem Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz entsprechen würde, obwohl natürlich der gleiche Effekt auch durch Einfuhrbeschränkungen erreicht werden kann.

Ein Exportüberschuß zur Beseitigung

Arbeitslosigkeit im eigenen Lande ist gleichbedeutend mit dem Export dieser
Arbeitslosigkeit.

Diese Praxis, die während der Zeit der floatenden Wechsel-

kurse in den dreißiger Jahren weitverbreitet war, trug nicht zuletzt dazu bei,
daß die Weltwirtschaftskrise damals so schwere Formen annahm.

Diese Praxis

wurde durch das Währungsabkommen von Bretton Woods ausgeschlossen, scheint
aber in den letzten Jahren wieder an Popularität zu gewinnen.

Sowohl Japan

als auch die Bundesrepublik Deutschland zögern beispielsweise, die Binnennachfrage anzuregen, aus Angst, die Inflation wiederzubeleben, und haben stattdessen ihre Hoffnung für den Aufschwung auf die Steigerung der Exporte gesetzt.

Im Falle Japans wird diese Politik noch durch die Aufrechterhaltung

von Einfuhrquoten verstärkt.

Die Vereinigten Staaten dagegen haben die Rezession von 1974/75 weitgehend dadurch überwunden, daß sie eine gemäßigt anregende Binnenwirtschaftspolitik betrieben.

Die Importe der USA sind zum Wohle der anderen Industrie-

länder und der Entwicklungsländer stark angestiegen.

Die Exporte der USA hin-

gegen nahmen wegen der schwachen Nachfrage in den anderen Ländern nur geringfügig zu.

Das große amerikanische Handelsdefizit ist weitgehend eine Mani-

festation der mangelnden Übereinstimmung in den Politiken der Hauptindustrieländer.

Man sollte sich auch darüber im klaren sein, daß ohne das amerika-

nische Defizit die anderen Länder eine noch höhere Arbeitslosigkeit hätten als
jetzt.

Es liegt auf der Hand, daß die Industriestaaten insgesamt ihre Probleme
im eigenen Lande nicht dadurch lösen können, daß sie die Arbeitslosigkeit gegenseitig exportieren.

Als Gruppe sind sie Nettoimporteure von Erdöl, aber

die öl exportierenden Länder haben ihre Gesamtimporte nicht bis zu einem Punkt
gesteigert, an dem sie einen großen Zahlungsbilanzüberschuß auf den laufenden
Kosten vermeiden könnten.

Die Industrieländer müssen daher als Gruppe ein

- 3 -

�ein entsprechendes Defizit haben.

Unter den gegenwärtigen Umständen tendiert

dieses Defizit zu einer Konzentration in den Vereinigten Staaten, was zu
einer Schwächung des Dollar führt. Aber selbst wenn es das ölproblem nicht
gäbe, würde der Versuch einiger führender Industrieländer, ihre Wirtschaft
durch Nettoexporte anzuregen, zu einer ernsten Belastung des internationalen
Währungssystems führen.
Unter dem herrschenden Regime der floatenden Wechselkurse werden diese
Belastungen durch Bewegungen der Wechselkurse geregelt.

Die Überschußländer

finden ihre Exporte potentiell durch eine Aufwertung ihrer Währungen gefährdet, und für die Defizitländer gilt das umgekehrte.

Die Auswirkung dieser

Wechselkurskorrekturen tritt nicht unmittelbar ein und kann kurzfristig sogar umgekehrt sein.

Die Erfahrungen der Vergangenheit lassen jedoch erkennen,

daß die laufenden Konten auf Wechselkursbewegungen mit einer Verzögerung von
ein oder zwei Jahren reagieren.

In der Zwischenzeit geraten die Wechselkurse

wahrscheinlich in ein solches Durcheinander, daß es durch Interventionen vorstellbaren Ausmaßes nicht mehr bereinigt werden kann.

Ja, es ist sogar so,

daß die Intervention, wäre sie effektiv, in den notwendigen Anpassungsprozeß
eingreifen würde.
Obwohl die Wechselkursbewegungen wahrscheinlich in der Lage sein werden,
nach einem entsprechenden zeitlichen Verzug mit den nicht übereinstimmenden
Wirtschaftspolitiken fertig zu werden, ist dies kein wünschenswerter Weg zur
Wiederbelebung der Wirtschaften der Überschußländer. Ja, es ist so, daß die
Wechselkursbewegungen selbst den Weg zu einer besseren Lösung aufzeigen. Länder mit wertmäßig steigenden Währungen haben bereits ein beträchtliches Nachlassen des inflationären Druckes erfahren, weil die Importpreise zurückgehen.
Diese Länder können daher eine stärker stimulierende Fiskal- und Währungspolitik einführen, ohne fürchten zu müssen, die Inflation wieder anzuheizen.
Durch die Einführung einer solchen Politik tragen sie zur allgemeinen Expansion der Nachfrage und einem Abbau der Arbeitslosigkeit im eigenen Lande und
im Ausland bei. Dementsprechend wird ein Abbau des Handelsdefizits die Vereinigten Staaten in die Lage versetzen, eine weniger expansive Fiskal- und

�Währungspolitik zu betreiben, womit die Gefahr einer weiteren Inflation verringert wird.
Statt sich über die Bedrohung ihrer Exporte durch die Aufwertung zu beklagen, sollten die Überschußländer innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen nach
Mitteln und Wegen für den Wiederaufschwung ihrer Wirtschaft suchen.

Wenn sie

das nicht tun, dann wird der weltweite Anpassungsprozeß nur verlängert und
damit die Gefahr einer noch ernsteren wirtschaftlichen Schwäche hervorgerufen.
Jedes Land, ob groß oder klein, ist in erster Linie verpflichtet, im eigenen
Lande dafür zu sorgen, daß die Dinge richtig laufen, und es kann sich nicht
hauptsächlich auf die Auslandsnachfrage zur Lösung seiner Probleme verlassen.

Wenn man sich dieser Pflicht erst einmal bewußt ist, und die Widersprüche
in den derzeitigen Politiken beseitigt sind, dann dürfte es viel weniger Anlaß zur gegenseitigen Beschuldigungen geben.

Man könnte sicherlich beispiels-

weise einräumen, daß die amerikanischen ölimporte übertrieben hoch sind; aber
es ist ebenso eine Tatsache, daß die amerikanischen Exporte an Gütern und
Dienstleistungen im Jahre 1977 real um weniger als drei Prozent gestiegen sind.
Nur ein geringer Teil des jüngsten Anstiegs des amerikanischen Handelsdefizits
kann wachsenden ölimporten zugeschrieben werden.

Es steht außer Frage, daß

die Einführung von Maßnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit Amerikas von
importierter Energie eine Sache größter Dringlichkeit ist, aber das kann nicht
anderen Ländern als Entschuldigungsgrund dafür dienen, daß diese keine verantwortungsbewußte Binnenwirtschaftspolitik betreiben.

Die Bedingungen für

die Einführung solcher Politiken sind jetzt günstig, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland und in Japan.

Nur auf diesem Wege kann eine größere

Stabilität auf den Devisenmärkten erreicht werden.

So lange diese Länder zö-

gern, die Binnennachfrage anzuregen - und niemand möchte, daß dies über die
Grenzen der Klugheit hinaus geschieht - läge eine systematische Stützung des
Dollar durch die Vereinigten Staaten nicht im allgemeinen Interesse.

Sie würde

vielleicht eine temporäre Erleichterung der finanziellen Schwierigkeiten bei
der Verwendung des Dollar als Reservewährung verschaffen, aber sie würde auch
den notwendigen Wiederaufschwung der Weltwirtschaft in Frage stellen, und

- 5 -

�und das ist die weit wichtigere Überlegung.
In diesem Zusammenhang sind Beteuerungen, der Dollar sei zu hoch oder
der Yen und die DM seien zu niedrig, von geringer Bedeutung.

Es könnte durch-

aus sein, daß die gegenwärtigen Wechselkurse eine Überkorrektur des früheren
Ungleichgewichts darstellen, und daß in Zukunft wieder eine Gegenbewegung eintritt.

Zum Wohle oder Übel, die Industrieländer haben sich zu den floatenden

Wechselkursen entschlossen, und sie müssen lernen, weiterhin mit ihnen zu leben.

Das befriedigendste Ergebnis dieses Lernprozesses wäre die Einführung

von Politiken im eigenen Lande, die denen der anderen Länder nicht widersprechen, sondern sie stärken.

+ + + + +

�6

22. Februar 1978

US-GESETZ GEGEN WEITERVERBREITUNG VON KERNWAFFEN
Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Der Amerikanische Kongreß erteilte Präsident
Carter die gesetzlichen Vollmachten, um seine Pläne durchzusetzen, die
die Vereinigten Staaten künftig aus allem heraushalten sollen, was zu
einer Ausweitung des Kernwaffenpotentials in der Welt führen könnte. Besonderes
Gewicht hat im Rahmen dieses Gesetzes die Hauptbarriere gegen die nukleare
Proliferation - nämlich die internationale Inspektion aller Aktivitäten
auf nukleartechnischem Gebiet in den Staaten, die keine Atomwaffen besitzen.
Es macht die Akzeptierung von Sicherungsmaßnahmen, die in der Praxis nukleare
Aktivitäten zur Unterstützung von Waffenprogrammen ausschließen, zur Vorbedingung für eine Fortsetzung kommerzielle1- Beziehungen zu den USA auf
nuklearem Gebiet. Das Gesetz, das schon im Herbst 1977 vom Repräsentantenhaus
gebilligt worden war, wurde am 7. Februar vom Senat mit 88 gegen 3 Stimmen
gebilligt.
Das Gesetz ist jedoch darauf ausgerichtet, die Rolle der Vereinigten
Staaten als eines zuverlässigen Lieferanten von Kernbrennstoff gegenüber
jenen Ländern, die ebenfalls für die Nonproliferation eintreten, zu bekräftigen

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zu bekräftigen und durch Klarstellungen und eine Vereinfachung der
amerikanischen nuklearen Exportpolitik solche Lieferungen zu beschleunigen.
Außerdem sieht es ausdrücklich die Kooperation und Unterstützung seitens
der USA bei Entwicklungsländern vor, um diesen zu helfen, ihre eigenen
nicht-nuklearen Energiequellen sowie geeignete Technologien zu entwickeln,
damit sie ihren Energiebedarf decken können.
Die "Klauen" im Gesetz sind in dem Abschnitt zu finden, der Aktivitäten behandelt, die zur Einstellung amerikanischer Nuklearexporte in
Staaten ohne Atomwaffenbesitz führen. Solche Exporte würden dann grundsätzlich eingestellt, wenn der betreffende Staat

einen nuklearen Spreng-

satz zündet, eine Sicherungsvereinbarung aufhebt oder deren Gültigkeit
beendet. Auch jedes Land, das einem Staat ohne Atomwaffenbesitz hilft, die
direkte Kapazität zur Herstellung vom Atomwaffen zu erlaben oder anderweitig
in deren Besitz zu kommen, würde unter die Exportsperre fallen. Das gleiche
gälte für jeden Staat, der eine Wiederaufbereitungsanlage exportiert, welche
der staatsrechtlichen Kontrolle eines Landes unterläge, das nicht selbst
Atomwaffen besitzt.
Das Gesetz wurde sehr sorgfältig formuliert, um sicherzustellen, daß
mit seinem Inkrafttreten nicht irgendein Moratorium für amerikanische
Nuklearexporte eintritt. Es wird dort zur Einstellung von Exporten führen,
wo eine offenkundige Gesetzesverletzung vorliegt - z.B. mit der Detonation
eines nuklearen Sprengsatzes -, aber es erlaubt ausdrücklich, eine 18-MonatsFrist für Verhandlungen mit Empfängerländern einzuräumen, bis die Sicherungsklauseln in vollem Umfang angewandt werden müssen. Mit Ausnahme sehr weniger
Staaten akzeptieren bereits alle übrigen gegenwärtigen Empfänger bei allen
ihren nuklearen Aktivitäten Sicherungsmaßnahmen, wie sie die Internationale
Atomenergie-Organisation (IAEO) durchführt.
Ein ganz wichtiger Abschnitt des Gesetzes soll die Rolle der Vereinigten
Staaten als zuverlässiger Kernbrennstoff-Lieferant festschreiben. Das Gesetz
fordert von Präsident Carter, Gespräche mit anderen Nationen zur Errichtung
- 2 -

�Errichtung einer Internationalen Kernnbrennstoff-Behörde (INFA - International
Nuclear Fuel Authority) aufzunehmen, welche Nationen, die sich strikt an
die Regeln der Nicht-Weiterverbreitung halten, mit Kernbrennstoff versorgt,
falls sie plötzlich von ihren normalen Lieferungen abgeschnitten würden.
Das Gesetz sieht vor, daß die USA bis zur Errichtung dieser Behörde aufgrund
einer internationalen Verkaufsvereinbarung einer internationalen Vorratsstelle Kernbrennstoff in einer Menge überweisen, die bis zu 100 ReaktorBetriebsjahre ausmachen kann. Die genauen Bedingungen hierfür wird Präsident
Carter dem US-Kongreß innerhalb der nächsten sechs Monate unterbreiten.
Bei den Kernbrennstoffen handelt es sich übrigens um Uran, das zu
weniger als 20 Prozent mit dem Isotop Uran-235 angereichert ist, während
waffenfähiges Material Uran mit mehr als 20 Prozent Uran-235 erfordert.
Die herkömmlichen Leichtwasserreaktoren, die heute das Rückgrat der kommerziellen Atomkraftwerke bilden, arbeiten mit einem Brennstoff, der ca. 3
Prozent Uran-235 enthält.
Beim Spaltprozeß im Leichtwasserreaktor fällt auch Plutonium an, das
in reiner Form für Atomwaffen benutzt werden kann. Ehe aber daraus ein
Kernsprengsatz zu machen wäre, müßte es von anderen hochradioaktiven Stoffen,
die zusammen mit Plutonium entstehen, chemisch getrennt werden. Somit bedeutete der bisher übliche Einmal-Gebrauch von Kernbrennstoff in einem
Leichtwasserreaktor ohne Wiederaufbereitungsanlage an sich schon eine gewisse
Sicherheit. Das neue Gesetz gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen verbietet die Wiederaufarbeitung auch nicht. Es setzt die bestehende Politik
fort, die verlangt, daß vor einer Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoff
amerikanischer Herkunft die Zustimmung der Vereinigten Staaten eingeholt
werden muß. Außerdem enthält es Richtlinien, die gewährleisten, daß der
Wiederaufbereitung gewöhnlich nur unter Bedingungen zugestimmt wird, die
die Proliferationsgefahr nicht merklich erhöhen. Ein Beispiel für solche
Bedingungen wären wirksame multinationale Vereinbarungen.
In der Senatsdebatte

�In der Senatsdebatte über 'as Gesetz wurde betont, daß die amerikanische Maßnahme den "Londoner Lieferanten-Richtlinien" für Nuklearexporte
mit ihrer speziellen Liste sens.tiver Materialien und Technologien in
Verbindung mit Exportrestriktionen nicht zuwiderlaufe. Man sieht vielmehr
in der Politik der USA eine Ergänzung und Bestärkung der Vereinbarung der
Lieferländer, wobei allerdings von amerikanischer Seite die Dinge strenger
gehandhabt werden.
Die Befürworter des Gesetzes verwiesen auch darauf, daß die Exportkriterien nichts anderes seien als eine Fortsetzung der gegenwärtigen
Politik und somit von den Handelspartnern der USA nicht als lästig betrachtet werden könnten» Obgleich die EURATOM-Länder nicht alle Kriterien
erfüllen, sei für sie bis zum Abschluß von Verhandlungen eine Frist von
zwei Jahren eingeräumt worden, um den Gesetzesbedingungen Genüge zu tun.
Auch die amerikanische Nuklearexportindustrie wird unter dem neuen Gesetz
keine Beeinträchtigung erfahren, weil es sich hinsichtlich der Klärung
und beschleunigten Erteilung von Exportgenehmigungen nur als hilfreich
erweisen kann und die allgemeine Atmosphäre der Unsicherheit beseitigt.

+ + + + +

�United States Information Service

22. Februar 1978

WILLIAM H. WEBSTER - DER NEUE DIREKTOR DES FBI

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Bundesrichter William H. Webster
ist am 9. Februar 1978 vom US-Senat als neuer Direktor des FBI (Federal Bureau
of Investigation) - des amerikanischen Bundeskriminalamtes - bestätigt worden.
Webster wird der dritte Direktor dieser wichtigen Behörde sein, die im
Jahre 1924 in ihrer derzeitigen Form von J. Edgar Hoover aufgebaut und bis zu
seinem Tode, im Jahre 1972, geleitet wurde. Der zweite und derzeitige Direktor
des FBI, Clarence Kelly, wird am 15. Februar von seinem Amt zurücktreten.
Webster, dessen Amtszeit zehn Jahre beträgt, unterstehen im FBI über 8400
Vollzugsbeamte (Special Agents), deren Aufgabe die Ermittlungen bei Verstößen
gegen die Bundesgesetzgebung (nicht einzelstaatliche oder kommunale) ist.
Der erfahrene Jurist war 1971 von Präsident Nixon in das Bundesdistriktsgericht berufen worden und kam 1973 in das Appelationsgericht.

Er gilt in Fach-

kreisen als hervorragender Rechtsgelehrter von sehr ausgeglichenem Charakter und
"makellosem Ruf".
William H. Webster wurde am 6. März 1924 in St. Louis, Missouri, geboren.
Er hat das Amherst College besucht und seine juristischen Studien an der

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Washington University abgeschlossen.
seinem Heimatstaat Missouri.

Von 1959 bis 1961 war er Anwalt in

Bis zu seiner Ernennung zum Bundesrichter des

Staates Missouri führte er eine private Anwaltspraxis.
Webster ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

+ + + + +

�1
»

15"

Wi/zcn/choft
und Technik
United States Information Service

22. Februar 1978

MÜLLHALDE IM WELTRAUM
Sicherungsaktion für SKYLAB - Nukleare Stromquellen in bruchfester Hülle

- (AD) - Seit Mai 1973 kreist die amerikanische Raumstation SKYLAB
um die Erde. Sie wurde in den Jahren 1973/74 von drei Astronautenteams
28 bzw. 59 und 84 Tage lang als Wohn- und Arbeitsstätte benutzt, blieb
jedoch seitdem ihrem Schicksal überlassen. Ihre "aktive" Lebensdauer war
sowieso nur auf 6 bis 9 Monate angesetzt. Neuen Plänen der amerikanischen
Raumfahrtbehörde NASA zufolge sollen jedoch im Oktober 1979 Astronauten
des Raumtransporters noch einmal ein Rendezvous mit dem ehemaligen "Himmelslabor" versuchen, um über Fernsteuerung einen Raketenmotor am Andockstutzen
zu befestigen. Wenn dies gelingt, will man mit Hilfe dieses Triebwerks den
85 Tonnen schweren Koloss (Länge 35 m, Durchmesser 6,6 m) auf eine höhere
Umlaufbahn katapultieren, in der sein Verbleiben im Weltraum bis Mitte der achtzi
ger Jahre gesichert wäre und die Station eventuell noch für RaumtransporterExperimente zur Verfügung stünde.
Entgegen dem ursprünglichen Plan wurde der Zeitpunkt um fast ein Jahr
vorverlegt. Der Grund: SKYLAB nähert sich der Erde schneller, als aufgrund
der Bahnberechnungen nach dem Start zu erwarten war. Die Anomalie ist eine

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�eine Folge der ungewöhnlich starken Sonnenaktivität in den letzten Jahren.
Dadurch hat sich die Hochatmosphäre der Erde aufgebläht, so daß für das
"Himmelslabor" der Luftwiderstand eine größere Rolle spielte, als in den
ersten Berechnungen berücksichtigt werden mußte. Die Raumstation wurde
bereits leicht abgebremst und verlor dadurch ca. 40 km an Flughöhe, die nach
dem Start 435 km betrug.
Möglicherweise können aber die Raumtransporter-Astronauten gar nicht
mehr zu ihrem SKYLAB-Rendezvous, wenn nicht zuvor durch ein besonderes
Manöver das Flugverhalten des Himmelslabors geändert werden kann. Durch
Zünden der Steuerungsdüsen des SKYLAB wollen Ingenieure des Johnson-Raumflugzentrums in Houston (Texas) dem Flugkörper in den nächsten Monaten
einen zusätzlichen Bewegungsimpuls geben, der bewirkt, daß sich SKYLAB
im Orbit ständig langsam in Längsrichtung überschlägt. Auf diese Weise
würde das Absinken in die tieferen Luftschichten verzögert. Anderenfalls
wäre damit zu rechnen, daß SKYLAB in 14 - 18 Monaten in diese eintritt und
dabei in Hunderte von Teilen aufbricht. Die meisten würden in der Luft
verglühen. Aber einige große Bruchstücke könnten bis zur Erdoberfläche
gelangen und in einem 160 km breiten und ca. 4 000 km langen Korridor aufstürzen. Vier Fünftel der SKYLAB-Flugbahn führen allerdings über Meeresgebiete, so daß ein Trümmerabsturz auf Land wenig wahrscheinlich ist. Im
Gegensatz zu dem am 24. Januar 1978 in Kanada abgestürzten sowjetischen
Satelliten

Kosmos 954 befinden sich keinerlei nuklearen bzw. radioaktiven

Ausrüstungen an Bord.
Die Steuerungsdüsen können aber nur dann gezündet werden, wenn zuvor
einige recht heikle Manöver glücken: Zunächst muß der Funkkontakt wieder
hergestellt, die Batterien müssen auf "Laden" geschaltet werden. Ob letzteres
ausreichend geschieht, hängt davon ab, ob die Kollektorplatten nrt den Sonnenzellen, die Sonnenlicht in Strom umwandeln, noch genügend Leistung geben.
Viele Einzelfaktoren könnten dazu beitragen, daß der Versuch, die Steuerungsdüsen zu aktivieren, scheitert.
SKYLAB ist das
- 2 -

�SKYLAB ist das größte von 4 692 künstlichen Objekten, die zur Zeit
die Erde

umkreisen. Davon sind 928 Satelliten. Alles andere ist "Schrott"

- d.h. es handelt sich um Teile von zerbrochenen Satelliten oder Reste
von Trägerraketen. Seit 1957, dem Beginn des Raumfahrtzeitalters, sind
5 700 Objekte wieder in die Lufthülle eingetreten und verglüht. Einige
Hundert stürzten auf die Erde. In keinem Fall kamen Menschen zu Schaden
oder wurden Ansprüche auf Schadensersatz geltend gemacht. Das größte
Objekt amerikanischer Herkunft war eine Stufe der SKYLAB-Trä'gerrakete, die
im Januar 1975 in die Erdatmosphäre eintrat und in den Atlantik fiel.
Aufgrund des Vorfalls mit Kosmos 954 ist die Öffentlichkeit verständlicherweise besorgt wegen der Existenz von Erdsatelliten, die Energie
aus radioaktivem Material beziehen und eines Tages zur Erde fallen könnten.
In den Raumfahrtprogrammen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
wurden bisher sowohl aktive (wie bei Kosmos 954) als auch passive nukleare
Bordsysteme verwendet. Die erstgenannten sind Kleinreaktoren, die Energie
nach dem Prinzip der Kernspaltung produzieren, wobei auch Gammastrahlung
anfällt. Bei der zweiten Gruppe wird die Wärme des natürlichen Zerfalls
eines geeigneten Radioisotops direkt in elektrischen Strom umgewandelt
und so als Energiequelle genutzt. Man nennt diese passiven Systeme Radionuiklid-Generatoren (im Amerikanischen: radio-isotope thermal electric
generator, kurz RTG).
Das aktive System verwendeten die USA zum ersten und einzigen Mal im
Jahr 1965, als der in eine AGENA-Rakete eingebaute Kleinreaktor SNAP 10
gestartet wurde. Mit 11 kg Uran-235 beschickt, produzierte er 43 Tage lang
Betriebsstrom und schaltete sich automatisch ab, als ein Spannungsregler
ausfiel. Er wurde inzwischen auf eine sehr hohe Umlaufbahn gebracht, in der
er mindestens 4 000 Jahre verbleiben wird. Amerikanischen Beobachtungen
zufolge haben auch die Sowjets ihre Satelliten, die mit Reaktoren ausgerüstet
sind, in höhere Bahnen katapultiert - ein Manöver, das offenbar bei Kosmos
954 mißlang.
Die "passiven"
- 3 -

�Die "passiven" RTG-Systeme werden von den USA inzwischen routinemäßig
eingesetzt: Fünf solcher Stromquellen, die gegen das Ausdringen von Strahlung

sicher abgeschirmt sind, wurden von APOLLO-Astronauten auf dem

Mond installiert. Acht damit ausgerüstete Satelliten befinden sich auf
Erdumlaufbahnen (1 NIMBUS-Wettersatellit, 5 Navigationssatelliten der
US-Marine, 2 Nachrichtensatelliten). Seit einer Konstruktionsänderung,
die nach einem Fehlstart im Jahr 1964 vorgenommen wurde, sind alle diese
passiven Generatoren mit Graphit so ummantelt, daß die Hülle auch beim
Wiedereintritt und Absturz auf die Erde nicht zu Bruch geht. 1964 hatte
ein Navigationssatellit die Umlaufbahn nicht erreicht und verglühte. Als
jedoch 1968 ein mit zwei solchen Generatoren ausgerüsteter NIMBUS-Satell^'t
die Umlaufbahn nicht erreichte und vor der amerikanischen Westküste ins
Meer fiel, konnte man die RTG-Systeme bergen, und zwar unversehrt. Ein dritter
amerikanischer RT-Generator ging mit der Landefähre von Apollo 13 im Südpazifik unter, nachdem diese von dem verunglückten Raumschiff abgesprengt
worden war.
Alle amerikanischen RTG-Erdsatelliten befinden sich auf so hohen
Umlaufbahnen, daß sie erst zur Erde zurückkommen, wenn die radiofktive
Wärmequelle (Plutonium 238, Halbwertszeit 88 Jahre) längst erschöpft sein
wird. Auch Forschungssonden wie VIKING, PIONIER und VOYAGER, die zu den
Sonnenfernen Planeten wie Mars und Jupiter entsandt wurden und von denen
einige in die äußeren Bereiche des Sonnensystems vordringen werden, beziehen
ihren Betriebsstrom aus RTGs. Ebenso sollen der Orbiter für den Jupiter
(Starttermin 1982) und die Sonde zur Erforschung der Polgebiete der Sonne
(Start Anfang 1983) mit passiven nuklearen Stromquellen ausgerüstet werden.
Alle übrigen US-Satelliten arbeiten mit Sonnenenergie.

+ + + + +

- 4 -

�6

22. Februar 1978

FEUERWEHR PER HUBSCHRAUBER
Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät

- (AD) - Eine "fliegende Feuerwehrspritze" in Verbindung mit einem
Rettungsgerät, das, am Halteseil an einem Helikopter hängend, mit eigener
Kraft manövrieren kann, wird einem Bericht der Zeitschrift "Aviation
Week and Space Technology" zufolge von der Firma McDonnell Douglas entwickelt. Es soll Hilfeleistungen z.B. für Personen in Hochhausetagen
erleichtern und auch den Zugang zu anderen, von einer Katastrophe betroffenen
Objekten und Gebieten erleichtern, die von der Außenwelt abgeschnitten
sind.
Das im Werk St. Louis als Prototyp konstruierte Gerät ist eine mit
einem Gitter teilweise geschlossene Plattform mit ausklappbarem Steg. Sie ist
2,1 x 2,4 m groß, wiegt 900 kg und kann 4 - 6 Feuerwehrleute oder Sanitäter
aufnehmen. Bis zu 16 Verunglückte lassen sich auf ihr transportieren Sie
besitzt ein eigenes Antriebs- und Steuerungssystem - ein Flugzeugmotor erzeugt
die Kraft zur Aktivierung von vier verstellbaren Steuerungsdüsen, aivj an den
vier oberen Ecken angebracht sind. Ihre Orientierung wird vom Kommandostand
in der Plattform geregelt. Das Gerät kann bis zu 76 m weit in der Horizontalen

�1

Horizontalen manövrieren, während sich der Helicopter in einer Position
hält, die frei ist von Rauch, Hitze oder Turbulenzen. Der Führer des
Rettungskorbs steht in Funksprechverbindung mit dem Piloten im Helikopter,
der außerdem über einen Fernsehmonitor mitbeobachten kann, was am tinsatzort geschieht.

+ + + + +

•

2 -

�</text>
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fSmm Uli
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Information

• ll

\m\ 3ICJ 1

United States Information Service

8. Februar 1978

AMERIKANISCHE UNIVERSITÄT VERGIBT STIPENDIEN FÜR BOLOGNA
Europäische Studenten der Obersemester können sich bewerben - Englischkenntnisse erforderlich

BOLOGNA - (AD) - Die europäische Abteilung der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, The Bologna Center of The Johns Hopkins University,
hat die Vergabe von Stipendien für das Studienjahr 1978/79 angekündigt.
Bewerben können sich nicht-amerikanische Studenten der Obersemester, die
sich eingehender mit Fragen der internationalen Beziehungen und der Außenpolitik, des Völkerrechts, der europäischen Integration, der vergleichenden
Politik mit Schwerpunkt Westeuropa oder mit sowjetologischen und osteuropäischen Studien zu befassen wünschen. Die Studienbewerber sollten den
amerikanischen Grad eines Bachelor of Arts oder einen vergleichbaren europäischen akademischen Grad besitzen.
Das Bologna Center ist gegenwärtig dabei, sein Vorlesungsangebot auf
neue Gebiete auszuweiten: Wirtschaftstheorie, quantitative Methoden der
Wirtschaftsforschung, Fragen der Weltwirtschaft, der Nationalökonomie und
des Umfeldes und der EntScheidungsprozesse, die weltweite wirtschaftliche
und finanzpolitische Aktivitäten beeinflussen. Die Studenten am Bologna Center
können unter fast 50 Vorlesungsreihen auswählen.
Der Lehrkörper

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Der Lehrkörper des Center umfaßt 24 Mitglieder, die Zahl der Studenten
liegt bei rund 120. Der Unterricht wird, der amerikanischen Hochschulpraxis folgend, in kleinen Klassen erteilt. Da Vorlesungen und Seminare
in englischer Sprache gehalten werden, sind Englischkenntnisse erforderlich.
Absolventen eines einjährigen Studiums am Bologna Center erhalten ein
"Diploma in International Relations", Absolventen eines zweijährigen
Studienganges den Grad eines "Master of Arts in International

Affairs"

(M.A.I.A.), den die Johns-Hopkins-Universität verleiht. Es stehen ferner
mehrere Stipendien für ein anschließendes Studienjahr an der "John? Hopkins
School of Advanced Studies", dem Institut für fortgeschrittene internationale
Studien der Universität in Washington, D.C., zur Verfügung. Der erfolgreiche
Abschluß

dieses Anschlußstudiums berechtigt zur Führung des Grades eines

Master of Arts.
Studienbewerbungen, die bis spätestens 1. April 1978 vorliegen müssen,
sind zu richten an: The Registrar, The Bologna Center, 11 Via Belmeloro,
1-40126 Bologna, Italia.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

8. Februar 1978

DER AMERIKANISCHE VERTEIDIGUNGSHAUSHALT
- Verteidigungsminister und Stabschef vor dem Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold
Brown und der Chef des Gemeinsamen Stabes der US-Streitkräfte, General
George Brown, haben am 2. Februar 1978 die Runde der Kongreßanhörungen
zum Verteidigungshaushalt 1979 eröffnet. Verteidigungsminister Brown
hat dem Kongreß seinen üblichen Jahresbericht für das Haushaltsjahr 1979
vorgelegt und dann vor dem Militärausschuß des Repräsentantenhauses erstmals begründet. Der Haushaltsvoranschlag Präsident Carters sieht Verteidiqungsausgaben in Höhe von rund 126 Milliarden Dollar vor. Umstritten
im Kongreß sind unter anderem, ob der neue Bomber vom Typ B-1 gebaut werden
soll oder nicht (der Präsident hat sich dagegen ausgesprochen), ob weitere
nuklear angetriebene große Flugzeugträger gebaut werden sollen, ob die
Entwicklung der neuen Rakete MX rascher oder langsamer vorangetrieben
werden soll, ob das Ziel von 11 Prozent weiblicher Soldaten ausreicht und
welche Anstrengungen auf dem Gebiet des Zivil Schutzes unternommen werden
sollen.
Verteidigungsminister

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�• 1

Verteidigungsminister Brown erklärte, es seien zwar große Anstrengungen
notwendig, jedoch bestehe kein Grund zur Panik. General Brown zeigte
vorsichtigen Optimismus hinsichtlich begrenzter Aufgaben, vertrat jedoch
die Auffassung, daß es weitgehender Verbesserungen bedürfe, um die Fähigkeit der Verteidigung Europas gegen einen großen konventionellen Angriff
sicherzustellen.
Die Ausführungen von Verteidigungsminister Brown vor dem Militärausschuß
des Repräsentantenhaus haben in wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:

Internationale Entwicklungen und die Verteidigung
Der Verteidigungshaushalt wird, wie Sie wissen, durch eine Reihe von
Faktoren bestimmt; nicht zuletzt durch die internationalen Umstände. Bestimmte
Merkmale dieser Umstände und unser Verhältnis zu ihnen müssen besonders
berücksichtigt werden.
- Erstens, obwohl fast 33 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen sind, bleibt eine Reihe territorialer und anderer Fragen ungelöst vor allem in Afrika und im Nahen Osten. Es gibt keinen anerkannten und
stabilen Status quo, zu dem sich alle Nationen

- oder die großen Nationen

oder die meisten Nationen - bekennen würden.
- Zweitens, die

Vereinigten Staaten werden in zunehmendem Maße von

diesen Umständen abhängig - auf dem Gebiet des Handels, der Rohstoffe, der
Energie und in einem weiten Bereich politischer Beziehungen.
- Drittens, der internationale Konkurrenzkampf um die Macht wird weitgehend mit friedlichen Mitteln geführt, und die meisten internationalen
Fragen werden auf friedlichem Wege gelöst. Aber bei der Lösung internationaler
Streitigkeiten bleibt die Gewalt, sei es in Form organisierter militärischer
- 2 -

•

I

�militärischer Macht oder in Form von Terrorismus, auch weiterhin ein
wesentlicher Faktor. Militärische Macht hat im Frieden wie im Kriege einen
beträchtlichen Einfluß auf das internationale Verhalten von Freunden und
Gegnern.
- Viertens, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion werden weiterhin sowohl durch Kokurrenzkampf als auch durch
Zusammenarbeit gekennzeichnet, mit dem begleitenden Risiko des Konflikts.
Es bieten sich jedoch Möglichkeiten, diese Beziehungen zu stabilisieren und
vielleicht günstiger zu gestalten - vor allem durch Abkommen über die
Rüstungskontrolle.
- Fünftens, wo der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Supermächten
auf nichtmilitärischem Gebiet stattfindet, erfreuen sich die Vereinigten
Staaten weiterhin einer Reihe von Vorteilen: was die industrielle, landwirtschaftliche, technologische und diplomatische Stärke angeht; was die
Energie und den Unternehm^nsgeist der Büraer angeht; was die Anziehungskraft
unseres Systems, seine Aufgeschlossenheit und seinen geraden Anstand angeht
und was die Unterstützung von Verbündeten und anderen Freunden angeht, die i.i
echter Weise ähnliche Hoffnungen und Wünsche mit uns teilen.
- Sechstens, die Sowjetunion leidet im Gegensatz dazu unter großen
internen Schwierigkeiten - wirtschaftlicher, politischer und sozialer Art -,
und diese Schwierigkeiten werden mit dem bereits auftretenden Rückgang der
Geburtsraten, dem bevorstehden Rückgang der einheimischen Energieversorgung
und der Wachstumsraten der Wirtschaft wahrscheinlich noch größer werden. Die
Sowjets leiden ferner darunter, daß es ihnen an echt zugetar.en Verbündeten
mangelt, und sie haben einen Rückschlag in ihren Beziehungen zur Volksrepublik China, zu Indien und zu Teilen des Nahen Ostens erlitten. Trotz dieser
Schwierigkeiten und Rückschläge haben die Sowjets eine militärische Macht
erworben, die mit der der Vereinigten Staaten vergleichbar ist. Auf einigen
Gebieten sind sie voraus, auf anderen sind sie zurück. (Ein Vergleich der
militärischen Kapazität hängt auch von der geographischen örtlichkeit eines
- 3 -

�eines Konflikts ab.)
- Siebtens, obwohl viele Trends und Probleme sich weiterhin unabhängig
von den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
entwickeln - und unsere Aufmerksamkeit und unsere Mittel erfordern -.bleibt
die Sowjetunion das Hauptproblem unserer nationalen Sicherheit: nicht das
einzige, aber das größte Problem.
Wir verhandeln mit den Sowjets (und müssen weiterhin verhandeln) über
spezifische, gerechte und ausreichend verifizierbare Rüstungskontroll- und
Abrüstungsabkommen - Abkommen, die die internationale Stabilität stärken,
dem Wettrüsten Einhalt gebieten und die konventionellen wie die nuklearen
Rüstungen verringern. Wir müssen versuchen, die Sowjets in konstruktiver
Weise in eine Reihe internationaler Aktivitäten hineinzuziehen - auf sozialem
und wirtschaftlichem Gebiet, einschließlich des nichtstrategischen Handels.
Wir müssen sie zur Zusammenarbeit bei der Lösung internationaler Konflikte
und der Verringerung der Spannungsgebiete ermutigen, die zur Konfrontation
führen könnten. In dem Maße, in dem wir jegliche amerikanisch-sowjetische
Konkurrenz in nichtmilitärische Gebiete umleiten, werden wir besser daran
sein, vor allem im Hinblick auf unsere wirtschaftlichen, sozialen und
sonstigen Vorteile.
Keine dieser Anstrengungen zur Zusammenarbeit darf uns jedoch dazu
veranlassen,die amerikanischen Verpflichtungen gegenüber den Menschenrechten,
der nationalen Unabhängigkeit und demokratischen Institutionen - oder der
kollektiven Sicherheit mit unseren Freunden - hintan zu stellen. Und ganz
sicherlich dürfen sie uns nicht abhalten, zusammen mit unseren Verbündeten
ein Gegengewicht zur sowjetischen Militärmacht in so lebenswichtigen Gebieten
wie Europa zu schaffen.
Das Hauptziel unseres kollektiven Sicherheitssystems muß in der Aufrechterhaltung eines militärischen Gesamtkräfteverhältnisses mit der Sowjetunion lie
gen , das nicht weniger günstig ist als das gegenwärtig bestehende. Was wir

�Was wir anstreben, ist Abschreckung und Stabilität und keine anmaßende
militärische Macht. Wenn wir das haben und darauf vertrauen wollen, dann
müssen wir einer glaubwürdigen Kampfkraft sicher sein.
Die Kosten für eine solche Kapazität sind beträchtlich. In den letzten
15 Jahren haben die sowjetischen Verteidigungsausgaben ständig zugenommen.
Wir schätzen die reale Wachstumsrate durchschnittlich auf drei bis vier
Prozent im Jahr, was in etwa der Wachstumsrate des sowjetischen Bruttosozialproduktes entspricht. Während des größten Teils dieses Zeitraums (vom Haushaltsjahr 1964 bis zum Haushaltsjahr 1975) ist der amerikanische Grundverteidigungshaushalt (nach Abzug der Bezüge für Soldaten im Ruhestand und der zusätzlichen Kosten für den Krieg in Südostasien) real ständig zurückgegangen.
Als Folge scheinen die sowjetischen Verteidigungsanstrengungen jetzt die unsrigen
zu übertreffen. In welchem Umfang das der Fall ist, hängt von der Beurteilung und auch davon ab, ob man die beiden Programme in Rubel oder Dollar
vergleicht. Schätzungen zwischen 20 und 40 Prozent scheinen im Bereich des
Annehmbaren zu liegen.
Auf der anderen Seite haben wir das Glück, Verbündete zu besitzen, denen
es wirtschaftlich gut geht und die bereit und willens und in der Lage sind,
bei der Schaffung eines Gegengewichts gegen die sowjetischen Anstrengungen
zu helfen. Die Sowjets sind da nicht so glücklich dran,. Darüber hinaus haben
sie sich gezwungen gefühlt, bis zu 20 Prozent ihrer gesamten Verteidigungsanstrengungen nach dem Fernen Osten und gegen die Volksrepublik China zu
richten. Diese Überlegungen werden wir Dei der Beurteilung des angemessenen
Umfangs des amerikanischen Verteidigungsprogrammes einfließen lassen. Trotzdem,
wenn wir und unsere Verbündete mit den Sowjets Schritt halten und ein Gegengewicht zu ihrer militärischen Macht schaffen wollen, dann müssen wir unsere
eigenen Anstrengungen erhöhen.
Vor allem das zunehmend heikle konventionelle Kräfteverhältnis zwischen
der NATO und dem Warschauer Pakt in Europa ist eine Sache großer Besorgnis.
Aus diesem Grund haben wir und unsere NATO-Verbündeten im Mai 1977 die Notwendig- 5 -

�die Notwendigkeit eingesehen, den Stand unserer jeweiligen Verteidigungsausgaben real um rund drei Prozent im Jahr zu erhöhen. Aus diesem Grund
haben wir bereits mehrere große Initiativen in Angriff genommen, um mit
kurzfristigen Unzulänglichkeiten in der NATO fertig zu werden, langfristige
und koordinierte Verteidigungspläne aufzustellen und ein größeres Maß an
Zusammenarbeit im Bündnis in der gemeinsamen Verteidigung zu erreichen.
Wir alle, das hat man heute eingesehen, müssen unsere Reaktion auf den
militärischen Aufbau der Sowjets verstärken.
Der generelle Umfang der sowjetischen Verteidigungsanstrengung und die
anhaltende Unsicherheit in internationalen Beziehungen sind in einem beträchtlichen Ausmaß für die Größe und die Zusammensetzung des

amerika-

nischen Verteidigungshaushaltes verantwortlich. Aber wir versuchen nicht,
ein Spiegelbild der militärischen Kapazität der Sowjets zu schaffen. Wir
versuchen vielmehr,die nuklearen und konventionellen Streitkräfte aufrechtzuerhalten, die notwendig sind, um vor möglichen sowjetischen Militäraktionen
in Gebieten der Welt abzuschrecken oder sie, wenn notwendig, zu vereiteln,
die

für uns von lebenswichtiger Bedeutung sind.
Da sich aufgrund der jüngsten und auseinandergehenden Entwicklungen

der Verteidigungsausgaben der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gewisse
Mängel in unserer Position zu entwickeln drohen, brauchen wir erhöhte Mittel,
um diese Mängel zu beheben.

Die strategischen Nuklearstreitkräfte
Ein strategischer Nuklearangriff ist der am wenigsten wahrscheinliche
Ernstfall, von dem wir ausgehen. Aber es gibt keine lebenswichtigere Aufgabe,
als die Erhaltung des strategisch-nuklearen Kräfteverhältnisses zwischen
den Vereinigten

Staaten und der Sowjetunion. Nach meinem Urteil besteht zum

gegenwärtigen Zeitpunkt im großen und ganzer ein strategisch-nukleares Gleich-

�Gleichgewicht zwischen den beiden Supermächten. Weder das eine noch das
andere Land erfreut sich eines militärischen Vorteils; weder das eine noch
das andere ist in der Lage, seine nukleare Kapazität für politische Zwecke
auszunutzen. Die Lage ist die eines Patt. Die gegenseitige strategische
Abschreckung und das Gleichgewicht im großen und ganzen funktionieren.
Die Vereinigten Staaten waren in diesem Wettstreit nicht müßig. Wir haben
Programme in Arbeit, um jedes Element unserer Triade zu modernisieren. Wir
müssen jedoch alle erkennen, daß die Sowjets weiterhin eine Reihe großer,
eindrucksvoller und kostspieliger strategischer Programme finanzieren, um
ihre Offensivkapazitäten, ihre aktive Verteidigung und ihre passiven Verteidigungssysteme zu verstärken.
Warum die Sowjets die Verbesserung ihrer strategischen Nuklearkapazität
mit solchem Nachdruck vorantreiben, ist nicht sicher. Sicher ist jedoch,
daß wir ihre Anstrengungen nicht ignorieren und davon ausgehen können, daß
sie von Altruismus oder reiner Abschreckung motiviert seien.
Meine eigene Auffassung ist die, daß wir auf viele Jahre an dem Punkt
stehen, an dem ein voller thermonuklearer Schlagaustausch zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion für beide Seiten eine Katastrophe
unvorstellbaren Ausmaßes darstellen würde. Mir ist im letzten Jahr nichts
zu Ohren gekommen, was mich zu einem anderen Schluß geführt hätte. Ich bin
ferner der Überzeugung, daß jeder Einsatz von Kernwaffen - ob taktische oder
strategische - durch die beiden Supermächte gegeneinander ein hohes Risiko
- wenn auch nicht die absolute Gewißheit - der Ausweitung zu einem vollen
thermonukleraren Schlagaustausch in sich tragen würde.
Aber wenn die Abschreckung vor einem Nuklearkrieg unser fundamentalstes
Verteidigungsziel ist - und das ist es gewiß - ,dann zählt das, was sowjetische
Politiker und Militärs glauben. Und was das angeht, so stehen wir leider vor
einer neuen Ungewißheit. Was wir als für die Sicherheit zureichend betrachten,
mögen sie für völlig unzureichend halten. Was uns abschrecken würde, mag sie
- 7 -

�mag sie vielleicht nicht abschrecken. Was manche von uns als glaubwürdig
im Sinne der Abschreckung betrachten, könnten sie als Bluff abtun.
Angesichts dieser Ungewißheiten ist große Vorsicht und sorgfältige
Absicherung notwendig. Grundsätzlich verlangt dies von uns, daß wir auf
dem wesentlichen Gleichgewicht de: strategischen Nuklearstreitkräfte mit der
Sowjetunion bestehen. Bei all dem, was auf dem Spiele steht, genügt kein
geringerer Anspruch.

Die gemischten nichtstrategischen Streitkräfte
Es dürfte auf der Hand liegen, daß wir uns in einer Zeit der gegenseitigen
strategischen Abschreckung mehr denn je Sorgen über die regionalen Kräfteverhältnisse in einer Reihe von Gebieten und über die Zulänglichkeit der
konventionellen Kapazität der USA und ihrer Verbündeten machen müssen. Dieses
Problem entstand nicht durch die strategische Parität. Die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten sahen sich seit vielen Jahren dem Risiko eines sowjetischen
Nuklearangriffes ausgesetzt. Aber die nukleare Parität hat uns alle zu der
Einsicht gezwungen, daß der Einsatz traditionellerer Arten von Streitkräften
durch unsere Gegner für diese weniger risikoreich erscheinen könnte als
früher.

Europa
Ob aus diesem oder einem anderen Grunde erhält der Warschauer Pakt
auf jeden Fall se^ne Kapazität aufrecht, einen großen Angriff gegen Westeuropa führen zu können und verbessert sie sogar noch. Ein solcher Angriff
könnte nuklearer oder nicht-nuklearer Natur sein. Er könnte nach einigen Tagen
oder Wochen der Mobilisierung und der Dislozierung seitens des Warschauer

�Warschauer Paktes erfolgen, aber wir können die Möglichkeit nicht ausschließen,
daß die starken Kräfte des Warschauer Paktes, die bereits in Osteuropa
stationiert sind, ohne Verstärkung und nur mit geringer taktischer Vorwarnung inmitten einer größeren Ost-West-Krise angreifen würden.
Die Vereinigten Staaten werden ihren Teil dazu beitragen, um sicherzustellen, daß die NATO die Kapazität - sowohl auf konventionellem wie auch
auf nuklearem G°biet - hat, um die Unabhängigkeit
grität

und territoriale Inte-

Westeuropas zu wahren. Wir sind entschlossen, dabei mitzuhelfen, daß

jeder dieser möglichen Angriffe des Warschauer Paktes mit einem Minimum an
Verlusten alliierten Gebietes gestoppt wird

und die Vorkriegsgrenzen prompt

wiederhergestellt werden.
Unsere Politik steht in völliger Übereinstimmung mit den gegenwärtigen
NATO-Richtlinien mit ihrer Betonung der flexiblen Antwort sowie mit der
Notwendigkeit für taktische und strategische Nuklearstreitkräfte im Rahmen
des Bündnisses. Wir stimmen angesichts der Verstärkung der sowjetischen Truppen
in Osteuropa mit unseren Verbündeten darin überein, daß die NATO, einschließlich der Vereinigten Staaten, wesentliche Verbesserungen der konventionellen
Kapazität des Bündnisses vornehmet muß.
Dazu gehören:
- die dislozierten Streitkräfte der Vorneverteidigung in Europa und ihre
Bereitstellung;
- die Ausgangskampfkraft dieser Truppen für die Vorneverteidigung und vor
allem ihre Panzerabwehrkapazität; und
- eine rasche Verstärkungskapazität des Bündnisses.
Ich habe bereits eine Reihe amerikanischer Programme auf diesen Gebieten
ins Leben gerufen. Wir fördern die Einsatzbereitschaft der gemischten nichtstrategischen Streitkräfte der USA entscheidend und verstärken unsere Fähigkeit,
der NATO rasch Verstärkungen zur Verfügung zu stellen. Im Augenblick können
- 9 -

�könnten wir unsere 5 2/3 Divisionen und unsere 28 taktischen Luftstaffeln
innerhalb von zehn Tagen um mehr als eine Division und um 40 Staffeln verstärken.
Wir planen, bis 1980 im gleichen Zeitraum fünf Divisionen und 60 taktische
Luftstaffeln zusätzlich verlegen zu können.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten bauen wir unsere Panzerabwehrkapazität
aus und erhöhen unsere Kriegsreservebestände. Während der nächsten fünf Jahre
wollen allein schon die USA ihre "aufgefüllten" Divisionen auf elf der
insgesamt 16 regulären Armeedi Visionen erhöhen, etwa 5 000 Panzer und
18 000 Lenkraketen zur Panzerbekämpfung für die Armee in Dienst stellen und
mehr als 2 000 taktische Flugzeuge für die Luftstreitkräfte beschaffen. Allein
im kommenden Jahr werden unsere Verbündeten ihre Kapazität in Mitteleuropa
um nahezu 2 000 Abschußrampen für Lenkraketen zur Panzerbekämpfung und um
14 000 Raketen zur Panzerbekämpfung erhöhen.
Im Dezember 1977 kamen die Verbündeten ferner überein, ihre Kriegsreservebestände zu verbessern, ihre Einsatzbereitschaft zu verstärken und ihre
Nachschubkapazität zu erhöhen. Diese Maßnahmen werden zusammen mit einer
größeren Panzerbekämpfungswirksamkeit die Kapazität der NATO gegenüber der
Möglichkeit eines kurzfristigen Angriffs seitens der Mächte des Warschauer
Paktes fördern.
Gleichzeitig arbeiten wir und unsere Verbündeter an einer größeren Integrität der NATO-Doktrin, der Taktik, der Verfahren und der Ausrüstung des
Bündnisses. Je mehr diese Ausrüstung, die Munition und die logistische Unterstützung interoperabel sind, desto wirksamer können die Streitkräfte der
Verbündeten einem koordinierten Angriff Einhalt gebieten. Standardisierte oder
interoperable Befehls- und Leitstellen, Nachrichtenverbindungen sowie austauschbare Munition sind insbesondere für diesen Zweck von entscheidender Bedeutung.

- Nationale Sicherheitspolitik -

�- Nationale Sicherheitspolitik Die Carter-Administration hat während der vergangenen zwölf Monate
entsprechend gehandelt. Wir haben die äußersten Anstrengungen gemacht, um
einerseits zu fairen und friedlichen Lösungen bei den derzeitigen internationalen Streitfällen zu gelangen und andererseits auf die sich über
längere Zeiträume erstreckenden Trends einzugehen, die den Weltfrieden und
die internationale Stabilität gefährden könnten.

- Westeuropa Die Sicherung der Stabilität in der lebenswichtigen europäischen Region
ist für diese Administration ein Ziel von höchster Priorität. Zu diesem
Zweck hat der Präsident sowohl kurzfristige wie auch längerlaufende Programme
vorgeschlagen, die die militärische Leistungsfähigkeit der NATO verbessern
sollen.
Er hat ferner auf eine verstärkte transatlantische Kooperation in der
Rüstung gedrungen durch eine von Europa, Kanada und den Vereinigten Staaten
vorzunehmende Analyse, wie die derzeitigen Entwicklungs-, Produktions- und
Beschaffungsverfahren verbessert werden könnten.
Die Aufgabe ist anspruchsvoll und schwierig. Aber wir sind entschlossen,
mit Nachdruck auf eine stärkere und rationellere Verteidigungsposition der
NATO mit größerer Interoperabilität und Standardisierung der Waffen hinzuwirken.

- Ostasien Wir sind überzeugt, daß wir am wirksamsten zum Frieden in Asien beitragen
11 -

�beitragen können, wenn wir die im Westpazifik in vorgeschobenen Positionen
dislozierten Streitkräfte beibehalten. Diese Streitkräfte führen zu einer
größeren politischen Zurückhaltung bei potentiellen Gegnern und bilden ein
wichtiges Element der Sicherheit für die befreundeten Nationen. Wir arbeiten
auch an einer Verbesserung der amerikanisch-japanischen Verteidigungszusammenarbeit und haben mit der japanischen Regierung über Mittel und Wege gesprochen, wie sich die Kosten für die Stationierung amerikanischer Streitkräfte in Japan verringern lassen.
Aktive und effektive Beziehungen zur Volksrepublik China sind nicht
nur deshalb wichtig, weil China ein strategisches Gegengewicht zur Sowjetunion darstellt, sondern weil derartige Beziehungen das Interesse der
chinesischen Volksrepublik an regionaler Stabilität stärken werden. Dementsprechend bleibt die Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und der
Volksrepublik China in Einklang mit den Grundsätzen des Kommuniques von
Schanghai ein Hauptziel dieser Administration.

- Der Nahe Osten
Präsident Carter hat mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß wir nicht die
Absicht haben, den Nationen ir Nahost eine Lösung von außen aufzuzwingen. Wir
werden jedoch alles in unserer Macht stehende tun, um den Parteien bei der
Aushandlung eines gerechten und dauerhaften Friedens zu helfen. Der Präsident
ist bereits mit den meisten Regierungschefs der Länder dieser Region zusammengetroffen, der Außenminister hat mit den Außenministern Israels und der arabischen
Nationen, die an dieser Suche nach Frieden beteiligt sind, vielstündige
Gespräche geführt. Wir haben mit der Sowjetunion in engem Kontakt gestanden,
da wir gemeinsam die Verantwortung tragen, die Genfer Konferenz zu angemessener
Zeit wieder einzuberufen.
- Afrika - 12 -

�- Afrika Wir waren bemüht, uns in Afrika mit den gerechten Wünschen und Hoffnungen
der Schwarzafrikaner zu identifizieren. Damit gaben wir den Vereinigten
Staaten und dem Westen ganz allgemein die Möglichkeit, eine kreativp Rolle
bei der Behandlung der Probiene zu spielen, denen sich die afrikanische
Gemeinschaft gegenübersieht.

- Lateinamerika Wir haben auf dem traditionellen Weg der Aufstellung eines neuen Mottos
zur Charakterisierung der Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Lateinamerika
verzichtet. Stattdessen haben wir betont, daß wir die Vielfältigkeit der
lateinamerikanischen Nationen respektieren, während wir uns aber zugleich
bewußt sind, daß die Region als Ganzes - für die Vereinigten Staaten • von
besonderer Bedeutung ist, in bezug auf die Nachbarschaft sowie ;n bezug
auf die Tatsache, daß der größte Teil dieser Region ihren Kolonialstatus
in den gleichen fünfzig Jahren abgeschüttelt hat, in denen es die Vereinigten
Staaten getan haben - und zwar oft mit den Vereinigten Staaten als Modell sowie auf unsere lange Geschichte enger, wenn auch nicht immer fairer und
gerechter Beziehungen zueinander.
Die meisten lateinamerikanischen Staaten respektieren und begrüßen diesen
von uns eingeschlagenen Weg. Sie sehen darin den Verzicht auf die traditionelle
gönnerhafte Bevormundung durch die USA und den Beginn reiferer und normalerer
Beziehungen. Diese Beziehungen aber können nur dann zu einer volleren Entwicklung gelangen, wenn wir die Frage des Panamakanals lösen.

- Verteidigungspolitik - 13 -

�- Verteidigungspolitik Die amerikanische Verteidiungsposition wird im wesentlichen durch die
internationalen Gegebenheiten und die Ziele der nationalen Sicherheit bestimmt.
Diese Faktoren

zeigen unsere lebenswichtigen Interessen und die entscheiden-

den - informellen und formellen - Verpflichtungen auf, die wir eingegangen
sind. Sie ermöglichen uns die Abschätzung der großen Kräfte, die unseren
Programmen zur Erlangung der internationalen Sicherheit, des internationalen
Firedens und der Stabilität in der Welt potentiell feindlich gegenüberstehenden.
Sie spezifizieren die Haupttrends - sowohl in bezug auf die Kapazitäten wie die
Politiken anderer Staaten - mit denen sich die nationale Sicherheitspolitik
Amerikas befassen muß. Sie sagen uns, mit welchen dieser Nationen wir bei der
Verteilung der Lasten für die kollektive Sicherheit am ehesten rechnen können.
Sie bieten uns eine Leitlinie, was die allgemeine Größe der Verteidigungsaufgabe, vor der wir stehen, und die Funktionen anbetrifft, die unsere
Verteidigung bei der Erreichung der amerikanischen Zielsetzungen auszuüben
haben wird.
Von diesen Funktionen verdienen drei wegen ihrer Auswirkungen auf die
Verteidigungsplanung und -politik besonders hervorgehoben zu werden.
Die erste Funktion besteht darin, die Grundlage der Stärke und der Abschreckung zu schaffen, die so notwendig für die Wirksamkeit der anderen
Instrumente der Politik ist. Die zweite Funktion ist es, allen unseren Zielen
der nationalen Sicherheit besondere Unterstützung zukommen zu lassen. Als ein
Beispiel für diese zweite Funktion ist es unerläßlich, daß unsere Verteidigungspläne und unsere Verteidigungspolitik vereinbar sind mit unseren
Anstrengungen, die nationale Sicherheit durch Rüstungskontrolle aufrechtzuerhalten. In gleicher Weise ist es wichtig, daß wir unsere Verteidigungsposition und unsere Disloszierungen auf so allgemeine politische Erfordernisse
abstellen wie die Aufrechterhaltung einer machtvollen Präsenz zur See im
östlichen Mittelmeer - auch wenn diese Dislozierungen von "rein militärischen"
Gesichtspunkten her nicht optimal sein mögen, wem, man beispielsweise die
- 14 -

�die Position betrachtet, die erforderlich wäre, um einen allgemeinen Krieg
zu führen. Die dritte Funktion ist natürlich die Durchführung effektiver
und wirksamer militärischer Operationen zur Unterstützung unserer nationalen
Ziele. Sollten solche Operationen erforderlich werden, ist es von besonderer
Bedeutung, daß die militärische Macht die Politik unterstützt

und nicht

ihr Motor ist. Gleichzeitig sollten wir uns darüber im klaren sein, daß wir
nicht genau berechnen können, welche Macht erforderlich ist, um ein bestimmtes
Resultat unabhängig von dem Wissen über eine gegnerische Aktion zu erreichen.
Angesichts dieser Funktionen muß unsere Position so beweglich und
flexibel sein, daß wir den Anweisungen des Präsidenten folgen können. Das
Verteidigungsministerium darf nicht auf einen einzigen, starren Kriegsplan
festgelegt werden - es darf nicht nur spezifische Detailpläne für eine Schlacht,
einen Feldzug oder Krieg vor Augen haben.

- Darstellung von Macht Selbst wenn Europa oder der Nahe Osten das einzige Problem für unsere
konventionellen Streitkräfte wären, so brauchen wir doch die Möglichkeit oer
Darstellung von Macht für die Abschreckung. Für die Streitkräfteplanung
konzentrieren wir uns in erster Linie auf Mitteleuropa, aber die nördlichen
und südlichen Flanken der NATO sind ebenfalls in Gefahr. Beide Räume haben
Küstengebiete, die sich für amphibische Operationen und Operationen seegestützter Luftmacht anbieten. Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, ihre
militärisch. Macht rasch auf die Flanken zu verlagern, sollte eine Beruhigung
für unsere dortigen Verbündeten sein und die Wahrscheinlichkeit verringern, daß
die Sowjets dort begrenzte Operationen durchführen, um einen besseren Zugang
zum Nordatlantik oder zum Mittelmeer oder eine Kontrolle dieser Räume zu
erlangen.
Die geographischen Bedingungen, die die Durchführung amphibischer Operationen
- 15 -

�Operationen und eine entsprechende Luftunterstützung gestatten, sind ebenfalls
für den Nahen Osten, den Persischen Golf und für Korea gegeben. Und so wie
sich die sowjetische Kapazität

zur Darstellung von Macht vergrößert,

ist

es wichtig, daß wir über die mobile Einsatzmacht zur See verfügen, um die
sowjetischen Schritte vorauszusehen und entsprechend reagieren sowie gegen
Stützpunkte vorgehen zu können, die sie vielleicht haben oder einrichten
möchten. Dieses letzte Erfordernis könnte sich in der Tat als von besonderer
Bedeutung für die Erlangung der Seeherrschaft erweisen.

Die Angemessenheit unserer Position
- Mitteleuropa Der Hauptprüfstein dafür, ob wir gegenwärtig die Bedingungen der Abschreckung erfüllen, ergibt sich aus einem hypothetischen Angriff des Warschauer Paktes in Mitteleuropa. Wenn wir vernünftig darauf vertrauen dürfen,
einen solchen Angriff aufhalten zu können, dann können wir logischerweise
davon ausgehen, daß wir über ausreichende Streitkräfte verfügen, um auch mit
anderen Ernstfällen fertig werden zu können, die weniger Anforderungen stellen.
Es gibt im wesentlichen mehrere Ebenen für einen Angriff seitens des
Warschauer Paktes, an denen wir die Angemessenheit unserer konventionellen
Kräfteposition messen können. Auf der ersten Ebene könnte der Pakt einen Teil
seiner vorne dislozierten Streitkräfte einsetzen; auf der zweiten Ebene könnten
alle dislozierten Kräfte des Paktes ins Spiel kommen; auf der dritten Ebene
könnte der Angriff aus der gesamten dislozierten Macht plus Verstärkungen aus
den westlichen Militärdistrikten der Sowjetunion bestehen. Eine weitere
Möglichkeit wäre ein Angriff, der auf der geringsten Streitkräfteebene beginnen,
aber von einer Mobilisierung und Dislozierung begleitet sein würde, dir solange eine Fortsetzung fände, bis die Gesamtmacht im Einsatz wäre.
Die dritte
- 16 -

�Die dritte Angriffsebene stellt die meisten Anforderungen in dem Sinne,
daß sie die Angemessenheit der vollen amerikanischen Streitkräftestruktur,
einschließlich unserer Verstärkungs- und Nachschubkapazität, auf die Probe
stellt.
Angriffe seitens der vorne dislozierten Streitkräfte des Paktes wären
jedoch auch bedeutsam, nicht nur wegen des sowjetischen Nachdrucks auf Überraschung

Jnd Blitzkrieg, sonder auch weil dadurch andere Aspekte der

NATO-Position - die Streitkräfte an Ort und Stelle

sowie der sehr frühen

Verstärkungen - auf die Probe gestellt würden.
Darüber hinaus dürfte auf der Hand liegen, daß unsere Fähigkeit, mit
größeren Angriffen fertig zu werden, irrelevant sein könnte, wenn die NATO
gegenüber einem Angriff der vorne dislozierten Streitkräfte des Paktes
verwundbar wäre. Wir könnten kaum eine Befriedigung darin finden, eine
massive lobilisierung durchgeführt zu haben und dann entdecken zu müssen, daß
Europa während dieses Prozesses verloren ging. Natürlich würden auch die
Sowjets mit kurz vorbereiteten Angriffen Risiken eingehen. D Ö S Befehls- und
Leitsystem wäre nicht voll eingerichtet, die Verstärkungen wären nicht sofort
verfügbar und die Koordinierung wäre nur gering. Daher ist ein Angriff des
Warschauer Paktes nur mit geringer oder überhaupt keiner Vorwarnzeit unwahrscheinlich.
1. Angriffe aus Dislozierungsräumen
Weder die Sowjets noch die anderen Mitglieder des Warschauer Paktes führen
in Osteuropa großanlegte Manöver durch. Nichtsdestoweniger laufen die
Schätzungen darauf hinaus, daß der Pakt nach einer kurzen Vorbereitungszeit
einen Angriff mit zwei "Fronten" durchführen könnte. Man nimmt an, daß wir
wahrscheinlich eine gewisse Vorwarnung vor einem solchen Angriff erhalten würden.
Nach einer
- 17 -

�Nach einer weiteren kurzen Zeitspanne könnte der Pakt eine weitere
"Front" aufbauen. Die NATO bekäme wahrscheinlich eine einigermaßen beträchtliche
Vorwarnung, wenn der Angriff erst nach Massierung der größeren Kräfte erfolgte.
Bei angemessener Vorwarnung könnte die NATO im Bereich Mitte über die
Streitkräfte verfügen, um diese Angriffe aufzuhalten. Allerdings gibt es in
der Position des Bündnisses genug verwundbare Stellen,so daß wir auf dieses
Ergebnis nicht unbedingt vertrauen können.
2. Angriffe mit Mobilisierung
Es ist vorstellbar, daß der Warschauer Pakt - mit mehr Zeit - alle
seine Streitkräfte in Osteuropa einsatzbereit machen und zusätzliche Divisionen aus den westlichen Militärdistrikten der Sowjetunion sowie weitere
Flugzeuge aus Reserve- und Ausbildungseinrichtungen heranführen könnte.
Allerdings wären zahlreiche Divisionen des Paktes wahrscheinlich nicht voll
einsatzbereit. Obwohl die NATO vermutlich mit einer beträchtlichen Vorwarnzeit bei der Vorbereitung eines solchen Angriffs rechnen könnte, wären die
Sowjets wahrscheinlich doch auf eine taktische Überraschung aus.
Die NATO verfügt über das Inventar an Land- und Luftstreitkräften, um
sogar einem solchen Angriff Einhalt zu gebieten - zumindest, wenn die meisten
dieser Mittel verfügbar sind. Das Bündnis hätte jedoch ernsthafte Probleme,
in einer so kurzen Zeit seine grundlegende militärische Macht zum Tragen zu
bringen, wegen:
- Mangels an direkter oder indirekter

Feuerkraft (in erster Linie

Panzerabwehrwaffen und schwerer Artillerie);
- Mangels an Vorräten von Gefechtsnachschub-wie Munition und Reservematerial an kriegsgerät - zur Aufrechterhaltung einer intensiven Kampfkraft
der NATO-Verbündeten;
-- Mangel an
- 18 -

�- Mangels an einsatzbereiten Reserveeinheiten der Verbündeten, so daß
es schwierig wäre, den militärischen Kraäften des Warschauer Paktes in den
ersten Tagen der Mobilisierung Gleichwertiges entgegenzusetzen, während man
auf die Ankunft der schweren amerikanischen Land- und taktischen Luftstreitkräfte wartet;
-- anhaltender Mängel in den Verstärkungsvorkehrungen der USA hinsichtlich
der Land- und taktischen Luftstreitkräfte - mit zu wenigen v'nrratslagern auf
Divisionsebene (PoMCUS) - zu geringer Munitions- und anderer Nachschubvorräten
und eines anhaltenden Mangels an Unte Stellplätzen und Schutzbunkern für
unsere dislozierten Flugzeuge.
Auf längere Sicht ist es notwendig, daß das Bündnis - zusätzlich zur
Verbesserung der Interoperabilität - auch seine Kapazität zur elektronischen
Kriegsführung steigert, die Luftverteidigung seines Operationsgebietes und
seiner Truppen durch das AWACS-System verbessert und die Rationalisierung
und Standardisierung seines Geräts und seiner Zielsetzungen erhöht.
Soweit es die Vereinigten Staaten selbst betrifft, so besteht das
Hauptproblem weniger in der Struktur der Streitkräfte als in ihrer Einsatzbereitschaft und Durchhaltefähigkeit - die derzeit vorgesehende Stärke von 16
aktiven Heeres-Divisionen und 26 Jagdgeschwadern der Luftwaffe sind angesichts
der Kapazitäten des Paktes und der Verbündeten für die Anfangsphase der Verteidigung ausreichend.
- Erhöhte Einsatz- und Alarmbereitschaft für die in Europa dislozierten
Streitkräfte im Verein mit größerer Reaktionsbereitschaft gegenüber den
entsprechenden Warn- und Einsatzsystemen für den Kriegsfall-C-3 - in Friedenszeiten bemannt und einsatzbereit.
- Kontinuierliche Ergänzung der vorgeplanten eingelagerten Divisionsausrüstungen (POMCUS) sowie zusätzliche weitere Divisionsausrüstungen und Anlage
größerer Bestände von Reservematerial für den Kriegsfall im Operationsgebiet.
- Verbesserungen
- 19 -

�- Verbesserungen des Nachschub- und Verstärkungssystems für die Landund Luftstreitkräfte, damit die vorgeplanten eingelagerten und zusätzlichen
Bestände rascher genutzt werden und voll ausgerüstete Streitkräfte im
Operationsgebiet disloziert werden können, und
- Verbesserung der Interoperabilität mit den Streitkräften der Verbündeten
durch Modifizierung des vorhandenen Geräts und der Verfahren.
...

- Die Flanken Kritische Situationen im Bereich Mitte der NATO könnten von Angriffen auf
eine oder beide Flanken der NATO begleitet werden. In der nördlichen Region
würde der Versuch der Sowjets, aus dem Raum von Murmansk hervorzubrechen, die
Unterstützung Islands und Norwegens durch die Verbündeten erforderlich machen.
In der südlichen Region würde eine taktische Luftunterstützung Griechenlands
und der Türkei notwendig sein, um ihre Verteidigung gegen Angriffe auf Thrakien
und Versuche, die Dardanellen in die Hand zu bekommen, zu unterstützen.
Die Vereinigten Staaten würden bei der Unterstützung Islands und Norwegens nicht die alleinige Last tragen, könnten jedoch einen bedeutenden
Beitrag zu ihrer Verteidigung durch See- und amphibische Streitkräfte und den
Einsatz von Jagd- und Kampfgeschwadern leisten. Die Sechste Amerikanische
Flotte und landgestützte taktische Einheiten der Luftwaffe stünden zur Luftunterstützung auf der südlichen Flanke zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben
bereit, obwohl die Verwundbarkeit der Seestreitkräfte durch einen Überraschungsangriff im Raum des östlichen Mittelmeeres weiterhin ein Grund zu ständiger
Besorgnis bleibt.
Das heißt nicht, daß ich ganz allgemein mit der Lage an den beiden Flanken
zufrieden bin - ich bin es nicht! Ich bin jedoch auch weiterhin davon überzeugt,

�überzeugt, daß die Hauptprobleme eher aus der Schwäche der einheimischen
Verteidigungsstreitkräfte als aus der Stärke unserer direkten Einsatzstreitkräfte resultieren. Ganz eindeutig liegt der wirksamste Einsatz unserer
Hilfsmittel in der Mithilfe bei der Verstärkung der einheimischen Kapazitäten und bei einer Verbesserung ihrer Integration in die anderen Kapazitäten
der Verbündeten, und dies besonders im Süden.

+ + + + +

- 21 -

�United States Information Service

8. Februar 1978

PRÄSIDENT CARTERS WIRTSCHAFTSPROGRAMM NIMMT GESTALT AN
Amerika mobilisiert Privatwirtschaft für den Aufschwung
- Steuersenkungen sollen zu Investitionen anregen Von W. Michael Blumenthal, US-Finanzminister

Der nachstehende Artikel besteht aus Auszügen aus einer Rede, die Minister
Blumenthal am 26. Januar 1978 in New York
gehalten hat.
Die Botschaften, die der Präsident dem Kongreß in der vergangenen Woche
vorgelegt hat - Botschaft über die Lage der Nation, Wirtschaftsbericht, Haushaltsvorschlag und Steuerbotschaft -, geben als Ganzes genommen Auskunft
über seine Beurteilung der Wirtschaftslage, seine künftigen Zielsetzungen
und die Art und Weise, wie er sie zu erreichen trachtet.
Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, daß sich unsere Wirtschaft im Grunde
in guter Verfassung befindet und in die richtige Richtung weiter entwickelt.
Wir stimmen unsere Maßnahmen nicht auf eine Wirtschaft ab, die sich - zyklisch
gesehen - der Senilitat nähert oder von unheilbaren strukturellen Gebrechen
befallen ist.

Unser Patient ist gesund und lebenskräftig, und es gibt viele

Anzeichen, die auf eine blendende Zukunft hindeuten.
Unsere

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-'

�Unsere Wirtschaft bezeugt dies mit Tatsachen:

Im ersten Jahr der der-

zeitigenAdministration war ein reales Wachstum von 5,75 Prozent zu verzeichnen, wurden vier Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen - ein neuer Jahresrekord - und konnte die Arbeitslosenrate um nahezu 1,5 Prozent gesenkt werden.

Das sind unverkennbare Hinweise auf die im Grunde gegebene Gesundheit

und ein echtes wirtschaftliches Gleichgewicht.
Wir wollen unsere Wirtschaft gesund erhalten.

Es sollte sich hinsicht-

lich unserer diesbezüglichen Zielsetzungen niemand einer Täuschung hingeben.
Unserer Auffassung nach wächst die Wirtschaft in etwa dem richtigen Tempo:
schnell genug, um die zu hohe Arbeitslosenrate allmählich zu senken, aber
nicht so schnell, eine zu große Beschleunigung der Inflationsrate auszulösen.
Unserer Lagebeurteilung nach wird uns eine Rate des echten Wachstums
zwischen 4,5 und 5 Prozent gestatten, sicher durch gefährliche Wasser zu
steuern.

Es dürfte somit klar sein, daß wir nicht eine rezessive Wirtschaft

anzuregen versuchen, sondern darauf abzielen, ein Tempo des wirtschaftlichen
Fortschritts beizubehalten, das die übrige industrialisierte Welt mit Bewunderung verfolgt.
Dennoch zeichnen sich Kräfte ab, die geeignet scheinen, die Wirtschaft
vom Weg des Wachstums abzudrängen.

Die wichtigsten unter ihnen sind die be-

trächtliche Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge, die Erhöhung der Einkommenssteuer durch das inflationsbedingte Aufsteigen zahlreicher Steuerzahler in höhere Einkommensgruppen, der schrittweise Abbau der im vergangenen
Jahr eingeleiteten Regierungsprogramme zur Wirtschaftsförderung, ein anhaltendes Außenhandelsdefizit und beträchtliche Haushaltüberschüsse auf einzelstaatlicher und örtlicher Ebene. Wir haben ein Steuerprogramm entwickelt,
das diese Kräfte weitgehend kompensieren und ein fortgesetztes, ausgewogenes
Wachstum gestatten wird.
Der Nachdruck unseres Steuerprogramms liegt darauf, Ressourcen der Privatwirtschaft zu mobilisieren.

Wir beabsichtigen nicht, steuerliche oder
- 2 -

�oder anderweitige Einkommensminderungen durch immer größere Bundesausgaben
auszugleichen.
Auf der Ausgabenseite stellt Präsident Carters erster vollständig
eigener Haushaltvoranschlag einen der genügsamsten seit Menschengedenken
dar:

Die vorgeschlagene Erhöhung der Aufwendungen für das Haushaltjahr 1979

beziffert sich unter Berücksichtigung Inflatorischer Einflüsse auf weniger
als ein Prozent.

Die Bundesausgaben werden im nächsten Jahr einen kleineren

Prozentsatz des Bruttosozialproduktes als in diesem Jahr in Anspruch nehmen
- 22 Prozent statt zuletzt 22,6 Prozent - ,und sie werden sich prozentual in
naher Zukunft weiter vermindern.
Statt uns auf steigende Regierungsausgaben als Mittel zur Aufrechterhaltung der Wirtschaftstätigkeit zu stützen, wenden wir uns stärker dem
Privatsektor zu. Das ist das Kernstück der Wirtschaftsstrategie des Präsidenten und insbesondere der tiefere Grund für sein Steuerprogramm. Die
Steuersenkungen, die wir vorschlagen, würden die Privatausgaben um nahezu
25 Milliarden Dollar ansteigen lassen.
Dabei erhebt sich natürlich die Frage: Sind die Steuersenkungen groß
genug?

Oder sind sie zu hoch?

Die Antwort lautet:

Sie sind in etwa richtig.

Wir gingen in unseren Überlegungen zur Finanzpolitik der Administration
für 1979 nicht von Steuersenkungen in bestimmter Höhe aus, die als Richtwert
für unsere Reform- und Ausgabenplanung zu gelten hat. Ausgangspunkt war vielmehr eine sorgfältige Analyse der Stärken und Schwächen der Wirtschaft in
der Gegenwart und absehbarer Zukunft.

Auf der Basis dieser Analyse entwickel-

ten wir ein Programm, um die Stärken zu maximieren und die Schwächen zu kompensieren, wobei wir die grundlegende Lebenskraft unserer Volkswirtschaft und
die Ausgaben- und Einnahmenentwicklung als Folge der Regierungsmaßnahmen mit
ins Kalkül zogen.
Wir
- 3 -

�Wir haben die Frage nach der Angemessenheit unserer Finanzprogramme
unter einer Reihe von Gesichtspunkten überprüft.
Ausgleich für lähmende Kräfte zu schaffen?

Reichen sie aus, einen

Sind sie geeignet, eine hinrei-

chende wirtschaftliche Expansion zu gewährleisten?

Nehmen sie gebührend

Rücksicht auf strukturelle Probleme?
Unser Programm wird diesen Kriterien gerecht.

Ein Index hierfür ist

der Anteil an den Einkommen, der von Bundessteuern in Anspruch genommen
wird.

Die vorgeschlagene Senkung der Einkommenssteuer wird im Verein mit

den im letzten Jahr verfügten Steuersenkungen einen weitgehenden Ausgleich
für die stärkere Inanspruchnahme der Beschäftigten durch die Sozialversicherungssteuer und die Auswirkungen der Inflation auf die tatsächlichen
Steuersätze schaffen.
Unser Programm bietet die Garantie, daß die kombinierte Belastung der
Personal einkommen durch die Einkommen- und die Sozialversicherungssteuer im
Haushaltjahr 1979 nicht größer als im abgelaufenen Haushaltjahr sein wird.
Die von uns vorgeschlagene Senkung der Körperschaftssteuer bedeutet, daß
der Fiskus im Haushaltjahr 1979 einen geringeren Anteil an den Gewinnen
beanspruchen wird als im Haushaltjahr 1977.
Unser Programm ist nicht nur im makro-ökonomisehen Sinne vernünftig,
sondern auch geeignet, die wichtigsten strukturellen Probleme unserer Wirtschaft direkt einer Lösung entgegenzuführen.
Der Haushaltvoranschlag ist beispielsweise auf das schwer zu beseitigende Dilemma der strukturellen Arbeitslosigkeit zugeschnitten.

Die Stei-

gerung der Gesamtbeschäftigung und die Verringerung der Arbeitslosigkeit im
vergangenen Jahr waren sehr eindrucksvoll; sie kamen aber nicht allen Kategorien von Erwerbspersonen gleichermaßen zugute. So ging die Arbeitslosigkeit unter Minderheitenangehörigen und Jugendlichen weit weniger stark zurück
als bei Erwachsenen und Weißen insgesamt.
Der

�Der Haushalt sieht erhebliche Anreize zur Beschäftigung von Behinderten vor.

Wir werden über 700 000 sog. CETA-Arbeitsplätze (Arbeitsplätze ge-

mäß dem Beschäftigungs- und Schulungsrahmengesetz - Comprehensive Employment
and Training Act) erneut überprüfen, um sicherzustellen, daß dieses Gesetz
den wirklich Benachteiligten zugutekommt.

Als Beitrag zur Lösung des Pro-

blems der Jugendarbeitslosigkeit ist ein Betrag von über einer Milliarde
Dollar eingeplant.

Noch wichtiger ist vielleicht die Tatsache, daß der Haushalt eine neue,
auf 400 Millionen Dollar veranschlagte Initiative vorsieht, die verstärkt
zur Mitwirkung der Geschäftswelt bei der Durchführung örtlicher Beschäftigungsund Schulungsprogramme anregen soll.

Die Regierung ist sich dessen bewußt,

daß die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen die richtige Methode darstellt,
zu langfristigen Lösungen zu gelangen.

Ein weiteres, strukturell wie auch konjunkturell sehr wichtiges Problem
ist die geringe Kapitalbildungsrate.

Um die erforderlichen Produktionsmittel

für eine wachsende Zahl von Erwerbspersonen beschaffen und die Produktivität
wieder auf den alten Stand bringen zu können, wird es notwendig sein, einen
weit größeren Anteil der Umsatzerlöse auf die Schaffung von neuem produktiven
Kapital zu verwenden, als dies in den letzten Jahren der Fall war.

über 12

Prozent dieser Erlöse sollte für die langfristigen Kapital erfordern!'sse abgezweigt werden;

in den siebziger Jahren haben wir kaum 10 Prozent auf In-

vestitionen verwendet.

Wenn unsere Fabrikanlagen und Ausrüstungen durch Versäumnisse bei der
Modernisierung und Ersatzbeschaffung immer mehr veralten, wenn wir unsere
Produktionskapazitäten unter dem langfristig erforderlichen Niveau belassen
und wenn der

Produktivitätszuwachs weiter abflacht, kommen wir dem Punkt

gefährlich nahe, an dem die Risiken einer langfristigen wirtschaftlichen
Stagnation und erneuten Beschleunigung der inflationistischen Drücke einsetzen ...
Die
- 5 -

�Die Verlangsamung der Investitionstätigkeit steht in einem direkten
Zusammenhang mit den unzureichenden Erträgen aus den Kapitalaufwendungen
der Wirtschaft.

Die unter dem Gesichtspunkt der Inflationierung des Produk-

tionskapitals und der Kapitalgüter berichtigten Gewinne sind tatsächlich sehr
gering.

Im Dreijahreszeitraum von 1974 bis 1976 bezifferten sich die in-

flatorisch-berichtigten Gewinne nach Abzug von Steuern im Durchschnitt auf
knapp über drei Prozent des Bruttosozialproduktes - das entspricht der geringsten Rate für jeden DreiJahreszeitraum seit Ende des Zweiten Weltkrieges.
Der einzige Ausweg besteht darin, Investitionen in die Wirtschaft
attraktiver zu machen.

Das Steuerprogramm, das wir vorgeschlagen haben,

wird das bewerkstelligen.
Die vorgeschlagenen Einkommensteuersenkungen werden die Märkte für jene
Produkte schaffen, die in den neuen Werksanlagen hergestellt werden; die
Senkung der Körperschaftssteuersätze wird die Erträge nach Abzug von Steuern
auf die angestrebten Neuinvestitionen steigen lassen.
Die Festschreibung der Steuernachlässe auf Investitionen ermöglichen
es der Wirtschaft, in die Zukunft in der Gewißheit zu planen, daß die Steuerbestimmungen nicht von jetzt auf gleich wieder geändert werden. Die Ausdehnung der Gewährung von Steuergutschrifteh auf Investitionen auch auf Baulichkeiten wird der bisherigen Bevorzugung von Investitionen in den Maschinenpark auf Kosten der Erstellung neuer Werksanlagen ein Ende bereiten. Schließlich wird die vorgeschlagene Erhöhung des Anteils, bis zu dem Steuergutschriften auf Investitionen gegen die Ertragssteuerschuld aufgerechnet werden können, eine größere Zahl von Unternehmen als bisher in die Lage versetzen,
diese Anreize wirklich zu nutzen.
Die vorgeschlagenen Veränderungen in Höhe und Art der Besteuerung der
Wirtschaft werden, wie ich zuversichtlich hoffe, zu einer erheblichen Zunahme der Kapitalgüterinvestitionen führen.
Unsere

�Unsere grundlegende Strategie besteht darin, die Voraussetzungen zu
schaffen, daß Privatinvestitionen verstärkt zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums beitragen.

Das ist der sichere Weg, neue Arbeitsplätze

auf Dauer zu schaffen, die Preisstabilität langfristig aufrechtzuerhalten
und unsere Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten zu verbessern.

Es wird zu Pressionen kommen, die Steuersenkungen noch weiter auszudehnen und somit im Haushaltjahr 1979 ein noch größeres Defizit hinzunehmen.
Wir beabsichtigen, uns jedem derartigen Druck zu widersetzen.

Wir beabsich-

tigen, das Defizit Jahr für Jahr zu verringern,und wollen damit sogleich mit
dem ersten ausschließlich von unserer Administration erstellten Haushaltvoranschlag beginnen.

Ein Haushaltdefizit in der Größenordnung von 60 Mil-

liarden Dollar ist groß genug.

Das für 1979 vorgesehene 60 Milliarden Dollardefizit löst in Wahrheit
keinen ernsthaften Druck auf die Löhne, Preise oder Zinssätze aus.

Schließ-

lich nehmen wir dieses Defizit nicht in einer Phase der Konjunkturüberhitzung
in Kauf; angesichts einer Arbeitslosenrate von 6,4 Prozent und eines Kapazitätsnutzungsgrades von etwa 83 Prozent ist ein Haushaltdefizit zur weiteren
Expansion der Privatwirtschaft vielmehr durchaus am Platze.

Die Haushaltdefizite werden nicht zur "Verdrängung" privater Kapitalgeber führen.

Diese Furcht, die schon vor Jahren bestand, hat sich bisher

nie bewahrheitet - größtenteils deshalb, weil unsere Geldmärkte den Kapitalbedarf der privaten ebenso wie den der staatlichen Kreditnehmer zu befriedigen vermochten.

Das Defizit des Bundeshaushaltes muß man in der richtigen Perspektive
sehen.

Das Gesamtdefizit des Staates wird beträchtlich unter der 60 Milliar-

den Dollar-Marke liegen:

Während nämlich die Bundesregierung ein hohes De-

fizit in Kauf nimmt, werden die Einzelstaaten und Gemeinden große HaushaltÜberschüsse verzeichnen.

Unsere Vorstellung von den fiskalischen Erforder-

- 7 -

�Erfordernissen der Gebietskörperschaften wird vielfach von der Notlage
einiger Großstädte überschattet.

Alles in allem aber weisen die einzel-

staatlichen und kommunalen Haushalte meist beträchtliche Überschüsse auf
- insgesamt 25 bis 30 Milliarden Dollar.
Tatsächlich läßt sich ein erheblicher Anteil am Defizit im Bundeshaushalt auf die Bundeszuweisungen an die nachgeordneten Gebietskörperschaften
zurückführen, stammt doch heute rund ein Viertel aller Ausgaben der Staaten
und Gemeinden aus Bundesmitteln, gegenüber nur 15 Prozent in den sechziger
Jahren.

Zieht man diese Tatsachen mit in Betracht, erscheint die Größe des

Defizits im Bundeshaushalt nicht mehr so alarmierend.
Längerfristig gesehen haben wir unser Ziel, den Haushalt auszugleichen,
sobald sich die Verhältnisse bessern, nicht aufgegeben.

Der Bundeshaushalt

für das Jahr 1979 vermeidet alle Verpflichtungen, die sich unkontrollierbar
vervielfältigen und eine rasche Erreichung eines ausgeglichenen Budgets verhindern könnten ...
Das oberste Ziel aber des umfassenden Regierungsprogramms für die Wirt'
Schaft ist es, langfristig für ein Wirtschaftsklima zu sorgen, in dem Zuversicht und Gewißheit vorherrschen. Das ist genau das, was erforderlich ist,
damit die Genesung der Wirtschaft in eine neue Phase eintreten kann, in der
die Wirtschaft nach umfangreichen privaten Investitionen sicher in die achtziger Jahre eintreten kann.
.

+ + + + +

�8. Februar 1978

5

SEERECHTSKONVENTION: PRÄZEDENZFALL FÜR BEREITSCHAFT ZU
INTERNATIONALER ZUSAMMENARBEIT

- (AD) - Informelle Gespräche von Delegierten einer Anzahl der 150
Staaten, die sich seit 1974 um eine Neuordnung des Seerechts bemühen, haben
nunmehr den Fortgang der Verhandlungen gesichert. Sie waren nach Abschluß
der letzten mehrwöchigen Sitzungsperiode am 20. Juli 1977 in New York mit
der Verabschiedung eines "Informellen zusammengefaßten Verhandlungstextes"
(ICNT) an einem Punkt angelangt, an dem die weitere Teilnahme der Vereinigten Staaten fraglich erschien. Denn der im letzten Augenblick dem ICNTEntwurf "aufgepfropfte", radikal geänderte Wortlaut für die Bestimmungen
über eine internationale Regelung des Meeresbergbaus war für die USA völlig
unannehmbar. Dies erklärte der Chefdelegierte der Vereinigten Staaten, Botschafter Elliot Richardson, kürzlich in einem Interview mit dem amerikanischen
Informationsdienst (USIS).
Vor allem dem Verhandlungsgeschick von Minister Jens Evensen aus Norwegen und von Konferenzpräsident Hamilton Shirley Amerasinghe, die in der
Zwischenzeit Gespräche in unterschiedlicher Gruppierung arrangierten, ist
die Überwindung des toten Punktes zu verdanken.

Man einigte sich auf eine

Vorkonferenz vom 6. - 17. Februar 1978 in New York, die der nächsten, am

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�am 28. März in Genf beginnenden Hauptsitzungsperiode vorausgehen und auf
der die wichtigsten Entwurfsparagraphen für den Meeresbergbau revidiert
werden sollen.

Von den sieben Schlüssel Problemen, für die man in Genf

Lösungen zu finden sucht - wobei es nach Ansicht Richardsons bemerkenswert
ist, daß von immerhin 400 Artikeln des Gesamtdokuments für den Entwurf nur
noch jene 30 strittig sind, die die sieben Schlüsselprobleme lösen könnten
- werden drei auf der Vorkonferenz behandelt: Meeresbergbau, ferner die
Bedenken der Länder mit ungünstiger geographischer Lage und ohne Zugang zum
Meer (kurz LLGDs genannt) und Verfahren zur Beilegung von Streitigkeiten
über den Zugang zu Fischgründen in den für Anliegerstaaten reservierten Wirtschaftszonen.

Punkt vier wird die Geschäftsordnung für die bevorstehende

Hauptkonferenz in Genf sein, die bis Mai dauern soll und möglicherweise
durch eine weitere dreiwöchige Sitzungsperiode später im Jahr ergänzt wird.
Auf der letzten Hauptkonferenz war man durch Kompromißvorschläge, die
in umfassenden, fairen und offenen Diskussionen erarbeitet wurden, zu erheblichen Verbesserungen auch für die Bestimmungen über den Meeresbergbau gelangt; sie wurden dann allerdings in letzter Minute über den Haufen geworfen. "Es wäre eine bittere Ironie", erklärte Botschafter Richardson am
18. Januar 1978 in einer Rede in Cincinnati, "wenn es der Konferenz nicht
gelänge, das schwierigste Problem zu lösen, dem sie sich gegenübersieht nämlich für den Meeresbergbau eine internationale Regelung zu finden ...
Aber die Elemente für einen fairen und vernünftigen Kompromiß sind für die
Konferenz noch in Reichweite. Es muß den lebenswichtigen Interessen der
Vertreter der widerstreitenden Meinungen in irgend einer Form Rechnung tragen. Er muß außerdem in Anerkennung der Tatsache Zustandekommen, daß die
Maximalziele keines Landes zu realisieren sind. Der Schlüssel dafür, die
notwendige Änderung in der Dynamik der Konferenz herbeizuführen, ist die
Bereitschaft, zuzugeben, daß Politik auf internationaler wie auf nationaler
Ebene noch immer die Kunst des Möglichen ist."
Daß die Suche nach einem Konsens über den Meeresbergbau eine höchst
kontroverse, komplexe und schwierige Sache sei, überrasche niemanden, be_ 2 -

�betonte Botschafter Richardson.

Denn im Gegensatz zu den übrigen Sachge-

bieten handle es sich hier um ein völlig neues Terrain, für das es im internationalen Recht weder institutionell noch rechtlich eine Parallele gebe.
Alle Teilnehmerstaaten seien sich darüber einig, daß die Meeresrohstoffe
Allgemeingut der gesamten Menschheit seien, daß ihre Ausbeutung zum Vorteil aller durch eine in angemessener Weise eingesetzte internationale Behörde dirigiert werden solle.

Uneinigkeit bestehe in drei Hauptfragen:

1) Art und Weise der Ausbeutung.

Hier stehen die Ansichten der durch

ihre Lage begünstigten Länder, die für einen unbegrenzten Zugang zu den Abbaugebieten durch qualifizierte Firmen und Staatsunternehmen plädieren, der
Meinung jener Staaten gegenüber, die es vorziehen, die gesamte Ausbeutung
dem internationalen Äquivalent eines Staatsmonopols zu überlassen.

2) Richtlinien und Regelung für eine Nutzung der Meeresressourcen.
Hier werden viele internationale Wirtschaftsfragen berührt - beispielsweise
die Frage, ob alle Meeresmineralien der Kontrolle durch die Behörde unterworfen sein

und ob die Befugnisse der Behörde auch die Preisgestaltung und

Marktregelung umfassen sollen.

Der strittigste Punkt dürfte sein, inwieweit

eine Förderung von Meeresmineralien begrenzt werden sollte.

Denn hier pral-

len die Interessen der Verbraucher, insbesondere von Kupfer und Nickel, und
die der landgebundenen Produzenten dieser Rohstoffe aufeinander, welchen
die restriktive Politik einer begrenzten Produktion aus dem Meer zustatten
käme.

3) Kontrolle der neu zu schaffenden internationalen Institutionen für
den Meeresbergbau.

Am meisten umstritten bei diesem Problem ist die Frage,

in welchem Umfang die internationale Behörde entweder nach dem Grundsatz
"eine Stimme pro Land"

oder aber unter Berücksichtigung von wesentlichen

Interessengebieten wie Produktion, Investitionen und Verbrauch der einzelnen
Länder weisungsgebunden sein solle.
Ungeachtet
- 3 -

�Ungeachtet der so unterschiedlichen Einzelinteressen der Teilnehmerstaaten wurde die Konferenz durch die Debatte über die Meeresrohstoffe inzwischen in zwei Gruppen gespalten:

Die eine bevorzugt ein "pluralistisches"

Ausbeutungssystem, eine liberale Ressourcen-Politik und die Einsetzung eines
Beratergremiums, das die Wege zur Produktion ebnet.
zu allen diesen Punkten gegensätzliche Meinungen.

Die zweite Gruppe hat
Dies aber bedeutet, daß

die Verheißung vom "gemeinsamen Erbe der Menschheit", das die Meeresrohstoffe darstellen, unerfüllt bleibt.

Würden sich nämlich die "Monopolisten"

durchsetzen, wären Investitionen auf dem Gebiet des Meeresbergbaus unattraktiv, und die Entwicklung der erforderlichen Technologien würde blockiert.
Deshalb sollten die wirtschaftlichen Realitäten anerkannt werden.

"Die "Plu-

ral isten" aber müßten sich damit abfinden, daß die Entwicklungsländer nicht
ein System akzeptieren können, das sie zwar am Ertrag des Meeresbergbaus,
nicht aber an seiner Entwicklung und Durchführung beteiligt.
mittlerweile eingesehen.

Man hat dies

Die Verhandlungen wurden dadurch auf ein Dual-

bzw. Parallel-System hin orientiert, das beide Formen der Ausbeutung umfaßt.
Um jetzt zu einer endgültigen Übereinkunft zu kommen, muß jede Seite zustimmen, daß die andere Hälfte des Dualsystems arbeitsfähig werden kann

und

daß beide Systeme nebeneinander solange in Gang gehalten werden, bis eine
Konferenz, die später einmal zur Überprüfung einberufen wird, anders entscheidet.

Damit ein solches Einverständnis realisierbar wird, müssen nach Meinung der Vereinigten Staaten zwei gegenseitig bindende Bedingungen erfüllt
werden:
1) Die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der "pluralistischen" Seite
darf nicht durch die Behinderung von Investitionen, etwa aufgrund finanzieller Abmachungen mit unvernünftig hohen Belastungen, unmöglich vager
Formulierungen beim Aushandeln von Verträgen oder unbegrenzter Handlungsfreiheit der internationalen Behörde, unterlaufen werden. Jegliche Beschränkung der Förderung von Tiefseemineralien muß in der Rohstoffpolitik eindeutig dargelegt sein; sie darf keinesfalls durch eine Seitentür eingeschmuggelt
werden

-

2) Ebenso
_ 4 _

�2) Ebenso müßten der internationalen Behörde (dem "Unternehmen")
die praktischen Mittel an die Hand gegeben werden, um die Produktion in
Gang zu setzen, was nicht schon zu Beginn durch die Unfähigkeit erstickt
werden darf, Zugang zu Kapital oder Technologie zu bekommen.

Aus diesem

Grund boten die USA als Reaktion auf die Befürchtungen der Entwicklungsländer, daß das "Unternehmen" ohne Anlauffinanzierung für sein erstes Abbaufeld eine "taube Nuß" sein könnte, vor einiger Zeit ihre Unterstützung zu
einer solchen Finanzierung an.
Hinsichtlich der Rohstoffpolitik hatten die Industrieländer geglaubt,
ein großes Zugeständnis gemacht zu haben, als sie einer Beschränkung des
Tiefseebergbaues auf die Zuwachsrate des Weltmarktes für Nickel zustimmten,
um so die Wirtschaft von Erzeugerstaaten mit landgebundener Produktion vor
ungünstigen Auswirkungen der Tiefseeproduktion zu schützen.

Leider verfolg-

ten diese Staaten - entgegen der Vernunft, wie die Industrieländer glauben ihren eigenen Vorteil mit Vorrang und bestanden darauf, daß man ihnen ohne
Rücksicht auf wirtschaftliche Faktoren die Hälfte des Wachstums des Nickelmarktes garantiere.

Es gelang ihnen außerdem, sich der Unterstützung der

Kupferproduzenten mit landgebundener Förderung zu versichern, obgleich Kupfer
aus Tiefseefeldern den Weltkupfermarkt in absehbarer Zeit kaum beeinflussen
wird.

Legt man die gegenwärtigen Schätzungen für die Wachstumsrate des
Nickelmarktes zugrunde, wären die oberen Grenzen der Produktion aus der Tiefsee so niedrig, daß sowohl eine nutzbringende Erschließung als auch eine gerechte Beteiligung verhindert würden.

Das Ausmaß der Protektion, das die land-

gebundenen Produzenten suchen, geht in amerikanischer Sicht weit über das
notwendige hinaus und ist viel größer, als vernünftigerweise erwartet werden
sollte.

Wenn hier jede Seite weiterhin auf einer Extremlösung besteht, gibt

es keinen Ausweg.

Die Industrie-Importländer können und wollen keine Kontrolle

akzeptieren, die so hart und umfassend sind, daß sie die Produktion ersticken.
Was
- 5 -

�Was die USA angeht, so gilt hier als das zentrale und schwierigste
Problem, mit welchen Vollmachten die vorgeschlagene internationale Tiefsee-Behörde ausgestattet werden soll, um den Abbau von Tiefsee-Erzfeldern
jenseits nationaler Hoheitsgrenzen zu regeln.

Dies gilt beispielsweise

auch für den Technologie-Transfer zwischen den gegenwärtigen Förder-Konsortien und den Entwicklungsländern, für die Bedingungen, unter denen solche
Gemeinschaftsunternehmen durchzuführen wären, und für die Maximal Produktion
aus der Tiefsee zum Schutz der landgebundenen Förderung.
Mit "Mehrheits"- gegen "Minderheits"-Entscheidungen wird nach Meinung
Richardsons nichts gewonnen, wenn es um die Identifizierung und Ausbalancierung der wesentlichen Interessen aller Beteiligten geht - der Verbraucher,
der Produzenten, der Investoren, regionaler Gruppen und der Entwicklungsländer.

Einfaches Stimmenzählen wäre ein schlechtes Verfahrensvorbild für den

Aufbau der internationalen Institutionen, die künftig notwendig werden.
Für solche und manche anderen Fragen könnte die Vorkonferenz in New
York einige Antworten finden. Sie ist der erste wirkliche Test seit Juli
1977 für die Bereitschaft der Teilnehmerstaaten der Seerechtskonferenz, in
Fragen von großer Bedeutung Kompromißbereitschaft zu zeigen. Die Elemente
für ein faires Abkommen wären vorhanden. Und die meisten wissen auch, daß
ein erfolgreicher Abschluß der Hauptkonferenz deshalb so wichtig ist, weil
damit ein Präzedenzfall für zukunftsweisende konstruktive internationale Zusammenarbeit gesetzt würde.
Die Vereinigten Staaten werden, so versichert Botschafter Richardson,
ihr Teil beitragen und Kompromißbereitschaft zeigen, um ein gerechtes und
dauerhaftes Ergebnis zu erzielen. Aber sie werden auch andererseits nichts
akzeptieren, was nur beschwichtigendes Nachgeben zugunsten eines weltweiten
Systems bedeutete, das zu dem Interesse aller Länder, Innovationen und Effizienz zu ermutigen, in Widerspruch steht.
+ + + + +

�8. Februar 1978

5

AMERIKA ERPROBT NEUE METHODEN DER HAUSHALTPLANUNG
CBO und ZBB: Schlüssel zu größerer Effizienz

WASHINGTON - (AD) - Der Staatshaushalt ist heute in den Vereinigten
Staaten wie in anderen hochindustrialisierten Ländern ein wichtiges
Element zur Beeinflussung der Konjunktur. Haushaltdefizite oder -Überschüsse stimulieren oder bremsen die Wirtschaftstätigkeit. Nach der
Theorie des britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes,
der viele amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsund Finanzexperten der Regierung anhängen, sind Defizite in Phasen der
rückläufigen Konjunktur dazu angetan, die Wirtschaftstätigkeit zu beschleunigen - allerdings auch die Inflationsrate zu erhöhen - während
Haushaltüberschüsse meist eine Verlangsamung der Inflation mit sich bringen,
dafür aber das Risiko steigender Arbeitslosigkeit und sogar eventuell eine
Flaute heraufbeschwören. Im übrigen dient die Haushaltpolitik dem Zweck,
nationale Prioritäten festzulegen.
Die US-Regierung hat im Hinblick auf die Bedeutung ihrer Ausgabengebahren
in jüngerer Zeit zwei neue Verfahren

zur Verbesserung der Haushaltplanung

und -aufstellung eingeführt. Beide Methoden entsprechen Management-Praktiken,

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�Management-Praktiken, wie sie in der Wirtschaft üblich sind.
Der erste Schritt erfolgte 1974 mit der Schaffung eines Haushaltbüros
des Kongresses (Congressional Budget Office - CBO), dessen Aufgabe es ist,
neutrale Einnahmenvorausschä'tzungen zu erstellen und die Auswirkungen
aller dem Kongreß

zugehenden

Haushaltanforderungen auf den

Gesamthaushalt und die Wirtschaft zu untersuchen. Auf der Basis dieser
Untersuchungen setzt der Kongreß für jedes Haushaltjahr einen Ausgabenrahmen fest - unter Einschluß eines Defizites oder Überschusses, je nachdem
wie dies nach der Mehrheitsauffassung beider Häuser den Interessen des
Landes dienlich ist. Die tatsächlichen Ausgabenbewilligungen werden anschließend Position für Position in den jeweiligen Ausschüssen unter
Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf den Gesamthaushalt festgesetzt
und dem Plenum des jeweiligen Hauses zur Beschlußfassung zugeleitet.
Die zweite einschneidende Veränderung in der Haushaltplanung wurde
im abgelaufenen Jahr von Präsident Carter eingeleitet. Es ist dies die
Methode des sogenannten Zerobase Budgeting (ZBB) - der Haushaltfestsetzung auf Nullbasis. Zerobase oudgeting wurde in der Amtszeit Carters
als Gouverneur des Staates Georgia erstmals in kleinerem Rahmen praktisch
erprobt. Im April 1977 wies der Präsident sämtliche Behördenleiter an,
sich bei der Ausarbeitung der Haushaltanforderungen für das Finanzjahr
1979 - die Zeit vom 1. Oktober 1978 bis 30. September 1979 - dieses
Verfahrens zu bedienen. Ziel dieser Form der Haushaltplanung ist es, die
in jüngerer Zeit stark gestiegenen Regierungsausgaben so niedrig wie
möglich zu halten und die Effizienz des Regierungsapparates zu steigern.
Die ZBB-Haushaltplanung erfordert drei getrennte Schritte. Alle
Ressortchefs aller Ebenen sind gehalten, die Ziele eines jeden in ihren
Zuständigkeitsbereich fallenden Programms festzulegen und Alernativen
für das Ausgabengebahren ihrer Behörden als sogenannte "Entscheidungspakete"
(decision packages) vorzulegen. Sie müssen mindestens drei - womöglich sogar
mehr - solche Entscheidungspakete zusammenstellen. Eines davon muß 20 Prozent

- 2 -

�20 Prozent unter dem derzeitigen Ausgabenniveau oder unter dem Mindestniveau liegen, das eine sinnvolle Fortführung der laufenden Programme
gerade noch zuläßt. Das zweite Paket muß spezifizieren, wieviel Personal,
Material und Geld erforderlich ist, um ein Programm im bisherigen Maßstab
und mit der bisherigen Zielsetzung durchzuführen. Ein drittes Paket soll
darlegen, was mit zusätzlichen Finanzmitteln - 10 Prozent oder mehr zusätzlich bewerkstelligt werden könnte.
Auf nächsthöherer Verwaltungsebene werden sämtliche "Entscheidungspakete" der nachgeordneten Stellen konsolidiert und nach der ihnen zukommenden Priorität klassifiziert. Die Oberbehörde trifft im Zuge der
Überprüfung der eingegangenen Pakete eine Auswahl unter den gegebenen
Optionen: sie M n n beispielsweise einen höheren Ausgabenplafond für ein
Programr und einen niedrigeren für andere vorschlagen. Dieses Verfahren
wird bis hinauf zu den Ministern bzw. den Leitern selbstständiger Bundesbehörden angewandt.
Die auf diese Weise erstellten "Entscheidungspakete" eines jeden
Bundesministeriums und jeder Bundesoberbehörde werden dann dem Amt für
Haushaltplanung und Management (Office of Budget and Management - 0MB) im
Präsidialamt zugeleitet, dessen Aufgabe es ist, sie in den endgültigen
Haushaltvoranschlag der Regierung zur Vorlage beim Kongreß einzuarbeiten.
Der Vorteil dieser Methode der Haushaltplanung besteht nach Auffassung
Präsident Carters darin, daß sie die Behörden in ihren Haushaltüberlegungen
zwingt, das Hauptaugenmerk auf die Zielsetzungen und die damit einhergehenden Erfordernisse zu richten: Programm- und Haushaltplanung gehen
ineinander auf. Die Haushaltsachbearbeiter der Behörden aller Ebenen werden
gezwungen, die Kosteneffizienz jedes Programm- und Verwaltungsschrittes
in Einzelheiten gehend zu überprüfen.
Das ZBB-System wird bereits in einem runden Dutzend der 50 Unionsstaaten
und von einer Reihe führender Wirtschaftsunternehmen seit mehreren Jahren
- 3 -

�Jahren mit Erfolg angewandt. Das Fazit aus den bisherigen Erfahrungen
lautet etwa: Auch wenn ZBB nicht unbedingt zu Kosteneinsparungen führt,
bietet es die Gewähr, daß durch Umverteilung von Haushaltsmitteln die
Lösung neuer Aufgaben ohne zusätzliche Anforderungen und ohne Erhöhung
des Personalbestands in Angriff genommen werden kann.
Ob das ZBB-System in der Form, in ier es gegenwärtig für die
amerikanische Haushaltplanung verwandt wird, die erhofften positiven
Ergebnisse zeitigen wird, wird sich erst nach einem längerem Erfahrungszeitraum mit Sicherheit sagen lassen. Soviel steht heute schon fest.
Es handelt sich um einen kühnen Versuch, moderne Management-Praktiken,
mit denen die Wirtschaft so erfolgreich operiert, auch auf die Finanzierung
der Aktivitäten des Staates auszudehnen.

+ + + + +

�8. Februar 1978

"HEISSER DRAHT" - JETZT DRAHTLOS ÜBER SATELLITEN

- (AD) - Für den "heißen Draht" Washington-Moskau, der 1963 als direkte Nachrichtenverbindung zwischen den Regierungschefs der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion eingerichtet wurde, hat jetzt das Weltraumzeitalter begonnen. Den beiden Staaten stehen zwei unabhängig voneinander operierende Satellitensysteme zur Verfügung, über die am 16. Januar 1978 zum
ersten Mal Botschaften zwischen den beiden Hauptstädten ausgetauscht wurden.
Die neue drahtlose Verbindung, die offiziell die Bezeichnung "Direct
Communications Link - DCL" trägt, soll einen zuverlässigeren und weniger
störanfälligen Betrieb als die bestehenden Kabelverbindungen und die erst
kürzlich eingestellte Funkbrücke erlauben.

Sie beendet die Abhängigkeit

von den Einrichtungen von Drittländern sowie von der Zwischenschaltung zahlreicher Relaisstationen.

Darüber hinaus sind Unterbrechungen infolge atmo-

sphärischer Störungen nicht mehr zu befürchten.

Technische Zuverlässigkeit

ist ja ein Kernelement der gesamten Einrichtung, die in Zeiten verstärkten
internationaler Spannungen und in Krisensituationen den direkten privaten
Kontakt zwischen den Staatschefs der beiden Länder sicherstellen soll.
Entgegen weitverbreiteter Annahmen werden dabei nicht Telefongespräche
geführt, sondern fernschriftliche Botschaften ausgetauscht.

Sie haben den

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�den Vorteil, daß Sprachbarrieren überwunden, mögliche Hör- und Dolmetscherfehler vermieden werden und außerdem der Meinungsaustausch sofort schriftlich dokumentiert wird.

Fernschreibbotschaften über den "heißen" Satelliten-

funk von den USA nach der UdSSR sind in englischer Sprache unter Benutzung
des lateinischen Alphabets abgefaßt, Botschaften aus Moskau werden in russischer Sprache in kyrillischen Buchstaben übermittelt.

Alle Botschaften, ein-

schließlich der stündlich durchgeführten Übermittlungstests, werden verschlüsselt abgesetzt und an der Empfangsstelle entschlüsselt.
An Satellitensystemen wird auf sowjetischer Seite das MOLNIJA-Gerät,
auf amerikanischer Seite der kommerzielle INTELSAT-Satellit eingesetzt.
Beide Systeme (mit vier MOLNIJA-Gerä'ten auf stark elliptischen Bahnen und
einem INTELSAT-Gerät auf geostationärer Bahn, d.h. unveränderlichem "Standort") operieren gleichzeitig, so daß beim Ausfall eines Systems die Verbindung dennoch aufrechterhalten wird.

Für Sendungen über MOLNIJA-Geräte ist

in den Vereinigten Staaten eine Bodenstation der US-Armee in Fort Detrick
(Maryland), für INTELSAT-übermittlungen die Station Etam in Westvirginia
zuständig.

In der Sowjetunion stehen zwei MOLNIJA-Stationen in der Nähe

von Moskau sowie zwei von amerikanischen Technikern errichtete INTELSATBodenstationen in Moskau und Lwow für DCL zur Verfügung.
Das Zustandekommen der Satelliten-Funkbrücke ist ein Ergebnis der
ersten Phase der SALT-Verhandlungen.

+ + + + +•

- 2 -

�1

Uli//cn/chof(
und Technik

I

United States Information Service

8. Februar 1978

USA PLANEN 25 SATELLITENSTARTS IM JAHR 1978
- Weltraum und Erde Gegenstand der Untersuchungen -

(AD) - Von den 25 Satellitenstarts, die von der amerikanischen
Weltraumbehörde NASA für 1978 vorgesehen sind, gehen allein 15 auf
"fremde Rechnung". Bei ihnen handelt es sich um wissenschaftliche und
anwendungstechnische Projekte staatlicher und privater Organisationen
in den Vereinigten Staaten, ausländischer Institutionen, wie der Europäischen Weltraumbehörde ESA, sowie der Regierungen Großbritanniens,
Kanadas und Japans. Die NASA fungiert in einer Reihe von Fällen lediglich
als Dienstleistungsunternehmen.
Es zeugt von der wirtschaftlichen Bedeutung der mit Hilfe der Raumfahrt bereits erarbeiteten Anwendungstechniken, daß nur noch neun der 25
Flugkörper reine Forschungssatelliten sind. Die übrigen 16 sind bereits
routinemäßig eingesetzte, ständig weiter verbesserte Satelliten für die
Wetterbeobachtung (z.B. TIROS-N, NOAA-A), für die Messung von Umweltbedingungen (z.B. NIMBUS-G), die Fernerkundung der Erde (LANDSAT-C) und als
Nachrichtensatelliten für kommerzielle und militärische Zwecke.
- Sonden zur Venus -

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�Sonden zur Venus
Mit Spannung warten die Wissenschaftler darauf, was die beiden PIONIERVenus-Sonden melden werden, die nach dem Start im Mai und August 1977 im
Dezember 1978 am Planeten Venus eintreffen. PIONIER-Venus-A tritt in eine
Umlaufbahn über der dichten Wolkendecke ein, die den Planeten ständig umgibt und seine Oberfläche jeder Beobachtung im Bereich des sichtbaren
Lichts

entzieht. Mit Instrumenten zur Fernerkundung sondiert dieser

Orbiter Atmosphäre und Oberfläche der Venus, die von drei amerikanischen
Satelliten bisher nur im Vorbeiflug beobachtet und fotografiert wurde. Die
tiefen, dichten Wolkenschichten sind jedoch mit Radar zu durchdringen, so daß
PIONIER-Venus-A Gebirge und Krater auf der Venus-Oberfläche vermessen kann.
PIONIER-Venus-B beginnt bereits 20 Tage vor der Ankunft am Planeten
die erste der drei kleinen Sonden abzusetzen, die sechs Tage nach dem
Einschwenken des Orbiter in eine Umlaufbahn um die Venus in die Planetenatmosphäre eindringen. Sie sollen auf ihrem Weg nach unten die Lufthülle
des erdnächsten Planeten sondieren und, soweit möglich, "Wetterbeobachtungen"
vornehmen. Die Hauptsonde von PIONIER-Venus-B tritt nach dem Abbremsen
ebenfalls in die Atmosphäre ein. Sie hat zahlreiche Instrumente an Bord,
um Zusammensetzung, Aufbau, Dichte und Temperaturen der Venus-Lufthülle zu
messen. Keine der Sonden dürfte "überleben", d.h. den Hitze- und Druckbelastungen standhalten, um noch funktionsfähig zu sein, wenn sie die Oberfläche erreicht. Denn frühere Messungen haben ergeben, daß dort Temperaturen
von 470° C und mehr auftreten und der Druck 90mal höher ist als an der
Erdoberfläche.

- Wetter und Umwelt Von großer Bedeutung sowohl für die Meteorologie als auch für die Meeresforschung, die Schiffahrt und Hochseefischerei wird eine Beobachtungstechnik
sein, die mit dem im Mai zu startenden SEASAT-Gerät zum ersten Mal erprobt
- 2 -

�erprobt werden soll. Während andere Satelliten über tatsächliche Wetterentwicklungen - Wetterfronten, Wolkenfelder, Sturmzentren usw. - berichten,
mißt SEASAT mittels Radar die Dynamik der Wettervorgänge - Stärke des
Seegangs, Wellenhöhe und Strömungsbewegungen, Wirbel und Gezeiten. Er verfolgt den Weg von Eisbergen und ist in der Lage, ölteppiche zu lokalisieren.
Mit TIROS-N (Mai 1978), NIMBUS-G (August 1978) und NOAA-A (September
1978) werden verbesserte Ausführungen von Wetter- und Umweltbeobachtungssatelliten gestartet, die auf polaren Umlaufbahnen komplette Meßdaten vom
gesamten Erdball liefern.
Der kleine HCMM-Satellit der NASA (HCMM - Heat Capacity Mapping Mission
= Projekt zur Messung der Wärmekapazität) ist ein neuartiges Gerät, das mit
seinen Sensoren Oberflächentemperaturen an Land mit den Werten für das
Tagesmaximum und das Nachtminimum erfaßt. Aus dem Grad der Speicherung oder
Abgabe von Sonnenwärme beispielsweise bei Gestein an der Oberfläche, in
Böden und Wäldern hoffen die Wissenschaftler Anhaltspunkte dafür zu bekommen, um welche Arten von Gestein es sich handelt, inwieweit Temperaturwerte der Vegetation auf Pflanzenkrankheiten und Stress, d.h. Wassermangel,
zuviel oder zuwenig Mineralstoffe, auf Wasserzyklen und Bodenfeuchtigkeit
schließen lassen. Möglicherweise ergeben sich auch Hinweise, um bestimmte
Mineralvorkommen zu lokalisieren. Die Temperaturmessungen werden außerdem
zur exakten Ermittlung der Schneedecke und heißer Quellen, vielleicht auch
"thermischer" Verschmutzung von Flußläufen und Seen durch Kraftwerke und
andere Industriebetriebe benutzt.

- Weltraumastronomie Ebenfalls neu im Programm ist der Astronomie-Satellit IUE (International
Ultraviolet

Explorer - Internationaler Explorer-Satellit für Ultraviolett-

Beobachtungj, ein Gemeinschaftsprojekt von englischen Wissenschaftlern und
- 3 -

�und Industrieunternehmen, der Europäischen Weltraumbehörde ESA und der
NASA. Er beobachtet Objekte, die untraviolettes Licht erzeugen, reflektieren
oder unter seiner Einwirkung zur Energie-Emission angeregt werden.
Sterne wie z.B. die Sonne geben im allgemeinen Energie im Bereich des
ganzen

Spektrums der elektromagnetischen Wellen ab - von Radiowellen bis

zu Gammastrahlen . Aber einige junge, sehr heiße Sterne emittieren Energie
vor allem im Ultraviolett-Bereich und sind auf anderen Wellenlängen fast
"unsichtbar". Diese soll IUE ausfindig machen. Weitere Beobachtungsobjekte
sind die sog. Seyfert-Galaxien, die 1-10 Milliarden Sterne in ihrem Zentrum
haben, sowie Gase und Staub im interstellaren Raum, die Sternenlicht unter
UV-Einwirkung absorbieren und wieder abstrahlen.
Mit dem Observatorium HEAO-2, das im Oktober 1978 gestartet werden
soll, steht der Astronomie nach dem im August 1977 auf eine Erdumlaufbahn
gebrachten HEAO-1 (High Energy Astronomy Observatory - Observatorium für
den Bereich hoher Energien) ein weiteres Hochleistungsinstrument zur Verfügung, mit dem kosmische Quellen von Röntgen- und Gammastrahlen auch in
großer Entfernung aufgespürt und beobachtet werden können. HEAO-1 hat bereits
Objekte erfaßt, die nach Meinung der Forscher ein "schwarzes Loch" darstellen könnten - einen Stern extrem hoher Dichte, der weder Licht noch eine
andere Form von Energie abgibt, sondern eine so starke Massenanziehung hat,
daß er alle Materie und Strahlung aus seiner Umgebung an sich reißt.

- Sonnenwind und Erdwetter Unter die Kategorie "international" fällt der im Juli 1978 zu startende
Satellit ISEE III, dessen Vorläufer I und II seit dem 22. Oktober 1977 die
Erde in Höhen zwischen 240 km und 140 000 km umkreisen. ISEE III wird zehnmal
weiter, nämlich 1,5 Millionen km von der Erde entfernt,stationiert. Das ist
in einem Bereich zwischen Erde und Sonne, wo die Gravitationskräfte beider
Körper mit der Zentrifugalkraft des Satelliten so im Gleichgewicht stehen,

�stehen, daß er in seiner Bahn stabil gehalten wird. Die ISEE-Satelliten
(International Sun-Earth-Explorer) untersuchen ca. drei Jahre lang die
Art der Sonnenaktivität - z.B. starke Gaseruptionen und Sonnenwind mit den
damit abfließenden Partikel strömen - und deren Wirkung auf die Magnetosphäre
und im Magnetfeld der Erde sowie auf die Struktur der irdischen Lufthülle.
Falls es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen solarer magnetischer
Aktivität und dem Wetter auf der Erde gibt, müßten ihn die ISEE-Satelliten
durch ihre Meßergebnisse aufdecken können. Neben der NASA sind über die ESA
10 europäische Länder - Belgien, die Bundesrepublik, Dänemark, Großbritannien,
Frankreich, Italien, die Niederlande, Schweden, Schweiz und Spanien - an dem
Projekt beteiligt.

- Astronautentraining Für Flüge mit den Raumtransporter ab 1980 hat die NASA 35 Amerikaner
und Amerikanerinnen,zwischen 26 und 39 Jahren alt,ausgewählt, die im Juli
1978 am Johnson-Raumfahrtzentrum bei Houston (Texas) ihr Training beginnen.
Zum ersten Mal in der Geschichte der US-Raumfahrt wurden auch Frauen angenommen. Es sind:
Anna L. Fisher (28), von Beruf Ärztin
Dr. Shannon W. Lucid (35), Biochemikerin
Dr. Judith A. Resnik (28), Ingenieurin der Elektrotechnik
Sally K. Ride (26), Forschungsassistentin
Margaret R. Seddon (30), Fachärztin für Chirurgie, und
Kathryn D. Sullivan (26), Geologin.
Von den 35 Kandidaten werden 15 als Piloten, die übrigen 20 als
"Mission Specialists" ausgebildet, die bei den einzelnen Flügen für die
Durchführung, Überwachung und Koordinierung der wissenschaftlichen Experimente
verantwortlich sind. In einem fast ein Jahr dauernden Verfahren wurden sie aus

�sie aus 8 079 Bewerbern ausgewählt. In Houston arbeiten sie mit weiteren
27 Astronauten zusammen, die schon seit längerer Zeit im amerikanischen
Raumfahrtprogramm tätig sind. Von diesen sind 17 Piloten, 10 Wissenschaftler-Astronauten. Die meisten Piloten sind ehemalige Luftwaffen- und
Marineoffiziere, die als Testpiloten für Hochleistungsflugzeuge große
fliegerische Erfahrung sammeln konnten. Die "Spezialisten" vertreten
Disziplinen von der Biochemie und Medizin über Geologie, Astronomie, Physik,
Luftfahrt- und Raumfahrttechnik bis zur Elektronik, Bau- und Elektrotechnik.
Seit Beginn des amerikanischen Raumfahrtprogrammes im Jahr 1958 hat
die NASA insgesamt 108 Personen als Astronauten-Kandidaten ausgewählt. Die
ersten sieben wurden im April 1959 für das MERCURY-Projekt benannt.

+ + + + +

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- 6 -

�I

Uli//cn/chof(
und Technik
United States Information Service

8. Februar 1978

MEHR GELD FÜR US-FORSCHUNG
Präsident Carter beantragt 28 Milliarden Dollar für 1979

(AD) - Rund 28 Milliarden Dollar, d.h. 11 Prozent mehr als im
laufenden

Haushaltsjahr, beabsichtigt die amerikanische Regierung im

Haushaltsjahr 1979 für Forschung und Entwicklung aufzuwenden. Wie Dr.
Frank Press, der Wissenschaftsberater des Präsidenten, erklärte, sind
davon allein 3,6 Milliarden Dollar für Grundlagenforschung vorgesehen für Projekte, von denen alle Wissenschaftsbereiche profitieren werden.
Das Gesamtprogramm sei darauf ausgerichtet, "die Führungsrolle Amerikas
in Wissenschaft und Technik zu erhalten".
Fast 975 Millionen Dollar, zehn Prozent mehr als 1978, sind für
die Nationale Wissenschaftsstiftung (National Science Foundation -NSF)
eingeplant, die durch Auftragsvergabe vor allem an Universitäten amerikanische

Forschungsvorhaben auf wichtigen Gebieten, insbesondere der

Ozeanographie, Astronomie, Mathematik, Physik, Computertechnik und
Computerwissenschaften,koordiniert und sich um die Verbesserung der
Ausbildungsprogramme in den wissenschaftlichen Fächern kümmert. Sie
fördert auch spezielle Untersuchungen, so die Erforschung von Möglichkeiten

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Möglichkeiten zum Ersatz seltener Metalle durch andere Werkstoffe, die in
den Vorhaben anderer Institutionen nicht berücksichtigt sind, aber für
Wissenschaft und Industrie bedeutsam werden könnten.
Gemeinsam mit dem Geologischen Bundesamt der USA wurde von der NSF
1977 ein Erdbebenforschungsprogramm im Hinblick auf Vorwarnungen und Sicherheitsmaßnahmen in Angriff genommen, das jetzt erheblich erweitert werden
soll. Auch die Bauarbeiten an dem

großflächigen neuen Radioobservatorium

in Neu-Mexico können zügig weitergehen. Mit 27 Einzelelementen (mehrere
Antennen sind bereits in

Betrieb) wird diese Anlage nach ihrer Fertig-

stellung im Jahr 1981 der Astronomie ein "Instrument" an die Hand geben,
das Radiosignale aus bisher unzugänglichen Tiefen des Universums erfaßt und
völlig neue Einblicke in kosmische Vorgänge ermöglichen wird.

- Klimaforschung Ein Hauptprojekt ist die Klimaforschung, für die Präsident Carter
insgesamt 104 Millionen Dollar anforderte. Die Bundesbehörde für Meeresund Atmosphärenforschung (National Oceanic and Atmospheric Administration
- NOAA) koordiniert die zahlreichen Einzelstudien, die dazu beitragen sollen,
nicht nur Klimaveränderungen, sondern u.a. auch deren Auswirkungen auf die
Preise landwirtschaftlicher Produkte und auf den Energieverbrauch vorauszusagen. Man möchte außerdem gute theoretische Grundlagen für Aussage" über
mögliche Klimaveränderungen schaffen, die durch von Menschenhand verursachte Veränderungen an Land und Boden sowie durch die Belastung der Erdatmosphäre mit Abgasen und Schmutzstoffen aller Art entstehen könnten. Die
NSF wird im Rahmen dieser Untersuchungen Studien erweitern, die der Erforschung des Kohledioxid-Zyklus dienen.
Nach den Plänen der Regierung sollen zusätzlich zu den schon eingesetzten vier verschiedenen Typen von Wetter- und Atmosphärenforschungs-

- 2 -

�Atinosphärenforschungssatelliten zwei weitere Typen entwickelt werden:
1. ein Gerät, mit dessen Hilfe eine exakte Bilanz für die von der
Sonne eingestrahlte und von der Erde wieder an den Weltraum abgegebene
Energie ermittelt und dabei festgestellt werden kann, wieviel Energie in
der Atmosphäre und in den Weltmeeren gespeichert wird, und
2. ein Gerät, das chemische Wechselwirkungen zwischen Sonnenlicht,
Ozon in der Atmosphäre und durch zusätzliche menschliche Einwirkung in die
Lufthülle eingebrachten Belastungsstoffen ausfindig macht und mißt.
Außerdem soll die paläontologische Klimaforschung an Hand von Bohrkernen aus dem Meeresgrund und dem Polareis sowie der Untersuchung von
Baumringen erweitert werden.

- Universitätsinstitute werden modernisiert Für Forschung und Entwicklung im Bereich der Universitäten und Colleges
will die Administration neun Prozent mehr als im Vorjahr - alles in allem
3,6 Milliarden Dollar - bereitstellen. "Die Mittel sind dafür gedacht",
so Dr. Press, "die Innovationsforschung zu fördern,...die instrumentelle
Ausrüstung zu modernisieren und jungen Talenten mehr Arbeitsmöglichkeiten
zu geben."

- Raumfahrt Etwa 8,8 Prozent mehr als bisher soll das amerikanische Verteidioungsministerium für Forschung und Entwicklung erhalten, über acht Prozent mehr
als die Raunfahrtbehörde NASA (NASA-Budget 1978: 4,1 Milliarden Dollar). Vor

- 3 -

�Vor allem deren Arbeitsbereich Weltraumforschung, der die Erforschung
des Sonnensystems und weiter entfernter kosmischer Objekte und Systeme
mit unbemannten Geräten sowie Biologie und Medizin im Zusammenhang mit der
Raumfahrt umfaßt, dürfte von der Aufstockung profitieren: Der Etatposten
von bisher 405 Millionen Dollar soll um 27 Prozent erhöht werden.
Zu den neu aufgenommenen Projekten gehört beispielsweise ein Satellit,
der die Sonne über ihren Polen passiert, also die Ebene der Ekliptik
verlassen muß. Sowohl die beiden VIKING-Sonden in ihrer Umlaufbahn um den
Mars als auch die auf der Marsoberfläche gelandeten Geräte sollen, wenn
auch eingeschränkt, weiterbetrieben werden. Als wichtige Projekte gelten
außerdem die beiden PIONIER-Sonden, die ab Dezember 1978 den Planeten Venus
erforschen werden, sowie die beiden VOYAGER-Sonden, die zum Planeten Jupiter
unterwegs sind.
Das neue NASA-Budget soll u.a. den Bau von vier Orbitern als Teil des
Raumtransportersystems sichern, ebenso den Weiterbau der Startanlagen
in Vandenberg (Kalifornien) und in der Nähe des Kennedy-Raumfahrtzentrums
in Florida. Für Experimente, die an Bord des Orbiters in dem von der Europäischen Weltraumbehörde ESA entwickelten Raumlabor durchgeführt werden
sollen, sind entsprechende finanzielle Mittel reserviert.
•

•

- Kraftstrom aus Sonnenenergie Ein Projekt, für das Präsident Carter im Rahmen eines Drei-JahresProgramms 16 Millionen Dollar für 1979 beantragt hat, möchte eine Anzahl
von Mitgliedern des Kongresses höher eingestuft und mit 140 Millionen
gefördert sehen: Es handelt sich um die Entwicklung von Fotozellen-Generatoren, die in einer "rdumlaufbahn Sonnenlicht als Primärenergie nutzen und
damit Elektrizität produzieren. Mit diesem Strom werden an Bord der "Weltraum-Sonnenkraftwerke" Mikrowellen erzeugt, zur Erde gestrahlt, hier wieder

�wieder in Elektrizität zurückverwandelt und über ein Hochspannungsnetz
verteilt. Ausrüstungen und Ingenieur-Astronauten, die die riesigen, kilometergroßen

Kollektoren für Sonnenlicht und die übrigen Anlagen in der

Erdumlaufbahn zusammenbauen, würden mit dem Raumtransporter befördert, der
ab 1980 zur Verfügung stehen soll. Dr. Robert A. Frosch, der Leiter der
NASA, gab vor dem Ausschuß für Wissenschaft und Technik des amerikanischen
Repräsentantenhauses jedoch zu bedenken, daß zuvor in Versuchen noch viele
technische Probleme gelöst werden müßten, auch wenn auf dem Papier das
Projekt als durchführbar erscheine. Mit dem Zusammenbau großer Strukturen
im Weltraum habe man noch keine Erfahrung. Deshalb müssen möglicherweise
auftretende Schwierigkeiten unter allen nur erdenklichen Aspekten erforscht
und bis ins Detail bedacht werden. Die Untersuchungen werden gegenwärtig
von der NASA und Ingenieuren des Energieministeriums gemeinsam durchgeführt.
Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Luftfahrttechnik, für die
auf Regierungsseite ebenfalls die NASA zuständig ist, soll 16 Prozent mehr
Mittel als im laufenden Haushaltsjahr (1978: 231 Millionen Dollar) zur
Verfügung haben.

- Medizin und Biologie Die Gelder für Forschungsprogramme des Bundesministeriums für das
Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen werden um vier Prozent aufgestockt,
wovon in erster Linie das Nationale Krebsforschungsinstitut sowie das
Nationale Institut für Herz-, Lungen- und Blutforschung profitieren werden.
Weitere Schwerpunkte der wissenschaftlichen Aufgaben sind Genetik, Immunologie, Virologie und Zellbiologie, spezielle Projekte aus Biologie und
Biomedizin, dazu Verhaltensforschung, Fertilität, Familienplanung und
Entwicklung des Kindes.
Die Forschungs- und
- 5 -

�Die Forschungs- und Entwicklungsprogramme des amerikanischen Landwirtschafts
ministeriums, die schon vor ein paar Jahren die 500-Millionen-DollarMarke überschritten haben, werden neuerdings durch Sonderprojekte ergänzt,
die außerhalb der Zuständigkeit des Ministeriums durchgeführt und von der
Regierung mit 30 Millionen Dollar finanziert werden. Sie werden aufgrund
ihrer Bedeutung für die Praxis ausgewählt - z.B. Studien, bei denen es um
Ertragssteigerungen, die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Pflanzen
gegen Trockenheit und Seuchen

sowie um energiesparende Verfahren in der

Landwirtschaft geht.
Präsident Carter empfahl, die Mittel des Energieministeriums für
Forschung und Entwicklung nur ganz geringfünig (um ein Drittel Prozent)
zu erhöhen. Jedoch sollen Schwerpunktverlagerungen bei der Verwendung der
verfügbaren Mittel (im Vorjahr mehr als 3,5 Milliarden Dollar) vorgenommen
werden, wobei Demonstrationsprojekte zugunsten der Grundlagenforschung
einzuschränken seien. Für Stromerzeugung mit Sonnenenergie sollen 23 Prozent,
für die Fusionsforschung 18 Prozent, für Nutzbarmachung der Erdwärme 23
Prozent und für die reine Forschung auf dem Energiesektor 27 Prozent mehr
Mittel als bisher verfügbar gemacht werden. Die beim SchneiIbrutreaktorprogramm Clinch River eingesparten Gelder sollten für Studien auf anderen
Gebieten der Reaktortechnik eingesetzt werden, insbesondere für die Entwicklung neuer Reaktortypen und anderer

Kernorennstoffzyklen, welche

die Ausweitung der Kernwaffenpotentiale mehr erschweren, als es bei der
Anwendung des Plutonium-Zyklus der Fall wäre.

+ + + + +

�</text>
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I

3

Dokumentation
United States Information Service

27. Januar 1978

PRÄSIDENT CARTER UNTERBREITET HAUSHALTSVORANSCHLAG 1978/79
- Auszüge aus der Botschaft an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat dem amerikanischen
Kongreß am 23. Januar 1978 seinen Haushaltsvoranschlag für 1979 vorgelegt,
der bei Einnahmen von 439,6 Milliarden Dollar und Ausgaben von 500
Milliarden Dollar mit einem Defizit von (aufgerundet) 61 Milliarden Dollar
abschließt.
Das amerikanische Haushaltsjahr läuft vom 1. Oktober eines Jahres bis
zum 30. September des folgenden Jahres; das Haushaltsjahr 1979 also vom
1. Oktober 1978 bis 30. September 1979.
In der Haushaltsbotschaft des Präsidenten heißt es unter anderem:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Der erste von einer neuen Administration erstellte Haushalt ist ihr
wichtigster. Es ist die erste umfassende Erklärung der Administration über
ihre Prioritäten, Politiken und Vorschläge zur Erfüllung unserer nationalen

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�,,

nationalen Aufgaben. Im Februar vorigen Jahres habe ich - nach einem
Monat im Amt - dem Kongreß einen revidierten Haushaltsvoranschlag unterbreitet. Diese Revision hat die Richtung des von der vorigen Administration
aufgestellten Haushalts geändert, konnte aber - notwendigerweise - nur
das Ergebnis einer Überprüfung begrenzten Umfanges sein. Ich habe damals
versprochen, daß künftige Haushalte detaillierte, völlig neu angesetzte
(zero-based) Überprüfungen der Ausgabenprogramme des Bundes, eine Reform
des Steuersystems und eine Reorganisation der Regierung zum Ausruck bringen
würden. Dieser Haushalt ist mein erster großer Schritt, um dieses Versprechen zu erfüllen. Er bringt nach meiner Überzeugung die Entschlossenheit
zum Ausdruck, sich schwierigen Entscheidungen zu stellen und sie in einer
Weise zu treffen, die das Allgemeinwohl über Sonderinteressen stellt.
Dieser Haushalt stellt eine sorgfältige Abwägung mehrerer Überlegungen
dar:
- der Wichtigkeit einer Haushaltspolitik, die für einen anhaltenden
Wiederaufschwung der amerikanischen Wirtschaft von der Rezession 1974/75
sorgt;
- der Verpflichtung der Regierung, die entscheidend notwendigen Ansprüche des Landes und seines Volkes zu erfüllen;
- der Tatsache, daß die Mittel begrenzt sind und die Regierung ihre
Entscheidungen und den Umfang dieser Entscheidungen im Rahmen halten muß; und
- der Notwendigkeit, mit den Mitteln des Steuerzahlers sorgfältig und
klug umzugehen.

Gesamthaushalt
(in Milliarden Dollar)
- 2 -

�Gesamthaushalt
(in Milliarden Dollar)
1977

1978
(Voransc hlag)

1979
(Voranschlag)

Ausgaben

357
402

400
462

440
500

Defizit

-45

-62

-61

Einnahmen

(aufgerundet)

Mein Haushalt sieht Gesamtausgaben von rund 500 Milliarden Dollar,
d.h. eine Steigerung von rund 38 Milliarden Dollar oder 8 Prozent gegenüber
dem Haushalt 1978 vor und Einnahmen in Höhe von 440 Milliarden Dollar.
Das Gesamtvolumen des Haushalts ist zurückhaltend und
- entspricht den wesentlichen nationalen Erfordernissen;
- legt den Bundesausgaben strikte Prioritäten auf; und
- verringert den Anteil der Bundesregierung am Bruttosozialprodukt des
Landes von 22,6 auf 22 Prozent."
Die einzelnen Haushaltsposten werden aus einer zusammenfassenden
Tabelle ersichtlich, die in der Haushaltsbotschaft enthalten ist:
Haushaltsausgaben nach Sachbereichen
(in Milliarden Dollar)

- 3-

�Haushaltsausgaben nach Sachbereichen
(in Milliarden Dollar)
Voranschlag
1979

1980

117,8

128,6

7,7

8,5

5,1
9,6

5,3
10,4

12,2

13,1

Landwirtschaft

5,4

5,0

Handels- und Wohnbaukredite

3,0

4,5

17,4

18,5

Kommunal- und Regionalentwicklung

8,7

8,0

Bildung, Ausbildung, Arbeitsplatzförderung und Sozialleistungen

30,4

33,2

49,7

53,7

160,0

174,3

19,3

19,7

4,2
4,3

4,3

Verteidigung
Internationale Angelegenheiten
Wissenschaft, Raumfahrt und Technologie
Energie
Naturschätze und Umwelt

Verkehr

Gesundheit
Einkonmenssicherung
Renten und Dienstleistungen für
Kriegsteilnehmer
Justizverwaltung
Allgemeine Verwaltungskosten
Allgemeine Haushaltsbeihilfen
Zinsendienst
Sonstige Aufwendungen:
Lohn- und Gehaltserhöhungen für
Zivilbedienstete
Notfälle

9,6
49,0

1,1
1,7

4,6
9,4
53,7

2,3
3,5

NichtverteiUe Einnahmen auf derHabenseite

�1979

1980

Nichtverteilte Einnahmen auf der
Habenseite (Im Haushaltsansatz als
Minusposten ausgewiesen):
Arbeitnehmeranteil an
Pensionskassen

•5,2

-5,5

Zinsen aus Treuhandfonds

•9,1

-10,3

•1,8

-1,8

500,2

542,9

Pacht- und Lizenzgebühren für
Nutzung des Festlandssockels

Gesamtausgaben

Für die w i r t s c h a f t l i c h e Entwicklung von 1976 bis 1979 werden folgende
Zahlen angegeben:
K u r z f r i s t i g e w i r t s c h a f t l i c h e Voraussage
(Kalenderjahre, Dollarbeträge i n M i l l i a r d e n )

Voraussage
1976

Bruttosozialprodukt
Zunahme in Prozent
In konstanten Dollar (1972)

1706
11,6
1275

1977

1890
10,8
1337

1978

2099
11,0
1400

1979

2335
11,2
1467

6,0

4,9

4,7-

4,8

BSP-Deflator

5,3

5,6

6,2

Verbraucherpreis index

5,7

6,5

Arbeitslosenrate

7,7

7,0

6,1
5,9
6,3

Zuwachs in Prozent
Entwickkung in Prozent:

6,1
5,9

Lohn- und Gehaltserhöhungen beim Bund
- 5-

�1976

1977

1978

1979

Lohn- und Gehaltserhöhungen
beim Bund (Oktober)

4,8

7,0

6,0

6,0

5,0

5,2

6,1

6,1

Zinssätze für 91-tägige Bundesschatzwechsel

"Dieser Haushalt", so heißt es in der Botschaft des Präsidenten
weiter, "bringt uns auf einen Weg, der in Zukunft einen ausgeglichenen
Haushalt ermöglichen wird, wenn die private Wirtschaft in den kommenden
Jahren den Aufschwung weiter durchhält.
Gleichzeitig ist mein Haushalt Ausdruck einer Fiskalpolitik, die den
wirtschaftlichen Wiederaufschwung stärken wird. Ich schlage eine progressive
Steuersenkung von 25 Milliarden Dollar vor, die dazu beitragen wird, einen
anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung und einen Abbau der Arbeitslosigkeit
zu gewährleisten. Integraler Teil dieses Steuersenkungsvorschlags ist ein
Paket von Empfehlungen für eine Steuerreform, die das Steuersystem einfacher
und gerechter gestalten wird. Ohne die Steuersenkung wäre es mir möglich
gewesen, eine Senkung des Defizits von 1978 auf 1979 von 15 bis 20 Milliarden
Dollar bekanntzugeben. Selbst mit der Steuersenkung wird das Defizit wegen
der sorgfältigen Zurückhaltung bei den Ausgaben noch etwas zurückgehen. Nach
meiner Beurteilung lag jedoch die wichtigste Priorität in diesem Jahr bei
der Senkung der Lasten für den Steuerzahler. Nur auf diese Weise können wir
eine lebhafte Wirtschaftstätigkeit, eine sinkende Arbeitslosenrate, eine
starke Expansion der Privatinvestitionen und einen stabilen Haushaltsausgleich
für kommende Jahre gewährleisten.
Obwohl die in diesem Haushalt empfohlenen Ausgaben von Zurückhaltung
bestimmt sind, so sind sie doch darauf ausgerichtet, die entscheidend
wichtigen Probleme unseres Landes zu überwinden...Die Prioritäten der
Ausgaben in der Vergangenheit werden jetzt auf lange vernachlässigte Gebiete
verlagert. Diese neuen Prioritäten gründen sich auf folgenden Beurteilungen:

�Beurteilungen:
- Ein wirksamer nationaler Energieplan ist unentbehrlich, um unsere
zunehmend kritische Abhängigkeit von abnehmenden Vorräten an Erdöl und
Erdgas zu verringern, zum sparsamen Umgang mit knappen Energiequellen zu
ermutigen, die Umstellung auf reich1 -"'eher vorhandene Brennstoffe voranzutreiben und unser großes Handelsdefizit abzubauen.
Der von mir im Frühjahr vorigen Jahres unterbreitete nationale
Energieplan hat diese Ziele umrissen. Dieser Haushalt schließt die Programme und Initiativen zur Erreichung dieser Ziele ein. Dazu gehören
stärkerer Nachdruck auf Energieeinsparung und Forschung und Entwicklung
auf nichtnuklearem Gebiet, Zuwendungen und technische Unterstützung des
Bundes für Einzelstaaten und Gemeinden auf dem Energiesektor, beschleunigte
Beschaffung der strategischer Erdölreserve und größerer Nachdruck auf die
Nuklearentsorgung. Ich halte an der unerschütterlichen Überzeugung fest,
daß die Führer dieses Landes die Verpflichtung haben, für die Zukunft zu
planen, und daß der nationale Energieplan für die künftige Gesundheit und
Lebenskraft der amerikanischen Wirtschaft unerläßlich ist.
Die Vereinigten Staaten müssen auch die Führung übernehmen, wenn es
gilt, die Risiken der Ausbreitung (Proliferation) von Kernwaffen SP gering
wie möglich zu halten, wenn wir die Technologie der Kerenergie vorantreiben.
Daher enthält dieser Haushalt Erhöhungen der Mittel für dip Forschung und
Entwicklung auf dem Gebiet von Systemen, die geringere Risiken bergen als
di&gt; mit Plutonium betriebenen Schnellen Brüter mit Flüssigmetall.
- Den wesentlichen menschlichen Forderungen unserer Bürger muß hohe
Priorität eingeräumt werden.
Im Frühjahr 1977 habe ich eine längst überfällige Reform des Wohlfahrtssystem unseres Landes vorgeschlagen...Dieser Haushalt geht davon aus,
daß der Kongreß dieses Programm verabschieden wird...und leitet den Prozeß

- 7 -

�I

Prozeß der sorgfältigen Planung für die Verwirklichung eines leistungsfähigen und gerechten Systems ein...
- Die Streitkräfte unseres Landes müssen immer über die ausreichende
Stärke verfügen, um vor einer Aggression abzuschrecken unc1 unsere Sicherheit
zu gewährleisten.
Meine Haushaltsanforderung für die Verteidigung sieht die Mittel für
eine stetige Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte und eine
beträchtliche Verbesserung der Einsatzbereitschaft unserer taktischen
Streitkräfte vor. Um mit Zusagen unserer europäischen Verbündeten gleichzuziehen, schlage ich beträchtliche Erhöhungen in unserer Gesamtverteidigungsanstrengung vor, wobei besonderer Nachdruck auf jene Streitkräfte und
Kapazitäten gelegt wird, die am direktesten mit unseren NATO-Verpflichtungen
in Zusammenahng stehen. Der von mir empfohlene Verteidigungshaushalt leyt
ferner großen Wert auf Modernisierung und Forschung und Entwicklung, um
künftigen Herausforderungen unserer Sicherheit begegnen zu können. Aber
gleichzeitig übe ich Zurückhaltung bei den Verteidigungsausgaben, indem
wichtige Steigerungen der Leistungsfähigkeit jingeführt unf sorgfältige
Prioritäten bei unseren Verteidigungserfordernissen gesetzt werden. Der
Verteidigungshaushalt 1979 ist vorsichtig und knapp,enthält jedoch ein
reales Wachstum der Ausgaben um drei Prozent gegenüber dem laufende; Haushaltsjahr. In Übereinstimmung mit Zusagen an das amerikanische Volk im
Wahl kämpf liegt mein Haushalt um acht Milliarden Dollar unter dem von der
vorigen Administration vorgetragenen Verteidigungshaushalt für 1979.

Die Bundesregierung hat die Verpflichtung, unsere Umwelt - die gemeinsamen Ressourcen, Geburtsrecht und Lebensbasis des amerikanischen Volkes zu pflegen und zu schützen...
- Die Bundesregierung muß führend sein in der Investition in die
technologische Zukunft des Landes...
Dieser Haushalt

�Dieser Haushalt ist auch Ausdruck der Verpflichtung dieser Administration, zwei wichtige Wege einzuschlagen, um die Regierungsarbeit leistungsfähiger und verantwortungsbewußter zu gestalten: Reorganisation und
jährlicher Neuansatz im Haushalt 'zero-based budgeting).
... Im Jahre 1978 werde ich weitere Reorganisationen auf solchen
Gebieten wie den Bürgerrechtsaktivitäten der Bundesregierung und dem
System der Zivilbediensteten des Bundes (Civil Service) vorschlagen, um
es besser auf seine Aufgaben einzustellen und effektiver zu machen...
Bei der Ausarbeitung dieses Haushalts bin ich mir erneut der überwältigenden Zahl von Forderungen an das Budget und den begrenzten Umfang unserer
Mittel akut bewußt geworden, öffentliche Forderungen sind entscheidend
wichtig; aber auch private Ansprüche haben ihre Gültigkeit. Die einzigen
Mittel, über die die Regierung verfügt, sind jene, die sie vom Steuerzahler kassiert. Der Wettstreit um diese Mittel und meine feste Überzeugung, daß dem, was die Regierung besteuert und was sie ausgibt, Grenzen
gesetzt sein müssen, haben zu den Prämissen geführt, auf denen dieser
Haushalt aufgebaut ist..."

Zusammenfassung
In der Zusammenfassung der Haushaltsbotschaft des Präsidenten heißt
es wörtlich:
"...Um die Initiativen des Präsidenten identifizieren zu helfen, enthält
dieser Haushalt einen Vergleich der Haushaltsempfehlungen des Präsidenten
auf der Basis laufender Ausgaben. Die Schätzungen auf der Basis laufender
Ausgaben...sind Projektionen der Kosten bestehender Programme und der Einnahmen
im Rahmen bestehender Gesetze...Sie stellen keine künftigen Änderungen der
Politik ir Rechnung, wie sie vom Präsidenten vorgeschlagen oder vom Kongreß

- 9 -

�Kongreß ins Auge gefaßt werden könnten...
Die Haushaltsempfehlungen des Präsidenten für 1979 liegen auf der
Ausgabenseite bei 500,2 Milliarden Dollar - was eine Erhöhung von 7,8
Milliarden Dollar über den Stand der laufenden Ausgaben bedeutet...
Die Einnahmen werden nach den Steuervorschlägen des Präsidenten für
da" Haushaltsjahr 1979 mit 439,6 Milliarden Dollar angesetzt, was einen
Rückgang um 24,3 Milliarden Dollar gegenüber den laufenden Einnahmen
bedeutet. Dies spiegelt die Vorschläge für eine Steuersenkung und Steuerreform im Haushalt wider. Ohne Änderungen der

Steuergesetzgebung über

jene in diesem Haushalt vorgeschlagenen hinaus, wird für 1983 mit Einnahmen von 726,1 Milliarden Dollar gerechnet, was 32,6 Milliarden Dollar
unter dem laufenden Stand von 758,7 Milliarden Dollar liegen würde. Da
jedoch die Steuereinnahmen meist rascher wachsen als die Wirtschaft insgesamt, wird der Präsident sorgfältige Überlegungen anstellen, um zwischen
dem jetzigen Zeitpunkt und 1983 weitere Steuersenkungen vorzuschlagen- und
zwar in Übereinstimmung mit einer erklärten Politik, den Bundeshaushalt auf
nicht mehr als 21 Prozent des Bruttosozialprodukts zu halten und unsere
Bürger in den Genuß einer zurückhaltenden Ausgabenpolitik in Form von
verringerten Steuerlasten kommen zu lassen...

Verteidigungshaushalt
Von besonderem Interesse sind die Verteidigungsausgaben, die Präsident
Carter vor allem im Zusammenhang mit der NATO-Verpflichtung der USA vorgeschlagen hat. In dem Kapitel Verteidigung heißt es unter anderem:
"Um die nationalen Verteidigungserfordernisse zu erfüllen, schlägt der
Haushalt für 1979 eine Haushaltsbewilligung in Höhe von 128,4 Milliarden
Dollar vor. Die Hauptkomponenten dieser Gesamtsumme sind:
Strategische Streitkräfte
- 10 -

�Strategische Streitkräfte

9,8 Milliarden Dollar

Gemischte nichtstrategische
Streitkräfte

55,3

Aufklärung und Ferrmeldewesen
Forschung und Entwicklung

8,3

"

"

11,0

"

"

41,2

"

"

Tätigkeiten des Verteidigungsministeriums
Verteidigungstätigkeiten auf dem Gebiet
der Atomenergie

2,8

Tätigkeiten außenstehender Behörden,
die in Zusammenhang mit der Verteidigung stehen

43,0 Millionen Dollar

Verteidigungsministerium
Die Erfordernisse der nationalen Verteidigung werden in erster Linie
durch die militärischen Programme des Verteidigungsministeriums erfüllt.
Die Gesamtsumme der bereitgestellten Mittel für diese militärischen Tätigkeiten sollen nach den Voranschlägen von 108,3 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1977 auf 116,8 Milliarden Dollar 1978 und 126,0 Milliarden Dollar
1979 steigen. Die Steigerung der Ausgaben zwischen 1978 und 1979 dürfte nach
Schätzungen 9,4 Prozent betragen. In der Steigerung der Verteidigungsausgaben
für 1979 sind Mittel für eine Erhöhung der Bezüge des zivilen und militärischen Personals von insgesamt 2,4 Milliarden Dollar enthalten.
Die Kampf- und Unterstützungskapazitäten unserer Streitkräfte im Vergleich
zu den Kapazitäten unserer potentiellen Ge^-.er bestimmen, ob ein militärisches Gleichgewicht besteht oder nicht und ob unsere Kampfkraft ausreicht,
um vor einem Angriff abzuschrecken. Die sowjetischen Verteidigungsausgaben
haben sich um etwa drei Prozent jährlich real erhöht. Diese Erhöhungen haben
die Sowjetunion in die Lage versetzt, eine nukleare Parität mit den Vereinigten

- 11 -

�Vereinigten Staaten zu erreichen, und sich eine konventionelle militärische
Macht zuzulegen, die mit der der Vereinigten Staaten vergleichbar ist. In
der gegenwärtigen internationalen Situation ist jedoch der wichtigste
Maßstab für die relative militärische Stärke das Kräfteverhältnis, das zwischen
den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Verbündeten auf der einen Seite und
der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt auf der anderen Seite existiert.
Die Verteidigungsanstrengungen der Länder des Warschauer Paktes außer der
Sowjetunion haben im letzten Jahrzehnt nur wenig Wachstum gezeigt. Auf
der anderen Seite haben unsere NATO-Verbündeten ihre Verteidigungsanstrengungen mit einer Jahresrate von zwei bis drei Prozent real erhöht...
Der für 1979 vorgeschlagene

Stand der Verteidigungsausgaben sieht ein

vorsichtiges reales Wachstum unserer Verteidigungskapazitäten

or, ist jedoch

beträchtlich bescheidener als der im vorigen Jahr um diese Zeit von der
vorherigen Administration vorgeschlagene Stand: 8,4 Milliarden Dollar niedriger für 1979 und 7,6 Milliarden Dollar niedriger für 1980. Ein zusätzliches reales Wachstum wird durch Einsparungen bei den Kosten der
Ausbildung und in den Verwaltungs- und Versorgungskosten ermöglicht. Die
Vorschläge in diesem Haushalt würden die personelle Endstärke (d.h. bei der
Zählung zum Jahresende) von 2 069 000 1978 auf 2 049 000 senken und die
Endstä'rke des Zivilpersonals von 912 000 1978 auf 905 000 1979, was hauptsächlich durch Verkleinerung der Stäbe in Hauptquartieren und anderen Versorgungseinheiten erfolgt...

Strategische Streitkräfte
... Die wichtigen Vorschläge für die strategischen Streitkräfte in diesem
Haushalt, einschließlich von Teilen, die im Forschungs- und Entwicklungsprogramm finanziert werden, sind:
Fortsetzung der
- 12 -

�Fortsetzung der wettbewerblichen Entwicklung und Beschaffung von
luftgestützten Marschflugkörpern (Cruise Missiles) für die Dislozierung
an Bombern vom Typ B-52 und Untersuchung der Möglichkeit der Benutzung
anderer Flugzeuge als Marschflugkörper-Träger;
Fortsetzung der Entwicklung bei einer ballistischen Interkontinentalrakete vom Typ M-X, die eine verbesserte Treffgenauigkeit und

T,

agkraft

haben soll und auf eine Weise disloziert werden könnte, die sie gegen
einen Angriff weniger verwundbar macht;
Fortsetzung der Entwicklung und Erprobung des Bombers vom Typ B-l,
wenn auch keine Pläne für dessen Produktion, und Einleitung von Studien
über die Erfordernisse künftiger strategischer Bomber;
Beschaffung von acht Trident-Unterseeüooten und den dazugehörigen
ballistischen Flugkörpern, um die Verbesserung der seegestützten strategischen Streitkräfte fortzusetzen;
Fortsetzung der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet von Verteidigungssystemen gegen ballistische Raketen (ABM-Systemen) als Vorsorge gegen
eine mögliche Aufhebung des ABM-Vertrages;
Verbesserung strategischer Befehls-, Leit-und Fernmeldesysteme; und
Forschung und Entwicklung zur Verbesserung der Aufklärung durch
Satelliten, der Verringerung der Verwundbarkeit von Satelliten und zur
Entwicklung einer Anti-Satelliten-Kapazität.

Gemischte nichtstrategische Streitkräfte
Die Aufgabe der gemischten nichtstrctegischen Streitkräfte in der Folge
- 13 -

�Folge

als allgemeine Streitkräfte

bezeichnet, besteht darin, vor einer

Aggression abzuschrecken oder einer Aggression zu begegnen, und zwar
auf Ebenen unterhalb eines strategischen Nuklearkonflikts. Die meisten
unserer allgemeinen Streitkräfte sinH auf die Verteidigung der NATO ausgerichtet. Dazu gehören die meisten unserer Landstreitkräfte des Heeres und
der taktischen Luftstreitkräfte der Luftwaffe. Einige unserer Seestreitkräfte und Kräfte des Marinekorps haben die Aufgabe, die Seewege offen
zu halten und die Sicherheit der Flanken des NATO-Gebietes zu gewährleisten. Dieser Haushalt bringt die amerikanische Verpflichtung zum Ausdruck, die im Zusammenhang mit unseren NATO-Verbündeten eingegangen wurde,
um die Kapazität der NATO zu verbessern. Die Haushaltsmittel, die für
Waffen und Geräte des Heeres angefordert werden, steigen 1979 gegenüber 1978
um real 18 Prozent. Auch die für die Beschaffung der Luftwaffe im Zusammenhang mit der NATO angeforderten Haushaltsmittel sind höher...
Für 1979 werden für die allgemeinen Streitkräfte Mittel in Höhe von
46,8 Milliarden Dollar angesetzt, verglichen mit 41,5 Milliarden Dollar
1978. Diese Erhöhung wird hauptsächlich zur Stärkung der Kapazität der
allgemeinen Streitkräfte verwandt, die für die Verteidigung der NATO vorgesehen sind.
In einer Zeit der strategischen nuklearen Gleichwertigkeit ist es lebens
wichtig, daß die konventionellen Streitkräfte der NATO ausreichend stark
sind, um als effektive Abschreckung vor einem Angriff durch konventionelle
Streitkräfte zu wirken. Wir und unsere Verbündeten haben uns zu einer
Erhöhung der konventionellen militärischen Kapazität in Europa verpf lic'tet.
Zu den für einen Konflikt in Euroap zur Verfügung stehenden amerikanischen
Streitkräften gehören 16 Heeresdivisionen, von denen das Äquivalent von
5 2/3 Divisionen in Europa disloziert ist, und 26 Staffeln taktischer
Flugzeuge der Luftwaffe, von denen 8 in Europa disloziert sind.
Im Haushalt 1979 iind 6,6 Milliarden Dollar für einen erhöhten Stand
moderner Heeresausrustung vorgesehen, um es in den USA stationierten
Divisionen zu ermöglichen, rascher zum Einsatz zu gelangen und eine längere

�längere Kampfperiode durchstehen

zu können. Hier beträgt der Zuwachs

gegenüber 1978 1,3 Milliarden Dollar. Unter die spezifischen Vorschläge
fallen:
Erstproduktion des neuen Panzers vom Typ XM-1, der an Beweglichkeit
und Panzerung jedem gegenwärtig in der Welt eingesetzen Panzer überlegen
ist;
Beschaffung besserer Feuerleitsysteme und erhöhter Mengen wirksamer
panzerbrechender Munition, um die Kapazität der Artillerie zu verbessern;
Erstproduktion des neuen Patriot-Luftverteidigungsysytems und
verstärkte Produktion der gemeinsam mit den Deutschen und den Franzosen
entwickelten und in der NATO-Luftverteidigung verwendbaren Roland-Rakete;
und
wesentliche Erhöhung der Beschaffung von Unterstützungsgerät, das für
die Aufrechterhaltung der Gesamteinsatzbereitschaft der Heereseinheiten
notwendig ist.
Darüber hinaus sieht der Haushalt vor, daß das Heer weiterhin die in
Europa bereitgestellten Bestände und das bereitgestellte Gerät vergrößert,
um es in den Vereinigten Staaten stationierten Divisionen zu ermöglichen,
im Falle einer Krise rasch ihre Positionen dort zu beziehen. Die gegenwärtigen Bestände reichen aus, um etwas mehr als zwei Drittel zusätzliche
Divisionen auszurüsten. Derzeitige Pläne sehen die Bereitstellung von
genügend Gerät in Europa für 5 amerikanische Divisionen bis 1983 vor. Der
Haushalt schlägt ferner eine Verbesserung der Einsatzbereitschaft von derzeit
in Europa

stationierten Heereseinheiten im Haushaltsjahr 1979 durch eine

Erhöhung ihrer Munitionsvorräte vor.
Die auf die NATO bezogenen Streitkräfte der Luftwaffe werden durch die
Beschaffung von drei neuen Kampfflugzeuge; weiter verstärkt:
Die F-15, die als
- 15 -

�Die F-15, die als das wirksamste Kampfflugzeug in der Luftüberlegenheit gilt;
die A-10, die für die Panzerbekämpfung und die enge Unterstützung
aus der Luft vorgesehen ist; und
die F-16, ein Mehrzweck-Hochleistungskampfflugzeug, das von einem
Konsortium unserer NATO-Verbündeten gemeinsam produziert wird.
Darüber hinaus schlägt der Haushalt die Weiterführung der Produktion
der Flugzeuge für das Frühwarn- und Leitsystem AWACS sowie Modifizierungen
und Verbesserungen zur Stärkung der Kapazität der gegenwärtig dislozierten
taktischen Flugzeuge vor. Der Haushalt sieht auch eine erhöhte Streuung
der im Dienst in Europa befindlichen Flugzeuge der Luftwaffe vor, um ihre
Verwundbarkeit durcn einen Überraschungsangriff zu verringern.
Die Seestreitkräfte haben drei Hauptaufgaben: Kontrolle der Meere,
Darstellung der Macht und Präsenz in Friedenszeiten. Zur Kontrolle der
Meere gehört die Errichtung und Aufrechterhaltung der Flottenüberlegenheit
in Seegebieten, um die Verbindung und Transportwege zur See zu schützen
und dem Gegner die Benutzung der Ozeane zu verwehren. Darstellung der Macht
besteht im Einsatz von Marineflugzeugen und Schiffsqeschützen zur Unterstützung von Landoperationen und dem Einsatz amphibischer 'treitkräfte bei
Angriffen auf Landgebiete. Die Aufgabe der Präsenz in Friedenszeiten wird
durch die überseeische Dislozierung von Seestreitkräften erfüllt, um vor
Feindseligkeiten abzuschrecken, den Ausgang von Krisen zu beeinflussen und
ein greifbares Symbol amerikanischer Verpflichtung darzustellen.
Um zur Ausführung dieser Aufgaben der Marine beizutragen, sind für den
Zeitraum 1979 bis 1983 42 Milliarden Dollar für den Schiffbau vorgesehen.
Das Verteidigungsministeriini prüft gegenwärtig die Frage, ob der Bau zusätzlicher Flugzeug träner notwendig ist, wenn dies der Fall ist, welchen
Typs, um die Erfordernisse der Marine zu erfüllen. Bis zum Abschluß dieser
- 16 -

�dieser Studie im Frühjahr dieses Jahres verschiebt der Fünfjahresplan
des Ministeriums für den Schiffbau die Entscheidung über mehrere große
Schiffbauprojekte auf das nächste Jahr.
Der Schiffbauplan für 1979 sieht 14 allgemeine Kriegsschiffe vor,
von denen 12 in erster Linie für die Kontrolle der Meere erforderlich sind.
Dazu gehören ein Jagd-Unterseeboot, 8 Fregatten für den Geleitschutz
und andere Geleitaufgaben und 3 Sonar-Schiffe mit Schleppvorrichtungen,
um die Kapazität für die Ortung von Unterseebooten auszuweiten. Der Plan
für 1979 schließt auch zwei Hilfsschiffe (Tender) für die Flotte ein.
Und schließlich sieht der Haushalt die Modernisierung von taktischen
Luftstreitkräften der Marine und des Marinekorps durch die Erstbeschaffung
des Jagd-Kampfflugzeuges vom Typ F-18 und die weitere Beschaffung des
leichten Kampfflugzeuges vom Typ A-4M vor.

Luft- und Seebrückenstreitkräfte
Die Aufgabe der strategischen mobilen Streitkräfte besteht darin,
amerikanische Truppen und amerikanisches Material rasch dorthin zu transportieren, wo sie benötigt werden könnten, um Bedrohungen der amerikanischen
Interessen zu begegnen. Die angeforderten Haushaltsmittel für 1979 in Höhe
von 1,8 Milliarden Dollar werden für die weitere Operation und Verbesserung
dieser Streitkräfte sorgen. Verschiedene Flugzeug Programme werden vorgeschlagen,
um die amerikanische Kapazität, Kampfeinheiten und Nachschub während der
kritischen Anfangsphasen eines überseeischen Konflikts zu transportieren,
zu verbessern.
Es werden Flugzeugmodifizierungen vorgeschlagen, um die Einsatzlebensdauer der Transportmaschinen C-5A zu verlängern. Flugzeuge der zivilen
Reserveluftflotte werden abgeändert, um ihren raschen Umbau von Passagier-

- 17 -

�Passagier- zu Lastflugzeugen zu ermöglichen. Die Erstbeschaffung des
modernen Tanker-Last-Flugzeuges wird vorgeschlagen, um die taktischen Luftstreitkräfte und die Transportstreitkrä'fte

mit einer einzigartigen Lang-

streckenauf tankkapazi tat zu versehen."

Internationale Angelegenheiten
"Um zur Erfüllung unserer nationalen Ansprüche in auswärtigen Angelegenheiten beizutragen", so heißt es in der Haushaltsbotschaft, "wird die
Bundesregierung voraussichtlich 7,7 Milliarden Dollar (netto..) im
Haushaltsjahr 1979 ausgeben...
Der Haushalt legt besonderen Nachdruck darauf, für folgende Punkte
zu sorgen:
- Eine beträchtliche Erhöhung der Haushaltsbewilligungen für die
Entwicklungshilfe mit besonderem Nachdruck auf die ärmsten Nationen der
Welt;
-eine starke amerikanische Unterstützung der multilateralen Hilfsprogramme, vor allem der internationalen Finanzeinrichtungen;
- die Schaffung des Amtes für Internationale Kommunikation (International
Ccmmunication Agency - ICA) (Zusammenlegung des US-Informationsamtes USIA - und der Kulturabteilung des US-Außenministeriums, Anmerkung der
Redaktion) im Rahmen des Reorganisationsplanes des Präsidenten, um die
Informations- und Austauschtätigkeit im Ausland zu verbessern;
- das Auslaufen der Steuerabschreibungsmöglichkeiten für Gewinne der
Internationalen Absatzförderungsorganisationen einheimischer Industriezweige
(DISCs) beginnend im Haushaltsjahr 1979; und
- die Bereitstellung
- 18 -

�- die Bereitstellung von Mitteln, um den Vereinigten Staaten die B J teiligung an einer neuen zusätzlichen Finanzierungsfazilität des Internationalen

Währungsfonds (IWC) zu erlauben.

Die wirtschaftliche und finanzielle Auslandshilfe - die Entwicklungshilfeprogramme zu Vorzugsbedingungen - wird sich auf die armen Menschen
in jenen Ländern konzentrieren, in denen das jährliche Prokopfeinkcmmen
unter 550 Dollar (Wert 1976) liegt. In selektiver Form wird auch Unterstützung an arme Menschen in Ländern gewährt werden, in denen das Prokopfeinkommen über dieser Zahl liegt.
Die wichtigen Aufgaben im Rahmen dieser Programme werden aus der folgenden
Tabelle ersichtlich:

Nationale Anforderungen für die Pflege internationaler Beziehungen
(in Millionen Dollar)
Aufwendungen
Voranschlag
Hauptaufgaben und -programme:

1978

1979

838
233

909
270

10

20

1 160

1 293

Wirtschaftliche und finanzielle Auslandshilfe:
Multilaterale Entwicklungshilfe:
Internationale Institutionen
Internationale Organisationen
Intern. Fonds für Landwirtschaftliche
Entwicklung
Ant für Internationale Entwicklung

Lebensmittel für den Frieden
- 19 -

�1978

1979

Lebensmittel für de r Frieden

1 068

1 069

Sicherheitshilfe

1 813

1 666

175

180

5 296

5 407

190

200

29

31

540

530

-302

-296

457

465

-562

-617

5 191

5 254

Verwaltungskosten

674

766

Internationale Organisationen und Konferenzen

408

409

32

35

1 115

1 211

Sonstige wirtschaftliche und
finanzielle Auslandshilfe

Zwischensumme der wirtschaftlichen und
finanziellen Auslandshilfe
Militärhilfe:
Nichtrückzahlbare Militärhilfe
Militärische Ausbildung ausländischer
Soldaten
Militärische Lieferungen ins Ausland auf Kredit
Einnahmen und sonstige ausgleichende Posten
Zwischensumme der Militärhilfe
Rückzahlungen aus der Auslandshilfe (Einnahmen)

Gesamtsumme der Auslandshilfe
Pflege auswärtiger Angelegenheiten:

Sonstiges
Zwischensumme für die Pflege auswärtiger
Angelegenheiten

Informations- und Austauschtätigkeit
- 20 -

�1978

1979

443

480

196

404

-200

300

Sonstige ausgleichende Einnahmen

-20

-20

Zwischensumme für internationale
Finanzierungsprogramme

-24

684

-540

-555

6 747

7 691

Informations- und Austauschtätigkeit
im Ausland
Internationale Finanzierungsprogramme:
Export-Import-Bank
Treuhandfonds für militärische Verkäufe

Abzüge für ausgleichende Einnahmen

Gesamtaufwendungen für Internationale
Angelegenheiten

+ + + + +

- 21 -

�wams i

Wirt/chaft

3

United States Information Service

27. Januar 1978

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT CARTERS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat dem amerikanischen
Kongreß am 20. Januar 1978 seinen Wirtschaftsbericht übermittelt. Wir
geben nachfolgend wesentliche Auszüge aus diesem Bericht im Wortlaut
wieder:
... Ich schlage Steuersenkungen und -reformen vor, um unseren
wirtschaftlichen Wiederaufschwung weiter voranzutreiben, eine erhöhte
Investitionstätigkeit der amerikanischen Unternehmen zu fördern und ein
einfacheres und faireres Steuersystem zu schaffen. Ich strebe gesetzliche
Regelungen an, um die besonderen Probleme der Benachteiligten und der
Arbeitslosen anzupacken. Und ich unternehme neue Schritte zur Bekämpfung
der Inflation...
Im vorigen Jahr wurden in unserem Lande über vier Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen - ein einmaliger Rekord -,und die Arbeitslosigkeit ist um über eine Million zurückgegangen. Die Produktion stieg um
fast sechs Prozent, und die Gewinne dieser starken

Steigerung wurden

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�wurden breit verteilt. Das Einkommen der Verbraucher nach Abzug der
Steuern und Inflationsbereinigung stieg im Jahre 1977 beträchtlich
an. Die Löhne des typischen amerikanischen Arbeiters erhöhten sich
stärker als die Preise, und auch die Unternehmensgewinne stiegen.
Die amerikanische Wirtschaft steht am

Ablauf dreier Jahre des

Wiederaufschwungs nach der schweren Rezession

1975/76. Der Aufschwung

blieb in den meisten anderen Ländern hinter dem unsrigen zurück...
Unsere Inflationsrate ist ebenfalls niedriger als in den meisten anderen
Ländern der Welt... . Aber es müssen noch große Fortschritte erzielt
werden...
Die Rezession 1974/75 war die schlimmste seit 40 Jahren, und
selbst die beträchtliche Erhöhung der Produktion in den letzter drei
Jahren läßt die Wirtschaft noch immer unter ihrer Produktionskapazität
arbeiten. Wir können nicht zufrieden sein, wenn noch immer fast 6,5
Millionen Menschen, die sich aktiv um einen Arbeitsplatz bemühen, keine
Arbeit finden können; wenn 3,25 Millionen Arbeiter sich mit Teilzeitarbeit
zufrieden geben müssen, weil sie keine volle Beschäftigung finden können;
wenn eine Million Menschen aufgegeben hat, einen Arbeitsplatz zu suchen,
weil sie die Hoffnung verloren haben, einen zu finden. Wir können nicht
zufrieden sein, wenn ein wesentlicher Teil unserer Industriekapazität
ungenutzt bleibt, wie das heute der Fall ist.
Wir können nicht zufrieden sein mit einem wirtschaftlichen Aufschwung,
der an wesentlichen Segmenten des amerikanischen Volkes vorbeigeht. Die
Arbeitslosigkeit unter Minderheiten ist doppelt so hoch wie unter Weißen
- und die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen aus den Minderheiten hat
bedrückende Ausmaße erreicht. Frauen haben weniger befriedigende Chancen
auf einen Arbeitsplatz als Männer, und ältere Amerikaner finden oft ihren
Zugang zum Arbeitsmarkt blockiert. Das Farmeinkommen ist schlagartig gefallen. ..
Die Geschäftswelt
- 2 -

�Die Geschäftswelt hält sich in ihrer langfristigen Investitionsplanung noch immer zurück, und die Börse bleibt trotz des wesentlichen
Anstiegs der Unternehmensgewinne bei der Baisse-Tendenz.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, vor denen wir in den Vereinigten Staaten stehen, sind die gleicher

.vie in den meisten Ländern

der Welt...Der massive Anstieg der ölpreise seit 1973 legt der Weltwirtschaft weiterhin große Bürden auf. Die ölimporte laugen die Kaufkraft der öl importierenden Länder aus und bringen die internationale
Zahlungsbilanz ins Ungleichgewicht.
Im Ausland wie in unserem eigenen Lande haben Besorgnisse über die
Zukunft
Unternehmensinvestitionen in neue Anlagen und Ausrüstungen
abgeschreckt. Als Folge hat das wirtschaftliche Wachstum in vielen Ländern
stagniert...
Die Probleme, vor denen wir heute stehen, sind komplizierter und
schwieriger als in früheren Zeiten. Wir können uns nicht einfach nur
ausschließlich auf die Inflation oder die Arbeitslosigkeit oder die
Defizite im Bundeshaushalt oder in der internationalen Zahlungsbilanz
konzentrieren. Auch können wir nicht isoliert von anderen Ländern
handeln. Wir müssen mit allen diesen Problemen gleichzeitig und auf
globaler Basis fertig werden... Ich habe mich von vier Zielen für unsere
Wirtschaft leiten lassen, die nach meiner Ansicht unsere Nation verfolgen
sollte.
1. Wir müssen weiterhin stetig auf eine Wirtschaft mit hohem Beschäftigungsstand hinarbeiten, bei der die Früchte der Prosperität
weitesten Kreisen zugute kommen... ich glaube, daß wir in den nächsten
Jahren unser Realprodukt um viereinhalb bis fünf Prozent pro Jahr steigern
und die Arbeitslosigkeit um etwa
einhalb Prozent im Jahr verringern
können.
2. Wir sollten

�2. Wir sollten grundsätzlich dem privaten Sektor die Initiative
bei der wirtschaftlichen Expansion und der Schaffung neuer Arbeitsplätze
für eine wachsende Zahl von Arbeitskräften überlassen.
3. In dem Maße, wie wir uns der Vollbeschäftigung nähern, müssen
wir die Inflationsrate eindämmen und reduzieren...
4.

Unsere Maßnahmen müssen in einer Weise erfolgen, daß sie zur

Gesundheit der Weltwirtschaft beitragen. Als die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt haben die Vereinigten Staaten einzigartige Aufgaben und
Verantwortungen zur Verbesserung des internationalen Wirtschaftsklimas.
Das Wohlergehen der Vereinigten Staaten hängt von den Verhältnissen
anderer Länder auf der ganzen Erde ab. Das Geschick derer Wirtschaft
wird wiederum durch das Schicksal unserer Wirtschaft gestaltet...
Meine Wirtschaftsstrategie umfaßt die folgenden Hauptelemente:
- Unverzügliche Durchführung eines wirksamen nationalen Energieprogramms;
- vorsichtige und besonnene Aufteilung der Ausgaben im Bundeshaushalt...
- Sicherung eines stetigen Wachstums der Privatwirtschaft durch
Steuersenkungen und Reformen des Steuersystems...
- Maßnahmen zur Verringerung des Bundesdefizits und Ausgleich des
Haushalts so rasch, wie es die wachsende Stärke der Wirtschaft
gestattet;
- Verbesserung der vorhandenen Programme und Entwicklung neuer Programme
zur Bewältigung des Problems der strukturellen Arbeitslosigkeit unter
den Benachteiligten;
- Förderung größerer Wirtschaftskapitalbildungen;
- Aufstellung

�- Aufstellung wirksamerer Programme zur Verringerung der derzeitigen
Inflationsrate...; und
- Verfolgung eines wirtschaftspolitischen Kurses, der die wirtschaftliche Wiederbelebung in der ganzen Welt fördert, die Ausweitung des Welthandels unterstützt und ein starkes internationales
Wä'hrungsSystem aufrechterhält.

Unverzügliche Durchführung des nationalen Energieplanes:
...Der massive Anstieg des ölpreises in den Jahren 1973-74 war mitverantwortlich für die zweistellige Inflationsrate des Jahres 1974 und
die schwerste Rezession seit vierzig Jahren. Er ist auch heute ein Hauptfaktor für das gewaltige Defizit in unserer internationalen Zahlungsbilanz. Und dennoch haben die Vereinigten Staaten immer noch kein Gesetz
für eine umfassende und wirksame Energiepolitik.
Unsere Abhängigkeit vom Importöl unterminiert die Stärke der
amerikanischen Wirtschaft. Im vorigen Jahr erreichten unsere ölimporte
eine Gesamthöhe von rund 45 Milliarden Dollar, verglichen mit 8,5
Milliarden Dollar im Jahre 1973.
Die steigenden Ausgaben für diese Importe waren eine plötzliche und
massive Steuer, die dem ameriaknischen Volk auferlegt wurde. Nur ein Teil
dieser Steuer floß in die Vereinigten Staaten in Form höherer Exporte
amerikanischer Güter in die ölproduzierenden Länder zurück. Dies hatte zur
Folge, daß die "Steuer" zu einem Haupthindernis für wirtschaftliches
Wachstum geworden ist.
Das aus unseren ülimporten erwachsende gewaltige Defizit im Außenhandel
hat mit zu dem Wertverfall des amerikanischen Dollar im Ausland beigetragen.
- 5 -

�beigetragen. Das Absinken des Dollar hat die Kosten für die von uns
importierten Güter erhöht und zur Inflation beigetragen. Unser Defizit
hat auch die internationalen Währungsmärkte aus dem Gleichgewicht gebracht - mit allen abträglichen Konsequenzen für unsere internationalen
Handelspartner. Unser Verhalten gegenüber der Energiekrise ist daher ein
zentrales Element in unserer internationalen und Binnenwirtschaftspolitik.
Das Energieprogramm wird unsere Probleme nicht auf einen Schlag lösen,
aber es wird den Weg bahnen zu einer ausgewogenen Außenhandelsposition
und einem starken unc' gesunden Dollar...
Den Vereinigten Staaten bleibt keine andere Wahl, als sich der neuen
Ar?, teuerer Energie anzupassen.
Wenn wir schon heute handeln, dann bleibt uns Zeit für einen allmählichen Übergang zu einer wirksameren Energienutzung - durch Energieeinsparung, durch Steigerung der einheimischen Energieproduktion und die
Entwicklung alternativer Energiequellen...
Ich hoffe, Anfang dieses Jahres mit dem Kongreß eng zusammenarbeiten
zu können, um eine rasche Lösung dieses Problems zu gewährleisten. Ein
annehmbares Gesetz muß den folgenden Prinzipien genügen:
- Erstens, das Programm muß den Verbrauch begrenzter Energiequellen Erdöl und Erdgas - wirksam reduzieren und zugleich die Energieproduktion ermutigen und den Übergang zur Nutzung von reichlicher
vorhandenen Energiequellen erleichtern.
- Zweitens, das Programm muß fair sein. Kein Bevölkerungsteil darf
einen unverhältnismäßig großen Anteil an den Kosten oder Lasten
der Anpassung zu tragen haben, und keine Industrie darf unnötige
und unverdiente Spekulationsgewinne (windfall profits) aus der
besonderen Situation ziehen.
- Drittens, das Programm
- 6 -

�- Drittens, das Programm muß mit dem Gesamtkonzept unserer Wirtschaftsstrategie in Einklang stehen...

Besonnenes Abwägen bei den Ausgaben im Bundeshaushalt:
Meine Administration hat einer effektiveren Nutzung der begrenzten
Mittel des Bundes hohe Priorität zuerkannt.
Im Haushaltsjahr 1976 betrugen die Ausgaben des Bundes 22,5 Prozent
des amerikanischen Bruttosozialproduktes...
Bei der Aufstellung meiner Empfehlungen für den Haushalt 1979 habe ich
die Ausgabenseite einer sehr strikten Kontrolle unterworfen. Unter Anpassung an die Inflation wurde der Anstieg der Ausgaben bei unter zwei Prozent gehalten ,und der Anteil der Ausgaben des Bundes am Bruttosozialprodukt
wird auf 22 Prozent absinken...

Steuersenkungen zur Förderung einer stetigen Wirtschaftsexpansion
...Steuersenkungen werden das wichtigste Mittel sein, durch das die
Haushaltspolitik des Bundes das Wachstum fördern wird. Durch umsichtiges
Management der Bundesausgaben und wirtschaftliches Wachstum sollten
wesentliche Steuersenkungen in den kommenden Jahren ermöglicht werden...
Ich schlage ein 25-Milliarden-Dollar-Programm an Netto-Steuersenkungen
zusammen mit wesentlichen Steuerreformen vor.
Die Einkommenssteuern werden in erster Linie durch eine durchgängige
allgemeine Senkung der Steuersätze für den Einzelnen reduziert werden, wobei

�wobei vor allem die Steuerzahler der mittleren und niederen Einkommensgruppen berücksichtigt werden sollen...
Die Gewerbesteuern werden 1979 in meinem Steuerprogramm um mehr als
acht Milliarden Dollar gesenkt werden, was, zu einem Teil durch die über
2 Milliarden Dollar in den Gewerbesteuerreformen aufgewogen, auf eine
Netto-Steuersenkung von annähernd 6 Milliarden Dollat hinausläuft. Ich
habe weiter vorgeschlagen, daß der allgemeine Körperschafts-Steuersatz am
1. Oktober von derzeit 48 Prozent

auf 45 Prozent gesenkt wird und im Jahre

1980 weiter auf 44 Prozent reduziert wird. Ferner schlage ich vor, den
bestehenden zehnprozentigen Steuerfrei betrag für Investitionen ständig beizubehalten und diese Freibeträge auch auf Investitionen in Industrie- und
Versorgungsstrukturen zu erweitern...
Diese Vorschläge umfassen nicht etwaige Anpassungen, die sich aus
Maßnahmen des Kongresses hinsichtlich meiner Energievorschläge ergeben
würden.

Ich habe im April vorigen Jahres vorgeschlagen, daß der Kongreß

eine Bohrturm-Steuer verabschieden möge und die Einnahmen aus dieser Steuer
direkt an das amerikanische Volk zurückgeführt werden sollten...
Diese Steuersenkungen sind für einen gesunden neuen wirtschaftlichen
Aufschwung in den Jahren 1978 und 1979 von wesentlicher Bedeutung. Die
Aussichten für ein Anhalten dieses Aufschwungs in der nahen Zukunft s^nd
günstig. Die Verbraucher zeigen wachsende Kauflust,und viele andere Wirtschaftsindikatoren ließen in jüngster Zeit eine stark ansteigende Tendenz
erkennen...
Mit den von mir vorgeschlagenen Steuersenkungen...sollte die Wirtschaft sowohl 1978 wie 1979 ein Wachstum von 4,5 bis 5 Prozent erreichen.
Die Zahl der Arbeitslosen würde weiterhin zurückgehen und Ende 1979 auf etwa
5,5 bis 6 Prozent absinken. Die Kapazitätsauslastung und die Unternehmensgewinne nach Abzug der Steuern würden sich verbessern,und dami + dürfte
auch die Investitionsrate in neuen Anlagen und Ausrüstungen beträchtlich
- 8 -

�beträchtlich ansteigen...

Maßnahmen zur Reduzierung des Bundesdefizits und zum Ausgleich des
Haushalts, sobald die Stärke der Wirtschaft dies erlaubt:
Um zu gewährleisten, daß unser wirtschaftlicher Fortschritt auf einer
soliden Grundlage steht und nicht von der Inflation unterminiert wird, müssen
wir das Defizit im Bundeshaushalt abbauen und zu einem ausgeglichenen Haushalt gelangen, sobald die weitere Erstarkung der Wirtschaft dies erlaubt...
Die von mir in diesem Jahr vorgeschlagenen Haushaltsansätze sehen ein
Defizit von 62 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1978 und ein nur etwas
darunterliegendes für 1979 vor...
Bei den von mir bis jetzt getroffenen Haushaltsentscheidungen war ich
bemüht, Verpflichtungen zu vermeiden, die es uns unmöglich machen würden,
den Haushalt bis 1981 auszugleichen...

Stärkerer Nachdruck auf der Förderung von Geschäftskapitalbildung
...Während der ersten zwei Jahrzehnte der Nachkriegszeit stieg die
amerikanische Industrieproduktion jährlich im Durchschnitt um drei Prozent.
Im Verlauf der letzten zehn Jahre hat sich der Prosuktivitätszuwachs jedoch
merklich verlangsamt - auf etwa zwei Prozent im Jahr und weniger.
Die Gründe, warum sich die Tendenzen der Vergangenheit nicht fortgesetzt
haben, sind komplexer Natur, aber ein Faktor, dem hier besondere Bedeutung
zukommt, ist das relativ langsame Wachstum des Bestandes an Fabrikanlagen
und Ausrüstung...
Meine Steuerempfehlungen

�Meine Steuerempfehlungen sowie andere wirtschaftliche Vorschläge werden
auf verschiedene Weise zu einer höheren Rate an Geschäftsinvestitionen
ermutigen. Durch die Förderung eines gleichmäßigen wirtschaftlichen Wachstums
werden sie der Wirtschaft einen expandierenden Markt für die Erzeugnisse
neuer Fabriken und neuer Ausrüstungen sichern. Die von mir vorgeschlagenen
spezifischen Steuersenkungen werden die Gewinne nach Abzug der Steuern
erhöhen und damit direkt zusätzliche Anreize für Investitionen bieten...

Wirksamere Programme zur Verringerung der Inflationsrate
Wir können keine volle Prosperität erreichen, wenn wir uns nicht in
wirksamer Weise mit der Inflation auseinandersetzen.
Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um die hohe Inflationsrate zu verringern,
die wir aus der Vergangenheit übernommen haben, und uns vor einem erneuten
Anschwellen der Inflation zu schützen, wenn wir jetzt wieder zu einer Vollbeschäftigungswirtschaft zurückkehren.
Unsere Wirtschaft leidet gegenwärtig nicht unter einer Übernachfrage...
Die jüngsten Erfahrungen haben gezeigt, daß die Inflation, die wir aus
der Vergangenheit geerbt haben, nicht durch eine Politik überwunden werden
kann, die das Wachstum verlangsamt und die Arbeitslosigkeit auf einem
hohen Stand hält. Seit 1975 hat sich die Inflationsrate hartnäckig auf einem
Stand von 6 bis 6,5 Prozent gehalten - obwohl die Arbeitslosenrate bis auf
neun Prozent stieg und immer noch bei über sechs Prozent liegt und obwohl ein
wesentlicher Teil unserer Industriekapazität ungenutzt ist. Die menschliche
Tragödie sowie die Verschwendung von Ressourcen, die mit einer Politik des
langsamen Wachstums verbunden sind, dürfen nicht geduldet werden, und die
Auswirkungen einer solchen Politik auf die gegenwärtige Inflation wäre j w
- 10 -

�nur sehr gering. Darüber hinaus legt ein langsames Wachstum durch die
Entmutigung von Investitionen in neue Kapazitäten den Samen für künftige
inflationäre Probleme, wenn die Wirtschaft jetzt tatsächlich zur Vollbeschäftigung zurückkehrt. Wirtschaftliche Stagnation ist keine Antwort
auf die Inflation.
Unsere erste Aufgabe bei der Bekämpfung der Inflation besteht darin, uns
vor einer erneuten Preisexplosion in Zukunft zu schützen. Eine feste
Disziplin im Bundeshaushalt sowie eine kluge Währungspolitik sind die
wichtigsten Stritte, die wir ergreifen können. Programme zur Bekämpfung
gebietsmäßig strukturell bedingter Arbeitslosigkeit in unserem Lande werden
höhere Beschältigungsraten ermöglichen, ohne daß es zu einem Druck auf die
Preise kommt. Größere Investitionen werden außerdem ein wesentlicher Beitrag
für die Garantie sein, daß die Kapazität unserer Industrie ausreicht, um
den Anforderungen einer Vollbeschäftigungswirtschaft nachzukommen.
Die Verabschiedung eines Energieprogramms wird schließlich die Nachfrage nach ülimporte reduzieren jnd damit zu Marktverhältnissen beitragen,
die einer wesentlichen Erhöhung der ölpreise entgegenwirken, sowie die
Inflation bekämpfen, die aus einem Absinken des Dollarkurses resultiert.
Die von mir eingeleiteten Programme zum Aufbau einer Getreidereserve von
30 - 35 Millionen metrischen Tonnen werden dafür Sorge tragen, daß sich im
Falle schlechter Witterungsverhältnisse keine plötzlichen Aufwärtsentwicklungen bei den Lebensmittelpreisen ergeben.
Unsere zweite Aufgabe - die gegenwärtige Inflationsrate zu senken wird schwieriger sein. Und dennoch müssen wir das Problem anpacken. Wenn die
Inflationsratr nicht gesenkt wird, kann die Rate der Preiserhöhungen sehr wohl
steigen, wenn die Arbeitslosigkeit in späteren Jahren auf einen niedrigeren
Stand sinkt, mit Konsequenzen, die unsere Bemühungen, eine volle Wiederholung zustandezubringen, zunichte machen würden.
Die Regierung...
- 11 -

�Die Regierung...kann eine wichtige Rolle bei der Eindämmung der
Inflation spielen, indem sie die Auswirkung der eigenen Maßnahmen auf die
Preise reduziert. Wenn wir Steueranreizen und anderen Politiken zur Verbesserung des Wachstums von Investitionen und Produktivität zustimmen, dann
tragen wir dazu bei, den Anstieg der Kosten und damit auch der Preise zu
verringern.
Die von mir vorgeschlagene Verbrauchssteuersenkung...wird ebenfalls
in beschränktem Rahmen dazu beitragen, Kosten und Preise zu senken.
Reglementierungen der Regeirung wirken sich ebenfalls auf Kosten und
Preise

aus... Wir sollten - und werden auch nicht - unsere Anstrengungen

um eine bessere Luft, um besseres Wasser und um einen sicheren Arbeitsplatz
aufgeben. Aber wo immer es möglich ist, sollte das Ausmaß der Reglementierung
so gering wie möglich gehalten werden. Die Regierung allein kann jedoch
die gegenwärtige Inflation nicht überwinden. Der derzeitige inflationäre
Prozeß ist weitgehend die Folge selbstsüchtiger Erwartungen. Geschäftsleute, die mit einem Anhalten der Inflation rechnen, stemmen sich weniger
gegen ein Anwachsen der Kosten, als dies sonst der Fall wäre, weil sie zu
der Ansicht gelangt sind, daß sie angesichts des Preisanstiegs ihre eigenen
erhöhten Kosten durch höhere Preise auf die Verbraucher abwälzen könnten.
Lohnerhöhungen basieren auf der Erwartung, daß die Preise weiterhin steigen
werden. Lohnerhöhungen auf dem einen Sektor führen zu ähnlichen Forderungen
auf anderen Sektoren...
Da die gegenwärtige Inflation eine starke Eigenbewegung entwickelt hat,
kann sie nicht plötzlich zum Halten gebracht werden. Aber wir können doch
eine allmähliche, aber anhaltende Abschwächung erreichen, bei der die Inflation in jedem folgenden Jahr weiter abnimmt. Die Vorteile eines langsameren Ansteigens der Löhne und Preise kämen der Allgemeinheit zugute.
Davon würde jeder profitieren. Jene, die für Lohn- und Preisentwicklungen
verantwortlich sind, sollten gewissenhaft bemüht sein, all die Maßnahmen zu
treffen, die notwendig sind, um eine allgemeine Abschwächung der Inflation

- 12 -

�Inflation zustande zu bringen.
Ich fordere daher Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Amerika auf, sich
an einem freiwilligen Programm zur Abschwächung der Preis- und Lohnsteigerungsrate zu beteiligen. Dieses Programm basiert auf der grundlegenden
Voraussetzung, daß Preise und Löhne in jedem Industriezweig im Jahre 1978
weniger steigen sollten, als dies im Durchschnitt während der letzten zwei
Jahre der Fall war.
Ich bin mir darüber im klaren, daß nicht alle Löhne und Preise im
gleichen Tempo gebremst werden können. Beispielsweise würde die Abschwächung
im Jahre 1978 in den Fällen, wo die Gewinnspanne besonders begrenzt war
oder wo die Löhne besonders stark hinterherhinkten, geringer sein als für andere
Firmen oder Berufsgruppen. In außergewöhnlichen Fällen wäre vielleicht
eine Abschwächung überhaupt nicht möglich. Andererseits könnten man von
Firmen oder Berufsgruppen, denen es in jüngster Vergangenheit außerordentlich
gut ergangen ist, erwarten, daß sie ihre Anstrengungen noch steigern.
Um die Aussichten auf einen Erfolg dieses Programms zu fördern, habe
ich die in Frage kommenden Firmen und Gewerkschaften gebeten, entsprechend
auf das Ersuchen der Vertreter meiner Regierung zu reagieren, mit ihnen auf
einer informellen Basis die Schritte zu erörtern, die während des kommenden
Jahres auf eine diesbezügliche Abschwächung ergriffen werden können. Hinsichtlich der Überprüfung der wirtschaftlichen Situation vor der Unterbreitung
meiner Empfehlungen an den Kongreß, was den Umfang der Lohnerhöhungen für
Bundesangestellte anbetrifft - diese sind im Oktober dieses Jahres fällig werde ich dieses Ziel der Abschwächung immer vor Augen haben.
Dieses Programm will keineswegs einen allgemeinen Rahmen zahlenmäßiger
Normen etablieren, an dem jede Preis- und Lohnmaßnahme gemessen werden muß.
Die Inflation der letzten Jahre hat zu viele Verzerrungen in das Wirtschaftsbild hineingebracht, um dies möglich oder wünschenswert zu machen. Aber
dadurch ergibt sich dennoch eine Verhaltensnorm für jeden Industriezweig

- 13 -

�Industriezweig im kommenden Jahr: Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Rate der Lohn- und Preiszuwächse im Jahre 1978 unter
die Durchschnittsrate der letzten zwei Jahre zu senken.
Ich habe diesen Weg gewählt, nachdem ich alle verfügbaren Optionen
in vollem Umfange überprüft habe. Es gibt keine Garantie dafür, daß eine
freiwillige Abschwächung das gegenwärtige Inflationsproblem lösen wird.
Ich bin jedoch der Ansicht, daß mit der Zusammenarbeit von Unternehmern und
Gewerkschaften dieser Vorschlag greifen wird. Abschwächung ist eine
annehmbare Verhaltensnorm, denn dabei bemüht man sich um Zurückhaltung
bei Lohn- ur.

Preisforderungen und erhält dafür eine allgemeine Senkung

der Inflation. Und es ist darüber hinaus eine faire Norm. Denn Arbeitgeber
und Arbeitnehmer mit ihrem so unterschiedlichen Hintergrund und der so
verschiedenartigen gegenwärtigen Situation werden nicht aufgefordert,
sich in den Rahmen einer einzigen

zahlenmäßigen Richtlinie pressen zu

lassen.
Das Inflationsproblem ist nicht leicht zu lösen. Es nimmt Zeit in
Anspruch und braucht Geduld. Aber die Bedeutung dieser Bemühunge

kann

einfach nicht hoch genug bewertet werden. Wenn wir keine bessere Kontrolle
über die Inflationsrate gewinnen, werden die Aussichten auf eine Vollbeschäftigungswirtschaft ernsthaft gefährdet werden. Meine Administration kann
und will in der Zukunft keine Politik betreiben, die eine neue und noch
virulentere Inflationsrunde in diesem Lande auszulösen drohte. Wenn wir das
tun würden, dann wäre das der sicherste Weg, um die Hoffnungen unserer
Bürger auf eine dauerhafte Prosperität zu zerstören.

Internationale Wirtschaftspolitik zur Förderung des wirtschaftlichen
Wiederaufschwungs in der ganzen Welt:
Außerhalb der Vereinigten Staaten verzeichnete die Weltwirtschaft einen
- 14 -

�einen

allmählichen Wiederaufschwung nach der tiefen Rezession von

1974-75. Das rapide Tempo des wirtschaftlichen Wachstums, das fast
während der ganzen Nachkriegszeit überall zu beobachten war, ist so gut wie
geschwunden. Die Arbeitslosenzahl ist hoch und steigt in den meisten
Industrieländern mit Ausnahme der Vereinigten Staaten weiter an. Die
Inflationsraten liegen hoch und nehmen nur sehr langsam ab.

Die Ungleichgewichte im internationalen Wirtschaftssystem wirken
auch weiterhin belastend auf die Weltwirtschaft. Wegen der Überschüsse bei
den öl exportierenden Länder1" haben viele Länder, darunter auch die Vereinigten
Staaten, beträchtliche Defizite. Aber auch einige Industriestaaten verzeichnen große und ständige Überschüsse - wodurch der Druck auf die Länder
mit Defiziten vermehrt wird. Diese Ungleichgewichte bildeten einen
wesentlichen Faktor bei den in den letzten Monaten auf den Devisenmärkten
auftretenden Störungen.

Der Zustand der Weltwirtschaft erfordert vor allem, daß die Nationen
zusammenarbeiten, um Lösungen für globale Probleme zu finden, die für alle
Seiten von Nutzen sind. Wenn es nicht zu dieser Zusammenarbeit kommt, dann
werden wir den Anstieg des Lebensstandards, der sich aus der Expansion des
Welthandels während der letzten drei Jahrzehnte ergab, nicht halten können.
Wenn die Weltwirtschaft zu einem bloßen Konglomerat von isolierten und
schwachen Nationen wird, dann werden wir alle verlieren.

Die höchste Priorität in unserer internationalen Wirtschaftspolitik
kommt daher einem anhaltenden wirtschaftlichen Wiederaufschwung in der gesamten
industrialisierten Welt zu. Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft - der
größten und stärksten der Welt - ist von entscheidener Wichtigkeit.

Das von mir vorgeschlagene Wirtschaftsprogramm wird sicherstellen, daß
Amerika in der Weltwirtschaft weiterhin eine führende Rolle spielt und eine
Quelle der Stärke bleibt. Es ist wichtig, daß sich andere starke Nationen
uns anschließen, um direkte Maßnahmen zur Belebung der Nachfrage in ihren

- 15 -

�ihren

eigenen Volkswirtschaften zu ergreifen. Es kann zu keinem Wieder-

aufschwung der Weltwirtschaft kommen, wenn sich die Nationen vor allem auf
den Export als Hauptquelle der wirtschaftlichen Expansion verlassen.
Gleichzeitig müssen alle Länder den Kampf gegen die Inflation fortführen. Dazu wird eine besonnene fiskalische und monetäre Politik notwendig
sein. Ergänzt werden muß diese Politik durch Maßnahmen zur Verringerung der
strukturellen Arbeitslosigkeit sowie zur Vermeidung von Engpässen durch
Investitionsförderung und durch Zusammenarbeit bei der Anlegung von Rohstoffreserven, um die Welt vor unvorhergesehenen Erschütterungen zu bewahren.
Ein Abbau des allgemein verbreiteten Ungleichgewichts in den internationalen Zahlungsbilanzen wird verschiedene parallel laufende Maßnahmen
erfordern. Zuerst einmal muß jedes einzelne Land sicherstellen, daß seine
eigene Politik zu einer Verringerung der Belastungen beiträgt. Die Vereinigten
Staaten werden das ihrige dazu tun.
Im Jahre 1977 hatten wir ein Defizit der laufenden Konton von rund
18 Milliarden Dollar. Wenn das auch noch kein Alarmzeichen ist, so ist es
doch ein Grund zur Beunruhigung. Wir können einen sehr konstruktiven Schritt
tun, um dieses Defizit auszugleichen, wenn wir uns rasch entschließen, die
Gesetze für den Nationalen Energieplan zu verabschieden.
Auch die Länder mit Überschüssen sollten ihren Teil tun. ZahlungsbilanzÜberschüsse in einigen Ländern haben mit zur wirtschaftlichen Stagnation
bei ihren Hände1spartnern beigetragen. Sofern in ihren eigenen Wirtschaften
eine gewisse Flaute herrscht, wäre es richtig, wenn diese Überschußnationen
Anreize für die Belebung der Inlandsnachfrage setzen - und damit ihre Importe
steigern und die Aussichten für ein Wachstum in den Defizitländern verbessern. In einigen Ländern wäre eine Aufhebung d(r Importbeschränkungen
und ein Abbau der übertriebenen Anstrengungen der Regierung zur Förderung
der Exporte nützlich. Nach Konsultationen mit den Vereinigten Staaten haben
die Japaner ihre BereitwilMgkeit erkennen lassen, eine Reihe von Maßnahmen

- 16 -

�Maßnahmen zu ergreifen, um ihre großen Überschüsse abzubauen.
Das System flexibler Wechselkurse für die Währungen kann gleichfalls
zum Ausgleich unhaltbarer Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen der
Länder herangezogen werden. Seit seiner Einführung im Jahre 1973 hat
dieses System selbst unter unvorhergesehenen außerordentlichen Belastungen
gut funktioniert.
Im Verlauf des Jahres 1977 hat der amerikanische Dollar im Verhältnis
zu verschiedenen wichtigen Währungen an Wert verloren. Zu einem Wertverfall
des Dollar kam es vor allem gegenüber den Währungen jener Länder, die große
Handels- und Zahlungsbilanzübersch'üsse aufwiesen - was angesichts unseres
großen Zahlungsbilanzdefizits und ihrer Überschüsse kaum überraschen kann.
Ende 1977 gerieten dann aber die Schwankungen in den Wechselkursen aus dem
Gleis und wurden inner hektischer. Die Vereinigten Staaten bekräftigten ihre
Absicht, einzugreifen, wenn die Verhältnisse auf den Devisenmärkten in
Unordnung geraten sollten, und hierbei in enger Zusammenarbeit mit unseren
Freunden im Ausland vorzugehen.
Im System flexibler Wechselkurse müssen die grundlegenden wirtschaftlichen
Kräfte auch weiterhin der fundamentale bestimmende Faktor für den Wert der
Währungen bleiben. Wir werden es jedoch nicht zulassen, daß spekulative
Vorgänge auf den Devisenmärkten unsere Wirtschaft oder die Wirtschaften
unserer Handelspartner schädigen. Wir sind uns unserer Verpflichtungen in dieser
Hinsicht voll bewußt und haben Schritte unternommen, um ihnen nachzukommen.
Obwohl ein bedeutender Fortschritt in Richtung auf eine ausgewogene
Weltwirtschaft gemacht-werden kann, so werden einige Unausgewogenheiten
doch noch für eine ganz erhebliche Zeitspanne bestehen bleiben. In der Zeit
der Anpassungen werden die finanziellen Anforderungen weiterhin sehr groß
bleiben. Der Hauptstrom der Mittel kann und wird auch weiterhin von den
Überschuß- zu den Defizitländern über die privaten Kapitalmärkte fließen.
Aber es ist wesentlich, daß auch angemessene amtliche Finanzierungsmittel
- 17 -

�Fianzierungsmittel verfügbar sind, um im Notfalle die Länder mit ernsten
Zahlungsbikanzproblemen zu ermutigen, ordnungsgemäße und verantwortungsbewußte Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.
Um einer solchen kritischen Notlage gewachsen zu sein, haben die
Vereinigten Staaten nachdrücklich den Vorschlag zur Stärkung des Internationalen Währungsfonds (IWF) durch die Einrichtung einer neuen zusätzlichen Finanzierungsfazilität unterstützt.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin Hilfsmittel bereitstellen,
um das Wachstum der Wirtschaften in den Entwicklungsländern zu fördern. Die
internationalen Hilfsanstrengungen - durch bilaterale Hilfe und multilaterale Institutionen - müsser weiterhin ausgeweitet werden. Wir müssen
unsere Türen auch für die Importe aus den Entwicklungsländern offenhalten,
damit deren Volkswirtschaften durch Ausweitung des Handels wachsen und
gedeihen können.
Ein Grundzug unserer internationalen Wirtschaftspolitik ist es, mit
unseren Handelspartnern zum Schutz eines freien und offenen Handelssytems
zusammenzuarbeiten. Für die amerikanische Wirtschaft kann es von Vorteil sein,
wenn sie die Produkte, die wir mit höchster Leistungsfähigkeit herstellen,
exportiert und die Produkte, die wir am wenigsten gut erzeugen können, importiert. Ein offenes Handelssystem erhöht unser Realeinkommen, stärkt die
Konkurrenz auf unseren Märkten und trägt zur Bekämpfung der Inflation bei.
Die Vereinigten Staaten werden sich allen protektionistischen Forderungen
entschlossen widersetzen, die unausweichlich aufkommen, wenn die Weltwirtschaft unter hoher Arbeitslosigkeit leidet.
Die sich daraus ergebende Abschwächung des Welthandels würde unser
Problem der Inflation nur noch verschlimmern, unsere Wirtschaft schädigen
und zu weniger Arbeitsplätzen führen. Der internationale Wettbewerb muß jedoch
fair sein. Wir haben bereits Maßnahmen ergriffen - und werden dies, wenn

-18-

�wenn notwendig, auch in Zukunft tun -, um sicherzustellen, daß Arbeitgeber
und Arbeitnehmer nicht unter unfairen Handelspraktiken leiden.
Ich messe den multilateralen Handelsverhandlungen, die gegenwärtig in
Genf stattfinden, große Bedeutung bei. Ich bin der Ansicht, daß unsere
Unterhändler mit Abkommen nach den USA zurückkehren werden, die fair und
ausgewogen sind

und die unserer Wirtschaft in den kommenden Jahren erheb-

lichen Nutzen bringen werden. Die Bedeutung dieser Erörterungen kann kaum
überbewertet werden. Das Handelssystem, das aus diesen Verhandlungen hervorgeht, wird die Richtung für den Welthandel bis weit in die achtziger
Jahre hinein weisen. Unser Einsatz für einen erfolgreichen Abschluß dieser
Gespräche unterstreicht, welche langfristige Bedeutung wir der Aufrechterhaltung und der Erweiterung eines offenen und fairen Handels zwischen den
Nationen der Welt zuerkennen.

+ + + + +

- 19 -

�</text>
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United States Information Service

25. Januar 1978

PRÄSIDENT JIMMY CARTER: BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 19. Januar 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 19. Januar 1978 vor
beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine verfassungsmäßig vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message unterbreitet.

Zusätzlich zu dem mündlich vorgetragenen Bericht, der über

alle Rundfunk- und Fernsehsender der Vereinigten Staaten übertragen wurde,
hat der Präsident dem Kongreß noch einen schriftlichen Bericht zugesandt.

Die Ansprache des Präsidenten vor dem Kongreß hat folgenden Wortlaut:

Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des 95. Kongresses, meine
Damen und Herren,

Morgen wird es ein Jahr, daß ich von hier zum Weißen Haus ging, um
die Pflichten als Präsident der Vereinigten Staaten zu übernehmen:

Heute

abend kehre ich hierher zurück, um eine dieser Pflichten zu erfüllen: den
Kongreß - und die Nation - über die Lage der Nation zu unterrichten.

Militärisch, politisch, wirtschaftlich und geistig ist die Lage unserer
Nation gut.

Wir

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Wir sind ein großes Land, ein starkes Land, ein vitales und dynamisches
Land - und das werden wir auch bleiben.
Wir sind ein Volk mit Vertrauen, ein schwer arbeitendes Volk, ein anständiges und mitfühlendes Volk - und das werden wir bleiben.
Ich möchte heute abend mit Ihnen darüber sprechen, wo wir stehen und
wohin wir gehen müssen - was wir getan haben und was wir tun müssen - und
ich möchte Sie meiner besten Anstrengungen versichern und Sie darum bitten,
auch Ihre besten Anstrengungen zuzusagen.
Jede Generation von Amerikanern steht vor Verhältnissen, die sie sich
nicht selbst ausgesucht hat, an denen ihr Charakter gemessen und ihr Geist auf
die Probe gestellt wird.
Es gibt Notzeiten, in denen eine Nation und ihre Führer ihre ganze
Energie auf eine einzige dringende Aufgabe konzentrieren müssen.
Das war die Aufgabe, vor der Abraham Lincoln stand, als unser Land vom
Konflikt gespalten war.

Das war die Pflicht, vor der Franklin Roosevelt zwei-

mal stand, als er Amerika aus einer wirtschaftlichen Depression herausführte
und wiederum als er Amerika zum Sieg im Kriege führte.
Es gibt andere Zeiten, in denen es keine einzelne, alles überschattende
Krise gibt - in denen es jedoch um profunde nationale Interessen geht.
In solchen Zeiten kann das Risiko der Inaktivität ebenso groß sein.
Es wird dann zur Aufgabe der Führer, die gewaltigen und unermüdlichen Energien unseres Volkes aufzurufen, um für die Zukunft zu bauen.
Das war das, was Harry Truman in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg
tat, als er Europa und Japan half, sich wieder aufzubauen, und eine internationale Ordnung gewährleistete, die die Freiheit vor der Aggression geschützt hat.

Auc ^

- 2 -

�Auch heute leben wir in solchen Zeiten - und stehen vor solchen Pflichten.

Wir haben eine lange Periode der Unruhe und des Zweifels durchgemacht,
aber wir haben unseren moralischen Kurs wiedergefunden, und wir gehen mit
einem neuen Geist daran, der übrigen Welt gegenüber unsere besten Instinkte
und Anlagen zum Ausdruck zu bringen.

überall in unserem Lande existiert ein wachsendes Gefühl des Friedens
und der gemeinsamen Zielsetzung.

Dieses Gefühl der Einigkeit kann nicht in

Programmen, Gesetzen oder Dollar ausgedrückt werden.
die jedem einzelnen Amerikaner gehört.

Das ist eine Leistung,

Diese Einigkeit überragt alle un-

sere Anstrengungen hier in Washington und dient uns, die wir zum Dienste gewählt wurden, als richtungweisendes Licht.
Diese neue Atmosphäre verlangt

einen neuen Geist - eine Partnerschaft

zwischen jenen, die führen, und jenen, die wählen.

Die Grundlage dieser

Partnerschaft ist die Wahrheit, der Mut zu harten Entscheidungen, die Sorge
umeinander und der Gemeinnutz, der über Sonderinteressen geht, sowie ein
grundlegender Glaube und ein grundlegendes Vertrauen in die Klugheit und
Stärke des amerikanischen Volkes.

Zum ersten Mal seit einer Generation werden wir nicht mehr von einer
großen internationalen Krise oder von innenpolitischer Unruhe gejagt, und
wir haben jetzt eine seltene und kostbare Gelegenheit, uns den anhaltenden
Problemen zuzuwenden, die uns als Nation belasten und die im Laufe der Jahre
still und stetig immer schlimmer geworden sind.

Als Präsident mußte ich Sie - die Mitglieder des Kongresses und das
amerikanische Volk - ersuchen, mit einigen der schwierigsten Fragen unserer
Gesellschaft fertig zu werden.
Wir
- 3 -

�Wir müssen eine größtmögliche Anstrengung unternehmen - denn wenn wir
nicht auf das Beste abzielen, dann werden wir wahrscheinlich nur sehr wenig
erreichen.
Ich sehe keinen Nutzen für unser Land, wenn wir die Dinge vor uns herschieben, denn die Probleme werden nur noch schlimmer werden.
Wir brauchen Geduld und guten Willen, und wir brauchen die Erkenntnis,
daß es für die Rolle und die Funktion der Regierung eine Grenze gibt.

Die

Regierung kann nicht all unsere Probleme lösen, all unsere Ziele setzen oder
unsere Zukunftsvision definieren.

Die Regierung kann nicht die Armut besei-

tigen, für eine florierende Wirtschaft sorgen, die Inflation abbauen, unsere
Städte retten, das Analphabetentum beseitigen, für Energie sorgen oder Güte
verordnen.
Nur eine echte Partnerschaft zwischen Regierung und Volk kann, so hoffen
wir, diese Ziele erreichen.
Jene, die regieren, können gelegentlich eine Inspiration geben, und wir
können die Erfordernisse aufzeigen und Mittel beschaffen, aber wir können
nicht die Manager von allem und jedem sein.
Wir müssen von der Krisenbewältigung wegkommen und klare Ziele für die
Zukunft aufstellen, die es uns ermöglichen, zusammenzuarbeiten und nicht gegeneinander. Wir dürfen nie wieder eine wachsende Krise wie die Energieknappheit auf die leichte Schulter nehmen - eine Krise, in der weiterer Verzug nur zu härteren und schmerzlicheren Lösungen führen wird.
Wir geben jeden Tag über 120 Millionen Dollar für ausländisches öl
aus. Das verlangsamt unser wirtschaftliches Wachstum, senkt den Wert des
Dollar im Ausland und verschärft die Arbeitslosigkeit und Inflation in unserem Lande.
Wir
- 4 -

�Wir wissen, das wir etwas tun müssen.

Wir wissen, was wir tun müssen:

die Energieproduktion steigern, der Verschwendung Einhalt gebieten und mehr
jener Brennstoffe verwenden, die wir reichlich und auf lange Zeit zur Verfügung haben.

Wir müssen den anderen Menschen gegenüber fair sein und dürfen

die Wirtschaft und den Haushalt unseres Landes nicht in Unordnung bringen.

Das klingt einfach, aber ich bin mir über die Schwierigkeiten im klaren, die damit verbunden sind.
fällt, zu handeln.

Ich weiß, daß es dem Kongreß nicht leicht

Aber die Tatsache bleibt bestehen, daß wir hinsichtlich

der Energiegesetzgebung gegenüber dem amerikanischen Volk versagt haben.
Fünf Jahre, nachdem das ölembargo dieses Problem so dramatisierte, haben wir
noch immer kein nationales Energieprogramm.
stand nicht länger dulden.

Wir können diesen Schwebezu-

Er untergräbt unsere nationalen Interessen im

eigenen Lande wie im Ausland.

Wir müssen zu einem Erfolg kommen, und ich

bin überzeugt, daß wir zu einem Erfolg kommen werden.

Unsere Hauptaufgabe im eigenen Lande ist in diesem Jahr die Wirtschaft
der Nation, mit der Energie als einem zentralen Element.

Wir müssen den

Wiederaufschwung fortsetzen und Arbeitslosigkeit und Inflation weiter abbauen.
Das vorige Jahr war ein gutes Jahr für die Vereinigten Staaten.
haben unsere wirtschaftlichen Hauptziele für 1977 erreicht.
Millionen neue

Wir

Wir haben vier

Arbeitsplätze geschaffen - ein absoluter Rekord -, und die

Zahl der Arbeitslosen ging um über eine Million zurück.

Die Arbeitslosig-

keit ist auf ihrem niedrigsten Stand seit 1974, und seit dem Zweiten Weltkrieg ist noch nie ein so hoher Prozentsatz unseres Volkes in Arbeit gestanden.
Die Inflationsrate ist zurückgegangen.

In Unternehmensgewinnen und

Investitionen war ein gutes Wachstum zu verzeichnen - die Ursache für mehr
Arbeitsplätze für unsere Arbeiter -, und unser ganzes Volk erfreut sich
eines höheren Lebensstandards.

Das Einkommen der Arbeitnehmer hat nach Ab- 5 -

�Abzug von Steuern und Inflation einen gesunden Zuwachs gehabt.
In diesem Jahr wird unser Land die erste Zwei-Billionen-Dollar-Wirtschaft (zwei Millionen Millionen) in der Weltgeschichte haben.
Wir sind stolz auf den Fortschritt im ersten Jahr, aber wir müssen
noch mehr leisten.
Wir haben noch immer ernste Probleme, zu deren Lösung wir alle zusammenarbeiten müssen. Unser Handelsdefizit ist zu groß, die Inflationsrate ist
immer noch zu hoch, und es sind immer noch zu viele Amerikaner ohne Arbeit.
Ich habe keine einfachen Antworten auf diese Probleme. Aber wir haben
eine Wirtschaftspolitik entwickelt, die funktioniert, denn sie ist sensibel,
ausgewogen und fair. Sie beruht auf vier Prinzipien:
- Erstens, die Wirtschaft muß weiter expandieren, um die neuen Arbeitsplätze und das neue Einkommen zu schaffen, die unsere Bevölkerung brauchen.
Die Früchte des Wachstums müssen breit verteilt werden. Es müssen mehr Arbeitsplätze für jene bereitgestellt werden, an denen wir bisher vorbeigegangen sind, und das Steuersystem muß fairer und einfacher gestaltet werden.
- Zweitens, die Privatwirtschaft, nicht die Regierung muß die Expansion anführen.
- Drittens, wir müssen die Inflationsrate senken und sie niedrig halten.

Die Inflation verlangsamt das wirtschaftliche Wachstum, und sie trifft

die Armen und die älteren Menschen und andere, die von festen Einkommen leben,
am härtesten.
- Viertens, wir müssen unseren Beitrag zur Stärke der Weltwirtschaft
leisten.
Ich
- 6 -

�Ich werde noch diese Woche Vorschläge für eine Verbesserung unseres
Steuersystems bekanntgeben.
ten.

Wir können unsere Steuergesetze fairer gestal-

Wir können sie einfacher und leichter verständlich machen.

Und gleich-

zeitig können - und werden - wir die Steuerlast der amerikanischen Bürger
um 25 Milliarden Dollar senken.
Die Steuerreform und die Steuersenkung gehen Hand in Hand.

Nur mit

den längst überfälligen Reformen ist die volle Steuersenkung vertretbar.
Fast 17 Milliarden Dollar aus Einkommenssteuersenkungen werden den
einzelnen

zukommen.

Rund 96 Prozent der amerikanischen Steuerzahler werden sehen, daß ihre
Steuern sinken. Für eine typische vierköpfige Familie wird dies eine jährliche Einsparung von über 250 Dollar bedeuten - eine Steuersenkung um rund
20 Prozent. Eine weitere Senkung der Verbrauchssteuern um zwei Milliarden
Dollar wird eine weitere Entlastung bedeuten und die Inflationsrate direkt
senken.
Wir werden ferner der wirtschaftlichen Investitionstätigkeit

durch

wesentliche Kürzungen der Körperschaftssteuern und Verbesserungen in den Investitionssteuerabschreibungen starke zusätzliche Anreize geben.
Unsere Steuervorschläge werden die Chancen überall in unserem Lande
verbessern, aber vor allem zusätzliche Arbeitsplätze für die Benachteiligten
verdienen besondere Aufmerksamkeit.
Wir haben bereits Gesetze verabschiedet, um den gleichberechtigten Zugang zu den Wahlurnen, zu den Schulen, zu den Wohnungen und zu den Arbeitsplätzen zu gewährleisten.

Aber die Chance, einen Arbeitsplatz zu finden -

die Chance, ein anständiges Einkommen zu verdienen - ist ebenso ein grundlegendes Menschenrecht, das wir nicht außer acht lassen können und werden.
Von
- 7 -

�Von hoher Priorität für unsere Nation ist die endgültige Abschaffung
der Schranken, die die Chancen für Frauen, für Schwarze, für Menschen spanischer Abkunft und andere Minderheiten einschränken.

Wir haben schon viel

für die Erreichung dieses Zieles getan, aber es bleibt noch immer viel zu
tun.

Was wir von der Vergangenheit geerbt haben, darf uns nicht in Zukunft

Fesseln anlegen.
Ich ersuche um eine beträchtliche Erhöhung der Mittel für öffentliche
Arbeitsplätze

für junge Menschen, und ich empfehle auch, daß der Kongreß

die Programme für die Beschäftigung im öffentlichen Dienst in mehr als doppeltem Umfang wie vor einem Jahr fortsetzt. Wenn die Wohlfahrtsreform abgeschlossen ist, werden wir über eine Million zusätzlicher Arbeitsplätze
zur Verfügung haben, so daß jene von der Wohlfahrt Lebenden, die arbeitsfähig sind, auch arbeiten können.
Wir wissen jedoch, daß in unserer freien Wirtschaft die Privatwirtschaft noch immer die beste Quelle neuer Arbeitsplätze ist.

Ich schlage

deshalb ein neues Programm vor, um die Unternehmen zu ermutigen, junge und
vom Glück weniger begünstigte Amerikaner einzustellen.

Diese jungen Men-

schen brauchen nur eine Ausbildung - und eine Chance -, um ihren Platz in
unserem Wirtschaftssystem einzunehmen. Wollen wir ihnen die Chance geben,
die sie brauchen.

Ein wichtiger Schritt vorwärts wird die baldige Verab-

schiedung des weitgehend verbesserten Humphrey-Hawkins-Gesetzes sein.
Mein Haushalt für 1979 ist auf unsere nationalen Erfordernisse abgestimmt, aber er ist schlank und knapp.

Ich habe, wo immer möglich, Fett

herausgeschnitten.
Ich schlage eine Erhöhung von weniger als zwei Prozent nach Anpassung
an die Inflation vor - die geringste Steigerung des Bundeshaushaltes in vier
Jahren.

iü
-8-

�In letzter Zeit haben die Ausgaben des Bundes einen stetig wachsenden
Teil dessen verbraucht, was Amerikaner produzieren.

Unser neuer Haushalt

kehrt diese Tendenz um, und ich hoffe, später den Anteil der Regierung noch
weiter senken zu können.

In Zeiten hoher Beschäftigung und einer starken Wirtschaft sollte unser
Haushalt nicht durch eine defizitäre Ausgabenpolitik gekennzeichnet sein.
In dem Maße, in dem die Wirtschaft weiter an Stärke gewinnt und unsere Arbeitslosenrate weiter zurückgeht, werden die Einnahmen steigen.

Mit sorg-

fältiger Planung, leistungsfähigem Management und angemessener Zurückhaltung
in den Ausgaben, können wir rasch zu einem ausgewogenen Haushalt gelangen
- und wir werden dahin gelangen.

Im nächsten Jahr wird das Haushaltsdefizit nur wenig unter dem des laufenden Haushaltsjahres liegen - aber ein Drittel des Defizits ist auf die
notwendigen Steuersenkungen zurückzuführen, die ich vorgeschlagen habe.

In diesem Jahr ist die richtige Entscheidung, die Lasten des Steuerzahlers zu verringern und mehr Arbeitsplätze für unser Volk zu schaffen.

Das dritte Element unseres Programms ist ein erneuter Angriff auf die
Inflation.

Wir haben es am eigenen Leibe erfahren müssen, daß hohe Arbeits-

losigkeit die Inflation nicht verhindern oder heilen kann.

Die Regierung kann helfen, indem sie die Privatinvestitionen anregt
und eine verantwortungsbewußte Wirtschaftspolitik aufrechterhält.

Durch

einen neuen Prozeß der Überprüfung auf höchster Ebene werden wir beim Abbau
der Reglementierung durch die Regierung, die Kosten und Preise in die Höhe
treibt, Besseres leisten.

Aber um es noch einmal zu sagen:
tionsrate nicht senken.

Die Regierung allein kann die Infla-

Wenn man mit einer weiteren hohen Inflationsrate

rechnet, dann erhöhen Unternehmen ihre Preise, um ihre Gewinnspannen vor zu
- 9 -

�zu erwartenden Erhöhungen der Löhne und anderen Kosten zu schützen, während die Arbeiter höhere Löhne fordern, um sich gegen die zu erwartenden
Preiserhöhungen zu schützen.

Das ist wie die Eskalation im Wettrüsten,

und begreiflicherweise möchte niemand einseitig für sich allein abrüsten.
Kein Unternehmen und keine Arbeitnehmergruppe für sich allein vermag
diesen Prozeß aufzuhalten.

Hier handelt es sich um eine Aufgabe, an deren

Lösung wir alle mitarbeiten müssen.

Ich fordere deshalb die Regierung, die

Wirtschaft, die Gewerkschaften und andere Gruppen auf, sich an einem gemeinsamen freiwilligen Programm zur Eindämmung der Inflation zu beteiligen - und
zwar in der Weise, daß sie sich bei Lohn- und Preissteigerungen auf jedem
Sektor unserer Wirtschaft im Jahre 1978 mit Sätzen begnügen, die unter dem
Durchschnitt der beiden letzten Jahre liegen.
Ich halte nichts von Lohn- und Preiskontrollen.

Eine aufrichtige

Verpflichtung auf freiwillige Mäßigung stellt den Weg - vielleicht den einzigen Weg - zur Bekämpfung der Inflation ohne staatliche Eingriffe dar.
Der wirtschaftliche Erfolg im Inneren ist auch der Schlüssel zum Erfolg unserer Außenwirtschaftspolitik.

Ein wirksames Energieprogramm, eine

lebhafte Investitionstätigkeit und eine hohe Produktivität bei mäßigen Inflationsraten wird unsere Handelsbilanz verbessern und mithelfen, die Integrität des Dollar im Ausland zu gewährleisten.
In enger Zusammenarbeit mit unseren ausländischen Freunden können wir
die wirtschaftliche Gesundheit der Welt durch faire und ausgewogene Vereinbarungen bezüglich des Abbaus von Handelshindernissen fördern.
Trotz der unvermeidlichen Pressionen, die sich ergeben, wenn die Weltwirtschaft unter hoher Arbeitslosigkeit leidet, müssen wir uns dem Ruf nach
einem selbstzerstörerischen Protektionismus energisch widersetzen.

Ich bin

entschlossen, die amerikanische Industrie und ihre Arbeiter vor unfairen
oder gesetzwidrigen Handelspraktiken des Auslands zu schützen.
In

�In einer getrennten schriftlichen Botschaft an den Kongreß habe ich
weitere innenpolitische Initiativen umrissen, wie beispielsweise die Reform
des Sozial- und Wohlfahrtswesens, Verbraucherschutz, Bildungsnormen, Städtebau, Reform der Arbeitsgesetzgebung und des staatlichen Gesundheitswesens.
Ich möchte diese Dinge heute abend nicht wiederholen; es gibt jedoch mehrere
Punkte, die ich Ihnen doch hier direkt vortragen möchte.
In den letzten Jahren haben wir Amerikaner erleben müssen, wie sich
unsere Regierung immer weiter von uns entfernt.
Für manche Bürger wurde unser Land fast zum Ausland - so fremd und
so entlegen, daß wir mit ihm oft über geschulte Botschafter verkehren müssen, die verschiedentlich allzu mächtig und einflußreich geworden sind:
Rechtsanwälte, Buchhalter und Lobbyisten.

Das darf nicht so weitergehen.

Wir brauchen das, was Abraham Lincoln vorschwebte:

eine Regierung

für das Volk.
Wir haben Fortschritte in Richtung auf diese Art von Regierung gemacht. Sie haben mir die gewünschte Vollmacht erteilt, die Bundesbürokratie
zu reorganisieren; ich mache von ihr Gebrauch.
Wir haben bereits eine Reihe von Reorganisierungsplänen in Angriff
genommen, die in einem Zeitraum von drei Jahren verwirklicht werden.
Wir haben u.a. die Abschaffung von nahezu 500 Beraterausschüssen und
-gremien von Bundesbehörden vorgeschlagen.
Ich weiß, daß unser Volk des auf Bundesebene ausgetragenen Papierkrieges überdrüssig und müde ist. Wir sind dabei, das Dickicht unnötiger staatlicher Vorschriften, mit denen der Staat allzu oft in unser persönliches
Leben und Treiben eingreift, Zug um Zug zu durchforsten. Wir haben in knapp
einem Jahr den Publikumsverkehr der Bundesbehörden um 12 Prozent vermindert.
- 11 -

�vermindert.

Und wir sind mit der Durchforstung noch nicht am Ende.

Wir haben einen erfolgreichen Anfang in unserem Bemühen erzielt,
das Kauderwelsch von Bundesvorschriften in ein einfaches Englisch zu übertragen, das das Volk tatsächlich verstehen kann; dennoch bleibt auch hier
noch viel zu tun.
Wir haben Teile von elf Regierungsbehörden zusammengefaßt und daraus
das neue Energieministerium geschaffen.

Jetzt ist es an der Zeit, einen

weiteren wichtigen Schritt dergestalt zu tun, daß wir ein eigenes Erziehungsministerium errichten.
Aber selbst eine noch so gut organisierte Regierung wird nur so viel
leisten können wie die Menschen, die ihre Politik in der Praxis verwirklichen.
Aus diesem Grund halte ich eine Reform des Staatsdienstes für absolut
lebensnotwendig. Ein Reorganisationsplan, gemeinsam mit Angehörigen des
Regierungsdienstes erstellt, wird das Leistungsprinzip innerhalb eines
Apparates wieder herstellen, der sich in ein bürokratisches Labyrinth verwandelt hat. Er wird für größere Flexibilität in der Verwaltungsarbeit
und bessere Kompensation besserer Leistungen Sorge tragen, ohne die Sicherheit des Arbeitsplatzes zu gefährden.
Dann - und nur dann - können wir einen Staat haben, der leistungsfähig,
offen und des Verständnisses und der Achtung unseres Volkes wahrhaftig würdig ist.

Ich habe versprochen, daß wir einen solchen Staat haben werden.

Ich bin fest entschlossen, dieses Versprechen zu halten.
Für unsere Außenpolitik hat sich die Trennung unseres Volkes vom Staat
als eine Quelle der Schwäche und Irrtümer erwiesen. In einem demokratischen
System wie dem unseren müssen außenpolitische Entscheidungen so geartet
sein, daß sie dem Test öffentlicher Überprüfung und Debatten standzuhalten

�standzuhalten vermögen.

Wenn diese Administration einen Fehler begeht,

wird er auf der Seite von Freimütigkeit und Offenheit gegenüber dem amerikanischen Volk zu finden sein.

In unseren modernen Welt, in der der Tod von Millionen das Ergebnis
von wenigen entsetzlichen Sekunden der Zerstörung sein kann, ist der Weg
zu nationaler Stärke und Sicherheit identisch mit dem Weg zum Frieden.

Ich schätze mich glücklich, Ihnen heute abend berichten zu können,
daß wir eben deshalb, weil unsere Nation stark ist, mit der Welt in Frieden
leben.

Wir sind ein von Zuversicht erfülltes Volk.
Basis unserer Außenpolitik wiederhergestellt.

Wir haben die moralische

Das eigentliche Kernstück

unserer Identität als Nation ist unsere feste Verpflichtung auf die Menschenrechte.

Wir treten für die Menschenrechte ein, weil wir der Auffassung sind,
daß es Aufgabe des Staates ist, für das Wohlergehen seiner Bürger zu sorgen.
Das gilt für unsere Innenpolitik ebenso wie für unsere Außenpolitik.

Die

Welt muß wissen, daß die Vereinigten Staaten in ihrem Eintreten für die
Menschenrechte eine feste Haltung einnehmen.

Wir erwarten keine raschen oder leichten Ergebnisse;

schon ist aber

eine erhebliche Bewegung in Richtung auf größere Freiheit und Menschlichkeit in verschiedenen Teilen der Welt zu verzeichnen.

Tausende von politischen Gefangenen wurden freigelassen.

Die führen-

den Politiker der Welt - selbst unsere ideologischen Gegner - haben inzwischen eingesehen, daß ihre Einstellung zu den grundlegenden Menschenrechten
ihr Ansehen in der Völkergemeinschaft und ihre Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten berührt.
Um
- 13 -

�Um den Interessen eines jeden einzelnen Amerikaners zu dienen, verfolgt unsere Außenpolitik drei Hauptziele:
Erstes

und wichtigstes Anliegen ist und bleibt die Sicherheit unse-

res Landes.
Die Sicherheit basiert auf unserem nationalen Willen und der Stärke
unserer Streitkräfte.

Wir haben den Willen, und wir sind militärisch sehr

stark.
Sicherheit erwächst auch aus der Stärke unserer Bündnisse.

Wir haben

unsere Verpflichtung zur Verteidigung Europas bekräftigt, und wir werden
diese Verpflichtung in diesem Jahr durch eine weitere Modernisierung und
Stärkung unserer dortigen militärischen Kapazitäten demonstrieren.
Die Sicherheit kann auch durch Vereinbarungen mit potentiellen Gegnern
gefördert werden, die die Bedrohung durch eine nukleare Katastrophe verringern und gleichzeitig unsere eigenen relativen strategischen Kapazitäten
unangetastet lassen.
Auf den Gebieten eines friedlichen Wettbewerbs mit der Sowjetunion
werden wir auch weiterhin mehr als nur unseren Mann stehen.
Gleichzeitig verhandeln wir mit stiller Zuversicht, ohne Haß und in
zeilstrebiger Entschlossenheit, um die Spannungen zwischen uns abzubauen
und ein höheres Maß an Stabilität und Sicherheit zu erreichen.
Die Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen, SALT,
sind schwierig und ziehen sich lange hin.

Wir streben eine beiderseitige

Limitierung sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Quantität der
riesigen Arsenale beider Nationen an - und dann einen tatsächlichen Abbau
der strategischen Rüstungen als wichtigen Schritt auf das Ziel hin, eine
endgültige Abschaffung aller nuklearen Waffen überall auf der Welt zu er-

�Wenn diese Gespräche dieses Jahr zu einem Erfolg führen - und ich
bin zuversichtlich, daß dies der Fall sein wird - gelobe ich Ihnen, daß
das betreffende Abkommen die Stabilität des strategischen Gleichgewichts
der Welt und die Sicherheit der Vereinigten Staaten aufrechterhalten wird.

Seit 30 Jahren sind konzertierte aber erfolglose Anstrengungen unternommen worden, um die Erprobung atomarer Sprengkörper - für Waffenzwecke und für friedliche Nukleareinrichtungen - zu verbieten.
Wir arbeiten, zusammen mit Großbritannien und der Sowjetunion, hart
an einem Abkommen, das den Versuchen Einhalt gebieten und unsere nationale
Sicherheit gewährleisten sowie eine ausreichende Verifizierung der Einhaltung vorsehen wird.

Wir machen jetzt in der Erreichung dieses umfassenden Verbotes nuklearer Explosionen Fortschritte.
Wir arbeiten ferner mit allem Nachdruck daran, der Ausbreitung (Proliferation) von Kernwaffen in den Ländern der Erde Einhalt zu gebieten
und den tödlichen weltweiten Handel mit konventionellen Waffen zu verringern.

Unser Eintreten für den Frieden wird fragwürdig, wenn wir gleich-

zeitig der Hauptwaffenlieferant der Welt sind.

Wir haben uns daher ent-

schlossen, unsere Waffenlieferungen ins Ausland von Jahr zu Jahr zu verringern und mit anderen wichtigen Waffenexporteuren zusammenzuarbeiten, um
sie zu einer ähnlichen Zurückhaltung zu bewegen.

Jeder Amerikaner hat ein echtes Interesse an unserem zweiten wichtigen Ziel - einer Welt in Frieden.

Im Nuklearzeitalter ist jeder von uns

bedroht, wenn der Frieden nicht gesichert ist.

Wir versuchen, die Harmonie in jenen Teilen der Welt zu fördern, in
denen große Meinungsverschiedenheiten unter anderen Nationen den internationalen Frieden bedrohen.
- 15 -

Im
~~

�Im Nahen Osten bieten wir unsere guten Dienste an, um den Schwung
der gegenwärtigen Verhandlungen aufrechtzuerhalten und die Kommunikationslinien unter den führenden Persönlichkeiten im Nahen Osten offenzuhalten.
Die ganze Welt hat ein großes Interesse am Erfolg dieser Bemühungen.

Das

ist eine hervorragende Möglichkeit für die historische Beilegung eines alten Konflikts - eine Chance, wie sie zu unseren Lebzeiten nicht wiederkommen mag.
Unsere Rolle ist schwierig und manchmal undankbar und umstritten gewesen, aber sie war konstruktiv und notwendig - und wir werden sie weiterspielen.
Unser drittes außenpolitisches Hauptziel berührt das Leben jedes amerikanischen Bürgers jeden Tag:

Wachstum und Stabilität der Weltwirtschaft.

Das erfordert eine starke Wirtschaftstätigkeit der demokratischen Industrieländer und einen Fortschritt in der Beilegung der Weltenergiekrise.
Im Herbst vorigen Jahres ist es uns mit Hilfe anderer durch unsere rigorosen Anstrengungen gelungen, die Stabilität des ölpreises aufrechtzuerhalten.
Aber wie viele ausländische Staatsmänner unterstrichen haben, ist der größte
künftige Beitrag, den Amerika zur Weltwirtschaft leisten kann, ein wirksames
Energiesparprogramm hier im eigenen Lande.

Wir werden nicht zögern, die

nötigen Maßnahmen zu treffen, um die Integrität des Dollar zu schützen.
Wir versuchen, ein gerechteres internationales System zu entwickeln.
In diesem Geiste unterstützen wir den Kampf um die menschliche Entwicklung
in Asien, Afrika und Lateinamerika.
Und schließlich blickt die Welt auf uns, um zu sehen, wie wir in einem
der wichtigsten Punkte unserer Geschäftsordnung handeln werden:
der Panamakanal-Verträge.

Billigung

Die jetzt dem Senat vorliegenden Verträge sind

das Ergebnis der Arbeit von vier Administrationen - zwei demokratischen und
zwei republikanischen.

Sie garantieren, daß der Kanal immer für die unein- 16 -

�uneingeschränkte Benutzung durch die Schiffe der Welt offenstehen wird.
Unsere Schiffe haben das Recht, sich in Zeiten der Not oder eines Ernstfalles an die Spitze der wartenden Schiffe zu begeben und Priorität der
Durchfahrt zu verlangen.

Wir behalten das Recht, den Kanal, wenn notwendig,

mit unseren eigenen Streitkräften zu verteidigen, um seine Benutzbarkeit und
Neutralität zu garantieren.
Die Verträge bringen klare Vorteile für uns selbst, die Panamaer und
die anderen Benutzer des Kanals. Die Ratifizierung der Panamakanal-Verträge
wird der Welt unseren guten Glauben demonstrieren, der Ausbreitung feindlicher Ideologien in der westlichen Hemisphäre entgegenwirken und direkt
zum wirtschaftlichen Wohlergehen und der Sicherheit der Vereinigten Staaten
beitragen.
Es gab auf meiner klirzlichen Reise zwei Augenblicke, die mir bestätigten, welches letztlich die Ziele unserer Außenpolitik immer sein müssen.
Der eine Augenblick war in einem Dorf in Indien, wo ich mit Menschen zusammentraf, die so leidenschaftlich an ihren Rechten und Freiheiten hängen wie
wir - aber deren Kinder eine weit geringere Aussicht auf gute Gesundheit,
Bildung und menschliche Verwirklichung haben als ein in unserem Lande geborenes Kind.
Der andere Augenblick war in Warschau, der Hauptstadt einer Nation,
die zweimal in diesem Jahrhundert vom Kriege verwüstet wurde. Hier haben
Menschen eine Stadt wieder aufgebaut, die ihnen die Zerstörung des Krieges
weggenommen hatte. Aber das Neue hat nur unterstrichen, wie viel verlorengegangen ist.
Was ich an diesen beiden Orten gesehen habe, hat die Zielsetzung der
Politik unseres eigenen Landes herauskristallisiert:

Wirtschaftliche Ge-

rechtigkeit gewährleisten, die Menschenrechte fördern, Konflikte ohne Gewalt lösen, unseren unerschütterlichen Glauben an die Freiheit und Würde
des Menschen überall verkünden.
Wir
- 17 -

�Wir Amerikaner haben viel Arbeit gemeinsam zu leisten.
Wie gut wir letztlich diese Arbeit verrichten werden, wird von dem
Geist abhängen, in dem wir an sie herangehen.
Wir müssen nach neuen Antworten suchen, frei von den abgestandenen
Rezepten der Vergangenheit.
Man hat gesagt, daß unsere besten Jahre hinter uns lägen, aber ich
erkläre erneut, daß die besten Jahre Amerikas noch vor uns liegen.

Wir

sind aus bitteren Erfahrungen geläutert und stolz hervorgegangen, wieder
voller Vertrauen, bereit, uns erneut jeder Herausforderung zu stellen, und
erneut geeint.
Wenn wir heute abend hier zusammenkommen, dann sind unsere Gedanken
ernst.

Vorige Woche hat der Senat einen guten und aufrechten Mann, Lee

Metcalf aus Montana, verloren.
Heute weht die Flagge der Vereinigten Staaten auf diesem Kapitol
und auf allen amerikanischen Einrichtungen und Schiffen in der ganzen Welt
in Trauer um Senator Hubert Humphrey auf Halbmast.
Gerade weil er ein so gutes Beispiel der Lebensfreude und des Lebensdranges war, erinnert uns sein Tod nicht so sehr an unsere eigene Sterblichkeit, sondern an die Chancen und Möglichkeiten, die uns das Leben bietet.
Er hat immer mit einer besonderen amerikanischen Art des Vertrauens, der
Hoffnung, des Enthusiasmus in die Zukunft geblickt. Wir können ihn am
besten ehren, wenn wir seinem Beispiel folgen.
Unsere Aufgabe besteht nach den Worten von Senator Humphrey in "Versöhnung, Wiederaufbau und Wiedergeburt".
•

Versöhnung

�Versöhnung heißt, die private Ansprüche und Interessen in Einklang
mit einer höheren Zielsetzung zu bringen.
Wiederaufbau heißt Neugestaltung der alten Träume von Gerechtigkeit
und Freiheit, von Land und Gemeinschaft.
Wiedergeburt heißt Wiedergeburt unseres Glaubens an das gemeinsame
Gute.
Jeder von uns hier heute abend - und alle, die mir in ihren Wohnungen
zuhören - müssen sich erneut dem Dienste am gemeinsamen Guten verpflichten.
Wir sind eine Gemeinschaft, alle von uns, eine geliebte Gemeinschaft. Unsere Schicksale sind miteinander verbunden, unsere Zukunft greift ineinander, und wenn wir aus diesem Wissen und diesem Geist heraus zusammen handeln, können wir Berge versetzen.

- 19 -

�Dokumentation

I

United States Information Service

25. Januar 1978

DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK: RÜCKBLICK UND AUSBLICK
Von Cyrus Vance

Der amerikanische Außenminister Cyrus
Vance hat in einer Rede vor dem Weltpolitischen Rat (World Affairs Council)
in Los Angeles (Kalifornien) am 13. Januar 1978 grundsätzliche Ausführungen
zur Außenpolitik seines Landes gemacht.
Er gab dabei einen überblick über den
Stand der Außenpolitik der Carter-Administration nach einem Jahr. Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Ich begrüße diese Gelegenheit, mit den Mitgliedern des Weltpolitischen
Rates zusammenzutreffen. Nach einem Jahr im Amt möchte ich Sie mit einigen
Gedanken über den Kurs unserer Außenpolitik vertraut machen und damit, wie
diese unser aller Leben berühren kann.
Unser Land hat sich zu Lebzeiten einiger unserer älteren Mitbürger von
einer weitgehend landwirtschaftlich ausgerichteten Gesellschaft zur größten
Industriemacht der Welt verwandelt - zu einer Gesellschaft, in der wirtschaftliche, politische und soziale Mobilität zur akzeptierten Tagesordnung geworden
sind.
Die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die phantastischen Geschichten eines Horatio Alger und H.G. Wells sind
Wirklichkeit geworden.
Natürlich gibt es noch Armut in Amerika.
Mitbürger ausreichende Chancen.

Noch immer haben nicht alle

Noch immer gibt es Diskriminierung.

Aber Tag für Tag - und trotz einiger bedauerlicher Umwege - haben wir
uns bemerkenswert gut an den Weg gehalten, den unsere Gründerväter eingeschlagen haben - den Weg zu einer neuen Nation in einer neuen Welt, in der
jeder Bürger frei und gleich neben seinem Nachbarn steht und in der Lage ist,
das beste aus seinen oder ihren menschlichen Fähigkeiten zu machen.
Wenn ich nach dem amerikanischen Volk gefragt werde - wie dies von den
führenden Vertretern anderer Länder oft geschieht - dann sage ich, daß wir als
Volk heute wieder einen erneuten Glauben an unsere alten Träume haben, und Präsident Carter und ich glauben zutiefst daran.
Gerade aufgrund dessen, wer und was wir sind, müssen die grundlegenden
Interessen und die Ideale unseres Volkes in unserer Außenpolitik
gegenwärtig sein, oder sie wird keinen langen Bestand haben.
Wir müssen eine Verteidigung aufrechterhalten, die modern und stark genug ist, um uns und unsere Verbündeten zu schützen.
Wir müssen die amerikanischen Investitionen in Übersee und den ununterbrochenen Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen schützen.
Wir brauchen eine starke Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, damit
amerikanische Familien sich weiterhin ihres Lebensstandards erfreuen können.
Wir müssen unsere engen Beziehungen zu unseren Verbündeten aufrechterhalten, während wir gleichzeitig verbesserte Kontakte mit unserem Hauptkonkurrenten, der Sowjetunion, und mit den blockfreien Nationen anstreben.
All
- 2 -

�All dies und mehr kann erreicht werden - so wie wir unser nationales
Interesse verfolgen - während wir gleichzeitig die tieferen Ideale und Hoffnungen zum Ausdruck bringen, die uns zu unserem bemerkenswerten wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt hier im eigenen Lande geführt haben.
Unsere Stärke liegt nicht nur in unseren Idealen, sondern auch in den
praktischen Mitteln und Wegen, mit denen wir Probleme identifizieren und
systematisch an ihrer Lösung arbeiten.
Wir fahren am besten, wenn wir uns selbst treu bleiben.
Darum tat Amerika sein Bestes mit dem Marshall-Plan, darum dachten wir
an Lebensmittel für den Frieden und an das Friedenskorps.

Darum finde ich

eine so allgemeine öffentliche Unterstützung für den Nachdruck Präsident
Carters auf die Menschenrechte - einschließlich nicht nur der Rechte auf die
Unverletzlichkeit der Person und die politischen Rechte, sondern auch die
Rechte auf Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Wohnung, Gesundheit und Bildung.
Darum haben wir, mit all den damit verbundenen Schwierigkeiten, einen
Kurs der Diplomatie im Nahen Osten eingeschlagen, der dazu beitragen mag, den
Menschen dieser Region Frieden zu bringen.
Darum versuchen wir zur Herbeiführung von Lösungen beizutragen - nicht
unseren Lösungen, sondern Lösungen durch freie Wahlen - in Rhodesien und in
Namibia, damit die Menschen dort ihre Chance auf menschliche Befreiung und
Entwicklung haben sollen.
Darum streben wir Rüstungskontrollvereinbarungen durch Verhandlungen
an und haben eine verantwortungsbewußte Politik der Zurückhaltung in der Lieferung von konventionellen Waffen eingeschlagen.
Darum haben wir im Jahr 1977 erste greifbare Schritte zur Erreichung
auch anderer Ziele eingeleitet:

der weiteren nuklearen Proliferation Einhalt
- 3 -

�Einhalt zu gebieten, Abkommen über die Kontrolle strategischer Waffen zu
erreichen - Abkommen, die die Sicherheit unserer Nation und der ganzen Welt
stärken werden - Abkommen mit unseren westlichen Industriepartnern über Politiken zu erzielen, die zu wirtschaftlichem Wiederaufschwung und Wachstum
führen, unsere Verpflichtung zur Normalisierung der Beziehungen mit der Volksrepublik China zu bekräftigen, den militärischen Wettstreit im Indischen
Ozean zu verringern, unsere Unterstützung der rassischen Gleichheit und der
vollen politischen Beteiligung aller Menschen in Südafrika zu bekräftigen.
Die Carter-Administration hat im Jahre 1977 eine verantwortliche und
bewußte Anstrengung unternommen, eine Außenpolitik aufzubauen, die auf amerikanischen Interessen und auf amerikanischen Werten und Idealen basiert.
Im Jahre 1978 wird es Maßnahmen, Entscheidungen und Optionen geben,
die wir hier in Amerika verwirklichen müssen - einige davon schwierig - und
die uns dabei helfen werden, festzulegen, wie eine solche Politik getragen
und weiter entwickelt werden kann.
Dazu gehört die Entscheidung des amerikanischen Senats über die Panamakanal-Verträge - Verträge, die den Gipfelpunkt einer 14jährigen Arbeit vier
amerikanischer Präsidenten beider großen politischen Parteien und ihrer Außenminister darstellen.
Das ist eine Entscheidung, auf die nicht nur die Augen aller Länder Lateinamerikas - die alle für die Verträge sind -, sondern auch anderer Länder
in der ganzen Welt gerichtet sind.
Durch diese Verträge können wir definitiv und endgültig unser Recht auf
die Benutzung des Kanals und seinen Schutz sichern.
Hier ist ein Ort, wo wir endgültig die abgenutzte Beschuldigung, daß wir
Amerikaner nur daran interessiert seien, die südliche Hemisphäre für unsere ei-

�eigenen wirtschaftliche Interessen zu sichern, Lügen strafen können.

Stellen Sie sich bitte einmal vor, daß ein anderes Land einen 32 km
breiten Streifen Land kontrollieren und verwalten würde, der entlang dem
Mississippi verläuft.

Wie lange glauben Sie, würden die Menschen dieses Lan-

des eine solche Situation bereitwillig akzeptieren?

Es ist eine Frage, die Verständnis und Weitblick erfordert.

Wenn wir die Verträge ratifizieren, können wir der Welt klarmachen, daß
Streitigkeiten auf friedlichem Wege - durch die Herrschaft des Rechts und durch
Verhandlungen - beigelegt werden können und sollten.

Und, was am wichtigsten ist, wir können den langfristigen Nutzen und die
Lebensfähigkeit des Kanals selbst für alle Benutzer, einschließlich unserer
selbst, gewährleisten und sichern.

Eine weitere Entscheidung, die wir treffen müssen, betrifft unsere wirtschaftlichen Beziehungen zur übrigen Welt.

Im Jahre 1978 werden wir uns auf den Abschluß der Tokio-Runde der Handel sverhandlungen mit anderen

importierenden und exportierenden Ländern zu-

bewegen.

Als Präsident Kennedy sich im Jahr 1961 für die Verabschiedung des
historischen Gesetzes über die Ausweitung des Handels einsetzte, das zu zehn
Jahren weltweiter wirtschaftlicher Expansion führte, wies er ganz richtig
darauf hin, daß "eine steigende Flut alle Boote flott macht".

Heute braucht die Welt dringend einen wirtschaftlichen Wiederaufschwung.
Andere große Länder leiden unter Inflationsraten und einer Arbeitslosigkeit,
die den unsrigen gleichen oder sogar noch höher liegen.

- 5 -

Die Tokio-Runde wird

�wird nicht aus sich selbst heraus sofort die weltweite wirtschaftliche Prosperität wieder herstellen.

Sie wird jedoch zu neuen Investitionen und ge-

winnbringendem Austausch anregen.

Wenn sie fehlschlägt und Opfer einer neuen

Woge des internationalen Protektionismus wird, dann können wir sicher sein,
daß viele der "Boote" auf Grund laufen und einige vielleicht sogar sinken.
Ich weiß, daß es sich hier für den amerikanischen Arbeiter oder Geschäftsmann oder Farmer, dessen Familienexistenz von der Produktion von Stahl,
Rundfunkgeräten, Farbfernseher, Mikrowellen-Geräten, Textilien, Schuhen, Automobilen, Computern, Zucker und vielen anderen Erzeugnissen abhängt, nicht um
eine abstrakte, theoretische Angelegenheit handelt.
Die sich verändernde Weltwirtschaft hat andere Länder in der Herstellung
dieser Produkte wettbewerbsfähig gemacht, und wir spüren das Ergebnis dieser
Entwicklung.

Die Carter-Administration weiß das und tut ihr bestes, um den

betroffenen amerikanischen Industriezweigen und Menschen zu helfen.
hört das im Dezember verkündete neue Stahlprogramm.

Dazu ge-

Dazu gehören unsere der-

zeitigen Gespräche mit Japan über den Abbau seiner Einfuhrschranken und die
Erhöhung seiner Wachstumsrate.
Aber wir und andere müssen uns auf eine Weise helfen, die die Welt nicht
in jene katastrophale Spirale des Protektionismus zurückwirft, die wir alle
während der Weltwirtschaftskrise erfahren haben.
In den dreißiger Jahren schloß unter dem wirtschaftlichen Druck ein Land
nach dem anderen seine Grenzen für ausländische Güter.
den Preis jeder Ware für jedermann überall.

Hohe Zölle

erhöhten

Und mit dem Fall in die weltweite

Krise schlössen wir unsere Banken und unsere Unternehmen und unsere Farmen.
Die großen Häfen unseres Landes waren, wie Sie noch gut wissen, öde und leer.
Eine neue Welle des Protektionismus würde die amerikanischen Geschäftsgewinne und zehn Millionen Arbeitsplätze, die von diesen Exporten abhängen,
in Gefahr bringen.

Am härtesten betroffen wäre dabei aber der amerikanische
- 6 -

�amerikanische Farmer, der es gerade jetzt schwer hat, ohne Verluste zu
wirtschaften.
Kalifornien ist ein Landwirtschaftsstaat.
Ich habe gerade erst erfahren, daß die in den Vereinigten Staaten bebaute Bodenfläche zur Produktion von Nahrungsmitteln, die wir an Japan
verkaufen, größer ist als die Gesamtanbaufläche in Japan. Würde Japan
beispielsweise im Rahmen eines Handelskrieges seine Grenzen für unsere
Nahrungsmittel und Fasererzeugnisse schließen, so würden die Farmen und
landwirtschaftlichen Gemeinden in diesem Staat und auch sonst in Amerika
schwer betroffen.
Wir müssen daher die notwendige Entscheidung treffen, um unserer Verpflichtung gegenüber beiden - der einheimischen Wirtschaft und der Weltwirtschaft - nachzukommen, die dem Wettbewerb offenstehen und die Produktivität belohnen. Dazu wird gehören, daß die unsere Produkte behindernden
Schranken in anderen Teilen der Welt aufgehoben werden. Dazu wird aber auch
gehören, daß wir die Tatsache akzeptieren, daß andere Länder, wenn sie von
uns kaufen sollen, auch an uns verkaufen können müssen.
Wir haben ferner Entscheidungen zu treffen - hinausgehend über die mit
den Panama-Verträgen und der Tokio-Runde zusammenhängenden - in Bezug auf
einen ganzen Bereich von Beziehungen zu der sogenannten Dritten Welt. Diese
Länder, von denen die meisten ihre Unabhängigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg
gewannen, sind in wachsendem Maße in unser tägliches Leben miteinbezogen.
Sie wissen, wie die Menge und die Kosten des Öls aus diesen Ländern unser
Land betreffen.
Wir beziehen außerdem über 50 Prozent des von uns benötigten Zinns,
Aluminiums und Mangans und beträchtliche Mengen an Blei, Wolfram und Kupfer
aus wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern.
Hinzukommt, daß

�Hinzukommt, daß die Entwicklungsländer einen bedeutenden Teil unserer
Exporte abnehmen. Zahlen aus jüngster Zeit zeigen, daß wir beispielsweise
Güter im Wert von 29 Milliarden Dollar an die nicht-ölproduzierenden Entwicklungsländer exportiert haben. Das ist das Dreifache der Zahlen von 1970
und das Dreifache unserer Exporte nach Japan und drei Milliarden Dollar
mehr als der Betrag unserer Gesamtexporte an die Industriestaaten Europas.
Diese Exporte aber bedeuten Arbeitsplätze für Amerikaner.
Gleichzeitig aber sind gerade in dieser Welt der Entwicklungsländer
viele der sogenannten "globalen Probleme" am offenkundigsten und bedrohlichsten.
Ineffizienz und Verschwendung in der Nutzung der Ressourcen unserer
Erde, Verschmutzung der Ozeane und der Atmosphäre; nukleare Proliferation,
ungezügeltes Wettrüsten - dies alles sind Probleme, die nicht nur diese
Länder, sondern auch die Sicherheit der Menschheit betreffen.
Die Mehrzahl der Länder der Dritten Welt haben nicht genügend Nahrungsmittel; vielen fehlen die Möglichkeiten, um genug für den Eigenbedarf zu
produzieren. Bei fast allen findet sich ein rapider Bevölkerungszuwachs.
Selbst die optimistischsten Zukunftsprojektionen verzeichnen einen Bevölkerungszuwachs um 75 Prozent bis zum Jahr 2000 in dieser Dritten Welt.
Was fast noch beängstigender ist, dieser Zuwachs scheint sich auf die bereits
stark überbevölkerten städtischen Ballungszentren zu konzentrieren. Versuchen
Sie sich einmal die in diesen Projektionen genannten Zahlen vorzustellen:
Mexico City mi"" einer 3evölkerung von 32 Millionen Menschen, Sao Paolo mit
26 Millionen; Calcutta, Bombay, Rio de Janeiro, Seoul, Peking und Schanghai
- eine jede mit 19 Millionen Einwohnern in 22 Jahren!
In den Jahren unmittelbar vor uns werden viele dieser führenden Nationen
der Dritten Welt in einem noch größeren Ausmaß Teil unseres täglichen Dialogs
sein, als sie das bereits heute sind.
Wir müssen

�Wir müssen entscheiden, wie sich unser Verhältnis zu ihnen gestalten
soll. Diese Länder sind überzeugt, daß sie nicht länger mehr "die Holzhauer
und Wasserträger" für die reichen westlichen Staaten sein sollten, und wir
verstehen das. Im vergangenen Jahr haben wir ihr Mißtrauen gegenüber den
Vereinigten Staaten abschwächen können und damit die Wahrscheinlichkeit
verringert, mit Versuchen neuer sich auf Rohstoffe und andere Handelsgüter
außer öl erstreckende Kartellbildungen und endlosen wirtschaftlichen und
politischen Feindseligkeiten konfrontiert zu werden.
Die Länder der Dritten Welt merken jetzt, daß wir sie als wichtig und
souveräne Nationen ansehen und daß wir uns mit ihren Hoffnungen und Bestrebungen identifizieren. Die Entwicklungsländer der Welt können konstruktive Partner der Vereinigten Staaten werden.
Machen Sie dabei aber keinen Fehler! Diese Länder sind keine Miniaturen
der Vereinigten Staaten in ihrer Frühzeit. Viele von ihnen werden Wege der
politischen und wirtschaftlichen Entwicklung einschlagen, die nicht unsere
Billigung finden. Aber eine Mehrzahl zumindest wird von uns Verständnis und
Unterstützung bei ihrem Bemühen um den Aufbau moderner Gesellschaftsformen
erwarten.
Werden wir gewillt sein, diese Länder an unserer Technologie teilhaben
zu lassen? Werden wir bereit sein, die Grundpreise für Rohstoffe stabilisieren zu helfen, auf denen viele ihrer Wirtschaften beruhen? Werden wir ihre
Produkte auf dem internationalen Markt fair behandeln? Werden wir gewillt
sein, ihre nationalen Pläne zur Wirtschaftsentwicklung zu unterstützen, auch
wenn sie nicht inmer unserem eigenen Geschmack entsprechen? Dies alles sind
komplizierte Fragen, und einige werfen schwierige Probleme auf. Aber diese
Administration ist sich voll darüber im klaren, daß wir unseren eigenen
Werten

nicht treu blieben, wenn wir uns dieser Probleme nicht voller Ver-

ständnis annähmen.
Ein unmittelbarer

�Ein unmittelbarer und greifbarer Prüfstein für unsere Absichten gegenüber der Dritten Welt liegt im südlichen Afrikas.Ich spreche von den drei
Hauptproblemen, Rhodesien, Namibia und der Situation in Südafrika selbst.
Wir können im südlichen Afrika keine Lösungen aufzwingen. Wir können keinem
der Beteiligten Bedingungen diktieren. Unsere Ansatzmöglichkeiten sind begrenzt.
Aber wir gehören zu den wenigen Regierungen in der Welt, die sowohl
mit weißen wie mit schwarzen Afrikanern offen und doch mit einem großen Maß
an Vertrauen sprechen können. Es ist daher entscheidend wichtig, daß unsere
Politik der Ermutigung, der Gerechtigkeit für die Menschen aller Rassen
im südlichen Afrika allen klar verständlich ist.
Nach sorgfältigen Überlegungen verfolgt diese Administration aktiv
Lösungen aller drei Probleme im südlichen Afrika. Diese Probleme müssen
zusammen angepackt werden, denn sie sind miteinander verknüpft.
Manche Leute haben argumentiert, daß die Apartheit in Südafrika vorläufig ignoriert werden sollte, um sich auf Fortschritte in Rhodesien und
Namibia konzentrieren zu können. Eine solche Politik wäre falsch und würde
nicht funktionieren. Sie wäre blind gegenüber der Realität, daß der Fortschritt
in Südafrika selbst bald beginnen muß, wenn es eine Möglichkeit der friedlichen Lösungen auf längere Sicht geben solle.
Wir würden die Südafrikaner nur hinsichtlich unserer wirklichen Besorgnisse täuschen. Es würde unsere Beziehungen zu unseren afrikat,; .chen
Freunden präjudizieren. Es wäre ein Bärendienst an unseren eigenen Überzeugungen.
Und es würde die Menschen aller Rassen entmutigen, die für einen friedlichen
Fortschritt in Südafrika arbeiten.
Wir glauben, daß wir Südafrika hinsichtlich Rhodesiens und Namibias
wirksam beeinflussen können, während wir gleichzeitig unsere Besorgnisse
hinsichtlich der Apartheitgeltend machen.
Wir glauben, daß
- 10 -

�Wir glauben, daß Weiße ebenso wie Schwarze eine Zukunft in Namibia,
Simbabwe und Südafrika haDen müssen. Und wir sind ebenso überzeugt, daß
ihre Sicherheit im Fortschritt liegt. Unzugänglichkeit wird nur zu größerer
Unsicherheit führen.
Wir begrüßen und anerkennen positive Maßnahnen Südafrikas bezüglich
jeder dieser drei Probleme. Aber wir brauchen unbedingt einen echten Fortschritt bei allen drei Problemen - und wir werden weiterhin die Unterstützung de? amerikanischen Volkes für eine Politik benötigen, die auf diesen
Fortschritt drängt und ihn ermutigt.
Eine weitere Entscheidung, vor der wir als Volk stehen, ist eine Entscheidung, die jetzt in unseren Gesprächen über die Begrenzung strategischer
Rüstungen - SALT - mit der Sowjetunion zum Ausdruck kcmmt.
Hier geht es um die Sicherheit. Wir sorgen für unsere Sicherheit auf
zwei Wegen:
- Durch die Aufrechterhaltung einer militärischen Einrichtung, die für
unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten sorgt; und
- durch Rüstungskontrolle.
Was wir nicht durch beiderseitige, gleiche Begrenzungen erreichen können,
gewährleisten wir durch unsere eigene Stärke.
Wir müssen daher SALT als einen Prozeß betrachten. Es ist ein Prozeß,
bei dem wir herausfinden, ob es uns möglich sein wird, uns über einige unserer
Sicherheitsprobleme mit der Sowjetunion zu einigen. Es ist auch ein Prozeß
in dem Sinne, daß wir versuchen, in jedem Stadium die strategischen Probleme
zu lösen, die wir lösen können, um dann zum nächsten Stadium und zur nächsten
Ebene der Probleme überzugehen.
Wir streben nicht
- 11 -

�Wir streben nicht nach einer Verringerung der Waffen um ihrer selbst
willen, sondern nur dann, wenn die Verringerungen der Sicherheit dienen. Aber
aus dem Rüstungsabbau kann sich neben der Stärkung unserer Sicherheit noch ein
weiteres

wichtiges Resultat ergeben: das Potential für uns und andere,

einschließlich der Länder der Entwicklungswelt, unsere Rüstungsausgaben
zu senken und neue Prioritäten aufzustellen.
Wenn wir den Mut und die Geduld haben, dies durchzuhalten, dann, so
bin ich überzeugt, können wir durch SALT und andere Verhandlungen die Schwelle
der internationalen Gefahr senken und neue Mittel für die Arbeit des Friedens
freimachen.
Aber wir müssen wirklich den Willen dazu aufbringen.
Denn schließlich sind es gerade unsere Beziehungen zur Sowjetunion,
bei denen es am stärksten um Fragen und Entscheidungen von Krieg und Frieden
geht.
Unsere Politik gegenüber der Sowjetunion beruht auf der realistischen
Beurteilung, daß es sich hier um ein ernsthaftes Kokurrenzverhältnis handelt
und daß die Ziele der Sowjets in der Welt von den unsrigen ganz verschieden
sind. Es ist ferner wichtig zu erkennen, daß es jedoch spezifische Fragen
gibt, bei denen unsere Interessen nicht gegensätzlich sind - nicht zuletzt
bei der Vermeidung eines Nuklearkrieges.
In der Sache des Friedens und unseres eigenen Interesses haben wir
die Sowjetunion in einer weitem Bereich konkreter Fragen angesprochen, zunächst einmal in der Absicht, den militärischen Wettbewerb zu stabilisieren
und den politischen Wettbewerb zu regeln. Das sind unsere ersten Ziele, denn
sie machen den Kern des Problems von Krieg und Frieden aus.
über diese Ziele hinaus streben wir nach einer Ausweitung der Gebiete
des gemeinsamen Interesses und gemeinsamen Handelns in einem Bereich inter-

- 12 -

�internationaler Fragen, einschließlich der Menschenrechte, der Zusammenarbeit in den Lebensfragen der Menschen überall wie etwa in der Bekämpfung
von Krankheit, der Ernährung, der Umweltverschmutzung und der Anwendung
von Wissenschaft und Technologie.
Der Fortschritt auf diesen Gebieten ist ungleichmäßig und mag lange
Zeit erfordern, aber aus unserer Erkenntnis, wie weit wir seit dem intensiven
und gefährlichen Geist des Kalten Krieges, der noch vor wenigen Jahrzehnten
herrschte, gekommen sind, gewinnen wir Geduld und eine langfristige Perspektive.
Die Alternative in diesem aktiven Dialog mit den Sowjets würde eine
Rückkehr zu den Spannungen und der gegenseitigen Isolation des Kalten Krieges
bedeuten. Viele von Ihnen und die führenden Vertreter dieser Administration
erinnern sich noch daran, wie es damals aussah. Wir können guten Gewissens
nicht empfehlen, daß wir das Land wieder in die Unruhe und die Ängste jener
Zeitspanne zurückführen.
Morgen reise ich nach Jerusalem, um an einem Ereignis mitzuwirken, das
wir alle noch vor wenigen Monaten für unmöglich gehalten hätten. Die
Außenminister Ägyptens und Israels werden sich an einen Konferenztisch setzen,
um detaillierte Friedensverhandlungen zwischen Israel und den arabischen
Staaten zu beginnen.
Nach drei Jahrzehnten der Entfremdung und der Feindseligkeit hat der
Prozeß der Versöhnung begonnen.
Ich bin sicher, daß Sie wie alle Amerikaner und alle Menschen in der
Welt ebenso wie ich von den dramatischen Ereignissen der zurückliegenden
Wochen bewegt worden sind.
Der plötzliche und spektakuläre Besuch Präsident Sadats in Jerusalem
hat unsere Phantasie begeistert. Es war ein visionärer und staatsmännischer

- 13 -

�staatsmännischer Akt.

Die Herzlichkeit seines Empfangs durch Ministerpräsident

Begin und das israelische Volk, die die bitteren Erinnerungen an vier Kriege
überwanden, welche jeder Familie Leid gebracht haben, war ein klarer Beweis
für den Wunsch nach Frieden.
Die Initiative Präsident Sadats und die Antwort von Ministerpräsident
Begin haben einen Verhandlungsprozeß in Gang gesetzt, der mit der Vorbereitungskonferenz in Kairo im Dezember begann und der auf Ministerebene in einem Militärausschuß in Kairo und einem politischen Ausschuß in Jerusalem fortgesetzt
werden wird.

Sowohl Ägypten als auch Israel haben unterstrichen, daß sie die

jetzt im Gang befindlichen Gespräche als die Grundlage für Verhandlungen unter
allen Beteiligten des arabisch-israelischen Konflikts betrachten, die nach
einem umfassenden Frieden im Nahen Osten streben.
Präsident Carter hat nach seinem Gespräch mit Präsident Sadat in der vorigen Woche die Aufgabe dargestellt, vor der der politische Nahost-Ausschuß
steht, der in Jerusalem zusammenkommt.
- Erstens, ein echter Frieden muß auf normalen Beziehungen unter den Beteiligten der Friedensregelungen ruhen. Frieden bedeutet mehr als nur die Einstellung von Feindseligkeiten.
- Zweitens, es muß zu einem Abzug Israels aus den 1967 besetzten Gebieten
und zu einem Abkommen über sichere und anerkannte Grenzen für alle Parteien
im Zusammenhang mit normalen und friedlichen Beziehungen und in Übereinstimmung
mit den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen kommen.
- Drittens, das Palästinenserproblem muß in allen seinen Aspekten gelöst
werden. Die Lösung muß die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes anerkennen und die Palästinenser in die Lage versetzen, an der Bestimmung ihrer
eigenen Zukunft mitzuwirken.
Ich
- 14 -

�Ich bin überzeugt, daß diese Grundsätze, wie sie der Präsident zum Ausdruck gebracht hat, für die Regierungen und Völker auf beiden Seiten des arabisch-israelischen Konflikts annehmbar sein dürften.
Um vom grundsätzlichen zu konkreten Ergebnissen zu gelangen, wird es
der Flexibilität und des Mutes und staatsmännischer Qualitäten bedürfen, die
die Führer Ägyptens und Israels bereits in so großem Maße an den Tag gelegt
haben.
Wir unsererseits halten uns bereit, den Arabern und Israelis bei der Erreichung ihres Friedens zu helfen.

Es ist in unserem eigenen nationalen Inter-

esse wichtig, daß wir das tun; unsere Werte und unser Volkscharakter verlangen,
daß wir die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um zur Beilegung dieses
tragischen Konflikts beizutragen.
Wir werden uns an der Arbeit der Jerusalemer Konferenz aktiv beteiligen,
da uns die Parteien darum gebeten haben. Wenn es bei den Verhandlungen Schwierigkeiten geben sollte, so sind wir vielleicht in der Lage, nützliche Vorschläge zu machen, um die Kluft zwischen den Parteien zu überbrücken. Wir
werden jedoch keinen fertigen Plan für die Lösung von Fragen mitbringen, die
letztlich nur die Völker dieses Gebiets selbst beilegen können.
Von Jerusalem kann es kein Zurück mehr geben. Araber und Israelis würden einen diplomatischen Fehlschlag bitter bedauern, nachdem diese so lange
verfeindeten Nationen den Willen und die Fähigkeit gefunden haben, einander
mit gegenseitiger Achtung zu begegnen.
Aus dem, was ich heute gesagt habe, können Sie, so meine ich, schließen,
daß ich hinsichtlich unserer Außenpolitik und der Chancen für künftige Fortschritte in der Sache des Friedens grundsätzlich optimistisch bin.
Trotz unserer Probleme sind wir ein starkes und freies Land und ein Land,
das von Hoffnungen und Lebenskraft erfüllt ist.
Das
- 15 -

�Das Nuklearzeitalter dauert nun schon 33 Jahre, und die Welt hat sich
noch nicht in die Luft gesprengt, und es ist uns in diesen Jahren durch Diplomatie und internationale Führung gelungen, die Chancen zu verringern, daß dies
je geschehen wird.
Wir haben seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt, daß über 100 neue Länder
ihre Eigenstaatlichkeit erreicht haben.

Sie werden zu produktiven und sich

selbst tragenden Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft.
Die vor uns liegende Aufgabe wird, wie ich es sehe, darin bestehen, an
dem Kurs festzuhalten, den wir abgesteckt haben.

Wir leben in einer Zeit, in

der sich politische und wirtschaftliche Veränderungen so rasch vollziehen
- Peter Drucker hat es so geschickt als "Zeitalter der Diskontinuität" bezeichnet - daß man sich versucht fühlen könnte, sich auf unsere alte, nach innen
gerichtete Mentalität der Festung Amerika zurückzuziehen.
Wir sind uns jedoch heute selbst treu und halten an dem fest, was ein
200 Jahre altes Dokument als "anständigen Respekt vor den Meinungen der Menschheit" bezeichnet hat.

Im vorigen Jahr hat uns Präsident Carter dahin geführt,

die harten Entscheidungen zu treffen, die erneut gezeigt haben, daß unser Land
seinen Glauben an die Vervollkommnung des Menschen nicht verloren hat.
Wir verfügen über große Stärke.
Wenn sie richtig gelenkt wird, kann unsere Stärke eine katalytische und
lebendige Kraft sein, um Frieden, Chancen und materielles Wohlergehen für Millionen von Menschen in Amerika und in der Welt herbeizuführen.

Eurokommunismus
- 16 -

�Eurokommunismus
Bei einer anschließenden Diskussion wurde Außenminister Vance gefragt,
wie er die politische Rolle des Kommunismus in Westeuropa betrachte.

Er ent-

gegnete darauf:
"Eurokommunismus ist vielleicht ein Wort, das etwas irreführend ist.
Ich glaube, daß es in verschiedenen Ländern einige Unterschiede geben kann,
was die kommunistischen Parteien anbetrifft. Wir haben jedoch unsere Überzeugung klargemacht, daß es im Umgang mit unseren europäischen Verbündeten wichtig ist, daß wir eine Situation haben, in der wir es mit Menschen zu tun haben, die den gleichen Werten anhängen wie wir. Das soll nicht heißen, daß
die Wahl, wer ihre Länder repräsentieren soll, von irgend jemand anderem als
den Menschen dieser Länder getroffen werden sollte. Wir haben jedoch erklärt,
und wir sind der Überzeugung, daß es ein Anlaß der Besorgnis für uns als Nation wäre, wenn Kommunisten eine wichtige oder einflußreiche Rolle in den Tätigkeiten unserer westlichen Verbündeten spielen sollten.

+ + + + +

- 17 -

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

25. Januar 1978

USA ÜBER EINFLUSS DES EUROKOMMUNISMUS BESORGT
Erklärung des State Department vom 12. Januar 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat am
12. Januar 1978 eine offizielle Erklärung veröffentlicht, in der auf
die erhöhte Besorgnis der USA über die Aussichten auf eine Beteiligung
der Kommunisten an der italienischen Regierung hingewiesen wird.
Die Erklärung wurde von John Trattner, einem der Sprecher des State
Department .herausgegeben, nachdem der amerikanische Botschafter in Rom,
Richard Gardner, zu Konsultationen mit Präsident Jimmy Carter, Außenminister Cyrus Vance, Verteidigungsminister Harold Brown sowie Vertretern des US-Kongresses nach Washington gerufen worden war.
Trattner unterstrich auf Fragen, daß die USA nicht die Absicht hätten,
sich in den innenpolitischen Prozeß anderer Völker einzumischen. Der Zeitpunkt der Erklärung sei vielmehr durch das Interesse seitens der Presse
bestimmt worden, die um eine amerikanische Reaktion auf die Vorgänge in
Rom ersucht habe. Die Erklärung sei aus dem Bemühen heraus erfolgt, "klar
und unmißverständlich" zu sein. Sie ziele, so fügte er auf Befragen hinzu,

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�hinzu, auf Westeuropa und die kommunistischen Parteien in Westeuropa ab,
und er wolle sie nicht auf die gesamte Welt ausdehnen.
Die Erklärung des State Department hat folgenden Wortlaut:
Der Besuch von Botschafter Gardner in Washington bot die Gelegenheit
für eine allgemeine politische Oberprüfung mit hohen Regierungsvertretern.
Es hat keine Änderung in der Haltung der Regierung zu den kommunistischen
Parteien Westeuropas, einschließlich der italienischen, gegeben, obwohl die
jüngsten Entwicklungen in Italien den Grad unserer Besorgnis erhöht haben.
Wie der Präsident und andere Mitglieder der Regierung bei einer Reihe von
Gelegenheiten öffentlich erklärt haben, sind unsere westeuropäischen Verbündeten souveräne Länder, und die Entscheidung, wie sie regiert werden,
liegt zurecht und korrekterweise allein bei ihren Bürgern. Gleichzeitig
sind wir der Meinung, daß wir gegenüber unseren Freunden und Verbündeten
die Verpflichtung haben, unsere Ansichten klar zum Ausdruck zu bringen.
Unsere führenden Regierungsvertreter haben wiederholt die amerikanische
Ansicht zur Frage der kommunistischen Beteiligung an westeuropäischen Regierungen geäußert. Unser Standpunkt ist klar: Wir befürworten eine derartige Beteiligung nicht und würden einen kommunistischen Einfluß in jedem
westeuropäischen Land gerne verringert sehen. Wie wir bereits in der Vergangenheit erklärt haben.glauben wir, daß der beste Weg zur Erreichung
dieser Ziele in den Bemühungen der demokratischen Parteien liegt, das Streben
und die Sehnsucht ihrer Völker nach einer tatkräftigen, gerechten und mitfühlenden Regierung zu erfüllen.
Die Vereinigten Staaten und Italien haben profunde demokratische Werte
und Interessen gemeinsam, und wir glauben nicht, daß die Kommunisten diese
Werte und Interessen teilen.
Wie der Präsident in der vergangenen Woche in Paris erklärt hat:
"Immer dann, wenn

�den Bau solcher zu finanzieren, die dann an die betreffende Firma verpachtet werden. Zweitens bieten die Staaten anlagebereiten Unternehmern
Kreditbürgschaften an, die ihnen die Beschaffung von Krediten für den
Erwerb von Grundstücken und die Errichtung von Fabrikanlagen erleichtern.
Drittens stellen manche Staaten für diese Zwecke auch selbst Kredite aus
Haushaltmitteln zur Verfügung. Und viertens haben mehrere Staaten eigene
Entwicklungskreditanstalten gegründet, die Geld bei Geschäftsbanken aufnehmen und in Form von Anlagekrediten an investitionswillige Unternehmen
vergeben.
über diese Finanzhilfen hinausgehend, gewähren die Einzelstaaten und
Gemeinden bei der Neuansiedelung von Industrien auch anderweitige Hilfe.Sie
- erteilen Rat bei der Standortwahl;
- helfen bei der Planung und Gestaltung neuer Werkanlagen;
- gewähren Steuernachlässe und Steuerstundungen;
- beteiligen sich an Erschließungskosten und gewähren neuangesiedelten
Unternehmern vergünstigte Tarife für Strom, Wasser, Abwasserbeseitigung und ähnliche Leistungen;
- unterstützen die Firmen bei der Beschaffung von Arbeitskräften und
deren Ausbildung und
- gewähren den Firmen Zugang zu den örtlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Ausländische Firmen oder Kapitalgeber, die sich für Investitionsmöglichkeiten in den Vereinigten Staaten interessieren und sich genauer über
die am jeweiligen Ort gebotenen Investitionshilfen informieren wollen, wenden
sich am besten an die Abteilung Wirtschaftsförderung (Economic Development
Division) des betreffenden Einzel Staates, an das Handelsministerium J_n

- 3 -

�in Washington oder an die amerikanische Botschaft in ihrem Land bzw. das
nächstliegende Konsulat.
Angesichts der starken Zunahme der ausländischen Direktinvestitionen
in den Vereinigten Staaten zeigen sich manche Amerikaner besorgt. Im
Kongreß wurden schon mehrfach Stimmen laut, die eine Registrierung, Überprüfung und Eindämmung ausländischer Investitionen forderten. Die Regierung hat sich allen solchen Wünschen entschieden widersetzt, und keine
der diesbezüglichen Gesetzesvorlagen hat bisher je Gesetzeskraft erlangt.
Der Kongreß verfügte lediglich, daß das Handels- und das Finanzministerium
Bericht über den Stand ausländischer Investitionen in den Vereinigten
Staaten zu erstatten und künftig Daten über Auslandsinvestitionen - und
zwar sowohl über ausländische Investitionen in den USA als auch über
amerikanische Investitionen im Ausland verfügbar zu halten.
Präsident Carter hat die positive Einstellung der amerikanischen
Regierung zu Kapitalanlagen von Ausländern in Amerika am 3. Juni 1977 in
einer Botschaft an die Teilnehmer eines Investitionsseminars im kanadischen
Toronto eindeutig unterstrichen. Dort heißt es:"Die Anwesenheit von Vertretern zahlreicher einzelstaatlicher Entwicklungsbehörden bezeugt nicht nur
unsere Bereitschaft, die Schaffung neuer Produktionsstätten in unserem Lande
zu erleichtern, sondern ist auch ein Ausdruck der Tatsache, daß Investitionen
ausländischer Kapitalgeber in den Vereinigten Staaten auch weiterhin sehr
erwünscht sind."

+ + + + +

�•1

I

3

Uli//cn/chofl
und'
United States Information Service

25. Januar 1978

STROM AUS GRUBENGAS
Versuchsprojekt in Pennsylvanien

- (AD) - Die Idee ist nicht neu, das methanhaltige, im Zechenbetrieb
jedoch so gefährliche Grubengas nicht einfach abzupumpen, sondern es zu
sammeln und wirtschaftlich zu nutzen. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen
galt dies in den USA bisher aber als zu kostspielig und technisch zu aufwendig. Ein Versuchsprojekt, das von der Westinghouse Electric Corporation
entwickelt wurde und mit finanzieller Unterstützung des US-Energieministeriums
auf der Zeche Ebensburg (US-Bundesstaat Pennsylvanien) der Bethlehem Mines
Corporation durchgeführt wird, soll nun dazu beitragen, brauchbare Lösungen
zu finden: Kohlegase werden gesammelt, verdichtet und für den Betrieb einer
750-kW-Gasturbine im Rahmen der innerbetrieblichen Stromerzeugung genutzt.
Eine Reihe amerikanischer Firmen stellt Spezialausrüstungen zur Verfügung;
staatliche und private Forschungsstellen beteiligen sich an den erforderlichen wissenschaftlich-technischen Analysen sowie an Rentabilitätsberechnungen.
Zum Schutz gegen Vergiftungen unter Tage und gegen Grubenexplosionen
müssen die Kohleschächte so mit Frischluft versorgt werden, daß die Methankonzentration unter 1% gehalten wird. Mit zunehmender Tiefe der Kohleschichten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Kohleschichten sind dafür immer kompliziertere Ventilationssysteme erforderlich,

denn in großer Tiefe können die in der Kohle und im umgebenden

Gestein gesicherten Gase sogar 85 - 100% Methan enthalten,
Jahre vor Beginn des eigentlichen Abbaus werden deshalb tiefliegende
Flöze von der Oberfläche her angebohrt, um schon im voraus einen Abzug für
Kohlegase zu schaffen und so den späteren Aufwand für die Ventilation zu
verringern. An einem solchen Abzugsschacht der Zeche Ebensburg sollen die
austretenden Methangase zur Weiterverwertung gesammelt werden
Auf eine Tonne Kohle kommen unter Tage durchschnittlich 5,6 cbm Methan,
ein Nebenprodukt des Kohlebildungsprozesses, Ingenieure des US-Energieministeriums schätzen, daß von den in den amerikanischen Kohlevorkommen
gespeicherten Methanmengen etwa 8,5 Billionen cbm nutzbar zu machen wären,
wenn man geeignete Verfahren zur Gewinnung des Gases verfügbar hatte. Gegenwärtig gehen durch Grubenbelüftung, Vorausbelüftung noch nicht in den Abbau
einbezogener Flöze und das Aussickern von Gasen aus stillgelegten Strecken
täglich mehr als 7 Millionen cbm Methan verloren - eine Menge, mit der
800 000 Wohnhäuser beheizt werden könnten. Das methanhaltige Kohlegas ließe
sich ähnlich wie Erdgas verwenden und könnte dazu beitragen, die amerikanischen Erdgasreserven um etwa ein Jahrzehnt zu strecken.
Aufgrund bisheriger Erfahrungen in Westvirginia - die Equitable Gas
Company (Pittsburgh) fördert seit 1949 von vertikalen Bohrschächten geringe
Methanmengen aus kohleführenden Schichten, das US-Bergbauamt experimentiert
seit 1975 mit horizontalen Abzugkanälen, die von einem Ventilationsschacht
aus in noch unberührte Kohleschichten vorgetrieben wurden - erscheinen Flöze
außerhalb der jeweiligen Abbaustrecken sowie Regionen im Bereich aufgegebener
und mit Geröll aufgefüllter Einbruchstollen als die günstigsten Quellen für
Kohlemethan. Allerdings schwankt die Qualität des Gases enorm; die Konzentrationen reichen von fast 100% bis zu stark verdünntem Gas,
Das Projekt

�Das Projekt von Ebensburg (Gesamtkosten 482 000 Dollar, wovon das
US-Energieministerium 413 000 Dollar übernimmt) soll eine Art Katalysator
für Bemühungen der Privatwirtschaft und staatlicher Stellen sein, sich mit
den Problemen und den Möglichkeiten der Kohlemethan-Nutzung eingehender
zu befassen. Je nach Qualität und Menge ließe sich das geförderte Gas in
Leitungen einspeisen, noch am Förderort verflüssigen, als Energiequelle
für Heizung, die Erzeugung von Betriebsstrom oder das Trocknen von Kohle
(im Zechenbereich) und vielleicht auch für chemische Umwandlungsprozesse wie
etwa

die

Ammoniakproduktion verwenden. Langfristig strebt das US-Energie-

ministerium Demonstrationsprojekte für fortgeschrittene Technologien der
Förderung und Anwendung von Grubengas an, die z.B. von speziellen Schrägbohrverfahren bei der Gewinnung über neue Methoden der Reinigung und Anreicherung des Gases bis zu seiner Nutzung in Verbindung mit Brennstoffzellen, Stirling-Motoren und Gasturbinen reichen.
Obgleich zwei Drittel der amerikanischen Kohlevorkommen im Westen der
USA liegen, konzentrieren sich die Aktivitäten für die mögliche Nutzbarmachung von Kohlemethan zunächst auf die Appalachen-Region in den Oststaaten,
um den direkt angrenzenden Industriegebieten eine störungsfreie Erdgasversorgung zu sichern.

+ + + + +

- 3 -

�1
I

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

25. Januar 1978

RÖNTGENAUFNAHME AM UNFALLORT
LIXISCOPE - neuartiges Kleingerä't für Medizin und Technik

- (AD) - Nicht größer als ein Fahrradscheinwerfer ist ein neuartiges
Kompakt-Röntgengerät, das mit einer kleinen radioaktiven Strahlenquelle
arbeitet und zu jedem beliebigen Einsatzort mitgenommen werden kann. Dieses
LIXISCOPE (Abkürzung für "Low Intensity X-Ray Imaging Scope" - Röntgenbildgerät mit niedriger Strahlungsintensität) wurde kürzlich auf einer Tagung
der Amerikanischen Gesellschaft für Nukleare Technik (American Nuclear
Society) in San Francisco vorgestellt. Mit ihm lassen sich viele Aufgaben
ebenso gut erledigen, für die bisher große, schwere Röntgenapparate benutzt
wurden, üfid'dles" mit einem Bruchteil der üblichen Strahlendosis.
Das Herzstück des LIXISCOFE ist ein Bildverstärker, wie er zuerst
in Nachtsichtgeräten verwendet wurde. Die Apparatur besteht aus zwei, über
einen U-förmigen Bügel miteinander verbundenen Teilen. An der einen Seite
befindet sich die Kapsel mit der Strahlenquelle, einem Radionuklid, auf der
anderen der Bildverstärker und ein kleiner Bildschirm. Mit dem Bügel wird das
Gerät an der Verdachtsstelle des zu untersuchenden Objekts - z.B. Arm oder
Bein mit Verdacht auf einen Knochenbruch - angelegt. Dann wird der Auslöser

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Auslöser zur Durchleuchtung betätigt. Die Röntgenstrahlen, die das Objekt
durchdringen, werden von einem phosphoreszierenden Schirm auf der gegenüberliegenden Seite absorbiert und in sichtbares Licht umgewandelt. Das
Bild wird nun verstärkt und auf einen Betrachtungsschirm projiziert. Will
man die Aufnahme für die Auswertung oder spätere Vergleiche dokumentieren,
braucht nur eine Spezialkamera

an den Betrachtungsschirm angeschlossen

zu werden, mit der ein Sofortbild gemacht wird.
Röntgenärzte weisen darauf hin, daß vor allem bei der Untersuchung
von Knochenbrüchen die Dosisbelastung für den Patienten mit dem LIXISCOPE
weitaus geringer sei als bei den herkömmlichen Röntgenapparaten. Das
Gerät dürfte auch zur Anwendung in der zahnärztlichen Praxis sowie für
SpezialPrüfungen in der Industrie vielversprechend sein.
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Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service

25. Januar 1978

RADIOKRYPTON ZUR DIAGNOSE VON ATEMWEGSERKRANKUNGEN

- (AD) -Störungen der Lungenfunktion und atmungsbehindernde Veränderungen im Lungengewebe infolge Emphysem oder Ablagerung von Fremdpartikeln
lassen sich mit Hilfe eines Inhalationstests genauer und schonender diagnostizieren als durch Röntgenaufnahmen.Gemeinsam mit Wissenschaftlern des
amerikanischen Nuklearforschungszentrums "Argonne National Laboratory"
haben Ärzte einer Klinik in Hines (Illinois), die dem US-Versorgungsamt
für ehemaliges Militärpersonal angeschlossen ist, ein Verfahren entwickelt,
das in 10 - 20 Minuten eine exakte Darstellung der Lungen von vier Seiten
ermöglicht und im Vergleich zur Röntgenuntersuchung die Strahlenbelastung
für den Patienten auf die Hälfte oder ein Drittel der Strahlendosis verringert. Die aktive Substanz ist eine winzige Menge von radioaktivem
Kryptongas, das der Patient mit der normalen Luft einatmet.
Krypton ist chemisch völlig neutral. Das hier verwendete Radioisotop
hat eine Halbwertszeit von nur 13 Sekunden, verliert also seine Radioaktivität sehr schnell; in der Lunge bleibt nichts davon zurück. Die radioaktiven Kryptonatome, die während des Inhalationstests zerfallen, senden
Gammastrahlen aus. Diese "Lichtblitze" werden auf einem Beobachtungsschirm

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�Beobachtungsschirm sichtbar, auf dem sich ein Abbild der Lunge ergibt, das die
für die Atmung durchgängigen und die blockierten Bereiche bis in die kleinsten Einzelheiten anzeigt. Während der Untersuchung sitzt oder liegt der
Patient bequem und atmet normal ein und aus.
Vor allem Berufskrankheiten wie Silikose oder Staublunge infolge des
Einatmens von Fremdpartikeln in Kohlen- und Erzgruben oder in Betrieben der
Stein- und Tabakindustrie sollen mit Hilfe des Tests so früh wie nur möglich
erfaßt werden, um rechtzeitig wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.
Untersuchungen von Emphysem-Patienten mit dem Krypton-Inhalationstest werden
z.Zt. im Raum Chicago in größerem Umfang durchgeführt.

+ + + + +

- 2 -

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                    <text>I

I
I

Information
und
Dokumentation
United States Information Service

Die weitreise Präsident Jimmy Carters
vom 29. Dezember 1977 bis 9. Januar 1979

Um Übcr/endung von
ßcIcgcKcmploren wird
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11. Januar 1978
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters vor seinem Abflug zur Weltreise
(29. Dezember 1977)
Erklärung Präsident Carters bei seiner Ankunft in Polen
(29. Dezember 1977)
Wortlaut des gemeinsamen amerikanisch-polnischen Kommuniques
(30. Dezember 1977)
Ankunftserklärung Präsident Carters in Teheran (31. Dezember 1977)
Erklärung Präsident Carters bei seiner Ankunft in Indien (1. Januar 1978)
Ansprache Präsident Carters vor dem indischen Parlament (2. Januar 1978)
Deklaration von Delhi (3. Januar 1978)
Erklärung Carters anläßlich der Unterzeichnung der Deklaration von Delhi
(3. Januar 1978)
Ankunftserklärung Präsident Carters in Saudi-Arabien (3. Januar 1978)
Erklärung Carters nach dem Treffen mit Präsident Sadat (4. Januar 1978)
Ankunftserklärung Präsident Carters auf dem Pariser Flughafen
(4. Januar 1978)
Ansprache Präsident Carters in Paris (4. Januar 1978)
Ansprache Präsident Carters in der Normandie (5. Januar 1978)
Erklärung Präsident Carters in Bayeux (5. Januar 1978)
Erklärung Präsident Carters vor dem Abflug aus Paris (6. Januar 1978)
Ankunftserklärung Präsident Carters in Brüssel (6. Januar 1978)
Erklärung Präsident Carters anläßlich des Besuches bei der EG
(6. Januar 1978)
Ansprache Präsident Carters vor dem Nordatlantikrat (6. Januar 1978)
Ausführungen Carters vor der Presse im NATO-Hauptquartier (6. Januar 1978)
Interview Präsident Carters zum Abschluß seiner Weltreise (6. Januar 1978)
Erklärung Carters nach seiner Rückkehr in die USA (6. Januar 1978)

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Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS VOR SEINEM ABFLUG ZUR WELTREISE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat vor dem Abflug zu seiner
Weltreise am 29. Dezember 1977 vor dem Weißen Haus folgende Erklärung abgegeben:
Ich begebe mich heute auf eine Reise, die sowohl die Vielfalt der Welt
als auch die Fähigkeit und den Wunsch unserer Nation erkennen läßt, sich kreativ

und konstruktiv auf diese Vielfalt einzustellen.

Es ist eine sich rasch verändernde Welt, eine Welt in der die alten
ideologischen Etiketten weniger Bedeutung haben als je zuvor, in der der weltweite Wunsch nach Freiheit und nach einem besseren Leben stärker und auf vielfältigere Weise zum Ausdruck gebracht wird als je zuvor, eine Welt, in der politisches Erwachen, wirtschaftliche Unabhängigkeit und technologischer Fortschritt neue Anforderungen an die Außenpolitik unseres Volkes gestellt haben.
Die Vielzahl der Orte, die wir in den nächsten neun Tagen besuchen werden, ist symbolisch für die Breite und Mannigfaltigkeit des amerikanischen
Interesses an dieser neuen Welt.
In

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�In Frankreich und in Westeuropa werden wir die historischen Bindungen
und unsere gemeinsamen Werte unterstreichen, und wir werden Mittel und Wege
sondieren, um mit den gemeinsamen Problemen der demokratischen Industriestaaten fertig zu werden.
In Polen, dem Herkunftsland von Millionen von Amerikanern, werden wir
die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den
Völkern Osteuropas nähren.
Im Iran und in Saudiarabien werden wir über Schlüsselfragen der wirtschaftlichen Beziehungen sprechen und auf eine Fortsetzung des dramatischen
Fortschritts drängen, der bei der Herbeiführung des Friedens im Nahen Osten
erzielt wird.
In Indien, das die größte Demokratie der Erde ist, werden wir neue Wege
cjer Zusammenarbeit und der Kommunikation zwischen den Entwicklungsländern
der Welt und dem industrialisierten Norden suchen.
An all diesen Orten werden wir unsere Hingabe an den Frieden und unsere
Unterstützung der Gerechtigkeit und der Menschenrechte bekräftigen.
Es ist eine sich verändernde Welt, eine andere Welt, und ich glaube,
es ist auch ein anderes Amerika, dessen Botschaft wir bringen werden; ein
Amerika, das im Frieden mit anderen Nationen und auch im Frieden mit sich
selbst mehr Vertrauen hat und geeinter ist; ein Amerika, das bereit und in
der Lage ist, wo immer möglich zusammenzuarbeiten und wenn notwendig zu
konkurrieren.
Nach einer langen Periode des Zweifels und Umbruchs hier in unserem Lande
finden wir unseren Weg zurück zu den Werten, die uns zu einer großen Nation
gemacht haben, und in diesem neuen Geiste sind wir auch bestrebt, mit allen
Ländern und mit allen Völkern beim Aufbau jener Art von Welt und jener Art
von Weltgemeinschaft zusammenzuarbeiten, die den individuellen und gemein- 2 -

�gemeinsamen Anforderungen aller dienen.
Wir unternehmen diese Reise, um

nsere eigenen Auffassungen klar und

stolz zum Ausdruck zu bringen, aber a ch, um die Meinungen und Wünsche anderer kennen und begreifen zu lernen,

Wir werden versuchen, unser Land und

unser Volk gut zu repräsentieren, und ich bringe den guten Willen Amerikas
Liberall hin, wohin wir gehen werden.
Ich danke Ihnen.

�Dokumentation

I

United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS BEI SEINER ANKUNFT IN POLEN

WARSCHAU - (AD) - Bei seiner Ankunft in Polen gab Präsident Carter am
29. Dezember 1977 abends auf dem Flughafen von Warschau folgende Erklärung
ab:
"Parteisekretär Gierek, hochverehrte Vertreter Polens und anderer Nationen, polnisches Volk!
Wir sind beglückt,in Ihrem großen Land zu sein. Als ich heute morgen
die Vereinigten Staaten verließ, sagte ich der Bevölkerung meines Landes,
daß sich in dieser Reise die Vielfalt einer sich rasch wandelnden Welt widerspiegele. Es ist eine Welt, in der alte ideologische Etiketten ihren Sinn
verloren haben und in der die Grundziele der Freundschaft, des Weltfriedens,
der Gerechtigkeit, der Menschenrechte und der individuellen Freiheit größere
Bedeutung gewonnen haben als je zuvor.
Ich bin stolz, diese Reise in Polen zu beginnen - einem Freund der Vereinigten Staaten seit den Tagen ihrer Gründung.

Polen ist das Herkunftsland

von über sechs Millionen Amerikanern, ein Partner in der gemeinsamen Anstrengung gegen Krieg und Entrechtung.
Die

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die Beziehungen zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West wechseln.
Aber die Bindungen zwischen Polen und den Vereinigten Staaten bestehen von
alters her und sind stark.
Nicht weit entfernt von meinem Heim im Staate Georgia wurde ein großer
Patriot unser beider Nationen, Casimir Pulaski, als Führer einer Kavallerieschwadron im amerikanischen Unabhängigkeitskampf tödlich verwundet.

Die Frau

meines Sohnes stammt aus dem Bezirk Pulaski in Georgia, der seinen Namen nach
diesem Helden aus Polen trägt.
Gleichfalls wegen seiner militärischen Fähigkeiten und seiner Tapferkeit erwarb sich Thaddeus Kosciusko die Achtung unseres ersten Präsidenten,
George Washington, während der Kriegszeit.

Und für sein Eintreten für Frei-

heit und Gerechtigkeit gewann er in Friedenszeiten die Bewunderung unseres
dritten Präsidenten, Thomas Jefferson.
Diese tapferen Männer kämpften Seite an Seite mit den Amerikanern in
jener Epoche, aus der drei der größten Dokumente im Kampfe für die Menschenrechte hervorgingen. Das eine war die amerikanische Unabhängigkeitserklärung.
Das zweite die Erklärung der Menschenrechte in Frankreich. Und das dritte
die polnische Verfassung vom 3. Mai 1791.
Die uns gemeinsame Erfahrung im Kampf hat uns aber auch die überragende
Bedeutung der Verhinderung des Krieges gelehrt, der Polen zweimal in diesem
Jahrhundert verheert hat. Am Ende des Zweiten Weltkrieges kam Herbert
Hoover, ein großer Amerikaner, nach Polen, um das Kriegsleid lindern zu helfen und an der Wiedererstehung eines unabhängigen Polen als Beobachter teilzunehmen.
Die Verhältnisse waren damals anders.und der Kampf war lang.

Aber Hoover

sagte damals - und ich zitiere: 'Wenn uns die Geschichte etwas lehrt, dann
ist es, daß aus der ununterdrückbaren Vitalität des polnischen Volkes Polen
erneut aus dieser Asche erstehen wird.' Seine Voraussagen haben sich bewahrheitet.

Ich
2 -

�Ich bin hierhergekommen, nicht nur um unsere eigenen Ansichten dem
polnischen Volk gegenüber zum Ausdruck zu bringen, sondern auch um Ihre
Meinung kennenzulernen und die von Ihnen für die Zukunft gehegten Wünsche
verstehen zu lernen.

Aufbauend auf den zwischen uns bestehenden historischen

Bindungen und in Anerkennung der neuen und sich verändernden Realitäten des
Lebens sehe ich mit Erwartung der Stärkung der amerikanisch-polnischen Freundschaft während meines Besuches hier in Warschau entgegen.
Wir danken Ihnen für das herzliche Willkommen, das uns heute nacht von
Parteisekretär Gierek und dem polnischen Volk bereitet wurde".

- 3 -

�Dokumentation

I

United States Information Service

11. Januar 1978

WORTLAUT DES GEMEINSAMEN AMERIKANISCH-POLNISCHEN KOMMUNIQUES

WARSCHAU - AD - Nach den amerikanisch-polnischen Gesprächen wurde am
Abend des 30. Dezember 1977 in Warschau ein gemeinsames Kommunique veröffentlicht, das folgenden Wortlaut hat:
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Mrs. Carter
statteten auf Einladung der höchsten Stellen der Volksrepublik Polen vom
29. - 31. Dezember einen offiziellen Besuch ab. Der Präsident wurde von
Außenminister Cyrus R. Vance sowie dem Berater für Fragen der nationalen
Sicherheit, Zbigniew Brzezinski, begleitet.
Der Präsident legte am Grabmal des unbekannten Soldaten einen Kranz
sowie am Nike-Denkmal für die Helden Warschaus und am Denkmal für die Helden
des Gettos Blumen nieder. Er besichtigte ferner einige Stadtteile Warschaus
und machte sich mit deren Wiederaufbau und Entwicklung vertraut.
Während seines Besuches führte der Präsident Gespräche mit dem Ersten
Sekretär des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei,
Edward Gierek.
An den

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�An den Plenarsitzungen, die vom Präsidenten und dem Ersten Sekretär
geleitet wurden, nahmen teil:
auf amerikanischer Seite: Außenminister Cyrus R. Vance, der Berater
des Präsidenten, Zbigniew Brzezinski, sowie weitere amerikanische Regierungsvertreter;
auf polnischer Seite: Der Vorsitzende des Staatsrates, Henryk Jablonski,
der Vorsitzende des Ministerrates, Piotr Jaroszewicz, sowie andere polnische
Regierungsvertreter.
Ferner führte Außenminister Cyrus R. Vance Gespräche mit Außenminister
Emil Wojtaszek.
Der Präsident und der Erste Sekretär brachten ihre Befriedigung über
die von ihnen geführten Gespräche sowie ihre Überzeugung zum Ausdruck, daß
weitere Besuche auf höchster Ebene sowie Besuche

anderer führender Per-

sönlichkeiten der beiden Länder den Interessen beider Länder sowie dem
Fortschritt der Entspannung und der internationalen Zusammenarbeit dienen.
Präsident Carter drückte dem Ersten Sekretär und Frau Gierek gegenüber
seine Dankbarkeit für die große Gastfreundschaft aus, die ihm, Mrs. Carter
sowie der gesamten Delegation in Polen zuteil wurde.
Präsident Carter lud den Ersten Sekretär zu einem Besuch der Vereinigten
Staaten ein. Die Einladung wurde gerne angenommen. Das Datum für diesen
Besuch wird auf diplomatischem Wege vereinbart werden.
+ + + + +

- 2 -

i

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANKUNFTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS IN TEHERAN

TEHERAN - AD - Präsident Jimmy Carter hat bei seiner Ankunft in
Teheran am 31. Dezember 1977 folgende Erklärung abgegeben:
Kaiserliche Majestäten, hohe Würdenträger und Bürger des Iran:
Mein eigenes Land erlebte in diesem Jahr die hohe Ehre eines offiziellen
Besuches seiner Kaiserlichen Majestät, des Schahs, und der Schahanu, Kaiserin
Farah. Dies war eine schöne Geste der Freundschaft, und wir zogen auch großen
Nutzen aus den umfassenden Gesprächen zwischen dem Schah und mir über wichtige
Fragen für den Iran und die Vereinigten Staaten.
Ich bin stolz und erfreut, zum Ende dieses Jahres, meines ersten Jahres
im Amt, und, wie ich glaube, Ihres 37. Jahres als Führer dieses großen Landes,
in den Iran kommen und das neue Jahr mit unseren engen Freunden und Verbündeten beginnen zu dürfen.
In dieser Zeit des Endes und des Anfangs sehe ich den Konsultationen
mit dem Schah über zwei der Fragen, die unsere Gedanken in dem gerade abge-

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�abgelaufenen Jahr am meisten beherrscht haben

und die in dem kommenden

Jahr unser bestes Handeln erfordern werden, mit Interesse entgegen. Zunächst
einmal gilt es,Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme der reichen und
der armen Länder der Welt zu finden. Keines dieser Probleme ist wichtiger
als das der Energie. Weder Erzeuger- noch Verbrauchernationen können überleben und gedeihen, wenn wir die begrenzten Vorräte der Welt an öl rücksichtslos erschöpfen. Und weder die eine noch die andere Gruppe von Nationen
kann das Problem ohne die Mitarbeit der jeweils anderen Gruppe lösen.
Gerade weil mein Land dieses Problem ernst nimmt, sind wir auch entschlossen, über einen umfassenden Energieplan zu verfügen, der darauf angelegt ist, Vergeudung zu beseitigen und alternative Energiequellen zu entwickeln. Wir arbeiten eng mit dem Iran zusammen.
Und gerade, weil ich die führende Rolle des Schahs auf diesem Gebiet
respektiere, bin ich zu ihm gekommen, um mich mit ihm zu konsultieren und
ihn um Rat zu fragen. Das zweite große Problem besteht darin, den von Unruhe
heimgesuchten Gebieten der Welt Frieden zu bringen und die steigende Flut
der Rüstungen und der Zwietracht zurückzudrängen. Der Schah und ich teilen
die Hoffnung, daß im Nahen Osten bald der Frieden einkehren wird

und daß,

so wie unser militärisches Bündnis unerschütterlich bleibt, wir in der Lage
sein mögen, den Stand der Spannungen und der Rüstungen in der ganzen Welt
abzubauen. Die Interessen unserer Länder sind auf den Interessen des einzelnen
aufgebaut. Und in all unseren - öffentlichen und privaten - Gesprächen unterstreichen wir die Garantie der vollsten wirtschaftlichen und politischen
Menschenrechte für unsere Bürger. Ich hege herzliche persönliche Gefühle für
die führenden Persönlichkeiten des Iran, und ich bringe dem Volke dieses
großen Landes die besten Neujahrsgrüße der Vereinigten Staaten. Ich danke
Ihren Majestäten für diesen herzlichen und gastfreundlichen Empfang.
+ + + + +

- 2 -

�Dokumentation

I

United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS BEI SEINER ANKUNFT IN INDIEN

NEU DELHI - AD - Präsident Jimmy Carter gab bei seiner Ankunft auf dem
Flughafen von Neu Delhi am 1. Januar 1978 folgende Erklärung ab:
Herr und Frau Präsident Reddy, Herr Ministerpräsident Desai, verehrte
Mitglieder der führenden Gruppe in Indien, meine Herren Diplomaten und
Volk dieses großen Landes.
Es ist mir sicherlich eine große Freunde, mein eigenes Neujahr mit meiner
Ankunft hier in Indien zu beginnen, um neue Freunde zu gewinnen. Meine Mutter,
die dieses Land und sein Volk sehr tief liebt, hat mir von der Herzlichkeit
und Freundschaft des indischen Volkes erzählt.
Sie erfuhr sie in den Jahren, in denen sie hier Dienste leistete,und
erneut vor einigen Monaten in einer Zeit der Trauer, als sie mich e.ls Präsidenten und das Volk der Vereinigten Staaten bei der Bestattung Ihres
früheren Präsidenten vertrat.
Ich weiß, daß ich mich hier zu Hause fühlen werde aufgrund all der Dinge,
die die Vereinigten Staaten und Indien gemeinsam haben - der Bedeutung, die

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�die wir in unserer Geschichte und am heutigen Tage den grundlegenden
moralischen Werten beimessen - unserem gemeinsamen Glauben an die Demokratie
und ihre tägliche Praxis, unserer beiderseitigen Verpflichtung gegenüber
dem Weltfrieden und seinen wesentlichen Grundlagen, einer gerechteren
politischen und wirtschaftlichen Ordnung unter den großen und kleinen,
reichen und armen Nationen, unserem Anliegen der Hilfe für jene, die am
meisten in Not sind, ob sie unsere unmittelbaren Nachbarn sind

oder ob

sie weit weg von unserem eigenen Lande wohnen, der geographiscnen Größe
und der potentiellen und wirtschaftlichen Stärke unserer beiden Nationen,
und unserer Bereitschaft, gelegentlich, Herr Präsident, andere zu kritisieren aber noch mehr uns selbst zu kritisieren, aus der Erkenntnis heraus, daß
wir immer selbst die hervorragenden Leistungen, die unsere Völker erbracht
haben, noch verbessern können.
Ich freue mich sehr, von Ihnen, einem so hervorragenden Führer, begrüßt
zu werden. Und aufgrund unseres Briefwechsels im vergangenen Jahr betrachte
ich auch bereits Ministerpräsident Desai als einen persönlichen Freund. Ich
bin glücklich, Sie und ihn jetzt persönlich begrüßen zu können. Ich weiß,
daß er ein Mann großen Mutes, der Aufrichtigkeit und der Hingabe ist.
Wir werden mit den führenden Vertretern der indischen Regierung viel zu
besprechen haben. Unsere beiden Nationen wissen, daß eine interdepente Welt
jeden Tag und jedes Jahr unserer Amtszeit eine enge Zusammenarbeit und Konsultation unter den führenden Persönlichkeiten erfordert. Ich bin für diese
Gelegenheit, Ihr großes Land zu besuchen, und persönlich die größte Demokratie
der Erde kennenzulernen sicherlich sehr dankbar.
Lassen Sie mich, Herr Präsident, im Namen des amerikanischen Volkes sagen,
daß wir sehr glücklich sind, unsere Freundschaften zu erneuern, neue Freundschaften zu schließen, und Ihren herzlichen Willkommensgruß und auch Ihren
Wunsch zu erwidern, daß wir beide zusammen und die gesamte Welt ein gutes
neues Jahr und eine Welt in Frieden erleben mögen.
+ + + + +
- 2 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM INDISCHEN PARLAMENT

NEW DELHI - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 2. Januar 1978 vor dem
indischen Parlament eine vielbeachtete Ansprache gehalten, die folgenden Wortlaut hat:
Ich stehe hier vor Ihnen in diesem Haus, dem Sitz der großen gesetzgebenden Körperschaften der Erde, mit Gefühlen tiefer Freundschaft und Achtung.
Ich entbiete dem Volk der größten Demokratie, der Republik Indien, die
herzlichen Grüße und besten Wünsche des Volkes der zweitgrößten Demokratie
der Erde, der Vereinigten Staaten.
Vor nicht sehr langer Zeit mußten die Regierungen unserer beiden Völker
Perioden ernster Krisen durchstehen.

Auf verschiedene Weise waren die Werte,

für die so viele Menschen gelebt haben und gestorben sind, in Gefahr geraten;
auf verschiedene Weise haben, auf gegenüberliegenden Seiten des Erdballs,
diese Werte schließlich triumphiert.
Es wird manchmal argumentiert, der moderne Industriestaat - mit seinem
Materialismus, seiner zentralisierten Bürokratie und den technischen Kontroll•

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�Kontrollmechanismen, die ihren Machthabern zu Gebote stehen - müsse zwangsläufig die demokratischen Ideale aus dem Auge verlieren.
Die jüngsten Erfahrungen meines Landes haben dieses Argument auf die
Probe gestellt.

Das Ergebnis war eine Bestätigung der Freiheit und des Kon-

zepts der Selbstregierung.
Das gegenseitige Argument wird eher noch häufiger vorgebracht.

Es gibt

Leute, die sagen, die Demokratie sei eine Art Spielzeug für Reiche - die Armen wären nämlich viel zu sehr damit beschäftigt, ihr überleben sicherzustellen,
um sich um den Luxus der Freiheit und des Rechts auf die Wahl einer eigenen
Regierung zu kümmern.
Dieses Argument wird überall auf der Welt immer wieder vorgebracht meistens, wie ich festgestellt habe, von Personen mit vollen Bäuchen, die von
Positionen der Bevorrechtigung und Macht innerhalb ihrer eigenen Gesellschaften
aus sprechen.
Dieses Argument erinnert mich an eine Erklärung, die einer der großen
Präsidenten der Vereinigten Staaten abgegeben hat.
einmal:

Abraham Lincoln sagte

"Wenn immer ich jemand die Sklaverei befürworten höre, wünsche ich,

man möge sie an ihm selbst erproben."
Die Erfahrungen in Indien und Amerika sprechen eine klare Sprache.

Sie

besagen, daß es mehr als nur eine Form des Hungers gibt und daß sich weder
Reiche noch Arme satt fühlen, wenn sie nicht an Körper und Geist gleichermaßen ernährt werden.
Ist die Demokratie wichtig? Wird die menschliche Freiheit von allen
Völkern geschätzt? Indien hat seine positive Antwort auf diese Fragen mit
Donnerstimme erteilt - mit einer Stimme, die überall auf der Erde gehört wurde. Im März vergangenen Jahres geschah hier in diesem Lande insofern etwas
Bemerkenswertes, als nicht irgendeine besondere Partei in den Wahlen gewon- 2 -

�gewonnen oder verloren hat, sondern weil sich meines Erachtens die größte
Wählerschaft der Erde ihre eigene Führerschaft frei und klug an den Wahlurnen selbst erwählt hat.

In diesem Sinne war die Demokratie der eigent-

liche Sieger.

Gemeinsam sind wir uns darin einig, daß die politische Freiheit die
Lokomotive des Fortschritts ist.

Indien und Amerika teilen sich in ihre prak-

tischen Erfahrungen mit der Demokratie.

Wir in den Vereinigten Staaten sind

stolz darauf, daß wir die politische Einheit eines Volkes verwirklicht haben,
dessen Urväter aus allen Gebieten der Erde gekommen sind.

Unser System ist

bestrebt, die Rechte einer großen Zahl von Minoritäten zu beachten - darunter
übrigens auch eine zunehmende und leistungsstarke Gruppe von Familien aus
Indien.

Die Gefahr für die politische Einheit ist jedoch hier eher noch größer.
Was die Unterschiede in Sprache und Religion, in den politischen Ansichten
und unter rassischen und kulturellen Gruppen angeht, ist Indien dem europäischen
Kontinent vergleichbar, dessen Bevölkerung etwa gleich stark ist wie die Indiens.

Indien hat ein ganzes Mosaik von Volksgruppen zu einem einheitlichen
Staat zusammengeschmiedet, der vielen Gefährdungen seines Bestandes als Nation
und Demokratie standgehalten hat.

Das ist sicherlich eine der größten po-

litischen Leistungen dieses Jahrhunderts und aller Zeiten.

Indien und die Vereinigten Staaten sind sich in der Achtung vor dem
Recht der freien Rede einig, die Mahatma Gandhi den "Grundstein der 'Swaraj'"
- der Selbstregierung - genannt hat.

Das gleiche gilt für die akademische

Freiheit, die Organisationsfreiheit der Gewerkschaften und die Presse- und
Religionsfreiheit.

Alle diese Rechte werden durch internationale Vereinbarungen sanktioniert.

Es gibt wenige Staaten, die nicht wenigstens ein Lippenbekenntnis zu
- 3 -

�zu ihnen ablegen.

Und dennoch, um Gandhi einmal mehr zu zitieren, hat "kein

Prinzip nur im Abstrakten und ohne konkrete Anwendung echte Bedeutung."
In Indien wie in den Vereinigten Staaten finden diese Rechte konkrete Anwendung - und haben auch echte Bedeutung.

In Wahrung dieser Rechte haben

sich unsere beiden Länder für ähnliche politische Wege zur Erschließung ihrer Ressourcen und Verbesserung der Lebensverhältnisse ihrer Völker entschieden.
Der Unterschied zwischen unseren Ländern beschränkt sich in dieser Hinsicht auf das Ausmaß, in dem das Wirtschaftswachstum einerseits durch staatliche Unternehmen und andererseits durch die Privatwirtschaft vorangetrieben
wird.

Wichtiger aber als dieser Unterschied ist unser gemeinsamer Glaube,

daß die politischen Strukturen, innerhalb derer die Entwicklung stattfindet,
demokratischer Natur sein und die Menschenrechte jedes einzelnen Bürgers respektieren müssen.
Unsere beiden Länder stimmen auch darin überein, daß die menschlichen
Bedürfnisse von den Menschenrechten untrennbar sind - daß die bürgerlichen
und politischen Freiheiten an sich gut sind, aber doch jenen Menschen, für
die das physische überleben nicht Gegenstand täglicher Sorge bildet, sehr
viel mehr nützen und bedeuten.
Genug Nahrungsmittel zu haben, um leben und arbeiten zu können, ein
angemessenes Dach über dem Kopf zu haben und ausreichend gekleidet zu sein,
in einer gesunden Umwelt zu wohnen und im Krankheitsfälle versorgt zu werden,
zu lernen und unterrichtet zu werden - auch um diese Rechte müssen sich unsere
Regierungen kümmern. Dieser Forderung nachzukommen, setzt ein ordnungsgemäßes
wirtschaftliches Wachstum voraus. Wenn die Früchte des Wachstums aber jenen
zugute kommen sollen, die ihrer am dringendsten bedürfen, gewinnt die soziale
Gerechtigkeit entscheidende Bedeutung.
Indien ist dabei, diese historische Aufgabe erfolgreich zu lösen.
seine Wirtschaft vor großen Problemen steht, ist kein Geheimnis, und der
- 4 -

Daß

�der Westen weiß auch, wie ernst diese sind.

Weit weniger weiß man, wie erfolgreich die indische Sozial- und Wirtschaftspolitik ist.

In der Generationsspanne, die seit Erlangung seiner

Unabhängigkeit verstrichen ist, hat Indien hierin außerordentliche Erfolge
erzielt.

Indien ist heute eine große Industriemacht.
hört zu den zehn größten der Welt.

Seine Volkswirtschaft ge-

Das Land ist auf dem Verbrauchsgüter-

sektor und hinsichtlich einer großen Zahl von Eisen- und Stahlprodukten praktisch autonom.

Es hat in fast allen wichtigen Industriezweigen bemerkenswerte

Produktionssteigerungen zu verzeichnen - Produktionssteigerungen, die einer
hochtechnisierten Wirtschaft gemäß sind.

Diese Art von Wachstum macht den

Versuch doppelt wichtig, bestehende Handelsschranken abzubauen, den bilateralen Handel auszuweiten und einen größeren Anteil an der gemeinsamen Verantwortlichkeit für das Welthandelssystem zu übernehmen.

Am wichtigsten aber sind die Verbesserungen der allgemeinen Lebensverhältnisse, die auch dem kleinen Mann zugute kommen.

Seit Erlangung der Unab-

hängigkeit ist die Lebenserwartung in Indien um 20 Jahre gestiegen.
fährdung durch größere Epidemien hat sich verringert.

Die Ge-

Der Anteil derer an der

Gesamtbevölkerung, die lesen und schreiben können, hat sich verdoppelt.

Wäh-

rend in den ersten Jahren nach Erlangung der Unabhängigkeit nur jedes dritte
indische Kind zur Schule ging, werden heute 90 Prozent aller Kinder im Grundschulalter unterrichtet; die Zahl der Universitätsstudenten hat sich verneunfacht.

Ich erwähne diese Fortschritte deshalb, weil wir dazu neigen, sie über
der Beschäftigung mit aktuellen Problemen zu übersehen, die zu Recht einen
Großteil unserer Aufmerksamkeit beanspruchen.

Indiens Schwierigkeiten, die wir vielfach aus eigener Erfahrung kennen
und die typisch für die Probleme aller Entwicklungsländer sind, erinnern uns
- 5 -

�uns an die Aufgaben, die noch vor uns liegen.
Indiens Erfolge aber sind nicht weniger wichtig - schon weil sie die
Theorie entschieden widerlegen, daß sich Entwicklungsländer eine autoritäre
oder totalitäre Staatsform zulegen und die geistigen Schäden hinnehmen müssen,
die diese Art von Herrschaft mit sich bringt, wenn sie wirtschaftliche und soziale Fortschritte erzielen wollen.
Die Aufgaben, vor die sich Ihr Land gestellt sieht, sind gewaltig - wie
die Inder selbst als erste zu bestätigen bereit sind.

Wir alle wissen, daß

das Wohl und Wehe eines Landes von seinen eigenen Anstrengungen abhängt.
Wir wollen uns gemeinsam mit Ihnen für die Aufrechterhaltung und Verbesserung unserer wertvollen und reifen Partnerschaft der politischen und
wirtschaftlichen Zusammenarbeit einsetzen.
Es ist eine ernüchternde Tatsache, daß auf diesem Subkontinent mit einer
Bevölkerung von Hunderten von Millionen nur einige wenige amerikanische Geschäftsleute am täglichen Wirtschaftsleben teilnehmen. Wir müssen weitere
Bereiche ausfindig machen, auf denen wir zum gegenseitigen Vorteil und zum
Vorteil der ganzen Welt zusammenarbeiten können.
•

Auf dem Gebiet der Entwicklung hat mich der schöpferische Kurs, den Ihre
Regierung in der Erklärung zur Neuen Wirtschaftspolitik aufzeigte, sehr
beeindruckt. Sie haben Ihr Volk eindeutig auf die Aufgabe der Verbesserung
der Landwirtschaft und die Schaffung neuer Arbeitsplätze auf dem Agrarsektor
verpflichtet. Diese Politik durchläuft gegenwärtig die Phase ihrer praktischen
Verwirklichung und insbesondere den Test, ihre Früchte an die ärmsten Teile
der Bevölkerung auf dem Lande weiterzureichen. Die Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit der Verpflichtung auf diese Aufgabe gibt Anlaß zu Optimismus.
Der neue Kurs Ihrer Regierung entspricht genau unserer eigenen Auffassung,
die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse müsse bei der Ent- 6 -

�Entwicklung Vorrang genießen. Wir möchten von Ihnen lernen und sind bereit,
überall dort mit Ihnen zusammenzuarbeiten, wo dies möglich ist.
Im Bereich der Landwirtschaft gibt es Bereiche vielversprechender Technologien, auf denen wir zusammenarbeiten können. Nach einem Jahrzehnt der
Getreideeinfuhren weist Indien heute einen Überschuß von nahezu 20 Millionen
Tonnen auf - dank der steigenden Produktivität Ihrer Landwirtschaft und einer
kompetenten Verwaltung.
Wir heißen das Getreidebevorratungsprogramm gut, das Ihr Land in Angriff
genommen hat, und wir sind gerne bereit, uns mit Ihnen in unsere Ressourcen
und Erfahrungen im Umgang mit den aus überschlissen resultierenden Lagerproblemen zu teilen. Unsere Länder müssen sich in die vorderste Front der Bemühungen einreihen, eine internationale Nahrungsmittelreserve aufzubauen,
die die Angst vor Hunger in der übrigen Welt besänftigen könnte.
Dabei sollten wir nicht übersehen, daß die Überschüsse von heute voraussichtlich ein zeitlich begrenztes Phänomen sind. Nach zuverlässigen
Schätzungen wird die Welt angesichts der raschen Bevölkerungszunahme schon
Mitte der achtziger Jahre von einer großen Nahrungsmittelknappheit bedroht
sein, wenn es uns nicht gelingt, die Produktionskapazität der Landwirtschaft
erheblich zu erweitern.
Die besten Aussichten zur Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft bestehen in Indien und anderen Entwicklungsländern. Es gilt, diese
Möglichkeiten zu nutzen - nicht nur, damit die Inder mehr zu essen haben,
sondern zu dem Zweck, daß Indien hierin auch in Zukunft autark bleiben und
vielleicht sogar Nahrungsmittel nach Ländern mit geringerem landwirtschaftlichen Potential exportieren kann.
Amerika und Indien haben auf dem Agrarsektor in enger Zusammenarbeit
denkwürdige Leistungen erzielt. Dennoch gibt es noch immer ein großes brachliegendes Potential, das in erweiterter Zusammenarbeit erschlossen werden
könnte.
T ,

�Ich hätte es gerne, wenn ein intensiveres Agrarforschungsprogramm zustande käme, das auf Produktivitätssteigerungen in Indien und Verbesserungen
der Entwicklungsmethoden abzielt, die auch in anderen Ländern angewandt werden können.

Dieses Programm könnte von den landwirtschaftlichen Hochschulen

unserer beiden Länder ausgehen, sollte sich aber auf den gesamten Bereich der
Agrarforschung erstrecken.

Ich meine ferner, wir sollten über die Forschung

hinausgreifend gemeinsame Entwicklungsprojekte aufstellen, in deren Rahmen
die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten erprobt und praktisch genutzt werden
könnten.

Ministerpräsident Desai und ich könnten unsere Regierungen anweisen,

ihr Augenmerk verstärkt auf diese Fragen zu lenken und in den nächsten Monaten spezifische Vorschläge zu unterbreiten.
Eines der Gebiete, in dem die internationale Zusammenarbeit am ehesten
Erfolg versprechend erscheint, sind Ostindien und Bangladesh, wo die Nahrungsmittelproduktion durch den Wechsel von Perioden der Trockenheit und Überschwemmung schwere Einbußen erleidet.
Millionen Menschen:

In diesem Gebiet leben mehrere Hundert

Bürger Indiens, Bangladeshs und Nepals und darüber hin-

aus auch Bürger der Weltgemeinschaft.

Dieser wiederum liegt sehr viel daran,

daß deren Bedürfnisse befriedigt werden.
Große Fortschritte wurden bereits auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft
erzielt.

Wir sind zur Hilfe bereit, sollten die Staaten dieser Region eine

Untersuchung wünschen, um festzustellen, wie die Völkergemeinschaft in Zusammenarbeit mit den Ländern Südasiens den Menschen dieses Raumes helfen, damit
sie lernen, Wasser aus Flüssen und Bergen dazu zu verwenden, jenen Produktivitätsgrad zu erreichen, den dieser Landstrich und seine Bewohner den naturgegebenen Voraussetzungen nach an sich erzielen könnte.
Ein fortgesetztes wirtschaftliches Wachstum setzt sowohl eine ausreichende
Energiebasis als auch eine ertragsreiche Landwirtschaft voraus.

Die Energie-

versorgung ist in unseren beiden Ländern ein ernstes Problem, da wir beide Ol
in einem Ausmaß importieren, das die Gesundheit unserer Wirtschaft bedroht
und uns den Gefahren einer Unterbrechung der Zulieferungen aussetzt. Ameri-

�Amerikanische Firmen arbeiten gemeinsam mit indischen Unternehmen an der Erschließung der Ölvorkommen vor der Küste unweit von Bombay.
Wir arbeiten ferner seit längerem gemeinsam an der Entwicklung der Kernenergie - einem weiteren wichtigen Element der indischen Energieplanung.

Ich

hoffe, daß unsere Zusammenarbeit auf diesem Gebiete weitergehen wird.

Darüber hinaus sind wir bereit, mit Ihnen in der Entwicklung erneuerungsfähiger Energiequellen - insbesondere in der Frage der Nutzung der Sonnenenergie - zusammenzuarbeiten.
unsere

Die Kooperation auf diesem Gebiet könnte für

beiden Länder eine ganz beträchtliche Hilfe sein.

Indien hat keinen

Mangel an Sonnenschein; das Fehlen einer umfassenden, auf der Verwendung fossiler Brennstoffe basierenden Infrastruktur wird die Nutzung der Sonnenenergie
und damit verbundenen anderweitiger Energieformen erheblich leichter machen
als in meinem Land.

Das naturgegebene dezentralisierte Vorkommen von Sonnen-

energie läßt diese zum idealen Gegenstand der Bestrebungen Ihrer Regierung
werden, Dörfer und Gemeinden energieautark zu machen.

Eine ausreichende

Energieversorgung und die Anwendung geeigneter technischer Methoden bei der
Nutzung der vorhandenen Bodenschätze werden die Aussichten auf Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft erheblich verbessern.

Die stumme Leere des Weltraums mag als weit abliegend von diesen Aufgaben
angesehen werden - dennoch können sich die komplizierten elektronischen Systeme
eines Raumsatelliten für Farmer überall auf der Erde als ebenso nützlich erweisen wie ein neuer Pflug.

Die indische und die amerikanische Regierung werden morgen in einem
diplomatischen Notenaustausch festlegen, daß die Vereinigten Staaten ihren
Landsat-Satelliten - einen Satelliten zur Aufspürung von Rohstoffvorkommen dahingehend programmieren werden, daß er Meßdaten direkt an eine Empfangsstation weitergeben wird.
Dieser

�Dieser Satellitendienst wird Indien mit umfassenden topographischen,
die Mineral vorkommen betreffenden Informationen und mit aktuellen Angaben
über die sich rasch verändernden Bedingungen hinsichtlich der Landwirtschaft,
des Wasserhaushalts und anderen natürlichen Hilfsquellen versorgen.

Aufgrund

der Bestimmungen der diesbezüglichen Vereinbarungen wird Indien seinen
Nachbarstaaten alle Informationen zugänglich machen, die diese betreffen.
Indien hat sich zudem Raum an Bord der amerikanischen Raumfähre reservieren lassen, um im Jahre 1981 unter Verwendung eines auf spezifisch indische Bedürfnisse programmierten Satelliten ein heimisches Kommunikationssatellitensystem aufzubauen.

Wir freuen uns, daß unsere Raumfahrttechnik

im Verein mit der weit fortgeschrittenen indischen Raumkommunikationstechnik
Gelegenheit erhält, der Sache des praktischen Fortschritts in Indien zu dienen.
Die zunehmende Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem Gebiet sollte in
einem erweiterten Wissen beider Völker und Kulturen voneinander verwurzelt
sein. Der Wissenschaftsaustausch zwischen unseren beiden Ländern bereicherte
das Leben der Amerikaner, die an ihm teilgenommen haben; dasselbe gilt, wie
ich hoffe, für die beteiligten Inder. Ich wünsche, daß der Personen- und
Informationsaustausch zwischen unseren beiden Ländern in Zukunft intensiviert
und weiter ausgedehnt werden wird.
Wir Amerikaner wissen, wieviel wir in Kultur und Kunst dazuzulernen haben. Außer Indien haben uns auch das übrige Asien, Afrika und der Nahe Osten
in dieser Hinsicht vieles zu bieten. Ich hoffe, die Aussichten der Bürger
der Vereinigten Staaten, die unterschiedlichen Kulturen der Nationen in diesem Teil der Welt kennenzulernen, erheblich verbessern zu können.
Was die Weltpolitik angeht, so hat die Geschichte unseren beiden Ländern
verschiedene Rollen zugewiesen. Die Vereinigten Staaten sind eine der beiden
sogenannten Supermächte; Indien ist das größte der blockfreien Länder. Wir
respektieren beide die Auffassung des anderen von seinen jeweiligen interna- 10 -

�internationalen Verantwortung.

Die Werte, in die wir uns teilen, bilden

die Grundlage unserer Zusammenarbeit in dem Bestreben, die großen weltweiten
Probleme der wirtschaftlichen Gerechtigkeit, der Menschenrechte und der Verhinderung von Kriegen zu lösen.

Die Verwirklichung der Gerechtigkeit in der Welt und der Aufbau einer
neuen weltwirtschaftlichen Ordnung müssen auf eine Art und Weise erfolgen,
die konstruktive Entwicklungen statt fruchtloser Konfrontationen möglich
machen.

Jedes Land wird Schaden nehmen, wenn wir es zulassen, daß der Nord-

Süd-Dialog ergebnislos abgebrochen wird.

Weil Indien Entwicklungsland und Industriemacht zugleich ist, sind Sie
in der einzigartigen Position, eine konstruktive internationale Diskussion
über Fragen des Handels, der Energieversorgung, der Investitionen, der Zahlungsbilanzen und der Technologie sowie über andere Punkte in Gang zu setzen.
Ich begrüße es, wenn Sie diese Rolle spielen.

Ich weiß, daß wir gelegentlich in spezifischen Fragen und selbst bezüglich der generellen Einstellung zu größeren Problemen unterschiedlicher Auffassung sind.

Dennoch werden uns, wie ich hoffe und glaube, unsere gemein-

samen Interessen und die gemeinsame Verpflichtung auf demokratische Werte
helfen, in wichtigen weltweiten und auch bilateralen Fragen einer Einigung
näher zu kommen.

Keine unserer beiden Länder aber ist darauf aus, auf den Kurs des anderen einzuschwenken, es sei denn in der Verfolgung der Ziele des Friedens
und der Gerechtigkeit.

Wir können uns jedoch gegenseitig helfen,

Differen-

zen im Verhältnis zu anderen Ländern auszuräumen.

Unsere beiden Länder sind Teil einer demokratischen Welt, die Völker
auf allen Entwicklungsstufen einschließt:
Lanka und Costa Rica.

von Schweden und Japan bis Sri

Wir haben viele Probleme gemeinsam.

Wir teilen uns

in die Verpflichtung, die Menschenrechte durchzusetzen - nicht in der Weise,
- 11 -

�Weise, daß wir uns in die Angelegenheiten anderer Länder einmischen, und
auch nicht, indem wir anderen Ländern das Recht streitig machen, ihr eigenes politisches und wirtschaftliches System selbst zu bestimmen, sondern
indem wir die Wahrheit verfechten, wie wir sie sehen, und indem wir ein nachahmenswertes Beispiel dessen geben, was Demokratie bedeuten und bewerkstelligen kann.
Die Gefahr eines Krieges bedroht jedermann.

Die Vereinigten Staaten

sind bestrebt, an der Verminderung dieser Gefahr mitzuwirken:

in den SALT-

Verhandlungen mit der Sowjetunion, in den Gesprächen um das Zustandekommen
eines Vertrags über einen umfassenden Atomversuchsstopp und in unserer Politik der Zurückhaltung bezüglich der Liferungen konventioneller Waffen.
Wir sind ernsthaft bemüht, die Weiterverbreitung von Kernbrennstoffen
streng zu begrenzen.

Wir sind darauf bedacht, den Frieden in Afrika und im

Nahen Osten zu fördern.

Und wir haben Schritte unternommen, eine Rivalität

der Großmächte im Indischen Ozean zu verhindern.
Indien hat sich zur friedlichen Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn verpflichtet, und Indien leistet einen wichtigen Beitrag zu fast allen Friedensstreitkräften der Vereinten Nationen.

Es ist gegenwärtig, wie schon mehr-

mals, Mitglied des UN-Sicherheitsrates, und es steht seit langem schon in
der vordersten Front des Kampfes gegen Kolonialismus und Apartheid.
Immer häufiger stellen wir fest, daß wir gemeinsam auf gemeinsame Ziele
hinarbeiten: Demokratie, Verbesserung des Loses der Menschen, soziale Gerechtigkeit und Frieden.
Das Motto meines Landes lautet "In God we Trust" - Wir vertrauen auf
Gott.

Indiens Motto heißt "Satymev Jayte" - Die Wahrheit allein obsiegt.

Meines Erachtens manifestiert sich die Gemeinsamkeit unserer grundlegenden
Wertvorstellungen darin, daß Ihr Motto das Unsere und unser Motto wohl auch
das Ihre sein könnte.

Unsere Völker teilen die gemeinsamen Zielsetzun- 12 -

�Zielsetzungen des Friedens in der Welt und der Besserung des Loses der
Menschen in unseren eigenen Gesellschaften.

Wir teilen uns darüber hinaus

in die Überzeugung, daß die Mittel zur Erreichung dieser Ziele mit den Prinzipien der Freiheit, der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit ebenso in Einklang stehen müssen wie diese Ziele selbst.

Diese Affinität der Auffassungen ist ein so starkes Bindeglied zwischen
zwei Nationen, wie es nur möglich ist.

Die Wertvorstellungen, die Indern und

Amerikanern gemeinsam sind, haben mein eigenes Leben tief berührt.

Ich kom-

me zu Ihnen als Führer meines Landes in der Hoffnung, daß mein Besuch eine
neue bedeutsame Phase in den sich ständig bessernden Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern einleiten wird.

In einem mehr persönlichen Sinne

aber - in einem Sinne, der mir sehr am Herzen liegt - komme ich als Pilger.

Heute morgen hatte ich die Ehre, einen Kranz am Denkmal Mahatma Gandhis
niederzulegen.

An diesem heiligen Ort, der so einfach und heiter ist, er-

innerte ich mich daran, wie Gandhis Lehren das Leben von Millionen Menschen
in meinem eigenen Land angerührt haben.

In meiner Jugend, die ich auf einer Farm in Georgia im Herzen des Südens
der Vereinigten Staaten verbracht habe, stand wie eine unsichtbare Mauer die
Rassentrennung zwischen mir und meinen schwarzen Spielgefährten, sobald wir
das Schulalter erreicht hatten.

Man konnte glauben, daß diese Mauer auf

ewig fortbestehen würde.

Es hatte aber nur den Anschein.

Sie zerbröckelte und stürzte zusammen.

Wenngleich ihre Trümmer noch nicht vollständig abgetragen sind, trennen ihre
Überbleibsel heute nicht mehr den einen vom anderen, und sie üben auch keinen
verderblichen Einfluß mehr auf das Leben von Menschen auf beiden Seiten aus.

Unter den vielen, die wegen des Übels rassischer Vorurteile auf die
Straße gingen, unter ihm litten und Zeugnis wider es ablegten war Dr. Martin
Luther King, Jr., ein Sohn Georgias und ein geistiger Schüler Mahatma Gandhis,
der Größte.

Der

- 13 -

�Der wichtigste Einfluß im Leben und Werk Kings war, abgesehen von seinem
religiösen Glauben, das Leben und Werk Gandhis.

Martin Luther King übernahm

Gandhis Konzept des Ahimsa und Satygraha - das Konzept der Gewaitlosigkeit und
der Kraft der Wahrheit - und brachte es im Süden Amerikas zur praktischen Anwendung.
Wie Gandhi hielt auch King die Wahrheit und die Liebe für die stärksten
Kräfte des Universums.

Wie Gandhi wußte auch er, daß einfache Menschen - nur

mit ihrem Mut und ihrem Glauben bewaffnet - fähig sind, Ungerechtigkeiten dadurch zu überwinden, daß sie an den göttlichen Funken im Herzen selbst von
Übeltätern appellierten.
Wie Gandhi haben wir alle erfahren, daß ein System der Unterdrückung
jenen, die an seiner Spitze stehen, ebenso zum Schaden gereicht wie jenen,
die sich unten an seiner Basis finden.

Für Martin Luther King wie für Mahatma

Gandhi war die Gewaitlosigkeit nicht lediglich eine Methode der Politik, sondern eine Lebensform und ein geistiger Weg zur Vereinigung mit dem Höchsten.
Diese Männer stellten eine Norm des Mutes und des Idealismus auf, die
wenige unter uns zu erfüllen vermögen, die uns allen aber Quelle der Inspiration und Anstoß zu Beharrlichkeit sein kann.

Die Bewegung der Gewaitlo-

sigkeit im Kampf für Rassengerechtigkeit in den Vereinigten Staaten - eine
Bewegung, die in hohem Maße von den Lehren und vom Beispiel Gandhis und anderer führender indischer Persönlichkeiten inspiriert wurde - hat mein eigenes Leben und das Leben von Millionen meiner Landsleute verändert und bereichert.
Sie werden mir sicherlich verzeihen, wenn ich hierüber in solcher Breite
spreche. Ich tue dies, weil ich Ihnen verständlich machen möchte, daß es mir
eine Herzens- und nicht lediglich eine Verstandesangelegenheit ist, wenn ich
von der Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Indien spreche.
Ich spreche hiervon aber im tiefen und unmittelbaren Bewußtsein dessen, was
die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern in der Vergangenheit bedeutet

�bedeutet haben und was sie in Zukunft bedeuten können.
Für den Rest dieses Jahrhunderts bis in das nächste Jahrhundert hinein
werden sich die demokratischen Staaten der Erde einander in verstärktem Maße
zuwenden, wenn es darum geht, eine Antwort auf die dringendste gemeinsame
Frage zu finden: Wie können wir unsere politischen und geistigen Werte als
Grundlage für den Abbau der sozialen und wirtschaftlichen Belastungen benutzen,
denen wir zweifellos ausgesetzt sein werden.
Die Erfahrung der Demokratie ist wie die Erfahrung des Lebens selbst:
sich ständig verändernd, unendlich in ihrer Vielfalt, gelegentlich turbulent
und umso wertvoller deshalb, weil sie aus widrigen Umständen erwuchs.

Wir

teilen uns mit Ihnen in diese Erfahrung, und wir leiten Stärke aus ihr.
Welche Unterschiede auch immer zwischen meinem Lande und dem Ihren bestehen mögen, wir bewegen uns beide auf dem Weg der Demokratie auf das gemeinsame Ziel der Verbesserung des Loses der Menschen hin.
Ich weiß, daß ich im Namen aller Amerikaner spreche, wenn ich hier erkläre, wie dankbar ich dafür bin, daß wir diesen Weg gemeinsam gehen.

- 15 -

�Dokumentation

I

United States Information Service

11. Januar 1978

DEKLARATION VON DELHI

NEU DELHI - AD - Die von Presseamt des Weißen Hauses am 3. Januar 1978
veröffentlichte Deklaration von Delhi hat folgenden Wortlaut:
Indien und die Vereinigten Staaten von Anerika sind sich trotz Unterschieden in Geschichte und Kultur eins in der Anerkennung, daß die letztliche Sanktion der Macht und der öffentlichen Politik in der Achtung vor
der Würde und den Wohlergehen des Einzelnen beruht. Unbeschadet seiner Rasse,
seines Geschlechts, seiner Religion oder seines sozialen Status hat jedes
menschliche Wesen ein Recht auf Leben und bürgerliche Freiheit, auf Freiheit
von Not und - ohne Bedrohung und Zwang - auf Freiheit der Meinung und des
religiösen Kultus.
Wir teilen den unerschütterlichen Glauben an die demokratische Regierungsform, die allen Bürgern die fundamentale

Freiheit unter dem Gesetz garantiert,

sowie das Recht, ihre Vertreter zu wählen und über die eigene Zukunft selbst
zu bestimmen.
Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, daß eine kooperative und stabile

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�stabile Weltordnung von den Recht eines jeden Volkes abhängig ist, seine
eigene Regierungsform zu wählen, sowie von den Recht jeder Nation auf ihren
eigenen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Weg.
•

Wir sind erfreut, daß der Prozeß der Entkolonialisierung das internationale Staatensystem demokratisiert und damit den meisten Nationen zum
erstemal die Chance gegeben hat, an den EntScheidungsprozessen in bazug
auf internationalen Frieden

und Zusammenarbeit teilzunehmen.

Die Ungleichheiten, die bezüglich der wirtschaftlichen Stärke

zwischen

den Nationen bestehen, müssen überbrückt und es muß eine gerechtere internationale Wirtschaftsordnung geschaffen werden, wenn wir den Weltfrieden
sichern wollen.
Wir sind uns bewußt, daß eine breitangelegte wirtschaftliche Entwicklung für einen modernen Staat wesentlich ist, sind uns aber auch bewußt,
daß ein solcher Fortschritt hohl ist, wenn jeine Früchte nicht die gesamte
Bevölkerung erreichen.
Die heutige Welt verfügt über das wissenschaftliche und technische
Vermögen, um die Lebensqualität zu bereichern und größere soziale Gerechtigkeit innerhalb der Nationen und unter ihnen zu schaffen. Wir appellieren
an die interdependente Gemeinschaft der Völker, zusammenzuarbeiten, um das
gemeinsame Erbe an Ressourcen und heiler Umwelt auf unserem Planeten zu
schützen und zu pflegen.
Wir erklären, daß Krieg kein akzeptables Mittel zur Lösung politischer
Streitfragen ist. Unsere Länder werden ihr Äußerstes tun, um Streitigkeiten
mit anderen in gütlicher Form zu regeln und im Rahmen der Vereinten Nationen
bei der Lösung von Streitfällen anderer mitzuhelfen.
Das Gespenst des Kriegs hat zu lange über der Welt gelastet. Bestehende
Kernwaffenarsenale müssen reduziert und schließlich gänzlich beseitigt werden,

- 2 -

�werden

und der Gefahr einer Proliferation der Kernwaffen muß Einhalt geboten

werden. Außerdem muß jede Anstrengung unternommen werden, um in immer
weiterem Maße die konventionellen Waffen zu reduzieren und die auf diese
Weise freigesetzten produktiven Kräfte für eine Verbesserung der Lage der
Menschheit umzuleiten. Wir verpflichten uns unsererseits, auf diese Ziele
hinzuarbeiten.
über die Bereiche der Politik und Wirtschaft hinaus bietet die Welt heute
Gelegenheiten für einen freieren und umfassenderen Austausch auf geistigem
und wissenschaftlichem Gebiet. Freiheit der Ideen und die Förderung von
kulturellem und künstlerischem Zusammenwirken in einer Welt, in der der Geist
ohne Furcht ist, kann eine Atmosphäre schaffen, in der Toleranz und Verständnis gedeihen können.
über die traditionellen Ideen des Staatswesens hinaus sind sich Inder
und Amerikaner der Verpflichtung gegenüber sich selbst und anderen bewußt,
daß der

Zweck niemals die Anwendung schlechter Mittel rechtfertigen kann.

Nationen sind wie Einzelmenschen für ihre Handlungen moralisch verantwortlich.

+ + + + +

- 3 -

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG CARTERS ANLÄSSLICH DER UNTERZEICHNUNG DER DEKLARATION VON DELHI

NEU DELHI - AD - Die von Präsident Carter anläßlich der Unterzeichnung
der Deklaration von Delhi am 3. Januar 1978 abgegebene Erklärung hat folgenden
Wortlaut:
Herzstück der Freundschaft zwischen Indien und den Vereinigten Staaten
ist unsere Entschlossenheit, daß die moralischen Werte unserer Völker das
Handeln unserer Staaten bestimmen mUssen.
Unsere beiden Nationen sind als bewußte Gestaltungen von Männern und
Frauen entstanden, die fest daran glaubten, daß geistige Grundsätze einen
politischen Ausdruck finden könnten. Gandhi und Nehru, Washington und Jefferson,
die Tausende, die mit ihnen zusammenarbeiteten,und die Millionen, die von
ihnen geführt wurden -sie alle waren entschlossen, der Welt ein leuchtendes
neues Beispiel zu geoen. Die Vereinigten Staaten gaben der Welt ein Beispiel
für eine neue Regierungsform mit einer neuen Beziehung zwischen Bürger und
Staat - einer Beziehung, in der der Staat dazu da ist, den Bürgern zu dienen,
und nicht die Bürger dazu da sind, dem Staat zu dienen.
Indien unternahm

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�•

Indien unternahm den Versuch, aus einer überwältigenden menschlichen
Vielfalt eine politische Einheit zu schaffen und es damit Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Religionen zu ermöglichen, in Unabhängigkeit und Freiheit zusammenzuarbeiten. Was Sie unternahmen,war ein
Versuch, dessen Erfolg die Welt heute aufs neue feiert.
Die von uns soeben unterzeichnete Deklaration bringt zu Papier, was seit
langem in unsere Herzen geschrieben war. Sie proklamiert unsere Überzeugung,
daß jeder Einzelne unabdingbare Rechte hat, sowie unser Eintreten für Gerechtigkeit zwischen den Nationenen und innerhalb der Gesellschaftsformen und unsere
entschlossene Überzeugung, daß Streitigkeiten ohne Gewalt gelöst werden müssen,
vor allem in diesem Zeitalter, in dem Kernwaffen mit totaler Zerstörung
drohen. Vor allem aber bekräftigen wir, daß Staaten wie Einzelmenschen eine
moralische Verantwortung für ihre Handlungen tragen.
Gestern sagte ich vor Ihrem Parlament, daß wir unbeschadet der Differenzen
zwischen unseren Nationen den Weg auf ein gemeinsames Ziel hin beschreiten,
das Ziel der menschlichen Entwicklung und der Menschenrechte. Wenn ich Indien
jetzt verlasse, so bin ich dankbar, zu wissen, daß wir mit dieser Deklaration
einen weiteren Schritt auf diesem Weg getan haben.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANKUNFTSERKLRRUNG PRÄSIDENT CARTERS IN SAUDI-ARABIEN

RIAD - AD - Nach seiner Ankunft in der Hauptstadt Saudi-Arabiens,
Riad, gab Präsident Jimmy Carter am 3. Januar 1978 eine Erklärung ab,
die folgenden Wortlaut hat:
Friede sei mit Ihnen (in arabischer Sprache). Der Hauptzweck meiner
Reise und meines Besuches ist der Friede.
Das erste Treffen zwischen den Führern Saudi-Arabiens und der Vereinigten Staaten fand statt, als Präsident Franklin Roosevelt zu seiner Zusammenkunft mit König Abdul-Aziz (ibn-Saud) an den Golf von Suez reiste.
Diese Freundschaft ist inzwischen gewachsen und umfaßt nunmehr die
Millionen von Menschen in unseren beiden Ländern. Wir arbeiten jetzt zusammen, und wir planen gemeinsam für die Zukunft. Die Bindungen, die uns
zusammenhalten, sind stark und unzerstörbar.
Unser Aufenthalt hier ist zwar nur kurz, aber ich habe bereits viel
von Kronprinz Fahd, Prinz Saud und anderen Führern Saudi-Arabiens erfahren,
die mich kürzlich in meinem eigenen Lande besucht haben. Ich bin jetzt sehr

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�sehr froh, mit Eurer Majestät zu engen Konsultationen über Fragen von
großem beiderseitigen Interesse für unsere Völker zusammenzutreffen.
Wie Eure Majestät bereits gesagt haben, ist das wichtigste Thema,
das wir erörtern werden, das baldige Zustandekommen eines gerechten und
dauerhaften Friedens im Nahen Osten.
Ich erinnere mich des arabischen Willkommensgrußes "Ahlan wa Sahlan".
Er ist so schön und einfach und bedeutet nach meiner Erinnerung "Ihr
befindet Euch unter Euren eigenen Leuten, und Eure Schritte werden unbehindert sein".
Angesichts der Warmherzigkeit dieser Begrüßung fühle ich mich unter
meinen eigenen Leuten, und ich weiß, daß meine Schritte nicht behindert
sein werden, weil ich denselben Weg gehe wie Eure Majestät, König Khaled,
nämlich den Weg zu dem gemeinsamen Ziel einer noch größeren Freundschaft
zwischen unseren Völkern, zwischen unseren beiden Ländern, und zu einem
Frieden für alle Menschen dieser Welt. Eure Majestät, wir freuen uns, in
diesem großen Land zu sein. Ich danke Ihnen.

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG CARTERS NACH DEM TREFFEN MIT PRÄSIDENT SADAT

ASSUAN - AD - Nach dem Zusammentreffen mit dem ägyptischen Präsidenten
Anwar el Sadat in Assuan gab Präsident Jimmy Carter am 4. Januar 1978
folgende Erklärung ab:
Präsident Sadat, Volk von Ägypten:
Es ist uns eine Ehre und eine Freunde, in diesem großen Lande sein zu
dürfen, das von einem so starken und mutigen Manne geführt wird.
Herr Präsident, Ihre kühne Initiative bei der Suche nach Frieden hat
die Bewunderung der ganzen Welt gefunden. Zu dem Wertvollsten, was ich besitze,
gehört die herzliche und persönliche Beziehung, die mich mit Präsident Sadat
verbindet, an der die Freundschaft und die gemeinsamen Zielsetzungen des
ägyptischen und des amerikanischen Volkes deutlich werden.
Die ägyptisch-israelische Firedensinitiative muß Erfolg haben, wobei
die heiligen und historischen Prinzipien derjenigen Nationen bewahrt bleiben
müssen, die in diesem Gebiet so sehr gelitten haben. Es gibt keinen vernünftigen

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�vernünftigen Grund, warum eine Anpassung nicht erreicht werden könnte.
Ich bin in meinen persönlichen Gesprächen sowohl mit den arabischen
wie mit den israelischen Führern tief beeindruckt worden von dem einmütigen
Wunsch nach Frieden. Meine heutige Anwesenheit hier ist ein direktes Ergebnis
der mutigen Initiative, die Präsident Sadat mit seiner kürzlichen Reise nach
Jerusalem ergriffen hat.
Wir sind der Ansicht, daß es bestimmte Prinzipien grundsätzlicher Art
gibt, die beachtet werden müssen, bevor ein gerechter und umfassender Friede
erreicht werden kann. Erstens: Ein wahrer Friede muß auf normalen Beziehungen
der Friedensparteien basieren. Ein Friede bedeutet mehr als nur die Einstellung
der Kampfhandlungen. Zweitens muß ein Rückzur Israels aus den im Jahre 1967
besetzten Gebieten stattfinden sowie ein Abkommen über sichere und anerkannte
Grenzen für alle Parteien im Zusammenhang normaler und friedlicher Beziehungen
und in Übereinstimmung mit den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen
Zustandekommen. Und drittens: Es muß eine Lösung des Palästinenser-Problems
und all seiner Aspekte geben.
Das Problem muß das legitime Recht des palästinensischen Volkes in Rechnung
stellen und die Palästinenser in die Lage versetzen, an der Gestaltung ihrer
eigenen Zukunft teilzuhaben. Eine gewisse Flexibilität wird immer nötig sein,
um erfolgreiche Verhandlungen und eine Beilegung der sich widersprechenden
Ansichten zu garantieren.
.

Wir wissen, daß das Zeichen für Größe unter den führenden Staatsmännern
darin besteht, sorgfältig die Ansichten anderer sowie den größeren Nutzen in
Erwägung zu ziehen, der sich zwischen den Völkern aller Länder ergeben und aus
dem Streben nach Frieden resultieren kann.
•

Herr
meinsames
Jahr 1978
Ich danke

Präsident, unsere Gespräche am heutigen Vormittag haben unser geEintreten für die Grundsätze bekräftigt, die mit Gottes Hilfe das
zu einem Jahr des ständigen Friedens im Nahen Osten machen werden.
Ihnen.
+ + + + +

- 2 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANKUNFTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS AUF DEM PARISER FLUGHAFEN

PARIS - (AD) - Bei seiner Ankunft auf dem Pariser Flughafen Orly am 4.
Januar 1978 gab Präsident Carter folgende Erklärung ab:
"Herr Präsident, hochgeschätzte Mitglieder der französischen Regierung,
Franzosen!
Ich bin glücklich hier in Paris, der Königin der Städte zu sein, und zum
zweitenmal zu Besuch nach Frankreich zu kommen.

Das geistige und intellek-

tuelle Erbe der Vereinigten Staaten ist nur von der Nation noch übertroffen
worden, deren Sprache ich jetzt spreche.
Ich hatte die Ehre mit Präsident Giscard schon einmal in Frankreich zusammenzutreffen und Ministerpräsident Barre im vorigen Jahr im Weißen Haus
willkommen heißen zu können. Ihr Rat und ihr Wissen - vor allem in internationalen, politischen und wirtschaftlichen Fragen, die unsere beiden Nationen
betreffen, ist sehr nützlich gewesen.
Wie Ihr Präsident sagte, ist das Verhältnis zwischen unseren Völkern
von besonderer und seltener Art, weil es weitgehend eine Allianz der Ideale

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Ideale gewesen ist.

Vor zweihundert Jahren halfen sich führende Männer

in unseren beiden Nationen gegenseitig bei der Festlegung eines revolutionären Prinzips - daß die Bürger gewisse natürliche Rechte besitzen, die
höher stehen als die Machtansprüche eines jeden Staates.
In jenen Zeiten stellten die Erklärung der Menschenrechte und die Unabhängigkeitserklärung die Welt auf den Kopf, beide sind immer noch der
Grundstein unserer eigenen demokratischen Regierungssysteme und der Ursprung
für die Forderung nach Menschenrechten, wie sie heute in immer stärkerem
Maße in der ganzen Welt vernommen wird.
Aber in unserer Allianz steckt mehr als nur Ideale. Die Amerikaner
werden niemals die entscheidende Unterstützung vergessen, die uns durch
Lafayette und die französische Nation in jenen schmerzlichen und gefährlichen
Tagen der Geburt unserer Nation zuteil wurde.

Es war der gleiche Geist ge-

meinsamer Zielsetzung in dem die Amerikaner die Küsten der Normandie betraten und an die Marne zogen, um gemeinsam mit Frankreich Ihre und damit unsere eigene Freiheit zu schützen und zu bewahren.
Nun sind wir wiederum verbündet in der Suche nach Antworten auf schwierige Fragen, die uns beide betreffen.

Präsident Giscard d'Estaing und ich

werden darüber sprechen, wie man die Stabilität und das Wachstum der internationalen Wirtschaft sichert und für wirtschaftliche Gerechtigkeit innerhalb unserer eigenen Gesellschaftsformen und unter den Nationen der Welt eintritt, wie man die Verteidigung unserer westlichen Nationen aufrechterhält
und gleichzeitig ständig um den Frieden in Unruhegebieten, wie dem Nahen
Osten, bemüht ist, wie man die Beziehungen zur Sowjetunion und Osteuropa
ständig verbessert und den Stand aller Arten von Rüstung senkt.

Wir werden

uns auch mit anderen Fragen befassen, die kein Staat übergehen kann, vor
allem mit dem Weltenergieproblem und dem anhaltenden Kampf um die menschlichen Grundrechte, die unsere beiden Nationen vor zweihundert Jahren verkündet haben.
Die

�Die Statue im Hafen von New York, die unsere eigene Freiheit symbolisiert, kam, wie viele Ideen, die zuerst unsere eigenen Forderungen nach
Freiheit inspirierten, als ein Geschenk vom französischen Volk.
Die Art und Weise, wie wir an spezifische Fragen herangehen, mag nicht
immer die gleiche sein, aber unsere tiefe Achtung vor der Unabhängigkeit und
führenden Aufgabe Frankreichs und unsere Liebe zu ihrem Volk, sind seit über
zweihundert Jahren stark geblieben.

Ich hoffe und glaube, daß die Bande zwi

sehen Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika in Zukunft noch
stärker werden.
Herr Präsident, wir sind glücklich hier in Ihrem großen Land bei Ihrem
großen Volk zu sein".

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS IN PARIS

PARIS - AD - Präsident Jimmy Carter hat in einer Ansprache am
4. Januar 1978 im Palais de Congres in Paris eine "neue Tagesordnung
flir die Demokratie" aufgestellt. Die Rede des Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Herr Ministerpräsident, Herr Präsident Giscard, verehrte Vertreter
der Organisationen, die täglich an der Festigung der Freundschaft zwischen
unseren beiden Ländern arbeiten, meine Damen und Herren aus Frankreich und
meine amerikanischen Mitbürger, die heute abend hierher gekommen sind:
Heute nachmittag habe ich einen Kranz am Grabmal des Unbekannten
Soldaten niedergelegt, der an die Tapferkeit des französichen Volkes erinnert. Zu meiner Linken stand eine Gruppe von Männern aus dem gleichen
Regiment, das vor 200 Jahren mit George Washington in Yorktown focht.
Als unsere Demokratie geboren wurde, war Frankreich dabei.
Seit über 200 Jahren haben unsere beiden Nationen die gleichen Ideale

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�Ideale

und die gleiche Kultur gehabt.

Eine Überzeugung vor allen anderen war es, die uns zu dem gemacht
hat, was wir sind: Der Glaube, daß die Rechte des Einzelnen von Geburt her
höher stehen als die Ansprüche des Staates. Das ist die Botschaft, die das
amerikanische und das französische Volk vor zwei Jahrhunderten jeweils der
Welt gebracht haben. Das sind die Werte, auf deren Bestätigung durch uns
sich die Welt noch heute verläßt.
Demokratie war damals eine neue und unerprobte Konzeption. Heute
ist sie der Maßstab für unsere westliche Zivilisation. Die so sehr von der
französichen Philosophie inspirierte amerikanische Unabhängigkeitserklärung
spricht von den "unveräußerlichen Rechten" des Menschen auf"Leben, Freiheit
und das Streben nach Glück". Diese Rechte waren damals umstritten. Heute
sind sie der Maßstab, an dem die Glaubwürdigkeit von Regierungen gemessen
wird. Die Demokratie ist in der Tat eine so zwingende Idee, daß selbst ihre
Feinde heute versuchen, die Unterdrückung mit falschen demokratischen
Etiketten zu bemänteln.
Aber unsere demokratische Ordnung wird in Frage gestellt. Es gibt
heute Menschen, die bezweifeln, ob die demokratischen Werte den zeitgenössischen Umständen noch entsprechen. In den Entwicklungsländern werden
Stimmen laut, die fragen, ob die Vorstellungen von Redefreiheit, persönlicher Freiheit und freigewählter Regierung in dem Kampf um die Überwindung der Armut nicht beiseite geschoben werden sollten. In den Industrieländern werden Stimmen laut, die fragen, ob die Demokratie uns die Werkzeuge
für die Bewältigung des wahnsinnigen Tempos des Wandels in unserem modernen
Leben gibt. Wir haben Warnungen gehört, daß eine demokratische Gesellschaft
sich selbst nicht die Zurückhaltung und Selbstdisziplin auferlegen könne,
die für die Überwindung der bestehenden wirtschaftlichen Probleme notwendig
sind. Wir haben gehört, daß die ungleichartigen Elemente unserer Gesellschaft
in einem demokratischen System keinen Zusammenhalt finden könnten, überall
scheint der Eindruck zu entstehen, daß Regierungen etwas fernab Liegendes,

- 2 -

�liegendes, Unpersönliches, Inikompetentes seien. Viele Menschen bezweifeln,
daß ihre von ferne kommende, einsame Stimme bei einer Regierung Gehör finden
könne.
Das sind reale Probleme. Wir müssen ihre Existenz eingestehen. Aber
wir müssen auch die Last tragen, die eine demokratische Gesellschaft jenen
aufbürdet, die Teil von ihr sind. Wir müssen unseren unerschütterlichen
Glauben an die Werte unserer demokratischen Völker proklamieren - und
unsere Überzeugung, daß diese Werte noch immer gültig sind - für arm und
reich, in Nord und Süd, in Ost und West - heute noch genau so wie damals,
als unsere Vorväter die Unabhängigkeitserklärung unterzeichneten und die
Ihrigen die Menschenrechtserklärung proklamierten.
Wir verteidigen diese Werte, weil sie richtig sind und weil es keine
höhere Zielsetzung für den Staat gibt, als diese Rechte für seine Bürger zu
bewahren. Aber wir verteidigen sie auch aus dem Glauben heraus, daß zwischen
der Erhaltung unserer demokratischen Werte und der Bewältigung der Aufgaben
einer modernen Gesellschaft kein Widerspruch besteht.
Gerade wenn die Demokratie vor schwierigen Aufgaben steht, müssen ihre
Führer Festigkeit im Widerstand gegen die Versuchung zeigen, Lösungen mit
undemokratischen Mitteln zu finden.
Ich habe diese Woche in Indien von unserer Überzeugung gesprochen,
daß die Entwicklungsländer ihr volles wirtschaftliches und politisches
Potential nur erreichen können, wenn sie die bürgerlichen Freiheiten des
einzelnen Bürgers achten. Daran glauben wir. Die größte Demokratie der Welt
beweist, daß dieser Glaube richtig ist.
Wir kommen hier als Industriestaaten zusammen, um zu bekräftigen, daß
unser Vertrauen in eine demokratische Zukunft für die industrialisierten
Gesellschaftsformen genau so stark ist.
Demokratie bedeutet
- 3 -

�Demokratie bedeutet nicht nur Recht und Gerechtigkeit. Sie ist auch
das mit der menschlichen Natur am meisten in Einklang stehende System. Sie
ist die wirksamste Weise, eine Gesellschaft mit dem Ziel des Wohles aller
zu gestalten.
Wo der Staat alles beherrscht, besteht nur für die beschränkten
Talente des Bürokraten die Möglichkeit zu gedeihen.
Aber das pluralistische Wesen einer Demokratie bietet einem breiten
Bereich von Talenten die Chance zum Erfolg - in der Regierung, in den Geisteswissenschaften, in der Arbeiterschaft, auf dem Gebiet der Technologie, in
den Naturwissenschaften und auf dem freien Markt. Die Demokratie setzt die
schlummernde schöpferische Energie in jedem von uns frei.
Wir brauchen nur auf die letzten drei Jahrzehnte zurückzublicken, um
den einzigartigen Erfolg zu sehen.Diese Jahre waren eine außergewöhnliche
Zeit für Frankreich, für Westeuropa, für die Vereinigten Staaten und andere
demokratische Nationen.
Frankreich und seine Partner in Westeuropa erhoben sich aus den Trümmern
und dem Chaos des Zweiten Weltkrieges und bauten Wirtschafts- und Gesellschaftsformen auf, die blühender und produktiver als je zuvor sind, und sie
gewannen sehr rasch Führungspositionen in der Welt.
Noch nie wurden so viele neue Arbeitsplätze und so viel neuer Wohlstand geschaffen und eine so große Umwandlung im Leben der Menschen so wirksam
gestaltet - und das in solcher Freiheit.
Das alles ist kein Zufall. Nationen mit anderen politischen Systemen
ist dies

trotz ihrer großen Ressourcen an Menschen und Naturschätzen nicht

so gut gelungen.
Auch schützt uns die Demokratie gegen die Exzesse der Modernisierung.
Sie hilft uns ständig, die immer größer werdende Komplexität des menschlichen

�menschlichen Lebens auf ein menschliches Maß zurückzuführen. In einer
Zeit, in der der Computer eine totale staatliche Kontrolle möglicher werden
läßt als je zuvor - indem man Menschen wie Zahlen behandelt - ist die
Demokratie auf der Hut und schützt die Unverwechselbarkeit des einzelnen
Menschen.
Das ist auch ein Grund, warum der große Trend der Emigration in der
Welt von den Staaten, die ihren Völkern die Grundrechte verweigern, hin
zu den freien Nationen des Westens verläuft. Das ist der Grund, warum Indien
erneut bekräftigt hat, daß es sich zur Herrschaft des Volkes bekennt, und
warum Portugal, Spanien und Griechenland sich wieder dem Kreis der- demokratischen Nationen Europas angeschlossen haben.
Wir fürchten die Herausforderungen nicht, die unsere gewählte Regierungsform auf die Bewährung stellen.
Aber was wir heute brauchen, ist eine neue Tagesordnung für die Demokratie.
Erster Punkt dieser Tagesordnung ist es, die Wege zu weisen, auf denen
Regierung und gesellschaftliche Einrichtungen besser und rascher den höheren
Normen der Führung und den von unserem Volk geforderten Dienstleistungen entsprechen können.
Wir leben in einer Zeit der Bewährung. Die verschiedenartigen Vfrsuche
sind entsprechend den besonderen Traditionen und Erfordernissen eines jeden
Landes bereits im Gange.
In Westeuropa hat die erfolgreiche Verteilung der Früchte des wirtschaftlichen Wachstums auf alle Schichten der Gesellschaft einen Weg gezeigt,
um die wachsenden sozialen Probleme zu überwinden.
In Frankreich erfüllen Sie eine junge Verfassung mit Leben, indem Sie die

�Sie die Machtbefugnisse von Exekutive und Legislative in der Waage halten.
In einigen Ländern, wie der Bundesrepublik Deutschland und Skandinavien,
werden

ständig Versuche mit neuen Formen der Beziehungen zwischen Arbeit-

nehmern und Unternehmern unternommen.
Die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft planen die Abhaltung
direkter Wahlen für ein Europäisches Parlament.
In meinem eigenen Land versuchen wir, die Einflußnahme der Regierung
aus Gebieten herauszuhalten, die besser dem privaten Unternehmertum oder dem
Einzelnen vorbehalten bleiben. In einigen Ländern liegt der Nachdruck auf einer
Verstärkung der Rolle

kommender Verwaltungen auf einer Dezentralisierung

der Macht und auf dem Einsatz freiwilliger

Organisationen zur Lösung be-

stimmter spezieller Probleme und Nöte.
Auf diese und andere Weise können wir erreichen, daß eine Regierung
rascher reagieren kann, verantwortungsbewußter wird, näher an das Volk herankommt und in der staatlichen und kommunalen Gemeinschaft ein neues Gefühl
des Vertrauens schafft. Wie Präsident Giscard d'Estaing in seinem Buch
"Französische Demokratie" schrieb: "Der Pluralismus der Macht garantiert die
Freiheit ... demokratischer Fortschritt führt nicht zu Unordnung sondern zu
einer besseren Ausgewogenheit der Ordnung in Freiheit und Verantwortlichkeit."
Als zweiter Punkt auf der neuen Tagesordnung für die Demokratie steht
die wirtschaftliche Herausforderung.
Wir müssen nicht nur wieder Wachstum erreichen, die Inflation unter
Kontrolle bringen und die Arbeitslosigkeit verringern.
Wir müssen auch den Beweis erbringen, daß unser demokratisches Wirtschaftssystem sich den an es gestellten Forderungen anpassen kann. Das heißt,
erneut unter Beweis stellen, daß wir die Disziplin besitzen, in die Zukunft
zu planen,ohne dabei unsere gegenwärtigen Interessen zu vernachlässigen, damit
- 6 -

�damit aus den konkurrierenden Gruppen im eigenen Lande nicht Chaos und
Zwietracht entsteht, sondern eine neue Harmonie im Bemühen um das gemeinsame
Wohl.
Das bedeutet Verstärkung unserer Anstrengungen, um sicherzustellen,
daß die Früchte des Wirtschaftswachstums allen Teilen der Gesellschaft
zugute kommen, damit jeder einzelne an den Segnungen des wirtschaftlichen
Fortschritts teilhaben kann.
Das bedeutet aber auch, unsere Ressourcen der menschlichen Entwicklung
zu nutzen - nicht nur für ein Wachstum um des Wachstums willen.
Unsere demokratischen Volkswirtschaften haben heute diese einzigartige
Stärke, um dieser Herausforderung gewachsen zu sein.
Wir verfügen über geschulte Arbeitskräfte. Wir verfügen über produktive
Anlagen und Ausrüstungen, ein effektives Management und über den Willen und
die Mittel, um eng miteinander zusammenzuarbeiten - innerhalb unserer Länder
und mit anderen Ländern.
Und mit dem freien Markt verfügen wir über ein Instrument, um die
Produktion dem menschlichen Bedarf anzupassen, das rascher und subtiler
reagiert und arbeitet als jeder Computer und besser auf die Erfordernisse
der Gesellschaft eingeht, als jedes staatliches Komitee.
Mein Land ist in der Lage und bereit, zusammen mit seinen Partnern auf
dieser Stärke weiter aufzubauen, um die Weltwirtschaft auf den Weg zum
Wachstum und zur steigenden Prosperität zu bringen.
Die Anstrengungen Amerikas werden darauf ausgerichtet sein, die Stärke
des Dollar aufrechtzuerhalten, Fortschritte im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und Inflation zu erzielen und Privatinvestitionen

anzuregen. .
In diesem Jahr

�In diesem Jahr werden wir die Steuern für Unternehmer und Verbraucher
wesentlich senken, und wir werden diese Schritte in erster Linie unternehmen, weil sie in unserem eigenen Interesse liegen, aber auch weil
wir uns über die Bedeutung eines anhaltenden, nicht-inflationären Aufschwungs
in den Vereinigten Staaten für die Volkswirtschaften der übrigen Welt im
klaren sind.
Wir arbeiten mit unseren Wirtschaftspartnern bei den Genfer Handelsverhandlungen zusammen, um rasch zu einem Abkommen zu gelanaen, das das
offene Handelssystem verbessern, den Handel ausweiten und neue Arbeitsplätze schaffen wird. Und dem französischen Beispiel folgend arbeiten wir
hart an einem umfassenden Energieprogramm, das unsere Einfuhren an ausländischem
öl verringern, die ungerechtfertigte Abhängigkeit abbauen und das Defizit in
unserer Handelsbilanz senken wird.
Frankreich und Amerika und die anderen demokratischen Industriestaaten
konmen aus der wirtschaftlichen Rezession der letzten Jahre heraus. Einige
von uns, wie die Vereinigten Staaten, können ihre Aufmerksamkeit sofort
dem nicht-inflationären Wachstum zuwenden. Andere müssen zunächst schmerzliche
Maßnahmen zur Senkung der Inflation ergreifen. In dem Maße, in dem mehr
Länder ein höheres Wachstum

anstreben können, werden unsere Volkswirtschaften

mehr Arbeitsplätze schaffen. Die Arbeitslosigkeit wird zurückgehen.
Das Vertrauen in ein stetiges

Wachstum wird die Forderungen nach Handels-

restriktionen verringern, die Anpassung an die Veränderungen innerhalb unserer
Gesellschaften erleichtern, uns bei einer rationelleren Nutzung der Energie
helfen und es den Ländern mit Zahlungsbilanzüberschüssen erleichtern, ihre
Märkte für Industrieländer und Entwicklungsländer zu öffnen.
Es bestehen heute noch viele weitere wirtschaftliche Erfordernisse. Die
wirtschaftlichen Institutionen, die uns in der Vergangenheit so gute Dienste
geleistet haben, müssen gestärkt werden.
Wir müssen

�Wir mUssen eine bessere Einsicht in die grundlegenden wirtschaftlichen
Kräfte gewinnen, damit wir das Problem der gleichzeitigen Inflation und
Arbeitslosigkeit lösen können»
Wir müssen sehr viel größere Anstrengungen auf den weiteren Fortschritt
in der Hochtechnologie richten, um all unseren Ländern zu helfen, daß sie auch
auf den Märkten von morgen konkurrenzfähig sind.
Wir müssen neue und produktive Industriezweige und Dienstleistungen aufbauen, damit wir die durch den verstärkten globalen Wettbewerb um Arbeitsplätze und Märkte hervorgerufenen Auswirkungen auf unsere Völker dämpfen
können.
Wir müssen das Problem der Jugendarbeitslosigkeit lösen. Denn wenn wir
das nicht tun, dann wird ein Teil einer ganzen Generation unserer demokratischen
Gesellschaft entfremdet werden.
Wir müssen Schritte ergreifen, um den Export unserer wirtschaftlichen
Schwierigkeiten in andere Länder, seien sie arm oder reich, zu verhindern.
Wir müssen die Werkzeuge der gemeinsamen Freiheit dazu benutzen, um die
Chancen und Möglichkeiten unseres Wirtschaftssystems zu stärken.
Wir können unsere Erfahrungen in der gesellschaftlichen Entwicklung
miteinander teilen - im Bildungswesen, im Gesundheitswesen, in den sozialen
Leistungen, in der Organisation und im Management von Landwirtschaft und
Industrie.
Im Mittelpunkt all dieser Anstrengungen steht die dauerhafte Zusammenarbeit
mit unseren Wirtschaftspartnern auf Wegen, wie sie Frankreich mit dem Wirtschaftsgipfel als erstes vorgeschlagen hat. Diese Zusammenarbeit muß die Individualität jedes einzelnen Landes berücksichtigen und gleichzeitig erkennen,
daß unser wirtschaftliches Wohlergehen zusammen steigen oder fallen wird.
Die dritte
- 9 -

�Die dritte Aufgabe auf der neuen Tagesordnung für die Demokratie ist
die Gewährleistung unserer gemeinsamen Sicherheit.
Ich komme heute nach Frankreich in der Erkenntnis, daß unsere beiden
Nationen eine grundlegende Verpflichtung zur Erhaltung unserer so schwer
gewonnenen Freiheit teilen. Wir sind in der Lage, zusammen mit unseren
Verbündeten, unsere Freiheit zu bewahren, weil wir militärisch stark sind.
Unser zentrales Sicherheitsproblem besteht heute darin, unseren Willen
zu bewahren, um die militärische Stärke beizubehalten, die wir brauchen,
während wir gleichzeitig jede Möglichkeit zum Aufbau eines besseren Friedens
suchen. Militärische Macht ohne Entspannung könnte zum Konflikt führen. Aber
Entspannung wäre ohne das NATO-Bündnis und die Unterstützung einer starken
Verteidigung durch das Volk unmöglich.
Frankreich und Amerika beweisen, daß die Völker eines demokratischen
Landes diese gemeinsamen Ziele der Stärke und des Friedens unterstützen
können und wollen.
Die Verpflichtung der amerikanischen Regierung und des amerikanischen
Volkes für die Sicherheit Europas ist absolut. Es kann keinen Zweifel daran
geben, daß wir in Europa die Streitkräfte aufrechterhalten werden, die notwendig sind, um diese Verpflichtung zu erfüllen. Wir sind auch dankbar, daß
Frankreich Streitkräfte aufrechterhält und verbessert, die für die Verteidigung von wesentlicher Bedeutung sind.
Aber wir sehen auch die Notwendigkeit,über die Konfrontation hinauszukommen, um die Differenzen zwischen Ost und West beizulegen und Fortschritte
in der Rüstungskontrolle und Abrüstung zu erreichen.
Wir sind entschlossen, eine ausgewogene und beiderseitige Begrenzung
der qualitativen und quantitativen Dislozierung von Kernwaffen und dann
wesentliche Verringerungen anzustreben, die letztlich zur Beseitigung der

- 10 -

�der Kernwaffen als einer potentiell destruktiven Kraft unter den Nationen
der Welt führen werden.
Wir sind entschlossen, ein baldiges Abkommen über ein umfassendes
Verbot der Erprobung nuklearer Sprengkörper - sowohl für militärische als
auch für sogenannte friedliche Zwecke - anzustreben.
Wir sind entschlossen, eine wesentliche Verringerung des internationalen
Handels an konventionellen Waffen anzustreben.
Wir werden mit anderen Nationen zusammenarbeiten, um die Vorteile zu
verwirklichen, die solche Abkommen bringen können.
Wenn auch die Einstellung Frankreichs und der Vereinigten Staaten zu
diesen Fragen manchmal unterschiedlich sein mag, so ist doch unser lAjnsch,
einen stabileren Frieden aufzubauen, ein und derselbe. Und in all diesen
Anstrengungen werden wir Sie und die anderen Verbündeten eng konsultieren
ur\r' eng iiit ihnen zusanmenarbeiter -unter Berücksichtigung der Unabhängigkeit
jeder Nation, aber auch in der Erkenntnis unserer gemeinsamen Interessen
und Verpflichtungen.
Der vierte Punkt auf der neuen Tagesordnung für die Demokratie ist
die Bemühung der Europäer, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Das Ziel, das
sie sich selbst mit ihren Partnern in der Europäischen Gemeinschaft gesetzt haben, ist nicht mehr und nicht weniger als die Transformation und Verbesserung der Beziehungen unter Staaten mit alten Traditionen, einzigartiger
Geschichte und berechtigtem Stolz auf nationale Leistung.
Die Vereinigten Staaten werden dem, was Sie und Ihre Partner im Rahmen
der Neun für die Stärkung der europäischen Zusammenarbeit tun, uneingeschränkte
Unterstützung leisten - denn wir betrachten die europäische Stärke als etwas
Gutes und nicht als eine Bedrohung für uns. Die wahre Bedrohung all unserer
Interessen wäre wirtschaftliche Schwäche und Uneinigkeit.
Der fünfte und

�Der fünfte und letzte Punkt auf der neuen Tagesordnung für die
Demokratie ist die Zusammenarbeit unter uns allen bei der Anpassung an den
globalen Wandel.
Einige der Faktoren, die im Laufe der letzten zwei Generationen zu
unseren wirtschaftlichen Erfolgen geführt haben - Wissenschaft und Technologie, Bildung und Gesundheitswesen, der Willen und das Wissen des einzelnen
Mannes und der einzelnen Frau - haben auch das Verhältnis zwischen den
demokratischen Industriestaaten auf der einen Seite und der Entwicklungswelt auf der anderen Seite verändert.
Die europäischen Nationen müssen einzeln oder zusammen eine wachsende
Rolle über den Kontinent hinaus spielen, vor allem bei der Neuordnung der
Beziehungen zwischen Nord und Süd.
Es ist noch keine hundert Jahre her, daß die europäischen Mächte zusammenkamen, um den afrikanischen Kontinent unter sich aufzuteilen. Und heute hat
der Kolonialismus praktisch ein Ende gefunden.
Vor dem Zweiten Weltkrieg standen 80 Prozent der Welt und 75 Prozent der
Weltbevölkerung unter westlicher Macht. Und heute existieren über 100 neue
Staaten, von denen jeder Ansprüche und Forderungen geltend macht.
Noch vor wenigen Jahren fällte der Westen praktisch alle Entscheidungen
über die Weltwirtschaft.
Heute stehen wichtige Ressourcen auch unter der Kontrolle von Entwicklungsländern - wie die Energiekrise gezeigt hat. Die Räte, in denen
wirtschaftliche Entscheidungen fallen, können nicht länger auf einige wenige
Mitglieder betrenzt bleiben.
Auf dieser Reise habe ich

gesehen, wie sich die Entwicklungsländer

eine neue Rolle im weltwirtschaftlichen System, bei der Neuverteilung der

�der Macht auf der Welt, bei der

Lösung

neuer weltweiter Probleme und

bei der Übernahme neuer Rechte und Verantwortlichkeit schaffen.
Wir wissen seit langem, daß größere Gleichheit der einzelnen zu größerer
Prosperität 1n unseren Gesellschaften führen kann. Heute sehen wir, wie
größere Gleichheit unter den Nationen

die Gesundheit der Weltwirtschaft,

einschließlich unserer eigenen, fördern kann. Keine Nation, selbst keine
kleii.e Gruppe von Nationen kann heute ihr Schicksal mehr allein gestalten.
Bei seinem Vorschlag für die Nord-Süd-Konferenz sprach Präsident Giscard
d'Estaing von der Schaffung neuer Fernen für die Zusammenarbeit. Was er
damals gesagt hat,

ist heute zur Losung all unserer gemeinsamen Anstrengungen

geworden:
"Hier geht es nicht um den Sieg einiger Länder über andere, der dadurch
erreicht wird, daß man Vorteile aus temporären Machtverhältnissen zieht. Hier
geht es vielmehr um einen Sieg der Menschheit über sich selbst..."
Wenn wir in diesem Geiste handeln und unsere Anstrengungen gemeinsam
darauf ausrichten, die Probleme zu lösen, vor denen die Nationen der Welt
stehen, dann werden wir sicherlich jenen Sieg davontragen, von dem er sprach.
Wir werden unseren tiefen und unerschütterlichen Glauben an die Stärke der
Demokratie, mit den Zeiten zu wachsen und zu gedeihen, behaupten.
Vor sechs Tagen verließ ich die Vereinigten Staaten zu einer Reise, deren
ständiges Thema die universale Lebensfähigkeit der Demokratie war. In Polen,
im Iran, in Indien, in Saudi-Arabien, in Ägypten und jetzt in Frankreich
habe ich unterstrichen, daß es bei unserem modernen Kampf nicht nur darum geht,
den Frieden zu schaffen, sondern auch den einzelnen vor der Macht des Staates
zu schützen.
Morgen werde ich zusammen mit Präsident Giscard d'Estaing Paris verlassen,
um die Strände in der Normandie zu besuchen. Wenn die Namen Omaha, Utah, Juno
- 13 -

�Juno und Gold in der Erinnerung unserer beiden Völker immer fortleben
werden, dann darum, weil sie uns daran erinnern, unter welchen Kosten wir
unsere Freiheit erkauft, haben und welch kostbares Erbe uns zur Verteidigung hinterlassen wurde.
Diese Namen erinnern uns daran, daß Freiheit nicht mit einmaliger
Verteidigung gesichert ist, sondern immer wieder verteidigt werden muß.
Unsere Vorväter verteidigten sich gegen Fürsten und mit Revolution. Die
Generation meiner Eltern und meine eigene Generation griffen im Namen der
Freiheit zu den Waffen - und viele von ihnen blieben am Strand der Normandie
und auf den tausenden anderer Gedenkstätten der Freiheit in der ganzen Welt.
So wie wir immer bereit sein werden, so beten wir darum, daß ihr Opfer
im Kampf niemals wiederholt werden muß, und wir wissen, daß es nicht wieder
zu einem Kriege zu kommen braucht, solange wir unsere Hingabe an die Werte
freier Menschen - gestärkt und erneuert - an jede folgende Generation weiter
geben, die nach uns kommt. Ich danke Ihnen.

+ + + + +

14 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS IN DER NORMANDIE

NORMANDIE - AD - Präsident Jimmy Carter hat anläßlich eines Besuches
der Brückenköpfe der Alliierten Streitkräfte aus der Zeit der Invasion
in der Normandie im Zweiten Weltkrieg am 5. Januar 1978 folgende Ansprache
gehalten:
Herr Präsident Giscard,
Freunde aus Frankreich und den Vereinigten Staaten, die in der Geschichte
zusammengestanden haben, in der Gegenwart zusammenstehen und in der Zukunft
zusammenstehen werden:
Ich flog heute morgen in einem modernen Hubschrauber der hier in Europa
stationierten

amerikanischen Streitkräfte von Paris an diesen berühmt ge-

wordenen Strand; auf dem Weg hierher habe ich über die Vergangenheit nachgedacht, die uns heute eint.
Im Juni 1940

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Im Juni 1940 erklärte General de Gaulle, der Führer der französischen
Widerstandskräfte: "Die Flamme des französischen Widerstandes darf und wird
nicht erlöschen." Vier Jahre später, am 6. Juni 1944, landeten die Alliierten
Streitkräfte an den Stränden, die uns unter den Bezeichnungen Omaha, Utah,
Juno, Gold und Schwert bekannt sind, um den heldenhaften Kampf zur Befreiung Europas aufzunehmen.
An jenem Tage landete an den Küsten der Normandie eine Armada ohnegleichen: 176 000 tapfere Soldaten kamen aus England hierher, um einen
gewaltigen Angriff zu beginnen. Innerhalb von zwei Wochen wurde eine Streitmacht in Stärke von mehr als eineinhalb Millionen Mann in Frankreich und den
nördlich davon gelegenen Küstenstaaten an Land gebracht.
Hinter den Flaggen meines Landes und Frankreichs erblicke ich über
9 000 weiße Marmorkreuze, die zum Gedächtnis von Soldaten aufgerichtet
wurden, die damals hier und in der näheren Umgebung gefallen sind. Sie haben
unter großen Befehlshabern gedient: General Eisenhower, General Bradley und
General Theodore Roosevelt, Jr., der für seine Heldenhaftigkeit mit der
Medal of Honor ausgezeichnet wurde und später gemeinsam mit der zweiten
französischen Panzerdivision unter General Leclerc operierte.
Es war unweit von hier im Küstenabschnitt Omaha, wo die 1. und die
29. amerikanische Division landeten. Es war auch hier, wo der heftigste
Widerstand verzeichnet wurde: Von rund 2500 Soldaten, die an Land gegangen
waren, sind rund 2000 gefallen. An einem Punkt der Küste mußten amerikanische
Soldaten eine senkrecht aufsteigende Klippe im Granatenhagel der oben verschanzten Deutschen erklimmen.
Der Strand des Abschnitts Cmaha war von Hunderten toten alliierten
Soldaten übersät, und der Anblick war so beeindruckend, daß die deutsche
Führung eine Zeitlang annahm - solange, bis es zu spät für sie war -,
Deutschland habe gesiegt.
Von den Strandabschnitten
- 2 -

�Von den Strandabschnitten Juno, Gold und Schwert aber waren alliierte
Truppen siegreich herangerückt, die in der Folgezeit tief nach Europa
vorstießen, um hier die Freiheit wiederherzustellen.
Nahezu zwei Jahrhunderte davor waren Franzosen unter der Führung
von Lafayette, Graf d'Estaing und anderen mutigen Männern an Amerikas
Küsten gelandet, um den Amerikanern in dem Ringen um ihre Freiheit beizustehen. Rund 30 Jahre vor der Invasion in der Normandie hatten amerikanische
Soldaten im Ersten Weltkrieg beim Betreten europäischen Bodens ausgerufen:
"Lafayette, wir sind da."
Heute ruhen etwa 30 000 gefallene amerikanische Soldaten und Matrosen
aus dem Ersten Weltkrieg und rund 60 000 aus dem Zweiten Weltkrieg in
europäischer Erde. Die sterblichen Überreste weiterer 150 000 gefallener
Amerikaner, die ihr Leben für die Verteidigung der Freiheit in Europa
gegeben haben, wurden in ihre Heimat übergeführt, um dort begraben zu werden.
Wir stehen an der Seite unserer tapferen Verbündeten hier in Europa,
um dafür Sorge zu tragen, daß dessen Freiheit niemals wieder in eine solche
Gefahr gerät. Wir unterhalten gegenwärtig in Europa amerikanische Truppen,
Kampftruppen, in Stärke von etwa 200 000 Mann, um sicherzustellen, daß wir
nie wieder mit dieser Bedrohung konfrontiert werden.
General Donaldson erklärte mir, dies sei das erste Mal, daß sich zwei
Präsidenten gemeinsam an einer Gedächtnisstätte für jene einfinden, die ihr
Leben hingegeben haben. Ich sehe darin ein Symbol für die unzertrennbaren
Bande, die das amerikanische Volk und das heldenhafte Volk Frankreichs wie die Geschichte bezeugt - miteinander verknüpfen.
Wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam vollbracht haben. Wir sind
gewiß, daß unsere Freundschaft ewig Bestand habe», .n'rd. Es ist für mich als
dem Präsidenten der Vereinigten

Staaten eine hohe Ehre, hierher zu kommen,

um meine Ehrerbietung den tapferen Männern und Frauen der Vergangenheit zu
bekunden, die uns die heute als so kostbar erachtete Freiheit erhalten haben.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS IN BAYEUX

BAYEUX - AD - Präsident Jimmy Carter gab anläßlich eines Empfanges
im Rathaus von Bayeux am 5. Januar 1978 folgende Erklärung ab:
Herr Präsident,
geehrter Herr Bürgermeister,
verehrte und überaus freundliche Bürger von Bayeux,
es ist für mich als Präsident der Vereinigten Staaten eine hohe Ehre
und ein großes Vorrecht, hierher zu kommen, um Sie der Freundschaft meines
Volkes zu versichern, das Frankreich wie das eigene Land liebt.
Von den Automobilen, die mir Präsident Giscard zur Benutzung während
meines Aufenthalts in Frankreich zur Verfügung gestellt hat, hat eines eine
Nummer 1776 - eine Zahl, die auf das Jahr der Unabhängigkeitserklärung unseres
Landes hinweist; ein anderes Fahrzeug trägt das Nummernschild 1789 - und
verweist mithin auf das Jahr der französischen Erklärung der Menschenrechte.
Unsere Zeit

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Unsere Zeit der Freiheit nahm ihren Anfang, als wir die Allianz der
Freiheit eingingen, die nunmehr über 200 Jahre besteht. Das Volk meines
Landes

erachtet es als ein kostbares Gut, den Männern und Frauen Ihres

großen Landes, Frankreich, brüderlich und schwesterlich verbunden zu sein.
Ich erinnere mich aus meinen jungen Jahren, als ich bei der amerikanischen Marine diente, an den 6. Juni 1944, als 5000 Schiffe von der englischen Küste aus nach der Normandie in See stachen. Rund 3000 dieser Schiffe
setzten im Zeitraum von zwei Wochen über eineinhalb Millionen Soldaten an
Land, die Ihnen und uns letztlich die Freiheit gebracht haben.
Ich bin heute morgen im Hubschrauber an Ihrer Stadt vorbei zur Küste
geflogen und hatte dabei Gelegenheit, das Gebiet kennenzulernen, in dem sich
in jenen entmutigenden Zeiten der Heldenmut der Alliierten bewährt hat. Ich
sah den Strandabschnitt Omaha, in dem am ersten Tag der Landung 2000 Amerkaner
ihr Leben verloren haben - eine Stätte der Tragödie und des Heldentums, aber
auch des Sieges.
Der Cmaha-Strand hat seine eigene, Bayeux eine andere, aber damit
zusammenhängende Bedeutung. In den dunklen Tagen der Besatzung haben Sie
nie von Ihrer Verpflichtung auf die bürgerlichen Freiheiten und die
Freiheit alr solche abgelassen, und ich bin sehr stolz, einen Ort besuchen
zu können, dessen Name den Amerikanern von heute deshalb so vertraut ist,
weil Br.yeux die erste von alliierten Truppen befreite Stadt war.
Auf den amerikanischen Friedhöfen in Europa liegen fast hunderttausend
Gefallene als Symbol unserer gemeinsamen Hingabebereitschaft an Prinzipien,
die uns seit mehr als zwei Jahrhunderten miteinander verbinden.
Gegenwärtig stehen in Euroap 200 000 amerikanische Soldaten, die den
Prinzipien der Unabhängigkeit und Freiheit mit nicht geringerer Hingabebereitschaft anhängen. Wir tragen in unseren Herzen ein ebenso tiefes politisches und gefühlsmäßiges Bewußtsein der Bindungen, die die Völker Frank-

- 2 -

�Frankreichs und der Vereinigten Staaten in der Vergangenheit miteinander
verbunden haben, die uns heute miteinander verbinden und die uns für immer
miteinander verbinden werden. Das ist für unsere beiden Länder ein kostbarer Besitz - ein Besitz, verwurzelt in den tiefsten Gefühlen und Verpflichtungen des amerikanischen Volkes.
Ich weiß für den Heroismus und die Hingabebereitschaft des Volkes von
Frankreich, die uns seit der Geburt unserer eigenen Nation viele Jahre hindurch Quelle der Inspiration waren, zu danken. Ich bin der festen Überzeugung,
daß die Welt um unsere militärische Stärke weiß, die von großer Wichtigkeit ist, daß sie aber auch um unser gemeinsames Einstehen für unwandelbare
Grundsätze weiß, die ebenso bindender Charakters und von ebenso großer
Bedeutung sind wie die militärische Stärke ... .
Ich danke Ihnen für den herzlichen Empfang, den Sie mir bereitet haben
und der mich mit großer Freude erfüllt.
Ich glaube, daß sich die Menschen in meinem eigenen Lande, die am
Fernsehschirm Zeuge dieser Feierstunde und der Teilnahme einer so großen
Zahl von Menschen werden oder den Nachrichten im Radio lauschen,ebenso wie
Sie hier in dem Bewußtsein der engen Bande

bestärkt fühlen werden, die die

Vereinigten Staaten und die große französische Republik miteinander verbinden. Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation

I

United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM ABFLUG AUS PARIS

PARIS - AD - Bei seinem Abflug aus Paris gab Präsident Jimmy Carter
am 6. Januar 1978 folgende Erklärung ab:
Bei meiner Abreise aus diesem großen Lande Frankreich fällt es mir
schwer auszudrücken, wie tief meine Gefühle und die Gefühle beim amerikanischen Volk über die Gastfreundschaft waren, die Sie uns während dieses
leider nur allzu kurzen Besuches gewährt haben.
Die vielen Erinnerungen der historischen Allianz und die Gemeinsamkeit
des Erbes unseres Landes und Frankreichs, die gemeinsamen Demonstrationen
der Tapferkeit unserer Soldaten, die die Freiheit verteidigt haben, fanden
in der Tiefe der Gefühle ihren Ausdruck, die in uns allen wach geworden sind.
Dem persönlichen Empfang, den uns Präsident Giscard d'Estaing und seine
Gattin und die Minister der französischen Regierung bereitet haben, kamen,
obwohl das kaum möglich war, die spontanen und echten Freundschaftsbezeugungen
der Bevölkerung in der Normandie, in Bayeux, in den Straßen von Paris und
gestern abend in Versailles gleich.
Das offene Bekenntnis

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�Das offene Bekenntnis zu der beiderseitigen Verpflichtung auf die
Ideale und Grundsätze unserer beiden Nationen war für uns, und wie ich
meine für die ganze Welt, eine Beruhigung.
Ich möchte noch einmal Ihrem großen Präsidenten und dem wunderbaren
französischen Volk meinen persönlichen Dank aussprechen.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANKUNFTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS IN BRÜSSEL

BRÜSSEL - AD - Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in Brüssel
gab Präsident Jimmy Carter am 6. Januar 1978 folgende Erklärung ab:
Eure Majestäten, Volk der großen belgischen Nation,
Ich bin sehr glücklich, wieder in Ihrem großen Lande zu sein, um die
Freundschaft mit Ministerpräsident Tindemans

-u erneuern und um mit Eurer

Königlichen Majestät sowie mit Königin Fabiola zusammentreffen zu können.
Brüssel war die erste Stadt, die Vizepräsident Mondale auf seiner
Reise nach den Ländern unserer traditionellen Verbündeten besuchte. Und nun
ist Brüssel die letzte Station, bevor ich nach den Vereinigten Staaten
zurückkehre.
Ob nun die erste oder die letzte Station: Zweck und Ziel sind dieselben,
nämlich in Zeiten rascher Veränderungen unseren unerschütterlichen Glauben
an Verbündete wie Ihr großes Land und Volk zu bekräftigen.
Es war eine Reise

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�Es war eine Reise voller Vielfalt, aber ich habe immer über einfache und
bleibende Themen gesprochen. Eines dieser Themen war die Forderung nach
politischen Freiheiten, nach den grundlegenden Menschenrechten. In dieser
Frage waren Belgien und die Vereinigten Staaten niemals unterschiedlicher
Meinung. Für diese Werte haben wir gemeinsam im Kriege gekämpft und im
Frieden immer zusammengearbeitet.
Das andere universelle Thema ist die Notwendigkeit, Konflikte ohne
Gewaltanwendung beizulegen, Frieden zu schließen, statt Kriege zu führen.
Während dieses Jahrhunderts hat Belgier einen hohen Preis dafür zahlen müssen,
daß es anderen Ländern nicht gelang, den Frieden zu bewahren. Nun ist Brüssel
die Heimstatt für Institutionen wie die Europäische Gemeinschaft geworden,
und die NATO repräsentiert unsere gemeinsame Hoffnung auf eine gesicherte,
friedliche und gedeihliche Zukunft.
Brüssel ist eine herrliche Stadt, wie meine Frau und ich sehr wohl wissen,
und es ist einer der enttäuschenden Aspekte dieses Besuches, daß er allzu
kurz ist. Die Herzlichkeit, die uns hier persönlich zuteil wurde, ist uns
jedoch ein Trost, und ich freue mich darauf, mehr von Ihrem Land und Ihrem
Volk zu sehen, wenn Rosalynn und ich hierher zurückkommen können.
Eure Majestät, ich danke Ihnen für das herzliche Willkommen. Wir wären
wirklich dankbar, hierher zu Ihnen und dem Volk Ihres Landes zurückkommen
zu dürfen.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ANLÄSSLICH DES BESUCHES BEI DER EG

BRÜSSEL - AD - Präsident Jimmy Carter hat am 6. Januar 1978 anläßlich
seines Besuches im Hauptquartier der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel
folgende Erklärung abgegeben:
Ich freue mich, heute hier mit Ihnen zusammentreffen und die Gespräche
fortführen zu können, die zu einer Zeit begonnen haben, als meine Administration
erst einige Stunden alt war.
Noch ehe meine erste Woche im Amt zu Ende gegangen war, trat Vizepräsident
Mondale eine Reise zu unseren traditionellen Verbündeten an. Sein erster
Stopp war Brüssel, Sitz von internationalen Institutionen, die unsere gemeinsame Hoffnung auf eine sichere und gedeihliche Zukunft repräsentieren.
Als der erste amerikanische Präsident, der dem Sitz der Europäischen
Gemeinschaft einen Besuch abstattet, werte ich dieses Zusammentreffen als
Symbol für Amerikas bleibende Verpflichtung auf ein starkes und geeintes
Europa und die Europäische Gemeinschaft.
Es war mir ein

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�Es war mir ein Vergnügen, führenden Persönlichkeiten der Gemeinschaft
mehrfach begegnet zu sein. Außer Präsident Jenkins, mit dem ich auf der
wirtschaftlichen Gipfelkonferenz in London und später in Washington zusammentraf, hatte ich auch Gelegenheit zu Gesprächen mit Premierminister Callaghan
und Ministerpräsident Tindemans

zu der Zeit, als sie die ihrem Land turnus-

gemäß zufallende Präsidentschaft im Rat wahrnahmen.
Auf meiner Reise hatte ich in den letzten neun Tagen, in denen ich
mehrere Kontinente und Kulturkreise durchmessen, Gespräche über verschiedene
politische und wirtschaftliche Systeme geführt urd Menschen denkbar großer
Vielfalt kennengelernt habe, einige konstante Themen Mal für Mal wiederholt.
Ich habe die Bedeutung demokratischer politischer Wertbegriffe und die
zu ihrer Verteidigung erforderlichen Maßnahmen herausgestellt, sowie auch
die wirtschaftlichen Aufgaben, die uns in unseren Beziehungen zu den Entwicklungsländern insgesamt konfrontieren, und die Notwendigkeit, mit unseren
eigenen Problemen fertig zu werden. Wir müssen unsere Herzen auch der Aufgabe
öffnen, die Friedensaussichten zu verbessern und gleichzeitig den rechten
Arm

unserer Verteidigung stark zu halten.
Ich habe diese Themen wiederholt vorgebracht, weil sie der Wiederholung

bedürfen und weil sie der Welt Werte vor Augen führen, die mein Volk hoch
achtet.
Ich bin stolz, diesen Themen heute ein weiteres hinzufügen zu können:
daß die Vereinigten Staaten ein starkes, geeintes Europa als eine gemeinsame
Kraft bei der Vertretung jener Werte ansehen, in die sich unsere Völker teilen.
Die USA werden ihr Teil tun, um mit Ihnen zusammenzuarbeiten.
Weil wir auf die grundlegende Stärke unserer Wirtschaft vertrauen, vertrauen wir auch auf die grundlegende Stärke des Dollar - in der Gegenwart und
in der Zukunft. Wir sind uns aber auch des Grades bewußt, bis zu dem unsere
Prosperität heute mehr denn je zuvor von der internationalen Zusammenarbeit

- 2 -

�Zusammenarbeit abhängt.
Wir sind bereit, mit der Europäischen Gemeinschaft auf einer großen
Zahl von Gebieten zusammenzuarbeiten, um
- das wirtschaftliche Wachstum der Länder in der Weise zu fördern, daß
wir die Inflation in Grenzen halten, die Arbeitslosigkeit verringern und die
Geldwertstabilität anstreben;
- einen raschen und erfolgreichen Abschluß der multilateralen Handelsverhandlungen zu erreichen und auf diese Weise den internationalen Handel
auszuweiten, in
zu

allen Ländern mehr Arbeitsplätze zu schaffen und uns allen

helfen;
- schöpferisch auf gegenseitig vorteilhafte Beziehungen zu den Entwick-

lungsländern hinzuarbeiten;
- gemeinsam der Nukleartechnologie einen Platz bei der Deckung unseres
Energiebedarfs zuzuweisen, ohne durch die drohende nukleare Proliferation
die Zukunft unserer Kinder zu gefährden; und
- geneinsam Lösungen für die iozialen und wirtschaftlichen Probleme
zu finden, vor die sich jede unserer Gesellschaften gestellt sieht.
Wie ich vor zwei Tagen in Paris erklärte, müssen wir das Instrumentarium
unserer gemeinsamen Freiheit dazu benutzen, die Wahl- und Aufstiegsmöglichkeiten
innerhalb unserer Wirtschaftssysteme zu vergrößern.
Wir können unsere Erfahrungen auf den Gebieten der gesellschaftlichen
Entwicklung, der Erziehung, der Gesundheitsfürsorge, der sozialen Dienste
und der Organisation und des Managements von Fabriken und landwirtschaftlichen
Betrieben miteinander teilen.
Als größte
- 3 -

�Als größte Handelsgruppierung der Welt hat die Gemeinschaft wie wir
ein deutliches Interesse an einem erfolgreichen Abschluß der multilateralen
Handelsverhandlungen. Diese schreiten so gut voran, wenngleich noch viel
zu tun bleibt.
Ich begrüße

die bisherigen Erfolge der Teilnehmerländer in den Be-

mühungen, das in» Mai vorigen Jahres in London gesteckte Ziel zu erreichen:
wesentliche Fortschritte bis Ende des Jahres 1977. Das bisher Erreichte
sollte die

Verhandlungsdelegationen in die Lage versetzen, die Gespräche

bis Ende dieses Jahres zum Abschluß zu bringen. Eile tut not, wenn diese
Verhandlungen den Zweck erfüllen sollen, das Welthandelssystem zu verbessern
und die protektionistischen Pressionen abzubauen.
Wir benötigen ein umfassendes Paket von Vereinbarungen, einschließlich
solcher über erhebliche Zollsenkungen und Verringerungen nichttarifärer
Handelsschranken sowie Bestimmungen über den Agrarhandel.
Wir wissen, daß sich jedes Land im Zusammenhang mit dem Übergang auf ein
freieres Handelssystem vor Probleme gestellt sehen wird. Sie sind jedoch
ein niedriger Preis für die Segnungen eines offeneren Handels und klein auch
im Vergleich zu den Gefahren des Protektionismus, die dann bestünden, wenn es
uns nicht gelingen sollte, solch umfassende Vereinbarungen zustande zu bringen.
•

Unsere Völker teilen sich auch die Sorge um die Entwicklung umfassender
Energieprogramme. Vor zwei Monaten habe ich meinen Besuch hier in Brüssel
verschoben, um alles mir Mögliche zu tun, damit ein Energieprogramm in den
Vereinigten Staaten Gesetzeskraft erlangt. Man Land darf nicht weiter so
viel Energie verschwenden; es muß stattdessen alternative Energiequellen entwickeln. Sobald ich wieder zu Hause bin, werde ich die Arbeit am Zustandekommen eines so entscheidenden Gesetzgebungswerkes erneut aufnehmen. Ich
bin zuversichtlich, daß die Vereinigten Staaten hinsichtlich einer verantwortungsbewußten Energiepolitik bald ein Beispiel geben werden.
Die Europäische Gemeinschaft

�Die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten teilen sich
ferner in das große Interesse am Ausbau der Beziehungen zu den Entwicklungsländern. Unsere diesbezügliche Zusammenarbeit hat

bereits konstruktive Er-

gebnisse gezeitigt. Wir müssen diese Zusammenarbeit fortsetzen, um jene
Länder noch stärker in die Weltwirtschaft zu integrieren.
Sie müssen in die Lage kommen, einen gerechteren Anteil am Nutzen und
an der Verantwortung für den weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt zu nehmen
und eine angemessene Rolle in den weltweiten wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen zu spielen.
Wir in den Vereinigten Staaten begrüßen die Tatsache, daß die Europäische
Gemeinschaft auch außerhalb Westeuropas eine zunehmende politische und wirtschaftliche Rolle spielt. Diese Rolle der Gemeinschaft trägt erheblich zur
Erreichung der Ziele bei, in die wir uns teilen.
In jüngster Zeit habe ich mich besonders über die enge Zusammenarbeit
zwischen uns und über die Fähigkeit zu entschlossener Führung gefreut, die
Mitglieder der Gemeinschaft an den Tag legten: auf der Belgrader Konferenz
über Fragen der Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.
Schließlich freue ich mich, wenn ich unsere Verpflichtung auf die europäische Einheit betone, auf die Fortsetzung der engen und produktivpn Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft in
den kommenden Jahren.
Und ich kann dem, was Sie leisten, keinen angemesseneren Tribut zollen,
als zu zitieren, was der Vater der europäischen Einigung, Jean Monnet, einst
geäußert hat: "Sie bilden keine Koalition aus Staaten, Sie führen Völker zur
Einheit."

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM NORDATLANTIKRAT

BRÜSSEL - AD - Präsident Jimmy Carter hat am 6. Januar 1978 in Brüssel
vor dem Nordatlantikrat eine Ansprache gehalten, die folgenden Wortlaut hat:
Herr Generalsekretär, General Haig, Mitglieder des Rates,
Ich bin glücklich, nach unseren erfolgreichen Gesprächen in London
im Mai vorigen Jahres erneut mit dem Nordatlantikrat zusammenzutreffen.
Ich komme mit Ihnen zum Abschluß einer Reise zusammen, die mich in
sieben Länder geführt hat und die mich vcm Anfang bis zum Ende an die Gründe
und Ursachen erinnert hat, deretwegen das Bündnis ins Leben gerufen wurde.
Auf jeder Station meiner Reise - in Ost und West - in Ländern, die sich
bemühten, ihre Armut zu überwinden, und in Ländern, die sich den Konsequenzen
des materiellen Wachstums anpassen, habe ich die Lebenskraft der Demokratie,
der Freiheit des Einzelnen und der Menschenrechte unterstrichen.
Wir in

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�Wir in diesem Forum verstehen sehr wohl die Werte, um die es geht.
Ohne diese Werte hätte der Westen nichts zu bieten.
Und wir wissen ebenfalls - nur zu oft aus persönlicher Erfahrung - um den
Preis, den die Verteidigung dieser Freiheiten fordern kann.
Gestern habe ich mit Präsident Giscard d'Estaing die Strände der
Normandie besucht - genau so hätte ich Anzio, Verdun oder hier die Schlachtfelder in Flandern besuchen können.
Wenn diese Namen uns gleichzeitig mit Trauer und mit Stolz erfüllen,
dann deshalb, weil sie uns den Preis vor Augen führen, den wir für unsere
Freiheit bereits bezahlen mußten - einen Preis, von dem wir hoffen, daß wir
Ihn niemals mehr bezahlen müssen.
Niemand, der sich an diese Opfer erinnert, kann wünschen, daß sie noch
einmal erbracht werden müssen. Der historische Boden Europas trägt die
ständig sichtbaren Beweise für das Blutbad, das ein Krieg unausweichlich mit
sich bringt.
In Warschau habe ich tapfere Menschen erlebt, die einen großen Teil
der wunderbaren Stadt wiederaufgebaut haben, die der Krieg zerstört hat.
Aber was jetzt neu ist, unterstreicht nur, wieviel an Altem verlorenging.
Hier in Belgien, das nur zu oft das Schlachtfeld Europas war, weiß jede
Familie um Freunde, Heimstätten und Träume, die der Krieg vernichtet hat.

Das ist die Herausforderung, vor die sich unser Bündnis gestellt sieht:
unsere Werte ohne Furcht zu verteidigen, während wir gleichzeitig darauf
hinarbeiten, einen Krieg zu verhindern.
Wir wissen, daß
9

�Wir wissen, daß der Weg zu einem dauerhaften Frieden auf Verständigung,
ausgehandelten Abkommen und Schritten des guten Willens beruht. Die mutigen
Initiativen im Nahen Osten werfen einen Hoffnungsschimmer auf alle internationalen Anstrengungen.
Wir sind uns jedoch einig in der Oberzeugung, daß unsere Verteidigung
immer stark genug sein muß, um vor jedem Gedanken der Aggression abzuschrecken daß wir für den Kampf stets so bereit sein müssen, wie wir hoffen, ihn vermeiden zu können.
Als ich mit den führenden Staatsmännern des Bündnisses im Mai vorigen
Jahres zusammentraf, war ich beeindruckt von der Zielstrebigkeit der Verbündeten und von der gemeinsamen Entschlossenheit, die NATO auf die großen
Aufgaben des nächsten Jahrzehnts vorzubereiten.
Auf dieser Tagung kamen wir überein, vier wesentliche Anstrengungen einzuleiten:
- kurzfristige Maßnahmen, um die unmittelbaren militärischen Probleme
zu bewältigen;
- ein langfristiges Programm, das einen Überblick bietet über die Erfordernisse der NATO auf zehn spezifischen Gebieten;
- eine Ost-West-Studie, um ein besseres Verständnis für die Tendenzen in
Osteuropa und der Sowjetunion, eine Gesamtbeurteilung der Kräfte des Warschauer Paktes und der Auswirkungen auf das NATO-Bündnis zu gewinnen, und
- intensivierte Bemühungen, um die Zusammenarbeit bei der Verteidigungsbeschaffung zu verbessern.
Auf allen vier Gebieten haben wir bereits wesentliche Maßnahmen ergriffen.
Ich war von den Berichten über die kürzliche Tagung des Verteidigungsplanungs-

- 3 -

�Verteidigungsplanungsausschusses und des Nordatlantikrates angetan, und
ich sehe erwartungsvoll dem transatlantischen Dialog über den Rüstungshandel entgegen, den die Unabhängige Europäische Planungsgruppe vorgeschlagen hat.
Zusammen bringen wir das NATO-Bündnis auf einen Kurs, der unsere
gemeinsame Verpflichtung für den Frieden, für ein starkes und lebensfähiges

Bündnis und für die Bewältigung einer jeden Herausforderung unserer

Stärke und unseres Zusammenhaltes in den kommenden Jahren bekräftigen wird.
Die führenden Staatsmänner des Bündnisses werden die Gelegenheit haben,
in diesem Frühjahr die Ergebnisse unserer Anstrengungen auf einem Gipfeltreffen zu überprüfen.
Ich freue mich, meine Einladung an das Bündnis erneuern zu können,
dieses Treffen am 30. und 31. Mai in Washington abzuhalten.
Das Verteidigungsbudget, das ich dem Kongreß noch in diesem Monat unterbreiten werde, wird dem realen Zuwachs unserer Verteidigungsausgaben Rechnung
tragen und die Auswirkungen der Inflation mehr als ausgleichen.
Und was noch wichtiger ist, ein großer Teil dieser Anstrengungen wird
direkt unseren Zielen im Rahmen des langfristigen Verteidigungsprogrammes
entsprechen und die amerikanische Verpflichtung gegenüber dem Bündnis stärken.
Die Anzahl der amerikanischen Soldaten in Europa wird in den nächsten
eineinhalb Jahren um mehr als 8 000 Mann erhöht werden, und wir werden auch
unsere Verstärkungskapazität wesentlich erhöhen.
Wir haben diese Anstrengungen im Namen des Bündnisses gemacht. Wir hoffen,
daß das Bündnis insgesamt mit einem weitreichenden, realistischen und langfristigen Verteidigungsprogramm den Verbesserungen, die wir selbst jetzt in
Angriff nehmen, entsprechen oder sie gar noch übertreffen wird.
Wir werden uns auch

�Wir werden uns auch weiterhin der Doktrin, der Strategie und der Politik
des Bündnisses, einschließlich der Vorneverteidigung und der flexiblen
Antwort verschreiben.
Wir werden mit Ihnen zusammenarbeiten, um die Abschreckung über das
ganze Spektrum der Streitkräfte hinweg - die strategischen, die Gefechts-,
die nuklearen und konventionellen Verbände - aufrechtzuerhalten, sodaß
die Staaten des Warschauer Paktes wissen werden, daß wir alle

geeint

sind in der unbedingten Entschlossenheit zur Verteidigung aller Territorien
der NATO-Mitgliedsstaaten.
Der Wille und die Fähigkeit Amerikas, allen unseren NATO-Verpflichtungen
nachzukommen, die die feste Unterstützung des amerikanischen Volkes finden,
werden nicht erlahmen.
Es gibt aber auch noch andere Aufgaben und Verantwortlichkeiten, vor
die das Bündnis gestellt ist.
Wir haben bisher ein hervorragendes Beispiel für Konsultationen miteinander in Bezug auf einen weiten Bereich von Problemen gegeben. Dies kann und
sollte so fortgesetzt werden, und die Vereinigten Staaten werden ihre NATOVerbündeten in immer stärkerem Maße zu ihren Beratungen hinzuziehen.
In dem Maße, wie die SALT-II-Verhandlungen Fortschritte in Richtung auf
ein Abkommen machen, das - wie wir hoffen - bald Zustandekommen wird, werden
wir unsere Konsultationen mit Ihnen allen intensivieren - in der Erkenntnis,
daß die Beratung den Brennpunkt aller Überlegungen bildet.
Wenn wir über SALT-II hinausgehen, dann werden wir hier breitangelegte
Erörterungen über alle Sicherheitsfragen des Bündnisses führen.
Wir müssen gemeinsam an diese Fragen als Bündnis herangehen und jedes
Problem im Zusammenhang mit unseren Sicherheitserfordernissen insgesamt für

- 5 -

�für die Zeit des nächsten Jahrzehnts beurteilen.
Wir müssen sicherstellen, daß unsere Strategien hinsichtlich der Streitkrä'fteplanung und der Rüstungskontrolle dem gleichen Zweck dienen.
In dem Bemühen um eine Verminderung der Spannungen und um den Aufbau
eines stabileren Friedens sollte das Bündnis auch weiterhin den Gesprächen
über eine beiderseitige und ausgewogene Verminderung der Streitkräfte in
Wien (MBFR) hohe Priorität geben.
Wir glauben, daß unsere Verhandlungsvorschläge zu einer stabileren
militärischen Situation in Mitteleuropa mit verringerten Stärken der Streitkräfte auf beiden Seiten führen werden.
Wir im NATO-BUndnis

sind zur Flexibilität bereit in dem Bemühen um einen

Fortschritt in Richtung auf ein ausgewogenes Ergebnis, das unsere Interessen
schützt.
Aber ein ernsthaftes Interesse, die Verhandlungen zu einem Fortschritt zu
bringen, kann keine einseitige Angelegenheit sein. Wir erwarten von den Staaten
des Warschauer Paktes ein gleiches entschiedenes Eintreten und einen gleichen
Beitrag zu diesem Fortschritt.
Schließlich müssen wir als Verbündete auch weiterhin unsere Stärke auf
anderen Gebieten - den wirtschaftlichen, sozialen und moralischen - ausbauen.
Gerade dann, wenn die Herausforderungen an die Demokratie am größten sind,
müssen unsere Führer am nachdrücklichsten allen nichtdemokratischen Lösungen
widerstehen.
Ich bin in jeder Hinsicht davon überzeugt, daß die Staaten des Bündnisses
und die NATO selbst diesen Aufgaben mehr als gewachsen sein werden.
Ich kehre nach

�Ich kehre nach den Vereinigten Staaten zurück im Vertrauen auf die guten
Aussichten für

eine friedliche Welt, die die Menschenrechte respektiert.

Ich weiß, daß die Sicherheit unseres Bündnisses der Fels ist, auf dem diese
Hoffnung ruht.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

AUSFÜHRUNGEN CARTERS VOR DER PRESSE IM NATO-HAUPTQUARTIER

BRÜSSEL - AD - Die Ausführungen Präsident Carters vor der Presse im
NATO-Hauptquartier am 6. Januar 1978 haben folgenden Wortlaut:
Einführung Carters durch NATO-Generalsekretär Luns: "Meine Damen und
Herren, der Präsident!"
"Herr Generalsekretär Luns, das war eine der kürzesten Reden, die Sie
jemals gehalten haben, und ich möchte in fast genau so kurzer Form sagen,
daß das NATO-Bündnis für das amerikanische Volk etwas Kostbares ist. Unser
Engagement für dieses Bündnis findet nahezu einmütige Unterstützung in
unserem Lande.
Ich war zutiefst erfreut

über das wieder wach gewordene Eintreten und

die sichtbare Unterstützung der militärischen Stärke der NATO bei allen Mitgliedern des Bündnisses.
Ich habe einen detaillierten Bericht über den Fortschritt gegeben, den wir
in unseren Verhandlungen mit der Sowjetunion in einem weiten Bereich von Themen

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�Themen machen.
Wir möchten das Ost-West-Verhältnis begreifen und alle möglichen
Spannungen glätten. Unsere Verpflichtung gilt nicht dem Krieg, sie gilt
dem Frieden. Wir glauben, daß die beste Weise, den Frieden und jene Ideale
und bindenden Verpflichtungen

zu erhalten...,von der militärischen

Kapazität abhängig ist, über die wir verfügen. Ich verwies auf das Leid,
das durch unsere Truppen und jene unserer anderen Alliierten in früheren
Kriegen über Europa gekommen ist, und darauf, daß wir dies nie wieder
geschehen lassen dürfen und daß eine enge Unterstützung und ein ständiger
Einsatz für die gemeinsame Verteidigung der beste Weg ist, um weitere
Kriege zu vermeiden.
Ich gab den Botschaftern, dem Generalsekretär und den militärischen
Vertretern einen genauen Bericht über meinen bisherigen Besuch, einen Bericht
über den Fortschritt, der im Nahen Osten bereits erzielt wurde und weiter
erfolgen könnte. Wir sprachen über die wirtschaftliche Stärke unseres
eigenen Landes, die engen Bande, die uns miteinander verbinden - nicht nur
militärisch, sondern auch politisch und wirtschaftlich.
Wir hatten eine Sitzung mit Fragen und Antworten, bei der verschiedene
Botschafter mich auf besondere Punkte des Interesses für die Vereinigten
Staaten hinwiesen und ich auf ihre Äußerungen antwortete. Es war ein sehr
fruchtbarer Gedankenaustau seh,und in knapp zwei Stunden behandelten wir
diese Interessenbereiche, die für uns alle von Bedeutung waren.
Am Ende erklärte ich unseren Verbündeten, die dort vertreten waren, daß
wir nichts vor ihnen zu verbergen hätten. Sie sind Partner in jedem Sinn
des Wortes. Und wir haben unseren Verteidigungsminister, unseren Außerminister
und den Vizepräsidenten - nur wenige Stunden, nachdem ich Präsident geworden war - hierher gesandt,und jetzt bin ich selbst ins NATO-Hauptquartier
gekommen, um unsere Verbündeten wissen zu lassen, daß das Bündnis in der Tat
eng und vertraut und unbelastet ist, und daß sie sich, wenn in Zukunft je eine

- 2 -

�eine Frage über SALT-Verhandlungen, taktische Waffen, Haushaltspläne,
Stärke des Dollar auftauchen sollten - wenn notwendig - nur mit mir direkt
in Verbindung zu setzen brauchten,und sie werden eine sofortige Antwort
erhalten.
Ich denke, daß viele Besorgnisse ausgeräumt werden konnten, und ich
reise von hier ab mit einem starken Gefühl des Vertrauens und einem tiefen
Gefühl der Wertschätzung nicht nur der Stärke, die das Bündnis in der
Vergangenheit zeigte, und der Bindungen, die uns geistig, politisch und
moralisch zusammengehalten haben, sondern auch mit einem Gefühl der Gewißheit
in Bezug auf die Zukunft.

+ + + + +

- 3 -

�1

Dokumentation

I
11. Januar 1978

INTERVIEW PRÄSIDENT CARTERS ZUM ABSCHLUSS SEINER WELTREISE

AN BORD DER AIR FORCE ONE - (AD) - Präsident Jimmy Carter gab zum Abschluß seiner Weltreise am 6. Januar 1978 auf dem Heimflug nach Washington
an Bord seiner Maschine ein längeres Interview, in dem er eine erste umfassende Würdigung seiner Reise versuchte. Der Präsident stellte sich einem
ausgewählten Kreis amerikanischer Medienvertreter: Don Campbell, (Gennett),
Ted Knap, (Scripps-Howard), Phil Smith, (Newhouse), Helen Thomas, (UPI),
James Gerstenzang, (AP), und Bob Schieffer, (CBS).
Das Interview hat im wesentlichen folgenden Wortlaut:

FRAGE: Können Sie uns, Herr Präsident, zu Beginn sagen, wie Sie die
Reise beurteilen und was Sie glauben, erreicht zu haben?
ANTWORT:

Ich wollte das Bild einer Nation zeigen, die für das einsteht,

was recht und anständig und gut ist, die Konzeption der Demokratie in den Entwicklungsländern und in den Industriestaaten stärken und versuchen, einen
Fortschritt bei der Lösung des Streites im Nahen Osten zu erzielen.

Und eine

Sache, die überall zu Tage trat, war ein Ausdruck des Interesses oder der Be-

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�Besorgnis seitens der ausländischen Staatsmänner, wie wir die Energiesituation meistern werden.
Darüber hinaus wollte ich natürlich wenn möglich, die Freunschaft stärken, die in unterschiedlichem Maße bereits zwischen unserem eigenen U n d und
den von uns besuchten Ländern bestand.
Ich bin nie in Indien oder in den von uns besuchten Ländern des Nahen
Ostens gewesen.

Wie gesagt, das waren die vier oder fünf Dinge, an die ich

gedacht habe, und ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen.

FRAGE:

Ich weiß, daß das die Dinge waren, die Sie tun wollten, aber

glauben Sie, daß Sie auch das erreicht haben, was Sie wollten?

Was glauben

Sie, haben Sie im einzelnen erreicht?
ANTWORT: Es besteht kein Zweifel, daß die Freundschaft zwischen uns
und Polen, zwischen uns und dem Iran, zwischen uns und Saudi-Arabien, zwischen
uns und Ägypten, zwischen uns und Frankreich und zwischen uns und Belgien gestärkt worden ist. Das haben wir erreicht.
Ich glaube, wir haben auch einigen Fortschritt im Nahen Osten erzielt.
Soweit ich sehen kann, trennen uns beispielsweise keine Meinungsverschiedenheiten von Sadat. Wir haben die gleichen Grundprinzipien bekräftigt, die wir
vor sechs oder acht Monaten den arabischen und israelischen Führern unterbreitet haben. In dieser Hinsicht war die Reise erfolgreich.
Ich habe auch zwei oder drei größere Reden gehalten, eine über die Demokratie und ihre Bedeutung für die Entwicklungsländer in der Welt und eine
über die Bedeutung der Demokratie für die Industrieländer der Welt unter sich
wandelnden Bedingungen. Es ist schwer zu sagen, ob die Reden einen Eindruck
hinterlassen haben oder nicht.
Wir
- 2 -

�Wir haben auch das Bild einer Nation dargestellt, die stark und sicher
und voll Selbstvertrauen ist, die jedoch ihre Stärke nicht unter Beweis zu
stellen braucht, indem sie andere Nationen übervorteilt, die nicht so stark
oder so sicher sind wie wir.
Die persönlichen Beziehungen, die sich zwischen mir und den ausländischen
Staatsmännern entwickelten, waren sehr befriedigend.
Ich möchte sagen, der gefühlsbetonteste Tag war gestern, der Besuch in
der Normandie und der Empfang durch die Bevölkerung in Bayeux und die Reaktion der französischen Bevölkerung an den Straßen von Paris, sowie die gewaltige Menschenmenge gestern abend vor dem Schloß von Versailles.

Ich war da-

von sehr tief bewegt.

FRAGE:

Einige male haben Sie, wie wir meinen, recht müde ausgesehen,

aber viele von uns waren völlig erschöpft.

Was ich gerne wissen möchte ist,

wie Sie das alles physisch durchgehalten haben und wie Sie die Zeitverschiebungen vertragen haben, ob Sie nicht rückblickend doch meinen, daß der Reiseablauf ein wenig zu hektisch war und ob Sie bei künftigen Auslandsreisen
nicht vielleicht doch Ihrem Stab sagen werden, bei der Planung einer Reise
die Dinge etwas langsamer anzugehen?
ANTWORT:
ich müde bin.

Ich möchte ganz offen sagen, heute ist der erste Tag an dem
Auf der übrigen Reise habe ich mich völlig ausgeruht und ent-

spannt und keineswegs gedrängt gefühlt.

Ich habe sogar mehr Schlaf pro

Nacht gehabt als ich normalerweise in Washington habe.
ich um 5, 5,30 oder 6 Uhr morgens auf.

Im allgemeinen stehe

Ich habe länger geschlafen als sonst.

Gestern abend ist es allerdings etwas spät geworden, vielleicht eine Stunde
später als vorgesehen.
war.

Heute war der erste Tag, an dem ich wirklich müde

Das war bei dem NATO-Treffen.
Ich
- 3 -

�Ich glaube eine

der Hauptü'berlegungen - und das können Sie ruhig

schreiben,wenn Sie wollen - ist, wie die übrige Begleitung und die Presse
von der Reise mitgenommen wurden.

Für mich wird immer gesorgt.

Wenn ich

irgendwo hinkomme, dann kann ich schon 20 Minuten nach einer großen Rede
zu Bett gehen und bis zum nächsten morgen schlafen.

Sie müssen Ihre Berichte

absetzen und am nächsten morgen wieder bereitstehen.

Ich glaube daß wir die-

sen Faktor in Zukunft berücksichtigen müssen.

FRAGE:

Glauben Sie, daß es ein paar Pannen gab - ich glaube das ist

das richtige Wort?
ANTWORT:

FRAGE:

Ja, die gab es.

Die Übersetzung in Polen, das eingeschaltete Mikrofon in Neu

Delhi - hat das für Sie irgendwelche Probleme im Umgang mit den führenden
Persönlichkeiten gebracht, oder wird das irgendein bleibendes Problem in
den Beziehungen mit diesen Ländern schaffen?
ANTWORT:

Beides war natürlich unbeabsichtigt.

meine, nachher eine sehr hübsche Erklärung abgegeben:

Gierek hat, wie ich
"In Polen", so sagte

er, "kritisieren wir Frauen oder Übersetzer nicht".
Das war das erste Mal, daß ich mit Gierek zusammengetroffen bin, und
wir hatten nachher eine sehr gute persönliche Beziehung. Er hat sich niemals
dazu geäußert, außer daß er lächelte und sagte "Nun, es war ein etwas veraltetes Polnisch und es hatte einen russischen Einschlag." Aber ich glaube
nicht, daß das irgendwelche bleibende Auswirkungen hatte.
Ich habe die Presseberichte über die Erklärungen der indischen Führer
gelesen nachdem wir abgereist waren, und ich glaube, vielleicht sagen zu
dürfen, ohne übertrieben optimistisch zu sein, daß es mir und Desai wohl geholfen hat. Ich war sehr unverblühmt hinsichtlich unseres Nonproliferations-

�Nonproliferationsprogramms, wie ich meine, und habe sehr offen und deutlich zum Ausdruck gebracht, daß der Kongreß mit meiner Billigung wahrscheinlich verschärfte Bestimmungen für Brennstofflieferungen in der Zukunft verabschieden werde.

Und ich wollte ihn mindestens schon 18 Monate vorher wis-

sen lassen, daß dies auch Indien betreffen würde.

Er und ich haben hinterher ohne Zorn und Eifer unsere Witze darüber gemacht.

Und nach unserer Abreise wurde in der Presse berichtet, daß es ein

sehr konstruktiver Besuch gewesen sei.

Ich glaube, es zeigte sich, daß Desai, wie ich bereits erwähnt habe,
hart auf dem indischen Standpunkt beharrte.

Wir versuchten eine Lösung

dieses potentiellen Konflikts zwischen den internationalen Sicherungen der
Produktion von Kernkraft und einer ausreichenden Brennstoffversorgung zu finden.

Eine Möglichkeit, die man prüfen kann, ist die, daß wir und die Sowjets

und die Briten einen Vertrag über ein umfassendes Versuchsverbot abschließen
und daß dies für Desai ein ausreichender neuer Faktor ist, um umfassende
Sicherungen zu akzeptieren, ohne daß er die Grundsätze der Autonomie und der
Unabhängigkeit zu verletzen braucht.

Ich bedaure jedoch, daß die Sache mit dem eingeschalteten Mikrofon
passiert ist.

Darüber will ich Sie nicht hinwegtäuschen.

Zwischen mir und

Desai war es immer eine Sache des Humors und der freundlichen Aufnahme.

Ich

glaube jeder, der ihn und mich aus der Nähe beobachtet hat, konnte erkennen,
daß ein echtes Gefühl der gegenseitigen Achtung bestand.

FRAGE:

ANTWORT:

Darf ich eine Frage anknüpfen?

Es war auf jeden Fall ein Fehler.

FRAGE:

�FRAGE:

Ja, es war wahrscheinlich ein Fehler, aber war es ein Fehler

wegen der Art und Weise wie die Presse reagiert hat oder war es ein Fehler
Ihrerseits?
ANTWORT:

Es war ein Fehler meinerseits.

Ich hätte sagen sollen, "ein

sehr offenes und sachliches Schreiben", und nicht "ein grobes und kaltes
Schreiben".

Aber über was ich mit Cy Vance gesprochen habe - es lag auf der

Hand, daß ich keine Abneigung gegen Desai hegte - war ein kaltes technisches
Thema, und es sollte den Indern unmissverständlich klar gemacht werden, damit
sie wissen, was sie nach 18 Monaten, nach der Verabschiedung des Gesetzes
zu erwarten haben.

FRAGE:

Herr Präsident, ich möchte nicht auf der Nah-Ost-Episode herum-

hacken,aber sie hat sicher die Reise in vielfacher Weise überschattet, denn
die Entwicklungen gingen weiter - aber es hat meine Neugier erregt, daß Sadat
erklärte, daß sie übereinstimmende Auffassungen hätten, und Sie selbst erklärten, sie schienen keine unterschiedlichen Meinungen zu haben - und Sadat
hat Meinungsverschiedenheiten mit Begin - wie stehen Sie damit zu Begin?
ANTWORT: Ich habe die Presseberichte nach meiner Erklärung in Assuan
gelesen, und Begin hat das gebilligt, was ich gesagt hatte. Es besteht ein
ziemlich gutes übereinkommen zwischen Begin und Sadat über Fragen hinsichtlich der Definition des Friedens.
Sadat hat mir, als er im April in Washington mit mir zusammentraf, das
gesagt und mir die drei Grundprinzipien dargelegt. Das eine war völliger
Friede zwischen Ägypten und Israel, offene Grenzen, diplomatische Anerkennung,
Austausch von Botschaftern, freier Handel, Austausch von Touristen und Studenten und kultureller Austausch. Und er erklärte mir, daß dies zu seinen Lebzeiten nie eintreten werde, was ich bezweifelte. Das hat er mir im April
gesagt.
Er

�Er erklärte mir an jenem Tag in Assuan, daß er völlig unrecht gehabt
habe, daß er in Israel nicht nur gut aufgenommen worden sei, sondern daß er
bei seiner Rückkehr nach Ägypten auch als Held gefeiert worden sei; daß die
israelischen Verhandlungsführer, als sie nach Kairo kamen, umarmt worden
seien und die Ägypter geweint hätten.

Und er sagte mir:

"Mein Volk war

mir weit voraus, und was Sie mir im April vorgeschlagen hatten und ich damals
nie für möglich hielt, hat sich bereits als möglich erwiesen."

Das ist ein

Aspekt.
Der Abzug der israelischen Streitkräfte vom Westufer des Jordan (West
Bank) mit geringfügigen Ausnahmen an der westlichen Grenze ist ein Prinzip»
das er bereits im Februar oder März offensichtlich verkündet hat. Ich halte
das noch immer für einen akzeptablen Vorschlag für die Araber, obwohl ich
nicht damit rechne, daß sie ihm öffentlich beipflichten, da er praktisch den
Erklärungen in Rabat zuwiderläuft. Sie sind offensichtlich in der Lage und
gewillt, für sich selbst zu sprechen. Aber darüber haben wir uns keine
Illusionen gemacht.
Die andere Frage, die Lösung des Palästinenser-Problems, kann, so meine
ich, durch eine Interimslösung im Sinne einer gemeinsamen Verwaltung beigelegt werden.

Ich möchte hier nichts Definitives sagen, aber es gibt Möglich-

keiten, die Israel, Jordanien, das Westufer, den Gaza-Streifen, die Palästinenser und vielleicht die Vereinten Nationen für

gewisse Zeitspannen ein-

schließen, speziell der Zeit vorausgreifende Formen, und dann das Recht der
Palästinenser, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden, ob sie diese Art der
Administration fortsetzen oder sich Jordanien anschließen wollen - das alles
sind Grundsätze, die wir schon vor acht Monaten begonnen haben, sehr klar,
auch schriftlich, darzulegen.
Das Problem wird also im Detail liegen.

Aber was die Grundsatzerklärung

angeht, so sind mir keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Begin und Sadat
bekannt.
FRAGE:
- 7 -

�FRAGE:
ANTWORT:

Bezeichnen Sie das als Selbstbestimmung?
Ich habe niemals geglaubt und glaube es auch heute nicht, daß

es für uns, für die Länder des Nahen Ostens oder für die Welt ratsam wäre, eine
unabhängige palästinensische Nation zu haben, die zwischen Israel und Jordanien
liegt.

Ich glaube, das wäre ein Ziel für die Subversion.

Ich glaube, dort

würde ein konzentrierter Einfluß durch einige der radikaleren Führer der Welt
geltend gemacht.

Und ich meine, daß ein palästinensisches Gebiet oder Heimat-

land zumindest in eine sehr starke Förderation oder Konföderation

mit Jorda-

nien eingebunden sein müßte.
Aber ich möchte hier sagen, daß das die Lösung wäre, die wir vorziehen.
Wenn Israel und Jordanien und die Palästinenser und Ägypter etwas anderes
ausarbeiten sollten, hätten wir nichts dagegen.

Aber das ist unser Standpunkt.

Wir haben es von Anfang meiner Administration an den Israelis und den Arabern
ganz klargemacht, daß das die Lösung ist, die wir vorziehen.

FRAGE: Ich frage mich, ob es während der letzten neun Tage irgendwelche
unerwarteten Verluste oder Gewinne gab?
ANTWORT:

Das ist schwer zu sagen.

tiver Analytiker.

Ich bin in diesem Fall kein objek-

Aber ich hatte den Eindruck, daß der Fortschritt, den wir

mit Indien machten, außerordentlich war.

FRAGE:
ANTWORT:

Auf welchem spezifischen Gebiet?
Es besteht kein Zweifel, daß unter Mrs. Gandhi die Ausrich-

tung Indiens - das geschichtlich unser Freund gewesen ist - von uns weg, wohl
auf die Sowjets zu lief.
Ich

�Ich hatte das Gefühl, daß Desai und seine Regierung auf eine völlig
neutrale oder blockfreie Position zurückgekehrt sind.

Es herrschte ein ech-

tes Gefühl der Vereinbarkeit und Freundschaft auf der Grundlage tiefer religiöser Überzeugungen, eine Verpflichtung zur Demokratie und zum Grundsatz
der Menschenrechte.

Das war für mich sehr ermutigend.

Es war mehr als ich erwartet hatte.

Ich möchte mich nicht selbst ana-

lysieren, aber die französischen Nachrichtenmedien haben erklärt, daß wir in
den letzten hundert Jahren niemals ein besseres Verhältnis zu Frankreich gehabt haben, als wir es heute haben.
sehr verbunden.

Ich fühle mich mit Giscard d'Estaing

Ich glaube, die überströmenden Gefühls- und Freunschaftsbe-

zeugungen der Franzosen uns gegenüber und die gewaltigen Massen, die sich in
den Straßen von Paris versammelt hatten, das war,wie Giscard d'Estaing sagte,
eine ganz seltene Angelegenheit.

Die Franzosen sind ausländischen Besuchern gegenüber fast genauso blase,
wie die Leute in Washington, da es sich um einen solchen Sammelpunkt von
diplomatischen Besuchern handelt.

Aber ich glaube, es handelte sich um einen

sehr guten Ausdruck der Freundschaft.

Wie ich schon früher gesagt habe, war der Ausdruck der Gemeinsamkeit
der geschichtlichen Erinnerungen am Strand in der Normandie (Omaha) gestern
etwas, was man sich nicht im voraus vorstellen kann und was man sich nicht
ausdenken kann.

Ich glaube das war ganz und gar echt.

Das sind einige der

Dinge, die mich beeindruckt haben.

Der Besuch meiner Frau Rosalynn und Dr. Brzezinskis bei Kardinal Wyszynski
zeigte, daß es in der polnischen Gesellschaft einen Pluralismus gibt, wie er
in einem osteuropäischen Land nicht häufig anerkannt wird.

Es liegt auf der Hand, daß was ihren Einfluß auf den Geist und die Herzen und die Zukunft des polnischen Volkes angeht, es eine Gemeinsamkeit zwischen einem großen religiösen Führer und dem politischen Führer gibt.
Privat
- 9 -

�Privat haben sie ihre Bewunderung füreinander zum Ausdruck gebracht.
Ich glaube, das ist eine gute und eine eigentlich erfreuliche Überraschung
bei den Nationen hinter dem Eisernen Vorhang.
Ich glaube der Vorhang wird gelüftet.
Schritt vorwärts.

Ich glaube, es ist ein guter

Wir haben heute eine weitere richtige Handlung vorgenom-

men, in dem wir Ungarn die Krone zurückgegeben haben.

Wir versuchen nicht,

einen Keil zwischen diese Nationen des Warschauer Pakts und die Sowjetunion
zu treiben.

Aber wir versuchen sie dazu zu bringen, uns als Freunde zu be-

trachten, die Frieden wollen, die das schreckliche Leiden anerkennen, das
sie erdulden mußten, und die eine Basis für die Freundschaft und den Handel
mit dem gegenseitigen Austausch aufbauen.
Wir unterzeichneten ein Nuklearabkommen mit den Persern, das Milliarden
von Dollar an Handel für die amerikanische Industrie bringen wird, viele
Arbeitsplätze für Amerikaner bringen wird und unsere Nonproliferationspolitik
in keiner Weise verletzen wird.
Es gab also einige Dinge, die wir wirklich nicht vorher auf die Tagesordnung gesetzt hatten, und die dann eintrafen.

Aber es fällt mir schwer,

das alles objektiv zu beurteilen.

FRAGE:

Wie sieht es mit irgendwelchen negativen Aspekten aus?

Wurden

Sie von irgend etwas überrascht, was nicht so gut lief, wie Sie es sich vorgestellt hatten?
ANTWORT:

Nein, ich kann mich an nichts derartiges erinnern, aber viel-

leicht Sie? ...

FRAGE:
Fragen:

Im Zusammenhang mit Ihren Äußerungen über Polen habe ich zwei

Die eine ist, warum haben Sie selbst Kardinal Wyszynski nicht auf- 10 -

�aufgesucht, und haben Sie sich in irgendeiner Weise bemüht, Herrn Gierek
vorzuschlagen, daß er Dissidenten-Journalisten zu ihrer Pressekonferenz
zulassen sollte?

ANTWORT:
sein solle.
troffen.
äußern.

Ja, wir haben vorher ersucht, daß die Pressekonferenz offen
Es war nun einmal sein Land,und er hat diese Entscheidung ge-

Ich habe die Entscheidung getroffen, mich dazu öffentlich zu
Wir haben, davon gehe ich aus, die Entscheidung getroffen, daß

meine Stellungnahme in den polnischen Zeitungen und an diesem Abend auch
im Fernsehen frei publiziert werden solle.

Wir haben Kardinal Wyszynski eingeladen,zu mir zu kommen und sich mit
mir zu treffen.

Aber er erklärte, daß es für einen Kardinal nicht angebracht

sei, zu mir zu kommen und mir seine Reverenz zu erweisen.

Wir hielten es

also, im letzten Moment möchte ich sagen, für eine gute Lösung für Rosalynn
und Dr. Brzezinski hinzugehen, die Kardinal Wyszynski ohnehin sehen wollten.

Ich schrieb ihm eine private Botschaft,und er schrieb mir eine kleine
Notiz und es war eine für beide Seiten nutzbringende Angelegenheit.

Aber

ich glaube, der Kontakt zu ihm durch Dr. Brzezinski und Rosalynn war ausreichend.

FRAGE:

Herr Präsident, können Sie vielleicht etwas genauer sagen -

aber vielleicht möchten Sie es nicht - was Sie meinen, wenn Sie davon sprechen,
daß die Palästinenser das Recht haben sollen, an ihrer eigenen Selbstbestimmung mitzuwirken?

ANTWORT:

Ich möchte hier wirklich nicht mehr ins Detail gehen, wie das

Verfahren im einzelnen aussehen soll.
in Jerusalem zusammentreffen,

Dajan und Kaamel werden am 15. Januar

Außenminister Vance wird auch dort sein.

wird seine guten Dienste anbieten.

Er

Ich selbst würde es vorziehen, daß die

- 11 -

�die Israelis und die Ägypter dieses Interimsverfahren mit einer abschließenden Volksabstimmung selbst aushandeln.
promiß zwischen ihnen zu finden.

Wir werden versuchen, einen Kom-

Ich meine, wenn es uns gelingt, eine Reihe

akzeptabler Grundsätze zu entwickeln, dann wäre es für König Hussein und vielleicht später auch für die Syrer sehr viel leichter, sich an den Gesprächen
zu beteiligen.

Ich habe nicht versucht, König Hussein zu überreden, sich

jetzt zu beteiligen.
Ich bin der Meinung,und er ist auch der Meinung, daß Sadat den arabischen
Standpunkt in ausreichendem Maße repräsentiert. Ich meine, daß Sadat in fast
einzigartiger Weise nicht nur das Vertrauen seines eigenen Volkes und der übrigen Welt hat, sondern in beträchtlichem Maße auch das Vertrauen der israelischen Bürger.
So sind wir derzeit alle der Auffassung, daß Hussein sich aus den direkten Verhandlungen heraushalten sollte, bis Sadat ausdrücklich um seine Beteiligung ersucht. Der Schah wird die Dinge unterstützen; die Saudis waren sehr
optimistisch hinsichtlich der Zukunft, und Hussein und wir sind völlig einer
Meinung.
Ich meine also, daß die gegenwärtige Situation ganz gut ist. Wie jedoch
die Abstimmung genau ablaufen soll

oder wann oder welche Optionen den Pa-

lästinensern angeboten werden könnten, möchte ich nicht sagen.

Ich weiß es

nicht.

FRAGE: Darf ich Sie auch fragen, ob Sie glauben, daß Sadats Position
gegenüber den harten Kritikern aus der arabischen Welt durch Ihren Besuch
verbessert wurde?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß ich gegen die Vertraulichkeit verstoße,
wenn ich sage, daß alle arabischen Führer, mit denen ich zusammenkam,erklärten, daß sie Sadat einstimmig unterstützen. Was Syrien denkt, kann ich nicht

�nicht genau sagen.

Ich habe nicht mit Assad gesprochen, aber die Einstellung

des Irak und Libyens und der radikalerer Araber liegt auf der Hand.
len nicht, daß Frieden herrscht.
kommt.

Sie wol-

Sie wollen nicht, daß es zu einer Lösung

Sie wollen nicht, daß die Genfer Konferenz zu einem Abschluß kommt.

Und viele von ihnen haben noch immer als einzige Zielsetzung die Zerstörung
Israels.
Ich glaube nicht, daß Assad oder König Hussein oder Sadat oder die Saudis
- also die,mit denen ich gesprochen habe - in irgendeiner Form so denken.
Ich glaube,sie alle sind absolut bereit, Israel jetzt als bleibendes Gebiet
im Nahen Osten zu akzeptieren und mit ihm in Frieden zu leben.

FRAGE:

Herr Präsident, bevor wir die Reise antraten haben Sie erklärt,

Sie würden über die Menschenrechte sprechen,und Sie haben, so glaube ich,
überall davon gesprochen.
ANTWORT:

FRAGE:

Ja.

Aber seit wir in Polen waren, wo Sie über Giereks Verpflichtung

Ihnen gegenüber hinsichtlich der Auswanderungsrechte gesprochen haben, erhielten wir, so glaube ich, von Ihnen keine näheren Informationen mehr, daß irgendeiner der Führer Ihnen irgendein
geben hätte.
Iran.

Antwort auf Ihren eigenen Standpunkt ge-

Gibt es da etwas Spezifisches?

Ich denke da vor allem an den

Hat es irgendwelche Konzessionen gegeben, von denen wir noch nichts

gehört haben?
Antwort:

Nein, offensichtlich streben wir ja keine Konzessionen in

den Menschenrechten in Belgien, Ägypten oder Frankreich an. Im Iran haben der
Schah und ich allumfassende Gespräche über die Menschenrechte geführt.
bin nicht geneigt, über das vertrauliche Gespräch zu reden.
- 13 -

Ich

Aber die Grund-

�Grundfrage im Iran ist das bestehende Gesetz, das die kommunistischen Parteien
verbietet und den Kommunismus verbietet - ein Gesetz, das den Gesetzen sehr
ähnlich ist, die wir in der Vergangenheit selbst sehr regoros durchgesetzt haben.

Hier liegt die Grundlage des Problems.
Aber dem Schah sind die Menschenrechte ein sehr tiefes Anliegen, und

ich habe die Menschenrechte auch in meiner Erklärung im Iran erwähnt.

Aber

wir haben im Iran auf vielfältige Weise - durch die Gewährung der Rechte für
Frauen, die Aufnahme ungleichartiger religiöser und rassischer Gruppen im Iran
- sehr schöne Fortschritte gemacht, so möchte ich sagen, die in etwa dem entsprechen, was wir in den letzten 20 Jahren in den USA geleistet haben ...

FRAGE:

War die Reise zum Teil symbolisch? ...

ANTWORT: ... Die Reise war symbolisch. Es ist ein sehr sicheres und beruhigendes Gefühl, etwas zu repräsentieren, das ich für die größte Nation der
Erde halte. Wir haben keine Schwäche, die es nach meiner Meinung nach von
mir verlangen würde, künstlich unsere Stärke unter Beweis zu stellen. Wir
haben nach meiner Auffassung keinen Bedarf, der es von mir verlangen würde,
jemand anderen zu übervorteilen, um unseren Bedarf zu decken. Wir hegen
kein Gefühl der Überlegenheit oder der Beherrschung über die anderen Nationen,
die wir besucht haben. Wir behandeln sie echt als Partner, als Volk mit dem
wir in der Zukunft noch enger befreundet sein möchten.
Es war also eine Reise, die symbolisch war für die Macht und den Einfluß
und den guten Willen der Vereinigten Staaten.

Ich habe überall, wo ich hin-

kam, versucht, die Konzeption der Moral und des Anstandes und der Güte und der
Freundschaft und der Menschenrechte zu unterstreichen.

Ich fühle mich also

unter keinerlei unbequemem Zwang, etwas beweisen zu müssen, was unsere Nation
nach meiner Meinung wirklich nicht repräsentiert.
Reise symbolisch.

In diesem Sinne war die

Sie symbolisierte,was Amerika ist und was Amerika sein

möchte ...
+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG CARTERS NACH SEINER RÜCKKEHR IN DIE USA

WASHINGTON - AD - Nach seiner Rückkehr in die USA gab Präsident Jimmy
Carter am 6. Januar 1978 abends (Ortszeit) auf dem Rasen vor dem Weißen
Haus folgende Erklärung ab:
Als ich vor eineinhalb Wochen hier an dieser Stelle stand, da sprach
ich im Hinblick auf meine Reise von einigen Dingen, die mir bedeutsam erschienen: von raschen Veränderungen, der Vielfalt unter den Völkern der
Welt, der Führungsrolle Amerikas, von Freiheit, Freundschaft und den Menschenrechten. Nachdem ich nun diese Länder besucht habe, ist mir der Sinn dessen,
was diese Worte wirklich bedeuten, viel klarer geworden.
Ich möchte hier jetzt nicht in Einzelheiten gehen, weil die Zeit dafür
zu kurz ist, aber mir stehen doch einige Dinge deutlich vor Augen, die meine
Gefühle deutlich machen, wo ich jetzt in mein von mir so geliebtes Land zurückkehre.
Da ist der Besuch in Warschau - die Länder des Warschauer Paktes liegen
auf der anderen Seite des Eisernen Vorhanges, der jetzt - und ich hoffe für

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�für immer - gelüftet wird.
Ich habe denen meine Reverenz erwiesen, die dort getötet wurden; es
gab vier Millionen Juden in Polen vor dem Krieg. Jetzt sind es weniger als
hunderttausend. Warschau hatte 1,2 Millionen Einwohner; 800 000 von ihnen
wurden getötet. Sechs Millionen Polen verloren ihr Leben. Rund 20 Millionen
Russen starben im Zweiten Weltkrieg.
Und ich habe jetzt auch ein viel klareres Gefühl, daß die kommunistischen
Länder, die wir manchmal als Gegner ansehen, den Krieg vermeiden und den
Frieden haben wollen, sn wie wir dies wollen. Und daß wir alle Anstrengungen
machen müssen, um nach gemeinsamen Dingen zu suchen, um einander zu verstehen
und gut miteinander auszukommen.
Indien mit seinen etwa 700 Millionen Menschen, die größte Demokratie
der Erde, hat einen tiefen Eindruck auf mich gemacht.
Ich besuchte das Grabmal Gandhis, wo sein Leichnam verbrannt wurde, und
dachte daran, wie dieser Mann ohne Armee, ohne Fernsehen, ohne politische
Organisation, ohne Haus

dieses Land umformen konnte, indem er von Dorf zu

Dorf ging, weil er ein unveränderliches Ideal vor Augen hatte und weil er
wollte, daß das indische Volk das Recht habe, seine Religion auszuüben unj
seine eigenen Führer zu wählen.
Und wir besuchten ein kleines Dorf, das dem glich, in dem meine Mutter
zwei Jahre lang gelebt hat, ein Dorf der Armut. Die Menschen, die dort leben,
verdienen in einen Jahr nicht so viel, wie der durchschnittliche amerikanische
Arbeiter in einer Woche verdient. Aber wir wurden dort mit offenen Armen aufgenommen, und es war selbst dort ein natürlicher Ausdruck der Freundschaft zu
spüren und ein Ausdruck des Dankes für das, wofür unser Land eintritt.
Ferner besuchte ich König Hussein und König Khaled und den Schah von
Persien und machte Zwischenstation in Assuan, wo ich mit einen echten Gefühl

- 2 -

�Gefühl

der Wertschätzung einen der tapfersten Männer auf dieser Erde,

Anwar Sadat, in die Arme schloß.
Dann reiste ich nach Frankreich, wo ich gestern wohl einen der schönsten
Tage meines Lebens erlebte: der Ausdruck der Freundschaft, die uns und
unserem Lande auf den Straßen von Paris entgegenschlug, die Menschen in dem
kleinen Ort Bayeux, der ersten Stadt, die befreit wurde, als die Kräfte der
Freiheit nach Europa zurückkehrten; und dann stand ich am Strande der Normandie,
wo in wenigen Stunden im Raum von Onaha Beach 2 000 Menschen ihr Leben gaben,
und ich sah eine große amerikanische Flagge und eine große Trikolore über
den Gräbern von mehr als 9 300 Amerikaner, die für die Freiheit Frankreichs
und Europas und für unsere eigenen Freiheit starben - dies alles war ein
großes Erlebnis für mich.
Ich habe viel gelernt. Wir wurden mit offenen Armen und mit Freundschaft
empfangen - selbst von den Nationen, die in der Vergangenheit uns gegenüber
etwas kühl waren - und ich konnte klar erkennen, was die Vereinigten Staaten
von Amerika für diese Völker bedeuten.
Wenn wir aufrichtig und bescheiden auftreten, erfüllt es sie mit Freude.
Wenn wir ehrlich sind, fühlen sie sich erleichtert. Wenn wir stark sind, werden
sie geschützt, und wenn wir die Hand der Freundschaft ausstrecken, dann wird
sie mit Freuden ergriffen.
Ich war stolz auf die Freundschaft, die uns zuteil wurde und auf die
Freundschaft, die wir gaben; aber zu jeder Zeit war ich noch stolzer auf das
Volk, das ich vertrete.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;&lt;span style="text-decoration: underline;"&gt;Die Weltreise Präsident Jimmy Carters vom 29. Dezember 1977 bis 6. Januar 1978&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Jimmy Carters vor seinem Abflug zur Weltreise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(29. Dezember 1977)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters bei seiner Ankunft in Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(29. Dezember 1977)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des gemeinsamen amerikanisch-polnischen Kommuniques&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(30. Dezember 1977)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung Präsident Carters in Teheran &lt;br /&gt;&lt;em&gt;(31. Dezember 1977)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters bei seiner Ankunft in Indien&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(1. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters vor dem indischen Parlament &lt;br /&gt;&lt;em&gt;(2. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deklaration von Delhi&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(3. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters anlässlich der Unterzeichnung der Deklaration von Delhi&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(3. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung Präsident Carters in Saudi-Arabien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(3. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters nach dem Treffen mit Präsident Sadat&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(4. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung Präsident Carters auf dem Pariser Flughafen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(4. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters in Paris&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(4. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters in der Normandie&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(5. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters in Bayeux&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(5. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters vor dem Abflug aus Paris&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung Präsident Carters in Brüssel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters anlässlich des Besuches bei der EG&lt;br /&gt;(6. Januar 1978)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters vor dem Nordatlantikrat&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausführungen Carters vor der Presse im NATO-Hauptquartier&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interview Präsident Carters zum Abschluss seiner Weltreise&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters nach seiner Rückkehr in die USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;</text>
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3
I

Information
und
Dokumentation

1

United States Information Service

4. Januar 1978

INHALT

INFORMATION

Carter nominiert G. William Miller zum Präsidenten des amerikanischen
Zentralbankrates

WIRTSCHAFT
US-Bundesbankmitglied zum Donarkurs
US-Wirtschaft geht mit verhaltenem Optimismus in das neue Jahr
Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

HINTERGRUNDMATERIAL
Neuer US-Verteidigungshaushalt mit realem Wachstum
- Amerika will NATO-Beitrag verstärken Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Information

I

United States Information Service

4. Januar 1978

CARTER NOMINIERT G. WILLIAM MILLER
ZUM PRÄSIDENTEN DES AMERIKANISCHEN ZENTRALBANKRATES

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat den amerikanischen Geschäftsmann G. William Miller zum neuen Präsidenten des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsidenten) nominiert.
Wenn der amerikanische Senat seine Nominierung bestätigt, wird der 52jährige Miller den bisherigen langjährigen Bundesbankpräsidenten Dr. Arthur
Burns, von seinem Posten ablösen.
Der 72jährige bisherige Chef der amerikanischen Notenbank, Dr. Burns,
der sowohl in der amerikanischen Geschäftswelt als auch in internationalen
Wirtschafts- und Finanzkreisen hohes Ansehen als Garant für eine verantwortungsbewußte Fiskalpolitik genießt, bezeichnete die von Carter getroffene
Wahl als "weise und gut" und würdigte die "moralische Integrität und Charakterfestigkeit" seines vorgesehenen Nachfolgers als wichtige Voraussetzungen
für die mit diesem verantwortungsvollen Amt gestellten Aufgaben.
Miller

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�I

Miller erklärte vor der Presse, er werde bemüht sein, die von Burns
eingeschlagene Politik fortzuführen und sie den sich wandelnden wirtschaftr
liehen Verhältnissen anzupassen.

Er glaube, daß es möglich sein werde, die,

Probleme der Inflation und der Arbeitslosigkeit gleichzeitig anzugehen.
Damit steht Miller der Position des amerikanischen Präsidenten etwas näher
als Burns.
G. William Miller ist Präsident der "Textron Inc.",eines Mischkonzerns,
der seinen Hauptsitz in Providence (Rhode Island) hat und 280 Betriebe und
Fabrikanlagen in den Vereinigten Staaten und im Ausland umfaßt.

"Textron"

beschäftigt 65 000 Personen und hatte im Jahre 1976 einen Umsatz von 2,6
Milliarden Dollar.
Gleichzeitig bekleidet Miller den Posten des Direktors der Landeszentral •"
bank von Boston und ist Vorsitzender der Nationalen Unternehmervereinigung.
Miller stammt aus Oklahoma.

Er wurde am 9, März 1925 in Sapulpa gebo-

ren, studierte an der Akademie der amerikanischen Küstenwache und diente als
Offizier im Pazifik und Fernost.
Im Jahre 1952 schloß er sein juristisches Studium an der Universität von
Kalifornien ab und arbeitete anschließend als Anwalt in New York.
Im Juni 1960 wurde Miller zum Präsidenten des "Textron"-Konzerns gewählt
und übernahm 1968 in diesem Konzern den Posten des Generaldirektors; im Jahre
1974 wählte man ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden.
Miller ist außerdem Ko-Vorsitzender im amerikanisch-sowjetischen Handelsund Wirtschaftsrat und im polnisch-amerikanischen Wirtschaftsrat und führte
seit 1977 den Vorsitz im Industrie-Beratungskomitee des Präsidialausschusses
für Chancengleichheit am Arbeitsplatz.
+ + + + +

- 2 -

�I

Wirt/choM

I

United States Information Service

4. Januar 1978

US-BUNDESBANKMITGLIED ZUM DOLLARKURS

Henry C. Wallich, Mitglied des Zentralrates der amerikanischen Bundesbank
(U.S. Federal Reserve System) und bekannter Wirtschaftler, hat in einer Rede
vor dem Amerikanischen Wirtschaftsverband
und dem Amerikanischen Finanzverband am
28. Dezember 1977 in New York zu der Kursentwicklung des US-Dollars Stellung genommen. Seine Ausführungen haben folgenden
Wortlaut:

Wenn wir an der Schwelle des neuen Jahres auf 1977 zurückblicken und
überlegen, wie es 1978 voraussichtlich weitergehen wird, erfüllt uns die Tatsache mit einiger Genugtuung, daß wir Fortschritte gemacht haben und daß die
Aussichten gut sind.

Im internationalen Vergleich schnitten die Vereinigten

Staaten 1977 gut ab, und sie dürften ihre Position 1978 halten.
hen wir uns vor ernste Aufgaben gestellt.

Dennoch se-

Im eigenen Land liegen die In-

flations- und Arbeitslosenraten trotz eines an sich ausreichenden Wirtschaftswachstums nach wie vor außerordentlich hoch.

Wichtige Anpassungen stehen

noch aus - so beispielsweise auf dem Energiesektor.

Was die Außenwirtschaft

angeht, sind wir mit einem sehr großen Defizit in der Bilanz der laufenden
Posten bei einem gleichzeitig erheblichen Verfall des Dollarkurses konfron-

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�konfrontiert. Das alles sind Probleme, derer wir eingedenk bleiben müssen,
wenn wir uns den Aktiva in der Jahresbilanz zuwenden.
Die amerikanische Wirtschaft operiert im Rahmen eines Wechselkurssystems, das auf dem internationalen Einverständnis basiert, daß das Niveau
und die Veränderungen der Wechselkurse von den beherrschenden wirtschaftlichen und finanziellen Faktoren bestimmt werden.

Nach meinem Dafürhalten

ist dies langfristig nicht lediglich eine Richtschnur für die Devisenmarktpolitik, sondern ein einfaches wirtschaftliches Gebot.

Unrealistische Wech-

selkurse lassen sich in einer Welt, in der die Ströme von Waren, Dienstleistungen und insbesondere Kapital glücklicherweise relativ frei sind und
ständig expandieren, langfristig nicht aufrechterhalten.
Sicherlich kann man Wechselkurse kurzfristig durch Faktoren anderer Art
als der der grundlegenden wirtschaftlichen Gegebenheiten beeinflussen. Unsicherheit, irrige Annahmen und destabilisierende Spekulationen sind dazu
angetan, von Zeit zu Zeit größere Ausschläge der Indices zu verursachen.

In

den letzten Monaten scheinen die Devisenmärkte eine solche Periode durchgemacht zu haben. Meiner Meinung nach haben bei den jüngsten Schwankungen auf
den Devisenmärkten vor allem irrige Annahmen eine Rolle gespielt.
Eine solche irrige Annahme scheint mir vor allem der offensichtlich
weit verbreitete Glaube zu sein, die Vereinigten Staaten würden hinsichtlich
der Bewertung des Dollars eine Politik der "stillschweigenden Duldung" praktizieren. Diese Folgerung scheinen viele Teilnehmer am Devisenmarkt aus der
Tatsache gezogen zu haben, daß Amerika auf den Devisenmärkten in der jüngsten
Zeit zwar zunehmend aber doch nur in geringem Umfang interveniert hat. Meiner
Ansicht nach sind alle Überlegungen falsch, die darauf hinauslaufen, die Vereinigten Staaten würden sich keinerlei Sorgen wegen der Bewertung ihrer eigenen
Währung machen oder es sogar gerne sehen, wenn der Dollar im Werte weiter ab"
sinkt, um daraus irgendwelche Vorteile im internationalen Handel ziehen zu
können. Die Vereinigten Staaten haben allen Grund, darauf zu achten, daß
ihre Währung so hoch bewertet wird, wie dies die grundlegenden wirtschaft- 2 -

�wirtschaftlichen Gegebenheiten rechtfertigen.

Erstens haben wir begriffen, daß jedes Absinken des Wechselkurses zur
Steigerung der Inflationsrate beiträgt - wie uns die 1971 erfolgte Abwertung
und die Wechselkursschwankungen der Folgezeit gelehrt haben.

Zuvor hatte

man geglaubt, der Dollarkurs hätte angesichts des verhältnismäßig geringen
Volumens unserer Außenwirtschaft kaum Einfluß auf das Preisgefüge auf dem
Binnenmarkt.

Inzwischen wissen wir aber aus Erfahrung, daß eine Abwertung

die Preise weit über die Aus- und Einfuhren hinausgehend beeinflussen kann.
Die Preise auf dem Binnenmarkt unterliegen ferner dem Einfluß des Wettbewerbsmechanismus.

Eine Abwertung des Dollars schwächt für eine ganze Reihe von

Produkten den Wettbewerb auf dem Binnenmarkt.

Hinzu kommt, daß der Anteil

der Außenwirtschaft am Bruttosozialprodukt seit 1971 von sechs auf zehn Prozent zugenommen hat.

Die amerikanische Wirtschaft ist heute eine offenere

Wirtschaft als damals.

Gerade deshalb wirken sich die Wechselkurse heute sehr

viel stärker auf die Preise auf dem Binnenmarkt aus.

Zweitens:

Der ölpreis ist ein weiterer wichtiger Faktor, der vom Wech-

selkurs des Dollars beeinflußt wird.

Einige OPEC-Sprecher haben erklärt,

ihre Preisentscheidungen würden von der weiteren Entwicklung des Dollarkurses
abhängen.

Das ist, wie ich weiß, kein stichhaltiges Argument, und die OPEC

würde durch eine Erhöhung des ölpreises ihre eigenen Interessen schädigen;
dennoch muß man sich darüber im klaren sein, daß der ölpreis von größter Wichtigkeit bleibt.

Drittens hängt die Brauchbarkeit des Dollars als Reserve-, Handels- und
Investitionswährung für die Vereinigten Staaten und die Welt davon ab, daß
der Dollar auch künftig als eine attraktive Anlagewährung angesehen wird. Gewiß ziehen die Vereinigten Staaten aus der internationalen Rolle des Dollars
gewisse Vorteile.

Sie erleichtert beispielsweise die Finanzierung großer De-

fizite in der Bilanz der laufenden Posten.

Darüber dürfen wir die Tatsache

nicht vergessen, daß eine Währung, auf die die Vermögenswerte anderer Länder
und privater Eigentümer lauten, mit den jeweils stärksten Währungen verglichen

- 3 -

�verglichen wird.

Die Investoren werden die Erträge von Dollarvermögen mit

den Erträgen vergleichen, die ihnen eine Anlage in anderen Währungen bieten
würde und dabei sicher die Unterschiede und Schwankungen in den Zinssätzen
und Wechselkursen mit ins Kalkül ziehen.

Sollte unter den Investoren das

Gefühl um sich greifen, die Anlage in Dollarwerten sei unattraktiv, wird
dies zwangsläufig eine Flucht aus dem Dollar in andere Währungen auslösen
und damit eine erhebliche Instabilität hervorrufen.
Schließlich beeinflußt der Wert des Dollars auch das Wirtschaftsklima
im Ausland.

Wenn der Wert einer so weit verbreiteten Währung wie des Dollars

unsicher erscheint, beeinträchtigt dies die Planung der Unternehmer wie der
privaten Haushalte und kann eine Verminderung der Investitionen und selbst
Veränderungen des Verbrauchergebarens im Ausland zur Folge haben.

Fällt der

Dollarkurs, schrumpfen die Erlöse der Exportindustrien und der mit amerikanischen Einfuhren im Wettbewerb liegenden Industrien im Ausland.
gilt für die Investitionen.

Das gleiche

Die Erholung der Weltwirtschaft, die nur schmerz-

lich langsam vorankommt, könnte durch ein weiteres Fallen des Dollarkurses
weiter verlangsamt werden - sofern das Ausland ein weiteres Absinken des
Dollarkurses nicht zu einer zusätzlichen Stimulierung der heimischen Wirtschaft zu nutzen vermag.
Amerikas Interesse an einem starken Dollar ist unleugbar. Dieses Interesse nach dem Ausmaß der amerikanischen Interventionen auf den Devisenmärkten
bemessen zu wollen, wäre falsch. Die Maßnahmen zur Stützung des Dollars waren
dem Grad der Beunruhigung der Devisenmärkte angepaßt. In dem Maße, in dem die
Kurse in den letzten Monaten schwankten, wurde unsere Stützung verstärkt oder
vermindert. Die Interventionen auf den Devisenmärkten dienen nicht dem Zweck,
die grundlegenden Markttendenzen zu beeinflussen - sie können dies gar nicht,
da die Markttendenzen auf den grundlegenden Wirtschaftsgegebenheiten beruhen.
Beweise dafür, daß Interventionen die Trends auf den Devisenmärkten
nicht verändern können, finden sich allenthalben.

Im Verlaufe des Jahres

1977 bezifferten sich die Dollaraufkäufe internationaler Notenbanken als In-

�Interventionsmaßnahme auf über 30 Milliarden Dollar.

Diese Interventionen

blieben zwar nicht ohne Auswirkung auf den Wert des Dollars, konnten aber
eine fünfprozentige Abwertung gegenüber anderen Hauptwährungen im Verlauf
des Jahres 1977 nicht verhindern.

Der Grund hierfür könnte darin liegen,

daß die grundlegenden wirtschaftlichen Fakten eine höhere Bewertung des
Dollars nicht zulassen.

Interventionen zeigen bleibende Wirkungen nur dann,

wenn die grundlegenden Wirtschaftsindikatoren angemessene Werte ausweisen
und der Markt dennoch keinen dementsprechenden Verlauf nimmt.

Der Grund

könnte jedoch auch in der psychologischen Verfassung des Marktes liegen,
die schon vielfach übertriebene Kursschwankungen auf den Devisenmärkten ausgelöst hat.

Die grundlegenden wirtschaftlichen Gegebenheiten manifestieren

sich auf den Devisenmärkten nicht zwangsläufig sofort und exakt.

Es ist deshalb notwendig, die grundlegenden Gegebenheiten des Dollars
zu überprüfen.

Das umfangreiche derzeitige Defizit der Vereinigten Staaten

in der Bilanz der laufenden Posten ist gegenwärtig der Hauptfaktor in der
Bewertung des Dollars auf dem Markt.

Da niemand ein Defizit in dieser Höhe

hatte, führte es zu einer veränderten Bewertung der Aussichten des Dollars
auf den Märkten.

Man sollte über dieses Defizit hinausblickend die Umstände berücksichtigen, die es hervorgebracht haben und die in Zukunft voraussichtlich neue
Defizite verursachen werden.

Eine wichtige Komponente des Defizits ist das

Volumen unserer öleinfuhren, die sich gegenwärtig auf rund 9,5 Millionen Barrel
pro Tag und wertmäßig auf etwa 45 Milliarden Dollar im Jahr beziffern.
ser Betrag für sich ist selbstverständlich
amerikanische "öldefizit".

Die-

kein korrekter Maßstab für das

Ein solcher läßt sich noch nicht einmal aus dem

Überschuß der öleinfuhren der Vereinigten Staaten über deren Ausfuhren nach
den OPEC-Ländern herauslesen, da wir große unsichtbare Nettoeinkünfte aus
den OPEC-Ländern beziehen, die sich nicht so einfach mit Zahlen belegen lassen.

Hinzu kommt, daß sich ein Defizit im bilateralen Handel mit einem

Lande bis zu einem gewissen Grad durch Überschüsse im bilateralen Handel mit
anderen Ländern ausgleichen läßt.

So ist z.B. der bescheidene Überschuß
- 5 -

�Überschuß der Vereinigten Staaten im Handel mit gewissen europäischen Ländern, die ihrerseits Waren nach den OPEC-Ländern ausführen, indirekt für
uns ein Mittel zur Abdeckung eines dementsprechenden Teils des öldefizits.
Dennoch sieht man zu Recht in einem ungehemmten Ölverbrauch und einer
hieraus resultierenden weiteren Zunahme der öleinfuhren eine schwere Belastung
unserer Handelsbilanz.

Die gegenwärtig im Kongreß anhängige Energiegesetz-

gebung und die vom Präsidenten vorgeschlagenen Maßnahmen sollen eine Verlangsamung der Aufwärtstendenz unserer öleinfuhren bringen.

Die Einsparung von

Energie und die Entwicklung zusätzlicher und als Ersatz geeigneter Energiequellen werden über Zahlungsbilanzerwägungen hinausgreifend in weiten Kreisen
als notwendige Voraussetzung zur Gewährleistung unserer nationalen Sicherheit
erachtet.
Eine weitere wichtige Komponente des derzeitigen Defizits der laufenden
Posten ist zyklischen Charakters. Die Vereinigten Staaten sind der übrigen
Welt hinsichtlich der Erholung von der Rezession der Jahre 1974/75 weit voraus.
Unsere Wirtschaft hat wieder Tritt gefaßt. Wir können damit rechnen, daß die
übrige Welt nachziehen wird. Niemand möchte, dessen bin ich sicher, daß die
Vereinigten Staaten ihr derzeitiges Defizit durch eine Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit im eigenen Lande abbauen. Dem eigentlichen Wesen dieses
Defizits ist deshalb nur durch konjunkturelle Anpassungen Rechnung zu tragen.
Es erhebt sich mit anderen Worten die Frage, wie groß wäre das Defizit, wenn
die Welt als Ganzes ein vernünftiges Maß der Vollbeschäftigung erreicht hätte.
Konjunkturelle Anpassungen müssen von der Überlegung ausgehen, wie die
Wirtschafts- und Preisentwicklung auf den Binnen- und Auslandsmärkten im Falle
der Vollbeschäftigung verlaufen wäre. Hierauf basierend lassen sich dann die
potentiellen Handelsvolumina abschätzen. Ein ökonometrisches Modell, das die
amerikanische Außenhandelsentwicklung in Beziehung zu derartigen Einkommensund Preisberechnungen setzt, läßt erkennen, daß das amerikanische Handelsdefizit von 30 Milliarden Dollar um 10 bis 20 Milliarden Dollar geringer ausgefallen wäre, bestünde in den wichtigsten Industriestaaten Vollbeschäftigung. Da_
- 6 -

�Da eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung unseren Überschuß von 12 Milliarden
Dollar in der Dienstleistungsbilanz kaum verändern würde, wäre das Defizit
der laufenden Posten unter solchen Umständen um etwa 18 Millionen Dollar
niedriger.

Berechnungen wie diesen kommt jedoch insofern kein allzu großes Gewicht zu, weil wir nicht wissen, w ^ lange es dauern wird, ehe die Welt wieder zu höheren Beschäftigungsraten zurückkehrt.

Wer derartige tentative

Überlegungen anstrengt, sollte nicht übersehen, daß ein gewisses Defizit
für die Vereinigten Staaten so lange tragbar ist, wie die OPEC-Länder beträchtliche Überschüsse aufweisen

.Die Defizite, die jenen Überschüssen

entsprechen, müssen sich naturgemäß auf alle Länder der Erde verteilen. Da
die Vereinigten Staaten normalerweise ein Kapitalexportland sind, scheint
eine Beteiligung Amerikas am Gesamtdefizit aller nicht der OPEC angehörenden
Länder angebracht, solange andere Länder Schwierigkeiten mit der Finanzierung
größerer Defizite haben.

Berechnungen über ein konjunkturell angepaßtes amerikanischen Handelsdefizit bieten jedoch keine Antwort auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten
nicht an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben.

Eine Analyse der grundlegen-

den Wirtschaftsfakten muß deshalb auch die Wettbewerbsfähigkeit in Betracht
ziehen.

Was die Beantwortung dieser Frage angeht, können wir ausreichende Hinweise heranziehen.

Einige ergeben sich aus der Untersuchung der internatio-

nalen Exportmarktanteile

Der Anteil der Vereinigten Staaten an den Ausfuh-

ren der Länder der Gruppe der zehn wichtigsten Industriestaaten - ein Maßstab, der die Auswirkungen der jüngsten ungewöhnlichen Entwicklungen auf den
Rohöl- und anderen Rohstoffmärkten weitgehend ausklammert - schrumpfte im
Jahre 1976 und nahm auch &gt;n der ersten Jahreshälfte 1977 weiter, wenn auch
in geringerem Maße ab

Dieser Schrumpfungsprozeß folgte auf drei Jahre der

Steigerung des amerikanischen Anteils an den Exportmärkten und im Anschluß
an zwei Jahre, während derer sich die Wechselkurse auf neue Werte eingependelt
hatten.

Somit ist der amerikanische Anteil, der sich in der ersten Jahres-

�Jahreshälfte 1977 auf 20 Prozent belief, im wesentlichen unverändert gegenüber dem Stand von 1971, als er 20,1 Prozent betrug.

Hierbei ist ferner zu

berücksichtigen, daß die Volkswirtschaften vieler unserer traditionellen Abnehmerstaaten in diesem Zeitraum keineswegs unverhältnismäßig rasch expandiert haben.
Eine weitere Quelle der Sorge um unsere Wettbewerbsfähigkeit hat sich
offensichtlich erledigt.

Wirtschaftswissenschaftliche Forschungsarbeiten aus

den fünfziger Jahren und der ersten Hälfte der sechziger Jahre schienen darauf hinzudeuten, daß die Elastizität der Nachfrage nach amerikanischen Exportgütern als einer Funktion der Einkommensentwicklung im Ausland erheblich geringer sei als die Elastizität der Ausfuhr anderer Staaten als Funktion der
Einkommensentwicklung in den USA.

Jüngere Forschungsarbeiten von Mitarbei-

tern des amerikanischen Zentralbankensystems lassen jedoch erkennen, daß kein
statistisch erheblicher Unterschied zwischen der Elastizität in dem einen
und im anderen Falle besteht. Solange demnach die Wirtschaft der Vereinigten
Staaten und die Volkswirtschaften überall auf der Welt etwa im gleichen Ausmaß expandieren, sollten diesen Untersuchungen zufolge die amerikanischen Ausund Einfuhren etwa dieselben Wachstumsraten wie die der übrigen Welt aufweisen.
Schließlich ergeben sich Hinweise auf die Wettbewerbsfähigkeit auch aus
der Berechnung der "realen" Wechselkurse: der Wechselkurse unter Berücksichtigung internationaler Unterschiede in den Inflationsraten. Der reale Wechsel
kurs des Dollars wird solange gegenüber dem jeder anderen Währung oder Gruppe
von Währungen unverändert bleiben, wie die Schwankungen der nominellen Wechselkurse den unterschiedlichen Preisbewegungen entsprechen.
Wie bei allen Vergleichsrechnungen erhebt sich auch bei den realen Wechselkursen die Frage nach den verwandten Indices und nach dem gewählten Ausgangspunkt.

Im Falle mancher Länder, beispielsweise Japans, führen unter-

schiedliche Indices zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Im Falle der Ver-

einigten Staaten allerdings zeitigen die vier normalerweise angewandten In- 8 -

�Indices - Verbraucherpreis-, Großhandelspreis-, Exportwert- und Arbeitsstückkostenindices - alle in etwa das gleiche Ergebnis.

Ein Vergleich zwi-

schen dem Dollarwert seit Beginn des Floatens der Wechselkurse im März 1973
oder der Durchschnittskurse in der Zeit von März 1973 bis heute zeigt, daß
der reale Wechselkurs des Dollars außenhandelsgewichtet abgewertet wurde,
während die Wettbewerbsfähigkeit zugenommen hat.

Der reale Wechselkurs der

DM zeigt bei Anwendung der gleichen Berechnungsmethode während des gleichen
Zeitraums nur geringfügige Veränderungen.

Für den Yen lassen sich, wie schon

betont, sinnvolle Ergebnisse nur sehr viel schwerer herausdestillieren.

Hierbei sollte man nicht vergessen, daß geringe Veränderungen in den
realen Wechselkursen nicht zwangsläufig als Beweis für ein bestehendes Gleichgewicht zu werten sind.

Wenn echte statt rein monetäre Schocks Veränderungen

in den Zahlungsbilanzen hervorrufen, ist es angebracht, wenn die realen Wechselkurse reagieren und sich verändern; wenn aber Untersuchungen struktureller
Faktoren der Weltwirtschaft erkennen lassen, daß keine größeren Anpassungen
erforderlich sind, deuten Bewegungen der realen Kurse auf Veränderungen in
der Wettbewerbsfähigkeit hin - insbesondere dann, wenn die verschiedenen Indices in etwa die gleichen Ergebnisse aufweisen.

Ich möchte noch ein weiteres Element der Wettbewerbsfähigkeit des Dollars
anführen, das die Kapitalbilanz und nicht die Bilanz der laufenden Posten
betrifft.

Der Dollar ist als Kapitalanlage auch weiterhin wettbewerbsfähig.

Das hängt von den Zinssätzen und den zu erwartenden Wechselkursbewegungen ab.
Sie bestimmen zusammen die Ertragserwartungen des Dollars im Vergleich zu
denen anderer Währungen.

Der Dollar hat seine Position als führende Reserve-

und Anlagewährung in der Nachkriegszeit gefestigt, als die Zinssätze in den
Vereinigten Staaten niedrig und fast überall anderswo auf der Welt hoch lagen.
Inzwischen haben sich die Verhältnisse, was die starken Währungen angeht, in
das Gegenteil verkehrt:

Die Dollarzinsen sind heute beträchtlich höher als

die Zinssätze in der Schweiz, in Deutschland und sogar in Japan.

In
- 9 -

�In Zeiten turbulenter Märkte, in denen sich die Wechselkurse und die damit zusammenhängenden Kapitalanlagewerte rasch und beträchtlich verändern,
treten Zinsüberlegungen normalerweise in den Hintergrund.
Märkte aber beruhigen, gewinnen die Zinssätze an Bedeutung.

Sobald sich die
Heute spiegeln

die Unterschiede in den Zinssätzen dreier wichtiger Anlagewährungen - des
Dollars, der DM und des Schweizer Franken - die unterschiedlichen Inflationsraten in den drei genannten Länder eindeutig wider.

Die realen Zinssätze sind,

mit anderen Worten, in diesen drei Ländern in etwa gleich.
In diesem grundlegenden Sinne scheint der Dollar als Anlage seine Wettbewerbsfähigkeit nicht verloren zu haben.

Von dieser Annahme ausgehend kommt

man zu dem Schluß, daß die Finanzierung des Defizits der Bilanz der laufenden
Posten, die im Jahre 1977 fast ausschließlich über staatliche Kapitalbewegungen
in der Form von Interventionen auf dem Markt erfolgt ist, bei unveränderten
Wechselkursen auch vom privaten Kapital bewältigt werden könnte.
Ich möchte die Elemente der Stärke des Dollars, die meines Erachtens gegeben sind, wie folgt zusammenfassen:
Erstens gibt es eine ausgeprägte konjunkturelle Komponente des Defizits.
Wir wissen nicht, wie lange andere Länder brauchen werden, bis sie zur Vollbeschäftigung zurückkehren; das Licht am Ende des Tunnels ist aber in jedem
Falle bereits zu erkennen.
Zweitens verzeichnen wir eine bescheidene Verbesserung der amerikanischen
Wettbewerbsfähigkeit seit 1973, die sich am "realen" Wechselkurs des Dollars
ablesen läßt.

Sie spiegelt die einigermaßen gute, wenngleich keinesfalls

hervorragende Eindämmung der inflationistischen Entwicklung in den Vereinigten
Staaten wider.

Der Hauptbeitrag zur Stärke des Dollars in der Zukunft muß

aus einer Fortsetzung und Verbesserung unserer Leistungen auf diesem Gebiet
kommen.
Drittens
- 10 -

�Drittens deuten mehrere andere Indices auf hohe Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer Waren hin - insbesondere die Marktanteile und die Nachfrageelstizität.

Diese Wettbewerbsfähigkeit dürfte umso klarer hervortreten,

je mehr sich der Welthandel erholt.

Viertens bestehen bei den konkurrierenden Währungen erhebliche Unterschiede in den Zinssätzen.

Wenn sich die Devisenmärkte beruhigen, werden

diese deutlicher hervortreten als bisher.
Noch fehlt es an konkreten Beweisen für die Annahme, daß die üleinfuhren nicht weiter steigen werden.

Selbst strenge Gesetze, wie sie meiner

Auffassung nach schließlich doch verabschiedet werden dürften, können die
amerikanischen üleinfuhren in naher Zukunft nicht vermindern.

Sobald solche

Gesetze aber bestehen, werden sie dem Markt doch die Gewähr bieten, daß die
Stärke des Dollars nicht durch übermäßige üleinfuhren unterminiert wird und
daß die Aussichten auf eine verminderte Abhängigkeit der Vereinigten Staaten
von üleinfuhren in Zukunft steigen werden.

+ + + + +

- 11 -

�i

Wift/choft
United States Information Service

4. Januar 1978

US-WIRTSCHAFT GEHT MIT VERHALTENEM OPTIMISMUS IN DAS NEUE JAHR
Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

WASHINGTON - (AD) - Wie stets am Ende eines jeden Jahres so haben auch
dieses Mal führende Wirtschaftswissenschaftler, Banken-und Wirtschaftsorganisationen in den letzten Dezemberwochen ihre Prognosen für das neue Jahr
gestellt, wobei die übereinstimmende Meinung darauf hinausläuft, daß ein
umfassender Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft wohl kaum vor Ende 1978,
vielleicht sogar erst zum Ende dieses Jahrzehnts zu erwarten steht.

Allgemein wird mit einem anhaltenden Wirtschaftswachstum zumindest bis
Ende 1979 gerechnet, wobei allerdings die Wachstumsraten etwas niedriger als
im letzten Jahr liegen dürften.
wärtigen Stand stehen bleiben.

Die Inflationsrate wird etwa auf dem gegenDagegen kann auf dem Beschäftigungssektor mit

einem gewissen Rückgang der Arbeitslosigkeit gerechnet werden.

Wenn auch die endgültigen Statistiken für 1977 erst in einigen Monaten
vorliegen werden, so teilt man in der Wirtschaft die Auffassung der Regierung,
daß das Tempo des Wirtschaftswachstums

nach dem scharfen Anstieg in der

ersten Jahreshälfte im zweiten Halbjahr 1977 erheblich nachgelassen hat. Nach
allgemeinen Schätzungen dürfte das Bruttosozialprodukt der USA 1977 - nach

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�nach Ausschaltung inflationsbedingter Faktoren - um etwa 4,8 Prozent gestiegen sein, während die Verbraucherpreise zwischen 5,5 und 6,5 Prozent
angezogen haben.

Die Arbeitslosenquote liegt zur Zeit bei 7 Prozent.

Für 1978 wird ein Ansteigen des Bruttosozialprodukts zwischen 5 Prozent - die etwas optimistische Prognose des Vizepräsidenten der U.S. Steel
Company

Joseph Greer - und 3,6 Prozent - nach den etwas pessimistischeren

Berechnungen der Staatsuniversität von Michigan - erwartet.

Die Inflations-

rate dürfte zwischen 5,7 Prozent - Morgan Guaranty Trust - und 6,7 Prozent nach einer Umfrage des "Industry Week Magazine" bei maßgebenden Persönlichkeiten der Wirtschaft - liegen.

Dagegen weichen die Schätzungen über die

Entwicklung der Arbeitslosenquote im neuen Jahr mit 6,4 bis 6,8 Prozent nur
geringfügig voneinander ab.
Die abweichenden Prognosen sind zum Teil darauf zurückzuführen, daß
die einzelnen Wirtschaftsforschungsinstitute unterschiedliche Verfahren anwenden oder von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen. So setzt Otto
Eckstein von der Data Resources Inc. bei seinen Voraussetzungen voraus, daß
ein Steuersenkungsprogramm in Höhe von 20 Milliarden Dollar verabschiedet wird,
ein den Vorschlägen Präsident Carters im allgemeinen entsprechendes Energieprogramm den Kongreß passiert und die Sozialversicherungsreform sowie weitere innenpolitische Maßnahmen in Kraft treten. Die Professoren Saul Hymans
und Harold Shapiro von der Staatsuniversität von Michigan rechnen zwar mit
einem Energieprogramm, erwarten aber keinerlei Änderungen bei den Regierungsausgaben und lediglich eine begrenzte Geldmengenzunahme. Und die auf der
Novemberkonferenz des Brookings Institute versammelten Wirtschaftler gingen
bei ihren Vorausschätzungen von der augenblicklichen Situation aus.
Eckstein vertritt die Ansicht, daß wenig geschehen ist, was in den
nächsten Jahren zu einem Abbau des harten Grundstocks der Inflationsrate
von gegenwärtig 5,5 bis 6 Prozent führen könnte. Zwar seien Produktivitätssteigerungen erzielt und die Arbeitskosten gesenkt worden. Aber die Lohnsteigerungsrate dürfte kaum unter 8 Prozent zurückfallen,und dazu komme noch
- 2 -

�noch die sich aus der Anhebung der Energiepreise um 15 Prozent ergebende
Erhöhung der Inflationsrate um circa ein Prozent.

Alles in allem seien also

die Aussichten für eine Senkung der Inflationsrate schlecht; allerdings sei
auch eine dramatische Beschleunigung der Inflation höchst unwahrscheinlich.
Sollte es der Regierung jedoch gelingen, so meinte Eckstein, die richtige
Mischung von Maßnahmen für einen Ausgleich des Haushalts durchzusetzen und
die Endverbrauchernachfrage real zu steigern, so könnte der Anstieg des Gesamtpreisniveaus zwischen heute und 1980 auf 5,5 Prozent begrenzt werden.
Der frühere Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats des Präsidenten, Professor Walter Heller, pflichtet in seiner Prognose für die National City
Bank of Minneapolis dieser Auffassung Ecksteins bei, bemerkt jedoch einschränkend, daß die Regierung bisher über einen behutsam geführten - aber
unwirksamen - Dialog mit den Gewerkschaften und den Unternehmern über das
"Kostenauftriebskarussell" nicht hinausgekommen ist. Daher bleibe die Aussicht auf ein Absinken der Inflationsrate unter sechs Prozent recht gering,
sofern nicht die Regierung zu "mutigeren" Maßnahmen greife, seien es Leitlinien oder Steuersenkungen, um so auf eine Mäßigung bei den Löhnen hinzuwirken.
Anlage- und Ausrüstungsinvestitionen werden von den Wirtschaftsanalytikern schon immer als wichtiger Frühindikator für eine künftige Zunahme der
Wirtschaftstätigkeit betrachtet.

Im Jahre 1977 dürften die Investitionen der

Wirtschaft um acht bis neun Prozent zugenommen haben.

Die Unsicherheit be-

züglich der Gewinnspannen wird jedoch 1978 nach Ansicht des Vizepräsidenten
der Chase Manhattan Bank, Robert Slighton, zur Zurückhaltung bei den Investitionen mahnen.

Aber auch bezüglich der künftigen Energiepreise, der Verfüg-

barkeit von Energie, der Steuerpolitik, der Umweltnormen sowie zahlreicher
anderer Fragen besteht in der Wirtschaft eine gewisse Unsicherheit.

So hat

eine Umfrage des "Industry Week Magazine" ergeben, daß die Planungen der
Wirtschaft für 1978 lediglich eine Zunahme der Investitionen um 3,9 Prozent
vorsehen.

Das Problem ist nicht, wie Heller hierzu erklärt, daß die Unter-

nehmen nicht über die erforderlichen Mittel verfügen.
- 3 -

Vielmehr zögere die

�die Wirtschaft, neue Kapazitäten zu schaffen, solange die vorhandenen Anlagen nicht voll ausgelastet sind.

Die durchschnittliche Kapazitätsaus-

lastung in der amerikanischen Industrie liegt gegenwärtig bei etwa 83 Prozent.
Die Staatsuniversität von Michigan ist dagegen anderer Ansicht.

Sie

sagt einen Anstieg der Anlageinvestitionen der Wirtschaft von sechs Prozent
für 1978 und von 6,5 resp. 7,1 Prozent in den Jahren 1979 und 1980 voraus,
sofern Steuersenkungen für die Wirtschaft und Steuerkredite für Investitionen
gewährt werden.

Nach ihrer Auffassung haben sich die Investitionsaufwendun-

gen der Wirtschaft in der gegenwärtigen Wiedererholungsperiode weniger stimulierend ausgewirkt als bei ähnlichen Aufschwungsphasen nach dem letzten Weltkrieg.

Ohne irgend welche Steuervergünstigungen würden die Anlageinvesti-

tionen der Wirtschaft 1978 nur um 4,8 Prozent zunehmen.

Da Steuersenkungen

zu einem Anstieg der Verbraucherausgaben und vor allem einer starken Zunahme
der Autokäufe führen würden, werde sich dies auch belebend auf die Investitionstätigkeit auswirken.
In den Prognosen wird ferner darauf hingewiesen, daß die Vereinigten
Staaten auch bei Steuersenkungen nicht mit einem so schnellen Wirtschaftswachstum rechnen können, daß die Arbeitslosigkeit in den nächsten Jahren
entscheidend abgebaut werden kann. Eckstein meint, wenn das von dem Präsidenten angestrebte Ziel einer Verringerung der Arbeitslosigkeit auf fünf
Prozent bis 1980 erreicht werden soll, dann müßten, um die hierfür erforderliche Nachfrage zu schaffen, das Bruttosozialprodukt um jährlich fünf Prozent und die realen Investitionen um jährlich fast zehn Prozent steigen.
Dies sei möglich, wenn der Anstieg von Preisen und Löhnen zwischen heute
und 1980 auf 5,5 resp. 6,6 Prozent herabgedrückt, die Geldpolitik gelokkert und die Zinsen gesenkt würden. Wahrscheinlicher ist jedoch nach Ansicht von Eckstein, daß an der Inflationsfront nur wenig Erfolge und bei
der Schließung der Kluft zwischen realem Wachstum und potentiellem Wachstum
nur begrenzter Erfolg erzielt wird. Die Steuersenkung, mit deren Verabschiedung 1978 zu rechnen sei, werde zu einer Steigerung des Wirtschaftswachstums
- 4 -

�Wirtschaftswachstums im Jahre 1979 um lediglich vier Prozent führen und
erst 1980 werde das Wirtschaftswachstum in die Nähe des gesteckten Zieles
von fünf Prozent kommen und die Arbeitslosigkeit unter sechs Prozent
absinken.

Hymans und Shapiro rechnen trotz einer Steuersenkung für 1979 nur mit
einem Wirtschaftswachstum von 3,25 Prozent - und sollten die Steuern nicht
gesenkt werden, mit einem Wachstum von 2,4 Prozent.

Sie glauben auch nicht,

daß es gelingt, die Arbeitslosigkeit schon 1979 unter sechs Prozent herabzudrücken.

Slighton weist darauf hin, daß die Rekordwirtschaftstätigkeit in den
zwei Jahrzehnten vor dem Ansteigen der Energiepreise kein guter Vergleichsmaßstab für die Leistungen der Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren ist.
Die Grenzen für ein mögliches Wachstum seien heute enger geworden.

Das Wirt-

schaftswachstum werde 1978 und in dem darauffolgenden Jahrzehnt voraussichtlich langsamer als in den Jahren von 1951 bis 1971 sein.

Die Vereinigten

Staaten würden sich jetzt immer stärker der wichtigen Impulse bewußt, die der
Außenhandel der US-Wirtschaft geben kann.

Die Aufrechterhaltung eines hohen

Wirtschaftswachstums in den USA sei auch wichtig für die Wiedergesundung der
übrigen Volkswirtschaften.

Die Wirtschaftsanalytiker sagen lediglich ein mäßiges Mengenwachstum
der US-Exporte voraus, wobei die Entwicklung der Ausfuhr den erwarteten
langsamen wirtschaftlichen Aufschwung bei den meisten amerikanischen Handelspartnern entsprechen werde.

Eckstein fügt hinzu, daß die steigenden Zins-

sätze in den USA die Möglichkeiten einiger der amerikanischen Handelspartner
für Zinssenkungen einengen werden,so daß die meisten Länder bei einer konservativen Wirtschaftspolitik bleiben würden.

Die Möglichkeit guter Ernten in den anderen Ländern im neuen Jahr und
die wachsende Neigung zu einer protektionistischen Politik könnten nach Ansicht verschiedener Wirtschaftsexperten zu einer Einschränkung des künftigen
- 5 -

�künftigen Wachstums für den Welthandel führen.

Wenn gleichzeitig das Alaska-

Öl jetzt zu fließen beginnt, werde auch der Anstieg der amerikanischen Erdöleinfuhren sich verlangsamen.
Unter Berücksichtigung aller dieser Voraussagen scheint nach Auffassung
der Wirtschaftsexperten festzustehen, daß der wirtschaftliche Aufschwung ohne
zusätzliche Anregungen, wie sie zum Beispiel von der von Präsident Carter
vorgeschlagenen wesentlichen Steuersenkung ausgehen könnten, sich 1978 nur
recht zögernd fortsetzen werde.
Zusammenfassend stellt der ehemalige Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats
des Präsidenten, Arthur Okun, fest, daß der Wirtschaftsaufschwung noch "über
beträchtliche Stärke und Lebensdauer" verfüge, wobei er jedoch von der Erwartung ausgeht, daß eine die Wirtschaft stimulierende Steuersenkung erfolgt.
Hymans und Shapiro sind vorsichtiger:

Wenn die amerikanischen Währungsbehör-

den nicht Mitte 1978 das Ruder herumwerfen und zu einer Politik des leichten
Geldes übergehen und wenn Kongreß und Carter-Administration nicht in der
zweiten Hälfte 1978 größere fiskalische Anreize gewähren, dann werde die
Wirtschaft, völlig unnötig, bis dicht an eine Rezession abrutschen.
Was besagen nun alle diese Prognosen letztlich? Nicht sehr viel, meint
John Kenneth Galbraith, denn keine enthalte Faktoren über die Wirtschaftsaussichten, die nicht auf frühere Erfahrungen zurückgehen. Die Entwicklung,
die die Wirtschaft nimmt, sei dagegen ein Prozeß einer ständigen Anpassung
an Dinge, die noch nie zuvor eingetreten sind.

+ + + + +

�1

4. Januar 1978

NEUER US-VERTEIDIGUNGSHAUSHALT MIT REALEM WACHSTUM
Amerika will NATO-Beitrag verstärken
Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir

WASHINGTON - (AD) - Die Regierung Carter ist gegenwärtig dabei,
ihren ersten eigenen Verteidigungshaushalt auszuarbeiten, der dem Kongreß
am 23. Januar 1978 vorgelegt werden soll. Wie hierzu aus dem Verteidigunrsministerium verlautet, ist mit einem zwar geringen, aber doch
realem Wachstum der Militärausgaben im Haushaltjahr 1979 - 1. Oktober
1978 bis 30. September 1979 - zu rechnen.
Vertreter des Verteidigungsministeriums wiesen jüngst im Rückblick
auf das erste Jahr der Carter-Administration

auf die Tatsache hin, daß

die Verteidigungsausgaben in Prozent des Bruttosozialprodukts ausgedrückt
im Verlauf der letzten Jahre von rund zehn auf derzeit nur noch fünf bis
sechs Prozent zurückgegangen sind. Die Sowjetunion dagegen hielt die letzten
15 Jahre Verteidigungsaufwendungen in ihrem realen Dollarwert konstant
auf gleicher Höhe.
Der Militärhaushalt der USA für das laufende Finanzjahr wurde be*kanntlich noch von Präsident Ford eingebracht und von Präsident Carter

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�Präsident Carter lediglich revidiert. Die wichtigste Entscheidung der
Carter-Administration bezüglich des Haushaltvoranschlags Fords war nach
Auffassung hoher Beamter im Pentagon die Einstellung der Konstruktions~
Planung für weitere überschaubomber des Typs B-l. Im Kongreß stand zum
Jahresende 1977 noch immer ein Gesetz an, das den Bau einer fünften und
sechsten Maschine dieses Typs vorsah. Während der Senat zu verstehen
gegeben hatte, er wolle sich gegen den Bau dieser beiden Flugzeuge wenden,
schien das Repräsentantenhaus eher einer Zustimmung zum Bau zuzuneigen.
Das Verteidigungsministerium dagegen vertrat die Auffassung, die vier
sich gegenwärtig in der Flugerprobung befindlichen B-1-Flugzeuge würden
ausreichen, die erforderliche Weiterentwicklung auf dem Gebiet des überschal lflugs zu gewährleisten; die für die Verwirklichung des genannten
Gesetzes erforderlichen 450 Millionen Dollar für zwei weitere Flugzeuge
des Typs B-l lassen sich mithin ohne negative Folgen einsparen.
Amerikanische Regierungsvertreter sprachen von einer deutlichen
Schwerpunktverlagerung hinsichtlich der Zielsetzungen im Bereich der Verteidigungsanstrengungen im ersten Jahr der Carter-Administration: der
beträchtlichen Aufwertung der militärischen Rolle der NATO. Die ersten
Ergebnisse der auf Initiative der USA eingeleiteten neuen NATO-Planung
dürften schon 1978 sichtbar werden - vor allem auf den Gebieten der
Verstärkung der Panzerabwehr, der Anlage von Materialvorräten und der
Verbesserung des Ersatzwesens. Ob die steigenden amerikanischen Ausgaben
innerhalb der NATO der geplanten dreiprozentigen Anhebung entsprechen
werden, wird einmal vom Fortgang der Inflation und zum anderen von der
Haltung des Kongresses zu dem vorzulegenden Haushaltanschlag abhängen.
Schwierigkeiten bereitete es Präsident Carter und seiner Mannschaft bisher,
die Europäer davon zu überzeugen, daß sie ihrerseits ihre Industrie stärker
auf die militärischen Erfordernisse des Bündnisses ausrichten müssen.
Die NATO-Mitgliedstaaten werden sich aber künftig, so rechnet man in
Washington fest, auch auf dem industriellen Sektor gegenseitig mehr als
bisher unterstützen, statt sich, wie in der Vergangenheit so oft geschehen,
allein auf ihre eigenen nationalen Anstrengungen zu verlassen.
Unter den
- 2 -

�Unter den anstehenden Entscheidungen kommt der über die künftige
Zusammensetzung der Strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten
und der dami\ einhergehenden Zieldoktrin wohl das größte Gewicht zu insbesondere im Lichte des 1977 gefaßten Beschlusses, im Rahmen des
"Triade"-Verteidigungskonzepts eine Kombination aus B-52 und Marschflugkörpern zu entwickeln» Offen ist auch die Frage nach dem Fortgang der
Entwicklung des MX-Raketensystems - ob auf mobile Raketen oder festinstallierte Raketen wie die landgestützten interkontinentalen ballistischen
Raketen hin geplant werden soll» Die Entscheidung über die Basierung ist
für den Fortgang des Entwicklungs- und Dislozierungsprogramms der MX von
grundsätzlicher Bedeutung.
Wichtigste Überlegung aber ist und bleibt, daß die Sowjetunion ihre
Rüstung auch weiterhin stetig und über Jahre hinweg verstärken und über
Waffen und Ausrüstungen in steigenden Mengen verfügen wird - so zum
Beispiel über immer mehr Panzer» Bei der Gestaltung des amerikanischen
Militärhaushalts müssen sich deshalb, so argumentiert man in Washington,
alle Beteiligten ihrer Verantwortung bewußt sein, einen Haushalt zustandezubringen, der dieser quantitativen Herausforderung ebenso wie der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des amerikanischen Vorsprungs in qualitativer Hinsicht gebührend Rechnung trägt»

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter nominiert G. William Miller zum Präsidenten des amerikanischen Zentralbankrates&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Bundesbankmitglied zum Dollarkurs&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaft geht mit verhaltenem Optimismus in das neue Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer US-Verteidigungshaushalt mit realem Wachstum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerika will NATO-Beitrag verstärken -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten Hugh O. Muir&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

1* J

United States Information Service

32

14. Dezember 1977
I N H A L T

DOKUMENTATION
USA halten an Konsultation mit europäischen NATO-Verbündeten fest
- Außenminister Vance und Verteidigungsminister Brown in Brüssel Präsident Carter legt dritten Halbjahresbericht zur KSZE vor
- Wortlaut des Einführungskapitels WIRTSCHAFT
Wie stark ist der US-Dollar wirklich?
von George E„ Cruikshank
Inflation durch Einkommenspolitik bekämpfen
- Interview mit Professor Walter Heller HINTERGRUNDMATERIAL
Der Schutz der Menschenrechte in den Vereinigten Staaten
von Charles F, Abernathy
Amerikas Frauen beschlossen einheitlichen Aktionsplan
- Die Frauenrechtskonferenz von Houston WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumfahrtprojekte auf internationaler Basis
- USA arbeiten mit anderen Ländern zusammen
Leben unter ewigem Eis
- Forschungssaison 1977/78 in der Antarktis

Um Über/endung von
Belegexemplaren wircl
gebeten

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�Dokumentation
United States Information Service

14. Dezember 1977

32

USA HALTEN AN KONSULTATION MIT EUROPÄISCHEN NATO-VERBONDETEN FEST
• Außenminister Vance und Verteidigungsminister Brown in Brüssel -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance
und Verteidigungsminister Harold Brown haben im Rahmen der Wintertagung
des Atlantischen Bündnisses im NATO-Hauptquartier

in Brüssel versichert,

daß die Vereinigten Staaten bei ihren Verhandlungen mit der Sowjetunion
über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) die Interessen
ihrer europäischen Verbündeten nicht außer acht lassen werden.
Auf der Ministertagung des Nordatlantikrates am 8c Dezember, die hinter
verschlossenen Türen stattfand, hat Außenminister Vance nach Mitteilung
amerikanischer Regierungsvertreter darauf hingewiesen, daß ein SALT II
Abkommen mit der Sowjetunion zwar keine Garantie für die Stabilität biete,
daß es aber ohne ein solches Abkommen erst recht keine Stabilität geben
könne. Die strategisch nukleare, taktisch nukleare und konventionelle Abschreckung des Bündnisses seien jedoch weiterhin unerläßlich. Vance bekräftigte ferner, daß eine neues amerikanisch-sowjetisches Abkommen
nicht die Entwicklung und Erprobung von Marschflugkörpern (Cruise Missile
oder Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk) verhindern werde, sondern nur die

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�nur die Dislozierung solcher Flugkörper drei Jahre lang begrenzen werde.
Die USA hätten auch alle Versuche der Sowjetunion abgelehnt, die vorgeschobenen Stützpunkte der Vereinigten Staaten 1n Westeuropa in ein
SALT-Abkommen einzubeziehen.
Vance hat, wie aus amtlichen Kreisen verlautet, betont, daß die
Vereinigten Staaten auf ihre europäischen Verbündeten hörten, sich ihrer
Besorgnisse bewußt seien und weiterhin mit ihnen zusammenarbeiten würden»
Auf einer Pressekonferenz am 9„ Dezember vor seiner Abreise nach dem
Nahen Osten bestätigte Außerminister Vance seine vor dem Nordatlantikrat
gemachten Ausführungen. In einer einleitenden Erklärung sowie in Beantwortung von Fragen nahm er zum Verlauf der NATO-Wintertagung wie folgt
Stellung:
(Andere Fragen bezogen sich auf die Situation im Nahen Osten)
.... Ich verlasse die Ministertagung, die wir gerade beendet haben,
mit erneutem Vertrauen in das Bündnis als dem Eckpfeiler unserer Beziehungen
zu Europa und der amerikanischen Außenpolitik, Wenn diese Tagung auch keine
dramatischen Ereignisse brachte, so war sie meiner Meinung nach doch produktiv und sehr nützlich. Wir überprüften sehr eingehend den Stand der
Ost-West-Beziehungen und die laufenden SALT-Verhandlungen mit der Sowjetunion sowie die Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) in Wien. Darüber hinaus haben wir die noch nicht beendeten Gespräche erörtert, die gegenwärtig in Belgrad stattfinden. Wir
überprüften ferner die Fortschritte, die bis heute bei der Verwirklichung
des Arbeitsprogrammes erzielt wurden, das wir auf der letzten Gipfelkonferenz im Mai abgesteckt hatten, und ich glaube, wir alle gelangten zu
dem Schluß, daß die hinsichtlich der verschiedenen Studien gemachten Fortschritte ermutigend sind. Wenn auch die Fragen, denen wir uns gegenübersehen, komplex und nicht leicht lösbar sind, so waren die Gespräche zwischen
den fünfzehn souveränen Nationen doch durch Harmonie gekennzeichnet.
Es ist klar,

�Es ist klar, daß die Entschlossenheit der Verbündeten, alles zu
tun, was für die Aufrechterhaltung der Wirksamkeit der NATO notwendig
ist, von allen geteilt wird. Und ich verlasse Brüssel in der Überzeugung,
daß das Bündnis den Willen, die Entschlossenheit jnd die Mittel hat, jeder
Bedrohung seiner Zielsetzung, seiner Stärke oder seines Zusammenhalts
zu begegnen.
Ich werde jetzt sehr gerne Ihre Fragen beantworten.
Frage: Herr Außenminister, haben Sie irgendeinen Eindruck darüber
gewonnen, ob das Bündnis wünscht, daß die Vereinigten Staaten mit der
Entwicklung und der Dislozierung der Neutronenwaffe fortfahren?
Antwort: Auf unserer Ministertagung wurde die Waffe mit der verminderten
Sprengwirkung, die sogenannte Neutronenbombe, nur zweimal - und das auch
nur sehr kurz - erwähnt. Verteidigungsminister Harold Brown hat sich mit
dieser Frage auf seiner Pressekonferenz ausführlich befaßt, und ich unterstütze, was er Ihnen hierzu vor zwei Tagen gesagt hat. Ich möchte hier
lediglich anmerken, daß der Präsident der Vereinigten Staaten hinsichtlich
der Produktion oder der Dislozierung (dieser Waffe) noch keine Entscheidung
getroffen hat. Der Präsident hat klargemacht, daß wir die Ansichten aller
unserer Verbündeten hinsichtlich sowohl der Frage der Produktion als auch
der Frage der Dislozierung kennenlernen möchten; wir haben bisher noch nicht
die Ansichten aller unserer Verbündeten erfahren, und wir warten darauf, daß
sie uns ihre Vorstellung
und Vorschläge bezüglich dieser Angelegenehit
mitteilen.
Frage: Wir haben sehr viel darüber gehört, daß die Verbündeten eine
größere

Beteiligung in bezug auf SALT III wünschen, und wir haben gehört,

daß die Richtlinien für SALT III Teil von SALT II sein sollen.Ich möchte
gerne wissen, ob Sie zu diesem Wunsch Stellung nehmen können und was nach
Ihrer Meinung die amerikanische Regierung in diesem Zusammenhang tun kann?
Antwort:

�Antwort: Dieses Thema habe ich gestern eingehend in meinen Ausführungen auf der Ministertagung behandelt. Ich gab unseren Kollegen
Zusicherungen hinsichtlich zweier oder dreier Fragen, über die Besorgnisse zum Ausdruck gebracht worden waren. Ich glaube, alle von ihnen
akzeptieren die Versicherungen, die ich ihnen gegeben habe. Wir sind der
festen Überzeugung, daß es hinsichtlich von SALT II volle und umfassende
Konsultationen mit unseren NATO-Verbündeten geben sollte, und auch hinsichtlich von SALT III, wenn wir das in Angriff nehmen.
Das ist von großer Bedeutung, und wir haben uns mit unseren NATOVerbündeten im Zuge von SALT II konsultiert. Wenn Sie mit den Ministern
der verschiedenen Länder sprechen, so glaube ich, daß sie Ihnen erklären
werden, daß ihrer Ansicht nach diese Konsultationen vollständig und
nützlich gewesen sind.
Wenn wir uns in Zukunft auf SALT III zubewegen, so glaube ich, daß
es wichtig ist, diese Konsultationen noch zu intensivieren, weil wir dann
in zunehmendem Maße auf immer komplexere Dinge stoßen werden. Daher ist
es wichtig, daß wir dann eine noch stärkere Konsultation als in früherer
Zeit führen werden, als wir uns noch mit nicht so vielen komplexen Fragen
befassen mußten.
FragerHerr Außenminister, mehrere Länder haben uns erklärt, daß jetzt
Aussichten auf eine gewisse Vorwärtsbewegung bei den Verhandlungen über eine
beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung in Wien bestehen. Ist
das auch der amerikanische Eindruck? Und wenn ja, welche Form würde dieser
Fortschritt haben?
Antwort: Wii haben ziemlich ausführlich die MBFR-Gespräche sowie verschiedene mögliche Schritte erörtert, uie ergriffen werden müßten, wenn es
Fortschritte bei diesen Gesprächen geben soll. Ich glaube, es war die einstimmige Meinung aller Minister, daß es im Interesse beider Seiten läge, wenn
Fortschritte erzielt werden können. Die erste Frage, die geklärt werden

- 4 -

�werden müßte, ist die Frage des Datenaustauschs, die von grundlegender
Bedeutung für alle anderen Nationen ist; und dies ist ein Gebiet, auf dem
- wie ich hoffe und erwarte - wir vielleicht die ersten wirklichen Fortschritte sehen werden.
Ähnlich hatte sich der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
auf einer Pressekonferenz am 7. Dezember nach Abschluß der Tagung des
Verteidigungsplanungsausschusses (DPG) der NATO ausgesprochen.
Die Pressekonferenz von Verteidigungsminister Brown vom 7. Dezember
1977 in Brüssel geben wir nachstehend im Wortlaut wieder.
Brown gab zunächst folgende einleitende Erklärung ab:
"Ich habe nicht gezählt, aber ich glaube, das ist meine fünfte NATOMinistertagung in diesem Jahr - drei Tagungen des Verteidigungsplanungsauschusses (DPG) und zwei Tagungen der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) und ich halte die letzte Sitzung für die ermutigendste und fruchtbarste.
Ich fühle mich besonders ermutigt durch den Fortschritt bei den kurzfristigen
Initiativen, über die man sich im Mai geeinigt hatte, und mehr noch durch
die Reaktion der Verbündeten auf den drei für diese kurzfristigen Initiativen
ausgewählten kritischen Gebieten: Panzerabwehr, Reserven und erhöhte Einsatzbereitschaft. Ich kann Ihnen beispielsweise Zahlen über die PanzerabwehrLenkflugkörper geben, über die das Bündnis verfügt. Auf der Grundlage der
bereits erteilten oder eingeplanten Aufträge wird sich die Zahl der im
Bündnis verfügbaren Panzerabwehr-Lenkflugkörper in der Zeit von Ende 1976
bis Ende 1978 - die jetzt etwa zur Hälfte abgelaufen ist - um etwa 47 000
auf insgesamt rund 193 000 erhöhen. Ich freue mich über den Fortschritt, den
wir bisher hinsichtlich der Weiterentwicklung der zehn langfristigen Verteidigungsprogramme gemacht haben. Die Hälfte der Zeit zwischen der letzten
Gipfelkonferenz und dem NATO-Gipfel und dem nächsten Gipfeltreffen, das in
Washington stattfinden wird, ist verstrichen. Wir sind somit noch nicht in
vorherzusagen,
der Lage, wieweit aiese Programme vorangetrieben werden können. Wir haben

�•&gt;

Wir haben aber echte Fortschritte erzielt. Wie Ihnen meines Wissens
Unterstaatssekretär General Mumford berichtete, haben die Arbeitsgruppen
bereits spezifische Punkte auf jedem der zehn Bereiche der langfristigen
Programme herausgegriffen, auf die wir uns konzentrieren werden, und die
Minister haben dieses Vorgehen gebilligt. Ich möchte damit nicht implizieren, wir werden im Mai kommenden Jahres, wenn das Gipfeltreffen stattfinden wird, bereits feststellen können: "Die langfristigen Programme sind
ein Erfolg." Es sieht aber so aus, als ob mindestens die meisten von ihnen
bis dahin so weit gediehen sein werden, daß man sie als etabliert bezeichnen
kann und daß die Pläne zur Verwirklichung der NATO-Programme in jedem
Bereich zum Vorteil des ganzen Bündnisses in Angriff genommen wurden. Ich
bin gerne bereit, nunmehr Fragen zu beantworten.
Frage: Herr Minister, unter den europäischen NATO-Partnern scheinen
gewisse Sorgen zu bestehen, die Vereinigten Staaten könnten bei den kommenden
SALT-Gesprächen der Sowjetunion Zugeständnisse machen, die geeignet wären,
die Abschreckungskapazität der europäischen Partner zu vermindern. Deshalb
frage ich: Trifft es zu, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, den Europäern Zugang zur Technologie der Marschflugkörper zu gewähren und daß sie
beabsichtigen, eine Beschränkung der Reichweite derselben auf 2500 km für luftgestützte und von 600 km für land- oder seegestützte Marschflugkörper vorzuschlagen?
Antwort: Die Verhandlungen mit der Sowjetunion, soweit sie see- und
landgestützte Marschflugkörper betreffen, finden ihren vollständigen Niederschlag in einem Protokoll, das voraussichtlich auf drei Jahre befristet sein
wird - eine Zeit, während der die Vereinigten Staaten und meines Erachtens
auch ihre europäischen Verbündeten tatsächlich nicht in der Lage wären, derartige Flugkörper zu dislozieren, weil ihre Entwicklung noch nicht an dem
Punkt angelangt ist, eine wesentlich frühere Dislozierung zu gestatten. Es
besteht mithin keine Einschränkung bezüglich dessen, was die USA oder ihre
europäischen Verbündeten tatsächlich bewerkstelligen könnten. Die Begrenzung
der Reichweite für see- oder landgestützte Marschflugkörper wird, was Ent-

- 6 -

�was Entwicklung und Erprobung angeht, nicht auf 600 km festgesetzt werden
- der vorläufigen Gestalt des Abkommens nach, das natürlich noch keineswegs
fixiert ist. Die Begrenzung wird einen erheblich größeren Bereich zulassen.
Die luftgestützten Marschflugkörper werden natürlich auf die amerikanischen
schweren Bomber beschränkt sein. Wir beabsichtigen sowohl für die Zeit der
Gültigkeit des Protokolls als auch für den Zeitraum danach, der der Vertragsdauer entsprechen wird, eine hinreichende Reichweite beizubehalten,
die genügen würde, jene Ziele in der Sowjetunion zu erreichen, gegen die
wir zu einem Vergeltungsschlag fähig bleiben müssen, wollen wir unsere
Abschreckungskapazität sicherstellen. Die Vereinigten Staaten haben keine
Verpflichtung übernommen, technologische Kenntnisse nicht an ihre europäischen Verbündeten zu transferieren. Dies alles ist selbstverständlich
im Zusammenhang mit der Notwendigkeit eines Abschlusses eines Abkommens zur
Begrenzung der strategischen Rüstungen zu sehen, die meines Wissens alle
NATO-Verbündeten stark befürworten. Ich habe noch von keinem europäischen
Verbündeten gehört, der ein Abkommen über die strategischen Rüstungen nicht
für wünschenswert erachtet. Die Vereinigten Staaten haben es jedenfalls nach
meinem Dafürhalten möglich gemacht - und das Abkommen ist natürlich noch
nicht fertiggestellt, und dennoch war meiner Überzeugung nach möglich und
wird es auch künftig möglich sein -, die Optionen des Bündnisses bezüglich
der see- und landgestützten Marschflugkörper in praxi offenzuhalten. Während
der Laufzeit des Protokolls werden sie und ihre Verbündeten meine ich, die
Frage der möglichen militärischen Vorteile und Grenzen der Marschflugkörper
sehr sorgfältig prüfen - ebenso wie die einer potentiellen Bedrohung durch
sowjetische Marschflugkörper. Und auf dieser Basis wie auch auf der des
Eigeninteresses des Bündnisses wird das Bündnis sicherlich nach Ablauf der
dreijährigen Laufzeit des Protokolls in der Position sein - eine Position,
die natürlich von den Vereinigten Staaten geteilt werden wird -, unsere
militärischen Kapazitäten aufrechtzuerhalten insoweit wir Marschflugkörper
hierzu für notwendig halten.

Frage:
- 7 -

�Frage: Sie scheinen zu sagen wollen, die Vereinigten Staaten schlagen vor,
eine auf drei Jahre veranschlagte Begrenzung der Reichweite von Marschflugkörpern vorzunehmen, während derer die USA ohnehin nichts zu deren Dislozierung tun könnten. Was ist Sinn und Zweck einer solchen Vereinbarung,
und warum sollten Ihnen die Russen hierfür irgendwelche Gegenleistungen
bieten?
Antwort: Ganz eindeutig wird beim Ablauf des Protokolls ein politischer
Druck entstehen, der auf die Beibehaltung der Begrenzungen hinwirken wird»
Ich kann die (sowjetischen) Motive nicht wirklich beurteilen; ich würde aber
sagen, daß ein Motiv möglicherweise darin besteht, einen Aufschub der Dislozierung von Marschflugkörpern zu erreichen, die meines Erachtens etwa gegro
Ende dieses Drei-Jahres-Zeiträums möglich sein wird. Ich habe nicht gesagt
in diesen drei Jahren könnten praktisch überhaupt keine solchen Flugkörper
disloziert werden. Ich wollte damit nur implizieren, daß bis dahin eine erhebliche diesbezügliche militärische Kapazität ohnehin nicht zu verwirklichen
wäre. Meines

Erachtens ist den Sowjets die Gewähr einiges wert, daß keine

Dislozierungen in der Zeit vorgenommen werden, während derer wir Beschränkungen
für dieses Waffensystem und möglicherweise auch andere

Systeme für die Folge-

zeit ausarbeiten.
Frage: Diese Ministertagung hat der Sorge über die starke Ausweitung der
militärischen Kapazitäten des Warschauer Paktes Ausdruck gegeben. Können Sie
angeben, welche Aspekte dieses Fragenkomplexe? Anlaß zu solchen Befürchtungen
geben?
Antwort: Das Interessante an der Erhöhung der Kapazität des Warschauer
Paktes besteht darin, daß dieselbe ihrem Wesen nach durchgehend war und in
der Tat fünfzehn Jahre lang in stetigem Tempo fortgeführt worden ist. Ich
möchte es jedem einzelnen überlassen, wie er die Frage beantworten möchte,
was Anlaß zu größerer Besorgnis gibt: ein plötzlicher Spurt oder ein offenkundiger Aufbau über weit mehr als ein Jahrzehnt hinweg, bei dem keinerlei
Anzeichen einer Verlangsamung zu erkennen sind. Letzteres scheint mir besonders

�besonders beunruhigend.
Der Aufbau der Warschauer-Pakt-Mä'chte schließt nicht nur die strategischen Kapazitäten der Sowjetunion ein, die während des Zeitraumes von der
Mitte der sechziger Jahre bis heute an fast allen Maßstäben gemessen von
einer Position der eindeutigen Unterlegenheit in eine Position der ungefähren Parität im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten aufgerückt ist.
Dazu rechnet auch die Zunahme des Umfangs der Streitkräfte, die in Osteuropa
stationiert sind, die mit der Dislozierung von fünf Divisionen in der
Tschechoslowakei im Jahre 1968 zu anderen Zwecken begonnen hat, die aber
seither dort verblieben sind. Die Verstärkung setzte sich fort mit den
Auffüllungen mit Kräften unter Divisionsstärke - Artillerie, Luftabwehreinheiten und so weiter -, wodurch die numerische Gesamtstärke des WarschauerPaktes wahrscheinlich in einer Größenordnung vor rund 150 000 Mann zugenonmen hat. Eine genaue Zahl ist mir nicht bekannt. Das geschah größtenteils
in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren.
Während der weiteren siebziger Jahre haben die Sowjets eine vollkommen
neue Generation von Ausrüstunger in einer ganzen Reihe von Sparten eingeführt.
Sie haben neue Flugzeugtypen eingeführt, die - im taktischen Sinne - über
lange Entfernungen hinweg große Kampfstärke gegen Bodenziele und eine beträchtliche Tragkraft aufweisen. Sie haber neue Geschütze größeren Kalibers
auf Selbstfahrlafette eingeführt. Sie haben eine neue Generation von Panzern
eingeführt, Panzer des Typs T-72S Ihre Ausrüstung wurde also durchweg verbessert. Sie haben ein neues gepanzertes Mannschaftsfahrzeug eingeführt. Ihre
Marine, die Mitte der sechziger Jahre größtenteils, wenn auch nicht gänzlich,
aus Küstenfahrzeugen bestand, besteht in einem sehr beträchtlichen Ausmaß aus
Hochseeschiffen.
Nichts hiervon sollte uns meiner Meinung nach in Panik stürzen. Das
westliche Bündnis wurde in dieser Zeit ebenfalls gestärkt. Ich halte es für
wichtig, die Sowjets nicht mit den Amerikanern, sondern den Warschauer-Pakt

- 9 -

�Warschauer-Pakt mit der Kapazität der NATO zu vergleichen. Wenn man diese
in Rechnung stellt, würde ich nicht sagen, die Sowjets hätten in irgendeinem
wichtigen Gebiet die Führung erlangt. Der verstärkte Umfang ihrer Streitkräfte in

Westeuropa und ihre neue Generation von Ausrüstungen, mit denen

die Sowjets die qualitative und technologische Überlegenheit des Westens
in erheblichen Maße - wenngleich nicht vollständig - ausgeglichen haben,
zeigen mir, daß das Bündnis wahrlich die Ärmel aufkrempeln muß. Ich meine,
wir sind eben dabei, dies zu tun. Ich halte es für sehr wichtig, das zu
tun, um zu verhindern, daß die Sowjetunion dank
dank des Eindrucks, den diese Streitkräfte in

ihrer

Streitkräfte

und

Europa hervorrufen, in eine

Lage versetzt wird, aus der heraus sie politische Zwänge ausüben könnte.
Frage: Herr Minister, wie werden Ihrer Auffassung nach die hiesigen
Erörterungen Präsident Carters Entscheidung über die Produktion und Dislozierung der sogenannten Neutronenwaffe beeinflussen?
Antwort: Dieses Thema wurde im Verlauf der Ministertagung kurz angeschnitten; es kam jedoch nur zu einer weit weniger eingehenden Diskussion
desselben während der Ministertagung als in der Vorbereitungsphase. Das
erklärt sich daraus, daß wir dieses Thema in der Vergangenheit schon mehrmals bei Ministertagungen behandelt haben und auch an der Tatsache, daß wir,
wie Sie wissen, bei früheren Tagungen den militärischen Wert solcher hochtechnischer Gefechtsköpfe mit verminderter Sprengwirkung, oftmals Neutronenwaffe genannt und besonders anwendbar bei der Panzerbekämpfung, zur Kenntnis
genommen haben. Wir haben auch die politische Besorgnis zur Kenntnis genommen,
die offensichtlich noch immer wegen möglicher Rückwirkungen auf die Frage
der Rüstungsbeschränkung bestehen.
Als erstes ergab sich dabei die Tatsache, daß die vorhandenen Nuklearwaffen eine erhebliche tödliche Wirkung gtjen sowjetische Panzer hätten und
wahrscheinlich die sowjetische Panzertaktik insofern beeinflußt haben, als sie
diese weniger effektiv macht,als sie anderweitig sein würden. Die vorhandenen
Kernwaffen hätten jedoch erheblich größere Nebenwirkungen in Gestalt der

- 10 -

�Gestalt der Vernichtung von befreundeten Truppen, Zivilisten und Wohngebieten in angrenzenden Gebieten als die Neutronenwaffe

unter vergleich-

baren Unständen. Die tödliche Wirkung bei Panzern - Panzerkolonnen - ist
etwa die gleiche, die schädlichen Nebenwirkungen - die Schädigung von
Menschen, seien es Zivilisten oder Angehörige befreundeter Streitkräfte würden aber weitaus geringer sein. Die militärische Seite ist somit ziemlich
klar.
Die Entscheidung über Entwicklung und Produktion bleibt jedoch dem
amerikanischen Präsidenten vorbehalten. Wir pflegen Konsultationen mit
unseren Verbündeten über die Dislozierung solcher Waffen, und wir möchten
gerne ihre Meinung hierzu hören. Wir wollen es nicht dazu kommen lassen, daß
wir sie herstellen und unsere Verbündeten dann beschließen, sie nicht dislozieren zu lassen. Wir haben auf dieser und auf anderen Tagungen einige
Informationen hierzu erhalten, die sämtlich

in die Entscheidung des Prä-

sidenten, wie es auf diesem Gebiet weitergeben wird, eingehen werden.
Frage: Darf ich hierzu noch bemerken: Der Präsident hat, wie wir die
Dinge ursprünglich verstanden, erklärt, er wünsche seine Verbündeten zu
konsultieren,

ehe er seine Entscheidung üder die Produktion treffe, weil

er wissen möchte, welche Möglichkeiten zur Dislozierung bestünden. Soviel ich
weiß, hat Verteidigungsminister Leber gesagt, er werde keinerlei Entscheidung
über eine Dislozierung treffen,ehe der Präsident sich entschieden habe, ob
er die Fertigung anordnen werde. Wo stehen wir mithin heute?
Antwort: Die Bekanntgabe von Entscheidungen fällt nicht immer zeitlich
mit deren Diskussion zusammen. Natürlich müßte eine Ankündigung der Dislozierung
der Ankündigung der Produktion folgen. Die Frage, wie solche Diskussionen
wahrscheinlich ausfallen werden, kann man vorab diskutieren. Das ist wirklich
eine Angelegenheit, die nicht die Verteidigungsminister,sondern die Staatsund Regierungschefs zu entscheiden haben. Ich habe diesen ganzen Fragenkomplex
mehrfach mit Minister Leber erörtert. Ich glaube, wir sehen die Dinge nicht

- 11 -

�nicht

sehr viel anders. Wir müssen uns aber neben den militärischen auch mit

den politischen Problemen auseinandersetzen, und das kann nur auf der Ebene
der Staats- und Regierungschefs geschehen.
Frage: Herr Minister, ich möchte auf SALT und die Marschflugkörper zurückkommen - den Dreijahres -Zeitraum, über den Sie gegenwärtig verhandeln.
Diese Beschränkungen haben, sofern sie in größerem Rannen der sowjetischamerikanischen

Beziehungen ausgehandelt werden, die Tendenz, zu einer

Dauereinrichtung zu werden. Meine Frage geht dahin, wird es ganäß den Beschränkungen, über die Sie gegenwärtig verhandeln, noch möglich sein, Marschflugkörper in Europa zu dislozieren, und wird den Europäern noch die Möglichkeit
verbleiben, mit Hilfe der Vereinigten Staaten Marschflugkörper zu

entwickeln?

Antwort: Es gibt keinen solchen Ausschluß. Das bleibt offen. Es gibt
in der Tat psychologische und politische Pressionen, die von mancher Persönlichkeiten des politischen Lebens und manchen Medienkreisen noch verstärkt
werden dürften, die die Forderung erheben, daß jede zeitlich begrenzte Übereinkunft in eine dauerhafte Vereinbarung umgewandelt werde. Das ist sicherlich
eine Überlegung von alles andere überragender Bedeutung. Um ein Beispiel zu
geben: Das 1972 unterzeichnete Interimsabkommen über die strategischen
Offensivstreitkräfte sah eine ungleiche Anzahl von land- und unterseebootgestützten Raketen sowie Unterseebooten für den Abschuß seegestützter Raketen
für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion vor. Die Übereinkunft von
Wladiwostock und das heute zur Verhandlung stehende SALT-II-Abkommen sind
frei von solchen Ungleichheiten. Es ist somit möglich - sofern eine der
Vertragsparteien entschlossen ist, dies zu tun - Vereinbarungen zu ändern. Ein
weiteres Beispiel ist der Vertrag über die Raketen zur Abwehr ballistischer
Raketen (ABM), der in der ursprünglich vereinbarten Form maximal zwei Abschußgebiete für Abwehrraketen vorsah. Diese Zahl wurde später auf je ein solches
Gebiet verringert; Änderungen sind mithin möglich.

In diesem besonderen Fall möchte ich anmerken, daß die Vereinbarung der
Form nach so geartet sein wird, daß das langfristige Abkommen bei Auslaufen des

- 12 -

�Auslaufen des Protokolls in Kraft bleiben wird und daß es keine derartigen
Beschränkungen für Marschflugkörper beinhalten wird.
Frage: Das, was Sie uns hier sagen, scheint zumindest zu implizieren,
daß dieses Abkommen eine jegliche Dislozierung in Europa oder auch eine
jegliche Entwicklung in Europa für die Zeitdauer des Dreijahres-Protokolls
ausschließt.
Antwort: Nein, das habe ich nicht ausdrücklich gesagt. Ich erklärte,daß
es während des Dreijahres-Zeitraums die Entwicklung von Marschflugkörpern
bis zu einer Reichweite von 2500 km erlaubt und daß es die Dislozierung von
Marschflugkörpern mit einer Reichweite von mehr als 600 km verbietet. Ich
habe ferner darauf hingewiesen, daß der Terminkalender der Entwicklung, der
uns zur Verfügung steht, ebenfalls effektiv dasselbst bewirkt hinsichtlich
der Begrenzung der Dislozierung, so daß dies keinerlei praktischen Effekt in
dieser Hinsicht hat.
Frage: Ich habe zwei Fragen. Die erste betrifft Spanien. Wird die CarterAdministration den schließlichen Beitritt Spaniens zur NATO unterstützen?
Die zweite Frage ist: Welche Meinung hat die Carter-Adninistration zu der
Möglichkeit der Schaffung einer Parallel-NATO für den Südatlantik - d.h.
eines Bündnisses, das aus mehreren südamerikanischen Ländern sowie wahrscheinlich Südafrika besteht?
Antwort: Lassen Sie mich die zweite Frage zuerst beantworten. Soweit
ich weiß, haben wir keinerlei Absicht, ein südatlantisches Bündnis zu schaffen.
Die Regierung hat sich die Ansicht zu eigen gemacht, daß dir lateinamerikanischen
Länder nicht in angemessener Weise als eine homogene Gruppe behandelt werden
können, sondern daß ein jedes Land seine eigene bestimmte Kultur, seine
eigenen bestimmten politischen Vorkehrungen hat und daß die Carter-Administration
sich mit ihnen entsprechend befassen wird; ein jeder ist ein wertvoller
Gesprächspartner in der Gemeinschaft der Nationen.
Hinsichtlich des
- 13 -

�Hinsichtlich des spanischen Beitritts zur NATO muß ich sagen, daß dies eine
Angelegenheit ist, über die die spanische Regierung entscheiden muß. Es ist
ganz klar, daß die Tatsache, daß Spanien sich in Richtung auf eine demokratische Regierungsform bewegt und demokratische Wahlen abgehalten hat, die
Haltung der NATO in bezug auf eine Mitgliedschaft Spaniens

beeinflußt oder

zumindest meiner Meinung nach beeinflussen sollte. Ja, es ist bemerkenswert,
daß es in Europa

keine nicht-leninistische

Diktaturen oder autoritäre

Staaten mehr gibt. Es ist jedoch Sache des spanischen Volkes und

der

spanischen Regierung, darüber zu entscheiden, ob sie sich der NATO anschließen
möchten. Die Reaktion der USA zu jenem Zeitpunkt wird zweifellos wohlwollend
sein, was unsere Überzeugung anbetrifft, daß Spanien sich in Richtung auf
eine demokratische Regierung bewegt hat und sowohl die politischen als auch
die militärischen Interessen mit dem übrigen Europa teilt. Aber, es ist Sache
des spanischen Volkes, zu entscheiden, was es tum möchte; und dann ist es
Sache aller NATO-Länder zu entscheiden, was sie tun möchten. Und dann wiederum
ist es Sache

aller NATO-Länder zu entscheiden

- falls ein solcher Schritt

erfolgt - darauf zu antworten.
Noch eine Frage.
Frage: Die Sowjets könnten diesen schließlichen Beitritt als eine Provokation interpretieren. Würde dies nicht der Kriedensdoktrin Präsident Carters
entgegenstehen?
Antwort: Beziehen Sie sich nun auf die gleiche Frage? Das heißt, wäre
ein spanischer Beitritt zur NATO eine Provokation für die Sowjetunion?
Nun, die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, und für einen eventuellen
Angreifer ist die gemeinsame Verteidigung in der Tat eine Provokation.
+ + + + +

- 14 -

�Dokumentation
United States Information Service

32

14. Dezember 1977

PRÄSIDENT CARTER LEGT DRITTEN HALBJAHRESBERICHT ZUR KSZE VOR
- Wortlaut des Einführungskapitels -

WASHINGTON - AD - Präsident Jimmy Carter hat am 5. Dezember der
amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa durch
Außenminister Vance seinen dritten Halbjahresbericht unterbreitet, in dem
es heißt, daß im Hinblick auf die Verwirklichung der Menschenrechtsbestimmungen der Schlußakte von Helsinki zwar einige

Fortschritte erzielt

worden seien, daß jedoch in dieser Beziehung noch große Arbeit geleistet
werder Tnüsse.
Das Einführungskapitel des 76-seitigen Berichtes hat folgenden Wortlaut:
Während des Berichtszeitraumes war die wichtigste Entwicklung hinsichtlich der Verwirklichung der auf der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (KSZE) eingegangenen Verpflichtungen der Beginn der
ersten KSZE-Folgekonferenz

am 4. Oktober in Belgrad.

Die Ernennung des hervorragenden amerikanischen Juristen und Diplomaten
Arthur J. Goldberg zum Vorsitzenden der US-Delegation und zum KSZE-Sonderbotschafter durch Präsident Carter unterstreicht die Bedeutung, die der

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�die der Präsident dem ganzen KSZE-Prozeß und der Belgrader Konferenz im
besonderen beimißt. Diese Konferenz bietet die erste Gelegenheit, einen
Überblick über die in der KSZE-Schlußakte enthaltenen Absprachen vorzunehmen,
die im August 1975 von 35 Staats- und Regierungschefs in Helsinki unterzeichnet wurde, Sie bietet ferner ein Forum, vor dem der persönliche Einsatz
des Präsidenten für einen Dialog über humanitäre Fragen als einen der
fundamentalen Aspekte der Entspannung unmißverständlich dargelegt werden
kann.
Botschafter Goldberg leitet eine Delegation, der alle Kongreßmitglieder
der KSZE-Kommission wie auch Mitglieder des Arbeitsstabes der Kommission,
eine Reihe hervorragender Repräsentanten der Wirtschaft, des akademischen
Lebens, der Gewerkschaften und anderer Sektoren des öffentlichen Lebens
sowie Vertreter verschiedener Ministerien und Regierungsbehörden, darunter
des Außen-, Handels- und des Verteidigungsministeriums, angehören. Bei der
Vorbereitung der Belgrader Konferenz ersuchte die Delegation der Vereinigten
Staaten um die Unterstützung noch anderer Ministerien und verschaffte sich
mit Hilfe der KSZE-Kommission ein Bild über die Absichten zahlreicher privater
Organisationen, deren Interesse von den Bestimmungen der Schlußakte von
Helsinki berührt werden.
Als Folge davon ging Botschafter Goldberg mit der breiten Unterstützung
des amerikanischen Volkes für seine wichtige Aufgabe nach Belgrad. Im Rahmen
der vom Präsidenten persönlich gebilligten Anweisungen sind alle Delegationsmitglieder bestrebt, sicherzustellen, daß die Belgrader Gespräche zu einer
ehrlichen und freimütigen Überprüfung von Gebieten führen, auf denen bereits
Fortschritte erzielt worden sind, und von Gebieten, auf denen noch größere
Anstrengungen unternommen werden müssen, insbesondere auf dem entscheidend
wichtigen Feld der Menschenrechte.
Die Regierung teilt die Ansicht, die in dem anläßlich des zweiten Jahrestages der Gipfelkonferenz von Helsinki von der KSZE-Kommission veröffentlichten
Bericht zum Ausdruck gebracht worden ist» daß die Schlußakte bedeutsame Möglichkeiten für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost und West bietet.
Wir sind ebenfalls der Meinung, daß ein großer Teil dieser Möglichkeiten
- 2 -

�Möglichkeiten noch verwirklicht werden muß. Die Belgrader Konferenz hat die
einzigartige Möglichkeit geboten, dem mit der Unterzeichnung der Schlußakte
von Helsinki eingeleiteten langfristigen Prozeß neue Imni'lse zu geben und
sicherzustellen, daß das durch diesen Prozeß gebotene große Potential nicht
zerstört wird»
Die Belgrader Konferenz stellt ein neues Vorhaben in der Geschichte
der Ost-West-Beziehungen dar. Es handelt sich um keine Verhandlung als solche,
und sie strebt auch kein neues Abkommen oder Veränderungen in der Schlußakte
von Helsinki an. Ihre Aufgabe besteht darin, einen Meinungsaustausch über
Erfahrungen zu führen, die während der letzten zwei Jahre gewonnen wurden,
sowie Mittel und Wege für eine Vertiefung der Zusammenarbeit in der Zukunft
zu finden. Die im Laufe dieses Meinungsaustausches gewonnenen Erfahrungen
werden eines der wichtigsten Ergebnisse der Konferenz sein. Gestützt auf
diese Erfahrungen sollten die Teilnehmer besser in der Lage sein, eine Verwirklichung der Bestimmungen anzustreben, sowohl in ihren eigenen Ländern
als auch in ihren bilateralen Beziehungen in den könnenden Jahren,
Die Belgrader Konferenz tagte am 1. Dezember noch, und sie wird in
vollem Umfang im nächsten Halbjahresbericht erörtert werden. Während der
ersten beiden Monate der Gespräche haben Botschafter Goldberg und die
amerikanische Delegation jedoch bei der Förderung einer vollen und offenen
Diskussion der anstehenden Fragen eine führende Rolle eingenommen.
In seiner ersten Ansprache auf der Konferenz in Belgrad unterstrich
Botschafter Goldberg das nachdrückliche Eintreten der USA für eine umfassende
und detaillierte Überprüfung der Verwirklichung der Bestimmungen und betonte,
daß eine Verbesserung der politischen Erziehungen zwischen den KSZE-Teilnehmerstaaten nicht von dem Fortschritt hinsichtlich humanitärer Fragen und hinsichtlich der Mense+ienrechte getrennt werden könne, Wenn Botschafter Goldberg
auch deutlich machte, daß alle KSZE-Staaten ihr Verhalten im Hinblick auf die
Verwirklichung der Bestimmungen verbessern könnten, so hat er doch klargestellt,
daß die Staaten des Ostens noch den weitesten Weg in Richtung auf die Erfüllung

- 3 -

�Erfüllung der in Helsinki vereinbarten Verpflichtungen gehen müßten. Er
erklärte, daß die amerikanische Delegation in konstruktiver Weise ihre
Anstrengungen auf eine Förderung dessen konzentrieren würde, was das nobelste
gemeinsame Ziel der Belgrader Konferenz ist, nämlich dem Prozeß der Entspannung einen humanen Aspekt und humanitäre Konturen zu geben.
Die Vereinigten Staaten haben sich seither gemeinsam mit den westlichen
Verbündeten und mit zahlreichen neutralen und blockfreien Staaten ständig
darum bemüht, die von der Schlußakte geforderte gründliche und objektive
Diskussion zu führen. Wir haben spezifische Beispiele angeführt, um jene
Gebiete zu illustrieren, auf denen unserer Meinung nach eine verbesserte
Verwirklichung der Bestimmungen erforderlich ist, und wir haben Behauptungen
zurückgewiesen, daß eine Erörterung der KSZE-Verwirklichungsbestimmungen
eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten darstelle.
Die bisher von der amerikanischen Delegation aufgeworfenen Fragen umfassen
alle drei Körbe der Schlußakte und schließen beispielsweise ein:
- Die repressiven Maßnahmen, die in einigen Ländern gegen Menschenrechtsaktivisten unternommen wurden und insbesondere gegen solche Einzelpersonen
und Gruppen, deren Tätigkeit sich ausschließlich auf die Förderung der Ziele
und Verheißungen der Schlußakte beziehen;
- die andauernden Fälle geteilter Familien und der Behinderung der Bewegungsfreiheit von Menschen zwischen östlichen und westlichen Ländern;
- die Schwierigkeiten, auf die in einigen östlichen Ländern westliche
Journalisten und Wissenschaftler treffen, die ihrer beruflichen Tätigkeit
nachgehen wollen;
- die Schwierigkeiten, denen sich nationale Minderheiten und ethnische
Gruppen bei der Verwirklichung der Rechte gegenübersehen, die in den
Prinzipien sieben und acht der Schlußakte anerkannt werden, sowie die anhaltende Verweigerung der religiösen Freiheiten in einigen Ländern - Freiheiten,

- 4 -

�Freiheiten, die von der KSZE bekräftigt werden;
- der langsame Fortschritt in einigen Ländern hinsichtlich der Erleichterung des Zugangs zu Informationen, die zur Erweiterung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ost und West erforderlich sind, sowie die
anhaltende Behinderung von informellen Kontakten und der Zusammenarbeit
zwischen östlichen und westlichen Wissenschaftlern;
- die anhaltende Störung von internationalen Rundfunksendungen seitens
einiger östlicher Länder trotz der Bestimmungen der Schlußakte, die einen
freieren Austausch von Informationen aller Art vorsehen, und
- die Weigerung einiger KSZE-Länder, sich an die Absprachen hinsichtlich
der Zustellung gewöhnlicher und eingeschriebener Postsendungen zu halten und das trotz des Prinzips zehn der Schlußakte, die die Erfüllung der Verpflichtungen im Rahmen des Völkerrechts vorsieht.
Wenn wir auch der Meinung sind, daß die Belgrader Konferenz sich eingehend mit all diesen Problemen befassen muß, so sind wir uns doch genauso
darüber im klaren, daß der Prozeß einer Durchführungs-Überprüfung schwierig
und kompliziert ist. Die Schlußakte von Helsinki enthält breitangelegte
Verpflichtungen, deren Erfüllung in erster Linie in den Verantwortungsbereich
der einzelnen Staaten fällt; sie enthält keine Bestimmungen für die Durchsetzbarkeit der Verpflichtungen oder für eine Vereinbarung, wie sie ausgeführt werden sollten. Wenn auch alle Signatarstaaten die Verpflichtungen
der Schlußakte akzeptiert haben, so gibt es doch reale Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen hinsichtlich der Frage, wie diese Verpflichtungen
interpretiert oder ir die Praxis umgesetzt werden sollten. Die Vereinigten
Staaten sind sich darüber im klaren, daß die KSZE ein langfristiger Prozeß
ist und daß die Praktiken vieler Jahrzehnte nicht alle in zwei Jahren verändert werden können. Wir sind daher mehr denn je entschlossen, geduldig und
unbeirrt - solange dies notwendig sein mag - daran zu arbeiten, daß die in
Helsinki erklärten Ziele erreicht werden. Wie Außenminister Vance am 6. Juni 1977

- 5 -

�am 6. Juni 1977 in seiner Aussage vor der KSZE-Kommission erklärt hat:
"Die KSZE-Schlußakte ist von 35 Staats- und Regierungschefs nach dreijährigen
intensiven Verhandlungen gebilligt worden. Unternehmungen dieses Gewichts
können daher nicht einfach abgeschwächt oder übersehen werden."
Die Verwirklichungs-

und Durchführungsbilanz, die gegenwärtig in Belgrad

untersucht wird, ist gemischt - es gibt Hinweise für Optimismus und für
Besorgnisse. Die umfassenden Prinzipien von Korb eins bezüglich der Beziehungen
zwischen den Staaten werden weiterhin besser respektiert als die Prinzipien,
die die Beziehungen zwischen Staaten und ihren Völkern betreffen, obwohl eine
echte Sicherheit in Europa die Beseitigung willkürlicher Inhaftierungen
oder Verfolgungen nicht weniger erfordert als die Beseitigung der Gefahr eines
Krieges. Die Vereinigten Staaten haben immer alle wirksamen Initiativen
für eine Kontrolle des Wettrüstens begrüßt und werden sie auch weiterhin
ernsthaft prüfen; dies ist bereits das T hema ainer Anzahl von Verhandlungen,
die gegenwärtig außerhalb des KSZE-Kontextes stattfinden. Der Appell
Präsident Carters vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen im Oktober,
die amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale um fünfzig Prozent zu
reduzieren, beweist, wie sehr wir nicht nur für Rüstungsbegrenzungen, sondern
auch für tatsächliche Reduzierungen der Streitkräfte und der Rüstugen eintreten. Wenn wir auch mit unseren Verbündeten die Ansicht teilen, daß die
KSZE nicht das geeignete Forum für die Behandlung spezifischer Rüstungskontroi lmaßnahmen ist, sind wir doch davon überzeugt, H aß unsere ernsthafte
und konstruktive Haltung gegenüber Sicherheitsfragen in Belgrad das Klima
des Vertrauens in Europa fördern und dadurch zur Schaffung der Grundlage beitragen wird, die zur Durchführung von Rüstungsreduzierungen notwendig ist.
Darüber hinaus werden die Vereinigten Staaten jedoch mit Nachdruck auf
jene Bestimmungen von Korb eins dringen, die sich auf die Sicherheit von
Einzelpersonen beziehen. Durch die Einbeziehung der Menschenrechte in die
Grundsatzerklärung der Schlußakte haben alle Signatarstaaten bekräftigt, daß
die Achtung der Menschenrechte ein legitimes

Gesprächsthema zwischen ihnen

ist. Wir haben legale und moralische Verpflichtungen, für eine volle Verwirk-

�Verwirklichung des Prinzips der Menschenrechte zu arbeiten und ihre
bisherige

Verwirklichung in Belgrad zu überprüfen.

Was den Bereich des Korbes zwei angeht, so erkennen wir einige Fortschritte bei der

wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit,

was eine positive Fortsetzung des Prozesses bedeutet, der bereits vor Helsinki eingesetzt hatte. Bestimmte Probleme bestehen jedoch fort, wie
beispielsweise die beklagenswerte Haltung einiger Länder hinsichtlich der
Gewährung wichtiger Informationen für Geschäftsleute oder die Schwierigkeit
einer privaten Zusammenarbeit

zwischen Wissenschaftlern aus Ost und West.

Auch dieo sind Fragen, die von der Belgrader Konferenz in der Hoffnung
geprüft werden, daß sich Verbesserungen und eine größere Zusammenarbeit
ergeben.
Die Situation hinsichtlich der Verwirklichung der humanitären Bestimmungen
der Schlußakte ist von besonderem Interesse für die Millionen von Menschen,
deren Familien und deren Leben das Ost-West-Verhältnis berührt. Wenn auch
einige Fortschritte seit der Gipfelkonferenz von Helsinki erzielt worden
sind, so bleibt doch noch viel zu tun übrig. Wir werden auch weiterhin in Belgrad wie anderswo - humanitäre Einzelfälle mit den östlichen Regierungen
erörtern. Gerade weil die Schlußakte ein ausgewogenes Dokument ist, das als
ein integriertes Ganzes betrachtet werden muß, müssen wir unsere Stimme
erheben, wenn ernsthafte Mängel bei der Verwirklichung irgendeines Abschnittes
(der Schlußakte) festgestellt werden.
Wir sind auch weiterhin bereit, in Belgrad über Kritik an unseren eigenen
Praktiken zu sprechen, wie wir ja auch von anderen erwartet haben, daß sie in
konstruktiver Weise die Ansichten erörtern, die wir über ihre Praktiken

zum

Ausdruck bringen. Auf dem Gebiet der Menschenrechte sind wir der Ansicht, daß
die Macht des Rechts und die Politik der Regierung in den USA auf eine größere
Respektierung des Rechts des Einzelnen und auf die Milderung von Mißbräuchen
gerichtet ist, sollten solche Rechte nicht voll und ganz beachtet werden. Wir
sind stolz auf unsere Leistungen; wir sind jedoch auch bereit, die Dinge zu

- 7 -

�Dinge zu verbessern und auf allen Gebieten noch mehr zu tun.
So hat Präsident Carter beispielsweise während des Berichtszeitraumes
die Konventionen der Vereinten Nationen über die Menschenrechte unterzeichnet,
die speziell in der Grundsatzdeklaration der Schlußakte hervorgehoben wurden.
Wir haben ferner Maßnahmen ergriffen - sie werden in dem nachfolgenden Bericht
erörtert -, die bestimmten Gruppen von Leuten die Reise nach den USA gestatten, nachdem sie dies in der Vergangenheit manchmal aufgrund ihrer
politischen Zugehörigkeit nicht tun konnten. In gleicher Weise hat Präsident
Carter im wesentlichen aufgrund der KSZE und auf Empfehlung der KSZE-Kommission
ein Gremium ernannt, das Mittel und Wege zur Verbesserung des Studiums fremder
Länder und der Fremdsprachen in den Vereinigten Staaten vorschlagen soll.
Die USA erörtern in Belgrad zusammen mit anderen Ländern auch eine Reihe
neuer Initiativen, um die Verwirklichung der Schlußakte durch alle Teilnehmerstaaten zu fördern. Wenn diese Vorhaben auch in keiner Weise eine Verbesserung
der Schlußakte darstellen sollen, so sollten sie doch die Schwungkraft und
Impulse des KSZE-Prozesses erhalten und zur Erfüllung der bestehenden Bestimmungen ermutigen. Wir fördern und unterstützen in Belgrad eine Reihe von
Vorschlägen, die diesen Zielen in bester Weise zugute kommen.
Die folgenden Kapitel bieten eine Übersicht über die Verwirklichung der
KSZE-Bestimmungen während der letzten sechs Monate. Das Fazit zeigt einige
Gebiete des Fortschritts zusammen mit einigen Gebieten der Untätigkeit oder
gar der Verschlechterung. Wie Botschafter Goldberg jedoch auf der Eröffnungssitzung der Belgrader Konferenz erklärt hat: "Diese Konferenz in Belgrad
ist ein Stadium eines dynamischen Prozesses und eines kontinuierlichen Dialogs
... Wir sind dem Anfang näher als dem Ende.
+ + + + +

- 8 -

�Ulirl/choft
United States Information Service

14. Dezember 1977

32

WIE STARK IST DER US-DOLLAR WIRKLICH?
von George E. Cruikshank
Vizepräsident der Morgan Guaranty Trust Company

NEW YORK -- AD -- Der amerikanische Dollar ist in den letzten Wochen
von der Presse mit ganz ungewöhnlicher Aufmerksamkeit bedacht worden.
Zeitungen, die Währungs- und Finanzfragen normalerweise in ihrem Wirtschaftsteil bringen, erschienen häufig auf der ersten Seite mit langen Berichten
über die amerikanische Währung. Und in den Schlagzeilen hieß es, "Kurssturz"
des Dollar oder "amerikanische Währung erreichte neuen Tiefststand".
Viele, die solche Berichte lesen, fragen sich mit Recht, worauf das
starke Abgleiten des Dollar-Kurses wohl zurückzuführen ist. Bedeutet ein
"schwacher"Dollar, daß die Vereinigten Staaten ihren Wettbewerbsvorsprung
auf den Weltmärkten verloren ,aben? Müssen sich hieraus zwangsläufig
schwerwiegende wirtschaftliche Folgen ergeben?
Eine Antwort auf solche Fragen bedingt, daß man die Situation des
Dollars von verschiedenen Gesichtspunkten her beleuchtet, und dies wiederum
erfordert eine eingehende Untersuchung zahlreicher Gebiete. Der hohe Preis
des arabischen Erdöls, das Vordringen der japanischen Exporte auf den Welt-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Weltmärkten, die niedrige Weizenernte in Rußland, das langsame Wirtschaftswachstum in Europa, die Preisentwicklung in Amerika - alle diese, und noch
viele andere Fragen wirken sich auf den Kurs des US-Dollars und den anderer
wichtiger Währungen an den Devisenmärkten aus.
Der Dollar-Kurs ist an den Devisenmärkten in der Tat in den letzten
Wochen zurückgegangen und zwar erheblich.. Aber dieser Rückgang beschränkte
sich auf einige wenige Währungen - vor allem auf den Japanischen Yen, den
Schweizer Franken und die Deutsche Mark. Dagegen konnte sich der DollarKurs gegenüber verschiedenen anderen Währungen - so unter anderem gegenüber
dem Kanadischen Dollar, der Spanischen Peseta oder der Schwedischen Krone festigen. Und die Abschwächung des Dollar-Kurses gegenüber den Währungen von
15 wichtigen Handelsnationen, als Gruppe betrachtet, war nur relativ gering.
Im Gegensatz zu dem starken Rückgang des Dollar-Kurses gegenüber einigen
wenigen Währungen fiel der Dollar - auf so breiter Basis gemessen - in den
letzten zwei Monaten lediglich um circa 1,5 Prozent zurück.
Die Wirtschaftswissenschaftler sind sich seit langem der Notwendigkeit
bewußt, die Veränderungen des Kurses einer bestimmten Währung gegenüber den
anderen Hauptwährungen - wobei einige gegenüber dieser Währung vielleicht
einen Kursanstieg, andere einen Kursrückgang zu verzeichnen

haben - auf eine

wirtschaftlich aussageträchtige Weise zu messen. Die Idee ist, einen Maßstab für effektive Wechselkursveränderungen zu entwickeln, der die Auswirkungen

unterschiedlicher Wechselkursbewegungen

auf die Wettbewerbs-

position eines Landes gegenüber seinen wichtigsten Handelspartnern zusammenfaßt.
Es ist jetzt sechs Jahre her, daß der Morgan Guaranty Trust (MGT) einen
Maßstab für die nach dem Handelsdurchschnitt gewogenen Wechselkursveränderungen
des Dollar - gegenüber den Hauptwährungen - auf der Basis der Wechselkursparitäten eingeführt hat, wie sie vor dem Juni 1970 bestanden haben. Dieses
Ausgangsdatum war gewählt worden, weil es als Beginn des Floatens der
Wechselkurse betrachtet werden muß. Die MGT-Berechnung gibt einen quantitativen

- 2 -

�quantitativen Anhalt für die Auswirkungen von Wechselkursveränderungen auf
die Wettbewerbsposition der Volkswirtschaft eines jeden Landes auf den
Weltmärkten - einschließlich seines eigenen Binnenmarktes. Dabei wird
davon ausgegangen, daß Änderungen des Wechselkurses einer Währung eine
unterschiedliche Wirkung haben können, je nachdem, welche Währungen gegenüber dem US-Dollar auf- oder abgewertet haben« Die Gewichtung in der MGTAufstellung erfolgt proportional zu dem jeweiligen bilateralen Handel der
Vereinigten Staaten mit diesen 15 Ländern. So würde eine Aufwertung des
kanadischen Dollar gegenüber der amerikanischen Währung um ein Prozent acht
mal so viel wiegen wie eine Aufwertung des holländischen Guldens um ein
Prozent, denn der Anteil Kanadas am US-Handel mit den 15 Ländern beträgt
das Achtfache des Anteils der Niederlande. Ebenso wiegen Wechselkursveränderungen der japanischen Währung nur halb so schwer wie solche der kanadischen Währung - entsprechend dem geringeren Anteil Japans am US-Handel mit
diesen 15 Ländern.
Tabelle 1 im Anhang gibt die effektiven Wechselkursänderungen des
US-Dollar gegenüber den 15 Hauptwährungen - gewichtet nach dem durchschnittlichen bilateralen Handel der Jahre 1974/75 - wider. Sie zeigt, daß
der Wert des US-Dollar in der am 18. November zu Ende gegangenen Woche trotz
allem nur rund 11,6 Prozent unter der Parität lag, wie sie vor dem Juni 1970
galt. Dieser Wert war auch nur geringfügig niedriger als der für Anfang
1977 errechnete Wert von 11,4 Prozent, Der Japanische Yen, die Deutsche Mark
und der Schweizer Franken sind gegenüber dem US-Dollar im Wert stark gestiegen,
wobei die Zunahme 40, 39 und 65 Prozent betrug. Da jedoch der Handel mit
diesen drei Ländern zusammen nicht so stark gewichtet wird wie der mit Kanada
allein, hat der eingetretene Rückgang des Wertes des Kanadischen Dollar gegenüber dem US-Dollar dazu beigetragen, den Rückgang des Wertes der amerikanischen
Währung insgesamt - nach dem durchschnittlichen Handel gewogen - etwas abzumildern.
Warum ist nun der Kurs des US-Dollar gesunken? Der jüngste Druck auf
den Dollar ist zu einem großen Teil auf die Verschlechterung der amerikanischen

- 3 -

�amerikanischen Handelsbilanz zurückzuführen» Die Vereinigten Staaten werden
in diesem Jahr für rund 30 Milliarden Dollar mehr importieren als exportieren, also ein Handelsdefizit aufweisen, das über dreimal so groß
ist wie 1976 (siehe Tabelle 2 ) . Der kürzlich bekanntgegebene Rückgang der
Getreideernte in Rußland wird vielleicht zu größeren Getreidelieferungen
aus den Vereinigten Staaten führen und so das Handelsdefizit etwas verringern.
Ganz allgemein stehen jedoch die Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz schlecht, und es ist für 1978 mit einem Handelsdefizit zu rechnen,
das noch höher ausfallen dürfte als in diesem Jahr. Zu dem Rückgang des
Dollar-Kurses hat aber auch beigetragen, daß das Ausland immer weniger
bereit ist, die als Folge des amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits erworbenen Dollar zu halten. Da der US-Dollar gegenüber den anderen Währungen
floatet, haben die Verkäufe der unerwünschten amerikanischen Währung ebenfalls zu einem Rückgang des Dollar-Kurses geführt.
Die Verschlechterung der amerikanischen Handelsbilanz in diesem Jahr
ist zum größten Teil auf die stark gestiegenen Erdölimporte zurückzuführen,
die sich bis zum Jahresende auf rund 45 Milliarden Dollar stellen dürften
gegenüber Erdöl einfuhren von 35 Milliarden Dollar 1976 und von 27 Milliarden
Dollar 1975. Die Agrarexporte sind in diesem Jahr zurückgegangen, und das
Gleiche gilt auch für die Erlöse aus den Fertigwarenexporten. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit Amerikas - was die Preise anbetrifft - hat
in den letzten Jahren ebenfalls gelitten - ganz besonders gegenüber den
Produzenten in der Bundesrepublik Deutschland und in Japan. Die Entwicklung
der Inflationsraten in den USA und in den übrigen Ländern zeigt Tabelle 3.
Und schließlich ist der Druck auf den US-Dollar auch auf die Ungewißheit
zurückzuführen, ob es in den Vereinigten Staaten zu einem wirksamen Energieprogramm kommen wird.
Für die Deutsche Mark und den Japanischen Yen, deren Kurse nach oben
tendieren, ergibt sich genau die umgekehrte Situation wie in den USA: ein
expandierender Handel mit hohen Überschüssen. Japan zum Beispiel kann dieses
Jahr mit einem Handelsüberschuß von 17 Milliarden Dollar rechnen gegenüber

�gegenüber einem Handelsliberschuß von 10 Milliarden Dollar 1976. Obwohl der
Yen gegenüber dem Dollar aufgewertet ist - wodurch die japanischen Exportguter in den USA und auf den Weltmärkten teuerer geworden sind - bleiben die
japanischen Erzeugnisse weiterhin wettbewerbsfähig, Ähnlich hat sich auch
der Kurs der Deutschen Mark aufgrund einer starken Handelsbilanz und der
niedrigsten Inflationsrate aller Industriestaaten , mit Ausnahme der Schweiz,
immer weiter gefestigt. Der verhältnismäßig niedrige Anstieg der Einkommen
aus Lohn und Gehalt in der Bundesrepublik Deutschland im ersten Halbjahr 1977
erleichterte ebenfalls die Eindämmung der Inflation. Und die pünktliche
Einhaltung der Lieferfristen sowie ein guter Service haben bewirkt, daß
deutsche Erzeugnisse für ausländische Käufer weiter attraktiv bleiben.
Der Kanadische Dollar, dessen Kurs gegenüber dem US-Dollar dieses Jahr
erheblich abgefallen ist, hatte unter einer lauen Wirtschaftstätigkeit, einer
wachsenden Inflation und den politischen Entwicklungen in der Provinz Quebec
zu leiden. Die niedrigeren Zinsen hatten geringere ausländische Investitionen
in kanadischen Schuldverschreibungen zur Folge. Der Druck in Richtung auf
höhere Preise und Löhne dürfte Anfang 1978 noch zunehmen, wenn die seit zwei
Jahren bestehenden Lohn- und Preiskontrollen aufgehoben werden.
So viel über die Entwicklung des Dollar-Kurses während der letzten
Monate gegenüber den übrigen Hauptwährungen. Aber was kommt jetzt? Wird der
Kurs des US-Dollar weiter zurückgehen? Voraussagen über künftige Wechselkursveränderungen sind eine gefährliche Sache - voll gefährlicher Klippen. Die
Wirtschaftswissenschaftler sind über die künftige Entwicklung häufig unterr
schiedlicher Meinung. Auf die Bitte, etwas über die künftige Kursentwicklung
des US-Dollar zu sagen, gab eine Gruppe amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler kürzlich folgende Antworten: Ein Drittel rechnete mit einem Steigen des
Dollar-Kurses; ein Drittel erwartete einen Rückgang des Dollar-Kurses; und
ein Drittel meinte, daß sich nichts ändern werde. Das war also die Ansicht
der Experten.
Ohne irgendwelche

�Ohne irgendwelche

Geheiminformationen preiszugeben, läßt sich wohl

sagen, daß sich an der Schwäche des Dollar-Kurses gegenüber dem Yen, der
DM und dem Schweizer Franken vorerst nichts ändern dürfte, Die grundlegenden Fakten - die die Wirtschafts- und Währungssituation maßgebend
beeinflussen - lassen keine derartige Änderung erwarten. Auf jeden Fall
wird der Dollar, gewichtet nach dem durchschnittlichen bilateralen Handel,
in der nächsten Zeit, etwa den nächsten sechs Monaten, voraussichtlich
keine wesentlichen Änderungen erfahren»
Die jüngste Schwäche des US-Dollar wie auch das hohe Handelsdefizit
der USA bereiten vor allem deshalb Sorge, weil sie zu einem Wiederaufflammen
des Protektionismus überall auf der Welt führen könnten. Eir Rückgang des
Dollar-Kurses bedeutet, daß die amerikanischen Erzeugnisse auf den Weltmärkten billiger werden. Die anderen Länder könnten nun Maßnahmen ergreifen,
um durch Errichtung von Handel schranken den amerikanischen Importen Einhalt
zu gebieten. In den Vereinigten Staaten selbst wird bereits von Seiten verschiedener Industriezweige Druck ausgeübt, den Vormarsch ausländischer Erzeugnisse auf dem amerikanischen Markt zu unterbinden.
Die folgenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen wären dringend erforderlich, wenn die Welt nicht in die alten Beschränkungen und Restriktionen für
Waren, Dienstleistungen und Kapital zurückfallen soll - Restriktionen, die
nur der Weltwirtschaft schaden würden:
-- Die starken Volkswirtschaften, vor allem die Bundesrepublik Deutschland
und Japan, müssen mehr zur Belebung der Wirtschaftstätigkeit tun und ihre
Einfuhren steigern. Das wäre das sogenannte Lokomotiv-Verfahren, bei dem die
Länder mit einer starken Zahlungsbilanzposition und einem guten Preisklima
die Weltwirtschaft aus ihrem gegenwärtig stagnierenden Wachstum herausziehen.
-- Die Vereinigten Staaten brauchen ein starkes und wirksames Energieprogramm, das sowohl Versorgung wie auch Verbrauch lenkt. Bei einem Rückgang
der Erdölimporte - und einem Anstieg der Fertigwarenexporte in andere Länder

�Länder, vor allem nach Japan - würde der amerikanische Außenhandel wieder
ein vernünftiges Gleichgewicht erreichen können. Leider trägt das Energiegesetz, das zur Zeit dem Vermittlungsausschuß in Washington vorliegt, nach
meiner Meinung dieser Situation noch nicht in ausreichendem Maße Rechnung.
Es steht zu hoffen, daß 1978 auf dem Energiesektor weitere Maßnahmen ergriffen werden.
Das - bereits erschütterte - Vertrauen in den US-Dollar kann wohl kaum
wiederhergestellt werden, so lange nicht den zwingenden Erfordernissen auf
dem Energiesektor entsprochen worden ist.

Tabelle 1
Die effektiven Wechselkursveränderungen des US-Dollar zu einer Gruppe
von Hauptwährungen - gewichtet nach dem durchschnittlichen bilateralen Hände
der Jahre 1974/75 - in Prozenten gegenüber den vor dem Juni 1970 geltenden
Paritäten:

USA
-10,91

Kanadi
Kanada

-10,84

-4,14
-2,48

Oktober
Oktober
Oktober
November
November

-10,82
-10,84

-3,76
-4,83

-10,98
-11,59
-11,34

-5,15
-5,22
-5,47

18. November

-11,64

-5,56

1. Oktober
7. Oktober
14.
21.
28.
4.
11.

Japan
35,62
33,21
35,20
36,15
37,28
38,76
39,31
40,55

Großbritannien
-38,79

Bundesrepublik
Deutschland
38,79

-39,11

38,30

-38,93
-38,82
-38,76
-37,29
-37,61
-37,43

38,43
39,06
39,18
39,45
39,69
39,89

Tabelle 2

�Tabelle 2
Handelsüberschuß/Defi zi t in Mill iarden Dollar
1975

1976

1977+

1978+

USA

11,01

-9,20

-30,00

-35,00

Bundesrepublik
Deutschland

1Q n Q
iy uy

18,31

21,00

23,00

5,03

9,89

17,00

15,00

Großbritannien

-7,00

-6,41

-4,00

-2,50

Kanada

-0,52

1,21

2,50

3,00

Frankreich

1,52

-4,19

-2,75

-2,00

Italien

0,07

-2,26

0,50

1,00

Holland

2,54

2,93

1,30

1,70

Schweiz

0,05

0,53

-0,50

-0,50

14,68

-4,04

Japan

Alle Industriestaaten

'

Schätzungen des Morgan Guaranty Trust

Tabelle 3
Inflationsraten (von Dezember zu Dezember auf der Basis des Indexes
Verbraucherprei se)
1974

1975

1976

1977'

12,2

7,1

4,7

6,8

5,9

5,4

4,0

4,0

Japan

21,9

8,2

10,6

7,0

Großbritannien

19,1

24,9

15,1

14,0

Kanada

12,4

Frankreich

15,2

9,5
9,6

5,8
9,9

8,0
9,0

Italien

24,5

11,2

22,0

16,0

Holland

10,7

Schweiz

7,6

9,1
3,4
9,0

8,3
1.3
8.1

7,0
1,5
8,0

USA
Bundesrepublik
Deutschland

Alle Industriestaaten
+

16,0

Schätzungen des Morgan Guaranty Trust
+ + + + +

�Wift/chciH
United States Information Service

14. Dezember 1977

32

INFLATION DURCH EINKOMMENSPOLITIK BEKÄMPFEN
- Interview mit Professor Walter Heller -

Der ehemalige Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats der amerikanischen Regierung unter Präsident Kennedy, Professor Walter
Heller, lehrt heute an der Staatsumversität von Minnesota
Professor Heller genießt nicht nur in den USA, sondern auch
in der übrigen Welt als Wirtschaftswissenschaftler hohes Ansehen und immer wieder
holen Kongreß und Regierung in Washington
seinen Rat ein. In dem folgenden, auszugsweise wiedergegebenen Interview mit dem
Korrespondenten des US-Informationsamtes,
John J. Harter, nimmt Professor Heller zu
den wichtigen gegenwärtigen Wirtschaftsfragen Stellung
FRAGE:
höhlen.

Die Inflation scheint die Wirtschaft fast aller Länder auszu-

Warum ist das so?

ANTWORT: Lassen Sie mich mit einem ermutigenden Hinweis beginnen: Die
Inflation läßt in einigen wichtigen Ländern, unter anderem in den Vereinigten Staaten, der Bundesrepublik Deutschland, in Japan und der Schweiz, Zeichen eines Abebbens erkennen. Trotzdem ist die Inflation immer noch ein weit-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�weitverbreitetes und ernstes Problem, und es wird sehr schwer fallen, sie
völlig unter Kontrolle zu bringen.
FRAGE:

Was können die Regierungen tun, um die Inflation unter Kontrolle

zu bringen?
ANTWORT:

zunächst einmal müssen sich die Regierungen darüber klar

sein, daß das übernommene Erbe der Inflation sehr komplex ist, daß es kein
einfaches Heilmittel gibt und daß erfolgreiche Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation ein beträchtliches Maß an politischem Wollen über geraume
Zeit hinweg erfordern.

Unter anderem setzt dies meines Erachtens eine gute

Einkommenspolitik voraus - eine Politik, die die Mitarbeit der mächtigen Gewerkschaften , der großen Wirtschaftsverbände und anderer Gremien gewinnt,
wie wir dies Anfang der sechziger Jahre bei den Lohn- und Preisleitlinien
hatten.
FRAGE:

Können Sie sich dazu äußern, welche Form von Einkommenspolitik

Ihres Erachtens eingeschlagen werden sollte?
ANTWORT: Das wird von Land zu Land verschieden sein, aber jede Volkswirtschaft braucht heute auf dem privaten Sektor irgendein freiwilliges oder
halb freiwilliges Programm, das mit zur Eindämmung der Lohn- und Preiserhöhungen beiträgt. Auf einem weiten Sektor der modernen Volkswirtschaften
genügt der Wettbewerb als Regulativ einfach nicht mehr, um dem inflationistischen Druck Einhalt zu gebieten. Das führt nur zu leicht dazu, daß
Unternehmer und Gewerkschaften praktisch gemeinsam Löhne und Preise erhöhen
und die höheren Kosten dann an die Verbraucher weitergeben.
Die Einkommenspolitik sollte dieses Problem anpacken, allgemeine Leitlinien, Normen und Markierungen für ein nicht-inflationäres Lohn- und Preisverhalten geben oder durch solche Hilfen dazu anspornen. Das bedeutet nun
nicht, daß ein riesiger bürokratischer Apparat in Gang gesetzt werden soll.
- 2 -

�soll.

Vielmehr sollte der Präsident oder jeweilige Regierungschef die öffent-

liche Meinung gegen die Inflationsmentalität mobilisieren.

Unser Beirat für

Lohn- und Preisstabilität könnte einen solchen von der öffentlichen Meinung
ausgehenden konzentrierten Druck nutzen, um Lohn- und Preisanhebungen in
Schlüsselbereichen der Wirtschaft hinauszuschieben.

Ich möchte aber noch weiter gehen.

Ich möchte, daß die Großindustrie

und die einflußreichen Gewerkschaften die Regierung über ihre Pläne für Lohnund Preiserhöhungen vorher unterrichten.

Auch wenn die Regierung solche

Lohn- und Preiserhöhungen nicht unterbinden kann, so würde ich es doch gerne
sehen, daß die Regierung dann diese Pläne der Öffentlichkeit unterbreitet
und sich dazu äußert, ob diese Pläne inflationär wirken oder nicht.

Ein

sorgfältiges Studium der unter den Regierungen Kennedy und Johnson in den
sechziger Jahren gemachten Erfahrungen hat gezeigt, daß wir auf diese Weise
Lohn- und Preiserhöhungen eindämmen konnten.

FRAGE:

Besteht nicht eines der Hauptprobleme bei der Eindämmung der

Inflation darin, wie ein Anreiz zu höheren Investitionen auf dem privaten
Sektor gegeben werden kann?

ANTWORT:

Wir müssen zwischen kurzfristig und langfristig unterscheiden.

Ein plötzlicher Investitionsboom kann zu einer Quelle der Inflation werden,
wenn die Wirtschaft bereits mit voller Kapazitätsauslastung arbeitet.

Doch

langfristig, wenn da die Privatindustrie Investitionen zur Modernisierung,
Mechanisierung, Rationalisierung oder Steigerung der Produktivität vornimmt,
so könnte das ein starker, dauerhafter Damm gegen die Inflation sein.

FRAGE:

Ist es heute nicht schwieriger, die Privatwirtschaft zu ange-

messenen Investitionen zu bewegen, als es dies eigentlich der Fall sein
sollte?

ANTWORT:

Ja, und dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

Einmal

besteht heute ein beträchtliches Maß an Unsicherheit über den Kurs der
- 3 -

�der amerikanischen Wirtschaft - zum Beispiel Unsicherheit über das Energieprogramm, das im nächsten Jahr in Kraft treten soll, über die Steuerreform
und die Steuersenkungsvorschläge des Präsidenten und über die Höhe der Inflationsrate im kommenden Jahr.

Aber selbst wenn diese Unsicherheit nicht

wäre, würden die privaten Investoren nicht zu einer Ausweitung der Produktionskapazitäten schreiten, bevor sie wissen,:daß es auch einen Absatzmarkt für ihre Erzeugnisse gibt.

Und was die Investitionen überall auf der

Welt tatsächlich hemmt, ist die weit verbreitete Auffassung, daß bereits auf
vielen Wirtschaftssektoren überschüssige Kapazitäten vorhanden sind.
In den Vereinigten Staaten sind die Produktionskapazitäten nur zu 83
Prozent ausgenutzt, und die Bundesrepublik Deutschland, Japan und andere
Länder haben ebenfalls ungenutzte Produktionskapazitäten.

Der Grund hier-

für ist, daß die Verbraucherkaufkraft nicht ausreicht, um alles das zu absorbieren, was produziert werden könnte.
FRAGE: Sind Sie der Ansicht, daß Probleme wie Inflation und Rezession
über nationale Grenzen hinweg ansteckend wirken?
ANTWORT:

Ja, zu einem großen Teil.

Und die Abhängigkeit von der üb-

rigen Welt stellt bei Ländern, die 40 Prozent ihrer Güterzeugung exportieren, wie dies bei vielen europäischen Ländern der Fall ist, ein noch weit
größeres Problem dar.

Die Vereinigten Staaten selbst exportieren lediglich

10 Prozent ihrer Gütererzeugung, so daß die amerikanische Wirtschaft viel
immuner ist.
Doch wir tragen heute auf unseren Schultern einen größeren Teil der
Last, die sich für die Welt aus der Anpassung an die hohen Erdölpreise ergibt, sowie der Lasten, die sich aus den hohen Defiziten der Entwicklungsländer ergeben, als alle übrigen Länder zusammengenommen. Wir importieren
nicht nur Erdöl - viel zu viel, so möchte ich hinzufügen - wir importieren
auch zahlreiche andere Güter. Damit helfen wir den Volkswirtschaften der
anderen Länder - und ich meine, die Bundesrepublik Deutschland und Japan, dj_e

�die anderen großen Lokomotiven der Weltwirtschaft, ob sie dies nun gerne
hören oder nicht, sollten hier mehr tun, um zu helfen.

Die auf dem Londoner Wirtschaftsgipfel im Mai dieses Jahres anwesenden
Staatschefs hatten sich zu einer höheren Expansionsrate als im vorangegangenen Jahr verpflichtet - das waren zum Beispiel für die Bundesrepublik
Deutschland damals 5 Prozent und für Japan 6,5 Prozent.

In Wirklichkeit

haben sie jetzt noch nicht einmal dieses Ergebnis erreicht.
Das Ausmaß der internationalen Zusammenarbeit hat noch nicht den Punkt
erreicht, an dem die Regierungen zu einem gleichzeitigen und integrierten
Angriff auf diese zentralen Wirtschaftsprobleme bereit sind.
erlich.

Das ist bedau-

Es wird noch viel Zeit vergehen, bis eine allmähliche Stabilisie-

rung der Wirtschaft erreicht ist,

und das bedingt in der Zwischenzeit ein

hohes Maß an internationaler Zusammenarbeit.

FRAGE:

So betrachten Sie die Handelspolitik als einen wichtigen Faktor

in dem inflationistischen Bild der Weltwirtschaft?

ANTWORT:

Ja, natürlich, aus zwei Gründen

Wenn ein großes Land wie

die Vereinigten Staaten die Zölle heraufsetzt, Importquoten verhängt oder
andere protektionistische Maßnahmen ergreift, dann erhöht es damit auch
seine eigene Inflationsrate.

Darüber hinaus führt dies für die gesamte Welt

zu einem Druck auf die Preise nach oben, da dann die Nachfrage eingeengt
wird, die Gütererzeugung bei den mit niedrigen Kosten arbeitenden Produzenten
abfällt, während sie bei den mit hohen Kosten arbeitenden Betrieben steigt.
Es ist also klar, daß konkurrierender Protektionismus, Handelskriege und
eine Bettelmannspolitik die Weltwirtschaft immer weniger leistungsfähig und
immer inflationsanfälliger machen würden.

Ich bin jedoch überzeugt, daß Präsident Carter einer liberalen Handelspolitik den Vorzug gibt und daß er nachdrücklich auf einen erfolgreichen
Abschluß der gegenwärtigen Handelsverhandlungen drängen wird, von denen er

- 5 -

�er sich einen Abbau der Handelsschranken verspricht.

Und so wie höhere

Importbeschränkungen den inflationistischen Druck verstärken, so führt ein
Abbau dieser Beschränkungen zu größerer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und sinkenden Preisen.
Ich will damit jedoch nicht sagen, daß eine stärkere Liberalisierung
des Welthandels bereits die Inflationsprobleme der Welt lösen würde.

Dies

kann nur durch binnenwirtschaftliche Maßnahmen geschehen, um die Lohn-PreisSpirale zu bremsen.
FRAGE:

Verschiedene Wirtschaftswissenschaftler halten das derzeitige

Wechselkurssystem - nicht exakt festgelegte Kurse wie es das Bretton-WoodsSystem forderte, aber auch kein wirklich freies Floaten - für inflationär.
Sind Sie auch dieser Ansicht?
ANTWORT:

Ich bin der Meinung, daß das relativ freie Floaten, wie wir

es gegenwärtig haben, in Wirklichkeit zur Eindämmung der Inflation beigetragen hat, weil die einzelnen Regierungen leichter nachhaltige Maßnahmen
ergreifen können, um die Inflation im eigenen Lande unter Kontrolle zu bekommen.
FRAGE:

Glauben Sie, daß die Wirtschaftler in den letzten Jahren etwas

dazu gelernt haben, was jetzt den Regierungen bei der Aufrechterhaltung
eines angemessenen Wirtschaftswachstums, ohne daß die Inflationsrate wieder
gefährliche Formen annimmt, nützen könnte?
ANTWORT:

Es ist vielleicht interessant, sich daran zurückzuerinnern,

daß die Wirtschaftler vor 30 Jahren erstmals von dem sogenannten "instabilen Dreieck" sprachen - davon, daß Vollbeschäftigung, Preisstabilität und
wirtschaftliche Freiheit angesichts starker organisierter Erzeugergruppen
nicht nebeneinander existieren können.

Der springende Punkt war, daß ein

Land, das sich zu einem hohen Beschäftigungsstand bekehnt und in dem es starke
- 6 -

�starke Unternehmerverbä'nde, organisierte Gewerkschaften und Landwirtschaftsorganisationen gibt, mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit die Preisstabilität aufgeben oder aber zu gewissen Beschränkungen bei Löhnen und Preisen
greifen mußte.

Kein Land hat bisher das Problem, in einer Demokratie eine

angemessene Vollbeschäftigung mit einer angemessenen Preisstabilität in
Einklang zu bringen, wirklich gelöst.

Meines Erachtens werden wir in den kommenden Jahren weitere Experimente
bei der Suche nach neuen Wegen erleben, um die Lohn-Preis- und die PreisLohn-Spirale zu entschärfen.

Die Regierungen werden sich um Sozial abkommen

und eine neue humane Politik der Selbstbeschränkung bei Löhnen und Preisen
bemühen müssen - was auch eine Steuerpolitik mit Zuckerbrot und Peitsche
einschließen könnte, um die angestrebte Mäßigung bei Löhnen und Preisen zu
erreichen.
Dies wird ferner ein Bekenntnis zu langfristigen Produktivitätssteigerungen erfordern, und das ist nicht einfach, wenn sich Regierungen miteinander konkurrierenden Prioritäten gegenübersehen.

Und die Regierungen wer-

den dann ganz generelle Entscheidungen zu treffen haben, wie die Früchte
des Wachstums eingesetzt werden sollen:

Wieviel zum Beispiel zur Verbesse-

rung der Lebensqualität verwandt werden sollte, wieviel für den Umweltschutz und wieviel für die Steigerung des Angebots von Gütern und Dienstleistungen.

Das dürfte harte Nüsse für die Wirtschaftler sein, die es da

zu knacken gibt.

FRAGE:

Bedeutet dies, daß Sie hinsichtlich der Zukunft pessimistisch

sind?

ANTWORT:

Nein, ich bin nicht pessimistisch.

Ich habe nur gesagt, daß

wir keine perfekten Lösungen für diese sehr diffizilen Probleme haben.

Und

wir können sie bestimmt nicht mit einer Wirtschaftspolitik lösen, die nur in
eine Richtung weist - die sich zum Beispiel nur auf die Inflation oder nur

- 7 -

�nur auf die Arbeitsplätze konzentriert.

Aber wir können einer angemessenen

Vollbeschäftigung bei angemessener Preisstabilität ein ganzes Stück näher
kommen.
Ich glaube, wir sind findig genug, um zwischen Regierung, Unternehmern
und Gewerkschaften so viel Verständnis schaffen zu können, daß die ganze
Lohn-Preis- und Preis-Lohn-Spirale gebremst werden kann.
Der Bundesrepublik Deutschland ist das ganz ohne Zwang, aber doch auf
sehr wirkungsvolle Weise gelungen, und Großbritannien hat einige interessante
Versuche auf diesem Gebiet unternommen. Aber es bedarf noch mehr Einfallsreichtums und neuer Mittel, damit die Länder gemeinsam einen Weg zum Abbau
der Inflation und zu einer stetigen Wirtschaftsexpansion beschreiten können.
Das eine haben wir gelernt, daß ein einzelnes Land in der heutigen Welt
nicht einfach dadurch Vollbeschäftigung erreichen kann, daß es die Wirtschaft mit Kaufkraft überschwemmt. Bevor noch genug zusätzliche Kaufkraft
geschaffen ist, um zu gewährleisten, daß sie in der Wirtschaft bis zum
harten Kern der Arbeitslosen gelangt, würde sie bereits das Feuer der Inflation wieder angeheizt haben.
Die Wirtschaftspolitiker in den Vereinigten Staaten wie auch anderswo
müssen sich darüber klar sein, daß die Ausweitung der Beschäftigtenzahl zu
einem Teil durch Schaffung von solchen direkten Arbeitsplätzen geschehen
muß, die keine überschüssige Kaufkraft schaffen. Ich glaube, die Regierungen und auch die Wirtschaftler haben das jetzt begriffen.
So lernen wir im Laufe der Jahre Wege zur Verwirklichung der Vollbeschäftigung kennen, die weit weniger inflationär sind.

+ + + + +

- 8 -

�14. Dezember 1977

DER SCHUTZ DER MENSCHENRECHTE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Von Charles F. Abernathy

Die Frage der Menschenrechte ist durch
Erklärungen von Präsident Carter und Mitgliedern seiner Regierung sowie im Hinblick
auf die Belgrader Nachfolgekonferenz der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) stärker denn je zuvor in
den Mittelpunkt des Interesses gerückt. In
der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahre
1975 haben sich die 35 Signatarstaaten,
darunter auch die USA, zur Einhaltung der
Menschenrechte verpflichtet.
Niemand wäre kompetenter, über den Schutz
der Menschenrechte in den Vereinigten
Staaten zu sprechen, als Charles F. Abernathy,
der sich über die Grenzen seines Landes
hinaus einen Namen als Experte für Bürgerrechte und Verfassungsrecht gemacht hat.

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�gemacht hat. Nach dem Tode von Dr. Martin
Luther King trat Abernathy praktisch an
die Spitze der Bürgerrechtsbewegung in den
USA. Als Schwarzer ist er stets für die
Belange von Minderheiten eingetreten und
hat vor amerikanischen Gerichten wichtige
Prozesse geführt, die Rechtsnormen gesetzt
haben. Gegenwärtig lehrt Abernathy als
Professor an der Juristischen Fakultät der
Georgetown-Universität in Washington, D.C.
Die Menschenrechte, dieses "lästige Insekt" auf dem Gebiet des internationalen Rechts, haben in letzter Zeit an Gewicht und Bedeutung gewonnen.
Nachdem man in internationalen Dokumenten jahrelang nur ein Lippenbekenntnis
ablegte, sind die Menschenrechte in der 1975 in Helsinki unterzeichneten
Schlußakte zum Abschluß der Konferenz für Sicherheit und Zusanmenarbeit in
Europa (KSZE) auf einen zentralen Platz gerückt.
Und es ist fast ohne Beispiel, daß sich die Teilnehmer an dieser Konferenz
darauf einigten, im Jahre 1977 in Belgrad eine Nachfolgekonferenz abzuhalten,
um die Verwirklichung der in der Schlußakte niedergelegten Prinzipien zu
überprüfen.
Die westlichen Nationen, einschließlich der Vereinigten Staaten, haben
in Belgrad eine aktive, vorwärtsdrängende Haltung eingenommen, und die
Vereinigten Staaten haben durch Präsident Carter die Menschenrechte zu einem
zentralen Thema ihrer Außenpolitik gemacht. Angesichts dieser amerikanischen
Aktivität und unter Berücksichtigung des traditionellen Pessimismus hinsichtlich der Einhaltung solcher 'taenschenrechtlicher" Verpflichtungen muß man sich
fragen: Praktiziert Amerika auch das, was es predigt? Schützen die Vereinigten
Staaten die Menschenrechte im eigenen Lande?
Die Antwort

- 2 -

�Die Antwort muß zweigeteilt sein: einmal in den Schutz der Bürgerrechte
und der politischen Rechte und zum zweiten in den Schutz der wirtschaftlichen und sozialen Rechte.

Die Bürgerrechte und die politischen Rechte
Da die Aufnahme der bürgerlichen und politischen Rechte in das internationale Recht hauptsächlich auf Betreiben der Vereinigten Staaten und der
westeuropäischen Länder erfolgte - auf der Grundlage unserer eigenen politischen
Systeme und unserer Sozialethik bezüglich des Wertes und der Würde des Einzelnen - ist es nicht verwunderlich, daß die Vereinigten Staaten über ein
sehr gut ausgebautes System zum Schutz der Bürgerrechte und der politischen
Rechte verfügen. Unter diesen Schutz fallen wesentliche Freiheiten, die durch
die Verfassung wie auch durch ein fast unfehlbares zweigleisiges juristisches
System zur Verteidigung und zum Schutz der garantierten wesentlichen Rechte
gewährleistet werden.
Der erste Zusatzartikel der Verfassung schützt die Rede- und Pressefreiheit und die freie Religionsausübung, und dies schließt auch die Gedanken-und Gewissensfreiheit und das Recht der friedlichen Versammlung ein.
Erst in jüngerer Zeit hat der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten
in einigen Fällen diese Freiheiten eindeutig bestätigt.
Der wichtigste dieser Fälle ist die Zivilklage (1971) der Regierung
der Vereinigten Staaten gegen die "New York Times". Die Exekutive wollte
die beiden Zeitungen "New York Times" und "Washington Post" daran hindern,
ein geheimes Dokument des Verteidigungsministeriums abzudrucken, das gestohlen oder sonstwie auf unrechtmäßige Weise aus den Akten der Regierung
entfernt worden war. Der Oberste Gerichtshof stellte mit sechs gegen drei
Stimmen fest, daß die Veröffentlichung nach Zusatzartikel I der Verfassung Rede- und Pressefrei hei4" - geschützt sei, da zwar der Exekutive Schaden

- 3 -

�Schaden zugefügt werde,daß aber die Regierungsdokumente eine wichtige
Rolle bei der Information der Öffentlichkeit über den Vietnamkrieg spielen
könnten. Und in dem Fall Gregory gegen die Stadt Chicago (1969) bestätigte
das Oberste Bundesgericht das Recht des für die Gleichberechtigung

und

gegen den Krieg kämpfenden Aktivisten Dick Gregory, eine Demonstration
gegen eine nach seiner Meinung auf eine Rassentrennung hinauslaufende
Wohnungspolitik der amtlichen Stellen anzuführen.
Die Redefreiheit in den Vereinigten Staaten ist nicht nur eine politische
Konzeption mit dem Ziel, die Öffentlichkeit über Angelegenheiten der Regierung
zu informieren, sondern amerikanische Gerichte haben die Auffassung vertreten,
daß Zusatzartikel I der Verfassung dem weitergefaßten Ziel der persönlichen
Entfaltung und Selbstverwirklichung dient.Die Entscheidungen des Obersten
Bundesgerichtshofes schützen daher nicht nur die politische Rede, sondern
auch Bücher, Filme und andere Unterhaltungsmedien, die Ideen verbreiten,
die die Regierung möglicherweise einschränken oder zensieren möchte. Es
wird ein "Marktplatz der Ideen" gefördert, damit Veränderungen in der Regierung und in der Gesellschaft mit den Mitteln der Überzeugung und nicht
des Zwangs stattfinden können.
Andere fundamentale Rechte in den Vereinigten Staaten werden durch
Zusatzartikel V der Verfassung geschützt, der besagt, daß niemand ohne Antrag oder Anklage durch ein Großes Geschworenengericht wegen eines Kapitalverbrechens oder eines sonstigen schimpflichen Verbrechens angeklagt werden
darf. Mit diesem Verfassungszusatz wird auch das Privateigentum des Bürgers
gegen Obergriffe des Staates geschützt.
Der Schutz der Person beginnt bereits vor der formellen Anklageerhebung.
Schutz von Eigentum und Wohnung vor Durchsuchung ohne richterlichen Durchsuchungsbefehl, Recht auf einen Anwalt - auch einen Pflichtverteidiger usw.
sind Dinge, die für einen Rechtsstaat selbstverständlich sind. Weiter gehören
dazu das Recht auf einen unverzüglichen Prozeß, auf einen Dolmetscher wenn
notwendig, das Recht, einen Zeugen ins Kreuzverhör zu nehmen, von der Anklage-

�Anklagebehörde alle Informationen zu erhalten, die den Angeklagten entlasten könnten. Und vor allem,der Angeklagte hat das Recht auf einen Prozeß
mit 12 Mitbürgern als Geschworenen vor einem unparteiischen Richter.
Diese Verfahrensgrundsä'tze schützen auch andere fundamentale Rechte
außerhalb des Strafrechts. So sind eingeschlossen beispielsweise das Recht
auf unbehinderte Reisen, das Recht auf Eheschließung und Schwangerschaft
sowie der Schutz der Privatsphäre.
Der Oberste Gerichtshof nimmt den Schutz dieser Rechte sogar

so

genau,

daß er in der Regel in der Presse von jenen kritisiert wird, die glauben,
er sei im Schutz der Bürgerrechte zu weit gegangen.
Zusatzartikel XIV der Verfassung schließlich besagt, daß kein Staat der
Union "irgend jemandem innerhalb seines Hoheitsbereiches den gleichen Schutz
durch das Gesetz versagen" darf. Diese Bestimmung hat sich als außerordentlich
wichtig für den Schutz gegen willkürliche Regierungsmaßnahmen, vor allem
mit rassischem Hintergrund, erwiesen. Die Vereinigten Staaten waren zwar
eine Nation mit schwarzen Sklaven, aber die Sklaverei wurde bereits vor
100 Jahren abgeschafft, und es hat sich wohl kaum ein anderes Land in den
letzten 15 Jahren so viel Mühe gegeben, seine Rassenprobleme zu lösen.
Der Schutz rassischer Minderheiten ist praktisch perfekt. Offene Diskriminierungen

haben in den Vereinigten Staaten ein absolutes Minimum er-

reicht, und in den meisten Fällen handelt es sich heute um "de facto" Diskriminierungen. Bei diesen Fällen kann keine Absicht der Diskriminierung
nachgewiesen werden, der Kläger behauptet vielmehr, eine bestimmte Politik
habe diskriminierende Auswirkungen. Der hohe Entwicklungsstand im Kampf
gegen den Rassismus in den Vereinigten Staaten hat jetzt sogar zu Fällen
der "umgekehrten Diskriminierung" geführt. Dabei geht es um ausgleichende
Programme, die frühere Diskriminierungen beheben sollen, indem ein bestimmter
Prozentsatz von Arbeitsplätzen, Parlamentssitzen, Studienplätzen usw. für
Minderheiten garantiert wird. Die Weißen, die aufgrund dieser für die Minder-

- 5 -

�Minderheiten positiven Regelungen keinen Platz erhalten, argumentieren jetzt
- und das ist fast ein Witz der Weltgeschichte - daß Weißen allein aus
rassischen Gründen die Gleichberechtigung verweigert werde. Ein solcher
Musterprozeß ist derzeit beim Obersten Bundesgericht anhängig.
Der Oberste Bundesgerichtshof hat diese Klausel des gleichen Schutzes
für alle auch dahingehend interpretiert, daß sie für alle sozialen Gruppen
in der Gesellschaft gilt, wie. z.B. für religiöse und völkische Minderheiten, Ausländer, Frauen

usw.
•

•

Man darf mit Fug und Recht sagen, daß der gleiche Schutz durch das
Gesetz laut Zusatzartikel XIV der Verfassung mehr ist als nur ein Schutz
auf dem Papier. Nicht zuletzt dank der Bemühungen der Nationalen Vereinigung
zur Förderung Farbiger (NAACP) ha f das Oberste Bundesgericht im Jahre 1954
einstimmig alle Bestimmungen der Einzelstaaten als verfassungswidrig erklärt, die eine Rassentrennung an öffentlichen Schulen vorsahen. Damit wurde
eine ganz entscheidende Anstrengung in die Wege geleitet, nicht nur die
Schulen, sondern auch die Gesellschaft in den Vereinigten Staaten zu integrieren.
Schwierigkeiten mit der Schulintegration gibt es eigentlich nur noch
in den Ballungszentren, wo entweder überwiegend Schwarze oder überwieqend
Weiße wohnen, was sich natürlich auf den Prozentsatz der jeweiligen Minderheit an den Schulen auswirkt. Demographische und soziologische Untersuchungen
der letzten Jahre haben gezeigt, daß die Fälle, in denen noch keine Integration in Großstädten wie Chicago, Detroit, Philadelphia oder Los Angeles
durchgeführt wurde, einfach auf sachliche Faktoren wie die freie Wahl der
Schule zurückzuführen sind und keineswegs auf amtliche Maßnahmen, die auf
eine Rassentrennung in Schule und Wohnung abzielen würden. Diese Studien
lassen ferner erkennen, daß das Ausmaß der selbst gewollten Rassentrennung
nicht größer ist als bei den ethnischen Minderheiten unter den Einwanderern,
die sich früher in den Städten zusammengeballt hatten. Mit der Zeit werden
diese Reste der Rassentrennung durch die Entwicklung beseitigt werden.
So ergibt sich

�So ergibt sich also folgendes Bild: Ein Amerika , das praktisch und
effektiv integriert ist - mit Ausnahme einiger Enklaven im Schulsystem von
Großstädten in Vierteln mit überwiegend schwarzer Bevölkerung - was nicht
auf den bösen Willen der Behörden, sondern auf die Bevölkerungsstruktur
zurückzuführen ist. Im übrigen werden viele dieser großstädtischen Schulsysteme, wie beispielsweise in Washington, D.C„ urd Atlanta, Georgia, von
schwarzen Bürgermeistern kontrolliert» Wenn man diese Schulsysteme aus den
Angeln heben wollte, dann würde man vernünftige

Schul Programme zerstören,

die von Schwarzen selbst ausgearbeitet wurden und den schwarzen und weißen
Bevölkerungsgruppen in diesen Städten zugute kommen.
Der Prozeß der Schulintegratior verlief im großen und ganzen reibungslos
- weit reibungsloser, als man während der turbulenten sechziger Jahre
gedacht hatte. Eine kürz liehe Umfrage in 29 repräsentativen Gemeinden ergab,
daß 27 keinerlei Störungen an der öffentlichen Ordnung oder des Schulbetriebes zu berichten hatten. Interessant in diesem Zusammenhang ist die
Tatsache, daß der Anstoß zur Aufhebung der Rassentrennung an Schulen nur in
34 Prozent der Fälle durch Gerichtsurteile bewirkt wurde, durch behördliche
Maßnahmen in 25 Prozent der Fälle und in 41 Prozent, d.h. der Mehrzahl, von
Initiativen der Schulgemeinden selbst ausging.
I • b - i.

Kein System der Welt kann einen totalen Schutz der Menschenrechte gewährleisten. Letztlich wird es immer auf die Regierung ankommen, daß sie
alle Auswüchse unter Kontrolle hält. Das führt uns zu dem zweiten wichtigen
Charakteristikum des amerikanischen Systems zum Schutz der bürgerlichen und
politischen Rechte - die USA haben ein funktionierendes System vielfältiger
Sicherungen entwickelt, das den Schutz der verfassungsmäßigen Rechte gewährleistet.
Der wichtigste Punkt dieses Systems sind die unabhängigen Bundesrichter,
die über ungewöhnliche Vollmachten verfügen, wenn es gilt, Akte

der Legis-

lative und der Exekutive zu kontrollieren. Diese Richter sind auf Lebenszeit
ernannt und damit gegen politischen Druck immun. Die Unabhängigkeit der Richter
1

!

�Richter hat gelegentlich selbst die Präsidenten überrascht, die sie ernannt haben: So beispielsweise in dem Fall Vereinigte Staaten gegen Nixon
im Jahre 1974, als nicht einer der von Nixon ernannten Obersten Bundesrichter
hinsichtlich der Watergate-Tonbänder den Standpunkt des Präsidenten unterstützte.
Diese unabhängigen Bundesrichter haben auch das Recht, von Gerichten
der Einzelstaaten behandelte Fälle zu revidieren. Damit wird sichergestellt,
daß die Richter der einzelstaatlichen Gerichte die bürgerlichen und politischen
Rechte achten, die durch die über alles stehende Bundesverfassung garantiert
werden.
Den Einzel Staaten wird die Macht jedoch nicht völlig aus der Hand
genommen. Die Staaten selbst haben die Möglichkeit, noch striktere Bestimmungen
zum Schutz der Menschenrechte zu erlassen, die über die Mindestnorm des
Bundes hinausgehen, die von allen Einzel Staaten eingehalten werden muß.
Wenn auch kein Land der Erde für sich in Anspruch nehmen kann, im Schutz
der Menschenrechte perfekt zu sein, so sind die Vereinigten Staaten in ihren
verfassungsmäßigen Bestimnungen hinsichtlich der bürgerlichen und politischen
Rechte und in ihren Verfahren zum Schutz dieser Rechte doch vorbildlich.
Auch wenn sich hier und dort einmal ein Regierungsbediensteter irren mag das wird nie auszuschließen sein - so spielt die amerikanische Regierung
doch eine positive Rolle beim Schutz dieser Rechte - im Gegensatz zu den
Regierungen mancher anderer Länder.
Daß Dissidenten und aktive Bürgerrechtler in Amerika etwas zu bestellen
haben, läßt sich an zwei Beispielen erkennen: Andrew Young, Aktivist in der
Bürgerrechtsszene in den sechziger Jahren, ist heute amerikanischer Botschafter bei den Vereinten Nationen, und Thurgood Marshall, der Führer der
NAACP-Attacke gegen die Rassentrennung an den Schulen, ist heute Oberster
Bundesrichter.
Wirtschaftliche und soziale Rechte
- 8 -

�Wirtschaftliche und soziale Rechte
Im Gegensatz zu den bürgerlichen und politischen Rechten fielen die
wirtschaftlichen und sozialen Rechte - das Recht auf Arbeit, das Recht auf
Gesundheitsfürsorge, das Recht auf Erziehung und Ausbildung und das allgemeine Recht auf ein menschenwürdiges Leben - nach der Tradition nicht
unter die Zuständigkeit und den Schutz des Bundes. Die amerikanische Verfassung sah vielmehr vor, daß solche Dinge des täglichen Lebens in die
Zuständigkeit der einzelstaatlichen Behörden gehörten. Hinsichtlich der
Bildung haben alle Staaten große Anstrengungen unternommen, und in den
meisten herrscht Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr. Hinsichtlich des
Schutzes der anderen Rechte ergab sich ein unterschiedliches Bild.
Die Bundesregierung wurde zum ersten Mal während der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren ernsthaft mit den wirtschaftlichen und
sozialen Rechten befaßt. Damals wurden begrenzte Programme in Angriff genommen, um die Arbeitslosigkeit in Landwirtschaft und Industrie zu mildern und
Rentnern ein Minimaleinkommen zu sichern. Die größten Anstrengungen und
beinahe revolutionäre neue Verpflichtungen zur Förderung der wirtschrftlichen
und sozialen Rechte unternahm die amerikanische Regierung in den letzten
zehn Jahren, als der Kongreß eine ganze Fülle von Programmen verabschiedete,
die dafür sorgen, daß jeder Amerikaner ausreichend gekleidet ist, wohnt,
ernährt und gesundheitlich versorgt ist.
Das Recht auf Arbeit wird durch den National Labor Relations Act (Gesetz
über die Arbeitsverhältnisse) aus dem Jahre 1935 gewährleistet. Dieses Gesetz
garantiert die Tarifautonomie der Sozialpartner. Aber das ist sozusagen nur
die Spitze des Eisbergs. Ein Bundesgesetz legt einen Mindeslohn fest und
sichert den Arbeiter vor Ausbeutung durch unzureichende Entlohnung. Eine
Vielfalt weiterer Bestimmungen regelt und schützt die Arbeitsbedingungen in
amerikanischen Betrieben.
Eine Reihe

�Eine Reihe weiterer, im Jahre 1964 im Rahmen des Bürgerrechtsgesetzes
verabschiedeter Bestimmungen schützt das gleiche Recht auf Arbeit; d.h. diese
Verordnungen

gewährleisten, daß das Recht auf Arbeit nicht aufgrund von

Rasse, Geschlecht, Religion, Alter oder nationaler Herkunft beeinträchtigt
werden darf. Dieser Schutz gilt für den öffentlichen Dienst genauso wie
für die Privatwirtschaft.
Die Bundesregierung hat sich auch in zunehmendem Maße darum gekümmert,
daß jeder Amerikaner sich eines Mindeslebensstandards erfreuen kann. Die
Arbeitslosenunterstützung erfaßt rund 70 Millionen amerikanische Arbeitnehmer und soll sicherstellen, daß jeder Arbeiter während der Zeit der
Beschäftigungslosigkeit seinen Lebensstandard aufrechterhalten kann. In den
letzten Jahren wurden für diese Programme über 10 Milliarden Dollar aufgewandt.
Ein weiteres Programm dient der Unterstützung von Personen mit chronischen
finanziellen Schwierigkeiten, vor allen Familien oder Mütter mit Kindern,
was unter dem Sammelbegriff "Wohlfahrt" fällt. Bei der Bedürftigkeit von
Kindern ist die Arbeitslosigkeit mit 4,1 Prozent übrigens die geringste
Ursache, 17,5 Prozent der Fälle gehen auf Scheidung, 28,9 Prozent auf Trennung
und 31,5 Prozent auf uneheliche Geburt zurück.
Die Bundesregierung hat drei weitere Sozialprogramme für Bedürftige
eingeführt: Medicaid, d.h. unentgeltliche Gesundheitsfürsorge (1976 rund
14 Milliarden Dollar); Medicare, ein Gesundheitsfürsorgeprogramm für ältere
Menschen; und Lebensmittelmarken, die ärmeren Menschen den Bezug von Lebensmitteln ermöglichen.
Und schließlich hat das amerikanische Wohnungsbauministerium ein Wohngeldprogramm entwickelt, das Bedürftigen eine billige oder sogar freie
Wohnung beschafft.
Obwohl Erziehung und Bildung in die Zuständigkeit der Einzelstaaten
fällt, hat die Bundesregierung auch hier fördernd eingegriffen.
Die Bundesregierung
- 10 -

�Die Bundesregierung hat große Beträge für die Unterstützung von
Bildungsstätten in Gemeinden bereitgestellt - im Haushaltsjahr 1975/76
allein 6 Milliarden Dollar, wodurch die Gesamtaufwendungen in den USA für
Bildung auf 67 Milliarden Dollar stiegen, d.h. auf fast 8 Prozent des
Bruttosozialprodukts. Das bedeutet fast eine Verdoppelung in 25 Jahren.
Zweitens hat die Bundesregierung die Grundlagen geschaffen, daß Erziehung und öildung ohne Diskriminierung erfolgen. Niemand darf aufgrund von
Rasse, Geschlecht, Herkunft, Religion, körperlicher Gebrechen usw. benachteiligt werden. Neben der geistigen Entfaltung sorgt sich die Bundesregierung auch um materielle Dinge, wie Schulspeisung usw.
Niemand wird behaupten, in den Vereinigten Staaten seien alle wirtschaftlichen und sozialen Probleme gelöst. Obwohl in jedem Jahr eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze geschaffen wird, so ist dieser Zuwachs doch nicht
ausreichend, um all den neu auf den Arbeitsmarkt drängenden Menschen
Beschäftigung zu geben. Wegen der starken Geburtsjahrgänge nach dem Krieg
ist die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen besonders hoch, vor allem
unter den Schwarzen ohne Schulabschluß.
Zwei Phänomene ragen jedoch aus dem amerikanischen Leben heraus. Einmal
besitzen private gesellschaftliche Organisationen die dynamische Fähigkeit,
das Bewußtsein der Öffentlichkeit ständig aufzurütteln und für einen stärkeren
Schutz der Menschenrechte zu kämpfen. Die NAACP ist bisher nur eii Beispiel
auf dem Gebiet der Bürgerrechte. Zum zweiten steht die Regierung auf der Seite
des sozialen Wandels und Fortschritts, und sie tritt für die sozialen und
wirtschaftlichen Rechte ein. Die legislative Revolution auf diesem Gebiet
in den sechziger Jahren hält weiter an.
Die Vereinigten Staaten haben sowohl auf dem Gebiet der bürgerlichen
und politischen Rechte als auch der wirtschaftlichen und sozialen Rechte
etwas geleistet. Unsere Verfassung legt den Nachdruck auf die politischen
und bürgerlichen Rechte, in der Hoffnung, daß in einem System mit Rede- und

- 11 -

�Rede- und Pressefreiheit, mit freien Wahlen und gleichberechtigter Beteiligung aller am politischen Geschehen das Volk seine wirtschaftlichen und
sozialen Rechte durch eine kluge Gesetzgebung sichern kann. Das hat sich auf
lange Sicht als richtig erwiesen.
Ich glaube nicht, daß amerikanische Bürger ihr System als die einzige
Methode des Schutzes der Menschenrechte ansehen. Aber sie sind der Überzeugung, daß ihr System, mit all seinen Fehlern und Mängeln, den Anforderungen
des internationalen Rechts entspricht, daß die Menschenrechte systematisch
geschützt werden müssen. Dabei geben wir uns keineswegs zufrieden. Wir sind
zwar der Auffassung, daß wir die internationalen Normen der Menschenrechte
ohne Frage erfüllen, aber wir drängen im eigenen Lande unsere Regierung
ständig, weitere Anstrengungen zur Förderung der bürgerlichen und politischen
Rechte wie auch der wirtschaftlichen und sozialen Rechte zu unternehmen.
Wir werden in der einen wie in der anderen Richtung nicht nachlassen.

+ + + + +

- 12 -

�14. Dezember 1977

32

AMERIKAS FRAUEN BESCHLOSSEN EINHEITLICHEN AKTIONSPLAN
- Die Frauenrechtskonferenz von Houston Von Charlotte Astor

HOUSTON, TEXAS - (AD) - Amerikas erste "Nationale Frauenkonferenz",
die vom 18. bis 21. November im Albert Thomas Convention and Exhibits
Center im texanischen Houston stattgefunden hat, endete mit der Verabschiedung von 25 der ursprünglich vorgeschlagenen 26 Punkte eines
"Nationalen Aktionsplans" der amerikanischen Frauenrechtsbewegung. Diese
Veranstaltung geht auf eine Anregung der amerikanischen Regierung zurück
und wurde von ihr - ein absolutes Novum - mit 5 Millionen Dollar bezuschußt.
Den Auftakt zur Konferenz bildete das Eintreffen der Schlußläuferin
eines Stafettenlaufs von Seneca Falls im Staat New York, dem Tagungsort
der ersten Frauenrechtlerinnenkonferenz auf amerikanischem Boden im Jahre
1848, nach Houston. Rund 2000 Läuferinnen hatten die brennende Fackel, die
am 29. September in Seneca Falls entzündet worden war, durch das Gebiet von
14 Unionsstaaten nach dem über rund 4200 km entfernten Houston gebracht, wo
sie von Bella Abzuq, der Vorsitzenden der "Nationalen Frauenkonferenz",und den
bekannten Sportlerinnen Billie Jean King und Wilma Rudolph entgegengenommen

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�entgegengenommen wurde.
Die auf der "Nationalen Frauenkonferenz" gefaßten Beschlüsse sollen
der US-Regierung, dem amerikanischen Volk und der Welt vor Augen führen,
daß sich die Frauenbewegung in den USA zu einer mächtigen Kraft des
öffentlichen Lebens entwickelt hat. Die Frauen wollen und werden nicht
mehr länger schweigend zusehen, was in bezug auf ihre rechtliche Stellung
läuft. Sie wollen künftig auch in Fragen der Innen- und der Außenpolitik
gehört werden und im Sinne ihres Aktionsplans selbst an deren Gestaltung
und Führung mitwirken.
Die Frauenkonferenz von Houston war in mehrerer Hinsicht bemerkenswert.
Sie knüpfte bewußt an

die Tradition der Soufragetten und Frauenrecht-

lerinnen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts an. So rief Dr. Susan B.
Anthony, eine Großnichte der gleichnamigen Führerin der Frauenbewegung von
damals,

den Teilnehmerinnen der Nationalen Frauenkonferenz zu: "Wir wollen

das Rennen beenden, das die Gründermütter unserer Bewegung 1848 in Seneca
Falls begonnen haben."
Zu den Ehrengästen des Nationalen Frauenkongresses gehörten auch die
Gattin Präsident Jimmy Carters, Rosalynn Carter, und die Ex-First Ladies
Betty Ford und Lady Bird Johnson, die sich auch selbst zu Wort meldeten und
der Konferenz mit ihrer aktiven Mitwirkung nur umso größeres Prestige und
Gewicht verliehen.
An den Diskussionen beteiligten sich zahlreiche der insgesamt 2000
Delegierte

aus allen 50 Einzel Staaten und den sechs amerikanischen Terri-

torien. Als Beobachter nahmen an der Konferenz auch 60 Vertreterinnen von
Frauenorganisationen aus 22 Ländern teil. Wichtigster Tagungsgegenstand
war der 38 Seiten umfassende "Nationale Aktionsplan" aus 26 Programmpunkten
und über 100 Empfehlungen, das Ergebnis von 56 Vorkonferenzen des vergangenen Jahres. Die Vorschläge befassen sich mit der Rolle der Frau in
Haushalt, Beruf, Wirtschaft und Politik sowie in Kunst und Wissenschaft,

- 2 -

�Wissenschaft, in den Medien und in der Erziehung und Gesundheitsfürsorge.
Wichtige Punkte betrafen auch den Kinderschutz, die Hilfe für körperbehinderte Frauen, die versicherungsrechtliche Stellung der Frau, die Rechte
weiblicher Minderheitsangehöriger, die Rolle der Frau auf dem Land, die
sexuelle Freiheit der Frau und die Verbesserung der Frauenstatistiken.
Besonders umstritten waren die Forderung nach Errichtung eines Bundesministeriums für Frauenfragen.die schließlich von der Mehrheit der Delegierten abgelehnt wurde, uno die Ratifizierung des 1972 vom Kongreß beschlossenen Verfassungszusatzes zur Gewährleistung der Rechtsgleichheit der Frau,
für die sich die Delegierten ganz entschieden einsetzen wollen. Dieser
Programmpunkt, vorab heftig umstritten, wurde schon am ersten Tag der Veranstaltung fast einstimmig gebilligt. Nach dem Verfassungsrecht muß dieser
Zusatzartikel bis spätestens 22. März 1979 von 38 Staaten ratifiziert werden,
um Rechtskraft zu erlangen; gegenwärtig fehlt hierfür noch die Ratifikation
durch drei Staaten, die bisher aber als nicht sehr wahrscheinlich galt. Gegen
diesen Verfassungszusatz wurden zunächst eherechtliche Bedenken geltend
gemacht, da er alle einzelstaatlichen Gesetze außer Kraft setzen würde, die
den Ehemann gesetzlich für den Unterhalt von Frau und Kindern verantwortlich
machen.
Die Konferenzteilnehmerinnen kamen aus allen Bevölkerungsschichten und
schlössen, wie die Vorsitzende Bella Abzug - eine ehemalige Abgeordnete des
Staates New York im US-Repräsentantenhaus und im Frühjahr 1977 erfolglose
Bewerberin um die Ncminierung für die New Yorker Bürgermeisterwahlen betonte, Frauen aller Rassen und Glaubensbekenntnisse aus allen wirtschaftlichen Schichten ein. Eine nicht geringere Vielfalt herrschte hinsichtlich
der aufgestellten Forderungen: Die Verfechter "der sexuellen Präferenz"
verlangten die Beseitigung der Diskriminierung der lesbischen Liebe; die
Kämpferinnen für "reproduktive Freiheit" setzten sich für das ^echt auf
Abtreibung ein und wandten sich vor allem gegen die
Weigerung de c Bundes
und vieler Einzelstaaten und Gemeinden, die Abtreibung als Gesundheitsmaßnahme
zu bezuschussen.
Die Konferenz hat,

�Die Konferenz hat, das kann man als Fazit festhalten, die amerikanischen
Frauen zu einem neuen Selbstverstä'ndnis geführt. Die Frauenbewegung hat aufgehört, eine ideologisch zerstrittene Gruppierung zu sein; sie hat sich
zu einer straffen Organisation formiert, einem Instrument, das den Bedürfnissen und Forderungen Geltung verschaffen wird. Die Frauenbewegung ist
inzwischen zu wichtig und mächtig geworden, als daß sich Politiker einfach
über sie hinwegsetzen könnten.
Was die Konferenz an rechtlicher und noch mehr in politischen Folgen
zeitigen wird, bleibt erst noch abzuwarten. Die Konferenzleitung wird dem
Präsidenten und dem Kongreß innerhalb von vier Monaten einen Bericht sowie
den "Nationalen Aktionsplan" zuleiten. Die Frauen sind sicher, dal3 viele der
darin enthaltenen Vorschläge als Anregung zu gesetzgeberischen Maßnahmen zur
Festigung der Rechte der Frau dienen werden.
Schon in den ersten Wochen nach der Konferenz zeigte sich ein eindeutiger Erfolg: Die Debatte um das Verfassungsgesetz zur rechtlichen Gleich
Stellung der Frau ist in einer Reihe von Staaten erneut aufgeflammt.

+ + + + +

- 4

�Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service

14. November 1977

32

RAUMFAHRTPROJEKTE AUF INTERNATIONALER BASIS
- USA arbeiten mit anderen Ländern zusammen •

- (AD) - Projekte internationaler Zusammenarbeit auf acht wichtigen Gebieten der Raumfahrt verfolgen gegenwärtig die Vereinigten Staaten bis weit
in die achtziger Jahre hinein. Eine Obersicht gibt ein Bericht, den Marjorie
Craig Benton, Mitglied der amerikanischen UN-Delegation, Ende November 1977
dem UN-Ausschuß für die friedliche Nutzung des Weltraums übergab. Das Spektrum reicht von Vorhaben der bemannten Raumfahrt über die Nutzanwendung unbemannter Satelliten für wirtschaftliche Aufgaben im weitesten Sinn bis zu
rein wissenschaftlichen Untersuchungen.
Technologisch wie finanziell gesehen ist der von der US-Weltraumbehörde NASA entwickelte Orbiter im System des wiederverwendbaren Raumtransporters (Space Shuttle) im Verein mit der parallel laufenden europäischen Entwicklung des Weltraumlabors (Spacelab) das aufwendigste Projekt.

Im Hin-

blick auf vier wichtige Kategorien - Technologie, Biologie und Medizin; Erderkundung; extraterrestrische Forschung und Astronomie - kommt ihm allerdings größte Bedeutung zu.

Schafft es doch u.a. die wissenschaftlichen und

technischen Voraussetzungen, um in der Schwerelosigkeit völlig neuartige,
hochwertige Produkte samt ihrer optimalen Herstellungsverfahren zu entwickeln.

Mit diesem Unternehmen wird auch der Industrie solcher Nationen, die

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�die nicht zu den führenden Raumfahrtländern zählen, der Einstieg in modernste, zukunftsträchtige Technologien ermöglicht.
Gegenwärtiger Stand:

Die erste Testflugserie der NASA mit Anflug-

und Landemanövern des bemannten Orbiter-Geräts (freier Flug nach HuckepackTransport mit einer Boeing-747 in mehr als 7000 m Höhe) wurde im Oktober
1977 erfolgreich abgeschlossen.

Mitte 1979 erwartet man in den USA ein be-

triebsbereites Modell des bei ERNO in Bremen im Auftrag der Europäischen
Weltraumbehörde ESA gebauten Spacelab, das aus zwei Laboreinheiten und
einer Instrumenten-Doppelpalette bestehen wird.

Ab Ende September 1979

steht das flugfähige Weltraumlabor in Cape Canaveral zur Verfügung, von
wo aus der Start zum ersten Raumflugtest an Bord des Orbiter erfolgt.

In-

zwischen wurden von NASA und ESA Experimente von Wissenschaftlern aus 16
Ländern als Beitrag zum ersten operationellen Flug von Space Shuttle und
Spacelab Ende Dezember 1980 ausgewählt.
LANDSAT-Programm: Von den Fernerkundungssatelliten der NASA profitieren z.Zt. nationale und internationale Forschungsprojekte in 50 Ländern.
Außerdem gibt das LANDSAT-Datenzentrum in Sioux Falls (Süddakota) gegen
Gebühr Sateliiten-Meßdaten und Fotos an Benutzer in ca. 100 Ländern weiter.
Bodenstationen in Kanada, Brasilien und Italien empfangen LANDSAT-Daten
direkt von den Satelliten. Im Iran befindet sich eine Bodenstation in
Bau, die Errichtung weiterer Stationen in Argentinien, Chile und Schweden
ist geplant. Auch Japan, Australien und Indien haben bereits ihr Interesse an eigenen Empfangsstationen bekundet. Das Fernerkundungsprogramm
für Landgebiete wird in Kürze durch das Projekt SEASAT für die Beobachtung der Meere ergänzt werden. Den Start des ersten SEASAT-Satelliten bereitet die NASA für Mai 1978 vor.
Nachrichtentechnik:

Der weiteren technischen Verbesserung von Nach-

richtensatelliten dient ein Projekt, das die NASA gegenwärtig gemeinsam
mit Kanada durchführt.

Besonders interessiert die Übertragung von Fern-

�Fernsehprogrammen über Satelliten sowie der Einsatz kleiner Empfangsstationen und fahrbarer Funkstellen, mit denen via Weltraum Verbindung zu
Schiffen, Flugzeugen und Landfahrzeugen gehalten werden kann.

SAR-Satellitensystem für Such- und Rettungsaktionen:

Mit Sateliten-

unterstützung soll die Ortung und Rettung verunglückter Flugzeuge und
Schiffe erleichtert und beschleunigt werden.

Das Projekt wurde ursprüng-

lich von den USA gemeinsam mit Kanada geplant.

Inzwischen haben auch die

UdSSR und Frankreich die Absicht bekundet, sich daran zu beteiligen.

Orbitersonde für den Planeten Jupiter:

Die NASA führt dieses Projekt,

das für Anfang 1982 geplant ist, gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland durch.

Die Mission hat die detailliertesten wissenschaftlichen Unter-

suchungen zum Ziel, die vom Planeten, seiner Atmosphäre, seinen Monden und
seiner Umwelt je gemacht wurden.

Astronomie-Satellit für Beobachtungen im Infrarotbereich:

Die NASA

hat mit den Niederlanden und England vereinbart, 1981 einen Forschungssatelliten zu starten, der zum ersten Mal eine komplette Himmelsdurchmusterung im Spektralbereich der infraroten Wellenlängen vornimmt.

Diese sind

von stationären Erdobservatorien aus infolge des Abschirmeffekts der Atmosphäre nicht zu erfassen.

Weltraumteleskop:

Die europäische Weltraumbehörde ESA ist mit der

NASA übereingekommen, wesentliche Beiträge zum "Programm Weltraumteleskop"
zu leisten.

Das Teleskop mit einem 2,4 m großen Spiegel, das im Jahr 1983

an Bord eines Space Shuttle in den Weltraum transportiert wird, ermöglicht
Himmelsbeobachtungen mit einem unvergleichlich größeren Auflösungsvermögen,
als es mit noch so starken Fernrohren von Observatorien an der Erdoberfläche
je zu erreichen wäre.

Bei der Untersuchung von Planeten, Sternen, fernen

Sternsystemen oder auch Kometen lassen sich aus einer Position jenseits der
störenden Erdatmosphäre mit diesem Spiegel Einzelheiten 20 - 30mal besser

- 3 -

�besser auflösen als beispielsweise mit dem 5 m-Spiegel des Observatoriums
auf dem Mount Palomar.

Da außerdem das Luftleuchten als Störfaktor ent-

fällt, könnten selbst sehr schwach leuchtende Objekte in weitaus größeren
Tiefen des Universums, als mit den heutigen Instrumenten überhaupt erreichbar sind, abgebildet und gemessen werden.
Sonnenforschung:

Ein neuer Abschnitt zur Untersuchung des Einflusses

der Sonne auf den erdnahen Raum und damit letztlich auf atmosphärische
Prozesse, die Klima, Wetter und andere Bedingungen an der Erdoberfläche bestimmen, leitete der Zwillingsstart von ISEE I (NASA-Gerät) und ISEE II
(ESA-Gerät) mit einer amerikanischen Trägerrakete am 22. Oktober 1977 ein.
ISEE ist die Abkürzung für "International Sun-Earth Explorers", ein Gemeinschaftsprojekt der NASA und der europäischen Weltraumbehörde ESA.
Die ISEE-Satelliten, von ihren Erbauern liebevoll "Mutter" (ISEE I)
und "Tochter" (ISEE II) genannt, sind mit Instrumenten von 117 Wissenschaftlern ausgerüstet, die an 35 Universitäten in zehn Ländern arbeiten.

Zusam-

men mit einem dritten ISEE-Satelliten, der im Juli 1978 folgt, registrieren
und messen die Geräte mindestens drei Jahre lang physikalisch-chemische Prozesse unter der Einwirkung der Sonnenaktivität - beispielsweise das Auftreten von Partikel strömen im Magnetfeldbereich der Erde, Energieproduktion
und Umsetzungen in bestimmten Bereichen, Vorgänge an den Grenzzonen zum
interplanetaren Raum, Ozonabbau in der Erdatmosphäre.
Der Meßbereich erstreckt sich vorläufig auf ein Gebiet zwischen
240 km - 140 000 km Abstand von der Erde; durch ISEE II wird er bis auf
1,5 Millionen Kilometer ausgedehnt. Denn ISEE III soll am sogenannten Librationspunkt stationiert werden, wo - bei 1/100 des Abstandes der Erde zur
Sonne - die Massenanziehung beider Himmelskörper gleich groß ist. Der
Satellit beobachtet in seiner Position nahezu ununterbrochen solare Phänomene, etwa heftige Ausbrüche glühenden Gases oder den aus ionisiertem
Wasserstoff und Helium bestehenden Sonnenwind, der mit Überschallgeschwindigkeit, aber in unterschiedlicher Intensität ständig in den interplaneta- 4 -

�interplanetaren Raum abströmt.

Die Schwaden ionisierten Gases werden bei

ISEE III etwa eine Stunde früher ankommen als bei ISEE I und II-

Dieser

Umstand macht es den Wissenschaftlern auf der Erde möglich, "Mutter" und
"Tochter", die in "Sichtweite" voneinander die Erde in einer Ellipse zwischen
240 km und 140 000 km Höhe umkreisen (wobei sich ISEE II vom Muttersatelliten
mittels kleiner Düsenmotoren bis zu ein paar Tausend Kilometer entfernen und
sich ihm dann wieder auf geringen Abstand nähern kann), Funkbefehle für ganz
spezielle Beobachtungen zu geben.

Außerdem läßt die Vorwarnung genügend

Zeit, um zusätzlich Forschungsraketen von verschiedenen Punkten der Erdoberfläche aus zu starten und bestimmte Vorgänge im Zusammenhang mit dem Sonnenwind genauer zu untersuchen.
Die Forscher hoffen u.a. exakte Meßdaten darüber zu erhalten, wie sich
solare Materieteilchen, insbesondere aber der Sonnenwind, im Grenzbereich
zum irdischen Magnetfeld verhalten, ob sie direkt oder indirekt Partikelströme und andere Phänomene innerhalb der Magnetosphäre der Erde steuern.
Das ISEE-Programm ist Teil des weltweiten, über drei Jahre laufenden internationalen Studienprojekts "Magnetosphäre".

Jupiter als Steuerungskraft
Nach dem so erfolgreich durchgeführten deutsch-amerikanischen Sonnenforschungsprojekt HELIOS kündigten kürzlich Mitarbeiter des Jet Propulsion
Laboratory (JPL-Institut für Strahlantriebe) in Pasadena e m e sehr viel umfassendere und neuartige Studie an:

NASA und ESA werden zwei identische Sa-

telliten bauen, die Anfang der achtziger Jahre von einem Raumtransporter aus
gestartet werden.

Sie sollen jedoch die Sonne nicht aus der flachen Umlauf-

ebene der Planeten beobachten, sondern aus Positionen nördlich und südlich
der Ekliptik.

Und damit dies überhaupt zu bewerkstelligen ist, müßten sie

von Bord des Space Shuttle in der Erdumlaufbahn in Richtung auf den Planeten

�Planeten Jupiter abgeschossen werden.

Die Massenanziehung dieses größten

Planeten im Sonnensystem würde dann genutzt, um die Satelliten auf Flugbahnen zu zwingen, von denen aus sie die nördliche und südliche Sonnenhemisphäre in allen Breitengraden beobachten können.

Sie würden die von der

Sonne nach allen Richtungen abgegebenen Strahlungen sowie das solare Magnetfeld messen, die äußere Sonnenatmosphäre sowie Oberflächenphänomene überwachen und sogar die Pole der Sonne überfliegen.
des Experiments:

Vier Jahre.

+ + + + +

6 -

Voraussichtliche Dauer

�mim 5fi
»

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

32

14. Dezember 1977

LEBEN UNTER EWIGEM EIS
Forschungssaison 1977/78 in der Antarktis -

- (AD) - Unbekannte kleine Meerestiere, die wie Miniaturbäume aussehen,
fischten amerikanische Wissenschaftler in der Nähe der US-Station McMurdo
aus Schlamm und Bodenwasser unter dickem Eis, das die Oberfläche des RossSchelfmeeres bedeckt.

Die Eisdecke nimmt eine Fläche ein, die etwa der

Größe Frankreichs entspricht.

Eine Forschergruppe der Universität Kalifornien tauchte bis zu 30 m
tief, um die kleinen Lebewesen aus ihrer kalten Umwelt zu holen - d.h. aus
Meerwasser, dessen Temperatur noch unter dem Gefrierpunkt salzfreien Wassers
liegt.

Die Tiere, von denen die größten etwa 5 cm messen, wurden in Kühl-

behälter gepackt, um sie zu einem Laboratorium in den Vereinigten Staaten
transportieren und dort eingehend untersuchen zu können.

Wie Prof. Jere Lipps von der Universität Kalifornien berichtet, wurden
zwei verschiedene Typen dieser seltsamen Lebewesen geborgen.

Die einen

sehen aus wie kleine Bäume, die mit ihrem Astwerk nach Nahrung suchen. Sie
leben in verhältnismäßig großer Zahl im Schlamm unter der Eisdecke. Die
anderen ähneln einem Rumpf mit herabhängenden Armen.

Dieser Typ scheint

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�scheint weniger häufig zu sein.
weder "Augen" noch "Mund".

Sie sind von graubrauner Farbe und haben

Die Wissenschaftler können nocht nicht mit

Sicherheit sagen, wie sie Nahrung aufnehmen.

Dr. Lipps vermutet, daß sie

über ein wurzelähnliches System von "Armen" Nährstoffe absorbieren.

Erste Untersuchungsergebnisse lassen vermuten, daß es sich um einzellige Organismen handelt, die durch Sandkörner fest miteinander verbunden sind und so gleichzeitig geschützt werden.

Zur Verwertung als Nahrung

für Menschen sind sie nicht geeignet, da sie nichts Verwertbares enthalten.
Dr. Lipps und seine Mitarbeiter wählten für ihre "Fangexpedition" unter dem
Eis einen Platz nahe der McMurdo-Station, von dem sie wußten, daß sich infolge der Undurchlässigkeit des Eises für Licht und somit des Fehlens von
Photosyntheseprozessen dort Nahrung auf pflanzlicher Basis so gut wie gar
nicht würde entwickeln können.

Sollten dennoch tierische Lebewesen existie-

ren, müßten sie dem sehr geringen Nahrungsangebot besonders angepaßt sein.
In weiteren Tauchexpeditionen wollen die Forscher nun herausfinden, wie
diese Organismen in Dunkelheit und Kälte leben und sich vermehren.

Die diesjährige Forschungssaison in der Antarktis begann im Oktober
1977 und dauert bis Februar 1978.

Etwa 600 km von der Gruppe aus Kalifornien

entfernt, 664 km südöstlich der Station McMurdo, haben amerikanische Wissenschaftler und Ingenieure zusammen mit Forschern aus Australien, Dänemark,
Neuseeland, Norwegen und der Sowjetunion die Bohrungen im Ross-Eisschelf
wieder aufgenommen.

Man will die hier 420 m mächtige Eisdecke, die sich

bis 800 km weit vom Kontinent aufs Meer hinaus vorgeschoben hat, durchstoßen.

Während die Bohrkerne gesammelt und auf Zusammensetzung physika-

lischer Merkmale und Alter des Eises untersucht werden, versucht man eine
genügend große Öffnung zu schaffen, um Fernsehkameras, die verschiedensten
Meßinstrumente und Probennehmer ins Wasser unter der Eisdecke zu befördern.
Vor allem wird nach Lebewesen gesucht, die, seit Millionen von Jahren von
der übrigen Welt isoliert, womöglich dort in extremer Kälte und ewiger
Nacht existieren.
Mit

�Mit den von der amerikanischen National Science Foundation (NSF Nationale Wissenschaftsstiftung) für die diesjährige Saison bereitgestellten Mitteln werden 90 zum Teil neue, zum Teil schon seit Jahren laufende
Forschungsprojekte finanziert, an denen 335 amerikanische und ausländische
Wissenschaftler mitarbeiten.

Im November flog z.B. eine internationale

Gruppe zu einer abgelegenen Bergregion, um dort nach Meteoriten zu forschen.
Sie setzt unter der Leitung der amerikanischen und japanischen Wissenschaftler, die im vergangenen Jahr 190 km nordwestlich von McMurdo in nur fünf
Wochen an 11 Stellen Meteoriten im Gesamtgewicht von 460 kg zusammentrugen
(davon ein in 33 Trümmer geborstener, 407 kg schwerer Steinmeteorit und
ein 1,4 kg schwerer Eisenmeteorit), die Suche nach Meteoritenfällen fort.
Der erwähnte Steinmeteorit - dieser Typ ist zehnmal häufiger als der des
Metallmeteoriten - ist der bisher größte aus der Antarktis und auch eines
der größten Exemplare unter den Funden in allen übrigen Gebieten der Erde.

"Momentaufnahmen" von kosmischer Strahlung der Vergangenheit

Der Beharrlichkeit japanischer Gletscherforscher nach einer Zufallsentdeckung im Jahr 1969 ist es zu verdanken, daß sie inzwischen in einem
mehrere Hundert Quadratkilometer großen Gebiet nahe dem Indischen Ozean,
ca. 3000 km von der US-Station McMurdo entfernt, fast 1000 Meteoritenfragmente bergen konnten.

Diese stammen vermutlich aus 330 Meteoritenfällen.

Welche Bedeutung sie für die Forschung haben, erhellt aus der Tatsache, daß
außerhalb der Antarktis auf der ganzen Erde zusammen kaum mehr als 2000
Meteoritenfälle und Funde von Überresten auszumachen sind.

Auch in diesem Jahr werden die Meteoritenjäger hauptsächlich in sogenannten Blaueisgebieten suchen - auf Flächen, wo das Kontinentaleis seine
Schneedecke verloren hat und unter dem Einfluß heftiger Stürme langsam abgetragen wird.

Das sehr alte Eis, das zum Vorschein kommt, ist von bläu-

licher Farbe.
Mit

- 3 -

�Mit radioaktiven Datierungsmethoden wurde das "Erdalter" eines der
im Vorjahr gefundenen Trümmer auf ca. 1,7 Millionen Jahre bestimmt.
heißt, daß sich der Meteorit schon so lange auf der Erde befindet.

Das
Für

die Wissenschaft ist es ein besonderer Glücksfall, solche Boten aus dem
Kosmos in einem Gebiet wie der Antarktis aufzufinden.

Denn sie stürzten

in dicken Schnee und zerbrachen vielleicht, machten aber im übrigen kaum
Veränderungen durch.

Dann blieben sie wahrscheinlich lange Zeit unter

Schnee bei extrem trockener Atmosphäre konserviert.

Vor Lufteinwirkung

waren sie nahezu völlig geschützt, und infolge der starken Kälte konnten
auch Oxidationsvorgänge nur sehr langsam ablaufen.

Intensiver Sonnenein-

strahlung waren sie ebenso wenig ausgesetzt wie "Verseuchung" durch organische

Materie.

Solche Meteoriten zeigen, wie einer der amerikanischen

Forscher erklärt, gewissermaßen in "Momentaufnahme" die Aktivität kosmischer Strahlung, wie sie zu jener Zeit bestand, in der sie zur Erde fielen.
Die Bestimmung des "Erdalters" der im Eis gefundenen Meteoriten gibt
außerdem Anhaltspunkte für sein Mindestalter und, sofern man sie an verschiedenen Punkten findet, für die Geschwindigkeit, mit der die Eismassen
über den Kontinent wandern. Von allergrößtem wissenschaftlichem Wert wäre
es, wenn sich auch ein kohlenstoffhaltiger Meteorit unter der Ausbeute
befände. Denn ein solches Exemplar erlaubte der Forschung einen Einblick
in die "kosmische organische Chemie", wie er bisher nicht möglich war.
Neueren Hypothesen zufolge könnten sich organische Verbindungen, deren
extraterrestrische Herkunft mit Sicherheit nachzuweisen ist, durch katalytische Reaktionen von Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Ammoniak im Sonnennebel gebildet haben.

Erkältungskrankheiten

- 4 -

�Erkältungskrankheiten werden nicht "ausgetrocknet"

Weitere Projekte der gegenwärtigen Saison umfassen Studien aus dem
Gebiet der Meteorologie, Ozeanographie, Paläobiologie, Geologie, Glaziologie, Biologie und Medizin.

U a. wird eine medizinische Studie über die

Auswirkungen langer Isolierung von Menschen m

nahezu steriler Umgebung,

wie die Antarktis sie darstellt, auf Abwehrmechanismen des menschlichen
Organismus und die Häufigkeit von Erkrankungen der Atemwege weitergeführt.
Aufgrund der Forschungsergebnisse aus der Saison 1975/76 und 1976/77 glaubt
Prof. Elliot C

Dick von der Universität Wisconsin in Madison sagen zu

können, daß die weitverbreitete Meinung, Erkältungskrankheiten würden in
solcher Umgebung gewissermaßen ausgetrocknet, aber auch die physiologischen
Immunreaktionen würden bei langer Isolation abgeschwächt, wohl nicht länger
zu vertreten sei.

Dies zeigten die Beobachtungen über jeweils sieben Monate an insgesamt 77 Personen, die in der amerikanischen Station McMurdo (66 Personen)
und der nahegelegenen neuseeländischen Station Scott Base (11 Personen)
überwinterten.

Weder verschwanden die Erkältungskrankheiten aus dem Tages-

geschehen, noch schienen die Abwehrmechanismen beeinträchtigt zu werden
In beiden Jahren traten während der totalen Isolierung von der Außenwelt
bei einem Viertel der Leute Erkrankungen der Atemwege auf.

Regelmäßig vor-

genommene Blutuntersuchungen ergaben, daß die Zahl der weißen Blutkörperchen als Indikator für die Wirksamkeit des Immunsystems nicht zurückging
und der Spiegel der Immunglobuline im Serum nicht niedriger wurde

Prof

Dick hofft, mit der Untersuchungsserie des nächsten Winters (Februar bis
Ende August 1978) diese Ergebnisse bestätigen zu können.
auch für die bemannte Raumfahrt von Bedeutung.

+ + + + +

- 5 -

Sie sind u a

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA halten an Konsultation mit europäischen NATO-Verbündeten fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Außenminister Vance und Verteidigungsminister Brown in Brüssel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt dritten Halbjahresbericht zur KSZE vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Einführungskapitels -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie stark ist der US-Dollar wirklich?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von George E. Cruikshank&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inflation durch Einkommenspolitik bekämpfen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Professor Walter Heller -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Schutz der Menschenrecht in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Charles F. Abernathy&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Frauen beschlossen einheitlichen Aktionsplan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die Frauenrechtskonferenz von Houston -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfahrtprojekte auf internationaler Basis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA arbeiten mit anderen Ländern zusammen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leben unter ewigem Eis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forschungssaison 1977/78 in der Antarktis -&lt;/em&gt;</text>
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und
pi-1 l'iiii'Mrr
United States Information Service

31

30. November 1977
INHALT

DOKUMENTATION
Warnke: Rüstungskontrolle liegt im Interesse beider Seiten
- Rede des US-Abrüstungsdirektors in Washington WIRTSCHAFT
Inflationsbekämpfung Grundvoraussetzung für den Wirtschaftsaufschwung
- Interview mit einem führenden Wirtschaftsberater

Präsident Carters

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bruchfestes Glas zum Einkapseln von Atommüll
Eine neue Spur für die Entwicklung irdischer Lebensformen
- Methanbakterien als möglicherweise älteste Organismen identifiziert
INFORMATION
"Rehabilitation USA"
- Eine Ausstellung von therapeutischen und orthopädischen Hilfen für
Behinderte in Paris -

Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Exemplar der von uns herausgegebenen
Broschüre: DIE USA, Fakten, Daten, Zahlen bei. Wir hoffen,
daß diese Broschüre Ihr Interesse finden wird.

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 3 0 0 ,
D 5 3 0 0 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

31

30. November 1977

WARNKE: RÜSTUNGSKONTROLLE LIEGT IM INTERESSE BEIDER SEITEN
- Rede des US-Abr'üstungsdirektors in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des amerikanischen Amtes für Abrüstung
und Rüstungskontrolle (ACDA), Paul Warnke, hat am 10. November 1977 vor der
Frauenvereinigung der Demokratischen Partei in Washington über den Stand der
Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) und
über die Aussichten für weitere Abrüstungsmaßnahmen gesprochen.
Die Rede Warnkes hat folgenden Wortlaut:
Mir ist heute ein Thema gestellt worden, das, wie ich meine, beredt von
dem Nachdruck zeugt, den die Carter-Administration auf die Frage der Rüstungskontrolle legt.
Wie Sie wissen, hat diese Administration seit Januar dieses Jahres auf
diesem Gebiet rund zehn verschiedene Initiativen ergriffen. Dazu gehören an
vielleicht prominentester Stelle die Verhandlungen mit der Sowjetunion über
eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT).
Dazu kommen die Verhandlungen

Postfach 300,
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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

Dazu kommen die Verhandlungen über ein vollständiges Verbot von Nuklearversuchen, die neben den SALT-Verhandlungen in Genf stattfinden. Und auf der
Konferenz des Abrüstungsausschusses (der Vereinten Nationen) in Genf haben wir
auch über die Frage der chemischen Waffen und der Strahlungswaffen gesprochen.
Außerdem finden Gespräche über eine Begrenzung der Rüstungen im Gebiet des
Indischen Ozeans statt, die wir mit der Sowjetunion führen. Als weitere künftige
Themen zeichnen sich ab: Erörterungen über Einschränkungen des Verkaufs konventioneller Waffen; Ausschaltung der Anti-Satellitenwaffen, die ernsthaft die
nationalen

technischen Mittel zu der für die Rüstungskontrolle so wesentlichen

Verifizierung gefährden könnten,und die von den Vereinigten Staaten getroffenen
Vorbereitungen für die Sondersitzung der Vereinten Nationen über Fragen der
Abrüstung, die im kommenden Frühjahr stattfinden wird. Wir sind außerdem noch
mit der überaus bedeutsamen Frage befaßt, wie sich eine Weiterverbreitung
(Proliferation) der Kernwaffen vermeiden läßt.
Am vergangenen Wochenende kehrte ich nach einem fünfwöchigen Aufenthalt in
Genf zurück, wo ich an den Erörterungen mit der Sowjetunion über eine Begrenzung
der strategischen Waffen und den Verhandlungen über ein umfassendes Nuklearversuchsverbot teilgenommen hatte. Ich glaube, daß die meisten Amerikaner und
die meisten Länder der internationalen Gemeinschaft sich bewußt sind, daß dies
der wirksamste Weg ist, um die Möglichkeiten zu einer Konfrontation zwischen
der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten zu verringern, die zu einem Krieg
führen könnte,

der die menschliche Gesellschaft in eine Katastrophe stürzen

wurde.
Ich muß jedoch dazu bemerken, daß diese Verhandlungen nicht frei von Kritik
geblieben sind. Von Zeit zu Zeit habe ich selbst in Genf ein schwaches Echo
davon vernommen, daß es manche Leute gibt, die mit unseren Bemühungen durchaus
nicht voll zufrieden sind. (Gelächter)
Es gibt da zwei grundsätzliche Einwände, die, wie es scheint, in krassem
Gegensatz zueinander stehen. Der eine besagt: "Warum geben wir den Russen

- 2 -

�Russen gegenüber immer nach, und können wir ihnen überhaupt trauen?" - und
der andere lautet: "Warum braucht Ihr so viel Zeit, und was werdet Ihr erreicht
haben, wenn Ihr fertig seid?"
Es wird Sie vielleicht nicht überraschen, wenn Sie hören, daß ich keine
der Kritiken für im wesentlichen richtig halte. Ich möchte jedoch au" sie
eingehen oder wenigstens versuchen, mich mit ihnen zu befassen.
Zuerst mit der Frage: "Warum geben wir den Russen gegenüber nach? Warum
machen wir allzuviel Konzessionen? Wie kann man ihnen trauen?"
Ich glaube, was die eine Richtung dieser Kritik anbetrifft, so leidet sie
darunter, daß sie das Wesen der Verhandlungen über Rüstungskontrollen nicht
richtig verstanden hat. Diese Verhandlungen sind ihrer ganzen Natur nach von
Verhandlungen jeder anderen Art, selbst von solchen internationalen Charakters,
durchaus verschieden. Es ist keine Variation eines Spieles um alles oder
nichts, als die es manchmal hingestellt wird. Auch all die Attribute kommerzieller
Verhandlungen passen nicht hinein.
Worum es dabei im wesentlichen geht, das ist die grundsätzliche Abschreckung
für die Nationen, die an den Gesprächen beteiligt sind. Und diese grundsätzliche
Abschreckung muß geschützt werden. Das aber heißt, daß keine Seite auf lange
Sicht den kürzeren ziehen darf.
Offensichtlich möchte jede Seite zu einem Abkommen gelangen, bei dem sie
selbst alle Vorteile hat und bei dem die andere Seite Einschränkungen hinnimmt,
die sie vorher nicht hatte. Aber das geht natürlich nicht. Denn wenn die eine
Seite übervorteilt werden sollte, dann würde man zu keinem lebensfähigen und
dauerhaften Abkommen über eine Rüstungskontrolle gelangen. Es gibt keine Möglichkeit für die eine oder andere Seite, spezifische Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen zu erlangen. Es gibt keinen Gerichtshof, vor dem man seinen Kontrakt
bringen und erklären könnte: "Ich habe diesen speziellen Pakt gewonnen und habe
nun das Recht, seine Früchte zu genießen." Stattdessen würde mar; feststellen,

- 3 -

�feststellen, daß die Seite, die übervorteilt wurde, das Abkommen in Ausübung
ihrer souveränen Rechte prompt verwerfen würde.
So steht also am Beginn das Faktum, daß man am Ende zu einem Abkommen über
die Rüstungskontrolle gelangen muß, das fair ist, das gültig ist und das auf
beiden Seiten die Gewähr für gleiche Sicherheit bietet. Das nun bedeutet notwendigerweise einen harten Verhandlungsprozeß, zugleich aber auch einen Prozeß
der Analyse, bei der abgewogen werden muß, welches die grundlegenden Interessen
der anderen Seite sind. Das aber führt zu einem langwierigen und komplexen
Verfahrensprozeß.
In Bezug auf die Gesamtfrage der Rüstungskontrolle ist es unumgänglich, sich
mit der Sowjetunion einzulassen. Es gibt nur zwei militärische Supermächte.
Wir müssen von der Grundlage ausgehen, uaß wir in letzter Analyse ein irgendwie
zusätzliches Abkommen mit der Sowjetunion

ausarbeiten können, mit dem sich ein

Weg finden läßt, um den Konkurrenzkampf, der weiterhin zwischen uns bestehen
wird, zu stabilisieren.
Ich glaube nicht, daß wir von der Grundlage ausgehen können, daß die
Rüstungskontroll Verhandlungen diesen Geist des Wettkampfes und das Bestehen von
Reibungsflächen zwischen den beide

Ländern ausschalten werden. Wir müssen nicht

Freunde sein, um zu Abkommen zu gelangen, die im Interesse beider Seiten liegen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß die Rüstungskontrolle im Interesse
beider Seiten liegt. Ich glaube, daß dies so ist, weil, selbst wenn wir von
einem anhaltenden Wettstreit um Einfluß in der Welt ausgehen, dieser Wettstreit
selbst militärisch nur in der einen oder anderen Weise zum Ausdruck kommen kann:
Entweder der militärische Wettstreit geht ohne Einschränkung weiter, oder wir
finden irgendeinen Weg, auf dem ein gewisses Maß größerer gesunder Vernunft und
größerer Sicherheit in unsere Beziehungen gelangt. Das aber liegt wie ich sage,
im gemeinsamen Interesse beider Seiten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt

�Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht

trotz einiger Kommentare, die Sie

in der Presse lesen, ein militärisches Gleichgewicht zwischen den beiden Seiten.
Es gibt keine militärische Überlegenheit auf Seiten der Sowjetunion. Ich kenne
keinen vernüftigen Menschen innerhalb oder außerhalb der Regierung, der darüber
anders denkt. In den meisten Fällen halten wir sogar einen qualitativen Vorsprung.
Aber es handelt sich nicht um einen solchen qualitativen Vorsprung, der uns
jene Art politischer Macht gäbe, die wir vielleicht gern

haben möchten, die

aber grundsätzlich unerreichbar ist, wenn man die Ressourcen bedenkt, die auf
Seiten der Sowjetunion vorhanden sind.
Wir haben damit die Wahl: Wir können entweder den militärischen Wettstreit
uneingeschränkt weiterführen oder wir können irgendeinen Weg finden, wie man
diesen Wettstreit durch wirksame Rüstungskontrollmaßnahmen zu zügeln vermag.
Ich glaube, daß niemand von uns bereit wäre, zuzusehen, wie die Sowjetunion
eine militärische Überlegenheit in einem Ausmaß erreicht, das vielleicht nicht
unbedingt zu einem Krieg führen muß, das aber sicherlich zu einer Art von Welt
führt, in der unsere Interessen keine Unterstützung finden würden.
Im wesentlichen sehe ich in den Verhandlungen über Rüstungskontrolle eine
Maßnahme, durch die wir die Sicherheit der Vereinigten Staaten am besten verteidigen können. Und ich glaube, daß wir mit den Sowjets zu Rande kommen können,
weil sie von derselben Anschauung ausgehen müssen. Man muß den Motiven der
Sowjetunion nicht unbedingt trauen, um überzeugt zu sein, daß sie in der Frage
der Rüstungskontrolle in gutem Glauben verhandelt. Man kann jedermann vertrauen,
daß er seine eigenen Interessen schützen wird. Und man kann jeder Nation vertrauen, daß sie die Schritte unternehmen wird, die ihre nationale Sicherheit
schützen werden.
Wir befinden uns gegenwärtig in einer Situation, in der wir - wie es Verteidigungsminister Harold Brown am vorigen Sonntag in dem Fernsehinterview
"Fragen und Antworten" bezeichnete - ein stabiles strategisches Gleichgewicht
haben. Wir meinen damit, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt - wie immer die
Umstände internationaler Reibungen, wie immer die Spannungen und wie immer auch

- 5 -

�auch die Provokationen sein mögen - keine Seite irgendeinen Anreiz dazu haben
könnte, einen "Erstschlag" zu führen. Keine Seite könnte sich für die Option
entscheiden, in einen Nuklearkrieg einzutreten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen wir über mehr als 9 000 einzelne
nukleare Gefechtsköpfe mit Zielrichtung Sowjetunion. Die Sowjets verfügen
auch nicht annähernd über diese Anzahl; sie besitzen nur etwa 4 500 Gefechtsköpfe. Aber auf jeden Fall ist das mehr als die verfügbaren Ziele. Und in jedem
Fall bedeutet dies, daß die angegriffene Seite in der Lage wäre, mit einem
vernichtenden Vergeltungsschlag zu antworten und das andere Land als Industriegesellschaft auszulöschen.
Das ist ein

düsteres Bild, aber es ist noch das beste, das wir erhoffen

können, wenn wir an Stabilität im Zeitalter der Kernwaffen denken. Und die
Anomalie besteht darin, daß unsere beiden Länder weiterhin ohne Zurückhaltung
mehr und mehr an Kernwaffen ansammeln und Tausende von Milliarden Dollar dafür
ausgeben. Das Beste, worauf wir hoffen können, ist, daß sich die Situation nicht
noch verschlimmert und daß nicht eines Tages eine Waffe entwickelt wird, die
das strategische Gleichgewicht destabilisiert.
Das ist natürlich ein mächtiger Anreiz für die Vereinigten Staaten, Verhandlungen zu führen. Und das ist auch ein mächtiger Anreiz für die Sowjetunion.
Und es gibt - soweit es mich betrifft - noch weitere Gründe, die auf Verhandlungen
in gutem Glauben auf dem Felde der Rüstungskontrolle hindeuten.
Für die Sowjetunion gibt es auch noch politische Gründe. Offensichtlich
ist es für sie wichtig, sich in verantwortungsbewußter Weise mit den Vereinigten
Staaten über Maßnahmen auseinandersetzen zu können, die die Sicherheit der Welt
betreffen. Und schließlich gibt es meiner Meinung nach reale militärische Gründe,
warum die Sowjetunion bereit ist, in gutem Glauben über die Rüstungskontrolle
zu verhandeln. Moskau ist sich darüber im klaren, daß wir auf keinen Fall willens
wären, den Sowjets militärische Überlegenheit zuzugestehen. Die Alternative

�Die Alternative ist also, daß sie sich mit Maßnahmen seitens der USA als
Antwort auf ihren militärischen Aufbau konfrontiert sehen würden. Darüber
hinaus müssen sich die Sowjets

dessen bewußt sein, daß wir auf technologischem

Gebiet tatsächlich führend sind.
Und dann gibt es noch, vom militärischen Standpunkt aus gesehen, den
gesamten Komplex der Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation). Die Sowjetunion wie auch wir müssen mit der Gefahr rechnen, daß Kernwaffen in die Hand
von immer mehr Ländern oder gar sub-nationalen terroristischen Gruppen fallen.
Ich habe keinen Zweifel daran, daß - sollten Kernwaffen tatsächlich eine so
weite Verbreitung finden - dies das Risiko immei größer machen würde, daß eine
Atomwaffe wirklich einmal aus Zorn oder Verärgerung eingesetzt würde.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben unsere Beziehungen zur Sowjetunion und
der beiderseitige Besitz von Kernwaffen einen Sättigungsgrad erreicht, wo nur
Wahnsinn ihre Anwendung veranlassen könnte. Aber wir können uns nicht darauf
verlassen, daß weniger stabile Regierungen mit weniger Erfahrung auf diesem
Gebiet oder gar terroristische Gruppen ein vergleichbares Maß gesunder Zurückhaltung an den Tag legen.
In dieser Hinsicht glaube ich, daß die Verhandlungen über ein umfassendes
Versuchsverbot, die während der letzten fünf Wochen in Genf geführt wurden,
überaus wichtige Konsequenzen für das Proliferationsproblem haben werden. Sie
wissen sicher, daß diese Verhandlungen auf trilateraler Basis geführt werden.
Großbritannien ist zusammen mit der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten
darum bemüht, den Nuklearversuchen ein Ende zu machen.
Es hat einige ernsthafte Hindernisse gegeben, was erklärt, daß wir zwar
seit 20 Jahren nach einem vollständigen Versuchsverbot streben, daß wir dies
bisher jedoch nicht erreicht haben, und daß es schon 15 Jahre her ist, seit wir
einen begrenzten Versuchsstopp erlangten, der die Versuche in der Atmosphäre
beendete.
Eines der Hauptprobleme bildete
- 7 -

�Eines der Hauptprobleme bildete die Kontroverse zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion über die F r a ^ , wie weit sich ein solcher Vertrag
über ein Verbot nuklearer Versuche erstrecken sollte. Wir argumentierten, daß
ein solcher Vertrag, sollte er wahrhaft umfassend und wirksam sein und eine
maximale Wirkung in Bezug auf die Eindämmung jeder weiteren Proliferation
haben, alle nuklearen Versuche verbieten müsse, und nicht nur die sogenannten
Waffentests.
Die Sowjetunion schien jedoch besonders großen Wert auf die weitere Durchführung sogenannter friedlicher Kernexplosionen zu legen, also auf die Anwendung
nuklearer Sprengsätze für eine ganze Reihe von Zwecken, wie beispielsweise
zur besseren Erschließung von Erdgas - und Ölquellen,für die Bergbautechnik und
die Flußregulierung.
Wir hatten unsererseits in den letzten beiden Jahren den Standpunkt vertreten,
daß der mögliche wirtschaftliche Nutzen, wie groß er auch sein möge, weit hinter
den für beide Länder und für die Menschheit aus einer völligen Einstellung der
nuklearen Explosionen sich ergebenden Vorteile zurückstehen würde.
Nun, wir können der Sowjetunion wirklich keinen Vorwurf aus der von ihr
eingenommenen Position machen. Es ist noch gar nicht so lange her, daß wir in
den Vereinigten Staaten wahrhaft recht ehrgeizige Ziele durch den Einsatz von
nuklearen Sprengsätzen für friedliche Aufgaben ins Auge faßten. Beispielsweise
überlegten wir damals, daß damit vielleicht die Möglichkeit gegeben wäre, einen
neuen Panamakanal auszuschachten. Diese Zukunftsaussichten begannen sich dann
jedoch mehr und mehr zu verflüchtigen. Was den Panamakanal anbetrifft, so wurde
von manchen Leuten vorausgesagt, daß die sich damit ergebenden gewaltigen Erdbewegungen höchstwahrscheinlich nicht nur den neuen Kanal zuschütten, sondern
auch den alten außer Betrieb setzen könnten. Jedenfalls haben wir diese Pläne
fallengelasssen.
Die Sowjets haben weiter dar-n festgehalten, daß jedes umfassendes Versuchsverbot die friedlichen nuklearen Detonationen ausschließen müsse. Wir dagegen

�dagegen vertraten die Position, daß damit nicht nur die Möglichkeit gegeben
wäre, weitere militärische Vorteile zu erlangen, sondern auch der gewünschte
Effekt verloren gehe, andere Länder daran zu hindern, ihre eigene Kapazität
auf dem Gebiet nuklearer Sprengmittel zu entwickeln.
Sie erinnern sich, daß vor wenigen Jahren die indische Regierung einen
nuklearen Sprengsatz zur Detonation brachte, was sie dann prompt als eine
friedliche nukleare Explosion bezeichnete. Die Resultate sind selbstverständlich
von denen einer nuklearen Bombe kaum zu unterscheiden, weil es sich ja auch in
der Tat um eine nukleare Bombe handelt.
Wir sind überzeugt, daß es vom Standpunkt der Proliferation aus gesehen
für jedes Land sehr, sehr schwierig wäre, die Konsequenzen in Form einer internationalen Ächtung zu tragen, wenn es ein neues Mitglied des Nuklear-Clubs
werden sollte - sofern Großbritannien, die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten alle zusammen gänzlich auf alle weiteren nuklearen Detonationen verzichteten.
Ich bin erfreut^berichten zu können, daß die Rede, die Präsident Breschnew
in der vorigen Woche gehalten hat, in der Tat einen sehr bedeutsamen Schritt
seitens der Sowjetunion darstellt. Die sowjetische Verhandlungsdelegation in
Genf hat auch unverzüglich bekräftigt, daß Breschnew meinte, was er sagte, und
daß die Sowjetunion zu einem Moratorium für alle Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken bereit sei»

das mit dem Verbot nuklearer Waffentests zusammengehen

würde.
Es verbleiben noch eine Reihe sehr
werden müssen, aber ich bin hier weit,
zehn Tagen war. Ich glaube, daß es ein
Sowjets war. Ich glaube, daß damit das

schwerwiegender Probleme, die gelöst
weit optimistischer,als ich es noch vor
sehr konstruktiver Schritt seitens der
Problem schließlich gelöst werden wird.

Wie bereits angedeutet, gibt es noch Probleme, vor allem die Frage, ob
Frankreich und China überredet werden können, sich einem vollständigen Versuchs-

- 9 -

�Versuchsverbot anzuschließen. Natürlich würden wir das gern

sehen. Wir sind

der Meinung, daß der wichtigste Aspekt der Beendigung von Kernwaffenversuchen
und Nuklearexplosionen überhaupt darin besteht, daß die beiden Länder, die die
Hauptnuklearmächte sind, die den größten Teil der Versuche durchführen, einem
Abkommen beitreten, das ein Ende all dieser Versuche bringt.
Und selbstverständlich ist die Beteiligung von Großbritannien in dieser
Hinsicht von immenser Bedeutung, was die internationale

Unterstützung angeht,

und auch als Beweis, daß es sich hier nicht etwa um einen Kuhhandel zwischen
den Supermächten handelt.
Was also dieses Problem der Nonproliferation anbetrifft, so ist das eine
Sache, in der wir und die Führung der Sowjetunion gemeinsamen Boden finden können.
Hier liegt eine Übereinstimmung der Interessen vor, die einen ausdrücklichen
Anreiz für unsere Rüstungskontrollinitiativen schafft.
Hinsichtlich der SALT-Verhandlungen selbst wird häufig der Vorwurf laut,
daß wir den Russen nachgäben, daß wir Zugeständnisse machten, daß alles einseitig
sei, daß wir übervorteilt würden.
Ich habe mich immer bemüht, diesen Vorwürfen entgegenzutreten, indem wir
uns damit verteidigen, daß wir nicht übervorteilt werden. Wir müssen einsehen,
daß jedes Abkommen einander entsprechende Beschränkungen auf beiden Seiten enthalten wird. Die Dinge sind in Bewegung geraten, das steht außer Frage, aber
die Bewegung war nicht einseitig.
Ich möchte Sie auf die ersten Tage der Carter-Administration und an unsere
ersten Bemühungen auf dem Gebiet der strategischen Rüstungskontrolle verweisen.
Sie werden sich erinnern, daß Außenminister Vance im März dieses Jahres nach
Moskau ging. Wir hatten Alternativvorschläge mitgebracht. Einer davon war ein
sogenanntes umfassendes Paket, das einen ganz dramatischen Schritt vorwärts
zu einer wirksamen Kontrolle der strategischen Nuklearwaffen darstellte.
Es bestand aus einer
10 -

�Es bestand aus einer ganzen Reihe von Bestimmungen, die bedeutet hätten,
daß auch das qualitative Wettrüsten verlangsamt worden wäre, statt nur lediglich
neue numerische Begrenzungen für die Zahl der strategischen Nuklearwaffen auf
beiden Seiten festzulegen. Das Abkommen hätte auch bedeutsame Verringerungen
in der Gesamtzahl sogenannter Trägerwaffen für strategische Nuklearwaffen mit
sich gebracht. Es hätte eine Verringerung der Zahl der Träger bedeutet, die mit
Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV - eine Abkürzung von Multiple Independently
Targetable Re-entry Vehicles, d.h., mehrere unabhängig voneinander zielgeplante
Gefechtsköpfe auf einem Träger) ausgerüstet werden können, die genau gezielt
auf eine Reihe von Zielen gerichtet werden können. Es hätte cerner eine
Verringerung in der Einführung neuer Typen von Nuklearraketen bedeutet.
Die Sowjetunion war, wie wir herausfanden, der Meinung, daß dies zu weit und
zu schnell gehe. Die Sowjets waren ferner der Meinung, daß das über das von
Präsident Ford und Generalsekretär Breschnew im Jahre 1974 in Wladiwostock
Vereinbarte hinausgehe.
Da wir mit dieser Möglichkeit rechneten, hatten wir im März in Moskau einen
Alternativvorschlag bereit, und das war das sogenannte Aufschub-Paket. Es hätte
bedeutet, daß wir in einem Vertrag die Höchstgrenzen von Wladiwostock akzeptiert
hätten, die bei der Gesamtzahl der strategischen nuklearen Trägerwaffen 2 400
betrug, von denen 1 320 mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet werden dürften.
Alle anderen Fragen sollten auf anschließende SALT-Verhandlungen verschoben
werden.
Auch das lehnte die Sowjetunion als nicht weit genug gehend ab.
Wo stehen wir heute, unc' wie sind wir dahin gelangt? In den Monaten seit
März hat sich ein SALT II-Vertrag abzuzeichnen begonnen, der, wie ich sagen
möchte,

zwischen den beiden Vorschlägen liegt, die wir im März unterbreiteten.

Er geht in einem Schritt nicht so weit wie unser umfassender Vorschlag vom
März. Er bedeutet jedoch vom Standpunkt der Rüstungskontrolle aus, vom Schutz

- 11 -

�Schutz der Unverwundbarkeit unserer Abschreckung aus, vom Standpunkt unserer
nationalen Sicherheit aus einen bedeutsamen Schritt vorwärts und ist viel besser
als unser "Aufschub-Paket" vom März.
Man kann also nicht sagen, daß es seit Moskau einen ständigen Rückzug gegeben hat, sondern ich würde sagen, einen strategischen Vormarsch. Jetzt sehen
wir ein SALT II-Abkommen im Entstehen begriffen, das uns praktisch in der wirksamen Rüstungskontrolle voranbringen wird. Es wird eine bedeutsame Verringerung
sowohl der Gesamtzahl der nuklearen Trägerwaffen als auch der Zahl jener Träger
bringen, die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattet sind.
Von diesem Standpunkt aus vermindert das Abkommen die Bedrohung unserer
eigenen landgestützten Interkontinentalraketen. Es vermindert das GegenkraftPotential. Es wird eine Verringerung der Zahl der Interkontinentalraketen mit
Mehrfachgefechtsköpfen

bedeuten, über die die Sowjetunion verfügt. Und es wird

bedeuten, daß wir hoffen dürfen, zumindest als Anfang den qualitativen Verbesserungen der Kernwaffen, die sich potentiell destabilisierend auswirken,
Einhalt zu gebieten.
Ich glaube, es besteht kein Zweifel, daß das Abkommen eine wesentliche Verbesserung gegenüber unserem Aufschub-Paket vom März dieses Jahres darstellt.
Nach meiner Meinung weist es auch den Weg zu einem noch wirksameren Rüstungskontroi labkommen.
Im wesentlichen arbeiten wir an einem Rahmen aus drei Stücken. Das erste
Stück wäre ein Grundvertrag mit Geltungsdauer bis 1985, der die zahlenmäßigen
Grenzen festlegen würde, die einige der Waffenprogramme einschränken, die destabilisierend zu werden drohen.
Ferner gäbe es ein Drotokoll auf drei Jahre, in dem einige der Waffensysteme,
die sich im Stadium der Entwicklung befinden und bei denen unsere Überlegungen
noch nicht bis zu einem Punkt fortgeschritten sind, an dem wir wüßten, wo unsere

-12-

�unsere besten Interessen für eine langfristige Lösung liegen würden, auf einer
mehr temporären Basis behandelt werden.
Es würde uns ferner in die Lage versetzen, mit all den Entwicklungen fortzufahren, die nach unserer Auffassung unerläßlich sind, um unsere Sicherheit
zu gewährleisten, falls die Rüstungskontrolle sich als Fehlschlag erweisen
sollte.
Eines der Probleme, das zum heutigen Zeitpunkt besteht, ist die Tatsache,
daß wir uns bemühen, einen Vertrag gegen Kritik zu verteidigen, der unvollständig bleibt. Und wir versuchen, ihn gegen ein Ideal zu verteidigen, das
nicht existiert.
Worum es derzeit geht, ist die Frage, ob dieser Vertrag so gut wie irgendein anderer hypothetischer, theoretischer Vertrag ist. Und die Antwort darauf
lautet natürlich: "Nein!". Ich könnte mir einen Vertrag erträumen, der besser
wäre. Ich glaube jedoch nicht, daß ich einen solchen Vertrag aushandeln noch
daß irgendjemand sonst dies zu diesem Zeitpunkt tun könnte.
Worauf es ankommt, ist, ob dieser entstehende Vertrag die Sicherheit der
Vereinigten Staaten fördert oder verringert. Und ich kann Ihnen ohne den leisesten
Zweifel sagen, daß der Vertrag, der ausgehandelt wird, eine sehr bedeutsame
Verbesserung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten bedeuten wird.
Das ist der Punkt, an dem wir heute im wesentlichen stehen. Das führt selbstverständlich zu einer grundlegenden Erörterung des zweiten grundsätzlichen
kritischen Einwurfs, von dem ich zu Beginn meiner Ausführungen sprach, der Frage:
"Warum brauchen wir so lange?"
Ich glai'be, die Antwort ist wirklich ziemlich leicht. Wir brauchen so lange
Zeit, weil es sehr kompliziert ist, weil man es hier mit dem Wesentlichen der
Sicherheit der Länder zu tun hat, die an den Abrüstungsverhandlungen teilnehmen.
Es geht dabei auch
- 13 -

�Es geht dabei auch um eine Situation, in der eine beachtliche Asymmetrie
zwischen den Ausgangslagen der beiden wichtigsten Militärmächte besteht. Es
bestehen Unterschiede in der Art, wie sich ihre Streitkräfte entwickelt haben,
dem Nachdruck, den sie auf bestimmte Waffensysteme gegenüber anderen legen,
und vor allem auch Unterschiede, was ihre Beziehungen zu anderen Ländern
anbetrifft, sowie ganz offensichtliche geographische Unterschiede.
Um kurz auf einige dieser Asymmetrien einzugehen:
Wir haben einen Hauptnachdruck auf die Aufrechterhaltung einer sogenannten
strategischen nuklearen Triade gelegt. Wir haben unsere strategischen nuklearen
Streitkräfte in drei Teile gegliedert: Wir haben die interkontinentalen
ballistischen Raketen; wir haben die unterseebotgestützten ballistischen Raketen
und wir haben unsere strategischen Bomber. Es besteht eine relativ gleichmäßige
Aufteilung zwischen diesen drei Komponenten.
Die Sowjetunion andererseits hat den Hauptnachdruck auf die landgestützten
Interkontinentalraketen gelegt. Daher betreffen Einschränkungen, die in erster
Linie diese Interkontinentalraketen angehen, die Sowjetunion stärker als uns.
Andere bestehende Asymmetrien sind glücklicherweise für uns günstiger. Für
uns gibt es nur eine militärische Bedrohung von Bedeutung, und das ist die durch
die Sowjetunion. Die Sowjetunion hat dagegen eine lange und unsichere Ostgrenze
mit der chinesichen Volksrepublik. Sie hat dann ferner im Westen die osteuropäischen Staaten, die sich oft als widerspenstig, wenn nicht rebellisch
erweisen. Glücklicherweise haben wir keine derart schwierige Grenzsituation.
Andererseits ist die Sowjetunion Westeuropa räumlich näher als wir, und
daher ist ihr die Dislozierung ihrer Truppen

dort leichter möglich als uns.

Was die Zukunft anbetrifft, so bin ich durchaus der Hoffnung, daß wir innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne imstande sein werden, einen SALT H-Vertrag

- 14 -

�SALT II-Vertrag zum Abschluß zu bringe!,. Er wird, wie ich glaube, etwa auf
der allgemeinen Linie liegen, die ich hier aufwies. Er wird, wie ich schon
sagte, ein bedeutsamer Schritt nach vorn sein.
Ich hoffe auch, daß wir angesichts der neuen Position, die die Sowjetunion
in der Frage der friedlichen nuklearen Explosionen eingenommen hat, in der
Lage sein werden, zu einem umfassenden Vertrag über das Verbot von Nuklearversuchen zu gelangen.
Die beiden ergänzen sich aufs beste. Wenn es uns gelingt, in einem SALTAbkommen zu einem Verbot neuer Typen von Kernwaffen zu gelangen, dann gibt das
Bestehen eines umfassenden Kernversuchsverbotes ein weiteres Maß an Gewähr
dafür, daß diese Bestimmung eingehalten wird, weil es die Entwicklung neuer
Waffenarten unendlich erschweren würde.
Was nun die anderen Fragen
betrifft, die Verhandlungen über chemische
Waffen, über Strahlungswaffen, über den Transfer konventioneller Waffen oder
die Ausschaltung der Gefahr von Anti-Satelliten-Systemen, so denke ich, daß
sie sich nach einem erfolgreichen Abschluß der beiden Hauptverhandlungen ebenfalls erfolgreich lösen lassen werden.
Wieviel Zeit dazu notwendig sein wird, das vermag ich nicht zu sagen. Doch
dürften sich diese Verhandlungen sicherlich nicht allzulange hinziehen, nachdem
es uns nunmehr gelungen ist, die Haupthindernisse zu überwinden. Wir können nur
hoffen, daß die Sowjetunion weiterhin - so wie wir - davon überzeugt bleibt,
daß der Abschluß dieser Abkommen von grundlegender Bedeutung für die Sicherheit
beider Länder und von wesentlicher Bedeutung für den Weltfrieden ist und ein
Klima schaffen wird, in dem wir, wie zu hoffen ist, viele der anderen Differenzen,
die zwischen uns bestehen und die die Nöte der Welt vermehren, beseitigen können.
+ + + + +

- 15 -

�Wirt/choft

I

United States Information Service

31

30. November 1977

INFLATIONSBEKÄMPFUNG GRUNDVORAUSSETZUNG FÜR DEN WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG
• Interview mit einem führenden Wirtschaftsberater Präsident Carters -

Dr. Lyle Gramley, Mitglied des dreiköpfigen
Wirtschaftsbeirats des amerikanischen Präsidenten, hat in einem Exklusivinterview
mit dem Korrespondenten des Amerikanischen
Informationsdienstes (United States Information Service - USIS), Tom Eichler, die
Bekämpfung der Inflation als die wichtigste
Aufgabe bezeichnet, wenn ein wirtschaftlicher
Wiederaufschwung eintreten soll. Die Lösung
dieses Problems sei zwar schwer, aber der
Regierung bleibe nichts anderes übrig, als
sich mit aller Macht an diese Aufgabe zu
machen.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Dr. Gramley, die Presse und auch viele Wirtschaftswissenschaftler
sind dieser Tage ziemlich pessimistisch, was die Entwicklung der Inflation
anbetrifft. Halten Sie dieser Pessimismus für berechtigt?
ANTWORT:

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�ANTWORT: Das Problem der Inflation ist sicher sehr schwierig zu lösen.
Dieses Problem plagt unser Land schon seit über einem Jahrzehnt. Obwohl in
den letzten Jahren auch eine hohe Arbeitslosigkeit herrschte, hielt sich die
Inflationsrate bei 6 bis 6,5 Prozent. Ein übertriebener Optimismus, daß wir
dieses Inflationsproblem rasch in den Griff bekommen könnten, wäre nicht
gerechtfertigt. Ich glaube, daß, allgemein gesprochen, diese Auffassung heute
bei den Wirtschaftswissenschaftlern vorherrscht. Sie geben die Hoffnung nicht
auf, daß Mittel und Wege zur Lösung des Inflationsproblems gefunden werden
mögen, aber sie sind in der Beurteilung des Problems selbst recht realistisch.
FRAGE: Glauben Sie, daß es daran liegt, daß die Wirtschaftler noch nicht
recht wissen, wie sie das Problem anpacken sollen - daß die Wirtschaftswissenschaft noch nicht weit genug entwickelt ist, um Lösungsmöglichkeiten
für das Inflationsproblem anzubieten?
ANTWORT: Ich glaube, daß jeder Wirtschaftswissenschaftler für sich sagen
würde, daß er eine Lösung für das Inflationsproblem habe - die richtige
natürlich - aber leider neigen wir dazu, unterschiedliche Auffassungen zu
haben. Nach meiner Ansicht haben wir es hier mit einem außerordentlich komplexen Problem zu tun, für das es keine einfachen Lösungen gibt. Wenn ein
inflationärer Prozeß erst einmal in Gang gekommen ist und eine Zeit angehalten
hat, dann wird er sozusagen in die Struktur der Lohn- und Preiserhöhungen
eingebaut. Es handelt sich heute nicht mehr um die einfache Art von Inflation,
wie sie in den Lehrbüchern noch vor einer Generation behandelt wurde, als zuviel Geld im Umlauf war und es zu wenig Waren gab. Ein Teil des Problems ist
auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Gewerkschaften, wenn sie auf die
Preisentwicklung zurückblicken, erklären: "Wir brauchen Lohnerhöhungen um 8
bis 8,5 Prozent, wenn wir einen Zuwachs des Realeinkommens erreichen wollen."
Da aber solche Lohnerhöhungen weit über die Zunahme der Produktivitätsrate
hinausgehen, bedeutet das Kostenerhöhungen von 6 bis 6,5 Prozent pro Jahr.
Die Unternehmen, die eine solche Kostensteigerung erleben, erklären ihrerseits: "Wir müssen sie weitergeben, wir können sie nicht auffangen, unsere
Gewinne gehen bereits zurück." Und sie geben die Kostensteigerungen weiter.

?

�weiter. Wir haben noch keinen Weg gefunden, um diesen Kreis zu durchbrechen.
Das Problem ist in den letzten Jahren noch durch von außen kommende Faktoren,
wie die Lebensmittel Verknappung oder die Ölpreiserhöhungen, vergrößert worden. Damit wurde im Jahre 1974 ein zweistelliger Preisauftrieb verursacht.
Wir konnten das

1975

überwinden, aber wir haben immer noch eine Grund-

inflationsrate von b bis 6,5 Prozent. Es geht also meiner Ansicht nach
nicht darum, daß die Wirtschaftswissenschaftler das Problem nicht verstünden,
sondern daß das Problem so schwierig ist, daß weder wir als Nation noch andere
Länder bisher einen praktischen Weg gefunden haben, um der Inflation Einhalt
zu gebieten.
FRAGE: Das Einkommen aus Arbeit macht etwa 75 Prozent des Nationaleinkommens in den Vereinigten Staaten aus. Manche Analytiker behaupten, das
zentrale Ziel der Anti-Inflationspolitik müsse sein, die Lohnerhöhungen
niedrig zu halten. Kann man das Problem so in den Griff bekommen?
ANTWORT: Man kann das Problem nicht nur von einer Seite anpacken. Man
kann den Gewerkschaften nicht allein alle Schuld an der Entwicklung geben.
Die Gewerkschaften sind Gefangene eines Problems, das vor zehn Jahren entstanden ist. Und man kann den Gewerkschaften nicht einfach sagen, ihr seid
die Ursache des

Problems, weil die Lohnraten zu rasch steigen. Sie werden

den Spieß umdrehen und zurecht argumentieren, daß einer der wichtigsten Gründe,
warum die Löhne so rasch steigen, darin besteht, daß die Preise steigen. Die
Politik der Regierung muß einen Weg finden, um die Lohnsteigerungen zu verringern, aber sie kann das nich' tun,

ohne

gleichzeitig sicherzustellen,

daß sich auch die Preiserhöhungen in einem gemäßigten Rahmen halten.
FRAGE: Viele Länder werden in den kommenden Jahren mit schweren Arbeitslosenproblemen zu kämpfen haben. Das dürfte darauf hindeuten, daß wahrscheinlich auf die Regierungen ein starker Druck ausgeübt wird, eine expansionistische Politik zu verfolgen. Wird das die Inflationsprobleme verschärfen?
ANTWORT:
- 3 -

�ANTWORT: Ich glaube nicht, daß sich daraus Probleme ergeben müssen,
denn man kann durchaus eine expansionistische Politik verfolgen, wenn man
dies auf eine kluge Weise tut, die den inflationistischen Druck nicht erhöht. Das Ziel der Carter-Administration für 1977 war eine Beschleunigung der
Wachstumsrate auf etwa 5,75 bis 6 Prozent für 1977 und eine Aufrechterhaltung
des Wachstums 1978 in einer Größenordnung von 5 Prozent. So wie wir einer
vollen Ausnutzung unserer Ressourcen näherkommen, wird unsere Wachstumsrate
weiter zurückgeschraubt werden müssen, aber gegenwärtig sind wir nicht in
Gefahr, durch die Aufrechterhaltung der Wachstumsrate unserer Wirtschaft für
1977 eine überschüssige Nachfrage zu schaffen.
FRAGE: Es wird immer wieder von der Notwendigkeit gesprochen, Maßnahmen
zum Abbau der strukturellen Unzulänglichkeiten der Arbeitsmärkte zu ergreifen,
damit die Arbeitslosigkeit durch andere Mittel gesenkt werden kanr

als nur

durch di( Stimulierung der Wirtschaft. Sehen Sie große Möglichkeiten für
einen Fortschritt in dieser Richtung?
ANTWORT: Ich glaube, wir sind uns alle einig, daß wir auf diesem Gebiet
mehr tun müssen als bisher. Leider waren frühere Bemühungen, das Funktionieren
der Arbeitsmärkte zu verbessern, nicht besonders erfolgreich. Wir haben in
unserem Land eine Menge Geld für Ausbildungsförderungsprogramme ausgegeben,
und wir hatten keinen merklichen Erfolg damit. Wir müssen bessere Mittel
und Wege finden, um dieses Problem zu lösen, und die Administration prüft
diese Angelegenheit derzeit sorgfältig.
FRAGE: Glauben Sie, daß die Vereinigten Staaten mit Hilfe von Indexierung
oder anderer Mittel mit einer stetigen Inflationsrate leben können?
ANTWORT:

Es wäre ein riskantes Spiel, wenn man zu der Entscheidung

käme, daß man mit 6 oder 7 oder 8 Prozent Inflation leben könnte - und dann in
institutionellen Vereinbarungen all die Dinge zu verankern, die es einem
nicht nur erlauben, sondern einen sogar zwingen könnten, mit der Inflation
zu leben. Damit würde man die inflationären Erwartungen nur noch schüren,

- 4 -

�schüren, denn man würde der Öffentlichkeit den Eindruck vermitteln, daß die
Regierung die Hoffnung aufgegeben habe. Das würde das Inflationsproblem nur
verschärfen. Man könnte natürlich rein akademisch sagen, daß Indexierung helfe
könnte, mit der Inflation zu leben. Aber in der realen Welt wäre es höchst
unklug, wenn die Regierung in diese Richtung ginge.
FRAGE: Was wäre eine tragbare Inflationsrate? Welches wäre ein vernünftiges langfristiges Ziel für die Regierung?
ANTWORT: Die Regierung muß natürlich eine möglichst niedrige Zahl anstreben. Man darf der Öffentlichkeit natürlich nicht sagen, daß man mit
6 Prozent oder mit 5 Prozent oder mit 4 Prozent zufrieden wäre. Wenn man sich
erst mit einer bestimmten Inflationsrate zufrieden gibt, dann weckt man
Erwartungen, und dann wird es fast unmöglich sein, unter diese Inflationsrate zu kommen. Und dann wird man in Zeiten, in denen politische Fehler
gemacht werden, oder eine neue Lebensmittelknappheit eintritt oder eine neue
öl Preiserhöhung kommt, dazu neigen, die Inflationsrate über die Minimalrate
hinaus zu beschleunigen, und dann wird man kaum je wieder herunterkommen.
Ich halte es für die einzig praktikable Lösung, daß sich die Regierung ein
Ziel von fast Null setzt und hart arbeitet, um diesem Ziel so nahe wie
möglich zu kommen.
FRAGE: Können Sie sich vorstellen, daß die Angebotsseite eine wichtige
Rolle bei der Bekämpfung der Inflation spielen könnte?
ANTWORT: Unbedingt! Das im April bekanntgegebene Anti-Inflationsprogramm
des Präsidenten enthielt Maßnahmen auf der Angebotsseite. Zu diesen Maßnahmen
zur Verstärkung des Angebots sollten Maßnahmen zur Erhöhung der Herstellungskapazität, vor allem in den Schlüsselindustrien, gehören, damit keinerlei
Engpässe und kein Preisdruck auftreten, wie das 1973 und 1974 geschah. Und
dazu gehören auch Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität.
FRAGE: Nehmen wir einmal an, die Organisation öl exportierender Länder

�Länder (OPEC) erhöht die ölpreise in den nächsten Jahren erneut. Wie könnten
wir damit fertig werden?
ANTWORT: Wir können damit fertig werden, wenn wir unsere Abhängigkeit
von ausländischem öl verringern, und ich glaube, das wird uns gelingen. In
den nächsten fünf bis sieben Jahren wird die Fähigkeit der OPEC, die ölpreise im Verhältnis

zu den anderen Preisen anzuheben, stark eingeschränkt

sein. Die Energieeinsparungsmaßnahmen, die seit 1974 in den Vereinigten
Staaten und in anderen Ländern eingeführt worden sind, haben das Verhältnis
von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt bereits beträchtlich verändert.
Ich glaube, es würde der OPEC im Augenblick schwerfallen, den ölpreis sehr
viel höher zu treiben.
.

•

•

.

FRAGE: Wenn man von Inflation spricht, dann kommt die Rede immer auf
Kontrollen - entweder formale Kontrollen oder mehr lockere Empfehlungen oder
zwanglose Ermahnungen. Was halten Sie von dieser Methode?
ANTWORT: Gesetzliche Kontrollen, wie sie in unserem Land von 1971 bis
Anfang 1974 praktiziert wurden, funktionieren nicht - das wissen wir. Womit
wir damals Schluß machten, war, den Preisdruck zu unterdrücken, der sich
dann über alles ergoß, als die Preiskontrollen aufgehoben wurden. Wir
machten auch Schluß mit der schweren Verzerrungen in der Verteilung der
Ressourcen. Wir hegen noch immer die Hoffnung, daß es möglich sein wird,
freiwillige Obereinkünfte zu erreichen, die zur Linderung des inflationistischen Drucks beitragen.Die Administration hat auf ganz formeller Basis
einen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuß ins Leben gerufen, der von Zeit zu
Zeit zusammenkommt, um Verfahren auszuarbeiten, die einer Mäßigung auf der
Preisseite und auf der Lohnseite dienen. Ob das auf die Dauer erfolgreich
sein wird, wissen wir nicht. Wir halten es jedoch für wichtig, es zu versuchen.
Die Gewerkschaftsführer sind sich darüber im klaren, daß ein zu rascher
Anstieg der Lohnraten ein Problem aufwirft. Die Unternehmer sind sich
darüber im klaren, daß ein zu rascher Preisanstieg ein Problem aufwirft. Wenn
- 6 -

�Wenn man erst die Probleme des jeweils anderen erkannt hat, dann bietet
sich auch eine Basis für vernünftige Verhandlungen.
FRAGE: Welche Auswirkungen werden Einfuhrquoten und "Marktregelungsabkommen" auf die Inflation in den Vereinigten Staaten haben?
ANTWORT: Die bisherige Entwicklung war etwas beunruhigend, da man
fürchten muß, Präzedenzfalle zu schaffen. Aber was sich in der Praxis in der
Schuhindustrie oder bei Fernsehempfängern abgespielt hat, wird für sich allein
keine wesentlichen Auswirkungen auf die Preise haben. Wenn wir jedoch in
Richtung auf einen Protektionismus viel weiter gehen, dann können wir mit
Vergeltungsmaßnahmen im Ausland rechnen. Ein wesentlicher Ruck zum Protektionismus wäre nicht nur im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Inflation
höchst unglücklich, sondern auch hinsichtlich einer effektiven Nutzung der
Ressourcen weltweit gesehen. Er wäre hinsichtlich der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit eine kostspielige Sache.
FRAGE: Ist das der Standpunkt der Carter-Administration?
ANTWORT: Ganz sicherlich. Diese Administration hat eine ganz klare
Meinung, daß wir einen freieren internationalen Handel wollen. Aber einem
freieren internationalen Handel näherzukommen, ist außerordentlich schwer,
wenn - wie dies gegenwärtig der Fall ist - die Weltwirtschaft weitgehend
unter einer Flaute leidet. Hier in den Vereinigten Staaten und in anderen
Ländern werden Forderungen nach Protektionismus laut. Wir müssen diesen
Forderungen mit aller Kraft widerstehen.
FRAGE: Trägt das gegenwärtige Wechselkurssystem zur Inflation bei?
ANTWORT: Ich glaube das eigentlich nicht. Man hat argumentiert, daß ein
flexibles Wechselkurssystem die Disziplin eines festen Wechselkurses für
die Währungs- und Fiskalpolitik aufhebe. Aber wenn ich an die früheren Jahre
der festen Wechselkurse zurückdenke, dann erinnere ich mich, daß eine ganze

- 7 -

�ganze Reihe von Ländern eine hohe Inflationsrate aufzuweisen hatte und
daß sie taten, was sie tun mußten, nämlich ihre Währungen abzuwerten. Ich
betrachte die hohen Steigerungsraten des Geldumlaufs und die aggressive
Fiskalpolitik Anfang der siebziger Jahre keineswegs einfach als eine Folge
des flexiblen Wechselkurssystems. Ich glaube, man hat manche Dinge falsch
beurteilt, und diese Fehlurteile werden jetzt berichtigt. Wie ich sehe, wird
heute auf der ganzen Welt eine sehr viel vorsichtigere und klügere Politik verfolgt.
FRAGE: Aus dem, was Sie gesagt haben, glaube ich, Ihre Auffassung zu
erkennen, daß ein Großteil des Kampfes gegen Inflation eine psychologische
Angelegenheit ist - Senkung der inflationären Erwartungen - und daß, solange
diese Erwartungen nicht gesenkt werden, die Inflationsrate nicht gesenkt
werden kann.
ANTWORT: Das ist wohl richtig, aber inflationäre Erwartungen werden
gesenkt, indem man eine angemessene Politik verfolgt. Es gibt zwei Dinge,
die wesentlich sind; beide würden zu einer Mäßigung der inflationären Erwartungen beitragen. Das eine ist die Aufrechterhaltung der richtigen Umwelt
der Währungs- und Fiskalpolitik. Das zweite ist der Ausbruch aus dem endlosen Kreis der Lohnerhöhungen, die zu Preiserhöhungen führen, die wiederum
die Löhne hochtreiben. Wir haben noch keine Methode dafür gefunden. Vielleicht
wird der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuß einen gangbaren Weg finden. Ich
hoffe das sehr, denn die Bewältigung des Inflationsproblems ist eine ganz
entscheidende Aufgabe, wenn diese Administration bis 1981 ihr Ziel der Vollbeschäftigung erreichen will. Wenn die Inflation wieder anfängt zu kochen,
dann haben wir das ganze Spiel verloren. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren uns, daß man wirklich in Schwierigkeiten ist, wenn die Inflation
erst wieder in Fahrt kommt. Dann legt man die Saat für eine neue Rezession.

+ + + + +

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�Uli//en/chaft
miü Technik
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30. November 1977

BRUCHFESTES GLAS ZUM EINKAPSELN VON ATOMMÜLL

(AD). - Neuartige Glasmassen für die sichere Verpackung von stark
radioaktiven Abfällen haben die Physikprofessoren Dr. Theodore Litovitz,
Dr. Peoro Macedo und Dr. Joseph Simmons von der Katholischen Universität
der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington entwickelt. Die als Einschlußmaterial verwendeten Gläser in Stabform halten hohe Radioaktivität
für einen sehr langen Zeitraum zurück - man schätzt, für mindestens eine
Million Jahre. Die bisher zum Einkapseln radioaktiver Abfälle versuchsweise
verwendeten Gläser garantieren dies nur für ca. 1 000 Jahre.
Die Festigkeit der neuen Glasmassen entspricht etwa der des Stahls. Sie
sind poröser als gewöhnliches Glas, so daß sie die radioaktiven Stoffe gut
absorbieren können. Ist die Einschlußmasse mit nuklearen Abfällen gesättigt,
wird sie erhitzt. Dabei konzentrieren sich die radioaktiven Stoffe in der
Mitte des Glasstabs, der an der Außenseite eine Auflage aus reinem, nichtporösem Glas erhält.
Wie die drei

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Wie die drei Wissenschaftler erklären, können diese Glasstäbe sicher
in Salzbergwerken gelagert werden, wohingegen die bisher angewandten Methoden
zur Zwischen- oder Endlagerung nuklearer Abfälle in ehemaligen Salzbergwerken keine zufriedenstellende Lösung bedeuten. Außerdem sei es möglich, die
Glasstäbe, die noch eine schwache Strahlung abgeben, für praktische Zwecke
wie Abwasserbehandlung oder Konservierung von Nahrungsmitteln zu verwenden.
Dadurch würden teure und keineswegs immer sichere Präparate zur chemischen
Behandlung überflüssig.

+ + + + +

�1
I

Wi//en/chaft
und Technik
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31

30. November 1977

EINE NEUE SPUR FÜR DIE ENTWICKLUNG IRDISCHER LEBENSFORMEN
Amerikanische Wissenschaftler identifizieren Methanbakterien als
möglicherweise älteste Organismen

(AD). - Eine bestimmte Art von Mikroorganismen, die hauptsächlich von
Kohlendioxid und Wasserstoff leben und Methan als Stoffwechselprodukt abgeben, könnten möglicherweise die älteste Form von Leben auf der Erde
darstellen. Man hatte sie bisher den gewöhnlichen Bakterien zugerechnet,
was jedoch falsch ist. Zu dieser Ansicht kamen Dr. Carl R. Woese, Professor
der Genetik und Entwicklungsbiologie, und Dr. Ralph S. Wolfe, Professor
der Mikrobiologie, an der Universität von Illinois in Urbana nach mehrjährigen Forschungen, bei denen in den unwirtlichsten Gebieten der Erde,
in Eis-, Stein- und Sandwüsten, nach Anzeichen für Leben und Möglichkeiten
für das überleben von primitiven Organismen gesucht wurde. Die Arbeiten
wurden von der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) und der Weltraumbehörde NASA finanziert, die sich vor allem im Hinblick auf mögliche Lebensformen außerhalb der Erde, etwa auf anderen Planeten unseres Sonnensystems,
an dem Projekt beteiligte.
Die methanproduzierenden Mikroorganismen, die als "Methanobacteria
thermoantotrophica" bezeichnet werden, fand man nur an Orten, wo es kr:nen

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�keinen Sauerstoff gibt

beispielsweise in sehr großer Tiefe in den heißen

Quellen des Yellowstone-Parks, Manche scheinen bei Temperaturen zwischen
65 und 70 Grad Celsius am besten zu gedeihen. Es hat den Anschein, daß es
sich um Überbleibsel aus einer mehr als vier Milliarden Jahre zurückliegenden
Zeit in der Erdgeschichte handelt. Die Organismen geben brennbares Methangas als wichtigstes Stoffwechselprodukt ab und beziehen Energie und Nahrung
aus einfachen Substanzen wie Kohlendioxid und Wasserstoff - Gasen also, die
in der primitiven Atmosphäre der jungen Erde vor vier bis drei Milliarden
Jahren vorherrschend waren. Sauerstoff, den es in der Uratmosphäre nicht
gab, brauchen sie nicht, ebensowenig kompliziertere Verbindungen wie Zucker
und Aminosäuren, die die meisten anderen Organismen als Nahrung benötigen.
Nach Dr. Woese dürfte sich dieser Typ von Mikroorganismen schon während
der ersten Jahrmilliardr in der Frühgeschichte der Erde entwickelt haben.
Fossile Spuren gibt es von ihnen nicht, weil damals die Erdkruste noch nicht
erstarrt war, Nach Meinung der Wissenschaftler könnte die Entdeckung jedoch
Hinweise auf eine der bisher unbekannten Phasen der Evolution geben - eine
Phase, die der Entwicklung von Leben, wie wir es kennen, unmittelbar vorausging. Die Erkenntnisse darüber sind noch sehr lückenhaft.
Wie Dr. Woese erklärte, repräsentieren die jetzt analysierten Mikroorganismen eine Linie der Evolution, die von den zwei bisher bekannten Linien den "höheren Formen" tierischer und pflanzlicher Lebewesen und den "niederen
Formen" der Bakterien - völlig getrennt ist. Die traditionelle Zweiteilung
gründet sich letztlich auf die Hypothese, daß alles Leben auf der Erde auf
einen gemeinsamen Stamm, vermutlich eine einfache Zelle, zurückzuführen sei,
von der sich vor fast vier Milliarden Jahren die beiden Entwicklungslinien
abzweigten. Noch älter als diese"Stammzellen" dürften jedoch die Methanbakterien
sein.
Trotz des Fehlens fossiler Spuren für primitive Formen von Leben vermag
heute die Wissenschaft Evolutionslinien aufzuspüren, weil die lebende Zelle

- 2 -

�Zelle in ihren Genen gewisse f'erkmale 6er biologischen Vergangenheit enthält.
In der. letzten drei Jahrzehnten wurden verfahren entwickelt, mit denen solche
genetischen "Urtexte" teilweise entziffert werden können. Besonders aufschlufreich war bei den Methanbakterien die Zusammensetzung der Ribosomen-RNS
(RNS - inbonukleinsa'ure, Bestandteil aller selbständig existierenden und
re;roduktionsfähigen Systeme). Sie bildet die Hauptbausteine der Riboscmen,
jener', kugelförmigen Partikeln innerhalb der Zelle, welche die "Botschaften"
6er Gene aufnehmen und dementsprechend Proteine aufbauen. Ribosomen-RNS
gelten als sehr alte Komponenten, die noch Teile 6er primitiven Replikationssysteme enthalten. Deshalb eionen sie sich besonders gut für Vergleichsstudien.
Professor 'v'oese und seine Kitarbeiter stellten Im Ver'aui" ihrer Analysen
/ergleiche mit den Zeller. aller nur erdenklichen Mikroorganismen und "höherer"
Lebewesen an. Unter anderem wurde Ribosomen-RNS von Mrthanbakterien mit
Enzymen in kleine Einheiten aufgespalten und deren molekulare Sequenzen bestimmt.
Beim Vergleich mit den Sequenzen der KontrollOrganismen trat der große Unterschied zu deren Ribosomen-RNS besonders deutlich in Erscheinurg.
Wie Professor Woese erklärte, gibt diese Entdeckung Anlaß zu neuer Hoffnung,
6v.^ die Wissenschaft eines Tages die Entstehung von Leben auf der Erde in allen
Phasen verde erklären können. Auch sei man jetzt besser als zuvor in der Lage,
Lebensformen zu verstehen und aufzufinden, die sich außerhalb der Er - in
unserem Sonnensystem oder in noch weiter entfernten Bereichen entwi kelt haben
könnten.

+ + + + +

- 3 -

�m .lau
TPm

Information
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31

30. November 1977

"REHABILITATION USA"
Eine Ausstellung von therapeutischen und orthopädischen Hilfen
für Behinderte in Paris

Es gibt nach jüngsten Schätzungen auf der Welt rund 475 Millionen
Behinderte. Sie mit orthopädischen und anderen Hilfsmitteln zu versorgen,
die ihnen das Dasein erleichtern i'nc' zu einem möglichst "normaler" '.eben
verhelfen, wird heute in vielen Ländern und vor allem auch in den Vereinigten
Staaten als ein dringendes Problem angesehen.
In den Vereinigten Staaten befassen sich immer mehr gewerbliche und
industrielle Unternehmen mit der Entwicklung immer neuer und besserer Hilfsmittel für Behinderte. Einen Überblick über deren Leistungsfähigkeit zu geben,
ist. Zweck der Ausstellung "Rehabilitation USA", die vom 25- bis 2£ April 1978
im "U.S. Trade Center" in Paris gezeigt werden wird. Die Ausstellung, an der
sich nahezu 40 amerikanische Herstellerfirmen beteiligen, ist mit einem
Seminar verbunden, in dem sich Ärzte, der Fachhandel unc Interessenten über
die wichtigsten Neuerungen auf diesem Gebiet der Rehabilitation und Wiedereingliederung Behinderter in den Arbeitsprozeß informieren können.
Im Rahmen der Ausstellung werden u.a. Lehr- und Trainingshilfen für die

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�für die Sprechausbildung von Tauben, beschäftigungstherapeutische Geräte,
Prothesen und andere orthopädische Hilfen, Apparate für den Transport und
das Heben von bewegunsunfähigen Patienten sowie Neuheiten auf dem Gebiet der
physikalischen und krankengymnastischen Therapie gezeigt werden. Aus der
Fülle der neuen Produkte seien hier lediglich einige als besonders interessant
anzusehende Hilfsmittel herausgegriffen.
Eine echte Lebenshilfe für Blinde dürfte ein neues elektronisches Lesegerät von der Größe eines kleineren Kassettenrekorders werden, das mit Hilfe
eines Streichholzschachtel großen Sensors gedruckte Texte abtastet und in
Schwingungen umsetzt, die Blinde nach einiger Übung mühelos mit einem Finger
"erfühlen" und damit "lesen" können. Das Gerät vermag selbst handschriftliche
Texte zu erfassen, sofern sich der Schreiber einigermaßen an eine vorprogrammierte
Norm hält. Ein weites Betätigungsfeld eröffnet blinden Büroangestellten ein
neuer Sprech-Taschenrechner, der eingegebene Zahlen, Rechenbefehle und deren
Ergebnisse mit Sprechstimme ansagt. Das Gerät, das bequem in einer Hand Platz
findet, verfügt über ein Vokabularium von 24 Wörtern,die in jeder beliebigen
Sprache "einprogrammiert" werden können.
Für schwer Sehgeschädigte wurde ein Video-Lesegerät entwickelt, das Textzeilen bis zu 15mal vergrößert auf einem Bildschirm wiedergibt.
Für Taube wird man in Parir eine Art Fernschreib-Telefon zeigen, das an das
Telefonnetz angeschlossen wird und eingetippte Botschaften an das angewählte
Gegengerät weiterleitet, so daß ein schriftlicher Dialog möglich wird.
Breiten Raum wird in der Ausstellung die Abteilung Transportgeräte und hilfen einnehmen. Neben normalen Hand- und Motorroll stuhlen wird ein Krankenfahrstuhl mit zusätzlichen Gummi-Gleisketten angeboten, die durch einfachen
Hebelgriff "eingeschaltet" werden können und das Fahrzeug treppengängig machen.
Ein anderes Motorfahrzeug für Gehbehinderte ist ein Dreirad mit Rol1 stuhl Plattform, dessen Rückfront als Auffahrtsrampe heruntergeklappt werden kann;
der Versehrte gelangt über die Rampe in das Gefährt, stellt den Rollstuhl fest
und kann nunmehr "vollmotorisiert" weiterfahren, da alle Bedienungsorgane
- 2 -

�Bedienungsorgane des Dreirades in unmittelbarer Reichweite seiner Hände
angeordnet sind. Ein schwenkbarer
Kleinbusse oder Kastenwagen

elektrischer Roll stuhlheber zum Einbau in

hebt den Versehrten im Rollstuhl auf die Pritschen-

ebene und schwenk ihn direkt auf den Beifahrerplatz, von dem er gegebenenfalls selbst auf den Fahrersitz rutschen kann. Ein elektrisch betriebener
Gurt-Heber, von einer Eisenschiene über dem Bett herabhängend und mit einem
Steuergerät ausgestattet, ermöglicht es Gelähmten, sich ohne fremde Hilfe vom
Rollstuhl aus ins Bett heben zu lassen.
Weitere Auskünfte über die Ausstellung und das Seminar erteilt auf Anfrage
das U.S. Trade Center, 123 Avenue Charles de Gaulle, F 92200 Neuilly.

- 3 -

�</text>
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