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3

Information
und

1

TP] {i/iiTTiiM
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

29

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache Präsident Carters zum Jahrestag der Menschenrechtserklärung
- Wortlaut Außenminister Vance umreißt Grundzüge der amerikanischen Europapolitik
- Ansprache vor dem Londoner Royal Institute for International Affairs

WIRTSCHAFT
Gute Aussichten für den US-Dollar und den US-Handel
- Interview mit dem Chefberater des US-Handelsministeriums

HINTERGRUNDMATERIAL
SALT 11 d i e n t de r n a t i o na 1 e n Sic h e r h e i t
- Von Senator Gary Hart -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Weltweite Untersuchungen zur Wetterforschung
- Zusammenarbeit von 149 Staaten Neue Forschungsergebnisse über "Legionärskrankheit'

Um Übei/endung von
ßckgcHcmplorcn wird
gebecen

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
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Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
13. Dezember 1978

29

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS ZUM JAHRESTAG DER MENSCHENRECHTSERKLÄRUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Ansprache am
6. Dezember 1978 anläßlich des 30. Jahrestages der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 das Engagement seiner Regierung für
die weltweite Einhaltung der Menschenrechte unterstrichen. Die Ansprache
des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Was ich heute zu sagen habe, ist im Grunde sehr einfach.

Ich habe es

schon viele Male gesagt. Aber es kann nicht oft genug, nicht nachdrücklich genug,nicht anhaltend genug gesagt werden.
Solange ich Präsident bin, wird die Regierung der Vereinigten Staaten weiterhin in der ganzen Welt für die Menschenrechte eintreten.
Keine
Macht der Welt kann uns von dieser Verpflichtung abhalten.
In dieser Woche begehen wir den 30. Jahrestag der Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Wir verschreiben uns erneut - nach

den Worten von Eleanor Roosevelt, die den Vorsitz im Menschenrechtsausschuß (der Vereinten Nationen) führte - der Allgemeinen Erklärung als

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�als "einer gemeinsamen Norm des Erfolgs für alle Völker aller Länder".
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte - und die Konventionen,
die aus ihr hervorgegangen sind - geben keine Beschreibung der Welt wie
sie ist.

Sie sind ein Leuchtfeuer - ein Richtstrahl in eine Zukunft der

persönlichen Sicherheit, der politischen Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit.
Für Millionen von Menschen auf dem ganzen Erdball ist dieses Leuchtfeuer noch sehr fern - mehr ein Lichtfunke an einem dunklen Horizont der
Entbehrung und Unterdrückung.

Die Berichte von Amnesty International, der

Internationalen Kommission der Juristen, der Internationalen Liga für Menschenrechte und vieler anderer privater Menschenrechtsorganisationen dokumentieren sattsam die Praktiken und Umstände, die Leben und Geist zahlloser Menschen vernichten.
Politischer Mord, Folter, willkürlicher und ausgedehnter Freiheitsentzug ohne Anklage oder Prozess - das sind die grausamsten und übelsten
Verletzungen der Menschenrechte.
Von allen Menschenrechten ist das wichtigste und grundlegendste, von
willkürlicher Gewalt frei zu sein - ob diese Gewalt von Regierungen, von
Terroristen, von Verbrechern oder von selbsternannten Heilsbringern ausgeübt wird, die unter dem Deckmantel der Politik oder der Religion handeln.
Aber weil die Regierungen über eine so viel größere Macht verfügen
als jeder einzelne, haben sie eine besondere Verantwortung. Die erste
Pflicht einer Regierung besteht darin, ihre Bürger zu schützen. Wenn Regierungen selbst willkürliche Gewalt gegen ihre Bürger ausüben, dann untergraben sie ihre eigene Legitimität.
Es gibt noch andere Verletzungen des Körpers und des Geistes, die
gleichermaßen zerstörerisch für das menschliche Leben sind.

- 2 -

Hunger,

�Hunger, Krankheit und Armut sind ebenso Feinde der menschlichen Existenz
wie eine Regierung, die ihre Bürger unterdrückt.

Das amerikanische Volk will, daß seine Regierung sowohl das menschliche Leiden lindert als auch die menschliche Freiheit stärkt.

Das ist der Grund warum ich - mit der Hilfe und der Ermutigung vieler
der hier Anwesenden - versucht habe, das Leuchtfeuer der Menschenrechte in
der amerikanischen Außenpolitik neu zu entzünden.

In den letzten zwei

Jahren haben wir versucht, diesen menschlichen Anliegen in unserer diplomatischen Tätigkeit und in der Erfüllung unserer internationalen Verpflichtungen als Nation Ausdruck zu verleihen.

Wir werden nicht schweigen, wenn in anderen Ländern die Rechte des einzelnen verletzt werden.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bedeu-

tet, daß kein Land den Mantel der Souveränität über Folter, das Verschwindenlassen von Menschen, amtlich sanktionierte Bigotterie oder die Zerstörung der Freiheit innerhalb ihrer Grenzen breiten kann.

Die Botschaft, die all unsere Vertreter im Ausland verkünden - ob sie
vom Außenministerium, vom Handelsministerium, vom Landwirtschaftsministerium
oder vom Verteidigungsministerium kommen - ist die, daß die Menschenrechte
für den Charakter unserer Beziehungen zu anderen Ländern eine Rolle spielen.

Bei der Verteilung der knappen Mittel unserer Auslandshilfeprogramme
werden wir demonstrieren, daß unsere tiefsten Bindungen zu Ländern bestehen, die sich einem demokratischen Weg der Entwicklung verschrieben haben.

Wir werden nicht zögern, gegenüber Regimen, die an umfassenden Verletzungen der Menschenrechte festhalten, unseren Abscheu zum Ausdruck zu
bringen - noch werden wir vorgeben, daß das unsere Beziehungen nicht berühre.

Ich
- 3 -

�Ich hoffe, daß der Kongreß im kommenden Jahr einen Schritt tun wird,
der seit einer Generation überfällig ist, nämlich die Ratifizierung der
Konvention über die Verhütung und Bestrafung von Völkermord,,

Auch die Konvention gegen den Völkermord wurde vor 30 Jahren von der
Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet - einen Tag vor der
Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Es war die

Bekräftigung der Welt, daß sie die Lehren der Katastrophe niemals vergessen wolle.

Leider ist der Völkermord keiner bestimmten geschichtlichen

Zeitspanne vorbehalten.

Die Völkermord-Konvention wurde von 83 Ländern ratifiziert.

Die Ver-

einigten Staaten haben dies - obwohl sich jeder Präsident seit 1948 dafür
eingesetzt hat - nicht getan.

Auf internationalen Konferenzen im Rahmen

der Vereinten Nationen und anderswo werden wir immer wieder gefragt, warum
nicht.

Wir haben darauf keine befriedigende Antwort.

Ich appelliere an den Senat der Vereinigten Staaten, diesen Jahrestag
auf die einzig angebrachte Art und Weise zu begehen:

nämlich durch die Ra-

tifizierung der Völkermord-Konvention zum frühest möglichen Datum.

Diese Maßnahme muß der erste Schritt auf dem Wege zur Ratifizierung
anderer Menschenrechtsverträge sein, einschließlich dessen, den ich vor
einem Jahr unterzeichnet habe.

Viele der hier vertretenen religiösen

Gruppen und Menschenrechtsgruppen haben einen Feldzug unternommen, um die
Öffentlichkeit über diese Konventionen aufzuklären.

Ich begrüße diese An-

strengungen.

Die Flüchtlinge sind die lebenden, heimatlosen Opfer der Unfähigkeit
unserer Welt, nach den Grundsätzen des Friedens und der Menschenrechte zu
leben.

Diesen Flüchtlingen zu helfen, ist einfach Menschenpflicht.

Als

Amerikaner - als ein Volk, das weitgehend aus Nachkommen von Flüchtlingen
besteht -,sind wir uns dieser Pflicht besonders deutlich bewußt.
Unser

�Unser Land wird alles in seiner Macht stehende tun, um das Elend
der gestrandeten Flüchtlinge aus Indochina und aus dem Libanon und der entlassenen Gefangenen aus Kuba und von anderswo zu lindern.

Ich hoffe, daß

wir immer bereit sein werden, mehr als nur unseren fairen Anteil an Flüchtlingen aufzunehmen, die vor rassischer, religiöser oder politischer Unterdrückung aus ihrer Heimat fliehen,,

Die Wirksamkeit unserer Menschenrechtspolitik ist heute eine unbestreitbare Tatsache.

Sie hat zu einer Atmosphäre des Wandels beigetragen, die

manchmal beunruhigend ist, die aber den Fortschritt auf vielerlei Weise und
an vielen Orten gefördert hat.
gene freigelassen worden.
nachgelassen.

In einigen Ländern sind politische Gefan-

In anderen hat die Brutalität der Unterdrückung

In wieder anderen ist eine vorher nicht feststellbare Entwick-

lung in Richtung demokratischer Institutionen oder der Herrschaft des Rechts
eingetreten.

Jenen, die unsere Verpflichtung anzweifeln, sage ich:

Fragt die Opfer,

fragt die Flüchtlinge, fragt die Regierungen, die Repression ausüben.

Ob

in Kambodscha oder Chile, ob in Uganda oder Südafrika, in Nicaragua, in
Äthiopien oder in der Sowjetunion - alle Regierungen wissen, daß wir um die
Menschenrechte bemüht sind - und nicht ein einziger von denen, die praktisch Risiken oder Leiden wegen der Menschenrechte auf sich nehmen, hat uns
gebeten, unsere Bemühungen zu unterlassen.

Aus den Gefängnissen, den Ar-

beitslagern und von den Verbannten hören wir nur eine einzige Botschaft:
Schweigt nicht, haltet an euren Bemühungen fest und verschafft der Stimme
der Freiheit Gehör.

Ich bin stolz, daß unsere Nation für mehr einsteht als für militärische
Macht und wirtschaftliche Kraft.

Sie steht ein für die Ideale, die ihren

Niederschlag finden in den Hoffnungen der Bauern in Lateinamerika, der Arbeiter in Osteuropa, der Studenten in Afrika und der Landbevölkerung in
Asien.
Wir
- 5 -

�Wir leben in einer schwierigen komplizierten Welt - in einer Welt,
in der der Friede praktisch das überleben bedeutet.

Unsere Außenpolitik

muß dieses Faktum in Rechnung stellen. Häufig entfernt uns eine Entscheidung, die uns einem unserer Ziele näher bringt, weiter von einem anderen
Ziel.

Selten lassen es die Gegebenheiten zu, Maßnahmen zu ergreifen, die

für alle zufriedenstellend sind.
Aber ich möchte noch einmal zum Ausdruck bringen, daß die Menschenrechte nicht am Rande der Außenpolitik der Vereinigten Staaten stehen.
Unsere Menschenrechtspolitik ist nicht nur reines Dekor. Mit ihr wollen
wir weder unser Image aufpolieren, noch wollen wir damit der diskreditierten Politik der Vergangenheit einen frischen moralischen Anstrich geben.
Wenn wir uns für die Menschenrechte einsetzen, dann aus dem breit angelegten Bemühen heraus, unsere große Macht und unseren Einfluß für die
Schaffung einer besseren Welt einzusetzen - einer Welt, in der die Menschen
in Frieden und in Freiheit leben können und in der ihren grundlegenden Erfordernissen in angemessener Weise entsprochen wird.
Die Menschenrechte sind das Kernstück unserer Außenpolitik, weil sie
das Kernstück dessen sind, was wir unter einer nationalen Gemeinschaft
verstehen.
Zum größten Teil werden andere Nationen durch eine gemeinsame rassische
oder ethnische Abstammung zusammengehalten, durch einen gemeinsamen Glauben
oder Religion oder durch Bindungen an das eigene Land, die viele Jahrhunderte zurückreichen. Einige Nationen werden zusammengehalten durch die Gewalt
einer tyrannischen Regierung.
Wir sind anders, und ich glaube, daß wir glücklicher dran sind.
Als Volk kommen wir aus jedem Land und aus jedem Winkel dieser Welt.
Wir hängen zahlreichen Religionen und Glaubensbekenntnissen an. Wir ent-

- 6 -

�entstammen jeder Rasse, jeder Hautfarbe und haben jeden ethnischen und kulturellen Hintergrund.

Wir sind zurecht stolz auf diese Dinge sowie auf den

Reichtum, die sie dem Gewebe unseres nationalen Lebens gewähren.

Aber dies

sind nicht die Dinge, die uns als Volk vereinigen.

Was uns vereinigt, was uns zu Amerikanern macht, ist der gemeinsame
Glaube an den Frieden, an eine freie Gesellschaft sowie das gemeinsame Eintreten für die Freiheiten, die unsere Verfassung enthält.

Dieser Glaube,

dieses Eintreten sind die Quellen für das Verständnis unserer nationalen
Gemeinschaft.

In einzigartiger Weise ist unsere Nation gegründet auf der

Idee der Menschenrechte.

Aus unserer eigenen Geschichte wissen wir, wie

machtvoll diese Idee sein kann.

In der nächsten Woche begehen wir ein weiteres wichtiges Datum der
Menschenrechte - den Tag der Bill of Rights.
Worten Lincolns "in Freiheit konzipiert".

Unsere Nation wurde nach den

Aber es dauerte fast zwei Jahr-

hunderte, bis diese Freiheit zur Reife gelangte.

Fast während der ganzen ersten Hälfte unserer Geschichte wurden den
schwarzen Amerikanern selbst die grundlegendsten Menschenrechte verwehrt.
Fast während der ersten zwei Drittel unserer Geschichte
aus dem politischen Prozeß ausgeschaltet.

wurden die Frauen

Ihre Rechte und die der gebür-

tigen Amerikaner sind immer noch nicht verfassungsmäßig garantiert und durchsetzbar.

Selbst die Freiheit der Rede ist von Zeit zu Zeit im Verlaufe

unserer Geschichte bedroht gewesen.

Erst in den letzten zehn oder zwölf

Jahren haben wir das erreicht, was Pfarrer Theodore Hesburgh die "legale
Preisgabe von mehr als drei Jahrhunderten der Apartheit" genannt hat,und
der Kampf um die vollen Menschenrechte für alle Amerikaner - schwarz, braun
und weiß, männlich und weiblich, reich und arm - ist alles andere als vorüber.

Für mich wie auch für die meisten von Ihnen sind dies keine abstrakten
Dinge.

In dem ländlichen Georgia, wo ich aufwuchs, wurden der Mehrheit

- 7 -

�Mehrheit meiner Mitbürger zahlreiche Grundrechte verweigert - das Recht zu
wählen, das Recht frei und ohne Furcht zu sprechen, das Recht der gleichen
Behandlung unter dem Gesetz.

Ich habe aus erster Hand die Auswirkungen

eines Systems der Beschneidung der Rechte erlebt.

Ich habe den Mut jener

Menschen miterlebt, die sich diesem System entgegenstellten.

Und schließlich

erlebte ich die auf eine Beseitigung dieser Mißstände abgestellten Energien,
die freigesetzt wurden, als meine Heimat aus der Dunkelheit herausschritt
und in die Zeit eintrat, die Hubert Humphrey im Jahr der Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte den "hellen Sonnenschein der Menschenrechte" nannte.
Die amerikanische Bill of Rights ist 187 Jahre alt.

Und in jedem die-

ser 187 Jahre war man darum bemüht, sie zu einer Realität werden zu lassen.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist nur 30 Jahre alt.

In

der geschichtlichen Perspektive ist die Idee der Menschenrechte gerade erst
angesprochen worden.
Ich ziehe diesen Vergleich nicht heran, um zur Geduld zu mahnen. Ich
ziehe ihn heran, weil ich auf Standhaftigkeit und auf verpflichtenden Einsatz drängen möchte.
Vor 187 Jahren war die Bill of Rights, was die meisten Amerikaner anbetraf, ein Dokument der Verheißungen. Es gab keine Garantie dafür, daß diese
Verheißungen auch verwirklicht werden würden. Wir haben sie nicht dadurch
verwirklicht, daß wir darauf warteten, daß die Geschichte ihren unvermeidbaren
Lauf nahm. Wir haben sie verwirklicht, weil viele Opfer brachten. Wir haben
sie verwirklicht, weil wir Standhaftigkeit und Ausdauer bewiesen.
Für Millionen Menschen in aller Welt ist die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte immer noch eine Erklärung der Hoffnungen.
Wie
- 8 -

�Wie alle von Ihnen wünsche ich, daß sich diese Hoffnungen erfüllen.
Der Kampf um ihre Erfüllung wird länger anhalten, als jeder von uns leben
wird; ja,so lange wie die der Menschheit selbst.
Aber wir müssen durchhalten und standhaft bleiben.
Und wir müssen damit anfangen, sicherzustellen, daß unser Land, das wir
so sehr lieben immer in der vordersten Front derjenigen steht, die für die
große Hoffnung, den großen Traum der Menschenrechte kämpfen.

+ + + + +

- 9 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

13. Dezember 1978

AUSSENMINISTER VANCE UMREISST GRUNDZÜGE DER AMERIKANISCHEN
EUROPAPOLITIK
Ansprache vor dem Londoner Royal Institute for International Affairs

LONDON - (AD) - Außenminister Cyrus R. Vance hat am 9. Dezember 1978
in einer viel beachteten Ansprache in London die Grundzüge der amerikanischen
Europapolitik aufgezeigt und die enge Partnerschaft zwischen den USA und
Europa unterstrichen. Der amerikanische Außenminister hatte auf seiner
jüngsten Reise nach dem Nahen Osten in London Zwischenstation gemacht
und sprach vor dem Royal Institute for International Affairs des renommierten
Chatham House.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Mr. Watt, Mitglieder des Instituts:
Fast sechzig Jahre lang war das Chatham House ein Anreiz und richtungsweisend für die Kreativität der westlichen Gesellschaften. Ich begrüße
die Gelegenheit, heute mit Ihnen einige Gedanken darüber austauschen zu

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�zu können, wie die Partnerschaft zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten - der Grundpfeiler unseres wastlichen Erbes - kreativ und effektiv
auf die Herausforderungen der Zeit, in der wir leben, reagieren kann.

EINLEITUNG
Vor mehr als drei Jahrzehnten gingen die Vereinigten Staaten und
die Nationen Westeuropas gemeinsam daran, einen zerstörten Kontinent
wieder aufzubauen und ein militärisches Bündnis zum Schutze der Freiheit
zu errichten.
Auf beiden Seiten des Atlantik hatten diejenigen, die den Marshallplan gestalteten und an der Schaffung der NATO arbeiteten, die Vision
eines starken Amerikas und eines starken Europas, die durch gemeinsame
Interessen aneinander gebunden waren.

Aus dieser Vision heraus schufen

sie eine sich selbst erneuernde Partnerschaft, die aus der kontinuierlichen
Vitalität der Werte und Hoffnungen erwuchs, die wir teilen.
Während der siebziger Jahre haben wir eine außerordentlich schwierige
Zeit durchmachen müssen.
glücklich passiert.

Aber wir haben diese turbulenten Gewässer

Obwohl der vor uns liegende Kurs immer noch große

Forderungen an uns stellt, sollte uns der von uns erzielte Fortschritt
großes Vertrauen in unsere Zukunft geben.
-

Zum ersten Male in der Geschichte des Bündnisses sind alle NATOMitglieder Demokratien.

-

Die NATO ist stark und wird stärker.

-

Wir haben nicht nur dem schlimmsten protektlonistisehen Druck 1n

- 2 -

�in einer Generation Widerstand geleistet, sondern wir arbeiten
darüber hinaus zusammen, um ein gesünderes und offeneres Welthandelssystem zu schaffen.
-

Wir haben einen Rahmen engerer Konsultationen über wirtschaftliche
und sicherheitspolitische Fragen geschaffen als je in der jüngsten
Geschichte.

-

Die europäische Integration macht Fortschritte und bestätigt unsere
Überzeugung, daß ein starkes Europa gut für ein starkes Amerika ist.

-

Und wir bewegen uns auf normalere Beziehungen zu den Ländern
Osteuropas zu. Die Fortschritte auf dem Wege zu diesem Ziel
spiegeln sich wider in unserer Unterstützung der vollen Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki und in der Anerkennung
der Souveränität und der Unabhängigkeit der Nationen dieses
Raumes.

Heute möchte ich mit Ihnen darüber sprechen, wie wir - aufbauend
auf dieser Grundlage - weiterhin unsere gemeinsame Sicherheit gewährleisten und einen gesunden Wiederaufschwung unserer Volkswirtschaften fördern
können.

Dies sind die dringlichsten Punkte auf unserer derzeitigen ge-

meinsamen Tagesordnung.
Aber wenn wir uns auf diese lebenswichtigen Anliegen konzentrieren,
die sich wie ein nicht abreißender Faden durch unsere Partnerschaft ziehen,
so zwingen uns unsere gemeinsamen Interessen doch auch, daß wir uns gemeinsam einer erweiterten internationalen Tagesordnung zuwenden. Denn
es gibt längerfristige Herausforderungen für unsere Sicherheit und unser
Wohlergehen, die ebenfalls unserer ernsthaften und anhaltenden Aufmerksamkeit bedürfen:
Wie werden

�-

Wie werden sich das internationale Wirtschaftssystem wie auch
unsere eigenen Volkswirtschaften den sich ändernden GefLigen des
Welthandels anpassen?

-

Wie können wir den zunehmenden Energieerfordernissen gerecht
werden, ohne das Risiko einer nuklearen Proliferation zu erhöhen?

-

Wie können wir zur Erfüllung der legitimen Sicherheitserfordernisse
der einzelnen Nationen beitragen, während wir doch gleichzeitig
vereinbarte Begrenzungen hinsichtlich des Anwachsens der konventionellen Waffenverkäufe anstreben?

-

Und wie können wir zu dem politischen Willen gelangen, jetzt in
bezug auf Fragen zu handeln, die eine tiefgehende Auswirkung auf
die Welt ausüben werden, die wir unseren Kindern hinterlassen Fragen wie das Bevölkerungswachstum und der Schutz der Umwelt.

An diesen Fragen wird unser Einfallsreichtum, unsere Ausdauer und
Beharrlichkeit in vollem Umfange gemessen werden.

Denn wir gehen an

alle diese Probleme innerhalb eines sich verändernden und pluralistischen
Systems heran - mit über 150 unabhängigen Ländern und neuer sich bildender
Machtzentren.

Kein

einzelnes Land oder Gruppe von Ländern kann für sich allein

Lösungen für diese komplizierten Probleme finden.

Sie sind in ihrem Ursprung

so wie in dem notwendig werdenden Umfang ihrer Lösungen wahrhaft international.
In zunehmendem Maße muß daher unsere führende Rolle darauf hinauslaufen,
andere Länder zur Zusammenarbeit mit uns hinsichtlich der Ziele, die wir
teilen, und die am besten gemeinsam gelöst werden können, zu inspirieren.
Und bei jeder dieser Fragen blicken wir auf unsere europäischen Verbündeten
als einen Kernpunkt, um den herum wir diese kooperativen Anstrengungen
aufbauen müssen.
Unsere Fähigkeit

�Unsere Fähigkeit, sich dieser weitgefaßten Tagesordnung zuzuwenden,
wird von der entscheidend wichtigen Kraft unserer Partnerschaft - und
insbesondere von unserer wirtschaftlichen und militärischen Stärke abhängen.

WIRTSCHAFTLICHE SICHERHEIT FÜR UNSERE VÖLKER
Für die meisten unserer Länder ist heute die dringendste Forderung,
unsere Volkswirtschaften neu zu beleben und das Vertrauen in unser wirtschaftliches System wieder herzustellen.
Wenn die Wirtschaftsgeschichte der letzten fünf Jahre geschrieben
wird, dann ragen zwei wichtige Dinge heraus.
Die Vereinigten Staaten und Europa, ja, die demokratischen Industrieländer als Gesamtheit haben während der letzten 25 Jahre die schwersten
wirtschaftlichen Probleme erlebt.

Dazu gehören die drastischen Erhöhungen

der Weltölpreise und die Inflation, gefolgt von einer schweren Rezession
und großer Arbeitslosigkeit.
Und trotz dieser ernsthaften Probleme haben wir doch bei der Stärkung
unserer wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit Erfolge erzielt.
Anstatt in die psychologische Haltung des sich Bereicherns auf Kosten anderer
zurückzufallen, die in den dreißiger Jahren die Weltwirtschaft zerstörte,
haben wir neue und effektivere Mechanismen für ernsthafte, konzertierte
Aktionen geschaffen. Die Einrichtung periodischer Gipfelkonferenzen über
Wirtschaftsfragen, eine engere Zusammenarbeit zwischen den Währungsbehörden,
die Schaffung der Internationalen Energieagentur und eine aktivere OECD all diese Anstrengungen reflektieren das Vertrauen in unsere Fähigkeiten
und keine Verzweiflung angesichts von Schwierigkeiten.
Wir
- 5 -

�Wir verstärken unsere wirtschaftliche Koordinierung miteinander aus
einem einfachen Grunde:

Weil wir uns nämlich jetzt alle darüber im klaren

sind, daß die wirtschaftliche Gesundheit eines jeden von uns wichtig ist
für die

wirtschaftliche Gesundheit von uns allen.

auf Zeiten der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu.

Dies trifft insbesondere
Der Druck zum Schutz

der einheimischen Märkte vergrößert sich, die Konkurrenz nimmt zu, und
wir alle sind versucht, unsere individuellen Probleme auf Kosten unserer
Nachbarn zu lösen.

Aber gerade dann brauchen wir ein ganz besonderes

Gespür für die Auswirkung, die unsere Entscheidungen im eigenen Lande
auf andere im Ausland haben werden.

Wenn wir solche Entscheidungen ohne

genügende Berücksichtigung der Probleme anderer treffen, dann löst dies
nur Vergeltungsmaßnahmen sowie eine Spirale kompensierender Aktionen aus.
Alle von uns würden an Boden verlieren;

alle von uns wären schlechter

daran.

Als Ergebnis dieser Tatsachen sind wir uns alle ganz klar darüber,
daß wir nur durch die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie, zu der
alle Länder ihren Beitrag leisten, das Wohlergehen eines jeden einzelnen
Landes fördern können.
Eine solche Zusammenarbeit kann schwierig und frustrierend sein.
Die politische Unterstützung für harte wirtschaftliche Entscheidungen
im Inland vollzieht sich in Demokratien häufig nur langsam. In einigen
Fällen entsprechen die Ergebnisse nicht unseren Erwartungen, und wir
müssen unsere Anstrengungen verdoppeln. Aber die Maßnahmen eines jeden
von uns, im Verein mit einer größeren transatlantischen Kooperation,
haben die Vereinigten Staaten und andere Industrienationen auf den Weg
zu einem anhaltenden,nichtinflationären Wachstum gebracht. Der Erfolg
wird unsere Fähigkeit vergrößern, die Chancen für den einzelnen sowie
die soziale Gerechtigkeit zu erweitern, die die größte Stärke unserer
Demokratien darstellen.

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Die Vereinigten Staaten sind sich der Bedeutung einer starken und
lebensfähigen

amerikanischen Wirtschaft für die Schaffung größerer

wirtschaftlicher Sicherheit in Europa, Japan und in anderen Ländern der
Erde voll bewußt.

Was wir in Washington unternehmen, kann das Leben der

Bürger in London oder Rom nachhaltig beeinflussen, ebenso wie die
Entscheidungen anderer Regierungen die Wohlfahrt von Amerikanern berühren können.
Demgemäß wird die Binnenwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten
im Hinblick auf die wirtschaftlichen Interessen der Atlantischen Gemeinschaft
als einem Ganzen gestaltet.

Grundlage dieser Bemühungen sind die Zusagen,

die Präsident Carter auf dem Bonner Weltwirtschaftsgipfel vom vergangenen
Juli gegeben hat.

Er versicherte, daß die Vereinigten Staaten erhebliche

Anstrengungen unternehmen werden, die Inflation einzudämmen und eine
Energiepolitik zu betreiben, die die Abhängigkeit Amerikas von öl einfuhren
beträchtlich vermindern werde.

Wir treffen gegenwärtig spezifische Maß-

nahmen, um diese Zusicherungen zu erfüllen:
-

Am 24. Oktober verkündete Präsident Carter ein weitgefächertes
Programm zum Kampf gegen die Inflation.

Es schließt ein maßvolles

Vorgehen auf dem monetären Bereich, eine starke Verminderung der
Regierungsausgaben und vor allem auch Richtwerte für Lohn- und
Preissteigerungen ein.

Der neue Staatshaushalt des Präsidenten

wird ein sehr knapp bemessenes Plafond für öffentliche Ausgaben
festsetzen und das Haushaltsdefizit des Bundes auf weniger als
die Hälfte dessen von 1976 reduzieren.
Der Präsident hat entschieden darauf hingewiesen, daß die Eindämmung
der Inflation das wichtigste innenpolitische Ziel überhaupt ist.

Wir werden

in unseren diesbezüglichen Bemühungen solange fortfahren, bis wir dieses

�dieses Ziel erreicht haben.
-

Am 1. November haben wir ferner weitreichende Maßnahmen eingeleitet, um unsere Anstrengungen im Kampf gegen die Inflation zu
verstärken und den Dollar zu festigen.
starken Beschränkungen unterworfen.

Wir haben die Devisenmärkte

Die Vereinigten Staaten haben

sich ferner mit den drei wichtigsten Überschußländern - Deutschland,
Japan und die Schweiz - abgesprochen, ihre jeweiligen Direktinterventionen auf den Devisenmärkten aufeinander abzustimmen, um dem
übermäßigen Rückgang des Dollarwertes entgegenzuwirken.

Wir werden

tatkräftig und auf koordinierte Art und Weise mit anderen Ländern
zusammenarbeiten, um die Stabilität der Devisenmärkte zu gewährleisten.

Um ihren Anteil hieran zu finanzieren, werden die

Vereinigten Staaten den in der Geschichte einmaligen Betrag

von

30 Milliarden Dollar aufbieten, die gemeinsam mit den finanziellen Ressourcen

anderer Länder zu massiven Interventionen verwendet werden

sollen, falls dies zur Erreichung unseres Ziels notwendig sein
sollte.

Die Vereinigten Staaten haben darüber hinaus ihr Programm

zum Verkauf ihrer Goldvoräte intensiviert.
Wir rechnen damit, daß die grundlegenden Maßnahmen zur Verbesserung
der Wirtschaftsposition der Vereinigten Staaten, die inzwischen angelaufen
sind, einen anhaltenden positiven Einfluß auf den Dollar ausüben werden.
-

Am 9. November unterzeichnete der Präsident ein Gesetz, das die
Grundlage für eine gesunde amerikanische Energiepolitik abgeben
dürfte. Dieses Gesetz soll eine Einsparung bei den öl einfuhren
von rund 2,5 Millionen Barrel pro Tag bis 1985 in die Wege leiten.
Unsere Energiesituation ist ohnehin im Begriff, sich zu bessern.
Die amerikanischen Energiepreise nähern sich mehr und mehr dem
Weltniveau, und die Zunahme des Energieverbrauchs ist gegenwärtig
erheblich geringer als das Wachstum unseres Bruttosozialproduktes.
Wir sind

�-

wir sind gleichzeitig dabei, unser Zahlungsbilanzdefizit durch
ein umfassendes Exportförderungsprogramm zu vermindern.

Präsident Carter ist entschlossen, sich mit seinem ganzen politischen
Gewicht für Maßnahmen einzusetzen, die zur Lösung der Wirtschaftsprobleme
geeignet scheinen.

Sie finden gegenwärtig wachsende politische Unerstutzung.

Weder der Präsident noch der Kongreß oder das amerikanische Volk werden
sich zufrieden geben, wenn es uns nicht gelingt, erhebliche Fortschritte
im Kampf gegen die Inflation, in den Bemühungen um die Stärkung des Dollar
und in der Schaffung einer gesunden Energiewirtschaft zu machen.

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Wenngleich es vordringlichste Aufgabe eines jeden von uns ist, für
eine geordnete heimische Wirtschaft zu sorgen, müssen wir uns gleichzeitig gemeinsam um die Aufrechterhaltung unseres wirtschaftlichen Wachstums
bemühen.

AUSSENHANDEL
Es gibt keinen wichtigeren und entscheidenderen Test für unsere
Fähigkeit, uns um der Erreichung wirtschaftlicher Ziele willen zusammenzuschließen, als den erfolgreichen Abschluß der Multilateralen Handelsverhandlungen - noch in diesem Monat.
Während der letzten drei Jahrzehnte haben wir gemeinsam darauf
hingearbeitet, ein offeneres und besser funktionierendes Welthandelssystem zu errichten.

Nunmehr haben wir die Chance, den inzwischen erzielten

�erzielten Fortschritt zu konsolidieren und das Gefüge unserer Handelsbezeihungen weiter zu verbessern.

Im Zuge dieser Bemühungen können wir ein

Außenhandelsklima für die Zukunft schaffen, das von größerer Sicherheit
und Zuversicht gekennzeichnet ist - ein Klima, das eine fortgesetzte
Expansion des Welthandels möglich macht. Wenn wir dabei Erfolg haben, wird
dies allen wirtschaftliche Vorteile bringen. Wenn wir dabei scheitern,
wird dies den wirtschaftlichen Fortschritt, den wir bisher erzielt haben,
in Gefahr bringen.

Ein Scheitern würde die Inflation anheizen, das

wirtschaftliche Wachstum verlangsamen und es den Entwicklungsländern
schwerer machen, angemessen am Welthandel zu partizipieren.

Wenn wir da-

bei scheitern, gefährden wir des weiteren die politische Zusammenarbeit,
die wir unter großen Mühen zustandegebracht haben.
Eines der Hauptziele der Multilateralen Handelsverhandlungen besteht
darin, ein gemeinsam vereinbartes Rahmenwerk hinsichtlich der Gewährung
von Exportsubventionen und der Erhebung von Ausgleichszöllen zu schaffen.
Wenn unser Kongreß im kommenden Monat zusammentrifft, wird der Präsident
gesetzgeberische Maßnahmen zur Verlängerung seiner Befugnis zum Verzicht
auf Ausgleichszölle für den Zeitraum fordern, der für die Verwirklichung
der Vereinbarungen der Tokio-Runde erforderlich sein wird.

Wir werden

Maßnahmen ergreifen, um die zerstörerischen Nebenwirkungen zu vermeiden,
die sich aus dem Auslaufen der genannten Befugnisse am 3. Januar 1979
ergeben könnten.
Unsere Unterhändler in Genf werden darauf bedacht sein, die Erörterungen
noch im Verlaufe dieses Monats zu beenden.

Doch selbst wenn wir Fort-

schritte in Richtung auf ein offeneres und besser funktionierendes Welthandelssystem machen, müssen wir einen Rückfall in den Protektionismus
vermeiden, der alle diesbezüglichen Fortschritte unterminieren könnte.
In jedem Land werden unterschiedliche Gruppen auch weiterhin ihre Regierung auffordern, aus wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gründen
in das bestehende Handelssystem einzugreifen.

- 10 -

Unsere Länder sind sich

�sich der Bedeutung der Ablehnung von Forderungen bewußt, die eine wirksame
wirtschaftliche Anpassung an den Wandel behindern.

Unsere Erwiderung

auf derartige Forderungen muß innerhalb des wirtschaftlichen Rahmens
bleiben, den wir gemeinsam geschaffen haben.

Unsere Politik muß eine

positive Anpassung unserer Volkswirtschaften auf veränderliche Bedingungen
erleichtern;

sie darf sie nicht behindern oder die hieraus erwachsenden

Belastungen anderen aufbürden.

DIE EUROPÄISCHE INTEGRATION
über die unmittelbaren Erfordernisse zur Stärkung des Welthandelssystems hinausgehend haben wir alle ein grundlegendes Interesse an der
zunehmenden Rolle der Europäischen Gemeinschaft auf dem Gebiet der Weltwirtschaft. Wir in den Vereinigten Staaten bewundern den Weitblick
jener Männer und Frauen, die an der Aufgabe arbeiten, die Zusammenarbeit
unter den europäischen Ländern zu erweitern und zu vertiefen. Wir begrüßen
diese Entwicklung und fördern sie, weil eine starke Europäische Gemeinschaft
im Interesse Amerikas wie aller europäischen Länder liegt; sie stellt
eine neue dynamische Kraft auf dem Gebiet der internationalen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen dar.
Die neuen europäischen Währungsabsprachen zu einer engeren diesbezüglichen Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Gemeinschaft, die am
5. Dezember bekanntgegeben wurden, stellen einen wichtigen Schritt in
Richtung auf eine wirtschaftliche Integration Europas dar, die wir seit
langem schon unterstützen.

Wir sind der Auffassung, daß die neuen Ver-

einbarungen zu einem vertretbaren Wachstum der Weltwirtschaft und einem
stabilen internationalen Währungssystem beitragen werden.

Die Vereinigten

Staaten freuen sich auf fortgesetzte und enge Konsultationen mit ihren
europäischen Handelspartnern, wenn diese Vereinbarungen in die Praxis
umgesetzt werden.
Generell
- 11 -

�Generell werden die nächsten Jahre für Europa kritische Jahre sein,
da die Gemeinschaft auf eine engere wirtschaftliche Integration hinarbeitet,
ihre Mitgliederzahl vergrößert, erste Direktwahlen für ein europäisches
Parlament abhält und zunehmende Verantwortung für das politische und wirtschaftliche Wohlergehen ganz Europas übernimmt.
Sämtliche Demokratien des Westens unterstützen die Demokratien in
Südeuropa und sorgen sich ihretwegen. Wir in den Vereinigten Staaten achten
das politische Engagement der führenden Politiker der Gemeinschaft, jenen
Ländern den Beitritt freizustellen und die wirtschaftlichen Probleme auf
sich zu nehmen, die die Aufnahme dieser Länder mit sich bringen dürfte.
Als prosperierende westliche Demokratien sollten wir uns der besonderen
Verantwortlichkeit gegenüber den Demokratien in Gebieten bewußt sein, die
von einem Zusammenbruch ihrer Wirtschaft bedroht sind - in jenen Gebieten,
in denen die kurzfristigen Aussichten gering sind, deren Volkswirtschaften
aber bei einiger Unterstützung von außen auf eine gesunde Basis gestellt
und deren langfristige Aussichten verbessert werden können. Es gibt wohl
etablierte Mechanismen zur Gewährung der notwendigen Hilfe: den Weltwährungsfond und die Weltbank. In gewissen Situationen können auch informelle oder ad hoc-Vorkehrungen erforderlich werden. Das Konsortium
zur Unterstützung Portugals liefert ein Beispiel. Länder, die in der Lage
sind, Hilfe zu leisten, sollten ihre Energien und ihre Ressourcen gemeinsam
zur Anwendung bringen. Hilfsmaßnahmen - ehe es zu spät ist - sind eine
Investition in die Zukunft der Freiheit.

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN BEZIEHUNGEN UND DIE ENTWICKLUNGSLANDER
Wenn wir uns Maßnahmen überlegen, die wirtschaftlichen Bindungen
unter den Entwicklungsländern zu stärken, dürfen wir die Tatsache nicht
übersehen, daß unsere Interessen - und unsere Verantwortung - dort nicht
- 12 -

�nicht enden.

Wenn wir dem Wunsch unserer Bürger nach wirtschaftlicher

Sicherheit und einem steigenden Lebensstandard Rechnung tragen wollen,
erfordert dies, daß wir nachdrücklicher als bisher auf die Hoffnungen
und Wünsche der Völker der Entwicklungsländer eingehen.

Ihr wirtschaftliches

Wohlergehen ist im steigenden Maße Voraussetzung für unser eigenes Wohlergehen.
Zusammengenommen entfällt etwa ein Drittel des gesamten Außenhandels
der OECD-Mitglieder auf Entwicklungsländer. Diese sind heute die am
raschesten expandierenden Märkte für Exporte der Industriestaaten - Märkte,
von denen Millionen von Arbeitsplätzen in unseren Ländern abhängen.
Die Entwicklungsländer liefern uns wichtige Rohstoffe, und wir bedürfen
ihrer Mitarbeit, um so weltweite kritische Probleme wie das der Energieund Nahrungsmittelvorsorgung zu lösen.
Kurz gesagt, können wir ein starkes internationales Wirtschaftssystem
nicht ohne anhaltende wirtschaftliche Fortschritte in den Entwicklungsländern aufbauen.
Wir müssen deshalb gemeinsam ideologische Debatten beiseite lassen,
die vielfach die Beziehungen zwischen den Entwicklungsländern und Industriestaaten charakterisieren.
ergreifen, um

Wir müssen praktische und konkrete Maßnahmen

den grundlegenden Ansprüchen von rund 800 Millionen Menschen

gerecht zu werden, die in absoluter Armut leben.
Es gibt keine wichtigere Aufgabe in bezug auf das langfristige Wohlergehen der Welt, unsere politische Sicherheit und unsere Wertvorstellungen
als freie Völker als mit den Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten, um
deren wirtschaftlichen Fortschritt zu fördern.
Probleme der Sicherheit

- 13 -

�PROBLEME DER SICHERHEIT
Grundlage unserer Prosperität ist die Zuversicht in bezug auf unsere
eigene Sicherheit.

Diese Sicherheit wiederum hängt im wesentlichen ab von

der Aufrechterhaltung starker Streitkräfte;
der Beziehungen des Westens zur Sowjetunion;

von der wirksamen Gestaltung
von den Bestrebungen zur

Begrenzung und Verminderung der Rüstungen sowohl im Osten als auch im Westen;
und von der Stärkung der atlantischen Partnerschaft.
Wir können in der anhaltenden Steigerung der sowjetischen Militärprogramme und Dislozierungen von Waffen Anlaß zur Sorge erblicken.

Wir

können aber auch in den Schritten, die wir innerhalb des Bündnisses unternehmen, um das militärische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, Anlaß zur
Zuversicht sehen.
Seit einigen Jahren schon ist die zentrale Tatsache der Weltsicherheit
die strategische nukleare Parität zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion. Wir und unsere Partner sind mit dieser Lage fertig geworden,
ohne uns die Abschreckung oder den Willen dazu von irgendwelcher Seite
diktieren zu lassen.
Die Tatsache der strategischen Parität besteht weiter fort. So wie
wir sowjetischen Verstärkungen gleiches entgegensetzen, so müssen wir
annehmen, daß die Sowjets entschlossen sind, mit uns gleichzuziehen. Deshalb würde das Streben nach Überlegenheit der einen wie der anderen Seite
in Frustration, Verschwendung und einer Erhöhung der Spannungen und
letzten Endes in einer Verminderung der Sicherheit aller enden.
Unsere gemeinsame Sicherheit beruht auf drei grundlegenden Prinzipien:
Erstens, so wie wir im Hinblick auf Maßnahmen der Sowjetunion wachsam
bleiben müssen, so müssen wir auch bereit sein, Bereiche gemeinsamer

- 14 -

�gemeinsamer Interessen zu erkunden und auszuweiten.

Wollten wir unseren

Befürchtungen gestatten, die Notwendigkeit zu überschatten, nach gemeinsamen Boden zu suchen, hieße das, uns selbst dazu verurteilen, in fortgesetzter Spannung zu leben. Wir dürfen aber auch unserem Wunsch nach
besseren Beziehungen nicht gestatten, uns zu Vereinbarungen zu veranlassen,
die unsere nationalen Interessen nicht angemessen schützen.
Zweitens müssen wir bereit sein, alles zu tun, was notwendig ist,
um unsere Sicherheit zu gewährleisten - auch wenn wir der Aufrechterhai tung eines Gleichgewichts auf niedrigerem Niveau den Vorzug gegenüber einer weiteren Aufrüstung geben. Sowohl der Weg zu militärischer
Stärke als auch der zur Beschränkung der Rüstungen spielen in der Geschichte
des Sicherheitsstrebens der NATO eine zentrale Rolle.
Die Beschränkung der Rüstungen ist ein schwieriges und frustrierendes
Unterfangen. Unsere Zielsetzungen und unsere Bemühungen werden zwangsläufig Kritik auslösen - bei einigen, deren Auffassung nach wir ein zu
geringes Maß an Abrüstung erreicht haben, und bei anderen, die da meinen,
die Sowjets zögen Vorteile aus Rüstungskontrollabkommen. Wir sollten
uns realistisch klarmachen, was wir zu erreichen suchen. Rüstungskontrolle
kann den militärischen Wettstreit nicht beenden. Wir können - und wir tun
dies auch - Rüstungsbeschränkungen aber dazu benutzen, der Rüstungsausweitung eine Obergrenze zu setzen. Zu diesem Zweck können wir den schwierigen
Prozess des Rüstungsabbaus und qualitativer Beschränkungen in Angriff
nehmen und den hierzu erforderlichen Dialog in Gang halten.
Die Rüstungskontrolle, richtig verstanden und klug angewendet, ist
eine weitere Möglichkeit - eine ergänzende Möglichkeit -, um nach Sicherheit zu streben. Unsere Unfähigkeit, alles sofort zu Erreichen, sollte
uns nicht davon abhalten, jene bedeutsamen Schritte zu unternehmen, die
wir verwirklichen können.
Drittens, wenn die Vereinigten Staaten auch hinsichtlich der mi 1i- 15 -

�tärisehen Stärke unübertroffen bleiben werden, so müssen wir uns doch alle
immer darüber im klaren sein, daß unsere Sicherheit kollektive gemeinsame
Anstrengungen erfordert und daß unsere Verteidigung unteilbar ist.

Als

Bündnis teilen wir uns in die Lasten und Risiken einer gemeinsamen Verteidigung.

Die westliche Stärke - in rein militärischem wie auch in einem

weiteren Sinn - hängt von der

Qualität unserer Partnerschaft und von unserem

Selbstvertrauen in bezug auf die Zukunft ab.
Diese fundamentalen Grundsätze bestimmen unsere Sicherheitsentscheidungen.
Ein Blick auf die aktuelle militärische Situation und auf die Tendenzen
sowie darauf, wie die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mit dem
Sachverhalt der strategischen Parität zurechtkommen, zeigt, daß wir vor
großen Herausforderungen stehen - und wir begegnen ihnen durch kooperative
Maßnahmen.
Die strategischen Modernisierungspläne der USA umfassen die Land-,
See- und Luftkomponenten unserer Streitkräfte. Wir entwickeln eine neue
ballistische Interkontinentalrakete (ICBM), und Optionen für eine neue
ICBM-Stationierung werden gegenwärtig intensiv geprüft, damit wir die
beste unter verschiedenen Alternativen auswählen können. Wir werden
im nächsten Jahr eine neue Unterseebootgestützte Rakete dislozieren, und
wir bauen ein neues strategisches Unterseeboot. Bei uns läuft ein
intensives Programm für Marschflugkörper, das nicht nur die luftgestützte
Version, sondern auch see- und landgestützte Versionen umfaßt. Diese
Programme werden sicherstellen, daß die Stärke des Bündnisses auch weiterhin
ausreichend sein wird, um vor Angriffen abzuschrecken und um unsere gemeinsamen Interessen zu schützen.
SALTistein weiteres Instrument zur Stärkung der Sicherheit.
-

Mit SALT I und dem Vertrag über Abwehrraketen (ABM) begann der
wichtige Prozeß der Begrenzung der strategischen Rüstung. Ohne

- 16 -

�Ohne diese Abkommen wären wir zusätzlich zu einem unbegrenzten
Wettrüsten auf dem Gebiete der Offensivwaffen auch noch in ein
Wettrüsten auf dem Gebiet der Defensivwaffen geraten.
-

SALT II wird eine wesentliche Dämpfung des Tempos des Wettrüstens
auf dem Gebiet der strategischen Waffen bedeuten.

Angesichts

einer geregelteren und vorhersehbareren Zukunft werden wir mehr Aufmerksamkeit, Talente und Ressourcen der Verbesserung der konventionellen sowie der Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte der NATO widmen
können.
-

SALT II wird den Grundsatz der zahlenmäßigen Parität der strategischen
Trägerraketen festlegen.

-

Und es wird die Zahl der Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen begrenzen, die der Stabilität potentiell den
größten Schaden zufügen können.

Gleichzeitig wird SALT II in keiner Weise die Streitkräfteprogramme
ausschließen,die gegenwärtig laufen, um den Gefahren zu begegnen, die
selbst bei einem Abkommen bestehen bleiben.

Wir haben uns alle unsere

wesentlichen strategischen Streitkräfteoptionen vorbehalten.

Andere

Programme, die die Abschreckung der NATO stärken, können weitergeführt
werden.

Die Interessen der Verbündeten sind geschützt worden, weil die

alliierten Interessen auch unsere Interessen sind.
Lassen Sie mich nachdrücklich unterstreichen, daß sowohl bei unseren
Verteidigungsbemühungen als auch bei unseren Rüstungskontrollverhandlungen
es unser grundlegendes Ziel ist, die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und die unserer Verbündeten zu stärken. Dies war und wird immer der Grundpfeiler unserer Politik bleiben.
Deswegen

- 17 -

�Deswegen befassen wir uns mit SALT - weil ein gesundes Abkommen die
westliche und auch die globale Sicherheit verbessern wird.

Ohne ein

Abkommen würde unsere technologische und wirtschaftliche Stärke uns in
den Stand setzen, jedem sowjetischen strategischen Aufbau zu begegnen.
Aber ein gutes Abkommen kann mehr Sicherheit bei weniger Risiko und weniger
Kosten gewähren. Und wir sind uns darüber im klaren, daß ohne SALT der
strategische Wettstreit das gesamte politische Ost-West-Verhältnis
infizieren könnte, wobei die Bemühung zur Schaffung einer weniger gefährlichen Welt Schaden nehmen würde, die ein Kernstück der westlichen
Außenpolitik ist.
Da sich abzeichnende SALT II-Abkommen wird nicht alle unsere Probleme
lösen.

Es wird beispielsweise nicht den Trend zu einer verstärkten

Verwundbarkeit der festen landgestützten Raketen umkehren - ein Problem,
das sich auf lange Sicht für beide Seiten stellt. Die notwendige
strategische Streitkräftemodernisierung muß und wird vorangehen, genauso
wie der SALT-Prozeß vorangehen muß und wird.

In SALT III werden wir

dann um weitere Reduzierungen und qualitative Begrenzungen bemüht sein.
Wir können nicht den Umgang mit der strategischen Parität erörtern,
ohne die Frage in den Griff zu bekommen, wie die NATO auf Verbesserungen
der sowjetischen Nuklearstreitkräfte reagieren soll, die gegen Europa
gerichtet sind. Obwohl die Bindung an die amerikanischen strategischen
Streitkräfte die letztliche Abschreckung der NATO bleibt, müssen die
Sowjets begreifen, daß wir es nicht zulassen werden, daß an irgendeinem
Punkt in der Substanz unserer Abschreckung, einschließlich der nuklearen
Gefechtsfeldstreitkräfte»eine Schwächung eintritt. Bei uns laufen verschiedene nukleare Gefechtsfeld-Modernisierungsprogramme. Wir prüfen
die Frage, ob Rüstungskontroilanstrengungen von Nutzen sein könnten.
Obwohl keine Entscheidungen hinsichtlich der Streitkräfteerfordernisse
oder der Rüstungskontrolle gefällt worden sind, konsultieren wir uns
innerhalb des Bündnisses intensiv, um einen gemeinsamen Plan auszuarbeiten,
Im Bereich
- 18 -

�Im Bereich der konventionellen Waffen schreitet die Verstärkung
der sowjetischen Streitkräfte weiter voran. Auch hier ergreift der
Westen wirksame Gegenmaßnahmen.

Auf dem Gipfeltreffen in Washington

vom Mai 1978 kam eine Einigung auf ein Langfristiges Verteidigungsprogramm
zustande, das die Fähigkeit der NATO verbessern soll, als Verteidigungsbündnis zu handeln.

Die NATO erkennt der Verstärkung der konventionellen

Streitkräfte höchste Priorität zu.

In den letzten Jahren haben die

Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte in Europa um rund 10 000 Mann
verstärkt.

Die NATO unernimmt umfassende und enschlossene Bemühungen,

um die Kampfkraft und die Fähigkeit zu einer anhaltenden Verteidigung
zu steigern.

In kluger Weise legen wir den Schwerpunkt auf Verbesserungen,

die sich aus unserer kollektiven technologischen Stärke ergeben und die zu
einer größeren Kampfkraft der Streitkräfte statt lediglich zu deren
Vergrößerung führen.

Viele dieser Schritte sind nicht sehr augenfällig;

sie machen keine Schlagzeilen.
Maßnahmen eines

Es handelt sich aber um ernst zu nehmende

ernst zu nehmenden Bündnisses, das entschlossen ist, alle

ihm zu Gebote stehenden Ressourcen und seine ganze Willenskraft auf den
Aufbau einer verbesserten gemeinsamen Verteidigung zu verwenden.
Auch hier sind wir darauf bedacht, Beschränkungen auf paritätischer
Basis auszuhandeln. Das Jahr 1978 hat im Zuge der inzwischen fünf Jahre
dauernden Verhandlungen auf beiden Seiten über eine beiderseitige und
ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) einige Bewegung erbracht. Die
Sowjets zu einer Vereinbarung über die Verminderung der Streitkräfte
auf gleiche kollektive Stärken zu bewegen, ist weitere anhaltende Anstrengungen wert. Wir wollen hoffen, daß die Erreichung eines Abkommens
über die Beschränkung der strategischen Waffen auch den MBFR-Verhandlungen
neue Impulse geben wird.
Selbstverständlich greifen die Sicherheitsüberlegungen und - interessen des Westens über die NATO hinaus. Wir müssen uns auch fragen,
ob wir in einem Zeitalter der strategischen Parität im Wettstreit mit

- 19 -

�mit der Sowjetunion in der Dritten Welt nicht inzwischen ins Hintertreffen
geraten sind.

Die Antwort lautet nein.

Auch wenn die Fähigkeit der

Sowjets zur Anwendung militärischer Macht inzwischen zugenommen hat, so
verfügen die Vereinigten Staaten nicht nur über überlegene Seestreitkräfte
und andere militärische Machtmittel, sondern erfreuen sich auch wirtschaftlicher und politischer Vorteile.
Wir begrüßen auch den Geist zunehmender nationaler Unabhängigkeit in
den Entwicklungsländern.

Sie haben aus mehrfachem Anlaß ihre Entschlossenheit

und Fähigkeit bewiesen, der Beherrschung durch Drittmächte zu entgehen.
Seit 1960 entstanden im Zuge der Entkolonialisierung, die sich
nunmehr ihrem Abschluß nähert, 65 neue Länder mit sehr unterschiedlichen
politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systemen. In diesen Jahren
war der Einfluß von außerhalb in den einzelnen Ländern und zu verschiedenen
Zeiten verschieden stark ausgeprägt. Zu der ständigen Ausweitung des
kommunistischen Einflusses, die viele Kreise einstmals befürchtet hatten,
ist es aber nicht gekommen.
Die Vielfalt und der unaufhörliche Wunsch nach nationaler Freiheit
in den Ländern der Dritten Welt sind die sichersten Schranken gegen
ausländische Beherrschung. Wir können unsere eigenen Interessen in diesen
Gebieten der Welt am ehesten dadurch fördern, daß wir diese Vielfalt
begrüßen und diesen Geist achten.
Die Bindungen zwischen dem Westen und der Dritten Welt auf den
Gebieten der Wirtschaft, der Politik, der Kultur und der Sicherheit sind
geeignet, den Geist der Unabhängigkeit wach zu halten.

Wir müssen die

Bindungen zu ihnen stärken - indem wir auch weiterhin die wirtschaftliche
Entwicklung und notfalls auch die militärische Sicherheit dieser Länder
durch unsere Hilfe fördern;

indem wir die Sowjets und ihre Verbündeten

drängen, in Krisengebieten Zurückhaltung zu üben;

- 20 -

und indem wir darauf

�darauf hinarbeiten, Streitfälle, die Gelegenheit für das Eingreifen
ausländischer Mächte liefern, auf diplomatischem Wege zu lösen.

Langfristig ist es die Fähigkeit des Westens, den Nationalismus,
den Wunsch nach Selbstbestimmung und das wirtschaftliche Wachstum der
Länder der Dritten Welt praktisch zu unterstützen, die uns Anlaß zur
Zuversicht hinsichtlich unserer künftigen Beziehungen zu diesen gibt.

ZUSAMMENFASSUNG

Auf jedem von mir heute angesprochenen Gebiet - auf wirtschaftlichem,
politischem und militärischem Gebiet mithin - sehen wir uns vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt.

Gemeinsam aber stehen Amerika und

Europa auch die außerordentlichen Ressourcen zur Verfügung, derer wir
bedürfen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden.

Die physischen, industriellen und technologischen Hilfsquellen
unseres Bündnisses sind ohnegleichen.

Wenn wir den Willen zeigen, unsere

Volkswirtschaften mit dem Mut zum Risiko weiterzuentwickeln,und unsere
Verteidigung mit Entschlossenheit aufrechterhalten, können wir eine
Welt größerer Sicherheit und Stabilität schaffen.

Und diesen Willen

haben wir durchaus.
Letztlich wird unser Bündnis nicht lediglich durch das zusammengehalten, was wir ablehnen, sondern durch das, wofür wir eintreten.

Unsere

größte Stärke sind eben jene Bande, die uns so eng miteinander verknüpfen.

Diese Bande beruhen auf unseren gemeinsamen Vorstellungen von den
Rechten und der Würde des einzelnen Menschen, von politischer Gerechtigkeit
und von der Freiheit für alle Menschen.
Die Verhandlungen

- 21 -

�Die Verhandlungen, die wir gegenwärtig führen, und die Politik, die
wir verfolgen, würden jeglichen Sinnes entbehren, wenn wir unsere Außenpolitik nicht in Übereinstimmung mit diesen grundlegenden Wertvorstellungen
unserer Völker betreiben wollten.
Winston Churchill sprach einst von der Notwendigkeit, zusammenzustehen und "die größeren Hoffnungen der Menschheit entschlossen zu verwirklichen."
Das zu tun, ist heute wie einst unsere größte Aufgabe.

+ + + + +

- 22 -

�1

1

I
29

Wirt/choft

rrl

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

GUTE AUSSICHTEN FÜR DEN US-DOLLAR UND DEN US-HANDEL
Interview mit dem Chefberater des US-Handelsministeriums

Der leitende Wirtschaftsberater des
amerikanischen Handelsministeriums,
Courtenay Slater, hat in einem
Exklusiv-Interview mit dem Wirtschaftskorrespondenten des US-Amtes für
Internationale Kommunikation (USICA),
John J. Harter, die Aussichten für
den US-Dollar und den amerikanischen
Handel im kommenden Jahr als günstig
beurteilt. Nachfolgend der Wortlaut
des Interviews:
Frage: Können Sie uns etwas darüber sagen, in welchem Umfang sich
die amerikanische Handelsbilanz Ihrer Ansicht nach im kommenden Jahr verbessern wird?
Antwort: Unsere Experten rechnen damit, daß die Bilanz der laufenden
Konten - d.h. die Bilanz in Dienstleistungen und Gütern - sich im kommenden
Jahr um mindestens ein Drittel verbessern wird. Manche halten sogar eine
noch weitgehende Verbesserung für möglich. Es sind bereits wesentliche

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�wesentliche Verbesserungen eingetreten, wie die Handelsstatistiken der
letzten sechs Monate im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres (1978)
zeigen.
Frage:

Können Sie einige der wesentlichen Faktoren nennen, die zu

einer Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz im nächsten Jahr oder
in den nächsten zwei Jahren beitragen?
Antwort:

Wenn ich sie in eine Rangfolge stellen müßte, dann kämen

an erster Stelle die verbesserten Wachstumsaussichten in Europa und bei
unseren anderen wichtigen Handelspartnern.

Der Gesamtumfang der ameri-

kanischen Exporte hängt sehr stark von der Fähigkeit dieser Länder ab,
unsere Waren zu kaufen, und diese Aussichten scheinen sich zu verbessern.
Die Vorbestellungen für unsere Exporte haben in den letzten Monaten sehr
stark zugenommen.
Ferner werden unsere Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation, die wir
gerade eingeführt haben - und an deren Wirksamkeit wir glauben -, den
Preisanstieg in unserem eigenen Lande in Grenzen halten, was zur Korrektur
unserer Handelsbilanz und dazu beitragen wird, daß unsere Exporte wettbewerbsfähig bleiben. Die jüngsten Veränderungen des Wertes des Dollar
im Verhältnis zu starken ausländischen Währungen werden unsere: Exporte
wettbewerbsfähiger und unsere Importe teurer machen. Auch das wird ein
wichtiger Faktor sein, der zur Korrektur unserer Handelsbilanz beitragen
wird.
Und schließlich haben wir eine Vielfalt wirtschaftspolitischer
Maßnahmen eingeführt, um die Exporteure zu ermutigen.

So gibt es ein

besonderns aktives Programm mit Japan zur besseren Erforschung des Marktes
dieses Landes, und wir rechnen mit einer Bereitschaft Japans, mehr Güter
aufzunehmen als in der Vergangenheit.
Frage:

Wenn man einige der längerfristigen Faktoren betrachtet,

- 2 -

�betrachtet, die sich auf die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Güter
auf internationalen Märkten auswirken, glauben Sie dann, daß amerikanische
Firmen unzureichend in modernen Fertigungsanlagen investiert haben?
Antwort:

In gewissem Sinne muß ich diese Frage bejahen.

Die Investitions-

tätigkeit war schleppend wegen der Rezession, die 1974-75 sehr stark war die schlimmste seit 40 Jahren.

Es J$t nicht überraschend, daß sie dem Ver-

trauen der Wirtschaft einen Stoß versetzt hat. Die Vereinigten Staaten
sind hier nicht das einzige Land, in dem das geschah.

Auch andere Länder

haben diese Erfahrung gemacht, und auch in Westeuropa und in anderen
Industrieländern war die Investitionstätigkeit schleppend.
Aber wir treten jetzt in ein wirtschaftliches Klima ein, in dem die
Raten der Kapazitätsausnutzung steigen und die bestehende Produktionskapazität, wenn auch noch nicht auf dem höchsten Stande, aber doch soweit
ausgenutzt wird, daß Neuinvestitionen für die Unternehmen wieder verlockend
erscheinen. Ich bin überzeugt, daß die Investitionstätigkeit anziehen
wird, wie sich schon aus den jüngsten Statistiken ablesen läßt. Ein
wachsender Anteil der Investitionen geht in Neubauten und neue Fabrikationsanlagen, während in der früheren Phase des Wiederaufschwungs die meisten
Investitionen in die Erneuerung von Gerät bestehender Anlagen, Lagerbeständen und Motorfahrzeugen gingen. Ich glaube, die schwache Investitionstätigkeit war in erster Linie ein zyklisches Phänomen, das aus der Rezession
herrührte, und kein langfristiger Anti-Investitionstrend.
Frage:

Wie sehen Sie die langfristigen Aussichten für die Investitionen?

Antwort:
schwung.

Ich rechne für die achtziger Jahre mit einem weiteren Auf-

Die Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitskräfte wird dann lang-

samer zunehmen, weil wir nicht die starken Jahrgänge haben werden wie in
den siebziger Jahren.

Wenn nicht mehr so viele junge, relativ niedrig

bezahlte ungelernte Arbeitskräfte auf den Markt drängen, dann wird sich der
Schwerpunkt auf Rationalisierungsinvestitionen verlagern.

- 3 -

Der Kongreß

�Kongreß hat gerade eine neue Steuergesetzgebung verabschiedet - und zwar
mit breiter InterStützung, die ein günstigeres Klima für Investitionen
schafft.

Diese und andere Aspekte lassen für die achtziger Jahre ein

günstiges Investitionsklima erwarten.
Frage:

Die Vereinigten Staaten haben in weiten Bereichen der

Technologie immer einen Vorsprung gehabt.

Haben wir diesen Vorsprung

noch?
Antwort:

Wir haben immer noch auf einigen Gebieten der Technologie

einen Wettbewerbsvorsprung, aber wir leben in einer Welt, in der
Information frei und rasch von einem Land zum andern fließt.

Wir können

eine solche Welt ohne weiteres begrüßen und fördern, denn unser Lebensstandard - und der Lebensstandard sonstwo in der Welt - hängt von der
Innovation und der Entwicklung neuer Technologien ab.

In einer solchen

Welt werden wir nicht mehr den Vorsprung haben, daß wir etwas erfinden und
dann glauben, wir könnten das auf Jahre hinaus für uns allein behalten.
Wir leben in einer Welt der Konkurrenz.

Und das ist auch gut so, denn

diese verstärkte weltweite Konkurrenz hält unsere Wirtschaft auf Trab,
und das kommt wieder dem amerikanischen Verbraucher zugute.
Aber nicht alle Leistungsfähigkeit und Innovation in der Produktion
kommt von der Technologie, der technologischen Innovation oder der Erfindung neuer Maschinen.. Einige der wichtigsten Fortschritte entstehen
aus einem besseren und leistungsfähigeren Management, besser ausgebildeten
Arbeitskräften und rationellerer Nutzung der Arbeitskraft - und ich glaube,
auf diesen Gebieten des Wettbewerbs brauchen sich die Vereinigten Staaten
nicht zu fürchten.
Frage:

Glauben Sie, daß die Regierung alles tut, was sie kann und

tun sollte, um der amerikanischen Industrie zu helfen, auf dem Weltmarkt
wettbewerbsfähig zu bleiben?
Antwort:
- 4 -

�Antwort:
wirtschaft.

Ich bin ein nachdrücklicher Verfechter der freien MarktIch meine, es gibt strikte Grenzen für das, was die Regierung

tun kann und soll, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Das wichtigste,

was wir tun müssen, ist, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die
Wirtschaft selbst helfen kann, und der wichtigste Weg, um das zu erreichen,
ist der, den Anteil der Regierung an der Wirtschaft zu begrenzen.
tun wir.

Das

Die Regierungsausgaben gehen gemessen am Prozentsatz des Brutto-

sozialprodukts zurück.

Der Anteil ist bei uns beträchtlich geringer als

in den meisten anderen Ländern, einschließlich der demokratischen Länder
Westeuropas mit einer "gemischten" Wirtschaft. Wir tun das auch auf dem
Gebiet der staatlichen Verordnungen, wo wir, wie ich meine, dem Unternehmer klarmachen müssen, welches die Spielregeln sind und daß sich die
Spielregeln nicht ständig ändern. Wir arbeiten an diesem Problem, und
werden dieses Problem hoffentlich lösen können.

Wenn wir eine solche

Atmosphäre schaffen, dann hat der Unternehmer ein ausreichendes Maß an
Gewißheit und Sicherheit und einen ausreichenden Spielraum.

Das ist

eine sehr viel konstruktivere Methode der Förderung des Wettbewerbs in
der Wirtschaft als direkte Subventionen und direkte Programme.
Natürlich verfügen wir über wichtige Informationsprogramme für die
Wirtschaft. Das Handelsministerium stellt Informationen über Exportmöglichkeiten zur Verfügung, hilft bei Exportvereinbarungen und leistet
Unterstützung durch unsere Handelsattaches im Ausland und unsere Handelsbüros in den Vereinigten Staaten selbst. Diese Art der Unterstützung
ist durchaus angebracht und für die Wirtschaft sehr wertvoll. Aber nach
meiner Überzeugung sollten direkte Subventionen oder finanzelle Unterstützungen für die Wirtschaft in sehr engen Grenzen gehalten werden.
Frage: Welche wirtschaftliche Bedeutung haben die zunehmenden
Importe von Fertigwaren aus Entwicklungsländern nach den USA?
Antwort:
klima.

Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor im Wettbewerbs-

Dabei geht es, allgemein gesprochen, meist um einfachere Fertig-

- 5 -

�Fertigwaren - wie Textilien, Tennisschuhe und andere relativ einfache
und billige Erzeugnisse - also Waren, die in Konkurrenz zu Erzeugnissen
unserer einheimischen Industrien stehen, die kurzfristig gesehen am wenigsten
in der Lage sind, mit einer solchen wachsenden Konkurrenz fertig zu werden.
Das wirft natürlich für uns sehr schwierige wirtschaftliche und politische
Fragen im eigenen Lande auf.
Wir begrüßen diese Einfuhren trotzdem aus verschiedenen Erwägungen»
Sie versorgen unsere Verbraucher mit Waren, die sie zu dem niedrigst
möglichen Preis kaufen wollen.

Und die Entwicklungsländer brauchen ganz

offensichtlich die Arbeitsplätze und die Einnahmen, die sich aus diesen
Waren ergeben.
Auf der anderen Seite verursacht das eine Reihe sehr schwieriger
Anpassungsprobleme für einige unserer Industriezweige. Wir versuchen,
dieses Problem zu bewältigen, und das wird noch einige Jahre dauern,
bis wir neue Arbeitsplätze und unternehmerische Chancen für die durch aiese
Importe aus dem Geschäft gedrängten Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschaffen
haben.
Ich darf hinzufügen, daß all diese Anpassungen bei einer Hochkonjunktur
leichter zu bewältigen sind, wenn allgemein ein hoher Beschäftigungsstand herrscht und es sehr viel leichter ist, neue Arbeit zu finden.
Frage: Die amerikanischen Exporte nach Entwicklungsländern haben
in den letzten Jahren ebenfalls in augenfälliger Weise zugenommen,, Hängt
das mit den steigenden Einfuhren aus diesen Ländern zusammen?
Antwort:

Sicherlich!

Es ist keine Frage, daß die besten Interessen

der amerikanischen Wirtschaft in einer Ausweitung des Handels, vor allem
mit den Entwicklungsländern, liegen. Dort liegt das größte Potential für
eine Ausweitung.

Die Entwicklungsländer werden unsere großen Märkte

der Zukunft sein.
Frage:

�Frage:

Hätte ein weiteres Wachstum und eine weitere Industrialisierung

in jenen Ländern eine positive oder negative Gesamtauswirkung auf die
amerikanische Handelsbilanz?
Antwort: Ich kann nicht sagen, was für eine Auswirkung das auf
unsere Handelsbilanz generell hätte, aber das ist ein etwas engstirniger
Aspekt der Frage. Die laufenden Konten brauchten keineswegs unmittelbar
berührt zu sein, denn selbst wenn unser Handel an Gütern und Waren nicht
ausgeglichen wäre, dann würden andere Formen des wirtschaftlichen Austausches
einen Ausgleich schaffen. Was wir nicht durch den Verkauf von Waren
verdienen, werden wir durch den Verkauf von Dienstleistungen oder aus
Investitionserträgen verdienen. Der Ablauf der Weltwirtschaft verlangt
das einfach. Wenn es nicht zu derzeitigen Wechselkursen geschieht, dann
werden sich die Kurse so lange ändern, bis es eintritt. Die relevantere
Frage ist daher, ob wir ein reicheres Land mit einer größeren Auswahl
an Gütern werden, weil wir mit einer Vielfalt anderer starker Länder
Handel treiben. Das ist das Ziel, auf das wir hinarbeiten. Es geht nicht
immer alles glatt und schön. Auf dem Wege gibt es Anpassungsprobleme, und
manche davon werden sehr ernst sein. Eine solche Art des Fortschritt und
der Entwicklung zu neuen wirtschaftlichen Verhältnissen kommt stufenweise,
und auf jeder Stufe gibt es Probleme. Aber wir sollten in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, denn es liegt in unserem langfristigen
Interesse wie auch im Interesse der Weltwirtschaft.

Frage:
Antwort:

Wie sind die gegenwärtigen Aussichten für den Dollar?
Der Wert des Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen

ist in den letzten Wochen beträchtlich gestiegen, seit die amerikanische
Regierung und die amerikanische Bundesbank politische Maßnahmen zur
Stärkung des Dollar ergriffen haben.

Ich gehe davon aus, daß der Anstieg

des Wertes des Dollar anhalten wird.
Nach unserer Auffassung war der Dollar zu weit gefallen, als es den

- 7 -

�den zugrundeliegenden wirtschaftlichen Faktoren entsprochen hätte. Der
jüngste Anstieg des Dollar auf den Devisenmärkten scheint die entsprechende
Korrektur zu sein.
Zu den fundamentalen Faktoren, die zur Abschwächung des Dollar
geführt hatten, gehörte unter anderem das unterschiedliche Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten im Vergleich zu anderen Ländern
in den Jahren 1975, 1976,und 1977 - sowie die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten wie andere Industriestaaten heute viel mehr für die öl Importe
ausgeben als früher.

In neuerer Zeit haben unterschiedliche Inflationsraten

das Problem weiter kompliziert»

Wenn man einen etwas längeren Zeitraum

betrachtet - wenn man beispielsweise die ganzen siebziger Jahre nimmt dann stellt man fest, daß die Vereinigten Staaten kein ernsteres Inflationsproblem hatten als di'e meisten anderen Länder,

Wenn man jedoch nur 1977

herausgreift, dann stellt man fest, daß die Preissteigerungsraten höher
waren, vor allem im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland.

Dieser Unter-

schied in der Inflationsrate mußte durch Veränderungen der Wechselkurse
ausgeglichen werden.
Aber selbst wenn man das alles zusammenrechnet, dann erklärt es
trotzdem nicht ein so tiefes Absinken des Dollarkurses, wie es tatsächlich
eingetreten ist»

Hier spielten auch einige kurzfristige Faktoren eine

Rolle - vielleicht kann man von Spekulation sprechen.

Wir sind jedoch der

Meinung, daß sich die Handelsbilanz verbessern und der Wert des Dollar
sich weiter stabilisieren und vielleicht sogar steigen wird.

+ + + + +

-8-

�29

13. Dezember 1978

SALT II DIENT DER NATIONALEN SICHERHEIT
- von Senator Gary Hart -

Senator Gary Hart gehört der Demokratischen Partei an und vertritt
den Staat Colorado (sein Sitz stand
am 7. November 1978 nicht zur Wahl).
Er wird im neuen Kongreß, der im
Januar 1979 zusammentritt, sicherlich
einer der Befürworter eines SALTVertrages sein.

Seit Jahren unterliegt die öffentliche Diskussion über Nutzen und
Nachteil der Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen
(SALT) in den meisten Fällen einem Trugschluß.

Kritiker wie Anhänger

von SALT gehen im allgemeinen davon aus, daß,um für SALT eintreten zu
können, man eine vertrauensvollere Haltung gegenüber der Sowjetunion,
eine optimistischere Interpretation ihrer Motive sowie die Bereitschaft
zeigen müsse, die eigenen strategischen Streitkräfte, sei es durch Vertrag
oder sei es durch einseitige Entscheidung, zu begrenzen.

Bei Kritikern

wie Anhängern von SALT gilt in gleicher Weise, daß, falls man den

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�den sowjetischen Motiven und Aktionen gegenüber skeptisch sei und eine
starke amerikanische Sicherheitspolitik befürworte, man notwendigerweise
gegen ein SALT-Abkommen sein müsse.
Ich behaupte nun, daß es im Sinne einer starken nationalen Sicherheitspolitik für unsere Nation - wenn man sie richtig versteht - notwendig
ist, die SALT-Verhandlungen ganz allgemein und dieses Paket der SALT-IIAbmachungen im besonderen zu unterstützen.

Diese Behauptung möchte ich in

verschiedener Hinsicht begründen:
Erstens, je pessimistischer man hinsichtlich des anhaltenden sowjetischen
strategischen Aufbaus ist, um so wichtiger ist es, daß dieser Aufbau
durch SALT II

nach oben hin begrenzt wird.

Da durch den Vertrag die

sowjetische strategische Streitmacht auf die gleiche Größe wie die
unsrige begrenzt wird und zwar nicht nur insgesamt,sondern auch in bezug
auf verschiedene wichtige Unterkategorien, so werden die Sowjets dadurch
gezwungen sein, zwei- bis dreihundert Nuklearwaffen, die jetzt auf unser
Land gerichtet sind, abzurüsten.

Auch wenn es sich bei diesen Waffen sehr

wahrscheinlich um die älteren Typen handeln wird, so bedeutet dies dennoch
eine Reduzierung ihrer Streitkräfte um zehn Prozent.
Hinzu kommt,daß die Sowjets ohne die durch SALT festgesetzten Höchstgrenzen nach den Schätzungen unserer Nachrichtendienste mehrere hundert
weitere Waffen bauen und bis 1985 in ihre Streitkräfte eingliedern würden.
Je mehr man also wegen des sowjetischen Rüstungsaufbaus besorgt ist,
umso nützlicher und sinnvoller erweisen sich die durch SALT festgesetzten
Begrenzungen vom Standpunkt der nationalen Sicherheit.
Zweitens, SALT II wird wahrscheinlich auch gewisse spezifische sowjetische Waffen begrenzen und bis zu einem gewissen Grade den Kurs ändern,
den die Sowjets beim Aufbau ihrer strategischen Streitkräfte einschlagen.
Ein Beispiel:
- 2 -

�Ein Beispiel: Der Vertrag wird verhindern, daß die mobilen Interkontinentalraketen - bei den Sowjets ihre SS-16 - produziert, disloziert
und getestet werden.
Ein weiteres Beispiel:

Der Vertrag begrenzt die Zahl der Interkonti-

nentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen und verlangt von den Sowjets,
sich weniger auf die Streitkräfte zu Lande denn auf die Seestreitkräfte
zu konzentrieren, als dies sonst wohl bis 1985 der Fall sein dürfte.
Das Ergebnis ist eine ausgewogenere und stabilere sowjetische Streitmacht mehr der Streitmacht ähnlich, auf die sich die Vereinigten Staaten seit
Jahren stützen.
Ein weiteres Beispiel: Obwohl die endgültigen Details der Beschränkungen
für "neue Typen" von Interkontinantalraketen (ICBM) noch nicht definiert
worden sind, rechne ich mit Begrenzungen in den Abkommen, die die Schwungkraft des massiven sowjetischen ICBM-Programms auf einigen wichtigen
Gebieten abschwächen würde - eines Programms, das nach den Worten von
Verteidigungsminister Brown vier neue Typen produzieren könnte.
Und noch ein Beispiel:

Falls die Verhandlungen zu Begrenzungen der

Nutzlast der Interkontinentalraketen und - was noch wichtiger ist - zu
einer "Fraktionalisierung" (d.h. Begrenzung der Zahl der Sprengköpfe
für eine einzelne Rakete) führen, dann wird die Unsicherheit hinsichtlich
einer künftigen Ausnutzung der großen Zahl der sowjetischen ICBM-Raketen
reduziert.
Drittens, SALT II wird von den Vereinigten Staaten keinerlei Reduzierung oder Veränderung ihrer Streitkräfte verlangen.

Die Größenordnung

sowie die ausgewogenen Eigenschaften unserer Triade werden erhalten
bleiben.
Viertens, die anhaltende Fähigkeit der Vereinigten Staaten, mit
der Sowjetunion qualitativ zu konkurrieren und den amerikanischen Vorsprung

- 3 -

�Vorsprung in der militärischen Technologie zu nutzen, ist auch weiterhin
garantiert.

SALT II dürfte in keiner Weise irgendein Forschungs- und

Entwicklungsprogramm oder eine Dislozierungsoption der USA unmöglich
machen, die gegenwärtig erwogen werden.
Die Beschränkungen für landgestützte oder seegestützte Raketen mit
einer Reichweite von mehr als 600 Kilometern, die in dem Protokoll
niedergelegt werden, werden in etwa drei Jahren auslaufen.

Offen gesagt:

Wir könnten diese Systeme vorher sowieso nicht dislozieren.

Diese im

Protokoll festgehaltenen Beschränkungen werden trotz der Befürchtung
einiger Kreise in diesem Lande nicht automatisch fortgesetzt.

Vor etwa

einem Jahr habe ich einen diesbezüglich klarstellenden Text entworfen,
den ich - sollte dies notwendig werden - während der Ratifizierungsdebatte
vorlegen werde, um sicherzustellen, daß nach Ablauf des Protokollzeitraums alle Verhandlungen, die sich auf diese Bestimmungen beziehen, neu
verhandelt werden müssen - und zwar ohne jede Präjudizierung.
Fünftens, die Tatsache, daß jene Systeme, die offensichtlich die
Sowjets am meisten beunruhigen (ich denke jetzt besonders an die Marschflugkörper - Cruise Missiles), im Protokoll erfaßt sind, dürfte uns
während der nächsten Gesprächsrunde

beträchtlichen Verhandlungsspielraum

geben.
Die Aufnahme dieser Bestimmungen in das Protokoll hat nicht nur die
Lösung der Streitfragen nach Wladiwostok erleichtert, sondern sie stellt
auch eine der klügsten Verhandlungszüge der amerikanischen Diplomatie
der letzten achtzehn Monate dar.
Sechstens, alle Bestimmungen des SALT-Paketes, von denen unsere
nationale Sicherheit abhängt, können mit einem hohen Grad an Verläßlichkeit
verifiziert werden.

Die Bestimmungen sind so sorgfältig ausgearbeitet

worden, daß wir jederzeit zwischen Erfüllung und Nichterfüllung unterscheiden

- 4 -

�unterscheiden können.
Deswegen braucht man "den Russen nicht vertrauen zu müssen", um SALT
zu unterstützen.

Wir können uns auf unsere außerordentlich gute Auf-

klörungstechnologie verlassen, mit der ich mich als Mitglied des Geheimdienstausschusses des Senats sehr eingehend befaßt habe.
Der Vertrag wird ausdrücklich jede Einmischung in die Vertragsüberwachung mit Hilfe von "nationalen technischen Mitteln" ausschließen,,
Deshalb wird der Vertrag jeglichen Einsatz von sowjetischen Anti-Satelliten
gegen unsere Weltraumaufklärung verbieten. Auch dies ist verifizierbar,
weil wir jederzeit feststellen könnten, ob unsere Systeme durch einen
gegnerischen Angriff zerstört worden sind.
Wenn also die Sowjets den Vertrag durch Worte oder feindliche Aktionen
verletzen würden, dann wären wir uns doch aufgrund unserer eigenen
Verifizierungskapazität jederzeit über wichtige Daten hinsichtlich der
Größenordnung, des Umfangs und der Modernisierung der strategischen
Streitmacht Moskaus im klaren» Wenn ich auch damit rechne, daß die
Sowjets in den kommenden Jahren die Modernisierung ihrer Streitkräfte
fortsetzen werden, so können doch die militärischen und technischen
Planer der USA unsere eigenen militärischen Forschungs- und Entwicklungsprogramme effektiver gestalten - gerade wegen der Informationen, die uns
ein SALT-Abkommen garantiert.
Zusammengefaßt möchte ich sagen, daß meine Analyse des SALT-Abkommens
darauf hinausläuft, daß es für unsere nationale Sicherheit im traditionellen
Sinne wichtig ist. Man kann über die Sowjets hinsichtlich ihrer Motive
oder ihrer Glaubwürdigkeit denken, wie man will. Aber eines ist für mich
klar: Je mehr man ihnen mißtraut,desto mehr muß man einen anhaltenden
Wettstreit auf dem Gebiete der Waffen in Rechnung stellen; je mehr man
mit einer anhaltenden strategischen Aufrüstung Moskaus rechnet, desto mehr

�desto mehrsollte man ein SALT-Abkommen unterstützen.
Aber all dies setzt traditionelle Vorstellungen der nationalenSicherheit
voraus.

Im Atomzeitalter gewinnt die nationale Sicherheit eine andere

Bedeutung. Was ein SALT-Abkommen letztlich am wichtigsten macht im Hinblick
auf unsere nationale Sicherheit,ist die Tatsache, daß es den Einsatz
nuklearer Waffen weniger wahrscheinlich werden läßt.
Diese Schlußfolgerung kann man nicht beweisen.

Sie ist nicht das

Ergebnis mathematischer Berechnungen oder einer verfeinerten und modernen
Kriegsspiel-Analyse.

Und doch wissen wir alle, daß die einfache und

zentrale Prämisse der SALT-Verhandlungen die Erkenntnis beider Seiten
ist, daß beide Länder, ja, die gesamte Menschheit das allergrößte Interesse
daran haben, einen Atomkrieg zu vermeiden.

Es könnte keinen direkteren

und zerstörerischen Angriff auf unsere nationale Sicherheit geben als
einen nuklearen Schlagabtausch.

+ + + ++

- 6-

�I 3
29

UUi//cn/choft
w\d Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

WELTWEITE UNTERSUCHUNGEN ZUR WETTERFORSCHUNG
Zusammenarbeit von 149 Staaten

- (AD) - Die Meteorologische Weltorganisation (WMO, eine Organisation
der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf) eröffnete jetzt für ihr erstes
"Globales Wetterexperiment" offiziell die operationelle Phase.

Es soll

auf weltweiter Basis atmosphärische Vorgänge und Gesetzmäßigkeiten besser,
als es mit den bisher durchgeführten Untersuchungen möglich war, aufklären helfen, um die Wettervorhersage auf größere Zeiträume ausdehnen
zu können.

Die Vereinigten Staaten leisten umfangreiche Beiträge zu

dem internationalen Unternehmen.
David Arthur Davis, der Generalsekretär der WMO, bezeichnet es als
"das größte Experiment, das je für friedliche Zwecke unternommen wurde".
Es wird die 149 WMO-Mitgliedstaaten in die Lage versetzen, die Erdatmosphäre
kontinuierlich und mit einem weitaus dichteren Meßnetz als bisher unter
Beobachtung zu halten. Für die Durchführung des Projekts werden atmosphärische
Daten aus allen nur erdenklichen Quellen rund um den Globus gesammelt
und analysiert - z.B. von sogenannten geostationären Satelliten j_n

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�in 36 000 km Höhe, von Satelliten auf polaren Umlaufbahnen, von Höhenballonen für die Wetterbeobachtung, von Schiffen auf ganz bestimmten
Positionen, Meßbojen im Meer, von Instrumentensonden, die aus Flugzeugen
abgeworfen werden und an Fallschirmen niedergehen, und schließlich von
Beobachtungsstationen der Weltwetterwacht in allen Erdteilen.

Alle

Messungen des seit Jahren vorbereiteten Unternehmens werden von der
Projektzentrale der WMO in Genf koordiniert.

Der operationellen Phase,

die 12 Monate dauert, folgt die der Forschung und Analyse, die mehrere
Jahre in Anspruch nehmen wird.
Schon Mitte der achtziger Jahre könnte es aufgrund der jetzt in
Angriff genommenen zusätzlichen Untersuchungen möglich sein, exakte Wettervorhersagen zu erstellen, die statt der heute üblichen zwei bis drei Tage
10 Tage oder noch längere Zeiträume umfassen.

Für die verschiedensten

Wirtschaftszweige - von der Landwirtschaft über das gesamte Verkehrswesen
bis zur Bauwirtschaft - wäre dies von sehr großer Bedeutung.
Wie Generalsekretär Davis in einer Pressekonferenz Anfang des Monats
u.a. berichtete, sei es schwierig, die Kosten für das Weltwetterexperiment
abzuschätzen. Es stelle eine enorme Ausweitung der gegenwärtigen Vorhandenen meteorologischen Beobachtungssysteme dar. Vermutlich werden
3 000 bis 5 000 Personen in aller Welt regelmäßig mitarbeiten. Es sei
mit einem zusätzlichen Kostenaufwand von "etlichen Hundert Millionen
Dollar" zu rechnen, um den Apparat in seiner neuen Form in Gang zu bringen
und funktionsfähig zu machen.

+ + + + +

- 2 -

�UUi//cn/choft

I 3

und Technik

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

29

NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE ÜBER 'LEGIONÄRSKRANKHEIT'

- (AD) - über die sogenannte Legionärskrankheit, benannt nach der
zunächst völlig rätselhaften und so bedrohlichen Epidemie unter den Teilnehmern einer Tagung der "American Legion" im Jahr 1976 in Philadelphia,
wurde im November 1978 in Atlanta (Georgia) ein internationales Symposium
abgehalten. Wie sich in der Zwischenzeit herausstellte, tritt die durch
ein Bakterium verursachte Krankheit, die Symptome ähnlich jenen der
Lungenentzündung hervorruft, häufiger auf, als zunächst angenommen wurde.
Der amerikanischen Zentralstelle für Seuchenüberwachung in Atlanta wurden
seit der Epidemie vor zwei Jahren fast 1100 weitere Fälle allein in den
USA gemeldet. Dies hatte die Behörde veranlaßt, das Symposium einzuberufen.
Dr. William Foege, der Leiter der Zentralstelle für Seuchenüberwachung,
berichtete, daß man seit der Massenerkrankung;;;in, Philadelphia, von der weit
über hundert Teilnehmer betroffen waren und die 29 von ihnen das Leben
kostete, eine Entdeckung nach der anderen im Zusammenhang mit der
"Legionärskrankheit" habe machen können.

Dessen ungeachtet habe aber

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Telex:08-85432

�aber die Medizin noch sehr viel zu lernen. Auf viele Fragen wurde noch
keine Antwort gefunden.
Der bakterielle Erreger, der die Bezeichnung "Legionella Pneumophilia"
erhielt, greift nicht nur die Lunge an, die meist bleibende Schäden davonträgt.

Wie sich inzwischen herausstellte, werden auch andere lebens-

wichtige Organe betroffen.

Wenn nicht sofort nach Ausbruch der Krankheit

Antibiotika gegeben werden, können neben der Lunge auch Leber, Nieren,
Magen und das zentrale Nervensystem befallen werden.
Ärzte, die an dem Symposium teilnahmen, hatten Fälle gesehen, wo die
Patienten in Halluzinationen verfielen, lange Zeit verwirrt waren und
nicht mehr wußten, was sie sagten und taten.
dächtnis.

Andere verloren ihr Ge-

Ein Arzt aus Tennessee berichtete, daß ein Patient, den er im

Krankenhaus behandelte, Tobsuchtsanfälle bekam und festgebunden werden
mußte.
Im November veröffentlichte die amerikanische Seuchenkontrollstelle
ihre neuesten Statistiken zur Legionärskrankheit:

Bis zum 7. November

1978 waren in 43 Bundesstaaten und dem "District of Columbia" mit der
Bundeshauptstadt Washington 496 Einzelfälle regristriert worden.

Dazu

kamen 558 Fälle im Zusammenhang mit 10 epidemieartigen Erkrankungswellen,
die mit dem Vorfall in Philadelphia begannen.

Der Höhepunkt von Einzel-

erkrankungen wurde im September 1977 beobachtet.
schnitt 20 Fälle pro Monat gemeldet.

Seitdem werden im Durch-

Von der Gruppe der 496 Personen

waren, wie nachträglich ermittelt werden konnte, 309 männlichen und 120
weiblichen Geschlechts.

86 (19 Prozent) starben an der Krankheit, ihr

Durchschnittsalter lag bei 56 Jahren.

Bei 244 Fällen lagen Angaben

über die Rassenzugehörigkeit vor - es waren 210 Weiße und 34 Schwarze
betroffen.

Sofern in den Statistiken die Erkrankten auch nach dem Ge-

schlecht erfaßt waren, ergab sich, daß die Sterberate bei Männern
19 Prozent, bei Frauen 15 Prozent betrug.
Klimaanlagen
- 2 -

�Klimaanlagen scheinen in erster Linie für die Übertragung des
Erregers der Legionärskrankheit verantwortlich zu sein.

Wie aus der

Zentralstelle für Seuchenüberwachung verlautet, wurde aufgrund der
Untersuchung von epidemieähnlichen Erkrankungen in Bloomington (Indiana), Mephis (Tennessee) und Atlanta (Georgia) das Bakterium aus dem
Wasser von zwei Kühl türmen, zwei Luftbefeuchtern von Klimaanlagen und
außerdem in Wasserproben von einem Bach isoliert.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters zum Jahrestag der Menschenrechtserklärung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Vance umreißt Grundzüge der amerikanischen Europapolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor dem Londoner Royal Institute for International Affairs -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gute Aussichten für den US-Dollar und den US-Handel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem Chefberater des US-Handelsministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SALT II dient der nationalen Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Senator Gary Hart -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;Weltweite Untersuchungen zur Wetterforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zusammenarbeit von 149 Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Forschungsergebnisse über "Legionärskrankheit"</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

29. November 1978

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter legt seine außen- und innenpolitischen Ziele dar
- Fernsehinterview mit Bill Moyers HINTERGRUNDMATERIAL
Die Endergebnisse der US-Wahlen vom 7. November 1978
- Liste der Gouverneure der 50 Einzel Staaten der USA - Der neue Senat der Vereinigten Staaten - Das neue Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten WIRTSCHAFT
Schwerpunkt Kohle im US-Energieprogramm
- Energieminister Schlesinger äußert sich zum neuen Gesetz WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Atomkraftnutzung mit mehr politischer Sicherheit
- INFCE-Konferenz hält Jahrestagung in Wien Doppelrendezvous mit dem Planeten Venus
- Zwei amerikanische PIONIER-Sonden kurz vor dem Ziel

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�n
m m

ST 4itt

Dokumentation
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29. November 1978

28

PRÄSIDENT CARTER LEGT SEINE AUSSEN- UND INNENPOLITISCHEN ZIELE DAR
Fernsehinterview mit Bill Moyers

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 13. November in
einem längeren Interview im öffentlichen (d.h. nicht von Privatgesellschaften, sondern von der öffentlichen Hand getragenen) Fernsehen der
Vereinigten Staaten seine außen- und innenpolitischen Ziele dargelegt.
Das Interview mit dem bekannten amerikanischen Journalisten Bill Moyers,
der früher selbst als Pressereferent im Weißen Haus tätig gewesen war, ist
als "Halbzeitstand" in der Amtszeit Präsident Carters von besonderer
Bedeutung.

Wir geben im folgenden den vollen Wortlaut des Interviews

wieder.

Frage: Herr Präsident, Sören Kierkegaard, ein Philosoph, den Sie
gelesen und auch zitiert haben, hat einmal einen Essay geschrieben, in
dem er zur Selbstprüfung auffordert. Bekenntnisse und Prüfung sind in
Ihrer Kirche seit langem Brauch - wennschon für gewöhnlich nicht m

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�im Fernsehen.
Mit Ihrer Erlaubnis möchte ich einige Fragen zur Selbstprüfung stellen.
Wenn es unter Ihren Anhängern eine einhellige beherrschende Kritik der
Carter-Administration gibt, so lautet sie, daß es während der ersten achtzehn Monate kein beherrschendes Thema, keine Vision von dem, was Sie zu tun
beabsichtigen, gegeben hat.

Werden Sie in den nächsten zwei Jahren versuchen,

eine Carter-Vision des Landes zu gestalten?
Antwort:

Ich glaube, es war ebenfalls Kierkegaard, der gesagt hat,

daß jeder Mensch ein Einzelner, eine Ausnahme, ist, und die Vielfalt der
Aufgaben und Verantwortungen, die ein Präsident hat, die gleichen Probleme,
denen sich unsere Nation stellen muß, führen meiner Ansicht nach dazu,
daß recht oft ein gewisser zentraler Brennpunkt fehlt.
Wir befassen uns mit dem Problem einer starken nationalen Verteidigung,
machen uns einige Sorgen über die Absichten potentieller Gegner, wie etwa
der Sowjetunion,und sind zu gleicher Zeit mit aller Kraft darum bemüht,
eine geraeinsame Grundlage zu finden, die die Gewähr für den Frieden
zwischen uns sowie für eine bessere Freundschaft und einen Abbau des
Mißtrauens bieten kann.
Zur gleichen Zeit befassen wir uns mit SALT (Verhandlungen über eine
Begrenzung der strategischen Rüstungen), versuchen Frieden zu schaffen im
Nahen Osten, auf Zypern, in Namibia, Rhodesien und Nicaragua, sind bemüht,
in unserem Lande die Führungsrolle zu übernehmen, wie sie die übrige Welt
immer wieder erwartet, und dann natürlich auf dem Gebiet der innenpolitischen
Probleme in ihrem ganzen Umfang - der Versuch, die Landwirtschaft stark zu
erhalten, die Exporte zu steigern, die Preise durch ein Anti-Inflationsprogramm zu stabilisieren, den notwendigen Forderungen vieler Interessengruppen in unserem Land, die durchaus guten Willens sind, gerecht zu
werden.
'••&lt;•"'+

Diese weitumfassenden
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• • *

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•

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- 2 -

"

"

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'

�Diese weitumfassenden und höchst unterschiedlichen Verantwortlichkeiten auf einen kleinen Nenner zu bringen, ist somit nahezu unmöglich.
Ich glaube, daß in einigen Fällen auch bei früheren Präsidenten die von
ihnen ausgehenden Anstöße erst in der Retrospektive in ein einfaches
Schlagwort zusammengefaßt wurden.

Ich weiß, daß Roosevelts "New Deal"

mit seiner Amtszeit identifiziert wird, als er aber den Ausdruck in einer
Rede brauchte, hatte er keine Ahnung, daß er damit den exakten Begriff
für das schaffen würde, was er seinem Land brachte.
Ich glaube also, daß nur dann, wenn man eine Administration unter
einem, wenn auch nur geringen historischen Abstand sieht, ein zentrales
Thema in den Blick gelangen kann. Wir sind bemüht, das Vertrauen in die
Regierung wiederherzustellen. Wir bemühen uns um eine Stärkung des Weltfriedens, lenken die Aufmerksamkeit auf die Menschenrechte und wollen
beispielhaft zeigen, was ich in meinem Wahl kämpf und auch seitdem ich in
meinem Amt bin, zum Ausdruck zu bringen versuchte, daß meine Partei und das,
wofür ich stehe, eine Verbindung von Mitgefühl und Kompetenz in der
richtigen Form sind.
Bisher waren wir nicht in der Lage, diese Kluft in adäquater Weise
zu überbrücken. Ich glaube, daß wir einen Schritt in der richtigen
Richtung getan haben, aber ein oder zwei Sätze oder ein kurzes, geschicktes
Schlagwort zu finden, um eine Administration in ihrem formativen oder auch
selbst in ihrem produktiven Stadium zu identifizieren, das ist nahezu
unmöglich.
Frage:

Wenn ich es Ihnen in einer anderen Weise darstellen darf, es

ist einmal gesagt worden, daß jede große neue Gestalt in der Literatur
unsere Vorstellung von Literatur verwandelt.

Ich glaube, das gleiche

gilt wahrscheinlich auch für die Präsidentschaft.
von dem, was das Land überhaupt ist.

Sie repräsentiert etwas

Sie sind der jüngste Repräsentant

dieser Tradition und ich wüßte gern, ob Sie jetzt nach zwei Jahren in
der Administration wissen, was Sie gern hinterlassen würden.
Antwort:
- 3 -

�Antwort:

Ich glaube nicht, daß sich meine Ziele sehr verändert

haben, seit ich daran dachte, mich für die Präsidentschaft zu bewerben,
also vier Jahre, bevor ich gewählt wurde, und in den letzten beiden Jahren.
Es gibt keinen Zweifel, daß unsere Nation schweren Schaden genommen
hat durch den Vietnamkrieg und durch die Watergate-Skandale und die CIAEnthüllungen,und ich glaube, daß die Menschen in unserem Lande auch
mißtrauisch wurden und anzunehmen begannen, daß viele in entscheidenden
Positionen stehenden Vertreter der Öffentlichkeit unehrlich seien, nicht
geradeheraus mit der Wahrheit hervortreten und daß unser Land bei der
großen Mehrheit der Nationen der übrigen Welt keinen Respekt mehr fand.
Es gab bei unseren eigenen Verbündeten und Freunden Bedenken, daß
wir für solche einträten, die die Personifizierung der Menschenrechtsverletzungen waren, und ich denke, daß wir in all dieser Hinsicht, wie
die Leute unsere Regierung beurteilen, sei es vom Standpunkt des
amerikanischen Bürgers oder der führenden Vertreter und Bürger ausländischer
Staaten, einen guten Fortschritt in der Richtung auf das Ziel hin gemacht
haben, das rechte Bild einer guten Nation mit Integrität und Zielsetzung
und Offenheit und auch mit einem Präsidenten, der wirklich für das Volk
selbst spricht, wiederhergestellt haben.
Ein Problem ergab sich, daß bei der Offenheit, die ich zu schaffen
versuchte, in. der Debatte über komplizierte Dinge die Klarheit ausblieb.
M e einfachsten Entscheidungen, die ich zu treffen habe, sind - wie ich
in vergangener Woche vor dem FFA-Konvent in Kansas City sagte - diejenigen
über die ich am wenigsten weiß, und daß, je mehr man über das Thema weiß,
über all die Komplexitäten auf beiden Seiten, die detai 11 ief.ten;:urid.verwickelten Argumente es um so schwieriger ist, eine Entscheidung zu treffen.
Wenn man über eine Sache nicht viel weiß, dann kann man eine sehr
rasche und leichte Entscheidung fällen. Aber ich denke, daß wir bei der
Korrektur einiger der Mängel, die in unserer Regierung bestanden, gute

- 4 -

�gute Fortschritte gemacht haben, und ich glaube, die Geschichte wird uns
nun mit Wohlwollen betrachten.
Frage:

Während Sie reden, fällt mir ein, daß seit 1960 kein Präsident

mehr zwei Amtsperioden im Weißen Haus bis zum Ende durchgestanden hat.
Kennedy wurde gewählt und ermordet, Johnson wurde gewählt und verlor
das Vertrauen, Nixon wurde gewählt und endete in Schimpf und Schande,
Ford wurde ernannt und verlor die Wahl. Möchten Sie der erste Präsidnet
sein, der seit 1960 zwei Amtsperioden zu Ende bringt?
Antwort: Darüber habe ich noch nicht entschieden. Ich möchte dieser
Ehre wert sein und wenn ich mich entschließe, mich 1980 zur Wiederwahl zu
stellen, dann beabsichtige ich auch zu gewinnen. Aber in kann verstehen,
warum es für einen Präsidenten schwierig ist, zwei Amtsperioden durchzustehen.
Man ist die Personifizierung der Probleme, und selbst wenn man ein Problem
erfolgreich angeht, wird man mit ihm identifiziert. Und das ist es, was
die Verantwortung der Präsidentschaft ausmacht.
Frage:

Herr Präsident, ist das der Grund warum sich das gestörte

Verhältnis zur Präsidentschaft in immer stärkerem Maße ausgebreitet hat?
Seit etwa fünfzehn Jahren hat man fast den Eindruck, als ob das amerikanische
Volk oder wesentliche Vertreter des amerikanischen Volkes sich in aller
Stille immer mehr von der Präsidentschaft distanziert haben und in ihr
nicht mehr das Symbol der Nation als Ganzes sehen.
Antwort:

Das mag wohl stimmen, aber es gibt da besondere Umstände

hinsichtlich der Präsidenten, die Sie erwähnten.

Kennedy wurde ermordet.

Ich glaube nicht, daß das irgendeine direkte Beziehung zur Präsidentschaft
als solcher hatte. Das war einfach ein tragisches Ereignis, das - so hoffe
ich - sich nicht wiederholen wird.
In Johnson

- 5 -

�In Johnson sah das Land meiner Ansicht nach denjenigen, der in erster
Linie verantwortlich war für die Fortsetzung des Vietnam-Krieges und dieser
Krieg lag wie eine Zentnerlast auf seinem Nacken und zog ihn nieder.
Ich denke, er hat das beste, was er konnte, getan, um den Krieg
zu beenden und ich weiß, daß er persönlich wegen der Verluste amerikanischer
Menschenleben in Vietnam sehr gelitten hat.
Nixon, sein Nachfolger hatte allerdings das besondere Problem mit Watergate und Ford wurde mit der Begnadigung Nixons identifiziert und hatte nicht
genug Zeit, wie ich meine, um sich selbst zu etablieren

und im Amt zu

bleiben.
Das waren also besondere Umstände, aber ich glaube nicht, daß es im
Amt selbst liegt, daß man aus ihm wegen irgendwelcher widriger Ereignisse
herausgedrängt wird.
Frage:

Sie stimmen also nicht einem Ihrer Vorgänger zu, der sagte,

daß es ein glänzendes Elend sei?
Antwort: Nein, ich glaube, es war Präsident Nixon, der sagte, es
sei ein glänzendes Elend, nein ich habe mich nicht elend gefühlt in diesem
Amt. Ich möchte auch darauf hinweisen, daß es freiwillig ist. Niemand
ist meines Wissens bisher gezwungen worden, Präsident zu sein, und in der
Tat, trotz der schwierigen Aufgaben und Probleme und der gelegentlichen
Enttäuschungen und Kritiken, mir gefällt es.
Frage:
Antwort:

Was ist das schwerste daran?
Ich glaube das schwerste daran ist der Versuch, in hartem

Widerstreit miteinander stehende Ideen höchst ehrenwerter Menschen in das
richtige Verhältnis zueinander zu bringen.
gar nicht bis auf meinen Tisch.

Die leichten Probleme kommen

Wie Sie wissen, werden die leichten

- 6 -

�leichten Probleme im Leben von jedem Einzelnen oder innerhalb der Familie
oder vielleicht im Rathaus oder einem Amtsgebä'ude oder dem Parlament eines
Bundesstaates gelöst. Die aber, die sich nach allen intensiven Anstrengungen nicht lösen lassen, die kommen hierher ins Weiße Haus zur
Lösung, und das sind dann ganz andere Probleme.
Und ich glaube, der Versuch, diese miteinander in Konflikt stehenden
Ideen zueinander in ein Verhältnis zu bringen, ist vielleicht die schwerste
Aufgabe für einen Präsidenten.

- Das amerikanisch-sowjetische Verhältnis Frage: Sie haben vor nicht allzulanger Zeit gesagt: "Ich empfinde
mein Leben jetzt, als befände ich mich in einer schweren Prüfung mit Fragen,
die vielfache Möglichkeiten der Beantwortung bieten, bei der man mir Dinge
vorlegt, und ich habe die schwierige Entscheidung zu treffen."
Können Sie dafür ein Beispiel geben?
Antwort:

Ich habe nichts gefunden, was leicht ist an diesem Amt.

Aber ich habe auch nicht erwartet, daß es leicht sein würde, als ich hierher
kam.

Ich erwähnte ein Beispiel bereits früher:

Die Tatsache, daß wir sehr

besorgt um den Schutz der Sicherheit unserer Nation sein und jede Eventualität
bedenken müssen, wenn wir mit der Sowjetunion zu keinem Fortschritt in
Richtung auf den Frieden gelangen.
Zur gleichen Zeit aber müssen wir jede Möglichkeit erkunden, um ein
friedliches Verhältnis zur Sowjetunion zu haben, um Spannungen abzubauen und
um eine gemeinsame Grundlage zu finden, auf der wir in der Zukunft tatsächlich
eine Freundschaft aufbauen können.

Und dies beides, die beiden Seiten dieser

Möglichkeit, sind nicht nur außerordentlich schwierig, sondern stehen allem

- 7 -

�allem Anschein nach in Widerstreit miteinander.
Frage:

Worauf zielen die Sowjets Ihrer Meinung nach ab?

Sehen Sie

in der Sowjetunion eine in erster Linie defensive Macht, die ihre eigene
Position in der Welt zu festigen sucht, oder sehen Sie in ihr eine aggressive
Macht, die bemüht ist, ihre Position in der Welt auszuweiten?
Antwort:

Um einmal überaus großmütig zu sein - aber auch nicht zu

weit vom Punkte abzukommen - ich glaube, daß die Sowjets vor allem Frieden
und Sicherheit für ihr eiqenes Volk wollen, und sie übertreiben zweifellos
jede scheinbare Drohung gegen sie und müssen es, um sicher zu sein, daß
sie in der Lage sind, sich selbst zu schützen.

Gleichzeitig, wie es mit

uns der Fall ist, möchten sie gern ihren Einfluß bei anderen Völkern
in der Welt ausweiten, im Glauben, daß ihr Regierungssystem, ihre Weltanschauung

das Beste seien.

Das heißt, wir müssen für die Zukunft bei bestehendem Frieden zwischen
uns planen, mit ihnen in Konkurrenz zu stehen und in der Lage zu sein,
zugleich aggressiv und erfolgreich zu konkurrieren.
Aber ich möchte sagen, daß dieses ihre beiden Grundmotive sind,
so wie auch bei uns, Sicherheit für sich selbst und den eigenen Einfluß
in der übrigen Welt soweit wie möglich zum Tragen zu bringen.
Frage:

Nun gibt es Leute, die der Meinung sind, daß es das Ziel

der Sowjets sei, uns gegenüber sowohl in bezug auf herkömmliche als auch
auf strategische Waffen eine Überlegenheit zu erlangen, und daß wir uns
daher nicht damit zufriedengeben

sollten, ein Gleichgewicht zu erzielen,

sondern daß wir ihnen gegenüber überlegen sein sollten.
die Alternativen, über die man spricht.
Antwort:

Das sind praktisch

Was haben Sie dazu zu sagen?

Sie werden uns weder in nationaler noch in der gesamten

militärischen Stärke überlegen sein.

Wir sind wirtschaftlich gesehen bei

- 8 -

�bei weitem die stärkere Nation.

Unsere Produktivitätskapazität ist

der sowjetischen überlegen und wird es meiner Meinung nach immer sein.
Wir stützen uns auf ein lebendiges, dynamisches gesellschaftliches
und politisches System, das auf Freiheit und Individualität basiert, sowie
auf eine gemeinsame Zielsetzung, die von unserem Volk getragen wird und
ihm nicht durch eine autokratische Regierung auferlegt wurde.

Ich meine,

daß die Tatsache, daß wir keine Kontrolle über irgendein Volk in der Welt
wünschen, uns einen Wettbewerbsvorteil gibt, wann immer irgendwo eine neue
Regierung entsteht

oder wann immer wir nach Freunden suchen.

uns mehr als der Sowjetunion.

Man vertraut

Die Sowjets geben mehr als doppelt so viel

ihres Bruttosozialprodukts für militärische Dinge aus, aber wir sind
dennoch weitaus stärker, und wir werden zumindest zu unseren Lebzeiten immer
stärker sein als sie.
Wir sind von Freunden und Verbündeten umgeben;

Kanada im Norden,

Mexiko im Süden, zwei offene und zugängliche Ozeane im Osten und Westen.
Wenn wir die Dinge aus der Perspektive des Kreml betrachten, dann sehen
sich die Sowjets fast einer Milliarde Chinesen gegenüber, die eine starke
Animosität und ein starkes Mißtrauen gegenüber den Sowjets und gegenüber
dem Westen haben.

In Osteuropa können sich die Sowjets auf ihre Verbündeten

und Freunde nicht annähernd so verlassen, wie das bei unseren Verbündeten
der Fall ist.

Moskau hat auch Schwierigkeiten hinsichtlich eines unge-

hinderten Zugangs zu den Ozeanen, das Klima bei ihnen ist nicht so gut
wie bei uns, ihr Land ist nicht so produktiv wie unseres.
Wenn es also in der Gegenwart oder in der Zukunft um eine Herausforderung
seitens der Sowjetunion geht, dann meine ich, daß unser Land gut dabei
wegkommt, und dafür danke ich Gott.
Frage:

Aber sind Sie denn der Meinung, daß die Einstellung, daß wir

die Nummer eins seien, die jetzt viele Leute geräuschvoll zum Ausdruck

�Ausdruck bringen, eine gesunde Einstellung ist?
Kann denn dieses ganze Problem, daß man Nummer eins sein müsse,
jemals zu etwas anderem führen

als zu einer zunehmenden Eskalation der

Spannungen und zu zunehmenden Ausgaben für die Rüstung?
Antwort:

Was den Bereich der Kernwaffen angeht - und hier ist, wie

Sie wissen, unser Wettstreit mit den Sowjets am direktesten - so haben
beide Seiten die Konzeption eines ungefähren Gleichgewichts akzeptiert wir sind in etwa gleichwertig.
wir haben mehr davon.

Die Sowjets haben größere Gefechtsköpfe,

Wir haben drei unterschiedliche Trägersysteme für

die Gefechtsköpfe, die sich gegenseitig ergänzen - wenn es jemals soweit
kommen sollte, aber ich glaube nicht, daß es jemals soweit kommen wird.
Wir haben eine weitaus höher entwickelte elektronische Technologie,und
unsere Überwachungssysteme sind vermutlich genauso gut, wenn nicht besser
als die sowjetischen.
Unsere Unterseeboote laufen leiser als die ihren.

Wir verfügen über

den Vorteil des gewaltigen Reservoirs eines freien Unternehmertums, das
voller Innovation ist und uns voranbringt.

Bei uns ist das Zusammenspiel

zwischen der Produktion ziviler oder friedlicher Güter auf der einen Seite
und militärischer Güter auf der anderen Seite weitaus enger.
Ich meine also, daß im Falle der Nuklearwaffen ein Gleichgewicht
besteht, und die Sowjets erkennen das an und wir auch.
Beide Seiten sind sich darüber im klaren, daß keiner den anderen
angreifen kann, ohne ungestraft davonzukommen. Wir können - sollte das
sein müssen - einen Angriff seitens der Sowjetunion verkraften und könnten
dann immer noch ihr Land zerstören, und die Sowjets wissen das ebenso wie
wir.
Ich bin also der Meinung, daß diese schreckliche Gewißheit der gegen-

- 10 -

�gegenseitigen Zerstörung einen Angriff verhindern wird.

Wir haben nicht

die Absicht - und auch nicht die Sowjets -, die Fähigkeit zu entwickeln,
das andere Land zu zerstören, ohne selbst durch nukleare Kräfte zerstört
zu werden.
Was nun die Frage der landgestützten Waffen angeht, so haben die
Sowjets - wie ich bereits vorher sagte - verletzliche Grenzen. Sie haben
Nachbarn, denen sie nicht so gut vertrauen können, wie es bei uns der Fall
ist, und auf dem nuklearen Felde sehen sie sich sogar drei weiteren
Nuklearmächten gegenüber, die im Falle einer Krise potentielle Gegner
sein könnten: den Chinesen, den Briten und den Franzosen - und dann
noch uns. Uns steht keiner von diesen als potentieller Gegner gegenüber.
Aber ich glaube, daß eine Nation, die sich übertrieben stark gibt, die
behauptet, sie sei so mächtig, daß sie das andere Land beherrschen oder
zerstören könnte, sich in das eigene Fleisch schneiden würde, und ich
glaube auch nicht, daß wir oder die Sowjets eine solche Kapazität entwickeln
könnten, selbst wenn wir dies wollten.

- Iran Frage: Lassen Sie mich noch einmal auf die Gleichung zurückkommen,
daß es mehrere Lösungen für schwierige Fragen gibt, und sie auf andere
derzeitige und sehr brennende Fragen anwenden. Die eine davon ist der
Iran. Welche Möglichkeiten sehen Sie da?
Antwort:

Wir sehen, wie Sie wissen, in dem Schah einen Freund,

einen loyalen Verbündeten, und das gute Verhältnis, das der Iran heute
zu den anderen Demokratien der Welt, den westlichen Mächten hat,ist
überaus konstruktiv und wertvoll.

Wenn es also einen starken und unabhängigen

Iran in diesem Raum gibt, dann ist dies ein sehr stabilisierender Faktor,
und wir würden es sehr, sehr ungern sehen, wenn dieses Land durch Gewalt

- 11 -

�Gewalt zerstört und die Regierung mit all den unabsehbaren Folgen gestürzt
würde.

Der Schah ist in erster Linie innerhalb des Iran kritisiert worden,

weil er versucht hat, das Land zu demokratisieren und weil er in rascher
Folge soziale Reformen eingeführt hat.
Einige seiner innenpolitischen Gegner sind nicht mit der Art und Weise
einverstanden, in der dies geschah, oder sie sind der Meinung, daß dies
nicht schnell genug - oder gar zu schnell - geschah, und sie beklagen, daß
der Schah im Zuge der Modernisierung des Iran mit hergebrachten religiösen
und sozialen Sitten und Gebräuchen gebrochen habe.
Frage:

Er wird aber auch kritisiert, weil er die Politik eines

Polizei Staates führe?
Antwort:

Das ist absolut richtig.

Ich glaube, diese Kritik gegenüber

dem Schah war zu hören, manchmal vielleicht gerechtfertigt.
Einzelheiten nicht.

Ich kenne die

Aber ich meine, es kann kein Zweifel daran bestehen,

daß der Iran große soziale Fortschritte erreicht hat und auch Fortschritte
hinsichtlich der freien Meinungsäußerung.

So hat der Schah noch in den

letzten Monaten das Parlament ermächtigt oder angewiesen, seine Erörterungen
in aller Öffentlichkeit und auch im Fernsehen durchzuführen - etwas, was
selbst wir in unserem Lande nicht tun.
Frage:

Glauben Sie, dies alles kommt zu spät?

Antwort: Ich hoffe nicht. Ich weiß nicht, was letztlich eintreten
wird. Ich möchte hoffen, daß bald eine Koalitionsregierung gebildet werden
kann. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es dort eine quasi Militärregierung.
Der Schah hat erneut seine Verpflichtung bekräftigt, offene und demokratische
Wahlen durchzuführen - vielleicht in sechs oder acht Monaten. Ich hoffe,
daß dies möglich sein wird.
Wir möchten, daß das iranische Volk seine Ansichten klar zum Ausdruck

- 12 -

�Ausdruck bringen kann und daß es eine Regierung hat, die intakt ist und
die Ansichten der Mehrheit klar zum Ausdruck bringen kann.
Frage: Aber können wir irgend etwas tun, um eine solche Entwicklung
zu fördern, oder sind unsere Hände gebunden?
Antwort:

Nein, wir werden nicht versuchen, uns in die inneren Angelegen-

heiten des Iran einzumischen.
Frage: Wir haben aber doch dazu beigetragen, daß er an die Macht kam.
Meinen Sie jetzt, daß wir nichts tun können, um ihn an der Macht zu halten?
Antwort:
Frage:

Ich glaube, diese Entscheidung muß das iranische Volk treffen.
Schmerzt es manchmal, wenn Sie sich zurückhalten müssen und

nichts tun können, wo Sie doch genau wissen, daß in einem Teil der Welt,
der jenseits Ihrer Einflußnahme steht, große Dinge auf dem Spiele stehen?
Antwort: Wir haben in gar keiner Weise die Absicht, uns in die inneren
Angelegenheiten eines anderen Landes hineinziehen zu lassen, es sei denn,
unsere eigene Sicherheit wäre direkt bedroht, und das ist eine Denkweise,
die ich zum Ausdruck gebracht habe, seit ich mich im nationalen politischen
Bereich betätige.
Ich bin der Meinung, daß wir harte Lektionen lernen mußten, und zwar
in Vietnam und anderswo. Und wir haben uns immer bemüht, unseren Verbündeten und Freunden gegenüber loyal zu sein; die Mehrheitsherrschaft
auf der Basis eine Person eine Stimme; die demokratischen Verfahren und
den Schutz der Menschenrechte zu fördern.
Ohne Zweifel waren wir nicht immer erfolgreich bei dem Versuch, andere
Völker zu ermutigen, es unseren Normen und Leitsätzen gleich zu tun, aber
ich bin doch der Meinung, daß wir bei diesem Bemühen Beharrlichkeit bewiesen

- 13 -

�bewiesen haben.
Frage:

Aber das ist genau der Punkt, wo in manchen Kreisen dieses

Landes Kritik laut wird dahingehend, daß die Sowjets beispielsweise ein
Interesse daran hätten, was im Iran passiert, und daß sie in ihrer Bewegungsfreiheit - heimlich oder offen - unbehindert seien, während wir wenn wir die von Ihnen vertretene Haltung verfolgen - gebunden seien und
nichts tun könnten, obwohl wir doch - heimlich oder öffentlich - in dieser
Angelegenheit eine harte Position beziehen und erklären sollten, daß wir
zwar den Schah nicht besonders lieben, aber ihn doch an der Macht haben
wollen.

Sie sagen, dieser Zeitpunkt sei vorüber und daß wir das nicht tun

könnten?
Antwort: Nein. Wir haben durch meine eigenen öffentlichen Erklärungen
sowie durch die von Außenminister Vance klargestellt, daß wir den Schah
und die gegenwärtige Regierung unterstützen, wobei wir uns darüber im klaren
sind, daß wir keinerlei Kontrolle über die Entscheidungen haben, die
letztlich das iranische Volk treffen muß, und auch nicht auf die Stabilität
in diesem Gebiet; wenn der Terrorismus, die Gewalt und die Anarchie im
Gefolge eines völligen Sturzes der iranischen Regierung Erfolg hätten, dann
wäre dies eine Bedrohung für den Frieden.
Uns liegen beispielsweise keinerlei Beweise dafür vor, daß die Sowjets
versuchten, die bestehende Regierungsstruktur im Iran zu zerstören, oder
daß sie eine Quelle der Gewalt in diesem Lande darstellten. Ich meine,
sie sind sich darüber im klaren, daß sie eine sehr lange Grenze mit dem
Iran haben und daß eine stabile Regierung - wer auch immer deren führende
Politiker sein mögen - für sie nur von Wert sein könnte.
Das kann sich durchaus ändern.

Sollte es sich herausstellen, daß

der Schah sehr schwach ist und daß andere Kräfte vielleicht an die Macht
kommen könnten, dann ist es durchaus möglich, daß die Sowjets diese ihre

- 14 -

�ihre Haltung ändern.

Aber das sind die Dinge, wie sie jetzt stehen.

- Der Nahe Osten und Camp David Frage:

Was haben Sie denn zum Nahen Osten zu sagen, Herr Präsident?

Antwort: Ich habe hunderte von Stunden für die Vorbereitung sowie für
die direkten Verhandlungen mit den Führern des Nahen Ostens, insbesondere
Ägyptens und Israels,verwandt,und auch Außenminister Vance hat unter Aufgabe
eines Teils seiner anderen Verpflichtungen für die Außenpolitik versucht,
einen erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen über einen Friedensvertrag
herbeizuführen.
Und auch hier haben wir keinerlei Machtbefugnisse über jemand anderen.
Wir können keinen Druck ausüben, um die Israelis und die Ägypter zu einer
friedlichen Regelung der Streitfälle zu veranlassen, die sie trennen.
Der Rahmen von Camp David, fast ein Wunder, was einen Abschluß angeht,
- und es scheint jetzt im Rückblick ein größeres Wunder zu sein, als zur
Zeit seines

Zustandekommens - bildet eine vernünftige Basis zwischen Ägypten

und Israel.

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß beide Länder aus einem

Frieden den größten Nutzen ziehen würden.
Frage: Und dennoch scheinen sich die Gespräche heute in einer Sackgasse
zu befinden?
Antwort: Die gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten sind - verglichen mit den Vorteilen die erzielt werden können - relativ unbedeutsam.
Die Vorteile sind im Vergleich mit den Meinungsverschiedenheiten so überwältigend, daß ich hoffe, daß die Ägypter und die Israelis Fortschritte in
Richtung auf den Frieden machen werden.
Frage:
- 15 -

�Frage:

Was steht denn diesen Fortschritten heute entgegen?

Antwort:

In Camp David haben wir einen Rahmen geschaffen.

Dieser

enthielt eine ganze Menge an Substanz, aber er erforderte dennoch Verhandlungen über Details und spezifische Fragen, und es gibt eben keine
Möglichkeit, einen Friedensvertrag mit all den Einzelheiten und den detaillierten Absprachen, mit den vereinbarten Landkarten, skizzierten Linien
und Zeitplan abzuschließen, ohne weit über das hinaus zu gehen, was der
Rahmen von Camp David darlegte.
Es haben also beide Seiten voneinander zusätzliche Sicherheiten gefordert, die über das hinausgehen, was speziell in Camp David vereinbart
wurde.

Und ich denke doch, daß die beiden Regierungen in einigen Fällen

- ja in manchen Fällen - eine ziemlich gute Übereinkunft erreicht haben.
Was nun weiterhin geschehen wird, weiß ich nicht, wir hoffen daß
beide Seiten weiterhin auf die Erreichung eines Abkommens hinarbeiten
werden, daß sie darauf hinarbeiten werden, einander zu verstehen,und die
Konsequenzen eines Fehl Schlages gegen die Vorteile eines Erfolges abwägen,
und daß beide flexibel sind.
Es handelt sich um uralte Argumente, um historisches Mißtrauen, das
nicht leicht zu überwinden ist, und was daran so frustrierend ist, ist
die Tatsache, daß wir an diesen Verhandlungen teilhaben, daß wir jedoch
Israel nicht veranlassen können, die ägyptischen Forderungen anzunehmen oder umgekehrt. Wir müssen danach trachten, einige dieser Forderungen
abzuschwächen und unseren Einfluß geltend zu machen. Ich weiß wirklich
nicht, was hier geschehen wird. Wir beten darum,daß diese Abkommen zustande kommen.
Frage:

Ersuchen Sie beide Seiten darum, weitere Konzessionen zu

machen?
Antwort:

- 16 -

�Antwort:

Ja, Tag und Nacht.

Wir ersuchen beide Seiten, doch auf jeden Fall konstruktiv zu handeln,
nicht auf einer festgefahrenen Position zu beharren, die Verhandlung fortzusetzen, auf unseren Vorschlag einzugehen und diesen Kompromissen zuzustimmen.
Das waren und sind unsere Bemühungen, die auf einer konstanten Basis
forgesetzt werden.

Ich glaube, es wäre einfach schrecklich, wenn wir kein

friedliches Abkommen zwischen Israel und Ägypten erreichen könnten.
Frage:

Und was würde dann geschehen?

Antwort: Dann würden unsere Kinder, unsere Enkelkinder, zukünftige
Generationen auf diese Zeit zurückblicken und sagen, daß kleine, winzige
technische Dinge, Sätze, die Formulierung von Vorstellungen, legalistische
Einzelheiten, die zu jener Zeit angesichts eines Abkommens zwischen Ägypten
und den Israelis von überragender Wichtigkeit schienen, absolut keinerlei
geschichtliche Bedeutung haben. So stehen im Grunde die Probleme.
Frage:

Wollen Sie damit sagen, daß der Engpaß von heute aufgrund von

technischen Dingen und nicht aufgrund von wesentlichen Grundsatzfragen
entstanden ist?
Antwort:

Ja!

Verglichen mit den Prinzipien, über die bereits Einigung

erzielt worden ist, sowie mit dem Gesamtbereich der Dinge sind die Meinungsverschiedenheiten jetzt relativ unbedeutsam.
Frage: Ägypten möchte die gegenwärtigen Verhandlungen, so wie ich
es sehe, mit der zukünftigen Lösung der Probleme des Gazastreifens und
des Westufers verbunden wissen. Wer ist nun eigentlich eigensinniger?
Antwort:

Ich möchte nicht damit anfangen, zu sagen, wer nun eigentlich

- 17 -

�eigentlich eigensinniger ist.

Ich meine, beiden Seiten muß eine ent-

sprechende Eigensinnigkeit zugeschrieben werden.
Frage: Sie sprachen von Enkelkindern; und nach Camp David haben Sie
gesagt, daß ein kritischer Augenblick dadurch überwunden werden konnte,
daß jemand an gerade diese Enkelkinder gedacht habe. Könnten Sie sich dazu
näher äußern?
Antwort:
zuzumessen;

Es ist vielleicht ein Fehler, dieser Sache zuviel Bedeutung
aber während der letzten Verhandlungsstunden in Camp David,

als es den Anschein hatte, daß alles zusammenbrechen würde, schickte mir
Ministerpräsident Begin einige Fotografien von sich und mir und Präsident
Sadat hinüber mit der Bitte, sie zu signieren.
Zu dieser Zeit ging es gerade um Jerusalem, das sich als ein fast
unüberwindbäres Hindernis erwies und worüber wir später übereinkamen, es
nicht in das Rahmenwerk einzuschließen. Und statt meiner Unterschrift
unter diese Fotos zu setzen, wie es Präsident Sadat getan hatte, schickte
ich meine Sekretärin, Susan Clough hinüber und erhielt von einem seiner
Berater die Namen all seiner Enkel. Ich widmete diese Fotos dann persönlich
all seinen Enkeltöchtern und Enkelsöhnen, unterzeichnete und trug sie dann
zu ihm hinüber - und zwar in einem der angespanntesten Augenblicke -, ich
überreichte ihm die Fotos, und er begann, über den Zusammenbruch der Verhandlungen zu sprechen. Dann blickte er auf die Fotos und sah, daß ich
alle Namen seiner Enkelkinder darauf geschrieben und sie signiert hatte;
und dann begann er mir von seinem Lieblingsenkel zu erzählen sowie über die
Eigenheiten der verschiedenen anderen Enkelkinder und wir hatten ein ziemlich
gefühlsbetontes Gespräch über die Vorteile, die sich für meine beiden
Enkel sowie seine Enkelkinder ergeben könnten, wenn wir den Frieden erreichten.
Ich glaube, das löste die bestehende Spannung, die zu dem damaligen Zeitpunkt zu einem Hindernis für jede Art von Lösung hätte werden können.

Frage:

Welche Schlüsse ziehen Sie nun daraus hinsichtlich der Natur

- 18 -

�Natur dieser Probleme und ihrer Lösung?
Antwort: Sehen Sie, wenn Sie die Probleme unter dem Gesichtspunkt
betrachten, welche Wirkung sie auf die Menschen haben, auf kleine Kinder,
auf Familien, ja auf den Verlust des Lebens, dann erlangen Abkommen, die
Notwendigkeit für Abkommen, eine alles überragende Bedeutung. Wenn die
internationalen Anwälte nun die Dinge in die Hand nehmen und sich mit den
technischen Einzelheiten befassen - mit der Frage beispielsweise, ob ein
bestimmtes Ereignis sich in neun Monaten oder achteinhalb Monaten oder zehn
Monaten vollziehen soll oder noch früher, ob beispielsweise diese Demarkationslinie um einen bestimmten Hügel herumgeführt oder über ihn hinweggehen soll,
oder ob die Beobachtungstürme 150 Fuß hoch, 200 Fuß hoch, oder 125 Fuß hoch
sein sollen, dann erlangt die menschliche Dimension offensichtlich überragende Bedeutung, aber wenn dann wiederum die Verhandlungsführer sich an
einen Tisch setzen und mit ihren Gesprächen beginnen, besteht die Tendenz,
daß die menschliche Dimension immer geringer wird und daß man sich an den
legal istischen Einzelheiten, an dem Vertragstext sowie exakten Zeitplänen
festbeißt und historische Perspektiven keine Bedeutung mehr haben.

Ein weiteres Problem - und zwar eines der ernsthaftesten - war, daß
es in Camp David keine täglichen Presseunterrichtungen gab; und von dieser
Absprache gingen wir auch hier in Washington aus, als die Gespräche begannen,
daß nämlich keine Seite direkte Erklärungen gegenüber der Presse abgeben würde.
Wie Sie wissen, ist diese Absprache nicht eingehalten worden, und das hat
für uns weitere gewaltige und unnötige Probleme geschaffen.
Frage:

Sie meinen, daß es auf beiden Seiten undichte Stellen gab?

Antwort: Nicht nur undichte Stellen, sondern fast jeden Tag sehe
ich im Fernsehen Interviews von zumindest einer der beiden beteiligten
Seiten. In Camp David arbeitete ich ferner direkt mit den Staatschefs zusammen.
Hier in Washington arbeiten wir mit den Verhandlungsführern zusammen, und
diese wiederum berichten ihre Entscheidungen zurück an ihren Staatschef oder

- 19 -

�oder an das Kabinett, das Kabinett stößt sie wieder um, veranlaßt die
Verhandlungsführer zu einer Änderung des Textes oder auch nur eines Wortes,
und praktisch sind es dann die radikalsten Mitglieder der Regierungen, die
den Haupteinfluß auf den Verhandlungsprozeß ausüben - statt daß man die
Staatschefs in einer Entfernung von etwa 100 Metern hat (wie in Camp David)
und sie ein für alle mal diese Fragen lösen können.
Ich bin also der Meinung, daß die Nachfolgekonferenz von Camp David
viel mehr Zeit in Anspruch nimmt und weitaus frustrierender ist, als dies
in Camp David der Fall war, wo wir drei in erster Linie die Verhandlungen
geführt haben.
Frage:

Wenn ich das Logbuch von Camp David lese, dann ergibt sich

daraus, daß sie insgesamt 27 1/2 Stunden mit Sadat und 29 Stunden mit Begin
sowie 9 Stunden mit Sadat alleine und 6 Stunden mit Begin alleine verbracht
haben, wobei sonst niemand im Raum war - so wie es bei Roosevelt und
Churchill der Fall war.
Glauben Sie, daß Sie die meisten dieser größeren Fragen, denen wir uns
gegenüber sehen, lösen könnten, wenn Sie die Leute in einen Raum bekämen
und mit ihnen sprechen könnten? Man hat gesagt, daß Lyndon Johnson weitaus
mehr hätte erreichen können, hätte er nur die Leute einen nach dem anderen
überzeugen können, statt zum Fernsehen und zu öffentlichen Reden Zuflucht
zu nehmen.
Glauben Sie, daß andere Probleme, vor denen Sie stehen, gelöst werden
könnten, wenn Sie sich sozusagen Auge in Auge mit dem Gegner aussprechen
könnten?
Antwort:

Ich könnte keinen Erfolg garantieren, aber ich meine doch,

daß die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges ohne Frage größer wäre.

- 20 -

�- Die Amtseinführung Frage:

Das führt uns auf etwas zurück, was Sie auch schon vorhin

sagten, daß nämlich alles, was Sie tun, niemals in einem Sinne gesehen wird,
wie Sie es zu tun versuchen, daß Sie für viele Menschen in vielerlei Weise
erscheinen.

Wie lösen Sie diese Widersprüche?

Antwort: Das kann nicht ausbleiben. Das schwierigste Problem, mit
dem ich fertig werden muß, besteht darin, daß ich mich für die Menschen in
aller Welt nicht als einschichtigen oder ganz einfachen Charakter oder
Person darstelle.
Die Tagesordnung eines durchschnittlichen Arbeitstages für mich ist
unglaublich vielschichtig, und ich muß von einem Thema zum anderen übergehen, von innenpolitischen zu außenpolitischen Fragen, von einem Land zum
anderen, von einem Problem zum anderen.

Und es ist mir einfach nicht

möglich, in wenigen Worten zu sagen, was ich an diesem oder jenem Tag getan
habe, sodaß dieser vielschichtige Eindruck unausweichlich eintritt.
Das einzige, was ich nach meinem eigenen Wissen und Gewissen tun
kann, ist, jedes Problem um seiner selbst willen zu bedenken und eine
Entscheidung zu treffen, die nach meiner Überzeugung zu dem gegebenen
Zeitpunkt die beste für mein Land und für mein Volk ist.
Es ist natürlich ein Vorteil, gute Berater zu haben, und ich habe
gute Berater.
Ich bin kritisiert worden, weil ich mich zu sehr in die Einzelheiten
eines Problems einließe, aber das ist nun einmal meine Art, und ich glaube,
das zahlt sich gelegentlich sehr gut aus, da ich dadurch in der Lage bin,
die Vielschichtigkeit eines Problems zu verstehen, wenn die endgültige
Entscheidung getroffen werden muß. Ich brauche mich dann nicht ausschließlich
auf meine Berater zu verlassen, die nicht über das Wissen verfügen, das ich

- 21 -

�ich als Präsident allein haben kann.
Aber das ist wohl eine unerfüllbare Hoffnung eines jeden Politikers,
wie ich vermute, von allen bewundert zu werden, allein

eine klare Vor-

stellung von allen Themen zu haben, alles fein verpackt und verschnürt
zu haben, so daß es ohne jeden Zweifel von allen Seiten geprüft werden
kann, seinen Charakter von allen klar erkannt und die universelle Billigung
aller Menschen zu haben, die man vertritt.

All das sind unerfüllbare

Träume.
Frage:

Pat Cadell - er ist einer Ihrer Mitarbeiter - hielt vor kurzem

eine Rede, in der er erklärte, ein Präsident könne Erfolg haben, auch
wenn er wenig leiste, weil die Menschen draußen davon ausgingen, daß er
nicht viel leisten könne. Glauben Sie, daß das stimmt?
Antwort:
Frage:

Ich hoffe, daß ich den Beweis dafür nicht anzutreten brauche!
Wie ich hörte, wurden Sie, da wir von Details sprechen,

kritisiert, weil Sie die Liste geführt hätten, wer wann die Tennisplätze des Weißen Hauses benutzen darf.
Antwort:
Frage:
Antwort:

Tun Sie das noch?

Nein, und ich habe das übrigens auch niemals getan.
Das war also eine Falschmeldung?
Ja, ganz sicherlich.

Frage: Ernsthaft gesprochen, ist der Job zu groß? Ist die amerikanische
Regierung, die heute ein 500 Milliarden Dollar-Unternehmen ist, zu groß,
als daß sie von einem einzigen Chef gemanaged werden könnte?
Antwort: Nein, ich möchte nicht tauschen - ich sage das in dem
Bewußtsein, daß natürlich nicht eine Person alles tun kann. Aber der

- 22 -

�der Aufbau der amerikanischen Regierung ist noch immer der beste, den ich
mir vorstellen kann.

Es besteht eine gewaltige Aufteilung der Verantwortung

unter den verschiedenen Zweigen der Bundesregierung, eine angemessene Aufteilung der Verantwortung zwischen mir und den Gouverneuren der Einzelstaaten und den Bürgermeistern und den Kreisverwaltungen auf der kommunalen
Ebene, zwischen der Regierung und den einzelnen Bürgern.
Dieses Kräfteverhältnis hat sich historisch entwickelt, und es hat
sich, wie ich meine, zu dem gegenwärtigen Stand der Dinge entwickelt,
weil man in jedem Falle, in dem eine Änderung eingetreten ist, die Dinge
erprobt und sich die beste Lösung durchgesetzt hat. Aber es wäre ein
schwerer Fehler, eine solche Regierung, sagen wir mit Hilfe eines Ausschusses,
leiten zu wollen. Und ich bin sehr dankbar, daß ich die Mitglieder meines
Kabinetts selbst einstellen und entlassen kann. Ich berate mich mit meinem
Kabinett, und ich höre den Mitgliedern meines Kabinetts zu, aber die
Entscheidung treffe ich alleine. Ich brauche nicht abstimmen zu lassen
und mich nach einer Mehrheit in meinem eigenen Kabinett zu richten, und
wenn man sich vorstellen würde, daß es eine Dreipersonen-Präsidentschaft
gäbe, eine Person, die sich vielleicht um die Außenpolitik kümmert, eine
um die innenpolitischen Fragen und eine, die an der Spitze der Verwaltung
selbst stünde, dann wäre das sicherlich sehr viel schlechter als der
jetzige Zustand.

Ich finde unsere verfassungsmäßige Regelung gut. Wir haben eine
Exekutive mit verfassungsmäßig begrenzter Macht und eine Stimme, mit der
wir die Erwartungen und Hoffnungen unseres Landes richtig und genau, wie
ich glaube, unserem Volk zu Ausdruck bringen können.
Frage:
Antwort:

War Camp David der bisherige Höhepunkt Ihrer Regierungszeit?
Ich möchte sagen, die ersten zwölfeinhalb Tage waren

wahrscheinlich der Tiefpunkt meiner Regierungszeit, der letzte halbe
Tag in Camp David war einer der Höhepunkte.

- 23 -

Das ist alles schwer zu

�zu sagen.
Frage:

Was war für Sie der Tiefpunkt?

Waren Sie sich beispielsweise

in diesem Sommer der zunehmenden Zweifel an Ihrer Fähigkeit als Präsident
bewußt?
Antwort:

Es gab eine Flut von Nachrichten und Aufhängern in den

Wochenblättern und Leitartikeln überall im Lande, die eine Besorgnis
über meine Fähigkeit zum Ausdruck brachten, die Regierung zu leiten.
Ich weiß nicht, ob sie mehr verurteilend oder kritisch waren als
über frühere Präsidenten bis zurück zu Abraham Lincoln und noch weiter
zurück.

Jeder Präsident ist als unfähig und sogar als miserabel kritisiert

und abgetan worden.
Frage: Die Meinungsumfragen über Sie sind in diesem Sommer auch
sehr tief gesunken.
Antwort: Sie sind nicht so tief gefallen wie beispielsweise bei
Harry S. Truman während dessen Regierungszeit, aber sicherlich tiefer,
als ich es gerne gehabt hätte. Ich habe mir jedoch darüber niemals ausgesprochene Sorgen gemacht, denn ich konnte in dem Entwicklungsstadium
beispielsweise feststellen, daß in meinem Umgang mit dem Kongress Fortschritte in bezug auf Entschlüsse eintraten, die schließlich zu Entscheidungen führten, die zeigten, daß der 95. Kongreß auf eine sehr gute
Leistungsbilanz zurückblicken kann.
Und ich glaube, in den Konfrontationen mit dem Kongreß - als wir
uns über zwei oder drei Fragen stritten - habe ich mich durchgesetzt,
weil ich glaube, daß ich recht hatte und Prinzipien aufgestellt habe,
die für die Zukunft gut sein werden.
Aber ich habe auch niemals an meiner eigenen Entschlossenheit

- 24 -

�Entschlossenheit gezweifelt. Ich erkenne durchaus meine eigenen Grenzen
und Fehler. Ich bin nicht allwissend, und ich bin sicherlich nicht
allmächtig. Ich habe eine begrenzte Macht, begrenzte Vollmachten, und ich
versuche, die dem Amt selbst innewohnenden Mängel zu überwinden, so gut
ich kann.
Frage: In Kreisen, in denen ich mich umgehört habe, gibt es Leute,
die gesagt haben, daß Jimmy Carter ein Energiegesetz akzeptiert habe, das
nicht seinen Wünschen entsprach, daß Jimmy Carter sich mit einem Steuergesetz zufriedengegeben habe, das seinen Überzeugungen zuwiderlief, daß
Jimmy Carter einem aggressiven Kampf um eine Reform des Wohlfahrtsprogramms
ausgewichen sei, daß er beim Krankenhauskostendämpfungsgesetz verloren
habe, daß er im Bildungswesen nicht vorankomme. In gewisser Weise sagten
die Leute, daß Jimmy Carter, der versprochen habe, Befähigung und Leistungsfähigkeit in die Regierung zu bringen, an jeder Front gescheitert sei und
sich mit Kompromissen zufriedengebe, die er vorher nicht wollte. Und daraus
ist, wie ich glaube, die Vorstellung von einem schwachen Präsidenten entstanden - von einem Präsidenten, der an einer Front nach der anderen
Niederlagen erleidet.
Antwort:

Das endgültige gesetzgeberische Pensum, wie es verabschiedet

wurde, ist, wie ich meine, ein großes Verdienst des Kongresses und zeigt
eine gute Verträglichkeit zwischen den Parlamentariern und mir und darf
uns alle mit Stolz erfüllen.
Die Tatsache, daß nur sehr wenige Mitglieder des Kongresses bei der
letzten Wahl unterlagen - im Vergleich zu früheren "Zwischenwahlen" ist gut. Wir haben noch immer mehr als 60 Prozent Demokraten im Repräsentantenhaus, über 60 Prozent im Senat und, wie ich glaube, auch rund
60 Prozent bei den Gouverneuren. Das ist doch eine Bestätigung für die
Leistungen der Demokratischen Partei.
•

•

Aber ich glaube, ich muß fairerweise sagen, daß es Zeiten gab, jijn

- 25 -

�in denen ich Kompromisse unterhalb der Schwelle dessen abschließen mußte,
was ich vom Kongreß gefordert hatte.
Energiegesetzes

Wir haben etwa 65 Prozent des

erreicht, das wir dem Kongreß ursprünglich unterbreitet

hatten, vor allem was die Einsparung von Importöl angeht - d.h. etwa
2,5 Millionen Barrel pro Tag statt der 4,5 Millionen Barrel wie vorgesehen.
Ich hätte gerne alles erreicht.
werde

Aber ich bin ja noch im Amt, und ich

später versuchen, noch einiges mehr zu erreichen.

- Die Steuergesetzgebung Frage: Nehmen wir einmal das Steuergesetz; während des Wahl kämpfes
haben Sie erklärt, unser Steuersystem sei eine Schande für die Menschheit.
Das Steuergesetz, das Sie jetzt unterschrieben haben, ist ein Gesetz, das
den großen Steuerzahlern den größten und den kleineren Steuerzahlern den
kleineren Abschlag gewährt. Haben Sie dieses Gesetz mit ruhigem Gewissen
unterzeichnet?
Antwort:

Das ist nicht ganz fair, denn obwohl das Gesetz hinter den

Reformen zurückgeblieben ist, für die ich eingetreten bin, bringt es doch
wesentliche Steuererleichterungen für alle Steuerzahler, und es ist ein
einigermaßen ausgewogenes Gesetz, soweit das möglich ist.
Es war notwendig, daß ein Gesetz verabschiedet wurde - und verglichen
mit der Version, die das Repräsentantenhaus verabschiedet hat, oder
verglichen mit der Version, die der Senat verabschiedet hat, ist der
Kompromiß, der erreicht wurde, besser als jede der beiden vorigen Versionen.
Wenn ich mein Veto gegen das Gesetz eingelegt hätte, nachdem der
Kongreß es mir zugeleitet hatte, dann hätte das mit Wirkung vom 1.1. des
neuen Jahres ein gewaltiges Mehr an Steuern für das amerikanische Volk

- 26 -

�Volk bedeutet - nicht nur ein Verlust einer Steuersenkung von rund
20 Milliarden Dollar, die wir erreicht haben, sondern auch den Verlust
von rund 13 Milliarden Dollar an Steuersenkungen, die im vorigen Jahr
beschlossen worden sind.
Das war also ein Fall, bei dem die Entscheidung schwierig war.

Als

ich wenige Tage vor der Vertagung des Kongresses mit den führenden
Vertretern des Repräsentantenhauses und des Senats zusammentraf - AI Ullman
im Haus und Russell im Senat - habe ich ihnen erklärt:
akzeptieren, und das werde ich nicht akzeptieren".
meinen Vorstellungen gefolgt.

"Das werde ich

Sie sind im wesentlichen

Wenn es auch hinter dem zurückgeblieben ist,

was ich gerne gehabt hätte, so wäre doch mein Veto gegen das Gesetz ein
ganz schwerer Fehler gewesen.

- Die Demokratische Partei Frage:

Die Erläuterung, die rationelle Erklärung, die in Washington

für eine ganze Reihe von Kompromissen notwendig ist, bringt mich zu der
Frage, welchen Weg die Demokratische Partei nach Ihrer Auffassung einschlagen wird.

Wie Sie wissen, haben die Demokraten eine Tradition, die

Macht der Regierung zu benutzen, um die Unausgewogenheiten und die Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Wirtschaft zu korrigieren, Neuland
zu betreten, auszugleichen und Risiken zu übernehmen.

Republikaner werden

im allgemeinen gewählt, um zu managen, zu stabilisieren, die Zügel nur
leicht anzuziehen.
Howard Baker - der Fraktionsführer der republikanischen Minderheit
im Senat - erzählt in der ganzen Stadt herum: "Die Demokraten singen
unser Lied, ein republikanisches Lied". Und viele Leute sagen, was da
in Washington neugeboren worden ist, sei eine konservative Administration
mit einem demokratischen Präsidenten und republikanischen Institutionen.

- 27 -

�Institutionen.

Glauben Sie, das könne man so sagen?

übernimmt die

Demokratische Partei tatsächlich das Gedankengut der Republikaner?
Antwort:

Nein, das glaube ich nicht.

Die Demokratische Partei war

immer eine Partei des Mitgefühls und der Sorge um die Bevölkerung unseres
Landes.

Wir waren schon immer darauf aus, jemandem eine helfende Hand zu

reichen, der keine ausreichende Chance im Leben hatte, auf eigenen Füßen
zu stehen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, sein eigenes Schicksal
zu meistern, eine Bildung zu erhalten, wo sie fehlt, eine bessere Gesundheitsfürsorge, eine bessere Ernährung, eine gesicherte Altersversorgung,
bessere Straßen zu erhalten.

Das sind die Dinge, die die Demokratische

Partei schon immer auf ihre Fahnen geschrieben und für die sie sich immer
eingesetzt hat.
Ich habe das schon sehr früh in meiner Regierungstätigkeit als
Gouverneur von Georgia erkannt, daß wir als Demokraten einen unverdienten
Ruf hatten, in Geldsachen nicht verantwortungsbewußt und in der Verwaltung
nicht kompetent zu sein.

Eine meiner großen Kampagnen während meiner

Zeit als Gouverneur war eine Reorganisation der Regierung, eine Einschränkung
der Bürokratie, eine Senkung der Steuern, eine saubere Haushaltsführung,
und meinen Wahl kämpf um die Präsidentschaft habe ich mit diesem Programm
bestritten.

Und wir haben bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen, seit ich

hier in Washington bin.
Wir werden das Haushaltsdefizit um über die Hälfte dessen gesenkt
haben, was der republikanischen Administration zur Verfügung stand,
als sie aus dem Amt ging.
Wir werden eine Reform des öffentlichen Dienstes (Civil Service)
verabschiedet haben, um zur Abwechslung einmal die Bürokratie in den
Griff zu bekommen. Wir haben 28 bis 30 Milliarden Dollar an Steuersenkungen erreicht. Gleichzeitig hatten wir die größte Anweisung er-

- 28 -

�erhöhter Mittel für ein besseres Bildungswesen, das das Land je gebabt hat.
Wir haben in fast beispielloser Weise Städten und Gemeinden Hilfe
zuteil werden lassen. Wir haben ein Wohnungsbauprogramm von über zwei
Millionen Einheiten pro Jahr aufrechterhalten, Es ist uns durch eine
straffe Verwaltung der finanziellen Mittel gelungen, eine Versorgung unseres
Volkes mit guten Dienstleistungen mit einem sparsamen Haushalt, einer
Senkung der Defizite und einer Senkung der Steuern zu kombinieren. Und
es ist meiner Ansicht nach nicht unvereinbar, diese beiden Dinge miteinander
zu kombinieren.
Man kann ein Kind nicht mit Unfähigkeit, Verschwendung
und Korruption ausbilden. Man kann einen Hungrigen nicht mit Unfähigkeit,
Verschwendung oder Korruption speisen. Und ich glaube, daß die Demokraten
jetzt zurecht einen Ruf der kompetenten Verwaltung gewonnen haben, dessen
sie sich früher nicht erfreuten.
Ich kann durchaus verstehen, daß sich die Republikaner jetzt beklagen,
denn sie können nicht mehr erfolgreich behaupten, daß die Demokraten nicht
gleichzeitig mitfühlend, besorgt und kompetent sein könnten.
Frage: Wenn Sie ein schwarzer Teenager in einem Getto wären, wenn
Sie einer der Millionen von Menschen wären, die in unserer Wirtschaft
überzählig sind, die in unserer Wirtschaft, in unserer Gesellschaft keine
positive Rolle haben, hätten Sie dann aus den Ergebnissen der Wahl am
7. November großen Mut geschöpft?
Antwort: Das ist schwer zu sagen, wenn man die Ergebnisse analysiert.
Die Republikaner haben einige Sitze im Repräsentantenhaus dazugewonnen ich glaube etwa ein Dutzend - und einige wenige Sitze im Senat. Natürlich
dürfte es niemanden ermutigen, daß die Republikaner mehr Sitze haben.

- 29 -

�- Die wirtschaftlichen Aussichten Frage:

Ich meine jetzt mehr das Vokabular, das viele Demokraten be-

nutzen - das fast jeder benutzte - da wird von Einschränkungen, Auffanglinien, Steuersenkungen usw. gesprochen, was alles zusammen eine völlig
andere Einstellung zur Regierungsmacht bedeuten würde, als es die traditionelle demokratische Einstellung war.
Antwort:

Ich weiß jetzt, was Sie meinen.

Das ist natürlich schwer

zu sagen, denn für eine bestimmte Person, die keine Arbeit hat, ist das
wichtigste, einen Arbeitsplatz zu finden.
In den letzten 20 Monaten etwa haben wir in der amerikanischen Wirtschaft
netto fast sieben Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Wir haben die
Arbeitslosenrate um rund 25 Prozent gesenkt.
Was die Landwirtschaft angeht, so haben wir deren Einkommen gesteigert das Nettoeinkommen um rund 25 Prozent - und wir halten zusätzliche Verpflichtungen für eine bessere Bildung, bessere

Wohnungen usw. aufrecht.

Nun herrscht allerdings allgemein die Ansicht unter jenen, die zu den
ganz untersten Einkommensgruppen gehören, und unter jenen im Ruhestand
lebenden Personen, deren Einkommen festliegt, daß die größte Bedrohung
unseres Landes die Inflation sei. Ich glaube, die Kandidaten für den
Kongreß und die Anwärter auf Gouverneursposten hatten sehr wohl erkannt,
daß der Bekämpfung der Inflation eine sehr hohe Priorität eingeräumt
werden mußte.
Damit verbunden ist eine sehr knappe Haushaltsführung, ein Abbau
der Defizite und eine Demonstration unserer Wirtschaft gegenüber der
Regierung und gegenüber dem Privatsektor, daß wir eine verantwortungsbewußte Geldpolitik betreiben.
Ich glaube,

- 30 -

�Ich glaube, auf lange Sicht ist es im Leben eines Menschen ebenso
wichtig, die Inflationslast zu erleichtern wie die Löhne zu erhöhen oder
den Preis für verkaufte Erzeugnisse.
Auf der Kontrolle der Inflation liegt wohl ein neuer Schwerpunkt, was
aber nicht heißt, daß wir das Streben nach neuen Arbeitsplätzen, nach
einem besseren Leben für die Menschen, die in unserem Lande wohnen, aufgegeben hätten.
Frage: Aber es ist doch wahrscheinlich so, daß bei einem Erfolg
Ihres Kampfes gegen die Inflation einige Menschen ihren Arbeitsplatz
verlieren, oder nicht?
Antwort: Ich glaube nicht, daß dies der Fall sein wird. Auf jeden
Fall ist so etwas nicht vorgesehen. Ich glaube, daß die Zahl der Arbeitsplätze in jedem Jahr, in dem ich im Amt bin, zunehmen wird. Das Tempo
der Zunahme mag vielleicht nachlassen und sich einpendeln, aber ich glaube
nicht, daß es einen Nettoverlust in der Zahl der Arbeitsplätze in unserem
Lande geben wird.
Frage:

Eine ganze Reihe privater Wirtschaftsexperten sagt für 1980

eine Abwärtsbewegung voraus. Wie können Sie das vermeiden, wenn Sie
wirklich den Druck auf Zinssätze und auf den Wohnungsbau und den Druck
zur Beendigung des Wachstums der Inflationsrate aufrechterhalten?

Haben

Sie da einen neuen Trick auf Lager?
Antwort:

Nein, hier gibt es keine Tricks, und auch hier wiederum

handelt es sich um eine schwierige Entscheidung, die wohl ausgewogen sein
muß.

Aber ob wir es uns leisten können, die gewaltigen Defizite zu er-

höhen, indem wir Geld ausgeben, das wir gar nicht haben, und meinen, dem
amerikanischen Volk damit etwas Gutes zu tun, ist eine schwierige Frage.
Ich glaube nicht, daß wir das können.
Ich meine,
- 31 -

�Ich meine, wir brauchen sorgfältige Haushaltsführung, genauer gezielte Dienstleistungen der Regierung, um den Ansprüchen jener gerecht
zu werden, die sie am dringendsten brauchen - kombiniert mit einer Wiederherstellung des Vertrauens in die Fähigkeit unserer Regierung, mit
fiskalischen, währungspolitischen und administrativen Aufgaben fertig
zu werden.
Und es gibt Zeiten, in denen diese Dinge in einem Gegensatz zueinander stehen, aber wir haben jetzt zehn Jahre lang eine Inflation erlebt, die im Schnitt etwa 6,5 Prozent betrug, und ich glaube, daß fast
alle Wirtschaftler - selbst jene, die meinen, wir könnten im nächsten Jahr
eine Rezession erleben - sich darüber einig sind, daß wir etwas tun müssen,
um die Inflationsrate zu senken.
Frage:

Einige Ihrer Mitarbeiter, mit denen ich heute Vormittag ge-

sprochen habe, erklärten mir, daß sie eine neue Haltung Ihrerseits spürten,
einen neuen Geist des Vertrauens, und sie schreiben das der Tatsache zu,
daß Sie in Ihrem Geist einige sehr harte Entscheidungen an der Inflationsfront getroffen haben und bei diesen Entscheidungen bleiben werden.
das richtig?

Ist

Stimmen die Vorstellungen dieser Leute?

Antwort: Ich habe nicht das Gefühl, daß ich heute kompetenter oder
aggressiver oder meiner selbst sicherer wäre als früher. Seit ich im
Amte bin, haben wir einige sehr schwierige Entscheidungen treffen müssen.
Ich habe den Eindruck, daß jeden Tag schwierige Entscheidungen getroffen werden mußten.
Aber je länger ich im Amt bin, desto eher weiß ich natürlich, was
notwendig ist. Ich begreife den Aufbau der Regierung besser. Ich kenne
die führenden Persönlichkeiten in Washington und außerhalb Washingtons
besser, die mithelfen, die Politik unseres Landes und die Zukunft unseres
Landes zu gestalten.
Der 95. Kongreß
- 32 -

�Der 95. Kongreß hat seine Arbeit abgeschlossen.

Er hat, glaube ich,

600 oder 700 Gesetze verabschiedet, die meine eigenen Programme klären
helfen.

Wir versuchen, das Beste aus den Entscheidungen des Kongresses

zu machen, und ich bin mir sicherlich über die Möglichkeiten und die
Grenzen des Präsidentenamtes besser im klaren.

- Kritik an der Presse Frage:

Was haben Sie von Washington gelernt?

Antwort: Ich mag Washington sehr gerne. Wir waren, das ist wohl das
Geringste, was man sagen kann, Neulinge hier. Ich kannte die führenden
Mitglieder des Kongresses nicht. Ich kannte die Vertreter der Massenmedien
nicht - außer denen, die mich im Wahl kämpf begleiteten. Und sie kannten
mich nicht. Ich mußte viel lernen, was die bürokratische Struktur der
Regierung angeht. Ich hatte natürlich keinen Zugang zu den Geheimnissen
der nationalen Verteidigung oder der internationalen Beziehungen, und
ich habe etwa 18 Monate nicht nur als Präsidnet, sondern auch als Schüler
gebraucht, um zu erfahren, was ich vorher nicht wußte.
Es hat meinerseits keine großen Enttäuschungen gegeben. Ich habe
gestern einigen Journalisten beim Essen erzählt, daß es zwei Dinge
gab, die für mich eine unangenehme Überraschung waren. Eines war die
Untätigkeit des Kongresses, daß es so lange dauert, bis eine komplizierte
Vorlage durch den Kongreß gegangen ist, und das andere war die Verantwortungslosigkeit der Presse.
Frage:
Antwort:

Verantwortungslosigkeit?
Ja!

- 33 -

�Frage:
Antwort:

Was meinen Sie damit?
Sehr oft waren Berichte unrichtig.

Wenn ich daran denke,

daß oft eine einfache Recherche der Tatsachen durch einen Anruf oder eine
persönliche Nachfrage eine schwere Verzerrung des Berichts hätte verhindern
können.

Und es herrscht auch ein Gefühl des Zweifels oder sogar des

Zynismus hinsichtlich der Regierung und hinsichtlich ihrer Programme und
Vorschläge, was sicherlich durch die Erfahrungen von Vietnam hervorgerufen
wurde, durch die Tatsache, daß die Öffentlichkeit während Watergale getäuscht
wurde, und vielleicht sogar vom CIA, wie ich vorhin andeutete.
Viel davon wurde sicherlich auch durch meine Unzugänglichkeit verursacht und dadurch, daß ich die Presse nicht kannte und die Presse mich
nicht kannte.

In den letzten Monaten haben wir Schritte getan, um sicher-

zustellen, daß wir einander besser verstehen, damit ich die Möglichkeit
habe und meine Kabinettsmitglieder die Möglichkeit haben, dem amerikanischen
Volk die Fakten durch die Presse klar zu vermitteln und umgekehrt.
Frage:

Ist das das Werk Ihres Medienzars, Mr. Rafshoon?

Was hat er Ihnen geraten, wie Sie richtig ankommen?
Antwort: Wir waren alle gemeinsam der Überzeugung, daß wir einen
klaren Zugang zur Öffentlichkeit durch die Presse brauchten - unverzerrt,
wahr. Nicht, daß wir versuchen wollten, Fehler zu vertuschen; sondern
daß alle jene, die berichten, wirklich wissen, daß sie Zugang zu mir oder
zu Jody Powell, zu Hamilton Jordan, zu Mitgliedern meines Kabinetts oder
anderen haben, daß sie anrufen und fragen können, ob das oder jenes stimmt
oder nicht.
Wir sind uns alle darüber im klaren, was für verheerende Folgen eine
irreführende Erklärung oder eine falsche Erklärung hätte, denn dadurch
würde unsere Glaubwürdigkeit erschüttert, und wir haben alles in unseren

- 34 -

�unseren Kräften stehende getan, um das zu verhindern.
Aber ich glaube, wir haben in dieser Hinsicht einige Fortschritte
erzielt, und ich verstehe heute den Kongreß sehr viel besser.

Ich kenne

das Tempo, mit dem man bei der Behandlung einer Vorlage im Kongreß rechnen
muß.

Ich verstehe die Kompliziertheit des Ausschuß-Systems, das gegenseitige

Verhältnis zwischen Repräsentantenhaus und Senat.
Und ich glaube, daß es uns auch sehr viel besser gelingt, der Presse
Zugang zu den Fakten zu verschaffen.
Frage:

Die Stunde ist um, sollen wir aufhören?

Antwort:
Frage:

Ich glaube, wir hören besser auf, wenn die Stunde um ist.
Im Namen des öffentlichen Fernsehens danke ich Ihnen, daß Sie

sich diese Zeit genommen haben.
Antwort:

Ich danke Ihnen, Bill.

+ + + ++

- 35 -

�29. November 1978

28

DIE ENDERGEBNISSE DER US-WAHLEN VOM 7. NOVEMBER 1978

LISTE DER GOUVERNEURE DER 50 EINZELSTAATEN DER USA
DER NEUE SENAT DER VEREINIGTEN STAATEN
DAS NEUE REPRÄSENTANTENHAUS DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Im folgenden bringen wir nach Staaten geordnet
eine Aufstellung der Namen der Gouverneure der 50 Einzelstaaten der
Vereinigten Staaten von Amerika (18 wurden neu gewählt), eine Liste der
Senatoren (ein Drittel wurde neu gewählt) und eine Liste der Mitglieder
des Repräsentantenhauses.
(D) bedeutet Mitglied der Demokratischen Partei
(R) bedeutet Mitglied der Republikanischen Partei
(N) bedeutet neugewählt.
(Da alle Mitglieder des Repräsentantenhauses zur Wahl standen sind alle
nicht mit (N) gezeichneten wiedergewählt worden)

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�LISTE DER GOUVERNEURE DER 50 EINZELSTAATEN der USA
32 Demokraten, 18 Republikaner

STAATEN

NAMEN

Alabama

Forrest James (D) (N)

Alaska

Jay Hammond (R)

Arizona

Bruce Babbitt (D)

Arkansas

Bill Clinton (D) (N)

California

Edmund G. Brown, Jr. (D)

Colorado

Richard D. Lamm (D)

Connecticut

Ella T. Grasso (D)

Delaware

Pierre S. Du Pont (R)

Florida

Robert Graham (D) (N)

Georgia

George Bushbee (D)

Hawaii

George R. Ariyoshi (D)

Idaho
Illinois
Indiana
Iowa
Kansas

John V. Evans (D)
James R. Thompson (R)
Otis R. Bowen (R)
•

Robert D. Ray (R)
John Carlin (D) (N)

Kentucky
Louisiana
Maine
Maryland
Massachusetts
Michigan

Julian Carroll (D)

Minnesota

Albert Quie (R) (N)

Mississippi

Charles C. Finch (D)

Missouri

Joseph P. Teasdale (D)

Edwin W. Edwards (D)
Joseph Brennan (D) (N)
Harry R. Hughes (D) (N)
Edward King (D) (N)
William G. Milliken (R)

�STAATEN

NAMEN

Montana

Thomas L. Judge (D)

Nebraska

Charles Thone (R) (N)

Nevada

Robert List (R) (N)

New Hampshire

Hugh Gallen (D) (N)

New Jersey

Brendan T. Byrne (D)

New Mexiko

Bruce King (D) (N)

New York

Hugh L. Garey (D)

North Carolina

James B. Hunt, Jr. (D)

North Dakota

Arthur A. Link (D)

Ohio

James A. Rhodes (R)

Oklahoma

George Nigh (D) (N)

Oregon

Victor Atiyeh (R) (N)

Pennsylvania

Richard Thornburgh (R) (N)

Rhode Island

J. Joseph Garrahy (D)

South Carolina

Richard Riley (D) (N)

South Dakota

William Janklow (R) (N)

Tennessee

Lamar Alexander (R) (N)

Texas

William P. Clements (R) (N)

Utah

Scott M. Matheson (D)

Vermont

Richard A. Snelling (R)

Virginia

John Dal ton (R)

Washington

Dixy Lee Ray (D)

West V i r g i n i a

John D. Rockefeller 4th (D)

Wisconsin

Lee Sherman Dreyfus (R) (N)

Wyomi ng

Ed Herschier (D)

- 3-

�DER NEUE SENAT DER VEREINIGTEN STAATEN
58 Demokraten, 41 Republikaner, 1 Unabhängiger

STAATEN

NAMEN

Alabama

Howell Heflin (D) (N); Donald Steward (D) (N)

Alaska
Arizona

Theodore Stevens (R); Mike Gravel (D)
Barry Goldwater (R); Dennis Deconcini (D)

Arkansas

Dale Bumpers (D); David Pryor (D) (N)

California
Colorado

Alan Cranston (D); S.I. Hayakawa (R)
Gary Hart (D); William L. Armstrong (R) (N)

Connecticut

Abraham A. Ribicoff (D); Lowell P. Weicker, Jr., (R)

Delaware

William V. Roth Jr. (R); Joseph R. Biden, Jr. (D)

Florida

Lawton Chiles (D); Richard Stone (D)

Georgia
Idaho

Herman E. Talmadge (D); Sam Nunn (D)
Daniel K. Inouye (D); Spark M. Matsunaga (D)
Frank Church (D); James A. McClure (R)

Illinois

Charles H. Percy (R); Adlai E. Stevenson (D)

Indiana

Birch Bayh (D); Richard C. Lugar (R)

Iowa

John C. Culver (D); Roger Jepsen (R) (N)

Kansas
Kentucky
Louisiana
Maine
Maryland
Massachusetts
Michigan

Bob Dole (R); Nancy Kassebaum (R) (N)
Walter Huddieston (D); Wendel 1 H. Ford (D)
Russell B. Long (D); J. Bennet Johnston (D)
Edmund S. Muskie (D); William S Cohen (R) (N)
Charles MCC. Mathias (R); Paul S. Sarbanes (D)
Edward M. Kennedy (D); Paul E. Tsongas (D) (N)

Minnesota
Mississippi

Rudy Boschwitz (R) (N); David Durenberger (R) (N)
John C. Stennis (D); Thad Cochran (R) (N)

Missouri

Thomas F. Eagleton (D); John C. Danforth (R)

Hawaii

Donald W. Riegle, Jr. (D); Carl Levin (D) (N)

- 4 -

�STAATEN

NAMEN

Montana

John Melcher (D); Max Baucus (D) (N)

Nebraska

Edward Zorinsky (D); J.J. Exon (D) (N)

Nevada
New Hampshire

Howard W. Cannon (D); Paul Laxalt (R)
John A. Durkin (D); Gordon Humphrey (R) (N)

New Jersey

Harrison A. Williams (D); Bill Bradley (D) (N)

New Mexiko
New York

Pete V. Domenici (R); Harrison H. Schmitt (R)
Jacob K. Javits (R); Daniel P. Moynihan (D)

North Carolina

Jesse Helms (R); Robert Morgan (D)

North Dakota

Milton R. Young (R); Quentin N. Burdick (D)

Ohio
Oklahoma

John Glenn (D); Howard M. Metzenbaum (D)

Oregon
Pennsylvania

Mark 0. Hatfield (R); Bob Packwood (R)
Richard S. Schweiker (R); J. John Heinz 3rd (R)

Rhode Island
South Carolina

Claiborne Pell (D); John H. Chafee (R)
Strom Thurmond (R); Ernest F. Hollings (D)

South Dakota
Tennessee
Texas

George S. McGovern (D); Larry Pressler (R) (N)

Utah
Vermont
Virginia
Washington
West Virginia
Wisconsin

Jake Garn (R); Orrin G. Hatch (R)
Robert T. Stafford (R); Patrick J. Leahy (D)
Harry F. Byrd, Jr. (U); John Warner (R) (N)
Warren G. Magnuson (D); Henry M. Jackson (D)
Jennings Randolph (D); Robert C. Byrd (D)
William Proxmire (D); Caylord Nelson (D)

Wyoming

Malcolm Wallop (R); Alan K. Simpson (R) (N)

Henry Bellmon (R); David Boren (D) (N)

Howard H. Baker, Jr. (R); James R. Sasser (D)
John G. Tower (R); Lloyd M. Bentsen (D)

- 5 -

�DAS NEUE REPRÄSENTANTENHAUS DER VEREINIGTEN STAATEN
276 Demokraten, 159 Republikaner

ALABAMA
Jack Edwards (R)
William Dickinson (R)
Bill Nichols (D)
Tom Bevill (D)
Ronnie Flippo (D)
John Buchanan (R)
Richard Shelby (D) (N)
ALASKA
Don Young (R)
ARIZONA
John Rhodes (R)
Morris K. Udall (D)
Bob Stump (D)
Eldon Rudd (R)
ARKANSAS
Bill Alexander (D)
Edwin R. Bethune, Jr. (R) (N)
John P. Hammerschmidt (R)
Beryl Anthony (D) (N)

- 6 -

�CALIFORNIA
Harold T, Johnson (D)
Don H. Clausen (R)
Robert T. Matsui (D) (N)
Vic Fazio (D) (N)
John L. Burton (D)
Phillip Burton (D)
George Miller (D)
Ronald V. Dellums (D)
Fortney H. Stark (D)
Don Edwards (D)
Leo J, Ryan (D)
Paul McCloskey (R)
Norman Y. Mineta (D)
Norman Shumway (R) (N)
Tony Coelho (D) (N)
Leon Panetta (D)
Charles Pashayan (R) (N)
Bill Thomas (R) (N)
Robert J. Lagomarsino (R)
Barry M. Goldwater Jr. (R)
James C. Corman (D)
Carlos J. Moorhead (R)
Anthony Beilenson (D)
Henry A. Waxman (D)
Edward R. Roybai (D)
John H. Rousselot (R)
Robert K. Dornan (R)
Julian Dixon (D) (N)
Augustus F. Hawkins (D)
George E. Danielson (D)
Charles H. Wilson (D)
Glenn M, Anderson (D)

Wayne Grisham (R) (N)
Dan Lungren (R) (N)
Jim Lloyd (D)
George E. Brown Jr. (D)
Jerry Lewis (R) (N)
Jerry M. Patterson (D)
William Dannemeyer (R) (N)
Robert E. Badham (R)
Bob Wilson (R)
Lionel Van Deerlin (D)
Clair Burgener (R)

- 7 -

�COLORADO
Patricia Schroeder (D)
Timothy Wirth (D)
Ray Kogovsek (D) (N)
James Johnson (R)
Ken Kramer (R) (N)
CONNECTICUT
William R. Cotter (D)
Christopher J. Dodd (D)
Robert N. Giaimo (D)
Stewart B. McKinney (R)
William Ratchford (D) (N)
Anthony Moffett (D)
DELAWARE
Thomas Evans (R)
FLORIDA
Earl Hutto (D) (N)
Don Fuqua (D)
Charles Bennett (D)
Bill Chappell (D)
Richard Kelly (R)
C.W. Young (R)
Sam Gibbons (D)
Andy Ireland (D)
Bill Nelson (D) (N)
L.A. Barans (R)
Dan Mica (D) (N)
Ed Stack (D) (N)
William Lehman (D)
Claude Pepper (D)
Dante Fascell (D)
- 8 -

�GEORGIA
Bo Ginn (D)
Dawson Mathis (D)
Jack Brinkley (D)
Elliott Levitas (D)
Wyche Fowler (D)
Newt Gingrich (R) (N)
Larry McDonald (D)
Billy Lee Evans (D)
Ed Jenkins (D)
Doug Barnard (D)
HAWAII
Cecil Heftel (D)
Daniel Akaka (D)
IDAHO
Steven D. Symms (R)
George V. Hansen (R)
ILLINOIS
Bennett Stewart (D) (N)
Morgan F. Murphy (D)
Martin Russo (D)
Edward J. Derwinski (R)
John G. Fary (D)
Henry J. Hyde (R)
Cardiss Collins (D)
Dan Rostenkowski (D)
Sidney R. Yates (D)
Abner Mikva (D)
Frank Annuzio (D)
Phillip M. Crane (R)

Robert McClory (R)
John N. Erlenborn (R)
Tom Corcoran (R)
John B. Anderson (R)
George M. 0"Brian (R)
Robert H. Michel (R)
Tom Railsback (R)
Paul Findley (R)
Edward Madigan (R)
Daniel B. Crane (R) (N)
Melvin Price (D)
Paul Simon (D)

- 9 -

�INDIANA
Adam Benjamin Jr. (D)
Floyd J. Fithian (D)
John Brademas (D)
J. Danforth Quayle (R)
Elwood Hillis (R)
David Evans (D)
John R. Myers (R)
H. Joel Deckard (R) (N)
Lee H. Hamilton (D)
Philip R. Sharp (D)
Andrew Jacobs Jr. (D)
IOWA
James A.S. Leach (R)
Tom Tauke (R) (N)
Charles E. Grassley (R)
Neal Smith (D)
Tom Harkin (D)
Berkley Bedell (D)
KANSAS
Keith G. Sebelius (R)
Jim Jeffries (R) (N)
Larry Winn Jr. (R)
Dan Glickman (D)
Robert Whittaker (R) (N)

- 10 -

�KENTUCKY
Carroll Hubbard Jr. (D)
William H. Natcher (D)
Romano L. Mazzoli (D)
Gene Synder (R)
Tim Lee Carter (R)
Larry Hopkins (R) (N)
Carl D. Perkins (D)
LOUISIANA
Bob Livingston (R)
Lindy Boggs (D)
David Treen (R)
Claude Leach (D) (N)
Jerry Huckaby (D)
W. Henson Moore (R)
John Breaux (D)
Gillis Long (D)
MAINE
David F. Emery (R)
Olympia Snowe (R) (N)
MARYLAND
Robert Bauman (R)
Clarence Long (D)
Barbara Mikulski (D)
Majorie Holt (R)
Gladys Spellman (D)
Beverly Byron (D)
Parren Mitchell (D)
Michael Barnes (D) (N)

- 11 -

�MASSACHUSETTS
Silvio 0. Conte (R)
Edward Boland (D)
Joseph Early (D)
Robert Drinan (D)
James Shannon (D) (N)
Nicholas Mavroules (D) (N)
Edward Markey (D)
Thomas P. O'Neill Jr. (D)
Joe Moakley (D)
Margaret Heckler (R)
Brian Donnelly (D) (N)
Gerry Studds (D)
MICHIGAN
John Conyers (D)
Carl Pursei 1 (R)
Howard Wolpe (D) (N)
David Stockman (R)
Harold Sawyer (R)
Bob Carr (D)
Dale Kildee (D)
Bob Traxler (D)
Guy Vander Jagt (R)
Don Albosta (D) (N)
Robert Davis (R) (N)
David Bonior (D)
Charles Diggs (D)
Lucien Nedzi (D)
William Ford (D)
John Dingell (D)
William Brodhead (D)
James Blanchard (D)
William Broomfield (R)
- 12 -

�MINNESOTA
Arien Erdahl (R) (N)
Tom Hagedorn (R)
Bill Frenzel (R)
Bruce Vento (D)
Martin Sabo (D) (N)
Richard Nolan (D)
Arlan Stangeland (R)
James Oberstar (D)
MISSISSIPPI
Jamie L. Whitten (D)
David R. Bowen (D)
G.V. Sonny Montgomery (D)
Jon Hinson (R) (N)
Trent Lott (R)
MISSOURI
William Clay (D)
Robert A. Young (D)
Richard A. Gephardt (D)
Ike Skelton (D)
Richard Bolling (D)
E. Thomas Coleman (R)
Gene Taylor (R)
Richard H. Ichord (D)
Harold L. Volkmer (D)
Bill D. Burlison (D)
MONTANA
Pat Williams (D) (N)
Ron Marlenee (R)

- 13 -

�NEBRASKA
Douglas Befeuter (R) (N)
John Cavanaugh (D)
Virginia Smith (R)
NEVADA
Jim Santini (D)
NEW HAMPSHIRE
Norman D'Amours (D)
James Cleveland (R)
NEW JERSEY
James J. Florio (D)
William J. Hughes (D)
James J. Howard (D)
Frank Thompson Jr. (D)
Millicent Fenwick (R)
Edwin B. Forsythe (R)
Andrew Maguirel (D)
Robert A. Roe (D)
Harold C. Hollenbeck (R)
Peter W. Rodino Jr. (D)
Joseph G. Minish (D)
Matthew J. Rinaldo (R)
Jim Courter (R) (N)
Frank J. Guarini (D) (N)
Edward J. Patten (D)
NEW MEXIKO
Manuel Lujan Jr. (R)
Harold Runnels (D)

- 14 -

�NEW YORK
William Carney (R) (N)

Frank Horton (R)

Thomas Downey (D)

Barper Conable (R)

Jerome Ambro (D)

John Lafalce (D)

Norman Lent (R)

Henry Nowak (D)

John Wydler (R)

Jack Kemp (R)

Lester Wolff (D)

Stanley Lundine (D)

Joseph Addabbo (D)
Benjamin Rosenthal (D)
Geraldine Ferraro (D) (N)
Mario Biaggi (D)
James Scheuer (D)
Shirley Chisholm (D)
Stephen Solarz (D)
Frederick Richmond (D)
Leo Zeferetti (D)
Elizabeth Holtzman (D)
John Murphy (D)
S. William Green (R)
Charles Rangel (D)
Theodore Weiss (D)
Robert Garcia (D)
Jonathan Bingham (D)
Peter Peyser (D) (N)
Richard Ottinger (D)
Hamilton Fish (R)
Benjamin Gilman (R)
Matthew McHugh (D)
Samuel Stratton (D)
Gerald Solomon (R) (N)
Robert McEwen (R)
Donald Mitchell (R)
James Hanley (D)
Gary Lee (R) (N)
15 -

�NORTH CAROLINA
Walter B. Jones (D)
L.H. Fountain (D)
Charles Whitley (D)
Ike Andrews (D)
Stephen L. Neal (D)
Richardson Preyer (D)
Charles Rose (D)
W.G. Hefner (D)
James G. Martin (R)
James T. Broyhill (R)
Lamar Gudger (D)
NORTH DAKOTA
Mark Andrews (R)
OHIO
Willis D. Gradison (R)
Thomas A. Luken (D)
Tony P. Hall (D) (N)
Tennyson Guyer (R)
Delbert L. Latta (R)
William H. Harsha (R)
Clarence J. Brown (R)
Thomas N. Kindness (R)
Thomas L. Ashley (D)
Clarence E. Miller (R)
J. William Stanton (R)
Samuel L. Devine (R)
Donald J. Pease (D)
John F. Sieberling (D)
Chalmers P. Wylie (R)

Ralph Regula (R)
John M. Ashbrook (R)
Douglas Applegate (D)
Lyle Williams (R) (N)
Mary Rose Oakar (D)
Louis Stokes (D)
Charles A. Vanik (D)
Ronald Mottl (D)

16

�OKLAHOMA
James R. Jones (D)
Mike Symar (D) (N)
Wes Watkins (D)
Tom Steed (D)
Mickey Edwards (R)
Glenn English (D)
OREGON
Les Aucoin (D)
AI Ullman (D)
Robert Duncan (D)
James Weaver (D)
PENNLYLVANIA
Michael Meyers (D)

Joseph Gaydos (D)

William H. Gray III (D) (N)

Don Bailey (D) (N)

Raymond F. Lederer (D)

Austin J. Murphy (D)

Charles F. Dougherty (R) (N)

William F. Clinger (R) (N)

Richard T. Schulze (R)

Marc L. Marks (R)

Gus Yatron (D)

Eugene Atkinson (D) (N)

Robert W. Edgar (D)
Peter H. Kostmayer (D)
Bud Shuster (R)
Joseph M. McDade (R)
Daniel J. Flood (D)
John P. Murtha (D)
Lawrence Coughlin (R)
William S. Moorhead (D)
Donald L. Ritter (R) (N)
Robert S. Walker (R)
Allen E. Ertel (D)
Dough Walgren (D)
William Goodling (R)
- 17

�RHODE ISLAND
Fernand J. St Germain (D)
Edward P. Beard (D)
SOUTH CAROLINA
Mendel J. David (D)
Floyd Spence (R)
Butler Derrick (D)
Carroll A Campbell Jr. (R) (N)
Ken Holland (D)
John Jenrette Jr. (D)
SOUTH DAKOTA
Leo K. Thorsness (R)
James Abnor (R)
TENNESSEE
James H. Quillen (R)
John Duncan (R)
Marilyn Lloyd (D)
Albert Gore (D)
Bill Boner (D) (N)
Robin Beard (R)
Ed Jones (D)
Harold Ford (D)

- 18 -

�TEXAS
Sam Hall Jr. (D)
Charles Wilson (D)
James M. Collins (R)
Ray Roberts (D)
James Mattox (D)
Phil Gramm (D) (N)
Bill Archer (R)
Bob Eckhardt (D)
Jack Brooks (D)
J.J. Pickle (D)
Jim Wright (D)
Jack Hightower (D)
Joe Wyatt (D) (N)
E. Kika De La Garza (D)
Richard White (D)
Charles Stenholm (D) (N)
Mickey Leland (D) (N)
Ken Hance (D) (N)
Henry Gonzales (D)
Tom Loeffler (R) (N)
Ron Paul (R) (N)
Abraham Kazen (D)
Martin Frost (D) (N)

UTAH
Gunn McKay (D)
Dan Marriott (R)
VERMONT
James Jeffords (R)

- 19 -

�VIRGINIA
Paul THble (R)
6. William Whitehurst (R)
David E. Satterfield (D)
Robert H. Daniel Jr. (R)
W.Co Dan Daniel (D)
M„ Caldwell Butler (R)
Jo Kenneth Robinson (R)
Herbert E. Harris (D)
William C„ Wampler (R)
Joseph Fisher (D)
WASHINGTON
Joel Pritchard (R)
AI Swift (D) (N)
Don Bonker (D)
Mike McCormack (D)
Thomas Foley (D)
Norman Dicks (D)
Mike Lowry (D) (N)
WEST VIRGINIA
Robert H. Mollohan (D)
Harley 0, Staggers (D)
John M„ Slack (D)
Nick Joe Rahall III (D)

- 20 -

�WISCONSIN
Les Aspin (D)
Robert Kastenmeier (D)
Alvin Baldus (D)
Clement Zablocki (D)
Henry Reuss (D)
William Steiger (R)
David Obey (D)
Tobias Roth (R) (N)
F. James Sensenbrenner (R) (N)
WYOMING
Dick Cheney (R) (N)

+ + + + +

- 21 -

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

29. November 1978

SCHWERPUNKT KOHLE IM US-ENERGIEPROGRAMM
Energieminister Schlesinger äußert sich zum neuen Gesetz -

- (AD) - "Energisch, aber fair" werden laut Energieminister James R.
Schlesinger die neuen Verordnungen durchgesetzt, die helfen sollen, die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Importöl zu verringern. Sie sind
darauf abgestellt, die Industrie und die Versorgungsbetriebe zu veranlassen,
weniger öl und Erdgas und dafür mehr Kohle aus den riesigen Naturvorräten der
USA einzusetzen. Sofern z.B. keine Ausnahmegenehmigung des Energieministeriums vorliegt, dürfen den Bestimmungen zufolge neue Kraftwerke und neue Betriebe der Großindustrie weder Gas noch öl als Primärenergie verwenden. Und
Ausnahmen sollen nur dann zugelassen werden, wenn die Nutzung von Alternativbrennstoffen um mehr als 50 Prozent teurer käme als die Verwendung von Dl
oder Gas. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 10 Dollar pro
Barrel öl (159 Liter) und bis zu drei Dollar pro 1000 Kubikfuß (ca. 28,3 cbm),
die widerrechtlich verbraucht wurden, geahndet. Nach diesen Anordnungen für
völlig neu errichtete Betriebe werden in Kürze auch die ähnlich gearteten
Bestimmungen für in der Umstellung begriffenen Anlagen sowie für die bestehenden Betriebe veröffentlicht.

Minister

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Minister Schlesinger erwartet seitens der Industrie "eine weitgehende
Einhaltung der Vorschriften".

Seinen Schätzungen zufolge könnten auf diese

Weise bis zum Jahr 1985 ca. 400 000 Barrels Importöl pro Tag eingespart werden; wichtige Faktoren dafür seien jedenfalls das Verhalten der Industrie,
die wirtschaftliche Wachstumsrate der USA und das Ausmaß der Schaffung neuer
Betriebskapazitäten bis zu dem genannten Zeitpunkt.

Die Regierung Carter

strebe an, daß das verfügbare Gas (ca. 28 Milliarden cbm aus einheimischen
Quellen

in diesem Jahr) so rasch wie möglich mit besserem Nutzeffekt einge-

setzt werde; dabei bleibe allerdings das langfristige Ziel, nämlich die Verlagerung auf Kohle und andere ausreichend vorhandene Energiequellen, unangetastet.

Bis es soweit sei, könnten Industrie- und Versorgungsbetriebe, die

noch auf Erdgas-Verbrauch eingerichtet seien, diese Energiequelle weiterhin
nutzen, solange die gegenwärtigen Vorräte dies zuließen.

Der "gespaltene

Erdgas-Markt" bis zum Inkrafttreten des neuen Energiegesetzes mit unterschiedlichen Preisen und Versorgungslagen innerhalb einzelner Bundesstaaten
im Gegensatz zum Erdgas-Handel zwischen den Bundesstaaten habe überaus ungünstige Auswirkungen auf die Situation im Erdgas-Bereich gehabt, ebenso wie
das Gas-Spargesetz von 1974, das viele Firmen gezwungen habe, von Gas auf
Importöl überzugehen.

+ + + + +

�Wi//en/choft
und Technik

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

29. November 1978

ATOMKRAFTNUTZUNG MIT MEHR POLITISCHER SICHERHEIT
- INFCE-Konferenz hält Jahrestagung in Wien -

- (AD) - Eine erste umfassende Bilanz zieht nach mehr als 100 Sitzungen
ihrer acht technischen Arbeitsgruppen die "Internationale Konferenz über die
Bewertung von Kernbrennstoffzyklen" (INFCE - International Nuclear Fuel Cycle
Evaluation) seit dem 27. November 1978 in Wien.

Das Gremium, auf Initiative

Präsident Carters im Jahr 1977 ins Leben gerufen, hat die Aufgabe, in zunächst
auf zwei Jahre befristeten Bemühungen Mittel und Wege zu suchen, um die nukleare Proliferation, d.h. die Ausbreitung von Kernwaffen, unter Kontrolle zu
bringen.
Am Sitz der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien erörtern z.Zt. die Delegierten der 53 INFCE-Mitgliedstaaten aus Ost und West,
Nord und Süd die bisher definierten diffizilen

politischen und technischen

Probleme, die sich aus der genannten Zielsetzung ergeben und für die Lösungen
gesucht werden sollen.

Albert Carnesale, Mitglied der amerikanischen Delegation,

umriß kürzlich auf einer Tagung des amerikanischen "Atomic Industrial Forum"
in Washington die wichtigsten Fragen, die nach Ansicht der amerikanischen Regierung geklärt werden müssen, über die aber bei den Mitgliedstaaten die Meinungen geteilt sind.

Zu ihnen zählen z.B.
- die

Postfach 20 03 0 0
|iMci«I«l:5TiTiW

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2

�- die Wachstunisrate für die Kernkraft;
- die Notwendigkeit für zusätzliche Staaten, eigene Urananreicherungsbetriebe zu errichten;
- die Bedingungen, die von Lieferländern von Kernbrennstoffen gestellt

.

werden;
- die Vorteile und Kosten der Wiederverwendung von Kernbrennstoff in
Leichtwasser-Reaktoren (gegenwärtig arbeiten alle nach dem System der
Einmal-Verwendung);
- Sicherheits- und Proliferationsrisiken einer langfristigen Lagerung
verbrauchter Brennstoffelemente;
- Vor- und Nachteile des Atommüll-Managements im Fall einer Wiederaufarbeitung;
- notwendige Anlaufzeiten für die kommerzielle Anwendung von Reaktorsystemen modernster Konstruktion; und
- Zeitplan für die Kommerzialisierung des Brutreaktors.
Carnesale hob hervor, daß die Vereinigten Staaten ungeachtet ihrer Vorbehalte gegenüber Brutreaktoren nicht beabsichtigen, die INFCE-Konferenz dazu
zu bewegen, die Weiterentwicklung dieses Typs zu blockieren. "Vielmehr ergeben sich Differenzen in erster Linie darüber, wie eine spätere Realisierung
des Brüterreaktor-Programms aussehen, in welchem Tempo der neue Reaktortyp
in weiteren Ländern eingeführt und nach welchen Richtlinien die Brutreaktorökonomie gehandhabt werden soll." Keinesfalls sei INFCE dazu da, den Brüter
zu stoppen. Denn wenn dem so wäre, hätte die INFCE-Konferenz nicht 53 Mitgliedstaaten, unter ihnen die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und die
Sowjetunion.
Die Frage, ob die USA eine INFCE—Empfehlung für die Schaffung multinationaler Wiederaufbereitungszentren unterstützen würden, beantwortete Carnesale
damit, daß dies trotz der gegenwärtig von den USA an den Tag gelegten Zurückhaltung hinsichtlich jeder Art von Wiederaufbereitung von nuklearem Abbrandmaterial von den bestehenden Alternativen abhänge. "Wenn man die Wahl hat
zwischen Wiederaufbereitungsanlagen unter nationaler Kontrolle", so Carnesale,

�Carnesale, "die in immer mehr Ländern errichtet werden, und der Schaffung
multinationaler Anlagen, so braucht man kein politisches Genie zu sein, um
zu dem Schluß zu kommen, daß ein Betrieb unter wirksamer multinationaler
Kontrolle besser wäre.

Und wenn wir Brütertechnologien anstreben, die eine

umfassende Wiederaufbereitungs-Industrie erfordern, so würden selbstverständlich multinationale Wiederaufbereitungsanlagen ernsthaft in Erwägung gezogen."

Carnesale, amerikanischer Delegationsleiter bei dem aus 22 Nationen bestehenden Technischen Koordinierungsausschuß für die acht Arbeitsgruppen der
INFCE, erinnerte daran, daß Begriffe wie "waffenfähiges Material", "Widerstand gegen Proliferation" und "Möglichkeiten zur Aufdeckung" längst Eingang
in die Verhandlungssprache gefunden haben.

So sei es auch nicht verwunderlich,

daß auf der letzten Sitzung des Koordinierungsausschusses im Oktober 78 die
ausführlichste Diskussion dem Thema gilt, wie das Risiko einer Proliferation
zu bewerten sei.

Dennoch sollte man sich im klaren sein, daß es weder Aufgabe der INFCE
ist, sich nur mit der friedlichen Anwendung der Atomenergie zu befassen, noch
sich ausschließlich um die Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen zu
kümmern.

Statt dessen habe INFCE Mittel und Wege zu erkunden, wie die Atom-

energie eingesetzt werden könne, um den Energiebedarf der Welt zu decken, und
wie gleichzeitig Vorsorge zu treffen sei, die damit zwangsläufig verbundene
Gefahr einer Proliferation nuklearer Waffen auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
Es hieße jedoch zu viel erwarten, nähme man an, daß INFCE das Problem des möglichen Mißbrauchs von Einrichtungen, die für den nuklearen Brennstoffzyklus
bestimmt sind, aus der Welt schaffen könne.

Denn kein Mitgliedstaat sei ver-

pflichtet, sich z.B. bei abweichender Meinung gegenüber den von der Mehrzahl
geäußerten Ansichten diesen zu beugen.

Er könne frei entscheiden, welchen Weg

er gehen wolle, da INFCE in erster Linie für Studien technischer und analytischer
Natur, jedoch nicht als Verhandlungsforum zuständig sei.

+ + + + +

- 3 -

�1
»

3

Wi//cn/choft
vt\d Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. November 1978

28

DOPPELRENDEZVOUS MIT DEM PLANETEN VENUS
Zwei amerikanische PIONIER-Sonden kurz vor dem Ziel -

(AD) - Die beiden interplanetaren US-Sonden PIONIER-VENUS I und
PIONIER-VENUS II, die am 20. Mai und 8. August 1978 am Kap Canaveral
gestartet wurden, werden Anfang Dezember ihr Ziel erreichen. PIONIERVENUS I, über eine halbe Tonne schwer und mit Instrumenten für 12 Experimente an Bord, soll am 4. Dezember 1978 in eine stark exzentrische Umlaufbahn um den Planeten Venus eintreten. Der tiefste Punkt wird nur 150 km
über der Oberfläche, der höchste dagegen 66 000 km weit draußen im Weltraum liegen. Bei einer um 15 Grad zur Planetenachse geneigten Bahnebene
durchläuft der Satellit auch alle jene Zonen, wo mögliche Wechselwirkungen
von Sonnenwind und solaren Partikelwolken mit der Planeten-Umwelt, insbesondere der Ionosphäre, zu erfassen sind. Seine wichtigsten Aufgaben
werden sein, die Hochatmosphäre zu analysieren, die Bewölkung samt ihren
Veränderungen fortlaufend zu beobachten, mittels Radar die dichte
Wolkenhülle zu durchdringen, um die Planetenoberfläche zu sondieren, und
schließlich das Gravitationsfeld des Planeten zu vermessen, woraus sich
Hinweise auf Massenanomalien und damit bis zu einem gewissen Grad auf

Postfach 20 03 00
l»MciMl:fT7riW

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�I

auf den Aufbau des Planetenkörpers ergeben könnten.

Einen ganzen "Venustag"

lang (ihm entsprechen 243 Erdentage, die die Venus für eine einzige Umdrehung um ihre Achse braucht) soll der PIONIER-Orbiter die Venus beobachten.

Die Konstrukteure von Hughes Aircraft Co. in El Segundo

(Kalifornien), die im Auftrag der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA
das Satellitenpaar entwickelten und bauten, sind jedoch überzeugt, daß
die "aktive Lebensdauer" wesentlich größer sein wird.
Im Vergleich dazu kurzlebig, für die Wissenschaft aber kaum weniger
bedeutsam,wird PIONIER-VENUS II mit vier Abstiegssonden sein, die an
weit auseinanderliegenden Stellen der Planetenoberfläche niedergehen.
Der Sonenträger, "Bus" genannt, stieß bereits am 15. November in ca.
11 Millionen km Entfernung von der Venus das erste, 318 kg schwere
Forschungsgerät aus.

Seine sieben Instrumente sammeln Daten über Zu-

sammensetzung und Struktur der Atmosphäre, Zusammensetzung und Art der
Wolken und die Wärmebilanz des Planeten.

Am 19. November lösten sich bei

einem Abstand von 9,3 Millionen km von der Venus auch die drei identischen
kleineren, je 91 kg schweren Abstiegssonden vom "Bus" ab, die mit den
Bezeichnungen "Tag", "Nacht" und "Norden" unterschieden werden.

Sie

dienen der Durchführung von jeweils drei Experimenten, um bestimmte
Meßdaten über Lufthülle und Wolken einschließlich ihrer Struktur zu bekommen.
Der "Bus" schließlich soll mit seinen Instrumenten Auskunft über die
Zusammensetzung der Ionosphäre, die Dichte der Hochatmosphäre und die
Verteilung ihrer Bestandteile geben.
Für die vier "Töchter" ist der 9. Dezember 1978 der kritische Tag,
an dem sie innerhalb vom 11 Minuten nacheinander in die Atmosphäre der
Venus eintauchen.

Während die drei kleinen Sonden ungebremst zu Boden

stürzen, entfaltet die große Sonde ca. 67 km über der Oberfläche einen
Fallschirm, der die Meßdauer verlängern soll. Jede Sonde dürfte ca.
57 Minuten lang Meßdaten übermitteln, bis Hitze (ca. 470°C) und Druck
(ca. 90 mal höher als auf der Erde) an der Oberfläche und die Wucht des
Aufpralls sie zerstören.

Ob der "Bus" ebenfalls zu Boden stürzt oder

- 2 -

�'

oder aber nach Passieren der oberen Luftschichten wieder in den Weltraum
geschleudert wird, hängt vom Winkel seines Eintritts in die VenusAtmosphäre ab.

Er wird ca. 90 Minuten nach seinen vier Tochtersonden

die Lufthülle der Venus erreichen. An Bord von Orbiter und "Bus" befindet sich auch je ein Instrument deutscher Wissenschaftler, das in Freiburg bzw. an der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit dem Max-PlanckInstitut für Kernphysik in Heidelberg entwickelt wurde.
Mit dem PIONIER-VENUS-Projekt wollen die Forscher der NASA versuchen, Antworten auf zahlreiche Fragen zu finden. Weshalb sind Erde
und Venus, enge Nachbarn im Weltraum und von ähnlicher Größe und Masse,
so verschiedener Natur? Weshalb ist die Venusatmosphäre, die vermutlich
zu 95 Prozent aus Kohlendioxid besteht, so anders als die Lufthülle der
Erde? Welches sind neben Wasserdampf und Kohlendioxid, die von sowjetischen
Sonden gemessen wurden, ihre Bestandteile in den oberen und unteren Luftschichten, und wie sind sie verteilt? Man weiß bereits, daß es auch Stickstoff und Argon, Salzsäure, Sauerstoff, Kohlenmonoxid und Fluorwasserstoffsäure gibt. Enthalten bestimmte Wolken schweflige Säure, wie es
den Anschein hat? Gibt es mehrere, verschieden geartete Schichten von
Wolken? Wie steht es mit Luftzirkulation und Turbulenzen?
Aus den MARINER 10-Untersuchungen vom Jahr 1974 ist z.B. bekannt,
daß die Venus ein sehr stürmischer Planet ist, auf dem heiße Winde aus
der Äquatorzone spiralähnlich mit hoher Geschwindigkeit zu den kühleren
pol nahen Breiten strömen. Die Wissenschaftler haben noch keine Erklärung
dafür, weshalb es auf der Erde so viel, auf der Venus so wenig Wasser
gibt. Und sie wollen u.a. wissen, ob der hohe Druck und die hohe Temperatur
in oberflächennahen Luftschichten womöglich die Folge eines "Gewächshauseffektes" sind,den Meteorologen der Erde prophezeien, falls die Erdatmosphäre weiterhin und in ständig steigendem Maße mit Kohlendioxid
angereichert wird.
Aufgrund von Radaruntersuchungen amerkikanischer Radioteleskope und

- 3 -

�und von einem Foto, das eine sowjetische Landesonde zur Erde funkte, wissen
wir, daß auf der Venus hohe Gebirge und mit Felsbrocken übersäte Gebiete
zu finden sind - ganz ähnlich wie auf dem Mars.
zu erkennen.

Auf dem Foto sind Schatten

Sie lassen vermuten, daß die Wolkenhülle Lücken hat, die das

Sonnenlicht durchdringen kann.

Und die "Radarkarte" von weiten Teilen

der Venus-Nordhalbkugel gibt mehrere Gebiete an, deren Beschaffenheit auf
vulkanische Aktivität schließen läßt.

Der neue Vorstoß zur Venus mit den

amerikanischen PIONIER-Sonden könnte helfen, manche Geheimnisse zu entschlüsseln, die dem Schwestergestirn der Erde eigen sind.
der Menschen beschäftigt es schon seit Jahrtausenden.

+ + + + +

Die Phantasie

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt seine außen- und innenpolitischen Ziele dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehinterview mit Bill Moyers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Endergebnisse der US-Wahlen vom 7. November 1978&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Liste der Gouverneure der 50 Einzelstaaten der USA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der neue Senat der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das neue Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schwerpunkt Kohle im US-Energieprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Energieminister Schlesinger äußert sich zum neuen Gesetz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomkraftnutzung mit mehr politischer Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- INFCE-Konferenz hält Jahrestagung in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doppelrendevous mit Planeten Venus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zwei amerikanische PIONIER-Sonden kurz vor dem Ziel -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Hfl
I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die politischen Kräfte der Mitte auf dem Vormarsch
Nachlese zu den amerikanischen Wahlen
- von Andrew J. Glass Grundzüge des neuen US-Energiegesetzes
Was für SALT II spricht
- von Senator Edward M. Kennedy US-Stiftung für Internationale Technologische Zusammenarbeit
Partner für Entwicklungsländer
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pockenbekämpfung - erfolgreichstes UN-Programm
Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt
Hämoglobine mit unterschiedlicher Sauerstoffbindung
Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�15. November 1978

27

DIE POLITISCHEN KRÄFTE DER MITTE AUF DEM VORMARSCH
NACHLESE ZU DEN AMERIKANISCHEN WAHLEN
- Von Andrew J. Glass -

- (AD) - Sicherlich haben die sogenannten Zwischenwahlen in den
Vereinigten Staaten - bei denen das ganze Repräsentantenhaus, ein Drittel
des Senats und 36 Gouverneure gewählt und über etwa 200 Volksbegehren
(in den Einzelstaaten) abgestimmt wurde - keinen Erdrutsch und keine
sensationellen Ergebnisse gebracht. Trotzdem sind diese Wahlen einer
rückblickenden Betrachtung wert.
Die politischen Kräfte der Mitte konnten ihre Position nicht nur
halten, sondern sogar ausbauen.

Eine Meinungsumfrage des Harris-Instituts

vor zehn Jahren ergab, daß sich 43 Prozent der amerikanischen Wähler
als konservativ, 36 Prozent als politisch in der Mitte und 21 Prozent als
liberal ansahen.
In diesem Jahr zeigte sich, daß ein Abbröckeln auf beiden Seiten
des politischen Spektrums stattgefunden hat. Heute bezeichnen sich

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn2
Telex:08-85432

�V

sich 38 Prozent als konservativ und 20 Prozent als liberal, während die
Mitte mit 42 Prozent eine solide Mehrheit darstellt.
Wenn man das auf die neugewählten Senatoren anwendet, dann ist eine
ähnliche Struktur festzustellen:

40 Prozent der Neuen können als konservativ,

46 Prozent als gemäßigt (Mitte) und 14 Prozent als liberal betrachtet
werden.
Die Mitte steht also.

Die Wahlergebnisse lassen erkennen, daß die

amerikanischen Wähler zwar neue Gesichter sehen wollen, daß sie aber
ihre politische Überzeugung kaum ändern.
•

•

•

Neue Gesichter hat es reichlich gegeben.

Von den insgesamt 71

Gouverneursposten und Senatssitzen, die zur Disposition standen, wurden
56 Prozent durch Neulinge besetzt.

Und die 77 Neulinge im Repräsentanten-

haus stellen - abgesehen von der Wahl nach Watergate im Jahre 1974 - die
größte Gruppe dieser Art in diesem Jahrzehnt dar.
Die Wahlbeteiligung wurde mit rund 58 Millionen Wählern, d.h.
37 Prozent der Wahlberechtigten, ermittelt, was gegenüber der Zwischenwahl (bei der das Amt des Präsidenten nicht zur Disposition steht) von
1974 einen Rückgang um zwei Prozent bedeutet.

Die endgültige Zahl der

Wahl beteil igten wird erst in einigen Monaten feststehen, aber man kann
sagen, daß die Wahlbeteiligung in den Vereinigten Staaten weit niedriger
liegt als in den meisten anderen demokratischen Industriestaaten der
Welt.
•

Am 7. November 1978 ist es weder den Demokraten noch den Republikanern
gelungen, die großen Chancen der Zeit zu nutzen.

Die demokratischen

Kandidaten für das Repräsentantenhaus erhielten 56 Prozent der abgegebenen
Stimmen, also ein bis zwei Prozent weniger als 1976 und drei Prozent
weniger als 1974 - als Watergate den Republikanern große Verluste brachte.
In vielen

�In vielen Einzelstaaten schienen sich die demokratischen Kandidaten
mehr oder weniger mit Fernsehwerbung zufriedenzugeben

und taten nicht

genug, um ihre eingefleischten Wähler an die Urne zu bringen.

Sonst

hätten sie sicher bessere Resultate erzielen können.
Aus Umfragen geht hervor, daß sich 61 Prozent der in Städten lebenden
erwachsenen Amerikaner als Anhänger der Demokratischen Partei betrachten,
und 85 Prozent der Schwarzen, 72 Prozent der Juden, 69 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder und 62 Prozent der Jugendlichen halten es mit der
Sache der Demokraten.
Auf der anderen Seite hätten bei der niedrigen Wahlbeteiligung der
Demokraten die Republikaner eigentlich eine Chance haben müssen, ein
beachtliches Comeback zu feiern. Aber diese Chance blieb aus.
Im Repräsentantenhaus, wo 218 Sitze von insgesamt 435 für die Mehrheit
erforderlich sind, konnten die Demokraten 277 Sitze gewinnen, während
die Republikaner mit 157 oder 158 vorliebnehmen mußten. Die Demokraten
konnten ihre Verluste - mit 13 oder 14 Sitzen - in Grenzen halten. Die
Republikaner konnten allerdings 3 Sitze im Senat und 6 Gouverneursposten
dazugewinnen - mehr als man eigentlich erwartet hatte.
In der Ausschau nach positiven Trends bei den diesjährigen Zwischenwahlen, die man fairerweise wohl als eine - wenn auch schwache - Hinwendung
zu den Republikanern bezeichnen kann, stellen die Führer der Demokraten
die Tatsache heraus, daß ein Gewinn von dreizehn Sitzen im Repräsentantenhaus ein weitaus kleinerer Erfolg ist als der durchschnittliche Gewinnzuwachs von 35 Sitzen, die die nicht an der Macht befindliche Partei in
in den Zwischenwahlen seit 1930 zu verzeichnen pflegte. Dagegen führen
die Republikaner an, daß der Zugewinn an Sitzen nach der ersten Hälfte
der Amtszeit eines neuen Präsidenten gewöhnlich unter zehn gelegen hat.
Aber wenn

�Aber wenn die Republikaner bei dieser Wahl auch unter den für Zwischenwahlen üblichen Gewinnen blieben, so könnte sich das Kräfteverhältnis im
Senat doch gerade so weit nach rechts verschoben haben, daß dadurch die
Chancen für einen Nuklearpakt mit den Russen im kommenden Jahr gefährdet
werden.
In einer ersten privaten Analyse der Wahlergebnisse wird in Washingtoner
Kreisen denn auch die Auffassung vertreten, daß der nahezu fertig ausgearbeitete Vertrag über strategische Rüstungsbegrenzung (SALT II) in Gefahr
geraten könnte, weil einige dem Vertrag freundlich gesonnene demokratische
Liberale durch einen wenn auch leichten Gewinnzuwachs der Republikaner
- vor allem im Herzland der Nation, dem Mittelwesten - ausgeschaltet wurden.
Auch wenn im Senat eine knappe Mehrheit für SALT besteht, so müssen doch
gemäß der amerikanischen Verfassung zwei Drittel des Gremiums - das heißt
67 Senatoren - für den Vertrag stimmen, wenn er ratifiziert werden soll.
Sechs der sieben Senatoren, die es nicht geschafft haben, galten
als Liberale, was ein schlechtes Omen für SALT sein dürfte. Und in
drei Bundesstaaten - Colorado, Iowa und New Hampshire - sind die Republikaner, die ihre liberalen demokratischen Opponenten schlugen, als
eingefleischte Konservative und SALT-Gegner bekannt.
Auf die Frage, wie er die Niederlage dieser drei Demokraten erkläre,
sagte der Parteivorsitzende der Demokraten, John White, die Wähler seien
eigentlich nicht so sehr gegen den Liberalismus dieser Senatoren, aber
sie wollten ihre Staaten wieder in das "traditionelle Schema" nach dem
Umschwung der Wahlen von 1972 zurückbringen.
Was SALT anbetrifft, so sagte White, "der Vertrag wird in Ordnung
sein, wenn er als militärisch vorteilhaft für die Vereinigten Staaten
präsentiert wird. Wenn er aber so dargestellt wird, daß er nur ein
"Gleichgewicht" (mit der Sowjetunion) verschafft, dann wird er in
Gefahr geraten."
Trotz
- 4 -

�Trotz der potentiellen Bedeutung der Wahlen für den SALT-Vertrag
waren viele Analytiker doch vor allem bestrebt, auszuloten, was die
Ergebnisse für das Jahr 1980 und die neue Präsidentschaftswahl besagen
könnten.

Es ist ein Axiom der amerikanischen Politik, daß der eigentliche

Aufbau der Partei in den fünfzig Hauptstädten der Bundesstaaten nicht aber
in Washington - der eigentlichen Hauptstadt - erfolgt.

Und gerade hier

haben die Republikaner vielleicht ihre besten Erfolge in diesem Jahr zu
verzeichnen gehabt und damit die Basis für einen möglichen großen neuen
Aufschwung in den kommenden Jahren geschaffen.
Die neue Liste der Gouverneure verzeichnet 32 Demokraten und 18 Republikaner - ein glatter Gewinn von sechs Posten für die Republikaner.
Es war das erstemal seit 1968, daß die Partei in der Minderheit ihre
Position bei den Gouverneurswahlen verbessern konnte. Und was noch
wichtiger ist, die entscheidenden Staaten, in denen die Republikaner
gewannen oder ihre Position hielten, erstrecken sich in einem weiten
Bogen über die amerikanischen
Industrie- und Farmgebiete: Pennsylvania,
Ohio, Indiana, Illinois, Iowa und Minnesota.
Auch im Süden, der seit vielen Jahren die Bastion einer Partei der Demokraten - gewesen war, konnten die Republikaner einen Wiederaufschwung verzeichnen.

Zum erstenmal

seit der Aera des Wiederaufbaus

nach dem amerikanischen Bürgerkrieg vor einem Jahrhundert gewannen die
Republikaner den Gouverneurssitz in Texas und einen Senatssitz in
Mississippi.
Im Heimatstaat von Präsident Carter, in Georgia, gewannen die Republikaner einen heißumstrittenen Repräsentantenhaussitz und konnten sich
trotz der Bemühungen Carters und seines persönlichen Einsatzes in Südund Nordkarolina behaupten.
In den Parlamenten der Einzelstaaten - den "Brutstätten" der nationalen
Politik - konnten die Republikaner Gewinne erzielen.

- 5 -

Während sie bisher

�bisher in fünf Bundesstaaten beide Häuser kontrollierten, haben sie jetzt
mindestens 13 erobert.

Das ist sehr wichtig, wenn man bedenkt, daß die

Aussichten für die Republikaner nach der Neufestlegung der Wahlkreise, die
nach der Volkszählung von 1980 notwendig werden wird, nicht allzu günstig
waren.

Da sie befürchten mußten, daß die "Brutstätte" austrockenen könnte,

haben sie über 12 Millionen Dollar in den einzelstaatlichen Wahlkampf gepumpt, und es hat sich nach ihrer Meinung gelohnt.
Da die Wahlergebnisse keine dramatischen Folgerungen in der einen
oder anderen Richtung zulassen, haben die nationalen Politiker aller
Couleur Anlaß zur Freude gefunden.

Während man im Weißen Haus erklärte,

die Wahlresultate spiegelten in etwa eine Stimmung im Lande wider, die
"den Vorstellungen des Präsidenten nahe kommt", bezeichnete der Vorsitzende
der Republikanischen Partei, Bill Brock, den 7. November als einen "großen
Tag" für seine Partei, der nach den Rückschlägen von 1974 und 1976 einen
Aufwärtstrend erkannen lasse.
Interessanterweise wollten weder die Führer de Demokraten noch die
der Republikaner die Wahlergebnisse als Ausdruck der Volksmeinung über
Präsident Carters Politik oder dessen Popularität gesehen wissen. Zu
dem Zeitpunkt, da die Amerikaner zur Wahlurne gerufen wurden, hielten
Sichnach Umfragen jene, die ihn für einen ausgezeichneten Präsidenten
halten, und jene, die meinen, er zeige nur mäßige oder gar schlechte
Leistungen, in etwa die Wage. Die Wahlergebnisse deuten nicht darauf
hin, daß die Amerikaner durch die Wahl ihrer Kandidaten den Präsidenten
besonders loben oder strafen wollten.
Es bleibt jedoch abzuwarten, wie Präsident Carter mit dem neuen
96. Kongress auskommen wird, der im Januar 1979 zusammentritt.

Was man

im Augenblick hört, ist, daß die Berater des Präsidenten von einem
eher bescheidenen gesetzgeberischen Programm sprechen, verglichen mit
dem, was Carter in den beiden ersten Jahren seiner Amtszeit durchzusetzen

- 6 -

�durchzusetzen versuchte. Das Hauptaugenmerk wird auf die Bekämpfung der
Inflation und die Stärkung der Wirtschaft gerichtet sein.
Jack Carlson, der marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsberater
der Amerikanischen Handelskammer, rechnet damit, daß der neue Kongress
bezüglich der Wachstumsprogramme und der Ausgabenprogramme des Bundes
zurückhaltender sein wird. Im Senat zeichne sich eine Stärkung des
Flügels ab, der marktwirtschaftliche Lösungen gegenüber Regierungslösungen
vorziehe.
Ein führender Vertreter des liberal orientierten Nationalkomitees
für einen leistungsfähigen Kongress, Russell Hemenway, bezeichnete das
Wahlergebnis im Senat zwar als eine "Katastrophe", wies aber darauf hin,
daß 31 der 40 Abgeordneten, die sein Komitee unterstützten, ihren Sitz
im Repräsentantenhaus halten konnten.
Soweit die Wahlen von 1978 als ein Test für die Überlebensfähigkeit
der Republikanischen Partei als potente Kraft im politischen Leben
Amerikas betrachtet wurden, haben die Republikaner diese Probe bestanden.
Aber aus dem Wahlergebnis läßt sich auch nicht herauslesen, daß die Wähler
gewillt seien, die Demokraten aus ihrer derzeitigen Vormachtstellung in
den einzelstaatlichen Parlamenten, im Kongress, ja auch im Präsidentenamt
zu verdrängen.
Die amerikanische Wählerschaft hat sich einmal mehr als nach der
Mitte ausgerichtet, unabhängig, selektiv und - leider - auch apathisch
erwiesen.

+ + + + +

- 7 -

�27

15. November 1978

GRUNDZOGE DES NEUEN US-ENERGIEGESETZES

- (AD) - Nach 18 Monaten erbitterten Ringens verabschiedete der amerikanische Kongreß ein Energie-Gesetz, das nach Ansicht von Regierungsvertretern
das von Präsident Carter auf der Gipfelkonferenz in Bonn gegebene Versprechen
wahrmachen kann, bis 1985 täglich ca. 340 000 Tonnen Importöl einzusparen.
Obgleich der Kongreß an der von Präsident Carter unterbreiteten Vorlage einige einschneidende Änderungen vornahm, ist der Präsident überzeugt, daß das
Gesetz in seiner endgültigen Fassung "unsere nationale Sicherheit fördern, unsere außenpolitische Handlungsfreiheit sichern und unsere wirtschaftlichen
Interessen im In- und Ausland schützen wird".
Die meisten Abstriche machte der Kongreß an der vorgeschlagenen Steuer
auf amerikanisches Rohöl, die den Preis auf Weltpreisniveau hätte anheben und
zu massiven Einsparungen führen sollen.

Präsident Carter hatte beabsichtigt,

damit bis zum Jahr 1985 täglich bis zu 630 000 Tonnen ül zu sparen.

Aber auch

ohne diese Maßnahme, so erklären Regierungsvertreter, erlaube das neue Gesetzeswerk beträchtliche Energieeinsparungen.

Die wichtigsten Abschnitte betreffen:
Erdgas

�Erdgas
Kernstück des Planes ist nach der Streichung der Rohölsteuer durch den
Senat die Preisgestaltung für Erdgas. Ursprünglich wollte Präsident Carter
hier die Preiskontrollen beibehalten.
hebung und der Preisfreigabe.

Der Senat bestand jedoch auf deren Auf-

Der Kongreß stimmte schließlich dem Kompromiß

zu, in den nächsten Jahren die Preiskontrollen allmählich abzubauen und sie
bis 1985 gänzlich aufzuheben.

Es handelt sich um ein kompliziertes Gesetzes-

werk, das für "altes" und "neues" Gas, für private Haushaltungen und die Industrie sowie weitere Verbrauchergruppen unterschiedliche Preise festsetzt.
Energiesteuern
Nur mit äußerster Zurückhaltung ging der Kongreß im gegenwärtigen Wahljahr an die Abstimmung über ein Steuerpaket heran, mit dem der Präsident den
Energieverbrauch verringern wollte.

Eine feste Steuer auf den Verbrauch von

öl und Gas in der Industrie lehnte er ebenso ab wie eine Erhöhung der Benzinsteuer, und der Vorschlag der Regierung, Kraftfahrzeuge mit hohem Benzinverbrauch mit einer Steuer zu belegen, wurde erheblich abgeschwächt.

Ab 1979

sollten auf Autos mit geringer Kilometerleistung bzw. hohem Kraftstoffverbrauch
200 Dollar an Steuer erhoben werden, welche bis 1985 auf 385Ö Dollar angestiegen wäre.
Dagegen wurden Steuererleichterungen für sparwillige Bürger wohlwollend
behandelt. Hausbesitzer können jetzt einen Kredit - im Endeffekt einen Steuernachlaß - für die Installierung von Vorrichtungen zur Wärmeisolierung oder Solaranlagen bekommen. Ähnliche Vergünstigungen gibt es auch für Geschäftsleute,
wenn sie Energie-Sparvorrichtungen einbauen lassen oder anstatt öl andere Formen von Primärenergie benutzen.
Gebührenreform bei den Versorgungsbetrieben
Der Kongreß stimmte den Vorschlägen Präsident Carters zu, den Gebührenkatalog der öffentlichen Versorgungsbetriebe zu ändern, um einen Anreiz für
- 2 -

�für die Reduzierung des Ölverbrauchs zu schaffen.

Er schwächte jedoch den

ursprünglichen Vorschlag über zwingende Vorschriften ab; übrig blieben "Richtlinien".

Dennoch erwartet man sich von diesen wesentliche

den Ölverbrauch.

Auswirkungen auf

Sie umfassen beispielsweise niedrigere Gebühren für den

Stromverbrauch außerhalb der Spitzenzeiten, Abschaffung der Rabatte für Großverbraucher und Anreize für Elektrizitätsunternehmen, Vereinbarungen über den
Energieverbund zu treffen.
Umstellung auf Kohle

Ursprünglich bildeten derartige Projekte ein Schwerpunktprogramm in dem
dem Kongreß vom Präsidenten unterbreiteten Energiepaket.

In größtmöglichem

Umfang sollte die Industrie Umstellungen von öl auf Kohle vornehmen.
nat nahm jedoch umfangreiche Abstriche vor.

Der Se-

Heute gelten die Auflagen für

Kohleverwendung nur für neue Betriebe, nicht für bereits existierende, und
selbst neuen Anlagen werden Ausnahmeregelungen aus den verschiedensten Gründen
zugebilligt - angefangen von Verschmutzungsproblemen bis zum Mangel an geeigneter Kohle.

Jedoch dürfen von 1990 an Kraftwerke kein Erdgas mehr

verwenden.

Energieeinsparung

Zu diesem Thema gab es die wenigsten Kontroversen.

Das Programm sieht

die Gewährung von Beihilfen für einkommensschwache Familien, Krankenhäuser und
Schulen zum Einbau wärmeisolierender Vorrichtungen vor.

Es fordert außerdem

neue, regierungsamtliche Leistungsnormen für Kühlschränke, Klimaanlagen, Öfen
und andere stromverbrauchende Geräte und Ausrüstungen.

Die im US-Kongreß vertretenen so verschiedenartigen Interessen führten
bei der Behandlung des Energiegesetzes zu den seit Jahren schwersten und mit
großer Erbitterung geführten Auseinandersetzungen.

Sie dauerten buchstäblich

bis zum Ende der Frist für die Amtszeit des 95. Kongresses der Vereinigten
Staaten.

In den Morgenstunden des 15. Oktober 1978 wurde das Gesetzeswerk

schließlich angenommen.

Präsident Carter begrüßte die Entscheidung als "be-

- 3 -

�"bestandene Prüfung für die Fähigkeit der Nation, schwierige Probleme anzupacken und sich um eine Lösung für sie zu bemühen."

Mit praktisch allen

Kommentatoren, Kritikern wie Befürwortern des Energiepakets, stimmte er darin
überein, daß das neue Gesetzeswerk nicht den Abschluß, sondern "einen wichtigen Anfang bildet".
Kurz nach der Rückkehr von Energieminister James Schlesinger aus China
am 9. November unterzeichnete Präsident Carter das Gesetz. Schon einen Tag
später veröffentlichte das Energieministerium seine neuen Durchführungsbestimmungen für das Energiegesetz.

Ca. drei Wochen später, ab 2. Dezember 1978,

dürfte die Erdgasversorgung aus Texas, Oklahoma und Louisiana für die übrigen
Bundesstaaten spürbar besser werden.
Präsident Carter wird jedoch versuchen, mit der Unterbreitung neuer Vorschläge im US-Kongreß im Januar 1979 seine Energie-Politik auf der jetzt geschaffenen Basis mit dem Ziel weiter auszubauen, die Vereinigten Staaten langfristig gegen die Auswirkungen eines möglichen Verlustes ausländischer Versorgungsquellen mehr zu schützen.
Kurzfristig gesehen sind die Aussichten für die Energieversorgung ausgezeichnet, auch wenn der Winterbedarf, wie üblich, das Niveau des maximalen
Angebots nahezu erreichen wird. Nach Ansicht von Energieminister James
Schlesinger bereitet für die nächste Zeit die Ölversorgung "kein Problem".
Erdgas gebe es genügend, und ein Streik im Kohlebergbau wie im vergangenen
Winter werde sich nicht wiederholen.
Der Bedarf der freien Welt an Erdöl ist innerhalb des letzten Jahres um
mehr als vier Prozent bzw. 280 000 Tonnen pro Tag gestiegen. Aber dies ist zum
Teil auf die verstärkte Anlegung von Vorräten in Erwartung einer möglichen Preisanhebung seitens der OPEC-Länder im Januar 1979 zurückzuführen. Danach wird
die Nachfrage wieder zurückgehen - ohne Rücksicht darauf, wie die Entscheidung
der OPEC-Länder ausfallen wird.
Schlesinger

- 4 -

�Schlesinger verweist darauf, daß das jetzt verabschiedete Energiegesetz
der US-Regierung auch endlich die Möglichkeit gebe, Entscheidungen über den
Import von verflüssigtem Erdgas zu treffen.

Sie sei z.B. bereit, Verhandlun-

gen mit Mexiko über dieses Thema jederzeit fortzusetzen.

In China verhandelte

der Minister u.a. über eine mögliche Unterstützung seitens der Vereinigten
Staaten bei der Erschließung der reichen chinesischen Vorkommen an Erdöl, das
wahrscheinlich zum großen Teil den Weg auf den Weltmarkt nehmen werde.
habe großes Interesse an westlicher Technologie gezeigt.

China

Auch wenn das Gros

der Exporte nach Japan gehen werde, würde dies, so Schlesinger, für die USA
und andere öl importierenden Länder eine Entlastung bedeuten.

Im Anschluß an

seine Chinareise besuchte Minister Schlesinger Japan, um über die Zusammenarbeitzwischen den drei Ländern USA, Japan und der Bundesrepublik Deutschland
bei der Gewinnung flüssiger Brennstoffe aus Kohle zu verhandeln.

Die Vereinig-

ten Staaten erwägen den Bau einer entsprechenden Anlage.
Ein solches Projekt wäre Teil eines "Energie-Pakets - Teil II", das im
April nächsten Jahres dem Kongreß zugeleitet werden soll.

Es würde außerdem

die Politik samt den wichtigsten Projekten zur Nutzung der Sonnenenergie, zur
Gewinnung von Brennstoffen aus Alkohol und Ölschiefer und auf dem Gebiet der
Kernenergie behandeln.

In Regierungskreisen hält man nach wie vor den Leicht-

wasser-Reaktor für das z. Zt. optimal* System und hofft, daß der nächste Kongreß
im kommenden Jahr Genehmigungen rascher erteilen werde.

+ + + + +

- 5 -

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

WAS FÜR SALT II SPRICHT
Von Senator Edward M. Kennedy

Senator Kennedy hat im September dieses
Jahres zum zweiten Mal die Sowjetunion besucht und während seines Aufenthaltes dort
zwei Stunden mit Partei- und Regierungschef Leoniid Breschnew gesprochen und über
35 Stunden lang Gespräche mit anderen führenden Politikern geführt. Vor und nach
seiner Reise in die UdSSR hatte Kennedy
Besprechungen mit Präsident Carter, Außenminister Vance und Sicherheitsberater
Brzezinski und deren Mitarbeitern. Der
folgende Artikel, der auf den Erfahrungen
Kennedys bei seinem Besuch in der Sowjetunion beruht, ist eine überarbeitete Fassung einer Rede des Senators vor dem Rat
für Auswärtige Beziehungen in Chicago.

Es besteht erneut die Hoffnung, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion den politischen Willen aufbringen werden, das langerwartete SALT II-Abkommen abzuschließen.

Und darüber hinaus besteht jetzt die Hoffnung, daß Prä-

sident Carter und Präsident Breschnew zu einem amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen zusammenkommen und daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion eine Aufwärtsentwicklung einschlagen werden.
Es

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es wäre für die Carter-Administration ein außenpolitischer Erfolg von
historischer Bedeutung, wenn sie im Jahre 1979 beweisen könnte, daß die Vereinigten Staaten engere und festere Beziehungen zu ihren beiden Nukleargegnern
- der Sowjetunion und China - (und niemals waren die Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China so gut wie heute) herstellen
können, als diese beiden genannten miteinander haben könnten.

Dieser Erfolg

liegt heute für Präsident Carter in Reichweite, und ich werde ihn nachdrücklich darin unterstützen, daß er ihn erreicht.
In diesem Zusammenhang müssen wir in aller Klarheit die Bedeutung eines
wirksamen und ausgewogenen SALT II-Abkommens zwischen den beiden einzigen Ländern erkennen, die nicht nur jeder den anderen, sondern die ganze Welt völlig
zerstören könnten.

Die große Mehrheit des amerikanischen Volkes befürwortet

solch ein Abkommen - dies ist der Fall, seit die grundsätzlichen Richtlinien
im Jahre 1974 durch eine republikanische Administration in Wladiwostok festgelegt wurden.

Kein Politiker, welcher Partei er auch angehört, sollte die Unter-

stützung übersehen, die SALT II in der Öffentlichkeit erfährt, und sich auch
immer vor Augen halten, daß ein solches Abkommen überparteilicher Natur ist.
Und kein verantwortungsvoller Politiker sollte die Tatsache ignorieren, daß
SALT II ein gutes und festes Abkommen sein wird, das ganz klar im Interesse
der Vereinigten Staaten und der Welt liegt.

Die Vorteile von SALT II
SALT II wird unsere Sicherheit sowie die internationale Stabilität fördern. Es wird die Gefahr eines nuklearen Schlagabtausches vermindern, dessen
"tödliches Gift" - wie Präsident Kennedy einmal erklärte - "durch Wind und
Wasser, durch Boden und Saat bis in die entferntesten Winkel unserer Welt getragen und noch ungeborene Generationen von Kindern befallen würde". Lassen
Sie mich die Mittel und Wege aufzeigen, wie diese Risiken vermindert, die
Sicherheit vermehrt und die Stabilität gefördert werden können.
Erstens,

- 2 -

�Erstens, das strategische Gleichgewicht ist der Grundpfeiler dieses Abkommens.

Durch SALT I wurde die Zahl der Trägerraketen eingefroren, von denen

die Sowjets mehr besaßen als die Vereinigten Staaten.
rität korrigieren.

SALT II wird diese Dispa-

Dieses Abkommen wird zu gleichen Begrenzungen der Zahl der

strategischen Trägerraketen, über die beide Seiten verfügen dürfen, führen.
Innerhalb dieser gleichen Gesamtzahl wird es die gleiche Anzahl von Raketenabschußrampen, die gleiche Anzahl von Raketenabschußrampen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) und die gleiche Anzahl von landgestützten Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen geben.

Zweitens, als Folge dieser gl eichen Begrenzungen werden die Sowjets etwa
300 nukleare Trägersysteme vernichten müssen; die Vereinigten Staaten können
jedoch ihrem Arsenal weitere 250 hinzufügen, wenn sie dies wollen.

Das gesamte

B-1-Bomberprogramm könnte innerhalb der Grenzen von SALT II abgeschlossen werden - wären wir töricht genug, dies tun zu wollen.

Ohne SALT könnten die Sowjets

nach Schätzungen unseres Geheimdienstes allein schon bei Aufrechterhaltung ihres
gegenwärtigen Programms bis 1985 etwa 500 weitere nukleare Trägersysteme dislozieren.

Dies bedeutet:

SALT wird verhindern, daß rund 750 Nuklearsysteme

- bis zu 10 000 oder mehr nukleare Gefechtsköpfe auf unser Land gerichtet sein
werden.

Ohne Frage könnten wir der potentiellen strategischen Bedrohung der Sowjets
auch ohne SALT entsprechend entgegentreten„

Dies würde aber die Verdoppelung

unserer vorgesehenen Trident-Unterseeboote, die Dislozierung von bis zu 300
M-X-Raketen sowie möglicherweise die Dislozierung einer neuen Generation von
schweren Bombern erforderlich machen.

Der Preis, den wir dafür zu zahlen

hätten, würde, gemessen an heutigen Preisen, bei 100 Milliarden Dollar liegen.
Welch geringer Preis, um uns näher an die nukleare Katastrophe zu bringen!

Drittens, SALT II wird nicht nur die Zahl der Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen begrenzen.

Als Ergebnis der jüngsten Verhandlungs-

runde wird es auch die Zahl zusätzlicher Gefechtsköpfe beschränken, die durch
den sogenannten Prozeß der Aufspaltung auf diese Raketen aufgesetzt werden können.

Es wird die Fähigkeit der Sowjets begrenzen, aus der größeren Nutzlast
- 3 -

�Nutzlast ihrer Raketen Vorteile zu ziehen, indem sie ihren schweren Raketen
eine riesige Zahl zusätzlicher Gefechtsköpfe aufladen.

Es wird verhindern, daß

zehntausende von Gefechtsköpfen auf die Vereinigten Staaten gerichtet sein
werden.

Das ist ein sehr bedeutsamer Verhandlungserfolg der Carter-Administration.

Viertens, wir werden im Rahmen von SALT unsere ausgewogene Abschreckung
erhalten und verbessern.

Wir werden unsere Streitmacht von B-52-Bombern durch

höchst zielgenaue, mächtige Marschflugkörper (Cruise Missiles) mit großer Reichweite modernisieren und verbessern.

Und unsere Unterhändler haben sicherge-

stellt, daß amerikanische Bomber mit diesen Marschflugkörpern die meisten Ziele
erreichen und treffen können, die von unserem strategischen Luftkommando als
wichtig angesehen werden, ohne eine sowjetische Luftabwehr durchdringen zu müssen.

Wir werden unser geplantes Trident-Unterseebootprogramm weiterführen.

Ein solches Trident-Unterseeboot allein wird genügend Gefechtsköpfe - von denen jeder die zwei- bis dreifache Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe hat mitführen, um alle sowjetischen Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern zu
treffen.
Fünftens, SALT II wird unsere Fähigkeit schützen und stärken, die strategischen Streitkräfte der Sowjetunion mit Hilfe von Satelliten und anderen Aufklärungsmöglichkeiten zu beobachten. Es wird weiterhin eine absichtliche Verheimlichung verbieten, ja, jede Einmischung in unsere nationalen technischen
Verifizierungsmittel. Es wird von den Sowjets verlangen, von einer jahrhundertealten Geheimhaltungspraxis Abstand zu nehmen, indem sie uns Angaben über ihre
eigenen strategischen Streitkräfte machen müssen. Und es wird außerordentlich
konservative Zählungsmethoden vorschreiben, die unsere Verifizierungsmöglichkeiten erhöhen. So müssen beispielsweise jede Rakete, die jemals mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet war, und jede Abschußrampe, die jemals eine Rakete
mit Mehrfachgefechtsköpfen enthielt, auch in Zukunft als mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet gezählt werden. Das muß so sein, weil unsere Satelliten uns
mitteilen können, wie eine Abschußrampe aussieht, aber sie können uns nicht
mitteilen, was sich in der Abschußrampe befindet. Ohne SALT wäre es den Sowjets
freigestellt, alle nur möglichen Mittel der Verheimlichung anzuwenden, was uns
die Beobachtung ihrer Streitkräfte sehr erschweren würde.
Sechstens,

�Sechstens, SALT II wird es uns erlauben, unsere technologische Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Trotz all des Geredes über die sowjetische Bedrohung, liegt der einzige große Vorteil der sowjetischen Raketen doch nur
darin, daß sie größer und schwerer sind. Unsere Raketen sind an Zielgenauigkeit überlegen, an Vielfalt überlegen und an technologischer Verfeinerung überlegen. Allein die Forschungs- und Entwicklungsprogramme für unsere Marschflugkörper und die Trident-Unterseeboote werden uns auf diesen untscheidend
wichtigen Gebieten der militärischen Technologie auf viele Jahre hinaus einen
Vorsprung sichern. Und wir werden sogar in der Lage sein, nach Herzenslust
über die Möglichkeiten von M-X-Raketen, des Mehrfach-Zielpunkt-Schemas für Raketen (MAP), oder des Allerschlimmsten, nämlich einer Kombination von MAP und
M-X - das mehrere Milliarden Dollar kosten würde -.nachzudenken. Das sind
jedoch Programme, die ich für finanziell verschwenderisch, die Umwelt schädigend und militärisch destabilisierend betrachte - und die wir niemals realisieren sollten.

Die politische Begründung von SALT
Warum wird also angenommen, daß SALT II eine solche Kontroverse auslösen würde, wenn das Abkommen dem amerikanischen Senat im nächsten Frühjahr unterbreitet werden sollte? Ich glaube, dafür gibt es drei wesentliche Gründe.
Erstens, SALT ist verzerrt dargestellt und falsch verstanden worden. Zweitens,
es haben sich zu wenige Mitglieder der Regierung und des Kongresses bisher für
SALT ausgesprochen. Drittens, SALT II ist immer wieder mit anderen zwischen
den USA und der Sowjetunion stehenden Dingen in Verbindung gebracht worden,
wie beispielsweise mit Afrika und den Menschenrechten - und dies gegen unsere
besten Interessen.
Zunächst einmal sind die Kritiker von SALT schon sehr früh in die Offensive gegangen.

Einige von ihnen raten zu einer Rückkehr zu der Politik des

Kalten Krieges - gestützt auf der Illusion, daß Sicherheit und Frieden gewährleistet werden können, wenn wir die militärische Übermacht zu erreichen trachten.

Sie zielen auf die Furcht einiger Amerikaner ab, die sich noch der Tage
- 5 -

�Tage des amerikanischen Nuklearmonopols und der amerikanischen Nuklearüberlegenheit erinnern. Aber selbst die Nuklearüberlegenheit hat schon vor 15 Jahren
viel von ihrer Bedeutung verloren, nachdem beide Seiten genügend Kernwaffen besaßen, um der anderen nach jedem Erstschlag unannehmbaren Schaden zufügen zu
können.

Präsident Breschnew erklärte mir, er sei davon überzeugt, daß selbst

nur eine Atombombe, die von der einen oder anderen Seite abgeworfen würde, zu
einem allgemeinen nuklearen Schlagabtausch führen würde - zu einer nuklearen
Katastrophe nicht nur für unsere beiden Länder, sondern für die gesamte Welt.
Nachdem nun ein ungefähres strategisches Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besteht, verzerren einige Kritiker dieses
Bild weiterhin dadurch, daß sie die Sowjets praktisch als Riesen und uns dagegen quasi als Zwerge darstellen.

Dabei verringern oder verschweigen sie

völlig unsere eigenen großen Stärken.

Sie propagieren gar die gefährliche Vor-

stellung, daß ein Atomkrieg sowohl für die Sowjetunion als auch für die Vereinigten Staaten weniger als die totale Zerstörung bedeuten würde.

Diese Kri-

tiker leisten unserer Nation gewiß keinen guten Dienst. Sie sind die Propheten
der Furcht - einer Furcht, die einer freien, vertrauensvollen und entschlossenen
Nation unwürdig ist.
Wir sind stark und werden stark bleiben. Wir verfügen über zahlreiche Vorteile - nicht nur militärisch im engeren, sondern auch strategisch im weiteren
Sinne.
Ich habe bereits auf unsere Überlegenheit auf dem Felde der militärischen
Technologie hingewiesen. Zu dieser Tatsache muß hinzugefügt werden, daß wir
über mehr als 9000 einsatzfähige strategische Nukleargefechtsköpfe verfügen
- gegenüber 4500 in sowjetischer Hand. Es muß ferner hinzugefügt werden, daß
wir unsere Planungen praktisch nur gegen eine einzige Nuklearmacht aufstellen
müssen; die Sowjets müssen das gegenüber vier Mächten: China, Frankreich,
Großbritannien und USA. Sie müssen in ihre Planungen ferner die 160 amerikanischen Maschinen vom Typ F-lll einbeziehen, die sich auf britischem Boden befinden, sowie zahlreiche andere "nuklearfähige" Flugzeuge, die wir überall auf

- 6 -

�auf der Welt dislozieren können und auch dislozieren - und alle können Atombomben und Raketen in sowjetische Ziele bringen.

Wenn die Kritiker beklagen,

daß der Backfire-Bomber bei SALT nicht berücksichtigt wird,

so müssen sie

aber auch einräumen, daß auch keine F-lll in Europa und keine FB-111 in den
USA dabei in Rechnung gestellt werden.

Und dann muß noch die Tatsache angemerkt werden, daß die sowjetischen
strategischen Streitkräfte gegenüber einem Nuklearangriff weitaus verwundbarer
sind als die amerikanischen Streitkräfte.

Etwa 70 Prozent der sowjetischen

Raketen sind landgestützt, bei uns sind dies weniger als 30 Prozent.

Fast 90

Prozent der sowjetischen Unterseeboote befinden sich ständig in irgendeinem
Hafen, etwa 60 Prozent unserer Unterseeboote sind ständig auf See.

Und schließlich darf man die Tatsache nicht übersehen, daß alle an die
Sowjetunion angrenzenden Länder ihr derzeit ablehnend gegenüberstehen und die
gegenwärtige sowjetische Führung nie einen anderen Zustand kannte; für uns
sprechen mehr als 100 Jahre des Friedens zwischen den Vereinigten Staaten und
ihren Nachbarn.

Wir vertrauen voll und ganz unseren NATO-Verbündeten.

Kann

die Sowjetunion das gleiche Vertrauen in die Staaten des Warschauer Paktes
haben?

Ich glaube nicht, daß irgendeine vernünftige Person es vorziehen würde,
lieber strategische Planungen in Moskau anzustellen als strategische Planungen
in Washington. Ich kenne keinen einzigen amerikanischen General, der lieber
über die der Sowjetunion zur Verfügung stehenden Militärmacht verfügen würde
als über die militärische Macht, die den Vereinigten Staaten zur Verfügung
steht.

Und es ist gefährlich und unverantwortlich, wenn jemand versucht, uns

und die Welt davon zu überzeugen, daß wir ein Land militärischer Zwerge seien,
wo wir doch eine eindrucksvolle strategische Macht darstellen, die sehr wohl
in der Lage ist, heute und in Zukunft unsere Interessen und die unserer Verbündeten zu schützen.

SALT

- 7 -

�SALT ist kontrovers, weil es in unverantwortlicher Weise mit anderen
schwierigen Fragen verbunden worden ist, die zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion stehen.

Leider brauchte die Regierung ein Jahr lang, um

zu akzeptieren, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: daß nämlich SALT
zu wichtig für das Leben eines jeden Mannes, einer jeden Frau und eines jeden
Kindes auf unserem Planeten ist, um mit den anderen politischen, wirtschaftlichen
und militärischen Fragen, die uns trennen, in einen Topf geworfen zu werden einschließlich der wichtigen Fragen der Menschenrechte.
SALT bedarf keiner Rechtfertigung.

Es sollte nicht - und es wird auch

nicht - mit anderen politischen Fragen in Zusammenhang gebracht werden.

Aber

es liegt auch auf der Hand, daß es politisch leichter sein wird, SALT II zu
ratifizieren, wenn gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist, und daß es politisch
schwieriger sein wird, SALT II zu ratifizieren, wenn dieses Vertrauen fehlt.
Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht, SALT bleibt zwar in der Tagespolitik,
aber nicht in der großen Politik mit anderen Fragen der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen verbunden.

+ + + + +

- 8 -

�15. November 1978

27

US-STIFTUNG FÜR INTERNATIONALE TECHNOLOGISCHE ZUSAMMENARBEIT
Partner für Entwicklungsländer

WASHINGTON - (AD) -

Als eines der größten Probleme auf dem Gebiet

des Technologie-Transfers erwies sich die Unfähigkeit, vorhandene Technologien den besonderen Erfordernissen von Entwicklungsländern anzupassen.

Darüberhinaus gibt

es noch wenig Ansätze, auf dem Gebiet der

Entwicklung und der technischen Hilfe das bisher übliche starre Modell
mit dem Geberland, d.h. dem hochentwickelten Industrieland, auf der
einen Seite

und dem Empfängerland, dem Entwicklungsland, auf der anderen

Seite durch ein weiter gefaßtes Modell zu ersetzen, das zu echter Partnerschaft führt.
Die von Präsident Carter vorgeschlagene"Stiftung für Internationale
Technologische Zusammenarbeit" (Foundation for International Technoiogical
Cooperation - FITC) soll helfen, diesen Mangel zu beheben. Ihre Planungsabteilung unter der Leitung von Dr. Ralph Smuckler, früher Ordinarius für
Internationale Studien an der Universität von Michigan, hat die Arbeit
bereits aufgenommen. Wie Dr. Smuckler in einem Exklusivinterview mit dem

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�dem Amt für Internationale Kommunikation (ICA) in Washington erklärte,
sieht die mit Bundesmitteln finanzierte Stiftung ihre derzeit wichtigste
Aufgabe darin, Marktanalysen durchzuführen, um zu ermitteln, ob und in
welcher Weise die heute verfügbaren Technologien mit dem größtmöglichen
Nutzeffekt auch in Entwicklungsländern eingesetzt werden können.
Die Stiftung, die als offizielle Organisation erst im kommenden Jahr
etabliert wird, sieht sich keineswegs als "einziger Motor zur Ausweitung
des Wirtschaftswachstums" in Entwicklungsländern und zur Verbesserung
des Lebensstandards der großen Masse ihrer Bevölkerung.

Aber sie kann,

so Dr. Smuckler, zu einem sehr wichtigen Faktor werden, um die Verhältnisse
zu verbessern und so zum Abbau psychologischer Schranken zwischen Arm und
Reich,

des sogenannten Nord-Süd-Gefälles, beizutragen.

Ihr Programm wird

im Detail von den Vereinigten Staaten auf der Konferenz der Vereinten
Nationen über Wissenschaft und Technologie, die im August 1979 in Wien
stattfindet, der Weltöffentlichkeit vorgelegt.

Die Stiftung wird keine

Doppelgleisigkeit zur Tätigkeit des amerikanischen Amtes für Internationale
Entwicklung (AID) schaffen, sondern sich darauf konzentrieren, auf welche
Weise der Transfer hochentwickelter Technologien und wissenschaftlicher
Erkenntnisse in ärmere Länder zu bewerkstelligen ist und weltweite
Probleme wie Energieproduktion und Umweltverschmutzung gelöst werden
können.
Im kommenden Jahr will die FITC versuchen, acht bis zehn besonders
wichtige Probleme abzustecken. Dazu gehören in erster Linie Produktion,
Lagerung und Verteilung von Nahrungsmitteln und die Landwirtschaft Grundansprüche also, die zu erfüllen eine Hauptaufgabe der FITC sein wird.
Außerdem können die Vereinigten Staaten, wie Dr. Smuckler erklärte, ihren
Beistand anbieten, um natürliche Hilfsquellen zu erschließen und zu nutzen,
neue, gegen Krankheiten unempfindliche Pflanzen zu entwickeln und den
Städtebau optimal zu planen. Weitere Hilfsmöglichkeiten sieht er z.B.
darin, für Unterrichtszwecke in Dorfschulen abgelegener Regionen Satelliten
einzusetzen oder in tropischen Gebieten künstliche Bewässerung mit Anlagen

- 2 -

�Anlagen durchzuführen, die mit Sonnenenergie betrieben werden.
Die Stiftung selbst wird nicht über das Personal verfügen, das
den Technologietransfer selbst vornehmen könnte. Vielmehr wird sie
Mittlerfunktionen erfüllen, indem sie bestehenden Problemen auf den
Grund geht und Experten, von denen zu erwarten ist, daß sie richtige
Lösungen finden, finanzielle Mittel zukommen läßt. In diesen Prozess
werden die Entwicklungsländer voll und ganz eingeschaltet, denn sie
sollen mitentscheiden, was sie benötigen und wie die Programme aussehen
sollen, die Abhilfe schaffen. Sie sollen letzlich in die Lage versetzt
werden, eigene Institutionen für die Ausbildung qualifizierter Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker zu gründen.
Nach Ansicht Dr. Smucklers wird sich der tatsächliche Prozess des
Technologietransfers zu einem Mechanismus entwickeln, von dem beide
Seiten profitieren. Als Beispiel verwies er auf Studien zur Stickstoffassimilation, die gegenwärtig in Brasilien durchgeführt werden, auf die
Entwicklung neuer Verfahren der Fischzucht in verschiedenen Gebieten der
Philippinen und auf ein indisches Projekt zur Verbesserung des SojabohnenAnbaus.
Die Vereinigten Staaten haben, wie Botschafter John W. McDonald
auf der "UN-Konferenz über technologische Zusammenarbeit unter Entwicklungsländern" in Buenos Aires (September 1978) erklärte, schon in den letzten
20 Jahren zahlreiche Projekte nach dem "Partnerschaftsmodell", d.h.
außerhalb der üblichen bilateralen Abkommen, finanziert. Für ca. 36 000
Personen aus über 100 Ländern wurden bisher auf diese Weise die notwendigen
Mittel aufgebracht. Sie erhielten eine sogenannte Drittländer-Ausbildung.
Das bedeutet, daß sie in einem Land außerhalb der Vereinigten Staaten und
außerhalb des als Empfängerland vorgesehenen Entwicklungslandes geschult
wurden. Dieses "trilaterale Modell" hilft psychologische Schranken abzubauen, die bei Anwendung des herkömmlichen "Geber-Empfänger-Modells"
zwangsläufig bestehen.
Bei diesem
- 3 -

�Bei diesem neuen, zeitgemäßeren Modus ist es üblich, daß sich zwei
Entwicklungsländer zusammensetzen und das Vorgehen für ein ganz bestimmtes
Projekt erörtern.

Stellen sie fest, daß sie nicht alle notwendigen

Antworten finden können,wenden sie sich gemeinsam an ein drittes Land
oder an eine Organisation.

In den Vereinigten Staaten haben sich bereits

verschiedene Institutionen bereit erklärt,als "dritte Partei" zu fungieren.
Sie werden in einem solchen Fall entweder selbst beraten und die Leitung
von Projekten übernehmen

oder Anfragen und Hilfeersuchen an die best-

geeigneten Stellen weiterleiten.
A.

Zur Verfügung stehen u.a.

Nationale Akademie der Wissenschaften
-

insbesondere bei Projekten für einen besseren Schutz der
Ernteerträge gegen Verderb und anderweitige Verluste, bei
Projekten der Wasserwirtschaft, der Erschließung von Meeresressourcen, von Naturprodukten (Waldprodukte, öle, Harze und
Gummi), Energieversorgung für ländliche Gebiete, Ausbildung
von Personal für Umweltschutz, Ansiedlung von kleineren
Industriebetrieben auf dem Land.

B.

Amerikanische Gesellschaft für öffentliches Gesundheitswesen
- vor allem für die Lösung von Problemen, die die primärärtzliche
Versorgung, Gesundheitsfürsorge mit der Einrichtung geeigneter
Systeme, medizinische Technik und Hilfsmittel, Kleinindustrie
mit Produktionsprogrammen auf medizinischen und verwandten
Gebieten sowie die Einschaltung von Beratern aus Ländern der
Dritten Welt umfassen.

C.

Amerikanischer Erziehungs- und Bildungsrat
-

eine Organisation mit mehr als 1200 in ihr vertretenen Colleges
und Universitäten für Beratungsaufgaben und Anleitung auf den
Gebieten Sprachenunterricht, volkskundliche und wirtschaftsgeographische Studien, Erwachsenenbildung und Weiterbildung,
Lehrerausbildung und -fortbildung, Austausch im Bildungswesen.
Internationale

�D.

Internationale Vereinigung für Städtebau und -Verwaltung
-

eine Organisation (Sitz Washington) mit mehr als 3 000 in ihr
vertretenen Städten aller Größen aus den USA, Kanada und Westeuropa hat sich die Lösung urbaner Probleme und die Verbesserung
der Lebensqualität in den Städten zum Ziel gesetzt.
Erfahrungsaustausch

Sie ist zum

auf den Gebieten Städteverwaltung,

Wachstumssteuerung urbaner Gemeinwesen, Probleme der Umweltverschmutzung in der Stadt, hohe Verkehrsdichte sowie Kooperation
von jeweils zwei Städten in Entwicklungsländern mit einer Stadt
in einem Industrieland bereit.
E.

Nationaler Technischer Informationsdienst (NTIS)
-

technische Zentralbibliothek (Washington) mit einem riesigen
Archiv von Texten im vollen Wortlaut oder als Kurzfassung,
gespeichert im Computer oder auf Mikrofilm, über mehr als
1 000 000 staatlich finanzierter Forschungsprojekte aus
praktisch allen Interessengebieten der Entwicklungsländer.
Außerdem hat der NTIS Zugang zu 160 anderen Datenbanken innerhalb der USA, die über weitere 50 Millionen Forschungsprojekte
von Universitäten, wissenschaftlichen Instituten und Privatleuten Informationen geben können. Auch 150 000 nichtamerikanische
Forschungsdokumente sind in den Archiven erfaßt. Bilaterale
Abkommen zwischen dem NTIS und über 20 Entwicklungsländern wurden
bereits abgeschlossen, so daß diese Länder über NTIS schriftlich, per Telefon, Fernschreiber oder Computer auch untereinander wissenschaftlich-technische Informationen austauschen
können. Gegenwärtig verhandelt NTIS mit Vertretern des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen über Möglichkeiten
einer optimalen Förderung der technischen Zusammenarbeit unter
Entwi cklungsländern.

F.

INTELSAT (Internationale Organisation für Fernmeldesatelliten)
- mit 102 Mitgliedstaaten eine der jüngsten und technisch be-

- 5 -

�technisch bestausgestatteten internationalen Institutionen
der Welt.

Mit Fernmeldesatelliten im Wert von 450 Millionen

Dollar ermöglicht sie rasche, exakte und billige Nachrichtenverbindungen um den ganzen Erdball.

Ungefähr 70 Staaten, die

Hälfte davon Entwicklungsländer, haben Bodenstationen für den
Satellitenfunk in Betrieb und können so über dieses Nachrichtennetz miteinander in Verbindung treten.
Das Direktorium von INTELSAT hat einem Vorschlag Kuweits
und einiger arabischer Staaten grundsätzlich zugestimmt, daß
sich INTELSAT auf dem Gebiet der internationalen technischen
Zusammenarbeit engagiert und Regierungen, die noch nicht über
ausreichende technische Erfahrungen verfügen, berät und dabei
unterstützt, ein Fernmeldenetz via Satelliten einzurichten.

Auf

diese Weise könnten immer mehr Länder miteinander wissenschaftlichtechnische Daten und Informationen austauschen, was auch ihrer
Entwicklung zugute käme.
Den Entwicklungsländern dabei zu helfen, ihre eigenen institutionellen
Möglichkeiten für eine Bewertung, Auswahl, Anpassung und Neuschöpfung von
Technologien zu verbessern und für Wissenschaft und Technik eine eigene
Infrastruktur aufzubauen, ist eines der wesentlichen Ziele der US-Stiftung
für internationale technologische Zusammenarbeit. Für Ausbildung, Forschung
und Entwicklung auf besonders wichtigen Gebieten wie Energie, Landwirtschaft,
Gesundheitswesen und Kleinindustrie - vor allem in Ländern mit niedrigen
Einkommen - werden finanzielle Mittel beschafft und die Beratung bzw. Anleitung durch Experten vermittelt. Auch soll die Zusammenarbeit zwischen
amerikanischen und ausländischen Institutionen gefördert werden, die sich
um optimale Lösungen für spezielle Entwicklungsprobleme bemühen. Die
Stiftung ist ferner daran interessiert, die wirtschaftlichen Möglichkeiten
auf subregionaler und regionaler Ebene zu verbessern und Technologien den
Erfordernissen selbst lokaler Probleme und Umstände anzupassen.
+ + + + +

- 6 -

�31
I

UUi//cn/choft
wui Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

POCKENBEKÄMPFUNG - ERFOLGREICHSTES UN-PROGRAMM
Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt

- (AD) - Am 26. Oktober 1978 war es ein volles Jahr, dass in Afrika
kein einziger Pockenfall mehr auftrat - Asien ist sogar schon seit drei
Jahren pockenfrei. Dies ist einer etwa zehn Jahre währenden Kampagne der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Ausrottung der Pocken zu verdanken und die Welt zieht daraus in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher
Sicht bereits Dividenden. Sie belaufen sich, so verlautet aus Kreisen
der WHO, auf nahezu zwei Milliarden Dollar im Jahr. Das ist ungefähr
die Summe, die die Krankheit früher an wirtschaftlichen Verlusten verursachte. Das Bekämpfungsprogramm war demgegenüber wesentlich billiger.
Es erforderte 300 Millionen Dollar.
Etwa zwei Drittel dieser Kosten trugen Länder, in denen die Pocken
die meisten Opfer forderten.

Für den Rest kam die WHO sowie eine Anzahl

anderer Länder und Spenderorganisationen auf.

Impfstoffe mit Millionen

von Einheiten stellten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
zur Verfügung.

Langjährige Mitarbeiter der Vereinten Nationen, denen

die WHO angeschlossen ist, bewerten den Kampf gegen die Pocken als das

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�das wirksamste Programm großen Stils, das von den UN je durchgeführt
wurde.

Es befreite Millionen und Abermillionen Menschen von Not und

Leid.
Als die WHO im Jahr 1967 ihre Kampagne begann, erkrankten jährlich
schätzungsweise zweieinhalb Millionen an den Pocken.
starben oder blieben ihr Leben lang geschädigt.
ereignete sich vor einem Jahr in Somalia.
Birmingham im September 1978

Viele von ihnen

Die letzte Kontaktinfektion

Den Tod einer Engländerin in

rechnen WHO-Beamte nicht zu der regulären

Kategorie von Pockenerkrankungen, weil die Infektion offensichtlich auf
unreichende Schutzmaßnahmen in einem Laboratorium zurückzuführen ist,
wo Pockenviruskulturen für experimentelle Zwecke gezüchtet werden.
Die WHO setzt sich schon seit geraumer Zeit für verschärfte Vorsichtsmaßnahmen in Laboratorien ein und drang darauf, daß nur noch vier
Institute - in London, Moskau, Peking und Atlanta (Georgia) - ständig
Pockenviruskulturen halten dürfen, um Vergleiche mit anderen infektiösen
Viren anstellen zu können und im Fall unvorhergesehener Entwicklungen
Forschungsmaterial an der Hand zu haben.

Im Dezember 1978 will die WHO

aufgrund des Gutachtens eines Wissenschaftlergremiums endgültig darüber
entscheiden, ob von der totalen Ausrottung der Pocken in der Welt gesprochen werden könne - oder noch immer nicht.
In 130 Ländern werden heute von Reisenden keine Impfbescheinigungen
mehr verlangt. In den USA und 38 weiteren Ländern besteht keine Impfpflicht
mehr zum Schutz gegen Pocken. Das bedeutet, daß die Kampagne gegen die
Pocken in diesen Ländern Gelder, die bisher für die Herstellung oder
den Kauf von Vakzinen oder für die Durchführung vom ImpfProgrammen, die
Behandlung von Pockenpatienten, die Überwachung im Inland und an den
Grenzen sowie für Maßnahmen gegen plötzliche Ausbrüche der Seuche verwendet werden mußten, jetzt für andere Zwecke verfügbar macht.
Theoretisch könnten sie nach Ansicht der WHO anderen notwendigen Entwicklungs-

- 2 -

�Entwicklungsprogrammen, insbesondere auf dem Gebiet des Gesundheitswesens,
zugute kommen.
Der erste Jahrestag zu dem letzten bekannt gewordenen Fall in
Somalia wurde am Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York in
einer kleinen Feier gewürdigt. Am darauffolgenden Tag ehrte man in
Rochester (New York) zwei amerikanische Ärzte, die sich im Kampf gegen
die Pocken besonders verdient gemacht hatten. Es sind dies Dr. William
Foege, der Direktor der Zentralstelle für Krankheitsbekämpfung (Center
for Disease Control - CDC) in Atlanta, und Dr. Donald A. Henderson, der
ehemalige Leiter der CDC-Abteilung für die Ausrottung der Pocken und jetzt
Dekan der Fakultät für öffentliches Gesundheitswesen an der Johns HopkinsUniversität in Baltimore (Maryland).
Die CDC leistete einen der wichtigsten Beiträge zur Kampagne der WHO.
Sie schickte mehr als 300 Ärzte und technisches Personal in Gebiete in
aller Welt, wo immer wieder Pockenepidemien auftraten.

Dr. Henderson

leitete die WHO-Kampagne von Anfang an und gab erst vor einem Jahr diese
Funktion ab, nachdem sich immer deutlicher zeigte, daß die akuten Gefahren
gebannt sind.

+ + + + +

- 3 -

�I 3
27

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

HAMOGLOBINE MIT UNTERSCHIEDLICHER SAUERSTOFFBINDUNG
Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"

- (AD) - Die ungewöhnliche Adaptionsfähigkeit der Fische im
Amazonasgebiet, wo sich häufig in kurzer Zeit die Lebensbedingungen
radikal ändern, ist bei zahlreichen Arten auf das Vorhandensein mehrerer
Hämoglobintypen im Organismus zurückzuführen, die Sauerstoff verschieden
stark binden. Diese unterschiedliche Affinität von Molekülen des roten
Blutfarbstoffs zu Sauerstoff versetzt die Fische in die Lage, den Sauerstoffbedarf des Organismus auch unter schlechten Atmungsbedingungn optimal
zu decken. Dies fanden 22 Wissenschaftler aus sechs Ländern während
ihrer Expedition mit dem amerikanischen Forschungsschiff "Alpha Hei ix"
zum Amazonas heraus.
Hämoglobin ist das Schlüsselmolekül der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) für den Transport von Sauerstoff zu den Organen und Geweben.
Das sauerstoffbeladene Molekül im (auf Grund dieses Zustandes hellen)
Arterienblut gibt in den Kapillaren der Gewebe den Sauerstoff durch
Dissoziation ab. über mehrere chemische Reaktionen wird vom Hämoglobin

Postfach 20 0 3 0 0

Tel: 02221-89 32 4 0

�Hämoglobin auch die Abführung von Kohlendioxid (CO2) mit dem Venenblut
besorgt, das infolge der (^-Beladung dunkler gefärbt ist. Chemisch
gesehen ist Hämoglobin die Kombination eines jeweils artspezifischen
Proteins (Globin) mit einem Porphyrin-Eisen-Komplex-Salz.
In einem Bericht an die Nationale Forschungsstiftung (National
Science Foundation - NSF) der USA betont der Leiter der Expedition,
der Zoologe Dr. Austen Riggs von der Staatsuniversität Texas in Austin,
die Bedeutung der Forschungsergebnisse für den Nachweis der gleichzeitigen
Existenz verschiedenartiger Hämoglobine mit unterschiedlicher Affinität
zu Sauerstoff in einem Organismus. Sie sei offenbar viel weiter verbreitet, als bisher angenommen wurde. Die Entdeckung sei "von großem
Interesse für die Evolutionsforschung und für die Genetik". Sie
vermittle außerdem wichtige Erkenntnisse über die Funktion des menschlichen
Hämoglobins. (In menschlichen Erythrozyten wird z.B. fetales Hämoglobin
und sog. bleibendes Erwachsenen-Hämoglobin unterschieden. Beide Hämoglobintypen sind bei der Geburt im Verhältnis von ungefähr 2 : 1 vorhanden.
Aber schon in den ersten Lebensmonaten wird die "fetale" gegen die
"bleibende" Form völlig ausgetauscht. Es wurden aber auch zahlreiche
pathologische Typen von Hämoglobin nachgewiesen, zu denen z.B. das
schwere Anämien verursachende Sichelzellen-Hämoglobin gehört. Diese
Formen und zahlreiche weitere, inzwischen ermittelte Varianten sind
vererbbar und treten bei Personen bestimmter Rassenzugehörigkeit, aber
auch regional mit größerer Häufigkeit auf. Für eine Behandlung der oft
katastrophalen Auswirkungen von "Baufehlern" des menschlichen Hämoglobins
und des durch sie verursachten Sauerstoffmangels im Organismus besteht
neuerdings bei vielen Fällen Hoffnung aufgrund der Forschungsergebnisse
einer deutschen Wissenschaftlergruppe vom Max-Planck-Institut in Mühlheim/
Ruhr und der Technischen Hochschule von Aachen. Sie entwickelten eine
Methode, mit der sich gewisse Substanzen, welche die Bindungen zwischen
Hämoglobin und molekularem Sauerstoff schwächen, in Erythrozyten einlagern
lassen.

Die Folge ist eine vermehrte Sauerstoffabgabe an Organe und

- 2-

�und Gewebe.)

Das Interesse der internationalen Gruppe mit Biochemikern, Zoologen
und Biologen aus den USA, Brasilien, Dämemark, Großbritannien, Italien
und Norwegen auf der "Alpha Hei ix", einer schwimmenden Forschungsstation
des Scripps-Instituts für Ozeonographie in San Diego (Kalifornien), hatte
in erster Linie den anatomischen Besonderheiten und biochemischen
Mechanismen sowie den Verhaltensä'nderungen der Fischpopulationen
einer Veränderung der Umweltbedingungen gegolten.

bei

Die Amazonas-Fische

sind auf besondere Anpassungen angewiesen, um zu überleben.

Jedes Jahr

verursachen Regenfälle gewaltige Überschwemmungen, die in weite Gebiete
des tropischen Urwalds vordringen.

Wenn das Hochwasser zurückgeht,

bleiben Tümpel und kleine Seen mit großen Mengen von Fischen zurück.
"Faulende Vegetation verbraucht rasch den Sauerstoff im Wasser", erklärt
Dr. Riggs.

Die in den Hochwasserrückständen gefangenen Fische müssen

ums überleben kämpfen.

Die Forscher untersuchten im Bordlaboratorium u.a. das Blut von
praktisch jeder wichtigen Fischart, um mehr über deren Anpassungsmechanismen, die ein überleben möglich machen, herauszufinden.

Die

Studien konzentrierten sich deshalb auf Blut, weil es zusammen mit dem
Sauerstoffträger Hämoglobin ein direktes "Kettenglied" zwischen dem
Sauerstoff in der Umwelt und den Körpergeweben bildet, die in Stoffwechsel
Prozessen den aufgenommenen Sauerstoff verbrauchen.

Die biologische Anpassung habe, so Dr. Riggs, dazu geführt, daß
manche Fischarten z.B. ganz normal Luft atmen - sie heben einfach den
Kopf aus dem Wasser.

Bei einer der Spezies wurde eine ganz reguläre

Lunge festgestellt.

Bei einer anderen ist ein Teil des Magens so um-

gewandelt, daß er den Gasaustausch bei Luftatmung durchführen kann.
Wieder andere Fische holen den Sauerstoff aus der Oberflächenschicht
des Wassers. Aber es gibt auch zahlreiche Arten, die anatomisch nicht
auf diese Weise angepaßt sind und statt dessen komplizierte molekulare

- 3 -

�molekulare und biochemische Mechanismen entwickelt haben. Und eine davon
ist die Ausbildung von zwei und mehr verschiedenen Hämoglobinen im
Organismus, die den Sauerstofftransport und die Versorgung der Gewebe
unter den verschiedensten Umweltbedingungen aufrechterhalten.

Daß bei

Fischen sehr häufig mehrere Hämoglobintypen auftreten, war bereits bekannt.
So kennt man beim Karpfen drei verschiedene Hämoglobine.

Aber sie weisen

alle die gleichen Eigenschaften der Sauerstoffbindung auf.
Wie Dr. Riggs weiter betont, ist eine gute Kenntnis der Physiologie und Biochemie der Amazonas-Fische eine wichtige Voraussetzung für
die Nutzung dieser wichtigen Nahrungsquelle nach vernünftigen ökologischen
Gesichtspunkten.

Gegenwärtig in den USA und in Brasilien durchgeführte

Studien zeigen, daß sich einige Amazonas-Fischarten für die Zucht in
Fischfarmen eignen würden.

Die biochemischen Untersuchungen im Verlauf

der Expedition helfen, die Bedingungen besser zu definieren, unter denen
der Betrieb solcher Fischfarmen durchgeführt werden muß.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschungsfahrt der "Alpha Hei ix"
ins Amazonasgebiet werden in der britischen Zeitschrift "Comparative
Biochemistry and Physiology" veröffentlicht.

+ + + + +

- 4-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die politischen Kräfte der Mitte auf dem Vormarsch&lt;br /&gt;Nachlese zu den amerikanischen Wahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Andrew J. Glass -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grundzüge des neuen US-Energiegesetzes&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was für SALT II spricht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Senator Edward M. Kennedy -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Stiftung für internationale Technologische Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Partner für Entwicklungsländer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pockenbekämpfung - erfolgreichstes UN-Programm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hämoglobine mit unterschiedlicher Sauerstoffbindung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

1

HaiHi

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

2. November 1978
0=H=A=L=T

WIRTSCHAFT
Erklärung Carters zur Dollar-Stützung
- Wortlaut Blumenthal und Miller spezifizieren Maßnahmen zur Dollar-Stützung
- Wortlaut der gemeinsamen Erklärung Presseverlautbarung des Zentralbankrates zur Dollar-Stützung
- Wortlaut DOKUMENTATION
Carter legt Programm zur Bekämpfung der Inflation vor
- Wortlaut der Fernsehansprache vom 24. Oktober 1978 INFORMATION
Carter ernennt Alfred E. Kahn zum Leiter des Anti-Inflationsprogramms
Seignious und Earle Nachfolger von Warnke
HINTERGRUNDMATERIAL
Strengere Sicherheitsauflagen für die Schiffahrt
- Neues Gesetz gegen Ölverschmutzung und Tankerunfälle WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartiger Windgenerator
Energiespeichern mit Kohlendioxid
Bluttest auf Krebs im Frühstadium

Um Ubcf/endun9 von
ßcIcgcMcmplaren wird
gebecen

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�Wift/choft
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26

2. November 1978

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 1. November 1978 eine
Erklärung zur Dollar-Stützung abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:

In der letzten Woche habe ich meine Regierung auf ein ausgewogenes, konzertiertes und langfristiges Programm zur Bekämpfung der Inflation festgelegt.
Dieses Programm erfordert wirksame Maßnahmen, um die Stärke des Dollar zu gewährleisten.

Die grundlegenden Faktoren, die die Stärke des Dollar angehen, weisen in
die richtige Richtung.

Der Kongreß hat ein Energieprogramm verabschiedet; un-

ser Außenhandelsdefizit schrumpft; und vergangene Woche habe ich ein starkes
Programm zur Bekämpfung der Inflation vorgelegt.

Der anhaltende Verfall des

Kurswertes des Dollar ist fraglos angesichts der grundlegenden wirtschaftlichen
Situation nicht gerechtfertigt.

Dieser Verfall gefährdet den wirtschaftlichen

Fortschritt hier in den USA und im Ausland sowie den Erfolg unseres Programms
zur Bekämpfung der Inflation.

Als ein wesentlicher Schritt im Rahmen des Programms zur Bekämpfung der

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�der Inflation ist es jetzt notwendig, zu handeln, um dem übermäßigen Verfall
des Dollar in jüngster Zeit Einhalt zu gebieten.

Deshalb leiten das Finanz-

ministerium und der Zentralbankrat gemäß meinem Ersuchen, starke Maßnahmen zu
treffen, Schritte sowohl auf den heimischen als auch den internationalen Geldmärkten ein, um die Stärke des Dollar zu gewährleisten.
Die internationalen Komponenten dieses Programmes wurden in Verbindung
mit anderen Regierungen und Notenbanken der hierfür wichtigen Länder entwickelt,
und diese wollen zur Erreichung unserer gemeinsamen Ziele voll und ganz mit den
Vereinigten Staaten zusammenarbeiten.
Finanzminister Blumenthal und der Präsident des Zentralbankrates Miller
werden umgehend detaillierte Maßnahmen ankündigen.

+ + + + +

�1

1
I

Wirt/chaft
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26

2. November 1978

BLUMENTHAL UND MILLER SPEZIFIZIEREN MASSNAHMEN ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
- Wortlaut der gemeinsamen Erklärung -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal
und der Vorsitzende des US-Bundeszentralbankrates G. William Miller kündigten
am 1. November 1978 in einer gemeinsamen Erklärung folgende Maßnahmen zur Stützung des Dollar an:
Der jüngsteAusschlag des Dollarkurses übertraf nicht nur jede Abwärtsbewegung, die in irgendeinem Zusammenhang mit grundlegenden Faktoren steht, sondern behindert zweifelsohne jeden Fortschritt in Richtung auf Preisstabilität
und verschlechtert das Klima für Investitionen und Wachstum. Der Zeitpunkt
ist gekommen, diese Entwicklung zu stoppen. Das Finanzministerium und der Zentralbankrat geben heute umfassende korrektive Aktionen bekannt.
Ober die inneren Maßnahmen des Zentralbankrates hinausgehend werden die
Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit den Regierungen und Notenbanken Deutschlands und Japans sowie der Schweizerischen Nationalbank nachdrücklich und in koordinierter Weise mit den Beträgen intervenieren, die erforderlich sind, um die
Situation zu bessern.

Die Vereinigten Staaten bieten für Zwecke ihrer Beteili-

gung an der koordinierten Interventionstätigkeit auf dem Markt Geldmittel in

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�in Höhe von 30 Milliarden Dollar in den Währungen dieser drei Länder auf.
Darüber hinaus wird das Finanzministerium beginnend Dezember seine Goldverkäufe auf mindestens 1,5 Millionen Unzen pro Monat steigern.
Die Maßnahmen zur Mobilisierung von Devisen, die in dem beigefügten Anhang dargestellt werden, schließen ein:

die Inanspruchnahme der Tranche des

amerikanischen Zentralbanksystems im Internationalen Währungsfonds,wobei wir
für einen Teil derselben davon ausgehen, daß die Allgemeinen Kreditvorkehrungen
(General Arrangements to Borrow - GAB) aktiviert werden; den Verkauf von Sonderziehungsrechten; die Erweiterung der SWAP-Fazilitäten der Notenbanken; und
die Begebung von Anleihen in fremder Währung durch das US-Finanzministerium.
Die grundlegenden Wirtschaftsbedingungen und die Wachstumstrends in den
vier Ländern verändern sich in Richtung auf ein besseres internationales Gleichgewicht.

Das gibt einen besseren Rahmen für die Wiederherstellung stabilerer

Devisenmärkte und eine Korrektur der jüngsten übermäßigen Wechselkursschwankungen ab.

Anhang
A. Maßnahmen im Rahmen des Internationalen Währungsfonds.
1. Inanspruchnahme der Tranche des amerikanischen Zentralbanksystems:
3 Milliarden Dollar.
(Die Vereinigten Staaten können DM oder Yen im Gegenwert von zusammen
2 Milliarden Dollar unmittelbar in Anspruch nehmen.

Eine Inanspruchnahme des

Gegenwerts von zusätzlich einer Milliarde Dollar kann kurz darauf erfolgen,
für die eine Aktivierung der Allgemeinen Kreditvorkehrungen (GAB) ins Auge gefaßt ist.)
2. Verkauf von Sonderziehungsrechten:
2 Milliarden Dollar.
B. Maßnahmen

�B. Maßnahmen zur Aufstockung der SWAP-Kreditlinien des Zentralbanksystems.
1. Erhöhung der SWAP-Kreditlinien bei der Deutschen Bundesbank auf
6 Milliarden Dollar
2. Erhöhung der SWAP-Kreditlinie bei der Bank von Japan auf
5 Milliarden Dollar.
3. Erhöhung der SWAP-Kreditlinie bei der Schweizerischen Nationalbank auf
4 Milliarden Dollar.
C. Begebung von Anleihen in fremder Währung bis zur Höhe von 10 Milliarden
Dollar.
Insgesamt
30 Milliarden Dollar.
(Von diesem Gesamtbetrag wurden annähernd 1,8 Milliarden Dollar im Zuge
früherer Operationen aufgrund der SWAP-Kreditlinien des Zentralbanksystems in
Anspruch genommen; er schließt jedoch die SWAP-Fazilität des Finanzministeriums
bei der Deutschen Bundesbank aus.)

- 3 -

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Wirt/chaft
»

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2. November 1978

PRESSEVERLAUTBARUNG DES ZENTRALBANKRATES ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Bundeszentralbankrat gab am 1.
November 1978 im Zusammenhang mit den geplanten Maßnahmen zur Stützung des
Dollar folgende Presseverlautbarung heraus:

Das Finanzministerium und der Bundeszentralbankrat kündigten heute Maßnahmen an, die darauf abzielen, den Dollar zu stärken und damit den anhaltenden inneren inflatorischen Pressionen entgegenzuwirken.

Der Zentralbankrat hat folgende spezifische Schritte angekündigt:

- Genehmigung einer einprozentigen Heraufsetzung des Diskontsatzes durch
die Bundeszentralbank New York von 8,5 auf 9,5 Prozent mit sofortiger Wirkung.
Der Diskontsatz ist der Zinssatz, den Mitgliedbanken des Zentralbanksystems
auf Geld zu bezahlen haben, das sie bei der für sie zuständigen DistriktsReservebank aufnehmen.

- Einführung einer über die derzeitige Hinterlegungspflicht der Mitgliedbanken hinausgehenden zusätzlichen Hinterlegungspflicht in Höhe von 2 Prozent

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�2 Prozent aller Termineinlagen in Höhe von 100 000 Dollar und darüber.
- Aufstockung der reziproken Devisenarrangements (SWAP) des Zentralbanksystems mit den Notenbanken Deutschlands, Japans und der Schweiz um 7,6 Milliarden Dollar auf 15 Milliarden Dollar und Aktivierung des SWAP-Arrangements
mit der Bank von Japan.

Die aufgrund dieser erweiterten Arrangements verfüg-

baren Devisen sollen zusammen mit anderen, dem Finanzministerium zur Verfügung stehenden Devisen im Rahmen des Programms einer nachhaltigen Intervention
auf den Devisenmärkten in Zusammenarbeit mit ausländischen Notenbanken dazu
benutzt werden, um den derzeitigen übermäßigen Wechselkursbewegungen Einhalt
zu gebieten.
- Die zusätzliche Hinterlegungspflicht gilt beginnend mit Donnerstag,
dem 2. November, für alle außenstehenden Termineinlagen der genannten Größenordnung, für die die Hinterlegung in spätestens zwei Wochen zu erfolgen hat.
Die bisherige Hinterlegungspflicht schwankt zwischen 1 Prozent für langfristige
Einlagen und 6 Prozent für auf weniger als 6 Monate befristete Einlagen.

Die

zusätzliche Hinterlegungspflicht in Höhe von 2 Prozent betrifft sämtliche
Termineinlagen dieser Größe unabhängig von deren Fälligkeit; sie bedeutet die
Hinterlegung von zusätzlich etwa 3 Milliarden Dollar.
- Die Hinterlegungspflicht wird dazu beitragen, die relativ rasche Expansion des Kreditgeschäfts der Banken in der jüngsten Zeit zu verlangsamen.
Sie wird ferner den Mitgliedbanken einen erhöhten Anreiz bieten, Geldmittel
im Ausland aufzunehmen und damit den Dollar durch Belebung der Dollarnachfrage
auf den Euro-Märkten zu stärken.
- Ein SWAP-Arrangement ist eine erneuerungsfähige kurzfristige Fazilität,
gemäß der sich eine Notenbank bereit erklärt, die Währung der anderen Partei
bis zur vereinbarten Höhe gegen eigene Währung einzutauschen. In allen reziproken
Währungsarrangements handelt die Reservebank von New York unter Anleitung des
Offenmarkt-Ausschusses des Zentralbanksystems federführend für das Zentralbanksystem. Die reziproken Währungsarrangements des Zentralbanksystems mit den

- 2 -

�0
den Notenbanken Deutschlands, Japans und der Schweiz beziffern sich gegenwärtig wie folgt:

Deutsche Bundesbank:

6 Milliarden Dollar; Bank von Japan:

5 Milliarden Dollar; und Schweizerische Nationalbank:

+ + + + +

4 Milliarden Dollar.

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2. November 1978

26

CARTER LEGT PROGRAMM ZUR BEKÄMPFUNG DER INFLATION VOR
- Wortlaut der Fernsehansprache vom 24.Oktober 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 24. Oktober 1978 in
einer Fernsehansprache sein Progranm zur Bekämpfung der Inflation erläutert.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend mit Ihnen offen über unser ernstestes innenpolitisches Problem sprechen.

Dieses Problem ist die Inflation.

Die Inflation

kann wirtschaftliche Erfolge gefährden, die wir erzielt haben, und sie kann
dem im Wege stehen, was wir in der Zukunft zu erreichen wünschen.
Es handelt sich um eine seit langem bestehende Bedrohung.
Während der letzten zehn Jahre betrug die jährliche Inflationsrate durchschnittlich 6 1/2 Prozent, und in den drei Jahren vor meiner Amtsübernahme
hatte sie sich auf durchschnittlich 8 Prozent erhöht.
Die Inflation war deshalb, seit ich Präsident geworden bin, für mich ein
ernstes Problem.

Wir haben versucht, sie unter Kontrolle zu bringen, hatten

aber keinen Erfolg dabei.

Es ist jetzt für uns alle an der Zeit, größere und

koordiniertere Anstrengungen zu unternehmen.

w

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Wenn die Inflation sich weiter verschlimmert, werden verschiedene Dinge
passieren.

Ihre (der Bürger) Kaufkraft wird sich weiterhin verringern, und

der größte Teil dieser Belastung wird von jenen getragen werden müssen, die
sich dies am wenigsten leisten können.
Schaden erleiden.

Unsere nationale Produktivität wird

Der Wert unseres Dollar im Welthandel wird weiter sinken.

Wir haben während der letzten 21 Monate gute Fortschritte dabei erzielt,
Arbeitsplätze für unsere Bevölkerung zu schaffen.

Wir haben mehr als sechs

Millionen neuer Stellen für den amerikanischen Arbeiter bereitgestellt.

Wir

haben die Arbeitslosenrate um etwa 25 Prozent gesenkt, und wir werden unsere
Bemühungen um einen Abbau der Arbeitslosigkeit insbesondere unter unseren jungen Menschen und den Minderheiten weiterhin

fortsetzen.

Ich muß Ihnen heute abend jedoch sagen, daß die Inflation diese Fortschritte gefährdet.

Wenn wir die Inflation nicht unter Kontrolle bekommen,

dann werden wir nicht in der Lage sein, die Arbeitslosigkeit weiterhin zu verringern, und möglicherweise machen wir dann sogar Rückschritte.
Die Inflation ist ganz ohne Frage ein ernstes Problem.

Welche Lösung

gibt es?
Ich weiß auch keine Antwort auf alle Fragen.

Niemand weiß sie.

Vielleicht gibt es überhaupt keine komplette und ausreichende Antwort,
aber ich möchte Sie wissen lassen, daß die Bekämpfung der Inflation während
der vor uns liegenden Monate ein zentrales Anliegen für mich sein wird, und
ich möchte an unsere Nation appellieren, sich mir in diesem Bemühen anzuschließen.
Es gibt zwei allzu einfache und vertraute Antworten, die manchmal angeboten werden - einfach, zu vertraut und zu extrem.

Eine dieser Antworten be-

stünde darin, seitens der Bundesregierung ein kompliziertes Schema von Lohnund Preiskontrollen über unser gesamtes freies Wirtschaftssystem zu verhängen.
Die
- 2 -

�Die andere würde eine bewußt herbeigeführte Rezession bedeuten, die Millionen von Menschen arbeitslos machen würde.
Beide Vorschläge würden zu keinem Erfolg führen und müssen daher abgelehnt werden.
Ich habe während der letzten Monate viele Stunden damit zugebracht, gemeinsam mit meinen eigenen Beratern und mit einer Reihe von Experten von außerhalb der Regierung jeden Vorschlag, jede Empfehlung und jede Möglichkeit für
eine Beseitigung der Inflation zu prüfen.
Dabei habe ich eines über jeden Zweifel hinaus gelernt, daß es nämlich
kein Patentrezept für die Lösung des Inflationsproblems gibt.
Was es allerdings gibt, ist eine Reihe von Teillösungen. Einige davon
werden Erfolg bringen, andere vielleicht nicht. Aber wir haben keine andere
Wahl, als die besten uns zur Verfügung stehenden Mittel und Wege zu benutzen
und weiterhin die Suche nach zusätzlichen Maßnahmen, die vielleicht wirksam sein
könnten, fortzusetzen.
Ich möchte heute abend mit Ihnen über einige der Mittel und Wege sprechen,
die wir entwickeln konnten.
Einige dieser Faktoren liegen im Bereich meiner Machtbefugnis als Präsident, vor allem was Maßnahmen der Regierung anbetrifft, und ich werde darauf
bestehen, daß die Regierung ihren Anteil an diesem Bemühen leistet.
Ob aber unsere Anstrengungen erfolgreich sein werden, wird letztlich genauso von Ihnen wie von mir abhängen.
Ihre Entscheidung, die Sie täglich an Ihrer Tankstelle, in Ihrem Kaufhaus,
in Ihrer beruflichen Tätigkeit oder auf Ihren Gewerkschaftsversammlungen treffen,
werden genauso entscheidend sein

für die Antwort unseres Landes auf die Infla-

tion, wie die Entscheidungen, die hier im Weißen Haus oder im Kapitol durch den
- 3 -

�den Kongreß getroffen werden.
Ich kann nicht garantieren, daß unsere gemeinsamen Anstrengungen Erfolg
haben werden.

Ja, es ist fast gewiß, daß sie keinen Erfolg haben werden, wenn

man unter Erfolg rasche oder dramatische Veränderungen versteht.

Jede freie

Regierung auf dieser Welt muß sich mit dem Problem der Inflation auseinandersetzen

und jede von ihnen weiß, daß eine langanhaltende Krankheit eine lang-

fristige Behandlung erfordert.

Es liegt bei uns, alle nur möglichen Verbes-

serungen zu erreichen, selbst wenn wir dabei einen teilweisen Fehlschlag riskieren, statt einen Fehl schlag mit Sicherheit in Kauf zu nehmen, weil wir überhaupt nichts versuchen.
Ich werde meine Anstrengungen auf die Regierung konzentrieren.

Wir alle

wissen, daß die Regierung nicht die einzige Ursache der Inflation ist.

Aber

sie ist eine der Ursachen, und die Regierung muß nun einmal ein Beispiel setzen.

Daher muß sie auch bei der fiskalischen Zurückhaltung die Führung er-

greifen.
- Wir werden die Regierungsausgaben niedrig halten, das Defizit im Staatshaushalt verringern und Verschwendung in der Regierung beseitigen.
- Wir werden einen teilweisen Einstellungsstop für den Bundesdienst verfügen und die Zahl der Bundesbediensteten verringern.
- Wir werden nutzlose Bestimmungen abschaffen.
- Wir werden unsere Wirtschaft wieder mehr unter das Zeichen des Wettbewerbs rücken.
- Und wir werden uns gegen jede weitere Senkung der Bundeseinkommenssteuern wenden, solange nicht überzeugende Aussichten dafür bestehen, daß wir
die Inflation in den Griff bekommen.
Lassen
- 4 -

�Lassen Sie mich erklären, was jeder dieser Schritte bedeutet.
Das Defizit der Bundesregierung ist zu hoch.

Unser Volk hat die ver-

schwenderischen Bundesausgaben sowie die Inflation, die damit verbunden ist,
einfach satt und ist ihrer müde.
Wir haben bereits einige Erfolge erzielt. Seit ich mich um das Präsidentenamt beworben habe, haben wir das Defizit um ein Drittel gesenkt - und zwar von
mehr als 66 Milliarden Dollar im Finanzjahr 1976 auf etwa 40 Milliarden Dollar
im Finanzjahr 1979; eine Verringerung von mehr als 25 Milliarden Dollar in
nur drei Jahren.
Es wird weiter gesenkt werden. Im nächsten Jahr plane ich bei einer
starken Zurückhaltung in den Bundesausgaben und einem zu erwartenden mäßigen
Wirtschaftswachstum, das Haushaltsdefizit um weniger als die Hälfte seit meiner
Bewerbung um das Präsidentenamt zu reduzieren, nämlich auf 30 Milliarden Dollar
oder weniger.
Die Regierung hat einen zu großen Anteil dessen, was unser Land produziert, ausgegeben. Während meines Wahlfeldzuges habe ich versprochen, den Regierungsanteil an unseren gesamten nationalen Ausgaben im Finanzjahr 1981 von
23 Prozent auf 21 Prozent zu kürzen.
Wir planen nunmehr, dieses Ziel bereits ein Jahr früher zu erreichen.
Der Abbau des Defizits macht schwierige und unangenehme Entscheidungen
erforderlich.
Wir werden in unserem Lande den Gürtel enger schnallen müssen.

Harte Ent-

scheidungen sind notwendig, wenn wir Konsequenzen vermeiden wollen, die noch
schlimmer sind.
Ich habe die feste Absicht, diese harten Entscheidungen zu treffen.

- 5 -

Ich

�Ich habe bereits mein Veto gegen Gesetzesvorlagen eingelegt, die unseren
Kampf gegen die Inflation unterminieren würden, und der Kongreß hat dieses
Veto nicht überstimmt.

Ich weiß, daß der Kongreß auch weiterhin in dem Be-

mühen mit mir zusammenarbeiten wird, unsere Aufgaben in verantwortungsbewußter,
nicht inflationsfordernder Weise zu erfüllen.

Ich werde von den

meinem Amte

zur Verfügung stehenden administrativen und haushaltsmäßigen Vollmachten, notfalls auch dem Veto-Recht, Gebrauch machen, um unser Land fest auf dem Kurs
der fiskalischen Zurückhaltung zu halten.
Zurückhaltung gilt für die Steuerpolitik genauso wie für die Ausgabenentscheidungen.

Eine Steuersenkung war politisch niemals populärer als heute.

Aber wenn zukünftige Steuersenkungen übereilt und ohne Berücksichtigung des
Haushaltsdefizits vorgenommen werden, dann werden sie uns allen Schaden, weil
sie nämlich eine größere Inflation hervorrufen.
Es gibt Steuersenkungen, die direkt die Kosten und Preise verringern und
zum Kampf gegen die Inflation beitragen könnten. Ich werde vielleicht Mittel
und Wege in Erwägung ziehen, um diese besonderen Steuern zu senken, während
gleichzeitig auch das Defizit im Haushalt gesenkt wird, aber solange wir keine
überzeugenden Aussichten auf eine Kontrolle der Inflation haben, werde ich
mich jeder weiteren Senkung der Bundeseinkommenssteuer widersetzen.
Um die Regierung in einem überschaubaren Größenverhältnis zu halten,
ordne ich heute abend eine Reduzierung bei der Einstellung von Bundesbediensteten an. Diese Anweisung bedeutet eine Senkung der Zahl der ständigen Bundesbediensteten, die haushaltsmäßig in diesem Finanzjahr bereits eingeplant sind,
um 10 000, und ich werde die Gesamtzahl der Bundesbediensteten verringern.
Ich habe bereits hinsichtlich der Gehaltserhöhungen für Bundesbedienstete
eine Obergrenze von 5,5 Prozent verfügt, und die höheren Angestellten und Beamten des Bundes werden überhaupt keine Gehaltserhöhungen erhalten.
Es genügt jedoch nicht, nur das Regierungsdefizit, die Ausgaben und die
- 6 -

�die Neueinstellungen zu kontrollieren.

Wir müssen auch die durch gewisse

Regierungsbestimmungen hervorgerufenen Kosten unter Kontrolle bringen.
Der Kongreß hat in den letzten Jahren eine Reihe richtungweisender Gesetze zur Verbesserung der Umwelt-

und Sozial Verhältnisse verabschiedet.

Wir müssen und wir werden den Fortschritt im Bemühen um den Schutz der Gesundheit und der Sicherheit des amerikanischen Volkes beibehalten.
Aber wir müssen auch uns darüber klar sein, daß alles seinen Preis fordert - und daß der Verbraucher letzten Endes die Rechnung bezahlen muß. Wo
Verordnungen notwendig sind, müssen sie auch wirksam sein. Wo sie die Inflation bekämpfen, sollten sie unterstützt werden.

Wo sie aber unnötig sind,

sollte man sie aufheben.
Zu Anfang dieses Jahres gab ich den Behörden des Bundes die Anweisung,
unnötige Verordnungen zu streichen und die Kosten und Vorzüge neuer Verordnungen zu analysieren.

Heute sind beispielsweise von dem Amt für Sicherheit

und Gesundheit am Arbeitsplatz nahezu eintausend unnötige Verordnungen aufgehoben worden.
Jetzt können wir auf diesem Fortschritt weiter aufbauen.
- Ich habe einem Rat der weisungsberechtigten Ämter und Behörden die Anweisung erteilt, die von ihnen erlassenen Verordnungen zu koordinieren, damit
jede Überschneidung und jeder Leerlauf vermieden wird.
- Als Wichtigstes wird der Rat ein einheitliches Verzeichnig aller geplanten wichtigen Verordnungen aufstellen.

Dieses Verzeichnis wird uns zum ersten-

mal eine umfassende Liste aller von der Bundesregierung geplanter Bestimmungen
zusammen mit ihren Kosten und den angestrebten Zielen an die Hand geben.
Ich werde als Präsident persönlich meine Autorität einsetzen, um sicherzustellen, daß solche Verordnungen nur erlassen werden, wenn sie notwendig sind,
und daß sie ihr Ziel zu einem Preis erreichen, der so gering wie möglich ist.
Wir

�Wir werden das Dickicht von Verordnungen beseitigen, das sich um uns
gebildet hat, und damit unserem System des freien Wettbewerbs die Chance
geben, an dem ihm zustehenden Platz zu gedeihen.
Im vorigen Jahr haben wir der Luftfahrtindustrie einen neuen Impuls für
den Wettbewerb gegeben.

Einige Verordnungen wurden aufgehoben.

Die Kräfte

des freien Marktes trieben die Preise herunter, die Zahl der Passagiere erreichte Rekordhöhen - und die Gewinne stiegen.

Das neue Gesetz über die Auf-

hebung von Vorschriften für Fluggesellschaften wird dafür sorgen, daß diese
Vorteile von Dauer sein werden.

Zum erstenmal seit Jahrzehnten haben wir

Aufsichtsbestimmungen für einen großen Industriezweig tatsächlich aufgehoben.
Im kommenden Jahr werden wir in Zusammenarbeit mit dem Kongreß darangehen, auch in anderen Industriezweigen, wie etwa im Güterverkehr auf Schiene
und Straße, mehr Wettbewerb zu schaffen.
Der Wettbewerb ist nämlich die stärkste all unserer Waffen gegen die
Inflation. Ohne echten Wettbewerb steigen Preise und Löhne - selbst wenn
die Nachfrage nachläßt.
Wir müssen daher darauf hinwirken, überall dort, wo es möglich ist, mehr
Wettbewerb zuzulassen, damit nächtige Gruppen - wie Regierung, Unternehmer,
Gewerkschaften - es sich zweimal überlegen müssen, ehe sie ihre wirtschaftliche Macht mißbrauchen.
Wir werden unsere Anstrengungen verdoppeln, um dem Wettbewerb wieder seinen Platz in unserem amerikanischen System der,freien Marktwirtschaft zu verschaffen.
Ein weiterer Grund für die Inflation ist das Nachlassen unseres Produktivitätszuwachses.

Eine leistungsstärkere Produktion ist wesentlich, wenn wir

die Inflation unter Kontrolle bekommen, amerikanische Erzeugnisse auf den
Weltmärkten wettbewerbsfähiger machen, neue Arbeitsplätze schaffen und das Real- 8 -

�Realeinkommen unserer Bevölkerung steigern wollen.
Einen Anfang zur Verbesserung unserer Produktivität haben wir gemacht.
Das vom Kongreß soeben verabschiedete Steuergesetz enthält viele der Investitionsanreize, die ich im vorigen Januar empfohlen hatte. Die Bundesförderung
von Forschung und Entwicklung - vor allem was die Grundlagenforschung betrifft - wird weiter verstärkt werden. Wir werden die Programme des Bundes,
die Produktivitätsverbesserungen im Bereich unserer gesamten Wirtschaft fördern, koordinieren und verstärken.
Die Anstrengungen der Regierung werden sich gegen die Inflation an der
Stelle richten, wo sie sich am schmerzlichsten auswirkt - die Inflation in
den wesentlichen Bereichen der Existenz: Ernährung, Wohnung und Gesundheit.
Wir werden in unserer Agrarpolitik weiterhin bestrebt sein, die Produktion
der landwirtschaftlichen Betriebe hochzuhalten, stabile Preise zu bewahren
und die Inflation zu dämpfen.
Steigende Zinssätze sind stets eine Begleiterscheinung der Inflation gewesen. Die Kosten für Betriebserweiterungen und die Preise, die der Verbraucher
für Häuser und Verbrauchsgüter zahlen muß, steigen durch sie weiter an.
Die Verantwortung für die Kontrolle der Inflation kann nicht allein auf
der Geldpolitik ruhen, die das Problem durch straffe Geld- und Kreditrestriktionen angehen muß, durch die die Zinssätze hochgetrieben werden.
Ich werde auf ein ausgewogenes, aufeinander abgestimmtes und kontinuierliches Programm hinarbeiten, bei dem straffe Zügelung des Haushalts, Maßhalten
bei Lohn- und Preisforderungen auf dem privaten Sektor und eine verantwortungsbewußte Geldpolitik einander unterstützen.
Wenn wir Erfolg haben, dürfen wir mit einer Senkung der Inflations- und
Zinssätze sowohl für die Verbraucher als auch für die Unternehmer rechnen.
Was
- 9 -

�Was die Gesundheitsfürsorge anbetrifft, wo die Kosten weitaus schneller
gestiegen sind als die allgemeine Inflationsrate, so besteht die für uns wichtigste Maßnahme in der Verabschiedung des Krankenhauskostendä'mpfungsgesetzes.
Der Senat hat es in diesem Jahr bereits verabschiedet.

Im kommenden Jahr

werde ich es erneut versuchen, und ich hoffe, daß beide Häuser des Kongresses
handeln werden, um die Krankenhauskosten zu dämpfen - wenn Ihre Vertreter im
Kongreß entsprechend von Ihnen hören.
Bis zum Januar, wenn der neue Kongreß zusammentritt, werde ich ein Paket
spezifischer Gesetzesvorlagen vorbereitet haben, die die Inflation bekämpfen
helfen sollen.
Die Regierung wird ihren Teil tun, aber in einem Land wie dem unseren
kann die Regierung allein die Aufgabe nicht lösen.

Letztlich wird Erfolg oder

Fehlschlag dieser Bemühungen auch davon ahängen, ob der private Sektor die freiwilligen Lohn- und Preisleitlinien, die ich heute abend ankündige, akzeptieren
und entsprechend handeln wird.
Es sind faire Leitlinien.

Es sind Normen, an die sich jeder halten kann.

Wenn wir uns an sie halten, dann werden sie den Preisanstieg dämpfen - so daß
die Löhne nicht mehr hinter den Preisen herjagen müssen, nur um auf der gleichen
Höhe zu bleiben.
Sie weisen außerdem den Weg zu einer schließlichen Überwindung der Inflation, indem sie den Druck beseitigen, der sie ausgelöst hat.
In den letzten zehn Jahren haben wir bei unseren Bemühungen, uns vor der
Inflation zu schützen, Verhaltensweisen und Gewohnheiten entwickelt, die die
Inflation - sobald sie erst einmal begonnen hat - eben gerade in Gang halten.
Die Gewerkschaften erheben weitreichende Tarifforderungen, weil sie damit rechnen, daß die Inflation anhält. Weil wir erwarten, daß es so kommt, tritt es
dann auch ein, und sobald die Dinge einmal in Gang gekommen sind, treiben

- 10 -

�treiben Löhne und Preise einander in die Höhe.
Es ist wie bei einer Menschenmenge im Fußbailstadion.wenn alle stehen.
Jeder würde genauso gut sehen, wenn sie alle sitzen würden - aber niemand
ist gewillt, sich als erster hinzusetzen.
Mit Ausnahme der Arbeiter in den niedrigsten Lohngruppen appelliere ich
an alle Beschäftigten in diesem Lande, ihre Gesamtlohnerhöhungen auf ein
Höchstmaß von sieben Prozent im Jahr zu begrenzen.

Von heute abend an sollte

jeder Tarifvertrag und jede gewährte Lohnerhöhung diesem Richtwert entsprechen.
Meine Preisbegrenzungen werden gleichermaßen strikt sein.

Unser Grund-

ziel für die gesamte Wirtschaft ist ein Preisanstieg von 5,75 Prozent.

Um

dieses Ziel zu erreichen, setze ich heute abend für jedes Unternehmen in
unserem Lande die Leitlinien, seine Preissteigerungen zumindest ein halbes
Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 1976 und 1977 zu halten.
Selbstverständlich müssen wir hierbei bereits eingegangene bindende Verpflichtungen in Rechnung stellen, die eine absolute Befolgung dieser Leitlinien verhindern.
Aber dieser Preisrichtwert liegt viel niedriger als die diesjährige
Inflationsrate, und was noch wichtiger ist, er ist niedriger als der Richtwert für Lohnerhöhungen.

Dieser Unterschied wird durch die wachsende Pro-

duktivität ausgeglichen, und dadurch kann das Einkommen des amerikanischen
Arbeiters von der Inflation nicht eingeholt werden.
Diesen Leitlinien kann jeder folgen.

Jeder!

Ich meine, daß es für kein

Unternehmen, keine Gewerkschaft, keinen Berufsstand, keinen Menschen in diesem Lande eine Entschuldigung gibt, sich nicht an diese Leitlinien zu halten.
Die Schwierigkeit mit einem Programm auf freiwilliger Grundlage besteht
darin, daß die Arbeitnehmer fürchten, daß sie, wenn sie sich an diese Leitlinien halten

- während andere es nicht tun - Nachteile hätten, falls die
- 11 -

�die Inflation anhält.
Um dieser Befürchtung zu begegnen, werde ich den Kongreß im Januar ersuchen, ein Programm zu verabschieden, das eine Steuerermäßigung für jene
Arbeitnehmer ermöglicht, die sich an die Leitlinien halten, falls die Inflationsrate mehr als sieben Prozent betragen sollte.

Mit anderen Worten,

sie hätten eine "echte Lohnversicherung" gegen eine Inflation, die von anderen verursacht würde.
Dies wird unseren Arbeitnehmern einen zusätzlichen Anreiz für die Befolgung dieses Programms bieten - und den einzigen legitimen Grund für eine
Verweigerung der Zusammenarbeit ausräumen.
Da es sich um keinen staatlichen Kontroll plan handelt, kann ich ein verantwortungsloses Unternehmen nicht darin hindern, seine Preise zu erhöhen,
oder eine selbstsüchtige Gruppe von Arbeitnehmern daran, ihre Macht auszunutzen, um

übersteigerte Löhne zu fordern.

Sollte das jedoch eintreten,

wird die Regierung entsprechend reagieren, indem sie ihre Möglichkeiten und
die öffentliche Meinung ins Spiel bringt.
Sobald sie die Preise steigern oder Lohnerhöhungen verlangen, die übersteigert sind, wird das Unternehmen oder die Gewerkschaft den Druck zu spüren
bekommen, den die Öffentlichkeit ausüben kann - durch eine neue Konkurrenz,
um die Preise zu senken, oder durch die Aufhebung von Schutzmaßnahmen und
Privilegien der Regelung, derer sie sich jetzt erfreuen.
Wir werden auch die 80 Milliarden Dollar, die die Regierung jährlich
für Beschaffungen der Privatindustrie aufwendet, besser nutzen. Wir müssen
kluge und umsichtige Käufer sein. Wenn die Kosten zu rasch ansteigen, dann
können wir die Käufe aufschieben - wie es jede Familie tun würde - oder uns an
einen anderen Lieferanten wenden. So werden wir beispielsweise in diesem Jahr
vielleicht keine Armada von Autos kaufen, wenn diese Autos zu teuer sind,
oder wir werden vielleicht unsere Einkäufe bei Lieferanten tätigen, die sich

- 12 -

�sich an unser Lohn- und Preisleitlinien halten, statt bei denen, die dies
nicht tun.
Wir werden verlangen, daß diejenigen Firmen, die der Regierung Güterund Dienstleistungen liefern, nachweisen, daß sie sich an die Lohn- und Preisleitlinien halten. Wir werden innerhalb gesetzlicher Grenzen alle Anstrengungen machen, um denjenigen Firmen Regierungsaufträge zu verweigern, die unseren Lohn- und Preisleitlinien nicht folgen.
Wir werden unsere Kaufkraft effektiver einsetzen, um eine Zurückhaltung
bei den Preisen und den Wettbewerb Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Regierung gewährt gegenwärtig vielen Teilen der Privatwirtschaft
wirtschaftliche Privilegien - Sonderrechte, geschützte Löhne und Preise,
Subventionen, Schutz vor ausländischem Wettbewerb. Sollten Löhne und Preise
in einigen Industriezweigen zu rasch wachsen, dann werden wir das als ein Zeichen dafür betrachten, daß diese Privilegien nicht mehr notwendig sind und
daß dieser Schutz aufgehoben werden sollte.
Wir werden sicherstellen, daß kein Zweig unserer Wirtschaft seine besonderen Privilegien oder seine konzentrierte Macht benutzen kann, um die
übrigen zu schikanieren.
Die Mittel und Wege, die ich heute aufgezeigt habe, werden der Inflation
kein Ende setzen. Sie verbessern lediglich unsere Chancen, die Dinge zum
Besseren statt zum Schlechteren zu gestalten.
Ich möchte noch einmal das Programm zusammenfassen, das ich heute abend
verkündete.
- Wir werden das Haushaltsdefizit senken.
- Wir werden das Einstellungsprogramm des Bundes beschneiden und
die Zahl der Bundesbediensteten verringern.
- Wir
- 13 -

�- Wir werden bei den Bundesausgaben Zurückhaltung üben.
- Wir werden weitere Steuersenkungen hinausschieben.
- Wir werden nutzlose Bestimmungen abschaffen.
- Wir werden die Bundespolitik benutzen, um zu einem stärkeren Wettbewerb anzuregen.
- Wir werden spezifische Leitlinien sowohl für Löhne und Preise in der
ganzen Wirtschaft festsetzen.
- Wir werden alle zu unserer Verfügung stehenden Kräfte einsetzen, um
diesem Programm zu einem Erfolg zu verhelfen.
- Und wir werden dem Kongreß im kommenden Januar neue Vorschläge zur Bekämpfung der Inflation unterbreiten, einschließlich der Empfehlung für eine
echte Lohnversicherung, von der ich heute abend gesprochen habe.
Ich habe wiederholt erklärt, daß diese Maßnahmen hart sein werden - und
sie sind es tatsächlich.

Ich habe aber auch gesagt, daß sie fair sein werden

- und sie sind es tatsächlich.

Sie treffen in gleicher Weise alle Gruppen.

Aber sie geben uns allen die gleiche Chance, Fortschritte zu erzielen.
Und diese Vorschläge, die uns eine Chance bieten, verdienen es, daß sie
diese Chance erhalten.

Wenn man sie heute oder nächste Woche oder im nächsten

Monat ins Lächerliche zieht, sie zerfetzt, bevor sie die Chance hatten, sich
als erfolgreich zu erweisen, dann wird man die Chancen eines Erfolges von Anfang an vermindert haben.
Diese Maßnahmen können erfolgreich sein, aber das braucht Zeit, und Sie
sind diejenigen, die ihnen diese Zeit geben können.

Wenn ich heute abend

jeden Amerikaner um eines bitte, dann ist es, daß man diesem Programm eine
Chance gibt - eine Chance, für uns alle erfolgreich zu sein.
Sie können dazu beitragen, daß diese Chance geboten wird, indem Sie
Ihren Einfluß ausüben.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen wissen, daß Sie als Bürger keine
vernatwortungslosen Preis- und Lohnerhöhungen hinnehmen werden.
- 14 -

Die von

�von Ihnen gewählten Vertreter im Kongreß müssen wissen, wie Sie als Bürger
denken, wenn sie schwierige Entscheidungen treffen.
Zu häufig hören sie nur diejenigen Stimmen, die Sonderinteressen vertreten und ihre eigenen engen Zielsetzungen unterstützen.

Wenn Sie wollen,

daß die Regierungsvertreter die Inflation eindämmen, dann müssen Sie sicherstellen, daß man Ihre Stimme überall hört •
Ich habe Ihre Stimme mit unmißverständlicher Deutlichkeit vernommen.
Vor etwa 40 Jahren, als die Welt gespannt aufblickte, ob sein Land überleben würde, trat Winston Churchill mit allem Nachdruck jenen entgegen, die
glaubten, Großbritannien würde sich der Nazi-Bedrohung beugen. Churchill
fragte damals seine Landsleute: "Was glauben die denn, wer wir eigentlich
sind?"
Es gibt heute Leute, die sagen, daß eine freie Wirtschaft die Inflation
nicht in den Griff bekommen könne und daß wir die Fähigkeit verloren hätten,
als Nation zu handeln statt als Kollektiv besonderer Interessen. Und ich
erwidere darauf: "Was glauben die denn, wer wir eigentlich sind?"
Ich glaube, daß unser Volk, unser wirtschaftliches System und unsere
Regierung dieser Aufgabe gewachsen sind.
spiel mir recht geben. ,

+ + + + +

- 15 -

Ich hoffe, daß Sie durch Ihr Bei-

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1
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^

Information
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2. November 1978

26

CARTER ERNENNT ALFRED E. KAHN ZUM LEITER DES ANTI-INFLATIONSPROGRAMMS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 24. Oktober 1978 den
bisherigen Chef des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, Alfred E. Kahn, zum Leiter
seines Anti-Inflationsprogramms ernannt.
Kahn, ein prominenter amerikanischer Wirtschaftler und ehemaliger Direktor
der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Cornell-Universität. wird
sein neues Amt als Leiter des Rates für Lohn- und Preisstabilität unverzüglich
übernehmen. Er löst Botschafter Robert Strauss ab, der sein Amt als Sonderbeauftragter des amerikanischen Präsidenten für Handelsverhandlungen weiterhin
beibehält.
Stellvertretender Direktor des Rates bleibt Barry Bosworth.
Präsident Carter bezeichnete Kahn bei der Bekanntgabe seiner Ernennung
als "meinen neuen Partner bei der Kontrolle der Inflation in diesem Lande" und
sagte, daß sie zusammen darauf hinarbeiten würden, daß die Reaktion Amerikas
auf die Inflation "wirksam" und "flexibel" ist.
Kahn

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Kahn erklärte vor der Presse, daß er sein neues Amt übernehme, weil er
davon überzeugt sei, daß die vom Präsidenten in seinem Plan aufgestellten
Lohn- und Preis-Leitlinien im Verein mit einer straffen Zügelung der Bundesausgaben und einer Durchforstung der inflationsfördernden Bestimmungen der
Bundesdienststellen "der einzig richtige Weg ist, der unbedingt zum Erfolg
führen muß."

+ + + + +

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1=0 £ m

2 31

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2. November 1978

26

SEIGNIOUS UND EARLE NACHFOLGER VON WARNKE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat den Generalleutnant
d.R. George M. Seignious zum Nachfolger von Paul Warnke als Direktor des
Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) und den Stellvertretenden
Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) Ralph Earle II zum Nachfolger
Warnkes als Delegationsleiter nominiert.
Das Weiße Haus gab die Nominierung von Seignious, der bisher der
SALT-Delegation als Sonderberater angehört hatte, am 20. Oktober 1978
bekannt.
General Seignious wurde am 21. Juni 1921 in Orangeburg in South
Carolina geboren und absolvierte 1942 die Citadel-Kriegsschule als Leutnant.
Er war mit der 10. Panzerdivision in Europa im Einsatz und war zuletzt als
Stabsoffizier tätig. Er hatte verschiedene wichtige Posten im amerikanischen
Verteidigungsministerium inne und war Militärberater von Gouverneur Harriman
und Botschafter Vance bei den Vietnamverhandlungen in Paris.
Von 1971

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Telex:08-85432

�Von 1971 bis 1972 war Seignioüs Stellvertretender Unterstaatssekretär
für Sicherheitshilfe und Direktor des Amtes für Sicherheitshilfe im Verteidigungsministerium und anschließend bis 1974 Leiter des Gemeinsamen
Stabes der Stabschefs der US-Streitkräfte.

Im Jahre 1974 trat er in den

Ruhestand.
Ralph Earle II, dessen Ernennung am 26. Oktober 1978 bekanntgegeben
wurde, war seit Mai 1977 der Vertreter Warnkes bei den SALT-Verhandlungen
gewesen.
Earle wurde am 26. September 1928 in Bryn Mawr in Pennsylvania geboren
und studierte bis 1955 Jura an der Harvard-Universität. Von 1950-52 diente
er in der amerikanischen Armee und praktizierte vom 1956 bis zu seinem Eintritt in den Regierungsdienst im Jahre 1968 als Anwalt in Philadelphia.
Er gilt als Fachmann für Fragen der internationalen Sicherheit.
Beide Ernennungen bedürfen noch der Bestätigung durch den amerikanischen
Senat, der im Januar nächsten Jahres wieder zusammentritt.

�2. November 1978

26

STRENGERE SICHERHEITSAUFLAGEN FÜR DIE SCHIFFAHRT
Neues Gesetz gegen Ölverschmutzung und Tankerunfä'lle -

WASHINGTON - (AD) - Mit der Unterzeichnung durch Präsident Carter hat
eine vom amerikanischen Kongreß gebilligte Vorlage Gesetzeskraft erlangt, die
die Ölverschmutzung auf See und in Hafengebieten eindämmen und Tankerunfälle
im Bereich der Küstengewässer der Vereinigten Staaten weitgehend unterbinden
soll. Das "Gesetz von 1978 über Häfen- und Tankersicherheit" enthält wesentlich striktere Auflagen als frühere Bestimmungen und erweitert den Kompetenzbereich der US-Küstenwacht. Wie John M. Murphy, der Vorsitzende des Repräsentantenhaus-Ausschusses für die Handelsmarine und das Fischereiwesen, erklärte,
sollen dadurch amerikanische Häfen und Wasserwege geschützt werden. Gleichzeitig soll es Erfordernisse für das von den USA und internationalen Gremien
angestrebte Ziel erfüllen, die hohe See und Küstengebiete vor Umweltschäden
zu bewahren, die gestrandete und auseinanderbrechende öltanker verursachen.
Mehrere schwere Tankerunfälle hatten den amerikanischen Kongreß veranlaßt, die Gesetzesvorlage zügig zu behandeln.

Dazu zählen vor allem der Fall

des liberianischen Tankers "Argo Merchant", der im Jahr 1976 vor der Küste von
Massachusetts auf Grund lief, auseinanderbrach und das Meer mit 30 000 Tonnen
öl verseuchte, ferner die Katastrophe für die Küsten der Bretagne nach dem
Stranden der "Amoco Cadiz" und die Explosion auf der "Sansinena" bei Long

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Telex:08-85432

�Long Beach (Kalifornien).

Auch zeigte sich der Gesetzgeber besorgt über mög-

liche Auswirkungen des Tankerverkehrs in amerikanischen Häfen angesichts der
steigenden Nachfrage nach ausländischem öl. Gegenwärtig laufen pro Tag etwa
35 Tanker mit insgesamt über 1 Million Tonnen Rohöl Häfen der USA an.
Das neue Gesetz schreibt eine strengere Kontrolle des Schiffsverkehrs
vor und verlangt, daß die Tanker zur Verhinderung von Kollisionen und anderen
Unfällen mit elektronischen Hilfsmitteln für die Steuerung ausgerüstet werden.
Das routinemäßige Ablassen von öl bei Reinigungsarbeiten an Tanks soll eingeschränkt werden.

Etwa 85 Prozent der öl Verseuchung der Meere sind auf öl-

haltiges Spillwasser zurückzuführen.

Alles in allem enthält das Gesetz über

Häfen- und Tankersicherheit ähnliche Bestimmungen wie das Londoner Protokoll
von 1978 für die Internationale Konvention gegen die Meeresverschmutzung.

Die

Zwischenstaatliche Beratende Kommission für die Seeschiffahrt (IMCO) mit ihren
62 Mitgliedstaaten, von der das Londoner Protokoll ausgearbeitet wurde, konzentriert sich ebenfalls darauf, schwere Unfälle auf See mit den daraus erwachsenden massiven Schäden für "unseren künftigen Brotkorb, die Meere", wie
es John Murphy formulierte, zu verringern.
Die Vereinigten Staaten werden sich auf solchen internationalen Konferenzen auch künftig für strenge Vorschriften einsetzen. Umgekehrt wurden
zahlreiche Richtwerte, die die IMCO im Februar und Juli 1978 für Tankersicherheit und Ausrüstungen annahm, in das amerikanische Gesetz übernommen. Während jedoch die IMCO-Vorschriften nur für Tanker von 40 000 und mehr Nettoregistertonnen gelten, besagt das amerikanische Gesetz, daß von 1986 an auch
alle 15 Jahre alten Schiffe mit einer Frachtkapazität von 20 000 bis 40 000
Tonnen einzubeziehen seien. Außerdem bietet das Gesetz die Grundlage für
andere wichtige Sicherheitsvorschriften:
(1) Die Kompetenzen der amerikanischen Küstenwacht werden erweitert,
um auch außerhalb der US-Hoheitsgewässer Dienstleistungen für den
Schiffsverkehr zu erbringen.
(2) Der

- 2 -

�(2) Der Verkehrsminister kann die Weiterfahrt von Schiffen unterbinden,
wenn durch sie Gesetze oder Vorschriften verletzt werden.
(3) Es werden Mindestnormen für Schiffe und die Qualifikation ihrer Besatzungen festgesetzt.
(4) Für das Anlaufen amerikanischer Häfen und für von dort auslaufende
Schiffe werden sichere Routen festgelegt.
(5) Das nationale Inspektionsprogramm wird erweitert, um die Einhaltung
der Vorschriften zu gewährleisten und entsprechende Kontroll Zertifikate auszustellen.
(6) Es wird ein Informations-Datensystem über die Sicherheit der Schifffahrt in amerikanischen Gewässern geschaffen.
(7)

Die Vorschriften müssen mit Bundes-, Staats- und Kommunalbehörden
abgesprochen werden.

+ + + + +

- 3 -

�UUi//cn/choft

I 3

und Technik

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2. November 1978

26

NEUARTIGER WINDGENERATOR

- (AD) - Einen neuen Windgenerator-Typ für die Umwandlung von Windkraft
in elektrische oder mechanische Energie will die McDonnell Douglas Corporation
in St. Louis, Missouri, bauen. Mit einem Zuschuß von 1,5 Millionen Dollar des
amerikanischen Energieministeriums konstruieren Ingenieure des Unternehmens
einen sogenannten Girogenerator (abgekürzt von "cyclogiro windmill"), der eine
elektrische Leistung von 40 Kilowatt haben wird. Das würde ausreichen, um 16
Wohnhäuser mit Strom zu versorgen.
Im Gegensatz zu den bisher üblichen Windgeneratoren sind die Blätter senkrecht angeordnet und routieren an einem Flügelgestell um eine vertikale zentrale
Achse. Bei dieser Anordnung können, ohne daß größere Veränderungen vorgenommen
werden müssen, Winde aus jeder Richtung genutzt werden. Nach Ansicht der Konstrukteure ist der Girogenerator mit geringeren Mitteln zu erstellen als ein
herkömmlicher Windgenerator entsprechender Leistung. Er kann auch gegen Beschädigungen durch Sturm besser geschützt werden, weil man in einem solchen
Fall die Blätter so lockert, daß sie dem Wind nachgeben können und die Belastung
auf ein Minimum verringert wird.

Der

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RCM«l:füfliW

Tel: 02221-89 32 4 0
lex:08-85432

�Der Prototyp des Girogenerators ist 27 m hoch.

Er besteht aus einem 18 m

hohen Stahlgerüst, auf dem das 9 m hohe dreiflügelige Gestell mit den vertikalen
Rotoblättern an einer zentralen Achse montiert ist, sowie aus einem Elektrogenerator.

Versuchsanordnungen wurden bereits im Freien und im Windkanal getestet.

Ende 1979 soll die Prototyp-Anlage auf der Teststation für kleine Konversionssysteme für Windenergie, die das amerikanische Energieministerium in Rocky Fiats
(Colorado) unterhält, in Betrieb gehen.

Der Regierungszuschuß für das Projekt

wurde im Rahmen des Programms für Anwendungen in Farmbetrieben und ländlichen
Gebieten gewährt.

Dieses Programm soll neue technische Entwicklungen, insbe-

sondere die Schaffung zuverlässiger und rentabler Windenergie-Systeme für einen
weiten Anwendungsbereich fördern.

Eine Anwendungsmöglichkeit wäre z.B. künst-

liche Bewässerung mit Wasser aus tiefen Brunnen.

Im Gebiet der Großen Ebenen

setzen die Farmer in vielen Fällen künstliche Bewässerung ein.
der Pumpen sind sie meist auf Erdgas angewiesen.

Für den Betrieb

Der Girogenerator könnte mit

seinen 40 kW Leistung außerdem kleine, abgelegene Siedlungen in Gebirgsgegenden,
auf Inseln oder in Küstenregionen, wo immer Wind weht, mit Strom versorgen.

+ + + + +

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UJiz/cn/choft
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26

2. November 1978

ENERGIESPEICHERN MIT KOHLENDIOXID

- (AD) - Das Speichern von Energie kann zu einem wichtigen Faktor für die
Lösung der Energiekrise werden. Es gibt bereits eine Reihe von Vorschlägen,
auch für den Einsatz von chemischen Substanzen für diesen Zweck. Drei amerikanische Forscher vom Laboratorium der RCA (Radio Corporation of America) in
Princeton (New Jersey) verwiesen kürzlich auf die Möglichkeit der Anwendung
einfacher physiko-chemischer Reaktionen für die Speicherung elektrischer Energie, die von Solarzellen oder Windgeneratoren erzeugt wird.
Richard Williams, Richard Crandall und Allen Bloom schlagen vor, Überschußstrom, der während sehr sonniger Perioden oder bei anhaltendem Wind erzeugt und zunächst nicht gebraucht wird, an Elektroden in einem Wasserbad
weiterzuleiten.

In das Wasser, das sich unter der Stromeinwirkung in Wasser-

stoff und Sauerstoff zersetzt, wird Kohlendioxid (C0 2 ) eingeblasen.

Der frei-

werdende Wasserstoff verbindet sich mit C0 2 -Gas zu Ameisensäure.
Diese ist nicht nur ein wichtiger Rohstoff und vielseitig verwendbar,
sondern sie kann auch in Tanks gelagert oder in Pipelines ähnlich wie die Erdölprodukte transportiert werden. Ameisensäure könnte nach Meinung der drei
Wissenschaftler z.B. Benzin für den Betrieb von Verbrennungskraftmaschinen er-

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�ersetzen.

Man könnte sie außerdem nach Bedarf in Brennstoffzellen für die

Erzeugung von elektrischem Strom benutzen.

Langfristig gesehen böte diese

Konzeption eine Möglichkeit zur Verwertung des CCL in der industriellen Abluft, das gegenwärtig zum größten Teil in die Atmosphäre entweicht und die Erdatmosphäre immer stärker mit Kohlendioxid anreichert.

Dies aber hat unerwünsch-

te, in ihrem Umfang noch gar nicht überschaubare Auswirkungen auf die Tempera-»
turen und das Klima an der Erdoberfläche.

+ + + + +

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Uli//cn/chof(
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2. November 1978

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BLUTTEST AUF KREBS IM FRÜHSTADIUM

- (AD) - Forscher am Wissenschaftlichen Laboratorium von Los Alamos
(LASL) in Neu Mexiko, das der Universität von Kalifornien angeschlossen ist,
haben neuartige Bluttests zur Krebsfrüherkennung entwickelt.

Sie basieren auf

der Beobachtung, daß bei Krebs das natürliche Abwehrsystem des Körpers mit
dem Einsatz von T(Thymus)-Lymphozyten versagt bzw. nicht ausreichend funktionsfähig ist.

Normalerweise steuern diese Zellen die Abwehr von Infektionen

verschiedener Ursachen und vernichten körperfremde Gewebe

sowie Krebszellen.

Die Thymusdrüse, bei deren Passage gewöhnliche Lymphzellen mit dieser Eigenschaft ausgestattet werden, zählt zu den primären Immunitätsorganen des Körpers.
Dr. Richard Gross (LASL) hatte während seiner schon Jahre zurückliegenden
Tätigkeit im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Ostafrika entdeckt,
daß ein direkter Zusammenhang zwischen der T-Lymphozyten-Aktivität und dem
Krankheitsverlauf bei Kindern und Jugendlichen besteht, die von einer bestimmten Form von Lymphsarkom, dem sog. Burkitt-Tumor, befallen waren.

(Diese

Krebserkrankung tritt dort relativ häufig auf und gab schon vor Jahren zu der
Vermutung Anlaß, daß auch Viren als Krebsursache in Frage kommen könnten.)
"In jedem Fall waren", so Gross, "mit fortschreitender Krankheit die T-Lymphozyten unterdrückt, d.h. inaktiv, nahmen aber ihre Funktion wieder auf, wenn

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�wenn der Tumor behandelt wurde und sich zurückbildete."

Den Nachweis führte

er mit dem von dem Südafrikaner Dr. Peter Brain entwickelten Rosetten-Inhibitionstest, der zuverlässig Veränderungen in der Aktivität der malignen Prozesse anzeigte.
Am Massachusetts General Hospital in Boston, wo Gross nach der Rückkehr
aus Afrika arbeitete, benutzte er dieses inzwischen verfeinerte Verfahren, um
maligne Prozesse bei Patienten mit großer Treffsicherheit vorherzusagen, bei
denen Röntgenaufnahmen vom Brustkorb gewisse Anomalien aufwiesen.

Zusammen

mit dem Tiermediziner Dr. David Smith (LASL) entwickelte Robert Gross ein Modell zur Erfassung von Immunfunktionen bei Tieren.

Die Wissenschaftler konn-

ten dieses Verfahren inzwischen so weit vervollkommnen, daß damit zuverlässige
Aussagen über das Vorliegen maligner Prozesse im tierischen und menschlichen
Organismus möglich geworden sind.
Die Empfindlichkeit der Methode zeigte sich bei einer Studie, die Gross
und Smith gemeinsam mit Dr. Geno Saccamanno vom St. Mary-Krankenhaus in Grand
Junction (Colorado) durchführten. Dr. Saccamanno, der schon seit 30 Jahren
Bergarbeiter der Uranminen von Colorado betreut, leistete Pionierarbeit in
der Beobachtung und Interpretation von Zell Veränderungen als Indikator für
Krebserkrankungen. Er entwickelte den heute allgemein üblichen Sputum-Test
als Diagnosehilfe für Lungenkrebs.
Wie Dr. Smith in diesem Zusammenhang erklärte, sind dabei aufgedeckte
Zell Veränderungen nicht automatisch gleichbedeutend damit, daß es bei dem Patienten zur Entwicklung von Krebs kommt. Deshalb sei es so wichtig, herauszufinden, weshalb die einen an Lungenkrebs erkranken, die anderen jedoch immun
bleiben. Der LASL-Bluttest wird gegenwärtig am St. MaryKrankenhaus von Grand
Junction erprobt, um eine mögliche Krebsgefährdung von Uran-Bergarbeitern so
früh wie nur irgend möglich zu entdecken. Die bisher erzielten Ergebnisse haben großes Interesse bei der Industrie in verschiedenen anderen westlichen
Bundesstaaten der USA gefunden, wo der Bergbau ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor ist und berufsbedingte Lungenerkrankungen häufiger sind als bei der ameri- 2 -

�amerikanischen Bevölkerung im allgemeinen.
Die Wissenschaftler von LASL sind überzeugt, daß die immunologischen Reaktionstests geeignet sind, Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko ausfindig
zu machen, noch ehe andere Symptome überhaupt in Erscheinung treten.

Mit um-

fassenden klinischen Untersuchungen, bei denen Umweltfaktoren, Gewohnheiten,
familiär bedingte Anfälligkeit und bereits durchgemachte Erkrankungen unter die
Lupe genommen werden, müßte es dann möglich sein, dem Krebs auf die Spur zu
kommen und ihn zu lokalisieren.

So könnte beispielsweise auch die Entwicklung

von Krebs im Magen-Darm-Trakt sowie Brustkrebs frühzeitig genug erfaßt werden,
um erfolgreich dagegen anzugehen.
Dr. Gross und Mitarbeiter glauben, daß der Test schon in wenigen Jahren
Teil routinemäßig vorgenommener immunologischer Untersuchungen sein wird, die
vor allem der Krebsfrüherkennung und der Überwachung von Patienten gelten,
die gegen Krebs behandelt werden oder bei denen die Behandlung schon mit Erfolg
abgeschlossen werden konnte. Eine wichtige Frage stehe allerdings noch offen
- die Frage nämlich, wann die Änderung der Immunitätslage eintritt. Man weiß
noch nicht, ob Zell Veränderungen, die zur Krebsentwicklung führen, für die
Unterdrückung der T-Lymphozyten-Aktivität verantwortlich sind, oder ob primär
die T-Zellen-Aktivität aus irgend einem Grunde zusammenbricht und dem Krebs
freie Bahn gibt.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters zur Dollar-Stützung&lt;br /&gt;- Wortlaut -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Blumenthal und Miller spezifizieren Maßnahmen zur Dollar-Stützung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der gemeinsamen Erklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Presseverlautbarung des Zentralbankrates zur Dollar-Stützung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter legt Programm zur Bekämpfung der Inflation vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Fernsehansprache vom 24. Oktober 1978 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter ernennt Alfred E. Kahn zum Leiter des Anti-Inflationsprogramms Seignious und Earle Nachfolger von Warnke&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strengere Sicherheitsauflagen für die Schiffahrt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neues Gesetz gegen Ölverschmutzung und &amp;nbsp;Tankerunfälle -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuartiger Windgenerator&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Energiespeichern mit Kohlendioxid&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bluttest auf Krebs im Frühstadium&amp;nbsp;</text>
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                    <text>18. Oktober 1978

25

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache Präsident Carters zur Eröffnung der ägyptisch-israelischen
Verhandlungen in Washington
WIRTSCHAFT
Der Rahmen für die neue Exportpolitik der USA
- Von Unterstaatssekretär C. Fred Bergsten Die USA müssen mehr exportieren
- Von John J. Harter
HINTERGRUNDMATERIAL
Warnke gibt Leitung von SALT-Verhandlungen und ACDA auf
- Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir Zwanzig Jahre US-Raumfahrtbehörde NASA
- Raumfahrt ohne Sensationen - Anwendungsbezogene Zukunftsprojekte WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Hawaii nutzt vulkanische Wärmeenergie

Um Übersendung von
BckgcKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Oktober 1978

25

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS ZUR ERÖFFNUNG DER ÄGYPTISCH-ISRAELISCHEN
VERHANDLUNGEN IN WASHINGTON

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 12. Oktober 1978 die
Friedensverhandlungen zwischen Ägypten und Israel, an denen unter anderem der
israelische Außenminister Moshe Dayan und der ägyptische Verteidigungsminister Kamal Hassan Ali teilnehmen, in einer feierlichen Zeremonie im Weißen
Haus eröffnet. Seine Eröffnungsansprache hat folgenden Wortlaut:
Meine Herren Minister, Herr Vizepräsident, Herr Außenminister, Freunde:
Seit 2000 Jahren haben die Menschen im Nahen Osten "Frieden, Frieden"
gerufen, wenn es dort keinen gab. Dieser von Unruhe heimgesuchte Boden hat
schwer unter der Last des Krieges gelitten. Aber vor nicht ganz einem Monat
haben Präsident Sadat von Ägypten und Ministerpräsident Begin die Chance
für einen echten Frieden herbeigeführt. In ihren Verhandlungen in Camp David
haben sie die Klugheit und den Mut gezeigt, die notwendig waren, um einen
Friedensrahmen im Nahen Osten zu schaffen.
Ein jeder, der wie sie davon träumt, die Spaltung und Verbitterung im
Nahen Osten zu beenden, wird sich mir anschließen, wenn ich ihre Vertreter

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0
Telex:08-85432

�Vertreter hier in Washington willkommen heiße, da sie ihre nächsten entscheidend wichtigen Schritte tun,um aus dem Rahmenabkommen ein dauerhaftes
Gebäude des Friedens zu machen.
Niemand, der um die Geschichte unserer eigenen Generation oder der dieses
Jahrhunderts, ja der vergangenen 20 und noch weiter zruückliegender Jahrhunderte weiß, kann sich der historischen Bedeutung dieses Ereignisses entziehen - des Augenblicks, in dem Ägypter und Israelis zusammenkommen, um
mit der Aushandlung der Bedingungen eines Vertrages zu beginnen, der in
praktischer und konkreter Weise Friedensbeziehungen zwischen ihnen festlegen
wi rd.
Unsere heutige Zusammenkunft gibt uns einen Maßstab für das, was erreicht wurde und das, was noch zu tun bleibt, um Frieden und Würde zu einer
Realität für alle Völker im Nahen Osten werden zu lassen.

Sicherlich haben

wir nicht alle Probleme gelöst, noch alle Risiken beseitigt.

Wir haben je-

doch Prinzipien und Verfahrensweisen für eine Lösung der vor uns liegenden
Verhandlungen geschaffen.
Erneut fordern wir Jordanien, die Bewohner des Westufers und des GazaStreifens und andere, die bereit sind, diese Chance zu ergreifen, auf, sich
uns in unseren Friedensbemühungen anzuschließen.
Die Alternative wäre der Fortbestand einer sinn- und ziellosen, gefährlichen Feindschaft und möglicherweise sogar ein weiterer Krieg.
Die Gespräche, die heute beginnen, befassen sich in erster Linie mit dem
Teil des Rahmenwerks von Camp David, der sich auf den Frieden zwischen Ägypten
und Israel bezieht, um die spezifischen Bedingungen festzulegen, unter denen
Ägypten die volle Ausübung seiner Autorität und Souveränität über den Sinai
übernehmen wird, gemäß denen die Sicherheit zwischen den beiden Staaten, den
beiden Völkern, gewährleistet wird und gemäß denen die beiden Länder als
friedliche Nachbarn zusammenleben und zusammenarbeiten werden.
Dieser

�Dieser Frieden zwischen diesen beiden großen Nationen muß die Grundlage
und der erste Schritt hin zu dem umfassenderen und noch größeren und noch
wichtigeren Ergebnis sein, das wir alle erstreben - eine umfassende und dauerhafte Friedensregelung zwischen Israel und all seinen Nachbarn.

Ein Friedens-

vertrag zwischen Ägypten und Israel sollte ergänzt werden durch Fortschritte
in der Erfüllung der Bedingungen des allgemeinen Rahmenabkommens von Camp
David, soweit es sich mit dem Westufer und dem Gaza-Streifen und einer gerechten Lösung der Palästinenserfrage in all ihren Aspekten befaßt.
In den Tagen nach Camp David wurden - wie wir gesehen haben - schwierige, aber wichtige Entscheidungen sowohl in Ägypten wie in Israel gefällt.
Entscheidungen, die den entschlossenen Einsatz der Führer, der Regierungen
und der Völker für diese große Anstrengung unter Beweis stellten, Entscheidungen, die ihre Bereitschaft und ihre Fähigkeit erweisen, die bestehende
Verpflichtung zum Frieden zu einer baldigen Realität werden zu lassen.
In seiner mitreißenden Zukunftsvision hat Präsident Sadat die Entschlossenheit seiner Nation zum Frieden noch klarer werden lassen, zu einem Frieden
nicht nur für die Ägypter, sondern für alle die in den jüngsten Konflikt verwickelt oder von ihm betroffen sind, zu einem Frieden, der die Antwort auf
ihr Verlangen nach einem Ende all des Blutvergießens und all der Zerstörung
gibt und der die legitimen Rechte all jener sichert, die gelitten haben oder
in Zukunft durch einen nie endenden Krieg leiden könnten.
In diesen Tagen hat Ministerpräsident Begin erneut seinen Mut und seine
staatsmännische Kunst unter Beweis gestellt und seine Entschlossenheit beim
Treffen sehr schwieriger Entscheidungen, die für den Frieden notwendig sind
und gefällt werden müssen.
Ich bin mir bewußt, wie hart und schwierig es für ihn gewesen ist, einige dieser Entscheidungen zu treffen und für die Mitglieder seiner Regierung
sich ihm darin anzuschließen.

Sie gehen ans Herz jedes israelischen Bürgers.

Die Entscheidungen der Knesset bestätigen, was wir in diesem Land immer ge-

- 3-

�gewußt und geglaubt haben, daß es Israels größter Wunsch ist, in Frieden
und gutnachbarlichen Beziehungen mit allen Ländern um Israel herum zu leben.
Die Vereinigten Staaten haben sich rückhaltlos verpflichtet, diesen Prozeß so lange durchzuhalten, bis jede Partei im arabisch-israelischen Konflikt
mit allen anderen in Frieden lebt.

Hier geht es zutiefst auch um unsere

eigenen nationalen Interessen.
Die Frage von Krieg oder Frieden im Nahen Osten berührt das Wohlergehen
eines jeden Amerikanern.

Aber darüber hinaus spricht der Generationen alte

Kreislauf von Tragödie und Leiden das moralische Gewissen der Amerikaner und
unser tiefes und ständiges Anliegen der Menschenrechte und der Verwirklichung
der menschlichen Möglichkeiten überall auf der Erde an.
Wir werden mit allen beteiligten Parteien Hand in Hand arbeiten, bis
die Arbeit getan und der Frieden gesichert ist.
Minister Moshe Dayan, Minister Kamal Hassan Ali, Minister Ezer Weizman,
Minister Boutros Ghali: das ägyptische Volk und das israelische Volk und die
Menschen überall auf der Erde sind jetzt auf Sie angewiesen. Unsere Unterstützung steht Ihnen zur Verfügung.
Mein persönliches Engagement ist Ihnen gewiß.
unsere Gebete begleiten Sie.
Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

Unsere Hoffnungen und

�I

Wirt/chaft

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Oktober 1978

25

DER RAHMEN FÜR DIE NEUE EXPORTPOLITIK DER USA
- Von Unterstaatssekretär C.Fred Bergsten -

Der Unterstaatssekretär für Internationale
Angelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium, Dr. C.Fred Bergsten, gehörte
der Arbeitsgruppe an, die die neue Exportförderungspolitik Präsident Carters entwickelt hat. In dem nachfolgenden Artikel,
der die Ausführungen Dr. Bergsten zu dieser neuen Politik vor einem Kongreßausschuß
am 29. September zusammenfaßt, versucht der
Autor den Rahmen und den Hintergrund des
neuen Programms aufzuzeigen.

Präsident Carter hat am 26. September 1978 eine neue Exportpolitik der
Vereinigten Staaten verkündet, und zwar aus zwei Gründen.
Erstens, eine größere Exportleitung ist ein integraler Bestandteil unserer
Gesamtanstanstrengungen zur Stärkung und Stabilisierung des Dollar auf den
ausländischen Devisenmärkten. Der Präsident hat persönlich und wiederholt seine
Besorgnis über den Dollar zum Ausdruck gebracht - nicht zuletzt vor der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank am 25. September. Eine

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Eine der Hauptursachen für die Schwäche des Dollar ist das große und wachsende Defizit in unserer Handelsbilanz und auf den laufenden Konten.

Der

konstruktivste Weg zum Abbau dieser Defizite ist eine Ausweitung der amerikanischen Exporte.
Dabei ist es wichtig, darauf hinzuweisen, daß die jüngsten Trends in der
Handelsbilanz und die weiteren Aussichten ermutigend sind.

In jedem der

letzten drei Quartale ist das Handelsdefizit gegenüber dem vorigen Quartal
um 500 Millionen Dollar zurückgegangen: von 3,1 Milliarden Dollar im Zeitraum
Dezember 1977 bis Februar 1978 auf 2,6 Milliarden Dollar im Zeitraum März
bis Mai 1978 und auf 2,1 Milliarden Dollar im Zeitraum Juni bis August 1978.
Im kommenden Jahr dürfte das laufende Defizit aufgrund des stärkeren
Wachstums im Ausland, des etwas langsameren Wachstums in den USA und der erhöhten Preiswettbewerbsfähigkeit amerikanischer Güter weiter zurückgehen.
Wir sind der Auffassung, daß der Rückgang des Defizits im Jahre 1979 etwa 30
bis 40 Prozent betragen könnte.

Andere Beobachter - wie etwa der Internationale

Währungsfonds, die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Morgan Guarantee and Trust Company - rechnen sogar mit
einem noch stärkeren Abbau des Defizits zwischen 50 und 67 Prozent.
Auf jeden Fall müssen die Vereinigten Staaten neue Exportinitiativen
ergreifen. Wir müssen sicherstellen, daß die jetzigen Trends auch anhalten.
Wir brauchen einen Fortschritt selbst über die optimistischsten Voraussagen
hinaus. Und wir müssen begreifen, daß - was immer das Ergebnis kurzfristig
sein mag - die amerikanische Exportleistung aus langfristigen Gründen wesentlich steigen muß.
Und das ist der zweite wesentliche Grund für unsere neue Exportpolitik.
Die Außenwirtschaftsposition der Vereinigten Staaten erfährt eine langfristige,
strukturelle Veränderung. Die starke Zunahme unserer Abhängigkeit von eingeführtem öl und - in geringerem Umfang - anderen Produkten bedeutet, daß der
Anteil der Importe an unserem Bruttosozialprodukt stark zugenommen hat. Des-

�Deshalb muß ein entsprechender Anstieg des Anteils der Exporte an unserem
Bruttosozialprodukt stattfinden - wo ein einziger Prozentpunkt heute über
20 Milliarden Dollar bedeutet, genug also, um unser

laufendes Defizit selbst

bei dem diesjährigen Rekordstand völlig abzubauen.
Das Handelsdefizit war seit langem abzusehen. Die Korrektur wird nicht
von heute auf morgen möglich sein. Aber was wir von den Devisenmärkten und
von unseren Handelspartnern deutlich zu hören bekommen ist, daß wir kraftvoll
und entschieden handeln müssen, um diese Korrektur vorzunehmen. Das neue Exportförderungsprogramm ist ein wichtiger Teil der Antwort der Regierung auf
diese Herausforderung.
Die Vereinigten Staaten hatten es einfach nie nötig gehabt, sich so um
die Exporte zu kümmern, wie andere Länder, Die meisten amerikanischen Hersteller waren damit zufrieden, den gewaltigen amerikanischen Binnenmarkt zu
beliefern,und haben sich niemals wirklich auf Exporte konzentriert. Unsere
wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit von der übrigen Welt zwingt uns heute
einfach dazu, uns mehr auf Exporte einzustellen - ebenso wie wir lernen müssen, mit der Energie sparsamer umzugehea und ebenso wie einige unserer wichtigen Handelspartner, vor allem Japan, sich mehr auf Importe einstellen müssen.
Die von Präsident Carter am 26. September verkündeten Maßnahmen bieten keine
rasche Lösung - aus dem einfachen Grunde, daß sie langfristige, strukturelle
Probleme ansprechen.
In den letzten zwei Jahrzehnten sind die amerikanischen Exporte nur halb
so rasch gewachsen wie die anderer Industrieländer. Im Jahre 1972 kamen die
Vereinigten Staaten mit 19,2 Prozent auf einen Tiefpunkt ihres Anteils am
Weltexport; 1975 war ein leichter Anstieg auf 21,2 Prozent zu verzeichnen und
seither ist unser Exportanteil wieder auf 18,9 Prozent zurückgegangen.
Im Gegensatz dazu ist es unseren Konkurrenten gelungen, eine reale
Wachstumsrate ihrer Exporte - selbst unter Ausschluß ihrer Exporte nach den
USA - von fast 4 Prozent jährlich seit 1974 zu erreichen, und das trotz einer

- 3 -

�einer weltweiten Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.
Für diese Entwicklungen gibt es mehrere Gründe:

Unsere wichtigsten

Märkte, wie Kanada und Lateinamerika, hatten ein langsameres Wachstum als
die wichtigsten Märkte einiger unserer Hauptkonkurrenten.

Unterschiedliche

Wachstumsraten haben unserer Handelsbilanz rund 10 bis 15 Milliarden Dollar
gekostet.

Die wesentliche Aufwertung des Dollar im Jahre 1975 -

zu einer

Zeit, da unsere Inflationsrate höher lag als die anderer Länder - hat unsere
preisliche Wettbewerbsfähigkeit in der jüngeren Vergangenheit geschwächt;
das hat unserer Handelsbilanz etwa 5 bis 10 Milliarden Dollar gekostet.
Eine Reihe fortgeschrittener Entwicklungsländer, vor allem in Ostasien,
hat allen Industrieländern einen bedeutenden Marktanteil abgenommen.

Und

die Veränderung der Wechselkurse Ende 1977 und Anfang 1978 sind verzerrende
kurzfristige Handelsanteile, die sich wertmäßig ebenfalls in Dollar ausdrücken.

Aber unsere nationale Gleichgültigkeit gegenüber Exporten - sowohl

auf dem privaten Sektor wie in der amerikanischen Regierung - hat ohne Frage
ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt.

Eine solche Indifferenz können wir

uns heute einfach nicht mehr leisten.
Eine höhere Exportleistung der Vereinigten Staaten würde das Wachstum
unserer Wirtschaft anregen und Arbeitsplätze schaffen. Höhere Exporte würden dazu beitragen, den Wertverfall des Dollar aufzuhalten und damit die Inflation zu bekämpfen. Aber eine Steigerung der Exporte stellt eine große
Herausforderung an Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Regierung dar. Sie erfordert,
daß wir unsere Aufmerksamkeit auf viele Faktoren richten - einschließlich
Produktivität, preisliche Wettbewerbsfähigkeit, industrielle Innovation und
Initiative und wirtschaftspolitische Maßnahmen der Regierung.
Ein bestimmender Faktor für:die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit im
Ausland ist die Produktivität unserer Volkswirtschaft. Produktivität hängt
weitgehend von Neuinvestitionen ab. In den letzten fünf Jahren hat das Produktivkapital pro Arbeiter praktisch auf dem gleichen Stand stagniert, was

- 4 -

�was zu einem scharfen Absinken des Wachstums der Produktivität geführt hat.
Die in diesem Jahr von der Regierung dem Kongreß zugeleiteten Steuerempfehlungen sollen die Kapitalbildung und die nationale Produktivität anregen.
Ein weiterer bestimmender Faktor für die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit im Ausland ist die Inflationsrate.

Eine zu hohe Inflation in den USA

- vor allem im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland und zu Japan - hat
unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit ausgehöhlt.

Das Anti-Inflations-

programm des Präsidenten wird aus einem breit angelegten Fächer von Maßnahmen
zur Senkung der Inflationsrate bestehen.

In dem Maße, in dem diese Maßnahmen

greifen, wird sich unsere Handelsposition verbessern.
Die Vereinigten Staaten haben sich seit langem eines verhältnismäßigen
Vorteils bei hochtechnologischen Exporten erfreut. Um diesen Vorteil weiterhin sicherzustellen,haben wir eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die öffentlichen und privaten Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen untersuchen
soll. Dabei soll vor allem geprüft werden, inwieweit die Forschungstätigkeit
durch amtliche Vorschriften und Bestimmungen behindert wird.
Wir ergreifen auch wichtige internationale Initiativen, um die Exportleistung der USA zu verbessern. Von anderen Ländern eingeführte Handelsbeschränkungen wirken sich negativ auf unsere Exportchancen aus. Zollschranken,
vor allem aber nicht-zollursächliche Handelsschranken verringern unsere Fähigkeit, neue Auslandsmärkte zu erobern und bestehende auszuweiten. Wir
haben uns bei den Miltilateralen HandelsVerhandlungen in Genf nachdrücklich
um einen Abbau dieser Handelsschranken bemüht. Der bisherige Fortschritt
in Genf ist ermutigend.
Ausländische Regierungen haben ihre Kreditgarantien und Subventionen
für ihre eigenen Exporteure verstärkt, was gelegentlich zu Lasten amerikanischer Exporteure geht.

Wir haben dieses Problem auf dreifache Weise auf-

gegriffen: Erstens, wir haben eine internationale Vereinbarung ausgehandelt,
die Richtlinien für die Regierungsfinanzierung von Exporten aufstellt. Zwei-

- 5 --

�Zweitens, in den Multilateralen Handelsverhandlungen verhandeln wir über
einen internationalen Kodex zur Einschränkung von Regierungssubventionen
für Exporte - um unfaire Konkurrenz auszuschalten.

Drittens, wenn die

Konkurrenz einer ausländischen Regierung bei der Exportfinanzierung nicht
eingeschränkt werden kann, dann werden wir entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.
Verordnungen der amerikanischen Regierung selbst hatten ebenfalls eine
negative Auswirkung auf die Exportleistung.

Um verschiedenartige außen-

politische Ziele zu erreichen hat die amerikanische Regierung den Verkauf
bestimmter Waren an bestimmte Länder untersagt.

Diese Maßnahmen haben nicht

nur zu einer direkten Senkung des Absatzes geführt, sondern sie haben auch
einen negativen Einfluß auf den Absatz anderer, frei verkäuflicher Waren.
Die Vereinigten Staaten geraten in den Geruch, ein unzuverlässiger
Lieferant zu sein.

Der ausländische Käufer könnte sich zum Einkauf anderswo

entschließen, aus Angst, eines Tages von der Belieferung abgeschnitten zu
werden.

Die neue Exportpolitik sucht den negativen Einfluß solcher poli-

tischer Maßnahmen auf die Exporte auf die wenigen Fälle zu beschränken,
in denen lebenswichtige nationale Interessen auf dem Spiele stehen.
All diese Bemühungen sind wichtige Elemente unseres Versuches die Exporte zu steigern. Aber sie genügen für sich allein noch nicht. Dem Export
muß größerer Vorrang eingeräumt werden.
Im politischen EntScheidungsprozeß der Vereinigten Staaten werden die
Belange des Exports häufig anderen nationalen Zielsetzungen untergeordnet.
Auch die Unternehmer räumen dem Export nur zu oft eine unzureichende Priorität ein. Zu viele Unternehmen sind der Meinung, es sei nicht der Mühe
wert, zu exportieren.
Veränderungen in der Weltwirtschaft während des letzten Jahres haben
zu einem grundlegenden Wandel der Verhältnisse geführt.

- 6 -

Die amerikanische

�amerikanische Geschäftswelt muß sich dieser veränderten Bedingungen bewußt
werden.
Erstens, das Absinken des Wertes des Dollar im Verhältnis zu den Währungen einiger unserer wichtigen Handelspartner hat die preisliche Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Waren augenfällig erhöht.

Amerikanische Her-

steller, die noch vor einem Jahr nicht konkurrieren konnten, könnten jetzt
eine echte Wettbewerbschance haben.

Dies gilt vor allem in der Bundesre-

publik Deutschland und in Japan, aber auch gegenüber den Erzeugnissen dieser
Länder auf Drittmärkten.
Zweitens, die Lohnkluft zwischen amerikanischen Arbeitern und Arbeitern
in anderen Ländern beginnt sich zu schließen. Es ist für viele Erzeugnisse
nicht mehr billiger, sie im Ausland herstellen zu lassen und sie dann in
die Vereinigten Staaten zu importieren, In Japan sind die Löhne von 53
Prozent der amerikanischen Löhne im Jahre 1977 auf 72 Prozent im August 1978
gestiegen. Die Löhne in der Bundesrepublik Deutschland liegen in einigen
Industriezweigen heute schon auf der gleichen Höhe oder sogar über den amerikanischen Löhnen. Das ist ein wichtiger Faktor, den amerikanische und
ausländische Unternehmen in Rechnung stellen, wenn sie sich überlegen, ein
neues Werk in den Vereinigten Staaten oder anderswo zu errichten.
Drittens, was wir tun ist richtig.

Rund 100 amerikanische Firmen haben

wesentliche Anteile am Weltmarkt erobert. Der Anteil der Exporte an unserem
Bruttosozialprodukt ist in den letzten Jahren beträchtlich gestiegen - von
4,1 Prozent im Jahre 1971 auf 6,4 Prozent im Jahre 1977. Aber dieser Anteil muß noch weiter steigen. Jeder Prozentpunkt wird weitere 20 Milliarden Dollar an Exporten bringen - wie schon gesagt, genug, um unser derzeitiges laufendes Defizit zu beseitigen.
Unser Zahlungsbilanzdefizit der laufenden Konten ist ohne Frage zu hoch.
Die jüngsten Wechselkursänderungen haben eine gewisse Entlastung gebracht,
aber es sind weitere öffentliche und private Maßnahmen notwendig.

- 7 -

Diese

�Diese Maßnahmen müssen direkt auf unsere Handelsprobleme ausgerichtet sein
- seien es die ülimporte, die zu hohe Inflation in den Vereinigten Staaten
oder das unzureichende Wachstum der Exporte.

Die neue Exportförderungspo-

litik ist ein entscheidend wichtiges Element dieser Gesamtstrategie.

+ + + + +

�I

Hfl
•1
I 3

Wirt/chcift
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Oktober 1978

25

DIE USA MÜSSEN MEHR EXPORTIEREN
Von John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten müssen stärker exportorientiert werden, um das Defizit in der Zahiungs- und Handelsbilanz aufzufangen.

Diese Auffassung vertrat der Unterstaatssekretär für Industrie

und Handel im amerikanischen Handelsministerium,

Frank A. Weil, in einem

Exklusivinterview mit dem Korrespondenten des US-Amtes für Internationale
Kommunikation (USICA), John J. Harter.
"Der frühere hohe Stand unserer Einfuhren hat unsere Mittel nicht so
sehr belastet", so erklärte Weil, "aber die Situation hat sich seit 1973
mit dem starken Anstieg der Kosten für Importöl verändert. Diese und andere Veränderungen in der Weltwirtschaft erfordern einige tiefe Änderungen
in der Haltung von uns allen. Früher wurde von den Unternehmern und der
Regierung in den Vereinigten Staaten den Exporten eine niedrige Priorität
eingeräumt. Das muß geändert werden."
Weil äußerte sich zuversichtlich, daß das amerikanische Handelsdefizit im Jahre 1979 bedeutend niedriger als in den beiden vorangegangenen
Jahren sein werde. Nach seiner Ansicht wird das beschleunigte Wirtschaftswachstum in den anderen größeren Industriestaaten die Nachfrage nach ame-

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�amerikanischen Handelsgütern steigern.

Diese Tendenz werde durch den wach-

senden Preisvorteil verstärkt, den die amerikanischen Erzeugnisse auf den
ausländischen Märkten aufgrund der jüngsten Wechselkursveränderungen und der
neuen von Präsident Carter am 26. September angekündigten amerikanischen Exportförderungsmaßnahmen geni eßen.
Die Vereinigten Staaten, so versicherte Weil, dürften in ihren Anstrengungen nicht nachlassen.

"Dies war die fünfte Ankündigung von Exportförde-

rungsmaßnahmen durch einen amerikanischen Präsidenten seit 1953 und die vier
vorigen verliefen nach etwa einem Jahr im Sande."

Bei den früheren Anstren-

gungen, so fügte Weil hinzu, habe sich das finanzielle Klima nach etwa einem
Jahr verändert und die Notwendigkeit für handelspolitische Maßnahmen sei mehr
oder weniger geschwunden.

Im Gegensatz zu heute seien jedoch damals die

Zahlungsbilanzprobleme der Vereinigten Staaten durch einen übermäßigen Kapitalabfluß gegenüber dem Kapitalzustrom entstanden, der zum Teil durch einen
Handelsüberschuß finanziert worden sei. Zum Unterschied dazu existiere heute ein Handelsbilanzproblem, das durch einen hohen Überhang der Importe an
Gütern und Dienstleistungen gegenüber den Exporten gekennzeichnet werde.
In der Vergangenheit hätten die Vereinigten Staaten irrtümlicherweise
versucht, eine Handels- oder Exportlösung für ein Problem zu finden, das
im Grunde ein finanzielles Problem war. Dieses Mal, so betonte Weil, "darf
der Wille zur Fortsetzung dieser Anstrengung nicht nachlassen, denn dieses
Mal haben wir ein echtes Handelsdefizit, das eine Lösung durch Handel erfordert - und ein Problem, mit dem wir noch eine ganze Reihe von Jahren
zu kämpfen haben werden, gleichgültig, was wir tun."
Die jetzt notwendige Exportanstrengung müsse lange mit vollen Segeln
fahren und müsse echte Wurzeln schlagen.
"Im übrigen", so fuhr Weil fort, "ist das Handelsdefizit einer der
Hauptfaktoren, die zur Inflation beitragen, denn so wie der Kurs des Dollar
sinkt - das ist eines der Ergebnisse - so steigen die Preise für landwirt-

- 2 -

�landwirtschaftliche Erzeugnisse, was den Wettbewerbsdruck von den amerikanischen Erzeugnissen nimmt.

Es ist also so, um ein anderes Beispiel zu

nehmen, daß nicht nur die japanischen Autos teurer werden, sondern alle
Autos".
Weil vertrat die feste Überzeugung, daß das Exportförderungsprogramm,
wenn es durchgehalten werde, eine Änderung bringen könne.
"Sicherlich werden wir durch das Exportförderungsprogramm nur die Marge
verändern", so räumt Weil ein, "aber wir brauchen die Marge gar nicht so
sehr verändern, um ein ganz anderes Bild zu bekommen. Wenn die Vereinigten
Staaten beispielsweise zwischen 1974 und 1977 ihren Anteil an den Weltmärkten aufrechterhalten hätten - wenn wir die gleiche Wachstumsrate der Exporte
erlebt hätten wie die übrige Welt - dann hätten wir 1977 rund 14 Milliarden
Dollar mehr Exporte gehabt als wir tatsächlich hatten."
Die Vereinigten Staaten haben nach Auffassung Weils ihren Anteil an den
Weltmärkten hauptsächlich deshalb eingebüßt, "weil die übrige Welt, getrieben von der Notwendigkeit, für ihre ölimporte zu bezahlen, aggressiv nach
Exportmärkten gesucht hat."
Das neue Exportförderungsprogramm werde jenen Sektoren der amerikanischen
Wirtschaft neue Anstöße geben, die normalerweise nicht an Exporte denken,
weil sie damit beschäftigt sind, den gewaltigen amerikanischen Binnenmarkt
zu bedienen. "Wenn wir die kleineren Unternehmen nicht auf den Geschmack
bringen und es ihnen leichter machen, ins Ausland zu exportieren, dann werden
sie es erst gar nicht versuchen."
Zu dem neuen Exportförderungsprogramm, das Präsident Carter am 26. September 1978 verkündete, gehört ein Computer-gespeichertes Informationssystem, das kleineren und mittleren Unternehmen Informationen über Absatzmöglichkeiten im Ausland zugänglich macht.

Das Amt zur Förderung kleinerer

Unternehmen (Small Business Administration) wird ferner zusätzliche Mittel

- 3 -

�Mittel bereitstellen - bis zu 100 Millionen Dollar - um Kleinunternehmen
Anlaufkredite für den Einstieg in ausländische Märkte zu gewähren. Ein
wichtiger Punkt ist auch die Ausweitung der Kredittätigkeit der US-ExportImport-Bank.

"Wenn man zusammennimmt, was eine ganze Reihe von Firmen tun kann", so
betonte Weil abschließend, "und wenn jede Firma nur ihre Exporte um ein paar
tausend Dollar erhöht - dann wird sich das auf einige Milliarden Dollar an
neuen Exporten belaufen."

+ + + + +

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�1

a

I

IKJInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America
18. Oktober 1978

25

WARNKE GIBT LEITUNG VON SALT-VERHANDLUNGEN UND ACDA AUF
- Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir -

WASHINGTON - (AD) - Der Chef der amerikanischen Delegation bei den
Verhandlungen mit der Sowjetunion über ein Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT), Botschafter Paul Warnke, wird von seinem Posten
zurücktreten, nachdem er an einer weiteren Runde von SALT-Verhandlungen, die
am 21. oder 22. Oktober auf hoher Ebene in Moskau beginnen soll, teilgenommen
hat.
Für den Rücktritt Warnkes als ChefUnterhändler und als Direktor des
Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) gab das Weiße Haus in einer
Erklärung vom 10. Oktober "persönliche Gründe" an. Präsident Carter habe
das Rücktrittsgesuch angenommen, so heißt es weiter in der Bekanntgabe, und
hervorgehoben, daß Warnke durch sein Wirken die Sicherheit der Vereinigten
Staaten gestärkt und einen wesentlichen Beitrag zum Weltfrieden geleistet
habe.
In der Erklärung des Weißen Hauses wird mitgeteilt, daß Warnke zusammen
mit dem amerikanischen Außenminister Vance nach Moskau zu den zwei- bis dreitägigen SALT-Verhandlungen mit hohen sowjetischen Vertretern reisen werde
und "kurz danach seinen Posten verlassen wird."
Gegenüber

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�Gegenüber Journalisten, die ihn am gleichen Tag in Washington interviewten, antwortete Warnke auf die Frage, ob er glaube, daß bei den bevorstehenden Verhandlungen in Moskau ein endgültiges Abkommen Zustandekommen
werde, das wäre möglich, aber es sei durchaus nicht sicher.

Jedenfalls

hoffe man, daß die SALT-Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluß gelangen werden.
In einer Fernsehpressekonferenz am 10. Oktober wies Präsident Carter
nochmals darauf hin, daß Botschafter Warnke den Posten des Chefs der amerikanischen Delegation bei den SALT-Verhandlungen und das Amt des Direktors
des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung im März 1977 mit dem Vorbehalt übernommen habe, daß "er sie nur für einen begrenzten Zeitraum ausüben könne."
Damals, so sagte Carter, habe man geglaubt, noch im Jahre 1977 zu einem
SALT-Abkommen zu gelangen, das sich an das SALT-I-Interimsabkommen anschließen
sollte, das am 3. Oktober 1977 auslief.
Warnke habe die Verhandlungen dann weiter geführt, so sagte Carter,
doch vor einigen Monaten ihm (Carter) gegenüber erklärt, er würde aus persönlichen Gründen gerne seinen Posten niederlegen. Er habe ihn dann dazu bewogen, im Amt zu bleiben.
Carter, der abschließend bestätigte, daß Warnke nunmehr nach den Verhandlungen in Moskau zurücktreten werde, gab sein Bedauern darüber mit den
Worten Ausdruck: "Ich wünschte, er bliebe. Er ist ein sehr guter Mann."
Warnke hatte die Doppelaufgabe als ACDA-Direktor und Leiter der amerikanischen SALT-Delegation übernommen, nachdem es im Kongreß wegen seiner Ernennung einige Kontroversen gegeben hatte.
Verschiedene Senatoren hatten sich der Ernennung wegen seiner angeblich
zu "liberalen Neigungen" widersetzt.

Konservative Kreise waren der Ansicht,

- 2 -

�Ansicht, daß er den Sowjets bei den Verhandlungen um ein neues SALT-Abkommen
zu große Zugeständnisse machen würde.

Das Abstimmungsergebnis von 58 zu 40,

mit dem der Senat ihn bestätigte, wurde als Zeichen für die Stärke der gegen
ihn gerichteten Stimmen gewertet.
Warnke nahm in seinen Äußerungen gegenüber den Journalisten auf dieses
Verhältnis Bezug und erklärte mit Nachdruck, daß es keinerlei Druck irgendwelcher Art gegeben habe, der ihn zu seinem Rücktritt bewog.

Sein Entschluß

sei gänzlich aus eigenem Antrieb gekommen.
Er habe gewiß nicht die Absicht»mit seinem Rücktritt sozusagen in der
Versenkung zu verschwinden, so führte Warnke weiter aus, vielmehr werde er
sich mit aller Kraft für den Vertrag einsetzen und ihn bei jenen, die über
ihn zu entscheiden haben, vertreten.
über die Frage, wer diese Entscheidung fällen wird, hat Präsident Carter
noch nicht endgültig entschieden.

Auf seiner Pressekonferenz deutete er

allerdings an, daß es wahrscheinlich der Senat und nicht der Kongreß als Ganzes sein werde.
Auf die direkte Frage, ob er das zu erwartende SALT-II-Dokument dem
Kongreß als Vertrag vorlegen werde, für den nur eine Zwei drittel-Zustimmung
durch den Senat erforderlich wäre, oder als ein Exekutiv-Abkommen, das der
Billigung durch eine Mehrheit sowohl des Senats wie des Repräsentantenhauses
bedürfte, erklärte der Präsident: "Ich habe noch nicht entschieden, wie ich
das Abkommen oder den Vertrag dem Kongreß vorlegen werde. Ich glaube es
wird davon abhängen, wann es zum Abschluß kommt. Vorziehen würde ich es jedoch, es als einen Vertrag vorzulegen."
über einen Nachfolger für Botschafter Warnke ist noch nichts bekannt.
In Kreisen der Administration wurde geäußert, daß man mit der Nominierung
eines neuen Direktors für das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung warten
wolle, bis der Ratifizierungsprozeß von SALT-II abgeschlossen sei, um eine
- 3 -

�eine sich überschneidende oder vorzeitige Debatte der SALT-Probleme zu vermeiden.

In der Zwischenzeit dürfte der Stellvertreter Warnkes, Spurgeon

Keeney, die Leitung des ACDA übernehmen und dem amerikanischen Verteidigungsminister,Harold Brown, die führende Rolle bei den Bemühungen der Administration zufallen, die Unterstützung des Kongresses für die Ratifizierung der aus
den SALT-II-Verhandlungen erwachsenen Ergebnisse zu gewinnen.
Wenn es gegen Ende dieses Monats in Moskau zu einem entscheidenden Durchbruch kommt, dann besteht nach Ansicht amtlicher Kreise in Washington die
Möglichkeit, daß noch vor Ende dieses Jahres ein Carter-Breschnew-Gipfeltreffen stattfinden und der SALT-II-Vertrag dem Kongreß Anfang 1979 vorgelegt wird.
Warnke, dessen "Mut und Sachverstand" mitgeholfen haben, ein neues SALTAbkommen in greifbare Nähe zu bringen und der, wie es in der Erklärung des
Weißen Hauses weiter heißt, auch auf vielen anderen Gebieten der Rüstungskontrolle solide Fortschritte erzielen konnte, tritt wieder als Partner in
ein großes Washingtoner Anwaltsbüro ein.
Wie er abschließend vor der Presse betonte, tue er das "einzig und allein
aus persönlichen Gründen."

Er bedaure diese Notwendigkeit, habe aber wirk-

lich keine andere Wahl.

+ + + + +

- 4 -

�18. Oktober 1978

25

ZWANZIG JAHRE US-RAUMFAHRTBEHÖRDE NASA
Raumfahrt ohne Sensationen - Anwendungsbezogene Zukunftsprojekte

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich des 20. Jahrestages der Gründung der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde (NASA) am 1. Oktober 1978 besuchte
Präsident Jimmy Carter das John F. Kennedy-Raumfahrtzentrum in Kap Canaveral
(Florida), Vor ca. 5000 NASA-Mitarbeitern umriß der Präsident künftige Zielsetzungen des amerikanischen Raumfahrtprogramms. In zunehmendem Maße werden
direkte Ergebnisse von Raumfahrtaktivitäten und Nebenprodukte der Raumfahrttechnik in den Alltag integriert - kaum jemand frage mehr danach, wie sie
zustande kamen. Bei den amerikanischen Zukunftsprojekten stehe der praktische
Nutzen im Vordergrund, was jedoch nicht heiße, daß die weitere Erforschung
unseres Planetensystems, der Sonne und des Universums vernachlässigt würden.
Für die achtziger Jahre sind gerade auf diesen Gebieten von den USA neue,
wichtige Missionen geplant.
In der Politik spielen Satelliten bereits eine bestimmende Rolle. Wie
Präsident Carter erklärte, leisten fotografische Aufklärungssatelliten "einen
unermeßlichen Beitrag zur Sicherheit aller Nationen". Sie seien ein bedeutsamer Stabilisierungsfaktor z.B. in Fragen im Zusammenhang mit der Überwachung
von Vereinbarungen über die Rüstungskontrolle geworden. Jody Powell, der

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�der Sprecher des Weißen Hauses, wies gegenüber Journalisten darauf hin,
daß mittels der dabei angewandten Technik die Vereinigten Staaten in der
Lage seien, die Einhaltung der Bedingungen eines solchen Abkommens zu verifizieren, "ohne auf den guten Willen der anderen Partei angewiesen zu
sein",

Inspektionen an Ort und Stelle zuzulassen.

In seiner Ansprache erinnerte Präsident Carter an die gewaltige Gemeinschaftsleistung der amerikanischen Nation, ohne die der Erfolg der letzten 20 Jahre nicht denkbar gewesen sei.

Tausende von Wissenschaftlern,

Ingenieuren, Facharbeitern und Experten hätten unmittelbare Beiträge geleistet.

Alles in allem wurden bisher etwa 100 Milliarden Dollar investiert.

Der Start des sowjetischen Sputnik I vor 21 Jahren habe den Anstrengungen
der USA einen unerhörten Auftrieb gegeben.

"Wir haben die Herausforderung

angenommen und sind in der Tat noch ein gutes Stück weitergegangen.

Als

Amerikaner können wir stolz auf unsere Leistungen und darauf sein, was sie
nicht nur unserem eigenen Land, sondern der ganzen Welt gebracht haben",
so sagte Carter.
Man spreche oft von Fortschritt. Aber in dem gesamten Erfahrungsbereich von Wissenschaft und Technik gebe es nichts, was mit den riesigen
Schritten vergleichbar wäre, die in den nur zwei Jahrzehnten des Raumfahrtzeitalters gemacht worden sind. "Menschen wurden auf die Reise um die Erde
und zum Mond geschickt. Wir haben Maschinen in Umlaufbahnen um Erde, Mond,
Sonne und den Planeten Mars gebracht. Wir haben gelernt, im Weltraum zu
manövrieren, Raumschiffe im Weltraum aneinanderzukoppeln, und uns sogar frei
im Weltraum zu bewegen. An Bord des SKYLAB lernten wir, über viele Wochen
im gewichtslosen Zustand zu leben und zu arbeiten. Mit wissenschaftlichen
unbemannten Satelliten begannen wir, die inneren und äußeren Planeten unseres Sonnensystems zu erforschen. Zwei VIKING-Sonden senden seit mehr als
zwei Jahren wertvolle wissenschaftliche Daten von der Marsoberfläche.
PIONIER 10 flog am Jupiter vorbei und befindet sich jetzt auf dem Weg in den
interstellaren Raum - das erste Produkt von Menschenhand, das unser Sonnensystem verläßt. Seine Flugzeit könnte einen längeren Zeitraum umfassen, als

- 2 -

�als es möglicherweise der Lebensdauer der Zivilisation entspricht, die ihn
auf den Weg schickte.

Seinen Zielort kennen wir nicht.

Aber wie das gesamte

Unternehmen und die Anstrengungen um die Erforschung des Weltraums ist er ein
Symbol für menschliche Neugier, menschliche Erfindungsgabe und den so menschlichen Wunsch, mit anderen vernunftbegabten Lebewesen in Verbindung zu treten ."
Zwar sei das APOLLO-Projekt mit dem Ziel, Menschen zum Mond und wieder
sicher zurück zur Erde zu bringen, auch eine Sache des nationalen Prestiges
gewesen, erklärte der Präsident. "Aber dabei machten wir eine interessante
Erfahrung. Wir blickten mit den Augen der Astronauten und ihren Kameras
zurück zur Erde, die über dem fremdartigen Mondhorizont im pechschwarzen
Himmel schwebte. Wir sahen unsere Welt als kleine, zerbrechliche Kugel im
Wechselspiel ihrer Farben - aber wir sahen unseren Planeten ohne nationale
Grenzen ... Von allem, was wir durch die Erforschung des Weltraums gelernt
haben, war nichts so wichtig wie die Erkenntnis, daß diese unsere Welt eine
Wesenseinheit bildet."
Die erste große Ära der Raumfahrt sei vorüber, erklärte der Präsident,
aber die Zukunft werde nicht minder wichtige Entwicklungen bringen. Das
Herzstück der "zweiten Generation" von Raumfluggeräten, der wiederverwendbare Raumtransporter, ermöglicht mit 32 Tonnen Nutzlast regelmäßige Routineflüge mit den verschiedensten Aufgabenstellungen, was auch unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität attraktiv sein werde. Regierungen, Astronauten, Institute und die Industrie anderer Länder sind an dem Projekt direkt beteiligt. Die Raumfahrt-Investitionen begännen sich in zunehmendem Maße bezahlt
zu machen.
Wie Präsident Carter weiter berichtete, werden Nachrichtensatelliten
weiterentwickelt und noch leistungsfähiger gemacht, die bereits zuverlässige
und billige Nachrichtenverbindungen weltweit und Sofort ermöglichen.
Sie haben abgelegene Gebiete aus der Isolation geholt.
Wetterbeobachtungssatel1i ten

- 3 -

�Wetterbeobachtungssatelliten haben schon Milliarden Dollar einsparen
helfen und durch frühzeitige Warnung vor Wirbel stürmen und Überschwemmungen
Tausenden von Menschen das Leben gerettet.

Sie sollen ebenso weiterentwickelt

und noch verbessert werden wie die amerikanischen Satelliten zur Fernerkundung der Erde.

Die "Dienste" dieser Raumfahrtgeräte nehmen auch zahlreiche

andere Länder in Anspruch.

Auf diese Weise werden Untersuchungen auf den Ge-

bieten Geologie und Lagerstättenforschung, Ökologie, Land- und Forstwirtschaft, Kartographie, Raumordnung, Wasserwirtschaft, Erforschung und Überwachung der Meere wie z.B. hinsichtlich der Gefahren durch Eisberge oder großflächige Verschmutzung, ferner im Interesse der Bodennutzung, des Verkehrswesens oder der richtigen Standortwahl für neue Industriebetriebe wesentlich
erleichtert.
Raumfahrttechnische Großprojekte wie industrielle Fabrikation, oder die
Montage riesiger Konstruktionen im Weltraum, die als Solarkraftwerke arbeiten, den erzeugten Strom in eine andere Energieform umsetzen, welche zur Erde übertragen und hier wieder in Strom zurückverwandelt werden kann, sollten
nach Ansicht Präsident Carters zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht forciert
werden.

"Meines Erachtens ist es zu früh, auf solchen Gebieten schon natio-

nale Verpflichtungen einzugehen.

Aber wir werden die dafür erforderliche

Technologie weiterentwickeln und die jetzt notwendigen Schritte unternehmen,
um uns die Möglichkeiten für die Zukunft offenzuhalten."
Die wissenschaftlichen Projekte für die achtziger Jahre werden die
direkte Erkundung des Sonnensystems mit automatischen Geräten fortsetzen.
Mars und Venus, Jupiter und seine Monde, Saturn mit seinen Monden und Ringen
sowie Kometen und Asteroide werden Beobachtungsprojekte sein. Zu den neuen
Aufgaben gehören auch Untersuchungen der Sonne aus einer neuen Perspektive
- ein amerikanischer Forschungssatellit, an dessen Ausrüstung Wissenschaftlergruppen des Auslandes beteiligt sind, wird in eine Flugbahn gebracht,
die ihn über die Pol gebiete der Sonne führt.
blieb dem Menschen bisher verwehrt.

Der Blick in diese Regionen
Der

- 4 -

�Der Start des 10 Tonnen schweren Weltraumteleskops im Jahre 1983, das
die Erde in 480 km Höhe umkreisen soll, dürfte der astronomischen Forschung
einen großen Auftrieb geben.

"Vermutlich können die damit gewonnenen Er-

kenntnisse", so Präsident Carter, "uns in unserem Verstehen der tatsächlichen
Natur von Materie, Energie und Zeit in einer Weise voranbringen, die wir uns
heute noch gar nicht vorzustellen vermögen."
Die nächste Generation amerikanischer Raumfluggeräte werde auch Art
und Größenordnungen der amerikanischen Interessen und Bedürfnisse als die
einer lebendigen, verantwortlichen und freien Gesellschaft widerspiegeln,
erklärte der Präsident. "Diese Raumfahrtaktivitäten werden nicht für sich,
sondern an all dem gemessen, was die Bedürfnisse unseres Landes ausmacht.
Wir werden andere Länder ermutigen, sich an der Arbeit und an den daraus
zu gewinnenden Vorteilen zu beteiligen. Die führende Rolle der Vereinigten
Staaten in der Raumfahrt werden wir nicht aufgeben."

- 5 -

�I

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
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Tel: 02221-89 32 40

�Da die Hawaiische Inselkette durch vulkanische Eruptionen entstand, vermuten
die Wissenschaftler noch mehr solcher "Heißwasserboiler" im Untergrund.
Das z.Zt. gebaute Versuchskraftwerk soll 1980 in Betrieb genommen werden.
Später hofft man größere Generatoren (für zunächst 23 Megawatt, später 500
Megawatt Stromleistung) installieren zu können und außerdem Unternehmen, die
in der Tiefsee Manganknollen fördern, dafür zu interessieren, in der Nähe des
Geothermalkraftwerks Verarbeitungsbetriebe zu errichten.
Das Kilauea-Projekt ist eines von fünf amerikanischen Erdwärmekraftwerken,
die zur Zeit mit staatlicher Förderung errichtet werden und sich in verschiedenen Aufbaustadien befinden.

Zusammen mit der Privatwirtschaft entwickelte

das amerikanische Energieministerium neben Hawaii die Projekte Imperial Valley
(Kalifornien), Roosevelt Hot Springs und Raft River (beide Bundesstaat Utah)
und Valles Caldera (Neu-Mexiko).

"Wir hoffen", so Arthur Follett von der Ab-

teilung Geothemische Energie des Energieministeriums, "bis 1985 in den Vereinigten Staaten 3000 bis 4000 Megawatt Strom aus Erdwärme erzeugen zu können."
Damit könnte der Elektrizitätsbedarf von drei bis vier Millionen Menschen gedeckt werden.
An jedem Standort sind allerdings andere technische Probleme zu lösen.
Während es sich am Kilauea um verhältnismäßig "sauberes" Heißwasser handelt,
enthalten die meisten Thermalquellen Beimengungen von Schwefel, Salzen und
anderen korrodierenden Substanzen in unterschiedlichen Konzentrationen. Sie
müssen weitgehend entfernt werden, um Schäden an den Maschinen und an der Umwelt zu verhindern. Wissenschaftler und Ingenieure des amerikanischen Energieministeriums arbeiten beispielsweise z.Zt. an der Entwicklung effektiverer Verfahren zur Abscheidung von Schwefelwasserstoff aus dem Thermalwasser der
kalifornischen Wärmekraftwerke.
Im Gegensatz zu Hawaii müssen die meisten arideren Anlagen mit "kühlerem"
Wasser arbeiten.

Es kommt mit nur etwa 150 Grad Celsius aus der Erde, so daß

wirksamere Systeme für die Umwandlung von Wärme- in elektrische Energie gefun-

- 2 -

�gefunden werden müssen, um die Quelle optimal zu nutzen.

Inzwischen hat

das amerikanische Energieministerium auch umfangreichere Projekte in Zusammenarbeit mit interessierten Stellen in Italien, Frankreich, der Bundesrepublik
Deutschland, Island, Japan, Neuseeland und El Salvador in Angriff genommen.

+ + + + +

3 -

�</text>
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                    <text>und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24

4. Oktober 1978

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Briefwechsel von Camp David
Ansprache Carters auf der Jahrestagung der Weltbank und des IWF
- Wortlaut Amerikas neue Exportförderungspolitik
- Präsident Carter kündet Maßnahmen zur Steigerung der Ausfuhren an Rede von Außenminister Vance for der UN-Vollversammlung am 29. Sept. 1978
- Wortlaut WIRTSCHAFT
Der wirtschaftliche Ausblick für die USA und die Welt
- von W. Michael Blumenthal RICHTIGSTELLUNG

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Oktober 1978

24

DER BRIEFWECHSEL VON CAMP DAVID

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 22. September 1978 den Briefwechsel zwischen den Konferenzteilnehmern von Camp David veröffentlicht.
Nachstehend die Briefe im Wortlaut:

A.

BEGIN AN CARTER, 17. SEPTEMBER 1978

Sehr geehrter Herr Präsident,
ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, daß ich innerhalb von zwei Wochen
nach meiner Rückkehr im israelischen Parlament (der Knesset) einen Antrag
einbringen werde, folgende Frage zu entscheiden:
Für den Fall, daß im Verlauf der Verhandlungen zum Abschluß eines
Friedensvertrages zwischen Israel und Ägypten eine Einigung über alle

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�•A

alle offenen Fragen zustande kommt: "Sind Sie für eine Rückführung der
israelischen Siedler aus den nördlichen und südlichen Sinai-Gebieten oder
sind Sie für die Belassung der genannten Siedler in jenen Gebieten?"
Die Abstimmung über diese Frage, Herr Präsident, wird völlig ohne
den üblichen parlamentarischen Fraktionszwang erfolgen, damit jedes Mitglied
der Knesset trotz der Tatsache, daß die Koalition gegenwärtig von 70 ihrer
120 Mitglieder

unterstützt wird, meines Erachtens sowohl auf den Regierungs-

ais auch auf den Oppositionsbänken in der Lage ist, im Einklang mit seiner
eigenen Gewissensentscheidung zu stimmen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Menachem Begin

B.

CARTER AN SADAT, 22. SEPTEMBER 1978
Sehr geehrter Herr Präsident,

ich übermittele Ihnen hiermit abschriftlich ein an mich gerichtetes
Schreiben von Ministerpräsident Begin, in dem er darlegt, in welcher Weise
er die Frage der Siedlungen im Sinai der Knesset zur Entscheidung zu
unterbreiten gedenkt.
In diesem Zusammenhang entnehme ich Ihrem Schreiben, daß die Zustimmung
der Knesset zum Abzug aller israelischen Siedler aus dem Sinai gemäß einem
Zeitplan innerhalb der für die Durchführung des Friedensvertrages festgesetzten Periode eine Vorbedingung für jedwede Verhandlungen über einen

- 2 -

�einen Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel ist.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Jimmy Carter
Anlage:

C.

Schreiben des Ministerpräsidenten Begin

SADAT AN CARTER, 17. SEPTEMBER 1978
Sehr geehrter Herr Präsident,

im Zusammenhang mit der "Rahmenvereinbarung für eine Regelung im
Sinai", die heute abend unterzeichnet werden soll, möchte ich die Haltung
der Arabischen Republik Ägypten in bezug auf die Siedlungen bekräftigen:
1. Alle israelischen Siedler

müssen aus dem Sinai gemäß einem Zeit-

plan innerhalb der Periode abgezogen werden, die für die Durchführung des
Friedensvertrages festgesetzt wird.
2. Die Zustimmung der israelischen Regierung und der verfassungsmäßigen
Istitutionen zu diesem Grundprinzip ist deshalb eine Vorbedingung für die
Aufnahme von Friedensverhandlungen zum Zwecke des Abschlusses eines Friedensvertrags.
3.

Sollte Israel es verabsäumen,dieser Verpflichtung nachzukommen,

soll die "Rahmenvereinbarung" null und nichtig sein.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Mohamed Anwar El Sadat
- 3 -

�•

D.

CARTER AN BEGIN, 11. SEPTEMBER 1978
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
ich habe Ihr Schreiben vom 17. September 1978 erhalten, das darlegt,

wie Sie die Frage nach der Zukunft der israelischen Siedlungen im Sinai
der Knesset zum Zwecke der Verabschiedung zu unterbreiten gedenken.

In

der Anlage finden Sie eine Abschrift des Schreibens von Präsident Sadat
an mich in bezug auf diese Angelegenheit.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Jimmy Carter
Anlage:

E.

Schreiben von Präsident Sadat

SADAT AN CARTER, 17. SEPTEMBER 1978
Sehr geehrter Herr Präsident,

ich schreibe Ihnen, um die Haltung der
Ägypten in bezug auf Jerusalem zu bekräftigen:

Arabischen Republik

1. Das arabische Jerusalem ist integraler Teil des Westufers.
Juristische und historische Rechte der Araber in der Stadt müssen geachtet
und wiederhergestellt werden.
2.

Das arabische Jerusalem sollte arabischer Souveränität unterliegen.

- 4 -

�»

unterliegen.
3.

Die palästinensischen Bewohner des arabischen Jerusalem haben

Anspruch darauf, ihre legitimen nationalen Rechte auszuüben, da sie Teil
des palästinensischen Volkes auf dem Westufer sind.
4.

Die einschlägigen Entschließungen des Sicherheitsrates, insbesondere

die Entschließungen Nr. 242 und 267, müssen auf Jerusalem angewandt werden.
Alle Maßnahmen, die seitens Israels ergriffen worden sind, um den Status
der Stadt zu verändern, sind null und nichtig und sollten rückgängig gemacht
werden.
5. Alle Völker müssen freien Zugang zu der Stadt haben und sich der
freien Religionsausübung und des Rechtes zum Besuch der Heiligen Stätten
und der Durchreise zu ihnen ohne Unterschied und Diskriminierung erfreuen.
6.

Die Heiligen Stätten jedes Glaubens können der Verwaltung und

Kontrolle von Vertretern desselben unterstellt werden.
7. Die lebenswichtigen Funktionen der Stadt müssen ungeteilt sein,
und ein gemeinsamer Stadtrat aus einer gleichgroßen Zahl von arabischen
und israelischen Mitgliedern kann die Ausübung dieser Funktionen überwachen.
Auf diese Art und Weise soll die Stadt ungeteilt sein.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Mohamed Anwar El Sadat

- 5 -

�•

F.

BEGIN AN CARTER, 17. September 1978
Sehr geehrter Herr Präsident,
ich beehre mich, Ihnen, Herr Präsident,mitzuteilen, daß das israelische

Parlament (die Knesset) am 28. Juni 1967 ein Gesetz verabschiedet und gebilligt hat, das besagt: "Die Regierung ist ermächtigt, durch Erlaß das
Gesetz, die Jurisdiktion und die Verwaltung des Staates auf jeden Teil von
Eretz Israel (Land Israel - Palästina) gemäß jenem Erlaß zur Anwendung zu
bringen."
Auf der Basis dieses Gesetzes verfügte die Regierung von Israel im
Juli 1967, daß Jerusalem eine unteilbare Stadt ist, die Hauptstadt des
Staates Israel.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Menachem Begin

G.

CARTER AN SADAT,

22. SEPTEMBER 1978

Sehr geehrter Herr Präsident,
ich habe Ihr Schreiben vom 17. September 1978 erhalten, in dem Sie
die ägyptische Haltung in bezug auf Jerusalem darlegen. Ich übersende
Ministerpräsident Begin eine Abschrift des Schreibens zu seiner Information.
Die Haltung der Vereinigten Staaten in bezug auf Jerusalem bleibt so,
wie sie von Botschafter Goldberg vor der

- 6 -

Vollversammlung der Vereinten

�t

Vereinten Nationen am 14. Juni 1967 und in der Folge von Botschafter Yost
vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 1. Juli 1969 dargelegt
wurde.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Jimmy Carter

H.

SADAT AN CARTER, 17. SEPTEMBER 1978
Sehr geehrter Herr Präsident,
im Zusammenhang mit der "Rahmenvereinbarung für Frieden im Nahen Osten"

richte ich dieses Schreiben an Sie, um Sie von der Haltung der Arabischen
Republik Ägypten in bezug auf die Verwirklichung der umfassenden Regelung
zu informieren.
Um die Durchführung der das Westufer und Gaza betreffenden Bestimmungen
sicherzustellen und die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes zu gewährleisten, ist Ägypten bereit, nach Konsultationen mit Jordanien und den
Vertretern des palästinensischen Volkes die arabische Rolle zu übernehmen,
die sich aus diesen Bestimmungen ergibt.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Mohamed Anwar El Sadat

- 7 -

�I.

CARTER AN BEGIN, 22. September 1978
Sehr geehrter Ministerpräsident,
ich bestätige hiermit, daß Sie mich über folgendes informiert haben:
(a)

In jedem Absatz des Rahmenvereinbarungsdokuments werden die Be-

zeichnungen "Palästinenser" oder palästinensisches Volk" von Ihnen heute
und in Zukunft als "palästinensische Araber"bedeutend verstanden.
(b)

In jedem Absatz, in dem der Ausdruck "Westufer" erscheint, wird

er von der Regierung von Israel heute und in Zukunft als Judäa und Samaria
bedeutend verstanden.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.)

Jimmy Carter

+ + + + +

- 8-

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Oktober 1978

24

ANSPRACHE CARTERS AUF DER JAHRESTAGUNG DER WELTBANK UND DES IWF
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 25. September 1978
auf der gemeinsamen Eröffnungssitzung der Jahrestagung der Weltbank und des
Internationalen Währungsfonds (IWF) vor den Vertretern aus 135 Ländern eine
Ansprache gehalten, die folgenden Wortlaut hat:
Herr Vorsitzender, Herr Direktor de Larosiere, Präsident McNamara,
Gouverneure des Fonds und der Weltbank und verehrte Anwesende, im Namen des
amerikanischen Volkes möchte ich Sie hier in Washington anläßlich Ihrer 33.
Jahrestagung erneut begrüßen.

Wir treffen hier als Gruppe zusammen, die sich

der Sache der internationalen Zusammenarbeit verschrieben hat. Auf politischem
Gebiet sind Sie mit mir der Überzeugung, daß die Zusammenarbeit zwischen den
führenden Staatsmännern zum Frieden führen kann.

Wir haben diese Erfahrung

erst wieder in den letzten Tagen gemacht.
Ich weiß, daß Sie sich mir anschließen, wenn wir der staatsmännischen
Führung und dem Mut Präsident Anwar Sadats sowie Ministerpräsident Menachem
Begins unsere Reverenz erweisen.
Der gewaltige

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Der gewaltige Einfluß, den Sie in den führenden Positionen in den
eigenen Ländern ausüben, kann erheblich dazu beitragen, daß die Schwungkraft
zum Frieden sowohl im Nahen Osten wie überall in der Welt erhalten bleibt.
Auch auf wirtschaftlichem Gebiet bringt die Zusammenarbeit den Völkern,
die auf uns als Führer schauen, großen Nutzen.
Drei Jahrzehnte des Bestehens des Fonds und der Weltbank haben den
Menschen in aller Welt großen Fortschritt und ein besseres Leben gebracht.
Wie Sie möchte auch ich diese Bilanz fortsetzen, um noch weitere wirtschaftliche
Zusammenarbeit, weiteren Fortschritt sowie ein besseres Leben zu erreichen.
Seit unserem Treffen im vergangenen Jahr haben unsere zusammenarbeitenden
Länder greifbare Fortschritte bezüglich der wirtschaftlichen Probleme der
Welt gemacht.
Die Fragen, die noch verbleiben, sind - wie Sie und ich wohl wissen -,
sehr schwierig.

Aber wie andere schwierige Fragen sind sie nicht unlösbar.

Sie, die Sie hier in diesem Raum versammelt sind, sind die wirtschaftlichen Führer der Welt.
Die vor Ihnen liegende Aufgabe besteht darin, die Erfolge der Vergangenheit zu konsolidieren und dann mit Energie auf den Wegen voranzuschreiten,
die das wirtschaftliche Wachstum sowohl in den Entwicklungsländern als auch
in den Industriestaaten fördern werden.
Unser Ziel ist es, Fortschritte für alle Völker, nicht nur für einige
wenige, zu erzielen, über die grundlegende Strategie ist bereits Einigung
erzielt worden. In Mexico City, beim IWF-Interims-Ausschuß, wurde Übereinkunft über die allgemeine Richtung erzielt, die die Wirtschaftspolitik einschlagen sollte.
Ein Fortschritt hinsichtlich dieser Absprachen ist bereits zu ver-

�verzeichnen.
nicht zögern.

Die Aussichten für eine Verbesserung sind gut.

Wir dürfen

Jedes einzelne hier vertretene Land muß zu dieser Strategie

einen Beitrag leisten, gleichgültig wie groß oder klein es ist, gleichgültig
wie schwach oder mächtig es ist.
Bei diesen Bemühungen tragen die Vereinigten Staaten wesentliche Verantwortung. Vor zwei Monaten habe ich in Bonn unseren Handelspartnern spezifische
Versprechen hinsichtlich der Maßnahmen gemacht, die mein Land zu diesem
Ziel ergreifen wird. Ich versicherte, daß die Vereinigten Staaten die Inflation
bekämpfen, die öl einfuhren reduzieren und die Exporte erhöhen werden.
Lassen Sie bei sich keinen Zweifel darüber aufkommen, wie ernst ich
diese Zusicherungen nehme, die ich auf mein Ehrenwort genommen und die ich
namens des Volkes der Vereinigten Staaten abgegeben habe. Zusammengenommen
umfassen sie die dringendsten Prioritäten meiner eigenen Regierung; mein Ruf
als Führer steht auf dem Spiel. Und es sind Zusagen, die zu erfüllen ich
fest entschlossen bin.
Ich bin heute hierher gekommen, um diese Entschlossenheit zu unterstreichen und um die nächsten Schritte zu erläutern, die wir ergreifen
werden.
Ich werde in Kürze die erste Phase eines langfristigen Programms zur
Förderung der amerikanischen Exporte verkünden. Die Beseitigung der Exportbehinderungen und die Förderung der Ausfuhren sind überragende Aufgaben
meiner Regierung.
Wie Sie wissen, ist die Ausrichtung auf den Export - verglichen mit
zahlreichen hier vertretenen Ländern - in unserem eigenen Lande nicht so
groß wie vielleicht bei einigen von Ihnen.
Ich habe auch die bereits großen Anstrengungen intensiviert, um
ein Gesetz durchzubringen, das die amerikanischen ölimporte einschränken

- 3 -

�einschränken wird - Einfuhren, die absolut zu hoch sind.
Der Senat der Vereinigten Staaten will noch diese Woche, nämlich übermorgen, über die entscheidende Vorlage, die Absatz- und Preisregulierung bei
Erdgas, abstimmen.
Dies ist eine der kompliziertesten, schwierigsten und herausforderndsten
Aufgaben, vor die sich der Kongreß der Vereinigten Staaten jemals gestellt sah.
Mit dieser besonderen Vorlage sollen bis 1985 täglich 1,4 Millionen
Barrel an Importöl eingespart werden.

Ich bin überzeugt, daß der Senat und

das Repräsentantenhaus ihre Pflicht gegenüber unserer Nation durch die Annahme
dieser Vorlage erfüllen werden.

Ich hoffe, daß weitere Gesetzentwürfe, die

insgesamt ein starkes Paket der Energiegesetzgebung darstellen, durchkommen,
bevor der Kongreß sich vertagt - wahrscheinlich und hoffentlich in weniger als
einem Monat.
Dies ist, wie wir alle wissen, von entscheidender Bedeutung für einen
gesunden amerikanischen Dollar. Ich beabsichtige, schon sehr bald eine weitere
Reihe wichtiger spezifischer und harter Maßnahmen anzukündigen, um unseren
Kampf gegen die Inflation zu verstärken.
Diese Schritte werden sicherlich nicht das Ende unserer Bemühungen
sein, sondern ein erneuter Beginn und eine erneute Verpflichtung - Teil einer
anhaltenden Anstrengung, diese sehr ernsthaften Probleme für unser eigenes
Volk und auch für unsere Beziehungen zu Ihren Ländern unter Kontrolle zu
bringen.
Jede hier vertretene Nation versteht, wie schwierig dieser Kampf
gegen die Inflation ist und welchen kontinuierlichen Einsatz er erfordert.
Meine Regierung wird diesen Kampf auf vielfältiger Front fortsetzen,
bis wir Erfolg haben.

Es wird auf diesem Weg Hindernisse und Einwände

- 4 -

�Einwände spezieller Interessengruppen geben. Aber ich werde vor harten
Entscheidungen und den beharrlichen Anstrengungen, die notwendig sind, nicht
zurückschrecken.
Ich bin entschlossen, einen gesunden Dollar aufrechtzuerhalten.
ist von oberster Bedeutung für uns.

Dies

Ich weiß, dies ist auch von großem

Interesse und von großer Wichtigkeit für Sie. Wir sind uns darüber im
klaren, daß unsere Währung eine internationale Rolle spielt.

Wir akzeptieren

die Verantwortung, die damit verbunden ist. Unsere Länder handeln, um unserer
Verantwortung gerecht

zu werden und zwar in Übereinstimmung mit den Direktiven,

die in dem IWF-Treffen in Mexiko aufgezeigt wurden und wie sie von den sieben
von uns auf der Bonner Gipfelkonferenz erneut bekräftigt wurden.

Die USA

werden gleichermaßen verfahren.
Durch die Programme, die ich soeben dargelegt habe, werden wir eine
starke amerikanische Wirtschaft und ein nicht-inflationäres Wachstum erreichen,
die einem gesunden Dollar sowie einem stabilen internationalen Währungssystem
zjgrunde liegen müssen.
Die Aussichten auf Fortschritte sind gut.

Einige der Ursachen unseres

großen Handelsdefizits sind bereits beseitigt worden.
ausgeräumt.

Andere werden jetzt

Unsere gegenwärtige Leistungsbilanzposition sollte sich im

nächsten Jahr beträchtlich verbessern.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin eine offene und aktive
Volkswirtschaft bleiben und ein Platz, der für Investitionen attraktiv ist.
Andere Schritte sind ebenfalls erforderlich, um den von uns allen
angestrebten Fortschritt zu erreichen. Bei diesen Maßnahmen werden der
Internationale Währungsfond sowie die Weltbank natürlich eine entscheidende
Rolle spielen müssen. Diese beiden Institutionen sind das Kernstück und
das Symbol der Weltwirtschaftsordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurde. Sie haben eine große Fähigkeit gezeigt, sich neuen und rasch

- 5 -

�rasch ändernden Erfordernissen anzupassen.

Die Stärkung und Erweiterung

beider Institutionen ist ein Hauptziel der Politik der Vereinigten Staaten.

Die Vereinigten Staaten fühlen sich einem starken Internationalen Währungsfond fest verpflichtet, der eine effektive Überwachung des Systems ausübt und mit angemessenen Ressourcen versehen ist, um den offiziellen Finanzierungserfordernissen nachzukommen.

Die Vereinigten Staaten sind für eine

Aufstockung der IWF-Quoten sowie eine neue Zuteilung der Sonderziehungsrechte eingetreten und werden dies auch weiterhin tun.

Ich freue mich, sagen zu können, daß die legislative Erörterung der
amerikanischen Beteiligung an der zusätzlichen Finanzierungsfazilität sich
ihrem Abschluß nähert.

Ich rechne damit, daß endgültige Maßnahmen in Kürze

getroffen werden.

Ich darf Ihnen auch berichten, daß die Haltung des amerikanischen Kongresses
hinsichtlich der Unterstützung internationaler Finanzinstitutionen und auch
hinsichtlich der Auslandshilfe in diesem Jahr besser ist, als es meines Wissens früher der Fall war.

Ich hoffe, daß unsere europäischen Freunde die vorgeschlagenen europäischen Währungsvorkehrungen, die in Bonn nur oberflächlich erörtert wurden,
in einer Weise gestalten werden, die auch das internationale Währungssystem stärkt
und .

Wachstum, Handel und Investitionen sowie - was ebenfalls sehr wichtig

ist - die kontinuierliche zentrale Rolle des IWF erleichtert.

Die gegenwärtigen europäischen Bemühungen in Richtung auf dieses Ziel
sind ein logischer Schritt zu einer größeren europäischen Integration, die
die Vereinigten Staaten seit langem unterstützt haben.

Wir unterstützen

ebenfalls Vorschläge zur Erweiterung der Ressourcen der Weltbank und ihrer
Tochtergesellschaft für Kredite zu Sonderbedingungen (International Redevelopment
Association - IRA), wie wir das auf der Gipfelkonferenz in Bonn zugesagt haben.

Und
- 6 -

�Und auch hier hat der Kongreß unsere Erwartungen erfüllt.

Eine er-

weiterte Hilfe für die Entwicklungsländer trägt - wie wir alle wissen -, zu
einer gesunden Weltwirtschaft und zu einem gesunden Welthandel bei.

In der vergangenen Woche ist der amerikanische Senat - wie bereits das
Repräsentantenhaus zuvor - den Verpflichtungen unseres Landes für eine multilaterale und bilaterale Hilfe über meine eigenen Erwartungen hinaus - das muß
ich einräumen - nachgekommen.

Ich werde mich im nächsten Jahr darum bemühen, diese Verpflichtung als
Teil einer wachsenden internationalen Anstrengung zur Beseitigung der schlimmsten
Aspekte der menschlichen Armut fortzusetzen.

Der amerikanische Gouverneur

des Fonds und der Weltbank, Finanzminister Michael Blumenthal, wird unsere
Politik und die Aussichten für deren Verwirklichung ausführlicher darlegen,
wenn er morgen hier vor Ihnen spricht.

Sie sind hier in Washington zusammengekommen, um enorme Aufgaben auf
währungspolitischem und entwicklungspolitischem Gebiet anzupacken.

Die Zu-

kunft aller Völker sowohl in der sich entwickelnden Welt als auch der Industrieländer hängt von dem Ergebnis Ihrer Beratungen und der sich daraus
ergebenden Maßnahmen ab.

Ich bekräftige noch einmal die Verpflichtung meines Landes zu den gemeinsamen Anstrengungen, die erforderlich sind.

Ich bin überzeugt, daß diese gemeinsamen Anstrengungen zum Erfolg führen
werden.

Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

- 7-

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Oktober 1978

24

AMERIKAS NEUE EXPORTFÖRDERUNGSPOLITIK
Präsident Carter kündet Maßnahmen zur Steigerung der Ausfuhren an

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter gab am 26. September in Washington
im Zusammenhang mit den Vorschlägen seiner Administration zur Steigerung der
amerikanischen Ausfuhren nachstehende Erklärung ab:
Es ist wegen der wirtschaftlichen Stärke unseres Landes wichtig, daß
Privatsektor und Bundesregierung der Ausfuhr größere Dringlichkeit zuerkennen.
Ich kündige heute eine Reihe von Maßnahmen an, die Zeugnis für die starke
Entschlossenheit meiner Administration ablegen, das zu tun.
Die großen Außenhandelsdefizite, die die Vereinigten Staaten in den
letzten Jahren zu verzeichnen hatten, haben den Dollar geschwächt, den
inflationistischen Druck auf unsere eigene Wirtschaft verstärkt und die
Instabilität der Weltwirtschaft vergrößert.
zu nennen.
öleinfuhren.

Als Ursachen sind mehrere Faktoren

Eine der Hauptursachen war unsere übermäßige Abhängigkeit von
Wir können diese Abhängigkeit durch die Verabschiedung eines

vernünftigen Energiesesetzes in diesem Jahr vermindern.

Ein weiterer

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�weiterer Faktor war, daß die Wirtschaft der Vereinigten Staaten in den
letzten Jahren rascher gewachsen ist als die Wirtschaften unserer wichtigsten
Handelspartner.

Das ermöglicht es uns, verhältnismäßig

mehr ausländische

Güter zu kaufen, während unsere Handelspartner nicht in der Lage waren, vergleichsweise mehr amerikanische Ausfuhrgüter zu erwerben.

Dieses Ungleich-

gewicht wird aufhören, wenn unsere Handelspartner die Zusagen erfüllen, die
sie auf dem Gipfeltreffen von Bonn in bezug auf die wirtschaftliche Expansion
gegeben haben.
Die relativ langsame Zunahme der amerikanischen Ausfuhren war ein
weiterer wichtiger Faktor, der unsere Außenhandelsdefizite problematisch werden
ließ.

Im Verlauf der letzten zwanzig Jahre bezifferten sich unsere Aus-

fuhrwachstumsraten nur auf die Hälfte der anderer Industriestaaten, und der
Anteil der Vereinigten Staaten am Weltmarkt war rückläufig.

Bis zum heutigen

Tage haben Wirtschaft und Staat den Ausfuhren eine verhältnismäßig geringe
Priorität zuerkannt.

Das muß sich ändern.

Bei den Maßnahmen, die ich heute bekanntgebe, handelt es sich um
Schritte, die diese Administration bereits ergriffen hat oder noch ergreifen
wird:
(1)

Erweiterung der Direkthilfe an amerikanische Exporteure;

(2) Abbau heimischer Exportbehinderungen; und
(3) Abbau ausländischer Hindernisse für amerikanische Exporte und
Schaffung eines faireren Welthandelssystems, das allen Exporteuren zugute
kommt.
Diese Maßnahmen werden zur Verwirklichung der Zusagen getroffen, die
ich auf dem Bonner Gipfel bezüglich der Steigerung der amerikanischen Ausfuhren gegeben habe.

- 2 -

�DIREKTHILFE AN AMERIKANISCHE EXPORTEURE
1. Die Export-Import-Bank. Ich trete schon seit langem und beharrlich
für eine Steigerung der Effektivität und der Aktivitäten der Export-ImportBank ein. In den letzten beiden Jahren hat meine Administration die Ausleiheermächtigung der Bank von 700 Millionen Dollar im Haushaltjahr 1977 auf
3,6 Milliarden Dollar im Haushaltjahr 1979 verfünffacht. Ich ersuche den
Kongress um eine Aufstockung um weitere 500 Millionen Dollar im Haushaltjahr
1980, die den Ausleiheplafond der Bank auf 4,1 Milliarden Dollar anheben wird.
Diese Aufstockung wird ihr die Mittel an die Hand geben, derer sie zur
Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und im Hinblick auf unsere internationalen
Verpflichtungen, die erforderliche Flexibilität bei Zinssätzen, Laufzeiten
und den finanzierungsfähigen Prozentanteilen von Transaktionen bedarf. Die
Bank unternimmt ferner Schritte, ihre Gebührensätze zu vereinfachen und auch
kleinere Exportfirmen sowie Exporteure landwirtschaftlicher Produkte verstärkt
in ihre Programme einzubeziehen.
2. Kredite des Bundesamtes für Klein- und Mittelbetriebe an kleine
Exporteure. Das Bundesamt für Klein- und Mittelbetriebe wird bis zu
100 Millionen Dollar aus den ihm für Zwecke der Garantie von Krediten an
kleinere Exportfirmen zugeteilten Mitteln dazu verwenden, diesen Starthilfe
bei der Erschließung ausländischer Märkte zu gewährleisten. Kleine Exportfirmen, die den Kriterien des Amtes genügen, haben fortan Anspruch auf
Übernahme der Garantie für Kredite bis zu 500 000 Dollar, die sie für Zwecke
der Produktionsausweitung, der Finanzierung von Verkäufen in Übersee oder
der Erschließung neuer Märkte benötigen.
3. Exportentwicklungsprogramme. Ich weise das Amt für Planung und
Haushalt an, zusätzliche 20 Millionen Dollar jährlich für die Finanzierung
von Exportförderungsprogrammen des Handels- und des Außenministeriums
einzuplanen, um amerikanische Firmen, insbesondere Klein- und Mittelbetriebe,
beim Absatz ihrer Waren auf ausländischen Märkten zu unterstützen, und zwar
über
- ein

�- ein EDV-Informationssystem, das amerikanischen Exportfirmen prompte
Auskünfte über Absatzmöglichkeiten im Ausland erteilt und ausländischen
Kunden amerikanische Produkte nachweist.
- Risikobeteiligungsprogramme, die Firmenzusammenschlüsse von Kleinund Mittelbetrieben in dem Bemühen unterstützt, die Erschließungskosten
von Exportmärkten aufzubringen; und
- zweckgebundene Hilfe an Firmen und Industrien mit hohem Exportpotential zur Durchführung von kurzfristigen Exportkampagnen auf Märkten
mit potentiellen Absatzchancen.
4. Agrarexporte. Die Ausfuhren landwirtschaftlicher Produkte stellen
einen wichtigen Posten in der amerikanischen Handelsbilanz dar. In den
letzten zehn Jahren haben sich die amerikanischen Agrarausfuhren volumenmäßig
verdoppelt und dem Dollarwert nach nahezu vervierfacht. Für den Außenhandel
mit Agrarprodukten wird im Haushaltjahr 1978 mit einem Nettoüberschuß von
nahezu 13 Milliarden Dollar gerechnet. Die Leistungsstärke der amerikanischen
Landwirtschaft auf dem Exportsektor ist zum Teil der vielschichtigen Agrarausfuhrpolitik dieser Administration zu verdanken, die noch weiter ausgebaut
und ergänzt werden soll durch
- eine Erhöhung der Mittel für kurzfristige Ausfuhrkredite um fast eine
Milliarde Dollar (von 750 Millionen Dollar im Haushaltjahr 1977 auf 1,7
Milliarden Dollar im Haushaltjahr 1978);
- eine nahezu 20-prozentige Erhöhung der Mittel zur Finanzierungshilfe
im Rahmen des äußerst erfolgreichen Programms der Zusammenarbeit von über
60 landwirtschaftlichen Produktegenossenschaften bei der Erschließung neuer
Märkte;
- Bemühungen, im Rahmen der internationalen Handelsverhandlungen die
Gleichbehandlung von Agrar- und Industrieprodukten zu erwirken;

- 4 -

�erwirken;
- die Eröffnung von Außenhandelsbüros in wichtigen Ausfuhrländern,
die bei der Entwicklung dieser Märkte behilflich sein werden;
- aktive Bemühungen um ein Internationales Weizenabkommen, das unseren
Erzeugern einen angemessenen Anteil an dem expandierenden Weltweizenmarkt
sichert; und
- unser Eintreten für ein Gesetz, das die Gewährung von Exportüberbrückungskredite bei gewissen landwirtschaftlichen Produkten ermöglicht.
5. Steuerliche Maßnahmen. Ich hoffe, daß der Kongress mit der
Administration zusammenarbeiten wird, um die Steuerprobleme umgehend zu
bereinigen, die die im Ausland tätigen Amerikaner belasten, von denen
viele direkt an unseren Exportanstrengungen beteiligt sind. Im Februar
habe ich Steuererleichterungen für solche Bürger in Höhe von etwa 250
Millionen Dollar im Jahr vorgeschlagen. Nach meinem Dafürhalten wird dieser
Vorschlag, den der Kongress abgelehnt hat, diesem Problem auf faire und,
in einer Zeit größter Haushaltdisziplin, auf verantwortungsvolle Weise
gerecht. Ich bin nach wie vor bereit, mit dem Kongress bei der Lösung
dieses Problems zusammenzuarbeiten, kann aber Vorschläge, die unserer großen
Besorgnis im Hinblick auf eine kluge Haushaltgestaltung und auf Steuergerechtigkeit zuwiderlaufen, nicht unterstützen.
Ebenso groß wie die Sorge um unsere Ausfuhren ist die Verpflichtung
meiner Administration, sicherzustellen, daß staatlich geförderte Ausfuhrinitiativen eine nützliche Verwendung von Steuergeldern darstellen. Die
steuerlichen Vorschriften in bezug auf Heimische Auslandsabsatzgesellschaften
(Domestic International Sales Corporations - DISCs) werden dieser grundlegenden Forderung nicht gerecht. DISC stellt eine kostspielige ( über
1 Milliarde Dollar im Jahr) und wirkungslose Form des Exportanreizes dar.
Ich ersuche den Kongress deshalb abermals, DISC zu liquidieren oder das

- 5 -

�das Verfahren mindestens einfacher, weniger kostspielig und wirkungsvoller
zu gestalten als bisher; meine Administration ist bereit, zu diesem Zweck
mit dem Kongress zusammenzuarbeiten.

ABBAU INNERER AUSFUHRBEHINDERUNGEN
Die direkte finanzielle und technische Hilfe an amerikanische Firmen
sollte diese dazu ermutigen, sich die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit unserer
Erzeugnisse auf den ausländischen Märkten zunutze zu machen.

Von gleicher

Wichtigkeit ist der Abbau staatlicher Exportdämpfungsmaßnahmen und -hindernisse,
die amerikanische Firmen in ihrer Absatztätigkeit im Ausland unnötigerweise
behindern.

Wir können und werden die Gesetze und die politischen Richtlinien,

die internationale Exporteure berühren, energisch und fair anwenden; wir
können auch dieser Verantwortung jedoch mit mehr Verständnis für die Wichtigkeit von Exporten nachkommen, als dies in der Vergangenheit der Fall war.
1. Auswirkungen amtlicher Vorschriften auf den Export. Ich weise die
Chefs aller Ministerien und Bundesbehörden an, mögliche negative Auswirkungen
exportbezüglicher administrativer und regulatorischer Vorschriften auf
unsere Handelsbilanz in Rechnung zu stellen und abzuwägen. Sie werden mir
über den Fortschritt bei der Feststellung und Verminderung solcher negativen
Auswirkungen auf den Export in allen Fällen, wo dies angebracht ist, gemäß
ihrer gesetzlichen und politischen Verpflichtungen Bericht erstatten. Ähnliche
Forderungen richte ich an alle selbständigen Bundesbehörden. Darüber hinaus
wird der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten die Auswirkungen von Vorschriften
auf den Export als Teil der generellen Analyse der regulatörisehen Befugnisse
durch diese Administration überprüfen.
Es kann durchaus Bereiche geben - beispielsweise die Ausfuhr von Gütern,
die ernste Gesundheits- oder Sicherheitsrisiken aufwerfen -,auf denen neue
Bestimmungen angebracht sind.

Durch die vorstehend genannten Schritte möchte

- 6 -

�möchte ich im gesamten Staatsapparat ein stärkeres Bewußtsein der Auswirkungen
administrativer und regulatorischer Maßnahmen auf die Ausfuhr wecken.
2. Ausfuhrbeschränkungen aus außenpolitischen Gründen. Ich weise das
Handels-, das Außen-, das Verteidigungs- und das Landwirtschaftsministerium
an, die Auswirkungen von Ausfuhrbeschränkungen aus außenpolitischen Gründen
auf die Ausfuhren unter dem Gesichtspunkt neu zu überdenken, ob die fraglichen
Waren auch aus anderen Ländern als den Vereinigten Staaten bezogen werden
können.
3. Gesetz über korrupte Praktiken im Ausland. Auf meine Anweisung hin
wird das Justizministerium die Geschäftswelt über seine Prioritäten bei der
Durchführung des kürzlich erlassenen Gesetzes zur Unterbindung von Bestechungsversuchen im Ausland unterrichten. Dieses Gesetz ist nicht als
ein Hindernis für legitime Geschäftstätigkeiten im Ausland gedacht. Ich
hoffe, daß sich die amerikanische Geschäftswelt angesichts der Ungewißheit
bezüglich seiner Anwendung keine legitime Exportchance entgehen läßt. In
dieser Hinsicht dürfte eine Klarstellung durch das Justizministerium nützlich
sein.
4.

Antitrustgesetze.

Es gibt Fälle, in denen Gemeinschaftsunternehmen

und andere Arten der Zusammenarbeit mit amerikanischen Firmen notwendig oder
wünschenswert sind, um unsere Ausfuhren auszuweiten.

Das Justizministerium

hat mitgeteilt, daß die meisten derartigen Gemeinschaftsvorhaben mit ausländischen Firmen nicht gegen unsere Antitrustgesetze verstoßen und in vielen
Fällen den Wettbewerb stärken.

Das gilt insbesondere für befristete Firmen-

gemeinschaften, die zu dem Zwecke gegründet werden, ein Projekt durchzuziehen wie beispielsweise ein umfangreiches Bauvorhaben.

In der Tat wurde in

den letzten 20 Jahren kein einziges derartigen Vorhaben aufgrund

der Anti-

trustgesetze vor Gericht in Frage gestellt.
Dennoch sind viele Geschäftsleute hinsichtlich dieser Frage verunsichert eine Unsicherheit, die sich als ein Exporthemmnis erweisen könnte.

Ich

habe deshalb das Justizministerium angewiesen, in Zusammenarbeit mit dem
- 7 -

�dem Handelsministerium den Geltungsbereich der Antitrustgesetze

auf diesem

Gebiet unter besonderer Berücksichtigung jener Arten von Gemeinschaftsvorhaben, bei denen eine Klage auf Grund der Antritrustgesetzgebung unwahrscheinlich ist, klarzustellen und zu erläutern.
Ich habe das Justizministerium ferner angewiesen, Unternehmeranfragen
bezüglich von Auskünften über internationale Antitrustfragen im Rahmen des
Wirtschaftsinformationsprogramms des Ministeriums raschestens zu beantworten.
Schließlich werde ich einen Unternehmensberatungsausschuß einsetzen, der mit
der Nationalen Kommission für die Überprüfung der Antitrustgesetzgebung zusammenarbeiten soll.
5. Überprüfung der Umweltschutzerfordernisse. Seit Jahren herrscht
in Exportkreisen Ungewißheit darüber, ob das Gesetz über eine nationale
Umweltpolitik (National Environmental Policy Act - NEPA) im Falle eines
Antrags auf Erteilung einer Ausfuhrlizenzgenehmigung oder Unbedenklichkeitsbescheinigungen durch die Bundesregierung die Abgabe einer Erklärung
über die Auswirkung der fraglichen Güter auf die Umwelt erforderlich macht.
Ich werde umgehend einen Präsidialerlaß unterzeichnen, der die amerikanische Ausfuhr insofern fördern dürfte, als er die Unsicherheit beseitigen
wird, die gegenwärtig hinsichtlich der Überprüfung von Ausfuhren unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes und Maßnahmen im Zusammenhang mit der
Bundesregierung in bezug auf die hiervon berührten Ausfuhren herrscht. Der
Erlaß wird folgende exportwichtige Klarstellungen bringen:
- Erklärungen bezüglich der Umweltauswirkungen von Gütern,die
möglicherweise Auswirkungen auf die Umwelt im Ausland zeitigen, sind für
die Erlangung von Ausfuhrlizenzen, Genehmigungen, Unbedenklichkeitsbescheinigungen und anderen exportbezogenen Dokumenten, nicht nötig;
- Ausfuhrlizenzen, die das Handels- und das Finanzministerium ausgeben,
bedürfen nicht der anderweitig durch Präsidial erlaß vorgeschriebenen Überprüfung hinsichtlich der Umweltauswirkungen;
- 8 -

�- kurzgefaßte Übersichten über Umweltauswirkungen werden nur (1) bei
Kernreaktoren, (2) bei der Finanzierung von Produkten und Anlagen, deren
toxische Effekte ernthafte Risiken für die Volksgesundheit beinhalten, und
(3) bei gewissen Maßnahmen des Bundes

verlangt,die erhebliche negative

Auswirkungen auf die Umwelt in unbeteiligten Drittländern

oder auf

natürlichen Hilfsquellen von weltweiter Bedeutung zeitigen können.
Demgemäß wird dieser Erlaß Umweltschutzkriterien lediglich für einen
geringen Teil (weit weniger als 5%) des Dollarvolumens der amerikanischen
Ausfuhren aufstellen. Gleichzeitig wird er Verfahrensweisen zur Identifizierung
und Aussonderung solcher Exporte stipulieren, die wegen erheblicher Auswirkungen auf die Umwelt im Ausland einer besonderen Überprüfung bedürfen.
Dieser Präsidialerlaß wird unsere Besorgnisse über die Umweltverhältnisse
mit unserem Interesse an einer Ausweitung der Exporte in Einklang bringen.

DER ABBAU AUSLÄNDISCHER HANDELSHINDERNISSE UND EXPORTBEIHILFEN.
Wir ergreifen ferner wichtige Initiativen im internationalen Bereich,
um unsere Exporte auszuweiten. Die durch andere Länder verhängten Außenhandel srestriktionen beeinträchtigen unsere Exportfähigkeit. Zölle und
insbesondere auch nicht-tarifäre Handelshindernisse engen unsere Fähigkeit
ein, neue Auslandsmärkte zu erschließen und bestehende auszuweiten. Wir
arbeiten gegenwärtig im Rahmen der multilateralen Handelsverhandlungen in
Genf am Abbau derartiger Handelshindernisse.
Die Exporttätigkeit der Vereinigten Staaten wird auch durch die großzügigen Kredite und Beihilfen negativ beeinträchtigt, die einige unserer
Handelspartner ihren Exporteuren gewähren. Eines unserer wichtigsten Ziele
in den multilateralen Handelsverhandlungen ist es, einen Internationalen
Kodex zustandezubringen, der die Gewährung staatlicher Exportsubsidien
einschränken soll. Darüber hinaus weise ich den Finanzminister an, unver-

�unverzüglich Konsultationen mit unseren Handelspartnern aufzunehmen, um
den Bereich und die Bedingungen bestehender internationaler Exportregelungen
einzuschränken.
Ich hoffe, daß unsere wichtigeren Handelspartner die Bedeutung des
Zustandekommens von umfassenderen Vereinbarungen über die Maßnahmen für
Ausfuhrfinanzierung erkennen, damit wir den kostspieligen Wettbewerb auf
diesem Gebiet vermeiden, der wirtschaftlich ungesund wäre und sich schließlich
für uns alle von selbst verbietet. Diesbezügliche internationale Abmachungen
sind dringend erforderlich, um sicherzustellen, daß die amerikanischen
Exporteure nicht in einen unfairen Wettbewerb verwickelt werden. Diese
Administration ist eifrig bemüht, ihnen diese Sicherheit zu verschaffen.

SCHLUSSBETRACHTUNG
Auch wenn diese Initiativen die private Geschäftswelt in die Lage versetzen, ihre Exporte auszuweiten, sollte man nicht übersehen, daß sich
unser Exportproblem in Jahren aufgebaut hat und daß deshalb nicht mit
einer dramatischen Veränderung von heut auf morgen zu rechnen ist. Die
Steigerung unserer Ausfuhren
wird Zeit in Anspruch nehmen und fortgesetzte
Bemühungen erforderlich machen. Die Bekanntgabe der Exportpolitik meiner
Administration steht keineswegs am Ende sondern am Anfang der Bewältigung
dieser Aufgabe. Um sicherzustellen, daß diese Frage auch weiterhin erstrangig Beachtung findet, fordere ich Handelsministerin Krebs auf, in Zusammenarbeit mit Vertretern anderer einschlägiger Regierungsstellen Sorge
für die Fortsetzung der Bemühungen zu tragen, unser Exportpotential weiter
auszuweiten und unsere Expörtleistuhg weiter zu steigern.
Ich werde in Kürze einen Präsidialerlaß unterzeichnen, um einen erweiterten Exportbeirat des Präsidenten einzusetzen, der einen kontinuierlichen
Strom neuer Ideen in den Prozess der Gestaltung und Formulierung der diesbezüglichen Regierungspolitik einbringen soll.
- 10 -

Ich rechne damit, daß mir

�mir der Exportbeirat jährlich über den Handelsminister Bericht erstatten
wird.
Die Steigerung der amerikanischen Ausfuhren ist eine große Aufgabe für die Wirtschaft, für die Gewerkschaften und für den Staat. Eine Verbesserung der amerikanischen Ausfuhrergebnisse würde dem Wachstum unserer
Wirtschaft neuen Auftrieb geben. Sie würde neue Arbeitsplätze schaffen
helfen. Sie würde den Dollar stärken und zum Kampf gegen die Inflation
beitragen.
Es gibt keine raschen und einfachen Lösungen.

Die Maßnahmen aber,

die ich heute bekanntgegeben habe, spiegeln die Entschlossenheit meiner
Administration wider, dem Handelsdefizit der Vereinigten Staaten die Aufmerksamkeit höchster Stellen zu sichern, die es verdient.

Sie sind ein

erster Schritt in den langfristigen Bemühungen, die Ausfuhrposition unseres
Landes im Welthandel zu stärken.

+ + + + +

- 11 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Oktober 1978

24

REDE VON AUSSENMINISTER VANCE VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
AM 29. SEPTEMBER 1978
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Cyrus Vance hat am 29. September 1978 vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen einen überblick über die politischen Aufgaben und Zielsetzungen der
Vereinigten Staaten gegeben.

Die Rede hat folgenden Wortlaut:

Herr Präsident, ich gratuliere Ihnen zur Wahl dieses wichtigen Amtes.
Vor einer Generation wurden die Vereinten Nationen von Männern und Frauen
ins Leben gerufen, die eine gemeinsame Vision hatten.
Sie sahen die Notwendigkeit, Ausgangs des Krieges stärkere internationale
Institutionen zu schaffen, die die Flammen des Konflikts löschen und die Länder
und Völker auf einen neuen Stand des materiellen Wohlergehens heben konnten.
Sie sahen die Notwendigkeit, Millionen von Menschen zur Selbstbestimmung
zu verhelfen.

Und
Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Und sie sahen die Notwendigkeit, daß sich die Weltgemeinschaft in überzeugender Weise gegen Unterdrückung, Diskriminierung und die Verweigerung
der Menschenrechte zur Wehr setzen mußte.
Die Männer und Frauen, die in San Francisco zusammenkamen, richteten
ihre Blicke über die Meinungsverschiedenheiten und das Trennende des Augenblicks hinaus. Sie wagten den Ausblick auf eine Welt, wie sie sein könnte
- eine Welt, in der die Hungrigen gespeist werden; in der die Armen sich von
der Erniedrigung durch die Armut freigemacht haben; in der die Diplomatie
unter Ländern völlig an die Stelle der Gewalt unter Ländern getreten ist; in
der die vorhandenen Ressourcen der Welt wirksam genutzt und gerecht verteilt
sind.
In den Jahren seither waren die Leistungen der Vereinten Nationen zur
Verwirklichung dieser Vision positiv.

Sie haben eine nicht wegzudenkende

Rolle in dem Prozeß der friedlichen Entkolonialisierung gespielt, bei der
Entschärfung von Spannungen unter Völkern durch ihre friedenserhaltenden
Einsätze und bei der Förderung eines echten wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts.
Heute haben die Mitglieder dieser Körperschaft noch immer die gleiche
Vision. Und wir begreifen heute mehr denn je unser gemeinsames Schicksal
- daß kein Land im Alleingang seiner Bevölkerung Frieden und wirtschaftliche
Sicherheit gewährleisten kann; daß die Zukunft eines jeden unserer Länder
von der Zukunft all unserer Länder abhängt.
Unsere Herausforderung besteht heute darin, den politischen Willen aufzubringen, im Einklang auf die Erreichung unserer gemeinsamen Ziele hinzuarbeiten - über die großen Worte von der Interdependenz hinauszugehen und ihre
unausweichlichen Auswirkungen auf die nationalen Interessen eines jeden von
uns zu erkennen.
Wir müssen in dieser Aufgabe einen neuen Konsens finden: Daß in diesem
neuen Zeitalter jedes Land sorgfältiger als jemals zuvor seine langfristigen
- 2 -

�langfristigen Interessen in einer gesunden Weltgemeinschaft abwägen muß,
wenn es Entscheidungen über seine unmittelbaren Anliegen trifft.

Denn nur

durch Zusammenarbeit und Kompromiß im unmittelbaren Bereich können wir unsere Zukunft längerfristig sichern.

In entscheidenden Fragen werden die kommenden Monate
unabschätzbarer Bedeutung bringen.

Wendepunkte von

In den Verhandlungen über den Nahen

Osten, über das südliche Afrika, über den Handel, über die Rüstungskontrolle
und über viele andere drängende
worden.

Probleme ist ein echter Fortschritt erzielt

Ohne weitere Fortschritte könnten die bereits erzielten Gewinne

wieder verloren gehen.

Das gilt nicht für irgendein einzelnes Land oder eine Gruppe von Ländern,
sondern für alle Länder, einschließlich des meinigen.
Die Beilegung gefährlicher regionaler Streitigkeiten und Fortschritte
in der Begrenzung der Waffen müssen immer an der Spitze der dringlichen internationalen Tagesordnung stehen.
kommen.

Ich werde auf diese Punkte später zurück-

Aber wir können unsere Energien nicht so auf die politische Diplo-

matie des Weltfriedens konzentrieren, so wichtig das ist, daß wir zu spät
entdecken, daß internationale Ungerechtigkeiten und Armut und Ungerechtigkeit innerhalb der Länder den Frieden unter den Völkern unmöglich machen.

Lassen Sie mich heute das Augenmerk auf jene Fragen richten, die das
Leben der Menschen auf dem ganzen Erdball so zentral berühren - wirtschaftliche Sicherheit, gerechte Entwicklung der Ressourcen der Erde und persönliche Freiheit.

Das internationale Wirtschaftssystem

Wirtschaftlicher Fortschritt, an dem alle beteiligt sein sollen, erfordert einen weltweiten Konsens über die Vorteile und die Fruchtbarkeit der

- 3-

�der Zusammenarbeit zwischen den Nationen.
Zusammenarbeit und Kompromisse sind oft schwierig.
- Die wirtschaftlichen Probleme, die gemeinsam für uns bestehen, erfordern Anstrengungen, die auf weitgesteckte Ziele gerichtet sind, aber wir
alle werden durch innenpolitische Anliegen bedrängt, die unmittelbare Beachtung erfordern.
- Die für uns gemeinsam bestehenden Probleme sind in ihrer Auswirkung
so weitverzweigt und vielfältig, daß sie weder von einer einzelnen Nation
noch einer Gruppe von Nationen gelöst werden können.
- Und diese Probleme erfordern mehr als bloße allgemeine Übereinkommen.
Der Einsatz bedeutender technischer und finanzieller Hilfsmittel ist notwendig. Die Debatte über sterile Texte wird weder den Hungernden Nahrung noch
den Arbeitslosen neue Arbeitsplätze verschaffen. Nur eine gemeinsame Aktion
kann wirksam sein. Und hier muß jeder seinen Beitrag leisten, wenn es für
alle von Nutzen sein soll.
Noch vor drei oder vier Jahren bestand zwischen Nord und Süd eine ungewöhnliche Spannung.

Jede Seite war tief mißtrauisch, was die Motive des

anderen betraf. Jede vertrat scharf voneinander abweichende Auffassungen
über die globalen Notwendigkeiten und Prioritäten.
Diese Differenzen haben sich verringert. Seit der Siebten Sondersitzung,
UNCTAD IV, der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit
und den Sitzungen dieser Vollversammlung - und durch andere ernsthafte Bemühungen in der OECD und den Wirtschaftsgipfeltreffen - wurde in einer Reihe
von Grundsatzfragen, die sich auf eine neue internationale Wirtschaftsordnung
beziehen, ein übereinkommen erzielt:
- Wir sind uns über die Notwendigkeit einig, auf eine Beseitigung der

- 4 -

�der Armut in allen Ländern hinzuarbeiten.
stärkt.

Die Hilfszuwendungen wurden ver-

Der Nahrungsmittelproduktion wurde größere Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Befriedigung der grundlegenden wirtschaftlichen Ansprüche erhält in der
internationalen Gemeinschaft eine höhere Priorität.
- Wir sind uns über die dringende Notwendigkeit einig, ein angemessenes
und faires, nicht-inflationäres Wachstum zu beschleunigen.

Die Handelsver-

handlungen in Genf stehen in ihrer Abschlußphase. Wir erörtern Leit- und
Richtlinien für internationale Investitionen.
stärkt sich.

Die

Der Fluß von Privatkapital ver-

Fazilitäten des Internationalen Währungsfonds (IWF) wur-

den erweitert und man erörtert die Möglichkeiten zur Ausweitung der Fazilitäten der internationalen Entwicklungsbanken.
- Wir sind uns über die Notwendigkeit einig, die Instabilität und Unsicherheit in der Wirtschaft zu reduzieren. Der Internationale Währungsfond,
stellt jenen Ländern Mittel zur Finanzierung der Zahlungsbilanzen zur Verfügung, die am härtesten von den jüngsten Zerrüttungen im Weltwirtschaftsgefüge betroffen wurden. Wir führen sehr ernsthafte Verhandlungen über eine
Reihe von Rohstoffabkommen, unter anderem über ein System international koordinierter nationaler Getreidereserven..
- Und schließlich sind wir uns über die Notwendigkeit einig, eine reibungslose Anpassung für die Arbeiter und Unternehmer zu erleichtern, die die
Hauptlast der sich verändernden ökonomischen Verhältnisse getragen haben.
Der Bonner Wirtschaftsgipfel machte deutlich, daß wir unsere Anstrengungen
auf diesem Gebiet verstärken müssen.
Obwohl wir ein gutes Stück vorangekommen sind, wird die noch vor uns
liegende Wegstrecke sogar noch höhere Anforderungen stellen, denn die schwierigsten Probleme bleiben noch zu lösen. Um unseren Fortschritt beizubehalten
sollten wir uns bei den Nord-Süd-Gesprächen in den kommenden Monaten von drei
Grundprinzipien leiten lassen:
Erstens,

�Erstens, jede Nation muß der Versuchung widerstehen, ihre eigenen Wirtschaftsprobleme auf Kosten der anderen zu lösen, Wir müssen bei der Gestaltung unserer innenpolitischen Maßnahmen sowohl die globalen wie die nationalen
Bedürfnisse zugrundelegen.
Zweitens, alle Nationen, die ihren fairen Anteil an der Verantwortung
übernommen haben, sollten auch die Früchte einer gesunden Weltwirtschaft
ernten.
Drittens, alle Nationen müssen in internationale Wirtschaftsverhandlungen
mit einem Geist der Anpassungsbereitschaft herangehen.
Diese Prinzipien allein werden die Probleme, denen wir uns gegenübersehen,
nicht lösen. Aber ohne daß sie allgemein akzeptiert werden, kann es einen
wahren Fortschritt nicht geben.

Das Festhalten an diesen Prinzipien aber

wird verhindern, daß kritische Verhandlungen zur Polarisierung und zu selbstzerstörerischen Willensbekundungen führen.
Lassen Sie mich einige wichtige Probleme erörtern, bei denen die Anwendung dieser Prinzipien ausschlaggebend für Erfolg oder Mißerfolg sein kann:

Der Gesamtausschuß
Eine unserer jüngsten kollektiven Bemühungen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir gemeinsam stehen, war die Gründung des Gesamtausschusses. Dieser Ausschuß hat die Vollmacht, wirtschaftliche
Fragen umfassend zu prüfen und längerfristige Prioritäten festzulegen. Die
Vereinigten Staaten unterstützen dieses Vorhaben nachdrücklich.
Die Sitzung im Mai brachte einigen Fortschritt bei der Identifizierung
bestimmter wichtiger Gebiete des Übereinkommens zwischen Industriestaaten und
Entwicklungsländern.

Die sachlichen Erörterungen im Ausschuß hatten eine wich-

tige Auswirkung auf die Ministerkonferenz der OECD im Juni dieses Jahres und
- 6 -

�und auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Bonn.
Wir teilen selbstverständlich die Enttäuschung anderer Delegierter, daß
ein toter Punkt im Verfahren Anfang dieses Monats die Arbeit des Ausschusses
unterbrochen hat.
Seit der September-Sitzung haben wir die Erklärungen anderer zu dieser
Frage sorgfältig geprüft. Wir haben insbesondere die Erklärungen des Vorsitzenden vor dem Ausschuß am 8. September und vor der Presse am 11. September
zur Kenntnis genommen und haben die anschließenden Konsultationen in Rechnung
gestellt.

Man ist sich jetzt generell darüber einig, daß der Ausschuß keine

spezifischen Lösungen für Probleme bieten solle, die in anderen Gremien anstehen.

Er sollte vielmehr versuchen, zu vereinbarten Schlußfolgerungen über

fundamentale oder entscheidend wichtige grundlegende Fragen zu gelangen, und
zwar nur insoweit als alle Mitglieder bereit sind, eine Entscheidung in diesen
Fragen zu fällen.
Wir sind befriedigt, daß auf der Grundlage dieser Erklärungen heute eine
ausreichende verfahrensmäßige Übereinstimmung besteht, die sachliche Arbeit in
der Weise wieder aufzunehmen, wie sie der Vorsitzende am Ende der informellen
Konsultationen am 6. September vorgeschlagen hat.
Der Geist, der unsere Arbeit in dem Gesamtausschuß leiten muß, sollte
auch für unsere Handelspolitik gelten. Die Entwicklungswelt liegt nicht mehr
an der Peripherie des Welthandels. Das Wachstum in den Entwicklungsländern
ist in zunehmendem Maße für die Gesundheit der Industrieländer wichtig.
Die Verpflichtung zu offenem Handel steht jedoch auf außerordentlich
schwachen Füßen.

Es besteht eine große Versuchung, daß ein Land Handels-

restriktionen benutzt, um seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu exportieren.
Es ist oft leicht, sich vor Anpassungen zu drücken, die langfristig nützlich
wären, die aber kurzfristig schwierige Probleme für Arbeiter und Industrie
mit sich bringen.
Wir
- 7 -

�Wir müssen uns Sorgen machen um zunehmende protektionistische Forderungen,
aber wir sollten auch erkennen, daß der Welthandel sich in den letzten Jahren
bemerkenswert gut ausgedehnt hat.

Trotz einer schweren Rezession Anfang der

siebziger Jahre ist es uns nicht nur gelungen, die Handelskriege der dreißiger
Jahren zu vermeiden, sondern wir haben auch die Verhandlungen fortgesetzt, um
das Welthandelssystem zu liberalisieren und zu verbessern.

Unsere Fähigkeit,

diese Handelsverhandlungen in diesem Jahr erfolgreich abzuschließen, wird eine
entscheidende Bewährungsprobe unserer Verpflichtung zu einem offenen Handelssystem sein.

Ein Abkommen wird die Produktion anregen.

Es wird neue Arbeits-

plätze schaffen, und es wird zum Abbau der Inflation beitragen.
über unsere Anstrengungen zur Ausweitung des Handels hinaus werden die
Vereinigten Staaten ihre Verpflichtung erfüllen, die Entwicklungsländer;, durch
differenzierte Maßnahmen, einschließlich, wo angebracht, durch Sonderbehandlung
und größere Begünstigung, zu unterstützen.

Wir unsererseits erwarten von jenen

Entwicklungsländern, die dazu in der Lage sind, zur Liberalisierung des Handels
beizutragen, indem sie den Zugang zu ihren Märkten erleichtern.

Ein verbesser-

ter Zugang wird nicht nur zum Wohle der Industrieländer sein, sondern er wird
für viele Entwicklungsländer noch wichtiger sein.
Und schließlich sind wir der Überzeugung, daß die Entwicklungsländer im
Handel - wie anderswo - eine Stimme bei der Festlegung der Politiken haben sollten, die sie selbst berühren. Wir haben ihre volle Beteiligung an den Genfer
Verhandlungen gefördert. Wir appelieren an die Entwicklungsländer, vor allem
an jene, die eine große Rolle im internationalen Handel spielen, sich aktiv am
GATT zu beteiligen sowie an den Abkommen, die aus den Genfer Verhandlungen
resultieren, damit ihre Interessen voll repräsentiert sind.

Rohstoffe
Ein wesentliches Element des Handels ist für die meisten Entwicklungsländer
ihr Export an Grundrohstoffen. Auf der UNCTAD IV kamen wir überein, unsere
- 8 -

�unsere kollektiven Bemühungen zur Lösung der Rohstoffprobleme zu intensivieren.

Der Fortschritt war nicht immer so rasch, wie wir es alle gewünscht

hätten, aber darin kam ganz allgemein die technische Komplexität der Rohstoffragen zum Ausdruck und weniger ein Mangel an politischem Willen oder gutem Glauben.

Wir werden weiterhin auf Stabilisierungsabkommen und andere

Maßnahmen hinarbeiten, die die Rohstoffmärkte stärken.
Lassen Sie mich bekräftigen, daß wir auch der Überzeugung sind, daß ein
Gemeinsamer Fonds mit gesunder Grundlage eine nützliche Rolle bei der Lösung
der Rohstoffprobleme spielen könnte. Ein gut aufgebauter Fonds wird den beteiligten Ländern wirtschaftliche Vorteile bringen. Wir sind uns auch darüber
im klaren, daß die Errichtung eines Fonds von großer politischer Bedeutung
für den allgemeinen Nord-Süd-Dialog ist.
Wir werden mit anderen zusammenarbeiten, um die Verhandlungen über einen
Gemeinsamen Fonds zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.

Die jüngsten

Konsultationen haben in einigen Fragen eine Annäherung der Auffassungen erkennen lassen.

Alle sind sich darüber einig, daß ein Fonds eine nützliche

Rolle beim Abbau der finanziellen Gesamtkosten für unterstützenden Ausgleichsvorräte (buffer Stocks) die die Preise wirksam stabilisieren, spielen könnte.
Darüber hinaus herrscht eine wachsende Erkenntnis, daß es wichtig ist,
eine verbesserte Produktivität und wirksamere Vermarktung vieler Rohstoffe
zu fördern. Ein getrenntes "zweites Fenster" des Gemeinsamen Fonds auf der
Grundlage freiwilliger Beiträge und nach vereinbarten Richtlinien arbeitend
könnte ein geeigneter Mechanismus sein. Wir sind bereit, in dieser Frage, wie
in anderen, flexibel zu verhandeln, wenn alle Seiten mit einer ähnlichen Einstellung an die Dinge herangehen.
Während in einigen Fragen Fortschritte erzielt wurden, bleiben noch wichtige Meinungsverschiedenheiten bestehen. Es wird notwendig sein, daß man sich
von allen Seiten des Konferenztisches entgegenkommt. Wir sind jedoch überzeugt,
daß bei gegenseitiger Annäherung ein funktionierendes Abkommen erreicht werden

�Transfer von Ressourcen
Wie beim Handel, muß ein verstärkter Fluß von Ressourcen nach den Entwicklungsländern Teil eines internationalen Systems gemeinsamer Verantwortung
sein.
Wir dürfen den Transfer von Mitteln nicht als ein Opfer für die Geber oder
als einen einseitigen Nutzen für die Empfänger betrachten.

Er wird zum welt-

weiten wirtschaftlichen Wachstum, verstärktem Handel und einer gesteigerten
Prosperität für uns alle beitragen.
Mein Land hat sich zu einer Erhöhung seiner Beiträge sowohl zu multilateralen wie auch bilateralen Entwicklungsanstrengungen verpflichtet.
ben wir im vorigen Jahr getan:

Das ha-

Unsere multilateralen Verpflichtungen erhöhten

sich um 31 Prozent und unsere bilateralen Programme stiegen um 20 Prozent.

Und

weil wir wollen, daß die Hilfsgelder der Vereinigten Staaten wirksam genutzt
werden, werden wir unsere Anstrengungen auf Länder konzentrieren, wo die Programme am direktesten darauf ausgerichtet sind, die entscheidend wichtigen
Ansprüche der Bevölkerung zu erfüllen.
Die Vereinigten Staaten sind nachdrücklich der Überzeugung, daß ein entscheidendes Ziel der Auslandshilfe darin bestehen muß, dazu beizutragen, die
grundsätzlichen menschlichen Ansprüche zu erfüllen. Wir sind uns darüber im
klaren, daß alle Länder unterschiedliche Prioritäten in der Entwicklung haben
werden, wenn sie auf dieses Ziel hinarbeiten. Ob nun der Nachdruck auf der
Förderung der Produktivität der Armen, der Erhöhung der Nahrungsmittel Produktion, der Verbesserung der Gesundheit, oder auf einer Ausweitung der Industrie,
die neue Arbeitsplätze schafft, liegt.das wesentliche Kriterium für jedes Land
ist, daß all seine Bürger - Männer und Frauen - aktive Teilnehmer und Nutznießer des Wachstums ihres Landes sind.
Und schließlich sind wir uns über die Schuldenprobleme im klaren, vor
denen viele der am wenigsten entwickelten Länder stehen.

Wir werden in Kürze

von unserem Kongreß die Vollniacht für rückwirkende Anpassungen bestimmter Hilfs- 10 -

�Hilfsbestimmungen erhalten, die uns in die Lage versetzen werden, jenen ärmsten
Ländern zu helfen.

Verwaltung der globalen Ressourcen
Wenn wir zusammenarbeiten, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern,
dann müssen wir auch eine gerechte Verteilung der Ressourcen der Welt sicherstellen.
Vier Fragen erfordern hier unsere dringende Aufmerksamkeit.
Unsere erste vordringliche Priorität ist die Gewährleistung einer ausreichenden Ernährung und stabiler Agrarpreise für alle Menschen.
Vier Jahre sind seit der Welternährungskonferenz vergangen, auf der wir
Maßnahmen vereinbart haben, die wir für die Zukunft treffen müssen. Aber trotz
unserer Anstrengungen sind die grundlegenden Probleme geblieben.
- Die Nahrungsmittel Produktion hält kaum Schritt mit dem Bevölkerungswachstum.
- Der Mangel an Nahrungsmittel steigt in vielen Ländern.
- Und die Verhandlungen über Getreidereserven haben sich ohne Erfolg hingezogen.
Wir sind der Überzeugung, daß hier ein Fortschritt erzielt werden muß.
Die Vereinigten Staaten haben eine Getreidereserve von 9 Millionen Tonnen
bei den Farmern eingerichtet. Wir haben unserem Kongreß die Einrichtung einer
internationalen Weizenreserve für Notfälle von 6 Millionen Tonnen vorgeschlagen,
um Nahrungsmittel für Notfälle in Entwicklungsländern zur Verfügung zu haben.
Wir haben die Absicht, den Stand unserer Nahrungsmittelhilfe auf einem fairen
Anteil der Ziel Vorstellung zu halten, die die Welternährungskonferenz aufgestellt hat. Wir werden weiterhin die Tätigkeiten internationaler Organisationen
- 11 -

�Organisationen unterstützen, die sich mit der Nahrungsmittelproduktion befassen, wie etwa der Internationale Fonds für Landwirtschaftliche Entwicklung.
Und wir haben die Absicht, die Nahrungsmittelhilfe zu einem wirksameren Instrument zur Förderung der Entwicklung zu machen.
Ich schlage vor, daß diese Versammlung die Ernährungssituation der Welt
überprüft - um die derzeitigen Hindernisse zum Fortschritt aufzuzeigen und ein
Gefühl der Dringlichkeit wieder herzustellen, die unmittelbarsten Ansprüche
der Menschheit zu erfüllen.
Ernten einlullen lassen.

Wir dürfen uns nicht durch gutes Wetter und reiche

Es wird unausweichlich wieder zu einer Tragödie kom-

men, wenn wir jetzt nicht handeln.
Zweitens, wir müssen jetzt handeln, um neue Energiequellen zu entwickeln,
damit wir einen harten Übergang zu Zeiten vermeiden, in denen fossile Brennstoffe nicht mehr in reichem Maße zur Verfügung stehen.

Diese Aufgabe hat meh-

rere Dimensionen:
- Die Erdöl- und Erdgaserzeugung muß ausgeweitet werden, und wir müssen
den sparsamen Umgang mit diesen Energiequellen verbessern, vor allem in den
Vereinigten Staaten. Die Weltbank hat ihre Kredite erhöht, um Entwicklungsländern bei der Steigerung ihrer Versorgung mit fossilen Brennstoffen zu helfen.
Wir begrüßen dies, und wir ermutigen auch die regionalen Entwicklungsbanken
zu weiterer Hilfe.
- Die Entwicklung der Kernenergie wird ebenfalls ein zentrales Problem
für die Zukunft vieler Länder sein. Wir hoffen, daß die Internationale Bewertung des Nuklearen Brennstoffzyklus einen Konsens über nukleare Technologien
bringen wird, die frei sind von den ernsten Risiken einer Ausbreitung von Kernwaffen. Meine Regierung unterstützt die Entwicklung von Kernenergie, deren
Sicherheit gewährleistet werden kann, einschließlich garantierter Lieferungen
von Kernbrennstoff. Die Entwicklungsländer sollten selbstverständlich an dem
Aufbau und dem Management der Institutionen teilnehmen, die die Grundlage für
ein internationales Kernenergieregime bilden.
- Vorrangige
- 12 -

�- Vorrangige Aufmerksamkeit muß der Entwicklung sich erneuernder Energiequellen gelten.

Es existieren bereits viele Technologien zur Nutzung von

Sonnenenergie, Windenergie und Erdwärme. Wir können alle von diesen Technologien profitieren, aber es sollte eine besondere Anstrengung unternommen werden, um den Bedarf der ärmeren Länder zu decken.
- Es gibt heute für die Vereinten Nationen zwei Möglichkeiten, weiterhin
eine wichtige Rolle zu spielen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen die vor-

geschlagene UN-Konferenz über neue und sich erneuernde Energien.

Diese Kon-

ferenz könnte zu einer koordinierten Energieanstrengung der Vereinten Nationen
und klareren Prioritäten führen.

Sie könnte auch die Information über die

Technologien sich erneuernder Energien auf den neuesten Stand bringen und die
Rolle des Privatsektors in der Energieentwicklung untersuchen.
- Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen könnte seine Anstrengungen auch darauf ausdehnen, Ländern dabei zu helfen, ihre eigenen Möglichkeiten
auf dem Gebiet sich erneuernder Energie zu erkennen, die Erprobung neuer Technologien zu finanzieren und Ausbildung und technische Unterstützung für ein
wirksames Energiemanagement zu leisten.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, einen Beitrag zu einer großen globalen
Anstrengung zur Entwicklung neuer Energiequellen zu leisten. Wir werden unsere
Hilfsprogramme auf diesem Gebiet verstärken.

Wir werden die Forschung im ei-

genen Lande, von der alle Länder profitieren können, intensivieren.

Und wir

werden kooperative Energieprogramme ausweiten, von denen wir alle Nutzen haben
dürften.
Drittens, wir müssen danach streben, die Seerechtsverhandlungen zu einem
erfolgreichen Abschluß zu bringen.

Hier geht es darum, ob dieses weite Gebiet

des Globus eine Arena des Konflikts oder der Zusammenarbeit sein wird.
In einer ganzen Anzahl von Fragen ist in diesen Verhandlungen ein beträchtlicher Fortschritt erzielt worden.

Diese Erfolge sind jedoch immer wieder da- 13 -

�dadurch getrübt worden, daß ein toter Punkt

über die Frage des Abbaus auf

dem Meeresboden eingetreten ist. Hier besteht bereits die Basis für eine
gerechte Lösung, und sie wird weitgehend akzeptiert.

Sie erlaubt allen Sei-

ten, vollen Nutzen aus dem Abbau aus dem Meeresboden zu ziehen, wobei private
Firmen ebenso wie ein internationales Unternehmen die Erlaubnis erhalten sollen,
auf Wettbewerbsbasis Abbau zu betreiben.

Eine allseits akzeptierte Lösung

ist zwingend notwendig und sie ist möglich.

Die Zeit für eine vereinbarte

Lösung wird knapp. Auch ohne eine solche Lösung wird der Abbau auf dem Meeresboden unausweichlich stattfinden, aber es wird ein international vereinbarter
Rahmen fehlen.

Das wäre weit weniger zufriedenstellend als ein weithin unter-

stütztes Regime.
Viertens und letztlich ist es die kritische Frage schlechthin, wie wir
Technologie und Wissenschaft zum Segen der Menschheit am besten nutzen können.
Wir hoffen, daß die Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft
und Technologie ihre Aufmerksamkeit darauf konzentrieren wird, wie alle Länder
ihr Wissen zur weltweiten Entwicklung beitragen können. Es wird besonders
wichtig sein, für die Entwicklungsländer Mittel und Wege zu finden, ihre Fähigkeit zur Schaffung, Auswahl und Anwendung von Technologie für ihre eigenen Entwicklungsprioritäten zu steigern. Wir werden zu der Arbeit der Konferenz beitragen und wir hoffen, von ihr zu profitieren.
Darüber hinaus haben wir die Absicht, um die technischen Talente und das
technische Wissen unseres Landes für die Entwicklung anderer mobilisieren zu
helfen, im kommenden Jahr eine neue Stiftung für Internationale Technologische
Zusammenarbeit einzurichten.

Stärkung der Menschenwürde
Der menschlichen Würde stärkere Geltung zu verschaffen, das ist letztlich
Ziel und Zweck all unserer Politik.

Die Rechte auf Nahrung - auf Wohnung, auf

- 14 -

�auf eine anständige Ausbildung und angemessene Gesundheitsfürsorge - all diese
Rechte, die bei der Art, wie wir an die wirtschaftlichen Probleme herangehen,
ein zentrales Anliegen sind - sind schal und leer ohne die politischen und
bürgerlichen Freiheiten, die Freiheit von Folter und Mißhandlung durch die Regierung, die Freiheit der Religionsausübung, die Freizügigkeit und die Freiheit, ohne Furcht seine Meinung äußern zu können, die Freiheit, an den Angelegenheiten der eigenen Regierung teilnehmen zu können, Es gibt keine Unvereinbarkeit zwischen wirtschaftlichen, politischen und bürgerlichen Rechten, keine
Wahl, die zwischen ihnen getroffen werden müßte.

Sie bestärken einander.

Wir gedenken bei dieser Vollversammlung des 30. Jahrestages der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Dag Hammarskjoeld bezeichnete die Deklaration als ein "lebendiges Dokument". Wir haben die unablässige Pflicht, dieses Dokument in unseren eigenen Ländern lebendig zu erhalten. Und als Mitglieder der Vereinten Nationen müssen wir den internationalen Mechanismus stärken, der dazu dient, den ganzen Bereich der Menschenrechte - der politischen
und wirtschaftlichen - zu fördern.
Im vorigen Jahr haben wir einen beachtlichen Fortschritt erzielt. Heute
sind die Menschenrechte in der internationalen Debatte ein weitaus zentraleres
Anliegen als je zuvor. Aber es muß noch mehr getan werden.
- Diese Versammlung sollte die Aktivitäten der verschiedenen Menschenrechts-Institutionen der Vereinten Nationen überprüfen.
- Wir müssen in dieser Versammlung beschließen, die Folter in jedem Land
unmöglich zu machen und zu einem internationalen Abkommen zu ihrer Ächtung zu
kommen.
- Wir müssen gewährleisten, daß wir alles in unserer Macht stehende tun,
um Verhältnisse zu beenden, die mit Völkermord gleichzusetzen sind.
- Und wir müssen an uns die Frage richten, was jeder von uns weiter tun
kann, um die Gewähr zu bieten, daß die Allgemeine Menschenrechtserklärung le- 15 -

�lebendig bleibt - den aus Gewissensgründen Gefangenen Amnestie gewähren,
allen ein angemessenes Gerichtsverfahren zu sichern und die soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung für unsere Menschen zu fordern.
Außerdem erfordert das Geschick einer Menschengruppe - der Flüchtlinge unsere besondere Anteilnahme.

Wir appellieren an alle Nationen, das lebens-

wichtige humanitäre Werk des Hohen Kommissars für die Flüchtlinge stärker zu
unterstützen.
Das Flüchtlingsproblem ist nicht auf einzelne Regionen begrenzt.

Allein

in Afrika leben heute mehr als zwei Millionen Menschen außerhalb ihres Geburts- und Heimatlandes.

Wir müssen mehr tun, um ihnen eine Existenzmöglich-

keit und Sicherheit und eine realistische Hoffnung auf Wiederansiedlung oder
Rückkehr in ihr Heimatland zu bieten.
In Südostasien bringt jeder Tag hunderte neuer Flüchtlinge aus Indochina
- einige, die ihr Leben beim Grenzübertritt riskierten; andere, die in Booten
aller Art die Gefahren des Meeres überstanden. Wir brauchen dringend größere
Anstrengungen, um ihnen eine Zufluchtsstätte zu bieten. Wir hoffen, daß der
Hochkommissar die Einberufung einer internationalen Konferenz in allernächster
Zukunft ins Auge faßt, um eine menschliche Lösung für das verzweifelte Los
dieser Flüchtlinge zu finden.
Wir schlagen vor, daß zu einem späteren Zeitpunkt auch die Einberufung
einer allgemeinen Konferenz über das weltweite Flüchtlingsproblem in Erwägung
gezogen wird.

Internationale Friedensbemühungen
Allzuoft

sind Leid und Not der Entwurzelten ein erschreckendes Zeugnis

für unser kollektives Versagen in den Bemühungen um den Weltfrieden.
und Krieg sind die Feinde der von mir erwähnten fundamentalen Rechte.
Meine
- 16 -

Hader

�Meine Regierung und viele der hier Versammelten sind heute aktiv bemüht,
in den Unruhegebieten der Welt einen Pfad des Friedens einzuschlagen.
Die in Camp David erzielten Abkommen bieten die Hoffnung, daß im Nahen
Osten schließlich doch ein Wendepunkt erreicht wurde. Die zwischen Ägypten
und Israel mit aktiver amerikanischer Beteiligung erzielten Abkommen bilden
einen Rahmen für eine umfassende Friedenslösung. Viel bleibt in den sich
daran anschließenden Verhandlungsstufen noch zu tun, aber ein wichtiger Schritt
nach vorn ist für die Lösung der schwierigen Probleme getan worden, die den
Kern der dreißigjährigen arabisch-israelischen Feindschaft bilden. Im weiteren
Verlauf der auf der Grundlage des Rahmenwerkes von Camp David geführten Verhandlungen wird ein dynamischer Prozeß in Gang gesetzt werden, der die Einstellung zu den Problemen, die noch zu lösen übrig geblieben sind, tiefgreifend verwandeln kann. Dieser Prozeß wird die legitimen arabischen Ziele in
beachtlicher Weise fördern, während er zugleich für die Sicherheit Israels
Schutz bietet. Wir hoffen, daß die Mitglieder dieses Gremiums der Aufgabe,
auf diesem Rahmenwerk einen gerechten und dauerhaften Frieden aufzubauen, ihre
volle Unterstützung erteilen werden.
In seiner jüngsten Ansprache vor dem Kongreß hat Präsident Carter die
Hauptelemente der Abkommen von Camp David aufgezeigt. Wie der Präsident
sagte, ist unsere historische Position gegenüber der Frage von Siedlungen in
besetzten Territorien unverändert geblieben. Wie er weiterhin erklärte, wird
kein Friedensabkommen gerecht oder sicher sein, wenn es nicht das Palästinenserproblem im weitesten Sinne löst. Wir sind der Auffassung, daß der palästinensischen Bevölkerung die Gewähr geboten sein muß, daß sie und ihre Nachfahren in Würde und Freiheit leben können und sie die Chance zu wirtschaftlicher
Entfaltung und politischer Darstellung haben müssen. In den Camp David-Abkommen wird erklärt, daß eine ausgehandelte Lösung die legitimen Rechte des
palästinensischen Volkes anerkennen muß.
Die Abkommen von Camp David sind ein solider Anfang auf dem Wege, diese
Ziele für die Palästinenser in konkreter Form zu erreichen.

- 17 -

Für das Jordan-

�Jordan-Westufer (West Bank) und den Gaza-Streifen sieht das Rahmenwerk vor,
daß die israelische Besatzung beendet und eine Selbstverwaltung geschaffen
wird.

Das läßt sich innerhalb weniger Monate erreichen.

Damit bietet sich

für die Palästinenser zum erstenmal die Aussicht, sich in dem vereinbarten
Rahmen selbst zu regieren.
Das Rahmenwerk von Camp David weist den Palästinensern außerdem eine
entscheidende Rolle bei der Gestaltung ihres künftigen Schicksals zu, indem
es sie als Beteiligte bei allen Aspekten der Verhandlungen anerkennt, die
über ihre Zukunft entscheiden.

Sie werden an den Verhandlungen über die Ein-

setzung einer Selbstverwaltung, sowie an denen, die den endgültigen Status
des Westufers und des Gaza-Streifens und an denen, die zu einem jordanischisraelischen Friedensvertrag führen, teilnehmen.

Und schließlich wird das

Abkommen über den endgültigen Status des Westufers und des Gaza-Streifens
den Vertretern der Einwohner vorgelegt werden, damit sie über seine Ratifizierung oder Ablehnung entscheiden können.
Diese Schritte setzen einen politischen Prozeß in Gang, der für alle
Palästinenser von höchster Bedeutung ist.
Die Übereinkommen von Camp David konzentrieren sich auf die Mittel und
Wege, durch die die Selbstverwaltung für die Palästinenser errichtet werden
kann, die am Westufer und im Gaza-Streifen leben, aber alle drei Führer in
Camp David waren sich ebenso darüber im klaren, daß das Problem der Palästinenser, die außerhalb dieser Gebiete leben, ebenfalls gelöst werden muß.
Wir sind uns bewußt, daß dieses Problem sowohl politischt als auch humanitäre
Dimensionen hat, die als integraler Teil einer dauerhaften Friedensregelung
bewältigt werden müssen.

Wenn die Übereinkommen von Camp David die Lösung

des Palästinenserproblems in allen seinen Aspekten fordern, dann ist das die
Anerkennung und der Einschluß dieser zentralen Tatsache.

So wie die poli-

tischen Institutionen der Selbstverwaltung am Westufer und im Gaza-Streifen
durch Verhandlungen zwischen den Beteiligten Gestalt annehmen, so sollte das
Verhältnis zwischen diesen Institutionen und den außerhalb der Gebiete lebenden
Palästinenser definiert werden, einschließlich der Frage der Aufnahme palästi- 18 -

�palästinensicher Flüchtlinge am Westufer und im Gaza-Streifen.
Der Rahmen sieht die Errichtung eines Ausschusses vor, der über die Modalitäten der Aufnahme von Personen, die im Krieg von 1967 vertrieben wurden,
am Westufer und im Gaza-Streifen entscheiden soll.

Zum ersten Mal sind die

am Konflikt beteiligten Parteien - Ägypten und Israel - übereingekommen, miteinander und mit anderen interessierten Parteien zusammenzuarbeiten, um vereinbarte Verfahren für eine rasche,gerechte und dauerhafte Lösung des Flüchtlingsproblems auszuarbeiten.
Wie Präsident Carter in seiner Ansprache vor dem Kongreß erklärt hat, sind
die Vereinigten Staaten unwiderruflich verpflichtet, eine befriedigende Lösung
des Problems der palästinensischen Flüchtlinge herbeizuführen. Wir werden
bei der Lösung dieses Problems eine aktive Rolle spielen. Wir appellieren an
die internationale Gemeinschaft, Ägypten und Israel bei der Ausarbeitung von
Verfahren für eine rasche Lösung dieser Frage in all ihren Aspekten zu unterstützen, und die internationale Gemeinschaft sollte zu einem Programm zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung am Westufer und im Gaza-Streifen beitragen und auch jene Flüchtlinge unterstützen, die anderswo leben.
Wir sind entschlossen, eine faire und gerechte Lösung der Nahost-Fragen
in all ihren Aspekten zu erreichen, und wir hoffen, daß das palästinensische
Volk diese historische Chance nutzen wird. Wir hoffen, daß die Menschen im
Nahen Osten zustimmen werden, daß eine zwingende Notwendigkeit besteht, den
Verhandlungsprozeß jetzt zu beginnen - und nicht zu warten, bis die letzte Frage
geklärt ist. Wir appellieren an die anderen interessierten Parteien, sich ohne
Verzug den Verhandlungen anzuschließen.
So wie der Friedensprozeß im Nahen Osten voranschreitet, ist es von lebenswichtiger Bedeutung, die Wirksamkeit der friedenserhaltenden Rolle der Vereinten Nationen dort aufrechtzuerhalten.

Es ist unerläßlich, daß die Mandate der

Friedensstreitkräfte der Vereinten Nationen auf den Golanhöhen und im Sinai in
diesem Herbst erneuert werden.

Sie haben bisher allen Seiten geholfen, erneute

- 19 -

�erneute Feindseligkeiten zu vermeiden.

Sie müssen jetzt dort bleiben, um

zur Erreichung eines stabilen Friedens beizutragen.
Lassen Sie mich kurz auf einige andere regionale Streitigkeiten von großer
Bedeutung eingehen:
- Im Libanon halten die Kämpfe und die tragischen Verluste an.

Die Interims-

streitmacht der Vereinten Nationen im südlichen Libanon hat viel getan, um die
Situation in diesem Teil des Landes zu stabilisieren, und wir fordern alle auf,
diese Anstrengung zur Wiederherstellung der libanesischen Autorität zu unterstützen.

In anderen Teilen des Libanon halten die Konfrontationen und die Span-

nungen in einem hohen Maße an.

Präsident Carter hat in seiner Ansprache an die

gemeinsame Sitzung des Kongresses nach dem Gipfeltreffen von Camp David und erneut am gestrigen Tage seine Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, nichts unversucht zu lassen, um bei der Herbeiführung einer Lösung der libanesischen
Tragödie zu helfen.

Wie der Präsident gestern erklärte, ist es jetzt an der

Zeit, daß wir gemeinsam handeln, um eine Konferenz jener einzuberufen, die beteiligt sind, und zu versuchen, zu einer Lösung zu gelangen.

Dazu mag eine

neue Charta für den Libanon gehören.
- In Namibia steht die Weltgemeinschaft vor einer fundamentalen Herausforderung. Ich werde auf dieses Problem heute nachmittag im Sicherheitsrat näher
eingehen. Jetzt möchte ich nur sagen, daß die Vereinigten Staaten entschlossen
sind, daß Namibia seine Unabhängigkeit in Übereinstimmung mit dem Kontaktgruppenvorschlag und der Sicherheitsratsresolution 431 erhält. Wir appellieren an Südafrika, voll mit den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten, damit diese kritische Chance für eine friedliche Beilegung nicht vertan wird. .
- In Rhodesien könnte die Zeit für die Möglichkeiten einer diplomatischen
Lösung knapp werden.

Aber wir werden weiterhin mit der britischen Regierung,

den Regierungen der Region und den Beteiligten zusammenarbeiten, um zu einer
Lösung auf dem Verhandlungswege zu gelangen.

Wir verurteilen die Mörder un-

schuldiger Zivilisten, sowohl vom Gewissen als von der Vernunft her.

Die Aus-

sichten auf Frieden in Rhodesien werden geringer, wenn die Gewalttätigkeit zunimmt.

- Was
- 20 - .

�- Was Zypern anbetrifft, so bietet sich jetzt eine Chance, den beiden
Gemeinden zu helfen, ihre Meinungsverschiedenheiten einzuengen und eine gerechte und dauerhafte Lösung dieses seit langem anstehenden Problems zu erreichen.

Den Vereinten Nationen ist es in lobenswerter Weise gelungen, eine At-

mosphäre herzustellen, die jetzt produktive Verhandlungen zwischen beiden Gemeinden ermöglichen dürfte.

Um diese Chance zu nutzen, würden wir eine erneute

Anstrengung von Generalsekretär Waldheim begrüßen und aktiv unterstützen, um
den Parteien bei einem Abkommen über eine souveräne, beide Gemeinden einschließende, blockfreie Bundesrepublik Zypern zu helfen, die den Wünschen der Bevölkerung
Zyperns entsprechen würde.
- In der westlichen Hemisphäre müssen wir etwas gegen die Agonie jener
tun, die in Nicaragua in Gewalttätigkeit und Blutvergießen versunken sind.
Die Vereinigten Staaten und mehrere Länder Lateinamerikas haben sich angeboten,
bei der Beilegung der inneren Krise Nicaraguas zu helfen. Wir hoffen und erwarten, daß alle beteiligten Parteien diese Angebote annehmen und einem fairen
Vermittlungsprozeß zustimmen werden, in den alle Vertrauen setzen dürfen.
Nur eine demokratische Lösung - nicht Unterdrückung oder Gewalttätigkeit - kann
in Nicaragua zu einer dauerhaften Stabilität und wahrem Frieden führen.
- Wenn wir zusammenarbeiten, um friedliche Lösungen für die gefährlichsten
regionalen Streitigkeiten zu finden, dann müssen wir auch in dieser Versammlung
danach streben, die friedenserhaltende Fähigkeit der Vereinten Nationen zu
stärken.
- Und während diese Organisation daran arbeitet, der Gewalt unter Nationen
Grenzen zu setzen, dürfen wir das Unglück nicht aus den Augen verlieren das
durch jene hervorgerufen wird, die terroristische Akte gegen unschuldige Personen verüben.
den.

Kein Land kann für sich allein mit diesem Problem fertig wer-

Hier ist kollektives Handeln von entscheidender Bedeutung.

Wir fangen an, Fortschritte zu machen. Im vorigen Jahr hat die Vollversammlung eine bedeutsame Resolution über Flugzeugentführungen verabschiedet.

- 21 -

�verabschiedet.

Die Bonner Deklaration vom Juni dieses Jahres brachte ein

dringend benötigtes Übereinkommen über die Aufnahme von Entführern.

Wir

appellieren nachdrücklich an alle Länder, diese Deklaration zu unterzeichnen.
Das Streben nach Frieden und Sicherheit muß über die Beilegung von Konflikten und die Verhütung von Gewalt hinausgehen.

Die Sicherheit aller wird

gefördert, wenn Länder die Kriegswaffen durch gegenseitig ausgehandelte
Rüstungskontroi labkommen begrenzen.
Wir führen mit der Sowjetunion und anderen Ländern in einem weiten Bereich
Rüstungskontroll Verhandlungen:
- Der Abschluß eines Abkommens über eine Begrenzung der strategischen
Rüstungen mit der Sowjetunion ist ein fundamentales Ziel der Vereinigten Staaten. Wir hoffen, daß wir noch vor Ende dieses Jahres ein SALT II-Abkommen
abschließen können.
- Die Vereinigten Staaten hoffen, daß beim Abschluß eines umfassenden
Abkommens zur Beendigung der Kernwaffenversuche ein rascher Fortschritt erzielt werden kann.
- Es sind unbedingt verstärkte Anstrengungen erforderlich, um die Ausbreitung von Kernwaffen zu verhüten. Es ist wichtig, sich gut auf die Überprüfungskonferenz für den Nichtweiterverbreitungsvertrag im Jahre 1980 vorzubereiten, weiterhin Fortschritte bei der Internationalen Bewertung des Kernbrennstoffzyklus zu erzielen und einen der wichtigen Erfolge der Sondersitzung
über Abrüstung zu erkennen, nämlich die Entscheidung mehrerer Kernwaffenmächte,
sich zu verpflichten unter bestimmten Umständen von der Anwendung von Kernwaffen gegen Nicht-Nuklearstaaten Abstand zu nehmen. Wir möchten bitten, daß
der Sicherheitsrat diese Verpflichtungen zur Kenntnis nimmt.
- Die Vereinigten Staaten werden auch an der Verwirklichung der Forderungen
in der Grundsatzerklärung und im Aktionsprogramm für die Zurückhaltung bei der
- 22 -

�der Weitergabe konventioneller Waffen - wie von der Sondersitzung verabschiedet mitarbeiten.

Wir erörtern aktiv mit der Sowjetunion, wie unsere beiden Länder

eine solche Zurückhaltung im Einklang mit dem legitimen Recht der Selbstverteidigung und den internationalen Verpflichtungen fördern könnten. Wir sind über
die neuen Initiativen ermutigt, die bereits ergriffen werden, um eine solche
Zurückhaltung auf regionaler Basis in Lateinamerika zu fördern, und wir sind
bereit, ähnliche Bemühungen von Ländern in anderen Regionen zu unterstützen.

Zusammenfassung
Lassen Sie mich betonen, daß wir in all den Fragen, die ich heute angesprochen habe, mehr gemeinsam haben als uns trennt.
Wir leben auf dem selben kleinen Planeten.
Wir haben gemeinsamemenschliche Wünsche und Hoffnungen - auf ein besseres
Leben, auf größere Chancen, auf Freiheit und auf Sicherheit.
Und weil wir ein gemeinsames Schicksal teilen, sind wir einfach gezwungen
unsere Differenzen beizulegen.
Wenn wir uns auf diese gemeinsamen Interessen konzentrieren, dann können
wir auch den gemeinsamen Boden für einen weltweiten Fortschritt finden.

Wir

können, wie Jean Monnet gesagt hat, unsere Probleme auf die eine Seite des
Tisches setzen und uns alle auf die andere Seite.
Der Maßstab unseres Fortschritts wird nicht sein, ob wir all unsere Ziele
in dieser Generation erreichen, denn das wird sich sicher als unmöglich erweisen.
Er wird darin bestehen, ob wir jetzt den Willen aufbringen können, zusammen
voranzuschreiten, damit unsere Kinder aus unseren Anstrengungen und unserem Weitblick profitieren mögen.
+ + + + +
- 23 -

�I
I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
4. Oktober 1978

24

DER WIRTSCHAFTLICHE AUSBLICK FÜR DIE USA UND DIE WELT
- Von W. Michael Blumenthal -

Der amerikanische Finanzminister W. Michael
Blumenthal hat am 26. September 1978 vor
dem Gouverneursrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank eine Rede gehalten, in der er sich mit dem Stand
und den Aussichten der amerikanischen und
der internationalen Wirtschaft sowie den Zukunftsaufgaben des IWF, vor allem in den
Entwicklungsländern befaßte.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:

WASHINGTON - (AD) - Wir treffen hier zu einem Zeitpunkt zusammen, an dem
das Bild der Weltwirtschaft von der Öffentlichkeit mit Unsicherheit und Sorge
betrachtet wird:

wegen der anhaltenden Inflation; wegen der Arbeitslosigkeit

in aller Welt und der Frage, wie man die Arbeitslosen wieder in den Arbeitsprozeß eingliedern kann; wegen der internationalen Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte und der Frage, wie man diese ohne ungebührliche Belastungen des internationalen Währungs- und Handelssystems beseitigen kann.

Sorge macht man sich

auch bezüglich der Aussichten der amerikanischen Wirtschaft.
Was

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Was ich Ihnen heute nahe legen möchte ist, diesen Sorgen nicht zu gestatten, unser Bewußtsein von unseren Zukunftsvorstellungen zu trüben. Sicherlich stellen unerträglich hohe Inflations- und Arbeitslosenraten in mehreren
Ländern ein ernstes Problem dar.

Und in manchem Land, so auch in unserem ei-

genen, sind die Ungleichgewichte im Bereich der Außenwirtschaft zu groß - was
die Überschüsse wie die Defizite angeht.
lösen gilt.

Das sind ernste Probleme, die es zu

Das ist keine leichte Aufgabe. Wir sollten aber die Tatsache

nicht aus den Augen verlieren, daß wir manche Krisenpunkte bereits hinter uns
gebracht haben, daß wir Fortschritte machen und daß weitere Verbesserungen
bereits eingeleitet wurden.

Die Fortschritte, die die hier in diesem Saal

vertretenen Länder gemeinsam und jedes für sich erzielt haben, sind bedeutsam und augenfällig.

Sie zeigen, wie weit wir inzwischen gekommen sind und

daß schwierige Probleme nicht unlösbar und weitere Fortschritte möglich sind.

Die bisherige Erholung der Weltwirtschaft
Vor drei Jahren stand die Welt vor dem, was wie eine schier unüberwindbare Schwierigkeit anmutete: stagnierende Weltproduktion, steigende Arbeitslosigkeit und eine um sich greifende zweistellige Inflation. Es war zu befürchten, daß die stark angeschwollenen Zahlungsungleichgewichte nicht mehr
zu finanzieren seien, und daß Industriestaaten wie Entwicklungsländer ihre
Zuflucht zu scharfen finanziellen Beschränkungen und einem infektiösen Protektionismus nehmen würden.
Das alles ist nicht eingetreten.

Der Fortschritt war viel größer, als

man generell begriffen hat.
- Im Jahre 1974 beliefen sich die Inflationsraten im Weltdurchschnitt
auf 15 und in den OECD-Ländern auf 13 Prozent. Heute liegt der Weltdurchschnitt unter 10 und die OECD-Rate unter 8 Prozent.
- Im Jahre 1975 ging die Wirtschaftstätigkeit in der OECD um 1 Prozent

- 2 -

�1 Prozent zurück; dieses Jahr werden die OECD-Länder ein respektables
durchschnittliches Wachstum von 3,5 Prozent aufweisen.

- Im Jahre 1974 bezifferte sich der Zahlungsbilanzüberschuß der OPECLänder auf 70 Milliarden Dollar; dieses Jahr wird er etwa 16 Milliarden betragen.

- Im Jahr 1975 belief sich das Leistungsbilanzdefizit der Entwicklungsländer insgesamt auf 30 Milliarden Dollar; im Jahre 1978 wird es etwa 16 Milliarden ausmachen.

Die auf Kredite angewiesenen Länder sind heute im allge-

meinen in einer stärkeren Position, was ihre Möglichkeit angeht, Kapital an
sich zu ziehen.

Tatsächlich konnten die Entwicklungsländer insgesamt ihre

amtlichen Währungsreserven während der letzten zweieinhalb Jahre um etwa 30
Milliarden Dollar erhöhen.
- Die meisten Industriestaaten, die 1974 und 1975 größere Zahlungsbilanzdefizite verzeichneten, vermochten diese Defizite beträchtlich zu vermindern,
wenn nicht sogar einen Überschuß zu erwirtschaften.

Offensichtlich hat die Weltwirtschaft das angestrebte Maß an Gesundheit und Stärke noch nicht voll und ganz erreicht.

Sie ist aber auf dem Weg

dahin ein gutes Stück vorangekommen, und wir wissen, was noch getan werden
muß.

Im Interimsausschuß des Internationalen Währungsfonds (IWF) und in der
OECD ergab sich - wie auf dem Bonner Gipfeltreffen der sieben größten Industrienationen - Übereinstimmung über die grundlegende Strategie für weitere
Fortschritte beim Abbau der Arbeitslosigkeit, der Inflation und den Zahlungsungleichgewichten.

Diese Strategie wird nunmehr in die Tat umgesetzt.

Die

japanische Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen bekanntgegeben, die dem
Zweck dienen, die Erreichung der binnenwirtschaftlichen Wachstumsziele sicherzustellen und die Verminderung der Leistungsbilanzüberschüsse zu beschleunigen.
Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat dem Bundestag Maßnahmen zuge-

- 3 -

�zugeleitet, die ein rascheres Wirtschaftswachstum gewährleisten sollen.

Und

auch andere Industrie- und Entwicklungsländer konnten die Grundlagen für einen
Aufwärtstrend ihrer wirtschaftlichen Wachstumsraten verbessern.
Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen heute über die derzeitige Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten berichten.

Unsere Volkswirtschaft hat

bemerkenswerte Leistungen erzielt und befindet sich heute in einem weiter fortgeschrittenen Stadium der Erholung als die Wirtschaft in den meisten Industriestaaten.

Seit Oberwindung der Talsohle der Rezession im Jahre 1975 haben wir

10 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen und die Gesamtbeschäftigung um 12
Prozent ausgeweitet.

Die Arbeitslosenrate konnte von über 9 auf weniger als

6 Prozent gesenkt werden.

Die Industrieproduktion wurde um 31 Prozent ge-

steigert und liegt heute lo Prozent über dem Höchststand vor der Rezession
- was eine weit stärkere Expansion als in anderen Industriestaaten bedeutet.
Wir erzielten 1976 ein Wirtschaftswachstum von 5,7 und 1977 von 4,9 Prozent.
Unser reales Bruttosozialprodukt hat seit 1975 um 18 Prozent zugenommen.

Das

ist eine beträchtliche Leistung im Anschluß an die Schocks und Belastungen der
anfänglichen siebziger Jahre.

Die amerikanische Wirtschaft nähert sich dem

Punkt der optimalen Nutzung der Produktionskapazitäten.
Wir rechnen nunmehr mit einem Abflachen der Wachstumsrate auf einen Satz,
der mehr im Einklang mit der Rate der Ausweitung des Produktionspotentials
unserer Wirtschaft steht. Wir werden auf diesem Weg zu weiterem Wachstum voranschreiten und gleichzeitig das Defizit im Bundeshaushalt, die Inflationsrate und das Leistungsbilanzdefizit senken.
Im Jahre 1976 belief sich das Haushaltsdefizit auf über 66 Milliarden
Dollar. Für das Haushaltjahr, das nächste Woche zu Ende geht, wird der erste
von der Carter-Administration eingebrachte Haushalt mit einem Defizit von 50
Milliarden Dollar oder weniger abschließen - d.h. mit rund 16 Milliarden weniger als im Vorjahr. Im kommenden Haushaltjahr rechnen wir mit einer Verringerung um mindestens weitere 10 Milliarden Dollar, und im Haushaltjahr 1980
beabsichtigt der Präsident das Defizit abermals erheblich vermindern zu können.

- 4 -

�können.

Eine zurückhaltende Haushaltpolitik ist dringend erforderlich, um

das binnenwirtschaftliche Ziel der Eindämmung der Inflation zu erreichen
und das Streben nach Ausgleich der Außenwirtschaftsbilanzen zu intensivieren,
das sich in der vom IWF empfohlenen Strategie widerspiegelt.

In bezug auf die amerikanische Zahlungsbilanz treten mehrere Schlüsselfaktoren in Erscheinung, die auf eine Verbesserung der derzeitigen Situation
hinwirken.

Wir machen inzwischen endlich auch Fortschritte auf dem Energiesektor.
Die zuständigen Kongreßausschüsse haben sich auf mehrere Maßnahmen geeinigt,
die die Einsparung von Energie begünstigen und den Wirkungsgrad bei der Verwendung von Energie steigern sollen.

Mit der Verabschiedung dieser Gesetzge-

bungsmaßnahmen ist in Kürze zu rechnen.
Ich bin sehr ermutigt durch die Entscheidung, das Erdgasgesetz in dieser
Woche im Senat zur Abstimmung zu bringen.

Die Annahme dieses Gesetzes allein

wird schon Anfang 1979 eine Verringerung der öl einfuhren um bis zu 500 000
Barrel pro Tag gegenüber den Einfuhrmengen möglich machen, die andernfalls
benötigt würden - was jährlichen Einfuhreinsparungen in Höhe von mehr als
2 Milliarden Dollar entspricht.

Der Kongreß ist sich der großen Wichtigkeit

bewußt, die die ganze Welt dieser Frage wegen ihrer Auswirkungen auf unsere
Zahlungsbilanz und die Stabilität des Dollars beimißt.

Ich bin zuversichtlich,

daß das Abstimmungsergebnis im Senat diese Erkenntnis widerspiegeln wird.

Während wir einerseits unsere Abhängigkeit von üleinfuhren abbauen, unternehmen wir andererseits große Anstrengungen, die amerikanische Ausfuhr auszuweiten.

Der Präsident wird heute nachmittag erste Grundzüge einer nationalen

Ausfuhrpolitik bekanntgeben.

Sie soll unsere Produzenten und Farmer ermutigen,

sich die Exportchancen zu nutze zu machen, die sich ihnen heute bieten.

Die

neue Ausfuhrpolitik ist kein sofort wirksamer Ersatz für unser bisheriges Zaudern; sie wird aber unseren Exportmärkten mehr und mehr jene Dringlichkeit zugestehen, die notwendig ist, wenn wir unser Defizit in der Leistungsbilanz abbauen wollen.

,
Ich

T

- 5 -

�Ich vertraue darauf, daß diese Anstrengungen im Verein mit einer Verlangsamung der amerikanischen Wirtschaft und einem befriedigerenden Wachstum
der übrigen Weltwirtschaft dazu beitragen werden, unser derzeitiges Leistungsbilanzdefizit erheblich zu senken - vielleicht um 30 bis 40 Prozent gegenüber
dem derzeitigen Stand.

Wenn gleichzeitig ein erheblicher Abbau des Leistungs-

bilanzüberschusses Japans und eine weitere Verringerung der Überschüsse Deutschlands und der OPEC-Länder erreicht wird, können wir auf ein neues Muster der
internationalen Zahlungsströme rechnen, das ein zuträglicheres Klima auch auf
den Devisenmärkten schafft.
Entscheidend wichtig für die Erreichung dieses Ziels ist die Senkung
der Inflationsrate in den Vereinigten Staaten,

In der ersten Jahreshälfte

1978 stieg der Lebenshaltungskostenindex mit einer Jahresrate von über 10 Prozent - zum Teil eine Folge schlechter Witterungsverhältnisse und deren Auswirkung auf die Nahrungsmittel preise.

Für die zweite Jahreshälfte rechnen wir mit

einer erheblichen Mäßigung der Inflationsrate, wie sie schon in den Juni- und
Augustziffern zum Ausdruck kommt.

Dennoch ist klar, daß das Ausmaß der In-

flation noch immer zu groß ist und daß weitere Schritte zu ihrer Eindämmung
notwendig sind.
Wie er gestern erklärte, hält der Präsident dies für die dringendste Aufgabe seiner Administration. Er wird demnächst eine Verstärkung unserer Bemühungen bekanntgeben, die darauf abzielen, weitere kontinuierliche Fortschritte
in der Senkung der Inflationsraten zu erzielen.
Diese verstärkten Bemühungen zur Bekämpfung der Inflation werden sich nicht
auf eine einzige Aktion beschränken.

Sie werden genau auf die Währungspolitik

abgestimmt sein, die das Bundeszentralbankensystem betreibt - eine Politik,
die die Absicht verfolgt, die Inflationsrate zu senken und gleichzeitig unserer Wirtschaft die Möglichkeit zu bieten, in einem Ausmaß zu wachsen, das
ihrem eigentlichen Potential entspricht.

Sie werden auch auf die Steuervor-

schläge abgestimmt sein, die der Präsident dem Kongreß vorgelegt hat.

Diese

Vorschläge dienen dem Zweck, zu einer verstärkten Kapitalbildung anzuregen, urn

- 6 -

�um eine Ausweitung unserer Industriekapazität zu ermöglichen.

Diese Facette

unseres Wirtschaftsprogramms ist von entscheidender Bedeutung sowohl für die
Aufrechterhaltung eines nicht-inflatorischen Wachstums als auch für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie.
Alles in allem ist das Weltwirtschafts- und Finanzsystem weit stärker
und flexibler als man gemeinhin annimmt. Dieses System war in den vergangenen Jahren schweren Belastungen ausgesetzt, hat jedoch dem Sturm standgehalten.
Die privaten Geldmärkte sind der beispiellosen Nachfrage nach Finanzierungsmitteln gerecht geworden. Die Regierungen haben in Ergänzung Aktivitäten der
privaten Kreditwirtschaft in verstärktem Maße Kredite zu Vorzugsbedingungen
zur Verfügung gestellt. Die Weltbank und die regionalen Entwicklungsbanken
haben ihre Ausleihungen für Entwicklungsaufgaben erweitert. Der Internationale
Währungsfond vermochte die Zahlungsbilanzerfordernisse seiner Mitgliedstaaten
erfolgreich zu finanzieren. Das System hat die Fähigkeit bewiesen, sich den
rasch verändernden Bedingungen der Weltwirtschaft anzupassen.

Der Internationale Währungsfond
Der Internationale Währungsfond ist das institutionelle Kernstück unseres Weltwährungssystems. Seit der letzten Tagung erfuhren die Statuten des
Fonds einschneidende Veränderungen und wurde die beschlossene Aufstockung der
Einlagen wirksam. Diese Maßnahmen sind das Ergebnis jahrelanger Verhandlungen
über die künftige Gestalt dieses Systems. Wir müssen unser Augenmerk künftig
auf die Verwirklichung der neuen Bestimmungen, die Unterstützung des Fonds bei
der Verwirklichung seiner größeren Rolle in der Überwachung des Währungssystems
und bei der Befriedigung der Zahluhgsbilahzfinanzierungserfordernisse einer expandierenden Weltwirtschaft richten.
Ich freue mich, Ihnen berichten zu können, daß der Kongreß in das Schlußstadium der Billigung der amerikanischen Beteiligung an der zusätzlichen Finanzierungsfazilität eingetreten ist. Ich bin zuversichtlich, daß diese Arbeiten

- 7 -

�Arbeiten bald zum Abschluß kommen und die Vereinigten Staaten in die Lage
versetzen werden, sich an den kooperativen Anstrengungen zu beteiligen, das
internationale Währungssystem in den vor uns liegenden Jahren weiter zu
stärken.
Gleichzeitig müssen wir aber langfristig planen. Wir müssen sicherstellen,
daß die Finanzressourcen des Fonds stets ausreichend sind, damit er seiner Verantwortung für die Bereitstellung von Mitteln für die Finanzierung der Zahlungsbilanzen und für die Förderung der Stabilität und Anpassung jederzeit
nachkommen kann. Der Interimsausschuß hat Übereinstimmung über Maßnahmen
zur Stärkung der Position des Fonds erreicht.

Die Vereinigten Staaten sind

der Überzeugung, daß eine Erhöhung der Einlagequoten um 50 Prozent innerhalb
eines Zeitraums von 5 Jahren vernünftig und notwendig ist. Eine der wichtigsten
Aufgaben des Internationalen Währungsfonds ist es, staatliche Finanzierungsmittel
unter den Bedingungen bereitzustellen, die sich als entscheidend wichtig für
ein erfolgreiches Arbeiten des Fonds erwiesen haben.

Die Aufstockung der Quo-

ten, über die noch vor Jahresende endgültig entschieden werden soll, wird die
Gewähr schaffen, daß der Fond seine erfolgreiche Arbeit weiterführen kann.
Wir treten ferner für eine Zuteilung von jährlich 4 Milliarden Sonderziehungsrechten innerhalb der nächsten drei Jahre ein. Das steht in Einklang
mit den Liquiditätserfordernissen einer expandierenden Weltwirtschaft und
auch mit der Notwendigkeit, die Sonderziehungsrechte als ein geeignetes und
wichtiges Reserveinstrument zu erhalten. Wir wissen, daß das Problem der Inflation heute Mäßigung in allen amtlichen Entscheidungen gebietet, die Weltwährungsreserven zu erweitern. Die vom Interimsausschuß vorgeschlagene Zuteilung von Sonderziehungsrechten stellt einen klugen Kompromiß dar und wird
unsere Bemühungen um die Eindämmung der Inflation nicht im geringsten beeinträchtigen. Der Interimsausschuß einigte sich ferner auf wichtige neue
Schritte, die Benutzbarkeit und Nützlichkeit der Sonderziehungsrechte zu erhöhen. Wir begrüßen diesen bedeutsamen Fortschritt in der Weiterentwicklung
dieser Reserveeinheit.

Der
- 8 -

�Der Internationale Währungsfond hat mit der Verwirklichung der neuen
Richtlinien und Verfahren bei der Überwachung von Devisenarrangements und
des internationalen Währungssystems im allgemeinen begonnen.

Wir sind der

Auffassung, daß den Kontrollfunktionen des Fonds entscheidendeBedeutung für
die Gestaltung des internationalen Währungssystems in der Zukunft zukommt.
Wir werden ihn in seiner Arbeit rückhaltlos unterstützen und vertrauen darauf,
daß auch andere dies tun werden.

Wir nehmen mit großem Interesse Kenntnis von den Maßnahmen, die seitens
der Mitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft unternommen werden,
um dem Ziel der wirtschaftlichen und währungsmäßigen Integration näher zu
kommen - einem Ziel, das die Vereinigten Staaten schon seit langem befürworten.

Es ist von grundlegender Bedeutung, daß die Währungsarrangements, die

die Europäische Gemeinschaft zu treffen bemüht ist, zur Stärkung und Stabilität des weltweiten Währungssystems und zur zentralen Rolle des IWF innerhalb
desselben beitragen.

Ich bin sicher, daß dies der Fall sein wird.

Die Entwicklungsländer und die Weltbank

Ich wende mich nunmehr dem zweiten Teil unserer Tagesordnung zu: den
Problemen der Entwicklungsländer und den Maßnahmen, die notwendig sind, um
die Weltbank-Gruppe bei der Wahrnehmung ihrer Hauptverantwortung zu unterstützen.

Ich fühle mich sehr ermutigt durch die wirtschaftlichen Fortschritte,

die die Entwicklungsländer seit längerem schon machen.

Ihr wirtschaftliches

Wachstum war angesichts der ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den
letzten Jahren beträchtlich.

Der Außenhandel der Entwicklungsländer erwies

sich als stark, und ihre Devisenreserven haben erheblich zugenommen.

Somit

haben die Flexibilität , die Stärke und die Dynamik des Weltwirtschaftssystems
den Interessen der Entwicklungsländer wie denen der Industriestaaten wirkungsvoll gedient.

Das ist alles sehr vielversprechend, aber längst nicht genug.

- 9 -

Weltbank-

�Weltbankpräsident McNamara entwarf gestern ein umfassendes, ausgewogenes und
lebendiges Bild der Lage, über das wir uns alle Gedanken machen sollten.
Der Bericht der Bank über die Entwicklungsarbeit in aller Welt gibt uns eine
Richtschnur von unschätzbarem Wert in bezug auf die vor uns liegenden Aufgaben an die Hand.
Wir stehen vor einer nüchternen Situation.

Selbst wenn die derzeitigen

ermutigenden Trends anhalten, wird es immer noch 600 Millionen Menschen auf
der Erde geben, die sich Ende des Jahrhunderts mit absoluter Armut konfrontiert
sehen werden.

Sollte sich das Wirtschaftstempo verlangsamen oder sollten die

Familienplanungsprogramme nicht weiter ausgebaut werden, könnte
sogar auf 1 Milliarde anwachsen.

Erträgliche Lebensverhältnisse

ihre Zahl
für die

nächste Generation können wir nur schaffen, wenn die Volkswirtschaften der
Entwicklungsländer rascher wachsen und die Segnungen dieses Wachstums weiteren
Kreisen als bisher zugute kommen.

Dies wiederum wird von größeren Anstrengungen

seitens der Industrie- und der Entwicklungsländer auf mehreren Gebieten und von
einer engeren Zusammenarbeit unter ihnen abhängen.
Erstens müssen die Entwicklungsländer die Chance haben, über den Außenhandel wirtschaftlich auf eigene Füße zu kommen. Die Vereinigten Staaten
werden gemeinsam mit anderen Industriestaaten ihr Teil tun, ein offenes Welthandelssystem aufrechtzuerhalten. In den GATT-Verhandlungen treten die Vereinigten Staaten für eine generelle 40prozentige Senkung der bestehenden Zölle
ein und stützen sich hierbei auf das Prinzip der Normalisierung, demzufolge
höhere Zölle um einen höheren Prozentsatz zu senken sind. Sie treten ferner
für die Reduzierung der nicht-tarifären Handelsbeschränkungen ein. Sie werden
sich dem Druck von Industriestaaten widersetzen, über Maßnahmen zum Schutz der
eigenen Volkswirtschaften den Entwicklungsländern den Zugang zu ihren Märkten
zu erschweren.
Die Entwicklungsländer - insbesondere jene, die bereits starke Außenhandelsinteressen vertreten - müssen ihrerseits als Partner an den Bemühungen teilnehmen, anderen Ländern auf der Basis der Reziprozität Handelsvergünstigungen
- 10 -

�Handelsvergünstigungen zu gewähren.

Sie müssen ihr Teil dazu beitragen,

Regelungen zu stützen, die ein offenes Handelssystem möglich machen.

Andern-

falls werden sich die Aussichten auf eine Liberalisierung des Handels vermindern.
Zweitens müssen die Entwicklungsländer Zugang zu einem wachsenden Strom
von ausländischem Kapital zu Normalbedingungen haben.
für Länder mit mittlerem Einkommen.
der Basis der Gegenseitigkeit.

Das gilt insbesondere

Auch hier bestehen Verpflichtungen auf

Die Industriestaaten müssen sicherstellen, daß

die Kapitalmärkte offen bleiben und daß jene Marktmechanismen vorhanden sind,
die ihnen ein reibungsloses Funktionieren ermöglichen.

Um den. Zustrom von Ka-

pital aufrechtzuerhalten, müssen die Kreditnehmerländer unter Beweis stellen,
daß sie dieses Kapital produktiv nutzen können und ein gutes Investitionsklima
gewährleisten.
Drittens muß der Zustrom von Kapital zu Sonderbedingungen real verstärkt
werden.

Er sollte in erster Linie den ärmeren Ländern zugute kommen und greif-

bare Ergebnisse und erweiterte wirtschaftliche Chancen für die Ärmsten in jenen Ländern zeitigen.

Die Vereinigten Staaten schlagen vor, ihre Hilfe zu

Sonderbedingungen in Zukunft zu verstärken und hoffen im Haushaltjahr 1979
insgesamt 6,8 Milliarden Dollar für diese Zwecke bereitstellen zu können.
Viertens machen es die von uns gesteckten Ziele notwendig, den Anstrengungen zur Beseitigung der Armut in Stadt und Land größeres politisches Gewicht beizumessen, um die Produktivität und die Beschäftigungsaussichten der
Armen sowie auch die Nahrungsmittelproduktion steigern zu können.
Der Energiesektor ist ein weiteres Gebiet, dem große Dringlichkeit zukommt.

Die hohen ölkosten verschärfen die Notwendigkeit, neue Energiequellen

in den Entwicklungsländern zu entwickeln.

Die Vereinigten Staaten unterstützen

die diesbezüglichen Initiativen der Weltbank mit Nachdruck und sind bereit, mit
technischer und anderweitiger Hilfe zur Entwicklung auf dem Energiesektor beizutragen.
Die
- 11 -

�Die Weltbank steht im Mittelpunkt dieser Bestrebungen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Sie ist die größte Quelle von Kapital für Entwicklungs-

zwecke und ein Katalysator für die Mobilisierung privaten Auslandskapitals.
Die Vorhaben der Bank konzentrieren sich in steigendem Maße auf die Hebung der
Produktivität der Armen und die Verteilung der Früchte des Wirtschaftswachstums
auf weiteste Kreise. Wegen ihrer langjährigen und eingehenden Erfahrungen auf
dem Gebiet der Wirtschaftsentwicklung ist die Bank fähig, kreditsuchenden Regierungen mit vernünftigem Rat zur Seite zu stehen.

Sie ist dank ihrer Finanz-

struktur in der Lage, ein faires System der Lastenverteilung unter Kreditempfänger- und Kreditnehmerländern sicherzustellen.
Aus diesen Gründen werden die Vereinigten Staaten die Weltbank-Gruppe
und die regionalen Entwicklungsbanken auch weiterhin tatkräftig unterstützen.
- In diesem Jahr hoffen die Vereinigten Staaten 2,6 Milliarden Dollar als
ihren Anteil zur Finanzausstattung der multilateralen Entwicklungsbanken beisteuern zu können.
- Auf dem Bonner Gipfeltreffen verpflichteten sich die Vereinigten Staaten
gemeinsam mit anderen Ländern für eine Erhöhung der realen Ausleihebefugnisse
der International Development Association (IDA) einzutreten. Ich kann Ihnen
versichern, daß meine Regierung eine aktive und konstruktive Rolle in den diesjährigen IDA-Verhandlungen spielen wird. .
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß die Ausleihebefugnisse
der Weltbank mittelfristig jährlich um rund 5 Prozent ausgeweitet werden
sollten und befürworten eine beträchtliche Aufstockung der Kapitalausstattung
der Weltbank, um dies möglich zu machen.

Ich hoffe, daß die Diskussion über

eine allgemeine Kapitalerhöhung der Weltbank diesen Herbst aufgenommen werden
kann

und daß schon in Kürze eine prinzipielle Einigung erreicht werden wird.
Alles in allem tritt meine Regierung für eine Ausweitung der Tätigkeit

der Weltbank und die Verstärkung ihrer Anstrengungen im Kampf gegen die Armut

- 12 -

�Armut ein.

Das sind unerläßliche Stützen einer gesunden internationalen

wirtschaftlichen und politischen Ordnung.
Herr Vorsitzender, ich bin mir der Tatsache bewußt, daß ich in meiner
Rede vor dieser Tagung dem Brauch folge, Einzelkommentare zu den verschiedenen Tätigkeiten des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank abzugeben.

Das ist ein nützlicher Brauch, der aber doch etwas Artifizielles an

sich hat.

Die Teilnehmer an der Tagung in Bretton Woods waren sich über die

Wechselbeziehungen zwischen den Aktivitäten der beiden Schwesterorganisationen
voll im klaren, die sie in einer Welt schufen, die sich eben erst vom Krieg
zu erholen begann.

Die jüngsten Ereignisse haben einmal mehr gezeigt, daß

die weltweite Inflation, der internatinale Zahlungsverkehr, der Welthandel
und die wirtschaftliche Entwicklung unlösbar miteinander verknüpft sind.
Der Fortschritt, den die Völker seit der weltweiten Rezession an allen
diesen Fronten erzielt haben, ist beträchtlich. Es muß aber noch mehr geschehen. Meine Regierung wird ihr Teil dazu beitragen, diesen Prozeß voranzutreiben, indem sie für eine offene Weltwirtschaft eintritt, indem sie
weiterhin einen freien Strom von Gütern und Kapital sicherstellt, indem sie
den Zustrom von Hilfe steigert und indem sie darauf hinarbeitet, ihre diesbezügliche Politik im eigenen Lande zu festigen.

+ + + + +

- 13 -

�24

4. Oktober 1978

AN ALLE BEZIEHER DES "AMERIKA DIENSTES

Richtigstellung
Im "Amerika Dienst - Information und Dokumentation" Nr. 18 vom
19. Juli 1978 findet sich in dem Beitrag "Town Meeting Präsident Carters
mit Bürgern in der Berliner Kongreßhalle", Seite 10 (oben), die auf einer
Fehldeutung des tatsächlichen Handlungsablaufs beruhende Anmerkung "An
dieser Stelle fragte der Dolmetscher irrtümlich, wieviel Geld Amy von der
Regierung erhält."

Die in der Anmerkung aufgestellte Behauptung entspricht

nicht den Tatsachen.

Der Übersetzer hatte vielmehr in der aus dem Publikum

gestellten Frage nach Amys Taschengeld "Taschengeld" zutreffend mit "pocket
money" übersetzt.

Im selben Augenblick entglitt Präsident Carter jedoch der

Ohrhörer, dessen er sich für das Abhören der gedolmetschten Fragen bediente,
so daß er die Frage mißinterpretierte.
Wir bedauern die fälschliche Feststellung in der besagten Anmerkung
und geben diese Richtigstellung, um jeden Zweifel an der Korrektheit der
Obersetzung zu beseitigen.
Redaktion "Amerika Dienst"
+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Briefwechsel von Camp David&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Carters auf der Jahrstagung der Weltbank und des IWF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikas neue Exportförderungspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter kündigt Maßnahmen zur Steigerung der Ausfuhren an -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Vance vor der UN-Vollversammlung am 29. Sept. 1978&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der wirtschaftliche Ausblick für die USA und die Welt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Richtigstellung&lt;/strong&gt;</text>
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und
TT!
m
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. September 1978

23

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärungen Carters, Sadats und Begins zum Abschluß der Gipfelkonferenz
von Camp David
Die Vereinbarungen von Camp David
- Wortlaut der beiden Dokumente Präsident Carter berichtet dem US-Kongreß über Camp David
- Wortlaut der Ansprache -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Biosynthese von menschlichem Insulin gelungen
- Genchirurgie gewinnt praktische Bedeutung Kri11 krebse - ein riesiges Eiweißreservoir
- Forschung soll international gültige Regeln für den Großfang vorbereiten

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23

22. September 1978

ERKLÄRUNGEN CARTERS, SADATS UND BEGINS ZUM ABSCHLUSS DER GIPFELKONFERENZ
VON CAMP DAVID

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter, der ägyptische Präsident Sadat
und der israelische Ministerpräsident Begin haben am 17. September 1978 anläßlich der feierlichen Unterzeichnung der Abschlußdokumente des Gipfeltreffens von Camp David im Weißen Haus vom Fernsehen übertragene Erklärungen
abgegeben, die folgenden Wortlaut haben:

PRÄSIDENT CARTER:

Worüber wir uns bei unserer Ankunft in Camp David

als erstes einigten, war, die Menschen in der Welt zu bitten, sie möchten
beten, daß unsere Verhandlungen erfolgreich sein würden.
über alle Erwartungen hinaus Erhörung gefunden.

Diese Gebete haben

Es ist uns heute vergönnt,

Zeugen eines bedeutsamen Ergebnisses in der Sache des Friedens zu sein, eines
Ergebnisses, das noch vor einem Jahr - ja, noch vor einem Monat - niemand für
möglich gehalten hätte, eines Ergebnisses, das den Mut und die Weisheit dieser beiden Führer widerspiegelt.

Wir haben während 13 langer Tage in Camp David gesehen, wie sie Entschlossenheit, Weitblick und Flexibilität zeigten, die für das Zustandekommen dieses Abkommens notwendig waren.
und Respekt.

Wir alle schulden ihnen Dankbarkeit

Sie wissen, daß ihnen stets meine persönliche Bewunderung ge-

hören wird.

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Es sind immer noch große Schwierigkeiten übriggeblieben, und viele
harte Probleme bleiben zu lösen.

Die Fragen, die dem Nahen Osten während

der vergangenen 30 Jahre Krieg und Bitterkeit gebracht haben, werden sich
nicht über Nacht lösen lassen. Aber wir alle sollten die wesentlichen Ergebnisse anerkennen, die erzielt wurden.
Eines der Abkommen, die Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin
heute abend unterzeichnen, trägt den Titel: "Rahmen für den Frieden im
Nahen Osten".
Dieser Rahmen betrifft in konkretester Form die Prinzipien und einige
Spezifika, die bestimmend für eine umfassende Friedenslösung sein werden.
Es befaßt sich spezifisch mit der Zukunft des Jordan-Westufers (west bank)
und des Gazastreifens und der Notwendigkeit für eine Lösung des PalästinenserProblems in all seinen Aspekten.

In dem Rahmendokument wird eine fünfjäh-

rige Übergangsperiode für das Westufer und für Gaza vorgeschlagen, während
der die israelische Militärregierung abgezogen und eine Selbstverwaltung
mit voller Autonomie gewählt werden wird.
Es sieht ferner vor, daß israelische Streitkräfte während dieser Übergangsperiode an spezifischen Punkten zum Schutze der Sicherheit Israels
verbleiben.
Die Palästinenser werden das Recht haben, sich an der Bestimmung ihrer
eigenen Zukunft in Verhandlungen zu beteiligen, die über den endgültigen
Status des Westufers und des Gazastreifens entscheiden werden, und dann einen
israelisch-jordanischen Friedensvertrag zustandezubringen.
Grundlage für diese Verhandlungen werden all die Bestimmungen und Prinzipien der Resolution 242 des Weltsicherheitsrates sein.

Das Abkommen sieht

weiter vor, daß Israel in Frieden innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen
leben soll.
Diese

�Diese große Sehnsucht Israels ist von Präsident Sadat, dem Führer eines
der bedeutendsten Völker der Erde, uneingeschränkt und mit größtem Enthusiasmus bestätigt worden.

Das andere Dokument trägt den Titel:

"Rahmen für den Abschluß eines

Friedensvertrages" zwischen Ägypten und Israel.

In ihm wird die volle Ausübung der ägyptischen Souveränität über den
Sinai anerkannt.

Es fordert den vollen Abzug der israelischen Streitkräfte

aus dem Sinai; und nach einer Interimsabzugsphase, die sehr rasch erfolgen
wird, die Aufnahme normaler, friedlicher Beziehungen zwischen den beiden
Ländern, wozu auch diplomatische Beziehungen gehören.

Zusammen mit den sie begleitenden Schreiben, die morgen veröffentlicht
werden, bieten die beiden Abkommen von Camp David die Grundlage für Fortschritt und Frieden im gesamten Nahen Osten.

In einem Punkt ist ein Übereinkommen nicht erzielt worden.

Ägypten

erklärt, daß die Übereinkunft über die Entfernung der israelischen Siedlungen vom ägyptischen Territorium eine Vorbedingung für einen Friedensvertrag
ist.

Israel erklärt, daß die Frage der israelischen Siedlungen während

der Friedensverhandlungen gelöst werden sollte.

Das ist ein substantieller

Unterschied.

Das israelische Parlament - die Knesset - wird innerhalb der nächsten
beiden Wochen über die Frage dieser Siedlungen entscheiden.

Morgen abend (18. September) werde ich vor den Kongreß treten, um diese
Abkommen eingehender zu erläutern und um über die Implikationen zu sprechen,
die sie für die Vereinigten Staaten und die Welt haben.

Jetzt im Augenblick

und abschließend möchte ich mehr persönlich von der Bewunderung sprechen,
die ich für all jene empfinde, die an diesem Prozeß teilgenommen haben, und
von meiner Hoffnung, daß sich die Verheißung dieses Augenblicks erfüllen
werde.
- 3 -

In
~~

�In den vergangenen beiden Wochen haben die Mitglieder der drei Delegationen endlose Stunden, Tage und Nächte damit verbracht, in Gesprächen
und Verhandlungen die Probleme in den Griff zu bekommen, die ihre Völker
seit 30 Jahren getrennt haben. Wenn immer die Gefahr bestand, daß die
menschliche Energie versagen, die Geduld erschöpft oder der gute Wille am
Ende sein würde - und es gab solche Augenblicke - dann fanden diese beiden
Führer und die tüchtigen Berater in allen Delegationen in sich die Kraft,
die Chancen für den Frieden am Leben zu erhalten.
Die langen Tage von Camp David sind nun vorüber. Aber viele Monate
schwieriger Verhandlungen liegen noch vor uns.
Ich hoffe, daß der Weitblick und die Weisheit, die diese Konferenz
zu einem Erfolg werden ließen, diese Führer und die Führer aller Nationen
leiten werden, wenn sie den Prozeß auf den Frieden hin weiterführen.
Ich danke Ihnen allen sehr herzlich.

PRÄSIDENT SADAT: Lieber Präsident Carter, in diesem historischen
Augenblick möchte ich Ihnen meine Glückwünsche und meinen Dank aussprechen.
Lange Tage und Nächte hindurch haben Sie Ihre Zeit und Ihre Energie für das
Streben nach dem Frieden eingesetzt. Sie waren außerordentlich mutig, als
Sie den gigantischen Schritt taten, diese Konferenz einzuberufen. Die Herausforderung war groß, die Risiken waren hoch, aber so war auch Ihre Entschlossenheit.
Sie versicherten, als voller Partner an dem Friedensprozeß teilnehmen
zu wollen. Ich bin glücklich, sagen zu können, daß Sie Ihr Versprechen gehalten haben.
Die

- 4 -

�Die Unterzeichnung des Rahmenabkommens für eine umfassende Friedenslösung hat eine Bedeutung, die weit über dieses Ereignis hinausreicht.

Sie

signalisiert den Beginn einer neuen Friedensinitiative, bei der die amerikanische Nation im Zentrum des gesamten Prozesses steht.
In den kommenden Wochen werden wichtige Entscheidungen zu treffen sein,
wenn wir auf dem Weg zum Frieden voranschreiten sollen.

Wir müssen das Ver-

trauen des palästinensischen Volkes in das Ideal des Friedens bestärken.
Es ist unerläßlich, daß Sie Ihre aktive Rolle weiter beibehalten.
brauchen Ihre Hilfe und die Unterstützung des amerikanischen Volkes.

Wir
Lassen

Sie mich diese Gelegenheit wahrnehmen, um jedem einzelnen Amerikaner für sein
aufrichtiges Interesse an der Sache der Völker des Nahen Ostens zu danken.
Lieber Freund, wir kamen nach Camp David mit all dem guten Willen und
Vertrauen, das wir besaßen, und wir haben vor einigen Minuten Camp David
mit einem erneuten Gefühl der Hoffnung und der Inspiration verlassen. Wir
sehen den kommenden Tagen mit vermehrter Entschlossenheit entgegen, dem edlen Ziele des Friedens weiter nachzustreben.
Ihre tüchtigen Mitarbeiter haben keine Anstrengung gescheut, um zu
diesem glücklichen Abschluß zu gelangen.
satz und diese Hingabe.

Wir danken ihnen für diesen Ein-

Unsere Gastgeber von Camp David und der Staat

Maryland waren außerordentlich großzügig und gastlich.

Ihnen allen und all

jenen, die dieses große Ereignis beobachten, sage ich meinen Dank.
Lassen Sie uns gemeinsam zu Gott dem Allmächtigen beten, daß er uns
auf unserem Pfad leiten möge. Lassen Sie uns geloben, den Geist von Camp
David zu einem neuen Kapitel in der Geschichte unserer Nation werden zu
lassen.
Ich danke Ihnen, Herr Präsident.
Ministerpräsident
- 5 -

�MINISTERPRÄSIDENT BEGIN:

Herr Präsident der Vereinigten Staaten, Herr

Präsident der Arabischen Republik von Ägypten, meine Damen und Herren.
Die Camp David-Konferenz sollte umbenannt werden.

Es war die Jimmy Carter-

Konferenz!
Der Präsident ergriff eine in unserer Zeit äußerst kühne Initiative
und brachte Präsident Sadat und mich selbst sowie unsere Kollegen und Freunde
und Ratgeber zusammen unter ein Dach.

Das war schon als solches eine große

Leistung.
Der Präsident ging dabei für sich selbst ein großes Risiko ein, und es
war ein berühmter französischer Heerführer, der einmal gesagt hat, daß es
weitaus schwieriger sei, Zivilcourage als soldatischen Mut zu zeigen.
Und der Präsident hat gearbeitet.

Soweit meine historischen Kenntnisse

reichen, meine ich, daß er härter gearbeitet hat als unsere Vorväter in
Ägypten, als sie die Pyramiden bauten.
Ja, er hat wirklich Tag und Nacht gearbeitet - und wir auch. .

PRÄSIDENT CARTER: Amen.

MINISTERPRÄSIDENT BEGIN: Tag und Nacht. Wir pflegten in Camp David
zwischen drei und vier Uhr morgens zu Bett zu gehen und - wie wir dies seit
unserer Kindheit gewöhnt sind - zwischen fünf und sechs Uhr in der Frühe wieder
aufzustehen und weiterhin zu arbeiten.
Der Präsident zeigte Interesse für jeden Abschnitt, jeden Paragraphen, jeden Satz, jedes Wort und jeden Buchstaben der Rahmenabkommen.
Wir
- 6 -

�Wir hatten einige schwierige Augenblicke; wie üblich gab es einige
Krisen in den Verhandlungen, wie üblich machte irgendjemand eine Andeutung,
daß er vielleicht gern alles zusammenpacken und heimreisen würde.
ist üblich.

Das alles

Aber schließlich, meine Damen und Herren, blieb der Präsident

der Vereinigten Staaten der Gewinner des Tages. Und jetzt feiert der Friede
seinen Sieg für die Völker Ägyptens und Israels und für die gesamte Menschheit.
Herr Präsident, wir, die Israelis, danken Ihnen aus der Tiefe unseres
Herzens für alles, was Sie für die Sache des Friedens, um die wir seit über
30 Jahren gebetet und gebangt haben, getan haben. Das jüdische Volk hat
viel - zu viel - gelitten. Und daher ist der Friede für uns ein Verlangen,
das aus dem Innersten unseres Herzens und unserer Seele kommt.
Nun, als ich hierher zur Konferenz von Camp David kam, sagte ich, daß
eines Tages die Menschen in allen Teilen der Welt vielleicht aufgrund unseres Wirkens einmal werden sagen können:
Tage.

"habemus pacem" - im Geiste dieser

Können wir dies heute abend schon sagen?

Noch nicht. Wir müssen den

Weg noch weitergehen, bis mein Freund, Präsident Sadat, und ich die Friedensverträge unterzeichnen.
Wir gaben uns das Versprechen, daß wir dies innerhalb von drei Monaten
tun würden.
Herr Präsident, heute abend, bei dieser Feier des großen historischen
Ereignisses, wollen wir uns das Versprechen geben, daß wir es früher als nach
drei Monaten tun werden.
Herr Präsident, Sie haben Ihren Namen für alle Zeiten in die Geschichte
der beiden uralten Kulturvölker, dem Volk der Ägypter und dem Volk von Israel,
eingeschrieben.
Ich danke Ihnen, Herr Präsident.
PRÄSIDENT

�I

PRÄSIDENT CARTER:

Ich danke Ihnen sehr.

MINISTERPRÄSIDENT BEGIN:

Ich möchte noch ein paar Worte über meinen

Freund, Präsident Sadat, sagen.

Wir trafen zum ersten Mal in unserem Leben

im November letzten Jahres in Jerusalem zusammen.

Er kam zu uns als Gast

- ein ehemaliger Feind -, und während unseres ersten Treffens wurden wir Freunde.
Nach jüdischer Lehre gibt es eine Tradition, wonach es die größte Leistung
eines Menschen ist, seinen Feind zu seinem Freund zu machen, und dies tun wir
gegenseitig.

Seither durchlebten wir einige schwierige Tage.

nicht die lange Geschichte dieser Tage aufzeigen.
gangenheit an.

Ich werde jetzt

All das gehört der Ver-

Heute habe ich Präsident Sadat in seiner Blockhütte besucht

- denn in Camp David gibt es keine Häuser, man kennt dort nur Blockhütten.
Daraufhin besuchte er mich.

Wir gaben einander die Hand, und Gott-sei-Dank

hätten wir erneut zueinander sagen können:

"Sie sind mein Freund".

Und in der Tat werden wir jetzt unsere Arbeit und die Verständigung fortsetzen - in Freundschaft und mit gutem Willen.
lösen haben.

Wir werden noch Probleme zu

Camp David ist der Beweis dafür, daß jedes Problem gelöst werden

kann, wenn guter Wille und Verständnis und etwas Klugheit gegeben sind.
Darf ich jetzt noch meinen eigenen Kollegen und Freunden danken ...»
weil ohne sie dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Ich möchte auch meinen Dank allen Mitgliedern der amerikanischen Delegation sagen, die vom USAußenminister geleitet wurde - einem Mann, den wir verehren und respektieren.
Und ich spreche auch meinen Dank allen Mitgliedern der ägyptischen Delegation
aus, die so tatkräftig mit uns gearbeitet haben - an der Spitze der stellvertretende Ministerpräsident Mr. Touhamy - für all das, was sie getan haben, damit dieser Augenblick erreicht werden konnte. Es ist ein großer Augenblick
in der Geschichte unserer Nationen, ja, in der Geschichte der Menschheit.

Ich

�Ich habe nach einem Präzedenzfall gesucht und konnte ihn nicht finden.
Es war eine einzigartige Konferenz, vielleicht eine der wichtigsten seit dem
Wiener Kongreß im 19. Jahrhundert.

Gestatten Sie mir nun, meine Damen und Herren, daß ich mich vom Weißen
Haus aus in meiner eigenen Sprache an mein Volk wende,

(kurze Bemerkungen

in Hebräisch)

Ich danke Ihnen meine Damen und Herren.

PRÄSIDENT CARTER:

Das erste Dokument, das wir unterzeichnen werden,

trägt den Titel: "Ein Rahmen für Frieden im Nahen Osten, vereinbart in Camp
David", und die Texte dieser beiden Dokumente werden morgen veröffentlicht
werden.

Die Dokumente werden von Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin

unterzeichnet, und ich bin Zeuge.

Wir müssen drei Sätze von Dokumenten austauschen, die wir alle drei
unterzeichnen werden.

Ich darf vielleicht sagen, daß das erste Dokument seiner Art nach ziemlich umfassend ist; es bildet den Rahmen, mit dessen Hilfe Israel später über
Friedensverträge zwischen sich und dem Libanon, Syrien, Jordanien verhandeln
kann, und den Entwurf dieses Dokuments, das wir jetzt unterzeichnen werden.

Wenn Sie später diese Dokumente prüfen, dann werden Sie sehen, daß sie
Grund bieten, für die Verwirklichung der Hoffnungen und der Träume der Menschen,
die am Jordan-Westufer und im Gaza-Streifen leben»und daß sie Israel Frieden
in den kommenden Generationen sichern.

Das zweite Dokument bezieht sich auf den Rahmen für einen Friedensvertrag
zwischen Ägypten und Israel.

Dies ist das Dokument, das den Abschluß der Ver-

- 9 -

�Verhandlungen über einen Friedensvertrag innerhalb von drei Monaten vorsieht.
Ich habe die große Aufgabe erkannt, die sich diese beiden Herren damit gestellt haben.

Sie werden diese innerhalb von drei Monaten abschließen; ich

darf vielleicht sagen, daß dieses Dokument nahezu alle zwischen den beiden
Ländern bestehenden Fragen umfaßt und sie löst. Auf den Landkarten müssen
dann noch einige Linien gezogen und auch die Frage der Siedlungen muß gelöst
werden.

Davon abgesehen sind die Hauptfragen im Rahmen dieses Dokuments be-

reits gelöst.

Wir werden nun auch dieses Dokument unterzeichnen.

nung des Dokumentes).

PRÄSIDENT CARTER:

Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

- 10

(Unterzeich-

�1

1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. September 1978

23

DIE VEREINBARUNGEN VON CAMP DAVID
- Wortlaut der beiden Dokumente -

WASHINGTON - (AD) - Die am 17. September im Weißen Haus unterzeichneten
Rahmenvereinbarungen haben folgenden Wortlaut:

EIN RAHMEN FÜR DEN FRIEDEN IM NAHEN OSTEN, VEREINBART IN CAMP DAVID
Muhammad Anwar Al-Sadat, Präsident der Arabischen Republik Ägypten,
und Menachem Begin, Ministerpräsident von Israel, konferierten vom 5. bis
17. September mit Jimmy Carter, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten
von Nordamerika, in Camp David und einigten sich auf den folgenden Rahmen
für den Frieden im Nahen Osten.

Sie laden die anderen Parteien im arabisch-

israelischen Konflikt ein, diesen einzuhalten.

PRÄAMBEL
Die Suche nach dem Frieden im Nahen Osten muß durch Folgendes bestimmt

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�bestimmt werden:
- Die anerkannte Basis für eine friedliche Regelung des Konflikts
zwischen Israel und seinem Nachbarn ist die Entschließung Nr. 242 des
Sicherheitsrats der Vereinten Nationen in allen ihren Teilen.
- Nach vier Kriegen innerhalb von 30 Jahren erfreut sich der Nahe
Osten, Wiege der Kultur und Geburtsstätte dreier großer Religionen, trotz
intensiver menschlicher Bemühungen noch immer nicht den Segnungen des
Friedens.

Die Bevölkerung des Nahen Ostens ersehnt den Frieden, damit

die erheblichen menschlichen und natürlichen Ressourcen dieser Region
für Zwecke des Friedens verwendet werden können und dieses Gebiet zu
einem Modell für die Koexistenz und Zusammenarbeit unter den Völkern zu
werden vermag.
- Die historische Initiative Präsident Sadats in Gestalt seines Besuchs in Jerusalem und der Empfang, den ihm das Parlament, die Regierung
und das Volk von Israel bereitet haben, der Gegenbesuch von Ministerpräsident
Begin in Ismailia, die von beiden politischen Führern unterbreiteten
Friedensvorschläge sowie die warme Aufnahme dieser Missionen durch die
Völker beider Länder haben eine beispiellose Gelegenheit für den Frieden
geschaffen, die nicht verloren gehen darf, wenn dieser Generation und
künftigen Generationen die Tragödien des Krieges erspart bleiben sollen.
- Die Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen und andere
akteptierte Normen des Völkerrechts und der Rechtmäßigkeit stellen heute
anerkannte Normen für die Gestaltungen der Beziehungen unter allen Ländern
dar.
- Um friedliche Beziehungen im Geiste von Artikel 2 der Charta der
Vereinten Nationen herzustellen, sind künftige Verhandlungen zwischen
Israel und jedem seiner Nachbarn, der zu Verhandlungen über Frieden und
Sicherheit im gegenseitigen Verhältnis bereit ist, zu dem Zweck der

�Zweck der Durchführung aller Bestimmungen und Grundsätze der Entschließungen
Nr. 242 und 338 notwendig.
- Der Frieden erfordert die Respektierung der Souveränität, der
territorialen Integrität und der politischen Unabhängigkeit eines jeden
Staates in diesem Gebiet sowie auch ihres Rechtes, in Frieden innerhalb
sicherer und anerkannter Grenzen frei von Bedrohungen oder Gewaltakten
zu leben. Der Fortschritt in Richtung auf jenes Ziel vermag die Bewegung
auf ein neues Zeitalter der Versöhnung im Nahen Osten zu beschleunigen,
die von der Zusammenarbeit bei der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung, der Aufrechterhaltung der Stabilität und der Gewährleistung
der Sicherheit gekennzeichnet ist.
- Die Sicherheit wird durch friedliche Beziehungen und die Zusammenarbeit unter Völkern, die sich normaler Beziehungen erfreuen, gefördert.
Darüber hinaus können sich die Parteien gemäß den Bestimmungen der Friedensverträge auf der Basis der Reziprozität auf besondere Sicherheitsvorkehrungen wie entmilitarisierte Zonen, Gebiete begrenzter Rüstungen,
Frühwarnstationen, die Anwesenheit internationaler Truppen, Liasonsstellen,
gemeinsam vereinbarte Maßnahmen zum Zwecke laufender Beobachtungen und
andere von beiden Seiten als nützlich erachtete Vorkehrungen einigen.

RAHMEN

In Rücksicht auf diese Faktoren sind die Parteien entschlossen, eine gerechte, umfassende und dauerhafte Lösung des Konflikts
im Nahen Osten durch den Abschluß von Friedensverträgen zu erreichen,
die sich auf die Entschließungen Nr. 242 und 338 des Sicherheitsrates in
allen ihren Teilen gründet. Sie verfolgen das Ziel, Frieden und gutnachbarschaftliche Beziehungen zu erreichen. Sie anerkennen, daß der
Frieden, soll er von Dauer sein, alle jene einbegreifen muß, die von dem
- 3 -

�dem Konflikt auf das tiefste betroffen sind,, Sie stimmen deshalb darin
überein, daß dieser Rahmen angemessenerweise von ihnen so konzipiert ist,
daß er eine Grundlage für den Frieden nicht nur zwischen Ägypten und Israel,
sondern auch zwischen Israel und jedem anderen Nachbarn abgibt, der bereit
ist, Frieden auf dieser Basis mit Israel zu vereinbaren. Mit diesem Ziel
vor Augen sind sie übereingekommen folgendermaßen zu verfahren.
A.

Westufer und Gaza

I. Ägypten, Israel, Jordanien und Vertreter des palästinensischen
Volkes sollen an Verhandlungen zur Regelung des palästinensischen Problems
in allen seinen Aspekten teilnehmen.

Um dieses Ziel zu erreichen,sollen

die Verhandlungen in bezug auf das Westufer und Gaza in drei Phasen vonstatten
gehen:
(A) Ägypten und Israel stimmen überein, daß Übergangsregelungen für
das Westufer und Gaza zur Gewährleistung eines friedlichen und geordneten
Übergangs der Autorität und in Rücksicht auf die Sicherheitserfordernisse
aller Parteien auf den Zeitraum von höchstens fünf Jahren beschränkt werden
sollen. Um den Bewohnern die volle Autonomie zu gewähren, werden gemäß
diesen Regelungen die israelische Militärregierung und Zivil Verwaltung abgezogen, sobald sich die Bewohner dieser Gebiete in freien Wahlen eine Selbstverwaltung gegeben haben, die die bestehende Militärregierung ablöst. Um
diese Einzelheiten einer Übergangsregelung auszuhandeln, wird die Regierung
von Jordanien eingeladen, an den Verhandlungen auf der Basis dieses Rahmens
teilzunehmen. Diese neuen Regelungen sollen dem Prinzip der Selbstverwaltung durch die Bewohner dieser Gebiete und den legitimen Sicherheitserfordernissen der beteiligten Parteien gebührend Rechnung tragen.
(B) Ägypten, Israel und Jordanien sollen die Modalitäten für die
Errichtung der gewählten Selbstverwaltungsbehörden auf dem Westufer und
in Gaza vereinbaren. Die Delegationen Ägyptens und Jordaniens können
Palästinenser vom Westufer und von Gaza oder, im gegenseitigen Einvernehmen,
auch andere Palästinenser einschließen. Die Parteien werden vereinbaren,
- 4 -

�vereinbaren, welche Befugnisse und Verantwortungen die Selbstverwaltung
auf dem Westufer und in Gaza ausüben soll.

Ein Rückzug israelischer

Streitkräfte und eine Neu-Dislozierung verbleibender israelischer Truppen
auf namhaft gemachte Sicherheitsstandorte sollen erfolgen.

Die Vereinbarung

soll ferner Vorkehrungen für die Gewährleistung der inneren und äußeren
Sicherheit sowie der öffentlichen Ordnung einschließen.

Es wird eine

starke örtliche Polizeitruppe aufgestellt werden, die auch jordanische
Staatsbürger einschließen kann.

Darüber hinaus sollen israelische und

jordanische Truppen gemeinsam Patrouillen durchführen und Kontrollstellen
besetzen, um die Sicherheit der Grenzen zu gewährleisten.
(C) Sobald die Selbstverwaltungsbehörde (Verwaltungsrat) im Gebiet
des Westufers und von Gaza errichtet ist und ihre Tätigkeit aufgenommen
hat, beginnt der Übergangszeitraum von fünf Jahren. Es sollen so rasch wie
möglich, aber nicht später als im dritten Jahr nach Beginn des Übergangszeitraums, Verhandlungen stattfinden, um den endgültigen Status des Westufers und Gazas und deren Verhältnis zu ihren Nachbarn festzulegen und
einen Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien bis Ende des Übergangszeitraums abzuschließen. An diesen Verhandlungen sollen Ägypten, Israel,
Jordanien und gewählte Vertreter der Bewohner des Gebietes des Westufers
und Gazas teilnehmen. Es werden zwei getrennte aber miteinander in Verbindung stehende Ausschüsse errichtet, wovon der eine aus Vertretern der
vier Parteien über den endgültigen Status des Westufers und Gazas und
deren Verhältnis zu seinen Nachbarn verhandeln und befinden soll, während
der andere aus Vertretern Israels und Jordaniens und gewählter Vertreter
der Bewohner des Westufers und Gazas unter Berücksichtigung der bezüglich
des endgültigen Status des Westufers und Gazas erreichten Vereinbarung
einen Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien aushandeln wird.
Die Verhandlungen werden sich auf alle Bestimmungen und Grundsätze der
Entschließung Nr. 242 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen stützen.
Die Verhandlungen werden unter anderem den genauen Verlauf der Grenzen und
die Gestalt der Sicherheitsvorkehrungen festlegen. Die in diesen Verhandlungen
zu treffende Regelung muß auch den legitimen Rechten des palästinensischen

- 5 -

�palästinensischen Volkes und seinen rechtmäßigen Bedürfnissen Rechnung
tragen.

Auf diese Weise werden die Palästinenser an der Entscheidung

über ihre eigene Zukunft beteiligt - durch:
1) Verhandlungen unter Ägypten, Israel, Jordanien und Vertretern
der Bewohner des Westufers und Gazas mit dem Ziel, sich auf den endgültigen
Status des Westufers und Gazas und die Regelung anderer offener Fragen bis
Ende des Übergangszeitraums zu einigen;
2)

die Unterwerfung ihrer Übereinkunft unter das Votum der gewählten

Vertreter der Bewohner des Westufers und Gazas;
3)

die Stellung von gewählten Vertretern der Bewohner des Westufers

und Gazas, die darüber entscheiden, wie sie sich in Einklang mit den
Bestimmungen ihrer Übereinkunft selbst regieren wollen;
4) die Teilnahme, wie vorstehend dargelegt, an der Arbeit des Ausschusses, der einen Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien aushandelt.
II. Es werden alle notwendigen Maßnahmen und erforderlichen Vorkehrungen getroffen, um die Sicherheit Israels und seiner Nachbarn
während des Übergangszeitraums und in der Zeit danach zu gewährleisten.
Um bei der Schaffung dieser Sicherheit behilflich zu sein, wird die
Selbstverwaltungsbehörde eine starke örtliche Polizeitruppe aufstellen.
Sie wird sich aus Bewohnern des Westufers und Gazas rekrutieren. Die
Polizei wird in internationalen Sicherheitsangelegenheiten laufend
Kontakt zu den dazu bestimmten israelischen, jordanischen und ägyptischen
Vertretern pflegen.
III. Für den Übergangszeitraum werden Vertreter Ägyptens, Israels,
Jordaniens und der Selbstverwaltungsbehörde einen Ständigen Ausschuß
bilden, der eine Vereinbarung über die Modalitäten der Zulassung von

- 6 -

�von Personen, die 1967 vom Westufer und Gaza vertrieben wurden, und über
die zur Verhütung von Unruhen und Aufruhr notwendigen Maßnahmen zustande
bringen soll. Andere Angelegenheiten von gemeinsamem Belang können ebenfalls von diesem Ausschuß behandelt werden.
IV. Ägypten und Israel werden miteinander und mit anderen interessierten
Parteien in dem Bemühen zusammenarbeiten, gemeinsam vereinbarte Verfahrensregeln für eine umgehende, gerechte und dauerhafte Verwirklichung der
Lösung des Flüchtlingsproblems zu treffen.
B.

Ägypten - Israel

I. Ägypten und Israel verpflichten sich, zur Regelung von Streitfragen nicht auf die Androhung oder Anwendung von Gewalt zurückzugreifen.
Jeder eventuelle Streitfall soll in Übereinstimmung mit den Regelungen
von Artikel 33 der Charta der Vereinten Nationen durch friedliche Mittel
beigelegt werden.
II.

Um Frieden zwischen ihnen herbeizuführen, kommen die Parteien

überein, in Treu und Glauben und mit dem Ziel miteinander zu verhandeln,
innerhalb von drei Monaten nach Unterzeichnung dieser Rahmenvereinbarung
einen Friedensvertrag vorzulegen und andere Konfliktparteien aufzufordern,
parallel hierzu miteinander zu verhandeln und ähnliche Friedensverträge
in der Absicht auszuhandeln, einen umfassenden Frieden in diesem Gebiet
zu erreichen. Die Rahmenvereinbarung für den Abschluß eines Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel soll als Richtschnur auch für die Friedensverhandlungen zwischen ihnen dienen. Die Parteien sollen sich auf die
Modalitäten und den Zeitplan für die Verwirklichung ihrer Vertrangsverpflichtungen einigen.
C.

Damit zusammenhängende Grundsätze

I. Ägypten und Israel erklären, daß die nachstehend angeführten

- 7 -

�angeführten Grundsätze und Bestimmungen auf die Friedensverträge zwischen
Israel und allen seinen Nachbarn - Ägypten, Jordanien, Syrien und
Libanon - Anwendung finden sollen.
II.

Die Signatare werden Beziehungen untereinander schaffen, wie sie

für Staaten, die im Frieden miteinander leben, normal sind.

Zu diesem

Zweck sollten sie sich verpflichten, alle Bestimmungen der Charta der
Vereinten Nationen einzuhalten.

Die in dieser Hinsicht zu unternehmenden

Schritte, schließen folgende Maßnahmen ein:
(a) die volle Anerkennung;
(b) die Einstellung des wirtschaftlichen Boykotts; und
(c) die Gewähr, daß Bürger anderer Teilnehmerstaaten,die unter ihrer
Jurisdiktion leben, volle Rechtsicherheit genießen.
III. Die Signatare sollen die Möglichkeit der wirtschaftlichen
Entwicklung u n ^ r den Gesichtspunkten der endgültigen Friedensverträge
im dem Willen
sondieren, zur Schaffung einer Atmosphäre des Friedens,
der Zusammenarbeit und der Freundschaft beizutragen, die ihr gemeinsames
Ziel ist.
IV. Zur Befriedigung gegenseitiger finanzieller Ansprüche können
Regulierungsausschüsse eingesetzt werden.
V.

Die Vereinigten Staaten sollen eingeladen werden, an den Gesprächen

über Angelegenheiten teilzunehmen, die im Zusammenhang mit den Modalitäten
der Durchführung der Verträge und der Aufstellung eines Zeitplans für die
Ausführung der Verpflichtungen der Parteien stehen.
VI.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird aufgefordert,

die Friedensverträge zu billigen und sicherzustellen, daß ihre Bestimmungen
nicht verletzt werden. Die Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates
werden ersucht, die Friedensverträge zu garantieren und die Beachtung
J

- 8-

�Beachtung der Bestimmungen sicherzustellen,

Sie werden ferner gebeten,

ihre Politik und Handlungsweise in Einklang auf die in dieser Rahmenvereinbarung eingeschlossenen Verpflichtungen abzustimmen.

EIN RAHMEN FÜR DEN ABSCHLUSS EINES FRIEDENSVERTRAGES
'ZWISCHEN ÄGYPTEN UND ISRAEL

Um den Frieden zwischen sich zu erreichen, kommen Israel und Ägypten
bona fide überein, miteinander mit dem Ziel zu verhandeln, innerhalb von
drei Monaten nach Unterzeichnung dieser Rahmenvereinbarung einen gegenseitigen Friedensvertrag abzuschließen.
Es wird vereinbart:
Der Verhandlungsort steht unter der Flagge der Vereinten Nationen an
einem Platz oder an Plätzen, auf die man sich gemeinsam einigt.
Alle Grundsätze der Entschließung Nr. 242 der Vereinten Nationen
finden auf die Beilegung des Streitfalls zwischen Israel und Ägypten
Anwendung.
Soweit nicht anderweitig vereinbart, werden die Bestimmungen des
Friedensvertrages zwei bis drei Jahre nach Unterzeichnung des'Friedensvertrags

_ .9 _

�Friedensvertrags verwirklicht.
Folgende Angelegenheiten werden zwischen beiden Parteien vereinbart:
(a) Die volle Ausübung der ägyptischen Souveränität bis zur international
anerkannten Grenze zwischen Ägypten und dem Mandatsgebiet Palästina;
(b) der Abzug der israelischen Streitkräfte aus dem Sinai;
(c) die Benutzung der Flugplätze, die die Israeli bei El Arish,
Rafah, Ras en Naqb und Sharm el Sheikh hinterlassen, nur für zivile Zwecke
einschließlich einer möglichen kommerziellen Nutzung durch alle Länder;
(d) das Recht der freien Durchfahrt israelischer Schiffe durch den
Golf von Suez und den Suezkanal gemäß der auf alle Staaten anzuwendenden
Konvention von Konstantinopel aus dem Jahre 1888; die Straße von Tiran und
der Golf von Aqaba sind internationale Gewässer, die allen Ländern in
Wahrnehmung der unbehinderten und nicht-aufschiebbaren Freiheit der Schiffahrt
und der überfliegung offenstehen;
(e) der Bau einer Straße zwischen dem Sinai und Jordanien bei Elat
mit Garantie der freien und friedlichen Benutzung durch Ägypten und
Jordanien; und
(f) die Stationierung der nachstehend aufgeführten Truppen.
'Stationierung von Truppen
(a) Nicht mehr als eine Division (motorisierte Division oder Infanteriedivision) der ägyptischen Streitkräfte wird innerhalb eines Gebietes
stationiert, das sich etwa 50 km östlich des Golfs von Suez und des Suezkanals erstreckt.
Innerhalb

- 10 -

�(b)

Innerhalb eines Gebietes westlich der internationalen Grenze

und des Golfs von Aqaba mit einer Tiefe von 20 bis 40 km werden nur Truppen
der Vereinten Nationen und zivile Polizeikräfte stationiert, die mit
leichten Waffen zur Wahrnehmung normaler Polizeifunktionen ausgerüstet
sind.
(c) In einem Gebiet innerhalb von 3 km östlich der internationalen
Grenze werden beschränkte israelische Streitkräfte in Stärke von höchstens
vier Infanteriebataillonen sowie Beobachter der Vereinten Nationen anwesend sein.
(d) Grenzpatrouillen-Einheiten in Stärke von höchstens drei Bataillonen
werden die zivilen rolizeikräfte bei der Aufrechterhaltung der Ordnung in
dem Gebiet ergänzen, das vorstehend nicht aufgeführt ist.
Die genaue Begrenzung der vorstehend genannten Gebiete wird der
entsprechen, die in den Friedensverhandlungen festgelegt wird.
Frühwarnstationen sind gestattet, um die Einhaltung der Vertragsbestimmungen sicherzustellen.
Truppen der Vereinten Nationen werden stationiert: (a) in einem
Teil des Gebietes von Sinai, der innerhalb von etwa 20 km entlang dem
Mittelmeer und den internationalen Grenzen liegt, und (b) im Gebiet von
Sharm el Sheikh, um die Freiheit der Durchfahrt durch die Straße von
Tiran zu gewährleisten; und diese Truppen werden solange nicht abgezogen
werden, bis ihr Abzug vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit dem
einheitlichen Votum der fünf Ständigen Mitglieder gebilligt wird.
Nach Unterzeichnung eines Friedensvertrages und nach Beendigung des
vorläufigen Abzugs werden normale Beziehungen zwischen Ägypten und Israel
hergestellt, die die volle Anerkennung einschließlich der Aufnahme
diplomatischer, wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen; die Auf-

- 11 -

�*

Aufhebung des Wirtschaftboykotts und der Beschränkungen der Freizügigkeit
von Waren und Menschen

und die gegenseitige Gewährleistung der Rechts-

sicherheit für alle Bürger einschließen.
(Der vorläufige Abzug
Innerhalb von drei bis neun Monaten nach Unterzeichnung des Friedensvertrages werden sich alle israelischen Streitkräfte östlich hinter eine
Linie zurückziehen, die von einem Punkt östlich El Arish bis Ras Muhammad
reicht und deren genauer Verlauf in gemeinsame Vereinbarungen festgelegt
wi rd.

+ + + + +

- 12 -

»

�3

1

I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. September 1978

23

PRÄSIDENT CARTER BERICHTET DEM US-KONGRESS ÜBER CAMP DAVID
- Wortlaut der Ansprache -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 18. September 1978 dem
amerikanischen Kongreß auf einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser über das
Ergebnis der Gipfelgespräche in Camp David berichtet. Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es liegt mehr als 2000 Jahre zurück, daß zwischen Ägypten und dem freien
jüdischen Volk Frieden herrschte.

Wenn sich unsere derzeitigen Erwartungen

verwirklichen, dann werden wir in diesem Jahr wieder einen solchen Frieden
haben.
Zunächst möchte ich den beiden Männern, die diesen phantastischen Traum
jetzt zu einer realen Möglichkeit werden ließen - den beiden großen nationalen
Führern, mit denen ich während der letzten beiden Wochen in Camp David zusammen
war, Präsident Anwar Sadat und Ministerpräsident Menachem Begin - meinen Tribut
zollen.

Ich weiß, Sie alle stimmen darin überein, daß beide Männer von großem

persönlichen Mut sind und daß sie Völker vertreten, die ihnen zutiefst dankbar
sind für die Leistungen, die sie vollbracht haben.
lich dankbar für das, was sie getan haben.

Und ich bin ihnen persön-

Wir suchten in Camp David nach

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�nach einem Frieden, der nicht nur für ihre beiden eigenen Völker, sondern
für alle Völker des Nahen Ostens, für die Bürger der Vereinigten Staaten»ja»
für die gesamte übrige Welt von lebenswichtiger Bedeutung ist.
Die Welt hat für den Erfolg unserer Bemühungen gebetet, und ich bin
glücklich, sagen zu können, daß diese Gebete erhört worden sind.
Ich bin heute abend hierher gekommen, um darüber zu sprechen, was diese
beiden Führer erreicht haben - und was es für uns alle bedeutet.
Für die Vereinigten Staaten blieb keine andere Wahl als die tiefe, besorgte Anteilnahme am Nahen Osten und die Nutzung ihres Einflusses und ihrer
Kräfte zur Förderung der Sache des Friedens. Während der vergangenen 30
Jahre haben die Völker dieses von Unruhen heimgesuchten Gebietes einen furchtbaren Preis an Leid, Spaltung, Haß und Blutvergießen gezahlt.
deren Völker hat mehr gelitten als Israel und Ägypten.

Keines der an-

Aber die Gefahren

und Kosten des Konflikts in diesem Gebiet waren auch für unsere Nation groß.
Wir sind durch seit langem bestehende Freundschaften sowie durch tiefgreifende
moralische Verpflichtungen, die fest in unseren Werten als Volk verwurzelt sind,
mit den Staaten und Völkern dieses Gebietes verbunden.
Die strategische Lage dieser Länder und die Ressourcen, über die sie verfügen, bedeuten, daß alle Vorgänge im Nahen Osten die Menschen überall auf
der Erde direkt angehen. Wir und unsere Freunde könnten nicht indifferent
bleiben, sollte eine feindliche Macht dort ihre Vorherrschaft etablieren.
In wenigen Gebieten der Erde ist die Gefahr größer, daß ein lokaler Konflikt
auf andere Staaten übergreifen und sich dann zu einem tragischen Konflikt zwischen den Supermächten auswachsen könnte. Unser Volk hat verstehen gelernt,
daß so fremdartige Namen wie Sinai, Aqaba, Sharm el Sheik, Ras en Naqb, Gaza,
das Jordan-Westufer einen direkten und unmittelbaren Bezug zu unserem Wohlergehen als Nation und für unsere Hoffnung auf eine friedliche Welt haben können.
Das

- 2 -

�Das ist der Grund, warum wir nicht müßig zusehen können, warum wir volle
Partner bei der Suche nach Frieden waren und warum es für unsere Nation von so
lebenswichtiger Bedeutung ist, daß diese Begegnungen zu einem Erfolg führten.
Vier Hauptanliegen haben die Parteien in den langen Jahren des Konflikts
getrennt.
Das eine betrifft das Wesen des Friedens - ob Friede lediglich bedeuten
soll, daß die Kanonen zum Schweigen gebracht werden, daß keine Bomben mehr
fallen und keine Panzer mehr rollen, oder ob er bedeuten soll, daß die Staaten
des Nahen Ostens miteinander als Nachbarn und Gleiche verkehren können, mit
dem vollen Bereich diplomatischer, kultureller, wirtschaftlicher und menschlicher
Beziehungen zwischen ihnen. Das Camp David-Abkommen - und ich bin froh, das
sagen zu können - hat solche Beziehungen zwischen Israel und Ägypten festgelegt.
Das zweite Hauptanliegen ist, allen betroffenen Parteien, darunter auch
Israel, Sicherheit zu gewähren, so daß keine von ihnen einen Angriff oder militärische Bedrohungen vom anderen zu fürchten braucht.

Das Camp David-Ab-

kommen wird, wenn es durchgeführt ist, für eine solche Sicherheit Gewähr bieten.
Das dritte ist die Frage sicherer und anerkannter Grenzen, die Beendigung
der militärischen Besatzung und die Gewährung der Selbstverwaltung oder gegebenenfalls die Rückgabe von Gebieten, die während des Konflikts von 1967 von
Israel besetzt wurden, an andere Nationen.
Das Camp David-Abkommen bietet die Möglichkeit zur Realisierung dieser
Ziele.
Und schließlich ist da die schmerzliche menschliche Frage des Schicksals
der Palästinenser, die in diesem umstrittenen Gebiet leben oder gelebt haben.
Das Camp David-Abkommen garantiert, daß das palästinensische Volk an der Lösung des Palästinenserproblems in allen seinen Aspekten teilnehmen kann, eine
Zusicherung, die Israel schriftlich gegeben hat und die - dessen bin ich sicher - die Anerkennung der ganzen Welt findet.

ushuonH

�Während der vergangenen 18 Monate hat es tatsächlich einen gewissen
Fortschritt bei diesen Fragen gegeben. Ägypten und Israel kamen in der ersten
Frage - dem Wesen des Friedens - einem Übereinkommen nahe. Sie erkannten,
daß die zweite und die dritte Frage - der Abzug und die Sicherheit - aufs
engste miteinander verbunden und verflochten sind. Aber fundamentale Meinungsunterschiede blieben in bezug auf andere Gebiete - über das Schicksal
der Palästinenser, die Zukunft des Jordan-Westufers und des Gazastreifens
sowie die Zukunft der israelischen Siedlungen in den besetzten arabischen
Territorien.
Wir alle erinnern uns an die durch den großartigen und historischen
Jerusalem-Besuch Präsident Sadats im vergangenen November, durch die warmherzige und echte persönliche Reaktion Ministerpräsident Begins und des
israelischen Volkes sowie das gegenseitige in aller Öffentlichkeit gemachte
Versprechen, daß es keinen Krieg mehr geben würde, erweckten Friedenshoffnungen.

Diese Hoffnungen wurden aufrechterhalten, als Ministerpräsident Begin

seinerseits am Weihnachtsfeiertag zu einem Gegenbesuch nach Ismailia kam.
Dieser Fortschritt blieb, wenn auch mit immer langsamer werdendem Tempo,
durch die ersten Monate dieses Jahres weiter in Gang, aber im Frühsommer waren die Verhandlungen dann erneut zum Stillstand gekommen. Es war dieser
Stillstand und die Aussicht auf eine noch schlimmere Zukunft, die mich bewogen, beide, Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin, dazu einzuladen, mit
mir in Camp David zusammenzukommen.
Wie Sie wissen, haben sie diese Einladung sofort, ohne jede Verzögerung,
ohne Vorbedingungen und ohne Konsultationen zwischen sich angenommen.
Man kann den Mut dieser beiden Männer und die Weitsicht,die sie gezeigt
haben, gar nicht hoch genug bewerten. Nur durch hohe Ideale, durch Kompromisse in den Formulierungen und nicht in den Prinzipien und durch die Bereitschaft, tief in das menschliche Herz zu blicken und die Probleme, Hoffnungen
und Träume des anderen zu verstehen, kann Fortschritt in einer schwierigen

- 4 -

�schwierigen Situation wie dieser je Zustandekommen.

Das aber ist es, was diese Männer und ihre klugen und geschickten
Ratgeber während dieser vergangenen 13 Tage getan haben.

Als diese Konferenz begann, sagte ich, daß die Erfolgsaussichten gering
wären.

Gewaltige Hindernisse aus der geschichtlichen Vergangenheit, Nationa-

lismus und Mißtrauen mußten überwunden werden, wenn wir unsere Ziele erreichen
sollten.

Aber Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin haben diese Hindernisse
überwunden und jene Erwartungen bei weitem übertroffen und zwei Abkommen unterzeichnet, die die Möglichkeit zur Lösung jener Probleme bieten, die nach dem,
was uns die Geschichte lehrte, nicht gelöst werden konnten.

Das erste der beiden Dokumente trägt den Titel:
Frieden im Nahen Osten, vereinbart in Camp David".

"Ein Rahmen für den

Es befaßt sich mit einer

umfassenden Lösung zwischen Israel und all seinen Nachbarn sowie mit der
schwierigen Frage des palästinensischen Volkes und der Zukunft des Westufers
und des Gaza-Streifens.

Das Abkommen bietet eine Grundlage für die Lösung von Fragen, die das
Westufer und den Gaza-Streifen während der nächsten fünf Jahre betreffen.

Es

zeigt einen Prozeß der Veränderungen auf, der in Übereinstimmung mit den
arabischen Hoffnungen steht, während gleichzeitig die lebenswichtige Sicherheit
Israels sorgfältig beachtet wird.

Die israelische Militärregierung in diesen Gebieten wird abgezogen und
durch eine Selbstverwaltung der Palästinenser ersetzt werden, die dort leben,
und Israel hat zugesichert, daß diese Verwaltung voll autonom sein werde. Ministerpräsident Begin hat zum wiederholten Male mir gegenüber nicht von einer
teilweisen Autonomie, sondern von einer vollen Autonomie gesprochen.
Die

- 5-

�Die israelischen Streitkräfte werden zurückgezogen und in spezifizierten
Gebieten disloziert werden, um Israels Sicherheit zu schützen.

Die Palästinen-

ser werden weiterhin an der Bestimmung ihrer eigenen Zukunft durch Gespräche
teilhaben, in deren Rahmen ihre selbstgewählten Vertreter, die Bewohner des
Westufers und des Gaza-Streifens, mit Ägypten, Israel und Jordanien verhandeln
werden, um den endgültigen Status des Westufers und des Gaza-Streifens festzulegen.
Israel hat zugestimmt und sich dazu verpflichtet, daß die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes anerkannt werden.

Nach der Unterzeichnung

des Rahmenabkommens gestern abend und während der Verhandlungen bezüglich der
Errichtung der palästinensischen Selbstverwaltung werden keine neuen israelischen Siedlungen in diesem Gebiet errichtet werden.

Die zukünftige Frage

der Siedlungen wird zwischen den Verhandlungsparteien entschieden werden.
über den endgültigen Status des Westufers und des Gaza-Streifens wird vor
dem Ende der fünfjährigen Übergangsperiode entschieden werden, während der die
palästinensischen Araber ihre eigene Verwaltung haben werden, und zwar als Teil
einer Verhandlung, die zu einem Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien
führen wird, wobei Grenzen, die Frage des Rückzuges - alle jene überaus kritischen Fragen - spezifiziert werden.
Diese Verhandlungen werden sich auf alle Bestimmungen und Prinzipien der
Sicherheitsresolution 242 stützen, die Ihnen so vertraut sind. Das Abkommen
über den endgültigen Status dieser Gebiete wird dann Vertretern der Bewohner
des Westufers und des Gaza-Streifens zur Abstimmung unterbreitet werden, und
sie, das palästinensische Volk, wird dann zum ersten Mal in der Geschichte
das Recht haben, darüber zu entscheiden, wie es sich auf Dauer regieren will.
Wir sind natürlich auch der Überzeugung - und zwar alle von uns -, daß
es eine gerechte Lösung der Probleme der Vertriebenen und der Flüchtlinge geben sollte, die die entsprechenden Resolutionen der Vereinten Nationen berücksichtigt.
Schließlich

�Schließlich legt dieses Dokument auch eine Vielzahl von Sicherheitsvorkehrungen dar, mit denen der Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn gestärkt werden soll.
Dies ist in der Tat ein umfassender und fairer Rahmen für den Frieden
im Nahen Osten, und ich bin froh, daß ich Ihnen dies berichten kann.
Das zeite Abkommen trägt den Titel: "Ein Rahmen für den Abschluß eines
Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel". Es gibt Ägypten die volle
Ausübung der Souveränität über die Sinai-Halbinsel zurück und schafft mehrere
Sicherheitszonen, wobei sorgfältig das Souveränitätsrecht zum Schutz aller
Parteien anerkannt wird. Es sieht ferner vor, daß Ägypten Israel diplomatisch
voll anerkennen wird und zwar zu dem Zeitpunkt, da die Israelis den Interimsrückzug von den größten Teilen des Sinai abschließen, was zwischen drei bis
neun Monaten nach Abschluß des Friedensvertrages stattfinden wird.
Und der Friedensvertrag soll nicht später als drei Monate - von gestern
abend an gerechnet - ausgehandelt und unterzeichnet werden.
Ich denke, ich sollte ferner mitteilen, daß Ministerpräsident Begin und
Präsident Sadat sich bereits die Aufgabe gestellt haben, diesen Vertrag noch
früher abzuschließen.

Und ich hoffe, daß der endgültige Abschluß eines Frie-

densvertrages bis Ende Dezember vollzogen werden kann.

Dies wäre ein wunder-

bares Weihnachtsgeschenk für die ganze Welt.
Der endgültige und völlige Abzug aller israelischen Streitkräfte wird
in zwei bis drei Jahren nach Abschluß des Friedensvertrages erfolgen.
Während bei beiden Parteien völlige Übereinstimmung über alle Ziele besteht, die ich Ihnen soeben aufgezählt habe, bleibt eine Frage, bei der eine
Übereinstimmung noch nicht erreicht worden ist. Ägypten erklärt, daß die Zustimmung zur Entfernung aller israelischen Siedlungen von ägyptischem Territorium eine Vorbedingung für einen Friedensvertrag ist.

- 7 -

Israel sagt, daß die

�die Frage der israelischen Siedlungen während der Friedensverhandlungen selbst
erörtert werden sollte.
Nun, die Knesset wird über dieses Problem der Siedlungen entscheiden
und zwar innerhalb von zwei Wochen, wobei jedes Mitglied der Knesset oder
des israelischen Parlaments als Einzelperson, die nicht durch Parteiloyalität gebunden ist, handeln wird.

Die Position unserer Regierung und meine per-

sönliche Position zu dieser Frage ist allgemein bekannt und hat sich nicht
geändert.

Ich hoffe und bete, daß die Frage der israelischen Siedlungen auf

ägyptischem Territorium nicht am Ende das Hindernis für den Frieden bilden
wi rd.
Niemand von uns sollte die historische Bedeutung dessen unterschätzen,
was bereits erreicht worden ist.

Dies ist das erste Mal, daß ein arabischer

und israelischer Führer ein umfassendes Rahmenwerk für den Frieden unterzeichnet haben.

Es birgt die Entwicklungsmöglichkeiten für eine Zeit, in der der

Nahe Osten mit all seinem großen Potential zu einem Land des Reichtums und
der Erfüllung für die Menschen werden kann anstatt eines Landes der Bitterkeit
und des fortdauernden Konfliktes.

Keine Region der Welt besitzt größere

menschliche und natürliche Ressourcen als diese.

Und nirgendwo sind sie durch

glühenden Haß und häufige Kriege stärker belastet und zu Boden gedrückt worden.
Diese Abkommen bieten die reale Möglichkeit, daß diese schwere Last am Ende
doch behoben werden kann.
Aber wir dürfen auch nicht die Größe der noch verbleibenden Hindernisse
vergessen. Der Gipfel hat unsere höchsten Erwartungen übertroffen - aber wir
wissen, daß er viele schwierige Probleme hinterlassen hat, die zu lösen sind.
Diese Probleme werden in sorgfältigen Verhandlungen in den kommenden Monaten
behandelt werden müssen. Das ägyptische und das israelische Volk müssen sich
bewußt machen, welche konkreten Vorteile und Gewinne der Frieden bringen wird,
und die von ihrer Führern getroffenen Entscheidungen unterstützen, damit für
sie eine sichere und friedliche Zukunft erreicht werden kann. Das amerikanische Volk, Sie und ich, müssen ebenfalls unsere volle Unterstützung jenen
- 8 -

�jenen zuteil werden lassen, die diese Entscheidungen, die schwierig sind,
getroffen haben und auch jenen, die sehr schwierige Entscheidungen noch zu
treffen haben.

Worauf es für uns alle jetzt ankommt, ist, die staatsmännische Größe, die
Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin gezeigt haben, anzuerkennen und
andere Männer in diesem Gebiet aufzufordern, ihrem Beispiel zu folgen.

Ich

habe bereits in der vergangenen Nacht die anderen Führer der arabischen Welt
gebeten, mitzuhelfen, um den Fortschritt in Richtung auf einen umfassenden
Frieden in Gang zu halten.

Wir müssen uns auch an der Bemühung beteiligen, den Konflikt und das
furchtbare Leiden im Libanon zu beendigen.

Dies ist ein Thema, das Präsident Sadat viele Male mit mir erörtert hat,
während ich mit ihm in Camp David zusammen war.

Und als wir drei das erste

Mal zusammenkamen, war dies ein Thema einer heißen Diskussion.

In der vergan-

genen Nacht haben wir uns im Hubschrauber auf dem Wege nach Washington gegenseitig verpflichtet, zusammen mit anderen Nationen, mit dem libanesischen
Volk selbst, mit allen Parteien, mit Präsident Sarkis, mit Syrien, SaudiArabien, vielleicht auch mit europäischen Staaten wie Frankreich den Versuch
zu machen, zu einer Lösung des Problems im Libanon zu gelangen, die für uns
und das arme Volk im Libanon, das so viel gelitten hat, von so entscheidender
Wichtigkeit ist.

Wir wollen über diese Frage und über diese Dokumente sowie ihre Bedeutung
alle führenden Staatsmänner, insbesondere die arabischen Führer, konsultieren.
Und ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß vor wenigen Minuten König
Hussein von Jordanien und König Chalid von Saudi-Arabien - und vielleicht andere Staatsmänner zu einem späteren Zeitpunkt - bereits zugestimmt haben, Außenminister Vance zu empfangen; er wird morgen abfliegen, um Ihnen die Bestimmungen
der Abkommen von Camp David zu erläutern.

Und wir hoffen, ihre Unterstützung

für die Verwirklichung der neuen Hoffnungen und Träume der Menschen im Nahen

- 9-

�Nahen Osten gewinnen zu können.
Dies ist eine wichtige Mission, und diese Verantwortung - das kann ich
Ihnen, gestützt auf die Erfahrungen der letzten beiden Wochen, versichern wäre bei keinem besser aufgehoben als bei einem so fähigen, einsatzfreudigen
und kompetenten Mann wie Außenminister Cyrus Vance.
Lassen Sie mich zum Schluß noch sagen, daß viele Jahre lang der Nahe
Osten ein Beispiel für Pessimismus war - ein Beweis, daß diplomatischer Einfansreichtum nicht ausreichte, um schwierige menschliche Konflikte zu lösen.
Heute können wir die Chance für einen der wirklich seltenen hellen Augenblicke
in der Geschichte der Menschheit sehen - eine Chance, die vielleicht den Weg
zum Frieden aufzeigt.

Wir haben eine Chance für den Frieden, weil diese bei-

den mutigen Führer in sich selbst die Bereitschaft zur Zusammenarbeit fanden,
um den dauerhaften Frieden, die dauerhaften Aussichten auf Frieden, anzustreben, die wir alle so sehnlichst herbeiwünschen.

Und aus diesem Grunde hoffe

ich, daß Sie mein Dankgebet teilen, und ich hoffe auch, daß die Verheißung
dieses Augenblicks voll verwirklicht werden wird.
Die Gebete in Camp David waren dieselben wie die König Davids, der im 85.
Psalm betete:

"Willst Du uns nicht wieder neu beleben, daß Dein Volk sich

Deiner mag freuen?

Ich will doch hören, was Gott, der Herr, verkündet!

- Fürwahr, er kündet Segen an seinem Volke und seinen Frommen.

Nur, daß sie

sich nicht wenden zur Torheit".
Und als Christ möchte ich diesen beiden Freunden von mir die Worte Jesu
zurufen:

"Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen".

+ + + + +

- 10 -

�a
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i

Uli/zen/chofl
und Technik
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22. September 1978

23

BIOSYNTHESE VON MENSCHLICHEM INSULIN GELUNGEN
- Genchirurgie gewinnt praktische Bedeutung -

- (AD) - Nach dem Modell der Produktion des Neurohormons Somatostatin,
das normalerweise nur im Organismus von Säugetieren einschließlich dem des
Menschen gebildet wird, gelang nunmehr einer Forschergruppe in Kalifornien
auch die Biosynthese von menschlichem Insulin. Wie Dr. Rachmeil Levine,
stellvertretender Forschungsdirektor am Institut "City of Hope National
Medical Center" in Duarte (im Nordosten von Los Angeles) Anfang September
1978 auf einer Pressekonferenz erklärte, "könnte es jetzt theoretisch möglich sein, in zwei bis fünf Jahren die Biosynthese von menschlichem Insulin
auf kommerzieller Basis aufzunehmen und mit dieser Technik völlig neue Wege
zur Verhütung von Krankheiten zu beschreiten".
Im Frühjahr 1977 war es Dr. William J. Rutter und Dr. H. Goodman vom
Department für Biochemie und Biophysik der Universität Kalifornien in San
Francisco gelungen, das Insulin-Gen der Ratte zu isolieren, es mit einem
Plasmid - einem aus Bakterien isolierten ringförmigen Nukleinsäurefaden zu verbinden und die Vermehrung dieser Neukombination (einer sog. rekombinanten
DNS) in Bakterien vom Typ Escheria coli zu bewerkstelligen.

Diese Experimente

hatten jedoch insofern in eine Sackgasse geführt, als die übertragene ge-

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�genetische Information nicht zur Produktion des Hormons Insulin weiterführte, sondern mit der Vervielfältigung der dafür erforderlichen "Matritze"
abbrach.

Die genetische Information für die Produktion des Hormons, das zu

den Proteinen zählt, konnte in der Wirtszelle nicht "gelesen" werden.
Schwierigkeiten dieser Art vermochten jedoch Ende 1977 Dr. Arthur D.
Riggs und Mitarbeiter am "City of Hope National Medical Center" in Duarte
dadurch zu überwinden, daß sie das Gen für die Produktion von Somatostatin,
eines Proteins mit bekannter Aufeinanderfolge von Aminosäuren, chemisch
synthetisierten, anstatt es aus der Erbsubstanz eines Säugetiers zu isolieren.
Dieses künstliche Gen wurde dann mit Hilfe der Verkoppelungstechnik in ein
Bakterienplasmid eingebaut.

In die Bakterienzelle transferiert, wurde das

veränderte Plasmid nicht nur, wie im Fall des Ratteninsulin-Gens, vermehrt,
sondern die Zelle verwendete es nun auch als Matritze für die Produktion
von Somatostatin.
Damit war der Genmanipulation ein entscheidender Durchbruch gelungen.
Der italienische Chemiker Dr. Robert Crea, ein Mitglied der Forschergruppe
von der "City of Hope", erläuterte im Zusammenhang mit der Insulin-Biosynthese, daß die Produktion von menschlichem Insulin beginne, wenn der
"genetische Code" - d.h. die Kombination von chemischen Substanzen, aus
denen ein bestimmtes Gen besteht - zur Synthese jener Gene benutzt wird,
die für den Aufbau von Insulin erforderlich sind. "Die Gene, die wir produzieren, sind künstlich erzeugt. Es sind keine menschlichen Gene", so Dr.
Crea. "Sie werden auf Papier geplant."
Der bestgeeignete genetische Code für die Biosynthese von Insulin
basiere auf chemischen Substanzen, die häufig vorkommen. "Wir konstruieren
unser Gen aus Chemikalien, die in den dem Insulin verwandten Proteinen oft
zu finden sind." Der nächste Schritt in dem Prozeß ist der eigentliche Kern
der Genmanipulation. Bei diesem Schritt werden die DNS-Gene, die soeben
künstlich produziert wurden, in Plasmide eingebracht. Diese ringförmigen
DNS-Moleküle kommen von Bakterien, die ebenfalls im Laboratorium produziert

- 2 -

�produziert wurden.

Das Einbringen geschieht durch Verkoppeln eines DNS-

Stücks vom Plasmid mit einem Stück künstlich erzeugter DNS - ein Verfahren,
das dem Aneinanderkleben von Filmstreifen ähnlich ist.

Das neue "ver-

koppelte" Material wird als rekombinante DNS bezeichnet - ein Begriff, der
der gesamten Technik der Veränderung von Erbmerkmalen ihren Namen gegeben hat.
Plasmide von rekombinanter DNS werden dann wieder in die Bakterienzellen
transferiert, aus denen sie ursprünglich kamen. Mit der natürlichen Vermehrung dieser Bakterienzellen vermehren sich auch die Plasmide.

Durch das

Hinzufügen von Lactose (Milchzucker) zu den Plasmiden lösen die Wissenschaftler eine Reaktion innerhalb der Bakterien aus, die zur Bildung von menschlichem
Insulin führt.

Es vermehrt sich mit, wenn sich die Zellen vermehren.

Dr. Levine, der schon seit 42 Jahren in der Diabetes-Forschung tätig
ist, verwies darauf, daß die jetzt von fünf Wissenschaftlern des "City of
Hope"-Instituts und den fünf Wissenschaftlern des privaten Forschungslabors
GENETECH in San Francisco gemeinsam durchgeführte Experimente der medizinischen Forschung ein völlig neues Feld eröffneten. Bei Krankheiten wie
z.B. Diabetes oder Zwergwuchs, die durch den Mangel an bestimmten Proteinen
verursacht werden, könne man ebenso wie bei einer angeborenen Resistenzschwäche gegen Viren nunmehr daran gehen, bestimmte Hormone zu synthetisieren, die den Mangel ausgleichen.
Die Firmen GENETECH und Eli Lilly, ein pharmazeutisches Unternehmen,
haben die Produktion von menschlichem Insulin auf kommerzieller Basis bereits
vertraglich vereinbart. Angaben darüber, wann das Biosyntheseprodukt auf
den Markt kommen werde, konnten jedoch noch nicht gemacht werden. Auch müsse
dieses Insulin zunächst in Tierversuchen und später klinisch gründlich erprobt werden. Für den Prozeß seien noch umfangreiche technische Entwicklungen erforderlich, über den Preis könne man vorläufig nichts aussagen.
Dr. Levine ist allerdings der Meinung, daß er niedriger sein dürfte als der
von tierischem Insulin.
Seit
- 3 -

�Seit im Jahre 1921 zum ersten Mal Insulin für Diabetes-Kranke zur Verfügung stand, wird es aus den Bauchspeicheldrüsen von Schlachttieren - Rindern und Schweinen - gewonnen. Viele Diabetiker, deren Orgamismus das Hormon
Insulin entweder nicht oder nur in ungenügendem Maße selbst produzieren oder
für die Stoffwechselreaktionen nicht richtig zu nutzen vermag, sind jedoch
allergisch gegen tierisches Insulin, so daß sich bei ihnen oft schwerwiegende
Nebenwirkungen einstellen. Auch nimmt die Häufigkeit an Diabeteserkrankungen
überall in der Welt zu. Der Bedarf an Insulin, das den Stoffwechsel von
Zucker und anderen Kohlenhydraten reguliert, wird also immer größer. Die
Synthese des Hormons in ausreichenden Mengen und in der dem Menschen am
ehesten zuträglichen Form würde auch für die praktische Medizin einen großen
Fortschritt bedeuten.

+ + + + +

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1

KU 1311H •

Wi//en/chaft
wid Technik
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22. September 1978

23

KRILLKREBSE - EIN RIESIGES EIWEISSRESERVOIR
Forschung soll international gültige Regeln für den Großfang vorbereiten

- (AD) - Krill, die fünf bis sechs cm großen Kleinkrebse im Südpolarmeer, könnten zu einer wichtigen Eiweißquelle der Zukunft werden. Forschungsschiffe einer Reihe von Ländern, u.a. der Bundesrepublik, der USA, und der
Sowjetunion, untersuchten bereits "Standorte und Dichte" von Krillschwärmen,
um ein Bild von der Größe der Vorkommen zu erhalten und durch Probefänge
"Biomasse" für Verarbeitungsverfahren zu gewinnen. Es zeigte sich, daß nach
Entfernung der chitinhaltigen Hülle die aus Krillfleisch herstellbaren Produkte für den menschlichen Verzehr durchaus geeignet wären. Zum Teil wurden
die Fänge auch zu Krillmehl verarbeitet, das sehr gut als Zusatzfutter für
die Viehzucht sowie bei der Aufzucht von Fischen in sog. Aquakulturen verwendet werden könnte.
Krill war die Hauptnahrung der Riesenwale. Man schätzt, daß früher
diese Meeressäuger pro Jahr über 100 Millionen Tonnen verzehrt haben.

Heute

sind die Wale stark dezimiert. Aufgrund dieser Entwicklung hat sich in den
letzten Jahrzehnten das biologische Gleichgewicht in den Meeren um die Antarktis verschoben. Manche Tierarten wie Robben und Pinguine, die ebenfalls
weitgehend von Krillkrebsen leben, haben sich erheblich vermehrt.

Die bishe-

rigen Forschungen dienten u.a. dazu, den Gesamtbestand an Krill ungefähr ab-

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�abschätzen zu können, um die Auswirkungen einer Befischung im Großen für
die Tierwelt der Antarktis berechnen zu können.

Dazu ist eine genaue Kennt-

nis der Lebensgewohnheiten, der Vermehrung und der Lebensspanne des Krill
erforderlich.
Es erwies sich anfangs als außerordentlich schwierig, biologische
Details zu untersuchen und genauer zu erfassen.

In einem Laboratorium mit

großem Seeaquarium, das in der amerikanischen Palmer-Station auf Anvers
Island nahe der Westküste der antarktischen Palmer-Halbinsel eingerichtet
worden war, konnte jedoch die Biologin Dr. Mary Alice McWhinnie von der
De Paul-Universität in Chicago in den letzten Jahren wichtige Details ermitteln.

Sie fand unter anderem heraus, daß entgegen einer weit verbreiteten

Annahme Krillweibchen nach der Eiablage nicht absterben.

Sie häuten sich,

nehmen weiterhin Nahrung auf und, so berichtet Dr. McWhinnie, "verjüngen
sich regelrecht", um dann noch mehrere Male Eier abzulegen.

Sie produzieren

jeweils ca. 2000 bis 3000 Eier - und nicht 300 bis 800 für eine Ablage,
wie zunächst angenommen worden war.
In einem Bericht an die Abteilung Polarprogramme der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA, die alle amerikanischen Forschungsprojekte
in der Antarktis finanziert, erwähnt Dr. McWhinnie außerdem, daß Krill-Krebse nicht ausschließlich von Phytoplankton leben, sondern auch Kleintiere
und selbst Tiere der eigenen Art verzehren. "Wir müssen unsere Vorstellungen
vom Wachstum der Krill-Population im Winter völlig ändern", erklärt die Forscherin. Man hatte angenommen, daß in diesen Monaten das Wachstum zum
mindestens stagniere, weil es an Nahrung fehlt; denn während des langen antarktischen Winters mit dem starken Anwachsen und der Ausbreitung der Eisdecke
kann sich pflanzlisches Plankton nur äußerst spärlich oder überhaupt nicht
neu bilden. Aber die Krillschwärme stört das nicht. Sie suchen sich dann
andere Nahrung.
Die Lebensspanne eines Krillkrebses liegt bei mindestens drei Jahren.
Die Eiablage und die Entwicklung der Larven und Jungtiere geschieht unabhängig

- 2 -

�unabhängig vom Wasserdruck, ist also in jeder Wassertiefe (bis 3000 m und
mehr) zu beobachten.

Es gibt allerdings, so Dr. McWhinnie, auffällige

Unterschiede in bezug auf Wachstum, Atmung und Temperaturtoleranz zwischen
Krill-Populationen

in der Bransfield-Straße nahe der Nordspitze der ant-

arktischen Palmer-Halbinsel und Krill im Bellinghausen-Meer.

Dies könnte

entweder auf Artunterschiede oder auf Krill unterschiedlicher Altersklassen
hindeuten.

Die Forscherin versucht gegenwärtig, diese Fragen zu klären.

Bei Populationen aus der Bransfield-Straße entdeckte sie Parasitenbefall:
Da die Parasiten hauptsächlich an den Beinpaaren am Hinterleib zu finden
sind, sei damit zu rechnen, daß sie die Fortpflanzungsorgane der Tiere beeinträchtigen, was zwangsläufig Einfluß auf die Größe einer Population
haben würde.

Zur Zeit werden Krillkrebse in großen Mengen auch während des antarktischen Winters in den Aquarien der Palmer-Station gehalten.

Damit

wurde zum ersten Mal bewiesen, daß die Tiere in geeigneten Tanks "lange
Zeit, vielleicht sogar auf Dauer" gehalten werden können.

Mögliche Quoten

für eine Befischung von Krill (die wissenschaftliche Bezeichnung lautet
"Euphausia superba") werden auf 50 bis 200 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt.

Im Vergleich dazu beträgt der Weltfischfang unter Berücksichti-

gung aller Arten von Meerestieren etwa 65 Millionen Tonnen pro Jahr.
Inzwischen haben neben den bereits erwähnten Ländern auch Japan, Chile,
Taiwan, Südkorea, Polen und Norwegen Interesse am Krillfang bekundet. Gegenwärtig wird in einer Reihe von Ländern an der Verbesserung der Fangund Verarbeitungsverfahren gearbeitet.

Ein Hauptproblem für Fangschiffe

ist jedoch die lange, kostspielige Fahrt und das kalte, oft unberechenbare Wetter in den Gewässern um den antarktischen Kontinent - in den stürmischsten Meeren der Welt.

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärungen Carters, Sadats und Begins zum Abschluss der Gipfelkonferenz von Camp David&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinbarungen von Camp David&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der beiden Dokumente -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter berichtet dem US-Kongress über Camp David&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Biosynthese von menschlichem Insulin gelungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Genchirurgie gewinnt praktische Bedeutung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Krillkrebse - ein riesiges Eiweißreservoir&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forschung soll international gültige Regeln für den Großfang vorbereiten -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

1

*m i

•^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. September 1978

22

INHALT

DOKUMENTATION
PRÄSIDENT CARTER:

KOMPROMISSE WERDEN UNAUSWEICHLICH SEIN

- Erklärung Carters vor dem Abflug nach Camp David BOTSCHAFT CARTERS AN UN-KONFERENZ ÜBER TECHNISCHE ZUSAMMENARBEIT
- Wortlaut INFORMATION
USA UND SOWJETUNION WOLLEN GESPRÄCHE ÜBER RADIOLOGISCHE WAFFEN FORTSETZEN
SENATOR KENNEDY BEURTEILT VERHÄLTNIS USA-UdSSR ZUVERSICHTLICH
HINTERGRUNDMATERIAL
SALT UND DAS NUKLEARE GLEICHGEWICHT
- von Senator John C. Culver WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VERSUCHE MIT INTERFERON-THERAPIE BEI KREBS UND VIRUSINFEKTIONEN

Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Telex:08-85432

�22

13. September 1978

PRÄSIDENT CARTER: KOMPROMISSE WERDEN UNAUSWEICHLICH SEIN
- Erklärung Carters vor dem Abflug nach Camp David -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 4. September
vor seinem Abflug zu den Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten
Sadat und dem israelischen Ministerpräsidenten Begin in Camp David eine
Erklärung abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:
Ich fliege jetzt nach Camp David, um mich auf ein sehr wichtiges
Treffen zwischen mir, dem ägyptischen Präsidenten Sadat und dem israelischen
Ministerpräsidenten Begin vorzubereiten. Innerhalb der nächsten Tage
werden von uns in Zusammenarbeit mit unseren drei große Nationen vertretenden Beratern auf der Suche nach Frieden im Nahen Usten, der außerordentlich zur Sicherung des künftigen Friedens auf der ganzen Welt beitragen kann, sehr wichtige Entscheidungen getroffen werden - und durch
den Kongress, der sich in meiner Abwesenheit mit vielen wichtigen Fragen
befassen wird, darunter die Entwicklung einer Energiepolitik für unser
Land.
Bei unserem

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Telex:08-85432

�'

Bei unserem Treffen in Camp David kann niemand eine Garantie für
das Ausmaß des Erfolges geben, der uns vielleicht gewährt sein wird.
Die Fragen sind sehr kompliziert.

Die Meinungsverschiedenheiten sind

tief.
Vier Kriege haben nicht zu einem Frieden in diesem leidgeprüften
Gebiet der Welt geführt.

Es besteht kein Grund für übermäßigen Optimismus,

aber es gibt auch keinen Grund für Verzweiflung.
Der bedeutendste Einzelfaktor, der für mich ermutigend wirkt, ist
mein sicheres Wissen

daß Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin auf-

richtig den Frieden wollen.

Sie sind entschlossen, einen Fortschritt

zu machen, und so bin ich es.
Wir werden Ermutigung und die Gebete eines jeden in unserem Staat,
in allen drei Staaten, ja in der ganzen Welt brauchen, der wünscht, daß
unsere Beratungen zu einem Erfolg führen. Kompromisse werden unausweichlich sein. Ohne sie ist mit einem Fortschritt nicht zu rechnen.
Flexibilität wird für unsere Hoffnungen unentbehrlich sein. Und meine
eigene Rolle wird die eines vollen Partners sein, der nicht versucht,
anderen den Willen der Vereinigten Staaten aufzudrängen, sondern der
sich um das Auffinden eines gemeinsamen Bodens bemüht, auf dem Abkommen
erreicht werden können, und der nach einem Austausch von Kompromissen
sucht, die für alle betroffenen Nationen wechselseitig Vorteile bringen.
Ich kenne den Ernst, mit dem Präsident Sadat und Ministerpräsident
Begin in unser Land kommen, und ich habe versucht, mich selbst so gut
ich es nur konnte vorzubereiten, um diese Bemühungen zu einem Erfolg zu
bringen.
Es wird eine gemeinsame Sache sein müssen, und wir alle werden in
diese Gespräche eintreten ohne Vorurteil gegen den anderen, mit einem
Geist des guten Willens und mit dem Wissen um die harten Verantwortungen,

- 2 -

%

�Verantwortungen, die auf uns fallen.
Schließlich möchte ich noch sagen, daß wir nahezu vollständig von
der Presse und der Außenwelt isoliert sein werden. Meine Hoffnung ist,
daß dieser Grad von persönlichem Gedankenaustausch ohne die Notwendigkeit, politisch zu posieren oder eine vorübergehende Haltung oder Überzeugung zu verteidigen, konstruktiv sein wird.
Es wird ein Höchstmaß an Anstrengung gemacht werden, um das gegenseitige Vertrauen zu gewährleisten und zu stärken und sich genauestens
dessen bewußt zu sein, daß wir alle das gleiche Endziel erstreben.
an

Dar-

habe ich keinen Zweifel.

Ich möchte zum Abschluß diesen beiden großen Führern gegenüber
meinen Dank für ihre Bereitschaft zum Kommen zum Ausdruck bringen, wo
die politischen Konsequenzen eines Fehlschlags sehr schwerwiegend sein
könnten und die Aussichten auf einen völligen Erfolg sehr gering erscheinen. Wir werden unser Bestes tun, und ich bitte alle diejedingen
inständig um ihre Unterstützung und ihr Gebet, die mit uns die Hoffnung
teilen, daß wir eine neue Aussicht auf Frieden für den Nahen Osten
bringen könnten.

+ + + + +

- 3 -

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22

13. September 1978

BOTSCHAFT CARTERS AN UN-KONFERENZ ÜBER TECHNISCHE ZUSAMMENARBEIT
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat der Konferenz der Vereinten
Nationen über technische Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungsländern
eine Botschaft übersandt, die auf der Eröffnungssitzung in Buenos Aires
am 30. August verlesen wurde. Die Botschaft des amerikanischen Präsidenten
hat folgenden Wortlaut:
Ich spreche Ihnen und den Organisatoren der Konferenz der Vereinten
Nationen über technische Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungsländern
meine Glückwünsche aus.
Wir leben in einer Zeit, in der weltweit um wirtschaftliche Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und politische Unabhängigkeit gekämpft
wird.

Weil ich überzeugt bin, daß der Erfolg dieses Ringens der gesamten

Menschheit zugute kommen wird, fühlt sich meine Administration verpflichtet,
mit den Entwicklungsländern in der Welt in allen Fragen zusammenzuarbeiten,
die mit ihren Arbeitskräften, ihren Rohmaterialien und ihren Erzeugnissen

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�Erzeugnissen in Zusammenhang stehen.

Wir verstehen es, wenn die Ent-

wicklungsländer, eine stärkere Beteiligung an den internationalen Entscheidungen fordern.

Und wir möchten den Entwicklungsländern Hilfe

leisten, wenn sie versuchen, ihre technologische Abhängigkeit von den
Industriestaaten durch Entwicklung eigener Kapazitäten zu verringern.
Dieses letztgenannte Ziel - die Förderung der technologischen
Kapazitäten in den Entwicklungsländern - ist das Ziel dieser Konferenz.
Es ist ein Ziel, das ich voll unterstütze.
Allzulange bestand bei den Entwicklungsländern die Tendenz, sich
in bezug auf ihre eigene Technologie ausschließlich auf die Industriestaaten zu verlassen.

Unser Wunsch aber richtet sich auf eine Welt,

in der die Entwicklungsländer Technologie genau so produzieren wie erwerben können.
Aus drei Gründen unterstützen die Vereinigten Staaten die technische
Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungsländern: erstens, die aus den
Entwicklungsbemühungen gewonnenen Lehren können von denen besonders
effektiv weitergegeben werden, die sie soeben erst selbst gelernt haben;
zweitens, die Faktoren der Arbeitskraft, der Erziehung und der Sozialstruktur in einem Entwicklungsland mittleren Wohlstandes könnten sich für
ein ärmeres land als angemessener erweisen als die eines hochindustrialisierten Staates; drittens, das wachsende Selbstvertrauen der Entwicklungsländer kann zur Stärkung ihrer Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit den
Industriestaaten bei der Suche nach Lösungen für unsere gemeinsamen
Probleme führen.
Es muß daher in der Zukunft im wachsenden Maße zu einem Transfer
technologischer Kapazitäten - nicht lediglich der Technologie selbst nach den Entwicklungsländern kommen.

Deshalb gründe ich eine Stiftung

für internationale technologische Zusammenarbeit, die - so hoffe ich mit den Institutionen in Ihren Ländern zusammenarbeiten wird, wenn Sie
Ihre eigenen Technologien entwickeln.
Aus all

�Aus all diesen Gründen zollen wir den von Ihnen unternommenen Bemühungen, Brücken über den Süden zu schlagen, Beifall.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die Gelegenheit, sowohl Partner
als auch Nutznießer der Aktivitäten dieser Konferenz zu sein.

Wir

freuen uns, bei der Bereitstellung von Dienstleistungen und Expertisen
für die Entwicklungsprojekte mitwirken zu können.

Aber wir sind uns

auch darüber im klaren, daß eine wahre nationale Entwicklung letztlich
davon abhängt, daß in jedem Land die autonomen Fähigkeiten wachsen,
neue Techniken und neues Wissen zu schaffen, den Verhältnissen anzupassen und zu nutzen.
Ihnen, Herr Präsident, und allen hier versammelten Delegierten,
spreche ich meine persönliche Zuversicht aus, daß diese Konferenz ihre
wichtigen Ziele erreichen wird.

+ + + + +

- 3 -

�Information

ü131

Ki

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13. September 1978

22

USA UND SOWJETUNION WOLLEN GESPRÄCHE ÜBER RADIOLOGISCHE WAFFEN
FORTSETZEN

GENF - (AD) - Die USA und die Sowjetunion sind übereingekommen,
ihre in Genf geführten Gespräche über ein Verbot der radiologischen
Waffen fortzusetzen.

Ein Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Gespräche

wurde noch nicht festgesetzt.
In einer am 11. September in Genf veröffentlichten Erklärung heißt
es dazu:
Die Delegationen der USA und der Sowjetunion sind in Genf vom 19. Juli
bis zum 8. September 1978 zusammengekommen, um die Verhandlungen über das
Verbot radiologischer Waffen sowie neuer Typen und Systeme von Massenvernichtungswaffen fortzusetzen.
Im Verlaufe der Verhandlungen legten die beiden Seiten alternative
Methoden für die Lösung der verschiedenen anstehenden Fragen dar. Sie
setzen die Arbeit an der Formulierung einer möglichen Konvention über das

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�das Verbot radiologischer Waffen fort und erzielten Fortschritte hinsichtlich einer Einigung über einige der grundlegenden Bestimmungen der Konvention.
Die Vertreter der USA und der Sowjetunion bei der Genfer-Abrüstungskonferenz, Botschafter Adrian S. Fisher und Botschafter V.l. Lichatschew,
leiteten die jeweiligen Delegationen.

Beide Seiten kamen überein, die

Verhandlungen zu einem Zeitpunkt, der noch vereinbart werden muß, fortzusetzen.

+ + + + +

- 2 -

�I
3

Information
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22

13. September 1978

SENATOR KENNEDY BEURTEILT VERHÄLTNIS USA-UdSSR ZUVERSICHTLICH

WASHINGTON - (AD) - Senator Edward M. Kennedy ist zuversichtlich,
daß sich die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten
Staaten verbessern werden und ein Fortschritt bei den amerikanischsowjetischen Abrüstungsgesprächen erzielt werden kann.
Kennedy hatte die Sowjetunion besucht, um an der internationalen
Konferenz für Gesundheitsfürsorge in Alma Ata teilzunehmen, und hatte
anschließend eine Reihe von Unterredungen mit führenden sowjetischen
Regierungsvertretern, darunter ein zweistündiges Gespräch mit dem sowjetischen
Staats- und Parteichef Leonid Breschnew, geführt.
Unmittelbar nach seiner Rückkehr gab der demokratische Senator aus
Massachusetts am 11. September vor der Presse in Washington eine Erklärung
ab, in der er darauf hinwies, daß es trotz verstärkter Spannungen und
Konfrontationsmöglichkeiten im Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion in den letzten Wochen auch eine Reihe "positiver
Signale" aus der Sowjetunion gegeben habe.
Er habe

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�Er habe bei seinen Gesprächen eine Reihe wichtiger Fragen, vor
allem aber das Problem der Rüstungskontrolle und der Menschenrechte,
erörtert. Als das wohl bemerkenswerteste Ergebnis dieser Unterredungen
bezeichnete Kennedy die Bereitschaft der sowjetischen Regierung, in 18
spezifischen Fällen die Auswanderungswünsche sowjetischer Familien zu
überprüfen.
Auf die Frage eines

Korrespondenten erklärte Kennedy, Breschnew

habe seiner Besorgnis darüber Ausdruck gegeben, daß es nicht gelungen
sei, bei den SALT-Gesprächen zu einer rascheren Lösung bei bestimmten
komplexen Fragen zu gelangen.

Er (Kennedy) glaube jedoch, daß diese

Fragenkomplexe in einer Weise lösbar seien, die mit dem Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten in Einklang stehe.
Er habe in diesem Zusammenhang den sowjetischen Parteichef darauf
hingewiesen, daß die Haltung des

amerikanischen Senats in der Frage

der Ratifizierung eines SALT-Abkommens nicht nur durch die darin festgelegten Bedingungen bestimmt werde, sondern auch durch die Einstellung
des amerikanischen Volkes zu den sowjetischen Aktionen auf den verschiedensten
Gebieten, darunter auch den Fragen der

sozialen Gerechtigkeit und der

Menschenrechte.

+ + + + +

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22

13. September 1978

SALT UND DAS NUKLEARE GLEICHGEWICHT
- von Senator John C. Culver -

Senator Culver, der als Angehöriger
der demokratischen Partei den Bundesstaat Indiana im US-Senat vertritt,
ist Mitglied des Senatsausschusses
für die Streitkräfte und Berater der
amerikanischen Delegation bei den
SALT-Verhandlungen.
Trotz verbreitet geäußerter Vermutungen, daß die sowjetische Führung
einen Nuklearangriff führen könnte, weil sie selbst nur mit mäßigen
Schäden und wenig Verlusten rechnet, schätzen unsere Nachrichtendienste,
daß durch die amerikanische Vergeltung eines sowjetischen Angriffs mehr
als 100 Millionen Sowjetbürger getötet würden.
Ein neuer vom CIA gebilligter Geheimdienstbericht deutet an, daß das
sowjetische Zivilverteidigungssystem, obgleich es für bemerkenswerte
nationale Anstrengungen spricht, in keiner Weise ausreichend wirksam ist,
um die Sowjets zu ermutigen, die Auslösung eines nuklearen Krieges zu

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�Krieges zu riskieren.
Der Geheimdienstbericht, der die erste umfassende Studie dieses
Themas in nichtgeheimer Form darstellt, besagt, daß eine merkliche Verringerung der sowjetischen Verluste eine massive Evakuierung der Städte
erfordern würde - ein Umstand, der unsere eigenen Streitkräfte in die Lage
versetzte, einen höheren Grad von Bereitschaft und Überlebensfähigkeit zu
erlangen.
Der Bericht zeigt auf, daß die sowjetischen Anstrengungen auf dem
Gebiet der Zivilverteidigung nicht ausreichen, um im

Fall eines nuklearen

Krieges Millionenverluste an Menschen und massive Schäden für die Industrie
zu verhindern.

Kurzum - ein Atomkrieg wäre eine Katastrophe für die

Sowjetunion, da sowjetische Programme nicht genügen, um die strategische
Waagschale zu unseren Ungunsten zu neigen.
Von Zeit zu Zeit hören wir das Argument, daß die Vereinigten Staaten
stärker als die Sowjets sein müßten, weil sie, da wir nicht den ersten
Schlag gegen sie führen würden, einen ersten Schlag gegen uns führen
könnten. Man argumentiert, daß wir nur dann, wenn wir überlegen seien,
nach dem ersten Schlag genügend Kraft für den Gegenschlag hätten.
Die Antwort darauf ist, daß das Streben nach Überlegenheit oder
einseitigem Vorteil in der heutigen Welt, in der beide Seiten über eine
beängstigende Overki11-Kapazität verfügen, in Wirklichkeit Illusion ist.
Ich glaube nicht, daß ein solches Streben mehr Sicherheit brächte. Wir
werden niemals in der Lage sein, die Vorteile wiederzuerlangen, die wir
in den fünfziger und sechziger Jahren hatten. Wenn jedoch die Sowjetunion so unklug wäre, beispielsweise jetzt einen Angriff gegen die
Vereinigten Staaten zu führen, hätten wir den Vorteil der doppelten Abschußkapazität für nukleare Sprengköpfe. Selbst bei einem ersten Schlag
gegen unsere Landbasen gäbe es noch genügend nukleare Gefechtsköpfe an
Bord unserer U-Boote und Bomber, um der Sowjetunion verheerende Schäden

�Schäden zuzufügen.
Die Chefs des gemeinsamen Generalstabs haben dem Kongress wiederholt
versichert, daß die strategischen Streitkräfte der USA ausreichen, um
unsere Vergeltungsziele zu erreichen.

In der Tat besitzen wir mehr als

doppelt so viele nukleare Kampfmittel wie die UdSSR - 9 000 gegenüber
etwas mehr als 4 000. Gleichzeitig ist die Treffsicherheit der unseren
wesentlich größer als die der sowjetischen.
Der nichtgeheimen Studie des Budgetamtes des Kongresses zufolge
würden die Vereinigten Staaten, wenn es in den neunziger Jahren zu einem
Angriff käme, auch danach noch über mehr Gefechtsköpfe für den Gegenschlag
verfügen, als die UdSSR heute besitzt. In dieser Situation des "schlimmsten
Falles" hätten wir, je nach der Vorwarnzeit, zwischen 4 600 und 8 300
Gefechtsköpfe verfügbar. Darüberhinaus würden diese Waffen, so ist zu
erwarten, mehr als 80 Prozent der sowjetischen Industrie und mehr als
90 Prozent der allgemeinen militärischen Ziele zerstören.
Mit der Aussicht auf eine derartige Verwüstung konfrontiert, wäre
es selbstmörderisch für die sowjetische Führung, einen Angriff gegen uns
zu starten.
Die Vereinigten Staaten folgen bei der Modernisierung ihrer strategischen
Streitkräfte einem klugen, doppelgleisigen Weg und sind außerdem bestrebt,
dem Rüstungswettlauf durch einen neuen Vertrag über die Begrenzung strategischer Rüstungen (SALT) die Spitze zu nehmen.
Wir bauen eine neue Generation von TRIDENT-U-Booten mit Raketen
größerer Reichweite auf. Wir verbessern unsere MINUTEMAN-Raketen durch
Erhöhung der Treffgenauigkeit, der Wirksamkeit der Gefechtsköpfe und durch
verstärkte Sicherung der Silos. Außerdem entwickeln wir Marschflugkörper
("Cruise Missiles") nach modernster Technologie, um die kontinuierliche
Stärke unserer Bomberflotte zu gewährleisten. Inzwischen hat der Ober-

- 3 -

�Oberkommandierende des strategischen Luftkommandos zu Protokoll gegeben,
daß "unsere neuesten B-52-Bomber auch weiterhin bis 1987 - und wahrscheinlich
bis in die neunziger Jahre hinein - wirksame Eindringstärke haben werden".
Der SALT II-Vertrag würde für die USA und die UdSSR die stragetischen
Systeme und gewisse Raketentypen auf gleichgroße Zahlen begrenzen und von
den Sowjets verlangen, 250 - 300 Abschlußrampen - mehr als 10 Prozent der
gegenwärtigen Anzahl - zu demontieren.

Während viele schwierige Streitfragen

noch gelöst werden müssen, sind diese grundlegenden Merkmale, durch die das
sowjetische Wachstum begrenzt und gleichzeitig unsere Abschreckungsmacht
erhalten wird, wichtige Schritte zur Verringerung der Gefahr eines nuklearen
Krieges.
Meines Erachtens würde der SALT II-Vertrag die strategische Stabilität
fördern

und dabei den Rüstungswettbewerb in der Zukunft begrenzen.

Und wir

müssen berücksichtigen, welches unsere Sicherheitssituation ohne ein Abkommer wäre. Auch kann ich mir bei keinem einzigen Kongressmitglied, geschweige denn beim ganzen Kongress vorstellen, jemals ein Abkommen zu
akzeptieren, das uns in eine unterlegene oder gefährliche Lage bringen
würde.

+ + + + +

- 4 -

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1

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22

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Wi//en/ch&lt;ift
und Technik
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13. September 1978

VERSUCHE MIT INTERFERON-THERAPIE BEI KREBS UND VIRUSINFEKTIONEN

- (AD) - Die amerikanische Gesellschaft für Krebsforschung gab
Pläne bekannt, menschliches Leukozyten-Interferon für die Behandlung
von Krebs im vorgeschrittenen Stadium klinisch erproben zu lassen. Für
dieses Projekt sollen vorläufig zwei Millionen Dollar zur Verfügung gestellt werden. Die Versuche werden von einem Ärztegremium geleitet, an
dessen Spitze Dr. Thomas C. Merigan von der Stanford-Universität und Dr.
Jordan Gutterman von der Tumorklinik des Anderson-Hospitals in Houston
(Texas) stehen.
Interferon ist ein natürliches Körpereiweiß, mit dessen Bildung
die Zellen auf ein Virus oder andere Reize reagieren. Es kann in begrenzten Mengen im Laboratorium gewonnen werden, indem man menschliche
weiße Blutzellen (Leukozyten) oder menschliche Fibroblasten mit SendaiViren oder anderen Reizsubstanzen infiziert,die zur Interferon-Produktion
anregen. Das dabei produzierte exogene Human-Interferon, in erster Linie
Leukozyten-Interferon, wurde bei der Behandlung von Infektionskrankheiten
der Atemwege, bei Keratitis herpetica und chronischer Hepatitis mit recht

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�recht guten Erfolgen erprobt.
Klinische Versuche damit gibt es schon seit geraumer Zeit, vor allem
in Schweden.

Sie wurden inzwischen auf Versuche oder Behandlung be-

stimmter Krebsformen ausgedehnt.

So behandelte man am Karolinska-Institut

in Stockholm einer Mitteilung der

Stanford-Universität zufolge 34 Kinder

und Jugendliche, die von Knochenkrebs befallen waren, mit hohen InterferonDosen.

Die Ergebnisse waren ermutigend:

Die Drei-Jahres-überlebensrate

lag bei 70 Prozent, während sie bei der Beschränkung auf die herkömmliche
chirurgische Behandlung 10 - 30 Prozent beträgt.
In den Vereinigten Staaten hat man die Substanz versuchsweise bei
Brustkrebs (15 Patientinnen des Anderson-Hospitals in Houston) und Lymphom
(sechs Patienten des Klinikums der Stanford-Universität) eingesetzt.

Der

bisherige Therapieverlauf scheint darauf hinzudeuten, daß unter der Wirkung
von hohen Interferondosen Krebsgeschwülste der genannten Art zurückgehen
können.

Die Versuche werden jetzt ausgedehnt.

In einer weiteren Studie untersuchte Dr. Merigan (Stanford) die
Wirkung von Interferon auf Herpes Zoster-Infektionen. In den Versuch
waren 90 Krebspatienten einbezogen. Diese Kranken werden relativ häufig
von Zoster-Virusinfektionen befallen, weil bei ihnen die körpereigenen
Abwehrkräfte durch Chemotherapie oder Strahlenbehandlung sowieso geschwächt sind. Deshalb entwickelt in solchen Fällen Herpes Zoster (Gürtelrose) besonders schwere Verlaufsformen, und die Behandlung ist außerordentlich langwierig.
Die besten Ergebnisse erzielte Dr. Merigan an Patienten, bei denen die
Behandlung schon am ersten oder zweiten Tag nach Ausbruch der Krankheit
begann und mit den höchsten Interferondosen bekämpft wurde.
bis acht Tagen konnte die Therapie abgesetzt werden.

Nach sieben

Es kam nicht, wie

sonst meist beobachtet .wird, zur Ausbreitung von Rötung und Bläschenbildung
auf der Haut, und die schmerkzhafte Periode wurde wesentlich abgekürzt.

- 2 -

�abgekürzt.

Bei den Patienten, die die höchsten Dosen (für die Dosierung

gab es drei verschiedene Stufen) erhalten hatten, wurden auch keine
Komplikationen beobachtet, wie sie sonst an Augen, Lungen oder Gehirn
auftreten können.

Die bei herkömmlicher Behandlung oft nicht zu ver-

meidenden monatelangen Nachwirkungen in der Form schwerer Neuralgien
unterbleiben völlig.
In der Gruppe mit der niedrigsten Behandlungsdosis kam es in einem
Fall zu den bekannten Komplikationen. Dagegen wurden diese in der gleich
großen, mit einem Placebo-Präparat (interferonfreies "Blind"-Präparat)
behandelten Gruppe in sechs Fällen beobachtet.
Die erste Identifizierung von Interferon gelang 1957 dem Engländer
AI ick Isaacs und dem Schweizer Jean Lindenmann. Die Forscher beschrieben es als ein Protein, das von virus-infizierten tierischen Zellen
produziert wird. Sie hatten außerdem beobachtet, daß es offenbar die
Nachbarzellen der infizierten Zelle gegen eine Infektion durch das gleiche
Virus immunisiert.
Die Substanz ist im wesentlichen artspezifisch, d.h., daß zum Beispiel Mäuse-Interferon nur bei Mäusen, Human-Interferon nur beim Menschen
wirksam ist.

Ein Austausch wäre wenig oder überhaupt nicht wirksam.

ist es nicht gelungen, Interferon zu synthetisieren oder jenes Gen zu
isolieren, dem seine Produktion im Körper zuzuschreiben ist.
Lösung beider Probleme wird jetzt intensiv gearbeitet.

+ + + + +

- 3 -

An der

Bisher

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und
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Embassy of the United States of America

30. August 1978

21

INHALT

DOKUMENTATION
Richardson umreißt Ziele der Seerechtskonferenz aus amerikanischer Sicht
- Wortlaut der Erklärung vom 21. August 1978 HINTERGRUNDMATERIAL
US-Verteidigungsminister unterstützt Carters Verteidigungskonzeption
Washington rechnet mit Energiegesetz für Anfang 1979
- von John Holway WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Energie der Sterne
US-Institut meldet Fortschritt auf dem Weg zur kontrollierten Kernfusion
Boten aus fernen Regionen des Sonnensystems
- Bisher unbekannte Meteoritenart entdeckt Neues für Diagnose und Therapie bei Lungenerkrankungen

Um Übci/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation
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30. August 1978

21

RICHARDSON UMREISST ZIELE DER SEERECHTSKONFERENZ AUS AMERIKANISCHER SICHT
- Wortlaut der Erklärung vom 21. August 1978 -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation auf der Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen, Botschafter Elliot
Richardson, hat am 21. August 1978 anläßlich des Beginns der Herbsttagung
dieses Gremiums auf einer Pressekonferenz die Ziele der USA umrissen.
Er gab eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Als sich die siebte Sitzung der Dritten Seerechtskonferenz der Vereinten
Nationen im Mai dieses Jahres vertagte, geschah dies im Geiste beträchtlicher
Befriedigung. Selbst die ermüdetsten Beobachter dieser langen, harten und
komplizierten internationalen Verhandlungen konnten nicht umhin, von der Zielsetzung dieser Konferenz sowie der neuerlichen Verpflichtung beeindruckt zu
sein, auch die offensichtlich schwierigsten Probleme durch ein sachliches,
realistisches Geben und Nemen zu vermindern.
Vielleicht wird eines Tages gesagt werden, daß die Genfer Phase der Wendepunkt dieser Konferenz war - der Zeitpunkt nämlich, an dem der Argwohn abgebaut wurde und da der Norden und der Süden stillschweigend übereinkamen, daß
pragmatische wirtschaftliche Überlegungen die Oberhand behalten sollten. Für

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�I

Für die Vereinigten Staaten war der in Genf erzielte Fortschritt Anlaß genug,
um unsere Verpflichtung zu erneuern, einen gerechten Vertrag anzustreben, der
auf dem Grundsatz des gemeinsamen Nutzens basiert.
Lassen Sie mich an diesem Punkte innehalten, um zu unterstreichen, daß
unsere Befriedigung über die verbesserte Atmosphäre der Genfer Verhandlungen
nicht so ausgelegt werden sollte, als sähen wir bereits einen Vertrag oder
sofortige Lösungen für die wirklich schwerwiegenden Fragen vor uns. Wir stehen in einem langfristigen Bemühen.

Hinsichtlich des Tiefseebodenbergbaus

haben wir gegenüber vielen Teilen der Genfer Texte ernsthafte Einwände, obwohl sie besser sind als der inoffizielle zusammenfassende Verhandlungstext,
der im vergangenen Jahr am Ende der sechsten Sitzung formuliert wurde.
Die Genfer Texte sind insofern wertvoll, als sie die Grundlage für weitere
Verhandlungen legen und die Konferenz näher an das Ziel einer Übereinstimmung
heranführen. Aber wenn auch der Geist und die Verpflichtung der Konferenz hoch
gesteckt sind, so sind die Hindernisse für eine Übereinstimmung ebenfalls groß.
Die vor uns liegende Arbeit bezüglich der Meeresbodentexte ist schwieriger
und kann leichter in eine Sackgasse führen als alles, was wir bisher unternommen haben.
Wir sind der Ansicht, es sei wichtig, daß wir während der jetzt wieder
begonnenen Sitzungsperiode nicht erneut die in Genf formulierten Texte überarbeiten. Alle Delegationen sind sich darüber im klaren, daß die Summe der
bisher erreichten Übereinkünfte eine Filigranarbeit darstellt. Was Stärke und
Fortbestand dieser Übereinkünfte anbetrifft, so hängt jede von weiteren Absprachen ab; jede ist in sich zerbrechlich und verletzlich. Wenn wir jetzt
den Blick zurückwenden und uns erneut auf einige wenige Elemente dieser Texte
konzentrieren würden, dann würde dies nur Schockwellen auslösen, die eine nachteilige Auswirkung auf zahlreiche Elemente hätten. Wir würden es vorziehen,
wenn sich die Bewegung nach vorne fortsetzen würde und wenn Änderungen zu
einem späteren Zeitpunkt angesichts des Meeresbodenpaketes als Ganzes erörtert
würden.
Obwohl

�Obwohl die Konferenz mit neuer Energie erfüllt ist, so kann sie doch
nicht übersehen, daß die Fakten, mit denen sie sich befaßt, einem ständigen
Wandel unterliegen.

Private Unternehmen verschiedener Industrienationen haben

bereits große Investitionen im Rahmen der Forschung für den Tiefseebodenbergbau aufs Spiel gesetzt.

Die kommerzielle Anwendung ihrer sich rasch entwickeln-

den Technologie dürfte bereits in wenigen Jahren erfolgen.

Unter Berücksichtigung dieser Entwicklung ist der amerikanische Kongreß
bereits dabei, Gesetze zu verabschieden, die den Meeresbodenbergbau durch
amerikanische Unternehmen regeln werden.

Diese Gesetzgebung ist ihrem Charak-

ter nach sowohl international als auch binnenwirtschaftlich.

- Sie anerkennt unsere Verpflichtung aufgrund der Konzeption, daß die
Ressourcen des Meeresbodens das gemeinsame Erbe der Menschheit darstellen;
- sie wird überholt sein, wann immer ein Seerechtsvertrag unter Einschluß
der Vereinigten Staaten in Kraft tritt;

- sie sieht vor, daß Einkünfte für die Entwicklungsländer bereitgestellt
werden;

- sie setzt strenge Normen für den Schutz der Meeresumwelt fest;

- sie legt keinerlei Souveränitätsrechte hinsichtlich der Stätten des
Meeresbodenbergbaus fest; und
- sie erklärt oder impliziert keinerlei dahingehende Absicht, daß die
amerikanischen Abbauunternehmen außerhalb der Jurisdiktion einer internationalen Meeresbodenbehörde bleiben sollen, nachdem ein internationaler Vertrag
in Kraft getreten ist»

Die Kräfte, die jetzt in Gang gesetzt worden sind, bewegen sich auf einer
breiten Front voran.
den.

Sie können weder blockiert noch rückgängig gemacht wer-

Die Meeresböden enthalten Mineral Stoffe, die für das wirtschaftliche Wachs-

�Wachstum wichtig sind.

Sie werden früher oder später abgebaut werden, ob

nun ein Vertrag besteht oder nicht.

Dies sind die fundamentalen Realitäten,

denen wir uns in unseren Verhandlungen gegenübersehen.
Wenn wir uns nun den in dieser Woche wieder aufgenommenen Verhandlungen
zuwenden, dann ist es das Ziel der Vereinigten Staaten - wie es das schon
immer im Verlauf dieser Verhandlungen gewesen ist -, einen umfassenden Vertrag
zu erreichen, der unsere wesentlichen Interessen schützt.

Gleichzeitig sind

wir jedoch der Ansicht, daß diese Konferenz nur dann als erfolgreich beurteilt
wird, wenn sie auch die wesentlichen Interessen aller Länder schützt.
Was die Vereinigten Staaten angeht, so schließen diese Interessen einen
gesicherten Zugang zu den Mineral Stoffen des Meeresbodens ein.

Als Kompromiß

werden wir auch weiterhin bemüht sein, ein paralleles Abbausystem zu schaffen,
das Investitionen anzieht, wirtschaftlich auf lange Sicht gesehen lebensfähig
ist und das sich den gerechten Ansprüchen der Entwicklungsländer anpaßt.

Die-

ses System sollte den Zugang und den Besitz seitens aller qualifizierten Abbauunternehmen sicherstellen, realistische Produktionskontrollen und finanzielle Vorkehrungen festsetzen, für den technologischen Transfer unter fairen
kommerziellen Bedingungen sorgen und von einer internationalen Behörde verwaltet werden, die Entscheidungen auf einer Grundlage trifft, welche die wichtigen auf dem Spiele stehenden Interessen hinsichtlich Investition, Produktion und Verbrauch berücksichtigt.
Die Gesamtheit des durch diese Konferenz erbrachten Nutzens, mag noch
so groß und eindrucksvoll sein; dies wäre jedoch nicht ausreichend, um uns
zu der Annahme eines Meeresbodenschürfrechtes zu veranlassen, das diesen Kriterien nicht gerecht wird. Ob über einen solchen Rechtsrahmen verhandelt
werden kann, bleibt abzuwarten.
Von diesen Fragen des Tiefseebodens abgesehen, ist die Konferenz in der
Lage, wesentliche Fortschritte hinsichtlich einer endgültigen Lösung anderer
wichtiger Fragen zu erzielen. Dazu gehören die wissenschaftliche Forschung

- 4 -

�Forschung sowie eine genaue Definition des Festlandsockels.

Bezüglich der

wissenschaftlichen Forschung sollte die Konferenz Mittel und Wege erörtern,
um die Texte im Hinblick auf die praktische Perspektive der Forschung und des
juristischen Gesamtrahmens zu klären und zu verbessern, der sich aus den Verhandlungen ergeben hat. Jedes Land sollte sich darüber im klaren sein, daß
natürliche Vorgänge in einer ausländischen Wirtschaftszone letztlich seine
eigene Bevölkerung in sehr wichtiger Hinsicht berühren können.

Darüber hinaus

dürfte es nicht praktisch sein, kostspielige Projekte auszuführen, wenn ein
Küstenstaat diese ablehnt, selbst wenn seine Nachbarn die Fortsetzung dieser
Projekte wünschen.

Die amerikanische Delegation hat die Absicht, sich um

weitere Verbesserungen des Textes zu bemühen, um die Durchführung der wissenschaftlichen Forschung zu erleichtern und die Verfügbarmachung wissenschaftlicher Informationen zum Nutzen aller zu fördern.
Die amerikanische Delegation geht in die wieder aufgenommene Tagung mit
der Hoffnung, daß die in Genf entwickelten Impulse erhalten bleiben und daß
diese vier Wochen uns dem Ziel eines allseitig akzeptablen, umfassenden Vertrages näherbringen werden.

Gleichzeitig sind wir uns alle nur zu sehr der

Tatsache bewußt, daß sich die Konferenz noch gewaltigen Problemen gegenübersieht, deren Lösung von uns allen kollektive Klugheit und Geduld erfordern.

+ + + + +

- 5 -

�21

30. August 1978

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER UNTERSTÜTZT CARTERS VERTEIDIGUNGSKONZEPTION

NEW ORLEANS, LOUISIANA - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister
Harold Brown hat auf der Jahrestagung des amerikanischen Reservistenverbandes
"American Legion" in New Orleans am 22. August 1978 die Entscheidung von Präsident Carter unterstützt, gegen das vom Kongreß verabschiedete Verteidigungsbeschaffungsgesetz sein Veto einzulegen. In dem Gesetz sind 2 Milliarden
Dollar für einen nuklear angetriebenen Flugzeugträger vorgesehen, die nach
Auffassung des Präsidenten für die Verbesserung der Einsatzbereitschaft der
amerikanischen Streitkräfte, vor allem im Zusammenhang mit der NATO, notwendiger gebraucht werden. Brown machte im wesentlichen folgende Ausführungen:
...Präsident Carter und ich werden alles in unseren Kräften stehende tun,
um dafür zu sorgen, daß die Verteidigungserfordernisse unseres Landes voll
erfüllt werden.
Genau aus diesem Grunde hat Präsident Carter in der vorigen Woche ohne
seine Billigung dem Kongreß ein Verteidigungsbeschaffungsgesetz zurückgeschickt, das unsere Verteidigung geschwächt hätte - indem zwei Milliarden
Dollar von Verteidigungserfordernissen hoher Priorität abgezweigt würden,
um die Mittel für einen nuklear angetriebenen Flugzeugträger aufzubringen.
Der Präsident und ich unterstützen den vollen Betrag des Verteidigungshaushaltes in Höhe von 126 Milliarden Dollar, den er angefordert hat. Wir wollen

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Telex:08-85432

�wollen nicht, daß der Kongreß hier Kürzungen vornimmt. Aber wir wollen, daß
das Geld klug und dort ausgegeben wird, wo es am nötigsten gebraucht wird.
Der nuklear angetriebene Flugzeugträger kostet fast eine Milliarde Dollar
mehr als ein künftiger konventionell angetriebener Träger. Wir planen auch
für die Zukunft den Bau von Flugzeugträgern, aber wir brauchen diesen jetzt
nicht auf Kosten dringenderer Erfordernisse zu bauen.

Und wir brauchen auch

nicht eine Milliarde Dollar mehr zu bezahlen.
Die Handlung des Präsidenten dient der Stärkung unserer Verteidigung,
und sie ist sicherlich nicht gegen die Marine gerichtet. Wir besitzen die
stärkste Marine der Welt, und wir wollen das beibehalten.

Wir brauchen aber

ausgewogene Streitkräfte, um allen unseren Verteidigungserfordernissen gerecht werden zu können, einschließlich insbesondere der Erfordernisse für unsere Streitkräfte in Europa oder der für den Einsatz dort in Verbindung
mit den Streitkräften unserer NATO-Verbündeten vorgesehenen Streitkräfte,
um der sowjetischen Aufrüstung zu begegnen...
Lassen Sie mich nun zu einer allgemeineren Beurteilung kommen, wo wir
heute in der Welt stehen und wie dies unsere Verteidigungsentscheidungen beeinflußt.
Ich möchte natürlich zunächst feststellen, daß die relative Gesamtstärke der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von mehr abhängt als nur
von den Streitkräften - obwohl diese Streitkräfte ein notwendiges und entscheidendes Element sind. Zum Gesamtkräfteverhältnis gehören viele Dinge
- wirtschaftliche Stärke und Produktivität, politische Stabilität und politischer Zusammenhalt, unsere technologischen Fähigkeiten, die Anziehungskraft unserer Lebensweise und unserer internationalen Politik und unser nationaler Wille. An diesen überbegriffen gemessen besteht nach meiner Überzeugung kein Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten das mächtigste Land
der Erde sind. Wir übertreffen die Sowjetunion in fast allen Kategorien,
die ich aufgezählt habe. Nur auf dem militärischen Sektor konnte die Sowjet-

- 2 -

�Sowjetunion unser Rivale werden.

Aber die Tatsache, daß die Sowjets einen

so großen Teil ihrer Anstrengungen auf militärische Tätigkeiten verwandt
haben, ist eine ernste Sache und muß uns beunruhigen.

Wir müssen alles not-

wendige tun, um ein militärisches Gleichgewicht und auch ein günstiges Gesamtgleichgewicht der nationalen Macht aufrechterhalten...

Wir sehen, daß die Sowjets seit fast 20 Jahren mit einer wesentlichen
militärischen Aufrüstung beschäftigt sind...

Aber das bedeutet nicht, daß wir und unsere Verbündeten auf unseren
Händen gesessen haben oder daß wir plötzlich dem Warschauer Pakt unterlegen
geworden seien...

Die Sowjets müssen mit einer ganzen Reihe von Problemen ringen, die wir
nicht haben, vor allem im Hinblick auf China... Es fehlt den Sowjets an bereitwilligen und tüchtigen Verbündeten...

So ist also ein einfacher Vergleich der sowjetischen und der amerikanischen Streitkräfte nur ein Anfang, um unsere militärischen Erfordernisse
zu begreifen.

Bei der Planung unserer Streitkräfte müssen wir aufpassen,

daß wir durch solche Vergleiche nicht irregeführt werden.

Nehmen wir nur einmal den Fall unserer strategischen Nuklearposition.
Mit den bereits dislozierten Gefechtsköpfen können wir alle wichtigen militärischen Ziele in der Sowjetunion erreichen - selbst noch nach einem Erstschlag der Sowjets.

Unsere grundlegende Offensivstärke reicht, mit anderen

Worten, heute aus...

Hier und heute könnten wir selbst nach einem sowjetischen Überraschungsangriff im wahrsten Sinne des Wortes mit tausenden von thermonuklearen Waffen
(Wasserstoffwaffen) Ziele in der Sowjetunion erreichen.

Trotz der Verbesse-

rung der sowjetischen Offensiv- und Defensivstreitkräfte wird diese unsere
Fähigkeit in Zukunft nicht zurückgehen.

Sie wird größer werden...
Ich

- 3 -

�Ich weiß, daß sich manche von Ihnen Sorgen über SALT machen.

Ich

möchte Ihnen versichern, daß kein SALT-Abkommen abgeschlossen werden wird,
dessen Unterzeichnung nicht im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
Das bedeutet insbesondere, daß es unsere militärische Sicherheit nicht untergraben darf.

Ein annehmbares Abkommen über die Begrenzung der strategischen

Rüstungen darf die von mir eben beschriebene Zweitschlagkapazität der Vereinigten Staaten nicht schwächen.

Wir werden uns die Gewähr vorbehalten

- und die Sowjets werden das wissen - daß wir einen solchen vernichtenden
Zweitschlag führen können.

Und das wird trotz des derzeitigen Zivilschutz-

programms der Sowjets gelten.
Lassen Sie mich zum Schluß noch ein paar Worte zu den konventionellen
Streitkräften sagen... Trotz des Anwachsens der sowjetischen GefechtsfeldKapazität haben wir und unsere Verbündeten bereits die Land-, See- und Luftstreitkräfte aufgestellt - und bezahlen für sie -, die zum Schutz unserer
Interessen in der Welt notwendig sind.

Trotz unserer weltweiten Verantwor-

tung sind wir sehr gut ausgerüstet, um mit Ernstfällen fertig zu werden,
die einen genügenden Zeitraum für die Bereitstellung und Dislozierung unserer Streitkräfte gestatten.,..
Die sowjetischen Gefechtsfeld-Streitkräfte haben sich am bedeutsamsten
gewandelt - zwar nicht zahlenmäßig, aber doch was ihre Fähigkeit angeht,
kurze, intensive nicht-nukleare Feldzüge zu führen, wobei bei relativ geringer
Vorbereitungszeit starke modernisierte Truppen eingesetzt werden. Folglich
... ist ein Überraschungsangriff mehr in den Bereich des Möglichen gerückt.
Unsere Erfordernisse haben sich entsprechend geändert: nicht in Richtung
auf größere Streitkräfte, sondern in Richtung auf eine größere Einsatzbereitschaft, eine kurzfristig gesehen größere Widerstandskraft, eine verbesserte
Interoperabilität mit unseren Verbündeten sowie eine längerfristige Mobilität
der Truppen, über die wir bereits verfügen...
Ein angemessenes und entsprechend ausgewogenes Verteidigungsbudget ist
also ein Weg, mit dessen Hilfe wir unsere Sicherheit gegenüber der mili- 4 -

�militärischen Drohung der Sowjets garantieren.
aber nicht der einzige.

Es ist ein notwendiger Weg,

Obwohl einige immer noch skeptisch hinsichtlich von

Rüstungskontroi labkommen sein mögen 7 und mir obliegt es insbesondere, in
dieser Hinsicht nicht leichtgläubig zu sein -, so sind solche Abkommen doch
ein weiterer und zusätzlicher Schritt, um sich mit den militärischen Anstrengungen der Sowjets auseinanderzusetzen... Die Sowjets sind sich jedoch darüber im klaren, daß - solange wir stark bleiben... - ein direkter Konflikt
mit den Vereinigten Staaten und ihren Freunden rasch zu einer Katastrophe
führen könnte. Auf ein Mindestmaß gebracht: Sie teilen unser Interesse,
einen solchen Konflikt zu vermeiden...
Die von uns bevorzugte Zurückhaltung muß besonders stark sein, wenn es
sich um nukleare Streitkräfte handelt. Nuklearwaffen stellen die einzige
wirkliche Bedrohung für den Fortbestand der Vereinigten Staaten, aber auch
für die Sowjetunion dar... Folglich wird es in zunehmendem Maße unwahrscheinlich, daß ein weiterer Aufbau der einen Seite zu einem bedeutsamen Vorteil
führen wird, vorausgesetzt, daß die andere Seite umsichtige Gegenmaßnahmen
ergreift...
Damit will ich nicht sagen, daß Abkommen zur Begrenzung strategischer
oder anderer Rüstungen alle Probleme lösen, jeden Grund zu Furcht und Argwohn beseitigen oder jeglichem Wettrüsten völlig Einhalt gebieten könnten.
Aber mit sorgfältig ausgearbeiteten Abkommen, die sich auf eine Verifizierung
ihrer Einhaltung stützen, kann sehr viel erreicht werden...
Ich sehe keine unmittelbare Aussicht auf die Erreichung eines beiderseitigen Endes des Wettstreits auf dem Gebiet der militärischen Stärke.

Es

ist heute ein vernünftiges Ziel, auch die bescheidensten Impulse in Richtung
auf eine Rüstungskontrolle aufrechtzuerhalten.

Aber eine Rüstungskontrolle

als solche - das kann ich Ihnen versichern -, ist nicht unser einziges oder
gar unser hauptsächliches Ziel bei den SALT-Verhandlungen.

Was wir wünschen

und worauf wir bestehen, ist, daß die Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten mit einem SALT-Abkommen zumindest genau so gesichert Ist
- 5 -

�ist wie ohne. Wenn ein Abkommen diese Prüfung nicht besteht, dann wird es
auch nicht unterzeichnet werden.

Wenn es das tut, dann wird unterschrieben.

Aber ob nun mit oder ohne SALT - unsere Verteidigungsprogramme werden im
wesentlichen fortgesetzt werden müssen...
Der Präsident und ich wollen absolut effektive Streitkräfte.
fordert schon die Konkurrenz seitens der Sowjetunion.

Dies er-

Eine echte Kampfbe-

reitschaft ist die wirksamste Gegenmaßnahme gegen die militärische Drohung
der Sowjets. Unsere Mittel müssen so eingesetzt werden, daß wir jenen Arten
von Konflikten sicher begegnen können, die jetzt und für die absehbare Zukunft am wahrscheinlichsten sind.

Wir dürfen nicht auf die alte Strategie

zurückfallen, in deren Rahmen auf eine sofortige Einsatzbereitschaft verzichtet und auf einen langen Zeitraum für die Mobilisierung gesetzt wurde
- eine Strategie, die schon in den dreißiger Jahren kaum noch vertretbar
war.

Heute verfügen wir nicht mehr über den Luxus der Zeit, sondern Kampf-

bereitschaft und schnelle Reaktionsfähigkeit sind das, was wir benötigen...
Es gibt noch einen weiteren und fundamentaleren Grund dafür, warum der Kampfbereitschaft, die den sofortigen Einsatz unserer Soldaten gewährleistet,
Vorrang eingeräumt werden muß.

Denn nur Menschen - gut ausgebildete Men-

schen mit einer hohen Moral - können unsere Waffen einsatzfähig machen.
Selbst Auslöseknöpfe müssen von irgend jemand bedient werden.
Wie Sie vom Reservistenverband es besser als die meisten anderen wissen,
sind die Menschen der größte Aktivposten, über den wir auf dem Gebiet der
Verteidigung verfügen. Technologisch sind wir im Vergleich zur Sowjetunion
im Vorteil. Aber dieser Vorteil ist nicht annähernd so groß wie derjenige,
der uns aus der Tatsache erwächst, daß wir ein freies Volk sind. Die Sowjets
können vielleicht die Lücke in der Waffenproduktion schließen und den Abstand in der militärischen Technologie verringern. Sie werden jedoch niemals an den Geist, die Hingabe und die Initiative der Männer und Frauen in
den Streitkräften der Vereinigten Staaten heranreichen...

+ + + + +
- 6 -

�mcuena
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Embassy of the United States of America

21

30. August 1978

WASHINGTON RECHNET MIT ENERGIEGESETZ FÜR ANFANG 1979
- Von John Holway -

WASHINGTON - (AD) - Die Carter-Administration rechnet jetzt damit, daß
der Kongreß Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres die anstehende
Energiegesetzgebung verabschieden wird.

Sollte dies nicht der Fall sein, so

verlautet aus hohen Regierungskreisen, müsse der Präsident eine "unattraktive" Entscheidung über Alternativmaßnahmen treffen, wie beispielsweise Quoten
oder Zölle, um die Abhängigkeit der USA vom Importöl zu verringern.

Zu Anfang dieses Jahres war man sowohl seitens der Administration wie
auch im Kongreß zuversichtlich, daß ein komplettes Paket bis zum September
verabschiedet werden könne.

Diese Hoffnung ist nun geschwunden.

Drei relativ unumstrittene Teile des Paketes, die sich in der Hauptsache
mit Maßnahmen zur Energieeinsparung befassen, passieren den Kongreß ohne Probleme.

Dabei handelt es sich um die sogenannten "süßen Pillen" der Gesetz-

gebung.

Die beiden "bitteren Pillen", nämlich die Teile, bei denen es um

höhere Preise von öl und Erdgas geht, stoßen in diesem Wahljahr auf Hindernisse.

Die Frage der Freigabe der Erdgas-Preise steht sowohl im Repräsentanten-

haus wie auch im Senat auf Messers Schneide, und die vorgeschlagene Aus-

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�Ausgleichssteuer für Rohöl, mit deren Hilfe die einheimischen ölpreise auf
Weltmarktniveau angehoben werden sollen, ist bereits schon einmal vom Senat
abgelehnt worden und hat wohl nur geringe Aussichten, vom Kongreß verabschiedet zu werden.
Energieminister James Schlesinger hat betont, daß die Carter-Administration hoffe, Alternativmaßnahmen gegenüber dem Kongreß vermeiden zu können.
Aber seiner Ansicht nach muß der Präsident zumindest eine dieser beiden gefährdeten Vorlagen durchbringen, um sein auf dem Weltwirtschaftsgipfel in
Bonn gegebenes Versprechen, die amerikanischen ölimporte zu verringern, einhalten zu können.

Sollten beide Vorlagen im Kongreß durchfallen, so erklärte

Schlesinger kürzlich in einem Fernsehinterview, dann "wird die Auswirkung
auf den Dollar verheerend sein."

Der Minister äußerte sich in diesem Inter-

view jedoch optimistisch darüber, daß der Kongreß zumindest das Erdgasgesetz
verabschieden werde.

Und selbst das Rohöl Steuergesetz sei noch nicht gestor-

ben, so fügte er hinzu; es ruhe lediglich.

Dabei schließt er nicht aus, daß

diese Vorlage möglicherweise noch in diesem Jahr zu neuem Leben erweckt werden könne, allerdings wohl nicht vor den Kongreßwahlen am 2. November.

Eine

Sondersitzung des Kongresses nach der Wahl sei jedoch möglich.
Die Frage der Erdgaspreise - ob sie reguliert werden sollten oder nicht beschäftigt die Präsidenten der USA und den Kongreß seit nahezu 30 Jahren.
Die Verbraucher wünschen kontrollierte Preise, die Erzeuger möchten alle
Restriktionen abgeschafft sehen.
Diese Frage konnte seit mehr als einem Viertel Jahrhundert nicht gelöst
werden, und sie ist immer noch eine Quelle bitterer Auseinandersetzungen im
Kongreß. Der gegenwärtige Kompromiß, der von einem Vermittlungsausschuß des
Repräsentantenhauses und des Senats erarbeitet wurde, würde die Kontrollen
im Laufe der nächsten sieben Jahre allmählich aufheben. Der Vorschlag stößt
jedoch auf keiner Seite so recht auf Gegenliebe, und eine scharfe Auseinandersetzung darüber ist in beiden Häusern des Kongresses zu erwarten. Sollte
die Frage in diesem Jahr nicht gelöst werden können, so räumte Minister

- 2 -

�Minister Schlesinger ein, dann sei sie wahrscheinlich gestorben, oder doch
für mehrere Jahre auf Eis gelegt.
Der Bericht des Vermittlungsausschusses über die Freigabe der Erdgaspreise dürfte Anfang September behandelt werden, wenn der Kongreß nach seiner
Sommerpause die Arbeit wieder aufnimmt. Sollte er verabschiedet werden, dann
dürften nach Ansicht Schlesingers die Produzenten in Texas und Louisiana ermutigt werden, genug Erdgas auf dem Binnenmarkt zu bringen, um damit 500 000
Barrel öl pro Tag zu ersetzen.

Das würde im Jahr eine Einsparung von 2,5 Mil-

liarden Dollar an Importöl bedeuten.
Ohne eine solche Gesetzgebung, so betonte der Energieminister, würde
der amerikanische Bedarf an Energie weiter anhalten, und die ölimporte würden wahrscheinlich im nächsten Jahr erheblich ansteigen. Die Gesamtkosten
für importiertes öl könnten sich dann nach Schätzungen Schlesingers auf
50 Milliarden Dollar oder mehr belaufen.
Das ursprüngliche Zielt der Carter-Administration war es, täglich
4,5 Millionen Barrel öl einzusparen. Ob der Präsident eigene Maßnahmen
treffen werde, wenn der Kongreß dieses Ziel nicht einhalte, wollte ein
Journalist wissen. Die Antwort Schlesingers: "Das ist absolut richtig".

+ + + + +

- 3 -

�1
I

UUi//cn/choft
und Technik
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30. August 1978

21

ENERGIE DER STERNE
US-Institut meldet Fortschritt auf dem Weg zur kontrollierten Kernfusion

- (AD) - In den schon vor einem Vierteljahrhundert begonnenen Versuchen,
die energieliefernden Prozesse der Sonne nachzuahmen, sind amerikanische
Wissenschaftler einen wesentlichen Schritt vorangekommen. Im Institut für
Plasmaphysik der Universität Princeton (New Jersey) wurden zum ersten Mal
drei Grundbedingungen für eine sich selbst erhaltende Kernverschmelzungsreaktion für kurze Zeit erfüllt: Hohe Temperaturen bei gleichzeitiger Erhaltung
von Stabilität und Dichte des Plasmas.
Bei dem Arbeitsmedium, dem sog. Plasma, handelt es sich um ein infolge
hoher Temperaturen vollständig ionisiertes Gas aus elektrisch positiv und
negativ geladenen Teilchen, die das physikalische Verhalten des Gases im
wesentlichen bestimmen. Eine Verschmelzung der Kerne leichter Atome in einer kontrollierten Kettenreaktion (Gegenstück zur Spaltung schwerer Atome
wie der des Urans in den Reaktoren der heutigen Atomkraftwerke) wird theoretisch möglich, wenn die Abstoßungsenergie elektrisch positiv geladener
Atomkerne durch hohe Bewegungsenergie der Teilchen überwunden wird, so daß
Kerne wie die des Wasserstoffs bzw. seiner Isotope Deuterium und Tritium
miteinander verschmelzen und Kerne eines schwereren Atoms, z.B. Helium, bil-

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�bilden.

Dabei wird "Kernenergie" in der Form der kinetischen Energie ab-

gespaltener Kernpartikel - meist Neutronen - freigesetzt.

Es erwies sich technisch als ungemein schwierig, Verfahren und Apparaturen zu entwickeln, die bei geeigneter "Zündenergie" die optimale Arbeitstemperatur für eine sich selbsttätig fortsetzende Fusions-Kettenreaktion ergeben, ohne daß die Plasma-Partikel streuen oder "ausbrechen" und so den Prozeß zum Abbruch bringen.

Sie müssen - z.B. durch bestimmte Formgebung für

die Reaktionskammer und Anordnung sowie Stärke von Magnetfeldern - in gleichbleibend hoher Dichte gehalten werden und ihre Fusionsenergie unter kontrollierbaren Bedingungen abgeben.

Werden diese Voraussetzungen erfüllt, ist damit

zu rechnen, daß man 180mal mehr Energie aus dem Prozeß herausholen kann, als
in ihn hineingesteckt werden muß.

Eine der Energiequellen von Sonne und Ster-

nen wäre damit auf der Erde nutzbar gemacht.

Den "Rohstoff" könnte man aus

den Weltmeeren beziehen, wo er praktisch unbegrenzt vorhanden ist.

Aber die Forschung ist über das Experimentierstadium noch nicht hinausgekommen.

Aus einer Vielzahl von Versuchsgeräten haben sich jedoch inzwischen

einige Systeme als vielversprechend herauskristallisiert, von denen wiederum
der ursprünglich von sowjetischen Forschern entwickelte Reaktortyp "Tokamak"
am weitesten forgeschritten ist.

Der "Princeton Large Torus" (PLT), mit dem

während der jüngsten Versuchsserie 60 Millionen Grad bei 1/50 Sekunde stabiler Dichte des Plasmas erzielt wurden, gehört dazu.

Es ist nahezu das Vier-

fache der Temperaturen, mit denen die Sonne in ihrem Innern "arbeitet", und
erheblich mehr als die Mindesttemperatur von 44 Millionen Grad (C), die - bei
einem ausreichend großen Reaktor - für die fortlaufende Abgabe von Fusionsenergie erforderlich wäre.

Im Zeitraum von 1/10 Sekunde verschmolzen bei dem

Experiment ca. sieben Milliarden Wasserstoffkerne miteinander.

Gegenüber den Ergebnissen früherer Versuchsserien - im Dezember 1977
war man schließlich auf 25 Millionen Grad gekommen, 1970 hatten sich die Forscher noch mit 5 Millionen Grad begnügen müssen - bedeuten die neuen Resultate
einen enormen Fortschritt.

"Unsere Theorien zum System Tokamak haben sich

- 2 -

�sich als richtig erwiesen", meint Institutsdirektor Dr. Melvin B. Gottlieb.
"Wir sind auf dem richtigen Weg".

Ein Schlüssel zum Erfolg war nach Ansicht des Forscherteams - an der
Spitze Dr. Gottlieb, Dr. Harold P. Fürth, Dr. Wolfgang Stodiek und Dr. Harold
Eubank - die "neutrale Strahlinjektion" mit vorbeschleunigten Deuteriumatomen aus mehreren Einschuß-Systemen nach einem Verfahren, das am Nationallaboratorium Oak Ridge (Tennessee) entwickelt worden war.

Außerdem hatte man

den Werkstoff für bestimmte Teile der Vakuumkammer kurzfristig gegen einen
anderen ausgetauscht und Kohlenstoff statt Wolfram benutzt.

Dadurch wurde

der Wärmeverlust reduziert.

Die jüngste Serie von Experimenten führte zu wichtigen Erkenntnissen
darüber, wie Plasma-Partikel bei derart hohen Temperaturen in einer TokamakVersuchsanordnung reagieren.

Befürchtete Instabilitäten blieben aus. Auf

der Grundlage dieser Versuche errechneten die Wissenschaftler, daß die Mindestgröße für einen Kraftwerks-Fusionsreaktor kaum mehr als das Zwei- bis
Dreifache des PLT-Geräts betragen müsse.

Es ist seiner äußeren Form nach

einem Autoreifen ähnlich, mißt 3 m im Durchmesser, ist 90 cm hoch, von Magnetspulen umgeben und besteht aus einer äußeren und inneren Ringstruktur.

Der

Innenbehälter nimmt die Wasserstoffatome auf, die aufgrund ihrer elektrischen
Ladung durch Magnetfelder gesteuert werden können.

Die magnetischen Kräfte

verhindern, daß die Atomkerne mit der Mantelwandung kollidieren.

Denn da-

durch würde nicht nur das Plasma "verschmutzt", sondern es ginge auch Bewegungsenergie verloren, die zur Aufrechterhaltung der "Arbeitstemperatur" für
Fusionsreaktionen notwendig wäre.

Ein Testreaktor doppelter Größe, der "Tokamak Fusion Test Reactor"
(TFTR) ist bereits in Bau und soll 1981 in Betrieb genommen werden.
scheint geeignet, Fusionsenergie kontinuierlich zu erzeugen.

Er er-

Wegen der zahl-

reichen noch zu bewältigenden Probleme - z.B. Produktion von Tritium, bauund werkstofftechnische Fragen, nicht zuletzt Finanzierung der kostspieligen
Entwicklungen - ist jedoch frühestens in etwa 20 Jahren mit der Inbetrieb-

- 3-

�•

Inbetriebnahme eines Demonstrationskraftwerks zu rechnen.

Das erste kommer-

zielle Fusionskraftwerk dürfte dann weitere 25 Jahre auf sich warten lassen.
Denn bei der Nutzbarmachung der Fusionsenergie "handelt es sich um die komplizierteste technische Entwicklung, die je für nicht-militärische Zwecke in
Angriff genommen wurde."
Vom Vorteil der Versorgung mit "Rohstoff" einmal abgesehen, wäre Fusionsenergie wesentlich umweltfreundlicher als Energie auf der Basis von Atomspaltung.

Zwar entsteht auch bei diesem Verfahren Radioaktivität. Aber der Ab-

fall kann nicht zu Bomben verarbeitet werden.

Das einzige radioaktive "Pro-

dukt", die Reaktorwandung, ist sehr viel einfacher zu behandeln als beispielsweise ein Satz von Hunderten von BrennstoffStäben aus einem herkömmlichen
Atomkraftwerk.
Bei einigen früheren Tokamak-Experimenten waren bereits höhere Einschlußzeiten und Plasmadichten, aber noch nicht so hohe Temperaturen erzielt worden. Mit sog. Spiegelmaschinen, einer anderen Entwicklungslinie für Fusionssysteme, kam man sogar auf mehrere Hundert Millionen Grad. Aber wegen der
Plasmaverluste am Ausgang der (linearen) Spiegelmaschine sind die im Tokamakund Spiegelgerät erreichten Temperaturen nicht miteinander vergleichbar.
Alles in allem verwenden die Vereinigten Staaten z.Zt. 330 Millionen
Dollar pro Jahr für die Fusionsforschung auf, die auch in einer Anzahl anderer Länder fester Bestandteil der Forschungs- und Entwicklungsprogramme
ist. Hier handelt es sich um ein Gebiet, auf dem Wissenschaftler zahlreicher
Nationen eng zusammenarbeiten. Am Plasma-Institut von Princeton z.B. sind
gegenwärtig Gastforscher aus England, Italien, Japan, Frankreich und der
Sowjetunion tätig.

+ + + + +

- 4 -

�Wi//cn/chaft
\3Mi Technik

I

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30. August 1978

21

BOTEN AUS FERNEN REGIONEN DES SONNENSYSTEMS
• Bisher unbekannte Meteoritenart entdeckt -

- (AD) - Mehr als 300 Meteoriten oder Meteoritenbruchstücke betrug die
Ausbeute einer amerikanisch-japanischen Forschergruppe im Dezember 1977 und
Januar 1978 bei Expeditionen in Blaueisgebiete der Antarktis. Die Theorie
von Dr. William Cassidy, Professor der Geologie an der Universität Pittsburgh,
hatte sich als richtig erwiesen, daß Meteoritenfälle in der Antarktis vor
allem dort bloßliegen müßten, wo das langsam zum Meer abfließende Eisschelf
gegen das transantarktische Gebirge drückt, sich dadurch anhebt und Schneemassen auf der uneben gewordenen Oberfläche durch Winderosion leichter abgetragen werden. So kommt allmählich das bläulich schimmernde Alteis zum Vorschein, auf dem sich, konserviert durch Kälte und Trockenheit über Jahrmillionen, Meteoriten seit ihrem Fall durch die Lufthülle der Erde praktisch
unverändert erhalten haben.

Zeugen aus der Urzeit
Um die Fundstücke auch nach der Entdeckung durch den Menschen vor irdischer Kontamination zu schützen, wurden sie von den Forschern mit äußerster
Sorgfalt verpackt und in tiefgekühlten Behältern, unter Luftabschluß in

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�in Stickstoffatmosphäre gehalten, zum Mondgestein-Laboratorium der NASA
nach Houston (Texas) zur Untersuchung geschickt.

Die Vermutung, daß sich

auch zwei Kohlenstoff-Chondrite darunter befinden könnten, wurde bei der
Veröffentlichung erster Ergebnisse im Juni 1978 bestätigt.
Auf der ganzen Erde sind zuvor nur 15 Meteorite dieser Klasse identifiziert worden.
arktis.

Jedoch war keiner so gut erhalten wie der Fund aus der Ant-

Die Meteoriten vom Typ II der Kohlenstoff-Chondrite sind für die

Wissenschaft deshalb so interessant, weil sie vermutlich zur ältesten Materie im Sonnensystem gehören und, da sie in 4,5 - 4,6 Milliarden Jahren
keine Veränderungen mehr durchgemacht haben dürften, Auskunft über die Beschaffenheit der "primitiven" Materie geben können.

Einige der zuvor auf-

gefundenen 15 Exemplare enthalten Aminosäuren, die vermutlich nicht-biologischen Ursprungs sind und deshalb aus außerirdischen Regionen stammen müssen.

Das läßt darauf schließen, daß es auch in anderen Teilen des Sonnen-

systems zur Bildung komplexer organischer Verbindungen kommt.

Der inzwischen

in einer Anzahl von Instituten untersuchte Kohlenstoff-Chondrit (noch seltener ist übrigens der Typ I, der noch leichter als Typ II beim Eintritt
in die Erdatmosphäre und durch Verwitterung zerstört werden kann) enthält
relativ viel Wasser und Kohlenstoff, dürfte also aus einer "kühlen" Region
unseres Sonnensystems gekommen sein.

Eine neue Klasse von Meteoriten
Ein weiteres Exemplar der Meteoriten-Ausbeute von der letzten antarktischen "Saison" erwies sich sogar als Vertreter einer bisher unbekannten
Klasse. Dies gab Dr. Brian Mason vom Department für Mineralien der
Smithsonian Institution am 21. August auf einer Pressekonferenz in Washington
bekannt. Zwar besitzt der Meteorit eine gewisse Ähnlichkeit mit zwei Arten
von Achondriten - nämlich mit dem Chassignit, der fast vollständig aus Olivin
besteht, und mit Diogenit, dessen Hauptbestandteil Pyroxen ist. "Aber er
hat eine völlig andere Zusammensetzung", so Dr. Mason. "Meines Erachtens

- 2 -

�Erachtens haben wir es hier mit einer ganz neuen Klasse von Achondriten
zu tun."

Achondriten haben, mehr als andere Meteoriten, große Ähnlichkeit

mit irdischem Tiefengestein.
Das von Dr. Mason untersuchte Exemplar besteht zu 55 Prozent aus Olivin,
zu 35 Prozent aus Pyroxen und zu acht Prozent aus Maskelynit.

Bei Olivin

und Pyroxen handelt es sich um Eisen-Magnesium-Silikate, die in Meteoriten
wie in irdischem Gestein reichlich vorhanden sind.

Maskelynit ist ein Feld-

spat, der unter der Einwirkung einer Stoßwelle eine Umwandlung in einen
glasigen, nicht-kristallinen Zustand durchgemacht hat.

Diese Umwandlung

müßte nach Ansicht der Mineralogen im außerirdischen Raum bei einem Druck
von Hunderttausenden von Atmosphären vor sich gegangen sein.

Möglicherweise

war der Meteorit Teil eines durch irgendwelche äußere Einwirkungen aufgebrochenen Asteroiden aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

30. August 1978

NEUES FÜR DIAGNOSE UND THERAPIE BEI LUNGENERKRANKUNGEN

- (AD) - Blutungen und Verstopfungen von Blutgefäßen in der Lunge
lassen sich sicher und relativ einfach mit einem Gerät erfassen, das z.Zt.
von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien für Reihenuntersuchungen
erprobt wird. Mit Hilfe der Maschine wird der Weg eines Testgases - Kohlenmonoxid (CO) in ungefährlicher Konzentration - durch die Lungen verfolgt.
Dabei lassen sich Bereiche lokalisieren, wo der Blutstrom z.B. durch
Embolus-Bildung blockiert oder durch Austreten von Blut unterbrochen wird.
Die Messung erfolgt über ein Infrarotsystem,mit dem man die Aufnahme des
inhalierten CO-Gases und somit die Größe und Funktionsfähigkeit des Blutgefäßnetzes ermittelt. Gesunde wie geschädigte Bereiche werden auf einem
Bildschirm sichtbar gemacht.
über Einzelheiten des Verfahrens berichtete Dr. Carl Hallenborg vom
Institut für Herz- und Kreislaufforschung der Universität von Kalifornien
in San Francisco auf einer gemeinsamen Tagung der "American Lung Association"
und der "American Thoracic Society" Anfang Mai 1978 in Boston. Er hatte
zusammen mit William Holden, Thomas Menzel und Robert Dozor unter der Leitung

Postfach 20 03 0 0 Tel: 02221-89 32 40
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Telex:08-85432

�Leitung von Prof. Jay Nadel die neue Testmethode entwickelt.

Bei Unter-

suchungen an mehr als 100 Patienten zeigte sich, daß mit diesem Test z.B.
auch Lungenemphysem, eine Funktionsschwäche bis Funktionsunfähigkeit der
Lungenbläschen als Folge verschiedener Ursachen, schon in einem frühen
Stadium erkannt werden kann.
In den USA gibt es jährlich etwa 500 000 Fälle von Lungenembolie - für
50 000 Patienten mit tödlichem Ausgang.

Laut Hallenborg dürfte die tatsächliche

Häufigkeit wesentlich größer sein, da bei 25 Prozent der Autopsien, die nach
Todesfällen mit der Diagnose "Herzinfarkt" oder "Infektion" vorgenommen wurden,
eine Lungenembolie festgestellt wurde.

Nur bei 10 Prozent der Patienten, die

in den Vereinigten Staaten im Jahr 1977 an Lungenembolie starben, war zuvor
eine Gefährdung durch die vielfach symptomlos verlaufende Erkrankung festgestellt worden.
Wichtig ist, daß mit dem neuen CO-Inhalationstest zwischen Embolie und
Blutungen in der Lunge unterschieden werden kann. Denn Blutungen könnten
beispielsweise als Nebenwirkungen von Präparaten auftreten, die zur Krebsbekämpfung eingesetzt werden und die natürliche Immunität des Patienten
reduzieren. Durchane sichere, exakte Diagnose würden von vornherein
solche Patienten von einer Chemotherapie ausgenommen, bei denen bereits
Lungenblutungen auf Grund anderer Ursachen aufgetreten sind. Gegenwärtig
ist die Standarddiagnose dafür eine Lungenbiopsie, die aber zu einem Lungenk o n aps oder zu neuen Blutungen führen kann.
Das Inhalationsgerät mit Meßausrüstung, eine Entwicklung der Andros
Corporation, dürfte in etwa zwei Jahren auf dem Markt für medizinische
Geräte und damit für die ärztliche Praxis verfügbar sein.

Die Forschungs-

arbeiten werden vom öffentlichen Gesundheitsdienst der USA und den
medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) unterstützt.

Die Diagnose und Therapie von Lungenkrebs im Anfangsstadium erleichtert

- 2 -

�erleichtert ein Instrument, das von Daniel R. Doiron unter der Leitung von
Prof. A. Edward Profio am Department für Chemo- und Nukleartechnik der Universität von Kalifornien in Santa Barbara entwickelt wurde. Mit Hilfe dieser
Methode ist es möglich, Krebsgeschwülste in der Lunge zu erfassen, wenn sie
nur zehn Zellen dick sind und wenige Millimeter Durchmesser haben- Tumore,
die auf Röntgenbildern gar nicht in Erscheinung treten.

Wird aber Lungenkrebs

schon im Frühstadium entdeckt, sind die Heilungschancen um ein Vielfaches
größer.
Der Schlüssel zu dem neuen Verfahren ist Hämatoporphyrin, ein Abbauprodukt der Hämoglobins, das nunmehr über chemische Verfahren aus Hämoglobin
gewonnen wird. Aus einem noch nicht bekannten Grund konzentriert sich das
dem Körper injizierte Hämatoporphyrin in malignen Zellen, nicht aber in
normalen Zellen. Es besitzt auch die nützliche Eigenschaft, unter Lichteinwirkung zu fluoreszieren. Ingenieure von der Universität Santa Barbara bauten
ein herkömmliches Bronchoskop in der Weise um, daß das Violettlicht einer
Quecksilberlampe über eine Glasfiberoptik zur direkten Betrachtung der
Bronchienwege benutzt werden kann. Da jedoch das mit dem Lichteinfall erzeugte Fluoreszenzlicht äußerst schwach ist, koppelten sie das Instrument
mit einem Lichtverstärker, wie er für Polizei- und Militärzwecke in Serie
gebaut wird. Die Apparatur ist an einen Leuchtschirm angeschlossen. Auf
diesem erscheint z.B.»sobald bei der Untersuchung eine Ansammlung maligner
Zellen ins Blickfeld der Sonde kommt, ein winziger grüner Punkt. Der Arzt
macht sich eine Notiz und dringt mit dem Bronchoskop noch tiefer in das
Labyrinth der Luftwege ein. Wieder erscheint auf dem Schirm ein grüner Punkt,
dieses Mal größer als der erste, mit winzigen fadenähnlichen Ausläufern.
Vieles spricht für die Vermutung, daß es sich um ein Krebsgeschwulst handelt,
von der es bereits Absiedlungen gibt.
Mediziner haben herausgefunden, daß Hämatoporhyrin nicht nur fluoresziert,
sondern in Anwesenheit von Licht auch eine chemische Reaktion auslöst, durch
die bösartige Tumorzellen sogar zerstört werden.

Eine Therapie auf der Basis

dieser photochemischen Reaktionen wurde inzwischen am Roswell Park Memorial

- 3 -

�/

Memorial Institute in Buffalo (US-Bundesstaat New York) versuchsweise erprobt - mit verheißungsvollen Ergebnissen, wie Prof. Profio berichtet.
Sie ist jedoch noch nicht so durchentwickelt, um bereits allgemein angewandt
werden zu können.
"Unsere Aufgabe ist es jetzt", so Dr. Profio, "mit den Mitteln der
quantitativen Physik und der Technik das Problem der Krebs-Früherkennung
lösen zu helfen.

Das Verfahren wurde schon früher angewandt, aber man wußte

eigentlich nicht genau, was man damit in die Hand bekam.

Es bedurfte eines

eher technischen Weges, um das Problem präzise zu definieren und die Leistung
sämtlicher Komponenten des Systems auf den bestmöglichen Stand zu bringen."
Bei Verdacht auf Lungenkrebs wird normalerweise eine zytologische Untersuchung des Sputums vorgenommen - ein Verfahren, mit dem Lungenkrebs zu etwa
50 % erfaßt werden kann. Die Methode saqt jedoch nichts darüber aus, wo der
Tumor sitzt. Krebsgeschwülste in entfernten Regionen der Lunge bleiben unentdeckt. Bei Anwendung des neuen Instruments dürfte sich dies ändern. Die
Wissenschaftler beabsichtigen, die Quecksilberlampe durch einen Laser zu ersetzen, der Licht nöherer Intensität erzeugt. Dieses Licht würde größere
Gewähr dafür bieten, daß die Krebszellen mit Sicherheit zerstört werden.

+ + + + +

- 4 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Richardson umreißt Ziele der Seerechtskonferenz aus amerikanischer Sicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung vom 21. August 1978 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungsminister unterstützt Carters Verteidigungskonzeption&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Washington rechnet mit Energiegesetz für Anfang 1979&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von John Holway -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Energie der Sterne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Institut meldet Fortschritt auf dem Weg zur kontrollierten Kernfusion&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Boten aus fernen Regionen des Sonnensystems&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bisher unbekannte Meteoritenart entdeckt-&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Neues für Diagnose und Therapie bei Lungenerkrankungen</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. August 1978

20

INHALT

INFORMATION
Nukleare Zukunft mit mehr Sicherheit
Zwischenbilanz für internationale Konferenz über Kernbrennstoffzyklen
WIRTSCHAFT
Was kommt nach den Multilateralen Handelsverhandlungen?
- von Eugene Brake HINTERGRUND
USA nehmen nicht an Genfer Antirassismus-Konferenz teil
- von Marie Koenig Den Boden bereiten für Technologie-Transfer
UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie vor großen politischen
Aufgaben
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Skylab wieder stabilisiert
Laser-Wärmebehandlung verbessert Halbleiterqualität

Um Übei/endung von
ßclcgcxcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

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|

20

|

Information
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16. August 1978

NUKLEARE ZUKUNFT MIT MEHR SICHERHEIT
Zwischenbilanz für internationale Konferenz über Kernbrennstoffzyklen

- (AD) - Die im Oktober 1977 auf Anregung Präsident Carters ins Leben
gerufene INFCE-Konferenz, die sich in einem Zweijahresprogramm auf internationaler Ebene mit der Bewertung von Kernbrennstoffzyklen und der künftigen
Entwicklung der Atomkraft befaßt, hat die Phase des Sammeins von Daten und
Unterlagen nahezu abgeschlossen. Die Frage, ob man auf dem richtigen Wege
zur Lösung der Probleme sei, ist jedoch noch nicht beantwortet. Die
Vertretungen der INFCE-Mitglieder - Staaten aus West und Ost, Nord und
Süd sowie vier internationale Organisationen - versuchen einen Weg zu
finden, die Kernenergie verstärkt nutzbar zu machen, ohne gleichzeitig
die Gefahr einer Weiterverbreitung von Kernwaffen zu vergrößern.
"International Nuclear Fuel Cycle Evaluation" ist die offizielle
Bezeichnung für das meist nur unter der Abkürzung INFCE erwähnte Gremium.
Es dürfte, wie Botschafter Gerard Smith, der amerikanische Chefdelegierte
für die INFCE-Konferenz, erklärt, "viel zur Gestaltung einer besser gesicherten nuklearen Zukunft beitragen, indem es objektive und gründliche

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D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�I.

gründliche Analysen jenen in der ganzen Welt zugänglich macht, die für
die Formulierung und Durchführung der nuklearen Energiepolitik verantwortlich sind".

Der Kreis der ursprünglich 40 Mitgliedstaaten hat sich

inzwischen auf 53 erweitert.

Acht Arbeitsgruppen mit Spezialisten aus

22 Ländern studieren die praktischen Mittel und Wege zur Kontrolle der
nuklearen Proliferation.

Sie bilden den technischen Koordinationsaus-

schuß, der auf einer Tagung im Oktober 1978 die bisher geleistete Arbeit
prüft und bewertet und die Tagesordnung für die erste INFCE-Jahreskonferenz
mit einer einwöchigen Plenarsitzung im November 1978 in Wien vorbereitet.
Die Plenartagung wird über die Tätigkeit im zweiten Jahr entscheiden,
die u.a. die schwierigen Aufgaben umfaßt, die Daten zu integrieren, zu
Übereinstimmung zu gelangen und einen Abschlußbericht vorzubereiten.

Ob-

gleich noch keine Details an die Öffentlichkeit gelangten, ist aus Gesprächen mit Vertretern amerikanischer offizieller Stellen zu entnehmen,
daß INFCE bisher erfolgreich gearbeitet hat.

Schon die Tatsache, daß seit

der Gründung 13 weitere Staaten aufgenommen wurden, sei ein Positivum.
Jede der acht Arbeitsgruppen hat bereits zwei oder drei Vollsitzungen
abgehalten; die von ihnen angeforderten Analysen "beginnen jetzt einzugehen".

Außerdem waren die Arbeitsgruppen offensichtlich in der Lage,

trennende politische Debatten zu vermeiden und sich auf die technischen
Aspekte ihrer heiklen Themen zu konzentrieren.
"Manche fürchten, INFCE komme Lösungen für die großen Probleme der
Energieversorgung in den nächsten Jahrzehnten in die Quere", meint
Botschafter Smith. "Aber man sieht auch bis zu einem gewissen Grade
ein, daß wir mit Zweifeln ein ohnehin schon schwieriges Problem der
öffentlichen Meinung nur noch mehr komplizieren." Der Botschafter räumt
ein, daß die Analyse das Tempo bestimmter Energieprogramme im Ausland
tatsächlich beeinflussen könnte. Aber schon Ende 1979 werde sich herausstellen, ob und inwieweit INFCE darauf einwirke - eine erträgliche
Zeitspanne angesichts der Tatsache, daß es sich um den Versuch handle,
die Kernwaffengefahr in den Griff zu bekommen, die mit der Atomenergie-

- 2 -

*

�Atomenergie-Produktion gegeben sei.
Hinsichtlich der Natur der Probleme, denen sich die Arbeitsgruppen
gegenübersehen, gibt es natürlich deutliche Unterschiede.

Im Studienbe-

reich "Beseitigung nuklearer Abfälle" beispielsweise verfolgen, so Smith,
alle INFCE-Mitglieder im wesentlichen die gleichen Interessen.

Dies könnte

zu einer vertrauensvoll geschlossenen Abmachung aller interessierten Länder
über technische Maßnahmen zur Lagerung und Beseitigung von Abfällen führen.
Das Thema "Sicherstellung der Belieferung mit Kernbrennstoffen" ist
jedoch völlig anders geartet. Hier handle es sich "um einen Bereich mit
einer Fülle politisch strittiger Fragen". Der Komplex wird von einer
Studiengruppe bearbeitet, die Alternativmechanismen für die Sicherung einer
langfristigen Versorgung mit Ausrüstungen, Material und Dienstleistungen
sondiert, um Kernenergie in weitem Umfang zugänglich zu machen.
Man sei sich auch darüber klar, so betont Botschafter Smith, daß die
Produktion von Atomenergie nicht die einzige - oder die wahrscheinlichste Versoroungsquelle für die Kernwaffenproliferation sei. Aber durch die
Atomkraftproduktion werde in großem Umfang und in

zunehmendem Maße

spaltbares Material erzeugt, was bei einem Ausbleiben geeigneter Sicherungsmaßnalimon andere Bemühungen um die Eindämmung der Proliferation sinnlos
machen könne.
Die von den anderen Arbeitsgruppen bearbeiteten Themenkreise umfassen
(1) Abschätzung des Bedarfs und der Verfügbarkeit von Uran, Thorium und
Schwerem Wasser auf der Basis des bis zum Jahr 2025 vorausgeschätzten Bedarfs an Kernenergie; (2) Verfügbarkeit von Dienstleistungen zur Urananreicherung und alternativer Technologien für diesen Bereich; (3) Aufbereitung und Rückführung von Kernbrennstoffen unter besonderer Beachtung
der Behandlung von Plutonium; (4) den sogenannten schnellen Brüter und
den möglichen Bedarf für seine Kommerzialisierung durch Länder in unterschiedlichen Stadien industrieller Entwicklung; (5) Lagerung verbrauchter

- 3 -

�l

verbrauchter Brennstoffelemente, Entsorgung;

(6) neue, zukunftsweisende

Technologien für Brennstoffzyklen und Reaktortypen.
"Es hat gewisse Befürchtungen gegeben", berichtet Botschafter Smith,
"daß INFCE selbst zu einem Instrument der Weiterverbreitung von Kernwaffen
werden könnte, falls sensitive Informationen und Schwachstellen der Proliferationseindämmung in bezug auf verschiedene Brennstoffsyklenins Rampenlicht
gerieten.

Ich glaube, daß diese Gefahr bei geeigneten Vorsichtsmaßnahmen

vermieden wird."
Wie schon auf der Gründungstagung im Oktober 1977 hervorgehoben wurde,
handelt es sich bei INFCE nur um eine technische und analytische Studie,
um zu einem Konsens über voneinander abweichende Meinungen zu gelangen.
Dies ist nicht mit Verhandlungen gleichzusetzen, und die Beteiligten werden
durch die dabei erzielten Ergebnisse an nichts gebunden sein. "Man sollte
nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig erwarten", meint Gerard Smith. Es
sei nicht damit zu rechnen, daß man eine allgemein gültige technologische
Lösung oder ein institutionelles Patentrezept entdecke, um jede Möglichkeit
für den Mißbrauch von Material und Anlagen im Zusammenhang mit der Produktion von Atomkraft auszuschalten. Ebensowenig wäre aber auch der Schluß
berechtigt, daß aus der INFCE-Konferenz deshalb nichts Brauchbares hervorgehen könne, weil kein absolut narrensicherer Kernbrennstoffzyklus existiert.
Man könne aber vernünftigerweise erwarten, so Botschafter Smith, daß aus der
intensivsten und umfassendsten Überprüfung des Atomkraft-Komplexes, die
je unternommen wurde, nützliche und signifikante Ideen hervorgehen werden.
Zu den 40 Gründerstaaten (Ägypten, Algerien, Argentinien, Australien,
Belgien, Brasilien, Dänemark, Bundesrepublik Deutschland, Deutsche
Demokratische Republik, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien,
Indonesien, Iran, Irland, Israel, Italien, Japan, Jugoslawien, Kanada,
Südkorea, Mexiko, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Ostereich, Pakistan,
Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden, Schweiz, Türkei,
Sowjetunion, Tschechoslowakei, USA, Venezuela) kamen inzwischen hinzu:

- 4 -

^

�hinzu:

Bolivien, Chile, der Heilige Stuhl, Kolumbien, Kuweit, Libyen,

Malaysia,Neuseeland, Niger, Peru, Saudiarabien, Südafrika und Thailand.
Die an INFCE beteiligten internationalen Organisationen sind:

Die

Kommission der Europäischen Gemeinschaften, die Internationale Energieagentur (IEA), die Nukleare Energieagentur und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien.

Letztere unterstützt die INFCE-

Konferenz außerdem durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten und
Personal.

+ + + + +

- 5 -

�I ramsm
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20

16. August 1978

WAS KOMMT NACH DEN MULTILATERALEN HANDELSVERHANDLUNGEN?
- von Eugene Brake -

GENF - (AD) - Noch sind die multilateralen Handelsverhandlungen
nicht ganz abgeschlossen, aber schon machen sich Fachleute Gedanken, was
danach kommen wird.

In amtlichen Kreisen, die den nunmehr fünfjährigen

Verhandlungen in Genf im Rahmen der sogenannten Tokio-Runde nahestehen,
wird die Auffassung vertreten, daß dies die letzten Verhandlungen dieser
Art sein mögen - zumindest auf viele Jahre hinaus.
Sie wollen damit nicht sagen, daß sie nicht mit einem weiteren
Fortschritt im Abbau der internationalen Handelsschranken in den kommenden
Jahren rechnen. Aber sie sind der Meinung, daß die Welt heute so kompliziert
geworden ist, daß es sich nicht mehr als praktisch erweisen wird, alle
Handelsfragen in einer gigantischen Verhandlung zu behandeln, bei der jedes
Zugeständnis eines Beteiligten im Abbau der eigenen Handelsschranken mit
der Erwartung verbunden ist, daß dies durch das "aufgewogen" wird, was
jeder andere Beteiligte zugesteht.
Für die

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Telex:08-85432

�Für die ersten "Runden" der Handelsverhandlungen im Rahmen des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) war es noch relativ einfach,
nach dieser Methode zu arbeiten.

In jenen ersten Runden gleich nach dem

Zweiten Weltkrieg nahmen noch relativ wenig Länder aktiv teil, und die
Verhandlungen konzentrierten sich fast ausschließlich auf das relativ
einfache Problem der Zollsenkungen.
Heute spielen viele Länder eine aktive Rolle im Welthandel und in den
Handelsverhandlungen - einschließlich der Entwicklungsländer, die eine
Sonderbehandlung fordern und auch zugesagt bekommen haben. Mit dem Abbau
der Zölle haben die nicht-zollursächlichen Schranken für Importe und die
Regierungshilfen für Exporte eine viel wichtigere Bedeutung als Ursache
für Verzerrungen des Handels und internationale Reibungen gewonnen. Bei
der "Kennedy-Runde" wurde versucht, einige der nicht-tarifären Handelsschranken anzupacken. Aber die derzeitige "Tokio-Runde" - die siebte Nachkriegsverhandlungsrunde im Rahmen des GATT - ist die erste, die einen
ernsthaften Versuch gemacht hat, sich massiv mit diesen nicht-zollursächlichen
Maßnahmen zu befassen. Darüber hinaus vertreten einige Handelsexperten
die Auffassung, daß sich die Bedingungen für den Handel heute schneller
verändern: In immer schnellerem Tempo drängen neue Länder auf die Exportmärkte; andere Ursachen struktureller Veränderungen der Volkswirtschaften wie die technologische Entwicklung und die erhöhten Energiekosten entwickeln sich rascher; und Schwankungen der Devisenkurse können manchmal
eine größere Auswirkung auf den Fluß des Handels haben als die relativ
niedrigen Zölle, die für die meisten industriellen Güter verblieben sind.

Alle diese Faktoren komplizieren die Aufgabe ungeheuer, alle Handelsfragen

in einem Paket lösen zu wollen.

In der gegenwärtigen Verhandlungsrunde haben die Handelsexperten
versucht, die internationalen Handelsprobleme in umfassender Weise anzupacken, und sie sind der Überzeugung, daß sich diese Anstrengung gelohnt
hat. Aber sie sind sich auch darüber einig, daß für die Zukunft eine andere

- 2 -

�eine andere Methode besser funktionieren werde.
Eine ihrer großen Leistungen in der gegenwärtigen Verhandlungsrunde
dürfte darin bestehen, daß sie die Grundlage für eine neue Methode geschaffen haben - eine Methode, die es Ländern ermöglichen wird, die meisten
internationalen Handelsprobleme auf einer kontinuierlichen Basis zu behandeln, statt in massiven, stoßweisen Anstrengungen.
Wie Sir Roy Denman, der Generaldirektor für Auswärtige Beziehungen
der Europäischen Gemeinschaft und deren Chefunterhändler, es ausdrückte:
"Ich glaube, wir kommen von dem Gedanken ab, alle drei Jahre Handelsverhandlungen abzuhalten wie eine Art großen mittelalterlichen Turniers."
Eine fortschreitende Liberalisierung des Welthandels wird noch für
einige Zeit gewährleistet sein, wenn die die in der Tokio-Runde vereinbarten
Zollsenkungen in Kraft gesetzt werden - vielleicht über eine Zeitspanne
von acht Jahren hinaus, vielleicht sogar über die achtziger Jahre hinweg.
In der Zwischenzeit wird eine ganze Reihe von Verhaltensnormen wirksam werden, die sich mit verschiedenen Arten von Handelsproblemen befassen.
Für die Einhaltung dieser Normen wird es Gremien geben oder Gruppen von
Signatarstaaten. In dem Maße, in dem sich diese Gruppen an die Aufgabe
der Interpretation und Anwendung dieser Normen machen, hoffen die Handelsexperten, daß diese Gremien internationale Übereinkommen entwickeln werden,
welche Praktiken akzeptabel sind und welche Handelspraktiken international
nicht akzeptabel sind. Durch die Herbeiführung einer Übereinstimmung oder
durch formale Änderungen der Normen könnten diese beratenden Gruppen den
Prozess der Handelsliberalisierung fortsetzen, ohne daß eine weitere
gigantische allumfassende Verhandlungsrunde notwendig wäre.
Eine Norm und die entsprechende beratende Gruppe könnten sich beispielsweise mit den Verfahren der Festsetzung des Verzollungswertes befassen - ein Problem, das Exporteuren große Sorgen bereitet, denn der zu

- 3 -

�der zu entrichtende Zoll hängt nicht zur vom Zolltarif, sondern auch von
dem Warenwert ab, auf den der Zollsatz angewendet wird.

Die gegenwärtige

Situation in dieser Hinsicht wird als ein "Alptraum" bezeichnet, der voll
von Unsicherheiten und Möglichkeiten ist, die Zollbewertung nach oben zu
verschieben.
Eine weitere Norm und das entsprechende Gremium werden sich mit den
Praktiken der Regierungsbeschaffung befassen müssen, um es ausländischen
Lieferanten zu erleichtern, einen Anteil an dem gewaltigen Markt zu erringen,
der durch die Einkäufe von Regierungen gebildet wird.
Und noch eine weitere Norm und die entsprechende Signatargruppe werden
sich mit Erfordernissen und Regeln befassen müssen, um sicherzustellen,
daß diese nicht durch Verwendungsvorschriften oder Verordnungen ausländische
Produzenten in unnötiger Weise diskriminieren.
Andere Normen werden auf Sicherheitsbestimmungen, Subventionen und
Ausgleichszölle, Importlizenzierung und den Handel mit Schmuggelware
eingehen müssen.
Darüber hinaus werden Verfahren für die Bewältigung und Beilegung
von Streitigkeiten in Kraft treten. Diese Verfahren werden klarer definiert
werden und weniger Möglichkeiten für Mißverständnisse und Verwirrung offen
lassen. Streitfragen werden rascher gelöst werden, und es wird weniger
Möglichkeiten für eine absichtliche Verzögerung seitens eines Landes
geben, das beschuldigt wird, sich nicht an die GATT-Verpflichtungen zu
halten. Die Experten sind der Überzeugung, daß dieser Mechanismus für eine
verbesserte Beilegung von Streitfragen einen wesentlichen Beitrag zu einer
strafferen Disziplin und zu faireren Praktiken in den Handelsbeziehungen
unter den Ländern leisten wird.
Der Stellvertretende amerikanische Sonderbeauftrage für Handelsverhandlungen und der Mann, der an Ort und Stelle das meiste für die

- 4 -

�für die Vereinigten Staaten bei den Handelsverhandlungen in Genf getan hat,
nämlich Botschafter Alonzo McDonald, beschreibt die Handelswelt, wie sie
nach der Tokio-Runde voraussichtlich aussehen wird, wie folgt:
"Aufgrund dessen, was in dieser Runde geleistet worden ist, wird das
Handelssystem völlig anders aussehen. Die Industriezölle werden als Faktor
in dem Handelsfluß zwischen den Industriestaaten beinahe keine Rolle mehr
spielen. Mit der Zeit werden mehr Ordnuna, ein höheres Maß an Konsultation
und mehr Fairness auf dem Gebiet des Agrarhandels einkehren. Die Handelsbeziehungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern werden
klarer definiert werden."
Und durch die Entwicklung von Verhaltensnormen hinsichtlich der
verschiedenen Kategorien der nichttarifären Handelsschranken und anderer
den Handel verzerrenden Praktiken, so meint Botschafter McDonald, werden
die Unterhändler in Genf "den größten Schritt getan haben, seit das GATT
im Jahre 1947 ins Leben gerufen wurde, um das Ausmaß der internationalen
Übereinstimmung bezüglich der Handelspraktiken zu erweitern."
"Was das System selbst anbetrifft, so wird es anstatt einer sehr losen
Gruppierung jährlicher Zusammenkünfte seines Signatargremiums ein
kontinuierliches Forum darstellen", so erklärt Botschafter McDonald, wobei
die Signatargruppen der verschiedenen Normen und Warenabkommen - vielleicht
zehn bis zwölf Signatargruppen insgesamt - "in verschiedenen Gremien zusammenkommen werden, um Handelsprobleme zu erörtern."
"Die Grundlagen des Systems werden", so der Botschafter, "durch eine
größere Disziplin und eine größere Durchsichtigkeit der Durchführung
wesentlich verstärkt werden."
Sir Roy Denman faßt das alles mit der Feststellung zusammen, daß es
nach dem Abschluß der Tokio-Runde "einen besseren und faireren Rahmen für
die Entwicklung des Handels im nächsten Jahrzehnt geben dürfte."
+ + + + +
- 5 -

�16. August 1978

20

USA NEHMEN NICHT AN GENFER ANTIRASSISMUS-KONFERENZ TEIL.
- von Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten sich
nicht an der Weltkonferenz der Vereinten Nationen zur Bekämpfung des
Rassismus und der rassischen Diskriminierung, die vom 14. bis 25. August
in Genf stattfindet, beteiligen, sollte niemanden überraschen.

Diese

Entscheidung wurde bereits während der Regierungszeit Präsident Fords getroffen, und die Carter-Administration hatte bisher keine Veranlassung,
diesen Standpunkt zu ändern.
Die Frage, warum Washington keine Delegation zu dieser Konferenz dem Hauptereignis des "Jahrzehnts zur Bekämpfung des Rassismus und der
rassischen Diskriminierung" - entsendet, wird durch die Tatsache beantwortet, daß die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 10. November
1975 nach einer dramatischen Konfrontation zwischen den Vereinigten
Staaten und dem Weltforum eine Resolution verabschiedete, in der der
Zionismus mit Rassismus gleichgesetzt wurde.

Diese Resolution enthielt

den Satz, daß "der Zionismus eine Form des Rassismus und der rassischen

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�rassischen Diskriminierung" sei.

Die USA sahen in dieser Maßnahme der

Vollversammlung eine Ermutigung des Antisemitismus auf der Welt und einen
Angriff auf Israel.
Unmittelbar nach der Abstimmung in den Vereinten Nationen erhob sich
überall in den Vereinigten Staaten großer Protest gegen diese Maßnahme
der UN.

Daniel Patrick Moynihan, der damalige Vertreter der USA bei den

Vereinten Nationen, erklärte, daß Washington diesen "schändlichen Schritt"
niemals anerkennen und auch niemals den Mantel des Schweigens darüber
decken werde.
Einen Tag später nahmen beide Häuser des Kongresses einstimmig
Resolutionen an, in denen jede Form der Beteiligung der Vereinigten
Staaten an dem Jahrzehnt zur Bekämpfung des Rassismus und der rassischen
Diskriminierung solange abgelehnt wurde, wie der Zionismus als ein Ziel
dieser Bestrebungen hingestellt werde.

Am selben Tag teilte das amerikanische

Außenministerium mit, daß die Vereinigten Staaten die von den Vereinten
Nationen anberaumte Weltkonferenz boykottieren würden.

Nach Ansicht der

Vereinigten Staaten sind bisher seitens der Vereinten Nationen keine
Schritte erfolgt, die ausreichen, um diesen Standpunkt zu ändern.
Edward Mezvinsky, der amerikanische Vertreter in der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, bekräftigte diesen Standpunkt der USA
am 2. Mai dieses Jahres. Damals erklärte er: "Unser Eintreten für die
Bekämpfung des Rassismus und der rassischen Diskriminierung ist tief verwurzelt und wird niemals aufhören. Dies wird der Welt deutlich durch die
Fortschritte, die wir auf dem Gebiete der Bürgerrechte in unserem Lande
erzielt haben
Aus Gründen, die wir bereits früher zum Ausdruck gebracht haben, sind wir entschlossen, eine Politik der Nichtbeteiligung an
diesem Jahrzehnt (zur Bekämpfung des Rassismus und der rassischen Diskriminierung) zu verfolgen. Inzwischen hat sich nichts ereignet, was uns
veranlassen könnte, diese Politik zu ändern."
+ + + + +

�16. August 1978

20

DEN BODEN BEREITEN FÜR TECHNOLOGIE-TRANSFER
UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie vor großen
politischen Aufgaben

- (AD) - Die elementaren Bedürfnisse und Grundrechte des Menschen
zu analysieren und ihnen Geltung zu verschaffen, sollte die zentrale Aufgabe
der UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie sein, die im August 1979
in Wien abgehalten wird. Nur dann ist nach Ansicht von Theodore M.
Hesburgh, der die Delegation der Vereinigten Staaten leiten wird, eine
echte menschliche Entwicklung und Entfaltung möglich. Er will, wie er
erklärte, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln darauf hinwirken, daß
Wissenschaft und Technik überall für solche wirtschaftlichen und sozialen
Aktivitäten eingesetzt werden, die die Gerechtigkeit weltweit zu fördern
vermögen und dem Wohl der Menschen am besten dienen können.
Auf dem beharrlichen Eintreten des heute 61jährigen in der Öffentlichkeit wie im beruflichen Wirkungsbereich für Menschenrechte und die freie
Entfaltung der Persönlichkeit als der Grundlage für ein produktives Leben
basiert wohl auch die große Sympathie, die er und Präsident Carter

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�Präsident Carter füreinander haben.

Pater Hesburgh war 25 Jahre lang

(von 1952 - 1977) Präsident der Universität von Notre Dame (Indiana),
wo er nach seinem Studium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in
Rom und an der Katholischen Universität in der Bundeshauptstadt Washington
bereits vor 1952 als Kaplan und Professor für katholische Theologie tätig
gewesen war.

Im Jahr 1943 wurde er zum Priester geweiht, 1945 schloß er

das Studium mit der Promotion ab.
Sein Egagement für die Mitmenschen trug ihm Berufungen in wichtige
nationale und internationale Gremien ein:
US-Bürgerrechtskommission,

Er war z.B. Vorsitzender der

Mitglied amerikanischer Delegationen auf

Konferenzen der Vereinten Nationen und Vertreter des Vatikans bei der
Internationalen Atomenergie-Behörde.

Gegenwärtig ist er Mitglied des

Vorstandes der Chase Manhattan Bank, der Carnegie-Kommission für das
höhere Bildungswesen und Aufsichtsratsvorsitzender der Rockefell erStiftung.

Noch vor kurzem war er überaus aktiv als Vorsitzender des

Entwicklungsrates für Übersee (ODC), einer gemeinnützigen Organisation
mit Sitz in Washington, die sich bemüht, in den USA mehr Verständnis für
die Probleme der Entwicklungsländer und für die Bedeutung dieser Länder
für die Vereinigten Staaten zu wecken.

Alle amerikanischen Präsidenten

seit Präsident Eisenhower haben in innenpolitischen und internationalen
Fragen den Rat Hesburghs gesucht.

- Lehren aus der UN-Konferenz von 1963 An der ersten UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie im Jahr
1963 in Genf hatte Hesburgh bereits teilgenommen. Sie produzierte, so
meint er heute, eine Flut von bedrucktem Papier - aber nicht viel mehr.
Man redete aneinander vorbei. Die Wissenschaftler der Industrieländer
beherrschten das Feld und erörterten Forschungsprobleme in ihrer Sicht.
Die Wissenschaftler der Entwicklungsländer wiederum erwarteten von ihnen

�von ihnen Patentlösungen für ihre Nöte und Probleme.
"Das konnte nicht funktionieren", wie es nunmehr auch in der Organisationsleitung für die neue Tagung gesehen wird.

Der Australier Dr. Guy

Gresford, stellvertretender Generalsekretär für die UN-Konferenz über
Wissenschaft und Technologie 1979, erklärte kürzlich: "Die Konferenz im
nächsten Jahr wird sich nicht mit rein agrarwissenschaftlichen, medizinischen,
nachrichtentechnischen oder anderen Spezialproblemen befassen.

Vielmehr

hat man in der Zwischenzeit eingesehen, daß die wichtigste Frage die ist,
wie Wissenschaft und Technologie den Zielen der Entwicklungsländer am
besten dienen können.

Sie ist keine Konferenz der Experten, sondern in

erster Linie der Politiker.

Aber diese werden mit Wissenschaftlern und

Ingenieuren, Technikern und Praktikern der verschiedensten Gebiete Hand
in Hand arbeiten und deren Ratschläge in die Diskussion einbringen."
Natürlich haben viele Entwicklungsländer in den letzten 15 Jahren
enorme Fortschritte gemacht und eine eigene Infrastruktur für Forschung
und Technologie aufgebaut. Sie besitzen eigene Universitäten, eigene
Forschungszentren und ähnliche Institutionen, ein eigenes Bildungswesen.
Aber es gibt auch noch viele Entwicklungsländer, für die das noch immer
ein Hauptproblem darstellt. Deshalb sei es, so Gresford, verfrüht, von
Technologietransfer zu reden, solange beim Empfänger die dafür notwendigen
Bedingungen noch nicht existieren. Einer der bedeutsamsten und wohl auch
am meisten umstrittenen Punkte innerhalb der UN wie bei anderen internationalen Erörterungen im Zusammenhang mit der neuen wirtschaftlichen
Ordnung sei die Frage, wie Technologie unter Bedingungen weitergegeben
werden könne, die sowohl für die Empfänger als auch für die Geber akzeptabel sind.

- 3 -

�- Wissenschaft und Technik im Wirtschafts- und Sozialsystem Zweifelsohne müssen Wissenschaft und Technik in die wirtschaftliche
und gesellschaftliche Entwicklung integriert werden.
ohne eine entsprechende Infrastruktur.

Das geht jedoch nicht

Deshalb wird sich in den Ent-

wicklungsländern zunächst einmal das Schwergewicht von akademischer Ausbildung auf die Ausbildung von Technikern, Mechanikern und anderen Fachkräften bis hin zum Personal für die Sozial- und Heil berufe verlagern
müssen - von Menschen, die "vor Ort" mit den Aufgaben und Problemen der
Praxis konfrontiert sind.

Sie kennen die bittere Armut, in der gut eine

Milliarde Menschen auf diesem Planeten leben muß, und sie sind es, die
gegen ihre Auswirkungen anzukämpfen haben.

Eines der besonderen Anliegen

der Konferenz sollte es laut Hesburgh sein, die Voraussetzungen dafür zu
schaffen, daß in den nächsten zwei Jahrzehnten das große Elend vor allem
in den heute ärmsten Ländern beseitigt wird.

Unter den heutigen Verhältnissen

sei dort "Menschenwürde" nur eine Karikatur, aber keine Chance.
"Wir müssen uns um eine gerechtere und gleichmäßigere Verteilung
der Hilfsquellen kümmern", meint Pater Hesburgh. "Gleichzeitig müssen
wir danach trachten, den Frieden auf unserem Planeten zu erhalten und ihn
vor Zerstörung zu bewahren. Wir haben keine zweite Erde in Reserve."
Er sieht die wichtigste Erfahrung und Lektion aus den Flügen von Menschen
zum Mond in der Erkenntnis, daß unsere Erde ein unteilbares und einmaliges Ganzes ist - ein Ort, wo Menschen zusammenleben, die mit begrenzten
und damit schutzwürdigen Hilfsquellen auszukommen haben.

- Technologie-Transfer keine Einbahnstraße Dr. Gresford verweist darauf, daß mit dem Aufbau und Ausbau von
Berufsgruppen, die "die praktische Arbeit tun", die Forschung in Entwicklungsländern dennoch nicht hintangestellt werden dürfe. Natürlich
brauche man dort auch Institutionen der Forschung, die zu einem besseren
- 4 -

�besseren Verständnis der speziellen Probleme der Entwicklungsländer beitragen können.

Außerdem seien Fortschritte in Entwicklungsländern

ohne wissenschaftsorientierte Körperschaften wie Ämter für Geologie und
Landvermessung, Computerdienste, Nachrichtenwesen und ähnliche Fachbereiche
einfach nicht möglich.
Die UN-Mitgliedstaaten, die an der Wiener Konferenz teilnehmen wollen,
bereiten z.Zt. sogenannte "Nationale Dokumente" mit Analysen ihrer eigenen
Erfahrungen in der praktischen Anwendung von Ergebnissen von Forschung und
Technologie vor. Diese Papiere bilden die Grundlage für ein Aktionsprogramm, eine Tagesordnung für Entscheidungen und Empfehlungen der Konferenz
von Wien.
Für die Vereinigten Staaten unternehmen dies die Nationale Akademie
der Wissenschaften (NAS) und der Nationale Forschungsrat. Dabei werden
auch die amerikanischen Erfahrungen mit Entwicklungshilfe-Programmen
berücksichtigt und nach Möglichkeit Vorschläge für künftige Programme
gemacht. Dr. Thomas Malone, Auslandsreferent der NAS und Leiter der USDelegation für die der UN-Konferenz vorausgehende internationale
Wissenschaftlertagung im Januar 1979 in Singapur, sieht eine der wichtigsten
Zukunftsaufgaben darin, mit den wachsenden Anforderungen an Wissenschaft und
Technologie in einer Welt immer größerer Interdependenz fertig zu werden.
Expansion und Wachstum erfordern nach seiner Überzeugung eine gewisse
Ausrichtung auf globaler Ebene. Leitlinien dafür sollen die Wissenschaftlergremien in Singapur erarbeiten, nicht zuletzt, um der Wissenschaft eine
neue internationale Dimension zu geben. Bisher waren deren Aktivitäten
vornehmlich darauf gerichtet, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu
mehren. Jetzt aber gehe es mehr darum, den Fundus an Wissen und Erkenntnissen einzusetzen, um den elementaren menschlichen Bedürfnissen gerecht
zu werden. Auch sollen institutionelle und andere Neuentwicklungen
daraufhin geprüft werden, ob und inwieweit sie Wissenschaftlern und
Ingenieuren in Zukunft mehr Möglichkeiten an die Hand geben, zur Verbesserung des menschlichen Daseins mit den Mitteln von Wissenschaft und

- 5 -

�und Technik beizutragen.
Eines der Themen, das sowohl in Singapur als auch in Wien sondiert
wird, ist die Frage, welche Beiträge die Entwicklungsländer zur internationalen Wissenschaft leisten können.

Zunächst müßten bei ihnen bestimmte

Voraussetzungen geschaffen werden, damit sie, wie Dr. Malone erklärt,
"Wissenschaft und Technologie für ihre eigenen Entwicklungsaufgaben
assimilieren statt nur 'Abgüsse' zu benutzen".

Und außerdem müsse man

sich endlich einmal darüber klar werden, daß "Technologie-Transfer keine
Einbahnstraße ist".

Es sei keineswegs so, daß Entwicklungsländer nur von

den hochindustrialisierten Ländern lernten, sondern der Lernprozess gehe
auch in die umgekehrte Richtung.

"Sie haben", so Dr. Melone, "mehr Er-

fahrung als wir, Probleme der Armut anzupacken.

Sie sehen häufig die

Beziehungen des Menschen zu der ihn umgebenden Natur anders als wir und in unserer überflußgesellschaft könnten wir nur davon profitieren,
solche Beziehungen zu erkennen.

Sie haben auch andere Ansichten über die

Nutzbarmachung zunehmend knapper werdender Hilfsquellen für die Deckung
menschlicher Bedürfnisse.

Wir sollten von ihrer Haltung lernen."

Dennoch wird der rein wissenschaftlich-technische Technologie-Transfer nach Ansicht Hesburghs auf der Konferenz eine große Rolle spielen.
Man wird sich damit auseinandersetzen müssen, welche Technologien von wem
an wen und unter welchen Bedingungen transferiert werden sollen. Vieles
an Technologie ist heute jedermann zugänglich. Aber eine Reihe von Ländern
versteht unter Technologie-Transfer etwas anderes - z.B. solche Entwicklungen,
die in Patentrechten "verschlossen" sind, betriebswirtschaftliche Besonderheiten, Verfahrenstechniken, "Eigentumsrechte" an Technologien.
Darüber kann eine Regierung wie z.B. die Regierung der Vereinigten Staaten
nicht einfach verfügen. Die Rechte darauf gehören Firmen oder Personen
oder privaten Institutionen, die normalerweise für eine Weitergabe entschädigt werden wollen. Ein Transfer würde beispielsweise bewegliche Güter
umfassen - Maschinen, Laboratorien, Forschungsausrüstungen, Fabriken -,
aber auch den Aufbau einer Infrastruktur für das Bildungswesen und Ausbildung

- 6 -

�Ausbildung im weitesten Sinne, die eine Gesellschaft in die Lage versetzt,
diese "Instrumente" moderner Kultur ohne Schaden für die eigene Welt zu
absorbieren.
In manchen Ländern ist dies schon möglich, in anderen dagegen noch
nicht. Jedes Land stellt, wie es Hesburgh formuliert, "ein Problem für
sich dar". Deshalb versuche er gegenwärtig im Rahmen der amerikanischen
Vorbereitungen, Vertreter von organisierten und nicht organisierten Arbeitnehmern, von der Industrie, Akademikern der verschiedensten Fachrichtungen
und Rangstufen, von Staats- und Bundesbehörden bis hinauf zu Regierungskreisen für die Mitarbeit zu gewinnen. Im Interesse der Konferenz von
Wien sei es notwendig,für die so verschiedenartigen Bestrebungen und
Probleme der einzelnen Gruppen eine gemeinsame Arbeitsbasis zu finden von Hochschul Problemen, der Angst um den Arbeitsplatz und Arbeitslosigkeit,
staatlichen und privatwirtschaftlichen Finanzsorgen oder solchen der Rohstoffversorgung bis hin zu der Besorgnis von Firmen um ihre Rechte an
Technologien, die ganz anderer Art sind als "öffentliche" Wissenschaft
und veröffentlichtes Wissen.
Der Erfolg der Konferenz, die ähnlich wie die UN-Konferenz über
Ernährung, Weltbevölkerung oder Umweltfragen organisiert werden wird,
werde an den Programmen gemessen, die sie hervorbringe. Diese sollen
die Grundlage bilden für künftige Aktivitäten, die wohldurchdacht und
für alle Betroffenen akzeptabel sind.

+ + + + +

- 7 -

�1 m TUi)
1.1

I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. August 1978

20

SKYLAB WIEDER STABILISIERT

- (AD) - Experten der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA ist es
gelungen, der Raumstation SKYLAB in ihrer Umlaufbahn wieder eine stabile
Position zu geben. Durch Funkkommandos von der Erde aus wurde das 84
Tonnen schwere Weltraumlabor, das seit der Rückkehr der letzten Astronautengruppe im Jahr 1974 unbemannt unseren Planeten umkreist, so ausgerichtet,
daß der Teil mit dem geringsten Querschnitt in Flugrichtung liegt, was
den Luftwiderstand auf das niedrigstmögliche Maß vermindert. In der
Höhe von 385 km, auf die SKYLAB seit seinem Start mit dem Einschuß in
eine 430 km-Bahn inzwischen angesunken ist, übt zwar die extrem dünne
Luft nur einen sehr geringen Bremseffekt aus. Treffen die Gasmoleküle
jedoch auf die "Breitseite" zuerst und finden so eine größere Angriffsfläche, müßte wohl schon von April 1979 an mit dem Absturz der Station
gerechnet werden.
Die Rettungsaktion, die SKYLAB bis zum Rendezvous mit einem Raumtransporter im Oktober 1979 in einer absturzsicheren Bahn halten soll,
schien nach der Reaktivierung wichtiger Bordsysteme und erfolgreicher

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�erfolgreicher Positionsverä'nderung Anfang Juni 1978 durch eine Serie
von Pannen im Juli gefährdet:

Als am 11. Juli vorübergehend der Bordstrom

ausfiel, brach das Weltraumlabor aus seiner stabilisierten Fluglaqe aus.
Im Zusammenhang mit einer weiteren Strompanne am 19. Juli wurdendie kleinen
Steuerungsdüsen aktiviert, und SKYLAB geriet ins Rollen.
gingen verloren.

810 kg Treibstoff

Den NASA-Ingenieuren im Johnson-Raumfahrtzentrum bei

Houston (Texas) gelang es schließlich über Funk, die mit Solarzellen besetzten Energiesammler-Platten auf die Sonne auszurichten und die Batterien
wieder aufzufüllen.

Das Rollen wurde gestoppt.

Nach intensiver Beobachtung

des Himmelslabors über mehrere Tage wurde am 25.Juli das entscheidende
Manöver ausgeführt, das SKYLAB in die günstigste Position zurückbrachte.
Die Ingenieure schätzen den TreibstoffVorrat an Bord noch auf 2,4
bis 4,5 Tonnen. Er reichte für weitere Korrekturmanöver aus, falls wieder
welche notwendig würden. Mit dem Rendezvous im kommenden Jahr wird beabsichtigt, das Weltraumlabor durch Zündung einer anmontierten Rakete entweder in eine höhere Bahn in ca. 800 km Höhe zu schießen oder es so zu
dirigieren, daß es über dem Meer zum Absturz kommt.

+ + + + +

�Will Wi Hfl
I

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. August 1978

20

LASER-WÄRMEBEHANDLUNG VERBESSERT HALBLEITERQUALITÄT

- (AD) - Mit der Entwicklung eines speziellen Verfahrens der Wärmebehandlung von ^albleitermaterial mit Laserenergie scheint eine Forschergruppe der Star ford-Universitat (Kalifornien, USA) einen Weg gefunden zu
haben, die sowieso schon mikroskopisch kleinen Schaltkreise auf Siliziumplättchen noch mehr zu verkleinern.

Diese winzigen Bauelemente sind es,

die Mikrocomputer und andere Produkte der Miniaturelektronik möglich
gemacht haben.
Die Forschergrupper vom Department für Elektrotechnik der StanfordUniversität erprott= unter der Leitung von Prof. James F. Gibbons kontinuierlich arbeitende Laser (CW = "continuous wave" laser), um damit
das Kristallgitter von Halbleitermaterial, das durch Ionenimplantation
verformt worden war, zu "reparieren". Nachteilige Auswirkungen der LaserWärmebehandlung wurden nicht beobachtet. Im Gegenteil: Man konnte die
elektrischen Eigenschaften von polykristallinem Silizium sogar erheblich
verbessern und z.B. den elektrischen Widerstand um den Faktor 3 verringern,

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�verringern.

(Das neue Verfahren wird in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift

"Physics Today" und in der Ausgabe der Zeitschrift "Science" v. 28. Juli
1978 beschrieben.)
Die Funktionen und Qualitäten von Halbleitermaterialien basieren auf
winzigen, aber sehr präzise dosierten "Verunreinigungen".

Eine neue und

höchst wirksame Technik der "Dotierung" mit solchem Fremdmaterial ist die
sogenannte Ionenimplantation, bei der die Verunreinigung mittels eines
Teilchenbeschleunigers in das Halbleitermaterial eingeschossen wird.
Dieses Ionen-Bombardement zerstört jedoch die Symmetrie des Kristallgitters
und führt zu unerwünschten elektrischen Effekten und Strukturveränderungen.
Durch eine Wärmebehandlung des Materials mit Erhitzen bis in die Nähe des
Schmelzpunktes versuchen die Herstellerfirmen, solche Defekte zu beseitigen.
Dies gelingt zum Teil, führt aber andererseits zur EntstPhung neuer Defekte.
In anderen amerikanischen Laboratorien sowie in der Sowjetunion benutzt man
mit beträchtlichem Erfolg gepulste Laser für die Wärmebehandlung.

Bei der

Aufheizung durch die Laser-Impulse wird nur die Oberflächenschicht des
Materials (bis in 0,5 Mikron = 1 zwei tausendstel mm Tiefe) aufgeschmolzen
und so die Verformung des Kristallgitters im Oberflächenbereich behoben.
Gleichzeitig werden aber die implantierten Fremdionen anders verteilt, was
neue Probleme mit sich bringt.
Im Gegensatz dazu erzeugt der CW-Laser, der auf einen Punkt von
20 - 30 Mikron (1/50 - 1/33 mm) Durchmesser zentriert ist und das Material
mit kontinuierlichem Strahl abtastet, weniger Wärmeenergie als der gepulste
Laser. Die Oberfläche wird nur auf ca. 1 000°C anstatt auf 1 400°C erhitzt, Das bedeutet, daß das Halbleitermaterial nicht schmilzt, jedoch bis
zu dem Punkt aktiviert wird, an dem die Rekristallisation einsetzt. Dabei
wird der ursprüngliche Kristallgitterzustand wiederhergestellt, ohne daß
die Verteilung der Implantationen oder andere Merkmale eine Veränderung
erfahren.
Wird in einem Mikroschaltkreis polykristallines

- 2 -

Silizium anstelle

�anstelle von Metall für Verbindungen benutzt, läßt sich mittels des CWLaser-Abtastverfahrens die Umkristallisation und eine Vergrößerung der
Siliziumkristalle bis zum 500fachen bewerkstelligen.

Dadurch verbessert

sich ihre elektrische Leitfähigkeit um das Dreifache, wie die Wissenschaftler
der Stanford-Universität herausfanden.

Außerdem könnte eine CW-Laser-Wärme-

behandlung die Möglichkeit schaffen, Mikroschaltkreise näher aneinander zu
setzen und ihren Abstand auf 0,5 Mikron zu verringern.

Beim gegenwärtigen

Stand der Produktionstechnik ist es ungemein schwierig, Abstände von weniger
als 5 Mikron (1/200 mm) zu erreichen.

Die merkliche Reduzierung der Abstände

bedeutete jedoch, daß ein einziges Siliziumplättchen zehnmal mehr Schaltkreise als bisher aufnehmen könnte.
Zahlreiche Firmen bereiten bereits die Anwendung der CW-Laser-Wärmebehandlung bei der Herstellung von Mikroschaltkreisen vor.

Die Forscher-

gruppe Gibbons hat nun täglich eine Flut von Anfragen aus der Industrie
zu bewältigen.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nukleare Zukunft mit mehr Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwischenbilanz für internationale Konferenz über Kernbrennstoffzyklen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was kommt nach den Multilateralen Handelsverhandlungen?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Eugene Brake - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA nehmen nicht an Genfer Antirassismus-Konferenz teil&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Marie Koenig -&amp;nbsp; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Boden bereiten für Technologie-Transfer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie vor großen politischen Aufgaben&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Skylab wieder stabilisiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laser-Wärmebehandlung verbessert Halbleiterqualität</text>
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