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                    <text>ai

und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Mai 1979

18

INHALT

DOKUMENTATION

Erklärung von Außenminister Vance zu SALT I I

- Wortlaut Erklärung von Verteidigungsminister Brown zum SALT II-Abkommen
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die wesentlichen Punkte von SALT II
- Zusammenstellung des US-Außenministeriums

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

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�Dokumentation
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Embassy of the United States of America

18

10. Mai 1979

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER VANCE ZU SALT II
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance
hat am 9. Mai im Weißen Haus eine Erklärung zum SALT II-Vertrag abgegeben,
die folgenden Wortlaut hat:
Botschafter Dobrynin und ich haben unsere Verhandlungen über SALT
abgeschlossen. Beide Regierungen haben nunmehr ihre jeweiligen Delegationen
in Genf angewiesen, die in den Verhandlungen zwischen Botschafter Dobrynin
und mir erreichte Übereinkunft in den gemeinsamen Vertragsentwurf einzuarbeiten
und die Verhandlungen über die wenigen noch verbleibenden sekundären Punkte
abzuschließen, die noch nicht gelöst worden sind. Einzelheiten hinsichtlich
des Zeitpunktes und des Ortes einer Gipfelkonferenz werden in sehr naher
Zukunft bekanntgegeben werden.
Lassen Sie mich einige Bemerkungen zur Bedeutung dieser Verhandlungen
machen.
Mit

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�Mit diesem Vertrag werden wir einen wesentlichen Schritt auf dem
Wege zu einem sichereren Amerika und einer sichereren Welt tun.
Unsere alles überragende Zielsetzung bei diesen Verhandlungen war
die Stärkung der Sicherheit unseres Landes und der unserer Verbündeten
durch praktische und verifizierbare Beschränkungen des nuklearen Wettrüstens.

Heute stehen wir an der Schwelle der Unterzeichnung eines Ab-

kommens über strategische Rüstungen, das unsere Zielsetzungen erfüllt.
Der Vertrag wird die Sicherheit der Vereinigten Staaten und unserer
Verbündeten fördern.

Er wird das nukleare Wettrüsten beschränken.

Er

wird die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearkrieges vermindern.
Der Vertrag wird diesen entscheidend wichtigen Interessen des
amerikanischen Volkes in mehrfacher konkreter Weise dienen.
-

Er wird Höchstgrenzen für die strategischen Streitkräfte der
Sowjetunion und der Vereinigten Staaten festlegen;

-

er wird den Prozeß einer tatsächlichen Reduzierung des Standes
der Nuklearwaffen einleiten, und

-

er wird nicht nur das quantitative, sondern auch das qualitative
Wettrüsten auf dem Gebiete der nuklearen Rüstungen begrenzen.
.

Dieser Vertrag wird somit die strategischen Herausforderungen einschränken, denen wir sonst begegnen müßten.

Er wird die Ausgaben ver-

mindern, die wir sonst zu tragen hätten, um diesen Herausforderungen zu
entsprechen.

Und er wird viel von der Unsicherheit über die sowjetische

Rüstung beseitigen, die sonst herrschen würde.
Dieser Vertrag bedeutet nicht nur das Ende einer Verhandlungsrunde;

�Verhandlungsrunde;
Runde.

er wird vielmehr den Weg öffnen für eine weitere

Wenn der Senat ihn ratifiziert hat, wird er zum Eckpfeiler für

weitere Begrenzungen und Reduzierungen im Rahmen von SALT III werden.
Die nationale Debatte, in die wir nunmehr eintreten, wird nicht nur
diesen Vertrag betreffen. Wir erörtern genauso die unausweichlichen
Realitäten einer nuklearen Welt - die Notwendigkeit einer starken Verteidigung
für unsere Sicherheit und die ernste Gefahr, die sich aus einem uneingeschränkten nuklearen Wettrüsten für unsere Sicherheit ergibt. Denn unsere
Sicherheit besteht heute in der Wahrung eines stabilen strategischen
Gleichgewichtes zwischen zwei Ländern, die über eine furchtbare Macht
verfügen. Der SALT II-Vertrag wird einen wesentlichen Beitrag zu dieser
Stabilität leisten.
Durch den SALT-Prozeß haben wir bewiesen, daß die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion - selbst wenn wir auf einigen Gebieten im Wettstreit
liegen - zusammenarbeiten können und müssen, um die Gefahren eines Krieges
zu verringern.

Auf diese Weise kann der Vertrag dazu dienen, den Weg zu

einem konstruktiveren und friedlicheren Verhältnis zwischen uns zu öffnen.
Der Vertrag ist für uns und für alle Menschen in der Welt eine Botschaft der Hoffnung.

+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Mai 1979

18

ERKLÄRUNG VON VERTEIDIGUNGSMINISTER BROWN ZUM SALT II-ABKOMMEN
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Zum SALT II-Abkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gab der amerikanische Verteidigungsminister
Harold Brown am 9. Mai 1979 im Weißen Haus folgende Erklärung ab:
Das wichtigste Ziel unserer Landesverteidigung muß die Aufrechterhaltung des strategischen nuklearen Gleichgewichts sein.

Deshalb will

ich hier ein paar Worte darüber sagen, wie das SALT II-Abkommen uns hierbei hilft.
Die Grundzüge des Abkommens sind bekannt;

lassen Sie mich jedoch

einige der wichtigsten Merkmale wiederholen.
Es wird eine Begrenzung für die Anzahl der strategischen Abschußeinrichtungen geben. Je-de Seite darf 2250 besitzen. Aufgrund von SALT
werden die Sowjets einige Kürzungen vornehmen müssen. Ohne SALT könnten
die Sowjets bei der gegenwärtigen Entwicklungsrate im Jahr 1985 ein

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�ein Drittel mehr besitzen.
Es wird ebenfalls weitere Begrenzungen der Anzahl von Abschußeinrichtungen für Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen geben.

Durch das SALT-

Abkommen wird die Zahl der sowjetischen Abschußeinrichtungen für mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstete

Interkontinentalraketen auf 820 be-

schränkt werden, die den gefährlichsten Teil ihres Waffenarsenals darstellen.

Das sind weniger, als sie nach unserer Auffassung geplant haben.

Ohne das SALT II-Abkommen könnten sie 1985 viel mehr besitzen.
Ferner wird es Begrenzungen geben hinsichtlich der Einführung neuer
Interkontinentalraketen-Systeme und hinsichtlich der Anzahl von Gefechtsköpfen, die sie tragen können.

Im Rahmen von SALT II können die Sowjets

beispielsweise 10 Gefechtsköpfe auf ihrer größten Rakete dislozieren.
Ohne SALT II könnten sie 20, vielleicht 40 dislozieren.
Schließlich wird es ein Verbot für die Einmischung in die "Nationalen
technischen Mittel" der Verifizierung geben, und es wird andere Bestimmungen
geben, die die Überprüfung vereinfachen. Wir besitzen heute hochentwickelte
Prüfsysteme. Sie werden zusätzlich verstärkt durch Maßnahmen, die den
Verlust der Kapazität der iranischen Stationen rasch ausgleichen. Wir
werden in der Lage sein, jede sowjetische Verletzung rechtzeitig zu
entdecken, um unsere militärische Sicherheit zu gewährleisten.
Mit SALT II sind wir in der Lage, das Abkommen von vornherein zu
verifizieren. Ohne SALT II wären wir mit Verheimlichung, Gegenmaßnahmen
und sogenanntem "Betrug" aller Art konfrontiert, denn ohne SALT II wären
alle diese Tätigkeiten erlaubt.
Aber sogar mit SALT müssen wir unsere Verteidigungsanstrengungen
verstärken, wozu besonders unsere Anstrengungen für die strategischen
Nuklearstreitkräfte gehören. Wir tun dies im Zusammenhang mit dem

- 2 -

�dem Programm, das jetzt dem Kongreß vorliegt, denn SALT wird nicht alle
unsere strategischen Probleme lösen.

Trotzdem wird SALT wesentlich zu

unserer Sicherheit beitragen.

-

Mit dem SALT II-Abkommen werden wir in der Lage sein, den Druck
und die Ungewißheiten eines zahlenmäßig unbegrenzten Wettrüstens
auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte zu vermeiden.

Die

Vereinigten Staaten könnten und würden in eine solche Konkurrenz
eintreten, wenn es notwendig wäre. Aber das Ergebnis wären nur
mehr Systeme, höhere Kosten und größere Risiken ohne größere
Sicherheit - und noch weniger eine Situation amerikanischer Überlegenheit.

-

SALT II wird auch Erleichterungen für einige unserer anderen
Probleme mit sich bringen.

Zum Beispiel wird die Begrenzung der

Anzahl von Gefechtsköpfen die beweglichen Raketen lebensfähiger
machen, deren Dislozierung wir als Antwort auf die wachsende Verwundbarkeit unserer Minuteman-Interkontinentalraketen in Betracht
ziehen.
-

SALT II wird uns nicht davon abhalten, auf denjenigen Gebieten,
auf denen die sowjetische Herausforderung nicht begrenzt ist, alles
zu tun, was wir für richtig halten.

Zum Beispiel werden wir mit

unseren Verbündeten weiter an der Modernisierung unserer

Streit-

kräfte und an der Rüstungskontrolle arbeiten können als Antwort
auf die Probleme, vor die uns der sowjetische Ausbau der taktischen
Nuklearwaffen stellt.

-

SALT II wird auch eine bessere Grundlage für andere Maßnahmen
zur Kontrolle des Anwachsens und der Ausbreitung von Nuklearwaffen und konventionellen Waffen bieten.

Es wird

die Fortsetzung

des Prozesses der Begrenzung der strategischen Streitkräfte der

- 3 -

�der Supermächte erlauben, die, wie wir hoffen, zu beträchtlichen
Kürzungen auf diesem Gebiet führen werden.
Alles in allem: SALT wird dabei helfen, eine flexible und glaubwürdige Abschreckung, Stabilität und wesentliche Gleichwertigkeit aufrechtzuerhalten.

Auch ohne diesen Vertrag wäre dies möglich, aber es wäre

kostspieliger und ungewisser.

Keine der Herausforderungen, denen wir gegen-

überstehen, wäre ohne den Vertrag geringfügiger, aber einige wären bedeutend größer.

All die Erhöhungen unserer Verteidigungsanstrengungen,

die wir planen - mit SALT -, wären auch ohne SALT notwendig;

aber es

wären noch zusätzlich viele weitere notwendig.
Ich betrachte den Vertrag als eine nützliche Hilfe, um - zusammen
mit unseren eigenen, in bescheidenem Umfang vergrößerten Programmen
den strategischen Erfordernissen unseres Landes gerecht zu werden. Und
wenn die Sowjetunion mehr Wert auf Zusammenarbeit als auf Wettbewerb
legt, dann wird SALT außerdem ein gesünderes Klima der amerikanischsowjetischen Beziehungen ermöglichen.

+ + + + +

�18

10. Mai 1979

DIE WESENTLICHEN PUNKTE VON SALT II
Zusammenstellung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON

- (AD) - Die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des

amerikanischen Außenministeriums hat unter dem Titel "SALT II: A Basic
Guide" in einer Dokumentation die wesentlichen Punkte des SALT II-Abkommens zusammengestellt:
Das SALT II-Abkommen besteht aus drei wesentlichen Teilen: einem
Vertrag, der bis Ende 1985 Gültigkeit haben soll; einem kurzfristigeren
Protokoll, das am 31. Dezember 1981 auslaufen wird; und einer gemeinsamen
Grundsatzerklärung und grundlegenden Richtlinien für Folgeverhandlungen.
Darüber hinaus schließt SALT II eine Verpflichtung der Sowjetunion in
der Frage des sowjetischen Bombers vom Typ Backfire ein; ein vereinbartes
Memorandum, das die Zahlen der strategischen Waffen enthält, die beide
Seiten je nach verschiedenen Kategorien disloziert haben; und schließlich
eine längere Reihe vereinbarter Erklärungen und gemeinsame übereinkommen,
in denen die Interpretation hinsichtlich vieler der Bestimmungen von

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�von SALT II niedergelegt sind.
Die Bestimmungen des Vertrages zerfallen in drei große Kategorien:
quantitative Begrenzungen, qualitative Begrenzungen und Verifizierungsmaßnahmen.
•

Qualitative

Begrenzungen

Der Vertrag begrenzt die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
auf eine gleiche Gesamtzahl von strategischen nuklearen Trägerwaffen.
Die Gleichheit dieser Begrenzung hebt ein Ungleichgewicht zugunsten der
UdSSR auf, das seit vor Unterzeichnung der SALT I-Abkommen bestanden hat.
Zu den Einheiten, die unter diese Höchstgrenze fallen, gehören landgestützte
Abschußrampen für Interkontinentalraketen (ICBM), unterseebootgestützte
Abschußrampen für ballistische Raketen (SLBI1), schwere Bomber und LuftBoden-Raketen (ASBM) mit Reichweiten von über 600 km.

Innerhalb dieser

vereinbarten Höchstgrenze sind spezifische Typen von Nuklearsystemen
Unterhöchstgrenzen unterworfen.

Die Begrenzungen sind wie folgt:

Die ursprüngliche Höchstgrenze für alle ICBM-Abschußrampen, SLBMAbschußrampen, schwere Bomber und ASBM ist 2400. Diese Höchstgrenze wird
bis zum 31. Dezember 1981 auf 2250 gesenkt werden. Im Rahmen dieser
Begrenzungen wird die Sowjetunion, die jetzt auf einem Stande von etwa
2520 ist, etwa 270 strategische Nuklearträgerwaffen aus ihren Waffenarsenalen
entfernen müssen, während die Vereinigten Staaten, heute auf einem Stand
von etwa 2060 operativen Systemen, die Möglichkeit haben, ihre strategischen
Streitkräfte im Rahmen der Bedingungen der Gesamthöchstgrenze leicht zu
erhöhen. Diese Begrenzung wird die Sowjetunion auch daran hindern, ihre
derzeitigen strategischen Streitkräfte auf einen Stand von maximal 3000
Trägerwaffen zu erhöhen, die bis Ende 1985 disloziert sein könnten.
Eine
- 2 -

�Eine Unterhö'chstgrenze von 1920 gilt für die Gesamtzahl der Abschußrampen für strategische Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (Multiple
Independently-Targetable Reentry Vehicles (MIRVs) sowie schwere Bomber mit
Marschflugkörpern (Cruise Missiles) mit Reichweiten über 600 km.
Eine zusätzliche Unterhöchstgrenze von 1200 gilt für die Gesamtzahl von
Abschußrampen für ballistische Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen. Die
UdSSR könnte mehrere Hundert solcher Abschußrampen für Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen über diese Gesamtzahl hinaus dislozieren, wenn es kein
SALT II-Abkommen gäbe.
Die letzte

Unterhöchstgrenze

schränkt jedes Land dahingehend ein,

daß es nicht mehr als 820 Abschußrampen für Interkontinentalraketen mit
Mehrfachgefechtsköpfen dislozieren darf.

Diese Beschränkung ist besonders

wichtig, weil sie die Dislozierung von Systemen mit Mehrfachgefechtsköpfen
durch die UdSSR begrenzt und weil Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen der potentiell am meisten destabilisierende Typ der strategischen
Nuklearträgerwaffe sind.
Der Bau weiterer fester Abschußrampen für Interkontinentalraketen wird durch
den SALT II-Vertrag verboten, und keinem Lande ist es erlaubt, die Zahl
seiner festen Abschußrampen für schwere Interkontinentalraketen zu erhöhen,
wobei diese als Interkontinentalraketen mit einem Stratgewicht (Gewicht
der gesamten Rakete) oder einem Wurfgewicht (Gewicht der Nutzlast der
Rakete) nicht größer als das der sowjetischen SS-19-Rakete definiert
wird. Die Sowjetunion ist das einzige Land, das moderne große ballistische
Raketen dieses Typs disloziert hat.

Zuteilung

�Zuteilung von strategischen Nuklearträgerwaffen
Gesamtzahl der Trägersysteme
Jedes Land ist zunächst auf 2400 strategische Nuklearträgersysteme
aller Typen zusammen begrenzt - das heißt, landgestützte Abschußrampen für
Interkontinentalraketen (ICBM), unterseebootgestützte Abschußrampen für
ballistische Raketen (SLBM), Luft-Boden-Raketen (ASBM) mit einer Reichweite
von über 600 km und schwere Bomber.

Im Jahre 1981 wird die ursprüngliche

Gesamtzahl von 2400 auf 2250 gesenkt.

Im Rahmen dieser Gesamthöchstgrenze

werden bei den Seiten in gleicher Weise Unterhöchstgrenzen auferlegt.

Gesamtzahl 1982:
Kombinierte strategische Nuklearträgerwaffen aller Typen: 2250.

Unterhöchstgrenze 1:
Von den 2250 ist es keiner Seite erlaubt, mehr als eine kombinierte
Gesamtzahl von 1320 der folgenden Typen zu besitzen: 1. Abschußrampen
für Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen; 2. Abschußrampen
für unterseebootgestützte Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen; 3. schwere
Bomber mit Marschflugkörpern mit großer Reichweite; und 4. Luft-BodenRaketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (ASBM).

Unterhöchstgrenze

- 4 -

�Unterhöchstgrenze 2:
Von den 1320 ist es keiner Seite erlaubt, mehr als eine kombinierte
Gesamtzahl von 1200 von 1. Abschußrampen für Interkontinentalraketen mit
Mehrfachgefechtsköpfen;

2. Abschußrampen für unterseebootgestützte Raketen

mit Mehrfachgefechtsköpfen und 3. Luft-Boden-Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen zu besitzen.

Unterhöchstgrenze 3:
Von den 1200 ist es keiner Seite erlaubt, mehr als 820 Abschußrampen
für Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen zu besitzen.

Qualitative Begrenzungen
Der Vertrag legt der Entwicklung und Dislozierung neuer Typen von
Kernwaffen eine Reihe von qualitativen Einschränkungen auf.

Zu den

Begrenzungen gehören:
Die Zahl der Gefechtsköpfe auf derzeit existierende Typen von Interkontinentalraketen wird auf dem derzeitigen Stand eingefroren, d.h. auf
der Höchstzahl, die auf jedem bestimmten Typ von Interkontinentalraketen
erprobt worden ist, um die Vergrößerung der Zahl von nuklearen Gefechtsköpfen zu verlangsamen.

Als Folge wird den Sowjets ein Maximum von zehn

Gefechtsköpfen auf ihren schweren Raketen erlaubt sein - während sie ohne
diese Begrenzung leicht 20

oder 30 Gefechtsköpfe auf einen modifizierten

Typ der SS-18 dislozieren könnten.
Die

- 5 -

�Die unterseebootgestützten ballistischen Raketen werden auf nicht
mehr als 14 Gefechtsköpfe begrenzt - die maximale Zahl, die bisher von
beiden Seiten

erprobt worden ist.

Das Wurfgewicht und das Gesamtgewicht von leichten Interkontinentalraketen, unterseebootgestützten ballistischen Raketen und Luft-BodenRaketen darf das der sowjetischen SS-19 nicht überschreiten.

Ähnliche

Begrenzungen gelten für die Erhöhung des Wurfgewichtes und des Startgewichtes schwerer Interkontinentalraketen über das der SS-18 hinaus.
Dies wird das weitere Anwachsen der Nutzlastkapazitä't von Raketen begrenzen.
Jede Seite wird für die Dauer des Vertrages nur einen neuen Typ
von Interkontinentalraketen erproben und dislozieren dürfen.

Diese

Ausnahme gibt den Vereinigten Staaten das Recht, mit der M-X-Rakete
weiterzumachen.

Indem den Sowjets nur ein neuer Typ von Interkontinental-

raketen erlaubt wird, wird diese Bestimmung die Sowjets von ihrer früheren
Praxis abhalten, drei oder vier völlig neue Typen von Interkontinentalraketen
mit wesentlich verschiedenen und verbesserten Eigenschaften bei jeder neuen
Generation von Interkontinentalraketen zu dislozieren.
Der erlaubte neue Typ von Interkontinentalraketen muß eine leichte
Interkontinentalrakete sein (d.h. ihr Wurfgewicht darf das der SS-19 nicht
überschreiten), und sie darf nicht mehr als zehn Gefechtsköpfe tragen. Die
Sowjetunion hat die Wahl, ihre Ausnahme dazu zu nutzen, um eine Rakete
mit einem einzigen Gefechtskopf zu dislozieren, oder sie könnte eine neue
Rakete mit Mehrfachgefechtsköpfen dislozieren, um die SS-17 und die SS-19
zu ersetzen. Die M-X-Rakete wird wahrscheinlich die erlaubte Höchstzahl
von zehn Gefechtsköpfen tragen und wird das dreifache Wurfgewicht der Rakete
vom Typ MINUTEMAN haben.
Die durchschnittliche Zahl von Marschflugkörpern mit großer Reichweite
(d.h. über 600 km), die von jedem Land an Bord seiner für solche Flugkörper
- 6 -

�Flugkörper ausgestatteten Flugzeuge disloziert werden können, darf nicht
größer sein als 28. Die Höchstzahl von Marschflugkörpern mit großer
Reichweite, die an Bord von vorhandenen schweren Bombern disloziert werden
können, wie etwa die B-52, ist auf 20 begrenzt. Jedes Flugzeug, das mit
Marschflugkörpern großer Reichweite ausgerüstet ist, wird als schwerer
Bomber gezählt und fällt unter die

numerische Aufzählung in SALT II.

Verifizierungsmaßnahmen
Um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten in der Lage sein
werden, durch ihre eigenen Mittel die sowjetische Einhaltung der Bestimmungen
von SALT II zu verifizieren, enthält das Abkommen eine Reihe von Bestimmungen,
um die Fähigkeit der Vereinigten Staaten zu fördern, das sowjetische Verhalten hinsichtlich der in dem Abkommen eingeschlossenen Waffen zu überwachen.
Das Abkommen verbietet jede absichtliche Tätigkeit, um etwas zu verbergen, die die Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Abkommens
behindern würde. Eine Klarstellung zu dieser Bestimmung stellt fest, daß
jede telemetrische Chifftierung (d.h. die Verschlüsselung von Testdaten
für Raketen und Flugzeuge), die die Verifizierung behindert,verboten ist.
Das Abkommen verbietet weiter die Einmischung eines Landes in den
Betrieb der Nachrichtensammlungssysteme des anderen Landes (im Vertrag als
"Nationale technische Mittel" oder NTM bezeichnet), die dazu benutzt werden,
die Einhaltung der Bestimmungen des Abkommens zu verifizieren.
Da es schwierig ist, zwischen Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen und
ohne Mehrfachgefechtsköpfe zu unterscheiden, wenn sie erst disloziert sind,
legt das Abkommen eine Reihe von Regeln für die Zählung von Mehrfachgefechts-

- 7 -

�Mehrfachgefechtsköpfen fest, die vorsehen, daß:

(a) alle Raketen eines

Typs, der mit Mehrfachgefechtsköpfen erprobt worden ist, als mit solchen
ausgestattet gezählt werden wird, selbst wenn sie mit einem einzigen Gefechtskopf disloziert sind, und (b) alle Abschußrampen eines Typs, die
Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen aufgenommen haben oder von denen solche
gestartet wurden, als zu denen mit Mehrfachgefechtsköpfen gezählt
werden, selbst wenn er Raketen ohne Mehrfachgefechtsköpfe enthalten.
die sowjetische

Interkontinentalrakete

Da

vom Typ SS-16 gewisse Ähnlichkeiten

mit der mobilen Mittelstreckenrakete SS-20 hat, einschließlich einer
potentiellen Möglichkeit, von einer beweglichen SS-20-Abschußrampe gestartet
zu werden, hat die Sowjetunion einem generellen Verbot der Dislozierung der
weiteren Erprobung und der Produktion der SS-16, einschließlich der Produktion
von Teilen, wie sie nur für die SS-16 gebraucht werden, zugestimmt.
Beide Länder sind durch den Vertrag gezwungen, die andere Seite im
voraus von bestimmten Probestarts von Interkontinentalraketen zu unterrichten.
Beide Länder werden Zahlen ihrer eigenen strategischen Offensivstreitkräfte als Teil einer vereinbarten Datengrundlage zur Verfügung stellen.
Der Vertrag sieht einen Mechanismus für die sofortige Erörterung jeder
zwiespältigen Situation vor, die in Zukunft auftreten könnte, sowie die
Überwachung der ordnungsgemäßen Verwirklichung der Bestimmungen von SALT II
in der amerikanisch-sowjetischen ständigen Beratenden Kommission (SSC).
Dieses Gremium soll ein Forum bilden, in dem jedes Land seine Anliegen
bezüglich des SALT-Prozesses vorbringen kann. Die Kommission hat als das
vereinbarte Mittel der Überprüfung der Verwirklichung der SALT I-Abkommen
und als ständiges Forum für weitere Gespräche zwischen beiden Seiten hinsichtlich dieser Abkommen gut funktioniert.
Der Vertrag stellt ausdrücklich fest, daß die Verifizierung durch

�durch "Nationale technische Mittel" vonstatten gehen wird, die der jeweils
anderen Seite gehören.

Zu den nationalen technischen Mitteln gehören

Satelliten (wie Fotoaufklärungssatelliten), bodengestützte Systeme (wie
Radarstationen, die Raketenversuche beobachten, und Antennen, die telemetrische Daten sammeln), sowie luftgestützte Systeme, (einschließlich
optischer Systeme und anderer Sensoren).

Auf diese Weise ist keine Seite

vom bloßen Vertrauen abhängig, was die Verifizierung der Einhaltung der
Bestimmungen des Abkommens angeht.

Das Protokoll zum SALT II
Das Protokoll tritt gleichzeitig mit dem Vertrag im Kraft, wird jedoch zu einem beträchtlich früheren Zeitpunkt, nämlich am 31. Dezember 1981,
auslaufen. Es legt bestimmten Systemen temporäre Begrenzungen auf Systeme hinsichtlich derer beide Seiten keine langfristige Lösung finden
konnten. Zu diesen Begrenzungen gehören:
Die Dislozierung mobiler Abschußrampen für Interkontinentalraketen
und die Flugerprobung von Interkontinentalraketen von solchen Abschußrampen aus ist verboten.

Entwicklung und Erprobung der Abschußrampen für

sich allein sind jedoch nicht eingeschränkt.
Die Flugerprobung und Dislozierung von Luft-Boden-Raketen mit Reichweiten über 600 km sind verboten.
Die Dislozierung von bodengestützten und seegestützten Marschflugkörpern ist auf Marschflugkörper begrenzt, die eine Reichweite von nicht
mehr als 600 km oder etwa 350 Meilen haben.
Andere Einschränkungen für die Entwicklung oder Flugerprobung von

- 9 -

�•

von boden- und seegestützten Marschflugkörpern gibt es nicht, und die
Begrenzung der Dislozierung hinsichtlich der 600 km-Reichweite wird ablaufen, ehe die Vereinigten Staaten in der Lage sein werden, diese Systeme
zu dislozieren.

In dem Protokoll gibt es keine Begrenzung für die Reich-

weite, die Entwicklung, die Flugerprobung und die Dislozierung von luftgestützten Marschflugkörpern.

Diese Waffen werden eine wichtige künftige

Erweiterung unserer bestehenden Streitmacht an schweren Bombern mit großer
Reichweite und Flugzeugen mit luftgestützten Marschflugkörpern großer
Reichweite sein, die in der Gesamtzahl von 1320 im Vertrag eingeschlossen
sind.

Stand der amerikanischen und sowjetischen strategischen Offensivstreitkräfte
1. Januar 1979
-

USA

Operative ICBM-Abschußrampen (einschließlich
einsatzbereiter Abschußrampen sowie jener im Bau,
in Reparatur, in Wartung, in Umstellung und in
Modernisierung; nicht dazu gehören Abschußrampen
für Versuche und Ausbildung, dazu gehören jedoch
Abschußrampen auf Versuchsgebieten, die als Teil
der operativen Streitmacht gedacht sind)
Operative unterseebootgestützte Abschußrampen (die
obige Anmerkung in Klammern gilt auch hier. Ferner
gehören dazu Abschußrampen auf allen nuklear
angetriebenen Unterseebooten, und was die Sowjets
anbetrifft, operative Abschußrampen für moderne
unterseebootgestützte Raketen auf Diesel-Unterseebooten der G-Klasse)

10 -

UdSSR

1054

1400

656

950

�Langstreckenbomber

USA

UdSSR

operative'

348

150

sonstige

221

-

120

modifizierte'Typen
(Anmerkung: Die Langstreckenbomber schließen für die
Vereinigten Staaten drei Prototypen des Bombers B-l und
68 Maschinen vom Typ FB-111 aus; für die UdSSR den Backfire
Bomber. Bei den operativen Bombern gehören dazu nur dislozierte und für ihre Aufgaben eingerichtete Flugzeuge.
Unter sonstige gehören bei den USA B-52, die für verschiedenartige Zwecke verwandt werden, sowie Maschinen,
die in Reserve stehen oder eingemottet oder auf Lager
sind. Unter modifizierte Typen fallen sowjetische
Tankerflugzeuge vom Typ Bison, Flugzeuge des Typs Bear
zur Unterseebootbekämpfung und Aufklärungsflugzeuge
dieses Typs. Die amerikanischal Tankerflugzeuge
(641 Maschinen vom Typ KC-135) gehen nicht vom Flugzeugtyp B-52 aus und sind daher nicht eingeschlossen.)
Strei tkräftebestückung:
9200

Waffen (Gefechtsköpfe)
(Anmerkung:

5000

Die Gesamtbestückung der Streitkräfte

bringt jene unabhängig zielgeplanten Waffen zum Ausdruck, die mit der Gesamtzahl der operativen ICBMs,
SLBMs und Langstreckenbomber verbunden sind.)
Die gemeinsame Grundatzerklärung
SALT II ist ein Teil des anhaltenden Prozesses der Rüstungskontroll Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Diese Tatsache
kommt in einer gemeinsamen Grundsatzerklärung und in den grundlegenden Richtlinien für Folgeverhandlungen zum Ausdruck, in denen erklärt wird, daß beide
Seiten übereingekommen sind, an einer weiteren Verringerung und an weiteren

- 11 -

�weiteren qualitativen Begrenzungen ihrer strategischen Streitkräfte zu arbeiten
und zu versuchen, die im Protokoll zum Vertrag aufgeführten Probleme zu lösen.
Darüber hinaus wird ausdrücklich festgestellt, daß jede Seite in den SALT IIIVerhandlungen jedes gewünschte Thema.anschneiden kann.
Backfire-Bomber
Die Sowjetunion hat Verpflichtungen übernommen, die Produktionsrate des
Backfire-Bombers nicht über die derzeitige Rate hinaus zu erhöhen und die Verbesserung der Kapazitäten dieses Flugzeuges zu begrenzen.

Das Einfrieren der

Produktionsrate für den Backfire-Bomber auf den gegenwärtigen Stand bedeutet,
daß die Sowjets verpflichtet sind, nicht mehr als 30 Backfire-Bomber pro Jahr
zu produzieren.

Die Vereinigten Staaten betrachten die hinsichtlich des Back-

fire-Bombers festgelegten Verpflichtungen als wesentlich für die Integrität
der Verpflichtung im Gesahitvertrag.

Die Verpflichtungen der Sowjetunion bezüg-

lich des Backfire-Bombers haben die gleiche rechtliche Verbindlichkeit wie das
übrige SALT II-Abkommen.

Wenn daher die Sowjetunion diese Verpflichtungen ver-

letzten sollte, können die Vereinigten Staaten vom Vertrag zurücktreten. .

+ + + + +

- 12 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Außenminister Vance zu SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Verteidigungsminister Brown zum SALT II-Abkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wesentlichen Punkte von SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zusammenstellung des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Mai 1979

17

INHALT

DOKUMENTATION
Vance:

SALT II entscheidend wichtig für die Rüstungskontrolle

- Rede des US-Außenministers in Chicago Nationale Sicherheit im weiteren Sinne
- Von Zbigniew Brzezinski HINTERGRUNDMATERIAL
USA hoffen auf positive Ergebnisse von UNCTAD V
- USICA-Interview mit Staatssekretär Cooper -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Mai 1979

17

VANCE: SALT II ENTSCHEIDEND WICHTIG FÜR DIE RÜSTUNGSKONTROLLE
- Rede des US-Außenministers in Chicago -

CHICAGO - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat in einer
Rede vor dem Amerikanischen Verband der Kommunal-Hochschulen am 1. Mai 1979 den
bevorstehenden SALT Il-Vertrag als einen entscheidend wichtigen Schritt bezeichnet, um die strategischen Waffen unter eine vernünftige Kontrolle zu bringen.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Seit den ersten Tagen unserer Nation haben Amerikaner immer mit unerschütterlichem Optimismus in die Zukunft gesehen. Wir sind ein Volk mit Selbstvertrauen, das sich seiner Fähigkeit gewiß ist, sein Geschick zu gestalten.
Und wir sind ein Volk, das sich dem Wandel nicht nur angepaßt hat, sondern wir sind mit ihm gediehen.
Wir leben heute in einer Periode der Geschichte, die durch tiefgreifenden
und raschen Wandel gekennzeichnet ist. Heute abend möchte ich mit Ihnen über
den Wandel sprechen und wie Amerika seine außerordentliche Stärke nutzen kann,
um mit den Herausforderungen einer sich wandelnden Welt fertig zu werden.
Der

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�V

&lt;

Der Optimismus Amerikas hat in den letzten Jahren gelitten - durch einen
bitteren Krieg; durch Spaltungen im eigenen Lande, die unsere demokratischen
Institutionen auf die Probe gestellt haben und viele unserer Mitbürger gegenüber der Regierung haben skeptisch werden lassen; durch die plötzliche Erkenntnis, daß unser Wirtschaftsleben im eigenen Lande durch Maßnahmen im Ausland beeinflußt werden kann; und schließlich durch die Einsicht, daß es Ereignisse gibt,
die uns beeinflussen, die wir aber nur zum Teil beeinflussen können.
Es gibt vieles, was wir aus diesen Erfahrungen lernen können und gelernt
haben.

Aber Angst vor der Zukunft gehört nicht dazu.
Lassen Sie mich ganz offen sagen, daß ich mir Sorgen und Gedanken darüber

mache, daß die von manchen Leuten aufgestellte völlig verzerrte These, Amerika
befinde sich in einer Periode des Abstiegs in der Welt, nicht nur sachlich falsch
ist, sondern auch gefährlich als Grundlage für die Politik.

Denn wir würden

unsere Zukunft gefährden, wenn wir das Vertrauen in uns selbst und in unsere
Stärke verlieren und uns von einer energischen Führung in der Welt zurückziehen
würden.
Und wir würden ebenso unsere Zukunft gefährden, wenn wir verängstigt reagieren und unsere Macht dazu verwenden würden, uns dem Wandel in der Welt zu
widersetzen, oder unsere militärische Macht einsetzen würden, wenn sie mehr
Schaden als Nutzen bringen würde.
Die Erkenntnis, daß wir nicht allmächtig sind, darf uns nicht zu der Befürchtung verleiten, daß wir unsere Macht oder den Willen sie einzusetzen, verloren hätten. Wenn wir uns unserer außerordentlichen Stärke bewußt sind, wenn
wir die Natur des Wandels begreifen, der sich in der Welt abspielt, und wenn
wir wirksam handeln, um unsere verschiedenen Arten von Macht einzusetzen, um
verschiedene Arten von Wandel herbeizuführen, dann haben wir allen Grund, vertrauensvoll in die Zukunft zu blicken.

�Wir müssen mit einer klaren Erkenntnis unserer eigenen Stärke als Nation
anfangen.

- Die heutige militärische Stärke Amerikas ist gewaltig.

Ich kenne keinen

Verantwortlichen beim Militär, der unsere strategische Position mit der eines
anderen Landes tauschen wollte.
An unseren Grenzen leben befreundete Nachbarn.
Wir haben starke und zuverlässige Sicherheitsbeziehungen.
Unsere Verbündeten bringen zusammen mehr als das Doppelte unserer militärischen Gesamtstärke auf
Wir haben leichten Zugang zum Meer, und dies versetzt uns in die Lage,
über vielseitige strategische Streitkräfte und die einsatzbereite Kapazität zur Darstellung unserer Macht zu verfügen.

- Unsere Wirtschaft und die Volkswirtschaften unserer Verbündeten sind
mehr als dreimal so produktiv w^e die Wirtschaft der Sowjets und ihrer Verbündeten.

- Die demokratischen Industriestaaten sind weiterhin auf dem Weg zur
technologischen Innovation und der Beherrschung dieser Technologie im Dienste
des Menschen führend.

- Und die Lebensweise unseres Volkes und das, wofür wir als Nation einstehen, hat weiterhin eine magnetische Anziehungskraft auf der ganzen Welt.

Da wir und unsere Verbündeten die tretende Kraft des schöpferischen
Wandels auf fast allen Gebieten sind,

und wegen der Lebenskraft unserer poli-

tischen Institutionen und der Stärke unserer Streitkräfte haben wir eine Fähigkeit zur Führung und eine Fähigkeit, in einer Welt des Wandels zu gedeihen,
die unerreicht sind.
Die Frage ist nicht, ob wir stark sind
Wir sind es.
Die
- 3 -

�^

Die Aufgabe besteht darin, diese nicht in Frage gestellten Stärken angemessen und wirkungsvoll zum Tragen zu bringen, um in einer Welt, die unterschiedliche Arten von Veränderungen durchmacht, unsere Interessen zu fördern.
Das erste Element des Wandels ist die Entwicklung von einer früheren
Periode der strategischen Übermacht Amerikas zu einer Ära der stabilen strategischen Gleichwertigkeit.
Wir sollten uns keine Illusionen machen, daß wir wieder in die frühere
Ära zurückkehren könnten.

Keine Seite wird der anderen erlauben, einen ver-

wertbaren strategischen Vorteil zu erringen.

Jede Seite verfügt über die fi-

nanziellen und technischen Mittel, mit der anderen Schritt zu halten.

Da es

um so viel geht, wissen wir, daß wir beide alles notwendige tun werden, um
nicht zurückzubleiben.

Darum ist die wesentliche Gleichwertigkeit in unserer

heutigen nuklearen Welt die einzige realistische Strategie.
Diese Ausgewogenheit im großen und ganzen kann auch der Stabilität dienen
- selbst wenn manche sie im Vergleich zu unserer früheren Überlegenheit als
beunruhigend empfinden. Es ist diese wesentliche Gleichwertigkeit in strategischen Waffen, die es uns erlaubt, mit Rüstungsbegrenzungen voranzuschreiten.
Wenn eine Seite zu weit voraus wäre, dann würde sie sich nicht besonders zur
Rüstungskontrolle gedrängt fühlen - und die Seite, die hintan stünde, würde es
ablehnen, aus einer Position der Schwäche zu verhandeln. Nur wenn beide Seiten
ein Gleichgewicht sehen, wie das heute der Fall ist, können wir auf einen echten Fortschritt in der Rüstungskontrolle hoffen.
Unsere Antwort auf diesen generellen Wandel im Umfeld der Sicherheit
hat mehrere Elemente.
Wir werden sicherstellen, daß die wesentliche Gleichwertigkeit in Kernwaffen aufrechterhalten bleibt.

Wir werden durch das Tempo der sowjetischen

Militärprogramme nicht überrollt werden.
Wir
- 4 -

I

�I

Wir haben eine weitreichende Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte vorgenommen.

Wir verbessern jede Sä'ule unserer strategischen Triade

- mit Marschflugkörpern für unsere B 52-Bomber, mit neuen Trident-Raketen für
die vorhandenen Unterseeboote und der Entwicklung eines neuen Trident-Unterseebootes und Trident II-Raketen
Entwicklung der M-X-Rakete.

und mit der Bereitstellung der Mittel für die
Und wir prüfen rechtzeitig die Optionen für die

Abwendung der möglichen künftigen Bedrohung des landgestützten Teiles unserer
Raketenstreitmacht.

Gleichzeitig sind wir ebenso entschlossen, unsere Sicherheit durch die
Einführung beiderseitiger Begrenzungen der Kernwaffen zu fördern.
an der Schwelle eines SALT II-Vertrages.

Wir stehen

Er ist ein entscheidend wichtiger

Schritt in dem Prozeß, die strategischen Waffen unter eine vernünftige Kontrolle
zu bringen.

Wenn seine Waffen bekannt und erörtert werden, dann wird der Se-

nat, dessen bin ich zuversichtlich, zustimmen, daß der Vertrag unsere nationale
Sicherheit und die Sicherheit unserer Verbündeten fördern wird.

Seine Ableh-

nung würde zu einer Intensivierung des nuklearen Wettrüstens führen.
siko eines Nuklearkrieges würde größer.
würden scharf ansteigen.

Das Ri-

Die Kosten für unsere Steuerzahler

Es würde die Spannungen mit den Sowjets verschärfen,

unsere Verbündeten beunruhigen und den Aussichten für künftige Rüstungskontrollen einen lähmenden Schlag versetzen.

Das amerikanische Volk und unsere Verbündeten begreifen die Wichtigkeit
eines Abbaus der Spannungen mit den Sowjets und des Strebens nach einem gemeinsamen Boden, auf dem sich unsere Interessen annähern können.

Wenn wir uns strategischen Fragen zuwenden, dann müssen wir uns auch
der Wichtigkeit der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtes der konventionellen
Streitkräfte besonders bewußt sein.

Auf dem NATO-Gipfel im Sommer vorigen

Jahres haben wir und unsere Verbündeten uns verpflichtet, die Verteidigungsausgaben um real drei Prozent zu erhöhen und die NATO-Streitkräfte zu modernisieren und zu verstärken.

Die Aufhebung des Waffenembargos gegen die Türkei

im vorigen Jahr war ein wichtiger Schritt, um die Südflanke der NATO zu stär-

- 5 -

�»

stärken.

In Europa und anderswo sind wir verpflichtet, starke konventionelle

Streitkräfte zu unterhalten.
Und niemand sollte daran zweifeln, daß wir diese Streitkräfte einsetzen
werden, wenn unsere lebenswichtigen Interessen oder die unserer Verbündeten bedroht werden.
Auf diese Weise werden wir in einem Zeitalter der wesentlichen Gleichwertigkeit unsere Sicherheit aufrechterhalten und stärken - indem wir die neuen
Probleme meistern, die es uns stellte,und indem wir die neuen Rüstungskontrollchancen nützen, die es uns bietet.
Eine zweite Veränderung ist die Tatsache, daß die Risiken, die sich aus
regionalen Konflikten ergeben, zugenommen haben.
Viele dieser Konflikte stehen seit langem an. Sie haben ihre Wurzeln
tief in der Geschichte, in der Geographie und in religiösen und ethnischen
Unterschieden.
Aber in dem Maße, in dem immer mehr Länder immer höher entwickelte Waffen erwerben, werden regionale Konflikte immer gefährlicher.

Sie bringen eine

ständige Drohung einer weitergefaßten Konfrontation mit sich.

Deshalb müssen

die Vereinigten Staaten aktiver sein, wenn es darum geht, diese Streitfälle
friedlich beizulegen.
Es ist eine Tatsache, daß keine Nation intensiver an den ständigen Bemühungen beteiligt ist, die Flammen des Konflikts auf der ganzen Welt zu erstikken, als die Vereinigten Staaten.
Kein anderes Land hätte die Rolle spielen können, die die Vereinigten
Staaten bei der Unterstützung Israels und Ägyptens gespielt haben, einen historischen Frtedensvertrag zu erreichen,und wir werden auch weiterhin aktiv bei
dem Bemühen mitwirken, einen umfassenden Frieden zu erreichen - einen Frieden,
- 6 -

t

�Frieden, in dem Israel, die benachbarten arabischen Staaten sowie das palästinensische Volk in Sicherheit und mit Würde leben können.
Im südlichen Afrika, im östlichen Mittelmeerraum, in Südostasien und anderswo in der Welt benutzen wir den uns zur Verfügung stehenden Einfluß für den
Frieden.

Fortschritte stellen sich weder leicht noch schnell ein.

Es wird

Rückschläge geben, denn der Weg zum Frieden ist häufig schwieriger als der Weg
zum Krieg.

Aber mit Ausdauer und Standhaftigkeit können wir dazu beitragen,

den in Konflikt miteinander liegenden Parteien zu einer Alternative zur Gewalt
zu verhelfen - wenn sie sich dafür entscheiden, dies anzunehmen.
•

'

In einigen Fällen werden diese Bemühungen die Zusammenarbeit mit anderen
interessierten Ländern beinhalten als Katalysator für ein Zusammenbringen der
Parteien.

In anderen Fällen werden wir internationale und regionale Institutionen

unterstützen, die einen Rahmen für eine Verminderung der Spannungen bieten.
Wenn wir zu der Ansicht gelangen, daß es zur regionalen Stabilität beiträgt, dann
werden wir Länder, die durch Gewalt von außen bedroht sind, dabei unterstützen,
ihre Fähigkeit zur Selbstverteidigung zu verstärken.
In allen Fällen werden wir uns den Versuchen anderer widersetzen, örtliche Streitfälle zu internationalen Willenstests auszuweiten.

Jede Nation muß

sich einfach darüber im klaren sein, daß die größere Sicherheit in der Beilegung statt in der Anheizung örtlicher Konflikte liegt.
Eine dritte Art des Wandels, mit der wir uns befassen müssen, ist die
Veränderung innerhalb von Nationen.
Als Ergebnis der Massenkommunikation, einer besseren Erziehung und Ausbildung, der Urbanisierung sowie der wachsenden Erwartungen für ein besseres Leben
gibt es in vielen Ländern der Dritten Welt eine neue Flutwelle, da mehr und mehr
Menschen einen volleren Anteil an ihrer Regierung und ihrer Wirtschaft fordern.
Diese Forderungen können einen außerodentlichen Druck auf wirtschaftliche, soziale
und politische Institutionen mit sich bringen.
Dieses

�i

Dieses Ferment kann b1iw§1l§n jene Art von Aufruhr verursachen, die untere Interessen nachteilig berühren - zumindest kurzfristig. Aber statt ablehnend auf eine selche Veränderung zu reagieren oder anzunehmen, daß sie automatisch gegen uns arbeitet, wollen wir uns mit zwei zentralen Fragen näher befassen:
- H e g t diese Art der Veränderung ganz allgemein im Interesse unseres
Landes?
- Und welches sind die besten Mittel und Wege, mit denen wir anderen dabei
helfen können, populäre Bestrebungen und Hoffnungen auf ordnungsgemäße
und friedliche Welse zu erfüllen?
Die Antwort auf die erste Frage Ist meiner Ansicht nach, daß die wachsende
Forderung der Menschen Überall auf der Welt nach Verwirklichung ihrer politischen,
sozialen und wirtschaftlichen Rechte allgemein 1n unserem Interesse liegt. Diese Bestrebungen schaffen 1n vielen Ländern auf der Welt neue oder gestärkte demokratische Institutionen. Und Amerika kann am besten in einer Welt gedeihen,
1n der die Freiheit gedeiht.
Sollten wir nicht Vertrauen gewinnen aus dieser Erweiterung der Demokratie,
die stattfindet nicht well wir sie forderen, sondern aufgrund ihres inhärenten
Anreizes?
Und worin besteht nun dieser Inhärente Anreiz? Ganz ohne Frage liegt er
1n den verstärkten Möglichkeiten, die die Demokratie fUr die Realisierung der
fundamentalen Menschenrechte bietet - des Rechtes auf politische und religiöse
Meinungsäußerungen, auf eine Beteiligung am politischen Leben und auf wirtschaftliche Gerechtigkeit.
Diese Werte sind 1n bemerkenswerter Weise auf die Forderungen des Wandels
abgestimmt. Die Veränderungen, denen sich viele Nationen gegenUbersehen - insbesondere die Entwicklungsländer - sind eine Herausforderung an die Kulturen, ajn
8 -

I

�I

i

an die Art des Lebens und Zusammenlebens, an die Vorstellungen der individuellen
und der nationalen Autonomie.
ihre Elastizität.

Die große Stärke der demokratischen Prozesse ist

Sie gestatten Anpassung und Kompromisse.

Dadurch, daß alle

Gruppen eine Mitsprache bei den Entscheidungen haben, die ihr Leben berühren,
sind die demokratischen Gesellschaften weit besser in der Lage, ein friedliches
und stabiles Gleichgewicht zwischen Tradition und Fortschritt zu schaffen.

Die inneren Veränderungen in anderen Ländern werden manchmal turbulent und
schwierig sein.
laufen.

Zuweilen mögen diese Veränderungen in repressiver Richtung ver-

Aber wir dürfen es nicht zulassen, daß unsere Besorgnisse hinsichtlich

der Strömungen und Gegenströmungen uns die Sicht bezüglich der Flutwelle nehmen,
die zugunsten der Freiheit rollt.

Wenn wir versuchen, anderen bei der Erfüllung der legitimen Forderung ihrer
Völker zu helfen, welche zur Verfügung stehenden Instrumente sind dann die
besten?

Lassen Sie mich zunächst feststellen, daß die Anwendung militärischer Gewalt keine wünschenswerte amerikanische politische Antwort auf die interne Politik anderer Länder ist und sein sollte.

Wir sind der Überzeugung, daß wir das

Recht haben,unser Geschick zu formen; dieses Recht müssen wir auch bei anderen
respektieren.

Wir müssen ganz klar den Unterschied begreifen zwischen unserer Bereitschaft, kraftvoll zu handeln, wenn die lebenswichtigen Interessen unseres Landes,
unserer Verbündeten und unserer Freunde bedroht sind, und der Erkenntnis, daß unsere Streitkräfte keine zufriedenstellende Antwort auf rein interne Probleme
anderer Länder geben können.

Wenn wir anderen Ländern dabei helfen, es mit solchen internen Veränderungen aufzunehmen, dann ist es unsere Aufgabe, ihnen zu helfen, ihre eigenen
Institutionen zu entwickeln, ihre eigenen Volkswirtschaften zu stärken und die
Bindungen zwischen Regierung und Volk zu fördern.
Um
- 9 -

�i

Um dies zu erreichen, müssen wir ihnen auch weiterhin in zunehmendem Maße
Entwicklungshilfe gewähren.

Wir müssen eine Menschenrechtspolitik aufrechter-

halten, die auf praktische Weise auf eine Förderung der Freiheit hinwirkt.

Und

wir müssen die Tatsache akzeptieren, daß andere Gesellschaften den Wandel auf
eine Art ur)d Weise in den Griff bekommen und entsprechend neue Institutionen aufbauen, die sich von den unsrigen durchaus unterscheiden mögen.
Die Länder der Dritten Welt werden mit allem Nachdruck ihre Unabhängigkeit
verteidigen.

Sie werden alle Bemühungen von außen zurückweisen, ihnen irgend-

welche Institutionen aufzuzwingen.

Wir sollten diesen Geist begrüßen.

unser nationales Interesse liegt nicht darin, daß sie so wie wir werden.

Denn
Es

liegt darin, daß sie frei von der Herrschaft anderer sind.
Diese Strategie des positiven Engagements und der Unterstützung der Unabhängigkeit und der Vielfalt der Entwicklungsländer ist uns sehr von Nutzen.

Sie

schlägt Kapital aus der inhärenten Stärke des Westens, und sie verbessert unsere Bindungen zu den Entwicklungsländern in einem Rahmen, der sie nicht zwingt,
eine ausdrückliche Wahl zwischen Ost und West zu treffen.
Der Test für unseren Willen, sich mit innenpolitischen Veränderungen im
Ausland zu befassen, wird kommen - und, zwar nicht in der Art, wie wir unsere
militärische Macht einsetzen, sondern darin, ob wir bereit sind, unsere Ressourcen hinter unsere Worte zu stellen - und diese Ressourcen wirksam arbeiten zu
lassen.
Eine vierte Art der Veränderung, deren Zeuge wir werden, betrifft das
internationale System als solches.

Aufbauend auf unsere Erfahrungen als plura-

listische Nation müssen wir lernen, in wirksamem und erfolgreichem Umgang mit
einer zunehmend pluralistischen Welt zu stehen.
- Seit Beginn der sechziger Jahre erleben wir das Entstehen Dutzender
neuer Länder, von denen jedes eine ganz spezifische Identität aufweist und von
denen jedes entschieden darauf bedacht ist, seine eigenen nationalen Aspirationen zu verwirklichen.
• Wir

- 10 -

�- Wir werden Zeuge der Entwicklung neuer Mächte in der Welt, der Entwicklung von Nationen, die eine zunehmend wichtigere Rolle im internationalen wirtschaftlichen und politischen Leben spielen.
- Und wir haben begriffen, daß viele der Herausforderungen, denen wir uns
gegenübersehen, globalen Ausmaßes sind.

Der tyeiterverbreitung von Kernwaffen

Einhalt zu gebieten, die Rohstoffvorräte der Welt vernünftig und fair zu verwalten und uns eine Umwelt zu bewahren, die uns alle zu erhalten vermag - diese
Probleme rühren nicht von einem einzigen Land her, und kein Land vermag sie für
sich allein zu lösen.
Eine Welt, in der viele - und nicht nur einige wenige - Länder an der Gestaltung der Zukunft mitwirken müssen und in der der Fortschritt oftmals kooperative Anstrengungen voraussetzt, erfordert mehr - und nicht weniger - amerikanische Führungsinitiativen. Sie erfordert, daß wir diese Führung kreativ ausüben und andere inspirieren, gemeinsam mit uns auf die Verwirklichung der Zielsetzungen hinzuarbeiten, in die wir uns teilen, die wir aber jeder getrennt für
sich nicht erreichen können.
Das macht auch eine neue Art der Diplomatie erforderlich.
- Wir müssen, wo immer dies möglich ist, eine umfassende Art der Diplomatie betreiben und mit anderen zusammenarbeiten, um die gemeinsamen Ziele zu verwirklichen. Solche multilateralen Anstrengungen sind zeitraubend und vielschichtig. Sie können aber oftmals produktiver sein, als wenn jeder für sich allein
arbeitet.
- Grundvoraussetzung für solche umfassenden Anstrengungen sind starke und
solide Beziehungen zu unseren traditionellen Verbündeten.

Wir haben in dieser

Administration energisch darauf hingearbeitet, jene Partnerschaft zu stärken
- und wir haben dies auch erreicht.
- In Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten sind wir bezüglich einer wachsenden Zahl von schwer lösbaren Problemen in der Lage, andere Länder für kollek- 11 -

�kollektive Lösungsbemühungen Zugewinnen.
spiel anführen:

Lassen Sie mich nur ein einziges Bei-

unser Streben, einen für die Proliferation weniger anfälli-

gen atomaren Brennstoffzyklus zu entwickeln.

Auf unsere Initiative hin haben

sich 44 Länder zusammengetan, um nach Mitteln und Wegen - sowohl technischer
als auch institutioneller Art - zu suchen, die die Nationen befähigen sollen,
die Nutzung der friedlichen Kernenergie zu betreiben, ohne die Gefahr einer
Weiterverbreitung von Kernwaffen zu vergrößern.

Es gibt keine "amerikanische"

Antwort auf die drohende Weiterverbreitung von Kernwaffen; es gibt nur eine
internationale Antwort, und wir arbeiten mit anderen Ländern zusammen, um sie
zu finden.
- Wir verstärken unsere Bindungen zu jenen Entwicklungsländern, die wachsenden

wirtschaftlichen und politischen Einfluß ausüben.

Wir sind bestrebt,

diese - und andere - Entwicklungsländer stärker und auf fairer Weise an den
Entscheidungsprozessen internationaler Institutionen teilnehmen zu lassen, die
ihr und unser Leben berühren.

Dauerhafte Lösungen für unsere gemeinsamen

Probleme werden wir nur dann finden, wenn alle, die ein Interesse an ihnen haben, ihre Rolle bei ihrer Lösung spielen und wenn sie sich ihrer Verantwortlichkeit und Rechte als Glieder der Weltgemeinschaft bewußt sind.
- Um innerhalb eines im Wandel begriffenen internationalen Systems erfolgreich wirken zu können, müssen wir zur Zusammenarbeit auch mit Ländern bereit sein, deren Ideologien sich von unserer eigenen unterscheiden. Durch die
Herstellung uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen zur Volksrepublik
China haben wir beispielsweise heute bessere Möglichkeiten als früher, direkt
und unmittelbar mit einer Regierung zusammenzuarbeiten, die ein Viertel der
Weltbevölkerung repräsentiert.
- Wir haben bewußte Anstrengungen unternommen, um die Rolle der Vereinten
Nationen und von regionalen Institutionen wie der Organisation Amerikanischer
Staaten, der Vereinigung Südostasiatischer Länder und der Organisation für Afrikanische Einheit zu erweitern.

Diese Institutionen geben oftmals das wirk-

samste Umfeld für die Beilegung internationaler Streitigkeiten und für die Aus- 12 -

�Ausweitung der Bereiche der internationalen Zusammenarbeit.

- Um die Zusammenarbeit mit anderen Nationen sicherzustellen, müssen wir
mit ihnen auf der Basis der gegenseitigen Achtung und Unabhängigkeit verkehren.
Der Abschluß eines neuen Panamakanal-Vertrages, der die Benutzung des Kanals
durch uns auf Generationen hinaus gewährleistet, zeigt, daß ein fairer Umgang
mit anderen Ländern gleich welcher Größe unseren wie deren Interessen dient.
Unsere Beziehungen zu den Ländern dieser Hemisphäre werden hiervon profitieren.

Ich möchte mich zum Abschluß dem Wandel zuwenden, den wir in der internationalen Wirtschaft anstreben:

dem wachsenden Interesse, das jedes Land an

Wirtschaftsentscheidungen hat, die jenseits seiner Grenzen getroffen werden.

Amerikas Stärke beruht auf der Vitalität der amerikanischen Wirtschaft.
Sie bietet unserem Volk nach wie vor wachsende Möglichkeiten und Chancen und beflügelt das Wirtschaftswachstum überall auf der Welt.
die Kehrseite der Medaille denken:

Wir müssen aber auch an

die Gesundheit von Volkswirtschaften über-

all auf der Erde beeinflußt heute in zunehmendem Maße auch die Gesundheit unserer eigenen Wirtschaft.

Unsere Ausfuhr bietet vielen Amerikanern Arbeitsmöglichkeiten - ist doch
jeder achte Arbeitsplatz in der Fertigindustrie exportabhängig.
wichtige Einkommensquelle für unsere Unternehmen und Farmen.

Sie ist eine

Jeder dritte Hek-

tar der amerikanischen Anbaufläche steht im Dienste des Agrarexports.
Einfuhren aus dem Ausland verschaffen uns notwendige Rohstoffe, gewähren
unseren Verbrauchern eine größere Auswahl

und tragen zur Dämpfung der Inflation

in unserem Land bei.

Die wachsende wirtschaftliche Interdependenz macht es erforderlich, daß
unsere Regierung mit anderen Regierungen zusammenarbeitet, um im internationalen
Bereich Verhältnisse zu schaffen, in denen alle Länder gedeihen können. Wir
können unsere eigene wirtschaftliche Zukunft nicht auf Kosten anderer sichern

- 13 -

�sichern^nd wir werden anderen nicht gestatten, in unfairer Weise mit uns in
Wettbewerb zu treten.

Ein neues Zeitalter des wirtschaftlichen Nationalismus

könnte tragische Folgen zeitigen - ganz wie der Protektionismus der dreißiger
Jahre.
Wir sind stärkstens an der Zusammenarbeit mit anderen Ländern interessiert,
um den Anforderungen gerecht werden zu können, die eine im Wandel begriffene
Weltwirtschaftsordnung an uns stellt.
- Wir waren erfolgreich in unserem Bemühen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit unter den Industrieländern zu festigen.

Wir haben regelmäßige Wirt-

schaftsgipfelkonferenzen eingeführt, um unsere jeweiligen Wirtschaftspolitiken
zu koordinieren, damit sie sich gegenseitig verstärken, statt einander entgegen
zu wirken.

Wir brachten eine weit engere Zusammenarbeit unter den Währungsbe-

hörden der Länder in dem Bemühen zustande, die Ordnung auf den Devisenmärkten
wiederherzustellen.
- Wir gaben den Anstoß zum Abschluß eines wichtigen neuen multilateralen
Handelsabkommens, das faire Handelsregeln auf ein Jahrzehnt hinaus einführen
wird. Es wird einen unmittelbaren und positiven Einfluß auch auf unsere eigene
Volkswirtschaft ausüben.
- Wir sind mit den anderen Industriestaaten, die der internationalen
Energiebehörde angehören, übereingekommen, unsere kollektive Nachfrage nach öl
um zwei Millionen Barrel pro Tag zu vermindern. Um dieser Verpflichtung nachzukommen - und unsere eigene kostspielige und gefährliche Abhängigkeit von Rohöleinfuhren zu verringern -, hat der Präsident ein vernünftiges Programm eingeleitet, das Energieeinsparungen und eine Ausweitung der Energieerzeugung im eigenen Land zuwege bringen soll. Wir müssen jetzt damit anfangen, uns ernsthaft
auf eine erheblich veränderte Weltenergiesituation einzustellen.
- Wir anerkennen, daß ein wohlgeführtes Auslandshilfeprogramm zur Steigerung der wirtschaftlichen Leistungen der Entwicklungsländer beiträgt.
- 14 -

Deren

�Deren Wachstum wird zu einem zunehmend wichtigeren Faktor für die Gesundheit
unserer eigenen Wirtschaft.

Ihre Entwicklung zu fördern, ist nicht lediglich

eine Investition in die Zukunft anderer, es ist vielmehr eine Investition auch
in unsere eigene Zukunft.

Was die Außenpolitik angeht, werden Veränderungen, die wir gegenwärtig
vornehmen, den Kurs bestimmen, dem wir in einem neuen Zeitalter folgen.

In Zeiten der Unruhe trägt jeder von uns die Verantwortung, sich klar
zu werden, wie wir uns zu der Welt stellen wollen, in die wir uns gestellt sehen.

Die meisten Amerikaner erkennen heute an, daß wir allein den Gang der Ereignisse nicht bestimmen können.
Niedergang.

Diese Einsicht ist kein Zeichen für Amerikas

Sie ist ein Zeichen zunehmender amerikanischer Reife in einer

mannigfaltigen Welt.

Wir sind umso stärker, je mehr wir uns der Realitäten unserer Zeit bewußt
sind.

Diese Einsicht im Verein mit der ebenso klaren Erkenntnis, daß wir auch

weiterhin das mächtigste Land bleiben, sollte jeden Amerikaner hinsichtlich der
Zukunft unseres Landes mit unbeirrbarem Optimismus erfüllen, so wie wir schon
immer voll von Optimismus waren.

Es kann keine Rückkehr zu Zeiten geben, in denen wir der Meinung waren, es
müsse eine amerikanische Lösung für jedes Problem geben.

Wir müssen vielmehr

in ein neues Zeitalter einer reifen amerikanischen Führerschaft eintreten - gestützt auf Stärke und nicht auf Kriegslust; gestützt auf Standhaftigkeit und
nicht auf Impulsivität; gestützt auch auf Vertrauen und nicht auf Angst.
Wir haben allen Grund, zuversichtlich zu sein.

Wir sind 200 Jahre lang gut

damit gefahren, den Wandel zu begrüßen und uns ihm anzupassen - nicht aber uns
ihm zu widersetzen.

Wir haben begriffen, daß Stabilität im eigenen Land wie im

Ausland nicht den Status quo bedeutet.

Stabilität entspringt vielmehr dem mensch-

lichen Fortschritt.
Wir werden an dieser traditionellen amerikanischen Einstellung festhalten.
+ + + + +
- 15 -

�I

1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

9. Mai 1979

NATIONALE SICHERHEIT IM WEITEREN SINNE
- Von Zbigniew Brzezinski -

Der Berater Präsident Carters für Fragen
der nationalen Sicherheit, Zbigniew Brzezinski,
hat in einer Ansprache vor dem Verband Amerikanischer Zeitungsherausgeber am 1. Mai 1979
in New York über Sicherheitsaspekte im weiteren Sinne gesprochen und sich erneut für die
Annahme des bevorstehenden SALT II-Vertrages
durch den Kongreß und die Öffentlichkeit der
Vereinigten Staaten eingesetzt.
Wir geben die Ansprache des Sicherheitsberaters im vollen Wortlaut wieder.

Ich freue mich, heute abend vor Ihnen sprechen zu dürfen und Ihnen einige
Gedanken über ein Grundanliegen vorzutragen: Das Verhältnis der nationalen Sicherheit Amerikas zum weltweiten Wandel. Der Außenminister spricht heute abend noch
ausführlicher über dieses wichtige Thema.
Da diese Administration vor etwas mehr als zwei Jahren ihr Amt angetreten
hat, scheint mir ein geeigneter Zeitpunkt gekommen zu sein, eine Bewertung dessen
vorzunehmen, was wir auf dem Gebiet der Außenpolitik und der nationalen Sicherheit

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Sicherheit erreicht haben.
fertig geworden?

Wie sind wir mit der Herausforderung des Wandels

Welches sind die Probleme, über die wir nachdenken müssen

- nicht nur in den nächsten zwei Jahren, sondern in den nächsten zwei Jahrzehnten?
Alles in allem ändern sich die grundlegenden Anliegen der Außenpolitik und
der nationalen Sicherheit dieses Landes nicht von Administration zu Administration.

Aber die Beständigkeit unserer Ziele darf uns nicht blind machen gegen-

über der Notwendigkeit der Flexibilität und des Einfallsreichtums bei der Bewältigung neuer Probleme.
Der soziale und politische Wandel ist heute intensiver und extensiver zugleich als zu irgendeinem
einfachen Definition.

Zeitpunkt der Geschichte.

Er entzieht sich einer

Aber für unsere Zwecke heute abend läßt sich der Wandel

in unserer Welt auf zwei grundlegende Wesenszüge reduzieren:
- Die Welt erlebt überall ein politisches Erwachen ohne Beispiel in der
Geschichte.
- Gleichzeitig vollzieht sich in der Welt eine bedeutsame Neuverteilung
der wirtschaftlichen und politischen Macht.
Das politische Erwachen ist das Ergebnis vieler Kräfte. Zu den wichtigsten
gehören die kumulativen Auswirkungen der Tatsache, daß die Menschen lesen und
schreiben können, und die modernen Kommunikationsmittel. Diese Kräfte - zu denen
gerade Ihre Anstrengungen einen so wichtigen Beitrag geleistet haben - machen
Millionen von Menschen mit neuen Ideen bekannt und wecken ein revolutionäres
Bewußtsein neuer Erwartungen. In den aus allen Nähten platzenden Städten der
Dritten Welt ist eine auf engstem Raum lebende und wurzellose Bevölkerung mehr
denn je für jede politische Mobilisierung offen. Nationalismus wird immer mehr
mit ideologischem Inhalt beladen, was den Wunsch nach Verwirklichung nationaler
und sozialer Ziele verstärkt.
Traditionelle

- 2 -

�Traditionelle weltweite Beziehungen machen in einem außerordentlich vielfältigen Rahmen kumulative tiefgreifende Veränderungen durch.

Die Rolle der Ver-

einigten Staaten in diesem Zusammenhang ist überragend, aber nicht länger vorherrschend.

Daraus erfolgt, daß unser zentrales Ziel darin bestehen muß, dem Wandel
eine positive Richtung zu verleihen, indem wir einen stabilen und zunehmend kooperativen Rahmen für ihn schaffen.

Nur so können die Vereinigten Staaten in

einer sich wandelnden Welt ihre historische Bedeutung geltend machen.

Jeder Ver-

such, um des Status quo willen dem Wandel künstliche Hindernisse in den Weg zu
stellen, wird nur die Isolation und Bedeutungslosigkeit der Vereinigten Staaten
fördern.

Noch vor wenigen Jahren herrschte in der Welt sogar die weitverbreitete
Meinung, die Vereinigten Staaten seien gegenüber dem weltweiten Wandel bestenfalls indifferent, schlimmstenfalls sogar feindlich gesinnt.

Ein Großteil der

Dritten Welt befand sich uns gegenüber in einer antagonistischen Haltung, während unsere Freunde befürchteten, daß wir eine Art Kondominium mit der Sowjetunion anstrebten, um den Status quo so lange wie möglich zu erhalten.

Um dieser kumulativen Herausforderung zu begegnen, setzte die neue Administration ihre Ziele.

Erstens, wir versuchten das amerikanische Vertrauen in die Geschichte zu
stärken, indem wir unsere Politik mit einem höheren Maß an moralischer Verpflichtung erfüllten.

Unsere Hingabe an die Menschenrechte ist ein greifbarer

Ausdruck dieser Verpflichtung.

Sie stellt eine Rückkehr zu den politischen

und moralischen Urquellen unserer Einzigartigkeit und Zielsetzung als Nation
dar.

Zweitens, wir haben, während wir unsere traditionellen Bündnisse gestärkt
haben, eine weitergefaßte Zusammenarbeit und ein stärkeres Engagement mit den
neuen, an Einfluß gewinnenden Mächten gesucht.
Drittens,
- 3 -

�Drittens, wir haben versucht, im Zusammenhang mit einer umfassenderen
und gegenseitigen Entspannung eine strategische Stabilität mit der Sowjetunion
herzustellen.
Viertens, wir haben versucht, amerikanische Hebelkräfte anzusetzen, um
beschleunigte und friedliche Lösungen regionaler Krisen herbeizuführen, und
wir haben uns bemüht, Regierungen und Öffentlichkeit der Welt eine Reihe neuer
und vernachlässigter Weltprobleme, vor allem die nukleare Proliferation und
die Weitergabe von Waffen, klarer vor Augen zu führen.
Im Rahmen dieser vier allgemeinen Zielsetzungen möchte ich kurz über das
sprechen, was wir getan haben, und auf sechs greifbare Ergebnisse hinweisen,
die wichtige Folgen haben.
Es handelt sich um:
1. den Panamakanal-Vertrag
2. den ägyptisch-israelischen Friedensvertrag
3. Die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Volksrepublik China
4. die Internationale Auswertung des Kernbrennstoffzyklus
5. den Gemeinsamen Fonds und
6. das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO.
Ich wage zu behaupten, daß jede Administration auf diese Leistungen stolz
sein dürfte, selbst nach vier Jahren. Wir haben sie in zwei Jahren erreicht,
und sie stellen wichtige strukturelle Erfolge dar. Es sind dauerhafte Ergebnis
Und was vielleicht noch wichtiger ist, sie demonstrieren unsere Fähigkeit, den
weltweiten Wandel erfolgreich in den Griff zu bekommen.
1. Der Panamakanal-Vertrag ermöglicht ein reiferes Verhältnis zu Lateinamerika. Er bringt uns weg von Beziehungen der Ungleichheit - mit den unausweichlich damit verbundenen Belastungen durch Abhängigkeit und Ressentiments und hin zu einer neuen Stabilität und einem neuen Wachstumspotential auf der
Grundlage nationaler Erfordernisse und Hoffnungen.
2. Der

�2. Der ägyptisch-israelische Friedensvertrag ist ein Katalysator für einen
größeren Wandel, und wir werden einer umfassenderen Lösung näher kommen.
3. Die Normalisierung mit China ist nicht nur ein Meilenstein unserer
Fernostpolitik, sondern auch unserer strategischen Gesamtposition in der Welt.
Zum erstenmal seit den Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten gleichzeitig gute Beziehungen zu Japan, China, Indonesien und Indien - und unsere Beziehungen zu China dehnen sich weiter aus.
4. Die Internationale Auswertung des Kernbrennstoffzyklus (INFCE) stellt
eine große internationale Anstrengung dar, alternative Mittel für die friedliche
Nutzung der Kernenergie ohne die Gefahr zu finden, daß diese Anstrengung weitere
Waffen für den Krieg hervorbringt. Obwohl noch viel zu tun bleibt, haben wir
unter dem Strich in den letzten zwei Jahren nach meiner Meinung wesentliche
Fortschritte erzielt. Und wir haben auch zum erstenmal umfassende und zusammenhängende Kriterien für den Nuklearexport der Vereinigten Staaten aufgestellt.
5. Der Rahmen für einen Gemeinsamen Fonds für internationale Rohstoffpreise
wurde im März dieses Jahres nach zweijährigen Verhandlungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern beschlossen.

Der Gemeinsame Fonds wird die inter-

nationalen Abkommen stärken, die die Schwankungen der Rohstoffpreise ausgleichen
sollen.

Solche Schwankungen können, wenn sie nicht unter Kontrolle gebracht

werden, die Inflation hier anheizen und die Entwicklung von Ländern hemmen, die
vom Export einiger weniger Rohstoffe abhängig sind.

Diese Verhandlungen stellen

ein gutes Beispiel dar, wie Industrie- und Entwicklungsländer ein übereinkommen
über konstruktive Reformen der internationalen Wirtschaft erzielen können.
6. Das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO bietet zum erstenmal
eine langfristige gemeinsame Anstrengung im Bündnis, unsere Streitkräfte zu modernisieren und zu verbessern, damit sie der strategischen und konventionellen
Bedrohung Europas durch die Sowjetunion begegnen können.
Jeder

�Jeder dieser sechs Erfolge beinhaltet eine strukturelle Veränderung.
Keiner von ihnen soll nur ein kurzfristiger spektakulärer Erfolg sein.
wurden alle mit beträchtlichen Anstrengungen erzielt.

Sie

Dies gibt Ihnen Auf-

schluß über die Einstellung Präsident Carters gegenüber weltpolitischen Fragen.
Diese Einstellung und Haltung läuft, kurz gesagt, darauf hinaus, den Wandel in
positive Richtungen zu lenken und Amerika mit einem solchen Wandel zu identifizieren.
Darüber hinaus rechnen wir damit, in Kürze zwei weitere greifbare und
sehr wichtige Erfolge auf unserer Habenseite verbuchen zu können - ein Abkommen über den Multilateralen Handel und SALT.

Das Multilaterale Handelsabkommen,

das im April abgeschlossen wurde, bedeutet mehr Arbeitsplätze und niedrigere
Preise hier in den USA.

Es bedeutet mehr Arbeitsplätze, weil es unseren Farmern,

Arbeitern und Geschäftsleuten größere Exportmöglichkeiten eröffnet.
niedrigere Preise, weil es den Welthandel und die Konkurrenz fördert.

Es bedeutet
Auf diese

Weise dient es sowohl unseren Interessen als auch den Interessen anderer wichtiger Handelsnationen.
SALT II wird für größere Stabilität, Symmetrie und Vorausschaubarkeit im
komplizierten strategischen Verhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion
sorgen.
SALT II ist kein Allheilmittel. Es wird das Wettrüsten nicht beenden.
Es wird auch nicht den Wettstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion beenden - einen Wettstreit der solange anhalten wird, wie sich
sowjetische und amerikanische Wertvorstellungen so fundamental gegenüberstehen.
Aber SALT II ist ein entscheidend wichtiger Teil einer langen beiderseitigen Anstrengung, dem sowjetisch-amerikanischen Wettstreit einen Rahmen der Vernunft aufzuerlegen und die Gefahren zu vermindern, die sich durch die Massenvernichtungswaffen ergeben.
Eine

�•-

Eine Welt, in der die Supermächte mit Tausenden von Nuklearwaffen ausgerüstet sind, kann niemals eine Welt ohne Risiko sein. Aber ein Rahmenwerk
sorgfältig ausgehandelter Rüstungskontrollabkommen, die auf beiderseitigem
Selbstinteresse basieren, kann dieses Risiko vermindern und auch eine wachsende
Zusammenarbeit zwischen den Supermächten erleichtern.
Ich habe vorhin gesagt - und der amerikanische Außenminister äußert sich
heute abend dazu weitaus eingehender - daß es unser Grundziel ist, den Wandel
in positive Richtungen zu lenken - in Richtungen, die unseren Idealen der Freiheit und der Vielfalt entsprechen. Ein grundlegendes Erfordernis dieser Politik
ist der Schutz und die Verteidigung unserer lebenswichtigen Interessen und der
unserer Freunde.
Das macht erforderlich, daß wir nicht nur auf unmittelbare Probleme reagieren, sondern daß wir uns auch mit den längerfristigen dynamischen Kräften befassen. Die Welt wird notwendigerweise in wachsendem Maße eine kooperative und
pluralistische Gemeinschaft. Die Wahrung des Friedens in einer solchen Gemeinschaft verlangt die Gestaltung einer globalen Kooperation und zwar in einer Weise, die die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit respektiert, und entspricht
daher weitgehend unseren eigenen nationalen Werten. Die Welt der achtziger und
der neunziger Jahre kann nicht auf der Grundlage einer Pax Americana organisiert
werden. Es ist sogar noch weniger wahrscheinlich, daß sie auf der Grundlage
einer Pax Sowjetica organisiert wird, weil die Sowjetunion trotz ihrer militärischen Macht weder über die wirtschaftlichen Ressourcen verfügt, noch den politischen Anreiz bietet, die Welt zu beherrschen. Die einzige Alternative zu einer
weltweiten Gemeinschaft ist eine Welt, die von Chaos und Zerstückelung beherrscht
wird.
Deshalb müssen wir uns Sorgen machen über den Bogen von Krisen, der sich
über das südliche Asien bis zum südlichen Afrika hin erstreckt.

Innerhalb die-

ses Raumes gibt es Länder, deren innere Schwierigkeiten sie anfällig macht für
eine Ausbeutung von außen.

Wir dürfen nicht den Fehler machen, anzunehmen, daß

Wandel und Turbulenz von sich aus schon ein Anzeichen für den Unheil von außen
- 7 -

�:

außen seien.

Im Gegenteil, sie sind gewöhnlich cjas Ergebnis der besonderen

historiseien Dynamik eines speziellen Landes. Aber wir dürfen auch nicht den
in gleicher Weise ernsten Fehler machen, die Möglichkeit einer Ausbeutung durch
fremde Kräfte zu übersehen, die negative Folgen für die internationale Stabilität schaffen könnte.
Wenn wir an die Zukunft denken, dann müssen wir uns auch immer die Tatsache vor Augen führen, daß die Menschheit - politisch erwacht wie niemals zuvor - ebenfalls vor einer massiven Bevölkerungsexplosion steht.

Zwischen 1900

und 1950 stieg die Weltbevölkerung um 880 Millionen Menschen an - auf eine Gesamtzahl von 2,5 Milliarden.

Zwischen 1950 und dem Jahre 2000 wird die Weltbe-

völkerung nach vorsichtigen Schätzungen um zusätzliche 3,5 Milliarden auf eine
Gesamtzahl von rund sechs Milliarden angewachsen sein.

Zu keiner Zeit in der

Weltgeschichte haben wir hinsichtlich der Intensität dieser Veränderung etwas
ähnliches erlebt.
Dies schafft gewaltige Belastungen für das soziale Gefüge einiger Länder,
und diese Belastungen sind nicht in den Griff zu bekommen, wenn sie durch Kräfte
von außen ausgebeutet werden.
Die Pflicht, die uns dadurch auferlegt wird, besteht darin, andere gleichgesinnte Staaten zur Mitarbeit an weitergefaßten Mustern und Modellen der regionalen und der internationalen Sicherheit und Entwicklung zu gewinnen, so daß
ein Rahmen geschaffen wird, die die Veränderungen auffängt und für regionale
Stabilität sorgt. Auf unterschiedliche Weise bieten der Fortschritt Europas
in Richtung auf die Einheit, der Fortschritt der ASEAN-Länder auf dem Wege zu
größerer Zusammenarbeit und der Fortschritt Lateinamerikas bei der Lösung seiner
eigenen Probleme Modelle für die schließliche Bewältigung der Probleme, die
heute so viele Länder und Regionen bedrängen.
Und das wiederum bedeutet, daß die Vereinigten Staaten sich in ihrer eigenen Politik nicht länger hauptsächlich auf eine Beschäftigung mit den dst-WestProblemen oder selbst

den Nord-Süd-Problemen beschränken können.
- 8 -

Wir können

�können auch nicht eine eurozentrische oder gar eine in erster Linie trilaterale
Politik verfolgen.

Der Präsident hat unser Land auf ein weitergefaßtes globales

Engagement festgelegt.

Wir haben uns bemüht, den Bereich unserer wichtigen Be-

ziehungen zu erweitern, so daß er auch Länder in Lateinamerika, in Afrika und in
Asien einbezieht.

Unsere Zielsetzung ist es, einen Rahmen zu schaffen, der wirklich

global ist,und innerhalb dessen die einzelnen Ansprüche von Ländern und Menschen
voller befriedigt werden können.

Diese Erneuerung des Weltsystems hat als letztes Ziel die Schaffung einer
globalen Gemeinschaft, gestützt auf souveräne Staaten, die ihre Beziehungen auf
der Grundlage gegenseitig vereinbarter Prinzipien der Gerechtigkeit pflegen können.

Wir streben eine Weltgemeinschaft an, die nicht auf der Herrschaft eines

einzelnen Gesell Schaftssektors, einer einzelnen Kultur oder einzelnen Ideologien beruht, sondern eine Gemeinschaft, die sich auf globale Vielfalt als Grundlage für die Stärke in einer pluralistischen und in zunehmendem Maße gerechten
Weltordnung stützt.

Und nichts kann mit unseren Werten mehr übereinstimmen,

nichts kann unsere nationale Sicherheit mehr fördern als die Gestaltung einer
solchen pluralistischen Weltordnung.

+ + + + +

- 9-

�9. Mai 1979

17

USA HOFFEN AUF POSITIVE ERGEBNISSE VON UNCTAD V
- USICA-Interview mit Staatssekretär Cooper -

WASHINGTON - (AD) - Die Haltung der Vereinigten Staaten auf der
Fünften Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung
- UNCTAD V -, die am 7. Mai in Manila begann, hat der Staatssekretär für
Wirtschaftliche Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium,
Richard Cooper, dargelegt. In einem Exklusivinterview mit dem Korrespondenten
des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA), John J. Harter,
gab Cooper seiner Hoffnung Ausdruck, daß es in Manila vor allem gelingen
werde, die Handelsbeziehungen zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern zufriedenstellend zu gestalten. Eine wichtige Rolle werden nach
Auffassung Coopers auch die Ergebnisse der kürzlich beendeten Mulitlateralen
Handelsverhandlungen (Tokio-Runde) und Rohstoffprobleme spielen.
Das Interview mit Staatssekretär Cooper hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Sind Sie der Ansicht, daß die 5. UNCTAD-Konferenz, die am
7. Mai in Manila begann, sich von anderen UNCTAD-Konferenzen unterscheiden

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�unterscheiden wird?
ANTWORT:

Ich glaube, daß sie in dem Sinne anders verlaufen wird,

daß wir bei UNCTAD V nicht von vornherein mit Konfrontation rechnen.
Die Konferenz sollte den Weg verfolgen, den Generalsekretär Correa vor
einigen Monaten mir gegenüber erwähnte:

Es sollte sich hauptsächlich

um eine Konferenz der Bestandsaufnahme handeln, um zu sehen, was wir
erreicht haben und wie es weitergehen soll.
für Konfrontationen.

Ich sehe keinerlei Grund

Vielmehr würde ich erwarten, daß UNCTAD V eine

allgemeine Orientierung für die Arbeit liefert, die in den kommenden
Jahren geleistet werden muß.
FRAGE:

Haben die Vereinigten Staaten schon bestimmte Vorstellungen

dahingehend, wie die Konferenz verlaufen sollte?
ANTWORT: Eines der Hauptthemen für die Industrieländer ebenso wie
für die Entwicklungsländer ist die Aufrechterhaltung eines offenen
Handelssystems und jener Art von wirtschaftlicher Flexibilität innerhalb
unserer Volkswirtschaften, die es einem solchen offenen Handelssystem
erlaubt, in einer Periode des raschen Wandels zu überleben und zu gedeihen - eines Wandels, der innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre in
den Entwicklungsländern stattfinden wird und stattfinden sollte. Ich
hoffe, daß UNCTAD V ein Großteil seiner Aufmerksamkeit dieser zentralen
Frage widmen wird - der allgemeinen Orientierung der Weltwirtschaft für
den Rest dieses Jahrhunderts nämlich - und ich hoffe, daß wir mit den
Entwicklungsländern zusammenarbeiten können, um einige grundsätzliche
Feststellungen zu treffen darüber, was auf diesem Gebiet wünschenswert
ist.
FRAGE:

Die meisten Vertreter der Entwicklungsländer entscheiden

sich dafür, die kürzlichen Multilateralen Handelsvereinbarungen in Genf
nicht zu unterzeichnen.

Was war das Problem?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ich kann nur Vermutungen anstellen,

Entweder fühlten sich

die Entwicklungsländer von dem Hauptteil der Multilateralen Handelsvereinbarungen ausgeschlossen oder das Ergebnis paßte ihnen nicht.
Beim ersten Punkt ist die Frage, wie man multilaterale Verhandlungen
führt. Ich habe genug Verhandlungen miterlebt um zu sehen, daß es unmöglich ist, 150 oder auch nur 90 Länder unter einen Hut zu bekommen und
dann echte Verhandlungen durchzuführen. Es handelt sich meist um eine Reihe
bilateraler, trilateraler oder Kleingruppenverhandlungen über Themenkreise,
die für die betreffenden Länder von zentraler Bedeutung sind. Wir haben
im Rahmen der Multilateralen Handelsverhandlungen bilaterale Verhandlungen
mit etwa zwei Dutzend Entwicklungsländern geführt und kamen mit vielen
dieser Länder zu einem Abkommen.
Was den zweiten Punkt angeht, so haben wir keinen Grund zu glauben,
daß die Entwicklungsländer mit ihren bilateralen Verhandlungen mit den
Vereinigten Staaten unzufrieden sind.
Aber vielleicht wollen die Entwicklungsländer nur etwas Zeit, um
das Gesamtergebnis der Multilateralen Handelsverhandlungen zu überdenken
und untereinander zu besprechen. Ich habe die Hoffnung, daß sie zu dem
Schluß kommen werden, daß die Multilateralen Handelsverhandlungen sich in
den kommenden Jahren als ein gewaltiger Nutzen für sie erweisen werden
und daß sie die Endabkommen unterzeichnen werden.
FRAGE: Werden diese Abkommen für ihre Exporte wirklich wesentliche
Vorteile mit sich bringen?
ANTWORT:

Ganz sicher, aber nicht schlagartig.

Die Herabsetzung

der Zölle wird in einer Zeitspanne von etwa acht Jahren geschehen.

Ebenso

werden die Regeln nur allmählich in Kraft treten. Aber ich habe keinerlei
Zweifel darüber, daß im Hinblick auf die Zukunft die bei den Multilateralen

- 3 -

�Multilateralen Handelsverhandlungen erreichten Abkommen für die Exportaussichten der Entwicklungsländer von sehr großem Nutzen sein werden.
FRAGE:

Sind die Vereinigten Staaten bereit, diese Vereinbarungen

auf der UNCTAD V in Manila zur Diskussion zu stellen?
ANTWORT:

Wir sind natürlich bereit, allgemein darüber zu diskutieren.

Wozu wir nicht bereit sind, ist, die Verhandlungen nochmals zu eröffnen.
Die Multilateralen Handelsverhandlungen sind, von einigen Kleinigkeiten
hier und da abgesehen, im wesentlichen abgeschlossen.

Es geht nicht an,

daß Verhandlungen dieser Größenordnung, die sich über die letzten vier
Jahre hinzogen und die während der letzten zwei Jahre im Rahmen des GATT
sehr intensiv geführt wurden, in Manila unter UNCTAD-Leitung erneut eröffnet würden.

Dem würden wir uns sicherlich widersetzen.

FRAGE: Botschafter Alonzo McDonald hat kürzlich während einer Anhörung im Kongreß erwähnt, daß die Diskussionen in Manila zu einem weiteren
Ausbau der Schutzklauseln führen könnten - jenen Klauseln, die angewendet
werden können, wenn einheimische Industriezweige durch eine plötzliche
Importflut gefährdet sind. Was denken Sie darüber?
ANTWORT: Botschafter McDonald ist der Unterhändler und hat eine
unmittelbare Vorstellung davon, was möglich ist und was nicht. Die Schutzklauseln gehören zu den Regelungen, über die man sich bisher noch nicht
einig geworden ist. Und ein Grund dafür, warum man sich noch nicht einig
wurde, liegt darin, daß die Entwicklungsländer sich hartnäckig und meiner
Ansicht nach mit einiger Berechtigung gegen eine Reihe ihrer Aspekte wehrten.
Dies ist, nebenbei, ein Beispiel dafür, daß Entwicklungsländer bei den
Multilateralen HandelsVerhandlungen mitreden konnten. Ob wir als ein
Ergebnis der allgemeinen Verhandlungen auf der UNCTAD zu einer erfolgreichen Verhandlung über Schutzklauseln zurückkehren können - so wie
McDonald es vorschlägt - ist im Moment noch offen.
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Ist die "selektive Anwendung" der Schutzklauseln eines

der Themen, die Schwierigkeiten bereiten?
ANTWORT: Ja, die Vereinigten Staaten haben äußerste Zurückhaltung
hinsichtlich der selektiven Anwendung von Schutzklauseln gegen bestimmte
Länder geübt. Wir haben sie jedoch nicht völlig ausgeschlossen. Wir
haben erkannt, daß es unter bestimmten extremen Umständen angemessen sein
kann, die Schutzklauseln gegen ein bestimmtes Land anzuwenden. Wir wollten
sicher sein, daß eine solche selektive Anwendung nur unter solchen extremen
Umständen erfolgt. Deshalb haben wir auf ziemlich straffe Verfahrenszwänge
hingewirkt hinsichtlich der selektiven Anwendung der Schutzklauseln.
Einige der anderen Industrieländer hielten die von den USA vorgeschlagenen
Verfahrenszwänge für viel zu strikt und einige der Entwicklungsländer
empfanden sie als nicht strikt genug.
FRAGE:

Wird das allgemeine Präferenzsystem (GSP) für die Exporte von

Entwicklungsländern in Manila erörtert werden?
ANTWORT: Wir haben in den USA und in den meisten anderen Industrieländern eine Art von Schema hinsichtlich der zollfreien Zulassung ausgewählter Produkte aus Entwicklungsländern. Die Entwicklungsländer empfanden
jedoch unser Schema, das europäische und auch das japanische als in mancher
Hinsicht zu einschränkend und sie haben sich ständig bemüht, für diese Beschränkungen Erleichterungen zu erreichen. Ich bin sicher, daß wir darüber
in Manila mehr hören werden. Die generelle Freistellung im Rahmen des
GATT, nach der die Zoll Präferenzen gehandhabt werden, läuft 1981 aus. In
Manila werden die Entwicklungsländer sicherlich ihr Interesse daran zum
Ausdruck bringen, daß eine Verlängerung des Präferenzsystems über 1981
hinaus sichergestellt wird.
FRAGE:
ANTWORT:

Welche Haltung haben die Vereinigten Staaten hierzu?
Hinsichtlich der Verlängerung der Präferenzen über 1981 hin- 5 -

�hinaus haben wir noch keine Stellung bezogen.

Unsere eigene Gesetzgebung,

das Handelsgesetz von 1974, erlaubt es uns, die Präferenzen bis 1985 fortzusetzen.

Unsere Position wird endgültig erst festgelegt, wenn 1981 näher-

kommt und wenn wir Gelegenheit gehabt haben, die ganze Erfahrung zu beurteilen,
die wir bis dahin gesammelt haben.

Ich glaube, daß wir wahrscheinlich einer

Verlängerung des allgemeinen Präferenzsystems über 1981 hinaus zustimmen
werden.

Aber das ist eine persönliche Vermutung.

FRAGE:

Das sogenannte "Integrierte Rohstoffprogramm" wird auf der

UNCTAD-Konferenz diskutiert werden.
ANTWORT:

Gab es hier irgendwelche Erfolge?

Ja, es gab welche, wenn auch nicht annähernd in dem Tempo,

wie es sich viele der Entwicklungsländer gewünscht hätten.

Ich meine

aber auch, daß die Erwartungen auf eine rasche Entwicklung, wie sie auf
der UNCTAD IV-Konferenz in Nairobi 1976 zum Ausdruck kamen, ziemlich
unrealistisch waren.

Im Verlauf der letzten drei Jahre wurden die meisten

der Rohstoffe, die unter dieses Integrierte Rohstoffprogramm fielen, sehr
sorgfältig untersucht, und diese Studie hat enthüllt, wie komplex und
schwierig die Themenkreise sind, wenn es darum geht, Preisbewegungen
auf den Rohstoffmärkten zu beeinflussen.
Wir haben in der Tat Übereinstimmung für eine ganze Anzahl von Rohstoff Vereinbarungen erzielt. Unterzeichnet, jedoch noch nicht in Kraft,
ist das Zuckerabkommen. Gerade kürzlich haben wir auch eine Übereinstimmung
erzielt darüber, welche Prinzipien ein Gummi abkommen leiten sollten. Wir
sind in Neuverhandlungen über das Kokosabkommen eingetreten. Und wir
haben eine erste allgemeine Übereinstimmung erzielt über die Schaffung
eines Gemeinsamen Fonds, der eine Finanzeinrichtung zur Unterstützung
der RohstoffVereinbarungen sein wird.
Daher können wir, wie ich meine, sagen, daß seit 1976 ein messbarer
und sichtbarer Fortschritt bei dem Integrierten Rohstoffprogramm erzielt

�erzielt worden ist, und wir werden weiter daran arbeiten.
FRAGE:

Können wir für alle 18 Rohstoffe die von der UNCTAD vorge-

schlagen wurden Übereinstimmung erreichen?
ANTWORT: Wir haben ein Zinnabkommen. Wir haben ein nichtfunktionierendes
Kaffeeabkommen, aber es ist möglich, es zum Funktionieren zu bringen. Das
Zuckerabkommen wartet auf die Ratifizierung durch den amerikanischen Senat
und auf die ausführende Gesetzgebung. Die Vereinigten Staaten haben im
Rahmen der UNCTAD einen Vorschlag für ein Kupferabkommen gemacht. Wir
wollen vorankommen bei allen Rohstoffen, wo wir glauben, daß ein Abkommen
technisch durchführbar und ökonomisch sinnvoll ist. Aber es wird sicher
nicht die ganze Liste von 18 Rohstoffen sein, die die UNCTAD für das
"integrierte Programm" aufgestellt hat. Einige dieser Rohstoffe eignen
sich nicht für ein durchführbares Abkommen.
FRAGE:

Wird der Gemeinsame Fonds auf dem Treffen in Manila weiter

diskutiert werden?
ANTWORT:

Die Tatsache, daß wir auf dem Weg zu sein scheinen, der

zu einem Gemeinsamen Fonds führt, und daß wir bisher erfolgreiche Verhandlungen geführt haben, bringt es natürlich mit sich,daß dies ein Punkt
ausgedehnter Erörterungen ist.

Es herrscht jedoch allgemeine Übereinstimmung,

daß es kein Hauptpunkt der Tagesordnung in Manila sein wird.
sind im Gange.

Verhandlungen

Wir haben Übereinstimmung über die allgemeinen Grundsätze

erzielt, und es ist jetzt die Frage, jene allgemeinen Grundsätze mit den
Einzelheiten aufzufüllen, die in den Artikeln eines Abkommens über einen
Gemeinsamen Fonds Eingang finden können.

Diese Art von Dingen eignet sich

nicht zur Verhandlung auf einer größeren Konferenz wie der von UNCTAD V.
FRAGE:

Sind die Vereinigten Staaten völlig zufrieden mit den bis-

herigen Verhandlungen über den Gemeinsamen Fonds?
ANTWORT:
- 7 -

�ANTWORT:

Wir sind im allgemeinen zufrieden.

Wir glauben, daß die

wesentlichen Punkte, die wir in Washington im März beschlossen haben,
Elemente bieten, die lebensfähig und nützlich sind.

Es gibt ein Element,

bei dem wir unsere Haltung bei den Genfer Verhandlungen aufgeschoben haben
und zwar hinsichtlich der Abstimmungsverfahren.

Nach unserer Auffassung

besteht ein grobes Mißverhältnis zwischen den finanziellen Beiträgen, so
wie sie gegenwärtig vorgesehen sind,

und den Abstimmungsverfahren, wie

sie ebenfalls gegenwärtig vorgesehen sind.

Wir können die Formulierung

nicht akzeptieren, wie sie aus den März-Verhandlungen hervorging.

In

diesem wichtigen Punkt sind wir nicht völlig zufrieden, aber im großen
und ganzen sind wir es.
FRAGE:

Wird sich UNCTAD V mit der Reform des internationalen Währungs-

systems befassen?
ANTWORT: Unvermeidlich wird es einige Erörterungen über das internationale Währungssystem in Manila geben, denn es ist ja schließlich ein
Teil der Weltwirtschaft. Wir erwarten keinerlei Entscheidungen über
monetäre Fragen auf der UNCTAD-Konferenz, da dies der falsche Platz dafür
ist. Ich glaube auch, daß es ein Fehler für UNCTAD selbst wäre, die
internationale Wärhungsreform als ein wesentliches Gebiet zu betreten.
UNCTAD hat schon jetzt genug auf der Tagesordnung.
FRAGE:
ANTWORT:

Wie steht es mit dem Thema Schulden?
Eine der großen Verbesserungen in der internationalen Wirt-

schaft während der letzten zwei Jahre hat genau auf diesem Gebiet stattgefunden - der Frage der internationalen Schulden.

Im Jahre 1976 befand

sich eine große Anzahl von Ländern in einer prekären finanziellen Lage.
Eine der glücklichen

Entwicklungen der letzten Jahre war eine bescheidene

Erholung der Weltwirtschaft, geführt durch die Vereinigten Staaten, die
wiederum sowohl den Umfang als auch den Wert der Exporte der Entwicklungs-

- 8 -

�Entwicklungsländer vermehrt hat.

Ich denke, wir können nun in aller

Ehrlichkeit sagen, daß die Frage der Außenhandelsschulden kein zentrales
Thema ist, obwohl es für einige Länder wichtig bleibt.

Ich hoffe, daß

wir unsere Geschäfte so abwickeln können, daß es nicht wieder zu

einem

Hauptproblem wird, obwohl ich sagen muß, daß der scharfe Anstieg der ölpreise und die anhaltende Unsicherheit auf den Qlmärkten wegen der Gefahr
künftiger ülPreiserhöhungen bedeuten, daß wir wachsam sein müssen hinsichtlich der Möglichkeit, daß die Entwicklungsländer möglicherweise erneut in eine prekäre finanzielle Lage kommen könnten.
FRAGE: "Technologietransfer" ist ein Thema, das die Vertreter der
Entwicklungsländer für wichtig zu halten scheinen. Was steckt dahinter?
ANTWORT: Einige Entwicklungsländer - nicht die Mehrheit - haben den
Technologietransfer ziemlich stark mit dem rechtlich geschützten Wissen
identifiziert, das Personen und Firmen in den Industrieländern gehört.
Sie möchten gern einen Verfahrenskodex aushandeln, der es ihnen erleichtern
würde, dieses geschützte Wissen zu erwerben. Meine eigene Ansicht über
diesen Punkt ist, daß das geschützte Wissen einen extrem kleinen Teil des
Wissens darstellt, das für den Transfer zur Verfügung steht und das sich
in wirtschaftlichen Nutzen für die Entwicklungsländer übersetzen läßt.
Die Vereinigten Staaten sind eine offene Gesellschaft. Unsere Universitäten
stehen jedem offen. Der größte Teil des Wissens, das weitergegeben werden
kann, steht sozusagen bereit zum Mitnehmen. Was wir brauchen, sind bessere
institutionelle Vereinbarungen, um diesen Transfer tatsächlich zu bewerkstelligen. In der Fernmeldesprache gesprochen, bedeutet dies: "Sendestationen" und "Empfangsstationen". Empfangsstationen in den Entwicklungsländern bedeutet vor allem Menschen, die die Ausbildung haben, um Ideen zu
erkennen und sie anzuwenden. Ohne diese Ausbildung könnten sie alles geschützte Wissen erwerben, das sie wollen, und wären doch nicht in der Lage,
es zu nutzen. Der Schlüssel zum Technologietransfer liegt darin, das
menschliche Kapital heranzubilden, um die zahlreichen Möglichkeiten, die

- 9 -

�die es gibt, nutzen zu können. Wir haben uns über diese Frage in den
Vereinigten Staaten viele Gedanken gemacht.
Präsident Carter schlug voriges Jahr die Errichtung eines neuen
Instituts in den USA vor, das dabei helfen würde, die Kapazität der
Entwicklungsländer zu verbessern, und zwar sowohl hinsichtlich der
Aufnahme angewandten Wissen aus den Industrieländern als auch, was langfristig noch wichtiger ist, hinsichtlich der Anwendung eigenen Wissens.
Ich bin sicher, daß wir dies bis zu einem gewissen Grad
UNCTAD erwähnen werden.

auf der

Im August wird eine weitere große Konferenz

über Wissenschaft und Technologie stattfinden, und dies wird der zentrale
Punkt unserer Anstrengungen auf dieser Konferenz sein.
FRAGE:

Sie scheinen ein im allgemeinen positives Ergebnis von

UNCTAD V zu erwarten?
ANTWORT:

Ja, ich hoffe dies sicherlich.

Wenn wir in Manila ein

allgemeines Übereinkommen erreichen darüber, die Offenheit der Weltwirtschaft zu bewahren, sowie den Auftrieb der Weltwirtschaft und die
Flexibilität unserer Volkswirtschaften, sich dem anhaltenden Wandel
anzupassen, dann wird dies ein sehr positives Ergebnis der Konferenz
sein.

Während ein großer Teil der Verantwortung auf diesem Gebiet

den Industrieländern zufällt, so wollen wir doch einen Punkt betont
wissen:

daß nämlich die Entwicklungsländer selbst eine wichtige Rolle

haben müssen.

Wenn man sich heute in der Welt umsieht, so sieht man

überall protektionistisehen Druck.

Aber die protektionistische Politik

ist in einigen Entwicklungsländern besonders akut. Was wir brauchen,
ist eine allgemeine und umfassende Anerkennung der Vorteile für alle
Länder, wenn wir von dieser Art von Politik loskommen.

+ + + + +
- 10 -

�</text>
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Ulifl/chofl
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Mai 1979

US-PREISAUSGLEICHSPROGRAMM FÜR ÖL WIRD DEN MARKT NICHT VERZERREN
- Keine Regierungssubvention von unserem Wirtschaftskorrespondenten John B. Jolway

WASHINGTON - (AD) - Das Preisausgleichsprogramm für öl, das die
Vereinigten Staaten für die Zeit vom 1. Mai bis 31. August 1979 eingeführt
haben, soll in keiner Weise Erdöl von den europäischen Märkten abziehen.
Der amerikanische Energieminister James Schlesinger versicherte am
4. Juni, daß der Ausgleichsbetrag von 5 Dollar pro Barrel (159 1) bewußt
so niedrig angegesetzt worden sei, um den europäischen ölmarkt nicht in
Unordnung zu bringen.
Bei dem Preisausgleichsprogramm - Entitlement Program oder Anwartschaftsprogramm - handelt es sich nicht um Subventionen, und die amerikanische
Regierung selbst gibt keinen Dollar dafür aus.
Das Programm wurde im Jahre 1974 ins Leben gerufen, als das arabische
ülembargo die Preise für Importöl plötzlich auf das Vierfache steigerte.
Es hängt mit dem Preiskontroll System für amerikanisches Rohöl zusammen das seit dem 1. Juni dieses Jahres schrittweise abgebaut und 1981 völlig
verschwunden sein wird. Damit wird dann auch das Prei sausglei chsprogramm

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel:02221-89 3240
Telex:08-85432

�Preisausgleichsprogramm eines natürlichen Todes sterben.
Das Programm funktioniert in folgender Weise:

Eine Raffinerie A

verarbeitet einheimisches amerikanisches Rohöl, das noch immer zu einem
kontrollierten Preis von etwa 6 Dollar pro Barrel verkauft wird.

Eine

andere Raffinerie B - beispielsweise im Nordosten - ist hauptsächlich auf
Importöl angewiesen, das für etwa 18 Dollar pro Barrel verkauft wird.
Ohne Ausgleich lägen die Preise damit im Nordwesten also dreimal so hoch
oder umgekehrt.

Raffinerie A hätte einen Extragewinn von 12 Dollar pro

Barrel.
Um das eine oder andere zu verhindern, wurde das Preisausgleichssystem
- Entitlement Program - eingeführt. Raffinerie A (die mit billigem Rohöl
arbeitet) muß eine "Anwartschaft" kaufen, indem sie Raffinerie B (die mit
teurem öl arbeitet) 6 Dollar pro Barrel als Ausgleich bezahlt. Damit erhöhen sich die Kosten der Raffinerie A auf etwa 12 Dollar pro Barrel, und
die Kosten der Raffinerie B senken sich auf etwa 12 Dollar pro Barrel, und
damit tritt ein Preisausgleich ein.
Das einheimische amerikanische öl wird allerdings mit einem Vorteil
von 21 Cent pro Barrel ausgestattet, um die Eigenproduktion anzuregen und
die Importe zu drosseln.
Das System, bei dem die amerikanische Regierung, wie gesagt, keinen
Cent einsetzt und bei dem daher von einer Subvention keine Rede sein kann,
wird im wesentlichen nur zwischen Raffinerien in den USA angewandt.

Nur

zweimal in der Vergangenheit wurde es auf importierte Produkte, wie Heizöl
ausgedehnt.
Schon von Beginn des Programms an erhielten Importeure von Restöl dem schwersten Anteil des Rohöls - sozusagen was am Boden des Fasses
bleibt - eine Ausgleichszahlung. Dieses öl wird hauptsächlich von der

�der Industrie verwandt und war in Europa aufgrund des dortigen Raffinierungsprozesses stets im Überfluß vorhanden.

Daher haben die Ausgleichszahlungen

für importiertes Schweröl auch keinerlei Proteste ausgelöst.

In dem harten Winter 1977 wurde das Preisausgleichsprogramm zeitlich
befristet auf importiertes Mittelöl, d.h. Diesel und Heizöl, ausgedehnt.
Dieses mittelschwere ül bildet sozusagen die "Mitte des Fasses" zwischen
Leichtöl - das für Benzin verwendet wird - und dem schweren "Restöl" für
industrielle Zwecke.

Da der Winter in Europa mild und das Heizöl dort im

Überfluß vorhanden war, führte auch das zu keinen Protesten, und das Programm
wurde auch bald wieder eingestellt.
Das jetzige, ebenfalls zeitlich begrenzte Programm soll nach Mitteilung
amtlicher Kreise in Washington dazu beitragen, erstens, die gefährlich
niedrigen Vorräte an Heizöl für den kommenden
die traditionellen amerikanischen Importe aus
die zum Teil durch die hohen Spot-Preise nach
und drittens, die höheren Kosten importierter
amerikanischen Verbraucher zu verteilen.

Winter aufzufüllen; zweitens,
der Karibik wiederherzustellen Europa umgelenkt wurden Produkte gleichmäßig auf alle

Durch die Krise im Iran und einen besonders harten Winter sind die
amerikanischen Vorräte an Heizöl außerordentlich geschrumpft. Im vorigen
Jahr hatten die USA beispielsweise einen Bestand von 213 Millionen Barrel.
Im Januar dieses Jahres war die Zahl auf 165 Millionen abgesunken; im
Februar - mit Beginn der Krise im Iran und dem Absinken der Temperaturen ging der Vorrat auf 130 Millionen Barrel zurück und liegt heute bei 118
Millionen Barrel. Das Ziel ist eine Aufstockung auf 240 Millionen Barrel
bis zum 1. Oktober.
Normalerweise stellen die amerikanischen Raffinerien diese Mitteldestillate - Diesel und Heizöl - praktisch alle selbst her. Einfuhren -

- 3 -

�Einfuhren - gewöhnlich nur in sehr harten Wintern - kommen meist aus
der Karibik - vor allem Venezuela und Trinidad-Tobago.
Dann kam

der Einbruch durch die Krise im Iran.

Die Spot-Preise für

Rohöl und Petroleumprodukte auf dem Rotterdamer Markt stiegen natürlich
stark an.

Dieser Markt deckt normalerweise nur einen geringen Teil des

Weltbedarfs, da das meiste Erdöl im Rahmen langfristiger Verträge geliefert
wird.
-

In jüngster Zeit begannen die amerikanischen Quellen für die Einfuhr
von Heizöl wegen der hohen Spot-Preise in Europa - im Vergleich zu New York zu versiegen; gelegentlich lagen sie um etwa 8 Dollar plus Fracht höher.
Die Raffinerien in der Karibik, die traditionell den amerikanischen Markt
belieferten, begannen ihre Produkte nach Europa umzudirigieren. Beispielsweise gingen die Lieferungen aus Venezuela von 66 Millionen Barrel im
ersten Quartal 1977 auf 12 Millionen Barrel im Ersten Quartal 1979 zurück
und aus Trinidad von entsprechend 26 Millionen auf 3 Millionen. Aus
diesem Grunde dehnten die amerikanischen Behörden das Preisausgleichsprogramm
am 24. Mai dieses Jahres auf die Mitteldestillate aus.
Di es führte zu einer heftigen Reaktion der Europäer. Dabei geht es
jedoch nur um ein Zehntelprozent des gesamten Öls im internationalen Handel.
Die amerikanischen Einfuhren an Destillaten aus der Karibik beliefen
sich im ersten Quartal 1979 auf 48 000 Barrel pro Tag verglichen mit einem
Gesamtölhandel von rund 35 Millionen Barrel pro Tag und Gesamteinfuhren der
USA von rund 8 Millionen Barrel pro Tag.
Die Preisausgleichsleistung von 5 Dollar pro Barrel soll also bewirken,
daß die üblichen Lieferungen wieder nach den USA gehen statt nach Europa,
wo die höheren Spot-Preise weit über den New Yorker Preisen liegen.
Der
——

- 4 -

1

�Der Spot-Markt in Rotterdam hat eine scharfe, jedoch erratische,
Aufwärtsentwicklung erlebt.
18 Dollar pro Barrel;

Im Dezember vorigen Jahres lag der Preis bei

im Februar war der Preis auf 44 Dollar angestiegen,

zwei Wochen später ging er auf 30 Dollar zurück.

Im Mai ging er jedoch

wieder auf 44 Dollar hoch und liegt derzeit bei 53 Dollar.
In amtlichen Kreisen in Washington wurde im Zusammenhang mit den
Protesten, daß die USA versuchten, Heizöl von Rotterdam nach New York zu
ziehen, darauf hingewiesen, daß die Ausgleichsleistung von 5 Dollar pro
Barrel so gewählt worden sei, daß eben dies vermieden werde. Die Ausgleichsleistung sollte hoch genug sein, den normalen und traditionellen amerikanischen
Markt für die Erzeugnisse aus der Karibik wieder attraktiv zu machen, jedoch
auf der anderen Seite niedrig genug, um keine europäischen Erdölprodukte
aus Europa abzuziehen.
Wenn beispielsweise in Rotterdam Heizöl für 53 Dollar pro Barrel plus
1,50 Dollar Transportkosten verkauft wird, würde solches öl in New York
angelandet 54 oder 55 Dollar kosten. Selbst nach Abzug der 5 Dollar pro
Barrel, die amerikanische Raffinerien an den Importeur entrichten müssen,
läge der Preis noch zwischen 49 und 50 Dollar pro Barrel. Da die New Yorker
Spot-Preise bei 47 und 48 Dollar liegen, wäre es offensichtlich wenig
profitabel, Rotterdamer öl nach New York zu schicken.
Da jedoch die Spot-Preise in der Karibik rund 3 Dollar niedriger angesetzt sind als die Preise in Rotterdam, könnte ein Exporteur in der Karibik
in New York noch immer einen Gewinn machen.
In Washington wird hervorgehoben, daß andere amerikanische Maßnahmen
sogar dazu beitragen werden, die Versorgung des europäischen Marktes mit
Mitteldestillaten - leichtem Heizöl und Diesel - zu verbessern.

Gegen-

wärtig müssen einige der Mittel destill ate mit sogenanntem "Restöl" gemischt
werden, um den Schwefelgehalt abzubauen und ihre Verwendung im Rahmen der

- 5 -

�der amerikanischen Umweltschutzgesetz
zu ermöglichen. Dadurch, daß
statt Restöi Erdgas verwandt wird und durch eine Erleichterung der Gesetze
über den Schwefelgehalt werden weniger Mitteldestillate gebraucht, um mit
Restöi gemischt zu werden -und für andere Verbraucher bleibt mehr.
Der amerikanische Energieminister Schlesinger wies auch darauf
hin, daß die Vereinigten Staaten derzeit rund eine Million Barrel öl
weniger verbrauchten als in dieser Jahreszeit ursprünglich vorgesehen gewesen
sei. "Einige unserer europäischen Partner haben uns in dieser Beziehung
nicht nachgeeifert", fügte er hinzu.

�</text>
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Information
und
Dokumentation

I

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16

2. Mai 1979

I N H A L T

DOKUMENTATION
Grundlagenforschung als Investition in die Zukunft
- Rede Präsident Carters vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften
HINTERGRUNDMATERIAL
Drogenbekämpfung in weitem internationalen Rahmen
- US-Strategie für 1979 WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schwefeldioxid ist Gift für Flechten
- Pflanzen melden Umweltverschmutzung -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16

2. Mai 1979

GRUNDLAGENFORSCHUNG ALS INVESTITION IN DIE ZUKUNFT
Rede Präsident Carters vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Carter nahm in einer Ansprache,

die er am 23. April 1979 vor der Jahrestagung der Nationalen Akademie der
Wissenschaften in Washington gehalten hat, das Gedenkjahr zum 100. Geburtstag Albert Einsteins zum Anlaß, die Bedeutung von Wissenschaft und
Technik und insbesondere der Grundlagenforschung für die Zukunft Amerikas
und der gesamten Menschheit aufzuzeigen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine Ehre, vor dieser berühmten Vereinigung sprechen
und gemeinsam mit Ihnen an dieser Gedenkfeier aus Anlaß des 100. Geburtstags von Albert Einstein teilnehmen zu dürfen.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften war schon zur Zeit der
Geburt Albert Einsteins eine aufstrebende Institution.

Dr. Einstein

wurde 1952 kurz nach Zuerkennung der amerikanischen Staatsbürgerschaft _i_n_

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�»

in diese Akademie gewählt und damit deren neuestes und berühmtestes
Mitglied zugleich.

Seine Einwanderung in die Vereinigten Staaten war

das Ergebnis einer wohlüberlegten Wahl.

In dieser Hinsicht glich er

Tausenden von Wissenschaftlern aus allen Gebieten der Erde, die sich
von diesem Lande und seiner Atmosphäre der Geistesfreiheit, des Abenteuers
und der Aufgeschlossenheit gegenüber der wissenschaftlichen Wahrheitssuche
angezogen fühlten.
Diese Atmosphäre erfüllte das Leben Amerikas von den ersten Anfängen
als Nation an.

Männer wie Benjamin Franklin und Thomas Jefferson, Wissen-

schaftler und Staatsmänner in einem, zählten mit zu den Begründern unserer
nationalen Unabhängigkeit.

Ihr Einfluß ließ die junge amerikanische

Republik zu einem Land werden, in dem wissenschaftliches Streben nicht
nur ermutigte, sondern auch geachtet wurde.

Es ist bezeichnend, daß der

Kongreß und Präsident Lincoln diese Nationale Akademie der Wissenschaften
auf dem Höhepunkt unserer ernstestens nationalen Krise ins Leben gerufen
haben.

Sie bewiesen damit ein tiefes Verständnis der Bedeutung der

Wissenschaften für den Fortbestand der Nation.
Mein eigenes Interesse an den Wissenschaften setzte lange vor dem
Zeitpunkt ein, an dem ich erstmals daran dachte, in die Politik zu gehen.
Meine Tätigkeit als Ingenieur, Marineoffizier, Farmer und Geschäftsmann
lehrte mich verstehen, in welchem Maße Wissenschaft und Technik unser
Leben bereichern. Als Präsident wurde ich mir ihres Beitrages nur um
so deutlicher bewußt und ich arbeite heute entschlossen darauf hin, daß
sie ihren Beitrag auch in Zukunft leisten können. Es läßt sich kaum
etwas mit Sicherheit vorhersagen - aber was auch immer die Zukunft
bringen mag, werden wir besser auf sie vorbereitet sein, wenn wir ein
umfassendes nationales Programm zur Förderung von Wissenschaft und Technik
betreiben. Das ist der Grund dafür, daß ich in dieser Zeit der Beschränkung
der Haushaltausgaben energisch für ein solches Programm eintrete. Wissenschaftliche Arbeiten sind eine der wichtigsten Quellen unseres Wachstums

- 2 -

I

�Wachstums und unserer derzeitigen Prosperität, und sie bilden auch den
Schlüssel unserer Stärke in der Zukunft.

Das alles aber können wir nicht

als selbstverständlich ansehen.
In diesem Jahr der Hundertjahrfeier Albert Einsteins halte ich es
für wohl angebracht, daran zu erinnern, daß der Zukunftsglaube eine seiner
bemerkenswertesten Eigenschaften war.

Nur ein Optimist konnte sich der

unglaublich ehrgeizigen Aufgabe zuwenden, die sich Dr. Einstein selbst
gestellt hatte:

die Erforschung und Erklärung der dem Universum zugrunde

liegenden Ordnung.

Auf der Suche nach dem Stein der Weisen gelang es ihm,

unser Bild von den grundlegenden Realitäten zu verändern - mit Konsequenzen
für das Leben der Menschen und Völker, die noch auf Generationen hinaus
wirksam sein werden.
Sein ganzes Leben spürte Dr. Einstein nicht nur der Ordnung in der
natürlichen Umwelt nach in dem Bemühen, auch die Ordnung in der menschlichen
Welt zu verbessern.

Der Humanist Einstein kann uns ebensoviel lehren wie

der Physiker Einstein.

Er betrachtete die Forschung als ein Gutes an sich.

Er sah aber auch, daß die Nutzanwendung der Forschung nur so gut - oder so
schlecht - ist, wie die moralischen und politischen Entscheidungen, die
diese Nutzanwendung leiten.

Lassen Sie mich Einstein selbst zitieren:

"Die Sorge um den Menschen und sein Schicksal müssen stets das Hauptanliegen
aller technischen Bestrebungen sein - damit uns die Kinder unseres Geistes
zum Segen und nicht zum Fluch gereichen."
Der Baum der Erkenntnis ist immer schön, seine Früchte aber können
ebenso bitter wie süß sein. Unsere Aufgabe ist es, den Baum zu nähren
und jene Früchte zu ernten, die süß sind. Und in diese Aufgabe müssen
wir uns alle teilen: Wissenschaftler, Techniker, Wirtschaftler, Erzieher
und Vertreter des Staates und der Öffentlichkeit.
Ich hoffe, daß Wissenschaft und Technik in den Vereinigten Staaten

�Staaten auch weiterhin von der Einsteinschen Vision vom Wissen geprägt
werden, c.e besagt, daß das gute im Menschen immer im Vordergrund zu stehen hat.
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen kurz einige Ideen und Beobachtungen
vortragen:

zur Grundlagenforschung, zur Strategie der Energietechnologie,

zur industriellen Innovation, zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit unter
den Ländern; und zur Rolle der Wissenschaft in dem Bestreben, ihre
schrecklichste Hervorbringung, die Atombombe, unter Kontrolle zu bringen.
Auf allen diesen Gebieten möchte ich Sie um Ihre Mithilfe bei der Mobilisierung unserer wissenschaftlichen Ressourcen im Dienst des amerikanischen
Volkes und der gesamten Menschheit dieser Erde bitten.
Der letzte Präsident, der vor einer Tagung der Nationalen Akademie
der Wissenschaften gesprochen hat, war John F. Kennedy,

über die Grund-

lagenforschung hat er folgendes gesagt: "Wir alle sind uns heute darüber
im klaren, daß der Fortschritt in der Technologie vom Fortschritt in der
Theorie abhängt;

daß äußerst abstrakte Forschungen zu den konkretesten

Ergebnissen führen können;

und daß das Gedeihen der Wissenschaften von

der Leidenschaft der Wissenschaftler abhängt, die grundlegenden wissenschaftlichen Fragen zu beantworten."
Ein Monat nach dem Tag, an dem Präsident Kennedy diese Worte gesprochen hat, wurde er ermordet. Damals begann in unserem Land eine
lange Periode eines politischen Traumas. Dennoch sollten im Bereich
der Wissenschaft und Technik aufregende Jahre folgen - Jahre bahnbrechender
neuer Entdeckungen in der Molekularbiologie, der Teilchenphysik und
auf vielen anderen Gebieten, Jahre auch des technologischen Fortschritts,
wie ihn die triumphale Landung des Menschen auf dem Mond symbolisierte.
Für Wissenschaftler, wie für viele andere, waren es aber auch schwierige
Jahre. Die amerikanische Wissenschaft fand sich bedroht von zwei sehr
unterschiedlichen Arten des Anti-Intellektualismus: vom romantischen
Anti-Rationalismus der Gegenkultur einerseits, und von der verschleierten

�verschleierten Feindseligkeit einer Administration, die der intellektuellen
und wissenschaftlichen Welt mißtraute, andererseits.
ernstere der beiden Bedrohungen.

Letztere war die

Die Bundespolitik gegenüber der Wissen-

schaft war infiziert von der allzu sehr vereinfachenden Suche nach raschen
Lösungen.

Forschungsarbeiten, die eine rasche Amortisation versprachen,

wurden reich

bisher dotiert, während man es zuließ, daß die Förderung der

Grundlagenforschung ins Hintertreffen geriet.

Damit wurde die Zukunft

unseres wissenschaftlichen und technologischen Primats aufs Spiel gesetzt.
Als ich mein Amt übernahm, war ich entschlossen, eine Umkehrung dieses
gefährlichen und kurzsichtigen Trends herbeizuführen.

Und ich versichere

Ihnen heute, daß ich für die Grundlagenforschung eintrete, ist sie doch
der Fels, auf dem sich unsere wissenschaftliche und technologische Zukunft
gründet.
Während der zwei Jahre meiner Administration habe ich eine Erhöhung
der Mittel für die Grundlagenforschung um über 25 Prozent vorgeschlagen.
Ich habe den Kongreß ersucht, dieser Erhöhung zuzustimmen, damit wir den
langfristigen Erfordernissen unseres Landes nachkommen können.
Ich habe ferner versucht, die Grundlagenforschung durch einzelne
Bundesbehörden zu verstärken und die nicht-haushaltbezogenen Probleme zu
lösen, die die Forschung an unseren Universitäten behindern - Probleme
der überflüssigen Reglementierung und einer übermäßigen Verbürokratisierung,
Sorgen mache ich mir auch darüber, ob schöpferische junge Wissenschaftler
ausreichende Chancen haben, ihr Teil zu unserem Bestand an Wissen in ihren
jeweiligen Tätigkeitsgebieten zu leisten.
Nach Schätzungen von Wirtschaftwissenschaftlern sind drei Viertel
des amerikanischen Wirtschaftswachstums in diesem Jahrhundert neuen
wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verdanken.

Das ist an sich schon

ein entscheidender Grund für uns, die Grundlagenforschung zu fördern, die
der Stützpfeiler unserer technologischen Stärke ist.

- 5 -

Der Wert der Grund-

�Grundlagenforschung ist aber der noch höher einzuschätzen.

Sie ist für

uns mehr als nur ein Mittel, die Beschäftigungsmöglichkeiten zu sichern
und den Anstoß zur Entwicklung neuer Industrien zu geben.
Hauptanliegen der Grundlagenforschung ist die Entdeckung neuer
Erkenntnisse über die Natur und das Universum.

Die Suche nach neuen

Erkenntnissen aber ist ein zentrales Anliegen des Menschsein.
Kein Problem illustriert die praktische Notwendigkeit von Wissenschaft
und Technologie für unser Land besser als das Energieproblem.
öl bleibt die wichtigste Energiequelle, und wir befinden uns in
der schmerzlichen Situation, uns hierin in bezug auf die Hälfte unseres
Erdölverbrauchs auf ein

geldgieriges und unzuverlässiges ausländisches

Kartell verlassen zu müssen.

Während ein wachsender Strom von aus-

ländischem öl in unser Land strömt, fließt ein Strom von Geld ins Ausland,
der die Gesundheit unserer Wirtschaft, die Stabilität unserer Währung
und auch die Sicherheit unseres Landes gefährdet.
Wissenschaft und Technik können dies ändern - aber nur dann, wenn
wir uns auf eine nationale Strategie der Entwicklung von alternativen
Energiequellen verpflichten. Wir haben eine solche Strategie entwickelt ein Strategie, die uns in die Lage versetzen wird, uns von den öleinfuhren
frei zu machen und uns in verstärktem Maße auf nicht-fossile Brennstoffe
zu stützen. Ich bin entschlossen, diese Strategie beizubehalten.
Im kommenden Jahrzehnt in etwa müssen wir uns weitgehend auf bereits
bekannte Technologien stützen.

Wir müssen aber jetzt schon den Weg für

künftige Forschungsarbeiten bereiten, indem wir uns der Sparsamkeit auf dem
Energiesektor befleißigen, die heimische Förderung an öl und Gas steigern,
in stärkerem Maße auf die Verwendung von Kohle übergehen, die Sicherheit
von Kernkraftwerken verbessern und die Verwendung der Solarenergie weiter-

- 6 -

�wei tervorantrei ben.
Von etwa 1990 an bis in das zweite Jahrzehnt des kommenden Jahrhunderts
hinweg werden wir eine dramatische und manchmal auch sehr schwierige Periode
des Übergangs durchmachen müssen. Die Einsparung von Energie wird zu einer
zwingenden Notwendigkeit werden, und die Zusammensetzung unserer Energieressourcen wird sich verändern insofern als wir uns in steigendem Maße
unkonventionellen Brennstoffquellen zuwenden werden: synthetischem Benzin
und Gas aus Kohle, Ölschiefer und anderen Energieträgern. Mit höherem
Wirkungsgrad arbeitende Kernreaktoren bieten eine Möglichkeit, die Uranvorräte
zu strecken. Wir werden neue Methoden finden, den Nutzungsgrad aller gebräuchlichen Energieträger zu steigern. Wir werden beginnen, die Sonnenenergie für eine weit größere Vielfalt von Verbrauchszwecken zu nutzen.
Bis zum zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts werden wir lernen, uns auf
saubere und im wesentlichen unerschöpfliche Energiequellen zu stützen. In
erster Linie kommen hierfür die Kernverschmelzung und Methoden der Solartechnik wie die photovoltaische Stromerzeugung in Frage.

Wir sind dabei, uns auf diese Stadien der Energieversorgung in der
Zukunft vorzubereiten. Unsere Forschungs- und Entwicklungsprogramme auf
dem Energiesektor sind umfassender als die aller unserer Verbündeten
zusammengenommen.
Wir müssen aber noch mehr tun. Das ist der Grund, weshalb ich zur
Ergänzung unserer normalen Haushaltmittel die Schaffung eines Energiesicherungsfonds vorgeschlagen habe. Der Energiesicherungsfonds wird
aus der Konjunkturgewinnsteuer auf unverdiente übermäßige Profite
gespeist werden, die den Mineralölgesellschaften infolge der Aufhebung
der öl Preiskontrollen - über alle erforderlichen Anreize zur Prospektierung
und Förderung von öl hinaus - zuwachsen werden.
Der Energiesicherungsfond wird jenen Hilfe gewähren, die am wenigsten

- 7 -

�wenigsten in der Lage sind, die Kosten kostspieliger Energie zu tragen.
Erheblictvi Summen sollen auch für die Finanzierung von Projekten verwendet
werden, die zur Sicherung der Energieversorgung in der Zukunft wichtig
sind:

die Anlage regionaler Erdölreserven, bessere Massenverkehrsmittel,

die Verwendung von Kohle und Ölschiefer und die Gewährung von neuen Anreizen für eine verstärkte Nutzung der Sonnenenergie.
Die Schaffung des Energiesicherungsfonds wird im Kongreß auf manchen
Widerstand

stoßen.

Dennoch machen wir Fortschritte, weil die breite

Öffentlichkeit unsere Vorschläge befürwortet.

Viele unter jenen, die noch

vor wenigen Wochen entschlossen waren, die Konjunkturgewinnsteuervorschläge
abzuwimmeln, haben den Kampf gegen sie aufgegeben.

Die Gegner dieser

Steuer bedienen sich einer neuen Strategie, die darauf hinausläuft, dem
amerikanischen Volk insofern Sand in die Augen zu streuen, als sie für
die Einführung einer Konjunkturgewinnsteuer eintreten, die in Praxis eine
Farce wäre - eine Steuer, die in erster Linie dem Zweck dienen würde,
Gesetzesmaschen aufzutun, um den Mineral öl gesell Schäften vier bis fünf
Milliarden Dollar an unverdienten Gewinnen über die sechs Milliarden
Dollar hinaus zu verschaffen, die sie aufgrund der Aufhebung der Preiskontrollen auch bei Einführung einer echten Konjunkturgewinnsteuer vereinnahmen werden.
Sie werden den Versuch unternehmen, diese Farce dem amerikanischen
Volk als eine Maßnahme zu verkaufen, die der Re-Investierung der Gewinne
dient. Es geht ihnen aber nicht um die Re-Investierung von Gewinnen,
es geht ihnen vielmehr um deren "Vertuschung," und um einen "Gegenzug".
Was unter den Teppich gekehrt werden soll, ist der Energiesicherungsfonds
und die durch ihn möglich werdende Hilfe für die Forschung und die Armen.
Und das was den ölgesellschaften zugeschanzt werden soll, ist das Geld,
das zur Finanzierung jener unerläßlichen Programme in Aussicht genommen
wird. Deshalb bitte ich Sie um Ihre Mithilfe im Kampf um die Verabschiedung
einer ehrlichen Konjunkturgewinnsteuer zur Finanzierung eines echten

�echten Energiesicherungsfonds der dem ganzen Volk dienen soll.
Ich fordere Sie als Mitglieder der wissenschaftlichen und technischen
Welt auf, das Vertrauen des amerikanischen Volkes durch die Entwicklung
neuer Energietechnologien zu rechtfertigen, die von entscheidender Bedeutung für das künftige Wohlergehen unseres Landes sein werden.
Wir bedürfen der Innovation auch noch zu einem weiteren Zweck.
Neue Ideen sind von zentraler Bedeutung nicht nur für die Verminderung
der Abhängigkeit Amerikas von ausländischem öl, sondern auch für unsere
Bemühungen zur Eindämmung der Inflation, Steigerung der Produktivität,
für den Umweltschutz und zur Sicherung der Prosperität unseres Volkes.
Wir neigen zu der Auffassung, der Erfindungsreichtum der amerikanischen
Industrie sei eine Art unvermeidbares Geburtsrecht; Selbstgefälligkeit
aber ist das letzte, was wir uns leisten sollten. Viele unserer Industriezweige sind inzwischen unbeweglich geworden. Auf Innovation bedachte
Firmen in Ländern wie Japan und Westdeutschland stellen heute viele unserer
Wirtschaftsunternehmen in den Schatten. Unsere Wettbewerbsfähigkeit
läßt nach.
Wir müssen eine Umwelt schaffen helfen, in der neue Ideen und
Innovationsbereitschaft genutzt werden.
Die Bundesregierung trägt einen großen Anteil an der Verantwortung
hierfür.

Wir müssen staatliche Praktiken ändern, die die Innovations-

bereitschaft hemmen und politische Maßnahmen treffen, die zur Entwicklung
neuer Produkte und neuer Verfahren anregen.
Meine Regierung ist dabei, dieses lange Zeit hindurch vernachlässigte
Problem zu untersuchen.

Ich habe im vergangenen Jahr das Handelsministerium

angewiesen, eine umfassende Untersuchung der Innovationsbereitschaft der

- 9 -

�der Industrie einzuleiten.

Diese Untersuchung, an der sich etwa dreißig

Ministerien und Selbständige Bundesbehörden in Konsultation mit der
Industrie, den Gewerkschaften, den Universitäten und der breiten Öffentlichkeit beteiligten, ist nahezu fertiggestellt.

Ich bin gespannt auf die

Empfehlungen, die sich hieraus ergeben werden und ich bin bereit, sie zu
verwirklichen.
Viele unter Ihnen hier in diesem Raum sind Führungskräfte der
amerikanischen Geschäftswelt und Industrie, und ich fordere Sie auf, in
den Firmen, für die Sie tätig sind, auf Innovation bedacht zu sein.
Genau wie die Förderung der Grundlagenforschung durch den Staat sind
Investitionen der Industrie in neue Produkte und Verfahren und in die
Grundlagen- und die angewandte Forschung eine praktische Manifestation
des Zukunftsglaubens.
Seit Kepplers Tagen und schon zuvor waren Wissenschaftler stärker
international orientiert als andere.

In unseren Tagen hat die explosions-

artige Entwicklung auf den Gebieten der Kommunikation und der Technologie
den internationalen wissenschaftlichen Ideenaustausch leichter aber auch
um vieles wichtiger gemacht als zuvor.
Albert Einstein verfügte - auch für damalige Zeiten - über nur
bescheidene finanzielle Mittel. Er benötigte nicht viel mehr als einige
gespitzte Bleistifte und einen ruhigen Ort, an dem er nachdenken konnte.
Wie Sie wissen, erfordert die Aufgabe, auf seinen Arbeiten weiterzubauen,
sehr viel mehr Mittel. Viele der notwendigen Schlüsselversuche, sowohl
im Bereich der Grundlagen- als auch dem der angewandten Forschung sind
von geradezu monumentalem Ausmaß. Wir stehen in den vor uns liegenden
Jahren vor der Wahl, einige wenige Großprojekte durchzuführen, die wir
allein zu finanzieren vermögen, oder aber weit mehr derartige Projekte
in Zusammenarbeit mit anderen Nationen in Angriff zu nehmen.
Wir müssen
- 10 -

�Wir müssen auch weiterhin der Zusammenarbeit den Vorzug geben aus Gründen, die über die beträchtlichen Vorteile einer Teilung in die
Kosten und Ideen hinausgehen.

Die wissenschaftliche und technische Zu-

sammenarbeit mit unseren traditionellen Freunden kann bestehende Bande
stärken; die Zusammenarbeit mit anderen kann dazu beitragen, politische,
ideologische und kulturelle Spaltungen zu überbrücken.
Einer der wichtigsten Zwecke der internationalen Zusammenarbeit
auf den Gebieten der Wissenschaft und Technik besteht darin, den
Entwicklungserfordernissen der ärmeren Länder der Erde gerecht zu werden.
Die Zukunft der hochentwickelten Länder hängt in zunehmendem Maße
von der der Entwicklungsläder ab. Dennoch ist nur etwa ein Prozent der
zivilen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Erde unmittelbar auf
die Probleme der ärmeren Hälfte der Menschheit zugeschnitten - auf die
Probleme der Armut, der Gesundheitsfürsorge, des Hungers, der Bildung
und der Rohstoffgewinnung. Auf allen diesen Gebieten sollten wir mehr
tun.
Vor einem Jahr schlug ich die Schaffung eines neuen Instituts
für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit vor, um die
Talente von Wissenschaftlern und Technikern in unserem Land mit denen
in den Entwicklungsländern in dem Versuch zu mobilisieren, Lösungen
für deren

kritischste Probleme zu finden.

Statt den Ländern der Dritten

Welt Hilfe zu gewähren sollten wir ihnen Hilfestellung in dem Bemühen
leisten, eigene Entwicklungsexperten und Fachkräfte heranzubilden, die
fähig sind, die notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Wir sind bereit,

ihnen Hilfestellung bei der Durchführung von Projekten im Bereich der
Landwirtschaft, der Medizin, der Industrialisierung und des Aufbaus
geeigneter Energiesysteme zu leisten, die für beide Seiten von Nutzen
sind.
Die

- 11 -

�Die Vorlage über die Errichtung des Instituts für wissenschaftliche
und technologische Zusammenarbeit wurde inzwischen vom Repräsentantenhaus
verabschiedet und steht gegenwärtig im Senat an.

Sie bedarf Ihrer vollen

Unterstützung.
Gestatten Sie mir nun, mich Fragen der Nutzung und Erforschung des
Weltraums zuzuwenden, wo unser Ziel - wie auf Erden - die Verbesserung des
Wohls der Menschheit in materieller und geistiger Hinsicht ist.
In der Zukunft werden wir von den über 100 Milliarden Dollar profitieren, die die Vereinigten Staaten in die Raumfahrt investiert haben.
Stützpunkten im All aus können wir die Welt verändern.

Von

Satelliten leisten

schon seit Jahren neue Beiträge auf Gebieten wie der Landwirtschaft,
der Überwachung der Umweltverhältnisse, der Nutzung der Bodenflächen, der
Projektierung von Lagerstatten, der Klimatologie und des Nachrichtenwesens.
Wenn erst einmal die Weltraumfähre zur Verfügung steht, werden wir
die beispiellose Fähigkeit haben, Forschungsarbeiten im All durchzuführen.
Wir gehen einer Blütezeit der Erforschung und industriellen Nutzung des
Raums entgegen, und es stehen uns Quantensprünge im Bereich der internationalen Zusammenarbeit bevor, die die Sache des Friedens und der
Weiterentwicklung des Menschen erheblich voranbringen werden.
Das Vordringen des Menschen in den Weltraum hat das menschliche
Bewußtsein auf alle Zeiten verändert.

Noch ist das Zeitalter der Er-

forschung der Tiefe des Weltraums durch bemannte Raumfahrzeuge nicht
angebrochen;

immerhin durchdringen unsere Sinne bereits die äußeren

Bereiche des Sonnensystems und noch fernere Regionen des Alls.

Wer

die atemberaubenden Bilder des Planeten Jupiter und seiner Monde gesehen
hat, die Voyager I zur Erde gefunkt hat, wird nicht leugnen wollen, daß
diese Bilder überrascht und angenehm berührt haben.

- 12 -

Wir können auf neue

�neue Überraschungen und erfreuliche Feststellungen zählen, wenn wir
noch tiefer in das Universum und seine Geheimnisse eindringen.
Lassen Sie mich abschließend sagen, daß von allen Früchten der
Wissenschaft die Kernwaffen die bittersten sind.

Und von allen Ver-

antwortlichkeiten der Nationen ist keine von größerer Dringlichkeit
als die Kontrolle über diese schrecklichste unter allen Bedrohungen
unseres Lebens und unserer Kultur.
Wir alle sind dankbar, daß der jüngste Reaktorunfall auf Three
Mile Island in Pennsylvania keine menschliche Schäden zur Folge hatte.
Er hat vielleicht sogar positive Konsequenzen. Er veranlaßt uns natürlich,
unsere Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit der Kernenergie
zu verdoppeln. Und was noch wichtiger ist, er gemahnt uns lebhaft an
die schrecklichen Folgen eines Kriegs mit Kernwaffen.
Wir leben schon zu lange mit den Kernwaffen. Wir sind schon allzusehr an deren alles überschattende Präsenz in unserem Leben gewohnt.
Und wir sind allzusehr geneigt, zu vergessen, welche Schrecken uns letzten
Endes bevorstünden: Der sofortige Tod von Millionen und tödliches Siechtum
für weitere Millionen; die Vernichtung des Kulturerbes der Menschheit;
und die Verseuchung der Luft, des Bodens und des Wassers auf ungezählte
Generationen hinaus. Einem nuklearen Austausch mit allen Mitteln fiele
nicht weniger als die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft unserer
Spezies zum Opfer.
Als Präsident Kennedy dieses Gremium vor 16 Jahren ansprach, hatte
der Senat gerade den Vertrag über das Verbot von Kerwaffenversuchen in
der Atmosphäre ratifiziert, dem ersten bedeutsamen Schritt zu einer
Kontrolle der Nuklearwaffen. Der SALT II-Vertrag, der sich nunmehr der
Fertigstellung nähert, ist Teil desselben Prozesses: des langwierigen
und langsamen Fortschritts in Richtung auf die Vernunft, die sich auf

- 13 -

�auf das gegenseitige Eigeninteresse stützt.

Und nach SALT II wird dieser

Prozeß fortgeführt werden mit einem umfassenden Verbot von nuklearen
Tests und mit SALT III als Ziel.
SALT II wird das Risiko eines Kriegs mit Kernwaffen durch Verminderung
des Umfangs der strategischen Rüstungen, Beschränkungen der Entwicklung
neuer Waffensysteme und seinen Beitrag zu stabileren politischen Beziehungen zur Sowjetunion vermindern.

Viele der Probleme der Beurteilung

des Vertrages sind technisch sehr vielschichtig, und das amerikanische
Volk wird auf die wissenschaftliche Welt blicken, die mithelfen kann,
eine öffentliche Debatte von geistigem Niveau zustandezubringen.

Viele

unter Ihnen haben damals große Anstrengungen auf die Debatte über den
SALT I-Vertrag verwandt.

Sie haben eine entscheidende Rolle in dem

Bemühen gespielt, einen Konsens
bringen.

in bezug auf jenen Vertrag zustandezu-

Heute ersuche ich Sie,jene Mühe einmal mehr aufzuwenden.

Wenn es auch die Naturwissenschaften waren, die uns die Kernwaffen
eingebracht haben, so ist doch nicht weniger wahr, daß die Wissenschaft
auch die außerordentlichen Mittel an die Hand gibt, die Einhaltung von
Verträgen bezüglich jener Waffen zu verifizieren. In der angelaufenen
großen Debatte über SALT II, kommt der Mitwirkung von Wissenschaftlern
entscheidende Bedeutung zu.
Albert Einstein hat einmal gesagt: "Die Wichtigkeit der Sicherung
des Weltfriedens war auch den wirklich Großen früherer Generationen bekannt.

Der technische Fortschritt unserer Zeit aber hat diese ethischen

Postulate zu einer Frage von Leben und Tod für die zivilisierte Menschheit
werden lassen.

Er macht es zu einer moralischen Pflicht, aktiven Anteil

an der Lösung der Probleme des Friedens zu nehmen - zu einer Pflicht,
der sich kein gewissenhafter Mensch entziehen darf."
Diese Worte waren prophetischer als man zu der Zeit wissen konnte,

�konnte, als sie gesprochen wurden:
der ersten Atombombe.

über ein Jahrzehnt vor der Zündung

Ich fordere Sie dringend auf, jener Worte in

einer Zeit eingedenk zu bleiben, in der wir im Begriff stehen, den
SALT Il-Vertrag zu schließen - den nächsten Schritt in Richtung auf eine
Rüstungskontrolle und den Frieden.
Die Amerikaner hatten einst einen zweifelsfreien Glauben an die
Wissenschaft als Heilsbringer. Heute sind wir gegenüber der Wissenschaft
wie auch gegenüber vielen anderen Dingen skeptischer. Dennoch blicken
wir auch heute noch auf Wissenschaftler und Techniker, auf die medizinische
Forschung und die Ärzte, unsere Erfinder und Denker und wir erwarten von
ihnen eine Verbesserung unseres eigenen Lebens wie des Lebens unserer
Kinder.
Die Sorge bezüglich des derzeitigen Status von Wissenschaft und
Technik in den Vereinigten Staaten läßt
unsere neuen Anstrengungen
zu einem Grundstein der Schaffung eines neuen und soliden Fundaments
für unsere gemeinsame Zukunft werden. Ich zähle auf die Mitglieder
dieser Akademie, auf die gesamte wissenschaftliche und technische Welt,
auf den Kongreß und auf das Volk unseres Landes, sich diesen Bemühungen
um ein größeres Amerika anzuschließen.

+ + + + +

- 15 -

�2. Mai 1979

16

DROGENBEKÄMPFUNG IN WEITEM INTERNATIONALEN RAHMEN
- US-Strategie für 1979 -

- (AD) - Eindämmung des Drogenmißbrauchs und des illegalen Handels mit
Suchtstoffen sind Hauptziele des Programms für 1979, das der Präsidialbeirat
für die Strategie der Bekämpfung von Drogenmißbrauch kürzlich Präsident Carter
vorlegte. Der neue Plan der Kommission unterscheidet sich vom bisherigen Vorgehen sowohl in bezug auf die Art und Weise, wie das Problem angegangen wird,
als auch auf die jeweiligen Schwerpunkte. So werden jetzt z.B. die wirtschaftlichen Aspekte des Drogenhandels und weit gefaßte internationale Initiativen
besonders betont.
Während man sich bisher auf bestimmte Drogen konzentrierte, gilt nunmehr
die Aufmerksamkeit dem Studium von Verhaltensaspekten bei Personen, die drogenabhängig geworden sind oder für die große Gefahr besteht, in diesen Strudel hineingerissen zu werden. Und so ist es nur folgerichtig, daß auch die Behandlung
und Rehabilitation Drogenabhängiger wieder in die allgemeinen Aufgaben der Gesundheitsdienste einbezogen werden.
Im Rechtsvollzug wird man dem neuen Plan zufolge alles tun, um das Angebot
an illegalen Drogen zu verringern, illegal hergestellte Drogen stärker unter

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�unter Kontrolle zu bringen, ihre Weiterleitung in illegale Kanäle zu blockieren
und das Geschäftsrisiko der Drogenhändler durch verstärkte Fahndungsmaßnahmen,
gerichtliche Verfolgung und Beschlagnahme ihres Vermögens zu vergrößern.

Damit

diese Ziele realisiert werden, setzt sich die Strategie-Kommission für Maßnahmen
ein, die die Überwachung an den Landesgrenzen zur Unterbindung des Einschmuggeins
von Drogen erheblich verstärken.

Sie fordert außerdem die besondere Unterstützung

der Fahrung nach den führenden Hintermännern des illegalen Drogenhandels, um
Händlerringe zu zerschlagen oder aktionsunfähig zu machen.
Im Strategieplan für 1979 wird hervorgehoben, daß eine wirksame Rehabilitation mit der Therapie Hand in Hand gehe.

Es wird empfohlen, Drogenabhängige

mehr Chancen zur Einbeziehung in Berufsausbildungs- und Arbeitsvermittlungsprogramme zu bieten. Als "erstrangige Adressaten für diplomatische, wirtschaftliche
und technische Zusammenarbeit" in dem Versuch, die Drogenproduktion zu drosseln,
werden zehn Länder genannt:

Burma, Thailand, Laos, Mexiko, Afghanistan und

Pakistan als Herkunftsländer für Opium, Bolivien und Peru als Herkunftsländer
für Koka-Blätter, und schließlich Ekuador und Kolumbien als Hauptproduzenten und
Bezugsquellen für Kokain. Außerdem sei Kolumbien das Herkunftsland extrem großer
Mengen von Marihuana - alles Drogen, die in die Vereinigten Staaten eingeschmuggelt und dort illegal abgesetzt werden.
Entsprechend der "Strategie 1979" sind vielfältige außenpolitische Programme der Vereinigten Staaten vorgesehen, die gemeinsam mit anderen Ländern und
den internationalen Organisationen durchgeführt werden sollen, um das Angebot
an Drogen schon in deren Herkunftsländern zu verringern. Zu den Programmen gehören diplomatische Initiativen, Vernichtung von drogenhaltigen Pflanzen, Entwicklung ländlicher Gebiete und Anti-Suchtstoffbestimmungen für internationale
Institutionen wie die Asiatische Entwicklungsbank, den Afrikanischen Entwicklungsfonds und die Inter-Amerikam"sehe Entwicklungsbank.
Wie die Strategie-Kommission erklärt, ergeben sich im Zusammenhang mit
Marihuana, Phencyclidin (PCP) und Kokain spezielle Probleme. Der Beirat setzt
sich dafür ein, den persönlichen Besitz und den Gebrauch von Marihuana weniger
- 2 -

�weniger hart zu bestrafen, jedoch nicht ganz auf eine Bestrafung zu verzichten,
um die von der Bundesregierung verfolgte Politik nicht zu unterminieren.
Bundesstrafbestimmungen für den Handel mit Drogen würden beibehalten.
Jedoch stünde es den einzelnen Bundesstaaten frei, "auch künftig einschlägige
Gesetze zu verabschieden, die sie für geeignet erachten".

Drogenmißbrauch und

Drogenhandel seien als komplexe, fließende Phänomene anzusehen, auf die auch
weiterhin flexibel reagiert werden müsse - mit mannigfaltigen Wegen und Aktionen
des Vorgehens.

"Die Strategie 1979 unterstreicht die Notwendigkeit, auch weiter-

hin Mittel für diese Programme bereitzustellen", erklärt die Kommission, "sie
erforderlichenfalls neu zu bewerten und anzupassen und viel Mühe darauf zu verwenden, das Leid zu verringern, das Drogenmißbrauch und Drogenhandel in unserem
Land anrichten."
Mitglieder des Präsidialbeirats für die Strategie der Bekämpfung von Drogenmißbrauch sind u.a. der Außenminister, der Finanzminister, der Verteidigungsminister, der Justizminister, der Minister für das Gesundheits-, Bildungs- und
Sozialwesen, der Direktor des Amtes für Planung und Haushalt, der Leiter des
Amtes für ehemalige Wehrdienstangehörige sowie sechs Vertreter privater Institutionen.

+ + + + +

- 3 -

�1
I

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16

2. Mai 1979

SCHWEFELDIOXID IST GIFT FÜR FLECHTEN
• Pflanzen melden Umweltverschmutzung -

- (AD) - Eine Anzahl von Heizkraftwerken im amerikanischen Bundesstaat
Ohio verwenden neuerdings zur Überwachung der Luftqualitä't in der Umgebung des
Betriebes u.a. Flechten - Pflanzen, die zu den ältesten und primitivsten Organismen auf unserer Erde gehören.
dioxid (S02) enthält.

Sie geben "Alarm", wenn die Luft Schwefel-

Schwefeldioxid, das hauptsächlich beim Verheizen von

Kohle auftritt, ist einer der Hauptbestandteile verschmutzter Luft.

Es kann,

wenn bestimmte Konzentrationen Überschritten werden, die Gesundheit beeinträchtigen und schwere Materialschäden, insbesondere an Bauwerken, hervorrufen.

Strenge Umweltschutzgesetze zwangen die amerikanische Industrie, Verfahren
und Vorrichtungen zu entwickeln, um die Abluft der Fabrikkamine von S0 2 weitgehend zu reinigen.

Aber völlig auszufiltern ist Schwefeldioxid mit den heute

verfügbaren Mitteln nicht.

Da außerdem der Schwefelgehalt der Kohle aus den

verschiedenen Abbaugebieten sehr stark schwankt und bestimmte atmosphärische
Bedingungen zu einem "Stau" von Belastungsstoffen in der Luft führen können, ist
es für die Heizkraftwerke oft schwierig, die sehr niedrigen Grenzwerte einzuhalten.

Deshalb suchen die Unternehmen nach Vorwarnsystemen, um ein Ansteigen der

SOp-Konzentration frühzeitig zu erfassen und im Betrieb geeignete Gegenmaßnahmen

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�Gegenmaßnahmen treffen zu können.
Bei niedriger Konzentration ist S0 2 in der Luft jedoch sehr schwer zu messen.

Eine überraschende und relativ einfache Lösung für dieses Problem fand Dr.

Emanuel Rudolph, Professor der Botanik an der Staatsuniversität Ohio.

Er be-

nutzt als S02-Indikator Flechten, die überaus empfindlich auf solche Abgase reagieren,

überraschend ist diese Tatsache deshalb, weil Flechten zu den robustesten

pflanzlichen Organismen überhaupt zählen.

Sie existieren sogar auf eisfreiem Ge-

stein in der Antarktis, also in der kältesten Region der Erde,an Orten, an denen
es praktisch kein anderes pflanzliches Leben gibt.
Prof. Rudolph hatte beobachtet, daß in der Nachbarschaft bestimmter Kraftwerke Flechten, ausgestorben zu sein schienen.

Bei der Untersuchung dieses Phä-

nomens stellte sich heraus, daß Flechten kein S0 2 vertragen.

Wenn davon nur ein

Hundertstel der Menge in der Luft vorhanden ist, die für den Menschen als schädlich gilt, kümmern die Pflanzen dahin und gehen schließlich ein.
Inzwischen entwickelte der Botanikprofessor mit seinen Studenten in Laborversuchen eine ganze Reaktionsskala der Flechten auf Schwefeldioxid an Hand von
Farbänderungen, die auf bestimmte Konzentrationen von S0 2 in der Luft und Dauer
seiner Einwirkung auf die Pflanzen schließen lassen. Die Reaktionstafel gibt
z.B. an, bei welchem Schwefeldioxidgehalt die Flechten ihre grünliche Färbung verlieren - was schon 30 Minuten nach Einsetzen der SO^-'^ergiftung" geschehen kann.
Wachsen sie in der Umgebung eines Kraftwerks, das zur Stromerzeugung fossile
Brennstoffe benutzt, überhaupt nicht mehr, so ist dies eine Vorwarnung für eine
Belastung der Atmosphäre mit Schwefeldioxid, lange ehe gefährliche Konzentrationen
erreicht sind. Wie die Mitarbeiter Prof. Rudolphs feststellten, stört SO^ den
Stoffwechsel der Pflanzen und tötet sie bei entsprechend langer Einwirkung ab.

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grundlagenforschung als Investition in die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Präsident Carters vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenbekämpfung in weitem internationalen Rahmen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Strategie für 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schwefeldioxid ist Gift für Flechten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pflanzen melden Umweltverschmutzung -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

3f

2a

rji

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. April 1979

15

INHALT

DOKUMENTATION
Carter: keine Alternative zu SALT II
- Rede des Präsidenten vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband

Um Übcf/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15

27. April 1979

CARTER:

KEINE ALTERNATIVE ZU SALT II

- Rede des Präsidenten vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband -

NEW YORK

- (AD) - Die Alternative zu SALT II sei ein vertrags-

loser Zustand und damit eine noch unvollkommenere und gefährlichere
Welt.

Dies stellte Präsident Jimmy Carter in einer Rede vor dem amerika-

nischen Zeitungsverlegerverband am 25. April 1979 in New York fest.
Carter setzte sich mit allem Nachdruck für den vor seinem Abschluß stehenden
SALT II-Vertrag mit der Sowjetunion ein und beschwor die Massenmedien
und die Öffentlichkeit, ihn bei seinen Bemühungen zu überstützen, den
Kongreß von der Notwendigkeit des Vertrages zu überzeugen.
Die Rede Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:
Zunächst einmal möchte ich etwas zu dem Thema dieser Versammlung
sagen und es nachdrücklich unterstützen: Die Verteidigung des Ersten
Verfassungszusatzes und der Pressefreiheit.
Die Meinungsfreiheit ist unser wichtigstes Bürgerrecht, und die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�r

die Pressefreiheit ist deren wichtigstes Bollwerk.

Wir können es uns

niemals erlauben, hinsichtlich des Ersten Verfassungszusatzes selbstgefällig zu werden.

Im Gegenteil, wir müssen immer aktiv für seinen

Schutz eintreten.
Die amerikanische Presse ist seit den ersten Tagen unserer Nation
gewaltig gewachsen - nicht nur in Länge und Breite, sondern auch in dem
Selbstverständnis ihrer eigenen Pflichten und Verantwortlichkeiten.

Die

höchste jener Pflichten ist die Unterrichtung der Öffentlichkeit über die
wichtigen Dinge des Tages.

Und keine Sache wäre wichtiger als jene, über

die ich heute mit Ihnen sprechen möchte - die Kontrolle der Kernwaffen.
Jede Generation von Amerikanern steht vor einer Wahl, die ihren
Charakter kennzeichnet - eine Wahl, die auch hinsichtlich dessen wichtig
ist, was sie über die Weltauffassung unseres Landes aussagt.
In den kommenden Monaten werden wir mit großer Sicherheit vor einer
solchen Wahl stehen: ob wir einen neuen Vertrag über die Begrenzung
strategischer Waffen akzeptieren oder ablehnen. Die Entscheidung, die
wir treffen, wird unser Leben auf Jahre hinaus zutiefst berühren - und
das Leben von Menschen auf der ganzen Welt.
Wir können diese Wahl aus einer Position der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Stärke treffen - als stärkstes Land der
Erde.
Unsere Bündnisse sind fest und zuverlässig.
sind stark und einsatzbereit.
nicht ihresgleichen.

Unsere Streitkräfte

Unsere wirtschaftliche Stärke findet

Zusammen mit den anderen demokratischen Industrie-

staaten sind wir in der technologischen Innovation führend.

Unsere

Volkswirtschaften sind zusammen mehr als dreimal so produktiv wie die
Volkswirtschaften der Sowjetunion und ihrer Verbündeten.

- 2 -

Unsere politischen

V

�t

»

politischen Institutionen gründen sich auf der Freiheit des Menschen.
Unsere offenen Systeme ermutigen die schöpferische Fähigkeit des
einzelnen - und das wiederum stärkt unsere ganze Gesellschaft.

Unsere

Werte und unsere demokratische Lebensform haben für Menschen auf der
ganzen Welt eine magnetische Anziehungskraft, der es eine materialistische
und totalitäre Lehre niemals auch nur gleichtun kann.
Aus all diesen Gründen besitzen wir eine Fähigkeit zur Führung
in der Welt, die jene aller anderen Nationen übertrifft.
Diese Führung bringt eine große Verantwortung für uns mit sich,
aber unsere oberste Pflicht besteht darin, unsere Stärke im Dienste
unseres höchsten Interesses einzusetzen: dem Aufbau einer sicheren,
stabilen und friedlichen Welt. Wir erfüllen diese Pflicht in dem von
John F. Kennedy im Jahre 1963 verkündeten Geist: "Voll Vertrauen und
ohne Furcht", so erklärte er, "bemühen wir uns weiter - nicht um eine
Strategie der Vernichtung, sondern um eine Strategie des Friedens."
In unseren Beziehungen zur Sowjetunion macht die Möglichkeit der
gegenseitigen Vernichtung eine Strategie des Friedens zur einzigen
vernünftigen Option für beide Seiten.
Weil unsere Werte so verschieden sind, liegt es auf der Hand,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion für die absehbare Zukunft im Wettstreit liegen werden.
Und doch haben wir ein gemeinsames Interesse am überleben, und wir
haben gemeinsam erkannt, daß unser überleben im wahrsten Sinne von
einander abhängt. Gerade unsere Konkurrenz macht es zwingend notwendig,
daß wir ihren gefährlichsten Aspekt unter Kontrolle bringen - das nukleare
Wettrüsten. Darum sind die Verhandlungen über eine Begrenzung der
strategischen Waffen so wichtig. Diese Bemühung zweier großer Länder,

- 3 -

�Länder, die vitalen Sicherheitskräfte zu begrenzen, ist einzigartig
in der Geschichte der Menschheit.
Wenn der Kongreß und das amerikanische Volk über den SALT-Vertrag
debattieren, der kurz vor seinem Abschluß steht, dann wird sich die
Debatte um vier grundlegende Fragen drehen:
-

Warum brauchen wir SALT II?

-

In welchem Zusammenhang steht der Vertrag zu unserer Gesamtverteidigungsstrategie?

-

Kann die sowjetische Vertragseinhaltung verifiziert werden?

-

In welchem Zusammenhang steht der Vertrag zu den sowjetischen
Tätigkeiten, die unsere Interessen bedrohen?

Lassen Sie mich diese Fragen einzeln beantworten.
Erstens, warum brauchen wir einen Vertrag über die Begrenzung der
strategischen Rüstungen?
Wir brauchen ihn, weil er zu einer friedlicheren Welt beitragen
wird - und zu unserer eigenen nationalen Sicherheit.
Heute verfügen wir beide, wir und die Sowjetunion mit stark unterschiedlichen Weltauffassungen und Interessen,über die unheildrohende
zerstörerische Macht, uns buchstäblich als funktionierende Gesellschaft
zu zerstören und zig Millionen Menschen in diesem Prozess zu töten.
Und der gesunde Menschenverstand sagt uns - wie er es auch der Sowjetunion
sagt - daß wir daran arbeiten müssen, unseren Wettbewerb weniger gefährlich,
weniger mühsam zu gestalten und dafür zu sorgen, daß der letztliche

�t

r

letztliche Schrecken eines Nuklearkrieges weniger wahrscheinlich wird.

Ja,die ganze Welt hat ein vitales Interesse an einer Kontrolle
des strategischen Wettrüstens.

Wir haben uns eng mit unseren Verbündeten konsultiert, die auf
uns zählen, nicht nur was die Aufrechterhaltung starker Streitkräfte
zum Ausgleich gegen die militärische Macht der Sowjets anbetrifft,
sondern auch bezüglich einer erfolgreichen Beherrschung eines stabilen
Ost-West-Verhältnisses.

SALT steht im Mittelpunkt dieser beiden ent-

scheidend wichtigen Bemühungen.

Darum haben die führenden Männer

Frankreichs, Großbritanniens, der Bundesrepublik Deutschland und Kanadas
und anderer Länder ihre Unterstützung für den entstehenden Vertrag zum
Ausdruck gebracht.

Einige Länder, die sich bisher der Herstellung von Nuklearwaffen
enthalten haben, werden nachhaltig davon beeinflußt werden, ob die
beiden nuklearen Supermächte ihre eigenen Waffen im Zaume halten werden.
Eine Ablehnung des neuen Vertrages über strategische Waffen würde die
Anstrengungen,die Ausbreitung (Proliferation) dieser tödlichen Waffen
zu kontrollieren, ernsthaft untergraben.

Und nichts würde unsere anderen

entscheidend wichtigen Bemühungen um eine Rüstungskontrolle - von einem
Verbot aller Kernversuche bis zu einer Verhütung eines gefährlichen
Satelliten-Krieges im Weltraum, von einer Angleichung der Streitkräfte
der NATO und des Warschauer Paktes bis zur Einschränkung der Ausbreitung
hochentwickelter konventioneller Waffen - mehr Schaden zufügen.

Jeder Präsident seit dem Anbruch des Nuklearzeitalters hat sich
bemüht, die Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen.

Dieser Prozeß

darf

und wird nicht aufhören.

-

Präsident Kennedy hat auf den Bemühungen der Präsidenten Truman

- 5-

�Truman und Eisenhower aufbauend im Jahre 1963 den ersten Vertrag
mit der Sowjetunion über das Verbot vergiftender Versuche mit
Kernsprengköpfen in der Atmosphäre unterzeichnet.
-

Im Jahre 1968 haben sich unter Präsident Johnson die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion mit anderen Ländern zusammengetan
und den Nichtweiterverbreitungsvertrag

(Kernwaffensperrvertrag)

unterzeichnet - ein wichtiger Schritt zur Verhütung der weiteren
Ausbreitung von Kernsprengköpfen.
-

Im Jahre 1972 hat unter Präsident Nixon das SALT I-Abkommen die
ersten vereinbarten Grenzen für die Zahl der Offensivwaffen gesetzt.

-

Der Vertrag über die Raketenabwehr-Raketen (ABM) hat einen
dauerhaften Beitrag zu unserer eigenen Sicherheit geleistet.

Präsident Ford hat diesen Prozeß in Helsinki und Wladiwostok fortgesetzt. Jede der Verhandlungen baut auf den Ergebnissen der vorigen
auf. Jedes Abkommen schafft die Grundlagen für einen weiteren Fortschritt
auf dem Wege zu einem stabileren nuklearen Verhältnis.
Drei Präsidenten haben mehr als sechs Jahre darauf verwandt, den
nächsten Schritt in diesem Prozeß zu erreichen - das SALT II-Abkommen.
Wir haben alle sorgfältig und überlegt verhandelt.

Wir haben jeden

Schritt auf dem Wege mit unseren führenden Militärs und Experten ausgearbeitet, und wir haben den Rat der Mitglieder des Kongresses gesucht.
Eine überwältigende Mehrheit des amerikanischen Volkes erkennt
die Notwendigkeit von SALT II. Unser Volk erwartet einen kontinuierlich schrittweisen Fortschritt, um die Kernwaffen unter Kontrolle zu
bringen. Die Amerikaner werden eine vernünftige Erhöhung unserer

�unserer Verteidigungsanstrengung unterstützen, aber wir wollen keine
völlig unnötige Rückkehr zum kalten Krieg und zu einem allgemeinen Wettrüsten - mit den damit verbundenen größeren Risiken und Kosten.

Durch

Stärke wollen wir den Weltfrieden.
Lassen Sie mich nun zur zweiten Frage kommen - in welchem Zusammenhang SALT II zu unserer Gesamtverteidigungsstrategie steht.
Die strategischen Streitkräfte

der Vereinigten Staaten und der

Sowjetunion sind heute im wesentlichen gleichwertig.
Die Sowjets besitzen größere und zahlenmäßig mehr landgestützte
Raketen.

Wir besitzen eine größere Zahl von Gefechtsköpfen und haben

bedeutende technologische und geographische Vorteile.
Jede Seite verfügt über den Willen und die Mittel, die andere
Seite daran zu hindern, eine Überlegenheit zu erreichen. Keine Seite
ist in der Lage, ihre Kernwaffen für politische Zwecke auszunutzen, noch
strategische Waffen einzusetzen, ohne den fast sicheren Selbstmord zu
riskieren.
Was uns Sorgen macht, ist nicht das gegenwärtige Kräfteverhältnis,
sondern das Tempo der strategischen Aufrüstung der Sowjets. Während
des letzten Jahrzehnts haben die Sowjets ihre realen Verteidigungsausgaben ständig erhöht, während unsere netto zurückgegangen sind. Auf
Gebieten, die durch SALT I nicht beschränkt werden, haben sie ehrgeizige
Programme in Angriff genommen, um ihre strategischen Streitkräfte zu
verstärken. An irgendeinem Punkt in der Zukunft könnten sie einen
strategischen Vorteil erreichen - wenn wir diese Trends nicht umkehren.
Und das ist genau das, was ich tun möchte - mit der Unterstützung
durch das amerikanische Volk und die überparteiliche Unterstützung des

- 7 -

�des Kongresses.
Wir müssen an zwei Fronten gleichzeitig vorgehen:
-

Erstens, innerhalb beiderseitig akzeptierter Grenzen müssen
wir unsere eigenen strategischen Streitkräfte modernisieren.
Dies ist zusammen mit einer Stärkung der NATO ein zentrales
Anliegen des erhöhten Verteidigungshaushaltes, den ich dem
Kongreß vorgelegt habe - Verbesserungen, die selbst in Zeiten
einer restriktiven Haushaltspolitik notwendig sind.

-

Zweitens, wir müssen dem Wettrüsten engere Grenzen ziehen, als
dies gegenwärtig durch SALT I geschieht. Das ist das Ziel
des SALT II-Vertrages.

Das von mir vorgelegte Verteidigungsbudget wird sicherstellen, daß
unsere Nuklearstreitmacht weiterhin im wesentlichen gleichwertig mit
der der Sowjetunion sein wird.
In diesem Jahr haben wir begonnen, unsere Unterseeboote mit neuen,
mächtigeren und weiter reichenden Trident I-Raketen auszurüsten.

Im

kommenden Jahr werden unsere neuen, noch sichereren Trident-Unterseeboote in See stechen, und wir arbeiten an einer mächtigeren und treffsichereren Trident II-Rakete für diese Unterseeboote.
Unser Programm für Marschflugkörper (Cruise Missiles) wird die
Wirksamkeit unserer Fernbomber-Streitmacht wesentlich erhöhen. Diese
Flugkörper werden in der Lage sein, jede Luftabwehr zu durchdringen,
die die Sowjetunion in absehbarer Zukunft aufbauen könnte.
Unsere landgestützten Minuteman-Raketen werden, was Treffsicherheit
und Stärke anbetrifft, von uns wesentlich verbessert. Aber im kommenden

�kommenden Jahrzehnt werden Raketen dieses in stationären Silos untergebrachten Typs in steigendem Maße gegen Überraschungsangriffe anfällig
werden.

Bei den Sowjets entfallen drei Viertel ihrer Gefechtsköpfe auf

solche ortsfest gebundenen Raketen, bei uns dagegen nur ein Viertel.
Dennoch ist dies ein sehr ernsthaftes Problem - und wir müssen uns mit ihm
auf sinnvolle und wirksame Weise befassen.
Das Verteidigungsministerium befaßt sich zur Zeit mit einer Reihe
von Optionen, wie man mit diesem Problem fertig werden kann, darunter
die Möglichkeit,einige unserer Interkontinentalraketen beweglich zu
machen. Ich darf hinzufügen, daß die Optionen, die wir überdenken, weitaus kostspieliger wären - und wir auch weitaus weniger Vertrauen in ihre
Wirksamkeit haben würden - wenn die durch SALT II gesetzten Grenzen wegfielen. Denn ohne eine solche Begrenzung der Zahl der sowjetischen
Gefechtsköpfe, könnte die Sowjetunion unsere Bemühungen ganz einfach
dadurch kontern, daß sie die Zahl der Gefechtsköpfe auf ihren Raketen
um ein Vielfaches erhöht.
Lassen Sie mich mit Nachdruck hervorheben, daß durch das SALT IIAbkommen eine angemessene Flexibilität für die Vereinigten Staaten auf
diesem wichtigen Gebiet erhalten bleibt.
Unsere strategischen Streitkräfte müssen imstande sein, einen
jeden Angriff zu überleben und auf militärische und zivile Ziele des
Aggressors einen Gegenschlag zu führen. Wir haben diese Kapazität die das Wesen jeder Abschreckung ausmacht - in der Vergangenheit besessen»
und wir besitzen sie auch heute; und SALT II zusammen mit den von mir
beschriebenen Verteidigungsprogrammen werden sie auch für die Zukunft
garantieren.
Das SALT II-Abkommen wird das Anwachsen der sowjetischen Rüstung
verlangsamen und den strategischen Wettstreit begrenzen.

- 9 -

Und indem e£

�es dazu beiträgt, die künftigen Gefahren, denen wir uns gegenübersehen
könnten, ZJ definieren, wird es unsere Verteidigungsplanung wirksamer
machen.
Den Bestimmungen des Abkommens zufolge werden beide Seiten zum
erstenmal auf die gleiche Zahl von strategischen Abschußrampem begrenzt,
und damit wird der zahlenmäßige Vorteil für die Sowjets beendet, der
ihnen aufgrund des derzeit gültigen SALT I-Abkommens zustand.
Um auf diese neuen und niedrigeren Zahlen zu kommen, werden die
Sowjets die Gesamtzahl ihrer strategischen Trägersysteme um zehn Prozent
reduzieren müssen - also um mehr als 250 sowjetische Raketenabschußrampen oder Bomber.

Natürlich werden die Sowjets sich dabei für die

Ausmusterung ihrer älteren Systeme entscheiden, aber auch diese Systeme
sind immer noch verheerend.

Die abzubauenden Raketen sind.was Alter

und Wurflast anbetrifft mit unseren derzeit dislozierten Minuteman II
und Polaris-Raketen vergleichbar.

Nach dem Abkommen wird es den Sowjets

nicht gestattet sein, diese Systeme durch modernere zu ersetzen.

Unsere

eigenen operativen Streitkräfte sind etwas unter den erlaubten Höchstgrenzen gehalten worden.

Somit könnten wir aufgrund des Abkommens den

Stand unserer Streitmacht, wenn es notwendig ist, erhöhen.
SALT II wird auch für den Wettlauf beim Aufbau neuer Systeme und
bei der Verbesserung der bereits vorhandenen - dem sogenannten "qualitativen" Wettrüsten - erste begrenzte aber wichtige Einschränkungen bringen.
Kurzum:

SALT II setzt wichtige Grenzen für das, was die Sowjets

ohne dieses Abkommen tun könnten.

Beispielsweise könnte die Sowjetunion

ohne SALT II ihre strategischen Waffen bis zum Jahre 1985 auf etwa 3000
erhöhen.

Durch SALT II werden wir beide uns auf 2250 derartige Waffen

beschränken müssen.
Dieses

- 10 -

�Dieses neue Rüstungskontrollabkommen wird ganz offensichtlich
umserem nationalen Interesse dienen.

Es wird die gefährlichen Ober-

grenzen der strategischen Waffen reduzieren und der Entwicklung künftiger
Waffen einen Zaum anlegen.

Es wird dazu beitragen, unsere relative Stärke

im Vergleich zu der sowjetischen beizubehalten und uns vor dem kostspieligen,
riskanten und sinnlosen Ausbau von Raketenabschußrampen und Bombern bewahren - an dessen Ende beide Seiten schließlich nur noch weniger sicher
wären.
Ich möchte mich jetzt der dritten der vier Fragen zuwenden, die
ich zu Beginn gestellt habe: Wie können wir wissen, daß die Sowjets
ihre im Rahmen dieses SALT-Abkommens eingegangenen Verpflichtungen auch
einhalten?
Kein Ziel erforderte im Verlaufe unserer Verhandlungen mehr Energie
und mehr Aufmerksamkeit.

Wir haben darauf bestanden, daß das SALT II-

Abkommen verifizierbar gemacht wird.

Wir sind davon überzeugt, daß

keine bedeutsame Verletzung des Vertrages stattfinden könnte, ohne daß
die Vereinigten Staaten sie entdecken würden.
Unsere Überzeugung hinsichtlich der Verifizierbarkeit des Abkommens
rührt aus dem Umfang und der Natur der Aktivitäten her, die wir überwachen müssen, sowie aus den zahlreichen effektiven und hochmodernen
Systemen zur Beschaffung von Nachrichten, über die wir verfügen.
So dauert es zum Beispiel mehrere Jahre, bis nukleare Unterseeboote entwickelt und gebaut sind.

Raketensilos und die dazugehörige

Ausrüstung sind groß und weithin sichtbar.

Interkontinental-Bomber

werden in nur wenigen Fabriken hergestellt und benötigen große Flugplätze.

Unsere Photoaufklärungssatelliten erfassen die gesamte Sowjet-

union auf regelmäßiger Basis und geben uns ein großes Zutrauen, daß
wir in der Lage sein werden, die Zahl all dieser Systeme genau festzu-

- 11 -

�festzustellen.
Aber unsere unabhängig voneinander einsetzbaren Verifizierungskapazitä'ten beschränken sich nicht nur auf die Beobachtung dieser großräumigen Aktivitäten.

Wir können nicht nur feststellen, wieviele Systeme

es gibt, sondern auch, was mit ihnen erreicht werden kann.

Unsere Photo-

satelliten sowie andere Systeme setzen uns in den Stand, die technologischen
Entwicklungen innerhalb der sowjetischen strategischen Streitkräfte mit
großer Genauigkeit zu verfolgen.

Es kann kein Zweifel daran bestehen,

daß jeder Betruo, der unsere nationale Sicherheit berühren könnte,
frühzeitig genug von uns entdeckt würde, um voll und ganz darauf reagieren
zu können.
über viele Jahre hinweg haben wir die sowjetischen strategischen
Streitkräfte sowie die Einhaltung des SALT I-Abkommens seitens der
Sowjets mit einem hohen Grad an Gewißheit überprüft.
zität bleibt weiterhin bestehen.

Diese Gesamtkapa-

Sie ging gewiß nicht mit unseren Be-

obachtungsstationen im Iran verloren, die nur eine der zahlreichen
Nachrichtenquellen warenjdie wir benutzen, um die sowjetischen strategischen
Aktivitäten zu verfolgen.
Natürlich machen wir uns Sorgen wegen dieses Verlustes, aber wir
müssen die Sache doch in der richtigen Perspektive sehen.
Diese Überwachungskapazität betrifft in erster Linie den Teil des
Abkommens, der sich mit Modernisierungsbeschränkungen für ballistische
Interkontinentalraketen (ICBM) befaßt, und nur einen Teil dieser Modernisierung.
Die sensitiven Nachrichtenbeschaffungstechniken können selbstverständlich nicht in aller Öffentlichkeit erörtert werden, aber der
entscheidende Punkt ist, daß - falls es hinsichtlich des SALT-Abkommens einen

- 12 -

�einen Betrugsversuch gibt, einschließlich der Begrenzungen für die
Modernisierung der Interkontinentalraketen, wir dies entdecken werden und zwar frühzeitig genug, um unsere Sicherheit voll und ganz zu schützen.
Wir müssen uns auch immer vor Augen halten, daß unsere Sicherheit,
ganz abgesehen von den SALT-Beschränkungen.von dem Ausmaß unserer Informationen
über die strategischen Streitkräfte der Sowjets berührt wird.

Mit dem

SALT II-Vertrag werden solche lebenswichtigen Informationen uns weitaus
besser zugänglich sein.
Das Abkommen untersagt insbesondere zum erstenmal jede Beeinträchtigung
der Systeme, die zur Überwachung seiner Einhaltung eingesetzt werden.

Es

verbietet jede bewußte Verschleierung, die eine solche Verifizierung
behindern würde.

Jede derartige Verschleierungsaktivität wäre selbst

schon entdeckbar, und eine Verletzung dieses Teils des Abkommens wäre
so ernst, daß es und Grund geben würde, den Vertrag selbst zu annulieren.
Wie ich schon häufig gesagt habe: Es geht um zu viel, als daß wir
uns auf bloßes Vertäuen verlassen könnten - oder selbst auf die von der
Vernunft bestimmte Neigung der Sowjets, in ihrem eigenen Selbstinteresse
zu handeln. Der Vertrag muß - und wird - verifizierbar sein, und zwar
vom ersten Tag seiner Unterzeichnung an.
Und schließlich:

Wie paßt SALT II in den Zusammenhang unserer

Gesamtbeziehungen mit der Sowjetunion?
Weil SALT II die Welt und unser eigenes Land sicherer machen wird,
liegt es in unserem eigenen nationalen Interesse, die Nuklearwaffen zu
kontrollieren, selbst wenn wir mit den Sowjets anderswo in der Welt im
Wettstreit liegen.
Ein SALT-Abkommen begrenzt in keiner Weise unsere Fähigkeit, unsere

- 13 -

�unsere Interessen zu fördern und auf die sowjetischen Bedrohungen dieser
Interessen zu reagieren.
Wir werden auch weiterhin die Unabhängigkeit der Länder der Dritten
Welt, die um ihre Freiheit kämpfen, unterstützen.
Wir werden auch weiterhin die friedliche Lösung der örtlichen und
regionalen Dispute fördern und uns gegen alle Bemühungen anderer wenden,
diese Streitfragen mit Hilfe von außen anzuheizen.
Und wir werden auch weiterhin für die Menschenrechte eintreten.
Es ist eine Täuschung anzunehmen, daß eine Ablehnung von SALT die
Sowjetunion irgendwie veranlassen würde, sich in Krisengebieten jetzt
zurückzuhalten.

Die praktische Auswirkung könnte genau umgekehrt sein.

Die unnachgiebigsten und feindseligsten Elemente der sowjetischen Machtstruktur würden durch eine Ablehnung von SALT nur ermutigt und gestärkt
werden.

Die Sowjets könnten durchaus zu der Ansicht gelangen, daß sie

durch die Schaffung neuer internationaler Spannungen nur wenig zu verlieren hätten.
Eine Ablehnung von SALT II würde eine Bedeutung haben, die über
das Schicksal eines einzelnen Vertrages hinausgeht. Sie würde eine
radikale Abkehr von der langfristigen Politik Amerikas bedeuten, sich
um den Weltfrieden zu bemühen, um die Kontrolle der nuklearen Waffen
sowie um die Entspannung zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen
Volk im Rahmen eines Systems des Völkerrechtes, das auf gegenseitigen
Interessen basiert.
Eine Ablehnung von SALT II würde zu einer gefährlicheren Welt
führen.

Wie ich bereits in meiner Rede vor der Technischen Hochschule

von Atlanta in Georgia am 20. Februar ausgeführt habe: "Jede Krise, jede

- 14 -

�jede Konfrontation, jeder Konflikt - so ernsthaft er an sich schon sein
mag - würde ein zusätzliches Maß an Bedeutung und eine weitere Dimension
der Gefährlichkeit erhalten.

Denn er würde sich dann in einem Klima

ungezügelten strategischen Wettrüstens und nachlassender strategischer
Stabilität ereignen.

Gerade weil wir fundamentale Differenzen mit der

Sowjetunion haben, sind wir entschlossen, diese äußerst gefährliche
Dimension unseres militärischen Wettstreits unter Kontrolle zu bekommen."
Aus diesen Gründen wollen wir nicht versuchen, ein bindendes Junktim
zwischen dem Verhalten der Sowjets und SALT herzustellen - und wir werden
auch keinerlei sowjetische Versuche akzeptieren, einen Zusammenhang
zwischen SALT und Aspekten unserer eigenen Außenpolitik herzustellen,
die sie vielleicht ablehnen.
Und um es noch einmal zu sagen:
Sowjetunion keinen Gefallen.

Mit SALT II erweisen wir der

Es ist ein Abkommen, das im nationalen

Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten sorgsam ausgearbeitet worden
ist.
Ich lege Ihnen heute diese Dinge dar, weil sie der Erörterung
und Debatte bedürfen und weil die Stimme des amerikanischen Volkes gehört
werden muß.
In den vor uns liegenden Monaten werden wir alles in unseren Kräften
stehende tun, um dem amerikanischen Volk diesen Vertrag klar und umfassend
zu erläutern. Ich weiß, daß sich Mitglieder des Kongresses aus beiden
Parteien diesem Bemühen anschließen werden, um eine informierte öffentliche
Debatte zu gewährleisten.
Es ist von großer Bedeutung, daß wir während dieser Debatte Sorgfalt walten lassen. Wir werden mit dem Kongreß einige unserer sensitivsten
verteidigungspolitischen und nachrichtendienstlichen Geheimnisse teilen.

- 15 -

�'S-

teilen.

Und die führenden Politiker im Kongreß müssen garantieren, daß

diese Geheimnisse sorgfältig bewahrt werden, damit diese Debatte unsere
Sicherheit nicht unterminiert.

über

Wenn jetzt die nationale Debatte stattfindet, lassen Sie uns darim klaren sein, worum es geht und worum nicht.
-

Die Amerikaner sind der Aufrechterhaltung einer starken Verteidigung verpflichtet. Darum geht es nicht.

-

Wir werden auch weiterhin den Wettstreit fortsetzen - und in
wirksamer Weise mit der Sowjetunion konkurrieren.

Auchdarum

geht es nicht.
Die Frage, um die es geht, ist, ob wir mit der Kontrolle der
strategischen Rüstungen fortfahren oder wieder ein rücksichtsloses nukleares
Wettrüsten aufnehmen werden.

Das ist die Wahl, vor der wir stehen -

zwischen einer unvollkommenen Welt mit SALT II und einer unvollkommenen
und gefährlicheren Welt one SALT II.
Mit SALT II werden wir erreichen:
-

Bedeutsame Reduzierungen der strategischen Streitkräfte der
Sowjets;

-

eine weitaus größere Sicherheit hinsichtlich unserer Verteidigungsplanung und der Erkenntnis der Gefahren, denen wir uns gegenübersehen;

-

die notwendige Flexibilität, um unsere Verteidigungserfordernisse zu erfüllen;
die
- 16 -

V

�1

-

die Grundlage für weitere Kontrollen hinsichtlich der nuklearen
und konventionellen Rüstungen; und

-

die eigene Selbstachtung sowie die verdiente Achtung der Welt
vor den Vereinigten Staaten, die den Werken des Friedens verpflichtet sind.

Ohne SALT gäbe es keine Einschränkungen für die Sowjets,und sie
wären in der Lage zu einer weiteren enormen Aufrüstung und würden sich
wahrscheinlich sogar dazu verpflichtet fühlen.
Ohne SALT müßte es eine weitaus drastischere Anhebung unserer eigenen
Verteidigungsaufgaben auf Kosten anderer für unser Volk notwendiger
Programme

geben.

Ohne SALT hätten wir schließlich Tausende weiterer strategischer
Nuklear-Gefechtsköpfe auf beiden Seiten mit weitaus größeren Kosten und
weniger Sicherheit für unsere Bürger.
Ohne SALT hätten wir anstelle verbesserter Beziehungen mit der
Sowjetunion größere Spannungen.
Ohne SALT würde dem langwierigen, langsamen Prozeß der Rüstungskontrolle, die für den Aufbau einer sichereren Welt so entscheidend ist,
ein schwerer und vielleicht tödlicher Schlag zugefügt werden.
Ohne SALT wäre die Welt zu dem Schluß veranlaßt, daß Amerika sich
für die Konfrontation statt für die Kooperation und den Frieden entschieden
hat.
Das ist die unausweichliche Entscheidung, vor der wir stehen, denn
es ist eine Tatsache, daß die Alternative zu diesem Vertrag nicht ein

- 17 -

�ein perfektes Abkommen ist, das die Vereinigten Staaten einseitig entworfen haben und in dessen Rahmen wir alles und die Sowjetunion nichts
gewinnen. Die Alternative, jetzt und in der vorhersehbaren Zukunft,
ist vielmehr überhaupt kein Abkommen.
Ich bin davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten über den
moralischen und politischen Willen verfügen, die skrupellose Technologie
zu kontrollieren, die ständig zu neuen Waffen der Massenvernichtung
führen könnte. Wir brauchen nicht in den dunklen Alptraum eines unbeschränkten Wettrüstens zu versinken. Wir Amerikaner sind so klug, zu
wissen, daß unsere Sicherheit von mehr abhängt als von der Aufrechterhaltung
unserer unübertroffenen Verteidigungsstärke. Unsere Sicherheit und die
unserer Verbündeten hängt ebenso von der Stärke der Ideen und Ideale
ab sowie von Rüstungskontrollmaßnahmen, die ein gefährliches und verschwenderisches Wettrüsten, das keine Seite gewinnen kann, stabilisieren
und schließlich in das Gegenteil umkehren können. Das ist der Weg der
Klugheit - und des Friedens.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: keine Alternative zu SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten vor dem amerikanischen Zeitungsverlergerverband -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

I 1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. April 1979

14

INHALT
DOKUMENTATION
SALT und die nationale Sicherheit
- Von Zbigniew Brzezinski US-Verteidigungsminister legt die militärischen Aspekte von SALT II dar
- Wortlaut der Ansprache vom 5. April 1979 Bilaterale amerikanisch-israelische Grundsatzyereinbarung über Sicherheitsgarantien
Amerikanisch-israelische Grundsatzvereinbarung über die Ölversorgung
Erklärung des US-Außenministeriums zu den amerikanisch-israelischen
Grundsatzverei nbarungen
HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm der US-Regierung
Lehren von Harrisburg
- Bessere Sicherheitskonzeptionen für Atomkraftwerke unerläßlich Meeresbergbaugesetz erneut vor US-Kongreß
- Regierung wünscht Übergangsregelung bis zum Seerechtsvertrag Produktivität braucht Forschung
- Sonderbotschaft Präsident Carters über Wissenschaft und Technologie -

Um Ubcr/cnJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. April 1979

14

SALT UND DIE NATIONALE SICHERHEIT
Von Zbigniew Brzezinski

Der Berater Präsident Carters für
Fragen der nationalen Sicherheit,
Zbigniew Brzezinski, hat am 4. April
1979 in einer Rede vor dem Rat für
Auswärtige Beziehungen in Chicago
die politischen Aspekte des in Bälde
zu erwartenden SALT II-Abkommens
dargelegt. Wir geben seine Ausführungen im Wortlaut wieder.
- (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stehen an der
Schwelle eines historischen Ereignisses: des Abschlusses eines umfassenden
Abkommens zur Begrenzung der nuklearen strategischen Offensivwaffen. Unser
Land steckte dieses Ziel seit Aufnahme der SALT-Verhandlungen vor nahezu
zehn Jahren und während dreier aufeinanderfolgender Administrationen an.
Heute möchte ich zu Ihnen über die Wichtigkeit dieses SALT-Abkommens für
unsere nationale Sicherheit und unsere Beziehung zur Sowjetunion sprechen.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�*

Die Unterzeichnung des SALT II-Abkommens wird eine lebhafte und, wie
wir hoffen, kluge nationale Debatte auslösen, die hoffentlich zur Ratifizierung
des SALT II-Abkommens durch den Senat führen wird.

Ebenso wichtig ist, daß

dieser nationale Dialog einen neuen Konsensus bezüglich einer Politik zustande
bringt, die unsere nationale Sicherheit in den achtziger Jahren gewährleisten
soll.

Präsident Carter leitete diesen Dialog in seiner jüngsten Ansprache

vor dem Georgia-Institute of Technology in Atlanta ein,, Verteidigungsminister
Harold Brown wird morgen in

New York die militärischen und die Verteidigungs-

aspekte des Vertrages darlegen.
Die Sicherheit der Vereinigten Staaten kann nur durch die uneingeschränkte Mitwirkung unserer gewählten Führer und des ganzen amerikanischen
Volkes gewährleistet werden.

Wie wir alle wissen, werden die Streitfragen,

die uns während der Verhandlungen zu SALT II in die Schranken gefordert
haben, durch Unterzeichnung und Ratifizierung des Vertrages nicht
aus der Welt geschafft werden.
Die Aufrechterhaitüng einer konstruktiven strategischen Relation zur
Sowjetunion wird auf unserer nationalen Tagesordnung soweit in die Zukunft
hinein stehen bleiben, wie wir gegenwärtig sehen können. Demzufolge muß
sich unsere Politik auf Realismus, Geduld und Klugheit bezüglich der Zukunft
stützen. Das amerikanische Volk muß diese Politik verstehen, Das sollten
auch unsere Verbündeten und die führenden Politiker der Sowjetunion verstehen.

SALT und die amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion
Wie Präsident Carter betonte, werden die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen auch weiterhin eine Mischung aus Wettbewerb und Zusammenarbeit
bleiben. Unsere Politik muß so gestaltet werden, daß sie beiden Zwecken

�Zwecken dient und ein wirksames Gleichgewicht zwischen beiden herstellt.
Sie muß darauf gerichtet sein, die Zusammenarbeit dort zu verbreitern,
wo wir das können, und den Herausforderungen des Wettbewerbs gerecht zu
werden, wo wir uns dazu gezwungen sehen.
Die Sowjetunion ist eine militärische Supermacht, die gegenwärtig
darauf drängt, eine echte Weltmacht zu werden.

In manchen Teilen der Erde

fordert die Sowjetunion unsere Sicherheitsinteressen und die unserer engen
Freunde und Verbündeten in die Schranken.
In der Verfolgung ihrer Ziele stützt sich die Sowjetunion in erster
Linie auf ihre militärische Macht. Das ist ihre Stärke - eireStärke, der
wir Gleichwertiges entgegensetzen können - in vieler Hinsicht aber auch
Quelle ihrer Schwäche. Indem die Sowjetunion ihrer zivilen Wirtschaft
beträchtliche Ressourcen entzieht, um ihre Militärmaschine weiter auszubauen, schwächt sie die Stärke ihrer Gesellschaft.
Im Gegensatz hierzu haben die Vereinigten Staaten viele einzigartige
Pluspunkte aufzuweisen: unsere wirtschaftliche und technologische Dynamik;
unsere blühende und stabile Gesellschaft, unseren Staat, der der echten
Mitwirkung und Unterstützung der Öffentlichkeit gewiß sein kann, und unsere
Fähigkeit, auf Verbündete zu zählen, die sich uns in einem freien Bund angeschlossen haben.
Die ideologische Anziehungskraft der Sowjetunion im In- und Ausland
ist im Schwinden begriffen. Ihr wirtschaftliches und politisch© System
gilt
heute nirgendwo mehr als ein Modell. Einer der bemerkenswertesten
Aspekte der politischen Isolierung der Sowjetunion besteht vielleicht
darin, daß sie entdecken mußte, wie schwer es ist, rohe militärische
Macht in politischen Gewinn umzumünzen. Wohl hat sie Verbündete, Abhängige
und Helfershelfer, die stellvertretend für sie handeln; dabei handelt es
sich um Zusammenschlüsse, die gewöhnlich auf der Macht der Sowjets, nicht

- 3 -

�&lt;

nicht aber auf gegenseitiger Achtung oder auf dem jeweiligen Eigeninteresse
beruhen.
Die Grenzen für ein offenes und freies politisches Engagement in der
Völkergemeinschaft - Beziehungen, wie wir sie in reichem Maße genießen zwingen die Sowjetunion,sich weitgehend auf ihre Macht zu stützen, wenn es
darum geht, Einfluß zu gewinnen.

Das verleitet die Sowjets dazu, gegenüber

anderen bestimmter aufzutreten und bezüglich ihrer Position ängstlicher
zu sein als andere.

Dies wiederum ist eine Kombination, die unsere Stand-

haft!* gkeit und Entschlossenheit auf eine ernste Probe stellt.

Wir werden

dieser Herausforderung heute gerecht, und wir werden ihr auch in Zukunft
gerecht werden.
Gleichzeitig beginnt die Sowjetunion allmählich zu begreifen, welche
Risiken einem Wettbewerb innewohnen, der so stark von militärischen Gesichtspunkten beeinflußt wird.

Die Sowjetunion ist eine Nation, die die

ganze Wucht des schlimmsten Konflikts unserer modernen Zeit zu spüren
bekommen hat.

Genau wie wir

ist auch die Sowjetunion zu der Erkenntnis

gelangt, daß SALT mithelfen kann, die Risiken einer nuklearen Katastrophe
zu begrenzen, die ein ungehinderter Wettstreit im Bereich der strategischen
Rüstungen auslösen könnte.

Infolgedessen

vermag SALT im größeren Rahmen

der programmierten amerikanischen strategischen Kapazitäten das erforderliche
strategische Gleichgewicht für einen Fortschritt in den politischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu gewährleisten.
Selbst nach Abschluß dieses SALT-Abkommens werden die wettbewerbsspezifischen Elemente in unseren Beziehungen zur Sowjetunion fortbestehen.
Es wird fortgesetzter und langfristiger Bemühungen bedürfen, um unsere
Interessen und die unserer Freunde zu schützen.

Dieser Wettbewerb aber

läßt sich sicherer und wirksamer steuern, wenn beide Länder die Gefahren
einer nuklearen Konfrontation durch eine verbindliche und beiderseitige
Mäßigung in Grenzen halten.
Was
- 4 -

�Was die beiderseitige Mäßigung auf dem Wege über SALT angeht, machen
wir uns heute Gedanken nicht nur über die Sowjetunion von heute, sondern
auch über die von morgen.

Während der nächsten Jahre wird sich die

sowjetische Führung verändern.

Wir können im voraus nichts über das Wesen

der neuen Führer und die Hauptaspekte der künftigen Sowjetpolitik aussagen.
Wir können aber heute Vorsorge treffen, daß die sowjetischen Führer der
Gegenwart wie die der Zukunft die Politik und die Ziele der Vereinigten
Staaten verstehen:

sowohl unsere Entschlossenheit, unsere Interessen und

jene unserer Freunde und Verbündeten zu schützen, als auch unseren Wunsch,
die Detente und die Zusammenarbeit zu verbreitern.

Wenn sich die nächste

sowjetische Führungsgeneration anschickt, ihre Politik auf dem Gebiet
der strategischen Rüstung und gegenüber den Vereinigten Staaten festzulegen, dann wünschen wir, daß sie in klare, und vertraglich vereinbarte
Beschränkungen im Wettbewerb auf eben diesem Gebiet eingebunden ist. Wir
wünschen, daß dies die Beschränkungen des SALT II-Abkommens sind - nicht
die weit weniger strengen Begrenzungen des SALT I-Interimabkommens.

Sie

soll dann, so wünschen wir überzeugende Beweise an der Hand haben, daß
die Vereinigten Staaten für ihre Interessen eintreten und diese erfolgreich
gegen jede Herausforderung verteidigen werden.

Sie sollen ferner wissen,

daß sie sich mit uns zu dem Zwecke zusammentun können, die Detente und
die Zusammenarbeit auszuweiten.

Das ist eines der entscheidenden Ziele der neuen SALT II-Vereinbarungen:
einen Rahmen schaffen zu helfen, in dem die Sowjetunion ihre künftigen
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sieht, Grenzen zu setzen im Bereich
der strategischen Rüstungen und die Chancen zu mehren, daß Beschränkungen
bei diesen Waffen zu friedlicheren Beziehungen insgesamt führen.

Was

- 5-

�Was ist SALT?
Unsere Ziele in SALT sind denen unserer Wirtschaftsstrategie vergleichbar:

zu größerer Stabilität beizutragen, auf beiden Seiten den

Anreiz zu vermindern, sich nuklearer Streitkräfte zu bedienen, den
Pressionen zum Ausbau der strategischen Rüstungen Grenzen zu setzen

und

unsere nationalen Interessen und die unserer Freunde und Verbündeten zu
schützen.
Der SALT-Vertrag von 1972 begrenzte die Dislozierung ballistischer
Raketenabwehrsysteme (Anti-Bailistic Missiles - ABM) auf beiden Seiten.
Er unterband ein kostspieliges und gefährliches Wettrüsten auf dem Gebiet
der Raketenabwehr, den keine Seite wirklich wünschte, von dem aber beide
fürchteten, daß die Gegenseite im Begriff stehe, ihn vom Zaum zu brechen.
So brachten wir relativ leicht eine umfassende Abmachung zustande, da
eine ausgedehnte Dislozierung von ABMs noch nicht begonnen hatte und
keine Seite sicher sein konnte, ob ihre ABM-Technologie erfolgreich sein
werde.
Die Aufgaben, die sich während der Verhandlungen über eine umfassende
Vereinbarung zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen stellten, waren
weit größer, weil beide Seiten bereits derartige Systeme in großer Zahl
disloziert haben. Ausgeprägte Unterschiede in der Zusammensetzung der
sowjetischen und amerikanischen Offensivstreitkräfte machten es darüber
hinaus äußerst schwierig, Begrenzungen zu formulieren, die ausgewogen
und gerecht zugleich sind.
Wir haben beharrlich verhandelt, und das in Aussicht stehende Abkommen
wird weit über das SALT-Interimsabkommen hinausgehen.

Es ist viel um-

fassender und den strategischen Erfordernissen Amerikas weit besser angepaßt.

Lassen Sie mich einige der wichtigsten Pluspunkte der SALT II-

Vereinbarung hier aufzeigen:
Es setzt
- 6 -

�-

Es setzt zum ersten Mal eine einheitliche Obergrenze für alle
wichtigen interkontinentalen strategischen Trägersysteme und die
wichtigen Unterkategorien der mit unabhängig-zielgesteuerten
Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten Raketen (MIRVs).

-

Es setzt ferner eine wirksame Obergrenze für die Zahl der Gefechtsköpfe fest, die jede mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattet
interkontinentale Rakete mit sich führen darf. Das ist von
entscheidender Bedeutung, weil dies unsere strategische Planung
für die Zukunft vereinfacht und uns größere Gewißheit hinsichtlich
unserer militärischen Projektionen gewährt.

-

Das Abkommen beschränkt beide Seiten bis 1985 auf die Entwicklung
und Dislozierung von nur einer völlig neuen Interkontinentalrakete.
Diese Bestimmung wird eine qualitative Ausweitung des Wettrüstens
verhindern und uns dennoch gestatten, eine neue Interkontinentalrakete und auch eine sicherere Methode zur Basierung unserer vorhandenen Interkontinentalraketenkräfte zu entwickeln. Dies ist
notwendig für uns, weil Verbesserungen der sowjetischen militärischen
Kapazitäten die Verletzlichkeit unserer Interkontinentalraketen
vom Typ MINUTEMAN verstärken. Das SALT-Abkommen gibt uns die
Flexibilität, derer wir bedürfen, um dieses Problem zu lösen.

SALT II geht mit allen diesen Bedingungen über SALT I hinaus, indem
es Höchststärken für alle von ihm erfaßten Waffentypen festsetzt. Diese
Bedingung entspricht einer Schlüsselforderung des Senats für die SALT IVerhandlungen,, Das vereinbarte Prinzip der Gleichheit erfordert auf
Seiten der Sowjetunion sogar eine tatsächliche Verminderung der Interkontinentalkräfte. Sie wird mehr als 350 Systeme abbauen müssen - was man
in seiner Bedeutung nicht unterschätzen sollte. Das Abkommen könnte durchaus der Vorläufer für noch beträchtlichere und bedeutsamere Verminderungen
der Rüstung auf beiden Seiten sein.
Im
- 7 -

�Im übrigen läuft der SALT II-Vertrag - das zu wissen, ist wichtig nur bis Ende 1985. Auch wenn unser langfristiges Ziel ein permanenter
Vertrag bleibt, verläuft die Entwicklung von Offensivwaffen auch fernerhin viel zu dynamisch, um vertrauenswürdige Vorhersagen über die Zeit
Ende der achtziger Jahre und darüber hinaus zu treffen.

Immerhin ver-

mindert der SALT II-Vertrag unsere Ungewißheit bezüglich der sowjetischen
Streitkräfte zu Anfang der achtziger Jahre erheblich - in dieser Zeit müssen
wir unsere eigenen strategischen Kräfte verbessern, damit sie einen
eventuellen sowjetischen Angriff überstehen können.

Die notwendigen

Verbesserungen auf unserer Seite wären weit kostspieliger, und wir könnten
weit weniger zuversichtlich hinsichtlich ihres Erfolges sein, wenn die
Begrenzungen nicht zustande kämen, die SALT II den sowjetischen Kräften
auferlegen wird.
Wir haben schon vor langem erkannt, daß SALT II nur von geringem Wert
wäre, wenn wir nicht sicher sein könnten, daß sich auch die Sowjetunion
an seine Bestimmungen hält. Deshalb spielte die Frage der Verifizierung
eine so wichtige Rolle in den Verhandlungen. Der Vertrag spiegelt unsere
diesbezüglichen Besorgnisse wider. Er bekräftigt unmißverständlich, daß
die Verifizierung ein notwendiger Bestandteil von Rüstungskontroll Vereinbarungen im allgemeinen und von SALT II im besonderen ist. Er besagt,
daß nationale technische Mittel zur Verifizierung - zum Beispiel Satellitenaufnahmen - legitime Mittel zur Gewährleistung der Erfüllung des Vertrages
darstellen. Er verbietet sowohl die Störung derartiger Hilfsmittel als
auch vorsätzliche Vertuschungsmaßnahmen, die die Sammlung notwendiger
Informationen behindern könnten. Das Abkommen fordert des weiteren, daß
sich beide Seiten an spezifische Verfahren halten, um eine Verifizierung
zu erleichtern.
Diese Vorkehrungen vermindern die Ungewißheit bezüglich des Ausmaßes
der Bedrohung, der jedes der beiden Länder ausgesetzt ist, erheblich.
Eines der wichtigsten auslösenden Momente für eine Verschärfung des Wett-

�Wettrüstens ist die Ungewißheit hinsichtlich dessen, was auf der Gegenseite vorgeht.

Der SALT Il-Vertrag unternimmt einen entscheidenden Schritt,

diese Ungewißheit zu verringern.
Lassen Sie mich betonen, daß uns der SALT Il-Vertrag die Möglichkeit
bietet, mit der Verbesserung unserer Streitkräfte innerhalb eines Rahmens
der Vorhersagbarkeit und des Vertrauens fortzufahren.

Was SALT nicht ist!
Auf diese Weise wird SALT II unsere Sicherheit stärken und mithelfen,
die Basis für weitere Begrenzungen der strategischen Rüstungen in der
Zukunft zu schaffen.

Eine vernünftige Beurteilung der SALT II-Vereinbarung

setzt aber auch ein klares Verständnis dessen voraus, was sie nicht bringt
und nicht bringen kann.
Allem voran ist der SALT Il-Vertrag keine Vereinbarung, die von
Vertrauen getragen wird. Er trägt sich selbst. Er basiert auf gemeinsamen
Interessen, die ihren Ausdruck in harten Verhandlungen und Kompromissen
gefunden haben. Er gewährleistet die ausreichende Verifizierung der Einhaltung seiner wichtigsten Vorschriften und gründet sich auf die großen
Möglichkeiten der Vereinigten Staaten, auf gegenwärtige wie künftige
militärische Erfordernisse zu reagieren.
Der SALT II signalisiert mit Sicherheit nicht das Ende des Ost-WestWettbewerbs. Wenn unsere Interessen bedroht werden, werden wir sie verteidigen. Und wenn sich die Möglichkeit bietet, die Entspannung ausweiten
und neue Formen der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion erreichen zu können,
werden wir sie nutzen.
SALT II bedeutet nicht das Ende des militärischen Wettbewerbs - auch
- 9 -

�auch nicht auf dem Gebiet der strategsichen Waffen

Während der letzten

beiden Jahrzehnte hat die Sowjetunion ihre Streitkräfte auf allen Gebieten
erweitert und modernisiert. Der ständig steigende sowjetische Verteidigungshaushalt beansprucht mehr als zehn Prozent des Bruttosozialprodukts.
Infolgedessen sehen wir uns auf vielen Gebieten in einen militärischen
Wettstreit verwickelt, und wir müssen uns hierauf einstellen.
Der SALT II-Vertrag wird die Erfordernisse hierzu in diesem Bereich dem der strategischen Rüstung
machen.

verringern, sie aber nicht überflüssig

Das dringendste Problem, dem wir uns gegenübersehen, ist die zu-

nehmende Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen.

Darüber hinaus

müssen wir unsere nuklearen Gefechtsfeldwaffen und unsere konventionellen
Streitkräfte modernisieren und verbessern.

Wir können und werden das tun;

es steht nichts im SALT II-Vertrag, was uns davon abhält, die notwendigen
Schritte unsererseits und im Verein mit unseren Verbündeten zu unternehmen.
Niemand sollte den SALT II-Vertrag als ein Instrument ansehen, das
der Sowjetunion in ihrer Militär- und Außenpolitik oder gar in ihrer
Gesellschaftspolitik im eigenen Land enge Beschränkungen auferlegt. In
unserer nationalen Debatte über SALT stellen manche Beobachter die Frage,
ob wir ein Abkommen unterzeichnen können, das es zuläßt, daß die Sowjetunion im Ausland gegen unsere Interessen handelt und im eigenen Lande die
Anerkennung der Menschenrechte verweigert. Diese Stimmen bestehen mithin
auf ein Junktim.
Unsere Haltung zur Frage eines solchen Junktims ist klar: Beschränkunge
der strategsichen Rüstungen sind auch für sich allein wünschenswert. Die
Suche nach derartigen Beschränkungen sollte nicht als Pfand für andere
amerikanische oder sowjetische politische Aktionen oder für die Zusammenarbeit zwischen uns benutzt werden. Wir akzeptieren überhaupt kein derartiges Junktim - auch nicht, beispielsweise, ein Junktim zwischen einer
engeren amerikanisch-chinesischen Zusammenarbeit bei der Lösung einer Reihe

- 10 -

�Reihe unterschiedlicher Probleme und SALT und wir würden auch alle
sowjetischen Bemühungen energisch zurückweisen, einen solchen negativen
Zusammenhang herzustellen.,

Aus dem gleichen Grund dürfen wir nicht

darauf bestehen, daß uns die Sowjetunion - als Vorbedingung für eine
Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten bezüglich der Beschränkung der
strategischen Rüstungen - in Angelegenheiten entgegenkommt, die uns
Sorge bereiten.

Ein solches Junktim zu verlangen liefe darauf hinaus,

daß kein Problem der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen gelöst werden
kann, solange nicht alle anderen wichtigen Streitfragen gleichzeitig bereinigt werden können

Das ist kein Rezept für die Führung der Politik,

sondern für deren völlige Paralysierung,,
Demgemäß besteht unsere Aufgabe darin, eine gute SALT-Vereinbarung
zustandezubringen und sowjetischen Herausforderungen in angemessener Weise
zu begegnen, wo und wann immer es zu solchen kommen mag.

Argumente der Kritik und deren Widerlegung
In den vor uns liegenden Wochen wird der SALT II-Vertrag Gegenstand
eingehender Erörterungen im Senat und im Volk der Vereinigten Staaten sein ein normaler Vorgang in einem demokratischen Land. Eine Vereinbarung
auszuhandeln, die jedermanns Beifall findet, ist unmöglich. Die Kritiker
des SALT II-Vertrags werden zahlreiche Einwendungen vorbringen. Es dürfte
meines Erachtens die Atmosphäre klären, wenn ich hier versuche, auf einige
der häufigsten kritischen Einwände gegen diese Vereinbarung einzugehen.
Man wird behaupten, das Abkommen gehe nicht weit genug, die Obergrenzen seien zu hoch und die Beschränkungen zu bescheiden.

Ich darf

Ihnen versichern, daß niemand dieserKritik aufrichtiger beipflichtet
als Präsident Carter,

Er erkennt jedoch - und das müssen wir alle tun -, daß

- 11 -

�daß das Streben nach dem Besten nicht der Erzielung des Guten im Wege
stehen darf.

Die Ergebnisse des SALT Il-Vertrags sind nützlich und real.

Sie verbessern die Aussichten auf Frieden und Stabilität weit über das Maß
hinaus, das im Falle des Fehlens dieses Vertrags bestünde«

Der Weg zu

ehrgeizigeren Beschränkungen der strategsichen Rüstungen führt über die
Billigung dieser Vereinbarungen zu noch weitergesteckten Zielen,
Gewisse Kreise werden argumentieren, dieses Abkommen verurteile unser
Land - trotz des Prinzips der Gleichheit, auf dem dessen entscheidende
Bestimmungen beruhen - zu einem gewissen Maß an strategischer Inferiorität
Meiner Auffassung nach ist diese Kritik unverdient schwarzseherisch und
ich möchte auch klarstellen, warum:
-

Man wird sagen, der Vertrag gestehe der Sowjetunion sehr schwere
Raketen zu, während unsere sehr viel leichter sind. Wir waren
jedoch nie daran interessiert, schwere Raketen zu bauen und verlassen
uns hierbei auf unseren qualitativen Vorsprung, Es ist uns zudem
gelungen, in SALT II wirklich wichtige Beschränkungen bezüglich der
Nutzung der schweren Raketen seitens der Sowjets zu erzielen,
dergestalt, daß die Zahl der Gefechtskbpfe, die diese mit sich
führen können, begrenzt wird;

-

man wird sagen, die Vereinbarung schließe die sowjetischen BackfireBomber nicht ein, die die Vereinigten Staaten erreichen können.
Die Vereinbarung erlegt uns aber auch keine Beschränkung bezüglich
unserer in Großbritannien stationierten Bomber vom Typ F-lll und
anderer Flugzeuge auf, die wir gegen die Sowjetunion einsetzen
könnten; und

-

man wird sagen, die Vereinbarung verfüge Beschränkungen bezüglich
der Marschflugkörper, die für uns wichtiger als für die Sowjetunion
sind.

Es ist uns jedoch gestattet, eine umfangreiche Flotte

�Flotte von luftgestützten Marschflugkörpern beliebiger Reichweite
aufzubauen.

Die Begrenzungen bezüglich see- und landgestützter

Marschflugkörper werden zudem vor dem Zeitpunkt erlöschen, vor dem
wir derartige Geräte dislozieren könnten.
Ich führe diese Beispiele - die sich noch vermehren lassen - hier aus
einem einfachen Grunde an: Wir haben für jeden Vorteil, den wir der Sowjetunion zugestanden, einen Vorteil dazugewonnen oder beibehalten. Und dort,
wo sowjetische Kapazitäten ein echtes militärisches Problem darstellen, bleibt
es uns freigestellt, innerhalb der Bestimmungen der Vereinbarung angemessene
Gegenmaßnahmen zu treffen und unsere Sicherheit zu gewährleisten. Das ist
genau das, was ein gutes und gerechtes Abkommen ausmacht: Nicht die
Symmetrie der Systeme, sondern ein Rahmen für gleichgewichtige Sicherheit.
Darüber hinaus wird sich die Kritik am SALT II-Vertrag auf die Frage
konzentrieren, ob er hinreichend verifiziert werden kann. Wir sind
vollkommen zuversichtlich, das dies der Fall sein wird. Wir verfügen über
ein umfangreiches Arsenal hochtechnischer und sehr kostspieliger Mittel,
um entdecken und beobachten zu können, was die Sowjetunion hinsichtlich
ihres strategischen Programms unternimmt. Diese Mittel unterstehen samt
und sonders unserer eigenen Kontrolle; sie gestatten es uns, nicht einfach
auf den guten Willen der Sowjets zu bauen. Diese Mittel schaffen einen
Ausgleich für einen der wichtigsten Unterschiede zwischen unseren beiden
Systemen, zwischen unserer offenen und ihrer geschlossenen Gesellschaft.
Wir können viele Aspekte der Entwicklung, Erprobung, Produktion, Dislozierung,
Ausbildung und Operationen der sowjetischen strategischen Streitkräfte beobachten - trotz der Abgeschlossenheit der sowjetischen Gesellschaft und
trotz der Tatsache, daß die Sowjets auf Geheimhaltung versessen sind.
Sicherlich kann kein Mittel der Verifizierung absolut vollkommen
sein. Dennoch können wir unter größten Anstrengungen - unter Benutzung
der fortschrittlichsten Technologie und dank der Tüchtigkeit einiger

- 13 -

�einiger zehntausender unserer bestausgebildeten Mitbürger - zuversichtlich
sein, Jaß uns jede signifikante Verletzung der SALT II-Vereinbarung lange
vor dem Zeitpunkt zur Kenntnis gelangen wird, an dem wir auf sie militärisch
zu reagieren hätten. Und im SALT II-Vertrag wird auch der Fortbestand der
Ständigen Konsultativkommission in Genf gewährleistet, an die wir uns wie auch die Sowjetunion - in allen Fragen bezüglich der Erfüllung des
Vertrags wenden können.
Bei den Verhandlungen zu SALT II war es von entscheidender Wichtigkeit
für uns, die Sicherheit und das Interesse unserer NATO-Verbündeten ebenso
zu wahren, wie unsere eigenen.

Wir haben bezüglich SALT II bei jedem Schritt

Konsultationen mit unseren Verbündeten mit einer Gründlichkeit und Intensität
gepflegt, die fast ohne Beispiel waren.
Wir haben unseren Verbündeten versichert, daß ihre Interessen in diesem
Vertrag voll gewahrt bleiben. Der beste Beweis für den Erfolg unserer
fortgesetzten Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten in bezug auf SALT II
dürften wohl deren Reaktionen hierauf sein: Das nachhaltige Eintreten für
den Vertrag seitens alliierter Spitzenpolitiker einschließlich der öffentlichen
Erklärungen von Bundeskanzler Schmidt, Premierminister Callaghan und
Präsident Giscard auf Guadeloupe.
Wir sind ferner entschlossen, dafür Sorge zu tragen, daß die Fortführung des SALT-Prozesses unsere Aufmerksamkeit nicht von der anhaltenden
Herausforderung durch die sowjetische Militärmacht ablenkt, oder unsere
Entschlossenheit untergräbt, dieser Herausforderung zu begegnen. Diese
Entschlossenheit steht in keinem Zusammenhang mit dem inneren Wert der
vorgeschlagenen Vereinbarung, sondern beruht auf unserer Vernunft und
unseren nationalen Willen.
i

Mit oder ohne SALT II werden wir - mit dieser Vereinbarung oder jeder
denkbaren Alternative - auch in Zukunft vor der Aufgabe stehen, uns ein

�ein Urteil über die militärische Herausforderung für die Vereinigten Staaten
und unserer Verbündeten zu bilden und hierauf mit wirksamen Gegenmaßnahmen
zu antworten.

Wir müssen in jedem Falle nüchterne und realistische Vorsorge

für die gemeinsame Verteidigung treffen.

Und wir werden dies auch in jedem

Falle tun.
Im Verlauf der nächsten Jahre werden wir eine Reihe schwieriger Entscheidungen bezüglich der Position unserer Streitkräfte auf mehreren Gebieten treffen müssen. Wir werden diese Entscheidungen in der nüchternen
Erkenntnis treffen, daß die Vereinigten Staaten eine militärische Stärke
beibehalten müssen, die ausreicht, um vor jedem Angriff auf uns und unsere
Verbündeten abzuschrecken und uns in die Lage versetzt, jedem Angriff
welcher Größenordnung auch immer - sollte es zu einem Angriff kommen - entgegenzutreten und unsere Interessen und die unserer Freunde und Verbündeten
überall auf der Welt zu verteidigen.

Die Zukunft von SALT
Die SALT II-Vereinbarung ist ein entschiedener Schritt in Richtung auf
eine Beschränkung der strategischen Rüstungen - aber eben nur ein Schritt.
Deshalb werden wir in Zukunft hinsichtlich einer vielschichtigen Tagesordnung
zu Fragen der Rüstungskontrolle - einschließlich erheblicher Verringerungen
der strategischen Waffen, weitergehende"qualitativer Rüstungsbeschränkungen
und laufender Verbesserungen unserer Fähigkeit zur Verifizierung von
Rüstungsbegrenzungsvereinbarungen - prompt handeln müssen. Wir werden bei
jedem Schritt auf diesem Wege eng mit unseren NATO-Verbündeten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß unsere Anstrengungen in bezug auf SALT III
ihre wie unsere Sicherheit gleichermaßen mehren werden.
Wir werden uns weiterhin um zusätzliche und bessere Vereinbarungen
auf dem Gebiet der Rüstungsbeschränkungen bemühen.
- 15 -

Und wir werden auch nicht

�nicht zögern, jedes Verteidigungsprogramm einzustellen, dessen militärische
Erfordernisse durch erfolgreiche Rüstungsbegrenzungsvereinbarungen wirksam
und auf sichere Art und Weise gewährleistet werden können.
Letztlich müssen wir bei einer Beurteilung des SALT II-Vertrags stets
dessen eingedenk bleiben, was damit erreicht wird.

Der SALT-Prozeß ist ein

in der Geschichte der Menschheit bisher einmaliges Unterfangen.

Nie zuvor

haben sich zwei unterschied! ich geartete und im Wettstreit miteinander liegende
Großmächte an Anstrengungen oeteiligt, die geeignet sind,ihre Aktionsfreiheit
in Fragen ihres eigenen Überlebens und des Überlebens der Menschheit einzuengen.

Nie zuvor haben sich zwei solche Mächte zu der Vorstellung bekannt,

daß ihnen aus gegenseitiger Mäßigung beim Aufbau ihrer zerstörerischsten
Waffen größere Sicherheit erwachsen kann als aus der Fortführung eines uneingeschränkten Wettbewerbs.

Diese gemeinsame Erkenntnis basiert nicht auf

Vertrauen oder auf einer Blindheit gegenüber unserer tiefen und anhaltenden
Meinungsverschiedenheiten.
Sie ist vielmehr die Einsicht in die entscheidende Wichtigkeit einer
Verminderung der strategischer, Unsicherheit
und der Gefahren einer
nuklearen Krise und der Zerstörung. Unsere Bemühungen um die Kontrolle
der Nuklearwaffen werden auch künftig schwierig, aufreibend und ungewiß
sein. Sie werden Geduld, Klugheit und Anstrengungen ohnegleichen erfordern,
wollen wir zu einem gesunden Urteil gelangen. Sie werden mir meines Erachtens
beipflichten, daß dies lohnende Anstrengungen sind, die sich auf Ziele
richten, deren Erreichung für uns und die gesamte Menschheit von lebenswichtiger Bedeutung ist.

+ + + + +

- 16 -

�IfiHfWi
I

14

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. April 1979

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER LEGT DIE MILITÄRISCHEN ASPEKTE VON SALT II DAR
- Wortlaut der Ansprache vom 5. April 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold
Brown hat am 5. April 1979 in einer Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen und der Gesellschaft für Außenpolitik in New York die militärischen
Aspekte des in Bälde zu erwartenden SALT II-Abkommens dargelegt. Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über diese Gelegenheit, heute zu Ihnen über die Begrenzungen der strategischen Rüstungen und die nationale Verteidigung
sprechen zu können. Ich bin der Überzeugung - und ich glaube, der Präsident
und viele von Ihnen werden zustimmen - daß das anstehende SALT-Abkommen
mit der Sowjetunion das bedeutsamste bilaterale Übereinkommen zwischen den
globalen Supermächten in den siebziger Jahren sein wird.
SALT ist heute ein Bestandteil des Gefüges der internationalen Beziehungen. Es ist ein Element der Stabilität und zwar nicht nur in
militärischer Hinsicht, sondern im weltweiten politischen Gleichgewicht,

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Gleichgewicht.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß SALT allein weder den

politischen Wettstreit zwischen

uns und der Sowjetunion beenden noch all

unsere Hoffnungen auf Kooperation oder all unsere Bedürfnisse nach strategischer
Sicherheit erfüllen kann. Aber - wie es der Sicherheitsberater des
Präsidenten gestern sagte - es ist notwendig für ein kluges Management
beider Aspekte unserer Beziehungen.
Wegen dieser tiefen Bedeutung des Abkommens ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die öffentliche Debatte über seinen Wert nicht nur gründlich,
sondern auch wohl informiert geführt wird.

Wenn ich heute hier spreche, so

hoffe ich, zu diesen beiden wesentlichen Punkten einen Beitrag leisten zu
können.
•

.

.

•

,

.

.

.

'

Lassen Sie mich meine Erörterungen über SALT und die nationale Verteidigung damit beginnen, daß ich Ihnen über den Status der Verhandlungen
berichte.

Obwohl wir einem Abkommen sehr nahe sind, bleiben doch zumindest

noch zwei oder drei wichtige Probleme - speziell jene, die die Verifizierung
und die Begrenzung der neuen Raketen betreffen - und zwar Probleme von
solcher Bedeutung, daß wir sicher sein müssen, daß sie zufriedenstellend
gelöst werden konnten, ehe wir das Vertrauen haben können, daß ein SALT IIAbkommen Zustandekommen kann.

Ob - und daher auch wann - ein Abkommen

erzielt werden kann, hängt weitgehend von der Aushandlung dieser Fragen ab.
Die Aussichten dafür sind nach meiner Ansicht auch weiterhin gut.
Unter unserem Regierungssystem wird die endgültige Entscheidung der
Vereinigten Staaten, ob ein Vertrag wirksam wird oder nicht, vom Senat
gefällt. So wird denn die formelle Debatte über die Ratifizierung im
Senat geführt werden und erst beginnen, wenn der Vertrag unterzeichnet
und dem Senat unterbreitet worden ist. Praktisch gesehen aber hat die
Debatte über SALT II bereits begonnen und ist faktisch schon so lange im
Gange wie die Verhandlungen selbst, ja sogar noch länger, Darüber hinaus
ist es eine Debatte, die weitreichend ist und sich mit Recht auf unsere

�unsere umfassenderen Ziele und Programme der strategischen Politik sowie
auf die Bestimmungen des Abkommens selbst gerichtet hat.
Ich glaube, die Kernfrage, die jeder von uns beantworten muß, betrifft
das Abkommen selbst: wird die Billigung dieses Abkommens die Vereinigten
Staaten sicherer machen, als sie es ohne ein solches Abkommen oder bei
seiner Ablehnung sein würden? Diese Frage aber kann nur beantwortet - und
SALT nur dann richtig bewertet - werden, wenn sie im Zusammenhang gesehen
wird mit:

den Zielen und der Politik der Vereinigten Staaten in der Frage

der strategischen Waffen; mit dem Status des amerikanisch-sowjetischen
Gleichgewichts, wie es jetzt besteht

und wie wir es für die Zukunft erwarten,

und mit den Programmen, die wir unternommen haben, um unsere strategische
Politik durchzuführen.

Die sowjetische Herausforderung
Unsere nationale Sicherheit beruht auf weitaus mehr als nur unserer
militärischen Stärke. Das militärische Gleichgewicht ist nur ein Teil allerdings ein entscheidend wichtiger Teil - unserer nationalen Sicherheits
Position in ihrer Gesamtheit. Es besteht kein Zweifel, daß die sowjetische
militärische Macht heute weitaus größer ist, als sie es in den sechziger
Jahren war, und zwar sowohl absolut gesehen als auch im Verhältnis zu
unserer eigenen. Die sowjetischen militärischen Ausgaben haben in jedem
der letzten fünfzehn Jahre ständig zugenommen. Nach unseren derzeitigen
Schätzungen müßten wir 40 Milliarden Dollar mehr aufbringen, als wir jetzt
in jedem Jahr für unsere Verteidigung ausgeben, um militärische Streitkräfte und Programme von dem Umfang und der Art zu unterhalten, wie sie
die Sowjets verfolgen.
Das militärische Gleichgewicht zwischen Ost und West ist heute in

- 3 -

�in etwa ausgewogen - wobei aber beunruhigende Tendenzen sowohl auf dem
Gebiet der strategischen wie taktischen Nuklearwaffen in Erscheinung
treten.

Es ist nicht das derzeitige Gleichgewicht, sondern vielmehr der

mächtige Impuls der sowjetischen strategischen Programme, der Anlaß zu
Besorgnis gibt.
Trotz der sowjetischen militärischen Leistungen und Errungenschaften
verfügt die Sowjetunion in nuklearer Hinsicht über keinen militärischen
Vorteil;

sie ist nicht in der Lage, ihre strategischen Waffen zum Einsatz

zu bringen oder einen Kurs zu steuern, der zur Anwendung von Kernwaffen
führen könnte, ohne sich selbst unannehmbaren Risiken auszusetzen.

Ein

strategisches Gleichgewicht besteht heute, weil die Abschreckungskräfte
auf beiden Seiten im wesentlichen gleichwertig sind.

Keine der beiden

Seiten könnte einen Erstschlag führen, der die andere Seite daran hindern
würde»mit einer Vergeltung von verheerenden Ausmaßen zu antworten.

Keine

Seite kann die andere wirksam mit ihren strategischen Streitkräften einschüchtern.
Angesichts dieser Umstände der sowjetischen Herausforderung und
Konkurrenz verfolgen wir - und müssen wir auch weiterhin verfolgen zwei sich ergänzende Kurse des Handelns.
Der erste Kurs besteht darin, innerhalb der Einschränkungen von
SALT zu gewährleisten, daß unsere strategischen Streitkräfte in der Lage
sind, unsere Verteidigungsziele trotz der anhaltenden strategischen
Aufrüstung der Sowjets zu erreichen. Der Verteidigungshaushalt 1980
und unser Fünfjahresprogramm für die Verteidigung für 1980-84 dienen
diesem Zweck.
Der zweite Kurs besteht darin, im Rahmen eines SALT II-Abkommens
spezifische und verifizierbare Bestimmungen zu erreichen, die die
strategischen Streitkräfte der Sowjets als Teil des Prozesses der
Begrenzung eines weiteren strategischen Wettrüstens zwischen den Vereinigten
- 4 -

�Vereinigten Staaten und der Sowjetunion einschränken,

Die amerikanischen Ziele
Der Planung der strategischen Streitkräfte der USA liegen zwei
Konzeptionen zu Grunde:
Abschreckung und wesentliche Gleichwertigkeit.
Die Abschreckung vor einem Nuklearkrieg ist unser fundamentalstes
Verteidigungsziel» Eine glaubwürdige Abschreckung kann nur erreicht werden,
wenn wir die militärische Stärke besitzen, die notwendig ist, unsere Gegner
davon zu überzeugen, daß sie - wie immer die Umstände sein mögen - wenn sie
einen Kurs des Handelns einschlagen, der zum Krieg führen könnte, entweder:
-

einen unannehmbaren Preis für die Erreichung ihres Zieles bezahlen
müssen;

-

oder daß

ihre Anstrengungen zur Erreichung dieses Zieles vereitelt werden.

Unsere Grundstrategie erfordert, daß wir in der Lage sind, einem
potentiellen Gegner solchen Schaden zuzufügen, daß - wie die Umstände auch
immer sein mögen - der Schaden, mit dem er rechnen muß, ihn von einem
Angriff auf die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten oder unsere lebenswichtigen Interessen abhält. Um das zu erreichen, brauchen wir vor allem
eine überlebensfähige Kapazität, die Industrie und die Städte der Sowjetunion zu zerstören. Gewährleistete Zerstörungskapazität - um das handelt
es sich bei dem, was ich gerade ausgeführt habe - ist das Fundament der
nuklearen Abschreckung. Es genügt jedoch nach meiner Auffassung nicht
allein als strategische Doktrin. Massive Vergeltung mag nicht angebracht

- 5 -

�angebracht sein,noch wird ihre Erwartung immer ausreichen glaubwürdig
sein, um vor dem ganzen Bereich von Aktionen abzuschrecken, die wir zu
verhüten versuchen.
Wir brauchen Kapazitäten, die in überzeugender Weise in der Lage sind
und bei denen man unter allen Umständen, die die Sowjets als realistisch
betrachten, damit rechnen muß, den Schaden zu
als wirklich abschreckend betrachten.

verursachen, den die Sowjets

Um es anders auszudrücken, die

Vorstellungen jener, die wir abschrecken wollen, können bestimmen, was
für die Abschreckung unter den verschiedenen Umständen notwendig ist.
Für eine voll wirksame Abschreckung müssen wir in der Lage sein, auf der
angemessenen Ebene auf die Art und das Ausmaß eines sowjetischen Angriffs
reagieren zu können.

Voll wirksame Abschreckung erfordert Streitkräfte

einer ausreichenden Größe und Flexibilität, selektiv einen Bereich von
militärischen und anderen Zielen angreifen zu können und uns in die Lage
zu versetzen, bedeutende Reserven zurückzubehalten.
Diese Fähigkeit zu einer angemessenen Vergeltung als Antwort auf
Angriffe unterhalb der Schwelle des totalen Angriffs - und damit die
Fähigkeit, die Sowjets von der Vorstellung abzuhalten, sie könnten auf
irgendeiner Ebene des nuklearen Konflikts einen echten Vorteil herausschlagen - ist für eine glaubwürdige Abschreckung wesentlich.
Aber welche Zweifel man auch immer haben mag, ob ein Nuklearkrieg
in Grenzen gehalten werden könnte - und ich selbst habe schwere Zweifel
daran - so wäre es doch der Gipfel der Torheit, die Vereinigten Staaten
in eine Position zu bringen, in der die unkontrollierte Eskalation der
einzig mögliche Kurs des Handelns wäre.
Nach allen vernünftigen Maßstäben verfügen wir heute über eine
glaubwürdige Abschreckung, und wir werden auch in der absehbaren Zukunft
über eine solche verfügen. Wir besitzen - und werden sie auch weiterhin
besitzen - überlebensfähige Streitkräfte, die selbst nach einem totalen

�totalen Überraschungsangriff noch in der Lage sind, den sowjetischen
Städten und dem sowjetischen Industriepotential massive Zerstörungen zuzufügen.

Und wir besitzen auch - und in den kommenden Jahren in zunehmendem

Maße - sowohl die Streitkräfte als auch die Ziel- und Einsatzpolitik, die
eine selektive Anwendung nuklearer Macht erlauben, um auf begrenztere
Provokationen reagieren zu können. Die rasche sowjetische Aufrüstung der
strategischen Streitkräfte während der letzten zehn Jahre im Vergleich zu
unseren bescheideneren Verbesserungen der Streitkräfte sollten die grundlegende Stärke und Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung nicht verwischen.
Die Probleme, vor denen wir stehen - besonders was die wachsende Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen (ICBM) in festen Silos anbetrifft - zwingen uns keineswegs, zwischen Total angriff auf Städte auf der
einen und der Kapitulation auf der anderen Seite zu wählen. Unsere
Kapazität, selektive Schläge gegen militärische und andere Ziele zu führen
und gleichzeitig eine Reserve aufrechtzuerhalten, ist heute groß und wird
in der Zukunft trotz Verwundbarkeit der ICBM wachsen.
Wesentliche Gleichwertigkeit - unser zweites generelles Ziel unterscheidet sich etwas von glaubwürdiger Abschreckung.

Sie ist ein

mögliches Kriterium für eine solche Abschreckung, vor allem wenn wir
wollen, daß unsere Nuklearstreitkräfte einen Effekt haben, der über die
Abschreckung vor einem totalen strategischen Überraschungsnagriff hinausgeht.

Wenn man sich wesentliche Gleichwertigkeit als Ziel setzt, dann

spiegelt das die Realität wider, daß Nuklearstreitkräfte, wie andere
Streitkräfte, eine weitergefaßte politische Rolle haben, die nicht ausschließlich durch technische, strategische (numerische) oder sogar dynamische
(kriegsplanerische) Berechnungen der militärischen Kapazität bestimmt wird.
Solange

unser Verhältnis zur Sowjetunion mehr konkurrierend als ko-

operativ ist - und das ist, was das Militärische anbetrifft, eindeutig
der Fall - ist die Aufrechterhaltung der wesentlichen Gleichwertigkeit der

- 7 -

�der strategischen Streitkräfte notwendig, um zu verhindern, daß die
Sowjets aus einem tatsächlichen oder eingebildeten strategischen Ungleichgewicht politische Vorteile ziehen.
Wesentliche Gleichwertigkeit verlangt daher, daß unsere Streitkräfte
nicht nur pari mit denen der Sowjetunion sind, sondern auch die Einsicht,
daß dem so ist.

Wir brauchen - und wir sollten - die sowjetischen Streit-

kräfte nicht imitieren im Sinne einer unausweichlich

nutzlosen, ungeheuer

kostspieligen und potentiell sehr gefährlichen Anstrengung, auf jedem nur
vorstellbaren Index der strategischen Macht mit den Sowjets gleichzuziehen
oder sie gar zu übertreffen.

Wenn wir jedoch sagen, daß wir einige "Lücken"

dulden können, die durch amerikanische Vorteile im Bereich anderer Maßnahmen
ausgeglichen werden, dann heißt das nicht, daß wir ein Ungleichgewicht insgesamt tolerieren können, sei es real oder eingebildet.
Heute existiert eine wesentliche Gleichwertigkeit.

Während die

Sowjets einige Vorteile haben, beispielsweise beim Wurfgewicht der ICBM
und der Megatonnage der Gefechtsköpfe, haben wir ausgleichende Vorteile,
was die Zahl der Gefechtsköpfe, die Treffsicherheit und die Kapazität
der Unterseebootbekämpfung angeht.
Was jedoch am wichtigsten ist, bleibt die Tatsache, daß zwar niemand
den Ausgang eines nuklearen Schlagabtausches voraussagen kann, daß aber
weder wir noch die Sowjets aus einem solchen Konflikt in vernünftigem Sinne
etwas gewinnen könnten.
Es ist einer kurzen Überlegung wert, ob diese Ziele ehrgeizig genug
sind:
-

Sollten wir uns mit Gleichwertigkeit und damit zufrieden geben,
durch Abschreckung sowjetische Handlungen zu

verhindern?
Sollten

- 8 -

�-

Sollten wir statt dessen unsere Ressourcen und unsere Technologie
ausschlachten, um eine strategische Überlegenheit zu gewinnen?

Zunächst einmal erwies sich eine massive numerische Überlegenheit bei
den strategischen Streitkräften, selbst als wir sie in den fünfziger und
sechziger Jahren besaßen, nicht als ein Wundermittel für unsere militärischen
Erfordernisse und noch weniger für unsere diplomatischen Probleme.

Wir und

unsere Verbündeten brauchten starke konventionelle Streitkräfte für unsere
Sicherheit,

Die potentielle Nutzlosigkeit jedes Strebens nach Überlegenheit stammt
nach meiner Meinung aus den Realitäten der Nuklearwaffentechnik und den
bilateralen Beziehungen der Supermächte.

Die Technologie moderner Nuklear-

waffen ist derart, daß Gleichwertigkeit ein realistisches Ziel ist, Überlegenheit hingegen nicht, wenn man davon ausgehen muß, daß die andere Seite
letztere unbedingt verhindern will.

Jede Supermacht kann durch Maßnahmen,

die durchaus im Rahmen ihrer technischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten
liegen, die andere daran hindern, einen totalen Vorteil zu erringen, geschweige denn eine Übermacht.

Das System balanciert sich nicht selbst aus,, Weder Gleichwertigkeit
noch Abschreckung werden automatisch aufrechterhalten.

Wenn wir eine

Unterlegenheit vermeiden wollen, dann müssen wir den Willen und die
Entschlossenheit haben, die Dinge zu tun, die uns in die Lage versetzen
werden, das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Denn wenn es

den Sowjets jemals gelänge, eine Überlegenheit zu erreichen, dann würden
sie nach meiner Überzeugung alle Anstrengungen unternehmen, das politisch
und sogar militärisch auszunutzen.

Ich bin überzeugt, daß wir auch weiter-

hin den Willen und die Entschlossenheit an den Tag legen werden, die Sowjets
daran zu hindern, eine Überlegenheit zu erlangen.

Aber ich glaube, es

wäre ebenso falsch, davon auszugehen, daß die Sowjets, würden sie zu einem
Wettlauf um die Überlegenheit herausgefordert, uns einen solchen Vorteil
passiv überlassen würden.
Kurz
- 9 -

�Kurz gesagt, Gleichwertigkeit und Abschreckung sind gleichzeitig
unsere maximal erreichbaren - und minimal tragbaren - Ziele.

Und derzeit

entsprechen unsere Streitkräfte diesen Zielen.
Aber auch wenn das derzeitige Kräfteverhältnis im Sinne unserer
Zielsetzungen der Gleichwertigkeit und der Abschreckung ausreichend ist,
so wird uns doch die Zukunft Herausforderungen bringen, die wir nicht
gefahrlos ignorieren können.

Wenn wir heute ein zufriedenstellendes

Verhältnis zur Sowjetunion haben, wie sieht es morgen aus, weniger
schwülstig ausgedrückt, wie wird sich das strategische Gleichgewicht
während der Planungshorizonte gestalten, von denen wir vernünftigerweise
ausgehen können?
Einige Trends verursachen echte Besorgnis. Die Sowjets holen in
einer Reihe von entscheidenden Gebieten auf, vor allem auf den Gebieten
der Treffsicherheit und der Zahl der ballistischen Raketen (mit Wiedereintritt). Darüber hinaus können die Verbesserungen, die die Sowjets
auf dem Gebiet der weiter reichenden Gefechtsfeldnuklearstreitkräfte vorgenommen haben, von großer Bedeutung werden, da das zentrale Kräfteverhältnis ausgeglichener wird. Ferner könnte die zunehmende Verwundbarkeit
unserer landgestützten Raketenstreitmacht Anfang der achtziger Jahre,
wenn sie nicht korrigiert wird, zu einer Vorstellung von einer strategischen
Unterlegenheit der USA beitragen, die stark negative politische Konsequenzen und potentiell destabilisierende militärische Konsequenzen haben könnte.
Wenn wir die Herausforderungen betrachten, die die Sowjets auf dem
strategischen Gebiet stellen, dann dürfen wir nicht vergessen, daß die
Vereinigten Staaten nicht untätig waren. In den letzten zehn Jahren
haben wir mehr als ein Tausend Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen disloziert
und damit die Zahl unserer Raketen-Gefechtsköpfe um fast das Vierfache
erhöht. Die Kurzstrecken-Angriffsrakete (SRAM) hat die Kapazität unserer
B-52-Bomberstreitmacht verstärkt. Darüber hinaus haben wir Programme,
um jedes der drei Elemente der amerikanischen Triade der strategischen
- 10 -

�strategischen Streitkräfte zu verbessern:
-

In diesem Jahr werden wir mit der Einführung der neuen Trident
C4-Rakete bei unserer Unterseebootflotte beginnen

Ferner werden

die ersten neuen Trident-Unterseeboote Ende 1981 ihren Dienst aufnehmen.

Sie werden leiser sein - und damit akustisch schwerer zu

orten - und werden in der Lage sein, länger auf ihren Positionen zu
bleiben.

Wir beginnen auch mit den Arbeiten an einer wesentlich

verbesserten Trident II-Rakete für Unterseeboote.
-

Unsere Programme für Marschflugkörper (Cruise Missiles) werden die
Wirksamkeit des Bomber-Elements der Triade beträchtlich steigern.
Flugzeuge vom Typ B-52, die in der Lage sind, die sowjetische
Luftverteidigung zu durchdringen, werden weiterhin zur Lebensfähigkeit
des bemannten Bomber-Elements der Triade bis Ende der achtziger Jahre
beitragen. Wir arbeiten an der Technologie für Bomber und Marschflugkörper auf längere Sicht,

-

Wir verbessern Treffsicherheit und Wirkung bei den MinutemanVerbänden. Wir bemühen uns um eine besser gegen Zerstörung geschützte mobile Basis für einen Teil der Interkontinental-Raketenstreitkräfte und werden dabei unter einer Reihe von Optionen die
Wahl treffen, um auf diese Weise das Problem der Verwundbarkeit
zu meistern.

Für die MX-Rakete wurden zu diesem Zwecke die Finanz-

mittel für die technische und konstruktionsmäßige Weiterentwicklung
für das im Oktober beginnende neue Finanzjahr bereitgestellt.
Zusammenfassend läßt sich über die derzeitige Situation sagen:

Trotz

des von den Sowjets in militärischer Hinsicht Erreichten besitzen weder die
Sowjetunion noch die Vereinigten Staaten einen klaren militärischen Vorteil, und wir wollen, daß es dabei auch bleibt.

Unsere Programme sind hierzu

ausreichend, wenn wir vom Kongress die Unterstützung erhalten, indem er die

- 11 -

�die für ihre Durchführung notwendigen Mittel zur Verfügung stellt.

Die Rolle der Rüstungskontrolle
Die strategische Rüstungskontrolle ist ein wichtiger Weg, auf dem wir
die militärischen Herausforderungen, vor denen wir stehen, begrenzen können.
Sie ist daher ein integraler Teil unserer Gesamtanstrengungen zur Verwirklichung unserer nationalen Sicherheitsziele.

Daher sollten die SALT II-

Abkommen vom Kongress und von der amerikanischen Öffentlichkeit zuallererst
hinsichtlich des Beitrags, den sie zu unserer Sicherheit und der unserer
Verbündeten leisten, beurteilt werden.

Und im Sinne dieses Kriteriums will

ich heute vor Ihnen die Schwerpunkte meiner Bewertung dieses Abkommens
setzen.
Wir sollten uns jedoch bewußt sein, daß neben dem spezifischeren
militärischen Sicherheitsproblem der Wert von SALT und den SALT-Verhandlungen
noch in einem umfassenderen politischen Zusammenhang einzuschätzen ist.
Bei diesem umfassenderen Zusammenhang geht es auch um unsere Rolle als
Führungsmacht im atlantischen Bündnis und um den politischen Schaden,
der unserem Status bei Verbündeten und Freunden zugefügt werden würde,
wenn der Eindruck entstünde, die Vereinigten Staaten würden die strategischen
Rüstungsbegrenzungen vernachlässigen oder gar ablehnen. Der Prozess der
SALT-Verhandlungen ist als solcher für die weitere Entwicklung der
amerikanisch-sowjetischen und der gesamten Ost-West-Beziehungen wichtig.
SALT bildet die Basis für den Fortschritt bei der Schaffung einer dauerhaften politischen Beziehung zur Sowjetunion, die die Spannungen verringert
und die wichtige sichtbare Grenzen für unseren ideologischen, politischen
und militärischen Wettstreit setzt.
Die Grundelemente des SALT II-Abkommens sind Ihnen vertraut:

- 12 -

�-

Ein Vertrag, der bis 1986 dauert und der gleiche Begrenzungen
bei den strategischen Nuklearträgern setzt;
verschiedene Untergrenzen bei den Systemen mit Mehrfachgefechtsköpfen und den schweren Bombern, die mit luftgestützten Marschflugkörpern (Cruise Missiles) ausgerüstet sind, festlegt;
jede Seite auf einen neuen Interkontinentalraketen-Typ mit einem
Maximum von 10 Gefechtsköpfen mit Wiedereintritt begrenzt;
eine Erhöhung der Zahl der Mehrfachgefechtsköpfe bei den vorhandenen Interkontinentalraketen ausschließt sowie Maßnahmen
vorsieht, um eine ungehinderte Verifizierung mit den nationalen
technischen Mitteln zu ermöglichen*

-

ein Protokoll, das eine Dauer von drei Jahren haben soll und
das:
die Dislozierung von boden- oder schiffsgestützten Marschflugkörpern
(Cruise Missiles) mit Reichweiten, die über 600 Kilometer liegen,
für diesen Zeitraum ausschließt, dabei aber die unbehinderte
Erprobung und Entwicklung solcher Marschflugkörper bis zu jeder
Reichweite gestattet;
die Dislozierung mobiler Interkontinentalraketen oder ballistischer
Luft-Boden-Raketen während dieses Zeitraums ausschließt;
der Vertrag wird die Dislozierung dieser Systeme nach Ablauf des
Protokolls gestatten,

-

Das Abkommen schließt ferner ein:
Eine für SALT III richtungsweisende Grundsatzerklärung und einen
Austausch von Erklärungen über den sowjetischen Backfire-Bomber.

Ich bin fest überzeugt, daß SALT II ein bedeutsamer und äußerst wichtiger

- 13 -

�r

wichtiger Schritt in einem, wie wir hoffen, kontinuierlich weiterlaufenden
Prozess ist.
Das SALT I-Abkommen vom Jahre 1972 hat wesentlich zur Stabilität
beigetragen und zwar durch das Verbot nationaler ABM-Abwehrsysteme und die
Koupierung des weiteren Ausbaus der strategischen Offensivwaffen durch
die Begrenzung der Zahl der Raketenabschußrampen auf die bereits vorhandenen
oder im Jahre 1970 im Bau befindlichen.

Die Übereinkunft von Wladiwostok

vom Jahre 1974 legte gleichwertige Höchstgrenzen aller strategischen
nuklearen Trä'gersysteme auf die Zahl von 2400 fest und setzte eine Untergrenze für die Systeme mit Mehrfachgefechtsköpfen mit 1320 fest.
Im Jahre 1977, zu Beginn dieser Administration, versuchten wir, zu
einem umfassenden Rüstungskontrollabkommen zu gelangen, das erheblich
einschränkender als das Abkommen von Wladiwostok - oder der SALT II-Vertrag gewesen wäre, aber eine Reihe von technischen und politischen Faktoren
verhinderten den Erfolg.

Wir schlugen daher den Doppelweg ein, zu versuchen,

die größtmögliche Reduzierung bei den Interims-Höchstgrenzen auszuhandeln
und dabei zugleich ernsthaft bemüht zu sein, die qualitativen Verbesserungen
bei den neuen Systemen zu begrenzen.

In beiden Richtungen haben wir reale

Erfolge erzielt.
Es ist uns gelungen, Senkungen der Begrenzungen von Wladiwostok
auszuhandeln - auf 2 250 strategische Nuklearträger und 1 200 Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen - wie auch eine neue Untergrenze von 820
landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die
das destabilisierendste Element der strategischen Streitkräfte darstellen.
Darüber hinaus haben wir auf dem qualitativen Gebiet Neuland betreten, indem wir Begrenzungen für die Zahl der Träger mit Wiedereintritt
bei Interkontinentalraketen und unterseebootgestützten ballistischen
Raketen (SLBM) erreicht haben und jeder Seite nur einen neuen Typ v_oii

- 14 -

�von Interkontinentalraketen erlauben.
Zusammen genommen haben diese beiden Wege den Prozess der Rüstungskontrolle ein gutes Stück weiter geführt.

Die Aussicht auf eine Fort-

setzung dieses Prozesses ist ein unantastbares Faktum in der Debatte.
Aber das SALT II-Abkommen ist mehr, als daß es nur als eine Station auf
dem Weg zu SALT III und darüber hinaus verteidigt zu werden braucht.

Es

kann um seiner selbst willen voll und überzeugend gerechtfertigt werden.
Der einfachste Weg ist die Feststellung, daß ohne das SALT II-Abkommen
die Sowjetunion fast ein Drittel mehr an strategischen Systemen besitzen
könnte als mit dem Abkommen. Und das hätte entsprechende Auswirkungen
auf andere Maßnahmen. So könnte die Sowjetunion beispielsweise statt der
2 250 strategischen Nuklearträ'gerwaffen, die im Vertrag vorgesehen sind,
über 3 000 besitzen. Natürlich wissen wir nicht, was die Sowjets ohne
einen Vertrag tun würden, aber dieser höhere Stand der strategischen
Systeme liegt durchaus im Rahmen ihrer Kapazität. Und die Geschichte
des Nuklearzeitalters ist voll von den Trümmern vertrauensvoller amerikanischer
Voraussagen, daß die Sowjets an diesem oder jenem Punkt aufhören würden,
den Stand ihrer Rüstung über das zu jenem Zeitpunkt Bestehende hinaus zu
erhöhen, das - nach Angaben der amerikanischen Voraussager - bereits so
groß sei, wie es sich der Kreml nur wünschen könnte. Nach meiner Auffassung
ist es wahrscheinlich, daß wir ohne SALT II in eine Zeit größerer Unsicherheit
sowohl militärisch als auch politisch - eintreten würden, die zu verstärkten
strategischen Streitkräften auf beiden Seiten führen würde, um dieser
Unsicherheit vorzubauen.
Angesichts einer solchen sowjetischen Aufrüstung könnten - und wie
ich überzeugt bin - würden die Vereinigten Staaten entsprechend reagieren.
Wenn man von unserer Entschlossenheit ausgeht, die wesentliche Gleichwertigkeit zu

erhalten, und von der sowjetischen Entschlossenheit, selbst mit

großen Kosten eine strategische Unterlegenheit zu verhindern, dann wäre
das Nettoresultat eines solchen numerischen Wettrüstens ein höherer Stand
- 15 -

�Stand der strategischen Streitkräfte mit gewaltig größeren Kosten und
einem hohen Risiko für die Stabilität.
Die Vereinigten Staaten haben keine unbegrenzten Mittel für strategische
Waffenprogramme, ohne daß dadurch andere Verteidigungsprioritäten in Mitleidenschaft gezogen würden - wie etwa die Verbesserungen der konventionellen
Streitkräfte - und auch andere Regierungsprogramme, wie etwa die Bekämpfung
der Inflation.

Aber wir müssen ausreichende Mittel ausgeben, und was aus-

reichend ist, hängt zum Teil von den Maßnahmen unserer Gegner ab.
SALT wird nicht alle unsere Probleme lösen.

Selbst mit SALT werden

wir unsere Anstrengungen auf strategisch nuklearem Gebiet über den gegenwärtigen Stand hinaus ausdehnen müssen, und es wird uns erlaubt sein.
Dieser Stand liegt übrigens, in konstanten Dollar gemessen, etwa um die
Hälfte niedriger als Mitte der sechziger Jahre.

Aber SALT wird größere

Stabilität und größere Vorhersehbarkeit der strategischen Herausforderungen
bedeuten, und so kann das Kräfteverhältnis auf einem wesentlich niedrigeren
Stand der Zerstörungskraft aufrechterhalten werden.

Darüber hinaus wird

es für die Vereinigten Staaten wesentlich billiger (vielleicht bis zu 30
Milliarden Dollar billiger in den nächsten zehn Jahren) sein, diese Kräfteverhältnisse aufrechtzuerhalten.
SALT II wird zwar dem sinnlosen numerischen Wettrüsten vorbeugen,
aber es wird uns auf der anderen Seite die Flexibilität belassen, Programme
durchzuführen, die den Herausforderungen begegnen, die der Vertrag nicht
beseitigt. Wir können jedes unserer geplanten Programme entwickeln, erproben und dislozieren - Marschflugkörper, Trident, MX - und zwar auf
die Weise und nach dem Zeitplan, wie wir es vorgesehen haben. Abgesehen
davon, daß wir unsere luftgestützten Marschflugkörper (ALCM) und Marschflugkörper-Träger mit einigen Unterscheidungsmerkmalen versehen müssen
(um die Zählung im Rahmen von SALT zu erleichtern), werden wir durch
SALT II nicht gezwungen, unsere strategischen Programme zu ändern, die wir

- 16 -

�wir brauchen, um einen Ausgleich für die sowjetischen Programme zu schaffen,
die im Rahmen von SALT II gestattet und bereits weitgehend disloziert sind.
Zumindest in einem wichtigen Punkt - der Verwundbarkeit unserer
Minuteman-Raketen - wird SALT II die Lösung des Problems leichter machen
als ohne Abkommen. SALT II wird die Zahl der sowjetischen Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen wesentlich unterhalb des vorher projektierten
Standes begrenzen, wird die Zahl der Gefechtsköpfe auf vorhandenen ballistischen
Trägerraketen einfrieren und wird die Zahl der für neue Interkontinentalraketen zugelassenen Gefechtsköpfe mit Wiedereintritt begrenzen. Diese
Einschränkungen stellen eine starke Verringerung des sowjetischen Vorteils
auf dem Gebiet des Wurfgewichts dar, denn ohne Begrenzung könnten die
Sowjets beispielsweise ihre größten Interkontinentalraketen mit 20 oder
vielleicht sogar 40 Gefechtsköpfen bestücken.
Die Kombination der Begrenzungen für Trägerraketen und der Zahl
der Gefechtsköpfe wird die Schwierigkeit der Aufrechterhaltung der Überlebensfähigkeit unserer landgestützten Interkontinentalraketen etwas
verringern. Die Dislozierung eines neuen mobilen Interkontinentalraketensystems - welcher Stützart auch immer - wird leichter zu erreichen sein,
weil eine Obergrenze für die Zahl der Gefechtsköpfe festgelegt wird, deren
Zielplanung auf die Zielpunkte gerichtet werden kann, die eine solche
Dislozierung bieten würde. SALT II wird damit zu einem wichtigen Element
der Gewährleistung der Überlebensfähigkeit der Interkontinentalraketen.
Ebenso wichtig ist, daß SALT II uns freie Hand lassen wird, mit
unseren Verbündeten zusammen die wichtige Frage der Modernisierung der
nuklearen Gefechtsfeldstreitkräfte weiter zu verfolgen und Rüstungskontrollinitiativen auf diesem Gebiet zu erwägen.
SALT wird den amerikanischen Interessen dienlich sein. Es fördert
die Stabilität der Abschreckung und beläßt uns die Flexibilität, die

- 17 -

�die notwendige Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte in
Angriff zu nehmen, ohne dadurch ein weiteres teures und potentiell destabilisierendes Wettrüsten auszulösen.

Ich hege keinen Zweifel an

unserer wirtschaftlichen oder technischen Fähigkeit, auf dem Gebiet
der strategischen Waffen mit den Sowjets erfolgreich zu konkurrieren.
Ich frage mich jedoch, ob eine solche Anstrengung die beste Verwendung
unseres nationalen Budgets - ja sogar des Verteidigungsbudgets - wäre.
Und ich glaube nicht, daß wir uns durch eine derartige Anstrengung mehr
Sicherheit kaufen würden.
Mit dem Vertrag können wir eine flexible und glaubwürdige Abschreckungsmacht aufrechterhalten und im wesentlichen eine Gleichwertigkeit sicherstellen.
Ohne den Vertrag würde uns dies auch möglich sein, aber es wäre
kostspieliger und weniger sicher.

Ich sehe den Vertrag als eine wertvolle

Methode zur Verwirklichung unserer strategischen Ziele - als eine der
Hauptkomponenten in unserer Strategie zusammen mit unseren Waffenprogrammen.
Nach meinem Dafürhalten stellt er eine sehr wichtige Komponente dar, auch
wenn wir uns darüber im klaren sein müssen, daß substantielle amerikanische
Verteidigungsprogramme - und zwar erweiterte Programme auf strategischem
Gebiet - hinzutreten müssen.

Verifizierung
Unter den Besorgnissen, die im Zusammenhang mit dem Abkommen geäußert
werden, ist die eine von besonderer Art, die Frage nämlich:

"Wird der

Vertrag verifizierbar sein?" Es ist klar, daß man die Abgrenzungen eines
Vertrages mit der Sowjetunion nicht als in sich selbst gewährleistet ansehen kann.

Die Vereinigten Staaten müssen in der Lage sein, mit dem

�dem notwendigen Vertrauen durch ihre eigenen Nachrichtensysteme zu verifizieren, daß die Sowjets auch in der Tat den Bestimmungen des Vertrages
nachkommen.
Das SALT-II-Abkommen wird durch unsere nationalen technischen Mittel,
wozu die Foto-Aufklä'rungssatelliten und andere technischen Vorkehrungen
gehören, verifizierbar sein. Diese Mittel ermöglichen es uns, viele Aspekte
der Entwicklung, Erprobung, Produktion, Dislozierung, Ausbildung und
operativen Verwendung der sowjetischen Streitkräfte zu überwachen. Trotz
der Abgeschlossenheit der sowjetischen Gesellschaftsform, sind wir zuversichtlich, daß kein erheblicher Verstoß gegen den Vertrag erfolgen
könnte, ohne daß die Vereinigten Staaten dies entdeckten. Dank unserer
energisch vorangetriebenen Dislozierung und unserer Forschungs- und
Entwicklungsanstrengungen wären wir imstande, mit angemessenen Maßnahmen
darauf zu reagieren, ehe das strategische Gleichgewicht in ernsthafter
Weise nachteilig beeinflußt werden könnte.
Es ist in jüngster Zeit viel über den Verlust der Beobachtungs- und
Nachrichtenpositionen im Iran geschrieben worden und wie wichtig diese
Positionen für die SALT-Verifizierung gewesen wären. Die Art von Daten,
wie wir sie von diesen Positionen erhielten, sind wichtig für unsere Beurteilung der sowjetischen strategischen militärischen Programme, einschließlich einiger der Aspekte, die durch SALT II begrenzt werden. Wir
prüfen alternative Mittel zur Sammlung solcher Daten, und die Frage ist
nicht, ob wir uns diese Kapazität wieder beschaffen werden, sondern wie,
wo und wie schnell wir dies zu tun vermögen. Diese und andere Fragen der
Verifizierung werden während des Ratifizierungsprozesses ausführlich
erörtert werden.
Wir befinden uns nun voll in einer nationalen Debatte und zwar nicht
nur über den Vertrag, sondern über unsere strategische Politik - und über
den Zustand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen insgesamt. Ich möchte

- 19 -

�Ich möchte hoffen, daß im Verlauf dieser Debatte all jene, die sich für
besonnene Vertreter der militärischen Sicherheit halten, und jene, die
sich als besonnene Befürworter einer Rüstungsbegrenzung ansehen, sowie
auch jene, zu denen ich mich selbst zähle, die nämlich beides zu ihrem
Anliegen machen, sich auf die spezifische Frage konzentrieren können,
ob unserer Sicherheit und mit ihr den Aussichten für den Frieden mit
dem Vertrag besser gedient wird als ohne ihn.
Der Präsident der Vereinigten Staaten - und auch ich - sind der
Meinung, daß die Antwort klar ist - ein gediegenes SALT-Abkommen liegt
im Interesse sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion,
trotz des Konkurrenzkampfes zwischen unseren beiden Systemen, der anderwärts besteht - und der in der Tat auch in bezug auf die strategischen
nuklearen Streitkräfte weitergeführt werden wird.

SALT II wird eine

festere Basis für andere Maßnahmen zur Kontrolle des Anwachsens und der
Proliferation
Welt bieten.

nuklearer und konventioneller Kapazitäten auf der ganzen
Wenn die Sowjetunion aber mehr Nachdruck auf die Kooperation

statt auf den Konkurrenzkampf legen will, dann wird SALT II sogar einen
gesünderen Zustand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ermöglichen.
All diese Erwägungen haben mich zu dem Schluß geführt, daß unter
der Voraussetzung, die noch verbleibenden Fragen lassen sich zu unserer
Zufriedenheit lösen, die Unterzeichnung und Ratifizierung von SALT II
eindeutig im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten liegt. Für
mein eigenes Denken bin ich mit diesem Schluß zufrieden; ich erkenne
aber an, daß besonnene Menschen von gutem Willen und hoher Zielsetzung
zu einem anderen Urteil gelangen mögen. Ich hoffe, daß die kommende
Debatte unser Verständnis und unseren Entschluß stärken wird, den Vertrag
zu unterzeichnen und zu billigen und damit zu einer Stärkung unserer
nationalen Sicherheit beizutragen. Ja, ich bin zuversichtlich, daß dies
das Ergebnis - und daß es ein für uns alle gutes Ergebnis - sein wird.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 20 -

�a
»

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

11. April 1979

BILATERALE AMERIKANISCH-ISRAELISCHE GRUNDSATZVEREINBARUNG
ÜBER SICHERHEITSGARANTIEN

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Israel haben am
26. März 1979 eine Grundsatzvereinbarung (Memorandum of Agreement) getroffen, nach der die USA Israel bestimmte Sicherheitsgarantien leisten.
Die von den Außenministern der beiden Länder unterzeichnete Vereinbarung
hat folgenden Wortlaut:
Grundsatzvereinbarung zwischen den Regierungen der Vereinigten
Staaten von Amerika und des Staates Israel
In der Erkenntnis der Bedeutung des Abschlusses des Friedensvertrages zwischen Israel und Ägypten und in Abwägung der Wichtigkeit der
vollen Durchführung des Friedensvertrages für die Sicherheitsinteressen
Israels und des Beitrages des Abschlusses des Friedensvertrages für die
Sicherheit und die Entwicklung Israels wie auch seiner Bedeutung für den
Frieden und die Stabilität in der Region und die Aufrechterhaltung des
internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit; und

in

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Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�in der Erkenntnis, daß der Abzug vom Sinai Israel zusätzliche schwere
Sicherheits-, militärische und wirtschaftliche Belastungen auferlegt;
bekräftigen die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika
und des Staates Israel, vorbehaltlich ihrer verfassungsmäßigen Verfahren
und ihres geltenden Rechts, folgendes:
1.

Im Hinblick auf die Rolle der Vereinigten Staaten bei Zustande-

kommen des Friedensvertrages und den Wunsch der Vertragsparteien, daß die
Vereinigten Staaten ihre Unterstützungsbemühungen fortsetzen, werden die
Vereinigten Staaten geeignete Maßnahmen ergreifen, um die volle Einhaltung
des Friedensvertrages zu fördern.
2. Sollte es zur Vergewisserung der Vereinigten Staaten klar erwiesen werden, daß es eine Verletzung oder die Drohung einer Verletzung
des Friedensvertrages gegeben hat, so werden die Vereinigten Staaten sich
mit den Vertragsparteien in bezug auf die Maßnahmen beraten, um die
Verletzung zu stoppen oder zu verhindern, die Einhaltung des Friedensvertrages sicherzustellen, freundschaftliche und friedliche Beziehungen
zwischen den Vertragsparteien zu bestärken und den Frieden in der Region
zu fördern, und werden solche Abhilfe schaffenden Maßnahmen treffen, wie
es geeignet erscheint, wozu diplomatische, wirtschaftliche und militärische
Maßnahmen gehören können, wie unten beschrieben wird.
3. Die Vereinigten Staaten werden ihnen geeignet erscheinende Unterstützung für von Israel als Antwort auf solche erwiesenen Verletzungen
des Friedensvertrages ergriffenen Maßnahmen gewähren; insbesondere
wenn eine Verletzung des Friedensvertrages als Bedrohung der Sicherheit
Israels erachtet wird, wozu unter anderem auch eine Blockade der
israelischen Benutzung der internationalen Wasserwege, eine Verletzung
der Bestimmungen des Friedensvertrages bezüglich der Begrenzung der Streitkräfte oder ein bewaffneter Angriff gegen Israel gehören, werden die

- 2 -

�die Vereinigten Staaten bereit sein, auf dringender Basis solche Maßnahmen,
wie die Verstärkung der Präsenz der Vereinigten Staaten in dem Gebiet,
die Gewährung von Lieferungen im Notfall an Israel und die Ausübung der
maritimen Rechte in Erwägung zu ziehen, um die Verletzung zu stoppen.
4. Die Vereinigten Staaten werden die Rechte der Vertragsparteien
auf Schiffahrt und überfliegen als Zugang zu dem einen oder dem anderen
Land durch und über die Straße von Tiran und den Golf von Agaba gemäß dem
Friedensvertrag unterstützen.
5.

Die Vereinigten Staaten werden sich jeder Aktion oder Resolution

in den Vereinten Nationen, die sich nach ihrem Urteil nachteilig auf den
Friedensvertrag auswirkt, entgegenstellen und, wenn notwendig, dagegen
stimmen.
6.

Vorbehaltlich der Ermächtigung und Billigung durch den Kongreß

werden die Vereinigten Staaten bestrebt sein, militärische und wirtschaftliche Hilfeanforderung Israels zu berücksichtigen und verständnisvoll
zu behandeln.
7. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin Restriktion auf von
ihnen an ein anderes Land gelieferte Waffen zur Anwendung bringen, durch
die ihre unerlaubte Weitergabe an eine dritte Partei verboten wird. Die
Vereinigten Staaten werden solche Waffen nicht liefern und die Weitergabe
solcher Waffen für einen bewaffneten Angriff gegen Israel nicht erlauben
und werden Schritte unternehmen, um eine solche unautorisierte Weitergabe zu verhindern.
8.

Bestehende Abkommen und Zusicherungen zwischen den Vereinigten

Staaten und Israel werden durch den Abschluß des Friedensvertrages nicht
beendet noch abgeändert, mit Ausnahme derjenigen, die in den Artikeln
5, 6, 7, 8, 11, 12, 15 und 16 der Grundsatzvereinbarungen (Memorandum of

- 3 -

�of Agreement) zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und der
Regierung von Israel vom 1. September 1975 (Amerikanisch-israelische
Zusicherungen) enthalten sind.
9. Dieses Memorandum bezeugt das volle Einverständnis der Vereinigten Staaten und Israels in bezug auf die zwischen ihnen hiermit
behandelten Themen und soll in Einklang mit seinen Bestimmungen ausgeführt werden.
Unterzeichnet für die Regierung der Vereinigten Staaten:
(gez.) Cyrus R. Vance
für die Regierung von Israel:
(gez.) Moshe Dayan
26. März 1979

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

18. April 1979

AMERIKANISCH-ISRAELISCHE GRUNDSATZVEREINBARUNG ÜBER DIE ÖLVERSORGUNG

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Israel haben am
26. März 1979 eine Grundsatzerklärung (Memorandum of Agreement) - mit
Anhang - über die Sicherstellung der Ölversorgung von Israel getroffen.
Die von den Außenministern der beiden Länder unterzeichnete Vereinbarung
hat folgenden Wortlaut:
Grundsatzerklärung zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten
und Israel
Die Vereinbarung zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten
und Israel vom 1. September 1975 über die Ölversorgung, im Anhang aufgeführt, bleibt in Kraft. Es soll eine Grundsatzvereinbarung ausgehandelt und abgeschlossen werden, um eine Abmachung für die Ölversorgung
auf insgesamt 15 Jahre, einschließlich der in der Vereinbarung vom
1. September 1975 vorgesehenen fünf Jahre, zu gewährleisten.
Die Grundsatzvereinbarung, einschließlich des Beginns dieser Ver-

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Vereinbarung und der Preisbestimmungen, werden von den Vertragsparteien
innerhalb von 60 Tagen nach Inkrafttreten des Friedensvertrages zwischen
Ägypten und Israel gegenseitig vereinbart werden.
Es ist die Absicht der Vertragsparteien, daß die von Israel
für von den Vereinigten Staaten in diesem Rahmen geliefertes öl bezahlten
Preise mit laufenden Weltmarktpreisen zum Zeitpunkt der Lieferung vergleichbar sein sollen und daß die Vereinigten Staaten in jedem Falle von
Israel für die Kosten entschädigt werden, die den Vereinigten Staaten
durch öl lieferungen an Israel in diesem Rahmen entstehen.
In der Abmachung vom 1. September 1975 vorgesehene Experten werden
auf Antrag zusammenkommen, um Fragen zu erörtern, die sich aus diesem
Verhältnis ergeben.
Die Regierung der Vereinigten Staaten verpflichtet sich, umgehend
zusätzliche gesetzliche Vollmachten zu erhalten, die für die volle Durchführung dieser Vereinbarung notwendig sein könnten.
Für die Regierung von Israel:
(gez.) Moshe Dayan
Für die Regierung der Vereinigten Staaten:
(gez.) Cyrus R. Vance

ANHANG ZUR GRUNDSATZVEREINBARUNG
Israel wird seine eigenen unabhängigen Vorkehrungen für die Ölversorgung treffen, um seinen Bedarf durch normale Verfahren zu decken.
Falls Israel nicht in der Lage sein sollte, seinen Bedarf auf diese

- 2 -

�diese Weise zu decken, wird die Regierung der Vereinigten Staaten, nachdem sie von der Regierung von Israel von dieser Tatsache in Kenntnis gesetzt worden ist, fünf Jahre lang wie folgt handeln, wobei nach Ablauf
dieses Zeitraums jede Seite diese Vereinbarung mit einjähriger Frist aufkündigen kann.
a) Wenn das öl, das Israel für seinen gesamten normalen Bedarf für
den einheimischen Verbrauch benötigt, nicht zum Kauf zur Verfügung steht
unter Bedingungen, unter denen keine quantitativen Einschränkungen für
die Fähigkeit der Vereinigten Staaten bestehen, ül zur Deckung ihres
normalen Bedarfs einzukaufen, wird die Regierung der Vereinigten Staaten
umgehend öl für den Ankauf durch Israel zur Verfügung stellen, damit der
oben angeführte normale Bedarf Israels gedeckt werden kann. Wenn Israel
nicht in der Lage sein sollte, die notwendigen Mittel zum Transport
dieses Öls nach Israel zur Verfügung zu stellen, wird die Regierung der
Vereinigten Staaten alle Anstrengungen unternehmen, um Israel bei der
Bereitstellung der notwendigen Transportmittel zu helfen.
b) Wenn das öl, das Israel für seinen gesamten normalen Bedarf für
den einheimischen Verbrauch benötigt, nicht zum Kauf zur Verfügung steht
unter Bedingungen, unter denen ein Embargo oder sonstwie quantitative
Einschränkungen auch die Vereinigten Staaten daran hindern, ihren normalen
Bedarf zu decken, wird die Regierung der Vereinigten Staaten unverzüglich
öl zum Ankauf durch Israel zur Verfügung stellen in Übereinstimmung mit
der Einsparungs- und Zuteilungsformel der Internationalen Energieagentur,
wie sie für die Vereinigten Staaten gilt, um den wesentlichen Bedarf
Israels zu decken. Wenn Israel nicht in der Lage sein sollte, die notwendigen Mittel für den Transport zur Verfügung zu stellen, wird die
Regierung der Vereinigten Staaten alle Anstrengungen unternehmen, um Israel
bei der Bereitstellung der notwendigen Transportmittel zu helfen.
Israelische und amerikanische Experten werden jährlich, oder auf

- 3 -

�auf Ersuchen der einen oder der anderen Vertragspartei häufiger, zusammenkommen, um den laufenden öl bedarf Israels zu prüfen.

+ + + + +

- 4-

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

18. April 1979

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERIUMS ZU DEN
AMERIKANISCH-ISRAELISCHEN GRUNDSATZVEREINBARUNGEN

WASHINGTON

- (AD) - Das amerikanische Außenministern'um hat zu

Berichten über ägyptische Bedenken gegen die zwischen den USA und Israel
getroffene bilaterale Grundsatzvereinbarung bezüglich der Sicherheit
Israels folgende Stellungnahme abgegeben:
"Ägypten hat uns gegenüber sein Unbehagen über die israelische Grundsatzvereinbarung zum Ausdruck gebracht. Wir sind der Meinung, daß dies
auf einer Mißdeutung dieses Dokuments beruht. Wir haben Ägypten weit im
voraus davon in Kenntnis gesetzt, daß Israel eine Zusicherung gegeben
werden würde. Ägypten hat ja auch mehrfach zu verstehen gegeben, daß es
keinen Einwand gegen Sicherheitsbürgschaften oder -garantien in Verbindung
mit dem Frieden haben würde.
Die israelische Grundsatzvereinbarung geht nicht davon aus, daß eine
Vertragsverletzung durch Ägypten wahrscheinlich sei.

Im Gegenteil, wir

haben volles Vertrauen, daß Ägypten und Israel entschlossen sind, ihre

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0
Telex:08-85432

�ihre Vertragsverpflichtungen zu erfüllen.
Ein ähnliches Dokument wurde Ägypten angeboten.
lehnt.

Dies wurde abge-

Das Angebot bleibt weiterhin offen.

Der einzige Zweck der israelischen Grundsatzvereinbarung zusammen
mit der, die Ägypten angeboten wurde, besteht darin, die Aufrechterhaltung
des Friedens in dem Gebiet zu erleichtern."

+ + + +

- 2 -

�3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
18. April 1979

14

ERLÄUTERUNGEN DES WEISSEN HAUSES ZUM ENERGIEPROGRAMM DER US-REGIERUNG

- (AD) - Im Zusammenhang mit der Rede Präsident Jimmy Carters vom
5. April 1979 über neue Maßnahmen auf dem Energiesektor gab das Weiße Haus
eine Dokumentation mit Erläuterungen heraus, die wir im folgenden auszugsweise veröffentlichen:

I. Einsparung
Sowohl kurz- als auch langfristig gesehen bleiben Einsparungen ein Eckpfeiler der amerikanischen Energiepolitik. In den meisten Fällen ist es noch
immer billiger, ein Faß öl zu sparen, als eines von ausländischen oder einheimischen Quellen zu kaufen. Die vom Präsidenten bekanntgegebenen Initiativen basieren auf den bemerkenswerten neuen Befugnissen zur Durchführung von
Sparmaßnahmen, die das im November 1978 unterzeichnete Nationale Energiegesetz enthält.
Sowohl in bezug auf weniger Vergeudung von Energie als auch auf die Erzielung eines höheren Nutzeffekts der von uns verbrauchten Energie haben die
Vereinigten Staaten bereits beträchtliche Fortschritte erzielt. Aber es ist
auch klar, daß die USA sehr viel mehr tun können.

Das müssen wir auch, wenn

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Telex:08-85432

�wenn wir unser kurzfristig angesetztes Ziel, unsere ölimporte um fünf Prozent
des für Ende 1979 geschätzten Verbrauchs zu verringern, und unser langfristiges
Ziel einer sicheren Energieversorgung erreichen wollen.

Kurzfristige Energi esparmaßnahmen

Um sicherzustellen, daß wir diese Ziele erreichen, kündigte der Präsident
folgende Maßnahmen an:

1) Vorschriften über Temperaturhöchstwerte in Gebäuden
Der Präsident ersuchte

den Kongreß, rasch einen die Sparmaßnahmen unter-

stüzenden Plan zu genehmigen, der vorschreibt, daß in nicht als Wohnung genutzten
Gebäuden die durch Thermostat geregelten Temperaturen im Winter 18 Grad' Celsius
nicht überschreiten und im Sommer 27 Grad Celsius nicht unterschreiten...
Hierdurch könnten bis zum Jahr 1985 Importe im Umfang von schätzungsweise
390 000 Faß öl pro Tag eingespart werden.

2) Freiwillige Maßnahmen der Bundesstaaten zur Verringerung des Benzinverbrauchs
Der Präsident wird für jeden einzelnen Bundesstaat Einsparungsziele für den
Benzinverbrauch festsetzen.

Jeder Staat wird ersucht, auf freiwilliger Basis

einen Plan eigener Wahl in die Tat umzusetzen...
3) Zwangsweise vorzunehmende Teil- oder Voll Schließung von Tankstellen an
Wochenenden
Wenn die freiwilligen einzelstaatlichen Sparprogramme sich als nicht ausreichend erweisen und es zu Benzinverknappungen kommt, müßten Zwangsmaßnahmen
eingeführt werden.

Der Präsident unterbreitete am 1. März 1979 dem Kongreß einen

Plan, der ihn im Notfall ermächtigt, die zeitweilige oder vollständige Schließung von Tankstellen an Wochenenden zu verfügen...

Dadurch ließen sich schätzungs-

weise 120 000 bis 270 000 Faß öl pro Tag einsparen...

4) Austausch
- 2 -

�4) Austausch von elektrischem Strom
Der Präsident rief alle Elektrizitätsgesellschaften auf, mit dem USEnergieministerium zusammenzuarbeiten, um die Produktionskapazität der nicht
mit öl beheizten Kraftwerke maximal zu nutzen.

Wenn durch freiwillige Zusam-

menarbeit nicht die notwendigen Einsparungen zu erzielen sind, um ölverknappungen zu vermeiden, ist der Präsident bereit, das Energieministerium anzuweisen,
..., Stromaustausch unter den Kraftwerken zu verfügen...

Dadurch würden Ein-

sparungen von schätzungsweise 100 000 bis 200 000 Faß öl pro Tag möglich...

5) Umstellung von öl auf Erdgas
Der Präsident forderte die amerikanischen Versorgungsunternehmen und ÖlGroßverbraucher der Industrie auf, wo immer möglich ihre Anlagen auf Erdgas umzustellen.

Das US-Energieministerium wird die Realisierung dieser Forderung

durch eine Reihe organisatorischer Maßnahmen auf bundesstaatlicher, regionaler
und nationaler Ebene erleichtern.

Sie könnte zur Einsparung von 250 000 bis

400 000 Faß öl pro Tag führen...

6) Heizöl mit niedrigem Schwefelgehalt
Wo Verknappungen an Heizöl mit niedrigem Schwefelgehalt auftreten und der
betreffende Bundesstaat um die vorübergehende Aufhebung der einschlägigen Vorschriften zur Luftreinhaltung ersucht, wird das US-Bundesamt für Umweltschutz
(EPA) aufgrund ungewöhlich großer Preisdifferenzen zwischen vorschriftsmäßigen
und nicht-vorschriftsmäßigen Brennstoffen empfehlen, einem entsprechenden Antrag des Staates auf Aussetzung der Vorschriften stattzugeben...
7) Späterer Termin für weitere Reduzierung des Bleigehalts von Benzin
Der gegenwärtige Zeitplan der EPA sieht vor, daß ab 1. Oktober 1979 Normalbenzin nur noch 0,13 Gramm Blei enthalten darf.

Die volle Einhaltung dieses

Termins würde eine Verringerung des Benzinangebots um 350 000 bis 450 000 Faß/
Tag bedeuten...

Um die mit der Verringerung des Bleigehalts verbundenen Verluste an Benzin
und Rohöl so klein wie möglich zu halten, gleichzeitig aber dem Schutz der Ge- 3 -

�Gesundheit der Öffentlichkeit Genüge zu tun, hat der Präsident die EPA angewiesen, die Reduzierung des Bleigehalts auf 0,13 Gramm um ein Jahr zu verschieben und bis dahin eine Höchstgrenze von 0,21 Gramm vorzuschreiben...
•

8) Fünfprozentige Verringerung des Energieverbrauchs durch Regierungsbehörden
Der Präsident hat die Chefs von Bundesbehörden angewiesen, den Energieverbrauch um fünf Prozent zu senken... Dadurch könnten jährlich sieben Millionen
Faß öl

ngespart werden

Aktivitäten des Verteidigungsministeriums, die für

die Aufrechterhaltung der Betriebs- und Einsatzbereitschaft erforderlich sind,
sind duvon ausgenommen.
Im Etat für 1980 sind außerdem 234 Millionen Dollar für Umrüstungsmaßnahmen
von Bundesbauten zur Energieeinsparung enthalten.

Es wird weiterhin Wert darauf

gelegt, Kraftwagen mit geringem Kraftstoffverbrauch für Behörden anzuschaffen
und Neubauten energiesparend zu konzipieren.
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Der Präsident hat die Gouverneure der Bundesstaaten zu ähnlichen Aktionen
aufgerufen, um auch im einzelstaatlichen Bereich den Energieverbrauch zu verringern.
9) Freiwillige Maßnahmen
... Der Präsident fordert jeden Fahrer eines Kraftfahrzeuges in den Vereinigten Staaten auf, wöchentlich zehn bis 20 Meilen weniger zu fahren. Wenn
alle Autofahrer die gefahrene Strecke nur um 10 Meilen pro Woche verringern würden, könnte dies allein pro Tag 300 000 Faß öl einsparen...
•

Kurzfristig mögliche Gesamteinsparung
Wenn jede dieser Maßnahmen voll durchgeführt wird, können die Vereinigten
Staaten das vom Präsidenten gesetzte Ziel erreichen, den Ölverbrauch bis um fünf
Prozent zu drosseln.

Diese fünf Prozent würden die Auswirkungen des Rückgangs

der Lieferungen des Iran voll ausgleichen und es uns erlauben, Vorräte von Roh-

�Rohöl, Benzin, Heizöl und Mineralöldestillaten anzulegen, um Verknappungen in
der Zukunft zu verhindern.

Vereinbarung im Rahmen der Internationalen Energieagentur

... Auf einer Konferenz des Direktoriums der Internationalen Energieagentur (IEA) am 1. und 2. März 1979 haben die Vereinigten Staaten und die anderen 17 IEA-Mitgliedstaaten vereinbart, den Ölverbrauch um fünf Prozent zu
drosseln...
Der Übereinkunft gemäß sollen durch Sparmaßnahmen und andere, vom Präsidenten bekanntzugebende Schritte Einsparungen auf folgenden Gebieten erzielt
werden:
Temperaturregelung in Gebäuden

195 000 - 390 000 Faß/Tag

Stromaustausch

100 000 - 200 000

Umstellung von öl auf Gas

200 000 - 400 000 "

Fristverlängerung zur Reduzierung
des Bleigehalts im Benzin

20 000

zusätzliche öl Produktion aus
einheimischen Quellen

80 000 - 250 000

Einsparungen durch Bundesbehörden

19 000 - (19 000)

freiwillige Sparmaßnahmen

(Anmerkung:

"

30 000

200 000 - 500 000

Sobald sich die durch die Aufhebung der Preiskontrollen gegebenen

Anreize auswirken, werden die Einsparungen noch wesentlich höher sein.

So dürf-

ten z.B. ab 1982 Einsparungen als Folge der Aufhebung der Preiskontrollen 520 000
600 000 Faß Öl/Tag erreichen.)

Sparmaßnahmen

�Sparmaßnahmen auf weitere Sicht
... Der Präsident gibt Anweisung, daß folgende Schritte unternommen werden,
um den allgemeinen Nutzeffekt der verbrauchten Energie und Einsaprungen zu erhöhen:
1) Beendigung des freien Parkens für Bundesbedienstete
... Allein im Bereich der Bundeshauptstadt Washington ließen sich von
diese

Maßnahmen zur Einschränkung des Individualverkehrs

- von der Ausnahmen

nur bei zwingenden Gründen gestattet sein sollen - täglich 21 000 bis 23 000
Liter Benzin einsparen.

Bundesweit angewandt, wären beträchtliche Einsparungen

zu erzielen...
2) Energiebezogene Normen für Gebäude
... Das Bundesministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung und das
Bundesenergieministerium

wurden angewiesen, energiebezogene Normen für neuge-

baute Wohnungen und öffentliche bzw. kommerzielle Bauten auszuarbeiten.

Diese

Normen, die im Februar 1980 veröffentlicht werden, schreiben bestimmte Werte
vor (z.B. Heizenergie pro qm pro Jahr)...
3) Spar-Dienstleistungen von Versorgungsbetrieben für Verbraucher
... Der Präsident ersucht Versorgungsunternehmen und Heizölhändler, ihren
Kunden Spar-Dienstleistungen, die auf freiwilliger Basis anzuwenden wären, baldmöglichst anzubieten... Das Energieministerium ist bereit, bei den einzelstaatlichen öffentlichen Kommissionen für Versorgungsunternehmen zu intervenieren,
um die Annahme günstiger Pläne der Betriebe zu gewährleisten und die Versorgungsunternehmen zur Einleitung entsprechender Programme zu ermutigen...
4) Bildung von Koordinierungsausschüssen zur Verbesserung der Energienutzung
auf nationaler Basis
Der Präsident hat Energieminister Schlesinger angewiesen, dem Koordinierungsausschuß für Energiefragen eine Sonderarbeitsgruppe anzugliedern, die Empfehlungen für eine bessere Energienutzung ausarbeitet.

Sie wird sich weniger auf Kurz-

zeit-Sparprobleme, sondern in erster Linie auf die Identifizierung langfristiger
6 -

�langristiger Maßnahmen konzentrieren, um die Produktivität auf dem Energiesektor
in allen Wirtschaftsbereichen stetig zu erhöhen...

II. Neue Initiativen zur Energieversorgung

... Der Präsident kündigt eine Anzahl neuer Programme an, die darauf abgestellt sind, die einheimische Produktion von öl, Erdgas und Kohle zu erhöhen
und die Nutzung dieser Rohstoffe zu verbessern.

Dabei ist die Aufhebung von

Preiskontrollen für in den USA produziertes Rohöl von großer Bedeutung.

Der Prä-

sident leitet ein Programm ein, mit dem stufenweise die Preiskontrollen bis spätestens 30. September 1981 aufgehoben werden.

Er ersucht außerdem den Kongreß

dringend um Maßnahmen zur Besteuerung der konjunkturbedingten Gewinne der Mineralölfirmen im Zusammenhang mit der Aufhebung der Preiskontrolle, um die Öffentlichkeit vor ungerechtfertigten Gewinnsteigerungen der Mineralölfirmen zu schützen.

1) Preisgestaltung bei Rohöl
... Bei dem jetzt der Preiskontrolle unterliegenden öl sind im allgemeinen
zwei Kategorien zu unterscheiden:

Niedriger eingestuftes oder "altes" öl, de-

finiert als öl aus Vorkommen, die vor 1973 entdeckt und erschlossen wurden, und
höher eingestuftes oder "Neuöl", zu dem alle danach aufgefundenen Vorkommen gehören, für die keine Ausnahmeregelung gilt.

(Einige Kategorien sind auch heute

von Preiskontrollen ausgenommen, darunter öl von Quellen, die weniger als 10 Faß
pro Tag liefern, öl aus dem Norden Alaskas und aus regierungseigenen Vorkommen
wie z.B. der nationalen Erdölreserve Elk Hills in Kalifornien.)
zwei Drittel allen in den USA produzierten

Schätzungsweise

Öls steht z. Zt. unter Preiskontrolle.

Das restliche Drittel fällt unter eine der Ausnahmekategorien,

Niedrig einge-

stuftes öl kostet heute sechs Dollar pro Faß, höher eingestuftes öl etwa
13 Dollar ...

Zeitplan

�•

I

,

Zeitplan für die Aufhebung der Preiskontrollen
...Ab 1. Juni 1979 darf neu entdecktes öl zu Weltmarktpreisen gehandelt
werden.

Während zu Beginn nur eine geringe Menge unter diese Kategorie fiele,

wird Neuöl in dem Maße, in dem neue Vorkommen gefunden und erschlossen werden,
immer mehr zur Versorgung der USA beitragen.
•

"...Das Energieministerium hat eine Anordnung veröffentlicht, derzufolge
am 1. Juni 1979 00 Prozent der Produktion aus wenig ergiebigen Quellen zum höheren
Preis verkauft werden dürfen.

Es handelt sich um Quellen, die je nach Bohrloch-

tiefe unter einer bestimmten ölmenge pro Tag liefern, , Am 1. Januar 1980 werden
auch die restlichen 20 Prozent dieser "Marginalquellen" für die höhere Preiskategorie freigegeben.
..„Ab 1. Juni 1979 kann jeder zusätzliche Ertrag aus neuer Produktion von
Quellen, bei denen besondere Verfahren zur Produktionssteigerung angewandt werden (z.B. Tertiärförderung) auf Weltmarktpreis angehoben werden. Ab 1 Januar
1980 können Produzenten, die Investitionen für fortgeschrittene Fördertechniken
tätigen, bestimmte Mengen von subventioniertem Billigöl in die höhere Preisklasse
bringen, um die Investitionen zu finanzieren... Ab 1. Januar 1980 wird der Preis
für das höher eingestufte öl von Monat zu Monat um den gleichen Betrag weiter
versteuert, bis er am 1. Oktober 1981 das Niveau des Weltmarktpreises erreicht,
Am 5. April 1979 hat das Energieministerium eine Vorschrift veröffentlicht,
derzufolge bei Billigöl eine monatliche Produktionsreduzierung um dre&lt; Prozent
zugestanden wird. Vom 1. Juni 1979 bis 1. Januar 1980 wird eine Minderleistung
der Förderung um 1,5 Prozent pro Monat eingeräumt, die ungefähr dem natürlichen
Rückgang entspricht, wie er im Jahr 1978 bei Billigöl fördernden älteren Quellen
beobachtet wurde... Der Präsident ist auch weiterhin befugt, Preiskontrollen
in jeder erforderlichen Weise den Gegebenheiten anzupassen,
Besteuerung

�Besteuerung von Konjunkturgewinnen

Um zu verhindern, daß den ölproduzenten übermäßig hohe neue Gewinne zufließen, ersuchte der Präsident den Kongreß um Zusammenarbeit für den Erlaß
eines Konjunkturgewinnsteuer-Gesetzes.

Diese Konjunkturgewinnsteuer in Höhe

von 50 Prozent würde angewendet bei:

- Einkünften der Produzenten vom Verkauf von nicht preisgebundenem öl,
die weiteren Preiserhöhungen seitens der OPEC-Länder (Erdöl-Förderländer) zuzuschreiben sind,

- Einkünften der Produzenten aus dem Verkauf von öl der niedrigeren und
höheren Preisklasse, die sich aus der Aufhebung der Preiskontrolle ergeben.
2) Reform von Auslands-Steuerabschreibungen für Mineralölgesellschaften
Multinationale Mineralölgesellschaften haben ungerechtfertigte Vorteile
durch Auslandssteuerabschreibungen, die die amerikanischen Steuerzahler jährlich Millionen Dollar kosten...

Der Präsident wird ein Gesetz vorschlagen, das

die Steuerabschreibung in den Vereinigten Staaten für die öl- und Gasfördersteuer im Ausland strikt auf die Einkünfte begrenzt, auf die diese Steuern erhoben werden,

überhöhte Steuerabschreibungen "aufgrund von Einkünften durch

öl- und Gasförderung im Ausland könnten dann nicht mehr, wie bisher, auf andere
Einkünfte aus niedrigbesteuertem Einkommen wie aus der Tankerflotte und aus Auslandsraffinerien angewandt werden...

Außerdem überprüft das Finanzministerium gegenwärtig die Vorschriften
im Zusammenhang mit einer Straffung der Auslandssteuerabschreibungen für Einkünfte aus öl und Gas, indem vernünftige Prinzipien zur Anwendung der Vorschriften für die Unterscheidung ausländischer Einkommensteuern (die gegen amerikanische
Einkommensteuern aufgerechnet werden können) von Erträgen und Verbrauchssteuern,
die nur steuermindernd wirken können, zugrunde gelegt werden.

3) Verstärkte Produktion von Bohrinseln auf bundeseigenen ölfeldern und
Offshore-Verpachtungsplan für das nationale Erdölvorkommen in Alaska
Der
- 9-

�Der Präsident hob die Bedeutung von Exploration und Erschließung amerikanischer Offshore-Vorkommen von Erdöl und Erdgas hervor.

Das Bundesinnenmi-

nisterium verfolgt bereits einen zügig vorangetriebenen Plan zur Verpachtung
von Offshore-Feldern, demzufolge jährlich fünf Verträge abzuschließen sind.
Bisher wurde dieser Zeitplan mit einem Minimum an Verzögerung eingehalten...
Die Verabschiedung von Zusatzbestimmungen zum Gesetz über Offshore-Gebiete im vergangenen Jahr machte den Weg frei für die Zuteilung noch größerer
Offshore-Plots als je zuvor in der amerikanischen Geschichte,..

Erschließung der nationalen Erdölvorkommen in Alaska
Die nationalen Erdölvorkommen im Norden Alaskas gelten schon lange als
vielversprechende Reserven an Erdöl und Erdgas.

Obgleich die Schwierigkeiten

für Exploration und Erschließung unter arktischen Verhältnissen die Produktion
aus diesem Gebiet zu einer langfristigen Angelegenheit machen, wird der Präsident dem Kongreß Vorschläge zur Exploration und Erschließung unter sorgfältig
kontrollierten Bedingungen durch private Firmen unterbreiten.

Diese Empfehlungen

gründen sich auf eine Erhebung des US-Innenministeriums zu den nationalen Erdölvorkommen in Alaska, die gegenwärtig fertiggestellt wird.

Die Ergebnisse

dieser Erhebungen werden eine Grundlage für die Empfehlungen abgeben, die der
Präsident im Spätherbst dieses Jahres dem Kongreß unterbreitet.
4) Kohle
... Der Präsident hat folgende Schritte angeordnet:
- Verpachtung und Erschließung von Kohlefeldern
... Der US-Innenminister hat den Abschluß von Pachtverträgen für Kohlefelder auf bundeseigenem Land beschleunigt, so daß für 1978 und 1979 die Zahl
der Verträge im Vergleich zu den vorangegangenen sieben Jahren größer ist. Soweit erforderlich werden zusätzliche Verpachtungen von Kohlefeldern auf Bundesland genehmigt.

Der Präsident hat außerdem die Chefs der Bundesbehörden, die
- 10 -

�die in erster Linie für die Regelung der Aktivitäten der Kohleindustrie verantwortlich sind, angewiesen, sich innerhalb von 60 Tagen zu Möglichkeiten für
eine Steigerung von Produktion, Erschließung und Anwendung von Kohle zu äußern.
Die zuständigen Behörden sind das Innenministerium, das Energieministerium und
das Amt für Umweltschutz.
- Kohlevergasung
Der Präsident ersuchte das Energieministerium auch um künftige Unterstützung beim Abbau regulativer, finanzieller und institutioneller Barrieren im
Zusammenhang mit der Kohlevergasung auf das notwendige Mindestmaß...
- Gesetz über Pipel ineis für den Transport von Kohleschlamm
Um die Möglichkeiten zur Nutzung von Kohle zu verbessern und sie aus den
Förderregionen bei Verbraucherbetrieben anzuliefern, setzt sich die Regierung
für gesetzliche Regelungen ein, die gewährleisten, daß für Pipelines zum Transport geschlämmter Kohle die erforderliche Trassenführung genehmigt wird.
5) Garantien zur Kreditgewährung
Der Präsident hat das Energieministerium angewiesen, dem Kongreß eine Vorlage zur Vereinfachung der gegenwärtigen Befugnisse des Energieministeriums zur
Erteilung von Kreditgarantien für ein breites Spektrum von Energietechnologien
zu unterbreiten...
6) Käufe von mexikanischem Erdgas
Während des Besuchs Präsident Carters im Februar 1979 in Mexiko kamen er
und Präsident Lopez Portillo überein, Erörterungen auf Regierungsebene über mögliche Verkäufe von mexikanischem Erdgas auf amerikanischen Märkten wieder aufzunehmen.

Eine Gruppe hoher Beamter des US-Außenministeriums, des US-Energie-

ministeriums und des Nationalen Sicherheitsrates hielt sich vom 3. - 4. April
in Mexiko City zu Gesprächen mit Vertretern der mexikanischen Regierung über
den Umfang der für den Export zur Verfügung stehenden Gasmengen und eine angemessene Preisgestaltung auf...
7) Notwendigkeit

- 11 -

�7) Notwendigkeit breit gestreuter öl lieferquellen
... Der Präsident konnte bereits die Weltbank ermutigen, Explorationen
zur Auffindung von Kohlenwasserstoffen in
finanzieren.

bestimmten Entwicklungsländern zu

Die breit angelegte internationale Strategie der Regierung sieht

außerdem zusätzliche Optionen auf die Finanzierung der Exploration und Erschließung von Erdöl vor.
8) Die Standard Oil Company of Ohio (SOHIO)
Der Präsident hat verfügt, daß das Energieministerium mit Kalifornien
bei der Vorbereitung eines Bundesgesetzes zusammenarbeitet, das gewährleistet,
daß die SOHIO-Pipeline gebaut werden kann...

Sie würde ein wirksames Mittel

darstellen, um Rohöl vom Norden Alaskas, das im Bereich der Westküste nicht benötigt wird, den Inlandmärkten zuzuführen...
9) Pipeline zur Bedienung der Nordregion der Vereinigten Staaten
Es liegt unbedingt im nationalen Interesse, ein leistungsfähiges System
für den Transport von Rohöl aus Alaska von der Westküste in die Bundesstaaten
im Innern der USA zur Verfügung zu haben. Aufgrund des Nationalen Energiegesetzes wird derzeit ein beschleunigtes Verfahren durchgeführt, das dem Präsidenten die Entscheidung erlaubt, welche Pipeline oder Pipelines dem nationalen
Interesse am besten dienen. Der Präsident hat den Innenminister ersucht, die
Vorauswahl noch rascher durchzuführen, damit der Präsident vor Jahresende die
endgültige Entscheidung treffen kann. Mit Kanada wurde bereits erörtert, wie
Empfehlungen der kanadischen Regierung zu den vorgeschlagenen Pipeline-Systemen
beschleunigt zu erhalten wären...
10) Bundesinspektor für Erdgaspipeline aus Alaska
Am 1. April unterbreitete der Präsident dem Kongreß Vorschläge zu einem
Reorganisationsplan, denen zufolge für das Pipeline-System für Erdgas aus
Alaska ein Bundesinspektionsamt eingerichtet würde. Die Schaffung des Amtes
und die Gewährung der notwendigen Befugnisse für Koordinierung und Durchführung
stellen einen überaus wichtigen Schritt zur Fertigstellung der Alaska-Erdgaspipeline dar..j
11) Änderung
- 12 -

�11) Änderung der Restriktionsbestimmungen für den Verkauf von Alaska-Öl
Die Kompetenz des Präsidenten, Exporte von Alaska-Öl oder Tauschgeschäfte
damit in Erwägung zu ziehen, ist aufgrund der Zusatzbestimmungen zum ExportDurchführungsgesetz (Export Administration Act) stark eingeschränkt.

Dieses Ge-

setz erlischt am 22. Juni 1979, und der Präsident hat die verschiedenen Behörden,
die mit der Fortführung des Export-Durchführungsgesetzes nach diesem Zeitpunkt
befaßt sind, angewiesen, sich um eine Streichung dieser einschränkenden Bestimmungen zu bemühen.

Während bisher kein

Vorschlag zum Export oder zu Tauschgeschäften mit

Alaskaöl gemacht wurde - und vielleicht nie gemacht werden wird -, ist es wichtig, dem Präsidenten ausreichende Flexibilität zuzugestehen, damit er verschiedene Alternativen für eine Steigerung der Produktion von unseren Ölvorkommen in
Alaska in Erwägung ziehen kann.

Tauschgeschäfte könnten zu beträchtlichen Ein-

sparungen von Transportkosten führen, die Verbindungen zu Mexiko stärken und
die amerikanische Zahlungsbilanz entlasten.

Außerdem wäre eine solche Flexibili-

tät wichtig, weil sie wirksames Mittel zur Erfüllung unserer ölliefer-Vereinbarungen mit Israel schaffen würde.

Jedoch müssen noch viele andere Faktoren in

Erwägung gezogen werden, um über die Zweckmäßigkeit und die genau definierten
Komponenten eines Alaskaöl-Tauschgeschäfts zu entscheiden.

Eine Abänderung der

Kompetenzen des Präsidenten ermöglichte jedoch promptes Handeln, wann immer
dies erforderlich wäre.
12) Regierungsverordnung zur Stationierung von Bundeseinrichtungen auf dem
Energiesektor
Der Präsident wird eine Regierungsverordnung unterzeichnen, die das Amt
für Planung und Haushalt dahingehend instruiert, einen Organisationsplan zu
schaffen, nach dessen Richtlinien Termine für Bundesentscheidungen über Genehmigungsanträge für wichtige Energieanlagen gesetzt werden.

Die Bundesstaaten er-

sucht der Präsident dringend, ähnl iche Zeitpläne, die streng einzuhalten sind,
für die von den Einzelstaaten zu genehmigenden Aktionen zu schaffen...

13) Gesetz

- 13 -

�• -

13) Gesetz über die Partnerschaft bei der Durchführung von Energieprojekten
(EMPA)
Der Präsident wird dem Kongreß einen Gesetzesvorschlag zur Reform der bestehenden Zuschußprogramme für einzelstaatliche Energieprojekte, die vom USEnergieministerium betreut werden, unterbreiten...
14) Kernenergie
Wie der Präsident bereits in seiner Rede erwähnte, hat der kürzliche Störfall im Kernkraftwerk Three Mile Island uns alle besorgt gemacht.

Als Reaktion

auf diesen Störfall verfügte der Präsident, daß eine völlig unabhängige Expertenkommission berufen werde, um zu untersuchen:
- Die Umstände, die zu dem Störfall führten, und die Kette der Folgeereignisse;
- die technischen Fragen, die dieser Störfall hinsichtlich des Funktionierens der Sicherheits- und Reservesysteme dieser Anlage samt ihrer ganzen
Konstruktion aufwirft;
- Art und Angemessenheit der Reaktionen von Regierungsstellen auf allen
Ebenen auf diesen Störfall.
Es wird vorausgesetzt, daß diese Kommission umgehend die Arbeit aufnimmt
und so rasch wie möglich dem Präsidenten Bericht erstattet.
Der Präsident appellierte an die Nation, objektiv und angemessen auf diesen Störfall zu reagieren und zu bedenken, daß fast 13 Prozent der amerikanischen
Stromproduktion aus Kernkraftwerken kommen.
Er ersuchte die Nukleare Aufsichtskommission (NRC), eine unabhängige
Körperschaft, schneller als zunächst vorgesehen in jedem Atomkraftwerk einen
ständigen NRC-Inspektor zu stationieren., Aufgrund der gegenwärtigen Bestimmungen sind Inspektoren bei 20 Reaktoranlagen stationiert und haben 26 einzelne

�einzelne Reaktorblöcke zu überwachen.

Nach dem Störfall im Atomkraftwerk Three

Mi 1e Island hat die NRC außerdem Inspektoren zu den drei weiteren Standorten
entsandt, wo sich Reaktoranlagen der gleichen Konstruktion befinden
Der Präsident instruierte ferner das Energieministerium, mit der NRC
eng zusammenzuarbeiten, um zu ermitteln, ob und welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich seien.
Um mit dem Kongreß die bereits im vergangenen Jahr begonnenen wichtigen
Erörterungen über Standortwahl für Atomkraftwerke und Genehmigungsverfahren
wieder aufnehmen zu können, wird der Energieminister in Kürze Gesetzesvorschläge
über Standortwahl und Genehmigungsverfahren unterbreiten. Es ist überaus wichtig, daß Fragen darüber, ob der Zeitplan für die Durchführung des Verfahrens
auch den Sicherheitserfordernissen entspricht, gründlich überprüft werden und
entsprechende Abänderungen erfolgen, Die Regierung wünscht eine enge Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Festsetzung der geeigneten nächsten Schritte für
die Verbesserung des Verfahrens von Standortwahl und Genehmigung, um sowohl mehr
Sicherheit als auch optimale Ergebnisse zu erreichen.

III,, Der Energi e sie he ru ^9 s f Q nd s
1. Beihilfe für Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen
Die Aufhebung der Preiskontrollen bei öl werden sich bei allen Bürgern unseres Landes auswirken. Aber die Bürde wird am schwersten für Familien mit niedrigem Einkommen sein, die sowieso einen großen Teil ihrer Einkünfte für Heizung,
Strom, Transportmittel und andere energiebezogene Erfordernisse aufwenden.
Hauptzweck des Energiesicherungsfonds wird es deshalb sein, solche Familien zu
unterstützen, die von der Erhöhung der Brennstoffpreise als Folge der Aufhebung
der Preiskontrollen am meisten betroffen sind.
Der
- 15 -

�Der 0&gt;~äsident wird den Kongreß ersuchen, einen Teil der Einkünfte aus der
Konjunkturgewinnsteuer, die im Energiesicherungsfonds anfallen, für Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen bereitzustellen.

Dieses Hilfsprogramm sähe

im Durchschnitt für eine Familie dieser Einkommensgruppe pro Jahr etwa 100 Dollar
vor...

2. Verbesserung der Massenverkehrsmittel
... Falls der Kongreß die Energiesicherungssteuer beschließt, wird der
Präsident vorschlagen, die Finanzierung von Verkehrsprojekten zu erweitern, die
baldmöglichst gute Resultate versprechen.

Im Verlauf der nächsten 10 Jahre wür-

den insgesamt 3,1 Milliarden Dollar aus dem Energiesicherungsfonds für solche
Zwecke abgezweigt - zusätzlich zu den Mitteln, die heute für Projekte auf dem
Gebiet des Massenverkehrs geplant sind...

3. Investitionen auf dem Sektor Energie
... In seinen Vorschlägen für den Etat zum Haushaltsjahr 1980 ersuchte
der Präsident den Kongreß bereits, mehr als 3,6 Milliarden Dollar für Energieforschung und Technologie-Entwicklungen zu genehmigen. Diese Mittel werden
helfen, ein breites Spektrum neuer technologischer Optionen zu entwickeln, wodurch es möglich wird, einheimische Energiequellen in größerem Umfang sicher
und mit geringer Umweltbelastung zu nutzen,..
Darüber hinaus ist der Einsatz von Kreditgarantien und Steuerabschreibungen
in Höhe von Millionen von Dollar dafür bestimmt, zu einer umfangreicheren Nutzung einheimischer Energiequellen zu ermutigen.

Unsere Investitionen für Energie-

technologien sind allein so hoch wie die aller übrigen Länder der nicht-kommunistischen Welt zusammen. Aber selbst auf diesem Niveau reichen sie nicht aus, dem
tatsächlichen Bedarf gerecht zu werden.

Die Verabschiedung des Gesetzes über

eine Konjunkturgewinnsteuer durch den Kongreß und die Schaffung des Energiesicherungsfonds wird uns in die Lage versetzen, unsere Energieinvestitionen fast
- 16 -

�fast zu verdoppeln...

Entwicklung von Kleinprojekten als Reserve

Das US-Energieministerium wird in Verbindung mit dem Aufbau des Energiesicherungsfonds ein Programm zur Entwicklung von Kleinprojekten in Angriff nehmen.

Außerdem wird das Energieministerium den Umfang der Kontrakte über Klein-

projekte ausweiten...

Regionale Speicherkapazitäten für die strategische Erdölreserve

... Die zentrale Lagerung von Rohöl in der Region der Golfküste war eigentlich als Schutzmaßnahme für die gesamte amerikanische Bevölkerung gedacht.
Aber übermäßige Transportschwierigkeiten und die hohe Abhängigkeit von importierten Mineralölprodukten lassen eine stärker regional ausgerichtete Lagerung
von Rohöl und Mineralöl Produkten insbesondere im Hinblick auf Hawaii und den
Nordosten der USA besser geeignet erscheinen.

Aus dem Energiesicherungsfonds würden die anfallenden Kosten für die Erschließung und den Unterhalt von Lagervorrichtungen bezahlt, um in Reserve zu
halten:
- 10 Millionen Faß Schweröl in der Nordostregion;
- 10 Millionen Faß Heizöl in den Speicheranlagen an der Golfküste zur Verwendung in den Nord-Ost-Staaten; und
- 3 Millionen Faß Erdöl in Hawaii (2,3 Millionen Faß Rohöl und 700 000
Faß Flugzeugtreibstoff)...

Mehr Geldmittel für Kohleforschung und -entwicklung»eine zweite Demonstrationsanlage für den SRC-Prozeß sowie Kreditgarantien für Demonstrationsanlagen

... Im Voranschlag des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1980 sind für das

- 17 -

�das Energieministerium 663 Millionen Dollar für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf dem Kohlesektor angefordert.

Falls der Kongreß die Energiesi-

cherungssteuer verabschiedet, stehen mehr Mittel zur Verfügung, die sich gewinnbringend einsetzen lassen, um bessere Wege zu vermehrter Nutzung dieses
Rohstoffes zu finden.
Es würden dann zusätzliche 10 Millionen Dollar pro Jahr aus dem Energiesicherungsfonds dafür verwendet, die Entwicklung von Technologien zu beschleunigen, welche eine umfangreichere Nutzung der Kohle erlauben, ohne daß Zugeständnisse an wichtige Aufgaben des Umweltschutzes gemacht werden müßten...
Aus dem Energieentwicklungsfonds werden Mittel für Kreditgarantien zur
Finanzierung von Energieentwicklungsprojekten bereitgestellt, die staatliche
Hilfe nur benötigen, um neue Technologien auf dem Markt einzuführen...

Steuerabschreibungen für die Erschließung von Ölschiefer
Falls öl aus Ölschiefer zu einem wettbewerbsfähigen Preis und in einer
für die Umwelt akzeptablen Weise hergestellt werden kann, könnten die ölschiefervorkommen in den USA bis zu 700 Millionen Faß öl liefern - ein Vielfaches
dessen, was die bis heute bekannten Rohölvorkommen Saudi-Arabiens enthalten.
Der Präsident schlägt vor, Steuerabschreibungen bis zu 3 Dollar pro Faß
aus der SchieferölProduktion mit Geldern des Energiesicherungsfonds zu finanzieren, um bis Mitte der achtziger Jahre Demonstrationsanlagen für den kommerziellen Abbau von Ölschiefer für die wirtschaftlichsten und umweltschonendsten
Verfahren zur Verfügung zu haben. Die Steuerabschreibungsmöglichkeiten werden
auszulaufen beginnen, wenn die Weltmarktölpreise 20 Dollar pro Faß erreichen
(unter Berücksichtigung der Inflation), und sie werden völlig eingestellt, wenn
die 23-Dollar-Marke erreicht ist. Es ist zu erwarten, daß im letzten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts bis zu 300 000 Faß öl pro Tag aus Ölschiefer gewonnen werden.
- Steuerabschreibungen

�Steuerabschreibungen für holzbeheizte Öfen
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... Beim Kauf und der Installation leistungsfähiger holzbeheizter Öfen
wären Steuerabschreibungen möglich.

Aufgrund dieser Initiative könnten leistungs-

fähige Holzöfen in das Steuerabschreibungsgesetz von 1978 für Energiesparmaßnahmen einbezogen werden.

Steuerabschrei bungen für ^Sol a ranlagen

Die Regierung hat bereits wichtige Schritte unternommen, um die im Zusammenhang mit Solarenergie gesetzten Ziele zu erreichen.

Die Aufwendungen

für technologische Entwicklungen unter Nutzung der Sonnenenergie sind im Haushaltsvoranschlag des Präsidenten für 1980 um 22 Prozent höher als 1979,

Diese

Steigerung zeigt, wie sehr sich die Regierung für die Nutzung von Sonnenenergie
einsetzt, selbst in einer Zeit strikter finanzieller Sparmaßnahmen.,,

Der Präsident beabsichtigt, aus dem Energiesicherungsfonds Mittel für
folgende Zwecke bereitzustellen:

- Steuerabschreibungen bis zu 20 Prozent des Anschaffungswertes von passiven Solarenergieeinheiten (höchstens 4 Einheiten) beim Bau von Wohnhäusern,
sofern die Konstruktion bestimmten Leistungsnormen entspricht (ein Maximal betrag pro Einheit wird festgesetzt)...

- Zusätzliche Steuerabschreibungen für die Kosten solarer Heizanlagen
für die Erzeugung von Prozeßwärme bei Verwendung von Ausrüstungen mit bestimmten technischen Leistungsnormen.

Kleine Wasserkraftwerke

... Das Energieministerium stellt Mittel für Sondierungsstudien für die
Anlage kleiner Wasserkraftwerke bereit.
- 19 -

Im Rahmen der bestehenden Programme

�Programme werden andere Bundesbehörden Zuschüsse, Kredite und Kreditgarantien
für eine beschleunigte Durchführung solcher Projekte geben.

Steuerbefreiung bei der Verwendung von GASOHOL
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Um die Verwendung und die Produktion von GASOHOL (Benzin mit mindestens
10 Prozent Alkohol) auszuweiten, bemüht sich der Präsident um ein Gesetz, das
die gegenwärtige Befreiung von GASOHOL aus der Benzin-Besteuerung zu einer
Dauereinrichtung macht...

Synthetische Brennstoffe
Zur Zeit befinden sich vielversprechende Verfahren zur Herstellung
synthetischer Brennstoffe, einschließlich Benzin, in der Entwicklung... Der
Präsident hat den Energieminister angewiesen, in Zusammenarbeit mit anderen
geeigneten Bundesbehörden Programme zu entwickeln, die die Privatwirtschaft
ermutigen, sich dieser wichtigen neuen Technologien anzunehmen und sie weiter
auszubauen. Auch dieses Programm wird mit Mitteln des Energiesicherungsfonds
finanziert...

Strategie für die Energietechnologie der Zukunft
Wir werden in den vor uns liegenden Jahren ausreichend Energie zur Verfügung haben, wenn wir heute unsere wissenschaftlichen und technologischen
Ressourcen auf die Entwicklung alternativer Energiesysteme konzentrieren. Wir
sehen uns der Aufgabe gegenüber, eine ordnungsgemäße Überleitung zur Nutzung
sicherer, sauberer und praktisch unerschöpflicher Energiequellen im nächsten
Jahrhundert zu schaffen.
Kurz-

�Kurz- und mittelfristig gesehen werden fossile Brennstoffe - öl, Gas und
in zunehmendem Maße Kohle - unsere wichtigsten primären Energiequellen sein,
während wir gleichzeitig Alternativenergien entwickeln.

Durch technisch ständig weiter verbesserte Exploration und Förderung
sowie die Entwicklung von Technologien für die kommerzielle Nutzung von Ölschiefer, Schweröl und Teersanden werden wir unsere Inlandsproduktion von öl
und Gas erhöhen,und wir werden unsere Lieferquellen für Importöl noch stärker
streuen, wenn immer mehr Länder zu wichtigen Lieferanten für den Weltmarkt
werden.

Kohle wird in zunehmendem Maße öl und Gas als Primärquelle für die Stromerzeugung und für industrielle Prozesse ersetzen.

Weiterentwickelte Technolo-

gien, z.B. Verbrennung im Wirbelbett, werden uns in die Lage versetzen, Kohle
mit höherem Nutzeffekt und geringerer Umweltbelastung zu verwenden.

Und die

Verflüssigung und Vergasung von Kohle gibt uns die Möglichkeit, Ersatz für Erdöl, Benzin und Erdgas unter Verwendung unserer umfangreichsten fossilen Energiequellen zu bekommen.

Bei weiteren technologischen Fortschritten kann eine sichere, zuverlässige und das vorhandene Uran besser nutzende Kernkraft eine wichtige Rolle in
der Gesamtstromerzeugung spielen.

Nukleare Abfälle werden in Tiefen, nach geo-

logischen Gesichtspunkten ausfindig gemachten Lagerstätten sicher gelagert,
die eine sorgfältige Auswahl, sorgfältigen Ausbau und umfassende Erprobung
erfordern.

Gleichzeitig werden wir aber auf eine ständig steigende Nutzung erneuerungsfähiger Energiequellen dringen.

Solarheizung, Erzeugung von Wärme,

Strom und Alkohol aus sog. Biomassen wie Holz und landwirtschaftlichen Abfällen, kleine Wasserkraftwerke, Erdwärme und Windkraft - all dies wird in
größeren Umfang genutzt werden.

Auch Solarzellen und Windenergie werden be-

achtliche Beiträge leisten.
Fortschritte
- 21 -

�Fortschritte bei der Energieeinsparung sowie Neuerungen bei der Anwendung
der bisher ..Wichen Technologien und die Einführung neuer Technologien sind geeignet, dramatische Entwicklungen herbeizuführen.
- Die Industrie wird in zunehmendem Maße zu einer besseren Energienutzung
kommen, wie neue Betriebe und Anlagen mit modernsten Ausrüstungen eingesetzt
werden.
- Verbrauchsgüter wie z.B. Kraftfahrzeuge werden weitaus energieeffizienter sein.
- Neubauten werden Energie mit einem höheren Wirkungsgrad nutzen, besser
isoliert sein und mehr Gebrauch von passiven Solarenergieanlagen machen.
- In dem Maße, in dem die direkte Verwendung von Kohle und anderen Substitionsenergien zunimmt, wird die Verwendung kostspieliger flüssiger und gasförmiger Brennstoffe auf bestimmte Gebiete beschränkt bleiben - beispielsweise Verkehrswesen und Wohnhausbeheizung, wo sie am vorteilhaftesten einzusetzen sind.
- Die Wiederverwendung von Abfall kann zu einer wichtigen Quelle sowohl
für Energie als auch für andere Rohstoffe werden.
- Technologiefortschritte werden es uns ermöglichen, noch mehr Elektrizität einzusetzen, um flüssige und gasförmige Brennstoffe beispielsweise im Verkehrswesen einzusparen. Neuartige Gebührenordnungen könnten dazu führen, daß
sowohl die Industrie als auch der private Haushalt den Stromverbrauch wirtschaftlicher gestalten.
Wenn wir gut planen und umgehend handeln, können wir hochentwickelte alternative Energiesysteme schon lange vor dem Zeitpunkt zur Verfügung haben,
an dem - irgendwann im nächsten Jahrhundert - die fossilen Brennstoffe zu Ende
gehen.

Das amerikanische Volk wird in zunehmendem Maße weitgehend unerschöpf-

liche Energiequellen benutzen, nicht zuletzt unter dem Druck der hohen Kosten
- 22 -

�Kosten der sich allmählich erschöpfenden fossilen Brennstoffe und möglicherweise
auch unter dem Druck von Umweltproblemen.

Dennoch können synthetische flüssige

und gasförmige Brennstoffe noch von großer Bedeutung bleiben.
Für die Stromproduktion gibt es drei wichtige Quellen:
- Systeme für die Umsetzung von Sonnenlicht in Strom;
- Verbesserte sichere, weiterentwickelte Nukleartechnologien, einschließlich Brutreaktoren;
- Kernfusion, eine saubere Energiequelle unter Einsatz von reichlich vorhandenen Wasserstoffisotopen als Rohstoff.
Damit fortgeschrittene Technologien nicht erschöpfbare" Energiequellen
aller Wahrscheinlichkeit nach zur Stromproduktion benutzt werden, wird die
amerikanische Nation auch neue Wege der Nutzung von Elektrizität gehen und in
zunehmendem und ständig verfeinertem Maße Computer beim Einsatz von Energie
verwenden.
Auch andere regenerationsfähige Energiequellen - Biomassen, Erdwärme, Windkraft und die Wärmeenergie der Weltmeere - werden wichtige Rollen spielen.
Wir können heute nicht wissen, welche Technologien es im einzelnen se^n
werden, mit denen künftig unser Energiebedarf gedeckt wird. Aber wir kennen
die Aufgaben, die vor uns 'iegen, Und angesichts der heutigen Errungenschaften
amerikanischer Wissenschaft und Technik können wir die Saat für eine sichere
Energiezukunft erkennen. Der vom Präsidenten vorgeschlagene Energiesicherungsfonds ist eine Investition in diese Zukunft - in Forschung, Entwicklung und Demonstrationsanlagen, die notwendig sind, um den Übergang zu alternativen, reichlich vorhandenen, sicheren und sauberen Energiequellen zu beschleunigen.

+ + + + +

- 23 -

�18. April 1979

14

LEHREN VON HARRISBURG
Bessere Sicherheitskonzeptionen für Atomkraftwerke unerläßlich

- (AD) - Die Vorfälle im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania vom 28. März 1979, die
sich im Zusammenwirken von technischen Pannen und menschlichem Versagen
zu einer Katastrophe auszuweiten drohten, führen jetzt weltweit zu einer
Neubewertung der Sicherheitsprobleme bei der Nutzung der Kernenergie.
Präsident Carter kündigte inzwischen die Überprüfung der Sicherheitssysteme
bei allen amerikanischen Kernkraftwerken an.
Am sechsten Tag nach der Kette von Pannen, die eine höchst gefährliche
Situation aufbauten, konnte Dr. Harold R. Denton von der Nuklearen Aufsichtskommission (NRC) der Vereinigten Staaten auf einer Pressekonferenz
im nahegelegenen Middletown berichten: "Die Lage normalisiert sich
allmählich. Das System zur Beseitigung der Wasserstoffblase im Druckbehälter funktioniert. Der Reaktorkern ist stabil und kühlt sich ab."
Als die zunächst wichtigste Entwicklung war die Tatsache anzusehen,

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Tel )2221-89 3240
Tele. 08-85432

�anzusehen, daß man die Wasserstoffblase über dem Reaktorkern, die noch
zwei Tage zuvor als mögliche und besonders gefährliche Ursache für die
Auslösung einer Explosion galt, zum Verschwinden hatte bringen können "dank unserer Maßnahmen und einigem Glück", wie Dr. Denton sagte.
Erst seit 100 Tagen war der Block Zwei des Atomkraftwerks in Betrieb,
mit dem die "Metropolitan Edison Company" die zentrale Region im Süden
des Bundesstaates Pennsylvania mit Strom versorgte.

Block Eins war wegen

des routinemäßigen Austauschs der Brennstoffstäbe sowieso abgeschaltet.
Es handelt sich um ein Atomkraftwerk mit Druckwasserreaktoren von 960
Megawatt Stromleistung, die von der Firma Babcock &amp; Wilcox gebaut worden
waren.

•

- Die Ereignisse Die Kettenreaktion der Störungen begann mit dem Ausfall eines Ventils
in einem Speisewassersystem "außerhalb der Reaktor-Sicherheitszone", wie
Denton erklärte - ein Ventil an einer Filteranlage, in der Speisewasser
vor der Rückführung in den Wasserkreislauf entmineralisiert wird, öffnete
sich nicht mehr. Dadurch wurde automatisch eine Wasserpumpe abgeschaltet.
An diesem Punkt hätten Reservepumpen in Aktion treten müssen. Aber diese
Pumpen waren zwei Wochen zuvor von Technikern geprüft worden, die dann
vergessen hatten, geschlossene Ventile wieder zu öffnen. So wurde die
Wasserzufuhr zur Dampfturbine unterbrochen. Die Turbine schaltete sich
automatisch ab. Dies wiederum löste die automatische Abschaltung des
Reaktors durch das Einfahren sämtlicher Kontroll Stäbe in den Reaktorkern
aus. Die Kettenreaktion der Atomkernspaltung wurde unterbrochen. Der
radioaktive Zerfall beim Kernbrennstoff ging weiter, jedoch nur mit einem
winzigen Bruchteil der Energie und Wärmeentwicklung, wie sie die Kettenreaktion erzeugt. Aber der im inneren (primären) System vorhandene Dampf,

�Dampf, dessen

Wärmeenergie normalerweise im Wärmeaustauscher auf den

zweiten Dampfkreislauf für den Antrieb der Turbinen übertragen wird und
der sich auf diese Weise abkühlt, strömte in den Primärkreislauf zurück
und erhöhte dort Temperatur und Druck.

Die dem Reaktor angeschlossene

Druckanlage gab über ein automatisches Ventil Dampf in den sogenannten
Kühlkessel ab.
Nächste Pannen: Dieses Ventil schloß sich nicht mehr, der Wasserverlust im Reaktorkreislauf wurde zu groß. Dann strömten radioaktive
Gase in die durch eine 1,20 m dicke Stahl- und Betonmauer nach außen abgeschirmte Sicherheitskammer. Der Kühlwasserverlust setzte die Notkühlung
für den Reaktorkern in Gang - aber ein Techniker schaltete aus irgendwelchen
Gründen dieses System zunächst für eine halbe Minute, dann noch einmal für
10 Minuten ab. Wäre dies nicht geschehen, wäre es vermutlich nicht zu
der nun folgenden gefährlichen Entwicklung gekommen. Durch das Abschalten
der Notkühlung begannen sich die 177 Brennstäbe zu überhitzen. Die
Temperatur im Reaktorkern erreichte stellenweise mehr als 370 Grad Celsius.
Die Zirkonhülsen der Brennstäbe beulten sich aus und bekamen Risse, Wasser
drang zu den Brennelementen ein. Als schließlich das Notkühlsystem wieder
in Gang kam, wurde offenbar Wasser bei der Berührung mit den überhitzten
Metall hülsen zum Teil in seine Bestandteile - Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Und diese Reaktion führte zusammen mit den aus den Brennstoffhülsen austretenden Gasen zur Bildung der Wasserstoffblase über dem
Reaktorkern.
Als Gase in die Reaktorhalle strömten, hätten dort alle Schotten,
die entweder zum Nebengebäude oder ins Freie führten, erschlossen sein
müssen. Aber das war nicht der Fall, so daß radioaktive Gase in die
Atmosphäre entwichen und das Nebengebäude verseuchten. Am 30. März wurde
in der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks am Boden eine Radioaktivität
von 20 - 25 Millirem pro Stunde gemessen; am Morgen hatten Betriebsingenieure radioaktive Gase aus Abfalltanks abgelassen. NRC-Direktor
Dr. Joseph M. Hendrie empfahl Gouverneur Thornburg, im Umkreis bis zu
- 3 -

�zu acht Kilometern alle schwangeren Frauen und die Kinder im Vorschulalter Zu evakuieren.

Die Schulen wurden geschlossen und für alle Be-

wohner des Gebiets bis 16 km irr Umkreis Evaku^erungspläne vorbereitet.
Diese Pläne brauchten jedoch nicht in die Tat umgesetzt zu werden.,

- Keine akute Gefahr mehr Acht Tage nach dem Reaktorun^all war die akute Gefahr vorbei.

Seit

dem 5. April untersucht und überwacht ein Roboter, der vom Kernforschungszentrum Oakridge (Tennessee) herangeschafft wurde, die stärker verseuchten
Räume im Betriebs- und Wartungsgebäude unmittelbar neben der Reaktorhalle.
Es gilt zunächst einmal, das Ausmaß der Verseuchung zu ermitteln, beschädigte Leitungen, Pumpen und andere Systeme in diesem Bereich abzustützen und zu reparieren und das Inaangsetzen eines Planes für die
"Kaltstillegung"

des Kernreaktors vorzubereiten.

Schon einige Tage

zuvor hatte die Betriebsleitung bekanntgegeben, daß nach Abkühlung des
Reaktors auf 177°C und Senkung des Drucks auf 2,5 kg/qcm ein Kühl verfahren
vorgesehen sei, das die Zerfallswärme ableite und schließlich zu einer
"Kaltstillegung" führe, bei der die Temperaturen im Innern unter der
Siedetemperatur von Wasser liegen.

Dieser Punkt dürfte nach frühestens

10 - 15 Tagen erreicht werden.
Inzwischen hatte man dafür einen neuen Plan ausgearbeitet, der den
Betrieb von Pumpen und anderen Ausrüstungen innerhalb der Reaktorschale
auf ein Minimum beschränkt. Unter der Einwirkung der intensiven Strahlung
waren einige Teile funktionsunfähig geworden. Der neue Kühl plan reduziert
auch ein Freiwerden von verseuchtem Material auf ein Minimuii, weil das
radioaktive Gas aus dem Nebengebäude in die Sicherheitskammer zurückgepumpt wird. Aufgrund der neuen Pläne wird der Dampfgenerator zum Kühlen
statt zum Aufheizen von Wasser, und natürliche Zirkulation (aufsteigendes

_ 4 .

�(aufsteigendes heißes Wasser und absinkendes kühleres Wasser) wird für
die Reaktorkühlung benutzt.

Heißes Wasser vom Reaktor fließt durch Röhren

zum oberen Teil des Generators, kühlt sich während des Weiterleitens zum
unteren Teil ab und fließt von dort über ein weiteres Röhrensystem zum
Reaktor zurück.

Das Verfahren ist einsatzfähig, sobald die Abschirmung

und Filteranlagen im Nebengebäude betriebsfertig sind.
In den ersten Tagen liefen im Nebengebäude 30 000 Liter verseuchten
Wassers aus Abwassertanks aus. Inzwischen konnte man das meiste wieder
einsammeln, aber Rückstände von radioaktivem Jod und Kobalt haften noch
am Boden und an den Wänden. Aus Rohrleitungen müssen laufend Wasserproben
entnommen werden, über die der Reaktorkammer Kühlwasser zugeleitet wird.
Der zwei Meter große Roboter, dessen Instrumente durch dickes Glas und
Stahl abgeschirmt sind, hat einen auf vier Meter ausfahrbaren Manipulator,
mit dem Gegenstände bis 73 kg Gewicht gehoben und bis zu 227 kg Gewicht
gezogen werden können. Mit seiner zweifingrigen Klauenhand vermag er
Strahlenmeßgeräte und andere Instrumente aufzunehmen und an bestimmten
Stellen abzusetzen. Zwei geschützte Fernsehkameras an Auslegern zu beiden
Seiten des Armes bilden die "Augen" für die Kontrolleure des Roboters,
die ihn mehr als 30 verschiedene Bewegungen und Funktionen ausführen
lassen können. Er wird über ein 233 m langes Kabel gesteuert und bewegt
sich auf 1,5 m langen raupenähnlichen Bändern.
Im abgeschirmten Reaktorgehäuse selbst befinden sich noch ca. eine
Million Liter verseuchtes Wasser zusammen mit stark radioaktivem Gas.
Die Strahlung von Wasser und Gas hat das gesamte Material Spektrum eines
Reaktorkerns als Quelle, u.a. Spaltprodukte von Strontium 90, Rubidium 86
und 89

bis zu Caesium und Tritium.

An das Reinigen dieses Teils des

Atomkraftwerks und schließlich an die Entfernung und Untersuchung der
Brennstoffstäbe wird man erst in Monaten bzw. Jahren gehen können.
Entseuchungspläne wurden bereits in Angriff genommen. Wände und
Kuppel der Reaktorschale, Gas und Wasser sowie sämtliche Ausrüstungen
- 5 -

�Ausrüstcngen müssen entweder gereinigt ode:* entfernt bzw. zerlegt und in
strahlensicheren Behältern an sichere Orte in Südkarol uia, Nevada oder im
Bundesstaat Washington für die Zwisehen!agerüng gebracht werden
für eine Langzeit.lagerung

Anlagen

stark radioaktiven Materials wurden bisher von

der US-Regierung noch nicht genehmigt.

Wie Robert M, Bernero

von der

NRC erklärte, kann das Wasser durch verschiedene Verfahren, einschließlich
Sieden und Verwendung chemischer oder anderem Filter, gereinigt werden,, Das
Gas würde durch chemische oder kältetechnische Verfahren verflüssigt,,
Radioaktives Xenon ließe sich ausfrieren, Jod mittels Aktivkohle abfiltrieren.
Für feste, radioaktiv gewordene Partikel, die mit dem Wasser durch den
Reaktorkern strömten, gibt es ebenfalls wirksame Abscheidungsverfahren.

- Strahlenrisiko In einer am 6,. April vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung
wurde eine Gefährdung der Bevölkerung durch Nahrungsmittel aus der näheren
und weiteren Umgebung des Reaktorstandorts verneint- Zwei Tage zuvor
hatte Gesundheitsminister Joseph A„ Califano in seiner Stellungnahme vor
einem Untei usschuß des US-Senats die mögliche Strahlenexposition der
Bevölkerung in Reakto»*nähe erörtert. Er erklärte u.a.:
"Die Einheit, die gewöhnlich zur Messung einer Strahlendosis benutzt
wird, ist das REM, das sich auf die Strahlenmenge bezieht, die ein bestimmtes Ausmaß an biologischer Schädigung in Gewebe verursacht.

Da aber

ein REM eine viel zu große Einheit ist, um damit die relativ niedrigen
Strahlenpegel vieler Arten von UmweHstrahlung zu beschreiben, werden die
Dosen in Tausendstel REM oder Mi 1 U r e m ausgedrückt.
Boden emittieren natürliche radioaktive Strahlung.

Luft, Wasser und
Sie macht etwa 50

Prozent der Strahlung aus, der im Durchschnitt der Mensch ständig ausgesetzt ist.

Von den übrigen 50 Prozent stammen neun Zehntel von medizinisch

- 6 -

�medizinisch eingesetzten Röntgenstrahlen und Radionukliden, das restliche
Zehntel aus radioaktivem Fallout, industriellen Prozessen, Erzeugung von
Kernkraft und Gebrauchsgütern.
Die durchschnittliche Jahresdosis aus natürlicher "Hintergrundstrahlung" beträgt in den USA für jede Person ca. 130 Millirem, aus
medizinischen Quellen nahezu 70 Millirem, so daß, alle Strahlungsquellen
berücksichtigt, die Exposition pro Jahr bei etwa 200 Millirem liegt.
Aufgrund der bisher vorliegenden NRC-Daten ist anzunehmen, daß die höchste
Dosis, die ein Einwohner in der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks
Three Mile Island (ca. 25 000 Menschen im Umkreis bis 8 km) während der
ersten fünf Tage insgesamt abbekommen hat, ca. 80 Millirem beträgt,
während sie für die Bevölkerung im Umkreis bis zu 80 km (ungefähr zwei
Millionen Menschen) mit neun Zehntel eines Millirem anzunehmen ist. Während
die Auswirkungen hoher Strahlendosen auf Versuchstiere, aber auch auf den
menschlichen Körper gut bekannt sind, weiß man jedoch von den Auswirkungen
sehr niedriger Dosen, wie sie hier in Frage kommen, noch sehr wenig. Das
gilt insbesondere für die Auswirkungen bei Langzeitexposition. Deshalb
beauftragte mich Präsident Carter bereits im Mai 1978, ein entsprechendes
umfassendes Forschungsprogramm in die Wege zu leiten und zu koordinieren,
auf Grund dessen entsprechende Empfehlungen über Maßnahmen zur Redizierung
der Strahlenexposition ausgearbeitet werden sollen. Die Studien sind noch
im Gang - und es zeigt sich, daß noch große Wissenslücken über die Wirkungen
niedrig dosierter Strahlung bestehen."

- Kernkraftnutzung in den USA Der Anteil der Kernkraft an der gesamten Stromproduktion liegt in
den Vereinigten Staaten bei 12 Prozent. Insgesamt 72 Atomkraftwerke
sind in Betrieb, weitere 140 in Bau oder geplant. Jedoch sieht sich die

- 7 -

�die Industrie wachsenden Schwierigkeiten gegenüber.

In den letzten vier

Jahren haben die KraftwerksgesellSchäften Aufträge für 31 Anlagen zurückgezogen, und die Schätzung der Regierung über den Anteil der Kernenergie
an der Stromproduktion im Jahr 2 000 werden ständig weiter nach unten
korrigiert.

Ein Grund dafür ist die niedrige Zuwachsrate für den Strom-

verbrauch pro Kopf seit 1973, ein weiterer die wachsende Opposition der
Öffentlichkeit gegen Kernkraft.
Im Durchschnitt dauert es 10 bis 12 Jahre, bis ein neues Kernkraftwerk
in Betrieb gehen kann.

Die Baukosten sind enorm gestiegen, und die Industrie

sagt, jede Verzögerung nur um einen weiteren Monat koste jeweils 10
Millionen Dollar mehr.

Präsident Carter ersucht den Kongreß um Zustimmung

zu einem zügigeren Durchschleusen der Genehmigung.

Einige einflußreiche

Abgeordnete und Senatoren wollen jedoch diese Frage mit der Frage der
Atommüll-Beseitigung gekoppelt sehen.
getroffen.

So wurde bisher keine Entscheidung

Sie dürfte angesichts der Vorfälle im Kernkraftwerk Three Mile

Island weiter auf sich warten lassen.

+ + + + +

�nd-

I

International CommuniCdtu»n Agency
Embassy of the United States of America

14

18. April 1979

MEERESBERGBAUGESETZ ERNEUT VOR US-KONGRESS
Regierung wünscht Übergangsregelung bis zum Seerechtsvertrag

- (AD) - In Stellungnahmen vor dem Kongress der Vereinigten Staaten
setzten sich Vertreter der amerikanischen Regierung erneut für ein Gesetzeswerk ein, das den rechtlichen Rahmen für die Gewinnung von Rohstoffen aus
der Tiefsee abgeben soll. Die Mehrzahl der gegenwärtig an der achten
Plenarsitzung der Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen in Genf teilnehmenden Länder ist gegen ein solches einseitiges Vorgehen der Vereinigten
Staaten. Dennoch sah sich die Administration in Washington veranlaßt,
die entsprechende Gesetzesvorlage erneut einzubringen, weil derzeit nicht
mit Sicherheit gesagt werden kann, daß das Problem des Bergbaus im Meer
durch Verhandlungen gelöst und, sofern es doch dazu käme, wann dies geschehen wird. Die Vertreter der Regierung betonen jedoch, daß es die
Vereinigten Staaten vorziehen würden, wenn der Abbau der Rohstoffe vom
Meeresboden im Rahmen eines umfassenden internationalen Seerechtsvertrages
geschähe.
Allan Berlind, der im amerikanischen Außenministerium die Abteilung

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Telex: 08-85432

�Abteilung für die Seerechtsverhandlungen leitet, erklärte am 29. März 1979
vor einem gemeinsamen Senatsunterausschuß für Energie und natürliche
Hilfsquellen u.a.: "Wir betrachten keineswegs die Seerechtsverhandlungen
als eine hoffnungslose Sache

Realistisch gesehen ist es aber wahr-

scheinlich, daß ein akzeptabler Vertrag in den nächsten Jahren in Kraft
treten kann.

Deshalb ist die Regierung der Ansicht, daß die Vereinigten

Staaten handeln sollten, um zwischenzeitlich ein stabiles Rahmenwerk für
den Meeresbergbau zu schaffen, bis der Seerechtsvertrag erfolgreich abgeschlossen und ratifiziert ist."
Direktor Berlind verlas die vorbereitete Erklärung in Vertretung
von Botschafter Elliot Richardson, der sich als Leiter der US-Delegation
für die Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen in Genf aufhält.

Im

Verlauf der Anhörung hob der Ausschußvorsitzende, Senator Spark Matsunaga
(Hawai),hervor, daß die jetzt erneut eingebrachte Gesetzesvorlage, die der
letzte Kongress nicht mehr habe verabschieden können, das Ergebnis von
mehr als achtjährigen Erörterungen im amerikanischen Kongress sei.

Selbst-

verständlich wäre eine internationale Regelung vorzuziehen, und auch er
persönlich setze sich immer wieder für den Abschluß eines Seerechtsvertrages ein.

Aber "der Kongress kann nicht länger mit der Verabschiedung

des Gesetzes warten, um endlich eine ordnungsgemäße und umweltschonende
Erschließung der harten mineralischen Rohstoffe der Tiefsee durch unsere
Unternehmen in Gang bringen zu können".
Ein halbes Dutzend amerikanischer Firmen sind in den vier wichtigsten
internationalen Konsortien vertreten, die zur Zeit Explorationsarbeiten
für die Förderung der sogenannten Manganknollen durchführen. Dabei handelt
es sich um mangan -, nickel-, kupfer- und kobalthaltige Erzklumpen, die
in mehr als 4000m Wassertiefe am Meeresboden liegen. Die zur Zeit in
Frage kommenden Lagerstätten befinden sich im Pazifik, und zwar außerhalb der Hoheitsgewässer von Anliegerstaaten dieses Ozeans. Zwei wichtige
Probleme, die eine kommerzielle Ausweitung der Erschließungsarbeiten beein-

�beeinträchtigen, sind 1) das Fehlen von Garantien für die Förderrechte in
einem bestimmten Abbaugebiet durch entsprechende Gesetze des Heimatstaates
oder durch internationales Gesetz (laut Aussagen der Industrie sind
solche Förderrechtsgarantien notwendig, um die Finanzierung des Meeresbergbaubetriebs zu sichern), und 2) das Fehlen einer Stellungnahme der
zuständigen amerikanischen Bundesbehörde zu

den Auswirkungen auf die

Umwelt und darauf fußenden Vorschriften, was bei verspäteter Bekanntgabe
ein kostspieliges Umrüsten bei Geräten und Abbauverfahren notwendig machen
könnte.
Die jetzt eingebrachte Gesetzesvorlage ist darauf abgestellt, für
diese Probleme zum mindesten eine Zwischenlösung zu finden, bis ein
internationaler Vertrag vorliegt. "Wir sind bereit, die Verhandlungen
so lange fortzusetzen, bis ein annehmbares Ergebnis erzielt wird", erklärte Berlind vor dem Ausschuß. "Seit ich jedoch (1977) für ein Meeresbergbau-Gesetz plädierte, ist der Zeitplan für die Entwicklung der Bergbautechnologie wegen der fortgesetzten Baisse auf den Metallmärkten und
der Rechtsunsicherheit für die im Meeresbergbau engagierten Firmen bis
zum Abschluß eines annehmbaren Seerechtsvertrages weiter in Verzug geraten."
Wie Berlind weiter ausführte, opponieren etwa 130 der 158 Staaten,
die an der Seerechtskonferenz teilnehmen - prinzipiell die 119 Mitglieder
der Gruppe von 77 Entwicklungsländern - gegen eine einseitige amerikanische
Aktion, und zwar unter Berufung auf die UN-Resolution, die die TiefseeRessourcen zum "Gemeinsamen Erbe der Menschheit" erklärt.

Diese Resolution

wird von den Vereinigten Staaten, die ja auch für sie gestimmt haben,
voll anerkannt. Aber nach dem bisher vorgeschlagenen Vertragstext, so
Berlind,würde praktisch die Kontrolle über den Meeresbergbau jenen Ländern
in die Hand gegeben, die keinerlei Investitionsrisiken tragen.

Dies aber

würde jegliche Innitiative zur Erschließung der Meeresboden-Ressourcen
ersticken.
Die
- 3 -

�Die gegenwärtige Plenarkonferenz, die achte im Verlauf von fünf
Jahren, begann am 19. März 1979 und soll bis zum 27. April dauern.

Noch

lasse sich wie Berlind erklärte, nicht absehen, welche Richtung die
Erörterungen nehmen werden, in denen die internationale Regelung des
Meeresbergbaus eine zentrale Frage darstellt.
Hierbei geht es vor allem um die Erschließung der Tiefsee-Erze
als künftige Rohstoffquelle.

Die ungefähr kartoffelgroßen Manganknollen

finden sich in ausgedehnten Feldern am Meeresboden.
sind sich die Geologen noch nicht sicher.

Ober ihre Entstehung

Einigen Hypothesen zufolge könnten

Meeresorganismen, die bestimmte Spurenmetalle aufnahmen, anreicherten und
wieder ausschieden, eine Rolle in diesem Prozeß gespielt haben.

Vom

Vorhandensein der Erzklumpen im Meer erfuhr die Wissenschaft zum ersten
Mal im Jahr 1875, als das britische Forschungsschiff "Challenger" von
seiner aufsehenerregenden Expedition durch die Weltmeere zurückkehrte.
Aber sie galten lange Zeit bestenfalls als ein wissenschaftliches Kuriosum.
Es dauerte fast neunzig Jahre, bis man sich wieder an sie erinnerte.

Wie

Dr. Vincent McKelvey vom geologischen Bundesamt der Vereinigten Staaten
berichtet, begannen um 1960 wissenschaftliche Publikationen, die Aufmerksamkeit auf den riesigen Erzreichtum der Meere zu lenken, der der
Erschließung harrte.
Natürlich fehlte noch die Technologie, um die Tiefsee-Erze zur Oberfläche zu bringen. In den sechziger und siebziger Jahren begannen
amerikanische, europäische und japanische Firmen mit der Gründung von
Konsortien mit dem Ziel, Techniken zur Förderung und Aufbereitung der Erze
zu entwickeln und die Exploration zur Auffindung von geeigneten Lagerstätten systematisch voranzutreiben. Die Unternehmungen waren mit hohen
finanziellen Risiken verbunden. So wurden zum Beispiel in einer Studie
des Massachusetts Institute of Technologie (Boston, USA) die Kosten
allein für die notwendigen Forschungs- und Explorationsarbeiten zur
Einrichtung einer Förderstation auf 25 bis 50 Millionen Dollar geschätzt.

- 4 -

�geschätzt.

Die Installierung von Fördervorrichtungen samt Förderschiffen

sowie von Aufbereitungsanlagen an Land kostet weitere 350 bis 600 Millionen
Dollar.

Die höchste Manganknollendichte entdeckte man bisher im Pazifik

südöstlich von Hawai zwischen dem 110. und 160. Längengrad bei 5° bis 20°
nördlicher Breite.
In den letzten Jahren ließ das amerikanische Bundesamt für Ozeanund Atmosphärenforschung (NOAA) eine Reihe von Umweltstudien durchführen,
um zu ermitteln, ob und in welcher Weise die Lebensbedingungen der Organismen
am Meeresboden durch den Meeresbergbau beeinträchtigt würden. Man hatte
z.B. befürchtet, daß das Aufwallen von Sand- und anderen Partikelwolken durch
den Förderbetrieb sich als schädlich erweisen könnte. Aber obgleich die
Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind,hält es Dr. McKelvey für
möglich, daß ein auf diese Weise bewerkstelligtes "Umrühren" des Meeres
sogar einen zusätzlichen Bonus bringt. Nährstoffreiches Wasser wird näher
an die Oberfläche zum Phytoplankton herangeführt, was die Fördergebiete
für Manganknollen auf hoher See zu regelrechten "Gärten der Meere" machen
könnte.

+ + + + +

- 5 -

�I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
18. April 1979

14

PRODUKTIVITÄT BRAUCHT FORSCHUNG
Sonderbotschaft Präsident Carters über Wissenschaft und Technologie

- (AD) - Vermehrte Anstrengungen in der wissenschaftlichen und industriellen Forschung können, wie Präsident Carter in seiner "Botschaft über Wissenschaft und Technologie" hervorhebt, die Produktivität Amerikas verbessern, die
Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten im Welthandel steigern und andere
schwerwiegende Probleme im Inland wie in der übrigen Welt lösen helfen. In
der 17seitigen Sonderbotschaft, die am 27. März 1979 dem amerikanischen Kongreß
zugeleitet wurde, fordert der Präsident dringend mehr wissenschaftliche und
technologische Zusammenarbeit mit anderen Ländern und verstärkte staatliche
Förderung der Wissenschaft in den USA - auch in dieser Zeit allgemeiner Sparmaßnahmen.
Präsident Carter gibt seiner Überzeugung Ausdruck, daß verstärkte Forschungsanstrengungen u.a. der Schlüssel zur Lösung wichtiger Aspekte von Problemen der Inflation, Arbeitslosigkeit, ausländischer Konkurrenz und geringeren
Zuwachses der Produktivität seien.

Denn "30 bis 40 Prozent des amerikanischen

Wirtschaftswachstums in den letzten drei Jahrzehnten war technologischen Innovationen zu verdanken", heißt es in der Botschaft.

Industrien mit einem

hohen Grad technologischerlnnovation seien auch heute die produktivsten Branchen und auf den Weltmärkten besonders konkurrenzfähig.

Dagegen werde als

Folge nachlassender Produktivität die Inflation weiter verschlimmert.

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�Die Verringerung des Produktivitätszuwachses hat in den USA zu beträchtlicher Besorgnis geführt.

Die Erörterung der möglichen Ursachen steht bei den

Wirtschaftsexperten an erster Stelle. Sie scheinen sich keineswegs darüber
einig zu sein, wo denn die eigntliche Ursache zu suchen sei. So wurden unter
anderem der wachsende Anteil junger Arbeiter und unerfahrener weiblicher
Arbeitskräfte an der berufstätigen Bevölkerung, die niedrige Investitionsrate
der Wirtschaft während einer langen Zeit der Rezession sowie die Tatsache verantwortlich gemacht, daß eine rasch fortschreitende Inflation den Wirtschaftsertrag von Investitionen für neue Betriebe oder neue Technologien verringert
habe.

Wie dem auch sei - nach Meinung der Experten war jedenfalls die Verlang-

samung des Wirtschaftswachstums von einer Verringerung der Beiträge der Wirtschaft für Forschung und Entwicklung begleitet, wenn dies auch nicht zwangsläufig als Ursache angesehen werden könne. Jedenfalls ist der Regierung Carter
daran gelegen, daß sich dieser Trend umkehrt.
In seiner Botschaft an den Kongreß betont Präsident Carter die Verantwortung der Bundesregierung, "Forschung und Entwicklung zu betreiben, wenn es im
Interesse der Nation notwendig ist, den Anteil neuer Technologien auf dem Privatsektor schneller zu vergrößern". Dies gelte vor allem dort, wo, wie bei
der Entwicklung einiger Energie-Technologien, ein großes Risiko eingegangen
werde oder die Kosten ungewöhnlich hoch seien. Jedoch erwarte die Regierung
Carter von der Privatindustrie, daß sie Forschung und Entwicklung in Bereichen
finanziere, wo Aussicht auf baldige wirtschaftliche Rentabilität bestehe.
Die führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Wirtschaft wünschen, so besagt die Sonderbotschaft Carters, "eher ein der Innovation förderliches Klima
als die direkte Unterstützung von Forschungen und Entwicklungen mit einem möglichen kommerziellen Potential".
Die Botschaft nennt keine speziellen Schritte seitens der Regierung, um
die amerikanische Industrie zu verstärkten Forschungs- und Innovationstätigkeit
anzuspornen.

Entsprechende Vorschläge werden gegenwärtig im Rahmen einer umfas-

senden Überprüfung unter Mitarbeit von 30 Regierungsbehörden und vielen Beratergruppen aus der Industrie, den Gewerkschaften, Universitäten und Öffentlichkeit
unter Leitung von US-Handelsministerin Juanita Kreps ausgearbeitet.
- 2 -

Präsident

�Präsident Carter erwartet von dieser Überprüfung "viele praktische Empfehlungen,
die dazu beitragen, unsere Industrie innovationsfreudiger zu machen."

Die Sonderbotschaft läßt klar erkennen, daß die Regierung nicht in Handelsbarrieren, sondern in verbesserter Produktivität und mehr Innovation auf Seiten
der Industrie den Weg sieht, um mit der Konkurrenz durch verstärkte Importe aus
jungen Industrieländern fertig zu werden.

"Immer mehr Länder werden zu In-

dustrienationen und bauen Industrien auf, in denen die USA einmal führend waren.
Es sind Länder mit gesunder Wettbewerbsfähigkeit.
tät.

Wir begrüßen ihre Prosperi-

Wir wollen ihr Wachstum nicht durch Zölle und andere Handelsschranken be-

grenzen.

Vielmehr müssen wir danach streben, unsere eigene Leistung durch er-

neute Innovationen auf Gebieten zu steigern, auf denen wir einen besonders hohen Standard besitzen - z.B. in der Landwirtschaft, bei Arzneimitteln, in der
Mikroelektronik, Computertechnik, im Flugzeugbau, bei Entwicklung und Aufbau
von Satellitensystemen und vielen anderen Technologien.

Wir müssen ferner un-

sere weniger stark an die moderne Technologie gebundenen Industrien durch Innovationen wettbewerbsfähiger machen", heißt es in der Botschaft.

Die Bedeutung einer Förderung der Grundlagenforschung durch die US-Regierung wird wegen ihres Einflusses auf die Entwicklung neuer Technologien besonders hervorgehoben.

Seit seiner Amtsübernahme setzte sich Präsident Carter

immer wieder für die Erhöhung der staatlichen Mittel für Grundlagenforschung
ein, sie wurden bisher um 20 Prozent angehoben.

In der Sonderbotschaft an den

Kongreß wird eine Vielzahl von Fragen zur Wissenschafts- und Technologiepolitik
angeschnitten, u.a. Anwendungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Energieversorgung, der Weltraumforschung, des Gesundheitswesens, der internationalen Zuteilung von Funkfrequenzen, bei weltweiten Umweltproblemen, in der Verteidigung
und beim Fortschritt von Entwicklungsländern.

Und es wird auch betont, daß die

kostspieligsten und wichtigsten Projekte nur in internationaler Zusammenarbeit
sinnvoll durchzuführen seien.

Als Beispiele werden Offshore-Explorationsboh-

rungen am äußeren Rand der Schelfgebiete, die nächste Generation von HochenergieBeschleunigern für die physikalische Grundlagenforschung und Forschungsanlagen
für die Erschließung der Fusionsenergie angeführt.

Was die amerikanische Raum-

fahrtpolitik angehe, so sei diese so ausgelegt, daß sie "die Anwendung der

- 3 -

�der Raumfahrttechnologie im Interesse der Bedürfnisse des Menschen hier auf
der Erde unterstützt".

Gleichzeitig ermutige sie zur Weiterführung der wissen-

schaftlichen Erforschung des Universums.

Entwicklungsländern den Zugang zur Technik erleichtern
Das neue "Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit",
dessen Schaffung Präsident Carter schon im vergangenen Jahr dem amerikanischen
Kongreß vorschlug, würde den Entwicklungsländern helfen, die für sie geeigneten
Technologien auszuwählen und zu entwickeln.

In der Sonderbotschaft, die die

Aufgaben dieses Instituts noch einmal darlegt, heißt es dazu unter anderem:
"Die USA können und müssen wissenschaftliche Erkenntnisse und geeignete technologische Verfahren mit den Entwicklungsländern teilen.

Es ist unser Wunsch, an-

deren Ländern zu helfen, Technologien für ihren eigenen Bedarf zu entwickeln.
Wir müssen diesen Vorsatz sowohl aus humanitäten Gründen als auch deshalb verwirklichen, weil die Überwindung der Probleme von Armut, Überbevölkerung, Mangel an Nahrung und natürlichen Hilfsquellen eine stabile Welt erfordert, was
auch unserer eigenen Sicherheit und unserem Wohlergehen zugute kommt.
Angesichts dieser Tatsachen unterbreite ich zusätzliche Vorschläge über
die Schaffung eines Instituts für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit, das die, Aufgabe hat, Entwicklungsländern zu helfen und ihre Fähigkeiten
auf wissenschaftlichem und technologischem Gebiet zu verbessern. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Internationale Entwicklung wird das Institut die Nutzung
von Wissenschaft und Technik ausweiten und vertiefen, damit die einer Entwicklung entgegenstehenden Hindernisse überwunden werden.
Das Institut wird einzelnen Entwicklungsländern helfen, Technologien auszuwählen und aufzubauen, die ihren eigenen Bedürfnissen entsprechen,
zeitig wird es sie in die Lage versetzen, Beiträge zur Lösung von Problemen zu
leisten, von denen sowohl Industrieländer als auch Entwicklungsländer betroffen sind. Das Institut wird beispielsweise mit Entwicklungsländern zusammenarbeiten, um für landwirtschaftliche Gebiete, die sich nicht für den fortgesetzten
- 4 -

�fortgesetzten Anbau von Nahrungsgetreide eignen, vielgestaltige Feldkulturen
zu entwickeln.

Es wird ferner Unterstützung leisten, um z.B. sauberes Wasser

zu gewinnen und Abwässer in ländlichen Gebieten, wo die Mehrheit der armen Bevölkerung lebt, zu beseitigen, moderne Informationssysteme aufzubauen, Tropenkrankheiten zu verhüten und zu behandeln und geeignete Energie-Versorgungssysteme zu entwickeln.

Das Institut wird Entwicklungsländern die Wege ebnen,

damit sie die Unterstützung amerikanischer Regierungsbehörden, Universitäten
und Fachinstitute sowie der Privatindustrie in Anspruch nehmen können. Auf
diese Weise trägt das Institut zu einer besseren Koordinierung der internationalen Aktivitäten unserer Behörden bei.

Besondere Bedeutung kommt der Aufgabe des Instituts zu, mit den bereits
fortgeschrittenen Ländern der Dritten Welt zusammenzuarbeiten.

Diese Länder

besitzen bereits die Infrastruktur und die wissenschaftlich-technische

Kapazi-

tät, um als Partner gemeinsam mit uns regionale und internationale Probleme
bei der Mehrheit der armen Länder anzugehen und deren Bedürfnissen gerecht zu
werden.

Das Institut wird sich an die Industrie, an die Gewerkschaften und an

private Freiwilligen-Organisationen wenden, um Entwicklung und Management sowie
die Verbesserung des Gesundheits- und Sicherheitsstandards in den in der Modernisierungsphase befindlichen Gesellschaften zu fördern...

Auch auf der

UN-Konferenz über Wissenschaft und Technik für Entwicklungsaufgaben im Sommer
dieses Jahres wollen wir eine aktive Rolle spielen.

Ich betrachte diese Kon-

ferenz als eine gute Gelegenheit, technologiebezogene Probleme, die Entwicklungsländer ganz besonders beschäftigen, zu erörtern und zu Obereinkünften über gemeinsame Ziele zu kommen."

+ + + + +

- 5-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SALT und die nationale Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Zbigniew Brzezinski -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungsminister let die militärischen Aspekte von SALT II dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache vom 5. April 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bilaterale amerikanisch-israelische Grundsatzvereinbarung über Sicherheitsgarantien&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;Amerikanisch-israelische Grundsatzvereinbarung über die Ölversorgung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministeriums zu den amerikanisch-israelischen Grundsatzvereinbarungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm der US-Regierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lehren von Harrisburg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bessere Sicherheitskonzeptionen für Atomkraftwerke unerlässlich -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meeresbergbaugesetz erneut vor US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Regierung wünscht Übergangsregelung bis zum Seerechtsvertrag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Produktivität braucht Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderbotschaft Präsident Carters über Wissenschaft und Technologie -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

6. April 1979

PRÄSIDENT CARTER KÜNDIGT NEUE ENERGIE-MASSNAHMEN AN
- Wortlaut der Rede vom 5. April 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 5. April 1979 in einer
mit Spannung erwarteten Rede neue Maßnahmen auf dem Energiesektor angekündigt,
die gleichzeitig einer Steigerung der einheimischen Produktion und der Einsparung von importiertem öl dienen sollen.

Die Rede hat folgenden Wortlaut:

Das Energieproblem unseres Landes ist ernst, und es wird noch ernster.
Wir verschwenden zu viel Energie, wir kaufen viel zu viel öl im Ausland,und wir
produzieren selbst nicht genug öl, Erdgas oder Kohle in den Vereinigten Staaten.
Die Bundesbürokratie und der Papierkrieg, die der Überwachung der Preise, der
Förderung und des Absaztes von Energie dienen, sind so kompliziert geworden,
daß es fast nicht zu glauben ist.
immer höher, was immer wir tun.

Die Energiepreise sind hoch und steigen

Der Verbrauch an Kohle und Sonnenenergie, die

in großer Menge vorhanden sind, hinkt weit hinter deren großem Potential her.
Der jüngste Störfall im Kernkraftwerk auf dem Three Mile Island in Pennsylvania
hat auf dramatische Art und Weise aufgezeigt, daß wir auch noch andere Energieprobleme haben.

Was können wir tun?

Wir können diese Probleme gemeinsam lösen.
Die

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�W

Die Preisüberwachung durch die Bundesregierung hält gegenwärtig unsere
Förderung niedrig, ermutigt zur Energieverschwendung und erhöht die Abhängigkeit
von ausländischem öl.
Die derzeitige Gesetzgebung fordert, daß diese Preiskontrollen bei öl bis
September 1981 beseitigt werden müssen,und sie gibt mir mit Ende des kommenden
Monats die Vollmacht, mit der Aufhebung der Kontrollen zu beginnen.

Um einen

möglichen plötzlichen wirtschaftlichen Schock auf ein Mindestmaß zu begrenzen,
habe ich mich entschlossen, mit der schrittweisen Aufhebung der ölpreisüberwachung am 1. Juni zu beginnen und sie in den nächsten 28 Monaten Zug um Zug bei
im wesentlichen einheitlichen Sätzen abzuwickeln.

Eine unmittelbare Auswir-

kung dieses Vorgehens wird darin bestehen, daß die Förderung von öl und Erdgas
in unserem Lande steigen wird.
Wenn die staatlichen Kontrollen aufhören, werden die Preise für öl aus vorhandenen Quellen steigen, und die öl gesell Schäften werden, sofern wir sie nicht
entsprechend besteuern, gewaltige und unverdiente Konjunkturgewinne einstecken.
Wir müssen den öl gesell schaffen eine Konjunkturgewinnsteuer auferlegen, um dem
amerikanischen Volk einen Teil dieses Geldes zu erhalten. Diese Steuermittel
werden in einen Energiesicherungsfonds eingebracht und dazu verwandt werden,
Familien mit niedrigen Einkommen vor den Folgen steigender Energiepreise zu
schützen, ein effizienteres Massenverkehrssystem aufzubauen und Amerikas technisches Genie auf die Aufgabe zu lenken, unsere langfristigen Energieprobleme
zu lösen.
Lassen Sie mich all dies nun im Detail erläutern.

Ich halte das für sehr

wichtig und hoffe, daß Sie mir gut zuhören und mir Ihre Mitarbeit und Unterstützung angedeihen lassen.
Die Energiekrise ist greifbar.

Ich habe im Jahre 1977 erklärt, und ich

sage es heute - fast genau zwei Jahre später - noch einmal:

Die Zeit wird knapp.
Auch

4

�Auch wenn sich die Lage auf Three Mile Island gebessert hat und wir jede
mögliche Vorsichtsmaßnahme getroffen haben, die Bevölkerung in jenem Gebiet zu
schützen, bereitet dieser nukleare Störfall offensichtlich uns allen Sorge.
Ich habe die Errichtung einer Unabhängigen Expertenkommission des Weißen
Hauses verfügt, die die Ursachen dieses Störfalls untersuchen und Empfehlungen
zur Verbesserung der Sicherheit in Kernkraftwerken ausarbeiten soll.

Sie, meine

Zuhörer, haben Anspruch auf uneingeschränkte Unterrichtung und Sie werden diese
erhalten.
Wenngleich dieser Störfall unsere unmittelbare Aufmerksamkeit verdient,
so ist doch die Hauptursache des Energieproblems unseres Landes das Erdöl. Wir
hängen auf gefahrvolle Art und Weise von unsicheren und kostspieligen ausländischen ölbezugsquellen ab.
Seit dem ölembargo von 1973 ist die Förderung in den Vereinigten Staaten
tatsächlich rückläufig. Unsere Einfuhren aber steigen. Einige wenige fremde
Länder bestimmen, wieviel Ol gefördert wird und welchen Preis wir zahlen müssen.
Noch vor zehn Jahren haben wir kaum öl importiert.
die Hälfte des Öls, das wir verbrauchen, im Ausland.

Heute kaufen wir etwa

Wir sind der bei weitem

größte Kunde von öl aus den OPEC-Ländern, kaufen wir doch ein Viertel der Gesamtförderung dieses Länderkartells.

In diesem Jahr werden wir 50 Milliarden

Dollar für die öleinfuhren aufwenden - das sind etwa 650 Dollar für jeden Haushalt in den Vereinigten Staaten.
Diese wachsende Abhängigkeit macht uns auf gefährliche Weise anfällig
bei plötzlichen Preiserhöhungen und Lieferunterbrechungen: In den Jahren 1973
und 1974 wurde ein ölembargo verhängt, und die Preise vervierfachten sich fast
über Nacht. In den letzten Monaten verringerten die Unruhen im Iran das ölangebot auf dem Weltmarkt, und die Preise des OPEC-Kartells schnellten abermals
empor.
Diese

�r

Diese Schocks stellten für uns eine entscheidende Warnung in bezug auf
die ölsituation dar; unser Land hat auf diese Warnungen aber bisher nicht reagiert.

Unsere nationale Stärke hängt in gefährlicher Weise von einer dünnen

Kette aus öltankern ab, die sich halb um die Erde erstreckt und ihren Ausgang im Nahen Osten und im Gebiet des Persischen Golfs nimmt - einer der instabilsten Regionen der Erde.
Der Nationale Energieplan, den ich im April 1977 vorgeschlagen habe, war
die erste große Anstrengung, dieser Probleme Herr zu werden.

Anschließend

debattierte der Kongreß 1B lange Monate, währenddessen sich die Interessengruppen um Vorteile rauften.

Einige meiner damaligen Vorschläge erlangten

Gesetzeskraft und zeitigen bereits positive Ergebnisse.

Die Vorschläge, die

das öl betrafen, erlangten keine Gesetzeskraft, und wir haben inzwischen Zeit
verloren, die unwiderbringlich ist.
Mit neuen Gesetzesvollmachten bin ich nunmehr in der Lage, ohne Zögern
zu handeln.
Es gibt keine Patentlösung für alle Fragen.
Wir müssen mehr sparen.

Und wir müssen uns

Wir müssen mehr fördern.

nunmehr in einer großen nationalen

Anstrengung zusammenfinden, um die amerikanische Technologie zur Sicherung der
Energieversorgung in der Zukunft zu benutzen.
Die wirksamste Maßnahme, die wir ergreifen können, um zu größerer Sparsamkeit und höheren Förderleistungen im eigenen Land zu ermutigen, besteht
darin, aufzuhören, die ölimporteure zu belohnen und die Verschwendung zu begünstigen, indem wir die Preise für amerikanisches öl weit unter dem Preis der
Ersatzbeschaffung oder unter dem wahren Wert halten.
Das ist ein schmerzlicher Schritt und ich sage Ihnen unverblühmt: Jeder
von uns wird weniger öl verbrauchen und mehr dafür bezahlen müssen.
Es ist aber ein notwendiger Schritt,und ich wünsche, daß Sie das voll
und ganz verstehen.
Die

�Die übermäßigen Überwachungsmaßnahmen der Bundesregierung müssen aufhören.

Die schrittweise Aufhebung der Überwachung wird die Preise für Erdölprodukte
allmählich steigen lassen.

Kurzfristig wird dieses Vorgehen auch unsere Infla-

tionsrate um einen kleinen Satz erhöhen, das aber ist der Preis, den wir dafür
bezahlen müssen, unsere Abhängigkeit von einem ausländischen öl karte 1 ! zu vermindern.

Langfristig werden uns die Maßnahmen, die ich heute abend hier verkünde,
im Kampf gegen die Inflation helfen.

Andere Länder werden sich uns anschließen

und uns unterstützen, wenn wir unseren Ölverbrauch einschränken und unsere eigene Energieerzeugung steigern.

Es wird dem Länder-Ölkartell künftig schwerer

fallen, die Preise zu erhöhen.

Der Dollar wird stärker werden, und die Preise

für viele Einfuhrgüter werden niedriger liegen.

Das wird unsere Wirtschaft

stärken und die Inflation in den kommenden Jahren verlangsamen.

Die Beseitigung der staatlichen Überwachung könnte jedoch die ohnehin
hohen Gewinne der öl gesell Schäften weiter erheblich vermehren.

Wie ""'ch schon

gesagt habe, wird den Gesellschaften ein Teil dieser überhöhten neuen Gewinne
völlig unverdient zufallen - was wir Konjunkturgewinne nennen.

Aus diesem Grund müssen wir eine neue Konjunkturgewinnsteuer einführen,
um diese nicht erwirtschafteten Milliarden Dollar zurückzuerhalten und um
sicherzustellen, daß Sie - das amerikanische Volk - fair behandelt werden.

Ich möchte betonen, daß diese Konjunkturgewinnsteuer nicht das amerikanische
Volk betrifft.

Sie

ist nichts anderes als eine Steuer auf die neuen Gewinne

der öl Produzenten, die sie vereinnehmen werden,ohne sie erwirtschaftet zu haben.

Selbst wenn wir die Konjunkturgewinnsteuer einführen, werden unseren ölproduzenten erhebliche neue Gewinne zufließen - genug, um hinreichend Anreiz
zur Steigerung der heimischen Förderung zu geben.

Ich werde verlanger-,

daß sie diese neuen Erträge zur Entwicklung neuer Energieträger für Amerika

- 5 -

�*

Amerika verwenden, und nicht dazu, Warenhäuser und Hotels aufzukaufen, wie es
einige von ihnen in der Vergangenheit getan haben.
Führende Männer im Kongreß, die meine Auffassung von der Notwendigkeit
einer Konjunkturgewinnsteuer teilen, haben mich davor gewarnt, daß wir uns
als Folge dieser Vorschläge mit zwei sehr realen Bedrohungen konfrontiert sehen
werden.
Erstens, so sicher wie die Sonne aufgeht, so sicher ist von den ölgesellschaften zu erwarten, daß sie dafür kämpfen, diese Profite zu behalten, die sie
nicht erwirtschaftet haben. Wenn Sie nicht Ihre Stimme erheben, werden jene
mehr Einfluß auf den Kongreß haben

als Sie.

Zweitens, das unvermeidliche Gerangel der Interessengruppen um einen größeren
Anteil an diesen Zusatzerträgen vermag den Kongreß in zwei Lager zu spalten,
ihn in eine Sackgasse zu führen und handlungsunfähig zu machen. Wenn Sie Ihrer
Stimme nicht Gehör verschaffen, wird die Selbstsucht einiger weniger einmal
mehr Maßnahmen blockieren, die dringend erforderlich sind, um der ganzen Nation
zu helfen.
Ich werde kämpfen, um diese Steuer durchzubekommen, um den Energiesicherungsfonds zu errichten und unseren künftigen Energiebedarf zu decken; und heute abend
bitte ich Sie um Ihre Hilfe. Lassen Sie bitte Ihre Senatoren und Ihre Abgeordneten wissen, daß Sie die Steuer auf Konjunkturgewinne unterstützen - und daß
Sie nicht wollen, daß die Notwendigkeit zur Produktion von mehr Energie als Vorwand genommen wird, um die Öffentlichkeit zu betrügen und unserem Land Schaden
zuzufügen.
Wir können unsere Herausforderung auf dem Gebiet der Energie meistern,
aber ich werde nicht Menschen ungebührliche Lasten auferlegen, wenn sie schon
jetzt kaum wissen, wie es reichen soll.
Ein Teil des Aufkommens aus der Konjunkturgewinnsteuer wird dazu verwandt
werden, um jenen zu helfen, die durch steigende Energiepreise am stärksten be^

\

�betroffen sind.
Ich werde jeden Einzel Staat ersuchen, Gesetze zu erlassen, die Amerikaner
davor schützen, daß ihren willkürlich die Heizung ihrer Wohnungen gesperrt wird.
Wir werden die zig Millionen Dollar, die wir bereits in Prozessen wegen
Preistreiberei gegen öl gesell Schäften gewinnen, zur weiteren Unterstützung
auf dem Energiesektor für Bürger unterer Einkommensklassen verwenden.
Um der Fairness willen

werde ich den Kongreß ersuchen, die Lücken im Ge-

setz für steuerliche Abschreibungen im Ausland zu schließen, die den großen
öl gesellschaften heute unnötige Gewinne verschaffen.
Und um einen kurzfristigen inflationären Druck abzuwehren, werde ich vorschlagen, daß die heute für importiertes Rohöl und importierte Rohölprodukte
geltenden Tantiemen und Abgaben für einen begrenzten Zeitraum aufgehoben werden.
Neben der Abschaffung der Regierungskontrolle von öl zur Ermutigung der
Produktion müssen wir noch andere Maßnahmen ergreifen, um die Versorgung zu
steigern und unsere eigenen einheimischen Brennstoffreserven bestmöglich zu
nutzen.
- Ich habe heute eine Regierungsverordnung unterzeichnet, die strikte
Fristen für die Überwindung der bürokratischen Schwierigkeiten bei wichtigen
neuen Energieprojekten setzt, wie beispielsweise Rohrleitungen, Seehäfen und
Raffinerien.
- Wir werden Schritte unternehmen, um die bürokratischen Hindernisse für
den Bau der geplanten Rohrleitung nach Texas zu beseitigen, die in einem Sumpf
von über 700 Bewilligungsanträgen auf einzelstaatlicher und kommunaler Ebene
während der letzten 14 Monate steckengeblieben ist.
- Wir werden die Suche nach und die Produktion von öl und Erdgas auf Bundesland steigern.
- Diese

�#•

- Diese Woche haben meine persönlichen Vertreter in Mexiko-Stadt Verhandlungen begonnen, von denen wir hoffen, daß sie zu einem Abkommen über den Verkauf von mexikanischem Erdgas an die Vereinigten Staaten zu einem für beide
Länder fairen Preis führen werden.
- Die drei Bundesbehörden, die für die Kohle zuständig sind, werden mir
innerhalb von 60 Tagen über Mittel und Wege berichten, um den stärkeren Verbrauch
von Kohle - unserer reichhaltigsten Energiereserve - zu fördern.
Und ich werde bald wichtige Maßnahmen zur Steigerung und Beschleunigung
der Verwendung von Sonnenenergie bekanntgeben.
über die Produktion von mehr Energie hinaus müssen wir mehr Energie sparen.
Sparen ist unsere billigste und sauberste Energiequelle.

Es hilft die Inflation

zu dämpfen, und jedes Faß öl, das wir sparen, ist ein Faß, das wir nicht einzuführen brauchen.
Wir haben 19 weitere Verbraucherländer aufgerufen, sich uns in der Verpflichtung anzuschließen, den zu erwartenden Ölverbrauch um fünf Prozent zu senken.
Um diese Einsparungen zu erreichen:
- habe ich den Kongreß um eine ständige Vollmacht auf vier Gebieten ersucht, von denen eines in der Anordnung besteht, daß die Thermostaten in allen
wirtschaftlich genutzten Gebäuden im Winter nicht höher als 65 Grad (Fahrenheit, ca. 18 Grad Celsius) und im Sommer nicht niedriger als 80 Grad (Fahrenheit, ca. 27 Grad Celsius) eingestellt werden dürfen. Sobald ich diese Vollmacht erhalte, werde ich sie anwenden.
- Es werden Schritte unternommen werden, um das freie Parken für Regierungsbedienstete abzuschaffen, um die Verschwendung von Benzin für die Fahrt
zur Arbeit zu verringern.

Ich fordere alle Arbeitgeber auf, diesem Beispiel

zu folgen.
- Steuerabschrei-

*

�- Steuerabschreibungen werden die Verwendung von holzgeheizten Öfen
fördern.
- Ich ersuche alle Bürger, die Geschwindigkeitsbeschränkung von 55 Meilen
pro Stunde (ca. 90 km/h) einzuhalten, und alle Einzelstaaten, für die Einhaltung zu sorgen.

Dies ist eine der wirksamsten Methoden, um Treibstoff zu

sparen.
- Ich werde für unsere 50 Bundesstaaten Ziele zur Verminderung des Benzinverbrauches setzen und jeden Staat ersuchen, sein Ziel zu erfüllen. Der Zeitplan wird strikt sein. Sollten die Bundesstaaten bei einer Benzinknappheit
ihre Ziele nicht erfüllen, dann werde ich Zwangsmaßnahmen anordnen, um die erforderlichen Einsparungen zu erzielen, einschließlich der Schließung von Tankstellen an Wochenenden. Wenn diese Einsparungen nicht vorgenommen werden,
werden wir fast mit Sicherheit schon in diesem Sommer mit Benzinknappheit rechnen müssen.
Ferner ersuche ich einen jeden von Ihnen, für unser Land wichtige Schritte
zu unternehmen.

Ich bitte Sie, in Zukunft jede Woche 15 Meilen weniger zu

fahren als bisher.

Eine Möglichkeit hierfür ist, daß Sie nicht jeden Tag mit

dem eigenen Wagen zur Arbeit fahren.

Benutzen Sie zumindest einmal in der

Woche den Bus oder eine Fahrgemeinschaft oder - wenn Ihre Arbeitsstätte in der
Nähe Ihrer Wohnung liegt - gehen Sie zu Fuß.
Derartige Maßnahmen können von entscheidender Bedeutung für unser Land
sein. Denn wenn wir uns so verhalten, können wir jeden Tag Hunderttausende
Barrel öl einsparen. Dies wird dazu beitragen, die ölpreise niedrig zu halten,
und es liegt auf der Hand, daß Sie Geld sparen werden, welches Sie sonst für
Benzin ausgegeben hätten.
Wenn dies auf vorübergehender Basis nötig sein sollte,
- werde ich unter Umständen bestimmte Fristen für Umweltschutzmaßnahmen
verlängern, um auf diese Weise eine ernsthafte Benzinverknappung vermeiden zu helfen.

.,

�- Wenn Elektrizitätswerke dies nicht freiwillig tun, könnten sie die Auflage erhalten, nicht mit öl betriebene Kraftwerke mit voller Kapazität
zu fahren und den zusätzlich gewonnenen Strom in Gebiete zu leiten, wo
Erdölkraftwerke stufenweise umgestellt werden können.
Bisher habe ich davon gesprochen, mehr Energie zu produzieren und mehr
Energie einzusparen.
In den nächsten Minuten möchte ich zu Ihnen über den dritten - und verheißungsvollsten - Teil unseres Kampfes für die Energiesicherung sprechen:
von dem Übergang zu reichlicheren Energiequellen durch die Entwicklung und Nutzung der amerikanischen Technologie.
Wir investieren bereits etwa 3,5 Milliarden Dollar jährlich, um neue
Energievorräte zu entwickeln, die wir in der Zukunft benötigen werden.
Wir müssen diese Anstrengungen intensivieren. Genauso wie wir mit großem
Einsatz und geistiger Anstrengung amerikanische Astronauten auf dem Mond landen ließen, werden wir gleiche massive und zielstrebige Anstrengungen unternehmen, um das Ziel der nationalen Energiesicherung durch Technologie zu erreichen. Wir müssen jetzt damit beginnen, um wieder die Kontrolle über unsere
Energiezukunft zu gewinnen.
Deshalb ist der Energiesicherungsfonds - der aus der Steuer für Konjunkturgewinne gespeist wird - von so entscheidender Bedeutung. Deshalb ist jede
Stimme, die im Kongreß für diesen Fonds abgegeben wird, eine Stimme für die Zukunft Amerikas - und jede ablehnende Stimme ist ein Votum für exzessive Profite der öl gesell Schäften, für die Abhängigkeit von den Launen ausländischer
öl kartelle.
Der Energiesicherungsfonds wird uns in die Lage versetzen, eine gesunde
Strategie in der Energieforschung und -entwicklung zu verfolgen.

In
- 10 -

�In den kommenden Jahren können wir Automobile, Gebäude, Zubehörteile
und Maschinen herstellen, die uns bessere Dienste leisten und weniger Energie
verbrauchen.
Wir können den Massenverkehr verbessern und unser gesamtes Verkehrssystem
sauberer, schneller und wirksamer gestalten.
Wir können die Nutzung unserer großen Kohlevorkommen ausweiten, indem wir
Kohle in Gas, flüssige und feste Brennstoffe umwandeln.
Wir können lernen, wie unsere gewaltigen Reserven an Ölschiefer genutzt
werden können.
Aus den Produkten unserer Wälder und unserer Anbauflächen können wir mehr
Gasahol (Mischung Benzin/Alkohol) produzieren, wie dies bereits in einigen Staaten des Mittleren Westens getan wird, um Benzin zu ersetzen.
Wir können den Betrieb kleinerer Wasserkraftwerke fördern, die durch normale Flüsse angetrieben werden, ohne Notwendigkeit für große Staudämme.
Und wir können uns in wachsendem Maße der letztlichen Quelle aller Energie
zuwenden - der Sonne.
Es gibt Solartechniken, die bereits wirtschaftlich sind. Mit den gebotenen
Steuerabschreibungen und mit Hilfe unseres neuen Energiesicherungsfonds können
wir eine noch schnellere Entwicklung und Nutzung der Sonnenenergie fördern.
In Zukunft werden wir die Sonnenenergie auf vielfache andere Weise nutzen, einschließlich der direkten Umwandlung des Sonnenlichtes in Energie. Wir wenden
diese Methode bereits für begrenzte Zwecke an, wie beispielsweise in unserem
Raumfahrtprogramm. Wissenschaftliche Entdeckungen sind jedoch erforderlich,
um sie nutzvoller in unseren Heimen und Fabriken anwenden zu können.

Der

�Der Energiesicherungsfonds, der aus den Konjunkturgewinnen herrührt,
wird für diese erregenden neuen Energieprogramme aufkommen.
Alle diese Schritte können Teil eines weitergefaßten internationalen Bemühenssein.

Andere Länder sind bestrebt, mit uns zu arbeiten.

Die Maßnahmen und Pläne, die ich heute abend angekündigt habe, werden uns
vom importierten
Zukunft führen.

öl wegbringen und zu einer wahren Energiesicherung in der
Diese Maßnahmen werden uns ein besseres Leben bringen.

Es

sind notwendige Schritte, weil unser Land sich einem ernsthaften ölproblem
sowie einer umfassenderen Energieherausforderung gegenübersieht.

Es geht hier

um die Zukunft unseres geliebten Landes.
Wir Amerikaner sind mit ähnlichen Herausforderungen in der Vergangenheit
fertig geworden. Unser Land hat vieles durchgestanden, ist gewachsen und aufgeblüht.

Amerika ist ein großes Land, und wir verfügen über reichhaltige

Ressourcen und über den technologischen Genius.
Wir müssen uns über die Dringlichkeit dieser Herausforderung voll und ganz im
klaren sein - und wir müssen zusammenarbeiten,um sie zu bewältigen.
wir auch dies durchstehen und blühen und gedeihen.
Triumph davontragen.
Ich danke Ihnen, gute Nacht.

+ + + + +

Dann werden

Und wir werden auch den

�</text>
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a

f^

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. April 1979

12

INHALT

DOKUMENTATION
Friedensvertrag zwischen der Arabischen Republik Ägypten und dem
Staate Israel
Anhang I zum Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel
Anlage zu Anhang I des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel
Hinweis auf Anhang II zum Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel
Anhang III zum Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel
Vereinbartes Protokoll zu Vertragsartikeln und Anhang I und III
Gemeinsames Schreiben Staatspräsident Sadats und Ministerpräsident Begins
an Präsident Carter
Briefwechsel zur Frage des Botschafteraustauschs zwischen Ägypten und
Israel
Schreiben Präsident Carters an Staatspräsident Sadat und Ministerpräsident
Begin
Ansprache Präsident Carters bei der Vertragsunterzeichnung
- Wortlaut Trinkspruch Carters auf dem Festbankett in Washington
- Wortlaut -

Um Übef/endunQ von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12

4. April 1979

FRIEDENSVERTRAG ZWISCHEN DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
UND DEM STAATE ISRAEL

PRÄAMBEL

Die Regierung der Arabischen Republik Ägypten und die Regierung des Staates
Israel:
Überzeugt von der dringlichen Notwendigkeit der Schaffung eines gerechten
umfassenden und dauerhaften Friedens im Nahen Osten und in Übereinstimmung mit
den Resolutionen 242 und 338 des Weltsicherheitsrates;

versichern erneut ihr Festhalten an dem am 17. September 1978 in Camp David
vereinbarten "Rahmen für einen Frieden im Nahen Osten";

weisen darauf hin, daß der oben genannte Rahmen eine geeignete Basis für
einen Frieden nicht nur zwischen Ägypten und Israel, sondern auch zwischen Israel
und jedem seiner anderen arabischen Nachbarländern schaffen soll, die bereit
sind, mit Israel auf dieser Basis Friedensverhandlungen zu führen;
mit

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�J

mit dem Wunsch nach einer Beendigung des Kriegszustandes zwischen ihnen
und der Schaffung eines Friedens, in dem jeder Staat in diesem Gebiet in Sicherheit leben kann;
in der Überzeugung, daß der Abschluß eines Friedensvertrages zwischen
Ägypten und Israel ein wichtiger Schritt bei der Suche nach einem umfassenden
Frieden in diesem Gebiet sowie für die Beilegung des arabisch-israelischen Konfliktes in al.l seinen Aspekten ist;
laden die anderen an diesem Streitfall beteiligten arabischen Parteien ein,
sich am Friedensprozeß mit Israel zu beteiligen, der an den Grundsätzen des oben
genannten Rahmens orientiert und darauf gegründet ist;
wünschen ebenso gegenseitige Beziehungen und Zusammenarbeit in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen und des Völkerrechts, die die
internationalen Beziehungen in Friedenszeiten regeln;
stimmen in freier Ausübung ihrer Souveränität den folgenden Bestimmungen zu,
um den "Rahmen für den Abschluß eines Friedensvertrages zwischen Ägypten und
Israel" zu erfüllen:

Artikel I
1. Der Kriegszustand zwischen den Vertragsparteien wird beendet, und zwischen ihnen wird nach Austausch der Ratifikationsurkunden dieses Vertrages Frieden geschaffen.
2. Israel wird alle seine Streitkräfte und Zivilisten vom Sinai hinter die
internationale Grenze zwischen Ägypten und Mandatspalästina zurückziehen, wie
es im beigefügten Protokoll (Anhang I) vorgesehen ist, und Ägypten wird die
Ausübung seiner vollen Souveränität über den Sinai wiederaufnehmen.
3. Nach
- 2 -

�3. Nach Ablauf des in Anhang I vorgesehenen Interims-Abzuges werden die
Vertragsparteien in Übereinstimmung mit Artikel III (3) normale und freundschaftliche Beziehungen aufnehmen.

Artikel II
Die ständige Grenze zwischen Ägypten und Israel ist die anerkannte internationale Grenze zwischen Ägypten und dem ehemaligen Mandatsgebiet Palästina,
wie dies auf der Karte von Anhang II dargestellt ist, ohne Präjudizierung der
Frage des Status des Gaza-Streifens. Die Vertragsparteien erkennen diese Grenze
als unverletzlich an. Jede wird die territoriale Integrität der anderen respektieren, einschließlich ihrer Hoheitsgewässer und ihres Luftraums.

Artikel III
1. Die Vertragsparteien werden zwischen sich die Bestimmungen der Charta
der Vereinten Nationen und die Grundsätze des Völkerrechtes hinsichtlich der
Beziehungen zwischen Staaten in Friedenszeiten anwenden.

Insbesondere:

a) Erkennen sie die Souveränität, territoriale Integrität und politische
Unabhängigkeit des anderen an und werden sie respektieren;
b) irkennen sie das Recht des anderen an, innerhalb sicherer und anerkannter
Grenzen in Frieden zu leben, und werden dieses Recht respektieren;
c) werden, sie sich der Drohung oder der Anwendung von Gewalt, direkt oder
indirekt gegen den anderen enthalten und werden alle Streitfragen zwischen sich
auf friedliche Weise regeln.
2. Jede Vertragspartei garantiert, daß keine kriegerischen Handlungen oder
Drohungen, Feindseligkeiten oder Gewalt von ihrem Territorium aus gegen die

�&gt;

die Bevölkerung, die Bürger oder das Eigentum der anderen Vertragspartei verursacht
oder,- bedangen werden, weder von ihrer Kontrolle unterstehenden Streitkräfte
noch von irgendwelchen anderen auf ihrem Territorium stationierten Streitkräften.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich außerdem, sich der Organisierung, Anstiftung, Aufwiegelung, Unterstützung

kriegerischer Aktionen oder Drohungen, Feind-

seligkeiten, Subversion oder Gewaltanwendung gegen die andere Vertragspartei
oder der Beteiligung daran überall zu enthalten und garantiert, daß jeder Täter
solcher Handlungen vor Gericht gestellt wird. '
3. Die Vertragsparteien stimmen darin überein, daß normale Beziehungen zwischen ihnen die volle Anerkennung, diplomatische, wirtschaftliche und kulturelle
Beziehungen, die Beendigung des wirtschaftliche Boykotts sowie die Beseitigung
diskriminierender Schranken für den freien Verkehr von Menschen und Waren einschließen werden und garantieren ihren Bürgern den Genuß des rechtlichen Schutzes.
Der Prozeß, mit dessen Hilfe

sie eine solche Beziehung herstellen wollen, pa-

rallel zur Durchführung anderer Bestimmungen dieses Vertrages, ist im beigefügten
Protokoll (Anhang III) niedergelegt.

Artikel IV
1. Um beiden Vertragsparteien ein Maximum an Sicherheit auf der Grundlage
der Gegenseitigkeit zu geben, werden vereinbarte Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, die Zonen mit begrenzter Truppenstärke auf ägyptischem und
israelischem Territorium sowie Streitkräfte und Beobachter der Vereinten Nationen
einschließen. Einzelheiten hinsichtlich der Art und des Zeitpunktes sowie
weitere Sicherheitsvorkehrungen, über die sich die Vertragsparteien vielleicht
noch einigen werden, sind in Anhang I niedergelegt.
2. Die Vertragsparteien stimmen der Stationierung von Personal der Vereinten
Nationen zu, wie dies in Anhang I beschrieben wird. Die Vertragsparteien stimmen ferner darin überein, daß sie keinen Abzug des Personals der Vereinten Nationen fordern und daß dieses Personal nur abgezogen wird, wenn ein solcher Abzug vom Weltsicherheitsrat und mit Zustimmung der fünf ständigen Mitglieder

�Mitglieder gebilligt wird, es sei denn, die Vertragsparteien einigen sich anderweitig.
3. Um die Ausführung des Vertrages zu erleichtern, wird eine Gemeinsame
Kommission gebildet, wie dies in Anhang I vorgesehen ist.
4. Die Sicherheitsvorkehrungen, die in Absatz 1 und 2 dieses Artikels vorgesehen sind, können auf Ersuchen jeder Vertragspartei überprüft und aufgrund
gemeinsamer Zustimmung der Vertragsparteien abgeändert werden.

Artikel V
1. Israelische Schiffe sowie Schiffsladungen von und nach Israel werden
auf der Grundlage des für alle Nationen gültigen Vertrages von Konstantinopel
aus dem Jahre 1888 das Recht der freien Durchfahrt durch den Suez-Kanal und dessen Zufahrten durch den Golf von Suez und das Mittelmeer haben. Israelische
Staatsbürger, Schiffe und Ladungen sowie Personen, Schiffe und Ladungen von und
nach Israel werden bei der Behandlung aller mit der Benutzung des Kanals zusammenhängenden Fragen nicht diskriminiert werden.
2. Die Vertragsparteien betrachten die Straße von Tiran und den Golf von
Aqaba als internationale Wasserwege, die allenNationen zurungehinderten und ununterbrochenen freien Schiffahrt und zum überfliegen offenstehen. Die Vertragsparteien werden das Recht des anderen auf Schiffahrt und überfliegen zum
Zweck des Zugangs zum einen oder anderen Land durch die Straße von Tiran und
den Golf von Aqaba gegenseitig respektieren.

Artikel VI
1. Dieser Vertrag beeinträchtigt in keiner Weise die Rechte und Verpflichtungen
der Vertragsparteien gemäß der Charta der Vereinten Nationen und wird auch nicht
so interpretiert.

9

n.

�2. Die Vertragsparteien verpflichten sich, ihren Verpflichtungen gemäß
diesem Vertrag nach bestem Gewissen nachzukommen, ohne Rücksicht auf das Handeln oder Nichthandeln einer anderen Partei und unabhängig von irgendeinem
Dokument außerhalb dieses Vertrages.
3. Sie verpflichten sich ferner, in ihren Beziehungen alle notwendigen
Maßnahmen für die Anwendung der Bestimmungen der multilateralen Konventionen,
denen sie angehören, zu ergreifen, einschließlich der Hinterlegung einer entsprechenden Mitteilung beim Generalsekretär der Vereinten Nationen und bei anderen Depositarstaaten solcher Konventionen.
4. Die Vertragsparteien verpflichten sich, keine mit dem Vertrag in Konflikt stehenden Verpflichtungen einzugehen.
5. Gemäß Artikel 103 der Charta der Vereinten Nationen werden im Falle
eines Konfliktes zwischen den von den Vertragsparteien nach dem gegenwärtigen
Vertrag übernommenen Verpflichtungen, mit ihren anderen Verpflichtungen die
Verpflichtungen gemäß diesem Vertrag bindend und zu erfüllen sein.

Artikel VII
1. Meinungsverschiedenheiten, die-aus der Anwendung oder Auslegung dieses
Vertrages erwachsen, werden durch Verhandlungen gelöst werden.
2. Alle Meinungsverschiedenheiten dieser Art, die nicht durch Verhandlungen
beigelegt werden können, werden durch Schlichtung gelöst oder einem Schiedsspruch
unterworfen werden.

Artikel VIII
Die Vertragsparteien stimmen darin überein, für die gegenseitige Regelung
aller finanziellen Ansprüche eine entsprechende Kommission (Claims Commission)
einzusetzen.

Artikel IX
- 6 -

'

�Artikel IX
1. Dieser Vertrag wird nach Austausch der Ratifizierungsurkunden in Kraft
treten.
2. Dieser Vertrag ersetzt das Abkommen zwischen Ägypten und Israel vom
September 1975.
3. Alle Protokolle, Anhänge und Karten zu diesem Vertrag werden als integrale Teile dieses Vertrages angesehen.
4. Der Vertrag wird dem Generalsekretär der Vereinten Nationen in Übereinstimmung mit den Bestimmungen von Artikel 102 der Charta der Vereinten Nationen
zur Registrierung unterbreitet.
Gegeben zu Washington,D.C., am 26. Tage des März 1979 in dreifacher Ausfertigung in englischer, arabischer und hebräischer Sprache, wobei jeder Text
in gleicher Weise authentisch ist. Für den Fall unterschiedlicher Auslegung
wird der englische Text gültig sein.
Für die Regierung der Arabischen Republik Ägypten: (gez.) Sadat
Für die Regierung Israels:

(gez.) Begin

Bezeugt durch Jimmy Carter, Präsident der Vereinigten Staaten.

+ + + + +

(Anmerkung des Herausgebers:
englisehen Textes)

Inoffizielle deutsche Übersetzung des amtlichen

- 7 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12

4. April 1979

ANHANG I ZUM FRIEDENSVERTRAG ZWISCHEN ÄGYPTEN UND ISRAEL
ANHANG I

Protokoll bezüglich des israelischen Abzuges und der Sicherheitsabmachungen
Artikel I
Konzeption des Abzuges
1. Israel wird den Abzug all seiner Streitkräfte und Zivilisten vom Sinai
nicht später als drei Jahre nach dem Datum des Austausches der Ratifikationsurkunden dieses Vertrages abschließen.
2. Um die beiderseitige Sicherheit der Vertragsparteien zu gewährleisten,
wird die Durchführung des phasenweisen Abzuges von den militärischen Maßnahmen
und der Schaffung von Zonen begleitet, wie sie in diesem Anhang und in Karte 1
festgelegt sind, im folgenden als "die Zonen" bezeichnet.
3. Der Abzug vom Sinai wird in zwei Phasen erfolgen:
a) Interims-Abzug hinter die Linie von östlich vo" El Arish nach Ras
Muhammed wie in Karte 2 eingezeichnet innerhalb von neun Monaten vom
Datum des Austausches der Ratifikationsurkunden dieses Vertrages an;
b) endgültiger

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Telex:08-85432

�b) endgültiger Abzug vom Sinai hinter die internationale Grenze nicht
später als drei Jahre nach dem Datum des Austausches der Ratifikationsurkunden dieses Vertrages.
4. Unmittelbar nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden dieses Vertrages wird eine Gemeinsame Kommission geschaffen werden, um während des Abzuges Bewegungen und Zeitpläne zu überwachen und zu koordinieren und Pläne und
Zeitpläne anzupassen, wie sich das innerhalb der in Absatz 3 oben festgelegten
Grenzen als notwendig erweisen sollte.

Einzelheiten bezüglich der Gemeinsamen

Kommission sind in Artikel IV des beigefügten Anhanges festgelegt.

Die Gemein-

same Kommission wird mit Abschluß des endgültigen Abzuges Israels vom Sinai
aufgelöst werden.

Artikel II
Festlegung der endgültigen Linien und Zonen
1. Um eine maximale Sicherheit für beide Vertragsparteien nach dem endgültigen Abzug sicherzustellen, werden die in Karte 1 eingezeichneten Linien
und Zonen wie folgt errichtet und organisiert:
A. Zone A
(1) Zone A wird im Osten durch Linie A (rote Linie) und im Westen durch
den Suezkanal und die Ostküste des Golfs von Suez begrenzt, wie auf Karte 1
gezeigt.
(2) Eine ägyptische Streitmacht von einer motorisierten Infanteriedivision
und ihren militärischen Einrichtungen und Feldbefestigungen wird in dieser Zone
sein.
(3) Die Hauptelemente dieser Division werden bestehen aus:
(a) drei motorisierten Infanteriebrigaden,
(b) einer Panzerbrigade,
(c) sieben
- 2 -

�(c) sieben Feldartilleriebataillonen mit bis zu 126 Geschützen,
(d) sieben Luftabwehr-Geschützbataillone mit Einzel-Boden-Luft-Raketen
und bis zu 126 Luftabwehrgeschützen von 37 mm und darüber,
(e) bis zu 230 Panzern,
(f) bis zu 480 gepanzerten Mannschaftsfahrzeugen aller Typen,
(g) bis zu einer Gesamtzahl von 22 000 Mann.
B. Zone B
(1) Zone B wird begrenzt von Linie B (grüne Linie) im Osten und von Linie A
(rote Linie) im Westen, wie auf Karte 1 ersichtlich.
(2) Ägyptische Grenzeinheiten von vier Bataillonen, ausgerüstet mit leichten Waffen und Radfahrzeugen werden die Sicherheit gewährleisten und die zivile
Polizei bei der Aufrechterhaltung der Ordnung in Zone B unterstützen. Die Hauptelemente der vier Grenzbataillone werden aus einer Gesamtstärke von bis 4000
Mann bestehen.
(3) An der Küste dieser Zone dürfen landgestützte, mit niedriger Kraft
arbeitende Küstenwarnstellen der Grenzpatrouillen-Einheiten mit kurzer Reichweite eingerichtet werden.
(4) In der Zone B wird es Feldbefestigungen und militärische Einrichtungen
für die vier Grenzbataillone geben.
C. Zone C
(1) Zone C wird begrenzt von Linie B (grüne Linie) im Westen und der
internationalen Grenze und dem Golf von Aqaba im Osten, wie auf Karte 1 ersichtlich.
(2) In Zone C werden nur Streitkräfte der Vereinten Nationen und ägyptische
zivile Polizei stationiert sein.
(3) Die
- 3 -

�(3) Die mit leichten Waffen ausgerüstete ägyptische zivile Polizei
wird in dieser Zone normale Polizeifunktionen ausüben. •
(4) Die Streitmacht der Vereinten Nationen wird in der Zone C disloziert
und wird ihre Funktionen wie in Artikel IV dieses Anhangs definiert ausüben.
(5) Die Streitmacht der Vereinten Nationen wird hauptsächlich in Lagern
stationiert sein, die innerhalb der auf Karte 1 eingezeichneten Stationierungsgebiete liegen und wird ihre genauen Standpunkte nach Konsultationen mit
Ägypten festlegen:
(a) in jedem Teil des Gebietes im Sinai, der innerhalb von 20 km von der
Mittelmeerküste und angrenzend an die internationale Grenze liegt;
(b) im Gebiet von Sharm el-Sheik.
D. Zone D
(1) Zone D wird begrenzt von Linie D (blaue Linie) im Osten und der internationalen Grenze im Westen, wie auf Karte 1 ersichtlich.
(2) In dieser Zone wird es eine begrenzte israelische Streitmacht von
vier Infanteriebataillonen, ihren militärischen Einrichtungen und Feldbefestigungen sowie Beobachter der Vereinten Nationen geben.
(3) Zu den israelischen Streitkräften in Zone D werden keine Panzer,
Artillerie und Flugabwehrraketen gehören außer einzelnen Boden-Luft-Raketen.
(4) Die Hauptelemente der vier israelischen Infanteriebataillone werden
aus bis zu 180 gepanzerten Mannschaftsfahrzeugen aller Typen und einer Gesamtstärke von bis zu 4000 Mann bestehen.
2. Der

�2. Der Zugang über die Grenzen hinweg wird nur über Grenzübergänge erlaubt
sein, die jede Vertragspartei festlegt und kontrolliert.

Ein derartiger Grenz-

übergang wird in Übereinstimmung mit den Gesetzen und Bestimmungen jedes Landes
erfolgen.
3. In den Zonen sollen sich nur jene Feldbefestigungen, militärischen
Einrichtungen und Waffen befinden, die in diesem Anhang ausdrücklich erlaubt
werden.

Artikel III
Das militärische Luftregime
1. Flüge von Kampfflugzeugen und Aufklärungsflüge von Ägypten und Israel
werden nur jeweils über den Zonen A und D stattfinden.
2. In den Zonen A und D werden jeweils nur unbewaffnete, nicht für kriegerische Zwecke bestimmte Flugzeuge Ägyptens und Israels stationiert werden.
3. In der Zone B werden nur unbewaffnete ägyptische Transportflugzeuge
starten und landen, und nur bis zu acht solcher Flugzeuge dürfen in Zone B
stationiert werden. Die ägyptischen Grenzeinheiten dürfen mit unbewaffneten
Hubschraubern ausgestattet sein, um ihre Funktionen in Zone B auszuüben.
4. Die ägyptische zivile Polizei darf mit unbewaffneten Polizeihubschraubern
ausgerüstet sein, um normale Polizeifunktionen in Zone C auszuüben.
5. In den Zonen dürfen nur zivile Flugplätze gebaut werden.
6. Ohne Präjudiz zu den Bestimmungen dieses Vertrages werden nur jene
militärischen Tätigkeiten in der Luft in den Zonen und in dem Luftraum über
ihren Hoheitsgewässern erlaubt sein, die ausdrücklich durch diesen Anhang zugelassen werden.
Artikel IV

�Artikel IV
Das militärische Regime zur See
1. Ägypten und Israel darf jeweils Kriegschiffe entlang den Küsten der
Zonen A und D stationieren und von dort aus operieren lassen.
2. Leichtbewaffnete Boote der ägyptischen Küstenwache dürfen in den Hoheitsgewässern der Zone B stationiert werden und von dort aus operieren, um die Grenzeinheiten bei der Ausübung ihrer Funktionen in dieser Zone zu unterstützen.
3. Ägyptische zivile Polizei wird mit leichtbewaffneten leichten Booten
normale Polizeifunktionen in den Hoheitsgewässern der Zone C ausüben. .
4. Nichts in diesem Anhang darf als eine Beeinträchtigung des Rechtes
der freiedlichen Durchfahrt von Kriegschiffen der einen oder anderen Vertragspartei angesehen werden.
5. In den Zonen dürfen nur zivile Seehäfen und Einrichtungen gebaut werden.
6. Ohne Präjudiz zu den Bestimmungen dieses Vertrages werden nur jene
Tätigkeiten der Kriegsmarine in den Zonen und in ihren Hoheitsgewässern erlaubt sein, die durch diesen Anhang ausdrücklich zugelassen werden.

Artikel V
Frühwarnsysteme
Ägypten und Israel dürfen nur jeweils in den Zonen A und D Frühwarnsysteme
errichten und betreiben.

Artikel VI

�Artikel VI
Operationen der Vereinten Nationen
1. Die Vertragsparteien werden die Vereinten Nationen ersuchen, Streitkräfte und Beobachter zu stellen, um die Durchführung (der Bestimmungen) dieses Anhangs zu überwachen und ihre besten Bemühungen einzusetzen, um jede Verletzung seiner Bestimmungen zu verhindern.
2. Bezüglich dieser Streitkräfte und Beobachter der Vereinten Nationen
kommen die Vertragsparteien überein, wie angebracht um die folgenden Vereinbarungen zu ersuchen:
a. Betrieb von Grenzübergängen, Aufklärungspatrouillen und Beobachtungsposten entlang der internationalen Grenze und Linie B und innerhalb der Zone C;
b. die periodische Verifizierung der Durchführung der Bestimmungen dieses
Anhangs wird nicht weniger als zweimal im Monat vorgenommen, es sei denn, die
Vertragsparteien einigten sich anders;
c. zusätzliche Verifizierungen innerhalb von 48 Stunden nach Eingang eines
Ersuchens der einen oder der anderen Vertragspartei;
d. Gewährleistung der Freiheit der Schiffahrt durch die Straße von Tiran
in Obereinstimmung mit Artikel V des Friedensvertrages.
3. Die in diesem Artikel beschriebenen Vereinbarungen für jede Zone werden
in den Zonen A, B und C von den Streitkräften der Vereinten Nationen und in
Zone D von den Beobachtern der Vereinten Nationen durchgeführt.
4. Die Verifizierungsteams der Vereinten Nationen werden von Verbindungsoffizieren der jeweiligen Vertragspartei begleitet.
5. Die Streitmacht und die Beobachter der Vereinten Nationen werden ihre
Feststellungen beiden Vertragsparteien mitteilen.
6. Die

�6. Die Streitmacht und die Beobachter der Vereinten Nationen, die in
den Zonen operieren, werden Bewegungsfreiheit und andere Erleichterungen genießen, die für die Durchführung ihrer Aufgaben notwendig sind.
7. Die Streitmacht und die Beobachter der Vereinten Nationen sind nicht
befugt, das überschreiten der internationalen Grenze zu erlauben.
8. Die Vertragsparteien werden sich über die Länder einigen, aus denen
die Streitmacht und die Beobachter der Vereinten Nationen entsandt werden
sollen.

Sie werden aus Ländern entsandt werden, die keine ständigen Mitglieder

des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sind.
«

9. Die Vertragsparteien kommen überein, daß die Vereinten Nationen jene
BefehlsVereinbarungen treffen, die die wirksame Durchführung ihrer Verantwortlichkeiten am besten gewährleisten.

Artikel VII
Verbindungssystem
1. Mit Auflösung der Gemeinsamen Kommission wird ein Verbindungssystem
zwischen den Vertragsparteien errichtet werden. Dieses Verbindungssystem ist
dazu gedacht, eine wirksame Methode zu bieten, um den Fortschritt bei der
Durchführung der Verpflichtungen im Rahmen des vorliegenden Anhangs zu begutachten und jedes Problem zu lösen, das im Verlauf der Durchführung auftreten
könnte, sowie um andere ungelöste Angelegenheiten jeweils an die höheren Militärbehörden der beiden Länder zur Erwägung zu verweisen. Es ist ferner dazu
gedacht, Situationen zu verhindern, die sich aus Irrtümern oder Fehl Interpretationen seitens der einen oder der anderen Vertragspartei ergeben.
2. Ein ägyptisches Verbindungsbüro wird in der Stadt El Arish und ein
israelisches Verbindungsbüro wird in der Stadt Beer-Sheba errichtet werden.
Jedes der Büros wird von einem Offizier des jeweiligen Landes geleitet werden,
der von einer Anzahl von Offizieren unterstützt wird.

-, . .
3. Zwischen

0

�3. Zwischen den beiden Büros wird eine direkte Telefonverbindung eingerichtet werden, und beide Büros werden auch direkte Telefonleitungen zum
Kommando der Vereinten Nationen unterhalten.

Artikel VIII
Achtung vor Kriegsgedenkstätten
Jede der Vertragsparteien verpflichtet sich, die Kriegsgedenkstätten, die
zum Andenken an Soldaten der anderen Vertragspartei errichtet wurden, in guter
Verfassung zu erhalten, nämlich jene, die von Israel auf dem Sinai errichtet
wurden, und jene, die von Ägypten in Israel errichtet wurden, und den Zugang
zu solchen Stätten zu gewähren.

Artikel IX
Interims-Abmachungen
Der Abzug der israelischen Streitkräfte und Zivilisten hinter die InterimsRückzugslinie und das Verhalten der Streitkräfte der Vertragsparteien und der
Vereinten Nationen vor dem endgültigen Abzug wird von dem beigefügten Anhang
und den Karten 2 und 3 bestimmt werden.

(Anmerkung des Herausgebers:
englischen Textes)

Inoffizielle deutsche Übersetzung des amtlichen

+ + + + +

- 9 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12

4. April 1979

ANLAGE ZU ANHANG I DES FRIEDENSVERTRAGES ZWISCHEN ÄGYPTEN UND ISRAEL
ANLAGE ZU ANHANG I

Organisation der Bewegungen auf dem Sinai

Artikel I
Prinzipien des Abzuges
1. Der Abzug der israelischen Streitkräfte und Zivilisten vom
Sinai wird in zwei Phasen vollzogen werden, wie in Artikel I von Anhang
I beschrieben. Die Beschreibung und der zeitliche Ablauf des Abzuges
sind in dieser Anlage enthalten. Die Gemeinsame Kommission wird von Chefkoordinator der Streitkräfte der Vereinten Nationen im Nahen Osten die
Einzelheiten dieser Phasen nicht später als einen Monat vor dem Beginn
jeder Phase des Abzuges ausarbeiten und unterbreiten.
2.

Beide Vertragsparteien kommen über die folgenden Prinzipien für

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�für den Ablauf der militärischen Bewegungen überein:
a) Ungeachtet der Bestimmungen von Artikel IX, Absatz 2 dieses
Vertrages werden bis zum vollständigen Abzug der israelischen Streitkräfte von den derzeitigen J und M-Linien, die durch das ägyptischeisraelische Abkommen vom September 1975 errichtet wurden, im folgenden
als Abkommen von 1975 bezeichnet, auf die Interims-Rückzugslinie alle im
Rahmen dieses Abkommens getroffenen militärischen Vereinbarungen in Kraft
bleiben - mit Ausnahme jener militärischen Vereinbarungen, über die in
dieser Anlage anderweitig verfügt wird.
b) So wie die israelischen Streitkräfte abziehen, werden Streitkräfte
der Vereinten

Nationen sofort in die evakuierten Gebiete einrücken, um

zwischenzeitliche und temporäre Pufferzonen zu schaffen, wie jeweils auf
den Karten 2 und 3 ersichtlich, zum Zwecke der Aufrechterhaltung einer
Trennung der Streitkräfte. Die Dislozierung von Streitkräften der Vereinten
Nationen wird der Bewegung jeden anderen Personals in diese Gebiete vorangehen.
c)

Innerhalb einer Periode von sieben Tagen, nachdem israelische

Streitkräfte ein Gebiet in Zone A evakuiert haben, werden Einheiten der
ägyptischen Streitkräfte in Übereinstimmung mit den Bestimmungen von
Artikel II dieser Anlage disloziert werden.
d) Innerhalb einer Periode von sieben Tagen, nachdem israelische
Streitkräfte ein Gebiet in den Zonen A oder B evakuiert haben, werden
ägyptische Grenzeinheiten in Übereinstimmung mit Artikel II dieser Anlage
disloziert werden und in Übereinstimmung mit Artikel II von Anhang I ihre
Funktion übernehmen.
e) Ägyptische zivile Polizei wird unmittelbar nach den Streitkräften der Vereinten Nationen in evakuierte Gebiete einrücken, um normale
Polizeifunktionen zu übernehmen.
Ägyptische

�f) Ägyptische Marineeinheiten werden in Übereinstimmung mit den
Bestimmungen von Artikel II dieser Anlage im Golf von Suez disloziert
werden.
g) Ausgenommen der oben erwähnten Bewegungen werden Dislozierungen
ägyptischer Streitkräfte und die in Anhang I aufgeführten Tätigkeiten in
den evakuierten Gebieten vorgenommen werden, wenn die israelischen Streitkräfte ihren Abzug hinter die Interims-Rückzugslinie beendet haben.

Artikel II
Teilphasen des Abzugs auf die Interims-Rückzugslinie
1. Der Abzug auf die Interims-Rückzugslinie wird in Teilphasen wie in diesem Artikel beschrieben und auf Karte 3 dargestellt - erfolgen.
Jede Teilphase wird innerhalb der angegebenen Zahl von Monaten vom Zeitpunkt des Austauschs der Ratifikationsurkungen dieses Vertrages an abgeschlossen werden.
a)

Erste Teilphase:

Innerhalb von zwei Monaten werden die

israelischen Streitkräfte aus dem Gebiet von El Arish, einschließlich
der Stadt El Arish und ihres Flugplatzes, abziehen;

auf Karte 3 ist

dieses Gebiet als Gebiet I eingezeichnet.
b)

Zweite Teilphase:

innerhalb vom drei Monaten werden die

israelischen Streitkräfte aus dem Gebiet zwischen der Linie M des Abkommens
von 1975 und der Linie A abziehen;

dieses Gebiet ist als Gebiet II auf

Karte 3 eingezeichnet.
c)

Dritte Teilphase:

innerhalb von sieben Monaten werden die

israelischen Streitkräfte aus den Gebieten östlich und westlich vom Gebiet II
abziehen;

dieses Gebiet ist auf Karte 3 als Gebiet III eingezeichnet.
Vierte
- 3 -

�d) Vierte Teilphase:

innerhalb von sieben Monaten werden die

israelischen Streitkräfte aus dem Gebiet von El Tor- Ras el Kenisa abziehen;
auf Karte 3 als Gebiet IV eingezeichnet.
e) Fünfte Teilphase:

innerhalb von neun Monaten werden die

israelischen Streitkräfte aus den übrigen Gebieten westlich der InterimsRückzugslinie abziehen, einschließlich der Gebiete von Santa Katrina und
der Gebiete östlich der Giddi-Mitla-Pässe, auf Karte 3 als Gebiet V eingezeichnet, und damit den Abzug der israelischen Streitkräfte hinter die
Interims-Rückzugslinie zum Abschluß bringen.
2.

Ägyptische Streitkräfte werden in den von israelischen Streit-

kräften evakuierten Gebieten wie folgt disloziert werden:
a)

Bis zum Abschluß des Interims-Rückzuges wird bis zu einem Drittel

der ägyptischen Streitkräfte im Sinai in Einklang mit dem Abkommen von 1975
in den Abschnitten der Zone A, die innerhalb des Gebietes I liegen,
disloziert werden.

Danach werden die ägyptischen Streitkräfte wie in

Artikel II des Anhangs I beschrieben, in der Zone A bis zu den Grenzen
der Interims-Pufferzone disloziert werden.
b) Die Aktivität der ägyptischen Marine wird in Einklang mit Artikel IV
des Anhangs I entlang den Küsten der Gebiete II-III und IV jeweils nach
Abschluß der zweiten, dritten und vierten Teilphasen beginnen.
c) Von den ägyptischen Grenzlinien, wie sie in Artikel II des
Anhangs I beschrieben sind, wird ein Bataillon im Gebiet I nach Abschluß
der ersten Teilphase disloziert werden.

Ein zweites Bataillon wird im

Gebiet II nach Abschluß der zweiten Teilphase disloziert werden.

Ein

drittes Bataillon wird nach Abschluß der dritten Teilphase im Gebiet III
disloziert werden.

Das erwähnte zweite und dritte Bataillon kann auch in

irgendeiner anderen der anschließend evakuierten Gebiete des südlichen

- 4 -

�südlichen Sinai disloziert werden.

3.

Die Streitmacht der Vereinten Nationen in der Pufferzone I des

Abkommens von 1975 wird re-disloziert werden, um die oben beschriebene
Dislozierung der ägyptischen Streitkräfte nach Abschluß der ersten Teilphase zu ermöglichen,wird aber ansonsten weiterhin in Einklang mit den
Bestimmungen jenes Abkommens in dem übrigen Teil dieser Zone bis zum Abschluß des Interims-Rückzugs ihre Funktion ausüben.

4.

Israelische Konvois dürfen die Straßen südlich und östlich der

im Osten von El Arish gelegenen Hauptstraßenkreuzung zur Evakuierung von
israelischen Streitkräften und Gerät bis zum Abschluß des Interim-Rückzugs
benutzen.

Diese Konvois werden bei Tageslicht fahren, nachdem vier Stunden

im voraus die ägyptische Verbindungsgruppe und die UN-Streitmacht davon
unterrichtet wurden, sie werden von der UN-Streitmacht eskortiert werden
und in Einklang mit den von der Gemeinsamen Kommission koordinierten
Plänen stehen.

Ein ägyptischer Verbindungsoffizier wird die Konvois be-

gleiten, um eine reibungslose Fahrt zu gewährleisten.

Die Gemeinsame

Kommission kann andere Arrangements für die Konvois billigen.

Artikel III
1.

Die Vertragsparteien werden darum ersuchen, daß die Streitmacht

der Vereinten Nationen so disloziert wird, wie es notwendig ist, um die
in dieser Anlage beschriebenen Funktionen bis zur Zeit des Abschlusses des
endgültigen israelischen Abzugs auszuüben.

Zu diesem Zweck haben die

Vertragsparteien einer Re-Dislozierung der Streitmacht der Vereinten
Nationen zugestimmt.

2.

Die Streitmacht der Vereinten Nationen wird die Durchführung

- 5-

�Durchführung (der Bestimmungen) dieser Anlage überwachen und ihr Bestes
tun, um eine Verletzung dieser Bestimmungen zu verhindern.
3.

Wenn die Streitmacht der Vereinten Nationen in Einklang mit den

Bestimmungen des Artikels I und II dieser Anlage disloziert ist, wird sie
die Funktion der Verifizierung in begrenzten Streitkräftezonen in Einklang
mit Artikel VI des Anhangs I ausüben und wird Kontrollpunkte, Aufklärungspatrouillen und Beobachtungsposten in den temporären Pufferzonen, wie in
Artikel II oben beschrieben, einrichten. Andere Funktionen der UN-Streitmacht, die die Interims-Pufferzone betreffen, werden in Artikel V dieser
Anlage beschrieben.

Artikel IV
Gemeinsame Kommission und Verbindung
1. Die Gemeinsame Kommission, auf die Artikel IV dieses Vertrages
Bezug nimmt, wird vom Zeitpunkt des Austauschs der Ratifikationsurkunden
dieses Vertrages an arbeiten bis zu dem Zeitpunkt des Abschlusses des endgültigen israelischen Abzuges vom Sinai.
2. Die Gemeinsame Kommission wird sich aus Vertretern jeder Vertragspartei unter der Führung von höheren Offizieren zusammensetzen.
Diese Kommission soll einen Vertreter der Vereinten Nationen einladen,
wenn Themen behandelt werden, die die Vereinten Nationen angehen, oder
wenn die eine oder die andere Vertragspartei um eine Präsenz der Vereinten
Nationen ersucht. Entscheidungen der Gemeinsamen Kommission werden durch
Übereinkunft von Ägypten und Israel getroffen werden.
3.

Die Gemeinsame Kommission wird die Durchführung der Vereinbarungen

überwachen, die in Anhang I und in dieser Anlage beschrieben sind.

Zu

diesem Zweck und durch Übereinkommen zwischen beiden Vertragsparteien

�Vertragsparteien wird sie:
a) militärische Bewegungen, wie in dieser Anlage beschrieben,
koordinieren und ihre Durchführung überwachen;
b) sich allen Problemen zuwenden, die sich aus der Durchführung
von Anhang I und dieser Anlage ergeben könnten, und sie zu lösen versuchen, und alle Verletzungen erörtern, die von den Streitkräften und
den Beobachtern der Vereinten Nationen berichtet werden, sowie alle ungelösten Probleme an die Regierungen von Ägypten und Israel verweisen;
c)
die Streitkräfte und Beobachter der Vereinten Nationen bei der
Erfüllung ihres Mandates unterstützen und sich mit den Zeitplänen der
periodischen Verifizierung befassen, wenn die Vertragsparteien darauf
verweisen, wie dies in Anhang I und in dieser Anlage vorgesehen ist;
d) die Demarkation der internationalen Grenze und aller Linien
und Zonen organisieren, wie sie in Anhang I und in dieser Anlage beschrieben werden;
e) die Übergabe der Hauptinstallationen auf dem Sinai von Israel
an Ägypten überwachen;
f) sich auf notwendige Vereinbarungen einigen, um die Leichname
vermißter ägyptischer und israelischer Soldaten aufzufinden und zurückzugeben;
g) die Einrichtung und den Betrieb der Grenzübergänge entlang der
Linie El Arish - Ras Muhammed in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des
Artikels 4 des Anhangs III organisieren;
h)

ihre Aufgaben durch den Einsatz von Gemeinsamen Verbindungs-

�Verbindungsteams erfüllen, die jeweils aus einem israelischen und einem
ägyptischen Vertreter bestehen, die von einer ständigen Verbindungsgruppe
gestellt werden, welche Tätigkeiten nach Anweisung der Gemeinsamen Kommission
ausüben;
i) die Verbindung und Koordinierung zum Kommando der Vereinten
Nationen herstellen, wenn es um die Verwirklichung von Bestimmungen des
Vertrages geht, und über die Gemeinsamen Verbindungsteams am Ort die
Koordination und Zusammenarbeit mit den Streitkräften der Vereinten Nationen
aufrechterhalten, die in spezifischen Gebieten stationiert sind, oder mit
den Beobachtern der Vereinten Nationen, die spezifische Gebiete überwachen,
um ihnen jede notwendige Hilfe zu gewähren;
j) alle anderen Fragen erörtern, die die Vertragsparteien ihr durch
Übereinkunft vorlegen mögen.

4.

Sitzungen der Gemeinsamen Kommission sollen mindestens einmal

im Monat abgehalten werden.

Falls die eine oder die andere Vertragspartei

oder das Kommando der Vereinten Nationen eine Sondersitzung wünschen,
wird diese innerhalb von 24 Stunden einberufen.
5. Die Gemeinsame Kommission wird bis zum Abschluß des InterimsAbzuges in der Pufferzone tagen und danach abwechselnd in El Arish und
Beer-Sheba. Die erste Sitzung wird nicht später als zwei Wochen nach
Inkrafttreten dieses Vertrages stattfinden.

Artikel V
Definition der Interims-Pufferzone und der dortigen Tätigkeiten
1.

Es wird eine Interims-Pufferzone westlich der und anschließend

an die Interims-Rückzugslinie, wie auf Karte 2 ersichtlich, geschaffen
- 8 -

�geschaffen werden, durch die die Streitmacht der Vereinten Nationen eine
Trennung der ägyptischen und israelischen Elemente bewirken wird, nach
der Durchführung des israelischen Abzuges und der Dislozierung hinter der
Interims-Rückzugslinie.

Ägyptische zivile Polizei

mit leichten Waffen

wird in dieser Zone normale Polizeifunktionen ausüben.
2.

Die Streitmacht der Vereinten Nationen wird Grenzübergänge,

Aufklärungspatrouillen und Beobachtungsposten in der Interims-Pufferzone
unterhalten, um die Einhaltung der Bestimmungen dieses Artikels zu gewährleisten.
3.

In Übereinstimmung mit den Vereinbarungen, auf die sich beide

Vertragsparteien geeinigt haben und die von der Gemeinsamen Kommission
koordiniert werden, wird israelisches Personal militärische technische
Einrichtungen an vier bestimmten Orten unterhalten, wie aus

Karte 2

ersichtlich, und die bezeichnet werden als Tl (Zentrale Koordinate 57163940
auf der Karte), T2 (Zentrale Koordinate 59351541 auf der Karte), T3
(Zentrale Koordinate 59331527 auf der Karte) und T4 (Zentrale Koordinate
61130979 auf der Karte), und zwar nach folgenden Prinzipien:
a.

Die technischen Einrichtungen werden von technischem und von

Verwaltungspersonal besetzt, das mit Handfeuerwaffen ausgerüstet ist,
die für seinen Schutz erforderlich sind (Revolver, Gewehre, Maschinenpistolen, leichte Maschinengewehre, Handgranaten und Munition) und zwar
zahlenmäßig wie folgt:
Tl - bis zu 150 Mann
T2 und T3 - bis zu 350 Mann
T4 - bis zu 200 Mann
b) Israelisches Personal wird außerhalb der Anlagen keine Waffen
tragen, mit Ausnahme der Offiziere, die ihre persönliche Waffe tragen

- 9 -

�tragen dürfen.
c)

Den Bereich der technischen Einrichtungen in der Pufferzone

werden nur Dritte betreten und dort Inspektionen durchführen, auf die
sich Ägypten und Israel geeinigt haben.

Die Dritten werden die Inspektionen

stichprobenweise, mindestens jedoch einmal im Monat durchführen.

Die

Inspektionen werden die Art der Operationen der Einrichtungen und der
Waffen und des dort befindlichen Personals verifizieren.

Die Dritten

werden den Vertragsparteien sofort über jede Abweichung von der visuellen
und elektronischen Oberwachungs- oder Fernmelderolle einer Einrichtung
berichten.
d)

Die Versorgung der Einrichtungen, Besuche zu technischen und

administrativen Zwecken und das Auswechseln von Personal und Gerät in
den Anlagen dürfen ununterbrochen von den Grenzübergängen der Vereinten
Nationen zum Bereich der technischen Anlagen stattfinden, nach Oberprüfung
durch die und mit Begleitung nur der Streitkräfte der Vereinten Nationen.
e)

Israel wird es erlaubt sein, technische Einrichtungsgegenstände

einzubringen, die für das vorschriftsmäßige Funktionieren der Einrichtungen
und des Personals erforderlich sind.
f) Wie durch die Gemeinsame Kommission festgelegt,wird es Israel
erlaubt sein:
1)

in seinen Einrichtungen Löschgerät und Gerät für die allgemeine

Wartung sowie Fahrzeuge mit Radantrieb für die Verwaltung und mobiles
technisches Gerät zu unterhalten, das für die Unterhaltung der Anlagen
notwendig ist. Alle Fahrzeuge müssen unbewaffnet sein.
2) innerhalb der Anlagen und in der Pufferzone Straßen, Wasserleitungen und Fernmeldeleitungen zu unterhalten, die den Anlagen dienen.

�dienen.

An jedem der Orte der Einrichtungen (Tl, T2 und T3 und T4) darf

diese Wartung, wenn notwendig, von bis zu zwei Fahrzeugen mit Radantrieb
und bis zu 12 Mann Personal mit Gerät vorgenommen werden.

Diese Wartung

darf dreimal wöchentlich vorgenommen werden, außer wenn besondere Probleme
auftreten, und nur nachdem die Vereinten Nationen vier Stunden vorher
unterrichtet worden sind.

Die Teams werden von Personal der Vereinten

Nationen begleitet.
g) An- und Abmarsch zu und von den technischen Einrichtungen werden
nur während des Tageslichtes stattfinden.

Der Anmarsch zu und der Abmarsch

von den technischen Einrichtungen wird wie folgt stattfinden:
1) Tl: über einen Grenzübergang der Vereinten Nationen und über
die Straße zwischen Abu Aweigila und der Kreuzung der Abu Aweigila-Straße
und der Gebel Libni-Straße (km 161), wie auf Karte 2 ersichtlich;
2) T2 und T3: über einen Grenzübergang der Vereinten Nationen
und über die Straße, die durch die Pufferzone nach Gebel Katrina gebaut
wurde, wie auf Karte 2 ersichtlich;
3) T2, T3 und T4: mit Hubschraubern, die innerhalb eines Korridors
zu Zeiten und nach einer Flugbeschreibung fliegen, die von der Gemeinsamen
Kommission vereinbart worden sind.

Die Hubschrauber werden von der Streit-

macht der Vereinten Nationen an Landungspunkten außerhalb des Bereichs der
Einrichtungen überprüft werden.

h) Israel wird die Streitmacht der Vereinten Nationen zumindest
eine Stunde im voraus über jede beabsichtigte Bewegung auf die Einrichtungen hin oder von ihnen weg unterrichten.
i)

Israel wird berechtigt sein, jederzeit nach unmittelbarer Be-

- 11 -

�Benachrichtigung der Streitmacht der Vereinten Nationen Kranke und Verwundete zu evakuieren und medizinische Experten und medizinische Teams
herbeizurufen.

4.

Die Einzelheiten der oben erwähnten Grundsätze und alle anderen

Angelegenheiten in diesem Artikel, die eine Koordination durch die Vertragsparteien erfordern, werden durch die Gemeinsame Kommission behandelt
werden.
5. Diese technischen Einrichtungen werden zurückgenommen, wenn die
israelischen Streitkräfte von der Interims-Rückzugslinie abziehen, oder zu
einer anderen von den Vertragsparteien vereibarten Zeit.

Artikel VI
Verfügung über die Einrichtungen und militärischen Sperranlagen
Wie über die Einrichtungen und militärischen Sperranlagen verfügt
wird, werden die Vertragsparteien in Einklang mit den folgenden Richtlinien entscheiden:
1. Bis zu drei Wochen vor dem Abzug der Israelis aus dem jeweiligen
Gebiet wird die Gemeinsame Kommission Vorkehrungen treffen, daß ägyptische
und israelische Verbindungs- und technische Teams eine gemeinsame Inspektion
aller betreffenden Einrichtungen durchführen, um sich über den Zustand der
Strukturen und Gegenstände zu einigen, die ägyptischer Kontroll er unterstellt
werden sollen, und um Vorkehrungen für diese Übergabe zu treffen. Israel
wird zu dieser Zeit erklären, wie es über die Installationen und die
Gegenstände in den Installationen zu verfügen gedenkt.
2.

Israel verpflichtet sich, an Ägypten alle vereinbarten Infrastruktur-

- 12 -

�Infrastruktur, Anlagen und Einrichtungen intakt zu übergeben, unter anderem
Flugplätze, Straßen, Pumpstationen und Hafenanlagen.

Israel wird Ägypten

die Informationen geben, die für die Instand- und Inganghaltung dieser
Einrichtungen notwendig sind.

Gruppen ägyptischer Techniker wird es gestattet sein, den Betrieb
dieser Anlagen zu beobachten und sich mit ihnen vertraut zu machen, und
zwar für einen Zeitraum bis zu zwei Wochen vor der Übergabe.
3.

Wenn Israel die militärischen Wasserstellen bei El Arish und

El Tor aufgibt, werden ägyptische Techniker die Kontrolle über diese
Einrichtungen und die Hilfsgeräte übernehmen in Einklang mit einem ordnungsgemäßen Übergabeprozeß, wie er bereits vorher von der Gemeinsamen
kommission arrangiert wurde. Ägypten verpflichtet sich, weiterhin an
allen Wasserstellen die normale Menge von derzeit zur Verfügung stehendem
Wasser verfügbar zu machen bis zu der Zeit, da Israel sich hinter die
internationale Grenze zurückzieht, es sei denn, daß es in der Gemeinsamen
Kommission anders vereinbart wird.
4.

Israel wird nach besten Kräften bemüht sein, alle militärischen

Sperranlagen zu beseitigen und zu zerstören, einschließlich der Hindernisse und Minenfelder in den Gebieten und angrenzenden Gewässern, aus denen
es abzieht, in Einklang mit folgendem Konzept:

a)

Militärische Sperranlangen werden zuerst aus den Gebieten in

der Nähe von Wohnsiedlungen, Straßen und größeren Einrichtungen und Anlagen weggeräumt werden.

b)

Für die Hindernisse und Minenfelder, die nicht vor dem israelischen

Abzug beseitigt oder zerstört werden können, wird Israel für Ägypten und
die Vereinten Nationen über die Gemeinsame Kommission genaue Karten zur
Verfügung stellen, und zwar nicht später als fünfzehn Tage vor dem Ein-

- 13 -

�Einrücken der Streitmacht der Vereinten Nationen in die betreffenden
Gebiete.
c) Ägyptische Pioniere werden nach dem Einrücken der Streitmacht
der Vereinten Nationen in diese Gebiete einrücken, um die zur Beseitigung
der Sperranlagen notwendigen Operationen in Einklang mit den ägyptischen
Plänen durchzuführen, die vor der Durchführung zu unterbreiten sind.

Artikel VII
überwachungstäti gkei ten
1.

Luftüberwachungstätigkeiten während des Abzuges werden folgender-

maßen durchgeführt werden:
a)

beide Vertragsparteien ersuchen die Vereinigten Staaten, ihre

Luftaufklärungsflüge in Übereinstimmung mit früheren Abkommen bis zum
Abschluß des endgültigen Abzugs Israels fortzusetzen.
b) Flugbeschreibungen werden sich auf die Zonen mit begrenzten
Streitkräften erstrecken, um die Begrenzungen von Streitkräften und Waffen
zu überprüfen und um festzustellen, daß israelische Streitkräfte aus den
in Artikel II von Anhang I, Artikel II dieser Anlage und in den Karten 2
und 3 beschriebenen Gebieten abgezogen sind und daß diese Streitkräfte
danach hinter ihren Linien bleiben. Auf Ersuchen der einen oder der anderen
Vertragspartei oder der Vereinten Nationen können Sonderinspektionsflüge
geflogen werden.
c)

Nur über die Hauptelemente der militärischen Organisationen

beider Vertragsparteien, wie in Anhang I und in dieser Anlage beschrieben,
wird berichtet werden.
Beide

�2.

Beide Vertragsparteien ersuchen die von den Vereinigten Staaten

gestellte Sinai-Feldmission, ihre Operationen in Übereinstimmung mit
früheren Abkommen bis zum Abschluß des israelischen Abzuges aus dem Gebiet
östlich der Pässe Giddi und Mitla fortzusetzen.

Danach wird die Mission

beendet.

Artikel VIII
Ausübung der ägyptsichen Souveränität
Ägypten wird die Ausübung seiner vollen Souveränität über die
evakuierten Gebiete des Sinai nach dem israelischen Abzug wieder übernehmen, wie es in Artikel I dieses Vertrages vorgesehen ist.

+ + + + +

- 15 -

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. April 1979

12

HINWEIS AUF ANHANG II ZUM FRIEDENSVERTRAG ZWISCHEN ÄGYPTEN UND ISRAEL

Hinweis des Herausgebers: Der Anhang II zum Friedensvertrag zwischen
Ägypten und Israel besteht aus den in Anhang I und in der Anlage zu Angang I
laufend angeführten Landkarten (1, 2 und 3 ) , die jedoch zum Zeitpunkt der
Herausgabe dieses Dienstes leider bei uns noch nicht vorlagen.
Wir planen im Rahmen unserer Reihe "Aus dem Zeitgeschehen" in Kürze
eine Broschüre über die Nahost-Friedensbemühungen Präsident Carters, in
der wir die genannten Landkarten abdrucken werden.
Wir bitten um Ihr Verständnis, daß wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt
den Anhang II nicht wiedergeben können.

+ + + + +

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12

4. April 1979

ANHANG III ZUM FRIEDENSVERTRAG ZWISCHEN ÄGYPTEN UND ISRAEL
ANHANG III

Protokoll bezüglich der Beziehungen zwischen den Vertragsparteien
Artikel 1
Diplomatische und konsularische Beziehungen
Die Vertragsparteien kommen überein, diplomatische und konsularische
Beziehungen herzustellen und nach Abschluß des Interims-Abzugs Botschafter
auszutauschen.
Artikel 2
Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
1. Die Vertragsparteien kommen überein, alle diskriminierenden
Hindernisse für normale Wirtschaftsbeziehungen zu beseitigen und nach
Abschluß des Interims-Abzuges die wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen auf
beiden Seiten zu beenden.
Zum

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�2.

Zum frühest möglichen Zeitpunkt und nicht später als sechs

Monate nach Abschluß des Interims-Abzugs, werden die Vertragsparteien
in Verhandlungen in der Absicht eintreten, ein Allgemeines Handelsabkommen zum Zwecke der Förderung nützlicher Wirtschaftsbeziehungen abzuschließen.
Artikel 3
Kulturelle Beziehungen
1.

Die Vertragsparteien kommen überein, nach Abschluß der Interims-

Abzuges normale kulturelle Beziehungen herzustellen.
2.

Sie sind sich einig über die Erwünschtheit des Kulturaustausches

in allen Bereichen und werden zum frühest möglichen Zeitpunkt und nicht
später als sechs Monate nach Abschluß des Interims-Abzuges in Verhandlungen
in der Absicht eintreten, zu diesem Zwecke ein Kulturabkommen abzuschließen.
Artikel 4
Freizügigkeit des Verkehrs
1. Nach Abschluß des Interims-Abzuges wird jede der Vertragsparteien
die freie Bewegung von Staatsbürgern und Fahrzeugen der anderen Vertragspartei nach ihrem Territorium und innerhalb desselben gemäß den allgemeinen Regelungen gestatten, die auf Staatsbürger und Fahrzeuge anderer
Länder angewandt werden. Keine der Vertragsparteien wird diskriminierende
Beschränkungen für die freie Bewegung von Personen und Fahrzeugen aus
ihrem Territorium in das Territorium des anderen verfügen.
2.

Der gegenseitige ungehinderte Zugang zu Orten von religiöser

und historischer Bedeutung wird auf der Basis der Nichtdiskriminierung
gewährt werden.
Artikel 5
- 2 -

�Artikel 5
Zusammenarbeit für Zwecke der Entwicklung und gutnachbarschaftliche Beziehungen
1.

Die Vertragsparteien anerkennen die Gegenseitigkeit des Interesses

an gutnachbarschaftlichen Beziehungen und kommen überein, Mittel zur
Förderung solcher Beziehungen zu erwägen.
2.

Die Vertragsparteien werden bei der Förderung von Frieden,

Stabilität und Entwicklung in ihrer Region zusammenarbeiten.

Jede von

ihnen erklärt sich bereit, Vorschläge, die die andere Vertragspartei
zu diesem Zwecke zu machen gedenkt, zu erwägen.
3. Die Vertragsparteien werden darauf bedacht sein, das gegenseitige Verständnis und die gegenseitige Tolerenz zu fördern,und sie
werden sich dementsprechend feindseliger Propaganda gegen einander enthalten.
Artikel 6
Verkehr und Nachrichtenverbindungen
1.

Die Vertragsparteien anerkennen Rechte, Vorrechte und Verpflichtungen,

die in den Luftverkehrsabkommen vorgesehen sind, zu deren Signataren sie
gehören - insbesondere in der Konvention über die Internationale Zivilluftfahrt von 1944 (der Konvention von Chicago) und in dem Internationalen
Luftdienst-Transit-Abkommen von 1944 - als gegenseitig anwendbar.
2.

Nach Abschluß des Interims-Abzuges wird ein

eventueller nationaler

Notstand, der seitens einer der Vertragsparteien gemäß Artikel 89 der
Konvention von Chicago ausgerufen wird, auf die andere Vertragspartei
nicht auf diskriminierender Basis angewandt werden.
Ägypten

�3. Ägypten versichert, daß die Benutzung der von Israel bei El
Arish, Rafah, Ras el Nagb und Sharm el Sheikh verlassenen Flugplätze
nur zu zivilen Zwecken, einschließlich der möglichen kommerziellen Nutzung
seitens aller Länder, erfolgen wird.
4.

Zum frühest möglichen Zeitpunkt und nicht später als sechs

Monate nach Abschluß des Interims-Abzuges werden die Vertragsparteien
in Verhandlungen zum Zweck des Abschlusses eines Zivilluftfahrtsabkommens
eintreten.
5.

Die Vertragsparteien werden die Straßen- und Eisenbahnverbindungen

zwischen ihren Ländern wieder öffnen und unterhalten und die Schaffung
weiterer Straßen- und Bahnverbindungen in Erwägung ziehen.

Die Ver-

tragsparteien kommen ferner überein, daß eine Autobahn zwischen Ägypten,
Israel und Jordanien bis in die Nähe von Eilat mit garantierter freier
und friedlicher Durchfahrt von Personen, Fahrzeugen und Gütern zwischen
Ägypten und Jordanien unbeschadet ihrer Souveränität über jenen Teil der
Autobahn, der in ihr jeweiliges Territorium fällt, gebaut und unterhalten
wi rd.
6. Mit Abschluß des Interims-Abzuges werden normale Post-, Telegraphen-, Telex-, Datenfaksimile-, Funk- und Kabelverbindungen sowie
Fernseh-Relais-Dienste über Kabel, Funk und Satelliten zwischen den
beiden Vertragsparteien in Übereinstimmung mit allen relevanten internationalen Konventionen und Bestimmungen hergestellt werden.
7. Mit Abschluß des Interims-Abzuges wird jede der Vertragsparteien Schiffen und Ladungen der anderen Vertragspartei sowie auch Schiffen
und Ladungen nach oder aus anderen Ländern freien Zugang zu ihren Häfen
gewähren. Ein solcher Zugang wird unter den gleichen Bedingungn gewährt
werden, die generell auf Schiffe und Ladungen anderer Länder anwendbar
sind.

Artikel V des Friedensvertrags wird mit dem Austausch der Ratifizierungs-

- 4 -

�Ratifizierungsurkunden des besagten Vertrags rechtswirksam.
Artikel 7
Genuß der Menschenrechte
Die Vertragsparteien bekräftigen ihre Verpflichtung zur Achtung und
Wahrung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten für alle, und sie
werden diese Rechte und Freiheiten im Einklang mit der Charta der Vereinten
Nationen fördern.
Artikel 8
Territoriaigewässer
Ungeachtet
kennt jeder der
tragspartei auf
Übereinstimmung

der Bestimmungen von Artikel V des Friedensvertrages erVertragsparteien das Recht von Schiffen der anderen Verfriedliche Durchfahrt durch ihre Territoriaigewässer in
mit den völkerrechtlichen Bestimmungen an.

(Anmerkung des Herausgebers:
amtlichen englichen Textes)

Inoffizielle deutsche Übersetzung des

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. April 1979

12

VEREINBARTES PROTOKOLL ZU VERTRAGSARTIKELN UND ANHANG I UND III

Vereinbartes Protokoll zu den Artikeln I, IV, V und VI und
Anhang I und III des Friedensvertrages

Artikel I
Die Wiederaufnahme der Ausübung der vollen Souveränität über den Sinai
durch Ägypten, wie in Absatz 2 von Artikel I vorgesehen, soll in bezug auf
jedes Gebiet nach dem Abzug Israels aus diesem Gebiet erfolgen.

Artikel IV
Es ist zwischen den Vertragsparteien vereinbart, daß eine Oberprüfung
wie sie Artikel IV (4) vorsieht, unternommen wird, wenn sie von einer der bei
den Vertragsparteien gefordert wird, beginnend innerhalb von drei Monaten
nach einer solchen Forderung, daß aber eine jede Abänderung nur im gegenseiti
gen Einverständnis beider Parteien erfolgen kann.
Artikel V

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Artikel V
Der zweite Satz von Absatz 2 des Artikels V soll nicht so ausgelegt
werden, als begrenze er den ersten Satz dieses Absatzes.

Das Vorausgehende

ist nicht so zu verstehen, als stehe es im Widerspruch zu dem zweiten Satz
von Absatz 2 des Artikels V, der folgendermaßen lautet:
"Die Vertragsparteien werden das Recht des anderen auf Schiffahrt und
überfliegen zum Zweck des Zugangs zum einen oder anderen Land durch die Straße
von Tiran und den Golf von Aqaba gegenseitig respektieren."

Artikel VI (2)
Die Bestimmungen des Artikels VI sollen nicht den Bestimmungen des in Camp
David vereinbarten Rahmenwerks für den Frieden im Nahen Osten entgegenlaufend
verstanden werden.

Das Vorausgehende ist nicht so zu interpretieren,als liefe

es den Bestimmungen von Artikel VI (2) des Vertrages entgegen, der folgendermaßen lautet:
"Die Vertragsparteien verpflichten sich, ihren Verpflichtungen gemäß diesem Vertrag nach besten Gewissen nachzukommen, ohne Rücksicht auf das Handeln
oder Nichthandeln einer anderen Partei und unabhängig von irgendeinem Dokument
außerhalb dieses Vertrages."

Artikel VI (5)
Die Vertragsparteien sind übereingekommen, daß es keine Zusicherung gibt,
daß dieser Vertrag über anderen Verträgen oder Abkommen steht oder daß andere
Verträge oder Abkommen über diesem Vertrag stehen.

Das Vorausgehende ist

nicht so zu interpretieren, als laufe es den Bestimmungen des Artikels VI (5)
entgegen, der folgendermaßen lautet:
"Gemäß

�"Gemäß Artikel 103 der Charta der Vereinten Nationen werden im Falle
eines Konfliktes zwischen den von den Vertragsparteien nach dem gegenwärtigen
Vertrag übernommenen Verpflichtungen mit ihren anderen Verpflichtungen die
Verpflichtungen gemäß diesem Vertrag bindend und zu erfüllen sein."

Anhang I
Artikel VI, Absatz 8 von Anhang I besagt folgendes:
"Die Vertragsparteien werden sich über die Länder einigen,aus denen die
Streitmacht und die Beobachter der Vereinten Nationen entsandt werden sollen.
Sie werden aus Ländern entsandt werden, die keine ständigen Mitglieder des
Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sind."
Die Vertragsparteien haben wie folgt vereinbart:
"Hinsichtlich der Bestimmungen von Absatz 8, Artikel VI von Anhang I
werden die Vertragsparteien, wenn es zwischen ihnen zu keinem Übereinkommen
kommt, einen Vorschlag der Vereinigten Staaten bezüglich der Zusammensetzung
der Streitmacht der Vereinten Nationn und der Beobachter akzeptieren und unterstützen."

Anhang III
Der Friedensvertrag und der dazugehörige Anhang III sehen die Schaffung
normaler wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Vertragsparteien vor.

In

Übereinstimmung damit wurde vereinbart, daß solche Beziehungen normale kommerzielle öl verkaufe von Ägypten an Israel einschließen werden

und daß Israel

voll berechtigt ist, Gebote auf öl ägyptischen Ursprungs, das für den einheimischen ägyptischen Ölverbrauch nicht benötigt wird, zu machen und daß Ägypten
und seine ölkonzessionäre solche von Israel gemachten Gebote auf der gleichen

- 3 -

�gleichen Basis und zu gleichen Bedingungen entgegennehmen werden, wie sie für
andere auf derartiges öl Bietende gelten.
Für die Regierung der Arabischen Republik Ägypten: (gez.) Sadat
Für die Regierung Israels: (gez.) Begin
Bezeugt durch Jimmy Carter, Präsident der Vereinigten Staaten.

(Anmerkung des Herausgebers:
englischen Textes)

Inoffizielle deutsche Übersetzung des amtlichen

�FiTrtlSl "\im

w

WS

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12

4. April 1979

GEMEINSAMES SCHREIBEN STAATSPRÄSIDENT SADATS UND MINISTERPRÄSIDENT BEGINS
AN PRÄSIDENT CARTER

Das nachstehende gemeinsame Schreiben
an Präsident Carter bezüglich des Westufers und Gaza wurden vom ägyptischen
Staatspräsidenten Anwar el Sadat und
dem israelischen Ministerpräsidenten
Menachem Begin am 26. März 1979 anläßlich
der Unterzeichnung des Friedensvertrages
zwischen Ägypten und Israel im Weißen
Haus in Washington unterzeichnet:
An den Präsidenten
Weißes Haus

26. März 1979

Sehr geehrter Herr Präsident:
Dieses Schreiben dient der Bestätigung, daß Ägypten und Israel wie
folgt übereingekommen sind:
Die Regierungen Ägyptens und Israels erinnern daran, daß sie in Camp

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Camp David

bezüglich der als Anlage beigefügten Dokumente "Ein Rahmen für

den Frieden im Nahen Osten, vereinbart in Camp David" und "Ein Rahmen für
den Abschluß eines Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel" übereingekommen sind und diese am 17. September 1978 im Weißen Haus unterzeichnet
haben.
Zum Zweck der Erreichung einer umfassenden Friedensregelung gemäß
der vorstehend angeführten Rahmenvereinbarungen werden Ägypten und Israel
mit der Verwirklichung jener Bestimmungen voranschreiten, die das Westufer und den Gaza-Streifen betreffen.

Sie sind übereingekommen, die Ver-

handlungen innerhalb eines Monats nach dem Austausch der Ratifizierungsurkunden des Friedensvertrages aufzunehmen.

In Übereinstimmung mit dem

"Rahmen für den Frieden im Nahen Osten" wird das haschemitische Königreich
Jordanien eingeladen, an diesen Verhandlungen teilzunehmen.

Die Delegationen

Ägyptens und Jordaniens können Palästinenser vom Westufer und aus dem GazaStreifen oder, mit beiderseitiger Zustimmung, auch andere Palästinenser
einschließen.

Zweck dieser Verhandlungen soll es sein, vor den Wahlen eine

Einigung über die Modalitäten der Errichtung einer gewählten Selbstverwaltungskörperschaft (Verwaltungsrat) zustandezubringen, deren

Befugnisse

und Verantwortlichkeiten zu definieren und andere damit zusammenhängenden
Fragen zu regeln.

Für den Fall, daß sich Jordanien dazu entschließt, nicht

an den Verhandlungen teilzunehmen, werden diese von Ägypten und Israel
geführt.
Die beiden Regierungen kommen überein, zügig und in gutem Glauben zu
verhandeln, um diese Verhandlungen zum frühest möglichen Zeitpunkt abzuschließen.

Sie kommen ferner überein, daß das Ziel der Verhandlungen die

Errichtung einer Selbstverwaltungskörperschaft auf dem Westufer und

in

Gaza ist, um den Einwohnern dieser Gebiete die volle Autonomie zu verschaffen.
Ägypten und Israel setzen sich zum Ziel, die Verhandlungen innerhalb

- 2 -

�innerhalb eines Jahres zum Abschluß zu bringen, damit Wahlen so rasch
wie möglich nach Zustandekommen einer Vereinbarung abgehalten werden
können.

Die Selbstverwaltungskörperschaft auf die im Dokument "Rahmen

für den Frieden im Nahen Osten" Bezug genommen ist, wird innerhalb eines
Monats nach ihrer Wahl errichtet werden und ihre Amtsgeschäfte aufnehmen,
womit der Übergangszeitraum fon fUnf Jahren beginnt. Die israelische
Militärregierung und deren Ziviladministration werden abgezogen und durch
die Selbstverwaltungskörperschaft ersetzt, wie dies im Dokument "Rahmen
für den Frieden im Nahen Osten" vorgesehen ist. Daraufhin erfolgt der
Abzug der israelischen Streitkräfte auf genau spezifizierte SicherheitsStandorte.
Dieses Schreiben dient ferner der Bestätigung unserer Auffassung,
daß sich die Regierung der Vereinigten Staaten in allen Phasen der Verhandlungen voll und ganz an diesen beteiligen wird.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Für die Regierung der Arabischen Republik Ägypten
( gez.) Sadat
Für die Regierung Israels
(gez.) Begin

+ + + + +

(Anmerkung des Herausgebers:

Inoffizielle deutsche Übersetzung des

amtlichen englischen Textes)

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. April 1979

12

BRIEFWECHSEL ZUR FRAGE DES BOTSCHAFTERAUSTAUSCHS
ZWISCHEN ÄGYPTEN UND ISRAEL

Nachstehende Schreiben zu dem geplanten
Botschafter-Austausch zwischen Ägypten
und Israel wurdem am 26. März in
Washington durch den amerikanischen
Präsidenten Carter, den ägyptischen
Staatspräsidenten Sadat und den
israelischen Ministerpräsidenten Begin
unterzeichnet und veröffentlicht:

SCHREIBEN MINISTERPRÄSIDENT SADATS AN PRÄSIDENT CARTER
An den Präsidenten

26. März 1979

Weißes Haus
Sehr geehrter Herr Präsident:
In Antwort auf Ihre Anfrage kann ich Ihnen bestätigen, daß Ägypten

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Ägypten innerhalb eines Monats nach Abschluß des Rückzugs Israels auf die
Interims-Linie, wie im Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel vereinbart, einen Botschafter mit Dienstsitz nach Israel entsenden und einen
israelischen Botschafter mit Dienstsitz in Ägypten aufnehmen wird.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Mohamed Anwar el Sadat

SCHREIBEN PRÄSIDENT CARTERS AN MINISTERPRÄSIDENT BEGIN
Sr. Exzellenz Menachem Begin
Ministerpräsident des Staates Israel

26. März 1979

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident:
Ich habe ein Schreiben von Staatspräsident Sadat erhalten, demzufolge Ägypten innerhalb eines Monats nach Abschluß des Rückzugs Israels
auf die Interims-Linie im Sinai, wie im Friedensvertrag zwischen Ägypten
und Israel vereinbart, einen Botschafter mit Dienstsitz nach Israel entsenden und einen israelischen Botschafter mit Dienstsitz in Ägypten aufnehmen wird.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Jimmy Carter

SCHREIBEN MINISTERPRÄSIDENT BEGINS

�SCHREIBEN MINISTERPRÄSIDENT BEGINS AN PRÄSIDENT CARTER
An den Präsidenten

26. i'arz 1979

Weißes Haus
Sehr geehrter Herr Präsident:
Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß ich mit dem Verfahren
einverstanden bin, das in Ihrem Schreiben vom 26. März 1979 dargelegt ist,
in dem Sie erklären:
"Ich habe ein Schreiben von Staatspräsident Sadat erhalten, demzufolge
Ägypten innerhalb eines Monats nach Abschluß des Rückzugs Israels auf die
Interims-Linie im Sinai, wie im Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel
vereinbart, einen Botschafter mit Dienstsitz nach Israel entsenden und
einen israelischen Botschafter mit Dienstsitz in Ägypten aufnehmen wird."
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Menachem Begin

+ + + + +

(Anmerkung des Herausgebers:

Inoffizielle deutsche Übersetzung der

amtlichen englischen Texte.)

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12

4. April 1979

SCHREIBEN PRÄSIDENT CARTERS AN STAATSPRÄSIDENT SADAT UND
MINISTERPRÄSIDENT BEGIN

Die nachstehenden Schreiben des
amerikanischen Präsidenten Carter an
den ägyptischen Staatspräsidenten Sadat
und den israelischen Ministerpräsidenten
Begin bezüglich der Durchführung und
Beobachtung des Rückzuges aus dem Sinai
wurden am 26. März 1979 in Washington
unterzeichnet und veröffentlicht.

SCHREIBEN PRÄSIDENT CARTERS AN STAATSPRÄSIDENT SADAT
Sr. Exzellenz
Mohamed Anwar el Sadat
Präsident der Arabischen Republik Ägypten
Sehr geehrter Herr Präsident:
Ich möchte Ihnen bestätigen, daß gemäß den Verfahrensregeln der

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�der Verfassung der Vereinigten Staaten:
diese für den Fall einer tatsächlichen oder drohenden Verletzung
des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel auf Ersuchen einer oder
beider Vertragsparteien mit beiden diesbezügliche Konsultationen aufnehmen
und andere von ihnen als angemessen und hilfreich erachtete anderweitige
Maßnahmen ergreifen werden, um die Erfüllung des Vertrags zu erreichen.
Die Vereinigten Staaten werden Luftaufklärung betreiben, wie von den
Vertragsparteien in Anhang I des Vertrags vereinbart.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Vertragsbestimmung bezüglich der Stationierung von Personal der Vereinten Nationen
in der bezeichneten Zone begrenzter Truppenstärken vom Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen verwirklicht werden kann und soll.

Die Vereinigten

Staaten werden größte Anstrengungen unternehmen, den erforderlichen
Beschluß des Sicherheitsrates zustandzubringen.
Sollte der Sicherheitsrat die in dem Vertrag erbetenen Vorkehrungen
nicht treffen und weiterführen, ist der Präsident bereit, die erforderlichen
Schritte zu unternehmen, um die Aufstellung und den Unterhalt einer
akzeptablen multinationalen Streitmacht als Alternative sicherzustellen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Jimmy Carter

SCHREIBEN PRÄSIDENT CARTERS AN

�SCHREIBEN PRÄSIDENT CARTERS AN MINISTERPRÄSIDENT BEGIN
Sr. Exzellenz

26. März 1979

Menachem Begin
Ministerpräsident des Staates Israel
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident:
Ich möchte Ihnen bestätigen, daß gemäß den Verfahrensregeln der Verfassung der Vereinigten Staaten:
diese im Falle einer tatsächlichen oder drohenden Verletzung des
Friedensvertrags zwischen Israel und Ägypten auf Ersuchen einer oder beider
Vertragsparteien mit beiden diesbezügliche Konsultationen aufnehmen und
andere von ihnen als angemessen und hilfreich

erachtete anderweitige

Maßnahmen ergreifen werden, um die Erfüllung des Vertrags zu erreichen.
Die Vereinigten Staaten werden Luftaufklärung betreiben, wie von
den Vertragsparteien in Anhang I des Vertrags vereinbart.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Vertragsbestimmung bezüglich der Stationierung von Personal der Vereinten Nationen
in der bezeichneten Zone begrenzter Truppenstärken vom Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen

verwirklicht werden kann und soll.

Die Vereinigten

Staaten werden größte Anstrengungen unternehmen, den erforderlichen Beschluß des Sicherheitsrates zustandezubringen.
Sollte der Sicherheitsrat die im Vertrag erbetenen Vorkehrungen nicht
treffen und weiterführen, ist der Präsident bereit, die erforderlichen
Schritte zu unternehmen, um die Aufstellung und den Unterhalt einer

�einer akzeptablen multinationalen Streitmacht als Alternative sicherzustellen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) Jimmy Carter

+ + + +

(Anmerkung des Herausgebers: Inoffizielle deutsche Übersetzung der
amtlichen englischen Texte)

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. April 1979

12

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS BEI DER VERTRAGSUNTERZEICHNUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Unterzeichnung des Friedensvertrages
zwischen Ägypten und Israel am 26. März 1979 hielt Präsident Jimmy Carter folgende Ansprache:
Während der letzten 30 Jahre haben Israel und Ägypten miteinander Krieg
geführt.

Aber seit 16 Monaten haben dieselben beiden großen Nationen den Frie-

den verwirklicht.

Wir feiern heute einen Sieg - nicht den Sieg in einem blu-

tigen militärischen Feldzug, sondern in einem begeisternden Friedensfeldzug.
Zwei Führer - die eine hohe Stellung in der Geschichte der Staaten einnehmen
werden - Präsident Anwar Al-Sadat und Ministerpräsident Menachem Begin - haben
diesen Feldzug mit all dem Mut, all der Ausdauer, all der Brillianz und all
dem Einfallsreichtum geführt,wie sie nur ein General hätte haben können, der
je Menschen und Maschinen auf dem Schlachtfeld geführt hat.
Am Ende dieses Feldzuges ist der Boden der beiden Länder nicht mit dem
Blut junger Menschen getränkt.

Die Landschaft beider Länder ist frei von den

Überresten und dem Gemetzel eines nutzlosen Krieges. Heute brauchen in Ägypten
und Israel keine Mütter um ihre in einem sinnlosen Kriege gefallenen Kinder
zu weinen.

Die Hingabe und die Entschlossenheit dieser beiden Staatsmänner der

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�der Welt haben Früchte getragen.
gekommen.

Der Frieden ist nach Israel und Ägypten
i
j

Ich ehre diese beiden Führer und ihre Regierungsvertreter, die diesen
Friedensvertrag geschmiedet haben, den wir gerade unterzeichnet haben.

Aber

vor allem möchte ich die Völker dieser beiden Länder ehren, deren Friedenssehnsucht die Verhandlungen am Leben erhalten haben, die heute ihren Gipfel
in diesem glorreichen Ereignis finden.
Wir haben endlich den ersten Schritt zum Frieden getan - einen ersten
Schritt auf einem langen und schweren Weg.
vor uns liegen, nicht zu klein ansehen.

Wir dürfen die Hindernisse, die

Noch immer trennen die Signatarstaaten

dieses Vertrages Differenzen voneinander und auch noch von einigen ihrer Nachbarn, die sich vor dem fürchten, was sie gerade getan haben.

Um diese Differen-

zen zu überwinden und diese Befürchtungen zu zerstreuen, müssen wir uns erneut
dem Ziel eines umfassenderen Friedens in Gerechtigkeit für all jene verschreiben, die im Nahen Osten in einem Zustand des Konflikts gelebt haben.
Wir haben keine Illusionen - wir haben Hoffnungen, Träume und Gebete aber keine Illusionen.
Nun verbleibt der Rest der arabischen Welt, deren Unterstützung und deren
Mitarbeit in dem Friedensprozeß notwendig ist und ehrlich gesucht wird. Ich
bin überzeugt, daß andere arabische Völker den Frieden brauchen und wollen,
aber einige ihrer Führer sind noch nicht bereit, diese Erfordernisse und Wünsche nach Frieden zu honorieren. Jetzt müssen wir die Vorteile des Friedens
demonstrieren und seine Segnungen ausweiten, damit sie alle jene einschließen,
die im Nahen Osten so viel gelitten haben.
Es wird offensichtlich der Zeit und des Verständnisses bedürfen, bis die
Völker, die bisher Feinde waren, Nachbarn im besten Sinne des Wortes werden.
Nur weil ein Papier unterzeichnet worden ist, werden nicht alle Probleme automatisch verschwinden.

Künftige Tage werden von uns allen das Beste verlangen,

damit diese hochfliegenden Hoffnungen und Wünsche Wirklichkeit werden.
Mögen

�Mögen jene, die den Frieden erschüttern möchten - die ohne Gefühl Blut
vergießen möchten - sich bewußt sein, daß wir drei und alle anderen, die sich
uns anschließen werden, nachhaltig für den Frieden eintreten werden.

Möge es in die Annalen der Geschichte eingehen, daß tiefe

und alte

Feindseligkeit ohne Blutvergießen und ohne die niederschmetternde Verschwendung kostbaren Lebens, ohne die raubgierige Zerstörung des Landes beigelegt
werden kann.

Es ist gesagt worden:

"Frieden hat eines gemein mit seinem Gegner, mit dem Feind, den er bekämpft, mit dem Krieg Frieden ist aktiv, nicht passiv;
Frieden ist zupackend, nicht abwartend;
Frieden ist aggressiv - angreifend;
Frieden plant seine Strategie und umringt den Feind;
Frieden bietet seine Kräfte auf und stürmt die Tore;
Frieden sammelt seine Waffen und durchdringt die Verteidigung;
Frieden, wird, wie der Krieg, geführt."

Es ist wahr, daß wir Vertrauen und Zusammenarbeit unter Nationen nicht
aufzwingen können, aber wir können all unsere Kraft aufbieten, um dafür zu sorgen, daß Nationen nicht wieder in den Krieg ziehen.

Unsere religiösen Überzeugungen geben uns Hoffnung.

Im Koran lesen wir:

"Aber wenn der Feind dem Frieden zuneigt, dann sollst

auch Du dem Frieden zuneigen und auf Gott vertrauen:

Denn Er ist es, der alles

hört und sieht."
(S.VIII.61)

Und
- 3 -

�Und der Prophet Isaias sagt: "Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzenspitzen zu Winzermessern; kein Volk wird
noch gegen ein anderes Volk das Schwert erheben, und sie werden sich hinfort
nicht mehr auf den Krieg einüben."
(Isaias 2:4)
Laßt uns jetzt die Werke des Krieges ablegen.

Laßt uns jetzt all die

Kinder Abrahams, die nach einem umfassenden Frieden im Nahen Osten hungern,
belohnen.

Laßt uns jetzt freudigen Herzens auf das Wagnis eingehen, ganz

Mensch, ganz Nachbarn, ja Brüder und Schwestern zu werden.

Wir bitten Gott,

wir bitten zusammen Gott, daß sich diese Träume erfüllen werden.
daran.

+ + + + +

Ich glaube

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
4. April 1979

12

TRINKSPRUCH CARTERS AUF DEM FESTBANKETT IN WASHINGTON
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der Trinkspruch, den Präsident Carter am 26. März 1979
auf einem Festbankett anläßlich der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel ausbrachte, hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident Sadat, Herr Ministerpräsident Begin, ägyptische, israelische
und amerikanische Freunde.
Dies ist einer der Abende, wo es mir schwerfällt, sitzenzubleiben, weil
ich so aufgeregt bin.
Zu den meisten Zeiten der Geschichte gab es, wenn ein Friedensvertrag
unterzeichnet wurde, einen Sieger und einen Besiegten.
wonnen, das andere verloren.

Das eine Land hatte ge-

Heute haben wir einen Friedensvertrag unterzeich-

net, und beide Länder haben gewonnen.
Das ist in der Tat ein erfreulicher Anlaß. Wir haben flir den Frieden gebetet und für den Frieden gearbeitet.

Nun sind wir Gott in aller Demut dankbar

dafür, daß wir den Beginn des Friedens im Nahen Osten feiern können.
Ich

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Ich habe diese beiden Männer zu meiner Rechten während der letzten 18 Monate gut kennengelernt - manchmal zu gut. Wir haben Tage und Tage, Stunden und
Stunden zusammen verbracht - geplant, argumentiert, debattiert, verhandelt.
Ich habe sie kennen und schätzen gelernt, es hat sich eine Freundschaft herausgebildet, ein Gefühl der Brüderlichkeit und gar der Liebe zu ihnen beiden.
Beide Männer haben großen Mut, sind sehr empfindsam, sehr patriotisch und
verfügen über großes staatsmännisches Können.

Es sind Männer, die sich niemals

davor gefürchtet haben, schwierige Fragen anzugehen und unermüdlich nach den
Antworten zu suchen.
Es sind Männer, die mich inspiriert haben und die ihrerseits von den Menschen in ihren großen Ländern, welche sie hier vertreten, inspiriert worden sind.
Der Friede, der heute geschaffen wurde, hat eine Bedeutung, die uns aus
alten Zeiten überliefert ist.
In alten Tagen hat Gott Abraham versprochen, daß aus seinem Samen viele
Völker entstehen würden, und dieses Versprechen ist erfüllt worden.

Doch

kannten eine zu lange Zeit das Volk Israels und das ägyptische Volk - zwei
der Nationen der Kinder Abrahams, die auf denselben Gott vertrauten und auf
denselben Frieden hofften, nur Feindschaft untereinander.

Diese Zeit ist, Gott

sei Dank, nun zu Ende.
Nach 30 Jahren und vier Kriegen, nach endlosem Töten und furchtbarem
Schmerz sehen wir nunmehr einen neuen Zeitabschnitt vor uns - eine Zeit, so
hoffen wir, in der Gewalt nicht mehr den Nahen Osten beherrscht und in der die
gerechten Anliegen aller eine friedliche Lösung der gemeinsamen Probleme finden können und eine friedliche Verwirklichung der Hoffnungen und Träume der
Menschen, die von uns Führung erwarten.
&gt;

.

-

.

-

•

'

Wir haben auf dem Wege des Friedens in kurzer Zeit große Fortschritte erzielt. Es ist erst 16 Monate her, seit Präsident Sadat seine außergewöhnliche

- 2 -

�außergewöhnliche und historische Reise nach Jerusalem antrat.

Er wurde dort

von Ministerpräsident Begin begrüßt, und seiner Reise folgte der in gleicher
Weise historische Besuch von Ministerpräsident Begin in Ismailia.

Ihr Weit-

blick und ihr Mut erweckten die Hoffnungen in den Herzen der Menschen in aller
Welt.
Was wir inzwischen erreicht haben, grenzt ans Wunderbare. Es gab schwierige Augenblicke, viele schwierige Augenblicke: Zeiten, da es unmöglich
schien, die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Aber immer dann riefen
uns einige wenige Realitäten zu erneutem Bemühen auf:
- zunächst das Wissen, daß die Menschen - die Menschen Ägyptens und
Israels - was auch immer ihre Führer getan hätten - zutiefst und leidenschaftlich den Frieden wünschten;
- zweitens die Erkenntnis, daß der Prozeß, den wir begonnen hatten, den
einzigen praktischen Weg zum Frieden darstellte;
- drittens die Verpflichtung gegenüber denjenigen, die so sehr gelitten
haben, die Verpflichtung gegenüber der Jugend, den alten Menschen und den
künftigen Generationen;
- und - so meine ich - vor allem unser inständiger Glaube an einen gerechten und barmherzigen Gott.
Diese Dinge hielten uns aufrecht, und sie haben uns heute hierher gebracht.
Ich möchte hier eine einfache Tatsache feststellen:

Immer dann, wenn an-

dere die offenbar endlose Tragödie des Nahen Ostens nicht beenden konnten oder
wollten, wagten, zwei Männer, Präsident Anwar Al-Sadat und Ministerpräsident
Menachem Begin, das Undenkbare zu denken, sie wagten, was andere fürchteten, daß
es nicht getan werden könne, sie wagten, die Geschichte in ihre Hand zu nehmen
und sie dem Frieden zuzuführen.

Und ich danke ihnen beiden.

- 3 -

Sie hatten die

�die Vision des Psalmisten, der da sagte:

"Seht wie schön und. wie lieblich

ist's, wenn Brüder auch (friedlich) beisammen wohnen."
Dieses Ergebnis wurde nicht nur von Staatsmännern, sondern von Völkern
erzielt - von starken und schöpferischen Völkern, die stolz sind auf ihr Erbe
und auf ihre gegenwärtigen Leistungen und klug genug, um zu wissen, daß das
künftige Wohlergehen nur durch Zusammenarbeit und das sehr schwierige Element
des gegenseitigen Vertrauens sichergestellt werden kann.
Heute feiern wir kein Ende, sondern einen Anfang, denn der Vertrag zwischen
Ägypten und Israel ist nur der erste Schritt auf einem langen, harten, engen
und sehr schwierigen Wege.
Wir hoffen, daß die Palästinenser und andere sich uns bald anschließen
werden in unseren Bemühungen, diesen Vertrag zum Grundpfeiler eines umfassenden
Friedens zu machen - eines wahren und dauerhaften Friedens im gesamten Nahen
Osten.

Ich lade jene herzlich ein, die sich - aus welchen Gründen auch immer -

bisher zurückgehalten haben, sich uns in Zukunft anzuschließen.

Der Weg ist

lang und schwierig, aber der Friede ist der einzige Weg.
Wir haben eine Vision gemeinsam - die Vision einer Zeit, da alle Völker
des Nahen Ostens ihre Energien auf die Werke des Lebens verwenden, da junge
Menschen heiraten und Familien in der Hoffnung gründen können, daß sie die
Kinder ihrer Kinder sehen und kennen werden, da die alten Menschen nach einem
erfüllten Leben in Ruhe sterben können. Wir beten darum, daß diese Zeit kommen möge, und wir werden auch weiterhin für diese Zeit arbeiten.
Wir haben jetzt die Zeit der Erneuerung, da die Erde neues Leben hervorbringt.

Der Koran berichtet uns von einem Propheten und König Israels, für den

Gottes Macht "stürmische Winde sanft.wehen ließ."

Das Alte Testament berichtet

uns die Worte desselben Königs, die Worte Salomons: "Jegliches Ding hat seine
Zeit und alles Vornehmen unter dem Himmel seine Stunde."
Jahrhunderte

- 4 -

�Jahrhunderte lang war das Volk Israels in aller Welt zerstreut, oft verachtet und verfolgt.

Jahrhunderte lang hat das ägyptische Volk unter fremder

Herrschaft gelitten.

Erst in der letzten Generation sind diese beiden stolzen

und alten Völker wieder zu unabhängigen Nationen geworden.

Aber diese Generation - um die Worte König Salomons zu gebrauchen - hat
auch eine Zeit des Sterbens erlebt, eine Zeit, da abgerissen wurde, was gepflanzt war, eine Zeit des Tötens, des Zusammenbrechens, der Trauer, der Tränen,
eine Zeit der Verluste, des Hasses und des Krieges.
Wir beten darum, daß diese Zeit der Tränen vorüber ist

und - um mit den

Worten desselben Königs fortzufahren - daß nun eine Zeit des Heilens kommen
möge, des Pflanzens, des Aufbaus, eine Zeit des Lachens, des Tanzens, der Freude und der Liebe.

Wir beten zu Gott, daß die Kinder Abrahams nun endlich eine

Zeit des Friedens erleben mögen.

Und nun möchte ich diesen Trinkspruch ausbringen:

- auf den Präsidenten der Arabischen Republik Ägypten, Anwar Al-Sadat,
und den Ministerpräsidenten des Staates Israel, Menachem Begin;

- auf die großen Völker, denen sie dienen: das ägyptische Volk und das
israelische Volk, die jetzt in Hoffnung vereint sind;
- und auf die Sache, der wir alle dienen: Salaam, Shalom, auf den Frieden.

- 5 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Friedensvertrag zwischen der Arabischen Republik Ägypten und dem Staat Israel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anhang I zum Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anlage zu Anhang I des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinweis auf Anhang II zum Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anhang III zum Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinbartes Protokoll zu Vertragsartikeln und Anhang I und III&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsames Schreiben Staatspräsident Sadats und Ministerpräsident Begins an Präsident Carter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Briefwechsel zur Frage des Botschafteraustauschs zwischen Ägypten und Israel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Präsident Carters an Staatspräsident Sadat und und Ministerpräsident Begin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters bei der Vertragsunterzeichnung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trinkspruch Carters auf dem Festbankett in Washington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information

9

und

H .dlMB

Dokumentation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. März 1979

11
I N H A L T

DOKUMENTATION
Proklamation Präsident Carters zum 30. Jahrestag der NATO
- Wortlaut Grußwort des US-Außenimiirnsters Vance zum NATO-Jahrestag
•i •

i«

•

- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
SALT und die europäische regionale Sicherheit
- Von USICA-Korrespondent William H. Durham Ein Plädoyer für SALT II
- Von Dr. George B. Kistiakowsky WIRTSCHAFT
US-Kongreß fordert Anreize für KapitalgUterinvestitionen
- Gemeinsamer Wirtschaftsausschuß veröffentlicht Jahresbericht US-Erklärung zur Einigung über einen gemeinsamen Rohstoff-Fonds
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Investitionen in die Zukunft
- Mehr Mittel für Grundlagenforschung im Wissenschaftsetat 1980
Gesunde Pflanzen - doppelter Ertrag
- Klonierte Kartoffeln widerstandsfähiger gegen Krankheiten Die andere Seite der Medaille
- Pestizid Toxaphen entpuppt sich als mögliches Umweltgift -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation
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Embassy of the United States of America

28. März 1979

11

PROKLAMATION PRÄSIDENT CARTERS ZUM 30. JAHRESTAG DER NATO
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 22. März 1979 in einer
Proklamation des 30. Jahrestages der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages
gedacht und seine Landsleute aufgefordert, dieses "bemerkenswerte Ereignis"
gebührend zu würdigen.
Seine Proklamation hat folgenden Wortlaut:
Das Weiße Haus
Der 30. Jahrestag der NATO
Eine Proklamation
des Präsidenten der Vereinigten Staaten

Vor 30 Jahren wurde in Washington am 4. April 1949 der Nordatlantikvertrag unterzeichnet. Aus diesem Akt erwuchs die Nordatlantikpakt-Organisation
oder NATO - ein Bündnis, das durch die gemeinsame Verpflichtung auf die Erhaltung der Demokratie, der Freiheit des Individuums und der Herrschaft des Rechts
zusammengeschweißt wurde.
Seit

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Telex:08-85432

�Seit drei Jahrzehnten schreckt die NATO erfolgreich vor einem Krieg ab,
sie hält die Stabilität in Westeuropa und Nordamerika aufrecht und gewährleistet
auf diese Weise das Wohlergehen und die Prosperität ihrer 15 Mitgliedstaaten:
Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen,
Portugal, die Türkei und die Vereinigten Staaten.
Auch wenn die kollektive Verteidigung gegen eine mögliche Aggression das
dringendste Anliegen der NATO bei ihrer Gründung war, ist sie stets mehr als
lediglich ein Militärpakt gewesen.

Die spontane politische Entwicklung des

Bündnisses zeigt, daß echte Sicherheit weit mehr als eine Angelegenheit der Bewaffnung und Bataillone ist.

Letzten Endes erwächst echte Sicherheit nur aus

der freimütig gewährten Unterstützung der Menschen und ihrer Bereitschaft, sich
an der Verteidigung gemeinsamer Ideale zu beteiligen.
Seit Gründung der NATO hat sich die internationale Lage vielfach weiter
entwickelt, und die NATO hat sich den eingetretenen Veränderungen angepaßt
- in militärischer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Das Bündnis

ist heute noch so relevant und von so zentraler Bedeutung für unsere Sicherheit,
für unsere Lebensform und für die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten wie
im Jahre 1949.

Damals wie heute spiegelt das feste Eintreten des Kongresses

und des amerikanischen Volkes für die NATO die tiefe Oberzeugung wider, daß
die NATO das Fundament der Außenpolitik der Vereinigten Staaten darstellt.
In dieser Zeit, in der die NATO in ein weiteres Jahrzehnt neuer Leistungen
eintritt, sehen wir der Zukunft mit Zuversicht und in dem Bewußtsein entgegen,
daß die fortwährende Zusammenarbeit unter den Verbündeten die internationale
Stabilität und Sicherheit gewährleistet, auf der unsere Ideale, unsere Kultur
und unser Wohlergehen beruhen. Während die NATO ein neues Kapitel ihrer glänzenden Geschichte aufschlägt, verpflichte ich die Vereinigten Staaten voll
Stolz erneut auf die Ziele der NATO, die der Sache des Friedens so gute Dienste
geleistet haben.
Deshalb

- 2 -

�Deshalb lenke ich, Jimmy Carter, Präsident der Vereinigten Staaten, hiermit das Augenmerk der Nation auf den 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Nordati antikvertrages.

Ich fordere die Gouverneure der Einzel Staaten und die Ver-

treter der Kommunalbehörden auf, sich für eine gebührende Würdigung dieses bemerkenswerten Ereignisses im gesamten Gedenkjahr und insbesondere im April,
dem Monat, in dem wir der historischen Zeremonie seiner Unterzeichnung gedenken,
einzusetzen.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem zweiundzwanzigsten Tag im März des
Jahres unseres Herrn neunzehnhundertneunundsiebzig und des zweihundertunddritten
Jahres der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten dieses handschriftlich unterfertigt.

(gez.) Jimmy Carter

+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

28. März 1979

GRUSSWORT DES US-AUSSENMINISTERS VANCE ZUM NATO-JAHRESTAG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Cyrus Vance,
hat dem State Department Bulletin, der Monatszeitschrift des Ministeriums, aus
Anlaß des 30. Jahrestags der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages ein Geleitwort zum Abdruck in der April-Ausgabe 1979 zur Verfügung gestellt.
Die Grußadresse des Ministers hat folgenden Wortlaut:
Am 4. April werden die Vereinigten Staaten gemeinsam mit den anderen 14
Mitgliedstaaten der Nordatlantikpakt-Organisation den 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages begehen.

Dieser Jahrestag ist ein bedeut-

samer Meilenstein in der Geschichte des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg.
Seit drei Jahrzehnten bewahrt die Verteidigungszielsetzung des Bündnisses
Europa und Nordamerika vor den Verheerungen eines Krieges.

Indem die NATO den

Frieden sichert, schafft sie auch die Gewähr für die Stabilität, unter der die
demokratischen und wirtschaftlichen Institutionen der Verbündeten an Stärke und
Prosperität zunehmen konnten.

Im

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�&gt;

Im Laufe der Jahre hat sich die NATO als ideenreich in dem Bemühen erwiesen, neuen Herausforderungen gerecht zu werden.

Ihre Fähigkeit, vor Aggres-

sionen abzuschrecken, läßt sich nicht allein an Zahlenvergleichen messen.
Heute, da das Bündnis in ein neues Jahrzehnt seiner Existenz eintritt, ist
seine Strategie der Vorneverteidigung und der flexiblen Antwort so gültig
wie zuvor;

das gilt auch für ihre militärische Kapazität, diese Strategie

zu verwirklichen.
Die NATO ist und bleibt das Fundament unserer Außenpolitik.

Die Verpflich-

tung der Vereinigten Staaten auf dieses Bündnis ist unerschütterlich.

Unsere

Freiheit, unsere Sicherheit und unser Wohlergehen sind durch Geschichte, Kultur
und Zivilisation unwiderruflich mit dem Schicksal unserer europäischen Verbündeten verknüpft, mit denen wir uns in eine Interessengleichheit ohne Beispiel
teilen.
Die zunehmenden wechselseitigen Verflechtungen zwischen unserer Politik und
unseren Interessen einerseits und jenen unserer Verbündeten andererseits haben
den Bereich der Bündniskonsultation weit über die traditionellen militärischen
Belange hinaus dahingehend erweitert, daß er auch politische, wirtschaftliche
und soziale Entwicklungen in vielen Teilen der Erde einschließt. Heute berühren Fragen von hohem Belang für das Bündnis einen weiten Bereich geographischer und fuktioneller Anliegen unserer Regierung, insbesondere des Außenministeriums. Die Mechanismen der NATO für Konsultationen bieten uns ein Forum
ohnegleichen, das es uns gestattet, 14 Länder, deren Unterstützung für die Erreichung der politischen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten in aller Welt
wichtig ist, gleichzeitig anzusprechen. Wie Präsident Carter festgestellt hat,
"ist unser Bündnis kein Selbstzweck. Es ist vielmehr eine Methode, Stabilität
und Frieden in Europa und darüber hinaus den Frieden in der ganzen Welt zu
fördern.
Der 30. Jahrestag bietet uns allen Gelegenheit, den Erfolg des Bündnisses
zu feiern.

Und was noch wichtiger ist, er bietet uns eine Gelegenheit, uns Ge-

danken darüber zu machen, wie wir unseren Beitrag zur NATO verstärken können,
wenn es jetzt darum geht, daß sie den Herausforderungen im kommenden Jahrzehnt
gerecht wird.

+ + + + +
- 2 -

«

�11

28. März 1979

SALT UND DIE EUROPÄISCHE REGIONALE SICHERHEIT
Von USICA-Korrespondent William H. Durham

WASHINGTON

- (AD) -

In den Vereinigten Staaten und auch in Europa

sind gewisse Besorgnisse über die möglichen Auswirkungen des SALT II-Abkommens auf die europäische Sicherheit geäußert worden.

Von besonderem

Belang ist in diesem Zusammenhang das Protokoll zum Abkommen mit seinem
Hinsweis auf kurzfristige Beschränkungen gewisser amerikanischer und
sowjetischer Waffensysteme.

Andere Teile des Protokolls sehen Beschränkungen

in der Erprobung und der Dislozierung mobiler Interkontinentalraketen vor.
Der Teil des Protokolls, der in Europa das größte Interesse findet, ist
der Abschnitt, der sich mit den land- und seegestützten Marschflugkörpern
(Cruise Missiles) befaßt.

Dieser Teil verbietet zwar die Dislozierung,

nicht jedoch die Erprobung solcher Flugkörper mit einer Reichweite von mehr
als 600 Kilometern für die Dauer von drei Jahren.

Die Kritiker des SALT-Abkommens behaupten, daß ein neuer Vertrag die
nukleare Gefechtsfeldstreitkräfte des Westens schwächen könnte.

In

Wirklichkeit wird SALT II jedoch die Bemühungen des Westens, seine nukleare

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�nukleare Gefechtsfeldposition zu modernisieren, in keiner Weise berühren.
Als einen der zehn Punkte in dem von den NATO-Staats- und Regierungschefs
im Mai vorigen Jahres in Washington gebilligten Langfristigen Verteidigungsprogramm überprüft das Bündnis gegenwärtig seine nuklearen Gefechtsfelderfordernisse.
Zu den vom Bündnis erwogenen weitreichenden Systemen gehören landund seegestützte Marschflugkörper wie auch Pershing II-Raketen mit größerer
Reichweite.

Da diese Systeme sowieso nicht vor 1983 disloziert werden

könnten - also erst nach dem Auslaufen des Protokolls - wird SALT II
Entscheidungen über eine Dislozierung solcher Systeme, sollte die NATO
sich dafür aussprechen, in keiner Weise hinauszögern oder gar ausschließen.
Darüber hinaus wird die Pershing II durch die Bestimmungen des SALT IIVertrages überhaupt nicht berührt.
Obwohl das neue SALT II-Abkommen ein Verbot der Umgehung seiner
Bestimmungen enthält, wird es in weitere nukleare und konventionelle
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten nicht eingreifen. Es wird sich
auf die bestehende Form der Zusammenarbeit im Bündnis nicht auswirken,
und es wird auch die Zusammenarbeit bei der Modernisierung nicht verhindern.
Darüber hinaus sind sich die Sowjets völlig darüber im klaren,
daß die im Protokoll festgelegten Begrenzungen mit dem Ablauf des Protokolls
enden und daß nachfolgende Begrenzungen nur als Ergebnis neuer Verhandlungen
eintreten können. Damit stellt die Tatsache, daß land- und seegestützte
Marschflugkörper vom Protokoll und nicht von dem Vertrag selbst erfaßt
werden, keinen Präzedenzfall für künftige Verhandlungen dar. Obwohl die
Sowjets versuchen könnten, damit zu argumentieren, daß das Protokoll
einen Präzedenzfall für weitere Beschränkungen der Marschflugkörper
schaffe, so stellt die Existenz eines umfangreichen Entwicklungsprogramms
für Marschflugkörper einen Impuls für weitere Versuche, Herstellung und
Dislozierung dar, wenn sich die Verbündeten dafür entscheiden sollten,

�sollten, diese Option aufzugreifen.
Darüber hinaus haben wir den Verbündeten versichert, daß das SALTAbkommen künftige Optionen oder Programme des Bündnisses nicht verhindern
wird, und den Sowjets klargemacht, daß bestehende Formen der Verteidigungszusammenarbeit mit unseren Verbündeten fortgesetzt werden.
Eine endgültige Entscheidung, ob die Vereinigten Staaten nach Ablauf
des Protokolls im Jahre 1983 Marschflugkörper-Systeme in Westeuropa
dislozieren würden, werden die USA nicht einseitig treffen. Die Frage
der Dislozierung von Marschflugkörpern oder anderen verbesserten Gefechtsfeld-Nuklearsystemen wird vom ganzen NATO-Bündnis erörtert und
entschieden werden. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eng mit
den Verbündeten bei der Entwicklung und Unterstützung von Maßnahmen zur
Modernisierung der Streitkräfte zusammenarbeiten, die als notwendig
befunden worden sind, um eine wirksame nukleare Gefechtsfeldkapazität
für die Abschreckung und die Verteidigung aufrechtzuerhalten.
Es gibt Leute, die behaupten, die Marschflugkörper seien die bestmögliche Antwort auf die Gefechtsfeldverbesserungen des Warschauer Paktes,
aber der Marschflugkörper ist nur eine der Optionen, die dem Bündnis
zur Verbesserung seiner Gefechtsfeld-Nuklearstreitmacht zur Verfügung
stehen.

Zu den anderen Optionen gehören ballistische Raketen, einschließlich

der Pershing II mit größerer Reichweite, und eine neue ballistische
Mittelstreckenrakete sowie bemannte Flugzeuge mit Marschflugkörpern.
Es wird ferner die Besorgnis geäußert, daß die Beschränkungen in der
Dislozierung von land- und seegestützten Marschflugkörpern mit Nuklearkapazität auch für die Verwendung von Marschflugkörpern als konventionelle
Waffe gelten würden.

Das wäre für die Laufzeit des Protokolls für jene

Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 km tatsächlich der Fall.
Aber weder konventionelle noch nukleare Marschflugkörper werden während

- 3 -

«

�während der Laufzeit des Protokolls einsatzfähig sein, und die Versuche
mit nuklearen und konventionellen land- und seegestützten Marschflugkörpern sind während dieses Zeitraums für unbegrenzte Reichweite erlaubt.
Die Vereinigten Staaten haben derzeit keine Pläne, einen konventionellen
Marschflugkörper zu entwickeln, aber diese Option ist trotzdem für die
Zeit nach Ablauf des Protokolls nicht ausgeschlossen.

Darüber hinaus

haben die Vereinigten Staaten den Sowjets klargemacht, daß die Begrenzungen
für land- und seegestützte Marschflugkörper im Protokoll keinen Präzedenzfall
für mögliche künftige Begrenzungen dieser Systeme schaffen, einschließlich
der Frage, ob konventionelle Varianten dieses Systems den gleichen
Begrenzungen unterliegen werden wie die nukleare Variante.
Manche Leute fragen sich, warum SALT II den sowjetischen Gefechtsfeldsystemen keine Einschränkungen auferlegt und dann die NATO neuer Gefechtsfeldsysteme wie des Marschflugkörpers berauben sollte.
daß SALT II die NATO nicht neuer Systeme beraubt.

Tatsache ist,

Es tut nicht mehr, als

zu verbieten, was ohnehin unmöglich war - nämlich die Dislozierung landund seegestützter Marschflugkörper mit großer Reichweite für die Laufzeit
des Protokolls.

Die Versuche können ungehindert weitergehen.

Aber was ist mit der sowjetischen SS-20, so fragen Kritiker. Die
SS-20 ist eine landgestützte, mobile, ballistische Mittelstreckenrakete
mit Mehrfachgefechtsköpfen, die als Ersatz für die älteren SS-4 und
SS-5 disloziert wird. Diese älteren Mittel- und Zwischenstreckenraketen
haben den Sowjets seit langem eine vollständige Zielerfassung in Westeuropa gegeben; somit stellt die SS-20 keine neue Bedrohung für das Bündnis
dar. Sie bedeutet jedoch eine wesentliche qualitative Verbesserung
gegenüber den älteren Systemen, da sie treffsicherer und überlebensfähiger
ist.
Aus diesem Grunde bietet die SS-20 Anlaß zur Besorgnis bei den
westlichen Verteidigungsplanern.
Die Kritiker

�Die Kritiker fragen nun, warum, wenn das Protokoll die Dislozierung
von landgestützten Marschflugkörpern begrenzt, es keine entsprechenden
Einschränkungen für die SS-20 gibt. Dazu muß nochmals festgestellt werden,
daß das Protokoll nur das verbietet, was ohnehin unmöglich ist - die
Dislozierung von land- und seegestützten Marschflugkörpern während der
Laufzeit des Protokolls. Aufgrund einer bewußten Entscheidung der
Vereinigten Staaten - unter Berücksichtigung der Auffassungen der Verbündeten we-den in SALT II keine Begrenzungen für die nuklearen Gefechtsfeldwaffen
der Sowjetunion angestrebt, weil dies notwendigerweise Begrenzungen der
vornestationierten amerikanischen Systeme zur Folge gehabt und vielleicht
die Frage der Nuklearstreitkräfte des Bündnisses aufgeworfen hätte. Das
Für und Wider der Forderung nach Begrenzungen der sowjetischen SS-20 bei
künftigen Verhandlungen wird gegenwärtig von den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten erörtert.
Andere Kritiker fragen, warum das SALT II-Abkommen keine Beschränkungen
für den sowjetischen Backfire-Bomber enthält. Obwohl das SALT-Abkommen
noch nicht insgesamt festgelegt ist, werden sich die Vereinigten Staaten
einverstanden erklären, den Backfire-Bomber von der Gesamtbegrenzung
auszunehmen,allerdings nur, wenn die Sowjets garantieren, daß sie nicht
danach streben, den Bomber zu einer Interkontinentalkapazität zu entwickeln,
und seine Produktionsrate zu begrenzen.

Diese Zusicherungen werden von den

Vereinigten Staaten als rechtlich bindend angesehen werden, und die USA
werden ein SALT II-Abkommen unter Verlaß auf die sowjetische Einhaltung
der entsprechenden Verpflichtungen unterzeichnen.
Es besteht einige Unsicherheit, was eigentlich die Systeme der sogenannten "Grauzone" sind.
nicht.

Eine präzise Definition dieses Begriffs gibt es

Im allgemeinen werden darunter nukleare Waffensysteme verstanden,

die nicht in den Bereich von SALT II fallen, deren Reichweite jedoch die
reiner Gefechtsfeldsysteme übertrifft. Wo man hier genau die Grenze
ziehen soll, ist selbst eine Grauzone.
Sowjetische
- 5 -

�Sowjetische Nuklearwaffensysteme, die Reichweiten haben, die unsere
Verbündeten von Stützpunkten in der Sowjetunoin bedrohen können, zählen
zu einer Grauzone, die zwischen interkontinentalen Nuklearsystemen und
taktischen Gefechtsfeldsystemen mit kurzer Reichweite liegt.
union hat seit vielen Jahren solche Systeme disloziert.

Die Sowjet-

Sowjetische

Mittelstreckenraketen und Bomber mit mittlerer Reichweite sowie auch
amerikanische Systeme wie die land- und seegestützten Marschflugkörper
oder die Pershing-Raketen mit erhöhter Reichweite könnten als "Grauzonensysteme" betrachtet werden.
Kritiker behaupten, es könnte dem Westen an vergleichbaren Systemen
zur SS-20 oder dem Backfire-Bomber mangeln, aber das stimmt nicht.

Das

Bündnis verläßt sich auf eine Mischung - einen sogenannten Mix - von
Nuklearsystemen, die von taktischen Systemen kürzerer Reichweite bis zu
den strategischen Systemen der USA reichen.

Das Bündnis verfügt über

eine Reihe von Gefechtsfeldsystemen längerer Reichweite, die in Europa
disloziert sind, einschließlich der britischen seegestützten ballistischen
Raketen, der amerikanischen Jagdbomber vom Typ F-III und verschiedener
anderer Kampfflugzeuge mit großer Reichweite, die viele Verbündete besitzen.
Die Vereinigten Staaten haben mehrere neue weitreichende nukleare Gefechtsfeldsysteme in Entwicklung, einschließlich der Marschflugkörper, der Pershing
II-Rakete und einer neuen Mittelstreckenrakete.

Eine mögliche Dislozierung

solcher Systeme wird derzeit im Bündnis geprüft.
Manche Leute glauben, es sei vorzuziehen, westliche Systeme in Europa
zu dislozieren, die Waffe für Waffe mit der Kapazität des Warschauer
Paktes gleichziehen.

Die Abschreckungsstärke der NATO liegt jedoch in

der lückenlosen Kette von Systemen, angefangen mit den konventionellen
über die nuklearen Gefechtsfeldsysteme bis zu den amerikanischen
strategischen Systemen.
Antwort.

Das ist das Wesen der NATO-Strategie der flexiblen

Es ist daher weda" notwandig noch wünschenswert, System für System

mit dem Warschauer Pakt gleichzuziehen, oder davon auszugehen, daß ein
getrenntes eurostrategisches Gleichgewicht notwendig wäre, da dies Zweifel
- 6 -

�Zweifel an der Ankopplung des Bündnisses an die letztliche Abschreckung •
nämlich die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten - für die
NATO-Verteidigung aufkommen lassen könnte.

+ + + + +

- 7 -

�28. März 1979

11

EIN PLÄDOYER FÜR SALT II
Von Dr. George B. Kistiakowsky

Auszugsweiser Nachdruck von einem ursprünglich in "The New York
Review Books" erschienenen Artikel mit freundlicher Genehmigung des
Verlages und des Autors,

(c)

1979 NYREV, Inc.
Dr. Kistiakowsky ist emeritierter
Professor der Chemie an' der HarvardUniversität. Er hat an dem berühmten
Manhatten-Projekt zur Entwicklung der
ersten Atombombe mitgearbeitet, war
Sonderberater Präsident Eisenhowers
für Wissenschaft und Technologie und
gehörte bis zu seinem Rücktritt dem
Wissenschaftlichen Beratungsausschuß
des Präsidenten an. Dr. Kistiakowsky
erhielt zahlreiche Auszeichnungen und
ist neben vielen anderen Veröffentlichungen Autor des Buches "A Scientist
at the White House" (Ein Wissenschaftler
im Weißen Haus).
Kritiker

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�Kritiker des SALT-Abkommens behaupten, daß trotz der geforderten zahlenmäßigen Verringerung künftige Verbesserungen der sowjetischen Technologie
und Strategie die Vereinigten Staaten weiterhin bedrohen werden.
Der neue Vertrag würde die amerikanischen und die sowjetischen
strategischen Träger auf jeweils 2 250 begrenzen.

Die UdSSR müßte etwa

270 strategische Träger vernichten, um diese Grenze einzuhalten.

Der

Vertrag würde auch beide Seiten auf eine Gesamtzahl von 820 Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen beschränken.
Die Hauptfurcht, die von den Gegnern von SALT II verbreitet wird,
ist, daß die 820 sowjetischen Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen viele Tausende neue zielgenauere sowjetische Gefechtsköpfe tragen
könnten.

Unter den derzeit in der Sowjetunion dislozierten Raketen haben

die SS-18 und die SS-19 Mehrfachgefechtsköpfe und sind in der Lage, ein
noch größeres Wurfgewicht - eine traditionelle Stärke der Sowjets - zu
tragen als die älteren Modelle.

Man sagt, sie seien auch zielgenauer.

Einige amerikanische Strategen behaupten, daß die fünfte Generation der
sowjetischen Interkontinentalraketen innerhalb von fünf bis sieben Jahren
die amerikanische Minuteman-Rakete praktisch veraltet werden lasse.

Sie

behaupten, daß bis Mitte der achtziger Jahre die sowjetischen Raketen
ziel genauer sein werden als derzeit die amerikanischen Raketen.
Einige dieser neuen Raketen, so wird behauptet, könnten in einem
ersten Angriff 95 Prozent der Minutemann-Streitmacht vernichten. .Dies
würde gemäß dem Abkommen der UdSSR noch genügend strategische Gefechtsköpfe übriglassen,

um die totale Zerstörung der Vereinigten Staaten an-

zuordnen, sollten die USA ihre verbleibende strategische Streitmacht
in einem Gegenschlag einsetzen.
Wieviele andere Prophezeiungen der strategischen Schwäche, geht
auch diese von falschen und vereinfachten Annahmen aus; darunter in diesem

�diesem Falle, daß die strategische Streitmacht Amerikas hauptsächlich aus
landgestützten Interkontinentalraketen bestehe.

In Wirklichkeit befinden

sich weniger als 25 Prozent der strategischen Gefechtsköpfe der USA in
Minuteman-Silos;

die übrigen befinden sich auf Unterseebooten und Flug-

zeugen.

Bis Mitte der achtziger Jahre wird der Anteil der Silos sogar noch
niedriger liegen, wenn man davon ausgeht, daß die Trident-Unterseeboote und
die Marschflugkörper wie geplant disloziert werden.

Diese sogenannte

"Triade", d.h. dreiteilige Zusammensetzung unserer strategischen Streitkräfte - Gefechtsköpfe in Silos, auf Unterseebooten und auf Flugzeugen wurde ausdrücklich entwickelt, um die Bedrohung der Vereinigten Staaten
durch einen sowjetischen Erstschlag gegen unsere landgestützten Raketen
zu verringern.
Das gegenwärtig geschilderte alarmierende Bild läßt die mehreren
tausend Gefechtsköfpe auf amerikanischen Bombern und Unterseebooten außer
acht, die einen sowjetischen Überraschungsangriff sicherlich überleben
und amerikanische Gegenschläge ermöglichen und sicherstellen würden.
Jeder dieser Gefechtsköpfe ist stark genug, um eine sowjetische Stadt
von über 100 000 Einwohnern, d.h. zusammengenommen fast alle sowjetischen
Städte dieser Größenordnung, zu zerstören, in denen sich auch der Großteil
der sowjetischen Industrie befindet.

Amerikanische Unterseeboote könnten

ihre Angriffe monatelang fortsetzen und gelegentlich Raketen auf die
wichtigsten Häfen, Flugplätze und Eisenbahnknotenpunkte abfeuern, um das,
was von der sowjetischen Wirtschaft übrig geblieben ist, am Funktionieren
zu hindern.

Es gibt noch weitere Faktoren, die die Kritiker von SALT außer
acht lassen.

So können beispielsweise die sowjetischen Machthaber nicht

sicher sein, daß ein amerikanischer Präsident nicht die Minuteman-Raketen
abfeuern lassen würde, sobald er unterrichtet wird, daß sowjetische Raketen

- 3 -

�Raketen von ihren Silos nach den Vereinigten Staaten unterwegs wären.
Dem Präsidenten stünde immerhin fast eine halbe Stunde für diese Entscheidung
zur Verfügung, und die Sowjets müßten es auf diese Entscheidung ankommen
lassen.

Ebenso können die Machthaber im Kreml die Möglichkeit eines

menschlichen Irrtums bei der Durchführung eines Angriffs nicht ausschließen,
denn eine so komplexe Operation läßt sich nicht proben.

Weder die sowjetischen

noch die amerikanischen Raketen haben je ein Ziel in dem jeweils anderen Land
getroffen.

Daher ist die Berechnung der Flugbahn von Raketen ungenau und die

Möglichkeit, daß sie ihr Ziel nicht treffen, ist nicht auszuschließen.
Schließlich dürften unter den Verhältnissen eines wirklichen Ernstfalles die Ausfälle und Pannen am Gerät häufiger sein als unter Übungsbedingungen.

Auch bei dem Antriebssystem der sowjetischen Interkontinental-

raketen dürfte es zu Schwierigkeiten kommen, da die Sowjets Flüssigtreibstoff verwenden.

Dieses Antriebssystem erfordert Gerät, Turbinen und Pumpen

mit hohen Umdrehungszahlen, die unter Höchstbelastung arbeiten müssen.
Dieses Gerät kann in den Silos nicht ohne den Start einer Rakete erprobt
werden.

Natürlich werden solche Starts geprobt, aber doch nicht sehr

häufig.
Die Kritiker argumentieren, daß die Vereinigten Staaten mit dem
Ausbau der sowjetischen Streitkräfte nicht Schritt gehalten hätten. In
Wirklichkeit hat sich seit der Einführung der Mehrfachgefechtsköpfe auf
amerikanischen Raketen im Jahre 1970 die Zahl der strategischen Gefechtsköpfe mehr als verdoppelt, und die meisten der älteren Raketen sind durch
die neue Poseidon und Minuteman III ersetzt worden, von denen die letztere
zielgenauer ist als jede derzeitige sowjetische Rakete. Während der
letzten acht Jahre haben die Vereinigten Staaten in etwa ebenso viele
neue Raketen disloziert wie die Sowjetunion. Der einzige Unterschied
besteht darin, daß wir sie auf vorhandenen Unterseebooten und in bestehenden
Silos disloziert haben, während die Sowjets weiterhin neue Abschußeinrichtungen gebaut haben, bis sie die in SALT I festgelegte Grenzen erreicht

- 4 -

�erreicht hatten.
Daraus hat sich ergeben, daß die sowjetische InterkontinantalraketenStreitmacht zahlenmäßig größer ist als die der Vereinigten Staaten und eine
Zahl sehr großer Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen einschließt, die
theoretisch eine wirksame Bedrohung der amerikanischen Minuteman-Streitmacht
darstellen könnten,wenn die Treffsicherheit des sowjetischen Leitsystems
wesentlich erhöht würde. Aber im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfügen die Sowjets nicht über eine Triade gleich potenter strategischer
Streitkräfte.
veraltet.

Ihre Streitmacht an strategischen Bombern ist klein und

Und von diesen Bombern sind auch keine in ständiger Alarmbe-

reitschaft, wie das bei den Bombern des Strategischen Luftverteidigungskommandos der USA (SAC) der Fall ist.

Der sowjetische Backfire-Bomber, von

dem so viel die Rede ist, wurde als regionale und nicht als interkontinentale
Waffe entwickelt und disloziert.

Und obwohl die Sowjetunion über mehr

Raketen-Unterseeboote verfügt als die Vereinigten Staaten, ist deren
militärische Wirksamkeit fraglicher, da sie sich meist im Hafen befinden.
Trotz der heftigen und gut finanzierten Kampagne gegen SALT II,
die diese Kritik hervorgerufen hat, zeigen Meinungsumfragen, daß die große
Mehrheit der amerikanischen Wähler für den Abschluß des Vertrages ist.
Die meisten Wähler sind sich nach den kürzlichen Umfragen bewußt, daß der
Vertrag weder das Wettrüsten beenden noch alle Bedrohungen unserer Sicherheit
beseitigen wird.

Aber sie sind der Überzeugung, daß dieser Vertrag der

nächste logische Schritt in dem Versuch ist, den Kernwaffen Einhalt zu
gebieten.
v.

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11

28. März 1979

US-KONGRESS FORDERT ANREIZE FÜR KAPITALGÜTERINVESTITIONEN
Gemeinsamer Wirtschaftsausschuß veröffentlicht Jahresbericht -

WASHINGTON - (AD) - Der Gemeinsame Wirtschaftsausschuß des US-Senats und
des Repräsentantenhauses (JEC) hat in seinem jüngst veröffentlichten Jahresbericht die Erhöhung der Kapitalgüterinvestitionen der Wirtschaft als ein geeignetes Mittel empfohlen, zu höheren Produktivitätszuwachsraten zu gelangen,
die Inflation einzudämmen und die amerikanische Außenhandelsposition zu stärken.
Der Ausschuß hält eine Steigerung des Anteils der Kapitalgüterinvestitionen
am Bruttosozialprodukt auf 11 Prozent für angebracht und möglich. Steueranreize
auf Investitionen und verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten sollen die Voraussetzungen hierzu schaffen.
Die diesbezügliche Passagen des Berichts des Gemeinsamen Ausschusses haben
- in Auszügen - folgenden Wortlaut:
In den letzten Jahren wurden wir Zeuge einschneidender Veränderungen in
der Gestalt unserer Geld- und Steuerpolitik, die zu einer Verlangsamung des
Produktivitätszuwachses und der unerträglich hohen Inflationsraten beigetragen
haben. Viele der von unserem Ausschuß Einvernommenen haben warnend auf die Ver-

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�Veränderungen in unserer kombinierten Geld- und Steuerpolitik hingewiesen,
die in den letzten zehn Jahren eingetreten sind.

So haben wir eine Politik

verfolgt, die auf jede Beschleunigung der Inflationsrate mit einer Einengung
der Kreditvergabe und flankierenden haushaltpolitischen Maßnahmen reagierte,
die dem Zweck dienten, die abträglichen Auswirkungen der Politik der Geldverknappung wieder wettzumachen.

Infolgedessen kam es zu einer durchgreifenden

Veränderung in der Zusammensetzung unseres Güterausstoßes - zu einer Vernachlässigung der Kapitalgliterinvestitionen zugunsten eines höheren Konsums.
Dies hat erheblich zur Verlangsamung des Produktivitätszuwachses beigetragen,
was wiederum die latent gegebene Inflationsgefahr erhöhte.

Wir geben in die-

ser Hinsicht nachstehende Empfehlungen:

Empfehlung Nr. 4
Wenn der Gesamtnachfragedruck in den nächsten Monaten weiterhin zunimmt
und wenn sich erweist, daß dieser Druck unser Inflationsproblem verschärft
und somit eine Verminderung der Nachfrage durch politische Maßnahmen angezeigt
ist, sollte diese zusätzliche Nachfr^gedämpfung von einer restriktiven Steuerund nicht von einer restriktiven Geldpolitik ausgehen.

Die Steuerpolitik muß

in die vorderste Front des Kampfes gegen die Inflation gerückt werden.

Empfehlung Nr. 5
Wenn die Zuwachsrate des Bruttosozialproduktes in den nächsten Monaten
hinter der von der Administration prognostizierten Zuwachsrate zurückbleibt
und wenn sich erweist, daß zur Verringerung dieser Diskrepanz stimulierende
Maßnahmen angezeigt sind, sollten die zusätzlichen stimulierenden Wirkungen
von einer Lockerung der Geldpolitik, von Steuersenkungen - oder von beiden ausgehen...
Wenn sich die Inflationsrate weiterhin beschleunigt und die Zunahme des
Bruttosozialproduktes hinter der von der Administration prognostizierten Rate
- 2 -

�Rate zurückbleibt, wäre es unangemessen, der Beschleunigung der Inflation durch
eine noch restriktivere Geldpolitik begegnen zu wollen.

Eine restriktivere

Geldpolitik hätte kaum irgendwelche unmittelbaren Auswirkungen auf die Inflation,
würde aber die Einbußen in der Produktion und der Beschäftigung verschlimmern.
Wenn eine derartige "Stagflation" von einem "Lieferschock" ausgeht - beispielsweise von einer unerwartet starken Anhebung der öl preise -

sollten wir dem

durch eine einmalige stärkere Ausweitung der Geldmenge entgegenwirken.

Wenn

andererseits das Problem aus anderen Ursachen herrührt, müssen die Politiker
Veränderungen in der Steuer- und Geldpolitik - oder in beiden - ins Auge fassen,
die darauf abzielen, die Inflation zu verlangsamen und das reale Wachstum zu beschleunigen.

Empfehlung Nr. 6
Unter langfristigen Gesichtspunkten betrachtet brauchen wir verbesserte
Anreize zur Förderung der Spar- und der Investitionstätigkeit und zur Schaffung
neuer Arbeitsplätze.
Unserer Auffassung nach ist der verlangsamte Produktivitätszuwachs der
wichtigste unter den Faktoren, die zu unserer gegenwärtigen wirtschaftlichen
Malaise beitragen.

Wir teilen die Auffassung der Administration, daß eine

Verminderung der Inflation das vordringlichste Ziel der Politik in den Jahren
1979 und 1980 und in der Zeit danach sein muß.

Wollen wir aber im Kampf gegen

die Inflation wirklich vorankommen, müssen wir dem verhängnisvollen Produktivitätsschwund der jüngsten Zeit durch energische Maßnahmen in das Gegenteil verkehren.

Die weitgehende Einhaltung der von der Administration festgesetzten

Lohn- und Preisrichtwerte wird uns auf dem Weg zu diesem Ziel ein Stück voranbringen.

Die Eliminierung kostensteigender Auswirkungen staatlicher Vorschrif-

ten wird zusätzliche Abhilfe bringen.

Alle diese Programme aber dürften selbst

in Verbindung mit einer übergeordneten Politik der Nachfragedämpfung nicht ausreichen, die unerträglich hohe Inflationsrate hinreichend zu senken.

Wir werden

vielmehr noch lange mit hohen Inflationsraten leben müssen, wenn grundlegende

- 3 -

�grundlegende Veränderungen des politischen Kurses ausbleiben. Eine Beibehaltung
unserer Produktivitätsraten der jüngsten Vergangenheit würde aber praktisch auf
eine Gewähr für das Fortbestehen der Inflation hinauslaufen...
Es mehren sich die Anzeichen, daß die Inflation Kapitalgüterinvestitionen
beträchtlich hinauszögert...

Die derzeitige Gesetzgebung zwingt die Firmen,

den Erwerb von Anlagegütern und Ausrüstungen ausschließlich auf der Basis der
"historischen Kosten" zu bilanzieren, obwohl die Inflation ihre Aufwendungen für
Ersatzbeschaffungen in die Höhe treibt.

Würde man es den Firmen gestatten, An-

lagevermögen auf der Basis der "Ersatzkosten" statt auf der Basis der Anschaffungskosten abzuschreiben, würden sich die Abschreibungssätze erhöhen.

Die no-

minellen Gewinne und damit auch die Körperschaftssteuerverbindlichkeiten würden
sich verringern...

Somit vermindert ein Anstieg der Inflationsrate unter der

derzeitigen Bilanzierungspraxis den tatsächlichen Unternehmensgewinn nach Steuerabzug und damit auch die reale Rendite von Anlageinvestitionen nach Steuerabzug.
Das wiederum bedeutet, daß ein direkter negativer Zusammenhang zwischen der Inflationsrate und den Aufwendungen für Kapitalgüterinvestitionen besteht.

Selbst

bei hoher Nachfrage fallen die Kapitalgüteraufwendungen und das Warenangebot generell niedrig aus, ist die reale Rendite nach Steuern unzureichend...
Man sollte sich von vorneherein darüber im klaren sein, daß eine der
Hauptvoraussetzungen eines Programms zur Erhöhung der Kapitalbildungsrate ein
anhaltend kräftiges Wirtschaftswachstum ohne Unterbrechung durch eine Rezession
ist.

Niemand wird neue Kapazitäten schaffen, solange nicht die halbwegs sichere

Gewähr besteht, daß diese auch wirklich genutzt werden können...
Angesichts des "sehr geringen" Restes an bisher noch ungenutzten Ressourcen
und in dem Wunsch, sicherzustellen, daß der Nachfragedruck die bestehenden inflatorisehen Kräfte nicht noch verstärkt, hat die Administration ein Programm
zur Nachfragedämpfung entwickelt, das die Absicht verfolgt, die reale Wachstumsrate des Bruttosozialproduktes die vier Quartale des Jahres 1979 hindurch auf
2,25 Prozent zu begrenzen - auf einen erheblich geringeren Satz als die 1978
erzielte Wachstumsrate von 4,3 Prozent. Für die vier Quartale 1980 prognosti-

- 4 -

�prognostizierte die Administration ein Wachstum von 3,25 Prozent.

Angesichts

eines laut einer jüngst revidierten Schätzung des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten auf drei Prozent zu beziffernden langfristigen Wachstumspotentials
dient das Programm der Administration dem Ziel, den Spielraum zwischen dem tatsächlichen und dem potentiellen Bruttosozialprodukt im Falle von Konjunkturschwankungen während der nächsten beiden Jahre etwas zu vergrößern.

Nach dem

Bericht des Wirtschaftsbeirates ist ein solcher erweiterter Schwankungsspielraum angebracht, wollen wir Vorsorge treffen, daß die "Marktkräfte im Verein
mit den Lohn- und Preisnormen, die der Präsident am 24. Oktober 1978 bekanntgegeben hat, die Inflation eindämmen."

Eine Konjunkturverlangsamung soll über

eine Dämpfung der Nachfrage und des Wachstums des tatsächlichen Bruttosozialproduktes statt über eine beschleunigte Expansion des potentiellen Angebots
an Waren und Dienstleistungen erreicht werden...
Wir haben nichts gegen das von der Administration vorgeschlagene Maß der
Nachfragedämpfung einzuwenden.

Hinsichtlich des Ausmaßes der derzeitigen Kon-

junkturschwäche unserer Wirtschaft besteht beträchtliche Ungewißheit.

Wir hal-

ten es deshalb für angebracht, bei der Entwicklung von makro-ökonomisehen Wirtschaftsmaßnahmen mit größter Behutsamkeit zu Werke zu gehen und uns gegen die
Möglichkeit abzusichern, daß ein übermäßiger Nachfragedruck unser Inflationsproblem noch verschärft.

Selbst unter den günstigsten Umständen dürften die Kapitalgüteraufwendungen
angesichts des Wirtschaftsprogramms der Administration im Jahre 1979 nur in
bescheidenem Maße zunehmen.

Gegenwärtig prognostiziert die Administration für

1979 eine Zunahme der realen Kapitalgüterinvestitionen der Wirtschaft um nur
vier Prozent - vom vierten Quartal des Vorjahres bis zum vierten Quartal des
laufenden Jahres. Angesichts der Unsicherheit derartiger Vorhersagen

besteht

durchaus die Möglichkeit, daß die Kapitalgüterinvestitionen der Wirtschaft sogar weit weniger rasch zunehmen...

Das würde unsere Anstrengung zur Steigerung

der Produktivität schwer beeinträchtigen.

Aus allen diesen Gründen halten wir es für zweckmäßig, nicht das vorgesehene
Maß der Dämpfung zu verringern, sondern es über verstärkte Anreize zur Kapital- 5-

�Kapitalbi1 düng voll und ganz zu verwirklichen.

Wir sind nicht nur darauf be-

dacht, eine mögliche Kürzung der realen Aufwendungen für Kapitalgüterinvestitionen in den Jahren 1979 und 1980 zu vermeiden, wir hoffen vielmehr, daß es
möglich sein wird, Steueranreize zu bieten, die den Anstoß zu zusätzlichen Kapitalgüterinvestitionen der Wirtschaft über das von der Administration für 1979
prognostizierte Wachstum um vier Prozent hinaus geben.
Es stehen uns hinsichtlich der steuerlichen Anreize zu Kapitalgüterinvestitionen mehrere Optionen zu Gebote.

Zu den interessanteren unter diesen gehören

die Liberalisierung der Abschreibungsmöglichkeiten, höhere Steuergutschriften
auf Investitionen und eine Senkung des Körperschaftssteuersatzes.

Eine weitere

Option, die allerdings noch sorgfältiger Untersuchung bedarf, liefe darauf
hinaus, den Firmen zu gestatten, bei der Ermittlung der Abschreibungen von der
Bilanzierung auf der Basis der "historischen Kosten" auf die Basis der Ersatzbeschaffungskosten überzugehen...-ein Verfahren, das den Anteil der Kapitalgüterinvestitionen am Bruttosozialprodukt in den nächsten Jahren auf 11 Prozent
oder darüber steigern würde:

Der Produktivitätszuwachs würde wieder stärker

steigen; die Inflation würde nachlassen; unsere internationale Wettbewerbsposition würde sich bessern, und produktive neue Beschäftigungsmöglichkeiten würden geschaffen.

(Ende der Auszüge)

- 6 -

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28. März 1979

US-ERKLÄRUNG ZUR EINIGUNG ÜBER EINEN GEMEINSAMEN ROHSTOFF-FONDS

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Einigung von 101
Ländern über die Grundzüge eines Gemeinsamen Fonds zur Stabilisierung der
Rohstoffpreise begrüßt. Die Einigung erfolgte am 20. März 1979 auf der
Schlußsitzung der Konferenz der Vereinten Nationen in Genf, die mit den
Verhandlungen über dieses Thema betraut war, Von amtlicher amerikanischer
Seite wurde Befriedigung über die positiven Ergebnisse der Konferenz zum
Ausdruck gebracht, gleichzeitig jedoch darauf hingewiesen, daß die vorgeschlagene Abstimmungsformel in der jetzigen Form für die Vereinigten Staaten
nicht akzeptabel sei. Diese Formel würde der "Gruppe der 77" der Entwicklungsländer fünf Prozent mehr Stimmen einräumen als der "Gruppe B" der
Industriestaaten.
Der Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter William J, Vanden
Heuvel, sprach dennoch von einem "bedeutsamen Schritt vorwärts" und erklärte,
der Rahmen sei "im wesentlichen" für die Vereinigten Staaten annehmbar.
Der

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�Der Sprecher der amerikanischen Delegation, E. Allen Wendt, gab
auf der Schlußsitzung der Konferenz eine Erklärung ab, deren wesentliche
Passagen folgenden Wortlaut haben:
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß der Anhang zu
der Entschließung mit dem Titel "Fundamentale Elemente des Gemeinsamen
Fonds" einen fairen und ausgewogenen Kompromiß

in der großen Masse der

komplexen und delikaten Fragen darstellt, mit denen diese Konferenz in
dieser höchst wichtigen Angelegenheit konfrontiert war.

In diesem Geiste

möchten die Vereinigten Staaten dem Konsensus in der Annahme dieses
Textes als Grundlage für die weitere Arbeit bei der Ausarbeitung der
Artikel des Abkommens beipflichten.
Wenn man den Zusammenhang bedenkt, in dem der Anhang ausgehandelt
wurde, und die Natur der anstehenden Fragen, dann ist es begreiflich, daß
er nicht den Anliegen aller Beteiligten gerecht werden und nicht alle
Fragen lösen kann, die sich im Zusammenhang mit der Errichtung des Gemeinsamen Fonds ergeben. Diese Fragen werden im Zuge der weiteren Arbeit des
Interimsausschusses der Verhandlungskonferenz behandelt werden müssen.
Von diesem Standpunkt ausgehend werden sich die Vereinigten Staaten an
der Arbeit dieses Ausschusses beteiligen.
Ich möchte ferner zu Protokoll geben, daß die Vereinigten Staaten
jenen Teil des Paragraphen 24 im Anhang nicht akzeptieren, der bestimmte
Stimmenanteile für verschiedene Gruppen festlegt. Wir sind der Überzeugung, daß diese Konferenz keine ausreichende Zeit und Möglichkeit bot,
die mit dieser Frage zusammenhängenden Probleme ausreichend zu prüfen.
Es wird eine höchst wichtige Aufgabe des Interimsausschusses sein, diese
Frage weiter zu untersuchen, um zu einer ausgewogenen Verteilung der
Stimmen im Gemeinsamen Fonds zu gelangen.
Die Vereinigten Staaten werden an diese und andere Aufgaben im
Ausschuß in einem positiven und konstruktiven Geiste herangehen.
+ + + + +

- 2 -

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I

1

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und Technik
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28. März 1979

11

US-INVESTITIONEN IN DIE ZUKUNFT
Mehr Mittel für Grundlagenforschung im Wissenschaftsetat 1980

- (AD) - Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Entwicklung - wo
und wie sollen hier die Prioritäten gesetzt werden, die allein schon aus finanziellen Gründen notwendig sind? Diese Frage stellt sich für die amerikanische Regierung jedes Jahr von neuem, wenn es um die Bereitstellung der Mittel für die vom Staat finanzierte Forschung und Entwicklung geht. Sie machen
ca. 50 Prozent der nationalen Aufwendungen auf allen wissenschaftlich-technischen Gebieten aus.
Sowohl die reine als auch die angewandte Forschung haben angesehene Fürsprecher.

Zwar wurde die Bedeutung beider Richtungen - und im Grunde kann ja

die eine ohne die andere auf die Dauer gar nicht existieren - niemals wirklich
in Zweifel gezogen.

Doch gibt z.B. Dr. Richard Atkinson, als Direktor der vor

30 Jahren vom amerikanischen Kongreß ins Leben gerufenen Nationalen Wissenschaftsstiftung (National Science Foundation - NSF) für die landesweite Förderung der Grundlagenforschung verantwortlich, zu bedenken, ob denn die Forschung
in den Vereinigten Staaten ihre einst magische Anziehungskraft für die besten
und talentiertesten Wissenschaftler überhaupt noch besitze.
Zwar

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�Zwar sei an der gegenwärtigen Stärke der Wissenschaft Amerikas nicht zu
zweifeln.

Aber das könne sich ändern.

[Jenn immer wieder schwinge das Pendel

der öffentlichen Unterstützung einmal nach der einen, dann nach'der anderen Seite
aus.

Das schrecke heute junge Menschen davon ab, sich frühzeitig für die For-

schung zu entscheiden.

"Und doch gibt es gerade in den Naturwissenschaften

ganz großartige Chancen für junge Menschen", so Atkinson, "und wir sollten versuchen, die Allerbesten dafür zu gewinnen."

Atkinson befürchtet, daß die Uni-

versitäten immer mehr den Charakter von Berufsakademien annehmen, die Arzte,
Chemiker, Biologen, Physiker, Geologen, Ingenieure, Techniker, Lehrer, Juristen,
Wirtschaftler usw. ausbilden, und daß die eigentliche Forschung ständig mehr
ins Hintertreffen gerät.
Nicht alle teilen diese Befürchtung.

Zu diesen zählt z.B. Dr. Allen

Rosenstein, Professor für Systemtechnik an der Universität von Kalifornien in
Los Angeles.

Auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für die För-

derung der Wissenschaft (American Association for the Advancement of Science
- AAAS) im Januar 1979 in Houston setzte er sich dafür ein, daß die angewandte
Wissenschaft oder, wie er sagte, "die akademischen Berufe im Bildungswesen, in
der Technik, in der Medizin, im Rechts- und Wirtschaftswesen, in Architektur
und Bauwesen, im öffentlichen Gesundheitswesen" stärker gefördert werden.

Denn

alle wichtigen innenpolitischen Probleme - und das gelte für jede Nation - seien
in erster Linie sach- und fachbezogene Probleme, ob es sich nun um Produktivität, Gesundheit, bürgerliche Freiheiten oder die Umwelt handele.

Stets sei es

letztlich Sache der erfahrenen Praktiker, die Entscheidungen zu treffen.
Ebenso seien es, so Rosenstein, die Vertreter der verschiedenen Berufe,
insbesondere der akademischen Berufe, die die Wertsysteme einer Gesellschaft
bestimmten und die Ressourcen dieser Gesellschaft aufteilten. Und die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes im internationalen Konkurrenzkampf werde allemal
von den Praktikern entschieden. Rosenstein forderte deshalb die Schaffung einer
"Nationalen Stiftung für das Berufswesen" ("National Professions Foundation")
zur Förderung von Fachakademien als eine Art Gegengewicht zur NSF, die hauptsächlich die Grundlagenforschung unterstütze.
Keine

�Keine Zurücksetzung mehr von Forschung und Entwicklung

Unterschiedliche Meinungen wird es auch künftig - und nicht nur in den
Vereinigten Staaten - in solchen Fragen geben.

Aber wohl übera1"! setzt sich

immer stärker die Überzeugung durch, daß "F &amp; E" letzten Endes "Investitionen
in die Zukunft" sind, wie Präsident Carter bei der Bekanntgabe de:- Haushaltsvorschläge für 1980 erklärte.
Mit Genugtuung stellte Dr. Atkinson in einem Vortrag an der StanfordUniversität Mitte März 1979 fest, daß nach dem bedenklichen Rückgang seit 1968
im US-Regierungsetat für Forschung und Entwicklung seit drei Jahnen die Grundlagenforschung wieder stärker berücksichtigt werde.

Im Haushaltsjahr 1980 sei

außerdem zu erwarten, daß mehr Mittel als im vergangenen Jahrzehnt üblich in
die Universitätsforschung fließen.
In den USA haben sich die Vertreter von Forschung und Entwicklung inzwischen damit abgefunden, daß vom Bruttosozialprodukt kaum mehr als 2,2 Prozent (gegenüber 3 Prozent im Jahr 1964) für ihre vielfältigen Aufgaben zur
Verfügung stehen.

Umso größere Bedeutung kommt in dieser Situation der Ant-

wort auf die Frage zu, wo und was vorrangig gefördert werden müsse.

Die Ge-

samtsumme der "F &amp; E"-Mittel dürfte im laufenden Jahr fast 53 Milliarden Dollar
erreichen, von denen mehr als 28 Milliarden Dollar aus dem Staatssäckel kommen.
Die Industrie steuert mindestens 23 Milliarden Dollar bei, (Angaben hierzu aus
verschiedenen Quellen weichen allerdings stark voneinander ab, so daß diese
Zahl noch erheblich nach oben korrigiert werden könnte);
Stiftungen und aus Universitätsfonds finanziert.

der Rest wird von

Einer Erhebung der NSF zu-

folge entfallen 13 Prozent auf die Grundlagenforschung, 23 Prozent auf die
angewandte Forschung und 64 Prozent auf Entwicklung

Aber nur 13 Prozent

der anfallenden Aufgaben werden in regierungseigenen Institutionen, dagegen
71 Prozent auf Kontraktbasis von der Industrie, 10 Prozent in Universitäten
und Colleges, 3 Prozent in den in Regierungsauftrag von Universitäten geführten Forschungszentren und 3 Prozent in gemeinnützigen Institutionen durchgeführt.
Der
- 3 -

�Der Wissenschaftsetat für 1980, den die US-Reg-'erung dem Kongreß vorschlug, beläuft sich auf 30,6 Milliarden Dollar.

Der Präsident setzte sich,

wie Wissenschaftsberater Dr. Frank Press betonte, persönlich dafür ein, daß
"F &amp; E" nicht, wie bei Sparaktionen üblich, von diesen besonders hart betroffen würde.

Und in der Tat bedeuten die von der Regierung vorgeschlagenen Auf-

wendungen in einem Haushalt, den Jimmy Carter "bescheiden und maßvoll" nannte,
auch im Hinblick auf den durch Inflation bedingten Schwund des Geldwertes keine reale Kürzung für Forschung und Entwicklung.
Mit Vorschlägen für Forschung und Entwicklung in Höhe von 11,8 Milliarden
Dollar liegt wie stets das Verteidigungsministerium an der Spitze.

Sie sind

u.a. für die Verbesserung von Technologie, strategischen und taktischen Systemen, Modernisierung von Test- und Bewertungsan""agen und nicht zuletzt für ein
umfassendes Programm auf dem Gebiet der Mikroelektronik vorgesehen.

Die Energie-

forschung mit 4,7 Milliarden Dollar steht mit den Programmen des US-Amtes für
Luft- und Raumfahrt (NASA) bei einer vorgeschlagenen Gesamtsumme von 4,72 Milliarden Dollar praktisch gleich.
Allerdings ergeben sich bei speziellen Arbeits- und Aufgabenbereichen
große Zuwachsunterschiede. Während für Grundlagenforschung allgemein, vom
Gesundheitswesen über Energie, Raumfahrt, Umweltschutz, Nationale Wissenschaftsstiftung bis zur Landwirtschaft und zum Verkehrswesen, der Zuwachs 9 Prozent
betragen soll, ist z.B. für den Posten Weltraumforschung der NASA eine Anhebung
um 19 Prozent und für Grundlagenforschung im Haushalt des Energieministeriums
um 17 Prozent vorgesehen, wobei die Mittel der Solarforschung allein bei langfristigen Projekten um 40 Prozent, bei mittel- und kurzfristigen Projekten
um 22 Prozent steigen sollen. Für "F &amp; E" auf dem Sektor Solarenergie stehen
jetzt mehr als 700 Millionen Dollar zur Verfügung, was weitgehend auf Schwerpunktverlagerungen innerhalb der Programme, u.a. erhebliche Kürzungen für
nukleartechnische Forschungen, zurückzuführen ist.
Der Energie-Etat ist darauf abgestimmt, die Abhängigkeit der USA von
ausländischem öl zu verringern und die Wirtschaft darauf vorzubereiten, daß
sie den auf sie zukommenden höheren Energiepreisen standzuhalten vermag. Außer- 4 -

�Außerdem sollen erneuerungsfähige Energiequellen erschlossen sowie fortgeschrittene Konzeptionen für die Nutzung von Kernkraft - bei Absicherung gegen
Atomwaffen-Proliferation - weiterentwickelt werden, und dies alles unter dem
Gesichtspunkt, daß die Umwelt nicht zusätzlich belastet werden dürfe.
Das Energieministerium will die laufenden Studien über die Umwandlung
organischer Abfälle und Biomassen in Brennstoff ebenso fortsetzen wie die Entwicklung von Windkraft, Kernfusion, Geothermalenergie und die Gewinnung von
Wasserkraft durch ein System kleiner Talsperren.

Relativ bescheiden fiel die

Steigerung der Mittel für Technologie-Studien aus, die zu einer umfassenderen
Nutzung von Kohle, öl und Gas aus amerikanischer Förderung führen könnten.

Eine

neuzuerrichtende Demonstrationsanlage soll Kohle in hochwertiges Gas umwandeln,
eine andere Kohle entweder in "saubere" feste oder "saubere" flüssige Brennstoffe.

Forschungen auf dem Gebiet der nuklearen Fission, d.h. der Energiegewinnung
durch Kernspaltung, sind darauf abgestellt, die nukleare Stromerzeugung sicher,
wirtschaftlich und belastungsfrei für die Umwelt zu machen.

Die Aufwendungen

werden etwas geringer sein als im laufenden Haushaltjahr, weil inzwischen der
Stopp des Brutreaktorprojekts Clinch River beschlossen wurde.

Auch das Projekt

des gasgekühlten Hochtemperaturreaktors wird nicht weitergeführt.

Jedoch wol-

len die Vereinigten Staaten gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland einen
neuen Kernbrennstoff für solche Reaktoren entwickeln - und zwar einen Kernbrennstoff, der der Atomwaffen-Proliferation keinen Vorschub leistet.

Das amerikanische Nuklearprogramm soll mittelfristig, d.h. in der Zeit
von 1985 bis zum Jahr 2000, Alternativen für die weltweite Nutzung von Plutonium und angereichertem Uran als Kernbrennstoff schaffen helfen.

"Durch

energisches Verfolgen dieser Politik", so wurde von Regierungsseite erklärt,
"brauchen die Vereinigten Staaten wahrscheinlich keine Brutreaktoren für die
Stromerzeugung vor dem Ende dieses Jahrhunderts.

Dadurch wird Zeit gewonnen

für die ordnungsgemäße Entwicklung einer wirtschaftlichen, proliferationsresistenten Brutreaktortechnologie."
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28. März 1979

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GESUNDE PFLANZEN - DOPPELTER ERTRAG
- Klonierte Kartoffeln widerstandsfähiger gegen Krankheiten

- (AD) - Aus einzelnen, der wachsenden Kartoffel pflanze entnommenen Zellen
vermochte Dr. James F. Shepard, Leiter des Departments für Pflanzenpathologie
der Staatsuniversität Kansas (USA), krankheitsresistente Zuchtlinien zu gewinnen.
Auch konnte in einigen Fällen der Ertrag Monierter Pflanzen auf das Doppelte
des Ertrags "herkömmlicher" Kartoffel pflanzen gesteigert werden.
Bei der Kartoffel kennt man inzwischen etwa 30 verschiedene Krankheiten.
Einige von ihnen waren schuld an den Hungersnöten, die z.B. während der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Bevölkerung großer Teile Europas, vor
allem Irlands, heimsuchten. Und noch heute steht im mitteleuropäischen Bereich
die Kartoffel als Nahrungsmittel nach Weizen und Roggen an dritter Stelle - ganz
abgesehen davon, daß sie auch als wichtiger Rohstoff für zahlreiche industrielle
Produkte in großen Mengen gebraucht wird. Weltweit gesehen nimmt sie nach Reis,
Weizen und Mais als Nahrungsmittel den vierten Platz ein.
Die meisten Kartoffelkrankheiten werden durch Pilze hervorgerufen; die
dadurch ausgelösten Schädigungen durch Bakterien noch verschlimmert.

Ungeachtet

der großen Anstrengungen, die Wissenschaftler in den letzten hundert Jahren zur

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�zur Verbesserung und Resistenzsteigerung der Kartoffel pflanzen, die es in
weit über tausend Sorten und Untersorten gibt, überall in der Welt unternahmen,
kam es nur zu geringen Fortschritten in dieser Richtung.

Nach Ansicht Dr.

Shepards liegt dies u.a. daran, daß Kartoffeln viele Chromosomen mit nicht-identischen Genen enthalten.
Gerade dieser Umstand spielt beim Klonieren, einem biochemischen Verfahren
zur Gewinnung reiner Linien, eine wichtige Rolle.

Dem Erfolg Shepards liegt

eine Methode zugrunde, die der Forscher 1977 erstmals beschrieb und die es möglich macht, krankheitsresistente Pflanzen in weniger als zwei Jahren zu identifizieren.

(Bei Anwendung der bisher üblichen Techniken sind allein für eine

exakte Bestimmung dieser Art mindestens zehn Jahre erforderlich.)

Das dabei

selektierte Material bildet die Basis für die Gewinnung kallusähnlicher Zellkolonien, aus denen vollständige Pflanzen regenerieren.
Bei den Kartoffel-Experimenten geht Dr. Shepard von Blätter-Protoplasten,
d.h. den ihrer Wandung beraubten lebensfähigen Zellen des Blattgewebes der
Pflanze aus. Die Zellwand, die natürliche Barriere für den Zugang zu dem alle
Erbinformationen enthaltenden Zellinnern, wird mittels einer Enzymlösung zerstört. Die wandlosen Protoplasten werden nun einer Reihe von Behandlungen ausgesetzt, die schließlich zur Selektion von "Populationen" führen, die gegenüber
verschiedenen Krankheitserregern resistent sind. Anschließende Hormonbehandlungen veranlassen die Protoplasten, sich in einem Kulturmedium zu vermehren
und schließlich zu vollständigen Pflanzen auszuwachsen.
Wie der Forscher kürzlich berichtete, konnte er in jüngster Zeit aus Protoplasten von Blattzellen einer bestimmten Kartoffelsorte das Material für acht
Entwicklungslinien herauspräparieren, die sich durch eine außergewöhnliche Widerstandsfestigkeit gegen die weitverbreitete Kartoffelkrankheit "Phytophthora
infestans" (Blatt- und Knollenfäule) auszeichnen. Im Oktober 1978 war es ihm
bereits gemeinsam mit Dr. Gary Strobel von der Staatsuniversität Montana gelungen, Klone zu identifizieren, die ein hohes Maß an Immunität gegen die Kartoffelkrankheit "Alternaria solani" (Hartfäule) besitzen. Gegenwärtig bemüht
er sich darum, eine ertragreiche "Linie" zu finden, die gleichzeitig gegen zwei
- 2 -

�zwei oder noch mehr Krankheiten immun ist.

Die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (National Science Foundation
- NSF), die seit 1973 die Forschungen Shepards finanziert, gab jetzt bekannt,
daß die acht neuen Klone Teil des Versuchsmaterials aus 2000 Zuchtlinien bilden, welches im kommenden Sommer in Norddakota angesetzt und anschließend ausgewertet wird.

Im Rahmen eines z.Zt. laufenden Dreijahres-Projekts, das im

NSF-Sonderprogramm "Applied Science and Research Application" (ASRA) mit
300 000 Dollar gefördert wird, werden 69 weitere, von Dr. Shepard klonierte
Pflanzenserien bei Feldversuchen in Florida herangezogen.

Einige von ihnen

könnten nach Ansicht der zuständigen Wissenschaftler den Ertrag der Sorte
"Russet Burbank" verdoppeln.

Diese Sorte macht in den USA und in Kanada 39 Pro-

zent aller angebauten Kartoffeln aus.

Obgleich alle 69 aus dem Blattgewebe von

Russet-Burbank-Pflanzen gezogen wurden, sind sie sowohl von ihrer "Muttersorte"
als auch untereinander etwas verschieden.

Im vergangenen Sommer (1978) hatte

Dr. Shepard bei Experimenten in Idaho 300 Kulturen aus kloniertem Material gezogen und für weitere Versuche Pflanzen ausgewählt, die aus Spenderzellen der
"Russet Burbank" stammten.

Einige von ihnen brachten in der Wuchsgemeinschaft

mit nichtklonierten Pflanzen gleichen Typs auf ein- und demselben Versuchsfeld
doppelt so viele Kartoffeln wie die herkömmlichen Kartoffelstöcke hervor.

"Eine derartige Ertragssteigerung ist bei Kartoffeln eine bisher einmalige
Sache", meint James Shepard.

Sie sei in etwa mit der Entwicklung zu vergleichen,

die mit der Züchtung von Hybridmais einsetzte.

Neben der Resistenz gegen Krank-

heiten wird nunmehr bei den Kartoffeln in zunehmendem Maße nach Faktoren wie
Wärmetoleranz, verbesserter Qualität sowie Anpassungsfähigkeit an die verschiedensten Böden und Klimata von bisher nicht oder wenig erschlossenen Anbaugebieten gesucht.

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28. März 1979

DIE ANDERE SEITE DER MEDAILLE
Pestizid Toxaphen entpuppt sich als mögliches Umweltgift

- (AD) - Im Rahmen der Langzeituntersuchungen, die das Nationale Krebsforschungsinstitut der Vereinigten Staaten ("National Cancer Institute" in
Bethesda, Maryland) mit den verschiedensten Chemikalien auf deren mögliche
karzinogene Wirkung vornimmt oder vornehmen läßt, wurde das Pestizid Toxaphen
geprüft.

Dabei zeigte sich u.a. in Tierversuchen bei einer Exposition bis

zur Dauer von 80 Wochen, daß Mäuse Leberkrebs und Ratten hauptsächlich Krebserkrankungen der Schilddrüse entwickeln.

Die Verbindungen, die im Laufe der

Versuchsreihen mit Toxaphen als krebsauslösend erkannt wurden, gelten im allgemeinen auch beim Menschen als karzinogen.

Jedoch geben die bisher durchge-

führten Tests keine Informationen, ob und in wieweit die Häufigkeit von Krebserkrankungen beim Menschen unter der Einwirkung von Toxaphen vorausgesagt
werden könnte.

Das in der Landwirtschaft viel verwendete Pestizid und vor Jahren als
bienenunschädlich gepriesene Insektizid ist eine Mischung von chlorierten
bicyclischen Terpenen (mit chloriertem Camphen als Hauptbestandteil). Es
wurde vom NCI unter die Lupe genommen, weil es von der Struktur her mit Stroban
verwandt ist, von dem man aus Tierversuchen wußte, daß es Leberkrebs hervorruft.

Die Befürchtung ist berechtigt, daß Toxaphen wegen seiner langen Akti-

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�Aktivität nach der Anwendung durch Rückstände in Wasser und Nahrungsmitteln
für den Menschen eine Gefahr darstellt.
Toxaphen wird in verschiedener Form in den Handel gebracht - z.B. als
Trockenpulver, in Pulvern, die mit Flüssigkeiten angerührt werden, in ölen
gelöst oder als emulgierbares Konzentrat.
dabei zwischen 20 und 90 Prozent.

Der Anteil des Wirkstoffs liegt

Außerdem wird er als Zusatz zu einer ganzen

Anzahl anderer Insektizide benutzt.
Nach einer Erhebung der US-Bundesbehörde für Nahrungsmittel und pharmazeutische Produkte (FDA - Food and Drug Administration) wurden z.B. in den USA
im Jahr 1976 mehr als 45 500 Tonnen Toxaphen hergestellt.

Auf Baumwollplanta-

gen wird die Schädlingsbekämpfung zu 85 Prozent mit Toxaphen vorgenommen.
Weitere wichtige Anwendungsgebiete finden sich in der Rinder- und Schweinezucht, beim Anbau von Sojabohnen, Mais, Weizen und Erdnüssen, aber auch auf
Salat- und

Tomatenfeldern und bei einer Anzahl anderer Nahrungspflanzen.

Nach

Richtlinien amerikanischer Bundesberhörden sind derzeit maximal 7 ppm (d.h.
sieben Anteile Toxaphen auf eine Million Teilchen) auf oder in bestimmten Arten
von Obst, Gemüse, Nüssen und Fleischprodukten, 5 ppm bei bestimmten Getreidesorten und noch wesentlich kleinere Mengen bei einer Reihe anderer Nahrungsmittel zulässig.
Aber die FDA hat auch festgestellt, daß seit fünf Jahren die ToxaphenRückstände ständig zunehmen. Und während sie früher hauptsächlich in einigen
Gemüsearten gefunden wurden, verlagerten sich seit 1974 die höchsten Konzentrationen auf Fische. Untersuchungen in Louisiana im Jahr 1975 ergaben bis über
10 ppm im Gewebe von Fischen.
Die US-Bundesbehörde für Umweltschutz (Environmental Protection Agency
- EPA) nahm sich ebenfalls der Sache an.

Vor 1975 konnten ihre Beauftragten

in keiner Trinkwasserprobe Toxaphen feststellen.

Aber schon in den Jahren

1975 und 1976 waren 27 von 58 Proben mit dem Insektizid belastet.

Es scheint

mit Luft oder Wasser vom Ort der Anwendung aus - Hauptquelle in den USA dürften
Baumwollfelder sein - leicht weitertransportiert zu werden.
Und

�Und wie die meisten chlororganischen Verbindungen reichert sich auch
Toxaphen besonders stark in Organismen an, die im Wasser leben.

Bei einer

der Studien fand man in Eiern und Jungfischen einer bestimmten Welsart eine
bis zu 91 000 mal höhere Konzentration als im Wasser ihres natürlichen Lebensraumes.

Die gleiche Studie zeigte, daß Toxaphen auch die Ursache von Wachstums-

mängeln und zu geringer Knorpelbildung am Skelett der Welse war.

Für die meisten Fischarten ist Toxaphen sowieso stark giftig, weshalb es
früher (in sehr niedriger Dosierung von 0,05 bis 0,2 ppm für offene Gewässer)
zur Vernichtung unerwünschter Spezies verwendet wurde.

Wegen seiner langen

Aktivität (sechs Jahre und mehr) und seiner Giftigkeit auch für andere Wasserorganismen wurde in den USA die Anwendung von Toxaphen für solche Zwecke aufgrund einer Empfehlung des "Fish and Wildlife Service" im Jahr 1963 von offizieller Seite eingestellt, für private Anwender erschwert.

Eine Reihe inzwischen abgeschlossener Forschungsprojekte, die auch Informationen über akute und kurzfristige Auswirkungen von Toxaphen erbrachten,
führten EPA-Wissenschaftler zu der Überzeugung, daß die Verbindung Veränderungen
der Knochenzusammensetzung und des Wachstums bei Fischen, Vögeln und Säugetieren hervorruft.

Da diese Effekte bei Dosierungen eintraten, die der gegen-

wärtigen Exposition für den Menschen ähnlich sind, hat die EPA mit einer Überprüfung der Risiken und der Nowtendigkeit bzw. der Vorteile einer Anwendung
des Pestizids begonnen.

Am Ende der Aktion werden Empfehlungen stehen, wie

der Einsatz von Toxaphen zu regeln sei.

Von der Weltgesundheitsorganisation

wurden noch keine Bestimmungen über die beim Menschen höchstzulässigen Dosen
erlassen, weil man zunächst noch mehr Informationen über die Toxizität und
Karzinogenität der Verbindung sammeln will.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Proklamation Präsident Carters zum 30. Jahrestag der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grußwort des US-Außenministers Vance zum NATO-Jahrestag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;br /&gt;SALT und die europäische regionale Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von USICA-Korrespondent William H. Durham -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Plädoyer für SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Dr. George B. Kistiakowsky -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Kongress fordert Anreize für Kapitalgüterinvestionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gemeinsamer Wirtschaftsausschuss veröffentlicht Jahresbericht -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Investitionen in die Zukunft&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mehr Mittel für Grundlagenforschung im Wissenschaftsetat 1980 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gesunde Pflanzen - doppelter Ertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Klonierte Kartoffeln widerstandsfähiger gegen Krankheiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die andere Seite der Medaille&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pestizid Toxaphen entpuppt sich als mögliches Umweltgift -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. März 1979

10
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters vor seinem Abflug nach dem Nahen Osten
- Wortlaut Carter:

Alle müssen für den Frieden arbeiten

- Wortlaut der Ankunftserklärung in Kairo Gemeinsame amerikanisch-ägyptische Erklärung in Alexandria
- Wortlaut Ansprache Präsident Carters vor dem ägyptischen Parlament
- Wortlaut Erklärung Carters nach Absc hluß seines Ägypten- Besuchs
- Wortlaut Ankunftserklärung Carters in Israel
- Wortlaut Ansprache Präsident Carters vor dem israelischen Parlament
- Wortlaut Erklärung Carters vor seinem Abflug aus Israel
- Wortlaut Erklärung Carters vor dem Abflug aus Kairo
- Wortlaut Erklärung Präsident Carters bei seiner Rückkehr nach Washington
- Wortlaut -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation
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14. März 1979

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS VOR SEINEM ABFLUG NACH DEM NAHEN OSTEN
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Vor seinem Abflug am 7. März 1979 nach Ägypten und
Israel hat Präsident Carter in Washington eine Erklärung abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:
Ich trete heute eine neue Mission im Dienste des ältesten Traumes der
Menschheit an - des Traumes vom Frieden.
Nirgendwo ist die Hoffnung auf den Frieden stärker und lebendiger, als
im Nahen Osten; nirgendwo ist der Weg zu seiner Verwirklichung schwieriger,
nirgendwo könnte der Preis, der für einen Fehlschlag zu zahlen wäre, schrecklicher sein.
Der Friede bleibt das Ziel von Präsident Sadat und von Ministerpräsident
Begin sowie der großen Völker Ägyptens und Israels.

Ich weiß, daß sie meine

Entschlossenheit teilen, daß diese Verhandlungen Früchte tragen.
Der Nahe Osten hat zu viel und zu lange unter Krieg und Kriegsfurcht gelitten. Araber und Israelis müssen jetzt in gleicher Weise begreifen, daß

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�daß Blutvergießen, Entbehrung und Tod niemals ihre Meinungsverschiedenheiten
lösen und niemals der Weg zur Erneuerung und zur Hoffnung sein können.
Zum erstenmal innerhalb einer Generation ist der Friede im Nahen Osten
in Reichweite gerückt.

Präsident Sadats Besuch in Jerusalem und der herzliche

Empfang, der ihm durch Ministerpräsident Begin zuteil wurde, haben den Weg geöffnet.

In Camp David waren wir dann gemeinsam bemüht, einen politischen Rah-

men zu schmieden, innerhalb dessen ihre Meinungsverschiedenheiten beigelegt
werden können.
Unsere Verhandlungen basieren auf der Idee, daß der Friede nur erreicht
werden kann, wenn wir den berechtigten Ansprüchen aller entsprechen, die von
dem Konflikt betroffen sind.

Der wahre Friede wird nicht durch einen einzel-

nen Vertrag realisiert werden - so wichtig dies auch sein würde. Aber ein Vertrag zwischen Ägypten und Israel ist ein unverzichtbarer Schritt zu einem weit
umfassenderen Frieden, den wir alle anstreben.
Verhandlungen sind ein langer und mühsamer Prozeß. Aber es gibt Zeiten,
da der Friede mehr Mut verlangt als der Krieg. Ich bin der Überzeugung, daß
Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin jene besondere Art von Mut haben
und daß sie auch über den Weitblick und die staatsmännische Fähigkeit verfügen,
um die große Hoffnung zu verwirklichen, die zu schaffen sie mitgewirkt haben.
Daher reise ich mit Hoffnung - Hoffnung, die durch Realismus gedämpft wird.
Als Freund Ägyptens und Israels werden wir unser Bestes tun, um ihnen bei der
Schaffung des Friedens zu helfen, für den sie so oft und immer wieder in Blut
bezahlt haben. Wenn wir dies tun und dabei versuchen, die Grundlagen für einen
stabilen und friedlichen Nahen Osten zu schaffen, dienen wir auch unseren eigenen tiefsten nationalen Interessen und den Interessen aller Völker der Welt.
Ich weiß, daß mich bei diesem Vorhaben die Gebete und guten Wünsche des
amerikanischen Volkes begleiten. Bei der vor mir liegenden schwierigen Arbeit
wird mir Ihre Unterstützung Kraft und Stärke verleihen.
+ + + + +

- 2 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

14. März 1979

CARTER: ALLE MÜSSEN FÜR DEN FRIEDEN ARBEITEN
- Wortlaut der Ankunftserklärung in Kairo -

KAIRO - (AD) - Der amerikanische Präsident Jimmy Carter hat am 8. März
1979 bei seiner Ankunft in Kairo erneut den Friedenswillen der USA unterstrichen und betont, daß die Vereinigten Staaten mit allen Parteien zusammenarbeiten würden, die sich den Prinzipien eines echten Friedens und der Sicherheit im Nahen Osten verpflichtet fühlten.
Auf eine herzliche Begrüßung des ägyptischen Staatspräsidenten Sadat
erwiderte Präsident Carter im Kubbeh-Palast in Kairo wörtlich:
Salam Aleikum (Friede sei mit Euch)
Hunderttausende von Ägyptern haben heute nachmittag die Straßen gesäumt,
um ihre tiefsten Gefühle zum Ausdruck zu bringen - nicht einer persönlichen
Freundschaft oder Bewunderung für mich oder ihren noblen und geliebten Staatsmann, Präsident Sadat. Ihre tiefsten Gefühle, die schon unsägliche Male zum
Ausdruck gebracht wurden, galten vielmehr dem echten Wunsch nach Frieden.

Das

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�Das Bekenntnis zum Frieden hat für uns alle heute eine besondere und
dringende Bedeutung.
dens.

Herr Präsident, ich komme zu Ihnen im Geiste des Frie-

Wir kommen zusammen, um die heilige Arbeit zum Aufbau des Friedens

wieder aufzunehmen.
Für mich und meine Frau und für die vielen anderen Freunde, mit denen
wir in den vergangenen Monaten so angelegentlich zusammengearbeitet haben,
ist dies eine Ehre.
Es ist für mich ein Vergnügen, heute wieder mit Ihnen in Kairo zusammenkommen zu können. Wir überbringen den Respekt und die guten Wünsche für
Staatspräsident Sadat und das ägyptische Volk von den Millionen von Menschen,
die in den Vereinigten Staaten von Amerika leben.
Ich bin in den Nahen Osten gekommen, um die Sache des Friedens zwischen
Ägypten und Israel zu fördern. Ein Vertrag zwischen diesen beiden großen Nationen wäre ein Anfang, nicht ein Ende. Er würde uns dem großen von uns angestrebten Ziel sehr viel näher bringen - einem wahren Frieden, einem umfassenden Frieden, einem Frieden, der die berechtigten Ansprüche all derer widerspiegeln würde, die während der letzten 30 Jahre des Konfliktes, der Feindschaft und des Krieges so sehr gelitten haben.
Er wäre auch der Anfang eines neuen Kapitels in der langen Geschichte
Ägyptens, wo die Energien aller Ägypter endlich mit allem Nachdruck auf die
humane Aufgabe gelenkt werden können, eine Zukunft der Würde und der Hoffnung
aufzubauen.
Ich weiß aus Erfahrung, wie sehr Präsident Sadat eine solche Zukunft
wünscht. Aus unseren stundenlangen Gesprächen respektiere ich ihn als einen
Mann großen Mutes mit einer wahren Leidenschaft für den Frieden. Er hat sich
mit Nachdruck dafür ausgesprochen, aber was noch wichtiger ist, er hat auch
kühn und entschlossen in diesem Sinne gehandelt.

Mit

�Mit seiner aufrüttelnden Reise nach Jerusalem im November 1977 hat Präsident Sadat sich voll und ganz dem Ziel eines gerechten und dauerhaften Friedens verschrieben.

Das war auch unser Ziel in Camp David, wo Präsident

Sadat, Ministerpräsident Begin und ich uns über einen Rahmen für einen umfassenden Frieden sowie über die Unrisse eines Vertrages zwischen Ägypten
und Israel einigten.

Und das ist auch das Ziel der Gespräche, die heute fort-

geführt werden.
Es ist unsere Hoffnung, ein Abkommen zu erreichen, das ehrenhaft und gerecht ist und das jeder verhandelnden Partei Sicherheit bietet.

Aber vor allem

anderen ist es unser Ziel, einen Frieden zu erreichen, der von Dauer ist.
Wenn die Verheißung des Friedens für das israelische und das ägyptische
Volk voll realisiert werden soll, dann müssen andere ermutigt werden, sich an
dem Prozeß der Lösung der Differenzen durch Verhandlungen und durch Anpassung
zu beteiligen.
Die Vereinigten Staaten werden mit jeder Partei und mit allen Parteien
zusammenarbeiten, die den Prinzipien eines echten Friedens und einer echten
Sicherheit verpflichtet sind.
Wenn die Beziehungen zwischen uns vertieft werden, dann können wir alle
wirksamer zusammenarbeiten, um dem Nahen Osten als Ganzem Stabilität zu bringen.
Präsident Sadat hat einmal geschrieben - und ich zitiere - "daß kein
Problem jemals als unüberwindlich angesehen werden sollte."

In den letzten

Monaten haben wir manche Probleme bewältigt, die einmal unüberwindlich schienen.
Ich hoffe zutiefst, daß wir mit Gottes Hilfe die noch verbleibenden Hindernisse
für den Abschluß eines Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel aus dem
Weg räumen und die Verhandlungen über andere Fragen mit großer Entschlossenheit
und in Übereinstimmung mit den Vereinbarungen von Camp David fortsetzen können.
Die wichtigste Bedingung für einen Erfolg ist erfüllt worden - nämlich die
ehrliche Überzeugung auf beiden Seiten, daß der Frieden dem Krieg vorzuziehen

�vorzuziehen ist, daß Meinungsverschiedenheiten besser durch die Anwendung
von Vernunft als durch das Vergießen von Blut geregelt werden können.
Das ägyptische Volk hat viel Blut vergossen.

Und besonders in den Augen

der Frauen, die während der letzten Minuten die Straßen säumten und auf den
Baikonen standen, haben wir den Wunsch, das Verlangen und die Bitte gesehen,
daß ihre Söhne und Männer niemals mehr unter Kampf und Krieg leiden sollten.
Präsident Sadat und ich haben uns auf unserer Fahrt das Wort gegeben,
nicht diese Menschen hier, in Israel, unter den Palästinensern und in den
Ländern zu enttäuschen, die sich gegenwärtig in einem Kriegszustand befinden
und von uns und anderen abhängen, damit dieses Gebiet den seit so langer Zeit
unverwirklichten, aber so sehr gewünschten Zustand des Friedens erhält.
Wie Sie, Herr Präsident, bin ich der Sache des Friedens verpflichtet.
Wie Sie, Herr Präsident, bin ich entschlossen, in diesem Bemühen nicht nachzulassen.

Unser gemeinsamer Einsatz, unsere gemeinsame Entschlossenheit wur-

zelt in gemeinsamer religiöser Wahrheit.
"Wir glauben an Gott."
ben an das Vertrauen.

Viele Plakate trugen die Inschrift:

Sie und ich, Herr Präsident glauben an Gott. Wir glauDieses Vertrauen hat vielfache Formen, aber die ihm zu

Grunde liegende Botschaft ist dieselbe.

Es ist eine Botschaft der Liebe, des

Glaubens und des Friedens.
Wollen wir, da wir in den jetzt beginnenden entscheidenden Gesprächen zusammenarbeiten, Gott mit den Worten des Evangeliums bitten, unsere Füße auf
den Weg des Friedens zu lenken.
Ich danke Ihnen.

+ + + + +

- 4-

�14. März 1979

10

GEMEINSAME AMERIKANISCH-ÄGYPTISCHE ERKLÄRUNG IN ALEXANDRIA
- Wortlaut -

ALEXANDRIA - (AD) - Nach den Gesprächen zwischen Präsident Jimmy
Carter und dem ägyptischen Staatspräsidenten Anwar Sadat wurde am 9. März 1979
in Alexandria eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, die folgenden Wortlaut hat:
Präsident Sadat und Präsident Carter haben ihre Gespräche über den
Friedensprozess und andere Fragen von gemeinsamem Interesse fortgesetzt.
Die Gespräche dauerten von 19:05 bis ?0:00 Ortszeit und wurden in einer
Atmosphäre der Freundschaft und der Offenheit geführt.
Folgende Persönlichkeiten nahmen an dem Treffen teil:
Auf amerikanischer Seite:
Präsident Carter
Außenminister Cyrus Vance
Verteidigungsminister Harold Brown

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�Zbigniew Brzezinski, Berater des Präsidenten für Fragen der nationalen
Sicherheit
Haroid Saunders, Unterstaatssekretär für nahöstliche und südasiatische Fragen
Botschafter Herman Eilts
Sonderbotschafter Roy Atherton
Bill Quandt, Stab des Nationalen Sicherheitsrates
Auf ägyptischer Seite:
Präsident Sadat
Ministerpräsident Mustafa Khalil
Vizepräsident Husni Mubarak
General Hassan Ali, Verteidigungsminister
Ahmed al-Sayegh, Wirtschaftsminister
Botschafter Asraf Ghorbal
Hassan Kamel, Protokollchef
Butrus Ghali, der ägyptische Außenminister, Außenminister Vance
und Ministerpräsident Khalil trafen heute nachmittag von 15:30 bis 17:00
(Kairoer Zeit) im Palestine-Hotel zusammen.

Ihre Gespräche konzentrierten

sich auf die ungelösten Fragen in den Verhandlungen über einen Friedensvertrag.

Die beiden Präsidenten werden morgen (10. März) an einem Arbeits-

essen im Mena House in der Nähe von Kairo teilnehmen, dem sich zusätzliche
Gespräche anschießen werden.
Präsident Carter wird morgen abend (10. März) nach Israel abreisen.

+ + + + +

�HöHi
I

Dokumentation

CO

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. März 1979

10

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM ÄGYPTISCHEN PARLAMENT
- Wortlaut -

KAIRO - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 10. März 1979 vor dem
ägyptischen Parlament (Volksversammlung) seine Friedensziele für den Nahen
Osten noch einmal in aller Eindringlichkeit dargelegt. Die Ausführungen
des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Ich trete heute auch im Namen Gottes als Partner vor Sie hin, zusammen
mit meinem großen und guten Freund, Ihrem Präsidenten Anwar al-Sadat, um
über die Mitglieder dieser Volksversammlung zum ägyptischen Volk zu sprechen.
Wenn ich jetzt vor Ihnen stehe, geht mir das Herz über.
Ich empfinde eine tiefe Achtung vor dem ägyptischen Volk und vor Ihrem
Führer, Präsident Sadat - einem Mann, der seine starke Hand ausgestreckt
hat, um das Steuer der Geschichte herumzuwerfen. Und ich verspüre auch ein
tiefes Gefühl der Hoffnung, wenn ich an die Zukunft denke, die sich vor uns
auftun wird, wenn wir den Willen und den Glauben haben, den Frieden herbeizuführen - und wir haben diesen Willen und diesen Glauben, und wir werden den
Frieden herbeiführen.

Als
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�Als Junge habe ich wie andere Schulkinder in der Welt die ägyptische
Kultur kennengelernt.

In den letzten Tagen habe ich endlich das Erbe dieser

großen Kultur mit meinen eigenen Augen gesehen.

Als Bürger eines sehr jungen

Landes kann ich das 7000jährige Erbe des ägyptischen Volkes, das Sie hier vertreten, nur staunend bewundern.
Während des größten Teils der letzten 500 Jahre litt Ägypten unter Fremdherrschaft.

Aber Ägypten hat seinen Platz unter den unabhängigen Nationen

der Welt wieder eingenommen

und stand an der Spitze des Wiederaufschwungs der

arabischen Völker auf einen führenden Platz unter den Nationen der Welt.

Ich

bin sehr stolz auf diese große Leistung, die Sie vollbracht haben.
Tragischerweise war diese Generation des Fortschritts auch eine Generation
des Leidens.

Immer wieder sind die Energien der Völker des Nahen Ostens durch

die Konflikte unter ihnen ausgelaugt worden - und vor allem durch die heftigen
Konfrontationen zwischen Arabern und Israelis.
Vier Kriege haben ihren Zoll an Blut und Gut gefordert, an entwurzelten
Familien und jungen Leben, zu früh verloren.

Dann stand vor 16 Monaten ein

Mann auf - Anwar al-Sadat - und erklärte: "Genug des Krieges."
und sagte: "Genug des Krieges. Es ist Zeit zum Frieden."

Er stand auf

Diese außergewöhnliche Reise Präsident Sadats nach Jerusalem setzte den
Prozeß in Gang, der mich heute hierher geführt hat. Ihr Präsident hat die
Macht des menschlichen Mutes und des menschlichen Weitblicks unter Beweis gestellt, Hoffnung zu wecken, wo es bisher nur Verzweiflung gab.
Die durch Präsident Sadats Initiative in die Wege geleiteten Verhandlungen
waren lang und beschwerlich.

Das konnte ja auch nicht anders sein.

Die Fragen, um die es geht, sind komplex und sie sind in einem Netz starker Emotionen verfangen.

Aber wiederum für das ägyptische Volk und das israe-

lisce Volk gilt in gleicher Weise, daß die mächtigste Emotion nicht die Feindseligkeit ist.

Es ist nicht der Haß.

Es ist der Wille zum Frieden.

- 2 -

Und in

�in einem Jahr des miteinander Redens ist mehr erreicht worden

als in 30

Jahren des Krieges.

Wie sich der Friedensprozeß vorwärts bewegte - manchmal reibungslos, aber
öfter unter Schmerzen und Schwierigkeiten - wurde die Regierung Ägyptens von
fähigen Diplomaten vertreten, voll und ganz auf die nationalen Interessen
Ägyptens eingestellt, aber sich auch ständig der Verantwortung Ägyptens für
die übrige arabische Welt bewußt.

Im September vorigen Jahres führte der Kurs der Verhandlungen den Präsidenten Ägyptens und den Ministerpräsidenten Israels nach Camp David in den
bewaldeten Hügeln in der Nähe der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von
Amerika.
Aus unseren Gesprächen dort entstanden zwei Abkommen: Ein Rahmen»innerhalb dessen ein Frieden zwischen Israel und all seinen Nachbarn erreicht werden könnte und die legitimen Rechte jenes palästinensischen Volkes verwirklicht
werden könnten - und auch ein Entwurf für einen Friedensvertrag zwischen
Ägypten und Israel im Rahmen eines umfassenden Friedens für den Nahen Osten.

Diese Abkommen wurzelten in der Resolution 242 des Sicherheitsrates der
Vereinten Nationen, in der eine Grundgleichung zwischen einer arabischen
Friedensverpflichtung und einem israelischen Abzug im Zusammenhang mit der
Sicherheit aufgestellt wurde.

Der Vertrag, über den derzeit zwischen Ägypten und Israel verhandelt wird,
spiegelt diese Grundsätze wider.

Seit die beiden Abkommen unterzeichnet wurden,

arbeiten wir daran, sie zum Tragen zu bringen.

Die Vereinigten Staaten waren als Vermittler tätig, sie haben an der Lösung von Problemen gearbeitet - sie wollten keine Seite dazu drängen, Bestimmungen zu akzeptieren, die ihren grundlegenden Interessen zuwiderliefen.
Bei diesen Verhandlungen ging es in einer entscheidenden Frage um die Beziehung zwischen einen ägyptisch-israelischen Vertrag und dem weitergesteckten
- 3 -

�weitergesteckten Frieden, wie man ihn sich in Camp David vorgestellt und zu
dem man sich verpflichtet hatte.
Ich glaube, dieses Gremium hier und das ägyptische Volk haben ein Recht
zu erfahren, was ich über dieses Thema denke.

Wenn zwei Nationen einen Ver-

trag miteinander schließen, dann haben sie jedes Recht zu erwarten, daß die
Bestimmungen dieses Vertrages getreulich und unerschütterlich erfüllt werden.
Gleichzeitig kann kaum ein Zweifel daran bestehen, daß die beiden in
Camp David erreichten Abkommen - zusammen ausgehandelt und zusammen unterschrieben - miteinander in Beziehung stehen

und daß ein umfassender Frieden

ein gemeinsames Ziel bleibt.
Gerade in den letzten Tagen haben Ministerpräsident Begin in Washington
und Präsident Sadat hier in Ägypten sich erneut verpflichtet, alle in Camp
David gemachten Zusagen zu halten.

Beide Führer bekräftigten, daß sie keinen

Separatfrieden zwischen ihren beiden Ländern wollen.

Daher stellen unsere ge-

genwärtigen Bemühungen, den Vertrag zum Abschluß zu bringen, nicht das Ende
eines Prozesses dar, sondern den Anfang - denn ein Vertrag zwischen Ägypten
und Israel ist ein unerläßlicher Bestandteil eines umfassenden Friedens.
Ich verspreche Ihnen heute, daß ich mich auch weiterhin persönlich verpflichtet fühlen werde, zu Verhandlungen überzugehen, die das Westufer und
den Gaza-Streifen und andere Fragen von Interesse für die Palästinenser betreffen - und zu künftigen Verhandlungen - und auch zu künftigen Verhandlungen
zwischen Israel und all seinen Nachbarn.
Ich fühle eine persönliche Verpflichtung in dieser Hinsicht.
Nur der Weg der Verhandlung und der Schlichtung kann zur Erfüllung der
Hoffnungen des palästinensischen Volkes auf friedliche Selbstverwirklichung
führen.

Die in den Abkommen von Camp David vorgeschlagenen Verhandlungen

werden ihnen die Gelegenheit bieten, an der Bestimmung ihrer eigenen Zukunft
mitzuwirken.

Wir appellieren an die Vertreter der Palästinenser, an diesen
- 4 -

�diesen Verhandlungen teilzunehmen.
Wir sind bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten, derwillens ist, über den
Frieden zu reden.

Jene, die diese Bemühungen angreifen, wenden sich gegen

die einzige realistische Aussicht, die dem Nahen Osten echten Frieden bringen
kann.
Möge sich niemand täuschen. Die Auswirkungen ihrer kriegerischen Schlagworte und ihre Wortwahl macht sie in Wirklichkeit zu Verfechtern des Status
quo und nicht des Wandels; zu Verfechtern des Krieges, nicht des Friedens; zu
Verfechtern weiteren Leidens, nicht der Menschenwürde, die den Menschen dieser
Region zusteht, die so lange gelitten haben.
Der Abschluß eines Friedensvertrages zwischen Israel und Ägypten wird
Ihre Regierung in die Lage versetzen, ihre Ressourcen nicht für den Krieg, sondern für ein besseres Leben für jeden Ägypter einzusetzen.
Ich weiß, wie sehr sich Präsident Sadat diesem Streben verpflichtet fühlt.
Und ich bin überzeugt, daß die Erreichung dieses Ziels letztlich sein größtes
Vermächtnis an das Volk sein wird, dem er so gut dient.
Meine Regierung ihrerseits ist mit der vollen Macht und dem ganzen Einfluß der Vereinigten Staaten von Amerika bereit, die Bürde dieser Verpflichtung
zusammen mit Ihnen zu tragen. Die Ergebnisse, die wir uns erhoffen, werden
nicht rasch und nicht leicht zu erreichen sein, aber sie werden kommen.
Der Abschluß des Friedensvertrages, über den wir sprechen, wird die Zusammenarbeit zwischen Ägypten und den Vereinigten Staaten auf andere Weise
stärken.
Ich stehe voll hinter der Überzeugung von Präsident Sadat und unterstütze
sie, daß in der Welt die Stabilität aufrechterhalten werden muß, selbst wenn
ein konstruktiver Wandel aktiv gefördert wird.
Und
- 5 -

�Und ich bin mir auch darüber im klaren, daß die Sicherheit dieser lebenswichtigen Region in Frage gestellt wird.

Ich begrüße seine Entschlossenheit,

sich dieser Herausforderung zu stellen, und meine Regierung wird hinter ihm
stehen.
Unsere Politik geht davon aus, daß jede Nation die Fähigkeit haben soll,
sich selbst zu verteidigen, damit sie für ihre Sicherheit nicht von Bündnissen
mit anderen abhängig zu sein braucht.

Die Vereinigten Staaten streben für

sich keine Sonderstellung an.
Wenn wir in unseren Bemühungen Erfolg haben, einen umfassenden Frieden zu
standezubringen,

dann wird er, jedes seiner Elemente, diesem Gremium hier

sicherlich zur Ratifizierung vorgelegt werden.
Es liegt in der Natur der Verhandlungen, daß kein Vertrag,vom ägyptischen
oder vom israelischen Standpunkt aus gesehen, ganz ideal oder vollkommen sein
kann.
Die Frage jedoch, vor der wir immer gestanden sind, ist nicht, ob ein
Vertrag, den wir aushandeln, die unmittelbaren Wünsche der einen oder der
anderen Partei erfüllt, sondern ob er die lebenswichtigen Interessen beider
Parteien schützt und ob er der Sache des Friedens für alle Staaten und alle
Völker dieser Region dient. Das ist die grundlegende Zielsetzung und die
schwierigste Frage, auf die wir eine Antwort finden wollen.
Ein solcher Vertrag, ein solches Abkommen,!iegt in unserer Reichweite.
Wir sollten die Gelegenheit nutzen, solange sie uns geboten wird.
Wir, die wir uns in diesem großen Werk, dem Werk des Friedens, engagiert
haben, sind verschiedenen religiösen Glaubens.

Einige von uns sind Moslems,

einige von uns sind Juden, einige von uns sind Christen.
Glaubens sind unterschiedlich.

Wir beten jedoch

Die Formen unseres

denselben Gott an.

die Botschaft der Vorsehung ist immer dieselbe gewesen.
Ich
- 6 -

Und

�Ich möchte die Worte des heiligen Korans zitieren: "Wenn Dein Gegner
zum Frieden neigt, dann neige Dich auch dem Frieden zu - und vertraue auf
Gott, denn er ist allwissend und allweise."
Und ich möchte die Worte aus dem Alten Testament zitieren:
vom Bösen und tue Gutes, suche den Frieden und lebe danach."

"Weiche ab

Und ich möchte auch noch die Worte Jesu aus der Bergpredigt zitieren:
"Gesegnet sind die Friedliebenden, denn sie werden Kinder Gottes genannt."
Meine Freunde, meine Brüder, laßt uns das vor uns liegende Werk vollenden.
Laßt uns Frieden miteinander finden.
Ich danke Ihnen.

- 7 -

�I

1

Dokumentation

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I

3

öl

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

14. März 1979

ERKLÄRUNG CARTERS NACH ABSCHLUSS SEINES ÄGYPTEN-BESUCHS
- Wortlaut -

KAIRO

- (AD) - Nach Abschluß seiner Besprechungen mit Präsident

Sadat im Mena House und vor seinem Weiterflug nach Israel gab Präsident
Carter folgende Erklärung ab:
Präsident Sadat und ich möchten einige Worte über diesen Besuch
sagen.

Zunächst möchte ich im Namen des amerikanischen Volkes und auch

für mich sprechend Präsident Sadat und dem ägyptischen Volk meinen tief
empfundenen Dank ausdrücken für einen Emfang, der mich sehr beglückt hat
und den ich niemals vergessen werde.
Wir haben mehrere Stunden über den Frieden gesprochen.

Für mich

ist es ganz klar, daß das ägyptische Volk - das wird schon aus dem überwältigenden Willkommen für mich und Präsident Sadat deutlich - echt den
Frieden wünscht.
Für mich ist ebenso klar, daß Präsident Sadat und das ägyptische

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Tel: 02221-89 32 40
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�ägyptische Volk sowie Israel entschlossen sind, alle Bestimmungen, alle
in Camp David getroffenen Vereinbarungen auszuführen, nicht nur für den
Frieden zwischen Israel und Ägypten, sondern auch für einen vollen und
umfassenden Frieden, der die Verwirklichung der Rechte jener beinhaltet,
die seit so langer Zeit gelitten haben, sowie ein schrittweises Vorankommen auf dem Wege zum Frieden zwischen Israel und allen seinen Nachbarn.
Wir haben hier einige schwierige Fragen gelöst.

Weitere schwierige

Fragen müssen noch geregelt werden.
Ich werde heute nachmittag von hier nach Israel reisen, um mit
Ministerpräsident Begin sowie mit den Vertretern der israelischen Regierung
zusammenzutreffen.

Ich hoffe, daß die Meinungsverschiedenheiten, die noch

bestehen, gelöst werden können.
Ich danke Ihnen.

+ + + + +

�fiTiTOi im

Dokumentation

I

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Embassy of the United States of America

14. März 1979

10

ANKUNFTSERKLÄRUNG CARTERS IN ISRAEL
- Wortlaut -

TEL AVIV

- (AD) - Präsident Jimmy Carter gab bei seiner Ankunft

auf dem Ben Gurion-Flughafen in Tel Aviv am 10. März 1979 eine Erklärung
ab, die folgenden Wortlaut hat:
Als gewählter Führer und Vertreter des amerikanischen Volkes fühle
ich mich geehrt und bin erfreut, den Boden des freien Staates Israel betreten zu dürfen.
Friedens.
deutet.

Ich komme zu Ihnen als Mitarbeiter an der Sache des

Ich weiß, wieviel diese Sache für das Volk dieses Landes beKein Volk in der Geschichte hat mehr unter Gewalttaten gelitten

als das jüdische Volk.

Der Staat Israel

vor dieser Gewalt geschaffen.

wurde als eine Zufluchtsstätte

Doch nach vier Kriegen innerhalb von drei

Jahrzehnten weiß jeder israelische Bürger immer noch aus erster Hand, was
es heißt, um einen geliebten Gefallenen oder um einen Freund zu trauern.
Als ich die Reihen der Vertreter Ihrer Streitkräfte abschritt und sie gehören zweifellos zu den besten Soldaten der Welt- sprach ich

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�ich ein feierliches Gebet zu Gott, daß keiner dieser Männer oder ihrer
Landsleute jemals wieder ihr Leben im Kriege lassen möge.
Wie Ministerpräsident Begin es schon so oft erklärt hat.wünscht
Israel wirklich den Frieden.

Daran kann kein Zweifel bestehen, und ich bin

nach meinen Erfahrungen der letzten drei Tage absolut sicher, daß auch
das ägyptische Volk diesen Wunsch nach Frieden voll und ganz teilt.
Während dieser letzten drei Tage habe ich viele Stunden mit Präsident
Sadat darüber gesprochen, wie die endgültigen Einzelheiten eines Friedensvertrages im Zusammenhang mit einem umfassenden Frieden für das gesamte
Gebiet aussehen könnten.
Ministerpräsident Begin und ich werden in Kürze mit der Erörterung
dieser Einzelheiten beginnen, wobei wir dasselbe Ziel vor Augen haben,
nämlich in der gegenwärtigen Situation nach den Mitteln und Wegen sowie
nach der Willenskraft zu suchen, diesen nächsten, entscheidend wichtigen
Schritt zu einem gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten zu
gehen.
Wir sind einander sehr weit entgegengekommen und haben dabei vielleicht
eine größere Entfernung zurückgelegt, als viele von uns erträumt haben.
Unter der starken und mutigen Führung von Ministerpräsident Begin war die
Regierung Israels bereit, schwierige Entscheidungen zu treffen - und zwar,
wie Ihr Präsident gerade erklärt hat - auf der ganzen Linie. Ich brauche
nicht hinzuzufügen, daß es eine Tragödie wäre, wenn wir uns - nachdem wir
so weit gelangt sind - jetzt vom Wege des Friedens abwenden würden. Ich
habe guten Grund zu der Hoffnung, daß das Ziel jetzt erreicht werden kann aber natürlich liegen die letzten Entscheidungen dort, wo sie immer gelegen
haben: bei den gewählten Vertretern des Volkes, das seit so vielen Jahren
direkt unter Zerstörung und Blutvergießen gelitten hat.
Ich sehe dem Abschluß der so dringenden und brennenden Angelegenheiten

- 2 -

�Angelegenheiten während dieses kurzen Besuches entgegen.

Ich überbringe

die besten Wünsche des amerikanischen Volkes und die Grüße von Präsident
Sadat, den ich erst vor einer Stunde verlassen habe, sowie die Hoffnungen
der gesamten Welt.

Die Aufgabe, die zu lösen wir uns gemeinsam bemühen,

verlangt mehr als Vernunft, mehr sogar als Willenskraft.

Sie verlangt

Vertrauen - denn in jedem Falle ist die Aufgabe des Aufbaus des Friedens
eine heilige Aufgabe.

Um mit den Worten des Midrasch (der jüdischen Auslegung

des Alten Testamentes) zu sprechen, "ist der Frieden wichtig, denn Gottes
Name ist Shalom (Frieden)".

Lasst und Frieden finden, laßt uns gemeinsam

Frieden stiften.

+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
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10

14. März 1979

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM ISRAELISCHEN PARLAMENT
- Wortlaut -

JERUSALEM - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 12. März 1979 in einer
Ansprache vor dem israelischen Parlament - der Knesset - noch einmal in aller
Eindringlichkeit seinen Friedensappell an Israel und Ägypten wiederholt. Die
Ansprache Carters hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Ministerpräsident, Sprecher des Hauses, hochverehrte
Mitglieder der Knesset!
Während der letzten 24 Stunden habe ich diese Rede mehrmals umgeschrieben.
Ich habe aus ihr die Verzweiflung herausgelassen und ich habe auf frohe Kunde
und Lobpreis verzichtet. Ich habe mich vielmehr entschlossen eine Rede der Besorgnis, der Vorsicht und Hoffnung zu halten.
Es ist für mich eine Ehre, in dieser Versammlung freier Männer und Frauen
zu weilen, in der sich ein großes und altehrwürdiges Volk und zugleich eine
junge und mutige Nation repräsentiert. Ich überbringe alle guten Wünsche und
den Gruß des amerikanischen Volkes, das mit dem Volk von Israel die Liebe zu
Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden teilt.
Und

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�Und es ist für mich auch eine Ehre, in Jerusalem, dieser heiligen Stadt,
zu weilen, die Jesajas als einen Platz der Ruhe beschreibt, deren Mauern die
Stätte des Ursprungs der Brüderlichkeit und des Friedens für so viele Menschen
auf der Welt in sich birgt.
Die Sache der Brüderlichkeit und des Friedens ist es, um deretwillen ich
hier bin.

Ich bin nach Kairo und hier nach Jerusalem gegangen, um zu versuchen,

die kühnen, tapferen und historischen Bemühungen von Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin zu fördern und zu demonstrieren, daß die Vereinigten
Staaten von Amerika genau so entschlossen sind wie diese beiden führenden Staatsmänner, einen Frieden und eine Freundschaft von Dauer zwischen Ägypten und
Israel zu schaffen und dem Krieg und der Kriegegefahr im gesamten Gebiet des
Nahen Ostens ein Ende zu setzen.
Kein Volk wünscht und verdient den Frieden mehr als das jüdische Volk.
Kein Volk hat ihn so lange ersehnt, keines von ihm in so beredter Weise gesprochen und keines durch sein Ausbleiben so sehr gelitten.

Von Pogrom zu

Pogrom und von Krieg zu Krieg hat Israel seine Söhne und seine Töchter begraben müssen.
Gestern vormittag habe ich in Yad Vashem tiefe Trauer empfunden angesichts
der furchtbaren Zeugnisse der Vergangenheit und der Schrecken dieser Blutopfer.
Das moderne Israel entstand in der Zeit, die sich unmittelbar diesem
historischen Verbrechen anschloß, dessen Ungeheuerlichkeit menschliche Fassungskraft nahezu übersteigt. Ich weiß, daß Israel sich über alles verpflichtet und entschlossen fühlt, daß etwas derartiges auf Erden niemals wieder geschehen darf.
Amerika respektiert diese Entschlossenheit und teilt sie voll und ganz
mit Ihnen und Amerika ist sich dessen bewußt, daß Sorge und größte Vorsicht
für die Juden seit Jahrhunderten und für Israel seit seiner Unabhängigkeit
eine praktische und moralische Notwendigkeit für das überleben gewesen sind.
Und
- 2 -

�Und dennoch haben Sie in den vergangenen Monaten gewaltige Opfer gebracht und große Risiken für den Frieden auf sich genommen.

Diese gläubige

Hingabe an den Frieden, wie sie in Jerusalem und Kairo hervortrat, hat
Männern und Frauen überall auf der Welt ein erneutes Gefühl der Hoffnung gegeben, daß menschliche Vernunft, guter Wille und Glaube erfolgreich sein und
die Barrieren zwischen Völkern niederreißen können, die zu unsern Lebzeiten
nur den Krieg gekannt haben.
Wie Ministerpräsident Begin nach dem Gipfeltreffen in Camp David sagte,
zeigten die erzielten Übereinkommen, daß jedes Problem gelöst werden kann,
wenn nur etwas - und er wiederholte "etwas" - Weisheit da ist. Das sind wahre
und zugleich beruhigende Worte. Ich weiß aus meiner intensiven persönlichen
Beteiligung an diesen Verhandlungen, daß Präsident Sadat und Ministerpräsident
Begin niemals an ihrem oft zum Ausdruck gebrachten unbedingten Eintreten für
den Frieden irre geworden sind.
Präsident Sadat sagte in Kairo, daß nach seinem Willen nichts dem von
uns gemeinsam verfolgten Ziel in den Weg treten soll, einen Friedensvertrag
zwischen Israel und Ägypten zum Abschluß zu bringen und dies zu einem lebendigen Zeugnis der Freundschaft zwischen den beiden benachbarten Staaten zu
machen.
Ich glaube ihm und ich weiß in meinem Herzen, daß Ministerpräsident Begin
und die israelische Regierung mit nicht weniger Hingabe dem gleichen edlen
Ziel verschrieben sind.
Aber wir sind unserer Herausforderung noch nicht voll gerecht geworden.
Trotz unserer unermüdlichen Anstrengungen, trotz des außerordentlichen Fortschritts der letzten sechs Monate sind wir noch immer nicht am Ziel.
Für uns alle besteht nun die ernste Aufgabe und Pflicht, noch einmal all
unsere Energien und all unsere Vorstellungskraft aufzubieten, um die Tragödie
eines Versagens zu bedenken und andererseits das berechtigte Frohlocken, wenn
wir den Frieden bringen.

n.

3

Die
- 3 -

�Die Unterstützung durch die Mitglieder der Knesset wird bei dieser Bemühung natürlich von entscheidender Bedeutung sein.

Unser Weitblick muß so

groß wie unser Ziel seih. Weisheit und Mut werden von uns allen gefordert
- und genauso praktischer Sinn und Realismus.
Wir dürfen diesen entscheidenden Augenblick nicht preisgeben, wir müssen
beten, als hinge alles von Gott ab, und wir müssen handeln, als hinge alles von
uns selbst ab.
Was für einen Frieden erstreben wir?

Spinoza sagte, Frieden sei nicht

das bloße Schweigen der Waffen, sondern er sei eine Tugend, ein Geisteszustand,
die Fähigkeit zum Wohltun, zum Vertrauen und zur Gerechtigkeit.
Auch Amerika teilt diese Vision und wird Israel zur Seite stehen, um sicherzugehen, daß sich diese Vision erfüllt.

Den lebendigen Beweis für diese tiefe

Friedenssehnsucht sah ich in Ägypten bei dem ägyptischen Volk, bei Millionen
von ihnen. Aber wie Sie sind sie besorgt wegen der Ungewißheiten dieses
ersten entscheidenden Stadiums bei der umfassenden Aufgabe, aus den Schwertern
im Nahen Osten Pflugscharen zu schmieden.

Wie Sie hoffen sie, die Feinschaft

für immer zu verbannen, die zwischen den Nachbarn, den Nachbarn seit eh und jeh,
Israel und Ägypten bestanden hat.
Meine Freunde, aus meiner eigenen Erfahrung als Präsident der Vereinigten
Staaten verstehe ich nur zu gut, daß historische Entscheidungen selten leicht
und selten ohne Schmerzen zu treffen sind. Benjamin Franklin, der den Friedensvertrag zwischen England und Amerika nach unserem eigenen Unabhängigkeitskrieg
aushandelte, sagte, daß er keinen Friedensabschluß kenne - und sei es der vorteilhafteste - den man nicht als unangemessen gerügt habe.
Während des Friedensprozesses haben beide, Israel und Ägypten eingesehen,
daß kein Friedensvertrag jedes Ziel beider Nationen einschließen kann. Was
ein Vertrag aber leisten kann, was er weitaus besser als der zerbrechliche
Status quo und unendlich viel besser als die tückischen Spannungen leisten kann,
die entstehen würden, wenn wir mit unseren Anstrengungen weiterhin nicht von
- 4 -

�von der Stelle kommen oder gar scheitern, das ist die lebenswichtigen Interessen sowohl Israels als auch Ägyptens zu schützen und die Möglichkeiten für
einen Frieden für alle Staaten und alle Völker dieses he"mgesuchten Gebietes
zu eröffnen.

Zweifel ist der Stoff, aus dem große Entscheidungen gemacht werden, aber
das gilt auch für Träume.

Wir stehen heute unmittelbar an der Schwelle, um

Israels ewigen Traum von Frieden Wirklichkeit werden zu lassen.

Ich will nicht

so tun, als ob diese Wirklichkeit frei von jeder weiteren Herausforderung sein
werde.

Das wird nicht der Fall sein.

Und das jüdische Volk weiß besser als

jedes andere, daß das Leben selten leicht ist.

Aber wir müssen diesen Anfang machen.

Wir müssen diese kostbare Gelegen-

heit ergreifen.
Vor 57 Jahren hat sich der Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika
der Schaffung eines jüdischen Heimatlandes verschrieben.

Dann hat 26 Jahre

später Präsident Harry S. Truman den neuen Staat Israel anerkannt, nur elf
Minuten nachdem Ihre Nation geboren war.

Sieben Präsidenten haben daran ge-

glaubt und gezeigt, daß die Beziehung Amerikas zu Israel mehr ist als nur eine
besondere Beziehung.
ziehung.

Es handelte und es handelt sich um eine einmalige Be-

Und es handelt sich um eine Beziehung, die unzerstörbar ist, weil

sie in dem Gewissen und der Moral und in der Religion und den Überzeugungen
des amerikanischen Volkes selbst verwurzelt ist..

Lassen Sie mich wiederholen, was ich im vorigen Jahr auf dem Rasen des
Weißen Hauses zu Ministerpräsident Begin am Jahrestag der Gründung des modernen Staates Israel gesagt habe, und ich zitiere:

"Dreißig Jahre lang sind

wir an der Seite der stolzen und unabhängigen Nation Israel gestanden.

Ich

kann als Präsident der Vereinigten Staaten ohne jede Einschränkung sagen, daß
wir das auch weiterhin tun werden, nicht nur weitere dreißig Jahre, sondern
für immer."

Wir
- 5-

�Wir sind uns der Vorteile dieser Partnerschaft für die Vereinigten Staaten
bewußt.

Sie wissen, daß Amerika zutiefst den Frieden zwischen Israel und

Ägypten wünscht, und daß wir alles tun werden, um den Frieden zu ermöglichen.
Die Völker der beiden Länder sind heute zum Frieden bereit.

Die Führer

haben noch nicht unter Beweis gestellt, daß wir genügend zum Frieden bereit
sind, um etwas zu riskieren.

Wir dürfen nicht nachlassen.

Aber mit oder ohne

Friedensvertrag, die Vereinigten Staaten werden immer an der Seite Israels
stehen.
Wenn wir hier in dieser Halle der Freiheit zusammenkommen, dann erinnert
uns das daran, daß wir mehr als durch alles andere durch bestimmte gemeinsame
Ideale und gemeinsame Verpflichtungen und Überzeugungen verbunden sind.

Diese

Knesset selbst ist ein Tempel des Grundsatzes und der Praxis der offenen Debatte.

Demokratie ist ein wesentliches Element der staatlichen Existenz Israels

wie auch der Vereinigten Staaten.
Sie haben unter Beweis gestellt, daß Demokratie auch in einem Land großer
Vielfalt und in einer Zeit der Gefahr und der Instabilität eine stabile Regierungsform sein kann. Aber Israel und die Vereinigten Staaten wurden von
Pionieren geformt. Meine Nation ist auch eine Nation der Einwanderer und
Flüchtlinge, von Menschen, die sich - in beiden Ländern - aus vielen Ländern
zusammengefunden haben, von Träumern, die, und ich zitiere, "durch ihrer Hände
Arbeit und im Schweiße ihres Angesichts" ihre Träume in die Wirklichkeit der
nationalen Existenz verwandelt haben.
Wir haben gemeinsam das Erbe der Bibel, der Anbetung Gottes, der Freiheit des einzelnen, und wir haben gemeinsam den Glauben an kooperative Anstrengungen, selbst angesichts unüberwindbar erscheinender Hindernisse.
In Ländern der Welt, in denen Regierungen diese Werte vorenthalten, blicken
Millionen auf uns und erwarten, daß wir das Recht der Redefreiheit, der Pressefreiheit, das Recht auszuwandern, das Recht auf Ausdruck seiner politischen
Überzeugung, das Recht auf Freizügigkeit, das Recht auf Fami1ienzusammenführung,
- 6 -

�Familienzusammenführung, das Recht auf einen anständigen materiellen Lebensstandard aufrechterhalten.
Das ist die Art unzerreißbarer Bande, die Israel und die Vereinigten Staaten verbinden.

Das sind die Werte, die wir der ganzen Welt zu bieten haben.

Unsere beiderseitige Hingabe an diese Ideale ist eine unversiegbare Quelle in
unserem Streben nach Frieden.
Der Vertrag zwischen Israel und Ägypten, von dem wir hoffen, daß er Ihnen
zur Billigung vorgelegt werden möge, verspricht der Eckstein eines umfassenden
Friedensgebäudes für diese gesamte Region zu werden.
Wir sind uns alle darüber im klaren, daß dieses Gebäude unfertig bleiben
wird, bis der Frieden so weit ausgedehnt werden kann, daß er alle Völker einschließt, die an diesem Konflikt beteiligt sind. Ich kenne und begreife durchaus die Sorgen, die Sie sich machen, wenn Sie an den gewaltigen Umfang der Probleme denken, die selbst nach dem Abschluß eines Friedensvertrages zwischen
Israel und Ägypten noch verbleiben werden. Und wenn die Zeit kommt, die Entscheidungen über die Lösung dieser Probleme zu treffen, dann erinnern Sie sich
an das Versprechen, das ich Ihnen heute erneut gebe: Die Vereinigten Staaten
werden niemals ein Abkommen oder eine Maßnahme unterstützen, das die Sicherheit
Israels gefährden würde.
Wir müssen mit angemessener Vorsicht vorgehen.
klaren.

Darüber bin ich mir im

Aber wir müssen vorgehen.

Es ist übrigens noch kaum zwei Jahre her, da wären die Schritte, die heute
bereits getan worden sind, noch undenkbar gewesen. Wir wissen, daß Konfrontation die Differenzen größer erscheinen läßt. Aber der Prozeß der Verhandlung
umschreibt die Differenzen, definiert die Differenzen, isoliert sie von den
größeren Bereichen gemeinsamer Interessen und macht so die Klüfte, die bestehen,
überbrückbarer. Den Beweis dafür haben wir in den letzten 16 Monaten erlebt.

In

�In Camp David schmiedeten Ministerpräsident Begin und Präsident Sadat
zwei Rahmen für das Gebäude eines umfassenden Friedens.

Das Geniale dieser

Leistung besteht darin, daß die Verhandlungen innerhalb dieser Rahmen unabhängig voneinander weitergehen können, ohne jedoch die offensichtliche Beziehung zwischen ihnen zu zerstören.
Sie sind darauf angelegt, sich gegenseitig zu bestärken mit all der inneren Flexibilität, die notwendig ist, um den umfassenden Frieden zu fördern, den
wir alle wünschen.

Beide Rahmen werden nur ausgefüllt werden, wenn andere

Ihrer arabischen Nachbarn dem visionären Beispiel von Präsident Sadat folgen,
wenn sie alte Animositäten hinter sich lassen und sich bereit erklären, wie
Sie es wünschen, wie Sie es bereits mit Präsident Sadat getan haben, über eine
ehrenhafte Beilegung der Differenzen mit Ihnen zu verhandeln.
Es ist wichtig, daß die Tür zu all den am Konflikt beteiligten Parteien
offen bleibt, einschließlich der Palästinenser, mit denen Israel vor allem ein
gemeinsames Interesse hat, in Frieden und in gegenseitiger Achtung zu leben.
Der Frieden im Nahen Osten, der schon immer für die Sicherheit der gesamten
Region wichtig war, ist in den letzten Wochen ein noch dringlicheres Anliegen
geworden.
Die Sicherheit Israels wird nicht nur davon abhängen, wie die Verhandlungen
die Situation an Ihren Grenzen berühren, sondern auch davon, wie sie die Kräfte
der Stabilität und der Mäßigung jenseits Ihrer Grenzen beeinflussen.
Ich bin überzeugt, daß auf lange Sicht nichts mehr zur Schaffung einer
aufgeschlossenen Atmosphäre bei jenen entfernteren Kräften beitragen kann, als
ein gerechter Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten.
Die Risiken des Friedens zwischen Ihnen und Ihren ägyptischen Nachbarn
sind real.

Aber Amerika ist bereit, jedes Risiko zu verringern und alle Risi-

ken im Rahmen unserer Stärke und unseres Einflusses auszugleichen.
Ich
- 8 -

�Ich bin als Vertreter des stärksten Landes der Erde nach Israel gekommen.
Und ich kann Ihnen versichern, daß die Vereinigten Staaten von Amerika die Absicht haben, diese Macht im Sinne eines stabilen und friedlichen Nahen Ostens
einzusetzen.
.

•

•

Wir haben ein zentrales Engagement in dieser Region und wir werden politisch, wirtschaftlich und militärisch engagiert bleiben.
Freunden beistehen.

Wir werden unseren

Wir sind bereit» unsere Stärke Israel zur Seite zu stellen,

wenn Sie dies wollen, um die Sicherheit und das Wohlergehen Israels zu gewährleisten.
Wir kennen die Sorgen Israels in vielen Fragen.
um eine ausreichende Ölversorgung.

Wir kennen Ihre Sorge

Im Zusammenhang mit dem Frieden sind wir

bereit, diese Versorgung zu garantieren.
Ich habe, wie Sie wissen, unsere Nation erst vor einigen Tagen in meinem
eigenen Lande auf diese Verpflichtung neu verpflichtet. Wir wissen, daß sich
Israel Sorgen macht, daß der Preis für den Frieden mit Ägypten eine bereits
schwierige wirtschaftliche Situation noch verschärfen und noch mehr erschweren
könnte, die wesentlichen Sicherheeitserfordernisse Ihres Landes zu erfüllen.
Im Zusammenhang mit dem Frieden sind wir bereit, dafür zu sorgen, daß
die wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen Israels zu den Vereinigten
Staaten neue, starke und bedeutsamere Dimensionen annehmen als sie bereits
existieren.
«

Wir werden nicht nur daran arbeiten, den Frieden zu erreichen, sondern
auch den Frieden zu erhalten - in der Erkenntnis, daß dies eine ständige Aufgabe unserer Zeit ist.
Wir werden uns erneut den Idealen verschreiben, die unsere Völker gemeinsam haben.

Diese Ideale sind nicht nur die Quelle unserer Stärke, sondern auch

unserer Selbstachtung als Nationen, als

Führer und als einzelne.
Ich

- 9 -

�Ich stehe heute hier um zu bekräftigen, daß die Vereinigten Staaten immer
die beiderseitigen Vorteile der Stärke und der Sicherheit Israels anerkennen,
schätzen und achten werden.

Und ich stehe hier, um meine tiefempfundene und

leidenschaftliche Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß wir erfolgreich zusammenarbeiten werden, um diesen Frieden zustande zu bringen.
Der Midrasch (die jüdische Auslegung des Alten Testaments) sagt uns, und
ich zitiere:

"Frieden ist das Strohbund, das die Garbe der Wohltaten bindet."

Aber das Strohbund ist, wie wir wissen, empfindlich und leicht zu zerreißen.
Laßt uns zu Gott beten, daß er unsere Hand lenke. Millionen von Männern,
Frauen und Kindern in Israel und Ägypten und darüber hinaus in dieser Generation
und in kommenden Generationen verlassen sich auf unser Können und verlassen
sich auf unseren Glauben.
Lassen Sie mich mit den Worten eines Sabbath-Gebetes sagen: "Möge der,
der Frieden in den Höhen des Himmels regieren läßt, den Frieden auf uns herabkommen lassen, auf ganz Israel und auf die ganze Welt."

+ + + + +

- 10 -

�Dokumentation

I 1

t

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. März 1979

10

ERKLÄRUNG CARTERS VOR SEINEM ABFLUG AUS ISRAEL
- Wortlaut -

TEL AVIV

- (AD) - Vor seinem Abflug aus Israel hat Präsident Carter

am 13. März 1979 eine Erklärung abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:
Herr Präsident, Herr Ministerpräsident, Freunde,
wenn wir jetzt nach Kairo fliegen und von dort in mein eigenes Land
zurück, möchte ich Ihnen im Namen meiner Frau Rosalynn, in meinem eigenen
Namen sowie im Namen der gesamten amerikanischen Delegation unseren Dank
für die Gastfreundschaft der Regierung Israels und des israelischen Volkes
sowie für Ihre Freundlichkeit aussprechen.
Ich kam hierher im Dienste einer Sache, die uns alle verbindet
und die Israel, Ägyptern und die Vereinigten Staaten von Amerika vereint:
in der heiligen Sache des Friedens. Wir haben während der letzten drei
Tage über diese Sache gesprochen und diskutiert. Wir sprachen als Freunde
miteinander, und unsere Gespräche wurden durch die Offenheit, die Ehrlichkeit

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Tel: 02221-89 3 2 4 0
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�Ehrlichkeit und den gegenseitigen Respekt und die beiderseitige Sorge
charakterisiert, die von einer wahren Freundschaft verlangt werden.
Wir haben uns in unseren Gesprächen auf die Meinungsverschiedenheiten konzentriert, die im Prozess des Friedens immer noch zwischen
Ägypten und Israel vorhanden sind - Meinungsverschiedenheiten, die jetzt
im Vergleich zu den weitaus größeren Gebieten der Übereinkunft sehr klein
sind.
Es wurden gute Fortschritte erzielt.

Es bestehen jetzt weniger

Meinungsverschiedenheiten als vor meiner Ankunft, und die Differenzen,
die immer noch verbleiben, sind wesentlich eingeengt worden.
Gestern abend fanden weitere intensive Gespräche zwischen den Mitgliedern des israelischen Kabinetts und der Delegation der Vereinigten
Staaten über die zwei oder drei schwierigsten Fragen statt, und heute
vormittag - aufbauend auf diesen Gesprächen - konnten Ministerpräsident
Begin und ich weitere wesentliche Fortschritte erzielen.
Ich fliege jetzt nach Kairo, um mit Präsident Sadat die hier geführten Gespräche sowie den Fortschritt zu erörtern, den wir gemeinsam
erzielen konnten.
Wenn ich jetzt abreise, so möchte ich noch einmal wiederholen, was
ich gestern in der Knesset erklärt habe.
und Israel ist mehr als stark.

Die Freunschaft zwischen Amerika

Sie ist unzerstörbar.

In den letzten drei Tagen war ich zutiefst beeindruckt von den
ungewöhnlichen Zeugnissen des Glaubens und Ausharrens angesichts der
Not, wie sich Israel in seiner Geschichte darstellt.
Präsident Sadat, Ministerpräsident Begin und ich sind weiterhin

�weiterhin entschlossen, alles uns zur Verfügung Stehende einzusetzen,
um die Friedensverhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen,
Wir werden es schaffen.
Ich danke Ihnen sehr.

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�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

14. März 1979

ERKLÄRUNG CARTERS VOR DEM ABFLUG AUS KAIRO
- Wortlaut -

KAIRO
(AD)
Präsident Carter hat am 13. März 1979 auf dem Flughafsn von Kairo nach einem längeren Gespräch mit Präsident Sadat kurz vor
seinem Abflug nach Washington folgende Erklärung abgegeben:
Ich habe eine Erklärung abzugeben, die ich für außerordentlich
wichtig halte.

Ich habe Präsident Sadat soeben einen umfassenden Bericht

über meine Gespräche in Israel gegeben.
Während dieses Besuchs haben die Vereinigten Staaten Vorschläge zur
Lösung einer Reihe noch offenstehender Probleme unterbreitet - Vorschläge,
die von Ministerpräsident Begin und seinem Kabinett angenommen wurden.
Auch Präsident Sadat hat diese Vorschläge nun angenommen.
Auf der Grundlage der Gespräche in Ägypten und Israel habe ich ferner
Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin Vorschläge der Vereinigten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Vereinigten Staaten für eine Lösung der noch wenigen verbleibenden Probleme
vorgelegt.
Heute früh hat Ministerpräsident Begin sich einverstanden erklärt,
diese Vorschläge seinem Kabinett zur Erörterung vorzulegen.

Das wird

so bald wie möglich geschehen.
Präsident Sadat hat all diese noch verbleibenden Probleme sorgfältig
geprüft und hat dieselben Vorschläge akzeptiert.
Ich habe soeben Ministerpräsident Begin telefonisch von der Annahme
der Vorschläge durch Präsident Sadat unterrichtet.
Ich bin überzeugt, daß wir jetzt all die Hauptkomponenten des Friedensvertrages zwischen Israel und Ägypten definiert haben, der ein Eckpfeiler
einer umfassenden Friedenslösung für den Nahen Osten sein wird.

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�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

14. März 1979

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS BEI SEINER RÜCKKEHR NACH WASHINGTON
- Wortlaut -

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat zum Abschluß seiner

Nahost-Friedensmission vom 7. bis 14. März 1979 nach seiner Rückkehr auf
dem Luftwaffenstützpunkt kurz nach Mitternacht (13. auf 14. März Ortszeit;
0630 Uhr 14. März MEZ) die Hoffnung ausgesprochen, daß der Grundstein
zu einer umfassenden Friedensregelung gelegt sei. Er hat an die führenden
Politiker in aller Welt appelliert, Ägypten und Israel in ihren Friedensanstrengungen zu unterstützen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich danke für den Empfang. Ich möchte Außenminister Vance bitten,
hier neben mich auf das Podium zu kommen.
Vizepräsident Mondale, Sprecher O'Neill, Senator Bird, Mitglieder
des Kongresses - die Sie in einer so zahlreichen Gruppe hier sind Mitglieder meines Kabinetts, Freunde und Mitbürger,
Sie sehen

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Sie sehen einen müden aber dankbaren Mann,
Alle, die wir diese Reise unternommen haben, schätzen die Gelegenheit, die wir hatten, etwas im Dienste des Friedens zu tun.

Jetzt ist

die Reise zu Ende, und wir sind glücklich, wieder daheim in unserem
eigenen Lande, unseren geliebten Vereinigten Staaten von Amerika, zu sein.
Es ist schön, so viele vertraute und willkommene Gesichter zu sehen,
und ich möchte Ihnen danken, daß Sie mitten in der Nacht hierher gekommen
sind, um uns zu begrüßen und uns einen der besten Empfänge zu bereiten,
die ich je erlebt habe.

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen.

Wie Sie wissen, sind wir nicht nach Ägypten und Israel gegangen, um
etwas zu bestätigen, was bereits als garantiertes Ergebnis feststand.
Wir gingen dorthin, um unseren Einfluß und unsere guten Dienste geltend
zu machen, um den Führern jener beiden großen Nationen zu helfen, entscheidende Schritte zu dem Frieden zu tun, der von den von ihnen vertretenen
Völkern so heiß ersehnt wird.
Es waren Risiken damit verbunden - viele Leute haben mich auf sie
hingewiesen - politische Risiken für mich als Präsidenten und damit
vielleicht sogar ein Risiko für das Prestige der Vereinigten Staaten.
Glücklicherweise brachte unsere Arbeit ein glückliches Ergebnis. Aber
ich möchte unterstreichen, daß die Sache auch ohne Rücksicht auf das
Ergebnis der Reise der Mühe wert gewesen wäre. Das Risiko eines Fehlschlages sollte uns niemals von dem Streben nach einem Ziel abhalten,
das es wert ist, und kein Ziel ist höher als das eines echten Friedens.
Im Kriege setzen wir unser Leben selbstverständlich aufs Spiel, und wir
dürfen bei dem Streben nach Frieden nicht weniger wagemutig, nicht
weniger standhaft sein.
Seit über 30 Jahren befanden sich die ägyptische und die israelische

�israelische Nation - die immer Nachbarn gewesen sind und immer Nachbarn
bleiben werden - in einem ständigen Stadium der Feindseligkeit.

Diese

Feindseligkeit hat sich vier Mal in einem Krieg entladen, und jeder
dieser Kriege hat Leid und Schmerz, den Verlust von Leben, erneute Furcht
und erneuten Haß und große Gefahren für die gesamte Region und darüber
hinaus für die Welt mit sich gebracht.

Aber in den letzten 16 Monaten

hat sich endlich der Weg zum Frieden eröffnet.

Als ich mich zu dieser

Reise entschied, schienen die Friedensverhandlungen - wie Sie wissen auf einem toten Punkt angekommen zu sein.

Nach viel stündigen Gesprächen

in Ägypten und Israel wurden Vorschläge zur Beilegung aller noch offenstehender Fragen ausgearbeitet.
Alle diese Fragen, bis auf zwei, sind mit Ministerpräsident Begin
und dem israelischen Kabinett bereinigt. In weniger als drei Stunden,
von jetzt an gerechnet, wird der Ministerpräsident die verbleibenden
Vorschläge dem israelischen Kabinett zur Behandlung vorlegen. Ich habe
Anweisung gegeben, mich zu wecken, wenn die Nachrichten gut sind - und
ich bin überzeugt, daß sie gut sein werden.
Wie Sie wissen,hat Präsident Sadat bereits alle Vorschläge akzeptiert.
Wir haben also jetzt die wichtigen Komponenten eines Friedensvertrages
zwischen dem größten und mächtigsten arabischen Land - Ägypten - und
seinem Nachbarn und früheren Gegner - Israel - definiert. Es mag hitzige
innenpolitische Debatten geben, bevor dieser Prozess abgeschlossen ist,
aber der daraus entstehende Vertrag kann der Eckpfeiler einer umfassenden
Lösung sein, einer Lösung, die allen Völkern, die unter dem lang andauernden Konflikt im Nahen Osten gelitten haben, die Segnungen des
Friedens bringen kann.
Die Führer Ägyptens und Israels wagen es heute, den Automatismus
von Bitterkeit und Krieg zu durchbrechen.

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Sie folgen dem Rat des Bibel -

�Bibelspruches:

"Wenn jemands Wege dem Herrn Wohlgefallen, so macht er

auch seine Feinde mit ihm zufrieden."

Indem sie den Frieden wählen, machen

sich Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin zu einer Reise ins Ungewisse auf, aber sie wissen, daß die Vereinigten Staaten von Amerika an
ihrer Seite stehen werden, wenn sie damit beginnen, den Frieden zu einer
lebendigen Wirklichkeit für ihre eigenen Völker werden zu lassen.
Ich bin dankbar, daß die Freundschaft zwischen ihren Ländern, beiden
Ländern, und den Vereinigten Staaten jetzt noch stärker werden wird, da
selbst unsere beiden Freunde miteinander befreundet sind.

Durch private

Botschaften und öffentliche Erklärungen - viele dieser Botschaften wurden
von der Air Force One (dem Flugzeug des Präsidenten) auf der Rückreise
von Ägypten ausgesandt - appelliere ich an alle anderen Führer der Welt,
das zu unterstützen, was Ägypten und Israel getan haben, denn es bietet
Hoffnung für alle, die den Frieden überall auf der Welt lieben.
Meine Freunde, lassen Sie mich Ihnen erneut danken, daß Sie zu unserer
Begrüßung gekommen sind.

Ich glaube, Gott hat unsere Gebete erhört.

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