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1

I

Information
und
pH;i'iiiWiTCT
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. September 1979

38

INHALT

DOKUMENTATION
Rede von Außenminister Vance vor der UN-Vollversammlung
- Wortlaut Brown erläutert den Verteidigungshaushalt der USA
- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats

Carter und Vance würdigen Fortschritte seit Camp David
- Wortlaut der Erklärungen -

HINTERGRUNDMATERIAL
Nachrichtensatelliten-Schaltzentralen am Himmel

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Omni bus mit Turbomotor
- USA erproben Versuchsfahrzeuge auf überlandlinien
Aminosäuren in Antarktis-Meteoriten

Um Übef/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

26. September 1979

REDE VON AUSSENMINISTER VANCE VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyros
Vance hat am 24. September 1979 vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen
die weltpolitische Position der Vereinigten Staaten erläutert und dabei auch
vor einer Verschlechterung des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses gewarnt,
wenn das Problem der sowjetischen Kampftruppen auf Kuba nicht befriedigend gelöst werden könne.

Die Rede von Vance hat folgenden Wortlaut:

Wir kommen in dieser Sitzungsperiode der Vollversammlung an der Schwelle
eines neuen Jahrzehnts zusammen.

Es wird eine Zeit komplexer Herausforderungen sein - eine Zeit, in der
mehr als je zuvor kooperative Anstrengungen von Nationen nicht nur eine Sache
des Idealismus, sondern des direkten Selbstinteresses sein werden.

Das jetzt zu Ende gehende Jahrzehnt ist durch raschen Wandel gekennzeichnet gewesen - weitreichenden und grundlegenden Wandel.
- Wir

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�- Wir haben es mit furchterregenden technologischen Entwicklungen zu
tun.
Die Erringung nationaler Unabhängigkeit hat die politische Geographie
unseres Planeten verändert.
- Innerhalb der Nationen erleben wir ein beschleunigtes Anwachsen wirtschaftlicher, politischer und sozialer Erwartungen des einzelnen.
- Die unerbittliche Feindseligkeit des Kalten Krieges hat einem vielfältigeren Verhältnis zwischen Ost und West Platz gemacht, das Elemente des Wettstreits und der Zusammenarbeit enthält.
- Die simple Vorstellung von einer bipolaren Welt ist überholt.

In zu-

nehmendem Maße breiten sich neue Systeme und Treueverhältnisse aus, und die
politische und militärische Macht verteilt sich immer mehr.
- Auch die Weltwirtschaftsordnung unterzieht sich unerbittlicheren Veränderungen. Viele Länder, die früher zu den benachteiligten gehörten, erringen heute globale Wirtschaftsmacht. Die wirtschaftliche Interdependenz
ist für die Bürger aller Länder zu einer Realität des täglichen Lebens geworden.
Diese tiefgreifenden Veränderungen haben sich meist in konstruktiver
Weise ausgewirkt - sie haben das Leben zum Besseren verändert und neue Möglichkeiten für kollektive Anstrengungen und schöpferische Diplomatie erschlossen.
Aber während diese Entwicklungen zeigen, daß ein Fortschritt möglich ist,
zeigen sie keineswegs, daß er unausweichlich ist. Ich sage das aus zwei Gründen.
Erstens, in einer Reihe von Gebieten wird das Tempo des derzeitigen Fortschritts durch den gewaltigen Umfang der kommenden Herausforderungen minimalisiert.
Das nächste Jahrzehnt wird darüber entscheiden, ob wir die kollektive
Klugheit und den gemeinsamen Willen besitzen, eine Reihe zwingender und miteinander zusammenhängender Probleme zu überwinden, die umfassend gelöst werden
müssen.
- Die

�II»««!" "

- Die Notwendigkeit, neue Formen der Energie zu entwickeln, wird eine
ständige Herausforderung darstellen.

Wir sind in die schwierige Übergangs-

phase von einer Erdölwirtschaft in eine auf anderen Energiequellen basierende
Wirtschaft eingetreten.

- Selbst ohne diese zusätzliche Bürde stehen wir vor der zwingenden
Aufgabe, den Menschen ihre Grundansprüche zu erfüllen und das brandgefährliche
Mißverhältnis

zwischen Reichtum und Verzweiflung zu verkleinern.

Die Nah-

rungsmittelknappheit in den Entwicklungsländern bezifferte sich beispielsweise 1975 auf 12 Millionen Tonnen.

Sie könnte sich bis 1990 auf 70 bis 85

Millionen Tonnen erhöhen, wenn nicht eine starke Erhöhung der Produktion eintritt.

- Wir müssen einen vernünftigen Ausgleich zwischen den überquellenden
Ansprüchen von mehr Menschen nach einem besseren Leben und der unausweichlichen
Realität einer zerbrechlichen Umwelt finden.
- Solche Aussichten tragen den Samen künftigen Streits in sich.

Wenn

diese Saat reift und die Zunahme und die Ausbreitung der Waffen anhält, dann
werden regionale Konflikte umso gefährlicher - was ihre Opfer an Menschen und
Material und was das erhöhte Risiko einer Ausbreitung der Konfrontation angeht.

- Und obgleich wir die Tage der unerbittlichen Feindschaft überwunden haben, können sich die Ost-West-Beziehungen in gefährlicher Weise verschlechtern,
wenn eine Seite die Sicherheitsinteressen der anderen mißachtet.

Unsere Fähigkeit, diese Aufgaben zu meistern, hängt von einem zweiten
Problem ab:

Werden wir uns diesen Herausforderungen gemeinsam stellen und ge-

meinsam profitieren? Oder werden wir uns durch Abneigung teilen und damit beherrschen lassen?

Ich muß ganz offen sagen, daß ich die Antwort darauf nicht sicher weiß.

Es
- 3 -

�Es gibt einige Gründe zur Ermutigung.

In den letzten Jahren wurde es

für die hier versammelten Nationen leichter, in vielen verschiedenen Gremien
eher miteinander als übereinander zu sprechen.
Ost und West sind in die umfassendsten RüstungskontrollVerhandlungen
der Geschichte eingetreten.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten ha-

ben bedeutsame Begrenzungen der strategischen Waffen in einem Vertrag ausgehandelt, der nun auf seine Ratifizierung wartet.
Nord und Süd haben Fortschritte bei Finanz-, Handels- und Rohstoffthemen
erzielt - weit mehr Fortschritt als öffentlich zugestanden wird.

Einigung

wurde erzielt über eine starke Erhöhung der Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die Darlehen durch die multilateralen Entwicklungsbanken

sind angestiegen.

Ausgedehnte Handelsmöglichkeiten haben sich durch die kürz-

lich abgeschlossenen Handelsverhandlungen eröffnet. Auch in anderen Bereichen
sind wir vorangekommen - wie etwa bei den internationalen Schulden und bei
einem Gemeinsamen Rohstoffonds.. Wir sollten diesen Fortschritt erkennen
und auf ihm aufbauen.
Auch in Richtung auf eine Lösung einiger tiefverwurzelter regionaler
Streitigkeiten haben wir Schritte unternommen.
Aber gleichzeitig bin ich besorgt darüber, daß Faktoren am Werk sind,
die diesen kooperativen Trend umkehren könnten.
Der Ernst der Probleme, denen wir gegenüberstehen, könnte Länder dazu
veranlassen, ihre eigenen separaten Vorteile auf Kosten der internationalen
Zusammenarbeit zu verfolgen. In Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten wird
es sogar für verhältnismäßig wohlhabende Länder schwieriger, über ihre eigenen internen Anliegen hinauszublicken und sich den internationalen Bedürfnissen zu stellen. Die Geschichte lehrt uns in eindrucksvoller Weise, daß
Not kurzfristige Abkapselung hervorbringen kann. Not kann Instinkte der Selbsterhaltung auf Kosten der anderen wecken. In solchen Zeiten erheben sich die
- 4 -

�die Stimmen des wirtschaftlichen Nationalismus in allen unseren Ländern.
Wir müssen ihnen widerstehen.
Genauso müssen wir den Stimmen der internationalen Konfrontation widerstehen.

In einer Reihe internationaler Verhandlungen - politischen wie wirt-

schaftlichen - haben wir uns durch einige der schwierigsten Themen hindurchgearbeitet, die zur Debatte standen.

Nun dürfen wir uns nicht dem Gefühl der

Vergeblichkeit hingeben und eine Spirale der Rhetorik freisetzen, die das
Trennende eher vertieft als es zu überbrücken.

Wir können uns den Herausforderungen der achtziger Jahre stellen, wenn
ein jeder der hier Versammelten sich der Verantwortung stellt, die wir alle
teilen.
Unsere vorrangigste Aufgabe besteht darin, die Suche nach dem Frieden
fortzusetzen und die Gefahr und Zerstörungskraft des Krieges zu vermindern.

Die Zukunft zweier Regionen - des Nahen Ostens und des südlichen Afrikas hängen von den wesentlichen Entscheidungen ab, die in den kommenden Monaten
gefällt werden.

Wir sind der Meinung, daß der Vertrag vom 26. März 1979 zwischen Ägypten
und Israel die dem arabisch-israelischen Konflikt innewohnenden Gefahren vermindert und einen Grundstein für einen Ausgleich gelegt hat, der dauerhaft
und gerecht sein kann.

Aber der spektakuläre Friedensschluß zwischen Israel und Ägypten und
die erfolgreiche Ausführung der ersten Schritte des Friedensvertrags haben
die Notwendigkeit nicht verschleiern können, auf einen Frieden zwischen Israel
und seinen anderen Nachbarn hinzusteuern.

Es bleibt in der Tat die feste Ansicht meiner Regierung, daß weiterer
Fortschritt in Richtung auf einen umfassenden Frieden wesentlich ist.
Wir
- 5-

�Wir wissen, daß eine endgültige Regelung sich den legitimen Rechten des
palästinensischen Volkes zuwenden muß. Die Frage der Palästinenser muß in
allen ihren Aspekten gelöst werden.
Während der Friedensprozeß sich weiterentwickelt, ist es unser tiefster
Wunsch, daß Vertreter des palästinensischen Volkes und der Regierungen von
Jordanien und Syrien sich dieser Suche anschließen mögen.
Dies steht in Übereinstimmung, ja, unterstreicht, unsere unerschütterliche Verpflichtung gegenüber Israels Sicherheit und Wohlergehen - jetzt
und in der Zukunft.
Keine der in diese schwierigen Verhandlungen verwickelten Parteien mächt
sich Illusionen darüber, daß die Lösung der palästinensischen Frage leicht
sein wird.

Aber die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß Fortschritte

auf dieses Ziel hin gemacht werden.
Die Erhaltung der Integrität des Libanon ist für den Frieden im Nahen
Osten ebenfalls entscheidend. Es gibt jetzt eine leicht verwundbare Feuereinstellung im Südlibanon. Aber wir brauchen nicht nur eine Feuereinstellung,
wir brauchen einen weitgreifenden Waffenstillstand. Auf dieses Ziel werden
wir in unseren Gesprächen mit den anderen interessierten Regierungen hier
in dieser Vollversammlung hinarbeiten. Der Libanon hat schon viel zu viel
gelitten.
Der Wunsch nach Frieden wird von allen Völkern des Nahen Ostens geteilt.

Wir erkennen, daß es Meinungsverschiedenheiten darüber gibt, wie

man dieses gemeinsame Ziel am besten erreichen könnte. Wir glauben daran,
daß der von uns eingeschlagene Weg der richtige ist - in der Tat der einzige,
der praktische Ergebnisse gezeitigt hat. Wir rufen all diejenigen auf, die
ehrlich den Frieden suchen, sich uns bei diesem Unternehmen anzuschließen.

Ein

�Ein Schritt in Richtung auf den Frieden ist auch beim RhodesienKonflikt unternommen worden.

Die Parteien führen jetzt Verhandlungen über

eine Lösung, die eine echte Mehrheitsherrschaft mit wesentlichen Rechten
für die Minderheit verbinden könnte.

Die britische Regierung, die Länder

des Commonwealth und die Parteien selbst verdienen höchste Anerkennung für
diesen neuen Schritt.

Ein übereinkommen über eine faire Verfassung und

Neuwahlen - wie dies im Lusaka-Kommunique gefordert wird -, könnte die
großen Qualen des Krieges beenden.

In Namibia habenwir beträchtliche Fortschritte gemacht.
bleiben Hindernisse.

Aber noch

Die Kontaktgruppe arbeitet mit den betroffenen Par-

teien zusammen, um Wege zur Lösung der wenigen noch ausstehenden Themen zu
finden.

Wir unterbewerten die Schwierigkeiten nicht, aber keiner von uns

sollte andererseits die Möglichkeiten unterschätzen, die eine Regelung für
das gesamte südliche Afrika bringen würde.

Bei den meisten Verhandlungen kann man am ehesten durch einen stufenweisen Fortgang Fortschritte erzielen.
nen lösen.

Einen Knoten kann man nie von in-

Wir müssen bei den Teilen beginnen, die wir greifen können

und dann den Weg zum Ende des Problems gehen.

Die Geschichte wird hart mit uns ins Gericht gehen, wenn wir uns unsere Chancen für einen Frieden entgleiten lassen.

Im Fortgang der Ver-

handlungen werden die Themen, denen wir uns zuwenden, immer schwieriger.
Aber wir dürfen nicht zulassen, daß Befürchtungen und Begierden, die vor
uns liegen, den bereits erzielten Fortschritt untergraben.

Während wir um die Lösung dieser und anderer Konflikte ringen, müssen
wir auch der Tatsache ehrlich ins Gesicht sehen, daß unsere Erde von denjenigen gequält wird, die Unschuldige bekriegen, wie wir gerade vor ein
paar Wochen durch den tragischen Tod von Lord Mountbatten sahen.

Wir

brauchen mehr internationale Zusammenarbeit, um die barbarischen Praktiken
der Terroristen zu bekämpfen. Die Vereinigten Staaten unterstützen voll
und ganz die grundlegenden Elemente der entworfenen Konvention, die die
- 7 -

�die Geiselnahme ächten soll.

Der Abschluß dieses Vertrags wird zu einer

wachsenden Übereinstimmung darüber beitragen, daß Terrorismus nicht toleriert werden wird - ungeachtet der politischen Sache, die seine Täter zu
verfolgen vorgeben.
Schließlich bringt die Notwendigkeit des Friedens eine internationale
Verpflichtung mit sich, die Verbreitung und die Anhäufung von Waffen zu beschränken.
Eine besondere Verpflichtung fällt dabei den größeren Nuklearmächten
zu - den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion -, um den Wettstreit bei
den strategischen Waffen zu zügeln.

Der SALT II-Vertrag kann ein wichtiger

Schritt auf die Erfüllung dieser Verpflichtung hin sein.
Dem Ziel der strategischen Stabilität wird weiterhin gedient, wenn die
Sowjetunion, Großbritannien und die Vereinigten Staaten in der Lage sind,
Einigkeit über ein umfassendes Kernversuchsverbot zu erzielen.
Während die nuklearen Supermächte einen Weg suchen, um zu gegenseitiger
Zurückhaltung zu gelangen, müssen alle Nationen aber auch die direkte Bedrohung ihrer Sicherheit durch die Weiterverbreitung von Kernwaffen erkennen.
Entwicklungen im Lauf der letzten Jahre können den Anstrengungen bei der Nonproliferation neuen Schwung verleihen - einschließlich eines Fortschritts bei
den internationalen Bemühungen um die Bewertung des Kernbrennstoffzyklus,
die uns bei der Auffindung von sichereren Wegen helfen können, um die Kernenergie für die Menschheit zu entwickeln; einschließlich der Verstärkung
der IAEA-Sicherheitsbestimmungen; der beträchtlichen Zunahme der Signatarstaaten des Nonproliferationsabkommens; des Inkrafttretens des Vertrags von
Tlatelolco, der nun endlich in unmittelbarer Reichweite zu sein scheint;
sowie der Verpflichtung einer Reihe von Nuklearmächten,unter bestimmten Umständen von der Verwendung von Kernwaffen gegen Nichtnuklearstaaten abzusehen. Aber es gab auch ernste Rückschläge: weitere Absichtserklärungen zur
Beschaffung von Kernwaffen unter Mißachtung der innewohnenden Gefahren für
die regionale und internationale Sicherheit. Die Konferenz zur Überprüfung

�Überprüfung des Nonproliferationsvertrags im nächsten Jahr wird eine gute
Gelegenheit zur Inventur sein - und zur Verdopplung unserer Anstrengungen,
um Fortschritte bei dieser dringenden internationalen Priorität zu erzielen.

Neben der Suche nach Frieden teilen wir eine zweite Verantwortung:
Wir müssen empfänglich sein für die internationalen Auswirkungen unserer
nationalen wirtschaftlichen Entscheidungen und der Versuchung widerstehen,
unsere Wirtschaftsprobleme auf Kosten anderer zu lösen.

Die Unklugheit des wirtschaftlichen Nationalismus wurde in der Vergangenheit grausam demonstriert.

Die Weltwirtschaftskrise vor einem halben

Jahrhundert wurde durch eine Welle des Protektionismus ausgeweitet, vertieft und verlängert.

Die Erinnerung daran hat uns zu einem neuen multila-

teralen Handelsabkommen angespornt - in der Absicht, Märkte zu eröffnen
und sieoffen zu halten, sogar in einer Zeit des wirtschaftlichen Drucks.

Lassen Sie mich heute auf ein Thema eingehen, das am deutlichsten die
direkte Verbindung zwischen nationalen Entscheidungen und globalen Folgen
widerspiegelt.

Dieses Thema ist die Energie.

In fast keinem anderen Be-

reich ist die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns deutlicher und drinoender.
Sie ist ein Thema, das uns jetzt zu entzweien droht - wirtschaftlich und
politisch.

In einer Zukunft der größeren Knappheit, könnten diese Entzwei-

ungen das Gefüge des guten internationalen Einvernehmens schwächen, das diese Organisation verkörpert.

Alle Nationen werden leiden, wenn nicht alle Nationen verantwortungsbewußt handeln:

in ihrem Energieverbrauch, bei der Festsetzung der Preise,

bei der Produktion.

Trotz einer schwierigen Prognose hinsichtlich unserer Energiezukunft,
glaube ich daran, daß die Grundlage für einen Fortschritt vorhanden sein
könnte.

Bis
- 9 -

�Bis in die siebziger Jahre hinein handelten die modernen industriellen
Volkswirtschaften nach zwei grundlegenden Annahmen, die auch die Beziehungen
zwischen den ölimporteuren und den ölexporteuren regierten: daß öl billig
sei und die Vorräte unerschöpflich.

Jetzt erkennen alle Länder, daß diese

beiden Annahmen nicht mehr richtig sind.
Die auf dem Tokioer Gipfeltreffen seitens der wichtigsten Industrieländer
eingegangenen Verpflichtungen beweisen dies deutlich.

Meine Regierung unter-

nimmt ehrgeizige Anstrengungen, um das Energieproblem anzupacken, und bemüht
sich, diese Verpflichtungen noch zu erweitern.
- Präsident Carter hat die Vereinigten Staaten darauf festgelegt, im
Jahre 1979 nicht mehr als 8,2 Millionen Barrel öl pro Tag einzuführen und
niemals die Höchstgrenze unserer Importe zu überschreiten, die 1977 erreicht
wurde.
- Der Gesamtbetrag für Forschung und Entwicklung in den USA auf dem
Energiesektor beläuft sich in diesem Jahr auf 3,2 Milliarden Dollar.

Für

die Entwicklung und die Nutzung der Sonnenenergie investieren wir in diesem
Jahr allein 528 Millionen Dollar und im nächsten Jahr 600 Millionen Dollar.
- Wir weiten die Entwicklung synthetischer Brennstoffe beträchtlich
aus, um Nutzen aus den reichlich vorhandenen Kohle- und ölschiefervorkommen
in unserem Lande zu ziehen.
Ein großer Teil dieser neuen Energietechnologie wird auch in anderen Ländern angewandt werden können. Wir werden bestrebt sein, sie anderen unter
beiderseitig zufriedenstellenden Bedingungen zur Verfügung zu stellen. Denn
wir sind uns darüber im klaren, daß wir durch die Unterstützung anderer bei
der Lösung ihrer Energieprobleme dazu beitragen, unsere eigenen zu lösen.
Lassen Sie mich aufzeigen, auf welche Weise wir bereit sind, mit anderen
zusammenzuarbeiten, damit wir unserem gemeinsamem Energiebedarf gerecht werden:
- Wir
- 10 -

•

�- Wir haben zusammen mit anderen Industrieländern der Schaffung einer
provisorischen internationalen Technologiegruppe zugestimmt, die Mittel und
Wege zur Ausweitung der internationalen Beteiligung an der kommerziellen Entwicklung alternativer Brennstoffe empfehlen wird.
- Ich habe im vorigen Jahr feierlich zugesichert, daß die Vereinigten
Staaten mehr tun würden, um ihre technischen Talente für die Entwicklung anderer zu mobilisieren. Ich freue mich, Ihnen berichten zu können, daß wir
im nächsten Monat ein Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit einrichten werden. Dieses Institut wird für die Verwirklichung
der Ziele arbeiten, die von der Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienste der Entwicklung festgelegt wurden. Es wird
mithelfen, die Menschen in den Entwicklungsländern in den Genuß unserer Technologien kommen zu lassen - und es wird mithelfen, deren eigene technologische
Kapazität zu erweitern. Der die Politik festlegende Rat des Instituts wird
Experten aus den Entwicklungsländern einschließen. Die Enlwicklung der Energie
wird zu seinen höchsten Prioritäten gehören.
- Wir werden aktiv an den Vorbereitungen für die Weltkonferenz für neue
und erneuerungsfähige Energie im Jahre 1981 mitarbeiten.
- Auf dem kürzlichen Weltwirtschaftsgipfel wurde die Weltbank aufgefordert, die Führung bei der Koordinierung unserer Unterstützung der Entwicklungsländer auf dem Energiesektor zu übernehmen.

Wir schlagen vor, daß die Welt-

bank eine Expertengruppe zusammenruft, um die Frage der Forschung, der Entwicklung und der Ausbildung im Energiebereich im einzelnen zu überprüfen.

Ins-

besondere könnte diese Gruppe sich ein Bild verschaffen über die Arbeit der
bereits bestehenden Energieforschungs- und Ausbildungszentren in den Entwicklungsländern, und zwar nationaler wie internationaler.

Darüber hinaus könnte

sie Vorschläge unterbreiten, wie die gegenwärtigen Institutionen gestärkt
werden können und ob neue multilaterale Institutionen ins Leben gerufen werden
sollten.
- Wir

�- Wir unterstützen die Erweiterung des Programms der Weltbank zur Erforschung und Entwicklung mineraler Brennstoffe.
- Die Bank prüft gegenwärtig ebenfalls, ob örtliche Programme der Entwicklungsfinanzierung angemessen sind, um die rasche Anwendung von Sonnenenergie,
kleinen Wasserkraftwerken sowie anderen erneuerungsfähigen Energietechnologien
in den Entwicklungsländern zu unterstützen.
- Die Interamerikanische Entwicklungsbank hat die Schaffung einer Fazilität empfohlen, die eine politische Risikoversicherung sowie Anleihegarantien
für private Investitionen in Energie- und Mineral Projekte in ihrem Bereich
gewähren soll.

Dies könnte eine wirksame

gieentwicklung anzureizen.

Methode sein, um zur dortigen Ener-

Wir sind bereit, diese Initiative mit der Bank

weiterzuverfolgen und mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um einen akzeptablen Vorschlag zu entwickeln.
So wie die Industrienationen jetzt ernsthafte Anstrengungen machen,um
ihren ölbedarf einzuschränken, und den Entwicklungsländern helfen, ihren großen
Energieaufgaben zu entsprechen, rückt die Frage immer mehr in den Mittelpunkt,
ob die öl produzierenden Länder bereit sind, die Preise zu stabilisieren und
- soweit dies in ihrer Macht steht - eine angemessene Versorgung zu garantieren. Sollte dies nicht geschehen, dann hätte das weiterhin harte Konsequenzen
für die Weltwirtschaft, insbesondere für die ärmeren Länder.
Wir haben Verständnis für den ganz natürlichen Wunsch der öl exportierenden
Länder, mit dieser wertvollen Quelle für zukünftige Generationen haushälterisch umzugehen. Und wir akzeptieren die Tatsache, daß ölpreise nicht nur den
Umfang der Nachfrage, sondern auch - langfristig gesehen - die Knappheit der
Vorräte reflektieren müssen - solange diese Knappheit nicht herbeigezogen
wird, um die Preise zu manipulieren.
Aber die ölproduzenten müssen begreifen, daß es eine Grenze gibt, bis
zu der die Volkswirtschaften der ölverbrauchenden Länder sowie die Weltwirtschaft gehen können.
Wir

�Wir alle müssen auf unserem Weg immer verantwortungsvoll vor Augen haben,
daß unsere nationalen Energieentscheidungen tiefgreifende globale Auswirkungen
haben werden - und daß sie eines Tages die Verantwortlichen entweder wieder
heimsuchen oder aber ihnen helfen werden.

Eine dritte Aufgabe ist eine verstärkte Verpflichtung, das Leben unserer Mitmenschen zu verbessern - ihnen das zum Leben Notwendige zu verschaffen,
ihnen die Chance zum Fortschritt zu geben, ihnen eine Mitsprache bei den Entscheidungen zu garantieren, die ihre Zukunft entscheidend beeinflussen werden.

Wir haben auf dem Gebiet der Menschenrechte Fortschritte erzielt, aber
wir müssen noch mehr tun.
Im vorigen Jahr haben einige Länder Schritte unternommen, um den Schutz
des Rechts und demokratische Institutionen wiederherzustellen.

Und wir haben

auch die Schaffung eines interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte,
den nachhaltigen Appell der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) auf
Einrichtung von Menschenrechtsinstitutionen auf dem afrikanischen Kontinent
sowie die Aktivierung der Menschenrechtsverfahren der UNESCO erlebt.

Niemand kann bestreiten, daß die Menschenrechte zu einem immer größer
werdenden Anliegen werden.

Und doch ist es eine traurige Wahrheit, daß -

selbst wo wir hier heute zusammenkommen - Männer und Frauen sich Verfolgung
Tod und Unterdrückung dafür gegenübersehen, daß sie es wagen, die Rechte auszuüben, die vor drei Jahrzehnten in der Charta dieser Körperschaft niedergelegt wurden.

Unsere gemeinsame große Aufgabe ist es, die Bestrebungen und

Hoffnungen aller Menschen auf die menschliche Würde des einzelnen zu fördern.

Unsere Verpflichtung und unser Einsatz müssen sich auf wirtschaftliche
wie auf politische und soziale Rechte erstrecken - denn sie alle sind unerläßlich für die Menschenwürde.

Verbesserungen des wirtschaftlichen Wohlergehens,

Chancen und Möglichkeiten für die Teilnahme am politischen Prozeß sowie ein
wachsendes Verständnis für wirtschaftliche und politische Gleichberechtigung

- 13 -

�Gleichberechtigung können wesentlich dazu beitragen, daß die Mißstände behoben werden, die zu nationalen Erschütterungen und zu internationalen Spannungen führen können.
Wollen wir der Verpflichtung nachkommen, allen Völkern zu einem besseren
Leben zu verhelfen, müssen wir alle darauf bedacht sein, den Nord-Süd-Dialog
über die großen Themen hinausgreifend auf spezifische Fälle zu lenken - auf
besonders dringliche Bereiche, auf denen es möglich ist, praktische Ziele der
Entwicklungsarbeit zu verwirklichen.

Gestatten Sie mir, daß ich in diesem Zu-

sammenhang auf die Anstrengungen zu sprechen komme, die wir unternehmen, um
ein Ziel zu erreichen, das uns allen schon aus einfachen humanitären Gründen
gemeinsam sein sollte: daß bis Ende dieses Jahrhunderts kein Mensch auf dieser
überaus fruchtbaren Erde mehr zu hungern braucht.
Im vorigen Jahr traf ich die Feststellung, daß wir uns durch das gute
Wetter und überreiche Ernten nicht dazu verleiten lassen sollten, in unserem
Bewußtsein der Dringlichkeit dieses Problems nachzulassen.
Seither haben schlechte Ernten in mehreren Ländern die Weltnachfrage nach
Nahrungsmitteln beträchtlich vergrößert. Dieser Sachverhalt unterstreicht
die Notwendigkeit der Anlage ausreichender Vorräte, um die Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen.
Ich versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten alles unternehmen werden,
was sie nur zu tun vermögen, um eine weltweite Ernährungskrise zu verhindern.
Die amerikanische Ernte wird dieses Jahr Rekordhöhenerreichen. Wir haben
für das kommende Jahr alle Beschränkungen des Weizenanbaus aufgehoben. Wir
haben eine im Besitz der Farmer befindliche Getreidereserve angelegt, die durch
die Ansammlung und Abgabe von Vorräten mitgeholfen hat, die Lieferungen zu
stabilisieren.
Ein Weizenabkommen liegt noch immer außerhalb unserer Reichweite.
- 14 -

Wir

�Wir dürfen dieses Ziel aber nicht aufgeben.

Wir sollten die Verhandlungen

über eine neue Ernährungshilfekonvention unverzüglich zum Abschluß bringen.
Der Welternährungsrat fordert ein diesbezügliches Abkommen bis Mitte der
achtziger Jahre.

Wir sind für die Verwirklichung dieser Empfehlung.

Bis

dahin werden wir die Aufstockung der Nahrungsmittelhilfezusage, die die Konvention beinhalten soll, von uns aus erfüllen.

Gleichzeitig muß die Ausweitung der Weltnahrungsmittel Produktion mit großem Nachdruck betrieben werden,

über die Hälfte der amerikanischen Entwick-

lungshilfe entfällt heute auf die Landwirtschaft.

Wir werden uns weiterhin

um eine Hebung der Ertragsfähigkeit der wichtigsten Nahrungsmittelpflanzen,
die Erhaltung der Ertragskraft der Anbauflächen und die Ausweitung der Forschung bemühen, die dem Zweck dient, Methoden zur Steigerung des Ertrags der
traditionellen und auch neu gezüchteter Pflanzenarten zu finden - vor allem
solcher Pflanzen, die auch von ärmeren Bauern angebaut werden können.

Diese Bemühungen genießen die wirksame Unterstützung durch mehrere internationale landwirtschaftliche Forschungsanstalten.

Wir sind für die vorgeschlagene Verdoppelung der Mittel, die diese Forschungsanstalten erhalten sollen, und wir beabsichtigen, unsere Beiträge zu
erhöhen.

Wir hoffen, daß auch andere Länder entsprechende Beiträge leisten

werden.

Wir müssen uns aber darüber im klaren sein, daß diese Anstrengungen auf
lange Sicht zunichte gemacht werden, wenn das Wachstum der Erdbevölkerung nicht
verlangsamt wird.

Die Hälfte der Menschen im fortpflanzungsfähigen Alter

haben noch immer keinen ausreichenden Zugang zu Familienplanungsdiensten.

Wir

müssen uns ernsthaft bemühen, allen Völkern neben Komponenten wie den grundlegenden Gesundheitsdiensten und einer ausreichenden Nahrungsmittel- und Wasserversorgung auch die Familienplanung so rasch wie nur möglich zur Verfügung zu
stellen.

Kurzfristig
- 15 -

�Kurzfristig müssen wir bereit sein, überall dort Notstandshilfe zu
leisten, wo Menschen von Hunger bedroht sind oder Flüchtlinge Schutz suchen
- in Afrika, in Lateinamerika, in Südostasien und wo sonst noch.
Der von Vizepräsident Mondale in Genf unterbreitete Vorschlag zur Errichtung eines Wiederansiedlungsfonds für Flüchtlinge spiegelt unsere Überzeugung wider, daß sich die Völkergemeinschaft auf globaler Basis mit der
weltweiten und sehr ernsten Flüchtlingskrise befassen sollte. Wir fordern
die Völker dringend auf, sich an diesem Fonds zu beteiligen.
Tatkräftige und umfassende internationale Maßnahmen sind erforderlich, um
den Hungernden in Kampuchea Hilfe zu bringen, die gegenwärtig eine der großen
Tragödien unseres modernen Zeitalters erleben.

Zehntausende kranker und hun-

gernder Khmer stauen sich gegenwärtig an der Grenze nach Thailand.
tausende dürften ihnen bald folgen.

Hundert-

Eine noch größere Hunger- und Krankheits-

welle scheint zu drohen - insbesondere angesichts der jüngsten Berichte über
verstärkte Feindseligkeiten.

Um eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes

abzuwehren, muß so bald wie möglich ein internationales Programm humanitärer
Hilfe in Kampuchea eingerichtet werden.
in der Lage sein, ein

Internationale Organisationen müssen

koordiniertes, umfangreiches und wohl durchorganisiertes

Programm der Notstandshilfe für alle hilfsbedürftigen Khmer in Gang zu

^&gt;tzen.

Wir jedenfalls befürworten diesbezügliche Anstrengungen.
Die Ernährungskrise in Kampuchea birgt die Möglichkeit der Vervielfachung
des Flüchtlingsstroms und entsetzlicher Leiden unter allen jenen, die nicht
zu fliehen vermögen. Der Flüchtlingsstrom aus Vietnam, Laos und Kampuchea
hat bereits großes Leid über hunderttausende unschuldiger Menschen gebracht
und den Ländern, in denen sie zunächst um Asyl bitten, schwere Lasten aufgebürdet.
Die Völkergemeinschaft beginnt zu reagieren. Doch humanitäre Maßnahmen
allein reichen nicht aus. Die Völkergemeinschaft muß vielmehr größere und
energischere Anstrengungen unternehmen, den Frieden in jenem Gebiet wiederherzustellen und die Probleme, die die Ereignisse in Indochina zur Folge hatten,

�hatten, durch nicht-militärische Mittel zu lösen.

Sie stellen eine Bedrohung

der Stabilität dieses gesamten Gebietes dar.

Meiner Überzeugung nach können wir die Aufgaben lösen, die uns hieraus
erwachsen.

Wir dürfen allerdings ihre Größe nicht unterschätzen.

Die Beile-

gung regionaler Streitigkeiten und die Einführung neuer Begrenzungen der Instrumente des Krieges erfordern neue Manifestationen des nationalen und internationalen Willens.

Die achtziger Jahre können sehr wohl eine anhaltende

Energiekrise mit sich bringen.
ten Hungersnot »erden.

Sie können ein Jahrzehnt einer weitverbreite-

Wenn es nicht gelingt, die rasch ansteigenden Defizite

der Entwicklungsländer in den Griff zu bekommen, wird die Wirtschaft vieler
unter ihnen stagnieren, wenn nicht sogar zusammenbrechen.

Weltweite Probleme wie diese erfordern weltweite Gegenmaßnahmen.
Die Vollversammlung wird darüber entscheiden, ob eine neue Verhandlungsrunde über Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit für Entwicklungszwecke
eingeleitet werden wird.

Lassen Sie mich heute hier die Feststellung treffen,

daß die Vereinigten Staaten an den Konsultationen im Ausschuß des Plenums
teilnehmen werden, wenn es darum geht, Klarheit über die wirksamste Methode
der Führung solcher Verhandlungen zu treffen.

Sollen neue weltweite Verhandlungen zum Erfolg führen, müssen alle Teilnehmer die politischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten aller anderen realistisch einschätzen.

Wir müssen jenen Problemen Priorität einräumen, bezüg-

lich deren Lösungen konkrete Ergebnisse möglich sind.

Und wir sollten es ver-

meiden, daß es zu Überschneidungen mit der Arbeit bereits bestehender Institutionen kommt.

Auf diese Weise können solche Verhandlungen mithelfen, einen

weltweiten Konsens über die zu treffenden Maßnahmen zustande zu bringen.

Viele der Fragen, die ich hier aufgeworfen habe, stehen bereits an vorderer Stelle auf der Tagesordnung der Vereinten Nationen.

Die Notwendigkeit

der Zusammenarbeit zum Zwecke der Lösung dieser Probleme macht es notwendig,
die Vereinten Nationen noch weiter zu stärken.
waltungsreformen sind dringend notwendig.
- 17 -

Finanz-, Verfahrens- und Ver-

Als erster Schritt fordern wir,

�wir, daß die Empfehlungen des Generalsekretärs, die jetzt von dieser Vollversammlung angenommen wurden, voll und ganz verwirklicht werden.
Die Dringlichkeit der Anliegen, die ich hier dargelegt habe, macht es
notwendig, daß alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen künftig größere Anstrengungen als bisher unternehmen.
Unterscheidungen zwischen Nord und Süd spiegeln ebenso wie die Unterscheidung zwischen Ost und West Unterschiede in den Interessen wider.

Sie sprielen

eine Rolle bei der Definition der strittigen Fragen und bei der Klarstellung
der gegebenen Wahlmöglichkeiten.

Wir müssen uns dazu verpflichten, Bereiche

ausfindig zu machen, auf denen unsere Interessen übereinstimmen.
Jeder von uns hat seine besonderen Qualifikationen, die es zu entfalten
gilt, und auch seine besonderen Ziele, denen er nahezukommen trachtet.
will nicht behaupten, daß es anders sein könnte oder sollte.

Ich

Die Vereinigten

Staaten glauben an eine Welt der Mannigfaltigkeit.
Aber lassen Sie uns hier, hier auf dieser Vollversammlung, den Entschluß
fassen, uns aus unseren gemeinsamen Ansprüchen und unserer gemeinsamen Menschlichkeit heraus der gemeinsamen Suche nach Gemeinsamkeiten zu verschreiben.

+ + + + +

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

26. September 1979

BROWN ERLÄUTERT DEN VERTEIDIGUNGSHAUSHALT DER USA
- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat am 19. September 1979 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats ausführlich zu dem Verteidigungshaushalt 1980 Stellung genommen.

Er ging im

Zusammenhang mit der Ratifizierung von SALT II auch besonders auf die Zusagen
der Vereinigten Staaten gegenüber dem Atlantischen Bündnis ein.

Die Ausführungen Browns haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses,

ich begrüße diese Gelegenheit, über den Verteidigungshaushalt 1980 und
unsere militärische Position gerade im Zusammenhang mit den Anhörungen über
die Ratifizierung des SALT II-Vertrages zu sprechen.

Der Verteidigungshaus-

halt ist der konkrete und unmittelbare Ausdruck unserer Verteidigungspolitik
und unserer Verteidigungsprogramme.

Er bildet die Grundlage für unsere na-

tionale Verteidigungskapazität in nächster Zukunft.

Rüstungskontrolle

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Rüstungskontrolle ist nur eine Seite - wenn auch sicherlich eine wichtige Seite - der Medaille der nationalen Sicherheit.

Es ist daher ganz ver-

ständlich, daß die Anhörungen über die Ratifizierung sich jetzt weitergefaßten Überlegungen sowohl der Rüstungskontrollaspekte als auch der verteidigungspolitischen und programmatischen Aspekte unserer nationalen Sicherheitspolitik zugewandt haben.

Verteidigungshaushalte und unsere Rüstungskontroi 1-

politik lassen sich am besten in einem Zusammenhang erkennen, der beides erfaßt.

Umgekehrt kann man die amerikanische Politik der nationalen Sicherheit

insgesamt nur im Zusammenhang mit den Politiken und Programmen unserer Verbündeten, den Zielen der Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten und den Herausforderungen unserer Gegner richtig bewerten.
Darüber hinaus dürfen wir nicht nur diese "strategischen" oder internationalen
Faktoren in unserer Verteidigungsplanung in Erwägung ziehen, sondern müssen
auch den "strukturellen" oder innenpolitischen Zusammenhang unserer Entscheidungen berücksichtigen.

Zu diesem Zusammenhang gehören unsere amerikanischen

Stärken, wie Technologie und Fachwissen, und unsere amerikanischen Schwächen,
wie Inflation, Energie und konkurrierende Prioritäten im Haushalt.
Wie Ihnen bekannt ist, kündigte der Präsident vorige Woche seine Absicht
an, die wechselseitige Verpflichtung im Bündnis zu einem Realanstieg der Verteidigungsausgaben um drei Prozent pro Jahr durch die Vorlage eines Nachtragshaushalts über 2,7 Milliarden Dollar für das Haushaltsjahr 1980 zu erfüllen.
Dieser Nachtrag ist als Ausgleich für die Tatsache nötig, daß durch die Inflation die Voranschläge für das Verteidigungsbudget des Haushaltsjahres 1980
in solchen Bereichen wie höhere Treibstoffkosten aufgrund des OPEC-Beschlusses
über höhere öl preise, Anstieg der Kosten für die Lagerhaltung, Gütertransport
sowie ungünstigere Wechselkurse übertroffen wurden. Alle diese Veränderungen
sind bereits eingetreten, und die zusätzlichen Kosten sind gewiß. Erhöhte
Treibstoffkosten allein sind für nahezu ein Drittel dieses 2,7 Milliarden
Dollar-Nachtragshaushaltes verantwortlich. Diese Entwicklungen konnten nicht
angemessen im Budget berücksichtigt werden, als es dem Kongreß im Januar vorgelegt wurde. Diese Kostenerhöhungen sind zwar unangenehm, aber sie müssen durch
Erhöhungen im Haushaltsplan ausgeglichen werden, wenn wir unsere Verpflichtung

- 2 -

�Verpflichtung zu einem dreiprozentigen Realanstieg der Verteidigungsausgaben
wirklich einhalten wollen.

Die Einhaltung dieser Verpflichtung ist für unsere nationale Sicherheit
von grundlegender Bedeutung.

Während der letzten 15 Jahre sind die sowje-

tischen Ausgaben für die Streitkräfte ständig angestiegen, während unsere eigenen im Verlauf dieses Zeitraums de facto gesunken sind.

Mit unseren Ver-

bündeten haben wir uns verpflichtet, diesen Trend umzukehren und stattdessen
bescheidene, aber gleichmäßige und deutliche Erhöhungen unserer Ausgaben zu
erreichen.

Wie ich es im einzelnen im Verlauf meiner Darlegungen erläutern

werde, wird dieser Zuwachs in Verbindung mit den Anstrengungen unserer Verbündeten und mit einer wirkungsvolleren Verwendung unserer Mittel es ermöglichen,
auch weiterhin unsere Ziele zu erreichen - nicht nur was die strategischen
Waffen und die NATO anbetrifft, sondern auch im Pazifik und weltweit.

Wenn

wir bei der Erfüllung unserer Verpflichtung versagen, dann werden andere Verbündete - von denen praktisch alle unter den Problemen der Inflation

und der

miteinander im Wettstreit stehenden Forderungen nach Geldmitteln leiden, die
nicht weniger drückend sind als unsere eigenen - noch weit weniger in der Lage
sein, das Ziel zu erreichen.

Unsere Anstrengungen, die darauf abzielen, unsere

Verbündeten zur Erfüllung ihres Anteils zu bewegen, werden völlig untergraben,
wenn wir als Führungsmacht des Bündnisses diese drei Prozent selbst nicht erreichen.

Ich möchte Ihnen heute das Prinzip erläutern, das unserer Zielsetzung
zugrundeliegt, die drei Prozent jährliches Realwachstum bei den Verteidigungsausgaben zu erreichen.

Wie so oft ist es auch hier der Fall, daß einige Mit-

glieder dieses Ausschusses sowie andere Kongreßmitglieder und Teile der Öffentlichkeit

größere Erhöhungen wünschen.

Und es gibt andere, die glauben, daß

unser Vorschlag übertrieben sei. Mein eigenes Urteil geht dahin, daß in diesem
Fall und zu dieser Zeit die richtige Wahl in der Mitte liegt und daß drei
Prozent zu dieser Zeit eine angemessene Zahl ist - nicht weil dieser Zahl eine
besondere Zauberkraft innewohnt, sondern weil die Programme, die eine solche
reale Zuwachsrate finanzierbar macht, angemessen erscheinen, um unsere Ziel-

- 3 -

�Zielsetzungen zu erreichen und den gefährlichen Trends Einhalt zu gebieten,
die wir erkennen.

Die sowjetische Herausforderung
Die Sowjetunion ist sicherlich unser größter und stärkster Konkurrent
auf der internationalen Szene. Sie ist das einzige Land, das den Fortbestand
der Vereinigten Staaten selbst und unserer wichtigsten Verbündeten in Europa,
Asien und in der übrigen Welt gefährden könnte. Vergleichbare Verteidigungsausgaben sind nur ein Anzeichen der Gesamtstärke.
in vieler Hinsicht das stärkste Land der Welt.

Die Vereinigten Staaten sind

Kein anderes Land - sicher

nicht die Sowjetunion - kann sich mit uns hinsichtlich der Wirtschaftskraft,
der politischen Stabilität, der technologischen Möglichkeiten messen oder in
bezug auf Lebensform und internationale Politik solchen Anklang finden.
militärische Macht ist wichtig.

Aber

Angesichts der sowjetischen Militärmacht

müssen wir das Verhältnis der Trends bei den amerikanischen und den sowjetischen Militärausgaben betrachten.

Wenn wir unsere Verteidigungsausgaben

der letzten Zeit mit denen der Sowjetunion vergleichen, dann empfinden wir
die Trends als beunruhigend.

Die sowjetischen Verteidigungsausgaben sind über

mehr als 15 Jahre hinweg jedes Jahr ständig angestiegen.

Mit wachsendem sowjet-

ischen Bruttosozialprodukt sind auch die Verteidigungsanstrengungen gewachsen und machten einen mehr oder weniger konstanten Prozentsatz dieses Bruttosozialprodukts aus. Während der genaue Umfang des sowjetischen Verteidigungshaushaltes nur schwer zu messen ist, so wissen wir doch, daß es die Vereinigten Staaten 45 Prozent mehr als unser gegenwärtiges Budget kosten würde, um
das zu tun, was das sowjetische Militär in diesem Jahr vornimmt.
•

Am wesentlichsten ist die Tatsache, daß der Trend zum weiteren realen
Wachstum unverkennbar ist. Die sowjetischen Ausgaben haben nicht auf die
amerikanische Zurückhaltung reagiert. Wenn wir bauen, bauen sie; wenn wir
unsere Ausgaben kürzen, bauen sie weiter.
Das
- 4 -

�Das Mißverhältnis in unseren Anstrengungen ist beunruhigend, mehr noch
hinsichtlich der Investitionen als der jährlichen Betriebskosten.

In der

Tat haben die Vereinigten Staaten in vielen Bereichen von früheren Investitionen gelebt.

Zum Beispiel haben uns die Sowjets hinsichtlich der Ausgaben

während der letzten zehn Jahre auf dem Gebiet der strategischen Waffen in
einem Verhältnis von zwei oder drei zu eins übertroffen und haben als ein Ergebnis tatsächlich einen Stand der Gesamtparität erreicht.

Ein vernünftiges

weltweites Gleichgewicht herrscht noch dank unserer früheren Anstrengungen,
aber wenn wir nicht handeln, wie es das Programm vorsieht, um unsere Anstrengungen zu erhöhen, würde die Differenz zwischen den gegenwärtigen Anstrengungen sich bald in einem unannehmbaren Ungleichgewicht widerspiegeln.

Um

ein wesentliches Gleichgewicht im strategischen Bereich aufrechtzuerhalten,
brauchen wir eine einsichtige Ausgabenerhöhung - sogar mit SALT II. Wenn
SALT II nicht in Kraft tritt, wären eindeutig noch größere Ausgabenerhöhungen
notwendig - ohne erhöhte Sicherheit und vielleicht mit gefährlich erhöhtem
Risiko.

Unsere Aufgabe ist es, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das unsere
Zielsetzungen, unsere Prioritäten und unsere Vorteile widerspiegelt - nicht
um die sowjetischen Streitkräfte zu verdoppeln.

Deshalb sollen und dürfen

wir nicht einfach versuchen, es den Sowjets Dollar für Rubel, Panzer für Panzer, Mann für Mann nachzumachen.

Was wir tun müssen ist, Streitkräfte zu

dislozieren, die es uns erlauben, eine Strategie des Gegenschlags aufrechtzuerhalten und eine Kapazität, die die Sowjets oder jeden anderen Gegner in
dieser schwierigen und gefährlichen Welt davon abhält, unsere lebenswichtigen
Interessen oder die unserer Verbündeten zu gefährden.

Die Sicherheitsbedürf-

nisse der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind nicht deckungsgleich.
Die Kosten für die Planung unserer Seestreitmacht und für den Schutz der
Seewege haben zum Beispiel nur wenig Entsprechung bei den sowjetischen Militärausgaben, genauso wie die sowjetischen Kosten für die strategische Luftverteidigung oder die Grenzverteidigung bei uns.

Folglich können wir nicht

aus den Unterschieden zwischen den amerikanischen und den sowjetischen Verteidigungsausgaben schließen, welches Niveau unsere Verteidigungsausgaben
haben sollten.
Was
- 5-

�Was die Forderungen unseres Verteidigungshaushalts bestimmt, sind die
Kosten jener Programme, die notwendig sind, um die Ziele unserer nationalen
Sicherheit zu erreichen - im Kontext der durch die Sowjets oder andere Gegner auf diese Ziele gerichteten Bedrohungen.

Bei der Beurteilung jener For-

derungen müssen wir die Beiträge unserer Verbündeten sowie unsere Verpflichtungen gegenüber ihnen in Rechnung stellen und die Beschränkungen, die der
sowjetischen Bedrohung durch Rüstungskontroi labkommen auferlegt wurden.

Zu-

dem müssen wir uns darüber einig werden, in welchem Maß wir uns zur Erreichung unserer nationalen Sicherheitsziele auf Verteidigungsprogramme verlassen müssen im Gegensatz zu politischen oder wirtschaftlichen Maßnahmen.
Die Vereinigten Staaten sind nicht dazu aufgerufen, die Verteidigung
der Freien Welt allein auf ihre Schultern zu nehmen.

Unsere europäischen

und asiatischen Verbündeten leisten einen wichtigen Beitrag zu unserer Sicherheit wie wir zu der ihrigen.

Unsere NATO-Verbündeten zum Beispiel stellen

über 90 Prozent der stehenden Landstreitkräfte der NATO zu Friedenszeiten
und 75 Prozent der stehenden taktischen Luftstreitkräfte der NATO.

Außer-

dem sind dem Realwert nach die Gesamtausgaben für Verteidigung der europäischen NATO-Länder in den Jahren seit 1970 deutlich angestiegen, während
unsere gesunken sind.

Wir haben das militärische Potential unserer Ver-

bündeten bei der Festlegung des Umfangs des Verteidigungshaushaltes für das
Jahr 1980 sowie bei unserer Verpflichtung zu einem dreiprozentigen realen
Zuwachs pro Jahr in Betracht gezogen.
Unsere Beurteilung der verschiedenen Überlegungen, die ich dargelegt
habe, hat uns zu dem Schluß geführt, daß das von uns vorgeschlagene Programm
sowie der dreiprozentige Realzuwachs bei den Verteidigungsausgaben zu seiner
Finanzierung der angemessene Betrag ist, der für die Verteidigungsprogramme
zur Aufrechterhaltung unserer Ziele im Rahmen der nationalen Sicherheit
aufgebracht werden muß. Ich würde nun gerne auf die Grundlagen für jedes
Hauptgebiet der Verteidigungsaufgaben kurz eingehen und ausführen, wie wir
uns die Verwendung der Mittel im Verteidigungshaushalt vorstellen, um den
Herausforderungen zu begegnen, denen wir gegenüberstehen.
Zu

�Zu Beginn möchte ich wiederholen, daß das Verteidigungsbudget für das
Haushaltsjahr 1980, einschließlich des vorige Woche vom Präsidenten angekündigten Nachtrags, eine reale Wachstumsrate bei den Ausgaben für das Haushaltsjahr 1980 von drei Prozent vorsieht, wenn man die Inflation voll berücksichtigt.

Für das Haushaltsjahr 1981 planen wir einen ähnlichen Realzuwachs.

Dieses Budget wird im Moment noch bearbeitet, so daß es verfrüht wäre, über
die Feststellung hinauszugehen, daß es den allgemeinen Schwung unseres Verteidigungsprogramms beibehalten und unsere gemeinsame Verpflichtung unseren
Verbündeten gegenüber untermauern wird.

Sie sind keine Konzession und kein

Handelsobjekt, um Zustimmung für SALT zu erreichen.

Strategische Streitkräfte
Wie ich in meinem Verteidigungsbericht im Januar dieses Jahres dargelegt habe, sind unsere strategischen Ziele:

- Abschreckung
- Stabilität, sowohl hinsichtlich Krisen- als auch Rüstungskontrolle
- wesentliche Gleichwertigkeit

Im Zuge dieser Anhörungen haben wir die verschiedenen laufenden Programme erläutert, mit denen wir weiterhin diese unsere höchsten und vorrangigsten Ziele erreichen wollen.

Dr. William J. Perry hat kürzlich ausgesagt,

wie die Dislozierung der MX-Rakete mit Hilfe einer überlebensfähigen Stationierungsmethode in unsere strategischen Streitkräfteplanungen paßt. Wir
verbessern ferner unsere mit Luftstrahltriebwerken angetriebene Streitmacht
(Bomber und luftgestützte Marschflugkörper - ALCM) sowie unsere seegestützte
Raketenstreitmacht.

Was das mit Luftstrahltriebwerken angetriebene Element

der Triade anbetrifft, so schreiten wir in der Entwicklung der luftgestützten
Marschflugkörper voran.

Die zwei Versionen der'luftgestützten Marschflug-

körper machen Fortschritte, und unsere erste B-52-ALCM-Staffel wird 1983
serienreif sein.

Im Jahre 1985 werden 80 Prozent unserer B-52 G-Bomber mit

- 7 -

�mit ALCM ausgerüstet sein und der Rest bald danach.

Und schließlich ist ein

Trägerflugzeug für Marschflugkörper in der Planung, das bis 1987 fertiggestellt sein soll - oder sogar noch früher, sollte sich dies als notwendig
erweisen.

Die ersten unserer neuen und leistungsstärkeren Trident I unter-

seebootgestützten ballistischen Raketen werden im kommenden Jahr disloziert.
In dem dann folgenden Jahr wird unser erstes mit 24 Abschußanlagen ausgerüstetes Trident-Unterseeboot in Dienst gestellt.

Ihm folgen bis 1983 jährlich ein

SSBN und dann zwei Boote alle drei Jahre.
Die höchste Priorität in der Verteidigung der Vereinigten Staaten nimmt
die Garantie ein, daß kein Land in die Versuchung kommt, Nuklearwaffen gegen
uns, unsere Streitkräfte, wo auch immer, oder unsere Verbündeten oder andere
Länder einzusetzen, deren Sicherheit für uns wichtig ist, und sicherzustellen,
daß unsere nukleare Kapazität zu unserer Sicherheit und der unserer Verbündeten vor anderen Streitkräften oder vor Bedrohungen unserer Interessen beiträgt.
Zusätzlich zur Aufrechterhaltung der Abschreckung und der Stabilität
gegenüber der Sowjetunion verfolgen die Vereinigten Staaten eine strategische
Politik der wesentlichen Gleichwertigkeit oder der ungefähren Parität und
eine ausgleichende Strategie, die die Indienststellung von Streitkräften beinhaltet, welche notwendig sind, um zu verhindern, daß die Sowjets irgendeines ihrer nationalen Ziele erreichen, das sie durch einen nuklearen Angriff
anstreben könnten, oder um zu verhindern, daß sie irgendeinen Gewinn in dieser
Richtung erzielen, ohne entsprechende Verluste hinnehmen zu müssen. Wesentliche Gleichwertigkeit soll der Sowjetunion jeden politischen oder militärischen Vorteil verwehren, der aus der Vorstellung relativer Kapazitäten
oder dem tatsächlichen Einsatz nuklearer Waffen abgeleitet werden könnte.
Präsident Carter hat bereits angedeutet, daß die Ausgaben für strategische
Systeme im Verteidigungshaushalt für das Finanzjahr 1981 angehoben werden.
Die Modernisierungsprogramme für den Verteidigungshaushalt dieses und des
nächsten Jahres sollen die Zuverlässigkeit, die Überlebensfähigkeit und die

- 8 -

�die die Verteidigungsdurchdringungskapazität unserer strategischen Vergeltungsstreitkrä'fte sowie unsere entsprechende Gefechts-, Kontroll- und Fernmeldekapazitä't aufrechterhalten und sicherstellen, daß der damit geleistete Beitrag zur Stabilität und zur glaubwürdigen Abschreckung für die absehbare Zukunft unvermindert weiterbesteht.

Es gibt eine Reihe hauptsächlicher Bedrohungen, die möglicherweise die
Stabilität des nuklearen Gleichgewichts stören könnten.

Die erste ist ein

schrankenloser nuklearer Wettstreit, der zu ungeheuer erhöhten Verteidigungshaushalten und zu andauernder Unsicherheit führen würde.

Der SALT Il-Vertrag»

der Ihnen jetzt vorliegt, wird uns in den Stand setzen, das nukleare Gleichgewicht auf niedrigerer Ebene aufrechtzuerhalten, wobei beide Seiten auf
weniger strategische Nuklearträgerwaffen begrenzt werden, als die Sowjets
ohne ein solches Abkommen dislozieren könnten.

Lassen Sie mich ferner unter-

streichen, daß SALT II in keiner Weise unsere Bemühungen behindern wird,eine
wesentliche Gleichwertigkeit aufrechtzuerhalten oder die Streitkräfte aufzustellen und beizubehalten, die für unsere Verteidigungserfordernisse notwendig sind.

Eine besondere Gefahr für die strategische Politik der Vereinigten Staaten stellt die zunehmende Verwundbarkeit der amerikanischen Interkontinentalraketen zu Anfang und Mitte der achtziger Jahre dar.

Diese Verwundbarkeit

ergibt sich durch die Expansion und Modernisierung der sowjetischen Interkontinentalraketenstreitkräfte.

Die Administration will dieser wachsenden

Verwundbarkeit unserer landgestützten Systeme auf zweifache Weise begegnen:
durch Rüstungskontrolle und durch strategische Programme.

Einerseits wird

SALT II das Ausmaß der Bedrohung der amerikanischen landgestützten Systeme
begrenzen.

Zum andern ist die Entscheidung gefallen, in vollem Ausmaß mit

der technischen Entwicklung und Dislozierung der MX-Rakete bei einer mobilen
Stationierungsweise voranzugehen.

Die MX wird im Jahre 1986 die erste ope-

rative Kapazität erreichen und drei Jahre später voll einsatzfähig sein.
Damit wird gewährleistet sein, daß eine genügende Zahl unserer Interkontinentalraketen einen sowjetischen Überraschungsangriff überleben würden.
Eine
- 9 -

�Eine andere Aufgabe, vor der wir stehen, ist die Notwendigkeit zur Modernisierung einiger unserer veraltenden Systeme. Zusätzlich zur MX modernisieren wir sowohl die Unterseebootstreitkräfte als auch die auf Luftstrahltriebwerken basierenden Waffensysteme unserer Triade.
Ich halte es für notwendig, daß ich mich an diesem Punkt mit einer falschen Zweiteilung befasse, wie sie von einigen Kritikern unserer strategischen Programme im allgemeinen und von SALT II im besonderen dargestellt
wird.

Sie entwerfen da ein Bild für Anfang bis Mitte der achtziger Jahre,

in dem die theoretische Verwundbarkeit unserer landgestützten Interkontinentalraketen uns in eine Position bringen würde, in der wir erpreßbar werden.
Es wird behauptet, daß ein nuklearer Angriff auf unsere Interkontinentalraketen, der durch eine kleine Zahl von sowjetischen Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen und hoher Treffsicherheit den Präsidenten vor ein
Dilemma stellen würde, das entweder auf Kapitulation hinausliefe oder einem
Selbstmord gleichkäme, weil den Vereinigten Staaten keine andere aktive Reaktion bliebe als sowjetische Städte zu vernichten und dadurch mit Sicherheit
unsere eigene Vernichtung zu bewirken.
Lassen Sie mich im Zusammenhang mit dieser Frage hervorheben, daß die
Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen nicht gleichbedeutend mit
der Verwundbarkeit der Vereinigten Staaten oder unserer Abschreckungsmacht
ist. Insbesondere würden wir selbst nach einem hypothetischen Verlust praktisch
all unserer Interkontinentalraketen nicht vor dem angeblichen Dilemma der
Kapitulation durch Nichthandeln oder der Auslösung eines umfassenden Angriffs
auf sowjetische Städte stehen, wobei unsere eigenen Städte einem sowjetischen
Gegenangriff preisgegeben wären. Das Problem der Verwundbarkeit unserer
Interkontinentalraketen besteht tatsächlich und erfordert eine Lösung, aber
die Krise der Abschreckungskraft, die von den Erfindern eines solchen falschen
Dilemmas vorausgesagt wird, besteht nur in deren Einbildung. Selbst unter
den pessimistischsten Bedingungen würden die Vereinigten Staaten mehrere tausend intakte Sprengköpfe behalten sowie die verbleibenden Unterseeboote,
Bomber und Marschflugkörper und auch die angeschlagene Interkontinental -

- 10 -

�Interkontinentalraketenstreitmacht.

Damit aber verblieben eine Reihe von

Optionen für Maßnahmen gegen militärische und industrielle Ziele sowie gegen die Städte und nicht nur ein massierter Angriff auf dichtbesiedelte
Zentren.

Wir könnten zum Beispiel unsere Vergeltungsschläge gegen die üb-

riggebliebenen sowjetischen strategischen Streitkräfte, gegen nukleare und
konventionelle militärische Ziele im Gefechtsfeld und gegen ausgewählte Industrie- und Kontrollpunkte richten und hätten immer noch genügend Gefechtsköpfe in Reserve, um vor einem gegen die Städte gerichteten Schlagabtausch
abzuschrecken.

Was die politische oder psychologische Auswirkung der Behauptung anbetrifft, die Sowjets seien relativ besser imstande, auf mehrere Jahre hinaus
die eine Säule unserer Triade zu bedrohen, als wir dies vermöchten, so halte ich dies für eine Übertreibung.

Erstens, wir sind dabei und werden auch

weiterhin unsere Kapazität in bezug auf die beiden anderen Säulen unserer
Triade verstärken.

Wir werden über eine erhebliche und zunehmende Kapazi-

tät gegen dieses Element ihrer Streitmacht verfügen.

Was die politische Auswirkung der Verwundbarkeit der Interkontinentalraketen anbetrifft, so bin ich auch der Meinung, daß hier das zählt, was
vorhanden ist. Aber weil hier das zählt, was sichtbar ist, hat auch ein Programm zur Erlangung einer künftigen Kapazität und nicht nur eine faktisch
vorhandene Kapazität eine politische Bedeutung.

So beruht beispielsweise

unsere Schätzung der Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen in weitem Maße auf Kalkulationen mit 308 SS-18-Raketen, von denen jede mit zehn
Wiedereintrittsgefechtsköpfen ausgerüstet ist. Aber die Sowjets haben mit
der Dislozierung dieser Version ihrer SS-18 soeben erst begonnen und haben
noch einige hundert SS-9-Silos übrig, die für die SS-18 umgebaut werden
können.

Ein beträchtlicher Teil von ihren 308 "schweren" Interkontinental-

raketen sind SS-9 Raketen, die mit einem Wiedereintrittsgefechtskopf ausgerüstet sind,und der größte Teil besteht zur Zeit aus SS-9-Raketen und SS-ISRaketen mit einem Gefechtskopf.

Aber es ist durchaus richtig, wenn wir der

von ihnen geplanten künftigen Kapazität größte Aufmerksamkeit zuwenden.

- 11 -

Weil

�Weil die ALCM-, die Trident- und jetzt die MX-Programme reale Dinge sind,
wird uns von einigen der gleichen Vorauseffekt zugute kommen.

Zusammengefaßt:

Mit SALT können wir die strategischen Ziele erreichen,

und wir haben die dafür notwendigen Programme.

Ohne SALT stehen wir vor wach-

senden Unsicherheiten, zunehmenden Risiken und aller Wahrscheinlichkeit nach
erhöhten Kosten.

Die NATO

Das NATO-Bündnis hat das gemeinsame Ziel, eine ausreichende militärische
Stärke aufrechtzuerhalten, um vor einer Aggression abzuschrecken und - sollte dies notwendig werden - um in der Lage zu sein, die territoriale Integrität des Bündnisses erfolgreich zu verteidigen.

Ob die Kapazität der NATO

ausreichend ist, um diese Ziele zu erreichen, muß im Lichte der Kapazität
des Warschauer Paktes geprüft werden, was jedoch nicht bedeutet, daß die
NATO-Streitkräfte ein spiegelgetreues Abbild der Streitkräfte des Warschauer
Paktes zu sein brauchen - weder im Umgang noch in der Zusammensetzung.

Es

wäre eine zu große Vereinfachung, wollte man das Urteil, ob die Verteidigung
der NATO ausreicht, nur von Statistiken über Gerät und Geldausgaben abhängig machen.

Trotzdem ist die anhaltende Modernisierung und Vergrößerung

der Streitkräfte des Warschauer Paktes Anlaß zur Besorgnis.

Das konventionelle Kräfteverhältnis in Europa:

Im Laufe der letzten

zehn Jahre sind die sowjetischen und nichtsowjetischen Streitkräfte des
Warschauer Paktes vergrößert und qualitativ verbessert worden.

Im letzten

Jahrzehnt haben die in Osteuropa stationierten sowjetischen Streitkräfte um
rund 150 000 Mann zugenommen, einschließlich der 70 000 Mann und fünf Divisionen, die seit 1968 in der Tschechoslowakei disloziert wurden.

Im gleichen

Zeitraum hat sich der traditionelle Vorsprung des Warschauer Paktes an Panzern vergrößert, und die Sowjets haben heute etwa 45 000 mittlere Panzer
für das NATO-Gebiet bereitgestellt.

Obwohl seit 1973 die Zahl ihrer taktischen

- 12 -

�taktischen Flugzeuge nur gering erhöht wurde, handelt es sich bei den meisten
sowjetischen Kampfflugzeugen und Jagdbombern um Modelle, die seit 1970 eingeführt wurden.

Sie haben einen wesentlich erhöhten Aktionsradius sowie ver-

besserte Flug- und Hilfssysteme, Wartung und Aufklärungssensoren.
wjetische Militärdoktrin

Die so1-

legt weiterhin den Nachdruck auf die Tugenden der

Tarnung, der Täuschung und der Überraschung.

Die sowjetische Taktik legt

Wert auf überwältigende Feuerkraft, Schockwirkung und rasche Offensivbewegung.
Die qualitativen und quantitativen Veränderungen der Kapazität des Warschauer
Paktes machen es in zunehmendem Maße wahrscheinlich, daß er die Lücke zwischen Doktrin und Praxis überbrücken konnte.

Die Aufrüstung des Warschauer Paktes hatte jetzt jedoch eine erfrischende
Wirkung auf die NATO.

Die vom Bündnis verabschiedeten Verteidigungspläne ver-

sprechen - wenn sie voll verwirklicht sind - den Vorsprung des Warschauer Paktes auszugleichen, wenn nicht sogar zu übertreffen.

Im Jahre 1978 verabschie-

deten die Staats- und Regierungschefs der NATO-Länder ein Langfristiges Verteidigungsprogramm (LTDP) mit über 120 spezifischen Maßnahmen zur Verbesserung
der konventionellen Streitkräfte der NATO.

Neben dieser Entscheidung ging

ein übereinkommen über das gemeinsame Ziel einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben aller Mitgliedstaaten um real drei Prozent im Jahr einher.
Länder haben im großen und ganzen diese Verpflichtung eingehalten.

Die NATODie Ver-

teidigungsausgaben der anderen NATO-Staaten verzeichneten im Haushaltsjahr
1978/79 eine Erhöhung von durchschnittlich 2,9 Prozent.

Das Langfristige Verteidigungsprogramm sieht eine Verbesserung der NAT0Kapazität auf allen Gebieten vor.

Zu den wichtigsten Initiativen gehören

Pläne, die Fähigkeit der NATO, auf einen Angriff mit kurzer Vorwarnzeit zu
reagieren, wesentlich zu verbessern.

Zu den spezifischen Programmen zur

Stärkung der Einsatzbereitschaft der NATO gehört eine Erhöhung der Zahl der
Panzer in Europa, die Verbesserung der Panzerabwehr der NATO, die Modernisierung und zahlenmäßige Verstärkung von Luft-Boden-Waffen, Verbesserung der
NATO-Verteidigung gegen chemische Kriegführung und die Verstärkung der Kapazität der NATO, kurzfristig die Munitionsbestände zu erhöhen.
Abgestimmt
- 13 -

�Abgestimmt auf das Langfristige Verteidigungsprogramm .wurden die amerikanischen Anstrengungen weiter fortgesetzt.

Wir haben unserem NATO-Arsenal

weitere 47 000 ferngelenkte Raketen zur Panzerbekämpfung hinzugefügt, haben
mit der qualitativen Verbesserung unserer M-60-Panzer begonnen, haben die
Zahl unserer Hubschrauber vergrößert und zwei weitere Artilleriebataillone
zu den bereits in Europa stationierten disloziert.

Die in Westeuropa statio-

nierten amerikanischen Streitkräfte wurden seit Anfang 1975 um 9500 Mann verstärkt.

Im derzeitigen, sich auf fünf Jahre erstreckenden

Verteidigungs-

plan ist die Aufstellung von 3900 XM-1-Panzern und 3400 Mannschaftspanzern
bis Mitte 1980 vorgesehen.
Ein zweites Ziel des Langfristigen Verteidigungsprogramms besteht in
der qualitativen Verbesserung der Fähigkeit der NATO, eine rasche und wirksame Verstärkung des Alliierten Kommandos Europa durch frühzeitige und
blitzschnelle Mobilisierung zu erreichen. Das Kernstück dieser Bemühung
bildet die amerikanische Verpflichtung, die Zahl unserer zur Verstärkung
in den ersten zehn Tagen nach der Mobilisierung zum Einsatz kommenden Landstreitkräfte bis 1984 zu verdoppeln und bis 1986 zu verdreifachen - gemessen am derzeitigen zahlenmäßigen Anteil - und zwar durch Vorausstationierung
der Waffen und des Geräts in Europa. Wir finanzieren außerdem Programme,
die bis 1985 zu einer 50prözentigen Erhöhung der Zahl auf amerikanischen
Flugplätzen stationierten taktischen Flugzeuge der US-Luftwaffe führen
werden, die mit der Dislozierung unserer Truppen nach Europa innerhalb von
zwei Tagen beginnen können.
Aufgrund der Verbesserungsprogramme für die amerikanischen BündnisStreitkräfte und des Langfristigen Verteidigungsprogramms wird die NATO ihre
konventionellen Streitkräfte schon im Verlauf der nächsten Jahre wesentlich
verstärken, vor allem was die Landstreitkräfte und die Luftstreitkräfte in
der Mittelregion anbetrifft. Der Warschauer Pakt wird seine Streitkräfte
auch weiterhin verbessern, aber die heutigen Trends deuten darauf hin, daß
das Bündnis - wenn die derzeitigen Programme der NATO voll finanziert werden
- bis zur Mitte der achtziger Jahre ein glattes militärisches Plus erziel- 14 -

�erzielen durfte. Der Hauptgrund für dieses Plus liegt darin, daß die programmierte Doppelanstrengung der NATO, ihre Streitkräfte zu modernisieren,
und die Fähigkeit zu rascher Verlegung amerikanischer Verstärkungen nach
Europa die Verbesserungen des Warschauer Paktes, die sich allein aus der
Modernisierung ergeben, mehr als wettmacht.
Eine fundamentale Voraussetzung für einen Nettogewinn ist jedoch die
volle Verwirklichung unseres Verteidigungsprogramms. Wenn die Billigung der
vollen dreiprozentigen Erhöhung im Verteidigungshaushalt 1980 scheitert,
dann würde das den Schwung des Langfristigen Verteidigungsprogramms zum Erlahmen bringen. Sollten die Vereinigten Staaten hier versagen, dann muß man
damit rechnen, daß die anderen NATO-Staaten diesem Beispiel folgen. Wenn
die NATO mit ihren Streitkräfteverbesserungen scheitert, dann wird das Ergebnis bestenfalls darin bestehen, daß ein ungemütliches militärisches
Kräfteverhältnis nicht verbessert wird. Ein wahrscheinlicheres Ergebnis
wäre ein ernster Verfall der Sicherheit des Bündnisses.
Nuklearstreitkräfte in und für Europa - Theater Nuclear Forces (TNF):
Die NATO unternimmt ferner Anstrengungen zur Verbesserung der Gefechtsfeld-TNF und der weiterreichenden TNF-Waffensysteme. Die Politik der NATO
bezüglich der TNF ist darauf angelegt, eine glaubwürdige Abschreckung vor
einem Angriff mit TNF und vor einem großangelegten konventionellen Angriff
abzuschrecken. Diese Politik verlangt, daß wir unsere TNF diversifizieren,
damit sie für jede Ebene einer Aggression des Warschauer Paktes das Risiko
einer nuklearen Antwort bieten und in ausreichendem Maße überlebensfähig sind, um nicht zu einem sowjetischen Präventivschlag einzuladen.
Seit mindestens 20 Jahren haben die Sowjets eine nukleare Bedrohung aufrechterhalten, die sich mit ihren SS-4- und SS-5-Raketen und ihren Mittelstreckenbombern vom Typ Badger gegen Westeuropa richtete.

Während der letzten

zehn Jahre hat die Sowjetunion ihre europabezogenen Nuklearstreitkräfte (TNF)
verbessert und vergrößert.

Die vielleicht dramatischste und potentiell ge-

- 15 -

�gefährlichste Verbesserung der weitreichenden sowjetischen TNF bestand in
der Dislozierung des Backfire-Bombers und der mobilen mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten Mittelstreckenrakete (IRBM) vom Typ SS-20.

Als Antwort

sind wir und unsere NATO-Verbündeten in einer Anzahl von Modernisierungsund Verbesserungsanstrengungen unserer TNF begriffen, die die Vorteile der
Sowjets ausgleichen werden.

Sowohl um der Bedrohung durch die weitreichenden sowjetischen TNF begegnen zu können, als auch um sicherzustellen, daß die Sowjets keine Lücke in
dem ganzen Bereich der Fähigkeiten der NATO zur Antwort und zur Eskalation
finden können, befindet sich die NATO in einer großen Überprüfung ihrer eigenen weitreichenden TNF-Systeme und möglicher Schritte zur Rüstungskontrolle
bezüglich der TNF.

Eingehende Untersuchungen und Konsultationen über die

Größe der Streitkräfte, ihre Dislozierung und andere Fragen treten in das
Schlußstadium ein, und wir zielen auf Entscheidungen des Bündnisses über Mo
dernisierung und Rüstungskontrolle bis Ende des Jahres ab.

Die Vereinigten

Staaten unterstützen diese Bemühungen zur Stärkung der Verteidigungsposition
und der Sicherheit der NATO nachdrücklich.

Die führenden Politiker der NATO-

Staaten, deren Unterstützung von znetraler Bedeutung für eine Entscheidung
des Bündnisses über die Modernisierung der weitreichenden TNF ist, haben
klargemacht, daß die Nichtratifizierung von SALT II ernste, und vielleicht
sogar fatale Auswirkungen auf diese Modernisierungspläne haben würde. Zu
den in Frage kommenden Systemen für eine Moderniserung gehören landgestützte
Marschflugkörper und die ballistischen Raketen vom Typ Pershing II. Beide
Systeme sind mobil (und daher überlebensfähig), können mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zu ihren Zielen durchdringen und sind außerordentlich treffsicher.

Wir sind ferner dabei, unsere Kurz- und Mittel Streckensysteme zu modernisieren, indem wir Waffen einführen, die eine verbesserte Reichweite und
Treffsicherheit, größere Flexibilität und erhöhte Sicherheit bieten.

Das

zusammengefaßte Ergebnis dieser Verbesserungen dürfte die Glaubwürdigkeit
der NATO-Strategie der flexiblen Antwort in den Augen der Sowjets erhöhen,

- 16 -

�erhöhen, die Abschreckung stärken und die Fähigkeiten der NATO vergrößern,
auf eine sowjetische Aggression zu reagieren.

Bevor ich mich anderen Gebieten der Welt zuwende, möchte ich direkt über
die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Verpflichtung zur Verteidigung Europas
sprechen.

Um diese Frage in eine historische Perspektive zu rücken, möchte

ich darauf hinweisen, daß es sich hier um ein Anliegen handelt, das in unseren
Beziehungen zu unseren Verbündeten immer wieder aufgetaucht ist.

Es trat

nach dem Zweiten Weltkrieg während der Krise in Griechenland zutage, während
des Staatsstreichs in der Tschechoslowakei und während der Blockade von Berlin.
Wir antworteten mit dem Punkt-Vier-Programm, dem Marshall-Plan und dem Nordatlantikvertrag.

Das Problem tauchte wieder auf nach der sowjetischen Atom-

explosion im Jahre 1949 und der Invasion Koreas, und wir antworteten mit der
Schaffung einer integrierten militärischen Struktur - SHAPE (Oberstes Hauptquartier der Alliierten Mächte in Europa) - und der Stationierung amerikanischer Kampftruppen in Europa.

Es trat Mitte der fünfziger Jahre als Ergeb-

nis der thermonuklearen Kapazität der Sowjetunion und ihrer Dislozierung von
Langstreckenbombernauf, und wir antworteten mit taktischen Nuklearwaffen und
Zwei Schlüssel Systemen im Rahmen von Programmen der Zusammenarbeit.

Es kam

während der Raketen-Lücke und der Berlin-Krise von 1961 auf, und wir antworteten mit der Zusage von Polaris- und später Poseidon-Gefechtsköpfen an den
Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR) und der Schaffung der Nuklearen Planungsgruppe.

Es ist daher nicht überraschend, daß das Problem erneut

auftauchte, als die Sowjets begannen, eine strategische Parität zu erreichen.
Und wir antworten erneut, nicht nur mit dem Langfristigen Verteidigungsprogramm
und den Anstrengungen zur Modernisierung der TNF, sondern auch mit dem erhöhten Schwung unserer eigenen strategischen Programme.

Aber selbst wenn wir Überlegungen über unsere Antworten anstellen, ist es
wichtig

zu erkennen, daß ein Teil der Infragestellung unserer Glaubwürdig-

keit in unnötigem Händeringen besteht, das durch das von mir angesprochene
gar nicht bestehende Dilemma hervorgerufen wird.

Wir stünden nicht, wie ich

bereits betont habe, vor einer grausamen Wahl, bei der der einzig mögliche

- 17 -

�mögliche Weg des Einsatzes unserer strategischen Streitkräfte für die Verteidigung Europas ein massiver Angriff auf sowjetische Städte wäre, was praktisch die sichere Zerstörung unserer eigenen Nation bedeuten würde.

Unsere

strategischen Nuklearstreitkräfte und unsere TNF und unsere konventionelle
Kapazität sind - wie das sein muß

- ohne Rücksicht auf die Umstände eines

Angriffs in der Lage und werden es bleiben, die Zielsetzungen des Angriffs
zunichte zu machen oder Schäden zuzufügen, die in keinem Verhältnis zu den
zu erwartenden Gewinnen (der anderen Seite) stehen.
Lage, vor einem Angriff abzuschrecken.

Sie sind daher in der

Das ist das Wesen der flexiblen Ant-

wort und einer (gegen einen Gegner) ausreichenden Strategie.
Lassen Sie mich allen, die es hören wollen - einschließlich jener in
Europa und in unserem Lande, die es besser wissen müßten, aber immer noch
dazu neigen, unsere Verpflichtung zur Verteidigung Europas in Frage zu stellen
- klar und deutlich sagen:

Die Vereinigten Staaten sind auf die Sicherheit

und Integrität Westeuropas verpflichtet, nicht nur weil das im Interesse
Europas liegt,sondern weil es auch im lebenswichtigen Interesse der Vereinigten Staaten liegt.

Das ist die fundamentale Grundlage der nationalen Sicher-

heitspolitik der Vereinigten Staaten mindestens seit 1947,und wenn man so
will,sogar seit 1917.
Das ist unsere Politik, weil jede Bedrohung Westeuropas nicht nur eine
Bedrohung unserer kulturellen und geistigen Wurzeln, sondern eine vitale
Bedrohung unserer wirtschaftlichen, politischen und militärischen Sicherheit
ist. Das war unsere Politik. Das ist unsere Politik. Und wir müssen und
werden weiterhin über die militärischen Mittel verfügen, um dieses Ziel zu
gewährleisten. Vor allem die Verpflichtung der zentralen strategischen
Streitkräfte Amerikas für die Sicherheit der NATO bleibt bestehen. Präsident Carter bekräftigte diese Verpflichtung zu Beginn seiner Amtszeit:
"Möge sich niemand täuschen.

Die Vereinigten Staaten sind bereit,

all die Streitkräfte einzusetzen, die für die Verteidigung des NATO-Gebietes notwendig sind."
Die
- 18 -

�Die Parität hat die Gültigkeit dieser Verpflichtung nicht geändert.
Es hat sich niemals um eine Verpflichtung ohne Risiken gehandelt ,und seit
die Sowjetunion wesentliche und überlebensfähige Nuklearstreitkräfte besitzt, sind diese Risiken in der Tat groß.

Keine jahrzehntelang hat Amerikas

Verpflichtung gegenüber Europa von einer Fähigkeit abgehangen - oder sich des
Luxus erfreut -,den Schaden für die Vereinigten Staaten von einem allgemeinen
sowjetischen Angriff in niedrigeren Grenzen zu halten.

Es ist ein bitterer

aber unausweichlicher Aspekt der nuklearen Realität, daß im Nuklearzeitalter
die Abschreckung sehr viel mehr von unserer Fähigkeit abhängt, Nuklearwaffen
einzusetzen,um einem Gegner Verluste zuzufügen, als von unserer Fähigkeit,
den Schaden bei uns zu begrenzen.

Es bestehen natürlich große Ungewißheiten

darüber, was passieren würde, wenn Kernwaffen eingesetzt würden.

Niemand

kann auf seine Vorhersagen vertrauen, wie sich ein nuklearer Schlagabtausch
entwickeln würde.

Aber gerade diese Ungewißheit, zusammen mit den fürchter-

lichen Folgen, die sich aus einer maximalen Eskalation sicherlich ergeben
würden, ist ein wesentliches Element der Abschreckung.

Die amerikanischen Nuklearstreitkräfte tun jedoch - mit der Parität
genauso wie vor der Parität - mehr, als nur das Risiko einer unkontrollierten
Eskalationzu dramatisieren. Sie können den Sowjets Verluste zufügen, die weit
über das hinausgehen, was diese ihrerseits an möglichen Gewinnen von einer
Aggression erwarten könnten.

Mit zunehmender Zahl der Gefechtsköpfe werden

die Vereinigten Staaten über eine wachsende Kapazität zur flexiblen Antwort
auf eine weite Vielfalt von Zielplanungen verfügen.

Solche Gegenangriffe

könnten in einem solchen hypothetischen Szenarium militärische und wirtschaftliche Ziele von sehr hohem Wert für die UdSSR zerstören und würden den Vereinigten Staaten noch immer ausreichende Streitkräfte belassen, um vor einem
letzten massiven Schlagabtausch gegen Bevölkerungs- und Industriezentren
abzuschrecken oder ihn durchzuführen.

Das Ziel des Besitzes der Kapazität,

den Sowjets sehr hohe Verluste zufügen zu können, wenn dies notwendig würde,
und dabei weiterhin zu versuchen, die Eskalation unter Kontrolle zu halten,
ist seit vielen Jahren die zentrale Rolle der zentralen strategischen Streitkräfte der USA in der NATO-Doktrin der flexiblen Antwort gewesen.

Dies

bleibt so, selbst wenn wir uns alle darüber im klaren sind, daß es keine

- 19 -

�keine Gewähr geben kann, daß ein Nuklearkrieg nicht in einen für beide Seiten tödlichen allgemeinen Schlagabtausch eskalieren würde.
Die inhärente und wachsende Flexibilität der amerikanischen Streitkräfte
wird die Sowjets weiterhin vor die Aussicht auf Verluste stellen, die ihre Gewinne in einem weiten Bereich der Angriffsebenen überwiegen würde.

Selbst

bevor das Problem der Verwundbarkeit der Minuteman-Raketen durch die Dislozierung der MX-Rakete in ihrer überlebensfähigen Stationierungsmethode gelöst ist, bleibt daher die Doktrin der flexiblen Antwort und die Verpflichtung
der zentralen stategischen Streitkräfte der USA für die NATO-Verteidigung lebensfähig.
Daß wir die Aufmerksamkeit der Kapazität der amerikanischen Streitkräfte
zuwenden, militärische Ziele zerstören zu können, bedeutet keine Änderung
unserer Strategie, sondern leinen weiteren andauernden Prozeß der wirksamen Ver
wirklichung dieser Strategie. Die amerikanischen Streitkräfte haben immer
eine wesentliche Kapazität besessen, gegen militärische Ziele zurückzuschlagen,
wie auch gegen Bevölkerungs- und Industriezentren zurückzuschlagen. Wir haben es immer als wichtig erachtet, daß wir im Falle eines Krieges in der Lage
wären, die Streitkräfte ins Visier zu nehmen, die den Vereinigten Staaten und
unseren Verbündeten Schaden zufügen könnten. Wir haben dies trotz unserer Erkenntnis getan, daß es für keine Seite möglich ist, alle oder sogar die
meisten der Streitkräfte der anderen Seite zu vernichten, die einen massiven
Schaden zufügen könnten.
Diese Konzentration auf militärische Ziele steht nicht im Widerspruch
zur Abschreckung, noch schwächt sie diese. Sie unterstützt und stärkt sie
vielmehr. Es ist nach unserer Auffassung im Sinne der Abschreckung wichtig,
daß wir in der Lage sind, nicht nur Bevölkerungs- und Industriezentren ins
Visier zu nehmen, sondern auch militärische Ziele, die für unsere potentiellen
Gegner von Wert sind. Die Aussicht auf einen Verlust dieser potentiellen militärischen Ziele wie auch auf Schäden in Bevölkerungs- und Industriezentren
dürfte dazu beitragen, vor einem Krieg abzuschrecken.
EingreifStreitkräfte
- 20 -

�Eingreifstreitkräfte (RDF)
Obgleich ein Konflikt zwischen NATO und Warschauer Pakt der ernsteste
Eventualfall ist, für den die Vereinigten Staaten planen müssen, ist es viel
wahrscheinlicher, daß die Vereinigten Staaten ihre Interessen in anderen Teilen der Welt herausgefordert sehen - entweder durch die Sowjetunion oder je
nach Umständen durch eine andere Macht. Die Unterbrechung der Ölversorgung,
teilweise hervorgerufen durch die Unruhen im Iran, war eine lebhafte Mahnung,
auf welche Weise die amerikanischen Interessen durch Ereignisse in der Dritten
Welt gefährdet werden können. Der Nahe Osten, Afrika und Asien bleiben ebenfalls Gebiete eines möglichen Konflikts. Die Vereinigten Staaten müssen ihre
Fähigkeit aufrechterhalten, angemessene Streitkräfte an entlegene Plätze zu
entsenden, um ihre Freunde und Verbündeten zu unterstützen. Seit 1969 ist es
unsere Politik, in Verbindung mit unseren Verbündeten ausreichende allgemeine
Streitkräfte zu unterhalten, damit wir gleichzeitig mit einem größeren Krisenf a n - von einem Umfang&gt;wie er in Mitteleuropa auftreten könnte - und einem
begrenzteren Eventualfall fertigwerden könnten.
Wir sind dabei, eine programmatische und planvolle Anstrengung zu
unternehmen, um die amerikanische Fähigkeit zu erhöhen, Streitkräfte rasch
in entfernte Teile der Welt zu dislozieren; auf die Einzelheiten werde ich
später eingehen. Der erste Schritt bei dieser Anstrengung bestand darin,
Einheiten, die im Fall einer NATO-Krise nicht für rasches Eingreifen vorgesehen oder designiert sind, zur Verwendung als EingreifStreitkräfte zu kennzeichnen. Unser Ziel ist es, Streitkräfte zur Verfügung zu haben, die zur
Beantwortung eines begrenzten Krisenfalls gebraucht werden können oder im
Verlauf eines NATO-Krieges zu einem zweiten Gefechtsfeld entsendet werden
können, ohne die NATO-Verteidigung zu schwächen.
Gestatten Sie mir einen Augenblick, um ein landläufiges Mißverständnis
aus der Welt zu schaffen.

Wir haben nicht die Absicht, eine Eingreifstreit-

kraft als separate Einheit von bestimmter Größe aufzustellen.

Stattdessen

werden wir über EingreifStreitkräfte verfügen, die bei begrenzten Eventualfällen für einen Einsatz bereitstehen würden.
- 21 -

Die Streitkräfte, die für eine

�eine rasche Dislozierung ausersehen sind, würden ein Reservoir darstellen,
von dem eine spezielle Streitmacht abgezogen und so zugeschnitten werden
würde, daß sie den Erfordernissen des jeweiligen Eventualfalls gerecht würde.
Das Heereselement könnte zum Beispiel von einem Rangerzug bis hin zu einem
aus mehreren Divisionen bestehenden Truppenkörper reichen, der aus über
100 000 Mann mit Nachschubeinheiten besteht.

Die Armeeteile würden ange-

messen und in Verbindung mit Teilen der Luftwaffe, des Marinekorps und der
Marine operieren.
Als Teil des RDF-Konzepts planen wir, die Nachschubeinheiten und die
Versorgung so zu programmieren, daß unsere begrenzten Kräfte im Eventualfall in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum hinweg in ungünstiger
Umgebung zu operieren.
Wie es der Ausdruck besagt, ist eine rasche Antwort wahrscheinlich in
einem begrenzten Eventualfall entscheidend. Daher gibt der Verteidigungshaushalt der Verbesserung der amerikanischen Mobil Streitkräfte absoluten
Vorrang.

Asien
Asien ist ebenso wie Westeuropa für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung. Unsere Verteidigungspolitik ist so gestaltet, daß
sie die regionale Stabilität in Asien erhält, vor einem Angriff auf Korea
abschreckt und die amerikanischen Interessen sowie die Interessen unserer
Verbündeten im Fall eines Angriffs schützt.
In den letzten Jahren haben die sowjetischen Streitkräfte in Asien
erheblich zugenommen.

Im Jahre 1965 hatten die Sowjets 20 Divisionen und

210 Kampf-/Angriffsflugzeuge in diesem Gebiet.

Heute sind dort gut über

40 Divisionen und mehr als 1000 Kampf-/Angriffsflugzeuge.

Seit 1976 hat

die sowjetische Pazifikflotte zusätzliche Überwasser-Kriegschiffe erhalten,
einschließlich der "Minsk" (ein Flugzeugträger der Kiew-Klasse), die
- 22 -

�die "Ivan Rogov" (ein Amphibien-Angriffstransporter) und mehrere Atomunterseeboote.

Andere Ereignisse haben jedoch die amerikanische Position in Asien gestärkt.
Wir haben bedeutende Vorteile aus der Normalisierung unserer Beziehungen zur
Volksrepublik China gezogen.

Besonders das Ende unserer Konfrontation mit

Peking hat amerikanische Mittel freigesetzt und uns größere Beweglichkeit bei
unserer globalen Planung ermöglicht.

Peking unterstützt auch eine starke

NATO und versucht nicht länger, die amerikanisch-japanische Verteidigungsbeziehung zu untergraben.

Im Verlauf des letzten Jahres haben wir unsere Beziehungen zur Republik
Korea gestärkt.

Die nordkoreanische Kampfkraft ist zwar erhöht worden, aber

ich muß feststellen, daß dies nicht das Ergebnis einer plötzlichen Verstärkung
der nordkoreanischen Streitkräfte war.

Vielmehr entdeckten wir als Ergebnis

einer besseren Analyse unserer nachrichtendienstlichen Daten Trends, die zu
Anfang und gegen Mitte der siebziger Jahre übersehen worden waren.
koreanische Kapazität nimmt ebenfalls zu.

Die süd-

Der Anteil des Bruttosozialprodukts,

den man in Südkorea für die Landesverteidigung ausgibt, stieg von etwa 4 Prozent zu Beginn der siebziger Jahre auf nahezu 7 Prozent im Jahre 1977. Was
uns angeht, so hat Präsident Carter einen weiteren Abzug amerikanischer Kampftruppen in der Schwebe gehalten, und wir haben letzten November die Luftwaffe Koreas durch die Dislozierung eines zusätzlichen F-4-Geschwaders aus
den Vereinigten Staaten verstärkt.

Die amerikanisch-japanischen Sicherheitsbeziehungen sind zur Zeit wahrscheinlich besser als je zuvor.

Die japanische Einstellung hinsichtlich

Verteidigungsangelegenheiten hat sich ebenfalls geändert - teilweise aufgrund einer wachsenden Einsicht in das Anwachsen der sowjetischen Militärkapazität in dieser Region.

Es herrscht in der Öffentlichkeit eine wachsende

Bereitschaft, die Notwendigkeit japanischer Selbstverteidigungsstreitkräfte
und den amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrag zu akzeptieren.

Die Ver-

einigten Staaten haben ihre Zusage, vor über einem Jahr gegeben, eingelöst,

- 23 -

�eingelöst, ihre militärische Stärke in Asien aufrechtzuerhalten.

Wir werden

weiterhin umfangreiche Streitkräfte im Westpazifik unterhalten, die die 2.
Infanteriedivision (deren

Dislozierungspläne 1981 erneut überdacht werden),

10 Geschwader landgestützter Kampf-/Angriffsflugzeuge, die Amphibienstreitmacht des 3. Marinekorps einschließlich des dazugehörigen Luftgeschwaders auf
Okinawa sowie die 20 bis 25 Kriegsschiffe der Siebten Flotte umfassen.

Das Kräfteverhältnis zur See
Historisch gesehen bestanden die beiden grundlegenden Funktionen der
amerikanischen Marine in der Überwachung der Meere und der Geltendmachung
von Stärke.

Die Fähigkeit zur Erfüllung dieser Funktionen ist eine wesent-

liche Voraussetzung,wenn die Vereinigten Staaten die Meere benutzen wollen,
um ihre nationale

Politik zu unterstützen und die Streitkräfte einer jeden

Nation zu besiegen, die den Versuch unternehmen sollte, ihnen eine solche
Verwendung streitig zu machen.
Die amerikanische Verteidigungspolitik nutzt die Kontrolle der Meere
und die Geltendmachung von Stärke, um 1) die Seeverbindungen nach Europa zu
schützen; 2) um andere wichtige Seeverbindungen zu schützen; 3) um die
Streitkräfte der Verbündeten an den Flanken der NATO zu unterstützen; und
4) um die Streitkräfte der Verbündeten im westlichen Pazifik und in anderen
Gebieten der Welt zu unterstützen. Kurz: wir müssen in der Lage sein,
Überlegenheit zur See auszuüben, wo immer und wann immer dies für uns erforderlich ist. Die Herausforderung dieser unserer Fähigkeit kommt von unserem gefährlichsten potentiellen Gegner - der Sowjetunion.
•

In der Vergangenheit sind wir Zeuge einer Vergrößerung der sowjetischen
Marine geworden.

Jedoch hat die sowjetische Herausforderung im Marinebereich

seit Mitte der siebziger Jahre neue Formen angenommen, wobei die Betonung
auf qualitativen Verbesserungen lag.

Erst vor zwei Jahren wurde die so-

wjetische Unterseeboot-Streitmacht (einschließlich ihrer Kapazität hinsieht-

�hinsichtlich von Marschflugkörpern) die größte Bedrohung zur See für die
amerikanischen Interessen.

Jedoch beginnt die wachsende Streitmacht der

Backfire-Bomber, die für Marschflugkörper ausgerüstet sind und die den
sowjetischen Marine-Luftstreitkräften zugewiesen wurden, eine ernsthafte
Bedrohung unserer Seestreitkräfte zu werden, wie ich im Januar dieses Jahres mitgeteilt habe.

Auch in Zukunft werden wir Zeuge einer fortgesetzten Erhöhung der
sowjetischen Herausforderung im Marinebereich sein:

mehr Backfire-Bomber,

verbesserte sowjetische Unterseeboote und das Auftreten sowjetischer
V/STOL-Flugzeugträger vom Typ Kiew und Minsk.

Wir haben unser Verteidigungsprogramm in Verbindung mit einigen unserer Verbündeten entworfen, um diesen Herausforderungen entgegenzutreten
und um uns in die Lage zu versetzen, weiterhin unsere grundlegende Strategie
zu verwirklichen, die Seeherrschaft in den für unsere Sicherheit wichtigen
Gebieten angesichts dieser Bedrohungen zu gewährleisten.

Wir bauen Lenkwaffenzerstörer vom Typ DDG-47, die mit AEGIS-Raketen
ausgerüstet sind, um unsere Streitkräfte in die Lage zu versetzen, der Bedrohung durch Backfire-Marschflugkörper standzuhalten, während sie ihre
Mission der Seeherrschaft ausüben.

AEGIS ermöglicht uns eine wichtige Ver-

besserung der Verteidigungskapazität; ein DDG-47-Zerstörer kann mit sehr
viel mehr Marschflugkörpern fertig werden als unseres derzeitigen Lenkwaffenschiffe.

Umgekehrt konfrontieren wir die Sowjets mit einer Bedrohung durch

unsere Marschflugkörper, die ihnen Sorge bereiten wird, indem wir unsere
HARPOON-Raketen gegen Schiffe dislozieren und die neuen TOMAHAWK-Raketen entwickeln.

Diese Systeme können nicht nur von Überwasserschiffen abgeschossen

werden, sondern werden schon - wie dies bei der HARPOON der Fall ist - für
unsere P-3-Flugzeuge und unsere Unterseeboote beschafft.

Die Dislozierung

der HARPOON wird unsere Bedrohung sowjetischer Schiffe gewaltig erhöhen.
Für das Ende der Programmperiode planen wir die Dislozierung der HARPOON
für eine große Anzahl von Startanlagen auf Überwasserschiffen, Untersee-

- 25 -

�Unterseebooten und an Flugzeugen, was uns in die Lage versetzen wird, sowjetische Schiffe auf Millionen von Quadratmeilen Meeresoberfläche zu bedrohen.
Wir haben Schritte unternommen - einschließlich der Forderung nach einem
neuen Flugzeugträger im Haushaltsplan -, um unsere seegestützten Luftkapazitäten aufrechterzuerhalten.

Die Aufrechterhaltung von 12 dislozierbaren

Flugzeugträgern mit ihren modernisierten Luftgeschwadern und den dazugehörenden
Geleitschiffen stellt für die Sowjets die größte Herausforderung zur See dar:
die Notwendigkeit für sie, der amerikanischen Fähigkeit zur Geltendmachung
von Stärke etwas entgegenzustellen.
Die zweite Antwort auf die sowjetische Herausforderung zur See ist unsere
wirkungsvolle Kapazität im Bereich der Unterseebootbekämpfung (ASW). Wir
unterhalten ein halbes Dutzend verschiedenartiger ASW-Systeme, die sich gegenseitig ergänzen. Im Kriegsfall wären die sowjetischen Unterseeboote auf
ihrem Weg zum Abfangen oder zum Angriff auf unsere Streitkräfte sowie bei
ihrer Rückkehr in die Heimathäfen einem Spießrutenlaufen zwischen Sperr-,
Gebiets- und Punktverteidigungssystemen ausgesetzt. Zahlreiche Studien des
Verteidigungsministeriums, einschließlich derjenigen, die von der Marine
durchgeführt wurden, zeigen den kumulativen Effekt unserer ASW-Systeme sowie der unserer Verbündeten, die in der Lage sind, der sowjetischen Unterseebootbedrohung zu begegnen - obgleich vielleicht erst nach einer verlustreichen Schlacht von Wochen oder Monaten.
Wir setzen auch weiterhin unseren technologischen Vorsprung in den
ASW-Kapazitäten ein, indem wir Rundumüberwachungssensor-Schleppsysteme
(SURTASS-Systeme) entwickeln, die auf unseren TAGOS-Schiffen Verwendung
finden und unsere Ortungskapazitäten stark erhöhen werden. Unser taktisches Rundum-Schleppsonar (TACTAS) wird unsere ASW-Fregatten der KNOXKlasse und die Zerstörer der 963-Klasse mit stark verbesserten Ortungskapazitäten über große Entfernungen ausstatten. Als Ergänzung zu diesen Systemen
dient unsere Beschaffung der LAMPS-MK-III-Hubschrauber, die unsere überwasserschiffe in die Lage versetzen werden, ihre Ortungen über große Ent- 26 -

�Entfernungen mit dem Einsatz von Waffen über größere Entfernungen ergänzen.
Die fortlaufende Entwicklung und Beschaffung unserer Mine vom Typ CAPTOR
wird für die sowjetischen Unterseeboote eine zusätzliche Bedrohung bei ihrem
Versuch darstellen, natürliche Meerengen zu durchfahren.

Die fortlaufende

Beschaffung unserer Angriffsunterseeboote und die künftige Entwicklung einer
neuen, billigeren, aber wirkungsvollen Klasse von Unterseebooten Mitte der
achtziger Jahre garantiert uns ebenfalls, daß wir darauf vorbereitet sind,
jede Art von Herausforderung der Sowjets auf hoher See zu begegnen.

Zusammenfassung

Ich glaube, es ist fair, wenn ich sage, daß die Erörterung von SALT II
die erste Gelegenheit einer tiefgreifenden Überprüfung der amerikanischen Verteidigungspolitik und -programme nach Vietnam bot.

Der Verteidigungshaus-

halt für das Finanzjahr 1977, den der Kongreß 1976 billigte - das letzte
Budget

Präsident Fords - und in dem sich die erste reale Erhöhung der nicht

auf Vietnam bezogenen Vorgriffsmittel für den Verteidigungshaushall, seit einem
Jahrzehnt niederschlug, bot Anzeichen der um sich greifenden Einsicht, daß
mehr für die Verteidigung getan werden müsse.

Der Trend für erhöhte reale

Verteidigungsausgaben nach einem Jahrzehnt der Kürzungen wurde unter Präsident Carter in drei aufeinander folgenden Haushalten deutlich.

Zum Teil wird dadurch anerkannt, daß die sowjetische Bedrohung gewachsen
ist.

Zum Teil wird damit auf die Erfordernisse reagiert, die unerfüllt blieben,

als sich nach Vietnam eine Anti-Verteidigungsstimmung breit machte.

In diesem

Sinne glaube ich, daß diese Haushaltsdebatte im Zusammenhang mit SALT II ein
gesundes Zeichen für die Vitalität unseres Landes und seines demokratischen
Prozesses ist.

Ich bin der Überzeugung, daß sich im Kongreß der Konsens her-

ausbildet, daß wir mehr für die Verteidigung ausgeben müssen.

Ich glaube,

daß die vom Präsidenten vorgeschlagenen drei Prozent ein angemessenes Gleichgewicht bilden zwischen dem, was unser Verteidigungsbeitrag zu unseren Zielen
der nationalen Sicherheit sein sollte, und zwischen dem, was klug ist hinsichtlich der Wahrung unserer wirtschaftlichen und internationalen politischen

- 27 -

�politischen Stärke sowie der Erfüllung unserer anderen dringenden Erfordernisse.

Mehr zu tun, würde das Risiko eines Anheizens der Inflation und des

Unterminierens des sich herausbildenden Konsens für die Verteidigungsanstrengungen mit sich bringen.

Weniger zu tun, würde nicht nur die wesentlichen

Programme der USA gefährden, sondern auch das gesamte Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO unterminieren.

Sollte SALT abgelehnt werden, stehen

wir vielleicht vor der grausamen Wahl zwischen noch höheren Ausgaben für die
strategischen Streitkräfte und damit dem Risiko, daß die konventionellen
Streitkräfte gekürzt werden müssen, um die strategischen Programme zu finanzieren, oder dem jähen Abbau der letzteren.
Ich fordere Sie daher mit allem Nachdruck auf, sowohl die dreiprozentige
reale jährliche Erhöhung des Verteidigungsprogramms Präsident Carters zu
unterstützen als auch SALT II rasch zu ratifizieren.

Wenn wir beides gemein-

sam tun, können wir unsere nationalen Sicherheitsziele angesichts einer realen sowjetischen Herausforderung und anderer Herausforderungen in den kommenden Jahren verwirklichen.

Wenn wir beides nicht erreichen, werden wir uns

Anfang der achtziger Jahre vor grausamen Entscheidungen und immer gefährlicher
werdenden Schwierigkeiten sehen.

+ + + + +

28 -

�1

B

E.1 iiH

•^

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

26. September 1979

CARTER UND VANCE WÜRDIGEN FORTSCHRITTE SEIT CAMP DAVID
- Wortlaut der Erklärungen -

WASHINGTON - (AD) - Zum ersten Jahrestag der Vereinbarungen von Camp
David am 17. September 1979 würdigten der amerikanische Präsident und der
Außenminister die Fortschritte, die seither zwischen Israel und Ägypten
erzielt worden sind.

Die Ansprache Carters hat folgenden Wortlaut:

"Heute vor einem Jahr, am 17. September 1978, kehrten Israels Premierminister Begin, Ägyptens Präsident Sadat und ich von Camp David mit einem
Abkommen zurück, das einen Rahmen für den Frieden im Nahen Osten bildet.

Damals glaubten wir daran, daß wir einen historischen Wendepunkt in
der bitteren Geschichte dieser leidgeprüften Region erreicht hätten.

Nur

ein Jahr später ist dieser Glaube unverrückbare Wirklichkeit geworden.

Nach 30 Jahren Feindschaft und Krieg lebt Israel in Frieden mit seinem
größten arabischen Nachbarn.
bessern sich täglich.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern ver-

Die Bestimmungen des Friedensvertrages werden einge-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�eingehalten - präzise und planmäßig.
Dieser Friede besteht nicht mehr allein aus Worten auf dem Papier.
Er steht nunmehr auf dem Boden der Tatsachen und lebt als Glaube in den
Herzen von Millionen Menschen.

Dieser bemerkenswerte Wandel - von

Krieg zu Frieden, von Feindschaft zu Freundschaft - wurde beim k'ürzlichen
Besuch Präsident Sadats in Haifa deutlich sichtbar, als er mit aufrichtiger Wärme und Begeisterung von der Bevölkerung und der Führung Israels
empfangen wurde.
Solche Ereignisse, die noch bis vor ganz kurzer Zeit erstaunlich, ja
nahezu undenkbar erschienen wären, werden jetzt nahezu als Routine akzeptiert.

Dies ist in sich selbst ein Maßstab dafür, wie weit wir schon auf

dem Wege zum Frieden vorangekommen sind.

Daher lohnt es sich, bei dieser

Gelegenheit sich daran zu erinnern, welch ein außerordentlicher Wandel der
Geisteshaltung stattgefunden hat.
Die bisherigen Erfolge Ägyptens und Israels bei der Überwindung dreier
Jahrzehnte der Feindseligkeit gibt uns erneute Zuversicht, uns den noch
verbleibenden schwierigen Aufgaben zu stellen.
Unser Ziel ist immer die Schaffung eines umfassenden Friedens gewesen,
in dem Israel schließlich in Sicherheit und Ruhe mit allen seinen Nachbarn
leben kann. Die Vereinbarungen von Camp David sind ein großer Schritt auf
diesem Weg gewesen. Wir unterschätzen die vor uns liegenden Schwierigkeiten
nicht. Aber wir wußten von Anfang an, daß der Weg hart und steinig sein
würde. Und wenn wir heute auf die dauerhaften Errungenschaften des letzten
Jahrzehnts zurückblicken, dann sind sie eine Rechtfertigung dafür, daß wir
unser Auge fest auf das Ziel des Friedens gerichtet haben, anstatt in das zur
Genüge bekannte Gejammer einzustimmen, daß kein Frieden erreicht werden
könne.

�Der in Camp David vor einem Jahr entworfene Friedensprozeß geht gut
voran.

Die Gespräche über eine volle Autonomie für das Jordan-Westufer

und den Gaza-Streifen werden planmäßig in einer Atmosphäre des guten Willens
und der ernsthaften Zusammenarbeit fortgesetzt.

Ich bin fest davon über-

zeugt, daß diese Gespräche Erfolg haben werden.

Ihr Fortschritt ist ein

Tribut an den Weitblick und den Mut von Präsident Sadat, Premierminister
Begin und die Menschen ihrer beiden großen Völker.

Während der nächsten

Monate wird es unsere gemeinsame Aufgabe sein, auch weiterhin zu zeigen,
daß der Frieden funktionsfähig ist und daß wir durch den Beweis unserer Taten
andere Nationen und Staatsmänner davon überzeugen, mit uns zusammen diese
Suche nach einem dauerhaften Frieden, nach

Sicherheit und der Möglichkeit

zu einem sinnvollen Leben für alle Menschen im Nahen Osten fortzusetzen."

Die Erklärung von Außenminister Vance hat folgenden Wortlaut:

"Heute vor einem Jahr wurden die historischen Abkommen zwischen Ägypten
und Israel in Camp David erzielt, von Präsident Sadat und Premierminister
Begin im Weißen Haus unterzeichnet und von Präsident Carter beglaubigt.

Wir

alle, die das Privileg hatten, an diesen Verhandlungen beteiligt gewesen zu
sein, hegen auch weiterhin ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und der Bewunderung für die drei Staatsmänner, deren Vision zu dieser Leistung geführt
hat.

Heute ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, wie weit wir in diesem
einen Jahr seit der Unterzeichnung der Vereinbarungen von Camp David gekommen
sind.

Die vor einem Jahr eingegangenen Verpflichtungen werden jetzt gewissen-

haft eingelöst.

Der ägyptisch-israelische Friedensvertrag wurde unterzeichnet und wird,
wie vereinbart, ausgeführt - mit Hingabe und in einem Geist der Zusammenarbeit
auf beiden Seiten.

Die Welt kann die praktischen Ergebnisse sehen, die er-

- 3 -

�erzielt worden sind.

Die israelischen Streitkräfte werden Zone um Zone ab-

gezogen und es werden die Grundlagen vorbereitet für eine Normalisierung der
Beziehungen.
Das Verhältnis zwischen Ägypten und Israel beginnt sich auszuweiten
und zu vertiefen.

Mit zunehmender Reife wird dieses Verhältnis demonstrieren,

daß die Abkommen eingehalten werden.

Es wird nicht nur zeigen, daß Frieden

erreicht werden, sondern daß er auch dauerhaft sein kann.
Die neue Verhandlungsrunde, die in Camp David vorgesehen ist, beginnt
ebenfalls plangemäß.

Heute existiert zum erstenmal in dem über 30jährigen

arabisch-israelischen Konflikt ein Mechanismus, um mit der Lösung jener Fragen zu beginnen, die für die Palästinenser so bedeutsam sind.

Die derzeitigen

Verhandlungen über ein Abkommen, das den Bewohnern des Jordan-Westufers und
des Gaza-Streifens volle Autonomie gewähren soll, gewinnen an Schwung.
An diesem Jahrestag schließen sich alle meine Kollegen und ich Präsident
Carter an, um uns selbst zu einer verstärkten Anstrengung zu verpflichten,
damit auf den soliden Grundlagen, die in Camp David erstellt wurden, weitergebaut werden kann. Wir rufen all diejenigen, die den Frieden suchen und lieben, dazu auf, sich mit uns zu verbinden.

+ + + + +

�26. September 1979

38

NACHRICHTENSATELLITEN-SCHALTZENTRALEN AM HIMMEL

- (AD) - Auf der Internationalen Funkwellenkonferenz (WARC), die am
24. September 1979 unter Teilnahme von mehr als 150 Ländern in Genf begann,
wollen die Vereinigten Staaten einen Plan zur Frequenzaufteilung vorlegen,
durch den für alle interessierten Länder in den kommenden zwei Jahrzehnten
die Beteiligung am Satellitenfunk optimal gesichert werden könnte. Sie sind
sogar überzeugt, daß er eine Verdreifachung oder gar Viervierfachung der
Zahl geostationärer Satelliten - in Höhen von ca. 36 000 km über dem Äquator
eingeschossen - erlauben würde, ohne daß diese sich durch Störung der Abstrahlung von Funkimpulsen des Nachbarn gegenseitig

behindern.

Um dies zu

verhindern, müssen Fernmeldesatelliten mindestens sechs Grad auseinander
plaziert sein, d.h. etwas weiter als Funksatelliten, die zu vielen, weit
auseinanderliegenden Empfängerstationen auf der Erde senden.

Kern des amerikanischen Vorschlags ist eine Teilung des FunksatellitenFrequenzbandes in zwei Hälften: Die Funksatelliten sollen die niedrigeren
Frequenzen, die Satelliten mit genau begrenztem Dienstleistungsbereich dagegen (sie sind letztlich Relaisstationen für Signale zwischen bestimmten
Punkten auf der Erde) die höheren Frequenzen verwenden.

Auf diese Weise

könnte man einen Funk- und einen Relaissatelliten praktisch übereinander
plazieren, ohne daß der eine den anderen behindert.
Am

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�Am bisherigen Improvisationsverfahren für die Zuteilung von Frequenzen
sollte man nach Ansicht amerikanischer Delegationsmitglieder festhalten,
weil dies - im Gegensatz zu der von manchen Entwicklungsländern gewünschten
Methode der Reservierung bestimmter Frequenzbereiche für sie bis zum Aufbau
eines eigenen Satellitenfunks-technologische Neuentwicklungen begünstige.
In den Konstruktionsbüros und Labors bemühten sich z.B. die Ingenieure um
die Entwicklung von besseren Antennen, durch die immer weniger Abstand zwischen den Satelliten erforderlich werde. Millionen von Dollar

an Entwick-

lungsgeldern wurden beispielsweise bereits für ein - in ein bis zwei Jahren
technisch ausgereiftes - Projekt aufgewendet, das es erlauben wird, mit
kleinen Antennen selbst abgelegene Dörfer in den Satellitenfunk einzubeziehen.

"Millionen und Abermillionen wenden die USA dafür auf, diese Ausrüstun-

gen immer mehr Entwicklungsländern zukommen zu lassen", meinte Richard
Shramm von der US-Delegation.
Zwar mag die Konstruktion und der Start eines eigenen Satelliten
attraktiv sein - wirtschaftlicher jedoch ist das Anmieten von Frequenzbereichen eines bereits vorhandenen Satelliten. Einige Beispiele demonstrieren dies: Mit dem Start eines "PALAPA"-Satelliten kam Indonesien mit älteren sowjetischen und INTELSAT-Satelliten in Konflikt. Dies sei jedoch,
wie amerikanische Regierungsvertreter erklären, nur deshalb geschehen, weil
Indonesien die Entwicklung der geeigneten Antennen nicht abgewartet habe.
Wäre der Start nur um ein Jahr hinausgeschoben worden, hätten die Antennen
geändert und die Probleme vermieden werden können. Indien geriet in ähnliche Schwierigkeiten, als es seinem Satelliten zu viele Aufgaben gleichzeitig - nämlich Wetterbeobachtung und Fernmeldedienst - übertragen wollte
und so mit anderen benachbarten Satelliten in Konflikt geriet.
Algerien dagegen mietete, wie Dr. Sidney Metzger, Chefwissenschaftler
von INTELSAT, berichtet, einen Transponder mit einem Fernsehkanal und 200
Sprechkanälen zur Bedienung von 15 Erdstationen an.
Jahr eine Million Dollar.

Es zahlt dafür pro

Ein eigener Satellit hätte ca. 100 Millionen

Dollar gekostet - bei einer aktiven Lebensdauer von nur sechs oder sieben
Jahren.

INTELSAT

�INTELSAT kann für Algerien und and re Entwicklungsländer derart preiswerte Leistungen deshalb erbringen, wei die Organisation "Reserve"-Satelliten einsetzt, die bei Ausfall eine

regulären Fernmeldesatelliten des-

sen Aufgaben sofort übernehmen sollen - ein Fall, der bisher noch nie eingetreten ist. "So ist es für jeden ein
s Geschäft", meint Dr. Metzger,
"und es bringt allen Nutzen."

- 3 -

�26. September 1979

38

OMNIBUS MIT TURBOMOTOR
- USA erproben Versuchsfahrzeuge auf Oberland!inien -

- (AD) - Von außen unterscheiden sie sich kaum von den großen Überlandbussen der Greyhound-Linien, die in den Vereinigten Staaten in allen Landesteilen anzutreffen sind. Das einzig Auffallende sind zwei große Auspuifföffnungen, die dem rückwärtigen Teil eines Düsentriebwerks ähneln und dort angebracht sind, wo sich normalerweise das Rückfenster des Omnibusses befindet.
Die Fahrgäste in den bequemen Sitzen bemerken nach kurzer Zeit, daß etwas
Altgewohntes fehlt - nämlich das Brummen und Vibrieren des Dieselmotors.
Man hört nur noch ein leichtes Summen. Und wenn der Fahrer die Klimaanlage abschaltet, die das Summen verursacht, ist praktisch kein Laut mehr
zu hören.
Ab Oktober 1979 verkehren vier der neuen Turbobusse auf den überlandlinien zwischen Washington, Philadelphia und Boston. Es sind Versuchsfahrzeuge des Greyhound-Unternehmens, die mit Unterstützung des US-Energie-Ministeriums gebaut wurden und betrieben werden. Sie sind mit Gasturbinen
ausgerüstet, die eher mit den Düsentriebwerken moderner Flugzeuge als mit
den herkömmlichen Dieselmotoren zu vergleichen sind. Im Gegensatz zu diesen
schlucken Gasturbinen nahezu alles, was brennt - Benzin, Alkohol oder die ver-

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�verschiedenen synthetischen Brennstoffe, die z.Zt. entwickelt werden.

Und

ihre Abgase sind wesentlich sauberer und viel weniger mit Schadstoffen belastet.
Turbomotoren arbeiten, wie die Diesel- und Benzinmotoren, nach dem
Prinzip der inneren Verbrennung.

Aber sie stellen insofern eine Besonder-

heit dar, als sie einen kontinuierlichen Kraftfluß erzeugen:

Heiße, expan-

dierende Gase wirken auf die Schaufelblätter des Turbinenrades und versetzen es in Rotation.

Mischung von angesaugter Luft mit Kraftstoff, Kompres-

sion, Verbrennung und Ausstoßen der Abgase bilden einen kontinuierlichen,
ruhig fließenden Vorgang.

Ihm ist es zu verdanken, daß der Turbinenmotor

weniger Schmiermittel braucht und eine größere Lebensdauer hat.

Der her-

kömmliche Dieselmotor eines Omnibusses muß nach ca. 700 000 Betriebskilometern überholt werden.

Bei der Gasturbine ist dies erst nach mehr als 1,5

Millionen Kilometern erforderlich.
Wie Frank Nageotte, der Vorsitzende der Greyhound-Unternehmens, in
Washington jetzt vor Pressevertretern erklärte, soll das Gemeinschaftsprogramm mit dem US-Energieministerium die besonderen Vorteile der Verwendung
von Hochleistungs-Turbomotoren demonstrieren - u.a. den sparsamen Kraftstoffverbrauch, weniger Zeit- und Kostenaufwand für die Wartung, leichteres
Starten bei Kälte, weniger Abgase und die Möglichkeit zur Verwendung von
Kraftstoffen, die aus öl, Kohle, Getreide und Holzabfällen hergestellt sind.

�38

26. September 1979

AMINOSÄUREN IN ANTARKTIS-METEORITEN

- (AD) - Zwei der in der Antarktis aufgefundenen Meteoriten enthalten
Aminosäuren - organische Verbindungen, die Bestandteile von Proteinen sind
und für alle Lebensvorgänge gebraucht werden.

Wie Dr. Cyril Ponnamperuma,

der Direktor des Laboratoriums für chemische Evolution an der Universität
Maryland auf einer Tagung der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft in
Washington berichtete, handelt es sich um "nicht-biologische Aminosäuren
extraterrestrischen Ursprungs".

Das heißt, daß sie als "präbiotische Sub-

stanzen" durch physikalische Prozesse entstanden sind und nicht als Überreste lebender betrachtet werden können.

Die untersuchten Meteoriten sind von dem sehr seltenen Typ der kohlenstoffhaltigen Chondriten.

Der Fundort ist für die Wissenschaft von besonderer

Bedeutung, da in der Antarktis die Gefahr einer "Verschmutzung" durch organisches Material so gering wie nirgends sonst auf unserer Erde ist.

Das

Analysenergebnis stütze, wie Dr. Ponnamperuma erklärte, die Theorie, daß der
für die Erde postulierte chemische Evolutionsprozeß sich auch andernorts
abspiele.

Es

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�f
Es gibt nur 20 Aminosäuren, aus denen normalerweise das Eiweiß lebender
Organismen auf der Erde aufgebaut ist.

Einige der in den Meteoriten gefun-

denen Aminosäuren gehören nach Aussage des Forschers nicht zu dieser Gruppe.
Einer der Hauptunterschiede war, daß einige der Aminosäuren aus den Meteoriten bei der Untersuchung im polarisierten Licht sich sowohl als linksdrehend
wie auch als rechtsdrehend erwiesen, während lebende Organismen irdischer
Herkunft ausschließlich linksdrehende Aminosäuren enthalten (d.h. sie lenken
einen Strahl polarisierten Lichts beim Durchgang durch die wässrige Aminosäurelösung nach links ab). Mit dieser Methode können Strukturunterschiede
von Aminosäuren aufgezeigt werden.

"Bei dem in unserem Laboratorium ange-

wandten Verfahren wurde demonstriert, daß die Meteoriten gleiche Mengen
rechts- und linksdrehender Aminosäuren enthalten", erklärte Dr. Ponnamperuma.
"Dies ist ein Beweis dafür, daß die Säuren nicht das Ergebnis von Lebensprozessen sind, sondern daß sie eine präbiotische Form dieser Substanzen darstellen".

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Vance vor der UN-Vollversammlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brown erläutert den Verteidigungshaushalt der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter und Vance würdigen Fortschritte seit Camp David&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachrichtensatelliten-Schaltzentralen am Himmel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Omnibus mit Turbomotor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA erproben Versuchsfahrzeuge auf Oberlandlinien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aminosäuren in Antarktis-Meteoriten&amp;nbsp;</text>
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                    <text>ii

1

Information
und

ii

7TT

&gt;

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. September 1979

37

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zur Stationierung der M-X Rakete

Präsident Carter fordert höheren Verteidigungshaushalt
- Wortlaut des Schreibens an den Kongreß -

Präsident Carter:

Feste Diplomatie erforderlich

- Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba Erklärung des US-Außenministers zur NATO-Politik
- Vance bekräftigt Amerikas Entschlossenheit zur Verteidigung Europas -

Erklärung von Außenminister Vance zur Anwesenheit sowjetischer Truppen
auf Kuba

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Prüfung von Umweltchemikalien
- Bakterienkulturen zeigen mutagene und krebsauslösende Wirkung an

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. September 1979

37

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUR STATIONIERUNG DER M-X RAKETE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 7. September 1979 seine Entscheidung über die neue Generation nuklearer Interkontinentalraketen bekanntgegeben. In einer längeren Erklärung erläuterte der Präsident diese Entscheidung.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Ich habe eine Erklärung über das neue strategische Abschreckungssystem
abzugeben, die ich als recht bedeutsam erachte. Manche Beobachter werden
sie auf eine Stufe stellen mit zwei anderen zentralen Entscheidungen, die in
diesem Jahrhundert von Präsidenten getroffen wurden: die eine war die Errichtung des Strategischen Luftkommandos selbst unter Präsident Truman, die andere
die spätere Entscheidung Präsident Kennedys über die Einführung des Systems
der verbunkerten Minuteman-Raketen.
Nahezu

30 Jahre lang hat unser Land nunmehr vor jedem Angriff abge-

schreckt und den Frieden durch ein sich ergänzendes System von Kernwaffen
zu Lande, zur See und in der Luft gesichert, ein System, das allgemein als die
"Strategische Triade" bekannt ist.
Durch

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�»•

&lt;

Durch die Aufrechterhaltung der besonderen Stärke und Vorteile, die eine
jede dieser drei getrennten Waffengattungen bietet, machen wir es jedem Feind
unmöglich, einen Gegenschlag auf sie alle auszuführen.
Meine Administration hat nun mit einem Programm zur Modernisierung und
Verbesserung aller drei Systeme der gesamten strategischen Triade begonnen,
um jeden Angriff zu überleben.

Unsere Bomberflotte wird verstärkt durch Marsch-

flugkörper, die mit Kernsprengköpfen ausgerüstet sind.

Unsere strategische

Unterseebootflotte wird durch Trident-U-Boote und Trident-Raketen verbessert.
Als Folge der zunehmenden Zielgenauigkeit der strategischen Systems wurden jedoch die festen, landgestützten Interkontinentalraketen (ICBMs) oder
die verbunkerten Interkontinentalraketen wie unsere Minuteman immer anfälliger gegen Angriffe.

Ein System beweglicher Interkontinentalraketen wird

diese Verwundbarkeit erheblich vermindern.

Deshalb entschied ich vor eini-

gen Monaten, daß die umfassende Entwicklung und Dislozierung einer neuen,
großen, beweglichen Interkontinentalrakete, bekannt als die M-X, in Angriff
genommen werden soll.

Ich habe diese Entscheidung getroffen, um unserem Land

jetzt und in Zukunft eine sichere strategische Abschreckung zu gewähren.
Die M-X wird es uns ermöglichen, mit einer modernisierten, unübertroffenen, überlebensfähigen strategischen Abschreckung durch unsere Triade aus
Interkontinentalraketen, U-bootgestützten Raketen und Schweren Bombern fortzufahren:

die mit Marschflugkörpern ausgerüstete Triade aus ICBMs, U-boot-

gestützten ballistischen Raketen und Schweren Bombern.
Die Art und Weise, in der wir die M-X dislozieren, um ihren eigenen Schutz
vor einem Angriff zu vergrößern, ist lebenswichtig für ihre Fähigkeit zur
Verteidigung unseres Landes.
Zur Zeit meiner Entscheidung für den Bau der M-X, legte ich fünf wesentliche Kriterien fest, die ein Stationierungssystem zu erfüllen hat.

- 2 -

Erstens:

�»

Erstens:

es muß zu der Fähigkeit der Strategischen Streitkräfte beitragen,

einen Angriff zu überleben.

Zweitens:

es muß verifizierbar sein, um einen

Maßstab zu setzen, der als Vorläufer für die Verifizierbarkeit mobiler ICBMSysteme auf beiden Seiten dienen kann.

Drittens:

es muß die nachteiligen

Auswirkungen auf unsere Umwelt so gering wie möglich halten. Viertens:
seine Dislozierung muß für den amerikanischen Steuerzahler zu einem vernünftigen Preis möglich sein.

Und fünftens:

es muß in Einklang mit existieren-

den SALT-Vereinbarungen stehen sowie mit unserer Zielsetzung bei SALT III,
umfangreiche gegenseitige Verminderungen der strategischen Waffen auszuhandeln.

Im Licht dieser Kriterien und nach umfassender Konsultation mit Verteidigungsminister Harold Brown und meinen anderen wichtigsten Beratern

habe

ich mich für die folgende Struktur der Stationierung des M-X-Raketensystems
entschieden:

die M-X wird beweglich in einem Bunkersystem entlang eines

Straßennetzes stationiert, das in unseren westlichen Wüstengegenden konstruiert werden und dessen Gesamtgebiet 25 Quadratmeilen nicht überschreiten wird.

Dieses System wird aus 200 Raketentransportern oder -Startanlagen bestehen, die alle rasch beweglich sind auf Spezialstraßen, die annähernd 23
horizontale Unterstände verbinden.

Lassen Sie mich darlegen, wie dieses System die Kriterien erfüllt, die
ich festgelegt habe.

Erstens:

es erhöht die Überlebensfähigkeit unserer Ra-

keten durch die Vervielfachung der Anzahl von Zielen, die angegriffen werden
müßten.

Denn da nicht feststeht, in welchem der 23 Unterstände sich die

Rakete befindet, müßten alle 23 Unterstände angegriffen werden, um sicherzugehen, daß die Rakete selbst angegriffen wird.

Die Fähigkeit der Raketen zur raschen Fortbewegung stellt sicher, daß
kein Angreifer in der Lage ist, vorzeitig herauszufinden, wo die Raketen disloziert sind, und dann nur diese Stellungen angreifen könnte.

Tatsächlich

wären die Raketen in der Lage, ihre Unterstände noch während der Flugzeit

- 3 -

�&lt;

Flugzeit einer feindlichen Interkontinentalrakete zu wechseln.

Zudem ist

das System beweglich genug, so daß wir die Dislozierungsskala nach oben oder
unten in Beantwortung einer zukünftigen feindlichen Bedrohung anpassen oder
aber mit zukünftigen SALT-Verhandlungen fortfahren können.
Zweitens:

das System ist angemessen verifizierbar.

Das spezielle

Straßennetz ist auf vorbezeichnete Gebiete begrenzt, und die begleitenden
Raketentransportfahrzeuge werden nicht in der Lage sein, sich auf anderen
als auf den gekennzeichneten Straßen fortzubewegen.
Die Unterstände werden so entworfen, daß sie geöffnet werden können,
um nachzuweisen, daß in ihnen keine zusätzlichen Raketen verborgen sind.
Diese und andere Eigenschaften werden dieses System angemessen verifizierbar machen.
Drittens hält das System die Auswirkung auf die Umwelt so niedrig wie
möglich. Die Bunker sind ebenerdig. Die Öffentlichkeit wird weiterhin Zugang zu den Gebiet haben. Nur die Unterstände selbst werden eingezäunt
sein. Das gesamte System wird, wie ich eben sagte, der öffentlichen Benutzung lediglich etwa 25 Quadratmeilen Land entziehen.
Viertens: das System ist erschwinglich. Die veranschlagten Kosten
über eine volle 10-Jahresperiode, also die Gesamtkosten, die die Entwicklung, die Herstellung und die Dislozierung umfassen, belaufen sich auf 33
Milliarden Dollar, den Dollarwert von 1980 zugrundegelegt. Obwohl sich diese Erstellungskosten mit fortlaufendem Programm etwas ändern können, ist es
doch wichtig, festzustellen, daß die Kosten für dieses System, ausgedrückt
in einem gleichbleibenden Dollarwert, nicht höher sein werden als die Kosten
für jedes der ursprünglichen drei Stützen unserer strategischen Triade
- sei es die B-52-Waffe, die Polaris-Poseidon-Waffe oder das Minuteman ICBMSystem.
Schließlich steht das System in Einklang mit den vorhandenen SALT-Ver-

�SALT-Vereinbarungen und mit unseren Ziel Vorstellungen für SALT III.

Indem wir dieses System dislozieren, machen wir der Sowjetunion klar,
daß sie keinerlei strategische Vorteile aus dem fortgesetzten nuklearen
Wettrüsten erzielen kann.

Dies ist eine grundlegende Vorbedingung für

wirkungsvollere Abkommen über Rüstungskontrolle.

Ebenso wichtig ist die

Tatsache, daß dieses System in die Richtung auf eine Verminderung der strategischen Waffen zielt, da wir besseren Schutz mit weniger Raketen erhalten.

Ohne ein solch bewegliches Bunkersystem wäre der einzige Weg zur Auf-

rechterhai tung unserer Abschreckung eine starke Erhöhung der Anzahl unserer
strategischen Systeme oder Kernraketen.

Im Verlauf einer Reihe von Entscheidungen, die zu dieser Ankündigung
führten, habe ich die potentielle Bedrohung unserer Minuteman-Waffe sorgfältig untersucht.

Diese Bedrohung ist echt.

Das System, das ich hier aus-

geführt habe, wird diese Gefahr am ehesten bannen, während es gleichzeitig
die Bedingungen erfüllt, die ich zu Beginn im einzelnen angegeben habe.
Das System ist überlebensfähig, es ist verifizierbar, es hat die geringste
Auswirkung auf die Umwelt, es ist finanziell erschwinglich, und es steht
in Einklang mit unserem Ziel

der ausgedehnten Verminderung der strategischen

Waffen bei SALT.

Zusammenfassend:

dieses System wird die Sicherheit unseres Landes

vergrößern, indem es sowohl unsere strategische Abschreckung verstärkt als
auch die Aussicht auf wirkungsvollere Rüstungskontrolle bietet.
System ist kein Verhandlungsgegenstand.

Dieses

Es ist ein System, das Amerika

braucht und für seine Sicherheit haben wird.

Ich bin zuversichtlich, daß

das amerikanische Volk seine Dislozierung unterstützen wird.

Unglücklicherweise leben wir noch nicht in einer solchen Welt, die es
uns erlauben würde, alle unsere Mittel in den Dienst des Friedens zu stellen.
Und als Präsident habe ich keine höhere Pflicht als diejenige, die Sicherheit
der Vereinigten Staaten über jeden Zweifel hinaus zu schützen.

- 5-

Solange die

�I

die Bedrohung eines Krieges andauert, werden wir alles tun, was notwendig
ist, um diese Bedrohung der Sicherheit unseres Landes zu bannen.

Wenn

SALT II ratifiziert und SALT III erfolgreich ist, wird vielleicht die Zeit
kommen, da kein Präsident mehr diese Art Entscheidung zu treffen haben wird
und das M-X System das letzte Waffensystem von solch ungeheuer zerstörerischer
Gewalt sein wird, das wir je bauen mußten.

Ich bete inständig für diese Zeit;

aber bevor sie kommt, werden wir bauen, was wir bauen müssen, sogar während
wir weiterhin für gegenseitige Zurückhaltung bei der strategischen Rüstung
arbeiten.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. September 1979

37

PRÄSIDENT CARTER FORDERT HÖHEREN VERTEIDIGUNGSHAUSHALT
- Wortlaut des Schreibens an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 11. September 1979 in zwei
gleichlautenden Schreiben an den Sprecher des Repräsentantenhauses und den
Präsidenten des Senats den Kongreß darüber informiert, daß er für das Haushaltsjahr 1980 um die Bewilligung von zusätzlichen 2,7 Milliarden Dollar für
den Verteidigungshaushalt nachsuchen werde.
Der Text des Schreibens hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Ich bin sicher, daß Sie mit mir darin übereinstimmen, daß wir weder die
legitimen amerikanischen Interessen im Ausland wirkungsvoll sichern noch Frieden, Gerechtigkeit und Ordnung zu Hause ungefährdet aufrechterhalten können,
wenn unsere nationale Sicherheit nicht durch angemessene Verteidigungskräfte
geschützt wird. Die grundlegende Verantwortung des Präsidenten - eine Verantwortung, die er mit dem Kongreß teilt - besteht darin, Verteidigungskräfte
zu unterhalten, die angemessen sind, um die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten zu garantieren. Diese Administration stellte sich dieser Verantwortung, indem sie sofort und nachdrücklich vorging, um den Abwärtstrend bei

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�4

bei den amerikanischen Verteidigungsanstrengungen umzukehren.

Dies zeigt

eine Analyse der Trends bei den effektiven Verteidigungsausgaben seit Mitte
der sechziger Jahre. Auf den NATO-Gipfeltreffen im Mai 1977 und 1978 überzeugten wir unsere Verbündeten davon, sich uns zur Verfolgung des Ziels eines
tatsächlichen dreiprozentigen jährlichen Wachstums der Verteidigungsausgaben
sowie bei einem ehrgeizigen und langfristigen Verteidigungsprogramm für das
Bündnis anzuschließen.

Zusammen bedeutete dies einen Wendepunkt - nicht nur

für die Vereinigten Staaten, sondern für das gesamte Bündnis.
Was uns anbelangt, so handelten wir umgehend, um diesen Entschluß in die
Tat umzusetzen.

Wir genehmigten die Produktion der XM-1 Panzer; wir erhöhten

wesentlich die Anzahl unserer Panzerabwehr-Lenkflugkörper; wir dislozierten
F-15 und zusätzliche F-lll in Europa sowie Ausrüstung für zusätzliche Landstreitkräfte.

Wir verminderten den Rückstand bei der

Schiffsüberholung und

schlichteten vertragliche Meinungsverschiedenheiten, die den Fortgang beim
Schiffbau bedrohten.

Bei den strategischen Systemen beschleunigten wir die

Entwicklung und begannen mit der Beschaffung der weitreichenden luftgestützten
Marschflugkörper, mit der Dislozierung der Trident I-Raketen sowie mit der
Modernisierung unserer Interkontinentalraketen-Streitmacht durch unsere Verpflichtung zur Dislozierung der M-X Rakete in überlebensfähiger Stationierung.
Diese und weitere Initiativen waren die Bausteine eines entschlossenen
Programms, um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten militärisch stark
bleiben. Die Vorlage des Budgets für das Haushaltsjahr 1980 letzten Januar
war entworfen worden, um dieses Programm fortzuführen. In den darauffolgenden
Monaten ist die Inflationsrate jedoch höher gestiegen, als bei den Kostenkalkulationen im Zusammenhang mit diesem Verteidigungsprogramm angenommen worden war. Demzufolge habe ich die Absicht, dem Kongreß unverzüglich einen
Zusatz zum Verteidigungshaushalt zuzusenden, um genügend Geldmittel bereitzustellen, damit im Haushaltsjahr 1980 mit der Durchführung eines Verteidigungsprogramms der Administration fortgefahren werden kann, das sich auf unsere genaueste Abschätzung der im Verlauf des Haushaltsjahres zu erwartenden
Inflationsrate stützt. Obwohl die genauen Berechnungen, die zur Vorbereitung
- 2 -

�Vorbereitung eines Gesetzeszusatzes notwendig sind, im Moment noch durchgeführt werden, erwarte ich, daß der Zusatzbetrag ungefähr 2,7 Milliarden Dollar
an Haushaltsvorgriffsmitteln über die Budgetforderung der Administration vom
Januar 1979 hinaus umfassen wird.

Inflationsausgleich als solcher ist nicht genug, um sicherzustellen,
daß wir auch im Haushaltsjahr 1980 mit einem angemessenen Verteidigungsprogramm fortfahren.

Auch müssen das Programm und die Mittel im wesentlichen

so genehmigt und bewilligt werden, wie wir sie vorgelegt haben.

Deshalb wer-

de ich im Verlauf der Beratungen des Kongresses über den zweiten Haushaltsbeschluß Obergrenzen für die nationale Verteidigung für das Haushaltsjahr
1980 in Höhe von 141,2 Milliarden Dollar an Haushaltsvorgriffsmitteln und
130,6 Milliarden Dollar an Ausgaben unterstützen.

Außerdem werde ich den

Kongreß ersuchen, das Verteidigungsprogramm der Administration für das Haushaltsjahr 1980 zu unterstützen, und insbesondere die Bewilligungsausschüsse,
die Geldmittel auch zuzuteilen, die zu seiner Durchführung notwendig sind.

Zudem plane ich für das Haushaltsjahr 1981 einen weiteren realen Anstieg
der Verteidigungsausgaben.

Das Verteidigungsministerium arbeitet zur Zeit

die Einzelheiten dieses Haushalts aus.

Es wäre aus diesem Grund verfrüht,

die Merkmale dieses Budgets über die Feststellung hinaus zu beschreib- ,
daß es mit dem breitangelegten Vorstoß unseres Verteidigungsprogramms fortfahren wird und daß ich die Absicht habe, auch weiterhin unsere gegenseitigen
Verpflichtungen mit unseren NATO-Verbündeten unterstützen werde.

Obwohl dieses Verteidigungsprogramm angemessen ist, ist klar, daß wir
noch mehr ausgeben könnten und dadurch mehr militärische Schlagkraft erhalten würden.

Aber unsere nationale Sicherheit beinhaltet mehr als die reine

militärische Schlagkraft; es gibt noch andere legitime Forderungen, die an
unsere Haushaltsmittel gestellt werden.

Diese miteinander im Widerstreit

liegenden Prioritäten werden uns stets begleiten bei dieser ausgedehnten Vielfalt von Budgetentscheidungen, die zu treffen sowohl der Kongreß als auch
der Präsident aufgerufen sind.

Die Verteidigungsausgaben sind in der Tat

- 3 -

�Tat - in konstanten Dollar ausgedrückt - niedriger als im Jahr 1963 und
stellen einen viel niedrigeren prozentualen Anteil am Bruttosozialprodukt
dar (5 Prozent im Vergleich zu 9 Prozent).

Es gibt Leute, die glauben,

daß dies einen Rückgang der amerikanischen Militärmacht verursacht hat und
daß das militärische Gleichgewicht sich nun gegen uns neigt.
nicht daran, aber ich bin über die Trends beunruhigt.

Ich glaube

Ich glaube, es ist

für uns notwendig, diesen Trends entgegenzuarbeiten.
Der Verteidigungsminister wird dem Kongreß in den kommenden Monaten
die hervorstechenden Züge unseres Verteidigungsprogramms hinsichtlich der
Ziele, die es unserer Meinung nach zu erreichen gilt, darlegen sowie das
5-Jahres-Verteidigungsprogramm unterbreiten, durch das wir diese Ziele erreichen wollen. In diesem Zusammenhang wird er neben vielen anderen Themen
auch ausführen, wie das M-X Programm sowie unsere anderen strategischen Programme zur Aufrechterhaltung des wesentlichen Gleichgewichts zwischen den
zentralen strategischen Streitkräften der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beitragen werden, wie wir planen, die nuklearen Gefechtsfeldwaffen in
Zusammenarbeit mit unseren NATO-Verbündeten zu modernisieren, und wie unsere
Programme für die allgemeinen Streitkräfte sowohl zu unserer militärischen
Fähigkeit beitragen, unsere NATO-Verbündeten zu unterstützen als auch rasch
Streitkräfte zu dislozieren, um unsere vitalen Interessen in anderen Gebieten
zu verteidigen. Diese Darstellung kann als Grundlage für kommende Diskussionen
dienen (einschließlich öffentlicher Anhörungen), die es uns erlauben werden,
den nationalen Konsens zu schaffen, der ein grundlegendes Erfordernis für ein
starkes und sicheres Amerika ist.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

37

PRÄSIDENT CARTER: FESTE DIPLOMATIE ERFORDERLICH
Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 7. September 1979 die
Anwesenheit einer sowjetischen Kampfbrigade auf Kuba als eine sehr ernsthafte Angelegenheit bezeichnet, die die amerikanischen Beziehungen zu Moskau
nachteilig beeinflussen könne.

Gleichzeitig betonte er, die gegenwärtige

Situation erfordere eine feste Diplomatie und nicht Panik oder Übertreibung.
Die Erklärung Carters hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte mir ein paar Minuten Zeit nehmen, um zu Ihnen über die Anwesenheit der sowjetischen Kampfbrigade auf Kuba zu sprechen.

Die Fakten

im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit sind von Außenminister Vance sehr
eingehend dargelegt worden, einmal in seiner öffentlichen Erklärung,zum anderen in seiner Aussage vor dem Kongreß.

Kurz zusammengefaßt sind es die

folgenden:
Infolge der intensivierten nachrichtendienstlichen Bemühungen sind wir
zu der Erkenntnis gekommen, daß eine sowjetische Kampfbrigade derzeit in
Kuba stationiert ist.

Wir haben gewisse Anhaltspunkte, die darauf hin-

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�hinweisen, daß sich eine solche Einheit schon einige Zeit, vielleicht sogar
mehrere Jahre, auf Kuba befunden hat.
Die Brigade besteht aus 2000 bis 3000 Soldaten.

Sie ist mit konventio-

nellen Waffen wie etwa 40 Panzern und einigen Feldartilleriegeschützen ausgerüstet und hat als geschlossener Verband Übungen durchgeführt.
Es ist keine Angriffseinheit.

Sie besitzt weder Luft- noch Seetrans-

portausrüstung und verfügt auch über keine Waffen, die für einen Angriff auf
die Vereinigten Staaten geeignet wären.
über den Zweck dieser Kampfeinheit besteht noch keine Klarheit.

Doch

hat der Außenminister in meinem Sinne und für unsere Nation gesprochen, als
er am Mittwoch erklärte, daß die Anwesenheit einer sowjetischen Kampfbrigade
auf Kuba eine sehr ernsthafte Angelegenheit ist und daß dieser Status quo
nicht akzeptabel ist.
•

Wir sind uns unserer Fähigkeit sicher, unser Land oder ein jedes Land
unserer Freunde vor einer Aggression von außen verteidigen zu können.

Die

Frage, die sich stellt, ist von anderer Art. Sie betrifft die Stationierung
sowjetischer Kampftruppen hier in der westlichen Hemisphäre, in einem Land,
das als sowjetischer Handlanger bei militärischen Abenteuern in anderen Gebietender Welt, wie beispielsweise in Afrika, auftritt.
Es ist unser Recht, darauf zu bestehen, daß die Sowjetunion unsere Interessen und Belange respektiert, wenn die Sowjetunion erwartet, daß wir ihre
Gefühle und Belange respektieren. Andernfalls werden die Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern unausweichlich nachteilig beeinflußt werden. Wir verfolgen diese Angelegenheit mit der Sowjetunion sehr ernsthaft und stehen in
enger Konsultation mit dem Kongreß.
Lassen Sie mich betonen, daß es sich hier um eine sensitive Angelegenheit handelt, der sich unsere Nation gegenübersieht.

- 2 -

Wir alle und unsere

�unsere Nation als Ganzes müssen nicht nur mit Festigkeit und Stärke, sondern
auch mit Ruhe und einem Sinn für Proportionen reagieren.
Die Situation von heute erfordert eine feste Diplomatie und nicht Panik
oder Übertreibung.

Wenn Außenminister Vance diese Angelegenheit in den kom-

menden Tagen mit sowjetischen Vertretern erörtert wird, können der Kongreß
und das amerikanische Volk dazu beitragen, einen erfolgreichen Ausgang dieser
Erörterungen und Verhandlungen zu gewährleisten, indem sie eine Atmosphäre
erhalten helfen, in der unsere Diplomatie arbeiten kann.
Ich weiß, daß ich für die führenden Vertreter im Kongreß, mit denen
ich heute Nachmittag zusammengekommen bin, und auch für meine eigene Administration spreche, wenn ich meiner Überzeugung Ausdruck gebe, daß unsere
Nation sich auch weiterhin als ruhig und bedacht
schlossen erweisen wird.

- 3 -

wie auch als stark und ent-

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

37

12. September 1979

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERS ZUR NATO-POLITIK
Vance bekräftigt Amerikas Entschlossenheit zur Verteidigung Europas

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�WASHINGTON - (AD) - Außenminister Vance unterstrich in einer am 10. September 1979 veröffentlichten Erklärung, daß die Vereinigten Staaten entschlossen sind, ihre europäischen Verbündeten mit konventionellen wie mit Kernwaffen zu verteidigen.

In Anspielung auf kürzlich geäußerte Befürchtungen, daß

sich "der amerikanische Nuklearschirm" im Fall eines Angriffs auf Europa
nicht öffnen werde, zitierte Vance den amerikanischen Präsidenten, demzufolge "die NATO ein Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik" ist, und fügte hinzu:

"Daran hat sich nichts geändert, und wir beabsichtigen keine Än-

derung vorzunehmen."
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Die Sicherheit Europas und die Sicherheit der Vereinigten Staaten sind
untrennbar.

Diese zentrale Tatsache ist die Grundlage unserer strategischen

Doktrin und unserer Verteidigungsplanung seit mehr als vier Jahrzehnten.
Unsere Verbündeten sind mit uns überzeugt, daß unsere gegenseitige Sicherheit
gemeinsame Anstrengungen erfordert und daß unsere Verteidigung unteilbar
ist.

Amerikas Verpflichtung, bei der Verteidigung Europas mit allen notwen-

digen Mitteln - sowohl nuklearen als auch konventionellen - zu helfen, sollte
nicht in Frage gestellt werden.

Die umfangreichen Streitkräfte, die wir in

Europa disloziert haben, sind ein konkreter Beweis dieser Verpflichtung.
Präsident Carter stellte in seiner Erklärung zum dreißigsten Jahrestag
der Allianz fest, "die entschlossene Unterstützung der NATO durch den Kongreß und das amerikanische Volk bringt deren tiefe Überzeugung zum Ausdruck,
daß die NATO ein Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik ist".
Die grundlegende Strategie der NATO ist die der flexiblen Antwort.
Zu verschiedenen Gelegenheiten hat Präsident Carter die amerikanische Unterstützung dieser Strategie zum Ausdruck gebracht.

Daran hat sich nichts ge-

ändert, und wir beabsichtigen auch keine Änderung vorzunehmen.
Die

�Die zur Zeit innerhalb der NATO laufenden Verteidigungsanstrengungen
zeigen die gemeinsame Entschlossenheit der Verbündeten, sich den neuen Herausforderungen zu stellen.

Um die konventionellen Streitkräfte der NATO zu

verbessern und die kombinierten Hilfsquellen wirkungsvoller zu verwenden,
führt das Bündnis ein langfristiges Verteidigungsprogramm durch.

Wir arbei-

ten bei der Planung der Modernisierung unserer europabezogenen nuklearen
Gefechtsfeldwaffen zusammen.

Und wir entwickeln eine einheitliche Haltung

des Bündnisses hinsichtlich zukünftiger Verhandlungen über Rüstungsbeschränkungen.
Gleichzeitig verwirklichen die Vereinigten Staaten ein umfassendes
und energisches Programm zur Modernisierung aller Teilbereiche unserer strategischen Streitkräfte. Unsere Entschlossenheit zur Aufrechterhaltung des
strategischen Gleichgewichts zeigte sich letzte Woche erneut, als der Präsident ankündigte, daß wir die uneingeschränkte Entwicklung der neuen M-X
Rakete mobiler Stationierung betreiben werden, die bei völliger Verifizierbarkeit gemäß SALT die langfristige Überlebensfähigkeit unserer landgestützten strategischen Waffen sicherstellen wird.
Unsere strategischen Modernisierungsprogramme spiegeln unsere Entschlossen
heit wider, nicht nur das strategische Gleichgewicht, sondern auch die Kapazität zur flexiblen Antwort - sowohl hinsichtlich des Ausmaßes als auch der
Ziele dieser Antwort - auf jeden Angriff gleich welcher Stärke gegen uns
selbst oder unsere Verbündeten aufrechtzuerhalten.
Dies war die Politik der Vereinigten Staaten seit vielen Jahren. Dies
wird auch weiterhin die Politik der Vereinigten Staaten sein. Und wir werden die zur Durchführung dieser Politik notwendigen Streitkräfte unterhalten.
Diese Modernisierung der nuklearen und konventionellen Streitkräfte
wird ja gerade deshalb vorgenommen, weil die Verbündeten dadurch vor einer
Aggression abzuschrecken suchen, daß sie die Integrität und Glaubwürdigkeit
- 3 -

�Glaubwürdigkeit unserer Optionen für unsere Antwort in ihrer gesamten
Bandbreite gewährleisten.

Um vor einem Angriff abzuschrecken, muß die

NATO - erkennbar - sowohl die Fähigkeit als auch die Flexibilität und Entschlossenheit besitzen, angemessen zu antworten.

Nur so können wir dem

Warschauer Pakt den Preis des Anzetteins oder der Fortführung eines Konfliktes und die Gefahr vor Augen führen, daß sich ein konventioneller regionaler Konflikt in Europa durch Eskalation zu einem umfassenden Nuklearkrieg ausweiten könnte.
Die Sicherheit des Bündnisses hängt nicht nur von den kollektiven
militärischen Streitkräften und der gemeinsamen Entschlossenheit ab - so
unabdingbar diese sind.

Sie hängt gleichermaßen ab von den gemeinsamen

Bindungen zwischen den verbündeten Völkern und ihrer schöpferischen Kraft
und Vitalität, wenn es darum geht, den Herausforderungen zu begegnen, denen
wir uns gemeinsam gegenübersehen.

Wir sind von der fortgesetzten Fähig-

keit des Bündnisses überzeugt, diese aufzubringen.

+ + + + +

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. September 1979

37

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER VANCE ZUR ANWESENHEIT SOWJETISCHER TRUPPEN
AUF KUBA

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat am
5. September 1979 zu Beginn seiner Pressekonferenz in einer Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba Stellung genommen und betont, daß
die USA dies als "sehr ernsthafte Angelegenheit" ansehen. Er unterstrich, daß
dieser Vorgang im Gegensatz zu der seit langem bestehenden Politik der USA
stehe und daß Washington die Angelegenheit in den nächsten Tagen mit der Sowjetunion besprechen wolle. Ferner sicherte er der Öffentlichkeit umfassende Informationen zu.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Lassen Sie mich mit ein paar Bemerkungen über die Anwesenheit einer
sowjetischen Kampfbrigade auf Kuba beginnen. Wir sehen das als eine sehr
ernsthafte Angelegenheit an, die unsere Beziehungen zur Sowjetunion berührt.
Die Anwesenheit dieser Einheit steht im Gegensatz zu der seit langem bestehenden amerikanischen Politik.

Der

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Der Nachweis, daß es sich bei dieser Einheit um eine Kampftruppe handelt,
wurde kürzlich durch unsere Nachrichtendienste erbracht.

Sie sind nunmehr zu

dem Schluß gekommen, daß diese Einheit schon seit mindestens Mitte der siebziger Jahre auf Kuba ist.

Eine erneute Analyse der älteren, bruchstückhaften

Daten im Lichte der erst in jüngerer Zeit gesammelten Informationen läßt darauf
schließen, daß Teile einer sowjetischen Brigade wahrscheinlich schon seit
den frühen siebziger Jahren auf Kuba sind, möglicherweise sogar noch eher.
Der Prozeß der erneuten Analyse älterer Informationen dauert noch an.
Die Einheit scheint aus 2000 bis 3000 Mann zu bestehen.

Sie umfaßt mo-

torisierte Schützenbataillone, Panzer- und Artilleriebataillone sowie Kampfund Nachschubeinheiten.

Diese Zahlen kommen noch zu dem Personal der mili-

tärischen und militärtechnischen Berater auf Kuba hinzu, die wir zur Zeit auf
etwa 1500 bis 2000 schätzen.
Die genaue Aufgabe der Kampfeinheit ist unklar. Die Brigade verfügt
nicht über Luft- und Seetransporteinrichtungen, die sie zu Angriffsoperationen
befähigen würden. Ihre Anwesenheit wird aber auch nicht durch unsere bilateralen Vereinbarungen mit den Sowjets aus den Jahren 1962 oder 1970 gedeckt.
Trotzdem stellt die Anwesenheit einer sowjetischen Kampftruppe auf Kuba
eine Angelegenheit ernster Besorgnis dar.
Ich werde diese Angelegenheit mit den Sowjets in den kommenden Tagen
weiterverfolgen.
Ich werde dieses Thema heute nachmittag mit dem außenpolitischen Ausschuß des Senats erörtern und das von uns den Sowjets gegenüber geplante Vorgehen darlegen. Wir werden die Presse und die Öffentlichkeit dabei umfassend
informieren. Ich bin mir Ihres Verständnisses dafür sicher, daß dem Interesse unseres Landes nicht damit gedient wäre, wenn ich mich hier auf Einzelheiten dieses Vorgehens einlassen würde.
+ + + + +
- 2 -

�12. September 1979

37

PRÜFUNG VON UMWELTCHEMIKALIEN
Bakterienkulturen zeigen mutagene und krebsauslösende Wirkung an -

- (AD) - Etwa 50 000 verschiedene chemische Substanzen befinden sich
auf dem Markt, und ungefähr 1000 werden jährlich neu eingeführt. In den wenigsten Fällen werden sie rein verwendet; die Zahl der Zubereitungen und
Mischungen schätzt man sogar auf über eine Million. Sie werden wegen bestimmter Vorzüge für den industriellen, wirtschaftlichen oder privaten Verbrauch
fabriziert. Welche Reaktionen und Wechselwirkungen mit bzw. in der Umwelt
aber im Laufe der Zeit durch sie eintreten, ist im allgemeinen noch kaum erforscht. Epidemiologische Studien im weitesten Sinne könnten hier weiterhelfen - aber angesichts der Kosten und des Aufwandes an Personal und Versuchsanlagen versteht es sich von selbst, daß nur einzelne Schwerpunkte herausgegriffen werden können. Ein Musterbeispiel sind noch immer die Studien,
die schließlich in den sechziger Jahren enge Zusammenhänge zwischen Zigarettenrauchen und bestimmten Krebserkrankungen aufgedeckt haben - aber erst zu einem Zeitpunkt, als Millionen und Abermillionen von Menschen der Gefahr über
Jahrzehnte ausgesetzt gewesen waren.

Im

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�Im Gegensatz zu physikalischen Faktoren wie ionisierenden Strahlen
oder ultraviolettem Sonnenlicht, die in Abhängigkeit von der Dosis Krebs
erzeugen (wobei jedoch über die Langzeitwirkung äußerst niedriger Dosen
noch keine Aussagen gemacht werden können), sind erst relativ wenige chemische und biochemische Stoffe als Kanzerogene erkannt.

Wie wichtig dies-

bezügliche Untersuchungen sind, zeigt das Beispiel der Nitrosamine:

Im

Organismus werden aus Bausteinen, die als Einzelsubstanzen keineswegs gefährlich zu sein brauchen, krebserzeugende Verbindungen synthetisiert.
Erst in jüngster Zeit hat die Forschung damit eine weitere Quelle für das
Auftreten von Krebs erkannt.
Das Nationale Krebsforschungsinstitut der Vereinigten Staaten testet
in einem vor wenigen Jahren angelaufenen Programm in Versuchen an Ratten
und Mäusen systematisch die mögliche kanzerogene Wirkung von Chemikalien
- in erster Linie von solchen, die die Industrie produziert.

(Auch die

Natur bringt in bestimmten Pflanzen kanzerogene Stoffe hervor.)

Aber

selbst in diesem Programm ist die Beschränkung auf "Schwerpunktchemikalien"
wie Farbstoffe, Insektizide und Pestizide, Kosmetika, Produkte und Zwischenprodukte der petrochemisehen Industrie samt einzelner Komponenten geboten.
Denn die Prüfung einer einzigen Substanz in Tierversuchen ist langwierig
und mit ca. 250 000 Dollar Kosten anzusetzen.
Wenn unter der Einwirkung von Umweltchemikalien (übrigens sind auch
Viren als mögliche Quelle anzusehen) ein Organismus Krebs entwickelt, so
bedeutet das, daß in den Chromosomen Mutationen stattgefunden haben, die
ganz bestimmte Veränderungen in der Zellphysiologie hervorrufen. Es müssen
z.B. Gene - die kleinsten Einheiten der Träger von Erbanlagen - außer Funktion gesetzt worden sein, die das normale Zellwachstum steuern. Forschungen
in diesem Mikrobereich der Biologie wurden im Zusammenhang mit der Entwicklung der sog. Gentechnologie außerordentlich intensiviert und erweitert.
Als eines der "Nebenprodukte" ist ein regelrechter Schnelltest auf die mögliche Karzinogenität von Substanzen zu werten, den Dr. Bruce N. Arnes, Professor der Biologie an der Universität Kalifornien in Berkeley, im Verlauf

- 2 -

�Verlauf von mehr als zehn Jahren entwickelte und ständig weiter verbesserte.
Er erlaubt die rasche und äußerst empfindliche Prüfung "mutagener" Chemikalien, die damit auf ihre krebsauslösende oder krebsfördernde Wirkung, aber
auch auf andere für Mensch und Umwelt ungünstige Folgen untersucht werden
können.

Etwa 2000 staatliche und private Laboratorien auch außerhalb der

USA wenden ihn bereits an.

Am Anfang stand ein Projekt der Grundlagenforschung:

Dr. Arnes und seine

Mitarbeiter wollten herausfinden, wie bei Salmonellen Gene im DNS-Molekül,
das die gesamte Erbsubstanz enthält, als Reaktion auf veränderte Nährstoffe
aktiviert oder "abgeschaltet" werden.

Es zeigte sich u.a., daß z.B. ein

Bakterienstamm, bei dem es zu bestimmten Mutationen, d.h. Änderungen der
genetischen Substanz, gekommen und das Wachstum beeinträchtigt war, durch
eine weitere, künstlich herbeigeführte Mutation zu rapidem Wachstum gebracht
werden konnte.
kennen.

Eine eingetretene Mutation sei, so Prof. Arnes, leicht zu er-

Man könne in einer einzigen Schale Kulturen mit einer Milliarde

Bakterien züchten.

Mutiert nur ein einziges Bakterium, so bilden seine Ab-

kömmlinge schon innerhalb von 24 Stunden eine sichtbare neue Kolonie.

Aufgrund der Ergebnisse Tausender von Experimenten konnte Arnes aufzeigen, daß fast alle Chemikalien, die bei Tieren und Menschen Krebs auslösen,
auch in Bakterien Mutationen beim wichtigsten biologischen Molekül, der
Desoxyribonukleinsäure (DNS), hervorrufen.

Mit dem Salmonellentest kann

dies heute sehr schnell herausgefunden werden.
findlicher

Er wurde kürzlich noch emp-

gemacht, indem den Bakterienkulturen homogenisiertes Ratten-

lebergewebe zugesetzt wird, um gewissermaßen im Simulationsverfahren Prozesse auszulösen, mit denen der Organismus "aktive" Formen karzinogener Substanzen hervorbringt.

Der Arnes-Test wurde zum wichtigen Spurensucher:

Durch ihn fand man

kanzerogene Substanzen in einer Anzahl von Haarfärbemitteln und in einem
Imprägnierpräparat für Kinderschlafanzüge, das diese unbrennbar machen sollte.

Die Firma DuPont Co. entschied jetzt, zwei neue Freon-Treibmittel, die

- 3 -

�die eigentlich ozonschädliche Verbindungen ersetzen sollten, nicht zu produzieren, weil sie sich als mutagen erwiesen hatten. Dies sind nur ein paar
aus einer Fülle von Beispielen.
Andere Wissenschaftler haben zahlreiche weitere Kurztests zur Ermittlung und Messung der Mutagenität entwickelt.

Einige von ihnen, z.B. die

Verwendung tierischer Zellen in Gewebekulturen, hält Arnes für sehr aussichtsreich.

Da jedoch mit jedem der Schnellverfahren nur einige wenige Karzinogene

ausfindig gemacht werden können, auf die beispielsweise andere Tests gar
nicht ansprechen, bevorzuge man immer mehr die "Test-Batterie".

"Wir müssen

Wege finden, um Schwerpunkte zu setzen", so Arnes, "damit Risiken für den Menschen herausgefunden und definiert werden können."

In der Praxis sei es ein-

fach nicht möglich, jedes karzinogene Agens zu verbieten.

Gegenwärtig ar-

beiten er und einige Kollegen an der Analyse der Ergebnisse von etwa 1000
veröffentlichten Krebstests aus Tierversuchen.

Die Ergebnisse dieser Studie

sollten, wie Arnes meint, einen wichtigen Beitrag dazu leisten, welche Chemikalien für den Menschen eine besondere Gefahrenquelle darstellen und deshalb
samt ihren möglichen Kombinationen als erste unter die Lupe genommen werden
müssen.
(Die bisherigen Ergebnisse der Forschungen von Prof. Arnes auf dem Gebiet der Kanzerogene sind in einer vom "California Poiicy Seminar" veröffentlichten Broschüre zusammengefaßt. Sie trägt den Titel: "Environmental
Chemicals Causing Cancer and Genetic Birth Defects: Developing a Strategy
to Minimize Human Exposure". Sie kann vom "Institut of Governmental Studies,
University of California, Berkeley, California 94720" bezogen werden und
kostet drei Dollar.)
+ + + + +

- 4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zur Stationierung der M-X Rakete&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter fordert höheren Verteidigungshaushalt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter: Feste Diplomatie erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministers zur NATO-Politik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vance bekräftigt Amerikas Entschlossenheit zur Verteidigung Europas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Außenminister Vance zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Prüfung von Umweltchemikalien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bakterienkulturen zeigen mutagene und krebsauslösende Wirkung an -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I
I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

36

5. September 1979

I N H A L T

INFORMATION
Donald F. McHenry:

Neuer US-Chefdeleoierter bei den Vereinten Nationen

DOKUMENTATION
Brown:

USA müssen globale Stärke beibehalten

- Wortlaut des Interviews mit "National Public Radio'

WIRTSCHAFT
Ansprache Solomons auf dem Europäischen Forum in Alpbach
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Explosionsartige Entwicklung des Weltfunkverkehrs
- Gigantische administrative Aufgabe für Internationale Fernmeldeunion

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�I

1
&gt;

Information
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36

5. September 1979

DONALD F. MCHENRY: NEUER US-CHEFDELEGIERTER BEI DEN VEREINTEN NATIONEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Diplomat Donald F. McHenry ist
von Präsident Carter zum Nachfolger von Andrew Young als Chefdelegierter
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen ernannt worden.
teilte das Weiße Haus am 31. August 1979 mit.

Dies

McHenry, ein Schwarzer wie

Young, war bisher dessen Stellvertreter bei der Weltorganisation in New
York.

Die Nominierung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.

McHenry wurde einer breiten Öffentlichkeit vor kurzem im Falle der
Bolschoi-Ballerina Ludmilla Wlasowa bekannt, in dem er auf amerikanischer
Seite die Verhandlungen führte.

Seine Geschick, schwierige Situationen

mit Geduld und Ausdauer zu meistern, wird in dem kurzen Dialog deutlich,
den er in diesem Zusammenhang mit einem sowjetischen Diplomaten hatte. Als
dieser sich zu ihm wandte und begann:

"Ich hasse es, unhöflich zu sein,

aber...", unterbrach ihn McHenry mit der lakonischen Bemerkung:

"Wenn Sie

es hassen, unhöflich zu sein, seien Sie es doch einfach nicht!"

Durch seine zweijährige Erfahrung, die er während seiner Tätigkeit
bei den Vereinten Nationen sammeln konnte, wird es ihm nicht schwerfallen,
die Beziehungen weiter auszubauen, die sein Vorgänger geknüpft hat. Zu

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�t

Zu dieser Erfahrung gehören so vielfältige Themenkreise wie die NamibiaFrage, die Beschäftigung mit dem Nahen Osten, Südostasien und Fernost sowie mit Abrüstung und Weltraumproblemen.

"Er wird ein Symbol sein für

die Entschlossenheit des Präsidenten, den Prozeß der Brückenbildung zu
den Entwicklungsländern und vor allem zu denen in Afrika fortzusetzen",
hieß es in der Presseerklärung des Weißen Hauses.
Präsident Carter, der darauf hinwies, daß die Ernennung auch durch
Außenminister Vance und durch Andrew Young "mit Nachdruck empfohlen" wurde,
zeigte sich zuversichtlich darüber, daß die sich ständig verbessernden Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Entwicklungsländern durch
die Wahl McHenrys weiterhin positiv beeinflußt würden.

Darüber hinaus hob

Carter die gründliche Vertrautheit des neuen Botschafters mit allen Themen
der Vereinten Nationen hervor.
McHenry gilt als ruhiger Mann und unermüdlicher Arbeiter, der seine
Privatsphäre schätzt und dessen Interesse vor allem seiner Arbeit gilt.
Während sein Vorgänger Young sich durch seine Beteiligung an der Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre einen Namen machte, ist die Karriere
McHenrys durch Universität und Außenministerium gekennzeichnet.
Geboren am 13. Oktober 1936 in St. Louis, Missouri, erhielt er an
der State University of Illinois 1957 sein erstes Diplom als Bachelor
of Science, 1959 den Grad eines Master of Science an der Southern Illinois
University. Danach unterrichtete er erst an dieser Universität, später
an der hauptsächlich von Schwarzen besuchten Howard University in Washington,
wo auch Andrew Young studiert hatte. Nachdem er 1963 ins Außenministerium
eingetreten war, wurde er bereits 1969 Assistent des damaligen frischernannten Außenministers William Rogers. Als Henry Kissinger dessen Nachfolger wurde, schied McHenry aus dem State Department aus und arbeitete
als Projektleiter der Carnegie-Stiftung in Washington sowie als Lehrer
an der Georgetown-Universität und der Brookings Institution, bevor er im
April 1977 als zweiter Mann der Vereinigten Staaten im UN-Sicherheitsrat
im Rang eines Botschafters vereidigt wurde.
+ + + + +

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I

1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. September 1979

36

BROWN: USA MÜSSEN GLOBALE STÄRKE BEIBEHALTEN
Wortlaut des Interviews mit "National Public Radio

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat am 24. August 1979 in einem Interview mit der amerikanischen Rundfunkanstalt "National Public Radio" unterstrichen, daß die Vereinigten Staaten ihre
globale Stärke aufrechterhalten müßten. Gleichzeitig wies er darauf hin, daß
eine jährliche echte Erhöhung der Verteidigungsausgaben von drei Prozent die
USA in den Stand setzen werde, ein angemessenes militärisches Gleichgewicht
mit der Sowjetunion zu wahren. Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Herr Minister, sobald der Kongreß wieder zusammentritt, werden
Sie erneut vor dem Thema SALT stehen, und ich würde gerne wissen, ob Sie uns
sagen können, wie es mit einer Ratifizierung des Vertrags durch den Senat aussieht.
ANTWORT: Ich meine, Mr. Kondracke, wir haben von Seiten der Regierung
überzeugend dargelegt, daß der Vertrag die Schwungkraft des sowjetischen Aufbaus im Bereich strategischer Waffen etwas abbremst, und ich glaube, daß
dieses Abbremsen ein für die Vereinigten Staaten hilfreicher Vorgang ist. Der

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�Der SALT II-Vertrag erlaubt es den Vereinigten Staaten, zu tun, was wir tun
müssen, um sicherzustellen, daß sich das strategische Gleichgewicht nicht gegen uns neigt. Natürlich garantiert SALT II noch nicht, daß wir entsprechend
handeln, und in der Tat hat sich die Diskussion folgerichtig dahingehend entwickelt, daß sie sich nun auf das Thema der amerikanischen Verteidigungsprogramme sowohl in strategischer als auch in allgemeiner Hinsicht konzentriert
sowie auf das Gleichgewicht in militärischer Hinsicht zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion.

Dies wird meiner Meinung nach zum großen Teil

bestimmen, wie der Senat letztlich über SALT II abstimmt.
Wir haben klargestellt, daß das Abkommen selbst, daß der SALT II-Vertrag
selbst ausgewogen und verifizierbar ist und daß er eine vernünftige Grundlage
für weiterreichende Rüstungsbegrenzung und Abrüstung durch anschließende Verhandlungen bietet.

Ich glaube nicht, daß man uns in dieser Hinsicht erfolg-

reich herausgefordert hat.

Die Probleme, die angeschnitten wurden, sind Pro-

bleme des militärischen Gleichgewichts, der Militärprogramme und die Frage,
ob die Zustimmung des Senats zum SALT II-Vertrag die Vereinigten Staaten so
beruhigen würde, daß sie das Notwendige nicht mehr tun würden, und andererseits, was SALT uns für unsere eigene Sicherheit zu tun erlaubt.
FRAGE: Senator Nunn und die Senatoren Tower und Jackson haben folgenden
Vorschlag gemacht: wir sollten fünf Prozent ausgeben, also eine echte fünfprozentige Steigerung des Verteidigungsbudgets haben. Dies scheint der Preis
dafür zu sein, daß sie der Ratifizierung von SALT II zustimmen - besonders im
Fall von Senator Nunn. Glauben Sie, daß dies der Betrag ist, den die Administration aufbringen muß, um grünes Licht zu bekommen?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß dies nur eine Frage der Verteidigungsausgaben ist, und zweifellos würden verschiedene Senatsmitglieder auch verschiedene Ansichten darüber haben, was ein angemessenes Niveau für die Verteidigungsausgaben ist. Bei jeder Analyse dieser Frage sollte man zunächst
zwei Tatsachen beachten: eine davon ist, daß die Sowjetunion seit mehr als
15 Jahren,seit nunmehr fast 20 Jahren schon ihre Verteidigungsausgaben pro

- 2 -

�pro Jahr um bereinigte drei bis vier Prozent erhöht hat, während die Vereinigten Staaten in diesem Jahr einen geringeren Verteidigungshaushalt haben und
in diesem Jahr weniger für Verteidigung ausgeben als im Jahr 1963, bevor der
Aufbau wegen Vietnam begann.
Es ist unmöglich, daß hinsichtlich der vergleichbaren Wirksamkeit auf
beiden Seiten dieser Vorgang sich abgespielt hat ohne eine Tendenz in Richtung
auf eine erhöhte sowjetische Militärkapazität im Vergleich zu den Vereinigten
Staaten - und tatsächlich ist dies auch geschehen. Zur Zeit sind wir in etwa
gleichwertig, aber wenn dieser Trend über Jahre hinweg anhält, wird die Sowjetunion in fünf, sicher in zehn Jahren militärisch weit voraus sein - gleichgültig, welchen Maßstab man anlegt. Dagegen müssen wir etwas tun, egal ob
mit oder ohne SALT II. Der SALT II-Vertrag macht es uns etwas leichter und
ermöglicht es uns, es mit geringeren Ausgabenerhöhungen zu tun, die sonst
notwendig gewesen wären,um das strategische Gleichgewicht zu garantieren.
Dies ist ein Punkt.
Der andere Punkt ist, daß der Kongreß in den letzten Jahren die vom Präsidenten geforderten Geldmittel beschnitten hat. Ober die letzten zehn Jahre
hinweg hat er sie meiner Schätzung nach um rund 50 Milliarden Dollar reduziert.
Nun, diese 50 Milliarden Dollar hätten hinsichtlich unserer militärischen Kapazität und Verteidigungsbereitschaft einen großen Unterschied gemacht.
Auch in diesem Jahr hat der Kongreß die Bewilligung der Verteidigungsgelder für das Haushaltsjahr 1980 noch nicht abgeschlossen, aber es gibt
Gruppen im Kongreß, in den Haushalts- und Bewilligungsausschüssen, die gerade
ihre Arbeit wieder aufgenommen haben, die wiederum umfangreiche Kürzungen im
Budget des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1980 vorgeschlagen haben. Nun
weiß ich zwar, daß, milde gesprochen, der Kongreß nicht mit einer Stimme
spricht, aber es ist für uns sehr schwierig, einen Kongreß zufriedenzustellen,
der sagt, wir sollten für Verteidigung mehr ausgeben, als wir geplant haben
und gleichzeitig einen Kongreß zufriedenzustellen, der sagt, unsere Vorschläge
gingen zu weit.
Auf
- 3 -

�Auf diese zwei Tatsachen wollte ich hinweisen.
eine weitere Beobachtung machen:

Dann aber möchte ich

obwohl der Umfang der Ausgaben der einfachste

und kürzeste Weg ist, um zu sagen, waswir für die Verteidigung tun, kommt
es doch zu einem großen Teil darauf an, wofür man es ausgibt. Geld kann mehr
oder weniger wirksam und brauchbar ausgegeben werden.

Wir glauben, daß das,

was wir vorgeschlagen und was wir uns gegenüber unseren Verbündeten zu tun
verpflichtet haben, nämlich ein echtes dreiprozentiges Wachstum pro Jahr und
nach Inflation über mehrere Jahre hinweg* uns genug Spielraum läßt, um ein
angemessenes Gleichgewicht mit den Sowjets aufrechtzuerhalten.
Nun glauben wir, daß wir tatsächlich im Fiskaljahr 1979 real drei Prozent
mehr ausgeben werden als im Fiskaljahr 1978. Für das Fiskaljahr 1980 enthielt
unser vorläufiger Haushalt, den wir im Januar dem Kongreß vorlegten, eine
Unterschätzung der gegenwärtigen Inflation und insoweit sind wir für das Defizit verantwortlich, wir von der Exekutive. Wenn auch der Kongreß noch kürzt,
wird er für ein zusätzliches Defizit verantwortlich sein.
Wir sollten auch weiterhin unseren Verpflichtungen gegenüber unseren
NATO-Verbündeten gerecht werden. Und es sind jetzt Überlegungen im Gange, welcher der beste Weg sei, um dies zu tun. Aber ich meine, wir müssen mehr tun
als nur einen bestimmten festgesetzten Prozentsatz an realem Zuwachs zu erreichen - gleichgültig, ob es drei oder vier Prozent oder sonstwas sind. Wir
haben gesagt, daß drei Prozent eine Verpflichtung darstellen, die wir eingegangen sind. Aber es ist genauso wichtig, wofür man sie ausgibt, und wir
sind bereit, klarzustellen - nebenbei: wir haben dies bereits getan, aber
vielleicht müssen wir es besser erklären -, welche zusätzlichen Verstärkungen
- konventionell, strategisch - und welches zusätzliche Potential im Sinne
unserer Verteidigungsbereitschaft, unserer Fähigkeit hinsichtlich der Beweglichkeit unserer Streitkräfte etc. unser vorgeschlagenes Verteidigungsprogramm
ermöglichen wird.,
.&lt; i~ ,
. , ;y
FRAGE: Während der SALT-Anhörungsverfahren schien auch der ehemalige
Außenminister Kissinger die jetzige Regierung mehr als die früheren Regierungen für die wachsende Lücke zwischen der amerikanischen und der sowjetischen
- 4'--

�•

sowjetischen Kapazität auf dem Gebiet der strategischen Waffen verantwortlich
zu machen.

Ich würde gerne wissen, was Sie als Antwort auf diese Behauptung

sagen?
ANTWORT:

Nun, er ist für Selbstbezichtigung nicht empfänglicher als je-

der von uns, aber ich denke, es stimmt, daß er gesagt hat, dies Problem habe
sich nicht gestellt, das Problem des militärischen Gleichgewichts habe sich
allein dieser Administration gestellt.

Er wurde in der Tat über frühere

Regierungen befragt und machte klar, daß er, könnte er bestimmte Dinge noch
einmal tun, sie anders machen würde, etwa hinsichtlich der Verteidigungslage
unseres Landes.

Vielleicht beschreibt man es am besten, wenn man sagt, daß

er das Problem während dieser Administration erkannt hat.
FRAGE:

Eines der Themen, bei dem sowohl Senator Nunn als auch Kissinger

fest zu bleiben schienen, war die Dislozierung der MX-Rakete, und ich schließe
daraus, daß diese Regierung zu eben dieser Entscheidung gelangt ist und daß
der Präsident dabei ist, die endgültige Entscheidung darüber zu fällen.
Stehen die Dinge so?
ANTWORT: Der Präsident hat die Entscheidung getroffen, mit der Entwicklung der Rakete voranzugehen. Dies tat er vor einigen Monaten, genauer, vor
zwei Monaten. Zu jener Zeit waren wir ausreichend davon überzeugt, daß wir
in der Lage sein würden, auch eine Form der Dislozierung zu erreichen, eine
Form der überlebensfähigen mobilen Dislozierung, so daß wir das Gefühl hatten
und der Präsident folgerte, daß es eine angemessene Entscheidung sei, die
Rakete zu produzieren. Die Entscheidung über die Art der Dislozierung sollte
innerhalb weniger Wochen fallen. Der Präsident hat sie noch nicht getroffen.
Es gab jedoch eine Reihe von Treffen zu diesem Thema, und die endgültige Entscheidung wird, wie ich andeutete, ziemlich bald gefällt.
FRAGE:

Das Pentagon soll eine landgestützte Form empfohlen haben, eine

Fortführung der landgestützten Dislozierung der Rakete.

Einige Kritiker sagen

jedoch, es sei billiger und vielleicht auch weniger provozierend den Sowjets

�Sowjets gegenüber sowie vielleicht auch weniger gefährlich für uns, wenn
man die Rakete auf dem Meer auf kleineren Schiffen unterbringe.

Auf billi-

gen U-Booten nahe einem Hafen könnten sie verborgen werden und so einem Angriff weniger ausgesetzt sein als bei der landgestützten Form.
ANTWORT:

Es gibt mehrere Wege, Raketen zu dislozieren.

jetzt überlebensfähige seegestützte Raketen.

Wir dislozieren

Unsere Einstellung zu den stra-

tegischen Waffen ist, eine Mischform zu haben in dem Sinm, daß einige davon Ra&gt;
keten sind, d.h. ballistische Raketen, und andere wieder "air-breathing",
d.h. Bomber oder Marschflugkörper.

Gemischt auch hinsichtlich ihrer Dis-

lozierung, so daß die Sowjets, falls sie eine Möglichkeit finden, eine Form
der Stationierung anzugreffen, immer noch nach einer weiteren Möglichkeit
suchen müssen, um die andere Form der Stationierung anzugreifen.

Ein Vorteil

dieser Art von gemischter strategischer Macht besteht darin, daß selbst bei
Schwächung des einen Beins dessen, was wir die "Triade" nennen, wir Zeit genug haben, es wieder in Ordnung zu bringen, bevor die anderen verwundbar
sind.
Genau dies geschieht nun. Unsere landgestützten Interkontinentalraketen
(ICBMs) werden zu Beginn der achtziger Jahre verwundbar sein aufgrund der
größeren Anzahl der sowjetischen Gefechtsköpfe und der Verbesserung ihrer
Treffgenauigkeit. Dadurch werden die Silos, in denen unsere landgestützten
Raketen stationiert sind, die verbunkerten Silos, verwundbar. Unsere Bomber
werden jedoch weiterhin überlebensfähig bleiben und in der Lage sein, entweder
selbst oder mit Marschflugkörpern durchzudringen. Und unsere seegestützten
ballistischen Raketen, unsere ballistischen Raketen, die von U-Booten aus gestartet werden, - davon bin ich überzeugt, darauf vertraue ich - werden während der achtziger Jahre unverwundbar sein.
Schwieriger ist es, Konkretes über die neunziger Jahre zu sagen.

Falls

die Sowjets in der Lage sein sollten, alle ihre Anstrengungen zu konzentrieren
- zum Beispiel auf ein Unternehmen zum Anti-U-Boot-Krieg -, könnten einige
neue Entwicklungen in der Lage sein, unsere U-Boote sogar auf ziemlich große

- 6 -

�große Entfernungen auszumachen; durch Angriffe auf jene verhältnismäßig begrenzten Gebiete, wo sie in der Lage wären, unsere U-Boote auszumachen, und
durch Angriffe auf unsere Bomberbasen könnten sie in der Lage sein, beide
zu zerstören.

Ich bin davon überzeugt, daß dies nicht in den achtziger Jahren

geschehen wird; aber falls es in den neunziger Jahren geschehen sollte, wäre
es sehr hilfreich, ein landgestütztes überlebensfähiges System zu haben, dessen Zerstörung die Sowjets auf eine andere Weise versuchen müßten.

Anti-

U-Boot-Krieg ist kein hilfreicher Weg, um herauszufinden, wo die landgestützten Raketen sind.
Zusammenfassend würde ich daher Ihre Fragen bejahen: man kann unterseebootgestützte ballistische Raketen haben, wir haben sie, und was wir tun
wollen, ist die Aufrechterhaltung einer vielfältigen Streitkraft, da sie weniger verwundbar ist durch einen einzelnen technologischen Fortschritt auf
Seiten der Sowjetunion sowie weniger verwundbar gegenüber einer Zusammenballung ihrer Möglichkeiten in einem Angriff auf eine einzelne strategische
Kraft.
FRAGE: Es gibt einige Kritiker, hauptsächlich die "Tauben", die sich
um die Tatsache sorgen, daß uns die MX-Rakete, sobald wir sie dislozieren,
die Möglichkeit des Erstschlags gegen die sowjetischen landgestützten Raketen gibt, die einen größeren Teil der sowjetischen Streitkraft darstellen, als
dies bei unseren landgestützten Raketen der Fall ist. Und die Frage ist,
wollen wir diese Art Möglichkeit oder gibt es einen anderen Weg, um die Sowjets
dazu zu bringen, einige ihrer schweren Raketen gegen unsere MX auszuhandeln,
mit anderen Worten, sie gar nicht erst zu dislozieren?
ANTWORT:

Wir haben versucht, Anfang 1977 die Sowjets dazu zu bringen,

ihre landgestützten Kräfte zu reduzieren, so daß sie für unsere landgestützten
ICBMs weniger bedrohlich sein würden.

Sie weigerten sich.

Und jetzt ist

es, wie ich glaube, wohl zu spät, selbst wenn sie diese Richtung einschlagen,
diesen Weg beschreiten wollten.

Es überrascht mich immer wieder, daß manche

Amerikaner weitaus mehr besorgt wegen der Überlebensfähigkeit der sowjetischen
Streitmacht sind, als sie sich über die Überlebensfähigkeit der amerikanischen
- 7 -

�amerikanischen Kräfte Sorgen gemacht zu haben scheinen.

Ich glaube aller-

dings dennoch, daß sie damit einen legitimen Punkt treffen.

Ich bedaure

nur, daß sie niemals in ähnlicher Weise ihre Besorgnis wegen der amerikanischen Streitkräfte

zum Ausdruck gebracht haben.

Die Tatsache, daß die

Sowjets einen größeren Teil ihrer Streitmacht in festen landgestützten
Raketen etabliert haben, ist ihre Angelegenheit.

Es ist ja nicht so, daß

ihre anderen Streitkräfte etwa kleiner als die unsrigen sind; es ist vielmehr
so, daß diese Streitmacht etwas größer ist und daß sie etwa zwei Drittel
ihrer Streitkraft gewissermaßen in die landgestützten ICBMs etabliert haben.
Wenn sie den Umfang ihrer landgestützten ICBM-Streitmacht verdreifachen würden, dann würde sie nicht viermal, sondern zwölfmal größer als die unsrige
sein.

Aber ich würde deswegen darum nicht besorgter sein, und auf der Linie

der von Ihnen angeführten Argumente möchte es scheinen, daß ich dies sein
sollte.

Das heißt, je größer sie werden, um so mehr sollte ich mich darum

sorgen - umso mehr sollten sich die Vereinigten Staaten über die Bedrohung
Sorgen machen, die von ihnen ausgeht.
Ich glaube, man muß sich dabei daran erinnern, daß, wenn die Vereinigten
Staaten in der Lage wären, die sowjetische landgestützte ICBM-Streitmacht
zu bedrohen, die Sowjets immer noch ihre unterseebootgestützten ballistischen
Raketen haben und damit nach meiner Ansicht auch in der Lage wären, uns von
jedem unprovozierten Angriff abzuschrecken. Wenn ihre landgestützten ICBMs
durch unsere Streitkräfte bedroht würden, dann wäre die für sie angebrachte
Maßnahme, etwas mehr Geld auszugeben, um diese Streitmacht überlebensfähig
zu machen, was wir ja auch tun.
Wenn wir ihre in festen Silos verbunkerten Raketen nicht bedrohen, dann
können sie das Geld dafür ausgeben, größere und bessere Raketen herzustellen,
die uns stärker bedrohen. Und ich halte das für eine weitaus angenehmere!Situation als diejenige, in der sie gezwungen sind, mehr von ihrer strategischen
Stärke auf andere Systeme zu verteilen, wie beispielsweise die unterseebootgestützten ballistischen Raketen oder die Bomber, die weniger ErstschlagWaffen sind. Mit anderen Worten, wenn zur Wahl steht, ob die Sowjets ihre

- 8 -

�ihre Waffen überlebensfähiger oder für uns bedrohlicher machen, dann ziehe
ich es vor, sie dazu zu bringen, daß sie sie überlebensfähiger machen.

FRAGE:

Einige Fragen zu den nicht-strategischen Systemen.

Zuerst, es

ist durchaus möglich, daß die Sowjets, wenn sie uns an unserer verwundbarsten
Stelle treffen wollen, uns bei unserer Ölversorgung packen würden.

Senator

Hart und andere haben gesagt, daß wir zum Schutz dieser lebenswichtigen Ader
mehr Geld für die Marine und weniger für die. Armee aufwenden müssen, vor allem
für mehr kleinere Schiffe, als in den derzeitigen Budgets vorgesehen ist.
Was sagen Sie dazu?

ANTWORT:

Nun, hier handelt es sich um zwei Probleme.

Das eine besteht

darin, ob wir genug für die Verteidigung ausgeben und hierzu gibt es eine
Reihe unterschiedlicher Ansichten, und das zweite - die Frage nach der richtigen Ausgewogenheit.

Ich glaube, wir können es uns nicht leisten, unseren Landstreitkräften
etwas von der Stärke zu nehmen, die sie brauchen, um die Anstrengungen unserer europäischen Verbündeten bei der Aufrechterhaltung eines vernünftigen
Gleichgewichts in Europa kraftvoll zu unterstützen. Wenn wir dies tun, wenn
wir wirklich ein vernünftiges Gleichgewicht wahren, dann wird die Verletzlichkeit der Ölversorgung noch immer bestehen bleiben - zum Teil die der Vereinigten Staaten, aber diese wiederum weniger, da wir einen wesentlich geringeren Anteil unseres Öls aus dem Nahen Osten beziehen
und natürlich erst recht die Japaner.
verwundbar.

als die Europäer

Unter diesen Umständen sind sie recht

Es ist daher für uns wichtig, unsere globale Stärke aufrechtzu-

erhalten.

Ich glaube, es ist richtig, daß wir dazu im Indischen Ozean und mit über
weite Distanzen operierenden Seestreitkräften weitaus besser imstande sind
als unsere Verbündeten.

Und so könnte es schon sein, daß sie in der Zukunft

einen weitaus größeren Anteil an der Last der militärischen Streitmacht in
ihren eigenen Regionen übernehmen sollten, während wir mehr in die Richtung

- 9-

�Richtung der globalen militärischen Stärke gehen.

Ich schließe das nicht

aus, aber dazu bedarf es eines sehr sorgfältig getroffenen Übereinkommens
von Seiten unserer Verbündeten, daß sie die Differenz übernehmen. Wenn
wir unsere militärischen Anstrengungen insgesamt nicht steigern, dann werden sie dies sicherlich auch nicht tun. Wenn wir aber unsere militärischen
Anstrengungen insgesamt steigern, dann, so glaube ich, werden sie vielleicht
durchaus bereit sein, zuzugestehen, daß sich das Schwergewicht dieser Steigerung auf Gebiete erstreckt wie strategische Systeme oder globale Flottensysteme, die sie für sich selbst höchstwahrscheinlich nicht entwickeln
würden.
Was die Zahl der Schiffe und die Kosten für einzelne Schiffe angeht, so
würde ich zustimmen, daß die Allianz als ganzes genügend Schiffe haben muß,
um in der Lage zu sein, eine Menge verschiedener Plätze zur gleichen Zeit
zu kontrollieren.

Die Schwierigkeit besteht nur darin, daß die Gefährdung,

vor allem die aus der Luft, für unsere Überwasserschiffe ständig wächst
und daß umfangreiche und aufwendige Systeme notwendig sind, um sich dagegen
zu schützen.
Erneut möchte ich sagen, daß es vielleicht möglich ist, hier zu einer
Arbeitsteilung zu gelangen, wobei die Vereinigten Staaten die Masse der
größten und kompliziertesten Schiffe, wie nur wir sie bauen können, stellen.
Wir sind das einzige Mitglied des Bündnisses, wenn man von den Franzosen absieht, das Flugzeugträger besitzt, und die Franzosen haben nur eine sehr
kleine Zahl - ich glaube, es sind zwei. Wir sind die einzigen, die in der
Lage sind, die komplizierten Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung
zu bauen, die für die Luftverteidigung in hochgefährdeten Gebieten notwendig
sind. Soweit stimme ich also mit Senator Hart 'überein, aber ich würde es
insofern anders ausdrücken, als ich sage, die Allianz als ganzes braucht eine
ganze Reihe weiterer Schiffe zu niedrigeren Kosten, einige unter Anwendung
neuer Konzeptionen, und die Frage, welche davon wir bauen und welche unsere
Verbündeten, das ist etwas, was wir miteinander ausarbeiten müssen.
FRAGE:
- 10 -

�FRAGE:

Eine letzte Frage.

Es ist der Vorschlag gemacht worden, daß wir

unsere konventionelle Militärhilfe für Pakistan erhöhen sollten, um dieses
Land von der Entwicklung eigener Kernwaffen abzubringen.

Was halten Sie von

dieser Idee?
ANTWORT: Ich wäre sicherlich für eine Verbesserung unserer Beziehungen
zu Pakistan, was es uns erlauben würde, mit Unterstützung verschiedenster
Art entgegenkommender zu sein, wenn sie sich eindeutig dazu verpflichteten,
keine nuklearen Sprengsätze zu entwickeln und sich in ihren Handlungen entsprechend verhielten. Solange sie dazu nicht bereit sind, gibt es de facto
ein Gesetz, das es uns verbietet, ihnen die Art von militärischen Lieferungen,
Kreditvergaben und auch andere Dinge auf nicht-militärischem Gebiet zukommen
zu lassen, wie wir es im anderen Falle sehr gerne täten. Ich wäre hocherfreut - und, wie ich weiß, auch die amerikanische Regierung - die Vereinigten
Staaten wären hocherfreut, wenn Pakistan eine solche Verpflichtung einginge
und sie auch einhielte.
FRAGE: Aber es gibt keinen Hinweis, daß Pakistan zu einem Handel solcher Art bereit ist?
ANTWORT: Nun, das ist etwas, was Pakistan für sich selbst zu entscheiden
haben wird. Wir sind nicht in der Position, es davon abzubringen, etwas zu
tun. Wir können nur versuchen, es zu ermutigen, nicht zu einer Nuklearmacht
zu werden, und wir haben dies getan.

- 11 -

�I

1

Wift/choft

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5. September 1979

ANSPRACHE S0L0M0NS AUF DEM EUROPÄISCHEN FORUM IN ALPBACH
- Wortlaut -

ALPBACH, ÖSTERREICH - (AD) - Der Staatssekretär im amerikanischen
Finanzministerium, Anthony M. Solomon, hat am 27. August auf dem Europäischen
Forum in Alpbach einer Ansprache gehalten, in der er sich mit einer Reihe
von finanzpolitischen Fragen befaßte.

Insbesondere ging er auf die Sonder-

ziehungsrechte sowie auf das geplante Substitutionskonto des Internationalen
Währungsfonds ein.
Die Rede Solomons hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, an diesem Symposion zum Thema der internationalen Währungsbeziehungen teilnehmen zu können.

Die Organisatoren dieser Veranstaltung

haben mich ursprünglich gebeten, über die Beziehungen zwischen dem Dollar und
dem neuen Europäischen Währungssystem (EWS) zu sprechen.
schen beiden ist wichtig.

Die Relation zwi-

Ich halte es aber für ebenso wichtig und aufschluß-

reich, die umfassendere Frage der Entwicklung des Weltwährungssystems zu behandeln, das den Rahmen für die Beziehungen zwischen dem Dollar und dem EWS
abgeben wird.

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem meines Erachtens eine

klarere Definition sowohl notwendig als auch realisierbar ist.
Wir

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�Wir alle kennen die eingehenden Diskussionen über eine internationale
Währungsreform, die Anfang dieses Jahrzehnts im Zwanziger-Ausschuß geführt
wurden.

Wir erinnern uns an dessen Entscheidung, keine revolutionäre Um-

strukturierung des Weltwährungssystems zu veranlassen, sondern einen flexibleren und pragmatischeren Kurs zu verfolgen, der dem Bedürfnis flexiblerer
Wechselkurse Rechnung trägt, den Anpassungsprozeß erleichtert und das System
befähigt, sich in Rücksicht auf die Erfordernisse des Wandels allmählich
weiterzuentwickeln.

Eingangs hatten die verhandelnden Parteien ein sehr

durchstrukturiertes System in Erwägung gezogen, das die Delegierung eines
hohen Maßes an Autorität an.eine zentrale Körperschaft oder eine Reihe strenger Regeln für das Verhalten der einzelnen Volkswirtschaften vorsah.
konnte man sich aber nicht einigen.

Darauf

Die damalige Entscheidung war zum Teil

von der Erkenntnis geprägt, daß die sich anbahnende Energiekrise umfangreiche
und wichtige Veränderungen zur Folge haben werde, die sich nicht mit der notwendigen Sicherheit voraussagen ließen.
Diese Entscheidung war realistisch. Selbst das damals eingeführte hochflexible Wechselkurssystem mußte inzwischen ernsthafte Belastungen ertragen
und stand zu verschiedenen Zeiten am Rande des Zerbrechens. Es besteht der
berechtigte Wunsch nach mehr Ordnung und Stabilität. Wir müssen indes auch
anerkennen, daß die Welt drastische wirtschaftliche Umwälzungen und abrupte
Veränderungen in den Zahlungsströmungen ohne allgemeinen Rückgriff auf schädigende Restriktionen zu überleben vermochte. Dank großer und anhaltender
Anstrengungen konnten sich unsere Volkswirtschaften aus der tiefsten Rezession der Nachkriegsperiode herausarbeiten. Unser offenes System internationaler Handels- und Kapital ströme, das nunmehr durch die Ergebnisse der Multilateralen Handelsverhandlungen abgesichert ist, besteht fort und funktioniert bestens. Es hat im wahrsten Sinn des Wortes allen Stürmen getrotzt.
Hätten sich die Teilnehmer an den Verhandlungen des Zwanziger-Ausschusses damals für einen anderen Kurs entschieden und den Versuch unternommen, das Währungsgebäude zu errichten, über das sie zunächst beraten hatten, hätten die
nachfolgenden Ereignisse diesen Apparat aller Wahrscheinlichkeit nach hinweggefegt, und die Aussichten der Weltwirtschaft wären heute viel trüber.
Die

�Die Erfahrungen der vergangenen fünf Jahre sind jedoch sehr lehrreich.
Sie haben uns unsere wechselseitige Abhängigkeit nachdrücklich ins Bewußtsein
gerückt.

Wir wissen um unsere Abhängigkeit von den öleinfuhren.

Wir wissen,

daß die ganze Welt im Falle der Änderung der Lebensgewohnheiten der Sardellen
unter einem Eiweißmangel zu leiden hätte, der echte und extreme Konsequenzen
sowohl für die Verbraucher als auch die Erzeuger von Proteinträgern zur Folge haben müßte.

Wir wissen, daß die Inflation oder der Rückgang der Produk-

tion in einer unserer Volkswirtschaften alle Volkswirtschaften berührt.

Unsere

Nachkriegsentscheidung, ein offenes, kooperatives und wirksames Welthandelsund Zahlungssystem aufzubauen, hat uns fraglos viele Vorteile gebracht.

Sie

hat aber nach meinem Urteil auch für die Welt die alles andere überragende
Notwendigkeit mit sich gebracht, die Wirtschaftspolitik der Länder auf weltweiter Basis besser zu organisieren, zu koordinieren und letztlich auch zu
handhaben.

Die Schwierigkeiten der siebziger Jahre waren letztlich keine Folge des
Versagens des einen oder anderen Währungsmechanismus.
Konvertibilität waren nicht überlebensfähig.

Feste Wechselkurse und

Auch das Floating war streng

genommen weder damals noch heute eine echte Antwort, auch wenn die flexiblen
Kurse und eine generell flexiblere Einstellung zur Anpassung der Wechselkurse
mitgeholfen haben, schwierige Zahlungsbilanzprobleme zu erleichtern und notwendige Korrekturen vorzunehmen.

Das Problem ist weit umfassender, ein Problem zudem, mit dem sich die
Welt auseinandersetzen muß:

Ob sie bereit ist, in aller Offenheit über eine

teilweise Übertragung der nationalen Verfügungsgewalt über die Wirtschaftspolitik an eine internationale Körperschaft zu verhandeln oder nicht.

Ich stelle

diese Frage im vollen Bewußtsein dessen, daß ein solcher Schritt im gegenwärtigen Augenblick politisch nicht realistisch ist.

Die nationale Verfügungs-

gewalt und Autonomie werden aber ohnehin schon durch die Tatsache unserer
wechselseitigen Abhängigkeit - unserer Interdependenz - begrenzt.

Die Frage

ist, ob wir es lernen, das Management unserer Volkswirtschaften zum Vorteil
aller Länder zu koordinieren, oder ob wir uns von den aus dieser Interdependenz

- 3 -

�Interdependenz resultierenden Belastungen und Pressionen den Schwung der
letzten drei Jahrzehnte nehmen lassen und in ein nationalistisch orientiertes und letztlich autarkes internationales Regime zurückverfallen wollen.
Der Zwang der Ereignisse erfordert, daß wir eine Wahl treffen.

Es gibt auf

lange Sicht kein Zwischending - und die lange Sicht wird kürzer und kürzer.
Ich möchte keine Zweifel darüber aufkommen lassen, wie meine eigene
Wahl lautet:

Ich bin der Auffassung, daß das Pulsieren und das Wachstum

der Weltwirtschaft ebenso wüe die zunehmende wechselseitige Abhängigkeit,
die unabdingbarer Bestandteil eben dieses Wachstums war, allen zugute gekommen sind.

Ich habe nicht den Eindruck, daß eine Umkehr dieses Trends

- sei es als Ergebnis bewußter Entscheidungen oder als Folge des Versäumnisses, gemeinsam zu handeln -, den Vereinigten Staaten oder der Welt als
Ganzem irgendwelche Vorteile bringen könnte.
Ich halte es vielmehr für einen Glüaksumstand, daß die Währungsunterhändler Anfang dieses Jahrzehnts - trotz des praktischen Problems, sich zu
einem gewissen Zeitpunkt auf eine umfassende Reform einigen und diese verwirklichen zu müssen - das Fundament für eine allmähliche Evolution eines
weit wirksameren und koheränteren Managements der Weltwirtschaft zu legen
vermochten.
Dieses Fundament bilden zwei wichtige Bestimmungen in der geänderten
Fassung der Satzung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sie sind schwer
lesbar, rühren aber dennoch an den Kern des Problems.
Die erste Bestimmung erteilt dem IWF ausdrücklich die Vollmacht, die
Wechsel kurspolitik der Mitgliedstaaten und den Verlauf des Anpassungsprozesses
der Zahlungsbilanzen zu überwachen. •
Die zweite setzt das Ziel, die Sonderziehungsrechte (Special Drawing
Rights-SDRs) zur hauptsächlichen Liquiditätsreserve des internationalen Währungssystems zu erheben.
Zusammengenommen
- 4 -

�Zusammengenommen geben diese beiden Bestimmungen - die sich einerseits
mit der Anpassung und andererseits mit der Liquidität befassen - die Basis
für die Stärkung der Position des Internationalen Währungsfonds bei der Lenkung des Gesamtsystems ab.

Was die Überwachungsbefugnis angeht, hat der

Fonds inzwischen Grundsätze für die Führung der Wechsel kurspolitik durch die
Mitgliedstaaten und Verfahren und Kriterien für die Beurteilung der Politik
derselben durch den IWF festgelegt.

Der Internationale Währungsfonds er-

kennt in den Richtlinien und in der politischen Handhabung dieser Überwachung
die Tatsache an, daß sich diese Anstrengungen nicht auf die Wechsel kurspolitik im engsten Sinne begrenzen lassen, sondern weitergreifend sein und die
Binnenwirtschaftspolitik insoweit einbegreifen müssen, als diese den Prozeß
der Zahlungsbilanzanpassung berührt.

Die Überwachungsbestimmungen bieten

dem IWF die Möglichkeit, nicht nur Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten, sondern auch Überschußländer sowohl hinsichtlich der internationalen Auswirkungen ihrer Politik als auch hinsichtlich der Methoden zu beraten, die sie
vernünftigerweise anwenden sollten, um Zahlungsungleichgewichte auszugleichen.
Die neue Regelung bietet zudem Aussicht auf eine größere Symmetrie in der
Haltung gegenüber dem Anpassungsprozeß, der unerläßliche Voraussetzung für
ein erfolgreich arbeitendes System bildet.

Der Fortschritt in der Wahrnehmung dieser Überwachungsaufgabe durch den
Fonds vollzieht sich langsam und wohlüberlegt.

Das ist verständlich, sind

diese Befugnisse doch erst kurze Zeit in Kraft und besteht doch

zudem die

Notwendigkeit, den Wunsch der Mitgliedstaaten zu respektieren, sich jene
begrenzte Autonomie zu erhalten, die sie in der internationalen Wirtschaft
besitzen.

Für mich ist klar, daß diese Befugnisse des Internationalen Wäh-

rungsfonds weiterentwickelt und gestärkt werden müssen, wenn wir zu einer
echten und dauerhaften Währungsstabilität auf weltweiter Basis gelangen
wollen.

Die Zielrichtung der Überwachungsbestimmungen stimmt:

legenden Voraussetzungen für die Stabilität zu schaffen.

die grund-

Ihre Bewährungs-

probe besteht darin, sie zu einem wirksamen Rahmen für die Koordinierung der
Politik und letztlich auch für die Festlegung derselben durch den Internationalen Währungsfonds zu machen.
Auf
- 5-

�Auf dem Gebiet der internationalen Währungsreserven und Liquidität,
mißt man jetzt langfristig der Entwicklung der Rolle der Sonderziehungsrechte
wieder größere Bedeutung bei.

Vor einem Jahrzehnt sah man in den Sonder-

ziehungsrechten eine potentiell wichtige Neuerung, ein Mittel zur Schöpfung
der benötigten Weltliquidität ohne die gleichzeitige Anhäufung staatlicher
Dollarbestände.

Die Schaffung der SDRs erfolgte jedoch nicht in der Hoffnung,

damit das Problem der Zahlungsungleichgewichte und auch nicht das der fortgesetzten Ausweitung sowohl der Nachfrage nach als auch des Angebots an Devisen in Form von Dollar und anderen Währungen lösen zu können.

Bei den Er-

örterungen im Zwanziger-Ausschuß faßten allerdings alle beteiligten Länder
schon eine zentrale Rolle der Sonderziehungsrechte ins Auge.

Und trotz der

Entscheidung, den Versuch der Errichtung eines stark strukturierten Systems
zu unterlassen, wurde das Ziel, die Sonderziehungsrechte zum hauptsächlichen
Liquiditätsmedium zu entwickeln, in die neue Fassung der IWF-Statuten eingearbeitet.

Dieses Ziel steht im Einklang mit den generellen Auffassungen von heute.
Weite Kreise sind der Meinung, daß die Stabilität des gesamten Systems durch
die Benutzung einer einzigen international geschaffenen und verwalteten Reserveeinheit gefestigt werden wird.

Auch wenn wir nicht alle Implikationen

einer derartigen Weiterentwicklung des Systems wirklich kennen, ist doch
klar, daß uns die Pressionen der letzten Jahre an die Probleme gemahnen, die
dann entstehen können, wenn es zu erheblichen Umschichtungen von Reservewährungen kommt - nicht nur auf den Devisenmärkten, sondern auch, was die
Auswirkungen auf die Kapitalmärkte und die Wirtschaft einzelner Länder angeht.
Gleichzeitig haben die Bestände in Fremdwährungen angesichts des großen internationalen Finanzbedarfs und bedingt durch das Fehlen einer praktischen Alternative erheblich zugenommen.

Es besteht wenig Grund zu der Annahme, daß sich

diese Situation ändern wird, solange eine solche Änderung nicht bewußt herbeigeführt wird.

Eine Stärkung der Rolle der Sonderziehungsrechte, die uns

langfristig die Aussicht auf ein aktiveres Management der internationalen
Liquidität durch den Internationalen Währungsfonds bietet, wäre eine wichtige
Ergänzung, die im Verein mit dessen Überwachungsbefugnissen den Einfluß des

- 6 -

�des Fonds auf die Anpassung der Zahlungsbilanz ausweiten könnte.
Vom amerikanischen Standpunkt aus betrachtet lenkt die Aufwertung der
Rolle der Sonderziehungsrechte die künftige Entwicklung des ganzen Systems
in eine legale und wünschenswerte Bahn. Die große internationale Rolle,
die der Dollar heute spielt, ist das Produkt eines evolutionären Prozesses,
der sich von dem übergewicht der amerikanischen Wirtschaft in den ersten
Nachkriegsjahren, der Mechanik des Systems von Bretton Woods und der Offenheit und Stärke der amerikanischen Geldmärkte herleitet. Wir sind uns der
Verantwortung bewußt, die uns aus der derzeitigen Rolle des Dollar erwächst,
und wir sind entschlossen, die Dollarstabilität zu erhalten, obwohl Entwicklungen in der Weltwirtschaft in den letzten Jahren eine gewisse Basis für
eine allmähliche Verminderung der relativen Rolle des Dollar gegeben erscheinen lassen. Viele Volkswirtschaften entwickeln sich im Vergleich zur
amerikanischen Wirtschaft relativ wie auch absolut um einiges rascher.
Die Kapitalmärkte mehrerer Länder haben sich verbreitert und arbeiten heute
wirksamer, und die in früheren Zeiten verfügten Kontrollen der Kapitalströme wurden in vielen Fällen gelockert. Die formellen und technischen
Arrangements des derzeitigen Weltwährungssystems machen den Rückgriff auf
den Dollar für Zwecke der Intervention und der Devisenbeschaffung nicht zwanghaft. Die Errichtung des Europäischen Währungssystems, bei dem der Nachdruck auf der Intervention in bezug auf die Währung der Teilnehmerstaaten und
nicht auf dem Dollar liegt, stellt in dieser Hinsicht eine bedeutsame Veränderung dar.

Aber trotz solcher grundlegender Veränderungen bringen die Vereinigten
Staaten einen unverhältnismäßig hohen Anteil an der Weltliquidität auf, während andere Länder die Rolle, die ihnen nach der Stärke ihrer Binnenwirtschaft und ihres Zahlungsbilanzüberschüssen rechtmäßig zukommt, noch immer
nicht voll und ganz einnehmen. Es wäre ein kostspieliges und der Weltwirtschaft abträgliches Unterfangen, wollten die Vereinigten Staaten den Versuch unternehmen, die Offenheit ihrer Kapitalmärkte zu verringern. Was
heute gebraucht wird, ist eine positivere Einstellung und aktivere Mitarbeit

- 7 -

�Mitarbeit auf Seiten anderer - die Bereitschaft,einen angemesseneren Anteil
an der Verantwortung für die Deckung des Kreditbedarfs der Welt zu übernehmen.
Weitere Schritte können in Gestalt der Beseitigung der Devisenkontrollen und
anderer Restriktionen des Zugangs zu den Kapitalmärkten unternommen werden.
Darüber hinaus bietet vielleicht auch das Europäische Währungssystem wichtige Möglichkeiten.

In Phase zwei der Verwirklichung des EWS ist die In-

stitutionalisierung des ECU (der Europäischen Währungseinheit, European
Currency Unit) als eines Schlüssels zum Zahlungsausgleich innerhalb der Europäischen Gemeinschaft vorgesehen.

Sicherlich ist der ECU geeignet, das euro-

päische regionale Währungsarrangement zu stärken und dazu beizutragen, es zu
verfestigen; fraglich ist aber, ob die Teilnehmerstaaten am EWS dem ECU eine
größere Rolle zugestehen oder möglicherweise sogar dazu ermutigen werden.
Viele Kreise sind im Hinblick auf ihre eigene Währung eher geneigt, von der
Übertragung einer Rolle als Reservemedium abzuraten.

Dennoch kann der ECU

eine Alternative bieten und vielleicht die Übernahme einer stärkeren Rolle
Europas bei der Deckung des Kreditbedarfs der Welt erleichtern, ohne gleichzeitig das Reservesystem in eine noch größere Abhängigkeit von nationalen
Währungen zu führen.

Obwohl eine solche Entwicklung einen Schritt vorwärts

darstellen könnte, würde sie natürlich keinen so entschiedenen Fortschritt
in Richtung auf das Endziel der Errichtung einer einzigen, der Entscheidungsgewalt der Weltgemeinschaft als Ganzes unterliegenden internationalen Reserveeinheit darstellen wie die Sonderziehungsrechte.
Es dürfte aus diesen Überlegungen klar hervorgehen, daß die Vereinigten
Staaten nicht den Wunsch haben, dem Dollar künstlich eine Sonderstellung zu
verschaffen, auch wenn wir seine derzeitige Wichtigkeit kennen und entschlossen sind, seine Stabilität zu gewährleisten. Eine allmähliche Verringerung
der internationalen Rolle des Dollar scheint mit den grundlegenden Entwicklungen der Weltwirtschaft vereinbar. Sollte sich diese Aussicht materialisieren, werden den Vereinigten Staaten hieraus keine Schwierigkeiten erwachsen. Unser Ziel ist es vielmehr, sicherzustellen, daß der Wandel reibungslos
und im Einklang mit den Erfordernissen einer stabilen, offenen und expandierenden Weltwirtschaft verläuft. Die Entwicklung der Sonderziehungsrechte zu

- 8 -

�zu einem geachteten, akzeptierten und nützlichen Reservemedium könnte zu
einem geordneten Wandel und einer Weiterentwicklung in Richtung auf ein
besser zu handhabendes Reservesystem beitragen.

Die Mitgliedstaaten des Internationalen Währungsfonds haben bereits eine
Reihe von Schritten unternommen, die Rolle der Sonderziehungsrechte zu stärken.

Sie sind übereingekommen, die Zuteilungen wieder aufzunehmen; sie haben

Maßnahmen ergriffen, die Zinssätze für Sonderziehungsrechte enger an die
Zinssätze auf den Geldmärkten heranzuführen; und sie haben die Verwendungsmöglichkeiten für Sonderziehungsrechte ausgeweitet.

Kürzlich hat der IWF

auch eine eingehende Untersuchung der Möglichkeit der Errichtung eines sogenannten Substitutionskontos eingeleitet, das die Annahme von Dollarbeträgen
im Austausch für SDR-denominierte Forderungen gestatten würde.

Die Konzeption des Substitutionskontos ist nicht neu.

Ein Konto dieser

oder ähnlicher Art war Bestandteil der meisten Reformpläne, die im ZwanzigerAusschuß diskutiert wurden.

Auch wenn ein solches Konto zum damaligen Zeit-

punkt nicht eingerichtet wurde, herrschte doch weitgehende Übereinstimmung
darüber, daß diese Idee weiter verfolgt werden sollte.

Es ist angebracht, sie

als möglichen Beitrag zu einer Wiederingangsetzung des Trends zu eine" stärkeren Inanspruchnahme der Sonderziehungsrechte erneut aufzugreifen.

Ein Substitutionskonto in geeigneter Form wäre für die internationale Gemeinschaft in mehrerer Hinsicht reizvoll.

Die Sonderziehungsrechte und der ECU

sind ein vielgestaltiges Instrument, das von Natur aus weniger Wechselkursrisiken birgt als die Ansammlung von Beständen einer einzigen nationalen Währung.

DasSubstltütionskonto wäre ein international anerkanntes störungsfreies

Mittel für die Länder, eine stärker differenzierte und stabilere Liquiditätsposition zu erreichen ohne gezwungen zu sein, eine Reihe von nationalen Währungen anzusammeln.

Und die Errichtung eines solchen Kontos könnte zukunfts-

weisend sein - ein konkreter Schritt in Richtung auf die verstärkte

Nutzung

eines im wahrsten Sinn des Wortes internationalen Reservemediums, der Sonderziehungsrechte, und eine Sperre, die uns daran hindert, aus eigenem Versagen

- 9-

�Versagen in ein ungeregeltes multiples Währungssystem zu schlittern.
Wir müssen sehr viel Sorgfalt auf die Gestaltung eines solchen Kontos
verwenden, soll es diesen Zielsetzungen gerecht werden.
sein.

Das wird nicht leicht

Das Konto sollte beispielsweise eine langfristige Verknüpfung mit den

Sonderziehungsrechten einschließen, die nicht rückgängig gemacht werden kann,
wenn sich die Verhältnisse ändern.

In der Praxis müssen die Wesensmerkmale

der Liquiditätseinheit, die über dieses Konto zugeteilt wird, sowohl für die
Besitzer als auch die Begeber von Liquidität attraktiv sein und den Bedürfnissen von Ländern in sehr unterschiedlichen Verhältnissen Rechnung tragen.
Gleichzeitig sollten die Hauptcharakteristika dieses Instruments denen der
Sonderziehungsrechte so ähnlich wie möglich sein - was im Laufe der Zeit und
mit zunehmender Erfahrung Veränderungen auch der Wesensmerkmale der Sonderziehungsrechte nach sich ziehen könnte.

Ein solches Konto müßte ferner einen

angemessenen Ausgleich zwischen den Rechten und Pflichten der Teilnehmerstaaten in unterschiedlichen Situationen und - eine besonders schwierige Frage - eine gerechte Verteilung jedweder Kosten sicherstellen, die aus dem
Unterhalt dieses Kontos erwachsen.
Soll dasSubstitiitionskonto erfolgreich sein - richtungweisend für die Anstrengungen, die Entwicklung des ganzen Systems in eine vernünftige Bahn zu
lenken -, bedarf es der umfassenden und echten Unterstützung und weitgehenden
Beteiligung der Weltgemeinschaft. In den vor uns liegenden Monaten werden
wir feststellen, ob eine solche Unterstützung zu erwarten ist. Sollte dies
nicht der Fall sein, müssen wir bereit sein, andere Schritte in Erwägung zu
ziehen, die geeignet scheinen, eine ordnungsgemäße Entwicklung des Reservesystems zu gewährleisten.
Es ist wichtig, daß wir uns darüber klar werden, was wir von einem Substi
tutiönskonto erwarten können und was nicht. Es sollte nicht als ein dramatischer Schritt oder ein revolutionärer Wandel angesehen werden. Es vermag
weder die immer wiederkehrenden Probleme der Zahlungsungleichgewichte zu lösen noch die Stabilität der Devisenmärkte zu gewährleisten. Es kann Belastun- 10 -

�Belastungen des internationalen Währungssystems nicht verhindern, die von
Steigerungen der ölpreise und dem damit zusammenhängenden gewaltigen Finanzierungsbedarf ausgehen . Es wird die Probleme der Führung unserer Volkswirtschaften in einer Welt zunehmender wechselseitiger Abhängigkeit nicht
beseitigen.

Diese Probleme müssen vielmehr, wie ich schon ausgeführt habe,

durch die parallele Weiterentwicklung der Befugnisse des Internationalen
Währungsfonds und seines Einflusses auf den Anpassungsprozeß in fortgesetzter
Zusammenarbeit unter den wichtigsten Industriestaaten hinsichtlich ihrer makroökonomischen und Währungspolitik gelöst werden.
Was aber ein Substitutiohskonto vermag, ist wichtig und wert, einen Versuch zu wagen. Es würde die Richtung, die wir in der Zukunft einzuschlagen
beabsichtigen, klar aufzeigen. Es wäre ein fester Schritt in Richtung auf
die verstärkte Inanspruchnahme einer internationalen Liquiditätseinheit mit
dem Potential eines aktiveren Managements von Liquiditätsreserven in staatlichem Besitz. Das Sübstitutionskonto würde ferner die wertvolle Möglichkeit
bieten, größere Erfahrungen im Umgang mit den Sonderziehungsrechten zu
sammeln und den Boden für eine langfristige Ausweitung ihrer Rolle sowohl
im staatlichen als auch im privaten Bereich zu bereiten.
Wird das Ziel einer Stärkung der internationalen Rolle der SDRs bestätigt und ein Sübstitutionskonto eingerichtet, verbleibt uns noch immer eine
umfassende Tagesordnung für künftige Untersuchungen und, im Endergebnis,
Verhandlungen. Nach meiner persönlichen Auffassung werden im Lauf der Zeit
zwei Punkte besondere Beachtung gewinnen:
Erstens die Frage, ob sich die umfassendere internationale Rolle der
SDRs nur auf Transaktionen und den Zahlungsausgleich zwischen Regierungen
oder auch auf private Transaktionen erstrecken solle. In den jüngsten Erörterungen im Internationalen Währungsfonds hat man dem Prpblem erhebliche
Beachtung geschenkt, wie man der Währungseinheit, die dieses Konto herausgeben würde, eine Marktorientierung verleihen und damit deren Liquidität
und Anziehungskraft steigern kann. Es gibt darüber hinaus Gründe genug, die

- 11 -

�die private Nutzung von Sonderziehungsrechten dergestalt zu fördern, daß
das ganze System in Richtung auf eine verminderte Inanspruchnahme nationaler
Währungen hin verändert wird.

Ich weiß, daß die Nutzung von Sonderziehungs-

rechten in privaten Kreisen auf Skepsis stößt.

Man hat auf privater Seite

einige Erfahrungen mit "Korb"-Instrumenten gesammelt, und die Märkte haben
sich in der Vergangenheit stets als innovations- und evolutionsfähig erwiesen.

Die Sonderziehungsrechte wären für private Kreditnehmer und Kreditge-

ber kein schwer zu handhabendes Zahlungsinstrument.

Deshalb glaube ich, daß

die Möglichkeit der Entwicklung einer privaten Rolle der Sonderziehungsrechte gegeben ist.

Sollten die Regierungen diese Entwicklung für wünschenswert

erachten, können sie diese durchaus fördern - beispielsweise durch die Ausgabe von auf Sonderziehungsrechten denominierten Bonds im Zuge staatlicher
Kreditaufnahmen zum Zwecke des Zahlungsbilanzausgleichs.

Es ist keine Fra-

ge, daß die Entwicklung einer umfassenden privaten Rolle für die SDRs viel
Zeit in Anspruch nehmen wird.

Sie ist aber realisierbar und kann sich bei

Weiterentwicklung des Systems als höchst wünschenswert erweisen.
Zweitens erhebt sich die Frage, ob und in welchem Ausmaße unsere Bemühungen zur Stärkung der Rolle der Sonderziehungsrechte innerhalb des Systems
von einer aktiveren Regulierung der Nachfrage und des Angebots an internationaler Liquidität durch die Regierungen begleitet sein sollen. Die rasche Expansion des internationalen Anleihengeschäfts der Banken - sämtliche auf
nationale Währungen und weitgehend auf Dollar lautend - hat nicht nur den
Rückgriff des Systems auf nationale Währungen verstärkt, sondern auch Besorgnis hinsichtlich der Stabilität des Systems als solchem geweckt. Was das
Angebot angeht, widmen die Notenbanken der großen Industriestaaten diesen
aus Vorsicht gestellten Fragen und auch der Frage, ob eine Notwendigkeit für
eine stärkere staatliche Regulierung des Volumens der internationalen Bankgeschäfte besteht, das ihrer Tätigkeit auf den nationalen Märkten gleichkommt, zur Zeit besondere Aufmerksamkeit. Was die Nachfrage angeht, müssen
wir die Möglichkeit ins Auge fassen, die Überwachungsrone des IWF in bezug
auf den Anpassungsprozeß dahingehend zu erweitern, daß ihm eine Beratungsfunktion hinsichtlich der Angemessenheit der Kreditaufnahme der einzelnen
- 12 -

�einzelnen Länder in Rücksicht auf ihre eigene Situation und die des Währungssystems insgesamt zuerkannt wird.

Diese Fragen sind offensichtlich von Rele-

vanz nicht nur für die Führung der nationalen Währungspolitik der Länder,
sondern auch für das wirksame Funktionieren des Prozesses der Anpassung der
Zahlungsbilanzen.
Die Fragen, die ich bezüglich dieser beiden allgemeinen Gebiete aufgeworfen habe, sind ihrem Wesen nach langfristig. Wir müssen sie aber rechtzeitig aufgreifen und beantworten und unsere Anstrengungen fortsetzen, unser
in zunehmendem Maße interdependentes weltweites Währungssystem besser zu
managen. Kurzfristig werden sich unsere Erörterungen verstärkt auf das
Problem konzentrieren, eine Entscheidung zu treffen, ob das Ziel einer Ausweitung der Rolle der Sonderziehungsrechte innerhalb des Systems im Sinne
der derzeitig vorliegenden Vorschläge weiter verfolgt werden soll und, falls
dies geschieht, welche Schritte zu deren Verwirklichung unternommen werden
können.
Ehe ich zum Abschluß komme, möchte ich noch kurz auf die derzeitige
Weltwirtschaftslage und ihre Relation zu den langfristigen Fragen Stellung
nehmen, die ich heute hier erörtert habe. Wie schon erwähnt, hat sich die
Welt den öl Preiserhöhungen und anderen Störungen Mitte dieses Jahrzehnts
mit hinreichendem Erfolg angepaßt. Bedauerlich ist, daß die Weltwirtschaft
durch die 60prozentige Steigerung der öl preise in der ersten Jahreshälfte
erneut in eine Situation hineingezogen wurde, die in mancher Hinsicht an
jene Periode erinnert. Die Überschüsse der OPEC-Länder werden abermals
stark zunehmen - etwa in der Größenordnung von 40 Milliarden Dollar. Die
öl importierenden Länder der Erde werden schwere Defizite erleiden. Die
ärmeren unter den Entwicklungsländern werden hiervon besonders benachteiligt.
Das Wirtschaftswachstum wird weltweit schrumpfen und die Inflation in allen
Ländern verschlimmert. Die internationalen Finanzierungserfordernisse werden
rasch zunehmen, und wir müssen mit dem erneuten Auftreten gewisser Belastungen
und Finanzierungsschwierigkeiten einzelner Länder rechnen.

Wir
- 13 -

�Wir sollten darüber aber unsere Stärke nicht vergessen. . Das internationale Finanzierungssystem - das private ebenso wie das staatliche - hat seine
Fähigkeit gezeigt, auf wechselnde Erfordernisse rasch und wirksam zu reagieren.

Unser Instrumentarium für die Zusammenarbeit im monetären Bereich ist

gut entwickelt.

Die großen Ungleichgewichte unter den wichtigsten Industrie-

staaten sind im Schwinden begriffen.

Die deutschen Überschüsse sind stark

rückläufig, und der japanische Überschuß ist gänzlich verschwunden.

Die

amerikanische Zahlungsbilanzposition gewinnt rasch an Stärke, und wir können
schon im nächsten Jahr mit einem bescheidenen Überschuß rechnen.

Diese Ver-

änderungen geben im Verein mit der festen Zusage der Vereinigten Staaten,
die Stärke und Stabilität des Dollar zu wahren, eine gute Basis für stabilere
Devisenmärkte ab. Und der Internationale Währungsfonds - gestützt durch die
ergänzende Finanzierungsfazilität und in Kürze gestärkt durch die im letzten
Jahr gebilligte Erhöhung der Einlagequoten - ist in einer guten Position,
die verstärkte Nachfrage seiner Mitglieder nach Finanzierungsmitteln für
Zwecke des Zahlungsausgleichs und für die Anpassungsprogramme zu befriedigen.
Kurz gesagt, die jüngsten öl Preiserhöhungen werden zweifelsohne auf dem
Gebiet der internationalen Finanzen Schwierigkeiten hervorrufen. Man wird
deshalb die Entwicklung der Lage sorgfältig beobachten müssen; die Sicherungsvorkehrungen für die Aufrechterhaltung unseres offenen Systems des
Handels- und des Zahlungsverkehrs sind noch immer stark. Gleichzeitig müssen wir uns darüber klar werden, daß die derzeitigen Schwierigkeiten zum
Teil Symptom eines anderen, langfristigen Problems sind: die in zunehmendem Maße interdependente und anfällige Weltwirtschaft in Gang zu halten.
Die vornehmliche Beschäftigung mit kurzfristigen Erfordernissen darf unsere
Aufmerksamkeit nicht von der Notwendigkeit ablenken, Schritte in Erwägung
zu ziehen, die unternommen werden können, um die Entwicklung unseres Systems
v
langfristig besser zu steuern..
Lassen Sie mich zum Abschluß noch einige Punkte klar herausstellen.
Das vornehmliche Ziel der Vereinigten Staaten in den Bestrebungen zur Ver- 14 -

�Verbesserung des Weltwährungssystems ist dessen geordnete Weiterentwicklung.

Wir erwarten beispielsweise als ein Ergebnis der Überwachungstätig-

keit des Internationalen Währungsfonds Ratschläge bezüglich unserer eigenen
Politik, und wir werden diese Ratschläge sehr ernsthaft in Erwägung ziehen.
Wir rechnen damit, daß andere ein gleiches tun.

In den Diskussionen um

ein Substitutionskonto sind wir nicht darauf aus, anderen Ländern Änderungen
in der Handhabung ihrer Währungsreserven aufzudrängen, sondern eine zusätzliche attraktive Option anzubieten, den in der neugefaßten IWF-Satzung
aufgestellten Zielsetzungen einen tieferen Sinn zu geben und den Weg zu
einem stabileren Währungssystem in der Zukunft zu weisen.

In keiner dieser

Bemühungen suchen wir uns unserer Verantwortung zu entziehen, das Gleichgewicht in unseren Außenwirtschaftsbilanzen wiederherzustellen und die
Stabilität des Dollar zu wahren.
werden ihr nachkommen.

Diese Verpflichtung ist klar, und wir

Es ist nicht unser Ziel, weder heute noch in der

Zukunft, die Weiterentwicklung des EWS zu behindern oder in die Entwicklung
des ECU einzugreifen.

Wir sind uns zudem bewußt, daß der Erfolg des EWS

zum Teil von der Stabilität des internationalen Systems insgesamt - einschließlich der Stabilität des amerikanischen Dollar - abhängt, und daß
der Tätigkeit des EWS große Bedeutung für die Stabilität des umfassenderen
Systems zukommt.
Wir sehen uns mit der zunehmend dringlicheren Notwendigkeit konfrontiert, gemeinsam zu entscheiden, wie wir unsere interdependente Weltwirtschaft zu gestalten wünschen. Sollte es uns nicht möglich sein, weiter
voranzuschreiten, besteht die echte Gefahr, daß wir zurückfallen. Es wäre
sinnlos, annehmen zu wollen, ein starkes kooperatives Management auf diesem
Gebiet werde über Nacht und so gut wie von selbst Zustandekommen. Wir
können und müssen aber unseren Kurs klar abstecken und Schritte einleiten,
die geeignet sind, die weitere Entwicklung des Systems wirksam zu lenken.

+ + + + +

- 15 -

�5. September 1979

36

EXPLOSIONSARTIGE ENTWICKLUNG DES WELTFUNKVERKEHRS
Gigantische administrative Aufgabe für Internationale

Fernmeldeunion

- (AD) - Das Stimmenbabel im Luftraum und erdnahen Weltraum wird immer
größer.

Die moderne Funktechnik macht es möglich, daß Millionen gleichzeitig

reden, und ihre Zahl wächst mit jeder Minute.
formation und Kommunikation.

Wir leben im Zeitalter der In-

Durch Fernsehen, Radio, Telefon und Funkschnell-

schreiber kann nahezu jeder mit jedem irgendwo auf dieser Erde in Sekundenschnelle in Verbindung treten.
Es ist Aufgabe der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), zu verhindern,
daß in dieser Flut die einzelnen Stimmen untergehen. Auf der nächsten Konferenz in Genf, die am 24. September 1979 beginnt, werden die Vertreter von 154
Nationen nicht nur eine Bilanz der letzten 20 Jahre ziehen, sondern - was noch
viel wichtiger ist - Pläne ausarbeiten, die auch in den nächsten 20 Jahren jeder
Stimme eine Chance geben, gehört zu werden. Die im Verlauf der Gespräche auf
der "World Administrative Radio Conference (WARC)" (Internationale Konferenz
über die Zuteilung von Frequenzen) getroffenen Entscheidungen werden den Kommunikationsfluß auf der Welt für den Rest dieses Jahrhunderts ganz entscheidend
beeinflussen.
Dies

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dies ist die bei weitem größte Konferenz in der Serie internationaler
Tagungen, die bis auf das Jahr 1865 zurückgehen.

Damals setzten sich zum

ersten Mal die europäischen Länder zusammen, um Regeln für den TelegraphieDienst auszuarbeiten.

Das war die Geburtsstunde der ITU.

Beginnend mit die-

sem Jahr werden die Entwicklungsländer eine wichtige Rolle spielen.

Die meisten

von ihnen existierten noch gar nicht, als auf der letzten Konferenz im Jahr
1959 Beschlüsse für die folgenden zwei Jahrzehnte gefaßt wurden.

Der politischen

Revolution, die diesen Nationen inzwischen zum Leben verhalf und ihrer Stimme
Gehör verschaffte, entspricht eine nicht weniger tiefgreifende technische Revolution.
Vor 20 Jahren steckte die Raumfahrttechnik noch völlig in den Kinderschuhen. Fernsehen und mobile Funkstationen an Land spielten kaum eine Rolle.
Heute aber breiten sich Fernsehsendebereiche wie das Geäst eines Baumes in jeder Stadt und in Tausenden kleiner Ortschaften ständig weiter aus. Radiound Fernsehsendungen über Satelliten werden um die ganze Erde ausgestahlt.
Und die Geräte der neuen Technik werden ständig weiter verbessert, die Kosten
gesenkt: Trotz Inflation kostet die Nachrichtenübermittlung über Satelliten
von Jahr zu Jahr weniger. Die Organisation für Internationale Fernmeldesatelliten (INTELSAT), ein Konsortium von mehr als 100 Mitgliedstaaten, hat
kürzlich ihre Gebühr für eine voll ausgelastete Telefonleitung erneut reduziert, und zwar um 16 Prozent auf 960 Dollar pro Monat. Die gleiche Dienstleistung kostete im Jahr 1965 noch 5334 Dollar. Hätte die Gestaltung der Gebühren mit der Inflation Schritt gehalten, müßten dafür heute ungefähr 11 000
Dollar bezahlt werden.
Das Funkwellenspektrum kennt offenbar keine Begrenzung mehr nach oben.
Funkingeneüre können bereits Frequenzen bis hinauf zu 500 Gigahertz - das sind
100 Milliarden Schwingungen in der Sekunde - benutzen. Die jungen Länder
möchten sicher sein, in dieser Entwicklung nicht übergangen zu werden. "WARC
wird ein Wendepunkt werden", meinte ein amerikanischer Regierungsvertreter.
Die ITU werde nicht länger den Charakter eines westlichen Klubs behalten können und müsse zu praktischen Kompromissen gelangen. Einige Entwicklungslander
- 2 -

�Entwicklungsländer verlangen bereits Garantien, daß Teile des Wellenspektrums
für sie reserviert werden, bis sie ihre eigene Technik soweit entwickelt haben,
daß sie Gebrauch davon machen können.

Die Vereinigten Staaten teilen die Ansicht, daß jedermann das gleiche
Recht haben solle, seine Stimme hörbar zu machen.

Aber sie geben dem in der

Vergangenheit bewährten flexiblen Verfahren den Vorzug.

Wenn Nationen einen

bestimmten Teil aus dem Wellenspektrum benötigten, koordinierten sie dies mit
anderen Ländern und ersuchten die ITU um die Genehmigung, die auch gewöhnlich
erteilt wurde.

Diesem Improvisieren ist es zu verdanken, daß trotz des immer

wieder überraschenden Entwicklungstempos der Technik der ständig wachsende Bedarf an Frequenzbändern noch immer gedeckt werden konnte.

Teile des Spektrums

für Nationen zu reservieren, die sie noch gar nicht verwenden können, wäre nach
Ansicht der Vereinigten Staaten Vergeudung.

Durch eine solche Politik würden

auch Anreize blockiert, sich um Technologien zu bemühen, die einen noch sehr
viel sparsameren Umgang mit den Bandbereichen ermöglichen.

Aber einige Teile des Wellenspektrums sind nun einmal stärker in Anspruch
genommen als andere.

Das Spektrum der Radiofrequenzen reicht von sehr niedri-

ger Frequenz (VLF - ^lery low frequency) mit etwa drei Kilohertz (die Untergrenze für das Hörvermögen beim Menschen)

und Wellenlängen von 3000 m bis zu ex-

trem hohen Frequenzen (EHF) mit Wellenlängen von nur 1 mm.

Hochfrequenzbereiche

(HF) und Bereich sehr hoher Frequenzen (VHF), mit den Bändern für Fernsehen,
Kurzweilenfunk, Polizeiwagen und Taxis, Schiffsfunk zur Küste und Funkverbindungen vom Boden zu Flugzeugen, Funktelefone usw. liegen irgendwo in der Mitte.
Dafür die notwendigen Anpassungen zu finden, wird eine schwierige Aufgabe für
die WARC sein.

Denn immer mehr Länder und Organisationen müssen sich in die

vorhandenen Möglichkeiten teilen, und die technischen Experten müssen sich viel
Neues einfallen lassen, um noch mehr Stimmen in die Bandfrequenzen hinerinzuquetschen.

Die Entwicklungsländer, die hohe Frequenzen für ihre eigenen Nach-

richtenmedien sehr viel verwenden und gleichzeitig in den internationalen
"Kurzwellenklub" drängen, werden besonders darauf bedacht sein, ihre Interessen
auf diesem Gebiet zu wahren.
Ein
- 3 -

�Ein weiteres Problem sind die Fernmeldesatelliten.

Platz wäre sicher-

lich genug vorhanden für viele dieser technischen Wunderwerke. Aber weil sie
auf den gleichen Frequenzen zu benachbarten Punkten auf der Erde senden, gibt
es eine Grenze dafür, wie nahe sie am Himmel beieinander stehen können. Einige Länder sind der Ansicht, daß die "Parkplätze" bald belegt sein werden.
Weitere Gesprächsthemen sind die Ausweitung des Mittelwellenfunks, Radarsatelliten für Landvermessung, Wettervorhersage, kontinuierliche Überwachungsaufgaben usw., ferner solare Kraftstrom-Satelliten, Radioastronomie und vieles
andere..

Die USA hoffen, daß die Konferenz bei den technischen Problemen bleibt,

die allein schon kompliziert genug sind, und sich nicht auf politische Seitengleise abdrängen läßt. Die ITU hat sich bisher stets auf technische Fragen
konzentriert und sich - zur allgemeinen Zufriedenheit - immer bemüht, die Voraussetzungen zu schaffen, daß die wachsende Zahl der Stimmen in ihrer ganzen
Verschiedenheit auch hörbar werden.
Amerika ist entschlossen, diese Tendenz weiterhin zu unterstützen. Die
USA haben großes Interesse daran, den funktionsfähigen internationalen Konsens
zu erhalten. Gelänge dies nicht, wäre das Chaos nicht weit. So ist die Konferenz, wie die Zeitschrift "Business Week" schreibt, "zum Erfolg verurteilt".

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Donald F. McHenry: Neuer US-Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brown: USA müssen globale Stärke beibehalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Interviews mit "National Public Radio" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Solomons auf dem Europäischen Forum in Alpbach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Explosionsartige Entwicklung des Weltfunkverkehrs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gigantische administrative Aufgabe für Internationale Fernmeldeunion -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
7H {l/iiWiiM
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35
INHALT

DOKUMENTATION
Fernsehinterview mit Vizepräsident Mondale vor Beginn seiner China-Reise
- Auszüge Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten Walter F. Mondale in der
Universität von Peking
USA: Technische Kapazität der Entwicklungsländer muß verbessert werden
- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz HINTERGRUNDMATERIAL
Die Nation macht Ernst mit dem Sparen
- Amerika senkt den Energieverbrauch Von unserem Korrespondenten James Füller
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster Vorstoß einer Forschungssonde zum Planeten Saturn
- Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel InfraschalIwellen zeigen schwache Erdbeben an

Um Übcf/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

FERNSEHINTERVIEW MIT VIZEPRÄSIDENT MONDALE VOR BEGINN SEINER CHINA-REISE
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Vor Abflug zu seinem einwöchigen Besuch in China
erklärte der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale am 24. August 1979
in Washington, er hoffe auf Gespräche, die zu Fortschritten in einer ganzen
Reihe von Prob!einkreisen führen werden: neben Themen wirtschaftlicher und
kultureller Art sowie im Bereich von Wissenschaft und Technik sollen vor
allem das SALT II-Abkommen und das Problem der Vietnamflüchtlinge - das er
"eine der grausamsten Erscheinungen in der jüngeren Geschichte" nannte - zur
Sprache kommen.
Die entsprechenden Auszüge aus dem Interview mit der amerikanischen
Fernsehgesellschaft NBC haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Es sind Treffen mit den höchsten Vertretern Chinas geplant.

Was wollen Sie - außer freundschaftlichen Gesprächen - vor allem erreichen?
ANTWORT:

Es gibt eine ganze Reihe von Zielen, die wir auf dieser Reise

verfolgen und die die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten
erweitern und vertiefen sollen. Viele davon liegen im wirtschaftlichen Be-

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Bereich - wie Handel, Geschäfts- und Kreditprobleme; andere auf kulturellem
Gebiet, wieder andere im wissenschaftlichen und technischen Bereich.

Wir

werden uns mit der ganzen Bandbreite dieser Fragen auseinandersetzen.
FRAGE:

Erwarten Sie die Ankündigung spezieller Vereinbarungen, die viel-

leicht im Verlauf Ihres Besuchs getroffen werden?
ANTWORT:

Ich glaube, wir werden Fortschritte machen, obwohl es schwer

ist, jetzt schon Genaues zu sagen.

Darf ich vielleicht eines anmerken?

Hat

man einmal mit der Normalisierung der Beziehungen zu einem Land begonnen
- was wir auf Präsident Carters Initiative hin in diesem Jahr getan haben -,
dann kann Normalisierung entweder ungeheuer viel oder aber auch so gut wie
gar nichts bedeuten.

Wir sind nunmehr mitten in dem schwierigen, aber sehr

wichtigen Prozeß der echten Normalisierung der Beziehungen, so daß die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten in rechtlicher Hinsicht
sowie hinsichtlich der Struktur denjenigen Beziehungen sehr ähnlich sein werden, die wir mit den anderen Großmächten der Welt unterhalten.

Hierum geht

es im Grund bei meiner Reise.
FRAGE:

Ich habe gehört, daß die Chinesen seit Beginn der Normalisierung

am 1. Januar dieses Jahres recht enttäuscht sind darüber, daß die Dinge auf
unserer Seite in Washington nicht schneller in Bewegung geraten:
abkommen zum Beispiel liegt noch nicht einmal dem Kongreß vor.

das HandelsHören Sie das-

selbe?
ANTWORT: Ich meine, wir haben gute Fortschritte gemacht. Die Normalisierung ist erst neun Monate alt. Wir haben klargestellt, daß wir die Meistbegünstigungsklausel und das Handelsabkommen noch in diesem Jahr dem Kongreß
vorlegen werden; außerdem noch eine ganze Reihe weiterer Punkte, mit denen
ich mich auf dieser Reise beschäftigen werde. Ich glaube, sie werden zufrieden sein.
FRAGE:

�FRAGE:

China hat Angst vor der Sowjetunion und die chinesische Führung

wünscht vielleicht die Zusicherung, daß wir es mit den Sowjets in Asien, rund
um die Welt, aufnehmen werden.

ANTWORT:

Wie werden Sie ihr diese Zusicherung geben?

Es steht außer Frage, daß neben unseren bilateralen Beziehungen

die internationalen Sicherheitsprobleme eines der Themen sind, die wir diskutieren werden.

Wir werden zweifellos SALT diskutieren; zweifellos auch wer-

den wir die strategische und militärische Position der Vereinigten Staaten
besprechen; wir werden die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen diskutieren,
und wir werden ganz einfach die Bilanz ziehen, die gekennzeichnet ist von
Standhaftigkeit, Zurückhaltung und unserer großen Sorge um Stabilität in Frieden auf dieser Welt, und wir werden das Interesse unterstreichen, das wir alle
daran haben.

FRAGE:

Und zweifellos werden wir all dies ausführlich besprechen.

Werden Sie ihnen berichten, daß Sie die Ratifizierung des SALT-

Abkommens durch den Senat erwarten?
ANTWORT:

FRAGE:

Ja - und ich glaube fest daran, daß es ratifiziert werden wird.

Nach Ihrem Besuch in China werden Sie nach Hongkong reisen, wo

eine große Zahl von Flüchtlingen aus Südostasien lebt.

Viele dieser Menschen

wurden zum Teil deshalb zu Flüchtlingen, weil China voriges Jahr Vietnam angriff.

Tut China alles, was es tun sollte, um diesen Menschen zu helfen?

ANTWORT:

Zunächst: obwohl wir die Invasion Chinas in Vietnam ablehnten,

glauben wir nicht daran, daß dies der Grund dafür war, daß diese Flüchtlinge
das Land verließen.

Wenn Menschen in ein Boot steigen und ihr Leben riskieren

- und es gibt Schätzungen, denen zufolge 30, 40, ja 50 Prozent tatsächlich
auf dem Meer sterben -, dann tun sie das aus Verzweiflung.
wegen seiner brutalen Vertreibungspolitik verurteilt.

Wir haben Vietnam

Sie ist eine der grau-

samsten Erscheinungen in der heutigen Welt und in der jüngeren Geschichte;
und so sehr wir auch gegen den Überfall Chinas auf Vietnam protestierten:
dies ist nicht der Grund.
Wir
- 3 -

�Wir reisen nach Hongkong, um zu versuchen, den angelaufenen Prozeß zu
beschleunigen, bei dem unser Land sich nach meinem Dafürhalten an die Spitze
gesetzt hat: meiner Meinung nach hat Präsident Carter dieses Problem klarer
erkannt als die meisten anderen Länder. Wir wollen helfen, sicherzustellen,
daß diese Flüchtlinge in Hongkong - und Hongkong ist nebenbei bemerkt sehr
großzügig bei der Aufnahme und der Versorgung der Flüchtlinge gewesen - durch
unsere Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden hierher oder in andere Länder
gebracht werden können und diese kleine Insel dadurch etwas Entlastung erfährt.
FRAGE:

Wir haben normalisierte Beziehungen zu China. Würde es das

Flüchtlingsproblem Ihrer persönlichen Meinung nach entschärfen, wenn wir
unsere Beziehungen auch zu Vietnam normalisierten?
ANTWORT: Ich glaube nicht an einen solchen Zusammenhang. Es gibt keine
Entschuldigung für das, was Vietnam mit dieser grausamen und herzlosen Vertreibung von Tausenden und Abertausenden seiner eigenen Bürger tut. Und es
sind nicht nur die Bootsflüchtlinge, die Vietnam über das Meer verlassen.
Es gibt Tausende und Abertausende Menschen, die aus Kamputschea, wir nannten
es früher Kambodscha, fliehen, weil Vietnam durch die Invasion dieses Landes
den Versuch unternimmt, dieses Volk durch eine Marionettenregierung zu beherrschen.
FRAGE: Sind Sie nach der UN-Konferenz vorigen Monat in Genf, auf der
Sie den Präsidenten vertraten, damit zufrieden, daß die Welt im großen und
ganzen alles, was in ihrer Macht steht, für diese Flüchtlinge tut?
ANTWORT:

Ich kann nicht sagen, ob die Welt alles tut, was sie kann.

Aber ich glaube, sagen zu können, daß die zivilisierte Welt bei diesem Flüchtlingsproblem weit mehr tut

als sie bei vielen anderen Flüchtlingsproblemen

getan hat, von denen ich weiß.

Wir nehmen viele Tausende von Flüchtlingen in

den Vereinigten Staaten auf, und ich glaube, wir sind hier führend.
der ganzen Welt bringen wir Länder dazu, Flüchtlinge aufzunehmen.
- 4 -

Aber in
Gerade

�Gerade die ASEAN-Länder im asiatischen und pazifischen Raum arbeiten hervorragend und errichten jetzt Zwischenlager.
entgegenkommend gewesen.

Die Erstasyllander sind sehr

Ich denke, die Welt hat ziemlich gut auf dieses

Problem geantwortet.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

ANSPRACHE DES AMERIKANISCHEN VIZEPRÄSIDENTEN WALTER F. MONDALE
IN DER UNIVERSITÄT VON PEKING

PEKING - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale, der
sich zu einem einwöchigen Besuch in der Volkserepublik China aufhält, hat
am 27. August 1979 an der Universität von Peking eine Rede gehalten, die vom
chinesischen Fernsehen im ganzen Land ausgestrahlt wurde. Trotz der "grundlegenden Unterschiede" zwischen den beiden Ländern, so sagte der US-Vizepräsident, gebe es "viele parallele strategische und bilaterale Interessen".
Mondale wandte sich gegen eine Isolierung Chinas und wies darauf hin, daß
die Normalisierung der Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten
dabei helfe, diese Isolierung abzubauen, die auch den amerikanischen Interessen zuwiderlaufe.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
"Es ist eine Ehre für mich, zu Ihnen zu sprechen, und ich überbringe
Ihnen die herzlichen Grüße und die Freundschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und des amerikanischen Volkes.

Für

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Für einen Amerikaner meiner Generation bedeutet ein Besuch der Volksrepublik China, den Pulsschlag der modernen politischen Geschichte zu fühlen.
Nahezu drei Jahrzehnte lang waren unsere beiden Länder voneinander isoliert.
Aber der althergebrachte Hunger nach Kommunikation vereint die Menschheit.
Er zwingt uns dazu, gemeinsame Grundlagen zu finden.
Vor tausend Jahren drückte es einer Ihrer Dichter so aus:

"Wir erweitern

unseren Gesichtskreis um dreihundert Meilen, wenn wir nur eine Treppe hinaufsteigen".

Wir steigen diese Treppe nun zusammen hinauf.

Jeden Tag nehmen wir eine andere Stufe.

Heute nachmittag habe ich das

Vorrecht, der erste amerikanische Politiker zu sein, der direkt zu den Bürgern
der Volksrepublik China spricht.
Und keine andere Kulisse hätte für diese Rede und für unsere Beziehung
symbolischer sein können als dieser Ort des Neubeginns.
modernen China kristallisiert sich in der Geschichte

Die Geschichte des

der Universität von

Peking und der anderen hervorragenden Institutionen, die Sie vertreten.

An

so gut wie jedem Wendepunkt im China des 20. Jahrhunderts war Bei-da (die
Universität) der Hebelpunkt.
Vor 60 Jahren begann hier die Bewegung des 4. Mai, die ein Zeitalter von
beispielloser geistiger Gärung einleitete.

Sie unternahm die Anstrengung,

die chinesische Kultur und Gesellschaft zu modernisieren.

Sie schuf eine neue

Grundlage, auf der sich östliche und westliche Kulturen trafen.

Und ihr

System des gegenseitigen Respekts stärkt heute unsere eigene kulturelle Zusammenarbeit.
Vor 44 Jahren war es dieser Ort, an dem die Bewegung vom 9. Dezember
eine ganze Studentengeneration dazu anspornte, äußerer Aggression zu widerstehen.

Und ihre Botschaft der Souveränität und des Nichtangriffs untermauert

heute unsere eigene politische Zusammenarbeit.
Und

�Und während China in die Zukunft blickt, sind es wiederum diese Universität und Ihre anderen Forschungszentren, die beim Vorstoß auf "die vier
Modernisierungen" vorangehen.

Und der enge Zusammenhang zwischen Ihren Ent-

wicklungszielen und unseren eigenen Interessen wird die Grundlage für unsere
fortdauernde wirtschaftliche Zusammenarbeit abgeben.
Heute befinden sich unsere beiden Länder an einem Schlüsselpunkt. Wir
haben unsere Beziehungen normalisiert. Der Vorhang hat sich geöffnet. Das
Dunkel hat sich gelichtet. Wir drängen darauf, mehr voneinander zu erfahren,
gegenseitig Anteil zu nehmen an den Ausformungen unseres täglichen Lebens und
die menschlichen Bande der Freundschaft zu schmieden.
Dies ist ein reicher Anfang.

Aber es ist nur ein Anfang.

Ein modernes China, das seinen Platz in der Völkerfamilie einnimmt, bemüht sich nicht nur um die Suche nach Freundschaft, sondern auch um die Suche
nach Sicherheit und Entwicklung. Und ein Amerika, das seine Beziehungen zu
China vertieft, tut dies nicht nur aus einem echten Gefühl heraus und nicht
nur aus naturgegebener Neugier. Amerika tut es aufgrund der gleichen Kombination von Prinzip und Eigeninteresse, die die Triebkraft ausgereifter Beziehungen zwischen allen modernen Staaten ist.
Unsere Aufgabe heute besteht darin, die Grundlage für eine dauerhafte
Beziehung morgen zu schaffen. Wir könnten diese Aufgabe nicht ohne unsere
Feundschaft bewältigen. Aber wir können sie auch nicht mit Freundschaft allein
vollenden.
Dies ist die Botschaft, die ich im Namen Präsident Carters dem Volk von
China bringe - eine Botschaft über Amerika, seine Absichten in der Welt und
unsere Hoffnungen hinsichtlich unserer Beziehungen zu Ihnen.
Geschichtlich sind die Amerikaner ein zuversichtliches Volk.
litik wurzelt in unseren Werten.

Unsere Po-

Wir pflegen unseren fundamentalen Glauben
- 3 -

�Glauben an die Menschenrechte, an das Mitgefühl und an die soziale Gerechtigkeit.
nalisiert.
lich.

Wir glauben, daß unser demokratisches System diese Werte institutioDie unseren Bürgern offenstehenden Möglichkeiten sind unvergleich-

Unsere Debatten sind lebhaft und offen.

Und die Gegensätze, die wir

unter uns austragen, gleichgültig, ob über strategische Nuklearpolitik oder
über Energie, sind Zeichen der dauerhaften Stärke unserer Gesellschaft.
Mein Land ist mit unübertroffenen natürlichen Ressourcen gesegnet.
dem haben wir ein unvergleichliches Arbeitspotential:
schaftler, Ingenieure, Industrielle und Finanzleute.

Außer-

Arbeiter, Bauern, WissenDurch ihren Einfalls-

reichtum sind wir in der Lage, unsere natürlichen Güter in Überfluß umzuformen - nicht nur für uns selbst, sondern für die Welt.
Natürlich stehen wir ungelösten Problemen gegenüber.

Aber die hohen

Ziele, die wir uns selbst setzen, und unsere Entschlossenheit, sie zu erreichen,
sind ein Maßstab für den Geist unserer Nation.

In diesem Streben, in diesem

ruhelosen Verfolgen eines besseren Lebens fühlen wir eine besondere Wesensverwandtschaft mit dem Volk des modernen China.
In der Weltgemeinschaft suchen die Vereinigten Staaten internationale
Stabilität und Frieden. Aber wir geben uns keinen Illusionen hin, was die
Hindernisse angeht, denen wir gegenüberstehen. Wir wissen, daß wir in einer
gefährlichen Welt leben. Und wir sind entschlossen, auch weiterhin militärisch vorbereitet zu sein. Wir passen unsere Verteidigungsmittel dem fortgeschrittensten technischen Wissen an, das es gibt. Wir haben in Europa und
in Asien Bündnisse geschmiedet, die mit jedem Jahr stärker werden. Gemeinsam mit unseren japanischen und westlichen Verbündeten werden wir sicherstellen, daß unsere Investition in Sicherheit der Aufgabe entspricht, den
Frieden zu sichern - wie wir dies seit 30 Jahren tun.
Aber wir wollen mehr sein als ein starker und zuverlässiger Partner im
Bereich der Weltpolitik.

Wir glauben auch an eine Welt der Vielfalt.

Hin-

sichtlich der chinesisch-amerikanischen Beziehungen bedeutet dies, daß wir

- 4 -

�wir die besonderen Eigenschaften respektieren, die das große chinesische
Volk zu unserer Beziehung beiträgt.

Und trotz der manchmal grundlegenden

Gegensätze zwischen unseren beiden Systemen verpflichten wir uns dazu, gemeinsam mit Ihnen unsere vielen parallelen strategischen und bilateralen
Interessen zu fördern.
Somit nimmt jedes Land, das darauf aus ist, Sie im Bereich der Weltpolitik zu schwächen oder zu isolieren, eine Haltung ein, die den amerikanischen Interessen zuwiderläuft. Aus diesem Grund haben die Vereinigten
Staaten die Beziehungen zu Ihrem Land normalisiert»und aus diesem Grund
müssen wir daran arbeiten, unsere neue Freundschaft zu vertiefen und zu
stärken.
Nunmehr müssen wir darauf drängen, unsere Beziehungen zu erweitern
und ihnen besondere Kennzeichen zu verleihen. Die grundlegenden Aufgaben,
denen wir gegenüberstehen, liegen in dem Aufbau konkreter politischer Bindungen im Kontext der gegenseitigen Sicherheit, in der Errichtung breiter
kultureller Beziehungen in einem Rahmen echter Gleichheit und in dem Schmieden praktischer wirtschaftlicher Bande mit dem Ziel des gemeinsamen Nutzens.
Während wir unsere gemeinsamen Interessen inhaltlich auffüllen, investieren wir in die Zukunft unserer Beziehung. Je wirkungsvoller wir unsere Tagesordnung voranbringen, je mehr Bande wir zwischen uns errichten, umso mehr
können wir darauf vertrauen, daß unsere Beziehung dauern wird.
Und so legt das, was wir heute erreichen, den Grundstein für das kommende Jahrzehnt.

Die achtziger Jahre werden Zeuge unserer Zusammenarbeit

und unserer Zusammenarbeit mit anderen Ländern, um die Weltprobleme anzugehen.

Bereicherung der Weltwirtschaft, Begrenzung internationaler Konflik-

te, Schutz der Unabhängigkeit von Staaten:

diese Ziele müssen auch aus der

Perspektive unserer bilateralen Beziehung heraus verfolgt werden.

Je tiefer

diese Beziehung ist, umso erfolgreicher wird dieses weltweite Streben sein.
Dies

�Dies sind die Themen, die mir Präsident Carter für meinen Besuch in
der Volksrepublik China mitgegeben hat. Dies ist diewesentliche Botschaft,
um deren Übermittlung mich Präsident Carter gebeten hat.

Es ist die Tages-

ordnung, die wir in Zukunft gemeinsam verfolgen.
In den acht Monaten seit der Normalisierung sind wir Zeuge einer raschen
Ausweitung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen geworden.
Wir haben ein Schulden- und Vermögensabkommen erzielt und ein Handelsabkommen unterzeichnet.

Der Handel zwischen unseren Ländern weitet sich aus.

Amerikanische öl gesell Schäften helfen Ihnen bei der Erschließung der ölreserven, die vor der Küste Chinas liegen.
Gemeinsame Kommissionen für chinesich-amerikanische Wirtschaftsbeziehungen sowie für wissenschaftlichen und technischen Austausch sind ins Leben gerufen worden.

Wir haben einen regen Austausch von Delegationen auf

Regierungsebene gehabt, einschließlich der Besuche zahlreicher Leiter unserer
entsprechenden Ministerien und Behörden.

Und der Besucherfluß zwischen un-

seren beiden Ländern erreicht neue Ausmaße.
Wir haben eine starke Antriebskraft zur Zusammenarbeit entwickelt. Gemeinsam sollten wir sie erhalten und stärken.
Denn ein starkes, sicheres und in der Modernisierung begriffenes China
liegt auch im amerikanischen Interesse in den nächsten zehn Jahren.
Auf dem Gebiete der Landwirtschaft bietet Ihre ständige Weiterentwicklung nicht nur ein besseres Leben für das chinesische Volk.

Sie dient auch

unseren Interessen, denn Ihre Fortschritte auf dem Gebiet der Landwirtschaft
werden die begrenzten Nahrungsmittel Vorräte der Welt vergrößern.
Im Bereich des Handels wird unseren Interessen durch Ihre sich erweiternden Exporte an natürlichen Ressourcen und Industriegütern gedient.

- 6 -

Und

�Und gleichzeitig sind die Käufe, die Sie mit Hilfe dieser Exporte finanzieren können, Ihren Interessen dienlich.
Durch Ihre fortschreitende Industrialisierung bieten Sie Ihrer Bevölkerung einen höheren Lebensstandard . Und gleichzeitig wird dadurch auch unseren
Interessen gedient, denn eine solche Entwicklung wird den Handelsfluß stärken,
die Wohlstandslücke zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern
verengen und dazu beitragen, eine Hauptursache der weltweiten Instabilität
abzuschwächen.
Und was am wichtigsten ist:

Ihren und unseren politischen Interessen

wird durch Ihre wachsende Stärke auf allen Gebieten gedient, denn dies trägt
dazu bei, andere abzuschrecken, die sonst versuchen könnten, sich Ihnen aufzuzwingen.
Die Bemühungen in den zwanziger und dreißiger Jahren, China schwach
zu halten, haben die gesamte Welt destabilisiert. Viele Jahre lang stand
China im Scheinwerferlicht konkurrierender Großmachtpolitik. Ein zuversichtliches China jedoch kann zur Wahrung des Friedens in diesem Raum beitragen.
Heute bescheren die bisher einmaligen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen China, Japan und den Vereinigten Staaten Nordostasien internationale
Stabilität.
Deshalb ist eine Vertiefung unserer wirtschaftlichen, kulturellen und
politischen Beziehungen strategisch so wichtig - nicht nur für Ihre Sicherheit, sondern für den Frieden der gesamten Weltgemeinschaft.
Wir unternehmen gegenwärtig entscheidende Schritte, um unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen.
Erstens wird Präsident Carter noch vor Jahresende das mit Ihnen geschlossene Handelsabkommen dem Kongreß zur Billigung zuleiten.
kommen wird die Meistbegünstigung auf China ausdehnen.

- 7 -

Dieses Ab-

Seine Weiter!eitung

�Weiterleitung an den Kongreß ist mit keinerlei anderweitigen Auflagen verknüpft.
Zweitens werde ich ein Abkommen über die Entwicklung des hydroelektrischen Potentials der Volksrepublik China unterzeichnen.

Amerikanische Re-

gierungsstellen sind bereit, an der Erschließung der Wasserkräfte für Zwecke
der Stromerzeugung auf der Basis von Kompensationsgeschäften mitzuwirken.
Drittens sind die Vereinigten Staaten bereit, der Volksrepublik China
bei der Export-Import-Bank auf Fallbasis Kreditlinien in Gesamthöhe von zwei
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg zu eröffnen.
Läßt das Tempo der Entwicklung dies geboten erscheinen, sind wir bereit, weitere Kreditvorkehrungen ins Auge zu fassen.

Diesbezügliche Gespräche sind

bereits im Gange.
Viertens wird die Carter-Administration noch in diesem Jahr den Kongreß
um die Vollmacht ersuchen, amerikanischen Geschäftsleuten einen Anreiz zu
Investitionen in China zu bieten - in Gestalt von Garantien und einer Ausfall Versicherung bei der Staatlichen Gesellschaft für private Auslandsinvestitionen (Overseas Private Investment Corporation).
Wir sind ferner willens, uns gemeinsam mit der chinesischen Regierung
um ein möglichst rasches Zustandekommen eines Textil-, eines Schiffahrtsund eines Zivilluftfahrtabkommens zu bemühen.
Durch den Ausbau unserer kulturellen Beziehungen werden die Universitäten, wie in der Vergangenheit, wieder zu einem wichtigen Ort der Begegnung
zwischen Chinesen und Amerikanern werden.
Heute studieren tüchtige angehende Wissenschaftler aus China in Amerika
und amerikanische Wissenschaftler - von denen ich viele heute hier begrüßen
darf - studieren in China. Dieser Austausch erneuert das Erbe einer hochgeschätzten Tradition. An Universitäten im gesamten Gebiet der Vereinigten
Staaten beflügeln heute zahlreiche Amerikaner das geistige Leben, die in den
- 8 -

�den dreißiger und vierziger Jahren in China gelernt und gelehrt haben - keiner
von ihnen steht wohl in höherem Ansehen als Professor John K. Fairbank, der
uns die Ehre seiner Teilnahme an dieser Chinareise erweist.

Wir sind gleich-

zeitig stolz darauf, daß chinesische Wissenschaftler, die in Amerika Landwirtschaft, Technik und Medizin studiert haben, heute die Kenntnisse, die
sie sich in unserem Lande angeeignet haben, auf den Fortschritt der
chinesischen Gesellschaft verwenden können.

Wir sind dabei, wechselseitige Beziehungen - Beziehungen auf der Basis
echter Reziprozität - zu entwickeln.

Sie werden von uns mit vielen Aspekten

der Wissenschaft und Technologie vertraut gemacht.

Unsere Anthropologen

und Archäologen verfügen über Forschungstechniken, die sie Ihnen zur Erforschung Ihrer eigenen Vergangenheit gerne zur Verfügung stellen werden.
Amerikanische und chinesische Sozial- und Geisteswissenschaftler können sich
gegenseitig viele Einsichten vermitteln und ein besseres Verständnis für unsere jeweiligen Institutionen und Wertvorstellungen wecken.

Und so wollen wir, mit Ihrer Hilfe, unseren Horizont erweitern.
sische Forscher leisten auf vielen Schlüsselgebieten Pionierarbeit:

Chinevon der

Therapie von Hautverbrennungen bis zur Erdbebenvorhersage - und wir sind
willens, hier von Ihnen zu lernen.

Wo der wissenschaftliche Fortschritt eine

weltweite Zusammenarbeit erforderlich macht - auf den Gebieten der Astronomie, der Ozeanographie und der Meteorologie - werden unsere gemeinsamen Anstrengungen der ganzen Welt zugute kommen.

Unsere Sozial- und Geisteswissen-

schaftler haben kaum erst begonnen, sich mit Ihrem Verständnis der Geschichte,
des gesellschaftlichen Wandels und des Potentials des Menschen vertraut zu
machen.

Starke bilaterale Beziehungen dienen auch unseren strategischen Interessen,

über sie können unsere beiden Länder die Entstehung jener Art von

Weltgemeinschaft fördern, die wir anstreben - eine Welt, die Mannigfaltigkeit
respektiert und den konstruktiven Wandel begrüßt.
Es

- 9 -

�Es gibt heute auf der Erde 162 Länder, von denen die meisten arm sind.
80 Prozent der Weltbevölkerung leben in Entwicklungsländern.

Tag für Tag

erheben Menschen in diesen Ländern ihr Haupt, um Unabhängigkeit und Gerechtigkeit zu fordern. Tag für

Tag stoßen Versuche von Machthabern, ihre Völ-

ker zu unterdrücken, auf wachsenden Widerstand.

Die Regierungen beginnen

mehr und mehr nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die grundlegende
Klugheit und Anständigkeit des Schutzes der Rechte ihres Volkes durch das
Gesetz zu begreifen.
Wenn die politische Macht in den Ländern gerechter verteilt wird, wenn
die Macht von einigen wenigen auf die Mehrzahl der Länder verteilt wird und
wenn ein Zeitalter des Kolonialismus dem einer gerechteren internationalen
Ordnung Platz macht - dann verdienen diese Veränderungen die Unterstützung
der ganzen Welt.
In den letzten Jahren standen die Vereinigten Staaten als die stärkste
Militär- und Wirtschaftsmacht der Erde vor einer grundlegenden Wahl: Sollten
wir uns gegen den Wind des Wandels stemmen und unsere nationale Sicherheit
durch Verteidigung des Status quo zu gewährleisten trachten? Sollten wir uns
mit einigen wenigen anderen Ländern in betrügerische Machenschaften mit dem
Ziel einlassen, die Welt zu beherrschen? Oder sollten wir den Wandel gutheißen, die erforderlichen Anpassungen vornehmen und bei der Gestaltung einer
gerechteren Weltordnung mithelfen?
Es darf keine Zweifel darüber geben, welche Wahl mein Land getroffen hat.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß jeder Versuch eines Landes,
ein anderes zu beherrschen, zum Scheitern verurteilt ist. Kein Land, das sich
ausschließlich auf ein wachsendes Waffenarsenal oder auf direkte oder indirekte
Interventionen verläßt, kann hoffen,seine Sicherheit langfristig wahren zu
können. Im Gegenteil: Länder, die diesen Kurs einschlagen, werden auf diese
Weise in eine immer stärkere Isolation geraten und umso anfälliger werden.
Nichts

- 10 -

�Nichts bezeugt unseren Glauben an diese Prinzipien deutlicher als die
Normalisierung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen.

Diese Normalisie-

rung signalisiert unser Bewußtsein, daß die amerikanische Sicherheit in den
vor uns liegenden Jahren nicht durch ein Festhalten am Status quo und nicht
durch betrügerische Machenschaften mit dem Ziel gewahrt werden kann, andere
zu beherrschen, sondern durch Förderung der Entstehung einer Welt aus unabhängigen Ländern, mit denen wir positive Beziehungen aufbauen können.

Das ist die Art von Weltgemeinschaft, die wir anstreben.

Unser Streben

gilt einer Vision der Mannigfaltigkeit, konstruktiverer Bindungen - und allem
voran des Friedens.

In einer Welt, die hofft, neue Energiequellen zu finden, ist der Frieden
von grundlegender Wichtigkeit. In einer Welt, die darauf bedacht ist, den Hunger und die Ungleichheit in der Verteilung des Wohlstands zu beseitigen, ist
ein weltweites Gleichgewicht von entscheidender Bedeutung.

In einer Welt, die

sich anschickt, ansteckende Krankheiten auszurotten und unsere Umwelt zu
schützen, ist die internationale Zusammenarbeit ein grundlegendes Gebot.

Der Idee, diesen Frieden zu erlangen, dieses Gleichgewicht zu wahren und
diese Zusammenarbeit weiterzuentwickeln fühlen sich die Vereinigten Staaten
voll und ganz verpflichtet.

Anläßlich des Besuchs des stellvertretenden Ministerpräsidenten Deng
und von Frau Zhuo in den Vereinigten Staaten im Januar, erklärte Präsident
Carter:

"Wir sind diese neuen Beziehungen nicht um irgendwelcher kurzfristi-

ger Gewinne willen eingegangen.

Wir haben uns langfristig einer Weltgemein-

schaft unterschiedlicher ... und unabhängiger Völker verschrieben.

Wir sind

überzeugt, daß ein starkes und sicheres China eine kooperative Rolle bei der
Entwicklung einer so gearteten Weltgemeinschaft spielen wird."

Lassen Sie mich diesen Punkt unterstreichen.

Jeder, der Amerika zu ver-

stehen sucht, wird zwangsläufig immer wieder auf die Idee der Mannigfaltigkeit

- 11 -

�Mannigfaltigkeit stoßen.

Die Vereinigten Staaten sind eine Nation aus Ein-

wanderern, die sämtliche ihre spezifischen Begabungen und Traditionen in unsere Gesellschaft eingebracht haben.
Das amerikanische Volk findet sein gemeinsames Erbe nicht in einer einzigen blutmäßigen Abstammung, nicht in Tausenden von Jahren einer gemeinsamen
nationalen Geschichte, sondern in der Gemeinsamkeit der Ideale. Wir glauben
zutiefst an die Mannigfaltigkeit, die uns formt.

Wir halten sehr viel von To-

leranz, vom Pluralismus und von gegenseitiger Achtung.
Wir beabsichtigen die gleichen Pinzipien auch in der Führung unserer
Außenpolitik in den achtziger Jahren zu befolgen.

Was die chinesisch-amerika-

nischen Beziehungen angeht, bedeutet das nicht, daß wir immer einer Meinung
sein werden.
In einer Welt aber, die die Vielfalt respektiert, können so unterschiedliche Länder wie die Vereinigten Staaten und China Seite an Seite auf die Erreichung gemeinsamer Ziele hinarbeiten.

Gemeinsam ist es uns möglich, unsere

beiden Kulturen gegenseitig zu befruchten, unsere beiden Volkswirtschaften
zu kräftigen und unseren beiden Völkern ein besseres Leben zu bieten.

Und

gemeinsam können wir mithelfen, die Weltgemeinschaft zu stabilisieren - indem
wir die Achtung vor der Vielfalt mehren und uns entschlossen jedem Versuch der
Intoleranz und Beherrschung anderer entschlossen widersetzen.
Im letzten Monat schlössen sich China und die Vereinigten Staaten vielen
anderen Nationen in Genf an, um sich der Qualen der indochinesischen Flüchtlinge anzunehmen.
jeder Beschreibung.

Die Ungeheuerlichkeit ihrer menschlichen Tragödie spottet
In einer Welt, die dieses Leiden zu mildern sucht - ein

Leiden, das die nationalen Grenzen überschreitet - ist der Weg
der Weg

des Gewissens

der gemeinsamen Sache.

Heute schaut die Welt auf uns. In gewissem Sinn erproben wir, ob ein
Industrieland und ein sich entwickelndes Land - jedes mit unterschiedlichen

- 12 -

�unterschiedlichen Traditionen, jedes mit unterschiedlichen Systemen - eine
breite, dauerhafte und konstruktive Beziehung errichten können.

Sicherlich

werden schwerwiegende Hindernisse zu überwinden sein. Aber wenn wir zusammenarbeiten können, werden es uns die kommenden Generationen danken.

Wenn wir

versagen, werden nicht nur unsere Kinder darunter leiden: die gesamte Welt
wird die Folgen fühlen.
Mannigfaltigkeit und Stabilität sind keine neuen Themen der chinesischamerikanischen Beziehungen. Einst sagte Präsident Roosevelt: "Es ist zum
Vorteil und nicht zum Nachteil der anderen Länder, wenn eine Nation stabil
und wohlhabend wird,; wenn sie in der Lage ist, innerhalb ihrer Grenzen den
Frieden zu bewahren und stark genug ist, zu keiner Aggression von außen zu
ermutigen. Wir hoffen von ganzem Herzen auf den Fortschritt in China. Und
soweit wir mit friedlichen und gesetzlichen Mitteln dazu in der Lage sind,
werden wir unseren Teil beitragen, um diesen Fortschritt zu unterstützen."
Vor drei Generationen war dies eine visionäre Einsicht, und die darauf
folgenden Ereignisse konnten die Erfüllung dieses Versprechens nur verzögern.
Lassen Sie uns mit dem Blick in die Zukunft beschließen, das Licht dieser Einsicht aufs neue zu entzünden.

+ + + + +

- 13 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

USA:

TECHNISCHE KAPAZITÄT DER ENTWICKLUNGSLÄNDER MUSS VERBESSERT WERDEN
- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz -

WIEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation auf der
Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienst
der Entwicklung, Botschafter Theodore Hesburgh, hat am 20. August 1979
in Wien mit Nachdruck unterstrichen, daß die wissenschaftliche und technische
Kapazität der Entwicklungsländer verbessert werden müsse.
Seine Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Zu Recht wurde diese schöne Stadt an der Donau,Zeugin so vieler bedeutender geschichtlicher Erreignisse, zum Ort für die Gestaltung der
neuen Konturen unserer Zukunft gewählt. Denn über Jahrhunderte hinweg
war Wien ein Mittelpunkt der Kultur und weitreichender diplomatischer
Entscheidungen. Beim Gedanken an das Vergangene, an Schlachten und
Symphonien, an den Genius von Sigmund Freud, von Ignaz Semmelweiss, von
Konrad Lorenz, Ernst Mach und Lise Meitner erinnert Wien an die Wechselfälle der Zeiten und an die Vielseitigkeit des Menschen.
Heute

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Heute ist diese Stadt eine der Hauptstädte des Systems der Vereinten
Nationen, Gastgeber für die Zentrale der Organisation der Vereinten Nationen
flir industrielle Entwicklung und für die Internationale Atomenergiebehörde.
Beide sind Symbole für die Möglichkeiten des Fortschritts, aber beide erinnern
uns zugleich an die Gefahren der Moderne.

Der Anstieg der Industrialisierung,

begleitet von ungewünschter Umweltverschmutzung, die friedliche Nutzung der
Atomenergie, verfolgt von den Gefahren der Kernkraft:

all das enthüllt nicht

nur die Möglichkeiten der Technik, sondern zugleich ihre negative Kehrseite.
Von daher kommt die Unsicherheit der Ergebnisse, der Doppelsinn der Versprechungen, aber auch die Notwendigkeit des hohen moralischen Anspruchs.
Und wieder war es hier in Wien, wo vor nur zwei Monaten mit der Unterzeichnung des SALT II-Abkommens ein neuer Beweis dafür erbracht wurde, daß
der Geist der Zusammenarbeit für den Frieden letztlich vielleicht doch über
das schreckliche Gespenst einer nuklearen Katastrophe die Oberhand behält.
Der Vertrag ist ein beredtes Zeugnis für die zentrale These unserer Zeit,
die den Menschen vor allem durch seine Verantwortung dem Mitmenschen und der
Geschichte gegenüber definiert. Es ist dies der menschlich-soziale
Imperativ des modernen Zeitalters.
Dieser Imperativ ist das einzige leitende Kriterium, mit dessen Hilfe
wir vielleicht die raschen, sich überschlagenden Fortschritte der Technik
beherrschen können, aber es ist auch der humane Imperativ, der diese Fortschritte möglich macht. Wissenschaft und Technik bedeuten Wissen und Macht,
die ihre wahre Bedeutung und Richtung im Leben der ganzen Menschheit finden
müssen.
Technischer Fortschritt ist mehr als eine Chronologie der Erfindungen.
Er muß ein Gesetz der menschlichen Vernunft in der Geschichte sein, eine
Darstellung des Traumbildes vom wahren Leben und die Wahl der wünschenswerten
Mittel, um zu ihm zu gelangen.
Die
- 2 -

�Die moderne Wissenschaft verändert das Bild, das der Mensch von sich
selbst hat.

Wir sehen uns nicht mehr länger als kleines Zahnrad in einer

Newtonschen Welt des Determinismus, in der die Rolle des Menschen reduziert
wird auf die eines Betrachters, im besten Fall eines Hinnehmenden, oft die
eines Opfers.

Wir sehen diese moderne Welt nicht als statisch, sondern

als fortwährend sich ändernd, eine Welt, in der der Mann und die Frau diese
Veränderung als frei und verantwortlich Handelnde beeinflussen.

Wissenschaft

und Technik sind zu einer ausgeprägt menschlichen Erfahrung geworden, zu
einem Abenteuer und einer Herausforderung, um eine bessere Welt zu schaffen.
Vor zehn Jahren flogen wir zum Mond. Der eigentliche Lohn für dieses
Unternehmen bestand nicht in dem, was wir auf der Mondoberfläche fanden,
sondern in dem Bild, das es uns von unserem eigenen Planeten gewährte. Aus
dieser fernen Perspektive konnten wir zum ersten Mal die feine Zerbrechlichkeit und Schönheit dieses Raumschiffs erkennen, das wie ein Edelstein aussieht und das wir Heimat nennen. Tatsächlich wissen wir jetzt, daß die Erde
aus der Ferne schöner ist als aus der Nähe.
Wissenschaft und Technik sind nicht die Garanten der Zivilisation, sie
bürgen nur für die Möglichkeit der Zivilisation.

Schnelle Autos oder Schnelle

Brüter, Synthetik und Kybernetik machen noch keine Zivilisation.

Wenn unsere

Existenz nicht über die Oberflächlichkeiten des Materialismus hinausgeht und
nicht zu einem sinn - und bedeutungsvollen Leben wird, werden Wissenschaft
und Technik keine Kennzeichen des Fortschritts, sondern nur äußerer Pomp
der Moderne sein.

Das Streben nach höchster wissenschaftlicher Leistung

muß auf der Verfolgung menschlicher Ziele gründen.
Aber können wir wirklich Zivilisation nennen, worin wir leben?
-

Wenn ein Viertel der Erdbevölkerung in elender Armut hungernd und
durch Unwissenheit untätig und dumpf dahinlebt?
Wenn

- 3 -

�-

Wenn allein in diesem Jahrhundert über 100 Millionen Menschen den
Kriegen zum Opfer gefallen sind?

-

Wenn heute noch Millionen ihrer elementaren Menschenrechte wegen
ihrer politischen Überzeugung, ihres religiösen Glaubens, ihres
ethnischen Ursprungs oder ihrer wirtschaftlichen Lage beraubt sind?

-

Wenn technischer Fortschritt oft genug in vielen Gesellschaften nur
eine neue Form der Unterdrückung der Frau bedeutet?

Heute steht die Welt an vielen Fronten kritischem Mangel gegenüber.
Wir leben unter der immer wiederkehrenden Drohung der weltweiten Energiekrise,
der Erschöpfung unserer nicht erneuerungsfähigen Energievorräte und der
Plünderung unserer Umwelt.

Unser Ökosystem ist durch ein dramatisches

Bevölkerungswachstum belastet, unsere Sicherheit durch das andauernde Wettrüsten gefährdet und unser Wohlergehen durch Inflation und Währungschaos in
Frage gestellt.
Bedeutet dies, daß wir die Grenzen unseres Wachstums erreicht haben?
Haben wir tatsächlich die Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik zum
Wohl der Menschheit erschöpft oder ist nur unser Geist erschöpft? Ich hoffe,
daß diese Konferenz lebendiges Zeugnis davon ablegen wird, daß weder unser
Wissen noch unser Geist erschöpft sind und daß wir unsere kollektive Verwundbarkeit umwandeln können in eine Welt der wechselseitigen Abhängigkeit,
eine Welt der Interdependenz von Nationen und der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen dem Menschen und seinem Ökosystem.
Ja, wir leben in einer unvollkommenen Welt, und die Weltwirtschaft
arbeitet nicht so gut, wie sie es sowohl für die armen als auch für die
reichen Länder sollte.

- 4 -

�Das System der weltweiten technischen Erfindungen, ihrer Weitergabe
und ihrer Verwendung läßt in seinen Grundstrukturen den Zusammenhang vermissen, der den Großteil der Weltbevölkerung einschließt und ihm nützt.
Wir haben die rechte Mischung aus höchster wissenschaftlicher Leistung
und benötigten Technologien noch nicht gefunden.

Angesichts des ungeheuren

Potentials der Dritten Welt ist es unsinnig, daß ungefähr 95 Prozent aller
Forschung und Entwicklung in der industrialisierten Welt durchgeführt wird.
Noch tragischer ist, daß nur ein Prozent der weltweiten Forschung und
Entwicklung auf den Gebieten der Gesundheit, der Landwirtschaft, des Wohungsbau und der industriellen Technik für die Bedürfnisse der armen Hälfte der
Bevölkerung dieser Erde verwendet wird. Länder geben sechsmal mehr für die
militärische Forschung als für die Forschung im Energiebereich aus. Sogar
die meisten Entwicklungsländer geben mehr für Waffen als für Gesundheit
und Erziehung aus.
Es ist eine unvollkommene Welt, in der Wissenschaftler und Techniker
der Entwicklungsländer nicht an den letzten und besten, den wirtschaftlichsten
und angemessensten Technologien teilhaben. Es ist eine schreckliche Verschwendung, daß Millionen von Analphabeten und Unausgebildeten nicht an
unserem technischen Fortschritt teilhaben können - sei es als Empfänger oder
als Schöpfer neuer Erfindungen, um ihr Leben zu verbessern.
Es ist eine unzulängliche Weltwirtschaftsordnung, die keinen umfassenden
Nutzen aus der kraftvollen und dynamischen Rolle der internationalen
Geschäftswelt und Industrie zieht und die noch immer nicht das richtige
Gleichgewicht zwischen den Interessen des Privatunternehmens und den
Entwicklungsländern gefunden hat.
Genauso wie die moderne Wissenschaft das Bild des Menschen von sich
selbst ändert, so ändern sich die neuen Beziehungen zwischen den Nationen,

- 5 -

�Nationen, zwischen Nord und Süd, und ändern unsere Vorstellung von globalen
und nationalen Interessen.

Dieser Wandel ist gesund, dieser Wandel ist gut,

und wir brauchen ihn nicht zu fürchten. Wie unser Außenminister, Cyrus Vance,
sagte: "Wir dürfen uns nicht durch den Mythos verleiten lassen, zu glauben,
daß wir nur den Radikalismus ermuntern, wenn wir den Wandel ermutigen oder mit
den Kräften des Wandels verkehren." Wir wollen diesen Wandel ermutigen "mit
einer positiven, langfristigen Strategie gegenüber der Dritten Welt", um noch
einmal den Außenminister zu zitieren. Lassen Sie uns deshalb diesen Dialog
für den Wandel auf dieser Konferenz fortführen.
Erstens müssen wir darauf hinarbeiten, die Industrieländer empfänglicher
zu machen für die Wünsche der Entwicklungsländer, damit die Fortschritte in
Wissenschaft und Technik im Norden dem Süden größeren Nutzen bringen.
Zweitens müssen wir die Beteiligung und den Anteil der Entwicklungsländer
an der Weltwirtschaftsordnung ausweiten, darin eingeschlossen den weltweiten
Technologieumlauf.
Drittens müssen wir eine ausgeglichenere Beziehung

zwischen den Ent-

wicklungsländern und der internationalen Privatwirtschaft schaffen, so daß
beim weltweiten Technologietransfer das Interesse auf beiden Seiten wächst.
Die Aufgabe dieser Konferenz besteht nicht darin, die Irrtümer der Vergangenheit aufzuzählen, sondern Wissenschaft und Technik in das Gewebe der
Zukunft einzuflechten, in das Gewebe der Entwicklung. Wir brauchen Zusammenarbeit, nicht Zusammenstoß.
Die Frage lautet nicht, ob wir etwas tun sollen, sondern wie wir es erreichen sollen.
Wie können wir den Ideenreichtum und die Energien der wissenschaftlichen
Gemeinschaft am besten mobilisieren, um neue große Anstrengungen zur Beseitigung der schlimmsten Aspekte der Armut bis zum Jahr 2000 zu unternehmen?
Welche
- 6 -

�Welche Art der Zusammenarbeit kann die Kapazitäten auf dem Gebiet der
Wissenschaft und Technik in den jeweiligen Entwicklungsländern heranbilden,
ohne die es dort niemals eigenständiges Wachstum und unabhängigen Fortschritt
gibt?
Wie können wir das gegenwärtige Ungleichgewicht auf dem weltweiten Technologiemarkt berichtigen, damit die Entwicklungsländer auswählen können, was
sie brauchen, und ablehnen können, was sie in diesem internationalen Supermarkt der Produkte und Verfahren nicht benötigen?
Wie können wir die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit am
ehesten stärken, um den weltweiten Druck auf die Wasser- und NahrungsmittelVersorgung, auf Energiequellen und Rohstoffe zu vermindern und um wirksam
mit den Problemen des Bevölkerungswachstums und der Zerstörung der Umwelt
fertigzuwerden?
Keine dieser Herausforderungen kann durch ein einzelnes Land allein angenommen werden. Aber was wir einzeln und gemeinsam für die Entwicklung der
Wissenschaft und der Technik und mit Hilfe von Wissenschaft und Technik für
die Entwicklung getan haben, ist ein guter Anfang.
Während der letzten 30 Jahre haben zum Beispiel die Vereinigten Staaten
mehr als 100 Milliarden Dollar zur Entwicklungshilfe beigetragen.

In diesem

Jahr ist unsere Hilfe auf nahezu sieben Milliarden Dollar angestiegen.

Dabei

enthält unsere Auslandshilfe immer auch in irgendeiner Form unseren Anteil
an wissenschaftlichen Erkenntnissen, technologischen Kenntnissen und technischen Produkten.
Den Kern der amerikanischen Zusammenarbeit bildet auch weiterhin die
Anwendung des technologischen know-how zur Erhöhung der Nahrungsmittel Produktion in den Entwicklungsländern.
Wir
- 7 -

�Wir beabsichtigen, im Verlauf der nächsten fünf Jahre umfangreiche und
echte Erhöhungen unseres Beitrags an die Konsultativgruppe für internationale
Landwirtschaftsforschung vorzunehmen.

Und wir laden andere Länder dazu ein,

sich uns bei dieser Anstrengung anzuschließen.
80 Prozent unserer Entwicklungshilfe gehen in Länder mit einem Pro-KopfEinkommen von unter 300 Dollar pro Jahr, um den Bevölkerungsmassen breiteren
Zugang zu Produktionstechniken, Gesundheitsvorsorge, Familienplanung und
Elementarerziehung zu geben.
Um die wissenschaftliche und technische Infrastruktur in den Entwicklungs
ländern zu stärken, unterstützen wir weit über 100 Universitäten und mehr als
300 Berufsschulen.

Jedes Jahr helfen wir Zehntausenden von Menschen in den

Entwicklungsländern, um in weiterbildenden Schulen in den Vereinigten Staaten
und in Drittländern zu studieren.
Wir teilen jetzt und auch weiterhin mit den Entwicklungsländern die Fortschritte, die wir bei unseren anspruchsvollsten Technologien machen, wie zum
Beispiel:
- Die Vereinigten Staaten beabsichtigen die Investition von 24 Millionen
Dollar in ein neues Sechsjahresprogramm zur Untersuchung der Wirksamkeit von
Satelliten als Mittel für Sendungen über Erziehung und zur verbesserten Kommunikation in abgelegenen, ländlichen Gebieten.
- Die Vereinigten Staaten werden die Initiative ergreifen, um zum Zweck
der Entwicklung einers internationalen Systems die Hersteller und die Abnehmer von Beobachtungssatelliten zusammenzubringen. Wir sind der Meinung, daß
Satelliten auf eine Weise betrieben werden sollten, die allen Interessierten
einen leichten Zugang zu den Daten ermöglicht und die eine Datensammlung ohne
unnötige Wiederholungen und zum höchstmöglichen gegenseitigen Nutzen zuläßt.
Die Absicht dabei ist, sicherzustellen, daß die Entwicklungsländer ihren Zugang zu Informationen über die Verwendung und Bewirtschaftung von Wäldern,
- 8 -

�Wäldern, Weideland, Wasserversorgung, Bodenerhaltung und das Auffinden neuer
Mineralien und Wasserquellen verbessern.

- Die Vereinigten Staaten weiten ihre Hilfe im Bereich der erneuerungsfähigen Energiequellen deutlich aus und arbeiten an kooperativen Methoden zur
Anwendung fortgeschrittener Technologien, einschließlich der Solartechnik,
für die Energiebedürfnisse der Entwicklungsländer.

Bei der Anwendung von Wissenschaft und Technik in der Entwicklung kann
jedoch ausländische Hilfe kein Ersatz für Eigeninitiative sein.

Mangelhaft

ernährte und kranke Menschen ohne Heim und ohne Arbeitsplatz brauchen keine
väterlichen Zusprüche.

Sie brauchen Werkzeug und Handwerk, Kapital und Ge-

legenheit, Hilfe zur Selbsthilfe, um ihre eigenen elementaren Bedürfnisse befriedigen zu können.
Der Ausbau der Kapazitäten und der Infrastruktur im Bereich der Wissenschaft und Technik in den Entwicklungsländern muß der erste entscheidende
Schritt sein, um die schlimmsten Aspekte der Arm,ut zu beseitigen und um die
Entwicklungsländer zu einem echten Partner bei diesem weltweiten wissenschaftlichen und technischen Unternehmen zu machen.

Erziehung auf allen Ebenen steht

im Mittelpunkt der menschlichen Entwicklung und ist der Schlüssel zu höherer
Lebensqualität.

Deshalb haben wir bei der Verstärkung der örtlichen wissenschaftlichen
und technischen Infrastrukturen geholfen, bei Programmen zur unternehmerischen,
technischen und allgemeinbildenden Erziehung, bei Forschungsinstituten, bei
Tätigkeiten im Bereich der Standardisierung, bei der landwirtschaftlichen Beratung und auf dem Informationsgebiet, bei der Laborversorgung, bei Ausrüstungszentren und Ausbildungsaufgaben.

Der technische Beistand und der Export von Sachverständigenwissen muß
sich auf die einheimische Fähigkeit stützen können, um Probleme auszumachen
und um Prioritäten zu setzen.
Um
- 9-

�0

Um auf die Herausforderung der Bildung einer solchen eigenen Kapazität
zu antworten, errichten wir auf die persönliche Initiative Präsident Carters
hin ein neues Institut für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit.
Die wichtigsten Funktionen des Instituts umfassen:
- Gewinnung des Beistands der Entwicklungsländer bei der Erstellung
einer Dringlichkeitsliste in Forschung und Entwicklung.
- Langzeitforschung und -entwicklung bei schwierigen Entwicklungsproblemen.
- Aufbau internationaler Verbindungen der Zusammenarbeit innerhalb der
wissenschaftlichen und technischen Gemeinschaft.
- Mobilisierung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten verschiedener öffentlicher und privater Unternehmen in den Vereinigten Staaten.
- Förderung des Interesses amerikanischer wissenschaftlicher und technischer Institutionen an gemeinsamer Forschung, Ausbildung und anderen kooperativen Tätigkeiten.
- Einbeziehung des Privatsektors der Vereinigten Staaten in die Anstrengungen zur Verbesserung von Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung.
Wir können nicht im Ernst über gerechtere und ausgeglichenere Muster
der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit nachdenken, solange
die Entwicklungsländer nicht die Macht des wissenschaftlichen Wissens und
der wissenschaftlichen Information besitzen. Beträchtliche Mengen an Information, im öffentlichen Bereich angesiedelt, stehen den Entwicklungsländern
bereits zur Verfügung. Zudem steht ein großer Teil des technischen Wissens
privaten Sektoren durch öffentliche Informationssysteme zur Verfügung, die
dieses Wissen beschreiben, oder durch die Quellen, bei denen solches technisches Wissen erhältlich ist.
Aber
- 10 -

�Aber wir sollten nicht so tun, als sei auf dem internationalen Technologiemarkt alles in bester Ordnung.

Technisches Wissen wird oft genug als

ein Produkt verkauft, das sich diejenigen am wenigsten leisten können, die
es am dringendsten benötigen,

übertragene Technologie entspricht häufig nicht

den Bedürfnissen vor Ort, ist unrentabel und unempfindlich gegenüber den Auswirkungen auf die Umwelt.
Eine solche Weitergabe von technischem Wissen ist ein schlechtes Geschäft.
Aber gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, daß die Privatwirtschaft schon
immer eine bedeutende Quelle der Erneuerung gewesen ist, ein wichtiger Partner
bei der Verbreitung von technischem Wissen und ein unabdingbarer Faktor des
Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern. Deshalb müssen wir unseren
Dialog über eine lange Reihe von Maßnahmen fortsetzen, die die Verhandlungsfähigkeit der Entwicklungsländer bei ihrem Erwerb ausländischer Technologie
vergrößert und ihre Teilnahme am Technologiemarkt nicht nur als Verbraucher,
sondern auch als Anbieter verstärkt.
Durch neue Initiativen und fortgesetzte Programme müssen wir auf dieser
Konferenz und in den kommenden Jahren neue Bereiche und neue Mechanismen der
Zusammenarbeit finden. In seiner Grußadresse an diese Konferenz sprach Präsident Carter von Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung als einem
"gemeinsamen Unternehmen". Die erschreckenden Herausforderungen, denen wir
alle, Industrieländer ebenso wie Entwicklungsländer, gegenüberstehen, machen
dieses gemeinsame Unternehmen zu einem weltweiten Gebot. Deshalb begrüßen
die Vereinigten Staaten die Erklärung von Bukarest, in der die Entwicklungsländer erneut ihre Bereitwilligkeit bestätigten, im Wissen um die Dringlichkeit auf die Gewährleistung eines Erfolgs dieser Konferenz hinzuarbeiten.
Wir bewohnen einen Planeten mit begrenzten Vorräten, mit einer einzigen
ükosphäre und mit einem gemeinsamen Schicksal. In dieser Welt der wechselseitigen Abhängigkeit sind wir alle Entwicklungsländer. Die Unterschiede
zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen dem Osten und dem Westen sind gering im Vergleich zu der Ungeheuerlichkeit der gemeinsamen Aufgaben, vor
denen die Menschheit steht.
Deshalb
- 11 -

�Deshalb sind wir bereit, bei vernünftigen Unternehmen mitzuarbeiten,
die die weltweite wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit stärken.
Wir glauben fest daran, daß dies eine gemeinsame Anstrengung sein wird, bei
der weltumfassende Werte die Organisationsprinzipien für Forschung und Entwicklung sind, bei der der Wert des Wissens und der technischen Produkte gemessen wird an ihrem Beitrag zu den umfassenderen Sorgen über das menschliche
Wohlergehen.
Wissenschaft und Technik sollten neue Grenzen eröffnen und neue Möglichkeiten um sich an allem zu erfreuen, was die Schönheit und die grenzenlosen
Elemente dieses Planeten Erde bieten.
Unsere Generation muß der Garant dieses neuen Morgen sein.

Es ist unsere

Aufgabe, in dieses neue Zeitalter einzuführen, den Boden zu bereiten und den
Samen zu säen, der reiche Früchte tragen wird.
dreifache sein:

Und unsere Ernte wird eine

ein neues Reich der Vernunft, ein neues Reich der Wirklich-

keit und ein neues Reich der Rechte.
Lassen Sie uns dieses Reich der Vernunft errichten. Denn bei den Anstrengungen, die wir unternehmen, kann es nicht darum gehen, daß die Gewinne
jener, die Gleichheit und Gleichberechtigung suchen, gleichzeitig als Verlust
derjenigen verzeichnet werden, die derzeit mehr besitzen. In diesem Reich
können wir den Lehrsatz vom gegenseitigen Nutzen beweisen, daß nämlich Fortschritte in einem Teil der Welt zum Nutzen aller andern sind.
Lassen Sie uns das Reich der Wirklichkeit anerkennen. Diese Wirklichkeit zwingt uns, uns der kommenden Krisen der Weltgemeinschaft bewußt zu
werden. Mögen auch unsere materiellen Vorräte schwinden, unsere überkommenen
Energiequellen versiegen, es gibt eine unerschöpfliche und stets erneuerungsfähige Quelle: unseren Erfindungsreichtum, unsere Vorstellungskraft, unser
Wissen und unsere Technik - und vor allem unser menschliches Streben, das
all dies in eine neue Welt verwandeln kann.

Und
- 12 -

�Und lassen Sie uns mit Hilfe von Wissenschaft und Technik ein neues
Reich der Menschenrechte erschaffen:
- in dem der internationale Geist der Zusammenarbeit die Grundrechte in
den Mittelpunkt unserer Tagesordnung für das 21. Jahrhundert stellt;
- dessen Merkmal die Freiheit ist, dessen Eckpfeiler die Gleichberechtigung von Mann und Frau und dessen Kennwort die Gerechtigkeit;
- in dem Wohltaten, die aus den Vorratsschätzen dieser Erde kommen, keinen
besonderen Nutznießer kennen und sie nicht durch irgendeine nationale Grenze
eingeschränkt werden, solange noch irgendwo Menschen in Not sind.
Deshalb, Frau Präsident, lassen Sie uns unser Morgen zu einer Welt des
Teilhabens machen, in der die Freiheit des Forschens und des Schaffens sowie
die Möglichkeit, die Früchte unserer Arbeit zu teilen, zu den wirklichen Kennzeichen der Zivilisation werden.

- 13 -

�(Kl-

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

DIE NATION MACHT ERNST MIT DEM SPAREN
- Amerika senkt den Energieverbrauch Von unserem Korrespondenten James Füller

- (AD) - Die Gewohnheiten des Energieverbrauchs haben sich in den USA
nach dem ülembargo von 1973/74 entscheidend geändert.

Häuser werden heute

anders gebaut und beheizt, neue Automodelle unter dem Gesichtspunkt der
höchstmöglichen Kraftstoff-Wirtschaftlichkeit konstruiert (von Hybrid-Fahrzeugen und Elektroautos einmal ganz abgesehen), und die Industrie wägt unter
dem Gesichtspunkt des Energieverbrauchs sehr genau ab, was und wie sie produziert.
Wie kürzlich Elliot Estes, der Präsident des größten amerikanischen
Automobilkonzerns General Motors bekannte, zwinge die Öffentlichkeit die
Autoindustrie geradezu, ihre Produktion von Benzinschluckern auf wirtschaftliche Autos umzustellen.

Die Industrie habe "eine harte Lektion erhalten"

und werde sie so bald nicht vergessen.
Regierungsstellen gehen auf allen nur erdenklichen Gebieten beim Energiesparen mit gutem Beispiel voran:

In der Zeitspanne 1977/78, in der der Ge-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Gesamtenergieverbrauch der USA um 7,4 Prozent anstieg, verringerten sie
- der riesige Militärapparat eingeschlossen - ihren Verbrauch um 3,7 Prozent.
Allein diese Einsparquote würde ausreichen, um "mehr als eine Million Eigenheime ein Jahr lang zu beheizen", wie ein Sprecher des US-Energieministeriums
erklärt.
Mehr Forschung soll die Situation verbessern helfen.

Während 1973 für

Energie-Forschungsprojekte staatliche Mittel in Höhe von 479 Millionen
Dollar bewilligt wurden, erreichte dieser Posten im letzten Finanzjahr 3,5
Milliarden Dollar.

Weitere Erhöhungen sind für das nächste Haushaltjahr

vorgesehen.
Die Verwaltungen einer Reihe von Großstädten zeigen sich sehr aktiv.
Da ist z.B. New York, dessen Stadtrat jetzt Sparmaßnahmen empfahl, die die
jährliche Stromrechnung von 101 000 Dollar auf 75 000 reduziert. Da ist
Boston, wo die Stromrechnungen für den Verbrauch allein im Rathaus seit 1976
um 16 000 Dollar zurückgingen. Und in Seattle (Bundesstaat Washington an
der Westküste) suchen die Versorgungsbetriebe gemeinsam mit mittleren und
kleinen Unternehmen intensiv nach Möglichkeiten, mehr Wasserkraft einzusetzen anstatt die Kapazität der ölheizkraftwerke auszuweiten.
Was Energiesparen finanziell bedeuten kann, zeigt die Entwicklung
der Preise: Sie stiegen seit 1973 für Kleinverbraucher bei Erdgas um mehr
als das Doppelte, bei Strom um zwei Drittel und für Heizöl für das Einfamilienhaus um 65 Prozent an. Eine Studie des Kongreßamtes für TechnologieBewertung (0TA) hebt hervor, daß der Energieverbrauch privater Haushalte,
der in den sechziger Jahren um durchschnittlich 4,6 Prozent im Jahr anstieg,
seit den frühen siebziger Jahren auf 2,6 Prozent Zuwachsrate zurückgegangen
sei.
Die Privatwirtschaft erweist sich als einfallsreich.

Da gewähren

Banken in Colorado beim Neukauf von Wagen, die im Stadtverkehr nicht mehr
als 11 Liter Benzin verbrauchen, auf Kredite zwei Prozent Zinsnachlaß, und

- 2 -

�und bei Maßnahmen zur besseren Isolierung von Häusern und bei anderen energiesparende Aktivitäten sogar 3 bis 4 Prozent "Rabatt".

Konstruktion und Be-

trieb von Geschäftshäusern haben einschneidende Veränderungen durchgemacht.
Wolkenkratzer werden wieder mit Fenstern gebaut, die sich öffnen lassen.
Fenster werden so konstruiert, daß in Bürogebäuden und Hotels das einfallende
Sonnenlicht einen optimalen Anteil für Beleuchtung und Heizung übernimmt.
Mehr und mehr werden Hausdächer mit Sonnenkollektoren bestückt.

In Gebäuden

modernster Konstruktion wird bereits die Abwärme der Beleuchtungskörper,
der elektrischen Schreibmaschinen und selbst die Körperwärme der Menschen, die
dort arbeiten, für die Energieversorgung genutzt.

Der seit ein paar Jahren in den USA vor allem auf dem Lande zu verzeichnende Mehrverbrauch an Holz spart gegenwärtig 500 000 Barrel Erdöl ein. Man
hofft, bis 1985 die allein durch diese Maßnahme eingesparte Menge auf eine
Million Barrel (1 Barrel = 159 Liter) steigern zu können.

Die Regierung

unterstützt finanziell die Verwendung technisch moderner Öfen zur Holzverbrennung.

Wie die Umweltschutzbehörde EPA kürzlich bekanntgab, haben die neuen
Wagen aus Detroit eine um 60 Prozent größere Kilometerleistung als die Modelle
von 1973. Mineralölexperten sagen voraus, daß die neuesten, sehr wirtschaftlichen Modelle Anfang der achtziger Jahre eine bemerkenswerte Reduzierung des
Benzinverbrauchs bewirken werden.

Ein Rückgang des Kraftstoffverbrauchs

landesweit gesehen ist bereits zu verzeichnen:

Die Steigerungsrate, die in

den sechziger und frühen siebziger Jahren bei 5 Prozent lag, beträgt heute
ca. 2 Prozent im Jahr.

Der durch Kongreßgesetz seit 1975 ausgeübte Zwang

zur besseren Wirtschaftlichkeit der Kraftfahrzeuge verfehlt seine Wirkung
nicht.

Kleine Wagen machen heute 55 Prozent des Absatzes aus (gegenüber

35 Prozent im Jahr 1972).

Importierte Fahrzeuge dieser Art, die noch im

vorigen Jahr 17 Prozent des Auto-Absatzes ausmachten, liegen bereits bei
23 Prozent.

Und

- 3 -

�Und jetzt werden Benzinmengen auch zunehmend durch Alkohol Zusätze gestreckt.

Dieser Alkohol, der sich aus den verschiedensten Rohstoffen wie

Getreide- und Holzabfällen, Zuckerrüben, Mais und Weizen oder aus Abfallprodukten bei der Nahrungsmittel Verarbeitung gewinnen läßt, soll helfen,
daß 1982 schon mehr als eine Milliarde Liter und 1985 mindestens 2,3 Milliarden Liter Mischkraftstoffe vom Typ GASOHOL verfügbar sind.

Die Regie-

rung hat Kreditgarantieen in Höhe von 30 Millionen Dollar für den Bau großer
GASOHOL-Produktionsanlagen zugesagt.

Das Landwirtschaftsministerium gibt

weitere vier Millionen Dollar für Forschungen auf dem Gebiet der Vergärung
der Grundstoffe.
Der Präsidialbeirat für Umwelthygiene mißt dem Einsparen von Energie
besonderes Gewicht bei. In einem kürzlich vorgelegten Bericht ("The Good
News About Energy") vertritt er die Ansicht, daß sich der wirtschaftliche
Fortschritt der Vereinigten Staaten keineswegs verlangsame, wenn der Energieverbrauch durch systematische Sparmaßnahmen wesentlich beschnitten würde.
Gemessen an der realen, d.h. preisbereinigten Wachstumsrate für das Bruttosozialprodukt, die in früheren Jahren in etwa auch der Wachstumsrate für
den Energieverbrauch entsprach, sei eine Verringerung der letztgenannten
Größe auf etwa ein Drittel der des Bruttosozialprodukts bis zum Jahr 2000
denkbar. Schon heute sei, wie Dr. James Schlesinger in seiner Rede vom
16. August 1979 vor dem Nationalen Presseclub in Washington erwähnte, der
Energiekoeffizient zur Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts bei 0,5 oder
0,6 angelangt.
Wenn Energiesparen überall ernst genommen werde, schwinde auch, so der
Präsidialbeirat für Umwelthygiene, die Abhängigkeit von Kohle und Kernkraft.
Anstatt 500 neuer Kohle- und Kernkraftwerke benötige Amerika dann in den
nächsten Jahrzehnten nur etwa 125, was weniger Umweltbelastungen und Strahlengefahren sowie Schonung der Landschaft bedeute.
In einer Vergleichsstudie zum Verhalten anderer wichtiger Industrieländer, die William Vogely, Leiter des Departments für Mineral öl Wirtschaft

- 4 -

�Mineralölwirtschaft der Universität Pennsylvanien, kürzlich abschloß, werden
mit schlüssigen Beweisen Behauptungen widerlegt, daß die Vereinigten Staaten
riesige Mengen von Energie verschwendeten. Vor allem in den Neuenglandstaaten,
die nach Bevölkerungsdichte, Entfernungen und Klima die meisten Ähnlichkeiten
mit den Ländern Westeuropas aufweisen, werde pro Million des jeweiligen bundesstaatlichen Bruttosozialprodukts weitaus weniger Energie verbraucht als
in Großbritannien, in den Niederlanden und in Schweden. Allerdings ergäbe
sich in den geographisch völlig anders gearteten Bundesstaaten des Westens,
Mittelwestens und Südwestens, wo Energie billiger, der Gebrauch des Autos
infolge der Weite des Landes zwangsläufig sehr viel intensiver sei, ein anderes Bild: Dort wird gegenwärtig pro Million Dollar des bundesstaatlichen
Bruttosozialprodukts mehr Energie verbraucht als in anderen Industrieländern.
Alles in allem gesehen setze sich aber der Trend zu rationellerer Nutzung
von Energie immer stärker durch. Die Vereinigten Staaten lernen, eine gegebene Energiemenge mit immer besserem Nutzeffekt zu gebrauchen.

+ + + + +

- 5 -

�I

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

ERSTER VORSTOSS EINER FORSCHUNGSSONDE ZUM PLANETEN SATURN
Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel

- (AD) - Die amerikanische Raumsonde PIONIER 11 kreuzt am 1. September
1979 die Bahn des Planeten Saturn. Dank der im Dezember 1974 am Planeten
Jupiter gewonnenen Schwerebeschleunigung war sie auf eine Bahn gelenkt worden, die sie in hohem Bogen über die Sonne und die Bahnen der inneren Planeten hinweg zu der dem damaligen "Standort" des Jupiter gegenüberliegenden
Seite des Sonnensystems führte. Und da der Planet Saturn auf seinem Umlauf
um die Sonne sich nunmehr just an diesem Kreuzpunkt befindet, haben die
Wissenschaftler durch PIONIER 11 zum ersten Mal Gelegenheit zur Nahbeobachtung dieses zweitgrößten Satelliten der Sonne. In nur 1900 km Abstand
passiert er die wahrscheinlich aus kleinen Partikeln sowie Eis- und Gesteinsbrocken bestehenden Ringe und in 21 400 km Entfernung die farbenreiche, gebä'nderte Wolkenhülle. Seit ihrem Start im April 1973 in Kap Canaveral hat
die Sonde inzwischen drei Milliarden Kilometer zurückgelegt.
Nahaufnahmen vom Planeten, seinen Ringen und drei seiner zehn Monde
sowie wissenschaftliche Messungen sind die Aufgaben der Sonde, die bereits
Ende 1974 vom Jupiter so viele aufschlußreiche Daten zur Erde gefunkt hatte.
Die bei der größten Annäherung gewonnenen Aufnahmen werden zwanzigmal mehr

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�mehr Details zeigen als die besten Fotos, die mit leistungsstarken Teleskopen
von der Erde aus gemacht werden können.

Die Instrumente des PIONIER re-

gistrieren eventuell vorhandene Magnetfelder, Strahlengürtel oder besonders
energiereiche Partikel, messen Temperaturen, Dichte und Zusammensetzung der
oberen Wolkenschichten sowie jegliche Wärmeabstrahlung aus dem Planeteninnern.
Alle diese Daten werden der Forschung helfen, die Mengen von Wasserstoff und
Helium (den zwei Hauptbestandteilen des Planeten Saturn), die Struktur der
Gashülle mit Schichtung, charakteristischer Bewegung der Wolkenmassen und
horizontaler wie vertikaler Strömung in der Atmosphäre näher zu bestimmen,
"über den Saturn wissen wir heute noch sehr viel weniger als über Jupiter
vor dem Besuch von PIONIER 10 und 11", meint Dr. John H. Wolfe, Projektleiter für das PIONIER-Programm der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA am
Arnes-Forschungszentrum in Mountainview (Kalifornien).
Gelegentlich wird auf der Erde atmosphärisches Rauschen infolge Radiostrahlung vom Saturn registriert, was darauf hindeuten könnte, daß Saturn
ebenso wie Jupiter, Erde und Merkur ein Magnetfeld besitzt. Wenn dem so ist,
würde dieses Feld wohl auch elektrisch geladene Partikel halten, beschleunigen und Strahlungsgürtel aufbauen, die in gewisser Weise mit den Ringen
des Saturn in Wechselwirkung treten. Von der Erde aus sind drei Ringe sichtbar, die 77 000 km Abstand vom Saturn erreichen. Aber die Forscher vermuten
noch jenseits des äußeren Ringes einen weiteren, unsichtbaren Ring "E". Die
drei optisch wahrnehmbaren Ringe haben eine Gesamtbreite von 64 800 km.
Ein eventuell vorhandener "E"-Ring könnte diesen Wert verdoppeln. PIONIER 11
würde unmittelbar durch ihn hindurchgehen, wenn er zweimal die Äquatorebene
kreuzt. Enthielte der hypothetische "E"-Ring feinen Staub, so könnte dieser
das Ende für die Sonde bzw. deren Funktiqnsfähigkeit bedeuten. Dr. Wolfe
schätzt die Chance, daß PIONIER bei der hohen Fluggeschwindigkeit Kollisionen
mit dichten Staubpartikeln überlebt, auf 50:$0. Der Flugkurs mußte jedoch
so gewählt werden, weil PIONIER 11 gleichzeitig Pfadfinder für die Sonden
V0YAGER 1 und 2 ist, die 1980 und 1981 am Saturn eintreffen werden.

Von

�Von den zehn bisher bekannten Saturn-Monden sollen drei, nämlich Iapetus,
Rhea und Titan von den PIONIER-Instrumenten unter die Lupe genommen werden.
Iapetus, der zweitäußerste im Mondsystem, ist auf der Stirnseite bei seinem
Umlauf um den Planeten Saturn sechsmal heller als auf der Rückseite.

Polari-

sationsmessungen und Messungen der Lichtintensität sollen den Wissenschaftlern
Anhaltspunkte dafür geben, weshalb es zu dieser Helligkeitssteigerung kommt.
Von Rhea, dem Mond Nr. 6, sollen u.a. Masse und Dichte ermittelt werden.
Das Hauptinteresse gilt jedoch dem Mond Nr. 7, Titan. Er ist größer als
der innerste Sonnenplanet, Merkur, und um ein Drittel größer als unser Erdmond. Den Saturn umkreist er im Abstand von 1,5 Millionen km. Seine Atmosphäre
erscheint bei Fernrohrbeobachtungen verschwommen hell und durchsetzt von
orangefarbenen Schwaden. Durch spektroskopische Untersuchungen wurde Methan
in der Atmosphäre festgestellt. Sie könnte ungefähr die Dichte der Erdatmosphäre an der Oberfläche haben. Auf jeden Fall ist sie sehr viel dichter
als die Marsatmosphäre.
Nur ein Zehntel der Menge von Sonnenlicht, das die Erde erreicht, dringt
bis zum Titan vor. Dennoch könnte die Titan-Atmosphäre die Wärme speichern,
falls sie dafür dicht genug ist, was die Temperatur an der Oberfläche erhöhen
würde. Der sog. Gewächshauseffekt der Lufthülle und ihr Gehalt an Methan
(was Ähnlichkeitm11 der Erdatmosphäre vor Beginn der Entwicklung von Leben
besitzt) könnte Umweltbedingungen schaffen, in der organische Moleküle hervorgebracht werden, aus denen sich lebende Materie aufbaut. Titan gilt nach dem
Mars als "die letzte Hoffnung, organisches, lebensähnliches Material in unserem Sonnensystem" zu finden, erklärt Projektleiter Wolfe. PIONIER 11 wird
den Mond Titan in 356 000 km Abstand passieren.
Saturn, der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems, ist nur wenig kleiner als der Jupiter.

Sein Volumen beträgt das 815fache des Erdvolumens, aber

seine Masse ist nur 95 Mal größer, weil er in der Hauptsache aus den Leichtelementen Wasserstoff und Helium besteht.

PIONIER 11 nähert sich von oben

her und kreuzt am 1. September um 17.00 Uhr MEZ die Ringebene außerhalb des
- 3 -

�des äußeren Ringes zum ersten Mal, bei einer Geschwindigkeit von 10 km pro
Sekunde.

Auf ihrem Weiterflug unterhalb der Ringe wird die Sonde bis zur

größten Annäherung an den Saturn um 19.00 Uhr MEZ auf 32 km/sec beschleunigt.

Dann verschwindet PIONIER 11 hinter dem Planeten und steigt wieder

zur Ringebene auf, die er nach 100 Minuten noch einmal kreuzt.

Die Schwere-

beschleunigung, die ihm der Saturn erteilt, bringt ihn auf einen Kurs, der
ihn in der Bewegungsrichtung des Sonnensystems relativ zum Zentrum der Milchstraße hinausführt in den interstellaren Raum.

Diesen erreicht er aber erst

in etwa 40 Jahren, wenn er in etwa 14,9 Milliarden km Abstand zu unserer Sonne
das Sonnensystem verlassen und in die "Heliopause" eintreten wird.

+ + + + +

.

�I

Uliz/cn/chofl
\mö Technik
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29. August 1979

35

INFRASCHALLWELLEN ZEIGEN SCHWACHE ERDBEBEN AN

- (AD) - Das Hundegebell in der Nacht wurde allmählich lästig. Don
Stierman, Geologe der Universität Kalifornien (Riverside), fand ebensowenig
Schlaf wie seine Kollegen, mit denen er in der Mojavewüste zur Durchführung
von Feldmessungen im Zelt übernachtete. In den Mittagstunden des vorangegangenen Tages waren im Süden Kaliforniens zwei starke Erdstöße registriert
worden. Daraufhin begab sich die Wissenschaftlergruppe auf schnellstem Wege
in die Mojavewüste, um dort mit tragbaren Seismometern Nachbeben aufzunehmen.
Tatsächlich zeigten die Instrumente im Verlauf von 40 Stunden etwa
1000 weitere Erdstöße an. Die meisten waren allerdings sehr schwach.
Stierman wurde ihrer nur durch das Klickgeräusch des Seismometers gewahr,
das neben seinem Schlafsack stand. Aber Hunde in der näheren und weiteren
Umgebung schlugen jedes Mal an. Dies erinnerte an Beschreibungen von ungewöhnlichem Verhalten von Tieren vor einem stärkeren Erdbeben - was aber war
es wirklich, was die Hunde so störte? Empfindliche Schallmeßgeräte, die
auch Signale erfaßten, die das menschliche Ohr nicht wahrzunehmen vermag,
schienen das Rätsel lösen zu helfen: Selbst die schwachen Nachbeben verursachten donnerähnliche Geräusche, aber in der Form von Schallwellen so niedriger Frequenz, daß das menschliche Ohr sie nicht zu hören vermag. Sie
wurden übrigens im Zusammenhang mit sehr schwachen Beben zum ersten Mal beobachtet - vielleicht deshalb, weil die Mojavewüste für solche Messungen be-

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�besonders günstige Bedingungen bietet.
gut.

Der Granit leitet Schallwellen sehr

Ein weiterer glücklicher Umstand für die Beobachtungen war auch die

Tatsache, daß es sich um Flachbeben handelte, der Herd also nahe der Erdoberfläche lag.

Selbst schwache Erdstöße, die nicht einmal den Punkt 1 auf der

Richterskala erreichten, erzeugten donnerähnliches Grollen - aber nur im
Infraschallbereich.

Die Hunde mit ihrem besseren Hörvermögen reagierten

darauf völlig normal.

Sie bellten, wie sie es auch bei Gewitterdonner tun.

Nach Meinung Stiermans ist das Auftreten von Infraschall wellen auch bei
leichten Erdstößen, die z.B. einem schweren Beben vorausgehen, eher eine Erklärung für das auffällige Verhalten von Tieren - eine bessere jedenfalls
als die Theorien über Veränderungen des elektrischen Feldes oder aus der Erde
ausdringende Gase.

Man könnte und sollte jedenfalls aufgrund der jetzt ge-

machten Beobachtungen versuchen, auffälliges Verhalten von Hunden in die Auswertung von Seismogrammen einzubeziehen.
es ständig.

Schwache "Hintergrund"-Beben gibt

Sie sind auf den Meßstreifen von Vorläufern schwerer Erdbeben

im Gebiet der jeweiligen Meßstationen nicht zu unterscheiden.

Wird jedoch

gleichzeitig in der betreffenden Region bei Hunden ungewöhnliches Verhalten
beobachtet, könnte dies helfen, die äußerst begrenzten Möglichkeiten für
eine Erdbebenvorhersage auszuweiten.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fernsehinterview mit Vizepräsident Mondale vor Beginn seiner China-Reise&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten Walter F. Mondale in der Universität von Peking&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Technische Kapazität der Entwicklungsländer muss verbessert werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Nation macht Ernst mit dem Sparen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerika senkt den Energieverbrauch -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten James Fuller&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster Vorstoß einer Forschungssonde zum Planeten Saturn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Infraschallwellen zeigen schwache Erdbeben an</text>
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                    <text>22. August 1979

34
INHALT

INFORMATION
Grußadresse Präsident Carters an dieUN-Wissenschaftskonferenz in Wien
Carter entläßt schweres Rohöl aus der Preisüberwachung
- Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen DOKUMENTATION
Schlesinger vor dem Nationalen Presseclub
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers
WIRTSCHAFT
EG-Einfuhren nach USA bis 1987 zu 70 Prozent zol1 begünstigt
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde
auf die amerikanischen Einfuhren
- Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bessere Kontrollen für Risikochemikalien gefordert
- Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bakterien mit Kompaß
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen in der
Tierwelt auf der Spur
- Von G. Weiss -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 OO Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
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�Information
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34

22. August 1979

GRUSSADRESSE PRÄSIDENT CARTERS AN DIE UN-WISSENSCHAFTSKONFERENZ IN WIEN

WIEN - (AD) - Auf der Eröffnungssitzung der Konferenz der Vereinten
Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung (UNCSTD)
am 20. August 1979 in Wien verlas der Leiter der amerikanischen Delegation,
Theodore Hesburgh, die folgende Grußadresse Präsident Carters:
Diese Konferenz ist eine neue Reise in Richtung Fortschritt.
Ihr Bestreben belebt aufs neue den Geist für Abenteuer in uns allen.
Es fordert die Menschheit heraus, eine bessere Zukunft zu gestalten.

Nach

Jahrhunderten des Fortschritts erforschen wir vielleicht jetzt nicht nur
die Grenzen des Wissens, sondern auch die Grenzen der Gerechtigkeit.
Diesmal dürfen wir nicht dabei scheitern, auf die dringenden Bedürfnisse der Entwicklungsländer mit mehr als nur mit leeren Worten zu antworten. Denn umgekehrt können wir alle aus ihrer Teilnahme an einem neuen und
stärkeren Weltwirtschaftssystem Nutzen ziehen.
Wagen wir es, im starken Geist der Vorstellungskraft, der Erfindungsgabe und des Einfallsreichtums die Welt neu zu gestalten und bis zum Jahr

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0
Telex:08-85432

�Jahr 2000 die schlimmsten Auswüchse der Armut zu beseitigen.

Gebrauchen

wir unser Wissen, um die Mittel für die grundlegenden Bedürfnisse aller
Menschen bereitzustellen.

Erfinden wir gemeinsam eine dynamischere Partner-

schaft zwischen Regierungen und Privatinstitutionen, um dem gemeinsamen
Interesse aller Länder zu dienen.
Wir müssen uns schrecklichen Herausforderungen stellen.

Ihre Lösung

fordert ein gemeinsames Wagnis aller Länder.
Dieses Wagnis wird unvermeidlich die Freiheit vergrößern, denn zum
Erfolg sind ungehinderter' Informationsfluß, freier Zugang zum Marktplatz
der Ideen und weitester Spielraum für wissenschaftliche Erfindung und Initiative notwendig.
Breite Beteiligung sollte unser Unternehmen kennzeichnen, denn nichtverbreitetes Wissen ist verschwendetes Wissen.

Die weltweite Verbreitung

technischen Wissens muß ein befreiendes Wagnis sein, an dem alle teilnehmen
und aus dem alle Gewinn ziehen.
Unsere vordringlichste Aufgabe muß darin bestehen, bei der Bildung
wissenschaftlicher und technologischer Potentiale in den Entwicklungsländern
zu helfen. Ihre eigenen Fähigkeiten zur Erfindung und Erneuerung, zur wissentlichen Auswahl der richtigen Technologien und zum Handel auf der Grundlage von Tatsachen und nicht von Träumereien sind der einzig sichere Weg,
um durch die weltweite Verbreitung von Technologie nicht zu einem neuen
System der Abhängigkeit zu gelangen.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits hoffen, durch ein "Institut für
wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit" zu diesem gemeinsamen
Unternehmen beitragen zu können, dessen Einrichtung wir für diesen Herbst geplant haben. Dieses Institut ist eine unserer wichtigsten Neuerungen, um
den Entwicklungsländern zu helfen, die den Wunsch hegen, Technologien zu
schaffen und anzuwenden, die ihren Bedürfnissen am besten entsprechen. Seine

�Seine Arbeit wird meine ganze persönliche Unterstützung haben.

Ich werde

sicherstellen, daß es eng mit ähnlichen Programmen und Institutionen in anderen Teilen der Welt zusammenarbeitet.
Ich bin überzeugt, daß unsere wissenschaftliche Gemeinschaft, unsere
Regierungsbehörden und unsere Privatinstitutionen ihre Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprogrammen verstärken werden, um die endemischen
Probleme wie Nahrungsmangel, Energiekrise, Bevölkerungsexplosion und Mangel
an angemessener Gesundheitsfürsorge anzupacken - Probleme, die uns alle angehen.
Ich gelobe unsere Bereitwilligkeit, alle praktischen Bemühungen zu
unterstützen, die uns dabei helfen können, diese Probleme zu überwinden
- eine Welt zu schaffen, in der Erziehung jedermann erreichbar ist, die
Hungrigen sich selbst ernähren können, Millionen von tropischen Krankheiten
befreit sind, Volkswirtschaften sich entwickeln, um Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, und weltweiter Handel den Fortschritt eines jeden Landes
garantiert.
Diese Konferenz stellt unsere Verpflichtung auf die Probe, die Früchte
des wissenschaftlichen Fortschritts weltweit zu teilen und die Kräfte der
Technik zum Wohl der ganzen Menschheit zu meistern. Ihnen, Frau Präsident,
und allen Delegierten, die diese Hoffnung und dieses Ziel vertreten, übermittle ich meine aufrichtigsten Wünsche für ein erfolgreiches Bemühen.

- 3 -

�mJiJ

1
I

77ÜJ

Infoimcilion
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. August 1979

34

CARTER ENTLÄSST SCHWERES ROHÖL AUS DER PREISÜBERWACHUNG
Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 17. August 1979 durch Präsidialerlaß die Preiskontrolle bei schwerem Rohöl mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

Der Präsident kündigte in diesem Zusammenhang an, daß er den Kon-

greß ersuchen werde, schweres Rohöl auch von der geplanten Steuer für ungerechtfertigte Gewinne der ülgesellschaften (Windfall Profits Tax) auszunehmen,
Wie das Weiße Haus anläßlich der Unterzeichnung des Erlasses erklärte,
ist diese Maßnahme notwendig, um einen Anreiz zur verstärkten Nutzung dieser
Ölvorkommen zu geben. Schweres Rohöl ist eine sehr zähflüssige, fast teerähnliche Substanz, die zu fördern, zu transportieren und zu raffinieren die
Anwendung sehr kostspieliger Technologien erforderlich macht, da diese Art
von Rohöl zur Verflüssigung und Verarbeitung einer stärkeren Erhitzung bedarf.
Die Vereinigten Staaten verfügen über Reserven an schwerem Rohöl in
der Größenordnung von schätzungsweise 10 Milliarden Barrel (159 Liter).
Im Weißen Haus rechnet man damit, daß die Freigabe des Preises von schwerem
Rohöl geeignet ist, die heimische Gewinnung von derzeit 250 000 Barrel pro

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�pro Tag bis 1985 um 200 000 Barrel und bis 1990 um 500 000 auf 750 000 Barrel
zu steigern.

Die bisher bestehenden Preiskontrollen hielten den Preis von

zwei Dritteln der heimischen Förderung an schwerem Rohöl auf rund 6 Dollar
pro Barrel, während der verbleibende Rest zu einem Preis von etwas mehr als
13 Dollar abgesetzt werden konnte. Die Herausnahme einer ölsorte aus der
Preiskontrolle gestattet nunmehr den Verkauf zu Marktpreisen, die nach Angaben des Weißen Hauses mit etwa 16 Dollar um zwei bis drei Dollar unter denen
für leichtere Rohöle liegen.
Die Förderung von schwerem Rohöl zu dem gesetzlich vorgeschriebene^ Preis
war wirtschaftlich gesehen angesichts der hohen Förderkosten kaum vertretbar
und hielt sich deshalb in engen Grenzen. Ohne Freigabe des Preises wäre nach
Auffassung des Weißen Hauses mit einem weiteren Rückgang der Förderung zu
rechnen gewesen.
Bei der Formulierung des neuen Präsidialerlasses hat die Carter-Administration auch die Frage entschieden:
Rohöl" zu verstehen?

Was eigentlich ist unter "schwerem

Der Flüssigkeitsgrad oder, technisch ausgedrückt, die

Viskosität von Rohöl bestimmt sich nach dessen Schwere. Während sehr leichtes Rohöl mit der Viskositätszahl 40 relativ dünnflüssig ist, sind öle mit
niedrigeren Viskositätszahlen schwerer und zähflüssiger und nur sehr schwierig zu fördern und zu verarbeiten.
Die Administration entschied, die obere Grenze für die Herausnahme aus
der Preisüberwachung bei der Viskositätszahl 16 zu ziehen. Damit sind alle
Fördermengen von öl mit Viskosität 16 und darunter von der Kontrolle ihrer
Abgabepreise befreit.
Das amerikanische Energieministerium wird im September öffentliche Einvernahmen zu der Frage abhalten, ob auch schwere öle mit einer höheren Viskositätszahl als 16 mit Rücksicht auf die höheren Förderkosten aus der Preisüberwachung herausgenommen werden können.

Die Befreiung von der Steuer für unge-

rechtfertigte Gewinne aber soll in jedem Falle auf Rohöle mit der Viskositats-

�Viskositätszahl 16 und darunter beschränkt bleiben.
Der größte Teil der amerikanischen Vorkommen von schwerem Rohöl liegt
im Staat Kalifornien.

Kleinere Lagerstätten finden sich auch in Texas,

Louisiana, Oklahoma, Mississippi und Wyoming.
Mit der Unterzeichnung des Schwerölerlasses erfüllt Präsident Carter
eine Zusage, die er am 15. Juli in seiner Rede zur Energielage gegeben hat.
Er nahm die Unterzeichnung einmal mehr zum Anlaß, den Senat zur Verabschiedung des von der Administration vorgeschlagenen Gesetzes zur Besteuerung von
ungerechtfertigten Gewinnen der ülgesell Schäften und zur Ablehnung der Ausnahmebestimmungen aufzufordern, die der Finanzausschuß in Abänderung der Vorlage erwägt.
Die Sondergewinnsteuer ist als eine flankierende Maßnahme zur stufenweisen Aufhebung der Preisüberwachung bei Mineralöl Produkten konzipiert,
die bereits in die Wege geleitet wurde. Mit dieser Steuer sollen alle außerordentlichen Einkünfte der öl gesell Schäften als Folge der Beendigung der
Preiskontrolle weggesteuert werden.

- 3 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. August 1979

34

SCHLESINGER VOR DEM NATIONALEN PRESSECLUB
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers -

WASHINGTON

- (AD) - Der aus dem Amt scheidende US-Energieminister

James Schlesinger hat am 16. August 1979 vor dem Nationalen Presseclub
in Washington eine vielbeachtete Rede gehalten, in der er sich mit einer
Reihe von Problemen auseinandersetzte, die sich aus der gegenwärtigen
Energiesituation der westlichen Welt ergeben.
Die Rede hatte folgenden Wortlaut:
"The World Crisis" ist der Titel der Geschichte des I. Weltkriegs,
die Winston Churchill geschrieben hat. Rückblickend erscheint uns dieser
Krieg als ein auf seltsame Weise auf Europa begrenzter Streit, obgleich
er letztlich doch einen Eingriff von außen erforderte, um zu einer Lösung
zu führen, was die Europäer, auf sich selbst gestellt, nicht lösen konnten.
Ähnliche Betrachtungen mag man sowohl über den II. Weltkrieg als auch über
den Kalten Krieg anstellen. Seit 1945 benötigte man das standhafte Eintreten der amerikanischen Macht zur Erhaltung der Stabilität und Unabhängigkeit von Westeuropa, Japan und den anderen Ländern, die man früher als die

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�die Freie Welt bezeichnete.

Ohne die amerikanische Macht können die

verbleibenden freien Länder in geostrategischer Hinsicht keine unabhängige
Einheit mehr bleiben.
Seit 1945 hat die Welt eine kontinuierliche Krise durchgemacht, die
jene von Churchill beschriebene winzig erscheinen läßt - eine Krise,
geboren aus dem andauernden Konflikt zwischen der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten und deren Verbündeten.

Es ist vielleicht das be-

zeichnendste Element der Energiekrise, wie sie sich seit dem Anfang der
siebziger Jahre entwickelt hat, daß durch sie dem politischen und ideologischen
Wettstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine neue
Dimension verliehen wird - eine Dimension, die sich auf dramatische Weise
durch die sowjetischen Handlungen und Drohungen im Verlauf des Nahostkriegs im Jahr 1973 ankündigte.

Es ist eine größere Dimension, die Themen

wie Benzinknappheit und wirtschaftliche Lage in die richtige Perspektive
rückt, denn sie hat Gewalt genug, um das politische Schicksal der Menschheit
zu bestimmen.
Wir stehen heute einer Weltkrise gegenüber, die größere Ausmaße hat
als jene, die Churchill vor einem halben Jahrhundert beschrieb und die
durch das Olproblem noch unheilvoller wurde.
Der strategische Mittelpunkt dieser Krise liegt jetzt am Persischen
Golf und den angrenzenden Gebieten des Nahen Ostens mit ihren umfangreichen
ölreserven. Deshalb konzentriert sie sich auf eine Region politischer
Unbeständigkeit, die charakterisiert ist durch geschichtliche Feindseligkeiten und durch Nationalstaaten, deren Sozialstrukturen noch nicht genug
entwickelt sind, um den Stößen des raschen politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Wandels zu widerstehen. Und doch bleibt der Westen, bleiben
alle freien Länder, ja, bleibt die Freiheit selbst in der nahen Zukunft
angewiesen auf den Zugang zu den Ölquellen dieser unbeständigen Region.
Niemand

�Niemand hat diese aufkommende Abhängigkeit und die darin enthaltene
Verwundbarkeit in ihrem ganzen Umfang vorhergesehen.

In der Architektur

der Nachkriegszeit bildete der NATO-Vertrag die tragende Säule für die
Sicherheit des Westens. Jedoch war er lediglich eine traditionelle Verteidigungsgemeinschaft zum Zweck des Schutzes der territorialen Integrität
der Unterzeichnerstaaten.

Im Licht der anschließenden Entwicklungen ist

er heute eine unzureichende Grundlage für die westliche Sicherheit, da er
selbst keinerlei Schutz der Energiequellen beinhaltet, von denen unser
kollektives überleben abhängt.
Bis vor kurzem noch lieferte die Furcht, die die Macht Amerikas als
solche einflößte, genug Abschreckung vor äußerer Invasion und außerdem ein
Mindestmaß an politischer Stabilität in diesem Gebiet. Nach 1945 konnte
der amerikanische Druck noch Stalin selbst dazu bringen, sowjetische Streitkräfte aus dem Nordiran abzuziehen. Heute geht der Druck Breschnews in
die andere Richtung. Die geostrategische Landschaft hat sich dramatisch
verändert. Die Auflösung der nördlichen Klammer, die politischen Unruhen
in den beiden Jemen und am Hörn von Afrika sowie die Verwundbarkeit der
anderen Golfstaaten - alles deutet auf die Notwendigkeit einer neuen wirkungsvollen Antwort.
Sogar hinsichtlich des militärischen Gleichgewichts ist die Entwicklung
beunruhigend.

Die Sowjetunion befindet sich ganz in der Nähe und bewegt

sich in einer Region, auf die Rußland schon seit den Tagen Peters des Großen
ein Auge hatte.

Ihre

militärische Macht wächst weiterhin - am drohendsten

in Form erhöhter strategischer Beweglichkeit und Stärke ihrer Luftlandedivisionen.

Innerhalb der Region selbst existiert kein Gegengewicht.

Die

Streitkräfte des Schah hätten vielleicht eine bruchstü'ckhafte Verteidigung
ergeben, aber heute ruht die Sicherheit auf dem Schutze Allahs.

Die Kräfte

des Westens in der Region sind gering und befinden sich am entferntesten
Ende langer Versorgungslinien.

Die großen Militärreserven des Westens sind

weit weg - mit allem, was dies für eine rasche Reaktion bedeutet.

- 3 -

Es gibt

�gibt keine dauernde und bedeutsame militärische Präsenz der Vereinigten
Staaten - eine Tatsache, die die Bewohner dieser Region erwägen müssen,
wenn sie sich über die Militärpräsenz Gedanken machen, die im Norden liegt.
Bei den vielen Amerikanern, die durch Vietnam zu dem Glauben gelangt
sind, militärische Schwäche sei eine Form der Tugend und der moralischen
Stärke, erregen diese Bedingungen wenig Unruhe.

Stille Anpassung ist hier

die einzige Verteidigung, und deutliche Hinweise auf das Vernünftige einer
solchen Einstellung finden sich immer.

Kürzlich war Georgi Arbatov, dessen

Beziehungen zum KGB vielleicht nicht so bekannt sind wie seine Fähigkeit,
amerikanische Eliten zu beeinflussen und zu beruhigen, in einem Interview
der Meinung, daß die Sowjetunion "sich sicherlich nicht in die westliche
Ölversorgung einmischen würde", denn dies "wären sehr feinselige Handlungen
nahe einer Kriegserklärung".
läufigen

Zweifellos werden manche Leute solche bei-

mündlichen Garantien völlig beruhigend finden.

Ich stelle

lediglich fest, daß uns die Episode einen Hinweis gibt auf jene Möglichkeiten,
über die die Sowjets nachgrübeln und die sie, wie wir nur hoffen können,
zumindest für den Augenblick verworfen haben.
Für die weniger Selbstgefälligen sind die Folgerungen deutlich:

die

sowjetische Kontrolle des ölhahns im Nahen Osten würde das Ende der Welt
bedeuten, wie wir sie seit 1945 kennen, und das Ende der Vereinigung
freier Länder.
Daraus folgt ziemlich deutlich, daß wir dies auf lange Sicht nicht
hinnehmen können angesichts eines regionalen Obergewichts der sowjetischen
Militärmacht. Ein Mindesterfordernis ist die Errichtung eines annähernden
Gleichgewichts der militärischen Stärke in dieser Region. Ohne ein solches
Gleichgewicht wird es keine abschreckende Kraft geben, die in der Lage ist,
dem langfristigen sowjetischen Druck zu widerstehen - was unvermeidlicherweise eine ständige Aushöhlung des westlichen Einflusses bedeuten würde.
Geht man von der massiven sowjetischen Präsenz gleich jenseits der Grenze

- 4 -

�Grenze aus, so wäre die "Entmilitarisierung des Indischen Ozeans" lähmend.
Einem solchen Schritt sollte man keine weiteren Überlegungen widmen, denn
er würde die Stationierung umfangreicher Seestreitkräfte in diesem Gebiet
ausschließen und dadurch auch die Aufhebung des bestehenden Ungleichgewichts.
Es reicht nicht aus, einfach
Es ist notwendig, es wirkungsvoll
aufzunehmen. Dies ist es, was in
reichtum und unsere Stärke messen

nur einen "Bogen der Krisen" auszumachen.
mit den heute herrschenden Bedingungen
den kommenden Jahren unseren Einfallswird.

Selbst wenn es nicht zum Schlimmsten kommt und die Kontrolle des ölhahns nicht der entscheidende Punkt der Ost-West-Auseinandersetzung wird sei es durch sowjetischen Verzicht oder durch wirkungsvolle Abschreckung -,
bleiben die Schwierigkeiten beträchtlich. Das Obergewicht und die Nähe
der sowjetischen Militärmacht vergrößern die sowjetische Möglichkeit der
Einflußnahme und der Untergrabung. Im Iran sind das Wiederauftauchen der
Tudeh-Partei (vor allem bei der Organisation der ölfelder) sowie die teils
offene, teils verdeckte Stärkung der prosowjetischen Linken wesentliche
Entwicklungen im letzten Jahr gewesen. Man fühlt, wie allmählich die
Infrastruktur für einen späteren Coup geschaffen wird, parallel zu den
Ereignissen, die in den letzten Jahren aus Afghanistan bekannt geworden
sind. Erst kürzlich auch hat der Irak einen weiteren internen Machtkampf
überlebt, der gekennzeichnet war durch neue Elemente eines religiösen
Schismas, das durchaus auf fortdauernde Instabilität hindeutet - nach
einem langen und anhaltenden Kampf zur Meisterung der internen kommunistischen
Drohung.
Aber sogar wenn wir solche Möglichkeiten äußern Unheils beiseite lassen,
können wir den öl ström aus den OPEC-Ländern noch immer nicht als gänzlich
gesichert ansehen. Das weltweite System der ölförderung und -Verteilung
ist schon jetzt zum Zerreißen angespannt; wenig Entlastung ist in Sicht wenn überhaupt. Jede größere Unterbrechung, gleichgültig, ob sie von

- 5 -

�von politischen Entscheidungen, politischer Instabilität, terroristischen
Akten oder ernsten technischen Problemen herrührt, würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben.
Auf einem so angespannten Markt werden einige der Förderer ein Katzund-Maus-Spiel treiben - entweder aus ökonomischen Motiven (um die Spotpreise hoch zu halten), aus politischen Motiven oder aus reiner Halsstarrigkeit.

Die Durchführung oder die Androhung von Schritten zur Verminderung

oder Umleitung der ölförderung von Staaten wie Nigeria, Libyen und Algerien
beweisen die Verknappung auf dem Markt und zugleich die fortwährende
Verwundbarkeit der Verbraucherländer.
Außerdem bewegt sich der Iran weiterhin am Rande der Anarchie entlang.
Eine neue Unterbrechung der persischen Exporte würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben. Und schließlich beruhen sogar solche begrenzte
Unterbrechungen des öl Stroms auf der Prämisse einer anhaltenden Stabilität
und Unterstützung durch Saudiarabien. Denn der Anteil Saudiarabiens ist
nicht nur kritisch, er ist auch im Ansteigen begriffen. Wenn wir erkennen,
daß die unmittelbare Energiezukunft von einem politisch stabilen Saudiarabien abhängt, müssen wir zugleich erkennen, daß das Königreich heute ein
Land ist, das dem Ferment des sozialen Wandels ausgesetzt ist - ein Land,
in dem das Gespür für Korruption wächst - auf dramatische Weise in den
Nachwehen der Ereignisse im Iran im letzten Jahr. Und wenn wir die mögliche
Bedeutung der Entwicklungen im Iran nicht anerkennen wollen, brauchen wir
nur bei Tocqueville nachzulesen, was er über die Auswirkung eines starken
wirtschaftlichen Wandels auf überkommene Sozial strukturen schreibt. Der
Gegenstand ist so heikel, daß man nur selten darauf anspielt, aber
Zurückhaltung bedeutet kaum, daß der Gegenstand nicht von schwerwiegendster
Bedeutung ist.
Die Kommentare zu diesem Punkt unterstreichen nur, daß der Fluß des
OPEC-Öls unsicher und möglicherweise schweren und unvorhersagbaren Erschütterungen unterworfen ist. Indessen: sogar wenn wir Glück haben und
- 6 -

�und es keine Versorgungsunterbrechungen gibt, wird der Fluß dieses Erdöls insgesamt wahrscheinlich nicht anwachsen.
Die Förderkapazität der OPEC-Länder wird wahrscheinlich nicht zunehmen.
Diese Vorhersage spiegelt die politischen Entscheidungen wider, die wahrscheinlich getroffen werden hinsichtlich der Attraktivität zusätzlicher
Investitionen zur Erweiterung der Produktionskapazität sowie der begrenzt
vorhandenen Rohstoffe. Die OPEC-Produktion wird noch nicht einmal um zehn
Prozent über den derzeitigen Umfang hinaus ansteigen, vielmehr wird sie
in den kommenden Jahren höchstwahrscheinlich abnehmen. Die Produktion der
Länder, die der OPEC nicht angehören, mag vielleicht sogar hinsichtlich
der Prozentwerte deutlich ansteigen; dies geschieht jedoch von einem
verhältnismäßig bescheidenen Ausgangspunkt aus. In absoluten Zahlen werden
diese Steigerungen weniger bedeutsam sein - vielleicht zehn Prozent des
gegenwärtigen Verbrauchs der freien Welt- und werden zu einem großen Teil
von den Entwicklungsländern und den anderen Industrienationen verbraucht.
Die weltweite ölförderung und der weltweite Verbrauch werden nie weit
über 65 Millionen Barrel pro Tag hinausgehen, und wir bewegen uns schon
ganz in der Nähe dieser Schwelle. Erdöl, der erwählte Brennstoff, der die
gewaltige wirtschaftliche Expansion seit dem II. Weltkrieg angetrieben hat,
wird nicht mehr länger in steigenden Mengen zur Verfügung stehen, um ein
weiteres Wachstum der Weltwirtschaft anzuheizen.
Es ist unvermeidlich, daß die Preise den wachsenden Nachfragedruck
vor dem Hintergrund des beschränkten Angebots widerspiegeln.

Der Einfluß

Saudiarabiens auf zurückhaltende Preiserhöhungen im Rahmen der OPEC ist
bereits deutlich geschwunden.

Bei geringer oder bei keiner Oberschuß-

kapazität wird die Preisbewegung unvermeidlich nach oben gehen, außer bei
einer weltweiten Rezession.
Unter diesen Umständen ist es verständlich und kam sogar in Mode,
über das OPEC-Kartell herzuziehen. Ohne Zweifel ist dies rein gefühlsmäßig

- 7 -

�gefühlsmäßig befriedigend.

Aber wir müssen uns darüber im klaren sein,

daß keine noch so laute Beschimpfung oder ein Fäusteschütteln die Realitäten
der Versorgung und des Preises ändern kann.

Die OPEC-Länder besitzen etwa

80 Prozent der nachgewiesenen ölreserven der freien Welt - und dieser
Prozentsatz wird wahrscheinlich ansteigen.

Zudem kontrollieren jetzt

Marktkräfte die Preisbewegungen und treiben den internationalen ölpreis
unerbittlich nach oben.

Tatsächlich haben unsere Nachbarn, Kanada und

Mexiko, sowie die Norseeförderlander Preise festgesetzt, die merkbar über
die der OPEC hinausgehen.

Es wird Zeit für uns, die Realität anzuerkennen -

egal, wie schmerzlich dies sein mag.
Die Energiezukunft ist düster und wird wahrscheinlich im kommenden
Jahrzehnt noch düsterer werden.

Wenn wir tatkräftige und kluge Gegenmaß-

nahmen ergreifen, kann die Zukunft etwas weniger finster werden;

aber im

Licht der geschichtlichen Erwartungen können solche Gegenmittel nur zur
Linderung dienen.
Wie stabil, wie elastisch ist unsere innenpolitische Grundlage angesichts der Schwierigkeiten, die sich für die nationale Sicherheit und
die Wirtschaft durch die Verwundbarkeit und die Zwänge bei der Energieversorgung ergeben? Genug Grund zur Sorge ist sicherlich vorhanden. Nach
Vietnam engagiert sich unser Volk nicht mehr für Themen der Außenpolitik
und der militärischen Sicherheit. Nach Watergate mißtraut man häufig allen
unseren Institutionen.
Ein überraschend hoher Anteil der amerikanischen Bevölkerung gesteht,
daß man nicht an eine echte Energieknappheit glaubt. Dies mag ein
Verteidigungsmechanismus sein, der entwickelt wurde, um den schmerzhaften
Gedanken zu verdrängen, daß ein schmerzhafter Wandel unvermeidlich ist, und
um die tiefere, vielleicht unbewußte Erkenntnis zu verbergen, daß das
Problem wirklich existiert. Aber viele stehen bereit, um Trost zu spenden,
wobei sie vorschlagen, daß man durch diese oder jene institutionelle

- 8 -

�institutionelle Einrichtung das Energieproblem ganz einfach lösen könne.
Die politische Linke schiebt die Schuld auf die Ölindustrie.
Rechte beschuldigt die Regierung.

Die politische

Aber ein solches Verhalten spiegelt nur

die Tendenz nach Watergate wider, auf Institutionen einzuschlagen.

Auf

Institutionen einzuschlagen ist lediglich eine andere Art, dem Problem auszuweichen;

es ist unwahrscheinlich, daß es zu erhöhter Förderung von Rohöl

führt.
Die weitverbreitete Einbildung, die Vereinigten Staaten besäßen enorme
nachgewiesene ölreserven, die nur verborgen seien und von denen niemand
spricht, ist nur sehr schwer zu erklären. Vielleicht fällt sie ganz einfach
unter das Kapitel Psychopathologie. Aber es ist Wasser auf die Mühlen
der paar Gewissenlosen, die die Hoffnungen und Ängste des amerikanischen
Volkes ausnutzen wollen und die auf immer andere Weise behaupten, daß
irgendwo da draußen ein riesiges öllager existiert, das alle anderen
Beschwerden in Nichts auflösen wird. Cenagogie kann nur schwerlich einen
wirkungsvollen Ersatz für Rohöl abgeben.
Was müssen wir tun, wenn wir das Problem der Energieversorgung und
der wirtschaftlichen Rückwirkungen in den Griff bekommen wollen, das sich
daraus ergibt? Erstens müssen wir das Problem in seiner ganzen Tiefe und
Tragweite anerkennen - ohne Ausflüchte.
Zweitens müssen wir die bekannten Allheilmittel beiseite stellen jene Visionen von neuen öl strömen aus Saudiarabien, Mexiko und China, die
verborgenen inländischen Lager oder, als neuestes, synthetische Brennstoffe.
Drittens müssen wir alle unsere Voraussetzungen überdenken: welche
Lieferungen sind wahrscheinlich, welche Preise sind annehmbar, welche
Brennstoffe sind annehmbar, welche Risiken sind annehmbar und welche
Umweltschutzbestimmungen und andere Regeln funktionieren.
Wir

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�Wir sollten erkennen, daß die Inlandsförderung von Erdöl nicht steigen
und wahrscheinlich sogar in den nächsten zehn Jahren sinken wird.

Wenn wir

hart arbeiten und wenn wir in den Grenzgebieten Glück haben, sind wir
vielleicht in der Lage, die Rohölförderung in etwa auf dem derzeitigen Stand
zu halten.

Die Vereinigten Staaten fördern immerhin gegenwärtig so viel

öl wie Saudiarabien.

Aber wir beuten unsere eigenen, nachgewiesenen

Reserven etwa sechsmal so rasch aus.

Dies kann nicht lang so weitergehen.

Glücklicherweise sind die Aussichten für die einheimische Erdgasgewinnung vielversprechender.

Aber es ist unwahrscheinlich, daß wir die

Gewinnung in den nächsten zehn Jahren deutlich über den gegenwärtigen Stand
anheben werden.

Deshalb werden wir insgesamt keine zusätzliche Inlands-

versorgung bei Kohlenwasserstoffderivaten haben.

Wenn sich die öleinfuhren

bei 8,5 Millionen Barrel pro Tag einpendeln - entweder durch bewußte Einfuhrbeschränkungen oder durch mangelnde Verfügbarkeit -, werden wir woanders
suchen müssen, falls die Wirtschaft auch weiterhin wachsen soll.
Trotz des beträchtlichen und erfreulichen Nutzeffekts der Einsparung
wird für das Wirtschaftswachstum auch weiterhin zusätzliche Energie benötigt. Der Energiekoeffizient ist nunmehr auf 0,5 oder 0,6 vermindert
worden. Wir sollten darum kämpfen, ihn dort zu halten - und ich bin sicher,
daß wir dies schaffen. Dennoch muß die Nutzung sowohl der Kohle als auch
der Kernkraft steigen - mit einer Rate von sechs Prozent pro Jahr, wenn wir
ein bescheidenes Wirtschaftswachstum beibehalten wollen.
Es ist ganz einfach. Da die Verfügbarkeit der Kohlenwasserstoffderivate
im Grund festgelegt ist, müssen Kohle und Kernkraft, in Prozentzahlen ausgedrückt, von ihrer im Augenblick relativ niedrigen Basis aus rascher anwachsen.
Aber die Verwendung von Kohle wird nicht rasch genug und ausreichend ansteigen, solange die Bedingungen des Gesetzes über die Luftreinheit
("Clean Air Act") unverändert bleiben. Angesichts der gegebenen mechanischen
und gesetzgeberischen Hinderungsgründe ist es wohl möglich, für eine Bei-

- 10 -

�Beibehaltung der Normen der Reinerhaltung der Luft einzutreten, nicht aber
die gebotene verstärkte Nutzung der Kohle zu verwirklichen.

Die wohlbekannten

psychologischen und verfahrensmäßigen Hindernisse gegen den Bau von Kernkraftwerken müssen ebenfalls überwunden werden.
Ganz offen: wenn wir keine größere Verwendung von Kohle und Kernkraft
erreichen, wird es diese Gesellschaft im kommenden Jahrzehnt womöglich nicht
schaffen.
Längerfristig sollten wir die Produktion synthetischer Brennstoffe
vorantreiben. Allerdings werden synthetische Brennstoffe die Gleichung im
kommenden Jahrzehnt nicht wesentlich beeinflussen. In den neunziger Jahren
könnte eine solche Produktion eine nützliche Zunahme der Versorgung ermöglichen.
Aber sie ist kein Allheilmittel. Wenn wir jedoch ein solches Programm vor
zehn Jahren in die Wege geleitet hätten, würde der ölmarkt heute nicht so gespannt und nicht so riskant sein, und der Preis des Öls würde vielleicht um
einige Dollar pro Barrel niedriger sein als dies jetzt der Fall ist.
Das Dilemma ist rienlich deutlich. Wir müssen mehr Kohle und Kernkraft
mit den uns heute zur Verfügung stehenden technologischen Möglichkeiten
verwenden; sonst stehen wir einem verminderten Wirtschaftswachstum und
einer ansteigenden Arbeitslosenquote gegenüber. Die politischen Rückwirkungen einer solchen wirtschaftlichen Stagnation würden die Aufmerksamkeit
von den internationalen Schwierigkeiten ablenken und sie zugleich vermehren.
Kurz: wenn wir unsere Energieprobleme wirksam in den Griff bekommen
wollen, müssen wir eine Anpassung, ja sogar eine Einschränkung unserer
historischen Erwartung in Kauf nehmen. Wie wird die amerikanische Gesellschaft
auf diese Revolution der eingeschränkten Erwartungen antworten? Ich weiß es
nicht. Ich weiß jedoch, daß nur eine bewegliche und selbstbewußte Gesellschaft in der Lage sein wird, diese widrigen Probleme in den Griff zu bekommen, - ohne grundlegende Veränderung ihrer öffentlichen Insitutionen.

Und
- 11 -

�Und - ich komme auf meine einleitende Beschreibung der Herausforderungen
auf der internationalen Szene zurück - nur eine selbstbewußte Gesellschaft
kann auch weiterhin wirkungsvoll die internationale Verantwortung der
Vereinigten Staaten tragen.
Es gibt noch so viel mehr zu sagen.
einen grundlegenden Punkt hinweisen:

Aber ich möchte zum Abschluß auf

das Energieprogramm muß als Teil eines

viel umfassenderen strategischen Bildes angesehen werden.

Die Energie zwingt

uns, unsere Aufmerksamkeit auf neue Aspekte alter Machtrivalitäten zu lenken
und unsere Aufmerksamkeit neu auf Bereiche der Welt zu konzentrieren, die
außerhalb unserer überlieferten Belange liegen.
gewaltig.

Die Herausforderungen sind

Einerseits müssen wir unsere Volkswirtschaften rasch an die

Bedingung chronischer Knappheit bei der traditionellen Energieversorgung
anpassen;

andererseits müssen wir Umstände vermeiden, in denen unentbehrliche

Energievorräte unter die Herrschaft einer feindlichen Macht fallen.

Von

unserem Erfolg hängt das wirtschaftliche und politische überleben der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten ab - und womöglich der Freiheit
selbst.
Wir haben schon einmal solchen Herausforderungen gegenüber gestanden.
Nach dem II. Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten den Weitblick, ihre
Macht und ihr Prestige für die Stärkung Westeuropas einzusetzen. Durch
diese Tat wurden wirtschaftlicher Wiederaufstieg und Sicherheit erreicht.
Heute sind die Umstände und einige der Herausforderungen anders. Doch
einmal mehr werden wir unsere Macht und unser Prestige zur Stützung der
unabhängigen Staaten am Persischen Golf einzusetzen haben, um eine Bedrohung
von außen auszuschließen. Dies ist die unvermeidliche strategische Voraussetzung, um erfolgreich durch diese Periode des Übergangs im Energiebereich
zu gelangen.
Die Geschichte hat diese amerikanische Nation zu einer Supermacht
bestimmt, tatsächlich der einzigen großen Supermacht unter den freien

- 12 -

�freien Ländern.

Sollten die Vereinigten Staaten in dieser Verantwortung

versagen, würde es andere geben, die - obwohl um einiges weniger dafür
gerüstet - schnell bereit wären, die sich bietende Gelegenheit zu ergreifen mit dem sich daraus ergebenden Verlust unseres Vermächtnisses der Freiheit.
Wenn das amerikanische Volk es vorzieht, sich abzuwenden, wird die Geschichte
uns nicht vergeben.

+ + + + +

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�Wirt/choft
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22. August 1979

EG-EINFUHREN NACH USA BIS 1987 ZU 70 PROZENT ZOLLBEGONSTIGT
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde auf
die amerikanischen Einfuhren
- von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

WASHINGTON - (AD) - Als direkte Folge der Zollsenkungen, die in den
kürzlich abgeschlossenen Multilateralen Handelsverhandlungen der TokioRunde vereinbart wurden, dürften sich die Einfuhren der Vereinigten Staaten
an Industrieprodukten bis zum Jahre 1987 um rund fünf Prozent gegenüber dem
Stand von 1978 erhöhen, schätzen staatliche amerikanische Außenhandelsexperten.
Für sich allein genommen, werden die in Genf ausgehandelten Zollsenkungen mithin keinen sehr nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung des
amerikanischen Außenhandels ausüben. Dennoch rechnen die Experten damit,
daß die Zollsenkungen - in Verbindung mit den neuen Regelungen und Verfahrensweisen in bezug auf nicht-tarifäre Handelshindernisse - langfristig
die Wettbewerbsposition der USA bei verschiedenen Gütern erheblich verbessern

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�verbessern und somit eine Erhöhung des amerikanischen Anteils am Weltmarkt
nach sich ziehen werden.
Insgesamt erstrecken sich die Zollsenkungen bei Zugrundelegung des
Standes von 1976 auf US-Einfuhren an Industrieprodukten im Wert von 47,6
Milliarden Dollar.

Dies ergibt sich aus den neuen Zollisten und anderen

Materialien, die das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen soeben veröffentlicht hat.

Auf der Basis der Einfuhren von

1976 haben die Vereinigten Staaten eine Senkung ihrer Zölle im Durchschnitt
um etwa 31 Prozent zugesichert, was die Zollbelastung von Industrieprodukten
von 8,3 auf 5,7 Prozent verringern wird.

Die Zollsenkungen werden sich auf

rund zwei Drittel der amerikanischen Einfuhren von Industrieprodukten
erstrecken; von dem verbleibenden Drittel ist der größte Teil ohnehin zollfrei .
Rechnet man die den Entwicklungsländern gewährten Zollbefreiungen
hinzu, wird das Durchschnittsniveau der Zollbelastung auf die gesamten
amerikanischen Einfuhren an Industrieprodukten dank der Ergebnisse der
Multilateralen Verhandlungen von 6,1 Prozent auf 4,2 Prozent zurückgehen.
Bei den meisten Positionen werden die Senkungen, beginnend 1980, in acht
gleichen Schritten vorgenommen und damit 1987 voll wirksam werden.
Die Europäische Gemeinschaft hat zugesichert, ihre Zollsätze auf
Importe von Industrieerzeugnissen im gleichen Zeitraum von bisher 6,3
Prozent auf 4,6 Prozent durchschnittlich zu reduzieren.
-

Die Vereinigten Staaten sind ferner bereit, den Anteil an zollfreien
Einfuhren an Industrieprodukten von schätzungsweise 25 auf etwa 30 Prozent
zu erhöhen.
Alle genannten Ziffern berücksichtigten die mit den Industriestaaten
und rund 19 Entwicklungsländern getroffenen Vereinbarungen über Zoll Senkungen.

- 2 -

�Zollsenkungen.

Die Verhandlungen mit den Entwicklungsländern sind noch

nicht restlos abgeschlossen.

Nach Mitteilung des amerikanischen Handels-

ministeriums werden von den laufenden Zoll Verhandlungen mit Entwicklungsländern nur etwa 100 Zollpositionen aus einer Gesamtzahl von rund 6 000
berührt.

Die Zollsenkungen auf dem industriellen Sektor betreffen in erster
Linie Kraftfahrzeuge, elektronische Geräte für den Haushalt, Eisen und
Nichteisenmetalle, Textilien, chemische Grundstoffe, Gummi und plastische
Massen, Leder, Messerwaren und Tafelgeschirr, Büro- und Buchungsmaschinen,
nicht-elektrische Maschinen, elektrische Schwermaschinen und wissenschaftliche Instrumente.

Die für Entwicklungsländer wichtigsten Produkte, die von den amerikanischen
Zollsenkungen betroffen werden, sind:

Holzwaren einschließlich Papier,

chemische Grundstoffe, Maschinen, NE-Metalle, Eisen, Textilien und landwirtschaftliche Produkte.

Auf Sektoren, auf denen die Einfuhr von Produkten

aus Entwicklungsländern negative Auswirkungen auf die Beschäftigungslage
in den Vereinigten Staaten haben könnte - Schuhindustrie und Fernsehgerätebau - halten sich die amerikanischen Zollsenkungen in engen Grenzen.

Die Zölle auf Erzeugnisse des Fahrzeugbaus - Personen- und Lastkraftwagen, Busse und Fahrzeugteile - werden um über 20 Prozent auf ein Durchschnittsniveau von 2,6 Prozent sowohl bei den zollpflichtigen als auch bei
den Gesamteinfuhren gesenkt, wobei sich letztere 1976 auf über 7,3 Milliarden
Dollar bezifferten.

Auf dem Gebiet elektronischer Haushaltgeräte - ein-

schließlich Kühlschränke und andere Apparate -

sollen die Zoll Senkungen

sowohl auf die zollpflichtigen als auch auf die Gesamtimporte von 35,2
Prozent auf durchschnittlich 4,1 Prozent verringert werden.

Bei anderen

Gütern wie NE-Metallen und elektrischen Schwermaschinen stehen Senkungen
in der Größenordnung von 42 bzw. 41 Prozent der zollpflichtigen und der
Gesamteinfuhren in Aussicht, während bei Gütern wie Lederwaren einschließlich

- 3 -

�einschließlich Schuhe und Geldbörsen nur Zoll Senkungen in Höhe von 3,8
Prozent vorgesehen sind.
Was elektrische Schwermaschinen angeht, wird die Senkung der amerikanischen
Zölle von der Annahme des in den Multilateralen Handelsverhandlungen vereinbarten Kodex über staatliche Beschaffungskäufe durch die anderen Industriestaaten abhängig gemacht.
Auf dem Sektor der Ausrüstungen für die zivile Luft- und Raumfahrt
haben sich die Vereinigten Staaten und andere wichtige Industrienationen
darauf geeinigt, alle Zölle auf Zivilflugzeuge, Flugmotoren, Flugzeugteile
und Flugsimulatoren abzuschaffen.

Darüberhinaus kamen diese Länder überein,

Käufe für ihre nationalen Fluggesellschaften ausschließlich auf der Basis
von Preis, Qualität und Lieferzeiten zu treffen.
Die an den Genfer Verhandlungen der Tokio-Runde beteiligten Länder
sind ferner übereingekommen, daß gewisse Erzeugnisse, deren Einfuhr die
heimische Wirtschaft gefährden könnte, entweder zum Teil oder gänzlich
von der Zoll Senkung ausgenommen bleiben sollen. Ein Produkt wird dann als
die Wirtschaft des Importlandes gefährdend angesehen, wenn dieses zu der
Auffassung gelangt, schon eine geringfügige Verringerung der Zölle könne
eine große Zunahme der Einfuhr derselben nach sich ziehen und damit die
heimische Industrie ernsthaft schädigen.
Die in Genf vereinbarte generelle Zoll Senkungsformel wurde von den
Verhandlungsdelegationen als eine generelle Richtschnur angesehen, nicht
aber als ein rechtlich-verbindliches Dokument. Beispielsweise hätten
Zoll Senkungen gemäß der allgemeinen Formel auf dem Textilsektor zu einer
Verminderung der Einfuhrbelastung um 57 Prozent geführt. Die tatsächlichen
Zoll Senkungen, die die Vereinigsten Staaten auf diesem Sektor zugestanden
haben, führten jedoch zu einer Senkung um 21 Prozent. In ähnlicher Weise
haben die USA im Bereich der schutzbedürftigen Stahlindustrie geringere

- 4 -

�geringere Zoll Senkungen als die generellen Senkungen nach der allgemeinen
Formel in Höhe von 26 Prozent angeboten.

Auch andere Länder stellten

auf mehreren Bereichen Zollsenkungen in Aussicht, die unterhalb der
Senkungen gemäß der Allgemeinformel liegen.

Die Interessen importgefährdeter heimischer Industrien wurden auch
insofern berücksichtigt, als die Verwirklichung der Zollzugeständnisse in
mehreren Teilphasen erfolgen wird.

Die erste Zollsenkung bei Textilien

und Stahl soll in allen Ländern nicht vor dem Jahr 1982 vorgenommen werden.

Das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen
veröffentlichte des weiteren Dokumente, die zeigen, welche Auswirkungen die
amerikanischen Zollsenkungen auf Entwicklungsländer haben werden.

Wie aus

diesem Amt hierzu verlautet, haben die Vereinigten Staaten den 19 Entwicklungsländern, mit denen die Verhandlungen inzwischen abgeschlossen werden konnten,
für spezifische Produkte Zoll Senkungen von annähernd 27 Prozent und im
Einzelfall sogar um bis zu 60 Prozent angeboten.

Obwohl sich die Agrarverhandlungen größtenteils auf die nicht-tarifären
Handelshindernisse erstreckten, werden die amerikanischen Ausfuhren an
Agrarprodukten - unter Ausschluß von Nahrungsmittel Zubereitungen, die zu
den Produkten der Fertigungsindustrie gerechnet werden - als Ergebnis der
vereinbarten Zollsenkungen um rund 11 Millionen Dollar zunehmen.

Die

Vereinigten Staaten haben gewichtete Senkungen der Agrarzölle um schätzungsweise 50 Prozent vereinbart.

Größere Zollsenkungen sind bei tierischen

Produkten vorgesehen, wobei die wichtigste Konzession eine 60 prozentige
Senkung der Zölle auf Schurwolle bester Qualität darstellt.

Die US-Zoll Senkungen im Bereich der Industrieerzeugnisse resultieren
im Endeffekt in einer Zollbefreiung solcher Waren aus den Mitgliedstaaten
der Europäischen Gemeinschaft.

Sie werden sich, nach Abschluß des stufen-

weisen Abbaus, wertgemäß auf 3,1 Milliarden Dollar gegenüber 2,2 Milliarden

- 5 -

�Milliarden Dollar im Jahre 1976 belaufen. Während 1976 rund 50 Prozent
der zollpflichtigen Einfuhren an Industrieerzeugnissen aus EG-Ländern mit
einer Zoll bei astung von weniger als 5 Prozent nach Amerika einströmten,
erhöht das Zollabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen
Gemeinschaft deren Anteil auf 70 Prozent.
Amerika hat sich bereit erklärt, die Zölle auf Einfuhren aus EGLändern bei Industriechemikalien um 35 Prozent, bei Gummi und Platikmassen um 30 Prozent, bei Produkten aus Stein, Lehm oder Glas um 34 Prozent,
bei Eisen und Stahl um 26 Prozent und bei Erzeugnissen der Kraftfahrzeugindustrie um 25 Prozent zu reduzieren.

+ + + + +

- 6 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. August 1979

34

BESSERE KONTROLLEN FÜR RISIKOCHEMIKALIEN GEFORDERT
Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen -

- (AD) - Ergebnisse seiner zweijährigen Untersuchungen legte jetzt der
"Präsidiale Strategie-Ausschuß für Maßnahmen auf dem Gebiet der toxischen
Substanzen" in Form eines Berichtsentwurfes vor, zu dem Fachkreise und die
amerikanische Öffentlichkeit bis zum 30. September 1979 Stellung nehmen und
Änderungen vorschlagen können. Die Kommission, die 1977 von Präsident Carter
ins Leben gerufen wurde und der Vertreter von 18 Bundesbehörden angehören,
empfiehlt neue gesetzliche und andere bundesweite Aktionen, um das ständig
wachsende Problem der Entwicklung und Verwendung toxischer Chemikalien in
den Griff zu bekommen. An der Spitze des Ausschusses steht Gus Speth, der
neue Vorsitzende des Präsidialbeirats für Umweltqualität.
"Industriell hergestellte toxische Chemikalien sind in beachtlichem Umfang als Ursache von Erkrankungen und Todesfällen anzusehen", erklärt Speth.
Allein bei 20 - 38 Prozent der Krebserkrankungen werde als Ursache die Einwirkung karzinogener Substanzen am Arbeitsplatz angenommen.

Berufsbedingte

Risiken, zu denen auch die Arbeitsunfälle zählen, seien in den Vereinigten
Staaten für schätzungsweise 100 000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich zu
machen.

Der Bericht des Strategie-Ausschusses analysiere und bewerte zum

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�zum ersten Mal "systematisch die Probleme und Unzulänglichkeiten in den Forschungsbemühungen und Verordnungen des Bundes, ferner die von der Bundesregierung unternommenen Schritte zur Überwindung solcher Probleme sowie Empfehlungen für Verbesserungen."
Die mehr als zwei Dutzend Gesetze und Verordnungen, die den Umgang mit
toxischen Chemikalien regeln, seien vom Ansatz und Aufbau her gut und geben,
wie es in der Studie heißt, die Kompetenz zu einer fast vollständigen Überwachung bei einer Exposition mit toxischen Chemikalien.

In mindestens vier

Bereichen seien jedoch zusätzliche Gesetze erforderlich:
- mehr Befugnisse des Bundes auf dem Gebiet der Kosmetika;
- Säuberung stillgelegter und z.Zt. nicht benutzter Giftmülldeponien;
- Abbau der Schranken gegen den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und
vertraulichen Daten; und
- Bereitstellung von Bundesmitteln für eine verstärkte Teilnahme der
Öffentlichkeit an der Regelung des Umgangs mit toxischen Substanzen.
Außerdem wird hervorgehoben, daß das Problem der toxischen Chemikalien
sehr viel umfangreicher sei, als es den heute zur Verfügung stehenden Mitteln,
sich mit ihm auseinanderzusetzen entspreche. Es gebe Tausende von Substanzen,
die nicht unter die Gesetze fallen und dennoch auf ihre möglichen Umweltauswirkungen hin untersucht werden müßten. Und es gebe viele akute oder auch
chronische, sich langsam entwickelnde oder diffuse Schädigungen, die vielleicht
durch solche Umweltchemikalien verursacht werden und unter diesem Gesichtspunkt zu untersuchen seien. Die in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen zur Koordinierung und Verbesserung der Effektivität behördlicher Aktionen reichten noch nicht aus, um die für die Gesetze gesetzten Ziele zu erreichen. Nur mit direkten Regierungsverordnungen in bezug auf das Freisetzen
von möglicherweise gefährlichen Chemikalien und deren Einwirkung auf Mensch

- 2 -

�Mensch und Umwelt sei ein angemessener Schutz für die öffentliche Gesundheit
und die Umwelt zu erwarten.

Vorbeugung sei der Schlüssel, um Krankheiten

und Umweltprobleme, die durch toxische Chemikalien ausgelöst werden, unter
Kontrolle zu bekommen.

Die aufsichtführenden Behörden müßten bereits handeln

und eingreifen können, wenn Anzeichen für gefährliche Auswirkungen überzeugend
sind, jedoch noch keine gesicherten Beweise vorlägen.
Wichtige Empfehlungen der Kommission:
- Schaffung eines zentralen Datennetzes der Regierung, um einen schnellen
Zugang zu allen Arten von Informationen über chemische Substanzen zu gewährleisten.

Gegenwärtig sind entsprechende Informationen in mehr als 220 Daten-

systemen getrennt gespeichert.
- Abbau noch bestehender gesetzlicher und administrativer Barrieren gegen
den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und anderen vertraulichen Informatonen
über toxische Substanzen - sowohl von Behörde zu Behörde als auch gegenüber
Kontraktnehmern des Bundes -, ohne dadurch eine angemessene Absicherung wirtschaftlicher Interessen zu beeinträchtigen.

Die Öffentlichkeit sollte eben-

falls mehr Zugang zu vertraulichen Daten über die Auswirkungen von Chemikalien
auf Gesundheit und Sicherheit erhalten.
- Verstärkte Forschung in Bundeslaboratorien auf kritischen Gebieten wie
Epidemiologie und Toxikologie.
- Bundesweit sollen die Möglichkeiten, bei Notfällen wie dem Freiwerden
giftiger Chemikalien oder dem Ausdringen von gefährlichen Substanzen in nicht
mehr benutzten Giftmülldeponien wirksam einzugreifen, durch umfassende neue
Kompetenzen umgehend verbessert werden, um z.B. das Säubern der Deponien und
die Finanzierung solcher Maßnahmen zu sichern.
Da es sich bei der Kontrolle toxischer Chemikalien um weltweite Probleme
handelt, wird den zuständigen amerikanischen Behörden empfohlen, sich um eine

- 3 -

�eine internationale Koordinierung praktischer Maßnahmen und besseren internationalen Informations- und Meinungsaustausch über die Toxizität von Substanzen zu bemühen.
Der Verband der chemischen Industrie der USA kritisierte den Berichtsentwurf der Kommission und forderte, daß "jede neue Regierungsinitiative auf
diesem Gebiet auf reale Bedürfnisse zugeschnitten sein muß und nicht in unnötige Aktionen und kostspielige neue Regierungsprogramme ausarten darf."

+ + + + +

�34

22. August 1979

BAKTERIEN MIT KOMPASS
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen
in der Tierwelt auf der Spur
Von G. Weiss

- (AD) - Bei der Untersuchung von Schlammbakterien aus der Umgebung des
Ozeanographischen Forschungsinstituts Woods Hole im US-Bundesstaat Massachusetts
stieß Dr. Richard P. Blakemore (jetzt Staatsuniversität von New Hampshire) im
Jahr 1975 auf Mikroben, die bei der Fortbewegung eine bestimmte Richtung bevorzugen.

Man vermutete bald, daß es das erdmagnetische Feld sei, das dieses

Verhalten beeinflußt.

In der Folgezeit wurden im nordamerikanischen Raum wei-

tere Mikroorganismen mit dieser Eigenschaft entdeckt, und zwar sowohl in salzhaltigem Wasser als auch in Süßwasser.

Durch Experimente konnte dann Dr. Ad. Kalmijn vom Woods Hole-Institut
nachweisen, daß die Bakterien, die nur wenige Tausendstel Millimeter lang sind,
sich an einem Magnetfeld orientieren können und dies in Verbindung mit dem
erdmagnetischen Feld auch tatsächlich tun:
ein.

Sie halten stets die Nordrichtung

In den geographischen Breiten, wo bisher die Untersuchungen vorgenommen

wurden, ist dies gleichbedeutend damit, daß sie so ihren Weg nach unten in

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�in ihren Lebensbereich d.h. in Schlammgründe und Sedimente finden.

Denn die

vertikale Feldkomponente auf der Nordhalbkugel ist in diesen Breiten bereits
stärker als die horizontale.

Die eigene Schwere würde nicht ausreichen, um

die Bakterien rasch absinken zu lassen.

Bringt man sie in ein künstliches

Magnetfeld und polt dieses um, reagieren sie darauf sofort mit Bewegung in
der Gegenrichtung.

Dr. Blakemore vermochte eine solche Bakterienart zu iso-

lieren und in Reinkultur zu züchten.

Diese Mikroben gehören zur Gruppe der

Spirillen (Schraubenbakterien) und erhielten die Bezeichnung "MS-1" (MS für
"magnetotactic spirillum").
Ein Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in
Boston, Dr. Richard B. Frankel vom Francis-Bitter-Institut für Magnetforschung,
befaßte sich eingehend mit bisher bekannt gewordenen magnetischen Bakterien,
um herauszufinden, welcher Mechanismus wohl hinter der Nordorientierung stecke,
über die Ergebnisse seiner Arbeiten berichtete er kürzlich in einem Vortrag
in Washington.

Den Schlüssel für das Verhalten bilden, so Dr. Frankel, win-

zige Magnete im Bakterium.

Dabei handelt es sich, wie elektronenmikroskopische

Untersuchungen ergaben, um eine Kette von 22 (manchmal auch etwas mehr) Partikeln von mehr oder weniger kubischer Form, die ähnlich wie die Nadel eines
Kompasses funktionieren.

Sie bestehen aus Magnetit, einer Eisen-Sauerstoff-

Verbindung der chemischen Formel Fe^O,.
Jeder Magnetkristall hat eine Kantenlänge von etwa 500 Angström (1 8 =
1/10 000 000 mm), d.h. von fünf Hunderttausendstel Millimeter. Dies ist eine
kritische Größe, weil dann nämlich unter Raumtemperatur die magnetischen Eigenschaften am günstigsten sind. Wären die Partikel kleiner, würde bei Raumtemperatur die Wärmeenergie ihrer Umgebung ihre magnetische Orientierung verändern. Wären sie sehr viel größer, würden sie ihre Polarität verlieren.
Offenbar entwickelten diese Bakterien einen physiologischen Prozeß, mit
dem sie Magnetitpartikel der günstigsten Größe in der Zelle synthetisieren.
Diese ergeben den Kompaß mit der festen Orientierung, wobei sich der nach Norden weisende Pol an dem Ende befindet, das der zur Fortbewegung dienenden

�dienenden Geißel gegenüberliegt.

Mit Spannung wartet Frankel jetzt auf

Sedimentproben aus Südamerika, die möglicherweise Bakterien enthalten, welche ebenfalls magnetisch sind.

Wie werden sie sich auf der Nordhalbkugel

verhalten?
Chemische Analysen der Magnetbakterien aus Nordamerika ergaben, daß
sie eine um das Zehnfache höhere Eisenkonzentration besitzen als andere Bakterien.

Sie müssen demnach, so Dr. Frankel, ihren Kompaß aus Eisenionen

synthetisieren, die sie gewissermaßen in ihrer Umgebung zusammenkehren.

Wie

sie aber das Größenproblem für die Kristalle gelöst haben, ist unbekannt.
Das wiederum ist eine Frage, die jetzt die Elektronik-Industrie interessiert.
Weitere Entdeckungen auf diesem Gebiet, könnten vielleicht sogar für die Medizin von Bedeutung sein.
Nicht zuletzt aufgrund der Entdeckung magnetischer Bakterien erhielt
die Erforschung des Orientierungssinns der Vögel großen Auftrieb. Im Verlauf
des letzten Jahres wurde bekannt, daß Wissenschaftler an Universitäten in
New York und New Jersey im Kopf der Taube und im Hinterleib der Biene ein
"magnetisches Organ" gefunden hätten, das den Tieren die Orientierung im erdmagnetischen Feld ermögliche.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grußadresse Präsident Carters an die UN-Wissenschaftskonferenz in Wien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter entlässt schweres Rohöl aus der Preisüberwachung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;EG-Einfuhren nach USA bis 1987 zu 70 Prozent zollbegünstigt&lt;br /&gt;Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde auf die amerikanischen Einfuhren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bessere Kontrollen für Risikochemikalien gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bakterien mit Kompass&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen in der Tierwelt auf der Spur&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&lt;/em&gt;</text>
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Information
und
Dokumentation

3~ L3IH

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. August 1979

33

I N H A L T

INFORMATION
US-Vorratslager in Europa dienen der NATO-Verteidigung
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr
Reubin Askew:

Der neue US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen

DOKUMENTATION
Ausblicke auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Von Botschafter Malcolm Toon -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Seismische Sonde für Heißdampf in der Erde
Zuckerrohr als Energierohstoff

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�1

1

HUI laflKlB

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. August 1979

33

US-VORRATSLAGER IN EUROPA DIENEN DER NATO-VERTEIDIGUNG
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr

WASHINGTON - (AD) - In Vorratslagern und Depots der amerikanischen Streitkräfte in Europa stehen Panzer, schwere Waffen und anderes Gerät bereit, um im
Krisenfalle auf dem Luftwege aus den USA herangeführte Truppen auszurüsten und
sofort einsatzbereit zu machen.
Dieses Material - das für die Ausrüstung von fast drei Divisionen und den
dazugehörenden Versorgungseinheiten ausreicht - gehört zu der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber der NATO.
Im Rahmen der Zusagen für das vom Bündnis beschlossene Langfristige Verteidigungsprogramm (LTDP) werden die Vereinigten Staaten bis 1982 in Europa
Gerät für weitere drei Divisionen und einige Versorgungseinheiten einlagern.
Das Langfristige Verteidigungsprogramm ist eine bedeutsame gemeinsame Anstrengung der Bündnisländer, die Einsatzbereitschaft und Kampfkraft der NATO zu erhöhen. Das amerikanische Programm im Rahmen des LTDP trägt die Bezeichnung
"POMCUS" - Pre-Positioned Overseas Material Configurated in Unit Sets - was

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�was auf deutsch etwa so viel bedeutet wie Ausrüstung nach Einheiten, zusammengefaßt an vorher festgelegten Standorten in Übersee. Militärischer Nachschub
wird in feuchtigkeitssicheren Lagerräumen jeweils für ein Bataillon zur raschen
Ausgabe eingelagert.
Nach Feststellung des amerikanischen Verteidigungsministers Harold Brown
wird dieses zusätzlich vorher eingelagerte Material zusammen mit einer erhöhten
Luftbrückenkapazität der Vereinigten Staaten es ermöglichen, die Stärke der
amerikanischen Truppen in Europa innerhalb von zwei Wochen um 150 000 Mann zu
erhöhen.
Die Konzeption des Langfristigen Verteidigungsprogramms stammt von Präsident Carter, der diesen Vorschlag auf der Gipfelkonferenz der NATO-Staaten
im Mai 1977 in London unterbreitete.

Die Durchführung dieses Programms wurde

dann auf dem NATO-Gipfel im Mai 1978 in Washington beschlossen.

Die führenden

Männer im Bündnis betrachten dieses Programm als ein wesentliches Mittel, um
den Sicherheitsanforderungen des Bündnisses gerecht zu werden, die sich durch
die Aufrüstung des Warschauer Paktes stellen.
An den "POMCUS-Standorten" sind rund 90 Prozent des Ausrüstungsbedarfs
einer amerikanischen Division eingelagert.

Ein amerikanischer Soldat, der an

Bord eines Passagierflugzeuges mit seiner Handfeuerwaffe und seiner Marschausrüstung nach Europa kommt, erhält alles andere aus. dem vorbestimmten Depot
dort.

Material, das eine starke Wartung erfordert, wie Luftverteidigungssysteme

und Hubschrauber, würde, auch über eine Luftbrücke nach Europa befördert.
Die Einlagerung von Gerät für Verstärkungen, die in Amerika stationiert
sind, ist billiger als die Aufrechterhaltung von mehr amerikanischen Truppen
in Europa. Die Wirksamkeit hängt jedoch davon ab, daß in Krisenzeiten eine
ausreichende Vorwarnung gegeben ist.
Eine kürzliche Studie des amerikanischen Kongresses hat ergeben, daß ein
wesentlicher Teil des "POMCUS-Geräts" innerhalb von fünf Tagen ausgegeben wer-

- 2 -

�werden könnte - vorausgesetzt, daß die Entscheidung zur Dislozierung amerikanischer Streitkräfte sofort nach Eintreffen der Vorwarnung erfolgt.

Bei

einer Vorwarnzeit von zehn Tagen kann alles Gerät rechtzeitig ausgegeben
werden.
Ohne dieses vorher eingelagerte Material würden die Vereinigten Staaten
nach Schätzungen von Experten etwa zehn Tage benötigen, um eine Division mit
Mannschaften und Gerät und Nachschub auf dem Luftwege nach Europa zu bringen.
Das Einlagerungsprogramm für Gerät begann nach der Berlinkrise im Jahre
1961, als offensichtlich wurde, daß die Vereinigten Staaten nicht Truppen und
Gerät rasch genug nach Europa entsenden können, um sowjetischen Schritten zu
begegnen. Das erste Einlagerungsprogramm erstreckte sich auf die Ausrüstung
für eine Panzerdivision, eine motorisierte Division und zehn dazugehörende
Versorgungseinheiten.
Das Programm wurde im Jahre 1968 ausgeweitet, als die Vereinigten Staaten
ihre Ausgaben in Übersee senkten, indem sie etwa zwei Drittel der Ersten Infanteriedivision nach den USA zurückholten.

Für diese der NATO zugesagten

Einheiten wurde das Material in Europa eingelagert.
Angesichts der erhöhten Aufrüstung des Warschauer Paktes auf konventionell
Gebiet verpflichteten sich die Vereinigten Staaten 1978, bis zum Jahr 1982
genügend Material für drei weitere Divisionen einzulagern, um die Verstärkungskapazität des Bündnisses zu erhöhen.
Neben dem Gerät für drei Divisionen werden an den "POMCUS-Standorten"
Materialien für ein Kavallerieregiment (Panzer), 74 nicht divisionsgebundene
Einheiten, 36 Kampfversorgungseinheiten und 28 Sani tätseinheiten eingelagert.
Bis 1982 werden sechs der elf in den USA stationierten Divisionen, die für
eine Verstärkung der NATO in Frage kommen, mit "POMCUS-Lagern" in Europa versehen sein.

Dem

�Dem Ausmaß, in dem "POMCUS-Standorte" die Verstärkungskapazität erhöhen
können, sind jedoch Grenzen gesetzt, da sonst die Flexibilität des Einsatzes
in Frage gestellt würde.

Diese "POMCUS-Standorte" grenzen natürlich die Ge-

biete ein, in die die Verstärkungen verbracht werden können.
Verteidigungsminister Brown wies auf diesen Punkt hin und erklärte: "Wir
wollen die Beweglichkeit aufrechterhalten, Streitkräfte zwischen der Mittelregion Europas und den Flanken oder anderswo hin zu verschieben, wie es der
Verlauf eines Krieges erforderlich machen könnte."

Eine weitere Beschränkung

könnte dadurch gegeben sein, daß die Vereinigten Staaten Truppen in Gebieten
dislozieren möchten, in denen "POMCUS-Standorte" politisch nicht durchsetzbar
sind.
Die Vereinigten Staaten pflegen gegenwärtig Konsultationen mit ihren Verbündeten über die Standorte der "POMCUS-Lager" für drei weitere Divisionen.
Die Bundesrepublik Deutschland hat bereits drei Standorte für die ersten Einheiten dieser Art zur Verfügung gestellt.
Die Vorbereitung der Lagerflächen und der Bau der Lagerhallen und der dazugehörenden Gebäude wird aus dem Infrastrukturfonds der NATO finanziert.
Dieser Fonds wird aus jährlichen Beiträgen der Mitgliedsländer des Bündnisses
gespeist, um Verteidigungseinrichtungen zu bauen, die für die NATO entscheidend wichtig sind. Nach einer Studie des amerikanischen Kongresses wird die
NATO etwa 400 Millionen Dollar für den Bau der "POMCUS-Lager" aufwenden.
Im Zusammenhang mit dem "POMCUS-Programm" und der Verstärkung der NATO
stehen die "Host Nation"-Abkommen (Gastlandabkommen) der USA mit europäischen
Ländern, in denen amerikanische Einrichtungen liegen oder in denen in Krisensituationen Transporteinrichtungen benutzt würden.

Diese Länder unterstützen

die Bewegungen amerikanischer Truppen und amerikanischen Materials durch die
Gestellung von Häfen und Flugplätzen. -

In

�In einer Stellungnahme zu den jährlich stattfindenden REFORGER-Übungen
(deren wichtiger Bestandteil die Verstärkung der Verteidigungsstreitkräfte
der NATO durch amerikanische Truppen ist) betonte Verteidigungsminister Brown,
daß die meisten der auf dem Luftwege nach Europa gebrachten Bataillone weniger Zeit brauchten, ihr Gerät aus den "POMCUS-Lagern" zu übernehmen, als
ursprünglich vorgesehen.

Er hob hervor, daß "die Leistung unserer Soldaten

in Zusammenarbeit mit amerikanischen und alliierten

Zivilisten ganz ausge-

zeichnet war, ebenso wie das beispiellose Maß an Unterstützung durch die
Gastländer."

+ + + + +

�3
I
33

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
15. August 1979

REUBIN ASKEW: DER NEUE US-SONDERBEAUFTRAGTE FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 8. August 1979 den ehemaligen Gouverneur von Florida Reubin O'Donovan Askew zu seinem Sonderbeauftragten
für Handelsverhandlungen ernannt. Er tritt die Nachfolge von Robert S. Strauss
an, der zum persönlichen Vertreter des Präsidenten bei den Nahostverhandlungen
bestellt worden ist. Die Nominierung muß noch vom US-Senat bestätigt werden.
Carter und Askew kennen sich bereits aus den Tagen, als sie in den siebziger Jahren beide noch Gouverneure der Nachbarstaaten Georgia und Florida
waren. Regierungssprecher Powell hob anläßlich der Ernennung hervor, daß Präsident Carter Askews "Fähigkeit als Verwaltungsmann und als Fü'hrungspersönl ichkeit" schon seit langem schätzt, und wies auf die Aufgaben hin, die auf den
frischernannten Sonderbeauftragten warten: zum einen gehe es darum, die kürzlich im Rahmen der Tokio-Runde ausgehandelte Handelsvereinbarungen zu erfüllen;
zum andern solle die vom Präsidenten vorgeschlagene Reorganisation der für
die Handelspolitik zuständigen Bundesbehörden durch den Kongreß gebracht werden,
Auch Alan W. Wolff, der Stellvertreter von Askews Vorgänger bei den Verhandlungen der Tokio-Runde, unterstrich die vorzügliche Besetzung des neuen

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�neuen Postens:

"Gouverneur Askew ist von seiner Weltsicht her in völligem

Einklang mit dem offenen Handelssystem, das wir gerade ausgehandelt haben.
Und als Floridas erster Mann war er überaus aktiv bei der Förderung der Handel sinteressen seines Staates". Als Gouverneur unternahm er verschiedentlich
Reisen mit Geschäftsleuten aus Florida nach Europa, Japan und Lateinamerika,
um Probleme hinsichtlich des gegenseitigen Handels und der Investitionen zu
besprephen.
Reubin O'Donovan Askew wurde am 11. September 1928 in Muskogee, Oklahoma
geboren.

Ihren Vater sahen die sechs Kinder sehr selten: er war als Zimmer-

mann unterwegs.

Die Mutter zog mit ihnen 1937 in ihre Heimatstadt Pensacola

in Florida, wo sie als Kellnerin und Näherin arbeitete und der zukünftige
Gouverneur durch Schuhputzen und Zeitungsaustragen die Familie mit unterstützte.
Nach Schule, Militärdienst und Studium arbeitete Askew zunächst vier Jahre lang
als Anwalt und wurde 1958 ins Abgeordnetenhaus von Florida gewählt.

1962

folgte die Wahl in den Senat von Florida, 1970 die Wahl zum Gouverneur.

1974

war er der erste Gouverneur des Staates, der zweimal hintereinander gewählt
wurde.

1979 hat er bereits Präsident Carter bei der Einführung des neuen

brasilianischen Staatschefs und auf einer Erdölkonferenz in Caracas vertreten.
Als wesentliches Merkmal des Gouverneurs h,eben Kenner seine "absolute Integrität" hervor.
Er ist mit Donna Lou Harper verheiratet; das Ehepaar hat zwei Kinder.

+ + + + +

�Dokumentation

I

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Embassy of the United States of America

15. August 1979

33

AUSBLICKE AUF DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Von Botschafter Malcolm Toon -

Der amerikan ische Botschafter in der UdSSR,
Malcolm Toon , der in Bälde seinen Posten
verläßt, hat in einer Rede vor der Amerikanischen Gese 11schaft für Außenpolitik
(Foreign Pol icy Association) am 9. August
1979 in NewYork einen grundlegenden überblick und Ausb1 ick auf die amerikanischesowjetischen Beziehungen und die Bedeutung
von SALT II in diesem Zusammenhang gegeben,
Wir geben na chstehend die Ausführungen von
Botschafter Toon im vollen Wortlaut wieder.

Ich werde manchmal als Scharfmacher bezeichnet, aber ich halte mich selbst
nicht für einen solchen - noch bin ich grundsätzlich gegen irgend etwas "anti"
eingestellt.

Aber seit ich den Wandel von einem Schneilbootskommandanten im

Zweiten Weltkrieg zum Berufsdiplomaten durchgemacht habe, habe ich herausgefunden, daß ich meinem Land immer am besten gedient habe, wenn ich zu den Völkern
und Regierungen, bei denen ich akkreditiert war, frei und offen über die amerikanischen Auffassungen und Werte gesprochen habe und meiner eigenen Regierung und
meinem Volk frei und offen meine Ansichten darüber vorgetragen habe, wie den
amerikanischen Interessen am besten gedient wäre.

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�Vor diesem Hintergrund möchte ich heute zu Ihnen über die amerikanischsowjetischen Beziehungen und die Rolle von SALT im Rahmen dieser Beziehungen
sprechen.

Ich glaube es ist nützlich, wenn ich zunächst über das sowjetische

Regime und darüber spreche, wie wir nach meiner Meinung mit ihm umgehen sollten.
Auf die Gefahr hin, Binsenweisheiten zu verkünden, möchte ich mit einigen
Grundwahrheiten beginnen.

Das sowjetische System ist Ausdruck einer Geschichts-

betrachtung, einer Vorstellung vom Verhältnis des Menschen zum Staat sowie
eines Komplexes von Werten und Grundsätzen, die von den unsrigen völlig verschieden sind.

Die Historiker können sich darüber streiten, ob diese Auffas-

sung traditionell russisch oder ob sie im wesentlichen sowjetisch ist und 1917
von oben aufgezwungen wurde. Ich neige zu der Auffassung, daß Lenin und Stalin
eine im wesentlichen westliche Philosophie, nämlich den Marxismus, genommen
und sie der russischen Realität angepaßt haben, so daß seit der Zeit Stalins
bis heute kein fundamentaler Konflikt zwischen sowjetischer Ideologie und
russischem Nationalismus entstanden ist.
Auf jeden Fall werden die beträchtlichen Ressourcen der Sowjetunion
heute - und auch für absehbare Zukunft - wirksam für die Unterstützung einer
charakteristischen und nach meiner Meinung verzerrten historischen Weltanschauung mobilisiert. Das sowjetische Regime kann Ideen der freien Meinungsäußerung und der Entscheidungsfreiheit des einzelnen, so wie wir sie verstehen,
nicht akzeptieren und wird sie nicht tolerieren. Es wird versuchen, seine
Ideologie durchzusetzen, indem es abweichende Meinungen im eigenen Lande zum
Schweigen bringt und indem es häufig im Ausland repressive Regime unterstützt,
die sich selbst als marxistisch-leninistisch bezeichnen.
Neben der Ideologie haben auch geographische und historische Erfahrungen
das sowjetische System und die Politik seiner Führer wesentlich mitgestaltet.
Jahrhunderte der Invasionen aus Ost und West haben ihre Spuren in den Anschauungen des russischen Volkes und seiner Führer hinterlassen. Die sowjetische
Führung hat massive Anstrengungen unternommen, um die Sicherheit an Rußlands
- 2 -

�Rußlands Grenzen zu gewährleisten - zum Teil durch den Versuch, diese Grenzen
nach außen hinauszuschieben.

Diese historische Einstellung, zu der die Kommu-

nisten noch ihre geistige Voreingenommenheit gegenüber militärischer Stärke
als Schlüsselelement der politischen Macht hinzugefügt haben, mag erklären,
wenn auch nicht rechtfertigen, warum die Sowjetunion heute eine Militärmaschinerie unterhält, die in keinem Verhältnis zu einer objektiven Abschätzung ihrer
Erfordernisse steht, und warum die Kosten dieses Strebens nach absoluter
Sicherheit und nach größerem politischem Einfluß mit Hilfe militärischer Macht
so enorm hoch sind.

Das alles bedeutet Entbehrungen für die sowjetische Be-

völkerung und Belastungen und Reibungen in den Beziehungen der Sowjetunion zu
ihren Nachbarn, mit gelegentlich gefährlichen Folgen für die Stabiltät
Welt.

der

Totale Sicherheit, wie sie die Sowjets anstreben, kann nur Unsicherheit

für andere bedeuten.

Das gleiche leidenschaftliche Sicherheitsbedürfnis kennzeichnet auch die
Szene in der Sowjetunion selbst, obwohl hier seit meinem ersten dienstlichen
Aufenthalt in Moskau Anfang der fünfziger Jahre ins Auge fallende Veränderungen
eingetreten sind.

Der stalisnistische Terror hat aufgehört.

Trotzdem begeg-

net organisierter Dissens der Feindseligkeit der Regierung, vor allem wenn er
die amtliche Parteilinie direkt in Frage stellt.

Ich bin jedoch geneigt zu

glauben, daß die Unterdrückung im eigenen Lande sehr viel größer wäre, wenn
die Sowjetunion ihre Politik der Entspannung aufgeben müßte, denn dann läge
ihr noch sehr viel weniger an der öffentlichen Meinung der Welt.

In den letzten 30 Jahren und auch heute noch ist eine der zentralen Fragen der amerikanischen Außenpolitik, wie man dieses komplexe und repressive
System behandeln soll.

Ich meine, wir müssen damit anfangen, die Sowjetunion

als das zu sehen, was sie wirklich ist.

Weder, wie einige meinen, als 260 Mil-

lionen Menschen, die wie wir Amerikaner sein wollen s noch, wie es wiederum andere tun, als 260 Millionen Dschingis Khans, die bereit, willens und in der
Lage sind, die Welt zu erobern.

Es handelt sich um ein bemerkenswertes Volk,

das langsam seinen eigenen Kurs verfolgt und gewaltige, ihm eigene Stärken einsetzt;

ein Volk aber auch, das von bestürzenden Schwächen bedrängt wird - vor

- 3 -

�- vor allem im Wirtschaftsbereich - und das Ziele und Methoden verfolgt,
die sich grundsätzlich von den unsrigen unterscheiden.
Wir müssen auch die Sowjetunion und unsere Beziehungen zu ihr unter einer
langfristigen Perspektive betrachten.

Wenn wir uns auf die kurzfristige Ent-

wicklung konzentrieren, können wir nicht hoffen, die Richtung zu ändern, in
die sich die Sowjetunion bewegt, und auch nicht ihre Tendenz, Einzelpersonen
und machtlose Länder zu überrennen, die ihr in den Weg geraten.

Wenn wir uns

ständig fragen, wieviel Fortschritte wir in den letzten 24 Stunden erzielt
haben

oder in der letzten Woche oder sogar im letzten Jahr, dann müssen wir

freimütig eingestehen: nicht viel.

Aber wenn wir alles unter einem länger-

fristigen Aspekt betrachten, wenn wir auf die Periode des Kalten Krieges zurückblicken und auf die Entfernung, die wir seither zurückgelegt haben, dann
glaube ich, daß trotz einer Folge von Pendel schlagen in unseren Beziehungen
eine allmähliche Bewegung nach vorn sichtbar wird.

Im Lauf der letzten 10

Jahre haben die sowjetischen Führer in ihrem ureigensten Interesse die Art
und Weise geändert, in der sie mit ihrem eigenen Volk umgehen.

Und, ich er-

wähnte es bereits, sie sind der Weltmeinung gegenüber nicht unempfindlich.
Trotz mancher Schwankung gibt es einen langfristigen Aufwärtstrend in Richtung
auf eine nützliche Zusammenarbeit auf den Gebieten gegenseitigen Interesses.
Eins der bedeutsamsten ist die Rüstungskontrolle.
Für jemanden, der wie ich - 30 Jahre lang - seit dein Zeiten des Kalten
Krieges - die Sowjetunion beobachtet hat, gibt es Gründe für einen vorsichtigen Optimismus, daß mit Geduld, Beharrlichkeit und klarem Kopf unsererseits
die Sowjetunion schließlich doch zu der Einsicht gebracht werden kann, daß
durch ständigen Ausbau ihrer Militärmacht und militärische Abenteuer in fremden Ländern ihren Interessen weniger gedient ist als durch ausgehandelte
Rüstungsbegrenzungen und eigene Zurückhaltung in anderen Teilen der Welt.
Gewiß dürfen wir nicht zuviel zu bald erwarten. Wir müssen vermeiden, daß
die Stimmung
in unserer Öffentlichkeit von einem Extrem ins andere verfällt,
von einem übertriebenen Gefühl der Verträglichkeit mit der Sowjetunion z~il offenen
- 4 -

�offenen Bekundungen der Feindseligkeit.

Nach meiner Auffassung hat sich zu

Anfang der siebziger Jahre ein sehr ärgerliches Mißverständnis über die wahre
Natur der Entspannung entwickelt, das dann zu einer unkritischen und ungerechtfertigten Euphorie führte.. Entspannung heißt nicht, daß ein Jahrtausend der
Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens angebrochen ist - was in jedem
Falle ohne einen grundlegenden Wandel der sowjetischen Philosophie und Weltanschauung unmöglich wäre.

Im besten Falle bedeutet Entspannung ein zunehmendes

Bewußtsein in diesem nuklearen Zeitalter für die Notwendigkeit, in einigen Dingen zusammenzuarbeiten, den Wettstreit in bezug auf andere Fragen in geordneten Bahnen zu halten und zu einer Übereinkunft hinsichtlich der Mittel zur Entschärfung jener Spannungen zu gelangen, die zu einer gefährlichen Konfrontation
führen könnten.

Das aber ist alles, mehr nicht.

Irgendwelche Veränderungen im sowjetischen System zustandezubringen,
muß als eine sehr langfristige Aufgabe angesehen werden. Aber die Chance
einer Veränderung, so gering sie auch sein mag, ist größer, wenn ein gewisses
Maß an Verpflichtung zwischen unseren beiden Ländern besteht. Und meiner Ansicht nach ist es genau so falsch, den Wert des Versuchs einer Zusammenarbeit
mit Moskau überhaupt in Frage zu stellen, wie viele das heute tun.
Wir müssen unsere eigenen Ziele in unserem Verhältnis zur Sowjetunion klar
vor Augen behalten. Wir wollen die Wahrscheinlichkeit einer direkten Konfrontation, die zu selbstmörderischen militärischen Feindseligkeiten eskalieren
könnte, so gering wie möglich halten. Wir wollen die Chancen für ein destabilisierendes Auftreten der Supermächte in den Entwicklungsländern verringern,
soweit es geht. Wir wollen jedoch das gegenseitige Verständnis, das - lassen
Sie mich dies betonen - nicht vom gegenseitigen Vertrauen abhängt, so weit wie
möglich steigern, da es zu den ersten beiden Zielen beitragen und auch zu einer
gedeihlichen Zusammenarbeit auf jenen Gebieten führen kann, auf denen sich
unsere Interessen decken.
Nachdem wir festgelegt haben, was wir aus unseren Beziehungen zur Sowjetunion erwarten, müssen wir methodisch, beharrlich und realistisch darangehen, es

- 5 -

�es zu erlangen.

Es ist überflüssig, zu erwähnen, daß ich keinesfalls der

Auffassung bin, alles, was wir zu tun hätten, bestünde darin, uns mit der
Sowjetunion zusammenzusetzen und mit ihr vernünftig zu argumentieren, um
unsere Ziele zu erreichen. Wir sollten bei jedem anstehenden Problem von
der Voraussetzung ausgehen, daß wir und die Sowjets an entgegengesetzten
Polen stehen und daß sie versuchen werden, uns auszunützen, wo immer es möglich ist. Aber wir sollten gleichzeitig genug Selbstveritauecn besitzen,
um einen Dialog zu begrüßen und unseren Einfallsreichtum für Lösungen zu nützen, die zwar für die Sowjetunion attraktiv sind, indem sie ihren eigenen
Interessen entgegenkommen, die aber gleichzeitig in Einklang mit unseren
eigenen wesentlichsten- Zielen stehen und die - vor allem - unsere Sicherheit
und die unserer Verbündeten nicht schwächen.
Unsere Politik wird auch weiterhin im Widerstreit stehen. Nach meiner
Ansicht hält die derzeitige sowjetische Führung an ihrem Glauben an die traditionellen marxistisch-leninistischen Ziele der "Weltrevolution" fest. Aber
ich glaube auch, daß eben diese Führung davon überzeugt ist, daß ihre globalen
Ziele durch einen nuklearen Krieg nicht gefördert werden. Während sie für eine
"friedliche Koexistenz" zwi:schenOst und West eintritt, ist die Sowjetunion
weiterhin ständig als Protektor und Unterstützer für die radikalen, im wesentlichen antiwestlichen Strömungen in der Dritten Welt - die die Sowjets als
"nationale Befreiungsbewegungen" bezeichnet haben - tätig geworden. Eine solche Weltanschauung bietet uns nur geringen Trost, sollte uns jedoch auch
nicht zu dem Schluß verleiten, gegenseitig nutzbringende Zusammenarbeit sei
unmöglich. Sie ist möglich, solange sie sorgfältig geplant und ohne jede
Illusion oder utopische Vorstellung darüber durchgeführt wird, was wirklich
machbar ist.
Meiner Meinung nach haben sich die historischen Gegebenheiten auf eine
Weise entwickelt, daß nunmehr konkrete Abrüstungsmaßnahmen eine große Anziehungskraft auf die sowjetische Führung ausüben. Noch vor 10 Jahren hätten
nur wenige kenntnisreiche Amerikaner geglaubt, daß wir uns mit den Sowjets
zusammensetzen und zu einer Vereinbarung über die Begrenzung der strategischen
- 6 -

�strategischen Kernwaffen gelangen könnten.

Aber genau das ist es, was wir

mit SALT II getan haben - nach nützlichen und wirkungsvollen Schritten zur
Behandlung des Problems der Begrenzung strategischer Waffen, wie dies bei
SALT I und in Wladiwostok geschehen ist.
Ich will nicht auf die Inhalte des SALT-Abkommens eingehen; seine detaillierten und komplexen Bestimmungen sind in den letzten Wochen angemessen - einige
würden sagen: ad nauseum - vor den Senatsausschüssen diskutiert worden. Lassen
Sie mich lediglich erwähnen, was ich von meinem besonderen Standpunkt aus als
einige seiner größten Vorzüge erachte. Das Abkommen wird ein grundlegendes
Element der Stabilität in unsere Beziehungen mit der Sowjetunion einbringen.
Es scheint mir wichtig, daß der Vertrag gleiche Höchstgrenzen für das strategische Arsenal beider Seiten festsetzt und dadurch ein bis dahin bestehendes
zahlenmäßiges Ungleichgewicht zugunsten der Sowjetunion aufhebt. Er läßt uns
die Freiheit der Wahl, die Waffen zu bauen, die wir zur Erhaltung des strategischen Gleichgewichts benötigen. Er vergrößert unsere Möglichkeit, sowjetische
Tätigkeiten zu überwachen, und er ist angemessen verifizierbar - ein grundlegender Aspekt eines jeden Abkommens mit den Sowjets, da wir uns nicht auf ihren
guten Willen verlassen können.
Lassen Sie mich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß ich vor einiger
Zeit öffentlich festgestellt habe, ich würde tatsächlich gegen einen Vertrag
sein, der nicht angemessen verifizierbar sei. Angesichts des Verlusts unserer
Einrichtungen im Iran behielt ich mir mein Urteil über den Vertrag vor; jetzt,
nachdem ich von den Experten hier in Washington informiert wurde - es waren
dieselben Informationen, die auch der Präsident selbst erhielt -, stimme ich
mit ihm, mit Verteidigungsminister Brown und mit dem Gemeinsamen Stab der
amerikanischen Streitkräfte überein.

Keinerlei militärisch bedeutsame Ver-

tragsverletzungen von SALT II könnten unentdeckt bleiben.

Ich hätte vor dem

Senat nicht die Zustimmung zum Vertrag empfohlen - wie ich dies vor einigen
Wochen getan habe - ,wenn ich nicht davon überzeugt wäre.
In diesem Zusammenhang möchte ich ein paar Worte zur Aushandlung des Vertrags sagen.

Eine häufig von Kritikern des Vertrags geäußerte Meinung ist die,
- 7 -

�die, daß wir besser weggekommen wären, wenn wir nur hartnäckiger gewesen
wären, weniger erpicht auf ein Abkommen - mit einem Wort: zäher.

Die logische

Folge davon ist, daß wir immer noch einen besseren Abschluß erzielen und
unsere vergangenen Fehler korrigieren könnten, wenn wir wieder zu den Sowjets
gehen und den Vertrag neu aushandeln.
Annahmen völlig falsch sind.

Ich bin davon überzeugt, daß beide

Meiner Ansicht nach basieren sie auf der falschen

Einschätzung dessen, was wirklich geschah und was in unseren Beziehungen zu
den Sowjets möglich und durchführbar ist. Wir würden uns auf gefährliche Weise
täuschen, wenn wir etwas anderes glaubten.
Hinsichtlich der Aushandlung des Vertrags bin ich überzeugt, daß das Abkommen das beste ist, was zu bekommen war.

Wir hätten von den Sowjets bei je-

dem spezifischen Punkt nicht mehr erlangen können, ohne einen unannehmbaren
Preis bei einem anderen Teil des Abkommens zu bezahlen.

Ich sage dies auf-

grund meiner eigenen Teilnahme an den SALT-Verhandlungen und meiner langjährigen Erfahrung mit den Sowjets.
Auch sollten wir uns einen klaren Kopf hinsichtlich der Aussichten auf
eine Neuverhandlung bewahren. Wenn wir wieder zu den Sowjets gehen, um bei
bestimmten Themen eine Neuverhandlung zu unseren Gunsten aufgrund einiger vom
Senat verabschiedeter Abänderungsanträge zu verlangen, so würde dies höchsten
zur Neueröffnung solcher Themen führen, die zu unseren Gunsten abgeschlossen
wurden - und es gibt viele davon. Oder aber sie werden es rundweg ablehnen.
In jedem Fall würde dies den Vertrag zunichte machen. Wir sollten uns keinerlei Illusionen hingeben, was dies betrifft. Die Sowjets haben den Vertrag
unterschrieben im Glauben daran, daß dies in ihrem nationalen Interesse ist und auch wir glauben, daß er in unserem ist. Sie wollen SALT, und sie haben
gewichtige Gründe dafür. Aber ich kann mir keinerlei Umstände vorstellen, unter
denen wir sie dazu überreden könnten, mit einem Vertrag zu leben, den sie für
sich als nachteilig erachten, oder ein Abkommen anzunehmen, das auf unser
Drängen hin zu unseren Gunsten abgeändert wurde. Dies kann ganz einfach nicht
gutgehen. Aufgrund von 30 Jahren Erfahrung im Umgang mit den Sowjets kann ich
Ihnen sagen, daß es nicht ein Akt des Glaubens, sondern ein Akt der Torheit

�Torheit wäre, anders zu denken.
In diesem Zusammenhang ist es meiner Ansicht nach von großer Bedeutung,
zu begreifen, warum die Sowjets den Vertrag wollen.

Sie wollen ihn, würde

ich sagen, größtenteils aus den gleichen Gründen wie wir. Während sie uns
grundsätzlich immer noch antagonistisch gegenüberst hen, haben die Sowjets dennoch allmählich erkannt, daß ein Weltkrieg, der den Einsatz von Kernwaffen
einschließt, ihre globalen Ziele nicht fördert.

Daher sind die Sowjets an der

Entwicklung einer beständigeren Beziehung zu uns und an der Verringerung der
Möglichkeit einer gefährlichen Konfrontation mit uns interessiert.

Außerdem

will die sowjetische Führung die Mittel etwas begrenzen, die zur Zeit noch
für die strategischen Waffen verwendet werden, um auf diese Weise zusätzliche
Hilfsmittel für

andere Zwecke bereitzustellen.

Obwohl die Sowjets genau wie wir die

Notwendigkeit einer strategischen Parität und einer Zweitschlagkapazität begreifen, sind sie nicht daran interessiert, in Kernwaffensystemen zu investieren, die sie nie zu benutzen hoffen - solange sie überzeugt sind, daß sie auf
solche Systeme verzichten können, ohne ihre nationale Sicherheit zu gefährden.
Gleichzeitig ist es jedoch naiv anzunehmen, daß die Sowjetunion in einem
so hoffnungslosen wirtschaftlichen Zustand sei, daß die Sowjets ein für sie
nachteiliges SALT-Paket schlucken müssen. Ich glaube, daß dies falsch und ein
gefährliches Argument ist. Es wäre gleichermaßen naiv anzunehmen, daß Breschnew
so begierig auf ein SALT-Abkommen ist, daß er bereit wäre, sich über jede Opposition vonseiten seiner Kollegen hinwegzusetzen und ein für die Sowjetunion
nachteiliges Abkommen einzugehen. Kein Mensch mit einiger Erfahrung im Umgang
mit der Sowjetunion würde dies auch nur eine Minute lang glauben. Breschnew
würde unter keinen Umständen gegen die sowjetischen Interessen handeln, und
selbst wenn er geneigt wäre, dies um seiner eigenen Selbststilisierung willen
zu tun, hätte er dazu keine Macht.
Und was passiert, wenn der Senat SALT II nicht ratifiziert?

Meiner Mei-

nung nach würde dies ein ernster Schlag für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im allgemeinen und im besonderen
- 9 -

für den SALT-Verhandlungsablauf

�SALT-Verhandlungsablauf sein.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, daß

die Ablehnung von SALT II entweder alle Abrüstungsverhandlungen einfriert oder
einen dauerhaften Bruch unserer bilateralen Beziehungen verursacht.

Der Ab-

rüstungsprozeß ebenso wie unsere bilaterale Beziehung insgesamt wären jedoch
stark beeinträchtigt, und zu diesem Zeitpunkt kann niemand sagen, wieviel
Zeit nötig wäre, um den Schaden zu beheben.
Außerdem glaube ich, daß die Sowjets eine Alternative zu einem SALT IIAbkommen sehen - zwar eine riskante, aber auch eine mit beträchtlicher Anziehungskraft.

Wenn es dem Senat nicht gelingt, das Abkommen zu billigen,

oder wenn er auf Abänderungen besteht, die für den Kreml unannehmbar sind, so
wird das Ergebnis eine Vertrauenskrise bei unseren westlichen Verbündeten hinsichtlich der amerikanischen Führung sein.

Einen Keil zwischen die Vereinig-

ten Staaten und ihre europäischen Verbündeten zu treiben, ist ein Ziel der
sowjetischen Außenpolitik, das viel älter als die Rüstungskontrolle ist.

Ich

bin davon überzeugt, daß Moskau einen Zusammenbruch des SALT-Prozesses ausnützen würde, um dieses Ziel mit aller Macht zu verfolgen.
sie würden damit einigen Erfolg haben.

Und ich glaube,

Das Ergebnis könnte eine zunehmende

Isolation Amerikas sein sowie ein Zusammenbruch unserer Anstrengungen, die
Verbesserung der konventionellen und nuklearen Verteidigung Westeuropas zu
fördern.
Ich möchte klarstellen, daß ich von der Ratifizierung des SALT II-Vertrages kein Klima erwarte, in dem wir mit Moskau ein Herz und eine Seele sind.
Nichts wäre weiter von der Wirklichkeit entfernt. Unsere Beziehung ist gegnerisch, und es wird immer ein ziemliches Maß an Reibung, an Problemen und an
Unannehmlichkeit geben.
Aber obwohl SALT II die schädigenden Elemente des Wettstreits zwischen
uns und den Sowjets nicht aus der Welt schafft, wird der Vertrag die Stabilität in der Welt vergrößern und als Sprungbrett für weitere Verhandlungen über
Waffenkontrolle und andere politische Themen dienen. Er wird es uns ermöglichen,
auf SALT III zuzugehen, auf weitere Verringerungen unserer strategischen Ar-

- 10 -

�Arsenale und auf fortgesetzte Anstrengungen zur Verminderung des Risikos,
daß unser Wettstreit in einen Nuklearkrieg umschlägt.

Und dies ohne unsere

Sicherheit oder die unserer Freunde und Verbündeten zu beeinträchtigen.
Ich bin der festen Überzeugung, daß der Vertrag die Unterstützung und die Zustimmung aller Amerikaner mit gesundem Menschenverstand verdient, die, wie
ich selbst, die vitalen Interessen unseres Landes über alle anderen Erwägungen
stellen.

+ + + + +

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15. August 1979

SEISMISCHE SONDE FÜR HEISSDAMPF IN DER ERDE

(AD) - Die Idee von Geophysikern der kalifornischen StanfordUniversität, unterirdische Heißwasser- und Heißdampffel der mittels seismischer
Wellen ausfindig zu machen, wurde jetzt in Feldstudien einer Wissenschaftlergruppe der Universität Kalifornien in Berkeley mit großem Erfolg in der
Praxis erprobt. Professor Arnos Nur (Stanford) hatte die Methode auf Grund
der Ergebnisse von Laborversuchen vorgeschlagen. Er und seine Mitarbeiter
beobachteten nämlich, daß seismische Wellen beim Durchgang durch dampfhaltiges Gestein unterschiedliche Veränderungen erfahren: Die Amplitude,
d.h. die Stärke, der transversal sich fortpflanzenden sogenannten Scherungswellen verändert sich nur geringfügig. Die Verdichtungswellen jedoch, die
sich longitudinal fortpflanzen, erfahren beim Durchgang durch eine DampfWasser-Mischung eine starke Abschwächung. Demnach müßten, so die Hypothese
der Forschergruppe Arnos Nur, an seismischen Wellen auch beim Durchgang durch
ein natürliches geothermisches Dampf-Wasser-Reservoir diese Effekte zu
erkennen sein und helfen, solche unterirdischen Vorkommen ausfindig zu machen,
Und nicht nur das: Mit der Zeit dürften sich sogar die Anteile von Wasser
und Dampf in dem bestimmten Reservoir mengenmäßig bestimmen lassen.

Im

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�Im Verlauf ihrer Untersuchungen an einem bereits bekannten, jedoch
noch nicht explorierten unterirdischen Heißwasser-Reservoir in Mexiko
(nache Guadalajara im Bereich des Vulkans La Primavera, einer "jungen"
Formation, die vor 20 000 bis 30 000 Jahren sehr aktiv gewesen sein dürfte)
beobachtete eine Forschergruppe der Universität Berkeley die von den
Stanford-Wissenschaftlern vorhergesagten Effekte. Professor Thomas McEvilly,
der Leiter der Gruppe und Direktor des Departments für Geologie und Geophysik
der Universität von Berkeley, bezeichnet die Übereinstimmung der Ergebnisse
als "einen jener dankbaren Fälle, wo im Labor gewonnene Erkenntnis auf die
Natur übertragen werden können. Wir fanden genau das, was die neue Theorie
besagte.

Noch dazu war die Wellenabschwächung ein viel besserer Indikator

für die Existenz des unterirdischen Dampffeldes als alles andere, mit dem
wir bisher solche Sondierungen durchgeführt haben."
Vergleiche zwischen den Geschwindigkeiten von Verdichtungs- und
Scherungswellen wurden in den letzten Jahren zusammen mit einigen anderen
Indikatoren für Versuche zur Erdbebenvorhersage herangezogen. Wie Prof. Nur
erklärt, sei demgegenüber bei der Prospektion zur Auffindung geothermischer
Vorkommen die Amplitude, nicht aber die Ausbreitungsgeschwindigkeit der
seismischen Wellen ein wichtiger Hinweis auf die Existenz eines unterirdischen Reservoirs. Man sollte sich nicht mehr auf so einfache Indikatoren
Wie heiße Quellen oder Geysire an der Oberfläche beschränken angesichts
der Notwendigkeit, auch die Erdwärme als Energiereserve so umfassend wie nur
irgend möglich zu erschließen. Vielmehr sollte jetzt systematisch unter
Einsatz der seismischen Methode nach unterirdischen Heißwasserfeldern gesucht
werden. In der Umgebung bekannter derartiger Felder seien übrigens schon
seit längerer Zeit bei Erdbeben besondere Effekte beobachtet worden, die
wissenschaftlich schwer zu deuten waren. Aber es handelte sich um ganz vereinzelte Beobachtungen, und Literaturangaben dazu seien äußerst spärlich.
Wenn aber aufgrund der jetzigen Erfahrung das Phänomen in wissenschaftlichen
Kreisen mehr beachtet wird, dürfte sich dies bald grundlegend ändern.

+ + + + +
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15. August 1979

ZUCKERROHR ALS ENERGIEROHSTOFF

- (AD) - In der gegenwärtigen Debatte über die künftige Energiepolitik
der Vereinigten Staaten ist der Begriff "Biomasse" kaum mehr als ein
möglicher Programmpunkt für Planungen, zusätzliche Rohstoffe für die
Energieproduktion zu finden. Aber im pazifischen Inselstaat Hawaii ist
die Verwendung von Biomassen bereits eine Realität. Der 16 640 qkm große
Bundesstaat bezieht durchschnittlich 13 Prozent seines elektrischen Stromes
aus Biomassen. Auf zwei der acht größeren Inseln - nämlich auf Hawaii und
Kauai - sind es sogar 50 Prozent.
In den sogenannten Biomassen pflanzlicher und tierischer Herkunft ist
natürliche Energie gespeichert, die in verwendbare Energieformen wie z.B.
elektrischen Strom, Dampf, petrochemische Ersatzprodukte oder verschiedene
flüssige und gasförmige Brennstoffe umgewandelt wird. Zuckerfabriken in
Hawaii haben in den letzten Jahren mit großem Erfolg ein auf der Verarbeitung
solcher Biomassen basierendes Verfahren angewandt, um elektrischen Strom
für die öffentliche Versorgung und daneben noch den gesamten Betriebsstrom
für die Verarbeitungsprozesse zu erzeugen. Die anderen amerikanischen

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�amerikanischen Bundesstaaten nahmen davon kaum Notiz.

Erst Präsident

Carter machte kürzlich anläßlich eines Besuches in Hawaii auf die dort
bereits gut entwickelte Nutzung alternativer Energiequellen wie Erdwärme,
Sonnenenergie mittels Solarzellen sowie von Biomassen (vorwiegend auf der
Basis der Zuckerrohrverarbeitung für die Produktion von Methyl- und Äthylalkohol)
aufmerksam.

Das Hawaii-Modell sei beispielhaft, so der Präsident, und sollte

in möglichst großem Umfang in den kontinentalen Bundesstaaten der USA Nachahmung finden.
Der Energie-"Rohstoff" für die Stromerzeugung ist Bagasse, der Preßrückstand des Zuckerrohrs. Für die Zuckergewinnung wird Zuckerrohr nach
dem Waschen zwischen großen Walzen zerkleinert, die gleichzeitig den Zuckersaft herauspressen. Die zurückbleibende Bagasse wird zusammen mit restlichem
Blattwerk in der Heizanlage eines Dampfkessels verbrannt. Der so gewonnene
Heißdampf treibt einen Turbogenerator, mit dem Kraftstrom für das öffentliche
Stromnetz erzeugt wird. Der Abdampf dieser Turbine hält drei weitere
(Niederdruck)-Turbinen in Gang, die den Strom für die innerbetriebliche
Versorgung liefern. Sogar die Abwärme dieser Aggregate wird noch genutzt nämlich zum Trocknen des Saftes, aus dem in Trocknerbatterien der Rohzucker
kristallisiert. An diesem Punkt der Produktionskette hat der kondensierte
Dampf seine Energie zum größten Teil abgegeben und wird als Speisewasser zum
Kessel zurückgeleitet.
Dieses wirtschaftliche Verfahren gab der "Hilo Coast Processing
Company" die Möglichkeit, mit der Elektrizitätsgesellschaft von Hawaii
einen 20-Jahres-Vertrag über die kontinuierliche Lieferung von Strom für
das Versorgungsnetz abzuschließen. Er bringt ihr jährlich neben einer
gesicherten Energieversorgung des eigenen Betriebs Einkünfte von schätzungsweise zwei Millionen Dollar sowie die zusätzliche Honorierung von Sonderleistungen ein. Dieses Geschäft erwies sich angesichts der schlechten
Zucker-Weltmarktpreise und der rapide gestiegenen Erdöl kosten als ein
Schlüsselfaktor für das überleben der Zuckerindistrie auf Hawaii.
Die
- 2 -

�Die Wirtschaft sah sich durch den Erfolg ermutigt, gemeinsam mit
bundesstaatlichen Behörden in Hawaii und Fachleuten des US-Energieministeriums
in Washington nach Mitteln und Wegen zu suchen, um auch die bei der Zuckerproduktion anfallende Melasse zu verwerten und daraus Äthylalkohol in großtechnischen Mengen zu gewinnen.

Die Melasse-Rückstände, die noch erhebliche

Mengen von Zucker, dazu Stickstoffverbindungen, Salze und Wasser enthalten,
werden als Futterzusatz, zur Herstellung von Hefe und zum Vergären verwendet.
Äthylalkohol als Benzinzusatz ließe sich durch Fermentation der Melasse nach
dem Zugeben von Hefe und Wasser gewinnen.
1:9 Benzin zugemischt.
GASOHOL.

Das Produkt würde im Verhältnis

Dieser Kraftstoff erhielt in den USA die Bezeichnung

Auf der Hawaii-Insel Maui wird gegenwärtig eine Pilotanlage errichtet,

die jährlich 2,3 Millionen Liter Äthanol aus Melasse erzeugen soll.

Damit

könnte bei Verwendung dieses Alkohols als Benzinzusatz mehr als 20 Prozent
des Kraftstoffbedarfs auf der Insel gedeckt werden.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Vorratslager in Europa dienen der NATO-Verteidigung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raschere Verstärkung aus den USA möglich -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten Ed Scherr&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reubin Askew: Der neue US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausblicke auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Malcolm Toon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Seismische Sonde für Heißdampf in der Erde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zuckerrohr als Energierohstoff</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

alla
i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8. August 1979

32

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter würdigt Bedeutung der Schlußakte von Helsinki
HINTERGRUNDMATERIAL
Amerikas Macht in einer s"»ch wandelnden Welt
- von Dr. .Zbigniew Brzezinski Man fährt gut mit Biosprit
- Amerikanische Autofahrer haben GASOHOL angenommen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Leiseres Kleinflugzeug
- NASA erprobt neue Motoren Eine Bank für Knochenmark ;n Texas
- Patienten spenden für den Eigenbedarf -

Um Übcr/cncJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8. August 1979

32

PRÄSIDENT CARTER WÜRDIGT BEDEUTUNG DER SCHLUSSAKTE VON HELSINKI

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 1. August 1979 in einer Erklärung auf die Bedeutung der am 1. 8. 1975 in Helsinki unterzeichneten Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hingewiesen und die anderen Länder aufgefordert, gemeinsam die dort eingegangenen
Verpflichtungen zu erfüllen. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
An diesem Tag im Jahr 1975 versammelten sich die Staats- und Regierungschefs von 35 Staaten in Helsinki, um die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu unterzeichnen. Sie verpflichteten sich,
in Europa eine Zukunft des Friedens und der Stabilität zu schaffen auf der
festen Grundlage des gegenseitigen Verständnisses und der Achtung der elementarsten Menschenrechte.
Im Verlauf der Jahre nach Helsinki sind wir Zeugen gewissenhafter Anstrengungen vieler Signatarstaaten geworden, um ihre Verpflichtungen gemäß der Schlußakte voll und ganz zu erfüllen. Wir haben Fortschritte gemacht bei der Sicherung eines freizügigeren Austausches von Menschen und Ideen. Flagranter Mißbrauch der Menschenrechte wird nicht mehr unbemerkt und unbeanstandet getrieben.
Die Klausel der Schlußakte, die die Ankündigung großangelegter Manöver vor-

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�V

vorsieht, funktioniert gut.
deutliche Rückschläge.

4

Der Geist von Helsinki lebt. Aber es gab auch

Zum Beispiel treten heute, am Jahrestag von Helsinki,

in der Deutschen Demokratischen Republik harte neue Gesetze in Kraft, die den
Kontakt mit Ausländern einschränken sollen.

In der Tschechoslowakei werden

weiterhin Mitglieder der Bewegung "Charta 77" im Gefängnis festgehalten und sehen einem Prozeß entgegen wegen ihres Eintretens für die grundlegenden menschlichen Freiheiten.

In der Sowjetunion werden Organisationen, die eingerich-

tet wurden, um die Erfüllung des Abkommens von Helsinki zu überwachen, in
ihrer Tätigkeit behindert und ihre Mitglieder ins Gefängnis geworfen.

Solche

Handlungen stehen völlig im Widerspruch zu den in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen.
Am Jahrestag der Abkommen von Helsinki widme ich erneut diese Administration und diese Nation dem unermüdlichen Kampf um eine umfassende Durchführung
der Schlußakte.

Wir werden auch weiterhin unsere eigene Bilanz in Vorberei-

tung für das Treffen der KSZE-Staaten in Madrid im Jahr 1980 überprüfen.
Und wir rufen die anderen Signatarstaaten auf, mit uns zusammenzuarbeiten, um gegenseitig die Verpflichtung erfüllen zu können, die wir in Helsinki
für Frieden, Sicherheit und Menschenrechte eingegangen sind.

+ + + + +

�afj W\

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

32

8. August 1979

AMERIKAS MACHT IN EINER SICH WANDELNDEN WELT
von Dr. Zbigniew Brzezinski

Der Sicherheitsberater Präsident Carters,
Dr. Zbigniew Brzezinski, hat am 2. August
1979 in einem Vortrag vor der fast 150
Jahre alten "International Platform
Association" (einer privaten Vereinigung
öffentlicher Redner) die Führungsrolle
der Vereinigten Staaten in einer sich
wandelnden Welt deutlich gemacht. Es
habe keinen Sinn, so führte er aus, den
Wandel aufhalten zu wollen, sondern man
müsse ihn in die richtige Richtung lenken,
Die Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend über ein zentrales Anliegen unserer Regierung
und unserer Nation sprechen: Die Rolle der amerikanischen Macht in einer
Zeit des globalen Wandels.
Die Wechselwirkung zwischen der Macht Amerikas und dem globalen Wandel
stellt den Rahmen für die amerikanische Außenpolitik in unserer Zeit her.
Während der letzten dreißig Monate hat diese Wechselwirkung auch den Rahmen

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�k

Rahmen für mein tägliches Arbeitsleben hergegeben.

Ich möchte Ihnen etwas

von diesen Erfahrungen mitteilen.
Inmitten des Trubels der Ereignisse ist es ebenso notwendig wie
schwierig, einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen:
unsere Zeiten wirklich?
wir stehen, wirklich?

"Wie sind

Welche Bedeutung haben die Probleme, vor denen
Sind die scheinbar zufälligen und in keinem Zusammen-

hang stehenden Veränderungen um uns herum Teil eines geistig zusammenhängenden
Systems?

Wenn wir uns nicht immer wieder diese Fragen stellen, dann riskieren

wir, unser Richtungsgefühl zu verlieren.

Dann riskieren wir, zum Spielball

der Kräfte der Geschichte zu werden - ohne in der Lage zu sein, diese Kräfte
zu lenken.

Unser Bewußtsein als Staatsmann und Bürger verpflichtet uns,

die Bedeutung der sich wandelnden Wirklichkeit zu erkennen und dann aus
dieser Erkenntnis heraus Maßnahmen zu ergreifen, die die Wirklichkeit
kongenial zu unseren Werten und vereinbar mit unseren Interessen gestalten.

Die wahre Natur unserer Zeit
Lassen Sie mich eine einfache Vorstellung von einer komplexen Welt
entwickeln:

Wir leben in einer Zeit der weitreichendsten und tiefgreifendster

politischen Veränderungen in der Geschichte der Menschheit.

Niemals zuvor

waren zu einer Zeit so viele Länder und Völker so vielen politischen Umwälzungen ausgesetzt, so vielen konkurrierenden Ideologien, einem so raschen
Wachstum des politischen Massenbewußtseins.
Unsere Generation erlebt wahrhaft eine Zeit des echten weltweiten
politischen Erwachens.

Noch vor 40 Jahren schlief der größte Teil der

Menschheit politisch - kontrolliert von Weltreichen oder traditionellen
und überholten gesellschaftlichen und politischen Strukturen.

Der Westen -

die Länder Nordamerikas und der Kolonialreiche Europas - besaßen praktisch

�praktisch ein Monopol der politischen und wirtschaftlichen Macht.

Aber in den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges begann eine massive
Neuorganisation der Welt.

Die Isolation Amerikas von den Strömungen fand

ein für allemal ein Ende - zum Teil gerade wegen des Erfolges unserer
Bemühungen, eine Weltwirtschaft aufzubauen, die die produktive Energie
von zahllosen Millionen von Menschen in der ganzen Welt freisetzen würde.

Die wirtschaftliche Macht ist heute unter den Ländern der Welt
breiter verteilt als jemals zuvor.

Und dieser Prozeß ist noch keineswegs

abgeschlossen.

Gleichzeitig hat die Welt in weniger als einem halben Menschenalter
die Geburt von über 100 neuen Staaten erlebt - von denen jeder nach seiner
eigenen politischen Identität strebt, von denen jeder auf wirtschaftliche
Forderungen pocht, von denen jeder mit einem immer rascheren sozialen Wandel
zu tun hat.

Während auf der einen Seite das militärische Kräfteverhältnis

in der Welt bemerkenswert stabil geblieben ist, so ist sein Rahmen durch
den Wandel vom konventionellen Konflikt - meist über nationale Grenzen hinweg zum unkonventionellen Konflikt
komplizierter geworden.

- meist innerhalb der nationalen Grenzen -

Als trgebnis dieser Entwicklung stellen diese

internen Konflikte Möglichkeiten und Versuchungen für Interventionen von
außen dar.

Und auch dieser Prozeß ist noch keineswegs abgeschlossen.

Wir erleben also ein weltweites Muster der Neuverteilung der Macht.
Die Zeit, da sich in der Geschichte der Menschheit alles um Europa drehte
oder der Westen die politische Herrschaft ausübte, geht zu Ende.

In den

kommenden Jahren werden die Entwicklungsländer, wie wir sie nennen, ihren
Anteil an den Gütern der Welt vergrößern.

Die Industrieländer werden mehr

und mehr von Rohstoffen abhängen, die fernab ihrer Küsten gewonnen werden.
Und bis Ende dieses Jahrhunderts werden 80 Prozent der Menschen in den
Entwicklungsländern leben.

Das ist eine eindrucksvolle Statistik.

- 3 -

Und die

�»

*

die Menschen, von denen hier die Rede ist, werden zunehmend lesen und
schreiben können, zunehmend informiert sein und zunehmend ihren politischen
Willen zum Ausdruck bringen. Sie werden weltweite politische und wirtschaftliche Vereinbarungen fordern, die diesen neuen Realitäten entsprechen. Ein
Phänomen wie OPEC ist nur ein äußeres Symbol für eine tiefere Machtverlagerung
in der Welt - eine Verlagerung, die wir klar erkennen und auf die wir
vernünftig reagieren müssen.

Die Rolle der USA
Im Licht dieser sich wandelnden Welt muß die künftige weltweite Rolle
der Vereinigten Staaten sorgfältig durchdacht und klug entwickelt und ihr
eine sinnvolle Richtung gegeben werden. Der Versuch, das Unaufhaltsame
aufzuhalten, der Versuch, die unerbittlichen politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Veränderungen aufzuhalten, würde die Vereinigten Staaten zu
politischer Isolation und Leere verdammen. Stattdessen muß unsere zentrale
Strategie darin bestehen, bei der Umformung dieser unvermeidlichen globalen
Veränderung in konstruktiver und wirklich fairer Weise mitzuhelfen, wie es
Präsident Carter im Mai 1977 an der Universität von Notre Dame formulierte:
"Es ist eine neue Welt - aber Amerika sollte sie nicht fürchten. Es ist
eine neue Welt - und wir sollten dazu beitragen, sie zu formen. Es ist
eine neue Welt, die eine neue amerikanische Außenpolitik erfordert - eine
Politik, die sich auf eine Haltung des Anstands in ihren Werten und auf
Optimismus in ihrem historischen Ausblick gründet."
Von diesem Geist getragen, begann Präsident Carter eine umfangreiche
Liste grundlegender Ziele durchzuarbeiten - und er hat in zweieinhalb Jahren
geleistet, worauf jede andere Administration sogar nach einer ganzen
Legislaturperiode stolz sein würde:
Die

- 4 -

�-

Die Panamakanal-Verträge, die die Basis gelegt haben für eine wohldurchdachte Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und den
Ländern von Lateinamerika;

-

das langfristige Verteidigungsprogramm der NATO, das dem Bündnis
größeres Vertrauen gibt in einer Zeit erhöhter Gefahren und Ungewißheiten;

-

die Vereinbarungen von Camp David, die zu dem Friedensvertrag zwischen
Israel und Ägypten geführt haben, zu den Verhandlungen über die
Zukunft des Westufers und des Ghaza-Streifens und zu konkreten
Aussichten auf Frieden, rasche Entwicklung und Unabhängigkeit für
die Länder des Nahen Ostens;

-

die Normalisierung der Beziehungen zu China, was zu einem beschleunigten
produktiven Engagement dieses Landes mit der Welt führte, in dem nahezu
1 Milliarde Menschen leben;

-

ein Rahmen für den Gemeinsamen Fonds, der den Entwicklungsländern
größere wirtschaftliche Aussichten bietet;

-

die SALT II-Verhandlungen, die zur Stabilisierung des zentralen
nuklearen Gleichgewichts beitragen und die den Weg für künftige
Verringerungen der Nuklearwaffen ebnen;

-

und schließlich

das Multilaterale Handelsabkommen, das den Rahmen schafft für einen
freizügigeren Handel und aus dem Arbeiter, Bauern, Geschäftsleute
und Verbraucher sowohl hier als auch im Ausland Nutzen ziehen werden.

Dies sind echte und konkrete Leistungen. Und jede steht in einer
direkten Beziehung zu den anderen: jede ist Teil des umfassenden Entwurfs,
den Vereinigten Staaten in konstruktiver Weise Bedeutung für eine sich

- 5 -

�*

sich stürmisch verändernde Welt zu verleihen.

All dem zugrunde aber liegen

unsere Verpflichtungen den Menschenrechten gegenüber und das wachsende
internationale Bewußtsein, das sie hervorgebracht haben.

Militärische Macht
Die militärische Macht der Vereinigten Staaten ist eindeutig ein
überaus wichtiger Faktor in einer solchen Welt.

Denn wir müssen ent-

sprechende militärische Macht haben, um dabei zu helfen, die Veränderungen
in eine positive Richtung zu lenken.

Militärische Schwäche seitens der

Vereinigten Staaten kann Öffnungen und Versuchungen für unsere ideologischen
Gegner schaffen, um stürmische Situationen für ihre eigenen Zwecke auszunutzen.

Kurz gesagt:

eine starke Verteidigung erlaubt es uns, angesichts

von Entwicklungen geduldig zu bleiben, die ansonsten eine unannehmbare
Bedrohung darstellen könnten.
Einige Leute haben behauptet, daß unsere Erfahrung in Vietnam die
Wertlosigkeit, ja, die Bösartigkeit der amerikanischen Militärmacht gezeigt
hätten. Aber eine solche vereinfachte Sicht vergeht angesichts unserer
Geschichte. Wir haben unsere Unabhängigkeit mit der Waffe errungen und mit
ihr unsere Einheit bewahrt. Wir haben im Verlauf zweier Weltkriege das
Gleichgewicht zugunsten der Demokratie verändert. Und seit Beginn des
nuklearen Zeitalters hat unsere militärische Macht den Frieden - einen unruhigen Frieden, aber eben dennoch einen Frieden - zwischen den Supermächten
in Ost und West erhalten.
Um eins klarzustellen: Vietnam war eine Tragödie - strategisch und
politisch. Aber wir können es uns nicht leisten, uns durch irgendeinen
Vergleich mit der Vergangenheit die Sicht versperren zu lassen - egal, ob
dieser Vergleich Vietnam ist oder München. Die historische Perspektive, aus

- 6 -

�aus der heraus wir die Gegenwart und die Zukunft sehen, muß breit sein.
Ich denke, wir sind aus der Erfahrung von Vietnam mit einer neuen Reife
hervorgegangen, einem neuen Verständnis für die Bedeutung von nationaler
Stärke - in militärischer, politischer und moralischer Hinsicht - und mit
einem praktischen und neubelebten Sinn für strategische Prioritäten.
Der Grundstein unserer nationalen Sicherheit ist die strategische
Abschreckung. Einige Kritiker behaupten, wir würden nicht genug tun. Aber
ich kann Ihnen versichern, daß wir bisher und auch weiterhin strategische
Nuklearwaffen sowie eine konventionelle Streitmacht unterhalten, die
ausreichend sind, um vor jedem möglichen Angriff auf uns oder unsere
Verbündeten abzuschrecken oder zurückzuweisen.
Dies ist eine andauernde Herausforderung. Der anhaltende Ausbau
der sowjetischen strategischen Nuklearwaffen über mehr als 15 Jahre hinweg
geht weit über jede vernünftige Notwendigkeit der UdSSR hinaus, vor einem
Angriff auf sich selbst abzuschrecken. Wir waren gezwungen, als Antwort
darauf angemessene Maßnahmen zu ergreifen. Zu Beginn seiner Amtszeit
entschied sich Präsident Carter, rasch mit der Dislozierung der Marschflugkörper voranzugehen - eine bedeutende technologische Initiative. Wir
haben das TRIDENT-U-Bootprogramm und andere Raketenprogramme fortgesetzt,
die die Schlagkraft des überlebensfähigsten Teils unserer strategischen
Abschreckungskraft vergrößern. Und kürzlich entschloß sich Präsident Carter,
mit der umfassenden Entwicklung und Dislozierung der mobilen M-X-Interkontinentalrakete voranzugehen. Dies wurde durch die potentielle Bedrohung
der Überlebensfähigkeit unserer MINUTEMAN-Raketen notwendig, die von den
sowjetischen Waffenverbesserungen ausgeht.
Die amerikanische Militärmacht muß in der Lage sein, unsere wesentlichen
Interessen im Ausland zu schützen, darin eingeschlossen die drei lebenswichtigen strategischen Zonen außerhalb unserer Hemisphäre:
der Nahe Osten und der Ferne Osten.

Westeuropa,

Dies bedeutet, daß wir Reichweite und

- 7 -

�und Mittel sicherstellen müssen, um unsere Macht dorthin zu werfen, wo
sie gebraucht wird, und daß wir dies in angemessener Form und in angemessenem
Ausmaß tun.

Bei dieser Aufgabe konsultieren wir die Verbündeten und Freunde

in jedem Bereich, arbeiten mit ihnen zusammen und reagieren auf ihre Wünsche.
Aber wir bleiben Führer und müssen die Last dieser Rolle tragen.
Demzufolge erweitern wir die konventionellen Kapazitäten des NATOBündnisses in Europa und konsultieren unsere Verbündeten im Zusammenhang
mit der Modernisierung der europabezogenen Nuklearwaffen (Theater Nuclear
Forces).

Wir erhöhen unsere militärischen Fähigkeiten und - im Einklang

mit den Wünschen unserer Freunde in diesem Gebiet - unsere in der Nähe
liegende militärische Präsenz, um die Sicherheit unserer Interessen im
Nahen Osten zu garantieren.

Und wir arbeiten auch eng mit Japan und Süd-

korea zusammen, um die Sicherheit im Fernen Osten zu erhalten.

Darüber

hinaus hat die Normalisierung der Beziehungen zu China die Stabilität im
Fernen Osten vergrößert, und wir werden auch weiterhin diese Beziehungen
ausbauen.
Während wir die strategische Stabilität unterhalten, erkennen wir
dennoch die wachsende Gefahr einer Eskalation interner Konflikte zu
internationaler Konfrontation. Aus diesem Grund wenden wir uns strikt
gegen jede direkte oder indirekte Ausnutzung solcher Konflikte, und
unsere eigene Respektierung der Empfindlichkeit anderer Parteien wird
beeinflußt durch ihre Respektierung unserer Anliegen. Die Vereinigten
Staaten verfolgten in letzter Zeit eine vorsichtige Politik bei einigen
Umwälzungen, deren Auswirkungen uns nicht gleichgültig waren, und wir
erwarten in gleicher Weise von anderen, sich mit Interventionen und
anderen Anstrengungen zurückzuhalten, um tiefreligiösen und nationalbewußten Völkern fremde Doktrinen aufzuoktroyieren.

Waffenkontrolle

�Waffenkontrolle
Eine starke Militärmacht ist ein lebenswichtiger Bestandteil der
nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Betreibung der Waffenkontrolle
ist ebenfalls ein lebenswichtiger Teil unserer Sicherheit. Die wirtschaftliche Last eines unkontrollierten Wettrüstens für alle betroffenen
Länder und die mögliche Gefahr der Krise und des Konflikts, die ein solches
Wettrüsten beinhaltet, zwingen uns dazu, durch Vereinbarungen mit den
anderen Wege zur Rüstungskontrolle zu suchen. Vernünftige, verifizierbare
Rüstungskontroll Vereinbarungen sind ein direkter Beitrag zur nationalen
Sicherheit. Das SALT II-Abkommen, über das gegenwärtig der Senat debattiert,
ist eine solche Vereinbarung.
SALT II ermöglicht eine gesteigerte Stabilität und größere Verhersagbarkeit in einer Welt der Ungewißheit. Der Vertrag fordert gleiche Höchstgrenzen für Waffen. Er fordert von der sowjetischen Seite eine Verringerung
um etwa 250 strategische Startanlagen. Er setzt bedeutsame Grenzen für
die qualitativen Verbesserungen, die auf dem Gebiet der strategischen Offensivflugkörper erlaubt sind. Er beginnt den Prozeß der Begrenzung der
Gesamtzahl von abschußbereiten Gefechtsköpfen, die potentiell jeder Seite
zur Verfügung stehen. Und über diese konkreten Begrenzungen hinaus schafft
er ein psychologisches und politisches Klima, das eine nukleare Auseinandersetzung weniger wahrscheinlich macht.
Diese Maßnahmen beenden nicht den Wettbewerb hinsichtlich strategischer
Waffen. Auch machen sie die UdSSR nicht zu etwas anderem, als sie ist,
nämlich einem furchtbaren militärischen Herausforderer,, Aber SALT II beschränkt diesen Wettstreit und macht die Herausforderung leichter zu bewältigen und voraussagbar. Gleichzeitig läßt er uns die Freiheit, das
Notwendige zu tun, um uns der sehr deutlichen strategischen Herausforderung
zu stellen, die noch bleibt. Und er läßt den politischen Weg zu zukünftigen
SALT-Vereinbarungen hin offen. Zusammen mit notwendigen Schritten bei unseren

�unseren Verteidigungsprogrammen macht uns SALT II sicherer

als wir ohne

den Vertrag sein würden.
Wir sehen in der Tat einer schweren militärischen und politischen
Herausforderung durch die UdSSR entgegen. Wir erkennen diese Herausforderung
und unternehmen konkrete Schritte, um ihr vorzubeugen. Die Gesamtnachfrage
nach unseren militärischen Mitteln zur Verteidigung unserer lebenswichtigen
Interessen rund um die Welt ist gestiegen und hat nicht abgenommen seit den
Tagen, als wir uns einer nuklearstrategischen Überlegenheit erfreuten. Aber
für den Großteil der letzten zehn Jahre sind unsere Realausgaben für Verteidigung zurückgegangen, wenn man die Inflation berücksichtigt. Präsident
Carter hat begonnen, diesen Trend umzukehren, indem er einen realen Zuwachs
bei den militärischen Gesamtausgaben erstrebt und die Verteidigungsinitiativen ergreift, von denen ich vorhin sprach. Aber Sie wissen so gut
wie er, daß andere wichtige fiskalische Prioritäten in Wettstreit mit den
Militärausgaben stehen. Unsere nationale Sicherheit kommt zuerst. Aber
auf lange Sicht können wir Sicherheit nicht mit einer Wirtschaft erkaufen,
deren Kennzeichen hohe Inflation, niedrige Produktivität und niedriges
Wachstum sind. Besonders gefährlich ist unsere Energielage. Allein von
dem Standpunkt der nationalen Sicherheit aus - sogar wenn man die wirtschaftlichen Folgen einmal außer Acht läßt - ist eine exzessive Abhängigkeit
von ausländischem öl gefährlich. Gegen diese Verwundbarkeit müssen wir
angehen, und ich glaube, daß die Warnungen des Präsidenten hinsichtlich
Energie nun endlich gehört werden. Wir müssen unsere Wirtschaft wieder
heilen und die Bedürfnisse der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit
befriedigen und gleichzeitig die Errichtung einer festen Grundlage für die
Erhaltung des Friedens sichern.
Das kommende Jahrzehnt wird ein Jahrzehnt der Probe und der Herausforderung sein, aber auch eins der großen Hoffnung im Innern und im Ausland.
Es wird uns die schöpferischsten Talente abverlangen. Vielleicht wird es
uns sogar dazu zwingen, in unserem nationalen Leben die Qualitäten der

- 10 -

�der Einfachheit und Disziplin neu zu beleben. Aber im Herzen werden wir
Athener bleiben, dem öffentlichen Wohl verpflichtet in einer freien
Gesellschaft und einer friedlichen Welt. Was Perikles vor 2 500 Jahren
über seine Landsleute sagte, können wir auch von uns selbst sagen:
"Obgleich sehr wohl bekannt mit Schmerzen und Genuß des Lebens, so schrecken
wir dennoch vor den Gefahren nicht zurück".

+ + + + +

- 11 -

�8. August 1979

32

MAN FÄHRT GUT MIT BIOSPRIT
Amerikanische Autofahrer haben GASOHOL angenommen -

- (AD) - Obgleich GASOHOL, ein Mischkraftstoff aus 90 Prozent Benzin
und 10 Prozent Alkohol, etwas teurer ist als Benzin, scheinen viele Amerikaner bereit zu sein, den höheren Preis dafür zu zahlen.

Der akute Benzin-

mangel, der den Autofahrern noch vor wenigen Wochen so große Schwierigkeiten
bereitete, ist jetzt vorbei.

Dennoch bleiben viele Kraftfahrer offenbar dem

GASOHOL treu, mit dem ihnen an einer Reihe von Tankstellen aus der Patsche geholfen werden konnte.
Als Reaktion auf dieses Verbraucherverhalten haben jetzt mehrere große
Firmen den Biosprit in ihr Angebot aufgenommen.

Zwei amerikanische Bundes-

staaten haben bereits Gesetze verabschiedet, mit denen die Benutzung von
GASOHOL von offizieller Seite unterstützt wird.

Die American Oil Company be-

gann im Juli 1979 mit dem versuchsweisen Verkauf von GASOHOL an Tankstellen im
Bundesstaat Iowa; auch in Kansas wird der Mischkraftstoff inzwischen abgesetzt.

Wie die "National GASOHOL Commission, Inc." in Lincoln (Nebraska) be-

richtet, geben z.Zt. über 1000 Tankstellen in 20 amerikanischen Bundesstaaten
GASOHOL ab.
Um

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�Um dem wachsenden Bedarf an Alkohol gerecht werden zu können, will die
Archer-Daniels-Midland Company, ein bekannter Alkohol Produzent im Mittelwesten,
die Gewinnung von Alkohol aus Maisabfä'llen bis Ende 1979 verdreifachen.

Sol-

che Aktionen sind geeignet, den Preis für GASOHOL mit der Zeit zu drücken.
Das Weiße Haus unterstützt ohnehin eine Umstellung auf Biosprit.

In seiner

Rede vom 15. Juli 1979 forderte Präsident Carter die Ausweitung der Produktion von GASOHOL.

Und das amerikanische Energieministerium verwies in einem

Bericht darauf, daß die Verwendung von Biosprit wie z.B. GASOHOL den Vereinigten Staaten gegenwärtig und in wachsendem Umfang während der achtziger Jahre
helfen könne, die Mineral ölreserven zu strecken.

Zwar sei, landesweit gesehen,

in den kommenden fünf Jahren nur ein bescheidener Beitrag seitens der AlkoholKraftstoffe zur Versorgung auf dem Gebiet der Mineralölprodukte zu erwarten.
Denn die industrielle Kapazität für die Umwandlung von Agrarprodukten und Abfall Stoffen in Alkohol reiche einfach noch nicht aus.

Regional gesehen, vor

allem in den Bundesstaaten mit landwirtschaftlicher Orientierung, könnte Biosprit jedoch schon bald große Bedeutung erlangen.
Tendenz allgemein spürbar werden.

Nach 1985 dürfte diese

Denn dann können die großen neuen Produk-

tionsanlagen, die in den nächsten Jahren gebaut werden sollen, ihre Lieferungen aufnehmen.

Das Energieministerium der USA verfolgt sein Ziel, Alkoholkraftstoffe
einer maximalen Nutzung zuzuführen, auf zwei Wegen: 1) durch die Kommerzialisierung von Biosprit, wobei die Bundesregierung die Privatwirtschaft bei der
Durchführung eines raschen Aufbaus massiv unterstützt&gt;und 2) durch Forschung
und Entwicklung, wobei sich die Bundesbehörden darauf konzentrieren, die Kosten
der Alkoholtreibstoffe zu senken, den Rohstoffbereich, aus dem sie zu gewinnen
sind, auszuweiten, und ihre Nutzung zu verbessern.
Bereits während der letzten Monate unternahm die amerikanische Regierung
eine Anzahl von Schritten, um dies zu fördern. Dazu zählen u.a. eine Empfehlung Präsident Carters, GASOHOL auf Dauer von der Benzinbesteuerung durch den
Bund (ca. 1 Cent pro Liter) auszunehmen, ferner Mischkraftstoff in Regierungsfahrzeugen zu verwenden, wann und wo immer dies möglich ist, und schließlich

- 2 -

�schließlich die Bereitstellung von Bundesmitteln in Höhe von insgesamt 11 Millionen Dollar als finanzielle Hilfen für den Aufbau von 100 Kleinbetrieben,
die Alkoholtreibstoffe herstellen.

Das Energieministerium rechnet damit, daß

aufgrund der Anreize die Biosprit-Produktion von gegenwärtig 230 Millionen
Litern im Jahr auf etwa 1,2 Milliarden Liter im Jahr 1982 und auf 1,9 bis 2,4
Milliarden Liter im Jahr 1985 ansteigt.

Und das würde bedeuten, daß dadurch

jeden Tag 30 000 bis 40 000 Barrel Erdöl (1 Barrel = 159 Liter) eingespart
werden könnten.

Einige GASOHOL-Kritiker behaupten, daß man mit der Verwendung des Biosprits der Energieversorgung einen Bärendienst erweise, weil zur Herstellung
mehr Energie verbraucht würde,als das Produkt liefere.

Dazu vermerkt ein Be-

richt des amerikanischen Energieministeriums, daß nur einige ältere Alkoholbrennereien, die unter Verwendung von öl oder Erdgas alkoholische Getränke
aus Getreide brennen, unwirtschaftlich arbeiteten.

Neue Betriebe dagegen, die

mit weniger knappen Energieträgern wie Kohle, Holz, landwirtschaftlichen Rückständen oder Sonnenenergie arbeiten, tragen dazu bei, den Bedarf an Importöl
zu verringern.

In Kalifornien wurden bereits Gesetze verabschiedet, denen zufolge von
1982 an in diesem Staat alle Motorfahrzeuge mit GAS0H0L fahren müssen.

Nach

dem 1, Januar 1982 muß alles Benzin, das dort an Tankstellen abgegeben wird,
mit einem Prozent Methanol oder Äthanol versetzt sein.
teil des Zusatzes auf fünf Prozent steigen.

Bis 1985 soll der An-

Außerdem sind die Kraftwerke

verpflichtet, bei Kapazitäten von 1000 Megawatt oder mehr dem Heizöl Methanol
zuzusetzen oder dieses als primären Heizkraftstoff zu verwenden.

Der Bundes-

staat Nebraska erhebt bei reinem Benzin eine Sondersteuer von 1 Cent pro
Gallone (knapp 4 Liter), um damit den Bau von Biosprit-Anlagen finanzieren
zu helfen.
Die amerikanischen Autofahrer scheinen GAS0H0L aus verschiedenen Gründen
jetzt dem Benzin vorzuziehen - einmal deshalb, weil es sich um einheimischen

- 3 -

�einheimischen Kraftstoff handelt, dann wegen seiner höheren Oktanzahl gegenüber bleifreiem Normalbenzin, und nicht zuletzt aus dem Grunde, weil sie
einer neuen Entwicklung gegenüber aufgeschlossen sind.

- 4 -

�1

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32

8. August 1979

LEISERES KLEINFLUGZEUG
- NASA erprobt neue Motoren -

- (AD) - Das amerikanische Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) erprobt
gegenwärtig im Rahmen einer Vielzahl neuer Projekte, die keineswegs nur der
Raumfahrt dienen, zwei Versuchsmotoren für private Kleinflugzeuge.

Im Ver-

gleich zu den heute üblichen Motoren zeichnen sie sich durch geringere Lärmentwicklung und niedrigere Abgaswerte aus. Bei dem einen Motor wurden hinsichtlich des Geräuschpegels 10 Decibel, beim zweiten 14 Decibel weniger als
bei Motoren der gegenwärtig "leisesten" Privatjets gemessen.

Das bedeutet

beim überfliegen eines Gebiets eine Verringerung des am Boden wahrgenommenen
Lärms um etwa 50 bis 60 Prozent.

In den Vereinigten Staaten entfallen auf Kleinflugzeuge etwa 38 Prozent
des Intercity-Passagierverkehrs; in einer Reihe anderer Industrieländer dürfte
der Anteil ähnlich hoch sein.

Die Anwohner der Flugschneisen, über die im

Flughafenbereich die Maschinen ein- und abfliegen, haben besonders unter dem
von den Motoren entwickelten Lärm zu leiden.

Die Ingenieure der NASA vom

Lewis-Forschungszentrum in Cleveland (Ohio), die die neuen Motoren testen,
sind der Ansicht, daß diese im An- und Abflugbereich um ein Zehntel leiser
sein werden als die der leisesten Privatmaschinen heutiger Bauart.
Die

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�Die neuen Flugmotoren sind Entwicklungen der "Garrett Airesearch
Manufacturing Company" in Phoenix (Arizona) und der "AVCO Lycoming Division"
in Stratford (Connecticut).

Sie wurden von der NASA in ein Programm einbe-

zogen, bei dem es darum geht, die Technologie der großen Turbofan-Motoren auf
kleinere Motoren zur Verwendung in der allgemeinen Luftfahrt zu übertragen.
Lärmentwicklung brauche nicht, so ein NASA-Sprecher, eine Barriere für die umfassendere Verwendung von Turbofan-Triebwerken in der allgemeinen Luftfahrt
zu sein.

Eine Möglichkeit zur Verringerung des Lärmpegels bestehe darin,

die Ausströmgeschwindigkeit der Abgase zu reduzieren.

Außerdem werde der von

Kompressor und Turbine entwickelte Lärm durch Berücksichtigung akustischer
Gesichtspunkte bei der Konstruktion der inneren Motorteile und die Verwendung
schallabsorbierender Materialien verringert.
Die Umweltbelastung ist bei den neuen Motoren ebenfalls geringer:

Das

eine der beiden Triebwerke dürfte im Vergleich zu herkömmlichen Motoren 55 Prozent weniger Kohlenmonoxid und sogar 76 Prozent weniger unverbrannte Kohlenwasserstoffe abgeben.

Und es ist zu erwarten, daß die Abgasemissionen beim

zweiten Triebwerk sogar noch niedriger sind.

+ + + + +

- 2 -

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8. August 1979

32

EINE BANK FÜR KNOCHENMARK IN TEXAS
- Patienten spenden für den Eigenbedarf

- (AD) - Mehr als 200 Krebspatienten haben in Houston (Texas) Knochenmark in einer Bank besonderer Art deponiert.

Sie wird vom Krebszentrum der

Universität Texas unterhalten - und vom Patienten in Anspruch genommen, sobald
sich sein Zustand verschlimmert.

Das Knochenmark stammt von Patienten, die

mit Erfolg gegen Leukämie behandelt wurden.
gefroren und aufbewahrt.

Die Zellen werden sorgfältig ein-

Falls der Patient einen Rückfall erleidet, ist die

Injektion eigener Knochenmarkszellen ein wichtiger Teil der Therapie.
Leukämiepatienten werden mit massiven Dosen chemotherapeutischer Präparate behandelt.

Leider können diese jedoch auch gesundes Gewebe, nicht nur

die entarteten Blutzellen, zerstören.
samte Immunsystem.

Dies aber beeinträchtigt u.a. das ge-

Die Abwehrkräfte gegen Infektionen werden in gefährlicher

Weise geschwächt.
Das Knochenmark spielt eine wichtige Rolle für die Produktion von Substanzen, die dem Körper helfen, Krankheitserreger abzuwehren. Hauptsächlich aus
diesem Grund, nämlich zur Mobilisierung körpereigener Abwehrkräfte, erhalten
Leukämie-Patienten Knochenmarkübertragungen. Häufig verursachen jedoch die

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�9

die Transplantate von Spendern Komplikationen.

"

Bekommt jedoch der Patient

eigenes Knochenmark übertragen, hat der Organismus eine Chance, von sich aus
wieder gesunde Blutzellen zu produzieren.
Von den 200 Leukämie-Patienten mit einem "Guthaben" auf der KnochenmarkBank von Houston haben bisher 27 dieses Konto in Anspruch genommen.

Viele von

ihnen haben bisher den zweiten und sogar dritten Rückfall mit Erfolg überwunden.

Dr. Karel Dicke, der für die Knochenmark-Bank verantwortlich zeichnet,

ist überzeugt, daß die Zusatztherapie zahlreichen Patienten nach einem Rückfall helfen kann, der Krankheit erfolgreich Widerstand zu leisten.

+ + + + +

•

•

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter würdigt Bedeutung der Schlussakte von Helsinki&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Macht in einer sich wandelnden Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Dr. Zbigniew Brzezinski -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man fährt gut mit Biosprit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Autofahrer haben GASOHOL angenommen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leiseres Kleinflugzeug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- NASA erprobt neue Motoren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Bank für Knochenmark in Texas&lt;br /&gt;- Patienten spenden für den Eigenbedarf -</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I 3

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Embassy of the United States of America

1. August 1979

31
INHALT
INFORMATION
G. William Miller: Neuer Finanzminister der USA
Paul Adolph Volcker:

Der neue Präsident des amerikanischen Zentralbank-

rates (Bundesbankpräsident)
Charles W. Duncan:

Der neue Energieminister der USA

Benjamin R. Civiletti:

Der neue Justizminister der USA

Patricia Roberts Harris:

Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialministerin

Der neue Verkehrsminister der USA:

Neil Goldschmidt

Der neue Minister für Wohnungsbau und Städteplanung:

Moon Landrieu

DOKUMENTATION
Vance und Seignious sprechen über Einstellung der NATO-Verbündeten zu
SALT II

HINTERGRUNDMATERIAL
Erneuerungsfähige Energiequellen
USA:

Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Solarzellen nach neuem Herstellungsverfahren
Neue thermische Batterie zum Speichern von Wärme

Um Übef/encJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Information
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1. August 1979

G. WILLIAM MILLER: NEUER FINANZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - G. William Miller, der bisherige Präsident des
amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident), ist am 19. Juli 1979
von Präsident Jimmy Carter zum neuen Finanzminister - Secretary of the
Treasury - ernannt worden. Er tritt die Nachfolge von W. Michael Blumenthal
an.
Wie sein Vorgänger wird Miller zu den "gemäßigten" Demokraten gerechnet,
und beide haben sich aus kleinen Verhältnissen bis in die Spitze großer
Konzerne hochgearbeitet.

Beide sind auch der Auffassung, daß die Inflation

das wirtschaftliche Problem Nummer Eins der Vereinigten Staaten ist und die
Regierungsausgaben straff gezügelt werden müssen, wenn man der Inflation
entgegenwirken will.

Und schließlich treten beide für ein gemäßigt hohes

Zinsniveau, freiwillige Lohn- und Preisbeschränkungen und einen ausgeglichenen
Staatshaushalt ein.
Bevor Miller den Posten als Bundesbankpräsident übernahm, war er
Präsident der "Textron Inc.", eines Mischkonzerns, der seinen Hauptsitz
in Providence (Rhode Island) hat und 280 Betriebe und Fabrikanlagen in den

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�den Vereinigten Staaten und im Ausland umfaßt.

"Textron" beschäftigt

65 000 Personen und hatte im Jahre einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig bekleidete Miller den Posten des Direktors der Landeszentralbank von Boston und war Vorsitzender der Nationalen Unternehmervereinigung.
Miller stammt aus Oklahoma.

Er wurde am 9. März 1925 in Sapulpa

geboren, studierte an der Akademie der amerikanischen Küstenwache und
diente als Offizier im Pazifik und in Fernost.
Im Jahre 1952 schloß er sein juristisches Studium an der Universität
von Kalifornien ab und arbeitete als Anwalt in New York.
Im Juni 1960 wurde Miller zum Präsidenten des "Textron"-Konzerns
gewählt und übernahm 1968 in diesem Konzern den Posten des Generaldirektors;
im Jahre 1974 wählte man ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden.
Miller war außerdem Ko-Vorsitzender im amerikanisch-sowjetischen
Handels- und Wirtschaftsrat und im polnisch-amerikanischen Wirtschaftsrat und führte seit 1977 den Vorsitz im Industrie- Beratungskomitee des
Präsidialausschusses für Chancengleichheit am Arbeitsplatz.
Er ist mit Ariadna Rogojarsky verheiratet.

+ + + + +

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1. August 1979

31

PAUL ADOLPH VOLCKER:

DER NEUE PRÄSIDENT DES AMERIKANISCHEN ZENTRALBANKRATES
(BUNDESBANKPRÄSIDENT)

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Carter hat Paul Adolph Volcker, den

bisherigen Präsidenten der Landeszentralbank in New York, als Nachfolger von
C. William Miller, der nach der Kabinettsumbildung als Leiter des Finanzministeriums vorgeschlagen wurde, zum Präsidenten des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident) ernannt.
Präsident Carter hob in einer Erklärung die Verdienste Volckers hervor:
'Er ist ein Mann mit umfassender Erfahrung im Wirtschafts- und Finanzbereich
und genießt höchstes Ansehen im Ausland.

Er teilt meine Entschlossenheit, die

Schlacht gegen die Inflation im eigenen Lande energisch fortzuführen und im
Ausland die Stärke und die Stabilität des Dollar sicherzustellen."
In das vielfältige positive Echo auf die Ernennung stimmten so bekannte
Persönlichkeiten wie George Shultz, ehemaliger Finanzminister, Arthur F.
Burns, einer der Amtsvorgänger Volckers und David Rockefeller, der Vorsitzende
der Chase Manhattan Bank, ein sowie Senator William Proxmire, der Vorsitzende
des Bankenausschusses des Senats, der bemerkte: "Der Präsident hat eine

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�eine hervorragende Wahl getroffen.

Paul Volcker ist ein Mann von hoher

Intelligenz und bewiesenen Führungseigenschaften."
Die größte Gefahr für die amerikanische Wirtschaft geht nach Volcker
noch immer von der Inflation aus.

In einer Rede am 6. März 1979 erklärte er:

"Die Hauptrisiken für die grundlegenden Aussichten unserer Wirtschaft - und
ich denke nicht nur an 1979, sondern darüber hinaus - rühren von der Unsicherheit her, die durch die Inflation und den schwachen Dollar verbreitet
wird."
Der neue Bundesbankpräsident bringt einen reichen Erfahrungsschatz ins
Amt: Am 5. September 1927 geboren, studierte Volcker an den Universitäten
Princeton,Harvard und an der London School of Economics. Im Jahre 1952 kam
er als Wirtschaftswissenschaftler zur New Yorker Landeszentralbank und ging
fünf Jahre später als Finanzwirtschaftler zur Chase Manhattan Bank in New
York. Im Jahre 1962 wurde er Direktor für Finanzanalyse im Finanzministerium
und stieg ein Jahr später zum Stellvertretenden Staatssekretär für Monetäre
Angelegenheiten auf. Von 1965 bis 1969 war er Vizepräsident der Chase
Manhattan Bank und kehrte dann wieder ins Finanzministerium zurück, bis er
1975 Präsident der New Yorker Landeszentralbank wurde.
*

Der Zwei-Meter-Mann wurde in seinen Jahren als Staatssekretär im Finanzministerium auch mit der internationalen Szene wohlvertraut, als er in der
turbulenten Zeit, als das alte Bretton-Woods-System zusammenbrach und die
Aera der frei fluktuierenden Wechselkurse begann, im Zentrum des Geschehens
stand.
Paul A. Volcker ist verheiratet mit der ehemaligen Barbara Marie
Bahnson, hat zwei erwachsene Kinder, Janice und James, und zu seinen Hobbies
gehören die Gartenarbeit, das Fischen und Weinmachen, sowie eine gute
Zigarre.
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CHARLES W. DUNCAN:

DER NEUE ENERGIEMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Charles W. Duncan, der neue Energieminister, beschäftigte sich bereits vor 32 Jahren mit Energie: In seinem Heimatstaat Texas hob
er Gräben für die Verlegung einer Erdgasleitung aus, nachdem er als Chemieingenieur von der Universität abgegangen war. Seither war er Präsident von Coca
Cola, Chef einer großen Investmentfirma und schließlich zweiter Mann im Verteidigungsministerium. Schon seine Ernennung zum Stellvertretenden Verteidigungsminister war von einem langjährigen Berater Präsident Carters, Charles
Kirbo, plausibel erklärt worden: "Jimmy wollte einen guten Geschäftsmann im
Verteidigungsministerium". Und als ihn Carter am 20. Juli auswählte, an die
Spitze des schwierigen Energieministeriums zu treten, war auch hier seine Antwort die eines Geschäftsmannes: Reportern teilte er mit, er werde versuchen,
das Ministerium "im besten unternehmerischen Stil" zu führen,und sehe in der
Reorganisation und in einer straffen Führung der Energiebehörde seine erste
Aufgabe.
"Fair und praktisch" wurde er auch vom derzeitigen Chef der Firma Coca
Cola eingestuft und TIME nannte ihn "einen zähen Geschäftsmann mit wenig Geduld für die Art von Bürokraten:

Geben Sie mir eine klare Antwort - ja oder

nein", verlangt er von seinen Mitarbeitern.
Duncan

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�Duncan wurde am 9. September 1926 in Houston, Texas, geboren, erwarb
an der Rice-Universität den akademischen Grad eines Bachelor of Arts und
studierte an der Universität Texas weiter.
Er arbeitete zunächst ein Jahr bei der Humble Oil and Refining Company
und trat dann in den väterlichen Lebensmittel betrieb, Duncan Foods Company,
ein, deren Präsident er wurde.

Im Jahre 1958 wurde seine Firma von Coca Cola

übernommen, und er selbst trat ebenfalls in den Dienst der weltweiten Getränkefirma, deren Präsident in der Zentrale in Atlanta er 1971 wurde und wo er
auch den damaligen Gouverneur Jimmy Carter traf.
Er ist in zweiter Ehe mit Anne Smith verheiratet; das Ehepaar hat einen
Sohn und eine Tochter.

Auf seiner Farm in Wyoming geht er dem Angeln und der

Jagd nach und spielt Tennis.

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BENJAMIN R. CIVILETTI:

DER NEUE JUSTIZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - "Ben Civiletti war ein Bollwerk der Unterstützung",
sagte der bisherige Justizminister Griffin B. Bell über seinen Stellvertreter
- den Mann, den Präsident Carter zu dessen Nachfolger ernannt hat.
Der 44jährige Benjamin Richard Civiletti kam zum erstenmal im März 1977
ins Justizministerium als Unterstaatssekretär, zuständig für die Kriminalabteilung.

Zu jener Zeit war er Partner im Anwaltsbüro Venable, Beatier und

Howard in Baltimore, nachdem er vorher in derselben Stadt als Stellvertretender
Staatsanwalt tätig gewesen war.
Er fungierte als Mitglied verschiedener Spezialabteilungen und Ausschüsse an Bundesgerichten und einzelstaatlichen Gerichten.

An der Universität

von Maryland hielt er Vorlesungen zum Thema Verfahrenspraktiken und Prozeßtechniken.
Im August 1977 wurde er Mitglied der Amerikanischen Vereinigung der
Strafverteidiger. Als Anwalt und als Verwaltungsmann ist Civiletti

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�Civiletti als "Technokrat" mit scharfem Rechtsverstand bekannt.

Als

Carter ihn am 19. Juli an die Spitze des Justizministeriums berief,
beschrieb er sich selbst vor der Presse als eine Person "mit wenig
Humor und Brillanz".
Für das Justizministerium wurde er zum erstenmal vor zwei Jahren
von Charles Kirbo vorgeschlagen, einem engen Berater Präsident Carters,
der vorher Teilhaber des Anwaltsbüros Bell in Atlanta gewesen war.
Im Verlauf eines halbstündigen Treffens am 19. Juli im Weißen Haus
bat ihn der Präsident ausdrücklich - so Civiletti -, die Politik seines
Vorgängers fortzuführen und das Justizministerium von parteipolitischem
Einfluß freizuhalten.
Als Stellvertretender Justizminister war er unmittelbar für die Überwachung des Bundeskriminalamtes (FBI) zuständig, sowie für die Drogenabteilung, die Strafvollzugsbehörde, die Abteilung für Gefängnisse und
viele andere Abteilungen.
Civiletti absolvierte die Johns Hopkins Universität und schloß im
Jahre 1961 seine Studien an der Juristischen Fakultät der Universität von
Maryland ab. Er wurde in Peekskill im Staate New York geboren und ist
mit der beborenen Gaile Lundgren aus Baltimore verheiratet. Das Ehepaar
hat drei Kinder.

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1. August 1979

PATRICIA ROBERTS HARRIS: GESUNDHEITS-, ERZIEHUNGS- UND SOZIALMINISTERIN

WASHINGTON - (AD) - Zur neuen Gesundheits-, Erziehungs- und
Sozialministerin der Vereinigten Staaten hat Präsident Carter am 19. Juli 1979
die bisherige Wohnungsbauministerin seines Kabinetts, Patricia Roberts
Harris, ernannt. Mrs. Harris, die die erste schwarze Botschafterin der
Vereinigten Staaten war, tritt die Nachfolge von Joseph A. Califano an.
Sie hat sich als Juristin seit langem für soziale Belange der Bevölkerung
eingesetzt.
Patricia Harris wurde am 3. Mai 1924 in Mattoon, Illinois, als
Tochter eines Speisewagenkellners geboren. Sie wuchs in Chicago auf und
besuchte dort eine höhere Schule. Beim Schulabgang wurden ihr fünf
Universitätsstipendien angeboten; sie entschied sich für die HowardUniversität in Washington, die vorwiegend von Schwarzen besucht wird.
Nach Beendiguno ihres Studiums, das sie als Bachelor of Arts mit summa
cum laude abschloß, kehrte sie für zwei Jahre nach Illinois zurück, wo
sie an der Universität von Chicago tätig war. Washington lockte jedoch
wieder; 1949 ging sie an die dortige American University. Gleichzeitig
hatte sie den Posten eines Stellvertretenden Direktors des Amerikanischen

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�Amerikanischen Rates für die Menschenrechte inne.

Von 1953 - 1959 war

Mrs. Harris als Exekutivsekretär einer Negerstudentinnen-Verbindung
tätig.

Im Jahre 1955 heiratete sie einen Washingtoner Juristen, William

Bealey Harris, der damals zum Lehrkörper der Howard-Universität gehörte.
Zum Teil auf Drängen ihres Ehemannes und zum Teil aufgrund ihres
wachsenden Interesses an der Jurisprudenz schrieb sie sich an der
juristischen Fakultät der .George Washington-Universität ein.

Im Jahre

1960 schloß sie ihr Jurastudium als Beste in einer Klasse von 94 ab.
Nach einjähriger Tätigkeit als Staatsanwältin im amerikanischen
Justizministerium schloß sie sich dem Lehrkörper der Howard-Universität an
und erhielt eine Professur für Rechtswissenschaften.
Unter den Administrationen Kennedy und Johnson gehörte Mrs. Harris
verschiedenen Kommissionen an, die für die Förderung der Frauenrechte eintraten. Im Jahre 1965 ernannte sie Präsident Johnson dann zur amerikanischen
Botschaft«rin im Großherzogtum Luxemburg; damit wurde Mrs. Harris die erste
schwarze Botschafterin der USA. Nach zwei erfolgreichen Jahren in
Luxemburg, wo auch ihr Ehemann als Rechtsberater des State Department
tätig war, kehrte das Paar nach Washington zurück. Mrs. Harris nahm
ihre Lehrtätigkeit wieder auf, die allerdings nach kurzer Zeit schon
wieder unterbrochen wurde, als Präsident Johnson sie zum Mitglied der
amerikanischen Delegation bei den Vereinten Nationen ernannte.
An die Howard-Universität zurückgekehrt, wurde sie 1969 Dekan der
juristischen Fakultät, trat von diesem Posten jedoch schon nach einem
Monat zurück, weil sie sich den Forderungen schwarzer Studenten nach einer
größeren Mitspracherolle nicht beugen wollte.
Mrs. Harris war Mitglied der Washingtoner Anwaltsfirma Fried, Frank,
Harris, Shriver und Kampelmann.

Sie ist Inhaberin von 30 Auszeichnungen.
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�I

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1. August 1979

31

DER NEUE VERKEHRSMINISTER DER USA:

NEIL GOLDSCHMIDT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat den Bürgermeister
der Stadt Portland im Staate Oregon, Neil Goldschmidt, im Rahmen seiner
Kabinettsumbildung zum neuen Verkehrsminister der Vereinigten Staaten
ernannt.
Neil Goldschmidt ist seit 1972 Bürgermeister von Portland.
Er war Delegierter der USA auf der Konferenz über "öffentliches
Transportwesen und Umwelt", die im Rahmen der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) abgehalten wurde.
Er ist einer der Vorsitzenden des Arbeitsstabs für Energie des
amerikanischen Städtetages und war vorher Vorsitzender des Verkehrsausschusses der amerikanischen Bürgermeisterkonferenz. Außerdem ist er
Mitglied des Beirats für Probleme der einzelstaatlichen und kommunalen
Verwaltung an der John F. Kennedy School of Government der HarvardUniversität.
Nach

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�Nach seiner Bestätigung durch den Senat wird Goldschmidt Brock Adams
ablösen.

Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Jody Powell, teilte Reportern

mit, Präsident Carter betrachte Goldschmidt als "einen streitbaren Bürgermeister mit Gespür für Neuerungen und hervorragenden Verwaltungsfähigkeiten".
Auch verstehe er "aus eigener Erfahrung die Verkehrsprobleme" der Nation.
Goldschmidt wurde am 16. Juni 1940 in Eugene, Oregon geboren.

Seine

Ausbildung schloß ein Studium der Politischen Wissenschaften an der Universität
von Oregon sowie an der Universität von Kalifornien in Berkeley ein.
1965 Ist er mit der ehemaligen Margaret Wood verheiratet.
Kinder.

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- 2 -

Seit

Sie haben zwei

�1

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1. August 1979

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DER NEUE MINISTER FÜR WOHNUNGSBAU UND STÄDTEPLANUNG: MOON LANDRIEU

WASHINGTON - (AD) - Als Präsident Carter Moon Landrieu zum Minister
für Wohnungsbau und Städteplanung ernannte, stellten Beobachter fest, daß
er einen tatendurstigen und ungemein populären Großstadt-Bürgermeister ausgesucht hatte.
Landrieu, 49 Jahre alt, war von 1970 bis 1978 Bürgermeister von New
Orleans und zeichnete verantwortlich für die Errichtung der gigantischen
"Superdome" Sportarena, belebte das Zentrum der Stadt neu, erneuerte das
historische französische "Quartier" und nahm Farbige in hohe Positionen
der Stadtverwaltung auf.
Bei der Ernennung sagte Präsident Carter:

"Bürgermeister Landrieu

genießt landesweite Achtung als fortschrittlicher Bürgermeister und
starker Verwaltungsmann sowie als respektierter und wirkungsvoller Sprecher
für die Kommunal Verwaltung."
Landrieu wurde auch hohes Lob von seiner Vorgängerin, Frau Patricia
Roberts Harris, zuteil, die von Carter als Gesundheitsministerin eingesetzt

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�eingesetzt wurde und die ihn als "einen ideenreichen Führer und begabten
Verwaltungsmann" bea'chnete und fortfuhr: "Er ist dem Dienst an denjenigen
verpflichtet, die nur wenig haben,und den großen und kleinen Kommunen im
ganzen Land, die Not leiden".
Als Sohn eines Ladenbesitzers hat Landrieu fast sein ganzes Leben der
Politik verschrieben.

Im Jahre 1960 wurde er zum erstenmal in das Abge-

ordnetenhaus von Louisiana gewählt und 1964 wiedergewählt.

Seiner Zeit oft

voraus, stimmte Landrieu einmal als Verfechter der Rassengleichheit als
einziger gegen die Rassentrennung, während 99 seiner Kollegen sich anders
entschieden.
Im Jahre 1966 wurde Landrieu zum Stadtratsmitglied von New Orleans
gewählt, vier Jahre später zum Bürgermeister. Außerdem war er Präsident
der amerikanischen Konferenz der Bürgermeister, M-tglied des Beirats der
Nationalen Städteliga und Mitglied des Aufsichtsr&lt;its der Nationalen
Städtekoalition, einer überparteilichen Organisation mit dem Ziel der
Verbesserung des Schicksals der Schwarzen und anderer Minderheiten in
den Vereinigten Staaten.
Am 23. Juli 1930 in New Orleans geboren, studierte er Verwaltung und
Recht an der Loyola-Universität von New Orleans und diente nach Abschluß
seiner Studien drei Jahre lang in der Armee, bevor er in einer Anwaltsfirma
in New Orleans tätig wurde und danach einen Platz im Abgeordnetenhaus von
Louisiana errang.
Er ist mit der ehemaligen Verna M. Satterlee verheiratet. Sie haben
5 Töchter und 4 Söhne, deren Vornamen alle mit "M' anfangen. Ursprünglich
hieß Landrieu mit Vornamen Maurice, jedoch ließ er ihn amtlich in "Moon"
abändern.

+ + + + +

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�1

1
3

Dokumentation
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1. August 1979

VANCE UND SEIGNIOUS SPRECHEN ÜBER EINSTELLUNG DER NATO-VERBÜNDETEN
ZU SALT II

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance und
der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), General
George M. Seignious, äußerten sich am 30. Juli 1979 vor dem Militärausschuß
des Senats über die Einstellung der NATO-Verbündeten zum SALT II-Vertrag.
Die Ausführungen von Außenminister Vance zu diesem Thema haben folgenden
Wortlaut:
SALT II ist auch eine Angelegenheit von großer Bedeutung für unsere Verbündeten in der NATO und anderswo. Sie unterstützen den Vertrag nachdrücklich,
Denn er erhöht ihre Sicherheit zusammen mit der unsrigen.
- Der Vertrag trägt dazu bei, das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das für die Glaubwürdigkeit unserer gemeinsamen Verteidigung lebenswichtig ist.

Der

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�- Der Vertrag trägt zur Stabilisierung der Ost-West-Beziehungen in
Europa und anderswo bei.
- Der Vertrag erleichtert unsere kollektive Anstrengung, die konventionellen Streitkräfte und die nuklearen Gefechtsfe'ldstreitkräfte des Bündnisses
zu stärken.
- Der Vertrag entspricht ihren (der Verbündoten) seit langem bestehenden
Interessen, eine starke Verteidigung durch wirksame Rüstungskontrollmaßnahmen
zu ergänzen.
Unsere Verbündeten sind befriedigt, daß diese Vorzüge verwirklicht werden
können, ohne in die bestehenden Verfahren der nuklearen und konventionellen
Zusammenarbeit im Bündnis einzugreifen.
Um klarzustellen, daß nichts in dem Vertrag die weitere Zusammenarbeit
in Waffentechnologie und Waffensystemen verhindern würde, haben wir am 29.
Juni im Nordatlantikrat eine detaillierte Erklärung abgegeben - eine Erklärung, über die wir uns im voraus eng konsultiert hatten. Wir unterstrichen,
daß wir keine Verpflichtung bezüglich der NichturTgehung über die grundlegenden
Lehrsätze des internationalen Rechts hinaus eingegangen sind und daß der Vertrag die bestehenden Verfahren der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten
nicht berühren wird. Ebensowenig wird er die Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Modernisierung verhindern.
Und um klarzustellen, daß SALT II künftige Optionen sowohl hinsichtlich
der Rüstungskontrolle als auch der Modernisierung von nuklearen Gefechtsfeldwaffen nicht ausschließt, haben wir erklärt, daß alle künftigen Begrenzungen
für amerikanische Systeme, die hauptsächlich für Sefechtsfeidaufgaben vorgesehen sind, von angemessenen Begrenzungen sowjetischer Gefechtsfeldsysteme
begleitet sein müssen.
Auf

- 2 -

�Auf der gleichen Sitzung des Nordatlantikrates gaben unsere NATO-Verbündeten eine formelle Erklärung ab, in der sie sich hinter den Vertrag stellen
und sein baldiges Inkrafttreten fordern.
Während unsere Verbündeten den Vertrag als eine positive Entwicklung begrüßt haben, haben sie auch ihre tiefe Besorgnis über die Folgen zum Ausdruck
gebracht, wenn der Vertrag abgelehnt würde.

So wie die Abkühlung der amerika-

nisch-sowjetischen Beziehungen in der Vergangenheit zu einer Verschärfung der
Spannungen in Europa geführt hat, so würde eine neue Runde des strategischen
Wettstreits einen Frosteinbruch in Europa bringen.
Wenn also SALT fehlschlagen sollte, wäre unseren Verbündeten und unseren
Bündnissen in der ganzen Welt schlecht gedient. Unsere Verbündeten erwarten
von uns militärische Stärke. Sie erwarten von uns, daß wir in dem Streben nach
größerer Stabilität und Frieden die Führung übernehmen. Eine Ablehnung dieses
Vertrages wäre ein Schock für das Gefühl der gemeinsamen Zielsetzung, das uns
zusammenhält.
Die Ausführungen des Direktors des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung, George Seignious, haben folgenden Wortlaut:
Das NATO-Bündnis erwartet von den Vereinigten Staaten grundsätzlich die
Erfüllung der folgenden zwei Aufgaben:
- die Aufrechterhaltung einer starken Abschreckung und einer starken Verteidigung sowie
- die Führungsrolle in den Ost-West-Beziehungen, um einen Krieg zu vermeiden, der die Länder Europas genauso vernichten würde wie unser eigenes.
SALT II trägt zu beidem bei.
Im

- 3 -

�Im Jahre 1944 setzte ich zum erstenmal meinen Fuß auf europäischen Boden als Angehöriger der 10. Panzerdivision.

Während der Krise im Zusammenhang

mit dem Bau der Berliner Mauer in den Jahren 1961-63 befehligte ich ein Kavallerieregiment am Eisernen Vorhang.

Im Jahre 1969 befehligte ich die 3. In-

fanteriedivision, und 1970 war ich US-Oberbefehlshaber in Berlin.

Ich bin der

Überzeugung, daß die grundlegenden Sicherheitsinteressen der NATO sich nicht
von den unsrigen unterscheiden:

Stabilität, Verhinderung eines Nuklearkriegs

und Erhaltung des strategischen und konventionellen militärischen Gleichgewichts.

Das 20. Jahrhundert hat Europa, genauso wie jede

andere

Region der

Erde die zerstörerische Gewalt des Krieges, die Vorteile der Stabilität und die
Notwendigkeit einer starken Verteidigung gelehrt.
Stabilität ist besonders wichtig für Europa, wo starke militärische Kräfte
in geringer Entfernung voneinander konzentriert sind, wo Tausende von Nuklearwaffen disloziert sind und wo ein Schauplatz der historischen Konfrontation
auch heute noch von höchstem Sicherheitsinteresse für jede der Supermächte ist.
Das Risiko eines Nuklearkriegs ist für Europäer genauso groß wie für Amerikaner,
und Stabilität ist ein Grunderfordernis und kein Luxus.
Für die europäische Sicherheit ist die Bewahrung des amerikanisch-sowjetischen nuklearstrategischen Gleichgewichts von grundlegender Bedeutung.
SALT II wird es uns im Zusammenhang mit unseren eigeien Verteidigungsprogrammen
ermöglichen, dieses Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Ebenso grundlegend ist die, Aufrechterhaltung des Gleichgewichts auf dem
Gefechtsfeld in Europa. Die NATO hat gegenwärtig mit einem ehrgeizigen und
teuren Programm zur Verbesserung ihrer Streitkräfte Degonnen. Ich bin der Ansicht, daß dieses Programm, das so wichtig für die ejropäische Sicherheit ist,
viel schwieriger durchzuführen wäre, wenn unsere Aufmerksamkeit und unsere
Mittel sich stattdessen auf ein ungehemmtes strategisch-nukleares Wettrüsten
konzentrieren würden.
SALT II

�SALT II engt in keiner Weise unsere Zusammenarbeit mit der NATO ein und
ist kein Ausverkauf der Interessen unserer Verbündeten:
- Wir haben unsere Verbündeten ausführlich konsultiert.

Zum Beispiel hatten

wir etwa 40 Zusammenkünfte mit dem Nordatlantikrat, um über SALT II zu sprechen; die Hälfte davon fand innerhalb der letzten zwei Jahre statt.
- Wir haben bei unseren Verhandlungepositionen die Sicherheitsbedenken
unserer Verbündeten mit in Rechnung gezogen. Zum Beispiel sieht SALT II keinerlei Beschränkungen der in Europa dislozierten Kernwaffensysteme vor.
- SALT II behindert nicht die traditionellen Verfahren der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, einschließlich der Weitergabe von Waffensystemen und anderer fortschrittlicher Technologie.

Die Sowjets schlugen zu Be-

ginn von SALT II qine strikte Klausel gegen den Transfer vor.
se und ähnliche sowjetische Vorschläge zurück.

Wir wiesen die-

Es gibt in SALT II keine Be-

stimmung gegen den Transfer.
- Und wie ich bereits sagte werden die Beschränkungen im Protokoll hinsichtlich land- und seegestützter Marschflugkörper auslaufen, bevor wie soweit sind, sie dislozieren zu können. Wir werden genügend Zeit haben, um sorgfältig und in Einklang mit unseren europäischen Verbündeten zu planen, wie wir
unsere Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte in der NATO am besten modernisieren
können. Und dieser Prozeß hat bereits begonnen.
Nach dem Gipfeltreffen in Wien kehrte ich über den Nordatlantikrat in
Brüssel nach Hause zurück, nachdem ich auch in Genf und in London Station gemacht hatte. Jedesmal informierte ich die Verbündeten.

Ich kann sagen, daß

alle ohne jede Ausnahme SALT II ihre äußerste Unterstützung zusagten.
In diesem Punkt sagen Worte von Europäern jedoch mehr als die Zusicherungen, die ich geben kann.

Im Juni sagte es Bundeskanzler Helmut Schmidt

klar und deutlich: (7. Juni, Harvard)
"SALT II

�"SALT II ist natürlich nicht nur eine innenpolitische Angelegenheit der
Amerikaner.

Deshalb informierte die amerikanische Regierung ihre Verbündeten

über den Fortschritt der Gespräche und konsultierte s,ie auch.
ist ein Stück Weltgeschichte.

Dieser Vertrag

Er ist auch ein Stück Weltsicherheit und ein

Stück der Sicherheit meines eigenen Landes.
punkt kooperativer Rüstungsbegrenzung.

Im Augenblick ist es ein Höhe-

Die Bundesrepublik Deutschland unter-

stützt den SALT Il-Vertrag und hofft, daß er bald durch Washington und Moskau
ratifiziert werden wird."

- 6 -

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1. August 1979

ERNEUERUNGSFÄHIGE ENERGIEQUELLEN
USA:

Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant

- (AD) - Amerika ist entschlossen, erneuerungsfähige Energiequellen in
einer Weise zu erschließen und weiterzuentwickeln, daß sie im Jahr 2000 etwa
20 Prozent des Energiebedarfs decken.

Gegenwärtig sind diese nur zu fünf Pro-

zent an der Energieproduktion beteiligt, wobei der Hauptanteil auf Wasserkraft entfällt.

Regierungsbeamte sind überzeugt, daß man heute vorhandene

technische und finanzielle Probleme werde lösen können, um z.B. ein Drittel
der erwähnten 20 Prozent aus der direkten Nutzung von Sonnenenergie zu gewinnen.

Für den Rest kommen Wasserkraft, Umwandlung von Biomassen, Windkraft,

Methan aus Kohlefeldern und weitere unkonventionelle Quellen in Frage.

Der "Verband der solartechnischen Industrie" (SEIA = Solar Energy Industries
Association) ist optimistisch hinsichtlich der Möglichkeiten, das gesteckte
Ziel zu erreichen.

Die 1974 gegründete Vereinigung, die mit sechs Mitgliedern

begann und inzwischen mehr als 1000 zählt, hat viel dazu beigetragen, daß in
den Vereinigten Staaten bereits über 20 000 Solaranlagen aller Größenordnungen
in Betrieb sind.

Diese Zahl soll, sobald im Oktober 1980 die von Präsident

Carter vorgeschlagene "Sonnenbank" ihre Tätigkeit aufnimmt, im Verlauf eines
Jahres schon auf etwa 100 000 anwachsen.
Mehr

Postfach 20 03 OO Tel: 02221-89 32 40
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D5300 Bonn 2

�Mehr als 150 amerikanische Firmen, die sich mit der Entwicklung von
Solaranlagen befassen, sind an der Börse vertreten.

Einige von ihnen bezie-

hen die Hälfte ihrer Einkünfte aus dem Absatz von solartechnischen Ausrüstungen, während bei Großfirmen wie EXXON, IBM oder Xerox dieses Geschäft mit erst
knapp einem Prozent zu Buche schlägt. Aber auch sehr kleine Unternehmen - man
schätzt ihre Zahl auf 150 bis 200, die zu klein sind, um z.B. Aktien auszugeben - sind maßgeblich in der solartechnischen Forschung und auf dem Verkaufssektor engagiert.

Und neben diesen Firmen gibt es noch eine Anzahl von Orga-

nisationen wie die "Zentrale für erneuerungsfähige Ressourcen" und die "SolarLobby" zur Förderung der Sonnenenergie-Technik in Washington, die in Fragen
der Sonnenenergie vor allem mit den Kommunen zusammenarbeiten.

Sie setzen

sich mit Ausdauer für geeignete Maßnahmen auf allen Ebenen ein und bemühen sich
darum, finanzielle Mittel zu mobilisieren und die öffentliche Aufmerksamkeit
auf Solarprogramme zu lenken.
Das amerikanische Energpeministerium hat, analog zu dem bewährten
"Extension Service" des Landwirtschaftsministeriums, einen Förder- und Beraterdienst für den Energiesektor eingerichtet. Er so'1 die einzelnen Bundesstaaten bei Sparmaßnahmen unterstützen und gemeinsam mit Ihnen Energieprogramme
entwickeln, die den jeweiligen regionalen und örtlichen Gegebenheiten angepaßt sind. Nicht nur für Großverbraucher, sondern ebenso für Kleinverbraucher
wie Hauseigentümer, Krankenhäuser und Schulen gibt es besondere Beratungsteams.
Andere Abteilungen des Ministeriums verfolgen langfristige Entwicklungen in
der Solar- und Erdwärmetechnik sowie auf dem Gebiet der Fusions- und Brüterreaktoren. Die US-Regierung wünscht, daß auf allen Gebieten sondiert wird und
so viele Erfahrungen und Informationen wie nur irgend möglich gesammelt werden,
damit später notwendige Entscheidungen leichter und ohne Verzögerung gefällt
werden können.
Kürzlich veröffentlichte die Zeitschrift TIME eine Obersicht über aussichtsreiche Alternativquellen für Energie.

Neben Ölschiefer, Teersanden und

Kohle für Umwandlungsprozesse sind als regenerative llnergiequellen besonders
hervorgehoben:
1) Sonnenenergie
- 2 -

�1) Sonnenenergie - Mit Hilfe der Solartechnik wird heute noch nicht einmal ein Prozent des Energiebedarfs der USA gedeckt.

Bei den meisten Anlagen,

die 95 Prozent des Umsatzes ausmachen, handelt es sich um flache solarthermische
Ausrüstungen, die auf Hausdä'chern installiert werden, um Wasser aufzuheizen.
Als für die Zukunft besonders verheißungsvoll werden jedoch die photovoltaischen
Zellen zur direkten Umwandlung von Licht in elektrischen Strom durch Siliziumkristallscheibchen angesehen, die auf Sammlerplatten montiert sind.

Die gegen-

wärtig noch viel zu hohen Kosten sollen, wie aus dem Energieministerium verlautet, bis 1990 so stark gesenkt werden, daß dieses Verfahren zur Stromgewinnung
mit anderen Methoden ohne weiteres konkurrieren könnte.

2) Biomasse - Hausbesitzer, kommunale Versorgungsunternehmen, Fabrikanten
und Stadtverwaltungen experimentieren mit den verschiedenen Naturprodukten
wie Abfällen aus der Landwirtschaft, insbesondere dem Maisanbau, mit Sägemehl,
organischem Dünger oder Stadtmüll, um daraus Energie zu gewinnen.

Nach Be-

rechnungen des Energieministeriums decken sie z. Zt. damit ca. ein Prozent des
Bedarfs.

Als Rohstoff spielt vorläufig Holz die wichtigste Rolle.

Der Ver-

brauch ist in den letzten neun Jahren um das Sechsfache gestiegen, vor allem
in den Neuenglandstaaten, wo etwa ein Fünftel aller Eigenheime mit Holz beheizt wird.

Ungefähr 150 Papier- und Zellstoffwerke verbrennen Holzabfälle

und Ablaugen für die Stromerzeugung.

Sie geben sogar Strom an die lokale In-

cjustrifl ab. was z.Zt. Erdöleinsparungen von fünf Millionen Barrel jährlich ermöglicht.

Und die Mehrzahl der Müllkraftwerke in Großstädten wie New York,

Chicago und New Orleans ist so ausgerüstet, daß Rohstoffe wie Glas und Nichteisenmetalle zurückgewonnen werden können.

3) Erdwärme - Untersuchungen des amerikanischen Energieministeriums zufolge könnten viele Weststaaten der USA dem Beispiel Islands folgen und einen
großen Teil ihres Energiebedarfs aus Erdwärme decken.

Sie läßt sich nutzen,

wenn man Bohrungen in durchschnittlich 700 m tief liegende Heißwasser- und
Dampfschichten im Gestein vortreibt.
relativ hoch in der Erdkruste liegen.

Die Wärme liefern Magmataschen, die dort
Daß mit dem Dampf aus solchen Quellen

Kraftwerksturbinen angetrieben werden können, demonstriert die Union Oil Company

- 3 -

�Company (Kalifornien) schon seit einigen Jahren.

Ihr geothermisches Kraft-

werk in der Nähe von San Francisco deckt zwei Prozent des Strombedarfs von
Kalifornien.
4) Wasserkraft - Vor einem halben Jahrhundert wurde in den Vereinigten
Staaten ein Drittel des Kraftstroms an Talsperren erzeugt.

In der Ära des

billigen Öls hat man eine Anzahl von Wasserkraftwerken stillgelegt oder abgerissen.

Aber jetzt kommt Wasserkraft wieder in Mode.

Die günstigsten Stand-

orte - Talsperren mit hohen Dämmen oder Flußläufe irit starker Strömung und
viel Wasser - sind natürlich längst besetzt und wurden auch nicht aufgegeben.
Heute besinnt man sich jedoch auf die Möglichkeiten, die kleine Dammbauwerke
- m i t Dammkronen von 22 m Höhe und darunter - für die Stromversorgung der unmittelbaren Umgebung bieten können.
5) Wind - Analysen zufolge könnten Windkraftwerke bis zum Jahr 1990 zwei
Prozent zur Deckung des Strombedarfs in den USA beitragen.

Ihr Nachteil, nur

bei Wind Strom zu erzeugen, würde vor allem in abgelegenen ländlichen Gebieten,
wo Energie besonders teuer ist, durch die geringen Produktionskosten mehr als
aufgewogen.

Die größte Windturbine für Demonstrationszwecke wurde kürzlich in

Boone (Nordkarolina) in Betrieb genommen.

Bei Windgeschwindigkeiten von 40 km/

Stunde und mehr erzeugt sie 2000 kW Strom.
6) Meeresenergie - Strömungen, Gezeiten, Wellen und Temperaturunterschiede
bilden die Hauptquellen,die zu nutzen wären. Mit einem Zuschuß des Energieministeriums wird gegenwärtig die Nutzbarmachung vcn Strömungsenergie vor den
Küsten Floridas untersucht. Mit der Umsetzung von Wärmeenergie der Ozeane befaßt man sich schon seit den dreißiger Jahren. Entsprechende Versuchsapparaturen nutzen das starke Gefälle zwischen dem warmen Cberflächenwasser und dem
kalten Tiefwasser in tropischen Meeren. Daß die Icee richtig ist, wurde bereits demonstriert. Aber das Verfahren ist noch nicht soweit entwickelt, daß
an eine kommerzielle Anwendung zu denken wäre.

Die

�Die Experten sind in der Frage, welche Alternativenergien die besten
Zukunftschancen haben, verschiedener Meinung. Im Rahmen des neuen Energieplans der Regierung sind jedoch bessere Möglichkeiten gegeben, Kosten, Technologien und Anwendung gründlich genug zu sondieren, um aufgrund erfolgversprechender Resultate die Privatwirtschaft auch für längerfristige Entwicklungen zu interessieren. Die meisten Befürworter findet gegenwärtig - auch
in der Presse - die Sonnenenergie. Eine Reihe von Firmen hat die Chancen im
Zusammenhang mit ihrer Erschließung erkannt und schon in kurzer Zeit gut genutzt. So ist heute, nur fünf Jahre nach ihrer Gründung, die Solarex Company
in Rockville (Maryland) der Welt größter Produzent für Solarzellen. Ihr Umsatz lag im Jahr 1978 bei über 10 Millionen Dollar; mehr als die Hälfte der
Produktion ging in den Export. In Kooperationsvereinbarungen mit Firmen in
Frankreich und Italien liefert Solarex die Solarzellen, der ausländische
Partner die Anwendungstechnik. Die Produkte reichen von Solarelektropumpen
für abgelegene Dörfer in Afrika bis zu Relais- und Verstärkerstationen der
Nachrichtentechnik für Abnehmer in vielen Teilen der Welt.

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Uli//en/chofl
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SOLARZELLEN NACH NEUEM HERSTELLUNGSVERFAHREN

- (AD) - Ein neues Verfahren, das die Herstellung von integrierten
Schaltkreisen und Solarzellen revolutionieren könnte, wurde von Wissenschaftlern
des "Massachusetts Institute of Technology" (MIT) in Boston entwickelt. Die
dabei angewandte Technik, Graphoepitaxie genannt, ermöglicht bei erheblichen
Kosteneinsparungen gegenüber herkömmlichen Verfahren das "Züchten" ausgerichteter Siliziumkristalle in einer dünnen Schicht auf der Oberfläche eines nichtkristallinen Trägers. Gegenwärtig werden Siliziumkristalle, mit bestimmten Zusatzstoffen "dotiert", in einem teuren und energieintensiven Verfahren hergestellt, um dann ihre Funktion in Solarzellen und den zahlreichen Instrumenten
und Ausrüstungen der Mikroelektronik erfüllen zu können. Aus einer Schmelzmasse werden große Einkristalle gezogen und anschließend in dünne Plättchen
gespalten.
Für das Graphoepitaxie-Verfahren dagegen sind eine Platte aus Quarzglas,
in die feine, parallel laufende Rillen eingeätzt sind, dazu ein dünner Film
nichtkristallinen Siliziums und Laser-Licht erforderlich, mit dem aus den
Siliziummolekülen Kristalle in der Orientierung der Rillen "geformt" werden.
Der Erfinder des Verfahrens, Prof. Henry I. Smith, ist überzeugt, daß auf diese Weise eine billige Massenproduktion von Solarzellen ermöglicht wird. Die
Idee dazu verdankt er einem Zufall: Vor etwa zehn Jahren entdeckte er an der

Postfach 20 03 00
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�der Windschutzscheibe seines Autos, daß sich bei starker Winterkälte Eiskristalle stets entlang feiner Kratzer ausbildeten, die man mit bloßem Auge
bei Wärme gar nicht zu erkennen vermochte.

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NEUE THERMISCHE BATTERIE ZUM SPEICHERN VON WÄRME

- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohl Stäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
+ + + + +

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NEUE THERMISCHE BATTERIE ZUM SPEICHERN VON WÄRME

- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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NEUE THERMISCHE BATTERIE ZUM SPEICHERN VON WARME

- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohl Stäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
+ + + + +

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

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und Technik

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

1. August 1979

31

NEUE THERMISCHE BATTERIE ZUM SPEICHERN VON WÄRME

- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt.

Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer

100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen.

Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die

Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat.

Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller

Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht.

Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle

auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt.

Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer

100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen.

Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die

Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat.

Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller

Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht.

Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle

auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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beanspruchen.
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Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer

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Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat.

Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller

Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;G. William Miller: Neuer Finanzminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Paul Adolph Volcker: Der neue Präsident des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charles W. Duncan: Der neue Energieminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Benjamin R. Civiletti: Der neue Justizminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Patricia Roberts Harris: Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialministerin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der neue Verkehrsminister der USA: Neil Goldschmidt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der neue Minister für Wohnungsbau und Städteplanung: Moon Landrieu&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vance und Seignious sprechen über Einstellung der NATO-Verbündeten zu SALT II&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erneuerungsfähige Energiequellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA: Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Solarzellen nach neuem Herstellungsverfahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue thermische Batterie zum Speichern von Wärme</text>
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und
TToITi

• 11

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

25. Juli 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Vizepräsident Mondale unterbreitet Sieben-Punkte-Programm in Genf
- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm des Präsidenten

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�1
I

3

Dokumentation
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25. Juli 1979

30

VIZEPRÄSIDENT MONDALE UNTERBREITET SIEBEN-PUNKTE-PROGRAMM IN GENF
- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz -

GENF

- (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale

hat am 21. Juli 1979 auf der Flüchtlingskonferenz der Vereinten Nationen
in Genf ein sieben Punkte umfassendes Aktionsprogramm zur Linderung der
Not der Indochinaflüchtlinge unterbreitet.

Es sei an der Zeit, so sagte

er in seiner vielbeachteten Rede, endlich zu handeln und nicht nur zu
reden.
Die Ansprache Mondales hat folgenden Wortlaut:
"Wieder einmal wenden sich die Staaten dieser Welt an die Vereinten
Nationen.

Wenn Probleme auftauchen, die die ganze menschliche Gemeinschaft

berühren, bietet kein anderes Forum ein umfassenderes Bild.

Wenn nationale

Interessen miteinander in Widerstreit geraten und aufeinanderprallen, lädt
uns keine andere Institution mit größerer moralischer Autorität vor. Die
Vereinten Nationen sind oft kritisiert, manchmal sogar verleumdet worden.
Aber die gemeinsame Grundlage, die sie uns bieten, verdient unseren Dank
und unser Lob.

Im Namen der Vereinigten Staaten und, wie ich glaube, im

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D 5 3 0 0 Bonn 2

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Telex:08-85432

�»

im Namen aller Länder der Staatengemeinschaft danke ich Generalsekretär
Waldheim und dem Hochkommissar Hartling für ihre Initiative, uns hier und
heute einzuberufen.
Herr Generalsekretär, manche Tragödien spotten der Einbildungskraft.
So manches Unglück entzieht sich dem Zugriff der Vernunft, so daß die Sprache
selbst unter der Last der Wirklichkeit zusammenbricht.
wir zu Metaphern.

Als Ersatz greifen

Als Ersatz sprechen wir den unhörbaren Dialekt des

menschlichen Herzens.
Heute stehen wir einer solchen Tragödie gegenüber. In praktisch allen
Sprachen der Welt wurden verzweifelte neue Ausdrücke geboren: "Sklaverei
hinter Stacheldraht", "Ein Archipel GULAG der Verzweiflung", "Eine Flutwelle
menschlichen Elends": mit solch neuen Schöpfungen wurde unsere Sprache
bereichert, aber im gleichen Maße verarmte unsere Zivilisation. "Die Bootsmenschen", "Die Landmenschen". Die Wörter sind neu, aber unglücklicherweise
sind die Vorgänger in den Annalen der Scham es nicht: diese Woche vor
genau 41 Jahren beendete eine andere internationale Konferenz am Genfer See
ihre Beratungen. 32 "Asylländer" kamen in Evian zusammen, um die bedrohten
Juden in Nazi-Deutschland und in Österreich zu retten. Am Ende der
Konferenz schleuderte Hitler seine Herausforderung der Welt ins Gesicht.
Er sagte: "Ich kann nur hoffen, daß die andere Welt, die so voller tiefer
Sympathie für diese Kriminellen ist, zumindest großzügig genug sein wird,
um diese Sympathie in praktische Hilfe umzuwandeln." Wir alle haben
ähnliche Argumente über die Lage der Flüchtlinge in Indochina gehört.
In Evian ging es um zweierlei: es ging um menschliches Leben, und es
ging um den Anstand und die Selbstachtung der zivilisierten Welt. Wenn
jedes Land an jenem Tag in Evian zugestimmt hätte, gleichzeitig 17 000
Juden aufzunehmen, hätte jeder Jude im "Reich" gerettet werden können.
Damals schrieb ein amerikanischer Beobachter: "Es ist herzzerreißend, an
die verzweifelten Menschen zu denken, wie sie in Ungewißheit darauf warten

�warten, was in Evian geschieht.

Aber die Frage, die sie aufwerfen, ist

nicht einfach nur eine humanitäre..., es ist ein Test für die Zivilisation."
In Evian begann alles mit großen Hoffnungen.

Aber der Test für die

Zivilisation schlug fehl.
Die zivilisierte Welt versteckte sich im Mäntelchen der Dogmatismen.
Zwei Länder sagten, sie hätten den "Sättigungspunkt" für jüdische Flüchtlinge
erreicht. Vier Länder sagten, sie würden lediglich erfahrene Landarbeiter
aufnehmen. Ein anderes wollte nur getaufte Einwanderer aufnehmen. Drei
erklärten Intellektuelle und Händler für unerwünscht. Ein Land befürchtete,
daß der Zustrom von Juden antisemitische Gefühle wachrufen würde. Und ein
Abgeordneter sagte folgendes: "Da wir kein echtes Rassenproblem haben,
haben wir auch nicht den Wunsch, eins zu importieren." Und während die
Delegierten Evian verließen, verspottete Hitler "die andere Welt" weiter
wegen ihres "triefenden Mitleids, das sie für das arme,gequälte Volk hegt,
während sie gleichzeitig hart und halsstarrig bleibt, wenn es darum geht,
ihm zu helfen." Nur wenige Tage später wurde die "Endlösung des jüdischen
Problems" entworfen, und bald darauf wurde es Nacht.
Lassen Sie uns den Irrtum von damals nicht wiederholen.
nicht die Erben jener Scham sein.

Lassen Sie uns

Um die Tragödie in Südostasien zu erleichtern, müssen wir alle eine
Rolle spielen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Anteil zu tragen genauso, wie wir dies schon seit Generationen getan haben. "Mother of
Exil es" steht auf dem Sockel der Freiheitsstatue im Hafen von New York.
Das amerikanische Volk hat bereits über 200 000 Menschen aus Indochina
will kommengeheißen. Ihr Talent und ihre Energien bereichern unser Land
unermeßlich.
Wir

- 3 -

�Wir sind dabei, die Vorbereitung zur Aufnahme von weiteren 168 000
Flüchtlingen im kommenden Jahr zu treffen.

Die Gouverneure und Kongreß-

mitglieder unserer Delegation sowie hervorragende Religions- und Bürgerrechtsführer in ganz Amerika sind ein Symbol der dauernden Verpflichtung
Präsident Carters und des amerikanischen Volkes.
Viele der hier vertretenen Länder haben sich dem Test der Geschichte
gestellt und haben eine große Zahl von Flüchtlingen aufgenommen.

Die

ASEAN-Länder, China und Hong Kong haben seit 1975 über einer halben Million
Flüchtlingen aus Vietnam, Laos und Kamputschea Sicherheit und Asyl angeboten.
Und auch andere haben ihre Tore geöffnet.
Aber der wachsende Exodus aus Indochina übertrifft noch immer die
internationalen Anstrengungen. Wir müssen zusammenarbeiten oder das Leiden
wird weiter zunehmen. Wenn wir nicht alle noch mehr tun, wird die Gefahr
eines neuen Konflikts wachsen und die Stabilität von Südostasien untergraben.
Wenn diese Konferenz nicht neue Verpflichtungen hervorbringt, sondern nur
neue Metaphern, werden wir die Verachtung von Evian erben. Es ist Zeit
für Taten, nicht für Worte.
Ich möchte sieben Gebiete ausführen, auf denen Handeln nottut:
Zuerst und vor allem muß die fundamentale Verantwortung bei der
Führung von Indochina, vor allem bei der Regierung der Sozialistischen
Republik von Vietnam liegen. Diese Regierung versäumt es, die Menschenrechte
ihres Volkes zu garantieren. Ihre gefühllose und
verantwortungslose
Politik zwingt zahllose ihrer Bürger dazu, alles zu verlassen, was ihnen
wert ist, ihr Leben auf Spiel zu setzen und ins Unbekannte zu fliehen.
Es muß ein sofortiges Moratorium gegen die weitere Vertreibung von
Menschen aus Vietnam geben.

Wir müssen das Ertrinken von Menschen sofort

verhindern und ein menschliches Auswanderungsprogramm erstellen.

- 4 -

Die Politik

�Politik der Vertreibung, die zu so vielen tragischen Todesfällen geführt
hat, muß aufhören.

Sie muß durch eine Politik ersetzt werden, die es

denjenigen, die ihre Heimat verlassen wollen, ermöglicht, dies zu tun in Sicherheit, nach eigener Wahl und auf geordnete Weise.
Gleichzeitig dürfen wir nicht die Landflüchtlinge vergessen, die durch
Kampf und ausländische Invasion aus ihrem Heimatland

vertrieben werden.

Die Völker dieser Welt müssen eine politische Lösung in Kamputschea unterstützen.
Das überleben eines ganzen Volkes ist in höchster Gefahr. Weder das
Pol Pot-Regime noch das von Hang Samrin repräsentieren das kamputscheische
Volk. Der Kampf und die menschliche Tragödie in seinem Gefolge müssen aufhören. Die internationale Gemeinschaft darf nicht die gewaltsame Vertreibung
ganzer Bevölkerungsteile tolerieren.
Ich rufe alle Regierungen auf, normale freizügige Auswanderung sowie die
Zusammenführung von Familien zu erlauben.

Meine Regierung unterstützt die

Anstrengungen zur Aushandlung eines Programmes zum ordnungsgemäßen direkten
Verlassen von Vietnam - aber nicht auf Kosten derjenigen, die bereits in
Lagern irgendwo in Südostasien auf Neuansiedlung warten.
Zweitens appelliere ich an die Länder, die ein erstes Asyl gewähren,
auch weiterhin allen Flüchtlingen vorläufige sichere Aufnahme zu bieten.
Für das von diesen Ländern gezeigte Mitleid verdienen sie Respekt und
Bewunderung der Staatengemeinschaft dieser Welt.
diese Verantwortung nicht allein tragen.

Aber diese Länder können

Wir rufen sie dazu auf, in ihrem

Geist der Menschlichkeit auszuharren, so daß unsere eigene Anstrengung weitergehen kann.
Deshalb muß, drittens, der Rest von uns den Ländern, die erstes Asyl
gewährt haben, die Zusicherung geben, daß die Flüchtlinge innerhalb einer

- 5 -

�einer vernünftigen Frist eine neue Heimat finden werden.

Um dieses Ziel

zu erreichen, rufen wir alle Länder auf, ihre Verpflichtungen zur Ansiedlung
zu verdoppeln, wie es die Vereinigten Staaten bereits getan haben.

Darüber

hinaus müssen wir alle bereit sein, uns zu mehrjährigen Neuansiedlungsprogrammen zu verpflichten, denn das Problem läßt sich nicht rasch lösen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten bemüht sich jetzt um diese Befugnis.
Viertens muß jeder von uns einen großen Beitrag zu den Anstrengungen
leisten, die der Hochkommissar der Vereinten Nationen für das Flüchtlingswesen unternimmt.

Er wird in den kommenden Jahren vermehrte Hilfsmittel

benötigen, um für die anwachsende Zahl von Flüchtlingen zu sorgen und um
das Elend in den Flüchtlingslagern zu mindern.

Er wird möglicherweise für

seine Indochina-Programme des Jahres 1980 rund 400 Millionen Dollar benötigen.
Um unseren Teil zu dieser Hilfe beizutragen, darf ich heute ankündigen,
daß meine Regierung den Kongreß ersuchen wird, 105 Millionen Dollar für
solche Programme zur Verfügung zu stellen - mehr als das Doppelte unserer
bisherigen Anstrengungen.

Wir sind auch bereit, hochqualifizierte Freiwillige

des Friedenskorps zu ernennen, um in den Lagern in Südostasien zu arbeiten,
nicht nur mit den einzelnen Ländern, sondern auch im Rahmen der Programme
des UN-Hochkommissars.

Wir drängen andere Länder dazu, ähnliche Hilfsprogramme

durchzuführen.
Fünftens ist es wesentlich, den Druck auf die bestehenden Lager zu
mildern und ein Netz neuer Durchgangslager für Flüchtlinge zu schaffen, die
dann für immer woanders angesiedelt werden sollen. Ausgehend von der großen
Anzahl von Flüchtlingen, müssen solche Zentren mindestens 250 000 Flüchtlinge
beherbergen. Meine Regierung hat der Initiative der ASEAN-Staaten für
Flüchtlings-Durchgangslager beigepflichtet. Präsident Carter applaudierte
der Regierung der Philippinen für die mutigen und beispielhaften Schritte,
die sie unternommen hat - ein Modell verantwortungsbewußter Führerschaft.
Heute freue ich mich besonders darüber, ankündigen zu können, daß wir vom

- 6 -

�vom Kongreß mehr als 20 Millionen Dollar fordern, um unseren Anteil an
solch neuen Anlagen des UN-Hochkommissars finanzieren zu können.
Sechstens müssen wir die Umsiedlung von Flüchtlingen auf Länder ausdehnen, die bereit sind, sie aufzunehmen - aber nicht die Mittel dazu haben.
Ich schlage heute im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten die
Schaffung eines Internationalen Fonds zur Neuansiedlung von Flüchtlingen
vor. Wenn andere Länder mitarbeiten, werden wir unseren Kongreß um Beiträge für den Fonds von insgesamt 20 Millionen Dollar im ersten Jahr ersuchen.
Wir fordern heute die anderen Länder auf, es uns gleichzutun. Wir empfehlen,
den Fonds mit 200 Millionen Dollar auszustatten. Dieser Fonds könnte zum
Beispiel eine internationale Körperschaft subventionieren, die anderen
Ländern dabei behilflich ist, mit ihren eigenen Plänen zu beginnen und
zusätzliche Mittel für diesen hohen menschlichen Zweck bereitzustellen.
Siebentens - und vor allem - müssen wir handeln, um das Leben derer
zu schützen, die Sicherheit suchen. Die Vereinigten Staaten handeln
energisch, um die Flüchtlinge vor Ausgesetztsein, Hunger, Ertrinken und
Tod auf See zu retten. Als militärischer Oberbefehlshaber hat der Präsident
der Vereinigten Staaten seine Befehle an unsere Flotte dramatisch verschärft,
um den ertrinkenden und verzweifelten Menschen zu helfen. Heute hat der
Präsident vier weitere Schiffe des militärischen Seebrückenkommandos in
das südchinesische Meer entsandt, wo sie sowohl zum Transport Zehntausender
von Flüchtlingen von ihren Lagern zu Transitzentren als auch zum Beistand
von Flüchtlingen auf hoher See verfügbar sind. Gleichzeitig hat der
Präsident Patrouillenflüge von Marineflugzeugen angeordnet, um in Not
befindliche Flüchtlingsboote auszumachen und ihnen Hilfestellung zu geben.
Zudem hat der Präsident unsere Handelsschiffahrt und die Gewerkschaften
aufgefordert, in ihren altehrwürdigen Anstrengungen fortzufahren, Flüchtlingen
auf hoher See zu helfen. Wir rufen die anderen Regierungen auf, dasselbe
zu tun und diejenigen zur Ansiedlung aufzunehmen, die aufgefunden werden.
Herr

�Herr Generalsekretär, verehrte Mitglieder, lassen Sie mich zusammenfassend zwei Punkte wiederholen.
Erstens:

die internationale Gemeinschaft darf diese erzwungene Aus-

treibung nicht tolerieren.

Wir rufen Vietnam auf, eine Politik einzustellen,

die so viele zur Flucht verurteilt.

Ein sofortiges Moratorium für Vertreibungen

ist notwendig.
Die Freiheit zur Emigration ist ein grundlegendes Menschenrecht. Aber
kein Land ist blind gegenüber dem Unterschied zwischen freiwilliger Auswanderung und erzwungenem Exodus. Verhängen wir ein Moratorium über diesen
Exodus. Halten wir einen Atemzug lang inne, damit wir alle - Regierungen,
freiwillige Kommissionen ebenso wie einzelne Privatleute - unsere Großzügigkeit mobilisieren und bei diesem menschlichen Unglück helfen können.
Und lassen Sie uns der Regierung von Vietnam gegenüber darauf bestehen, die
unveräußerlichen Menschenrechte im Innersten einer jeden zivilisierten
Gesellschaft zu ehren.
Zweitens: unsere Kinder werden hart mit uns ins Gericht gehen, wenn
wir versagen. Die Konferenz von Evian vor 41 Jahren fand in der gleichen
Bequemlichkeit und Schönheit statt, die wir auch während unserer Beratungen
heute genießen. Ein Beobachter jener Vorgänge, bewegt durch den Gegensatz
von Dekor und Aufgabe, sagte:
"Diese armen Menschen und diese großen Prinzipien scheinen so weit
entfernt. Für jemanden, der andere Konferenzen am Genfer See erlebt hat,
ist am Vorabend dieser hier das Erschreckendste, daß die Atmosphäre genau
so ist wie bei den anderen."
Lassen Sie uns nicht so sein wie die anderen. Lassen Sie uns dieses
Vermächtnis der Scham zurückweisen. Lassen Sie uns über die Metapher
hinausreichen. Lassen Sie uns die moralischen Prinzipien ehren, die wir

- 8 -

�wir ererbt haben.

Lassen Sie uns etwas Sinnvolles tun, etwas Grundlegendes,

um gegen dieses Unglück anzugehen.
Problem.

Wir stehen vor einem weltweiten

Lassen Sie uns eine weltweite Lösung gestalten.

Die Geschichte wird uns nicht vergeben, wenn wir versagen.
Geschichte wird uns nicht vergessen, wenn wir erfolgreich sind.

+ + + + +

- 9 -

Die

�25. Juli 1979

30

ERLÄUTERUNGEN DES WEISSEN HAUSES ZUM ENERGIEPROGRAMM DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 16. Juli 1979 Daten und
Fakten zum Energieprogramm Präsident Carters veröffentlicht, das auf eine
wesentliche Senkung der öleinfuhren abzielt.
Die Veröffentlichung hat folgenden Wortlaut:

Wesentliche Punkte
Die von der Regierung seit April 1977 getroffenen Maßnahmen haben
den für das Jahr 1990 vorausberechneten Bedarf des Landes an importiertem
öl um etwa vier Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) reduziert. Die heute vom
Präsidenten angekündigten Maßnahmen werden zusätzliche 4,5 MMB/D bis zum
Ende des nächsten Jahrzeznts einsparen und somit den geschätzten amerikanischen
Einfuhrbedarf halbieren. Der Präsident erklärte, daß die Vereinigten Staaten
nie mehr wieder mehr öl einführen werden als im Jahre 1977. Der Präsident
kündigte an, daß die Importquoten für 1979 und 1980 auf ein Niveau begrenzt

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�begrenzt werden, das noch unter den Höchtsgrenzen liegen soll, auf das
man sich auf dem Gipfeltreffen in Tokio festgelegt hatte.
Eine umfassende Strategie zur Verminderung der Einfuhren ist absolut
wichtig, um die weitere wirtschaftliche Stärke und die Sicherheit der
Vereinigten Staaten sicherzustellen.

Bei der Ausarbeitung dieses Programms

hat die Regierung alle zur Verfügung stehenden politischen Mittel geprüft,
um die Abhängigkeit von ausländischem öl einzuschränken, einschließlich
anderer Quellen für ül und Erdgas, direkte Verwendung von Kohle und Sonnenenergie.

Das vom Präsidenten heute verkündete Programm zieht alle diese

Quellen heran, um unser Einfuhrbeschränkungsziel vom Jahre 1990 zu erreichen.
Das Programm des Präsidenten soll
•

-

eine Energiesicherungsgesellschaft schaffen, um die Entwicklung
von 2,5 MMB/D an ölersatzstoffen aus Flüssigkohle und Gas, aus Ölschiefer, Biomasse und unkonventionellem Gas bis 1990 zu überwachen;

-

einen aus drei Mitgliedern bestehenden EnergiemcbilisierungsAusschuß (Energiemobilisierungsamt) einrichten, der mit der
Vollmacht ausgestattet sit, die Genehmigung und den Bau entscheidend
wichtiger Energieanlagen zu beschleunigen;

-

neue Anreize bieten zur Entwicklung von Ressourcen an Schweröl,
unkonventionellem Gas und Ölschiefer;

-

Versorgungseinrichtungen fördern, um den gegenwärtigen Ölverbrauch
um 50 Prozent zu reduzieren, eine Einsparung von 750 000 Barrel pro
Tag;

-

ein neues größeres Programm zur häuslichen und kommerziellen Einsparung einführen, das darauf gerichtet ist, im Jahr 1990 500 000 Barrel

�Barrel öl pro Tag einzusparen;
-

2,4 Milliarden Dollar jährlich bereitstellen zur Unterstützung
von amerikanischen Familien mit niedrigem Einkommen;

-

eine Summe von 16,5 Milliarden Dollar im Verlauf der nächsten zehn
Jahre bereitstellen für Verbesserungen im Massenverkehrssystem des
Landes und für niedrigeren Benzinverbrauch bei Autos.

In Verbindung mit den Initiativen, die in der Energierede des Präsidenten
vom 5. April angekündigt wurden und in Verbindung mit der Sonnenbank, wird
das heute vom Präsidenten angekündigte Programm es den Vereinigten Staaten
ermöglichen, ihren Einfuhrbedarf bis zum Jahr 1990 zu halbieren.

I.

Geschätzte Auswirkung der Initiativen der Regierung, um die öleinfuhren
im Jahr 1990 herabzusetzen.
Importeinsparungen aufgrund der Programme des Präsidenten:

2,5 MMB/D geschätzter Importeinsparungen durch das Nationale Energiegesetz, darin eingeschlossen
-

Gesetz über die Erdgas-Politik
Gesetz über Benzinverbrauch
Gesetz über Energiesteuer
Ausführungsbestimmungen für öffentliche Versorgungseinrichtungen

-

Gesetz über die nationale

Energieeinsparungspolitik

1,5 MMB/D geschätzter Einfuhreinsparungen durch das
Programm des Präsidenten vom 5. April, darin eingeschlossen
phasenweise
- 3 -

�phasenweise Freigabe der Preise für inländisches Rohöl;
die Juni-Botschaft zur Sonnenenergie mit vier MMB/D geschätzter
Gesamteinsparungen durch Maßnahmen von heute an;
Geschätzte Einfuhreinsparungen aufgrund der Initiativen vom
16. Juli, darin eingeschlossen
synthetische Brennstoffe und unkonventionelles Gas, 2,5 MMB/D;
Schweröl 0,5 MMB/D;
Verminderung bei Versorgungsanlagen 0,75 MMB/D;
häuslische Einsparungen 0,5 MMB/D;
Massenverkehr und niedrigerer Benzinverbrauch 0,25 MMB/D;
4,5 MMB/D geschätzte Gesamteinsparungen durch ein neues Programm;
8,5 MMB/D geschätzte Gesamteinsparungen von alten und gegenwärtigen
Programmen.

Einfuhrniveau für 1990
Eine Projektion der gesamten öl nachfrage und -einfuhren im Jahr 1990
ohne die breitgefächterten politischen Initiativen des Präsidenten bleibt
reine Spekulation. Bei Fortschreibung des Zustandes von 1977 wäre jedoch
ein Einfuhrniveau von 13 Millionen Barrel pro Tag nicht unwahrscheinlich gewesen.
Aus diesem Grund könnte sich bei einer erfolgreichen Anwendung der
Programme zur Einfuhrbeschränkung über annähernd 8,5 MMB/D die geschätzte
Einfuhr im Jahr 1990 zwischen 4 MMB/D und 5 MMB/D bewegen.
Tabelle:

Gesamtverbindlichkeiten des Programms von 1980 - 1990

(Zahlen in Milliarden Dollar zu gegenwärtiger Kaufkraft)
Energiesicherungsgesellschaft

�Energiesicherungsgesellschaft
3-Donar-Steuervergünstigung pro Barrel für Ölschiefer

88.0
1.0

50 Cents pro tausend Kubikfuß Steuervergünstigung für
unkonventionelles Erdgas

1.0

Schweröl

—

Verminderung des Ölverbrauchs bei Versorgungseinrichtungen

5.0

Häusliche/Kommerzielle Einsparung

2.0

Wi rksameres Verkehrswesen

16.5

Beihilfe für niedrige Einkommen (10 Jahre)

24.0

Sonnenbank und Steuervergünstigungen (20 Jahre)
Zwischensumme
Wei tere Programme vom 5. Apri 1
Endsumme

3.5
141.0
1.2
142.2

Diese Schritte werden allein aus dem Energiesicherungs-Treuhandfonds
(Energy Security Trust Fund -ESTF-) finanziert, der Einnahmen aus der
Steuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits tax) erhält. Die
jeweilige finanzielle Ausstattung dieses Treuhandfonds wird von der
endgültigen Gestaltung der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne und von
der zukünftigen Bewegung der Preise für das Weltöl abhängen. Schätzungen
über Einnahmen aus der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne bewegen sich
zwischen 146 Milliarden Dollar und 270 Milliarden Dollar für den Zeitraum
von 1980 bis 1990, sind jedoch davon abhängig, welche ölpreise man annimmt.
Alle zusätzlichen Mittel, die diese Steuer aufbringen sollte, werden für
weitere Energieausgaben oder ähnliche Schritte verfügbar gemacht. Jede
Einnahmeminderung aus dieser Steuer wird Einschränkungen bei den Programmniveaus nötig machen. Das Beratende Komitee
des Präsidenten für Energiesicherung wird dem Präsidenten Vorschläge über die Verwendung aller zusätz-

�zusätzlicher Geldmittel unterbreiten.

II.

Einfuhrquoten und Einfuhrziele
Der Präsident hat angekündigt, daß Importquoten eingeführt werden, um

die amerikanischen Netto-Üleinfuhren im Jahr 1979 und 1980 unter den Höchstgrenzen von 8,5 MMB/D zu halten, über die auf dem Gipfeltreffen in Tokio
im Juni Einigkeit erzielt wurde.

Für das Jahr 1979 wird die Quote so fest-

gesetzt werden, daß die amerikanischen Netto-Importe auf 8,2 MMB/D begrenzt
werden, also um 300 000 unter dem Niveau der Tokioter Grenze. Auch die
Importquote für das Jahr 1980 wird unter der Grenze von Tokio liegen,jedoch
wird das exakte Niveau später festgelegt.
Die Quoten werden aufgrund der Vollmacht von Artikel 232 (B) des Gesetzes
zur Ausweitung des Handels von 1953 festgesetzt, die es dem Präsidenten erlaubt,
aufgrund des Urteils des Finanzministers alle Importe zu begrenzen, die die
nationale Sicherheit gefährden.

Am 14. März 1979 urteilte der Finanzminister,

daß die gegenwärtigen Einfuhrniveaus eine solche Bedrohung darstellen.

Der

Präsident kann diese Quoten ohne weitere gesetzliche oder verfahrensrechtliche
Erfordernisse durchsetzen.
Der Präsident hat die Minister für Energie und für Finanzen angewiesen,
ihm umgehend Empfehlungen über Verfahren zur Durchsetzung dieser Quoten zu
übermitteln.
Außerdem kündigte der Präsident seine Absicht an, daß er auch weiterhin seine Vollmacht hinsichtlich der Quoten anwenden werde, um sicherzustellen,
daß Einfuhrziele für die Jahre über 1980 hinaus erreicht werden. Diese
Ziele werden auf einer jährlichen Grundlage erstellt.
Die

- 6 -

�III.

Die Energiesicherungsgesellschaft

Struktur und Organisation
Der Präsident fordert den Kongreß auf, die notwendigen Gesetze zur
Schaffung einer unabhängigen Energiesicherungsgesellschaft zu erlassen, die
in der Produktion flüssiger und gasförmiger synthetischer Brennstoffe
investieren wird, die aus Kohle, Biomasse, Torf und Ölschiefer gewonnen
werden können,sowie in die Erschließung unserer gewaltigen Reserven an
unkonventionellem Erdgas.
Die Gesellschaft wird ein unabhängiges, von der Regierung gefördertes
Unternehmen sein, das vom Kongreß genehmigt ist. Sie wird außerhalb der
Exekutive angesiedelt und unabhängig von jeder Regierungsstelle sein.

Die

Gesellschaft wird durch einen siebenköpfigen Aufsichtsrat geleitet werden.
Ein Vorsitzender und drei andere Direktoren werden vom Präsidenten ernannt
und vom Senat bestätigt werden.

Zudem werden der Energieminister und der

Finanzminister sowie ein weiterer Minister im Aufsichtsrat sitzen.
Die Vorstandsmitglieder und die Mitarbeiter der Gesellschaft werden
von den Bestimmungen des öffentlichen Dienstes befreit,und auch die
Gesellschaft selbst wird einer Reihe von Bestimmungen nicht unterliegen,
die normalerweise auf Regierungsdienststellen Anwendung finden.
Die Gesellschaft wird eine Satzung für 12 Jahre haben, was ausreichend
sein sollte, um sie in die Lage zu versetzen, ihr Produktionsziel des
Jahres 1990 zu erreichen.

Nach diesen 12 Jahren könnte die Satzung ver-

längert werden; ansonsten würden ihre Verbindlichkeiten und ihre Vermögens
werte vom Finanzministerium übernommen.
Das

- 7 -

�Das Mandat der Gesellschaft
Die Energiesicherungsgesellschaft wird eine Investition von 88 Milliarden
Dollar beaufsichtigen, um bis 1990 2,5 Millionen Barrel pro Tag an Ersatzstoffen für importiertes öl zu produzieren.

Die Mittel für die Gesellschaft

werden aus den Einnahmen der vom Präsidenten vorgeschlagenen Steuer für ungerechtfertigte Gewinne kommen.

Es wird das ausschließliche Ziel der Gesellschaft

sein, die Kapazität der inländischen Produktion zu entwickeln; sie wird
sich nicht mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben beschäftigen.
Die Gesellschaft wird die Vollmacht haben, in die Produktionskapazität
für Flüssigkohle, Kohlengase, Torf, Biomasse, Ölschiefer und unkonventionelles
Erdgas

zu investieren oder diese unmittelbar zu entwickeln.

Die Gesellschaft wird die anteilige Mischung der Energiequellen und
die Technologien festlegen, die Verwendung finden, um den Auftrag von
2,5 Millionen Barrel pro Tag anzuführen. Die folgende Tabelle zeigt jedoch
eine erläuternde Aufgliederung der Energiequellen, um das Ziel des Jahres 1990
zu erreichen:
1.0 bis 1.5 MMB/D von Flüssigkohle und Kohlengasen;
0.4 MMB/D von Ölschiefer;
0.1 von Biomasse und
0.5 bis 1.0 MMB/D von unkonventionellem Gas.

Finanzierung
Der Gesellschaft wird eine große Auswahl von Finanzierungsmöglichkeiten
zur Verfügung stehen, um ihren Einfluß innerhalb des privaten Sektors zu
verstärken.

Diese umfassen:

Preisgarantien, übereinkommen über Bundesein-

�Bundeseinkäufe, direkte Darlehen, Darlehensgarantien und außerdem eine
begrenzte Anzahl von regierungseigenen und durch die Regierung betriebenen
sowie von regierungseigenen, aber durch Gesellschaften betriebenen Anlagen.
Die Energiesicherungsgesellschaft wird keine Vollmachten zur Beteiligung
an Gemeinschaftsunternehmen (Joint ventures) oder anderen Formen von
Eigenkapital haben,und die Anwendung der ihr verliehenen Vollmacht wird
sich auf der Grundlage der Einmaligkeit abwickeln.
Die Vollmacht über einen eigenen Haushalt wird der Energiesicherungsgesellschaft im Moment ihrer Gründung übertragen. Direkte Geldmittel werden
geleistet für die Ausgaben der laufenden Tätigkeit,und 83 Milliarden Dollar
der Budgetbefugnis sind vorgesehen für direkte Obligationen und Schuldgarantien. Die Energiesicherungsgesellschaft wird die Einnahmen durch die
Auflage von Energieobligationen in kleiner Stückelung erhalten, die vom
Finanzministerium verkauft werden und die die gleichen Zinssätze haben wie
die kleingestückelten Regierungsobligationen. Bis zu 5 Milliarden Dollar
aus dem Verkauf von Energieobligationen werden zur Aufrechterhaltung der
Tätigkeiten der Körperschaft genehmigt.

IV.

Das Energiemobilisierungsamt

Die Regierung hat bereits im Rahmen der existierenden Vollmacht
gehandelt, daß Verzögerungen bei der Genehmigung wichtiger Energieanlagen
auf ein Mindestmaß reduziert wurden. Diese bereits getroffenen Maßnahmen
beinhalten:
-

Verfahren zur Erstellung von Entscheidungsplänen für wichtige
Energieanlagen wurden im April 1979 unter der Leitung des Hauhaltsamtes eingeführt;

Verordnungen

- 9 -

�-

Verordnungen zur Reform und Anpassung der Erfordernisse des Gesetzes
zur staatlichen Umweltpolitik wurden im November 1978 vom Rat für
Umweltqualität (Council on Environmental Quality) herausgegeben;

-

ein Energiekoordinierungs-Ausschuß auf Kabinettsebene, geleitet
vom Energieminister, wurde durch eine Durchführungsverordnung im
September 1978 eingerichtet.

Um jedoch die für das Jahr 1990 vorgesehenen Ziele bei der Verminderung
der üleinfuhren zu erreichen, sind erhebliche zusätzliche Vollmachten notwendig, um die Entwicklung der inländischen Energieproduktions-Kapazität
zu beschleunigen.

Der Präsident wird dem Kongreß einen Gesetzentwurf zur

Errichtung eines Energiemobilisierungsamtes vorlegen (EMB - Energy
Mobilization Board).

Dieses Amt wird drei Mitglieder haben und innerhalb

des Exekutivbüros des Präsidenten angesiedelt sein.

Die Mitglieder des

Amtes werden vom Präsidenten eingesetzt und werden vom Senat bestätigt.
Das Amt wird befugt sein, bestimmte nichtnukleare Anlagen als entscheidend für die Erreichung der Einfuhrminderungen des Landes zu erklären
und bindende Fristen für Entscheidungen auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und kommunaler Ebene hinsichtlich solcher Projekte zu erstellen.
Gerichtliche Überprüfung von Entscheidungen dieses Amtes findet in einem
beschleunigten Verfahren vor dem Finanzgerichtshof des Kreises statt, in
dem sich die Anlage befindet.
Wenn eine bundesstaatliche, einzelstaatliche oder kommunale Behörde
es versäumt, innerhalb eines klar umrissenen Zeitrahmens zu handeln, wird
das Amt ermächtigt, die Entscheidung anstelle der Behörde zu treffen, indem
es das angemessene Bundes-, EinzelStaats- oder Gemeindegesetz anwendet.
Das Amt wird außerdem die Befugnis haben, Verfahrensbestimmungen von Bundes-,
EinzelStaats- und Gemeindegesetzen zu umgehen, um die Entwicklung und den
Bau einer entscheidend wichtigen Energieeinrichtung zu beschleunigen. Um

- 10 -

�Um Verzögerungen nach Baubeginn zu vermeiden, könnte das Amt auch die
Anwendung neuer materieller oder prozeduraler Bestimmungen des Gesetzes
fallenlassen, die nach Baubeginn eines Projektes in Kraft getreten sind.
Ein solcher Verzicht würde auf einer Fall-zu-Fall-Basis möglich sein.
Jede Anwendung einer solchen Vollmacht durch das Amt würde dem Veto des
Präsidenten unterliegen.

V.

Schweröl

Die Vereinigten Staaten verfügen über geschätzte Vorkommen von mehr
als zehn Milliarden Barrel Schweröl - hochviskose, fast teerähnliche Kohlenwasserstoffe, die für die Gewinnung erhitzt werden müssen. Ein großer Teil
dieser Vorkommen liegt in Kalifornien. Bei Schweröl ist sowohl die Förderung
als auch die Raffination kostspieliger als bei herkömmlichen Rohölen;
dennoch lassen sich zahlreiche Aufbereitungsprodukte guter Qualität daraus
herstellen.
Der Präsident weist das Energieministerium an, für Schweröl die Preiskontrolle sofort aufzuheben.

Schweröl soll auch nicht unter die Steuer für

ungerechtfertigte Gewinne fallen, damit es den vollen Weltmarkt-Öl preis
erzielen kann.

Neben diesem Anreiz hinsichtlich der Preisgestaltung wird

das Energieministerium Schritte unternehmen, die gewährleisten, daß Erdgas
für die Schweröl-Produktion im Rahmen der zur Zeit gültigen Umweltschutzmaßnahmen verfügbar wird.
Mit solchen Maßnahmen sollte es möglich sein, im Jahr 1990 schätzungsweise 500 000 Barrel pro Tag aus Schwerölquellen zu gewinnen.

Der Staats-

haushalt wird durch diese Initiative relativ wenig in Anspruch genommen, weil
nur geringe Mengen Schweröl erschlossen würden, wenn für diese Quelle Gelder
aus der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne zur Verfügung stünden.

- 11 -

Während

�Während die Kosten der Schweröl gewinnung je nach den Gegebenheiten der
Lagerstätten und den angewandten Ausbringungstechniken unterschiedlich
sind, rechnet die Regierung mit erheblichen Produktionsmengen zu gegenwärtigen ölWeltmarktpreisen oder einem geringfügig darüber liegenden Satz.
Die Schwerölerschließung fällt nicht unter die Kompetenz der Energiesicherungsgesellschaft, weil es sich dabei im Grunde um eine Ausweitung bereits vorhandener ölerschließungstechniken handelt, ferner die Vorkommen verhältnismäßig gut bekannt sind und die Aufhebung der Preisbindung sowie die Steuererleichterungen genügend Anreize für

VI.

die Erschließung bieten.

Gas aus unkonventionellen Quellen
Angesichts des überaus großen Potentials von Gasvorkommen in den

Vereinigten Staaten in bisher nicht in Anspruch genommenen Formationen
wie schwer durchlässigen Sanden, Devonschiefer, methanhaltigen Druckschichten und kohleführenden Schichten hat der Präsident zusätzlich zu
den Aktivitäten, die die Energiesicherungsgesellschaft durchführen kann,
Initiativen vorgeschlagen, durch die bei folgenden Vorkommen eine Erschließung großen Stils merklich beschleunigt würde:
-

Der Präsident wird sich über das Energieministerium um Maßnahmen
seitens der Bundesenergie-Aufsichtskommission (FERC - Federal
Energy Regulatory Commission) zur Einführung eines speziellen
Ansporn-Preises für Erdgas aus Hartsanden bemühen, der dem aus
der Preisbindung genommenen öl preis vergleichbar ist. Obgleich
das Gesetz über die Erdgaspolitik die Preisbindung für Gas aus
anderen ungewöhnlichen Quellen aufhob, wurden Hartsande nicht
berücksichtigt.

-

Sollte die FERC nicht im Sinne dieses Ersuchens tätig werden, wird

- 12 -

�wird die Regierung einen Zusatz zum Erdgasgesetz anstreben, um
solches Gas aus der Preisbindung zu nehmen.

-

Um die Erschließung dieser Vorkommen noch stärker zu beschleunigen,
wird ein Steuerfrei betrag von 50 Cent pro 1 000 000 Kubikfuß
(28 320 cbm) für Gas aus allen unüblichen Quellen gewährt.

Die

Steuerbegünstigung erlischt, sobald das Ölpreis-Äquivalent auf dem
Weltmarkt 28 Dollar pro Barrel erreicht.

-

Die Energiesicherungsgesellschaft ist ermächtigt, Unterstützung
bei der Erschließung von Gas aus ungewöhnlichen Quellen zu leisten,
wenn sie zu dem Schluß kommt, daß zur Erreichung der für 1990
gesteckten Ziele zusätzliche Anreize notwendig sind.

Produzenten

von Gas aus nicht herkömmlichen Quellen kämen dann jedoch nicht
für die oben genannte Steuervergünstigung in Frage.

Die mögliche Produktion aufgrund dieser Anreize wird auf 28,3 bis
56,6 Milliarden cbm Gas oder dem Äquivalent von 0,5 bis 1 Million Barrel
pro Tag geschätzt.

Die wichtigsten unüblichen Gasquellen sind:

-

Becken mit nicht oder schwer durchlässigen gasführenden Schichten
im Gebiet der Rocky Mountains.

-

Devonschiefer-Vorkommen im Appalachenbecken.

-

Methan aus kohleführenden Schichten.

-

Methan aus wasserführenden geologischen Druckzonen im Golf von
Mexiko.
Die

- 13 -

�Die zur Gewinnung von Gas aus Hartsanden und Devonschiefer angewandte
Technologie besteht in einer Ausweitung natürlicher Risse in den gasführenden
Formationen.

Zu den Gewinnungsverfahren gehören zusätzliches Aufbrechen

durch Sprengmittel oder mit hydraulichen Methoden und die Anlage von Umleitungsbohrungen.

Schon jetzt leisten diese Quellen mit jährlich 28 Milliarden

cbm einen beachtlichen Beitrag zur einheimischen Erdgasförderung (566
Milliarden cbm/Jahr).

Obgleich die Produktionsanstrengungen vor allem in

den Hartsandbecken im Westen beschleunigt werden, machen die Unsicherheit
über die Aufhebung der Preisbindung für Gas aus nicht oder schwer durchlässigen Schichten und das Unvermögen bestimmter potentieller Verbraucher,
langfristige Gasabnahmeverträge abzuschließen, eine Erweiterung von Exploration
und Produktion nur in begrenztem Umfang möglich.

Alles in allem wurde die

Erschließung dieser Vorkommen durch die Erdgaspreispolitik vor der Verabschiedung
des Gesetzes über die Erdgaspolitik beeinträchtigt.

Obgleich Schätzungen über die mögliche Produktion von Methan aus
geologischen Druckschichten im Golf von Mexiko variieren, sind sich die
meisten Fachleute einig darin, daß mindestens 4,248 Billionen bis 6,2
Billionen cbm an zusätzlichem Gas aus diesen Quellen zu Kosten gefördert
werden könnten, die einen Preis von 15 bis 30 Dollar pro Barrel öl entsprechen.

Die abbaufähigen Quellen könnten sich als noch viel umfangreicher

erweisen.

Die Technologie, dieses Gas zu erschließen, verlangt allerdings

noch weitere Entwicklungen.

VII.

Drosselung der Verwendung von Dl in Kraftwerkskesseln

Die Kraftwerke in den Vereinigten Staaten verbrauchen derzeit täglich
1,5 Millionen Barrel öl pro Tag für die Stromerzeugung. Der Präsident
schlägt dem Kongreß eine gesetzliche Regelung vor, durch die von den

�den Versorgungsunternehmen gefordert wird, den gegenwärtigen Verbrauch
bis zum Jahr 1990 um 50 Prozent zu senken.

Es sollen Anreize in der Form

von Beihilfen und/oder Kreditgarantien gegeben werden, um die Versorgungsunternehmen zu ermutigen, Investitionen für den Einbau von Kesseln vorzunehmen, die nicht mit öl geheizt werden und auf diese Weise ölbefeuerte
Anlagen früher stillzulegen, als dies normalerweise geschehen würde.

Unter

diese Initiative fallen sowohl ölbefeuerte Anlagen, die auch Kohle verheizen
können, als auch Anlagen, bei denen eine solche Umstellung nicht möglich ist.
Im Rahmen dieses Programms werden die Zielwerte des Ölverbrauchs durch
Kraftwerke bis zum Jahr 1990 auf die Hälfte des jetzigen Verbrauchs gesenkt auf 750 000 Barrel pro Tag. An die Kraftwerksbetriebe werden "Genehmigungsscheine" bzw. Berechtigungen zum Verheizen von öl ausgegeben. Kein Versorgungsunternehmen darf öl über die ihm genehmigte Menge hinaus verbrauchen.
Diese Anrechtsscheine können in Anbetracht der unterschiedlichen Möglichkeiten
für den Einsatz von Ersatzbrennstoffen an andere Versorgungsunternehmen
weitergegeben werden. Die transferierbaren Rechte zum Verfeuern von öl
erlauben es den Versorgungsunternehmen, selbst zu bestimmen, an welcher
Stelle gegenwärtig ölbefeuerte Anlagen durch andere Anlagen ersetzt werden
sollen. So dürfen beispielsweise Versorgungsunternehmen in Gebieten, wo
Umweltschutzbestimmungen oder lange Wege für den Antransport von Kohle eine
Umstellung unwirtschaftlich machen würden, Anrechtsscheine aus anderen
Regionen ankaufen, wo die Abkehr vom öl weniger Kosten verursachen würde.
Es wird erwartet, daß diese Anrechtsscheine für jedes Versorgungsunternehmen
maximal den Wert besitzen, der den Kosten der Umstellung oder des Ersatzes
von öl befeuerten Anlagen gegenüber einer Weiterverwendung von öl entspräche.

Es sind Zuweisungen und Kreditgarantien in Gesamthöhe von 5 Milliarden
Dollar für die Zeit von 1980 bis 1990 vorgesehenem die Finanzierung entsprechender Maßnahmen, wo immer sie möglich sind, und den Einsatz solartechnischer Anlagen sowie Einsparungen zu unterstützen.

- 15 -

Durch dieses

�dieses Programm werden 750 000 Barrel öl pro Tag gespart.

VIII.

Einsparungs- und Umbaumaßnahmen im privaten Wohn- und Geschäftsbereich
Im Jahre 1978 entfielen auf den privaten Wohn- und Geschäftsbereich

37 Prozent der Gesamtnachfrage an Energie in den USA, von der etwa die Hälfte
als öl und Erdgas verbraucht wurde.

Der direkte Ölverbrauch in privaten

Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden, in erster Linie für Raumheizung und Warmwasserbereitung belief sich auf mehr als 3 MMB/D, und der Erdgasverbrauch
betrug das Equivalent von zusätzlichen 3,3 MMB/D.

Wesentliche Möglichkeiten

für die Einsparung von Importöl zu relativ geringen Kosten können durch
beschleunigte Einsparungsinvestitionen verwirklicht werden.
Das Programm des Präsidenten stützt sich auf drei sich ergänzende
Methoden in diesem Bereich: Den nachträglichen Umbau für Einsparungsmaßnahmen
in bereits vorhandenen Gebäuden und die Umstellung von ölbeheizten Räumen
auf Erdgas, wo immer dies möglich ist. Dieses Programm soll das Haupthindernis
für nachträgliche Umbauten für Einsparungen überwinden helfen, indem es
eine wirksame langfristige Finanzierung der Einsparungen durch Strom- und
Gasversorgungsbetriebe sowie von der Regierung subventionierte Anleihen für
ölbeheizte Häuser und Gebäude bietet. Das Ziel dieses Programmes für eine
Reduzierung der ölimporte wird auf 3,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs
der vorhandenen Gebäude oder auf 500 000 B/D an öl geschätzt.
Die Einsparung auf dieser Ebene stellen etwa 20 Prozent der potentiellen
Einsparungen dar, die durch nachträgliche Umbauten für Einsparungsmaßnahmen
in Gebäuden erreichbar sind.

Eine starke Beteiligung der Öffentlichkeit an

diesem Programm kann wesentlich zu einer Steigerung des Einsparungsniveaus
beitragen.
Die

- 16 -

�Die Gesetzgebung, die der Präsident vorschlagen wird, umfaßt drei
Komponenten.
Sie basiert auf den Energieüberprüfungsprogrammen, die das Nationale
Energiegesetz erfordert und die die Bereitstellung von Versorgungsanlagen
für alle Besitzer von Privathäusern garantieren sollen.

Dieses Überprüfungs-

erfordernis soll auf Geschäftsgebäude ausgedehnt werden.
Von Strom- und GasVersorgungsbetrieben wird erwartet, ihren Privatund Geschäftskunden langfristige Finanzierungshilfen für Verbesserungen zur
Einsparung anzubieten.

Diese

Darlehen werden mit den Gebühren der

Versorgungsbetriebe verrechnet, genau wie dies bei Investitionen für neue
Kraftwerke der Fall wäre, und das Grundkapital würde nur im Fall des Verkaufs
des Hauses oder Gebäudes zurückgezahlt. Die Forderung, einem Kunden ein
Darlehen anzubieten, würde nur auf Gebäude zutreffen, die mit Hilfe von
Gas oder Elektrizität geheizt oder gekühlt werden;

ähnliche Darlehen

könnten Gasversorgungsbetriebe auch für Häuser mit Ölheizung anbieten,
um sie auf Erdgas umzustellen, obwohl dies nicht von ihnen verlangt werden
kann.
Ein Zusatz zum Nationalen Energieeinsparungsgesetz wird angestrebt,
um Zinszuschüsse bei Darlehen für Eigentümer von ölbeheizten Privat- oder
Geschäftshäusern zu gewähren, damit Einsparungsmaßnahmen durchgeführt
werden können oder die Umstellung auf Erdgas erfolgen kann. Ober einen
Zeitraum von 10 Jahren werden für dieses Programm 2 Milliarden Dollar zur
Verfügung gestellt.
Die Verbesserung der Wärmeisolierung von Gebäuden ist das billigste
Mittel für die Verminderung der ölimporte bei einer geschätzten Durchschnittseinsparung von unter 10 Dollar pro Barrel und Tag.

- 17 -

Dieses Programm

�Programm wird das noch verbleibende Haupthindernis für Einsparung bei
Gebäuden beseitigen, indem die unmittelbaren Kosten durch eine langfristige
Finanzierung oder Darlehen reduziert werden. Alle Kunden der Versorgungsbetriebe werden in den Genuß der Energieeinsparungen kommen und zwar durch
die Einsparungen aufgrund des dann wegfallenden Kaufs teurer neuer Energievorräte oder zusätzlicher Kraftwerkskapazität.

IX.

Unterstützung für Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen

Diejenigen Amerikaner, die in ärmlichen Verhältnissen leben, werden
die größte Last der höheren Energiepreise sowie der knapperen Vorräte
tragen müssen, und sie sind am wenigsten im Stande, diese Last zu tragen.
Die energiepolitischen Ziele unseres Landes dürfen nicht verfolgt werden,
ohne daß man sich diesen dringenden menschlichen Erfordernissen zuwendet.
Der Präsident wird den Kongreß um die Verabschiedung eines Programmes
ersuchen, das eine Unterstützung für Schichten mit geringem Einkommen
vorsieht und das, wenn es voll wirksam ist jährlich 2,4 Milliarden Dollar
aus dem Energiesicherungsfonds bereitstellt.

Ein Teil dieses Betrages

wird auf einer entsprechenden Zuwendungsbasis verfügbar sein, um die
Einzel Staaten zu ermutigen und ihnen bei der Aufteilung der fiskalischen
Lasten für die Erfordernisse der Armen zu helfen.

Die Geldmittel werden für verschiedenartige Zwecke verfügbar sein,
wobei der größte Anteil auf eine direkte finanzielle Unterstützung für die
bedürftigen Haushalte entfällt. Die begrenzten Programme der mit der
Energiekrise zusammenhängenden Interventionsmaßnahmen und der Notstandshilfe, die von Seiten der "Community Services Administration" betrieben

- 18 -

�betrieben werden, sollen gestärkt werden.

Diese Behörde wird mit dem

Kongreß in dem Bemühen zusammenarbeiten, sicherzustellen, daß wesentliche
Beträge für eine Unterstützung der ärmeren Bevölkerungskreise in diesem
Winter zur Verfügung stehen.

X.

Verbesserung des Verkehrswesens
Für den Zeitraum von 1980 bis 1990 schlägt der Präsident Ausgaben

in Höhe von 16,5 Milliarden Dollar für die Verbesserung des Massenverkehrssystems des Landes und für die Verringerung des Benzinverbrauchs für Automobile vor. Mehr als 10 Milliarden Dollar sollen in die bestehenden Massenverkehrssysteme investiert werden, um neue Autobusse anzuschaffen und das
U-Bahnsystem zu verbessern. Man schätzt, daß diese Investitionen Einsparungen
von 250 Tausend Barrel pro Tag an ül bis zum Jahre 1990 mit sich bringen
werden. Der Präsident hat Verkehrsminister Adams angewiesen, umgehend
spezifische Vorschläge für die Erreichung dieses Zieles zu entwickeln.

XI.

Der Beratungsausschuß des Präsidenten für Energiesicherung

Der Präsident wird einen Beratungsausschuß für Energiesicherung ins
Leben rufen, der ihm und dem Energieminister hinsichtlich künftiger Anweisungen für die Energiepolitik Bericht erstatten wird. Dieser Beratungsausschuß wird sich aus 11 Mitgliedern zusammensetzen, die aus Bereichen
außerhalb der Regierung kommen. Er wird die Aufgabe haben, weitreichende
Empfehlungen und Ratschläge für den Energiebereich und damit zusammenhängende
Wirtschaftsfragen zu erteilen.
Beschreibung
- 19 -

�XII.

Beschreibung spezifischer Rohstoffquellen von Kohle, Synthesebrennstoffen, Biomassen und Schieferöl sowie von Technologien, deren sich
die Energiesicherungsgesellschaft annehmen soll.
In den folgenden Abschnitten ist die Art der Ressourcen oder Technologien

beschrieben, für die Investitionen seitens der Energiesicherungsgesellschaft
vorgeschlagen werden.
Einzelentscheidüngen zu

Die Gesellschaft wird dafür verantwortlich sein,
den angemessenen Anreizen zu treffen sowie

Produktionsziele für jede dieser Kategorien festzusetzen.
A.

Flüssigbrennstoffe aus Kohle

Die amerikanischen Kohlevorkommen sind die größten in der Welt und
können auf sehr lange Sicht einen beträchtlichen Anteil zur Deckung des
Bedarfs an Flüssigbrennstoffen in den USA liefern, wenn moderne Technologien
für die Herstellung synthetischer Brennstoffe mit Erfolg kommerziell genutzt
werden.
Verfahren zur Herstellung von Flüssigbrennstoffen auf Kohlebasis
können in zwei große Bereiche - nämlich direkte und indirekte Verfahren untergliedert werden.
-

Bei der indirekten Verflüssigung wird Kohle zunächst vergast, um
ein Synthesegas zu bekommen (Kohlenmonoxid und Wasserstoff), das
dann seinerseits auf katalytischen) Wege in einer Stufe oder in
mehreren Stufen in flüssige Brennstoffe umgewandelt wird. Es
gibt bereits mehrere kommerzielle Verfahren, um Synthesegas in
Flüssigbrennstoffe umzuwandeln. Mit dem Fischer-Tropsch-Verfahren,
das gegenwärtig in Südafrika kommerziell angewandt wird, ist es
möglich, ein breites Spektrum von flüssigen Produkten, einschließlich
Benzin und Dieselöl, herzustellen. Auch Methanol kann unter
Nutzung einer Anzahl von Lizenzverfahren aus Kohlesynthesegas herge-

�hergestellt werden.

Methanol läßt sich als Benzinzusatz und als

Turbinenkraftstoff verwenden.

Außerdem befindet sich ein Verfahren

zur Gewinnung von Benzin hoher Klopffestigkeit direkt aus Methanol
bereits im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium.
-

Bei den direkten Verflüssigungsprozessen wird Kohle in ein Lösungsmedium gegeben und unter hohen Temperaturen und hohem Druck mit
Wasserstoff zur Reaktion gebracht, um eine Vielfalt von flüssigen
Produkten zu erzeugen. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes
wurden mehrere direkte Verflüssigungsverfahren entwickelt; sie
werden in Kürze in Anlagen von nahezu kommerziellem Umfang demonstriert,

Schätzungen der Kosten für die Herstellung synthetischer Brennstoffe aus
Kohle schwanken je nach den Produkten, z.B. Flüssigkeit oder Gas, und je
nach Standort zwischen 27 und 45 Dollar pro Barrel. Zum Zweck von Budgetschätzungen für die Gesellschaft wurden 38 Dollar pro Barrel angesetzt:
man hofft jedoch, daß die Kosten niedriger liegen werden.
B.

Kohlevergasung

Die Herstellung eines Brenngases aus Kohle war in den ersten Jahrzehnten
dieses Jahrhunderts eine allgemein anerkannte Technologie, ehe den Verbrauchern
große Mengen von Erdgas zur Verfügung standen

Tatsächlich werden in einigen

Ländern nach wie vor beachtliche Mengen von Gas aus Kohle zur Verwendung in
der chemischen Verfahrenstechnik erzeugt.
Obgleich es viele verschiedene Arten von Vergasungsanlagen gibt, funktionieren
die meisten kommerziell verfügbaren Konstruktionen am besten nnt nichtverbackender Kohle, wie sie beispielsweise im Westen der USA gefunden wird
Neuere Konstruktionen, die auch Kohlen aus den Ostregionen mit hohem
Wirkungsgrad nutzen, sind bis zur Demonstration im kommerziellen Rahmen gediehen.
Für
- 21 -

�Für die Privatwirtschaft wurde eine Anzahl kommerzieller Kohlevergasungsanlagen entworfen, die nunmehr gebaut werden könnten.

Unsicherheit

hinsichtlich der Betriebsvorschriften und Beschränkung der finanziellen
Mittel verhindern jedoch eine sofortige Kommerzialisierung.

Das Energie-

mobilisierungsamt (EMB - Energy Mobilization Board) und die Energiesicherungsgesellschaft können helfen, einige dieser Barrieren abzubauen.
C. Schieferöl
Die ölschiefervorkommen der Vereinigten Staaten, die sich hauptsächlich
unter einem 4,3 Millionen Hektar großen Gebiet in aneinandergrenzenden Regionen
der Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming finden, stellen eine der größten
potentiellen Energiequellen in den USA dar. Man schätzt, daß sie 400
Milliarden Barrel an gewinnbarem öl enthalten und damit größer sind als die
ölreserven von Saudi-Arabien.

Schon seit langem sieht man in diesem Vorkommen

eine mögliche Quelle für Rohölersatz.

Die Herstellung von Flüssigbrenn-

stoffen aus Ölschiefer dürfte weniger kostspielig sein als aus Kohle; man
schätzt die Kosten auf 25 bis 35 Dollar pro Barrel.

Für die Verarbeitung von Ölschiefer werden zur Zeit zwei verschiedene
Verfahren entwickelt. Das eine erfordert den Abbau mit dem Retortenaufschluß
an der Oberfläche (wobei der ölhaltige Schiefer auf mehr als 480 Grad
Celsius erhitzt wird, um "Kerogen", Ausgangsstoff für das schließlich verwertungsfähige Ölschieferprodukt, zu extrahieren). Bei dem anderen sogenannten
"in situ"-Verfahren wird der Retortenaufschluß mit der Erhitzung des zerkleinerten Ölschiefers unterirdisch vorgenommen. Im Westen der Vereinigten
Staaten befinden sich gegenwärtig vier größere Schieferöl-Projekte in
verschiedenen Stadien der Planung oder Entwicklung. Die Produktion von
Schieferöl wird Investitionen von mehr als einer Milliarde Dollar pro Anlage
erfordern. Jedoch wurde bisher keines der Verfahren in einem Rahmen angewandt,
der einer großtechnischen Nutzung nahekäme. Es ist erforderlich, daß die

�die Bundesregierung diese Projekte in gewissem Umfang unterstützt.

Die

erwarteten Kosten für Schieferö'l, 25 bis 35 Dollar pro Barrel, deuten
jedoch darauf hin, daß es der erste synthetische Brennstoff sein wird,
der mit Importöl konkurrieren kann.
Zusätzlich zur Einbeziehung von Ölschiefer in den Aufgabenbereich der
Energiesicherungsgesellschaft hat der Präsident für jedes Faß Schieferöl
eine Steuerabschreibung von 3 Dollar/Barrel für die Produzenten vorgeschlagen. Diese Vergünstigung,die der Präsident erstmals in seiner Energiebotschaft vom 5. April erwähnte, würde allmählich abgebaut, wenn die ölpreise
22 Dollar pro Barrel betragen, und sie würde ganz aufgehoben, sobald ein
Preis von 28 Dollar pro Barrel erreicht wird. Man erwartet, daß viele
Unternehmen nur der durch diese Steuervergünstigungen ausgelösten Ermutigung
bedürfen, um mit dem Bau und der Inbetriebnahme großer Schieferöl-Produktionsstätten zu beginnen. Für Schieferölprojekte, die von der Gesellschaft unterstützt werden, können keine Steuervergünstigungen beansprucht werden.

D.

Biomasse

Die kommerzielle Produktion von alkoholischen Brennstoffen - Äthanol
und Methanol - aus landwirtschaftlichen Produkten, Rückständen, Abfällen der
Nahrungsmittel- und Holzverarbeitung mittels Fermentation und anderer
Verfahren kann einen Beitrag zur Deckung unseres Energiebedarfs leisten.
Äthanol als Zusatz zu Benzin vermag Kraftstoffe auf ölbasis zu strecken
und die Klopffestigkeit zu erhöhen.

Gemessen am Energiegehalt ist die

Herstellung von Äthanol im Vergleich zu Erdöl gegenwärtig verhältnismäßig
teuer. Aber infolge der höheren Klopffestigkeit kann subventioniertes
GASOHOL (Mischung aus Benzin und Alkohol) mit bleifreiem Superkraftstoff
konkurrieren.

Ein Ausschluß auf Dauer von der Bundesbenzinsteuer in Höhe

von 4 Cent/Gallone (knapp 1 Cent pro Liter) bei GASOHOL - eine Subvention,
die 16,80 Dollar pro Barrel entspricht - wird helfen, GASOHOL auch gegen-

- 23 -

�gegenüber bleifreiem Normalbenzin konkurrenzfähig zu machen.

Es werden

verbesserte Verfahren erwartet, die zu bedeutenden Kosteneinsparungen führen
und die Einbeziehung von mehr Abfall Stoffen in das Spektrum der Ausgangsmaterialien ermöglichen.
Die Produktion von Methanol aus Biomasse geschieht in einem ZweistufenVerfahren, bei dem zunächst Synthesegas erzeugt und dieses dann auf katalytischem
Wege mittels kommerziell verfügbarer Prozesse in Methanol umgewandelt wird.
Man erwartet, daß Holz die wichtigste Biomasse-Rohstoffquelle bildet, weil es
in großem Umfang zur Verfügung steht und relativ wenig kostet. Auch andere
Ausgangsmaterialien wie Rückstände von Ernteprodukten und fester Stadtmüll
lassen sich verwerten - aber zu höheren Kosten.
Die Herstellung alkoholischer Brennstoffe kann zur Verbesserung der
Umweltqualität beitragen, indem Abfall Stoffe in nützliche Produkte umgewandelt
werden.

XIII.

Andere Maßnahmen

A.

Die Erdgasleitung aus Alaska

Mit Erdgas aus Alaska könnten 425 000 Barrel öl pro Tag ersetzt werden,
die die Vereinigten Staaten bis zum Jahr 1985 aus anderen Quellen beschaffen
müßten, und nach diesem Zeitpunkt sogar noch größere Mengen. Im August 1977
genehmigte der Präsident den Bau einer Rohrleitung vom Norden Alaskas in
die Staaten des Westens und Mittelwestens unter der Bedingung, daß sie von
privater Seite finanziert würde. Beteiligungen seitens der Produzenten an
diesem Erdgas in der Form von Kreditbürgschaften gegen Kostenüberschreitungen
sind erforderlich, um eine private Finanzierung zu ermöglichen. Bisher haben

�haben jedoch die betreffenden Mineral öl gesell Schäften keine Bereitschaft
zu erkennen gegeben, ihren Beitrag zu leisten, damit Fortschritte zur
Realisierung der Rohrleitung möglich werden.

Der Präsident hat den Energie-

minister angewiesen, bei den führenden Persönlichkeiten dieser Unternehmen
darauf zu dringen, daß die für den Bau der Leitung notwendige finanzielle
Unterstützung einsetzt.

B.

Vorsorgliche Benzinrationierung

Unser Land muß umfassend gerüstet sein, um selbst beträchtliche
Versorgungsunterbrechungen zu überstehen.

Der Präsident hat den Kongreß

aufgefordert, mit ihm zusammen vorrangig sicherzustellen, daß ihm die
Vollmacht übertragen wird, einen Plan zur vorsorglichen Benzinrationierung
auszuarbeiten, der es uns ermöglichen wird, in einer Notlage angemessen
zurechtzukommen.
C.

Staatliche Einsparungspläne und -ziele

Der Präsident drängt den Kongreß zur Verabschiedung der notwendigen
Gesetze, die es ihm erlauben, in den einzelnen Bundesstaaten Planziele für
die Einsparung von Benzin und anderen Brennstoffen festzulegen.

Jeder

Einzelstaat wird sodann einen Plan zur Erreichung dieses Zieles ausarbeiten
und ausführen.

Wenn ein Einzel Staat bei der Erreichung des festgelegten

Einsparungszieles versagt, wird der Bundesregierung die Erlaubnis erteilt,
selbst diesem Einzelstaat einen Plan aufzuerlegen.

Diese Vollmacht ist

notwendig, um sicherzustellen, daß wir mit einem Anhalten der gegenwärtigen
Knappheit und allen weiteren zukünftigen Versorgungsunterbrechungen fertig
werden können.
D.

Sonnenbank

In seiner Botschaft vom 28. Juni 1979 an den Kongreß schlug der Präsident

- 25 -

�Präsident zum Thema Sonnenenergie die Errichtung einer Sonnenbank vor, um
die Verwendung von Sonnenenergie durch subventionierte Darlehen anzuregen
und dadurch die Abhängigkeit des Landes von ausländischem öl zu mindern.
Die Gesetzgebung zur Errichtung einer Sonnenbank, die dem Kongreß in
Kürze zugehen wird, sieht folgende wesentlichen Elemente vor:
-

Die Bank würde befugt sein, Zinszuschüsse zu Darlehen für die bauliche
Verbesserung von Häusern zu gewähren sowie Hypotheken zur Finanzierung
des Kaufs und der Installierung genehmigter Sonnenenergie-Systeme.
Die Bank würde Banken und anderen Finanzinstituten Geldmittel zur
Verfügung stellen, die diese wiederum in die Lage versetzen würden,
Mittel für Verbesserungen von Häusern und Hypothekendarlehen für
Sonnenenergie-Investitionen zu einem Zinssatz anzubieten, der unter
dem üblichen Marktsatz liegt.

-

Sonnenenergie-Systeme sollen ihrer Definition nach jede Art von
Ausrüstung bedeuten, die entweder aktive oder passive solartechnische
Anlagen verwendet, wie zum Beispiel Sonnenheizung für die Warmwasserzubereitung, Sonnenheizung oder -kühlung, passive Solaranlagen oder
Kombinationen aus diesen Möglichkeiten. Der Minister für Wohnungsbau
und Städteplanung wird in Abstimmung mit dem Energieminister die
näheren Bestimmungen für diese Systeme ausarbeiten.

-

Die Zinssubvention würde lediglich für Mittel zur Verbesserung derjenigen Wohnanteile oder des Hypothekendarlehens zur Verfügung gestellt werden, die unmittelbar Solarinvestitionen finanzieren.
Diese Zinssubvention würde dergestalt kalkuliert, daß sie den
Darlehensgeber für den Unterschied entschädigt, der zwischen dem
subventionierten Darlehen und einem ähnlichen Darlehen zu freien
Marktbedingungen besteht.
Diese

- 26 -

�-

Diese Zinssubvention würde von Zeit zu Zeit durch den Aufsichtsrat
der Bank (der aus den Mi nistern für Wohnungsbau und Städteplanung,
für Energie und für Finanzen besteht) auf einem Niveau festgelegt
werden, das dem Grundgedanken, nämlich die Verwendung von Sonnenenergie-Systemen in privaten und kommerziellen Gebäuden zu beschleunigen, am ehesten gerecht würde.

-

Die Verfügbarkeit über diese Subvention würde einem angemessenen
Nachweis gegen Mißbrauch unterliegen.

-

Einen angemessenen Teil der Subventionen würde die Sonnenbank
zurückerlangen, falls jemand mit einem Solardarlehen in Zahlungsverzug kommt.

-

Die folgenden Obergrenzen würden für den Umfang eines subventionierten
Darlehens oder Darlehensanteils gelten:

10 000 Dollar für ein

Einfamilienhaus; 5 000 Dollar für jede Wohneinheit in einem Mehrfamilienhaus (wobei insgesamt bei diesem Darlehen 500 000 Dollar
nicht überschritten werden dürfen);

und 200 000 Dollar für ein

Geschäftsgebäude.
-

Die Bank würde pro Jahr mit 150 Millionen Dollar ausgestattet.
Sie würde mit Geldern finanziert, die aus dem EnergiesicherungsTreuhandfonds stammen.

Je nach dem Umfang der Subvention und der Aufteilung der Mittel der
Sonnenbank unter Hypotheken, Darlehen zur Hausverbesserung und Darlehen für
kommerzielle Gebäude könnte die Bank bei diesem Umfang des Fonds sicher bei
über 150 000 Solaranlagen pro Jahr mitwirken.
Steuervergünsti gungen

- 27 -

�E.

Steuervergünstigungen für Sonnenenergie

Zusätzlich zur Sonnenbank hat der Präsident noch umfangreiche neue
Vorschläge für Steuervergünstigungen für Sonnenenergie unterbreitet.

Diese

Vergünstigungen umfassen den privaten, den kommerziellen, den landwirtschaftlichen
und den industriellen Sektor und schließen aktive und passive solartechnische
Anlagen ein, Prozeßwärme, Holzöfen, sowie Befreiung von Bundessteuern für
Benzin auf Alkoholgrundlage (Gasohol).

Diese Vorschläge werden einen

deutlichen Anreiz für die Verwendung von Sonnenenergie bilden und gleichzeitig
zu unserem Ziel beisteuern, den für Heizung und Transport verwendeten Anteil
an öl zu vermindern.

Demnächst werden dem Kongreß weitere Gesetzesvorschläge

unterbreitet, die folgendes vorsehen:
-

Steuervergünstigungen für private und kommerzielle passive Solaranlagen
Die Bauherrn neuer Mehrfamilien- und Geschäftshäuser mit passiven
Solaranlagen würden eine Steuervergünstigung von 20 Dollar je
schätzungsweise jährlich eingesparter Million Britischer Wärmeeinheiten (British Thermal Units - BTU) erhalten, wenn die Heizleistung
auf einem vorgesehenen Niveau oberhalb der Leitlinie liegt, die für
die Heizleistung bei Gebäuden gemäß dem Gesetz zur Energieeinsparung
und Energieproduktion (P.L. 94-385) gilt.
Der Höchstbetrag dieser Steuervergünstigungen beträgt 10 000 Dollar
pro Gebäude.

Die Steuervergünstigung wird durch Einnahmen aus dem

Energiesicherungs-Treuhandfonds finanziert.
Eine Steuervergünstigung soll auch denjenigen gewährt werden, die
neue Häuser mit passiven Solaranlagen bauen. Den Bauherrn soll
eine 20-prozentige Steuervergünstigung auf die Kosten einer solartechnischen Anlage pro Einheit im vorgeschriebenen Entwurf gewährt
werden (bis zu vier Wohneinheiten pro Gebäude), und zwar bis zu einer

- 28 -

�einer Höchstgrenze von 2 000 Dollar pro Einheit.

Von 1983 an

können diejenigen Bauherren eine Berechtigung für diese Art
Steuervergünstigung erhalten, die die Leistungskriterien gemäß
Bundesgebäude-Energiegesetz um mehr als 50 Prozent übertreffen.
Steuervergünstigungen für Wohn- und Geschäftshäuser werden bis
zum 31. Dezember 1985 inkraft bleiben.
-

Steuervergünstigungen für solare Prozeßwärme
Eine zusätzliche Steuervergünstigung von 15 Prozent (bei insgesamt
25 Prozent) soll über den Energiesicherungs-Treuhandfonds gewährt
werden auf die Kosten von solarthermischen Ausrüstungen, um bei
landwirtschaftlichen und technischen Verfahren Prozeßwärme zu erzeugen. Die Vergünstigung wird gewährt für die Kosten zur Installation
von Ausrüstungen, die den Bedingungen entsprechen. Sie gilt bis
zum 31. Dezember 1989.

-

Steuerbegünstigungen für Holzöfen
Eine neue, 15-prozentige Steuervergünstigung wird vorgeschlagen
für den Kauf und die Installation von luftdichten Holzbrandöfen
in Erstwohnhäusern. Diese Steuererleichterung soll die größere
Verwendung unserer Holzvorräte für Hausbrand ermöglichen und sollte
es den Verbrauchern erlauben, bei ihren Heizkostenrechnungen
deutliche Einsparungen zu erzielen.

-

Steuerbefreiung
Eine ständige Befreiung von der gegenwärtigen 4-Cent-Bundessteuer
auf Benzin für Mischungen aus Benzin und Alkohol wird vorgeschlagen,
um die Verwendung von Benzinalkohol "Gasohol" zu ermutigen.

- 29 -

Benzin-

�Benzinalkohol stellt eine nützliche Ergänzung unserer Brennstoffe
für den Antrieb von Automobilen dar und kann dabei helfen, unsere
Nachfrage nach importiertem Rohöl zu mindern.

XIV.

Die gegenwärtige Lage bei der Ölversorgung

Gestiegene Rohöl einfuhren im letzten Monat und der vorgesehene weitere
Anstieg im Juli und August haben ein verbessertes Bild der Ölversorgung zur
Folge. Die Gesamtimporte von Rohöl lagen im Durchschnitt im Verlauf der
letzten fünf Wochen bei fast 6,4 Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) und bestätigen damit die Erwartung der Regierung, wonach die Einfuhren im Monat
Mai mit Niveaus von unter 6 Millionen Barrel pro Tag einen Tiefstand erreicht
hatten. Voraussagen für die restlichen Tage im Juli und für August deuten an,
daß der Stand der Gesamteinfuhren von Rohöl bei etwa 6,5 MMB/D bleiben wird.
(Die Einfuhren von ölprodukten, die in dieser Quote enthalten sind, werden
auf 1,9 MMB/D geschätzt). Diese geplanten Mengen an Gesamteinfuhren von
Rohöl und ölprodukten werden es den Vereinigten Staaten ermöglichen, die vom
Präsidenten festgelegten Importquoten einzuhalten. Das verbesserte Versorgungsbild hatte auch einen Anstieg der Verarbeitung von Rohöl in den
Raffinerien zur Folge: Seit Ende Mai ein Anstieg von über 1 Million Barrel
pro Tag (von 14,2 auf 15,4 MMB/D). Die Produktion von Benzin, Dieselöl und
Heizöl ist gleichfalls angestiegen.

Brennstoffvorräte für die Raumheizung im nächsten Winter sind seit Ende
Mai um mehr als 27 Millionen Barrel angewachsen und die Vorräte haben sich
mit einer Rate von fast 1 Million Barrel pro Tag in den letzten zwei Wochen
vermehrt. Diese Rate ist angemessen, um das Ziel von 240 Millionen Barrel
an Vorräten im Oktober zu erreichen. Vorräte von 240 Millionen Barrel werden
sicherstellen, daß angemessene ölvorräte für die Raumheizung im nächsten
Winter zur Verfügung stehen, sogar wenn es ungewöhnlich kalt werden sollte.

Die
- 30 -

�XV.

Die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits tax) und die
Verwendung des Energiesicherungs-Treuhandfonds

Die Energiebotschaft des Präsidenten vom 5. April umriß seine Pläne
für die schrittweise Freigabe der ölpreise und den Vorschlag einer Steuer
für ungerechtfertigte Gewinne, die einen neuen übermäßigen Einkommensstrom
zu den ülförderern als ein Ergebnis der Freigabe der Preise verhindern soll.
Die Botschaft schlug außerdem die Bildung eines Energiesicherungs-Treuhandfonds vor, in den die Einnahmen aus dieser Steuer für ungerechtfertigte
Gewinne fließen sollten ebenso wie die Gelder aus den Einkommenssteuererhöhungen
für Olproduzenten während der ersten drei Jahre, die sich aus der Aufhebung
der Preisbindung ergeben würden. Dieser Fonds würde verwendet für 1) Familien
mit niedrigen Einkommen, um ihnen dabei zu helfen, mit den gestiegenen
Energiekosten fertig zu werden; 2) Schritte zu neuen Massenverkehrsmitteln
und 3) Investitionen auf dem Gebiet neuer Energiequellen.
Es ist entscheidend, daß der Kongreß die vorgeschlagene Steuer für
ungerechtfertigte Gewinne und den Energiesicherungs-Treuhandfonds verabschiedet, um den Finanzstrom übermäßiger Einnahmen an die ülproduzenten
zu verhindern und um die notwendigen Fondsmittel bereitzustellen, die für
eine mutige Inangriffnahme der breitgefächerten Energieprobleme dieses
Landes notwendig sind.
Die heute vom Präsidenten angekündigten Initiativen zur Einschränkung
des ölflusses sind die zum erstenmal am 5. April vorgeschlagenen energiebezogenen Investitionen. Diese können nicht durchgeführt werden ohne die
Mittel, die durch die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne zur Verfügung
gestellt werden und im Energiesicherungs-Treuhandfonds enthalten sind.
Der Energiesicherungs-Treuhandfonds wird die einzige Quelle für alle
die in der Ankündigung des Präsidenten enthaltenen Ausgaben sein. In dem
Maße, in dem die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne nur ungenügende

- 31 -

�ungenügende Einnahmen erbringen sollte, werden Programmangleichungen nach
unten gemacht werden müssen. Andernfalls werden einem Budget zusätzliche
Lasten aufgebürdet, das schon jetzt höchstwahrscheinlich angespannt sein
wi rd.

+ + + + +

- 32 -

�</text>
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                    <text>1*1
I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. J u l i 1979

INHALT

DOKUMENTATION
US-Finanzminister zur Lage der amerikanischen Wirtschaft
- Blumenthal vor dem Haushaltsausschuß des Senats WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Blick in fremde Welten
VOYAGER 2 lüftet einige Geheimnisse des Jupiter und seiner Planeten
Blutwäsche bei Polyarthritis

Um Über/endung von
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Tel: 02221-89 32 40
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�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1979

US-FINANZMINISTER ZUR LAGE DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
- Blumenthal vor dem Haushaitsausschuss des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Vor dem Haushaltsausschuß des amerikanischen
Senats hat der amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal am
13. Juli 1979 ausführlich zur Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten
Stellung genommen. Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut;
Herr Vorsitzender und verehrte Mitglieder dieses Ausschusses:
Ihr Schreiben, das mich zu diesen Anhörungen einlud, forderte mich
auf, zu einem ungewöhnlich umfangreichen Bereich wirtschaftlicher und
wirtschaftspolitischer Fragen Stellung zu nehmen. Ich habe mich bemüht,
die meisten Fragen in meiner vorbereiteten Aussage zu behandeln und werde
den vorbereiteten Text während unserer Erörterungen heute morgen sehr
gerne ergänzen.

Ich

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�t

Ich bin der Meinung, daß die von Ihnen gestellten Fragen unter
den beiden kritischen Problemen, denen sich die Nation gegenüber sieht,
zusammengefaßt werden können: Inflation und Energie. Diese Probleme sind
miteinander verknüpft, und ihre Lösungen sind aufeinander bezogen. Wir
können die Inflation nicht verringern, ohne die Probleme der Energieversorgung zu lösen. Wenn wir das Problem der Inflation nicht lösen,
könnte der erwartete kurzfristige wirtschaftliche Wachstumsrückgang in
eine viel ernstere, tiefere und längere Rezession einmünden. Und wir
können weder das Inflations- noch das Energieproblem lösen, es sei denn,
wir sind zu Opfern bereit - persönlichen, kollektiven und gerechten
Opfern -, die notwendig sind zur Bewältigung unserer wirtschaftlichen
Zukunft.

Inflation
Unser Grundproblem ist die Inflation - eine Inflation, die die
Kaufkraft der amerikanischen Verbraucher dezimiert und die Investitionsbereitschaft sowie unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Exportsektor
schwächt.
Seit Dezember vorigen Jahres stiegen die Verbraucherpreise im Jahresdurchschnitt um 13,5 Prozent, eine erhebliche Zunahme im Vergleich zu den
9 Prozent des vorigen Jahres, und fast doppelt so hoch wie die Inflationsrate im Jahre 1977.
Zu Anfang dieses Jahres war der Anstieg der Lebensmittelpreise ein
entscheidendes Element in der Inflationsentwicklung, als schlechte Wetterbedingungen und Streiks die Lebensmittelkomponente des VerbraucherpreisIndexes (CPI) um 20 Prozent im Jahresdurchschnitt erhöhte. Aber immer
stärker wird die Inflation durch die steigenden Energiepreise angetrieben.
- ? -

*

»

�angetrieben. Die Lebensmittelversorgungssituation ist günstiger geworden,
und die Wachstumsrate der Lebensmittelpreise im Einzelhandel hat sich
verlangsamt - obwohl die Einzelhandelspreise noch nicht den echten Rückgang der Großhandelspreise widerspiegeln.

Aber während der Anstieg der Lebensmittelpreise schwächer wurde,
stiegen die Energiepreise schneller als die erhöhten Rohölpreise, die
von den OPEC-Staaten im Dezember vorigen Jahres auferlegt wurden, und
zusätzliche Erhöhungen, die von den meisten öl produzierenden Ländern
erhoben wurden, begannen die Preisstruktur zu durchdringen. Dreißig
Prozent des Anstiegs der Verbraucherpreise im Januar und Februar waren
das Ergebnis steigender Lebensmittelpreise und nur 10 Prozent waren
auf steigende Energiekosten zurückzuführen. Im Mai hatten sich die Anteile umgekehrt - etwas über ein Zehntel des Anstiegs im Mai war das
Ergebnis höherer Lebensmittelpreise und ungefähr ein Drittel des gesamten Preisanstiegs war auf die steigenden Energiepreise zurückzuführen. Seit Anfang dieses Jahres stiegen die Einzelhandelspreise für
Energieprodukte um fast 38 Prozent im Jahresdurchschnitt, fast dreimal
schneller als für andere Verbrauchsgüter.

Diese Zahlen geben zudem nur den direkten Anstieg der Preise für
Energieprodukte an - den Anstieg der Preise für Gas, Elektrizität,
Benzin und Heizöl. Wachsende Energiekosten beeinflussen jedoch die Preisgestaltung aller anderen Güter. Sehr intensive Preiserhöhungen wurden
während der vergangenen Monate für eine Reihe von Chemieprodukten, die
aus Erdöl hergestellt werden, registriert, und diese höheren Preise werden
später in den Preisen für weitere Endprodukte zum Tragen kommen; genauso
wie höhere Transportkosten, die durch steigende Energiepreise verursacht
werden.

Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß die Höhe der Inflation,
die uns dieses Jahr heimsuchte, durch Kräfte verursacht wurde, die keinen
- 3 -

�keinen Bezug zur gegenwartigen binnenwirtschaftlichen Nachfrage haben,
sondern der Ausdruck von Einflüssen ist, die unvorhersehbar waren und
über die wir keine Kontrolle haben. Das Anhalten einer zweistelligen
Inflationsrate - und dies trotz des allmählich und jetzt klar langsameren
Tempos der wirtschaftlichen Aktivitäten - wurde von einigen Beobachtern gedeutet
als ein Maßstab für das Versagen der Bemühungen der Regierung, Preisstabilität über ein freiwilliges Programm zu erreichen, das im wesentlichen auf der Zusammenarbeit von Industrie und Gewerkschaften beruhte.
Ausgehend von dieser Einschätzung wird einerseits vorgeschlagen, das
Programm aufzugeben, andererseits wird verlangt, das freiwillige Programm
durch Zwangsmaßnahmen zu ergänzen.
Solche oberflächlichen und voreiligen Schlußfolgerungen können aber
nicht aufrechterhalten werden, wenn man die Preisstatistiken sorgfältiger
analysiert. Ungefähr 50 Prozent der Zusammensetzung des Verbraucherpreisindexes werden durch drei Kategorien bestimmt. Lebensmittel-, Energieund Wohnungsbaukosten. Diese Kategorien fallen aus verschiedenen Gründen
nicht in den Zuständigkeitsbereich des Lohn- und Preis-Kontroll Programms und sie wären auch nicht kontrollierbar, wenn Zwangskontrollen eingeführt
würden. Die entscheidenderen Preisanstiege wurden jedoch in diesem Jahr
gerade durch diese Kategorien verursacht. Die Preise für Lebensmittel,
Energie und Wohnungsbau zusammengenommen stiegen in diesem Jahr um
20 Prozent im Jahresdurchschnitt, im Vergleich zu 11 Prozent im vorigen
Jahr. Der übrige Anteil des Verbraucherpreisindexes stieg ebenfalls und ging nicht zurück, wie wir gehofft hatten, aber der Anstieg war
recht mäßig, von 6,7 Prozent im letzten Jahr auf 7,0 Prozent während
der ersten fünf Monate des Jahres 1979.
Lohnentwicklung: die Publizität, die verschiedenen größeren Lohnvereinbarungen zuteil wurde und die angeblich die Leitlinien des Kontrollprogramms in unterschiedlichem Ausmaß durchbrachen, führte zu ähnlichen
voreiligen Schlüssen über das Versagen des Kontroll Programms. Aber der

�der verläßlichste Maßstab zur Erfassung der Lohnentwicklung - die BLSSerie über durchschnittliche Stundenlöhne für Industriearbeiter - zeigt
einen Zuwachs für dieses Jahr unter 8 Prozent im Jahresdurchschnitt an,
verglichen mit einem 8,5 prozentigen Anstieg während des Jahres 1978.
Lohnerhöhungen stellen keine Grundursache der zunehmenden Inflation dar.
Trotzdem, die Kosten pro Arbeitseinheit stiegen deutlich an. Diese
offensichtliche Anomalie wird teilweise durch die Ausdehnung zusätzlicher
(Sozial-) Leistungen erklärt, aber - was noch wichtiger ist - sie gibt
die ständige Enttäuschung über und die verwirrende Entwicklung der Produktivität wieder. Die Verlangsamung der Produktivitätszunahme während
des letzten Jahrzehnts ist eine der ernsten Schwächen unseres Wirtschaftslebens; denn dadurch wird eine Steigerung unseres Lebensstandards erschwert, während unsere Fähigkeit reduziert wird, auf den internationalen
Märkten konkurrenzfähig zu bleiben. Während des vorigen Jahres nahm die
Produktivität im privaten Sektor um weniger als 0,5 Prozent zu - verglichen mit einer jährlichen Zuwachsrate von 3,1 Prozent während der
ersten zwei Nachkriegsjahrzehnte - und während des ersten Quartals
dieses Jahres ging die Produktivität erheblich zurück.
Als Ergebnis des Produktivitätsrückgangs und der Zunahme der Sozialleistungen - aufgrund der Erhöhungen der Altersversorgung und der höheren
Mindestlöhne - stiegen die Kosten pro Arbeitseinheit erheblich, während
die Lohnzuwächse sich verringerten. Die Lohnzuwächse waren mäßig, während
die Inflation auf einem hohen Niveau blieb. Dies führte zu einer erheblichen Schwächung der Kaufkraft der Verbraucher. Während der ersten fünf
Monate dieses Jahres gingen die Reallöhne um fast 5,5 Prozent im Jahresdurchschnitt zurück und wären noch mehr zurückgegangen, wenn nicht im
Januar die Mindestlöhne erhöht worden wären. Und wenn man den geringen
Zuwachs der Nominaleinkommen im Juni berücksichtigt, sanken die Reallöhne im Juni wahrscheinlich weiter.
Der
- 5 -

�Der Rückgang der Realeinkommen erklärt zum großen Teil die Flaute
im Einzelhandel in diesem Jahr. Nach Abzug der Inflationsrate ging der
Umsatz im Einzelhandel während der ersten sechs Monate des Jahres um
6 Prozent zurück.
Sicherlich, nach dem ungewöhnlich raschen Ansteigen der Verbraucherausgaben in den letzten Monaten des Jahres 1978 mußte in diesem
Jahr eine gewisse Pause bei den Einkäufen der Verbraucher erwartet werden. Historisch gesehen folgt einer "Kauforgie", wie sie im 4. Quartal
des vorigen Jahres passierte, eine Periode des Maßhaltens durch den Verbraucher. Das Maßhalten hat aber zu lange gedauert, um bloß eine Reaktion
auf das vorhergehende ungezügelte Konsumverhalten zu sein. Der Verbraucher
wird in zunehmendem Maße eingeengt durch fallende Realeinkommen, durch
starke Belastungen in der Schuldentilgung, durch das nur unzureichende
Angebot von Waren, die er kaufen möchte, z.B. kleine, im Benzinverbrauch
sparsame Fahrzeuge, und schließlich in letzter Zeit durch die Notwendigkeit, sparsam mit Benzin umzugehen. Es ist schwierig, normale Kaufgewohnheiten beizubehalten, wenn man eine ungewöhnlich lange Zeit damit verbringen muß, sich für Benzin anzustellen, und wenn man einen ungewöhnlich
großen Teil seines Einkommens ausgeben muß, sobald man die Zapfsäule
erreicht hat. Verringertes Verkehrsaufkommen zu und in den Einkaufszentren
beweist den Einfluß der OPEC auf unsere heimischen Wirtschaftsentwicklungen.
Die Schwäche der Verbraucher-Nachfrage in den letzten Monaten zeigt
sich auch in der industriellen Produktion und Beschäftigung. Zunahmen
in der Beschäftigung waren in den letzten Monaten viel geringer als zu
Anfang des Jahres, und die Beschäftigung in der Industrie ist in den
letzten 3 Monaten - geringfügig - zurückgegangen. Es ist jedoch wert,
festgehalten zu werden, daß in diesem Jahr in jedem Monat, außer einem,
die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist, und die neueste vom BLS (Bureau
of Labor Statistics) vorgelegte Arbeitslosenrate von 5,6 Prozent ist
die niedrigste seit fast 5 Jahren. Nichtsdestoweniger wird die anhaltende

�anhaltende Stagnation in den Einzelhandelsumsätzen zweifellos zu einer
nach unten gerichteten Anpassung der Unternehmensproduktion und Beschäftigung in den kommenden Monaten führen.
Einer der Faktoren, der den wirtschaftlichen Aufschwung so lange
getragen hatte, waren die von den Unternehmen schnell und prompt gemachten Produktionsanpassungen, um übermäßig große Lagerbestände zu
vermeiden. Zu Anfang dieses Jahres beschleunigte sich der Aufbau von
Lagerbeständen in den Unternehmen. Zum Teil geschah dies, um Lagerbestände wieder aufzufüllen, die im Zuge der sprunghaft gestiegenen Verbrauchernachfrage am Ende des Jahres 1978 zusammengeschmolzen waren.
Zum Teil geschah dies aber auch in der Erwartung von Streikausfällen
und in der Erwartung weiterer Inflation. Aber die neuesten Zahlen
zeigen ein gewisses Nachlassen in der Auffüllung der Lagerbestände auf
der Produktionsebene, und Berichte von Einkäufern deuten darauf hin,
daß die Unternehmen bei ihren Einkaufsplänen für Rohmaterialien in
zunehmendem Maße vorsichtiger taktieren. Mit Ausnahme gewisser spezieller Gebiete, wie z.B. große Automobile, ist das Verhältnis zwischen
Lagerbeständen und Umsätzen niedrig, wenn man historische Maßstäbe
anlegt.
Eines der Elemente der Stärke in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation ist deshalb die Tatsache, daß wir nicht mit großen
Überschuß-Lagerbeständen belastet sind, die abrupt abgebaut werden
müßten, wenn sich die Verbrauchernachfrage noch weiter verschlechterte.
Darüber hinaus bleiben die Investitionspläne der Unternehmen und die
Bewilligungen, diese Pläne auszuführen, verhältnismäßig stark. Nach
einem rätselhaft starken Abfall im April verzeichnen die Bestellungen
für nicht-militärische Investitionsgüter wieder eine beachtliche Zuwachsrate.
Schließlich
- 7 -

�Schließlich konnten die amerikanischen Ausfuhren auf einem verhältnismäßig hohen Niveau gehalten werden, in den ersten 5 Monaten dieses
Jahres ungefähr 16 Prozent höher als der Monatsdurchschnitt im vorigen
Jahr. Die ausländische Nachfrage nach unseren Agrarerzeugnissen bleibt
stark, und anhaltende, ansehnliche Steigerungen unserer nicht-landwirtschaftlichen Ausfuhren sind wahrscheinlich.
Die Wirtschaft zeigt also nicht jene charakteristischen Merkmale,
die in der Vergangenheit einem starken oder langen konjunkturellen Abschwung vorausgegangen sind. Eine Flaute -- ein unsicheres sich Fortbewegen am Rande einer leichten Rezession -- dies ist wahrscheinlich
eine zutreffende Kennzeichnung des gegenwärtigen Standes der Wirtschaft,
eine Flaute, die hervorgerufen wurde durch die inflationsbedingte Erosion der Kaufkraft des Verbrauchers und durch die Ungewißheiten über die
Kosten und die Verfügbarkeit von Energie, denen Verbraucher und Unternehmen ausgesetzt sind.
Wir erwarten, daß diese Flaute noch einige Monate anhalten wird,
wenigstens noch so lange, bis ein Nachlassen der Inflationsrate dem
Absinken der Realeinkommen ein Ende setzt. Sobald sich die Kaufkraft
der Verbraucher verbessert, wird sich auch die Nachfrage verbessern.
Da die Unternehmen die Quote der Lagerauffüllung eng an die Verkauf squoten banden, sollte ein Rückgang der Verbraucherkäufe begleitet
sein von etwas Lageraufstockung. Daher darf man vernünftigerweise erwarten, daß der Rückgang an Wirtschaftsbelebung in diesem Jahr mild sein
wird, und gemessen an den konjunkturellen Erfahrungen der Nachkriegszeit, von relativ kurzer Dauer.
Die Wirtschaftstätigkeit dürfte gegen Ende dieses Jahres oder Anfang 1980 wieder ansteigen. Doch die Erholung im nächsten Jahr dürfte
ebenfalls mäßig sein, teils weil die nicht akzeptierbaren hohen Inflationsraten eine Fortsetzung fiskalischer Mäßigung erfordern werden.
Q

Energie

�Energie

Die OPEC-Ölpreisbeschlüsse seit dem Monat Dezember waren ein Hauptfaktor, der die Wirtschaftsbelebung hemmte und die Inflationslast in
den Vereinigten Staaten erhöhte, und der Druck dieser Preisanhebungen
auf Wachstum und Inflation wird in den kommenden Monaten weiter spürbar
sein.

Wir veranschlagen das Wachstum des realen Bruttosozialprodukts
für dieses Jahr auf ein Prozent weniger und ein weiteres Prozent weniger für 1980, bei einer um etwa ein Prozent höheren Inflation in jedem
Jahr, verglichen mit dem, was eingetreten wäre, falls die OPEC an den
im vorigen Dezember verkündeten ölpreisplänen festgehalten hätte.
Als Folge der seit dem Dezember erfolgten Preismaßnahmen werden
bei Jahresende 1980 ca. 800000 Arbeitnehmer zusätzlich, gegenüber früheren Prognosen, arbeitslos sein, so daß die Arbeitslosenquote um etwa
0,8 Prozent ansteigen wird.

Unsere Volkswirtschaft ist natürlich nicht die einzige, die schwierige Anpassungen an eskalierende öl preise und verringerte ölangebote
vornehmen muß. Es wird geschätzt, daß der direkte Effekt aus der 60
prozentigen Anhebung der Weltölpreise seit dem vorigen Dezember zunächst einmal darin bestehen wird, die durchschnittliche Wachstumsrate
der OECD-Länder im Jahre 1979 um 1 Prozent zu senken sowie um 1,75 Prozent im Jahre 1980. Auch wird die durchschnittliche Inflationsrate der
OECD-Länder im Jahre 1979 um 1,5 Prozent höher ausfallen und 1980 um
2,5 Prozent.

Trotz einer höheren Rechnung für ölimporte erwarten wir eine weitere wesentliche Abnahme des gegenwärtigen Defizits in der amerikanischen Handelsbilanz - vielleicht sogar einen kleinen Überschuß im
kommenden Jahr - aufgrund eines Rückgangs der Nicht-Ölimporte in Ver- 9 -

�Verbindung mit dem geringeren Wachstum unserer heimischen Wirtschaft,
aufgrund weiterer starker Exporte, und aufgrund gestiegener Verdienste
aus unseren überseeischen Investitionen. Generell allerdings wird der
gestiegene ölpreis viel an jenem Fortschritt zehren, der zur Verbesserung der Welt-Zahlungsbilanzen erzielt wurde.
Während der OPEC-Überschuß, der im vorigen Jahr nahezu verschwunden war, wieder auf ein Niveau ansteigen wird, wie aus den Jahren
1974-75 erinnerlich, werden die OECD-Länder insgesamt vom Überschuß in
ein Defizit geraten. Die Position der kein öl produzierenden Entwicklungsländer, die als Gruppe bereits in einem Riesendefizit stecken, wird
sich drastisch verschlechtern, womit die Probleme von einigen der ärmsten Länder zunehmen werden.
Diese Probleme wurden auf dem jüngsten Gipfeltreffen in Tokio erkannt und angegangen. Die dort versammelten Führer der Welt beschlossen:
Erstens: es gibt kurzfristig zu Einsparungen keine Alternative.
Falls wir nicht wohldurchdacht unseren Verbrauch von öl reduzieren,
und zwar auf Wegen, die unserer Wirtschaft am wenigsten schaden, dann
wird diese Einsparung erzwungen durch welchen Preisanstieg auch immer,
der erforderlich ist, um die Nachfrage auf das Angebotsniveau herabzusenken.
-- Die am Gipfel beteiligten Staaten verpflichteten sich auf Begrenzung der ölimporte für 1979 und 1980, die nach einer Basis des jeweiligen Landes festgelegt wurden. Die Begrenzung für die Vereinigten
Staaten beträgt 8,5 Millionen Barrel pro Tag für beide Jahre - entsprechend
unseren Importen im Jahre 1977.
Mittelfristig übernahmen die am Gipfeltreffen beteiligten Länder
spezifische Ziele für eine Obergrenze der ölimporte bis 1985, Ziele,
- 10 -

�Ziele, die - unter Annahme vernünftiger Raten des Wirtschaftswachstums
während dieses Zeitraums - ganz gewaltige Anstrengungen notwendig machen
werden, um den Ölverbrauch zu begrenzen und alternative Energiequellen
zu entwickeln.
-- Schließlich setzten die Gipfel teil nehmer größere Initiativen
in Gang, um anderweitige Energiequellen zu nutzen, besonders Kohle.
Die Verwirklichung unserer Gipfelbeschlüsse wird längerfristig schwierige Entscheidungen und harte Entschlüsse erfordern. Die Investitionskosten zur Entwicklung alternativer Energiequellen werden die Verfügbarkeit von Mitteln für andere Zwecke verringern. Sowohl private als
auch Regierungshaushalte werden die Auswirkungen zu spüren bekommen.
Aber letztlich bleibt keine andere Wahl. Wenn wir derartig abhängig von importierter Energie bleiben, werden wir in absehbarer Zeit
sogar einen noch höheren Preis zahlen, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch in Bezug auf unsere Rolle als Weltmacht. Vor einigen
Monaten berichtete ich dem Präsidenten über die Ergebnisse einer einjährigen Studie des Finanzministeriums über die Bedrohung unseres wirtschaftlichen Wohlstandes und unserer nationalen Sicherheit durch unsere
starke Abhängigkeit von importiertem öl. Wir kamen zu dem Ergebnis, daß
diese Bedrohung tatsächlich kurz bevorsteht. Kürzliche Ereignisse haben
dazu beigetragen.

Schlußfolgerung
Beim Überblick über die Aussichten der Wirtschaft hier und im Ausland
und beim Versuch, die Mittel der Politik, die uns zur Wiederherstellung
angemessener Wachstumsraten und verminderter Inflation zur Verfügung stehen,
mit den unterschiedlichen und ernsten Problemen in Einklang zu bringen,
treten einige Leitlinien hervor:
Es
- 11 -

�-- Es hätte in diesem Stadium keinen Sinn, mittels eines übereilten
Programms die Wirtschaft entweder durch weitere Steuersenkungen oder
Sparprogramme oder durch eine Lockerung der straffen Geldpolitik hochzutreiben.
Es gibt keine ausreichenden Beweise, die es rechtfertigen würden,
den "Panikknopf" für die Macro-Wirtschaftspolitik zu drücken. Es würde weder bei uns noch im Ausland - Vertrauen in unsere Bemühungen erwecken,
die Inflation zu überwinden, wenn wir unsere Politik mit jedem Knick in
der Statistik ändern sollten. Die traditionelle antizyklische Wirtschaftspolitik beseitigt nicht die eigentliche Ursache unseres ständigen Abschwungs und der derzeitig zweistelligen Inflation. In der Tat würde
eine expandierende Politik im Augenblick den inflationären Druck verschlimmern und Mittel in Anspruch nehmen, die benötigt werden, um unsere
Produktivitäts- und Energieversorgungsprobleme zu lösen.
Wir müssen auf aggressive Weise eine Politik verfolgen, die die
Einsparung von öl anregt und zunehmend hiesige Energiequellen zugänglich macht, und die vernünftigeren Gebrauch davon macht, um auf diese
Weise unsere Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen zu verringern,
deren Kosten und Verfügbarkeit außerhalb unserer Kontrolle liegen.
Wir müssen die Kluft zwischen den Löhnen und den Arbeitskosten pro
Einheit verringern. Das bedeutet eine Politik, die die Produktivität
wiederherstellt, insbesondere durch Ermutigung zu schnellerem Wachstum
und Verjüngung unserer Kapitalanlagen. Das bedeutet auch, den Anstieg
der Kosten für Gehaltszulagen, wie Gesundheitsfürsorge, niedrig zu halten.
-- Wir müssen es vermeiden, in einen Kreis zu geraten, in dem Löhne
und Preise sich jagen, ähnlich wie es für die Periode 1975-77 charakteristisch war, als wir unter einer relativ hohen Inflationsrate litten,

�litten, trotz mangelhafter Auslastung der Arbeits- und Industriekapazität. Die Kosten für den Ausgleich früherer Verluste an realem Einkommen der Arbeiter dürfen nicht der zukünftigen Preisstruktur aufgebürdet werden. Dies wäre ein nutzloser Prozeß, da es die Inflation, die
bereits die Erhaltung unseres Lebensstandards bedroht, nur anheizen würde.
Das Prinzip freiwilliger Erfüllung eines Programms zur Eindämmung der
Preis- und Lohnsteigerungen muß erhalten bleiben.
-- Wir müssen den Wert des Dollar auf den internationalen Märkten
schützen, denn eine Abwertung des Dollar bewirkt eine höhere Inflation
bei uns in den Vereinigten Staaten.
Die Politik der öffentlichen Hand, die im Januar vom Präsidenten
empfohlen worden war, und die in dieser Haushaltsüberprüfung in der
Mitte der Legislaturperiode wieder bestätigt worden ist, steht im Einklang mit diesen Prinzipien. Wir wanken nicht in unserer Entschlossenheit, die Inflation zu bekämpfen.
Genausowenig lassen wir das Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit
außer acht.
Wenn zu einer bestimmten Zeit in der Zukunft eine antizyklische
Politik notwendig werden sollte, dann müssen die zur Auswahl stehenden
Maßnahmen höchst sorgfältig geprüft werden. Es gibt wesentliche Einschränkungen unserer Beweglichkeit, wenn wir es mit zyklischen Störungen
zu tun haben.
-- Wir müssen eine Politik vermeiden, die die Stärke des Dollar
auf ausländischen Devisenmärkten gefährdet.
-- Wir müssen eine Politik vermeiden, die den Staatsanteil am erzeugten Sozialprodukt auf Kosten des privaten Sektors erhöht.

Wir

�Wir werden die Maßnahmen der Politik der öffentlichen Hand betonen müssen, die zu unserem Kampf gegen die Inflation beisteuern, in
dem Kosten gesenkt werden und zu größerem Produktivitätswachstum ermutigt wird.
•

Das sind wesentliche und ernste Betrachtungen, wenn man die Angemessenheit der politischen Alternativen abschätzt. Aber es sind keine
Probleme, die einer sofortigen Lösung bedürfen.
Da Inflations- und Rezessionsaussichten eine Funktion von Energieversorgung und Preisen sind, muß die Durchführung eines Programms unbedingt Vorrang haben, das uns auf dem Weg zur Lösung der Energieprobleme weit voranbringt. Der Präsident wird in Kürze die nächsten
Schritte seines Programms bekanntgeben, um unser Ziel zu erreichen.

x x x x x

- 14 -

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I

1

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Juli 1979

29

BLICK IN FREMDE WELTEN
VOYAGER 2 lüftet einige Geheimnisse des Jupiter und seiner Planeten

- (AD) - Bereits im März dieses Jahres, als die amerikanische
Forschungssonde VOYAGER 1 ihre Nahaufnahmen vom Planeten Jupiter und
dessen vier größten Monden zur Erde funkte, sahen sich die Wissenschaftler
im KontrollZentrum des Jet Propulsion Laboratory von Pasadena (Kalifornien)
einer ganz und gar fremden Welt gegenüber. "Das Gefühl des Neuen hätte
nicht stärker sein können, wenn es sich um Himmelskörper gehandelt hätte,
die nicht zu unserem Sonnensystem gehören", meinte einer der Astronomen.
Eine Fülle neuer Erkenntnisse über das offenbar urtümliche Objekt, das der
riesige Gasball Jupiter darstellt, gewann die Forschung inzwischen aus den
Meßdaten, vor allem aus den insgesamt 18 000 Fotos, die VOYAGER 1 während
einer Beobachtungszeit von drei Monaten übermittelte. Viele Geheimnisse
und Rätsel, die den auf den Fotos zutage tretenden Fakten zugrunde liegen
müssen, sind jedoch noch nicht entschlüsselt.
So erreichte die Spannung im KontrollZentrum beim Rendezvous von
VOYAGER 2 mit Jupiter am 9. Juli 1979 einen neuen Höhepunkt.

Nur vier

Monate nach dem Vorbeiflug der Schwestersonde VOYAGER 1 passierte VOYAGER

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Tel: 02221-89 32 40
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�VOYAGER 2 den größten Planeten unseres Sonnensystems in knapp 650 000 km
Entfernung vom zentralen Körper, aber mit teilweise geringerem Abstand als
der Vorgänger von seinen größten Satelliten, den sog. Galilei sehen Monden.
Aufgrund der Entdeckungen, die mit Hilfe von VOYAGER 1 gemacht worden waren,
hatte man in der Zwischenzeit das Arbeitsprogramm für VOYAGER 2 soweit abgeändert, daß nun ganz bestimmte Beobachtungsschwerpunkte verfolgt werden konnten.
Zu diesen zählte beispielsweise der neu entdeckte leuchtende Ring, der
den Jupiter in Äquatorhöhe etwa 60 000 km über der Wolkengrenze, aber.noch
weit innerhalb der Umlaufbahn des planetennächsten Kleinmondes Amalthea
umgibt. Mit den neuesten Beobachtungsdaten hoffen jetzt die Wissenschaftler,
nicht nur die Zusammensetzung des Ringes, sondern auch die Größe fester
Schwebeteilchen bestimmen zu können.

Zu den Schwerpunkten gehörten ferner

die polarlichtähnlichen Erscheinungen, die VOYAGER 1 in drei Schichten,
nämlich in etwa 700, 1400 und 2300 km Höhe über der Wolkenobergrenze in der
nördlichen und südlichen Polarregion sah, sowie die grellen Blitze.

Sie

sind Zeichen starker elektrischer Entladungen, zu denen es offenbar in der
gesamten Jupiteratmosphäre kommt.
Und die dichte, mindestens 16 000 km tiefe, hauptsächlich aus Wasserstoff
bestehende Atmosphäre, unter der Wasserstoff in flüssiger Form und ein
möglicherweise fester Kern hoher spezifischer Dichte vermutet werden, war
und ist noch immer wegen ihrer komplexen Struktur und Dynamik Gegenstand
eingehender Untersuchungen. Ganz besonderes Interesse gilt dem großen
"Roten Fleck", der schon seit gut 300 Jahrenbekannt ist. Insgesamt 125
Tage lang - vom 25. April bis zum 28. August 1979 - sondiert VOYAGER 2 den
Jupiter und seine Satelliten. Zu den bisher übermittelten 15 000 Fotos
dürften bis Ende August noch einige Tausend hinzukommen. Dann werden die
wissenschaftlichen Instrumente abgeschaltet und nur noch von Zeit zu Zeit
überprüft, ume-st in zwei Jahren, bei der Annäherung an den Planeten Saturn,
wieder voll aktiviert zu werden.
Berechnungen

- 2 -

�Berechnungen aufgrund der PIONIER- und VOYAGER-Daten haben ergeben,
daß der Rote Fleck, auch wenn er offensichtlich gewisse Veränderungen
durchmacht, eine beständige Komponente der Atmosphäre sein müsse.

Vielleicht,

so mutmaßt Dr. Bradford A. Smith (Universität Arizona), existiert er in dieser
Form und Ausdehnung - eine riesige Wirbel struktur von 30 000 bis 40 000 km
Länge und 14 000 km Breite mit zahlreichen Begleitturbulenzen - schon seit
mehr als 100 000 Jahren.

Er sei als eine Konvektionsströmung anzusehen,

mit der Wärme aus einer wohl seit langem stabilen Quelle in großer Tiefe
nach oben transportiert werde.

Die in ihrer Intensität veränderliche rote

Farbe könne auf weitgehend lokalisierte chemische Prozesse in der Tiefe
zurückzuführen sein.

Dem Strömungsmechanismus nach scheinen die sog. Weißen Ovale dem
Roten Fleck verwandt zu sein:

Wolkenmassen steigen auf, fallen zurück

und bilden spiralförmige Wirbelfelder.

Aber sie sind wesentlich kleiner

und haben wahrscheinlich weniger tiefe "Wurzeln".

Auf der Südhalbkugel

rotieren sie, wie der Rote Fleck, entgegen dem Uhrzeigersinn, auf der
Nordhalbkugel in umgekehrter Richtung.

Eine ausgedehnte helle Wolkenmasse umrundete in 60 Tagen zehnmal den
Roten Fleck, ohne den Abstand zu dessen Zentrum zu verändern.

Auf Farb-

aufnahmen traten riesige weiße Wolken in Erscheinung, die zunächst im Sog
des Roten Flecks zu stehen schienen, dann aber ihren eigenen Weg um den
Planeten fortsetzten.
eingesprenkelt.

Kleine weiße und rote Ovale sind in die Atmosphäre

Manche gleiten aneinander vorbei, andere tanzen umeinander

herum, manchmal verbinden sie sich auch miteinander - dabei scheinen sie
zunächst ein wenig zu taumeln, dann wird ein helles Wolkenband abgestoßen,
und schließlich

ziehen sie als ein einziges Oval weiter um den Planeten.

Die Unterschiede der atmosphärischen Struktur zwischen den Aufnahmen
von V0YAGER 2 zu jenen der Sonde V0YAGER l seien beträchtlich, berichtet
Dr. Smith, der die Bildauswertung leitet.

- 3 -

Zonenströmungen, die zusammen

�~

zusammen mit den "Gürteln" die mehr als 20 verschiedenfarbigen Bänder der
Jupiteratmosphäre bilden, haben inzwischen einzelne markante Systeme zerstört,
neue Systeme haben sich gebildet.

"Das macht die Langlebigkeit des großen

Roten Flecks und einiger anderer beständiger Merkmale noch rätselhafter",
meint Dr. Smith.

Die Bänder rotieren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten

und z.T. auch gegenläufig zueinander um den Planeten.

Zustandsphasen wie in der Frühzeit des Sonnensystems
Das "Jupiter-System", wie der Planet mit seinen (mindestens 13) Monden
inzwischen von vielen Wissenschaftlern genannt wird, bietet der Forschung
Einblick in eine Zustandsphase, wie sie vermutlich zur Zeit der Entstehung
unseres Sonnensystems existiert hat. Der Jupiter besteht aus den gleichen
Elementen wie unsere Sonne, die auch in sehr ähnlichen Anteilen vorhanden
sein dürften. Die äußere Wolkenschicht gibt durch die - auf den Aufnahmen
verstärkt wiedergegeben - Farbtönungen Hinweise auf die Existenz anderer
Elemente und der chemischen Verbindungen in den Wasserstoffmassen. Dabei
handelt es sich neben Helium insbesondere um Ammoniak, Methan, Wasserdampf,
Acetylen, Äthan, Phosphin (eine organische Phosphorverbindung) und mit
schwerem Wasserdampf gebildetes Methan. Ein Teil der Verbindungen entsteht
aus chemischen Reaktionen, zu denen elektrische Entladungen und Ultraviolettstrahlung die Energie liefern. Die auffällige Färbung des Roten Flecks wird
übrigens auf eine hohe Konzentration an Phosphorverbindungen zurückgeführt.
Seltsamerweise ist Schwefel in der Jupiter-Atmosphäre nicht zu finden,
der vom Vulkanmond lo in großen Mengen ausgeworfen und in ionisierter Form noch
Millionen von Kilometern außerhalb, am Rande der l^agnetosphäre des Jupiter,
angetroffen wird.

Die Wissenschaftler vermuten, daß Schwefelionen dennoch

entlang der magnetischen Feldlinien zu den Polgebieten des Jupiter wandern.
Vielleicht verursachen sie zusammen mit Sauerstoffionen vom Monde lo bei
der Kollision mit Atomen der Jupiter-Gashülle die Polarlichter.

Der Schwefel

�Schwefel könnte sich allerdings in tieferen Regionen der Atmosphäre
mit Ammoniak verbinden und Ammoniumhydrosulfid bilden.

Die hohen Wolken-

felder dagegen dürften Cirruswolken aus reinem Ammoniak sein.
Während der zwei Tage, an denen sich VOYAGER 2 dem Jupiter am nächsten
befand und dessen vier Hauptmonde passierte, lieferte die Sonde ein Vielfaches
mehr an Erkenntnissen, als die Forscher zu hoffen wagten. "Wir glaubten,
eine Ahnung von der Natur der Planeten zu haben - zum mindesten vom inneren
Bereich unseres Sonnensystems", sagte der Geologe Dr. Lawrence Soderblom.
"Jetzt sehen wir, wie wenig wir bisher wußten". Schon die Entdeckung von
acht aktiven Vulkanen auf dem Monde Io, der pro Sekunde etwa drei Millionen
Tonnen Schwefel, Sauerstoff und andere Elemente auswirft, war eine große
Sensation. Der Vulkanstaub bildet um den Satelliten eine Wolke, die
ionisiert und in das rotierende Magnetfeld des Jupiter hohl ringförmig eingebaut wird.
Soweit man bisher weiß, entwickelt Io die stärkste vulkanische
Aktivität in unserem Sonnensystem. Geologen nehmen an, daß die Vulkane
aus Reservoiren von geschmolzenem Schwefeldioxid und elementarem Schwefel
gespeist werden. Sie dürften mehrere Schichten auf einer etwa 20 km
dicken Silikatkruste bilden. Die Vulkane lagern auf der Oberfläche
Schwefelsand und Schwefelverbindungen von gelber, orangener, brauner,
weißer und schwarzer Färbung ab.
VOYAGER 1 fotographierte mindestens 100 Caldera, Einbruchkessel
erloschener Vulkane, mit Durchmessern von 200 km und mehr,

VOYAGER 2

erfaßte auf den mehr als 150 Aufnahmen allein vom Monde Io sieben der
aktiven Vulkane.

"Der aktivste gibt z.Zt. Ruhe", berichtet Dr. Smith.

"Aber die übrigen sprudeln Schwefel wie riesige Springbrunnen nach oben".
Der Mond umkreist den Jupiter in einer Entfernung, die nicht ganz dem Abstand
unseres Mondes zur Erde entspricht.
Mit

- 5 -

�Mit den Galileischen Monden beobachteten die Wissenschaftler, wie
Dr. Doderblom es formulierte, "den ältesten, den jüngsten, den dunkelsten,
den hellsten, den rötesten, den weiBesten, den aktivsten, den ruhigsten
und den ebensten" Himmelskörper.

Unter rasch wechselnden Farben und

Formenmustern zogen die Welten, die Jupiter umgeben, an den Fernsehkameras
der Sone vorüber - ein optisches Spiel wie in einem Kaleidoskop.
Den Anfang machte Kallisto, den VOYAGER 2 in 212 283 km Abstand
passierte.

Der Satellit, 1,8 Millionen km vom Jupiter entfernt und

der äußerste der Galileischen Monde, ist mit Milliarden von Kratern übersät hell funkelnde Gebilde auf dunklem Grund.

"Kallisto könnte sich als das

am stärksten zernarbte Objekt im Sonnensystem erweisen", erklärte Dr. Torrence
Johnson vom Jet Propulsion Laboratory.

"Auf seiner Oberfläche scheint sich

seit den Endstadien der Planetenkörperbilding im Sonnensystem kaum mehr
etwas ereignet zu haben."
Jahren.

Das war, so nimmt man an, vor etwa 4,5 Milliarden

Der Satellit besteht hauptsächlich aus Eis. Auf seiner Oberfläche

sind außer den zahllosen Kratern auch die Überreste eines riesigen ringförmigen Beckens, des vielleicht größten bisher bekannten Einschlagkraters,
zu erkennen.
Auf Ganymed, dem größten Jupitermond, sieht man sowohl helles als auch
dunkles Terrain. Die dunklen Flächen sind riesige Becken von wahrscheinlich
sehr hohem Alter. Sie liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu bräunlich
gefärbten jüngeren Gebieten, die eine starke Zeichnung durch Vertiefungen,
Rillen, Streifen oder Reihen linearer Merkmale aufweisen. Stellenweise
entdeckte VOYAGER 2 jedoch auch ein der Kallisto-Oberflache ähnliches
Terrain - Oberreste uralter ringförmiger Becken.
Bei dem Satelliten Europa schließlich, der mit Io einer der beiden
inneren Galileischen Monde ist, könnte es sich um einen riesigen Eisball
mit einer stark aufgerissenen Oberfläche von Eis handeln. VOYAGER 2
fotografierte den Satelliten aus 205 000 km Entfernung. Zwar seien überall

- 6 -

�überall enorme Risse zu erkennen, doch gebe es keine topographischen
Merkmale wie Erhebungen oder Taleinschnitte, berichtete Dr. Soderblom.
Selbst an der Schattengrenze, wo normalerweise auch geringe Unebenheiten
deutlich erscheinen, sei kein Relief zu entdecken gewesen.

Die Geologen

vermuten, daß Europa eines von Rissen durchsetzten, mindestens 100 km
dicken Eismantel habe.

Dieser könne sogar abgelöst sein - "wie eine

riesige Eischale".

+ + + + +

-7

�1

1
I

Uliz/cn/chofl
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1979

BLUTWÄSCHE BEI POLYARTHRITIS

- (AD) - Versuche an zwei amerikanischen Kliniken, Patienten mit
schwerer chronischer Polyarthritis durch eins Art Blutwä'sche Erleichterung
zu verschaffen, zeigen ermutigende Ergebnisse. Allerdings verweisen die
Forscher darauf, daß die Anzahl der so behandelten Patienten noch zu klein
sei für eine generelle Bewertung der Methode. Außerdem sei diese gegenwärtig
nur für die Behandlung von cP-Patienten zu empfehlen, bei denen mit der
Anwendung der üblichen anderen Therapieverfahren keine Besserung zu erzielen
sei .
Über Langzeit-Auswirkungen kann noch nichts ausgesagt werden.

Jedoch

sollte nach Meinung der Ärzte einer Klinik der Medizinischen Forschungsanstalten der USA (National Institute of Health) in Bethesda (Maryland) sowie
der Cedar-Sinai-Klinik in Los Angeles (Kalifornien) der jetzt eingeschlagene
Weg weiterverfolgt werden.

Es handelt sich um ein mit der Hämodialyse

vergleichbares Verfahren, bei dem bestimmte Fraktionen des Blutes, z.B.
das Plasma, die weißen Blutkörperchen und die Thrombozyten, einzeln oder
in bestimmter Kombination entfernt werden und das restliche Blut dem
Patienten über eine Arm- oder Benvene sogleich wieder infundiert wird. Man

Postfach 20 03 0 0 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Man versucht, auf diese Weise das Blut von Komponenten zu reinigen, die
möglicherweise den Entz'ündungsprozeß fördern.
über die Ursachen der chronischen Polyarthritis mit meist sehr
schmerzhaften Entzündungen der kleinen und großen Gelenke und deren fortschreitender Deformierung rätseln die Wissenschaftler nach wie vor.
rechnet sie heute zu den sog. Autoimmunkrankheiten.

Man

Dies sind Erkrankungen,

die durch die Produktion von Antikörpern gegen körpereigene Antigene, etwa
pathologische Stoffwechsel oder Zell Zerfallsprodukte, entstehen.

Möglicherweise

ist es auch nach einer schweren Infektion zu einer Entgleisung des Immunsystems
des Organismus gekommen.

Standardtherapieverfahren, zu denen z.B. Packungen

und Bäder, entzündungshemmende Mittel, Steroidhormone oder Goldpräparate
gehören,können den Verlauf mildern.

Aber das gelingt nicht immer.

An den beiden genannten Kliniken gingen die Ärzte bei der Blutwäsche nach
etwas unterschiedlichen Verfahren vor, kamen jedoch praktisch zu denselben
Ergebnissen:

Der Zustand der Patienten besserte sich auffallend, die

Besserung hielt bisher - d.h. ca. sechs Monate - an.

Jedoch war die Be-

handlung nur dann von Erfolg, wenn gleichzeitig bestimmte Medikamente, z.B.
Goldpräparate, weitergegeben wurden.

Ohne Zusatzmedikation war die Wirkung

der Blutfilterprozedur praktisch Null.
Obgleich das Ausfiltern bestimmter Komponenten aus dem Blut bei einigen
anderen Autoaggressionskrankheiten bereits mit Erfolg angewandt wird, wagte
man das Verfahren bei cP-Patienten deshalb nicht einzusetzen, weil man eine
Überreaktion des Organismus befürchtete - eine Überreaktion in der Form, daß
der Körper die schädlichen Elemente, die aus dem Blut entfernt wurden, dann
in noch größerer Menge produzieren könnte. Wie sich aber inzwischen herausstellte, kam es weder dazu noch zu anderen signifikanten Nebenwirkungen.

+ + + + +

�</text>
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