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                    <text>Information
und

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Februar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Jahresbericht des US-Verteidigungsministeriums
- Auszüge -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Februar 1980

JAHRESBERICHT DES US-VERTEIDIGUNGSMINISTERIUMS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Verteidigungsministerium hat am
29. Januar 1980 seinen Jahresbericht für das Haushaltsjahr 1981 veröffentlicht,
der einen überblick über die verteidigungspolitische Konzeption der Regierung
Carter bietet.

Die für Europa besonders relevanten Kapitel haben folgenden

Wortlaut:

Rüstungskontrolle und Abrüstung
Wenn der Zeitpunkt kommt, die Ratifizierung des SALT II-Vertrages zu
überlegen, dann sollte der Vertrag um seiner selbst willen beurteilt werden.
Wir haben die Möglichkeit und den Apparat, in anderen Verhandlungen über die
anderen Aspekte der Handhabung des militärischen Wettstreits mit den Sowjets
zu sprechen. Wir haben beides genutzt.
Wir haben zusammen mit den Briten einen wesentlichen Fortschritt bei den
Verhandlungen mit den Sowjets über ein umfassendes Verbot der Kernversuche erzielt.

Wir haben unser Hauptaugenmerk auf die Entwicklung von Verifizierungs-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�;

Verifizierungsmaßnahmen gerichtet, die die vorhandenen nationalen technischen
Mittel für die Verifikation wirksam ergänzen könnten.

Es ist ein prinzipielles

Übereinkommen über Vereinbarungen für die Einleitung und Durchführung freiwilliger Inspektionen vor Ort und für die Errichtung eines Systems seismischer Stationen auf dem Territorium der Vertragsparteien erzielt worden.

Es bleibt je-

doch noch viel Arbeit zu tun, bis diese prinzipiellen übereinkommen in detaillierte Verifizierungsabkommen umgesetzt werden, die für die Vertragsparteien
befriedigend sind.
Bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen (MBFR) haben sich die seitens der NATO und des Warschauer Paktes beteiligten Länder im Prinzip auf das Ziel einer gemeinsamen kollektiven Obergrenze
für die Landstreitkräfte jeder Seite geeinigt.

Es ist jedoch uns und unseren

NATO-Verbündeten noch nicht gelungen, diese prinzipielle Einigung in die Praxis
umzusetzen, weil wir die Meinungsverschiedenheiten mit den Sowjets und ihren
Verbündeten im Warschauer Pakt über die Zahl der Truppen, die sie gegenwärtig
in den relevanten Gebieten Osteuropas stationiert haben, nicht beilegen konnten.

Wir sind uns noch nicht einmal über die Stärke der sowjetischen Streit-

kräfte einig, die nach dem von Breschnew angekündigten Abzug von 20 000 Soldaten und 1000 Panzern in dem Gebiet sein werden.

Diese einseitigen Verringerun-

gen sind auf jeden Fall weit geringer als die bei den MBFR-Verhandlungen angestrebte Komponente der beiderseitigen Verringerungen.

Und selbst wenn der an-

gekündigte Abzug in vollem Umfang stattfinden sollte, dann gibt es keinen
rechtlichen Riegel gegen eine Wiedereinführung der Truppen, keine Verifizierungsmaßnahmen und keine vertrauensbildenden Maßnahmen wie Manöverbeobachter.
Wir und unsere NATO-Verbündeten haben daher in Wien weiterhin ein handfestes
ausgehandeltes Abkommen angestrebt, das zu gemeinsamen kollektiven Höchstgrenzen
für die Zahl der Soldaten auf beiden Seiten führt - auf der Basis des Abbaus
vom gegenwärtigen Stand aus und auf der Basis beiderseits anerkannter Daten.
In der Zwischenzeit hat die NATO in Übereinstimmung mit den westlichen
Verhandlungszielen - vor allem der Schaffung einer Parität in Form einer gemeinsamen kollektiven Höchstgrenze für die Truppenstärken im Reduktionsgebiet - ein

- 2 -

�ein vorläufiges Abkommen vorgeschlagen, das sich zunächst auf den Abzug amerikanischer und sowjetischer Soldaten auf der Basis vereinbarter amerikanischsowjetischer Daten und damit zusammenhängende Maßnahmen auf multilateraler Basis konzentrieren würde.

Dieses Interimsabkommen würde den Weg für ein Folge-

abkommen auf der Basis vereinbarter Gesamtdaten bereiten, das einen weiteren
Truppenabbau aller direkt Beteiligten auf einen kombinierten gemeinsamen kollektiven Höchststand für jede Seite von rund 700 000 Mann für die Landstreitkräfte und rund 900 000 Mann für die Land- und Luftstreitkräfte zusammen bringen würde.

Ein wesentliches Paket damit verbundener Maßnahmen würde einen integralen
Bestandteil jedes MBFR-Abkommens darstellen.

Die NATO hat kürzlich ihre Ar-

beit an einem solchen Paket von Maßnahmen abgeschlossen und es dem Osten in
Wien unterbreitet.

Diese Maßnahmen sollen dazu dienen, die militärische Sta-

bilität und das Vertrauen durch eine Regelung militärischer Aktivitäten zu fördern, die ausreichende Verifizierung eines MBFR-Abkommens zu sichern und die
unverminderte Sicherheit für Länder an den Flanken des mitteleuropäischen Gebietes, in der ein Truppenabbau im Rahmen von MBFR stattfinden würde, zu gewährleisten.

Die letzte formelle Gesprächsrunde mit den Sowjets über die Weitergabe
konventioneller Waffen fand vor über einem Jahr statt.

Damals erzielten wir

einigen Fortschritt in der Ausarbeitung allgemeiner Richtlinien für die Begrenzung dieser Weitergabe.

Sollten diese Gespräche jedoch wieder aufgenommen

werden, dann wird in der Ausarbeitung dieser Richtlinien mehr getan werden
müssen, wie auch hinsichtlich ihrer befriedigenden Anwendung in bestimmten Regionen.

Die letzte Runde der Gespräche über eine Rüstungskontrolle auf dem Gebiet
der Satellitenbekämpfung (ASAT) wurde im Juni 1979 abgeschlossen, und eine
neue Gesprächsrunde ist noch nicht vereinbart.

Ein gewisser Fortschritt ist

hinsichtlich eines Abkommens über das Verbot bestimmter Maßnahmen gegen
Satelliten und der Begrenzung in der Entwicklung von ASAT-Systemen erreicht

- 3 -

�erreicht worden.

Die Gespräche über eine Stabilisierung der militärischen

Präsenz beider Seiten im Indischen Ozean wurden im Februar 1978 ausgesetzt,
und es bestehen keine Pläne für eine weitere Gesprächsrunde über dieses Thema.
Auf der anderen Seite ist ein Fortschritt zur Kontrolle von chemischen Waffen
und Strahlungswaffen erzielt worden.

Obwohl wir uns mit den Sowjets darüber

einig sind, daß wir chemische Waffen kontrollieren sollten, haben wir das Problem noch nicht gelöst, wie Waffenlager und Einrichtungen spezifiziert werden
sollen, wie eingeführte Kontrollen verifiziert werden könnten oder wann ein Abkommen in Kraft treten sollte.

Wir haben jedoch dem Abrüstungsausschuß in

Genf einen gemeinsam vereinbarten Vorschlag über Strahlungswaffen vorgelegt,
von dem wir hoffen, daß er rasch zu einer Konvention formuliert werden kann,
die dem internationalen Beitritt offen steht. Was als nächstes geschehen wird,
hängt von dem Ausschuß ab.
In der NATO haben wir und unsere Verbündeten die Prinzipien ausgearbeitet,
die für die Behandlung amerikanischer und sowjetischer nuklearer Mittelstrekkensysteme (Long-Range Theater Nuclear Systems - LRTNF), vor allem der SS-20»
angewendet werden sollen. Die NATO hat den Vereinigten Staaten ihre Zustimmung gegeben, RüstungskontrollVerhandlungen mit der Sowjetunion über LRTNF
zu führen, und trotz der derzeitigen sowjetischen Ablehnung, über diese Fragen zu verhandeln, rechnen wir mit Gesprächen über die genannten Systeme im
Rahmen von SALT III.
Das sind weder aufregende Ergebnisse noch eine Basis für große Hoffnungen
auf die Zukunft. Obwohl beide Seiten noch immer das gemeinsame Ziel der Verringerung des Risikos eines Atomkrieges haben, bleibt das Verhältnis zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion seiner Natur nach weitgehend gegnerisch. Gerade aus diesem Grund werden wir wie in SALT unsere Bemühungen
zu gegebener Zeit fortsetzen, um die sowjetische Bedrohung und die Gefahren
eines Konflikts durch spezifische, gerechte und verifizierbare Rüstungskontrollmaßnahmen einzudämmen. Gleichzeitig müssen wir erkennen, daß die Außenpolitik
und die militärischen Kapazitäten der Sowjetunion das Potential und möglicherweise auch die Absicht besitzen, unsere Sicherheit zu untergraben.
Regionale

�Regionale Entwicklung

Wenn wir an die Bedrohung unserer nationalen Sicherheit denken, dann
neigen wir dazu, nur spektakuläre und mit Kernwaffen zusammenhängende Ereignisse zu sehen, wie Diebstahl von Kernwaffen, schreckliche Vernichtungsdrohungen, Überraschungsangriffe aus heiterem Himmel, rasche nukleare Rache.

Die

Gefahren haben sich jedoch als traditioneller und weniger apokalyptisch erwiesen.

Die meisten sind lokalen oder regionalen Ursprungs.

Westeuropa

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß Westeuropa von lebenswichtigem
Interesse für die Vereinigten Staaten ist. Mit einer Bevölkerung von zusammen
rund 260 Millionen und einem Bruttosozialprodukt von 2 Billionen Dollar ist es
außerhalb Nordamerikas die größte Konzentration wirtschaftlicher Macht in der
Welt.

Seine Länder sind wie die Vereinigten Staaten Demokratien.

Die meisten

unserer Menschen und der größte Teil unserer Kultur haben dort ihren Ursprung.
Wir sind seit Gründung unserer Republik in europäische Angelegenheiten verwikkelt gewesen.

Bei unseren beiden größten Kriegen ging es um Europa.

Wir sind

bereit, wenn notwendig, erneut für die Verteidigung unserer europäischen Verbündeten zu kämpfen.

Einige der Gefahren für das nicht-sowjetische Europa stammen aus den eigenen Reihen.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist der anhaltende Streit

zwischen Griechenland und der Türkei, der die südliche Flanke der NATO geschwächt
hat.

Die wirtschaftliche Notlage in Portugal und in der Türkei berührt nicht

nur den Beitrag dieser Länder zur gemeinsamen Verteidigung, sondern sie macht
sie auch anfällig für politische Instabilität und Subversion durch anti-demokratische Elemente.

Innere Schwierigkeiten in Jugoslawien könnten den ordnungs-

gemäßen Übergang zu Marschall Titos Nachfolgern gefährden und die Gelegenheit
für eine Einmischung von außen schaffen.

Aber die beiden größten Gefahren

kommen von außerhalb Europas.
Die
- 5-

�Die erste Gefahr ergibt sich aus der starken Abhängigkeit Europas vom
OPEC-Öl und der Möglichkeit, daß die Versorgung unterbrochen werden könnte.
Die zweite Gefahr ergibt sich aus der massiven militärischen Präsenz der
Sowjetunion in Osteuropa und aus den zahlreichen und immer moderneren nuklearen
Mittel Streckensystemen (Long-Range Theater Nuclear Delivery Vehicles), die in
der UdSSR stationiert sind.

Wir und unsere Verbündeten haben eine Vielfalt

von Maßnahmen entwickelt, um mit dem Energieproblem fertig zu werden einschließlich der Anlegung von Vorratslagern und eines Abkommens, den Mangel gerecht
zu verteilen, sollte die Versorgung mit öl über einen längeren Zeitraum wesentlich eingeschränkt werden. Aber was immer wir auf diesem Gebiet tun oder nicht
tun, es gibt keinen sichtbaren Weg, daß militärische Macht an die Stelle der
Einsparung von Energie oder die Entwicklung neuer Brennstoffe und neuer Quellen
bestehender Brennstoffe treten könnte.

Unsere Fähigkeit, mit der sowjetischen

Bedrohung fertig zu werden, hängt in der Tat zum Teil von unserer Fähigkeit ab,
Energie zu sparen und unsere Versorgungsquellen zu diversifizieren.

Gleich-

zeitig müssen wir uns darüber im klaren sein, daß die militärische Präsenz der
Sowjets ein Phänomen ist, mit dem unsere Außenpolitik nur fertig werden kann,
wenn eine beträchtliche militärische Macht hinter ihr steht.

Wir neigen zu der Betrachtungsweise, die sowjetische Gefahr für Westeuropa gehe in erster Linie von der konventionellen militärischen Kapazität
der Sowjets aus, und wir haben uns angesichts der Modernisierung dieser Kapazität in zunehmendem Maße Sorgen gemacht, daß sie zu plötzlichen und massiven
Angriffen in Mitteleuropa benutzt werden könnte. Ohne Zweifel sind diese Sorgen berechtigt, aber sie schließen keineswegs alle Möglichkeiten ein. Die
Sowjets haben die nukleare Kapazität - strategisch und taktisch (im MittelStreckenbereich) - die auf Westeuropa gerichtet ist, entwickelt und verbessern
sie jetzt weiter. Sie sind an ihrer Nordflanke in zunehmendem Maße selbstsicher geworden. Und sie müssen ohne Frage bezüglich des Gangs der Ereignisse
in Osteuropa nervös bleiben. Die größten Gefahren für Europa würden daher weniger durch plötzliche nicht provozierte Angriffe entstehen als durch große
Krisen zwischen Ost und West, ausgelöst durch Schwierigkeiten im sowjetischen
Machtbereich oder in dessen Nähe.
Wir

�Wir haben versucht, die Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern
des Warschauer Paktes durch verstärkte Kontakte, verstärkten Handel,
institutionelle Zusammenarbeit und Informationsaustausch zu verbessern.
Wir haben heute mit allen osteuropäischen Ländern, mit Ausnahme der
Tschechoslowakei, Konsularabkommen.

Seit Anfang 1976 haben die Ost-

europäer amerikanische landwirtscahftliche Erzeugnisse im Werte von
über 2 Milliarden Dollar und amerikanische Fertigwaren im Werte von fast
1 Milliarde Dollar gekauft.

Im Jahre 1978 haben wir Waren im Werte von

rund 1,4 Milliarden Dollar an diese Region geliefert, und wir haben
Polen, Rumänien und Ungarn in unseren Handelsbeziehungen die Meistbegünstigungsklausel eingeräumt.

Es wäre jedoch sinnlos, wollten wir vor-

geben, daß die Maßnahmen für sich allein die Unzufriedenheit in Osteuropa
beheben oder den Hang der Sowjets mildern könnten, eine maximale Kontrolle
über Osteuropa auszuüben.

Entschlossenheit und sichtbare militärische

Fähigkeit sind ebenso wie erweiterte wirtschaftliche und3&gt;nstige Beziehungen zu Osteuropa entscheidend wichtig, wenn wir wirksam, aber mit
friedlichen Mitteln mit diesen Gefahren fertig werden wollen.
Um das Problem der sowjetischen Dislozierung der SS-20-Rakete und
des Backfire-Bombers anzupacken, hat das Bündnis eine Gruppe auf Hoher
Ebene (High Level Group - HLG) eingesetzt, um das ganze Spektrum der
Abschreckung zu prüfen und über geeignete Maßnahmen zur Modernisierung
der nuklearen Abschreckung des Bündnisses zu entscheiden.

Gleichzeitig

prüfte eine NATO-Sondergruppe für Rüstungskontrolle (Special Group on
Arms Control) ergänzende Vorschläge für Rüstungsbegrenzungen auf diesem
kritischen Gebiet.
Um die Fähigkeit der NATO aufrechtzuerhalten, ihre Strategie der
flexiblen Antwort (flexible response) durchzuführen und auf die durch
die sowjetische Dislozierung neuer und stärkerer TNF (SS-20-Raketen
und Backfire-Bomber) geschaffene Bedrohung reagieren zu können, haben
die Verteidigungs- und Außenminister der NATO im Dezember 1979 zwei

- 7 -

�zwei wichtige Schritte beschlossen.

Das Bündnis wird mit der Modernisierung

seiner nuklearen Mittel Streckensysteme (LRTNF) beginnen und 108 Pershing
II-Raketen auf Abschußeinrichtungen sowie 464 landgestützte Marschflugkörper (GLCMS) von 1983 an in ausgewählten westeuropäischen Ländern
dislozieren.

Im Zusammenhang mit dieser Modernisierung werden die

Vereinigten Staaten 1 000 nukleare Gefechtsköpfe aus ihren europäischen
Arsenalen abziehen.
In einer parallelen Rüstungskontroll initiative sprachen sich die
Minister für amerikanisch-sowjetische Verhandlungen über LRTNF im Rahmen
von SALT III aus.

Sie kamen überein, daß diese Verhandlungen eine Verringerung

der Zahl sowjetischer LRTNF - vor allem der SS-20-Raketen - anstreben, so
bald wie möglich beginnen, in enger Konsultation mit unseren NATO-Verbündeten geführt und von folgenden Grundsätzen geleitet sein sollten:
-

Alle künftigen Begrenzungen amerikanischer TNF-Systeme (für
den Einsatz in Europa) sollten von entsprechenden Begrenzungen
sowjetischer TNF-Systeme begleitet werden.

-

Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer LRTNF-Systeme
sollten bilateral im Rahmen von SALT III Schritt für Schritt
ausgehandelt werden.

-

Das unmittelbare Ziel dieser Verhandlungen sollte die Festlegung vereinbarter Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer
landgestützter LRTNF-Raketensysteme sein.

-

Alle vereinbarten Begrenzungen dieser Systeme müssen im Einklang
mit dem Grundsatz der Gleichheit für beide Seiten stehen.

Daher

sollten die Begrenzungen in Form der de jure Gleichheit der
Höchstgrenzen und der Rechte durchgeführt werden.
Alle

�-

Alle vereinbarten Begrenzungen müssen in ausreichendem Maße
verifizierbar sein.

So wichtig diese Programme sein mögen, die größte Bewährungsprobe
für die NATO in den achtziger Jahren wird mit der Frage kommen, wie gut
die Verbündeten in der Verwirklichung der übrigen Teile des langfristigen
Verteidigungsprogramms zusammenarbeiten werden.

Der Plan enthält neun

weitere Vorrangkategorien:
-

Verstärkte Bereitschaft, um mit den Risiken eines Blitzkriegs
des Warschauer Paktes mit kurzer Vorwarnzeit fertig zu werden;

-

Sehr viel raschere Verstärkung der dislozierten Streitkräfte
der NATO, vor allem aus den Vereinigten Staaten;

-

verstärkte und erhöhte europäische Reservestreitkräfte;

-

qualitative Verbesserungen der maritimen Kapazität des
Bündnisses;

-

ein integriertes Luftverteidigungssystem des Bündnisses, da
eine wirksame Luftverteidigung in Europa auf nationaler Basis
unmöglich ist;

-

Erhöhung der Interoperabilität und Standardisierung der
Befehls-, Leit- und Fernmeldesysteme, die für eine gemeinsame
Kriegsführung lebenswichtig sind;

-

ein bündnisweites Programm für elektronische Kriegführung,
um den großen sowjetischen Fortschritten auf diesem Gebiet
begegnen zu können;
rationalere

�-

rationalere Verfahren für Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Rüstung innerhalb der NATO;

-

und

verstärkte Bemühungen um die Verbesserung der logistischen
Koordinierung sowie Erhöhung der Kriegsreserven.
•

Zwei von diesen Programmen müssen besonderen Nachdruck erhalten.
Die Sowjets produzieren weiterhin Panzer, Kanonen und Flugzeuge in einer
Zahl, die um das zwei- bis dreifache über der der Vereinigten Staaten
liegt.

Sie investieren etwa zweimal soviel in die Forschungs- und

Entwicklungsprojekte der Verteidigung.

Wir müssen auf unsere NATO-

Verbündeten zählen können, um viele dieser Differenzen wettzumachen.
Um zu den gewünschten Ergebnissen zu gelangen, müssen wir und unsere
Verbündeten nicht nur wirksamere Beschaffungsverfahren entwickeln, sondern
auch die Duplikation bei den Forschungs- und Entwicklungsprogrammen
verringern.

Wenn wir über die nationalen Grenzen hinweg zu optimalen

Ergebnissen gelangen wollen, müssen wir mehr dazu bereit sein, das Gerät
vom anderen zu kaufen.

Gleichzeitig müssen wir mehr zusammenarbeiten,

um dem Wert von 20 Milliarden Dollar an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die das Bündnis zur Zeit darin investiert, so nahe wie möglich
zu kommen, anstatt uns mit einem Ergebnis von 15 bis 16 Milliarden Dollar
zu begnügen, zu dem die NATO insgesamt in ihrer Produktion jetzt gelangt.
Die rasche Verstärkung Europas durch die USA ist ein anderer
entscheidender Faktor für die Abschreckungseffizienz der NATO.

Eines

der ernsthaftesten Probleme des Bündnisses, vor allem in der zentralen
Region, ist der Mangel an operativen Reserven.

Wenn unter den derzeitigen

Umständen ein Angriff mit nur kurzer Vorbereitungszeit erfolgte und wenn
unsere vorderen Verteidigungslinien im ersten Stadium dieses Angriffs
durchbrochen würden, dann hätte SACEUR möglicherweise zu wenig Landstreitkräfte und taktische Flugzeuge in Reserve, um dem Einbruch erfolgreich
entgegenzuwirken.
Seit
- 10 -

�Seit vielen Jahren ist es der Plan der Vereinigten Staaten, der
NATO mit massiven Verstärkungen zur Hilfe zu kommen, aber mangelnde Lufttransportkapazität und das Fehlen einer angemessenen Nachschubstruktur
für diese Verstärkungen bedeuteten, daß viele der zur Verstärkung entsandten
Einheiten zu spät eintreffen könnten, um mit dieser besonderen Notlage
fertig zu werden. Um diese Schwäche zu beheben, haben wir ein Programm
zur raschen Verstärkung aufgebaut, das die amerikanischen Landstreitkräfte mehr als verdoppeln und die taktischen Luftverbände verdreifachen
wird, die von Tag zu Tag in Europa disloziert werden - und beides in
weniger als zwei Wochen.

Dies, so sollte ich noch hinzufügen, heißt

nicht zwei Wochen nach Beginn eines Angriffs, sondern zwei Wochen, nachdem
der Beschluß zur Verstärkung getroffen ist. Was das bedeutet, läßt
sich ermessen, wenn man die sich daraus ergebende amerikanische Präsenz
mit der größten Streitmacht in Westeuropa vergleicht.

Das Programm

zur raschen Verstärkung wird mit M-14 eine Gesamtfeuerkraft der
amerikanischen Landstreitkräfte ergeben, die größer ist als die in der
gesamten Armee der Bundesrepublik vorhandene und die die Zahl der Luftgeschwader, über die die Luftwaffe verfügt, um das Doppelte übertrifft.
Die rechtzeitige Bereitstellung dieser massiven Verstärkung hängt
in erster Linie von unserer Fähigkeit ab, Vorausstellungen von Ausrüstung
und Gerät in Europa anzulegen, Truppen dahin mit Passagierflugzeugen einzufliegen und unsere Kampfgeschwader auf geschützte und wohl versehene
alliierte Luftstützpunkte zu dislozieren. Solche Maßnahmen wiederum
erfordern die Mitarbeit unserer europäischen Verbündeten. Sie müssen
die Lagerplätze und Arsenale für das im voraus deponierte Gerät, planmäßig angelegte Operationsbasen für unsere Luftgeschwader und Depots
für unsere Munition und andere Kampfmittel verfügbar machen. Das meiste
davon kann durch das NATO-Infrastrukturprogramm finanziert werden, zu dem
die Vereinigten Staaten den größten Einzelbeitrag leisten. Aber dazu
wird eine weitaus höhere Bereitstellung von Mitteln für die Infrastruktur
notwendig sein, als unsere Verbündeten bisher zu gewähren bereit waren.

Es
- 11 -

�Es trifft ebenfalls zu, daß wir - wenn wir uns für diese massive,
mit größter Geschwindigkeit erfolgende Dislozierung amerikanischer Kampftruppen entscheiden - auf die gleichzeitige Dislozierung einiger Nachschubeinheiten verzichten müssen, die notwendig sind,und uns in stärkerem
Maße für den Nachschub und die Instandhaltung auf das Konzept der Unterstützung durch den Gaststaat verlassen müssen, wobei unsere euroäischen
Verbündeten helfen werden, uns zu einem großen Teil die Nachschubkapazität
zu gewähren, die für unsere Kampfleistung so entscheidend wichtig ist
und zwar aus den gleichen mobilisierten zivilen Hilfsquellen, die sie zur
Unterstützung ihrer eigenen Streitkräfte nutzen würden.

Das heißt, sich

auf sie hinsichtlich des Seetransport und des Lufttransports, hinsichtlich
der Häfen und Fluglandeplätze und Entladungseinrichtungen, hinsichtlich
des Transports ins Kampfgebiet und einer Unzahl anderer Notwendigkeiten
verlassen, wie beispielsweise Treibstofflager, Tankwagen, Depots und
Lazaretteinrichtungen.
•

Die erforderliche Unterstützung würde nur einen Bruchteil von den
gewaltigen zivilen Hilfsquellen und der Infrastruktur in Anspruch nehmen,
die in den hochentwickelten Volkswirtschaften Europas vorhanden sind.

In

Friedenszeiten wären nur sehr geringe Kosten damit verbunden, und in
Kriegszeiten würden wir für alle Güter und Dienstleistungen, die von
den Verbündeten gestellt werden, bezahlen.

Aber wenn auch über die Einzel-

heiten der Unterstützung durch das Gastland zur Zeit aktiv verhandelt wird,
so geht der gesamte Prozeß doch nur langsam voran.
Kurzum, wir haben ein transatlantisches Geschäft vorgeschlagen.
Wir werden für eine rasche und massive Dislozierung von Kampftruppenverstärkungen für die NATO sorgen, wenn unsere Verbündeten uns bei der
Bereitstellung der europäischen Anlagen und Einrichtungen helfen und die
Gastlandunterstützung gewähren werden, die zur Durchführung einer solchen
Dislozierung notwendig sind.

Aber diese komplexe Anstrengung wird nicht

ohne eine größere Zusammenarbeit seitens der anderen Mitglieder des
•

•

- 12 -

�des Bündnisses erfolgreich sein.

Sie ist und muß ein gemeinsames Unter-

fangen sein, zu dem der Beitrag der Verbündeten genau so entscheidend
ist wie der unsrige.

Doch muß die in ihr liegende Möglichkeit zur kollektiven

Verteidigung im Anfangsstadium eines Konflikts größeren Nachdruck erhalten,
wenn die Glaubwürdigkeit einer nichtnuklearen Abschreckung in dem vor uns
liegenden Jahrzehnt erhalten bleiben soll.
sie müssen erfüllt werden.

- 13 -

Die Anforderungen sind hart -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jahresbericht des US-Verteidigungsministeriums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>L*T

Information
und
Dokumentation

£•1

31
_

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

^M

4. Februar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Haushaltsvoranschlag Präsident Carters für 1980/81
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft an den Kongreß
Auszüge aus dem Haushaltsvoranschlag 1981
- Verteidigungshaushalt - Internationale Angelegenheiten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rekordetat für Wissenschaft und Technik
- Präsident Carter fordert mehr als 38 Milliarden Dollar für 1981
Einsparung - Kohle - Sonnenenergie
- Schwerpunkte auf dem Energiesektor im neuen US-Haushalt -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gcbcccn

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�8

4. Februar 1980

HAUSHALTSVORANSCHLAG PRÄSIDENT CARTERS FÜR 1980/81
- Auszüge aus der HaushaKsbotschaft an den Kongreß -

WASHINGTON

- (AD) -

Präsident Jimmy Carter hat am 28. Januar

1980

dem amerikanischen Kongreß seinen Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr
1980/81 - vom 1. Oktober 1980 bis 30. September 1981 - übermittelt, der mit
Ausgaben von rund 615,8 Milliarden Dollar eine Erhöhung um 9 Prozent vorsieht.

Hohe Priorität im Haushaltsjahr 1981 wird der Verteidigung einge-

räumt, für die über 5 Prozent mehr - insgesamt 161,8 Milliarden Dollar aufgewandt werden sollen, aber auch die Mittel für Forschung und Entwicklung
sind beträchtlich - auf über 38 Milliarden Dollar - erhöht worden.

Immerhin

sind aber auch die Sozialbereiche und der Schuldendienst mit 37 Milliarden
Dollar mehr bedacht worden.

Für Energieprogramme - unter anderem Ausgaben

für das Energieministerium und für das Erdöl-Lagerhaltungsprogramm - sind
insgesamt rund 8,1 Milliarden Dollar angesetzt. Alle übrigen Programme
bleiben in etwa auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr.

Das Haushalts-

defizit wird mit rund 16 Milliarden Dollar veranschlagt - verglichen mit
rund 40 Milliarden Dollar für das laufende Haushaltsjahr.

Steuersenkungen

sind im Haushaltsjahr 1981 nicht vorgesehen.
Die

�Die wesentlichen Auszüge aus der Haushaltsbotschaft des Präsidenten
an den Kongreß haben folgenden Wortlaut:
"Dieser Haushalt für 1981 ist umsichtig und verantwortungsbewußt.
Er hält an der Strategie der Zurückhaltung fest, die ich vorgeschlagen
habe und die der Kongreß für den Haushalt 1980 akzeptiert hat. Gleichzeitig schlägt er jedoch ausgewählte wesentliche Erhöhungen auf Gebieten
hoher Priorität und großer nationaler Anliegen vor.
Auf diese Weise versucht er, einen Ausgleich zwischen der Notwendigkeit der haushaltsmäßigen Zurückhaltung und der Notwendigkeit
bestimmter Ausgaben zu schaffen.

Ich rechne damit, daß der Kongreß

ihn unterstützen wird.
Die in diesem Haushalt 1981 veranschlagten Ausgaben belaufen sich
auf insgesamt 615,8 Milliarden Dollar, was eine Erhöhung um 9 Prozent
bedeutet.

Nach Berücksichtigung der Inflation liegt dieser Haushaltsvor-

anschlag jedoch praktisch auf der gleichen Höhe wie die Ausgaben im Haushaltsjahr 1980. Die Gesamteinnahme für das Haushaltsjahr 1981 werden
auf insgesamt 600 Millionen Dollar veranschlagt.

Im Hinblick auf die der-

zeitige Wirtschaftslage ist der einzige große Steuervorschlag im Haushalt
die von mir vorgeschlagene Situationsgewinn-Steuer (Windfall Profit Tax),
die der Kongreß gegenwärtig behandelt.

Gesamthaushalt

- 2 -

�Gesamthaushalt
(in Milliarden Dollar)
1979

1980

1981

1982

1983

VORANSCHLAG

Einnahmen

466

524

600

691

799

Ausgaben

494

564

616

686

774

Defizit oder Überschuß

-28

-40

-16

+5

+25

Ausgabeermä'chti gungen

557

654

696

775

868

Damit veranschlage ich ein Defizit von 15,8 Milliarden Dollar, also
das niedrigste seit sieben Jahren. Das Defizit wird gegenüber dem Haushalt
1980 um 60 Prozent gesenkt. Und was noch wichtiger ist, es liegt rund
50 Milliarden Dollar niedriger als zu der Zeit, als ich mich zum erstenmal
um die Präsidentschaft bewarb. Als Prozentsatz des Haushaltsvoranschlages
und des Bruttosozialprodukts ist das Defizit das zweitniedrigste der letzten
zehr. Jahre.
Dieser Haushalt wird stark von den wirtschaftlichen Aussichten
beeinflußt. Es sieht heute so aus, daß der lange wirtschaftliche Wiederaufschwung während meiner ersten Amtszeit in diesem Jahr nachlassen könnte.
Ich bin daher davon ausgegangen, daß im Laufe des Jahres 1980 ein Rückgang
des Bruttosozialprodukts eintreten wird, auf den 1981 wieder ein mäßiges
Wachstum folgen dürfte. Daher werden die Haushaltseinnahmen geringer
werden, und bestimmte Ausgaben werden automatisch steigen. Daher ist
mein Haushalt 1981 im Defizit. Wenn entgegen unserer Annahmen die Wirtschaftstätigkeit stark genug sein wird, um die Arbeitslosenrate auf dem

- 3-

�dem gegenwärtigen Stand zu halten, dann würde der Haushalt 1981 einen
Überschuß aufweisen.
Wir müssen die wirtschaftliche Entwicklung genau beobachten. Wenn
die Wirtschaftstätigkeit merklich nachlassen sollte, dann werde ich
Steuersenkungen und temporäre Ausgabenprogramme für die Schaffung von
Arbeitsplätzen erwägen, die sich gezielt auf besonders belastete Sektoren
der Wirtschaft richten. Die derzeitige Wirtschaftslage spricht jedoch
nach meiner Auffassung für eine fiskalische Zurückhaltung.
Nach meiner Ansicht gehen diese Beurteilung und dieser Haushalt
davon aus, daß eine vertretbare fiskalische Zurückhaltung von entscheidender
Bedeutung in unseren Anstrengungen zur Bekämpfung der Inflation ist; daß
die Arbeitslosen nicht die Kosten für unsere anti-inflationären Maßnahmen
tragen sollten; und daß wir vor allem weiterhin die Ziele der Vollbeschäftigung,
der Preisstabilität und des ausgewogenen Wachstums anstreben. Die in
diesem Haushalt veranschlagten fiskalischen und programmatischen Maßnahmen
sind nach meiner Überzeugung wesentlich, wenn wir in den achtziger Jahren
die genannten Ziele rasch erreichen wollen.
Die in diesem Haushalt vorgeschlagene Zurückhaltung ist sogar
von entscheidender Bedeutung für die Erreichung dieser Ziele. Die derzeitige unerträglich hohe Inflationsrate ist eindeutig auf viele, tief
verwurzelte, langfristig wirkende Kräfte zurückzuführen. Die Bekämpfung
dieser Inflation erfordert anhaltende Maßnahmen auf einem weiten Spektrum:
- Wir müssen unsere Abhängigkeit von ausländischem öl verringern.
t

-

Wir müssen die Produktivität unserer Wirtschaft steigern.

- Wir müssen unsere Anstrengungen zur Förderung des Wettbewerbs
und der Innovation durch weitere Abschaffung von Verordnungen

- 4 -

�Verordnungen fortsetzen.
-

Wir müssen die weitere Einhaltung der Lohn- und Preisrichtlinien
der Regierung sicherstellen.

Keine dieser Anstrengungen kann jedoch zum Erfolg führen, wenn
wir nicht die Ausgaben des Bundes unter Kontrolle halten. Durch die
Fortsetzung einer klaren und kontinuierlichen Politik der Zurückhaltung
stellt der Voranschlag 1981 sicher, daß der Bundeshaushalt keine inflationäre
Kraft in der Wirtschaft sein wird.
Obwohl ich dafür gesorgt habe, daß die Ausgaben real nicht steigen
werden, hielt ich es für notwendig, die Mittel auf einigen wenigen kritischen
Gebieten zu erhöhen. Die wichtigsten dieser Gebiete sind die Verteidigung,
die Energie, die Grundlagenforschung und die Ausbildung und Beschäftigung
der jungen Menschen in unserem Lande.
Verteidigung:

Der Rückgang in den realen Verteidigungsausgaben,

der im Jahre 1969 begann, ist ins Gegenteil verkehrt worden.

Die unsichere

und gelegentlich feindselige Welt, in der wir leben, erfordert, daß wir
unsere Verteidigungsstreitkräfte wieder verstärken.

Die Vereinigten Staaten

werden auch weiterhin danach streben, internationale Streitigkeiten mit
friedlichen Mitteln beizulegen.

Aber wir können die großen Erhöhungen

der sowjetischen Militärausgaben nicht ignorieren, die in den letzten
zwanzig Jahren unerbittlich stattgefunden haben.

Ich kann unsere Ver-

pflichtung gegenüber unseren NATO-Verbündeten zu allseitigen realen Erhöhungen unserer Investitionen in die nationale Verteidigung nicht ignorieren.
Ich kann die Auswirkungen des Terrorismus im Iran und der sowjetischen
Aggression in Afghanistan nicht ignorieren.
Daher sieht mein Haushaltsvoranschlag für 1981 ein Verteidigungsprogramm von 158,2 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen vor, was

- 5 -

�was eine Erhöhung um real 5 Prozent bedeutet.

Die Ausgaben für die

Verteidigung werden 142,7 Milliarden Dollar betragen, was eine reale
Steigerung um über 3 Prozent bedeutet.
Darüber hinaus habe ich mich im Rahmen des politischen Grundsatzprogramms zu einer weiteren realen Steigerung der Verteidigungsausgaben
bekannt,
erhöhen.

und ich plane, meine Verteidigungshaushalte bis 1985 zu
Nach meinem Vorschlag soll das Verteidigungsprogramm der

Vereinigten Staaten in dem Zeitraum von 1981 bis 1985 um insgesamt 90
Milliarden Dollar zunehmen.
Energie:

Dieser Haushalt läßt die wichtigen Fortschritte erkennen,

die meine Administration in Richtung auf ein umfassendes und praktikables
Programm zur Lösung der Energieprobleme gemacht hat, vor denen unser Land
in den nächsten zehn Jahren stehen wird.

Ich bin überzeugt, und der

Haushalt 1981 geht davon aus, daß der Kongreß zu Anfang der Sitzungsperiode 1980 die entscheidenden Maßnahmen verabschieden wird, die ich im
vorigen Jahr vorgeschlagen habe:

die Besteuerung der Situationsgewinne

(Windfall Profit Tax), die Gesellschaft zur Sicherung der Energieversorgung,
die Einsparungsmaßnahmen und das Amt für Energiemobilisierung.
Mit diesem Haushalt müssen wir ein Energieprogramm verwirklichen,
das aus den folgenden Elementen zusammengesetzt ist:
1.

Realistische Preisgestaltung und faire Besteuerung: Meine
Entscheidung über die Abschaffung von Preiskontrollen vom April
vorigen Jahres ist jetzt in Kraft. Sie ist schmerzlich, und
niemand kann so tun, als ob das nicht so wäre. Aber wir können
kein Energieprogramm brauchen, das Illusionen nährt. Energie
ist nicht billig, und diese Tatsache müssen wir akzeptieren.

Meine

- 6 -

�Meine Situationsgewinnsteuer, die Anfang dieses Jahres verabschiedet werden soll, behält einen Teil der Erhöhungen des
Energiepreises für die Öffentlichkeit ein.

Das wird sicher-

stellen, daß erhöhte Energiepreise zu neuen öffentlichen
Investitionen in die Energieerzeugung führen werden.

Sie wird

ferner gewährleisten, daß die Lasten höherer Energiekosten fair
verteilt werden.
2.

Einsparung:

Der Haushalt 1981 stellt Mittel für steuerliche

Anreize, subventionierte Anleihen zu niedrigen Zinsen und
andere Maßnahmen bereit, um zu weiteren Einsparungen anzuregen.
Einsparung ist der rascheste und billigste Weg, um mit unserem
Energieproblem fertig zu werden.
3.

Erzeugung:

Dieser Haushalt sieht die Schaffung der Gesellschaft

für Energiesicherung vor, um die Entwicklung synthetischer
Brennstoffe und ein großes neues Gasohol-Programm zu fördern.
Es unterstützt ferner weitere neue Investitionen in jene EnergieInitiativen, die in den beiden vorigen Haushalten begonnen wurden.
Wir werden unsere Ausgaben für fossile Brennstoffe, Sonnenenergie und Kernfusion beträchtlich erhöhen.

Auf der anderen

Seite geht die Kernfusionsforschung zurück, und zwar in dem
Maße, in dem größerer Nachdruck auf die Lösung der gegenwärtigen
Probleme der Kernkraft gelegt wird.
4.

Schutz: Wenn wir uns den neuen Realitäten der Energiesituation
anpassen, dann müssen wir weiterhin jene schützen, die am meisten
verwundbar sind.

Der Haushalt 1981 stellt weiterhin Mittel für

die ärmere Bevölkerung zur Wärmedämmung ihrer Häuser und Wohnungen
bereit - Mittel, um die am meisten benachteiligten Amerikaner in
die Lage zu versetzen, mit den steigenden Energiekosten fertig
zu werden;

und Mittel für Hilfe bei Energiekrisen.
Mein
- 7 -

�Mein Energieprogramm ist notwendigerweise langfristig angelegt.
Aber wenn wir es durch das neue Jahrzehnt durchhalten, dann
werden wir den Verbrauch drosseln, die Produktion aus einheimischen
Quellen steigern und alternative Energieformen fördern.

Wir

werden unsere gefährliche Abhängigkeit von ausländischem öl
wesentlich verringern.

Wir werden eine der Hauptquellen der

Inflation beseitigen.

Unsere Wirtschaft und unser Land werden

aus den achtziger Jahren stärker hervorgehen, als wir jetzt sind.
Grundlagenforschung:

Auf lange Sicht hängt das Wirtschaftswachstum

entscheidend von der technologischen Entwicklung ab.

Viele Jahre lang

war unser Land in der Entwicklung neuer Technologie führend.
Gefahr, diese Führung zu verlieren.

Wir laufen

Der Haushalt 1981 schreibt meine

seit langem bestehende Verpflichtung zur Umkehr dieses Trends der letzten
zwei Jahrzehnte fort und stellt Mittel für große und anhaltende Erhöhungen über die Inflationsrate hinaus - in den Forschungs- und Entwicklungsprogrammen
bereit.

Die Zuweisungen für Forschung und Entwicklung werden um 13 Prozent

steigen, für die Grundlagenforschung um 12 Prozent.

Seit 1978 werden

die Zuweisungen für die Grundlagenforschung um 40 Prozent gestiegen sein.
Dies sind nach meiner Überzeugung mit die wichtigsten Ausgaben, die wir
machen können.

Der Ertrag ist, vor allem was die Grundlagenforschung

angeht, langfristig, aber gewaltig.

Wir profitieren schon heute - in

neuen Industrien, in Millionen von Arbeitsplätzen, in geretteten Leben und
in verlängerten Leben - von den Investitionen in die Wissenschaft, die vor
Jahrzehnten getätigt wurden.

Wir müssen solche Investitionen heute fort-

setzen, um morgen solche Erträge zu ernten.
Menschliche Hilfsquellen:

Mein Haushalt sieht - so zurückhaltend

er ist - die notwendige Untersützung für jene Amerikaner vor, die am
stärksten Not leiden.

Die meisten Erhöhungen im Haushalt 1981 gegenüber

1980 sind auf die automatische Erhöhungen zur Angleichung an die gestiegenen
Lebenshaltungskosten in den Programmen für die Armen und alten Menschen

�Menschen zurückzuführen.
bessert.

Ich habe diese Programme fortgesetzt und ver-

Darüber hinaus habe ich je nach Bedarf Erhöhungen in einem

weiten Bereich von Programmen vorgeschlagen, die denjenigen in unserer
Gesellschaft zugute kommen, die am meisten benachteiligt sind.

Der Haushalt sieht 687 Millionen Dollar für die Ausweitung der Gesundheitsdienste für die Armen und unterversorgten Menschen vor...
Ferner ist eine 24prozentige Erhöhung der Ausbildungsprogramme für die
Benachteiligten auf der Grund- und Sekundarstufe vorgesehen.

Insgesamt

empfehle ich eine Erhöhung der Unterstützung für die Armen und ihren Schutz
vor den Auswirkungen der Inflation um 7 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig schlage ich eine große neue Initiative vor, die die
benachteiligten Jugendlichen in unserem Lande in die Lage versetzen
wird, eine gute Grundausbildung zu erhalten und Arbeitsplätze zu finden
und zu behalten...

Landwirtschaft:

Wegen der Aggression der Sowjetunion in Afghanistan

habe ich beschlossen, daß wir es jetzt nicht zulassen können, daß die UdSSR
von unserer produktiven Landwirtschaft profitiert.

Am 4. Januar habe ich

die Aussetzung der Lieferungen von Getreide, Sojabohnen und ihren Nebenprodukten an die Sowjetunion bekanntgegeben.

Dieser Haushalt sieht die

notwendigen Schritte vor, um die verheerenden Wirkungen zu verhindert,
die diese Maßnahme für unsere Farmer und Getreideexporteure haben könnte.
So wird der Landwirtschaftsminister insbesondere

- Kontrakte mit der Sowjetunion zu Preisen übernehmen, wie sie am
4. Januar gegolten haben oder darüber lagen;

-

wenn notwendig das Eigentumsrecht an dem Getreide erwerben,
das für den Export in die Sowjetunion bestimmt ist, und es aus
dem Markt nehmen;
bis
- 9 -

�bis zu vier Millionen metrische Tonnen Weizen für eine internationale Lebensmittel- und Hilfsreserve aufkaufen;
-

das Anleiheniveau für Futtergetreide und Weizen um je 10 und
15 Cent pro Bushel (3,68 Dollar und 5,51 Dollar pro metrische
Tonne) erhöhen;

-

und

die im Besitz der Farmer befindliche Getreidereserve modifizierens
um die Farmer zu ermutigen, noch mehr Getreide in die Reserve
einzubringen.

Am 19. Januar habe ich als zusätzliche Schritte zur Vermeidung
der Auswirkungen unserer Aussetzung der Lieferungen bekanntgegen, daß
die Regierung:
-

die Programme im Rahmen des öffentlichen Gesetzes 480 (Lebensmittelhilfe, Anm. der Redaktion) für 1980 und 1981 erhöhen
wird, um die Getreidelieferungen nach Obersee zu steigern; und

-

Mais direkt am Erzeugungsort aufkaufen wird, um die Barverkaufsmärkte zu stabilisieren und Transportprobleme zu erleichtern.

Ich bin jederzeit bereit, weitere Maßnahmen zu ergreifen, wenn sich
die genannten als unzureichend erweisen sollten.
Sonstige Verpflichtungen:

Auf anderen wichtigen Gebieten spiegelt

der Haushalt 1981 die Reorganisationserfolge der Administration wider;
setzt den bereits erreichten bedeutsamen Fortschritt in der Städte- und
Gemeindeentwicklung fort;

bringt meine Verpflichtung zur Reform des

Wohlfahrtswesens und zu einem nationalen Gesundheitsplan zum Ausdruck Programme, die in künftigen Haushaltsjahren anlaufen werden;

und be-

kräftigt mein Bekenntnis zur verbesserten Gestaltung und Verwaltung des

- 10 -

�des Bundeshaushaltes...
...Dieser Haushalt enthält wichtige politische Entscheidungen wesentliche Abweichungen, neue Initiativen, größere und längerfristige
Verpflichtungen. Jede für sich ist die Sache wert. Zusammengenommen
können all diese Vorschläge auch allgemeiner charakterisiert werden.
Sie spiegeln einen Reifeprozeß der Administration in den grundlegenden,
zusammenhängenden, fundamentalen Themen der Politik wider: Zurückhaltung
in der Veranschlagung der Dollar des Steuerzahlers; die Stärkung unserer
Verteidigung; Sicherung der Energieversorgung für die Zukunft; Verbesserung
der Chancen für die jungen Menschen in unserem Lande und Verbesserung der
Funktion der Regierung.
Wir sind ein großes und komplexes Land. Die heutige Gestaltung
unserer Gesellschaft ist das Ergebnis schwieriger, nicht immer miteinander
im Einklang stehender Entscheidungen der Vergangenheit, die aus einem
demokratischen Volk hervorgegangen sind. Der Wandel vollzieht sich manchmal
langsam, da er auf Übereinstimmung beruht. Aber eine intelligente,
folgerichtige Führung, die nachhaltig zum Tragen gebracht wird, kann
einen Wandel in der Politik herbeiführen und das Wohlergehen unserer
Gesellschaft und ihrer Menschen fördern. Ich bin der Überzeugung, daß
dieser Haushalt, und jene Haushalte, die ich in der Vergangenheit unterbreitet habe, die grundlegende Politik tragen, die Amerika auf das kommende
Jahrzehnt vorbereiten wird."

+ + + + +

- 11 -

�I

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Februar 1980

AUSZÜGE AUS DEM HAUSHALTSVORANSCHLAG 1981
- Verteidigungshaushalt -

WASHINGTON

- (AD) - Der Haushaltsvoranschlag des Präsidenten

für den Bereich der Verteidigung, dem ein langes Kapitel gewidmet ist,
macht die Absicht der Regierung Carter deutlich, die Verteidigungsausgaben
bis ins Jahr 1985 zu erhöhen.
Als grundlegend werden dabei die folgenden Verteidigungserfordernisse
angesehen:
" - Das amerikanische Volk, seine Institutionen und sein Land vor
ausländischen Aggressionen zu schützen;
- das gegenwärtige militärische Gesamtgleichgewicht zwischen
den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten sowie der Sowjetunion und ihren Verbündeten zu verbessern;

vor

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�-

vor einem Kernwaffenangnff auf die vereinigten Staaten oder
ihre Streitkräfte oder auf andere Länder, deren Sicherheit für
die Vereinigten Staaten von Bedeutung ist, abzuschrecken und sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten im Fall des Fehlschlagens
der Abschreckung der Sowjetunion im Zug der Vergeltung unannehmbaren Schaden zufügen können;

-

zusammen mit unseren Verbündeten eine ausreichende Militärmacht
zu unterhalten, um weltweit jeden Angriff abwehren zu können;

-

internationale Abkommen zur Rüstungsbegrenzung und -Verminderung
anzustreben, die Proliferation von Kernwaffentechnologie zu
verhindern, den Waffenhandel einzuschränken, Streitfragen auf
friedlichem Weg beizulegen und die internationale Stabilität
zu stärken.

Um diesen nationalen Bedürfnissen zu entsprechen, sieht der Haushalt
1981 für die Landesverteidigung eine Ausgabenermächtigung in Höhe von
161,8 Milliarden Dollar vor. Dabei werden die Ausgaben für die Aufgaben
der nationalen Verteidigung auf 146,2 Milliarden im Jahr 1981 geschätzt,
für 1982 eine Steigerung auf 165,5 Milliarden veranschlagt.

Verteidigungsministerium
Die Grundziele der nationalen Sicherheit für die Vereinigten Staaten
bestehen darin, für ihre physische Sicherheit als freie Nation Sorge zu
tragen; ihre fundamentalen Institutionen und Werte zu erhalten und die
Interessen der Vereinigten Staaten in der Welt zu fördern und zu schützen.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir imstande sein, vor Angriffen auf
die Vereinigten Staaten, auf ihre Verbündeten und Freunde abzuschrecken;

�abzuschrecken;

andere daran zu hindern, den Vereinigten Staaten ihren

politischen Willen durch militärische Mittel aufzuzwingen;

auf die

weltpolitischen Angelegenheiten aus einer Position anerkannter Stärke
Einfluß zu nehmen und - wenn notwendig - mit Erfolg zu kämpfen.

Wir

sind bemüht, vor einem bewaffneten Konflikt abzuschrecken, die internationale
Sicherheit durch Rüstungskontrolle und andere internationale Abkommen zu
fördern und die Proliferation von Kernwaffen zu verhindern.
Unsere nationale Sicherheit hängt nicht allein von den Streitkräften
ab, die wir aufbieten können; sie wird vielmehr auch durch die Stärke
der gegnerischen Streitkräfte, die diesen entgegentreten könnten, bestimmt.
Unsere Streitkräfte sind ausreichend, um uns gegen heute drohende Gefahren
zu schützen, aber die militärische Kapazität der Sowjets nimmt weiter
zu. Unsere Streitkräfte müssen verstärkt werden, wenn sie die sowjetische
Aggression im Zaum halten und unsere Sicherheit auch in Zukunft weiterhin
gewährleisten sollen. Das wird eine anhaltende Anstrengung über eine
Reihe von Jahren erfordern. Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten
haben sich hierzu verpflichtet, wobei jeder zugesagt hat, seine Verteidigungsausgaben real um drei Prozent oder mehr pro Jahr zu erhöhen.
Die Vereinigten Staaten haben diese Verpflichtung auf ein dreiprozentiges Wachstum während der vergangenen zwei Jahre erfüllt. Angesichts der internationalen Entwicklungen geht der Haushalt 1981 über
diese Verpflichtung hinaus. In ihm spiegelt sich eine reale Erhöhung
des Programms in der Gesamtausgabeermächtigung und der Haushaltsermächtigung
von mehr als fünf Prozent wider. Von 1981 bis einschließlich 1985 ist
ein realer Programmzuwachs von mehr als vier Prozent jährlich vorgesehen.
Hierin zeigt sich ein großer - aber eindeutig notwendiger - Einsatz zur
Stärkung unserer Verteidigungskapazität. Die für die Jahre 1981 bis zum
Ende 1985 vorgesehenen Gesamtaufwendungen für die Verteidigung liegen
kumulativ um etwa 100 Milliarden Dollar über den Beträgen, die notwendig
wären, um lediglich das Niveau von 1980 in realen Werten beizubehalten.

Das
- 3 -

�Das erhöhte Niveau an Verteidigungsmitteln, das für 1981 vorgeschlagen
wird, wird dazu beitragen, die strategische Abschreckung zu erhalten,
die Kampfkraft und Bereitschaft unserer NATO-Streitkräfte zu steigern und
unsere Fähigkeit zu vermehren, durch die rasche Dislozierung von Streitkräften weltweit vor Konflikten abzuschrecken.
Die Gesamtausgabeermächtigung (TOA) für die militärischen Aufgaben
des Verteidigungsministeriums ist für 1981 auf 158,7 Milliarden Dollar
angesetzt und für das Jahr 1982 auf 180 Milliarden Dollar.

Die Ausgaben

werden für 1981 auf 142,7 Milliarden Dollar geschätzt, was ein Anstieg
um 15,3 Milliarden Dollar gegenüber 1980 und ein Zuwachs in realen Werten
von ungefähr 3,3 Prozent darstellt.
Die wichtigsten Vorschläge, wie sie im Haushalt 1981 zum Ausdruck
kommen, sind:
•

-

Qualitative Verbesserung unserer strategischen Streitkräfte,
damit der Beginn eines Nuklearkrieges auch weiterhin für die
Sowjetunion nachteilig bleibt.

-

Verbesserung der Fähigkeit unserer Streitkräfte, in Zusammenarbeit
mit unseren NATO-Verbündeten rasch mobil zumachen und wirksam
für die Verteidigung Europas zu kämpfen, um den Beginn eines
konventionellen Kriegs für die Sowjetunion und ihre Verbündeten
des Warschauer Pakts eindeutig als unvorteilhaft erscheinen zu
lassen.

-

Verstärkung unserer Kapazität, vor Krisen außerhalb Europas
abzuschrecken und, wenn notwendig, ihnen vor allem in so kritischen
und potentiell instabilen Gebieten wie Nordostasien, dem Mittleren
Osten und dem Persischen Golf zu begegnen.
Fortführung

�-

Fortführung der Modernisierung unserer Seestreitkräfte, um
die Freiheit der Meere zu gewährleisten, die Seeverbindungswege
zu erhalten und unsere Fähigkeit zur Durchführung militärischer
Operationen zu vergrößern, wo immer wir herausgefordert werden.

-

Beibehaltung unserer Fähigkeit zur Überwachung ausländischer
militärischer Entwicklungen und Aktivitäten und zur Verifikation
von Rüstungskontrollabkommen mit einem hohen Maß an Zuverlässigkeit.

-

Verbesserung der Besoldung, um auch in den kommenden Jahren genug
erfahrenes Militärpersonal zu interessieren und zu halten.

-

Weitere Verbesserung der Effizienz des militärischen Betriebes
durch stärkeren Wettbewerb im Beschaffungsprozeß, durch Reformen
des Nachschubsystems sowie durch wirksameren Einsatz von Zivilpersonal .

Diese Haushaltsvorschläge stehen mit den von der NATO vereinbarten
Zielsetzungen für Verteidigungsausgaben in Einklang. 1977 und erneut
1979 stimmten die NATO-Verbündeten den amerikanischen Vorschlägen zu,
daß jedes Mitglied auf eine jährliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben
um ungefähr 3 Prozent über die Inflationsrate hinaus hinzielen sollte, um
den Abschreckungswert der NATO-Streitkräfte beizubehalten und den starken
Erhöhungen der sowjetischen Verteidigungskapazität zu begegnen.
Budget geht über das Ziel hinaus.

Dieses

Viele Jahre lang erlaubten die wachsenden sowjetischen Militärausgaben einen ständigen Anstieg in Umfang und Kampfkraft der sowjetischen
Streitkräfte.

Dieser Anstieg fand größtenteils in einer Periode statt,

in der die amerikanischen Verteidigungsausgaben nach einem Höhepunkt im
Vietnamkrieg real ständig sanken. Mitte der siebziger Jahre wurde augenscheinlich, daß die NATO-Mitglieder ihre Verteidigungsanstrengungen erhöhen

- 5 -

�erhöhen mußten, um den Streitkräften des Warschauer Paktes nicht eine
Position militärischer Überlegenheit zu ermöglichen

Strategische Streitkräfte
Die größte Bedrohung unserer Sicherheit ist ein Atomkrieg.

Die

Möglichkeit eines solchen Krieges wurde durch den Abschreckungseffekt
unserer Triade strategischer Nuklearstreitkräfte sehr gering gehalten.
Diese müssen in der Lage sein, mit vernichtender Wirkung zu vergelten,
sogar nachdem sie einen Erstschlag erlitten haben. Außerdem müssen sie
in einer Weise antworten können, die den verschiedenen Angriffsstufen
angemessen ist. Dies stellt sicher, daß die sowjetische Führung keinen
Anreiz dazu hat, einen Kernwaffenangriff gegen die Vereinigten Staaten
in die Wege zu leiten; außerdem wird ihr die Drohung mit einem Nuklearangriff keinerlei Vorteil in einem konventionellen Konflikt verschaffen.
Zu diesem Zweck schlägt der Haushalt 1981 die Modernisierung
jeder Komponente der strategischen Triade vor. Unsere landgestützten
ballistischen Interkontinentalraketen werden durch die größere, treffsicherere und weniger verwundbare MX verstärkt.
Das Budget unterstützt auch Programme zur Dislozierung von Marschflugkörpern auf modernisierten B-52 Bombern.
Für 1981 wird die Ermächtigung für das neunte TRIDENT
gefordert.

U-Boot

Die TRIDENT U-Boote werden die POLARIS und POSEIDON U-Boote

ersetzen, deren Nutzungszeit zu Ende geht.
Unsere in Europa stationierten Kernwaffen mittlerer Reichweite
dienen zur Abschreckung gegen eine mögliche militärische Aggression der

�der Sowjets. Um diese Abschreckung auch weiterhin zu garantieren,
müssen wir die sowjetische Dislozierung der neuen SS-20 Nuklearraketen,
die auf Westeuropa gerichtet sind, ausgleichen.

In Zusammenarbeit mit

unseren NATO-Verbündeten beginnen wir mit der Modernisierung der NATOKernwaffen von mittlerer Reichweite durch die Dislozierung landgestützter
Marschflugkörper und neuer ballistischer Raketen vom Typ PERSHING II
Obwohl die Vereinigten Staaten die größeren wirtschaftlichen und
technischen Möglichkeiten haben, die zur Dislozierung noch umfangreicherer
Nuklearstreitkräfte notwendig sind, so liegt dies doch nicht in unserem
Interesse, solange wir ausgewogene und verifizierbare Begrenzungen beim
strategischen Wettbewerb mit der Sowjetunion erzielen können.

Allgemeine Streitkräfte
Der große Teil des Verteidigungshaushaltes ist für die konventionellen
Streitkräfte vorgesehen, die dabei helfen, vor einer nichtnuklearen
Aggression abzuschrecken oder ihr zu begegnen. Der Haushalt des Jahres 1981
schlägt eine Erhöhung von 6,7 Milliarden Dollar gegenüber der Haushaltsermächtigung von 1980 vor. Die aktiven Streitkräfte umfassen 16 Heeresdivisionen, 3 Marinedevisionen (Marinekorps), 3 Luftgeschwader des Marinekorps, 26 Geschwader der taktischen Luftwaffe und 295 Kriegsschiffe,
einschließlich 12 Flugzeugträgern und 12 trägergestützten Luftgeschwadern
Die Heerestruppen sind dazu bestimmt, die Schwerste aller Aufgaben
der allgemeinen Streitkräfte zu bestehen - einen Konflikt zwischen den
Mitgliedern der NATO und den Ländern des Warschauer Pakts -, müssen
aber gleichzeitig die Flexibilität besitzen, mit anderen Ernstfällen fertigwerden zu können, die amerikanische Interessen anderswo bedrohen.
Zu

- 7 -

�Zu den für 1981 vorgeschlagenen Verbesserungen gehören:
-

Modernisierung der Ausrüstung, einschließlich der Einführung
neuer Panzertypen, Infanteriekampfwagen, Hubschrauber und neuer
Luftverteidigungssysteme;

-

Lagerung zusätzlicher Ausrüstung in Europa, um in einem Ernstfall
die rasche amerikanische Verstärkung der NATO zu erleichtern;
•

-

Erhöhung der Einsatzbereitschaft von in Europa stationierten
Kampfeinheiten und ausgewählten Kampfeinheiten in den Vereinigten
Staaten;

-

verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen für unsere Soldaten; und

-

Verbesserung der Fähigkeit unserer Streitkräfte, nuklearen,
biologischen und chemischen Angriffen widerstehen zu können.
•

Der Kampfpanzer XM-1 bedeutet für das Heer eine wesentliche Steigerung
der Überlebensfähigkeit und der Beweglichkeit auf dem modernen Schlachtfeld.
Dank seiner neuartigen Panzerung kann der XM-1 direkte Treffer überstehen
und weiterhin kampfeinsatzfähig bleiben.

Stärkere Motoren und verbesserte

Laufketten verleihen dem XM-1 auch in schwierigem Gelände eine größere
Schnelligkeit als andere Panzer.

Das Budget sieht die weitere Anschaffung

von XM-1 Panzern im Jahre 1981 vor.

Das neue Infanterie-Kampffahrzeug des

Heeres, das ebenfalls in das Budget für 1981 aufgenommen wurde, wird der
Infanterie die Schnelligkeit, den Schutz und die Feuerkraft geben, die
notwendig sind, um im Verband mit dem XM-1 Panzer zu kämpfen.
Das Patriot-Raketensystem zur Luftabwehr wird einen wirksamen
Schutz für wichtige Ziele wie Depots, Brücken und Flugplätze bieten.
Dieses System kann gegen massierte Luftangriffe auf längere Entfernungen

�Entfernungen und größere Höhen als die bisherigen Systeme eingesetzt
werden.
Die Fähigkeit der Kampf- und Nachschubeinheiten zu wirksamen Gegenmaßnahmen, falls dies erforderlich ist, hängt von dem Zustand der Ausrüstung und dem Vermögen gutausgebildeter Kampfeinheiten ab, mit Zuversicht,
Geschick und koordiniert vorzugehen. Um unsere militärischen Streitkräfte
in einem Zustand hoher Bereitschaft zu erhalten, sieht der Haushalt 1981
eine ständig*Steigerung der Ausbildung für die Einheiten und eine weitere
Entwicklung der nationalen Ausbildungszentren für Landstreitkräfte vor.
Größere Mengen von Waffensystemen, die längst zur Wartung und Überholung
anstehen, werden gemäß den Vorschlägen dieses Haushalts reduziert werden.
Die ErsatzteiHager werden ausgebaut werden, um die Kampfeinsatzfähigkeit
der Waffensysteme und Ausrüstung unserer Streitkräfte zu verbessern.
Angesichts der jüngsten Beschlüsse zum Ausbau der militärischen Stärke
Nordkoreas kommt die Entscheidung des Präsidenten, den Abzug der zweiten
Infanteriedivision aus Korea zu verschieben, auch im Budget zum Ausdruck.
Dies wird dazu beitragen, die Stabilität in Nordostasien zu erhalten.

Die taktischen Flugzeuge der Luftwaffe müssen in der Lage sein,
die Luftüberlegenheit zu erringen, den Landstreitkräften direkte Unterstützung zu gewähren, die feindlichen Kräfte hinter der Front zu stören
und die Luftangriffe auf Streitkräfte und Anlagen der Verbündeten zu
begrenzen.
Das Budget 1981 schlägt die Beschaffung folgender taktischer Flugzeuge und Geräte vor:
-

F-15-Kampfflugzeuge für die Sicherung der Luftüberlegenheit;

-

F-16-Mehrzweckkampfflugzeuge für die Sicherung der Luftüberlegenheit und den Angriff von Bodenzielen;
Verbesserte
- 9 -

�-

Verbesserte Versionen der Sidewinder- und Sparrow-Luft/LuftRaketen für Kampfflugzeuge;

-

EF-lllA-Flugzeuge zur Störung der gegnerischen Radarabwehrsysteme;

-

A-10 Angriffsflugzeuge zur direkten Unterstützung unserer Landstreitkräfte durch Bekämpfung von Panzern und ähnlichen Zielen;

-

K-10-Tankflugzeuge zur Betankung von Kampfflugzeugen, Bombern und
Transportmaschinen über größere Entfernungen;

-

und

TR-1-Taktische Aufklärer mit neuartigen Radareinrichtungen zur
Verbesserung unserer Fähigkeit, gegnerische Streitkräfte im
Gelände auszumachen.

Die taktischen Einheiten der Luftwaffe werden weiterhin in voller
Bereitschaft stehen, um rasch nach Übersee an jeden möglichen Gefahrenherd
entsandt zu werden.

Alle neuen Kampfflugzeuge sind mit Lufttankanlagen

versehen, die eine solche Dislozierung erleichtern.

Reale Erhöhungen

werden für die taktischen Operationen der Luftwaffe vorgeschlagen, um eine
größere Einsatzbereitschaft und ein realistischeres Training zu ermöglichen.
Die Verteidigung der NATO wird durch die Dislozierung der neuen Frl5Kampfflugzeuge und der A-10-Angriffsflugzeuge nach Europa verstärkt.
Außerdem werden viele Luftstützpunkte der Verbündeten verbessert,
damit sie im Mobilisierungsfall von den Vereinigten Staaten benützt werden
können und so die amerikanische Flexibilität erhöhen.

Schließlich werden

im Haushalt weitere Mittel für die amerikanische Beteiligung am Fliegenden
Frühwarn- und KontrollSystem (AWACS) gefordert.

Seestreitkräfte

- 10 -

�Seestreitkräfte
Die Seestreltkräfte stellen ein sichtbares Symbol der Unterstützung
unserer Verbündeten und ein Mittel der Abschreckung vor einem militärischen
Angriff in Friedenszeiten und in Zeiten der Krise dar...

Um unsere maritime

Überlegenheit aufrechtzuerhalten, ist eine laufende Modernisierung dieser
Waffensysteme erforderlich.

Deshalb fordert der 5-Jahres-Plan der Jahre

1981-85 für den Schiffbau in Höhe von 45 Milliarden Dollar den Bau von
97 neuen Schiffen, sechs TRIDENT U-Boote eingeschlossen.

Der Haushalt von

1981 umfaßt die Beschaffung folgender neuer Kriegsschiffe:
-

zwei große Kriegsschiffe (Zerstörer), ausgerüstet mit dem AEGISLuftabwehrsystem, um die Flotte vor Flugzeug- und Raketenangriffen
zu schützen;

-

vier kleinere Schiffe (Fregatten), um Militärkonvois und Flotten
zu schützen;

-

zwei Transportschiffe zur Verschiffung der Kampfausrüstung des
Marinekorps als Teil unserer Schnellen Eingreiftruppen und ein
amphibisches Landungsschiff;

-

ein nuklear angetriebenes Angriffs-U-Boot und fünf Überwachungsschiffe zur Abwehr feindlicher U-Bootbedrohung;

-

und

ein Bergungsschiff für getroffene Schiffe oder Flugzeuge.

Der Haushalt fordert Mittel zum Entwurf neuer Schiffe, die verhältnismäßig preiswert sind und in Mengen beschafft werden können, um die
amerikanische Überlegenheit zur See aufrechtzuerhalten

Durch die

Verwendung eines einzigen Flugzeugtyps für einen großen Teil der Kampfund Angriffsunternehmen werden die Marine und das Marinekorps die Beschaffungs-

- 11 -

�Beschaffungs- und Unterhaltskosten für eine den nationalen Sicherheitsbedürfnissen entsprechende Zahl von Flugzeugen herabsetzen können.

Schließlich

soll auch die verfügbare Kapazität an Flugzeugträgern wirkungsvoller genutzt
Men.
.

Luft- und Seebrückenstreitkräfte
Die Luft- und Seebrückenstreitkräfte garantieren die tägliche Neuversorgung der in Übersee stationierten amerikanischen Streitkräfte in
Friedenszeiten und müssen in der Lage sein, Soldaten und Gerät rasch in
die Kampfzonen zu verlegen.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten

sind für das Durchhalten ihrer Streitkräfte von raschem Transport und
rascher Neuversorgung abhängig.

Aggressionen gegen mit den Vereingten

Staaten befreundete Länder können nur dadurch abgewendet werden, daß sich
der Gegner der amerikanischen Fähigkeit der raschen Verstärkung und Neuversorgung bewußt ist.
Der große Teil der für die Luft- und Seebrückenstreitkräfte angeforderten Ausgabeermächtigungen in Höhe von 2,4 Milliarden Dollar ist
für den täglichen Betrieb und die Wartung vorgesehen.
Es werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, daß
amerikanische Streitkräfte rasch an jeden Punkt der Welt disloziert
werden können. Das C-54-Transportflugzeug wird modifiziert, um schwerste
Frachten zu transportieren und über das Jahr 2000 hinaus im Dienst zu
bleiben. Die C-141-Flugzeuge werden modifiziert, damit sie im Flug
aufgetankt werden können und dadurch ihre Reichweite zunimmt. Außerdem
wird ein neues Langstreckenflugzeug, die CX, entworfen, um unsere Fähigkeit
zu verbessern, im Krisenfall rasch zu reagieren....
Forschung
- 12 -

�nicht nur hart getroffen, sondern auch von der Steigerung der Preise
flir andere Produkte und von den verminderten Exporterlösen als Folge
des langsamen Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern.
Im Vergleich zu den Erfordernissen für Hilfszwecke, ist der Betrag
von 7,5 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen klein,... der 1981
für Zwecke der wirtschaftlichen und finanziellen Auslandshilfe vorgeschlagen
wird.

Deshalb wird der Verbesserung der Wirksamkeit und der Hilfsprogramme

große Sorgfalt gewidmet.

BEDARF FÜR DIE PFLEGE INTERNATIONALER BEZIEHUNGEN
(in Millionen Dollar)
Voranschlag
Hauptprogramme

1979
(tatsächlich)

1980
(geschätzt)

1981
(geschätzt)

1821
2515
806
99

1989
3234
840
106

2225
1666
1129
119

2321

2152

2106

227

496

567

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst und Tilgung

-310

-306

-356

Zwischensumme der Wirtschaftlichen
und Finanziellen Auslandshilfe

7479

8512

7456

Ausgabenermächtigungen
Wirtschaftliche und Finanzielle
Auslandshilfe:
Amt für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung
Multilaterale Entwicklungsbanken
Lebensmittelhilfe (Gesetz 480)
Friedenskorps
Fonds für wirtschaftliche Unterstützung/ Maßnahmen zur Erhaltung
des Friedens
Flüchtlingshilfe

- 15 -

�1979

1980

1981

(tatsächlich)

(geschätzt)

(geschätzt)

Militärhilfe
Nichtzurückzahl bare Militärhilfe

209

110

105

34

28

32

1024

669

714

800

236

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst und Tilgung

-274

-273

-258

Zwischensumme der Militärhilfe

1793

770

594

Gesamtsumme der Auslandshilfe

9272

9282

8050

Militärische Ausbildung Ausländischer
Soldaten
Ausland-Soldaten
Militärische Lieferungen ins Ausland
auf Kredit
Verlegung militärischer Einrichtungen
(Israel)

...Wegen des jüngsten sowjetischen Vorgehens in Afghanistan, das
Pakistan bedroht, wird im Haushaltsvoranschlag eine zusätzliche Bewilligung
für Pakistan in Höhe von 100 Millionen Dollar für 1980 vorgeschlagen.

Eine

Ergänzung des Haushalts wird für Pakistan auch für 1981 vorgeschlagen werden,
Die jüngsten Ereignisse haben die Notwendigkeit rascher amerikanischer
Schritte in Reaktion auf mit der Sicherheit zusammenhängende unvorhersehbare
Erfordernisse unterstrichen.

Um eine unmittelbare amerikanische Reaktion in

derartigen Situationen zu gewährleisten, enthält der Haushaltsvoranschlag
1981 einen Betrag von 50 Millionen Dollar, der nicht zweckgebunden ist.
Diese Mittel werden dem Präsidenten zugewiesen und dienen als Reserve für
unvorhersehbare Erfordernisse

Militärhilfe

16

�Forschung und Entwicklung

...Der Haushalt 1981 sieht für Forschung und Entwicklung eine
Steigerung von 3 Milliarden Dollar gegenüber der Haushaitsermä'chtigung
von 1980 vor, um unsere technologische Basis zu verstärken..."

Die wesentlichen Forschungs- und Entwicklungsprogramme beschäftigen
sich mit der umfassenden Entwicklung des neuen landgestützten ballistischen
Interkontinental-Raketensystems MX und - im taktischen Bereich - mit der
Entwicklung neuer Luftverteidigungssysteme des Heeres sowie mit dem Fernmeldebereich und der Elektronik.

Für die in den Bereich des Energie-

ministeriums fallenden Aufgaben der nuklearen Verteidigung - darunter
Forschung und Entwicklung, Erprobung und Herstellung von Kernwaffen, Lagerung
von nuklearen Abfällen aus Verteidigungsprogrammen und die Entwicklung
von Kernreaktoren für Kriegsschiffe - sind 3,4 Milliarden Dollar gegenüber
3,0 Milliarden Dollar im Haushalt 1980 vorgesehen.

- Internationale Angelegenheiten -

Die wesentlichen Auszüge aus dem Abschnitt "Internationale Angelegenheiten hagen folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten spielen eineaktive Führungsrolle in den
internationalen Angelegenheiten, weil unser Wohlergehen als Nation zum
Teil von Ereignissen jenseits unserer Grenzen abhängt.

Unsere nationalen

Erfordernisse in der Weltpolitik umfassen den Schutz der amerikanischen
Interessen im Ausland sowie die Schaffung von Verhältnissen überall in der

- 13 -

�der Welt, die jenen Interessen förderlich sind.

Die amerikanische

Außenpolitik erstrebt eine Welt, die im Frieden lebt und gemeinsam akzeptierte
Regeln des Völkerrechts einhält - eine Welt, die Völkern überall auf der
Erde Gelegenheit bietet, ihre menschlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen,
eine Welt, die die Menschenrechte und die Würde des Menschen respektiert....
Die in diesem Haushaltsvoranschlag enthaltenen Schätzwerte sind
so gehalten, daß sie den Vereinigten Staaten die Fortführung ihrer langfrsitigen Führungsrolle in der Weltpolitik gestatten. Obwohl die angeführten Gesamtziffern dem Wandel in der Weltpolitik Rechnung tragen,
können die jüngsten Ereignisse im Iran und in Afghanistan weitere Anpassungen in unseren Ausgabenansätzen für internationale Angelegenheiten
erforderlich machen.

Diese werden nachgereicht werden, sobald die Er-

fordernisse klar erkenntlich werden, und sie werden durch die Positionen
für Notstandssituationen abgedeckt

Wirtschaftliche und finanzelle Auslandshilfe
Aufgabe der wirtschaftlichen und finanziellen Auslandshilfe ist es:
-

humanitäre Hilfe an notleidende Menschen im Ausland zu leisten;

• •'- die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern; und
-

die außenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten zu stützen.
•

Die Notwendigkeit amerikanischer Hilfe zur Lösung dieser Aufgabe
wächst. Eine Handvoll Entwicklungsländer, die meisten von ihnen mit einer
kleinen Bevölkerung, profitiert erheblich von den öl Preiserhöhungen. Die
Mehrheit aber der Länder der Dritten Welt wird von der Energiesituation nicht

- 14 -

�Militärhilfe
Die internationale Sicherheitshilfe ist ein wesentliches Instrument
für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele. Sie besteht aus der
Militärhilfe und der sicherheitsbezogenen Wirtschaftshilfe (Fonds für
wirtschaftliche Unterstützung und Maßnahmen zur Friedenssicherung). Diese
Programme geben die Grundlage für die Fähigkeit unseres Landes ab, Verbündeten
und befreundeten Nationen bei der Aufrechterhaltung notwendiger Verteidigungskräfte zu helfen und die wirtschaftliche Stabilität in Gebieten zu fördern,
in denen die Vereinigten Staaten besondere Sicherheitsinteressen haben.
Die Militär- und die sicherheitsbezogene Wirtschaftshilfe werden auch im
Zusammenhang mit amerikanischen Militärbasen und Einrichtungen im Ausland
herangezogen. Diese Programme werden die Vereinigten Staaten auch künftig
in die Lage versetzen, sich für den Frieden im Nahen Osten einzusetzen,
Südostasien rechtzeitig Hilfe zu gewähren, die Südostflanke der NATO zu
stärken, zur Aufrechterhaltung eines stabilen Kräftegleichgewichts auf der
koreanischen Halbinsel beizutragen und die Länder Lateinamerikas in dem
Streben zu unterstützen, die Bedrohungen ihrer Unabhängigkeit und demokratischen Institutionen abzuwehren. Sie werden von entscheidender Bedeutung
auch für den Erfolg unserer Anstrengungen sein, den Herausforderungen zu
begegnen, die die Ereignisse in Afghanistan und in anderen Gebieten der
Erde darstellen

Das Schwergewicht der Militärhilfeprogramme wird sich weiterhin
von nichtrückzahlbaren Zuschüssen auf Kredite verlagern - ein Trend, der
neben der verbesserten militärischen Fähigkeit einiger Empfängerstaaten,
die geleistete Hilfe zu bezahlen, den Auftrag des Kongresses widerspiegelt,
die nichtrückzahlbare Militärhilfe um rund 1 Milliarde Dollar zu kürzen

Internationale

- 17 -

�Internationale Finanzierungsprogramme
Zweck unserer internationalen Finanzierungsprogramme ist es, die
amerikanischen Interessen durch Verbesserung der Funktionsweise des
internationalen Finanzierungssystems zu fördern und die amerikanische
Beteiligung am Welthandel zu erleichtern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

wurde das internationale Finanzierungssystem durch eine engere Zusammenarbeit unter den Regierungen gestärkt.

Dennoch bestehen manche Probleme

und Marktschwächen fort, die staatliche Maßnahmen zur Erleichterung der
amerikanischen kommerziellen Ausfuhren und der militärischen Lieferungen
ins Ausland erforderlich machen.

Darüber hinaus besteht das Bedürfnis,

das Eigenkapital des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhöhen, um
ihn in die Lage zu versetzen, wirtschaftliche Programme zu fördern, die
Mitgliedstaaten in der Absicht unternehmen, Zahlungsbilanzschwierigkeiten
zu beseitigen um auf diese Weise zur weltweiten Währungsstabilität beizutragen.

Die Mitgliedstaaten des IWF haben sich auf eine 50prozentige

Erhöhung ihrer Einlagen im IWF geeinigt, die im Kalenderjahr 1980 erfolgen
soll.

Die Administration ersucht den Kongreß um die Billigung der

amerikanischen Beteiligung an dieser Kapitalerhöhung.

Beim derzeitigen

Wechselkurs wird die amerikanische IWF-Quote von 11 Milliarden auf 16,5
Milliarden Dollar aufgestockt.
Im Einklang mit der Politik der Ausfuhrförderung des Präsidenten
erfuhren die Programme der Export-Importbank eine beträchtliche Ausweitung.
Das geplante Ausleiheplafonds wird beibehalten; es wird der Bank gestatten, Finanzierungen durch den privaten Sektor der Wirtschaft zu ergänzen und, wo erforderlich, in Wettbewerb mit staatlichen Krediten zu
treten."

+ + + + +

- 18 -

�- Reform des Patentrechts und Einschränkung des staatlichen Verordnungswesens sowie bestimmter Steuern, um die industrielle Forschung und Entwicklung zu fördern.

50 Millionen Dollar sind für Innovationsaktivitäten

der Industrie, einschließlich der Einrichtung von Technologiezentren, vorgesehen; mit 13 Millionen Dollar des Betrages ist die Forschungsaktivität von Kleinbetrieben zu unterstützen.
- Mit 4,011 Milliarden Dollar für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf
dem Gebiet des Gesundheitswesens werden ca. 17 400 Kontrakte mit privaten
Institutionen und Universitäten sowie Projekte an Bundesinstituten wie
dem Krebsinstitut der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) in
Bethesda (Maryland) finanziert.
- Um neue Bewilligungen in Höhe von 5,106 Milliarden Dollar für Forschung
und Entwicklung hat das Energieministerium ersucht. Dieser Betrag soll
unabhängig von Forschungsmitteln aus der sog. Situationsgewinnsteuer
(Windfall Profits Tax) zur Verfügung gestellt werden. Wie Dr. Press erklärte, seien aus diesem Fonds nach Verabschiedung des Gesetzes durch
den Kongreß mindestens 4,6 Milliarden Dollar für Energieforschungszwecke
zu erwarten.
- Von den für die Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) vorgesehenen
1,056 Milliarden Dollar sind ca. 80 Prozent für Grundlagenforschung an
Universitäten und privaten Institutionen bestimmt. Außerdem dürfte das
US-Verteidigungsministerium seine Zuwendungen an Universitäten für Auftragsforschungen um 25 Prozent erhöhen.
Im neuen Bundeshaushalt sind außerdem zahlreiche Beträge in Millionenhöhe
für Sonderprojekte vorgesehen: z.B. pflanzliche und tierische Agrarforschung,
Umweltforschung, die Anstellung von wissenschaftlichen und technologischen Beratern bei der Verwaltung größerer Städte und die Ausbildung von Oberschülern
aus Minderheitengruppen an naturwissenschaftlichen Universitätslaboratorien
(1000 Schüler im Jahr 1980, 2000 im Jahr 1981).
Auf
- 3 -

�Auf dem Gebiet der internationalen Zusammenarbeit wird die Kooperation
mit chinesischen Wissenschaftlern ausgeweitet - ein Projekt, das mit zusätzlich zwei Millionen Dollar finanziert werden soll. Ein neues Abkommen mit
der Volksrepublik China sieht gemeinsame Studien in der Erdbebenforschung und
die Teilnahme Chinas am amerikanischen LANDSAT-Programm (Satelliten zur Fernerkundung der Erde) vor. China beabsichtigt den Kauf einer Bodenstation für
den Direktempfang von LANDSAT-Daten. Die beiden Länder werden auch die Möglichkeiten für künftige neue Gemeinschaftsprojekte auf so verschiedenartigen
Gebieten wie Umwelt, Verkehr, Grundlagenforschung, Luftfahrt, Nuklearenergie,
Elektronik und Fernmeldewesen sondieren. Die bereits bestehende Zusammenarbeit auf Gebieten wie Raumfahrttechnik, Aeronomie, Medizin und öffentliches
Gesundheitswesen wird fortgesetzt.

+ + + + +

�ml-

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Februar 1980

REKORDETAT FÜR WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Präsident Carter fordert mehr als 38 Milliarden Dollar für 1981 -

WASHINGTON - (AD) - In dem Haushaltsvoranschlag Präsident Carters für 1981
sind mehr als 38 Milliarden Dollar für Wissenschaft und Forschung vorgesehen.
Mit dieser Summe werden - inflationsbereinigt und bezogen auf das Gesamtbudget •
die Rekordaufwendungen vom Jahr 1968, als sich das APOLLO-Programm auf seinem
Höhepunkt befand, zum ersten Mal übertroffen. Mehr als zwei Milliarden Dollar
sind für Institutsbauten und Forschungsausrüstungen, 20 Millionen Dollar für
die Modernisierung von Laboratorien vorgesehen. Der Rest von über 36,1 Milliarden Dollar, 13 Prozent mehr als im Haushaltsjahr 1980, dient der in Bundesregie oder im Regierungsauftrag durchgeführten Aktivitäten von Forschung und
Entwicklung. Davon entfallen fast 5,1 Milliarden Dollar auf die Grundlagenforschung.
Wie Dr. Frank Press, der Wissenschaftsberater Präsident Carters, berichtet, sieht der Präsident in der Grundlagenforschung ein wichtiges Instrument
zur Sicherung der Zukunft auf wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet.
Seit der Vorlage seines ersten Budgets für das Finanzjahr 1978 wurde dieser
Posten um 40 Prozent erhöht (inflationsbereinigt: 9 Prozent), während die
Steigerung für das Gesamtbudget bei ca. fünf Prozent liegt. Sie beträgt für

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�für das Haushaltsjahr 1981 gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt 12 Prozent;
auf die einzelnen Fachgebiete entfallen Erhöhungen zwischen neun und 28 Prozent.

Diese Aufteilung läßt Schwerpunkte erkennen - so soll die Computerfor-

schung mit 28 Prozent, die mathematische und physikalische Grundlagenforschung
mit 16,7 Prozent mehr Mitteln ausgestattet werden.
Zu den wichtigen Einzelprojekten, die aus dem Wissenschaftsetat finanziert werden sollen, gehören:
- Ein Weltraumobservatorium für den Gammastrahlenbereich zur Beobachtung
von Objekten und Prozessen im Universum mit der höchsten Energieumsetzung
- Neutronensterne, explodierende und pulsierende Sterne, Quasare,
Galaxien, kollidierende Galaxien und sog. schwarze Löcher.
- Neuartiger Satellit für die Datenmessung über den Weltmeeren - ein Gemeinschaftsprojekt der Marine, der Weltraumbehörde NASA und der Bundesbehörde
für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA).
- Erster Testflug des Raumtransporters (Space Shuttle) auf orbitaler Bahn.
Das NASA-Budget wurde gegenüber 1980 um 16 Prozent erhöht.
- Wissenschaftliches Zehnjahres-Programm zur Erforschung und Bestimmung der
Art der Sedimente in der Grenzzone zwischen Kontinentalabfall und Tiefseeboden. Für diese Gemeinschaftsaufgabe der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) und der amerikanischen Ölindustrie wird die GLOMAR EXPLORER
mit Bohrausrüstungen versehen, die bei Suchbohrungen im Meer ein Durchgehen der Quelle beim Anzapfen eines ölfeldes verhindern. Die GLOMAR
EXPLORER kann bei Wassertiefen bis 4000 m als Bohrschiff operieren und die
Bohrung etwa 2400 m in die Erdkruste vortreiben.
- Ein mit 1 Milliarde Dollar ausgestattetes Zehnjahres-Projekt gemeinschaftlicher Fahrzeugforschung von Industrie, Verkehrsministerium und NSF.
- Reform

�4. Februar 1980

8

EINSPARUNG - KOHLE - SONNENENERGIE
Schwerpunkte auf dem Energiesektor im neuen US-Haushalt

WASHINGTON - (AD) - In seinem Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr
1981 ersucht Präsident Carter den amerikanischen Kongreß, mehr Geld für Projekte zur Energieeinsparung, für Kohle- und Solarenergie-Forschung bereitzustellen.

Dagegen sollen die Mittel für Forschungen auf dem Gebiet der Kern-

spaltung gekürzt werden, was vor allem mit der Beendigung des Brutreaktor-Projekts Clinch River in seiner ursprünglichen Form in Zusammenhang steht. Mit
einem auf 50 Prozent gekürzten Etat wird nur noch ein Basisprogramm weitergeführt, das die Verfügbarkeit und Verbesserung der Brütertechnologie für den
Fall sichert, daß sie später gebraucht wird.
nächsten Jahrhunderts eintreten.

Dies dürfte kaum vor Beginn des

Und bis dahin könnten auf diesem Gebiet neue

Entwicklungen so weit gediehen sein, daß der Brutreaktor keine Gefahrenquelle
mehr für die mögliche Weiterverbreitung von Kernwaffen darstellt.

Im Gegen-

satz zum Brutreaktor wird jedoch der Leichtwasserreaktor auch künftig, und
zwar mit aufgestockten Mitteln, gefördert.

Auch für die nukleare Entsorgung

hat Präsident Carter mehr Geld angefordert, ebenso für Kernbrennstoff-Studien
zur Verringerung des Uran-Anreicherungsgrades, was ebenfalls der nuklearen
Proliferation entgegenwirken könnte.
Alles

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�Alles in allem ersucht Präsident Carter um eine Aufstockung der Mittel
für das Energieministerium um acht Prozent.

Die tatsächlichen Aufwendungen

für Energieprogramme jeder Art seitens der amerikanischen Regierung im Finanzjahr 1981 werden auf 8,1 Milliarden Dollar geschätzt - 400 Millionen Dollar
mehr als im laufenden, am 30. September 1980 endenden Haushaltsjahr, und 1,3
Milliarden Dollar mehr als im Jahr davor.

Die Aufwendungen sollen künftig

sprunghaft weiter steigen und z.B. 1983 ca. 13,5 Milliarden Dollar erreichen.
Inwieweit jedoch der für 1981 zusätzlich angeforderte Betrag von 2,4 Milliarden Dollar für den Ausbau der strategischen ölreserve

in unterirdischen

Lagern benötigt wird, hängt nach Aussage von Energieminister Charles Duncan
von der Verfügbarkeit zusätzlicher ölmengen und Verhandlungen der USA mit
ihren internationalen Partnern ab. Aus dem Haushaltsentwurf ausgeklammert
blieben jedoch die 20 Milliarden Dollar, die für die erste Phase eines Programms zur Produktion synthetischer Brennstoffe und einige andere Aktivitäten
auf dem Energiesektor vorgesehen sind.

Denn deren Finanzierung soll aus der

Situationsgewinnsteuer (Windfall Profit Tax) für die Mineralölindustrie erfolgen, über die der Kongreß gegenwärtig abschließend befindet.
Maßnahmen zur Energieeinsparung werden zum ersten Mal mit einem Betrag
finanziert, der die Einmilliarden-Dollarmarke überschreitet.

Duncan bezeich-

net diese Aktivitätten als "den Eckstein" des Programms des Energieministeriums
für 1981. Sie umfassen Forschung, Beihilfen und Steuererleichterungen für private Haushalte und Betriebe, die energiesparende Maßnahmen durchführen,sowie
ein Programm zur Information der Öffentlichkeit.
Der größte Einzelposten im Energie-Forschungsetat von mehr als vier Milliarden Dollar entfällt mit einer Milliarde Dollar auf die Kohleforschung.
Dazu gehören auch zwei Demonstrationsanlagen für die Gewinnung synthetischer
Flüssigbrennstoffe nach dem SRC-Verfahren. Ein drittes Projekt hat die Umwandlung von Kohle in Gas der Qualität von Fernleitungsgas zum Ziel. Andere
Forschungs- und Entwicklungsprojekte z.B. die Wirbelbettverbrennung zur Verwertung stark schwefelhaltiger Kohle bei verstärkter Schadstoff-Abfilterung,
werden fortgesetzt.
Mehr
- 2 -

�Mehr Mittel als im laufenden Haushaltjahr sollen für elektrische Energiesysteme und die Energiespeicherung eingesetzt werden. Dies gilt vor allem für
fotoelektrische Systeme mit Sammlerplatten, die Stromerzeugung aus Wind und
Wärme, supraleitende Kabel und Studien über Umweltauswirkungen. Auch die Entwicklung von besseren Batterien und von Schwungradbremsen für Elektroautos
zählen dazu. Insgesamt sind für Sonnenenergie, geothemische Energie und Wasserkraft 870 Millionen Dollar vorgesehen (1980: 770 Millionen Dollar). Die
Summe schließt Forschungsmittel für bessere Umwandlungssysteme bei der Nutzung
von Biomassen und neue Technologien zur Energiegewinnung aus kaltem Tiefenwasser im Meer vor den Küsten Hawaiis ein. Stärker als bisher sollen Forschungsprojekte gefördert werden, die zum Ziel haben, mittels magnetischer Fusion
elektrischen Strom auf sichere, billige und umweltfreundliche Weise zu erzeugen.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haushaltsvoranschlag Präsident Carters für 1980/81&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Haushaltsvoranschlag 1981&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verteidigungshaushalt - Internationale Angelegenheiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rekordetat für Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter fordert mehr als 38 Milliarden Dollar für 1981 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einsparung - Kohle - Sonnenenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schwerpunkte auf dem Energiesektor im neuen US-Haushalt -&lt;/em&gt;</text>
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Information
und
Dokumentation

'•TS

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Januar 1980

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Afghanistankrise und ihre Auswirkungen auf das Ost-West-Verhältnis
- Von Helmut Sonnenfei dt -

WIRTSCHAFT
Trends im Produktivitätswachstum in Amerika
- Ausblick auf die achtziger Jahre Von Dr. Mark Perlman

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Fahrzeugbau:

Neue Treibstoffe verlangen andere Motoren

- Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie •
Unwirksame Pestizide
- Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�30. Januar 1980

7

DIE AFGHANISTANKRISE UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DAS OST-WEST-VERHÄLTNIS
- Von Helmut Sonnenfeldt

Helmut Sonnenfeldt war von 1974 bis 1977
Berater im amerikanischen Außenministerium
und lehrt gegenwärtig an der Brookings
Institution in Washington.

Ober viele Jahre hinweg hat die Sowjetunion ihre wachsenden militärischen
Möglichkeiten dazu benutzt, ihren Einfluß geltend zu machen und Präsenz rund um
die Welt zu erringen. Von der Unterdrückung von Volksaufständen und Liberalisierungsbestrebungen in Osteuropa unter Militäreinsatz abgesehen, haben es die
Sowjets im allgemeinen vermieden, ihre eigenen regulären Truppen bei regionalen
Konflikten oder Aufruhr im Innern einzusetzen. Stattdessen haben sie es vorgezogen, Waffen und Ausrüstung zu liefern und Berater zu schicken. Das Kämpfen
erledigten andere, vor allem die Kubaner, deren Heimat solange durch die Sowjets
militärisch geschützt wurde.
In gewissem Sinne stellen die Ereignisse in Afghanistan den Höhepunkt dieses Trends dar, da die Sowjets nunmehr ihre eigenen Streitkräfte ganz schamlos
einsetzen.

Sie eröffnen aber auch eine neue Phase, weil die sowjetische Mili-

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�Militärmacht zum erstenmal seit Ende der vierziger Jahre in dem Versuch eingesetzt wird, die sowjetische Herrschaft über ihren bisherigen Machtbereich
auf der eurasischen Landmasse auszudehnen.

Obwohl in den Augen mancher Leute geographisch weit entlegen, hat
Afghanistan in der Tat eine strategische Lage von höchster Bedeutung.

Denn

die Tatsache, daß die stärkste Militärmacht in Eurasien dieses Land zum erstenmal in der Geschichte besetzt hält, bedeutet - sogar wenn der Widerstand andauert - ,daß die UdSSR sich nunmehr gleichzeitig entlang ausgedehnter Landmassen
zweier Länder erstreckt, von denen eines reich an lebenswichtigen ölvorräten
ist und die beide Zugang zu Seewegen bieten, die von entscheidender Bedeutung
für den Welthandel und das geopolitische Gleichgewicht der Welt sind.

Präsident Carter hat wahrscheinlich nicht unrecht, wenn er sagt, daß die
sowjetische Invasion Afghanistans die größte Bedrohung des Friedens seit dem
Zweiten Weltkrieg ist.

Es stimmt, daß die Vereinigten Staaten in Korea und

Vietnam in blutigen Kriegen kämpften, bei denen die Sowjets jedesmal unseren
Feinden Unterstützung gewährten.

Wir erlebten auch eine Reihe hitziger Kon-

frontationen wegen Berlin, dem Nahen Osten und wegen Kuba.

Aber alle diese

Konflikte und Krisen waren begrenzt.

Für einen großen Teil Südwestasiens und den Nahen Osten könnte das von
den Sowjets besetzte Afghanistan eine Bedrohung von unbestimmter Dauer darstellen, die von der Sowjetunion selbst ausgeht und durch die Stützpunkte verstärkt
wird, die bereits auf der Arabischen Halbinsel und in Ostafrika errichtet sind.
Zugleich stellt es einen weiteren Baustein des Einkreisungswalls dar, den die
Sowjets gegen China zu errichten suchen.

Ob die militärischen Optionen, die sich durch die Besetzung des Territoriums von Afghanistan eröffnen, von der sowjetischen Führung auch wahrgenommen werden, kann nicht vorausgesagt werden.

Selbst wenn dies nicht bald

geschieht, so hat sich doch die strategische Landkarte der Welt für all jene
zum Schlechteren hin verändert, die sich über die Ausdehnung des sowjetischen

- 2-

�sowjetischen Einflusses und sowjetischer Macht Sorgen machen.

Bestimmte "defensive" Motivationen mögen bei dem sowjetischen Marschbefehl eine bedeutsame Rolle gespielt haben.

Ganz generell betrachtet haben

die Sowjets schon mehrere Jahre lang besorgt beobachtet, wie ihre Hauptgegner
Kontakt miteinander aufgenommen haben.

Eine feindliche Koalition von Japan

über China bis zur NATO, Europa und den Vereinigten Staaten ist nahezu mit
Sicherheit eine echte sowjetische Angst gewesen.

Umso mehr, als Moskau in

den bewegten fünfziger Jahren das Ende der kapitalistischen Einkreisung ausgerufen hatte.

Gegenmaßnahmen verschiedenster Art - Entspannung mit dem Westen,

Drohungen wie Lockrufe gegenüber Japan, Warnungen, Eröffnungen und Gegeneinkreisung vis-5-vis China - wurden alle mit mehr oder weniger Erfolg ergriffen.

Der marxistische Staatsstreich in Afghanistan im Jahre 1978 - zunächst
zufällig, dann aber kraftvoll von Moskau unterstützt - könnte als eine zusätzliche, konkrete Antwort auf das gesehen werden, was Moskau als feindliches
westlich-chinesisches Manövrieren ansieht.

Als das neue prosowjetische Re-

gime ins Schwanken geriet und vor der wachsenden Bedrohung durch eine Widerstandsbewegung stand, die in mehreren der islamischen Volksgruppen verwurzelt
war, die sich ebenfalls Sympathien von außen erfreuten, sahen sich die Sowjets
offensichtlich gezwungen, dem Verlust ihrer Zugewinne des Jahres 1978 Einhalt
zu gebieten.

Die sowjetische Aktion könnte auch durch die Furcht motiviert sein,daß
die moslemische Bevölkerung der UdSSR selbst von dem angesteckt werden könnte,
was sich sowohl in Afghanistan als auch im Iran zutrug.

Mehr Gewicht muß je-

doch das Urteil gehabt haben, die große und mächtige Sowjetunion sei berechtigt, Ordnung in einem Land zu erzwingen, das nach sowjetischem Dafürhalten
nunmehr in den Wirkungskreis der Breschnew-Doktrin geraten war.

In diesem

Zusammenhang lohnt es sich festzuhalten, daß die Sowjets ihren Vertrag über
Freundschaft und Zusammenarbeit mit Afghanistan als legale Grundlage für ihre
neueste Intervention benützten - genauso wie sie den Warschauer Pakt als legale Rechtfertigung für ihre Intervention in Ungarn und in der Tschechoslowakei
anführten.

Verträge ähnlicher Art gibt es mit Angola, Mozambique, dem S'üd- 3 -

�Südjemen, Äthiopien, dem Irak und Vietnam - obgleich die Entfernung zwischen
diesen Ländern und der UdSSR und andere Umstände sie weniger wahrscheinlich
zu Kandidaten für die massive Art von Intervention machen dürfte, wie sie in
Afghanistan stattgefunden hat, wenn innere Unruhen diese Regime bedrohen sollten.
Letztendlich aber kann eine "defensive" Motivgruppe als machtvolleres
Stimulierungsmittel für solche Aktionen dienen als der Wunsch nach Expansion.
Und natürlich ist es für die Sowjets - nachdem sie erst einmal Blut, militärische Macht und Prestige eingesetzt haben, um die politische Orientierung
Afghanistans aufrechtzuerhalten und Widerstand gegen das dortige Regime zu
unterdrücken - kein an den Haaren herbeigezogener Schritt, über die Grenzen
dieses Landes vorzustoßen, um Afghanistan gegen äußere Angriffe - seien sie
echt oder eingebildet - zu schützen.
Was bedeuten nun diese Entwicklungen für die Entspannung und, noch allgemeiner, für die Ost-West-Beziehungen?
Afghanistan sagt uns weniger darüber, ob die Entspannung gescheitert
ist, als vielmehr, daß Entspannung - begreift man sie als eine Beziehung
gegenseitiger Zurückhaltung bei der Verfolgung von Interessen - nicht automatisch aus guten Absichten oder Kriegsfurcht oder wirtschaftlichen Notwendigkeiten oder nicht einmal aus verstärkten menschlichen Kontakten hervorgeht. Die Sowjets befinden sich in einer expansionistischen - oder imperialen - Phase ihrer Entwicklung. Sie mögen sogar glauben, daß die Zeit gegen
sie arbeitet. Ihre gegenwärtigen Sorgen umfasen das Auftreten Chinas, die zunehmenden Anstrengungen im Westen, das militärische Gleichgewicht zu korrigieren, zunehmende wirtschaftliche und demographische Probleme im Innern der
UdSSR, ein mögliches Defizit in der Energieproduktion der nächsten Jahre und
viele andere Faktoren - einschließlich des fortgeschrittenen Alters vieler
Mitglieder der sowjetischen Führung. Um mit diesen sowjetischen Impulsen und
den von ihnen ausgelösten Politiken fertigzuwerden, bedarf es einer anhaltenden Anstrengung - nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern all derjenigen,
die sich um eine geordnetere und weniger gefährliche Welt Sorgen machen.
Daher
- 4 -

�Daher wären kurzfristig die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
sowie all diejenigen Länder, deren Interessen betroffen sind, gut beraten,
sich rasch auf den geordneten Aufbau ihrer Stärke - einschließlich der militärischen - zu konzentrieren, um dadurch die Sowjets der Risiken ihrer Abenteuer über Afghanistan hinaus bewußt zu machen.

Die schwerste Bürde fällt

dabei zweifellos den Vereinigten Staaten zu, aber die NATO-Verbündeten und
auch Japan werden für ihre eigene und die gemeinsame Verteidigung wahrscheinlich mehr tun müssen.

Militärischer und wirtschaftlicher Beistand für Pakistan

und Unterstützung für andere Nahoststaaten sollte wahrscheinlich ebenfalls
nicht ausschließlich von den Vereinigten Staaten kommen.
Rolle spielen.

Auch China muß eine

Es ist klar, daß im Fall Pakistans die Befürchtungen Indiens

n'cht übersehen werden dürfen, aber Indien fühlt sich wahrscheinlich auch
nicht allzu wohl angesichts der umfangreichen neuen Sowjetstreitkräfte in
dieser Weltgegend.
Normale Wirtschaftsbeziehungen mit der UdSSR sind unmittelbar nach der
Afghanistankrise unangemessen.

Die Vereinigten Staaten haben bereits wesent-

liche Wirtschaftsaktivitäten beschnitten.

Westeuropa und Japan zögern offen-

sichtlich mehr, die Bindungen zu zerreißen, die so mühsam mit dem Osten aufgebaut wurden und die für beide Seiten von nicht geringem Nutzen sind.

Dennoch

müssen diese Staaten sich fragen, ob solche Beziehungen tatsächlich vollkommen von den politischen Verhältnissen abgesondert werden können - und werden
sollten.

Es kann die Sowjets nicht völlig kalt lassen, wenn deutlich würde,

daß Industrie- und Technologieprojekte im Wert von Milliarden von Dollar aufs
Spiel gesetzt werden, falls sie weitere Demonstrationen des Expansionismus
durchführen.

Gleichzeitig scheint es nunmehr so, daß sich den Regierungen der demokratischen Industrieländer eine neue Gelegenheit bietet, in Zukunft einen bewußteren Einsatz der Wirtschaftspolitik als integralen Bestandteil der Gesamtanstrengungen zu planen, sich mit der Sowjetunion auseinanderzusetzen.

Vor

allem aber muß die westliche Welt einen besser koordinierten oder zumindest
sich gegenseitig verstärkenden Zugang bei ihren Wirtschaftsbeziehungen mit

- 5 -

�mit der Sowjetunion suchen.

Einer der Gründe dafür, daß die Entspannung

sich als trügerisch erwiesen hat, ist die Tatsache, daß Moskau immer irgendwelche Möglichkeiten hatte, einen Verbündeten gegen einen anderen auszuspielen.

Diese sowjetische Manövrierfähigkeit gilt es einzuschränken - auf wirt-

schaftlichem wie auf anderen Gebieten.
Langfristig ist klar, daß die Vereinigten Staaten anhaltende Anstrengungen unternehmen müssen, um ihre Streitkräfte auszubauen, damit deren Einsatz
in den vielen Teilen der Welt möglich wird, wo die sowjetische Macht sich
fühlbar machen kann.

Die Europäer mögen und müssen sich Fragen stellen, ob

und wie sie zum Schutz derjenigen Interessen außerhalb Europas beitragen können, die für sie mindestens ebenso lebenswichtig sind wie für die Vereinigten
Staaten.

Japan könnte seinerseits gezwungen sein, die Erhöhung seiner An-

strengungen zur Verteidigung des es umgebenden See- und Luftraums ins Auge zu
fassen.

Zunehmende Kontakte mit China bei Verteidigungsangelegenheiten soll-

ten von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten sorgfältig gepflegt
werden.

Solche Verteidigungsprogramme sollten keine RüstungskontrollVerhand-

lungen ausschließen, aber es ist wichtig festzuhalten, daß daraus hervorgehende Abkommen wahrscheinlich in ihren Auswirkungen marginal sein werden und
nicht als Ersatz für zusätzliche Verteidigungsanstrengungen dienen können.
Als Schlußfolgerung kann gesagt werden, daß man Afghanistan nicht lediglich als einen "Verkehrsunfall" definieren kann, wie man 1968 einmal von der
Tschechoslowakei sagte. Es ist ein ernstes und gefährliches Ereignis. Meiner Ansicht nach hat es die ursprünglichen Prämissen einer zähen, aber flexiblen Politik gegenüber der UdSSR nicht beeinträchtigt. Es sollte jedoch ein
für allemal die Illusion beseitigen, daß die Abkommen der frühen siebziger
Jahre einen unumkehrbaren Trend zu verbesserten Beziehungen garantieren.
Ich glaube nicht, daß es zu spät ist, die wesentliche Beziehungsstruktur aufzubauen, die vor zehn Jahren entworfen wurde - in allen ihren Elementen. Aber
ich glaube auch, daß wir dazu nicht so bald wieder die Möglichkeit haben werden, wenn wir nicht jetzt sofort Schritte unternehmen, um kurzfristig die unmittelbaren Gefahrenbereiche anzugehen und langfristig das Gesamtverhältnis
mit der UdSSR zu gestalten.
+ + + + +

- 6-

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
30. Januar 1980

TRENDS IM PRODUKTIVITÄTSWACHSTUM IN AMERIKA
- Ausblick auf die achtziger Jahre Von Dr. Mark Perlman

Professor Dr. Mark Perlman lehrt Nationalökonomie an der Universität von Pittsburgh
und hatte früher einen Lehrstuhl an der
Johns Hopkins-Universität inne. Er hat zahl
reiche Bücher und Artikel über Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsanalyse und Arbeitskraft verfaßt und ist Herausgeber des
"Journal of Economic Literature".
Das Produktivitätswachstum in den Vereinigten Staaten ging im vorigen
Jahrzehnt stark zurück und verlangsamte

sich auf etwa die Hälfte des durch-

schnittlichen Wachstums von drei Prozent während der sechziger Jahre.
letzten Jahren war die Verlangsamung sogar noch stärker.

In den

Der Rückgang der Pro-

duktivitätsrate wird als einer der Hauptfaktoren für das Sinken des Dollar,
das langsame Wirtschaftswachstum und die steigende Inflation betrachtet.
Der Zuwachs der Produktivität in der amerikanischen Wirtschaft insgesamt
ging in den Jahren 1973 bis 1977 auf jährlich 1,1 Prozent zurück, nachdem er
in den Jahren 1948 bis 1955 einen Höchststand von jährlich 3,4 Prozent erreicht
hatte.

Vom zweiten zum dritten Quartal 1979 war bei den nicht-landwirtschaft-

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�nicht-landwirtschaftlichen Privatunternehmen ein Produktivitä'tsrückgang mit
einer Jahresrate von 0,7 Prozent zu verzeichnen.

Das Produktivitätswachstum

hat sich in Amerika deutlich ungünstiger entwickelt als in anderen industriellen Volkswirtschaften, wie beispielsweise Japan, Frankreich, die Bundesrepublik
Deutschland und Kanada.
Man kann zwar Produktivität auf verschiedene Weise definieren, aber im
allgemeinen versteht man darunter das Verhältnis zwischen dem Wert der Produktion (Output) eines Betriebes oder Landes in einer bestimmten Zeitspanne zu
dem Aufwand - Eingangswert - (Input) in der gleichen Zeitspanne. Herkömmlicherweise rechnet man zur Produktion auf dem privaten Sektor nur die Güter und
Dienstleistungen, die verkauft oder auf Lager genommen werden.

Was den Ein-

gangswert betrifft, so konzentriert man sich auf den Arbeitsaufwand gemessen
in Arbeitsstunden, obwohl in jüngerer Zeit die Maßstäbe neu definiert werden
und auch Kapital und Material kosten einschließen.
Es ist außerordentlich kompliziert, die unbefriedigende Produktivitätsleistung in den Vereinigten Staaten während der letzten Zeit zu erklären, aber
die jüngste Geschichte Amerikas bietet einige Hinweise. Einigen nationalen
Zielen ist eine höhere Priorität eingeräumt worden als der Produktivität. Darüber hinaus haben andere Entwicklungen und Ereignisse einen Einfluß auf die
Produktivität ausgeübt. Zu den Ursachen für den Rückgang gehören:
Ausweitung der Arbeitsplätze
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist eine gewaltige Ausweitung der Beschäftigtenzahl eingetreten. Vor allem die starken Geburtsjahrgänge nach dem Krieg brachteneine Schwemme junger Menschen, die sich in den Arbeitsprozeß einreihten.
Die Zahl der Beschäftigten in Amerika ist von 1960 bis 1979 um 41 Prozent gestiegen. Im Jahre 1960 gehörten 39 Prozent der Beschäftigten in die Altersklasse von 16 bis 35 Jahren; im Jahre 1979 betrug der Anteil bereits 50 Prozent. Der unverhältnismäßig große Anteil an jungen Menschen senkt den Durchschnittsstand an Fähigkeiten und Erfahrungen der Beschäftigten. Ferner trat

- 2 -

�trat ein Rückgang des Durchschnittsalters und der Erfahrung auf allen Ebenen
des Managements ein - was zu einer raschen Erhöhung der Zahl der Manager
wiederum wegen der raschen Zunahme der Beschäftigtenzahl führte.
Frauen und Minderheiten
Im Rahmen des Programms für die Gleichheit der Chancen haben Arbeitgeber
in zunehmendem Maße Frauen und Angehörige von Minderheiten eingestellt. Die
Zahl der weiblichen Beschäftigten erhöhte sich von 1947 bis 1960 um 39 Prozent.
Diese Veränderungen mögen sich zwar auf lange Sicht als vorteilhaft erweisen,
indem sie neue Leistung und Qualität bringen und besser bezahlte Arbeitsplätze
schaffen, aber die unmittelbaren Auswirkungen auf die Produktivität waren negativ. Man hat geschätzt, daß etwa 25 bis 35 Prozent des Rückgangs der Produktivitätszuwachsrate in den Jahren von 1965 bis 1973 auf die Veränderungen
in der Zusammensetzung der Beschäftigten insgesamt und das Anwachsen der Minderheitengruppen zurückzuführen seien.
Staatliche Bestimmungen
Seit Mitte der sechziger und Anfang der siebziger Jahre haben die Vereinigten Staaten eine Umweltschutzpolitik verfolgt. Dieses Programm fordert
seitens der Privatunternehmen eine Anschaffung von Kapitalgütern und hohe Berichtskosten sowie hohe Beobachtungs- und Registrierungskosten seitens der
Regierung. Das Ergebnis trägt zwar zur Verbesserung der Lebensverhältnisse
bei, bringt jedoch keinen wirtschaftlichen Nutzen. Die Kosten für die Bekämpfung von Verschmutzung dürften in den siebziger Jahren die jährliche Wachstumsrate der Produktivität um 0,1 Prozent gesenkt haben. Ferner haben auch die
Bundes- und einzelstaatlichen Behörden ihre Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz verschärft, was nicht nur zusätzliches Gerät erfordert, sondern auch
wiederum dem privaten Sektor Kosten für die Berichte und dem Staat für die
Überwachung aufbürdet.

Entwicklung

�Entwicklung von Notstandsgebieten
In den Vereinigten Staaten sind große Anstrengungen unternommen worden, in
wirtschaftlichen Notstandsgebieten Arbeitsplätze zu schaffen, ohne daß dabei
immer die Effizienz berücksichtigt wurde. Auf lange Sicht treten die Kosten
einer solchen Entscheidung eben doch zutage.
Forschung und Entwicklung
Aus vielerlei Gründen haben Privatunternehmen und Regierungsstellen weniger
für Forschung und Entwicklung ausgegeben als Ende der fünfziger Jahre und in
den sechziger Jahren. Private Hochschulen hatten und haben mit Finanzproblemen
zu kämpfen, und viele Unternehmen haben entschieden, daß in einer Zeit hoher
Inflation die Erträge aus Forschung und Entwicklung zu unsicher seien.
Die Kapital läge
Es gibt Hinweise, daß amerikanische Fabriken zu alt sind; daß amerikanische Betriebe weniger produktiv sind als neue, und daß das Verhältnis von
neuen und alten Fabriken in Amerika ungünstiger ist als etwa in der Bundesrepublik Deutschland, Japan oder Frankreich. Weder die Ereignisse noch der
Kongreß haben einen Anreiz für eine massive Modernisierung geboten. Obwohl
der Bestand an investiertem Kapital pro Arbeiter - ein wichtiger Faktor für
den Produktivitätszuwachs - nicht zurückgegangen ist, wären die Kapitalanlagen
pro Arbeiter größer gewesen, wenn die Zahl der Arbeitskräfte nicht so rapide
zugenommen hätte.
Inflation
Die Auswirkung der Preisinflation, die den Arbeitnehmer in höhere Einkommensteuerklassen treibt, hat die "reale Steuerlast" wesentlich erhöht - vor
allem was die Facharbeiter angeht.

Das hat dazu geführt,daß der Arbeitsanreiz

sinkt.
Brennstoffkosten

�Brennstoffkosten

Daß die ölpreise im letzten Jahrzehnt sprunghaft angestiegen sind, ist
bekannt.

Damit sind die realen Preise für andere Formen der Energie gestie-

gen und ebenso die Inflationsrate.
ab.

Dies wiederum schreckte vor Investitionen

Die Last der Brennstoffpreise hatte auch tiefgreifende Auswirkungen auf

das Transportgeschäft und die Landwirtschaft - beide stark vom Erdöl abhängig.

Veränderungen der sektoralen Zusammensetzung der Wirtschaft

Die Produktivität in der Landwirtschaft und in der Gütererzeugung der
amerikanischen Volkswirtschaft stieg in den vierziger und fünfziger Jahren stark
an.

Aber mit dem Rückgang der Beschäftigtenzahl in diesen Sektoren in den

sechziger und siebziger Jahren war die Wahrscheinlichkeit gering geworden, die
hohen Zuwachsraten der Produktivität halten zu können.

Da aber im gleichen

Zeitraum die Zahl der Beschäftigten insgesamt gewaltig anstieg, führte das zu
einer Umverteilung des Gros der Arbeitskräfte in den Dienstleistungssektor
und den Regierungsdienst, wo es sehr viel schwieriger, wenn nicht unmöglich
ist, die Produktivität zu messen.

Daraus läßt sich unschwer erkennen, warum

die Prioritäten in den Vereinigten Staaten von heute einen negativen Effekt
auf das Produktivitätswachstum hatten.

An künftigen Trends zeichnet sich folgendes ab:

- Die Steigerung der Zahl der Arbeitsplätze verlangsamt sich.

Die geburten-

starken Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg sind fast völlig in den Arbeitsmarkt absorbiert, und die Rate des Anteils der weiblichen Beschäftigten wird
nicht mehr so stark steigen - schon allein weil ein sehr hoher Anteil erreicht ist.

- Die politischen Maßnahmen zur "verstärkten Eingliederung" dürften in
den ersten Jahren einen sehr negativen Einfluß auf die Produktivität gehabt
haben, aber man wird bereit sein, diese Programme zu verlangsamen, um künftige Belastungen der Wirtschaft zu vermeiden.

_M

�- Man übt mehr und mehr Zurückhaltung in der Verabschiedung weiterer
und strengerer Umweltschutzprogramme.

Auch die Programme für den Schutz am

Arbeitsplatz dürften ihre kostspieligste Phase erreicht haben und später nicht
mehr so teuer sein.
•

- Die Steuerpolitik kann stärker auf eine Förderung der Investitionen
in Forschung und Entwicklung in Privatunternehmen ausgerichtet werden.

Auch

Regierungsstellen könnten wieder mehr für die Forschung und Entwicklung tun,
wie etwa Anfang der sechziger Jahre.
- Es werden Steueranreize erwogen, um die Modernisierung von Fabriken
zu fördern.

Große Betriebe sind dazu übergegangen, unwirtschaftliche Betriebe

zu schließen.
- Es ist mit Programmen für die beschleunigte Einführung sicherer Kernkraftwerke und umweltfreundlicherer Kohlekraftwerke zu rechnen, was wiederum
Alternativen zu den erdölbeheizten Kraftwerken bietet.
Die Faktoren, die das Produktivitätswachstum in den - miteinander konkurrierenden - Industriestaaten beeinflussen,sind nicht überall die gleichen.

So

kamen beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland die geburtenstarken
Jahrgänge später als in den Vereinigten Staaten, und die deutsche Bundesregierung steht noch mehr oder weniger vor diesem Problem.
wenige

Und es gibt auch nur

Staaten, die so strenge Umweltschutzbestimmungen eingeführt haben wie

die USA.
Und der kritische

Punkt ist, ob und wann die amerikanische Wählerschaft

sich entscheidet, etwas zur Verbesserung des Produktivitätszuwachses in den
Vereinigten Staaten zu tun.

Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, dann wird es

ganz schnell gehen, wie es in der Vergangenheit immer schnell gegangen ist.
+ + + + +

�I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Januar 1980

FAHRZEUGBAU: NEUE TREIBSTOFFE VERLANGEN ANDERE MOTOREN
Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie

- (AD) - Womit wird man in den nächsten zwanzig Jahren in Amerika
die Tanks der Autos füllen?

Der Energieexperte E. Eugene Ecklund, Chef

der Abteilung "Alternative Brennstoffe" im Bundesenergieministerium, ist
der Ansicht, daß es zunächst Mischkraftstoffe aus Mineralölprodukten und
Alkohol, später Synthesebrennstoffe aus Ölschiefer und Kohle sein werden.
Er setzt sich für eine solche Entwicklung ein - obgleich er sie noch nicht
für gewährleistet hält -, da er eine rechtzeitige Anpassung der Vereinigten
Staaten an die Realität schwindender ölreserven in der Welt für unumgänglich
hält.
Seit dem Jahr 1975 untersucht das US-Energieministerium Möglichkeiten,
Erdöl durch andere Energieträger zu ersetzen. Inzwischen stellten sich
drei brauchbare Alternativen heraus: 1) Synthetische Brennstoffe aus
Ölschiefer und Kohle, 2) Methanol (Methylalkohol) aus Kohle, und schließlich
3) Wasserstoff aus Wasser. Es dürfte jedoch, wie Ecklund vermutet,
15 Jahre dauern, bis Kohle oder Ölschiefer den Energiebedarf für Verkehrs-

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Verkehrsmittel in den USA decken können. Mittlerweile sollten die USA
versuchen, die vorhandenen Erdölreserven durch Einsparung von Energie,
die Verwendung von Autos mit geringerem Treibstoffverbrauch und die
technische Erschließung sogenannter erneuerungsfähiger Energiequellen wie
Sonnenenergie zu strecken.
GASOHOL, der Mischkraftstoff aus Alkohol (10 Prozent) und Benzin
(90 Prozent), ist bereits recht beliebt.

Die Zahl der Tankstellen, wo

GASOHOL abgegeben wird, erhöhte sich von 200 Ende 1978 auf ca. 2 500 Anfang
1980.

Der Äthylalkohol für den neuen Kraftstoff kann durch Vergären

landwirtschaftlicher Produkte wie Getreide, vor allem Mais, Zuckerrohr
und Rüben gewonnen werden.

Im Energieministerium verlautet, daß die

kommerzielle Anwendung von GASOHOL in den nächsten paar Jahren nur deshalb
noch eingeschränkt sei, weil es vorläufig nicht genügend Destillieranlagen
gebe.

Zur Oberwindung dieses Engpasses hat die Regierung Carter eine Reihe

von Programmen, einschließlich Steuererleichterungen, vorgesehen, für die in
den achtziger Jahren Summen zwischen 8,5 und 13 Milliarden Dollar bereitzustellen wären.

Davon sollen allein drei Milliarden Dollar in der Form

von Krediten und Kreditgarantien für den Bau kleiner und mittelgroßer
Betriebe vergeben werden, die Alkohol und andere Brennstoffe aus Pflanzen
und tierischen Grundstoffen herstellen.
Im Jahr 1979 wurden in den USA etwas mehr als 300 Millionen Liter
Äthanol erzeugt, was jedoch nur für die Versorgung kleiner Absatzmärkte
ausreichte. Nach den Vorstellungen Präsident Carters soll diese Menge
bis Ende 1980 vervierfacht werden. Und im Verlauf des Jahres 1981 "dürften
wir in der Lage sein," so der Präsident, "die Äthanol Produktion auf eine
Jahresmenge von 1,89 Milliarden Liter zu steigern". Damit würden nach
Schätzungen des Energieministeriums alle verfügbaren landwirtschaftlichen
Rohstoffe aufgebraucht.
Mischkraftstoffe

�Mischkraftstoffe wie GASOHOL werden den Übergang von Kraftstoffen
auf Erdölbasis zu solchen auf der Basis synthetischer Rohöle erleichtern.
Jedoch ist man im Energieministerium der Ansicht, daß synthetische Flüssigbrennstoffe, z.B. aus Kohle, vor der Jahrhundertwende kaum in nennenswerten Mengen verfügbar sein dürften.

(Das Energieministerium läßt z.Zt.

von der Industrie in drei ersten Versuchsreihen Flüssigbrennstoffe aus
Kohle zum Betrieb von stationären Dieselaggregaten erproben.

Das Schweröl

ist nach dem SRC-Verfahren in der Pilotanlage Fort Lewis im Bundesstaat
Washington gewonnen; später soll während der 16-monatigen Versuchsphase
auch Kraftstoff aus Ölschiefer verwendet werden.

Zunächst geht es darum,

die Leistung von Dieselmotoren mit niedriger Laufgeschwindigkeit, die z.B.
für bestimmte Zwecke der Industrie oder in Kleinkraftanlagen benutzt werden,
im Betrieb mit dem neuen Treibstoff so weit wie nur irgend möglich zu
verbessern.)

Einer kommerziellen Produktion von flüssigen Brennstoffen aus

Ölschiefer stehen derzeit noch erhebliche Probleme in bezug auf Umweltbeeinträchtigung und der anzuwendenden Technik im Wege.

Und ist dann

erst einmal ein Großprojekt zur Ölschieferverwertung in Angriff genommen,
wird es etwa zehn Jahre dauern, bis ein der Brennstoffgewinnung auf
Kohlebasis vergleichbares Produktionsniveau erreicht werden kann - d.h. die
Erzeugung von 68 000 bis 137 000 Tonnen pro Tag.

Eine offenbar zwingende Notwendigkeit sind nach Meinung Ecklunds
geeignete Motoren, die mit diesen neuen Kraftstoffen betrieben werden können.
Das Interesse konzentriert sich gegenwärtig auf Gasturbinen (kontinuierliche
Verbrennung) und Stirling-Motoren (Verbrennung außerhalb des Arbeitszylinders).
Sie akzeptieren ein breites Spektrum von Kraftstoffen.

Außerdem experimentieren

Energiefachleute mit neuen Gasmotoren ähnlich dem herkömmlichen Benzinmotor,
die jedoch im Gegensatz zu diesem eine weitergestreckte Kraftstofftoleranz
aufweisen.

Man muß sich aber darüber im klaren sein, daß jeder Motor an

Leistung verliert, wenn er mit verschiedenartigen Kraftstoffen betrieben
wi rd.
Später

- 3 -

�Später könnte auch einmal Wasserstoff als Treibstoffkandidat in
Frage kommen. Ob er sich aber durchzusetzen vermag, hängt von vielen
Faktoren ab - u.a. Konkurrenzfähigkeit, allgemeiner Verfügbarkeit und
guter Speichermöglichkeit im Fahrzeug.

Die Entwicklungsarbeiten befinden

sich laut Ecklund noch im "EmbryonalStadium".

In Elektrofahrzeugen und

Fahrzeugen mit neuartigen Motoren sieht der Experte aus dem Energieministerium den Beginn revolutionärer Veränderungen, ebenso in KraftstoffMotor-Kombinationen, die notwendig wären, um z.B. reinen Alkohol, Wasserstoff oder minderwertige synthetische Brennstoffe zu verwenden.

Mischungen

aus Synthesebrennstoffen mit Rohölen aus natürlichen Quellen oder von
geringeren Anteilen Alkohol mit Benzin sind nach Meinung Ecklunds als
Entwicklungen in dieser Richtung anzusehen.

Allerdings bilde das Fest-

halten am Hergebrachten und die Höhe der notwendigen Investitionen noch
erhebliche Barrieren für einen zügigen Ausbau der neuen Techniken.

+ + + + +

�30. Januar 1980

7

UNWIRKSAME PESTIZIDE
Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu

- (AD) - In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Insektenarten, die gegen mindestens ein Insektenvertilgungsmittel immun sind,
nahezu verdoppelt. Heute sind es etwa 400 Arten, denen die Chemie weitaus
weniger als in den vorangegangenen Jahrzehnten anhaben kann. Und die
Tendenz hält an - ungeachtet der vielfältigen Anstrengungen der Wissenschaftler, diese Entwicklung zu stoppen. So ist es im Labor des Entomologen
George Georghiou in einem Institut der Universität Kalifornien in Riverside
auch nichts Ungewöhnliches mehr, wenn eine DDT-Dosis, die früher 50 000
Fliegen getötet hätte, ein "modernes" Exemplar dieser Gattung nicht im
geringsten stört. "Im gleichen Tempo, in dem wir neue Chemikalien entwickeln, werden Schädlinge gegen Insektizide resistent", meint Professor
Georghiou.

Der Wissenschaftler, der sowohl die Weltgesundheitsorganisation
(WH0) als auch die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FA0)
der Vereinten Nationen berät, hat erlebt, wie sich z.B. die Resistenz

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Reistenz der Moskitos und als Folge davon das Wiederaufflammen von
Malariaerkrankungen um die ganze Welt ausbreitete.

Allein in den letzten

fünf Jahren haben sich die Fälle von Malariaerkrankungen verdoppelt und
die hohe Zahl von mehr als 200 Millionen erreicht, Malaria ist wieder
zur hartnäckigsten und häufigsten Krankheit geworden, deren Erreger
durch Insekten übertragen wird.

-

Superinsekten -

Zu Resistenz kommt es durch genetische Veränderungen, die bei
Insekten, welche die Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln überleben,
auf jeden Fall auftreten. Nach zehn bis 15 Generationen einer Insektenpopulation, gegen die regelmäßig das gleiche Sprühmittel angewandt wurde,
haben sich aus den überlebenden der ersten Behandlung "Superinsekten"
entwickelt, deren Erbgut nunmehr ein Gen enthält, das das ursprünglich
wirksame Gift neutralisiert. Durch solche Insekten sind inzwischen
57 Präparate, in die viele Millionen Dollar investiert worden waren,
nutzlos geworden. Außerdem stellte sich heraus, daß Populationen, die gegen
ältere Chemikalien resistent sind, auch gegen neue Gifte Immunität entwickeln. Das gilt selbst für Insektizide der sog. dritten Generation Substanzen, mit denen Insektenhormone nachgeahmt wurden und die, als Lockstoffe verwendet, die Fortpflanzung sabotieren sollten.
Angesichts solcher Erfahrungen müßten Entomologen, Agrarwissenschaftler und Chemiker lernen, die Zeit der möglichen Anwendung von
Chemikalien maximal zu nutzen, erklärt Georghiou.

"Andernfalls haben wir

bald keine Reserven und Ausweichmöglichkeiten mehr".

Versuche hätten auch

gezeigt, daß sogar Pyrethrine, natürliche Pflanzenprodukte, Resistenzentwicklungen hervorrufen.

Künstliche Imitationen davon sind in manchen

Haushalt-Sprühmitteln enthalten.

"Gewöhnlich ist es nur eine Frage der

- 2 -

�der Zeit", so Georghiou, "bis Schädlinge wie z.B. Küchenschaben gegen
ein neues Präparat resistent werden - besonders dann, wenn jemand lieber
sprüht als daß er die Küche einwandfrei sauber hält".
Georghiou verzeichnet alle greifbaren Informationen über Insektenresistenz in einem von ihm geführten Katalog.

Im Frühjahr dieses Jahres

soll ein Kompendium über Immunitätsentwicklung bei Schädlingen aus aller
Welt veröffentlicht werden.

Karten und Wandtafeln in seinem Arbeitsraum

zeigen die geographische Verteilung resistent gewordener Insekten und
der immer häufiger werdenden Populationen mit "Kreuzresistenz" - d.h.
jener Insektenstämme, die gegen mehrere Chemikalien immun geworden sind.

- Resistenz-Management Pionierarbeit leistete Georghiou für Untersuchungen, mit denen
herausgefunden werden soll, wie massive Insektenresistenz verzögert
werden kann. Jedoch steckt dieses Forschungsgebiet, wie der Entomologe
erklärt, "noch in den Kinderschuhen". Denn "Resistenz-Management", wie
er es nennt, verlange eingehende Kenntnis der Genetik, Biologie und des
Verhaltens eines Schadinsekts in freier Natur sowie sämtlicher Mechanismen
einer chemischen Einwirkung. Wenn man über dies alles genügend Informationen
habe, könne man daran gehen, ein Computermodell zu erarbeiten, das zeigt,
wie schnell sich im Rahmen einer Vielzahl der verschiedensten Bedingungen
Resistenz entwickelt.
Professor Georghiou sammelt gegenwärtig solche Daten über die
kalifornischen Moskitos, die Träger eines Erregers von Hirnhautentzündung
sind.

Der Wissenschaftler möchte es soweit bringen, daß derartige Modelle

Hilfestellung geben für die Wahl des Zeitpunktes, der Mengen, der Konsistenz
und der Art der zu verwendenden Pestizide.

- 3 -

Er zeigte bereits Wege zur

�zur Resistenzbekämpfung für den Fall auf, daß man von dem jeweiligen
Schädling nicht allzu viel weiß.

So sollte man z.B. Pestizide verwenden,

die sich im Anwendungsbereich schnell zersetzen, und man sollte "Taschen"
geringeren Befalls unbehandelt lassen - als Brutreservoir für Insekten,
die gegenüber Insektiziden noch anfällig sind.

Die zeitliche Anwendung

eines Pestizids sollte anhand detaillierter Forschungsergebnisse so gewählt
werden, daß die Ausbildung von Kreuzresistenz auf ein Mindestmaß beschränkt
wird.
"Resistenz zu verzögern oder zu verhindern ist ein Umstand, der
immer größere Bedeutung erlangt", erklärt Professor Georghiou, "weil wir
nur sehr wenig neue Chemikalien finden.

Und häufig ist durch Resistenz

bei den Schädlingen ein Präparat schon veraltet, noch ehe es die ursprüngliche
Investitionen - bei landwirtschaftlichen Pestiziden ca. 13 Millionen Dollar hereingebracht hat."
Die Kosten für Resistenz sind hoch - gleichgültig, wie man sie
mißt. Nach vorsichtigen Schätzungen dienen etwa 50 Prozent aller Insektizide,
die jährlich in den Vereinigten Staaten gekauft werden, zur Bekämpfung
resistenter Insektenarten. Diese Präparate verursachen Ausgaben in Höhe
von etwa 100 Millionen Dollar.
Inzwischen wurde am Universitätsdepartment "Nahrungsmittel und
Landwirtschaft" in Riverside aufgrund der Anregungen, die Francis A. Günther,
Professorin für Entomologie und Chemie, und der kanadische Gastforscher
B.B. Berck gaben, eine tragbare Feldausrüstung zur Messung von PestizidRückständen im Boden und auf Blattwerk entwickelt. Das RFM-Verfahren
(RFM ist die Abkürzung für "Rapid Field Method" = Schnellverfahren zur
Feldanalyse)macht es möglich, innerhalb von 30 Minuten den Pestizidspiegel einer Probe zu ermitteln. Allerdings wird es nur zur Messung der
Rückstände von Organophosphat-Pestiziden benutzt, jedoch nicht der Rückstände anderer Pestizide wie z.B. von Carbamaten.
Auch

�Auch für die Resistenzbekämpfung könnte sich die RFM-Methode als
nützlich erweisen.

Denn mit diesem Verfahren ließe sich an Ort und Stelle

die Konzentration von Rückständen eines Pestizids rasch ermitteln.

Ist

diese niedrig genug, könnte man anschließend zur biologischen Bekämpfung
der Schadinsekten übergehen und nun umgehend solche Insekten freisetzen,
die Schädlinge als Wirtskörper benutzen oder die deren natürliche Feinde
sind.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Afghanistankrise und ihre Auswirkungen auf das Ost-West-Verhältnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Helmut Sonnenfeldt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Trends im Produktivitätswachstum in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausblick auf die achtziger Jahre -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dr. Mark Perlman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fahrzeugbau: Neue Treibstoffe verlangen andere Motoren&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unwirksame Pestizide&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>V* J

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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. Januar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Botschaft über die Lage der Nation
- Schriftlicher Bericht Präsident Carters an den Kongreß
- Auszüge -

Um Über/encJung von
Belegexemplaren wird
gebecen

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. Januar 1980

BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
Schriftlicher Bericht Präsident Carters an den Kongreß
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 21. Januar 1980 dem
amerikanischen Kongreß eine schriftliche Botschaft über die Lage der Nation
(State of the Union Message) zugeleitet, in der das in der mündlichen Botschaft am Abend des 23. Januar vor beiden Häusern des Kongresses dargelegte
Regierungsprogramm ausführlicher beschrieben wird.

Die schriftliche Botschaft,

die 75 Seiten umfaßt, behandelt neben der Außenpolitik auch die Wirtschaftspolitik und innenpolitische Themen, wie Jugendarbeitslosigkeit, Finanzausgleich
zwischen Bund und Einzelstaaten, Nuklearentsorgung, Neuorganisation der Nuklearaufsichtsbehörde, Vollmachten für Benzinrationierung und Senkung des Ölverbrauchs der Versorgungsbetriebe.
Im Mittelpunkt des außenpolitischen Teils steht das amerikanisch-sowjetische Verhältnis angesichts der Invasion Afghanistans durch Truppen der Sowjetunion und das Verhältnis zum Iran, der erneut dringend ersucht wird, die amerikanischen Geiseln freizulassen, um zu einer Normalisierung der Beziehungen
zu gelangen.

Die

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�V

Die wesentlichen Teile des außenpolitischen Kapitels haben folgenden
Wortlaut:
Seit ich vor drei Jahren mein Amt

antrat, habe ich die Notwendigkeit

unterstrichen, daß unser Land eine führende Rolle in einer Welt übernimmt, die
den weitgehendsten und tiefgreifendsten Wandel in der Geschichte der Menschheit durchmacht.
Meine Politik hat sich besonders auf drei Gebiete des Wandels gerichtet:
- das stetige Anwachsen und die verstärkte Darstellung sowjetischer Militärmacht im Ausland - Macht, die in den letzten zwei Jahrzehnten stärker angewachsen ist als unsere eigene;
- die überwältigende Abhängigkeit der westlichen Länder, zu denen in zunehmendem Maße heute die Vereinigten Staaten zählen, von der lebenswichtigen
Ölversorgung aus dem Mittleren Osten;
- die Forderungen des Wandels in vielen Ländern der Entwicklungswelt, einschließlich der ein Jahr alten Revolution im Iran und der Ungewißheit der Zukunft vieler anderer Länder.
Als Ergebnis dieser fundamentalen Tatsachen stehen wir vor einigen der
ernstesten Herausforderungen in der Geschichte unseres Landes. Die sowjetische
Invasion in Afghanistan ist eine Bedrohung des Weltfriedens, der Ost-West-Beziehungen sowie der regionalen Stabilität und der Ölversorgung. Wie die beispiellose und überwältigende Abstimmung in der Vollversammlung der Vereinten
Nationen gezeigt hat, betrachten Länder in der ganzen Welt - und vor allem die
blockfreien - die sowjetische Invasion als eine Bedrohung ihrer Unabhängigkeit
und Sicherheit. Unruhe in der an den Persischen Golf angrenzenden Region birgt
Risiken für die Sicherheit und Prosperität jedes westlichen Landes und damit
für die gesamte Weltwirtschaft. Das weitere Festhalten amerikanischer Geiseln
im Iran ist ein Affront für alle zivilisierten Menschen und eine ernsthafte
Behinderung, der auf der Hand liegenden Bedrohung weitreichender gemeinsamer
- 2 -

»

�gemeinsamer Interessen - einschließl ieh jener des Iran - entgegenzutreten.

Wenn wir uns jetzt auf unsere dringlichsten Anstrengungen zur Lösung
drängender Probleme'konzentrieren, werden wir'uils jedoch weiterhin auch den
positiven Aspekten zuwenden, die nur der Wandel bringen kann.

Es ist immer

das Wesen Amerikas gewesen, voranschreiten zu wollen - wir begreifen, daß
Prosperität, Fortschritt und vor allem Frieden nicht erreicht werden können,
wenn wir auf der Stelle stehen bleiben.

Eine Welt von Nationen, die nach der

Erhaltung ihrer Unabhängigkeit streben, und von Völkern, die sich'nach wirtschaftlicher Entwicklung und politischer Freiheit sehnen, ist keine Welt, die
den Idealen und Interessen der Vereinigten Staaten feindlich wäre.

Wir haben

mächtige Gegner, aber wir haben auch starke Freunde und zuverlässige Verbündete.

Wir haben gemeinsame Interessen mit der großen Mehrheit der Länder und

Völker der Welt.
Es hat in den letzten Jahren ermutigende Entwicklungen gegeben, nicht
nur Dinge, die unsere ständige Wachsamkeit und Besorgnis erfordern:

- Unser Bündnis mit den modernsten und demokratischen Staaten von Westeuropa bis Japan sind stärker denn je.

- Wir haben zu einer dramatischen Verbesserung der Beziehungen zwischen
Ägypten und Israel und einem historischen Schritt zu einer umfassenden arabisch-israelischen Lösung beigetragen.

- Unsere Beziehungen zu China werden immer enger und bilden eine große
neue Dimension in unserer Politik in Asien und in der Welt.

- überall im südlichen Afrika, von Rhodesien bis Namibia, tragen wir zum
friedlichen Übergang zur Mehrheitsherrschaft im Zusammenhang mit der Achtung
für Minderheits- als auch Mehrheitsrechte bei.

Die zentrale Herausforderung in der heutigen Zeit liegt für uns in der Beharrlichkeit der Zielsetzung.

Wir werden nicht mehr vom Isolationismus in
- 3 -

�in Versuchung geführt, aber wir müssen auch lernen, wirksam mit den Widersprüchlichkeiten der Welt fertigzuwerden - der Notwendigkeit, mit potentiellen
Gegnern ohne Euphorie zusammenzuarbeiten, ohne unsere Entschlossenheit zu
untergraben, mit solchen Gegnern zu konkurrieren und, wenn notwendig, ihnen
entgegenzutreten, wenn sie unsere Sicherheit bedrohen.
Wir stehen vor einem weiten Bereich von Bedrohungen und Chancen.

Wir

haben einen weiten Bereich von Fähigkeiten und Zielen in Verteidigung, Diplomatie und Wirtschaft verfolgt und sollten sie weiter verfolgen.

Ich sehe in

den achtziger Jahren fünf Grundziele Amerikas in der Welt:
- Erstens, wir werden weiterhin, wie wir das während der letzten drei
Jahre getan haben, Amerikas militärische Stärke und die unserer Verbündeten
und Freunde aufbauen.

Weder die Sowjetunion noch irgendein anderes Land wird

Grund haben, unseren Willen in Frage zu stellen, die stärksten und flexibelsten
VerteidigungsStreitkräfte aufrechtzuerhalten.
- Zweitens, wir werden in der Welt eine aktive Diplomatie betreiben und
- zusammen mit unseren Freunden und Verbündeten - daran arbeiten, Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln beizulegen und jedem Aggressor einen hohen Preis
abzuverlangen.
- Drittens, wir werden uns bemühen, dringende internationale Wirtschaftsprobleme zu lösen - vor allen Dingen auf dem Gebiet der Energie und der Inflation - und weiterhin unser noch größeres Ziel des globalen wirtschaftlichen
Wachstums durch Ausweitung des Handels und der Entwicklungshilfe zu verfolgen.
- Viertens, wir werden weiterhin mit allem Nachdruck den Prozeß des Aufbaus demokratischer Institutionen und der Verbesserung des Schutzes der Menschenrechte in der ganzen Welt unterstützen.

Wir sind zutiefst davon überzeugt,

daß die Zukunft nicht der Diktatur, sondern der Demokratie gehört.
- Fünftens,

�- Fünftens, wir bleiben zutiefst dem Prozeß der beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungskontrolle verpflichtet, vor allem den Bemühungen zur Verhinderung der Ausbreitung und Weiterentwicklung von Kernwaffen.

Unsere Ent-

scheidung, die Bemühungen um die Ratifizierung des SALT II-Vertrages aufzuschieben, jedoch nicht aufzugeben, ist Ausdruck unserer festen Überzeugung, daß
die Vereinigten Staaten in den Beschränkungen der sowjetischen Nuklearstreitkräfte, die nur dieser Vertrag bieten kann, ein profundes nationales Sicherheitsinteresse haben.
Wenn diese Ziele erreicht werden sollen, dann ist eine anhaltende enge
Zusammenarbeit zwischen dem Kongreß und der Exekutive notwendig. Zu meinen
dringlichsten legislativen Prioritäten zählen:
1. Bewilligungs- und Zuweisungsgesetze für das Verteidigungsministerium;
2. besondere internationale Sicherheitshilfe für Pakistan und andere Länder;
3. Gesetze über bilaterale und multilaterale Auslandshilfe, einschließlich zusätzlicher Bewilligungen für Mittelamerika;
4. das Handelsabkommen mit China;
5. Statuten für die Nachrichten- und Aufklärungsdienste;
6. gesetzliche Regelungen und Mittel für Flüchtlinge;
7. Menschenrechtskonventionen; und
8. zu gegebener Zeit der SALT II-Vertrag.
Ein ganz unmittelbares und dringliches Ziel, das in unserem Denken und im
Denken des amerikanischen Volkes den ersten Platz einnimmt, ist die Freilassung
unserer Geiseln im Iran.
Wir
- 5 -

�Wir haben keinen grundlegenden Streit mit der Nation, der Revolution
oder dem Volk des Iran.

Ihre Bedrohung kommt nicht von der amerikanischen

Politik, sondern von sowjetischen Handlungen in der Region.

Wir sind bereit,

mit der Regierung des Iran zu arbeiten, um ein neues und beiderseits nützliches Verhältnis zu entwickeln.
Aber das wird nicht möglich sein, solange der Iran weiterhin amerikanische
Geiseln festhält - unter Mißachtung der Weltgemeinschaft und des zivilisierten Verhaltens.

Die Geiseln müssen unbeschadet freigelassen werden.

Wir haben

bisher ein maßvolles Programm friedlicher diplomatischer und wirtschaftlicher
Schritte verfolgt in dem Versuch, dieses Problem zu lösen, ohne auf die anderen,
uns nach internationalem Recht zur Verfügung stehenden Hilfsmittel zurückzugreifen.

Dies ist ein Ausdruck der tiefen Achtung unserer Nation vor der Herr-

schaft des Rechts und vor der Sicherheit unserer Menschen, die festgehalten
werden, sowie unserer Überzeugung, daß eine Großmacht eine Verantwortung trägt,
ihre Stärke in maßvoller und rechter Weise zu benutzen.

Aber unsere Geduld

ist nicht unbegrenzt, und unsere Besorgnis um das Wohlergehen unserer Mitbürger wächst jeden Tag.

STEIGERUNG DER NATIONALEN SICHERHEIT - MILITÄRISCHE STÄRKE AMERIKAS
Das amerikanisch-sowjetische Verhältnis
Wir zeigen der Sowjetunion auf breiter Front, daß sie, was unser Verhältnis zueinander angeht, einen hohen Preis für ihre Aggression zahlen wird.
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte waren die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine Mischung aus Zusammenarbeit und Wettstreit. Der sowjetische Angriff
auf Afghanistan und die unbarmherzige Vernichtung seiner Regierung haben auf
das deutlichste die dunklere Seite der sowjetischen Politik erkennen lassen,
die weit über Wettstreit und legitime Verfolgung des Nationalinteresses hinausgeht und alle Normen des Völkerrechts und der internationalen Praxis verletzt. ..
Die

�Die Zerstörung der Unabhängigkeit der afghanischen Regierung und die Besetzung durch die Sowjetunion hat die strategische Lage in diesem Teil der Welt
in höchst unheilvoller Weise verändert.

Sie hat die Sowjetunion in eine bedroh-

liche Nähe zum Indischen Ozean und sogar zum Persischen Golf gebracht.
Sie hat einen Puffer zwischen der Sowjetunion und Pakistan beseitigt und
für den Iran eine neue Bedrohung geschaffen. Diese beiden Länder sind jetzt
gegenüber sowjetischer politischer Einschüchterung weitaus verwundbarer. Sollte sich diese Einschüchterung als wirkungsvoll erweisen, so könnte die Sowjetunion leicht ein Gebiet kontrollieren, das für das überleben Westeuropas, des
Fernen Ostens und letztlich der Vereinigten Staaten von entscheidender strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung ist.
Es ist offensichtlich, daß der gesamte asiatische Subkontinent und besonders Pakistan bedroht sind. Daher fordere ich als den ersten Tagesordnungspunkt den Kongreß auf, ein Paket wirtschaftlicher und militärischer Hilfsmaßnahmen zu verabschieden, um Pakistan bei seiner Selbstverteidigung zu unterstützen.

Verteidigungshaushait
über viele Jahre hinweg haben die Sowjets ständig ihre realen Verteidigungsausgaben erhöht, ihre strategischen Streitkräfte erweitert, ihre Streitkräfte
in Europa und Asien verstärkt und ihre Kapazität gesteigert, um militärische
Macht rund um die Welt entweder direkt oder durch die Verwendung von Stellvertretern auszuüben. Afghanistan bezeugt die umfassend erhöhte militärische Macht
der Sowjetunion.
Die Sowjetunion hat eine Kriegsmaschinerie aufgebaut, die weit über jedes vernünftige Erfordernis nach eigener Verteidigung und Sicherheit hinausgeht.

Im Gegensatz hierzu gingen unsere eigenen Verteidigungsausgaben von 1968

bis 1976 jedes Jahr real zurück.
Durch
- 7 -

�Durch unsere eigene Anstrengung haben wir diesen Rückgang umgekehrt.
Seit 1976 gab es jedes Jahr eine reale Steigerung unserer Verteidigungsausgaben - und unser Beispiel hat zu Steigerungen bei unseren Verbündeten ermutigt. Mit Unterstützung des Kongresses müssen wir in den kommenden Jahren
eine noch größere Anstrengung unternehmen - und wir werden es.
Das Budget des Haushaltsjahres 1981 sieht eine Ausgabenermä'chtigung für
die Verteidigung in Höhe von mehr als 158 Milliarden Dollar vor, ein Realzuwachs von mehr als fünf Prozent über meine Forderung für das Haushaltsjahr
1980 hinaus. Daher werden die geforderten Ausgaben für die Verteidigung im
Lauf des Haushaltsjahres 1981 um real über drei Prozent gegenüber dem Vorjahr
steigen.
Die Trends, die wir zu korrigieren beabsichtigen, können nicht über Nacht
abgestellt werden; wir müssen bereit sein, dieses Programm durchzuhalten .
Um dies sicherzustellen, lege ich eine Wachstumsrate für die Verteidigung fest,
die wir über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können.
Das von mir für die nächsten fünf Jahre vorgeschlagene Verteidigungsprogramm wird einige Opfer erfordern - aber Opfer, die wir uns sicher leisten können.
Das Verteidigungsprogramm betont vier Bereiche:
1. Es stellt sicher, daß unsere strategischen Nuklearstreitkräfte denjenigen der Sowjets ebenbürdig sind und daß die Abschreckung vor einem Atomkrieg
aufrechterhalten wird.
2. Es verbessert unsere Streitkräfte, so daß das militärische Gleichgewicht zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt auch weiterhin vor dem Ausbruch eines Krieges - konventionell oder atomar - in Europa abschrecken wird.
3. Es gibt uns die Möglichkeit, Freunden und Verbündeten rund um die Welt
rasch zu Hilfe zu kommen.
.
..,

�4. Und es stellt sicher, daß unsere Seestreitkräfte auch weiterhin die
stärksten auf den Meeren sein werden.

Strategische Streitkräfte
Wir verstärken jeden der drei Bereiche unserer strategischen Streitkräfte.

Die im nächsten Jahr beginnende Produktion der Marschflugkörper wird

unsere strategische Luftabschreckung modernisieren.
ten werden verbessert.

Auch die B-52-Kapazitä-

Diese Schritte werden die B-52-Flotte aufrechterhalten

und vergrößern, indem ihre Fähigkeit verbessert wird, Waffen in immer stärker
verteidigte Ziele zu tragen.
Wir modernisieren auch unsere strategische Unterseeboot-Raketenwaffe. Das
erste neue TRIDENT-Unterseeboot ist bereits vom Stapel gelaufen, und in diesem
Jahr wird mit der Seeerprobung begonnen. Das zweite TRIDENT-Unterseeboot wird
im Frühjahr 1980 vom Stapel laufen. Die ersten unserer neuen TRIDENT-Raketen
mit einer Reichweite von über 4000 Meilen sind bereits im operativen Einsatz
auf POSEIDON-Unterseebooten.
Die neue MX-Rakete wird die Überlebensfähigkeit unserer landgestützten
interkontinentalen ballistischen Raketenstreitmacht vergrößern. Aus diesem
Grund traf ich im vorigen Frühjahr die Entscheidung, diese Rakete zu produzieren, und wählte die Stationierungsweise aus, die am meisten für die Erhöhung
ihrer Kapazität geeignet ist. Außerdem wird die MX unsere Kapazität zum Angriff
auf einen weiten Bereich sowjetischer Ziele stärken.
Unsere neuen Systeme werden die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten in die Lage versetzen, angesichts der zunehmenden sowjetischen
Herausforderung das Gleichgewicht zu bewahren. Wir würden jedoch eine noch
größere Investition bei den strategischen Systemen brauchen, um der sowjetischen
Aufrüstung zu begegnen, die ohne SALT wahrscheinlich einsetzen würde.
Streitkräfte

�Streitkräfte für die NATO
Wir verbessern beschleunigt unsere Fähigkeit, Westeuropa im Krisenfall
durch massive Land- und Luftstreitkräfte zu verstärken.

Wir führen ein um-

fangreiches Modernisierungsprogramm für Waffen und. Ausrüstung der Armee durch
und erhöhen Bewaffnung, Feuerkraft und taktische Mobilität.
Wir lagern mehr schwere Ausrüstung in Europa, um dadurch besser Angriffen
mit kurzer Vorwarnzeit begegnen zu können, und verstärken in großem Umfang
unsere Kapazitäten für den Luft- und Seetransport.
Ebenso verbessern wir unsere taktischen Luftstreitkräfte durch die Beschaffung von etwa 1700 neuen Kampf- und Angriffsflugzeugen im Verlauf der
nächsten fünf Jahre und erhöhen die Anzahl der Jagdgeschwader der Luftwaffe
um über zehn Prozent.
Wir beschleunigen das Tempo, mit dem wir Kampfflugzeuge nach Europa verlegen können, um mit jedem Überraschungsangriff fertigzuwerden, und vergrößern
die Anzahl von Bunkern auf den europäischen Luftwaffenstütztpunkten, um einer
Zerstörung unserer Flugzeuge am Boden zu verhindern.

•

Schnelle Eingreiftruppen
•

•

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Wir erhöhen systematisch unsere Fähigkeit, auf Ereignisse außerhalh der
NATO zu reagieren, wo immer dies aufgrund unserer Verpflichtungen erforderlich
ist oder wann immer unsere lebenswichtigen Interessen bedroht sind.
Die schnellen Eingreiftruppen, die wir zusammenstellen, werden außergewöhnlich flexibel sein:

sie können von der Größe von ein paar Schiffen oder

Luftgeschwadern bis zu Formationen von der Größe von 100 000 Mann reichen, einschließlich Versorgung.

Unsere Streitkräfte werden auf schnelle Dislozierung

in jede Region von strategischer Bedeutung vorbereitet sein.
Zu

- 10 -

�Zu den spezifischen Initiativen, die wir ergreifen, um bei der Reaktion
auf Krisen außerhalb Europas zu helfen, gehören:

- die Entwicklung und Produktion einer neuen Flotte schwerer Lastenflugzeuge mit interkontinentaler Reichweite;

- Planung und Beschaffung einer Streitmacht von Bereitstellungsschiffen,
die schwere Ausrüstung und Versorgung für drei Marineinfanteriebrigaden geladen haben.
Als Antwort auf die sowjetische, Militärpräsenz in Kuba und die Stellvertreterrolle Kubas im Namen der UdSSR haben wir zusätzlich die folgenden Schritte
zur Unterstützung der Schnellen Eingreiftruppe unternommen oder sind damit beschäftigt:
1. Wir erhöhen unsere Fähigkeit, die kubanischen und sowjetisch-kubanischen Aktivitäten zu überwachen, wesentlich;

2. wir haben ein Ständiges Hauptquartier der Gemeinsamen Einsatzstreitmacht in der Karibik eingerichtet, das unsere Fähigkeit zur Reaktion auf Ereignisse in dieser Region erhöht;
3. wir verstärken regionale Militärmanöver;und

4. wir intensivieren den Beistand für Länder in der Region, die durch
eine sowjetische oder kubanische Intervention bedroht werden.

Seestreitkräfte Seemacht ist für unsere globale Stellung unabdingbar - im Frieden wie im
Krieg.

Unser Schiffbauprogramm wird in den achtziger Jahren eine Flotte von

550 Schiffen unterhalten, und wir werden auch weiterhin die besten Schiffe

- 11 -

�Unsere Nachrichten- und Aufklärungsdienste
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Unsere nationalen Interessen sind in entscheidendem Maße von einer
starken und wirkungsvollen Kapazität unserer Nachrichten- und Aufklärungsdienste abhängig.

Wir werden diese Kapazitäten, die wir zur Gewährleistung

unserer nationalen Sicherheit benötigen, in ihrer Arbeit nicht hängen lassen...
Es ist dringend notwendig, daß wir jetzt im Rahmen einer wirkungsvollen
Aufsicht des Kongresses aktiv vorangehen, um Amerikas Nachrichten- und Aufklärungsdienste mit Satzungen zu versehen, die es ihnen erlauben, innerhalb
eines durch das Gesetz kodifizierten Bereichs wirkungsvoller zu operieren.

Regionale Politiken
Mehr als drei Jahrzehnte lang hat jeder Präsident erkannt, daß die Interessen Amerikas weltweit sind und daß wir eine weltweite Außenpolitik verfolgen müssen.
Zwei Weltkriege haben unser Interessen an Westeuropa und dem Bereich des
Nordatlantik deutlich gemacht. Wir sind auch mit dem Fernen Osten unentwirrbar verbunden - politisch, wirtschaftlich und militärisch. In beiden Bereichen
haben die Vereinigten Staaten eine ständige Präsenz und Sicherheitsverpflichtungen, die automatisch ausgelöst würden. In zunehmendem Maß wurden wir unserer wachsenden Interessen in einem dritten Gebiet bewußt - dem Mittleren
Osten und dem Gebiet um den Persischen Golf.
Wir haben auch entscheidende Interessen in anderen wichtigen Regionen der
Welt zu vertreten. Seit langem sehen wir, daß in einem Zeitalter der Interdependenz unsere eigene Sicherheit und unser Wohlstand von einer größeren gemeinsamen Anstrengung mit Freunden und Verbündeten in der ganzen Welt abhängt.
Das

�Das Atlantische Bündnis

Zu Beginn meiner Regierungszeit betonte ich die vorrangige Stellung
unserer atlantischen Beziehung auf der Tagesordnung der nationalen Sicherheit unseres Landes.

Wir haben gewaltige Fortschritte dabei erzielt, das

Atlantische Bündnis in einem sich verändernden Sicherheitsumfeld noch wirkungsvoller zu machen.

Während wir mit unseren notwendigen Verteidigungsanstrengungen in Europa
voranschreiten, setzen wir unsere Anstrengungen, die europäische Sicherheit
durch Rüstungskontrolle zu verbessern, ebenfalls fort.

Als integralen Bestandteil der TNF-Entscheidungen der NATO hat das Bündnis klargestellt, daß es bereit ist, Begrenzungen bei weitreichenden TNF-Raketen auszuhandeln...

Bei den MBFR-Verhandlungen haben wir und unsere Verbündeten kürzlich
neue Vorschläge eingebracht, die die Verhandlungen vereinfachen und die Aussichten auf baldigen Fortschritt bei der Begrenzung der konventionellen Streitkräfte in Europa erhöhen sollen.

In einem sehr konkreten Sinn haben die Leistungen des vergangenen Jahres
eine kritische Frage beantwortet, die die Zukunft der NATO betrifft:

kann

das westliche Bündnis, das das Fundament für eine der längsten Perioden des
Friedens und des Wohlstands gelegt hat, derer sich Europa je erfreut hat, noch
immer den erforderlichen Zusammenhalt, die Bedeutung und die Entschlossenheit
aufbringen, um mit den grundlegenden Sicherheitsfragen fertigzuwerden, die
seine Mitgliedsländer wahrscheinlich bis weit in das nächste Jahrhundert hinein berühren werden?

Der gemeinsame Wille der NATO zugunsten der Modernisie-

rung und Verhandlung über ihr Kernwaffenarsenal bei gleichzeitiger fortgesetzter Verbesserung ihrer konventionellen Streitkräfte bewies deutlich die Fähigkeit des Bündnisses, wirkungsvoll auf die von der Sowjetunion gestellten militärischen und politischen Drohungen zu antworten...
Alle
- 13 -

�Alle westeuropäischen Regierungen unterstützen uns bei der Verfolgung
aller friedlichen Wege, um die Freilassung der amerikanischen Geiseln zu erreichen, die in Teheran ungeachtet der universellen Normen des Völkerrechts
und des internationalen Anstandes festgehalten werden.

Wir konsultieren die

Verbündeten und arbeiten eng mit ihnen bei unseren Antworten auf die Invasion
und Besetzung Afghanistans durch die Sowjetunion zusammen...

As i en
Die Vereinigten Staaten sind ebenso eine pazifische Nation wie eine atlantische Nation.

Unsere Interessen in Asien sind uns ebenso wichtig wie un-

sere Interessen in Europa.
Handel mit Europa.

Unser Handel mit Asien ist sogar größer als unser

Wir haben diese Interessen auf der Basis eines stabilen

Machtgleichgewichts in der Region verfolgt und aufrechterhalten.

Unsere Part-

nerschaft und unser Bündnis mit Japan stehen im Mittelpunkt unserer Asienpolitik.

Wir stärken unser neues Verhältnis zu China.

Wir haben unsere Bindungen

mit der Vereinigung SUdostasiatischer Nationen (ASEAN) und ihren Mitgliedsregierungen ausgeweitet.

Sicherheit Asiens
Das Gleichgewicht der Macht ist fundamental für die Sicherheit Asiens.
Wir haben dieses Gleichgewicht durch eine starke militärische Position der
Vereinigten Staaten in der Region aufrechterhalten sowie durch enge Bindungen
mit unseren Verbündeten, Japan, Australien, Neuseeland und Korea...
Die Reaktion der Länder in Ostasien auf die sowjetische Aggression in
Afghanistan war erfreulich.

Vor allem Australien verdient Anerkennung für die

feste Haltung, die es gezeigt hat.

Auch Japan und die ASEAN-Staaten haben

uns nachdrücklich unterstützt.
China
- 14 -

�China
Im Laufe des vergangenen Jahres haben wir unser neues Verhältnis zur
Volksrepublik China ausgeweitet, um sicherzustellen, daß dort, wo sich unsere Interessen decken, unsere getrennten Maßnahmen sich gegenseitig ergänzen.

Zu diesem Zweck haben wir unsere konsultativen Beziehungen verstärkt.

Wir haben uns auch bemüht, auf wirtschaftlichem, kulturellem, wissenschaftlichem und handelsmäßigem Gebiet einen dauerhaften institutionellen Rahmen zu
schaffen...
Im Jahre 1980 erwarte ich, daß der Kongreß schon bald das Handelsabkommen mit China billigt und eine Tätigkeit der OPIC (Overseas Private Investment
Corporation = Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee, die durch Regierungsbürgschaften die private Investitionstätigkeit im Ausland fördert,
Anm. der Redaktion) in China bewilligt. Wir planen den Abschluß von Abkommen
auf dem Gebiet der Zivilluftfahrt, der Schiffahrt und der Textilien. Und wir
werden weiterhin unsere kommerziellen, kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen vor allem durch Kredite der Export-Import-Bank an die Volksrepublik
China ausbauen.

SUdostasien
...Während des ganzen vorigen Jahres haben sich unsere Beziehungen zu ASEAN
in dem Maße erweitert, in dem unsere konsultativen Vereinbarungen gestärkt wurden.
Die Stabilität und Prosperität Südostasiens sind durch die sowjetisch
unterstützte vietnamesische Aggression
den.

gegen Kambodscha schwer gefährdet wor-

Während dieses Jahres werden wir weiterhin für eine politische Regelung

in Kambodscha eintreten, die es diesem Lande erlaubt, von Führern der eigenen
Wahl regiert zu werden.

Wir haben alle möglichen vernünftigen Schritte unter-

nommen, um vor vietnamesischen Angriffen auf thailändisches Gebiet abzuschrekken, indem wir unsere Unterstützung für die Thais verstärkt und Vietnam und die
- 15 -

�die UdSSR direkt gewarnt haben.

Die anderen Mitglieder der ASEAN-Gruppe

standen fest hinter Thailand, und das hat in großem Maße dazu beigetragen,
den Konflikt einzudämmen.

Wir waren erfreut über die mutige und humane Auf-

nahme von kambodschanischen Flüchtlingen durch Thailand.

Naher Osten - Persischer Golf - Südasien
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Die Ereignisse im Iran und in Afghanistan haben für uns die kritische
Bedeutung des Gebietes vom Nahen Osten über den Persischen Golf bis nach Südasien für die amerikanische Sicherheit und Prosperität in dramatischer Weise
aufgezeigt.

Aus dieser Region kommen zwei Drittel der ölexporte der Welt, die

zur Energieversorgung unserer Verbündeten in Europa und Japan dienen.

Diese

Region ist fast ständig ein Schauplatz des Konflikts zwischen Ländern und
ernster interner Instabilität in vielen dieser Länder gewesen.

Und jetzt ist

eines dieser Länder von der Sowjetunion besetzt worden.
Wir packen diese zahlreichen Herausforderungen auf mehrere Weise an.

Naher Osten
Es ist seit 1977 ein entscheidend wichtiges Ziel meiner Regierung gewesen, zu einer dauerhaften Lösung des arabisch-israelischen Konflikts beizutragen - was so wesentlich dafür ist, der ganzen Region Stabilität und Frieden zu bringen...
Seit Camp David arbeiten Ägypten und Israel daran, diesen Teil des Rahmens
von Camp David auszufüllen und dem palästinensischen Volk die Möglichkeit zu
geben, seine Zukunft zu bestimmen. Ich unterstütze diese Bemühungen nachdrücklich und habe versprochen, daß wir bei den Autonomieverhandlungen ein voller
Partner sein werden. Wir werden weiterhin nachdrücklich an einem umfassenden
Frieden im Nahen Osten arbeiten - aufbauend auf den beispiellosen Erfolgen von
Cam

P

David

"

Gleichzeitig
- 16 -

�Gleichzeitig habe ich die Verpflichtung Amerikas für die Sicherheit
Israels erneut bekräftigt sowie für das Recht aller Nationen in dem Gebiet,
in Frieden mit ihren Nachbarn innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen zu
leben.

Persischer Golf
In den letzten Jahren, in denen unsere eigenen Brennstoffimporte in die
Höhe geschnellt sind, hat der Persische Golf für die Vereinigten Staaten, wie
dies für viele unserer Freunde und Verbündeten der Fall war, eine lebenswichtige Bedeutung gewonnen. Auf längere Sicht wird die Abhängigkeit der Welt
vom öl aus dem Persischen Golf eher noch zunehmen. Die Verwehrung dieser Ölversorgung - für uns oder andere - würde unsere Sicherheit bedrohen und eine
Wirtschaftskrise hervorrufen, die größer wäre als die der großen Depression
(Weltwirtschaftskrise) vor 50 Jahren, mit einer fundamentalen Veränderung unserer heutigen Lebensweise.
Eine doppelte Bedrohung des ölflusses - durch regionale Instabilität und
jetzt potentiell durch die Sowjetunion - erfordert, daß wir unsere lebenswichtigen Interessen mit Festigkeit verteidigen, wenn sie bedroht sind.
Im vorigen Jahr haben wir damit begonnen, unsere Fähigkeit zu erhöhen,
militärische Macht in der Region des Persischen Golfes darzustellen, und wir
sind gegenwärtig damit beschäftigt, Möglichkeiten einer verstärkten Nutzung
militärischer Einrichtungen in dem Gebiet zu sondieren. Wir haben unsere
Flottenpräsenz im Indischen Ozean erhöht. Wir haben mit Ländern der Region
an gemeinsamen Sicherheitsanliegen gearbeitet. Unsere vorhin erwähnten
Schnellen Eingreifstreitkräfte könnten zur Unterstützung befreundeter Regierungen am Golf - und in der Region Südwestasiens sowie in anderen Gebieten
eingesetzt werden.
Südasien

- 17 -

�Südasien
Die überragende Herausforderung in dieser Region wird die Meisterung der
neuen Lage sein, die durch die sowjetische Aggression in Afghanistan geschaffen wurde.

Wir müssen den Staaten der Region helfen, die Fähigkeit zu entwic-

keln , dem sowjetischen Druck in einem verstärkten Rahmen der Zusammenarbeit
in der Region zu widerstehen.

Wir v/ollen mit allen Staaten der Region in die-

ser Hinsicht zusammenarbeiten - mit Indien und Pakistan, mit Sri Lanka,
Bangladesch und Nepal.
Angesichts dieser neuen Situation schlagen wir dem Kongreß ein Militärund Wirtschaftshilfeprogramm vor, um Pakistan die Möglichkeit zu geben, seine
Verteidigung zu verstärken.

Dies ist eine Angelegenheit von größter Dringlich-

keit, und ich empfehle mit allem Nachdruck, daß Repräsentantenhaus und Senat
sich sobald wie irgendmöglich billigen.

Wir arbeiten außerdem eng mit anderen

Freunden Pakistans zusammen, um die verfügbaren Hilfsmittel für die Entwicklung
und Sicherheit Pakistans zu vermehren.
Wir verfolgen ferner die Möglichkeit, Zugang zu militärischen Einrichtungen in der Region in Zeiten der Unruhe zu erhalten. Wir sind bereit, auf
einer kooperativen Basis eng mit unseren Freunden in der Region zusammenzuarbeiten, um alles Erforderliche zu tun, was die Gewähr bietet, daß Aggressoren
mit schweren Opfern zu rechnen haben,und somit vor einer weiteren Aggression*
abzuschrecken.
Von hoher Priorität ist es für uns in dieser Region, unsere nuklearen
Besorgnisse mit Indien und Pakistan in einer Weise zu regeln, die mit unseren
globalen und regionalen Prioritäten vereinbar ist. Die veränderte Sicherheitslage in Südasien, die sich aus der sowjetischen Invasion Afghanistans ergibt,
fordert legislative Maßnahmen, um eine erneute Hilfe für Pakistan zu gestatten.
Dies aber vermindert in keiner Weise unsere Verpflichtung, uns darum zu bemühen, eine Proliferation nuklearer Waffen in Pakistan und anderswo zu verhindern.
Ein

�Ein stetiges Anwachsen unserer Wirtschaftshilfe ist ferner von wesentlicher Bedeutung, wenn die Länder Südostasiens zu Wachstum und wahrer Stabilität kommen sollen.

Afrika

...Mit unseren europäischen Verbündeten, mit Kanada und den direkt betroffenen afrikanischen Staaten erzielen wir ebenfalls Fortschritte in Richtung
auf die Unabhängigkeit und die Herrschaft der Mehrheit für Namibia. Der starke
Impuls, der sich aus der erfolgreichen Lösung des Rhodesienkonflikts ergibt,
sollte bei diesen Initiativen behilflich sein...

Mit der Schaffung eines unabhängigen Simbabwe nach vielen Jahren der
Kämpfe werden wir in der Lage sein, im Rahmen eines von vielen Geberländern
getragenen, in sich zusammenhängenden Entwicklungsplanes für die armen Nationen
in der Region des südlichen Afrika einzutreten...

Sei es am Hörn von Afrika oder in anderen Gebieten des afrikanischen
Kontinents, wir werden den mit uns befreundeten Nationen ebenfalls Sicherheitshilfe gewähren, wenn diese für die Verteidigung ihrer Grenzen gebraucht wird.

Nordafrika
Im Jahre 1979 gingen die Vereinigten Staaten daran, einem altbewährten
Freund zu helfen, indem wir unsere Waffenlieferungen an Marokko verstärkten.
Indem wir Marokko helfen, mit Angriffen innerhalb seiner international anerkannten Grenzen fertigzuwerden, versuchen wir, Bedingungen für größere Sicherheit und größeres Vertrauen zu schaffen, unter denen eine Lösung des Konflikts
in der westlichen Sahara erfolgreich angestrebt werden kann...

Lateinamerika

- 19 -

�Lateinamerika

...In der Westlichen Hemisphäre gab es im vergangenen Jahr einen ermutigenden Fortschritt auf dem Gebiet der Menschenrechte und der Demokratisierung.
Die Schaffung einer neuen Demokratie in Ecuador und die energische Bemühung
der Andenstaaten um die Erhaltung der Demokratie in Bolivien waren positive
Schritte...

Am 1. Oktober reisten Vizepräsident Mondale und viele führende Politiker
aus Lateinamerika nach Panama, um das Inkrafttreten der Panamakanal-Verträge
zu feiern.

Der Übergang in ein neues Verhältnis und in eine neue Struktur zur

Unterhaltung des Kanals war reibungslos und effektiv aufgrund der Beiträge und
der gegenseitigen Achtung zwischen den Panamaern und den Amerikanern...

Mittelamerika und die Karibik durchlaufen eine Periode raschen sozialen
und politischen Wandels.

Es besteht Gefahr, daß eine Intervention durch Kuba

den Wunsch der Menschen dieser Region nach Fortschritt im Rahmen demokratischer
Institutionen vereiteln könnte, und wir haben eng mit den Regierungen in diesem Gebiet zusammengearbeitet, um zu versuchen, bei dem Entwicklungsprozeß in
diesem Gebiet zu helfen, und sind auch bereit, jenen beizustehen, die durch
eine Intervention von außen bedroht werden...

DIE MENSCHLICHEN ASPEKTE DER AUSSENPOLITIK

Menschenrechte

Das höchste Ziel unserer Außenpolitik muß es sein, uns die Freiheit zu
erhalten und die Freiheit anderer zu mehren.

Das ist eine Frage, die unsere

nationalen Prinzipien ebenso wie unsere nationalen Interessen berührt.

Denn

wir glauben, daß freie und offene Gesellschaften nicht nur die steigenden Erwartungen ihrer Angehörigen besser erfüllen können, sondern auch eher in der

- 20 -

�der Lage sind, die vielfach gegenläufigen Pressionen im Inneren miteinander
in Einklang zu bringen, noch ehe eine allgemeine Frustration in Gewalt und
Radikalismus explodiert.

Wir sind nicht darauf aus, anderen unser System oder unsere Institutionen
aufzuzwingen.

Wir sind vielmehr bestrebt, die Bemühungen anderer Länder auf

praktische und konkrete Weise zu fördern, ihre eigenen Institutionen nach
Methoden aufzubauen, die dem unwiderstehlichen menschlichen Verlangen nach
Freiheit und Gerechtigkeit Rechnung tragen.

Die Menschenrechtspolitik erfordert die starke Unterstützung durch die
Bürger unseres Landes und die des Kongresses.

Das Weltklima begünstigt den

Fortschritt auf dem Gebiet der Menschenrechte in zunehmendem Maße.

Trotz neuer Turbulenzen und Konflikte brachte das vergangene Jahr einige
ermutigende positive Entwicklungen.

Wir können und dürfen nicht verlangen,

daß man sie als unser Verdienst bewertet.
einer wachsenden Bewegung sind.

Dennoch ist klar, daß wir Teil

Im Jahr 1979 wurden wir Zeuge

- eines weiteren Erstarkens der demokratischen Parteien in Spanien und
Portugal und freier Wahlen in beiden Ländern;

- des Verschwindensmehrerer der repressivsten Regime dieser Erde;

- der Befreiung politischer Gefangener in Asien, Afrika und Lateinamerika;
- der Rückkehr zu demokratischer Herrschaft in mehreren lateinamerikanischen Staaten und weitverbreiteten Fortschritts in der Verminderung von Verletzungen der Menschenrechte in dieser Region;

- der zunehmenden Kräftigung der internationalen Institutionen zur Wahrung der Menschenrechte.

Der Interamerikanische Menschenrechts-Gerichtshof

hat zum ersten Mal getagt.

Die Vorbereitungen für eine weitere Konferenz zur

- 21 -

�zur Überprüfung der Einhaltung der Vereinbarungen von Helsinki, die im November dieses Jahres in Madrid stattfinden soll, sind angelaufen.

Die Organisa-

tion für Afrikanische Einheit (OAU) ist mit ihren Bemühungen weit vorangekommen, eine Menschenrechtskommission für Afrika zu bilden.

Verschiedene UN-

Körperschaften haben ihre Anstrengungen auf dem Gebiet der Menschenrechte zunehmend verstärkt.
Die Vereinigten Staaten sind noch immer nicht den wichtigsten der Menschenrechtsverträge beigetreten, durch die Weltnormen gesetzt und ein Apparat zu
ihrer Verwirklichung etabliert werden sollen.

Anfang 1978 sandte ich dem Se-

nat vier diesbezügliche Verträge zur Billigung zu:

die Amerikanische Menschen-

rechtskonvention, die Konvention gegen Rassendiskriminierung, den UN-Vertrag
betreffend die zivilen und politischen Rechte und den betreffend die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte,

öffentliche Informationssitzungen zu

diesen Vertragswerken fanden im Jahre 1979 statt.

Kein anderer Schritt unseres

Landes könnte die Sache der Menschenrechte weiter voranbringen als die Billigung
dieser vier Verträge und eines fünften Menschenrechtsvertrags - der Völkermord-Konvention -, den ich dem Kongreß schon zu einem früheren Zeitpunkt zugeleitet habe, durch den Senat.

Ich ersuche den Kongreß um möglichst baldige

Verabschiedung.

Humanitäre Hilfe
Der Massenexodus aus Vietnam schwoll im Sommer 1979 auf über 65 000
Flüchtlinge im Monat an, die der Unterdrückung und wirtschaftlichen Beraubung
zu entgehen suchten. Im Juli unterbreitete Vizepräsident Mondale den Vereinten Nationen auf einer Sondersitzung zu Flüchtlingsfragen ein umfassendes
amerikanisches Programm, das dem Zweck dient, diese neuen Flüchtlinge zu retten, zu unterstützen und wieder seßhaft zu machen. Ich verdoppelte die Zahl
der Indochina-FTüchtlinge, die die Vereinigten Staaten in Übereinstimmung mit
unseren besten Traditionen im neuen Jahr aufnehmen, auf 14 000 monatlich...
Anfang

- 22 -

�Anfang November besuchte meine Frau Flüchtlinge an der thailändischkambodschanischen Grenze und erstattete mir, den freiwilligen Hilfsorganisationen und dem amerikanischen Volk Bericht.

In Erwiderung hierauf wurden

unsere Anstrengungen, eine Hungerskatastrophe unter den Flüchtlingsmassen
abzuwenden, erheblich beschleunigt.

Die Hindernisse bleiben entmutigend:

Die anhaltende Kriegsführung und

Aggression durch Vietnam, die NichtVerteilung eines großen Teiles der Hilfe
des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) und des Internationalen
Roten Kreuzes durch die Behörden in Phnom Penh, der Marsch von über 900 000
hungrigen Khmer zur und über die Grenze nach Thailand, wo man sie mit Nahrungsmitteln und Hilfe versorgen kann.

Die Amerikaner werden jedoch ihre Anstrengungen sowohl staatlicher als
auch privater Stellen fortsetzen, um eine drohende Hungerkatastrophe abzuwehren.

Neue Hilfe in unseren Anstrengungen wird von einem Nationalen Komitee

ausgehen, das Anfang 1980 durch führende Persönlichkeiten gegründet wurde,
um bei der Mobilisierung und Aufrechterhaltung der Anstrengungen mitzuwirken,
die für die Erreichung dieses humanitären Ziels notwendig sind.

Zu Jahresbeginn erwägen wir auch neue Formen der Hilfe wie beispielsweise über den amerikanischen Beitrag zum Haushalt des UN-Hochkommissars für
Flüchtlinge und auch auf anderen Wegen, um der wachsenden Zahl von Flüchtlingen in Pakistan und anderen Flüchtlingsströmen wie in Somalia Hilfe leisten
zu können.

Es läßt sich nicht übersehen, daß die zerstörerische und aggressive
Politik der Sowjetunion unermeßlich zum Leiden der Menschen in diesen drei
tragischen Situationen beiträgt...

Die Kontrolle der Nuklearwaffen

Gemeinsam mit unseren Freunden und Verbündeten versuchen wir, eine Welt
- 23 -

�Welt aufzubauen, in der Völker unterschiedlicher Interessen frei leben und
gedeihen können.

Aber alles, was die Menschheit bis zum heutigen Tag erreicht

hat und alles, was wir zu erreichen streben, ja die menschliche Existenz als
solche kann in einem einzigen Augenblick zunichte

gemacht werden - in der

Katastrophe eines nuklearen Krieges.
Somit ist eines der zentralen Ziele meiner Administration, die Weitergabe von Kernwaffen an jene Länder, die noch nicht in ihrem Besitz sind, und
die Weiterentwicklung der Kernwaffen durch die bestehenden Atommächte - insbesondere durch die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten - unter Kontrolle
zu bringen.

Nonproliferation
Ich trat dieses Amt unter der Verpflichtung an, die amerikanische Führungsrolle in den Bestrebungen zu bekräftigen, der Weiterverbreitung von Kernwaffen
Einhalt zu gebieten, die neue grundlegende Instabilitäten in kritischen Regionen
der Erde schafft und die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden könnte.
Dies konnte und sollte nicht einseitig geschehen. Die Zusammenarbeit mit anderen Lieferstaaten von nuklearen Technologien und Materialien ist erforderlich.
Diese Frage darf nicht zu einer Nord-Süd-Konfrontation führen.
Wir schreiten an mehreren Fronten voran:
- Wir suchen die Länder dazu zu ermutigen, entwder dem Vertrag über die
Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen beizutreten oder umfassende internationale Sicherheitskontrollen auf sich zu nehmen. Unser Gesetz über die nukleare
Nonproliferation verfügt im Zusammenhang mit den Nuklearexporten der Vereinigten Staaten strenge Sicherheitskontrollen.
- Die Internationale Bewertung des Brennstoffzyklus (International Nuclear
Fuel Cycle Evaluation - INFCE) hat gezeigt, daß Liefer- und Empfängerstaaten
zusammenarbeiten können.

Die Untersuchungsergebnisse werden in einem Monat ver- 24 -

�veröffentlicht werden.

Wenngleich gewisse Meinungsverschiedenheiten fort-

bestehen, wird INFCE eine breitere Basis für nationale Entscheidungen abgeben, die die Energieerfordernisse in Einklang mit den Besorgnissen wegen der
Nonproliferation bringen müsse.

- Schließlich ermutigen wir zu regionaler Zusammenarbeit und Mäßigung.
Protokoll I des Vertrages von Tlatelolco, das zur Verringerung der nuklearen
Gefahren für unsere lateinamerikanischen Nachbarn beitragen wird, wurde vom
Senat der Vereinigten Staaten bisher nicht ratifiziert.

Ich fühle mich weiterhin der tatkräftigen Verfolgung unserer eigenen
Zielvorstellungen auf dem Gebiet der Nichtweiterverbreitung in Zusammenarbeit
mit dem Kongreß verpflichtet.

Begrenzung der strategischen Rüstungen

Die herausragende unter allen unseren Bemühungen auf dem Gebiet der Begrenzung der Kernwaffen ist natürlich der SALT II-Vertrag.

Die Unterzeichnung des Vertrages beendete anstrengende Verhandlungen,
die von drei Administrationen beider Parteien geführt worden sind.

- SALT II liegt in unserem gemeinsamen Interesse; der Vertrag stellt
weder einen amerikanischen Gefallen gegenüber der Sowjetunion noch einen
sowjetischen Gefallen gegenüber den Vereinigten Staaten dar.
- Die Ratifizierung des SALT II-Vertrages wäre ein

wesentlicher Schritt

vorwärts zur Begrenzung des fortgesetzten Wachstums der sowjetischen strategischen Streitkräfte.

Weil SALT II den Wettbewerb unter den Supermächten in dessen gefährlichster
Manifestation vermindert, ist dieser Vertrag die wichtigste bilaterale Vereinbarung des Jahrzehnts:
- SALT II
- 25 -

�- SALT II wird es uns erleichtern, die strategische Äquivalenz bei den
Nuklearwaffen aufrechtzuerhalten und unsere erhöhten Verteidigungsaufwendungen weitgehend auf das höchstrangige Erfordernis einer Verbesserung unserer
konventionellen Streitkräfte zu verwenden;
- ohne diesen Vertrag können die Sowjets ihre Streitkräfte weiter verstärken und das, was sie tun, besser vor uns verbergen;
- ohne SALT II und ohne die Aufnahme von SALT HI-Verhandlungen würden
schärfere Abstriche viele Jahre mehr erfordern; und
- ohne SALT II werden unsere Anstrengungen, die Weiterverbreitung von
Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen, weit schwerer sein.
Ich bin überzeugt, daß der Senat SALT II ratifizieren wird, weil der
Vertrag, um es so einfach wie möglich zu sagen, im Interesse der Sicherheit
unseres Landes liegt.
Ich halte es aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für ratsam, den
Vertrag im Senat zur Erörterung zu stellen.

Der Kongreß und die Exekutive

müssen sich zunächst mit den dringenden Angelegenheiten befassen, die sich
aus der sowjetischen Invasion Afghanistans ergeben.

- 26 -

�(Die wesentlichen Auszüge aus dem Wirtschaftskapitel der schriftlichen Botschaft über die Lage der Nation haben folgenden Wortlaut:)

SICHERUNG DER WIRTSCHAFTLICHEN STÄRKE
Inflation

Die Inflation ist weiterhin unser ernstestes wirtschaftliches Problem.
Die Eindämmung der Inflation bleibt meine vorrangigste innenpolitische Aufgabe.

Daß die Inflation den derzeitigen unannehmbar hohen Stand erreicht hat,
ist das Resultat wirtschaftlicher Probleme, die sich praktisch ohne Atempause
während eines Jahrzehnts gebildet haben.

Es gibt keine einfachen Antworten

oder rasche Lösungen für die Inflation.

Sie kann nicht über Nacht beseitigt

werden.

Ihre Wurzeln in unserer Wirtschaft sind zu tief, ihre Ursachen zu

durchdringend und komplex.

Wir wissen, daß wir mit immer mehr Ausgaben aus

diesem Problem nicht herauskommen.

Aber es besteht Hoffnung auf einen schrittweisen Abbau der Inflationsrate,
auf eine Abschwächung des wirtschaftlichen Drucks, die Inflation verursacht.

Die Hoffnung liegt kurzfristig in einem Programm der öffentlichen und
privaten Zurückhaltung und auf längere Sicht in einem Programm zur Beseitigung
der strukturellen Ursachen der Inflation.

Das ist die Politik, die ich ver-

folgt habe und weiterhin verfolgen werde.

Das vorige Jahr war eine besonders schwierige Zeit für Anti-Inflationspolitik.

Die Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC) hat ihre Preise

um mehr als 80 Prozent erhöht und damit unsere Inflationsrate um mehr als drei
Punkte in die Höhe getrieben.

Wenn man von der Erhöhung der Energiepreise ab-

sieht, dann wäre die Inflationsrate im Vorjahr fast drei Prozentpunkte niedriger
gewesen.

Die

- 27 -

i

�Die größte Herausforderung der Anti-Inflationspolitik ist die Aufgabe,
dafür zu sorgen, daß die Energiepreissteigerungen keinen dauernden Schaden
anrichten, und eine gefährliche Beschleunigung der Lohn-Preis-Spirale zurverhindern.

Mein Programm hat das mit Erfolg geschafft.

in diesem Jahr verlangsamen.
sein.

Die Inflation wird sich

Im Jahre 1981 dürfte sie sogar noch niedriger

Dieser Fortschritt ist das Ergebnis unserer Beharrlichkeit im Kampf

gegen die Inflation an vielen Fronten:
Knapper Haushalt:

Das Haushaltsdefizit wurde im Haushaltsjahr 1979 auf

27,7 Milliarden Dollar gesenkt, d.h. um mehr als 50 Prozent des Standes des
Haushaltsjahres 1976.
Reform der Verordnungen: Die Flut neuer, kostspieliger Regierungsverordnungen wurde eingedämmt, als die Verfahren zur Erreichung unserer Ziele im
Sinne höchst kostenwirksamer Verordnungen gegriffen haben.
•

Lohn-Preis-Richtlinien: Die in den Richtlinien festgelegten Normen wurden von einer großen Mehrheit der Gewerkschaften befolgt, die Tarife ausgehandelt haben, und von fast allen großen Firmen im Lande.
Energie: Die in den letzten zwei Jahren in Kraft getretene Energie-Gesetzgebung begann unsere Abhängigkeit von ausländischem öl und unseren Verbrauch so wichtiger Energiebrennstoffe wie Benzin zu vermindern und damit
auch die Fähigkeit öl produzierender Länder, unsere Wirtschaft zu stören.
Produktivität:

Wir begannen politische Maßnahmen einzuführen, um unsere

industrielle Innovation und damit unsere Produktivität zu steigern.

Der Rück-

gang des Produktivitätswachstums muß aufgehalten und umgekehrt werden, wenn
wir auf lange Sicht unseren Lebensstandard real erhöhen wollen.
Im Jahre 1980 werden wir mit Hilfe des Kongresses unseren aggressiven
Kampf gegen die Inflation an all diesen Fronten fortsetzen:
Knapper

�Knapper Haushalt:

Das Defizit des Haushaltes für das Haushaltsjahr

1981 wird weniger als die Hälfte des Haushaltsdefizits 1980 betragen und
wird gegenüber dem Haushalt, den ich (bei meinem Amtsantritt) übernahm, um
75 Prozent niedriger liegen.
Reform der Verordnungen:
i

-

Wir werden eine Politik der Aufhebung der

. . .3

^

Verordnungen auf dem Gebiet des Schwerlastverkehrs, der Eisenbahn, der Banken
und Fernmeldeindustrien verfolgen sowie eine Gesetzgebung zur Reform der Verwaltung dieser Verordnungen.

Diese Gesetzesvorlagen werden uns in die Lage

versetzen, weitere unnötige Verordnungen abzuschaffen.
Einigung der Sozia1partner: Die Beratungsausschüsse für Löhne und Preise,
die sich aufgrund des historischen Übereinkommens mit den Gewerkschaften gebildet haben, werden uns in die Lage versetzen, sowohl mit den Gewerkschaften
als auch mit den Unternehmern die private Zurückhaltung durchzusetzen und zu
koordinieren, die im Rahmen unserer Anstrengungen zur Bekämpfung der Inflation
notwendig ist.
Energie: Wir rechnen mit dem Inkrafttreten wichtiger Energiegesetze
- zur Besteuerung von Situationsgewinnen (Windfall Profit Tax), über die
Schaffung des Energiemobilisierungsamts und der Gesellschaft für Energiesicherungs - sehr bald in dieser Legislaturperiode. Diese Gesetze werden
uns, zusammen mit den freiwilligen und angeordneten Energiesparmaßnahmen,
die in diesem Jahr noch viel stärker greifen werden, in die Lage versetzen,
unsere Abhängigkeit von ausländischem öl noch weiter zu verringern.
Produktivität: Wir werden unser industrielles Innovationsprogramm durchführen und unsere Zusagen im Haushalt für Forschung und Entwicklung weiter
ausdehnen...

Der

- 29 -

�Der Haushalt 1981
...Der Haushalt 1981 wird meine Politik der Zurückhaltung fortsetzen.
Das reale Wachstum der Ausgaben wird nahe bei null liegen.

Das Defizit wird

gegenüber dem vorigen Jahr um über die Hälfte gesenkt werden.

Das Defizit,

in Prozent des Haushalts und des Bruttosozialprodukts ausgedrückt, wird den
zweitniedrigsten Stand in diesem Jahrzehnt erreichen.
Defizit in sieben Jahren haben.

Wir werden das kleinste

Und wenn sich das Wirtschaftswachstum mit

einer Rate fortsetzen sollte, die die Arbeitslosigkeit auf dem gegenwärtigen
Stand hält, dann wird der Haushalt mit einem Überschuß abschließen.
Gleichzeitig schlage ich für den Haushalt 1981 auch eine Erhöhung der
Ausgaben auf einigen lebenswichtigen Gebieten vor.

Die meisten dieser Erhö-

hungen beziehen sich auf "nicht steuerbare" Programme, d.h. auf Programme,
die per Gesetz automatische Erhöhungen vorsehen.
Erhöhungen geben;

Es wird aber auch gezielte

zum Teil, um unsere Verteidigungsstreitkräfte zu verstärken

und unsere entscheidend wichtigen Investitionen in die Erzeugung und Einsparung von Energie zu steigern.

Darüber hinaus werde ich eine große neue Ini-

tiative zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit vorschlagen, und einzelstaatliche und kommunale Stellen werden im Rahmen der von mir empfohlenen Ausweitung des Finanzausgleichs weitere Unterstützung vom Bund erhalten...

Steuerpolitik
...Ich bin mir darüber im klaren, daß ein Interesse an einer weiteren
Steuersenkung in diesem Jahr besteht, aber mein Haushalt 1981 sieht keine
Steuersenkungen vor. Solange eine zweistellige Inflationsrate anhält und
keine Anzeichen einer Rezession in Sicht sind, muß der Abbau des Defizits
höchsten Vorrang bei der Gestaltung des Haushalts genießen.
Auf lange Sicht wird eine anhaltende strenge Kontrolle der Haushaltsausgaben den Anteil der Bundesausgaben am Bruttosozialprodukt niedrig halten. Auf der anderen Seite erhöht die Inflation den Prozentsatz des National- 30 -

�Nationaleinkommens an Steuern.

Im Laufe der Zeit werden aufgrund dieser bei-

den Entwicklungen Steuersenkungen möglich werden und gleichzeitig die für
die Kontrolle der Inflation notwendige Zurückhaltung der öffentlichen Hand
weiterhin aufrechterhalten werden können.

Der Zeitpunkt und die Struktur

einer Steuersenkung sind jedoch von entscheidender Bedeutung und müssen durch
unsere wirtschaftlichen Verhältnisse diktiert werden.

Die Vordringlichkeit

des Kampfes gegen die Inflation erfordert es, daß wir Steuersenkungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufschieben...

Praktisch alle Wirtschaftsexperten sagen eine milde Rezession voraus,
und der Voranschlag meiner Regierung für das Steueraufkommen und die Ausgaben
im Rahmen des Haushaltes 1981 gehen von einer Rezession aus.

Keine der laufen-

den Wirtschaftsstatistiken zeigt jedoch einen Rückgang der Gesamtwirtschaft
an.

In den letzten Monaten hat die Wirtschaft eine viel größere Stärke ge-

zeigt, als frühe Voraussagen ankündigten.

Voraussagen einer anstehenden Re-

zession könnten sich daher als ebenso falsch erweisen als frühere Voraussagen.

Der Stand der Beschäftigten hat sich gut gehalten - zum Teil allerdings

aufgrund unbefriedigender Produktivitätsleistungen.

Wenn man jetzt Steuer-

senkungen durchführen würde, dann würde man das ernste Risiko eines zusätzlichen inflationären Nachfragedrucks auf eine Wirtschaft eingehen, die stärker wächst, als es die Voraussagen wahrhaben wollten.

Bei der gegenwärtigen

hohen Inflationsrate können wir uns dieses Risiko nicht leisten.

Wenn Steuersenkungen angebracht sind, dann sollten sie soweit wie möglich so gestaltet sein, daß mehrere Zwecke erfüllt werden - nicht nur eine
Senkung der Steuerlast und eine Anregung des Wachstums, sondern auch ein Ansteigen der Produktivität und der Investitionen sowie auch eine Senkung der
Inflationsrate.

Ein bedeutsames Element jeder Steuersenkung sollte vor allem darauf ausgerichtet sein, Anreize für erhöhte Investitionen zu bieten, die Produktivität
zu steigern, die Kapazität auszuweiten und die Anpassung an höhere Energiepreise vorzunehmen.

Im Falle von Steuersenkungen für den einzelnen sollten

ernsthafte Überlegungen darüber angestellt werden, wie die Abgaben für die
- 31 -

�die Sozialversicherung vermindert werden könnten, denn die Hälfte solcher
Senkungen würde zu einer Reduzierung der Geschäftskosten und der Preise führen.
Die Notwendigkeit der Inflationsbekämpfung erfordert, daß wir sehr vorsichtig vorgehen, wenn Steuern gesenkt werden, und es kommt darauf an, wie
das getan wird.

Nicht erforderlich ist jedoch, daß wir Veränderungen der Wirt-

schaftslage außer acht lassen.

Sollten sich die Wirtschaftslage und die wirt-

schaftlichen Aussichten stark verschlechtern, dann werde ich mich mit Empfehlungen zur Behebung dieser Situation befassen.

Unter solchen Umständen könn-

ten Steuersenkungen und andere Maßnahmen vorgenommen werden, um die Aussichten auf Wachstum und Beschäftigung zu verbessern, die Geschäftskosten zu senken und denjenigen zu helfen, die von einer Rezession am stärksten getroffen
werden, ohne daß wir drohen, einen inflationären Nachfragedruck in Gang zu
setzen.

Die derzeitige Wirtschaftslage macht jedoch solche Maßnahmen nicht

erforderlich, und es wäre unangemessen, sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt vorzuschlagen. ..

Handel
Das vergangene Jahr brachte eine der unvergleichlichen und historischen
Leistungen für eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Wirtschaft
- für Exporte und Handel... Unsere Exporte trugen entscheidend zum Wachstum
der amerikanischen Wirtschaft im Jahr 1979 bei.
Die Ausfuhren landwirtschaftlicher und industrieller Güter stiegen um
beispiellose 35 Milliarden Dollar und erreichten einen Stand von 180 Milliarden Dollar.

Dies stellt eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber den Ex-

porten im Jahr 1978 dar.

Dieser Rekordzuwachs bei den Exporten hatte in Ver-

bindung mit einer niedrigeren Zuwachsrate bei den Importen wesentliche Verbesserungen im Umfang von 5 Milliarden Dollar in unserer Handelsbilanz zur
Folge.

Außerdem führte ein rascher Anstieg der Dienstleistungsexporte im

Jahr 1979 zu einer Verbesserung von 13 Milliarden Dollar in der Leistungs- 32 -

�Leistungsbilanz und glich dieses Konto,das im Jahr 1978 noch defizitär war,
1979 nahezu aus.

Ich hege die Erwartung, daß unsere Exporte 1980 weiter zunehmen und wir
- sollten wir auch weiterhin Einsparungen und Einfuhrbegrenzungen beim Erdöl
machen - die Stellung unserer Handelsbilanz und des Dollar zusätzlich verbessern werden.

Die Zukunft sieht für die amerikanischen Exporte gut aus und

wird so bleiben - trotz der Notwendigkeit, gewisse Exporte in die Sowjetunion
auszusetzen...

Im Einklang mit meinen Entscheidungen, bestimmte Handelsströme mit der
Sowjetunion einzufrieren, wird meine Regierung in diesem Jahr zusätzliche Wege
suchen, um die Ausweitung des amerikanischen Exports zu fördern.

Wir unter-

suchen die Möglichkeit zusätzlicher Abkommen über erweiterten Handel sowohl
mit traditionellen als auch neueren Handelspartnern, einschließlich China.
Ich freue mich darauf, mit dem Kongreß bei den Möglichkeiten zur weiteren
Verbesserung unserer Handelsposition zusammenzuarbeiten, die umgekehrt dazu
beitragen wird, eine prosperierende amerikanische Wirtschaft zu unterhalten.

Sicherung der Energieversorgung

Seit meiner Amtsübernahme umfaßten meine obersten legislativen Prioritäten die Entwicklung der ersten zusammenhängenden Energiepolitik unseres
Landes.

Das Bemühen um die Durchsetzung dieser Politik ist für uns alle

schwer gewesen, aber die Leistungen der vergangenen drei Jahre lassen keinen
Zweifel daran, daß unser Land nunmehr den Ernst der Probleme erkennt, die
unsere übergroße Abhängigkeit von ausländischem öl mit sich bringt.

Die er-

zielten Leistungen können jedoch verlorengehen und der Fortschritt gebremst
werden, wenn es uns nicht gelingt, in diesem Jahr noch weiter voranzukommen.
Es gibt kein' Allheilmittel, das unsere Energiekrise löst.

Wir müssen uns

auf eine Vielfalt von Produktions- und Einsparungsmethoden verlassen - Kohle,
Rohöl, Erdgas, Sonnenenergie, synthetische Energien - und dazu ermutigen.
Daher
- 33 -

�Daher ist es entscheidend, daß der Kongreß die von mir im letzten Jahr
vorgeschlagenen wichtigen Energiegesetze verabschiedet; und ihre Verabschiedung wird in diesem Jahr eine meiner ersten und obersten legislativen Prioritäten sein...
•

Verminderung des Ölverbrauchs bei Versorgungsbetrieben
Ich werde dem Kongreß bald Gesetzesvorschläge unterbreiten, die den Versorgungsbetrieben bei der Verwendung von Kohle behilflich sind und sie dazu
ermutigen, vorhandene öl Verbrennungsanlagen zur Elektrizitätsgewinnung außer
Betrieb zu nehmen.

Das Energieministerium und mein Stab haben im Laufe der

letzten Monate eng mit den im Kongreß für den Energiebereich Verantwortlichen
zusammengearbeitet, um einen Gesetzesvorschlag auszuarbeiten, der rasch verabschiedet werden kann.
•

Die von mir vorgeschlagene Gesetzgebung zur Verminderung des Ölverbrauchs
bei Versorgungsbetrieben wird uns dabei helfen, zwei unserer grundlegenden
Energieziele zu erreichen:

Verminderung unserer Abhängigkeit von ausländischem

öl und Produktionsausweitung bei reichhaltigen und sicheren Energievorräten,
wie etwa bei Kohle. Aus diesem Grund wird die Verabschiedung dieser Gesetzgebung in diesem Jahr eine meiner obersten Energieprioritäten darstellen...

Sicherheit im Nuklearbereich
Unmittelbar nach dem Vorfall von Three Mile Island setzte ich eine Präsidialkommission unter dem Vorsitz des Präsidenten des Dartmouth College ein,
um mich über diejenigen Schritte zu informieren, die notwendig sind, damit eine
Wiederholung dieser Art Vorfall verhindert wird.

Sicherheit ist die oberste

Priorität meiner Regierung bei der Aufsicht und Bewirtschaftung der Kernkraft
- und wird dies bleiben.

Ich habe Schritte unternommen, um praktisch alle

die von der Kemeny-Kommission festgestellten Probleme zu korrigieren und um
die meisten ihrer ausdrücklichen Empfehlungen durchzuführen...

T h

�Ich habe
tigt, bei der
doch dringend
- keinesfalls

die Stellungnahme der Nuklearen Aufsichtsbehörde (NRC) bestäLizenzvergabe eine Pause einzulegen, habe die Kommission jeangewiesen, ihre Arbeit so rasch wie möglich fertigzustellen
jedoch später als Juni dieses Jahres.

Sobald wir die notwendigen Reformen zur Gewährleistung der Sicherheit
eingeleitet haben, müssen wir den Prozeß der Lizenzvergabe sofort wieder anlaufen lassen, damit die neuen Kraftwerke, die wir zur Verminderung unserer
Abhängigkeit von ausländischem öl benötigen, gebaut und betrieben werden
können.

Kernkraft ist eine Option, die wir uns offenhalten sollten...

Nukleare E n t s o rg u n g
Die Probleme hinsichtlich der Behandlung, der Entsorgung und Lagerung
des Atommülls bleiben die schwierigsten im Rahmen der Kernkraft. Meine Regierung hat sich mit diesem Problem in den vergangenen drei Jahren intensiv
auseinandergesetzt. Eine erschöpfende Studie und Übersicht über dieses Problem wurde von meiner Administration im Verlauf des letzten Jahres durchgeführt. Gestützt auf die Ergebnisse und Empfehlungen dieser Studie werde ich
demnächst dem Kongreß eine umfassende Gesetzesvorlage übermitteln, die sich
mit diesem Problem unmittelbar befaßt. Im Fall ihrer Verabschiedung werden
meine Vorschläge den größten Schritt vorwärts darstellen, der auf dem Gebiet
der nuklearen Entsorgung seit dem Beginn des Kernkraftzeitalters getan wurde.
Ich fordere den Kongreß auf, in diesem Bereich noch in diesem Jahr zu handeln. ..

Die Weltwirtschaft
Eine wachsende Verteidigungsanstrengung und eine tatkräftige Außenpolitik
stützen sich auf eine starke Wirtschaft hier in den Vereinigten Staaten; und
die Stärke unserer eigenen Wirtschaft hängt von unserer Fähigkeit zur Führung
und zum Wettbewerb auf den internationalen Märkten ab.
- 35 -

c„

.
Energie

�Energie
Eine der wichtigsten Lektionen, die man aus den Ereignissen im Iran
lernen kann, ist die, daß es zwingende außenpolitische und binnenwirtschaftliche Gründe gibt, unsere Abhängigkeit von ausländischem öl zu vermindern.
Als Antwort auf eine Reihe von amerikanischen Vorschlägen übernahmen
die Industrieländer 1979 eine kooperative Energiestrategie für die achtziger
Jahre.

Ihre Hauptelemente bestehen aus einer gemeinsamen Zurückhaltung bei

öl einfuhren, verstärkten Anstrengungen zur öleinsparung und zur Förderung
der Produktion konventioneller Ersatzenergien sowie gemeinsamer Forschung,
Entwicklung und Vermarktung neuer Brentistofftechnologien.
Auf der Gipfelkonferenz von Tokio im Juni 1979 kamen die Staats- und
Regierungschefs der sieben stärksten Industriedemokratien überein, die Verantwortung für die Reduzierung der öl nachfrage zu übernehmen.

Bei Jahresende

waren 20 Industrienationen, Mitglieder der Internationalen Energiegesellschaft}übereingekommen, nicht nur gerecht zugeteilte Grenzsätze für ihre öleinfuhren durchzusetzen, sondern auch ein System zu schaffen, um die Grenzsätze rasch den Veränderungen der globalen Ölversorgung anzupassen.

Der Ab-

schluß der detaillierten Abkommen zur Durchführung dieser weltweiten Steuerung
der öl nachfrage steht an der Spitze der internationalen Energietagesordnung
des Jahres 1980.
Auf dem Wirtschaftsgipfeltreffen in Venedig dieses Jahr beabsichtige
ich, weitere gemeinsame Schritte vorzuschlagen, um einen reibungsloseren
Übergang von öl zu reichlich vorhandenen Brennstoffen zu ermöglichen und den
Anstieg der öl preise einzudämmen.
Zur Unterstützung der internationalen ölstrategie starten die Regierung
und die amerikanische Kohleindustrie gemeinsame Absatzanstrengungen, um unser
Land zu einem Hauptexporteur von Bunkerkohle zu machen.

Unter Zusicherung

einer verläßlichen amerikanischen Kohleversorgung zu Wettbewerbspreisen können viele der in den achtziger und neunziger Jahren zu bauenden Elektrizi-

�Elektrizitätswerke mit Kohle anstatt mit öl betrieben werden.

Die Ausfuhr

von Kohle wird uns dabei helfen, unsere rückgängigen, aber teuren öl einfuhren zu bezahlen.
Eine neue Quelle für die Erdgasversorgung der Vereinigten Staaten - Mexiko wurde durch den Abschluß der Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen erschlossen. Durch enge Zusammenarbeit mit unserem nördlichen Nachbarn Kanada
ebnete die Regierung den Weg zur Verstärkung des Zustroms kanadischen Erdgases in die Vereinigten Staaten und zum privaten Ausbau der Erdgasleitung von
Alaska durch Kanada in die anderen 48 Bundesstaaten.
Wir glauben auch weiterhin, daß die Kernenergie bei der Befriedigung
der Energiebedürfnisse vieler Länder eine wesentliche Rolle spielen wird,
jedoch mit wirkungsvollen Schutzmaßnahmen gegen die Proliferation von Kernwaffen.

Internationale Währungspolitik
Wir unternehmen kraftvolle Schritte, um die grundlegenden Wirtschaftsbedingungen für einen starken Dollar zu schaffen. 1979 war die Zahlungsbilanz zum ersten Mal seit drei Jahren annähernd im Gleichgewicht, trotz wesentlich höherer Kosten für ölimporte. Unsere antiinflationäre Wirtschaftspolitik und unser starkes Energieprogramm dürften die Grundlage für eine
weitere Verbesserung abgeben. Natürlich hängt das Ergebnis teilweise auch
vom verantwortungsbewußten Preisgebaren der OPEC und anderer ölförderer ab...

Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern
Unsere Beziehungen zu den Entwicklungsländern sind für die Vereinigten
Staaten von entscheidender Bedeutung.

Die Struktur der Beziehungen zu diesen

Ländern hat sowohl politische als auch wirtschaftliche Dimensionen, wie wir
es in diesen letzten Wochen beobachtet haben, als Länder der Dritten Welt
- 37 -

�Welt bei der Verurteilung der sowjetischen Invasion in Afghanistan vorangingen.

Unsere Fähigkeit, zusammen mit den Entwicklungsländern auf Ziele hinzu-

arbeiten, die wir gemeinsam haben - ihre politische Unabhängigkeit, die Lösung regionaler Spannungen und unsere wachsenden Handelsbeziehungen zum Beispiel, fordert von uns, die Politik des aktiven Engagements mit der Welt der
Entwicklungsländer fortzusetzen, die wir während der letzten drei Jahre verfolgt haben.
Die Gesetzgebung für die Auslandshilfe, die ich Ihnen für das Haushaltsjahr 1981 vorlegen werde, stellt die Ermächtigung und die Mittel bereit, um
eine kooperative Beziehung zu einer großen Anzahl von Entwicklungsländern fortzusetzen.

Eine schnelle Reaktion des Kongresses auf diese Gesetzesvorlagen

ist wesentlich, um unseren Verpflichtungen aus Verträgen und Stutzpunktabkommen nachzukommen, unsere Friedensanstrengungen im Nahen Osten fortzusetzen,
Ländern in Not Wirtschafts- und Entwicklungshilfe zu gewähren, den Fortschritt
bei den Nord-Süd-Problemen zu fördern, die westlichen Interessen zu schützen
und dem sowjetischen Einfluß entgegenzuwirken.
•

•

Wir werden den Kongreß auch ersuchen, uns in die Lage zu versetzen,
unsere multilateralen Bei Standsabkommen durch Gewährung und Zuteilung von
Mitteln für die internationalen Finanzinstitutionen einzuhalten.
. . - • • • '

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Ernährung - der Krieg gegen den Hunger
.

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Eines der wirtschaftlichen Hauptprobleme, vor dem die Entwicklungsländer stehen, ist die mangelnde Nahrungsmittel Produktion. Wir müssen diesen
Ländern bei der Überwindung dieses Problems helfen - nicht nur in der Weise,
daß ihre Völker frei sind.von der Drohung ständigen Hungers, sondern auch so,
daß ihre Gesellschaften stark genug sind, um Druck von außen standzuhalten.
Ich habe angeordnet, daß die bilaterale und multilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten in zunehmendem Maß auf dieses Ziel gerichtet wird, wie es unsere
Kommission zur Bekämpfung des Hungers unter dem Vorsitz von Sol Linowitz em-

- 38 -

�empfohlen hat. Wir fordern andere Geberlä'nder auf, sich mit uns zu noch wirkungsvolleren Anstrengungen zu diesem Zweck zusammenzutun...
Das Ziel, die Welt bis zum Jahr 2000 vom Hunger zu befreien, verlangt
die volle Unterstützung aller Länder...

- 39 -

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und
Dokumentation

{•}

L*3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Januar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Präsident Carters Botschaft Über die Lage der Nation
- 23. Januar 1980 -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2

�24. Januar 1980

5

PRÄSIDENT CARTERS BOTSCHAFT OBER DIE LAGE DER NATION
- 23. Januar 1980 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 23. Januar 1980
vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung
vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation (State of the Union
Message) verlesen. Die diesjährige Botschaft hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des 96. Kongresses, meine
Mitbürger.
Die letzten Monate sind nicht leicht gewesen.

Wenn wir heute

abend zusammenkommen, dann ist niemals zuvor deutlicher geworden, daß
die Lage unserer Nation von der Lage der Welt abhängt. Und heute abend
hängen, wie in unserer ganzen Generation, Freiheit und Frieden in der
Welt von der Lage der amerikanischen Nation ab.
Die achtziger Jahre wurden im Umsturz und Wandel geboren. Wir
leben in einer Zeit der Herausforderung unserer Interessen und Werte -

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Werte - einer Zeit, die unsere Klugheit und unseren Willen auf die Probe
stellt.
In diesem Augenblick werden im Iran noch immer 50 Amerikaner,
unschuldige Opfer des Terrorismus und der Anarchie, gefangengehalten.
In diesem Augenblick versuchen massive sowjetische Invasionsstreitkräfte das stolze,unabhängige und tiefreligiöse Volk von Afghanistan zu
unterjochen.
Diese beiden Akte - ein Akt des internationalen Terrorismus und
ein Akt der militärischen Aggression - stellen eine ernste Herausforderung
der Vereinigten Staaten und der anderen Länder der Welt dar.

Zusammen

werden wir diese Bedrohungen des Friedens meistern.
Ich bin entschlossen, daß die Vereinigten Staaten die stärkste aller
Nationen bleiben, aber unsere Macht wird niemals genutzt werden, um eine
Bedrohung der Sicherheit irgendeines Landes oder der Rechte irgendeines
Menschen auszuüben. Wir wollen sicher sein und sicher bleiben - eine
Nation in Frieden in einer stabilen Welt. Aber um sicher zu sein, müssen
wir uns der Welt stellen, so wie sie ist.
Drei grundlegende Entwicklungen haben mitgewirkt, um diese unsere
Herausforderungen Gestalt annehmen zu lassen:
-

Das stetige Anwachsen und die verstärkte Darstellung sowjetischer
Militärmacht über ihre eigenen Grenzen hinweg;

-

die überwältigende Abhängigkeit der demokratischen Industriestaaten von der Ölversorgung aus dem Mittleren Osten; und

-

der Druck sozialen religiösen, wirtschaftlichen und politischen

- 2 -

�i

politischen Wandels in vielen Ländern der Entwicklungswelt,
beispielhaft gezeigt durch die Revolution im Iran.
Jeder dieser Faktoren ist für sich allein von Bedeutung.

Jeder

wirkt sich auf die anderen aus. Alle drei konzentrieren sich jetzt
auf ein Unruhegebiet der Welt.

All diese Faktoren müssen zusammen gemeistert

werden - klar und mutig.
Wir werden uns diesen Herausforderungen stellen.
mit dem Besten meistern, was wir haben.

Wir werden sie

Und wir werden nicht versagen.

Als Antwort auf den abscheulichen Akt im Iran hat sich unsere
Nation erhoben und vereint wie niemals zuvor in Friedenszeiten. Unser
Standpunkt ist klar. Wir werden der Erpressung niemails nachgeben.
Wir verfolgen weiterhin diese spezifischen Ziele:
-

Die gegenwärtigen und künftigen Interessen der Vereinigten
Staaten zu schützen;

-

das Leben der amerikanischen Geiseln zu erhalten und auf jede
mögliche Weise ihre sichere Freilassung zu erreichen;

-

wenn möglich Blutvergießen zu vermeiden, das das Leben unserer
amerikanischen Mitbürger noch mehr gefährden könnte;

-

die Hilfe anderer Länder zu gewinnen, um diese verbrecherische
Verletzung der moralischen und rechtlichen Normen einer zivilisierten
Welt zu beenden;

-

und

die iranischen Führer zu überzeugen, daß die wirkliche Gefahr
für ihr Land im Norden von den sowjetischen Truppen in Afghanistan

3 -

�&gt;

Afghanistan ausgeht und daß der ungerechtfertigte iranische
Streit mit uns ihre Antwort auf diese größere Gefahr behindert.
Wenn die amerikanischen Geiseln Schaden erleiden, dann wird dies
teuer bezahlt werden.
Wir werden nicht ruhen, bis jedes dieser Opfer freigelassen ist.
Aufgrund der kürzlichen militärischen Aktion der Sowjetunion stehen
wir nunmehr einer umfassenderen, grundlegenderen Herausforderung in der
Region gegenüber.
,

'

•

•

•

'

•

•

Wie im Verlauf der letzten dreieinhalb Jahrzehnte stellt die
Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion den wichtigsten
Faktor bei der Entscheidung dar, ob die Welt in Frieden leben oder in einen
weltweiten Konflikt stürzen wird.

&gt;

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Amerika anderen Staaten
dabei vorangegangen, sich der Herausforderung wachsender sowjetischer
Macht zu stellen.
gewesen.

Dies ist keine einfache oder statische Beziehung

Zwischen uns gab es Zusammenarbeit, es gab Wettstreit, und es

gab Zeiten der Konfrontation.
-

In den vierziger Jahren übernahmen wir die Führung bei der
Schaffung des Atlantischen Bündnisses als Antwort auf die
Unterdrückung und die Konsolidierung des osteuropäischen
Machtbereichs der Sowjetunion und der sich daraus ergebenden
Bedrohung Westeuropas.
- i

-

In den fünfziger Jahren halfen wir dabei, weitere sowjetische
Herausforderungen in Korea und im Nahen Osten einzudämmen, und wir
rüsteten

auf, um diese Eindämmung zu garantieren.

iü
-4-

�.

-

In den sechziger Jahren stellten wir uns den sowjetischen
Herausforderungen in der Berlin- und der kubanischen Raketenkrise; daraufhin versuchten wir, die Sowjetunion an der bedeutenden
Aufgabe zu beteiligen, den Kalten Krieg zu beenden und von der
Konfrontation wegzukommen.

-« Und in den siebziger Jahren verhandelten drei amerikanische
Präsidenten mit der sowjetischen Führung in dem Versuch, dem
zunehmenden nuklearen Wettrüsten Einhalt zu gebieten.

Wir

versuchten, Verhaltensregeln einzuführen, die das Risiko eines
Konflikts vermindern, und wir suchten nach Gebieten der Zusammenarbeit, die unsere Beziehungen reziprok machen könnten - nicht
nur zum Nutzen unserer beiden Länder, sondern auch für die
Sicherheit und den Frieden der Welt.

Bei allen diesen Schritten haben wir zwei Verpflichtungen eingehalten:
bereit zu sein, uns jeder Herausforderung durch die sowjetische Militärmacht zu stellen, und Wege zu bahnen, um Streitigkeiten zu schlichten
und den Frieden zu erhalten.

Die Vermeidung eines Atomkriegs ist die

oberste Verantwortung der beiden Supermächte.

Aus diesem Grund handelten

wir die Verträge über die Begrenzung der strategischen Rüstungen aus SALT I und SALT II. Gerade jetzt in einer Zeit großer Spannung wird
die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten Beschränkungen im besten Interesse beider Länder sein - und
dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren.

Ich werde eng mit dem Kongreß

zusammenarbeiten bei unserem Bemühen um die Kontrolle der Kernwaffen.
Diese Anstrengung wird nicht aufgegeben.

Wir Supermächte haben auch eine Verantwortung zur Ausübung von
Zurückhaltung beim Einsatz militärischer Macht.

Die Integrität und

die Unabhängigkeit schwächerer Staaten darf nicht bedroht werden.
jetzt hat die Sowjetunion einen radikalen
unternommen.

Aber

und aggressiven neuen Schritt

Sie setzt ihre große militärische Macht gegen ein verhältnis-

- 5-

�I
verhältnismäßig schutzloses Land ein.

Die Implikationen der sowjetischen

Invasion Afghanistans könnten die ernsthafteste Bedrohung des Weltfriedens
seit dem Zweiten Weltkrieg darstellen.
Die große Mehrheit der Staaten dieser Welt hat diesen neuesten
Versuch der Sowjets verurteilt, ihre kolonialistische Beherrschung anderer
auszuweiten und den sofortigen Abzug der Invasionsstreitkräfte gefordert.
Die islamische Welt ist besonders und zurecht über diese Aggression gegen ein
islamisches Volk empört.

Kein Schritt einer Weltmacht wurde jemals so

rasch und so überwältigend verurteilt.
Aber verbale Verurteilung ist nicht genug.

Die Sowjetunion muß

einen konkreten Preis für ihre Aggression bezahlen.

Solange die Invasion

anhält,können wir und andere Länder der Sowjetunion gegenüber nicht so
tun, als sei nichts geschehen.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten der Sowjetunion
energische wirtschaftliche Strafmaßnahmen auferlegt. Ich werde
sowjetischen Schiffen keine Fischfangrechte in den Küstengewässern der
Vereinigten Staaten gewähren. Ich habe den sowjetischen Zugang zu hochtechnologischer Ausrüstung und zu Agrarprodukten abgeschnitten. Ich
habe anderen Handel mit der Sowjetunion begrenzt und unsere Verbündeten
und Freunde aufgefordert, sich uns in der Zurückhaltung im Handel mit
der Sowjetunion anzuschließen und unsere eigenen, vom Embargo betroffenen
Produkte nicht zu ersetzen. Ich habe das Olympische Komitee darüber
informiert, daß weder das amerikanische Volk noch ich selbst es unterstützen, ein olympisches Team nach Moskau zu entsenden, solange die
sowjetischen Invasionsstreitkräfte in Afghanistan stehen.
Die Sowjetunion muß einige grundlegenden Fragen beantworten: will
sie dabei helfen, ein stabileres internationales Umfeld zu fördern, in
dem ihre eigenen legitimen, friedlichen Anliegen verfolgt werden können?

�können?

Oder will sie fortfahren, ihre militärische Macht weit über ihre

echten Sicherheitsbedürfnisse hinaus auszudehnen und diese Macht für
koloniale Eroberung auszunützen?
Die Sowjetunion muß einsehen, daß ihre Entscheidung, militärische
Gewalt in Afghanistan zu gebrauchen, jeder von ihr geschätzten politischen
und wirtschaftlichen Beziehung teuer zu stehen kommt.
Die jetzt durch die sowjetischen Truppen in Afghanistan bedrohte
Region ist von großer strategischer Bedeutung: in ihr liegen mehr als
zwei Drittel des exportierbaren Öls der Welt. Die sowjetischen Anstrengungen,Afghanistan zu beherrschen,haben die sowjetischen Streitkräfte
bis auf 300 Meilen vom Indischen Ozean entfernt gebracht und eng an
die Straße von Hormuz - ein Seeweg, durch den ein Großteil des Öls der
freien Welt transportiert werden muß. Die Sowjetunion versucht, eine
strategische Position zu konsolidieren, die eine schwere Bedrohung für
die freie Bewegung des Mittelostöls darstellt.
Diese Situation verlangt sorgfältige Überlegungen, gute Nerven
und entschlossenes Handeln - nicht nur in diesem Jahr, sondern über viele
Jahre hinaus.

Sie erfordert kollektive Anstrengungen, um dieser neuen

Bedrohung der Sicherheit im Persischen Golf und Südwestasien zu begegnen.
Sie verlangt die Beteiligung all jener, die vom öl aus dem Mittleren
Osten abhängig und um den Frieden und die Stabilität in der Welt besorgt
sind.

Und sie erfordert Konsultationen und enge Zusammenarbeit mit Ländern

des Gebietes, die bedroht sein könnten.
Diese Herausforderung zu meistern,wird nationalen Willen, diplomatische
und politische Klugheit, wirtschaftliche Opfer und selbstverständlich
militärische Kapazität erfordern. Wir müssen das Beste in uns fordern,
um die Sicherheit dieser entscheidend wichtigen Region zu erhalten.
Unser

�Unser Standpunkt muß absolut klar sein:
Ein Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die
Region des Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die
lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden.
Und solch ein Angriff wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel,
einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden.
Während der letzten drei Jahre haben wir Maßnahmen ergriffen, um
unsere eigene Sicherheit und die Aussichten auf Frieden zu verbessern nicht nur in den lebenswichtigen ölerzeugenden Gebieten am Persischen
Golf, sondern in der ganzen Welt.
-

Wir haben unsere reale Zusage für die Verteidigung jährlich
erhöht, und wir werden diese verstärkte Anstrengung während
unseres Fünfjahres-Verteidigungsprogramms durchhalten.

Es ist

eine zwingende Notwendigkeit, daß der Kongreß diesen starken
Verteidigungshaushalt für 1981, der einen fünfprozentigen
Real Zuwachs an Bewilligungen vorsieht, ohne jede Kürzung billigt.
-

Wir verbessern unsere Kapazität, amerikanische Streitkräfte
rasch in entfernt gelegene Gebiete zu dislozieren.

-

Wir haben mitgeholfen, die NATO und unsere anderen Bündnisse
zu stärken. Wir und unsere NATO-Verbündeten haben beschlossen,
modernisierte nukleare Mittel Streckensysteme zu entwickeln
und zu dislozieren, um einer ungerechtfertigten und wachsenden
Bedrohung durch die Kernwaffen der Sowjetunion entgegenzutreten.

-

Wir arbeiten mit unseren Verbündeten daran, einen Konflikt im
Nahen Osten zu verhüten.

Der Friedensvertrag zwischen Ägypten

und Israel ist ein bemerkenswerter Erfolg, der einen strategischen
Pluspunkt für Amerika darstellt und der auch die Aussichten auf
- 8 -

�auf einen regionalen und weltweiten Frieden fördert.

Wir sind gegen-

wärtig an weiteren Verhandlungen beteiligt, um für die Bevölkerung des
Westufers (West Bank) sowie des Gaza-Streifens die volle Autonomie zu
erreichen und die Palästinafrage in all ihren Aspekten zu lösen und
den Frieden und die Sicherheit Israels zu bewahren.

Möge niemand an

unserer Verpflichtung zur Sicherheit Israels zweifeln.

In wenigen

Tagen werden wir ein historisches Ereignis erleben, wenn Israel einen
weiteren Rückzug vom Sinai vornimmt und Botschafter zwischen Israel
und Ägypten ausgetauscht werden.

- Wir haben unsere eigene Sphäre der Freundschaft ausgeweitet.
Unsere tiefe Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten und
der Erfüllung menschlicher Ansprüche hat unser Verhältnis zu
einem Großteil der Dritten Welt verbessert.

Unsere Entscheidung,

unsere Beziehungen zur Volksrepublik China zu verbessern, wird
dazu beitragen, Frieden und Stabilität in Asien und im westlichen
Pazifik zu erhalten.

- Wir haben unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean erhöht und
verstärkt, und wir treffen gegenwärtig Abmachungen für entscheidend
wichtige Flotten- und Lufteinrichtungen, die von unseren Streitkräften in der Region des nordöstlichen Afrikas und des Persischen
Golfes benutzt werden können.

- Wir haben unser Abkommen von 1959 neu bekräftigt, um Pakistan
bei der Erhaltung seiner Unabhängigkeit und Integrität zu helfen.
Die Vereinigten Staaten werden - in Übereinstimmung mit unseren
eigenen Gesetzen - Maßnahmen ergreifen, um Pakistan bei dem
Widerstand gegen jede Aggression von außen zu unterstützen.
Ich ersuche den Kongreß ausdrücklich, diese Verpflichtung zu
bestätigen.

Ich arbeite ferner, zusammen mit anderen Ländern,

daran, zusätzliche militärische und wirtschaftliche Hilfe für
Pakistan zu leisten.

Dieser Antrag wird Ihnen in einigen Tagen

- 9-

�Tagen zugehen.
-

In den kommenden Wochen werden wir unsere politischen und
militärischen Bindungen mit anderen Ländern in der Region weiter
verstärken.

-

Wir sind der Überzeugung, daß es keine unüberwindlichen Differenzen
zwischen uns und irgendeinem islamischen Volk gibt. Wir achten
den islamischen Glauben, und wir sind bereit, mit allen moslemischen
Ländern zusammenzuarbeiten.

-

Und wir sind schließlich bereit, mit anderen Ländern der Region
zusammenzuarbeiten, um einen kooperativen Sicherheitsrahmen zu
schaffen, der unterschiedliche Werte und politische Überzeugungen
respektiert, jedoch die Unabhängigkeit,die Sicherheit und
Prosperität aller fördert.

All diese Anstrengungen bekräftigen unsere Verpflichtung, die lebenswichtigen Interessen unserer Nation und die unserer Verbündeten zu
verteidigen und zu bewahren - nicht nur in Europa und im Pazifik, sondern
auch in dem Teil der Welt, der für uns eine so große strategische Bedeutung
hat und der sich vom Nahen Osten bis nach Südwestasien erstreckt.
Ich werde diese Anstrengungen mit Kraft und Entschlossenheit
verfolgen und so handeln, wie es nötig ist, um die Sicherheit unserer
Nation zu bewahren.
Die Männer und Frauen der amerikanischen Streitkräfte sind heute
abend in vielen Teilen der Welt im Dienst.

Ich bin stolz auf die Arbeit,

die sie tun, und ich weiß, daß Sie diesen Stolz teilen.

Ich bin über-

zeugt, daß unsere Freiwilligenstreitkräfte unseren gegenwärtigen Verteidigungsbedürfnissen angemessen sind.

Ich hoffe, daß es nicht notwendig sein wird,

�wird, wieder die Wehrpflicht einzuführen. Wir müssen jedoch für diese
Möglichkeit gerüstet sein. Aus diesem Grund habe ich bestimmt, den
selektiven Wehrdienst jetzt wieder ins Leben zu rufen.

Ich werde nächsten

Monat dem Kongreß Gesetzgebung und Budgetvorschiä'ge zusenden, so daß wir
mit der Registrierung beginnen können und den Mobilisierungsanforderungen
im Bedarfsfall rasch entsprechen können.
Wir brauchen darüber hinaus die rasche Verabschiedung einer neuen
Satzung, um die gesetzmäßige Amtsbefugnis und Verantwortlichkeit unserer
Nachrichten- und Aufklärungsdienste klar zu definieren. Während garantiert
wird, daß Mißbräuche sich nicht wiederholen werden, müssen wir unverantwortliche
Behinderungen unserer Fähigkeit beseitigen, Nachrichten zu sammeln und unsere
Kontrollen sensitiver Nachrichteninformationen zu verschärfen. Eine
wirkungsvolle Nachrichten- und Aufklärungskapazität ist für die Sicherheit
unseres Landes lebenswichtig.
Das vor uns liegende Jahrzehnt wird eine Zeit des raschen Wandels
sein, da überall Staaten versuchen werden, mit neuen Problemen und uralten
Spannungen fertigzuwerden. Aber Amerika braucht keine Angst zu haben wir können in einer Welt des Wandels blühen, wenn wir unseren Werten
treu bleiben und weiterhin aktiv an der Förderung des Weltfriedens
arbeiten.
Wir werden auch weiterhin im Nahen Osten und in Südafrika tätig
sein - um regionale Streitigkeiten zu lösen. Wir werden weiterhin unsere
Bande mit den Entwicklungsländern stärken und dabei die nationale Unabhängigkeit respektieren und zu fördern helfen, für deren Erhalt sie gekämpft
haben.

Und wir werden weiterhin die Entwicklung der Demokratie und der

Menschenrechte unterstützen.
In repressiven Regimen hat das Gefühl der Vergeblichkeit im Volk
oft kein anderes Ventil als die Gewalt.

- 11 -

Aber wenn Völker und ihre

�ihre Regierungen ihre Probleme gemeinsam angehen - durch offene, demokratische Methoden -, ist die Grundlage für Stabilität und Frieden viel
solider und haltbarer.
Aus diesem Grund ist unsere Unterstützung der Menschenrechte in
anderen Ländern ebenso in unserem nationalen Interesse wie Teil unseres
National Charakters.
•

Frieden- ein Frieden, der die Freiheit bewahrt - bleibt Amerikas
oberstes Ziel.

In den kommenden Jahren werden wir als mächtiges Land

auch weiterhin den Frieden verfolgen.
Aber um im Ausland stark zu sein, müssen wir daheim stark bleiben.
Um stark zu sein, müssen wir uns auch weiterhin den schwierigen Problemen
stellen, denen wir uns heute als Nation gegen'übersehen.

Die Krisen im

Iran und in Afghanistan haben eine sehr wichtige Lektion unterstrichen:
unsere Abhängigkeit von ausländischem öl ist eine deutliche und gegenwärtige
Gefahr für unsere nationale Sicherheit.
drängender.

Die Notwendigkeit war niemals

Wir müssen endlich ein klares, umfassendes Energieprogramm

für unser Land haben.
Ich habe während der letzten drei Jahre mit dem Kongreß in konzentrierter
und beharrlicher Weise zusammengearbeitet, um dieser dringenden Forderung
nachzukommen.
Wir haben Fortschritte erzielt. Aber der Kongreß muß jetzt rasch
handeln, um dieses lebenswichtige Energiegesetz endgültig zu verabschieden.
Unser Land wird dann eine große Einsparungsanstrengung unternommen
haben,außerdem eine bedeutende Initiative zur Entwicklung der Sonnenenergie,
eine realistische Preisfestsetzung auf der Basis des echten Wertes des
Öls sowie starke Anreize zur Kohleförderung und anderer fossiler Brennstoffe

�Brennstoffe in Amerika und die massivste Investition unserer Nation
zu Friedenszeiten bei der Entwicklung synthetischer Brennstoffe.
Das amerikanische Volk macht Fortschritte bei der Energieeinsparung.
Im letzten Jahr haben wir den Gesamtverbrauch an Rohöl um 8 Prozent
gesenkt und den Benzinverbrauch um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wir müssen jetzt mehr tun. Nach Beratungen mit den Gouverneuren
werden wir Benzineinsparungsziele für jeden der 50 Einzelstaaten festsetzen, und ich werde sie verordnen, wenn diese Ziele nicht erreicht
werden.
Ich habe für 1980 eine Importhöchstgrenze von 8,2 Millionen Barrel
pro Tag festgelegt - was weit unterhalb des Standes der ölimporte im
Jahre 1977 liegt. Ich erwarte, daß unsere Einfuhren noch sehr viel niedriger
sein werden, aber die Höchstgrenze wird, wenn notwendig, durch eine Importabgabe erzwungen werden. Ich bin bereit, unsere Importe noch weiter zu
senken, wenn andere ölverbrauchenden Länder sich uns in einer fairen und
beiderseitigen Verringerung anschließen werden. Wenn es zu einer ernsten
Verknappung kommt, werde ich nicht zögern, eine zwangsweise Benzinrationierung anzuordnen.
Der größte Einzelfaktor in der Erhöhung der Inflationsrate im
vorigen Jahr kam aus einer Quelle: den ins Unermeßliche steigenden OPECÖl preisen. Wir müssen alle notwendigen Maßnahmen treffen, um unsere
Abhängigkeit vom ausländischen öl zu verringern - um die Inflation
abzubauen. Als Einzelperson und als Familie können nur wenige von uns
selbst Energie produzieren. Aber wir alle können Energie sparen - jeder
von uns jeden Tag.
Ich appelliere heute abend an Sie, an alle Menschen in Amerika,
unserem Land zu helfen, sparen Sie Energie, beseitigen Sie Verschwendung

- 13 -

�Verschwendung, lassen Sie uns 1980 zum Jahr des Energiesparens machen.
Wir müssen weitere Maßnahmen ergreifen, um unsere Volkswirtschaft
zu stärken:
Erstens, wir werden weiterhin das Defizit des Bundeshaushaltes
abbauen und den Haushalt dann ausgleichen.
Zweitens, so wie wir weiterhin mit den Unternehmern zusammenarbeiten,
um die Preise niedrig zu halten, so werden wir auch auf dem historischen
nationalen übereinkommen mit den Gewerkschaften bauen, um in einem fairen
Kampf gegen die Inflation

die Lohnerhöhungen im Rahmen zu halten.

Drittens, wir werden unsere erfolgreichen Anstrengungen fortsetzen, um den Papierkrieg abzuschaffen und unnötige Reglementierungen zu
beseitigen.
Viertens, wir werden in dem Fortschritt nicht nachlassen, Arbeitsplätze für Amerika zu schaffen, und uns auf ein großes neues Programm zur
Beschaffung von Ausbildung und Arbeit für junge Menschen, vor allem Angehörigen der Minderheiten, zu konzentrieren. Es ist gesagt worden, daß
der Geist zu kostbar sei, als daß man ihn verschwende. Wir werden unseren
jungen Menschen in den achtziger Jahren neue Hoffnung auf Arbeitsplätze
und ein besseres Leben geben.
Fünftens, wir müssen das Jahrzehnt der achtziger Jahre nutzen,
um die grundlegenden strukturellen Probleme unserer Wirtschaft durch
Maßnahmen zur Erhöhung der Produktivität, der Rücklagen und der Investitionen
anzupacken« Mit dieser Politik auf den Gebieten der Energie und der Wirtschaft werden wir in diesem Jahrzehnt Amerika im eigenen Lande noch stärker
machen - so wie unsere Außen- und Verteidigungspolitik uns in der ganzen
Welt stärker und sicherer machen werden.
Wir
- 14 -

�Wir werden niemals unseren Kampf um eine gerechte und menschenwürdige Gesellschaft im eigenen Lande aufgeben.

Sie ist das Herz

Amerikas - und sie ist die Quelle unserer Fähigkeit, Menschen in anderen
Ländern zu inspirieren, ihre eigenen Rechte zu verteidigen.
Unsere materiellen Ressourcen sind, so groß sie auch sein mögen,
begrenzt.

Unsere Probleme sind zu komplex für einfache Schlagworte oder

rasche Lösungen.

Wir können sie nicht ohne Anstrengung und Opfer lösen.

Walter Lippman hat uns einmal daran erinnert:
"Ihr habt die guten Dinge als selbstverständlich vorausgesetzt.
Jetzt müßt ihr sie erneut erwerben. Für jedes Recht, auf das ihr euch
beruft, habt ihr eine Pflicht, die ihr erfüllen müßt. Für jede Hoffnung,
die ihr hegt, habt ihr eine Aufgabe, die ihr leisten müßt. Für alles
Gute, das ihr zu erhalten wünscht, werdet ihr euren Komfort und euer
Wohlbehagen opfern müssen. Es gibt heute nichts mehr umsonst".
Unsere Herausforderungen sind gewaltig.

Aber es herrscht ein

neuer Geist der Einigkeit und Entschlossenheit in unserem Lande. Wir
treten in die achtziger Jahre mit Vertrauen und Hoffnung ein - und mit
einer leuchtenden Vision des Amerika, das wir uns wünschen:
Ein starkes und freies Amerika.
Ein Amerika in Frieden.
Ein Amerika mit gleichen Rechten für alle Bürger - und für die
Frauen, wie dies in der Verfassung der Vereinigten Staaten garantiert
ist.
Ein Amerika mit Arbeitsplätzen und einer guten Gesundheitsfürsorge
und Bildung für jeden Bürger.
Ein
- 15 -

�Ein Amerika mit einem sauberen und erfüllten Leben in seinen
Städten und auf seinen Farmen.
Ein Amerika, das die Welt ernähren hilft.
Ein Amerika,das seinen eigenen Energiebedarf sicher deckt.
Ein Amerika der Gerechtigkeit, der Toleranz und des Mitgefühls.
Wenn diese Vision sich erfüllen soll, dann müssen wir Opfer bringen,
aber diese nationale Verpflichtung wird ein erregendes Unterfangen sein,
das unser Volk einigen wird.
Laßt uns zusammen als ein Volk daran arbeiten, unsere Stärke im
eigenen Lande aufzubauen.

Laßt uns zusammen als eine unteilbare Nation

nach Frieden und Sicherheit in der ganzen Welt streben.
Laßt uns zusammen diese Zeit der Herausforderungen und Gefahr zu
einem Jahrzehnt der nationalen Entschlossenheit und des kühnen Erfolges
machen.

�</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980
INHALT

INFORMATION
Verhinderung von nuklearer Proliferation
- Untersuchungen des US-Energieministeriums Synthesebrennstoffe - Kohle - Kernkraft
- Unverzichtbare Energiequellen in den nächsten Jahrzehnten -

DOKUMENTATION
Fernsehinterview Präsident Carters am 20. Januar 1980
- Wortlaut Schreiben Präsident Carters an das Olympische Komitee der USA
- Wortlaut Rede des US-Botschafters bei der EG in Brüssel:
- Wir rechnen mit der Unterstützung Europas -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lake Placid:

Solarstrom für die Streckentelefone

Hybridauto für Benzin- und Strombetrieb
- Entwicklungsmodell von der Universität Berkeley

Um Übci/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

VERHINDERUNG VON NUKLEARER PROLIFERATION
Untersuchungen des US-Energieministen'ums

- (AD) - Ein vorläufiger Bericht mit dem Titel "Nuclear Proliferation and Civilian Nuclear Power" (Nukleare Proliferation und Kernkraft
für zivile Zwecke) wurde von der Abteilung zur Bewertung nuklearer Alternativsysteme des amerikanischen Energieministeriums vorgelegt.

Er erörtert

technische Möglichkeiten zur Auslegung von Kernkraftanlagen, die verhindern,
daß Kernbrennstoffe oder nukleare Einrichtungen mißbräuchlich für die
Entwicklung nuklearer Waffen verwendet werden.

Die Untersuchungen bis

zum Abschluß dieser Studie nahmen zwei Jahre in Anspruch.
Im Februar 1980 wird eine öffentliche Anhörung zu dem Problemkomplex durchgeführt.

Im "Bundesregister" wurde in der Ausgabe vom

17. Dezember 1979 der Bericht bereits ausführlich dargestellt und darauf
hingewiesen, daß Kommentare dazu erwünscht sind.

Der zehnbändige Bericht

ist beim "Technical Information Center" des U.S.Energieministeriums
in Oak Ridge (Tennessee) erhältlich; eine Zusammenfassung für die Nachrichtenmedien verteilt die Presseabteilung des Energieministeriums in
Washington (Anschrift: DOE Office of Public Affairs, Press Room, 1 000
Independence Ave., Washington, D.C. 20585).
+ + + + +

Postfach 20 03 OO Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Information

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Januar 1980

SYNTHESEBRENNSTOFFE - KOHLE - KERNKRAFT
Unverzichtbare Energiequellen in den nächsten Jahrzenten

- (AD) - Der Bericht "Energie im Wandel: 1985 - 2010", den die
Nationale Akademie der Wissenschaften (NAS) am 14. Januar 1980 in
Washington der Öffentlichkeit vorstellte, ist das Ergebnis vierjähriger
Untersuchungen von 65 renommierten amerikanischen Wissenschaftlern.
In der 783 Seiten umfassenden Studie, die für das amerikanische Energieministerium erarbeitet wurde, fordern die Wissenschaftler, Vertreter aller
Disziplinen einschließlich Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften,
dringend die Inangriffnahme eines umfassenden Programms zur Produktion von
synthetischen Brennstoffen, Verwendung von mehr Kohle und Kernkraft und
Offenhaltung der Brutreaktor-Option für die spätere Zukunft. Der Bericht
habe nicht den Charakter eines Patentrezeptes, erklärte NAS-Vorsitzender
Dr. Philip Handler. Er solle vielmehr richtungweisend dafür sein, "was
die Nation erfahren muß, um ihre Zukunft vernünftig zu planen".
Viele der in dem Bericht gezogenen Schlußfolgerungen widersprechen
einander, was angesichts der so verschiedenartigen Standorte und Betrachungsweisen der Verfasser keineswegs überracht.

"Vielfalt ist das Schlüsselwort"

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Schlüsselwort" der Studie, so Dr. Harvey Brooks, Professor für Technologie
an der Harvard-Universität und einer der Vorsitzenden des WissenschaftlerGremiums.

"Wir müssen eine ganze Serie von Optionen für die Energieversorgung

entwickeln und Sackgassen wie unsere gegenwärtige Abhängigkeit von einer
einzigen Energiequelle vermeiden."
Völlig einig war sich das Komittee in der Anerkennung der überragenden
Bedeutung der Energieeinsparung.

Sie werde, wie Brooks erklärte, wesentliche

Veränderungen im amerikanischen Lebensstil, vielleicht notwendige Mobilität
großer Teile der Bevölkerung, hohe Investitionen und Zeit erfordern etwa 20 bis 30 Jahre. Außerdem seien staatliche Eingriffe und höhere
Energiepreise unumgänglich.
Der zweite allgemein anerkannte Punkt war das schon in naher Zukunft
kritische Problem der Flüssigbrennstoffe.

Das Gremium ist hier "etwas

pessimistischer" als die Verfasser anderer Studien insofern, als es keine
Steigerung der einheimischen öl- und Erdgasförderung erwartet.

"Schon

die Erhaltung des gegenwärtigen Niveaus über die nächsten 30 Jahre wird
ein hohes Engagement notwendig machen", meinte Dr. Brooks.

Er forderte

ein Programm "höchster Dringlichkeitsstufe" für die Produktion synthetischer
Brennstoffe, intensive Explorationstätigkeit für Gas und öl sowie bessere
Fördermethoden.

Gleichzeitig warnte er davor, sich an veraltete Technologien

zu klammern, und drang darauf, daß alle Optionen offen gehalten werden.
Mittelfristig seien, so die NAS-Wissenschaftler, Kohle und Kernkraft
bis zum Ende des Jahrhunderts als die einzigen Alternativen für die
Stromerzeugung zu betrachten. Sie empfehlen deshalb ein gut ausbalanciertes
Angebot auf beiden Gebieten, damit die Nation notfalls rasch zur einen
oder anderen Energiequelle überwechseln könne. Die Kommission räumte
jedoch ein, daß sowohl in der Verwendung von Kohle als auch mit der
Verwendung von Kernkraft schwerwiegende Probleme verbunden seien: Erwägungen
zum Umweltschutz begrenzen die Anwendung von Kohle - ein Grund dafür, "die

- 2 -

�"die nukleare Option offenzuhalten".

Brooks ist dennoch überzeugt, daß

die Regierungsverordnungen zur Reinhaltung der Luft letzten Endes keinen
Einfluß darauf hätten, wieviel Kohle verbraucht werde, weil die Nation sowieso
die Kosten trage - gleichgültig, ob diese auf dem Umweltsektor entstehen oder
wirtschaftlicher Natur seien.

Ebenso wie die Anwendung von Kohle werde aber auch die Anwendung
von Kernenergie durch politische Überlegungen eingeengt - z.B. durch das
Risiko der Weiterverbreitung von Kernwaffen, Entsorgungsprobleme, usw.
Sie stoße außerdem an wirtschaftliche Grenzen, weil Kernenergie kapitalintensiver und deshalb bei Projektbeginn kostspieliger ist als Anlagen zur
Nutzung von Alternativ-Energien.

Nach Ansicht der Kommission habe der

Unfall in der Reaktorstation Three Mile Island das amerikanische Atomprogramm um mindestens ein Jahr zurückgeworfen.

Jedoch habe sich, wie

Brooks ausdrücklich hervorhob, die Meinung der Kommission über die Bedeutung
der Kernkraft durch den Vorfall nicht geändert.

Der Strombedarf werde, wie Brooks erklärte, weiter anwachsen. Und
je mehr er wachse, desto stärker sei die Nation auf den kontroversen
Brutreaktor angewiesen.

"Wenn die Wachstumsraten sehr hohe Werte erreichen",

so Brooks, "kann der Brutreaktor wahrscheinlich als Notwendigkeit angesehen
werden."

Der Ausschuß empfiehlt die kontinuierliche Weiterentwicklung

des Brüters, damit er, falls erforderlich, Anfang des nächsten Jahrhunderts
einsatzbereit ist.

Er sei, wie Brooks ausführte, "die herausragende

nukleare Option und die einzige Option auf lange Sicht, deren Entwicklung
gut vorangeschritten ist".

Präsident Carter hatte vor einiger Zeit die Einstellung der Arbeiten
am Prototyp-Brutreaktor von Clinch River (Tennessee) angeordnet.

Die NAS-

Kommission zeigte geteilte Meinungen in der Frage der Wiederaufnahme des
Projekts Clinch River, wobei sich schließlich eine geringe Mehrheit für die
Fortführung aussprach.
In

- 3 -

�In bszug auf andere neue Energiequellen verlangten die Wissenschaftler
die Fortsetzung von Forschungen in zahlreichen Richtungen, machten jedoch
darauf aufmerksam, daß nur wenige solcher Energiequellen signifikante Beiträge zur Deckung des nationalen Energiebedarfs leisten könnten. Wasserkraft, Erdwä'rme, Windkraft und Biomassen können zwar auf lokaler und
regionaler Ebene, nicht aber landesweit wichtige Rollen übernehmen, erklärte
Brooks.

Biomassen dürften schließlich drei bis fünf Prozent des Gesamt-

energiebedarfs decken. Wolle man diesen Anteil steigern, so benötige man
riesige "Energiefarmen", die vom ökologischen Standpunkt her nicht annehmbar
seien.

Sonnenenergie dürfte, so schätzte Brooks, in diesem Jahrhundert

kaum mehr als fünf Prozent beitragen, sofern nicht die Regierung massiv
eingreift, um Preissenkungen zu bewirken. Trotzdem dringen die Verfasser
der NAS-Studie auf umfangreichere langfristige Forschungen zur Nutzbarmachung
der Sonnenenergie.

+ + + + +

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Uli

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Dokumentation

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

FERNSEHINTERVIEW PRÄSIDENT CARTERS AM 20. JANUAR 1980
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 20. Januar 1980
in einem Fernsehinterview im Rahmen des bekannten amerikanischen Programms
"Meet the Press" (Stelle Dich der Presse) zu den jüngsten politischen
Problemen Stellung genommen. Der Moderator der von der Fernsehgesellschaft
NBC (National Broadcasting Company) ausgestrahlten Sendung war Bill Monroe,
die beteiligten Korrespondenten waren Carl T. Rowan von der Chicago Sun-Times,
David Broder von der Washington Post und Judy Woodruff von der NBC-Nachrichtenredaktion.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE (Monroe): Unser heutiger Gast in der Sendung Meet the Press
ist der Präsident der Vereinigten Staaten, Jimmy Carter. Herr Präsident,
gehen wir einmal davon aus, daß die Sowjets nicht so bald aus Afghanistan
abziehen, sind Sie dann für eine amerikanische Beteiligung an der Olympiade
in Moskau? Und wenn nicht, welche Alternativen gäbe es?
ANTWORT

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�ANTWORT:

Nein, weder ich noch das amerikanische Volk würden die

Entsendung eines amerikanischen Teams nach Moskau unterstützen, solange
sowjetische Truppen in Afghanistan stehen.

Ich habe heute dem Olympischen

Komitee der Vereinigten Staaten ein Schreiben gesandt, in dem ich meinen
Standpunkt dargelegt habe, daß die Olympischen Spiele von Moskau an einen
anderen Ort oder mehrere Orte verlegt oder aufgeschoben oder abgesagt
werden sollten, wenn die Sowjets nicht innerhalb eines Monats ihre Truppen
aus Afghanistan abziehen. Wenn die Sowjets ihre Truppen nicht sofort innerhalb eines Monats - aus Afghanistan abziehen, würde ich die Entsendung
eines amerikanischen Teams zur Olympiade nicht unterstützen.
Es ist sehr wichtig, daß die Welt erkennt, eine wie ernste Drohung
die sowjetische Invasion in Afghanistan ist.

Ich möchte keine Politik

in die Olympiade hineintragen, und ich wäre persönlich für die Schaffung
eines ständiges olympischen Austragungsortes, sowohl für die Sommer- als
auch für die Winterspiele.

Nach meiner Meinung wäre das geeignete Aus-

tragungsland für die Sommerspiele Griechenland.

Das ist meine persönliche

Meinung, und ich habe das amerikanische Olympische Komitee ersucht, diese
Auffassung dem Internationalen Olympischen Komitee vorzutragen, und ich
möchte hoffen, daß möglichst viele Länder diese grundsätzliche Auffassung
unterstützen würden.

In den Vereinten Nationen haben 104 Länder gegen die

sowjetische Invasion gestimmt und den sofortigen Abzug der Sowjets aus
Afghanistan gefordert, und ich möchte hoffen, daß

soviele dieser Länder

wie möglich den Standpunkt unterstützen würden, den ich Ihnen eben vorgetragen habe.
-

FRAGE (Monroe):

Herr Präsident, wenn eine beträchtliche Zahl von

Ländern den amerikanischen Standpunkt nicht unterstützt, würde das die
Vereinigten Staaten nicht einfach nur in eine isolierte Position bringen,
ohne der Sowjetunion viel zu schaden?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Gleichgültig, was andere Länder tun mögen, ich wäre nicht

für die Entsendung eines amerikanischen Olympiateams nach Moskau, solange
die sowjetischen Invasionstruppen in Afghanistan stehen.
Monroe:

Ich danke Ihnen, Herr Präsident, unsere Reporter in Meet

the Press sind heute Carl. T. Rowan von der Chicago Sun-Times, David S.
Broder von der Washington Post und Judy Woodruff von der NBC-Nachrichtenredaktion.
Wir setzen die Fragen an Präsident Carter mit Carl Rowan fort.
FRAGE (Rowan):
Friedens gesprochen.

Sie haben vorhin von einer ernsten Bedrohung des
Wie ernst ist die Situation wirklich?

Stehen wir

möglicherweise an der Schwelle eines Konflikts mit der Sowjetunion?
ANTWORT:

Wie ich vorhin gesagt habe, Mr. Rowan, ist dies nach

meiner Meinung die ernsteste Bedrohung des Weltfriedens seit dem Zweiten
Weltkrieg.

Es handelt sich um einen beispiellosen Akt seitens der Sowjetunion.

Es ist das erstemal, daß sie ein Land angegriffen hat, das nicht bereits
unter ihrer Herrschaft stand, d.h. zur Nachbarschaft im Warschauer Pakt
gehört.

Sie haben in anderen Ländern, wie Angola oder Äthiopien, für

die Beteiligung Stellvertreterstreitkräfte, die Kubaner, benutzt.
Dies jetzt ist eine Bedrohung eines lebenswichtigen Gebietes der
Welt.

Es ist die Bedrohung eines Gebietes der Welt, in dem die Interessen

unseres Landes und die Interessen unserer Verbündeten zutiefst berührt
sind.

Mehr als zwei Drittel des gesamten Exportöls, das die übrige Welt

versorgt, kommt aus der Region des Persischen Golfes in Südwestasien.
So wie ich die Dinge beurteile, hat es in den vergangenen Jahren
Zeiten gegeben, in denen wir in einem intensiven Wettstreit mit der
Sowjetunion standen und uns auch bemühten, die Dinge mit der Sowjetunion

- 3 -

�Sowjetunion beizulegen, uns mit ihnen zu konsultieren und mit ihnen für
den Frieden zu arbeiten.

Jetzt handelt es sich um eine von den Sowjets

ausgelöste Maßnahme, und ich bin noch immer dem Frieden verpflichtet, aber
einem Frieden durch Stärke und dadurch, daß wir die Sowjets auf klare und
bestimmte Weise wissen lassen - durch Maßnahmen unseres eigenen Landes
und anderer Länder -, daß sie nicht ungestraft in ein unschuldiges Land
eindringen können, daß sie die Folgen tragen müssen.
FRAGE (Rowan):

Noch in diesem Zusammenhang, Herr Präsident.

Ihre

Kritiker sagen, daß die Sowjets vorgehen, weil sie eine Schwäche Ihrerseits
gesehen haben.

Sie (die Sowjets) glauben nicht, daß Sie oder das amerikanische

Volk kämpfen werden.

Wenn sie in Pakistan oder in den Iran eindringen,

werden Sie dann militärische Macht einsetzen?
ANTWORT:

Wir waren nicht schwach.

Seit ich im Weißen Haus bin,

waren wir fest und entschlossen und konswquent und klar in unserer Politik.
Wir haben unsere Verpflichtung zur Stärke unserer nationalen Verteidigung
stetig erhöht, gemessen am Stand unserer Haushalte und auch gemessen am
Ton und an den Handlungen, die ich ergriffen habe und die der Kongreß
ergriffen hat.

Wir haben unser Bündnis in der NATO gestärkt, sowohl hinsichtlich

des Aufbaus der Kampfkraft als auch jüngst hinsichtlich der TNF-Reaktion
(Theater Nuclear Force - nukleare Mittel Streckensysteme) auf die sowjetische
Drohung mit Atomwaffen.
Wir haben auch kein Hehl daraus gemacht, daß wir für die Beilegung
intensiver Differenzen sind, die den Nahen Osten und die Region des
Persischen Golfes destabilisiert haben.

Der bemerkenswerteste Fortschritt

ist der zwischen Israel und Ägypten unterzeichnete Friedensvertrag, und
wir haben unsere Verpflichtung gegenüber Pakistan aus dem Jahre 1959
erneut bekräftigt.

Wir sind verpflichtet, uns mit Pakistan zu konsultieren

und im Rahmen der verfassungsmäßigen Richtlinien, denen ich als Präsident
unseres Landes folgen muß, jede notwendige Maßnahme zu ergreifen, um d^e

�die Sicherheit Pakistans zu schützen, einschließlich, wenn notwendig,
militärischer Macht.

Darüber hinaus erhöhen wir den Stand der Seestreitkräfte im nördlichen Indischen Ozean und in der Region des Persischen Golfes und werden
einen erhöhten Stand aufrechterhalten, und wir prüfen gegenwärtig ziemlich
intensiv die Erstellung von Einrichtungen für die Wartung und Versorgung
unserer Luft- und Seestreitkräfte im nördlichen Indischen Ozean und in
der Region des Persischen Golfes.

Diese Maßnahmen sind in die Wege

geleitet worden, seit ich im Amt bin.

Sie sind konsequent und klar, und wir

konzentrieren uns jetzt wegen der sowjetischen Invasion in Afghanistan
mit erhöhtem Nachdruck auf diese Maßnahmen.

FRAGE (Broder):

Herr Präsident, die Wahl des Zeitpunktes Ihres

Auftretens hier einen Tag vor den Vorwahl-Absprachen (für die Präsidentschaftswahlen 1980, die Redaktion) im Staate Iowa lassen auf ein politisches
Motiv schließen.

Warum haben Sie zugestimmt, hier zu erscheinen, während

Sie es abgelehnt haben, sonstwo aufzutreten, wo Ihre Herausforderer Sie
direkt konfrontieren könnten?

ANTWORT:

Mr. Broder, in einer Zeit der Krise für

unser Land ist es

nach meiner Meinung für den Präsidenten sehr wichtig, daß er nicht in
der Öffentlichkeit die Rolle eines Parteiwählkämpfers in einer politischen
Auseinandersetzung übernimmt.

Unser Land befindet sich in einem Zustand

der Krise, und es ist eine konsequente Politik, an die ich mich gehalten
habe, seit die Iraner Amerikaner gefangengenommen und als Geiseln festgehalten haben.

Ich betrachte die Sendung Meet the Press nicht als Wahl-

kampfforum, und ich bin bicht als Parteikanidat hier.

Wie Sie sehr wohl wissen, haben wir meine Auffassungen dem
amerikanischen Volk auf vielerlei Weise sehr klar dargelegt - durch mein
eigenes Erscheinen vor der Presse, meine Unterrichtung von Gruppen im

- 5 -

�im Weißen Haus, durch die Entsendung von Vertretern für mich nach Iowa.
Ich glaube, meine Standpunkte und die Maßnahmen, die ich getroffen habe,
sind ganz klar zu erkennen gewesen, und mein Auftreten hier in dieser Sendung
beispielsweise bietet Ihnen eine Gelegenheit, mich zu Themen zu befragen,
die für das amerikanische Volk wichtig sind.
FRAGE (Broder):

Einer meiner Kollegen hat die folgende Frage vor

drei Wochen gedruckt, als Sie von der Debatte in Iowa Abstand nahmen,
als Beispiel für eine Frage, die Ihnen hätte gestellt werden können; und
ich möchte diese Frage jetzt stellen.
ANTWORT:

Bitte.

FRAGE (Broder):
Arbeitslosigkeit.
stiegen.

Bei allem Respekt:

wir haben immer noch 5,8 Prozent

Die Inflation ist von 4,8 Prozent auf 13 Prozent ge-

Wir haben noch immer keine tragfähige Energiepolitik.

Truppen sind in Kuba und Afghanistan.

Der Dollar fällt.

Russische

Gold steigt.

Und die Geiseln sich noch immer in Teheran - nach 78 Tagen.

Was also

haben Sie getan, Sir, um sich eine erneute Kandidatur zu verdienen?
ANTWORT: Nun, seit ich im Weißen Haus bin, habe ich alles Erdenkliche
getan, um unseren Staat zu stärken - nicht nur militärisch, sondern
wirtschaftlich und politisch; außerdem, wie ich meine, moralisch und ethisch.
Wir haben unsere Bündnisse mit unseren Verbündeten gestärkt, worauf in
diesem Programm bereits hingewiesen wurde. Wir haben uns mit dem Frieden
auseinandergesetzt - nicht nur für unser Land, sondern auch für andere
Länder, indem wir mit den Briten und Rhodesien, mit den Ägyptern und den
Israelis im Nahen Osten zusammengearbeitet haben.
Wir haben versucht, die amerikanische Freundschaft auf andere
Staaten dieser Erde auszudehnen, wobei wir besonders erfolgreich dabei
waren, unsere Freundschaft mit dem Volk Taiwans aufrechtzuerhalten, während

- 6 -

�während wir eine neue und freundliche Beziehung durch die Anerkennung
eines Viertels der Gesamtbevölkerung der Welt in China eröffneten.
Es gab meiner Meinung nach eine wesentliche Verbesserung in den
Beziehungen unseres Landes mit anderen Staaten - wie dies im Verlauf
kürzlicher Abstimmungen bei den Vereinten Nationen zum Ausdruck kam.
Innenpolitisch habe ich mich mit den Krisen und Problemen der Nation
beschäftigt, so gut ich konnte, und dabei mit einem Kongreß zusammengearbeitet, der manchmal zu langsam handelt. Seit dem ersten Tag im Amt
haben wir die schwerwiegendste innenpolitische Bedrohung unseres Landes und das ist die Inflation, eng verbunden mit Energie - in Angriff genommen.
Seit meinem Amtsantritt ist Energie der alleinentscheidende Faktor
des Anstiegs der Inflationsrate gewesen. Allein in den letzten 12 Monaten
hat die OPEC die Energiepreise um 80 Prozent erhöht. Tatsächlich ist praktisch genommen - der gesamte Anstieg der Inflationsrate, seit ich im
Amt bin, direkt auf die Erhöhung der OPEC-Ölpreise zurückzuführen.
Als ich gewählt wurde, war die ärgste Bedrohung unseres Landes die
extrem hohe Arbeitslosigkeit.

Wir haben einen Nettozuwachs von neun

Millionen Arbeitsplätzen erzielt und die Arbeitslosenrate um 25 Prozent
gesenkt.

Dies war ein sehr guter Schritt zur Stärkung unserer Volks-

wirtschaft.

Wir haben das Defizit in unserer Handelsbilanz verringert.

Wir erleben einen sehr deutlichen Anstieg der Nettoeinkommen der Amerikaner
von ungefähr 7,5 Prozent nach Inflation und Steuern.

Die Unternehmensgewinne

sind um etwa 50 Prozent gestiegen; und ich glaube, daß unsere Nation viel
geschlossener ist und daß es außerdem einen viel größeren Respekt für die
Rechtschaffenheit und Zuverlässigkeit der Regierung unseres Landes gibt.
Wir haben also einigen Fortschritt erzielt.
Ich darf sagen, daß ich nicht behaupte, alle Antworten zu kennen.
Es gibt keine einfachen Fragen zu beantworten.

- 7 -

Es gibt keine einfachen

�einfachen Probleme zu lösen.

Aber unser Land ist geeint.

um eben diese schwierigen und komplizierten Antworten.

Wir kämpfen

Ich bin der Meinung,

daß sie weiter verfolgt werden müssen - hoffentlich in meiner zweiten
Amtsperiode.
FRAGE (Monroe):

Ms. Woodruff?

FRAGE (Ms. Woodruff):

Herr Präsident, Sie sagten kürzlich in einem

Interview, daß die Invasion von Afghanistan Ihre Meinung über die Russen
drastischer geändert habe als irgendetwas sonst, seit Sie im Amt sind.
Warum haben Sie fast drei Jahre gebraucht, um die wahren Absichten der
sowjetischen Führung zu erkennen?
«•

ANTWORT: Ich habe nie an der langfristigen Politik oder den langfristigen Ambitionen der Sowjetunion gezweifelt. Die Tatsache, daß wir
durchweg die Verteidigung unseres Landes gestärkt haben - nach 15 Jahren
des Rückgangs in dieser Verpflichtung zur Verteidigung unseres Landes
gegenüber den Sowjets - ist ein Hinweis darauf. All die Schritte, die
ich vorher beschrieben habe - die Stärkung der NATO, die Bewegung in den
nördlichen Indischen Ozean hinein, die Friedenssuche im Nahen Osten u.s.w. wurden unmittelbar aufgrund der letztlichen Bedrohung des Weltfriedens durch
die Sowjetunion unternommen. Aber es ist offensichtlich, daß die vorliegende Invasion eines vorher blockfreien Landes durch die Sowjets mit
ihren eigenen massiven Truppen eine radikale Abkehr von der Politik oder
den Schritten ist, die die Sowjets seit dem Zweiten Weltkrieg verfolgt
haben. Es ist eine direkte Bedrohung, denn Afghanistan, ehemals ein
Pufferstaat zwischen der Sowjetunion und dem Iran und den Ol Vorräten der
Welt und zwischen der Straße von Hormuz und dem Persischen Golf, ist jetzt
zu einer Art Pfeil geworden, der auf jene entscheidenden strategischen
Regionen der Welt gerichtet ist. Daher ist dies eine bedeutsame Abkehr der
Sowjetunion von ihren vorherigen Unternehmungen.
Die

- 8 -

�Die sowjetische Langzeitpolitik wurde von mir damals und wird auch
weiterhin gut verstanden.
FRAGE (Ms. Woodruff): Und dennoch unternahm Ihre Regierung keinerlei
Schritte, um den gewaltigen Zuwachs kubanischer Truppen in Afrika in den
letzten Jahren aufzuwiegen. Heute sind noch immer sowjetische Kampftruppen
in Kuba trotz Ihrer Erklärung vom letzten Herbst, daß deren Anwesenheit
nicht hinnehmbar sei. übernehmen Sie im Lichte dieser Unterlassung, der
sowjetischen Aggression frühzeitiger entgegenzutreten, Liberhaupt irgendwelche
Verantwortung für die sowjetische Kalkulation, ungestraft in Afghanistan
einmarschieren zu können?
ANTWORT: Nun, die Sowjets haben die Stärke und die Entschlossenheit,
die Einheit und Bestimmtheit unserer eigenen Nation völlig falsch eingeschätzt sowie die Verurteilung, die ihnen durch die Staatengemeinschaft
aufgrund ihrer Invasion Afghanistans zuteil geworden ist. Wie Sie wissen,
marschierten kubanische Truppen in Angola ein, bevor ich Präsident wurde,
und die sowjetische Brigade - etwa 2000 bis 2500 Mann - ist schon seit
den frühen sechziger Jahren auf Kuba. Eindeutig gibt es ein zunehmendes
sowjetisches Risiko am Hörn von Afrika, in Äthiopien. Diese Bewegungen
gaben uns Anlaß zu großen Bedenken.
Aber der Punkt, den ich gern klarstellen würde, ist, daß wir zu
den Sowjets schon immer eine sehr komplizierte Beziehung hatten - gegründet
auf Zusammenarbeit, wenn wir zusammen auf eine friedliche Lösung der
Probleme der Welt zusteuern konnten - wie etwa die Aushandlung des SALTVertrags - und Wettstreit mit der Sowjetunion, wenn unsere Interessen
sich in irgendeiner Region der Welt überschnitten. Ich bin der Ansicht,
daß unsere Stärke deutlich demonstriert wurde. Die Entschlossenheit unserer
Nation wurde deutlich demonstriert. Die Unterstützung unserer Verbündeten
wurde deutlich demonstriert, und die Unterstützung der Welt bei der Verurteilung der kürzlichen Invasion der Sowjets wurde ja auch deutlich

- 9 -

�deutlich demonstriert.
Die Zeiten ändern sich, und die Umstände ändern sich.

Unser Land

hat sich stets der Bewahrung des Friedens verschrieben - aber Frieden durch
Stärke, nicht Schwäche.

Dies war unsere Politik.

Dies wird weiterhin

unsere Politik sein.
FRAGE (Monroe):

Herr Präsident, gibt es irgendeine bestimmte neue

Hoffnung auf ein Ende der Geiselkrise mit dem Iran?
ANTWORT: Ich kann kein frühes Ende dieser Situation voraussagen.
Die Sorgen, die ich mir heute um die Geiseln mache, sind genauso groß,
wie sie vor einem Monat oder vor zwei Monaten waren. Unsere Politik gegenüber der Festhaltung unserer Geiseln durch den Iran ist klar und folgerichtig.
Sie ist eine abscheuliche Verletzung aller moralischen und ethischen
Maßstäbe und des Völkerrechts. Sie ist ein krimineller Akt - eine Gruppe von
Terroristen, Entführern, unterstützt und ermutigt durch Vertreter der
Regierung selbst, ergreifen unschuldige Opfer und halten sie zum Zweck
versuchter Erpressung in noch nie dagewesener Weise fest. Unsere Antwort
war klar: vor allem erstens die kurzfristigen und langfristigen Interessen
unseres Landes zu schützen; zweitens, die Sicherheit und das Leben der
Geiseln selbst zu schützen; drittens, jeden nur möglichen Weg zu verfolgen,
für eine frühe und sichere Freilassung unserer Geiseln; viertens, wenn
möglich, Blutvergießen zu vermeiden, denn ich hatte von Anfang an das
Gefühl, daß das Ergreifen eines militärischen Schrittes oder das Verursachen
von Blutvergießen zweifellos den Tod der Geiseln zur Folge haben würde;
und fünftens - und vielleicht am schwierigsten -, die nachdrückliche
Unterstützung durch die große Mehrheit der Staaten dieser Erde für unsere
Lage als einer schmerzerfüllten Nation zu wecken und zu erhalten, sowie
die Verurteilung des Iran durch die Welt für diese unmittelbare Verletzung
des Völkerrechts. Es ist ein verabscheuungswürdiger Akt.
Ich
- 10 -

�Ich weiß nicht, wann die Geiseln freigelassen werden, aber wir werden
uns auch weiterhin intensiv darum bemühen.

Wir werden unsere Verpflichtung

zum Ausschöpfen aller nur möglichen Mittel aufrechterhalten, um diese
Politik durchzuführen, die ich Ihnen gerade beschrieben habe, und wir werden,
so gut wir können, die volle Unterstützung der übrigen Welt bewahren;
und dieser konzertierte Druck von vielen Seiten - einschließlich der
jüngsten Sanktionen, die wir gegen den Iran eingeleitet haben - wird,
so glaube und hoffe ich und dafür bete ich, die sichere Freilassung unserer
Geiseln zur Folge haben.

Ich kann nicht genau voraussagen, wann.

FRAGE (Monroe): Wie antworten Sie auf die Kritik, Herr Präsident,
daß Ihre Regierung bei der Aufnahme des Schah in diesem Land ziemlich
pfuschte, indem sie der amerikanischen Botschaft im Iran keinen gesicherten
Schutz gewährte, nachdem amerikanische Diplomaten davor gewarnt hatten,
daß es diese Art Unruhe geben könne und daß ja tatsächlich wenige Monate
vorher eine Besetzung der Botschaft stattgefunden hatte?
ANTWORT: Ich habe überhaupt keine Entschuldigung dafür, daß man den
Schah als schwerkranken Menschen hierherkommen ließ
FRAGE (Monroe):
Präsident?

Und was ist mit dem Schutz der Botschaft, Herr

ANTWORT: ... zur Behandlung. Die Botschaft war in der Vergangenheit
angegriffen worden. Botschaften in der ganzen Welt sind oft Angriffen
ausgesetzt. Stets hatten sich die iranischen Behörden mit unseren eigenen
Leuten zusammengetan, um die Botschaft der Vereinigten Staaten zu schützen.
In der Folge der Besetzung der Botschaft vorher im selben Jahr führten wir
ein umfangreiches Programm zur Verstärkung der Verteidigungseinrichtungen
der Botschaft durch. Nachdem der Schah hierher in die Vereinigten Staaten
zur Behandlung kam und wir die iranischen Behörden über diese Tatsache
unterrichtet hatten, wurde uns erneut durch den iranischen Ministerpräsidenten

- 11 -

�Ministerpräsidenten und den iranischen Außenminister versichert, die Botschaft
würde geschützt.

Sie wurde in der Tat etwa 10 Tage lang geschützt; hier-

nach hielt der Ayatollah Khomeini eine überaus aggressive und beleidigende
Rede, und als die Botschaft von militanten Terroristen angegriffen wurde,
entzogen ihr die Iraner, die iranische Regierung, ihren Schutz. Es war
ein unvorhersehbares Ereignis. Soviel ich weiß, hat es das in der modernen
Geschichte noch nie gegeben, daß eine Regierung einen terroristischen Akt
dieser Art, das Entführen von Geiseln und ihr Festhalten zum Zweck versuchter
Erpressung, unterstützt.
Aber es blieb nichts unversucht, die Beziehungen mit dem Iran aufrechtzuerhalten, was unserem Interesse und gleichzeitig dem Schutz unserer
Mitbürger dient.
FRAGE (Monroe):

Mr. Rowan?

FRAGE (Rowan): Herr Präsident, einige unserer Verbündeten sagen jetzt,
daß im Iran bereits das Chaos herrscht und daß dieses Land, sollten die
Vereinigten Staaten die Wirtschaftsschrauben anziehen, auseinanderfallen
könnte und es der Sowjetunion leichtgemacht würde, die Teile aufzuheben.
Hören Sie darauf oder wollen Sie dem Iran noch immer Daumenschrauben anlegen?
ANTWORT:

Ich habe darüber immer nachgedacht, Mr. Rowan. \

Was wir wollen, ist ein geeinter Iran, kein zertrümmerter. Wir wollen
einen stabilen und unabhängigen Iran, und wir wollen einen sicheren Iran.
Aber wir können den abscheulichen Akt nicht akzeptieren, daß die Terroristen,
unterstützt durch die iranischen Behörden, Amerikaner als Geiseln festhalten. Wir haben uns entschlossen, Schritte gegen den Iran zu unternehmen,
um mit der Präsenz unserer Seestreitkräfte Verletzungen unserer Geiseln
zu verhüten und um zweitens mit einem zunehmenden Maß an Strenge Sanktionen

�Sanktionen gegen den Iran durchzuführen, die sie zur Freilassung der
Geiseln veranlassen könnte.
Durch die sowjetische Invasion Afghanistans wurde in den letzten
Wochen offensichtlich ein neues Element in die iranische Geiselkrise eingebracht.

Meine Überzeugung ist, daß viele der verantwortlichen Stellen

im Iran jetzt sehen, daß diese große Bedrohung der Sicherheit und des Friedens
des Iran jetzt an erster Stelle steht und daß es ihrerseits eine zusätzliche
Anstrengung zur Sicherung der Freilassung der Geiseln und zur Beseitigung
der Isolierung des Iran von der übrigen zivilisierten Welt geben wird.
Aber ich glaube, daß unsere Schritte wohlüberlegt sind. Wir haben
alle nur mögliche Vorsicht walten lassen hinsichtlich der von Ihnen beschriebenen
Möglichkeit. Und meinem Urteil nach ist es für den Iran jetzt das Beste,
die Geiseln freizulassen, Genugtuung für ihre behaupteten Klagen vor
internationalen Foren und den Gerichtshöfen der einzelnen Länder zu suchen
und damit anzufangen, sich selbst gegen eine mögliche Bedrohung durch die
Sowjets zu wappnen, die jetzt gegen sie in Afghanistan gerichtet ist.
FRAGE (Broder):

Sind Sie, Herr Präsident, im Hinblick auf das, was

Sie eben sagten, bereit, eine Verzögerung oder einen Aufschub der Verhängung
wirtschaftlicher Sanktionen gegen den Iran zu akzeptieren?
ANTWORT: Nein, diese Sanktionen werden von uns einseitig verfolgt
werden, und soviele unserer Verbündeten, wie zustimmen, werden sich anschließen. Wir haben bei der Verhängung von Sanktionen gegen den Iran
eine sehr akzeptable Unterstützung bei unseren Verbündeten gefunden, und
wir haben eine überwältigende Unterstützung bei dem Internationalen Gerichtshof
und bei den Vereinten Nationen von vielen Ländern gefunden, die diese
Situation verfolgt haben. Ich werde daher die Verhängung von Sanktionen
nicht verschieben.
FRAGE

- 13 -

�FRAGE (Woodruff):

Herr Präsident, im Jahre 1976 haben Sie die

Republikaner wegen eines, wie Sie es nannten, "Index der Misere" von rund
13 Prozent gescholten.
gestiegen.

Dieser Index der Misere ist jetzt auf 19 Prozent

Was halten Sie heute davon?

ANTWORT:

Natürlich, wenn sich ein Land im Zustand der Krise befindet,

dann ist man zutiefst davon befangen und besorgt darüber, daß unschuldige
Amerikaner festgehalten werden, daß eine anerkannte Bedrohung des Weltfriedens durch eine sowjetische Invasion in Afghanistan existiert, daß
eine hohe Inflation herrscht, die nach meiner Meinung durch ungerechtfertigte
Erhöhungen der ölpreise verursacht wird - das nimmt die Gedanken der
Amerikaner gefangen.

Wir ergreifen, wie ich in dieser Sendung und bereits

früher dargelegt habe, Maßnahmen, um diese Besorgnisse zu zerstreuen,
und ich bin überzeugt, daß die Einheit Amerikas über allem steht.

Ich bin

überzeugt, daß die Zukunft bessere Aussichten für die Behebung dieser
Spannungen bieten wird.
Monroe:

Ich danke Ihnen, Herr Präsident, daß Sie heute in dieser

Sendung Meet the Press zugegen waren.

�3

Dokumentation

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Januar 1980

SCHREIBEN PRÄSIDENT CARTERS AN DAS OLYMPISCHE KOMITEE DER USA
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 20. Januar 1980 in einem
Schreiben an den Präsidenten des Olympischen Komitees der USA, Robert Kane, zu
einem Boykott der olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau aufgerufen, falls die
Sowjetunion nicht innerhalb eines Monats ihre Truppen aus Afghanistan zurückgezogen hat.

Das Schreiben Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:

Als Präsident dieses Landes und als Ehrenpräsident des Olympischen Komitees
der Vereinigten Staaten schreibe ich Ihnen heute, um Ihnen meine Ansichten hinsichtlich der XXII Olympischen Spiele mitzuteilen,, die

in

diesem

Sommer in Moskau abgehalten werden sollen.

Ich sehe in der sowjetischen Invasion und der versuchten Unterdrückung
Afghanistans eine ernste Verletzung des Völkerrechts und eine überaus ernste
Bedrohung des Weltfriedens.

Diese Invasion ist ebenso eine Gefahr für die be-

nachbarten unabhängigen Länder sowie für den Zugang zu einem wesentlichen Teil
der ölvorräte der Welt.

Sie bedroht daher unsere nationale Sicherheit wie

auch die Sicherheit dieses Gebietes und der gesamten Welt.
Wir

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�Wir müssen der Sowjetunion klar vor Augen führen, daß sie eine unabhängige
Nation nicht einfach niedertrampeln und sich gleichzeitig gegenüber der übrigen Welt so verhalten kann, als wäre nichts geschehen.

Wir müssen klarstellen,

daß sie für derartige Aggressionen einen hohen wirtschaftlichen und politischen
Preis bezahlen muß.

Deshalb habe ich die schweren wirtschaftlichen Maßnahmen

angeordnet, die am 4. Januar verkündet wurden, und deshalb unterstützen andere
freie Länder diese Schritte.

Deshalb hat auch die Vollversammlung der Verein-

ten Nationen mit der überwältigenden Mehrheit von 104 zu 18 Stimmen die Invasion verurteilt und den sofortigen Abzug der sowjetischen Truppen gefordert.
Ich möchte meine eigene persönliche Verpflichtung gegenüber den Grundsätzen
und Zielsetzungen der olympischen Bewegung noch einmal bekräftigen.

Ich bin

der Ansicht, daß es wünschenswert ist, Regierungspolitik aus den Olympischen
Spielen herauszuhalten - aber hier steht viel mehr auf dem Spiel.
In der Sowjetunion stellen internationale Sportwettbewerbe an sich schon
einen Aspekt der sowjetischen Regierungspolitik dar, wie dies auch bei der Entscheidung, in Afghanistan einzufallen, der Fall ist.

Der Leiter des Moskauer

Olympischen Organisationskomitees ist ein hoher sowjetischer Regierungsvertreter.
Die sowjetische Regierung mißt der Abhaltung der Olympischen Spiele 1980
in Moskau enorme politische Bedeutung bei, und sollte die Olympiade wegen der
sowjetischen militärischen Aggression in Afghanistan nicht in Moskau abgehalten
werden, dann kann dieses machtvolle Signal der Empörung der Welt dem sowjetischen
Volk nicht vorenthalten werden; es würdein aller Welt widerhallen. Vielleicht
wird es vor zukünftigen Aggressionen abschrecken.
Ich fordere daher das Olympische Komitee der USA auf zusammen mit anderen
Nationalen Olympischen Komitees das Internationale Olympische Komitee davon
in Kenntnis zu setzen, daß Moskau ein ungeeigneter Ort für ein sportliches Fest
wäre, auf dem Frieden und guter Wille gefeiert wird, sollten die sowjetischen
Truppen nicht in vollem Umfange innerhalb des nächsten Monats aus Afghanistan

�Afghanistan abgezogen worden sein.

Sollte die Sowjetunion ihre Truppen in

dem oben genannten Zeitraum nicht abgezogen haben, fordere ich das Olympische
Komitee der USA auf, vorzuschlagen, die Spiele entweder an einen anderen
Ort, wie Montreal, oder an mehrere andere Orte zu verlegen oder sie für dieses
Jahr abzusagen.

Sollte das Internationale Olympische Komitee einen solchen

Vorschlag des Olympischen Komitees der USA zurückweisen, dann fordere ich das
Olympische Komitee der USA sowie die Olympischen Komitees anderer gleichgesinnter Länder auf, sich nicht an den Moskauer Spielen zu beteiligen.
solchen Fall und falls geeignete Vorkehrungen

In einem

getroffen werden können, spreche

ich mich dafür aus, daß diese Länder alternative eigene Spiele an einem anderen
Ort oder an anderen Orten in diesem Sommer durchführen.

Die Regierung der Ver-

einigten Staaten ist bereit, allen solchen Bemühungen ihre volle Unterstützung
zu gewähren.
Aus Ihrem Schreiben an mich und Ihrem Zusammentreffen mit Außenminister
Vance sowie mit Lloyd Cutler weiß ich um Ihre tiefe Sorge um die Männer und
Frauen in aller Welt, die sich unermüdlich in der Hoffnung auf eine Beteiligung
auf die Olympischen Spiele 1980 vorbereitet haben.

Ich teile Ihre Sorge.

Ich

würde die Beteiligung von Sportlern aus der gesamten Welt an Olympischen Sommerspielen oder anderen Spielen in diesem Sommer außerhalb der Sowjetunion unterstützen, genauso wie ich die Sportler aus der gesamten Welt in Lake Placid
anläßlich der Olympischen Winterspiele begrüße.
Ich hege tiefste Bewunderung und tiefsten Respekt für die Sportler und
ihrem Streben nach großen Leistungen. Niemand versteht besser als sie die Bedeutung von Opfern zur Erreichung erstrebenswerter Ziele. Es gibt aber kein
Ziel von größerer Bedeutung als das Ziel, um das es hier geht: Die Sicherheit
unseres Landes und den Frieden der Welt.
Ich fordere das Internationale Olympische Komitee ferner auf, einen weiteren Schritt zur Beseitigung zukünftiger politischer Konkurrenz unter den Ländern zu ergreifen, die sich um die Ausrichtung Olympischer Spiele bemühen.
Daher rufe ich alle Nationen auf, sich bei der Unterstützung eines permanenten
- 3 -

�permanenten Austragungsortes für die Olympischen Sommerspiele in Griechenland
zusammenzuschließen und einen entsprechenden ständigen Austragungsort für die
Winterolympiade zu suchen.
Der Weg, den zu beschreiten ich hier fordere, ist notwendig, um den Frieden der Welt in dieser kritischen Zeit sichern zu helfen.

Die wichtigste Auf-

gabe für die führenden Persönlichkeiten der Welt - öffentliche wie private ist es, vor einer Aggression abzuschrecken und den Krieg zu verhindern. Aggressionen zerstören die internationale Freundschaft und den guten Willen, die die
Olympische Bewegung zu fördern sucht.

Wenn es unsere Antwort auf eine Aggres-

sion ist, den internationalen Sport, als sei nichts geschehen, in der Hauptstadt
des Aggressors weiter zu betreiben, dann werden andere Maßnahmen zur Abschreckung
vor einer Aggression unterminiert.
Der Geist und die Zukunft der Spiele hängen zum gegenwärtigen Zeitpunkt
von mutigen und entschlossenen Aktionen ab. Ich ersuche Sie um Ihre Unterstützung und Ihre Hilfe bei der Mobilisierung der Unterstützung anderer
Olympischer Komitees in aller Welt.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

REDE DES US-BOTSCHAFTERS BEI DER EG IN BRÜSSEL:
- Wir rechnen mit der Unterstützung Europas -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei den Europäischen
Gemeinschaften in Brüssel, Thomas C. Enders, hat am 16. Januar 1980 vor dem
American and Common Market Club die Haltung der Vereinigten Staaten zu den
gegenwärtigen weltpolitischen Problemen dargelegt und darauf hingewiesen, daß
Amerika mit der Unterstützung Europas rechne.
Die Rede von Botschafter Enders hat folgenden Wortlaut:
Niemand, der die heutigen Aussichten mit denen zu Beginn der siebziger
Jahre vergleicht, wird übersehen können, wieviel gefährlicher die Welt heute
geworden ist.
Afghanistan wird zu einer erneuten Bewährungsprobe dafür, wie gut wir
die größte Lehre des zwanzigsten Jahrhunderts begriffen haben - daß nämlich,
wie Präsident Carter es dieser Tage ausgedrückt hat, die Aggression, wenn man
ihr nicht entgegentritt, zu einer ansteckenden Krankheit wird.
Der

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�Der Iran ist zur Bewährungsprobe unserer Fähigkeit geworden, gemeinsam
zu handeln - klug, nicht aggressiv, aber fest - um eines der Fundamente der
politischen Zivilisation zu schützen:

die Unverletzlichkeit ausländischer

Vertretungen.
Ich glaube, wir sind uns auch alle bewußt, daß die Mittel, die uns zur
Verfügung stehen, um diese Ereignisse zu meistern, nicht so mächtig sind wie
zu Beginn der siebziger Jahre.
deten ist geringer.

Die relative militärische Stärke der Verbün-

Wir sind weniger zuversichtlich, daß wir in der Lage sei-

en, die inflationären Prozesse, deren Opfer wir alle sind,zu meistern, ja überhaupt nur richtig zu begreifen.

Wir fangen erst an, uns wirklich über die ge-

waltigen Veränderungen klar zu werden, die die Energiekrise von uns fordert.
Und vor allem, unsere Gesellschaften scheinen uns heute komplexer und zerstrittener denn je.

Es scheint sehr viel mühsamer, eine Übereinstimmung über

Ziele und Maßnahmen zu erreichen.

Wir machen uns Sorgen darüber, daß wir we-

niger anpassungsfähig seien.
Keines dieser Anliegen und Besorgnisse wird sich in allzu naher Zukunft
allzu sehr ändern.
Die Gefahren von außen dürften mit dem aggressiven Expansionismus der
Sowjetunion, den Umwälzungen im Islam

und der Agonie der kleinen indochine-

sischen Staaten sicherlich noch bedrohlicher geworden sein.
Ebenso wenig sind für unsere großen innenpolitischen Probleme Durchbrüche
in Sicht. Man kann wohl Wetten darauf abschließen, daß niemand in seinem Innern eine Idee zur Lösung des Inflationsproblems nährt, die mit der Entdeckung
von Keynes hinsichtlich der Arbeitslosigkeit vergleichbar wäre. Keine neuen
Erdölfelder, und seien sie noch so groß, werden wahrscheinlich die Verhältnisse
auf den ölmärkten auf sehr lange Zeit sehr wesentlich ändern. Und es wäre unrealistisch, wollte man erwarten, daß wir mit Hilfe eines "Sesam-öffne-dich"
einen Abkürzungsweg durch die üblichen, oft fürchterlich verschlungenen Pfade
der Angleichung auseinandergehender Auffassungen finden werden, die das Wesen
der Demokratie in Amerika und Europa ausmachen.
Wenn
- 2 -

�Wenn wir es besser machen wollen als im vorigen Jahrzehnt, ja, selbst
wenn wir es auch nur halbwegs so gut machen wollen, dann werden wir ein neues
Element einbringen müssen.

Wir müssen die Frage irgendwie anders stellen.

Dieses neue Element kann - wie mir scheint - nur sein, was wir noch
stärker zusammen tun können.

Ich glaube, wenn wir das kommende Jahrzehnt be-

greifen wollen, dann ist es tatsächlich von fundamentaler Bedeutung, daß wir
einsehen, daß keiner von uns, weder Europäer noch Amerikaner, Erfolg haben
wird, wenn

wir nicht eine seit der unmittelbaren Nachkriegszeit beispiellose

Anstrengung zur Zusammenarbeit unternehmen.
Das gilt eindeutig bezüglich der Geiseln, die in Teheran festgehalten
werden - unter Verletzung jeden Rechts, unter Mißachtung des Willens fast aller
Staaten und Völker, wider jede Regel der Zivilisation. Seit Beginn der Krise
hat sich ein überaus enges und unterstützendes Handeln unter uns abgezeichnet.
Während dieser Wochen konnte Amerika wirklich auf Europa zählen. Dieses lange Leiden tritt jetzt in eine neue, schwierigere,potentiell entscheidende
Phase, in der unsere Solidarität von entscheidender Bedeutung sein kann. Wir
rechnen weiterhin mit der Unterstützung Europas.
Im Falle der sowjetischen Invasion in Afghanistan hat die Europäische
Gemeinschaft nachhaltig auf die amerikanische Getreide-Entscheidung reagiert
und versprochen, die amerikanischen Nahrungsmittel lieferungen in die UdSSR
weder direkt noch indirekt zu ersetzen. Wir müssen uns heute fragen, ob es
klug ist, wenn wir der UdSSR helfen, ihre eigene Stärke aufzubauen, indem wir
hochtechnologische Güter liefern, die möglicherweise militärisch genutzt werden
können - wenn diese Stärke so gewalttätig und unvorhersehbar angewandt wird
wie jetzt in Afghanistan. Und ist es wirklich sinnvoll, der UdSSR bevorzugte
oder von der Regierung garantierte Kredite einzuräumen? Warum sollten die
Sowjets nicht zu den gleichen Bedingungen kaufen müssen wie andere entwickelte
Länder?
Aber es geht nicht nur um die Probleme jenseits unserer Grenzen, sondern
auch um die Probleme innerhalb unserer Grenzen, deren Lösung in den achtziger

�achtziger Jahren eine außerordentliche Anstrengung der Zusammenarbeit erfordern wird.
Denken wir nur an die Energie.

Wir haben den zweiten Ölschock noch nicht

verdaut, und es liegt bereits auf der Hand, daß wir in den nächsten Jahren von
einigen weiteren ölschocks getroffen werden können.
derartige Versorgungsstörungen geben wie im Iran.

Es kann durchaus weitere
Und selbst, wenn das nicht

der Fall ist, so ist der geplante Ausbau der OPEC- und Nicht-OPEC-Ölquellen
in diesem Jahrzehnt nicht ausreichend, um das Ausmaß an Wachstum zu erreichen,
das die Industriestaaten zu erreichen hoffen - ohne daß wir bei der Nutzung
von Energie eine wesentlich größere Effizienz erzielen.

Und in dem Maße, in

dem die Preise mit jedem Schock nach oben schießen, könnte mancher Produzent
seine Förderung senken, denn er könnte mehr an der Erhaltung seiner Vorkommen
als an der Anhäufung von Geld interessiert sein.
über ihr gegenwärtiges Niveau steigen.
wogen kommen.

Die ülpreise könnten weit

Es könnte zu gewaltigen neuen Inflations-

Die OPEC-Überschüsse könnten ins Unermeßliche wachsen.

Im in-

ternationalen Währungssystem könnten tiefgreifende Turbulenzen auftreten.
Das alles wäre möglich, selbst wenn das OPEC-Kartell in der gegenwärtigen
Uneinigkeit verharrt.

Es gibt Grund zu der Annahme, daß das Kartell bisher

nur eine wesentliche Auswirkung auf den ölmarkt gehabt hat, nämlich eine Untergrenze für die Preise zu schaffen, nachdem sie durch Verknappung der Lieferungen wie 1973/74 und erneut im vorigen Jahr in die Höhe getrieben worden waren.
In den achtziger Jahren müssen Europa und die Vereinigten Staaten zweierlei tun:
Erstens müssen wir mit den Schocks fertigwerden, damit ihre gewaltigen
aber potentiell kurzfristigen Preisauswirkungen nicht Einzug in das System
finden.

Dies ist uns 1973/74 nicht gelungen.

Damals wurden dem Angebot ein

halbes Jahr lang mehrere Millionen Barrel pro Tag entzogen.

Als sich die La-

ge wieder normalisierte, zahlten wir für dasselbe öl viermal so viel.

Dies

taten wir 1979 erneut vergeblich, als wir ein paar Millionen Barrel pro Tag
verloren, aber Saudiarabien und andere Länder dies mehr als wettmachten.
- 4 -

Und

�Und jetzt bezahlen wir 100 Prozent mehr für eine Gesamt-ÖlVersorgung, die
genau denselben Umfang hat wie vor der Krise.

Zweitens müssen wir über die Langzeittrends des Marktes hinausgreifen,
müssen von Reaktion auf Initiative übergehen, so daß unsere langfristigen Einsparungs- und Produktionsentscheidungen frühzeitig getroffen werden und dadurch diese - und nicht die Verfügbarkeit des OPEC-Öls - die Spielregeln bestimmen.

Wir müssen mehr tun.

Ein klarer Befehl?

Aber wir müssen es sicherlich schneller tun.

Ja, das ist es.

Umso mehr als die Europäer und die

Amerikaner gegenseitig ihre Leistungen kritisch betrachten.
gen,

Die Europäer sa-

die Amerikaner verschwendeten Energie mit ihren großen Autos und ihren

klimatisierten Häusern und allen ihren energieverschlingenden Maschinen.

Tat-

sächlich zeigt der genaueste Maßstab - Energieverbrauch pro Einheit des Binnensozialprodukts - einen kleineren Unterschied, als man denken würde.

Auf dieser

Skala benötigen die Vereinigten Staaten ein Drittel mehr Energie als die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien oder Italien, um eine Einheit des
Binnensozialproduktes herzustellen.

Aber sicher haben die Europäer recht,

wenn sie sagen, daß es in den Vereinigten Staaten mehr Langzeitmöglichkeiten
zur Einsparung und für neue Energieproduktion gibt als in Europa.

Die Amerikaner wiederum sagen, daß die Europäer nicht sehr hilfreich
sind, wenn es darum geht, mit dem ölschock fertigzuwerden - wie etwa 1979.
Nimmt man die Länder der Gemeinschaft zusammen, so haben sie tatsächlich ihren
Verbrauch um 10 Millionen Tonnen erhöht.

Es ist richtig, daß die amerikanische

Wirtschaft in diesem Zeitraum langsamer wuchs als die europäische.

Aber sogar

wenn man dies in Rechnung stellt, bleibt die Schlußfolgerung bestehen, daß erhöhte Gemeinschaftsimporte die amerikanische Anstrengung aufgehoben haben.

Tatsache ist, daß Nordamerika aufgrund des größten Potentials zu Einsparung und neuem Angebot eine besondere Verantwortung hat, zum langfristigen
Energiegleichgewicht beizutragen - in seinem eigenen Interessen wie im Allgemeininteresse.
Genau
- 5-

�Genau dies tun die Vereinigten Staaten, Seit 1973 ist der Gesamtenergieverbrauch nur um etwa ein Drittel des Bruttosozialprodukts gestiegen.

1979

unternahmen die Amerikaner einen großen Schritt in die Richtung, das Wirtschaftswachstum vom Ölverbrauch abzukoppeln, als der Verbrauch tatsächlich um 2,5 Prozent sank, während das Wirtschaftswachstum 2 Prozent betrug.

Die Vereinigten

Staaten erhöhen die Inlandsenergiepreise, die lang niedriger als die in Europa
waren, rascher als dort. Sie starten ein umfangreiches neues Programm für
synthetische Brennstoffe und schaffen sich die Mittel, die gesetzgeberischen
Hindernisse bei neuen Energieprojekten zu überwinden.

Die letzten beiden Maß-

nahmen durchlaufen gerade die letzte Etappe der Zustimmung im Kongreß.

Der

nächste Kongreß muß - und wird - breitangelegte neue Energiemaßnahmen verabschieden.
Aber in einer Krise, wenn rasch wirkende Maßnahmen benötigt werden, müssen alle beisteuern, oder die Anstrengung wird fehlschlagen - wie im letzten
Jahr.
Im Dezember führten die Internationale Energieagentur und die Europäische
Gemeinschaft eng koordinierte Mechanismen ein, um die Nachfrage in angespannten
Marktsituationen dem Angebot anzupassen,, Es ist entscheidend, daß wir sie zur
Wirkung bringen, wenn uns der nächste Schlag trifft. Tatsächlich werden wir
ohne einen effektiven Mechanismus dieser Art den Ereignissen in diesem Jahrzehnt gnadenlos ausgeliefert sein. Offensichtlich ist es für alle von uns politisch einfacher, den Schock einfach abzuwarten - und dann auf die OPEC loszurennen. Aber die sozialen und wirtschaftlichen Kosten der Untätigkeit unsererseits - hinsichtlich Inflation, Zahlungsbilanzabflüsse, Arbeitslosigkeit sind sehr hoch. Wir werden sie nicht mehr viel öfters zahlen können.
Lassen Sie mich zweitens zum Geld Stellung nehmen. Die meiste Zeit der
Nachkriegsperiode und fast überall auf der Welt war der Dollar die vorherrschende internationale Wertanlage und machte nie weniger als vier Fünftel der Währungsreserven der Welt aus. Und er war ein viel stabileres Instrument als oft
erkannt wird. Aber gegen Ende der sechziger Jahre nahm sein Wert gegenüber
anderen Währungen allmählich ab. Anfang der siebziger Jahre gab es eine Ab-

�Abwertung von insgesamt 17 Prozent.

Seit dem März 1973 sank der Wert des

Dollar gegenüber fast allen europäischen Währungen und dem Yen, stieg jedoch
gegenüber Großbritannien, Italien und Kanada.

Bewertet man ihn durch Handel,

so hat er seinen Wert gegen andere Währungen als Gruppe behalten.

Die Vereinig-

ten Staaten sind entschlossen, diese Funktion zu erhalten,und werden die hierzu
notwendigen internationalen und nationalen Schritte ergreifen.

Wir bewiesen

dies im November 1978 und erneut im Oktober letzten Jahres.
Aber wir wissen, daß es in diesem Jahrzehnt ungeheuren Druck auf das Weltwährungssystem geben kann:
- Die OPEC könnte gewaltige Währungsbestände aufhäufen - viel größer,als
manche Länder überhaupt aufnehmen möchten.
- Manche Entwicklungsländer, tiefverschuldet, könnten Schwierigkeiten haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
- Manche Dollarbesitzer könnten den Wunsch hegen, ihre Vermögenswerte
zu diversifizieren, aber solange es keine wesentlichen Änderungen gibt, könnten
potentielle Reserveländer es nur ungern sehen, wie ihre Währung in größerem
Umfang als Reserve benutzt wird.
- Das Fehlen eines Mechanismus zur Kontrolle der geschaffenen internationalen Liquiditätsmengen könnte Fragen über die Stabilität des Systems aufkommen
lassen. Eindeutig ist die Zeit gekommen, da der Stabilität des Systems dadurch am besten gedient würde, daß man sich in. zunehmendem Maß auf eine einzige,
international geschaffene und verwaltete Reserveeinheit stützt.
Der Internationale Währungsfonds hat bereits die ersten Schritte in diese Richtung unternommen, indem er die Sonderziehungsrechte geschaffen, sie zur
grundlegenden Rechnungseinheit und in größerem Umfang verwendbar gemacht hat.
Der nächste Schritt wird sein, ein Mittel zu schaffen, durch dessen Hilfe
Reserven an Dollar und vielleicht anderen Währungen in Reserven an Sonder- 7 -

�Sonderziehungsrechten konvertiert werden könnten.

Verhandlungen über einen

solchen Mechanismus - Substitionskonto genannt - sind jetzt im Gange.
Den Schritten zur Verbesserung unserer weltweiten internationalen Währungsvereinbarungen entsprechen die Anstrengungen zur Stärkung der Währungsvereinbarungen in Europa.
Das Europäische Währungssystem kann zu einer größeren Stabilität des Gesamtsystems beitragen, teilweise durch die Wechselkursvereinbarungen und - noch
wichtiger - durch die Koordinierung der nationalen Politiken.
Es ist noch unbekannt, wie weit die Gemeinschaft bei der Institutionalisierung der neuen europäischen Währungseinheit in der zweiten Phase des Europäischen Währungssystems gehen wird und ob sie eine stärkere Verwendung ihrer
neuen Währungseinheit, des ECU, erlauben oder vielleicht dazu ermutigen wird.
Sollte dies der Fall sein, so könnte der ECU eine zusätzliche Möglichkeit für
die weltweite Kreditgewährung sein, ohne auf nationale Währungen zurückzugreifen,
da viele Mitglieder der Gemeinschaft nur ungern sehen, daß diese in eine Reserverolle gedrängt werden.

Dies wäre eine vielversprechende Entwicklung.

Drittens gibt es die Frage des Handels. Wir dürfen nie vergessen, daß
eine der wesentlichsten Ursachen dafür, daß die Geschichte nach dem Zweiten
Weltkrieg in einer Richtung verlief, die so verschieden von jener nach dem
Ersten Weltkrieg war, die Entwicklung des internationalen Handels gewesen ist.
Der Handel war die große Wachstumsindustrie der letzten 30 Jahre, die ständig
die Leistung des Inlandsmarktes bei weitem übertraf. Dies ist nicht von selbst
geschehen, sondern ist das Ergebnis einer bemerkenswerten, anhaltenden Anstrengung, die Zölle zu senken und andere Beschränkungen zu begrenzen; beide - die
Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten - spielten dabei eine führende Rolle.
Die Hoffnung auf Wohlstand in diesem Jahrzehnt wird viel geringer sein, wenn
wir nicht in der Lage sind, das Handelssystem weiterhin offen zu halten.
Wie Sie wissen, trat am 1. Januar die erste bedeutsame Revision der internationalen Handelsregelungen seit kurz nach dem Krieg in Kraft.

Diese neuen

�neuen Regeln sind zusammen mit den umfangreichen Zoll Senkungen, die gleichzeitig
ausgehandelt wurden, eine wesentliche Leistung für die internationale Gemeinschaft.

Jetzt treten wir in die heikelste Phase ein.

Die Eindrücke und die

Signale

der kommenden Monate können leicht das Handelsklima des Jahrzehnts

festlegen.

Diejenigen, die bei ihrem Handel Grund zur Klage hatten, werden ohne Zweifel sehen wollen, ob die neuen Regeln ihnen bessere Chancen für eine Abhilfe
geben, als dies bei den alten der Fall war.

Dies ist nur allzu natürlich, und

man sollte ihren Klagen Gehör verschaffen.

Gleichzeitig sollten wir diese neuen Werkzeuge behutsam einsetzen, damit
sie gestärkt werden und sichergestellt wird, daß sie nicht in unserer Hand
zerbrechen.

Es ist unvermeidlich, daß es Meinungsverschiedenheiten bei der Interpretation der Abkommen geben wird.

Ebenso unvermeidlich ist es, daß es auf beiden

Seiten ein paar Fälle geben wird, wo einige limitierte ad-hoc-Maßnahmen unumgänglich sind.

Aber es gibt zwischen der Gemeinschaft und den Vereinigten Staa-

ten auf dem Handelssektor eine vorzügliche Kommunikation.

Wir sollten uns ihrer

bedienen, um einander zu konsultieren, bevor wir handeln.

Wo immer es nötig

und möglich ist, sollten wir unsere Konsultationen dazu nützen, Meinungsverschiedenheiten beizulegen.

Dies wird der Weg sein, den die Vereinigten Staaten

gehen.

Gestatten Sie mir viertens, daß ich mich kurz Verteidigungsfragen zuwende.
Wir sind uns heute alle stärker der neuen Bedrohungen unserer Sicherheit durch
die außerordentlichen und anhaltenden Anstrengungen der UdSSR bewußt, die militärische Überlegenheit zu erringen.

Die meisten der Verbündeten unternehmen

bereits umfassendere Verteidigungsanstrengungen, und niemand vermag den Zeitpunkt vorauszusehen, von dem an wir weniger tun können.

Während wir in den

siebziger Jahren Ressourcen vom Verteidigungsbereich auf den zivilen Bereich
umdirigieren konnten, besteht diese Option heute für uns nicht mehr.
ten in der Tat gezwungen sein, das Gegenteil zu tun.
- 9 -

...

Wir könn-

�Wir alle haben, was unsere Gesellschaft angeht,viele unerledigte Aufgaben
anstehen:

die berechtigten Ansprüche auf bessere Wohnverhältnisse, bessere

Gesundheitsfürsorge, eine bessere Umwelt, besseren Schutz vor Arbeitslosigkeit
und eine bessere Erziehung.

Um diesen und den Sicherheitserfordernissen ge-

recht werden zu können, müssen wir lernen, die auf die Verteidigung zu verwendenden Ressourcen so wirksam wie nur möglich zu nutzen.
Es sind bereits langfristige Anstrengungen im Gange, unnötige Parallelvorhaben zu eliminieren und die Zusammenarbeit in der Entwicklung und Produktion
von Rüstungsgütern zu verbessern.

Sicherlich besteht auf manchen Gebieten ein

gesunder Wettbewerb zwischen mehreren qualifizierten Lieferfirmen auf beiden
Seiten des Atlantik.

Es gibt allzu oft weitgehende Überlappungen, wenn mehrere

Länder ihre eigenen Systeme auf im wesentlichen exklusiver Basis in kleinen Serien bei hohen Kosten und geringer Effizienz produzieren, und es gibt auch
Fälle der Marktbeherrschung durch eine einzige (häufig amerikanische) Lieferfirma - oder beides.

Europa und Amerika sind der Sowjetunion hinsichtlich ihrer

industriellen Stärke weit überlegen; es ist aber keineswegs sicher, daß wir
diese Fähigkeit so weitgehend oder so gut ausnutzen, wie wir dies könnten.
Um Fälle von Ineffektivität zu beseitigen, geht die NATO drei Wege.
Erstens auf dem Gebiet der Entwicklung: Die NATO faßt neue Waffen wie beispielsweise die Kurz- und Mittelstrecken-Luft-Luft-Raketen, zu"Familien" zusammen. Auf diese Weise wird von vornherein vereinbart, welcher Typ aus einer solchen Waffenfamilie - beispielsweise welche Luft-Luft-Rakete - von Nordamerika
und welcher Typ von Europa entwickelt werden soll. Zweitens auf dem Gebiet der
Produktion: Die NATO ermutigt zur Einrichtung "paralleler" Fertigungsstraßen
auf beiden Seiten des Atlantik, um der Neigung entgegenzuwirken, die gleichen
Waffen immer wieder "neu" zu erfinden. Drittens führen die Vereinigten Staaten
Verhandlungen mit dem Ziel, zu gemeinsamen Absprachen bezüglich der für die Gesamtverteidigung erforderlichen Beschaffungskäufe zu gelangen, um Vorschriften
zur Bevorzugung "heimischer" Anbieter zu eliminieren und die Beurteilung von
Waffen nach ihren Leistungen zu erleichtern. Die Bündnismitglieder erproben
dieses Konzept einer verbesserten transatlantischen Zusammenarbeit in der
Rüstungsproduktion gegenwärtig an ersten Beispielen und haben damit inzwischen

�inzwischen vielversprechende erste Ergebnisse erzielt.

Vielleicht läßt sich

hier - wie auf anderen Gebieten - eine europäische Lösung finden, die mit einer
umfassenderen transatlantischen Lösung vereinbar ist.

Ich möchte damit keineswegs sagen, daß sich Anstrengungen im eigenen Land
durch die internationale Kooperation ersetzen lassen.

Keine internationale An-

strengung kann den Mangel an Willenskraft im eigenen Lande kompensieren.

Und

ich will auch nicht sagen, eine Forderung müsse allein schon deshalb als gültig
betrachtet und befolgt werden, weil es sich um eine Forderung nach Zusammenarbeit handelt.

Das wäre Unsinn.

Sicherlich aber sind Kräfte in der Welt am Werk, die keiner von uns für
sich allein unter Kontrolle bringen kann.

Die Erfahrung lehrt uns, daß ein höheres Maß an Zusammenarbeit sehr schwierig zu erreichen und aufrechtzuerhalten sein wird.

Hier spielen Stilfragen

eine große Rolle.

Wir müssen uns aufgeschlossen gegenüber der Tatsache zeigen, daß ein höheres Maß von Kooperation nicht nur unsere gemeinsamen Kräfte und unsere Effizienz mehren, sondern auch die Streßbelastung erhöhen kann.

Das verlangt der

Politik viel ab und erfordert eine besondere Form der Kreativität, die es jedem Lande gestattet, seine Hoffnungen und Interessen innerhalb der gemeinsamen
Aktionen zum Ausdruck zu bringen.

Wir haben es nicht nötig, uns gegenseitig mit dem Vorwurf zu begegnen,
jeder folge seiner eigenen, unausgesprochenen Tagesordnung.

Die Zeit ist ein-

deutig vorüber, in der der eine die Interdependenz feiern und ein anderer sie
lediglich für ein Kodewort für Hegemonie halten mochte oder in der ein zweiter den Nationalismus rühmte, während ein dritter ihn lediglich als Deckmantel
für

den nationalen Egoismus erachtet.

Die Erfahrung lehrt, daß die Vorzüge

sowohl der Interdependenz als auch des Nationsiismus weit überschätzt worden
sind.
Wir
- 11 -

�Wir sollten uns unsere Unterschiede und auch der Tatsache bewußt sein,
daß Europa und Amerika, wie Rainer Maria Rilke sich ausdrückt, zwei Einsamkeiten
sind, die sich gegenseitig schützen, berühren und respektieren müßten.
Kein Forum braucht bevorrechtigt zu sein. Wir sollten vielmehr die Mechanismen nutzen oder schaffen, die der jeweiligen Angelegenheit angepaßt sind,und
nicht umgekehrt.

Die Amerikaner aber wissen, wieviel Stärke freigesetzt wird,

wo immer sich Europa zur Zusammenarbeit entschließt, und in allen solchen Fällen
werden wir es begrüßen, daß wir es mit der Gemeinschaft zu tun haben.
Letzten Endes werden alle - Amerikaner, Europäer, ja wir alle - nach Mitteln und Wegen suchen müssen, unsere jeweiligen nationalen Interessen stärker
in Übereinstimmung mit den gemeinsamen Interessen zu bringen, wollen wir die
Werte erfolgreich verteidigen, auf die sich die westliche Welt gründet.

Die

Zukunft dringt in uns ein, um einen weiteren Gedanken Rilkes anzuführen, und
verwandelt sich in uns, lange ehe dies nach außen sichtbar wird.

In einem ge-

wissen Sinne ist die Zukunft schon in uns in Gestalt dessen, was Europa und
Amerika gemeinsam erreicht haben.

Das wiederum bedeutet, daß wir fähig sein

werden, auch unseren künftigen Verantwortungen gerecht zu werden.

.

•

.

• •

+ + + + +

�3
I 3

UJi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

LAKE PLACID:

SOLARSTROM FÜR DIE STRECKENTELEFONE

- (AD) - Zwanzig Kollektoren auf dem Whiteface Mountain liefern
den elektrischen Strom für den Betrieb des Telefonsystems, das für die
Olympischen Winterspiele in Lake Placid entlang der Skilauf-Rennstrecken
installiert wird. Die zahlreichen Einzel Zeilen der Sammlerplatten wandeln
Sonnenenergie in elektrischen Strom um.
Der Startplatz für die Skiläufer aus 40 Nationen liegt in 876 m
Höhe an einem Abhang des knapp 1500 m hohen Whiteface Mountain, das Ziel
befindet sich 400 m tiefer.

Hier werden über Strecken von 1200 m und

mehr die Wettkämpfe im Slalom, Riesenslalom und in den Abfahrtsläufen
ausgetragen.
Die für die Stromerzeugung verwendeten Solarzellen sind repräsentativ
für die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet der Technik. Jede
Sammlerplatte erzeugt bei stärkster Sonneneinstrahlung ca. 20 Watt. Die
sog. photovoltaisehen Zellen brauchen praktisch keine Wartung und haben
eine sehr lange Lebensdauer; am System gibt es keine beweglichen Teile.

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�Teile.

Die Raumfahrttechnik bedient sich schon seit zwei Jahrzehnten

solcher Ausrüstungen zur Erzeugung von Betriebsstrom für unbemannte und
bemannte Raumfahrtgeräte.

Einer breiten Anwendung unter irdischen Be-

dingungen stehen jedoch noch immer die Kosten für die Solarzellen im Wege,
obgleich diese in den letzten vier Jahren um 80 Prozent zurückgegangen
sind.

Die Fachleute sind jedoch zuversichtlich, daß sie weiterhin gesenkt

werden und Solarzellen in absehbarer Zeit mit anderen Verfahren der Stromerzeugung konkurrieren können.

+ + + + +

- 2 -

�3!
I

3

•JUiz/cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

HYBRIDAUTO FÜR BENZIN- UND STROMBETRIEB
Entwicklungsmodell von der Universität Berkeley

- (AD) - Einen schnittigen Kleinwagen stellten Studenten der
Universität Kalifornien in Berkeley der Öffentlichkeit vor, den sie unter
Mitwirkung von Otto J. Smith, Professor für Elektrotechnik, und Frank
Hauser, Professor für Maschinenbau, in achtzehnmonatiger Arbeit entwickelt
haben.

Er verbraucht 4,7 Liter Benzin pro 100 km bei Autobahnfahrten und

wird im Stadtverkehr mittels eines kleinen Hebels

auf abgasfreien Elektrobe-

trieb umgeschaltet.
Das Gefährt hat ein Volkswagen-Chassis und ist mit einem MotorradVerbrennungsmotor der Fa. Honda sowie einem 10 PS-Elektromotor und vier
Batterien ausgerüstet. Die Spitzengeschwindigkeit beträft etwas über
120 km/h. Der Tank faßt 25,7 Liter, so daß die Reichweite bei normaler
Fahrweise ca. 550 km beträgt. Wenn der Wagen auf Benzinbetrieb geschaltet
ist, werden während der Fahrt gleichzeitig die Batterien wieder aufgeladen.

Die

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�Die Studentengruppe konstruierte den Versuchswagen unter der Gesamtleitung von Chenming Hu, Assistenzprofessor für Elektrotechnik und Informatik
an der Universität Berkeley, für einen landesweiten Wettbewerb, der von der
gemeinnützigen Stiftung SCORE (Student Copetitions on Relevant Enginieering,
Inc.) organisiert worden war.

Sie errang den zweiten Platz bei der

Bewertung der vorgestellten Hybridwagen.
Der Zweisitzer mit seiner leichten Fiberglas-Karosserie fand allgemein
viel Bewunderung.

Ein Expertengremium aus der Industrie, das die Beurteilungen

vornahm, schätzte, daß der Stückpreis ca. 4 000 Dollar betragen würde,
wenn eine Serienfertigung 100 000 Stück pro Jahr erreichte.

Das Entwicklungs-

modell kostete 10 600 Dollar, die vor allem durch Spenden von Seiten der
Industrie und zweier Stiftungen aufgebracht worden waren. Gegenwärtig ist
die Studentengruppe dabei, bestimmte technische Details noch zu verbessern.

+ + + + +

- 2

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhinderung von nuklearer Proliferation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Untersuchungen des US-Energieministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Synthesebrennstoffe - Kohle - Kernkraft&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unverzichtbare Energiequellen in den nächsten Jahrzehnten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fernsehinterview Präsident Carters am 20. Januar 1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Präsident Carters an das Olypmische Komitee der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Botschafters bei der EG in Brüssel:&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wir rechnen mit der Untersützung Europas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lake Placid: Solarstrom für die Streckentelefone&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hybridauto für Benzin- und Strombetrieb&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Entwicklungsmodell von der Universität Berkeley -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

INHALT

INFORMATION
George Meany:

Einer der Großen der Gewerkschaftsbewegung

- Leben und Werk des verstorbenen Präsidenten des AFL-CIO

DOKUMENTATION
Präsident Carter verdeutlicht Richtlinien der US-Politik gegenüber
dem Iran und Afghanistan
Fernsehinterview mit US-Sicherheitsberater Brzezinski zu Afghanistan
Pressekonferenz von US-Verteidigungsminister Brown in Peking
- Wortlaut Rede des amerikanischen UN-Botschafters McHenry vor dem Sicherheitsrat am 13. Januar 1980
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Vordringliche Energie-Entscheidungen im US-Kongreß

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Frischfisch wochenlang haltbar gemacht

Um Übcr/cndun9 von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

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Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

GEORGE MEANY:

EINER DER GROSSEN DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG

Leben und Werk des verstorbenen Präsidenten des AFL-CIO

WASHINGTON

- (AD) - Das amerikanische Volk trauert mit den Mitgliedern

der Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten um George Meany, den
Architekten der modernen Arbeiterbewegung in Amerika, der am 10. Januar 1980
im Alter von 85 Jahren verstorben ist.
Präsident Carter feierte Meany in einem Nachruf als "eine amerikanische
Institution" und als Patrioten. "George Meanys bleibendes Denkmal," so
sagte der Präsident, "ist die geeinte freie Gewerkschaftsbewegung, die er
mitbegründen half..., und sein Lebenswerk kommt Millionen von Menschen in
aller Welt zugute - auch vielen, die niemals einer Gewerkschaft angehört
haben."
Meanys Eintreten für eine internationale freie Gewerkschaftsbewegung
wurde auch von Lane Kirkland hervorgehoben, der im November vergangenen Jahres
als sein Nachfolger zum Präsidenten des mit 14 Millionen Mitgliedern
größten amerikanischen Gewerkschaftsverbandes, American Federation of LaborCongress of Industrial Organizations (AFL-CIO) gewählt wurde.

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

"Oberall auf

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

auf der Welt," so erklärte Kirkland anläßlich des Todes von George Meany,
"haben Arbeiter anderer Länder mit seiner Unterstützung, unter seiner Anleitung und dank seiner Inspiration eigene freie demokratische Bewegungen
errichtet."
Meany war der festen Überzeugung, daß die amerikanische Arbeitnehmerschaft trotz aller Erfolge der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten
keinen Grund zur Selbstgefälligkeit habe, solange ihre Kollegen im Ausland
noch unter Unterdrückung zu leiden haben.

Diese Überzeugung ließ ihn zu

einem erklärten Gegner "jeder Art von Tyrannei" werden - gl eichgültig,ob
es sich dabei um ein Herrschaftsstreben von rechts oder links, beziehungsweise von Reaktionären oder Revolutionären handelte.
Im Jahre 1933, wenige Monate nach der Machtergreifung Hitlers in
Deutschland, half Meany mit, einen Boykott gegen die Nazis zu organisieren
und einen Fonds zur Unterstützung von Gewerkschaftsvertretern zu errichten,
die sich dem Nazi-Terror durch die Flucht entzogen hatten. Und nach dem
Krieg war es wiederum Meany, der entschieden für die Gewährung von
Marshallplan-Hilfe an Arbeiter in den befreiten Ländern Westeuropas
eintrat. Meany setzte sich auch für die Gründung des Internationalen
Bundes freier Gewerkschaften (International Confederation of Free Trade
Unions - ICFTU) als Alternative zu dem von Kummunisten beherrschten Weltgewerkschaftsbund (World Federation of Trade Unions - WFTU) ein. Und als
er zu der Überzeugung gelangte, daß der ICFTU die anfangs in ihn gesetzten
Hoffnungen nicht erfüllen könne, war er es, der ein Ausscheiden des
AFL-CIO auch aus diesem Verband befürwortete.
Im Jahre 1960 organisierte der AFL-CIO auf Betreiben Meanys das
Amerikanische Institut zur Entwicklung freier Gewerkschaften (American
Institute of Free Labor Development) als ein Instrument zur Verbreitung
freier Gewerkschaften und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der
Arbeitnehmer in Mittel- und Südamerika. Darauf folgte sehr rasch die

- 2 -

�die Errichtung des Asiatisch-Amerikanischen Instituts freier Gewerkschaften (Asian-American Free Labor Institute) und des AfrikanischAmerikanischen Gewerkschaftszentrums (African-American Labor Center).
Diese drei Institute führen umfassende Erziehungsprogramme durch, in
deren Rahmen Arbeiter aus Entwicklungsländern auf die Übernahme führender
Positionen in der freien Gewerkschaftsbewegung ihres Heimatlandes vorbereitet werden.

Meany beteiligte sich auch aktiv an der Tätigkeit des

nach ihm benannten George Meany Labor Center

in Sil verspring Maryland,

dem größten Bildungsinstitut der organisierten Arbeitnehmerschaft in
Amerika.
Der Zusammenschluß der American Federation of Labor (AFL) mit dem
Congress of Industrial Organisation (CIO) nach fast 20 jähriger Rivalität
wird generell als Meanys größte Leistung angesehen. Er lehnte es ab, dem
Beispiel mächtiger und einflußreicher Arbeitnehmerorganisationen anderer
Länder folgend den AFL-CIO zum Kern einer politischen Arbeiterpartei
werden zu lassen. Er zog es vor, Reformen der Arbeitswelt über das bestehende amerikanische Zweiparteiensystem durchzusetzen.
William George Meany wurde am 16. August 1984 in New York City als
zweites von zehn Kindern einer streng katholischen Arbeiterfamilie geboren.
Sein Vater Michael Joseph Meany war Vorsitzender des Ortsverbandes der
Installateur-Gewerkschaft und Kommunalpolitiker.

Als die Familienverhältnisse

George Meany zum Verlassen der Oberschule zwangen, ergriff er den Beruf
seines Vaters.

Nach Beendigung einer fünfjährigen Klempner-Lehre erhielt

er 1915 den Gesellenbrief und die volle Gewerkschaftsmitgliedschaft.
Meany nahm einen raschen Aufstieg innerhalb der Gewerkschaften.
Er wurde zunächst zum Vorsitzenden seiner örtlichen Gewerkschaft und
1934 zum Präsidenten der Federation of Labor im Staate New York gewählt.
In den fünf Jahren, die er dieses Amt bekleidete, gelang es ihm gemeinsam
mit anderen hohen Gewerkschaftsfunktionären,die Annahme von 72 Gesetzen zu

-

3 -

�zu erreichen, die Rechte und Beschäftigungsbedingungen der Arbeitnehmer
beträchtlich verbessern halfen.
Im Jahre 1939 brachte ihm sein hohes Ansehen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung die Wahl zum Schatzmeister der AFL ein. Dreizehn Jahre später,
1952, trat er nach dem Tod von William Green dessen Nachfolge als Präsident
der Federation of Labor an. Am 7. Dezember 1955 schließlich wurde er auf
dem Gründungskongreß der Dachgewerkschaft AFL-CIO in New York einstimmig zu
deren ersten Präsidenten gewählt.

Nachdem er seither auf allen folgenden

12 Gewerkschaftskongressen jeweils ohne Gegenstimme in diesem Amt bestätigt
worden war, schlug er am 15. November 1979 die Wiederwahl mit dem Hinweis
auf seinen angegriffenen Gesundheitszustand aus.
Als Gewerkschaftsführer strebte Meany über ein halbes Jahrhundert lang
mit sichtlichem Erfolg eine Ausweitung der Rolle der Gewerkschaften innerhalb der Gesellschaft an.

"Die Tagesordnung und das politische Programm

der Arbeiterbewegung sind die menschlichen Belange," erklärte er in seiner
Abschiedsansprache vor der dreizehnten Zwei Jahresversammlung des AFL-CIO
knapp zwei Monate vor seinem Tod, um fortzufahren:

"Ziel der Gewerk-

schaften ist die Gewährleistung der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit.

Und weil der Mensch fehlbar ist, erfordert die Erreichung dieser

Ziele immer neue Ideen und den Einsatz unserer gesamten Kraft."
Zu den gesetzgeberischen Maßnahmen, die Meany mit Erfolg verfochten hat,
gehören das Bürgerrechtsgesetz von 1964 (Civil Rights Act), das die Rassendiskriminierung in den Anstellungspraktiken der Unternehmen verbot; das Gesetz
über den Unfall- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz von 1970 (Occupational
Savety and Health Act), durch das eine eigene Behörde zur Gewährleistung
der Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung errichtet wurde; der Präsidialerlaß,
der staatlichen Bediensteten das Recht zur Führung von Kollektivverhandlungen
einräumte; die Novellierung bestehender Gesetze im Bereich der Sozialversicherung, der Mindestlöhne, der Gesundheitsfürsorge für ältere Menschen und_

�und des Wahlrechts, um nur einige wenige Hinweise zu geben.
Meany wurde in Würdigung seiner Verdienste um den Frieden und die
Freiheit in aller Welt durch Präsident Eisenhower zweimal in die
amerikanische Delegation bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen
entsandt - eine Ehre, die ihm als ersten amerikanischen Gewerkschaftsführers widerfuhr.

Er besaß die Ehrendoktorwürde einer Reihe amerikanischer

Universitäten und wurde unter anderem mit der Freiheitsmedaille des
Präsidenten ausgezeichnet.
Meany war seit Frühjahr vorigen Jahres wegen einer schweren Arthritis
an den Rollstuhl gefesselt, nachdem er sich bei einem Golfunfall eine Knieverletzung zugezogen hatte. Der Tod seiner Frau Eugenia, mit der er 59
Jahre verheiratet war, im März vorigen Jahres war für ihn, wie seine engsten
Freunde und Mitarbeiter berichten, ein schwerer Schlag. Er hinterließ drei
Töchter und 14 Enkelkinder.

PRÄSIDENT CARTER ZUM TOD VON GEORGE MEANY

Der amerikanische Präsident gab anläßlich des Todes des ehemaligen
Präsidenten des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO folgende
Erklärung ab:
George Meany war eine amerikanische Institution. Er hat kraft der
Stärke seines Charakters und der Integrität seines Glaubens unser Volk
im Großen wie im Kleinen hundertfältig zum besseren hin verändert. Seine

- 5 -

�Seine Stärke - sein Mut, sein praktischer Idealismus, sein Mitgefühl und
sein unerschütterliches Bekenntnis zur Menchenwü'rde und zu den Menschenrechten - war die Stärke der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung.
Allem voran aber war George Meany Patriot.

Er gab seiner Liebe zu

unserem Land dadurch Ausdruck, daß er sich kämpferisch dafür einsetzte,
es zu einem besseren Land zu machen, in dem sich lohnt,zu arbeiten und zu
leben.

Er kam von Baugewerbe her,und er hat in einem langen Leben als eine

führende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens nie aufgehört, zu bauen.
Er hinterläßt Amerika als sein Erbe eine freiere, stärkere und gerechtere
Gesellschaft als die, in die er hineingeboren worden war.
George Meanys bleibendes Denkmal ist die geeinte freie Gewerkschaftsbewegung, die er mitbegründen half und so lange und so hervorragend geführt
hat.

Aber seine Vision von der Rolle der Gewerkschaften war eine umfassende,

und sein Lebenswerk kommt Millionen von Menschen in aller Welt zugute auch vielen, die niemals einer Gewerkschaft angehört haben.

Er war ein

Gegner des Totalitarismus jeglicher Prägung - ein Kämpfer für soziale
Gerechtigkeit im In- und Ausland und ein Freund der Freiheit überall auf
der Welt.
George Meany fungierte als Berater mehrerer Präsidenten und hat niemals
den Kontakt zum kleinen Mann auf der Straße verloren. Wie sieben meiner
Vorgänger genoß auch ich das Privileg, von seinem aufrichtigen Rat profitieren
zu können. Arbeitende Männer und Frauen überall auf der Welt, werden
seinen Tod betrauern. Papst Johannes Paul II hat Meany vor drei Monaten
anläßlich seines Besuchs im Weißen Haus sehr trefflich charakterisiert, als
er dessen beide Hände ergriff und sagte: "Sie leisten gute Arbeit für Ihre
Leute." Wir alle waren wohl alle George Meanys Leute, und die gute Arbeit,
die er geleistet hat, wird uns noch auf lange Zeit hinaus zugute kommen.

+ + + + +

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
16. Januar 1980

PRÄSIDENT CARTER VERDEUTLICHT RICHTLINIEN DER US-POLITIK GEGENÜBER DEM
IRAN UND AFGHANISTAN

WASHINGTON - (AD) - Vor etwa 80 Mitgliedern des amerikanischen Kongresses
hat Präsident Carter am 8. Januar 1980 die Haltung der amerikanischen Regierung
gegenüber dem Iran und Afghanistan verdeutlicht.
Die wesentlichen Punkte seiner Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend einige Minuten darauf verwenden, Ihnen die beiden grundlegenden und schwerwiegenden Probleme zu erklären, um die wir uns gegenwärtig kümmern - um eines der beiden seit dem 4. November, um das andere
seit dem Weihnachtsabend.

Ich kann mich an keinen Zeitpunkt der Geschichte

erinnern, zumindest nicht der modernen Geschichte, da unser Land in Frieden
lebte und sich dennoch solch große Sorgen machte wie in den letzten beiden
Monaten, seit amerikanische Geiseln am 4. November in unserer eigenen Botschaft
in Teheran gefangengenommen wurden.
Ich brauche nicht auf die Einzelheiten dieses Vorfalls einzugehen, denn
Sie sind damit eng vertraut.

Ich möchte vielmehr die grundlegenden Prinzipien

umreißen, die mich in den letzten beiden Monaten geleitet haben.
werde ich gerne Ihre Fragen beantworten.

Anschließend
r

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es waren keine erfreulichen zwei Monate.
und der Prüfung.

Es war eine Zeit der Anspannung

Es war eine Zeit engster Verhandlungen mit vielen Führungs-

persönlichkeiten des Auslands in dem Versuch, die grundlegenden Zielsetzungen
zu verwirklichen, die wir seit Beginn dieser Konfrontation mit den Terroristen
oder Entführern in Teheran verfolgt haben.
Unser oberstes Gebot ist der Schutz der Interessen unserer Nation gewesen, der übergreifenden, überdauernden Interessen; zweitens, alles in unserer
Macht liegende zu tun, um das Leben und die Sicherheit der amerikanischen Geiseln, unserer 50 Mitbürger, zu gewährleisten; drittens, auf diplomatischem Weg
durch Nutzung aller möglichen Kanäle zu erreichen, daß sie - so Gott will unversehrt befreit werden; viertens, ein Blutvergießen zu vermeiden, das höchstwahrscheinlich zum Tod unserer Geiseln führen würde sowie fünftens - und am
schwierigsten -, die Unterstützung für die amerikanische Lage durch die überwältigende Mehrheit der Länder dieser Erde zu erreichen.

Gerade die letzte

Aufgabe war nicht einfach, denn historisch gesehen stand unser Land in den
Vereinten Nationen und anderen internationalen Foren nie in besonderer Gunst,
denn wir sind mächtig, eine Supermacht, und es gibt zeitweilig Eifersucht,
Empfindlichkeit und Mißtrauen uns gegenüber.
Wie Sie wissen, gab es im Sicherheitsrat vier Abstimmungen. Wir haben
noch keine Niederlage erlitten. Bei der letzten Abstimmung über die Einsetzung einer Frist für Verhängung von Sanktionen und über die Aufforderung an
den Generalsekretär, nach dem Iran zu fliegen, gab es vier Enthaltungen - die
Sowjetunion und ihre Marionette Tschechoslowakei sowie zwei kleine Moslemländer, Bangladesh und Kuweit. Die anderen elf Länder stimmten dafür, den Generalsekretär als eine letzte Anstrengung zur Verhandlung über die Freilassung
der Geiseln nach dem Iran zu entsenden, wobei nach diesem Zeitraum der Sicherheitsrat erneut zusammentreten und Schritte über mögliche Wirtschaftssanktionen
unternehmen sollte.
•

Beim Internationalen Gerichtshof betrug das Abstimmungsergebnis 15 : 0,
also Einstimmigkeit.

Bis dahin also erreichten wir alle die Ziele, die wir
•

- 2 -

�wir uns selbst gesteckt hatten - ausgenommen die Freilassung der Geiseln, und
wir erkunden weiterhin jeden möglichen Weg zu dieser Freilassung.

Der schwierigste Aspekt der iranischen Frage besteht darin, daß es keine
Regierungseinheit gibt, mit der wir kommunizieren oder verhandeln oder bei
der wir eine Klage oder Forderung vorlegen können.

Nach Rückkehr von seiner

Reise in den Iran, berichtete der Generalsekretär ebenfalls von dieser uns
schon bekannten Tatsache, nämlich, daß die mächtigste einzelne politische Einheit im Iran aus den internationalen Terroristen oder Entführern besteht, die
unsere Geiseln festhalten.

Wann immer es hinsichtlich der Geiseln zwischen

Khomeini oder dem Revolutionsrat und den Terroristen zu einer Auseinandersetzung kam, so behielten stets die Terroristen die Oberhand.

Wir wissen nicht,

was in Zukunft geschehen wird, aber ich denke, Sie erkennen wahrscheinlich,
daß diese kleine Gruppe von Leuten,

unter der sich ursprünglich vielleicht

auch einige Studenten befanden - die aber keine Studenten sind und auf die man
auch nicht als Studenten hinweisen sollte - mit dem Festhalten amerikanischer
Geiseln einen großen und bedeutsamen politischen Einfluß im Iran erreicht haben.
Sieverfolgen nicht notwendigerweise als eine ihrer Hauptinteressen die Integrität des Iran als einer Nation oder das Wohlergehen des iranischen Volkes oder
sogar die Sicherheit des Landes, in dem sie leben; und deshalb gibt es keine
legitime Hebelwirkung des politischen Wandels, die auf sie ausgeübt werden
könnte, und es gibt dort kein Gebilde, mit dem man verhandeln könnte.

Sie wissen, daß die Folgen für den Iran ziemlich ernst sein werden, wenn
die Geiseln verletzt oder getötet werden, und ich bin der Meinung, daß lediglich die Anwesenheit einer sehr starken Streitmacht in der Arabischen See sie
bisher davon abgehalten hat, eine Tat zu begehen, die für die übrige Welt noch
verabscheuungswürdiger gewesen wäre.

Dieses Problem dauert an.

Für Sie wie

für mich ist es ein stets gegenwärtiger Gedanke, und ich bin entschlossen, dafür zu sorgen, daß dieses Land keinen Augenblick lang diese Geiseln vergißt
und daß die letzte Geisel dort für mich genauso wichtig ist wie die erste.

Bemerkenswert

�Bemerkenswert ist, wie einig unser Land ist:

ich habe starke Unterstüt-

zung, die ich aufs höchste schätze, und das amerikanische Volk ist überraschend
geduldig gewesen, was, wie Sie wissen, für Amerikaner nicht charakteristisch
ist.

Aber ich glaube, die meisten Menschen, die die Lage geprüft und einen

Blick auf die Landkarte geworfen haben, die gesehen haben, wo sich unsere Botschaft innerhalb Teherans befindet, können erkennen, daß ein Stoßtrupp oder
ein militärischer Schritt zur Befreiung der Geiseln mit ziemlicher Sicherheit
in einem Mißerfolg und auch mit dem Tod der Geiseln enden würde.
Sie werden in kleinen Gruppen festgehalten, zwei oder drei pro Gruppe, mit
schwerbewaffneten Militanten zu ihrer ständigen Überwachung; den Geiseln sind
die ganze Zeit die Hände gefesselt.

Wir werden auch weiterhin festbleiben.

Unser nächster Schritt wird sein, bei den Vereinten Nationen die Verhängung
von Sanktionen gegen den Iran zu erwirken.

Ich kann Ihnen noch nicht sagen,

ob die Verhängung solcher Sanktionen - sollten wir die neun erforderlichen
Stimmen bekommen - eine frühe Freilassung der Geiseln zur Folge haben wird.
Wir beten, daß etwas geschehen möge und daß der Iran schließlich erkennt, daß
er nicht von den Vereinigten Staaten bedroht wird, sondern viel stärker von
der Sowjetunion, die am Weihnachtsabend in Afghanistan einmarschiert ist.
Meiner Meinung nach, die von vielen führenden Persönlichkeiten der Welt
geteilt wird, mit denen ich die Angelegenheit besprochen habe, stellt die
sowjetische Invasion in Afghanistan die größte Bedrohung des Friedens seit
dem Zweiten Weltkrieg dar. Sie bedeutet eine scharfe Eskalation in der aggressiven Geschichte der Sowjetunion. Natürlich waren wir alle schockiert und
verurteilten öffentlich und offiziell die sowjetische Handlungsweise in Ungarn
und dann später, im Jahr 1968, in der Tschechoslowakei. Dies waren zwei Länder, die seit dem Zweiten Weltkrieg im Grunde von der Sowjetunion unterworfen
waren, sie waren keine unabhängigen Staaten, die ihre eigenen Angelegenheiten
kontrollierten. Wie Sie wissen, gab es einen Aufstand, und die Sowjets trampelten diesen Aufstand im Innern dieser beiden Länder brutal nieder.
Hier

�Hier jedoch handelt es sich um einen souveränen Staat, einen bündnisfreien Staat, einen tiefreligiösen Staat - und die Sowjets überfielen ihn
brutal.

Wir und andere führende Politiker in der ganzen Welt wurden durch die
sowjetischen Botschafter und durch direkte Botschaften aus Moskau darüber informiert, daß die Sowjets in dieses Land kamen, um es gegen irgendeine dritte
Macht zu schützen, die Afghanistan bedrohen würde.

Auf die Frage, woher diese

dritte, bedrohende Macht komme, konnten die Sowjets nie eine vernünftige Antwort geben.

Sie gaben an, von der dortigen Regierung darum gebeten worden zu

sein, Afghanistan zu schützen.

Wie Sie wissen, wurde der Staatschef von

Afghanistan, Präsident Amin, der sie angeblich ins Land gebeten hatte, in dem
Augenblick umgebracht, als die Sowjets die Kontrolle über die Hauptstadt
Kabul gewonnen hatten, und auch einige der Mitglieder der Präsidentenfamilie
wurden getötet.

Wir sind die andere Supermacht in der Welt, und es lag in meiner Verantwortung als Repräsentant einer großen Nation, Schritte zu unternehmen, um zu
verhindern, daß die Sowjets bei dieser Invasion ungestraft davonkommen würden.
Die Sowjets sollten die Folgen spüren.

Meinem eigenen Urteil zufolge, war die

Sicherheit unserer Nation unmittelbar bedroht.

Es gibt keinen Zweifel daran,

daß das Eindringen der Sowjets in Afghanistan - falls für sie ohne nachteilige
Folgen - die Versuchung mit sich gebracht hätte, weiter und immer weiter vorzudringen, bis eisfreie Häfen erreicht wären oder bis ein Großteil der Ölversorgung der Welt unter Kontrolle gebracht wäre.

Unmittelbar nach dieser Invasion in Afghanistan sprach ich mit dem Präsidenten von Pakistan und sprach auch mit vielen anderen Staatschefs der Welt
oder sandte ihnen direkte Botschaften.

Die von uns zu unternehmenden Schritte

beschränkten sich auf drei Möglichkeiten.

Eine davon war militräisches Ein-

greifen - was ich als nicht angemessen ansah.

Weder hat unser Land einen sol-

chen Wunsch, noch könnten wir einen solchen militärischen Schritt wirkungsvoll
tun, um die sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan hinauszudrängen.

Es

verblieben mir also die zwei anderen Möglichkeiten, für deren Anwendung ich
- 5-

�ich mich entschied,

Die eine davon sind politische Schritte, die andere

sind wirtschaftliche Schritte.
In politischer Hinsicht schlössen wir uns mit 50 anderen Staaten zusammen,
um beim Sicherheitsrat zwei Anträge zu stellen: einen, um die Sowjetunion wegen der Invasion und der dadurch bedingten Bedrohung des Weltfriedens zu verurteilen; einen zweiten, um die Sowjetunion aufzufordern, ihre Truppen abzuziehen.

Nach Ende der Beratungen kam es zur Abstimmung.

Die einzigen Staa-

ten, die gegen diese beiden Anträge stimmten, waren Ostdeutschland - wiederum
ein sowjetischer Marionettenstaat - und die Sowjets selbst.

Wie Sie wissen,

haben die Ständigen Mitglieder ein Vetorecht, und nunmehr geht es - wie ich
meine, erfolgreich - um den Schritt, diesen Fall vor die Vollversammlung zur
weiteren Verurteilung der Sowjetunion zu bringen.
Es ist schwer zu verstehen, warum die Sowjets diesen Schritt unternahmen.
Ich glaube, sie unterschätzten wahrscheinlich die ungünstige Reaktion rund um
die Welt. Ich habe mit vielen anderen Staatschefs oder Verbündeten und mit
denjenigen gesprochen, welche Staaten vertreten, die als nächste bedroht werden
könnten, und sie alle sind der Meinung, daß wir den richtigen Schritt unternommen haben.
Es geschah nicht aus politischen Gründen.
eine Außenpolitik durchzusetzen.

Es geschah nicht, um irgend-

Es geschah im Interesse unserer nationalen

Sicherheit.
Wir unternahmen wirtschaftliche Schritte, die - wie ich meine - angemessen
und ausgewogen waren. Sie waren sorgfältig überlegt. Wir werden versuchen,
mit diesen Schritten die Sowjetunion in einer Weise zu treffen, die eine möglichst geringe Nebenwirkung auf unser eigenes Land hat, wo die Opfer so gleichmäßig verteilt werden, wie Sie und ich zusammen es nur irgendwie ausdenken
können, und die gleichzeitig die Sowjets die Folgen ihrer Invasion erkennen
läßt.
Wir
- 6 -

�Wir werden den Sowjets nicht mehr gestatten, innerhalb einer 200-MeilenZone der amerikanischen Gewässer zu fischen.

Sie verfügen über eine sehr

große Fischfangflotte mit Fängen in einem Umfang von Hunderttausenden von
Tonnen.

Die Erlaubnis hierzu wird nicht erneuert.

Wir werden auch keine

hochtechnologische Ausrüstung mehr an die Sowjetunion liefern oder irgendeine andere Art Ausrüstung, die für die Sowjetunion im Sicherheitsbereich von
Nutzen sein könnte.

Dies beinhaltet zum Beispiel auch Bohrausrüstungen, die

zur Suche und zur Förderung von Erdöl und Erdgas verwendet werden können.
Wir werden den normalen Handel mit der Sowjetunion stark einschränken, der
für sie von großem Vorteil ist, und natürlich habe ich die Lieferung von Getreide gestoppt, das die Sowjets über jene 8 Millionen Tonnen hinaus bestellt
hatten, zu deren Lieferung unser Land aufgrund eines Fünf-Jahres-Abkommens
verpflichtet ist.

Wir haben Schritte unternommen, um sicherzustellen, daß die Farmer vor
den nachteiligen Folgen dieses Stopps der Getreidelieferungen in einem möglichst hohen Maße geschützt werden.

Es wird ein kostspieliger Antrag sein.

Ich wußte das, als ich den Schritt unternahm, und meine Schätzung, gestützt
auf eine ziemlich sorgfältige, aber doch etwas schnelle Analyse,ist, daß
die Extrakosten in diesem Jahr zum Aufkauf dieses Getreides, zur Änderung des
Preisniveaus von Mais und Weizen sowie zur Begleichung der zusätzlichen Lagerkosten sich auf etwa zwei Milliarden Dollar belaufen werden.
nanzjahr 1980.

Soviel im Fi-

Im Finanzjahr 1981 werden zusätzliche Kosten von ungefähr

800 Millionen Dollar entstehen.

Es ist möglich, daß im Laufe des Jahres und mit zunehmender Erfahrung,
die wir dabei sammeln, die Sowjetunion als den Aufkäufer dieses Getreides zu
ersetzen, weitere 200 oder 300 Millionen Dollar in diesem Jahr ausgegeben werden.

Sollte dies der Fall sein, so würden dadurch die Ausgaben im Haushalts-

jahr 1981 um ungefähr denselben Betrag vermindert.

Demzufolge dürften die

Gesamtausgaben etwa bei 2,8 Milliarden Dollar liegen.

Diese Kosten entfallen

nicht auf die Farmer - ausgenommen in dem Maße, in dem sie Steuerzahler wie
jeder andere Amerikaner sind.

Vielmehr werden diese Kosten von all denjenigen

in diesem Land getragen, die an die Bundesregierung Steuern zahlen.
- 7 -

Wir wer-

�werden auch nicht zulassen, daß dieses Getreide wieder auf den Markt kommt,
so daß dadurch die Agrarpreise sinken...
Ich möchte auf einen letzten Punkt zu sprechen kommen:

es ist für uns

von äußerster Wichtigkeit, zu sehen, daß unsere Verbündeten eng mit uns zusammenarbeiten.
unternahmen.
ten.

Mit einigen von ihnen sprach ich, bevor wir diese Schritte

Alle waren damit einverstanden, daß sie getroffen werden soll-

Wir haben ein Höchstmaß ap praktischer Zusicherung von ihnen dafür er-

halten, daß sie den Verkauf unserer Güter, eingeschlossen Getreide, nicht ersetzen werden.

Die drei wichtigsten Länder für den Getreideexport sind

Argentinien, Kanada und Australien.

Argentinien hat keine angemessene Ge-

treideproduktion, um die Lage einschneidend zu ändern.
Ich habe heute mit Präsident Giscard d'Estaing gesprochen, der Westeuropa repräsentiert.

Dort stehen normalerweise umfangreiche Getreidemengen

zur Verfügung, vor allem Gerste.

Sie werden das Getreide, das wir der Sowjet-

union vorenthalten, nicht ersetzen.
Wir wissen schon jetzt, daß dieser Entzug von Getreide die Sowjetunion
nicht dazu zwingen wird, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Wir wußten dies von Anfang an. Wir glauben nicht,daß wirtschaftlicher Druck oder
sogar eine Verurteilung der Sowjetunion durch die Vereinten Nationen sie zu
einem Rückzug ihrer Truppen veranlassen wird. Aber wir hoffen, daß wir ein
Zeichen gesetzt haben und sie haben wissen lassen, daß sie tatsächlich jetzt
und in Zukunft werden leiden müssen unter dieser ungerechtfertigten Invasion'
eines vormals unabhängigen, blockfreien Landes.
Ich benötige die Unterstützung des amerikanischen Volkes. Ich bin der
Meinung, daß dies eine Angelegenheit des Patriotismus ist, und ich glaube,
daß es auch um den,Schutz!der Sicherheit unseres Landes geht. Ich erwarte,
daß wir vom Kongreß eine positive Antwort erhalten, was ein Mindestmaß an
Gesetzgebung angeht, die zur Durchführung dieser Programme notwendig sein
könnte. Fast alles kann mit Hilfe von Verwaltungsanordnungen durchgeführt werden, die per Gesetzgebung vom Kongreß an den Landwirtschaftsminister und an
- 8 -

�an mich Libertragen wurden...
Wir haben die Absicht, eine langfristige Analyse zu erstellen und einen
Aktionsplan zur Stärkung amerikanischer Interessen sowie der amerikanischen
Präsenz und des Einflusses in diesem Unruhegebiet der Welt, in Südwestasien.
Durch bereits veröffentlichte Presseberichte ist Ihnen einiges davon bekannt,
und wir werden mit Hilfe des Kongresses Schritte zur Stärkung Pakistans unternehmen.

Es ist unser Wunsch, dies durch ein Konsortium von Staaten zu tun.

Dies ist auch der Wunsch Pakistans.
Ich habe heute - und. auch schon" vorher -\mit..Präsident Zia von Pakistan
über dieses Thema gesprochen, und auch andere Länder in der Region, die von
Afghanistan aus durch die Sowjets bedroht werden könnten, sollen wissen, daß
wir und viele andere Länder der Welt uns zu ihrer angemessenen Verteidigungsfähigkeit verpflichten, um die Sowjets von ihrem Expansionismus in diesem Gebiet abzuschrecken.
Aufgrund der Iran-Frage haben wir unsere Seestreitkräfte in der Arabischen
See wesentlich erhöht. Sie werden dort in größerem Umfang als in der Vergangenheit aufrechterhalten werden. Und wie Sie wissen, gab es eine einheitliche
Einstellung der weltweiten öffentlichen Meinung nicht nur hinsichtlich der Verurteilung der iranischen Terroristen, die unsere Geiseln gefangenhalten, sondern auch gegen die Sowjetunion wegen ihrer beispiellosen Invasion Afghanistans
in den letzten Wochen.
Ich habe keinen geschriebenen Text vorliegen, aber dies waren einige der
Punkte, die ich Ihnen beschreiben wollte, und ich meine, es wäre nunmehr gut,
wenn Sie mir Fragen stellen würden...

+ + + + +

- 9 -

�ül

I
I

i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

FERNSEHINTERVIEW MIT US-SICHERHEITSBERATER BRZEZINSKI ZU AFGHANISTAN

WASHINGTON - (AD) - Dr. Zbigniew Brzezinski, der Sicherheitsberater Präsident Carters, nahm am 8. Januar 1980 im Verlauf eines Fernsehinterviews mit
einem Reporter der amerikanischen Fernseh-Gesellschaft CBS zu den Ereignissen
in Afghanistan Stellung.

FRAGE:

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

Dr. Brzezinski, trotz der Forderung Präsident Carters an die Sowjets,

ihre Truppen in Afghanistan zurückzuziehen und trotz unserer wirtschaftlichen
Schritte sieht es so aus, als setzten die Sowjets ihren Truppenaufmarsch in
Afghanistan fort.

Die Sowjets haben die Schritte des Präsidenten sogar "eine

hoffnungslose Schlappe" genannt.
Machen sie uns denn nicht ganz einfach lächerlich, ja, verhöhnen uns sogar?

Und deshalb:

ANTWORT:

Wie wirkungsvoll ist das, was wir getan haben, tatsächlich?

Es gilt festzuhalten, daß die sowjetische Invasion in Afghanistan

ein Akt der Mißachtung festgelegter internationaler Normen war und bleibt.

Die

sowjetischen Führer müssen ihren Entschluß bereits vor dem Einfall in Afghanistan
getroffen haben.

Sie müssen daher offensichtlich damit gerechnet haben, daß eine

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�eine feindselige Reaktion erfolgen würde.

Und nachdem sie sich zum Einmarsch

entschlossen haben, so haben sie offenbar die Absicht, dies durchzustehen.
Wir andererseits haben zwei Zielsetzungen im Sinn.

Die eine, es der

Sowjetunion absolut klarzumachen, daß solche Schritte teuer zu stehen kommen,
daß sie mehr als nur Mißbilligung nach sich ziehen.

Die andere, ein weiter-

gespanntes Netz der Zusammenarbeit in dieser Region zu schaffen, damit es keinerlei Möglichkeiten einer Wiederholung dieses sowjetischen Schrittes gegenüber anderen, ebenso verwundbaren Ländern gibt.
.

. FRAGE: So besteht unsere Politik eigentlich nicht darin, die Truppen
aus Afghanistan hinauszubekommen, sondern darin, künftige Afghanistans zu verhindern.

Ist das richtig?

ANTWORT: Nein, ich würde das etwas anders sehen. Es ist unsere Hoffnung und in gewissem Maß der Sinn unserer Politik, die Sowjetunion aus
Afghanistan hinauszubekommen. Wir sind der Ansicht, daß die internationale
Zusammenarbeit, ja, das amerikanisch-sowjetische Verhältnis gefördert würde,
wenn die Sowjetunion zur Einsicht gelangen würde, daß sie einen sehr schwerwiegenden Irrtum begangen, daß sie Umfang und Intensität der internationalen
Reaktion unterschätzt hat und wenn es sie zum Abzug bewegen sollte. Aber
falls sie dies nicht tut, dann möchten wir, daß sie einen Preis dafür bezahlen muß, und wir möchten dies außerdem klarstellen, damit die anderen Länder
in dieser Region beruhigt sind.

FRAGE: Viele Kritiker des Präsidenten, viele Republikaner, die gegen
ihn in den Wahlkampf ziehen, und selbst Demokraten sagen, daß die von ihm
ergriffenen Maßnahmen uns selbst eigentlich mehr wehtun als sie den Sowjets
wehtun.
•

ANTWORT:

- 2 -

�ANTWORT:

Ich glaube, daß daran nicht viel Wahres ist. Mir kommt das

mehr wie eine Parole vor.

Natürlich steckt darin ein gewisses Maß an Opfer

- aber ein Opfer, das der Präsident sehr sorgfältig und auf alle verteilt.
Und schließlich:

Wenn wir ein Problem haben, auf das wir eine feste Antwort

geben müssen, dann muß auch die Nation bereit sein, ihren Teil des Opfers zu
tragen.

Und das amerikanische Volk ist bereit, ein solches Opfer auf sich zu

nehmen.

Das Volk weiß, daß dies nicht von heute auf morgen erledigt sein

wi rd.

Was die Sowjets angeht, so werden diese Maßnahmen ihren Preis fordern.
Die Sowjetunion hängt in hohem Maß von einer Versorgung mit westlichem Getreide ab, vor allem mit amerikanischem Mais und Getreide.
wird sie nicht mehr haben.

Diesen Zugang

Das bedeutet einen um ungefähr 20 Prozent vermin-

derten sowjetischen Fleischkonsum, denn der größte Teil dieses Getreides
wurde für die Viehzucht verwendet - nicht für den direkten menschlichen Verzehr, sondern zur Steigerung des sowjetischen Viehbestands.

Das bedeutet

einen harten Schlag für die sowjetische Landwirtschaftsplanung.

Die Sowjetunion ist auch im Bereich fortschrittlicher Technologie stark
abhängig, vor allem von den Vereinigten Staaten.
falls verweigert.

Hier wird der Zugang eben-

Und schließlich - wenn ich diesen einen Punkt noch ab-

schließen darf - legt die Sowjetunion großen Wert auf internationalen Status
und Legitimität.

Die Einschränkung von Kontakten, die Auswirkung, die all

dies auf die Beziehungen der Sowjetunion mit der übrigen Welt hat, auf das
sowjetische Ansehen und den Respekt, sollten ebenfalls nicht unterschätzt
werden.

FRAGE:

Können sie die Technologie nicht von woanders bekommen, zum Bei-

spiel von den Franzosen?

ANTWORT:

Einiges davon können sie von woanders bekommen.

Aber in einem

hochkomplizierten Bereich etwas von woanders zu bekommen, bedeutet zunächst

- 3 -

�zunächst einmal erhebliche Verzögerungen, was wiederum bedeutet, daß Pläne
über den Haufen geworfen werden, daß zeitliche Abläufe gestört werden usw.
Zweitens ist in bestimmten Schlü'sselbereichen eine solche Technologie
überhaupt nicht rasch woanders zu bekommen.

FRAGE:

Sind wir dabei, das zu tun, wovon Präsident Carter sagte, wir

würden es nicht tun, nämlich die chinesische Karte auszuspielen?
fragt:

Anders ge-

Verwenden wir unser neues Verhältnis zu China als Hebel gegen die

Sowjets?
ANTWORT:

Wir spielen die China-Karte nicht aus.

Das ist nur so ein

Ausdruck, der in Wirklichkeit nicht allzuviel Bedeutung hat.

Es gibt natür-

lich ein eigenes amerikanisches Interesse an einem starken und stabilen China.
Wir haben ein großes Interesse daran, daß China stark, daß China stabil und
daß China unabhängig ist. Mit einem solchen China können wir zusammenarbeiten.

FRAGE:

Ohne diesen Ausdruck zu benützen:

Ich meine, könnte man nicht

sagen, daß man dieses neue Verhältnis als Hebel gegen die Sowjets benützt?
ANTWORT: Nein. Es handelt sich hier um ein Viertel der Menschheit.
Und wir haben ein sehr großes Interesse an der Freundschaft mit diesem Viertel der Menschheit. Und außerdem haben wir bestimmte strategische Interessen, die sich überschneiden.

FRAGE: Das klingt wie die chinesische Karte. Lassen Sie mich etwas
fragen. In letzter Zeit gab es viele Aktivitäten, besonders natürlich in
der vergangenen Woche. Aber es existiert ein Interview, das der Präsident
einem anderen Sender gab und das überall auftaucht und irgendwie über allem
anderen zu stehen scheint. Das Interview nämlich, in dem der Präsident sagte,

- 4 -

�sagte, die Invasion Afghanistans habe seine Meinung über die Sowjetunion vollständig geändert, und das nun als ein Zeichen der Arglosigkeit des Präsidenten
interpretiert wird.
•

Hat der Präsident plötzlich eine Wandlung durchgemacht?
er während der letzten drei Jahre nicht auf Sie gehört?

Und warum hat

Irgendwie haben Sie

doch gesagt, man sollte den Sowjets nicht trauen?
ANTWORT:

Ich habe während der letzten drei Jahre eng mit dem Präsidenten

zusammengearbeitet.

Und ich kann ohne das geringste Zögern versichern, daß er

eine sehr realistische Einschätzung der Sowjetunion hat.

Heute wie früher!

Eine Einschätzung, die er in greifbare Handlungen umsetzte - im Gegensatz zu
den Vorgängern der letzten acht Jahre.
hat.

Er ist derjenige, der die NATO gestärkt

Er ist derjenige, der den ständigen Eingreifverband aufgestellt hat. Er

ist derjenige, der die Entscheidung für die MX-Rakete getroffen hat.
derjenige, der den Verteidigungshaushalt erhöht hat.
vor die Sowjets getreten ist und sagte:

Er ist

Er ist derjenige, der

"Laßt uns umfassender zusammenarbei-

ten, laßt uns stärkere Rüstungsbegrenzungen durchführen - oder wir werden mit
euch in einen Wettstreit eintreten, in einen nachdrücklichen Wettstreit."

Als er von diesem Vorfall sprach, bezog er sich auf etwas ganz Spezielles.
Als höchst moralische Person war er tief betroffen über die Art, in der die
Sowjets ihre eigene Klientel behandelten.

Die Sowjets griffen ein, um eine

befreundete Regierung zu beschützen und gingen dann in einer Weise vor, die
den Tod eben dieser Regierung zur Folge hatte.

FRAGE:

Ich habe wirklich nicht erwartet, daß Sie sagen würden, der Prä-

sident sei naiv gewesen.

Die Zeit wird knapp.

Ich muß Sie noch über die

Themen Vereinte Nationen und Iran fragen.

Generalsekretär Waldheim sagt, daß die Sanktionen, die wir beabsichtigen,
in keinster Weise dazu beitragen werden, die Befreiung der Geiseln zu er-

- 5 -

�erreichen.

Trotzdem drängen wir noch immer darauf.

ANTWORT:

Ist dies richtig?

Wir sind der Meinung, daß wir die gesamte Bandbreite von Mög-

lichkeiten oder Optionen verfolgen müssen, die uns unter bestehenden internationalen Normen offenstehen.

Und Sanktionen sind eine davon.

aufgefordert, die Geiseln freizulassen.

Die internationale Gemeinschaft hat

ihr Mißfallen dem Iran gegenüber zum Ausdruck gebracht.
nützt.

Wir haben sie

Nichts davon hat ge-

Der nächste Schritt sind Sanktionen, denn wir müssen alle friedlichen

Mittel ausschöpfen.

FRAGE:

Sogar, obwohl Waldheim sagt, seiner Meinung nach würden sie nichts

nützen?
ANTWORT:

Er sagte dies nicht kategorisch, er hat Bedenken bezüglich der

unmittelbaren Wirksamkeit.

Aber es gibt keine Alternative, kein anderes Mittel

innerhalb des Rahmens bestehender internationaler Normen.

+ + + + +

�16. Januar 1980

3

PRESSEKONFERENZ VON US-VERTEIDIGUNGSMINISTER BROWN IN PEKING
- Wortlaut -

PEKING - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
erklärte zum Abschluß seines viertägigen Besuches in Peking am 9. Januar 1980
auf einer Pressekonferenz, es gebe immer mehr Gebiete, auf denen die Vereinigten Staaten und China "gemeinsame strategische Zielsetzungen" haben.

Brown

betonte, die Freundschaft zwischen Amerika und China sei gegen kein anderes
Land gerichtet, sondern diene vielmehr dem Frieden und der Stabilität in der
Welt.
Die Pressekonferenz des amerikanischen Verteidigungsministers, die er
mit einer kurzen Erklärung einleitete, hat folgenden Wortlaut:
Wir haben unsere viertägigen Gespräche mit der Führung der Volksrepublik
China soeben abgeschlossen, und ehe ich nach Wuhan und Shanghai weiterreise,möchte ich Ihnen kurz etwas von meinen Eindrücken während der bisherigen Reise mitteilen. Zu den Gesprächen gehörten nicht nur meine Zusammenkünfte, sondern
auch Besprechungen in einem bisher einmaligen weiten Rahmen zwischen Mitgliedern meiner Delegation und Vertretern Chinas.
Einige

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�Einige Mitglieder meiner Delegation sind hier mit anwesend,und ich werde all die eigentlich schwierigen Fragen an sie weitergeben.
Die Gespräche, die ich mit Präsident Hua, seinem Stellvertreter Deng
und den Vizepräsidenten Geng Biao und Xu Xiangqian, dem Außenminister Huan Hua
und anderen chinesischen Regierungsvertretern hatte, dauerten insgesamt über
17 Stunden.

Meine Mitarbeiter, darunter Botschafter Seignious, die Unterstaats-

sekretäre Komer, McGiffert und Dinneen sowie Unterstaatssekretär Holbrooke
und andere Mitglieder der Delegation haben seit unserer Ankunft nahezu ständig
mit den chinesischen Partnern konferiert.

Ich bin vor allem darüber sehr er-

freut, daß George Seignious und der stellvertretende Außenminister Zang Wenjin
zu dem ersten bisher zwischen unseren beiden Ländern geführten offiziellen Gesprächi zusammenkamen, das sich mit Fragen der Rüstungskontrolle und mit der
Tatsache befaßte, daß China zum erstenmal im Abrüstungsausschuß in Genf im
kommenden Monat dabei sein wird.
Wir haben in den vergangenen Tagen ein großes Terrain durchmessen. Vieles
davon war für beide Seiten neues Terrain, zumindest war es neu, soweit es sich
um das Miteinanderverhandeln handelte. Unsere beiden militärischen Behörden
hatten bislang noch keinen Nutzen aus den direkten persönlichen Kontakten
auf den höchsten Ebenen ziehen können, die auf anderen Gebieten der chinesischamerikanischen Beziehungen in den letzten Jahren bestanden hatten.
Viele der hier geführten Gespräche schaffen die Grundlage für künftige
Beziehungen, aber vor allem in einer Frage, so glaube ich, hat diese Reise
ihren praktischen Wert und die Bedeutung der neuen Beziehung zu China erwiesen, die seit der Normalisierung unseres Verhältnisses besteht, und das war
unser Gespräch über Afghanistan. Ich werde Präsident Carter berichten können,
daß ich ein wachsendes Zusammengehen der Auffassungen zwischen unseren beiden
Regierungen über die unerhörte und brutale Invasion Afghanistans durch die
Sowjetunion habe feststellen können.

Im

�Im vorigen Jahr sprach Vizepräsident Mondale während einer Pressekonferenz
in diesem Raum zu Ihnen über die Schaffung einer Basis für unsere Beziehungen
mit der Volksrepublik China in den achtziger Jahren - eine Beziehung, in der
wir nicht nur unsere bilateralen gemeinsamen Aktionen und Projekte vertiefen
und erweitern würden, sondern auch offen und produktiv über Gebiete zu sprechen
beginnen würden, wo wir gemeinsame strategische Ziele haben.

Es gibt eine

wachsende Zahl solcher Gebiete und keines ist von größerer Dringlichkeit als
das Gebiet Südasien, über das wir viele Stunden gesprochen haben.

Ich kann

mit Gewißheit sagen, daß unsere Erörterungen unser gegenseitiges Verständnis
für die Lage in diesem Gebiet und für Mittel und Wege, mit denen wir in Richtung auf unsere

gemeinsamen Ziele zusammenwirken können, gestärkt haben.

Ich werde jetzt gerne einige Fragen beantworten.

FRAGE:

Sir, können Sie uns sagen, ob während dieser Reise ein konkretes

Abkommen erreicht wurde, das mit der Situation in Afghanistan oder irgendwelchen Entwicklungen, die sich aus ihr ergeben könnten, zu tun hat?

ANTWORT:

Die Konsultationen betrafen die Reaktionen jeder der beiden Sei-

ten auf die Situation.

Wir finden, daß wir in unseren Auffassungen sehr eng

parallel laufen über die Notwendigkeit, andere Nationen in dieser Region zu
stärken,und daß jede Seite von sich aus die geeigneten Schritte zu diesem Zwecke
unternehmen wird.

Ich glaube nicht, daß es angebracht wäre, ins einzelne über

jeden dieser Schritte zu gehen, die von jeder Seite zur Zeit unternommen werden.

FRAGE:

Können Sie als Ergebnis ihrer Unterredungen sagen, daß entweder

die eine oder die andere Seite ihre Politik oder ihre Einstellung zu diesen
Gebieten modifiziert hat, in denen sie übereinstimmende Auffassungen als ein
Ergebnis der Position der anderen Seite haben?

Gibt es irgendeine Anpassung

der Politik oder Einstellung?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ich möchte sagen, daß jede Seite die von der anderen zum Aus-

druck gebrachte Auffassung aufgenommen hat.

Ich glaube»wir haben von den

Chinesen etwas Wertvolles über die Haltung und Einstellung verschiedener Länder in dieser Region gelernt, mit denen sie enge Verbindungen haben,und ich
glaube, sie haben nun eine bessere Vorstellung davon, was wir für durchführbar halten bei der Festigung der Sicherheit in Südasien.

Wiederum glaube ich,

daß ich hierzu nicht spezifischer werden kann. Es gibt einige spezifische
Fakten und spezifische Einstellungen, die wir kenngelernt haben, und ich meine,
daß meine Auffassungen sich etwas abgewandelt haben, ich weiß das.

Die Er-

eignisse werden es zeigen.
.

FRAGE:

Deng Xiaping sagte, ich meine es gab da einen Bericht, nach dem

es schien, daß er die Vereinigten Staaten drängte, etwas Handfesteres zu tun
als das, worüber wir bisher gesprochen haben.

Hat er handfeste Vorschläge

gemacht, was die Vereinigten Staaten in bezug auf Kambodscha und Vietnam tun
sollten, oder hat er vorgeschlagen, daß China dort die handfesten Maßnahmen
treffen werde?
ANTWORT: Was Südostasien anbetrifft, so haben auch hier die Volksrepublik
China und die Vereinigten Staaten parallele Ansichten. Wir beide betrachten
die vietnamesische Invasion Kambodschas mit all der daraus resultierenden Brutalität, mit den vielen Hunderttausenden von Toten, wir betrachten diese vietnamesische Aggression und Invasion, die von der Sowjetunion unterstützt wird,
als eine zentrale Tatsache, die Aufmerksamkeit finden muß.
Wir haben eine ganze Menge getan, was die Aufforderung^ an andere angeht
- denn wir haben selbst keine Beziehungen zu Vietnam - Vietnam wirtschaftliche
Strafen aufzuerlegen, und das ist getan worden. Wir haben humanitäre Hilfe
geleistet. Wir haben die thailändische Regierung im Sinne der Hilfe, der Lieferung von militärischem Gerät, unterstützt. Wir haben Munition im Wert von
zehn Millionen Dollar umsonst übergeben. Wir haben eine ganze Menge in Form
zusätzlicher militärischer Lieferungen gebilligt, um damit Thailand zu helfen,

- 4 -

�helfen, sich selbst gegen die Gefahr, die Möglichkeit, daß der Krieg in Südostasien sich ausbreiten könnte, zu schützen.

Wir haben uns zusammen mit den ASEAN-Staaten bemüht, diplomatischen
Druck gegen Vietnam anzuwenden.
ist, Druck auf Vietnam ausgeübt.
doch recht handfest.

Die Chinesen haben ebenfalls, wie ja bekannt
Und ich halte das, was wir getan haben, für

Es ist dies ein Gebiet, in bezug auf das beide Seiten,

wie ich sage, hinsichtlich der zentralen Tatsache übereinstimmen.

Unsere An-

sichten mögen vielleicht über bestimmte individuelle Aspekte der Situation
etwas auseinandergehen.

FRAGE:

Als der britische Verteidigungsminister 1978 die 6. Panzerdivision

besuchte, sagte er, daß China und Großbritannien einen gemeinsamen Feind in
Moskau hätten.

Können Sie jetzt das gleiche in bezug auf die Vereinigten Staa-

ten und China sagen?

ANTWORT:

Die Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und China

ist nicht gegen irgendein anderes Land gerichtet.
fen, den Frieden zu sichern und die Stabilität

Ihr Ziel ist es, mitzuhel-

in der ganzen Welt zu fördern,

in verschiedenen Teilen der Welt, die bedroht sind durch eine Verbindung innerer Instabilität und in einigen Fällen dem Expansionismus einiger Nachbarn.
Wie gesagt, unsere Freundschaft richtet sich gegen niemand, sie zielt darauf
ab, etwas zu erhalten, nämlich den Frieden.

FRAGE:

Sind Sie denn überhaupt auf die Frage einer möglichen Belieferung

Chinas mit amerikanischen Waffen oder mit amerikanischer Waffentechnik oder
irgendeiner anderen Art von Technologie zu sprechen gekommen?

Ich weiß, daß

es in den abgegebenen Erklärungen heißt, sie hätten die Grundlage für einen
technologischen Austausch geschaffen, aber wie steht es mit der Gesamtfrage
des Waffenverkaufs an China?

Ich weiß, welches unsere derzeitige Politik ist,

aber wie ist das nun im einzelnen?
ANTWORT:
- 5-

�ANTWORT:

Es bleibt weiterhin unsere - die amerikanische Politik -,

daß wir keinerlei Pläne haben, Waffen an die Volksrepublik China zu verkaufen,
und das Thema des Verkaufs von Waffensystemen oder von Waffen ist in der Tat
auch nicht zur Sprache gekommen.

Die Frage des Technologie-Transfers ist auf-

gekommen und sehr ausführlich erörtert worden.

Ich glaube, daß auf dem Ge-

biet des Technologie-Transfers ein realer Fortschritt erzielt wurde.

Wir ha-

ben deutlich gemacht, daß wir auf der Basis einer Entscheidung von Fall zu
Fall bereit sind, den Transfer von Technologie in die Volksrepublik China in
Erwägung zu ziehen.

Das schließt beispielsweise auch Technologie für den zi-

vilen Bedarf ein, die unter Umständen einen potentiellen militärischen Anwendungsbereich haben kann, weil auf gewissen Stufen fundamentaler Technologie
diese sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt werden kann.
So haben wir beispielsweise die Landsat-D-Technologie

(Satelliten-Tech-

nologie) für die Volksrepublik China verfügbar gemacht unter Kautelen, die
gewährleisten, daß sie nicht unmittelbar für militärische Zwecke verwendbar
ist, aber sicherlich wird das, was sie im Umgang mit dieser Technologie lernen, das Niveau ihrer Technologie verbessern und daher potentiell auch ihre
möglichen militärisch-technologischen Fortschritte.
Wir sind gewillt, auch anderen technologischen Transfer in Erwägung zu
ziehen, und was Landsat-D betrifft, so ist das natürlich etwas, was wir in
die Sowjetunion nicht transferieren würden. Wie gesagt, es gab darüber ausgedehnte Diskussionen. Ich glaube, wir werden nunmehr in einer weitaus besseren Position sein, um zu verstehen, welches die chinesischen Interessen hinsichtlich der Technologie sind, einschließlich einer Technologie für eine mögliche doppelte Anwendung,und wir werden bereit sein, solche in Erwägung zu
ziehen.

FRAGE:

Herr Minister, beabsichtigen Sie bei der Durchführung dieses

Transfers neuer Technologien an die Chinesen dieses im Rahmen der COCOM-Organisation zu tun (COCOM ist der Koordinierungsausschuß bestehend aus den Mitgliedern der NATO und Japan, der die Verkäufe technisch hochentwickelter Er- 6 -

�Erzeugnisse an kommunistische Länder überprüft) oder werden Sie diese Organisation übergehen?
ANTWORT: Nein, gewiß ist es unsere Absicht mit COCOM zusammenzuwirken,
und wir glauben, daß das, was wir beabsichtigen,im Rahmen von COCOM durchgeführt werden kann. Es ist klar, daß wir die gesamte Frage des TechnologieTransfers erneut zu überprüfen haben, weil, wie Sie ja wissen, wir als Teil
unserer Reaktion auf die sowjetischen Aktionen in Afghanistan den TechnologieTransfer an die Sowjetunion überprüfen und wahrscheinlich sehr viel restriktiver in dieser Hinsicht sein werden. Nun, das ist aber kein Grund, restriktiver in bezug auf die Volksrepublik China zu sein.

FRAGE: Wann kommt der Vositzende Hua nach den Vereinigten Staaten? Und
wann kommt der Stellvertretende Ministerpräsident Geng nach Amerika? Warum
kommt er anstatt Ihres direkten Gegenparts, deis Stellvertretenden Ministerpräsidenten Xu?
ANTWORT: Was den Besuch des Vorsitzenden Hua anbetrifft, so wird über
das Datum gesprochen, und ich meine, wir sollten warten, bis dieses Datum festgelegt ist, bevor wir eine Ankündigung machen.
Das gleiche gilt für den Besuch des Stellvertretenden Vorsitzenden Geng,
der Verantwortungen auf militärischem Gebiet trägt, die ihn zu meinem aktivsten
Gegenpart machen. Auch hier wird noch über das Datum gesprochen, und dieses
wird danach abgesprochen werden müssen, wie es den beteiligten Personen paßt
und sich mit deren Terminplan vereinbaren läßt.

FRAGE:

Besteht eine Möglichkeit, daß Schiffe der Siebten Flotte in naher

Zukunft Flottenbesuche in chinesischen Häfen machen, und besteht im Rahmen
Ihrer Besprechungen über einen Austausch eine Möglichkeit, daß chinesische Soldaten in der einen oder anderen Form durch die Vereinigten Staaten ausgebildet
WÜrden?

ANTWORT:

�ANTWORT:
zur Sprache.
kommen.

Keines dieser beiden Themen kam während unserer Besprechungen
Wie Sie wissen, war das erste Thema schon früher einmal aufge-

Bei den jetzigen Gesprächen ist die Frage von Flottenbesuchen nicht

aufgetaucht.

Wir haben keine Pläne für die Ausbildung chinesischer Soldaten

im eigentlichen Sinne.

Ich rechne mit einem weitergefaßten Austausch auf pro-

fessioneller Ebene unter höheren Dienstgraden, die eine Lehrtätigkeit über
militärische Themen, vielleicht während eines längeren Aufenthaltes im anderen
Lande, ausüben könnten. Mehr kann ich mir eigentlich kaum vorstellen.

FRAGE:

Herr Minister, ich möchte Ihnen zwei Fragen stellen.

Erstens,

welches strategische Motiv hat die Sowjets nach Ihrer Meinung bewogen, in
Afghanistan einzumarschieren?

Zweitens, welche Auswirkungen werden die Er-

eignisse in Afghanistan auf die amerikanische Außenpolitik haben?
ANTWORT: Bezüglich der strategischen Motive der Sowjets bei der Invasion
Afghanistans kann man nur Spekulationen anstellen, aber einige Faktoren liegen
auf der Hand. Es gab und es gibt in Afghanistan einen sehr starken Aufstand
von Elementen, die sich der Unabhängigkeit und dem Islam verschrieben haben.
Die Regierung, die Regierung Amin, bei der es sich um eine pro-sowjetische
Regierung in Afghanistan handelte, hatte einen recht begrenzten Erfolg bei
der Unterdrückung dieses Aufstandes.
Die Sowjets müssen sich Sorgen über die Möglichkeit gemacht haben, daß
der Aufstand Erfolg haben könnte und sie in einem angrenzenden Lande einem
unabhängigen islamn'schen Regime gegenüber gestanden wären. Und man kann sich
vorstellen, daß sie sich Sorgen machten, daß diese Gefühle über die Grenzen
hinweg auf die islamischen Minderheiten in der Sowjetunion übergreifen würden.
Offensichtlich hielten sie Amin weder für tüchtig genug noch für unterwürfig
genug und sind daher zu dem Schluß gekommen, daß es dienlicher wäre, in
Afghanistan einzumarschieren, ihn umzubringen und jemand anders an seine Stelle
zu setzen.
Das

�Das ist eine der Motivationen, und ich weiß nicht, welches Gewicht ich
ihr beimessen soll.

Aber über diese spezielle Motivation hinaus, die man

als die Vermeidung negativer Ergebnisse durch die Sowjetunion bezeichnen könnte, gibt es, wie ich es sehe, auch Motive der Schaffung von Chancen.

Wenn die Sowjets Afghanistan, wie sie es gegenwärtig tun oder zu tun
versuchen, aus einem historischen Pufferstaat - pro-sowjetisch, aber doch noch
immer etwas unabhängig - in einen Marionettenstaat verwandeln, der von mindestens 50 000 und künftig auch noch viel mehr sowjetischen Soldaten besetzt
ist, dann könnten sie durchaus davon ausgehen, sich selbst neue Chancen und
für die übrige Welt große Risiken und potentielle Gefahren zu schaffen.

Eine erfolgreiche Besetzung und Sowjetisierung Afghanistans stellt eine
große potentielle Bedrohung Pakistans und des Iran dar.

Sie eröffnen die Mög-

lichkeiten, durch Druck auf Pakistan, vielleicht durch Aufstände von Minderheiten, die über die Grenzen hinweg bis nach Afghanistan hinein leben, einen Zugang zum Persischen

Golf zu finden - ein Streben, das sie seit langem - bis

zurück in die Zarenzeit - bewegt hat.

Wenn diese Bestrebungen erfüllt würden,

dann würde das die Versorgungslinien im Indischen Ozean sowohl nach Japan als
auch nach Europa von den ülfeldern des Mittleren Ostens bedrohen.

Darüber hinaus stellt die Sowjetisierung Afghanistans auch eine schwere
Bedrohung des Iran dar, der natürlich nicht nur ein großer öl Produzent ist,
sondern auch ein wichtiger Schlüssel zum Persischen Golf.

Es handelt sich in

der Tat um eine ernste Bedrohung des Iran, und wir können nur hoffen, daß sich
die iranischen Behörden darüber im klaren sind, daß es sich um eine große Bedrohung der iranischen Unabhängigkeit und des islamischen Nationalismus im
Iran handelt.

Die Möglichkeiten, die sich den Sowjets in Pakistan und im Iran

bieten, stellen nach meiner Meinung eine große Versuchung für sie dar, und
ich glaube, auch das hat bei der Entscheidung über den Einmarsch in Afghanistan
eine Rolle gespielt.

FRAGE:

- 9-

�FRAGE:

Auf welchen Gebieten haben wir noch keine Übereinstimmung mit

der Volksrepublik China?
ANTWORT:

Sie erinnern sich vielleicht aus manchen Dingen, die sie (die

Chinesen) gesagt haben, daß sie beispielsweise über unsere Waffenlieferungen
an die Taiwanesen nicht einer Meinung mit uns sind.
melle Einwände

Sie haben weiterhin for-

oder Besorgnisse wegen der Präsenz amerikanischer Truppen in

der Republik Korea.

Und ich glaube, sie würden hier diplomatisch anders vor-

gehen als wir, und es gibt vielleicht noch einige andere Gebiete.
das nicht bagatellisieren.

Ich möchte

Ich bin jedoch der Ansicht, daß unsere Gespräche

während der letzten Tage es uns ermöglicht haben, den Standpunkt des anderen
in diesen Dingen jeweils besser zu verstehen, und das wird meiner Überzeugung
nach zu einer Einengung der Meinungsverschiedenheiten führen.

FRAGE:

Könnten Sie sagen, welche dieser Differenzen Sie während Ihres

Aufenthaltes besprochen haben?
ANTWORT:

Diese Differenzen wurden nicht notwendigerweise von mir ange-

sprochen, einige wurden, und andere wurden von meinen Gesprächspartnern angesprochen.

Und ich glaube, wir führten einen sehr nützlichen Meinungsaustausch.

Ich danke Ihnen.

+ + + + +

10 -

�a
i a

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

REDE DES AMERIKANISCHEN UN-BOTSCHAFTERS MCHENRY VOR DEM SICHERHEITSRAT
AM 13. JANUAR 1980
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei
den Vereinten Nationen, Donald F. McHenry, ging im Verlauf der Sitzung des
Sicherheitsrats, die sich mit der Resolution zur Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegenüber dem Iran beschäftigte, am 13.Januar 1980 auf die Haltung
der amerikanischen Regierung ein. Die Sowjetunion hat am Abend des gleichen
Tages durch ihr Veto einen Beschluß des Rates vereitelt, mit wirtschaftlichen
Sanktionen auf die Freilassung der 50 amerikanischen Geiseln in Teheran hinzuwirken.
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Zum dritten Mal innerhalb der letzten sechs Wochen trifft sich dieser
Rat, um eine gefährliche Verletzung des Prinzips diplomatischer Unverletzlichkeit zu beraten, ein Akt, der - nach den Worten des Generalsekretärs - eine
ernste Bedrohung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit darstellt.
Nach

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Nach 70 Tagen werden die 50 Angehörigen der amerikanischen Botschaft,
die von einem gesetzlosen Mob in Teheran als Geiseln gefangengenommen wurden,
noch immer festgehalten.

Noch immer haben wir keine Erklärung der iranischen

Behörden, die sich gegen diese Gefangennahme ausspricht.
Die wenigen Besucher von außen, die die Geiseln kurzfristig im Verlauf
sorgfältig arrangierter Besuche gesehen haben, berichten, daß die Geiseln
isoliert sind, seelisch mißhandelt werden und unzureichende Nahrung
- trotz anderslautender Versicherungen.

erhalten

Einige erlitten die Demütigung er-

zwungener Teilnahme an Propagandasendungen.

Neutralen Beobachtern wird es

nicht gestattet, sie regelmäßig zu besuchen, ihren Zustand zu beurteilen oder
sich ihren Anliegen zu widmen.

Sogar der Generalsekretär der Vereinten Na-

tionen, der Abgesandte der Völkergemeinschaft, wurde davon abgehalten, die
Geiseln zu sehen.
Die vergangenen zwei Monate waren gekennzeichnet von den wiederholten
Forderungen nach Freilassung der Geiseln durch nahezu alle Mitglieder der
internationalen Gemeinschaft. Der Generalsekretär und viele Mitglieder dieser
Organisation haben unermüdliche Anstrengungen darauf verwandt, eine friedliche
Lösung der gegenwärtigen Krise herbeizuführen. Die breite internationale Unterstützung, die wir bei unseren Anstrengungen zur Sicherstellung der Befreiung
der Geiseln erhalten haben, hat das amerikanische Volk in dieser schwierigen
und mühevollen Zeit ermutigt. In seinem Namen danke ich all denjenigen, die
so hart gearbeitet haben.
Es könnte von Nutzen sein, sich der maßvollen Schritte zu erinnern, die
uns in die jetzige Lage gebracht haben.
Bei zwei verschiedenen Gelegenheiten im November appellierte der Präsident des Sicherheitsrates an den Iran, die Geiseln freizulassen und brachte
damit den Willen der Mitglieder des Rats zum Ausdruck.
Aber die Geiseln wurden nicht freigelassen.
Am
- 2 -

�Am 4. Dezember vorigen Jahres appellierte dieser Rat einstimmig an die
Regierung des Iran, das Personal der amerikanischen Botschaft, das in Teheran
festgehalten wurde, sofort freizulassen, ihm Schutz zu gewähren und ihm zu
erlauben, den Iran zu verlassen.
Noch immer wurden die Geiseln nicht freigelassen.
Am 15. Dezember gab der Internationale Gerichtshof als der Welt höchstes
Tribunal für internationale Rechtsangelegenheiten der in der Resolution des
Rates niedergelegten Haltung seine Billigung. Der Gerichtshof stellte fest,
daß "es keine grundlegendere Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen Staaten gibt als die Unverletzlichkeit diplomatischer Gesandter und Botschaften". Der Gerichtshof wies die Regierung des Iran an, die
Geiseln sofort zu entlassen und die Botschaft der Vereinigten Staaten in Teheran
wieder den amerikanischen Behörden zu übergeben.
Noch immer wurden die Geiseln nicht freigelassen.
Am 31. Dezember nahm dieser Rat ohne Gegenstimmen die Resolution 461 an,
in der er die fortgesetzte Gefangenhaltung der Geiseln als im Widerspruch zum
Beschluß des Internationalen Gerichtshofes und zu seiner eigenen vorhergehenden Resolution beklagte und erneut die Regierung des Iran dringend dazu aufrief, alle als Geiseln festgehaltenen amerikanischen Staatsbürger sofort freizulassen. In dieser Resolution entschloß sich der Rat dazu, gemäß Artikel 39
und 41 der Charta der Vereinten Nationen angemessene Maßnahmen zu ergreifen,
falls der Iran sich seinen Anordnungen nicht fügen sollte.
Und noch immer werden die Geiseln nicht freigelassen.
Fünfmal hat die Völkergemeinschaft durch Schritte der ordnungsgemäß
konstituierten Organe der Vereinten Nationen die Regierung und das Volk des
Iran dazu aufgerufen, sich den Bestimmungen des Völkerrechts zu fügen und die
Geiseln freizulassen.

Fünfmal stieß unser gemeinsamer Antrag auf taube Ohren.

- 3 -

�Ohren.

Der Internationale Gerichtshof und der Spruch der Weltmeinung haben

den Iran aufgefordert, die Geiseln im Einklang mit den anerkannten Normen
internationalen Verhaltens und seinen Vertragsverpflichtungen freizulassen.
Dennoch hält der Iran auch weiterhin diplomatisches Personal als Teil einer
Kampagne des Terrorismus und der politischen Erpressung durch iranische Elemente gefangen, die die Unterstützung der iranischen Behörden genießen.
Die Resolution 461 stellt eine Entscheidung des Sicherheitsrates dar, die
gemäß Artikel VII der Satzung getroffen wurde.

Die rechtlich bindenden Worte

dieser Resolution, einschließlich des Ratsbeschlusses, gemäß Artikel 39 und
41 der Satzung im Falle der Nichtbefolgung der Resolution wirksame Maßnahmen
zu ergreifen, behalten weiterhin ihre volle Gültigkeit.

Gemäß Artikel 25 und

Artikel 2, Absatz 2, sind alle Mitglieder der Vereinten Nationen verpflichtet,
diese Entscheidung anzunehmen und ihre Weisung auszuführen.
Eindeutig hat der Iran dieser Resolution nicht Folge geleistet und die
Geiseln nicht befreit. Daher ist die Zeit für den Sicherheitsrat gekommen,
die wirksamen Maßnahmen gegen den Iran gemäß Artikel 39 und 41 der Satzung
der Vereinten Nationen zu ergreifen, die durch Absatz 6 der Resolution 461 gefordert werden.
Herr Präsident, die Mitglieder des Rates haben vor sich die Maßnahmen
liegen, die meine Regierung vorschlägt. Sicherlich sollten sie nicht leichtfertig ergriffen werden. Aber nach zwei Monaten der Zurückhaltung seitens des
amerikanischen Volkes und der Völkergemeinschaft, in denen wir alle erdenklichen Wege für eine Lösung abgeschritten sind, ist es uns nicht gelungen, die
Freilassung der Geiseln zu erreichen und die Herrschaft des Völkerrechts wiederherzustellen.
Unsere Beratungen an diesem Wochenende zeigen beispielhaft die Geduld
und den guten Glauben, mit denen wir diese Krise zu lösen versucht haben.
Ursprünglich war vorgesehen, daß der Rat über diese Maßnahmen am vorigen Freitag, dem 11. Januar, abstimmt. Im Verlauf der Stunden vor diesem Treffen verleiteten mehrere Vorschläge und Berichte von Stimmen, die vorgaben, für den
- 4 -

�den Iran zu sprechen, einige Leute dazu, zu glauben, ein Fortschritt in Richtung auf eine Freilassung der Geiseln sei möglich.

Sie glaubten, eine wei-

tere Klärung der Haltung des Iran sei notwendig, bevor zur Abstimmung über die
Sanktionen geschritten werde.

Zögernd stimmten die Vereinigten Staaten zu, die Abstimmung zu verschieben - nicht weil wir irgendeinen Beweis für eine Bewegung auf eine Lösung hin
sahen, sondern weil wir bereit waren - und dies sind -, jeden Vorschlag zu
prüfen, der irgendeine realistische Möglichkeit der Sicherstellung der Freilassung der Geiseln beinhaltet.

Daraufhin sandte der Generalsekretär eine drin-

gende Botschaft nach Teheran, die Klärung des nicht schriftlich festgelegten
Vorschlags suchte, von dem einige angeblich Freitag nachmittag gehört hatten.

Gestern nacht erhielt der Generalsekretär einen Brief, aber der Brief beantwortete nicht die Botschaft des Generalsekretärs.

Der Brief erwähnt nicht

die Existenz der Geiseln und erkennt nicht die Sorge und die Verantwortung der
Welt für sie an.

Sogar die Belesensten unter uns hatten Mühe, einen Hinweis

in dem Brief zu finden, der eine verantwortungsbewußte Regierung dazu hätte
ermutigen können, die Abstimmung über die Sanktionen noch länger zu verschieben.

Alles, was man über diesen Brief sagen kann ist, daß der Iran zum erstenmal seit letzten November, als Herr Banisadr als Außenminister zurücktrat,
eine schriftliche Botschaft an die Vereinten Nationen geschickt hat.

Trotz-

dem hat der Iran sich nunmehr ausdrücklich geweigert, sich an irgendeine Erklärung zu halten, mit der er nicht übereinstimmt, einschließlich natürlich
die Forderung nach sofortiger Freilassung der Geiseln, wie sie in der Resolution 461 enthalten ist.

Wir haben die Abstimmung vom Freitag verschoben, um jede noch mögliche
Hoffnung auszuschöpfen, die in den Vorschlägen vom Freitag und in diesem
Brief enthalten sein mochte.

Es wäre verantwortungslos gewesen, weiterzu-

gehen, ohne dies getan zu haben.

Aber unsere Anstrengungen um eine Klärung

sind zu einem fruchtlosen Ende gekommen.

Es wäre von uns noch weit verant-

wortungsloser, die Erfüllung unserer Verpflichtungen gemäß der Resolution
- 5-

�Resolution 461 und der Charta noch länger hinauszuschieben.

Eindeutig ist

die Zeit gekommen, wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen.
Als Außenminister Vance am 29. Dezember 1979 vor diesem Rat sprach,
sagte er, daß "der Iran die Folgen seiner mutwilligen Handlungen tragen muß,
so lange er gleichgültig gegenüber den Stimmen der Vernunft und des Mitleids
von Überall in der Welt bleibt, so lange er sich weigert, die allgemeinen Regeln des internationalen Verhaltens anzuerkennen."

Die von uns vorgeschla-

genen Sanktionen dienen dazu, zu zeigen, daß die fortgesetzte Herausforderung
des Völkerrechts durch den Iran mit seiner zunehmenden Isolierung von der
Völkergemeinschaft enden wird.
Obwohl die vorgeschlagenen Sanktionen ein sinnvoller und deutlicher
Ausdruck der Verurteilung durch die Welt darstellen, sind sie noch eine gemäßigte Antwort auf die iranische Unmäßigkeit.

Weniger strikte Maßnahmen als

die in der Resolution, welche dem Rat vorliegt, vorgeschlagenen zu ergreifen
wäre gleichbedeutend damit, überhaupt keine Maßnahmen zu ergreifen.

Und

überhaupt keine Maßnahmen zu ergreifen, würde sowohl die bindende Anweisung
von Absatz 6 der Resolution 461 verletzten als auch einen Verstoß gegen unsere Verpflichtung darstellen, nach friedlichen Lösungen internationaler
Streitigkeiten zu suchen und die grundlegenden Prinzipien des Völkerrechts
verteidigen.
Einige haben darauf gedrängt, wir sollten keine Sanktionen verfolgen,
da sie nicht zur unmittelbaren Freilassung der Geisel^ führen und sogar die
iranische Unnachgiebigkeit verhärten könnten.
Wir hoffen, daß Sanktionen die Stimmen derjenigen.im Iran stärken werden,
die argumentieren, daß es falsch ist, Diplomaten als Geiseln festzuhalten
und eine zunehmende Isolierung des Iran von der internationalen Völkergemeinschaft zur Folge haben wird.
Ein

�Ein Scheitern der Schritte dieses Rates wird diejenigen im Iran in
ihrem Glauben bestärken, die glauben, daß sie ungestraft so handeln können.

Andere haben darauf gedrängt, der Rat solle die Frage der Sanktionen
zur Seite legen, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die sowjetische Aggression
in Afghanistan zu lenken.

Aber die sowjetische Aggression verringert nicht unsere Bedenken hinsichtlich der Lage im Iran.

Ganz im Gegenteil:

Sie sollte die Sorgen des

Iran um seine Zukunft als unabhängiger Staat vergrößern.

Sie sollte die

Iraner rasch zu der Erkenntnis bringen, daß sie ihr Land rasch wiederaufbauen und sich darauf vorbereiten müssen, ihre Grenzen zu verteidigen.

Sie soll-

te den Iran der Gefahr bewußt werden lassen, die seine Isolierung von der
übrigen Völkergemeinschaft darstellt.
Mit Beginn der Sanktionen liegt der Schlüssel zur Beendigung dieser
Krise und die Wiederherstellung seines Status als vollbeteiligtem Mitglied
der internationalen Gemeinschaft beim Iran.

Er muß lediglich die Geiseln

freilassen und ihnen sicheres Geleit geben, bis sie nach Hause reisen - und
die Sanktionen hören automatisch auf.

Der Iran kann die Auferlegung von

Sanktionen sogar völlig vermeiden, indem er die Geiseln freiläßt, bevor die
Mitglieder der Vereinten Nationen den Prozeß zum Ergreifen der notwendigen
Schritte gemäß ihrer Verfassungen und Rechte zur Auferlegung von Sanktionen
abgeschlossen haben.

Nichts wird das Recht des Iran beeinträchtigen, Genug-

tuung für seine Klagen vor einem angemessenen internationalen Forum zu suchen
- gleichgültig, ob gegen die Vereinigten Staaten oder seinen früheren Herrscher.

Ich erinnere den Rat daran, daß dies kein bilateraler Streit ist, sondern eine Konfrontation zwischen dem Iran und der gesamten internationalen
Gemeinschaft.

Die fortgesetzte Verletzung anerkannter und bislang weltweit

eingehaltener Prinzipien des Völkerrechts stehen auf dem Spiel.

Wie der ver-

diente Delegierte Nigerias, der im Verlauf früherer Debatten in diesem Rat
so fähig gedient hat, vorigen Monat sagte, sind diplomatische Immunität und

- 7-

�und Unverletztlichkeit in einem so großen Maß Teil des Völkerrechts und der
internationalen Gepflogenheiten, daß alle Staaten, die auf das Recht vertrauen und es respektieren, eine Verpflichtung haben, sie zu verteidigen.
Die Mitglieder dieses Rates müssen jetzt tun, was getan werden kann,
um - mit den Worten von Außenminister Vance - "zu zeigen, daß die Herrschaft
des Rechts eine Bedeutung hat und daß unsere Maschinerie des Friedens praktische Relevanz hat."
Wir müssen tun, was wir gemäß der Satzung tun können, um diese überaus
ernste Bedrohung des Friedens und der Weltordnung zu entschärfen.

Das ist

das Ziel und der Zweck des gemeinsamen Sicherheitssystems.
Wir müssen dem Iran zeigen, daß die Welt entschlossen ist, die Geiseln
befreit zu haben.

+ + + + +

�3

16. Januar 1980

VORDRINGLICHE ENERGIE-ENTSCHEIDUNGEN IM US-KONGRESS

WASHINGTON - (AD) - Mit Beginn der zweiten Hälfte der 96. Sitzungsperiode
des amerikanischen Kongresses Ende Januar 1980 dürften drei Gesetzesvorlagen
der Regierung mit Vorrang behandelt werden, die die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischem öl verringern sollen.

Zur Debatte stehen in dem

gemeinsamen Vermittlungsausschuß von Senat und Repräsentantenhaus die Vorschläge Präsident Carters über 1) die steuerliche Behandlung der Situationsgewinne
("Windfall Profits") der amerikanischen Mineral öl firmen aufgrund des stufenweisen Abbaues der Preiskontrollen für einheimisches Rohöl, 2) eine Ermächtigung für die beschleunigte Entwicklung synthetischer Brennstoffe und 3) die
Schaffung eines Energie-Mobilisierungsgremiums, das für die raschestmögliche
Durchführung vorrangiger amerikanischer Energieprojekte verantwortlich sein
wird.

Im Vermittlungsausschuß wurden zwar vor Beginn der Weihnachtsferien am
21. Dezember bereits wichtige Fortschritte erzielt, doch müssen noch wesentliche Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt werden, ehe die Vorlagen vom Kongreß
gebilligt und dem Präsidenten zugeleitet werden können.

Uneinigkeit besteht

z.B. noch in der Frage, wie die geschätzten Mehreinkünfte der Regierung in Höhe
von 227 Milliarden Dollar durch Abschöpfung von "Windfall Profits" in den

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�den nächsten zehn Jahren zu verteilen seien - eine Entscheidung, die die
amerikanische Energiepolitik in den achtziger Jahren erheblich beeinflussen
wird.

Präsident Carter hatte ursprünglich gefordert, mit den Geldern For-

schungs- und Entwicklungsprojekte für Ersatzenergien zu fördern, Massenverkehrssysteme zu verbessern und sozial schwache Bevölkerungskreise, die von
den steigenden Energiepreisen am härtesten betroffen werden, finanziell zu
unterstützen.

In dem vom Vermittlungsausschuß gefundenen Kompromiß zwischen

den im letzten Halbjahr vom Repräsentantenhaus (geschätztes Sonder-Steueraufkommen in zehn Jahren: 277 Milliarden Dollar) und Senat (178 Milliarden
Dollar) genehmigten Gesetzesvorlagen ist die Verteilungsfrage noch nicht geklärt.

Man einigte sich nur darauf, daß ungefähr der Mittelwert zwischen

beiden Summen bis 1990 dem Staat zufließen sollte.

Zusammen mit bereits be-

stehenden einzelstaatlichen und Bundessteuern hätte die Mineralölindustrie in
zehn Jahren ca. 79 Prozent von schätzungsweise 1 Billion Dollar abzugeben,
die amerikanische Verbraucher in den achtziger Jahren an höheren Energiepreisen infolge des Endes der Preiskontrollen für einheimisches Rohöl voraussichtlich zu zahlen hätten.
Der Hauptunterschied in der Betrachtungsweise von Senat und Repräsentantenhaus bezüglich der "Windfall Profits" besteht in der Behandlung neuentdeckter
Ölvorkommen. Während der Senat bei diesen nur zehn Prozent des Situationsgewinns abschöpfen will, sieht das Repräsentantenhaus eine Steuer von 50 Prozent vor. Kleinproduzenten außerhalb der Großkonzerne sollen nach Auffassung
des Senats überdies von der Sonderabgabe weitgehend ausgenommen werden; das
Repräsentantenhaus dagegen billigt ihnen keine Vorzugsbehandlung zu.
Ein weiterer noch strittiger Punkt ist die Frist für die Beendigung der
Übergewinnsteuer. Während der Senat diese bei Erreichen einer Gesamtsumme von
214 Milliarden Dollar auslaufen lassen möchte, wobei der Zeitpunkt von der
weltweiten jährlichen Preissteigerung für Erdöl abhängen würde, verlangt das
Repräsentantenhaus, die Sondersteuer bei neuentdeckten Vorkommen mit dem Jahr
1990 zu beenden und sie für die Ausbeutung von vor 1979 aufgefundenen Vorkommen solange weiterzuerheben, bis diese Quellen versiegt sind. Außerdem sieht
die vom Senat genehmigte Gesetzesfassung für Geschäftsleute und Konsumenten

�Konsumenten eine Anzahl von Steuerermäßigungen in Energiefragen vor, die Fassung des Repräsentantenhauses dagegen nicht.

Die Mitglieder des Vermittlungsausschusses erzielten außerdem im Dezember
1979 vorläufige Übereinstimmung für einen Kompromiß in der Planung zur Entwicklung synthetischer Brennstoffe aus Kohle, Ölschiefer, Teersanden, Schweröl und anderen Quellen.

Demnach würden in der ersten Programmphase bis zu 20

Milliarden Dollar bewilligt, wobei bis 1987 das Produktionsziel mindestens
500 000 Barrel pro Tag an synthetischen Brennstoffen und 1992 mindestens 2 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) betragen soll.
Der Kompromißplan sieht die Schaffung einer unabhängigen Gesellschaft vor,
die zahlreiche finanzielle Anreize offerieren darf, um Privatfirmen für die
Herstellung synthetischer Brennstoffe zu gewinnen - u.a. Preisgarantien, Abnahmevereinbarungen, Kreditgarantien, Direktkredite und Kooperationsabmachungen.
Die Frage der regierungseigenen Betriebe wurde von den Mitgliedern des Vermittlungsausschusses bisher ebensowenig angesprochen wie die der Finanzierung von
Energieeinsparungsmaßnahmen,Sonnenenergie, Gasohol (Mischkraftstoff aus Benzin
und 10 - 15 Prozent Alkohol), geothermischer Energie, Holzverwertung und Windenergieprojekten.

Die Erörterungen über die Schaffung eines dreiköpfigen Energiemobilisierungsgremiums, das für die beschleunigte Durchführung des Baues von Pipelines,
Raffinerien, Produktionsstätten für synthetische Brennstoffe und andere wichtige Projekte verantwortlich wäre, sind noch nicht abgeschlossen.

Das Gremium

wäre ermächtigt, Prioritäten für Projekte festzusetzen, die als besonders bedeutsam zur Verringerung der amerikanischen ölimporte gelten, und anstelle von
Bundes-, Einzel Staats- und Kommunalbehörden aktiv zu werden, sofern diese die Termine
für die Beschlußfassung im Zusammenhang mit derartigen Projekten nicht einhalten.
Die Regierungsbehörden sind den Gesetzesvorlagen zufolge gehalten, die Verfahrensabwicklung zu straffen, Anhörungen aufeinander abzustimmen und für ein
bestimmtes Energieprojekt jeweils nur einmal die Feststellung der Umweltbelastung vorzunehmen.
+ + + + +
- 3 -

�I

Wi//en/chcift
und Technik
»

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16. Januar 1980

FRISCHFISCH WOCHENLANG HALTBAR GEMACHT

- (AD) - Mit Hilfe eines neuartigen VerpackungsVerfahrens gelang es
Prof. J. Regenstein (Cornell-Universität, New York) und Michael Fey, einem
seiner Assistenten, Fisch wochenlang frisch zu halten.

Nach mehrjährigen Ex-

perimenten mit Lachs und Seehecht fanden die Forscher eine Gasmischung heraus, in der die Fische vier und mehr Wochen nach dem Fang in einem Zustand
erhalten werden, der dem des Frischfisches entspricht.

Statt normaler Atmo-

sphäre mit 20 Prozent Sauerstoff und 80 Prozent Stickstoff verwenden sie eine
Mischung aus 21 Prozent Sauerstoff, 19 Prozent Stickstoff und 60 Prozent
Kohlendioxid.

Der letztgenannte Anteil ist für die Frischhaltung - unter

Verzicht auf Tiefkühlung - ausschlaggebend.

Denn COp verzögert ganz erheb-

lich die Entwicklung von Bakterien,die Fisch so leicht verderblich machen.

Die Fische werden einzeln oder paarweise in gasdichte dünne Plastikbehälter verpackt und bei einer Temperatur, die nur wenig über dem Gefrierpunkt
liegt, gelagert.

Das Verfahren soll der Fischereiindustrie helfen, ihren Ab-

satzmarkt für Seefische in fangfrischer Qualität zu erweitern.

Man denkt da-

bei vor allem an europäische Länder als Abnehmer, in denen z.B. Seehecht, ein
dem Kabeljau ähnlicher Fisch, sehr beliebt ist.

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USA rechnen mit fester Haltung Westeuropas zur sowjetischen Invasion
in Afghanistan
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig DOKUMENTATION
Carter: USA werden sich ihrer Verantwortung stellen
- Rede des Präsidenten vom 5. Januar 1980 Rede des US-Chefdelegierten vor dem Weltsicherheitsrat
- USA fordern Abzug der Sowjets aus Afghanistan Präsident Carter fordert Verschiebung der Senatsdebatte über SALT II
- Schreiben an Senator Byrd HINTERGRUNDMATERIAL
Die NATO: Ihre Vergangenheit und ihre Zukunft
- Von Senator Jacob Javits Energieversorgung:

Herausforderung der achtziger Jahre

Von John Sawhill
Stellvertretender Energieminister der Vereinigten Staaten
Weltpreisentwicklungen bei Nahrungsmitteln
- Getreidebevorratung der USA als stabilisierender Faktor von Dr. John Schnittker und Dr. Martin Abel

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9. Januar 1980

USA RECHNEN MIT FESTER HALTUNG WESTEUROPAS ZUR SOWJETISCHEN INVASION
IN AFGHANISTAN
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Die Reaktion der Vereinigten Staaten und Westeuropas
auf die sowjetische Aggression in Afghanistan wird sicherlich über den Tag hinaus andauern.

Damit rechnet man jedenfalls in amerikanischen Regierungskreisen,

Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Warren Christopher erklärte am 6. Januar 1980, "eine der Lehren" aus der sowjetischen Invasion der
Tschechoslowakei im Jahr 1968 sei gewesen, "daß die Reaktion entschlossen und
nachhaltig sein muß".
In einem Fernsehinterview im Rahmen der bekannten Sendereihe "Face the
Nation" (Stell Dich der Nation) der Gesellschaft CBS wies Christopher darauf
hin, daß der Nordatlantikrat in der kommenden Woche zusammentreten und über
seine Reaktion beraten werde.

"Ich rechne damit, daß seine Reaktion entschlos-

sen und fest sein wird",so sagte er.
Christopher

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�Christopher deutete in dem Interview an, was die Verbündeten Amerikas
tun könnten.

Bisher hat die Regierung Carter eine Reihe einschneidender ein-

seitiger Sanktionen gegen Moskau angekündigt und nur ihrer Erwartung Ausdruck
verliehen, daß Australien, Kanada und die westeuropäischen Länder nicht die
17 Millionen Tonnen Futtergetreide für den sowjetischen Viehbestand liefern
werden, deren Lieferung die Vereinigten Staaten gesperrt haben.
Der Stellvertretende amerikanische Außenminister sprach die Erwartung aus,
daß die westeuropäischen Länder ihre Hilfe für Afghanistan einstellen werden.
Man rechne in Washington ferner mit Maßnahmen hinsichtlich ihrer diplomatischen
Vertretungen in Afghanistan.
Und schließlich sagte Christopher, er rechne damit, daß einige der westeuropäischen Länder den Sowjets Exportkredite verweigern.
Zusammenfassend gesagt

ging es Christopher um folgendes:

- Es ist nicht die Zeit gekommen, "den Tod der Entspannung zu verkünden",
aber "wir werden in Zukunft abwarten müssen", wie sich die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen entwickeln.
- Washington ist "entschlossen", den Sowjets zu zeigen, daß ihre Aggression in Afghanistan ihren Preis haben wird und daß jede folgende Aktion dieser
Art sehr schwere Strafen nach sich ziehen würde.
- Die Regierung Carter betrachtet die sowjetische Invasion als ein mögliches "Trittbrett" für weitergesteckte Ziele, vielleicht ölinteressen Moskaus
in anderen Bereichen der Region.
Auf eine Frage nach amerikanischer Hilfe für Pakistan, dem Nachbarn
Afghanistans, erwiderte Christopher, das werde sich innerhalb der nächsten
Tage entscheiden.
tuation".

Er sprach in diesem Zusammenhang von einer "Ausnahmesi-

Auf mögliche Bedenken Indiens gegen amerikanische Hilfe für Pakistan

- 2 -

�Pakistan angesprochen, betonte Christopher, daß die USA "gute Beziehungen"
zu Indien aufrechterhalten wollten.

Indien müsse schließlich das Vorgehen

der Sowjets in Afghanistan auch als eine Bedrohung seiner eigenen Souveränität
wie der anderer Länder der Region betrachten.

Wenn Pakistan es wünsche, wer-

de Washington mit einer Reihe anderer Staaten, darunter die Volksrepublik
China, über Hilfe für Pakistan sprechen.

Das Fehlverhalten Moskaus in

Afghanistan werde auf jeden Fall Washington nicht davon abhalten, "normale
Beziehungen" zur Volksrepublik China zu entwickeln.

Christopher wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der amerikanische
Verteidigungsminister Harold Brown gegenwärtig in China über das Problem
Afghanistan spreche.

Hier würden sich wichtige Hinweise auf die Art der Zu-

sammenarbeit in jener Region ergeben.

Er betonte jedoch, daß es nicht um

ein militärisches Verhältnis der Lieferung von Waffen an die Volksrepublik
gehe.

Der Stellvertretende amerikanische Außenminister hob ferner hervor, daß
die sowjetische Handlungsweise gegenüber Afghanistan eigentlich den Iran zur
Einsicht bringen und veranlassen sollte, seine Krise mit den Vereinigten Staaten zu beenden und die ameriknaischen Geiseln freizulassen.

Man müsse sich

in Teheran darüber klar werden, daß die "größere Bedrohung" aus Moskau komme.

Schließlich teilte Christopher noch mit, daß Angebote Ägyptens und Israels
für die Benutzung militärischer Einrichtungen durch die USA gegenwärtig "geprüft" werden.

Die Vereinigten Staaten hatten bis vor einigen Tagen höflich

aber bestimmt solche Angebote abgelehnt.

Die Vereinigten Staaten unternähmen

jedoch "wichtige Schritte zur Verbesserung ihrer militärischen Position im
Nahen Osten".

Dazu gehören nach seiner Auskunft eine Flugzeugträger-Gruppe:im

Indischen Ozean und der Ausbau des Stützpunktes Diego Garcia.

Die Vereinigten

Staaten bemühten sich auch um die Benutzungsrechte von Häfen und Flugplätzen
in Oman, Kenia und Somalia.

+ + + + +

- 3 -

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9. Januar 1980

CARTER:

USA WERDEN SICH IHRER VERANTWORTUNG STELLEN

- Rede des Präsidenten vom 5. Januar 1980 -

WASHINGTON
- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Rundfunkund Fernsehansprache an das amerikanische Volk in der Nacht zum 5. Januar
1980 zu der völkerrechtswidrigen Invasion Afghanistans durch sowjetische
Truppen Stellung genommen und scharfe Maßnahmen der Vereinigten Staaten
angekündigt, falls die Sowjets ihre Truppen nicht zurückziehen, wie dies
auch von der Mehrheit der Völkergemeinschaft gefordert wird. Neben
drastischen Einschränkungen des Handels schloß Carter auch einen Boykott
der Olympischen Spiele 1980 in Moskau nicht aus.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend zu Ihnen über die außerordentlich wichtigen
und sich rasch verändernden Umstände in Südwestasien sprechen.

Ich teile

mit Ihnen weiterhin das Gefühl des Zorns und der Ungeduld wegen des Festhaltens unschuldiger amerikanischer Geiseln durch militante Terroristen
mit Unterstützung und Billigung amtlicher Vertreter des Iran.
Unsere

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�Unsere Zielsetzungen bestehen weiterhin in dem Schutz der langfristigen
Interessen unserer Nation und der Sicherheit der amerikanischen Geiseln.
Wir suchen die Freilassung der Amerikaner durch den Internationalen
Gerichtshof, durch die Vereinten Nationen und durch öffentliche und nichtöffentliche diplomatische Anstrengungen sicherzustellen.
dieses Ziel zu erreichen.

Wir sind entschlossen,

Wir hoffen, dies ohne Blutvergießen und ohne

weitere Gefährdung des Lebens unserer 50 amerikanischen Mitbürger erreichen
zu können.

In diesen Bemühungen haben wir weiterhin die starke Unterstützung

der Weltgemeinschaft.
Unter solch kritischen Umständen sind die Einigkeit und der gesunde
Menschenverstand des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung
für den Erfolg unserer Bemühungen.
In jüngster Zeit hat sich eine weitere sehr ernste Entwicklung vollzogen, die die Aufrechterhaltung des Friedens in Südwestasien gefährdet.
Massive sowjetische Streitkräfte sind in das kleine, blockfreie,souveräne
Land Afghanistan eingedrungen, das bisher kein besetzter Satellit der
Sowjetunion war.
Rund 50 000 schwerbewaffnete sowjetische Soldaten haben die Grenze
überschritten, sind heute über ganz Afghanistan verteilt und versuchen,
das stolze,unabhängige Moslemvolk dieses Landes zu unterjochen.
Die Sowjets behaupten fälschlicherweise, daß sie nach Afghanistan
eingeladen worden wären, um dieses Land vor einer nicht genannten Bedrohung von außen zu schützen. Aber Präsident Amin, der der Führer
Afghanistans vor der sowjetischen Invasion war, ist - zusammen mit mehreren
Mitgliedern seiner Familie - ermordet worden,nachdem die Sowjets die
Kontrolle über die Stadt Kabul gewonnen hatten.
Die

�Die neue Marionettenregierung wurde erst wenige Tage später durch
die Sowjets nach Afghanistan gebracht.

Diese Invasion ist eine außerordentlich ernste Bedrohung des Friedens wegen der Drohung einer weiteren sowjetischen Expansion in benachbarte
Länder in Südwestasien und auch weil eine solche aggressive Militärpolitik
bei anderen Völkern in der ganzen Welt Unruhe hervorruft.

Sie ist eine rohe Verletzung des internationalen Rechts und der Charta
der Vereinten Nationen.

Sie ist eine bewußte Bemühung einer mächtigen atheistischen Regierung,
ein

unabhängiges islamisches Volk zu unterwerfen.
Wir müssen uns über die strategische Bedeutung Afghanistans für

Stabilität und Frieden im klaren sein.

Ein sowjetisch besetztes Afghanistan bedroht sowohl den Iran als auch
Pakistan und ist ein Trittbrett für die Kontrolle eines großen Teils der
Ölversorgung der Welt durch die Sowjets.

Die Vereinigten Staaten wollen, daß alle Länder der Region frei und
unabhängig sind.

Wenn die Sowjets bei dieser Invasion durch einen

schließlichen Erfolg noch ermutigt werden und wenn sie ihre Herrschaft
über Afghanistan aufrechterhalten und dann ihre Kontrolle auf angrenzende
Länder ausdehnen, dann wird das stabile, strategische und friedliche Gleichgewicht der Welt verändert werden.

Dies würde die Sicherheit aller Länder,

einschließlich selbstverständlich der Vereinigten Staaten, unserer Verbündeten
und unserer Freunde bedrohen.

Deshalb kann die Welt nicht abwarten und der Sowjetunion erlauben, diesen
Akt ungestraft zu begehen.
Fünfzig

- 3 -

�Fünfzig Länder haben den Sicherheitsrat angerufen, die Sowjetunion
zu verurteilen und den sofortigen Abzug aller sowjetischen Truppen aus
Afghanistan zu verlangen.
Wir sind uns darüber im klaren, daß nach der Charta der Vereinten
Nationen die Sowjetunion und andere ständige Mitglieder ihr Veto gegen
ein Handeln des Sicherheitsrates einlegen können.

Wenn der Willen des

Sicherheitsrates in dieser Weise zunichte gemacht werden sollte, dann
wäre ein sofortiges Handeln in der Vollversammlung der Vereinten Nationen
angebracht, wo es kein sowjetisches Veto gibt.
In der Zwischenzeit können weder die Vereinigten Staaten noch irgendeine andere Nation, die sich dem Frieden und der Stabilität in der Welt
verschrieben hat, mit der Sowjetunion umgehen, als wenn nichts wäre.
Ich habe bereits den Botschafter der Vereinigten Staaten aus Moskau
nach Washington zurückberufen.

Er arbeitet mit mir und meinen anderen

leitenden Beratern an einer sofortigen und umfassenden Überprüfung des
gesamten Bereichs unserer Beziehungen zur Sowjetunion.
Die erfolgreiche Aushandlung des SALT II-Vertrages war ein Hauptziel
und eine große Leistung dieser Administration - und aus der erfolgreichen
Kontrolle der strategischen nuklearen Waffen aufgrund der Durchführung
dieses sorgfältig ausgehandelten Vertrags werden wir Amerikaner, das
sowjetische Volk, ja, die ganze Welt Nutzen ziehen.
Wegen der sowjetischen Aggression habe ich jedoch den Senat der
Vereinigten Staaten gebeten, die weitere Erörterung des SALT II-Vertrages
zu verschieben, damit der Kongreß und ich die sowjetischen Aktionen und
Absichten richtig einschätzen und wir unsere Hauptaufmerksamkeit auf
legislative und andere Maßnahmen richten können, die notwendig sind,
um auf diese Krise zu reagieren.
Wenn
- 4 -

�Wenn und sobald sich die Umstände in der Zukunft verändern, werden
wir natürlich die Ratifizierung von SALT II in enger Konsultation mit
den Führern des Senats aktiv überprüfen.

Wir werden die Eröffnung aller neuen amerikanischen und sowjetischen
Konsulatseinrichtungen aufschieben, und auch die Mehrzahl der kulturellen
und wirtschaftlichen Austauschprogramme, die derzeit erwogen wurden, wird
aufgeschoben.
Ich habe beschlossen, die Exporte nach der Sowjetunion auf drei
Gebieten, die für sie von besonderer Bedeutung sind, einzustellen oder zu
reduzieren.

Diese neue Politik wird mit der unserer Verbündeten koordiniert

werden.

-

Ich habe angeordnet, daß keine Lizenzen für den Verkauf von
technisch hochentwickelten oder anderen strategischen Gütern an
die Sowjetunion bis auf weiteres erteilt werden, während wir unsere
Lizenzverfahren überprüfen werden;

-

die der Sowjetunion eingeräumten Fischfangrechte in amerikanischen
Gewässern werden drastisch eingeschränkt werden;

-

die 17 Millionen Tonnen an Getreide, die von der Sowjetunion über
die Menge hinaus bestellt wurden, die wir gemäß dem Fünf-Jahres-Abkommen zu verkaufen verpflichtet sind, werden nicht geliefert werden,
Dieses Getreide war nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt,
sondern sollte zur Ergänzung des sowjetischen Viehbestandes genutzt
werden.

Ich bin entschlossen, die Nachteile, die dem amerikanischen Farmer
aus dieser Aktion erwachsen könnten, so klein wie möglich zu halten.

Das

nicht zur Auslieferung gelangende Getreide wird durch Vorrats- und Preis-

- 5 -

�I

Preisstützungsprogramme sowie durch Ankäufe zu Marktpreisen aus dem Markt
genommen werden.

Wir werden auch größere Mengen von Getreide verwenden,

um den Hunger in den armen Ländern zu lindern, sowie zur Gasohol-Erzeugung
in unserem eigenen Lande.
Nach Konsultationen mit anderen großen getreideexportierenden Staaten
bin ich davon überzeugt, daß sie diese Getreidemengen nicht durch eigene
zusätzliche Lieferungen an die Sowjetunion ersetzen werden.
Diese Aktionen werden ein gewisses Opfer von allen Amerikanern fordern,
aber es kann kein Zweifel bestehen, daß sie im Interesse des Weltfriedens
und der Sicherheit unserer eigenen Nation liegen und auch vereinbar sind mit
den Aktionen, welche von unseren eigenen großen Handelspartnern und anderen
Nationen getroffen werden, die unsere tiefe Besorgnis über diese neue
Bedrohung der Stabilität der Welt durch die Sowjetunion teilen.
Auch wenn die Vereinigten Staaten es vorziehen würden, sich nicht von
den für diesen Sommer in Moskau angesetzten olympischen Spielen fernzuhalten,
so muß die Sowjetunion doch einsehen, daß ihre kontinuierlichen aggressiven
Aktionen sowohl die Teilnahme der Sportler als auch die Reise von Olympiabesuchern nach Moskau, die normalerweise die olympischen Spiele besuchen
möchten, gefährdet.
Zusammen mit anderen Ländern werden wir militärische Ausrüstung, Lebensmittel und andere Hilfe bereitstellen, um Pakistan bei der Verteidigung
seiner Unabhängigkeit und nationalen Sicherheit gegen die außerordentlich
vermehrte Bedrohung zu helfen, der es sich jetzt vom Norden gegenübersieht.
Die Vereinigten Staaten sind auch bereit, anderen Nationen in dieser Region
in ähnlicher Weise zu helfen.
Weder unsere Verbündeten noch unsere potentiellen Gegner sollten auch
nur den geringsten Zweifel an unserem Willen, unserer Entschlossenheit und

- 6 -

�und unserer Fähigkeit hegen, die von mir aufgewiesenen Maßnahmen zu treffen.
Ich habe mich mit den führenden Vertretern des Kongresses beraten, und
ich bin sicher, daß sie die zur Durchführung dieser Maßnahmen etwa erforderliche Gesetzgebung unterstützen werden.
Die Geschichte lehrt vielleicht nur wenige eindeutige Lektionen. Aber
gewiß ist eine solche Lektion, die die Welt mit großen Kosten gelernt hat,
die, daß eine Aggression, der man nicht entgegentritt, zu einer ansteckenden
Krankheit wird.
Die Antwort der internationalen Gemeinschaft auf den sowjetischen
Versuch, Afghanistan zu unterwerfen, muß der Schwere der sowjetischen Tat
entsprechen.
Mit der Unterstützung des amerikanischen Volkes und zusammen mit
anderen Nationen werden wir die Aggression zurückweisen, die Sicherheit
unserer Nation schützen und den Frieden erhalten.
Die Vereinigten Staaten werden ihrer Verantwortung gerecht werden.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation

I

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9. Januar 1980

REDE DES US-CHEFDELEGIERTEN VOR DEM WELTSICHERHEITSRAT
- USA fordern Abzug der Sowjets aus Afghanistan -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK

- (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte

bei den Vereinten Nationen, Botschafter Donald F. McHenry, hat am 6. Januar
1980 vor dem Sicherheitsrat den Abzug der sowjetischen Invasionstruppen aus
Afghanistan gefordert - eine Forderung die weltweit erhoben wird.

McHenry

betonte, daß die Handlung der Sowjetunion nicht nur ein flagranter Bruch
des Friedens und des internationalen Rechts sei, sondern die Grundprinzipien
der Charta der Vereinten Nationen bedrohe.
Die Ausführungen des amerikanischen UN-Delegierten haben folgenden
Wortlaut:
Der Sicherheitsrat tritt heute auf Ersuchen von über 50 Mitgliedstaaten
der Vereinten Nationen aus allen Teilen der Welt und aller politischer
Überzeugungen zusammen. Wir sind hier versammelt, um eine Angelegenheit
von grundlegender Bedeutung für den Weltfrieden und die Prinzipien zu
erörtern, auf die sich die Vereinten Nationen stützen.
Ein

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�Ein Mitgliedstaat dieser Weltorganisation ist das Opfer einer Invasion
durch starke Truppenkontingente eines anderen Staates geworden.
Seine Regierung wurde gestürzt; seine politischen Führer wurden
getötet;

sein Volk wurde mundtod gemacht; und sein Territorium wurde

besetzt.
Die Vereinigten Staaten haben sich dem Ruf nach einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats angeschlossen, um den offenkundigen Akt der
Aggression der Sowjetunion gegen das Territorium und das Volk Afghanistans
zu erörtern. Wir tun dies, weil das Vorgehen der Sowjetunion nicht nur
einen Bruch des Friedens und des internationalen Rechts darstellt, sondern
auch den Bestand der Grundprinzipien bedroht, auf denen die Charta der
Vereinten Nationen beruht.
Der Vertreter der Sowjetunion hat uns eine Vielzahl umfassender
und verwirrender Gründe für die sogenannte "begrenzte", aber sicherlich
tödliche Unterstützung genannt, die dem Volk von Afghanistan aufgezwungen
wird. Werfen wir einen Blick auf die erschreckliche Reihe von Ereignissen,
die mit der Invasion Afghanistans durch die Sowjets im Zusammenhang stehen.
-

In den ersten Dezemberwochen brachte die Sowjetunion den Flugplatz
Bagran nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul durch die
Entsendung von Truppen in Stärke eines Fall Schirmjägerregiments
in ihren Besitz. Sie landete ferner Truppen und Material auf dem
Flughafen von Kabul und mobilisierte gleichzeitig riesige Truppenkontingente in ihren Grenzgebieten zu Afghanistan.

-

Am 25. und 26. Dezember erfolgte eine umfangreiche sowjetische
Luftlandeoperation gegen Kabul; in über 200 Flügen wurden rund
10 000 sowjetische Soldaten nach Afghanistan transportiert.
Am

�-

Am Abend des 27. Dezembers umzingelte eine besondere sowjetische
Angriffstruppe das Präsidenten-Palais in Kabul;

im Zuge dieser

Operation wurden die den Palast verteidigenden afghanischen Soldaten
angegriffen und überwältigt und Präsident Amin in einem summarischen
Verfahren exekutiert.

Gleichzeitig griffen sowjetische Truppen

afghanische Kräfte an, die Radio Afghanistan und andere wichtige
Einrichtungen bewachten, und gewannen die Kontrolle über diese.

-

Die erste Ankündigung des von den Sowjets betriebenen Staatsstreichs und der Ersetzung Präsident Amins durch den bis dahin im
osteuropäischen Exil lebenden Babrak Karmal erfolgte unter Verwendung von Funkfrequenzen, die den Eindruck erwecken sollten,
es handele sich um Radio Kabul, während die Sender, die diese
Bekanntgaben verbreiteten, in Wirklichkeit vom Territorium der
Sowjetunion gesendet haben.

Wir wissen dies, weil Radio Kabul

seine normale Sendefolge nach den ersten diesbezüglichen Bekanntmachungen noch über eineinhalb Stunden fortgesetzt hat.

Nichts

in den Sendungen von Radio Kabul bestätigte den Inhalt der
sowjetischen Sendungen, die im Namen Afghanistans verbreitet
worden waren.

-

Im Anschluß daran brachten sowjetische Truppen alle wichtigen
zivilen und militärischen Einrichtungen im Gebiet von Kabul in
ihren Besitz und zogen rund um Kabul einen Verteidigungskordon.
Die Streitkräfte Afghanistans wurden entwaffnet.

-

Unmittelbar nach dem Staatsstreich drangen zwei sowjetische
motorisierte Infanteriedevisionen auf den Landwege in Afghanistan
ein, die eine bei Kushka und die andere bei Termez.

Einheiten

der westlichen Division erreichten Herat, wo es Berichten zufolge
zu Kämpfen zwischen sowjetischen und afghanischen Truppen gekommen
ist.

Ein großer Teil der Termez-DiVision ist bis in den Raum

- 3 -

�Raum Kabul vorgedrungen.
-

Die Sowjetunion hat gegenwärtig rund 50 000 Soldaten in Afghanistan
stehen.

Gewisse Hinweise deuten darauf hin, daß weitere sowjetische

Divisionen

in das sowjetisch-afghanische Grenzgebiet einrücken.

Sowjetische Einheiten sind angetreten, um andere Städte von größerer
Bedeutung einzunehmen.
Die Sowjetunion behauptet, die politische Führung Afghanistans hätte
um sowjetische Militärhilfe nachgesucht. Welche Führer?

Es steht außer

Zweifel, daß Präsident Amin noch im Amt war, als die sowjetischen Truppen
den Präsidenten-Palast angriffen, und auch noch, als er exekutiert wurde.
Sollen wir glauben, Präsident Amin habe die sowjetischen Truppen aufgefordert,
nach Afghanistan zu kommen, um seinen Untergang und seine Exekution zu
überwachen?
Oder war es die Führung des Babrak Karmal, des von den Sowjets
ernannten Nachfolgers Amins, eines Mannes, der zum Zeitpunkt des sowjetischen
Eingreifens nicht in Afghanistan weilte, sondern noch in der Sowjetunion?
Das afghanische Volk und Einheiten der afghanischen Armee leisten
der sowjetischen Aggression Widerstand - trotz der überwältigenden militärischen
Überlegenheit der Invasoren.

Die Kämpfe dauern in mehreren Gebieten des

Landes noch immer an.
Die Fakten liegen auf der Hand. Die Sowjetunion hat die Besetzung
Afghanistans über Monate hinweg sorgfältig geplant und vorbereitet, weil
sie mit dem Grad der Unterwürfigkeit der Regierung Amin und unzweifelhaft
mit dessen Vorgehen gegen aufrührerische Moslems in Afghanistan unzufrieden
war, die seit langem schon um ihre Rechte kämpften. Die Sowjetunion
hat dann ihre militärischen Operationen ausgeführt - rasch und brutal.
Sie hat der an der Macht befindlichen afghanischen Führung keinerlei

�keinerlei Alternative geboten.

Sie stürzte die Regierung Amin, die sie

zuvor gestützt hatte, und ersetzte sie durch ein Marionettenregime.
Herr Präsident, die bewaffnete Intervention in Afghanistan und die
Anwesenheit nicht gebetener Besatzungsstreitkrä'fte in diesem Land

stellen

eine nackte und offenkundige Verletzung der wichtigsten Prinzipien des
Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen dar.

Was sind dies

für Grundsätze?
-

Daß kein Staat Gewalt gegen die territoriale Integrität und
politische Unabhängigkeit eines anderen Staates anwenden darf;

-

daß sich kein Staat mit Gewalt in die inneren Angelegenheiten
eines anderen Staates einmischen darf;

-

daß alle Staaten den Grundsatz der Gleichberechtigung und der
Selbstbestimmung der Völker respektieren müssen;

-

daß die Grundprinzipien der Menschenrechte von allen Regierungen
respektiert werden müssen; und

-

daß die Staaten internationale Streitigkeiten durch friedliche
Mittel beilegen müssen.

Die Behauptung der Sowjetunion, sie handle in Übereinstimmung mit
dem Prinzip der Förderung der kollektiven Selbstverteidigung gemäß Artikel
51 der Charta, stellt eine Pervertierung der Charta dar - eine beleidigende
Geringschätzung der Intelligenz der Mitglieder dieses Rates. Artikel 51
kann nur dann herangezogen werden, "wenn ein bewaffneter Angriff gegen ein
Mitglied der Vereinten Nationen vorliegt." Von woher kam der bewaffnete
Angriff auf Afghanistan? Der einzige bewaffnete Angriff auf Afghanistan,
der erfolgt ist, war der, der durch die Sowjetunion und vom Gebiet der

- 5 -

�der Sowjetunion her unternommen worden ist.
Niemand kann die Behauptung glauben, die Sowjetunion sei von der
afghanischen Regierung ersucht worden, dergestalt in Afghanistan zu intervenieren, wie sie es getan hat, es sei denn,er kann auch glauben, Präsident
Amin habe die Sowjetunion in das Land gerufen, um ihn zu stürzen.

Artikel 51

der Charta bestimmt, daß Maßnahmen, die Mitgliedstaaten in Ausübung ihres
Rechts der Selbstverteidigung ergreifen, "unverzüglich dem Sicherheitsrat
gemeldet werden

und daß sie in keiner Weise die Autorität und Verantwort-

lichkeit des Sicherheitsrates gemäß der vorliegenden Charta berühren, zu
jedem Zeitpunkt solche Maßnahmen zu ergreifen, die er für notwendig erachtet,
den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen."

Daß weder die Sowjetunion noch das

von ihr eingesetzte Marionettenregime in Afghanistan dem Sicherheitsrat
gemäß Artikel 51 Bericht erstattet haben, ist für sich allein schon ein
Beweis für die Durchsichtigkeit der Bemühungen der Sowjets, sich hinter
der Charta zu

verstecken.

Niemand kann auch glauben, daß die Sowjetunion von der afghanischen
Regierung ersucht worden ist, in Afghanistan gemäß dem 1978 geschlossenen
sogenannten Freundschafts- und Kooperationsvertrag zu intervenieren. Die
Invasion Afghanistans durch die Sowjets verletzt die gemäß den Bestimmungen
dieses Vertrags bestehende Verpflichtung der Sowjetunion, Afghanistans
nationale Souveränität zu respektieren und sich jeder Einmischung in dessen
innere Angelegenheiten zu enthalten.
Die Charta der Vereinten Nationen gibt der Sowjetunion so wenig wie
irgend einem anderen Land das Recht, militärische Maßnahmen in einem anderen
Land durchzuführen, oder dessen Regierung zu ersetzen, weil sie mit der
Politik oder dem Vorgehen der bestehenden Regierung derselben nicht einverstanden ist. Tatsache ist, daß die Sowjetunion das Völkerrecht verhöhnt
und den regionalen und den internationalen Frieden und die regionale und

�•

und internationale Stabilität verletzt.

Daß die Sowjetunion dies, mit

kalter Berechnung und im Voraus geplant, in einem Gebiet der Erde getan hat,
das gegenwärtig besonders unter der Instabilität und unter Spannungen leidet,
macht dieses Vorgehen nur umso ungeheuerlicher und verantwortungsloser.
Und daß die Sowjetunion militärische Maßnahmen gegen ein tief religiöses
und heftig auf seine Unabhängigkeit pochendes Volk unternimmt, das für seine
menschlichen und religiösen Rechte kämpft, unterstreicht die Brutalität und
Rechtswidrigkeit ihres Vorgehens.
Demgemäß liegt es an diesem Rat, Maßnahmen gemäß der Charta zu ergreifen, um den Weltfrieden und die Weltsicherheit wiederherzustellen.
Den sowjetischen Machthabern ist eine schreckliche Fehleinschätzung
unterlaufen. Die Auswirkungen der sowjetischen Invasion in Afghanistan
sind gewaltig, wird doch kein Staat mehr vor größeren und mächtigeren Nachbarn
sicher sein, sollte die internationale Gemeinschaft den Eindruck erwecken,
daß sie bereit ist, den Sowjets nachzugeben und sich mit deren bewaffnetem
Eingreifen abzufinden. Dies muß von besonderer Sorge für solche Staaten
sein, deren Territorium in der Nähe der sowjetischen Grenzen liegt.
Es obliegt deshalb diesem Rat und jedem Lande, das an die Herrschaft
des Rechts glaubt und sich der Gewaltanwendung in weltpolitischen Angelegenheiten widersetzt, diesen gefährlichen Bruch des Friedens und der Sicherheit
zu verurteilen.

Es obliegt diesem Rat, das Gewicht der Weltmeinung zur

Geltung zu bringen.
Wir nehmen die Erklärung der Sowjetunion zur Kenntnis, daß sie ihre
Truppen zu einem gewissen Zeitpunkt aus Afghanistan zurückziehen wird.
Wir fordern sie dringend auf, das sogleich zu tun und dem Volk von
Afghanistan zu gestatten, seine eigenen Angelegenheiten selbst zu regeln,
sein eigenes Regierungssystem und seine eigenen nationalen Führer ohne
Druck von außen und ohne jegliche Einmischung selbst zu wählen.

- 7 -

Nur auf

�auf diese Weise läßt sich die ernste Bedrohung des internationalen Friedens
und der internationalen Sicherheit.die von der Sowjetunion hervorgerufen
wurde, verringern und diese höchst gefährliche Herausforderung der Grundprinzipien der Vereinten Nationen beseitigen.
Keinem Land, auch keiner Großmacht, kann es gestattet werden, die
Verantwortung und die vertraglichen und moralischen Verpflichtungen
ungestraft zu ignorieren, die es auf sich nahm, als es Mitglied der
Vereinten Nationen wurde.

Die Vereinigten Staaten fordern deshalb alle

Mitglieder des Rates auf, in Erfüllung ihrer Verpflichtur.oen yemäß der
Charta mit Tatkraft zu handeln.

+ + + + +

�Dokumentation

I 3

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9. Januar 1980

PRÄSIDENT CARTER FORDERT VERSCHIEBUNG DER SENATSDEBATTE OBER SALT II
- Schreiben an Senator Byrd -

WASHINGTON - (AD) - In einem Schreiben, das Präsident Carter am 3. Januar
1980 an den Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit im Senat, Senator
Robert Byrd, sandte, wird der Senat ersucht, die Schlußberatung über den SALT IIVertrag zu verschieben.
Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Senator Byrd,
angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuche ich Sie darum,
die Schlußberatung des SALT II-Vertrags im Senat aufzuschieben.
Der Zweck dieses Ersuchens besteht nicht darin, den Vertrag einer Prüfung
zu entziehen, sondern die Schlußberatung darüber zu verlegen,so daß der Kongreß
und ich als Präsident die sowjetischen Handlungen und Vorhaben zu beurteilen vermögen und wir außerdem unser Hauptaugenmerk auf legislative sowie anderweitige
Maßnahmen legen können, die als Antwort auf diese Krise erforderlich sind.
Wie

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�Wie Sie wissen, teile ich auch weiterhin Ihre Ansicht, daß der SALT IIVertrag im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten und der
ganzen Welt liegt und daß er vom Senat behandelt werden sollte, sobald diese
dringenderen Themen geprüft worden sind.

•

• Erklärung des Pressesprechers zum Ersuchen Präsident Carters an den Senat In einer Erklärung am gleichen Tag ging der Pressesprecher Präsident
Carters, Jody Powell, auf das Ersuchen des Präsidenten an den Senat ein, die
Schlußberatungen über den SALT II-Vertrag zu verschieben.

Diese Erklärung

hat folgenden Wortlaut:
Nach Konsultation der Senatsführung hat der Präsident den Fraktionsführer
der demokratischen Mehrheit im Senat, Robert Byrd, ersucht, die Schlußberatung
des SALT II-Vertrags im Senat zu verschieben.
Obgleich der Präsident auch weiterhin der Ansicht ist, daß die Ratifizierung des SALT II-Vertrags im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten
Staaten liegt, ist er zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetische Invasion in
Afghanistan ,in Mißachtung der Charta der Vereinten Nationen, die Beratung des
SALT II-Vertrags zu diesem Zeitpunkt unangemessen erscheinen läßt.
Der Präsident hat um den Aufschub ersucht, solange er und der Kongreß die
sowjetischen Handlungen und Absichten beurteilen und ihre Aufmerksamkeit auf
legislative und anderweitige Maßnahmen richten, um auf die Krise zu antworten,
die durch die sowjetische Invasion Afghanistans geschaffen wurde.

+ + + + +

- 2 -

�9. Januar 1980

2

DIE NATO: IHRE VERGANGENHEIT UND IHRE ZUKUNFT
- Von Senator Jacob Javits -

Senator Jacob Javits, Republikaner, gilt
als einer der wichtigsten außenpolitischen
und militärischen Experten des amerikanischen Kongresses; er vertritt seit Jahren den Staat New York im Senat und gehört
dessen Außenpolitischem Ausschuß an.

Die tragende Säule der NATO ist seit ihrer Gründung die multilaterale
Zusammenarbeit zum Zweck der gemeinsamen Sicherheit und des wirtschaftlichen
Wohlergehens; die Ziele sind die Sicherheit und die Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und des Wachstums des Westens.

In den vergangenen Wochen ist deutlich geworden, daß die Lage im Iran
und die sowjetische Invasion in Afghanistan eine der ernsthaftesten Herausforderungen der Einheit des Bündnisses seit seiner Gründung darstellen.

Bisher

war das Bild ermutigend, was die Zusammenarbeit der NATO angesichts solcher
Krisen angeht.

Angesichts der Schwere eben dieser Krisen und anderer Probleme,

vor denen wir in diesem neuen Jahrzehnt stehen werden, scheint es angebracht,

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�angebracht, beim Gedanken an die Zukunft des Bündnisses zugleich auch einen
Blick auf die Vergangenheit der NATO zu werfen.

Trotz periodisch wiederkehrender Schwierigkeiten innerhalb des Bündnisses
und trotz Perioden, da solche Konflikte im Mittelpunkt zu stehen schienen, hat
das Nordatlantische Bündnis dazu beigetragen, im Lauf der letzten 30 Jahre
Europa beispiellosen Frieden und Sicherheit zu bieten.

Wir haben auf jeden Fall

in der modernen industrialisierten Welt ein Maß an wirtschaftlichem Wohlergehen
erreicht, das es bis dahin nicht gab.

Ein großer Teil dieses Erfolgs stellte

sich als Ergebnis amerikanischer Macht ein, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Zenit erreichte.

Das übrige ergab sich aus einer Lage äußerster

Schwäche eines wirtschaftlich verwüsteten Europas der Nachkriegszeit, das angesichts einer überaus realen sowjetischen Bedrohung seine letzten Kräfte zusammenraffte.

Diese beiden Faktoren zusammen gaben den Vereinigten Staaten nach

dem Zweiten Weltkrieg ihre dominierende internationale Rolle.

Die Notwendigkeit einer äußerst engen amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit war eindeutig, vor allem verglichen mit den sich weit weniger widerstrebenden politischen und wirtschaftlichen Interessen zwischen den europäischen
Staaten selbst sowie zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.

Zwar bestan-

den Differenzen, aber sie wurden zugunsten der weit grundlegenderen und dringlicheren Anliegen der Sicherheit und des Wiederaufbaus zurückgedrängt.

Zudem

war die Fähigkeit der Europäer bei diesen Differenzen Druck auf die Vereinigten Staaten auszuüben, aufgrund Europas geschwächter Lage in der Nachkriegszeit
äußerst begrenzt.

Seither waren die Erfolge des Bündnisses eindrucksvoll und dauerhaft.
Die Sicherheit in Europa nahm immer mehr zu.

Und obwohl sich die Vereinigten

Staaten vielleicht öfters - und zu Recht - über das Problem der Verteidigung
der NATO Gedanken machen, da dies der bedeutsamste Punkt ihrer nationalen
Sicherheit ist, so ist es doch am unwahrscheinlichsten, daß hier ein Konflikt
auftreten sollte.

Heute
i

- 2-

�Heute ist ein Krieg in Europa äußerst unwahrscheinlich.

In nicht geringem

Maß liegt der Grund dafür bei dem Beitrag der europäischen Mitglieder der NATO.
Tatsächlich sind sie diejenigen, die den Hauptbeitrag zur Verteidigung des
Bündnisses leisten.

Sowohl Frankreich als auch die Bundesrepublik Deutschland

verfügen über eine Armee von jeweils einer halben Million Soldaten und verfügen über die Kapazität, verhältnismäßig schnell mehr als doppelt so viel Truppen zu mobilisieren.

Großbritannien und die übrigen europäischen NATO-Mitglieder (einschließlich der Mittelmeerstaaten) verfügen zusammen über etwa 1,8 Millionen Soldaten.
Mehr als 75 Prozent der Luftstreitkräfte der NATO, 75 Prozent ihrer Seestreitkräfte und 90 Prozent ihrer Soldaten kommen von den europäischen NATO-Mitgliedern.

Eindeutig verfügt Europa über die Menschen und die Mittel, - wobei es in

beiden Fällen die Sowjetunion übertrifft -, um all das zu tun, was notwendig
ist - sogar ohne die Vereinigten Staaten.

Die europäischen NATO-Mitgliedstaa-

ten haben eine Bevölkerung von über 260 Millionen und ein Bruttosozialprodukt,
das vielleicht doppelt so groß ist wie das der Sowjetunion und das sich auf mehr
als zwei Billionen Dollar beläuft.

Die Tatsache, daß die Europäer selbst

nicht mehr tun, ist - so unangenehm dies häufig für amerikanische Sicherheitsplaner und politisch für die Vereinigten Staaten ist - paradoxerweise eine Bestätigung für das relative Vertrauen, das heutzutage in Europa in. bezug auf
die Sicherheit besteht.

Wenn sich die Europäer sicherer fühlen, weniger be-

droht, so sind sie eher bereit, ihre eigenen nationalen Interessen auch in anderen Bereichen durchzusetzen, wo ihre Interessen mit denjenigen der Vereinigten Staaten kollidieren.

Eine weitere entscheidende Ursache für dieses gewachsene europäische politische

und wirtschaftliche Selbstbewußtsein ist der eindrucksvolle wirtschaft-

liche Wiederaufstieg Europas.

Während Europa am Ende des Zweiten Weltkriegs wirtschaftlich darniederlag, schieben heute der europäische Handel und die europäische Industrie - ganz
zu schweigen von Japan - die amerikanische Industrie in vielen Bereichen ihrer

- 3 -

�ihrer traditionellen wirtschaftlichen Vorherrschaft zur Seite.

Dieses sich

ausweitende Phänomen ist die Folge des umfassenden Wiederaufbaus, den Europa
in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm.

Die Vereinigten Staaten un-

terstützten diesen Prozeß mit einer Politik, die dem wirtschaftlichen Wiederaufbau

Europas Vorrang einräumte - manchmal sogar zu Lasten erheblicher Kosten

für die amerikanische Wirtschaft.

Heute gibt es zwischen den Vereinigten Staa-

ten und ihren Verbündeten einige schwerwiegende wirtschaftliche Meinungsverschiedenheiten und dies teilweise, weil die gemeinsame Anstrengung zur Wiederherstellung der internationalen Wirtschaftsordnung so erfolgreich war.

Jetzt können

nationale Differenzen hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen zwischen den verschiedenen Staaten viel nachdrücklicher verfochten werden, ohne große Angst vor
der Zerstörung des internationalen wirtschaftlichen Rahmens der industrialisierten Welt zu haben.
Während der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas lange beendet ist, müssen
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nunmehr dazu übergehen, unsere
Vorstellung von den wirtschaftlichen Realitäten zu ändern, vor denen wir jetzt
stehen. Natürlich sehe ich, daß wirtschaftliche Differenzen zwischen uns unvermeidlich sind - und wahrscheinlich besonders heutzutage -, aber ihre Folgen
für das internationale Währungssystem müssen sorgfältig abgewogen werden.
Europa muß jetzt zusammen mit den Vereinigten Staaten mehr von der Verantwortung für die Aufrechterhaltung des internationalen Wirtschaftssystems auf seine
Schultern laden. Beim Welthandel, bei der finanziellen und wirtschaftlichen
Hilfe für die Entwicklungsländer können sich die Europäer nicht mehr länger
hinter restriktiven und protektiom'stisehen Politiken verstecken und die Vereinigten Staaten dazu drängen, all die Schritte zu unternehmen, die zur Aufrechterhai tung des Systems international angemessen sind. Aber die Vereinigten Staaten haben nicht mehr die Kapazität - weder wirtschaftlich noch politisch -, um ihr eigenes nationales Interesse zu opfern und dadurch dem internationalen Wirtschaftssystem zu helfen. Die Vereinigten Staaten werden dies
auch weiterhin versuchen, aber eine größere Anstrengung muß von Europa und
Japan kommen.

�Wir müssen erkennen, daß sich das Problem grundlegend geändert hat.
Die internationale Wirtschaftsordnung hat sich in der Nachkriegszeit grundlegend gewandelt.

Die Führungskapazitäten der wichtigsten Industriemächte

sind gewaltig geschrumpft - zu einem großen Teil aufgrund unserer gefährlichen Abhängigkeit von anderen Ländern bei den Rohstoffen, besonders bei
Energie.

Eine Folge dieser gefährlichen Abhängigkeit (und den manchmal

höchst unterschiedlichen Ausmaßen dieser Abhängigkeit der Industriestaaten)
besteht darin, daß die Interessenkonflikte bei Rohstoffragen und -politiken
besonders zwischen den Vereinigten Staaten, unseren europäischen Verbündeten
und Japan heftiger als je zuvor sind.

Die Abhängigkeit Europas vom OPEC-

Öl hat bereits zu Meinungsverschiedenheiten mit den Vereinigten Staaten in
bezug auf die Iran-Politik und die öl kaufe auf den Spot-Märkten geführt.
Solche Streitigkeiten könnten sich durchaus ausweiten.

Und dabei kann die

Energiekrise einzig durch ernsthafte internationale Zusammenarbeit bewältigt
werden, was drastische Einschränkungen bei unserem Energieverbrauch beinhaltet und möglicherweise eine Verringerung unseres Lebensstandards erfordert.

Die langfristige Antwort auf unsere wirtschaftliche Lage scheint klar:
Die industrialisierte Welt muß so rasch wie möglich wieder ein höheres Maß
an Unabhängigkeit von den Rohstoffen und primär natürlich von der Energie,
erzielen.

Völlige Unabhängigkeit bei Energie ist noch viele Jahre entfernt,

aber ein genügend verbessertes Gleichgewicht zwischen ölverbrauchern und
-Produzenten ist wesentlich, damit die Verteilung politischer Macht zwischen
den beiden zu einem vernünftigeren Gleichgewicht zurückfinden kann.

Für die-

se Antwort ist ein echtes Opfer notwendig, eine Einsparung nämlich, zu der
vielleicht durch eine ständige und weitgehende Erhöhung der Verbraucherkosten
bei Energie ermutigt werden kann.

Dies könnte auch zur Ausnutzung existie-

render Energiequellen sowie zur Entdeckung und Entwicklung neuer und alternativer Quellen anregen.

Es würde mich hier in den Vereinigten Staaten nicht

überraschen, eine Verdopplung der realen Verbraucherkosten für Energie gegen
Ende der achtziger Jahre zu erleben.

Dies würde die amerikanischen ölpreise

lediglich auf einen Stand bringen, den viele der Verbündeten bereits erreicht
haben.

Die Herausforderung für das Bündnis besteht darin, diesen Prozeß so

- 5-

�so zu steuern, daß seine widrigen Auswirkungen auf die Ärmsten in unseren
Gesellschaften sowie auf das internationale Wirtschaftssystem abgeschwächt
werden.

Solche Aussichten kündigen natürlich noch weit größere Konflikte

zwischen den nationalen Interessen der Industriestaaten an, denn die innenpolitischen Schritte zur angemessenen Verteilung solcher Opfer werden sicherlich einschneidend sein.
Auch in der politischen Arena müssen wir begreifen, daß wir nicht beiseite stehen können, während die grundlegenden Werte und Voraussetzungen
der westlichen Welt einem gewalttätigen und breitgestreuten Angriff ausgesetzt sind.

Wir müssen einen Strich ziehen.

NATO-Mitglieder müssen lernen, ihre engen Sonderinteressen zurückzustellen, um das System politischer Werte zu verteidigen, auf dem sich das
Bündnis und die westliche Welt gründen.

Wenn wir uns nicht zur Verteidigung

dieser Werte denjenigen entgegenstellen, die sie zerstören möchten, dann wird
uns das Gebäude aus Wirtschaft und Sicherheit, das wir errichtet haben, letztlich wenig nützen.

Solche Einigkeit gibt es nicht ohne Risiko und Opfer,

aber die Herausforderung ist derart, daß wir uns ihr stellen müssen.
•

Wendet man sich erneut dem Problem der Sicherheit zu, so ist die Lektion,
die das Bündnis für die Zukunft erneut lernen muß, alt. Obgleich ich festgestellt habe, daß Europa heute sicherer ist als jemals zuvor in der Nachkriegszeit, so müssen wir uns zugleich daran erinnern, daß diese Sicherheit
nur als das Ergebnis großer Anstrengungen und Opfer über viele Jahre hinweg
erreicht wurde. Aber auch heute müssen wir wachsam bleiben, denn noch immer stehen wir einer Welt und einem Gegner gegenüber, die uns dazu zwingen, unsere Wachsamkeit aufrechtzuerhalten und unsere Anstrengungen und unsere Opfer
fortzusetzen. Obgleich es unwahrscheinlich ist, daß die wachsenden militärischen Potentiale, die gegen die NATO aufgeboten werden, die Sowjets zu
einem Akt kalkulierter militärischer Aggression führen werden, so können
wir doch nicht garantieren, daß sie nicht handeln werden - sei es aus Berechnung, sei es aus Fehleinschätzung. Unsere Sicherheit besteht darin, unsere

�unsere militärischen Kapazitäten beizubehalten, damit die Sowjets sehen, daß
sie keinerlei vernünftige Gewinnchancen aus einem solchen Vorgehen ziehen
können.

Dies ist das Wesen der Abschreckung.

Wir haben keine andere Wahl

als auf der Seite der Klugheit zu bleiben und auch weiterhin durch unsere
Worte und unsere Taten - politisch und haushaltsmäßig - klarzustellen, daß
wir entschlossen sind, jedwede Hoffnung zu zerstören, die die Sowjets hegen
mögen, was den Gewinn politischer oder militärischer Vorteile aus ihrer militärischen Aufrüstung anbelangt.

Dies bedeutet, daß wir uns dazu entschließen,

den Haushalt auf dem notwendigen Stand zu halten sowie die notwendigen Streitkräfte und Waffen zu dislozieren, um auf Änderungen der gegen die NATO aufgestellten militärischen Kapazitäten zu antworten.

Das ist jedoch kein Rezept,

das mit den Sowjets kopflos Waffe gegen Waffe gleichziehen will.

Manches, was

sie im militärischen Bereich tun, erfordert von uns keine Antwort; und wir
müssen von unseren Militärs ein hohes Maß an Kompetenz verlangen, um den Unterschied zu erkennen.

Aber wir müssen letztlich auch von dem Gedanken loskommen,

daß wir überhaupt nichts zu tun brauchen.
In meinen Augen ist dies bedauerlich, denn wir alle würden es besser
haben, wenn wir die Spannungen und das Ausmaß militärischer Ausgaben reduzieren könnten, zu dem solche Spannungen unausweichlich führen.

Ungeachtet

des derzeitigen Zustands der Ost-West-Beziehungen müssen wir deshalb die bestehende Einladung an die Sowjets trotz der tiefgreifenden Differenzen aufrechterhalten, um die Militärausgaben auf beiden Seiten zu begrenzen.

Unsere

Einladung muß sich jedoch auf ernsthafte Verhandlungen beziehen und wir müssen propagandistischen Angeboten widerstehen, die entworfen wurden, um Zwietracht unter dem Bündnis zu säen, oder um bei einem begrenzten Tausch unbedeutende sowjetische Vorteile im Militärbereich zu suchen.

Stattdessen müssen

wir den Sowjets klarmachen, daß sie mit dem Bündnis nur im Rahmen einer ernsthaften Anstrengung für eine allmähliche, beiderseitig nützliche Rüstungsbeschränkung verhandeln können.

Wir sollten keine dramatischen oder raschen Ergebnisse erwarten; dies
zumindest ist eine Lektion, die wir aus SALT II lernen sollten.

- 7 -

Die Beziehung

�Beziehung zwischen Ost und West ist dergestalt, daß es eher Aussichten auf
begrenzte und allmähliche Ergebnisse gibt und daß sogar dieser Weg große Geduld erfordert.

Und selbst dann weiß ich nicht, ob die Sowjets zu einer sol-

chen Anpassung fähig sind.

Aber ich weiß, daß wir keine andere Alternative

haben, als diese Tür deutlich sichtbar für sie offenzuhalten.

Es ist ein

Paradox unserer Zeit, daß eine solche Politik - die Suche nach Abbau der Spannung und Zurückhaltung bei der militärischen Rüstung - nur dann Ergebnisse bringen kann, wenn sie in Einklang mit solidem und vorsichtigem militärischem
Planen und manchmal sogar mit dem Aufrüsten der militärischen Kapazitäten verfolgt wird.

Es wäre selbstzerstörerisch für uns, die Tür zu einer möglichen

Anpassung zuzuschlagen.

Und es ist gleichermaßen selbstzerstörerisch, von den

Sowjets zu erwarten, daß sie mit allem von uns Erwünschten übereinstimmen,
solange sie nicht auch felsenfest davon überzeugt sind, daß es zugleich zu
ihrem Vorteil ist. Sie werden nur dann davon überzeugt sein, wenn sie begreifen, daß das Bündnis alles tun wird, was militärisch, wirtschaftlich und
politisch notwendig ist, um unsere Sicherheit zu gewährleisten, so wie wir
sie definieren und begreifen.

Ansonsten werden die Sowjets nur wenig oder

gar keinen Anreiz haben, eine ernsthafte Anpassung zu verfolgen.

Dies be-

deutet, mehr für die Verteidigung auszugeben als viele NATO-Mitglieder möchten - was aber sicherlich innerhalb unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten
bleibt -, und viel weniger als Länder des Bündnisses für die Kriege der Vergangenheit ausgegeben haben.

Das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO ist ein allmählicher
und, den Umständen entsprechend, maßvoller Schritt. Er dient zweierlei Absichten: Die Verteidigungsposition des Bündnisses zu stärken und zu rationalisieren. Von den Sowjets sollte er als genau das betrachtet werden, was
er ist: Eine Reaktion auf ihre fortgesetzten Anstrengungen, militärische
Vorteile in Europa zu erzielen. Die bescheidene Modernisierung der weitreichenden Kernwaffen in und für Europa (TNF), die von der NATO durchgeführt
wird, sollte ebenfalls nicht falsch interpretiert werden. Was den Haushalt
angeht, so wird sie die Ausgaben für TNF-Waffen über die nächsten zehn Jahre
hinweg nicht wesentlich erhöhen. Stattdessen wird sie größtenteils inner-

�innerhalb des gegenwärtigen Ausgabenniveaus für solche Waffen erfolgen. Obgleich sie in einigen Bereichen, die wir als Antwort auf sowjetische Schritte
als notwendig beurteilen, zu Erhöhungen führen wird, sind sie in unseren gegenwärtigen Plänen bescheidene Erhöhungen, die weit hinter den Anstrengungen
zurückbleiben, mit dem gleichzuziehen, was die Sowjets besitzen und für die
Zukunft planen.

Dies schließt jedoch weitere Schritte nicht aus, sollte es

das Bündnis nicht schaffen, ein Übereinkommen mit der Sowjetunion zu erzielen
- sei es stillschweigend oder ausdrücklich.
Unsere Entscheidungen sind natürlich auch nicht irreversibel. Wir sind
stets bereit, Einhalt zu gebieten, wenn die Sowjets bereit sind, es mit ihren
Abrüstungsvorschlägen ernst zu meinen. Allerdings können wir unser Handeln
nicht endlos wegen vager und propagandistischer Versprechungen hinausschieben.
Um überhaupt noch ernsthafte Aussichten auf Beschränkung durch Verhandlungen
zu haben, müssen wir bereit sein, alles zu tun, was ohne beiderseitige Beschränkung notwendig ist.
Meine Schlußfolgerungen sind einfach: Die Probleme, die wir in den nächsten zehn Jahren zu lösen haben, sind in mancher Hinsicht in ihrer Komplexität
und in ihrem Umfang ohne Beispiel. Unsere Fähigkeiten, diese Probleme zu lösen, haben sich in mancher bedeutenden Hinsicht vermindert. Aber wir haben
keine andere Wahl, als diese Anstrengung zu unternehmen; und indem wir diese
Anstrengung unternehmen, hilft sie uns dabei, uns immer wieder an den grundlegenden Erfolg und an die grundlegende Stärke des Nordatlantischen Bündnisses
zu erinnern.

+ + + + +

- 9-

�9. Januar 1980

2

ENERGIEVERSORGUNG: HERAUSFORDERUNG DER ACHTZIGER JAHRE
Von John Sawhill
Stellvertretender Energieminister der Vereinigten Staaten

- (AD) - Die gegenwärtige Weltenergiesituation ist prekär.

Im wesent-

lichen zeichnen sich fünf Probleme ab:
1) Ein großer Teil unseres Importöls kommt aus der politisch instabilsten
und veränderungsträchtigsten Region der Welt.
2) Der ölausstoß der OPEC-Nationen (Organisation Erdöl exportierender
Länder) kann sich auf den gegenwärtigen Stand einpendeln oder wird sogar verringert.
3) Der Weltbedarf an öl wird vermutlich weiter zunehmen.
4) Die öl Produktion der nicht der OPEC angehörenden Länder vermag die
Lücke zwischen verstärkter Nachfrage und zurückgehenden Lieferungen nicht zu
schließen.
5) Die

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�5) Die Verteilung von öl verlagert sich von Verkäufen an die multinationalen Mineral öl gesell schatten zu festen OPEC-Preisen auf direkte Verkäufe
eines Staates an einen anderen Staat oder auf dem freien Markt (Spot-Handel)
zu immer höheren Preisen.

*

Die endlosen Probleme im Iran spiegeln die Unbeständigkeit der Länder am
Persischen Golf lebhaft wider.

Dennoch sind die Vereinigten Staaten, wie die

meisten Industrieländer der Welt, in bezug auf den größten Teil ihrer Ölversorgung stark von diesen Ländern abhängig.

Und solange diese Abhängigkeit an-

hält, müssen wir mit periodischen Produktionseinschränkungen, Lieferunterbrechungen und extremem Preisanstieg rechnen.
Wegen der Besorgnisse über politische und soziale Unruhen im Nahen Osten
und wegen des Einflusses der Entscheidungen der Länder dieser Region auf die
Exporte im kommenden Jahr wird es immer wahrscheinlicher, daß die Produktion
der OPEC-Länder unter den gegenwärtigen Stand von 31 Millionen Barrel (1 Faß
öl = 159 Liter) pro Tag absinkt.

Die OPEC-Staaten können selbst unter Beibe-

haltung des z. Zt. geforderten Preises die Produktion um fast 20 Prozent
drosseln und trotzdem den staatlichen Finanzbedarf decken.

Und da viele Pro-

duzenten überzeugt sind, daß öl im Boden einen besseren Schutz gegen Inflation
bietet als hohe Finanzreserven, könnten 1980 aus der OPEC-Produktion durchaus
zwei Millionen Barrel öl pro Tag auf dem Spiele stehen.
Auf der Bedarfsseite ist die Lage nicht weniger entmutigend. Selbst bei
wirtschaftlicher Rezession dürfte der ölbedarf in den Industrieländern um
300 000 bis 500 000 Barrel pro Tag steigen - und der erhöhte Bedarf der Entwicklungsländer wird diese Menge um weitere 100 000 Barrel pro Tag vergrößern.
Schließlich wird in drei bis vier Jahren die Sowjetunion einen wichtigen Faktor im Weltölmarkt darstellen. Denn bis dahin hat sich das Exportland zu
einem Importland gewandelt, das schätzungsweise 400 000 Barrel öl pro Tag
einführt.
Leider

- 2 -

�Leider vermag die Produktionssteigerung der Länder außerhalb des OPECKartells die Lücke nicht zu schließen, öl und Gas aus Mexiko dürften nunmehr
in größeren Mengen in die Vereinigten Staaten gelangen.

Und Kanada, das

wachsenden Optimismus hinsichtlich seiner Erdgasvorkommen erkennen läßt, hat
soeben neue Exporte in die Vereinigten Staaten genehmigt. Aber die ölproduktion Großbritanniens aus der Nordsee wird schon Mitte der achtziger Jahre
ihren Höhepunkt erreichen.

Wenn keine neuen Felder gefunden werden, dürfte

die Produktion um 1984 bereits wieder absinken.

Deshalb ist schon bald damit

zu rechnen, daß England zur Streckung der Vorräte die Produktion drosselt,
um die Zeit der Importabhängigkeit zu verlängern.

Norwegen ist bereits da-

bei, aus sozialpolitischen Gründen Exploration und Erschließung von Ölvorkommen zu kontrollieren.
Der Ernst der Lage wird durch die das Gleichgewicht störenden Veränderungen der Struktur des internationalen ölmarktes weiter verschlimmert. Traditionsgemäß wurde das meiste Rohöl von großen Mineral öl firmen im Rahmen langfristiger Verträge mit den Regierungen der Förderländer angekauft. Den Preis
hatten die OPEC-Länder offiziell festgesetzt. Aber in den letzten Monaten
wurden immer größere Mengen von OPEC-Öl außerhalb dieser traditionellen Kanäle
gehandelt. Als Folge davon wurde, weltweit gesehen, die seit fünf Jahren vertraglich erfaßte ölmenge von 80 Prozent auf 50 - 60 Prozent reduziert, wobei
die Versorgung durch Verkäufe von Spekulanten und Händlern auf dem Spot-Markt
und andere Mengen, welche über die herkömmlichen Kanäle zu höheren als den
offiziellen Preisen verkauft wurden, wenigstens teilweise aufrechterhalten
wurde. Das daraus resultierende Gerangel um öl vom Spot-Markt trieb die Preise immer höher. Daraus ergeben sich sehr ernste Auswirkungen auf die Marktverhältnisse. Bis zu den frühen siebziger Jahren waren die Importfirmen sowohl beim Transport als auch bei der Verteilung des Öls stark engagiert.
Heute verlieren sie immer schneller die Kontrolle über beides. Die Folge ist
ein internatinales Verteilungssystem für Erdöl, das zunehmend politischen Manipulationen unterworfen ist.

Diese

�Diese Verlagerung der Kontroll funktionell für das Lief er- und Verteilungssystem ist zum Teil für die Preiseskalation auf dem Spot-Markt für öl
verantwortlich, zu der es ungeachtet eines hohen Investitionsniveaus und
einer Verlangsamung wirtschaftlicher Aktivitäten kommt.

Auch trägt die

Furcht vor künftigen Produktionskürzungen, die die Käufer veranlaßte, von den
gegenwärtigen Angeboten zur Versorgung gegen mögliche Lieferunterbrechungen,
Gebrauch zu machen, als weiterer Faktor zu Preissteigerungen bei.
Die allgemeinen Aussichten für die ölpreis- und Versorgungssituation
sind also düster - sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für ihre Verbündeten.

Zusätzliche rapide Preissteigerungen würden die ohnehin schon sehr

labile Weltwirtschaft ernstlich schwächen.

Und die Instabilität bei der Ver-

sorgung unterstreicht noch das Grundproblem - und das besteht in der schädlichen Auswirkung der Energie-Abhängigkeit auf die nationale Sicherheit der
USA und ihrer Verbündeten.
•

Unsere erste Reaktion auf die ölabhängigkeit der Vereinigten Staaten muß
in der Verringerung des Ölverbrauchs und der ölimporte vor allem aus unsicheren Lieferquellen bestehen. Wir ermutigen unsere Verbündeten, ähnlich
zu handeln. Auf der Gipfelkonferenz von Tokio und bei den Besprechungen in
der Folgezeit mit den Energieministern der europäischen Länder und Japans
verpflichteten sich die USA und ihre Verbündeten, bis zum Jahr 1985 die Importe
auf ein Niveau von weniger als 25 Millionen Barrel pro Tag zu verringern
- eine Menge, die unter Außerachtlassung eines Zuwachses etwa dem heutigen
Bedarf entspricht. Es ist von großer Bedeutung, dieses Ziel zu erreichen, •
wenn weitere starke und wirtschaftlich verheerende Preissteigerungen vermieden werden sollen.
Der amerikanische Energieminister Charles Duncan und die Energieminister
von 19 weiteren Ländern, die alle das Internationale Energieabkommen unterzeichnet haben, einigten sich bei ihrem Treffen vom 10. Dezember 1979 in Paris
darauf, mit rigorosen Maßnahmen auf die Eindämmung des weltweiten Bedarfs
hinzuwirken.
Was
- 4 -

�Was wir vermeiden wollen, ist eine Situation, in der sich Regierungen
gezwungen sehen, gegen andere Länder in einem verzweifelten Versuch zu operieren, begrenzte Lieferungen zu sogar noch höheren und weiter steigenden
Preisen zu sichern.

Wir müssen die Stärke und Disziplin mobilisieren, die

sich von gemeinsamen Zielsetzungen und Verpflichtungen herleitet.

Wir in

den Vereinigten Staaten verfolgen eine ganze Reihe von politischen Maßnahmen
und Programmen, um die ölimporte unseres Landes zu verringern und den Übergang zu einer stabileren und sichereren Energieversorgung zu bewerkstelligen.
Die dem zugrunde liegende Strategie ist eindeutig:

Bis 1990 muß die Nation

ihre ölimporte auf die Hälfte zurückschrauben.

Um dieses Ziel zu erreichen und den Übergang zu realisieren, haben wir
Programme entwickelt, mit denen sowohl Energie wirksamer genutzt wird als
auch eine vom ül abhängige Gesellschaft auf einen Zustand umschalten kann,
wo von verschiedenen Formen von Primärenergien Gebrauch gemacht wird.

+ + + + +

- 5-

�9. Januar 1980

2

WELTPREISENTWICKLUNGEN BEI NAHRUNGSMITTELN
- Getreidebevorratung der USA als stabilisierender Faktor Von Dr. John Schnittker und Dr. Martin Abel

Dr. Schnittker, Präsident der Beraterfirma
für Nahrungsmittel und Landwirtschaft
"Schnittker Associates" in Washington, war
von 1965-69 Staatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium. Dr. Abel, von 1966-68
ebenfalls im US-Landwirtschaftsministerium
tätig, ist Vizepräsident des Unternehmens.

- (AD) - Eine Voraussage für die achtziger Jahre läßt sich mit ziemlicher Sicherheit machen: Die Nahrungsmittelpreise werden steigen, nicht fallen. Es gibt jedoch einige Faktoren, die diese Entwicklung abschwächen. Einer
davon ist das Anlegen von Getreidereserven, eine Politik, mit der die Vereinigten Staaten im Jahr 1977 begannen und die auch in den achtziger Jahren fortgesetzt wird. Sie stellt eine wichtige Barriere gegen starke Preiserhöhungen für
Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt in den Jahren 1980 und 1981 dar - trotz steigenden Pro-Kopf-Verbrauchs und steigender Energiepreise.
Seit

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Seit den schlechten Ernten im Jahr 1971 in einer Anzahl von Ländern und
dem gleichzeitig einsetzenden rapiden Anstieg des Nahrungsmittel Verbrauchs in
vielen Ländern haben die Weltpreise für Nahrungsmittel, auch für Weizen und
Reis, stark angezogen.

Die Tatsache, daß in vielen Ländern die Verbraucher

die höheren Lebensmittelpreise nicht zu spüren bekommen, weil die Wirtschaft
in hohem Maße unter staatlichem Dirigismus steht, steigerte noch diese Eskalation von Nahrungsmittelpreisen auf den Weltmärkten.

Dies gilt für die meisten

zentral gelenkten Planwirtschaften sowie für Marktwirtschaftsländer wie die der
Europäischen Gemeinschaft und für Japan.

In der Europäischen Gemeinschaft gab es beispielsweise Anfang der siebziger
Jahre, als sich die Weltpreise für Getreide und Ölsaaten verdoppelten, keine
Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln, weil sie von den Weltmärkten isoliert
war.

Deshalb verringerte die Europäische Gemeinschaft auch nicht den Verbrauch

in einer Zeit knappen Angebots auf dem Weltmarkt.

Große Teile der Weltbevöl-

kerung hatten bisher wenig direkte Erfahrung mit dem Auf und Ab der Preise für
landwirtschaftliche Produkte, und ihre Verbrauchsgewohnheiten werden von Preisen kaum beeinflußt.

Bei den wichtigsten Nahrungsmitteln erhöhten sich die Weltpreise im Großhandel zwischen 1971 und 1975 um etwa 100 Prozent und blieben dann für einige
Zeit stabil.

Die Preise für Weizen, Reis, Futtergetreide und ölhaltige Pflan-

zenprodukte, die zusammen bis zu zwei Drittel des Weltangebots an Nahrungsmitteln ausmachen und im Welthandel sogar einen noch größeren Anteil haben,
gingen in den Jahren 1976 und 1977, als gute Ernten eingebracht wurden, sogar
merklich zurück.

Als Folge davon lagen die Nahrungsmittel preise auf den Welt-

märkten Ende 1979 nur etwa 20 Prozent höher als 1975.

Die Ernte 1978/79 war die beste, die es je gab, und die Ernte 1979/80,
die jetzt nahezu eingebracht ist, steht dem nicht viel nach.

Die Weltgetreide-

vorräte, die größtenteils in Exportländern wie den USA und Kanada gehalten
werden, haben einen beruhigend hohen Stand und liegen weit über den gefährlich
niedrigen Mengen von 1974 und 1975.

Diese beiden Faktoren im Verein mit der

Tatsache, daß die Weltgetreidepreise durch eine Art Versteigerungsmarkt an- 2 -

�anstatt nach dem kartellähnlichen System der OPEC (Organisation Erdölexportierender Länder) festgesetzt werden, geben die Gewähr, daß in den Jahren 1980
und 1981 die Nahrungsmittelpreise keine willkürliche Steigerung erfahren.

Als Weltgetreideproduktion 1979/80 wird derzeit eine Menge von 1,5 Milliarden Tonnen erwartet.
wurde.

Dies ist die zweitbeste Ernte, die jemals eingebracht

Dennoch liegt sie um 72 Millionen Tonnen unter dem Rekordertrag des

Vorjahres.

Und der Verbrauchsanstieg ist so stark und vollzieht sich so rapide,

daß Mitte 1980 die Weltgetreidevorräte um 45 Millionen Tonnen abgenommen haben werden.

Somit besteht die größte Gefahr für die Nahrungsmittelpreise in schlechten Ernten in den Jahren 1980 und 1981 - zu einem Zeitpunkt, in dem die Hälfte
der Welt mehr pro Kopf verbraucht als je zuvor.
Die rasche Ausweitung des Welthandels mit landwirtschaftlichen Produkten
in den siebziger Jahren zeigt die wachsende Abhängigkeit von Importen, um in
bestimmten Ländern und Regionen, insbesondere in der Sowjetunion und in Osteuropa, den Getreidebedarf zu decken.

In diesen Ländern wie auch in den In-

dustrieländern, die Getreide importieren, beruht das Ansteigen der Einfuhren
auf dem wachsenden Bedarf der Verbraucher an Fleisch und tierischen Produkten,
der Berücksichtigung dieses Bedarfs seitens der Regierungen und der Unfähigkeit
der betreffenden Länder, dem Bedarf aus der einheimischen Getreideproduktion
gerecht zu werden.

Beweis für die wachsende Bevorzugung von Fleisch ist die

Tatsache, daß der Handel mit. Futtergetreide eine schnellere Ausweitung erfuhr
als der mit Weizen und Reis.

Der Handel mit ölhaltigen Pflanzenprodukten ist

sogar noch rascher als der mit Futtergetreide gewachsen, und der Bedarf an eiweißhaltigen Lebensmitteln erfuhr eine um Vieles raschere Zunahme als der an
Pflanzenfetten.

Auch in den Entwicklungsländern stiegen die Agrarimporte schnell an.
großer Teil dieser Zunahme entfällt auf Weizenimporte.

Ein

Aber die Zunahme an

Futtergetreideeinfuhren war in vielen Entwicklungsländern (z.B. Südkorea, Taiwan,
Mexiko und Nigeria) ganz besonders stark, da steigende Einkommen in diesen
- 3 -

�diesen Ländern die Nachfrage nach Fleisch, Geflügel und Molkereiprodukte,
für deren Erzeugung Futtergetreide notwendig ist, angeheizt haben.
Die jährliche Wachstumsrate bei Futtergetreideimporten für die Tier- und
Geflügelzucht lag in 15 wichtigen Entwicklungsländern in den Jahren 1971/72 und
1977/78 bei 21 Prozent.

Für einige Länder war die jährliche Wachstumsrate für

Importe sogar extrem hoch: Sie betrug 50 Prozent in Tunesien, 47 Prozent in
Mexiko und 38 Prozent in Algerien.

In den letzten Jahren entfielen auf diese

Länder 13 Prozent des gesamten Futtergetreidehandels der Welt.
Im gleichen Zeitraum stiegen die Weizenimporte dieser Länder um nur neun
Prozent jährlich an, wobei die Anteile zwischen einer verschwindend geringen
Wachstumsrate für Taiwan und 25 Prozent für den Irak variieren.

Insgesamt ent-

fielen in den letzten paar Jahren auf die 15 wichtigsten, ihren Entwicklungsstand rasch verbessernden Entwicklungsländer. 20 Prozent des gesamten Weltweizenhandels.
Andere Länder werden sich in dem Maße, in dem ihr Einkommen wächst, zu
immer größeren Märkten für Getreideexporte entwickeln.

Viele früher auf Le-

bensmittelhilfe angewiesene Nationen bieten heute einen bemerkenswerten kommerziellen Absatzmarkt und tragen viel zum Wachstum des Weltverbrauchs an Futtergetreide bei.
Nicht alle Entwicklungsländer sind in der Lage, mit ziemlicher Regelmäßigkeit große Getreidemengen zu importieren, so wie es z.B. Nigeria oder Taiwan
ohne Schwierigkeiten tun. Aber fast alle - die ärmsten ausgenommen - haben
bereits die zunehmende Nachfrage nach tierischen Produkten erkannt; sie sind
bereit, das Getreide einzuführen und es zu bezahlen.
Die Länder mit zentraler Planwirtschaft nehmen einen besonderen Platz
im Weltnahrungsmittel System ein, weil ihre Wirtschaften vom Weltmarkt für landwirtschaftliche Produkte weitgehend isoliert sind.

Als Folge davon kann die

Handlungsweise jener Länder, vor allem die der Sowjetunion, tiefgreifende de-

4 -

�destabilisierende Auswirkungen auf den Welthandel und die Getreidepreise sowie auf die Preise für andere Nahrungsmittel haben.

Beispielsweise kaufte Rußland im Jahr 1972, als die eigene Unterproduktion
in jenem Jahr offenbar wurde, riesige Getreidemengen auf.

Die Sowjets ent-

schieden sich dafür, das Niveau des Inlandsverbrauchs mittels erhöhter Getreideimporte zu halten, anstatt wegen der Rückgänge in der eigenen Produktion den
Gürtel enger zu schnallen, wie sie es früher getan hatten.

Diese unerwartet

großen Aufkäufe in einem Jahr, in dem die Weltproduktion insgesamt niedriger
Lag, leiteten vier Jahre einer angespannten Weltversorgung und hoher Weltpreise
ein, wobei die reichen und die armen Marktwirtschaften den Hauptanteil der Anpassungsbürde zu tragen hatten.

Diese Bürde fiel den ärmeren Entwicklungslän-

dern besonders schwer, die sich hohen Importen und hohen Weltpreisen zu einer
Zeit gegenübersahen, in der sie sich die Kosten kaum leisten konnten.

Kostensteigerungen um 20 bis 35 Prozent für Erdölimporte würden sich zwar
ungünstig auf die Nahrungsmittelmärkte auswirken, brauchen aber nicht zu katastrophalen Konsequenzen zu führen.

Nur wenn es 1980/81 gleichzeitig zu

sehr schlechten Welternten und zu starken Preisanhebungen für OPEC-Öl kommt,
wird sich die Welt einer zweifachen Geißel - nämlich echtem Nahrungsmittelmangel und hohen Preisen - gegenübersehen.

Dazu kann es kommen - jedoch wird

eine solche Situation eher durch unvorhersehbare Wetterbedingungen denn durch
öl Preiserhöhungen hervorgerufen.

Der Umfang der jährlichen Weltgetreideernten

und der Lagerhaltung für Getreide werden die Schlüsselindikatoren für kurzfristige Preisbewegungen bei Nahrungsmitteln bleiben.

Weltweite Entwicklungen auf den Sektoren Ernährung und Landwirtschaft von
1972 bis 1975, insbesondere Ereignisse, die zur Welternährungskonferenz vom
November 1974 führten und die danach zu verzeichnen waren, lenkten die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit einer Vorratshaltung für Getreide.

Solche

Vorräte sind notwendig,

- um Importeuren zu helfen, die Auswirkungen schlechter Ernteergebnisse
auszugleichen;

�- um Exportländern die Möglichkeit zu geben, ihre regulären Abnehmer
voll zu beliefern, auch wenn ihre Ernten den Erwartungen nicht entsprechen;
- um ausreichend Nahrungsmittel für Hilfsprogramme zu gewährleisten,, wenn
ernste Verknappungen an Lebensmitteln und Hunger drohen; und
- um Warenpreise weltweit zu stabilisieren und die Positionen nationaler
Zahlungsbilanzen, insbesondere die der armen Nationen, zu schützen.
Auf der Welternährungskonferenz wurde dringend an alle Länder appelliert,
Nahrungsmittelreserven anzulegen.

Sie drang ferner auf die Schaffung einer

Weltgetreidereserve, die hauptsächlich von den Industrieländern bereitgestellt
und nach internationalen Abmachungen verwaltet werden sollte.
Internationale Gespräche unter den Auspizien der Welternährungskonferenz
und später des Weltweizenrates erwiesen sich als wenig produktiv.

Gute Ernten

in den Jahren 1976 und 1977 in den meisten Ländern lenkten die Aufmerksamkeit
von Nahrungsmittelverknappungen der jüngsten Zeit und von hohen Preisen ab.
Regierungen waren nicht mehr in dem Maße an einer Getreidereserve interessiert
wie zur Zeit des begrenzten Angebots.
Als Folge davon entschlossen sich die Vereinigten Staaten im Jahr 1977
zur Einführung eigener Maßnahmen zur Vorratshaltung von Getreide, wohl wissend,
daß die Angelegenheit zu wichtig war, um für die Dauer komplizierter internationaler Verhandlungen eine Verzögerung zu riskieren. Auch liegt die Getreidevorratshaltung im amerikanischen Interesse selbst, insbesondere im Hinblick auf die gelegentlich eintretende Notwendigkeit, bei dringender Hungersnot im Ausland einzuspringen und die Chancen zur Steigerung kommerzieller Exporte offenzuhalten. Seit 1977 haben die Vereinigten Staaten die Kosten auf
sich genommen, etwa 12 Millionen Tonnen Weizen und 15 - 18 Millionen Tonnen
Futtergetreide als Reserven zu halten und nicht auf den Markt zu bringen, um
sicherzugehen, im Fall einer drohenden ernsten Verknappung irgendwo auf der
Welt Nahrungsmittel für den Export zur Verfügung zu haben.
Der

�Der Mechanismus der amerikanischen Vorratshaltung ist einfach:

Farmer

schließen mit einer staatlichen Behörde Verträge über die Bevorratung von Weizen oder Futtergetreide im eigenen Betrieb für eine Frist bis zu drei Jahren
oder solange, bis Marktpreise als Reaktion auf verringertes Angebot einen wesentlichen Anstieg erfahren haben.

Die Regierung gibt den Farmern Kredite zu

einem günstigen Zinssatz und bezahlt die Kosten der Getreidebevorratung.

Stei-

gen die Preise auf ein zuvor festgesetztes Niveau an, beliefern die Farmer den
Markt mit einem Teil oder der gesamten Menge des Reservegetreides und helfen
so, die Preise zu stabilisieren.

Die amerikanische Regierung plant ferner im

Jahr 1980 die Einrichtung einer Staatsreserve im Umfang von drei bis vier Millionen Tonnen für Notfälle im Ausland.
Andere Länder haben Gelegenheit, sich den amerikanischen Anstrengungen
zur Vorratshaltung anzuschließen, um eigenen Interessen gerecht zu werden oder
bei internationalen Notlagen aktiv zu werden. Kanada und Indien erwiesen sich
als besonders aktiv. Beide Länder verfügen über große Getreidevorräte, die im
Fall von Ernteeinbußen im Jahr 1980 helfen können, die Weltpreise für Nahrungsmittel zu stabilisieren.

- 7 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA rechnen mit fester Haltung Westeuropas zur sowjetischen Invasion in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: USA werden sich ihrer Verantwortung stellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten vom 5. Januar 1980 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des Chefdelegierten vor dem Weltsicherheitsrat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA fordern Abzug der Sowjets aus Afghanistan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter fordert Verschiebung der Senatsdebatte über SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben an Senator Byrd -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO: Ihre Vergangenheit und ihre Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Senator Jacob Javits -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Energieversorgung: Herausforderung der achtziger Jahre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John Sawhill&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellvertretender Energieminister der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltpreisentwicklungen bei Nahrungsmitteln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Getreidebevorratung der USA als stabilisierender Faktor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Dr. John Schnittker und Dr. Martin Abel&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>a

Information
und
Dokumentation

i

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zu den Ereignissen in Iran und Afghanistan
- Wortlaut USA unterbreiten Resolution gegen Iran
- Ansprache des US-Außenministers vor dem Weltsicherheitsrat Weltsicherheitsrat nimmt US-Resolution an

N

- Wortlaut der Entschließung Präsident Carter fordert Wirtschaftssanktionen gegen den Iran
- Wortlaut der Erklärung Gewährleistung von Sicherheit bei Kernkraftwerken
Präsident Carter verfügt neue Maßnahmen aufgrund der Untersuchungsergebnisse über Three Mile Island
WIRTSCHAFT
Ausblick auf die amerikanische Wirtschaft des Jahres 1980
von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2 A

�1

2. Januar 1980

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZU DEN EREIGNISSEN IN IRAN UND AFGHANISTAN
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 28. Dezember 1979 in
einer Erklärung zu den Ereignissen in Iran und in Afghanistan Stellung genommen und die militärische Intervention Moskaus in Afghanistan als eine "eklatante Verletzung akzeptierter internationaler Verhaltensregeln" verurteilt.
Die im Fernsehen übertragene Erklärung des amerikanischen Präsidenten
hat folgenden Wortlaut:
Außenminister Vance wird morgen zu den Vereinten Nationen reisen, um
dem Fall der Welt gegenüber dem Iran Nachdruck zu verleihen, damit die schnellstmögliche Freilassung der amerikanischen Geiseln gemäß den Forderungen erreicht
wird, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und dem Internationalen Gerichtshof erhoben worden sind.
Die Vereinigten Staaten behalten sich das Recht vor, unsere Staatsangehörigkeit sowie unsere lebenswichtigen Interessen in der uns angemessen erscheinenden Weise zu schützen - in Wahrung der Grundsätze des Völkerrechts
und der Charta der Vereinten Nationen.

Aber wie schon seit Beginn dieser

�dieser Krise ziehen wir es auch jetzt ganz klar vor, eine rasche und friedliche Lösung dieses Problems durch konzertierte internationale Aktionen zu
erreichen.

Wir dürfen in dieser Krise niemals unsere grundsätzlichen Ziele

aus den Augen verlieren:

Die Sicherheit unserer Mitbürger sowie den Schutz

der langfristigen Interessen der Vereinigten Staaten.
Eine sorgsame und entschlossene Politik, die deutlich macht, daß der
Iran weiterhin einen zunehmend höheren Preis für die illegale Festhaltung
unserer Mitbürger entrichten muß, ist die beste Politik, um diese Ziele zu
erreichen, und diese Politik werde ich fortsetzen.
Eine weitere ernste Entwicklung, die zunehmende Besorgnis über den Frieden und die Stabilität in derselben Region der Welt ausgelöst hat, ist die
jüngste militärische Intervention der Sowjets in Afghanistan, die nunmehr zum
Sturz der etablierten Regierung und zur Exekution des Präsidenten dieses Landes geführt hat.

Eine solche grobe Einmischung in die inneren Angelegenheiten

Afghanistans ist eine eklatante Verletzung akzeptierter internationaler Verhaltensregeln.

Dies ist das dritte Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, daß die

Sowjetunion militärische Maßnahmen ergriffen hat, um die Kontrolle über einen
ihrer Nachbarn zu behaupten.

Und es ist das erste derartige Unternehmen ge-

gen ein moslemisches Land seit der sowjetischen Besetzung von PersischAserbeidschan durch die Sowjetunion in den vierziger Jahren.

Die sowjetische

Aktion gibt der gesamten Weltgemeinschaft zu großer Besorgnis Anlaß.
Das sowjetische Bemühen, diese Maßnahme auf der Grundlage der Charta der
Vereinten Nationen zu rechtfertigen, ist eine Perversion der Weltorganisation,
die unverzüglich von allen ihren Mitgliedern zurückgewiesen werden sollte.
Ich habe die ernste Angelegenheit heute persönlich mit mehreren anderen Regierungschefs erörtert, und alle stimmen darin überein, daß die sowjetische
Aktion eine ernste Bedrohung des Friedens darstellt. Ich werde unseren Stellvertretenden Außenminister an diesem Wochenende nach Europa entsenden, wo er
mit den Vertretern mehrerer anderer Länder zusammentreffen wird, um zu erörtern, wie die Weltgemeinschaft auf dieses ungerechtfertigte Verhalten der

- 2 -

�der Sowjets reagieren könnte.
Sowjetische Militärmaßnahmen über die Grenzen der Sowjetunion hinaus
werfen die fundamentalsten Fragen hinsichtlich der internationalen Stabilität auf, und solche engen und umfassenden Konsultationen zwischen uns und
unseren Verbündeten sind dringend erforderlich.
Ich danke Ihnen.

- 3 -

�Hl

CO

I

1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

USA UNTERBREITEN RESOLUTION GEGEN IRAN
Ansprache des US-Außenministers vor dem Weltsicherheitsrat -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Cyrus Vance hat am 29. Dezember 1979 vor dem Weltsicherheitsrat der
Vereinten Nationen einen Antrag auf eine Entschließung begründet, durch
die die Regierung des Iran erneut zur Freilassung der in der amerikanischen
Botschaft in Teheran festgesetzten Geiseln unter Androhung von spezifischen
Sanktionen der Mitgliedstaaten aufgefordert wird. Die Ansprache des USAußenministers hat folgenden Wortlaut:
Wir treten heute abend hier in einer Zeit zusammen, in der die Grundsätze, auf der diese große internationale Körperschaft beruht, im Iran
energisch in die Schranken gefordert werden.
über acht Wochen sind vergangen, seit unsere Botschaft in Teheran
besetzt und Amerikaner und Angehörige anderer Nationen dort als Geiseln
festgesetzt wurden. Bei drei getrennten Gelegenheiten hat dieser Rat
einmütig den Willen der Völkergemeinschaft zum Ausdruck gebracht, daß
die Geiseln unverzüglich zu entlassen seien.
Von

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Von Anfang an hat der Generalsekretär mit voller Unterstützung
der Vereinigten Staaten unermüdlich auf eine friedliche Lösung hingearbeitet.
Der Präsident der Vollversammlung hat bei zwei Gelegenheiten die Entlassung
der Geiseln gefordert.
und einmütig.

Der Internationale Gerichtshof hat gesprochen - klar

Regierungen und führende Politiker der Welt von unter-

schiedlichen politischen und religiösen Auffassungen haben zur Freilassung
unserer Landsleute aufgerufen.

Und die Regierung der Vereinigten Staaten

hat mit Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Geduld jeden friedlichen Weg
beschritten, der uns zu Gebote steht.
Die Antwort jener, die diese Krise hinauszögern - der Terroristen,
die unsere Botschaft besetzt halten und der Regierung des Iran, die sie
unterstützt - bestand aus Hohn und Mißachtung.

Sie setzen sich über das

Gesetz der Welt und über die moralischen Gebote hinweg, die den Kulturen
und Religionen der Erde gemeinsam sind.
Im Grunde geht es um 50 Männer und Frauen, die noch immer gefangen
gehalten, noch immer isoliert und noch immer schwersten Belastungen ausgesetzt werden. Das Weltgericht hat in seiner einmütig getroffenen
Entscheidung die Sorge zum Ausdruck gebracht, daß die Fortsetzung der
Gefangenschaft "die betroffenen Menschen der Entbehrung, der Not, der
Angst und selbst der Gefahr für ihr Leben und für ihre Gesundheit und
damit der ernsten Möglichkeit irreparabler Schäden aussetzt." Die
Behauptungen, daß sich die Geiseln wohl befinden, klingt hohl, weil der
Weltgemeinschaft bisher sowohl der anhaltende als auch der umfassende
Zugang zu ihnen verweigert wird.
Wir müssen uns darüber klar sein:

Es sind nicht lediglich 50 Männer

und Frauen aus Amerika, die in Iran als Geiseln festgehalten werden;
ist die Völkergemeinschaft insgesamt.

Es

es

�Es handelt sich um weit mehr als um einen Konflikt zwischen den
Vereinigten Staaten und dem Iran. Der Iran wendet sich gegen das Gebäude
des Rechts und die Maschinerie des Friedens, die wir alle mit großer
Sorgfalt errichtet haben.
Es ist an der Zeit für die Weltgemeinschaft, zu handeln - fest und
gemeinsam zu handeln, um das Völkerrecht hochzuhalten und den Weltfrieden
zu wahren.
Wir müssen den Grundsätzen und Zielsetzungen unserer Charta praktische
Bedeutung geben.
Solange sich der Iran den Stimmen der Vernunft und des Mitleids
aus allen Teilen der Erde verschließt und solange er sich weigert, die
gemeinsamen Grundregeln internationalen Handelns anzuerkennen, solange muß
er die Folgen seiner vorsätzlichen Handlungen tragen.
Am 25. November ergriff der Generalsekretär gemäß Artikel 99 der Charta
die außerordentliche Maßnahme, eine Dringlichkeitssitzung des Rates zu
beantragen, die sich mit dieser Krise befassen sollte. Er erklärte aus
diesem Anlaß, daß "die derzeitige Krise eine ernste Bedrohung des Weltfriedens und der Weltsicherheit darstellt." Die einstimmig angenommene
Entschließung des Sicherheitsrats vom 4. Dezember brachte die tiefe Sorge
des Rates über das gefährliche Maß an Spannung zum Ausdruck und sprach
von den möglichen ernsten Konsequenzen für den Weltfrieden und die Weltsicherheit.
Diese Erklärungen machen im Verein mit den vielen sorgenvollen
Äußerungen von Mitgliedstaaten das Urteil der Völkergemeinschaft deutlich,
demzufolge der Schritt des Iran, Geiseln zu nehmen und festzuhalten, eine
Verletzung des Völkerrechts darstelle und den Weltfrieden und die Welt-

- 3 -

i

�Weltsicherheit bedrohe. Wenn der Iran die Geiseln weiterhin festhält,
obwohl der Rat und die Weltgemeinschaft einmütig deren Freilassung fordern,
sind Maßnahmen gemäß Kapitel VII der Charta nicht nur gerechtfertigt,
sondern geboten, um eine friedliche Lösung dieser Krise zu erreichen.
Es liegt deshalb bei uns als Mitglieder dieses Rates, die notwendigen
Maßnahmen zu ergreifen, um die Durchsetzung der vorausgegangenen einmütigen
Entscheidungen sicherzustellen. Meine Regierung ersucht deshalb um eine
Entschließung, die ein Versäumnis des Irans, gemäß den vorausgegangenen
Entscheidungen des Sicherheitsrats zu handeln und der Forderung des Internationalen Gerichtshofs nach der unverzüglichen Freisetzung aller Geiseln
nachzukommen, verurteilen würde. Die Entschließung würde ferner zwei
zusätzliche Schritte beinhalten: Erstens ein Ersuchen an den Generalsekretär, seine Vermittlungsdienste zu intensivieren - unter Kenntnisnahme
seiner Bereitschaft, persönlich nach Teheran zu reisen und dem Rat bis zu
einem spezifizierten Zeitpunkt Bericht zu erstatten; zweitens die Entscheidung,
daß der Rat für den Fall, daß die Geiseln nicht bis zu dem Zeitpunkt freigelassen worden sind, an dem der Rat wie früher spezifiziert wieder zusammentritt, spezifische Sanktionen gemäß Artikel 41 der Charta verhängen wird.
Unseres Erachtens ist die anhaltende Solidarität der Weltgemeinschaft
dazu angetan, darzulegen, daß eine umgehende Lösung des Problems allen
zugute kommen wird. Die Verlängerung der Krise liegt in niemandems Interesse.
Wir sind uns der Beschwerden des iranischen Volkes durchaus bewußt.
Wir respektieren die Souveränität und Unabhängigkeit des Iran und auch das
Recht des iranischen Volkes, über die Form der eigenen Regierung selbst zu
entscheiden. Wie wir wiederholt betont haben, sind wir, sobald die Geiseln
unbeschädigt freigelassen worden sind, in Übereinstimmung mit der Charta
der Vereinten Nationen bereit, eine Lösung der zwischen uns bestehenden
Streitfrage anzustreben.

�Mit der Entlassung der Geiseln wird der Weg frei für den Iran,
seine Beschwerden vor jedem geeigneten Forum vorzubringen.
Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht auf Unrechtsforderungen
eingehen, solange amerikanische Bürger in ungerechter Gefangenschaft
gehalten werden - in Verletzung von Entschließungen und Anordnungen der
wichtigsten Insitution zur Wahrung des Friedens.
Wie ein großer amerikanischer Präsident, Abraham Lincoln - ein Mann
voll von tiefem Mitgefühl und Verständnis -, einmal erklärte: "Es gibt
keine Beschwerde, die ein geeignetes Objekt für deren Behebung durch das
Gesetz des Mobs darstellt." Unsere Geduld und Nachsicht wurden in den
letzten Wochen auf eine schwere Probe gestellt. Sie sind nicht unbegrenzt.
Wir haben von Anfang an klar gemacht, daß wir einer friedlichen Lösung
den Vorzug vor jeder anderen Art der Abhilfe geben, die uns unter dem
Völkerrecht zu Gebote steht. Es liegt im Interesse einer solchen friedlichen
Regelung, daß wir uns heute an diese Körperschaft wenden, um sie zum Handeln
aufzufordern.
Wir müssen jetzt handeln, um das Geflecht gegenseitiger Verpflichtungen
aufrechtzuerhalten, das uns miteinander verbindet und uns gegen Chaos und
Unordnung abschirmt. Einen zentralen Punkt kann man nicht übergehen:
Verabsäumt es die Völkergemeinschaft, dann zu handeln, wenn ihr Gesetz
verhöhnt und ihre Autorität beschmutzt wird, vermindern wir damit nicht
nur die Friedensaussichten in dieser Krise; wir tun dieser Institution
des Friedens als solcher direkt Abbruch.
Ein wirksames Vorgehen des Sicherheitsrates kann die Bestimmungen
der Charta wie die Entscheidungen des Rates mit neuem Leben erfüllen.

Es

kann uns alle heute und in der Zukunft an unsere feierliche Verpflichtung
erinnern, das Urteil dieser Körperschaft zu achten und dieses zentrale
Forum für die Gewährleistung des Weltfriedens und der Weltsicherheit auf-

- 5 -

�aufrechtzuerhalten.
Wir sollten gemeinsam und in einer Art und Weise handeln, die
überzeugend klarlegt, daß die Herrschaft des Rechts echte Bedeutung hat
und daß unsere Friedensmaschinerie von praktischer Relevanz ist.
Laßt uns - wie es uns zukommt - den grundlegenden Prozeß schützen,
der es den Nationen gestattet, zivilisierte Beziehungen untereinander zu
unterhalten.
Durch die Entscheidung, die wir von diesem Rat dringend erbitten,
können wir gemeinsam den Tag herbeibringen helfen, an dem diese schwere
Prüfung zu Ende geht.

Und durch unsere erwiesene Verpflichtung auf die

Zielsetzungen unserer Charta werden wir sowohl die Grundsätze als auch
die Institutionen stärken, die dem Zweck dienen, den Weltfrieden zu erhalten und uns alle zu schützen.

+ + + + +

�1

Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
2. Januar 1980

WELTSICHERHEITSRAT NIMMT US-RESOLUTION AN
- Wortlaut der Entschließung -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der Weltsicherheitsrat hat am 31.
Dezember 1979 mit elf Stimmen bei vier Enthaltungen eine von den Vereinigten
Staaten eingebrachte Resolution angenommen, in der dem Iran mögliche Sanktionen angedroht werden, falls die als Geiseln in Teheran festgehaltenen Amerikaner nicht bis zum 7. Januar freigelassen werden.
Die Resolution hat folgenden Wortlaut:
Der Sicherheitsrat
unter Hinweis auf seine Resolution 457 (1979) vom 4. Dezember 1979,
unter weiterem Hinweis auf den Appell, der vom Präsidenten des Sicherheitsrates am 9. November 1979 (8/13616) ausging und der am 27. November 1979
(8/13652) wiederholt wurde,
tief besorgt über die wachsende Spannung zwischen der islamischen Republik des Iran und den Vereinigten Staaten von Amerika, die durch die Verhaftung und weitere Festhaltung von Personen amerikanischer Nationalität ver-

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�verursacht wurde, die als Geiseln im Iran unter Verletzung des Völkerrechts
festgehalten werden, was zu schwerwiegenden Konsequenzen für den Weltfrieden
und die internationale Sicherheit führen könnte,
unter Zurkenntnisnahme der Schreiben des Außenministers der islamischen
Republik des Iran, datiert vom 13. November 1979 (8/13626) und vom 1. Dezember
1979 (8/13671), die sich auf die von seiner Regierung zu dieser Situation erhobenen Beschwerden und Erklärungen beziehen,
unter weiterem Hinweis auf das vom 25. November 1979 datierte Schreiben
des UN-Generalsekretärs (8/13646), in dem erklärt wird, daß nach seiner Meinung die derzeitige Krise zwischen der islamischen Republik des Iran und den
Vereinigten Staaten von Amerika eine ernsthafte Bedrohung für den Frieden und
die Sicherheit der Welt darstellt,
unter Berücksichtigung der Anordnung des Internationalen Gerichtshofes
vom 15. Dezember 1979, in der die Regierung der islamischen Republik des Iran
aufgefordert wird, die sofortige und ausnahmslose Freilassung aller Personen
amerikanischer Staatsangehörigkeit sicherzustellen, die als Geiseln im Iran
festgehalten werden (8/13697) und in der ferner die Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika und die Regierung der islamischen Republik des Iran aufgefordert werden, zu gewährleisten, daß keine von ihnen getroffene Aktion die
Spannung zwischen den beiden Ländern verschärfen wird,
unter weiterer Berücksichtigung des Berichtes des Generalsekretärs vom
22. Dezember 1979 über die Entwicklung hinsichtlich der Situation (8/13704),
eingedenk der Verpflichtung der Staaten, ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel in einer solchen Weise beizulegen, daß der Weltfriede, die internationale Sicherheit und Gerechtigkeit nicht gefährdet werden,
und im Bewußtsein der Verantwortung der Staaten, sich in ihren internationalen Beziehungen der Drohung oder Anwendung von Gewalt gegen die territori-

�territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines jeden Staates
oder in jeder anderen Weise, die nicht mit den Zielsetzungen der Vereinten
Nationen in Einklang steht, zu enthalten:

bekräftigt erstens seine Resolution 457 (1979) in all ihren Aspekten;

verurteilt zweitens die weitere Festhaltung der Geiseln entgegen der
Sicherheits-Resolution 457 (1979) und der Anordnung des Internationalen Gerichtshofes vom 15. Dezember 1979 (8/136697);

fordert drittens erneut in aller Dringlichkeit die Regierung der islamischen
Republik des Iran auf, unverzüglich alle Personen amerikanischer Staatsangehörigkeit zu entlassen, die im Iran als Geiseln festgehalten werden, ihnen
Schutz zu gewähren und die Heimkehr in ihr Heimatland zu gestatten;

wiederholt viertens sein Ersuchen an den Generalsekretär, seine guten
Dienste zur Verfügung zu stellen

und seine Bemühungen zu verstärken, um dem

Rat bei der Erreichung der in dieser Resolution genannten Ziele zu helfen,
und nimmt in diesem Zusammenhang Kenntnis von seiner Bereitschaft, persönlich
nach dem Iran zu reisen;

ersucht fünftens den Generalsekretär, dem Rat über die im Rahmen seiner
guten Dienste unternommenen Anstrengungen zu berichten, ehe der Rat erneut
zusammentritt; und

beschließt sechstens, am.7. Januar 1980 zusammenzutreten, um die Situation
zu überprüfen und im Falle einer Nichtbefolgung dieser Resolution wirksame Maßnahmen gemäß Artikel 39 und 41 der UN-Charta zu ergreifen.

+ + + + +

- 3 -

�I
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

PRÄSIDENT CARTER FORDERT WIRTSCHAFTSSANKTIONEN GEGEN DEN IRAN
- Wortlaut der Erklärung -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter teilte am 21. Dezember mit,
daß die Vereinigten Staaten um eine Sondersitzung des Weltsicherheitsrates
ersuchen, der internationale Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verhängen soll, um die Befreiung der in der amerikanischen Botschaft in
Teheran festgehaltenen Geiseln zu erreichen. Die Erklärung hat folgenden
Wortlaut:
Von dem Tag an, an dem die amerikanische Botschaft besetzt und unsere
diplomatischen Mitarbeiter als Geiseln durch den Iran festgesetzt wurden,
nutzten wir jede uns verfügbare rechtliche Handhabe, um deren sichere
und umgehende Freilassung zu erreichen.

Bei mindestens vier getrennten

Gelegenheiten hat die Weltgemeinschaft durch den Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen und durch den Internationalen Gerichtshof die iranische
Regierung deutlich und nachdrücklich aufgefordert, die amerikanischen
Geiseln freizulassen.

Dennoch widersetzt sich der Iran noch heute auf

arrogante Weise der Weltgemeinschaft.
Er

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Er bezeugt seine Mißachtung nicht nur gegenüber dem Völkerrecht,
sondern gegenüber allen internationalen Einrichtungen zur Gewährleistung
friedlicher Lösungen von Meinungsstreitigkeiten zwischen Nationen.

In

einem verantwortungslosen Epressungsversuch, dem sich die Vereinigten
Staaten niemals beugen werden, fahren die Entführer und Terroristen,
unterstützt durch Vertreter des Iran, damit fort, unsere Landsleute unter
unmenschlichen Bedingungen festzuhalten. Mit jedem Tag, der verstreicht,
wächst unsere Sorge um die Gesundheit und das Wohlergehen der Geiseln.
Wir haben von Anfang an klar gemacht, daß die Vereinigten Staaten einer
friedlichen Lösung den Vorzug vor allen anderen Formen der Abhilfe geben,
die uns nach dem Völkerrecht zu Gebote stehen.

Um eine friedliche

Lösung zustandezubringen, das ist nunmehr klar, muß die Völkergemeinschaft
konkrete Maßnahmen ergreifen.
Demzufolge habe ich mich entschieden, den Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen um die umgehende Anberaumung einer Sitzung zu ersuchen.um gegen
den Iran internationale wirtschaftliche Sanktionen gemäß Kapitel VII der
Charta der Vereinten Nationen zu verhängen. Die Regierung des Iran muß
erkennen, daß sie den ausdrücklichen Willen und das Gesetz der Weltgemeinschaft
nicht ungestraft verhöhnen kann. Der Sicherheitsrat muß handeln, um seine
Forderung durchzusetzen, daß der Iran die Geiseln frei läßt. Die Weltgemeinschaft muß den von ihr geschaffenen Justizapparat stärken, damit
die Vereinten Nationen und der Internationale Gerichtshof auch weiterhin
von Bedeutung für die Beilegung von ernsthaften Meinungsstreitigkeiten
bleiben, die den Frieden unter den Völkern bedrohen. Ich kann mir keine
klarere und zwingendere Aufgabe für die Völkergemeinschaft vorstellen als
die, vor die wir uns gegenwärtig gestellt sehen. Das Leben von über 50
unschuldigen Menschen steht auf dem Spiel; die Grundlagen der zivilisierten
Diplomatie stehen auf dem Spiel; die Integrität des Völkerrechts steht
auf dem Spiel; und die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen steht auf
dem Spiel. Und auf dem Spiel steht letzten Endes die Aufrechterhaltung
des Friedens in jener Region. Wir ersuchen den Sicherheitsrat, im Namen

- 2 -

�Namen des Völkerrechts und des Friedens zu handeln, und wir fordern die
Regierung des Iran erneut auf, die Krise durch die unverzügliche Freilassung
der Geiseln zu beenden.
An dieser Stelle möchte ich wegen der bevorstehenden Feiertage einer Zeit des Nachdenkens über den Frieden - einige besondere Worte an
das amerikanische Volk richten - in der Tat an alle Menschen guten Willens
in allen Ländern einschließlich des Iran, die an der Sorge um 50 unschuldige Menschen teilhaben, welche auf den Frieden und auf die Rettung
ihres Leben; hoffen.
Henry Longfellow hat in einer Zeit der Konfrontation, des Kriegs
zwischen den amerikanischen Unionsstaaten im Jahre 1864, ein Weihnachtsgedicht geschrieben. Zwei Strophen dieses Gedichtes drücken mehr als
alles andere meine Gedanken und Gebete und sicherlich auch die unseres
ganzen Volkes in dieser Zeit der Herausforderung, der Sorge und der Krise
aus, und ich möchte sie deshalb hier zitieren.
"Und in Verzweiflung beugt1 ich mein Haupt.
'Frieden herrscht nicht auf Erden', sagt' ich.
'Denn der Haß ist stark
und verhöhnt das Lied
von Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.'
Da tönten die Glocken lauter und tiefer:
'Gott ist nicht tot, Gott schläft auch nicht.
Das Unrecht wird fallen
und das Recht obsiegen
mit Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen'."
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
2. Januar 1980

GEWÄHRLEISTUNG VON SICHERHEIT BEI KERNKRAFTWERKEN
Präsident Carter verfügt neue Maßnahmen aufgrund der
Untersuchungsergebnisse über Three Mile Island

- (AD) - Präsident Carter hat eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die
die Sicherheit von Kernkraftwerken verbessern sollen.

Er akzeptierte prak-

tisch alle Vorschläge der Sonderkommission, die zur Untersuchung des Unfalls
in der Reaktorstation Three Mile Island im März 1979 eingesetzt worden war.
Die Erklärung vom 7. Dezember 1979 hat folgenden Wortlaut:

Ich habe den Bericht der Kommission geprüft, die ich zur Untersuchung
des Unfalls im Atomkraftwerk Three Mile Island eingesetzt habe.

Die Kommis-

sion unter der Leitung von Dr. John Kemeny stellte sowohl seitens der staatlichen Stellen als auch der Versorgungsunternehmen sehr schwerwiegende Mängel
in bezug auf Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen und die praktische Handhabung im Bereich Kernenergie fest.

Die von mir heute eingeleiteten Schritte werden dazu beitragen, daß die
Betriebssicherheit von Atomkraftwerken gewährleistet ist. Sicherheit war für
mich stets das Wichtigste und wird es auch bleiben.
Wie

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Telex:08-85432

�Wie ich schon mehrfach erklärte, ist in den Vereinigten Staaten Kernkraft eine Energiequelle, auf die als äußerstes Mittel zurückgegriffen wird.
Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, daß wir sie in dem Maße weniger benötigen, als wir unsere Ziele auf den Gebieten der Energieeinsparung, direkter
Kohlenutzung, Entwicklung von Sonnenenergie-Ausrüstungen und synthetischen
Brennstoffen sowie der verstärkten Produktion von einheimischem öl und Erdgas verwirklichen.
Viele unserer Verbündeten müssen sich stärker als wir auf Kernkraft
stützen, weil sie nicht über die riesigen Rohstoffreserven verfügen, die
uns so viele Alternativen an die Hand geben. Wir müssen bei der Durchführung
der Aufgabe, Alternativenergien zu entwickeln, vorankommen, indem wir die von
mir dem Kongreß vorgeschlagenen Gesetze verabschieden und sich unsere Gesellschaft auf jeder Ebene bemüht, Energie zu sparen.
Wir können nicht die Tür zur Kernenergie zuschlagen. Die jüngsten Ereignisse im Iran haben uns die eindeutigen, schwerwiegenden Gefahren vor Augen
geführt, die sich aus einer übermäßigen Abhängigkeit von Importöl für unsere
Nation ergeben. Wir müssen jede Anstrengung unternehmen, um unser Land zur
Energiesicherheit zu führen.
Jede einheimische Energiequelle, Kernkraft eingeschlossen, ist wichtig,
wenn wir unser Land von seiner übergroßen Abhängigkeit von instabilen Quellen
teuren ausländischen Öls befreien sollen. Wir können uns nicht den Luxus
leisten, auf Kernkraft zu verzichten oder über ihre künftige Verwendung ein
langfristiges Moratorium zu verhängen. Ein Kernkraftwerk kann bis zu 35 000
Barrel Öl pro Tag ersetzen. Wir müssen jeden möglichen Schritt tun, um die
Sicherheit der Kernkraftproduktion zu erhöhen. Ich stimme Geist und Inhalt
der Empfehlungen der Kemeny-Kommission voll zu, die zu verwirklichen teilweise in meiner Macht liegt, die aber zum anderen Teil von der Nuklearen
Aufsichtskommission (NRC) oder von der Versorgungswirtschaft in die Praxis
umgesetzt werden müssen.
Ich
- 2 -

�Ich werde verschiedene Schritte unternehmen, um von der Regierungsseite
aus das Haus in Ordnung zu bringen.

Erstens werde ich dem Kongreß einen Re-

organisationsplan zuleiten, um die Rolle des Vorsitzenden der NRC zu stärken
und ihn mit Vollmachten auszustatten, als verantwortlicher oberster Beamter
sofort handeln zu können und befugt zu sein, notwendige Sicherheitserfordernisse und Verfahrensweisen an Ort und Stelle einsetzen zu lassen.

Der Vor-

sitzende muß in der Lage sein, Führungspersonal selbst auszuwählen und im
Fall eines Notstandes im Namen der Kommission zu handeln.
Zweitens werde ich einen neuen Vorsitzenden für die NRC ernennen - eine
i

Persönlichkeit, die entsprechend den Empfehlungen der Kemeny-Kommission nicht
aus der Behörde selbst kommt. Für die Übergangszeit habe ich das NRC-Kommissionsmitglied Ahearne gebeten, die Geschäfte des Vorsitzenden zu führen.
Dr. Ahearne wird auf Sicherheit und die prompte Durchführung der notwendigen
Reformen besonderen Wert legen. Außerdem werde ich einen unabhängigen Beratungsausschuß einsetzen, dessen Aufgabe es u.s. sein wird, mich über die Fortschritte auf Seiten der NRC und der Industrie zu unterrichten, die Kernenergie
sicherer zu machen.
Drittens weise ich die Bundesbehörde für Notstandsmaßnahmen an, alle für
die Bewältigung von Krisensituationen außerhalb des eigentlichen Gefahrenherdes vorgesehenen Maßnahmen voranzubringen und bis Juni 1980 die gründliche
Überprüfung von Notstandsplänen für in Betrieb befindliche Reaktoren in allen
Bundesstaaten abzuschließen.
Viertens habe ich die NRC und andere Behörden angewiesen, unser Programm,
jeder Reaktorstation einen ständigen Bundesinspektor beizugeben, zu beschleunigen.
Fünftens ersuche ich sämtliche jeweils zuständigen Bundesbehörden praktisch alle übrigen Empfehlungen der Kemeny-Kommission in die Tat umzusetzen.
Der Öffentlichkeit wird detailliertes Informationsmaterial an die Hand
gegeben, während die Presse in noch ausführlicherer Form unterrichtet werden wird
Mit
- 3 -

�Mit klar definierten Führungskompetenzen und verbesserter Organisation
werden Exekutive und NRC besser in der Lage sein, zu handeln, die kritischen
Fragen einer besseren Ausbildung und besserer technischer Maßstäbe von Sicherheitsvorschriften und der anderen von der Kemeny-Kommission gemachten Empfehlungen schnell in Angriff zu nehmen.
Aber die Verantwortung, Kernkraft sicherer zu machen, endet nicht bei
der Bundesregierung.

Tatsächlich liegt die primäre tägliche Verantwortung für

Sicherheit bei der Leitung der Versorgungsunternehmen und bei den Lieferfirmen
für nuklear-technische Ausrüstungen.

Für technisch qualifizierte und persön-

lich engagierte Fachleute beim Bau, beim Betrieb und der Inspektion von Atomkraftwerken gibt es keinen Ersatz. Aufgaben und Verantwortungen des Personals
müssen besonders betont werden. Irgendjemand muß stets als der Verantwortliche
sowohl im Unternehmen als auch am Standort selbst bestimmt worden sein.

Die

Industrie ist es dem amerikanischen Volk schuldig, ihr Engagement für Sicherheit
zu verstärken.
Ich fordere die Versorgungsunternehmen auf, folgendes zu ändern:
1) Auf der Grundlage der bisher unternommenen Schritte muß die Industrie
aktiv werden, um verbesserte Normen für sichere Konstruktion, sicheren Bau
und sicheren Betrieb von Anlagen zu entwickeln.
2) Die Firmen der Nuklearindustrie müssen zusammenarbeiten, um umfassend
Ausbildungs-, überprüfungs- und Analysenprogramme für das Betriebspersonal und
das leitende Personal zu entwickeln und in der Praxis ständig im Einsatz zu
haben. Dieses Trainingsprogramm ist von der NRC auf dem Wege über die Genehmigung der jeweiligen Ausbildungsprogramme direkt zu überprüfen.
3) Kontroll räume müssen im weitestgehenden Umfang modernisiert, standardisiert und vereinfacht werden, damit im Notfall Entscheidungen auf der Basis
besserer Informationen getroffen werden können.
Ich richte den dringenden Appell an unsere Versorgungswirtschaft, alle
nur erdenklichen Anstrengungen zu unternehmen, um die Sicherheit der Kern-

�Kernkraft zu verbessern.

Schließlich möchte ich erörtern, wie wir die Übergangsperiode bewältigen, in der die Empfehlungen der Kemeny-Kommission in die Tat umgesetzt werden.

Es gibt eine Anzahl neuer Atomkraftwerke, für die jetzt Betriebs- und

Beugenehmigungen erteilt werden müßten.

Die Lizenzerteilung ist Sache der NRC, und diese besitzt, wie die KemenyKommission erwähnte, die Kompetenz, um je nach Sachlage im gegebenen Fall
die Anlage zu genehmigen.

Die NRC gab jedoch zu erkennen, daß sie vorläufig

keine neuen Betriebs- und Baugenehmigungen zu erteilen gedenkt, damit sie sich
ganz der Aufgabe widmen könne, das eigene Haus in Ordnung zu bringen.

Ich

billige den von der NRC jetzt eingeschlagenen Weg, ersuche sie jedoch dringend, ihre Aufgabe so rasch wie möglich zu bewältigen und sie keinesfalls später als in sechs Monaten zu beenden.

Haben wir die notwendigen Reformen zur Gewährleistung der Sicherheit in
die Wege geleitet, müssen wir die Lizenzierung so rasch wie möglich wieder aufnehmen, damit die neuen Kraftwerke, die wir zur Verringerung unserer Abhängigkeit von ausländischem ül so dringend benötigen, gebaut und in Betrieb genommen werden können.

Die von mir heute verkündeten Schritte werden unserem Land helfen, die
Sicherheit von Kernkraftwerken zu gewährleisten.

Kernkraft hat in den Vereinig-

ten Staaten eine Zukunft - sie ist eine Option, die wir uns offen halten müssen.

Ich appelliere an die Versorgungsunternehmen und ihre Lieferfirmen, an

die NRC, die Ministerien und Behörden des Bundes sowie der Bundesstaaten und
an die kommunalen Behörden, die Gewähr dafür zu schaffen, daß die Zukunft
eine sichere Zukunft sein wird.

- 5-

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1

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

AUSBLICK AUF DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT DES JAHRES 1980
von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

Der folgende Artikel des Wirtschaftskorrespondenten des amerikanischen Amtes
für Internationale Kommunikation(USICA),
Jon Schaffer, beschäftigt sich mit den
Entwicklungen, den Aussichten und
Problemen der Wirtschaft der Vereinigten
Staaten im kommenden Jahr, gesehen aus
der Perspektive bekannter amerikanischer
Wirtschaftsfachleute.
WASHINGTON - (AD) - Glaubt man den Prophezeiungen, so wird sich
die amerikanische Wirtschaft zu Beginn des neuen Jahres in einer Rezession
befinden, obgleich Zinssätze und Inflation deswegen nicht in dem Maße
zurückgehen werden, wie dies bei Rezessionen in der Vergangenheit der Fall
gewesen ist.
Dies sind einige der wesentlichen Schlußfolgerungen von Wirtschaftsfachleuten, die damit begonnen haben, ihre vorläufigen Prognosen über die
Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft im Jahr 1980 zu stellen.
Die

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�Die meisten Bankiers, Geschäftsleute und Volkswirtschaftler sehen
einen Rückgang der Gesamtproduktion der Wirtschaft voraus - zumindest in
der ersten Hälfte des neuen Jahres; in der zweiten Hälfte werden einige
Verbesserungen für möglich gehalten.

Nach Ansicht der meisten Experten

wird die Inflation leicht zurückgehen, doch zeigen sie sich besorgt darüber,
daß das Ausmaß der Lohnerhöhungen eine Gefahr für die Bekämpfung der
Inflation in naher Zukunft bedeuten könnte. Ohne Ausnahme wird schließlich
ein Anstieg der Arbeitslosigkeit vorausgesagt.
Für das Jahr 1980 insgesamt prognostiziert ein Querschnitt von über
50 Wirtschaftsgutachtern eine jährliche Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts, die zwischen optimistischen zwei Prozent - so die Econoviews
International Inc. - und pessimistischen minus 2,1 Prozent - errechnet
durch die Wirtschaftsfachleute der Bank of America - schwankt.

Der

gemeinsame Nenner aller Vorhersagungen liegt bei etwa 1 Prozent minus.
Die Voraussagen über die amerikanische Inflationsrate im Jahr 1980
gehen - bei einem Durchschnitt von 10,6 Prozent - von weniger als 9 Prozent
bis über 12 Prozent. Schätzungen bei der Arbeitslosigkeit - im Prozentsatz der Beschäftigtenzahl gesehen - bewegen sich um die 7 bis 7,5 Prozent.
Einig sind sich jedoch die Experten darin, daß die Preise und die
Verfügbarkeit von Energie einen wesentlichen Einfluß auf die amerikanische
Wirtschaft haben werden.
Nachfolgend einige der Prognosen sowie deren Konsequenzen, wie sie
die Experten vorlegen:
Walter Heller, ehemals Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats unter
Präsident Kennedy,stellt fest, daß eine Rezession, sollte sie überhaupt
schon begonnen haben,"höchstens dabei ist, den ersten Biß zu tun". Da
umfangreichere Konjunkturspritzen 1980 nicht zu erwarten seien, dürfte

- 2 -

�dürfte die wirtschaftliche Erholung in der zweiten Hälfte des neuen
Jahres bescheiden ausfallen.

In der Annahme, daß es auch keine Steuer-

erleichterungen geben werde, erwartet Heller einen Rückgang der Verbraucherausgaben, ein Nachlassen der Kapitalgüterinvestitionen um real zwei Prozent
und einen merklichen Rückgang beim Wohnungsbau als Beitrag zu einer
sich verstärkenden Rezession.
Lawrence Klein, der "Vater" des amerikanischen ökonometrisehen
Modells, ehemaliger Präsident der "American Economic Association" und
Präsident der Gesellschaft "Wharton Econometric Forecast" - eine der
größten und bekanntesten amerikanischen Firmen im Bereich der Wirtschaftsgutachten -, ist folgender Ansicht:

Obgleich de"wirtschaftliche Auf-

schwung "zu diesem Zeitpunkt keine übermäßig ernsthafte Rezession" sei, so
könne es doch schlimmer werden.
Klein sagt einen längerwährenden Niedergang des Automobilmarktes
voraus, eine leichte Abnahme der Kapitalgüterinvestitionen und ein Absinken der Unternehmenergewinne, bevor die Wirtschaft gegen Mitte des
Jahres sich wieder, wenn auch nicht sonderlich kräftig, nach oben bewegt.
Klein zufolge bestehen die guten Nachrichten darin, daß die Zahlungsbilanz 1980 eine Zeitlang positiv sein wird, bevor sie 1981 möglicherweise
wieder negativ werden könnte.
Viele Wirtschaftswissenschaftler vertreten das Argument, das anhaltend ausgabenfreudige Verbraucherverhalten - zusätzlich von Sparern
angeregt, die in großem Umfang von ihren Guthaben abheben - habe eine
unvermeidliche Rezession lediglich hinausgezögert.
Aber Thomas Murphy, Präsident und Vorstandsvorsitzender bei General
Motors, weist - wie viele andere Beobachter auch - darauf hin, daß "das
Fehlen so traditioneller Unausgeglichenheiten wie überschüssige Lager-

- 3 -

�I

•

Lagerbestände oder übermäßiger Investitionsaufwand auf die Wahrscheinlichkeit
einer verhältnismäßig milden wirtschaftlichen Korrektur hindeutet."
Gemäß dem Wirtschaftsausblick, den die Jahresübersicht der 3 100
Mitglieder der "National Association of Business Economists" gibt, wird
erwartet, daß der durchschnittliche Rückgang bei Aufwand der gewerblichen
Wirtschaft für Bauleistungen mit 1,2 Prozent recht milde sein wird.

Bei

den Kapitalgüterinvestitionen betrug dieser durchschnittliche Rückgang
in den sechs vorhergegangenen Rezessionen der Nachkriegszeit 9,4 Prozent.
"Die Frage ist nicht, ob sich die Volkswirtschaft im letzten Quartal
1979 oder etwa im ersten Quartal 1980 abschwächen wird", meint Irwin
Kellner, Vizepräsident des "Manufacturers Hanover Trust".

"Die Frage

scheint vielmehr zu sein, ob die Volkswirtschaft gegen Ende des ersten
Quartals 1980 aus dieser Abschwächung herauskommen wird oder noch weiter
absinkt...

Ich habe aber auch weiterhin das Gefühl, daß die Rezession

eher früher als später zu Ende geht."
•

Kellner führt so positive Aspekte der Volkswirtschaft wie den
hohen Beschäftigungsstand an, die anhaltende Investitionsgüterkonjunktur,
den Boom auf dem Exportsektor sowie die Tatsache, daß diese verlangsamte
Konjunkturbewegung allgemein erwartet wurde und die Geschäftswelt daher
genauestens darauf achtete, daß ihre Lagerbestände nicht in allzu großen
Gegensatz zum Umsatz gerieten.
Während also die derzeitigen Lagerbestände und auch die Pläne im
Investitionsgüterbereich nicht unbedingt typisch im Vergleich zu
Rezessionen der Vergangenheit sind, ist dies allerdings auch nicht
der Fall bei den verhältnismäßig alarmierenden Aussichten, was die
Inflation anbelangt.

�Die Inflationsrate ist noch nicht zurückgegangen, wie dies die
meisten Wirtschaftsfachleute mit einer Abschwä'chung der amerikanischen
Volkswirtschaft erwartet hatten.

Henry Kaufman, ChefÖkonom der Investmentbank "Salomon Brothers",
stellt in seinem letzten Jahresgutachten fest, daß die Lohnabschlüsse
trotz einer Rezession - die seiner Meinung nach 1980 anfangen und wahrscheinlich nicht vor Anfang 1981 enden wird - die Inflation anheizen
werden.

Er erwartet Abschlüsse zwischen neun und elf Prozent, da die

Arbeitnehmerseite versuchen wird, für die Verluste bei Realeinkommen des
Jahres 1979 einen Ausgleich zu erhalten.

In diesem Jahr betrugen die

Lohnzuschläge im Durchschnitt acht Prozent, lagen also weit unterhalb
der Inflationsrate.

Seinem Argument nach wird eine andauernde hohe Inflationsrate in
Verbindung mit hohem Investitionsaufwand und anhaltenden Verbraucherausgaben - letzteres zumindes bis zu dem Zeitpunkt, da im Frühjahr und
Sommer 1980 die Arbeitslosigkeit noch zumimmt - eine starke Kreditnachfrage
zur Folge haben.

Dies wiederum zwingt zu fortgesetzter straffer Geld-

marktpolitik auf Seiten der amerikanischen Bundesbank.

Kaufman, der mit großem Weitblick die hohen Zinssätze des Jahres 1979
voraussagte, ist diesmal der Meinung, daß die kurzfristigen Zinssätze wie
etwa der Leitzinssatz - der Bankzinssatz, den die Banken von ersten
Adressen verlangen - auf zwischen 16 und 17 Prozent klettern werden.

Donald Maide, Vizepräsident und Direktor der Forschungsabteilung
bei "Merrill Lynch Government Securities" stimmt mit den Ansichten von
Kaufman hinsichtlich der kurzfristigen Zinssätze überein.

Obwohl die

Wirtschaftsbedingungen eine Senkung der kurzfristigen Zinssätze im
Verlauf des ersten Quartals 1980 mit sich bringen sollten, gibt es doch,
Maude zufolge, für die amerikanische Bundesbank keine Möglichkeit, einer

�einer Senkung der Zinssätze zuzustimmen, "ohne einen ernsthaften Angriff
auf den Dollar" hervorzurufen.

Sein Argument:

Sollten die amerikanischen

Zinssätze fallen, würden die verhältnismäßig hohen Sätze in den europäischen
Ländern Geldanlagen aus den Vereinigten Staaten absaugen.

Sobald die

Volkswirtschaften anderer Industrieländer einen beginnenden Rückgang
verzeichnen sollten, könnten kurzfristige Zinssätze wie der Leitzinssatz
bis auf 8,5 bis 9 Prozent heruntergehen.
Heller widerspricht diesem Argument jedoch und meint, daß kurzfristige
Zinssätze kräftig fallen sollten "unter dem Gewicht zunehmender wirtschaftlicher Flaute". Seiner Meinung nach sollte die Verbindung von verbesserten
Lohn- und Preisrichtlinien, die neu eingerichtete Lohnkommission und
steigende Arbeitslosigkeit jeder Art von Lohnexplosion verhindern.
Walter Hoadley, ChefÖkonom der "Bank of America", der größten
Handelsbank in den Vereinigten Staaten, glaubt jedoch, daß die Preisrichtlinien "höchstens einen Nebeneffekt haben und jede bedeutsame
Linderung der Inflation von langsamerem Wachstum ausgehen muß".
Jay Janis, der Vorsitzende des "Federal Home Loan Bank Board", des
Vorstands der amerikanischen Bundesbausparkasse, unterstreicht "die
Wahrscheinlichkeit, daß wir eher eine bescheidene Rezession oder Schwäche
der Volkswirtschaft haben werden, die eine Reihe von Jahren anhalten
wird, als daß es zu einer ernsthaften Rezession kommt."
Klein jedoch glaubt, daß die klare Betonung der Angebotsseite
der Volkswirtschaft - also Kapitalbildung, verstärkte Forschung und
Entwicklung, Ausbildung des Personals und andere Programme zur Steigerung
der Produktivität - den Vereinigten Staaten jene Wachstumsraten zurückbringen würde, derer sie sich in den fünfziger und sechziger Jahren
erfreuten.

�</text>
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Dezember 1979

INHALT
DOKUMENTATION
Carter kündigt höhere Verteidigungsausgaben an
- Wortlaut der Rede des Präsidenten vor dem Amerikanischen Wirtschaftsrat Erklärung des US-Außenministers zur Sondersitzung der NATO-Ministertagung
- Wortlaut Erklärung des US-Außenministers auf der Ministertagung des Nordatlantikrates

J

Vance-Rede für die Berliner Pressekonferenz
- gehalten von Unterstaatssekretär Vest

WIRTSCHAFT
Solomon gibt Überblick über künftige Wirtschaftsentwicklung
- Auszüge -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ein Wahljahr steht bevor
- Primaries, Caucuses, Straw Polls:

Was bedeutet das alles? -

äu_n-.9,e-r. - n ° c n , 1 a n ge nicht besiegt
- Wachstumsrate der Weltwirtschaft und bessere Strategien entscheidend
für erfolgreiche Bekämpfung

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Ulirl/chofl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. Dezember 1979

48

S0L0M0N GIBT ÜBERBLICK ÜBER KÜNFTIGE WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG
- Auszüge -

Nachstehend übermitteln wir Ihnen
Auszüge aus den Ausführungen, die der
Staatssekretär für Währungsangelegenheiten im US-Finanzministerium, Anthony
Solomon, am 12. Dezember vor einem
Unterausschuß des Kongresses gemacht
hat. Solomon befaßt sich darin unter
anderem mit den Aussichten der Weltwirtschaft, der Einfrierung der Guthaben
der iranischen Regierung, der Überwachungstätigkeit des IWF und der internationalen
Liquidität.

WASHINGTON

- (AD) - Herr Vorsitzender, es ist mir ein Vergnügen,

wieder vor Ihrem Unterausschuß zu erscheinen.

Diese Einvernahmen geben

Gelegenheit,einen umfassenden Bereich genereller Fragen - die Euromärkte,
die internationale Verschuldung, die wirtschaftlichen Auswirkungen der ölpreissteigerungen und die Weiterentwicklung des internationalen Währungssystems - zu erörtern, die sich auf sinnvolle Weise am ehesten im Rahmen
einer Übersicht über die derzeitige Situation der Weltwirtschaft und eines

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�eines Ausblicks auf ihre künftige Entwicklung darstellen lassen.

Auf alle

diese Fragen oder Dinge werde ich in meiner heutigen Erklärung eingehen.
Ergänzende Antworten auf eine Reihe spezifischer Fragen, die Sie in Ihrem
Einladungsschreiben an mich angeschnitten haben, lege ich Ihnen zur Aufnahme
in die Akten vor.

Ausblick auf die Weltwirtschaft
Herr Vorsitzender, die Weltwirtschaftslage ist ernüchternd. Sie wird
von den jüngsten Entwicklungen im Bereich der Ölversorgung stärkstens
beeinflußt, und die Entscheidungen über die Förderung und Preisgestaltung
von Rohöl, die in kürze getroffen werden dürften, werden von kritischer
Bedeutung für die Zukunft sein. Als ich das letzte Mal im Mai vor Ihnen
erschien, wies ich darauf hin, daß die in den ersten Monaten des Jahres 1979
verzeichneten öl Preissteigerungen von etwa 24 Prozent einen weiteren
inflationistischen Druck hervorrufen, das Wachstum um einiges verlangsamen
und die Zahlungsungleichgewichte im Außenhandel verstärken würden. Im
damaligen Zeitpunkt rechneten wir nicht damit, daß die ölpreise zu Jahresende 1979 noch entschieden höher liegen werden als im Dezember vergangenen
Jahres, und wir sahen auch die erhebliche Verunsicherung der Versorgung
mit Rohöl nicht voraus, vor die sich die Welt heute gestellt sieht.
Innerhalb der nächsten Woche werden wir die Ergebnisse der Dezember-Tagung
der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) und ihre Auswirkungen
auf die öl preis- und öl förderpolitik für 1980 kennen, die die Zuversicht
und die Wirtschaftsleistung der öleinfuhrländer im nächsten Jahr und in
der Zeit danach erheblich beeinflussen werden.

Die ölpreise sind im ablaufenden Jahr sehr rasch gestiegen. Der
durchschnittliche amtliche Preis von Rohöl aus den OPEC-Ländern liegt
gegenwärtig bei etwa 21,50 Dollar gegenüber 12,93 Dollar im Dezember

- 2 -

�Dezember vergangenen Jahres, was einer Erhöhung um 66 Prozent entspricht.
Hinzu kommt, daß die Preise auf den Spot-Märkten, über die beträchtliche
ölmengen abgesetzt werden, noch erheblich über den amtlichen Preisen
liegen.

Der durchschnittliche Preis, der tatsächlich für Rohöl aus allen

Herkunftsländern bezahlt wird, ist nach unseren Schätzungen heute 80 Prozent
höher als Ende des vergangenen Jahres.

Trotz der großen Erhöhungen der ölpreise im Verlaufe dieses Jahres
erreicht das reale Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten einen
besseren Wert,als viele erwartet haben.

Es dürfte sich für die Mitglied-

staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) insgesamt auf etwa 3 Prozent belaufen.

Die Verlangsamung des

Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten auf eine Rate von etwa
2 Prozent wird durch die starke Wirtschaftsexpansion in Deutschland und
Japan wettgemacht.

Das Wachstum außerhalb der Vereinigten Staaten vollzog

sich etwas rascher als prognostiziert und beläuft sich auf rund 4 Prozent.

Wenn weitere erhebliche Steigerungen der ölpreise vermieden werden,
dürften die OECD-Länder 1980 voraussichtlich ein Wachstum in der Größenordnung von 1 Prozent verzeichnen - nicht gerade viel, aber noch immer
positiv.

Bei Ausklammerung der Vereinigten Staaten dürfte die Rate des

realen Wachstums innerhalb der OECD zwischen 2 und 3 Prozent zu liegen
kommen.

Unter der Voraussetzung der Verfügbarkeit von externen Finanzierungs-

mitteln wird sich das Wirtschaftswachstum in den nicht-erdölexportierenden
Entwicklungsländern voraussichtlich im Bereich von 5 Prozent halten.

Die Inflation bleibt ein sehr ernstes Problem.

Die Lebenshaltungs-

kosten in den hochindustrialisierten Ländern sind, getrieben von den
beträchtlichen Preissteigerungen bei Rohöl, im Halbjahreszeitraum von
März bis September dieses Jahres, stark gestiegen.

Für die Industrie-

staaten insgesamt rechnen wir nunmehr für 1980 mit einem Anstieg der
Lebanshaltungskosten um rund 9 Prozent, das heißt etwas mehr als 1979. Dazu

- 3 -

�Dazu wird es kommen, auch wenn das wirtschaftliche Wachstum geringer
ausfallen wird als 1979. Die inflationistischen Erwartungen haben sich
verfestigt, und Verbraucher und Investoren sind bezüglich der grundlegenden Fähigkeit der Regierungen, die Inflation unter Kontrolle zu
bringen, skeptisch geworden.

Der scharfe Anstieg der Inflationsraten

in fast allen OECD-Ländern hat die vorausgegangenen Fortschritte bei
der Verringerung der Inflation und der Stärkung der Zuversicht der
Verbraucher und der Wirtschaft hinfällig gemacht.
Die öl Preiserhöhungen im ablaufenden Jahr zeitigten erhebliche
Auswirkungen auch auf den internationalen Zahlungsverkehr. Selbst bei
Ausbleiben weiterer Steigerungen des realen Preises für Rohöl im kommenden
Jahr werden die OPEC-Länder voraussichtlich wesentlich höhere Leistungsbilanzüberschüsse erzielen als die rund 60 Milliarden Dollar, mit denen
für 1979 zu rechnen ist - im starken Gegensatz zu der nahezu vollständigen
Ausgeglichenheit im Jahre 1978. Fast sämtliche nicht der OPEC angehörenden
Länder werden 1980 Leistungsbilanzdefizite gewärtigen müssen. Die OPECLänder als Gruppe werden 1979 - nach Überschüssen in Höhe von rund
8 Milliarden Dollar in 1978 - insgesamt Defizite von voraussichtlich
30 Milliarden Dollar zu erwarten haben. Auch die Entwicklungsländer
als Gruppe werden, nach Abzug offizieller Transfers, 1979 Defizite von
zusammen schätzungsweise 30 Milliarden Dollar aufweisen, was einer Verschlechterung um etwa 10 Milliarden Dollar gleichkommen wird. Beide
Gruppen müssen 1980 mit einer weiteren Verschlechterung rechnen.
Eine beträchtliche Verbesserung der Leistungsbilanzen hat jedoch
die OECD als Gruppe im Jahre 1979 zu vermelden. Trotz einer Erhöhung
der Aufwendungen für öl einfuhren um 17 Milliarden Dollar werden die
Vereinigten Staaten eine in etwa ausgeglichene Leistungsbilanz vorlegen
können - nach einem Defizit in Höhe von 14 Milliarden in 1978. Der hohe
Überschuß Japans von 17 Milliarden Dollar im Jahre 1978 ist verschwunden
und wird 1979 einem beträchtlichen Defizit weichen. Deutschlands Leistungs-

�Leistungsbilanz wird 1979 voraussichtlich im Gleichgewicht sein nach
einem Oberschuß in der Größenordnung von 8 Milliarden Dollar im Jahre 1978.
Obgleich sich die Position der OECD 1979 insgesamt beträchtlich verschlechtert
hat, betrifft dies größtenteils Länder, die in den vorausgegangenen Jahren
hohe Überschüsse verzeichnen konnten.

Die verbesserte Lage im Verhältnis

der größeren Industriestaaten untereinander, sollte sich in der vor uns
liegenden Zeit als ein Faktor erweisen, der für mehr Stabilität auf den
Devisenmärkten sorgt.
In ähnlicher Weise dürfte sich die Verschlechterung der Position
der nicht zu den ölförderländern gehörigen Entwicklungsländer als Gruppe
- um 20 bis 25 Milliarden Dollar höhere Defizite in den Jahren 1979
und 1980 - in erster Linie auf einige wenige relativ weit fortgeschrittene
Entwicklungsländer konzentrieren, die größtenteils Zugang zu privatem
Kapital besitzen und sich relativ großer Devisenbestände erfreuen.

Für

die große Mehrheit der Entwicklungsländer - derjenigen unter ihnen, die
sich auf staatliche Finanzierungshilfen stützen - wird die Verschlechterung
der Leistungsbilanzen der zu erwartenden Zunahme der einfließenden
staatlichen Hilfe entsprechen.

Dennoch werden die realen Auswirkungen

der Verschlechterung der Postition der nicht-erdölfördernden Entwicklungsländer ernst sein.
für

Zum großen Teil werden sie für teuereres öl statt

notwendige Kapitaleinfuhren zu bezahlen haben.

Dies belastet ihre

künftigen Wachstums- und Entwicklungsaussichten und wird nicht dazu
beitragen, ihre Fähigkeit zur Leistung von Zinsendienst in der Zukunft
auszuweiten.

Diese Aussichten sind nicht glücklich.

Sie basieren zudem auf einer

Fortsetzung der Erdölförderung in etwa dem derzeitigen Umfang und eine
relative Mäßigung in der Preisgestaltung durch die OPEC-Staaten.
bestehen jedoch größere Unsicherheiten,

Es

Wir wissen nicht, welche Förder-

und Preisentscheidungen die OPEC-Staaten in der kommenden Woche treffen
werden, und wir wissen auch nicht, ob die diesbezüglichen Entscheidungen

- 5 -

�Entscheidungen langfristig gültig sein werden.

Wir wissen aber, daß -

wie immer sie ausfallen werden - unsere künftige wirtschaftliche Sicherheit
zu einem großen Teil davon abhängen wird, ob es den größeren Ländern,
insbesondere den Vereinigten Staaten, gelingen wird, ihre Dl einfuhren
zu beschränken, die Effizienz auf dem Energiesektor zu steigern und
alternative Energien verstärkt zu nutzen.

Es wird in zunehmendem Maße

klar, daß die Entwicklungen auf dem Gebiet der 'Ölversorgung und der ülpreisgestaltung in den kommenden Jahren ein dominierender, wenn nicht gar
der dominierende Faktor für das Wachstum der Weltwirtschaft und den Ernst
der Inflation sein werden.

Wir müssen unsere Abhängigkeit von Rohölzu-

lieferungen aus dem Ausland so rasch wie möglich vermindern.
Die Lage im Iran erinnert uns nachdrücklich an unsere Verletzlichkeit
durch Förder- und Preisentscheidungen der erdölfördernden Staaten.

Vor

einem halben Jahrzehnt noch konnten Eingriffe eines Förderlandes durch
das Einspringen anderer Förderstaaten relativ leicht kompensiert werden.
Heute aber ist das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem
Energiemarkt sehr labil. Plötzliche Veränderungen sowohl auf der Nachfrageais auch auf der Angebotsseite spiegeln sich rasch in scharfen Preisbewegungen wider.

Die Blockierung von Vermögenswerten der iranischen Regierung
In Ihrem Einladungsschreiben wird die Frage der Einfrierung von
Depositen in ausländischen Niederlassungen und Tochtergesellschaften
amerikanischer Banken erhoben. Die Einfrierung erfolgte auf Grund des
Gesetzes über die wirtschaftlichen Befugnisse des Präsidenten im Falle
eines internationalen Notstandes (International Emergency Powers Act),
das den Präsidenten ermächtigt, bei Vorliegen eines nationalen Notstands
den Transfer von Vermögenswerten eines ausländischen Staates wie des

�des Iran zu beschränken oder zu unterbinden - "durch jede Person, ... die
der Jurisdiktion der Vereinigten Staaten untersteht".

Ausländische

Niederlassungen und Tochtergesellschaften amerikanischer Banken gelten
traditionsgemäß als juristische Personen, die der Jurisdiktion der
Vereinigten Staaten unterliegen.
Wie der Ausschuß weiß, wurde in London ein Verfahren in der Absicht
angestrengt, herauszufinden, ob britische Gerichte die Einfrierungsverfügung, insoweit als sie Zweigstellen amerikanischer Banken in Großbritannien
betrifft, zu honorieren bereit sind. Ein ähnliches Verfahren wurde
kürzlich auch gegen eine amerikanische Bank in Frankreich eingeleitet.
Im Lichte dieser Verfahren halte ich es für angebracht, hier zu den
substantiellen Fragen Stellung zu nehmen, um die es in beiden Fällen geht.
In Ihrem Schreiben wird auch die Frage gestellt, ob die amerikanischen
Gesetze über die Blockierung ausländischer Vermögenswerte es den amerikanischen
Banken gestatten, bei ihnen lagernde iranische Vermögenswerte zur Tilgung
von Krediten zu verwenden, die die iranische Regierung von ihnen erhalten
hat. Abschnitt 535.902 der Einfrierungsverfügung gestattet es amerikanischen
Niederlassungen und Tochtergesellschaften im Ausland, Ansprüche an die
Regierung des Iran oder an von dieser kontrollierte Organisationen gegen
Vermögenswerte zu verrechnen, die jene bei ihnen deponiert haben. Die
Rechtswirksamkeit solcher Verrechnungen regelt sich nicht nach der
Einfrierungsverfügung,sondern nach den einschlägigen Gesetzen (wobei es
sich um einzelstaatliche Gesetze oder das Recht des betreffenden Landes
handeln kann). Die Rechtmäßigkeit solcher Verrechnungsoperationen wird
wahrscheinlich auch in den Rechtsstreitigkeiten zur Sprache kommen, von
denen ich gesprochen habe.
Das amerikanische Vorgehen gegen Vermögenswerte der iranischen
Regierung und der von dieser kontrollierten Organisationen erfolgte
im Zusammenhang mit Maßnahmen im Iran, die die persönliche Sicherheit

- 7 -

�Sicherheit von Amerikanern und die Wahrung rechtmäßiger Ansprüche
amerikanischer Bürger und juristischer Personen gegen die Regierung
des Iran ernsthaft gefährden und eine außerordentliche Bedrohung für
die nationale Sicherheit und die Außenpolitik der Vereinigten Staaten
darstellen.

Ohne die Maßnahmen der Regierung der Vereinigten Staaten

wären amerikanische Institutionen angesichts der Feindseligkeit und
der Unwägbarkeit des Verhaltens des derzeitigen iranischen Regimes mit dem
Risiko des Verlustes ihrer Forderungen an den Iran bedroht.

Die Gründe

für das amerikanische Vorgehen werden offensichtlich allgemein verstanden,
und - abgesehen von Hinweisen aus dem Iran selbst - deutet nichts auf
Umschichtungen von Investitionsportefeuilles hin.

Die Erhöhung der

internationalen Spannungen, die sich aus der Situation im Iran ergeben
hat, löste eine gewisse Vorsicht und Nervosität auf den ausländischen
Devisenmärkten aus. Der Dollar tendierte einige Tage lang nach unten,
erfuhr aber dann eine beträchtliche Stärkung.

Wir stehen natürlich

fortwährend in Konsultation mit den zuständigen Stellen anderer wichtiger
Länder, um für den Fall eines verstärkten zusätzlichen Drucks ein kooperatives
Vorgehen sicherzustellen.

Die Überwachungsfunktion des Internationalen Währungsfonds (IWF)
Die Anstrengungen des IWF, eine gesunde Weltwirtschaft zu fördern,
haben sich in der Vergangenheit auf Grund der Ausleihedirektiven des Fonds
nicht direkt auf die Länder konzentriert, die finanzielle Mittel bei
ihm aufnahmen. Die vorgeschlagene Aufstockung der Einlagequoten wird
sicherstellen, daß der IWF auch weiterhin in der Lage sein wird, den
Erfordernissen der Defizitländer Rechnung zu tragen. Die neuen Satzungen
gewähren dem Fonds erweiterte Befugnisse und übertragen ihm auch die
Aufgabe der Überwachung der Wechsel kurspolitik aller Mitgliedstaaten
und des Anpassungsprozesses der Zahlungsbilanzen. Die überwachungsbe-

�Überwachungsbestimmungen geben dem IWF die Möglichkeit an die Hand,
nicht nur Ländern mit defizitärer Zahlungsbilanz sondern auch solchen mit
Zahlungsbilanzüberschüssen Ratschläge hinsichtlich der internationalen
Auswirkungen der von ihnen verfolgten Politik und auch bezüglich der Haltung
zu erteilen, die sie einnehmen sollten, um Zahlungsungleichgewichte zu
beseitigen.

In den eineinhalb Jahren, die seit Inkrafttreten der Satzungsänderungen
verstrichen sind, hat der Internationale Währungsfonds Fortschritte hinsichtlich der Wahrnehmung seiner neuen Überwachungsfunktionen erzielt,
Grundregeln für die Durchführung der Wechselkurspolitik der Mitgliedstaaten aufgestellt und Verfahren und Kriterien für die Bewertung dieser
Politik entwickelt.

Richtlinien und Praxis des Währungsfonds spiegeln

die Neuorientierung der Wechselkursbestimmungen wider, derzufolge die
Wechselkursstabilität nur durch die Ausrichtung der Wirtschafts- und
Finanzpolitik der Länder auf die Förderung eines ordnungsgemäßen wirtschaftlichen Wachstums bei vernünftiger Preisstabilität zu gewährleisten
ist.

Infolge

gehen die Untersuchungen des Fonds über eng definierte

Wechsel kurspolitiken hinaus, um weite Bereiche der Wirtschaftspolitik
einzuschließen, die den Ausgleich der Zahlungsbilanzen berühren.

Der Internationale Währungsfonds hat begonnen, die neuen Überwachungsbefugnisse klug und besonnen wahrzunehmen.

Konsultationen gemäß den

einschlägigen Bestimmungen der IWF-Satzungen wurden mit 137 Ländern
geführt - unter Einschluß besonderer Konsultationen mit den Vereinigten
Staaten gemäß dem Programm vom 1. November 1978.

In diesen Konsultationen

wurden insofern nützliche Grundlagen geschaffen, als sie dem Fonds und
seinen Mitgliedern die Möglichkeit geboten haben, Erfahrungen mit den
neuen Vorschriften zu sammeln.

Auf diese Weise kamen Fallstudien zustande,

die für die weitere Entwicklung des Überwachungsverfahrens richtungweisend
sein könnten.
Auf

- 9 -

�Auf den jüngsten Erfahrungen aufbauend, halten wir die Zeit für den
IWF für gekommen, energische Maßnahmen zur Stärkung seiner Überwachungsfunktionen zu ergreifen.

Auf der Jahrestagung des Weltwährungsfonds in

Belgrad schlugen die Vereinigten Staaten die Beratung mehrerer Schritte
vor, die geeignet scheinen, den Überwachungsprozeß zu stärken.

Diese

schließen Verfahren zur Beurteilung des Vorgehens der einzelnen Länder
und dessen Übereinstimmung mit den vereinbarten umfassenden Normen ein;
sie machen es den Ländern mit großen Zahlungsbilanzungleichgewichten Überschüssen oder Defiziten - zur Auflage, zum Zwecke der Überprüfung durch
den IWF Analysen der von ihnen beabsichtigten Maßnahmen zur Beseitigung
dieser Ungleichgewichte zu erstellen;

sie sehan für den geschäftsfUhrenden

Direktor des IWF eine aktivere Rolle in bezug auf die Einleitung von
Konsultationen mit den Mitgliedstaaten vor;

und sie zielen auf die

Schaffung eines entscheidungsbefugten Gouverneursrates als Ersatz für
den interimistischen Beratungsausschuß ab.

Wenngleich diese Vorschläge

weitgehend verfahrenstechnischer Art sind, dürften sie doch eine wichtige
Rolle in dem Bemühen des Fonds spielen, die Mitgliedstaaten stärker als
bisher dazu zu ermutigen, eine gesunde und international verantwortliche
Politik zu betreiben und ein gesundes Währungssystem sicherzustellen.

Internationale Liquidität
Herr Vorsitzender, Sie haben mich um einen Kommentar zu einer Reihe
von Fragen bezüglich der internationalen Liquidität gebeten - zu den
Euromärkten, zur Diversifizierung der Währungsreserven, zum Substitutionskonto zu den Sonderziehungsrechten (SDRs), zum Gold und zum Europäischen
Währungssystems (EWS). In Ergänzung der Bemühungen um die Stärkung
des Überwachungsverfahrens zum Zwecke der Verbesserung des Funktionierens
des Anpassungsprozesses kam es auch zu einer Wiederbelebung des Interesses
an einer Stärkung des Einflusses der Regierungen auf die internationale

- 10 -

�internationale Liquidität und die Währungsreserven.
konzentriert sich auf zwei Hauptgebiete:

Dieses Interesse

die Euromärkte und die Rolle

der SDRs im internationalen Währungssystem.
Der Bedarf der Welt an Finanzierungsmitteln wird in den vor uns
liegenden Jahren groß sein, und das international Bankensystem wird auch
künftig eine große Rolle bei der Deckung des Finarzbedarfs zu spielen
haben. Ein Großteil der Ausleihetätigkeit der internationalen Banken
wird auch weiterhin in europäischen Währungen denominiert sein - finanziert
aus umfassenden Eurowährungsdepositen, die mehrere Banken durchlaufen,
ehe sie an die Bank gelangen, die sie an den Endverbraucher ausleiht.
Die Ausleihungen erfolgen häufiger über diese Märkte a"&lt;s über nationale
Märkte, weil hier infolge des Wettbewerbs bessere Konditionen geboten
werden als auf rein nationalen Märkten. Die Währungsbehö&gt;den der einzelnen
Länder üben nur eine geringe Kontrolle über die Euromärkte aus, was
Anlaß zu einer Reihe unterschiedlicher Besorgnisse gibt.
Auf Seiten der Vereinigten Staaten besteht die Hauptsorge darin,
daß diese Märkte die Aufgabe des Bundeszentralbankensystems komplizieren,
die Geldmengen- und Kreditzunahme in den Vereinigten Staaten zu regulieren.
Die Zentralbanken der führenden Länder prüfen gegenwärtig, ob Maßnahmen
zur Kontrolle des Wachstums dieser Märkte erforderlich sind und welche
Maßnahmen ergriffen werden können, falls sich dies als notwendig erweist.
Besondere Beachtung verdient hierbei die Möglichkeit, Auflagen bezüglich
des Unterhalts von Reserven auf Eurowährungsdepositen zu erteilen. Diese
Prüfung ist noch nicht abgeschlossen. Der Bundeszentral bankrat beteiligt
sich aktiv an diesen Bemühungen, die unsere volle Unterstützung genießen.
Gleichzeitig beobachten wir eine Wiederbelegung des Interesses an
der Erweiterung der Rolle der Sonderziehungsrechte innerhalb des internationalen Währungssystems. Die Entwicklung zu größerer Wirtschaft1icher
Interdependenz unter den Ländern war begleitet von der Entwicklung eines

- 11 -

�eines größeren Gleichgewichts hinsichtlich des Ausmaßes ihrer Volkswirtschaften und deren Fähigkeit, eine größere Rolle im Bereich der
internationalen Finanzen zu spielen.

Eine größere Rolle anderer Länder

und Märkte in der Bereitstellung internationaler Kreditmittel wäre in
vieler Hinsicht nicht nur angemessen,sondern auch wünschenswert.

Gleich-

zeitig herrscht vielerorts die Auffassung, daß der Stabilität des Systems
durch den verstärkten Rückgriff auf eine einzige, international
und verwaltete

geschaffene

Reserveeinheit besser gedient wäre als durch ein umfassendes

multiples Währungssystem.

Niemand kann genau voraussagen, welche Aus-

wirkungen ein Fortschritt in Richtung auf eine einzige Währungseinheit
haben wird.

Der Druck der vergangenen Jahre aber gemahnt uns an die

Probleme, die sich daraus ergeben können, wenn es zu beträchtlichen
Umschichtungen der Währungsreserven kommt - nicht nur was die Devisenmärkte angeht, sondern auch die monetären und wirtschafltichen Verhältnisse
in den betroffenen Staaten.
Angesichts des großen Bedarfs an internationalen Finanzierungsmitteln und des Fehlens praktischer Alternativen haben die Reservebestände in der Form von Devisen ganz beträchtlich zugenommen. Es besteht
kaum ein Grund zu der Annahme, daß sich die Lage verbessern werde,
wenn wir nicht bewußt Schritte unternehmen, die auf einen Wandel hinwirken.
Eine Ausweitung der Rolle der Sonderziehungsrechte, die die Möglichkeit
einer aktiveren und längerfristigen Nutzung der internationalen Liquidität
durch den Internationalen Währungsfonds bietet, wäre eine wichtige Ergänzung der Stärkung des Einflusses des IWF auf die Anpassung der internationalen Zahlungsbilanzen mittels der diesbezüglichen Überwachungsbestimmungen.
Das Ziel, die Sonderziehungsrechte zur Hauptwährungsreserve zu erheben, wurde in einem Zusatz zu den Satzungen des Weltwährungsfonds
niedergelegt, der im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist. Dieser
Zusatz erhob die SDRs zur Zahlungseinheit des IWF an Stelle von Gold

�Gold und leitete die verstärkte Verwendung von SDRs sowohl in Transaktionen mit dem IWF als auch unter seinen Mitgliedstaaten ein.

Seit

Inkrafttreten dieses Zusatzes wurden weitere Schritte unternommen, um
die Rolle der SDRs weiter auszubauen.

Wir sind übereingekommen, die

Zuteilung von Sonderziehungsrechten wieder aufzunehmen; wir haben Maßnahmen
ergriffen, die Zinssätze für SDRs den Marktzinssätzen anzunähern; und
wir haben die Verwendungsmöglichkeiten der SDRs auf vielfältige Weise ausgeweitet.

Als jüngsten Schritt ist der Internationale Währungsfonds

gegenwärtig dabei, die Möglichkeit der Einrichtung eines Substitutionskontos zu prüfen, das Depositen in Dollar und vielleicht auch anderen
Währungen gegen auf SDRs denominierte Forderungen an dieses Konto annehmen
kann.

Der Interimsausschuß gelangte auf seiner letzten Tagung in Belgrad
zu dem Schluß, daß ein dementsprechend gestaltetes Substitutionskonto
zu einer Verbesserung des Systems beitragen und die Rolle der SDRs fördern
könnte.

Er hat gleichzeitig die wesentlichen Charakteristika eines

derartigen Kontos dargelegt.

Der Ausschuß soll auf seiner Tagung im

April des nächsten Jahres einen weiteren Bericht des Verwaltungsrats
des IWF erhalten.

Die Vereinigten Staaten fördern die diesbezügliche

Untersuchung des Fonds und beteiligen sich aktiv an allen einschlägigen
Anstrengungen.

Wir vertreten die Auffassung, daß ein solches Konto,

wenn es dementsprechend gestaltet wird, eine vielfältige Anziehungskraft
auf die Völkergemeinschaft insgesamt ausüben werde.

Die Sonderziehungs-

rechte sind ein vielfach diversifiziertes Finanzierungsinstrument, das
geringere Währungsrisiken birgt,als mit dem Unterhalt größerer Bestände
an irgendwelchen nationalen Währungen verbunden sind.

Das Substitutions-

konto wäre demzufolge ein international sanktioniertes und störungsunanfälliges Instrument für die Länder, die durch es zu einer stärker
differenzierten und stabileren Reserveposition gelangen könnten, ohne
gleichzeitig eine größere Zahl verschiedener internationaler Währungen
verwahren zu müssen.

Die Einrichtung des Substitutionskontos könnte

- 13 -

�könnte zukunftweisend sein als ein konkreter Schritt in Richtung auf
die Benutzung eines durch und durch internationalen Reservemittels der SDRs - und auch als ein Schritt weg von einem unregulierten multiplen
Währungssystem.
Ein Konto einzurichten, das diesen Forderungen genügt und auf der
gleichmäßigen Verteilung etwa entstehender Kosten basiert, ist nicht
leicht.

Es gibt schwierige und komplizierte Fragen in bezug auf den

Ertrag und die Liquidität von SDR-Forderungen an das Konto, die Investierung
der in diesem Konto deponierten Mittel und deren Kapitalwert.

Wir können

nicht sicher sein, wann und ob sich eine befriedigende Lösung für diese
Fragen finden läßt. Wir meinen aber, daß sich die diesbezüglichen
Anstrengungen lohnen,und wir werden im Verlauf der weiteren Erörterungen
der damit einhergehenden Fragen eine aktive und konstruktive Rolle spielen.
Bezüglich anderer damit zusammenhängender Fragen findet sich in
Ihrem Schreiben an mich auch die Frage nach der künftigen Rolle des Goldes
im internationalen Währungssystem und nach den Implikationen des Europäischen
Währungssystems für den Dollar und die SDRs. Gold bleibt ein wichtiger
Teil der Reservemittel vieler Zentralbanken und wird von diesen verfügbar
gehalten für Zeiten eines Bedarfs, der sich aus der Zahlungsbilanz ergibt.
Daran wird sich voraussichtlich auf absehbare Zukunft nichts ändern.
Die wichtigeren Charakteristika der früheren Rolle des Golds innerhalb
des Systems - seine Verwendung als gemeinsamer Nenner und als Zahlungseinheit, seine Konvertierbarkeit und seine zentrale Rolle innerhalb
des Internationalen Währungsfonds - wurden wirksam eliminiert., Es scheint
sehr unwahrscheinlich, daß Gold diese Rolle in Zukunft erneut übernehmen
werde.
Das Europäische Währungssystem ist integraler Bestandteil der
•

europäischen Bemühungen um die wirtschaftliche Einheit und, in einem
größeren Zusammenhang betrachtet, um die stärkere Harmonisierung der
•

- 14 .

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�der Wirtschaftspolitik und der wirtschaftlichen Tätigkeit der europäischen
Länder, und um größere Wechselkursstabilität unter den europäischen
Währungen.

Diese Bemühungen können zu einer größeren Stabilität auch des

Gesamtsystems beitragen, und wir wünschen deshalb der Europäischen
Gemeinschaft jeden Erfolg.

Inwieweit die Tätigkeit eines Europäischen

Währungssystems insbesondere den Dollar und die SDRs berührt, läßt sich
nicht voraussagen.

In diesem frühen Stadium wird das Schwergewicht auf

die Verwendung der europäischen Währungen für Zwecke der Intervention
zugunsten von Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft gelegt, ein
Schritt, der unter gewissen Umständen dazu beitragen könnte, stärkere
Bewegungen auf den Dollarmärkten zu vermeiden, die in keinem Zusammenhang
mit der Entwicklung der außerwirtschaftlichen Position der Vereinigten
Staaten stehen.
Längerfristig sieht die zweite Phase des Aufbaus des Europäischen
Währungssystems die Institutionalisierung des ECU (der europäischen
Zahlungseinheit) als des wichtigsten Instruments für den Zahlungsausgleich innerhalb der Europäischen Gemeinschaft vor. Es ist klar, daß
der ECU die regionalen europäischen Vorkehrungen zu verfestigen vermag;
es erhebt sich aber die Frage, ob die Teilnehmerstaaten am Europäischen
Währungssystem bereit sind, eine umfassendere Rolle des ECU zu dulden
und vielleicht sogar anzustreben. Viele europäische Staaten sind sogar
darauf aus, ihre eigenen Währungen vor einer Rolle als Reservewährung
zu bewahren. Der ECU mag eine Alternative darstellen, die geeignet ist,
den Europäern eine größere Rolle bei der Befriedigung des weltweiten
Kreditbedarfs zu verschaffen, ohne gleichzeitig das Reservesystem insgesamt
in Richtung auf einen noch stärkeren Rückgriff auf nationale Währungen
zu verändern. Obwohl eine derartige Entwicklung einen Schritt nach vorne
darstellen könnte, wäre sie im Gegensatz zu den SDRs natürlich keine
zufriedenstellende Lösung für das wichtigste Problem - das der Schaffung
einer einzigen internationalen Reserveeinheit, die den Entscheidungen
der Völkergemeinschaft als Ganzes unterliegt.
Herr
- 15 -

�Herr Vorsitzender, die Welt ist mit schwierigen wirtschaftlichen
Problemen, größerer Unsicherheit und potentiellen finanziellen Belastungen
konfrontiert.

Wir müssen sicherstellen, daß unser internationales System

den Anforderungen zu genügen vermag, die an es gestellt werden.

Die

vorgeschlagene Aufstockung der IWF-Quoten ist ein wichtiger und vordinglicher
Teil jener Bemühungen.

Die Überwachung des Systems und des Prozesses

des Zahlungsbilanzausgleichs und unsere Mitarbeit im IWF und in anderen
Körperschaften ti der Absicht, die internationale Liquidität und das Reservesystem zu verbessern, sind wichtige langfristige Bemühungen um die
Gewährleistung der Währungsstabilität.
setzt werden.

Diese Bemühungen müssen fortge-

Die entscheidende Lektion aber - die Lektion, die wir zur

Kenntnis nehmen und dergemäß wir handel müssen - ist die vorrangige
Notwendigkeit, unsere Abhängigkeit von den öl einfuhren zu vermindern.
Diese Abhängigkeit ist die Hauptquelle für die weltwirtschaftlichen
Probleme von heute.

Unsere Bemühungen im monetären Bereich können mit

dazu beitragen, die Auswirkungen dieser Probleme zu lindern.
kann sie nicht heilen, das können nur wir.

+ + + + +

- 16 -

Das "System"

�19. Dezember 1979

48

EIN WAHLJAHR STEHT BEVOR
Primaries, Caucuses, Straw Polls: Was bedeutet das alles?

WASHINGTON - (AD) - In den Vereinigten Staaten steht - wie in der Bundesrepublik Deutschland - 1980 ein bedeutsames Wahljahr bevor. Die Delegierten
der Nationalkonvents (der "National Convention") der Republikanischen und der
Demokratischen Partei - jene Männer und Frauen, die die Kandidaten für die
nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahlen bestimmen - werden ihrerseits
in einer komplizierten Mischung aus Vorwahlen ("Primaries"), einzelstaatlichen
Parteikongressen ("States Convention"), Delegiertentagungen ("Committee Meetings")
und informellen Absprachen lokaler Parteiführer ("Caucuses") gewählt.
Jeder der 50 Einzel Staaten hat das Recht, über seine eigene Methode zur
Bestimmung der Delegierten zum Nationalkongreß zu entscheiden - und die populärste ist die der Präsidentschafts-Vorwahlen ("State Presidential Primary").
Im Laufe des Jahres 1980 wird die Mehrzahl der Union - 35 Staaten sowie der
District of Columbia und das Commonwealth von Puerto Rico - solche "Primaries"
abhalten. Eine eigene Vorwahl wurde auch für die Demokraten vorgesehen, die
im Ausland leben.

.,
Aber

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�Aber sogar innerhalb dieses Systems gibt es keine Übereinstimmung.
Es gibt immerhin vier Arten von "Primaries":
- "Delegate Selection" - Delegiertenwahl;
- "Advisory President!*al Preference Primary": Vorwahl mit Empfehlung;
- "Binding, Winner-take-all Primary": bindende Wahl, der Mehrheitskandidat
erhält alle Stimmen; und
- "Proportional Representation Primary": Vorwahl auf der Grundlage der
Verhältniswahl.
Bei der'Delegate Selection Primary", der Delegiertenwahl, wie etwa in
New York, erscheinen die Namen der Präsidentschaftskandidaten nicht auf den
Stimmzetteln.
geführt.

Nur die Kandidaten, die sich als Delegierte bewerben, sind auf-

Sie können auf dem Stimmzettel zeigen, welchem Präsidentschaftskan-

didaten sie den Vorzug geben, sie brauchen es aber nicht.
Bei der "Advisory Presidential Preference Primary", der Vorwahl mit Empfehlung, wie in New Hampshire und Pennsylvania, geben die Wähler ihre Stimme
für beide ab: für die Präsidentschaftskandidaten und für die Kandidaten, die
sich als Delegierte zum Parteikonvent bewerben - wobei die letzteren wiederum
entweder einen bestimmten Präsidentschaftskandidaten vorziehen können oder in
dieser Hinsicht ungebunden bleiben.
Bei der "Binding, Winner-take-all Presidential Preference Primary", der
bindenden Präsidentschaftsvorwahl, bei der der Mehrheitskandidat alle Stimmen
bekommt - wie etwa bei den Republikanern in Kalifornien und Florida -, legen
die Ergebnisse der Abstimmung die Delegierten des Wahlbezirks auf den Gewinner
in jedem Kongreßwahlkreis und im Rahmen des Bundesstaates auf den diesbezüglichen Mehrheitskandidaten fest.
Bei der "Proportional Representation Preference Primary", der Verhältniswahl
-

wie

bei

den Demokraten in Kalifornien und den Demokraten und Republikanern

in Massachusetts -,werden die Ergebnisse der Präsidentschaftsvorwahl dazu benutzt, Delegierte für die Präsidentschaftskandidaten auf der Grundlage des
- 2 -

�des Anteils an Stimmen zuzuteilen.
Der Zeitraum, für den die Delegierten auf dem Nationalkonvent durch die
Prä'sidentschaftsvorwahlen gebunden sind, ist von Bundesstaat zu Bundesstaat
unterschiedlich: entweder nur während der ersten beiden Abstimmungen oder aber
bis zu dem Zeitpunkt, da ihr Kandidat nicht mehr auf ihre Loyalität besteht
und sie aus ihrer Pflicht entläßt.
Traditionell war die Vorwahl in New Hampshire, die am 26. Februar abgehalten wird, die erste im Land. Diesmal geht die "Ehre" über an die Republikanische Partei des Commonwealth von Puerto Rico, die ihre erste Vorwahl auf
den 17. Februar festgelegt hat - einen Monat früher als die Vorwahl der Demokratischen Partei in Puerto Rico. Zu den Staaten, die im Jahr 1980 zum erstenmal eine Vorwahl abhalten, gehören auch Connecticut, Kansas, Louisiana, New
Mexico und South Carolina.
Das politische Geschäft bleibt - durch die Vorwahlen und die Parteikonvente der Bundesstaaten - bis unmittelbar zum Zeitpunkt der beiden nationalen
Nominierungskonvente von rühriger Intensität.

Die Stadt Detroit in Michigan

wird Treffpunkt für die 1993 Delegierten des Republikanischen Konvents vom
14. bis zum 18. Juli 1980 sein, während sich die demokratischen Delegierten
vom 11. bis zum 14. August in New York zu ihrem Konvent versammeln.
Der starke Anstieg der einzelstaatlichen Vorwahlen - 1968 waren es erst
14 - mindert deutlich die Möglichkeiten für Kompromißkandidaten oder für Absprachen, die von irgendwelchen Politikern im Hinterzimmer ausgehandelt werden
könnten.
Einer der Altmeister im Geschäft der amerikanischen Wahlanalysen, Richard
Scammon, sieht diese Entwicklung als notwendig an, da eine Vorwahl "zehnmal
repräsentativer ist als eine Absprache (caucus)."
In

- 3 -

�In einem Interview bemerkte Scammon:
nislauf:

"Das ist ein vorzüglicher Hinder-

Wenn jemand es nicht schafft, durch diese Vorwahlen durchzukommen,

ist er wahrscheinlich auch nicht der richtige Mann, um die Arbeit im Weißen
Haus in den Griff zu bekommen.

Und ich würde das lieber vorher wissen."

Auf der anderen Seite ist Newton Minow, ein Kenner der politischen Praxis
und ehemaliger Chef der amerikanischen Bundeskommission für Kommunikation, der
Meinung, daß diejenigen, die sich zu den Vorwahlen stellen, nicht für das amerikanische Volk repräsentativ seien:

"Wir entscheiden uns für eine kleine

Handvoll Parteiaktivisten, meistens Leute mit engen Sonderinteressen."
Da den Primaries landesweit viel Platz in den Medien eingeräumt wird, hat
ein Kandidat, der in den ersten Wahlen gut abschneidet, eine ausgezeichnete Gelegenheit, seiner Sache einen Auftrieb zu geben, dem nur noch schwer Einhalt
geboten werden kann.

Dies traf auf die Wahl des Jahres 1976 zu, als der bis

dahin unbekannte Jimmy Carter all seine demokratischen Gegenspieler praktisch
schon weit vor dem nationalen Nominierungskonvent ausgeschaltet hatte.
In den wenigen Staaten, die auch jetzt noch keine Vorwahlen abhalten,
werden die Delegierten durch den Parteiapparat ausgewählt - entweder auf Konventen oder bei Treffen der Bundesstaatskomitees.
Bei einem örtlichen Partei-"Caucus" - einer informellen Absprache von
Parteiführern - werden Delegierte ausgewählt, um zu Kreis- und von dort zu
Bezirks- oder Bundesstaatskonventen zu gehen, auf denen die Delegierten für
die National konvente gewählt werden. In anderen Bundesstaaten wiederum werden
die Delegierten durch zentrale Komitees des Bundesstaates gewählt.
Im Lauf der siebziger Jahre erklärten die Demokraten die nicht-öffentliche
Absprache für ungesetzlich und beseitigten die Art der Vorwahlen, bei denen
der Mehrheitskandidat alle Stimmen erhält, zugunsten der Verhältniswahl und
unternahmen Schritte zur Steigerung der Beteiligung von Frauen und der Minderheiten in den Parteigremien.
John

�John White, der Vorsitzende des Nationalausschusses der Demokratischen
Partei, nannte diesen Schritt "eine energische Anstrengung zur Ausweitung
des Prozesses der Delegiertenauswahl, um meh^ Bürgern die Teilnahme zu ermöglichen und ihrer Stimme bei der Auswahl der Präsidentschaftskandidaten der
Partei echtes Gewicht zu verleihen."

Kandidaten beider politischer Parteien bedienen sich jetzt häufiger des
sogenannten "Straw Vote" ("Strohwahl") - einer unverbindlichen Wahl auf Parteiversammlungen oder auf Veranstaltungen zum Wohle der Wahlkasse,bei denen
diejenigen, die Eintrittskarten gekauft haben, ihre Stimme abgeben können.

Der frühere diplomatische Vertreter in China, George Bush, wurde zunächst
als aussichtsreicher republikanischer Präsidentschaftskandidat angesehen, als
er im November eine der wichtigsten Wahlen dieser Art vor dem Senator von
Tennessee, Howard Baker, gewann.

Zwei Wochen später überraschte er seine

Gegner, als er bei einer solchen Strohwahl des Staatskonvents der Republikaner
in Florida nur knapp dritter von elf Kandidaten wurde.

Die Wähler der Demokratischen Partei in Florida nahmen an einer verwirrenden Anzahl von Absprachen teil, auf denen es für oder gegen Präsident
Carter und den Senator von Massachusetts, Edward Kennedy, ging - zu einer Zeit,
als noch keiner von beiden offiziell seine Kandidatur angemeldet hatte.

Diese

Abstimmungsergebnisse hatten zwar keinerlei bindende Verpflichtung der Delegierten zum Nationalkonvent zur Folge, hatten jedoch durch den Einfluß der
Medien auch für die übrigen Vereinigten Staaten eine bestimmte Bedeutung.
Durch ihre gute Organisation gewannen die Anhänger Präsident Carters die Absprachen und gewannen danach auch noch die Strohwahl

des Einzel Staats.

Während die Medien dazu tendieren, die Gewinner solcher Strohwahlen zu
Herausforderern hochzustilisieren und Zweifel über die Stärke der Verlierer
lautwerden zu lassen, gibt es auch viel Kritik.
wirklich zeigen, woher der Wind weht?

Kann ein Strohhalm in der Luft

Schließlich wird eine solche Strohwahl

mit ausgewähltem Publikum veranstaltet, gewöhnlich mit den politisch Aktiven.

- 5-

�Aktiven.

Darauf weisen zumindest die Gegner solcher Wahlen hin.

William Brock, der Vorsitzende des Nationalkomitees

der Republikanischen

Partei, bemerkte, es sei sehr schwierig, die relative Bedeutung solcher Strohwahlen abzuschätzen.

"Obwohl Jimmy Carters Erfolg bei der frühen Strohwahl

in Iowa 1976 seine schließliche Nomihierung ankündigte, war sie wahrscheinlich
eher zufällig, als daß sie die Stimmung des Landes tatsächlich anzeigte.

Die

wirkliche Haltung des amerikanischen Volkes wird erst mit seiner Stimmabgabe
bekannt."
Offiziell beginnt die Schlacht um die Delegierten zum Parteikonvent am
21. Januar bei den Bezirksabsprachen im Bundesstaat Iowa.

Bei den Demokraten

erklärten sowohl Carter als auch Kennedy, daß dies der erste echte Test sei,
den beide natürlich gewinnen wollen - sowohl wegen der landesweiten psychologischen Wirkung als auch wegen der Bindung der Delegierten für den Parteikonvent.
Auch für die republikanischen Kandidaten bedeutet diese Absprache in diesem
verhältnismäßig kleinen Staat des Mittleren Westens die erste Station auf dem
Weg zur Nominierung.

- 6 -

�19. Dezember 1979

48

HUNGER NOCH LANGE NICHT BESIEGT
Wachstumsrate der Weltwirtschaft und bessere Strategien
entscheidend für erfolgreiche Bekämpfung

- (AD) - Einen vorläufigen Bericht über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zum Problem des Hungers in der Welt veröffentlichte die von Präsident
Carter eingesetzte Kommission am 10. Dezember 1979 in Washington. Fazit:
Selbst das denkbar schnellste Wirtschaftswachstum in den nächsten 20 Jahren
"wird nicht ausreichen, um bis zum Jahr 2000 dem Hunger ein Ende zu machen".
Die zukünftige Wachstumsrate der Weltwirtschaft sei jedoch, so fand die Kommission, der bestimmende Faktor dafür, ob die Lebensbedingungen von Hunderten von Millionen verbessert werden können oder ob diese Menschen weiterhin
in Not und Elend leben müssen.
Aus Kapitel III des Berichts, "Aussichten auf Überwindung des Hungers in
der Welt: Die Aufgaben der nächsten Zukunft", bringen wir im folgenden einige Auszüge:
"Die Kommission sieht die Ausrottung des Hungers als Doppelaufgabe - Bekämpfung der Ursachen und Behandlung der Symptome.

Das Ziel heißt letzten En-

des, die Armut von Personen und Nationen, welche den Hunger zum Dauerzustand

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�Dauerzustand macht, zu überwinden und eine von Hunger freie Welt aufzubauen.
Nahziel ist, sicherzustellen, daß nicht Millionen von Männern, Frauen und Kindern einfach deshalb Hunger leiden, weil sie arm sind.

Beide Aufgaben müssen

gleichzeitig angepackt werden.
Die Kommission ist überzeugt, daß dauerhafte Lösungen für die Beseitigung
des Hungers in der Welt nur aus schnellem, gerechtem und eigenständigem Wirtschaftswachstum kommen können.

Die Industrieländer können bis zu einem gewis-

sen Grade dazu beitragen, indem sie Entwicklungshilfe in verschiedener Form
bereitstellen.

Jedoch kann gerecht verteiltes Wirtschaftswachstum nicht aus-

schließlich durch Entwicklungshilfe erreicht werden, wie großzügig und wirksam
diese auch sein mag.

Denn Hunger und Armut sind in politischen und wirtschaft-

lichen Beziehungen unter und innerhalb den Nationen zutiefst verwurzelt.

Es

sind grundlegende Änderungen in der Handhabung von Bodenbesitz, Nahrungsmittel erzeugung, Handel und Finanzwesen notwendig, damit die Entwicklungsländer den
Teufelskreis von Hunger, Armut, stagnierender Agrarproduktivität, Arbeitslosigkeit, hohen Geburtenraten und Krankheit durchbrechen können.
Die strukturellen Änderungen in den einzelnen Ländern und in der internationalen Ordnung, die zur Überwindung der Armut notwendig sind und in Zukunft
Hunger verhindern, werden nicht über Nacht kommen.

Deshalb müssen zwischen-

zeitlich Maßnahmen ergriffen werden, um den Hunger bei jenen zu lindern, die
noch immer arm und in bezug auf die Nahrungsmittel Versorgung anfällig bleiben...
Langfristige Anstrengungen zum Aufbau einer Welt ohne Hunger und. Sofortmaßnahmen zur Verringerung der Hungersnot bei jenen, die in Armut leben, sind
von gleichgroßer Bedeutung und vermögen einander zu stärken. Insbesondere
müssen Ernährung und Gesundheit der heute in der Welt lebenden Kinder durch
kurzfristig angesetzte und sorgfältig gezielt Maßnahmen gewährleistet werden,
wenn langfristige Entwicklungsprogramme Bedingungen schaffen sollen, die dauerhaftes, eigenständiges und gerechtes wirtschaftliches Wachstum ermöglichen.
Die Beurteilung der Zukunftsaussichten für eine Überwindung des Hungers
in der Welt brachte die Kommission zu der für ihre Arbeit besonders bedeutsamen
- 2 -

�bedeutsamen Schlußfolgerung: Das Ergebnis des Feldzuges gegen den Hunger bis
zum Jahr 2000 und danach wird nicht in erster Linie durch Kräfte außerhalb
der menschlichen Einflußsphäre bestimmt, sondern durch Entscheidungen und Handlungen von Nationen, die einzeln oder gemeinsam aktiv werden.

Aufbau einer Welt ohne Hunger:

Bekämpfung der Ursachen

Nachdem die Kommission feststellte, daß Armut die Hauptursache des Hungers ist, untersuchte sie die Frage, welche Veränderungen notwendig sind, um
unter verschiedenartigen Verhältnissen und Voraussetzungen Armut zu eliminieren.
Da immer deutlicher wird, daß zwischen den handelnden Personen und den Problemen
ein enges Bezugssystem besteht, haben wir erkannt, daß heute mehr denn je die
wirtschaftlichen Aussichten armer Nationen und in Armut lebender Menschen aufs
engste mit der Entwicklung der Weltwirtschaft verkettet sind.

Abwechselnde Perioden starken und geringen Wachstums in den nächsten Jahrzehnten, die in einer Untersuchung von 1979 der Weltbank prophezeit werden,
zeigen ja, wie empfindlich die Volkswirtschaften der Länder der Dritten Welt
auf weltweite Wirtschaftstrends reagieren...
spiele nur grobe Prognosen zu.

Zwar lassen solche Sandkasten-

Dennoch führen sie zu wichtigen Schlußfolgerun-

gen für die Arbeit der Kommission:

1) Die Wachstumsrate der Weltwirtschaft in den nächsten 20 Jahren wird
wesentlich darüber bestimmen, ob es für Millionen von Menschen eine Möglichkeit
zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen gibt oder ob das Elend für sie fortdauert.

2) Ebenso steht fest, daß selbst bei höchster weltweiter Wachstumsrate,
die erwartet werden kann, im Jahr 2000 sehr viele Menschen nach wie vor in absoluter Armut leben müssen.

Da anzunehmen ist, daß außerdem alle oder fast

alle dieser Ärmsten der Armen hungern,...

reicht selbst das raschestmögliche

Wirtschaftswachstum nicht aus, um bis zum Jahr 2000 dem Hunger ein Ende zu
machen.

...
- 3 -

�Wie groß das Wirtschaftswachstum auf nationaler oder weltweiter Ebene
auch sein mag - die Erfahrung hat uns jedenfalls gelehrt, daß die dabei begangenen Wege und insbesondere der Kreis derjenigen, die davon profitieren, bestimmen, in welchem Umfang die Armut durch dieses Wachstum verringert wird.
Wo es Regierungen an einem starken Engagement für mehr Gerechtigkeit haben
fehlen lassen, gab es parallel zu einem ständig steigenden Bruttosozialprodukt
von Entwicklungsländern in weiten Kreisen der Bevölkerung verzweifelte Armut.
Umgekehrt kann in jedem Stadium wirtschaftlicher Entwicklung durch gewissenhafte und gezielte Bemühungen um eine Gewährleistung der vollen Teilhabe der
Armen an den Vorteilen des neuen Wachstums die Armut bis zu einem gewissen
Grade gemildert werden.
Die an anderer Stelle erwähnten Einkommensprognosen der Weltbank basierten
auf der Annahme, daß entsprechend den bisherigen Tendenzen etwa 75 Prozent der
Steigerung des gesamten Nationaleinkommens den wohlhabendsten 40 Prozent der
Gesellschaft zufließen.

Des weiteren besagt die Analyse der Weltbank, daß

auch dann, wenn Regierungen einzelner Länder den elementaren Bedürfnissen gerecht werden wollen und es ihnen gelänge, die genannte Zahl auf 60 Prozent
der Steigerungsrate zu drücken, und wenn außerdem der Trend raschen Wachstums
anhielte, der Kreis der Ärmsten der Armen bis zum Jahr 2000 doch nur auf 300
bis 350 Millionen Menschen verringert würde.

Und selbst dieses bescheidene

Ziel dürfte schwerlich zu erreichen sein...
Da die bisherige Minimal-Strategie und die vorgenommenen fiskalischen
Reformen so oft versagt haben, um die gesteckten Ziele zu erreichen, versucht
man jetzt, andere Maßnahmen im Kampf gegen Armut und Unter- bzw. Mangelernährung einzusetzen... Sie sollen Wirtschaftswachstum durch Steigerung des ProKopf-Einkommens und insbesondere durch die Verbesserung der Lebensqualität bei
den Armen erzielen. In den meisten Entwicklungsländern macht es dieser "Weg
zur Befriedigung der elementaren menschlichen Bedürfnisse" erforderlich, den
Armen auf dem Lande besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Denn der Agrarsektor
wird in zunehmendem Maße als eine kritische Quelle für die Erzielung der Einkommen, der Arbeitsmöglichkeiten und der Nahrungsmittel Produktion erkannt, welche für eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung notwendig sind. Gleich-

�Gleichzeitig aber stellt er in den meisten Entwicklungsländern jenen Sektor
dar, wo absolute Armut in erster Linie angesiedelt ist.

Es ist zweifellos sehr viel einfacher, eine gerechtere Verteilung neuen
Wachstums zu fördern, als bestehende Einkommen und Werte umzuverteilen.

Jedoch

hat sich immer wieder gezeigt, welchen entscheidenden Einfluß die das Nationaleinkommen produzierenden Werte auf die Natur des künftigen Wirtschaftswachstums
ausüben.

Tatsächlich demonstrieren jene Länder, die schon in einem frühen

Stadium ihrer Entwicklungsanstrengungen eine gerechte Werteverteilung aktiv
förderten, daß Verteilungsmaßnahmen zumindest ebenso wichtig wie Wirtschaftswachstum für die Verminderung der Armut sein können und daß sie außerdem viel
schneller wirksam werden...

Von den gegenwärtig 4,2 Milliarden Menschen auf dieser Erde leben 3 Milliarden in den Entwicklungsländern.

Die Weltbevölkerung wächst jährlich um

70 bis 80 Millionen, wobei 86 Prozent der Zuwachsrate auf die Entwicklungsländer entfallen.

Diese Zahlen bedeuten, daß bis zum Jahr 2000 die Weltbevölke-

rung auf mindestens 6 Milliarden anwächst und fast acht von zehn Menschen in
einem Entwicklungsland leben.

Können alle diese Menschen ernährt werden?

Nach Prüfung der besten ver-

fügbaren Tendenzprognosen für Nahrungsmittelangebot, Nahrungsmittel bedarf und
Erfordernisse der Ernährung bis zum Jahr 2000 kam die Kommission zu der Überzeugung, daß die Welt genügend Nahrungsmittel für die Ernährung dieser Bevölkerungsmassen produzieren kann, wenn sie bereit ist, die Kosten zu tragen...
Was Art, Ausmaß und Ursachen des Hungers in der Welt bis Ende dieses Jahrhunderts angeht, so kam die Kommission bei ihrer Beurteilung zu folgenden Ergebnissen:

- Es gibt keinen durch äußere oder: naturbedingte Umstände gegebenen Grund,
alle Menschen - Männer, Frauen und Kinder -

nicht

ausreichend zu ernähren.

Bei sorgfältig geplantem Einsatz der vorhandenen natürlichen Hilfsquellen der

- 5 -

�der Welt sollte es möglich sein, das Weltgleichgewicht zwischen Bevölkerung
und Nahrungsangebot zu erhalten.
- Das heute schon so schmerzliche Hungerproblem wird sich in einer Welt
wachsender Interdependenz erheblich verschlimmern - wobei es noch weniger Möglichkeiten für einfache Korrekturen gibt, mehr Menschen mit Nahrung zu versorgen sind und wirtschaftliche wie politische Unsicherheiten anwachsen,-,
solange nicht bei vielen führenden Politikern an die Stelle der Gleichgültigkeit Interesse und Engagement treten.
- Die Aussicht auf eine Beseitigung des Hungers wird in hohem Maße von
der Erreichung eines größeren Wirtschaftswachstums und gesteigerter Nahrungsmittelproduktion in den Entwicklungsländern abhängen...

Solange jedoch die

Programme nicht darauf abgestellt werden, arme und unterernährte Menschen in
die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen, sind in absehbarer Zukunft weder
Hunger noch Armut zu überwinden.
- Letztlich ist das Problem der Beendigung des Hungers in der Welt eine
Frage politischer Entscheidungen - ein Faktor also, der nicht besser vorhersagbar ist als das Wetter, aber weit stärker der Beeinflussung durch den Menschen unterliegt. Die für die Ausrottung des Hungers erforderlichen Mengen
an Nahrungsmitteln und Kapital sind bemerkenswert gering im Verhältnis zu den
vorhandenen globalen Ressourcen. Auch die menschliche Findigkeit ist in allen
Nationen der Welt außerordentlich groß, wobei aber diese Eigenschaft nur zu
oft für andere und häufig auch diesem Ziel zuwiderlaufende Aufgaben eingesetzt
wird..."

- 6 -

�Teil einer gemeinsamen Anstrengung mit unseren Verbündeten zu verbessern;

- drittens, um unsere Seestreitkräfte zu modernisieren, so daß sie auch
weiterhin die besten auf der Welt bleiben;

- viertens, um die Eingreifkapazität zu stärken, um unseren Verpflichtungen außerhalb der NATO nachzukommen; und

- fünftens, um eine wirkungsvolle Streitmacht von bestausgebildeten Soldaten aufrechtzuerhalten.

Wir müssen diese Verpflichtungen übernehmen, um den Frieden und die Sicherheit in den achtziger Jahren zu gewährleisten.

Um sicherzustellen, daß wir da-

mit energisch vorankommen, werde ich für das Haushaltsjahr 1981 ein Budget
vorlegen, dessen bereitgestellte Mittel über 157 Milliarden Dollar betragen,
ein Real Zuwachs von über fünf Prozent gegenüber meiner Anforderung im Haushaltsjahr 1980. Wie in den Jahren 1979 und 1980 werden die geforderten Ausgaben für die Verteidigung im Haushaltsjahr 1971 um real mehr als drei Prozent
gegenüber dem Vorjahr anwachsen.

Wir werden diese Anstrengung durchhalten.

Mein Fünfjahres-Verteidigungs-

programm sieht Steigerungen der Realausgaben vor, die im Durchschnitt mehr als
4,5 Prozent pro Jahre betragen.

Ich habe die Absicht, dieses Programm durchzuführen.

Bei sorgfältigem

und tüchtigem Management sollten wir in der Lage sein, dies im Rahmen der Haushaltserhöhungen zu erreichen, die ich vorgeschlagen habe.

Sollte die Inflation

die erwarteten Raten überschreiten, habe ich die Absicht, den Verteidigungshaushalt soweit notwendig anzupassen - genauso wie das für 1980 getan wurde.

Ein großer Teil dieses Programms wird fünf Jahre oder länger brauchen,
um zur Vollendung zu gelangen.

Die Ungleichgewichte, die es beheben wird,

sind durch über ein Jahrzehnt der Disparität hervorgerufen worden und können

- 9 -

�können nicht über Nacht ausgeglichen werden.
dieses Programm bis zum Ende durchzuhalten.

Daher müssen wir willens sein,
Um dies zu gewährleisten, lege

ich eine Wachstumsrate für die Verteidigungsausgaben fest, die auf den gesamten Zeitraum gesehen erträglich ist. Am kostspieligsten und selbstzerstörerischsten wäre es, mit diesem notwendigen Programm zu beginnen, und es nach
einem oder zwei Jahrenzu ändern oder zu reduzieren, wenn eine solche Maßnahme
dann politisch attraktiv erschiene.

Das Verteidigungsprogramm, das ich für

die nächsten fünf Jahre vorschlage, wird einige Opfer fordern - aber Opfer,
die wir uns leisten können.

Es wird den Prozentsatz, den wir von unserem

Bruttosozialprodukt für Verteidigung ausgeben, überhaupt nicht erhöhen,und
dieser wird weiterhin etwa fünf Prozent betragen.
Wir brauchen eine weitsichtige, ausgewogene Einstellung zur Verteilung
der Mittel für die Bundesausgaben. Wir werden auch weiterhin solch wesentliche Ansprüche wie Arbeitsplätze, Wohnungsbau, Erziehung und Gesundheit befriedigen, aber wir müssen erkennen, daß eine Vorbedingung für den Genuß solchen Fortschritts die Sicherung des Friedens für unser Land ist. Wenn ich
also um die Unterstützung des Kongresses für unsere Verteidigungsanstrengungen
bitte, dann bitte ich um konsequente Unterstützung, um standhafte Unterstützung - nicht nur für 1980 und 1981, sondern bis zu dem Zeitpunkt, da diese
Verpflichtungen erfüllt sind.
Kontinuierlich aufrechterhaltene amerikanische Stärke ist die einzig
mögliche Grundlage für eine weiterreichende, wirklich auf Gegenseitigkeit
beruhende Entspannung, die wir mit der Sowjetunion suchen. Nur durch Stärke
können wir die weltweiten politischen Bedingungen schaffen, unter denen der
weltweite wirtschaftliche und politische Fortschritt und die Kontrolle konventioneller und nuklearer Waffen gedeihen können.
Als das stärkste und fortschrittlichste Land der Welt haben wir eine besondere Verpflichtung, Sicherheit sowohl auf dem Weg der Rüstungskontrolle als
auf dem der militärischen Stärke zu suchen.

Daher begrüße ich die Senatsde-

batte über die Bedeutung des SALT II-Vertrags.
- 10 -

Sie wird uns in. die Lage ver-

�versetzen, ein klareres Verständnis dafür zu erlangen, daß diese Anstrengungen in Rüstungskontrolle und Verteidigung von lebenswichtiger Bedeutung für
unsere Sicherheit sind.

Es gibt mehrere Gründe, weshalb SALT II die militärischen Aspekte unserer nationalen Sicherheit stärkt.

Erstens können wir mit SALT II besser eine strategische Gleichwertigkeit
bei Kernwaffen aufrechterhalten.

Ohne den Vertrag können die Sowjets die

Schlagkraft ihrer eigenen Streitkräfte erhöhen; jeden Vorteil ausweiten, den
sie vielleicht Anfang der achziger Jahre erzielen könnten; und das, was sie tun,
vor uns verbergen.

Für uns würde bei solchen unkontrollierten sowjetischen

Maßnahmen die Aufrechterhaltung einer Parität mehr Kosten bedeuten - an Zeit,
Geld und Ungewißheit.
Zweitens können wir mit SALT II die Schlagkraft und die Bereitschaft unserer nichtnuklearen Streitkräfte besser aufrechterhalten als ohne.
der Umfang des Verteidigungshaushalts auch sein mag:

Wie groß

Wenn SALT II nicht rati-

fiziert wird, muß ein größerer Anteil davon für strategische Waffen aufgewandt
werden.

Drittens können wir mit SALT II die Einigkeit, Entschlossenheit und Kapazität des NATO-Bündnisses besser stärken als ohne.

Aus diesem Grund haben die

Regierungschefs anderer NATO-Länder auf seine Ratifizierung gedrängt.

Viertens können wir mit SALT II den SALT-Prozeß der Verhandlungen über
weitere Begrenzungen der Kernwaffenarsenale der Welt besser fortsetzen als ohne.
Ohne das Inkrafttreten von SALT II und all seinen Beschränkungen, Regeln und
Definitionen würde ein Übereinkommen im Rahmen von SALT III über weitergehende
Reduzierungen bestenfalls sehr viel mehr Jahre brauchen.

Fünftens können wir mit SALT II die Weiterverbreitung von Kernwaffen unter
derzeit Nichtkernwaffenstaaten besser kontrollieren als ohne.

- 11 -

Das könnte einer

�einer der wesentlichsten Faktoren sein, um die es bei der anstehenden Entscheidung geht.
Alle diese Fragen sind von äußerster Bedeutung und eng miteinander verknüpft.
Eine starke Verteidigung ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes.
Genauso ist es SALT II.
Ich werde mein Äußerstes tun, um Amerika stark und sicher zu erhalten.
Aber das kann nicht ohne Anstrengung und Opfer erreicht werden.
Die beste Investition in die Verteidigung ist die für Waffen, die niemals eingesetzt werden müssen, und in Soldaten, die niemals zu fallen brauchen.
Aber der Frieden, dessen wir uns erfreuen, ist die Frucht unserer Stärke - und
unseres Willens, sie zu gebrauchen, wenn wir müssen.
Als große Nation, dem Frieden ergeben, müssen und werden wir auch weiterhin diese Stärke mehren.

- 12 -

�1

I
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. Dezember 1979

48

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERS ZUR SONDERSITZUNG DER NATO-MINISTERTAGUNG
- Wortlaut -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat am
12. Dezember 1979 nach der Sondersitzung der Außen- und Verteidigungsminister
des Atlantischen Bündnisses in Brüssel betont, daß der Beschluß der NATO, weiterreichende Nuklear-Raketen in und für Europa zu stationieren und gleichzeitig
ein Rüstungskontroi labkommen mit der Sowjetunion über diese Waffen im Rahmen
von SALT III anzustreben, von außerordentlicher Bedeutung sei.
Die Ausführungen des Außenministers haben folgenden Wortlaut:
Die Verteidigungs- und Außenminister der NATO haben soeben eine erfolgreiche Zusammenkunft von außerordentlicher Bedeutung beendet.
Wir haben beschlossen, mit einem Plan zur Dislozierung von 108 ballistischen
Raketen vom Typ Pershing II sowie 464 landgestützten Marschflugkörpern in Europa
voranzugehen. Gleichzeitig haben wir beschlossen, mit den Sowjets nachdrücklich ein sinnvolles und gerechtes Rüstungskontroi labkommen über weiterreichende
Nuklearwaffen in und für Europa (TNF) anzustreben.
Diese

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�Diese von uns hier getroffenen weitreichenden Entscheidungen sind ein
Beweis für die Entschlossenheit und die gemeinsame Zielsetzung der NATO-Mitgliedstaaten.

Die zwei Jahre intensiver Konsultationen, die zu diesen Ent-

scheidungen geführt haben, legen Zeugnis ab von dem gemeinsamen Vertrauen,
das im Bündnis herrscht.
Bevor Verteidigungsminister Brown die Einzelheiten dieser Maßnahmen erläutert, die hier zur Stärkung der Verteidigungsposition der NATO ergriffen
worden sind, möchte ich für Sie kurz den politischen Zusammenhang dieser Entscheidungen umreißen.
Das Atlantische Bündnis hat sich zu einem Abbau der Spannungen zwischen
Ost und West verpflichtet.

Aber unser Streben nach Entspannung, einschließ-

lich der ausgewogenen Rüstungskontroi labkommen, muß auf einer festen Grundlage der militärischen Sicherheit beruhen.
Ein Abbau der Spannungen ist nur möglich, wenn jede Seite Vertrauen in
ihre eigene Stärke hat.

Ernsthafte Verhandlungen können nur vorankommen, wenn

keine Seite den Willen und die Fähigkeiten der anderen anzweifelt.
Maßnahmen zur Konsolidierung und Stärkung der kollektiven Verteidigung
der NATO sind daher nicht nur von entscheidender Bedeutung für eine sichere
Abschreckung vor militärischen Drohungen, sondern sie bilden auch eine Grundlage für umfassendere Bemühungen bei der Suche nach einem Abbau der Spannungen.
Im politischen wie auch im militärischen Sinne sind eine Modernisierung
der Verteidigung und eine Politik der Entspannung parallele Wege auf der großen Straße der Sicherheit.
In den letzten Jahren hat die Sowjetunion ihre Nuklearstreitkräfte in
Europa wesentlich verbessert. Die sowjetische Dislozierung moderner SS-20Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen sowie der Backfire-Bomber drohen, den Sowjets
ein nukleares übergewicht im europäischen Bereich zu verleihen.
Als
- 2 -

�Als Reaktion darauf hat das Bündnis parallele Programme der Modernisierung und der Rüstungskontrolle entwickelt.
Durch den Beschluß, neue weiterreichende Nuklearwaffen in Europa zu dislozieren und die Vereinigten Staaten in ihrem Streben nach einem ernsthaften
Rüstungskontrollabkommen zu unterstützen, das die TNF einschließt, verleiht
das Bündnis seiner Politik der Abschreckung, der Verteidigung und der Entspannung neuen Sinn und neue Stärke.
Unser Dislozierungsbeschluß legt Zeugnis ab von der fortdauernden Lebenskraft und dem Zusammenhalt des Bündnisses.
Er hat die klare Botschaft vermittelt, daß wir Entspannung als Suche
nach beiderseitigem und ausgewogenem statt nach einseitigem Vorteil definieren.
In diesem Zusammenhang sind wir bereit, innerhalb des Rahmens von SALT III
in ernsthafte Verhandlungen über weitreichende TNF einzutreten. Jedes erreichte Abkommen muß, wie im Falle von SALT II, ausgewogen und angemessen verifizierbar sein.
Wir werden keinerlei Gedanken eines Einfrierens in Erwägung ziehen, das
ein sowjetisches übergewicht hinsichtlich weiterreichender TNF bekräftigt würde.
Aber wir sind bereit, ein gerechtes Abkommen über amerikanische und sowjetische Dislozierungen dieser Systeme auf einem niedrigerer Niveau auszuhandeln.

Dies würde eine Reduzierung der sowjetischen Bedrohung sowie eine Re-

duzierung des Dislozierungsprogramms der NATO bedeuten.
Der Modernisierungsbeschluß, den wir hier getroffen haben, ermöglicht
es uns ferner, 1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abzuziehen.
Zusätzlich zu dieser Verminderung werden wir für jede der von uns dislozierten Waffen eine bereits vorhandene Waffe aus Europa abziehen.
Somit

�Somit werden unsere Beschlüsse in einer bedeutsamen Reduzierung des Umfangs der nuklearen Arsenale in Europa insgesamt resultieren und in keiner
Weise die Abstützung auf nukleare Waffen erhöhen.
Unsere Bereitschaft im Rahmen von SALT in Verhandlungen über TNF einzutreten, ist nur eine Maßnahme eines umfassenden Pakets von Rüstungskontroi 1initiativen, die das Bündnis gegenwärtig entwickelt. MBFR sowie KSZE sind
weitere Verhandlungen, die die Mitglieder des Bündnisses mit gleichem Nachdruck verfolgen.
Die politischen Auswirkungen der Beschlüsse, die wir hier heute getroffen haben, sind beträchtlich. Angesichts einer realen Bedrohung der Sicherheit Westeuropas hat das Bündnis entschlossen, mit Umsicht und auf eine Art
und Weise reagiert, die zu dem Betreiben von Rüstungskontrollinitiativen einlädt. Ich bin der Ansicht, daß unsere Regierungen stolz auf diese denkwürdige Leistung sein können und daß die freien Völker des Bündnisses eine überwältigende Unterstützung dieser hier heute getroffenen Beschlüsse an den Tag
legen werden.

+ + + + +

- 4-

�I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. Dezember 1979

48

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERS AUF DER MINISTERTAGUNG DES
NORDATLANTIKRATES

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat zu Beginn der Ministertagung des Nordatlantikrates am 13. Dezember 1979 in Brüssel
die ganze Bandbreite der Verhandlungsmöglichkeiten zwischen West und Ost - von
SALT II und TNF-Verhandlungen über MBFR in Wien bis zur Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) dargelegt.

Gleichzeitig betonte er,

daß die Sicherheit Europas durch Verhandlungen und durch militärische Bereitschaft gewährleistet werden müsse.

Das Bündnis habe richtige Entscheidungen

getroffen.
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Bevor ich Washington verließ, um an dieser Sitzung des Nordatlantikrats
teilzunehmen, besprach ich das bevorstehende Treffen mit Präsident Carter,
der ein tiefes Interesse an der Arbeit hat, die in dieser Woche hier geleistet
wird,und der mich bat, Ihnen allen seine Grüße zu bestellen.
Ich möchte auch besonders die Minister willkommen heißen, die dem Rat zum
ersten Mal angehören.
In

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�In der Geschichte des Bündnisses wird dieses Treffen als ein Zeitpunkt
von besonderer Bedeutung verzeichnet werden.
für die NATO sind natürlich immer wichtig.

Themen von zentraler Bedeutung

Aber bei dieser Gelegenheit sind

die anstehenden Themen so wichtig,und unsere Entscheidungen sind von so tiefgreifender Bedeutung für die weitere Sicherheit des Bündnisses und für die
Stärkung des Friedens in Europa, daß unsere Beratungen wirklich die Bezeichnung "historisch" verdienen.
Wir treffen hier zu Beginn eines neuen Jahrzehnts zusammen.
uns glaubt, daß die vor uns liegenden Zeiten leicht sein werden.
mische Zeiten können die besten Seiten in uns wachrufen.

Niemand von
Aber stür-

Solche Herausforde-

rungen können unsere Gesellschaften zu größeren Leistungen aufrütteln.

Unse-

re Völker haben in der Geschichte unseres Bündnisses stets eine solche Stärke
gezeigt.

Und sie werden es erneut tun.

Wir, die wir unserem Bündnis angehören, das in der Vergangenheit so viele
Erfolge erzielt hat, sollten mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
politischen Systeme sind stark und flexibel.
elastisch und innovativ.

Unsere

Unsere Volkswirtschaften sind

Unsere Völker sind standhaft.

Mit fortgesetzter

harter Arbeit und Zusammenarbeit werden wir die gesunden und starken Gesellschaften aufrechterhalten, von denen unsere Sicherheit letztlich abhängt.
Es war die Suche nach Sicherheit, die uns hier in diesem Bündnis zusammenführte. Heute haben wir nicht weniger als vor 30 Jahren die Stärke und den
Willen, die uns in die Lage versetzen, selbst durch nüchterne Einschätzung über
die Erfordernisse für unsere Verteidigung zu entscheiden. Diese einzigartige
Gruppe freier Länder wird in Wertschätzung unserer unumschränkten Unabhängigkeit und unserer gemeinsamen Werte niemals anderen erlauben, die Bedingungen
unserer Sicherheit zu diktieren.
Mit dem Verständnis und der Unterstützung unserer Völker unternehmen wir
jetzt Schritte, um den Frieden zu bewahren.

Wir handeln, um die strategischen

Waffen in den Vereinigten Staaten zu verstärken, um unsere Kernwaffen in und
für Europa (TNF) zu modernisieren und um unsere Position im konventionellen Be- 2 -

�Bereich zu verbessern.
Ich bin Überzeugt davon, daß das Bündnis auf dem richtigen Weg ist.

Unser

Langfristiges Verteidigungsprogramm, unsere Verpflichtung zu drei Prozent Realzuwachs bei den jährlichen Verteidigungsausgaben und unsere Entscheidungen,
die TNF-Waffen zu modernisieren, versprechen, uns mit einem Gefühl echter
Sicherheit in die achtziger Jahre zu führen.

Es ist uns allen klar, daß wir

den Mut und die Entschlossenheit bewahren werden, die notwendig sind, um diese Entscheidungen durchzusetzen.
Die Stärke unseres Bündnisses bleibt die wesentliche Grundlage unserer Anstrengungen, den Rahmen für fruchtbarere Beziehungen mit dem Osten zu verstärken. Es ist für uns alle klar, daß wir die Sicherheit Europas durch Verhandlungen ebenso wie durch militärische Bereitschaft verfolgen. Auch hier müssen
wir auf breiter Front vorangehen:
- Bei SALT und bei den TNF-Verhandlungen hoffen wir auf einen intensiveren
Konsultativmechanismus des Bündnisses. Wir müssen sicherstellen, daß das Versprechen, das dieser Mechanismus für engere Koordination innerhalb des Bündnisses bietet, unserer Entschlossenheit entspricht, Fortschritte bei den Verhandlungen selbst zu erzielen.
- Bei den MBFR-Verhandlungen werden unsere beharrlichen und geduldigen
Unterhändler auch weiterhin energisch alle die Wege erkunden, die das Zustandekommen eines Abkommens versprechen.
- Bei den KSZE-Verhandlungen werden wir schöpferische neue Vorschläge zur
militärischen Vertrauensbildung verbinden mit einer Entschlossenheit, die Unversehrtheit der Schlußakte zu bewahren und bei den KSZE-Themen auch weiterhin
Fortschritte auf der anderen Seite zu erzielen, einschließlich solcher Themen,
die das Leben der Menschen unmittelbar berühren.
- In

- 3 -

�- In den Ost-West-Beziehungen sind wir der Meinung, daß Sicherheit im
weitesten Sinne nicht durch Waffen allein erreicht werden kann.

Die Mitglie-

der des Bündnisses werden auch weiterhin ihre Bereitschaft zeigen, den offiziellen individuellen und wirtschaftlichen Austausch zu erweitern.

Dieser

Austausch kann sich in dem Maße ausweiten, wie die gegenseitige Verpflichtung
zu besseren Beziehungen zwischen Ost und West sich verstärkt.

Wenn eine bessere

Verständigung zwischen Ost und West verfolgt wird, werden alle unsere Völker
von einem Rückgang der Spannungen profitieren.
Dieses Bündnis schöpft seine Stärke aus unserer Entschlossenheit, beides
zu erreichen:

beiderseitige Sicherheit und Verminderung der Spannungen.

Die-

ses so überaus wichtige Treffen bietet eine Gelegenheit dafür, daß die Herausforderungen, vor denen wir stehen, mit den klugen Entscheidungen zusammenpassen - Entscheidungen, die unsere Bereitschaft stärken, das Vertrauen unserer
Völker in diese unsere Bereitschaft stärken und die Aussichten auf größere Sicherheit durch vereinbarte Rüstungskontrollen erhöhen werden.
Wann immer wir zusammentreffen, aber besonders in Augenblicken bedeutender
Entscheidungen so wie heute, wird - so meine ich - jeder von uns von der Vergangenheit berührt - bei der Erinnerung an die Weisheit der Gründer dieses Bündnisses. Sie wußten, daß Menschen, die in Freiheit leben, am stärksten sind.
Sie wußten, daß gemeinsame Entscheidungen, in Freiheit getroffen, die stärksten
Entscheidungen sind. Und sie wußten, daß freie Nationen im gemeinsamen Handeln
sich gegenseitig bestärken in der Arbeit für den Frieden.

+ + + + +

- 4-

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1 ^^^ 1

MIN

I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

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19. Dezember 1979

CARTER KÜNDIGT HÖHERE VERTEIDIGUNGSAUSGABEN AN
Wortlaut der Rede des Präsidenten vor dem Amerikanischen Wirtschaftsrat -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter ging in einer Rede am 12. Dezember 1979 vor Mitgliedern des Amerikanischen Wirtschaftsrates im Weißen Haus
ausführlich auf Fragen der Sicherheit des westlichen Bündnisses sowie auf die
Möglichkeiten ein, wie auch in den achtziger Jahren der weltweite Frieden garantiert werden könne.

Eine Verpflichtung zu höheren Verteidigungsausgaben

innerhalb der nächsten fünf Jahre sei notwendig, da "kontinuierlich aufrechterhaltene amerikanische Stärke die einzig mögliche Grundlage für eine weiterreichende, wirklich auf Gegenseitigkeit beruhende Entspannung bildet, die wir
mit der Sowjetunion suchen".
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Von größtem Beiang für mich und für jeden amerikanischen Präsidenten ist
- und muß sein - die Sicherheit unserer Nation.
Diese Sicherheit stützt sich auf vielerlei Art von Stärke:

auf Waffen

und auf Rüstungskontrolle; auf militärische Stärke, auf wirtschaftliche Lebens-

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Telex:08-85432

�Lebenskraft und auf die Lebensqualität unseres Volkes; auf moderne Waffen
und auf verläßliche Energieversorgung.

Das Wohlergehen unserer Verbündeten

und Freunde ist auch für unser eigenes Wohlergehen von entscheidender Bedeutung.

Unsere Sicherheit ist verbunden mit den Menschenrechten und der sozia-

len Gerechtigkeit, die sich unter anderen Völkern dieser Erde durchsetzt, sowie mit den Institutionen für den Weltfrieden und die internationale Ordnung,
zu deren Aufbau wir beigetragen haben.

Wir hoffen und arbeiten und beten für eine Welt, in der die Waffen des
Krieges nicht länger mehr notwendig sind.
ten Tatsachen stellen - der Welt, so

Aber jetzt müssen wir uns den har-

wie sie nun einmal ist.

In der gefähr-

lichen und ungewissen Welt von heute ist der Grundstein unserer nationalen
Sicherheit noch immer die militärische Stärke, eine Stärke, die von uns Amerikanern, von unseren Verbündeten und von jedem potentiellen Angreifer deutlich
erkannt wird.

Zweimal in diesem Jahrhundert, stets in den Nachwehen eines Weltkrieges,
wurden wir vom Isolationismus in Versuchung geführt.

Das erstemal erlagen

wir der Versuchung, zogen uns aus unserer weltweiten Verantwortung zurück
- und eine Generation später stürzte die'Welt erneut in den Abgrund eines Krieges.

Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch schufen wir die nationale Übereinstim-

mung - gegründet auf unsere eigenen moralischen und politischen Werte - für den
Plan einer aktiven Rolle Amerikas bei der Aufrechterhaltung von Frieden und
Sicherheit für uns selbst und für andere.
Trotz all der Veränderungen, die in den letzten 30 Jahren über die Welt
hinweggegangen sind, blieb diese grundlegende Übereinstimmung erhalten.

Wir

haben aus dem Fehler der militärischen Einmischung in die inneren Angelegenheiten
eines anderen Landes gelernt, als unsere eigenen lebenswichtigen Interessen
nicht unmittelbar auf dem Spiel standen.

Aber wir müssen begreifen, daß nicht

jeder Fall der entschlossenen Machtanwendung ein potentielles Vietnam ist.
Der Konsens über nationale Stärke und internationale Beteiligung - obwohl erschüttert und bedroht - überlebte diesen trennenden und tragischen Krieg.
Die
- 2-

�Die jüngsten Ereignisse im Iran erinnerten uns lebhaft an die Notwendigkeit eines starken und geeinten Amerikas, einer Nation, die durch ihre Verbündeten unterstützt wird und es nicht notig hat, in der ruhigen Ausübung ihrer
Stärke und ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Völkerrecht und der Bewahrung
des Friedens zu täuschen oder zu posieren.

Ungeachtet anderer Meinungsver-

schiedenheiten sind wir heute vereint in der Überzeugung, daß wir eine starke
Verteidigung brauchen und daß militärische Schwäche die Wahrscheinlichkeit
eines Kriegs unvermeidlich erhöhen würde.

Daher ist die Frage, vor der wir stehen, nicht, ob wir stark sein sollten,
sondern wie wir stark sein werden.

Wie werden unsere Verpflichtungen bei der

Verteidigung in den achtziger Jahren und darüber hinaus aussehen?
Herausforderungen werden wir bei ihrer Erfüllung stehen?

Vor welchen

Welche Verteidigungs-

programme brauchen wir - und wieviel wollen wir ausgeben, um sie zu bekommen?
Wie können wir am wirkungsvollsten unsere militärische Bereitschaft und unsere Anstrengungen zur Rüstungskontrolle in Einklang bringen?

Zunächst muß unser Verteidigungsprogramm so gestaltet werden, daß es unseren Verpflichtungen entspricht.
In Europa haben unsere Streitkräfte den Grundstein für eine der längsten
Perioden des Friedens und des Wohlstands gelegt, deren dieser Kontinent sich jemals
erfreut hat.

Unsere konventionelle und nukleare Stärke hilft bei der Erhal-

tung des Friedens, während unsere Verbündeten durch die Europäische Gemeinschaft
zusammenwachsen und zugleich ihre historischen Bindungen mit Osteuropa nähren.
Unsere gegenseitigen Verpflichtungen innerhalb der Atlantischen Gemeinschaft
sind von lebenswichtiger Bedeutung für uns alle^nd sie sind dauerhaft und
unerschütterlich.

Die militärische Stärke Amerikas gibt den Rahmen ab, innerhalb dessen
unsere ausgereifte Freundschaft mit Japan, Korea, Australien, Neuseeland, den
Philippinen und Thailand zur Stabilität im pazifischen Raum und auf der ganzen
Welt beiträgt.
Wir
- 3 -

�Wir müssen und werden fortfahren, diese Verpflichtungen zu erfüllen.
Aber es gibt Gründe zur Beunruhigung hinsichtlich unserer Fähigkeit, unseren nützlichen und friedlichen Einfluß aufrechtzuerhalten.

Seit nahezu 20

Jahren erhöht die Sowjetunion ihre realen Verteidigungsausgaben um drei bis
vier Prozent pro Jahr.

Im Gegensatz hierzu sind unsere eigenen Verteidigungs-

ausgaben von 1968 bis 1976 jedes Jahr real zurückgegangen.

Dies schafft für

die amerikanische Führung und den amerikanischen Einfluß in der Welt eine
echte Herausforderung.
Mit ziemlicher Sicherheit werden wir anderen Herausforderungen gegenüberstehen - weniger direkt, obgleich nicht weniger schwerwiegend.

Die acht-

ziger Jahre werden wahrscheinlich fortgesetzte Unruhe und Umwälzung bringen.
Probleme der Energiekosten und -Versorgung werden die Wirtschaft der industrialisierten Welt weiterhin beeinträchtigen und werden noch stärkeren Druck auf
die Entwicklungsländer ausüben.

Die politische Unbeständigkeit könnte sich

sogar noch verstärken, während die jüngeren Staaten darum kämpfen, mit diesen
Problemen fertigzuwerden.
Genauso wie in der Vergangenheit, wenn die Winde des Wandels zu Stürmen
des Konflikts zu werden drohten, müssen wir bereit sein, unseren Freunden und
Verbündeten beim Widerstand gegen die Bedrohung von Stabilität und Frieden
beizustehen.
Die ständige sowjetische Aufrüstung und die wachsende sowjetische Neigung, sich auf ihre Militärmacht zu stützen, um Situationen der Unruhe auszunützen, ruft nach einer ruhigen, überlegten und gleichmäßigen amerikanischen
Antwort.
Bis Mitte der siebziger Jahre verließen sich die Vereinigten Staaten auf
eine Verteidigungsstrategie und auf Kräftestrukturen, die während der frühen
sechziger Jahre entworfen worden waren - in einer Zeit, als wir bei den strategischen Kernwaffen Überlegenheit genossen und bei den taktischen Nuklearwaffen
- 4 -

�Nuklearwaffen ein Monopol, als die sowjetische Seemacht begrenzt war und
eine sowjetische Militärpräsenz außerhalb Osteuropas kaum existierte.

Dies

alles hatte sich geändert, als ich das Amt des Präsidenten antrat.

Seit Beginn meiner Regierungszeit haben wir angefangen, 6 ja Anwachsen
der sowjetischen Militärmacht entgegenzuwirken,

indem vi^r Anstrengten un-

ternommen haben, die unsere eigene beträchtliche Stärke erhöhen.

In jedem der letzten vier Jahre gab es einen bescheidenen Zuwachs der
realen Verteidigungsausgaben.

In Europa haben wir Schritte unternommen, um ein Jahrzehnt des relativen
Rückgangs der militärischen Stärke des Atlantischen Bündnisses umzukehren.
Als ich mich vor nahezu drei Jahren mit Führern aus dem Bündnis zu treffen begann, fand ich sie beunruhigt über den Zustand unserer gemeinsamen Verteidigungsfähigkeit.

Ich gab das Versprechen ab, den Umfang unserer eigenen Verteidigungsausgaben jedes Jahr um real etwa drei Prozent auszuweiten,und unsere NATO-Verbündeten gaben als Antwort das gleiche Versprechen.

Unter amerikanischer Führung unternahm die NATO auch den entscheidenden
Schritt, ein mutiges Langfristiges Verteidigungsprogramm in Angriff zu nehmen.
Dieses Programm hilft uns dabei, unsere Kapazität zu erhöhen, um vor jedem
Überraschungsangriff gegen unsere europäischen Verbündeten abzuschrecken oder
ihn zunichte zu machen.

Wir unternehmen ebenfalls Schritte, um das Gleichgewicht bei den Nuklearstreitkräften in und für Europa (TNF) wiederherzustellen.

Zu Beginn der sechziger Jahre zogen die Vereinigten Staaten ihre Mittelstreckenraketen von Westeuropa ab.

Wir konnten dies damals tun, da eine über-

- 5 -

�überwältigende amerikanische Überlegenheit im strategischen Bereich herrschte.
Aber die Sowjetunion zeigte keine ähnliche Zurückhaltung.

Die beschleunigte

Entwicklung ihrer relativ weitreichenden, mobilen, mit Mehrfachgefechtsköpfen
versehenen SS-20-Rakete bedeutet eine wesentliche Eskalation bei der TNFRüstung.

Mit dem Entstehen einer annäherndenhen strategischen Parität schafft

diese neue Rakete eine potentiell gefährliche Schwäche in der Fähigkeit der
NATO, vor einem Angriff abzuschrecken.
Bei den SALT II-Verhandlungen haben wir sehr sorgfältig darauf geachtet,
daß wir frei blieben, diese Schwäche zu korrigieren.

Nunmehr geht die NATO

daran, ihre Kernwaffen zu verstärken, um einen Ausgleich für bestehende sowjetische Dislozierungen zu schaffen. Auf der Grundlage der Stärke können wir
dann mit dem Warschauer Pakt verhandeln, um die TNF zu verringern.
Im Bereich der internationalen oder strategischen Waffen stehen wir
ebenfalls vor widrigen Trends, die es zu korrigieren gilt.
Eine verbesserte sowjetische Luftabwehr droht nunmehr, unsere strategischen Bomber verwundbar zu machen. Der Marschflugkörper wird unsere Antwort auf dieses Problem sein. Die Produktion der ersten Generation luftgestützter Marschflugkörper wird im nächsten Jahr beginnen.
Zudem werden unsere bodengestützten MINUTEMAN-Interkontinentalraketen
in zunehmendem Maß verwundbar durch die höhere Treffsicherheit der mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten Raketen der Sowjetunion. Aus diesem Grund stimmten wir im letzten Frühjahr für die Produktion der MX-Rakete. Die verhältnismäßig kleine Anzahl von MX-Raketen wird beweglich sein und eine große Anzahl
von Bunkern haben; sie wird somit wesentlich weniger verwundbar sein als unsere derzeitigen MINUTEMAN-Raketen, die fest verbunkert sind. Außerdem wird
die MX in Beantwortung eines Erstschlags die Fähigkeit haben, eine Vielzahl
von sowjetischen militärischen Zielen anzugreifen. Die MX-Rakete wird nicht
die Stabilität untergraben, sondern vor einem Angriff abschrecken und zu Ver- •
handlungen über weitere Begrenzungen bei Kernwaffen ermutigen. Zusätzlich

- 6 -

�Zusätzlich wird sie zur Überlebensfähigkeit unserer strategischen Bomber und
Unterseeboote beitragen, indem sie jeden etwa ins Auge gefaßten sowjetischen
Schlag erschweren wird.

Sogar mit SALT II braucht Amerika die MX, um das

Gleichgewicht bei strategischen Kernwaffen aufrechtzuerhalten.

Wir modernisieren auch unsere strategische Unterseebootwaffe.

Das erste

neue TRIDENT-Unterseeboot ist vom Stapel gelaufen,und die ersten unserer neuen
TRIDENT-Raketen - mit einer Reichweite von über 4000 Meilen - sind bereits auf
See.

Auf diese Weise wird jede Säule unserer strategischen Triade modernisiert:
Marschflugkörper für unsere Bomber, MX für unsere Interkontinentalraketen und
TRIDENT für unsere Unterwasserabschreckung.
Auch werden wir die Modernisierung unserer konventionellen Streitkräfte
nicht vernachlässigen, obwohl wir uns hier in großem Maß auf die parallelen
Anstrengungen unserer Verbündeten verlassen müssen - in Asien wie in Europa.
Sie müssen ihren gerechten Anteil an den erhöhten Bürden der gemeinsamen Verteidigung tragen.

Ich bin entschlossen, unsere Seestreitkräfte stärker zu halten als die
eines jeden anderen Landes.

Unser Schiffsbauprogramm wird in den achtziger

Jahren eine Marine von 550 Schiffen aufrechterhalten; und wir werden auch
weiterhin die besten Schiffe bauen.

Die Seemacht ist für unsere weltweite

Strategie unabdingbar - im Frieden und im Kriege.

Schließlich machen wir gute Fortschritte dabei, Gegengewichte für die
wachsende Fähigkeit der Sowjetunion zu schaffen, ihre Militärmacht entweder
direkt oder durch Stellvertreter in Gebieten der Dritten Welt einzusetzen, und
wir müssen darauf vorbereitet sein, mit feindseligen Handlungen auch anderer
gegen unsere Bürger oder unsere lebenswichtigen Interessen fertig zu werden.

Zu

- 7 -

�Zu diesem Zweck brauchen wir nicht nur stärkere Streitkräfte, sondern
bessere Mittel zur raschen Dislozierung der Streitkräfte, die wir bereits besitzen.
Unser Verteidigungshaushalt für 1981 und unser Fünfjahres-Verteidigungsprogramm werden dieser Forderung auf zweierlei Weise gerecht werden.

Einmal

werden wir eine neue Flotte von Bereitstellungsschiffen aufstellen, die das
schwere Gerät und den Nachschub für drei Brigaden des Marinekorps mit sich
führt und in vorgeschobenen Gebieten stationiert werden kann, wo die amerikanischen Streitkräfte vielleicht gebraucht werden.

Da sich der Nachschub be-

reits nahe dem Einsatzgebiet befindet, können die Truppen selbst auf dem Luftwege herangeschafft werden.

Die zweite Neuerung wird eine neue Flotte großer

Transportflugzeuge sein, um Panzer und anderes Gerät über interkontinentale
Entfernungen hinweg zu transportieren.
Die Existenz von Eingreiftruppen bedeutet nicht notwendigerweise, daß wir
sie auch einsetzen werden. Wir beabsichtigen, mit ihrer Existenz eben vor den
Entwicklungen abzuschrecken, die ihren Einsatz heraufbeschwören würden.
Wir dürfen nie vergessen, daß unsere militärische Sicherheit von den
Fähigkeiten, der Ausbildung und der Einsatzbereitschaft der Menschen abhängt,
die in unseren Streitkräften dienen - wie leistungsfähig und fortschrittlich
unsere Waffensysteme auch sein mögen. Ich bin entschlossen, Soldaten mit solchen Fähigkeiten und solcher Erfahrung in ausreichendem Maß zu rekrutieren
und im Dienst zu halten.
Ich fasse zusammen:
Maßnahmen:

Die Vereinigten Staaten unternehmen nachhaltige

- Erstens, um alle Aspekte unserer strategischen Streitkräfte zu verbessern und dadurch unsere Abschreckung vor einem Atomkrieg zu gewährleisten;
- zweitens, um unsere Streitkräfte in der NATO und im Pazifik als Teil

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Dokumentation
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19. Dezember 1979

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VANCE-REDE FÜR DIE BERLINER PRESSEKONFERENZ
- gehalten von Unterstaatssekretä'r Vest -

BERLIN - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat in einer
für das Jahresessen der Berliner Pressekonferenz am 10. Dezember 1979 vorbereiteten Rede die Sicherheitsprobleme des Atlantischen Bündnisses angesprochen,
Wegen der Ereignisse im Iran mußte der Außenminister seinen Besuch in Berlin
absagen, und die Rede wurde von dem Unterstaatssekretä'r für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, George Vest, gehalten.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
I. Einführung
Ich möchte zuerst das lebhafte Bedauern von Außenminister Vance darüber
ausdrücken, daß der Zeitdruck, hervorgerufen durch die Geschehnisse, es ihm
nicht ermöglicht, heute abend hier zu sein.
Die anhaltend schwierige Situation im Iran brachte es mit sich, daß er
seine Reisepläne in letzter Minute ändern mußte - sehr zu seinem eigenen Be-

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�Bedauern.

Ich hoffe aber, daß Sie Verständnis dafür haben werden.

Aus die-

sem Grund hat er mich gebeten, Ihnen seine Grüße zu übermitteln und Sie zu
bitten, jedes meiner Worte heute abend als das seine zu akzeptieren - und es
ihm zuzuschreiben.
Eine Einladung, vor der Berliner Pressekonferenz zu sprechen, ist allein
schon eine Ehre. Goethe hat einmal geäußert:
"Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
der täglich sie erobern muß."
Das Pressecorps dieser Stadt drückt täglich die Wahrheit dieser Zeilen
aus - indem es die Prinzipien einer freien und offenen Presse hochhält.
Sie helfen uns, die teifgreifenden Veränderungen um uns herum zu verstehen - und Sie helfen uns, die Rechte der Bürger zu verteidigen, an Entscheidungen teilzuhaben, die ihr Leben und ihr Wohlergehen betreffen.
Dies Treffen gibt mir außerdem die Möglichkeit, nochmals die Bewunderung
von Millionen von Amerikanern auszudrücken, die sie Berlin und seiner Bevölkerung gegenüber empfinden - und die bleibende Verpflichtung unseres Landes für
diese Stadt. Präsident Carter, der sich mit großer Wärme seines Besuchs in
Berlin im vergangenen Jahr erinnert, hat mich gebeten, Ihnen seine persönlichen Grüße zu übermitteln zusammen mit seiner Versicherung, daß die Vereinigten Staaten fest zu dieser Verpflichtung stehen.
Berlin ist seit 35 Jahren ein Symbol für die freien Menschen überall.
In der Nachkriegsperiode von Spannung und Konfrontation wurde Berlin zum aufrüttelnden Beispiel menschlicher Entschlossenheit, frei zu sein, unter demokratischen Institutionen zu leben.

Diese unnachgiebige Entschlossenheit war

es, die half, jene Balance zu schaffen, auf der die augenblickliche Stabilität
Berlins beruht.

Die klare Demonstration, daß Berlin nicht nachgeben würde,

daß es der Wunsch der Berliner ist, ein Teil der westlichen Welt zu bleiben,
ermöglichte das Viermächte-Abkommen.
Und

�Und in den Jahren seit Abschluß des Viermächte-Abkommens hat sich Berlin
als eindrucksvolles Symbol der konkreten Früchte erwiesen, die Entspannung
hervorbringen kann.

Für die Vereinigten Staaten ist die Freiheit Berlins - und die Erhaltung
der Vorteile, die durch das Viermächte-Abkommen ermöglicht wurden - ein Kernpunkt ihrer außenpolitischen Ziele.

Wir werden alle uns zur Verfügung stehen-

den Möglichkeiten nutzen, um die Sicherheit und Freiheit dieser Stadt zu garantieren.

Darüber hinaus sind wir verpflichtet, weiterhin Spannungen in Berlin
durch die Möglichkeiten des Viermächte-Abkommens zu verringern.
Ausnutzung dieser Möglichkeiten

wird

Die volle

Ost und West zum Vorteil gereichen.

Die strikte Einhaltung und die volle Anwendung aller Aspekte des ViermächteAbkommens ermöglichen eine solche Entwicklung.

Es ist erforderlich, die delikate Balance der Interessen zu erhalten,
die sich in und um Berlin entwickelt hat.

Es sollte keine Versuchung geben,

die Stadt als Druckmittel bei Reaktionen auf Entwicklungen in anderen Regionen der Ost-West-Beziehungen zu benutzen.
Die Wichtigkeit der Bindungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und den westlichen Sektoren von Berlin unterliegt keiner Frage, und die Vereinigten Staaten messen ihnen besondere Bedeutung bei.

Vielleicht am allerwichtigsten ist, daß die Rechte und Pflichten der Vier
Mächte für Berlin als Ganzes nicht in Frage gestellt werden.

Sie bleiben die

Grundlage für die stabile Situation, die sich in dieser Stadt entwickelt hat.
Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, die Viermächte-Rechte und -Pflichten für Berlin als Ganzes zu erhalten.

Wir erwarten, daß das Abkommen sowie

die Praktiken und Verfahren,die aus ihm resultieren, strikt eingehalten werden.

Ich

- 3 -

�Ich habe aber noch einen anderen Grund, über dieses Forum hier erfreut
zu sein.

Es gibt mir die Möglichkeit, eine Angelegenheit von lebenswichtiger

Bedeutung nicht nur für die Bevölkerung von Berlin, sondern für uns alle zu
diskutieren, nämlich die Sicherheit unseres westlichen Bündnisses.
Besser als die meisten Menschen wissen die Berliner, daß wahre Sicherheit - was John F. Kennedy "das überleben und den Erfolg der Freiheit" nannte - nicht mit Waffen allein erkauft werden kann.

Die Sicherheit des Westens

hängt schließlich von der Vitalität und der Anziehungskraft des freien politischen Systems ab; von der Gesundheit unserer Wirtschaft, von der Fähigkeit
der westlichen Demokratien, miteinander zusammenzuarbeiten.

Unser Ziel ist es

nicht nur, uns zu verteidigen, sondern es ist, einen Lebensstil zu entwickeln
und zu erhalten, der es wert ist, verteidigt zu werden.
Dessen ungeachtet wäre es - wie die Berliner wohl wissen - töricht, die
militärischen Gesichtspunkte der Sicherheit außer acht zu lassen. Eine der
strengsten Lektionen der vergangenen 35 Jahre ist tatsächlich die, daß wir
Entspannung durch Stärke möglich machen, nicht durch Schwäche. In einer vollkommenen Welt wäre das nicht so, in der tatsächlichen Welt ist es unauchweich1 ich .
So lassen Sie uns also heute das Thema der militärischen Sicherheit
- Verteidigung sowie Rüstungskontrolle - betrachten.
Das Thema ist jetzt besonders aktuell. Denn die NATO-Verbündeten sind
in diesem Augenblick dabei, eine Reihe von Entscheidungen zu treffen - Entscheidungen, die die Sicherheit Europas in den achtziger Jahren formen und
die Beziehungen zwischen Ost und West nachhaltig beeinflussen werden. Jene
Entscheidungen werden, wie Sie wissen, Ende der Woche das Hauptanliegen der
NATO-Minister bei ihrem Treffen in Brüssel sein.
Eine der Entscheidungen betrifft eine fundamentale Frage, vor der die
NATO-Mitglieder und eigentlich alle im Westen stehen: Wie soll das Bündnis

�Bündnis die niedagewesene Anhäufung von sowjetischen TNF

beantworten, die

auf Westeuropa gerichtet sinnd?

II. Abschreckung und Rüstungskontrolle

Wir werden diese Frage in dieser Woche in Brüssel auf eine Weise beantworten, die zwei wesentliche Punkte betont:
- Erstens:

Wir sind bereit, die Waffenstärken durch konkrete Verhand-

lungen über Rüstungskontrolle anzugleichen.

Wir hoffen, daß solche Verhand-

lungen zu niedrigeren Waffenstärken auf beiden Seiten führen werden.

Die

Sowjetunion und die Warschauer Pakt-Staaten sollen wissen, daß wir es als verbindliche Aufgabe betrachten, gegenseitige Rüstungsbegrenzungen bei strategischen, nuklearen Mittelstrecken (TNF)-und konventionellen Waffen zu erzielen.

- Die NATO ist jedoch entschlossen - und dies ist der zweite wesentliche
Punkt - sichere Abschreckungsstreitkräfte über das gesamte atomare und konventionelle Spektrum hinweg aufrechtzuerhalten.

Das müssen die Sowjets ebenso

verstehen.

Diese zweigleisige Politik, die Abschreckung aufrechtzuerhalten und
Rüstungskontrolle zu verfolgen, wird das Herzstück der NATO-Strategie in den
achtziger Jahren sein.

Denn unserer Meinung nach versteht es sich von selbst,

daß eine angemessene Verteidigung und Rüstungskontrolle Hand in Hand gehen
müssen.

Rüstungskontroi labkommen lassen hoffen, daß wir uns größere Sicher-

heit leisten können.als uns ein Wettrüsten mit seinen hohen Kosten und Gefahren bietet.

Jedoch nur eine starke Verteidigung, einschließlich wohlbe-

dachter Maßnahmen zur Modernisierung unserer Streitkräfte, kann jeglichen
Zweifel über unsere Entschlossenheit ausräumen - Zweifel, die die Wahrscheinlichkeit von echten Rüstungsbegrenzungen von selbst verringern würden.

Erlauben Sie mir, zu erläutern, wie sich diese Politik der Zweigleisigkeit in den Entscheidungen des kommenden Jahrzehnts ausdrücken wird - j_n_
- 5-

�in unseren Entscheidungen bezüglich strategischer, nuklearer Mittelstreckenund konventioneller Streitkräfte.

III. Das Gleichgewicht der strategischen Streitkräfte
Strategisch-atomare Parität zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion ist und bleibt ein zentrales Faktum internationaler Sicherheit.
Bestrebungen einer Seite, diesem zentralen Faktum Widerstand entgegenzusetzen oder es zu umgehen, würden unausweichlich die Stabilität und Sicherheit der Welt bedrohen - denn keine der beiden Seiten wird zulassen, daß die
andere Überlegenheit erlangt.
Im vergangenen Jahrzehnt hat die Sowjetunion ihre strategische Möglichkeiten ständig erweitert. Ohne neue Investitionen in unsere strategischen
Streitkräfte könnte die Wirkung der sowjetischen Anstrengungen ein stabiles
Gleichgewicht auf strategischem Gebiet gefährden. Also machen wir diese Investitionen in jedem unserer drei strategischen Bereiche:
- Wir entwickeln die Marschflugkörper für unsere B-52 Bomber weiter.
- Wir setzen jetzt die neue Trident-I-Rakete bei einigen unserer Unterseebooten ein und werden bis 1981 das neue Trident-Unterseeboot zur
Verfügung haben.
- Und wir schreiten voran mit dem MX-Raketen-Programm, um die Überlebensfähigkeit unserer auf dem Boden stationierten strategischen Raketen
zu sichern.
Diese Verbesserungen stellen das stärkste amerikanische Programm für
strategische Waffen seit über zehn Jahren dar.
Der Zweck unserer Anstrengungen ist nicht nur, das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten; unsere Absicht ist es auch, die Flexiblität unserer strategisch-nuklearen Optionen zu erhalten.

Denn - wenn wir auch den

Gedanken anerkennen, daß gegenseitige Verwundbarkeit eine Abschreckung gegen

�gegen Krieg ist - akzeptieren wir nicht die Vorstellung, daß unsere Optionen
auf gegenseitige Vernichtung begrenzt sein sollen.

Wir müssen in unserem

strategischen Köcher mehr haben als nur den Pfeil von Harmageddon.

Es ist darum unsere Politik und Praxis, eine Vielfalt von strategischen
Streitkräften zu unterhalten, die fähig sind, schwerste Schläge aufzufangen
und noch die Kraft zu haben, Vergeltungsschläge gegen das ganze Spektrum der
militärischen und wirtschaftlichen Ziele zu führen.
eine der folgenden beiden Doktrinen festzulegen:

Wir weigern uns, uns auf

die Doktrin, sich allein auf

massive Vergeltung zu verlassen, oder die Doktrin, die den sogenannten "begrenzten" atomaren Schlagabtausch betont, bei dem jede Seite ihre Angriffe auf
die strategischen Streitkräfte der anderen richtet.

Es muß wohlweislich Ungewißheit darüber herrschen, was genau unsere Antwort auf einen Angriff sein könnte - denn gerade auf dieser Ungewißheit beruht
die Stärke der Abschreckung.

Unsere Doktrinen der flexiblen Antwort und unsere

breite Auswahl von strategischen Streitkräften bewahrt die Ungewißheit.

Wir werden ein sicheres strategisches Gleichgewicht und eine glaubhafte
Abschreckung aufrechterhalten, ganz gleich,was für Anstrengungen dies auch erfordern mag.

Aber wir wissen, daß es keine endgültige Sicherheit bei unnach-

giebigen Steigerungen von strategischer Macht geben kann.

Sowohl wir als auch

die Sowjetunion haben einbringendes nationales Interesse an der Stabilisierung des strategischen Wettlaufs und der Erlangung von ausgewogenen Reduzierungen durch Verhandlungen.

Der SALT-Prozeß dient nachweislich diesem Ziel.

Und SALT gibt auch eine

beeindruckende Illustration der Zweigleisigkeit, die ich beschrieben habe
- der gegenseitigen Verstärkung von Rüstungskontrolle und Modernisierung der
Streitkräfte.

Denn es ist klar, daß wirklicher Fortschritt bei der Rüstungs-

kontrolle nicht möglich wäre ohne unsere Entschlossenheit, das Gleichgewicht
in jeder Lage zu erhalten - sei es mit Rüstungskontrolle oder ohne.

Aber es

ist ebenso klar, daß in einem Atomzeitalter wahre Sicherheit nicht erreichbar
sein wird, wenn wir in unserer Diplomatie nicht gleichermaßen fest sind auf_
- 7 -

�auf der Suche nach verläßlichen und ausgewogenen Kontrolle für Atomwaffen.
Das SALT-Abkommen liegt jetzt dem Senat der Vereinigten Staaten vor.
hoffe und glaube, daß es demnächst ratifiziert werden wird.

Ich

Wenn dieser Schritt

erst einmal getan ist, wird es das erklärte Ziel von SALT III sein, substantielle Verringerungen der nuklearen Arsenale zu erreichen.
Während dieses ganzen Prozesses haben wir von Beratungen mit unseren europäischen Verbündeten profitiert.

Wir haben streng darauf geachtet, daß die

europäischen Sicherheitsinteressen und Optionen voll gewahrt bleiben.

In der

nächsten Phase, SALT III, werden diese Konsultationen noch intensiver sein;
die Rolle der Verbündeten bei der Festlegung unseres Vorgehens wird noch direkter sein, wenn die Verhandlungen sowohl Fragen der TNF als auch strategischer Streitkräfte behandeln.
Aber dieselben zentralen Prinzipien werden uns leiten: Die Verpflichtung,
die Waffen zu haben, die wir benötigen, um das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, während wir in Verhandlungen auf zunehmend striktere gegenseitige Begrenzungen hinarbeiten.

IV. Nuklearstreitkräfte in und für Europa (TNF)
Die Erhaltung von Stabilität und Abschreckung ist nicht nur bei den interkontinentalen strategischen Waffen, sondern auch bei den TNF wichtig.
In der Tat verlagert das Entstehen von Parität bei diesen strategischen
Systemen die Aufmerksamkeit auf die TNF der NATO als Stein im Gefüge der Abschreckung.
Lange Jahre hatten die europäischen NATO-Verbündeten die Gewißheit, daß
der Bedrohung Westeuropas durch die Streitkräfte der Sowjetunion und des
Warschauer Paktes letztlich die Abschreckung der amerikanischen interkontinen-

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�interkontinentalen Streitmacht entgegenstehen würde.

Diese Gewißheit besteht unverändert.
Streikräfte würden, falls erforderlich, für
werden.

Unsere strategischen atomaren
Europas Verteidigung eingesetzt

Die Lebensinteressen der Vereinigten Staaten sind so eng mit Europa

verknüpft, unsere Verpflichtungen sind so tief, und unsere Bindungen sind so
stark, daß es nicht anders sein könnte.

Jedoch ist es das vordringlicheste Ziel der NATO, eine Aggression zu verhindern.

Wir müssen darum sicher sein, daß die sowjetische Auffassung nicht

zu einem Problem wird - denn auf dieser Auffassung beruht ja die Abschreckung.

Es ist entscheidend, daß Moskau nicht in Versuchung gerät, zu glauben
- wie falsch es auch immer sei -, daß die strategische Parität zwischen den
Großmächten die mögliche Trennung von Europas Verteidigung von der der Vereinigten Staaten bedeutet

oder daß die Sowjetunion selbst von einem mili-

tärischen Konflikt in Europa verschont bleiben könnte.

So bedingt Abschreckung,

daß die NATO über eine ganze Reihe von Möglichkeiten verfügt, um auf jeder Ebene
einer militärischen Herausforderung zu begegnen.

Sie bedingt, daß es keine

Lücke in diesem Kontinuum der Streitkräfte gibt:

daß jeder Stein in dem Ge-

bäude der Abschreckung fest sitzt.

Solch eine Lücke könnte entstehen, wenn wir versäumten, die TNF der NATO
zu modernisieren.

Denn nachdem die Sowjetunion strategische Parität erlangt

hat, scheint sie nun nach atomarem Obergewicht auf dem europäischen Schauplatz
zu streben.

Den Beweis dafür können wir in dem lebheaften Bemühen der Sowjetunion um
Modernisierung und Erweiterung ihrer TNF sehen.

Die dramatische Entwicklung in dieser Beziehung und die Angelegenheit, die
uns am meisten Sorge bereitet, ist die schnelle, in Gang befindliche Aufstellung
sowjetischer SS-20-Raketen mit beweglichen Abschußrampen.
Wir
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�\

Wir wollen uns nichts vormachen.

Die SS-20 ist nicht die Verbesserung

eines alten Systems. Sie ist ein gänzlich neues System - das erste bewegliche,
landgestützte Mittelstreckenraketensystem in Europa. Jede SS-20-Abschußrampe
kann wieder geladen werden und neue Raketen abfeuern. Jede Rakete kann nicht
nur einen, sondern drei nukleare Sprengköpfe transportieren.

Die SS-20 kann

von tief im Innern der Sowjetunion gelegenen Abschußbasen jedes Ziel in Europa
erreichen.
Fügt man dem System der SS-20 noch die wachsende Zahl von Backfire-Bombern
hinzu, die auf dem europäischen Schauplatz stationiert sind, so kommt man zu
der unausweichlichen Schlußfolgerung:

die sowjetische Rüstung geht über das

hinaus, was nötig ist, ihre vorhandenen Waffensysteme zu erneuern oder sich
den Entwicklungen bei der NATO anzupassen.
Doch sowjetische Sprecher erklären uns gegenüber, daß jeder Schritt der
NATO zur Änderung dieser Situation die Entspannung untergraben und eine neue
Periode der Ost-West-Spannungen in Europa einleiten würde. Sie haben verlangt,
daß wir im Namen der Entspannung eine Tendenz zur offenkundigen Ungleichheit
akzeptieren sollen.
Der Westen kann sich in dieser Situation nicht passiv verhalten. Vom
politischen Standpunkt aus wäre das ein wahrhaft sonderbarer Weg zur Entspannung.
Er würde besagen, daß die westlichen Sicherheitsbeschlüsse die Sache von Ost und
West sind,die Entscheidungen des Ostens jedoch von Moskau allein getroffen werden sollen. Gäbe der Westen diesem Drängen nach, könnte Moskau versucht sein,
auch in anderen Fragen Druck auszuüben. Ich brauche meine Zuhörer nicht daran
zu erinnern, wie sehr dies die einzig vernünftige Basis der Zusammenarbeit zwischen Ost und West - das Prinzip der gegenseitigen Sicherheit - untergraben
würde.
Also ist es wesentlich für die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten, die Abschreckung auf der gesamten militärischen Ebene aufrechtzuerhalten.
In
- 10 -

�In dieser Woche werden daher in Brüssel

die Verteidigungs- und Außen-

minister der NATO-Staaten über eine Reihe von Vorschlägen entscheiden, die
die Modernisierung der TNF in Europa und d^e Rüstungskontrolle beinhalten.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang sagen, daß die feste Haltung der
deutschen Regierung und Bundeskanzler Schmidts und die hier in Berlin vom SPDParteitag in der vergangenen Woche angenommene

Entschließung weitsichtige Bei-

träge sind, die die Einheit und Entschlossenheit der Allianz bei ihren Treffen
in Brüssel in dieser Woche stärken werden,

Die vorliegenden Modernisierungsvorschläge sehen die Stationierung von
TNF - einer Mischung aus landgestützten Marschflugkörpern und ballistischen
Flugkörpern - in Westeuropa durch die NATO vor.
Die Ersetzung von veraltenden TNF durch langlebigere und leistungsfähigere
Systeme wird die Möglichkeit der Sowjetunion verringern, irrtümlich eine Lücke
im Abschreckungsspektrum der NATO zu sehen.

Und durch die Verbesserung der

Abschreckungsposition der NATO wird die höchst bedeutende Schwelle zwischen
Krieg und Frieden angehoben.

Die Stationierung wird es der NATO gestatten, ihr gesamtes Nukleararsenal
in Europa zu verringern.

Und sie wird der Sowjetunion signalisieren, daß der

Ausbau ihrer Raketensysteme ihr keine echten militärischen oder politischen
Vorteile bringt, weil die NATO willens ist, der Herausforderung zu begegnen.

Gleichzeitig glauben wir fest daran, daß unsere Sicherheit durch echte
Rüstungskontrolle gewährleistet werden kann;
gulierung der Rüstungsebene.

durch konkrete Abkommen zur Re-

Solche Abkommen enthalten das Versprechen,einen

hemmungslosen Rüstungswettlauf zu verhindern und für größere Stabilität auf
dem Mittel Streckensektor in Europa zu sorgen.

Doch die Rüstungsbegrenzung kann nicht nur einseitig sein; sie muß durch
einen Prozeß erreicht werden, der wirklich auf Gegenseitigkeit beruht.
Da
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�Da wir uns verpflichtet fühlen, eine echte Rüstungskontrolle anzustreben,
werden unsere Modernisierungsvorschläge mit einem bedeutenden Angebot zur
Rüstungsbegrenzung verbunden sein: einem Angebot zur Begrenzung der TNF auf
beiden Seiten.

Der Vorschlag der NATO wird zu kontrollierbaren Begrenzungen

auffordern, die von Bedeutung sind und auf dem Prinzip der Gleichheit beruhen.
Die Initiative zur Rüstungskontrolle wird die Aufrichtigkeit der Sowjets
bei der Begrenzung dieser Systeme prüfen.

Da die ersten NATO-Waffen nicht

vor 1983 aufgestellt sein werden, ist reichlich Zeit, ernsthafte Rüstungskontroi lgespräche zu führen.
Ich weiß, es gibt Leute, die meinen, die NATO sollte ihre Stationierungsentscheidung vertagen, bis solche Gespräche geführt werden können. Wir dürfen
aber nichts verschieben, und zwar aus zwei wichtigen Gründen:
Erstens können wir nicht im voraus wissen, ob solche Gespräche erfolgreich
sein werden. Es würde den Verbündeten wenig nützen, immer weiter zurückzufallen in der bloßen Hoffnung, daß die Gespräche von Erfolg gekrönt sein könnten. Und bei dem gegenwärtigen Tempo der sowjetischen Anstrengungen würde
jede Verzögerung der NATO-Modernisierung eine bereits bestehende, beunruhigende Ungleichheit erhöhen.
Zweitens muß der Westen zeigen, daß es ihm mit der Modernisierung ernst
ist, sonst fehlt den Sowjets der nötige Ansporn zu Verhandlungen über die Reduzierung der Streitkräfte.
Also ist unsere Haltung klar: die Vereinigten Staaten und die NATO-Verbündeten werden trachten, die Streitkräfte durch Verhandlungen zu verringern.
Wir werden alles Nötige tun, um eine glaubwürdige Abschreckung durch das gesamte Spektrum unserer nuklearen und konventionellen Streitkräfte aufrechtzuerhalten.
Wir
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�Wir können jedoch keine einseitige Zurückhaltung der NATO als Voraussetzung für Verhandlungen akzeptieren - und wir werden es auch nicht tun. Zurückhaltung muß von beiden Seiten geübt werden.

V. Das Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte
j

........

1

......

—

Die Politik, die ich beschrieben habe - eine Politik der fortdauernden
Abschreckung durch Verbesserung der Streitkräfte, wo es nötig erscheint, und
durch Rüstungskontrolle, wo diese sich als möglich erweist - ist unsere Strategie auch auf dem Gebiet der konventionellen Streitkräfte.

Da die Verbesserungen der sowjetischen konventionellen Streitkräfte weitergehen und da konventionelle Streitkräfte den Kern der NATO-Abschreckung bilden,
ist es wichtig für die Verbündeten, an ihrem umfassenden Modernisierungsprogramm festzuhalten.

Das langfristige Verteidigungsprogramm der NATO wird uns

in den achtziger Jahren eine moderne, besser integrierte und wirksamere, konventionelle Streitmacht sichern.

Das NATO-Ziel einer dreiprozentigen realen

Erhöhung der Verteidigungsbeiträge der Mitglieder

soll die Mittel dafür lie-

fern, um diese Verbesserung der konventionellen Streitkräfte zu finanzieren,
die ja den Löwenanteil der Verteidigungshaushalte beansprucht.

Aber auch hier sind wir entschlossen, die Abschreckung aufrechtzuerhalten
und gleichzeitig keine Gelegenheit zu Fortschritten bei der Rüstungsbegrenzung auszulassen.

Eine bedeutende Gelegenheit, hier Fortschritte zu erzielen, bieten die
Wiener Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung.
Hier besteht unsere Hoffnung darin, dem Konzept der Ausgewogenheit auf dem
konventionellen Sektor praktische Bedeutung zu verleihen.

Der SALT-Prozeß hat

sich auf strategischem Gebiet ja auch darum bemüht.

Das

- 13 -

�Das Ziel der Truppenreduzierungsgespräche - ein Ziel, das nunmehr von
beiden Seiten akzeptiert wird - ist es, gemeinsame, kollektive Höchstgrenzen
auf niedrigerer Ebene für die Streitkräfte der NATO und des Warschauer Pakts
in Mitteleuropa auszuhandeln.

Doch Fortschritte in dieser Richtung sind da-

durch verlangsamt worden, daß der Osten nicht gewillt ist, das Problem der
zahlenmäßigen Stärke zu lösen.

Es besteht immer noch eine sehr große Diskre-

panz zwischen den Zahlen der östlichen Streitkräfte in diesem Gebiet, die von
Ost und West vorgelegt werden.
Lassen Sie mich noch einmal bekräftigen, daß die westliche Seite sehr
darauf bedacht ist, Fortschritte in Richtung auf ein Abkommen zu machen - Fortschritte, die nur dann erzielt werden können, wenn so grundlegende Fragen wie
Truppenzahl und Überwachungsmethoden gelöst werden.
t

Die Ankündigung eines Abzugs von bis zu 20 .000 Soldaten, 1000 Panzern und
anderem militärischem Gerät durch Präsident Breschnew ist ein positiver Schritt.
Doch die grundlegenden Fragen der Truppenreduzierungsgespräche müssen erst
noch gelöst werden.
Fortschritte zu größerer Stabilität und gegenseitigem Vertrauen in Europa müssen ebenfalls durch vermehrte Anstrengungen zur Durchführung der Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die 1975 von
35 Nationen in Helsinki unterschrieben wurde, erzielt werden.
Die Schlußakte ist ein historisches Dokument, denn sie schafft normale
zwischenstaatliche Beziehungen, um sich mit den konkreten Problemen auseinanderzusetzen, die Ost und West gespalten haben. Die Erfüllung dieser Verpflichtungen würde das Leben der Menschen bereichern und die Spannungen zwischen Ost und West abbauen.
Die Schlußakte bietet einen potentiellen Rahmen zur Verringerung militärischer Spannungen in Europa und größere Vertrauensbildung in bezug auf
militärische Aktivitäten.

il
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�Es ist verschiedentlich angeregt worden, daß dieses Ziel durch ein Treffen der KSZE-Staaten über Sicherheitsfragen gefördert werden könnte.

Die Re-

gierung Frankreichs hat in dieser Richtung einen nützlichen Vorschlag unterbreitet.
Ganz gewiß würde jedoch so ein Treffen nur als Teil eines ausgeglichenen
und gesunden KSZE-Prozesses sinnvoll sein. Daher ist es wichtig, daß zunächst
die Folgekonferenz in Madrid erfolgreich abgeschlossen wird. Bei der Vorbereitung zu diesem Treffen werden die Vereinigten Staaten in erster Linie an die
Wichtigkeit der Durchführung aller Bestimmungen der Schlußakte und nicht nur
der Sicherheitsbestimmungen denken. Ganz besonders am Herzen liegen uns die
Bestimmungen über humanitäre Fragen, die das tägliche Leben unserer Bürger und
der Menschen anderswo in Europa direkt betreffen.
Wir werden darauf hinarbeiten, daß die Diskussion in Madrid frei von Polemik in einer konstruktiven Atmosphäre stattfindet, aber wir werden einer
ehrlichen Prüfung der Probleme nicht aus dem Weg gehen, nur um einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

VI. Schlußfolgerung
Die Realitäten der militärischen Sicherheit, über die ich gesprochen
habe, sowie die Chancen des Fortschritts bei der Rüstungsbegrenzung sprechen
für eine besondere Haltung der Verbündeten angesichts der kommenden achtziger
Jahre

- eine Haltung, die ich als nüchternen Optimismus bezeichnen möchte.

Wir müssen ernüchtert sein bei dem Gedanken, daß tiefe und grundlegende
Unterschiede zwischen Ost und West andauern werden - Unterschiede, die in der
Geographie, der Geschichte und den Voraussetzungen, auf denen unsere politischen
Systeme beruhen, verwurzelt sind. Weder unsere Differenzen noch unsere Waffensysteme werden über Nacht verschwinden. Also werden wir gut daran tun, uns von
Illusionen freizumachen, die sich nur auf Hoffnungen gründen.
Doch
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�Doch sollten wir die Hoffnung niemals aufgeben.

Denn trotz ihrer histo-

rischen Unterschiede sind Ost und West bei ihren gegenseitigen Beziehungen
weit vorangekommen.

Das Ausmaß der Kontakte zwischen den Ländern des Ostens

und Westens hat sich geweitet; ihre Beziehungen sehen zunehmend normal aus.
Es ist ganz klar, daß die Zukunft der Ost-West-Beziehungen von tiefen
Meinungsverschiedenheiten gekennzeichnet sein wird.

Wir sollten aber gleich-

zeitig versuchen, die Gebiete, auf denen Zusammenarbeit zwischen uns möglich
ist, zu erweitern.
Weder das eine noch das andere sollte uns im Westen schwankend machen.
Denn wir treten in die Zukunft ein mit einer eindrucksvollen Zahl von Errungenschaften - und einem ebenso eindrucksvollen Aufgebot an Kräften:
- 31 Jahre lang hat sich der Abschreckungsschild der NATO bewährt.
- Die Volkswirtschaften des westlichen Bündnisses sind dreimal so produktiv wie die des Warschauer Pakts.
- Unsere Gesellschaften sind frei und offen, Neuem und Schöpferischem
gegenüber aufgeschlossen und ohne Angst vor dem Wandel.
Obwohl wir die Dinge unserer Welt nicht bestimmen können, ist unsere
Kraft, sie zu beeinflussen und sie in einer Weise zu formen, die die Zukunftsaussichten der Menschheit verbessert, ungeheuer groß.
Wenn wir diese Kräfte bewahren und auf sie bauen, wenn wir in Zukunft in
uns selbst die gleichen staatsmännischen Eigenschaften finden, die wir stets
gefunden haben, brauchen wir die achtziger Jahre und die nächsten Jahrzehnte
nicht zu fürchten. Wir werden stark sein, stark genug, um uns zu schützen
- und stark genug, um für den Frieden zusammenzuarbeiten, wenn unsere Gegner
gewillt sind, es auch zu tun.
Genau
- 16 -

�Genau wie wir alles nur Erdenkliche tun werden, um Stabilität und Abschreckung in Europa aufrechtzuerhalten, fühlen wir uns zutiefst verpflichtet,
eine Entspannung zwischen Ost und West herbeizuführen.

Wir sind bereit, Vor-

schläge zu machen und neue Gedanken zu erwägen, unkonventionelle Wege zu beschreiten

und auf jedes Zeichen guten Willens der anderen Seite zu antworten.

Denn wir wollen eine Zukunft aufbauen, in der der Friede Europas in Ost und
West nie wieder gestört wird.

- 17 -

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