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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

29. Juli 1992

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UN-SANKTIONEN GEGEN IRAK

BUSH: IRAK MUSS FÜR UN-SANKTIONEN
ZUR VERANTWORTUNG GEZOGEN WERDEN
Erklärung des Präsidenten zu Drogenbekämpfung
in den USA und zur Lage im Irak

CHEMISCHE WAFFEN

LEDOGAR APPELLIERT AN ALLE STAATEN,
VERTRAG ÜBER C-WAFFEN ZU
VERABSCHIEDEN
Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz

ERDGIPFEL

BOHLEN ERLÄUTERT ERGEBNISSE
DES ERDGIPFELS VOR DEM KONGRESS
Rede von Abteilungsleiter Bohlen

NAFTA

ZOELLICK: NAFTA KANN ZU VERSTÄRKTEM
HANDEL MIT DEM PAZIFIK FÜHREN
Rede des Staatssekretärs beim ASEAN

WAHLEN '92

DIE TRADITION, EINEN "MANN DES VOLKES'
ZU WÄHLEN
Von Juliet Bruce
DIE EINFLUSSREICHE ARMEE - DIE ANATOMIE
EINER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE
Von Juliet Bruce

AIDS

US-REGIERUNG ERHÖHT AUSGABEN ZUR
BEKÄMPFUNG VON AIDS
Eine Übersicht zu Präventiv- und
Bekämpfungsmaßnahmen

EINWANDERUNG

EINWANDERUNGSQUOTE WÄRE LÖSUNG
FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEME
Rede der Flüchtlingsbeauftragten vor
Senatsausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�UN-SANKTIONEN

GEGEN

IRAK
29. Juli 1992

BUSH: IRAK MUSS FÜR UN-SANKTIONEN
ZUR VERANTWORTUNG GEZOGEN WERDEN
Erklärung des Präsidenten zu Drogenbekämpfung
in den USA und zur Lage im Irak
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus stellte Präsident Bush am 26. Juli 1992 fest,
Saddam Hussein habe sich dem Willen der Vereinten Nationen gebeugt und endlich die Inspektion des irakischen
Landwirtschaftsministeriums genehmigt, räumte jedoch ein, es sei zweifelhaft, ob nach dieser Verzögerung eine
"wirklich effektive Inspektion des Ministeriums noch möglich ist".
Bush bezeichnete Saddam Hussein als "Tyrannen, Diktator und brutalen Händler des Todes" und fügte hinzu,
Hussein stelle eine Bedrohung für das irakische Volk und für Frieden und Sicherheit in der Region dar.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des Präsidenten.
Ich möchte zwei kurze Erklärungen abgegeben.
Zusätzlich zu dem gestrigen Treffen mit unseren nationalen Sicherheitsberatern zur Situation im Irak - das
eingehend in der Presse kommentiert wurde - habe ich
heute ziemlich viel Zeit damit verbracht, eine Bilanz der
Drogenbekämpfung in unseren Gemeinden zu ziehen.
In Camp David hat mir Jim Burke, der Leiter des
Programms "Partnerschaftlich für ein drogenfreies
Amerika", einen detaillierten und ermutigenden Bericht über die von unserer Nation bei der Abkehr vom
Drogenkonsum erzielten Fortschritte unterbreitet. Es
passiert etwas. Die Vereinigten Staaten wenden sich
von Drogen ab, und zweifelsohne bleiben Probleme
bestehen, aber es werden eindrucksvolle Fortschritte
auf der Nachfrageseite der Gleichung gemacht, insbesondere bei unseren Jugendlichen.
Er und ich haben heute die Statistiken geprüft, die den
sich vollziehenden kulturellen Wandel belegen. Die
Jugendlichen lehnen Drogen ab. Einer Studie zufolge
hat sich der Drogenkonsum unter den 13- bis 17jährigen um 56 Prozent verringert, laut einer anderen um 48
Prozent.
Dies sind außerordentlich bedeutende Tendenzen,
und im Rahmen unserer Programme am Arbeitsplatz
sind deutliche Bestrebungen sichtbar. Praktisch 90
Prozent unserer führenden Unternehmen unterhalten
äußerst wirksame Programme und erweitem ein als
"Drogen funktionieren nicht" bezeichnetes Programm.
Unser Land hört die Botschaft. Mindestes 900 GeAMERIKA DIENST 30

meinden haben sich landesweit bei der Drogenbekämpfung zusammengeschlossen, und jeden Tag werden
neue Koalitionen gegründet.
Wir haben zwar immer noch ein ernsthaftes Drogenproblem in den Vereinigten Staaten mit schätzungsweise sechs Millionen Abhängigen. Das Drogenproblem steht in Zusammenhang mit allen anderen sozialen Fragen, mit denen wir uns als Nation auseinandersetzen. Wir müssen also noch mehr tun, ich war
jedoch mit Burkes Bericht im Auftrag des Programms
"Partnerschaftlich für ein drogenfreies Amerika" sehr
zufrieden.
Jetzt zum Irak. Die verspätete Ankündigung, daß der
Irak der Sonderkommission der Vereinten Nationen
die Inspektion des Landwirtschaftsministeriums in
Bagdad gestatten wird, ändert weder etwas an der
Tatsache, daß Saddam Hussein drei Wochen lang
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats offenkundig
verletzt hat. Noch ändert diese Ankündigung etwas
daran, daß der Irak die UN-Inspektoren bei der Ausübung ihres Mandats willkürlich und unbarmherzig
behindert und mißbraucht hat. Dieses Mandat lautet
unverzüglicher, ungehinderter, bedingungsloser und
uneingeschränkter Zugang zu allen Anlagen, deren
Inspektion die Vereinten Nationen für erforderlich
erachten.
Und jetzt hat Saddam Hussein wiederum nachgegeben, und obwohl er sich dem Willen der Vereinten
Nationen gefügt hat, bleibt die Frage offen, ob nach
Seite 1

�dieser Verzögerung eine wirklich effektive Inspektion
des Ministeriums noch möglich ist. Ein echter Test
seines Verhaltens werden künftige UN-Inspektionen
sein. Das bisher an den Tag gelegte Verhalten wird
nicht toleriert.

gen und das von den Besatzern gestohlene Eigentum
zurückzugeben.
Der Irak hat die Regierungsvereinbarung mit den
Vereinten Nationen nicht erneuert und UN-Beamten
und Vertreter der im Land tätigen humanitären Hilfsorganisationen weiter behindert.

Saddam Hussein hat seit langem willkürlich die Auflagen der Sonderkommission der Vereinten Nationen
nicht erfüllt und ihre Arbeit behindert. Seit über einem
Jahr macht er falsche Angaben über das Ausmaß der
irakischen Programme für Massenvernichtungswaffen und versucht sie vor den Vereinten Nationen und
der Internationalen Atomenergie-Organisation zu verbergen.

Saddam Hussein verfolgt noch immer gnadenlos das
irakische Volk in offenkundiger Verletzung von Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats, einschließlich des
jüngsten Einsatzes von Düsenjägern gegen die Schiiten und der Aufrechterhaltung der Blockade gegen die
Kurden.

Das ist inakzeptabel. Der Irak muß und wird an den
Normen der vollständigen Einhaltung von Resolution
687 des Sicherheitsrats gemessen. Saddams Verletzung des in den Resolutionen des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen formulierten Willens der internationalen Staatengemeinschaft besteht in anderen wichtigen Bereichen fort.

Der Irak hat die Annahme der Resolutionen 706 und
712 des UN-Sicherheitsrats verweigert, mit denen der
Verkauf von Nahrungsmitteln - Verkauf von Rohöl im
Gegenzug für Nahrungs- und Arzneimittel - gestattet
würde und sich statt dessen für das unnötige Leiden
des irakischen Volkes entschieden, indem er Nahrungsmittel verweigert.

Der Irak hat die Mitarbeit in der irakisch-kuwaitischen
Grenzkommission verweigert. Der Irak hat sich geweigert, Rechenschaft über die während der Besetzung
der Emirate gefangengenommenen Kuwaiter abzule-

Die internationale Staatengemeinschaft kann die
anhaltende Mißachtung der Vereinten Nationen und
der Rechtsstaatlichkeit nicht tolerieren, denn es steht
für die Region, die Vereinten Nationen und die Welt
zuviel auf dem Spiel.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 30

�CHEMISCHE

WAFFEN
29. Juli 1992

LEDOGAR APPELLIERT AN ALLE STAATEN, VERTRAG
ÜBER C-WAFFEN ZU VERABSCHIEDEN
Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz
GENF - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei der Genfer Abrüstungskonferenz, Stephen Ledogar, hat
am 23. Juli 1992 alle Staaten aufgefordert, den vorliegenden Vertragsentwurf über chemische Waffen ohne
Veränderungen zu verabschieden.
Der 183seitige Vertragsentwurf untersagt Beschaffung, Entwicklung, Herstellung, Weitergabe und Einsatz von
chemischen Waffen weltweit und sieht die Zerstörung aller Bestände und vorhandenen Produktionseinrichtungen für C-Waffen innerhalb von 10 Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags vor.
"Der Text... spiegelt das zerbrechliche und mühsam erlangte Gleichgewicht zwischen vielen unterschiedlichen
Positionen und zahlreichen verschiedenen Problemen wider", erklärte Ledogar vor der Konferenz. "Obwohl wir
in vielen Bereichen des Texts andere Regelungen vorziehen würden, sind wir nach eingehender Prüfung zu dem
Schluß gekommen, daß gewisse Opfer unsererseits notwendig sind, um ein Abkommen auf breiter Grundlage
zu erlangen und daß das verbleibende Gleichgewicht unsere Sicherheitsinteressen angemessen schützt."
Nachfolgend veröffentlichen wir Ledogars Rede im Wortlaut.

Vor langer Zeit, in einem internationalen Umfeld, das
von dem heute vorherrschenden grundverschieden
war, nahm diese Konferenz ihre Arbeit an einer Konvention zur vollständigen Beseitigung chemischer Waffen
auf der ganzen Welt auf. Diese Bemühungen waren
ungleichmäßig und - dem würden die meisten von uns
zustimmen - viel zu langsam, trotz der Leitung engagierter und talentierter Vorsitzender des Ad-hoc-Ausschusses und der harten Arbeit der Delegationen. Wir
alle haben unsere eigenen Ansichten zu den Gründen
für die schwere Geburt der C-Waffenkonvention. Um
diese Frage geht es jedoch heute nicht. Unter der
Führung unseres hervorragenden Kollegen, Botschafter von Wagner aus Deutschland, haben wir heute eine
ausgezeichnete Chance, diese Arbeit zu vollenden
und die C-Waffenkonvention der gesamten Staatengemeinschaft zur Unterzeichnung vorzulegen. Dies
wird die erste große Leistung dieses einzigartigen
multilateralen Verhandlungsgremiums für Rüstungskontrolle und Abrüstung sein.
In den kommenden beiden Wochen muß jeder Teilnehmer und Beobachter unserer Konferenz irgendwann entscheiden, ob er den letzten Vertragsentwurf
des Vorsitzenden akzeptieren kann.

AMERIKA DIENST 30

Stellvertretend für die Vereinigten Staaten möchte ich
hier erklären, daß unsere Antwort auf diese Frage "Ja"
lautet.
Wir können den Konventionsentwurf in Dokument CD/
CW/WP.400/REV.1 voll und ganz akzeptieren. Unser
Entschluß wurde nicht leicht gefaßt. In vielen wichtigen Bereichen wurden die von den Vereinigten Staaten erwünschten Positionen erheblich verwässert oder
überhaupt nicht aufgenommen. So gestattet es der
vor uns liegende Text beispielsweise nicht, daß ein
Staat, der mit C-Waffen angegriffen wird, mit chemischen Waffen zurückschlägt, auch wenn er solche
Waffen noch besitzt. Ferner darf kein Staat zu seiner
Sicherheit einen kleinen Vorrat von C-Waffen behalten, bis alle C-waffenfähigen Staaten dem Vertrag
beigetreten sind. Darüber hinaus sieht der Text keine
automatischen Verdachtsinspektionen vor, wenn ein
solches Ersuchen gestellt wird, und die Präsenz von
Beobachtern aus dem ersuchenden Staat ist auch
nicht gewährleistet. Der Text spiegelt nicht die amerikanische Position wider, daß die Zahl der von jedem
Staat zuzulassenden Verdachtsinspektionen begrenzt
werden sollte, daß Handelsbeschränkungen gegen
NichtUnterzeichner des Vertrags verhängt werden sollten

Seite 1

�und daß die Verantwortung für die Zerstörung aller CWaffen auf dem Hoheitsgebiet eines Staates voll und
ganz diesem Staat zukommen sollte.
Ich könnte noch eine lange Liste von Bereichen aufzählen, in denen der Text unsere bevorzugten Positionen nicht widerspiegelt. In einigen dieser Bereiche
haben die Vereinigten Staaten Zugeständnisse gemacht, um Fortschritte zu erleichtern. Tatsächlich
haben wir in den vergangenen Jahren eine ganze
Reihe von Konzessionen gemacht. In anderen Fällen
hat der Vorsitzende des Ad-hoc-Ausschusses, Botschafter von Wagner, einen anderen Ansatz vorgeschlagen, um ein kontroverses Problem zu lösen,
wenn die Positionen auch nach langen Debatten nicht
miteinander in Einklang gebracht werden konnten.
Tatsache ist, daß der dem Ad-hoc-Ausschuß vorliegende Text ein zerbrechliches und mühsam erlangtes
Gleichgewicht zwischen vielen unterschiedlichen
Positionen und zahlreichen verschiedenen Problemen
widerspiegelt. Obwohl wir in vielen Bereichen des
Texts andere Regelungen vorziehen würden, sind wir
nach eingehender Prüfung zu dem Schluß gekommen, daß gewisse Opfer unsererseits notwendig sind,
um ein Abkommen auf breiter Grundlage zu erlangen
und daß das verbleibende Gleichgewicht unsere Sicherheitsinteressen angemessen schützt.
Der Ad-hoc-Ausschuß hat die kontroversen Themen
erschöpfend erörtert. Ich bezweifle, daß deren weitere
Behandlung zu einem besseren Konglomerat von
Kompromissen führen wird. Im Gegenteil, die erneute
Behandlung eines kontroversen Problems könnte
vielmehr das zerbrechliche Gleichgewicht der Interessen und Positionen sprengen, wenn die Staaten wie-

*

Seite 2

derum versuchen, das Gleichgewicht zu ihren Gunsten zu verschieben. Wenn dies geschieht, kann ich
Ihnen versprechen, daß die Vereinigten Staaten bei
mehreren wichtigen Themen die von ihnen bevorzugten Positionen einbringen werden. Ich bin mir jedoch
ebenso der Tatsache bewußt, daß die neuerliche
Erörterung kontroverser Fragen den Abschluß der
Konvention noch in diesem Jahr zum Scheitern bringen könnte.
Die Vereinigten Staaten schließen weitere Änderungen des Textes nicht aus. Wir sind bereit, ernsthafte
Vorschläge von Delegationen zu Punkten in Erwägung
zu ziehen, die sie als grundlegend für ihre Interessen
betrachten. Wir unterstützen jedoch voll und ganz die
Position Botschafter von Wagners, daß Veränderungen am Vertragsentwurf nur durch Konsens erfolgen
können. Wir kennen keinen anderen Weg, um einen
Text zu erlangen, den alle Delegationen unterstützen
können.
Nach vielen Jahren der Verhandlungen sind wir nahe
daran, die Hoffnungen unserer Konferenz und das
Mandat des Ad-hoc-Ausschusses dieses Jahr zu erfüllen. Wir haben jedoch nur noch bis zum 7. August, um
die Arbeit am Text zu vollenden. Wir sind der Überzeugung, daß sorgfältige Prüfung durch die anderen Teilnehmer an den C-Waffenverhandlungen diese zu
derselben Schlußfolgerung veranlassen wird, die wir
gezogen haben. Wir fordern die anderen Teilnehmer
auf - sowohl Mitglieder als auch Nichtmitglieder -, die
ihre Position zum Text des Vorsitzenden noch nicht
bekanntgegeben haben, dies in dieser Woche zu tun.
Lassen Sie uns die vor uns liegende historische Chance ergreifen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 30

�ERDGIPFEL
29. Juli 1992

BOHLEN ERLÄUTERT ERGEBNISSE DES
ERDGIPFELS VOR DEM KONGRESS
Rede von Abteilungsleiter Bohlen
WASHINGTON - (AD) - Nach dem Abschluß der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung
(UNCED) müssen jetzt alle Länder konkrete Schritte zur Förderung umweltverträglicher Entwicklung unternehmen, erklärte der Abteilungsleiter im US-Außenministerium Curtis Bohlen am 21. Juli 1992 vor dem Ausschuß
für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses.
Bohlen erläuterte die wichtigsten Leistungen der am 14. Juni 1992 in Rio de Janeiro beendeten Konferenz und
verwies darauf, daß die Bush-Administration eine Arbeitsgruppe des Weißen Hauses ins Leben gerufen habe,
die sich mit der Verwirklichung der von den Vereinigten Staaten im Rahmen der in Rio unterzeichneten
Vereinbarungen eingegangenen Verpflichtungen befaßt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Bohlens Anhörung vor dem
Kongreß.

Ich möchte heute die drei in Rio verabschiedeten
Vereinbarungen und unsere Pläne zu deren Durchsetzung zusammenfassen.
Rio-Deklaration
Eines der wesentlichen Ergebnisse der Konferenz war
die Rio-Deklaration über Umwelt und Entwicklung.
Beim letzten Treffen des UNCED-Vorbereitungsausschusses im April legte eine kleine Gruppe von rund 14
Ländern einschließlich der Vereinigten Staaten unter
dem Vorsitzenden Tommy Koh einen Kompromißentwurf vor. Dieser Text wurde in Rio wortgetreu verabschiedet.
Der Text enthält 27 allgemeine Prinzipien zu Umwelt
und Entwicklung. Zu den von den Vereinigten Staaten
vorgeschlagenen Prinzipien zählen Beteiligung der
Öffentlichkeit, Zugang zu Informationen sowie Umweltverträglichkeitsprüfungen. Andere Prinzipien fördern den globalen Schutz der Umwelt und die Integration von Umwelt und Entwicklung. Das Dokument
steht für einen hart erkämpften und erfolgreichen
Kompromiß unterschiedlicher nationaler Interessen,
gründet sich auf die Stockholmer Deklaration von 1972
und ist eine Erweiterung derselben.
Die Vereinigten Staaten haben zur Aufnahme in das
Protokoll eine Erläuterung unserer Interpretation des
sogenannten "Rechts" auf Entwicklung (Prinzip 3)
unterbreitet, die Verantwortung der Länder für UmAMERIKA DIENST 30

weltprobleme im einzelnen erläutert (Prinzip 7), Handelsmaßnahmen zum Umweltschutz dargelegt (Prinzip 12) und sich mit dem Problem der Unterdrückung
befaßt (Prinzip 23). Wir werden eine vollständige
Interpretation vorlegen, die auch Kommentare der
Dokumente zu den Waldprinzipien und der Agenda 21
für Ihr Protokoll enthält.
Waldprinzipien
Beim Gipfeltreffen derG-7 in Houston verkündeten die
Staats- und Regierungschefs ihr Ziel, zur Unterzeichnung in Rio ein internationales Waldabkommen oder
eine Konvention auszuhandeln. Aufgrund der Komplexität der anderen Verhandlungen im Zusammenhang mit der UNCED vereinbarte der Vorbereitungsausschuß die Erarbeitung nicht bindender Prinzipien
zur Verwaltung der Wälder, die als Ausgangspunkt für
eine Konvention dienen könnten. Dieser Ansatz wurde
beim G-7-Gipfel in London bekräftigt.
Die Konferenz verabschiedete eine Erklärung zu
Waldprinzipien, in der die Bedeutung von Wäldern und
die Notwendigkeit zu deren Schutz sowie von umweltverträglicher Verwaltung ihren Niederschlag finden.
Die Prinzipien unterstützten die Rolle von wirtschaftlichen Anreizen bei der Erhaltung von Wäldern und die
Notwendigkeit der Berücksichtigung anderer Faktoren
bei der Erarbeitung von Verwaltungsplänen und
Maßnahmen. Sie tragen ferner der Bedeutung aller
Arten von Wäldern als natürliche Lebensräume, ökoloSeite 1

�gische Systeme und Ressourcen Rechnung. Es wurde
keine Einigung bezüglich der Aushandlung einer rechtlich bindenden Waldkonvention erzielt, weil einige
Entwicklungsländer den Gedanken einer Waldkonvention vehement ablehnten.
In seiner Rede vor den Staats- und Regierungschefs
unterstrich Präsident Bush die Bedeutung der Wälder
für die von ihm kurz vor dem Erdgipfel angekündigte
Initiative für die Zukunft, einschließlich seines Vorschlags, die internationale Waldhilfe im kommenden
Jahr zu verdoppeln.
Agenda 21: eine Übersicht
Das dritte Dokument, das ich erläutern möchte, ist die
Agenda 21, die eine Vision der Zukunft enthält. Die
Agenda 21 war der größte Erfolg der Konferenz.
Die Agenda 21 umfaßt 40 Kapitel, die Nationen zu
einem Kurs für umweltverträgliche Entwicklung verpflichten. Das Dokument wurde von 170 Regierungen
ausgehandelt und im Konsens verabschiedet. Jedes
Kapitel stellt bestimmte Programmbereiche vor, die
einen gemeinsamen Ansatz zu Umwelt- und Entwicklungsproblemen bieten. Die Kapitel fassen die Erörterung von Themen und die vorgeschlagenen Maßnahmen zusammen. Beispielsweise integriert das Kapitel
zu Wäldern nationale Maßnahmen und internationale
Zusammenarbeit bei der Erhaltung und umweltverträglichen Entwicklung der Wälder.
Ich möchte die drei wichtigsten Kapitel der Agenda 21
- Ozeane, technologische Zusammenarbeit und Institutionen - kurz umrei ßen und dann auf andere wesentliche Leistungen der Agenda 21 in den Bereichen
Finanzwesen und Versteppung eingehen.
Agenda 21: Ozeane
Im Hinblick auf die Ozeane sind wir mit den Ergebnissen von Rio sehr zufrieden. Die amerikanische Führungsrolle bei allen vier Sitzungen des Vorbereitungsausschusses hat maßgeblich zum Erfolg des Ozeankapitels von Agenda 21 beigetragen. Unser Ziel bestand darin, auf dem in der UN-Seerechtskonvention
von 1982 dargelegten stabilen internationalen rechtlichen Rahmen aufzubauen und Prioritäten für die Zukunft
festzulegen.
Die Vereinigten Staaten drängten auf demokratische
Ansätze, um zu gewährleisten, daß die Rechte aller bei
der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Die
Vereinigten Staaten waren in der Lage, ihre Erfahrungen bei der Durchführung von Vorschriften im eigenen
Land weiterzugeben, von denen zahlreiche in den
vergangenen Jahren unter Beteiligung dieses Ausschusses entwickelt wurden. Dazu gehören Gesetze
über die Behandlung küstennaher Gebiete, Schiffahrt,
den äußeren Festlandssockel, Energiegewinnung im
Meer, Entsorgung von Schadstoffen, Hochseefischerei, Meeressäugetiere, gefährdete Arten und Umwelt-

Seite 2

Verträglichkeitsprüfungen. Dies sind Gesetze, die für
uns heute selbstverständlich sind, aber von anderen
auf der ganzen Welt angestrebt werden, um unsere
Fortschritte beim Umweltschutz nachzuahmen.
Die Vereinigten Staaten haben erfolgreich den Einsatz
wirtschaftlicher Anreize als Weg gefördert, um industrielle und landwirtschaftliche Praktiken zu begrenzen, die das Ökosystem Meer verschmutzen, wobei
der Entwicklung von Strategien besonderes Augenmerk geschenkt wurde, die Meeresverschmutzung
aus Landquellen zu behandeln. Wir unterstützten in
Rio eine Vereinbarung, derzufolge die UNO eine internationale Konferenz über landgestützte Quellen der
Meeresverschmutzung veranstalten soll.
Im Ozeankapitel empfohlene Maßnahmen haben das
Ziel, zu gewährleisten, daß Populationen von Meereslebewesen in gesundem Umfang erhalten werden,
Populationen bedrohter Meeressäugetiere geschützt
werden und selektive Fischereiausrüstung verwendet
wird, die erhebliche Verschwendung oder Fangverluste vermeidet.
Das Kapitel bekräftigt die Seerechtskonvention, in der
die Rechte von Staaten und internationalen Organisationen niedergelegt sind, die Ausbeutung von Meeressäugetieren zu begrenzen oder verbieten. Es unterstreicht ferner die Pflicht der Internationalen Walfangkommission zur Regelung des Walfangs.
Das schwierigste Verhandlungsgebiet war die Hochseefischerei, insbesondere die Frage der Fischbestände. Beim Abschlußtreffen des Vorbereitungsausschusses hatten die Vereinigten Staaten den Vorsitz
einer Verhandlungsgruppe über lebende Meeresressourcen inne. Die Meinungsverschiedenheiten konzentrierten sich auf Fischpopulationen, die auch jenseits der exklusiven Wirtschaftszone von 200 Meilen
vorkommen. Dabei waren Kanada und die Europäische Gemeinschaft die Hauptgegner.
Die Verhandlungsgruppe schlug einen Kompromiß
vor, der vorsieht, daß eine zwischenstaatliche Konferenz über Hochseefischerei praktische Maßnahmen
zur Durchführung (nicht Neuverhandlung) der einschlägigen Bestimmungen der UN-Konvention von
1982 entwickelt (im Hinblick auf Populationen außerhalb der 200-Meilen-Zone und Fischarten mit großer
Wanderungsbewegung). Dieser Kompromiß wurde in
Rio verabschiedet.
Agenda 21: Technologische Zusammenarbeit
Technologische Zusammenarbeit war bei der UNCED
ein wichtiger Schwerpunkt der Vereinigten Staaten.
Das Kapitel über technologische Zusammenarbeit
beinhaltet amerikanische Bemühungen, die Konzepte
der technologischen Zusammenarbeit, eine bedeutsame Rolle der Privatwirtschaft und den Schutz der
Rechte an geistigem Eigentum zu unterstreichen.

AMERIKA DIENST 30

�Die Vereinigten Staaten haben schließlich mit Erfolg
betont, daß der Transfer umweltverträglicher Technologie ein Element innerhalb eines breiteren Rahmens
kooperativer Maßnahmen darstellt. Dieser Rahmen
umfaßt die Entwicklung von Informationsnetzen, den
Aufbau von Kapazitäten, Forschungszentren, Technologiebewertung und wirtschaftliche Partnerschaften.
Agenda 21: Institutionen
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Ansicht, daß
die Integration von Umwelt und Entwicklung zur Erlangung umweltverträglicher Entwicklung ein Leitprinzip
der wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten der UNO
sein sollte, und bei den Treffen der Vorbereitungsausschüsse fürdie UNCED haben die Vereinigten Staaten
umfassende Vorschläge zur Reform der UNO vorgelegt.
Das Kapitel über die Reform internationaler Institutionen spiegelt einen Konsens wider, demzufolge die
UNCED von einer verstärkten behördenübergreifenden Koordinierung im System der Vereinten Nationen
gefolgt werden muß, verstärkten Rollen für das UNUmweltprogramm, das UN-Entwicklungsprogramm und
andere UN-Organisationen, von verstärkten regionalen Bemühungen, von nationalen umweltverträglichen
Entwicklungsprogrammen sowie von einer verbesserten Rolle für Nichtregierungsorganisationen bei UNDiskussionen und -Programmen.
Die Vereinigten Staaten begrüßten die in Rio getroffene Vereinbarung, zu empfehlen, daß die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine UN-Kommission für umweltverträgliche Entwicklung ins Leben
rufen soll. Die Kommission, deren Sitz von der UNGeneralversammlung bestimmt wird, wäre ein hochrangiges Gremium des Wirtschafts- und Sozialrats.
Sein Zweck ist die Bereitstellung eines geeigneten
zwischenstaatlichen Forums für den Informationsaustausch über nationale und multilaterale Erfahrungen
bei der Durchführung oder Behandlung von Empfehlungen des Erdgipfels sowie die Erörterung von Möglichkeiten um den UNCED-Folgeprozeß zu verbessern. Die Kommission wird ferner die Bemühungen
des UNO-Systems zur Verwirklichung der Agenda 21
sowie die von unabhängigen Vertragsgremien gelieferten Informationen über die Umsetzung von Umweltkonventionen prüfen.
Andere wichtige Themen
Andere wichtige Themen waren die Finanzen und die
Forderung nach einer Konvention über die Ausbreitung der Wüsten.
Finanzen. Agenda 21 beinhaltet ein Kapitel über
finanzielle Mittel, das die Zustimmung aller Länder
fand. Das Kapitel reflektiert ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Bedürfnis der Entwicklungsländer, die meisten Ressourcen intern zu mobilisieren
AMERIKA DIENST 30

und dem Bedarf nach zusätzlicher Hilfe aus externen
Quellen. Die Vereinigten Staaten haben die Bedeutung positiver nationaler Volkswirtschaften betont, femer
die Rolle des Privatsektors und die Notwendigkeit
innovativer Finanzierung wie Schuldenreduzierung im
Tausch gegen Umweltschutz. Das Kapitel über Finanzen verweist auf eine Reihe von Quellen und Mechanismen für die finanzielle Hilfe der Agenda 21, einschließlich der umstrukturierten Globalen Umweltfazilität.
Ausbreitung der Wüsten. Bei der letzten Vorbereitungskonferenz forderten die Entwicklungsländer eine
Konvention, um der fortschreitenden Ausbreitung der
Wüsten, das heißt der Bodenerosion durch Aktivitäten
des Menschen, Einhalt zu gebieten. Die Konferenz in
Rio kam überein, die Generalversammlung der Vereinten Nationen aufzufordern, bei ihrer 47. Sitzung einen
zwischenstaatlichen Verhandlungsausschuß zu gründen, um bis Juni 1994 eine Konvention zur Bekämpfung der Ausbreitung von Wüsten in Ländern - insbesondere in Afrika - zu erarbeiten, in denen große Dürre
herrscht oder sich die Wüste erheblich ausbreitet. Die
Vereinigten Staaten haben die Konvention unterstützt,
weil das Problem dringlich ist und die afrikanischen
Länder entschlossen sind, die Ausbreitung der Wüsten anzugehen.
Die nächsten Schritte
Präsident Bush hat erklärt, daß der Weg nach Rio zwar
wichtig war, aber "der Weg von Rio ist das, was zählt".
Es ist entscheidend, daß alle Länder Schritte unternehmen, um eine umweltverträgliche Entwicklung zu
fördern. Die Vereinigten Staaten arbeiten hart daran,
zu gewährleisten, daß die Ergebnisse der Konferenz
erfolgreich die Basis für ein neues Zeitalter globaler
Kooperation und Partnerschaft schaffen. Es steht
zuviel auf dem Spiel, als daß man es zulassen könnte,
die Agenda 21 auf die lange Bank zu schieben, ein
Schicksal, das zu viele Arbeitsprogramme der Vereinten Nationen in der Vergangenheit erlitten haben.
Präsident Bush und die anderen Staats- und Regierungschefs der G-7 haben vor zwei Wochen in München erklärt, daß der Erdgipfel ein Meilenstein war, um
das Bewußtsein über globale Umweltherausforderungen zu schärfen und den Prozeß der Schaffung einer
weltweiten Partnerschaft über Entwicklung und Umwelt zu beschleunigen. Sie forderten schnelle und
konkrete Maßnahmen zur Überprüfung der UNCEDVerpflichtungen im In- und Ausland.
Auf internationaler Ebene umfaßt dies die Zusammenarbeit mit anderen Ländern, um die in Agenda 21
vereinbarte Umstrukturierung und Reform des UNOSystems zu leisten. Auf nationaler Ebene bedeutet es
die Erstellung, Veröffentlichung und Durchführung
nationaler Aktionspläne für umweltverträgliche Entwicklung.

Seite 3

�Die Vereinigten Staaten gehen schnell vor, um sicherzustellen, daß wirüber die funktionierenden Mechanismen verfügen, um beiden Zielsetzungen gerecht zu
werden. Kurz nach der Konferenz rief das Wei ße Haus
eine parlamentarische Arbeitsgruppe zu UNCED ins
Leben, die der wichtigste Kanal zur Entwicklung interministerieller Initiativen und Maßnahmen im Nachgang zu der Konferenz sein soll. Der Arbeitsgruppe
obliegt die Koordinierung der Durchführung von in Rio
verabschiedeten Abkommen. Der Arbeitsgruppe
gehören an: das Außenministerium, Innenministerium, Ministerium für Landwirtschaft und Energie, das
Umweltschutzamt, hochrangige Beamte des Weißen

Hauses und des Präsidialamts sowie der Vorsitzende
des Rats für Umweltqualität.
Die interministerielle Koordinierung von UNCED-Themen wird auch auf unterer Ebene fortgeführt und zwar
mit Hilfe der erprobten interministeriellen Gremien, die
bei den Vorbereitungen zur UNCED hervorragende
Arbeit geleistet haben. Ich kann Ihnen versichern, daß
wir im Büro für Ozeane und internationale wissenschaftliche Umweltprobleme die erforderlichen Ressourcen zur Nachbereitung der UNCED bereitstellen
werden. Dies hat oberste Priorität. Ich bin sicher, daß
andere Behörden gleichziehen werden.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 30

�NAFTA
29. Juli 1992

ZOELLICK: NAFTA KANN ZU VERSTÄRKTEM
HANDEL MIT DEM PAZIFIK FÜHREN
Rede des Staatssekretärs beim ASEAN
WASHINGTON - (AD) - Staatssekretär Robert Zoellick zufolge würde die Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement - NAFTA) zu verstärktem Handel
zwischen den Vereinigten Staaten und dem Pazifik führen.
In einer Rede vor der "Sechs-plus-Sieben-Sitzung" des Verbands Südostasiatischer Nationen ASEAN erklärte
Zoellick am 24. Juli 1992 in Manila, ein konkurrenzfähigerer nordamerikanischer Markt wäre besser geeignet,
"den florierenden Handel mit dem pazifischen Becken aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Wir beabsichtigen
nicht, eine große Insel zu sein - das läge nicht in unserem Eigeninteresse."
Amerikanische, mexikanische und kanadische Regierungsvertreter eröffneten am vergangenen Wochenende
die Endrunde der Gespräche zum NAFTA, das die Senkung der Handelsschranken zwischen ihren Ländern zum
Ziel hat. Regierungsvertretem zufolge wird NAFTA einen der reichsten Märkte der Welt mit über 360 Millionen
Verbrauchern und Produzenten sowie einer Jahresproduktion von mehr als 6 Billionen Dollar schaffen.
Zoellick fuhr fort, man müsse sich Gedanken über die Liberalisierung des Handels im gesamten pazifischen
Raum Gedanken machen.
"Mit den Abkommen zur Erleichterung von Handel und Investitionen sowie den bilateralen Investitionsverträgen
haben wir einen Anfang gemacht", so Zoellick. Ferner beabsichtigen wir, auf der erfolgreichen Reise unserer
Botschafter in die ASEAN-Länder aufzubauen, indem wir diese Bestrebungen wiederholen und die Botschafter
der ASEAN-Länder zu einem Besuch in die Vereinigten Staaten einladen. Und wir unternehmen Schritte zur
Integration unseres Privatsektors in diese kontinuierlichen Wirtschaftsaktivitäten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Staatssekretär Zoellick im Wortlaut.
Außenminister Baker hat mich gebeten, die Verzögerung seiner Ankunft in Manila aufgrund der unerwarteten Entwicklungen bei den Nahost-Friedensgesprächen zu entschuldigen. Er sieht dem Zusammentreffen mit Ihnen im weiteren Verlauf der Konferenz jedoch
gerne entgegen. In der Tat unterstrich der Außenminister die Bedeutung, die er seiner Teilnahme an
diesem ASEAN-Treffen persönlich beimißt - Meinungen mit Parntern auszutauschen und Kollegen wiederzusehen, die Freunde geworden sind.

schichte hat dem Kommunismus den Bankrott erklärt:
als Wirtschaftssystem, Ideologie, als etwas Erstrebenswertes. In dieser Woche weilte der demokratische Außenminister Rußlands zu konstruktiven Gesprächen darüber hier in Manila, wie wir das tragische
Vermächtnis des Kommunismus überwinden und eine
neue Partnerschaft gründen können.
Die Asiaten haben den Aufstieg und Fall von Dynastien
miterlebt. Sie wissen, daß Imperien nicht gefahrlos
den Schauplatz der Geschichte verlassen.

In den vergangenen vier Jahren hatte auch ich das
Privileg, diesen Sitzungen beiwohnen zu können, und Aus diesem Grund räumt meine Regierung dem sicheich wei ß die Gelegenheit zu schätzen, wieder mit Ihnen ren Abbau des nuklearen Gleichgewichts des Schrekkens und der Verhinderung der Verbreitung von Maszusammenzusein.
senvernichtungswaffen höchste Priorität ein. Aus
Lassen Sie uns einen Augenblick innehalten und die diesem Grund haben wir versucht, in allen Teilen der
Bilanz dessen ziehen, was wir in etwas über 1000 Welt Gelegenheiten zur Entschärfung seit langem
Tagen gesehen und erreicht haben. Die schwere durch Kommunismus und Konflikt geschürter regionaler Gefahren zu ergreifen. Aus diesem Grund helfen
Prüfung des Kalten Krieges ging zu Ende. Die GeAMERIKA DIENST 30

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�i

wir den politisch Verantwortlichen der neuen Demokratien dabei, ihre Länder aus der totalitären Dunkelheit und wirtschaftlichen Lähmung herauszuführen.
Die Asiaten - und Amerikaner - wissen auch, daß der
Kalte Krieg in Europa zu heißen Kriegen am Pazifik
eskalierte. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
führte eine Generation von Amerikanern Krieg in Nordasien, und die nächste Generation verblutete in Südostasien. In Anlehnung an Napoleons Worte möchte
ich folgendes sagen: Wenn die Gräber der Soldaten
einer Nation den Horizont ihrer Weltsicht markieren,
dann sollte niemand am Pazifik den Platz der Vereinigten Staaten in dieser Region in Zweifel ziehen.
Dennoch hat mein Land auch stets nach vorne geblickt. Dies trifft heute noch zu. Und es ist verständlich,
daß unsere Partner am Pazifik fragen werden, wie wir
unsere Beziehungen zur asiatisch-pazifischen Region
in diesem neuen Zeitalter sehen.
Ich möchte kurz unsere Haltung zu drei grundlegenden
Fragen erläutern.
Erstens Sicherheit. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zur Aufrechterhaltung einer kontinuierlichen
operativen und Abschreckungsfähigkeit in Asien. Das
bedeutet vorne stationierte Truppen, Flotten und Luftstreitkräfte. Es bedeutet ebenfalls unsere dauerhafte
Verpflichtung zum amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrag, die praktische, gegenseitig nützliche
Partnerschaft der beiden größten demokratischen
Mächte in der Region. Denn das Ende des Kalten
Krieges bedeutet nicht das Ende gefährlicher Diktatoren und Regime, der Androhung von Gewalt und
potentieller Konflikte. Nun, da die Irrtümer der universalistischen Ideologie des Kommunsmus enthüllt
wurden, sehen wir uns mit dem Wiederauftreten exklusiver Ideologien konfrontiert, die ethnische, nationale
und religiöse Gruppen gegeneinadner aufhetzen.
Niemand wünscht Pin Wiederaufleben der Unsicherheiten in dieser Region, die zu - selbst unbeabsichtigten - Bewegungen führen könnten, die das friedliche
Gleichgewicht aus dem Gefüge geraten lassen.
Wie die Vereinigten Staaten im Golfkrieg bewiesen
haben, werden wir nicht tatenlos zusehen, wenn neue
Tyrannen unsere nationalen Sicherheitsinteressen
bedrohen. Wir haben auch am Pazifik nationale Sicherheitsinteressen.
Natürlich werden wir unsere Streitkräfte in der Region
an die neuen Gegebenheiten anpassen. Wir haben
Ihnen unsere Pläne mitgeteilt, insbesondere unsere
ostasiatische strategische Initiative.
Wir haben unsere Bereitschaft unter Beweis gestellt,
diese Pläne gegebenenfalls wie in Korea anzupassen.
Wir haben unser Vertrauen in verbesserten Zugang zu
einer Reihe regionaler militärischer Einrichtungen sowie
unsere Erwartung erläutert, daß dieser Ansatz zu
einem stärkeren Gefühl gegenseitiger und geteilter
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Verantwortung führen wird. Und wir haben kreative
multilaterale Antworten auf vielschichtige Sicherheitsprobleme wie etwa in Kambodscha begrüßt, unterstützt und - wie ich hoffe - sogar angeregt.
In der Welt nach dem Kalten Krieg müssen die Vereinigten Staaten weiterhin eine Führungsrolle übernehmen - vielleicht die einzige Führungsmacht mit wirklich
weltweitem Einfluß sein - aber wir werden versuchen,
dies im Wege der Partnerschaft zu tun. Wir müssen
uns aufeinander verlassen.
Aus diesem Grund sind wir besonders über die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs der ASEANLänder vom Januar erfreut, regionale Sicherheitsfragen in unsere Beratungen aufzunehmen. Die ASEANInitiative bietet uns eine Gelegenheit zum Gedankenaustausch über die Herausforderungen, mit denen
sich die Region konfrontiert sieht. Es könnten sich
Möglichkeiten für Schritte zur Unterstützung der regionalen Sicherheit durch den Aufbau von Vertrauen und
Zuversicht bieten, beispielsweise Zusammenarbeit bei
Produktpiraterie und größere Transparenz bei Verteidigungsfragen. Mit der Zeit muß unser Dialog eine
präventive Diplomatie fördern, Mißtrauen beseitigen
und Mißverständnisse vor ihrer Eskalation klären.
Unser zweites aber ebenso wichtiges Interesse sind
unsere Wirtschaftsbeziehungen mit der asiatischpazifischen Region. In den frühen siebziger Jahren lag
unser Handelsvolumen mit der Region unter dem mit
Lateinamerika. Jetzt ist unser transpazifisches Handelsvolumen im Wert von über 300 Milliarden Dollar
pro Jahr mehr als 40 Prozent höher als unser transatlantischer Handel. Unser Handelsvolumen von 50
Milliarden Dollar mit den ASEAN-Ländern übersteigt
unser Handelsvolumen mit Deutschland. Wir exportieren mehr nach Singapur als nach Spanien oder Italien.
Aber die Asiaten sind sich der Wirtschaftszahlen sehr
wohl bewu ßt. Ich möchte mich daher nun den Anliegen
zuwenden.
Eine große Leistung des Kalten Krieges war der Wiederaufbau von Westeuropa und Japan - sie wurden
unsere Partner und Verbündeten. Jetzt befinden sich
auch andere - insbesondere Nationen in Asien und
Lateinamerika - auf dem Weg zum Wohlstand.
Offen gesagt ist die alte Nord-Süd-Logik ebenso veraltet wie die Teilung des Kalten Krieges zwischen pst
und West. In dieser Zeit nach dem Kalten Krieg sollten
wir die enormen Unterschiede zwischen den sogenannten Entwicklungsländern berücksichtigen. Wir
sollten auch bei der Schaffung eines besseren Lebens
für alle Mitbürger in unserem gemeinsamen Interesse
handeln. Es liegt in unserem gemeinsamen Interesse,
einen internationalen Wirtschaftsrahmen sicherzustellen, der sowohl Wachstum fördert als auch politsche
Unterstützung gewähren kann. Wir müssen den ASEANLändern und anderen die Möglichkeit bieten, von ihrem
relativen Vorteil zu profitieren. Gleichzeitig muß der
AMERIKA DIENST 30

�internationale Rahmen das nach außen gerichtete
Engagement der Vereinigten Staaten, der EG, Japans
und anderer Länder unterstützen, sowohl bei der
Zusicherung von offenem Zugang für ihre konkurrierenden Produkte, Dienstleistungen und Ideen als auch
durch Hilfestellung beim Übergang zur Wettbewerbsfähigkeit.
Natürlich wäre eine erfolgreiche Uruguay-Runde ein
Eckpfeiler dieses Systems. Wir wollen unabhängig
von unseren Wahlen dabei Fortschritte erzielen, weil
wir der Meinung sind, daß freie Märkte und Wettbewerbschancen wirtschaftlich und politisch sinnvoll sind.
Beim Gipfel in München haben die Vereinigten Staaten
auf zwei Vorschläge zur Landwirtschaft gedrungen,
um die EG zu veranlassen, den Umfang ihrer subventionierten Agrarexporte so zu reduzieren, wie es ein
Großteil der Welt anstrebt - und ich sollte hinzufügen,
daß der EG-Präsident Premierminister Major auch
energisch zum Handeln aufgefordert hat. Leider war
die Zeit für manche Maßnahmen noch nicht reif. Aber
wir haben im vergangenen Jahr mehr Fortschritte
erzielt als manche erkennen mögen. Wir haben nicht
die Absicht aufzugeben. Um jedoch letztlich erfolgreich zu sein, werden viele von Ihnen auch Ihre Angebote im Hinblick auf besseren Zugang zu Waren und
Dienstleistungen verbessern müssen.
In der Zwischenzeit erzielen wir allmählich Fortschritte
bei NAFTA, dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen. Meiner Ansicht nach kann NAFTA die Basis
für stärkere panpazifische Verbindungen sein. Starkes Wachstum in Nordamerika wird mehr Handel mit
Asien bedeuten. Die Tatsachen des Handels mit allen
drei nordamerikanischen Ländern bestätigen dies. Ein
konkurrenzfähigeres Nordamerika wird eher bereit sein,
unseren florierenden Handel mit dem Pazifik zu erhalten und zu stärken. Wir wollen keine große Insel sein;
das läge nicht in unserem Interesse.
Im Gegenteil müssen wir meiner Meinung nach ernsthaft erwägen, wie der Handel im gesamten pazifischen
Raum zu liberalisieren ist. Mit den Abkommen zur
Erleichterung von Handel und Investitionen sowie bilateralen Investitionsverträgen haben wir einen Anfang
gemacht. Darüber hinaus wollen wir auf der erfolgreichen Geschäftsreise unserer Botschafter in die ASEANLänder aufbauen, indem wir diese wiederholen und die
ASEAN-Botschafter einladen, eine ähnliche Reise in
die Vereinigten Staaten zu unternehmen. Femer
unternehmen wir Schritte zur Integration unseres Privatsektors in diese kontinuierliche Wirtschaftsdiplomatie.
Wir müssen weiterdenken. Angesichts der Entwicklung von AFTA und NAFTA müssen wir überlegen, wie
sie sich gegenseitig ergänzen können. Ich hoffe
femer, daß wir das Programm der Liberalisierung des
Pazifikhandels innerhalb der APEC fördern können.

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Die Kooperation zwischen den Vereinigten Staaten
und den ASEAN-Ländern war grundlegend dabei, aus
der Idee APEC eine Institution zu machen. In dieser
Hinsicht begrüße ich es, daß sich unter der Führungsrolle Thailands die Idee eines APEC-Sekretariats entwickelt hat.
Die Vereinigten Staaten bieten den größten vollständig
integrierten Markt der Welt. Wir möchten, daß dies ein
konkurrenzfähiger Weltmarkt ist, nicht der Teil eines
Blocks. Auf nationaler Ebene wird Präsident Bush auf
Initiativen im Bildungswesen, bei der Ausbildung von
Arbeitnehmern, in Forschung und Entwicklung sowie
in den Naturwissenschaften drängen, damit unsere
Bürger sowohl Chancen haben als auch Fähigkeiten
erwerben. Auf internationaler Ebene werden wir freien
Handel und offene Märkte an allen Fronten fördern global, regional und bilateral. Wenn einige Nein sagen,
werden wir uns diejenigen aussuchen, die sich unsere
Vision stärkeren Handels und besseren Wachstums
zu eigen machen. Wir wollen, daß ASEAN und APEC
in dieser Zukunft einen besonderen Platz einnehmen.
Unsere dritte fundamentale Verbindung mit Asien im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg ergibt sich durch
unsere politischen Systeme und unsere Menschen.
1980, als ich in Hongkong lehrte, argumentierten meine
Studenten, Demokratie sei nicht der Normalfall in
Asien, und sie erklärten mir, Japan sei ein Einzelfall.
Was ist also in zwölf Jahren geschehen? Betrachten
Sie nur die Philippinen, wo gerade eine neue Regierung gewählt wurde. Betrachten Sie Korea, Taiwan,
die Mongolei - den zunehmenden Pluralismus in den
ASEAN-Ländern insgesamt. Und sogar in dem gequälten Land Kambodscha basieren unsere gemeinsamen Bestrebungen zum großen Teil auf der Herbeiführung politischer Legitimität durch freie Wahlen. Ich
erkenne, daß es Rückschläge geben wird. Der demokratische Prozeß mag neue Formen annehmen und
Ideen über den Standort des einzelnen, die Familie
und die Gemeinschaft widerspiegeln. Aber in den vergangenen 200 Jahren wurden diejenigen, die den Ruf
des Menschen nach Freiheit, Respekt und Selbstregierung nicht erkannt haben, letztlich hinweggefegt.
Aus diesem Grund ist es unser Ziel, daß dieses
Zeitalter nach dem Kalten Krieg ein Zeitalter demokratischen Friedens sein wird, auf der Basis einer gemeinsamen Verpflichtung für politische und wirtschaftliche
Freiheit. Vielleicht wird es sich als größte Ironie der
Geschichte erweisen, daß die Aufklärung zwei universalistische Theorien hervorgebracht hat, die Volksgruppen, Nationen und Regionen überwunden haben.
Eine von ihnen - der Marxismus - ist im Mülleimer der
Geschichte gelandet. Aber die andere - Demokratie
auf der Basis von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Privateigentum - ist jetzt unsere größte Hoffnung für die Schaffung eines offenen, allumfassenden
und toleranten weltweiten Systems.

Seite 3

�Ich möchte mit einigen kurzen Kommentaren zu Themen schließen, von denen ich weiß, daß wir sie in
unseren folgenden Sitzungen eingehender behandeln
werden.
Lassen Sie mich mit Kambodscha beginnen. Unsere
multilateralen Bestrebungen zur Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens in diesem gepeinigten Land sind Mittelpunkt der Kooperation zwischen
den Vereinigten Staaten und den ASEAN-Ländern.
Das im Oktober vergangenen Jahres in Paris unterzeichnete Friedensabkommen hat zumindest dem
kambodschanischen Volk echte Hoffnung vermittelt,
daß ihr langer Alptraum vorbei sein könnte.
Die ASEAN-Länder müssen in dem Schlichtungsprozeß weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Von der
Aufnahme von Flüchtlingen und Erleichterung ihrer
Rückführung zur Bereitstellung von Truppen für UNFriedensmissionen bleibt die Teilnahme der ASEANLänder für den Erfolg des kambodschanischen Friedensprozesses absolut entscheidend. In diesem
Zusammenhang freuen wir uns auch, auf die Rolle zu
verweisen, die Japan jetzt bei den Friedensmissionen
zu spielen bereit ist.
Die Beteiligung der ASEAN-Länder ist insbesondere
jetzt wichtig, da UN-Bestrebungen zur nationalen
Aussöhnung sowie freien und fairen Wahlen bedroht
sind. Die Haltung der Vereinigten Staaten ist klar: wir
engagieren uns voll und ganz für die vollständige
Durchführung des Pariser Abkommens. Weder die
internationale Staatengemeinschaft noch das kambodschanische Volk können sich mit weniger zufriedengeben. Wir dürfen nicht zulassen, daß Kambodschas nationale Tragödie wiederaufflammt.
Die Vereinten Nationen waren bestrebt, die berechtigten Interessen aller Parteien in Kambodscha zu berücksichtigen. Die vergangenen Monat in Tokio zugesagte großzügige H-ife der internationalen Staatengemeinschaft sollte an die Parteien gehen, die mit den
Übergangsbehörden der Vereinten Nationen kooperieren - aber nur an diese Parteien. Jede Seite, die
meint, diesen Friedensprozeß unterminieren zu müssen, wird sich diskreditieren und isolieren. Dies sollte
unsere gemeinsame Botschaft sein.

Darüber hinaus bin ich der Ansicht, daß es eine kluge
Entscheidung der ASEAN-Länder war, sich auf das
Problem der Spratly- Inseln zu konzentrieren, und ich
beglückwünsche die ASEAN-Minister zu den von ihnen veröffentlichten nützlichen Prinzipien. Der Diaiog,
den Indonesien auf den umkämpften Inseln fördert, ist
ein gutes Beispiel dafür, was man als Vorsorgediplomatie bezeichnen könnte. Wir hoffen und erwarten,
daß dieser Prozeß zu einer friedlichen Lösung von
Meinungsverschiedenheiten führt. Die Vereinigten
Staaten sehen ihrerseits keine Rechtfertigung für den
Einsatz militärischer Gewalt zur Lösung unterschiedlicher Territorialansprüche im Südchinesischen Meer.

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Eine faire und dauerhafte Lösung dieses Problems
kann nur durch friedliche Verhandlungen zwischen
den betroffenen Parteien erfolgen, nicht durch einseitige Maßnahmen. An dieser Stelle möchte ich hinzufügen, daß die amerikanische Regierung nicht an den
Aktivitäten privater Firmen beteiligt ist, die in diesen
problematischen Bereichen tätig werden wollen.
Im vergangenen Jahr habe ich davor gewarnt, daß das
ungerechtfertigte und brutale Eingreifen des Militärs in
Burma sowohl einen Angriff gegen die zivilisierte Welt
als auch eine Quelle der Instabilität darstellt. Leider
hatte ich recht. Burma exportiert jetzt in ungeahntem
Ausmaß Leid und Tod über seine Grenzen hinaus.
Seit unserer letzten Zusammenkunft waren wir Zeuge
der schrecklichen Flucht von 270.000 moslemischen
Rohingya-Flüchtlingen nach Bangladesh und anderer
Flüchtlinge nach Thailand. Burma ist ferner eine
Hauptquelle des Heroins für Süchtige auf der ganzen
Welt; tatsächlich wird ein großer Teil dieser tödlichen
Droge von den Menschen in Südostasien konsumiert.
Ist es nicht an der Zeit, zu sagen, genug ist genug?
Wir wissen, daß das burmesische Militär gegenüber
der Aufmerksamkeit der Welt nicht immun ist. Der Rat
zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung hat
einige positive Schritte unternommen. Aber ist es nicht
an der Zeit, daß wir gemeinsam der Militärregierung
erklären, sie müsse alle politischen Flüchtlinge - auch
Aung San Suu Kyi - freilassen und in einen echten
Dialog einbinden, um sobald wie möglich eine rechtmäßige Verfassung wiederherzustellen? Die UNHCRVertreter sollten die Rückkehr der Rohingya-Flüchtlinge in ihre Heimatregionen beobachten dürfen. Mit
solchen Schritten könnte Burma den - einzigen - Weg
beschreiten, um der internationalen Staatengemeinschaft beizutreten.
Manche Menschen bezweifeln die Macht einer weltweiten Verurteilung. Sie erklären, wir sollten die Welt
nehmen, wie sie ist und realistisch sein. Meine Antwort
darauf habe ich den Skeptikern vor zwei Wochen in
Helsinki gegeben. Dort habe ich frühere Gefangene
aus Gewissensgründen als Präsidenten und Premierminister neuer Demokratien gesehen. Wo immer sie
auch hingehen und was immer sie auch tun - ihre
Namen sind jetzt Synonyme für Mut und Überzeugung. Das trifft auch für den Namen Aung San Suu Kyi
zu. Wenn wir sie vergessen, vergessen wir unsere
Menschlichkeit.
Zum Schluß weise ich darauf hin, daß Laos und
Vietnam den Prozeß der Herstellung engerer Beziehungen zu den ASEAN-Ländern eingeleitet haben,
Beziehungen, aus denen die Region mit der Zeit gro ße
Vorteile ziehen könnte. Stärkere Beziehungen könnten zu einer Verminderung der Spannung in Südostasien beitragen und gleichzeitig wirtschaftliche und
politische Reformen erleichtern. Wenn sich dieser
Prozeß entwickelt, fordern wir Sie aber auf, sich an

AMERIKA DIENST 30

�unsere Kriegsgefangenen und Verschollenen zu erinnern. Für meine Regierung und die Menschen in
unserem Land gibt es kein wichtigeres Thema. Wir
werden die jungen Männer nicht vergessen, die stellvertretend für uns alle in diese Region, aber nicht mehr
nach Hause kamen. Wir bitten Sie um Ihre anhaltende
Unterstützung unserer Bestrebungen, die bestmögliche Aufklärung über unsere Landsleute zu erhalten.

Ich freue mich auf die Gespräche mit Ihnen in den
nächsten Tagen. Unser Programm ist nicht nur für
Südostasien wichtig, sondern auch für die neue Weltordnung, die wir partnerschaftlich mit Ihnen aufbauen
wollen. Ich danke Ihnen.

* * * *

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*

Seite 5

�WAHLEN

'92
29. Juli 1992

DIE TRADITION, EINEN "MANN DES VOLKES"
ZU WÄHLEN
von Juliet Bruce
In dem nachfolgenden Artikel erläutert die in Washington ansässige freie Autorin, warum Amerikaner gerne
"unpolitische" Politiker wählen.

Angesichts der monumentalen Probleme, denen ein
amerikanischer Präsident ausgesetzt ist, könnte es
schwer verständlich sein, daß sich Präsidentschaftskandidaten als gewöhnliche Bürger präsentieren und
Wahlkampfveranstaltungen mit ihren Ballons und lustigen Hüten, auf denen Elefanten oder Esel abgebildet sind, häufig wie Karnevalssitzungen erscheinen.
Diese Elemente des Wahlkampfs sind jedoch "eherne
Prinzipien" in der amerikanischen Politik, erklärt der
politische Analyst Jeff Greenfield.
Stephen Hess verweist in seinem Buch The Presidential Campaign auf das im amerikanischen Charakter
verwurzelte tiefe Mißtrauen gegenüber der Politik und
Politikern. Die Verfassungsväter waren Hess zufolge
schließlich keine Politiker. Sie waren Rechtsanwälte,
Kaufleute und Gutsbesitzer. Die Amerikaner haben
stets an den Mythos von Amerika als Nation von
"kleinen Landbesitzern" geglaubt - freiheitsliebenden,
unabhängigen Bürgern, die fleißig ihr Land bestellen.
"Wir gleichen diese Ambivalenz aus, indem wir 'unpolitische' Politiker wählen - Bürger, die für ein Amt
kandidieren, um uns zu vertreten und danach in unsere
Reihen zurückkehren," erklärt Hess.
Amerikaner haben es von Anfang an vorgezogen,
einen Mann zu wählen, den sie für grundsätzlich
anständig und ehrlich hielten, anstatt einen Mann, der
mit ihnen bei jedem Problem einer Meinung war,
schreibt Professor Robert A. Dinkin von der California
State University in seinem Buch Campaignlng In
America. In der Kolonialzeit (vor dem Ende der
Amerikanischen Revolution im Jahr 1781) hielten die
Menschen es für wichtig, die Männer persönlich zu
kennen, die sie als Vertreter in die Gemeindeparlamente wählten. Wahlkampf war eine Nachbarschaftsaktivität, zu der viel Händeschütteln gehörte, ohne daß
man jedoch aktiv um Stimmen warb. In einem Leitar-

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tikel aus dem Jahr 1753 hieß es: "Jemanden um seine
Stimme zu bitten, ist ein Eingeständnis des Kandidaten, daß er seinen eigenen Verdiensten mißtraut."
"Kandidaten waren bestrebt, Mitglieder der Wählerschaft einzeln zu treffen, in der Kirche, in Kneipen, bei
Gericht oder bei der Milizausbildung", schreibt Dinkin.
Zum Wahlkampf gehörten Essen und Unterhaltung für
die Wählerschaft, wobei erlesene Barbecues, Muschelessen, Hsch- und Schildkrötendiners sowie Fässer
voller Whisky als regelmäßige Begleiterscheinungen
von Wahltagen galten. Das Abschneiden eines Kandidaten bei den Wahlen stand häufig in Zusammenhang mit dem Umfang der von ihm gegebenen Feste.
Der fünfte Präsident, James Madison, verlor seine
erste Kongreßwahl, weil er versuchte, eine "enthaltsame" Kampagne ohne Whisky zu betreiben. "Alte
Gewohnheiten sind zu tief verwurzelt, um auf einmal
reformiert zu werden", räumte Madison seinem Gegner ein, "der alle Beeinflussungsmittel anwandte, die
dem Volk bekannt waren".
Die Bewerbung um die Präsidentschaft der neuen
Nation war jedoch ein wesentlich würdigeres Schauspiel. Es wurde als unziemlich angesehen, daß Kandidaten für ein solch hohes Amt Wahlkampf betrieben.
"Das Werben um Popularität hat häufig Tyrannen oder
Demagogen und mit Verwirrung und Blutvergießen
einhergehende Revolutionen hervorgebracht anstatt
Patrioten und gute Regierungen," schrieb ein Kandidat. Deshalb ist es nicht überraschend, daß der Held
des Revolutionskrieges, George Washington, angefleht werden mußte, seinen Altersruhesitz Mount Vernon in Virginia zu verlassen und im Jahr 1789 erster
Präsident des Landes zu werden. "Der Mann suchte
das Amt nicht," erklärte ein zeitgenössischer Beobachter. "Statt dessen suchte das Amt den Mann."

Seite 1

�In folgenden Wahlkampfschlachten, in denen es um
die grundsätzliche Philosophie und Struktur der neuen
Regierung ging, warb kein Kandidat aktiv um Stimmen.
Der dritte Präsident, Thomas Jefferson, blieb in seinen
Gärten von Monticello in Virginiadem Konflikt entrückt.
Seine "Kampagne", wenn man überhaupt von einer
solchen sprechen konnte, wurde von der Partei verbundenen Zeitungsredakteuren und Freunden durchgeführt, die Staatskomitees organisierten und Versammlungen ausrichteten, bei denen die Redner die
Vorzüge ihres Kandidaten erläuterten und Literatur
verteilten. Das Kabinett des vierten Präsidenten, John
Quincy Adams, bereiste das Land und hielt während
seiner Wiederwahlkampagne Reden zu seinen Gunsten.
Es war der siebte Präsident, Andrew Jackson aus
Tennessee, der den Präsidentschaftswahlkampf in
seiner heutigen Form einführte. Nachdem er 1824 die
Wahl infolge von Stimmenmanipulation im Wahlmännerkollegium (dem von der Verfassung für die offizielle
Wahl des Präsidenten vorgesehenen Gremium) verloren hatte, beschloß Jackson, sein Streben nach dem
Wei ßen Haus direkt dem Volk zur Entscheidung vorzulegen. Jackson führte den ersten koordinierten nationalen Wahlkampf, der von Berufspolitikern kontrolliert
wurde und bei dem sich ein Kandidat zum ersten Mal
aufmachte, um mit der Bevölkerung zusammenzutreffen. Drei Jahre lang bereiste Jackson die Vereinigten
Staaten, von den Städten bis zur Frontier und schüttelte die Hände gewöhnlicher Amerikaner. Jacksons
Wahlkampfmanager organisierten Veranstaltungen,
an denen Tausende von Menschen teilnahmen, die
tagelang mit Fuhrwerken oder zu Pferd unterwegs
gewesen waren. Bei diesen Veranstaltungen wurden
Fackelzüge, Musikkapellen, Reden, freier Whisky und
Barbecues eingesetzt. Wahlkampfhelfer verteilten
Flugblätter, Ansteckbänder und Buttons, Poster und
Flaggen.
"Die Wahl des Präsidenten schlug die Öffentlichkeit
völlig in ihren Bann", schreibt der in Dinkins Buch
zitierte Historiker Jules Abel. "Zeitgenössische Beobachter stellten fest, daß die karnevalistischen Veranstaltungen den Massen ein emotionales Ventil und
sogar eine Art von gemeinsamer Erholung boten zu
einer Zeit, in der sonst kaum etwas derartiges vorhanden war."
Ein mexikanischer Journalist beobachtete bei einem
Besuch zu jener Zeit: "Mit wenigen offiziellen Zeremonien scheinen die Amerikaner ein politisches Ritual
*

Seite 2

geschaffen zu haben, das den religiösen und königlichen Ritualen anderer Länder entspricht."
Mit dem Sieg von Andrew Jackson im Jahr 1828 hielt
der "gemeine Mann" im Weißen Haus Einzug. Seither
wandten sich Präsidentschaftskandidaten auf Reisen
zu Pferd, per Eisenbahn, Flugzeug oder durch die
elektronischen Medien persönlich an die Wähler. Und
jeder Präsidentschaftskandidat hat - unabhängig von
Herkunft oder Hintergrund - zu zeigen versucht, daß er
nicht Teil der Washingtoner Politelite sondern ein
gewöhnlicher Mensch ist, den das Gewissen dazu
veranlaßt hat, dem Privatleben eine Zeitlang den Rücken
zu kehren, um der Nation zu dienen.
Nach Jacksons Wahl fügten die Wahlkampfstrategen
eine neue Tradition hinzu, die bis heute Bestand hat:
das Verfassen einer Wahlkampfbiographie, die den
Kandidaten als Inbegriff des amerikanischen Ideals
eines selbstsicheren normalen Bürgers erscheinen
läßt, der es aus eigener Kraft zu etwas gebracht hat.
Diese Biographien betonen häufig die Härten der
Jugendzeit und vermeiden es, den gegenwärtigen
Status oder Reichtum des Kandidaten zu erwähnen.
So wurde Abraham Lincoln, bekanntlich ein Rechtsanwalt aus einer Kleinstadt in Illinois, unsterblich, weil er
in einem Blockhaus geboren wurde und in seiner
Jugend Holz hackte, um seinen Lebensunterhalt zu
verdienen. Die Kandidaten schienen bereit zu sein,
alles Erdenkliche zu tun, um zu beweisen, daß sie doch
nur "einfache Leute" seien. Regelmäßig wurden sie
beim Kühemelken, Holzhacken, Maisschälen oder bei
der Unterhaltung mit Arbeitern am Fließband photographiert. Franklin D. Roosevelt, dessen Familie tief in
der New Yorker Aristokratie verwurzelt war, gab sich
als ein Mann, der auf "der alten Familienfarm" aufgewachsen war. Jimmy Carter aus Georgia beschrieb
sich gern als "nur ein Erdnußfarmer", obwohl ihn seine
Farm und sein Lagergeschäft zu einer der reichsten
und mächtigsten Persönlichkeiten in seiner Region
gemacht hatten.
Stephen Hess zufolge brachte es Ronald Reagan auf
den Punkt, als er 1966 im Zuge seiner Bewerbung um
das Gouverneursamt in Kalifornien erklärte: "Ich bin
kein Politiker. Ich bin ein gewöhnlicher Bürger mit dem
tief verwurzelten Glauben, daß vieles von dem, was
uns Sorgen bereitet, von Politikern verursacht wurde.
Und es ist höchste Zeit, daß mehr gewöhnliche Bürger
den frischen Wind des gesunden Menschenverstandes bei diesen Problemen zur Geltung bringen."

*

AMERIKA DIENST 30

�W A H L E N '92
29. Juli 1992

DIE EINFLUSSREICHE ARMEE DIE ANATOMIE EINER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE
von Juliet Bruce
WASHINGTON - (AD) - In den Vereinigten Staaten müssen die Präsidentschaftskandidaten "ganze Armeen von
politischen Beratern, Strategen, Meinungsforschern, Spendensammlern, Redenschreibern, Spezialisten für
Medien und Direktwerbung, Pressereferenten...und Hunderttausende freiwilliger Helfer" um sich scharen, erklärt
die Autorin dieses Artikels zur Arbeit der Kampagnen.
Am 3. November 1992 - dem Wahltag - werden etwa
100 Millionen amerikanische Wähler eine Wahlkabine
betreten und die Vorhänge hinter sich zuziehen. Darin
werden sie gemeinsam entscheiden, ob sie wieder den
republikanischen Präsidenten George Bush ins Wei ße
Haus schicken oder ihn durch seinen demokratischen
Herausforderer ersetzen.
In diesem Zeitalter schwindender Parteiloyalität vergeben die Amerikaner ihre Stimme unabhängiger als zu
jeder anderen Zeit in der Geschichte des Landes, unter
Berücksichtigung, welcher Kandidat ihrer Meinung nach
sowohl dem Land als auch ihren persönlichen Interessen am besten dienen wird. Die Wähler bringen das
Wissen über die Leistungen der Kandidaten und ihre
Parteizugehörigkeit, ihre Meinungen zu bestimmten
Themen und ihr Verhalten im Wahlkampf in die Wahlkabine mit - wie jeder von ihnen seine Vision für das
Land ausgedrückt hat, ihren Umgang mit der Presse,
wie sie sich von Rückschlägen erholen. Politischen
Analysten zufolge ist es am wichtigsten, daß die Wähler
einen emotionalen Bezug zum Kandidaten haben, was
darauf hindeutet, ob der Kandidat eine bestimmte nicht
definierbare Qualität besitzt, eine "Aura der Kompetenz", die das Vertrauen der Wähler inspiriert und
somit ihre Unterstützung gewinnt.
Um dieses Vertrauen zu gewinnen, werden die Kandidaten der beiden wichtigsten Parteien bis zum Wahltag über 200 Millionen Dollar ausgegeben haben,
wobei etwa 92 Millionen durch öffentliche Mittel für die
Wahlen abgedeckt sind. Sie werden etwa 1,6 Millionen
Kilometer gereist sein, um über einen Zeitraum von
zwei oder drei Jahren hinweg Koalitionen besonderer
Interessengruppen und eine landesweite Wählerschaft

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aufzubauen, und sie werden wahre Armeen von politischen Beratern, Strategen, Meinungsforschern,
Spendensammlern, Redenschreibern, Spezialisten für
Medien und Direktwerbung, Pressereferenten, Logistikern, Mitarbeitern vor Ort und Tausende freiwilliger
Helfer um sich geschart haben. "An jedem Standard
gemessen ist der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf die wichtigste demokratische Wahl der
Welt," schreibt der Präsidentschaftsforscher Richard
A. Watson. "In keinem anderen Land wählen so viele
Menschen einen einzigen Amtsträger. Kein anderer
politischer Wahlkampf dauert so lange, kostet so viel,
berührt so viele Menschen und erhält eine so umfangreiche Berichterstattung in den Medien wie die Wahl
des amerikanischen Präsidenten."
"Die Planung eines politischen Wahlkampfs ist einem
militärischen Schlachtplan gleichzusetzen," erklärt der
Präsidentschaftsforscher Stephen Hess von der Brookings Institution in Washington. "Der Name des Spiels
heißt Strategie."
Eine Person, die erwägt, die Präsidentschaft anzustreben, beginnt Jahre vorher mit dem Aufbau ihrer persönlichen Organisation. Kandidaten, die früher von
"Königsmachern" der Partei ausgewählt wurden, starten jetzt von ihren eigenen Machtzentren aus - in der
Regel aus einem Gouverneursamt, dem Senat oder
dem Amt des Vizepräsidenten. Ihre Wahlkampforganisation startet mit einem kleinen Zirkel von Mitarbeitern, Freunden und Familienmitgliedern und erweitert
sich auf Geldgeber, politische Berater, einen Pressesprecher sowie Geschäftsleute und Führungskräfte im
ganzen Land. Wenn der Kandidat gewinnt, wird diese
Gruppe die Basis seiner Regierung: das Kabinett, die

Seite 1

�Mitarbeiter im Weißen Haus, Botschafter, Leiter von
Bundesbehörden.
Der Wahlkampf beginnt offiziell mit den Vorwahlen in
den Bundesstaaten im Februar eines Wahljahres (ein
Prozeß, bei dem ein Kandidat der Partei ausgewählt
wird, um beim nationalen Parteitag im Sommer desselben Jahres bestätigt zu werden). Zu diesem Zeitpunkt
wird der "innere Zirkel" um eine Gruppe nichtpolitischer, professioneller Berater erweitert - Wahlkampfspezialisten, die die Kampagne organisieren, Experten für Direktwerbung, die mit ihren Appellen an einzelne Personen Millionen Dollar aufbringen und Medienfachleuten, die sich der Techniken der Werbung und
Öffentlichkeitsarbeit bedienen, um den Wählern den
Kandidaten "zu verkaufen".
In den Augen dieser Experten, so David Chagall, Autor
von The New Kingmakers, geht es beim Wahlkampf
nicht darum, die Probleme des Landes zu lösen - es
geht vielmehr darum, die Einstellungen der Wähler zu
beeinflussen. "Die Meinungsumfragen belegen, daß
Menschen andere Menschen wählen, nicht Themen,"
erklärt Joe Napolitan, der die Kampagnen für John F.
und Robert F. Kennedy leitete. "Ihnen kommt es
stärker darauf an, ob der Kandidat ehrlich und einfühlsam ist als darauf, ob sie mit ihm thematisch übereinstimmen. Themen haben bei Meinungsumfragen einen
sehr geringen Stellenwert. Man macht sich nicht so
viel Sorgen um die Positionen des Kandidaten wie um
die Meinung über seinen Charakter."
Im Hinblick darauf lehren die Berater die Kandidaten,
wie sie sich kleiden und welche Tonlage sie ihrer
Stimme geben sollten, wie man in klangvollen Sätzen
von etwa 8 Sekunden Länge spricht, provokante Fragen von Reportern abwehrt, kurz, wie man "präsidentenhaft" wirkt. Darüber hinaus arbeiten sie die Strategie für den Wahlkampf des Kandidaten und seine
Themen aus. Der Wahlkampf ist zu einer Wissenschaft gewordei i. Mit Hilfe vielfältiger Technologien computergestützten Datenbanken mit Millionen Namen, Karten, die jede Region und jeden Bezirk im Land
aufzeigen, bewerten und die Probleme jeder Region
offenlegen - streben die Wahlkampfmanager an, jeden
Aspekt eines Wahlkampfs, von der Planung bis zu den
Reden, zu kontrollieren. Während des erfolgreichen
Wahlkampfs von Jimmy Carter im Jahr 1976 benutzten seine Manager eine mathematische Formel, um
die genaue Zeit und den genauen Geldbetrag auszurechenen, die in jedem Staat ausgegeben würden. Die
Formel wurde präzise angewandt und brachte die
vorhergesehenen Ergebnisse hervor.
Eines der wichtigsten Mitglieder dieser professionellen
Gruppe ist der Forschungsberater oder Meinungsforscher. Mit Hilfe modernster Technologie bestimmt der
Meinungsforscher Gruppen potentieller Wähler und
prüft Trends in einzelnen Städten, Staaten und Regionen. Richard Wirthlin, der frühere Leiter der Forschung bei Präsident Reagan, begann die Masse der

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Wechselbeziehungen, die er PINs oder Politisches
Informationssystem nennt, im Jahr 1970 zu sammeln.
Wirthlin sammelte Wählereigenschaften und politische Verhaltensmuster in einem Computerspeicher
und zog Verbindungen, die nicht unmittelbar augenfällig waren, aber Einsichten boten, die sich bei der
Planung von Reagans Strategie und Werbefeldzügen
als nützlich erwiesen. Meinungsforscher benutzen
darüber hinaus "Fokusgruppen" (in denen Bürger
zusammentreffen, um die Rede eines Kandidaten zu
beobachten und zu diskutieren), Augenscanner, Stimmenanalysen und Hauttests, um die Reaktion der
Wähler auf den Kandidaten und seine Haltung zu
einem Thema zu testen.
Der "Schlachtplan", ein formeller Entwurf, der im
Wahlkampfhandbuch dargelegt wird, das an jeden
Wahlkampfteilnehmer verteilt wird, erläutert das Thema der Kampagne - den Hauptgedanken, den ein
Wähler mit einem Kandidaten assoziiert. Die Themen
und Symbole eines Wahlkampfs werden als entscheidende Faktoren betrachtet, um eine Wahl zu gewinnen. Dem politischen Analysten Jeff Greenfield und
seinem Buch Playing To Win zufolge, "gibt es Symbole so lange wie es Präsidentschaftswahlkämpfe gibt".
Die Symbole des republikanischen Elefanten und des
demokratischen Esels verkörpern philosophische
Ansätze zur Regierung. "Ein scharfsinniger Politiker
nutzt diese Symbole effektiv," erklärt Greenfield, "und
ein Verlierer entscheidet sich dafür, sie zu ignorieren".
Im Medienzeitalter kann die kontinuierliche Wiederholung des zentralen Themas eines Kandidaten in Reden, Schlagzeilen, auf Anzeigentafeln und in Fernsehspots den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage
bedeuten. Chagall verweist auf die Kampagne zwischen Reagan und Carter 1980 als Beispiel dafür, wie
effektiv republikanische Strategen geworden sind, um
die Sorgen und Hoffnungen des amerikanischen Volkes zu artikulieren. Der amtierende Präsident Jimmy
Carter hatte entschieden, Amerika benötige eine geistige und moralische Verjüngungskur. Carters Wahlkampfthema lautete: "Wir können es besser machen."
Ronald Reagan, der als politischer Außenseiter angetreten war, um dem Normalbürger zu helfen, "die
Bürde der Regierung loszuwerden", wählte als Thema:
"In Amerika bricht ein neuer Morgen an." Die Umfragen zeigten, daß mehr Amerikaner das Gefühl hatten,
Amerika werde es mit Reagan im Amt besser gehen,
und er wurde klarer Sieger.
Die Wahlkampfbroschüre legt femer die während des
Wahlkampfes angewandten Strategien fest. Seit Mitte
der siebziger Jahre haben negative Wahlkampagnen Betonung der negativen Eigenschaften des Gegners
statt Konzentration auf die Stärken des Kandidaten
selbst - zur Verschlechterung des Wahlkampfes beigetragen, wie kritische Stimmen behaupten. Diese
Praxis wird häufig auf die zunehmende Macht der
Medienberater zurückgeführt. 1988 gab Bushs Mediendirektor Roger Ailes eine Reihe von FernsehAMERIKA DIENST 30

�Werbespots in Auftrag, in denen der demokratische
Präsidentschaftskandidat Michael Dukakis als schwach
bei Verteidigungsfragen, zu lasch bei der Verbrechensbekämpfung und als wahrscheinlicher Befürworter von Steuererhöhungen dargestellt wurde. Dukakis
verlor einen Vorsprung von 17 Punkten bei dem Versuch, sich gegen diese Behauptungen zu verteidigen.
Larry Sabato, Professor für Politologie an der University of Virginia in Charlottesville beschuldigt diese
Fachleute, den politischen Prozeß mit Methoden zu
schädigen, die beim Verkauf von Produkten angebrachter wären sowie Themen durch Image und Substanz durch Strategie zu ersetzen.
Greenfield ist anderer Meinung. "Mein Argument
lautet, daß die überwiegende Mehrheit der Kampagnen anhand von Themen entschieden werden, obwohl diese Themen gelegentlich als Personalpolitik
verbrämt werden."
"Der Wähler ist nicht dumm", bekräftigt Napolitan. Das
Femsehen gestattet den Wählern, den Kandidaten
über Monate hinweg aus der Nähe zu beobachten, was
es praktisch unmöglich macht, ein falsches Image
aufrechtzuerhalten.
Greenfield zufolge ist es naiv, auf einem höflichen
Wahlkampf zu beharren. "Es gibt keinen aufrichtigen
politischen Wahlkampf. Führen Sie sich die wörtliche
Bedeutung des Begriffs Kampf vor Augen: eine zur
Verfolgung eines bestimmten Ziels durchgeführte militärische Operation. Die Verpflichtung zum Sieg ist
total."
Kein Wahlkampf kann ohne die Hilfe von Freiwilligen
gelingen, unabhängig davon, wie geschickt seine Strategie ist. Freiwillige - Hunderttausende Männer und
Frauen, die dreieinhalb von vier Jahre völlig apolitisch
sind - trifft man auf jeder Ebene der Wahlkampagne.
Sie erledigen Telephonate, betreiben Forschung, verteilen Flugblätter, werben um Stimmen und registrieren Wähler. Amerikaner beteiligen sich aus vielerlei
Gründen am Präsidentschaftswahlkampf: aus Überzeugung für den Kandidaten oder wegen seiner Haltung zu einem bestimmten Thema, weil sie in die Politik
gehen wollen oder einfach, weil sie Teil der Geschichte
werden möchten. Was immer ihre Gründe sein mögen
- die meisten erinnnern sich an eine aufregende Zeit,
in der sie über sich selbst hinauswuchsen.
"Als ich ohne vorherige Wahlkampferfahrung freiwilliger Helfer in New Hampshire wurde, stellte ich fest,
daß ich nicht nur diejenigen mobilisierte, die ich mobilisieren wollte, sondern Presseerklärungen veröffentlichte, Informationen für die Reden des Kandidaten
sammelte, Reden redigierte, Sonderbroschüren und
Flugblätter verfaßte, Vorbereitungsarbeit leistete, den
Kandidaten auf dem Podium vorstellte und die Freiwilligen organisierte", stellt eine der Freiwilligen beim
jüngsten Wahlkampf, Sheila D. Collins, fest.

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In gewissem Sinne ist ein politischer Wahlkampf ein
Mikrokosmos der Demokratie, ein offenes Feld, auf
dem die herkömmlichen Schranken des Vorwärtskommens nicht exisitieren, so Jeff Greenfield. "Weil die
Vorlaufzeit so kurz ist, kommt praktisch unweigerlich
der Punkt, an dem ein völlig Unbekannter sich plötzlich
mit der Bewältigung einer Krise konfrontiert sieht, der
im Wahlkampfbüro nach einer Aufgabe suchend herumwanderte. Und ihm wird die Gelegenheit geboten,
sich zu beweisen." Greenfield schreibt aus persönlicher Erfahrung. Heute ein politischer Kommentator
von Fernsehnachrichtensendungen, war Greenfield
bei Robert F. Kennedys Präsidentschaftswahlkampf
des Jahres 1968 als Referent tätig und wurde zwei
Tage später zum wichtigsten Redenschreiber von
Kennedy. Bei einem politischen Wahlkampf sind es
"noch immer der familiäre Hintergrund, Wohlstand, die
richtigen Schulen und Freunde, die zählen", stellt
Greenfield fest. "Aber sie zählen bei weitem nicht so
viel wie Energie und Fähigkeiten."
Der politische Kolumnist der Washington Post, David
Broder, würdigt in seinem Buch The Party's Over die
wichtige Rolle von Freiwilligen in einem Präsidentschaftswahlkampf: Das organisatorische Geheimnis
von (John F.) Kennedys Politik war so einfach, daß es
häufig übersehen wurde - es war die Politik des persönlichen Engagements großen Stils."
Jeder Kandidat möchte zeigen, daß er viele Freiwillige
fürsich gewinnen konnte, weildies beweist, daß er "der
Mann des Volkes" ist und landesweit eine Welle von
Enthusiasmus hervorbringen kann. Tatsächlich gibt

es selten einen Kandidaten, der wirklich spontan Massen
von Freiwilligen für sich einnehmen kann. Ein solcher
Kandidat ist der charismatische Redner, der Kandidat,
der emotional oder politisch den richtigen Ton trifft,
oder der Außenseiter, der einer Lobby Gehör verschafft, die vorher ignoriert wurde. "Wenn dieser Nerv
einmal getroffen ist", schreibt Jane Dick in ihrem Buch
Volunteers and American Presidential Campaigns,
"kommen Gruppen auf lokaler Ebene spontan zusammen, über Nacht entwickeln sich Kommunikationsnetze, und bevor sich die Politiker dessen bewußt sind,
wurde eine Basisbewegung ins Leben gerufen."
Im gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte
haben spontane Freiwilligenbewegungen einen Kandidaten anscheinend aus dem Nichts ins Weiße Haus
katapultiert. Diese Bewegungen schienen mit Wendepunkten im Leben der Nation zusammenzufallen und
haben eine Aura von Mission um sich. 1856 beispielsweise, als die Nation auf den Bürgerkreig zusteuerte,
unterstützte eine riesige Freiwilligenbewegung einen
unbekannten aber wortgewandten jungen Rechtsanwalt aus Illinois mit Namen Abraham Lincoln. Vier
Jahre später wurde Lincoln zum Präsidenten gewählt,
und dank seiner moralischen Kraft und seinem Mut,
den Krieg zu erklären, wird ihm das Verdienst der

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�Rettung der Union zugeschrieben. 1960 wurden
Hunderttausende durch den Idealismus von John F.
Kennedys "New Frontier" angesteckt. Zwanzig Jahre
später aktivierte Ronald Reagan die "Schweigende
Mehrheit" der Millionen Amerikaner, die sich aus dem
politischen Prozeß ausgeschlossen fühlten. In jüngster Zeit führte der erste afroamerikanische Präsidentschaftskandidat, Reverend Jesse Jackson, praktisch
ausschließlich dank der Unterstützung von Freiwilligen einen beeindruckenden Wahlkampf für die Nominierung durch die Demokratische Partei. "Was die
Presse und die breite Masse der politischen Analysten
in den meisten Fällen als Nachteil interpretierten,
erwies sich als einer der größten Vorteile der Wahlkampagne", schreibt Sheila Collins in The Rainbow
Challenge "Der Prozeß des Spendensammelns durch Kirchen, Studentenverbindungen, Fischbratstände, Kuchenverkauf, Modenschauen, Mittagessen und
Cocktailparties - bezog somit Hunderttausende in den
politischen Prozeß ein, die sich zuvor nie dafür engagiert hatten und somit an seinem Ergebnis interessiert
waren." Afroamerikanische Kirchen wurden die Organisationseinheiten des Wahlkampfes und "vereinigten
die Registrierung und Aufklärung von Wählern, Spendensammlung und Bekanntgabe der Wahlergebnisse
unter einem Dach". Jackson wurde von seiner Partei
nicht nominiert, seine Kampagne machte Afroamerikaner jedoch zu einer treibenden Kraft im Wahlkampf,
und viele der Freiwilligen aller Rassen lernten politische Fähigkeiten für künftige politische Schlachten.

Landesweit ist der Wahltag in den Vereinigten Staaten
durch eine gespenstische Ruhe nach dem Spektakel
und Lärm des Wahlkampfes gekennzeichnet - das
nationale Leben scheint zu ruhen während die Wähler
nacheinander die Wahlkabinen betreten. Am frühen
Abend prognostizieren die Fernsehgesellschaften den
Sieger.
In den folgenden Tagen werden die Wahlkampfbüros
abgebaut, und die Organisationen des Wahlsiegers
werden das Übergangsteam oder führen - im Falle
einer Wiederwahl - die Geschäfte des Landes fort. Die
Verlierer gehen häufig auf Vortragsreisen, um die
Wahlkampfschulden zu begleichen, oder - wie Greenfield beobachtet - "werden Professoren und studieren
die politischen Prozesse". Zahlreiche Freiwillige, vom
politischen Fieber infiziert, leiten Bürgerbefragungen
zu politischen Themen in die Wege wie etwa zu
Umwelt, Bildungs- oder Gesundheitswesen oder kandidieren für Ämter auf kommunaler, Bezirks- oder
Bundesstaatenebene oder für den Kongreß.
Für professionelle Berater endet der Wahlkampf nie.
Angesichts der Sitze im Kongreß, Gouverneurswahlen, Bürgermeisterwahlen in Großstädten und dem
nächsten Präsidentschaftswahlkampf in vier Jahren
gibt es immer neue Hoffnungsträger, neue Meinungsumfragen, neue Herausforderungen. Der renommierte Vorsitzende der Berater, Napolitan, stellt fest: "Ich
akquiriere nie Aufträge. Ich warte nur, daß das Telephon klingelt."

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AMERIKA DIENST 30

�AIDS
29. Juli 1992

US-REGIERUNG ERHÖHT AUSGABEN
ZUR BEKÄMPFUNG VON AIDS
Eine Übersicht zu Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen
WASHINGTON - (AD) - Seit AIDS in den frühen
achtziger Jahren als schwere Bedrohung der Gesundheit erkannt wurde, haben amerikanische Regierungsbehörden große und ständig wachsende Summen für
Prävention und Eindämmung dieser Krankheit ausgegeben.
Neue vom National Aids Program Office herausgegebene Zahlen zeigen, daß die staatlichen Gesamtausgaben von 8 Millionen Dollar im Jahr 1982 auf 4,346
Milliarden Dollar im Jahr 1992 gestiegen sind.
Obwohl der Kongreß die Ausgabenpläne für das bis
zum 30. September 1993 laufende kommende Haushaltsjahr noch fertigstellen muß, ist der von der BushAdministration geforderte Betrag erneut sprunghaft
auf 4,917 Milliarden angestiegen.
Der bei weitem größte Anteil an dieser Gesamtsumme
- 2,069 Milliarden Dollar - wird für Maßnahmen des
staatlichen Gesundheitsdienstes (U.S. Public Health
Service) beantragt, der seit jeher im Kampf gegen
AIDS an vorderster Front steht. Andere wichtige
Anteile sind für Leistungen von Medicaid, Medicare
sowie Krankenversicherung und Berufsunfähigkeitsrenten, das Ministerium für Veteranen, das Verteidigungsministerium sowie das Amt für Internationale
Entwicklung (AID) vorgesehen.
Eine weitere Aufschlüsselung ergibt, daß von den für
Maßnahmen des staatlichen Gesundheitsdienstes
beantragten Geldern der größte Anteil -1,310 Milliarden Dollar - für die Erforschung von AIDS und seines
Verursachers HIV vorgesehen ist. Das ist mehr als die
zur Erforschung von Herzkrankeiten ausgegebene
Summe und nähert sich dem Umfang der Ausgaben
für Krebsforschung.
Weitere 419 Millionen Dollar sind beim Anteil des
staatlichen Gesundheitsdienstes für Präventivmaßnahmen eingeplant, 340 Millionen Dollar für die Behandlung von AIDS-Kranken. Die AIDS-Therapie bildet andererseits den Schwerpunkt des von der Bundesregierung beantragten Anteils an Medicare in Höhe

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von 1,290 Milliarden Dollar, während für diesen Zweck
bei Medicaid 385 Millionen Dollar vorgesehen sind.
Von den 443 Millionen Dollar, die dem Veteranenministerium für Maßnahmen in Zusammenhang mit AIDS
zugedacht sind, werden 404 Millionen für die Therapie
veranschlagt, während von den 94 Millionen Dollar im
Verteidigungshaushalt 61 Millionen diesem Zweck
zugute kommen sollen.
In der Sozialversicherung sind 510 Millionen Dollar
ausgewiesen, um durch AIDS verursachte Einkommensverluste aufzufangen.
Berichten des staatliche Gesundheitsdienstes sowie
des US-Gesundheitsministeriums zufolge gibt die
Regierung insgesamt mehr für AIDS aus als für jede
andere Infektionskrankheit: Die für Forschungs-,
Präventiv-, Therapie- und Aufklärungsprogramme im
Jahr 1992 bewilligte Summe lag 170 Prozent über den
Ausgaben von 1988. Bis zum Jahresende werden die
Gesamtausgaben seit Bekanntwerden der Krankheit
über 16 Milliarden Dollar erreichen.
Diese Ausgaben haben den Beamten des staatlichen
Gesundheitsdienstes zufolge dazu beigetragen, HIV
zu isolieren, zu bestimmen, wie es das Immunsystem
angreift, verbesserte Tests zu entwickeln, um die
Infektion aufzudecken und Fortschritte bei der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden zu machen.
Darüber hinaus verweisen sie auf folgende Punkte:
Mit Hilfe von Forschung und Maßnahmenkoordinierung konnten neue Techniken entwickelt
und durchgeführt werden, um die Sicherheit der
Blutversorgung des Landes zu gewährleisten.
Neue Überprüfungsmethoden des Bundesgesundheitsamts haben die Zulassung neuer Drogentherapien und Behandlungsmethoden beschleunigt.
Femsehspots als Bestandteil einer Kampagne,
die auf ein besseres Verständnis von AIDS in
der Öffentlichkeit abzielt, sind seit 1987 über
Seite 1

�75.000mal gesendet worden, da die Femsehanstalten Sendezeit im Gegenwert von etwa 90
Millionen Dollar gespendet haben.
Was die amerikanischen Bestrebungen zum Umgang
mit der weltweiten Ausbreitung von AIDS betrifft, so
berichtet das Amt für Internationale Entwicklung über
seine Kooperation bei Bekämpfungsprogrammen in
über 70 Entwicklungsländern und die Einleitung von
über 700 Einzelaktivitäten zur Verhütung.

Priorität hatte die Hilfe des Amts bei der Entwicklung
von Computerdarstellungen, mit deren Hilfe der Verlauf der AIDS-Epidemie untersucht und vorhergesagt
werden kann. Zusammen mit dem Peace Corps
unterstützt es ein Dreijahresprojekt zur Hilfe für afrikanische Länder bei der Planung und Durchführung
eines AIDS-Aufklärungsprogramms, das sich an Jugendliche, Angestellte im Gesundheitswesen, stark
gefährdete Frauen und die Öffentlichkeit im allgemeinen richtet.

Seit 1986 hat das Amt Regierungsvertretern zufolge
249 Millionen Dollar bereitgestellt für Aktivitäten zur
AIDS-Bekämpfung - durch bilaterale Hilfe, Unterstützung des weltweiten AIDS-Programms der Weltgesundheitsorganisation sowie Unterstützung für Organisationen auf kommunaler Ebene und andere nichtstaatliche Organisationen.

Vertreter des Amts sehen für die nächsten fünf Jahre
drei Prioritäten bei ihrer Arbeit zur AIDS-Vorsorge: sie
wollen dazu beitragen, daß Personen die Zahl ihrer
Sexualpartner reduzieren, ferner die Diagnose, Behandlung und Verhütung von sexuell übertragbaren
Krankheiten verbessern und den Zugang zu und den
Gebrauch von Kondomen erhöhen.

Ferner wird berichtet, das Amt erwarte, im Laufe der
nächsten fünf Jahre weitere 400 Millionen Dollar in
ähnliche Aktivitäten zu investieren.

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�EINWANDERUNG
29. Juli 1992

EINWANDERUNGSQUOTE WARE LOSUNG
FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEM
Rede der Flüchtlingsbeauftragten vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Eine festgesetzte Obergrenze von 132.000 Personen, die sich im Jahr 1993 dauerhaft
in den Vereinigten Staaten niederlassen können, würde "den Bedürfnissen der Flüchtlinge gerecht", erklärte die
Koordinatorin für Flüchtlingsangelegenheiten, Jewel Lafontant-Mankarious.
Bei der Vorlage von Präsident Bushs Vorschlag zur Aufnahme von Flüchtlingen in den Vereinigten Staaten im
kommmenden Haushaltsjahr erläuterte Lafontant-Mankarious am 23. Juli 1992 vor dem Rechtsausschuß des
Senats, daß im Rahmen der Initiative des Privatsektors - einem gemeinsamen Projekt privater und öffentlicher
Organisationen, bei dem die Grundkosten für die Aufnahme und Umsiedlung der Flüchtlinge vom Privatsektor
getragen werden - 10.000 Flüchtlinge aufgenommen würden, während die US-Regierung Programme für
122.000 Flüchtlinge finanzieren wird.
Lafontant-Mankarious machte folgende Feststellung zu den Flüchtlingen aus unterschiedlichen Teilen der Welt:
7.000 afrikanische Flüchtlinge werden im kommenden Jahr erwartet, von denen die meisten aus Äthiopien
und Somalia stammen.
Das vorgeschlagene Kontingent für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Ostasien besträgt 52.000, von
denen die Mehrzahl Flüchtlinge aus Vietnam und Laos sind.
Haitianische und kubanische Flüchtlinge, die um politisches Asyl ersuchen, stellen die Hauptgruppe des
vorgeschlagenen Kontingents für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Lateinamerika und der Karibik.
7.000 Flüchtlinge aus Irak, Iran und Afghanistan fallen unter die Gruppe der Flüchtlinge aus dem Nahen
Osten und Südasien.
Das vorgeschlagene Kontingent für Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion beträgt 50.000. Dazu
zählen sowjetische Juden, evangelische Christen und religiöse Aktivisten aus der Ukraine. Unter den
Osteuropäern, denen die Niederlassung in den Vereinigten Staaten im nächsten Jahr gestattet wird, sind
ferner Flüchtlinge aus Albanien, Polen und Rumänien.
Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Jewel LafontantMankarious sowie einen kurzen Überblick zur US-Einwanderungspolitik im Jahr 1991.
Für das Haushaltsjahr 1993 schlägt der Präsident als
Reaktion auf die humanitären Bedürfnisse der Flüchtlinge die Festsetzung eines Kontingents von 132.000
Flüchtlingen vor, die sich dauerhaft in den Vereinigten
Staaten niederlassen können (122.000 werden von
der US-Regierung finanziert). Diese Zahl entspricht in
etwa der Gesamtzahl für das Haushaltsjahr 1992,
wenn man die aufgrund der verringerten Zulassungen
aus der ehemaligen Sowjetuniom im Haushaltsjahr
1992 erforderlichen Anpassungen berücksichtigt. Das
bereinigte Kontingent im Haushaltsjahr 1992 betrug
142.000 (ohne die Anpassung im Haushaltsjahr 1992

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hätte sich das Kontingent auf rund 131.000 belaufen).
Die vorgeschlagene Obergrenze für die Zulassung von
Flüchtlingen im Rahmen der von der US-Regierung
finanzierten Programme beträgt 122.000, einschließlich 7.000 aus Afrika (1.000 zusätzliche Personen
verglichen mit dem Haushaltsjahr 1992), 52.000 aus
Ostasien (dieselbe Zahl wie im Haushaltsjahr 1992,
einschließlich Vietnamesen mit einem amerikanischen
Eltemteil und deren Familien, die als Immigranten
gemäß einer bestimmten Gesetzesvorschrift einwandern, jedoch Leistungen im Rahmen der Flüchtlingshilfe erhalten), 1.500 aus Osteuropa (1.500 weniger),

Seite 1

�3.500 aus Lateinamerika und der Karibik (500 mehr),
7.000 aus dem Nahen Osten und Südasien (1.000
mehr) und 50.000 aus der ehemaligen Sowjetunion
(die bereinigte Gesamtzahl für das Haushaltsjahr 1992
betrug 61.000). Ebenso wie im vergangenen Jahr
enthält das Kontingent von 122.000 Flüchtlingen Raum
für 1.000 Flüchtlinge aus nicht näher definierten Ländern, die nach Konsultationen mit dem Kongreß im
Haushaltsjahr 1993 den Regionen mit dem größten
Bedarf an Hilfe zugeteilt werden. Ein Obergrenze von
10.000 wird für Zulassungen im Rahmen der Initiative
des Privatsektors (Private Sector Initiative - PSI) vorgeschlagen, bei der die Grundkosten für die Aufnahme
und Umsiedlung der Flüchtlinge vom Privatsektor
getragen werden.
Im folgenden möchte ich kurz die Überlegungen erläutern , die dem Vorschlag der Administration für regionale Zulassungskontingente zugrunde liegen.
Afrika
Das vorgeschlagene Zulassungskontingent für afrikanische Flüchtlinge beträgt 7.000. Die Zulassungsobergrenze im Haushaltsjahr 1992 lag bei 6.000 Flüchtlingen.
Nach dem Golfkrieg wurde die Bearbeitung von Flüchtlingsanträgen in Khartum Mitte 1992 wiederaufgenommen. Wir erwarten im Haushaltsjahr 1992 rund 1.500
Flüchtlinge aus Äthiopien von unserer Vertretung dort.
Angesichts des Flüchtlingsstroms aus Kenia hat die
Joint Voluntary Agency (JVA) in Nairobi ihre Programme auf Lager außerhalb von Nairobi ausgedehnt. Wir
gehen von 1.700 äthiopischen Flüchtligen und 1.600
Somalis von Nairobi im Haushaltsjahr 1992 aus. Die
JVA in Freetown hat eine vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) zugeteilte
Gesamtzahl von 1.500 Liberianern abzufertigen, und
wir erwarten, daß rund 700 im Haushaltsjahr 1992
ankommen werden. Die Abreise von 500 Flüchtlingen
anderer Nationalitäten aus Nairobi und anderen mit der
Bearbeitung beauftragter Posten in Afrika sowie weltweit werden voraussichtlich die Aufnahme von 6.000
afrikanischen Flüchtlingen im Haushaltsjahr 1992 zur
Folge haben.
Im Haushaltsjahr 1993 wird sich die Situation leicht
ändern. Obwohl die Bearbeitung neuer Anträge von
Äthiopiern am 21. November 1991 ausgesetzt wurde,
erwarten wir, daß die Aufnahme von Äthiopiern im
Haushaltsjahr 1993 anhält, wobei rund 3.000 Flüchtlinge aus Khartum und 1.000 aus Nairobi und anderen
Ländern aufgenommen werden. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin Anträge für unser begrenztes
liberianisches Programm zulassen. In dieser Gruppe
erwarten wir zusätzliche 500 Aufnahmen.
Die vorgesehene schrittweise Abschaffung dieser beiden
Programme geht bedauerlicherweise mit neuen Flüchtlingsströmen aus Somalia und Sudan einher. Wir
benötigen ferner Zulassungszahlen für andere afrikanische Nationalitäten. Daher erwarten wir im Haus-

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haltsjahr 1993 ein Kontingent von 7.000 Personen für
Flüchtlinge aus Afrika.
Ostasien
Die vorgeschlagene Höchstzahl von Einwanderern
aus Ostasien beträgt im Haushaltsjahr 1993 52.000
Personen.
Im Haushaltsjahr 1992 gibt es eine einzige Höchstgrenze für Ostasien von insgesamt 52.000 Flüchtlingen. Erwartungsgemäß werden im Haushaltsjahr
1992 12.500 Erstasylsuchende und 39.500 Flüchtlinge im Rahmen des Orderly Departure Programs (ODP)
aus Vietnam in die Vereinigten Staaten einreisen können.
Im Haushaltsjahr 1993 werden diese Obergrenzen
angesichts der nicht vorhersehbaren Zahlen von Erstasylsuchenden erneut zu einer einzigen Obergrenze
von 52.000 für Ostasien verknüpft. Innerhalb dieser
Gesamtgrenze hat die Einhaltung amerikanischer
Verpflichtungen im Hinblick auf die Umsiedlung von
Erstasylsuchenden gemäß dem Umfassenden Aktionsplan (Comprehensive Plan of Action - CPA) Priorität. Im Haushaltsjahr 1993 wird voraussichtlich ein
Bedarf von etwa 12.000 Zulassungen für Erstasylsuchende bestehen. Über die Hälfte dieser Genehmigungen im Haushaltsjahr 1993 werden für Laoten aus
dem Hochland und die meisten anderen für Vietnamesen gewährt. Die Zahl der Genehmigungen nach dem
ODP könnte sich im Haushaltsjahr 1993 auf bis zu
40.000 Flüchtlinge belaufen.
Osteuropa
Im Haushaltsjahr 1992 betrug die Obergrenze der
Einwanderungsgenehmigungen 3.000, für das Haushaltsjahr 1993 wird eine Obergrenze von 1.500 vorgeschlagen. Angesichts der kontinuierlichen Veränderungen in Osteuropa im Laufe des Haushaltsjahrs
1992 wird der Umfang des Programms kleiner sein als
in den letzten Jahren. Im Haushaltsjahr 1992 waren
nur Staatsbürger aus Albanien, wo die demokratischen Veränderungen erst kürzlich erfolgt sind, antragsberechtigt. Dennoch werden angesichts der
stetigen Veränderungen in Albanien albanische Staatsbürger im Haushaltsjahr 1993 nicht mehr zugelassen
werden.
Die Tragödie des früheren Jugoslawien setzt sich fort.
Wir sind entschlossen, gemeinsam mit unseren europäischen Verbündeten, den Vereinten Nationen und
anderen internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten, um den aus dem Konflikt hervorgegangenen Vertriebenen und Flüchtlingen zu helfen.
Die Empfänger von Visa im Jahr 1993 (das heißt
Ehepartner und Kinder von bereits eingewanderten
Flüchtlingen), vor allem aus Rumänien und Polen,
werden etwa 30 Prozent des verfügbaren Kontingents
ausmanchen. Die Bandbreite der Genehmigungen
wird diejenigen Rumänen und Albaner in Erstasylländern einschließen, die von der Einwanderungs- und
Einbürgerungsbehörde zugelassen wurden.

AMERIKA DIENST 30

�Lateinamerika und die Karibik

Naher Osten und Südasien

Die Obergrenze im Haushaltsjahr 1992 wurde auf
3.000 festgesetzt. Als Obergrenze der Genehmigungen wurde im Haushaltsjahr 1993 3.500 vorgeschlagen. Die Zahl von 3.500 wird vor allem für Genehmigungen in den Ländern Kuba und Haiti verfügbar sein
und ferner eine kleine Zahl von Härtefällen anderer
Nationalitäten berücksichtigen.

Die vorgeschlagene Obergrenze für Flüchtlinge aus
dem Nahen Osten und Südasien beträgt 7.000.

Aufnahme von Haitianern. Nach dem Staatsstreich in
Haiti im September 1991 stieg die Zahl der Haitianer,
die mit dem Schiff aus Haiti flohen und von der USKüstenwache abgefangen wurden, drastisch an. Viele
von ihnen galten als potentiell berechtigt für einen
Asylantrag und wurden in die Vereinigten Staaten
gebracht, um ihren Anspruch zu stellen. Im Februar
haben wir ein Programm zur Bearbeitung von Flüchtlingsanträgen eingeführt, um diejenigen in Haiti zu
erreichen, die berechtigten Anspruch auf den Flüchtlingsstatus haben. Am 24. Mai 1992 erklärte das
Weiße Haus, jeder Haitianer, der Verfolgung fürchten
müsse, könne sich in Haiti als potentieller Flüchtling
melden. Dabei werden Flüchtlinge aus den folgenden
Kategorien besonders berücksichtigt: ehemalige politische Gefangene; Menschenrechtsaktivisten; Personen, die aufgrund angeblicher oder tatsächlicher politischer Überzeugungen oder Aktivitäten unverhältnismäßig harter oder diskriminierender Behandlung ausgesetzt sind; Personen, die Verfolgung fürchten, weil
sie Führungspositionen in politischen oder religiösen
Organisationen einnahmen oder einnehmen; Personen, die Schlüsselpositionen in der Regierung Aristide
oder in Bereichen innehatten, die Ziel von Verfolgung
werden könnten, wie etwa Journalisten; Flüchtlinge,
die unmittelbar um ihr Leben fürchten müssen, Dissidenten und andere Flüchtlinge, denen die Besorgnis
der Vereinigten Staaten gilt. Diese Politik wird im
Haushaltsjahr 1993 fortgeführt.
Aufnahme von Kubanern, im Haushaltsjahr 1993
werden Kubaner ebenso wie in den Haushaltsjahren
1991 und 1992 nach den Prioritäten eins bis fünf
zulassungsberechtigt sein. Im Haushaltsjahr 1993 gilt
das Hauptaugenmerk Flüchtlingen aus den folgenden
Kategorien: Personen, die bereits politische Gefangene waren; Angehörige verfolgter religiöser Minderheiten; Menschenrechtsaktivisten; Zwangsarbeiter; Personen, die ihrer Berufsqualifikationen beraubt wurden
oder aufgrund ihrer angeblichen oder tatsächlichen
politischen oder religiösen Überzeugungen oder Aktivitäten andere unverhältnismäßig harte oder diskriminierende Behandlung fürchten müssen; Dissidenten
und andere Flüchtlinge, denen die Besorgnis der
Vereinigten Staaten gilt. In Drittländern werden Anträge von Kubanern vorrangig bearbeitet, wenn sie vor
dem 20. November 1987 aus Kuba geflohen sind.

AMERIKA DIENST 30

Dies ist eine Steigerung von 1.000 gegenüber dem im
Haushaltsjahr 1992 bewilligten Niveau. Obwohl die
US-Hilfe für die große Mehrheit der Personen, die
1990-91 aus dem Irak flohen, keine Umsiedlung umfaßte, ist der UNHCR der Auffassung, daß Mitglieder
bestimmter Gruppen erneute Zusammenstöße riskieren und hat um internationale Hilfe bei der Umsiedlung
gebeten. Infolgedessen haben wir zugestimmt, 1.500
Iraker in der Türkei mit zeitlich begrenzten Aufenthaltsgenehmigungen sowie 1.000 Iraker in Saudi Arabien
zu einem Interview zuzulassen. Wir erwarten im
Haushaltsjahr 1992 1.000 Genehmigungen für nichtkurdische Iraker und mit zusätzlichen Gruppen, die
möglicherweise im kommenden Jahr in Gefahr sein
werden, vielleicht sogar die Zulassung von 3.000 nichtkurdischen Irakern im Haushaltsjahr 1993, wenn ausreichende finanzielle Mittel und Zulassungskontingente verfügbar sind. Es hat sich jedoch als schwierig
erwiesen, den Zeitrahmen präzise abzustecken, in
dem die Genehmigungen für Iraker in den Erstasylländern der Region bearbeitet werden können.
Diese schwierige Situation der irakischen Kurden mit
Erstasyl in der Türkei seit 1988 wurde von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt. Im Januar
1991 leiteten die Vereinigten Staaten ein Programm
ein, um die Übersiedlungsanträge von bis zu 3.000
Einzelpersonen zu bearbeiten, von denen die meisten
Bindungen zu den Vereinigten Staaten haben. Im
Haushaltsjahr 1991 wurden davon 400 zugelassen,
und wir erwarten die Zulassung von jeweils weiteren
1.000 in den Haushaltsjahren 1992 und 1993.
In den letzten Monaten ist die Zahl der Anträge von
Iranern etwas zurückgegangen, und wir erwarten 2.000
iranische Einwanderer im Haushaltsjahr 1992. Aufgrund eines prognostizierten gleichbleibenden Antragsniveaus schätzen wir die Zahl der Zugänge im Haushaltsjahr 1993 ebenfalls auf 2.000.
Am 12. April 1991 haben die Vereinigten Staaten die
Neuanträge von Afghanen auf Personen beschränkt,
die unter Priorität eins fallen. Trotzdem werden auch
in den kommenden beiden Haushaltsjahren afghanische Einwanderer zugelassen. Im Haushaltsjahr 1992
werden schätzungsweise 1.500 und im Haushaltsjahr
1993 1.000 afghanische Einwanderer erwartet.
Die ehemalige Sowjetunion
Die vorgeschlagene Obergrenze für Einwanderer aus
der ehemaligen Sowjetunion beträgt für das Haushaltsjahr 1993 50.000 Personen. Im Haushaltsjahr
1992 war die Zahl der Einwanderer, die vor dem 2.

Seite 3

�September 1991 Bürger der Sowjetunion waren, auf
61.000 begrenzt. Bis zum 31. Mai 1992 wurden
nahezu 50.000 Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion zugelassen. Wir erwarten, die im Rahmen
des diesjährigen Kontingents zulässige Zahl voll auszuschöpfen. Da im Haushaltsjahr 1993 die Obergrenze auf 50.000 festgelegt wurde, wird der Zuzug aus
dieser Region in einem Dreijahreszeitraum durchschnittlich 50.000 Personen pro Jahr erreichen.

Die für das Haushaltsjahr 1993 eingeplante Zahl von
50.000 Flüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion
wird von Gruppen in Anspruch genommen werden, die
im Lautenberg-Zusatz definiert sind. Dies sind:
Sowjetische Juden, evangelische Christen, religiöse
Aktivisten aus der Ukraine sowie andere Einzelpersonen in besonderen Notlagen. Die große Mehrzahl der
gegenwärtig befragten Flüchtlinge aus der ehemaligen
Sowjetunion haben familiäre Bindungen in den Vereinigten Staaten.

* * * * *

Rekordzahl von Einwanderern im Jahr 1991
Tür zu Amerika weiter geöffnet denn je, behaupten
Experten
Zahlen der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde (INS) im US-Justizministerium zufolge verlegte im
Jahr 1991 eine Rekordzahl von 1,8 Millionen Einwanderern auf legale Weise ihren Dauerwohnsitz in die
Vereinigten Staaten.
Die Bedeutung dieser Zahlen, so erklärte der Sprecher
der INS, Duke Austin, in einem Interview am 22. Juli
1992, bestehe darin, daß "die goldene Tür zu den
Vereinigten Staaten niemals weiter geöffnet war. Zu
oft hören wir den Aufschrei, sie werde geschlossen.
Sie war niemals weiter geöffnet. Unsere Einwanderungsgesetze sind niemals großzügiger gewesen."
Etwa 1,1 Millionen der neuen dauerhaft ansässigen
Personen waren Ausländer, die sich illegal in den
Vereinigten Staaten aufhielten und denen im Rahmen
der Amnestieregelung des Gesetzes zur Reform und
Kontrolle der Einwanderung (IRCA) von 1986 im Jahr
1991 die Aufenthaltsberechtigung zuerkannt wurde.
Achtzig Prozent davon stammten aus Mexiko. Der für
diese Regelung in Frage kommende Personenkreis
mußte bis zum 1. Januar 1982 in die Vereinigten
Staaten gekommen sein, fügte Austin hinzu.

Die verbleibenden 704.005 Einwanderer des Jahres
1991 waren nicht in den Vereinigten Staaten ansässig,
als ihnen die Einwanderung gestattet wurde, erklärte
er. Über ein Drittel der Neueinwanderer kamen aus der
westlichen Hemisphäre und 44 Prozent aus Asien.
Achtzehn Prozent der Einwanderer kamen aus Europa.
Insgesamt 56.839 Personen stammten aus der ehemaligen Sowjetunion und übertrafen damit die Zahl
jedes anderen Einzellandes in jüngster Zeit. Die INS
führt dies auf die politischen Umwälzungen sowie die
Lockerung der dortigen Reise- und Auswanderungsbestimmungen zurück.
Die Zahl der Personen, die im vergangenen Jahr als
Einwanderer in den Vereinigten Staaten aufgenommen wurden, lag Austin zufolge um 19 Prozent über
dem bisherigen Höchststand von 1990.
"Die schlechte Nachricht" im Hinblick auf das Einwanderungsproblem bestehe darin, so Austin, daß trotz
des Anstiegs der legalen Einwanderungen "viel zu
viele Personen weiterhin illegal ins Land kommen, was
eine Reaktion gegen den gesamten Einwanderungsprozeß zur Folge hat".

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 30

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                <text>&lt;strong&gt;1. UN-Sanktionen gegen Irak&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Irak muss für UN-Sanktionen zur Verantwortung gezogen werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu Drogenbekämpfung in den USA und zur Lage im Irak&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Chemische Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ledogar appelliert an alle Staaten, Vertrag über C-Waffen zu verabschieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Erdgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bohlen erläutert Ergebnisse des Erdgipfels vor dem Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Bohlen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zoellick: NAFTA kann zu verstärktem Handel mit dem Pazifik führen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Staatssekretärs beim ASEAN&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen '92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Tradition, einen "Mann des Volkes" zu wählen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Juliet Bruce&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die einflussreiche Armee - die Anatomie einer Präsidentschaftswahlkampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Juliet Bruce&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung erhöht Ausgaben zur Bekämpfung von AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zu Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einwanderungsquote wäre Lösung für Flüchtlingsprobleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der Flüchtlingsbeauftragten vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;</text>
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5. August 1992

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KSZE

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KSZE IST VERFECHTER VON MENSCHENRECHTEN UND DEMOKRATISCHEN WERTEN
Präsident Bushs Proklamation
zu Menschenrechten

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FLUCHTLINGSHILFE

USA BEFÜRWORTEN MULTILATERALEN
HILFSPLAN FÜR FLÜCHTLINGE
Rede von Abteilungsleiter Bolton bei der
UNHCR-Konferenz

RÜSTUNGSKONTROLLE

LEHMAN: RÜSTUNGSVERTRÄGE VERSCHIEBEN MILITÄRISCHES KRÄFTEVERHÄLTNIS
Anhörung im Auswärtigen Unterausschuß
des Repräsentantenhauses

CHEMISCHE WAFFEN

CW-VERHANDLUNGEN BEI DER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Eine Chronologie der ACDA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�KSZE
5. August 1992

KSZE IST VERFECHTER VON MENSCHENRECHTEN
UND DEMOKRATISCHEN WERTEN
Präsident Bushs Proklamation zu Menschenrechten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush am 28. Juli 1992 und vom
Weißen Haus am 29. Juli 1992 herausgegebene Proklamation zum Helsinki-Tag der Menschenrechte.

Vor nicht ganz zwanzig Jahren, am 1. August 1975,
verabschiedeten die Vereinigten Staaten und Kanada
zusammen mit 33 europäischen Nationen bei der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) die Schlußakte von Helsinki. Mit der
Bekräftigung der "engen Verbindung zwischen Frieden und Sicherheit in Europa und der Welt insgesamt"
vereinbarten die Signatarstaaten der Erklärung die
Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten,
"einschließlich der Meinungs-, Gewissens- und Glaubensfreiheit für alle ohne Unterscheidung nach Rasse,
Geschlecht, Sprache oder Glauben". Die Teilnehmerstaaten sahen in der Achtung von Menschenrechten
den "unabdingbaren Faktor" für die Erlangung von
Frieden, Gerechtigkeit und Zusammenarbeit unter den
Nationen und vereinbarten die friedliche Schlichtung
von Konflikten untereinander auf der Grundlage des
Völkerrechts. Das erste seit 1975 in Helsinki abgehaltene KSZE-Gipfeltreffen in diesem Jahr bot einen
historischen Rahmen zur Erneuerung der Unterstützung der Vereinigten Staaten für eine starke euroatlantische Partnerschaft auf der Grundlage gemeinsamer Ziele und Werte.
Seit ihrer Gründung war die KSZE Verfechter von
Menschenrechten und demokratischen Werten. Ursprünglich 1975 in Helsinki niedergelegt, wurden diese
Normen in den Kopenhagener, Genfer und Moskauer
KSZE-Dokumenten und durch die Pariser Charta von
1990 für ein neues Europa verstärkt und bekräftigt, mit
der die Mitgliedstaaten den bestehenden KSZE-Prinzipien neue und tiefgreifende Verpflichtungen zu politischem Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit hinzufügten. Mit der Pariser Charta wurden ferner neue KSZEInstitutionen wie das Konfliktverhütungszentrum in
Wien zur verbesserten Fähigkeit der Konferenz bei der
Förderung der friedlichen Beilegung von Konflikten
und der Entwicklung stabiler, demokratischer Regierungen gegründet.
AMERIKA DIENST 31

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Konferenz weiterentwickelt, um bei der Aufgabe einer Bewältigung der dramatischen Veränderungen behilflich
zu sein, die in der KSZE-Gemeinschaft durch den
Zusammenbruch des Kommunismus und das Ende
des Kalten Kriegs stattgefunden haben. Zusätzlich zur
Erweiterung ihrer Aktivitäten und Institutionen sowie
ihrer Mechanismen zur Förderung des internationalen
Dialogs und der Zusammenarbeit hat die KSZE neue
Mitglieder aus den aufstrebenden Staaten Mittel- und
Osteuropas sowie den 12 Staaten aufgenommen, die
an die Stelle der Sowjetunion getreten sind. Wir
begrüßen diese neuen KSZE-Teilnehmerstaaten und
die Verpflichtung zu Menschenrechten, für die ihre
Mitgliedschaft steht.
Obwohl insgesamt bei der Förderung von Menschenrechten insbesondere seit den demokratischen Revolutionen, die sich 1989 in Europa vollzogen haben,
große Fortschritte erzielt worden sind, machen heute
einige Staaten nur geringe Fortschritte, während andere erneut in ethnische Konflikte verfallen. Aus
diesem Grund hat das diesjährige Gipfeltreffen in
Helsinki unterstrichen, daß politische Stabilität und
dauerhafter Frieden nur auf echter Respektierung der
Menschenrechte basieren können, die die Grundlage
des KSZE-Konzepts internationaler Sicherheit und
Zusammenarbeit bilden. In Helsinki erschlossen die
Teilnehmerstaaten neues Terrain zur verbesserten
Fähigkeit der KSZE bei der Förderung von Menschenrechten, Bewältigung des Wandels und Konfliktverhütung. Zusätzlich zur Gründung des Büros eines Hohen
Kommissars für nationale Minderheiten, der bei der
Prüfung und Verhütung von Konflikten, die aus Spannungen zwischen ethnischen Gruppen oder Minderheiten resultieren, behilflich sein wird, sieht das Helsinki-Dokument ein erweitertes Büro für demokratische
Institutionen und Menschenrechte in Warschau vor.
Zur Förderung der gewaltfreien Beilegung von KonflikSeite 1

�ten sind im Dokument ferner offizelle Friedensmissionen zur Unterstützung politischer Lösungen niedergelegt, entweder durch die KSZE-Mitgliedstaaten direkt
oder mit Unterstützung anderer internationaler Organisationen wie NATO und Westeuropäische Union (WEU).
Noch heute sieht sich die euro-atlantische Gemeinschaft mit den Herausforderungen der Relikte des
Kalten Krieges konfrontiert. Die Völker in den neu
entstehenden Staaten Europas sehen sich vielen
Schwierigkeiten gegenüber bei ihrem Streben nach
Überwindung der tiefverwurzelten durch Jahrzehnte
sowjetischer Unterdrückung und kommunistischer
Herrschaft erzwungener politischer und wirtschaftlicher Probleme. In dieser Periode grundlegenden
Wandels bieten jedoch die in 1975 in der Schlußakte
von Helsinki niedergelegten und bei den KSZE-Folgetreffen bekräftigten Prinzipien eine kontinuierliche
Richtlinie für friedliche, kooperative Beziehungen zwischen Staaten und für das gerechte und demokratische Verhalten von Regierungen.
In Anerkennung der von der KSZE zur Erweiterung von
Menschenrechten und Entwicklung einer starken euroatlantischen Partnerschaft für Freiheit geleisteten
Beiträge hat der Kongreß mit der Gemeinsamen
Resolution 310 des Senats den 1. August 1992 zum
"Helsinki-Tag der Menschenrechte" erklärt und den

Präsidenten zur Verkündung einer Proklamation im
Gedenken an diesen Tag aufgefordert.
Aus diesem Grund erkläre ich, George Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit den
1. August 1992 zum Helsinki-Tag der Menschenrechte
und bekräftige die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung der menschlichen Würde
und Freiheit - Prinzipien, die in der Schlußakte von
Helsinki verankert sind. Wenn wir Amerikaner diesen
Tag mit Programmen und Veranstaltungen feiern,
sollten wir uns all derjenigen mutigen Bürger und
Gruppen erinnern, die enorme Opfer zur Sicherung
des Friedens gebracht haben, dessen wir uns alle
erfreuen. Die von Gott gegebenen und in unserer
Unabhängigkeitserklärung bekräftigten und von unserer Verfassung garantieren unveräußerlichen Rechte,
um die zahlreiche Menschen auf der Welt noch kämpfen. Auf der vor 17 Jahren in Helsinki gelegten
Grundlage, die dort im vergangenen Monat verstärkt
wurde, wollen wir uns erneut verpflichten, Frieden und
Freiheit zum gemeinsamen Vermächtnis für uns alle
zu machen.
Zum Zeugnis dessen habe ich am achtundzwanzigsten Tag des Juli im Jahre des Herrn neunzehnhundertundzweiundneunzig und im zweihundertsiebzehnten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
von Amerika dieses Dokument unterzeichnet.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�FLUCHTLINGSHILFE
5. August 1992

USA BEFÜRWORTEN MULTILATERALEN
HILFSPLAN FÜR FLÜCHTLINGE
Rede von Abteilungsleiter Bolton bei der UNHCR-Konferenz
GENF- (AD) - Der Abteilungsleiter im US-Außenministerium für internationale Organisationsfragen, John Bolton,
erklärte am 29. Juli 1992, die Vereinigten Staaten seien bereit, anderen Nationen bei der Erarbeitung eines
multilateralen Plans behilflich zu sein, um den rund 2,2 Millionen Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien
mehr humanitäre Hilfe leisten zu können.
In einer Rede bei der internationalen Konferenz des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
(UNHCR) in Genf fügte Bolton hinzu: "Unseres Erachtens müssen die Nachbarstaaten und Länder im ehemaligen Jugoslawien" in Zusammenarbeit mit dem UNHCR und den Vereinten Nationen unter der Schirmherrschaft
des Stellvertretenden Generalsekretärs der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten "die Führungsrolle bei der Erarbeitung und Durchführung dieses Plans übernehmen".
Mit dem Herannahen des Winters müssen die Geldgeber und der UNHCR "sich auf Unterkünfte konzentrieren".
In der Zwischenzeit, so Bolton, werden die Vereinigten Staaten die Dienste von Wohnungsexperten zur
Verfügung stellen, um eine Strategie zu entwicklen, die sich darauf konzentriert, die äußerst knappen Mittel für
die Verbesserung bestehender Quartiere zu verwenden und diese winterfest zu machen. Bis heute haben die
Vereinigten Staaten humanitäre Hilfe im Wert von rund 51 Millionen Dollar für Bosnien-Herzegowina bereitgestellt.
Bolton bekräftige darüber hinaus die Forderung der Vereinigten Staaten, daß alle Parteien in Bosnien
"unverzüglich einen Waffenstillstand einhalten, zu dem sie sich bei so zahlreichen Gelegenheiten verpflichtet
haben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bolton im Wortlaut.
Wir kommen in einem kritischen Moment der europäischen Geschichte als Reaktion auf die größte Flüchtlingskrise in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zusammen. Unsere Antwort auf die dringenden
Bedürfnisse von rund 2,2 Millionen Flüchtlingen und
Umsiedlern in Jugoslawien und den benachbarten
Ländern ist ein Test der Fähigkeit der internationalen
Staatengemeinschaft, kollektiv, unverzüglich und effektiv zu handeln. Wir sind zusammengekommen, um
zu erörtern, wie wir den heimatlos gewordenen Zivilisten helfen können, die sich in außerordentlich schwierigen Umständen in ihren Ländern befinden und wie wir
am besten die Flüchtlinge schützen und versorgen
können, die bei der Flucht vor dem Kreuzfeuer des
Kampfes internationale Grenzen überschreiten.
Gleichzeitig versucht die internationale Staatengemeinschaft in anderen Foren - mit der EG und der
Unterstützung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen - die erfoderliche politische Schlichtung zur

AMERIKA DIENST 31

Beendigung der Krise herbeizuführen, die den Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen wird.
In diesem Zusammenhang waren die Vereinigten
Staaten außerordentlich enttäuscht, daß der in dem
Londoner Abkommen vom 17. Juli 1992 vereinbarte
Waffenstillstand für Bosnien-Herzegowina nicht eingehalten wurde. Wir fordern erneut alle Seiten zur
unverzüglichen Erfüllung ihrer zahlreichen Verpflichtungen zu einem Waffenstillstand sowie zur uneingeschränkten Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats auf. Wir fordern die Beendigung der
"ethnischen Säuberungsaktionen", die eine verabscheuungswürdige Ursache der Flüchtlingskrise sind sowie
eine verhängnisvolle Erinnerung an ein dunkles Kapitel der Vergangenheit Europas. Wir dürfen nicht
unwissentlich zulassen, daß unsere humanitären
Reaktionen zur Duldung oder Konsolidierung der Ziele
dieser völlig inakzeptablen Politik führen.

Seite 1

�Für diejenigen, die humanitäre Hilfe in Bosnien-Herzegowina zu leisten versuchen, ist die Situation gefährlich. Wir wissen die stillen und professionellen Heldentaten der Mitarbeiter der UN-Schutztruppe (United
Nations Protection Force - UNPROFOR) zu würdigen,
die ihr Leben riskieren, um verzweifelten Menschen
Hilfe zu bringen. Wir begrüßen die unermüdlichen
Bestrebungen von Frau Ogata und ihren Mitarbeitern,
diejenigen in der schwierigsten Notlage zu erreichen.
Wir wissen die kontinuierliche und mutige Arbeit des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zu schätzen. Wir sind zutiefst dankbar für die von zahlreichen
nichtstaatlichen Organisationen zu diesen Bestrebungen geleisteten Beiträge. Wir sind uns der enormen
Last bewu ßt, die diese Aufgabe dem UNHCR und dem
gesamten UN-Nothilfeteam auferlegt.
Unserer Meinung nach sollte sich die internationale
Staatengemeinschaft auf Mechanismen einigen, um
den vordringlichsten Bedürfnissen der Flüchtlinge und
Vertriebenen Rechnung zu tragen. Die heutigen
Überlegungen müssen Wege einbeziehen, um die
Rechte von Minderheiten zu schützen, wenn eine
politische Einigung erzielt wird. Insbesondere sind wir
besorgt über die Zwangslage der vertriebenen Muslime. Diejenigen von uns, die Mitglieder der nordatlantischen Gemeinschaft sind und so oft die Führungsrolle bei der Verteidigung von Menschenrechten übernehmen, dürfen nicht die grundlegenden Rechte der
bosnischen Muslime ignorieren. In dieser Hinsicht
freuen wir uns, die Entscheidung des Justizministers
bekanntzugeben, daß Bosnier berechtigt sind, den
Status des temporären Schutzes in den Vereinigten
Staaten zu beantragen.
Unserer Ansicht nach liegt, unabhängig von der echten
Notwendigkeit eines Waffenstillstands, der Schlüssel
zur unmittelbaren Lösung der Krise in einem funktionsfähigen und einheitlichen multilateralen Plan, der sich
auf verschiedene wichtige Elemente konzentriert:
1.

vor allem Hilfsgüter in die Region zu schaffen,
auch wenn dabei Widerstände überwunden
werden müssen;

2.

UN-Koordinierung von Hilfe einzelner europäischer Länder und anderer Regierungen durch
den Stellvertretenden Staatssekretär des Generalsekretärs für humanitäre Angelegenheiten
und den UNHCR als federführende Behörde;

3.

Teilung der Kostenlast und gegebenenfalls der
zeitweisen Unterkunft und des Schutzes der
Menschen;

4.

Austausch von Informationen, Untersuchungen
und technischen Möglichkeiten, um die grundlegenden humanitären Bedürfnisse der Gefährdeten abzudecken;

5.

Denjenigen Ländern im ehemaligen Jugoslawien mu ß koordinierte, umfangreiche und effek-

Seite 2

tive Hilfe geleistet werden, die am meisten durch
Flüchtlinge belastet werden; und schließlich
6.

müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen Nachbarstaaten sich nicht gezwungen sehen, die Flüchtlinge aus dem ehemaligen
Jugoslawien daran zu hindern, in ihre Länder zu
kommen, um dort zeitweise Schutz und Obdach
zu suchen.

Wir müssen engagiert an der vordringlichen Erarbeitung eines solchen multilateralen Plans arbeiten.
Unseres Erachtens nach müssen die Nachbarstaaten
und Länder im ehemaligen Jugoslawien zusammen
mit dem UNHCR und dem Stellvertretenden Generalsekretär der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten die Führungsrolle bei der Erarbeitung und
Durchführung dieses Plans übernehmen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, dabei zu helfen.
Wir haben unsererseits bis jetzt insgesamt humanitäre
Hilfe im Umfang von etwa 51 Millionen Dollar geleistet.
Dazu zählt die Bereitstellung von Nahrungs- und Arzneimitteln, Unterstützung durch eine Luftbrücke und
direkte Beiträge an den UNHCR, UNICEF und das
IKRK. Wir werden weiterhin umfangreiche und kontinuierliche Unterstützung mit Ressourcen leisten, die
den dringendsten Bedürfnissen der Menschen Rechnung tragen, die durch diese große Tragödie unserer
Zeit entwurzelt wurden.
Wir haben das Konzept des temporären Schutzes und
der Hilfe für Flüchtlinge betont, weil unser Ziel darin
besteht, daß Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückkehren, sobald eine politische Einigung erzielt wurde
und die internationale Staatengemeinschaft sicher sein
kann, daß es ausreichende Mechanismen gibt, um die
Rechte von Minderheiten langfristig zu schützen. Auch
wenn wir daran arbeiten, Mechanismen für die zeitweisen Bedürfnisse der Bevölkerung im ehemaligen
Jugoslawien zu schaffen, darf die internationale Staatengemeinschaft nicht in ihren Bestrebungen nachlassen, eine politische Lösung herbeizuführen, die auf die
tieferen Ursachen dieser schrecklichen Tragödie eingeht.
Bei unserer Arbeit an einem Plan für humanitäre Hilfe
fordern wir alle Länder auf, ihre großzügigen Anstrengungen fortzusetzen und den Menschen im ehemaligen Jugoslawien Hilfe zu leisten, auch durch Konvois
und Luftbrücken humanitärer Hilfe und ihnen gegebenenfalls zeitweise Obdach und Schutz zu gewähren.
In dieser Hinsicht und vor allem im Hinblick auf den
herannahenden Winter müssen die Spender und der
UNHCR sich auf Unterkünfte konzentrieren. Ich freue
mich, ankündigen zu dürfen, daß wir die Dienste
mehrerer Teams von Wohnungsexperten anbieten
können, die an einer Strategie mitarbeiten werden, um
äußerst knappe Ressourcen auf den Ausbau und die
Winterfestigkeit bestehender Quartiere zu verwenden.
Mit jedem Tag wird diese Aufgabe vordringlicher.
AMERIKA DIENST 31

�Zum Schluß und um sicherzustellen, daß diese Bestrebungen und Ressourcen Früchte tragen, wiederhole ich unsere Forderung - die kollektive Forderung
derjenigen, die entsetzt sind über die Verschwendung
und das Leiden, die uns zusammengeführt haben daß alle Parteien in Bosnien-Herzegowina unverzüglich einen Waffenstillstand einhalten, zu dem sie sich
*

AMERIKA DIENST 31

bei zahlreichen Gelegenheiten verpflichtet haben. Sie
müssen sich voll und ganz an die Resolutionen des
Sicherheitsrats halten und mit dem EG-Präsidenten
kooperieren, um eine Konferenz zu organisieren, die
eine politische Einigung bei dieser schrecklichen Krise
bewirkt, die den Frieden in einem großen Teil Europas
gefährdet.

* * *

*

Seite 3

�RÜSTUNGSKONTROLLE
5. August 1992

LEHMAN: RÜSTUNGSVERTRÄGE VERSCHIEBEN
MILITÄRISCHES KRÄFTEVERHÄLTNIS
Anhörung im Auswärtigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Der Leiter des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) erklärte, wenn
Verträge zur Reduzierung strategischer, konventioneller und chemischer Waffen sowie Kernwaffen kurzer
Reichweite vollständig durchgeführt werden, "diese Ergebnisse zu einer Umwaldung des militärischen Kräfteverhältnisses führen, einem Merkmal der Konfrontation im Kalten Krieg".
Botschafter Ronald Lehman erläuterte vor einem Auswärtigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses am
30. Juli 1992, es habe im Bereich der Rüstungskontrolle in den vergangenen fünf Jahren "unglaubliche
Leistungen" gegeben, und weitere Errungenschaften zeichneten sich ab.
Ein multilateraler Vertrag über ein Verbot chemischer Waffen wird Lehman zufolge möglicherweise bis Ende
dieses Jahres abgeschlossen und "Jahre der Verhandlungen über eine weltweite Chemiewaffenkonvention
beenden". Die Konvention, so Lehman, "würde eine wichtige internationale Norm gegen diese schrecklichen
Waffen liefern".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Anhörung von Botschafter Lehman in wesentlichen Auszügen.

Ergebnisse bei der Rüstungskontrolle
In den vergangenen Jahren haben die Vereinigten
Staaten eine Reihe ihrer langfristigen Rüstungskontrollziele verwirklicht, von denen viele als unerreichbar
galten. Seit mehr als einer Generation waren wir
bestrebt, die unsere Existenz als Nation bedrohenden
strategischen Nuklearwaffen der Sowjets zu reduzieren und das strategische Gleichgewicht stabiler zu
machen. Im letzten Jahr, nach zehn Jahren gewissenhafter Verhandlungen, wurde der START-Vertrag
geschlossen, das erste Abkommen, mit dem tatsächlich strategische Offensivwaffen reduziert wurden.
Diese Leistung, zusammen mit den durch die Veränderungen in der ehemaligen Sowjetunion gegebenen
Impulsen legten den Grundstein für eine Reihe neuer
Fortschritte bei der Rüstungskontrolle. Präsident Bushs
Initiative zu Nuklearwaffen von September 1991,
ermöglicht durch die tatsächlichen oder ermutigten
Veränderungen von INF, KSE und START, setzten
einen Prozeß der Reduzierung oder Eliminierung ganzer
Kategorien von nuklearen Kurzstreckenwaffen in Gang.
In jüngster Zeit baute im letzten Monat die Gipfelvereinbarung zwischen den Präsidenten Bush und Jelzin
über weitere wichtige Reduzierungen bei Nuklearwaffen auf dem START-Vertrag auf und wird die vollstän-

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dige Beseitigung landgestützter schwerer Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen erfordern.
Den Herausforderungen der Modernisierung von START
- um den veränderten geopolitischen Realitäten gerecht zu werden und angesichts der Auflösung der
Sowjetunion das Auftreten neuer Atommächte zu
verhindern - wurde erfolgreich in einem Protokoll zum
START-Vertrag Rechnung getragen, das die neuen
Staaten Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine zu Parteien dessen macht, was früher ein bilaterales Abkommen mit der Sowjetunion war. In rechtsverbindlichen Schreiben an Präsident Bush verpflichten
sich Belarus, Kasachstan und die Ukraine zur Zerstörung aller Nuklearwaffen und aller strategischen Offensivwaffen auf ihrem Territorium innerhalb der vom
START-Vertrag vorgeschriebenen Siebenjahresfrist.
Das START-Protokoll verpflichtet die drei nichtrussischen Staaten, so bald wie möglich dem Nichtverbreitungsvertrag als Nicht-Atommächte beizutreten.
Im konventionellen Bereich haben wir lange danach
gestrebt, das militärische Ungleichgewicht in Europa
aufzuheben, um die Aussicht eines konventionellen
Angriffs auf Westeuropa zu reduzieren, der einen
nuklearen Konflikt auslösen könnte. Auch dieses Ziel
wird durch den KSE-Vertrag erreicht, der Obergrenzen

Seite 1

�für Kategorien militärischen Geräts und für Waffen wie
Panzer, Artillerie und Kampfflugzeuge vorsieht, die für
eine Offensive am besten geeignet sind, und ebenso
durch das soeben unterzeichnete KSE-1A-Abkommen zur Begrenzung von Truppen.
In dem Bestreben zur Erhöhung von Transparenz und
Offenheit bei militärischen Aktivitäten in Europa wurden in den vergangene.! zwei Jahren in Wien zwei
Dokumente über Vertrauens- und sicherheitsbildende
Maßnahmen erzielt, ferner der Vertrag über Offene
Himmel, mit dem Transparenz bei militärischen Aktivitäten erzielt werden soll, indem ein Überfliegen des
gesamten Territoriums aller Parteien gestattet wird.
Unser Bestehen auf Inspektionsregimen hat zu einmaligen Bestimmungen für den Zugang zu Einrichtungen
in folgenden Verträgen geführt: INF, START, KSE,
Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken und dem
Schwellenvertrag.
Unsere Bestrebungen zur Erlangung eines verfizierbaren Verbots über chemische Waffen haben ein
bilaterales Chemiewaffenabkommen zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland hervorgebracht, das
die Zerstörung des größten Teils unserer Chemiewaffenarsenale fordert. In diesem Jahr könnten wir Jahre
der Verhandlungen über eine weltweite Chemiewaffenkonvention beenden. Damit würde eine wichtige
internationale Norm gegen diese schrecklichen Waffen geliefert. Wenn diese Ergebnisse vollständig durchgeführt sind, werden sie zu einer Umwaldung des
militärischen Kräfteverhältnisses führen, einem Merkmal der Konfrontation im Kalten Krieg.
Ebenso wie die Beendigung des Kalten Krieges weder
das Ende großer nuklearer Arsenale noch das Ende
großer Armeen bedeutet hat, steht sie auch nicht für
das Ende regionaler, politischer, ethnischer und historischer Konflikte und ihres Potentials für großangelegte Gewalt. Mit dem Ende des Kalten Kriegs verdoppeln
wir unsere Bestrebungen im Hinblick auf die Verhinderung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Herausforderungen heute
Die geopolitische Landschaft setzt ihre tektonischen
Veränderungen fort. Die früher bipolare Konfrontation
der Supermächte wurde schnell von einem internationalen System abgelöst, das von regionaler Instabilität
gekennzeichnet ist, und eine neue Tagesordnung für
Rüstungskontrolle ist entstanden. Ganz oben auf
dieser Tagesordnung steht das Problem der Verbreitung, ein Thema, das nicht immer die ersten Seiten
eingenommen hat, aber seit langem ein wichtiger
Bereich des ACDA-Mandats war. Die Vereinigten
Staaten suchen die Verbreitung einzudämmen, indem
sie sowohl die Seite des "Angebots" als auch die der
"Nachfrage" angehen. Um das Angebot einzuschränken, ermutigen die Vereinigten Staaten Verpflichtungen der Händler zur Kontrolle von Exporten, die einer
Verbreitung Vorschub leisten könnten. Die Politik der
Vereinigten Staaten geht auf die Nachfrage ein, indem

Seite 2

sie bei der Lösung grundsätzlicher politischer Fragen
hilft, die Nationen dazu bewegen, sich Massenvernichtungswaffen zu beschaffen.
In einer Reihe von Länder Osteuropas, der ehemaligen Sowjetunion und Regionen wie Südasien, der
Halbinsel Korea und dem Nahen Osten ist das potentielle Risiko eines bewaffneten Konflitks nach wie vor
hoch. Die Erarbeitung angemessener und effektiver
Ansätze für regionale Rüstungskontrolle erlangt daher
größere Aufmerksamkeit und Priorität im amerikanischen Programm der nationalen Sicherheit. Eine
wichtige, vordringliche Sicherheitsfrage im Umgang
mit diesen regionalen Pulverfässern lautet, wie die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen einzudämmen sowie Mehrzwecktechnologie zu sichern ist, während man gleichzeitig
versucht, friedliche Lösungen für die zugrundeliegenden Ursachen regionaler Konflikte zu finden.
Präsident Bush hat kürzlich eine umfassende Initiative
angekündigt, um Nichtverbreitung auf globaler und
regionaler Ebene anzusprechen. Sie enthält Bestrebungen zur Stärkung globaler Nichtverbreitungsnormen, regionaler Rüstungskontrollinitiativen im Nahen
Osten, Südasien und der Halbinsel Korea sowie Schritte, die mit den Ländern der ehemaligen Sowjetunion
unternommen werden müssen, wie die Sicherheit der
Führungs- und Kontrolleinrichtungen bei Kernwaffen,
Methoden des sicheren Transports, der Lagerung und
Zerstörung von Kernwaffen, Wissenschafts- und
Technologiezentren für ehemalige sowjetische Wissenschaftler und die Zerstörung chemischer Waffen.
Sie umfaßt darüber hinaus eine Entscheidung, daß die
Vereinigten Staaten fortan kein Plutonium und hochangereichertes Uran zum Zweck von Kernexplosionen
herstellen. Diese Veränderung in der amerikanischen
Politik soll Länder im Nahen Osten und anderen Spannungsregionen, die im Hinblick auf die Weiterverbreitung Anlaß zur Sorge geben, ermutigen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und Entnuklearisierungsabkommen zu fördern, ähnlich dem, das mit Nord- und
Südkorea vereinbart wurde.
In einem weiteren Bestreben, ein Beispiel der Zurückhaltung im neuen internationalen Umfeld zu sein,
haben die Vereinigten Staaten kürzlich ihre Position zu
Atomtests neu bewertet. Im Einklang mit der Notwendigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten, werden die Vereinigten Staaten ein Minimum an
Atomtests durchführen - nicht mehr als sechs pro Jahr
- von denen nicht mehr als drei über 35 Kilotonnen
umfassen. Unserer Meinung nach ist dies ein wichtiger Schritt, der voll und ganz im Einklang mit der
einzigartigen Führungsrolle der Vereinigten Staaten
steht.
Dieser neue politische Bedarf zusammen mit den
Durchführungs- und Verifizierungserfordernissen von
bereits erzielten Abkommen machen insgesamt das
amerikanische Rüstungskontrollprogramm vielseitiger.
Die Ratifizierung und das Inkrafttreten von START und
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�KSE werden zu einem Prozeß der langjährigen Durchführung und Verifizierung in einem Umfang führen, der
weit über alle bisherigen Erfahrungen der US-Regierung hinausgeht.
Die multilaterale Chemiewaffenkonvention mit ihren
begleitenden Durchführungs- und Verifikationsbestimmungen ist erwartungsgemäß bald unterschriftsreif.
Zukünftige ACDA-Aktivitäten
Noch während wir diese neuen Sicherheitsherausforderungen definieren, mit denen sich die Vereinigten
Staaten konfrontiert sehen, werfen einige die Frage
auf, ob Rüstungskontrollabkommen durch das Ende
des Kalten Krieges an Bedeutung verloren haben. In
der Tat wird Rüstungskontrolle nach wie vor ein Schlüsselelement unserer nationalen Sicherheitspoltik und
auswärtigen Beziehungen sein. Rüstungskontrolle
wird auch in Zukunft für uns von Bedeutung sein als
Instrument für Konfliktbewältigung und Abbau von
Bedrohungen - ebenso wie sie es in der Ära der OstWest-Konfrontation war, die wir hinter uns lassen.
In dem, was wir als den Ost-West-Zusammenhang
bezeichnet haben, hat sich zu Recht ein "spannendes
Drama "für zahlreiche unserer jüngsten Rüstungskontrollerfolge abgespielt. Solche Meilensteine werden
wiederkehren wenn wir die Konvention über chemische Waffen unterzeichnen. Es ist weiterhin unabdingbar, daß diese Abkommen vollständig verwirklicht
werden, und dies stellt eine große, kontinuierliche
Aufgabe dar. Darüber hinaus haben die Präsidenten
Bush und Jelzin einen neuen, kooperativeren Ansatz
zu Sicherheit und Stabilität entworfen. Beispielsweise
wird strategische Verteidigung als neue Domäne
kooperativer Entwicklung sondiert und verlagert damit
unsere traditionellen Rüstungskontrollprobleme bei der
strategischen nuklearen Stabilität auf einen sehr viel
vielversprechenderen Weg. Die Beziehungen zwischen offensiv und defensiv sind eine Quintessenz der

Rüstungskontrolle wie auch eine Angelegenheit der
nationalen Sicherheit.
Darüber hinaus könnte Rüstungskontrolle in der gesamten Bandbreite von Mitteln nationaler Sicherheit
und Außenpolitik bei der Bewältigung mit dem noch
Undefinierten Umfeld nach dem Kalten Krieg für uns an
Bedeutung gewinnen. In diesem neuen Umfeld sehen
wir uns mit den wichtigen Aufgaben konfrontiert, die
Verpflichtung zu demokratischen Institutionen zu unterstützen und beim Aufbau stabiler Sicherheitsregime
in Europa, dem Nahen Osten und Ostasien behilflich
zu sein.
Rüstungskontrolle wird aus verschiedenen Gründen
für unsere Beziehungen mit traditionellen Verbündeten und Freunden und unsere neuen Beziehungen mit
ehemaligen Gegnern lebenswichtig sein. Rüstungskontrolle wird sich als unschätzbar dabei erweisen, der
Welt bei der Eindämmung von Konflikten, Abbau des
Vernichtungspotentials, Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und Untermauerung des Strebens nach Frieden zu
helfen.
Entsprechend benötigen wir innovative Ansätze zur
Rüstungskontrolle bei unserer nationalen Sicherheit
und Außenpolitik, während wir unsere Bestrebungen
gegen die Weiterverbreitung nuklearer, chemischer
und biologischer Waffen verdoppeln und neue Wege
suchen, der Verbreitung ballistischer Raketen Einhalt
zu gebieten. Die kombinierten Gefahren der Verbreitung von Fähigkeiten und Fachwissen der ehemaligen
Sowjetunion sowie die Bestrebungen solcher Staaten
wie Irak zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen werden unsere Erfindungsgabe über ein breites
Spektrum hinweg auf die Probe stellen. Rüstungskontrollinitiativen und Aufgaben in diesen neuen Bereichen von Herausforderungen sind entscheidend für
die zukünftige weltweite Führungsrolle beim Aufbau
globaler Sicherheit.
* *

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*

Seite 3

�CHEMISCHE

WAFFEN
5. August 1992

CW-VERHANDLUNGEN BEI DER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Eine Chronologie des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Chronologie wurde am 22. Juli 1992 vom Amt für
Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben. Sie trägt den Titel "Verhandlungen über chemische
Waffen bei der Abrüstungskonferenz".

Nachfolgend wird auf einige der Schlüsselereignisse
der Verhandlungen über chemische Waffen bei der
Abrüstungskonferenz (Conference on Disarmament CD) und ihren Vorläufern, der Konferenz des Abrüstungsausschusses und dem Abrüstungsausschuß
verwiesen, die uns an einen Punkt gebracht haben, an
dem die Unterzeichnung einer Chemiewaffenkonvention in diesem Jahr möglich erscheint.
15. März 1962
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion unterbreiten Pläne für die allgemeine und vollständige Abrüstung beim 18-Nationen Abrüstungsausschuß, die
Bestimmungen für die Beseitigung chemischer und
biologischer Waffen umfassen.
15. August 1968
Chemische Waffen erscheinen auf der Tagesordnung
der Konferenz des Abrüstungsausschusses (Conference of the Committee on Disarmament - CCD) in
Genf.
27. Juni-3. Juli 1974
Beim Moskauer Gipfel vereinbaren die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion bilaterale Gespräche mit
dem Ziel der Erarbeitung eines gemeinsamen Vorschlags zum Verbot chemischer Waffen, der bei der
CCD unterbreitet werden soll.
17. März 1980
Beim Abrüstungsausschuß (CD) wird eine Ad-hocArbeitsgruppe über chemische Waffen ins Leben gerufen. (Der CD ist Nachfolger der CCD).

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4. Februar 1983
Vizepräsident Bush erklärt beim CD folgende Bedingungen der Vereinigten Staaten für ein verifizierbares
Verbot der Herstellung, Lagerung und Verbreitung
chemischer Waffen:
Offenlegung und systematische internationale
Vor-Ort-Inspektionen der Chemie waffenarsenale und Produktionseinrichtungen sowie Offenlegung der Pläne zur Zerstörung von Arsenalen;
systematische internationale Vor-Ort-Inspektion
bei der Zerstörung sowohl von Chemiewaffenarsenalen als auch von Produktionsstätten;
Offenlegung und Vor-Ort-Inspektionen des
Betriebs anderer Einrichtungen für die legale
Herstellung von Chemikalien, die ein besonderes Risiko darstellen, bei der Herstellung von
Chemiewaffen eingesetzt zu werden; und
einen multilateralen Mechanismus für den
Umgang mit Fragen der Einhaltung.
Juni 1983
Die Vereinigten Staaten legen bei der Abrüstungskonferenz ein Papier vor, aus dem hervorgeht, wie eine
Zerstörung der Arsenale verifiziert werden kann. Der
US-Ansatz kombiniert den umfangreichen Einsatz von
Vor-Ort-Instrumenten mit kontinuierlicher Beobachtung durch internationale Inspektoren.
23. August 1983
Die Vereinigten Staaten laden CD-Teilnehmer- und
Beobachterdelegationen zu einem Workshop auf der
Testeinrichtung zur Zerstörung chemischer Waffen in

Seite 1

�Tooele (Utah) ein. Die Sowjetunion und der Warschauer Pakt (außer Rumänien) lehnen die Einladung
ab.
14.-16. November 1983
Fünfzig Diplomaten aus 30 CD-Ländern nehmen am
Workshop zur Verifizierung chemischer Waffen in
Tooele (Utah) teil.
18. April 1984
Bei der Abrüstungskonferenz (der neuen Bezeichnung
für den Abrüstungsausschu ß) legt Vizepräsident Bush
einen Vertragsentwurf der Vereinigten Staaten vor,
der ein weltweites Verbot von Entwicklung, Erwerb,
Herstellung, Lagerung, Verbreitung und Einsatz chemischer Waffen vorsieht. Der Plan fordert systematische Vor-Ort-Inspektionen von Produktionseinrichtungen für Chemiewaffen, um die Einhaltung zu gewährleisten.

21.-23. Februar 1989
Die Vereinigten Staaten führen eine Probeinspektion
in einem privaten amerikanischen Chemiewerk durch.
Dies ist Teil eines Experiments zur Entwicklung von
Verfahren für ein Regime von Routineinspektionen,
das Vertrauen schaffen und Sicherheitsbedingungen
erfüllen würde, ohne die zivile Chemieindustrie erheblich zu beeinträchtigen.
Die Sowjetunion und andere CD-Mitglieder führen
daraufhin ähnliche Probeinspektion bei ihrer eigenen
Chemieindustrie durch.
7 . - 9 . Februar 1990
Die Außenminister Baker und Schewardnadse vereinbaren einen Aktionsrahmen, um die Verhandlung über
eine Chemiewaffenkonvention bei der Abrüstungskonferenz zu beschleunigen.

&gt;

I.Juni 1990
Die Sowjetunion lehnt den amerikanischen Vertragsentwurf sofort ab. Dennoch ist es im wesentlichen der
Entwurf von 1984, der die Diskussionsgrundlage der
Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Abrüstungskonferenz bildet. Das Dokument, in das infolge der CD-Verhandlungen Veränderungen eingearbeitet wurden, wird
inoffiziell als "rolling text" bezeichnet.
10. Juli 1986
Die Vereinigten Staaten legen der Abrüstungskonferenz Informationen über ihre Chemiewaffenarsenale
und die Standorte dieser Arsenale vor - als erstes CDMitglied.
6. August 1987
Der sowjetische Außenminister hält eine Rede bei der
Abrüstungskonferenz und akzeptiert prinzipiell verbindliche Verdachtsinspektionen ohne Verweigerungsrecht. Er lädt die CD-Delegationen in die militärische
Einrichtung Schikani ein und spricht eine Einladung in
die im Bau befindliche Einrichtung zur Chemiewaffenzerstörung in der Nähe von Tschapajewk aus. Am 3.
und 4. Oktober 1987 besucht eine multilaterale CDDelegation die sowjetische CW-lnstallation in Schikani, um Munitionen und eine mobile Zerstörungsanlage
zu besichtigen.
28. Juli 1988
In einer Rede bei der Abrüstungskonferenz legt der
amerikanische Botschafter Max Friedersdorf den
Standort aller US-Produktionsstätten für Chemiewaffen offen und erläutert Pläne für deren Zerstörung bei
einem Chemiewaffenverbot. Die Vereinigten Staaten
fordern die Sowjetunion und andere Länder auf, dasselbe zu tun.

Seite 2

Beim Gipfel in Washington unterzeichnen die Präsidenten Bush und Gorbatschow das amerikanischsowjetische Abkommen über die Zerstörung und das
Herstellungsverbot chemischer Waffen sowie Maßnahmen zur Förderung der multilateralen Chemiewaffenkonvention (Multilateral Chemical Weapons Convention - CWC). Schlüsselbestimungen dieser wichtigen Vereinbarung sind:
die Einstellung der Herstellung von Chemiewaffen bei Inkrafttreten und die Zerstörung des
größten Teils der bekannten Arsenale bis Ende
1992. Bis zum Jahr 2002 soll ein Niveau von
5.000 Tonnen Kampfstoff erreicht sein;
Vor-Ort-Inspektionen während und nach dem
Prozeß der Zerstörung, um diese zu bestätigen,
und
Entwicklung und Einsatz sicherer und umweltverträglicher Zerstörungsmethoden.
13. Mai 1991
Präsident Bush kündigt eine neue Reihe von Schritten
an, um die Aussichten eines baldigen erfolgreichen
Abschlusses der Chemiewaffenkonvention zu stärken. Der Präsident erklärt, die Vereinigten Staaten
würden in dieser Hinsicht folgende Maßnahmen ergreifen:
offiziell dem Einsatz von Chemiewaffen aus
jedwedem Grund entsagen, einschließlich der
Vergeltung gegen einen Staat, mit Wirkung von
dem Zeitpunkt, da die Konvention in Kraft tritt
und vorschlagen, daß alle Länder dem folgen vorausgesetzt, die Sowjetunion ist ebenfalls
Vertragspartner;

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,

i

�sich bedingungslos für die Zerstörung all ihrer
Chemiewaffenarsenale innerhalb von zehn
Jahren nach Inkrafttreten einsetzen und vorschlagen, daß alle anderen Länder dasselbe
tun;
anderen technische Hilfe anbieten, damit sie
ihre Chemiewaffenarsenale effektiv und sicher
zerstören können;
die Festlegung eines Termins zum Abschluß
der Konvention fordern und empfehlen, daß die
Konferenz gegebenenfalls ständig tagt, um dieses
Ziel zu erreichen;
neue und effektive Verifizierungsmaßnahmen
für Inspektionsorte vorschlagen, an denen die
Herstellung oder Lagerung chemischer Waffen
vermutet wird;
vorschlagen, daß die Konvention von den Parteien verlangt, den Handel mit chemiewaffenfähigem Material mit Staaten zu verweigern, die
nicht Mitglieder der Konvention sind, um greifbare Vorteile für diejenigen Staaten zu erzielen,
die der Konvention beitreten und solchen strenge Strafen aufzuerlegen, die sie nicht unterstützen; und
bestätigen, daß die Vereinigten Staaten alle
erforderlichen Sanktionen für die Verletzung der
Konvention verhängen, insbesondere den Einsatz chemischer Waffen.

19. März 1992
Der australische Außenminister Garth Evans präsentiert einen Vertragsentwurf, der Kompromißlösungen
für ausstehende Probleme anbietet, als Basis für den
baldigen Abschluß der Abrüstungsverhandlungen. Die
Vereinigten Staaten begrüßen die australischen Bestrebungen und unterstützen den damit repräsentierten Prozeß. Der australische Text weicht in einer
Reihe wichtiger Bereiche von den amerikanischen
Positionen ab. Die Vereinigten Staaten bekunden
jedoch ihre Hoffnung, daß er zur Lösung anhängiger
Probleme beiträgt und einen Abschluß der Chemiewaffenkonvention 1992 zuläßt - wie es Präsident Bush
wiederholt gefordert hat.
22. Juni 1992
Der Vorsitzende des Ad-Hoc-Ausschusses über Chemiewaffen bei der Abrüstungskonferenz, der Deutsche Adolf von Wagner, veröffentlichte mit dem Ziel
einer Beschleunigung des Prozesses, den Entwurf
eines "Schlußtextes" zur Beurteilung. Dieser Entwurf
ist ein vollständiger Text, und er umfaßt durch Konsens erzielte Kompromisse ebenso wie die vom Vorsitzenden selbst vorgeschlagene Sprachregelung mit
Kompromissen bei ungelösten wichtigen Themen.
26. Juni 1992
Die zweite Sitzung der Abrüstungskonferenz schloß
mit einer Erörterung der Erklärungen des Vorsitzenden zum neuen Text.

15. Juli 1991

20. Juli 1992

Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien
und Japan legen bei der Abrüstungskonferenz gemeinsam einen Vorschlag über Verdachtsinspektionen vor, woraufhin die Vereinigten Staaten einen
Vorschlag über die Verfahrensweise bei Inspektionen
bekannter Einrichtungen unterbreiten.

Die Abrüstungskonferenz wird wiederaufgenommen.
23. Juli 1992
Die Vereinigten Staaten akzeptieren den Entwurf des
Vorsitzenden zu einer Chemiewaffenkonvention.
Bei ihrem Abschluß wird die Konvention über chemische Waffen die Herstellung, den Erwerb, die Lagerung und den Einsatz chemischer Waffen verbieten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 31

Seite 3

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U.S. Information Service
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12. August 1992
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BOSNIEN/SERBIEN

USA FORDERN UNCHR-SONDERSITZUNG
ZUM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Berichte über massive
Menschenrechtsverletzungen

USA DRÄNGEN AUF VERABSCHIEDUNG
NEUER UN-RESOLUTION ZU BOSNIEN
Stellungsnahme des US-Außenministeriums

USA KUNDIGEN NEUE DIPLOMATISCHE
SCHRITTE GEGEN DAS EHEMALIGE
JUGOSLAWIEN AN
Rede des Stellvertretenden Außenministers

FLÜCHTLINGE

NEUE LÖSUNGEN FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEMATIK ERFORDERLICH
von Lawrence Eagleburger

UMWELT

WELTKONGRESS DER GEOGRAPHEN KONZENTRIERT SICH AUF UMWELTPROBLEME
Mehr wissenschaftliche Forschung
prognostiziert

PROBLEMS OF COMMUNISM

PUBLIKATION ZUM KOMMUNISMUS
STELLT ERSCHEINEN EIN
Letzte Ausgabe von "Problems of Communism"
veröffentlicht

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA FORDERN UNCHR-SONDERSITZUNG
ZUM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten fordern eine
Sondersitzung der UNO-Menschenrechtskommission,
um die "gefährliche Situation" im ehemaligen Jugoslawien zu erörtern, einschließlich der angeblich "massiven" Menschenrechtsverletzungen in Internierungslagern.

"Angesichts dieser Umstände ... ersuchen die Vereinigten Staaten um die Einberufung der Menschenrechtskommission in einer Dringlichkeitssitzung zum
frühestmöglichen Zeitpunkt, um die gefährliche Situation im ehemaligen Jugoslawien zu erörtern," schrieb
Abram.

Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei den
Vereinten Nationen, Botschafter Morris B. Abram,
unterbreitete das Ersuchen am 5. August 1992 in
einem Schreiben an das UNO-Menschenrechtszentrum in Genf.

Die UNO-Menschenrechtskommission ist das wichtigste Element im System der Vereinten Nationen zur
Überwachung der Einhaltung internationaler Menschenrechtsnormen und insbesondere der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte.

"Meine Regierung möchte Ihre Aufmerksamkeit auf
die gefährliche Verschlechterung der Menschenrechtssituation im früheren Jugoslawien richten," schrieb
Abram an den Stellvertretenden Generalsekretär für
Menschenrechte und Leiter der Genfer UNO-Vertretung, Antoine Bianca.

Die aus 53 Mitgliedern bestehende Kommission kommt
jährlich sechs Wochen im Februar und März zusammen, aber 1990 hat der Wirtschafts- und Sozialrat der
Vereinten Nationen (U.N. Economic and Social Council - ECOSOC), der die Arbeit der Kommission überwacht, neue Verfahren zur Einberufung einer Sondersitzung der Kommission verabschiedet, wenn die
Mehrheit der Mitglieder zustimmt.

"Berichte über Konzentrationslager geben Anlaß zu
großer Besorgnis über möglicherweise massive Menschenrechtsverletzungen," so Abram. "Berichten zufolge werden Bürger zusammengetrieben und standrechtlich erschossen. Dörfer werden zerstört und
Häuser dem Erdboden gleichgemacht."
Abram verwies ferner darauf, daß internationalen
Menschenrechtsorganisationen der Zugang zu den
Stätten der angeblichen Brutalität verwehrt wird.

Dies ist das zweite Mal, daß ein Ersuchen um eine
Sondersitzung einging. Das erste wurde im Juni von
der Arabischen Liga vorgebracht, als sie um eine
Sitzung über die israelisch besetzten Gebiete bat.
Diese Sitzung fand jedoch nicht statt, weil eine Abstimmung der Kommissionsmitglieder nicht die erforderliche Mehrheit von 27 Jastimmen erbrachte.

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�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA DRÄNGEN AUF VERABSCHIEDUNG NEUER
UN-RESOLUTION ZU BOSNIEN
Stellungnahme des US-Außenministerlums
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten drängen auf die unverzügliche Verabschiedung einer neuen UN-Resolution, die "gegebenenfalls" die militärische Absicherung der Hilfslieferungen nach ganz
Bosnien-Herzegowina einschließlich der Internierungslagergestatten würde, erklärte das US-Außenministerium am 10. August 1992.

Woche wurden aus einigen Internierungslagern Folterungen und standrechtliche Erschießungen berichtet.

Der Stellvertretende Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums, Richard Boucher, stellte bei einer
Pressekonferenz fest, die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich hätten sich auf den Wortlaut
eines Resolutionsentwurfs geeinigt, der China und
Rußland, den anderen Ständigen Mitgliedern des
Sicherheitsrats, UN-Generalsekretär Boutros-Ghali
sowie den Mitgliedern des 15 Nationen umfassenden
Rats vorgelegt werden soll.

"Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um
dem IKRK Zugang zu verschaffen", erklärte der Stellvertretende Pressesprecher. "Wir bestehen weiterhin
darauf, daß alle an dem bosnischen Konflikt beteiligten
Parteien alle Internierungslager für Inspektionen des
IKRK öffnen und natürlich die dort möglicherweise
stattfindenden Menschenrechtsverletzungen beenden
müssen."

"Wir wollen sie so schnell wie möglich durchsetzen", so
Boucher.
Die Vorgehensweise bei den Vereinten Nationen ist
Teil breitgefächerter diplomatischer Bestrebungen der
Vereinigten Staaten zur Bewältigung der andauernden
Krise in Bosnien-Herzegowina.
Das wichtigste unmittelbare Ziel ist, wie Boucher betonte, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) Zugang zu den Gefangenenlagern in Bosnien
und anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens zu
verschaffen, in denen Kampfhandlungen stattfinden.
Boucher verwies auf ein Schreiben der bosnischen
Serben an das Rote Kreuz mit der Bestätigung, dem
IKRK Zugang zu allen unter ihrer Kontrolle stehenden
Einrichrichtungen zu gewähren. Der Brief enthielt
jedoch keinen Hinweis auf die Bereitschaft der Serben,
die Einrichtungen dem IKRK zu übergeben. Die bosnischen Serben behaupten, dem IKRK würde die
Besichtigung von Omarska gestattet, einem der 12
Lager, die sich angeblich unter ihrer Kontrolle befinden
und eines der Lager, in dem Berichten zufolge Mißhandlungen stattgefunden haben. In der vergangenen

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In den letzten beiden Wochen gab es "sehr viel spezifischere Informationen und eindeutige Beschuldigungen, was in den Internierungslagern vor sich geht",
stellte Boucher fest.

"Wir haben keine Frist gesetzt", so Boucher. "Unseres
Erachtens sollte dies unverzüglich erfolgen, und darauf drängen wir."
Boucher zufolge erwarten die Vereinigten Staaten
auch, im Sicherheitsrat "rasch eine Resolution zu
Kriegsverbrechen voranzubringen". Mit einer solchen
Resolution würden alle Staaten aufgefordert, dem Rat
fundierte oder begründete Informationen zur Verfügung zu stellen.
Über 35 der 53 Mitgliedstaaten haben den amerikanischen Appell zur Einberufung der ersten Sondersitzung der UN-Menschenrechtskommission vom 13. bis
14. August 1992 in Genf unterstützt, bei der die Menschenrechtssituation im ehemaligen Jugoslawien erörtert werden soll, erklärte Boucher. John Bolton,
Abteilungsleiter im US-Au ßeministerium für internationale Organisationen wird bei der Sondersitzung den
Vorsitz der amerikanischen Delegation führen.
Andere amerikanische Initiativen werden bei der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) weiterentwickelt, einschließlich der
Aufforderung zu einer baldigen Dringlichkeitssitzung
des Ausschusses Hoher Beamten (AHB) der KSZE

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�über die Entsendung eines Sonderberichterstatters in
das ehemalige Jugoslawien. Darüber hinaus befaßt
sich die KSZE mit den Befürchtungen, daß der bosnische Konflikt sich in andere Regionen des ehemaligen
Jugoslawiens und die Nachbarstaaten ausbreiten könnte.

richten zufolge verlief die Luftbrücke am 10. August mit
24 vorgesehenen Flügen reibungslos.

Im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur Verabschiedung einer UN-Resolution über die militärische
Absicherung der Hilfslieferungen nach Bosnien erörtern NATO-Behörden, wie sie die Aktivitäten des UNGeneralsekretärs und anderer Organisationen am besten
unterstützen können. "Ich möchte nicht behaupten,
daß die NATO in irgendeiner Weise das einzige Organ
ist, aber zweifelsohne verfügt die NATO über sehr
große Fähigkeiten", erläuterte Boucher.

Der Stellvertretende Pressesprecher verwies darauf,
daß der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten
Nationen (UNHCR) am 8. August 1992 "Ermittlungsteams" nach Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro und Mazedonien entsandt hat. "Diese Teams
werden eine Bedarfsermittlung in den Bereichen
medizinische Versorgung, Nahrungsmittel, Obdach
sowie der Kapazitäten vor Ort zur Durchführung der
humanitären Programme vornehmen", stellte er fest.
"Diese Ermittlung wird zu einem aktualisierten Stand
des finanziellen und personellen Bedarfs für die Hilfsprogramme im ehemaligen Jugoslawien führen."

Die von der UNO unterstützte Luftbrücke mit humanitären Hilfsgütern nach Sarajevo wurde am 8. August
mit 20 Flügen wiederaufgenommen. Mit 4 amerikanischen Flugzeugen wurden 235,6 Tonnen Hilfsgüter
eingeflogen, so Boucher. Am 9. August landeten 21
Maschinen - davon 3 amerikanische - mit 271,3 Tonnen Hilfslieferungen in Sarajevo, und vorläufigen Be-

Am Wochenende haben die Vereinigten Staaten Briefe an die politsch Verantwortlichen in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina mit dem Vorschlag der
unverzüglichen Herstellung uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen geschickt. "Wir haben noch
keine Antwort erhalten, rechnen jedoch in Kürze damit",
erklärte Boucher.

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�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA KÜNDIGEN NEUE DIPLOMATISCHE SCHRITTE
GEGEN DAS EHEMALIGE JUGOSLAWIEN AN
Rede des Stellvertretenden Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Der Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika ad interim, Lawrence
Eagleburger, erläuterte am 5. August 1992 eine Reihe diplomatischer Initiativen der Vereinigten Staaten mit dem
Ziel, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Zugang zu den Gefangenenlagern in BosnienHerzegowina und Serbien zu verschaffen.
In seiner vorbereiteten Rede stellte Eagleburger fest, amerikanische Diplomaten im ehemaligen Jugoslawien
hätten der dortigen Führung gegenüber auf "unverzüglichem, ungehindertem und kontinuierlichem Zugang zu
allen Gefangenenlagern" für das IKRK beharrt.
Indem er auf die zunehmende Zahl von Berichten über Internierungslager verwies, fügte der Außenminister ad
interim hinzu, einige dieser Berichte deuteten mögliche Hinrichtungen, Folterungen und andere gravierende
Menschenrechtsverletzungen an.
Er unterstrich die diplomatischen Aktionen der Vereinigten Staaten, mit denen der Zugang zu Gefangenenlagern
für das IKRK durch die Parteien im ehemaligen Jugoslawien, die Vereinten Nationen, die UN-Menschenrechtskommission, die Europäische Gemeinschaft und den KSZE-Mechanismus unterstützt werden soll. Er verwies
ferner darauf, daß die Vereinigten Staaten Rußland gebeten haben, seinen Einfluß bei den Serben geltend zu
machen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Lawrence Eagleburger im Wortlaut.

In der vergangenen Woche wurde eine wachsende
Zahl von Berichten über Internierungslager in BosnienHerzegowina und Serbien vorgelegt, die auch die
Möglichkeit von Hinrichtungen, Folterungen und anderen gravierenden Menschenrechtsverletzungen andeuten. Diese Berichte umfassen Pressekonferenzen, Beschuldigungen und Gegendarstellungen der
Parteien sowie Berichte von anderen in der Region.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat neun
Einrichtungen besichtigt, in denen 4.300 Gefangene
registriert wurden. Das IKRK berichtete über äußerst
schwierige Haftbedingungen, konnte jedoch keine
Beweise für Konzentrationslager finden. Dennoch
liegen zahlreiche Berichte über andere Gefangenenlager vor, die das Rote Kreuz nicht besichtigen durfte,

Unverzügliches Handeln ist erforderlich, um die Wahrheit aufzudecken und eventuell verübte Grausamkeiten zu verhindern. Gestern morgen haben wir eine
Reihe von Schritten unternommen, um diesen Zugang
zu ermöglichen:

und in diesen fanden angeblich einige dieser Greueltafpn ststt

Europäischen Gemeinschaft innehat und damit

Obwohl unbestätigt, sind diese Berichte außerordentlieh beunruhigend. Es ist lebenswichtig daß absolut
alle Gefangnisse und Internierungslager für das Rote
Kreuz und andere neutrale Parteien geöffnet werden.

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"

.

.

Wir

haben

unsere diplomatischen Vertreter
angewiesen, sofort Kontakt zu hochrangigen
serbischen, bosnischen und kroatischen Regierungsvertretern aufzunehmen und darauf zu
bestehen, daß dem Internationalen Komitee
vom Roten Kreuz
unverzüglich, ungehindert
und kontinuierlich Zugang zu allen Intemierungsla ern
9
gewährt wird,

Wjr haben Großbritannien&gt; das den Vorsitz der

auch die anderen Mitglieder der EG gebeten,
ähnliche Maßnahmen zu ergreifen,
wir haben Rußland aufgefordert, seinen Einfluß
gegenüber Serbien zu diesem Zweck geltend zu
machen

Seite 1

�Wir haben um eine Stellungnahme des Sicherheitsrats gebeten und diese gestern abend
erhalten. Darin wurde diese Bitte befürwortet
und die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen daran erinnert, daß sie individuell
für Verletzungen der Genfer Konvention zur
Verantwortung gezogen werden können.
Heute haben wir eine außerordentliche Dringlichkeitssitzung der UNO-Menschenrechtskommission in Genf
gefordert, um die Situation im Detail zu prüfen, gravierende Menschenrechtsverletzungen zu erörtern und
auf den ungehinderten Zugang zu Internierunglagern
zu drängen. Wir blicken auf die Menschenrechtskommission in der Erwartung, daß sie ihr Mandat in diesem
Zusammenhang mit der Ernennung eines Sonderbeauftragten zwingend ausübt, dem Zugang zu den Lagern gewährt werden sollte, damit er diese Beschuldigungen prüfen und den Mitgliedern der Vereinten
Nationen seine Empfehlungen unterbreiten kann. Hierbei
handelt es sich um das erste Treffen dieser Art in der
Geschichte der Menschenrechtskommission. Wir haben
die Regierungen weltweit zur unverzüglichen Unterstützung dieses Appells gedrängt, noch bevor der
offizielle Vorschlag verteilt wurde, damit das Treffen so
bald wie möglich stattfinden kann. Der Vorschlag ist
jetzt in Genf unterbreitet worden und fordert die 53
Mitgliedstaaten bis 19.00 Uhr MESZ am Montag, den
10. August 1992 zu einer Stellungnahme auf. Wir
hoffen, noch vor diesem Zeitpunkt die erforderliche
Zusage von mindestens 27 Mitgliedern zu erhalten.

Beobachtern nach Rumänien erleichtern, um
sicherzustellen, daß die Auswirkungen der UNOSanktionen auf die serbische Wirtschaft so
verheerend wie möglich sind.
Wir erarbeiten eine Resolution des Sicherheitsrates, die Staaten und Organisationen zur
Sammlung fundierter Informationen bezüglich
"Kriegsverbrechen" auffordert und diese Informationen dem Sicherheitsrat zur Verfügung stellt.
Heute konnten wir Anzeichen beobachten, daß unsere
Bitten erhört werden.
In Belgrad hat Premierminister Panic unserem
Geschäftsträger versprochen, internationale Beobachter zur Besichtigung angeblicher Lager in
Serbien und Montenegro einzuladen. Panic
versicherte darüber hinaus seine Unterstützung
der Erklärung der UNO-Präsidentschaft, mit der
die Öffnung der von Serben und Bosniern unterhaltenen Lager gefordert wird.
Presseberichten zufolge hat die Führung der
sogenannten "Serbischen Republik Bosnien"
erklärt, sie sei zur Öffnung aller Einrichtungen
für internationale Inspektionen bereit.
Der bosnische Präsident Izetbegovic hat unserem Geschäftsträger in Belgrad gegenüber erklärt,
er habe den internationalen Beobachtern Zugang zu allen Einrichtungen in Bosnien angeboten.

Darüber hinaus unternehmen wir unverzüglich folgende Schritte:
Wir fordern die KSZE auf, den entsprechenden
Mechanismus der KSZE zur menschlichen
Dimension in Gang zu setzen, um den Prozeß
der Wahl eines Berichterstatters zu überwachen, der diese Beschuldigungen prüfen soll.
Wir unternehmen erneute Anstrengungen zur
verschärften Durchsetzung der Sanktionen
zusätzlich zu den Anfang dieses Monats in die
Wege geleiteten Bestrebungen, die Erfolge gezeitigt haben. Wir werden die Entsendung von

Präsident Tudjman hat unserem Generalkonsul
in Zagreb gestern versichert, er werde Kontakt
zu der kroatischen Führung in Bosnien aufnehmen, um deren uneingeschränkte Zusammenarbeit mit dem IKRK zu fordern.
Diese Versprechungen sind begrüßenswert, aber was
zählt, sind Taten. Wir können keine Entschuldigungen
wie in der Vergangenheit dulden, daß die Sicherheit
der IKRK-Delegationen nicht gewährleistet werden
könne, um deren wichtige Mission zu blockieren. Wir
werden darauf drängen, daß den Worten Taten folgen.

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AMERIKA DIENST 32

�FLÜCHTLINGE
12. August 1992

NEUE LÖSUNGEN FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEMATIK ERFORDERLICH
von Lawrence Eagleburger
Der Verfasser ist Stellvertretender Außenminister. DernachfolgendeArtikelistseinerjüngstenAnhörungvordem
Rechtsunterausschuß des Senats für Einwanderung und Flüchtlingsfragen entnommen.
Das Bild des Flüchtlings - einer Person, die der Verfolgung in die Freiheit zu entfliehen sucht - war eines der
mächtigsten Symbole der Ära des Kalten Krieges. Das
Ende des Kalten Krieges hat somit einen positiven
Effekt auf eine Reihe gravierender, traditioneller Flüchtlingsprobleme gehabt. Die freiwillige Rückkehr - die
wünschenswerteste und dauerhafteste Lösung für
Flüchtlinge - ist inzwischen für Hunderttausende Latein-amerikaner, Kambodschaner, Angolaner und Afghanen möglich geworden. Andernorts auf der Welt
besteht Grund zu der Annahme, daß ein Großteil der
16 Millionen Flüchtlinge in den nächsten Jahren in ihre
Heimat zurückkehren kann. Obwohl politische Lösungen in zahlreichen Bereichen noch viel zu wünschen
übrig lassen, fühlen wir uns ermutigt, daß die überwältigende Mehrheit der rückkehrenden Flüchtlinge die
Schwierigkeiten überwinden und den Wiederaufbau
ihrer vom Krieg zerstörten Heimat in Angriff nehmen
will.
Bedauerlicherweise hat das Ende des Kalten Kriegs
auch neue Probleme für bestimmte Teile der Welt mit
sich gebracht. Zwei erwähnenswerte Beispiele sind
Nagorny-Karabach und Bosnien-Herzegowina. Tragischerweise wurde in diesen Gebieten die Tyrannei des
Staates durch gewalttätige Manifestationen des lange
schwelenden ethnischen und religiösen Hasses ersetzt. Wir alle sind entsetzt über die Fernsehberichte
unschuldiger Menschen, die bei dem Versuch in Sarajevo Brot zu kaufen, ermordet werden - der Stadt, die
während der Olympiade 1984 für die Erlangung sozialer Harmonie angesichts der ethnischen Vielfalt gefeiert wurde. Nachdem ich amerikanischer Botschafter
im ehemaligen Jugoslawien war, bin ich zutiefst erschüttert, mitansehen zu müssen, daß blanker Wahnsinn und Chaos jetzt dort regieren, wo sehr wohl eine
der Erf olgsstories der Zeit nach dem Kalten Krieg hätte
stattfinden können.

AMERIKA DIENST 32

Es ist ebenso ironisch, daß der Berliner Luftbrücke
vergleichbare Szenen jetzt im Sarajevo des Jahres
1992 wiederholt werden. Wie 1948 muß die internationale Staatengemeinschaft nicht nur über das Wohlergehen des belagerten Volkes, sondern auch über die
Sicherheit derjenigen besorgt sein, die Hilfe anzubieten versuchen. Während damals die Motivation derjenigen, die die Hilfsbestrebungen zu vereiteln suchten,
Ideologie war, ist die Motivation heute Nationalismus
und jahrhundertealter Haß. Unter der Schirmherrschaft des UN-Sicherheitsrats und der ausgezeichneten Koordination des Hohen Flüchtlingskommissars
der Vereinten Nationen (UNHCR) beteiligen sich die
Vereinigten Staaten an multilateralen Bestrebungen,
damit die humanitäre Hilfe den Menschen in Sarajevo
zugute kommt.
Näher an unserer Heimat arbeiten wir seit dem Putsch
auf Haiti im September 1991 auf die Wiedereinsetzung
einer demokratischen Regierung in diesem Land hin.
In den vergangenen Monaten ist die Zahl der von der
amerikanischen Küstenwache aufgegriffenen Haitianerdrastisch angestiegen. Als temporäre Maßnahme
haben wir den US-Marinestützpunkt in Guantanamo
Bay auf Kuba als Auffanglager für Asylsuchende eingerichtet. Es wurde jedoch bald offenkundig, daß
Guantanamo selbst als Magnet wirkte und die Zahl der
haitianischen Auswanderer unsere Kapazität zu ihrer
Unterbringung auf dem Stützpunkt sprengte. Am 24.
Mai 1992 wurde die US-Küstenwache durch einen
Präsidialerlaß angewiesen, aufgegriffene Haitianer direkt
nach Haiti zurückzuschicken, wo die Bearbeitung von
Flüchtlingsanträgen erfolgen kann. Wir hegen weiterhin die Hoffnung, daß die einzelnen haitianischen
Fraktionen eine demokratische politische Lösung
aushandeln können.

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�Die Vereinigten Staaten haben sowohl finanziell als
auch politisch bei der Rückführung von Flüchtlingen
eine aktive Rolle gespielt und werden dies auch in
Zukunft tun. Dennoch muß ein beträchtliches Maß an
internationaler Zusammenarbeit und Unterstützung
erfolgen, wenn diese Chancen nicht vergeudet werden
sollen. Wie wir in Südostasien im Rahmen des umfassenden Aktionsplans festgestellt haben, entscheidet
sich eine zunehmende Zahl von Asylsuchenden für die
Rückkehr in ihre Heimat, wenn deutlich wird, daß die
Umsiedlung in Drittländer keine Option für diejenigen
ist, denen der Flüchtlingsstatus nicht zuerkannt wird.
Wir haben ferner in Vietnam, im Irak und andernorts
die Erfahrung gemacht, daß die Nachbetreuung und
sorgfältige Berücksichtigung der Bedürfnisse der in
ihre Heimat Zurückgekehrten entscheidend ist. Beispielsweise ist die Räumung von Minen - obwohl
gefährlich und kostspielig - unabdingbar für die sichere
Rückkehr von Kambodschanern, Salvadorianern und
Angolanern. In Afghanistan müssen Straßen und
Bewässerungssysteme wiederaufgebaut werden. Und
nur durch Rehabilitierung und Entwicklung der wirtschaftlichen Infrastruktur kann Äthiopien auf die Repatriierung seiner Bürger hoffen und die erneute Auswanderung der rückkehrenden Flüchtlinge vermeiden, die
bei der nationalen Wirtschaftslage nicht überleben
können.
Wir haben auch gelernt, daß Zusammenarbeit zwischen Flüchtlings- und Entwicklungsbehörden erforderlich ist, wenn die Repatriierung erfolgreich sein soll.
Den Bedürfnisse der Rückkehrenden und der im Lande Umgesiedelten muß im Rahmen von nationalen
Wiederaufbau- und Entwicklungsprogrammen Rechnung getragen werden. In der Erkenntnis der Notwendigkeit zur Überbrückung der Kluft zwischen Repatriierung und Entwicklungshilfe in Mittelamerika wurde ein
Modell für die Reintegration nicaraguanischer und
anderer mittelamerikanischer Flüchtlinge geschaffen,
in das Erfahrungen mit Flüchtlingen und bei der Entwicklungshilfe Eingang gefunden haben. Der UNHCR
und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) erarbeiten einen ähnlichen Ansatz für
Kambodscha.
Die internationale Staatengemeinschaft hat auch erkannt, daß die Antworten den Umständen angemessen sein müssen, die Flüchtlingsströme bewirken.
Nach dem Golfkrieg sahen sich die Vereinten Nationen
mit beträchtlichen Schwierigkeiten konfrontiert, eine
wirksame Reaktion auf einen Flüchtlingsstrom von
über einer Million Menschen binnen weniger Tage
hervorzubringen. Die Koordinierung zwischen den
UN-Behörden und nichtstaatlichen Organisationen
(NGOs) stellte ein größeres Problem dar. Glücklicherweise konnten das amerikanische Militär und unsere
Koalitionspartner die zur Rettung mehrerer hundert
Menschenleben erforderlichen Maßnahmen ergreifen,
während Konditionen zu ihrer Rückkehr in den Irak in
relativer Sicherheit geschaffen wurden.
Seite 2

Die aus der irakischen Flüchtlingskrise gelernten
Lektionen haben zu Verbesserungen der Reaktionsfähigkeit des UNHCR geführt. Pläne zur Sicherstellung,
daß UNHCR- und andere Mitarbeiter zur unverzüglichen Entsendung in einem Notfall zur Verfügung stehen, wurden in die Praxis umgesetzt. Entwürfe für
Abkommen wurden vorbereitet, um die effektive und
beschleunigte Beteiligung der NGOs zu ermöglichen
sowie ein Bestand von bei einer Flüchtlingskrise für
gewöhnlich benötigtem Material angelegt.
Ende letzten Jahres wurde im Zusammenhang mit den
Bestrebungen der Vereinigten Staaten und anderer
Länder zur Reform der Vereinten Nationen die Position
eines Stellvertretenden Generalsekretärs für humanitäre Hilfe und ein rotierender Nothilfefonds in Höhe von
50 Millionen Dollar geschaffen. Diese Initiativen tragen bereits im Hinblick auf den Strom somalischer
Flüchtlinge nach Kenia und burmesischer Rohingyas
nach Bangladesch Früchte wie auch bei der Krise im
ehemaligen Jugoslawien.
Die internationale Staatengemeinschaft wendet darüber hinaus ihre bisher gewonnenen Erfahrungen bei
der Verhinderung weiterer Flüchtlingskrisen an. Der
UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) arbeiten mit den neuen Regierungen in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion bei der
Bereitstellung der erforderlichen technischen und juristischen Ausbildung zur Behandlung von Flüchtlingen,
Umsiedlern und Emigranten zusammen. Die Vereinigten Staaten fördern und beteiligen sich aktiv an diesen
multilateralen Aktivitäten.
Wir sind ferner der Überzeugung, unsere eigenen auf
nationaler Ebene mit ethnischer und kultureller Vielfalt
gewonnenen Erfahrungen sollten mit anderen geteilt
werden. Mit einer Reihe technischer Hilfsprojekte vor
Ort übertragen wir führenden Vertretern der neuen
Regierungen im ehemaligen Sowjetblock Aufgaben in
Institutionen des öffentlichen und privaten Sektors für
Flüchtlings- und Emigrationsfragen. Das Büro für
Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten des
US-Außenministeriums stellt rechtsstaatliche Ausbildung für Juristen aus Osteuropa und den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zur
Verfügung. Wir erinnern diese Regierungsvertreter
wiederholt daran, daß unsere bilateralen Beziehungen
von dem Maß abhängen, in dem die Menschenrechte
- insbesondere die von Minderheiten - in ihren Ländern
respektiert werden. In der Tat wurde das Thema der
internationalen Wanderbewegungen auf Drängen von
Außenminister Baker jetzt auf die Tagesordnung der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) gesetzt.
Wenn die derzeitigen Trends anhalten und vorbehaltlich unvorhergesehener Entwicklungen könnte die Zahl
der Personen, die sich ständig in den Vereinigten
Staaten niederlassen wollen, bis Mitte der neunziger
Jahre sinken. Der Vorschlag des Präsidenten für das
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�Haushaltsjahr 1993 bewilligt die Mittel für die Aufnahme von 122.000 Flüchtlingen - eine Reduzierung um
10.000 verglichen mit dem laufenden Haushaltsjahr.
Die Administration hat den Vorschlag unterbreitet, die
Zahl von 122.000 Zulassungen folgendermaßen aufzuschlüsseln: Ostasien (einschließlich vietnamesischer Einwanderer mit einem amerikanischen Elternteil): 52.000, ehemalige Sowjetunion: 50.000, Naher
Osten/Südasien: 7.000, Afrika: 7.000, Osteuropa:
1.500 und Lateinamerika/Karibik: 3.500. In dieser
Zahl ist ein Spielraum für 1.000 Personen aus Regionen enthalten, in denen sich die zugeteilten Kontingente als unzureichend erweisen könnten.
Unser Programm wird kurzfristig weiterhin zahlreiche
der durch den Kommunismus geschaffenen humanitären Probleme ansprechen. Ehemalige Gefangene in
Umerziehungslagern aus Vietnam und religiöse Minderheiten, denen lange das Recht zur Auswanderung
aus der Sowjetunion verweigert wurde, stellen eindeutig die große Mehrheit der im Haushaltsjahr 1993
aufzunehmenden Flüchtlinge. Wir hoffen jedoch, in
nicht allzuferner Zukunft unsere Verpflichtungen gegenüber diesen Gruppen zu erfüllen. Ist dieser Punkt
einmal erreicht, ginge der erste Weg zur Aufenthaltsberechtigung in den Vereinigten Staaten für Personen
aus Vietnam und der ehemaligen Sowjetunion über die
normalen Einwanderungkanäle.
Das Auf nahmeprogramm der Vereinigten Staaten zielt
auf Personen ab, deren humanitäre Bedürfnisse den
Vereinigten Staaten besondere Sorge bereiten und für

die eine Repatriierung oder lokale Integration keine
echte Option darstellt. In den vergangenen Jahren hat
die Einschätzung des UNHCR des weltweiten Bedarfs
für Umsiedlungsregionen einen kontinuierlichen Rückgang aufgewiesen. Obwohl die Vereinigten Staaten
ständig über 50 Prozent der vom UNHCR anerkannten
Flüchtlinge umsiedeln, arbeiten wir gemeinsam mit
dem UNHCR an der Verbesserung unserer Reaktionsfähigkeit auf Flüchtlinge in Hochrisikokategorien im
Einklang mit unseren eigenen Zielen und Engpässen.
Voraussichtlich werden neue und unvorhersehbare
Flüchtlingsprobleme auftreten - teils dramatisch wie
die Situation im ehemaligen Jugoslawien, teils langsam aber unaufhaltsam wie der Druck des Bevölkerungswachstums auf die soziale und politische Stabilität. Aus diesem Grund müssen wir uns vor Augen
führen, daß die Flüchtlingsproblematik mit dem Ende
des Kalten Kriegs nicht verschwinden wird. Sie wird
zweifelsohne weniger klar umrissen und nicht so leicht
an einer allgemeinen politischen Ursache festzumachen sein.
Wir müssen weiterhin Lösungen für Flüchtlingsprobleme erarbeiten. Im derzeitigen Umfeld - frei vom
Wettstreit der Supermächte - sind die Aussichten für
die Vereinten Nationen ausgezeichnet, die in ihrer
Charta vorgesehene Rolle für die Behandlung von
Flüchtlingen und anderer Themen von Besorgnis für
die internationale Staatengemeinschaft zu übernehmen. Die Vereinigten Staaten begrüßen die Gelegenheit, einen Beitrag zu diesen Bestrebungen zu leisten.

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AMERIKA DIENST 32

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�UMWELT
12. August 1992

WELTKONGRESS DER GEOGRAPHEN KONZENTRIERT
SICH AUF UMWELTPROBLEME
Mehr wissenschaftliche Forschung prognostiziert
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des US-Umweltschutzamtes EPA, William Reilly, zufolge planen die
Vereinigten Staaten vermehrte wissenschaftliche Forschung zur Unterstützung ihrer Umweltprogramme.
Bei einer Pressekonferenz am 10. August 1992 anläßlich des 27. Internationalen Kongresses der Geographen erklärte Reilly, er werde "im nächsten Monat"
eine Entscheidung über die Ernennung eines wissenschaftlichen Beraters treffen, der zu allen vom EPA
vorgeschlagenen Bestimmungen Stellung nimmt. Das
EPA benötige mehr mit der Verwaltung befaßte Wissenschaftler und er werde sein bestehendes Team um
sechs "Wissenschaftler von Weltrang" ergänzen, so
Reilly. Das EPA müsse mehr auf Fachwissen von
außen zurückgreifen, fügte Reilly hinzu, und daher
würden 35 Prozent der EPA-Forschungsprogramme
an Universitäten vergeben.
Reilly verwarf die Idee, die Vereinigten Staaten lägen
beim Transfer von Umwelttechnologien in die Dritte
Welt hinter Japan und den europäischen Nationen. Er
bekräftigte, daß amerikanische Technologien in den
Entwicklungsländern sehr gefragt seien, insbesondere im Hinblick auf Geräte wie Katalysatoren zur Abgasreduzierung, Filter für Kohlekraftwerke sowie Chemikalien und Schädlingsbekämpfungsmittel für die Landwirtschaft.
Reilly zufolge kontrollieren die Vereinigten Staaten 40
Prozent des auf 200 Milliarden Dollar geschätzten
Weltmarkts für Umweltgüter und fügte hinzu, die Entwicklungsländer müßten selbst mehr Umweltschutz
betreiben und sich nicht nur auf Auslandshilfe verlassen. Er zitierte Mexiko als gutes Beispiel eines Entwicklungslandes, das beim Umweltschutz auf eigene
Ressourcen zurückgreift.
In einer vom US-Landwirtschaftsministerium veranstalteten Podiumsdiskussion hatten die Experten zuvor
die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die
weltweite Nahrungsmittelproduktion dargelegt.
Martin Perry von der Oxford University erklärte, die von
50 Wissenschaftlern in 18 Ländern über 3 Jahre hinweg durchgeführte Studie belege eine Verringerung
der Nahrungsmittelproduktion in den in der Nähe des
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Äquators gelegenen Breitengraden und eine Aufstokkung in den "höheren Breitengraden" aufgrund der
durch die Erderwärmung herbeigeführte ngrößere Verdunstung in den wärmeren Ländern.
Parry fügte hinzu, Studien zufolge wird die gesamte
Nahrungsmittelproduktion der Welt negativ beeinf lu ßt,
und ihre Verfügbarkeit variiere von Region zu Region.
Industrienationen werden weniger betroffen sein als
die Entwicklungsländer, stellte er fest.
Robert Chen von der Brown University erklärte, die
sozialen Kosten der Anpassung an die veränderten
Umweltbedingungen werden die armen Länder stärker
treffen als die reichen.
Mohamed El-Ashry, Direktorder Abteilung Umwelt bei
der Weltbank verwies darauf, daß die von der Bank
geleitete Globale Umweltfazilität nach dem Erdgipfel in
Rio "zu einem entscheidenden Finanzierungsmechanismus für die Entwicklungsländer" bei der Verwirklichung der bei dem Gipfeltreffen vereinbarten Ziele
geworden ist.
Er erklärte, die Kredite der Bank zur Bewältigung
spezifischer Umweltprobleme expandierten und Gespräche mit den von Entwicklungsprojekten betroffenen Menschen seien eine Priorität.
El-Ashry bekräftigte die notwendige Unterstützung bei
der Schaffung eines Netzes von erstklassigen Forschungs- und Ausbildungszentren in den Entwicklungsländern.
Ihm zufolge würden solche Zentren "starke einheimische Kapazitäten für Wissenschaft und Technologie
zur Unterstützung umweltverträglicher Entwicklung"
freisetzen und den Entwicklungsländern helfen, "sich
effektiver an internationalen Diskussionen und Verhandlungen über die Umwelt zu beteiligen".
An dem Kongreß nehmen 3.000 Geographen aus 65
Ländern teil.
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�PROBLEMS

OF

COMMUNISM
12. August 1992

PUBLIKATION ZUM KOMMUNISMUS
STELLT ERSCHEINEN EIN
Letzte Ausgabe von "Problems of Communism" veröffentlicht
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel zieht eine Bilanz des 40jährigen Bestehens der Broschüre
"Problems of Communism".
Es begann 1952 während der Anfänge des Kalten
Kriegs und auf dem Höhepunkt des heißen Kriegs in
Korea. Nach 40jähriger Berichterstattung über die
kommunistische Welt stellt die vom US-Informationsamt USIA herausgegebene Broschüre "Problems of
Communism" jetzt ihr Erscheinen ein, da ihre Aufgabe
offenkundig erfüllt ist.
In einer Würdigung der Leistungen der Publikation
stellte der Direktor des US-Informationsamts, Henry
Catto, fest, obwohl "Problems of Communism zu Recht
seine Aufgabe als vollbracht erklären kann, steht die
Zeitschrift als Modell für seriöse wissenschaftliche
Analysen der Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts".
Paula Dobriansky, Abteilungsleiterin für Maßnahmen
und Programme des Amts verwies auf die beachtliche
Leistung von "Problems of Communism", die darin
bestanden habe, daß die Broschüre nie polemisch,
vielmehr eine Publikation gewesen sei, "die nicht nur
aufgrund ihrer wissenschaftlichen Beiträge, sondern
auch wegen ihrer Objektivität hohes Ansehen genoß".
Vielleicht aus diesem Grund, so Dobriansky, hatte das
Magazin bei den politisch Verantwortlichen im In- und
Ausland großen Einfluß. Von besonderem Wert war,
daß es als "Indikator für Trends" in der kommunistischen Welt diente, fügte sie hinzu.
Wayne Hall, Herausgeber der Publikation seit 1986,
schloß sich Dobrianskys Darstellung an. Ihm zufolge
hat "Problems of Communism nie ermahnt oder vorgeschrieben, sondern vielmehr eine seriöse und nüchterne Analyse der Ereignisse in der kommunistischen
Welt vorgenommen." Die Herausgeber haben stets
versucht, "die Fallstricke beider Extreme zu vermeiden
- Verfechter des Kalten Kriegs oder Befürworter einer
reibungslosen Entspannung zu sein", fügte er hinzu.

AMERIKA DIENST 32

"Die Publikation hat den Lesern in aller Welt - in über
100 Ländern - demonstriert, daß sich die amerikanische Politik auf Analysen gründet statt auf automatische Reaktionen", stellte Hall fest. Weil diese Publikation im Gegensatz zu anderen Produkten des Amts
auch in den Vereinigten Staaten verbreitet wurde,
"mu ßte sie sich dem Test wissenschaftlicher und fachlicher Überprüfung in diesem Land stellen, und das hat
zu ihrem Erfolg beigetragen", so Hall.
Diese Ansicht wird auch von denjenigen geteilt, die
nicht zu USIA gehören. Blair Ruble, geschäftsführende Direktorin des Kennan Institute for Advanced Russian Studies, erklärte, "Problems of Communism war
das erste Forum, das die Gesichtspunkte von Spezialisten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.
Die Broschüre hatte außerordentlich großen Erfolg."
Dennoch ist es Ruble zufolge bedauerlich, daß "Problems of Communism" zu diesem Zeitpunkt ihr Erscheinen einstellt, denn es gibt "viele gemeinsame
Probleme der nachkommunistischen Ära, die des
Studiums würdig sind. Das Journal war in einer guten
Position, hier als Motor zu dienen", stellte sie fest.
Dobriansky erklärte, US IA "engagiere sich bereits sehr
stark für die Herausforderung des Aufbaus von Demokratie und Unterstützung des freien Unternehmertums." Sie verwies darauf, daß Informationsgespräche im Foreign Press Center, Austauschprogramme,
Publikationen und andere Aktivitäten des Amts diese
Aufgabe erfüllen und "wir daran arbeiten, sie noch
effektiver zu machen". Dies geschieht unter anderem
mit Hilfe von Sondersendungen der Voice of America.
Die Publikation Freedom and Prosperity behandelt die
praktische Umsetzung von Demokratie und Marktwirtschaft, wie etwa die Förderung des Unternehmertums,
Anziehung von Auslandsinvestitionen und Schaffung
unabhänggier Medien.

Seite 1

�Hall erklärte, er bevorzuge keine speziellen Artikel, sei
aber sehr stolz auf die Analyse der ethnischen Spannungen in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa
wie auch auf die Untersuchung der Zeitschrift zur
wachsenden dortigen Wirtschaftskrise in den ausgehenden Tagen des Kommunismus. Er erklärte, ebenso stolz darauf zu sein, daß die Zeitschrift eine Stimme
vieler Dissidenten gewesen sei, auch von Jiri Dienstbier, der 1968 unter Pseudonym einen Artikel über die
sowjetische Invasion der Tschechoslowakei verfasste. Über 20 Jahre später schloß sich Dienstbier
Vaclav Havels friedlicher Revolution an und wurde
Außenminister seines Landes.
Auf die Frage nach den Fehlschlägen der Zeitschrift
erklärte Hall: "Nun, wir alle haben den Zusammenbruch verpaßt." Aber er fügte hinzu: "Wir waren mit
vielen unserer Artikel auf dem richtigen Weg. Niemand
konnte vorhersehen, wann es zum Knall kommen
würde." Dobriansky erklärte dazu, die Zeitschrift habe
zwar nicht den Zeitpunkt vorausgesehen, an dem der
Kommunismus in der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropa zerfallen würde, aber "die Widersprüche im
System, die zu seinem Niedergang geführt haben",
prognostiziert. Die Politik der amerikanischen Regierung unter den Präsidenten Reagan und Bush half ihr
zufolge auch bei der Förderung des Zusammenbruchs.
Der Gründungsherausgeber der Zeitschrift war Abraham Brumberg, der sie 18 Jahre lang, seit ihrer Gründung vor 40 Jahren bis 1970, leitete. Unter seiner

Führung errang die Publikation ihren Ruf der Unabhängigkeit. Der Klappentext weist darauf hin, daß in
Beiträgen geäußerte Ansichten nicht unbedingt die
Politik der amerikanischen Regierung repräsentieren.
Am Anfang war seine Aufgabe keinesfalls leicht. Eine
Vorschrift des Amts verbot die Erwähnung von Marx,
Engels, Lenin und Stalin, ganz zu schweigen von
deren Zitaten. Schließlich befand man sich in den
frühen fünfziger Jahren. Aber in der Ausgabe zum 40.
Jahrestag schrieb Brumberg, daß er ganz einfach "die
Vorschriften mißachtet" habe. Letztlich "überwog der
gesunde Menschenverstand", fügte er hinzu.
Unter den Beiträgen in der letzten Ausgabe der Zeitschrift sind Artikel über Deutschland nach der Wiedervereinigung und den Verlauf der friedlichen Revolution
in der CSFR. Ferner gibt es einen Artikel über die Krise
des Autoritarismus in Nordafrika.
Hall zufolge sind zahlreiche Trugschlüsse über den
Kommunismus durch den Zusammenbruch der gescheiterten Ideologie zutage getreten. Einer der wichtigsten war seine Annahme, daß Menschen im wesentlichen von den Kräften der Geschichte geformt
werden, auf die sie nur geringen Einfluß und wenig
Kontrolle ausüben können. Die Ereignisse der letzten
Jahre beweisen das Gegenteil, erläuterte Hall. "Sie
zeigen, daß einzelne Menschen in der Geschichte
etwas bewirken können."

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 32

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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien/ Serbien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern UNCHR-Sondersitzung zum ehemaligen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA drängen auf Verabschiedung neuer UN-Resolution zu Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungsnahme des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA kündigen neue diplomatische Schritte gegen das ehemalige Jugoslawien an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Flüchtlinge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Lösungen für Flüchtlingsproblematik erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Lawrence Eagleburger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltkongress der Geographen konzentriert sich auf Umweltprobleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mehr wissenschaftliche Forschung prognostiziert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Problems of Communism&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Publikation zum Kommunismus stellt erscheinen ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Letzte Ausgabe von "Problems of Communism" veröffentlicht&lt;/em&gt;</text>
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Embassy of the United States of America

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4

33

19. August 1992

BUSH/BAKER

BUSH GIBT BAKERS VERSETZUNG
INS WEISSE HAUS BEKANNT
Erklärung von Präsident Bush

BOSNIEN

MASSNAHMEN DER USA ZU BOSNIEN
Anhörung vor dem
Streitkräfteausschuß des Senats

FLÜCHTLINGE

ABRAM VERURTEILT "ETHNISCHE
SÄUBERUNG" IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Vertreters
bei den Vereinten Nationen

NAFTA

BUSH: NAFTA WIRD ARBEITSPLATZE
SCHAFFEN UND WACHSTUM FÖRDERN
Erklärung von Präsident Bush zum NAFTA

USA, MEXIKO UND KANADA BEENDEN
NAFTA-VERHANDLUNGEN
Zustimmung des Kongresses
noch erforderlich
WAHLEN '92

DEBATTEN DER
PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Kommission legt Zeitplan vor
DIE ROLLE VON MEINUNGSUMFRAGEN
IM WAHLKAMPF
von Clyde Linsley

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�BUSH/BAKER
19. August 1992

BUSH GIBT BAKERS VERSETZUNG
INS WEISSE HAUS BEKANNT
Erklärung von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat seinen engsten politischen Vertrauten am 13. August 1992 aus dem
US-Außenministerium ins Weiße Haus versetzt und James Baker mit der Leitung seiner Kampagne zur
Wiederwahl sowie der Erarbeitung eines Programms tür eine zweite Amtszeit beauftragt, die er nach einem Sieg
bei der Präsidentschaftswahl im November anzutreten hofft.
Wie seit Wochen erwartet, erklärte Bush, er habe Baker um seinen Rücktritt als Außenminister mit Wirkung vom
23. August 1992 gebeten, damit er sein höchster Berater und Stabschef des Wei ßen Hauses werden könne. Der
Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger wird ab diesem Zeitpunkt geschäftsführender Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich habe Minister Baker um seinen Rücktritt als Außenminister gebeten, damit er mit Wirkung vom 23.
August 1992 mein Stabschef und höchster Berater des
Präsidenten werden kann. Er wird mir dabei behilflich
sein, auf den Anfängen aufzubauen, die wir bei der Erarbeitung eines umfassenden innen-, wirtschafts- und
au ßenpolitischen Programms für eine zweite Amtszeit
gemacht haben.
Wir befinden uns an einem Wendepunkt in der Geschichte Amerikas. In der Welt von heute sind diese
drei Bereiche zum Thema geworden. Wir müssen
sicherstellen, daß die Vereinigten Staaten unbestritten
sicher und stark im In- und Ausland sind. Und ich
möchte auch seinen Rat und seine Unterstützung,
während ich das Mandat des amerikanischen Volkes
anstrebe, dieses Programm in die Praxis umzusetzen.
Außenminister Baker hat unserem Land seit über 12
Jahren mit großer Energie, Intelligenz und persönlichem Engagement gedient. Ich möchte nicht allzuviel
Zeit auf die Aufzählung seiner zahlreichen Erfolge
verwenden. Ich überlasse diese Bilanz und andere
Aussagen den Annalen der Geschichte. Aber ich
möchte einige Worte über meinen Freund sagen.
Ich kenne Jim Baker seit 35 Jahren. Er ist ein engagierter Treuhänder des öffentlichen Interesses der Vereinigten Staaten. Ich weiß, daß die Amerikaner stolz

AMERIKA DIENST 33

sind, ihn im Fernsehen die Vereinigten Staaten vertreten zu sehen. Ich bin mir auch bewußt, daß sie seine
zahlreichen Fähigkeiten zu schätzen wissen. Und ich
weiß, daß sie seinem Urteil vertrauen. Er ist die Sorte
Mann, den man sich in seinem Team wünscht.
Als Au ßenminister hat Jim Baker die einzigartige Rolle
und Fähigkeiten der amerikanischen Macht aufgewertet. Er hat ferner die außergewöhnliche Anziehungskraft und den Appell amerikanischer Ideale verstanden
und nach ihnen gehandelt. Darüber hinaus war er
mutig, schnell, hartnäckig und hat Wichtiges geleistet.
Er ist neuen Möglichkeiten und Konstellationen in einer
Ära revolutionärer Veränderungen gegenüber aufgeschlossen. Er hat gehandelt, als andere noch um das
Verständnis rangen, und er hat Dinge vollbracht.
Er war entscheidend an unseren Bestrebungen beteiligt, eine beispiellose Koalition der Vereinten Nationen
gegen den Irak zustande zu bringen. Er hat große
Fortschritte bei der Umwandlung des Siegs auf dem
Schlachtfeld zu einem umfassenderen Frieden zwischen Israelis und Arabern erzielt. Und während
seiner Amtszeit haben wir unsere Beziehungen zur
Sowjetunion radikal umgestaltet und den Kalten Krieg
friedlich beendet. Er hat sowohl bei nuklearen als auch
konventionellen Waffen einschneidende Kürzungen
ausgehandelt. Und damit hat er zur Schaffung einer
bedeutend stabileren Sicherheitsstruktur beigetragen,

Seite 1

�auf der eine neue euro-atlantische Gemeinschaft und
der Schutz gegen die Geisel der Verbreitung aufbauen.
Durch sein Engagement für die Überwindung der
Teilung Europas hat er dazu beigetragen, den Weg zur
Vereinigung Deutschlands zu ebnen. Und er war
maßgeblich an der Niederschlagung der Kriege in
Mittelamerika beteiligt, indem er eine auf Demokratie
und die Macht der Wahlurne gegründete Politik aufbaute . Von Tokio bis Toronto ist Jim Baker für Leistung
bekannt. Er weiß um Veränderungen - wie kluge
Schritte von törichten zu unterscheiden sind. Er kennt
die amerikanische Regierung, da er an der Entwicklung und Verwirklichung innen-, wirtschafts- und außenpolitischer Maßnahmen beteiligt war.
Vielleicht am wichtigsten ist - er weiß, daß unser Volk
die Quelle der Stärke unseres Landes ist. Ich unternehme diesen Schritt in vollem Vertrauen, daß das
Außenministerium weiterhin von einer fähigen Führung geleitet wird. Larry Eagleburger, seit 30 Jahren
Veteran der amerikanischen Außenpolitik, ein Mann
der mir persönlich außerordentlich nahesteht, wird
geschäftsführender Außenminister. Er wird dieses
Amt mit Auszeichnung ausüben.
Ich möchte auch einige Worte über Sam Skinner
sagen. Ich möchte ihm für sein Engagement im
Weißen Haus während dieses turbulenten Jahres
danken. Er hat von Anfang an erkannt, welchen
Beitrag Jim Baker aufgrund meiner langen persönlichen Beziehung zu ihm hier leisten kann. Skinner und
ich haben diese Angelegenheit in der Tat seit einiger
Zeit erörtert, und er hat mich zu diesem Schritt ermutigt. Sam und ich haben beschlossen, daß er dieses

Seite 2

Revierement am besten durch die Übernahme der
Position des geschäftsführenden Vorstands des Nationalen Komitees der Republikaner abrunden kann,
und ich werde dem Komitee die Bestätigung der Ernennung empfehlen. Einige erinnern sich vielleicht an
die Rolle von Paul Laxalt - in engem Kontakt mit dem
Weißen Haus, äußerst hilfreich für das Komitee - es
gibt also einen Präzedenzfall.
Auch Sam Skinner ist seit über einem Jahrzehnt in
Politik und Regierung an meiner Seite. Er hat der
Öffentlichkeit mit Auszeichnung in Illinois gedient und
ist als außerordentlich effektives Mitglied meines
Kabinetts respektiert. Erinnern Sie sich daran, daß er
für die Verabschiedung des historischen Verkehrsgesetzes über die Modernisierung unseres Autobanhnetzes verantwortlich war - und ich schreibe ihm einen
Großteil des Verdienstes daran zu.
Persönlich weiß ich seine Bereitschaft zur Übernahme
dieser neuen Aufgabe zu schätzen, da wir nun in den
allgemeinen Wahlkampf eintreten. Ich bin überzeugt,
daß diese Ernennung die Struktur des Nationalen
Komitees der Republikaner stärken wird, und Sam
wird sehr eng mit Rieh Bond zusammenarbeiten können, der Vorsitzender bleibt.
Ich bin mir bewußt, daß zahlreiche Amerikaner heutzutage beunruhigt sind. Viele haben echte Sorgen,
andere Zweifel. Aber in den vergangenen vier Jahren
haben die Amerikaner Ergebnisse hervorgebracht, die
früher unvorstellbar waren. Und heute konzentrieren
wir unsere Aufmerksamkeit auf die Maßnahmen im Inund Ausland, die die Vereinigten Staaten an allen
Fronten unerreicht machen - wirtschaftlich stabil für
unsere Kinder und ein sicherer und besserer Ort zum
Leben.

AMERIKA DIENST 33

�BOSNIEN
19. August 1992

MASSNAHMEN DER USA ZU BOSNIEN
Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter im US-Außenministerium für europäische und kanadische
Angelegenheiten, Thomas Niles, zufolge unternehmen die Vereinigten Staaten konkrete Schritte zu einer
friedlichen Lösung des Konflikts in Bosnien und dem ehemaligen Jugoslawien.
In einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats verwies Niles am 11. August 1992 jedoch darauf,
daß die Administration zögere, die humanitären Hilfslieferungen nach Bosnien gegebenenfalls militärisch
abzusichern. "Die Administration wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre Ziele ohne den Einsatz von
Gewalt durchzusetzen", stellte Niles fest und unterstrich die uneingeschränkte Unterstützung der Vereinigten
Staaten für eine UN-Resolution, die "alle erforderlichen Mittel" gestatten würde, um sicherzustellen, daß die
Hilfsgüter in der Krisenregion ankommen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Niles im Wortlaut.
Seit nunmehr über einem Jahr dominiert die Krise in
Jugoslawien die außenpolitischen Nachrichten. Die
Bilder und Berichte über dieses unglückliche Land
erinnern uns an vergangene Tragödien in Europa und
werfen ernsthafte Fragen über den Charakter Europas
nach dem Kalten Krieg auf.
Seit Beginn der Krise im Juni 1991 haben die Vereinigten Staaten eine Führungsrolle bei der Erarbeitung
einer friedlichen Lösung übernommen, während sie
gleichzeitig die serbische Aggression abschreckten
und die dringend benötigte humanitäre Hilfe zur Verfügung stellten. Heute möchte ich kurz unsere Position
darlegen und die Maßnahmen erläutern, die wir insbesondere im Hinblick auf den menschlichen Alptraum in
Bosnien-Herzegowina ergreifen wollen.
In seiner Rede vom 6. August 1992 hat Präsident Bush
ein sechs Punkte umfassendes Programm vorgeschlagen, an dem wir uns orientieren:
1.

Wir wollen mit einer neuen Resolution des UNSicherheitsrats unter Einsatz aller erforderlichen Mittel die Lieferung humanitärer Hilfsgüter
und die Öffnung aller Internierunglager für internationale Inspektionen sowie die Garantie angemessener Behandlung, medizinischer Versorgung und Ernährung der Gefangenen sicherstellen.

2.

Wir nehmen unverzüglich uneingeschränkte
diplomatische Beziehungen mit Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien auf, um ihre
Regierungen besser zu unterstützen.

AMERIKA DIENST 33

3.

Wir werden in Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft Beobachter in die
Nachbarstaaten entsenden, um die strikte Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen Serbien
und Montenegro zu überwachen.

4.

Wir unternehmen präventive diplomatische
Schritte, um zu verhindern, daß sich der Konflikt
nach Kosovo, Vojvodina, in der Region Sandzak
oder Mazedonien ausbreitet.

5.

Wir schlagen die Entsendung von Beobachtern
durch die internationale Staatengemeinschaft in
die Nachbarstaaten vor, um das Risiko einer
Ausbreitung des Konflikts zu begrenzen und

6.

konsultieren unsere Verbündeten zu allen Aspekten der Krise und wie die NATO der UNO zur
Seite stehen kann.

Unsere im vergangenen Jahr gemachten Erfahrungen
haben gezeigt, daß all dies nicht leicht sein wird. Die
Entschlossenheit von Präsident Milosevic, trotz der
Verluste an Leben und Eigentum sowie der Zerstörung
der serbischen Wirtschaft ein "Großserbien" zu schaffen, stellt die internationale Staatengemeinschaft vor
eine enorme Herausforderung. Wir müssen unerbittlich an unserer Weigerung festhalten, die serbische
Aggression hinzunehmen und zusammen mit unseren
Verbündeten für Rechtsstaatlichkeit und die Achtung
der Menschenrechte eintreten.
Die Lieferung humanitärer Hilfe an das Volk von Bosnien-Herzegowina wird sich als große HerausfordeSeite 1

�rung erweisen. Die Hilfslieferungen werden nach wie
vor durch die Kampfhandlungen unterbrochen. Am 4.
August stellte die UN-Schutztruppe UNPROFOR die
Luftbrücke aufgrund derschweren Kämpfe ein. Glücklicherweise wurde sie am 8. August wiederaufgenommen, aber niemand kann vorhersagen, wann neue
Kampfhandlungen sie zu einer erneuten Unterbrechung zwingen werden. Am 5. August mu ßte UNPROFOR aufgrund des Sicherheitsrisikos einen Landkonvoi vor Sarajevo aufhalten - hierbei handelte es sich um
den zweiten größeren Konvoi, der in jüngster Zeit
versucht wurde. Wir konnten wiederholt gezielte
Versuche beobachten, internationale Hilfslieferungen
nach Gorazde und andere belagerte bosnische Städte
zu bringen. Bei unserer zwingend erforderlichen
Zukunftsplanung müssen wir an den bevorstehenden
Winter denken - eine weitere ernsthafte Komplikation
angesichts eines Stroms von 2 Millionen Flüchtlingen
im ehemaligen Jugoslawien. Viele der Wege über
Land, die wir jetzt gerne benutzen würden - aber
wegen der Kämpfe nicht können - werden zusätzlich
von Schneemassen blockiert sein. Zahlreiche Flüchtlinge können heute - nicht jedoch nach Einbruch des
Winters im November - im Freien überleben. Die
Situation erhält dadurch eine gewisse Dringlichkeit.
Wegen der jetzt andauernden Kämpfe, aufgrund der
sich voraussichtlich verschlechternden Bedingungen
für Hilfslieferungen und in Anbetracht der Tatsache,
daß wir uns enormen Witterungsproblemen gegenübersehen, müssen wir auf das Schlimmste vorbereitet sein. Natürlich hoffen wir, daß Bedingungen geschaffen werden können, unter denen wir humanitäre
Hilfsgüter ohne den Einsatz von Gewalt liefern können.
Unsere bis heute gemachten Erfahrungen legen jedoch den Schluß nahe, daß mehr erforderlich sein
könnte, um die Entschlossenheit der internationalen
Staatengemeinschaft unter Beweis zu stellen, den
Menschen in Bosnien in dieser schwierigen Zeit zu
helfen. Aus diesem Grund arbeiten wir - wie Präsident
Bush am 6. August angekündigt hat - mit unseren
Verbündeten und den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats an der Sicherstellung einer neuen Resolution, die
den Einsatz aller erforderlichen Mittel zur Lieferung
humanitärer Hilfe genehmigt. Wir hoffen, daß wir
rasch einen Konsens erzielen, der uns weitere Planungen und Lieferungen gestattet.
Einen Bestandteil dieser Resolution soll die Forderung
bilden, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) und anderen neutralen humanitären Hilfsorganisationen Zugang zu allen Internierungslagern im
ehemaligen Jugoslawien zu gewähren. Aus Prinzip ist
es absolut unabdingbar, die Wahrheit aufzudecken.
Und dies gilt gleichermaßen für alle Seiten. Wiederum
scheinen die Serben die Haupt- aber wahrscheinlich
nicht die einzigen Verletzer zu sein. Dies ist Teil eines
kontinuierlichen Musters serbischer Menschenrechtsverletzungen anderer Gruppen, sei es in Kosovo,
Kroatien oder Bosnien.

Seite 2

Am 4. August haben wir eine Erklärung des Präsidenten des Sicherheitsrats vorgeschlagen und erhalten, in
der unsere Forderung nach Zugang zu allen Gefangenenlagern Niederschlag gefunden hat und die Betroffen daran erinnert, daß sie sehr wohl individuell für
einen Bruch der Genfer Konvention zur Verantwortung
gezogen werden können. Die Verabschiedung der
vorgeschlagenen Resolution würde diese Forderung
untermauern.
Bei der Bewältigung dieser dringenden Probleme müssen
wir alle verfügbaren Mittel ausschöpfen. Aus diesem
Grund haben wir am Mittwoch eine außerordentliche
Dringlichkeitssitzung der UNO-Menschenrechtskommission in Genf gefordert, um unsere nachrichtendienstlichen Erkenntnisse auszuwerten, die groben
Menschenrechtsverletzungen zu erörtern und unsere
Forderung nach Zugang zu den Lagern zu bekräftigen.
Wir erwarten von diesem für den 14. August 1992
anberaumten Treffen konkrete Schritte. Darüber hinaus haben wir an die KSZE appelliert, die geeigneten
Maßnahmen des KSZE-Mechanismus zur menschlichen Dimension in die Wege zu leiten und den KSZEAusschuß Hoher Beamten zu einer Dringlichkeitssitzung über die bosnische Krise aufgefordert, die hoffentlich in dieser Woche stattfinden wird. Diese Aktivitäten würden die Prozeß beschleunigen, die Lage zu
prüfen.
Die Verabschiedung dieser Vorschläge - insbesondere die von Präsident Bush am 6. August angekündigte
Resolution des UN-Sicherheitsrats - würden eine
beachtliche Verschärfung des Drucks auf das Regime
von Milosevic darstellen. Wir hoffen, daß die Botschaft
der internationalen Staatengemeinschaft bis zu dem
serbischen Volk vordringt. Wie Präsident Bush eindeutig klargestellt hat, wollen wir - und ich bin sicher,
auch Sie - nicht gezwungen sein, zusammen mit
unseren Verbündeten die Lieferung humanitärer Hilfsgüter an das leidende Volk in Bosnien-Herzegowina
militärisch abzusichern. Ich möchte Ihnen gegenüber
unterstreichen: Die Administration wird alles in ihrer
Macht Stehende tun, um ihre Ziele ohne den Einsatz
von Gewalt durchzusetzen. Unter den Umständen
und für das von Präsident Bush erklärte Ziel werden wir
jedoch gegebenenfalls dazu bereit sein. Ich möchte
nun im einzelnen darlegen, was wir in den die Krise
betreffenden jeweiligen Bereichen unternehmen.
Humanitäre Hilfe
Über 2,2 Millionen Bosnier wurden zwangsumgesiedelt. Eine halbe Million Bosnier wurde aus dem Land
vertrieben. Die Umsiedler sind größtenteils Nichtserben: sie machen über ein Viertel der Gesamtbevölkerung Bosniens aus und mehr als 40 Prozent der
nichtserbischen Bevölkerung Bosniens.
Am 29. Juli 1992 hat die Hohe Flüchtlingskommissarin
der Vereinten Nationen, Sadako Ogata, eine internationale Konferenz zum ehemaligen Jugoslawien in

AMERIKA DIENST 33

�Genf einberufen. Bei der Konferenz wurden Umfang
und Bedarf der Nothilfemaßnahmen erörtert und Meinungen über die Schaffung eines Rahmens für die
Behandlung der Umgesiedelten ausgetauscht. Die
Vereinigten Staaten haben sich in Zusammenarbeit
mit internationalen Organisationen stets stark für
humanitäre und Flüchtlingshilfe engagiert. Wir begrenzen die Hilfe nicht auf einzelne Länder oder Regionen des ehemaligen Jugoslawiens, sondern stellen sie
so zur Verfügung, wie sie von dem Empfängerorganisationen benötigt wird.
Die Krise wird auf absehbare Zeit andauern. Im
Augenblick versuchen wir zusätzliche Nahrungsmittel,
Medikamente und andere Hilfsgüter zu beschaffen,
die mittel- und langfristig in die Region geliefert werden können. Wir arbeiten nach wie vor mit der G-24
und anderen multilateralen Organisationen zusammen, um sicherzustellen, daß unsere Bestrebungen
zielgerichtet sind und die Bedürftigsten erreichen. Die
Länder der G-24 sind am 27. Juli in Brüssel zur
Erörterung der Krise und des weiteren Bedarfs an Hilfe
für die Flüchtlinge zusammengekommen. Bis heute
beläuft sich der Gesamtbeitrag der G-24 auf 472
Millionen Dollar, einschließlich 254 Millionen Dollar für
seit dem 1. Juli eingegangene neue Verpflichtungen.
Die Vereinigten Staaten haben insgesamt 53 Millionen
Dollar bereitgestellt.
Die Luftbrücke von Sarajevo liefert - wenn sie funktioniert - durchschnittlich 200 Tonnen pro Tag, dies hilft
jedoch nicht den Bosniern, die sich außerhalb von
Sarajevo befinden. Die Luftbrücke muß allmählich
durch Landkonvois ersetzt werden, um mehr Bedürftige zu erreichen. Die Kampfhandlungen und die
Instabilität haben bisher jedoch ungesicherte Überlandtransporte wirksam verhindert, und einige belagerte Städte wie Gorazde und Tuzla sind seit Monaten
von der Außenwelt abgeschlossen. Zusätzliche Anstrengungen sind dringend erforderlich.
Sanktionen
Die internationale Staatengemeisnchaft arbeitet an
der verschärften Durchsetzung der UN-Sanktionen,
die beträchtliche Auswirkungen auf die Volkswirtschaften von Serbien und Montenegro haben. Wir führen
einen beachtlichen Teil des jüngsten Produktionsrückgangs in Serbien und Montenegro auf die Sanktionen
zurück. Im Hinblick auf die Überwachung drängen wir
zusätzlich zu der Beobachtermission von NATO und
WEU in der Adria auf eine ähnliche multilaterale Initiative auf der Donau. Wir haben von Rumänien großzügige Unterstützung erhalten und arbeiten eng mit
Rumänien zusammmen, um die vollständige Durchsetzung derSanktionen sicherzustellen, einschließlich
der Entsendung internationaler Beobachter in dieses
Land.

AMERIKA DIENST 33

KSZE-Initiativen
Im Anschluß an den Besuch einer KSZE-Berichterstattermission in Kosovo im Juni hat die KSZE am 2.
August eine ähnliche Mission in die serbischen Regionen Sandjak und Vojvodina sowie eine zweite Delegation nach Kosovo entsandt. In seiner Erklärung vom 6.
August hat Präsident Bush Maßnahmen der KSZE
gefordert, diese Missionen zu einer ständigen Präsenz
zu machen, und wir verfolgen diesen Aspekt. Die
Vereinigten Staaten haben eine Führungsrolle dabei
übernommen, die KSZE zur Prüfung von Menschenrechtsverletzungen in Serbien zu drängen und die
Besorgnis der internationalen Staatengemeinschaft
eindeutig klarzustellen. Wie ich bereits ausgeführt
habe, dringen wir auf eine neue KSZE-Initiative, Missionen nach Bosnien und Kroatien zur Prüfung von
Menschenrechtsverletzungen in diesen Ländern zu
entsenden.
Darüber hinaus erwägen wir andere Mittel zur Nutzung
der KSZE-Mechanismen, um eine Ausbreitung des
Konflikts in andere Gebiete zu verhindern, und wir
werden unsere Gedanken in den kommenden Tagen
und Wochen darlegen.
Diplomatische Initiativen
Wir haben klargestellt, daß Serbien und Montenegro in
den Staatenbund nicht aufgenommen werden können
und dies auch nicht werden, unabhängig davon, wie
sie sich selbst bezeichnen, solange sie nicht ihre
Aggression und ihr barbarisches Verhalten revidieren.
Wir haben bei diesen Bestrebungen die Führungsrolle
in der internationalen Staatengemeinschaft übernommen und breite Unterstützung für unsere Position
erhalten, daß wir 1. Serbien und Montenegro nicht als
die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens
akzeptieren werden, 2. die Aufrechterhaltung der
Mitgliedschaft des ehemaligen Jugoslawiens in internationalen Organisationen nicht unterstützen und 3.
darauf bestehen, daß sie einen Antrag auf neue Mitgliedschaft bei diesen Organisationen stellen und gleichzeitig alle für den Beitritt relevanten Kriterien erfüllen.
Wir ermutigen weiterhin alle Parteien zur Nutzung der
bestehenden Verhandlungsforen - insbesondere der
EG-Friedensgespräche - um die zahlreichen ausstehenden Fragen zu lösen, die vor der Wiederherstellung von Frieden und Stabilität angesprochen werden
müssen. Wir unterstützen die von Großbritannien, das
derzeit die EG-Präsidentschaft innehat, vom 26. - 28.
August in London anberaumte Konferenz und beabsichtigen, auf hochrangiger Ebene daran teilzunehmen.
Dipomatische Beziehungen
Wir haben im April die Unabhängigkeit von Slowenien,
Kroatien und Bosnien-Herzegowina anerkannt. Präsident Bush hat am 6. August angekündigt, daß wir
uneingeschränkte diplomatische Beziehungen mit alSeite 3

�len drei Ländern aufnehmen und in allen Hauptstädten
so bald wie möglich Botschaften eröffnen werden.
Im Hinblick auf Mazedonien haben wir wiederholt
festgestellt, daß die Prinzipien von Demokratie und
Freiheit sowie die notwendige Stabilität in der Region
eine rasche Lösung der anhängigen Probleme zwischen Griechenland - einem Freund und Verbündeten
- und Mazedonien erfordern. Wir nehmen die Besorgnis Griechenlands in dieser Frage ernst. Wir sind uns
darüber hinaus bewußt, daß Mazedonien infolge der
Sanktionen und Flüchtlingsströme ernsthafte wirtschaftliche Härten erleiden mußte. Die Frage der Anerkennung wird uns nicht von der Bereitstellung humanitärer
und anderer Hilfsleistungen für Mazedonien abhalten.
Unsere zukünftigen Beziehungen zu Serbien und
Montenegro werden vom Vorgehen der Machthaber in
Belgrad abhängen. Wir liegen nicht im Streit mit dem
serbischen Volk. Wir arbeiten an konkreten Maßnahmen, um die Kämpfe zu beenden und diese Tragödie
zu einer friedlichen Lösung zu bringen.

dieses Themas für das Nachbarland Albanien ist das
Potential für ernsthafte Probleme eindeutig gegeben.
Die Lage in der vorwiegend von Ungarn bewohnten
Provinz Vojvodina in Nordserbien - früher auch autonom - ist ebenfalls gespannt, und unsere ungarischen
Freunde sind zunehmend über eine mögliche Ausbreitung des Konflikts beunruhigt. Zusätzlich zu den
Besuchen der KSZE-Beobachtermission drängen wir
auf die Entsendung von KSZE-Beobachtern, die an
den Grenzen der Nachbarstaaten Serbiens stationiert
werden sollen.
Schlußbemerkung
Wir haben eine Reihe konkreter und gezielter Schritte
unternommen, um unseren Einfluß und Druck zu verstärken und im Einklang mit der internationalen Staatengemeinschaft eindeutig klarzustellen, daß wir die
Vorfälle aufs Schärfste verurteilen und Belgrad unseres Erachtens der Hauptverantwortliche ist. Wir werden mit den uns verfügbaren Mitteln alles in unserer
Macht Stehende tun, um die Situation zu ändern,
insbesondere durch einen Machtwechsel in Belgrad.

Ausbreitung des Konflikts
Bisher betrifft die Krise nur die Gebiete im ehemaligen
Jugoslawien, aber es gibt keine Garantie, daß sie sich
nicht weiter ausbreiten wird. Wir sind insbesondere
besorgt, daß die ehemals autonome serbische Provinz
Kosovo, deren Bevölkerung zu 90 Prozent aus Albanern besteht, der nächste Brennpunkt von Gewalt und
Unruhen sein könnte. In Kosovo begann die Krise vor
drei Jahren mit der Widerrufung der Autonomie Kosovos durch Serbien und dem Beginn massiver Menschenrechtsverletzungen. Angesichts der Sensibilität

Denn letztlich wird diese Krise nur beendet werden,
wenn das serbische Volk in der Erkenntnis handelt,
daß seine politisch Verantwortlichen es in die Katastrophe geführt haben. Bis dahin werden wir eine zunehmend aktive Rolle dabei spielen, der leidenden Bevölkerung von Bosnien und den Hunderttausenden durch
den Konflikt vertriebenen Menschen zu helfen. Wir
werden uns darüber hinaus weiterhin aktiv an Bestrebungen beteiligen, um eine weitere DeStabilisierung
der Region und Europas insgesamt durch den Konflikt
zu verhindern. Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 33

�FLUCHLINGE
19. August 1992

ABRAM VERURTEILT "ETHNISCHE SÄUBERUNG"
IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Vertreters bei den Vereinten Nationen
GENF - (AD) - Die Politik der "ethnischen Säuberung" - die erzwungene Trennung von Gruppen von Menschen
- die derzeit im ehemaligen Jugoslawien praktiziert wird, sollte von der internationalen Staatengemeinschaft mit
derselben Entschlossenheit und Energie verurteilt werden wie Apartheid, erklärte der amerikanische Vertreter
bei den Vereinten Nationen in Genf, Botschafter Morris Abram.
"Ethnische Säuberung ist nicht weniger verabscheuungswürdig als Apartheid, nur ein effektiverer und tödlicher
Mechanismus, um Gruppen von Menschen voneinander zu trennen", stellte Abram am 11. August 1992 in einer
Rede vor der Jahrestagung des UN-Unterausschusses für die Verhinderung von Diskriminierung und den Schutz
von Minderheiten fest.
Der Unterausschuß, eine nachgeordnete Behörde der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, ist
ein aus 26 Experten bestehendes unabhängiges Gremium, das Diskriminierungen im Zusammenhang mit
Menschrechten und Grundfreiheiten prüft.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Abram im Wortlaut.

Ich spreche vor diesem Gremium nahezu dreißig
Jahre nachdem ich ihm gedient habe. Es gibt kein
anderes Organ im Rahmen des UN-Systems wie
diesen Unterausschu ß - der aus unabhängigen Experten aus unterschiedlichen Regionen zusammengesetzt ist, die von Regierungen ernannt werden, jedoch
von diesen unabhängig sind. Dieses Gremium bildet
ein Gegengewicht zu anderen aus Regierungsdelegationen bestehenden, regional getrennten UN-Organen, die sich allzuhäufig in parteipolitischem Gerangel
verzetteln.
Als ich Mitlgied dieses Unterausschusses war, haben
meine Kollegen stets ihre Meinung geäußert - selbst
wenn dies Kritik an ihrem eigenen Land bedeutete. Als
wir das Thema dieses Tagesordnungspunktes prüften
- Rassendiskriminierung - wurde mein Land für seine
Praktiken angeprangert und ich - häufig als "der peinlich berührte Amerikaner" bezeichnet - teilte diese
Kritik. Die Mitglieder des Unterausschusses sind die
einzigen von Regierungen ausgewählten Personen,
die nicht an die Hauptstadt ihrer Regierung gebunden
sind. Dies ist ein Gremium, das gemäß seinem Auftrag
mit Objektivität und Unvoreingenommenheit als wirklich unabhängiges Expertenteam sprechen und handeln soll.

AMERIKA DIENST 33

Der heutige Tagesordnungspunkt Rassismus, Rassendiskriminierung und Fremdenfeindlichkeit ist zweifelsohne einer der wichtigsten, der wähernd dieser drei
Wochen erörtert wird. Rassendiskriminierung beinhaltet mehr als die Politik der Rassentrennung oder
sonstiger ungerechter Behandlung von Schwarzen
und Wei ßen. In der Tat ist "ethnische Säuberung" nicht
weniger verabscheuungswürdig als Apartheid, nur ein
effektiverer und tödlicher Mechanismus, um Gruppen
von Menschen voneinander zu trennen. Besteht wirklich ein Unterschied dazwischen, ethnischen Gruppen
nach Regionen zu trennen und Schwarze in Townships zu verbannen?
Dieser Unterausschuß und die Kommission haben
Tage, wenn nicht Wochen mit Gesprächen über Apartheid verbracht. Und sie haben wirksam dazu beigetragen, diesem verabscheuungswürdigen System hoffentlich den Garaus zu machen. Dennoch haben wir
nichts unternommen, um andere Formen der Rassendiskriminierung anzusprechen - ethnische Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit - die in der Welt von heute
wüten. Der Unterausschuß und die Kommission sollten gegen ethnische Diskriminierung mit derselben
Entschlossenheit und Energie vorgehen wie sie dies
gegen Apartheid getan haben.

Seite 1

�•

Die Greueltaten im ehemaligen Jugoslawien sind
Vorkommnisse, von denen ich annahm, daß wir sie nie
wieder erleben würden: Die Verbannung von ganzen
Gruppen von Menschen aus keinem anderen Grund
als ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Internierungslager,
die Hinrichtung von Kindern. Wir alle haben die
Fernsehberichte von ausgemergelten und geschlagenen Männern gesehen, die durch Stacheldraht blicken.
Und das ehemalige Jugoslawien ist nicht die einzige
Region, in der Angriffe auf ethnische Gruppen stattfinden. Wir haben soeben von Sonderberichterstatter
Max Van der Stoel einen Zwischenbericht über den
Irak erhalten. Der Bericht beschreibt die Zwangsumsiedlungen und Bestrebungen der irakischen Regierung, die schiitische Bevölkerung im Süden "auszurotten". Muslime werden aus Burma vertrieben, Nepaleser aus Bhutan.
Ich habe einen Großteil dieses Jahrhunderts erlebt,
aber dies war das Schlimmste im Hinblick auf Grausamkeit und Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen. Die gerade von mir aufgelisteten schrecklichen
Ereignisse haben Präzedenzfälle über die Jahre hinweg.
Dieses Jahrhundert kann jedoch auch auf einige gro ße
Errungenschaften zurückblicken. Im Jahr 1945 erklärte die Charta der Vereinten Nationen als ihr Ziel, "die
Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschiede der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion zu fördern
und zu festigen". Eine Reihe von Vereinbarungen und
Übereinkünften haben dieses Mandat durchgesetzt.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte hat
universelle Normen geschaffen, deren Einhaltung jedes
Land anstrebt - eine Leistung, die nicht unterschätzt
werden sollte. Die Internationale Vereinbarung über
Bürgerliche und Politische Rechte - die mein Land in
diesem Jahr ratifiziert hat, was ich nicht ohne Stolz
feststellen möchte - hat den nächsten Schritt unternommen, mit dem die Vertragsparteien zur Berichterstattung über die Einhaltung der in der Vereinbarung
festgeschriebenen Rechte aufgefordert werden. Die
Konvention über Folterung fordert von allen Parteien
die strafrechtliche Verfolgung aller ihrer Gerichtsbarkeit unterstehenden Fälle von Folterung. Und die Signatarstaaten der Konvention über Völkermord haben
sich verpflichtet, "in der Absicht verübte Akte, ganze
oder Teile nationaler, ethnischer, rassischer oder religiöser Gruppen zu zerstören", zu verhindern oder zu
bestrafen.
Auch außerhalb des UN-Kontexts waren bedeutende
Entwicklungen zu verzeichnen. Die KSZE hat die
Einhaltung der Menschenrechte mit der Schlußakte
von Helsinki auf die politische Bühne gerückt. Die
Genfer Konventionen wurden überarbeitet und erweitert, um den Schutz der Opfer von Konflikten einzubeziehen.

Seite 2

Aber welchen Nutzen haben diese hehren Worte,
dieses völkerrechtliche Gremium der Normen, wenn
sie nicht in die Praxis umgesetzt werden? Unsere
jeweiligen Länder werden Statuten nicht nur zu dem
Zweck verabschieden, damit sie die Regale unserer
juristischen Bibliotheken füllen.
Unsere Länder haben universelle Normen der Menschrechte geschaffen. Wir haben ihre Verletzung
beklagt. Wir haben unsere Pflicht ratifiziert, Verletzer
ausfindig zu machen, strafrechtlich zu verfolgen und
zu bestrafen. Warum zögern wir jetzt, wirksame
Maßnahmen gegen diejenigen zu ergreifen, die das
verletzen, was bereits Völkerrecht ist?
Ich war Mitglied des Kriegsverbrechertribunals in
Nürnberg. Wir wurden scharf kritisiert, weil wir Verbrechen ex post facto geahndet haben mit Gesetzen, die
zu der Zeit nicht exisitierten, als diese abscheulichen
Verbrechen begangen wurden. Hier können wir rechtlich nicht auf solche Weise herausgefordert werden.
Die Normen und Gesetze bestehen, das einzig erforderliche ist Handeln - insbesondere Maßnahmen gegen
diejenigen, die Akte des Völkermords und der Folterung begehen.
Diejenigen, die grundlegende Menschenrechte verletzt haben, sei es in Jugoalawien, Irak oder andernorts, sollten benannt und für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden. Viele der Verbrechen fallen
unter die Zuständigkeit inländischer Gerichte oder
Kriegsgerichte. Ein Prozeß vor einem internationalen
Gerichtshof ist eine weitere Möglichkeit. Gleichzeitig
müssen wir Wege sondieren, um den Vereinbarungen
und Konventionen die Bedeutung zu verleihen, die wir
mit effektiven Durchsetzungsmethoden unterzeichnet
haben. Zumindest sollten wir nicht unsere Verpflichtungen ignorieren.
Aus meinen Erfahrungen als Bürgerrechtler im Süden
habe ich gelernt, wenn man Haß, Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit ignoriert, werden sie sich nicht
verflüchtigen. Sie werden Teil eines Lebens, von dem
die Menschen das Gefühl haben, es akzeptieren lernen zu müssen. Sie könnten sogar Mode werden.
Rassismus ist wie ein verschmutzter Strom, der sich
durch eine Stadt wälzt. Der Strom nimmt Abfälle auf
und die Strömung wird stärker. Die Dämme nationaler
und öffentlicher Kritik können den Strom aufhalten und
das Abwasser auffangen. Weltweit müssen die Staaten diese zügelnde Rolle ausüben, indem sie sich
gegen Rassismus und ethnischen Haß aussprechen,
wann und wo immer sie auftreten. Wenn der Damm
einen Riß bekommt, müssen wir ihn sofort durch
Verurteilung des Übels stopfen. Denn mit der Zeit wird
dieser Riß sich nur vergrößern, bis Verschmutzung
und Intoleranz das Land überschwemmen.

AMERIKA DIENST 33

�Während wir in das dritte Jahrzehnt der Bekämpfung
von Rassendiskriminierung eintreten, sieht sich die
Welt mit neuen und virulenten Formen des Rassismus
konfrontiert. Wir haben erlebt, daß das Problem nicht
mit der Lösung anderer internationaler Probleme verschwindet. In der Tat scheint es sich mit dem Ende des
Kalten Kriegs verschärft zu haben: seit langem unterdrückter Nationalismus und ethnischer Stolz wurden
freigesetzt und haben sich rasch zu Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung degeneriert.
Das Mandat dieses Unterausschusses für die Verhinderung von Diskriminierung und den Schutz von Minderheiten fordert von jedem seiner Mitglieder die
Anwendung seines Wissens - des Wissens jedes
einzelnen - um die Ursachen neuer Formen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu erforschen und

*

AMERIKA DIENST 33

mit konkreten Vorschlägen zur Bekämpfung der Bedrohung aufzuwarten. Diese vordringliche Aufgabe
sollte erste Priorität dieses Gremiums und der Kommission sein. Meine Regierung hat eine Sondersitzung der Menschenrechtskommissin einberufen, um
einige dieser Probleme zu prüfen - insbesondere die
Berichte über Internierungslager im ehemaligen Jugoslawien.
Die Lage der Welt von heute ist erschreckend. Menschenrechtsexperten aus der ganzen Welt sind hier
versammelt. Lassen Sie uns eine Vorgehensweise
planen, um die Geisel der Diskriminierung zu bekämpfen und hoffen, daß wir in Zukunft keine Dringlichkeitssitzungen mehr einberufen müssen, um Situationen zu
erörtern, die in unserer heutigen Gesellschaft schlicht
und einfach nicht bestehen sollten.

* * *

*

Seite 3

�NAFTA
19. August 1992

BUSH: NAFTA WIRD ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN
UND WACHSTUM FÖRDERN
Erklärung von Präsident Bush zum NAFTA
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge wird das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North
American Free Trade Agreement - NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko in allen drei
Ländern Arbeitsplätze schaffen, Wirtschaftswachstum fördern und amerikanische Firmen "auf der ganzen Welt
wettbewerbsfähiger machen".
In einer am 12. August 1992 nach Bekanntgabe der Einigung über das Abkommen abgegebenen Erklärung
stellte Bush ferner fest, das US-Umweltschutzamt EPA und die entsprechende mexikanische Behörde hätten
bereits einen umfassenden Plan zur Reinhaltung von Luft und Wasser sowie der Entsorgung von Giftmüll entlang
dem Rio Grande erarbeitet, der die Vereinigten Staaten und Mexiko trennt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut.

Der heutige Tag markiert den Beginn eines neuen
Zeitalters auf dem nordamerikanischen Kontinent. Heute
vormittag geben die Vereinigten Staaten, Mexiko und
Kanada den Abschluß der Verhandlungen über ein
Nordamerikanisches Freihandelsabkommen - NAFTA
- bekannt. Ich möchte Botschafterin Carla Hills, unserer Handelsbeauftragten, sowie dem mexikanischen
Handelsminister Serra und seinem kanadischen Amtskollegen Wilson meinen aufrichtigen Dank für diese
herausragende Leistung aussprechen.
Dieses historische Handelsabkommen wird weitere
Märkte in Mexiko, Kanada und den Vereinigten Staaten erschließen. Es wird in allen drei Ländern Arbeitsplätze schaffen und Wirtschaftswachstum fördern.
Der Kalte Krieg ist beendet. Die grundlegende Herausforderung, der sich die Vereinigten Staaten jetzt gegenübersehen, ist, auf einem sich rasch verändernden
und expandierenden Weltmarkt konkurrenzfähig zu
sein. Dieses Abkommen wird Nordamerika gleiche
Chancen einräumen und mehr Verkaufsmöglichkeiten
für amerikanische Firmen von Alaska bis Yucatan
schaffen. Durch den Abbau von Hemmnissen und
Erweiterung des Handels wird NAFTA unsere Unternehmen auf der ganzen Welt wettbewerbsfähiger
machen. Wir konnten dies beim kanadisch-amerikanischen Freihandelsabkommen beobachten und werden dies umso mehr mit NAFTA erleben.

AMERIKA DIENST 33

Offene Märkte in Mexiko und Kanada bedeuten mehr
amerikanische Arbeitsplätze. Unsere Nation ist der
führende Exporteur der Welt - wir liegen weit vor Japan
und Deutschland. Heute arbeiten über 7 Millionen
Amerikaner hart an der Herstellung von Produkten, die
weltweit abgesetzt werden. Die Vergütung für exportbezogenen Arbeitsplätze liegt um 17 Prozent höher als
der amerikanische Durchschnittslohn. Dies ist die Art
von Arbeitsplätzen, die unser Land benötigt, um
Wachstum und Wohlstand hervorzubringen - eine Art
Schaufenster für amerikanisches Talent und Technologie.
Über 600.000 Millionen Amerikaner sind in der Herstellung von Produkten und deren Verkauf nach Mexiko
beschäftigt - unserem am schnellsten expandierenden
Exportmarkt. Wir haben im vergangenen Jahr Waren
im Wert von über 33 Milliarden Dollar an Mexiko
verkauft und werden in diesem Jahr schätzungsweise
44 Milliarden Dollar umsetzen. In den letzten fünf
Jahren haben sich mit dem Abbau zahlreicher traditioneller Handels- und Investitionsrestriktionen in Mexiko durch Präsident Salinas unsere Exporte nahezu
verdreifacht - das bedeutet über eine Viertelmillion
neuer amerikanischer Arbeitsplätze. Dieses Abkommen hilft uns, die Errungenschaften festzuschreiben
und darauf aufzubauen.

Seite 1

�Im vergangen Jahr hat sich der Kongreß für die Förderung des NAFTA durch die Erweiterung des "FastTrack-Mandats" entschieden, mit dem Handelsabkommen dem Kongreß zur Erörterung vorgelegt und in die
Praxis umgesetzt werden. Der erfolgreiche Abschluß
der NAFTA-Verhandlungen belegt, wieviel erreicht
werden kann, wenn die Exekutive und der Kongreß
zum Wohl unserer Nation zusammenarbeiten. Ich
werde bei der raschen Durchsetzung des Abkommens
Hand in Hand mit dem Kongreß arbeiten.
Zu dem Zeitpunkt, als das "Fast-Track-Mandat" erweitert wurde, habe ich die von uns beabsichtigten Schritte zur Berücksichtigung der Anliegen von Umwelschützem und Tarif partnern dargelegt. Wir haben alle
versprochenen Maßnahmen ergriffen und erfüllen alle
von mit eingegangenen Verpflichtungen - oder gehen
sogar noch darüber hinaus.
Zum ersten Mal enthält ein Handelsabkommen strikte
Bestimmungen zum Umweltschutz. Das NAFTA trägt
den hohen Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsnormen unserer Nation Rechnung. In der Tat geht es
sogar noch darüber hinaus und ermutigt alle drei
Länder, die höchstmöglichen Normen anzustreben.
Das US-Umweltschutzamt und die entsprechende
mexikanische Behörde haben bereits einen umfassenden integrierten Grenzplan zur Reinhaltung von
Luft und Wasser sowie der Entsorgung von Giftmüll
entlang dem Rio Grande erarbeitet. Diese Probleme
sind gravierend, werden jedoch durch Zusammenarbeit beim Umweltschutz, verstärkten Handel und höheres
*

Seite 2

Wirtschaftswachstum gelöst - nicht Protektionismus.
Bedauerlicherweise hat der Kongreß die Mittel für
unseren Grenzplan im Bewilligungsausschuß gekürzt
- ich bitte den Kongreß um die vollständige Finanzierung dieser wichtigen Umweltinitiativen.
Mit NAFTA erzielen wir Fortschritte bei unserer Handelsstrategie. Der Handel ist Bestandteil meines langfristigen Plans für Wirtschaftswachstum, um mehr
Chancen für alle Amerikaner zu schaffen. In einer sich
wandelnden Welt müssen wir unseren Arbeitnehmern
die Ausbildung und Fähigkeiten zur Verfügung stellen,
die sie benötigen, um wettbewerbsfähig zu sein und
ihnen Hilfestellung und Umschulungsmaßnahmen
bieten, damit sie gute Arbeitsplätze finden können.
Ich habe es viele Male gesagt: Geben Sie dem
amerikanischen Arbeitnehmer die gleichen Chancen
und er wird jeden jederzeit mit seinem Erfindungsgeist
und seiner Arbeitskraft ausstechen.
Das heutige historische Abkommen verbindet unsere
Zukunft mit unserer Vergangenheit. In diesem Monat
vor 500 Jahren setzte ein Mann mit Mut und Vision die
Segel in der Alten Welt auf der Suche nach neuen
Handelsrouten und -Chancen. Christopher Columbus
war ein Unternehmer - die von ihm vor 5 Jahrhunderten
angetretene Reise macht sich auch heute noch in
vielfältiger Weise bezahlt. Indem wir das Nordamerikansiche Freihandelsabkommen voranbringen, werden wir diese Investition auffüllen und neue Horizonte
und Unternehmen in der Neuen Welt eröffnen.

*

AMERIKA DIENST 33

�NAFTA
19. August 1992

USA, MEXIKO UND KANADA BEENDEN
NAFTA-VERHANDLUNGEN
Zustimmung des Kongresses noch erforderlich
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten,
Mexiko und Kanada haben die Verhandlungen über
ein Freihandelsabkommen abgeschlossen, das den
größten Binnenmarkt der Welt schaffen würde - 360
Millionen Menschen produzieren Waren und Dienstleistungen in Höhe von 6 Billionen Dollar pro Jahr.
Das wenige Minuten nach Mitternacht am 12. August
1992 nach 14monatigen Verhandlungen abgeschlossene Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North
American Free Trade Agreement - NAFTA) bedarf
noch der Zustimmung des amerikanischen Kongresses sowie der kanadischen und mexikanischen Legislative.
"Dieses Abkommen wird Nordamerika gleiche Chancen einräumen und mehr Verkaufsmöglichkeiten für
amerikanische Firmen von Alaska bis Yucatan schaffen, lautet die Aussage von Präsident Bush in einer
schriftlichen Erklärung. "Durch den Abbau von Hemmnissen und Erweiterung des Handels wird NAFTA
unsere Unternehmen auf der ganzen Welt wettbewerbsfähiger machen."
NAFTA würde am 1. Januar 1994 in Kraft treten.
Vorbehaltlich der Zustimmung der Mitgliedstaaten
könnten andere Länder dem NAFTA später beitreten
und jedem Land würde nach einer sechsmonatigen
Frist die Kündigung des Abkommens gestattet. Es
wird einen Großteil, wenn auch nicht alle Bestandteile
des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens
von 1988 ersetzen.
NAFTA würde binnen 15 Jahren alle Handelszölle
zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada abbauen. Die Zölle für die Hälfte der 9.000 von dem
Abkommen abgedeckten Produkte würden unverzüglich beseitigt, für ungefähr 15 Prozent nach fünf Jahren
und für die übrigen nach sechs bis 15 Jahren.
Gegenwärtig betragen die amerikanischen Zollsätze
durchschnittlich 4 Prozent, die mexikanischen sind
2,5mal so hoch.

AMERIKA DIENST 33

Zu den sensiblen amerikanischen Industriezweigen,
die über den gesamten 15jährigen Zeitraum vom Abbau
der Zölle geschützt sind, zählen Gummischuhe, Keramikfliesen, Haushaltsglasartikel, Erdnüsse, Zucker,
Orangensaft, Brokkoli, Gurken, Spargel, Zwiebeln,
getrockneter Knoblauch, Kantalupen und bestimmte
andere Melonensorten, stellte der Stellvertretende USHandelsbeauftragte Julius Katz fest.
Im Gegenzug hätte Mexiko 15 Jahre Zeit, um die Zölle
auf Mais, getrocknete Bohnen und Michpulver ohne
Fettanteile abzubauen, erklärte Katz.
Unter den Waren, bei denen Mexiko die Zölle unverzüglich aufheben würde, sind Telekommunikationsgeräte, Computer und Computerteile, Luft- und Raumfahrt- sowie medizinische Geräte.
Über 45 Prozent aller amerikanischen Importe aus
Mexiko werden bereits im Rahmen des Allgemeinen
Präferenzsystems und der Initiative Karibisches Bekken zollfrei eingeführt. Katz zufolge würde der sofortige Abbau von Zöllen unter NAFTA dieses Niveau auf
über 50 Prozent anheben.
Die drei Länder würden die Zölle auf Bier mit einer
sofortigen Reduzierung von 20 Prozent binnen acht
Jahren aufheben.
Mexiko würde die Zölle auf amerikanische Autos und
Lastwagen unverzüglich um die Hälfte abbauen und im
Verlauf von 5 Jahren die Zölle auf 75 Prozent der
Autoteile abschaffen.
Gemäß der NAFTA-Bestimmung über das Herkunftslands des Produkts würden nur Autos, die zu 62,5
Prozent aus in Nordamerika hergestellten Teilen bestehen, unter die zollfreie Behandlung fallen, was
beträchtlich über der 50-Prozent-Klausel des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens liegt. Die
Bestimmung beginnt bei 50 Prozent, wird nach 4
Jahren auf 57 Prozent und nach 8 Jahren auf 62,5
Prozent angehoben.

Seite 1

�NAFTA würde darüber hinaus die Bestimmung über
das Herkunftsland für Automobile klären. Eine verwirrende Vorschrift hat bei der Durchführung dieses Teils
des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens
zu Problemen geführt. Die neue Regel erfordert
Berechnungen anhand einer auf die Gesamtkosten
minus der Kosten für Lizenzen, Verkaufsförderung,
Verpackung und Transport errechneten "Nettokostenmethode" und setzt eine Obergrenze für die abzugsfähigen Zinsen.
Mexiko müßte ferner über 10 Jahre hinweg seinen
"Ausgleich der Handelsbilanz" und die "Bestimmungen
über den Prozentsatz der im Inland hergestellten Teile"
für Autoimporte schrittweise abbauen. Im Rahmen der
derzeitigen Bestimmungen über den Ausgleich der
Handelsbilanz importiert Mexiko nur ein Auto für jedes
1,75te exportierte Auto. Binnen 10 Jahren würde diese
Zahl von 1,75 auf 0,87, dann auf 0,5 und schließlich auf
Null reduziert.
Alle drei Länder würden ihre Restriktionen bei Importen von Textilien und Oberbekleidung in einem Zeitruam von 10 Jahren abbauen. Die Vereinigten Staaten
würden unverzüglich die Importquoten auf in Mexiko
hergestellte Waren aufheben, die die NAFTA-Bestimmungen über das Herkunftsland erfüllen.
Die Bestimmung über das Herkunftsland lautet für die
meisten Textilien und Oberbekleidungsprodukte "yarn
forward" - die Waren müssen aus in einem NAFTALand hergestelltem Garn produziert werden. Die Regel
für aus Baumwolle und künstlichen Fasern hergestellte Waren ist "fiber forward" - sie müssen aus in einem
NAFTA-Land hergestellten Fasern produziert werden.
Mexiko hat darauf bestanden, an seinem verfassungsmäßigen Mandat zur Aufrechterhaltung staatlicher
Monopole in den Sektoren Öl, Erdgas, Raffinierien,
Basispetrochemikalien, Kernkraft und Stromversorgung festzuhalen.
Mexikos staatliche Ölmonopolgesellschaft PEMEX und
die Eletrizitätsmonopolgesllschaft CFE würden ihre
Märkte auf andere Weise öffnen. Sie würden amerikanische und kanadische Investitionen in nichtgrundlegende petrochemische Produkte und in Eletrizitätskraftwerke für den "Eigenbedarf", gemeinsame Erzeugung sowie unabhängige Elektrizitätserzeugung gestatten.
Darüber hinaus würden sie schrittweise die Restriktionen bei staatlichen Beschaffungsverträgen abbauen 50 Prozent sofort, 70 Prozent binnen acht Jahren und
100 Prozent in 10 Jahren.
NAFTA würde jedoch keine Bestimmungen enthalten,
die den Vereinigten Staaten die gesicherte Energieversorgung aus Mexiko entsprechend dem in dem
Abkommen mit Kanada von 1988 enthaltenen Passus
garantiert.

Seite 2

"Dies ist auf die von der (mexikanischen) Verfassung
auferlegten Einschränkungen zurückzuführen", erklärte die US-Handelsbeauftragte Carla Hills in einer
Pressekonferenz im Weißen Haus und fügte hinzu, die
amerikanische Delegation habe allerdings einige
"äußerst wichtige und wertvolle" Konzessionen zur
Energieversorgung erhalten.
NAFTA würde darüber hinaus:
Amerikanischen Unternehmen nationale Gleichstellung für Investitionen in Mexiko einräumen das heißt, amerikanische Firmen würden gleich
behandelt wie mexikanische.
Bis 1999 alle Beschränkungen für amerikanische Lastwagenfahrer aufheben, in Mexiko tätig
zu werden.
Die Chancen für den amerikanischen Export
von Versicherungs- und anderen finanziellen
Dienstleistungen nach Mexiko erweitern.
Amerikanische Patente, Urheberrechte, Warenzeichen und anderes geistiges Eigentum in Mexiko
schützen.
NAFTA würde ferner binationale und trinationaie Gremien schaffen, die im Rahmen des Abkommens auftretende handeis- und umweltpolitische Konflikte schlichten. Der Stellvertretende US-Handelsbeauftragte Katz
erkläre, der Konfliktschlichtungsmechanismus sei
anhand des in dem amerikanisch-kanadischen Abkommen enthaltenen modifiziert worden. Berichte der
Gremien wären nicht ausdrücklich bindend, es sei
denn, die Parteien vereinbaren im voraus die verbindliche Schlichtung, fügte er hinzu.
Entsprechend, so Katz, gäbe es im NAFTA Berufungsgremien bei Dumping- und Subventionsproblemen wie
im amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommen.
Die US-Handelsbeauftragte reichte dem mexikanischen Handelsminister Jaime Serra Puche und seinem kanadischen Amtskollegen Michael Wilson am
Morgen des 12. August die Hand zu einem symbolischen Händedruck auf das Abkommen.
In den kommenden Wochen werden Rechtsanwälte
aus den drei Ländern den englischen, spanischen und
französischen Wortlaut des Abkommens erstellen.
Wenn der "rechtliche Feinschliff" erfolgt ist und die
Berichte von den 40 amerikanischen Beratungsausschüssen unterbeitet worden sind, wird Präsident Bush
das Abkommen paraphieren und dem Kongreß voraussichtlich im September zur Prüfung vorlegen. Dem
Kongreß stehen 90 Kalendertage zur Beratung zur
Verfügung.
Dann kann Präsident Bush das Abkommen offiziell
unterzeichnen und an den Kongreß zur Verabschiedung weiterleiten. Binnen 90 Arbeitstagen - was

AMERIKA DIENST 33

�ungefähr 8 Monaten entspricht - muß der Kongreß
seine Zustimmung oder Ablehnung bekanntgeben.
Daher wird die endgültige Entscheidung erwartungsgemäß beim Kongreß und dem im November gewählten Präsidenten liegen.
Der Großteil der Opposition gegen das NAFTA kam
von Gewerkschaften und Umweltschutzorganisationen.
Bei einer Pressekonferenz stellte die US-Handelsbeauftragte Hills fest, NAFTA würde die von Präsident
Bush gegenüber dem Kongreß eingegangenen Verpflichtungen erfüllen oder sogar darüber hinausgehen,
"da es den Umwelt-, Sicherheits- und Gesundheitsnormen der Vereinigten Staaten Rechnung trägt und
uns in die Lage versetzt, auf Regierungs- und bundesstaatlicher Ebene noch striktere Normen durchzusetzen sowie unsere Partner zur Verschärfung ihrer Normen
ermutigt."
Hills verwies ferner darauf, mit einem Abkommen in
der Hand könne die Bush-Administration jetzt ein

*

AMERIKA DIENST 33

Unterstützungsprogramm für Arbeitnehmer entwickeln, die ihren Arbeitsplatz aufgrund des NAFTA verlieren.
"Ich möchte jedoch umgehend hinzufügen, unsere
Wirtschaftsstudien belegen, daß dank dieses Abkommens unter dem Strich neue Arbeitsplätze geschaffen
und nicht abgebaut werden", erklärte Hills.
Die Handelsbeauftragte betonte, andere Länder sollten das amerikanisch-mexikanisch-kanadische Handelsabkommen nicht als Protektionismus ansehen
und fügte hinzu, das Abkommen würde das Engagement der Vereinigten Staaten zum Abschluß der in
einer Patt-Situation befindlichen sechs Jahre alten
Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche im
Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens GATT nicht untergraben.
"Wir haben keine einzige Handelsschranke gegen das
Ausland errichtet", so Hills. "Wir haben nur die Handelshemmnisse innerhalb Nordamerikas abgebaut.
Unseres Erachtens wäre ein erfolgreicher Abschluß
der GATT-Gespräche eine wunderbare Leistung. Und
wir hoffen, daß uns das in diesem Jahr gelingt."

* * *

*

Seite 3

�WAHLEN

'9 2
19. August 1992

DEBATTEN DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Kommission legt Zeitplan vor
WASHINGTON - (AD) - Die Kommission für Debatten der Präsidentschaftskandidaten hat für den kommenden
Herbst einen Zeitplan für vier Debatten zwischen den Bannerträgern der Demokratischen und Republikanischen
Partei bekanntgegeben. Die Präsidentschaftskandidaten werden sich in drei Diskussionen stellen, die
Vizepräsidentschaftskandidaten in einer. Alle Diskussionsrunden werden landesweit im Fernsehen übertragen
und dauern 90 Minuten.

Die Debatten zwischen den Präsidentschaftskandidaten sollen am 22. September 1992 in der Michigan
State University, am 4. Oktober in der University of San
Diego und am 15. Oktober in der University of Richmond stattfinden. Die Diskussion zwischen den Vizepräsidentschaftskandidaten ist am 29. September in
Louisville vorgesehen.
Der stellvertretenden Vorsitzende der Kommission,
der ehemalige Vorsitzende des Nationalen Komitees
der Demokraten, Paul Kirk, und der ehemalige Vorsit-

zende des Nationalen Komitees der Republikaner,
Frank Fahrenkopf, erklärten, die Clinton-Gore-Wahlkampfleitung habe dem Zeitplan zugestimmt und sie
hofften auf eine Antwort der Bush-Quayle-Wahlkampfleitung nach dem Parteikonvent der Republikaner.
Die 1988 gegründete Kommission für die Debatten hat
im Wahljahr 1988 zwei Diskussionsrunden zwischen
den Präsidentschaftskandidaten und eine zwischen
den Vizepräsidentschaftskandidaten veranstaltet.

* * * *

AMERIKA DIENST 33

*

Seite 1

�W A H L E N '92
19. August 1992

DIE ROLLE VON MEINUNGSUMFRAGEN
IM WAHLKAMPF
von Clyde Linsley
WASHINGTON - (AD) - In dem nachfolgend veröffentlichten Artikel beschreibt der Autor die Entwicklung und
gegenwärtige Rolle von Meinungsumfragen im amerikanischen Wahlprozeß. Ihm zufolge liefern gerade
Meinungsumfragen den Kandidaten das Werkzeug zur Verbesserung der Effektivität ihres Wahlkampfs. Der
Autos ist freiberuflicher Journalist in Washington.
Der amtierende US-Senator hatte ein Problem, und
seine Wahlkampfberater wußten nicht recht damit
umzugehen. Er stand vor dem schwierigsten Herausfordererer seines Lebens, einem gutaussehenden und
jungen pensionierten General des Heeres, Rhodes
Scholar, Football-Star seines Colleges und VietnamVeteran - all die Merkmale, mit denen man Wähler
gewinnen kann. Der Senator erschien im Vergleich
dazu farblos.
Der Herausforderer hatte erst vor kurzem, nach einer
Karriere bei den US-Streitkräften, die ihn in alle Teile
der Welt geführt hatte, seinen Wohnsitz in den Staat
verlegt, den er repräsentieren wollte. Bei der Ankündigung seiner Kandidatur hatte der Herausforderer in
Länge und Breite über die Gründe für seinen Umzug in
diesen Staat gesprochen. Er sprach von der schönen
Landschaft, den hart arbeitenden Menschen und all
den anderen Attraktionen, die ihn hierher geführt hatten.
Aber als sich die Berater des Senators mit einer
repräsentativen Gruppe potentieller Wähler zusammensetzten, entdeckten sie, daß ihr gutaussehender
junger Gegner eine Schwäche besaß, die sie nicht
vermutet hätten: die Leute lachten über ihn. Insbesondere lachten sie darüber, wie er seine Entscheidung für
den Umzug in ihren Staat begründete. Sie glaubten
nicht, er sei aufgrund der Menschen oder der Naturschönheiten in ihren Staat gezogen. Ihrer Meinung
nach war er nur gekommen, um für den Senat zu
kandidieren.
Als die Berater des Senators mit ihrer Zielgruppe von
Wählern zusammentrafen, entdeckten sie die Achillesferse des Herausforderers. Sie handelten sofort,
um sie mit einer Reihe von Werbespots auszunutzen,
in denen die Worte des Herausforderers abgespielt
wurden.
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"Diese Leute haben instinktiv gesagt: 'Dieser Mann ist
nicht echt'," erklärte einer der Insider im Wahlkampf
des Senators. "Niemals hätten wir daran gedacht, dies
zu benutzen, aber es wurde zentraler Bestandteil des
Wahlkampfs."
Am Wahltag verlor der Herausforderer haushoch
gegenüber dem amtierenden Senator, der 75 Prozent
der Stimmen errang.
Eins zu Null für Meinungsumfragen.
In den Vereinigten Staaten war Politik seit jeher ein
Feld intensiver Diskussionen und Debatten, aber in
den letzten Jahren ist viel mehr daraus geworden. Sie
ist jetzt ein florierendes Geschäft, dessen Beteiligte
sich die Techniken des Markts zunutze machen, um
einen größeren Anteil am Markt der Ideen zu gewinnen.
Tatsächlich wird angesichts der ständig steigenden
Kosten für einen politischen Wahlkampf eine Investition in die Erforschung der öffentlichen Meinung für
jeden ernsthaften Aspiranten auf ein öffentliches Amt
immer wichtiger. Ein Wahlkampf fordert mehr als
intensives Engagement, er erfordert den effektiven
Einsatz von Geld und anderen Ressourcen. Die
Meinungsforschung liefert den Kandidaten das Werkzeug zur Verbesserung der Effektivität ihres Wahlkampfs.
Meinungsumfragen sagen den Kandidaten, wo ihre
Stärken und Schwächen liegen und wie diese von den
Wählern wahrgenommen werden. Sie verraten den
Kandidaten die Themen, die die Wähler beschäftigen
und die Fragen, die sie unbeeindruckt lassen. Sie
verraten den Kandidaten, wo wahrscheinlich ihre loyalsten Förderer leben, aus welchen Berufen sie kommen, was sie in ihrer Freizeit tun und vieles mehr. Sie
verraten den Kandidaten auch, wo sie besser keinen
Seite 1

�Wahlkampf betreiben, weil diese Anstrengung an
unversöhnliche Feinde verschwendet wäre.
"Es ist ein sehr nützliches Instrument, mit dessen Hilfe
wir verstehen können, wie eine sehr komplexe und
heterogene Öffentlichkeit tickt," erklärt die Washingtoner Journalistin Karlyn Keene. "Aber es ist ein
schlichtes Instrument und sollte vielleicht nicht dazu
benutzt werden, Politik zu machen." Keene, die eine
Zeitschrift für ein führendes Washingtoner Forschungsinstitut herausgibt, beobachtet Meinungsumfragen und
Politik sehr genau.
Dennoch wird der Einsatz von Meinungsumfragen in
politischen Kampagnen immer populärer. Meinungsforscher haben in der Öffentlichkeit beträchtlich an
Status gewonnen, und Kandidaten für öffentliche Ämter
nehmen auch auf kommunaler Ebene stärker Zuflucht
zu Meinungsumfragen, um sich davon in ihren Kampagnen leiten zu lassen.
Gestern und heute
Ein über 40 Jahre altes Zeitungsphoto erinnert an
eines der dauerhaftesten Images, das je in der politischen Geschichte der Vereinigten Staaten produziert
wurden. Das Photo stellt einen strahlenden Harry S.
Truman dar, im ersten Rausch seines Wahlsiegs zum
US-Präsidenten, wie er triumphierend eine früh erschienene Zeitung schwenkt, deren Schlagzeile den
Erdrutschsieg des Truman-Rivalen, des Republikaners Thomas E. Dewey, verkündet.

und durchführen, sondern auch solche, die die Ergebnisse dieser Untersuchungen interpretieren und sie in
Wahlkampfthemen und Medienstrategien umsetzen.
Es heißt, daß 1980 bereits der Umfrageberater Patrick
Caddell an allen Mitarbeiterbesprechungen zur Wiederwahlkampagne des Amtsinhabers Jimmy Carter
ebenso teilnahm wie an den Strategiesitzungen.
Dasselbe galt für Richard Wirthlin im Wahlkampf von
Carters Gegner, Ronald Reagan.
Wie Meinungsforschung funktioniert
"Es gibt zwei sehr einfache, aber unterschiedliche
Einsatzmöglichketien von Meinungsumfragen,"erklärt
der ehemalige Reagan-Berater Wirthlin, der jetzt Inhaber einer politischen Forschungsorganisation bei
Washington ist. "Zum einen gibt es die beschreibende
Funktion, die dem Kandidaten und seinen Mitarbeitern
vor allem anzeigt, wer in Führung liegt, was von den
Wählern als das wichtigste Thema angesehen und
was der Kandidat aus der Sicht der Wähler im Falle
seiner Wahl erreichen wird und was nicht.
Von größerer Bedeutung für den Wahlkampf und die
Kandidaten sind jedoch strategische Umfragen - nicht
eine Bilanz der Wahlkampagne zu einem bestimmten
Zeitpunkt, sondern vielmehr eine Bewertung dessen,
was der Kandidat tun sollte, um Stimmen für sich zu
gewinnen - die sich mit ausgemachten Schwächen
oder Stärken befassen und Zielgruppen nach Demographie, Geographie und Lebensstil aufschlüsseln."

Das Photo erwies sich für die Zeitung und für die Firma
Gallup, deren Umfragen Deweys bahnbrechenden
Sieg prognostiziert hatten, als peinlich. Es war darüber
hinaus jahrelang eine Quelle der Belustigung für Beobachter der politischen Landschaft in Amerika.

1980 und erneut als Präsident Reagan 1984 für die
Wiederwahl kandidierte benutzten Wirthlin und seine
Mitarbeiter häufig die sogenannte "Zielgruppen-Forschung", wie die von dem oben erwähnten amtierenden Senator verwendete.

Für Präsident Trumans waren die Wahlergebnisse von
1948 eine freudige Überraschung, aber eine Überraschung kann ebensogut unerfreulich sein. Die Kunst
und Wissenschaft der politischen Umfragen entwickelten sich, um solche unerwarteten Entwicklungen zu
vermeiden - oder zumindest erheblich zu reduzieren.

Zielgruppen sind eine aus dem Bereich des Produktmarketing entlehnte Technik. Eine Gruppe von Leuten
wird in einem Raum versammelt und zur Erörterung
mit Themen der bevorstehenden Wahl veranlaßt. Die
Kommentare werden ohne Wissen der Gruppe festgehalten und von den Wahlhelfern in der Hoffnung analysiert, die tieferen Gefühle und Werturteile über die
Wahlkampagne herauszufinden, die ein offener Fragebogen vielleicht nicht erzielt.

1960 spielten politische Meinungsumfragen bereits
eine wichtige Rolle, um Kandidaten zu helfen, über die
Entwicklung ihrer Kampagne auf dem laufenden zu
sein. In jenem Jahr beauftragte John F. Kennedy Louis
Harris, Wähler in mehreren wichtigen Staaten zu befragen, in denen Kennedy Siege bei den Vorwahlen
benötigte, um die Nominierung der Demokraten als
Präsidentschaftskandidat zu erlangen.
Bei den nachfolgenden Präsidentschaftswahlen haben Meinungsforschungsinstitute sogar eine noch
größere Rolle gespielt. In den frühen Jahren kamen
Meinungsforscher vor allem aus der Werbebranche Marktforscher, die einmal Produkte und dann wieder
Menschen im Auge hatten, zumindest bis die Kampagne vorbei war. Bald entwickelten sich jedoch politische Forschungsspezialisten, und heute gibt es nicht
nur Spezialisten, die politische Umfragen erarbeiten

Seite 2

"Um einen Sinneswandel zu bewirken, muß man diese
emotionalen Bindungen anzapfen, die durch Werte
geprägt werden", so Wirthlin.
Zielgruppen sind nicht zwangsläufig für die gesamte
Wählerschaft repräsentativ. Öffentliche Meinungsumfragen geben sich andererseits große Mühe, einen
repräsentativen Querschnitt derjenigen zu erstellen,
die wahrscheinlich zur Wahl gehen.
Das Ziel dieser Umfragen besteht nicht nur in einer
Feststellung der Themen, die Wähler motivieren und
ihrer Einschätzung des Kandidaten, sondern auch
darin, herauszufinden, auf was sich die Kandidaten
konzentrieren sollten. Das Ziel ist nicht, einen Appell
zu formulieren, der für alle Wähler überzeugend klingt.
AMERIKA DIENST 33

�"Man benötigt nicht 70 oder 80 Prozent der Wählerstimmen, um in den meisten Demokratien den Sieg
davonzutragen", erklärt Wirthlin. "Man braucht 50
Prozent plus eine Stimme."
"Jeder Wahlkampt ist eine Entscheidung zwischen
zwei Kandidaten", stellt Tom Ochs, rangältester Vizepräsident der Washingtoner Beratungsfirma Squier
Eskew Knapp fest. "Haben Sie einen Kandidaten mit
Schwächen, werden die Meinungsumfragen belegen,
wie schlecht und wo er am schwächsten ist."
Aufgrund der Konzentration auf die Bereiche, in denen
die Unterstützung des Kandidaten am stärksten ist und
um einen Sinneswandel der Wähler zu bewirken, die
unentschlossen oder von der Opposition nicht allzu
überzeugt sind, hoffen die Wahlkampfstrategen, genug Stimmen für den Wahlsieg zu sammeln. Dies wird
für gewöhnlich bewirkt, indem man auf die natürlichen
Stärken eines Kandidaten aufbaut und seine Schwächen herunterspielt.
"Bei dem Wahlkampf, an dem wir arbeiten, hat niemand so viele Schwächen, daß er sich für ein öffentliches Amt disqualifiziert", so Ochs. "Jeder wirft etwas
in die Waagschale."
In der ersten Phase des Wahlkampfes, erläutert Ochs,
verlassen sich die Wahlhelfer vornehmlich auf die
Erforschung von Themen, Hochrechnungen und andere öffentliche Trends im Hinblick auf den Kandidaten
oder seinen Gegner. Zweck der Übung ist, sagen zu
können: "Hier sind drei oder vier sehr überzeugende
Botschaften oder Themen, auf die die meisten Leute
reagieren."
Nach Beginn des Wahlkampfes führt eine gut finanzierte Kampagne regelmäßig Meinungsumfragen durch.
Diese sogenannten "stichprobenartigen" Meinungsumfragen vermitteln den Wahlhelfern, wie gut ihre
Botschaft von den Wählern aufgenommen wird und
machen sie frühzeitig genug auf einen unerwarteten
Meinungsumschwung aufmerksam, daß sie davon
profitieren können.
Die Frage der Genauigkeit
Früher haben Kandidaten und Wahlkampfstrategen
häufig die Ergebnisse von Meinungsumfragen unberücksichtigt gelassen, mit denen sie nicht übereinstimmten. Selbst heute ist es noch an der Tagesordnung, daß ein Kandidat erklärt, die Ergebnisse der
Meinungsumfragen seines Gegners seien ungenau,
wenn er den Meinungsumfragen zufolge schlechter
abschneidet. In jenen frühen Tagen war es für die
Meinungsforscher eine große Versuchung, ihren Auftraggebern das zu sagen, was sie hören wollten.
Karlyn Keene vertritt die Auffassung, daß dies heute
eher selten ist.

*

AMERIKA DIENST 33

*

"Das mag früher zutreffend gewesen sein", erklärt sie.
"Es liegt jedoch nicht in ihrem Interesse, den Kandidaten zu belügen oder die Wahrheit zu verschleiern, weil
sie sich im weiteren Verlauf des Wahlkampfes einem
Test stellen müssen." Am Wahltag kommt die Wahrheit für diejenigen an den Tag, die sie zu verschleiern
versucht haben.
Darüber hinaus können die Meinungsumfragen des
Kandidaten mit denen einer Reihe öffentlicher Meinungsforschungsinstitute verglichen werden, deren
Ergebnisse regelmäßig in den Medien veröffentlicht
werden.
Politiker lieben keine Überraschungen und dies heute
noch weniger als 1948. Die Kosten einer Wahlkampagne für die Wahl in ein Amt - Reisen, Mitarbeiterhonorare, Werbespots - sind so hoch, daß alle Methoden
ausgeschöpft werden müssen, um diese Ausgaben so
effektiv wie möglich zu nutzen.
Meinungsumfragen sind ein Instrument, um dem
Wahlkampf die Ungewißheiten zu nehmen, aber ständig werden neue Verfahren entwickelt.
"Meinungsumfragen sind nur eine Komponente eines
als PINS bezeichneten politischen Informationssystems, das wir entwickelt haben", stellt Wirthlin fest.
Dieses System stützt sich auf die bei den Meinungsumfragen erzielten Daten zusammen mit traditionellen
Wahlkampfinformationen sowie mathematischen
Computerberechnungen, um ein detaillierteres Bild
der Wähler - und ihrer Einschätzung des Kandidaten zu erhalten als Meinungsumfragen allein dies vermitteln könnten.
"Mit der Weiterentwicklung von Computern und unserer Sicht des Prozesses wird PINS immer mehr eingesetzt", erklärt er. "Meines Erachtens ist der einzelne
Wähler sehr unberechenbar, und ich glaube nicht, daß
wir je den Punkt erreichen, an dem wir alles wissen."
In der Tat lag Michael Dukakis zu Anfang des Präsidentschaftswahlkampfes 1988 Berichten zufolge 17
Prozentpunkte vor seinem voraussichtlichen republikanischen Rivalen, dem damaligen Vizepräsidenten
George Bush. Am Wahltag hielt jedoch Bush mit 54
Prozent der Stimmen Einzug ins Weiße Haus.
Waren die ersten Meinungsumfragen falsch, wie einige Beobachter glauben, oder haben unerwartete Entwicklungen einen drastischen Sinneswandel der Wähler
bewirkt? Oder war das Ergebnis eine Kombination
beider Faktoren?
Diese Frage wird niemals gelöst werden, gleichgültig
wieviel Forschung auch betrieben wird. "Eine der
Freuden der Politik ist, daß sie so unberechenbar ist",
so Wirthlin. "Ich glaube nicht, daß Forschung je
Intuition und gesunden Menschenverstand ersetzen
kann."
*

*

Seite 3

�</text>
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amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

34

WAHLEN '92

26. August 1992

BUSH VERSPRICHT "NEUEN KREUZZUG"
FÜR AMERIKA
Rede beim Parteikonvent der Republikaner

VISION DER REPUBLIKANER IST EINHEIT
Das Parteiprogramm der Republikaner

SOMALIA

USA GEBEN ZWEIGLEISIGE NOTHILFESTRATEGIE FÜR SOMALIA BEKANNT
Erklärung des Sonderkoordinators

BILDUNGSWESEN

MULTIKULTURELLE BILDUNG - EIN DISKURS
von Robert K. Landers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�WAHLEN

'9 2
26. August 1992

BUSH VERSPRICHT "NEUEN KREUZZUG"
FÜR AMERIKA
Rede beim Parteikonvent der Republikaner
HOUSTON - (AD) - Mit dem Versprechen eines "neuen Kreuzzugs", um Amerika sicherer und stärker zu machen,
hat Präsident Bush am 20. August 1992 beim Parteikonvent der Republikaner in Houston offiziell die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei angenommen.
Bush erklärte, er kämpfe für "offene Märkte für amerikanische Produkte, niedrigere Staatsausgaben, Steuersenkungen, Chancen für mittelständische Unternehmen, Reform des Rechts- und Gesundheitswesens, Berufsausbildung sowie neue, auf Wettbewerb gegründete Schulen, die bereit für das 21. Jahrhundert sind".
Der Kongreß sei nicht auf seinen Ruf eingegangen, "verschwenderische Projekte" zu streichen und alle
Ausgaben außer denen für die Sozialversicherung einzufrieren, stellte der Präsident fest, "und deshalb werde
ich ab heute abend meinen eigenen Ausgabenstopp verhängen".
Im Hinblick auf die Außenpolitik erklärte Bush, es werde noch mehr Herausforderungen im Stil Kuwaits geben:
"Terroristen und Aggressoren, denen man entgegentreten muß; gefährliche Waffen, die kontrolliert und zerstört
werden müssen. Und der Kampf um die Freiheit ist noch nicht beendet. Ich sehe dem Tag entgegen, an dem
ich als erster Präsident ein freies und demokratische Kuba besuche."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Ich danke Ihnen, und ich bin stolz darauf und fühle mich
geehrt, Ihre Nominierung für das Amt des Präsidenten
der Vereinigten Staaten anzunehmen.
Zunächst möchte ich mich bei Bob Dole, meinem
guten Freund und unserer großartigen Führungspersönlichkeit, für diese wunderbare Einführung bedanken. Und ich möchte in diesem Zusammenhang
sagen, da ß diese Nominierung nicht mir allein gilt. Sie
gilt den Ideen, Prinzipien und Werten, für die wir
stehen.
Meine Arbeit wurde wesentlich erleichtert durch eine
Führungspersönlichkeit, die viel unfaire Kritik mit Takt
und Humor ertragen hat: durch den Vizepräsidenten
der Vereinigten Staaten, Dan Quayle. Ich bin ihm
außerordentlich dankbar.
Ich möchte heute abend über die harte Wahl sprechen,
die ich den Amerikanern diesen Herbst anbieten werde, eine Wahl zwischen verschiedenen Programmen,
verschiedenen Richtungen und, ja, eine Entscheidung
über den Charakter des Mannes, den Sie für die
Führung dieses Landes wünschen.
AMERIKA DIENST 34

Ich wei ß, da ß die Amerikaner zahlreiche Fragen haben
- im Hinblick auf unsere Wirtschaft, die Zukunft unseres Landes und sogar mich selbst. Und ich werde
diese Fragen heute abend beantworten.
Zunächst möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich mich
großartig fühle. Und ich fühle mich bestärkt - bestärkt
durch die Meinungsumfragen, die aussagen, daß ich in
meinen Joggingshorts besser aussehe als der Gouverneur von Arkansas.
Vor vier Jahren habe ich über Missionen gesprochen,
für mein Leben und für unser Land. Ich sprach damals
über eine dringende Aufgabe - Verteidigung unserer
Sicherheit und Förderung des amerikanischen Ideals
im Ausland. Halten Sie einen Moment inne und
denken Sie darüber nach, was wir getan haben.
Deutschland ist vereinigt, und ein Stück der Berliner
Mauer steht draußen vor diesem Astrodome.
Araber und Israelis sitzen einander am Verhandlungstisch gegenüber und sprechen über Frieden, und alle
Geiseln im Libanon sind frei.
Seite 1

�Der Konflikt in El Salvador ist beendet, und freie
Wahlen haben Nicaragua Demokratie gebracht.
Schwarze und weiße Südafrikaner feuerten einander
bei dem Olympischen Spielen an.
Die Sowjetunion läßt sich nur noch in den Geschichtsbüchern finden.
Die Vasallenstaaten in Osteuropa und dem Baltikum
sind keine Vasallen mehr.
Und heute verkaufen Händler auf den ländlichen Straßen Polens luftgefüllte Dosen mit der Aufschrift "der
letzte Atemzug des Kommunismus".
Und wenn ich vor vier Jahren vor Ihnen gestanden und
dies als die Welt beschrieben hätte, zu deren Aufbau
wir beitragen würden, so hätten Sie gesagt, George
Bush, Sie müssen etwas geraucht und dabei auch
noch inhaliert haben.
Dieser Konvent ist der erste, bei dem ein amerikanischer Präsident sagen kann, der Kalte Krieg ist vorbei,
und die Freiheit ist als erster durchs Ziel gegangen.
Es gibt viel, auf das wir stolz sein können. Eine Menge.
Einige möchten die Geschichte umschreiben, sie
möchten den Kampf auslassen und behaupten, das
Ergebnis sei unvermeidlich gewesen. Und obwohl die
Nachkriegsstrategie der Vereinigten Staaten im großen und ganzen überparteilich war, bleibt die Tatsache
bestehen, daß der linke McGovern-Flügel der anderen
Partei, einschließlich meines Gegners, ständig die
falschen Entscheidungen traf.
In den siebziger Jahren wollten sie eine ausgehöhlte
Armee. Wir wollten eine starke Streitmacht.
In den achtziger Jahren, und Sie erinnern sich sicher,
in den achtziger Jahren wollten sie ein Einfrieren der
Nuklearwaffen, und wir bestanden auf Frieden durch
Stärke.
Und von Angola bis Mittelamerika sagten sie, laßt uns
verhandeln, überlegen, verschleppen. Und wir sagten,
laßt uns nur für die Freiheit eintreten.
Und heute ist der Kalte Krieg vorbei und sie behaupten,
wir waren die ganze Zeit an Ihrer Seite. Ihr Verhalten
- wirklich, ihr Verhalten erinnert mich an den alten Rat
eines Betrügers an ein Kind. Er sagte, mein Sohn,
wenn man dich aus der Stadt vertreibt, so stelle dich an
die Spitze und sorge dafür, daß es wie eine Parade
aussieht.
Nun, täuschen Sie sich nicht, der Niedergang des
Kommunismus war nicht garantiert. Es bedurfte der
starken Führung von Präsidenten beider Parteien,
darunter Republikaner wie Richard Nixon, Gerald Ford
und Ronald Reagan. Ohne ihre Vision und die Unterstützung des amerikanischen Volkes wäre die Sowjet-

Seite 2

union heute eine starke Supermacht, und wir wären
heute abend mit einer nuklearen Bedrohung konfrontiert.
Meine Gegner sagen, ich beschäftigte mich zu ausführlich mit der Außenpolitik, als ob es keine Rolle
spielte, daß sich Schulkinder bei Übungen einst unter
den Schulbänken versteckten, um sich auf einen Atomkrieg vorzubereiten. Ich sah die Chance, die Träume
unserer Kinder von dem nuklearen Alptraum zu befreien und habe sie ergriffen.
In den vergangenen vier Jahren haben mehr Menschen die frische Luft der Freiheit geatmet als je zuvor
in der Geschichte der Menschheit. Ich sah eine
Chance zu helfen, und ich tat es. Und dies waren die
beiden entscheidenden Chancen - nicht eines Jahres,
nicht eines Jahrzehnts, sondern der gesamten Menschheitsgeschichte.
Ich nutzte diese Chancen für unsere Kinder und Enkelkinder, und ich entschuldige mich dafür nicht.
Heute mag der sowjetische Bär zwar verschwunden
sein, aber es gibt immer noch Wölfe in den Wäldern.
Wir sahen dies, als Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte. Der Nahe Osten hätte zum nuklearen Pulverfaß, unsere Energieversorgung als Druckmittel benutzt werden können. Und deshalb taten wir, was
richtig und notwendig war. Wir zerstörten eine Bedrohung, befreiten ein Volk und sperrten einen Tyrannen
im Gefängnis seines eigenen Landes ein.
Und wie stand es um den Anführer der Nationalgarde
von Arkansas, den Mann, der hofft, einmal Oberbefehlshaber zu sein? Während ich in den sauren Apfel
biß, kaute er an seinen Nägeln.
Zwei Tage - hören Sie sich das an, zwei Tage nachdem
sich der Kongreß meiner Führung anschloß, erklärte
mein Gegner folgendes, ich zitiere wörtlich: "Wahrscheinlich hätte ich bei einer knappen Abstimmung mit
der Mehrheit gestimmt. Aber ich pflichte den von der
Minderheit vorgetragenen Argumenten bei."
Nun, das klingt für mich so, als ob man seine Politik mit
dem Text eines Verkehrsschilds zusammenfassen
könnte, das er während seiner Bustour sicher gesehen
hat: "Schleudergefahr bei Nässe."
Schauen Sie, dies ist eine ernste Sache. Denken Sie
an die Auswirkungen unserer außenpolitischen Fehlschläge , als die Demokraten das letzte Mal sowohl das
Weiße Haus als auch den Kongreß kontrollierten.
Schlangen an den Zapfsäulen. Getreideembargos.
Amerikanische Geiseln mit verbundenen Augen.
Es wird in den kommenden vier Jahren mehr au ßenpolitische Herausforderungen im Stile Kuwaits geben.
Terroristen und Aggressoren, denen man entgegentreten muß; gefährliche Waffen, die kontrolliert und
zerstört werden müssen. Und der Kampf um die

AMERIKA DIENST 34

�Freiheit ist noch nicht beendet. Ich sehe dem Tag
entgegen, an dem ich als erster Präsident ein freies
und demokratisches Kuba besuche.
Wer wird die Welt angesichts dieser Herausforderungen führen? Nicht mein Gegner. In seiner Rede zur
Annahme der Präsidentschaftskandidatur verwendete
er gerade 65 Sekunden darauf, uns etwas über die
Welt zu sagen. Und dann erklärte er, Amerika werde,
ich zitiere, überall "verspottet". Nun, sagen Sie dies
den Menschen auf der ganzen Welt, für die Amerika
immer noch ein Traum ist. Erklären Sie das den
politisch Verantwortlichen auf der ganzen Welt, denen
Amerika Respekt abnötigt. Verspottet? Erklären Sie
das den Männern und Frauen der Operation Wüstensturm.
Im Hinblick auf die Zeitungsberichte, die Sie gelesen
haben, möchte ich an dieser Stelle folgendes anmerken. Dies ist ein politisches Jahr, aber in der Welt
lauern viele Gefahren. Und Sie können sicher sein, ich
werde niemals zulassen, daß die Tagespolitik mit einer
außenpolitischen Entscheidung vermengt wird. Vergessen Sie die Wahl. Ich werde das Richtige tun, das
Richtige für die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten von Amerika. Und dies gelobe ich aus tiefstem
Herzen.
Diesen Sommer vor fünfzig Jahren war ich 18 Jahre
alt. Ich sehe einige junge Leute unter den Zuhörern
heute abend, und ich erinnere mich daran, wie ich mich
damals fühlte. Ich glaubte tief an dieses Land, und wir
waren mit einem Weltkrieg konfrontiert. Ich traf also
eine Entscheidung, auszuziehen und eine Schlacht zu
kämpfen, die sich wesentlich von politischen Schlachten unterschied. Ich hatte Angst, aber ich war willens.
Ich war jung, aber ich war bereit. Ich hatte kaum gelebt,
als ich begann, Männer sterben zu sehen. Ich begann,
den besonderen Platz Amerikas in der Welt zu sehen,
und ich begann sogar damals schon zu sehen, daß die
Welt ein wesentlich kleinerer Platz werden und weit
entfernte Orte immer mehr wie Amerika werden könnten.
Und 50 Jahre danach, nach Veränderungen nahezu
biblischen Ausmaßes, wissen wir, wenn die Freiheit
wächst, wächst auch Amerika. Und ebenso wie ein
starkes Amerika eine sicherere Welt bedeutet, so
haben wir gelernt, daß eine sicherere Welt ein stärkeres Amerika bedeutet.
Bei dieser Wahl geht es um Veränderungen, aber das
ist nicht ungewöhnlich, denn die Amerikanische Revolution endet nie. Heute beschleunigt sich das Tempo
des Wandels. Wir stehen vor neuen Chancen und
neuen Herausforderungen. Und die Frage lautet wem trauen Sie zu, den Wandel für Sie positiv zu
gestalten?
Mein Gegner behauptet, Amerika sei eine Nation im
Niedergang. Von unserer Wirtschaft sagt er, wir seien

AMERIKA DIENST 34

irgendwo auf der Liste zwischen Deutschland und Sri
Lanka im Süden. Lassen sie sich von niemandem
erzählen, Amerika sei zweitklassig, insbesondere von
jemandem, der sich um das Präsidentenamt bewirbt.
Vielleicht hat er nicht gehört, daß wir immer noch die
größte Volkswirtschaft der Welt sind. Keine andere
Nation verkauft so viel im Ausland. Die Deutschen, die
Briten, die Japaner können Ihnen bei der Produktivität
nicht das Wasser reichen - dem amerikanischen Arbeiter und dem amerikanischen Bauern.
Mein Gegner wird das nicht erwähnen. Er wird Sie
nicht daran erinnern, daß die Zinssätze die niedrigsten
seit 20 Jahren sind und Millionen von Amerikanern ihre
Häuser refinanziert haben.
Und Sie werden nicht hören, da ß die Inflation - der Dieb
an der Mittelschicht - in ein Hochsicherheitsgefängnis
verbannt wurde. Und Sie werden nicht viel über diese
guten Nachrichten hören, weil die Medien ebenfalls
dazu neigen, sich auf die schlechten zu konzentrieren.
Und als die Berliner Mauer fiel, erwartete ich fast, eine

Schlagzeile folgenden Inhalts zu lesen: "Mauer fällt,
drei Grenzwachen verlieren den Arbeitsplatz."
Und darunter hätte vielleicht gestanden: Clinton macht
Bush verantwortlich.
Sie hören nicht viel über die Fortschritte in Amerika.
Ich möchte Ihnen deshalb etwas über einige der guten
Dinge erzählen, die wir gemeinsam bewirkt haben.
Erst vor zwei Wochen haben sich die drei Nationen
Nordamerikas auf freien Handel von Manitoba bis
Mexiko verständigt. Dies wird dem amerikanischen
Markt gute Arbeitsplätze bringen.
Wir haben das Gesetz über behinderte Amerikaner
verabschiedet, womit 43 Millionen Amerikaner in die
Volkswirtschaft integriert werden. Und ich mu ß sagen,
es war höchste Zeit.
Aufgrund unseres Gesetzes über die Reinhaltung der
Luft werden unsere Kinder freier atmen. Wir erneuern
unsere Straßen und stellen damit Arbeitsplätze für
eine halbe Million Amerikaner bereit. Wir haben ein
Gesetz über Kinderbetreuung verabschiedet, und wir
haben uns für die Werte der Familie eingesetzt, indem
wir erklärt haben, daß bei der Kindererziehung nicht
die Regierung, sondern die Eltern besser Bescheid
wissen.
Ich habe mein ganzes Leben gegen Vorurteile und
Antisemitismus gekämpft. Und ich bin stolz darauf,
daß wir unsere Bürgerrechtsgesetze verschärft haben
ohne zu Quoten Zuflucht zu nehmen.
Noch etwas von lebenswichtiger Bedeutung für alle.
Heute liegt der Kokainkonsum bei jungen Leuten 60
Prozent niedriger. Den Teenagern, den Eltern und den
ehrenamtlichen Helfern, die uns beistehen, die Geißel
der Drogen in Amerika zu bekämpfen - wir danken

Seite 3

�Euch. Aus tiefstem Herzen bedanken wir uns bei
Euch.
Möchte ich noch mehr tun? Darauf können Sie wetten.
Nichts schmerzt mehr, als vom Persischen Golf heimgekehrte Soldaten zu treffen, die keinen Arbeitsplatz
finden oder Arbeiter, die einen Arbeitsplatz haben, sich
jedoch Sorgen machen, daß sie schon am nächsten
Tag das Kündigungsschreiben erhalten. Und wie steht
es um die Familien, die sich das Studium ihrer Kinder
vom Munde absparen und die danach wieder Zuhause
wohnen, weil sie keine Arbeit finden.
Die Welt befindet sich im Umbruch, und wir spüren
diesen Übergang bei uns zu Hause. Die entscheidende Herausforderung der neunziger Jahre besteht darin, den wirtschaftlichen Konkurrenzkampf zu gewinnen - den Frieden zu gewinnen. Wir müssen eine
militärische Supermacht sein, eine wirtschaftliche
Supermacht und eine Exportsupermacht.
Bei dieser Wahl werden Sie zwei Versionen davon
hören, wie dies getan werden soll. Die der anderen
besteht darin. Nabelschau zu betreiben und zu schützen, was wir bereits haben. Unsere besteht darin,
nach vorn zu blicken, neue Märkte zu öffnen, unsere
Bevölkerung auf den Wettbewerb vorzubereiten, unser soziales Geflecht zu erneuern, zu sparen und zu
investieren, damit wir gewinnen können.
Wir gehen davon aus, daß es heute, da die Welt
Amerika ähnlicher sieht, an der Zeit ist, daß Amerika
wieder mehr sich selbst ähnelt. Deshalb bieten wir
eine Philosophie an, die Vertrauen in den einzelnen
setzt, nicht in die Bürokratie. Eine Philosophie, die den
Menschen dazu verhilft, ihr Bestes zu tun, damit
Amerika sein Bestes erreicht. In einer Welt, die sicherer und freier ist, ist dies der Weg, um ein Amerika
aufzubauen, das stärker und sicherer ist. Wir beginnen mit einer simplen Tatsache - der Staat ist zu groß
und gibt zu viel Geld aus.
Ich habe den Kongreß deshalb gebeten, alle vorgeschriebenen Ausgaben außer denen für Sozialversicherung zu begrenzen. Und ich habe vorgeschlagen,
über 200 Programme und 4 000 verschwenderische
Projekte zu streichen sowie alle anderen Ausgaben

einzufrieren.
Der verbohrte demokratische Kongreß hat nein gesagt. Ab heute abend werde ich deshalb meinen
eigenen Ausgabenstopp verhängen. Wenn mir der
Kongreß ein Gesetz vorlegt, das höhere Ausgaben als
die in meinem Haushalt veranschlagten vorsieht, werde
ich unverzüglich mein Veto einlegen.
Ein schnelles Veto - schneller als sich Millies Bücher
verkauften.
Der Kongreß möchte die Ausgaben nicht begrenzen,
weigert sich aber, dem Präsidenten ein Vetorecht
gegen Wahlgeschenke zu geben, mit denen Ihr Geld

Seite 4

verschleudert wird. Dreiundvierzig Gouverneure haben
dieses Recht. Ich bitte deshalb Sie, das amerikanische Volk, mir einen Kongreß zu geben, der mir ein
selektives Veto einräumt.
Ich möchte Ihnen über eine kürzliche Auseinandersetzung mit dem Kongreß berichten, eine Auseinandersetzung, in der mir Bib Michael und seine Mannen
sowie Bob Dole und die seinigen halfen. Dieses
Frühjahr arbeitete ich Tag und Nacht, um zwei Drittel
der Mitglieder des Repräsentantenhauses dazu zu
bewegen, einen Verfassungszusatz zu verabschieden, der einen ausgeglichenen Haushalt vorschreibt.
Wir waren nahe daran, verloren jedoch mit neun Stimmen. Hören Sie zu, wie wir verloren. Kurz vor der
Abstimmung überzeugte die linke Führung des Kongresses 12 Abgeordnete, die das Gesetz mit eingebracht hatten, die Seiten zu wechsen und mit nein zu
stimmen. Führen Sie sich vor Augen, sie stimmten
gegen ein Gesetz, für das sie sich bereits namentlich
eingesetzt hatten. War da vielleicht irgendetwas faul?
Und betrachten Sie meinen Gegner bei dieser Frage.
Schauen Sie sich meinen Gegner an. Er erklärt, er sei
für ausgeglichene Haushalte, aber er sprach sich
gegen den Verfassungszusatz aus. So verhält er sich
bei vielen Themen - erst auf der einen Seite, dann auf
der anderen. Er wurde an mehr Orten gesehen als
Elvis Presley.
Nach all diesen Jahren ist der Kongre ß ziemlich kreativ
geworden, wenn es darum geht, Möglichkeiten zu
suchen, um Ihr Geld zu verschwenden. Wir müssen
deshalb ebenso kreativ dabei sein, Wege zu finden,
um dem Einhalt zu gebieten. Der Steuerzahler sollte
das Recht erhalten, eine Rubrik auf seiner Steuererklärung anzukreuzen, damit bis zu 10 Prozent seiner
Steuerschuld für einen bestimmten Zweck verwendet
werden können - die Reduzierung der Staatsschulden.
Darüber hinaus müssen wir sicherstellen, daß der
Kongreß nicht einfach eine Kehrtwende macht und
mehr Kredite aufnimmt, um noch mehr Geld auszugeben. Ich werden deshalb verlangen, daß für jeden
Dollar aus Steuermitteln, der für die Senkung der
Schulden verwendet wird, die Ausgabenbegrenzungen um eine ebensolche Summe verringert werden.
Auf diese Weise werden wir sowohl die Schulden als
auch die Ausgaben senken und das Haushaltsdefizit
ein Stück reduzieren.
Meine Haltung gegenüber einem aufgeblähten Regierungsapparat entstammt meiner Erfahrung. Ich habe
die Hälfte meines Lebens als Erwachsener in der
Privatwirtschaft verbracht. Mein Gegenspieler hat
eine andere Erfahrung. Er war nahezu sein ganzes
Leben im Staatsdienst tätig. Seine Leidenschaft zur
Ausweitung des Staates kennt keine Grenzen. Und er
hat bereits vorgeschlagen - hören Sie sich das genau
an - er hat bereits 220 Milliarden Dollar an neuen
Ausgaben vorgeschlagen, zusammen mit der größten

AMERIKA DIENST 34

�Steuererhöhung in der Geschichte, 150 Milliarden
Dollar - das ist nur der Anfang.
Er erklärt, er wolle die Reichen besteuern, aber er
definiert als reich jeden, der einen Arbeitsplatz hat.
Sie haben von der Gewaltenteilung gehört. Nun, mein
Gegner praktiziert eine andere Theorie - die Macht der
Trennungen. Die Regierung hat die Macht, Sie von
Ihrer Geldbörse zu trennen.
Dazu möchte ich sagen, daß ich im Hinblick auf die
Steuern eine harte Schule durchgemacht habe. Ein
altes Sprichwort besagt: "Gute Urteilskraft kommt aus
Erfahrung, und Erfahrung kommt aus schlechten Urteilen." Vor zwei Jahren habe ich bei der Steuererhöhung der Demokraten einen Fehler gemacht. Ich
unterschätzte die Sucht des Kongresses nach Steuererhöhungen, und - mit dem Rücken zur Wand - stimmte ich einem zäh ausgehandelten Kompromiß zu einer einmalige Steuererhöhung mit den härtesten
jemals verabschiedeten Ausgabenbeschränkungen.
Nun, es war ein Fehler, der Steuererhöhung der
Demokraten zuzustimmen.
Und ich räume es ein. Aber jetzt geht es um die Frage,
die dem amerikanischen Volk vorliegt: Wem vertrauen
Sie in dieser Wahl - dem Kandidaten, der die Steuern
einmal erhöht hat und es bedauert oder dem anderen
Kandidaten, der Steuern und Abgaben 128 mal erhöht
und dies jedes Mal genossen hat.
Wenn der neue Kongreß zusammentritt, werde ich
weitere Steuersenkungen in allen Bereichen vorschlagen unter der Voraussetzung, daß wir diese Senkungen durch spezifische Ausgabenkürzungen bezahlen,
die ich für geeignet halte, um das Defizit nicht weiter
ansteigen zu lassen.
Ich werde mich darüber hinaus weiter dafür einsetzen,
die persönlichen Freibeträge anzuheben und durch
eine Senkung der Kapitalertragssteuer Arbeitsplätze
zu schaffen.
Damit wird insbesondere den mittelständischen Betrieben geholfen. Wie Sie wissen, schaffen sie - die
mittelständischen Unternehmen - zwei Drittel der neuen
Arbeitsplätze in Amerika. Der Plan meines Gegenspielers im Hinblick auf die mittelständischen Unternehmen ist klar, real und gefährlich. Neben neuen
Einkommensteuern wird sein Plan zu einer neuen
Lohnsummensteuer führen, um für das Gesundheitswesen und Ausbildung zu bezahlen. Und das ist nur
der Anfang. Und wenn er seinen Willen bekommt, so
werden die Eisenwarenhandlungen in Amerika ein
neues Schild in die Fenster hängen - wegen Verzweiflung geschlossen (closed for despair). Und man
könnte sagen, daß es sich bei seinem Plan um eine Art
von "Elvis Economics" handelt - er wird Amerika ins
"Heartbreak Hotel" führen.

AMERIKA DIENST 34

Ich gehe davon aus, daß mittelständische Unternehmen weniger Besteuerung, Vorschriften und Prozesse
benötigen.
Aus diesem Grund werde ich das Einfrieren der Papierflut und unnötiger Bundesvorschriften, das ich im
vergangenen Winter angeordnet habe, um ein Jahr
verlängern.
Es gibt keinen Grund dafür, daß Bundesvorschriften
ein längeres Leben haben sollten als mein Freund
George Burns. Ich werde anordnen, jede Vorschrift zu
beseitigen, deren Zeit gekommen ist.
Und ich sehe, wie etwas in unseren Städten und
Wohnvierteln geschieht. Staranwälte toben wie die
Wilden. Ärzte fürchten sich, ihren Beruf auszuüben.
Und einige Mütter und Väter möchten noch nicht
einmal mehr Kindermannschaften trainieren. Wir
müssen einander weniger häufig verklagen und mehr
Verständnis füreinander aufbringen.
Ich kämpfe dafür, unser Rechtssystem zu reformieren,
um verrückten Prozessen ein Ende zu bereiten. Wenn
das heißt, mit den Wahlkampfanwälten in den Ring zu
steigen, so sage ich hier nur, daß die erste Runde
heute abend beginnt.
Schließlich wird die Kampagne meines Gegners praktisch von jedem Advokaten unterstützt, der jemals eine
Anwaltsrobe getragen hat. Er steht nicht mit ihnen im
Ring, er sitzt im Panzer.
Es gibt noch andere Dinge, die wir tun müssen, damit
unsere Wirtschaft wieder in Fahrt kommt, um unsere
Kinder auf das nächste Jahrhundert vorzubereiten.
Wir müssen neue Anreize für die Forschung und eine
neue Ausbildung für Arbeitnehmer schaffen. Mittelständische Unternehmen benötigen Kapital und Kredite, und Arbeitnehmer in der Rüstungsindustrie benötigen neue Arbeitsplätze.
Und ich habe einen Plan, jedem Amerikaner eine
bezahlbare Krankenversicherung zur Verfügung zu
stellen, die Kosten durch Reduzierung von Bürokratie
und Prozessen einzudämmen sowie den Versicherungsschutz auf die Ärmsten der Armen auszudehnen.
Wir brauchen den Plan meines Gegners nicht, der eine
massive Übernahme der Krankenversicherung durch
den Staat vorsieht, die medizinische Betreuung rationieren und Ihnen das Recht auf freie Arztwahl verweigern würde. Wer möchte ein Krankenversicherungssystem, das die Effizienz der Poststelle im Repräsentantenhaus und das Mitgefühl des KGB aufweist?
Wie steht es um unsere Schulen? Mein Gegner und
ich möchten beide die Art und Weise verändern, in der
unsere Kinder lernen. Er möchte unsere Schulen ein
bißchen verändern, und ich möchte sie stark verändern.

Seite 5

�Nehmen Sie die Frage, ob Eltern in der Lage sein
sollten, die beste Schule für ihre Kinder auszuwählen.
Mein Gegner sagt, dies sei in Ordnung, solange die
Schule vom Staat geleitet wird. Und ich sage, jedes
Elternteil und jedes Kind sollten eine echte Schulwahl
haben - öffentlich, privat oder konfessionell gebunden.
Wir haben also eine klare Wahl, um unsere Probleme
zu lösen. Wenden wir uns dem verschlissenen Gewand der Bürokratie zu, das gerade von anderen
Staaten abgestreift wird? Oder geben wir den Menschen die Freiheit und die Anreize, um für sich Sicherheit zu schaffen?
Ich setze mich für folgendes ein: offene Märkte für
amerikanische Produkte, niedrigere Staatsausgaben,
Steuersenkungen, Chancen für mittelständische Unternehmen, Reform des Rechts- und Gesundheitswesens, Berufsausbildung sowie neue, auf Wettbewerb
gegründete Schulen, die bereit für das 21. Jahrhundert
sind.
Warum sind diese Vorschläge heute nicht in Kraft? Es
gibt nur einen Grund - den verbohrten demokratischen
Kongreß.
Ich wei ß, daß die Amerikaner genug von Schuldzuweisungen haben, genug von Leuten in Washington, die
sich aufführen wie Kandidaten für die nächste Episode
von American Gladiators. Ich mag es auch nicht, und
dasselbe gilt für Sie. Aber die Wahrheit ist die Wahrheit. Unsere Maßnahmen sind nicht fehlgeschlagen,
sie wurden noch nicht einmal ausprobiert.
Die Amerikaner möchten Arbeitsplätze. Am 28. Januar habe ich dem Kongreß einen Plan zur Schaffung
von Arbeitsplätzen vorgelegt. Und wenn er damals
verabschiedet worden wäre, hätten heute 500 000
Amerikaner zusätzlich eine Beschäftigung. Aber in
einer Nation, die Tätigkeit verlangt, ist der Kongreß
zum Meister der Untätigkeit geworden.
Das war jedoch nicht immer der Fall. Ich habe heute
abend Präsident Ford zugehört. Ich diente vor 22
Jahren unter ihm im Kongreß. Und damals arbeiteten
wir zusammen. Wir trugen keine persönlichen Streitigkeiten aus, wir stellten den Menschen über alles andere. Damals besaßen wir noch nicht einmal Haartrockner. Bei meiner ersten Amtseinführung habe ich
erklärt, die Menschen schickten uns nicht hierher, um
uns zu zanken. Ich habe meine Hand ausgestreckt,
und das amerikanische Volk weiß dies, ich habe der
Führung des Kongresses meine Hand gereicht, und
sie hat hineingebissen.
Die Führung des Repräsentantenhauses ist seit 38
Jahren unverändert. Es ist ein Gremium, das hoffnungslos in einem Netz von Sonderinteressen, Nebeneinnahmen, Privilegien, Parteilichkeit und Lähmung
gefangen ist.

Seite 6

Jeden Tag stellt der Kongreß Politik über Prinzip und
über den Fortschritt. Ich möchte Ihnen nur ein Beispiel
dafür geben. Es war am 20. Februar 1991, auf dem
Höhepunkt des Golfkriegs. An genau diesem Tag bat
ich amerikanische Piloten, ihr Leben zu riskieren, um
Einsätze über Bagdad zu fliegen. Und ich wollte ferner
unsere wirtschaftliche Sicherheit für die Zukunft stärken. An jenem Tag legte ich also eine neue nationale
Energiestrategie vor, die unsere Abhängigkeit von
ausländischem Öl um sieben Millionen Barrel pro Tag
verringern würde.
Wie viele Tage wurden benötigt, um den Golfkrieg zu
gewinnen? 43. Und wie viele benötigte der Kongreß,
um eine nationale Energiestrategie zu verabschieden ?
532, und es wird weiter gezählt.
Ich habe Heimtrainer benutzt, die sich schneller bewegen können als das US-Repräsentantenhaus und der
US-Senat, die von der demokratischen Führung beherrscht werden.
Wie steht mein Gegner zum Kongreß? Nun, bis zu
ihrem Konvent in New York hielten sie die Kongreßführung vom Podium fern und versteckten sie. Sie wollten
nicht, daß Amerika von den Leuten hören würde, die
wirklich die Entscheidungen treffen. Und sie versteckten sie aus gutem Grund, weil das amerikanische Volk
eine gefährliche Kombination erkennen würde - einen
Kongreß der ungedeckten Schecks und einen Präsidenten, der dessen willfähriges Werkzeug wäre.
Gouverneur Clinton und der Kongreß wissen, daß Sie
ihre Sprachregelung durchschaut haben. Sie wissen,
wenn sie "Ausgaben" sagen, antworten Sie mit "oh,
oh". Deshalb haben sie jetzt ein neues Wort, "Investitionen". Sie möchten 220 zusätzliche Milliarden von
Ihrem Geld "investieren". Aber ich möchte, daß Sie
dieses Geld behalten.
Gouverneur Clinton und der Kongreß möchten die
größte Steuererhöhung der Geschichte durchdrükken, aber ich werde das nicht zulassen.
Und Gouverneur Clinton und der Kongreß möchten
nicht, daß Kinder in den Schulen die Möglichkeit zum
Gebet haben, aber ich möchte es. Clinton und der
Kongreß möchten nicht gesetzliche Schlupflöcher
stopfen und Kriminelle hinter Gittern lassen, aber ich
werde das tun. Clinton und der Kongreß werden die
Richterschaft mit liberalen Richtern auffüllen, die Gesetze
schreiben, die ihnen von den Wählern nicht bewilligt
werden.
Gouverneur Clinton sagt sogar, Mario Cuomo müsse
in das Oberste Bundesgericht aufgenommen werden.
Warten Sie einen Moment - vielleicht gar keine schlechte Idee. Wenn Sie an richterliche Zurückhaltung
glauben, sollten Sie vielleicht glücklich sein. Der gute

AMERIKA DIENST 34

�Gouverneur von New York kann sich ja schon in der
Eisdiele nicht zwischen Vanille und Schokolade entscheiden.
Wenn er einmal dort ist, werden wir in den nächsten 35
Jahren kein Urteil mehr bekommen, und vielleicht ist
das ja so in Ordnung.
Sind mein Gegner und der Kongreß wirklich miteinander im Bunde? Betrachten Sie eine wichtige Frage sollten wir die Amtszeit im Kongreß begrenzen?
Gouverneur Clinton sagt nein. Der Kongreß sagt nein.
Und ich sage ja.
Wir haben dies bereits trüher einmal versucht, als wir
den demokratischen Senator eines kleinen Südstaates mit einem linken Vizepräsidenten und einem
demokratischen Kongreß kombiniert haben. Amerika
braucht keinen zweiten Carter.
Wir möchten Amerika nicht zurück in die Tage dieser
Malaise führen. Aber die Amerikaner möchten wissen
- wo ist der Beweis, daß wir bessere Tage in Washington sehen werden? Ich werde Ihnen 150 Gründe dafür
geben. Auf diese Art werden zahlreiche Kongreßabgeordnete Washington in diesem Jahr verlassen. Einige
sind mit Skandalen behaftet. Die Wähler haben sie
abgeschrieben, so wie sie ihre eigenen Schecks platzen ließen. Aber andere sind gute Abgeordnete Republikaner und Demokraten. Und sie stimmen mit
mir überein - das Tempo funktioniert nicht mehr.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich immer davon
überzeugt war, daß Patriotismus nicht nur ein anderer
Gesichtspunkt ist. Es gibt Zeiten im Leben eines jeden
jungen Menschen, in denen Gott sich vorstellt. Und ich
erinnere mich an solch eine Zeit. Es war vor vielen
Jahren, als ich um 4.00 Uhr morgens Wache auf der
Brücke eines Unterseebootes, der USS Finback, hielt.
Ich stand dort und blickte in die Schwärze des Himmels, die nur durch die strahlenden Sterne unterbrochen wurde. Und ich dachte an die Freunde, die ich
verloren hatte, an das Land, das ich liebte und eine
Frau namens Barbara.
Ich erinnere mich an jene Nächte so deutlich wie an
jede Nacht meines Lebens. Wissen Sie, man kann von
dort oben Dinge sehen, die andere Menschen nicht
sehen. Man kann Sturmwolken aufziehen und wieder
verschwinden sehen. Den ersten Sonnenstrahl am
Horizont und den ersten Umriß einer in weiter Feme
liegenden Küste.
Ich weiß, daß die Amerikaner heutzutage beunruhigt
sind. An unseren Küchentischen vernimmt man besorgte Gespräche. Von wo ich stehe, sehe ich nicht
Amerikas Sonnenuntergang, sondern einen Sonnenaufgang. Und die Welt verändert sich, für die wir eine
Generation lang Opfer gebracht haben und schließlich
bei der seltenen und einzigartigen Chance angelangt
sind, den süßen Becher des Wohlstand am Tisch der
Amerikaner herumgehen zu lassen.

Und ich werden meine Sicht des Wandels darlegen.
Veränderungen, die zählen. Wirkliche Veränderungen, die einen Unterschied bewirken. Wandel ist das
Richtige für Amerika. Wie Sie wissen, gibt es in den
Vereinigten Staaten ein Drängen, ein Gefühl, es sei
vielleicht an der Zeit, zu unseren Wurzeln zurückzukehren. Natürlich müssen wir uns verändern, aber
einige Werte sind zeitlos. Ich glaube an Familien, die
zusammenhalten, Väter, die bei ihrer Familie bleiben.
Und ich bin sehr tief vom Wert jedes einzelnen menschlichen Wesens überzeugt - geboren oder ungeboren.

Sind wir bereit dazu? Ich weiß, daß wir es sind. Wenn
ich unser Land bereise, treffe ich Veteranen, die einstmals im Gefechtsturm eines Panzers gearbeitet haben
und jetzt die Tastatur der Hochtechnologiewirtschaft
beherrschen. Ich sehe Lehrer, die mit der unglaublichen amerikanischen Fähigkeit zur Erneuerung gesegnet sind, die unsere Kinder eine neue Art des
Lernens für ein neues Jahrhundert lehren. Ich treffe
Eltern, von denen einige zwei Arbeitsplätze mit hektischen Terminplänen haben und die dennoch neue
Wege finden, alte Werte zu vermitteln, um ihre Kinder
in einer turbulenten Welt zu stabilisieren. Und ich
nehme mir zu Herzen, was in Amerika geschieht, nicht,
was ich von denen höre, die eine neue Leidenschaft für
die Regierung bekunden, sondern von denjenigen mit
einem traditionellen und unerschütterlichen Glauben
an das menschliche Potential. Diejenigen, die verstehen, daß das Geniale der Vereinigten Staaten in
unserer Fähigkeit zu Wiedergeburt und Erneuerung
liegt. Amerika ist das Land, in dem die Sonne immer
über den Horizont lugt.

Und ich glaube daran, unseren Kindern den Unterschied zwischen Gut und Böse beizubringen, sie den
Respekt für harte Arbeit und Nächstenliebe zu lehren.
Und ich glaube, daß Amerika stets einen besonderen
Platz im Herzen Gottes haben wird - solange es einen
besonderen Platz in unserem Herzen hat.

Heute abend appelliere ich an diesen unverbrüchlichen, unzerstörbaren, unleugbaren amerikanischen
Geist. Ich bitte Sie, zu erwägen - nun, da die gesamte
Welt sich in unsere Richtung bewegt - warum wir in die
Richtung der anderen zurückgehen sollten? Ich bitte
nicht nur um Ihre Unterstützung für mein Programm,

150 neue Delegierte aus beiden Parteien werden in
diesem Herbst nach Washington kommen. Jeder wird
eine neue Sicht zur Zukunft der Vereinigten Staaten
haben. Und ich versichere dem amerikanischen Volk
heute, unmittelbar nach der Wahl werde ich jeden Tag
mit all diesen neuen Abgeordenten zusammenkommen, bevor sie von den Interessengruppen angegriffen, von ihren Mitarbeitern in Beschlag genommen und
von einem Kamerateam in die Ecke gedrängt werden.

AMERIKA DIENST 34

Seite 7

�sondern auch für Ihr Engagement zur Erneuerung und
zum Wiederaufbau unserer Nation, indem wir die eine
Institution aufrütteln, die seit über vier Jahrzehnten
Veränderungen widerstanden hat.
Schieben Sie gemeinsam mit mir die Straßensperre
am anderen Ende der Pennsylvania Avenue beiseite,
damit wir in den kommenden vier Jahren draußen die
gleichen Leistungen vollbringen können, indem wir
drinnen ein stärkeres und sichereres Amerika aufbauen.
Vor 44 Jahren, in einem anderen Zeitalter der Unsicherheit, machte sich ein anderer Präsident für eine
ähnliche Mission bereit. Sein Name war Harry S.
Truman. Als er vor seiner Partei stand, um ihre

Nominierung anzunehmen, kannte Harry S. Truman
die Freiheit, die ich heute abend kenne - die Freiheit,
darüber zu sprechen, was das Richtige für Amerika ist.
Sollen die Würfel fallen. Harry S. Truman sagte: "Dies
ist mehr als ein politischer Ruf zu den Waffen. Gebt mir
Eure Hilfe, nicht nur um Stimmen zu gewinnen, sondern um diesen neuen Kreuzzug zu gewinnen und
Amerika sicher für sein Volk zu machen."
Nun, heute abend sage ich Ihnen, treten Sie gemeinsam mit mir diesen Kreuzzug an, um die Früchte
unseres globalen Sieges zu ernten, den Frieden zu
gewinnen, damit wir Amerika sicherer und stärker für
all unsere Menschen machen können. Möge Gott Sie
und die Vereinigten Staaten von Amerika schützen.
Vielen Dank.

* * * * *

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�WAHLEN

'9 2
26. August 1992

VISION DER REPUBLIKANER IST EINHEIT
Das Parteiprogramm der Republikaner
HOUSTON - (AD) - Die Delegierten des Parteitages der Republikaner verabschiedeten am 17. August 1992 ein
Parteiprogramm, das außen- und innenpolitische Ziele umreißt sowie den Wert der Familie unterstreicht.
Das Parteiprogramm der Republikaner hat den Titel: Eine gemeinsame Vision: Die Vereinigung unserer
Familien, unseres Landes, unserer Welt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Parteiprogramm.

Die Vereinigung unserer Familien
Die Familie: Der Hort der Freiheit
Die Rechte der Familie
Unsere nationale Erneuerung beginnt bei der Familie.
Sie bildet den moralischen Anker jeder neuen Generation. Sie ist der Lehrmeister des Bürgertums, der
Motor für wirtschaftlichen Fortschritt, ein Element der
Kontinuität, wenn sich alles im Umbruch befindet.
Wandel kann positiv sein, wenn er die Energie und das
Engagement unserer Familienangehörigen zum Aufbau einer besseren Zukunft freisetzt. Wir begrüßen
Veränderungen, mit denen die Fehler der Vergangenheit korrigiert werden, insbesondere die an der eigenen Familie begangenen. Seit über dreißig Jahren hat
die liberale Philosophie die Familie von allen Seiten angegriffen.
Heute vertreten ihre wortgewandteren Verfechter die
Auffassung, Kinder sollten ihre Eltern zu Entscheidungen über Schulfragen, Schönheitsoperationen, Beschäftigung und andere Familienangelegenheiten
gerichtlich belagen können. Sie bestreiten die Autorität und Verantwortung der Eltern, zersplittern die Familie
in isolierte Individuen, die alle von der Regierung
abhängig - und ihr gegenüber ohnmächtig - sind. Dies
ist letztlich das Programm des zeitgenössischen Sozialismus in all seinen Facetten: die Jugendlichen von
traditionellen Familienwerten zu befreien, indem man
die Funktion der Familie durch bürokratische Sozialdienste ersetzt. Aus diesem Grund sind die liberalen
Demokraten von heute feindlich gegenüber jeder Einrichtung eingestellt, die die Regierung nicht kontrollieren kann wie etwa private Kindertagesstätten oder
kirchliche Schulen.

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Die Republikanische Partei reagiert, wie sie dies seit
1980 getan hat, mit der unerschütterlichen Verpflichtung zu wirtschaftlicher Freiheit und den moralischen
Rechten der Familie. Die Republikaner vertrauen den
Eltern und sind der Überzeugung, daß sie - und nicht
Gerichte oder Rechtsanwälte - wissen, was das Beste
für ihre Kinder ist. Aus diesem Grund wollen wir
sicherstellen, daß der Kongreß und die Bundesstaaten
kein Gesetz verabschieden, das die durch Blutsverwandtschaft, Heirat, Adoption oder Vormundschaft
entstandenen Rechte der Familie beschneidet - Rechte, die älter und höherrangig sind als die der Regierung.
Die Republikaner lehnen die Bestrebungen der Demokratischen Partei zur Neudefinition der traditionellen
amerikanischen Familie ab und widersetzen sich ihnen.
Wir werden intakte, fürsorgliche Familien unterstützen, indem wir Vorurteile abbauen, die sich in unsere
Gesetze und Steuervorschriften eingeschlichen haben. Wir werden Adoptionen durch erhebliche Steuererleichterungen, Versicherungs- und Gesetzesreformen begünstigen. Wir ermutigen die Adoption von
Kindern derjenigen, die auf die emotionalen, finanziellen oder physischen Anforderungen der Kindererziehung nicht vorbereitet sind oder sich davon überfordert
fühlen. Wir streben die Verbesserung von Entbindungskliniken an, um die Versorgung von Müttern und
Babies sicherzustellen.
Wir begrüßen das Engagement von Pflegeeltern, die
das Umfeld zur Kindererziehung bieten. Wir verabscheuen das unwürdige bürokratische Mismanagement der Pflegschaft. Wir sind zur Reform des Systems entschlossen, um diesen Kindern zu helfen.

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�Kaputte Familien können verheerende emotionale und
wirtschaftliche Auswirkungen auf Kinder haben und
sind die Brutstätte für Jugendbanden. Wir fordern die
Gerichtsbarkeit der Bundesstaaten auf, Wege zu
sondieren, um die Stabilität der Ehe zu fördern. Weil
die aus mehreren Generationen bestehende Familie
ein lebenswichtiges Element des sozialen Gefüges ist,
drängen wir auf größere Achtung der Rechte und Rolle
von Großeltern.

Steuererleichterungen und -abzüge erschwinglicher,
mit denen die Versicherungskosten für 95 Millionen
Amerikaner verrechnet werden, macht sie besonders
für Kleinunternehmen durch die Senkung der Versicherungskosten leichter zugänglich und beseitigt darüber hinaus die Sorge von Arbeitnehmern, ihren Versicherungsschutz zu verlieren, wenn sie den Arbeitsplatz wechseln. Der Plan macht Gesundheitsfürsorge
durch folgende Maßnahmen leicher zugänglich:

Die Republikaner sind sich der Bedeutung einer intakten Familie bewußt. Eine Familie mit beiden Elternteilen bietet nach wie vor das beste Umfeld für Stabilität,
Disziplin, Verantwortungsbewußtsein und Charakter.
Wir unterstützen die mutigen Versuche von Alleinerziehenden zu einem stabilen Heim.

Einführung neuer Steuererleichterungen und
-abzüge, um Amerikanern mit niedrigen und
mittleren Einkommen zu helfen. Diese Steuererleichterungen würden in Form von Gutscheinen für einkommensschwache Arbeitnehmer
zur Verfügung gestellt.

Für gesündere Familien: Förderung der Gesundheit, Verhinderung von Krankheiten, Reform des
Gesundheitswesens

Sicherstellung der Versicherungsleistung für
Arbeitnehmer durch die Forderung an die Versicherungsträger zur Abdeckung bisheriger Leistungen.

Die Amerikaner erhalten die beste medizinische Versorgung der Welt. Wir haben die besten Krankenversicherungen, die besten Kliniken und die beste medizinische Technologie. Die Menschen kommen aus
Kanada, Europa, aus allen Teilen der Welt zu uns, um
sich einer Therapie oder Behandlung zu unterziehen,
die in ihrem Heimatland entweder nicht angeboten wird
oder strengen Restriktionen unterliegt.
Aber wir müssen es besser machen. Die Kosten
explodieren. Viele Amerikaner mit Kindern und älter
werdenden Eltern sind beunruhigt über die Qualität
und Kosten des Gesundheitswesens. Die Wahlen
1992 stellen uns alle vor eine klare Entscheidung. Die
Demokraten wollen eine kostenintensive, aus dem
Ausland importierte gesetzliche Krankenversicherung
mit einem vom Kongreß festgesetzten Budget und von
Bürokraten verfügten Maßnahmen. Dies ist das Rezept für Elend. Es würde Arbeitsplätze gefährden,
neue Steuern in Milliardenhöhe erfordern, die Qualität
des Gesundheitswesens allgemein verschlechtern, die
Krankenversicherungen arbeitslos machen und zu einer
Rationierung führen.
Die Republikaner vertreten die Auffassung, daß die
staatliche Kontrolle des Gesundheitswesens unverantwortlich und ineffektiv ist. Unseres Erachtens sollte
den Betroffenen die Entscheidung für die Gesundheitsfürsorge überlassen bleiben, nicht den Regierungsbürokraten. Dieses Thema spiegelt die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden Parteien
am deutlichsten wider.
Wir unterstützen Präsident Bushs umfassenden Plan
zum Gesundheitswesen, mit dem die beiden Hauptprobleme des derzeitigen Systems gelöst werden Zugang und Erschwinglichkeit - bei gleichzeitiger
Aufrechterhaltung der hohen Qualität der Gesundheitsfürsorge, die Amerikaner heute genießen. Der
Plan des Präsidenten macht Gesundheitsfürsorge durch

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Volle Absetzbarkeit der Versicherungsprämien
für Freiberufler.
Erleichterungen für Kleinunternehmen beim
Versicherungsschutz für ihre Beschäftigten. Im
Rahmen dieses Vorschlags könnten Kleinunternehmen sich beim Abschluß von Versicherungen zusammenschließen, die damit günstiger
würden. Darüber hinaus würden die Verfügbarkeit und Erneuerbarkeit von Versicherungen für
Kleinunternehmen gewährleistet, Prämien festgelegt, von den Bundesstaaten zwingend vorgeschriebenen Leistungen vorgegriffen, Pläne
zur Mindestabdeckung geschaffen und von den
Bundesstaaten die Einrichtung von Feuerwehrfonds gefordert, um die Risiken auf alle Versicherungsträger zu verteilen.
Inangriffnahme des Problems ärztlicher Kunstfehler durch eine Obergrenze bei Regreßansprüchen nichtfinanzieller Art sowie Erarbeitung
von Alternativen zur Konfliktschlichtung vor einem
Gerichtsverfahren.
Mit anderen Worten: der Präsident möchte den Versicherungsschutz für alle verfügbar, garantiert, erneuerbar und von Voraussetzungen unabhängig machen.
Im Rahmen dieses Plans müßte niemand bankrott
gehen, um gesund zu werden.
Der Plan der Demokraten ist unserem diametral entgegengesetzt. Anstatt die Optionen des einzelnen zu
bewahren, würde er sich auf Regierungsbürokraten
verlassen.
Der sogenannte "Play-or-Pay"-Vorschlag der Demokraten würde von den Arbeitgebern entweder den
Abschluß einer Krankenversicherung für ihre Arbeitnehmer oder die Entrichtung einer neuen Steuer fordern, mit der das neue staatliche Gesundheitspro-

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�gramm zum Teil finanziert würde. Anhand einer vom
Urban Institute erstellten Studie würde diese Vorschrift
allein im ersten Jahr neue Bundessteuern - oder
erneute staatliche Anleihen - in Höhe von 36 Milliarden
Dollar erforderlich machen. Ungefähr 52 Millionen
Amerikaner, die jetzt eine private Krankenversicherung haben, würden von ihren Arbeitgebern in das
staatliche Programm abgeschoben. Die zusätzlichen
Kosten für die Arbeitgeber - insbesondere Kleinunternehmer - würden sich im ersten Jahr schätzungsweise
auf rund 30 Milliarden Dollar belaufen. Die Republikaner im Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des Kongresses gehen davon aus, daß 712.000 Beschäftigte
aufgrund der "Play-or-Pay"-Vorschrift ihren Arbeitsplatz verlieren würden.
Die Republikaner sind ebenso entschlossen, das
Problem der medizinischen Haftung zu lösen, damit
Ärzte und ausgebildete Hebammen in unterversorgten
Gebieten Geburtshilfe leisten und praktizieren können. Eine sinnvolle Reform der Schadensanspruchsregelung würde sicherstellen, daß Ärzte den medizinischen Beruf nicht unter dem Damoklesschwert eines
möglichen Prozesses ausüben müssen. Wir werden
die Verwaltungskosten und die Papierflut durch die
Verabschiedung eines einheitlichen Anspruchs- und
Datensystems abbauen. Wir verpflichten uns zur
Unterstützung von Rehabilitationsmaßnahmen und einer
Pflegeversicherung. Wir werden die Kosten durch
bessere pränatale und andere Vorsorgemaßnahmen
dämpfen. Wir ermutigen die Anwendung des "Barmherziger Samariter"-Gesetzes, um karitative Einrichtungen zu schützen, die ihre Zeit zur Verfügung stellen,
um Patienten in der Gemeinde zu versorgen. Wir
ermutigen ein Krankenversicherungssystem mit aufeinander abgestimmten öffentlichen und privaten
Programmen. Darüber hinaus unterstützen wir weiterhin eine Reform der Vorschriften, um die Entwicklung
neuer Medikamente und medizinischer Technologie
zu beschleunigen.
Das Krankenversicherungsnetz muß für diejenigen
gesichert sein, die präventive, akute und langfristige
Versorgung benötigen. Besondere Aufmerksamkeit
sollte der Abschaffung oder Reform von Programmen
gewidmet werden, die es dem einzelnen verbieten
oder ihn daran hindern, einen Weg aus Armut und
Abhängigkeit zu finden. Wir werden die Papierflut
reduzieren und diese Ressourcen in tatsächliche Dienstleistungen umdirigieren. Wir werden den Zugang zu
medizinischer Versorgung durch kommunale Gesundheitszentren verbessern, die in medizinisch unterversorgten Gebieten Erstversorgung anbieten. Wir werden veraltete Kartellgesetze überarbeiten, die Krankenhäusern die Bündelung ihrer finanziellen Mittel
verbieten, um eine verbesserte, kostengünstige Versorgung anzubieten.
Wir ermutigen die Anwendung von Telekommunika-

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tionstechnologie, um Krankenhäuser in größeren
Gemeinden mit medizinischen Einrichtungen in kleineren Kommunen zu verbinden. Moderne Kommunikationsnetze erleichtem den gemeinsamen Gebrauch
von Ressourcen, verbessern den Zugang zu einer
erschwinglichen Gesundheitsfürsorge durch die Übertragung von Röntgen- und Computerbildern sowie der
Diagnostik und stellen sicher, daß in ländlichen Gebieten lebende Amerikaner denselben Zugang zu Ärzten
und neuesten medizinischen Verfahren haben wie die
in Ballungszentren lebenden.
Die Republikaner konzentrieren sich auf die Gesundheit, nicht nur das Gesundheitswesen. Wir wollen
nicht nur Krankheiten und Behinderungen behandeln,
sondern sie auch verringern und verhüten. Durch die
Finanzierung der nationalen Gesundheitsämter (National Institutes of Health - NIH) investieren wir in
Forschung zur Behandlung einer ganzen Bandbreite
von Krankheiten, von Krebs bis Herzerkrankungen,
von Multipler Sklerose bis Lupus. Wir unterstützen
Maßnahmen, die sich auf die frühzeitige Diagnose von
Krebs konzentrieren. Noch wichtiger ist - wir vertrauen
auf den einzelnen, um vermeidbare Krankheiten und
Verletzungen zu verhindern. Ein Großteil unserer
Kosten im öffentlichen und privaten Gesundheitswesen wird durch bestimmte Verhaltensweisen verursacht. Gutes Urteilsvermögen kann Milliarden Dollar
einsparen - und vielleicht Millionen Menschenleben
retten.
Neue Mitglieder der amerikanischen Familie
Unsere Nation von Einwanderern heißt nach wie vor
diejenigen willkommen, die auf der Suche nach einem
besseren Leben sind. Andererseits bedroht illegale
Einwanderung das soziale Gefüge, auf das sich Einwanderung gründet. Das heißt, die Nation akzeptiert
Einwanderer und wird durch ihre Entschlußkraft und
Werte bereichert. Illegale Einwanderung unterminiert
jedoch die Integrität der Gemeinden an den Grenzen
und die schon dicht bevölkerten Städte. Wir werden
auf die bereits angekündigte Verstärkung des Grenzschutzes aufbauen, um das Abfangen illegaler Einwandererdurchengere grenzüberschreitende Zusammenarbeit besser zu koordinieren. Insbesondere werden
wir den Grenzschutz personell aufstocken, um die
zunehmenden illegalen Einwanderungen zu unterbinden und den Grenzschutz mit den zur Sicherung der
Grenze erforderlichen Geräten, Technologien und
Strukturen ausstatten.
Wir sind für die strenge Bestrafung von Schleppern,
die illegal Fremde ins Land schmuggeln und derjenigen, die gefälschte Papiere herstellen oder verkaufen.
Darüber hinaus werden wir die Anreize für illegale
Grenzgänger durch die Förderung von Initiativen wie
dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen
(NAFTA) abbauen. Durch die Schaffung neuer Wirt-

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�schaftschancen in Mexiko vereitelt das NAFTA Versuche zum illegalen Grenzübertritt auf der Suche nach
Arbeit.

Ernennung von Richtern, die traditionelle Familienwerte respektieren und die Unverletzlichkeit des unschuldigen menschlichen Lebens.

Rechte des einzelnen

Präsident Bush hat die größten jemals für Behinderte
erzielten Fortschritte in einem Gesetz verankert: Dem
Gesetz über behinderte Amerikaner - einem bahnbrechenden Gesetz, mit dem Hemmnisse für eine uneingeschränkte Beteiligung am Leben unseres Landes
aus dem Weg geräumt werden. Wir werden es in
vollem Umfang in die Praxis umsetzen und dabei
besonders Kleinuntemehmen berücksichtigen wie wir
es bei früheren Gesetzesvorschriften für Behinderte in
Bundesprogrammen getan haben. Wir lehnen den
willkürlichen Ausschluß aus der Krankenversicherung
oder die Verweigerung der Behandlung einer Person
aufgrund von Behinderung, Alter oder eines Gebrechens ebenso ab wie Sterbehilfe und Hilfe beim Selbstmord.

Der Schutz der Rechte des einzelnen bildet die Grundlage für Chancen und Sicherheit.
Die Republikanische Partei ist in dieser Hinsicht einzigartig. Seit ihrer Gründung hat sie jeden Menschen
respektiert, selbst wenn diese Haltung nicht immer
populär war. Wie zu Zeiten Lincolns bestehen wir auch
heute darauf, daß die Rechte der Amerikaner unantastbar sind.
Aus diesem Grund erklären wir, daß Bigotterie und
Vorurteile keinen Platz im Leben der Amerikaner haben.
Wir verurteilen alle, die Rassismus, Antisemitismus
oder religiöse Intoleranz praktizieren oder fördern.
Unseres Erachtens sollten Kirchen und kirchliche
Schulen nicht besteuert werden. Wir verteidigen das
Recht von Kirchenvertretern, sich zu Themen von
öffentlichem Interesse zu äußern und wir verurteilen
die feige Entweihung von Gotteshäusern, die unser
Land in den vergangenen Jahren schockiert hat.
Mit der Forderung nach gleichen Rechten für alle
unterstützen wir die vehemente Durchsetzung von
Gesetzesvorschriften der Bush-Administration zur
Verhinderung von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse, Glauben oder Abstammung. Mit der
Förderung von Chancen vereiteln wir Versuche, gleiche Rechte durch Quoten und andere Arten der Bevorzugung zu ersetzen. Aus diesem Grund hat Präsident
Bush so lange gegen die Mehrheit der Demokraten im
Kongreß gekämpft, um ein Bürgerrechtsgesetz durchzubringen, das diesen Namen verdient.
Wir erneuern die historische Verpflichtung der Republikaner zu den Rechten der Frauen, von den frühen
Tagen der Suffragettenbewegung bis heute. Weil
gesetzlich verankerte Rechte ohne Chancen wenig
bedeuten, fordern wir Wirtschaftswachstum als Schlüssel zu kontinuierlichen Fortschritten der Frauen in allen
Bereichen des amerikanischen Lebens.
Wir sind der Überzeugung, daß das ungeborene Kind
ein grundlegendes individuelles Recht auf Leben hat,
das nicht verletzt werden darf. Aus diesem Grund
bekräftigen wir unsere Unterstützung für einen Verfassungszusatz über das menschliche Leben und befürworten ein Gesetz, das eindeutig klarstellt, daß die
Bestimmungen des 14. Zusatzartikels auf das ungeborene Leben Anwendung finden. Wir lehnen die Verwendung öffentlicher Mittel für den Schwangerschaftsabbruch ab und werden keine Organisationen finanzieren, die dies befürworten. Wir beglückwünschen
diejenigen, die Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch anbieten, indem sie den Bedürfnissen der
Mütter Rechnung tragen und Adoptionsdienste anbieten. Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die
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Die Vereinigung unseres Landes
Handel: Eine neue Welt des Wachstums
Vor vier Jahren sahen sich die Amerikaner mit einer
historischen Entscheidung konfrontiert: Wettbewerb
oder Rückzug. Gemeinsam mit Präsident Bush entschieden sie sich für den Wettbewerb auf der internationalen Bühne. Statt sich wie die Demokraten mit den
Errungenschaften von gestern zu begnügen, entschieden sie sich, den internationalen Markt mit der charakteristischen amerikanischen Energie in Angriff zu
nehmen. Ebenso wie George Bush eine Führungsrolle
an der militärischen Front übernommen hat, gilt dies
für die Wirtschaft.
Die Ergebnisse sind spektakulär. Wir haben in nur vier
Jahren das Handelsdefizit um die Hälfte verringert.
Die Vereinigten Staaten sind wieder der Hauptexporteur der Welt. Exporte beleben unsere Wirtschaft. Mit
jeder im Export erzielten Milliarde Dollar werden 20.000
neue Arbeitsplätze für Amerikaner geschaffen. Seit
1988 sind aufgrund der Exporte rund 2 Millionen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten entstanden.
Wir sind harte Verfechter des freien Handels und
kämpfen um den Abbau von Hemmnissen für unsere
Exporte. Wir führen die Uruguay-Runde im Rahmen
des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT),
um weltweit die Beseitigung von Zöllen, Subventionen
und den Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum der
Amerikaner zu erzielen. Wir kämpfen um den Abbau
der Agrarsubventionen in der Europäischen Gemeinschaft und die Aufhebung der Absprachen zwischen
Regierung und Industrie in der zivilen Flugzeugproduktion. Wir befürworten Präsident Bushs Politik der
Unterstützung Chinas im Hinblick auf Taiwan im internationalen Handel und den Beitritt Chinas zum GATT
uneingeschränkt. Mit Japan wurden erhebliche Fortschritte beim Marktzugang erzielt, und die amerikanischen Exporte an Fertigwaren haben sich seit 1985

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�verdreifacht. Weltweit haben wir die bessere Einhaltung amerikanischer Handelsrechte durchgesetzt.
An erster Stelle des Programms zum freien Handel für
die nächsten vier Jahre steht die Unterzeichnung des
Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) mit Mexiko, mit dem die Gründung eines Freihandelsraums abgeschlossen wird, zu dem Kanada bereits gehört. NAFTA wird den größten Markt der Welt
schaffen - größer als die Europäische Gemeinschaft mit 360 Millionen Verbrauchern und einer Gesamtproduktion von 6 Billionen Dollar. Das bedeutet unter dem
Strich die Schaffung Tausender Arbeitsplätze für
Amerikaner.
Wir sind uns der möglichen Auswirkungen auf regionale Märkte bewußt, insbesondere den Agrarmarkt. Wir
ermutigen unsere Unterhändler, sich dieser Belange
anzunehmen.
Wir werden weiterhin in das Pazifische Becken exportieren, Handelsabkommen mit anderen asiatischen
Volkswirtschaften aushandeln und unsere Bestrebungen zum Abbau von Hemmnissen für amerikanische
Waren und Dienstleistungen - wie etwa mit der Initiative zur Beseitigung struktureller Hindernisse mit Japan - fortführen. Und wir werden mit Lateinamerika
über die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in
den Ländern Amerikas als ersten Schritt bei der Schaffung einer Freihandelszone auf dem Kontinent verhandeln.
Der Kongreß sollte den Amerikanern die Kosten aller
von den Demokraten in Erwägung gezogenenen
Gesetzesvorlagen zu Handelsrestriktionen, Steuern
oder Quoten für Arbeitnehmer, Verbraucher und Unternehmer darlegen. Wir werden es nicht dulden, daß
sie die größte Expansion des internationalen Handels
in der Geschichte behindern.
Internationale Wirtschaftspolitik
Weil die Weltwirtschaft interdependent ist, waren die
Vereinigten Staaten vom Konjunkturrückgang in anderen Teilen der Welt betroffen, insbesondere dem
Zusammenbruch des japanischen Aktienmarkts und
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands.
Nun da sich wieder Fortschritte abzeichnen, ist der
Plan der Republikaner zu weltweitem Wachstum entscheidend für alle Nationen - Entwicklungs- und Industrieländer gleichermaßen.
Wirtschaftliche Freiheit ist ein wesentliches Bindeglied
zu unserer Außenpolitik. Sie bedeutet erweiterten
Handel, aber auch dynamisches Wachstum auf der
Grundlage gemeinsamer Werte - den Zusammenschluß von Nationen im Staatenbund friedlichen Fortschritts. Zu diesem Zweck sollte amerikanische Hilfe
- bilateral oder durch internationale Organisationen Marktreformen fördern, Vorschriften begrenzen und
freien Handel ermutigen.

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Vorrangig unter diesen Marktreformen sollte die Privatisierung staatlicher Betrieb sein wie etwa das Telekommunikationswesen, Kraftwerke, Bergbau und
Raffinierien. Die Privatisierung sollte amerikanischen
Unternehmen die Möglichkeit verschaffen, einige dieser Vermögenswerte zu kaufen, damit den Wettbewerb in diesen Ländern fördern und unser Handelsdefizit maßgeblich verringern. Die amerikanische Regierung sollte alle erdenklichen Schritte zur Unterstützung amerikanischer Firmen unternehmen, die in privatisierte Industrien investieren wollen, indem sie
Maßnahmen, Vorschriften und Regeln verabschiedet,
die solche Vorhaben insbesondere für Kleinunternehmen in gerechter Weise erleichtern.
Wir werden mit den Entwicklungsländern zusammenarbeiten, um ihre Volkswirtschaften für Privatinvestitionen attraktiv zu machen und Innovationen zur
Gewährleistung der Rückzahlung ihrer Anleihen unterstützen, einschließlich der Umwandlung von Schuldtiteln in Beteiligungskapital. Unsere Erfahrungen können ihnen bei der Entwicklung umweltverträglicher
Wachstumsstrategien behilflich sein.
Weil wir die Familie als Baustein für wirtschaftlichen
Fortschritt ansehen, schützen wir ihre Rechte in internationalen Programmen und werden weiterhin Organisationen die Mittel verweigern, die sich mit Schwangerschaftsabbruch befassen.
Vor allem ermutigen wir die Entwicklungsländer bei der
Einführung von Demokratie und freien Märkten. Diese
beiden Faktoren sind untrennbar verbunden und verschaffen allen Menschen die größten Chancen.
Die Vereinigung unserer Welt
Partnerschaft in der Führung
Der Aufbau eines Staatenbundes der Freiheit unterscheidet sich in hohem Maße vom alten Konzept des
Containment. Er ruht auf einem stabilen Gleichgewicht der Macht, geht jedoch darüber hinaus, um vor
allem die Vorrangstellung einer Idee zu unterstreichen:
eines gemeinsamen Konzepts, wie Freiheit für alle
Nationen funktionieren kann, die sich mit uns auf dem
Weg in eine sich radikal verändernde Zukunft befinden.
Indem wir wann immer möglich einen Konsens erzielen, multiplizieren wir die Auswirkungen der Macht und
Prinzipien unserer Nation. Falls erforderlich werden
wir allerdings alleine handeln, um die amerikanischen
Interessen zu schützen. Im Einklang mit unserer
Politik und unseren Traditionen lehnen wir alle Aktionen ab, die die Souveränität der Vereinigten Staaten
untergraben würden, sei es in politischen oder wirtschaftlichen Angelegenheiten. Partnerschaft in der
Führung gestattet uns die Projektion amerikanischer
Ideale und den Schutz amerikanischer Interessen im
Ausland zu geringeren Kosten für unsere Steuerzahler.
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�Auf diese Weise werden wir den Sieg der Demokratie
als die beste Garantie für eine Welt ohne Krieg sichern.
Es hängt von der Art und Weise ab, in der wir die Welt
für amerikanische Unternehmen öffnen, um Wohlstand in einer offenen internationalen Wirtschaft zu
gewährleisten und es hängt davon ab, wir wir den
nuklearen Alptraum verbannen, die Gefahr von Massenvernichtungswaffen begrenzen und sicher die kritische Umstrukturierung der Verteidigung unseres
Landes vollziehen.
Sicherstellung des Sieges der Demokratie
Die Verbreitung von Demokratie und wirtschaflticher
Freiheit ist die beste Garantie für Frieden. Sie kann
bedeuten, das Wort zu ergreifen oder wirtschaftlichen
Druck auszuüben, um friedlichen Wandel zu bewirken,
demokratischen Kräften zu helfen oder - als letztes
Mittel - bereit zu mililtärischen Aktionen zu sein, wenn
vitale amerikanische Interessen auf dem Spiel stehen
wie bei der Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit
in Panama durch Präsident Bush. Alle republikanischen Präsidenten haben diese Instrumente in einer
umfassenden, konsequenten Kampagne zur weltweiten Förderung von Demokratie genutzt.
Neue Prüfungen stehen uns bevor. In der Vergangenheit ist die Welle der Freiheit abgeebbt als Diktatoren
einen Großteil dessen zurückerobert haben, was sie
verloren hatten. Wir wollen, daß die Welle der Freiheit
Länder wie China, Kuba, Nordkorea, Vietnam und
andere erfaßt. Wir wollen weiterhin das Augenmerk
auf die gravierenden Menschenrechtsverletzungen auf
der ganzen Welt lenken und andere Regierungen
anspornen, das Versprechen der Freiheit für ihre Völker einzugehen und einzulösen. Wir wollen jede neue
Ideologie des Autoritarismus davon abhalten, die Völker der Welt in eine grausame und rachsüchtige Vision
der Zukunft zu zerren.
Mit dieser Herausforderung sehen wir uns in den
kommenden vier Jahren konfrontiert. Aus diesem
Grund hat Präsident Bush den Weg zur Förderung der
aufstrebenden Demokratien Osteuropas geebnet. Aus
diesem Grund hat er den Kongreß davon überzeugt, in
die demokratische Zukunft der aus dem Kommunismus wiedergeborenen Nationen zu investieren. Den
Völkern dieser Nationen und insbesondere dem russischen Volk sagen wir: Wenn Ihr den Weg der Freiheit
weiterverfolgt, sind wir bereit zu helfen.
Wir freuen uns vor allem mit den Menschen in Lettland,
Litauen und Estland, zu deren Souveränität wir stets
mit Gesetzen und in unserem Herzen gestanden haben.
In Westeuropa bekräftigen wir die NATO. Obwohl wir
unsere Truppenpräsenz auf dem Kontinent reduzieren
- tausend Soldaten kehren jede Woche nach Hause
zurück - müssen wir dort eine starke Streitmacht
stationiert halten. Die Vereinigten Staaten müssen

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nach wie vor im weitesten Sinne eine europäische
Macht sein, die in der Lage ist, die Politik und Ereignisse zu beinflussen, die das Leben und die Sicherheit
zukünftiger Generationen von Amerikanern betreffen.
Die Gewaltakte im ehemaligen Jugoslawien sind ein
Affront gegen die Menschheit. Wir verurteilen die für
das dort angerichtete Blutbad Verantwortlichen und
fordern die unverzügliche internationale Prüfung der
Greueltaten. Wir unterstützen die Bestrebungen der
Vereinten Nationen zur Friedenssicherung und drängen auf einen sofortigen Waffenstillstand aller Parteien. Die Vereinigten Staaten sollten weiterhin die
Respektierung des Völkerrechts und grundlegender
Menschenrechte in diesem schmerzlichen Konflikt
fordern.
Wir ermutigen die friedliche Beilegung des Konflikts
um Zypern und die Respektierung der Wünsche des
zypriotischen Volkes von allen Parteien.
Wir drängen auf Frieden und Gerechtigkeit für Nordirland. Wir begrüßen den in die Wege geleiteten Prozeß
des verfassungsmäßigen Dialogs, der so vielversprechendist. Wirermutigen Investitionen und Wiederaufbau, um Chancen für alle zu schaffen.
Obwohl sich sehr viel zum Besseren gewandelt hat, ist
der Nahe Osten nach wie vor ein Gebiet großer Spannungen - von denen viele nicht in Zusammenhang mit
dem israelisch-arabischen Konflikt stehen - in der
regionale Konflikte zur Bedrohung der vitalen Interessen der Vereinigten Staaten eskalieren können. Wie
Saddam Husseins Aggression gegen Kuwait demonstriert hat, sind schwer bewaffnete radikale Regime zu
unilateraler Aggression fähig. In diesem Umfeld ist die
offenkundige strategische Bedeutung Israels als unser
verläßlichster und fähigster Verbündeter in diesem
Teil der Welt wichtiger als je zuvor. Dieses strategische Verhältnis mit seiner einzigartigen moralischen
Dimension erklärt die verständliche Unterstützung, die
Israel von Millionen Amerikanern erhält, die an unserem politischen Prozeß beteiligt sind. Die starken
Bande zwischen den Vereinigten Staaten und Israel
wurden während des Golf kriegs unter Beweis gestellt,
als Israel sich gegen eine Vergeltung für die wiederholten Raketenangriffe entschied, obwohl sie ernsthaften
Schaden anrichteten und Menschenleben forderten.
Wir werden das strategische Verhältnis zu unserem
Verbündeten Israel - der einzig wirklichen Demokratie
im Nahen Osten - erweitern und vertiefen, indem wir
zusätzliche konkrete Schritte zur weiteren Institutionalisierung der Partnerschaft unternehmen. Dazu zählen die Aufrechterhaltung eines angemessenen Sicherheitsniveaus und wirtschaftliche Unterstützung,
die Fortsetzung unserer Gespräche über militärische,
politische sowie wirtschaftliche Kooperation und Koordination, Bereitstellung von militärischem Gerät, Entwicklung gemeinsamer Eventualfallpläne sowie Erweiterung der gemeinsamen See- und Luftübungen.

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�Im Rahmen unserer strategischen Beziehung sollten
die Vereinigten Staaten Israel weiterhin umfassende
Sicherheitsunterstützung gewähren und Israels relativen Vorteil gegenüber einem Gegner oder einer Koalition von Gegnern bewahren. Darüber hinaus werden
wir die Verhandlungen mit den wichtigsten Waffenlieferanten fortsetzen, um ein Abkommen über die Begrenzung von Rüstungsverkäufen in den Nahen Osten
zu erzielen und die Verbreitung nichtkonventioneller
Waffen zu verhindern.

Frieden im Nahen Osten beinhaltet Zusammenarbeit
zwischen allen Parteien in der Region. Aus diesem
Grund trachten wir danach, alle Staaten in dem Gebiet
mit Israel zu multilateralen Verhandlungen über Themen von gemeinsamem Interesse wie regionale Entwicklung, Wasserversorgung, Flüchtlinge, Rüstungskontrolle und Umwelt zusammenzubringen. Wir unterstützen diese Foren als Mittel zur Ermutigung der
Anerkennung Israels durch die Araber und zur Lösung
regionaler Probleme.

Wir begrüßen die Führungsrolle des Präsidenten bei
der Förderung der direkten Gespräche zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarländern, die in der
Geschichte ihresgleichen suchen. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, auf Anfrage ihre guten Dienste zur
Schlichtung von Streitfällen zur Verfügung zu stellen.
Unseres Erachtens sollten die Vereinigten Staaten
nicht versuchen, den Parteien eine Lösung aufzuzwingen.

Wir stehen nach wie vor zu den Gesetzen, die vorschreiben, daß die Vereinigten Staaten im Falle einer
Verweigerung des Rechts zur Beteiligung Israels durch
die Vereinten Nationen und ihrer Behörden ihre finanzielle Unterstützung einstellen und sich aus diesen
Gremien zurückziehen, bis diese Maßnahmen revidiert werden.

Die Grundlage für Verhandlungen müssen die Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats bilden. Der
Frieden muß durch direkte Verhandlungen herbeigeführt werden. Es wird an den Unterhändlern liegen
festzustellen, was genau erforderlich ist, um diese
Resolutionen einzuhalten. Wir sind jedoch der festen
Überzeugung, daß Israel ein Recht auf Existenz innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen hat. Wie Präsident Bush in Madrid festgestellt hat, besteht unser
Ziel nicht nur in der Beendigung des Kriegszustands,
sondern vielmehr in der Schaffung eines wirklichen
Friedens mit Verträgen, Sicherheit, diplomatischen
Beziehungen, Handel, Investitionen, Kulturaustausch,
selbst Tourismus. Wir wollen, daß der Nahe Osten ein
Ort wird, an dem die Menschen ein normales Leben
führen können.
Ein bedeutungsvoller Frieden muß Israels Sicherheit
gewährleisten und gleichzeitig die legitimen Rechte
der Palästinenser anerkennen. Wir lehnen die Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates ab.
Ebenso sind wir gegen die Schaffung einer politischen
Einheit, mit der die Sicherheit Israels gefährdet würde.
Während Israelis und Palästinenser eine eigene Interimregierung aushandeln, muß sich keine Partei zu
einem bestimmten Resultat der direkten Verhandlungen verpflichten. Israel sollte nicht gezwungen werden, mit allen Parteien zu verhandeln. In diesem
Zusammenhang werden die Vereinigten Staaten keinen Dialog mit der PLO führen, bis sie die von Präsident Bush 1990 festgelegten Bedingungen voll und
ganz erfüllt. Unseres Erachtens sollte Jerusalem eine
ungeteilte Stadt mit freiem und ungehindertem Zugang
zu allen heiligen Stätten für Menschen aller Glaubensrichtungen bleiben. Jeder echte Frieden würde den
Juden das Recht einräumen, an jedem Ort der besonderen Stadt Jerusalem zu wohnen.

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Die Republikaner sind der Überzeugung, daß das
Recht auf Emigration ein Grundrecht ist und es Juden
aus allen Ländern freistehen sollte, nach Israel zu
reisen. Die Republikaner sind stolz, daß wir unsere
historische und moralische Verpflichtung zur Ansiedlung verfolgter Juden in Israel aufrechterhalten haben.
Wir beglückwünschen Präsident Bush und Außenminister Baker zu der Vereinbarung mit Israel über ein
großzügiges Paket von Kreditbürgschaften, mit dem
neuen Einwanderern die erforderliche humanitäre Hilfe gewährt wird.
Darüber hinaus sollten wir unsere engen Beziehungen
zu Ägypten fortsetzen, das zu Recht von seinem
mutigen Frieden mit Israel profitiert. Wir unterstützen
Ägypten und andere prowestliche Staaten in der Region
weiterhin gegen Subversion und Aggression und fordern ein Ende des arabischen Boykotts gegen Israel.
Darüber hinaus fördern wir die Bildung einer starken
demokratisch gewählten und ihre Bürger repräsentierenden Zentralregierung im Libanon.
Wir danken den Ländern im Nahen Osten, die zum
Erfolg der Operation Wüstensturm beigetragen haben
und unser Ziel der Stabilität in der Region teilen. Wir
hoffen, mit ihnen auf diesem Triumph eine neue Zukunft für den Nahen Osten aufbauen zu können, die
sich auf gegenseitigen Respekt und gemeinsames
Streben nach Frieden gründet. Zur Förderung dieses
Ziels sollten wir uns mit nicht weniger zufrieden geben
als der uneingeschränkten, unverzüglichen und verifizierten Einhaltung aller Aspekte des in den UNOResolutionen niedergelegten Waffenstillstands durch
den Irak.
Auf dem westlichen Kontinent müssen wir ebenso wie
andernorts demokratische Werte fördern. Wir werden
weiterhin Zusammenarbeit beim gemeinsamen Kampf
gegen die Drogenbarone anstreben. Darüber hinaus
werden wir die Hemmnisse für Handel und Investitio-

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�nen abbauen, denn wir wissen, daß unsere Exporte
nach Lateinamerika zur wirtschaftlichen Gesundung in
Inland führen werden. Die Initiative des Präsidenten
zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern
Amerikas und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen bedeuten für die Vereinigten Staaten Milliarden Dollar an neuen Handelschancen, Hunderttausende neuer Arbeitsplätze und langfristig die Lösung
des durch illegale Einwanderung verursachten wirtschaftlichen Drucks.
Wir begrüßen den positiven wirtschaftlichen und politischen Wandel in Mexiko und beglückwünschen das
Volk von Panama zur Gründung freier Institutionen
nach der Operation "Gerechte Sache". Wir würdigen
Präsident Bushs entschiedenes militärisches Vorgehen, das zum Sturz des korrupten Noriega-Regimes
und zur Freiheit für demokratisch gesinnte Panamaer
geführt hat. Wir werden den freien und ungehinderten
Zugang der Vereinigten Staaten zum Kanal sicherstellen. Wir beglückwünschen die Patrioten in El Salvador
und Nicaragua, deren Mut und Blut Kommunismus und
Castro widerstanden trotz der Inkonsequenz der
Demokraten im Kongreß. Gemeinsam mit anderen
Mitgliedern der Organisation Amerikanischer Staaten
wollen wir die Demokratie in Haiti wiederherstellen.
Die Monroedoktrin ist nach wie vor ein Hauptprinzip
unserer Außenpolitik, und wir werden weiterhin den
Tag anstreben, an dem Kuba von der befremdlichen
Ideologie des Kommunismus und Fidel Castros Regime befreit wird und die Amerikaner die Kubaner wieder
in der Gemeinschaft freier Nationen willkommen heißen können. Zu diesem Zweck unterstützen wir Radio
und TV Marti und den Geist von Cuba Libre.
In Asien verpflichten wir uns weiterhin zur Verbreitung
politischer und wirtschaftlicher Freiheit. Wir werden
mit Japan auf gemeinsamen Fortschritt hinarbeiten
und unsere militärische Präsenz in Japan und Asien
aufrechterhalten. Darüber hinaus werden wir größere
japanische Verantwortung zur Selbstverteidigung und
weltweitem Wohlstand fördern.
Wir bekräftigen unser Engagement für die Sicherheit
Taiwans und betrachten jeden Versuch zur gewaltsamen Änderung dieses Status als Bedrohung der gesamten Region. Wir stehen zu dem Gesetz über die
Beziehungen Taiwans, der Grundlage für kontinuierliche Zusammenarbeit mit denjenigen, die uns seit
einem halben Jahrhundert loyal zur Seite stehen.
Unsere Politik gegenüber China gründet sich auf die
Unterstützung demokratischer Reformen. Wir müssen die Beziehungen zu China aufrechterhalten, damit
wir solche Refomen wirksam ermutigen können. Wir
werden weiterhin auf den Tag hinarbeiten, an dem die
Chinesen endlich ihren Weg zu einer offenen Gesellschaft hinter sich gebracht haben, die frei von den
beklagenswerten Restriktionen persönlicher Freiheit
ist, die noch immer bestehen.

Wir werden unsere engen Beziehungen mit der Republik Korea fortsetzen, um zur Abschreckung von Aggression aus dem Norden beizutragen. Nordkorea ist
weiterhin ein geächteter Staat und darf nicht in den
Besitz von Nuklearwaffen gelangen.
Mit dem philippinischen Volk werden wir unsere historischen Bande der Zuneigung aufrechterhalten.
Wir unterstützen die Bewegung in Kambodscha zu
Frieden und Demokratie.
Wir fordern größtmögliche Rechenschaft über die
amerikanischen Kriegsgefangenen und Vermißten in
Südostasien. Das Leid ihrer Familien berührt uns alle.
Wir werden in allen Foren und aus allen Quellen
vollständige Informationen anstreben. Unser Präsident hat die Regierung Vietnams davon in Kenntnis
gesetzt, daß eine Verbesserung der Beziehungen von
diesem Ziel abhängt.
Trotz der Opposition der Demokraten im Kongreß
haben wir in Afrika die Freiheitskämpfer bewaffnet und
zum erzwungenen Abzug der kubanischen Truppen
beigetragen. Jetzt treten wir in den langen Wiederaufbauprozeß ein und versuchen, das Vertrauen in
Demokratie auf einem von marxistischen Kriegen
heimgesuchten, lokalen Diktatoren geplünderten und
von der sozialistischen Ideologie irregeleiteten Kontinent wiederherzustellen. Politische und wirtschaftliche Freiheit sind die Schlüssel.
.
Wir werden verantwortungsbewußte Bestrebungen
der internationalen Staatengemeinschaft zur Beendigung der Anarchie in Somalia und Bewältigung der
Bürde dieses Volkes unterstützen, das unter Dürre
und Hungersnot leidet. Wir verurteilen diejenigen, die
bewaffnete Gewalt benutzen, um die Nahrungsmittelverteilung zu verhindern.
In Südafrika hat die Politik der Republikaner eines
konstruktiven Engagements - Ablehnung von Apartheid bei gleichzeitiger Förderung friedlicher Veränderungen - Erfolge gezeitigt. Die Aussichten dieser
Nation haben sich zum Besseren gewandelt, obwohl
noch zahlreiche Schwierigkeiten bevorstehen. Wir
verurteilen die Gewalt gegen Unschuldige und beglückwünschen diejenigen, die Aussöhnung zur Schaffung eines neuen, demokratischen Südafrikas anstreben . Wir ermutigen Wirtschaftsreformen als Schlüssel
für Sicherheit und Wohlstand im neuen Südafrika.
Wir sind uns bewußt, daß Auslandshilfe in einem
vernünftigen Verhältnis zu unseren Interessen stehen
muß. Aus diesem Grund unterstützen wir die kontinuierliche Überarbeitung solcher Programme, damit sie
sowohl effektiv als auch gerechtfertigt sind. Wir ermutigen die finanzielle Unterstützung aus anderen Demokratien der Welt, um die Kosten des amerikanischen
Beitrags zur Friedenssicherung und Auslandshilfe
aufzuteilen.

AMERIKA DIENST 34

�Wir unterstützen Bestrebungen von privaten Hilfsorganisationen zur Erfüllung des Bedarfs der soeben
vom Kommunismus befreiten Länder und der Entwicklungsländer in Bereichen wie medizinischen, landwirtschaftlichen, erziehungspolitischen und unternehmerischen Hilfsleistungen.

massive sowjetische Kriegsmaschinerie in einen Motor für Frieden und Gesundung der zivilen Industrie
umgestalten. Wir werden mit unseren ehemaligen
Gegnern zusammenarbeiten, um die Verbreitung einzudämmen und über den ABM-Vertrag zu einer wirksamen Verteidigung gegen ballistische Raketen hinauszugehen.

Öffnung der Welt für amerikanische Unternehmen
Die Republikaner vertrauen auf Einzelpersonen und
Familien, ihre eigenen wirtschafltichen Entscheidungen zu treffen - die demokratischen Politiker tun dies
nicht. Wir lehnen ihr Programm des gebremsten
Handels, der Industriepolititk, hoher Steuern und
Regulierung ab. Wir sind gegen Strafsteuern für
ausländische Unternehmen in diesem Land, die nur
Vergeltungssteuern für amerikanische Unternehmen
im Ausland Tür und Tor öffnen. Ein Handelskrieg
bereitet den Weg zu internationaler Depression - und
macht die Arbeitnehmer weiterhin abhängig von staatlichen Almosen. Wir wollen den Rüstungswettlauf
nicht durch einen Subventionswettlauf ersetzen.
Unser unerschütterliches Engagement für freien Handel umfaßt auch die vehemente Durchsetzung amerikanischer Handelsgesetze. Wir erwarten faire und
gerechte Chancen bei unserem Handel mit anderen
Nationen und werden auf die Gewährleistung hinarbeiten, daß ausländische Märkte ebenso offen für unsere
Waren sind wie amerikanische Märkte für das Ausland. In allen den Handel betreffenden Gesprächen
werden wir den amerikanischen Interessen Priorität
einräumen.
Ebenso wie im Inland steht die Republikanische Partei
weltweit für Wachstum. Die amerikanischen Familien
haben von der neuen Ära des freien Unternehmertums
und Wohlstands nichts zu befürchten - und nur zu
profitieren - die entsteht, wenn freie Menschen konkurrieren, sich selbst übertreffen und Fortschritte erzielen.
Verbannung des nuklearen Alptraums
Seit nahezu einem halben Jahrhundert haben wir im
Schatten der nuklearen Zerstörung gelebt. Heute
verschwindet dieses Gespenst. Wir werden hier nicht
einhalten. Wir werden die Bedrohung der nuklearen
Vernichtung vom Angesicht der Erde verbannen nicht, indem wir unser Militär scharfmachen, wieeinige
Demokraten insistieren mögen, sondern indem wir auf
die historischen Leistungen der Präsidenten Bush und
Reagan aufbauen.
Dies bedeutet die Gewährleistung stabiler Führungseinrichtungen des ehemaligen sowjetischen Arsenals,
uneingeschränkte Zustimmung und verifizierte Durchführung aller Vertragsverpflichtungen durch die Nachfolgestaaten der UdSSR sowie die Verwirklichung der
jetzt vereinbarten zusätzlichen Reduzierung der strategischen Streitkräfte um 50 Prozent. Wir müssen bei
der Zerstörung von Waffen behilflich sein und die
AMERIKA DIENST 34

Wir werden nicht gestatten, daß der sowjetische nukleare Alptraum durch einen anderen ersetzt wird.
Geächtete Nationen - Nordkorea, Iran, Irak, Libyen
und andere - gieren nach Massenvernichtungswaffen.
Das ist der Alptraum der Verbreitung: nukleare, chemische und biologische Waffen, die zusammen mit
ballistischen Raketen über ganze Kontinente hinweg
einschließlich unseres eigenen, Tod bringen können.
Wir werden den Nichtverbreitungsvertrag erneuern
und verbessern. Wir werden eine Sicherheitspolititk
zur Bekämpfung der Verbreitungsgefahren erarbeiten. Wir werden multilaterale Vereinbarungen wie das
Kontrollregime für Raketentechnologie MTCR stärken. Und am wichtigsten ist, wir werden eine weltweite
Verteidigung gegen ballistische Raketen entwickeln
und stationieren. Trotz des Widerstandes der Demokratischen Partei und der Demokraten im Kongreß
werden wir ein effektives strategisches Verteidigungssystem für das amerikanische Volk stationieren.
Die Sicherheit der Vereinigten Staaten
Unsere Männer und Frauen in Uniform heute sind den
besten Soldaten, Seeleuten und Fliegern ebenbürtig,
die jemals die Uniform unseres Landes getragen haben.
Wie frühere Generationen 1918 und 1945 haben sie
einen großen Sieg errungen. Ebenso wie nach diesen
früheren Konflikten steht uns die schwierige Aufgabe
bevor, Umfang und Kosten der Verteidigung zu senken, ohne den Schutz der Vereinigten Staaten aufzugeben. In der Vergangenheit wurden schreckliche
Fehler begangen, und wir haben teuer dafür bezahlt,
als der Krieg in Korea begann. Wir werden dies nicht
ein zweites Mal zulassen.
Das herausgeforderte Amerika
Die größte Gefahr für die amerikanische Sicherheit
liegt im Inland, bei denjenigen, die das Land unvorbereitet auf die neuen Realitäten der Welt nach dem
Kalten Krieg lassen. Die ruchlosen Dämagogen in
verbrecherischen Regimen sind so real wie die nuklearen, chemischen und biologischen Waffen, die sie
anstreben. Die Gefahr der nuklearen Verbreitung ist
real, insbesondere angesichts der Verbreitung von
nuklearem Know-how nach dem Zusammenbruch der
UdSSR. Aus diesem Grund fordert die Republikanische Partei, deren Politiker wie Dan Quayle in den
achtziger Jahren auf der Stationierung einer neuen
Patriot-Rakete bestanden, jetzt eine neue Generation"
von Verteidigungssystemen gegen die SCUDs von
morgen.

Seite 9

�Die Republikaner fordern einen kontrollierten Rüstungsabbau, nicht einen freien Fall. Aus diesem Grund
schlägt Präsident Bush die sorgfältige Reduzierung
der Verteidigungsausgaben in den nächsten vier Jahren um weitere 34 Milliarden Dollar vor, einschließlich
18 Milliarden für Aufwendungen und einem 25prozentigen Personalabbau. Der Präsident hat bereits über
100 Waffensysteme abgeschafft. Aus der ganzen
Welt kehren amerikanische Truppen aus dem Kalten
Krieg nach Hause zurück. Über 550 Stützpunkte in
Übersee werden geschlossen oder einer anderen
Verwendung zugeführt. Dennoch behalten die amerikanischen Streitkräfte die Fähigkeit bei, der Herausforderung einer zweiten Operation Wüstensturm mit dem
gleichen Erfolg zu begegnen.
Die amerikanischen Verteidigungsausgaben wurden
bereits beträchtlich gekürzt. Vor fünf Jahren machten
sie über ein Viertel des Bundeshaushalts aus. Bis
1997 betragen sie weniger als ein Sechstel. Die
Ausgaben für Verteidigung und Nachrichtendienste
werden als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts am
niedrigsten seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
sein.
Jeder Verteidigungshaushalt - so moderat er auch sein
mag - ist für die Demokraten zuviel. Sie wollen mit
einem Abbau der Verteidigungsausgaben über die
nächsten vier Jahre beginnen, der fast 60 Milliarden
Dollar über die vom Präsidenten vorgeschlagenen
Kürzungen hinausgeht und damit zusätzlich eine ganze
Million Amerikaner arbeitslos macht. Und dies könnte
nur der Anfang sein, weil die Demokraten den Verteidigungshaushalt als bodenloses Sparschwein benutzen, um Schwerter in politische Geschenke umzufunktionieren. Das ist eine Dummheit. Sie würde uns in die
Carter-Ära des "hohlen Militärs" zurückwerfen.
Ein sicheres Amerika
Weil die Vereinigten Staaten auf eine kleinere Streitmacht mit offensiven Nuklearwaffen zur Abschrekkung von Aggression in der Zeit nach dem Kalten Krieg
zurückgreifen, werden wir die Triade land-, see- und
luftgestützter strategischer Streitkräfte aufrechterhalten. Wir werden uns weiterhin auf die Sicherheit,
Verläßlichkeit und Wirksamkeit unserer Nuklearwaffen verlassen.
Mit einem kleineren Militär wird die Modernisierung
unserer konventionellen Streitkräfte wichtiger als je
zuvor. Die Operation Wüstensturm hat die Bedeutung

*

von "Streitkräftemultiplikatoren" wie intelligente Munition, Tarntechnologie und Nachtsuchfähigkeiten unter
Beweis gestellt. Wir werden die zur Verfügung stehenden Waffen modernisieren und gezielt solche beschaffen, die dramatische Fortschritte versprechen. Unter
keinen Umständen werden wir unsere technologische
Überlegenheit aufs Spiel setzen.
Wir müssen nach wie vor zur Verteidigung amerikanischer Bürger und Interessen bereit sein, wo immer sie
bedroht sein könnten. Unabdingbar für diese Bereitschaft ist die Aufrechterhaltung einer starken, globalen
Marine und die Modernisierung vitaler Luft- und Seetransportkapazitäten. Wir engagieren uns weiterhin
für die Bekämpfung von Terrorismus in all seinen
Formen, wo immer er amerikanische Bürger oder
Interessen bedroht.
Die Republikaner werden den Zugang der Nation zum
Weltraum für verteidigungs- und andere Zwecke erhalten und sicherstellen, daß Weltraumtechnologie
nicht in die falschen Hände fällt.
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist
unsere Strategische Verteidigungsinitiative jetzt darauf ausgerichtet, die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten mit einer globalen Verteidigung gegen
begrenzte Angriffe mit ballistischen Raketen auszustatten. SDI ist die größte jemals getätigte Investition
in den Frieden. Dieses System wird unser Schutzschild gegen Technoterrorismus sein. Rußland hat
seine Partnerschaft zugesichert und sich zum Austausch von Frühwarninformationen sowie gemeinsamem Vorgehen gegen diejenigen bereiterklärt, die Tod
über unschuldige Menschen bringen würden.
Wir werden die Raktenverteidigung nutzen, um bedrohten Nationen zu versichern, daß sie keine eigenen
ballistischen Rakenten beschaffen müssen. Wir werden über den ABM-Vertrag hinausgehen und eine
effektive Verteidigung mit dem Ziel stationieren, eines
Tages die Bedrohung des nuklearen Holocaust vollständig zu beseitigen, nicht nur zu reduzieren.
Wir unterstützen Bestrebungen zur Reduzierung konventioneller und anderer Rüstungen, die effektivste
Rüstungskontrolle auf lange Sicht ist jedoch Demokratie. Freie Nationen greifen sich nicht gegenseitig an.
Deshalb ist die Förderung von Demokratie auf allen
Kontinenten wesentlicher Bestandteil des Verteidigungsprogramms der Republikaner.

* * *

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*

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Seite 10

AMERIKA DIENST 34

�SOMALIA
26. August 1992

USA GEBEN ZWEIGLEISIGE NOTHILFESTRATEGIE
FÜR SOMALIA BEKANNT
Erklärung des Sonderkoordinators
WASHINGTON - (AD) -Am 18. August 1992 kündigten die Vereinigten Staaten weitere Lieferungen an Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe nach Somalia an und erläuterten eine zweigleisige Strategie, damit die Hilfslieferungen so rasch wie möglich den Bedürftigsten zugute kommen.
Andrew Natsios, Präsident Bushs Sonderkoordinator für die somalische Nothilfeaktion betonte, die Vereinigten
Staaten würden weiterhin multilaterale Maßnahmen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen als
Reaktion auf die humanitäre Krise unterstützen.
"Die Vereinigten Staaten standen seit Beginn der Krise vor 18 Monaten an vorderster Front der humanitären
Hilfsbestrebungen für Somalia", hob der Sonderkoordinator hervor.
Zusätzlich zu diesen multilateralen Bestrebungen umriß er eine "unilaterale Strategie einer kurzfristig geplanten
Luftbrücke", um auf dem Weg oder bereits im Land befindliche Nahrungsmittel rascher in die betroffene Region
zu bringen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Sonderkoordinator Natsios bei einer Pressekonferenz abgegebene
Erklärung im Wortlaut.

Die Vereinigten Staaten standen seit Beginn der Krise
vor 18 Monaten an vorderster Front der humanitären
Hilfsbestrebungen für Somalia. Bis heute haben wir
Hilfslieferungen im Wert von über 85 Millionen Dollar
einschließlich der Lieferung von 80.000 Tonnen Nahrungsmitteln im Haushaltsjahr 1992 bewilligt. Diese
Mittel wurden vom Amt für internationale Entwicklung
(USAID), dem US-Außenministerium und dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium bereitgestellt.
Die von der US-Regierung im Sommer 1991 in die
Wege geleitete Strategie sollte das Internationale
Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zur Mobilisierung
eines massiven Nahrungsmittelprogramms veranlassen, das in der Geschichte seinesgleichen sucht.
Obwohl das IKRK hervorragende Arbeit leistet, ist es
schlicht und einfach nicht in der Lage, den gesamten
Bedarf an Nahrungsmitteln und Medikamenten zu
erfüllen, die Somalia angesichts des enormen Ausmaßes der Krise benötigt. Im Dezember 1991 hat die
amerikanische Regierung auf ein Engagement der
Vereinten Nationen gedrängt. Im Januar wurden erneut UN-Friedenstruppen nach Somlia entsandt, sahen sich jedoch außerstande, die Situation unter Kontrolle
zu bringen.

AMERIKA DIENST 34

Angesichts der andauernden Krise schlägt die USRegierung einen zweigleisigen Ansatz zur humanitären Hilfe für Somalia vor:
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin multilaterale
Maßnahmen unterstützen und die Vereinten Nationen
auffordern, die Führungsrolle bei den diplomatischen
und humanitären Nothilfeinitiativen für Somalia zu
übernehmen.
Die Vereinten Nationen benötigen jedoch die uneingeschränkte und wirksame Unterstützung aller Mitgliedstaaten zur Durchführung einer erheblichen Erweiterung der Hilfsbestrebungen. Als Übergang zu diesen
längerfristigen Maßnahmen leitet USAID gleichzeitig
eine zweite unilaterale Strategie in die Wege. Dazu
zählt eine kurzfristig geplante Luftbrücke mit Flugzeugen und Mannschaften des US-Verteidigungsministeriums, um auf dem Weg oder bereits im Land befindliche Nahrungsmittel rascher in die betroffene Region
zu bringen.
Darüber hinaus wird USAID am 19. August ein Katastrophenschutzteam (Disaster Assistance Response
Team - DART) in die Region entsenden, um mit dem
US-Verteidigungsministehum, den Vereinten Natio-

Seite 1

�nen, dem IKRK und freiwilligen Hilfsorganisationen
zusammenzuarbeiten. Das DART-Team wird ferner
UN-Behörden, dem IKRK und den freiwilligen Hilfsorganisationen bei der Erarbeitung und Durchführung
neuer Nothilfeprogramme zur Seite stehen. Die
amerikanische Regierung beabsichtigt die Aufstokkung ihrer direkten Unterstützung für die freiwilligen
Hilfsorganisationen und das IKRK. Unsere unilateralen Maßnahmen werden als Übergang zu einem umfassenden Konzept unter der Schirmherrschaft der
Vereinten Nationen dienen.
Ich kann nicht umhin festzustellen, daß keine Hilfsstrategie vollständigen Erfolg bei der Bekämpfung der
Hungersnot in Somalia haben wird, solange nicht
grundlegende Sicherheitsprobleme gelöst sind. Die
humanitäre Strategie der US-Regierung kann teilweise zur Reduzierung der Spannungen beitragen. Dennoch
sind die politisch Verantwortlichen in Somalia für den
Tod von Hunderttausenden ihrer Mitbürger verantwortlich. Es ist unabdingbar, daß der politische Versöhnungsprozeß, angemessene sicherheitspolitische
Interventionen und Bestrebungen der somalischen
Fraktionsführer in Einklang gebracht werden, um der
Nation Frieden zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt
können unsere Maßnahmen dazu beitragen, die Sterberate zu verringern - sie können nicht allen aufgrund
der Hungersnot Sterbenden helfen.
Ich möchte den übrigen Teil meiner Ausführungen auf
die Rolle des USAID-DART-Teams konzentrieren.
Meine Kollegen vom Außen- und Verteidigungsministerium werden auf die diplomatischen Bestrebungen
und die geplante Luftbrücke eingehen.
Das USAID-DART-Team verfolgt drei Ziele:
1.

Einleitung eines umfassenden Verkaufsprogramms von Nahrungsmitteln, um die Lebensmittelpreise zu senken und zu stabilisieren.

2.

Dezentralisierung der Nothilfe, damit die Menschen aus den Städten wieder aufs Land ziehen
und

3.

Entwicklung von Programmen, die mit aus dem
Nahrungsmittelverkauf erzielter lokaler Währung finanziert werden, um den wirtschaftlichen
Gesundungsprozeß zu beschleunigen, insbesondere bei der Viehzucht und im Agrarsektor.

Ein Verkaufsprogramm, mit dem Nahrungsmittel entweder in Somalia oder den Nachbarländern Dschibuti
und Kenia direkt an somalische Händler verkauft werden,
würde unseren Erwartungen zufolge zu einer Senkung
der Lebensmittelpreise führen und damit denjenigen,
die über gewisse Mittel verfügen, die Rückkehr zur
Marktwirtschaft ermöglichen. Wir hoffen, daß dieses
Programm direkte Auswirkungen auf die Sicherheits-

bedingungen im Land haben wird. Wenn genügend
Nahrungsmittel zu einem relativ niedrigen Preis auf die
Märkte kommen, sollte die Mehrheit der Bevölkerung
in der Lage sein, die benötigten Lebensmittel zu kaufen, und Diebe würden kaum davon profitieren, Nahrungsmittel von den Hilfsorganisationen zu stehlen.
Wenn Lebensmittel nicht länger ein Währungsersatz
sind, sollte es den Hilfsorganisationen möglich sein,
Nahrungsmittel mit weniger Sicherheitsrisiken zu liefern. In dem Maße, wie sich die Sicherheit verbessert,
könnten die Hilfsorganisationen ihre Bestrebungen
dezentralisieren und in die Landstriche vordringen, die
jetzt aus Sicherheitsgründen abgeriegelt sind. Direkte
kostenlose Verteilung von Nahrung an die am meisten
Betroffenen muß nach wie vor wesentlicher Bestandteil der Nothilfestrategie sein angesichts der Hungersnot, deren Zeuge wir hier sind.
Mit der aus den Verkaufsprogrammen erzielten lokalen Währung wird das DART-Team mit den freiwilligen
Hilfsorganisationen bei der Einführung von Maßnahmen zurStützung der Einkommen und wirtschaftlichen
Gesundung zusammenarbeiten. Projekte für Arbeit
gegen Bezahlung sowie Viehzucht- und Agrarprogramme haben hohe Priorität.
Ich möchte jedoch betonen, daß diese Pläne vorläufig
sind und das DART-Team die Befugnis hat, im weiteren Verlauf Anpassungen vorzunehmen. Angesichts
der im Land herrschenden Anarchie gibt es kein Patentrezept für Erfolg.
Zusätzlich zu den von dem DART-Team in die Wege
geleiteten Marktinterventionen wird die US-Regierung
weiterhin Nothilfemaßnahmen unterstützen wie ergänzende Nahrungsmittelprogramme für unterernährte Kinder sowie Bewässerungsprojekte auf dem Land
und in den Städten zur Verbesserung der Wasserqualität und -quantität für Mensch und Tier. Wir werden
das IKRK nach wie vor unterstützen und haben soeben
zusätzliche 3 Millionen Dollar für Hilfsoperationen des
IKRK bewilligt.
Die Vereinigten Staaten widmen dem Transport von
Nahrungsmitteln nach Somalia beträchtliche Aufmerksamkeit. Neben den in diesem Haushaltsjahr bereitgestellten 80.000 Tonnen Nahrungsmittel werden wir im
Haushaltsjahr 1993 weitere 145.000 Tonnen Nahrungsmittel nach Somalia liefern. Diese Mittel werden
nicht mit Flugzeugen des US-Verteidigungsministeriums transportiert. Sie werden so bald wie möglich im
kommenden Haushaltsjahr in amerikanischen Häfen
verschifft und mit Schiffen und Lastwagen nach Somalia geliefert. In der Zwischenzeit werden 13.000 Tonnen der im Haushaltsjahr 1992 bereitgestellten Nahrungsmittel voraussichtlich in diesem Monat und 8.500
Tonnen in der ersten Septemberwoche die Region
erreichen.
*

*

AMERIKA DIENST 34

�BILDUNGSWESEN
26. August 1992

MULTIKULTURELLE BILDUNG - EIN DISKURS
von Robert K. Landers
Zahlreiche amerikanische Pädagogen sind der Ansicht, die Schulen müßten multikulturelle Lehrpläne für die
Fächer Geschichte und Sozialkunde einführen, und Kalifornien hat bereits Schritte in dieser Richtung unternommen, schreibt der Autor des nachstehenden Artikels. Er erläutert das kalifornische Programm und sonstige
Ableger der multikulturellen Bildung wie etwa den Afrozentrismus.
Der Verfasser ist Mitarbeiter bei Editorial Research Reports. Nachdruck gestattet mit folgendem Zusatz:
Copyright (c) 1990 by Congressional Quarterly, Inc.. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Zu Beginn der neunziger Jahre sind die Vereinigten
Staaten noch enger mit der Welt verflochten. Um sich
in diesem veränderten Umfeld behaupten zu können,
müssen Amerikaner heute wesentlich mehr über andere
Völker, ihre Kulturen und ihre Vergangenheit wissen.
Gleichzeitig wächst auch die Vielfalt im amerikanischen Volk selbst. Es mag einst möglich gewesen
sein, Amerika als ein Land zu betrachten, das nahezu
vollständig aus Weißen europäischer Abstammung
bestand. Aufgrund der Einwanderung aus Asien,
Lateinamerika und anderen Regionen und der Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre steht diese Auffassung jedoch nicht länger mit der Realität im Einklang.
Für Pädagogen liegt die Lehre aus diesen beiden
Trends auf der Hand: Die Schulen können den Rest
der Welt nicht länger ignorieren, und sie können die
Amerikaner nicht länger so behandeln als seien sie alle
von gleicher Art. Sie müssen jungen Amerikanern
etwas über die Welt vermitteln, und dabei müssen sie
die Amerikaner über ihre Vielfalt unterrichten. "Was
benötigt wird", erklärt der Historiker William H. McNeill
von der University of Chicago, "ist eine gemeinsame
Menschheitsgeschichte".
Wegweisend bei der Suche danach ist der Bundesstaat Kalifornien. Im Jahr 1987 führte das kalifornische Schulsystem ein neues Rahmencurriculum für
das Fach Geschichte/Sozialwissenschaften ein,
demzufolge die Schüler in Weltgeschichte sowie in
der Geschichte ihrer eigenen demokratischen Nation
und multikulturellen Gesellschaft unterrichtet werden
sollen - und diese Fächer sollten sehr intensiv sowie
mit ungewöhnlichem Realismus unterrichtet werden.
Kalifornien hat jedoch festgestellt, daß dies angesichts der lautstarken Vertretung von SonderinteresAMERIKA DIENST 34

sen und der traditionellen Scheu von Schulbuchverlagen nicht leicht sein wird.
Um seinem neuen Rahmenlehrplan gerecht zu werden, bat Kalifornien die Schulbuchverlage, Lehrbücher
zu liefern, die noch nicht existierten. Darüber hinaus
wollte der Bundesstaat Lehrbücher, die gut geschrieben waren und nicht jeglichen Realitätsbezug verloren
hatten, weil alles, was irgendjemanden beleidigen
könnte, herausgenomen wurde. Doch obwohl jedes
achte in den Vereinigten Staaten verkaufte Schulbuch
in Kalifornien erworben wird, sträubten sich die Verleger. Die Herstellung neuer Schulbücher ist ein kostspieliges Unterfangen, und sie wußten, daß der Verkauf der neuen Schulbücher auch in anderen Landesteilen bei weitem nicht garantiert war.
Die Houghton Mifflin Company ließ sich jedoch auf das
Wagnis ein. Sie legte eine völlig neue Serie von
Texten für das Fach Sozialkunde vor. Die Geschichte
wurde in den Büchern lebendig dargestellt, sie war
multikulturell - und, wie sich herausstellte, kontrovers.
Schließlich wurde die Serie von dem Bundesstaat
übernommen, aber die Bücher mußten einen Spießrutenlauf gegen Vertreter religiöser und ethnischer
Sonderinteressen überstehen, von denen jeder argumentierte, seine Geschichte oder Kultur oder sein
Glaube würden ignoriert oder verzerrt dargestellt. Die
Erfahrung war kaum ermutigend, um zögernde Schulbuchverleger dazu zu veranlassen, dem Beispiel von
Houghton Mifflin zu folgen. Und sie war auch nicht
geeignet, andere Schulsysteme zu ermutigen, dem
Beispiel Kaliforniens zu folgen.
Darüber hinaus wird das multikulturelle Curriculum in
Geschichte/Sozialkunde wie im Falle Kaliforniens nicht
nur von zögerlichen Schulbuchverlegern oder verschiedensten Sonderinteressen bedroht, sondern auch
Seite 1

�von einer als Afrozentrismus bezeichneten Bewegung, die sich ebenfalls für Multikultur ausspricht. Der
Afrozentrismus ist bestrebt, Afrika in den Mittelpunkt
der Lehrpläne in den Schulen zu rücken, um damit
schwarze Schüler zum Lernen zu ermutigen.
Die Vertreter des Afrozentrismus, zumeist engagierte
schwarze Dozenten und Pädagogen, schlagen ein
Curriculum vor, das - wie im Falle von Kaliforniens
multikulturellem Curriculum - über die traditionelle
amerikanische Geschichte hinausgeht, die Schwarze
und andere Minderheiten nur am Rande behandelte.
Die Verfechter des Afrozentrismus haben bereits Einfluß auf Lehrpläne in Portland (Oregon), Atlanta (Georgia)
und andernorts genommen.
So wird beispielsweise in Portland eine umstrittene
Serie mit dem Titel African-American Baseline Essays seit Januar 1989 als Curriculum-Hilfsmittel für
Lehrer eingesetzt. Diese Essays sind nicht als Lehrmaterial für die Schüler gedacht. Vielmehr sollen die
Lehrer den von der öffentlichen Schulverwaltung in
Portland erlassenen Richtlinien zufolge diese Essays
lesen und dann "relevante Inhalte in das verabschiedete Schulbezirkscurriculum einführen". Die Essays
befassen sich mit afrikanischer Geschichte sowie afrikanischen und afroamerikanischen Beiträgen zu Kunst,
Literatur, Mathematik, Naturwissenschaften und Musik.
Kritiker behaupten jedoch, die Essays - wie auch der
gesamte afrozentrische Ansatz - seien von der Wahrheit sehr weit entfernt.
Der Afrozentrismus geht von Annahmen über das
antike Ägypten und die Ursprünge der westlichen
Zivilisation aus, die zusammengenommen benutzt
werden können, um einem Mythos über eine antike
Blütezeit der Schwarzen und eine von den Weißen
geraubte Vergangenheit Vorschub zu leisten. Dieser
Mythos mag den Kritikern zufolge erhebliche Anziehungskraft haben, aber seine wichtigsten Elemente
werden von vielen, vielleicht den meisten führenden
Wissenschaftlern und Historikern verworfen. "Das ist
keine ernsthafte Forschung", erklärt McNeill offen.
Trotzdem wächst sein Einfluß aufgrund der scheinbar
hoffnungslosen Lage so vieler junger Schwarzer in den
Städten Amerikas. "Meines Erachtens liegt dem
afrozentrischen Curriculum eine große Verzweiflung
über die schlechte Lage eines großen Teils der afroamerikanischen Bevölkerung zugrunde", meint Gary
B. Nash, Geschichtsprofessor an der University of
California in Los Angeles. Der Ruf nach einem afrozentrischen Curriculum hat nach seiner Auffassung
"hauptsächlich etwas mit den äußerst schwierigen
Lebensbedingungen eines großen Teils der schwarzen Kinder in den heutigen Vereinigten Staaten zu tun.
Die Leute, die sich dafür einsetzen, erklären immer
wieder, daß das Problem, das sie zu lösen versuchen
... die geringe Selbstachtung und (die) schlechten

Seite 2

Leistungen sind, die ihrer Meinung nach mit der geringen Selbstachtung afro-amerikanischer Kinder einhergehen."
Daß eine afrozentrische Version von Geschichte oder
überhaupt irgendeine Version dieses hehre Ziel erreichen könnte, steht bei weitem nicht fest. "Sicherlich
wünsche ich mir, die Geschichte hätte die Macht, all
das zu leisten, was zu leisten sie in den Augen der
Afrozentristen in der Lage ist", erklärt Nash, aber das
kann sie nicht. Geschichte hat "ein gewisses Potential, Leute dazu zu veranlassen, über ihre Welt nachzudenken und sich darin aktiv als Entscheidungsträger
und Teilnehmer am politischen Leben zu betätigen",
meint Nash. "Ich glaube jedoch nicht, daß Geschichte
Probleme wie Armut und Obdachlosigkeit oder Drogen, Gewalt und minderjährige Mütter überwinden
kann."
Andererseits könnte die Durchsetzung eines afrozentrischen (oder irgendeines anderen ethnozentrischen)
Curriculums jedoch die Anziehungskraft eines "pluralistischen" multikulturellen Curriculums untergraben,
das die gemeinsame Geschichte und Kultur der
Amerikaner nicht aus dem Blick verliert. Der Afrozentrismus mag vielleicht einen multikulturellen Anstrich
haben, behaupten die Kritiker, aber er ist nicht multikulturell. Die Abteilungsleiterin im US-Bildungsministerium, Diane Ravitch, war früher Geschichtsprofessorin
am Pädagogischen Seminar der Columbia University
und in dieser Funktion an der Entwicklung des neuen
Rahmencurriculums in Kalifornien beteiligt. Sie bezeichnet den afrozentrischen Ansatz im öffentlichen
Schulwesen als "partikularistische" Form des Multikulturalismus - das "Gegenteil" der von ihr befürworteten pluralistischen Art.
Die pluralistische Form, erklärt sie, gibt den Kindern
"ein Bild der amerikanischen Gesellschaft, das aussagt 'He, wir gehören alle dazu, wir sind alle Amerikaner, wir sind unterschiedlich, und wir sind gleich, und
wir entstammen verschiedenen Ursprüngen und sollten die kulturellen Unterschiede zwischen uns verstehen, weil wir dann besser zusammenarbeiten können.'
Die andere ist lediglich ein rassisch geprägter Lehransatz."
Die Koordinatorin für multikulturelle/multiethnische
Bildung des öffentlichen Schulwesens in Portland,
Carolyn M. Leonard, ist jedoch anderer Meinung. Sie
erklärt, sie werde häufig über "das Thema ... 'Wir sind
alle Amerikaner, und ist das nicht wunderbar' befragt.
Und ich bin nicht dagegen. Aber ich sage, bevor man
die Geschichte einer Gruppe in den großen amerikanischen Schmelztiegel einrührt, sollten wir sicherstellen,
daß die Menschen darin genug Informationen über
sich selbst haben."

AMERIKA DIENST 34

�Bei einem afrozentrischen oder jedem ethnozentrischen Bildungsansatz besteht die Gefahr, daß die
Schüler die gemeinsame Geschichte und Kultur
Amerikas aus den Augen verlieren. "Mir scheint",
erklärt McNeill, "wir (Amerikaner) teilen weit stärker
eine gemeinsame Kultur als daß wir mehrere getrennte haben. Das heißt, es gibt natürlich Unterschiede
zwischen Schwarzen und Weißen sowie zwischen
Asiaten und Menschen europäischer Herkunft sowohl
im Hinblick auf das physische Aussehen als auch in
Familienstruktur (und) Familientraditionen. Aber besonders in öffentlichen Angelegenheiten, den Angelegenheiten der Gemeinde und des Staates ist es alles
eine Welt." Er und andere Historiker meinen, daß
amerikanische Schüler viel über diese Welt lernen
müssen - und von der Welt als Ganzem.
Obwohl amerikanische Lehrpläne und Lehrbücher dies
in der Vergangenheit häufig vermissen ließen, sind die
Vereinigten Staaten von Anfang an eine multikulturelle
Gesellschaft gewesen, und die Vielfalt Amerikas hat
stets gleichermaßen Ängste angefacht wie Optimismus hervorgebracht. Ein dauerhafter Ausdruck des
letzteren war das Bild von Amerika als "Schmelztiegel", das dem amerikanischen Bewußtsein von Israel
Zangwill, einem englischen Juden, eingeprägt wurde.
Er schrieb im Jahr 1908 ein Theaterstück, in dem zwei
russische Einwanderer, ein Jude und eine Christin,
Liebe und Glück in Amerika finden - "Gottes Schmiede, der große Schmelztiegel, in dem alle Rassen
Europas verschmelzen und umgeformt werden".
Der Schmelztiegel Amerika war nicht nur eine schöne
Fiktion. Er war "eine äußerst reale und befruchtende
Erfahrung für Millionen von Einwanderern", stellt der
emeritierte Geschichtsprofessor Paul Gagnon von der
University of Massachusetts in Boston fest. Aber
selbst als die Neuankömmlinge sich in den amerikanischen Schmelztiegel eingerührt sahen, waren sie dem
Historiker Bernard A. Weisberger zufolge niemals "nahe
daran, ihre Identität als Juden oder NichtJuden, Kelten
oder Teutonen oder ganz besonders als Menschen
weißer und roter sowie schwarzer und gelber Hautfarbe zu verlieren."

Raum und Zustimmung als allen anderen Entdeckern
außer Kolumbus, und sie konzentrierten sich auf die
englischen Kolonisten, wobei sie Franzosen, Spanier
und Niederländer nahezu völlig außer acht ließen."
Was "die Einwanderer" angeht, so erschienen sie auf
den Seiten der Schulbücher lediglich als Problem. Bis
zu den dreißiger Jahren, schrieb FitzGerald, enthielten
die Texte "keine Angaben darüber, wie diese Menschen lebten, was sie taten oder woher sie kamen und
noch viel weniger darüber, warum sie kamen".
In den vierziger Jahren fand der Gedanke von Amerika
als Schmelztiegel Eingang in die meisten Schulbücher. In den vierziger und fünfziger Jahren, erinnerte
FitzGerald, diente der Schmelztiegel in den Schulbüchern als "Schlagwort für alle Ausführungen über
Einwanderer, und die Freiheitsstatue war als Illustration daneben abgebildet". Aber dies, schrieb sie,
beendete nicht "die Unterscheidung zwischen 'Wir'
und 'Sie' oder brachte eine echte Veränderung des
Schulbuchbegriffs dessen, was ein Amerikaner ist.
(Mit Ausnahme von) Künstlern und Menschen, die von
einem Schiff herabhängen und die Freiheitsstatue
anschauen, zeigten (die Lehrbücher) nur Menschen,
die wie angelsächsische Protestanten aussahen."
In den frühen sechziger Jahren, als mit John F. Kennedy zum ersten Mal ein Katholik irischer Abstammung
zum Präsidenten gewählt wurde, gaben die Lehrbücher die Unterscheidung Wir-Sie auf und machten sich
die Idee von Amerika als "Nation von Einwanderern"
zu eigen. Erst gegen Ende des Jahrzehnts jedoch
begannen die Schulbücher Amerikaner zu zeigen, die
nicht als weiße, angelsächsische Protestanten zu
erkennen waren. "Und dann", so FitzGerald, "fand
die Zerschmetterung des einheitlichen Bildes 'eines
Amerikaners' nicht deshalb statt, weil Amerikaner irischer oder italienischer Abstammung oder amerikanische Juden Druck ausgeübt hätten, sondern aufgrund
der schwarzen Bürgerrechtsbewegung."

Die amerikanischen Geschichtsbücher jedoch, die sich
traditionell mehr mit Staat und Politik als mit Sozialgeschichte befaßten, registrierten diese nicht verschmelzbare ethnische Vielfalt erst als die Einwanderung in
diesem Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Südund Osteuropäer strömten in das Land, und die Texte
begannen, zwischen "den Einwanderern" und "uns
Amerikanern" zu unterschieden.

Bis Mitte der sechziger Jahre hatten Schwarze in den
Schulbüchern nahezu keine Rolle gespielt. Erst in den
späten vierziger Jahren tauchten in den meisten Lehrbüchern überhaupt Abbildungen von freien Schwarzen
auf. Davor waren die Schwarzen in den meisten
Texten lediglich "die Sklaven", wie FitzGerald aufzeigte. Sie "waren auf magische Weise zu einem
nicht näher bezeichneten Zeitpunkt in diesem Land
aufgetaucht und waren mit dem Ende des Bürgerkrieges verschwunden." Und angeblich waren sie über
den Mangel an Freiheit noch nicht einmal allzu unglücklich gewesen.

Wie Frances FitzGerald in ihrer 1979 erschienenen
Studie America Revised: History Schoolbooks in
the Twentieth Century berichtete, begannen die
Lehrbücher gleichzeitig, "die englische Herkunft der
Amerikaner zu betonen. In den Ausführungen (der
Lehrbücher) über Entdeckungen und Kolonisierung
gewährten sie Sir Francis Drake wesentlich mehr

All dies veränderte sich mit der Bürgerrechtsbewegung. Zunächst konzentrierten die Lehrbücher Mitte
der sechziger Jahre ihre Aufmerksamkeit etwas unbeholfen auf den Chemiker und Botaniker George
Washington Carver sowie auf den Stellvertretenden
Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ralph J.
Bunche, während andere schwarze Amerikaner nahe-

AMERIKA DIENST 33

Seite 3

�zu keine Erwähnung fanden. Andere, die Aufmerksamkeit verdienten, wurden jedoch bald entdeckt.
Anfang der siebziger Jahre waren die meisten Schulbücher so umgeschrieben worden, daß sie die Geschichte der Schwarzen in Amerika bis zur Bürgerrechtsbewegung behandelten. FitzGerald zufolge
enthielten die Indizes der meisten Bücher Einträge
"unter 'Schwarze' für die Kolonialzeit, die Amerikanische Revolution, den Spanisch-Amerikanischen Krieg,
die Truman-Administration und so weiter sowie für die
Zeiträume, in denen die amerikanische Politik von
Rassenfragen beherrscht wurde". Obwohl die Bücher
ihre Perspektive über das Zeitalter der Reconstruction
(nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, Anm. d. Red.)
ziemlich drastisch ändern mußten, wiesen die restlichen umgeschriebenen Texte FitzGerald zufolge im
allgemeinen "keine grundlegende Änderung auf: es
handelte sich lediglich um Zusätze, um Einschübe, wo
vorher nichts gewesen war".
In den sechziger Jahren, als US-Bürger an der Bürgerrechtsfront Geschichte machten, wurden die Vereinigten Staaten stärker als je zuvor Teil einer kleiner
werdenden Welt. Das Einwanderungsgesetz von 1965,
mit dem das alte nationale Quotensystem abgeschafft
wurde, führte zu einem drastischen Anstieg der Einwanderer aus Lateinamerika und Asien. Zehn Jahre
später, als Südvietnamn an das kommunistische
Nordvietnam fiel, kam die erste Flüchtlingswelle aus
Indochina. In der Zwischenzeit brachten Satelliten, die
Computerrevolution sowie andere wissenschaftliche
und technische Fortschritte Nationen und Menschen in
engeren Kontakt miteinander. Der Welthandel wurde
wichtiger und der Wettbewerb intensiver. Japanische
Autos fuhren auf amerikanischen Straßen und Autobahnen, und amerikanische Arbeiter in der Automobilindustrie verloren ihre Arbeitsplätze. Die Vereinigten
Staaten verloren ebenso ihre Spitzenposition wie die
amerikanischen Schulkinder.
1983 warnte eine nationale Kommission, "unsere
Zukunft als Nation und als Volk" sei bedroht durch die
"zunehmende Welle der Mittelmäßigkeit" an den
amerikanischen Schulen. "Wissen, Lernen, Information und Intelligenz sind die neuen Rohmaterialien des
internationalen Handels...", erklärte die Kommission.
"Und sei es nur, um den kleinen Wettbewerbsvorteil
zu erhalten und zu verbessern, den wir immer noch auf
den Weltmärkten haben, müssen wir uns für die Reform unseres Bildungswesens engagieren."
Obwohl die Welt und ihre unterschiedlichen Völker für
Amerika immer wichtiger wurden, blieben junge Amerikaner im Hinblick auf die Welt und ihre Geschichte
ziemlich unwissend, sogar wenn man es aus dem
Blickwinkel der jüngsten US-Außenpolitik betrachtet.
Die Unwissenheit der Schüler über die Weltgeschichte
ist nicht so überraschend, wenn man berücksichtigt,
wie wenig sie darüber in der Schule erfahren. Wenige
Staaten fordern von High-School-Schülern auch nur
Seite 4

einen Jahreskurs in Geschichte. Und der BradleyKommission (1987-88) zum Fach Geschichte in Schulen zufolge lernen fast die Hälfte aller amerikanischen
Schüler überhaupt nichts über Weltgeschichte oder
zumindest die westliche Zivilisation.
Dabei ist Zeit das größte Hindernis, Schüler effektiv
über Weltgeschichte und amerikanische Geschichte
im Kontext der Weltgeschichte zu unterrichten. "Wir
sind die einzige relativ moderne Gesellschaft auf der
Welt, die versucht, ihre Geschichte in nur einem Jahr
in der High School zu unterrichten und auch versucht,
Weltgeschichte in einem Jahr zu lehren," erklärt Gagnon.
Kalifornien gab diese Einschränkungen 1987 mit seinem neuen Rahmencurriculum für Grund- und weiterführende Schulen auf. "Wir widmen der amerikanischen Geschichte von ihren Anfängen bis zur Gegenwart drei volle Jahre, so daß Zeit zum Nachdenken
bleibt und auch Zeit, um das Thema zu vertiefen,"
erklärt die Pädagogik-Professorin Charlotte Crabtree
von der UCLA, die gemeinsam mit Ravitch das Rahmenwerk verfaßt hat. "Und das bewirkt einen großen
Unterschied."
Das Rahmenwerk in Kalifornien will Schülern die Erkenntnis vermitteln, "daß die amerikanische Gesellschaft pluralistisch und multikulturell ist und stets war."
Aber es will auch ihre Wahrnehmung stärken, daß
"auch wenn die Menschen bei uns immer vielfältiger
werden, trotzdem der Konsens besteht, daß wir ein
Volk sind. Wo immer unser Ursprung auch liegt, wir
sind alle Amerikaner." Crabtree fügt hinzu: "Wir
haben keine gemeinsame nationale Herkunft, keine
gemeinsame Religion, keinen gemeinsamen ethnischen Ursprung. Unsere Vielfalt ist eine Realität. Als
Volk verbindet uns unser politisches System und die
politischen Werte, die wir schätzen - diese Werte der
Freiheit, Gleichheit und so weiter. Das müssen die
Kinder verstehen - und ganz sicher heute, da diese
Botschaft um die Welt geht."
Das Rahmencurriculum von Kalifornien mag nicht
perfekt sein, aber es ist sicherlich eine Herausforderung und darüber hinaus innovativ. Ferner versucht
es, viele der Probleme direkt zu lösen, die den Unterricht der Geschichte und Sozialkunde seit Jahren
belasten.
1989 hat der Ausschu ß über Politik für Rassengerechtigkeit, eine Gruppe prominenter schwarzer Wissenschaftler unter Leitung von John Hope Franklin, einem
Historiker an der Duke University, eine "schwarze
Einschätzung" zum Zustand öffentlicher Schulen
abgegeben. Der Ausschuß begrüßte das "Wiederaufleben der Besorgnis über den Zustand des Bildungswesens in Amerika." Der Ausschuß erklärte,
daß eine Bildungsreform zwar den Bedürfnissen der
"am wenigsten privilegierten ebenso entsprechen mu ß
wie derjenigen, die für den Unterricht besser vorbereitet sind," erhob aber den Vorwurf, daß Schulen nicht

AMERIKA DIENST 33

�"ihrer grundsätzlichen Verantwortung nachkommen,
alle Kinder zu erziehen, egal wie benachteiligt sie
sind".
Obwohl der Ausschuß allen Grund zur Besorgnis
hatte, wäre es irreführend, die Tatsache zu ignorieren
(und das tat der Ausschuß auch nicht), daß schwarze
Amerikaner in den letzten Jahrzehnten erhebliche
Fortschritte im Bildungswesen gemacht haben. Zum
Beispiel ist der Prozentsatz schwarzer Erwachsener
im Alter von über 25, die einen High-School-Abschluß
haben, von etwa 36 Prozent im Jahr 1970 (über 21
Punkte hinter der entsprechenden Zahl f ür Wei ße) auf
fast 67 Prozent im Jahr 1988 (11 Punkte dahinter)
gestiegen. Der Prozentsatz von College-Absolventen
unter Schwarzen über 25 hat sich von 6 Prozent im
Jahr 1970 auf 16 Prozent im Jahr 1988 erhöht.
Der Ausschuß schwarzer Wissenschaftler kam zu
dem Schluß, daß sich schwarze Eltern aktiv an der
schulischen Laufbahn ihrer Kinder beteiligen sollen
und die Schule selbst "ihren Schwerpunkt von den
angeblichen Unzulänglichkeiten des schwarzen Kindes - den angeblichen Mängeln des schwarzen Familienlebens - zu den Hindernissen verschieben muß, die
dem schulischen Erfolg im Wege stehen." Nach
Auffassung des Ausschusses "verstärken die Schulen soziale Ungleichheiten eher, als daß sie sie überwinden".
Um die Schüler in den Städten stärker zu motivieren,
empfahlen die Wissenschaftler unter anderem, daß
das Curriculum "erweitert wird, um die Lebensumstände und Interessen von schwarzen Kindern und
denen anderer Minderheiten widerzuspiegeln...Es nimmt
Shakespeare oder Emily Dickinson nichts, wenn man
die Dramen von August Wilson und die Dichtung von
Langston Hughes als integralen Bestandteil des Curriculums an den Schulen einbezieht", konstatierte der
Ausschuß. Alle Kinder müssen erkennen, daß Menschen wie sie die klassischen Sorgen der Menschheit
zum Ausdruck bringen, daß sie im Klassenzimmer
symbolisch vertreten und wert sind, erörtert zu werden. "I, too, sing America", schrieb Hughes. Ein multikulturelles Curriculum ist für eine multikulturelle Gesellschaft unabdingbar, und alle Kinder profitieren,
wenn sie etwas über den außergewöhnlichen Reichtum ihrer heterogenen Kultur lernen." Aber es ist
bemerkenswert, daß diese führenden schwarzen
Wissenschaftler nichts von der angeblichen Notwendigkeit erwähnen, Afrika in den Mittelpunkt des Curriculums für öffentliche Schulen zu stellen. Der zunehmende Ruf danach ist zum großen Teil auf dieselbe
angebliche "Krise" in der Ausbildung schwarzer
Jugendlicher zurückzuführen, die der Ausschuß beschrieb, kommt jedoch nicht von der Mehrheit der
Wissenschaftler.
Der gegenwärtigen Popularität der afrozentrischen
Bewegung liegt John Bracey von der University of
Massachusetts die Auffassung zugrunde, weil "nichts
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anderes funktioniert und vielleicht um einer Mythologie
entgegenzutreten, derzufolge Schwarze keinen Wert
haben, die Lösung darin besteht, ihnen eine Mythologie zu geben, die erklärt, Schwarze seien von höherem
Wert".
Bracey, derschwarze politische Bewegungen studiert,
war zunächst geneigt, die afrozentrische Bewegung
zu ignorieren, "weil sie mir als relativ uninteressant
erschien. Aber sie ist immer noch existent und in der
Tat größer und größer geworden." Bracey zufolge
erfreut sie sich heute "ziemlicher Unterstützung"
durch Lehrer weiterführender Schulen in einigen Staaten einschließlich New Yorks und New Jerseys. Die
Bewegung ist heute der sichtbarste Ausdruck von
schwarzem Nationalismus mit einer panafrikanischen
Perspektive.
Was es für einen Lehrplan wirklich bedeutet, "afrozentrisch" zu sein, ist nicht immer ganz klar. In Portland,
wo die African-American Baseline Essays als Quelle
von Lehrern benutzt werden, ist ein Curriculum laut
Leonard "nur in dem Sinne afrozentrisch, wie man die
afrikanische Geschichte aus der Kultur heraus erzählt.
Sie konzentriert sich auf die Menschen, die mit der
Kultur verbunden sind, von denen die meisten Afrikaner sind, die die Geschichte aus der Kultur heraus
erzählen. Das ist alles."
Portland unterteilt die Menschheit in sechs Gruppen Afrikaner, Asiaten, Hispanoamerikaner, Indianer,
Bewohner der Pazifischen Inseln und Europäer - und
beabsichtigt, für jede dieser Gruppen Essays zu schreiben. Aber die "Wahrheit" über eine Gruppe muß
nicht notwendigerweise die "Wahrheit" für eine andere sein, so Leonard. "Wir wissen, daß es diejenigen
geben wird (die Einwände haben), wenn die Indianer
sagen: 'Wir sind nicht über die Beringstraße gekommen. Wir wurden in Amerika geschaffen. Aber das ist
ihre Geschichte. Wir sagen den Menschen nicht, ihr
müßt diese Übereinstimmung mit der Wissenschaft
oder irgendetwas anderem erzielen. Wir sagen, wir
wollen, daß ihr versteht, daß die einzelnen menschlichen Gruppen, die Jahrtausende miteinander verbracht haben, eine Sicht der Welt haben, die sich von
der eurozentrischen Sicht der Welt unterscheidet, und
das ist in Ordnung. Wir wollen euch dieser Sichtweise
aussetzen. Wir sagen nicht, ihr müßt jedes Wort
glauben. Ihr müßt nicht glauben, daß die Indianer mit
den Bäumen gesprochen haben, wenn ihr das nicht
wollt. Aber ihr solltet zumindestens wissen, daß es
Menschen gibt, die etwas anderes glauben als ihr, und
obwohl ihr der eurozentrischen Sichtweise kulturell
stark verbunden sein könntet,... gibt es Menschen, die
die Welt nicht so sehen.'"
In den Augen der Befürworter bietet ein afrozentrisches Curriculum eine ehrliche Version der Geschichte, die sich auf solide akademische Forschung gründet, selbst wenn die meisten Weißen sich weigern,
dies zu akzeptieren. Den Afrozentristen zufolge war
Seite 5

�das alte Ägypten, nicht das alte Griechenland, die
Wiege der westlichen Zivilisation, der Geburtsort von
Mathematik, Philososphie und vielem anderen mehr.
Und die alten Ägypter waren schwarz, sagen sie.
Viele führende Historiker lehnen die grundlegenden
afrozentrischen Behauptungen jedoch ab. McNeill
beispielsweise erklärt, das alte Ägypten sei im wesentlichen keine schwarze Gesellschaft gewesen. Die
alten Ägypter "waren in dem Sinne Afrikaner, daß sie
in Afrika lebten, aber sie sind zweifelsohne nicht das
Gleiche wie die schwarzen Afrikaner dieses Landes.
Sie sind überhaupt nicht gleich, und jeder, der das
denkt, redet nur Unsinn." Die afrozentrischen schwarzen Nationalisten sind ihm zufolge "keine Historiker.
Sie sind Agitatoren. Aber sie haben bedauerlicherweise eine beachtliche Vertretung in Schulkreisen, insbesondere in New York."
In New York ist dieser Einfluß in den vergangenen
Jahren sehr deutlich geworden. 1987, in dem Jahr, in
dem Kalifornien seinen neuen Rahmenlehrplan verabschiedete, überarbeitete auch New York das Curriculum. Der Empire State entschied sich für einen zweijährigen Kurs über die Welt allgemein, der keine besondere Betonung auf Geschichte legte und diefürdas
Studium Westeuropas vorgesehene Zeit auf ein Vierteljahr reduzierte. Zahlreiche Gelehrte, die besorgt,
waren, daß die Studenten schon jetzt viel zuwenig
über Europa lernten, protestierten vergebens gegen
diese Kürzung. Aber zwei Jahre später wurde eben
dieses Curriculum von einer Arbeitsgruppe als "eurozentrisch" verurteilt, die vom Bildungsbeauftragen
des Bundesstaates, Thomas Sobol, eingesetzt worden war.
"Afroamerikaner, Amerikaner asiatischer Abstammung,
Puertoricaner/Lateinamerikaner und die amerikanische
Urbevölkerung waren alle Opfer einer intellektuellen
und bildungspolitischen Unterdrückung, die die Kultur
und Institutionen der Vereinigten Staaten sowie der
europäisch-amerikanischen Welt seit Jahrhunderten
charakterisiert hat", stellte der Bericht der Arbeitsgruppe vom Juli 1989 fest. "Negative Charakterisierungen oder das Fehlen positiver Referenzen haben
eine äußerst schädliche Wirkung auf junge Menschen
afrikanischer, asiatischer und lateinamerikanischer
Herkunft sowie auf Angehörige der Urbevölkerung und
einen ebenso schädlichen, wenn auch anderen Effekt
auf junge Menschen europäisch-amerikanischer Abstammung." (Zur Untermauerung dieser Behauptun*

Seite 6

*

gen über schädliche Auswirkungen wurden jedoch
keine Beweise beigebracht).
Die Arbeitsgruppe spaltete die Amerikaner in zwei
diametral entgegengesetzte Gruppen - "europäische
Amerikaner" und "Nichteuropäer" - die der erstgenannten beträchtliche Feindschaft entgegenbrachten. Die
Arbeitsgruppe beschwerte sich, daß der Lehrplan von
New York immer noch "eine systematische Neigung
zu europäischer Kultur und ihren Derivaten enthält"
und weiterhin das "europäisch-amerikanische Wertesystem fördert. Infolgedessen konzentriert sich die
Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika und
des Staates New York auf die angelsächsische Elite,
während das 'andere Amerika' unsichtbar gemacht
oder zumindest an den Rand gedrängt wurde... Europäische Kultur hat keinen immanenten Anspruch auf
Überlegenheit, aber unser Bildungssystem lehrt europäische Amerikaner dennoch, daß ihre Kultur der
Standard ist, gegenüber dem alle anderen Kulturen
zurückfallen."
Die Arbeitsgruppe empfahl die vollständige Überarbeitung des Lehrplans, "um sicherzustellen, daß der
pluralistische Charakter unserer Gesellschaft eindeutig repräsentiert ist und Studenten aller Kulturen richtig
ausgebildet werden. Aspekte der Kooperation und
Freundschaft zwischen allen Kulturen sollten gegenüber Konflikt und Gewalt betont werden."
Alle Seiten im Lehrplan-Krieg sind jetzt für "Multikulturalismus" und befürworten das multil ulturelle Studium der amerikanischen und Weltgeschichte. Die
gesamte Argumentation, was dies beinhalten sollte,
verschleiert jedoch bestimmte entscheidende Wahrheiten. Die demokratischen Institutionen der Vereinigten Staaten hatten ihren Ursprung in Europa und
insbesondere in Großbritannien. In dem Maße, in dem
Schüler über dieses Vermächtnis unterrichtet werden
- was sie zweifelsohne sollten - muß das Curriculum
unweigerlich "eurozentrisch" sein. Wenn man jedoch
zur Sozialgeschichte kommt, führt Nash aus, "ist ein
eurozentrischer Ansatz unausgewogen, weil er Amerikaner asiatischer Abstammung, Afroamerikanern oder
Hispanoamerikanern wenig Aufmerksamkeit widmet".
Aber auch ein afrozentrischer Lehrplan wäre unausgewogen, erklärt er. "Es ist unerheblich, welches Wort
Sie vor '-zentrisch' setzen. In einem Land wie dem
unseren und beim Unterrichten der Weltgeschichte
schaffen sie ein unausgewogenes Curriculum sobald
sie dieses Wort benutzen."
*

*

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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

2. September 1992

35

JUGOSLAWIEN

JUGOSLAWIENKRISE KÖNNTE WELT NACH
DEM KALTEN KRIEG BEEINFLUSSEN
Rede bei der Londoner Jugoslawienkonferenz

LONDONER KONFERENZ LEITET PROZESS
ZUR LÖSUNG DES JUGOSLAWIENPROBLEMS
IN DIE WEGE
Pressekonferenz des
geschäftsführenden Au ßenministers

IRAK

KOALITION VERHÄNGT FLUGVERBOT
IM SÜDIRAK
Erklärung von Präsident Bush

NAFTA

HILLS: NAFTA SCHAFFT KEINE
FESTUNG NORDAMERIKA
Stellungnahme der US-Handelsbeauftragten

FULBRIGHT

FULBRIGHT-LEHRERAUSTAUSCHPROGRAMM
ZEITIGT IN VIELEN REGIONEN ERFOLGE
Informationsveranstaltung für Lehrer

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�JUGOSLAWIEN
2. September 1992

JUGOSLAWIENKRISE KÖNNTE WELT NACH DEM
KALTEN KRIEG BEEINFLUSSEN
Rede bei der Londoner Jugoslawienkonferenz
LONDON - (AD) - Der amtierende US-Au ßenminister Lawrence Eagleburger hat am 26. August 1992 erklärt, im
vom Bürgerkrieg zerrissenen ehemaligen Jugoslawien gebe es ein "erschreckendes Echo" aus den "dunkelsten
Momenten" der europäischen Geschichte und die Welt könne es nicht zulassen, "daß dieses Krebsgeschwür im
Herzen Europas gedeiht, geschweige denn sich ausbreitet".
Vor der Londoner Jugoslawienkonferenz machte Eagleburger die Teilnehmer darauf aufmerksam, daß "was wir
leisten - oder nicht leisten - auf jeden Fall die Zukunft Europas sowie das Gefüge des internationalen Systems
nach dem Kalten Krieg beeinflussen wird".
Eagleburger forderte, die Konferenz dürfe sich nicht "mit der De-facto-Schaffung eines Großserbiens abfinden",
und die Vereinigten Staaten erwarteten von der Konferenz folgende Maßnahmen:
Sicherstellung von humanitärer Hilfe für die Opfer des Konflikts sowie ungehinderten Zugang zu allen
Internierungslagern;
die Forderung nach unverzüglicher Einstellung der Gewalt sowie der Beendigung der Belagerungen von
Sarajevo, Gorazde, Tuzla, Bihac, Mostar und anderen bosnischen Städten durch die serbischen Truppen;
die Bekräftigung der Entschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft, die umfassenden
Wirtschaftssanktionen gegen Serbien/Montenegro zu verschärfen und ihre politische Isolation aufrechtzuerhalten, bis alle einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates eingehalten werden. Die Klarstellung, daß Sanktionen gegen alle Parteien verhängt werden, die ebenso verwerflich handeln.
Gewährleistung, daß der Konflikt nicht auf Gebiete und Länder übergreift, die noch nicht unmittelbar von
den Kämpfen betroffen sind.
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.

Wir haben uns heute hier versammelt, weil wir als
Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft Ost und West, Moslems, Christen oder Juden - verpflichtet sind, den Völkern des ehemaligen Jugoslawiens in ihrer Stunde des Leidens und der Not zu
helfen. Die von uns in London getroffenen Entscheidungen über ihr Schicksal werden jedoch über die
gegenwärtige Krise hinaus Konsequenzen haben. Denn
was wir leisten - oder nicht leisten - wird auf jeden Fall
die Zukunft Europas sowie das Gefüge des internationalen Systems nach dem Kalten Krieg beeinflussen.
Vor nur drei Jahren begann die Menschheit aufs Neue
ihren lange unterbrochenen Marsch zu Freiheit, Aufklärung und Rechtsstaatlichkeit. Wir hatten damals

AMERIKA DIENST 35

guten Grund zu der Hoffnung, daß sich alle vom
Kommunismus befreiten Nationen nicht nur dem Kreis
der westlichen Demokratien, sondern auch dem Kreis
des Friedens anschließen würden, der durch die
Aussöhnung traditioneller Feinde geschaffen wurde.
Kurzum: wir stellten uns einen vergrößerten Bund
demokratischer Staaten vor, die ohne den Haß und die
Rivalitäten ins 21. Jahrhundert eintreten würden, die
das ausgehende Jahrhundert so sehr verdunkelt haben.
Diese Hoffnungen bleiben unvermindert bestehen,
aber in der Zwischenzeit haben uns die Ereignisse im
ehemaligen Jugoslawien mit dem Gespenst konfrontiert, daß die Geschichte dort nicht überwunden, sondern wiederholt wird, und mit der Vision, daß die

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�Zukunft dieses Landes eine Neuinszenierung seiner
tragischen Vergangenheit ist.
Tatsächlich gibt es im ehemaligen Jugoslawien heute
ein erschreckendes Echo der dunkelsten Momente
der europäischen Geschichte - von früheren Beispielen rassisch begründeter Repression, Aggression und
territorialer Expansion. Die Geschichte lehrt jedoch,
daß die Eroberungen früherer ethnischer Säuberer
meistens nur kurz Bestand hatten und die Völker, in
deren Namen ihre Verbrechen begangen wurden, in
der Regel ein unglückliches Schicksal erlitten.
Wahre Freunde des ehemaligen Jugoslawiens müssen anerkennen, daß die Geschichte dort nicht gestern begonnen hat und die Tragödie, die sich dort
gerade zuträgt, alte und komplizierte Wurzeln hat. Sie
sind sich insbesondere der Tatsache bewußt, daß die
serbische Bevölkerung ein Hauptopfer des Zweiten
Weltkriegs war, und sie genießt aufgrund dieser Leiden, die vielen noch frisch im Gedächtnis sind, ihre
Sympathie.
Ich vertrete eine Regierung, die traditionell ein besonderes Verhältnis zu Serbien hat. Und ich erkenne an,
daß in dem fortdauernden jugoslawischen Aufruhr
Verbrechen von allen Seiten begangen wurden. Heute
sind jedoch besonders Serben für Verbrechen verantwortlich, die denen ihrer ehemaligen Peiniger gleichkommen und die heilige Erinnerung an die Vorfahren
entehren, denen solche Pein zugefügt wurde. Und es
sind die Serben, die eine äußerst düstere Zukunft vor
sich haben, wenn es ihnen nicht gelingt, den von ihren
rücksichtslosen Führern eingeschlagenen Kurs zu
ändern.
Ich treffe diese Vorhersage ohne Befriedigung, aber
ich treffe sie, weil wir eindeutig feststellen müssen: die
zivilisierte Welt kann es sich einfach nicht leisten
zuzulassen, daß dieses Krebsgeschwür im Herzen
Europas gedeiht, geschweige denn sich ausbreitet.
Wir müssen die Kontrolle über die Zukunft denjenigen
entreißen, die uns in die Vergangenheit zurückwerfen
wollen und der Welt zeigen - insbesondere der einen
Milliarde Moslems auf der Welt -, daß die westlichen
Demokratien Aggression unter allen Umständen ablehnen und ihr nicht in einer Region entgegentreten
und sie in einer anderen dulden.
Sicherlich werden wir diesen Konflikt nicht heute in
London beilegen. Aber wir werden uns auch nicht mit
der De-facto-Schaffung eines Großserbiens abfinden.
Was wir tun werden - so hoffe ich - ist, einen koordinierten, integrierten und kontinuierlichen Verhandlungsprozeß ins Leben zu rufen, der zu einer Umkehr der
serbischen Aggression und zur Integration der ehemaligen jugoslawischen Republiken in den größeren
Rahmen eines demokratischen Europas führen wird.
Hier bei dieser Konferenz sollten wir die politischen
Entscheidungsträger im gesamten ehemaligen Jugoslawien vor die Wahl stellen, entweder mit der interna-

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tionalen Staatengemeinschaft zusammenzuarbeiten
oder einen von uns zu fordernden inakzeptabel hohen
Preis für Aggression zu bezahlen. Darüber hinaus
sollten wir hier bei dieser Konferenz das Volk von
Serbien eindeutig vor die Wahl stellen, entweder einem demokratischen und wohlhabenden Europa beizutreten oder ihren Führern in die Schmach, Isolation
und Niederlage zu folgen, die sie erleiden werden,
wenn sie ihren gegenwärtigen Marsch der Torheit
fortsetzen.
Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten erwarten,
daß die Konferenz folgende spezifische Aufgaben in
Angriff nimmt:
Humanitäre Hilfe
Erstens, die Bereitstellung humanitärer Hilfe für die
Opfer dieses Konflikts sowie die Gestattung des unverzüglichen, uneingeschränkten und ungehinderten
Zugangs zu allen Internierungslagern.
Angesichts des herannahenden Winters besteht unsere unmittelbare Priorität darin, das Problem von Unterkunft und Ernährung der Hunderttausenden vordringlich in Angriff zu nehmen, die in Bosnien, Kroatien,
Slowenien, Serbien und Mazedonien heimatlos geworden sind. Darüber hinaus müssen wir weiteren
Hunderttausenden humanitäre Hilfe zukommen lassen, die in Bosnien eingeschlossen sind, so daß sie
nicht zum nächsten Flüchtlingsstrom werden. Die
Öffnung von Sicherheitskorridoren ist zur Verwirklichung dieses Ziels erforderlich. Die internationale
Staatengemeinschaft muß ungehinderten Zugang zu
Lande und in der Luft haben, um die humanitären
Hilfslieferungen zu gewährleisten. Und während wir
die friedliche Zusammenarbeit mit allen Seiten anstreben, müssen wir zum Einsatz aller erforderlichen Mittel
bereit sein, um sicherzustellen, daß die Hilfe ihr Ziel
erreicht.
Bis heute haben die Vereinten Nationen und das IKRK
zur Lieferung von Hilfsgütern im Wert von rund 500
Millionen Dollar in die Kriegszone beigetragen. Der
Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
(UNHCR) hat jetzt jedoch die betroffenen Regierungen
zu einem erneuten Treffen am 4. September einberufen, um einen konkreten Plan für die Erweiterung der
Konvois nach Bosnien durchzuführen und dem Bedarf
an winterfesten Unterkünften für Flüchtlinge in anderen Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens gerecht
zu werden. Die Vereinigten Staaten werden einen
ersten Beitrag in Höhe von über 40 Millionen Dollar und
gegen Ende des Jahres einen weiteren leisten. Über
diese direkte finanzielle Hilfe hinaus besteht unsere
Unterstützung aus Nahrungsmitteln, Medikamenten,
Material für Unterkünfte, Transportmitteln und technischer Hilfe.
Nebenbei möchte ich bemerken, wir sind uns des
Risikos bewußt, daß humanitäre Hilfe, wenn wir nicht

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�sorgfältig vorgehen, zur Konsolidierung der Landnahme in Bosnien und der politischen Kantonisierung
beitragen könnte, die von den Vereinigten Staaten
kategorisch abgelehnt wird. Aus diesem Grund vertreten wir die Auffassung, daß es nicht zu früh für die
internationale Staatengemeinschaft ist, die Frage
anzusprechen, wie wir den Flüchtlingen helfen, dorthin
zurückzukehren, was von ihren Häusern und Dörfern
übriggeblieben ist und diese wiederaufzubauen. Dieses Thema muß Teil jeder von den Vereinigten Staaten unterstützten politischen Beilegung der derzeitigen
Krise sein und macht weiter beträchtliche internationale Hilfslieferungen erforderlich.
Schließlich müssen wir auf einer Beendigung der
Menschenrechtsverletzungen, die in den Internierungslagern in ganz Bosnien begangen werden und auf der
Auflösung dieser Lager bestehen. Der internationalen
Staatengemeinschaft muß unverzüglich und kontinuierlich uneingeschränkter Zugang zu diesen Lagern
gewährt werden. Das IKRK sollte alles in seiner Macht
Stehende tun, um die stattfindenden Inspektionen zu
beschleunigen und in seinen Bestrebungen von Berichterstattern des UNHCR und der KSZE unterstützt
werden.
Ein Verhandlungsprozeß
Eine zweite Aufgabe besteht darin, der Tag für Tag an
den Menschen in Bosnien verübten Gewalt ausdrücklich Einhalt zu gebieten. Als ersten Schritt fordere ich
die serbischen Streitkräfte auf, die Belagerung von
Sarajevo, Gorazde, Tuzla, Bihac, Mostar und anderen
bosnischen Städten aufzuheben - ein Schritt, der Teil
eines umfassenderen diplomatischen Prozesses sein
muß. Zu diesem Zweck müssen wir einen kontinuierlichen internationalen Verhandlungsmechanismus
schaffen, der auf ständiger Basis und unter Einbeziehung aller betroffenen Parteien operiert, um eine gerechte und dauerhafte Schlichtung zu erzielen.
Ich betone die Worte "gerecht und dauerhafte". Die
serbische Regierung hat in London ihre Bereitschaft
zur Aushandlung eines Friedens erklärt. Wir müssen
jedoch sicherstellen, daß bei der Einigung über einen
Verhandlungsmechanismus alle Parteien auch zustimmen, auf der Grundlage der in der Charta der
Vereinten Nationen und der KSZE verankerten Prinzipien zu verhandeln - das heißt, der Verpflichtung zu
einer friedlichen Lösung von Konflikten, Respektierung der territorialen Integrität anderer Staaten, Ablehnung von Bestrebungen, Grenzen durch Gewalt zu
verändern, Garantie grundlegender Menschenrechte einschließlich der Rechte von Minderheiten - sichere
Rückführung der Opfer der "ethnischen Säuberung" in
ihre Heimat und obligatorische Einhaltung der Bestrebungen zur Bereitstellung humanitärer Hilfe. Nur
durch die Zustimmung zu einem auf diese Prinzipien
gegründeten Friedensprozeß können wir gewährleisten, daß die Verhandlungen nicht zum Instrument der
Konsolidierung der Früchte von Aggression werden.

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Bestrafung und Ächtung von Aggression
Erfolgreiche Verhandlungen erfordern von uns vor
allem, die Kosten für diejenigen anzuheben, die weiterhin Gewaltakte verüben und gewaltsam eroberte Territorien besetzt halten. Deshalb besteht unseres Erachtens die dritte Aufgabe der Konferenz in der Bekräftigung der Entschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft, die umfassenden Wirtschaftssanktionen gegen Serbien/Montenegro zu verschärfen und
seine politische Isolierung aufrechtzuerhalten, bis alle
entsprechenden Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
eingehalten werden. Gleichzeitig sollten wir allen
anderen Konfliktparteien vor Augen führen, daß wir
auch gegen sie Sanktionen verhängen werden, wenn
sie mit derselben Grausamkeit vorgehen.
Wir sind uns bewußt, daß eine Verschärfung der
Sanktionen den traditionellen Handelspartnern von
Serbien/Montenegro Härten auferlegen wird, und wir
ermutigen Maßnahmen zur Entschädigung der Staaten, deren strikte Einhaltung der Sanktionen ihnen
ungebührliche Schwierigkeiten verursacht. Wir müssen jedoch entschlossen sein, andauernde und offenkundige Verletzungen der Sanktionen nicht länger zu
tolerieren.
Mehrere Schritte sind erforderlich. Erstens müssen
die Umschlagrichtlinien des UN-Sanktionskomitees
überarbeitet werden, um strenge Dokumentationsund Inspektionsverfahren einzubeziehen. Zweitens
werden wir in Absprache mit der rumänischen Regierung unverzüglich multinationale Beobachter zur Einhaltung der Sanktionen nach Rumänien entsenden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, Experten und
Gerät für diese Operation zur Verfügung zu stellen.
Ähnliche Arrangements sollten auch in anderen Regionen geschaffen werden, die an Serbien/Montenegro
angrenzen, einschließlich Ungarn, Bulgarien, Albanien und Mazedonien. Drittens müssen wir neue
Maßnahmen verabschieden, um auf der Donau stattfindende Verletzungen des Embargos zu unterbinden.
Präventive Diplomatie
Die vierte Aufgabe der Konferenz liegt im Bereich der
präventiven Diplomatie - das heißt, der Sicherstellung,
daß der Konflikt sich nicht in Gebiete und Länder
ausweitet, die nicht direkt von den Kämpfen betroffen
sind.
Ein sofortiger Schritt muß die Durchführung der vor
zwei Wochen von der KSZE getroffenen Entscheidung
sein, ständige Menschenrechtsbeobachter in die Gebiete
Serbiens - Kosovo, Wojwodina und Sandschak - zu
entsenden, die das nächste Ziel von Aggression werden könnten. Darüber hinaus haben die serbischen
Führer ihre Bereitschaft erklärt, die Stationierung internationaler Beobachter auf ihrem Territorium, entlang
der bosnisch-serbischen Grenze sowie auf Luftwaffenstützpunkten in Serbien und Montenegro zu gestat-

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�ten. Jetzt ist es an der Zeit, diese Worte in Taten
umzusetzen, indem wir heute hier die Entscheidung
treffen, Beobachter entlang dieser Grenze und auf
diesen Luftwaffenstützpunkten zu stationieren.
Diese Beobachter müssen durch weitere in den an
Serbien grenzenden Staaten und Regionen ergänzt
werden. Ihre Aufgabe würde darin bestehen, als
Abschreckung für eine Ausweitung der Kämpfe und
auch als "Frühwarnung" für deren Bevorstehen zu
wirken.
Die Europäische Gemeinschaft arbeitet aktiv mit Albanien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Griechenland
bei der Zusammenstellung solcher Überwachungsteams zusammen. Wir begrüßen diese Bestrebungen, drängen auf deren unverzügliche Vollendung und
stehen zur Hilfe bereit, wo immer wir können. Gleichzeitig unternehmen die Vereinigten Staaten Anstrengungen, Beobachter in die ehemalige jugoslawische
Republik Mazedonien zu entsenden, und wir werden
mit der EG zusammenarbeiten, um auch den Bewohnern dieser Region Wirtschaftshilfe zukommen zu
lassen.
Schlußbemerkung
Ich habe meine Ausführungen mit der Beschreibung
der Tragödie im ehemaligen Jugoslawien unter dem
Aspekt des scheinbar endlosen Zyklus von Gewalt und
Rache begonnen, der diese Region seit so vielen

Jahrhunderten charakterisiert. In Wirklichkeit haben
die Vorgänge in diesen Ländern jedoch nichts fatalistisches. Tatsache ist, daß der Konflikt von Männern
gewollt wurde, die versuchen, das letzte kommunistische Regime Europas durch die Manipulation von
jahrhundertealtem Haß und Furcht zu erhalten. Tatsache ist, daß die Menschen im ehemaligen Jugoslawien
sich noch immer weigern können, den Schierlingsbecher zu trinken, den ihre politisch Verantwortlichen
ihnen vorsetzen.
Wenn sie sich weigern sollten, können sie erneut
einem demokratischen Europa in einem Integrationsprozeß beitreten, der traditionelle Vorstellungen von
Souveränität verwirft und die Interessen von Minderheiten auf dem ganzen Kontinent erweitert. Die
Demokratien der Welt - ganz sicher einschließlich der
Vereinigten Staaten - werden die Serben in ihrer Mitte
willkommen heißen und ihnen größere Sicherheit bieten, als sie je unter dem jetzt herrschenden Gesetz des
Dschungels erhoffen könnten.
Die Völker jedoch, die den irrationalen Weg von Haß
und Aggression wählen, können nicht die Mitgliedschaft in der kürzlich erweiterten Gemeinschaft demokratischer Staaten erwarten. Wir werden ihnen schlicht
und einfach nicht gestatten, die menschlichere und
rationalere Zukunft zur Farce zu machen, die der
Zusammenbruch des Kommunismus und das Ende
der Bedrohung eines nuklearen Holocaust versprechen.

* * * * *

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�JUGOSLAWIEN
2. September 1992

LONDONER KONFERENZ LEITET PROZESS ZUR
LÖSUNG DES JUGOSLAWIENPROBLEMS IN DIE WEGE
Pressekonferenz des geschäftsführenden Außenministers
LONDON - (AD) - Die mit den belagerten Republiken des ehemaligen Jugoslawiens betaßte internationale
Konferenz wird "dieses Problem nicht über Nacht lösen, aber meines Erachtens haben wir einen entscheidenden Prozeß in die Wege geleitet", stellte der geschäftsführende Außenminister Lawrence Eagleburger fest.
Das unter dem gemeinsamen Vorsitz der Vereinten Nationen und der Europäischen Gemeinschaft geschaffene ständige Verhandlungsforum wird die "Parteien zusammenführen und zur Entschärfung des derzeitigen
Konflikts, der Beendigung des Blutvergießens und letztlich zu einer Verhandlungslösung beitragen", erklärte
Eagleburger anläßlich einer Pressekonferenz in London am 28. August 1992.
"Wir haben uns auf die Erweiterung und Stärkung der UN-Schutztruppe (United Nations Protection Force UNPROFOR) zur Unterstützung der humanitären Hilfsaktionen der UNO in Bosnien geeinigt", so Eagleburger.
"Wir verschärfen das Sanktionsregime durch die Entsendung internationaler Beobachter in die Nachbarstaaten,
unterbinden die Verletzung der Sanktionen auf der Donau und tragen zur Entschädigung der am härtesten von
der strikten Einhaltung der Sanktionen betroffenen Nachbarstaaten bei."
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom geschäftsführenden Außenminister gegebene Pressekonferenz im
Wortlaut.

Eagleburger: Ich habe eine kurze Erklärung abzugeben und stehe dann gerne zur Beantwortung Ihrer
Fragen bereit.
Wir ich gestern bereits sagte, ist dieser Konflikt ein
echtes Krebsgeschwür im Herzen Europas. Seine
Ursachen und Konsequenzen sind komplex. Er wird
nicht über Nacht beigelegt. Und er muß in all seinen
Dimensionen angesprochen werden, wenn wir ihn
entschärfen, eindämmen und letztlich beenden wollen.
Wir wollten diese Konferenz einsetzen, um internationale Aktionen in all diesen Dimensionen wirksam werden
zu lassen: der Beendigung des menschlichen Alptraums in Bosnien, Unterstützung des Verhandlungsprozesses, Bestrafung der Aggressoren und Verschärfung der wirtschaftlichen und politischen Isolierung von
Serbien und Montenegro, Eingrenzung des Konflikts
und Verhinderung seiner Ausbreitung und letztlich,
den Völkern im ehemaligen Jugoslawien Frieden zu
bringen. Wir haben diese Konferenz meines Erachtens mit einem starken Konsens und einem konkreten
Plan zu jedem dieser Bereiche beendet.

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Erstens wollten wir, daß diese Konferenz die territoriale Integrität sowie die legitime Regierung von BosnienHerzegowina unterstützt und sicherstellt, daß die
Konferenz nicht zu einem Forum zur Förderung von
Zersplitterung und Kantonisierung wird. Die Konferenz hat ein klares politisches Signal gesetzt, daß die
internationale Staatengemeinschaft Aggression nicht
belohnen sowie Bosniens Souveränität, Unabhängigkeit und Integrität wahren wird und Verhandlungen im
Einklang mit den grundlegenden KSZE-Prinzipien geführt
werden müssen.
Zweitens wollten wir ein ständiges Verhandlungsforum schaffen, das sich ausschließlich mit der Entschärfung der Krise befaßt und den Prozeß zu einer
politischen Lösung führt. Unserer Ansicht nach wird
das von uns unter dem gemeinsamen Vorsitz der
Vereinten Nationen und der Europäischen Gemeinschaft geschaffene, von starken Grundsätzen geleitete ständige Verhandlungsforum mit Sitz in Genf die
Parteien zusammenführen und zur Entschärfung des
derzeitigen Konflikts, der Beendigung des Blutvergießens und letztlich zu einer Verhandlungslösung beitragen. Zur Erleichterung dieses Verhandlungsprozes-

Seite 1

�ses haben die Vereinigten Staaten 3 Millionen Dollar
als Anschubfinanzierung angeboten.
Drittens wollten wir über eine Grundsatzvereinbarung
und eine Verhandlungsstruktur hinausgehen, um einen internationalen Aktionsplan zur Bewältigung dieser Krise zu entwickeln. Wie Sie vermutlich der
Erklärung des stellvertretenden Vorsitzenden zu bei
der Konferenz getroffenen spezifischen Entscheidungen entnehmen konnten, haben wir eine Reihe konkreter Maßnahmen umrissen, die die internationale Staatengemeinschaft zur Bereitstellung humanitärer Nothilfe, verschärftem Druck auf die Aggressoren und
Eindämmung des Konflikts ergreift. Ich möchte einige
dieser Schritte im einzelnen darlegen:
Wir haben für diesen Winter massive humanitäre
Hilfsbestrebungen in die Wege geleitet, einschließlich
für die Sitzung des Hohen Flüchtlingskommissars der
Vereinten Nationen UNHCR am 4. September eingegangener Verpflichtungen. Ich darf hinzufügen, daß
wir - wie ich in meiner gestrigen Rede vor der Konferenz erwähnt habe - jetzt zusammen mit den anderen
Mitgliedern der internationalen Staatengemeinschaft
Planungen aufnehmen, um Flüchtlingen die Rückkehr
in ihre zerstörten Häuser und Dörfer sowie bei deren
Wiederaufbau zu helfen.
Wie Premierminister Major andeutete, haben wir uns
auf die Erweiterung und Stärkung der UNPROFOR zur
Unterstützung der humanitären Hilfsaktionen der UNO
in Bosnien geeinigt. Wir verschärfen das Sanktionsregime durch die Entsendung internationaler Beobachter in die Nachbarstaaten, unterbinden die Verletzung
der Sanktionen auf der Donau und tragen zur Entschädigung der am härtesten von der strikten Einhaltung
der Sanktionen betroffenen Nachbarstaaten bei.
Und wir engagieren uns in präventiver Diplomatie. Wir
entsenden ständige Menschenrechtsbeobachter nach
Kosovo, Wojwodina und Sandschak sowie "Frühwarnbeobachter" in Nachbarstaaten und -regionen einschließlich Albanien, Mazedonien, Rumänien, Bulgarien und Ungarn.
Auch mit den Parteien selbst haben wir Fortschritte
erzielt. Wie Sie inzwischen wahrscheinlich wissen, hat
der Führer der bosnischen Serben Karadzic zugestimmt, schwere Waffen den internationalen Beobachtern zu unterstellen. Wir erwarten, daß er diese
Vereinbarung in die Praxis umsetzt. Unseres Erachtens birgt die Konsolidierung und Kontrolle schwerer
Waffen ein großes Potential zur Verringerung des
Blutvergießens. Darüber hinaus hat die bosnische
Regierung zugestimmt, sich erneut am Verhandlungsprozeß zu beteiligen.
Wir haben ferner die Parteien hart gedrängt, weitere
konkrete Schritte zu unternehmen, die zum Großteil
ebenfalls in der Erklärung des stellvertretenden Vorsitzenden enthalten sind. Insbesondere haben wir folgende Notwendigkeiten unterstrichen:
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Erstens die Beendigung der Belagerung und den Abzug
der Truppen von Brennpunkten um Sarajevo, Tuzla,
Gorazde, Bihac und Mostar sowie anderen bosnischen Städten.
Einwilligung zur Stationierung internationaler Beobachter entlang aller bosnischen Grenzen zur Unterbindung der militärischen Unterstützung von Streitkräften
der verschiedenen Volksgruppen in Bosnien. Wir
erwarten im Verlauf der nächsten Woche eine UNOVereinbarung zur Entsendung dieser Beobachter.
Respektierung des Lebens und der Sicherheit der
UNO-Truppen sowie Gewährleistung der sicheren
Lieferung humanitärer Hilfsgüter in alle Gebiete von
Bosnien-Herzegowina, einschließlich des ungehinderten Zugangs zu Lande und in der Luft.
Und schließlich kontinuierlichen Zugang internationaler Beobachter zu allen Internierungslagern und deren
unverzügliche Auflösung.
Ich wei ß, es ist eine höfliche Sitte, nette Dinge über den
Gastgeber zu sagen. Ich bin nicht nur höflich. Ich
möchte mit absoluter Aufrichtigkeit feststellen, daß
Premierminister Major und die Regierung Ihrer Majestät meines Erachtens wirklich etwas in der Sache des
Friedens für das ehemalige Jugoslawien vollbracht
haben. Diese Konferenz hat uns aus meiner Sicht auf
einen neuen Kurs gebracht. Wir werden dieses Problem nicht über Nacht lösen, aber meines Erachtens
haben wir einen entscheidenden Prozeß in die Wege
geleitet. Wir haben eine Reihe von Schritten unternommen, die ohne das Organisationstalent und die
wirklich ausgezeichnete Konferenzleitung nicht möglich gewesen wären, die der Premierminister während
der vergangenen beiden Tage unter Beweis gestellt
hat.
Frage: Sie sagten, die Konferenz habe sich geeinigt,
die Zersplitterung oder Kantonisierung Bosniens zu
verhindern. Der letzte Punkt der Erklärung zu Bosnien,
der unterzeichnete wurde, stellt jedoch fest, die bosnisch-serbische Seite erkenne an, daß sie in Verhandlungen zwischen allen drei bosnischen Parteien zustimmen würde, sich aus beträchtlichen Teilen des von
ihren Streitkräften kontrollierten Territoriums zurückzuziehen. Das scheint zu implizieren, daß sie einen
Teil dessen behalten wollen, was sie mit Gewalt erobert haben. Trifft das zu?
Antwort: Nein, überhaupt nicht. Das heißt, die
bosnisch-serbische Seite erklärte, sie sei zum Rückzug aus beträchtlichen, nicht allen Teilen des Gebiets
bereit, aber die Konferenz hat eindeutig klargestellt,
daß das nicht ausreicht. In unserer Erklärung habe ich
außerdem klargestellt, daß die Vereinigten Staaten
keine Lösung akzeptieren werden, mit der die eroberten Gebiete nicht den - um es so zu formulieren ehemaligen Besitzern zurückgegeben werden. Karadzic und die bosnischen Serben mögen vielleicht
gewisse Zugeständisse gemacht haben, aus unserer
AMERIKA DIENST 35

�Sicht ist das jedoch nicht genug, und letztlich werden
wir - wie ich bereits angedeutet habe - nichts anderes
akzeptieren als die Rückkehr zum Status quo ante.
Frage: Meine Frage bezieht sich auf dasselbe Thema.
Wenn man zum Status quo ante zurückkehren will,
scheint es, als ob das Flüchtlingsproblem, das hier das
grundlegende politische Thema ist, nicht nur von den
Diskussionen in den Arbeitsgruppen über Verfassungsfragen abgetrennt, sondern auch von einem separaten
Thema zu einem der humanitären Hilfe heruntergestuft wurde. Dies wiederum wirft gravierende Zweifel
bezüglich der Fähigkeit auf, die Kantonisierung und
Teilung rückgängig zu machen.
Antwort: Ich bin nicht sicher, ob ich verstanden habe,
wie Sie zu dieser Schlu ßf olgerung gelangt sind. Sehen
Sie, was wir bei der Konferenz gesagt haben, was
vereinbart wurde und natürlich, was ich in meiner
gestrigen Erklärung zum Ausdruck gebracht habe, ist,
daß wir uns mit einem dringenden Problem Hunderttausender Flüchtlinge und einem bevorstehenden Winter
konfrontiert sehen. Einige sind in Bosnien. Viele sind
au ßerhalb Bosniens in anderen Teilen des ehemaligen
Jugoslawiens. Und der UNHCR veranstaltet Anfang
September eine Konferenz, um Geld zur Bewältigung
eben dieser Frage aufzubringen, was man tun muß,
um diesen Flüchtlingen kurzfristig zu helfen. Die
Vereinigten Staaten haben Hilfsleistungen im Wert
von 40 Millionen Dollar zu diesen Bestrebungen und
weitere Mittel im späteren Verlauf des Jahres zugesagt.
Was ich in meiner gestrigen Erklärung gesagt habe,
möchte ich heute wiederholen: Die internationale
Staatengemeinschaft muß auch sondieren und letztlich Geld zur Unterstützung der Rückkehr dieser Flüchtlinge in ihre Häuser - oder das, was davon übrig ist aufbringen sowie angemessene Hilfe zum Wiederaufbau dieser Häuser und Unterkünfte bereitstellen. Der
Hauptpunkt hier ist, daß wiruns mit dem vordringlichen
Problem der Flüchtlinge befassen müssen und wie wir
sie durch den Winter bringen.
Es ist zweifelsohne unsere Absicht, und wenn ich
"unsere" sage, meine ich die Vereinigten Staaten, und
dabei haben wir glaube ich auch die Zustimmung der
anderen, daß der Grundsatz lautet, sie werden dann in
ihre Heimat zurückgebracht. Wir werden keine Flüchtlingslager einrichten, die in 20 Jahren immer noch
Flüchtlingslager sind. Diese Menschen müssen in ihre
Heimat zurückkehren können, aber in der Zwischenzeit haben wir das unmittelbare Problem, uns der
Menschen anzunehmen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und zum jetzigen Zeitpunkt Flüchtlinge
sind.
Frage: Ich habe zwei Fragen. Die eine schließt direkt
an. Ist es realistisch zu erwarten, daß Menschen in
Dörfer zurückkehren, in denen Nachbarn ihre Frau

AMERIKA DIENST 35

vergewaltigt, ihren Vater getötet oder ihre Kinder
massakriert haben? Und die zweite Frage betrifft die
spezifische Entscheidung zur Benachrichtung der
Vereinten Nationen über alle Granaten und schweren
Waffen binnen 96 Stunden. Die Frage lautet: 96
Stunden von wann an gerechnet?
Antwort: Im Hinblick auf die erste Frage könnte es
sich als unrealistisch erweisen zu erwarten, daß alle
Menschen in ihre Heimat zurückkehren werden. Aber
wie Sie wissen, besteht die einzige Alternative in der
Tat darin zu sagen, daß sie nicht in ihre Heimat
zurückkehren können, und dann haben wir genau das
Problem, das Ihr Vorredner gerade angesprochen hat,
nämlich, wenn wir unter diesen Umständen so mit den
Flüchtlingen verfahren, haben wir ethnischer Säuberung und der Kantonisierung nachgegeben.
Die internationale Staatengemeinschaft muß bereit
sein sicherzustellen, daß diesen Menschen mit einiger
Hilfe die Rückkehr in ihre Heimat ermöglicht wird, wenn
sie dies wünschen. Wir können sie nicht zur Rückkehr
zwingen, wenn sie dies nicht wollen. Und die 96
Stunden, von wann an? Ich zögere, Ihnen darauf eine
eindeutige Antwort zu geben. Es steht nicht unmittelbar bevor. 96 Stunden ab dem Zeitpunkt, an dem der
Prozeß beginnt, und ich weiß nicht, wann das ist. Ich
kann diese Frage nicht beantworten.
Frage: Wie ist die amerikanische Haltung zur Frage,
ob die Anerkennung in die Tagesordnung dieser Konferenz einbezogen werden sollte und zweitens, wie
stehen die Vereinigten Staaten zur Mitgliedschaft von
Mazedonien in den Vereinten Nationen, insbesondere
in Anbetracht der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten Ständiges Mitglied des Sicherheitsrats sind?
Antwort: Mazedonien stand nicht auf der Tagesordnung dieser Konferenz. Giigorow war anwesend. Er
hat das Thema angesprochen, aber es war kein Tagesordnungspunkt. Es war kein Thema, das bei dieser
Konferenz entschieden werden sollte. Insofern wurde
auch keine Entscheidung getroffen.
Die Mitgliedschaft Mazedoniens in den Vereinten
Nationen ist ein Thema, das zu dem Zeitpunkt erwogen wird, wenn dieser Antrag den Vereinten Nationen
vorliegt. Ich möchte im Augenblick keine Prognosen
anstellen, wann das entschieden wird.
Frage: Sowohl Sie als auch der Premierminister
haben erklärt, daß die Internierungslager geöffnet
würden, hoffentlich bald. In dem Papier zu Serbien
haben die Serben jedoch lediglich erklärt, sie würden
ihren Einfluß auf die bosnischen Serben zur Geltung
bringen, um die Schließung dieser Internierungslager
zu erlangen. Haben Sie irgendwelche Hinweise darauf, wann sie aufgelöst werden und haben sie Ihnen
eine stärkere Verpflichtung gegeben, dies zu tun?
Antwort: Sie meinen die Serben?

Seite 3

�Frage: Ja.
Antwort: Nein, außer der, daß sie ihren Einfluß
verwenden würden. Wir sollten auch hier versuchen,
eines eindeutig klarzustellen. Wozu die Serben zugestimmt haben oder wozu die bosnischen Serben
möglicherweise zugestimmt haben, ist vielleicht ein
Schritt in die richtige Richtung. Aber diese Konferenz
und ihre Teilnehmer haben über einige Dinge entschieden, die konkreter waren als dies. Es handelt sich
grundsätzlich um dasselbe Problem wie bei der Frage,
ob die bosnischen Serben bereit sind, sich aus allen
erorberten Gebieten in Bosnien zurückzuziehen.
Die Serben haben sich verpflichtet, ihren Einfluß geltend zu machen. Wir haben die Aussage der Konferenz, daß diese Lager rasch geöffnet werden müssen,
und aufgrund des Berichts des IKRK muß ich sagen,
daß dessen Vertreter in der Tat ziemlich rasch Zutritt
zu den Lagern bekommen, obwohl noch eine Menge
zu tun bleibt. Aber die Lager müssen geöffnet werden,
und vor allem müssen sie so bald wie möglich aufgelöst werden. Ich kann Ihnen keine bestimmten Fristen
nennen.
Ich kann Ihnen lediglich erneut mitteilen, daß einer der
Punkte bei der Konferenz der ist, daß wir nun einige
Bezugsgrößen haben und daß wir ihre Bilanz, die der
Serben und bosnischen Serben, der Moslems und
Kroaten, auf der Grundlage dessen beurteilen werden,
wie rasch sie die Forderungen der Konferenz erfüllen.
Frage: Ich möchte beim Thema Kosovo bleiben. Was
wurde bei dieser Konferenz getan, um mögliches
Blutvergießen im Kosovo zu verhindern, wenn dort
jeder befürchtet, daß ein möglicher Konflikt mit bewaffneten Serben ziemlich nahe bevorsteht und Serbien
bereit ist, dort militärische Gewalt anzuwenden?
Antwort: Bei dieser Konferenz wurde beschlossen,
so rasch wie möglich Beobachter nach Albanien zu
entsenden. Ihre frage ist völlig legitim, und eines der
Probleme, die mich und andere seit einiger Zeit beschäftigen, sind die Gefahren im Hinblick auf den Kosovo. Indem wir Beobachter dorthin entsenden, leiten
wir - so hoffe ich - zumindest einen Prozeß ein, der
tatsächlich gewährleisten wird, daß keine von außen
entsandten Truppen im Kosovo intervenieren können.
Wir haben nicht nur bei dieser Konferenz gewarnt,
sondern die Vereinigten Staaten und sicherlich auch
andere haben der Regierung in Belgrad äußerst deutlich gemacht, daß sie im Hinblick auf den Kosovo sehr
vorsichtig sein muß.
Frage: Im Kosovo gibt es zwei Millionern Albaner, und
es gibt eine serbische Minderheit mit schweren Waffen
und Albanier ohne Waffen. Besteht irgendeine Möglichkeit, in dieser Region den Frieden zu bewahren?
Antwort: Mit allem Respekt, wie Sie wissen, herrscht
im Kosovo zur Zeit Frieden. Es mag nicht die Art von
Frieden sein, die insbesondere von der albanischen
Seite 4

Mehrheit gewünscht wird, aber es ist dennoch ein
Frieden, und der grundsätzliche Punkt ist jetzt der, daß
dies kein weiteres Konfliktgebiet im ehemaligen Jugoslawien werden darf. Die Serben sind in dieser Hinsicht ohne jeden Zweifel der gleichen Ansicht wie die
amerikanische Regierung. Ich hoffe zutiefst, die von
uns dorthin entsandten Beobachter werden dazu beitragen, daß es friedlich bleibt, und die amerikanische
Regierung geht seit einiger Zeit davon aus, es sei die
Aufgabe der Belgrader Regierung, den früheren Status des Kosovo innerhalb der Föderation wiederherzustellen.
Frage: Wie genau läßt sich dies verwirklichen?
Antwort: Es gibt viele Dinge, die ich Ihnen nicht
mitteilen kann, mit denen dies derzeit verwirklicht
werden kann. Wir beteiligen uns an einem Prozeß, und
einer der grundlegenden Punkte ist gegenwärtig, wie
wir Frieden in Bosnien-Herzegowina schaffen und
einen Prozeß einführen können, der dem gesamten
ehemaligen Jugoslawien Frieden und Sicherheit bringt.
Ich kann Ihnen keine präzise Antwort geben, außer,
daß wir uns meines Erachtens schon mitten auf einem
neuen Weg befinden, der, wie ich zutiefst hoffe, mit der
Zeit ein Ergebnis hervorbringen wird.
Frage: Welche Art von Druck kann auf Karadzic
ausgeübt werden, wenn man bedenkt, daß er keine
Institutionen, Regierungen und dergleichen kontrolliert, auf die man Sanktionen und ähnliche Maßnahmen anwenden kann?
Antwort: Nun, dem Premierminister wurde eine ähnliche
Frage gestellt, und ich möchte nicht versuchen, weiter
zu gehen als er. Aber ich möchte ein paar Punkte
vorbringen, die darauf hinweisen, daß es Mittel gibt,
um Druck auszuüben.
Erstens habe ich ausreichend Grund zu der Annahme,
daß Karadzic zwar angesichts der Waffen und all
dessen, was er heute besitzt, ein halbwegs unabhängiger Akteur sein kann. Aber er kann nicht völlig
unabhängig handeln und tut dies meiner Meinung nach
auch nicht. Nachschub von Ölprodukten und so weiter
ist für ihn zwingend erforderlich, um seine Operationen
fortzusetzen. Indem wir mit Zustimmung beider Seiten
Beobachter an der bosnisch-serbischen Grenze und
auch an der kroatisch-bosnischen Grenze stationieren, haben wir in diesen Prozeß ein Mittel eingeführt,
um zu überprüfen, welcher Nachschub gegebenenfalls von Serbien nach Bosnien fließt. Das ist einer der
Faktoren, die meines Erachtens einen gewissen Druck
ausüben können.
Der zweite Punkt ist der, daß in dem Maße, wie er
meiner und Ihrer Meinung nach weiterhin von Serbien
Unterstützung erfährt, einer der bei dieser gesamten
Konferenz entscheidendsten Faktoren die Tatsache
ist, daß wir gemeinsam beschlossen haben, die Sanktionen zu verschärfen. Ich gehe davon aus, daß diese

AMERIKA DIENST 35

�Sanktionen zu viele Schwachpunkte aufwiesen, darunter nicht zuletzt die Donau. Und in dem Maße, in
dem die Sanktionen verschärft werden und die serbische Wirtschaft unter Druck setzen, werden sie auch
Auswirkungen auf die serbische Fähigkeit haben,
Karadzic zu unterstützen. Dies sind nur zwei zusätzliche Punkte.
Frage: Der Premierminister hat teilweise den Druck
erläutert, der auf Karadzic ausgeübt wurde, um die
Vereinbarungen von heute zu erlangen. Können Sie
diesen Prozeß weiter erhellen? Wie funktionierte
dieser Mechanismus? Was hat man zu ihm gesagt?
Antwort: Sie bringen mich erneut in Verlegenheit, weil
der Premierminister bei der Beantwortung dieser Frage ziemlich vorsichtig war. Ich kann Ihnen lediglich
mitteilen, daß es sicherlich einige Diskussionen mit
Karadzic gegeben hat. Es gab einige Diskussionen mit
Izetbegovic und Siladjic, aber nicht gemeinsam, wie
ich betonen möchte. Britische Vertreter waren an
beiden beteiligt, und sie waren meines Erachtens
ziemlich erfolgreich dabei, diese Vereinbarung zu erlangen. Ich würde es deshalb vorziehen, es der
Regierung Ihrer Majestät zu überlassen, detailliert zu
diesen Vorgängen Stellung zu nehmen.
Frage: Was wird Ihrer Meinung nach morgen früh in
Sarajevo die Reaktion auf die Ergebnisse dieser
Konferenz sein, wenn alliierte Flugzeuge den Südirak
überfliegen, um die Schiiten zu schützen?
Antwort: Ich weiß nicht, wie die Flüge über dem Irak
die Haltung in Sarajevo beeinflussen werden. Aber ich
möchte Ihnen mitteilen, welche Haltung man in Sarajevo einnehmen sollte. Vorausschicken möchte ich
jedoch, daß ich mir der anhaltenden Agonie in Sarajevo bewußt bin und verstehe, daß diese Konferenz nicht
jedes schreckliche Ereignis in Sarajevo beendet hat
und die Menschen nicht der Auffassung sein werden,
diese Konferenz habe ihr Problem unverzüglich gelöst.
Man sollte jedoch zwei Feststellungen treffen. Die
erste lautet, daß Karadzic - Ihr und mein guter Freund
- in der Tat seine Verpflichtung bei schweren Waffen
und Mörsern einhält. Wir werden meines Erachtens
ziemlich bald einen erheblichen Rückgang beim Beschuß Sarajevos feststellen. Dies sollte innerhalb
einer relativ kurzen Periodeden Menschen in Sarajevo
etwas Linderung verschaffen.
Zweitens meine ich, solange die Hilfsflüge fortgesetzt
und infolge der Vereinbarungen bei dieser Konferenz
hoffentlich sogar noch verstärkt werden können, sollte
dies sie in ihrer Ansicht bestärken, daß diese Konferenz begonnen hat, die Dinge zu verändern. Und
fundamental, zwar nicht über Nacht, aber ich bin
zutiefst davon überzeugt, daß wir hier einen neuen
Prozeß eingeleitet haben, der 24 Stunden täglich unter
Führung von Cyrus Vance und Dr. Owen in Genf
durchgeführt wird. Ich kann Ihnen versichern, daß sich

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Cyrus Vance Tag für Tag eingehend damit beschäftigen wird. Aufgrund der zusätzlich ergriffenen Maßnahmen, darunter verschärfte Sanktionen gegen Serbien, die Entsendung von Beobachtern und so weiter
- der langen Liste vereinbarter Maßnahmen - werden
wir eine Veränderung der Lage in Sarajevo, aber nicht
nur dort, sehen. Ich habe die anderen Städte in
Bosnien erwähnt, die ebenfalls unter starkem Druck
stehen. Mit der Zeit, aber noch nicht morgen früh,
werden wir erhebliche Veränderungen in ihrer Situation feststellen. Das mag nicht ausreichend sein, um
alle berechtigten Forderungen der Menschen in Sarajevo zu erfüllen, aber es ist mehr als ein Anfang.
Frage: Sie haben erklärt, daß wir - Sie - den Flüchtlingen helfen. Als Freund Mazedoniens, der vom
Nachrichtenmagazin Time im Jahr 1977 als "Lawrence von Mazedonien" bezeichnet wurde, könnten Sie
Mazedonien unterstützen, Hilfe für 40.000 Flüchtlinge
aus Bosnien-Herzegowina in Mazedonien bereitzustellen, da wir durch das Embargo unter Druck stehen,
weil wir die Sanktionen gegen Serbien erfüllen?
Antwort: Ich möchte im Hinblick auf die allgemeine
Frage zwei Feststellungen treffen. Zunächst gilt die
Sitzung des UN-Flüchtlingskommissars Anfang September, bei der Mittelzusagen getroffen werden sollen
und für die wir bereits 40 Millionen Dollar versprochen
haben, nicht ausschließlich Flüchtlingen an einem
besonderen Ort - Bosnien, Kroatien oder sonst irgendwo. Sie wird abgehalten, um auch Mazedonien bei
seinem Flüchtlingsproblem zu helfen. Die internationale Staatengemeinschaft wird Mazedonien Hilfe zur
Verfügung stellen.
Eine weitere Feststellung, die ich Ihnen gegenüber
treffen möchte, besteht darin, daß zwar ungelöste
Fragen im Hinblick auf Anerkennung und UN-Mitgliedschaft bestehen, die Vereinigten Staaten Mazedonien
dennoch weiterhin technische und andere Arten von
Hilfe zur Verfügung stellen werden. Wir haben ziemlich große Mengen an Medikamenten und Nahrungsmitteln geliefert. Wir werden dies weiterhin tun und,
wie ich gestern hier mitgeteilt habe, hat der Präsident
der Vereinigten Staaten beschlossen, Mazedonien
ebenso wie Slowenien, Bosnien-Herzegowina und
Kroatien in das Allgemeine Präferenzsystem (GSP)
einzubeziehen. Dabei handelt es sich um eine generelle Vorzugsbehandlung. Ich möchte dies schlicht
dahingehend erläutern, daß Exporte aus Mazedonien
in die Vereinigten Staaten unter gewissen Umständen
eine Vorzugsbehandlung genießen werden. Wir verstehen die Probleme in Mazedonien. Wir versuchen
alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Hilfe zu
leisten.
Frage: Wenn Sie die Erfahrungen der Vergangenheit
berücksichtigen, was gibt Ihnen die Zuversicht, daß
Milosevic seinen Teil der Vereinbarungen einhalten
wird?

Seite 5

�Antwort: Ich habe keine besondere Zuversicht, daß
er seine Verpflichtungen aufgrund seiner philantropischen Neigungen einhalten wird. Ich versuche jedoch
zu erklären, daß wir hier einen - sicherlich nicht perfekten - Wandel im Vergleich zu früher haben. Wir haben
einen von zwei hervorragenden Persönlichkeiten geleiteten kontinuierlichen Verhandlungsprozeß, der in
Genf stattfinden und diese Parteien täglich zusammenbringen wird, um diese Fragen zu erörtern.
Cyrus Vance hat mir darüber hinaus versichert, daß er
sich aktiv bemühen wird zu gewährleisten, daß die
Verschärfung der Sanktionen fortgesetzt und er gegebenenfalls Alarm schlagen wird, wenn diese Verschärfung nicht so abläuft wie sie sollte. Wir haben dann also
den Prozeß, mit dem die serbische Wirtschaft unter
Druck gesetzt wird, und es wird meines Erachtens

einen erheblichen Unterschied machen, wenn wir die
Donau schließen können, die insbesondere im Hinblick auf den Ölnachschub für Serbien ein Problem
darstellt. Wir haben Beobachter, die wir zuvor an der
serbisch-bosnischen und an der kroatisch-bosnischen
Grenze nicht hatten. Wir haben Beobachter in Rumänien, die zur Einhaltung der Sanktionen beitragen. Wir
möchten sie auch in anderen Nachbarländern stationieren. Ich kann Ihnen nicht sagen, daß wir das
Problem über Nacht gelöst haben, aber wir haben eine
Struktur geschaffen, die eine erheblich bessere Fähigkeit bietet, Milosevic, wenn er nicht kooperieren möchte, zur Kooperation zu zwingen. Diese Konferenz hat
kein Ergebnis hervorgebracht, das sich ausschließlich
auf guten Willen stützt. Wir waren klüger, als uns damit
zufriedenzugeben.

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Seite 6

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�IRAK
2. September 1992

KOALITION VERHÄNGT FLUGVERBOT IM SÜDIRAK
Erklärung von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Am 26. August 1992 hat Präsident Bush die Einrichtung einer Flugverbotszone für
irakische Flugzeuge im Südirak bekanntgegeben, die am 27. August in Kraft getreten ist. Nachfolgend
veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut:

In den letzten Wochen und Monaten haben wir neue
Beweise der harten Unterdrückung von Männern, Frauen
und Kindern im Irak durch Saddam Hussein gesehen
und gehört. Die Augenzeugenberichte sowie die detaillierten Aussagen des UN-Menschenrechtsbeauftragten Max van der Stoel vor dem Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen am 11. August sind weitere drastische Beweise der Brutalität Saddams.
Wir wissen heute um den Einsatz von Hubschraubern
und - seit diesem Frühjahr - von Flugzeugen durch
Saddam, um Zivilisten und Dörfer im Süden zu bombardieren und beschießen sowie um die von ihm
vorigen Monat angeordnete Exekution von Kaufleuten
in Bagdad und seine kontinuierliche Verschärfung der
Wirtschaftsblockade gegen die Bevölkerung des Nordens. Diese Berichte sind eine weitere Bestätigung
der Tatsache, daß die Regierung des Iraks ihre Verpflichtungen gemäß Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats mißachtet. Diese im April 1991 verabschiedete Resolution verlangt, daß. Saddam Hussein die
Unterdrückung des irakischen Volkes einstellt.
Indem Menschenrechtsbeauftragten der UNO und
anderen Beobachtern der Zugang verweigert wurde,
hat Saddam zu verhindern versucht, daß die Welt von
seiner Brutalität erfährt. Es ist an der Zeit zu gewährleisten, daß die Welt in Kenntnis gesetzt wird.
Deshalb haben die Vereinigten Staaten und ihre Koalitionspartner heute die irakische Regierung davon
unterrichtet, da ß in 24 Stunden - von jetzt an gerechnet
- Flugzeuge der Koalition, darunter diejenigen der
Vereinigten Staaten, beginnen werden, Überwachungsflüge über dem Südirak - südlich des 32. Breitengrades
- durchzuführen, um die Situation dort zu beobachten.

Dies wird diejenigen Gebiete abdecken, in denen in
jüngster Zeit eine Mehrzahl der besonders schwerwiegenden Verletzungen von Resolution 688 stattgefunden haben.
Die Koalition teilt darüber hinaus der irakischen Regierung mit, daß sie, um diese Beobachtungseinsätze zu
erleichtern, eine Flugverbotszone für sämtliche irakischen Starr- und Drehflügler verhängt. Dieses neue
Verbot wird ebenso in 24 Stunden für dasselbe Gebiet
in Kraft treten; es wird in Kraft bleiben, bis die Koalition
entscheidet, daß es nicht mehr erforderlich ist. Es wird
der Flugverbotszone gleichen, die von der Koalition
vor über einem Jahr im Nordirak verhängt wurde.
Ich möchte betonen, daß diese Maßnahmen dazu
dienen, unsere Fähigkeit zur Überwachung der Entwicklungen im Südirak zu verbessern. Diese Aktionen
stehen im Einklang mit der traditionellen amerikanischen Politik gegenüber dem Irak. Wir streben die
Einhaltung durch den Irak an, nicht dessen Teilung.
Die Vereinigten Staaten unterstützen nach wie vor die
territoriale Einheit des Irak und hegen keinen Groll
gegen seine Bevölkerung. Wir sehen der Zusammenarbeit mit einer neuen Führung in Bagdad entgegen,
die nicht brutal ihr eigenes Volk unterdrückt und die
grundlegendsten Normen der Menschlichkeit verletzt.
Bis zu diesem Tag sollte niemand an unserer Bereitschaft zweifeln, entschlossen zu reagieren, falls der
Irak die Flugverbotszone nicht respektiert.
Darüber hinaus sind die Vereinigten Staaten und ihre
Koalitionspartner bereit, weitere Maßnahmen in Betracht zu ziehen, falls Saddam weiterhin diese oder
andere UN-Resolutionen verletzt.

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AMERIKA DIENST 35

Seite 1

�NAFTA
2. September 1992

HILLS: NAFTA SCHAFFT KEINE
FESTUNG NORDAMERIKA
Stellungnahme der US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - In einer über WorldNet ausgestrahlten Fernsehpressekonferenz hat die US-Handelsbeauftragte, Carla Hills, zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) sowie zur Uruguay-Runde
Stellung genommen und dabei unter anderem folgende Erklärungen abgegeben.

Frage: Wir haben von den Vereinigten Staaten viel
über eine Festung Europa gehört. Können Sie den
Europäern erklären, warum sie sich im Hinblick auf
dieses gerade geschlossene Abkommen keine Sorgen über eine Festung Amerika machen sollten?
Vielleicht könnten Sie ferner noch etwas über Ihre
Einschätzung von Fortschritten beim GATT sagen.
Werden wir vor dem Jahresende einen Abschluß erzielen oder nicht? Und falls ja, wie?
Hills: Der Grund, warum Europa das Nordamerikanische Freihandelsabkommen nicht als Schaffung einer
Festung Nordamerika betrachten sollte, ist die Tatsache, daß wir niemandem gegenüber Handelsschranken aufgebaut haben. Alles, was wir getan haben, ist
ein Abbau von Handelsschranken zwischen den Beteiligten an diesem Abkommen. Und wir hatten keinerlei
Absicht, den Handel außerhalb Amerikas jemals zu erschweren. Jeder von uns - Kanada, Mexiko und die
Vereinigten Staaten - ist ein globaler Handelspartner,
so daß wir gute Handelsbeziehungen auf der ganzen
Welt unterhalten. Und wenn Sie unser Abkommen
prüfen, enthält es nicht die Spur einer Bestimmung, die
Beschränkungen hinzufügen würde. Ganz im Gegenteil, sie werden lediglich abgebaut, und dies ist meiner
Meinung nach bewundernswert, weil sie die Wirtschaftsreformen festschreiben, die Präsident Salinas
in Mexiko eingeführt hat und auf diesen aufbauen. In
vielen Fällen werden die Bestimmungen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens auf der Grundlage des Meistbegünstigungsstatus angeboten. So
kommt etwa die Liberalisierung, die Mexiko bei petrochemischen Produkten durchgeführt hat, der ganzen
Welt zugute. Die Bestimmung zum Schutz geistigen
Eigentums, die wir drei verabschiedet haben - sie

AMERIKA DIENST 35

beschränkt sich nicht auf die drei Handelspartner,
überhaupt nicht. Sie steht der ganzen Welt offen. Es
besteht also nicht die Möglichkeit einer Festung. Statt
dessen hoffen wir, durch unser Beispiel den Weg zu
weisen und andere zu ermutigen, ihre Handelsschranken abzubauen, weil dies unser vorrangiges Ziel ist.
Ihre zweite Frage im Hinblick auf die Aussichten beim
GATT - natürlich ist die Uruguay-Runde weltweiter
Handelsgespräche für Präsident Bush nach wie vor
eine wichtige Priorität, und wir haben uns in den Jahren
seiner Amtsführung sehr darum bemüht, diese Gespräche zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Die G-7 hat über einen Abschluß bis zum Jahresende
gesprochen, und wir in den Vereinigten Staaten hoffen
aufrichtig, daß dies der Fall sein wird. Wie Sie wissen,
war die Landwirtschaft ein Hindernis für den Abschluß
dieser Gespräche, und ein Problem bestand darin, daß
in Europa wirklich kein Konsens darüber besteht, wie
man die Landwirtschaft in diesen Welthandelsgesprächen behandeln soll. Ich hoffe, daß vielleicht nach dem
Maastricht-Referendum in Frankreich am 20. September ein Konsens erzielt werden kann, denn ich betrachte eine gemeinsame Position im Gegensatz zu einem
Wunschkatalog als unabdingbar, um diese Diskussionen voranzubringen.
Ich hoffe, ich habe alle Ihre Fragen beantwortet. Meines
Erachtens schlössen Sie mit dem Aspekt ab, welchen
Einfluß das Nordamerikanische Freihandelsabkommen auf die Welthandelsgespräche haben könnte.
Ebenso wie bei der ersten Frage zu Dienstleistungen
beispielsweise haben wir uns für den Abbau von
Restriktionen für Investitionen - den sogenannten
handelsbezogenen Investitionsmaßnahmen - beim

Seite 1

�Schutz der Rechte an geistigem Eigentum und Dienstleistungen stark gemacht, die in der Uruguay-Runde
verhandelt werden. Und dies wird der Welt demonstrieren, daß mindestens drei Handelspartner die Ansicht
vertreten, diese Regeln seien im heutigen Welthandelssystem äußerst sinnvoll.
Frage: In Frankreich stellen die Befürworter des
Vertrags zur Europäischen Einheit ihn unter anderem
als notwendige Antwort auf die durch das NAFTA
manifestierte amerikanische Wirtschaftsoffensive dar
und - wenn ich dies hinzufügen darf - durch den
unglaublichen Fall des amerikanischen Dollars. Auf
Ihrer Seite stellen Sie das NAFTA der Öffentlichkeit als
den erforderlichen Gegenschlag zur Europäischen
Einheit vor?
Hills: Nein, überhaupt nicht. Wenn Sie die Geschichte
betrachen, haben die Vereinigten Staaten in der Tat
die Europäische Einheit vom ersten Dollar an unterstützt, der im Rahmen des Marshallplans geflossen ist
und Sie nur sechs waren. Als Sie Ihre Runde erweiterten, haben wir stets die Deregulierung begrüßt, die
Gemeinsamkeit, die durch den Binnenmarkt geschaffen wurde. Unsere Beschwerden bezogen sich auf
Restriktionen im Handel, die tatsächlich vorhanden

waren. Im Gegensatz zu unserem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen Europa Schranken gegen die
Außenwelt errichtet hat. Ich möchte als Beispiel
Kraftfahrzeuge zitieren oder die Rundfunkdirektive,
die einen Inlandsanteil erfordert. Eines unserer großen Exportgüter ist natürlich Filmmaterial - Fernsehfilme, Unterhaltung, Dokumentationen allen Art. Im
Grunde begrü ßen wir den Europäischen Binnenmarkt.
Wie wir das Nordamerikanische Freihandelsabkommen vermarkten, gründet sich auf die Dynamik, die es
der nordamerikanischen Region verleihen wird. Wir
versuchen nicht, einen Block zu bilden. Ich benutze
das Wort nicht einmal. Meines Erachtens ist das Wort
Block abwertend und impliziert einen Eingriff aufgrund
von Exklusivität, was überhaupt nicht unsere Absicht
ist. In der Tat, wie ich bereits gesagt habe, sind viele
der Verfügungen, die in die Praxis umgesetzt wurden
und ohne das Nordamerikanische Freihandelsabkommen nicht entstanden wären, im großen und ganzen
für die Länder offen, die auf der Grundlage des Meistbegünstigungsstatus Handel treiben. Wenn man sich
die Geschichte der Vereinigten Staaten betrachtet, so
haben sie stets eine Führungsrolle dabei übernommen, Handelsschranken abzubauen und nicht, sie zu
errichten.

* * * * *

Seite 2

AMF-RIKA DIENST 35

�FULBRIGHT
2. September 1992

FULBRIGHT-LEHRERAUSTAUSCHPROGRAMM
ZEITIGT IN VIELEN REGIONEN ERFOLGE
Informationsveranstaltung für Lehrer

WASHINGTON - (AD) - Wenn der bärtige, freundliche
Dennis Wieland an einer High School in Sacramento
(Kalifornien) Englisch unterrichtet, weiß er im allgemeinen, was er von seinen Schüler zu erwarten hat. Er
hofft jedoch auf Überraschungen, wenn er Ende August die Unterrichtstätigkeit in Cluj (Rumänien) aufnimmt.
"Ich wollte eine Zeitlang etwas anderes machen",
erklärt er. "Ich muß meine eigenen Lehrbücher mitbringen ... und ich hoffe, die Schulbehörde in Sacramento stellt mir mehrere hundert zur Verfügung, um
sie nach Rumänien zu schicken.
"Ich versuche, Literatur in schriftlichen Übungen und
Diskussionen mit menschlicher Erfahrung in Verbindung zu bringen", fügt er hinzu. "Ich hoffe, die rumänischen Schüler sind in der Lage, Edgar Allen Poe oder
'Der große Gatsby' zu lesen - ich werde es bald
feststellen."
Wieland ist einer von zahlreichen High-School-Lehrern, die in diesem Jahr ihrer gewohnten Umgebung
den Rücken kehren und im Rahmen des FulbrightLehreraustauschprogramms ihren Platz mit einem Lehrer
im Ausland tauschen.
In dem Maße, wie Wieland und andere amerikanische
Lehrer von dem Programm profitieren, ist es auch eine
angenehme Erfahrung für ausländische Lehrer zumindest stellte dies eine Reihe von ihnen fest, die an
Informationsveranstaltungen in Washington teilnahmen.
Tony Weston, der in York (Großbritannien) Wirtschaft

AMERIKA DIENST 35

unterrichtet und demnächst in New Orleans tätig wird,
erklärt, er wollte "die Chance, sich Schülern mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Erwartungen zu stellen".
Ivan Tiberkov aus Burgas (Bulgarien), der demnächst
an einer Junior High School in St. Louis unterrichten

wird, stellt fest: "Die Schule, an der ich zu Hause tätig
bin, legt die Betonung auf britisches Englisch, und im
Augenblick gibt es nur einen sehr geringen amerikanischen kulturellen Einfluß. Um zu Hause neue Einblicke in die amerikanische Seite der Kultur und Sprache
zu vermitteln, wollte ich unbedingt die Vereinigten
Staaten besuchen."
Lucija Siauciuniene aus Litauen ist bei ihrem ersten
Aufenthalt im Ausland begeistert, mit Muttersprachlern in einer englischsprachigen Kultur arbeiten zu
können.
"Im Augenblick besteht mein Ziel vielmehr darin zu
lernen als andere hier zu unterrichten", erklärt sie. "Ich
möchte in meinem Heimatland und in meiner Schule
neue Eindrücke vermitteln und in der Lage sein, das
Land und die Kultur zu beschreiben und wie die Gesetze und Prinzipien der Demokratie hier funktionieren."
Simon Pierre Dieme aus Senegal fügt hinzu: "Ich
hoffe, meinen amerikanischen Schülern in Idaho die
afrikanische Kultur näherbringen zu können."... "Ich
habe Bilder meines Heimatlandes mitgebracht und
hoffe, ihre Kenntnisse über Afrika zu vertiefen, indem
ich ihnen erzähle, wie die Menschen dort leben und
falsche Eindrücke korrigiere, die sie vielleicht haben."

Seite 1

�Antonio Aguirre aus Chile freut sich auf eine Kleinstadt
in Wisconsin, wo ich "jeden kennenlerne und weiß, daß
ich willkommen bin". Teresita Carelli aus Argentinien
erklärt, sie wolle "Methoden und Techniken austauschen - und die gemeinsamen Probleme erörtern, die
wir haben, wenn wir Schüler gleicher Altersgruppen
unterrichten." Sie erwartet auch, daß ihr amerikanischer Kollege in Argentinien feststellt, "wie gut unser
Englischunterricht trotz unserer begrenzten technischen Mittel ist".
Muveddet llkin Genceli aus Ankara (Türkei) blickt dem
Unterricht in Naturwissenschaften an der Junior High
School in El Paso (Texas) erwartungsvoll entgegen.
"Unser System in der Türkei konzentriert sich auf
Inhalte und Vorträge. Hier orientiert sich das Curriculum am Schüler, und Labortätigkeit wird besonders
betont. Wenn ich einiges von dem, was ich hier lerne,
in meiner Schule in der Türkei anwenden kann, ist das
prima."
Hohe Erwartungen und die Bereitschaft, sowohl zu
lernen als auch zu unterrichten, erklärt Jochen Hoffmann, der Leiter des Fulbright-Lehreraustauschprogramms beim US-Informationsamt in Washington, ist
unter den Teilnehmern nichts ungewöhnliches.
Aber Hoffmann räumt ein, daß Lehrer, die in die
Vereinigten Staaten kommen, zunächst "emotionale
'Höhen und Tiefen' durchleben. Anfänglicher Enthusiasmus könnte durch die Erkenntnis verdrängt werden, daß in der Tat viele Ansätze neu sind. Sie könnten
sich wieder wie neue Lehrer fühlen."
Aber danach "haben sich die meisten im Griff. Sie
beginnen, von ihren Schülern und Gemeinden zu
lernen und können ihren amerikanischen Freunden
ihre Kultur vermitteln. Rund 90 Prozent sind bis zum
Ende ihres Aufenthalts extrem positiv gegenüber der
Erfahrung eingestellt, obwohl diese durch das Wissen
beschwert wird, daß es hier ebenso wie zu Hause

Probleme gibt. Sie haben ein komplexeres Bild des
Lebens in diesem Land erhalten, aber sie wissen auch
die große Vielfalt des amerikanischen Bildungswesens zu schätzen."
Auch die amerikanischen Teilnehmer an dem Austauschprogramm kehren mit neuen Eindrücken der
Vielfalt und kulturellen Werte dieser Regionen nach
Hause zurück. Und "viele Amerikaner, die nach Osteuropa gehen, tun dies mit einer Mission - diesen
neuen unabhängigen Staaten (der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas) bei der Reform ihrer Lehrpläne zu helfen, ein Bildungssystem aufzubauen, das
weniger zentralisiert ist und Bibliotheken einzurichten,
die den Schülern zugänglich sind. In vielen Fällen
verfügen sie über Erfahrungen mit der Entwicklung von
Curricula und Lehrerausbildung."
Er fügt hinzu, die Teilnehmer an den Austauschprogrammen "pflegen häufig Kontakte mit ihren ehemaligen Schülern oder Kollegen, manchmal per Computer,
wodurch sie auch nach ihrer Rückkehr ihre Fähigkeiten erweitern können."
Seit seiner Gründung im Jahr 1946 ist das Austauschprogramm immer populär gewesen, stellt Hoffmann
fest und fügt hinzu: "1990 beläuft sich die Gesamtzahl
der Teilnehmer auf nahezu 500, von denen rund 240
kommen und 250 gehen." Er verweist auch darauf,
daß in diesem Jahr "vier neue Länder" in dem Programm willkommengeheißen werden-"Rußland, Belarus, Lettland und Litauen - und in Kürze werden noch
mehr Länder aus der Region hinzukommen."
Bewerbungsschluß für die Teilnahme am FulbrightLehreraustauschprogramm für 1993-1994 ist der 15.
Oktober 1992. Interessenten wenden sich bitte an das
FulbrightTeacher Exchange Program/Room 142/600
Maryland Avenue, S.W. / Washington, D.C. 20024,
oder Tel. (1 )-800-726-0479.

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Seite 2

AMERIKA DIENST 35

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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

9. September 1992

36

C-WAFFEN

USA UNTERSTÜTZEN VEREINBARTES
C-WAFFENVERBOT UNEINGESCHRÄNKT
Rede von ACDA-Direktor Lehman
vor der Abrüstungskonferenz

DEUTSCHLAND-USA

UNSERE KULTURELLEN BEZIEHUNGEN DIE BINDUNGEN, DIE UNS VEREINEN
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt

JUGOSLAWIEN

VEREINIGTE STAATEN SAGEN
40 MILLIONEN DOLLAR AN FLÜCHTLINGSHILFE FÜR JUGOSLAWIEN ZU
Erklärung von Botschafter Zimmerman

SOMALIA

HILFSPLAN DER USA FÜR SOMALIA
Erklärung des Sonderbeauftragten Natsios

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�C-WAFFEN
9. September 1992

USA UNTERSTÜTZEN VEREINBARTES
C-WAFFENVERBOT UNEINGESCHRÄNKT
Rede von ACDA-Direktor Lehman vor der Abrüstungskonferenz
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten unterstützen das am 3. September 1992 in Genf vereinbarte Verbot
chemischer Waffen uneingeschränkt und beantragen die Weiterleitung des Vertragstextes an die Generalversammlung der Vereinten Nationen zur weltweiten Zustimmung.
"Die Vereinigten Staaten unterstützen die Konvention über chemische Waffen uneingeschränkt", erklärte der
Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Ronald Lehman, vor der 39 Nationen
umfassenden Genfer Abrüstungskonferenz (CD).
Die Konvention wurde am selben Tag an die Generalversammlung in New York weitergeleitet.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von ACDA-Direktor Lehman vor der Abrüstungskonferenz im Wortlaut.

Herr Präsident, ich möchte zunächst Ihnen, Herr Botschafter Servais, für die Übernahme der Konferenzleitung danken. Ich versichere Ihnen unsere uneingeschränkte Unterstützung für den Verlauf der Konferenz. Insbesondere begrü ßen wir die bevorstehenden
inoffiziellen Konsultationen während der CD-Sitzungen.
Es ist ein Vergnügen, wieder in Genf zu sein. Obwohl
ich mehrere Jahre als Unterhändler bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen
(START) mit der ehemaligen Sowjetunion hier in Genf
tätig war und auch für andere Abrüstungsverhandlungen nach Genf zurückgekommen bin, ist dies das erste
Mal, daß ich die Gelegenheit zu einer offiziellen Rede
vor der Abrüstungskonferenz habe. Für mein Land
und mich ist dies ein außerordentlich wichtiger Augenblick.
Herr Präsident, die vergangenen 12 Monate waren
konstruktiv für die Rüstungskontrolle. Bei der Sondierung der durch die Umgestaltung des Sicherheitsumfeldes der Welt geschaffenen Möglichkeiten haben die
Vereinigten Staaten und Rußland mit den Worten von
Präsident Bush "die weitreichendste Verringerung von
Nuklearwaffen seit Anbruch des Atomzeitalters", vereinbart. Darüber hinaus hat sich die Zahl der Unterzeichner des Nichtverbreitungsvertrags auf rund 150

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Staaten erhöht. Der KSE-Vertrag wurde in allen
Bereichen provisorisch angewandt. Zusammen mit
Kanada und den Vereinigten Staaten hat Europa den
Vertrag über Offene Himmel unterzeichnet, der mit der
Zeit Regionen weit über seinen ursprünglichen Anwendungsbereich hinaus einbeziehen könnte. Und bei
den UNO-Resolutionen über Transparenz bei Rüstungen haben die Mitglieder der Vereinten Nationen einmütig eine neue Maßnahme unterstützt, um das Problem der Aufstellung destabilisierender Streitkräfte in
Krisenregionen in den Griff zu bekommen. Dies sind
nur einige der Höhepunkte.
Am wichtigsten für die Anwesenden hier ist, daß auch
die Abrüstungskonferenz ihre Möglichkeiten voll ausgeschöpft hat.
Wir kommen heute hier an einem historischen Zeitpunkt der langen Bestrebungen der Abrüstungskonferenz zusammen, multilaterale Rüstungskontrolle und
Abrüstung zu bewirken. Im Einklang mit seinem
Mandat ist es dem Ad-hoc-Ausschuß in diesem Jahr
gelungen, seine scheinbar endlosen Verhandlungen
über ein Verbot chemischer Waffen zu beenden. Dies
ist eine gro ße Leistung für eine sicherere Welt. Wir alle
können stolz auf das von Ihnen Geleistete sein.
Über viele Jahre hinweg haben Menschen in Genf und
in den Hauptstädten hart an einer Konvention über
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�chemische Waffen gearbeitet. Es war nicht leicht, den
Ideen und Sorgen der einzelnen Delegationen gerecht
zu werden. Und es war ebenfalls nicht leicht, Bestimmungen zu erarbeiten, die den komplexen Erfordernissen eines wirksamen Verbots chemischer Waffen
Rechnung tragen.
Mit Durchhaltevermögen und Kreativität hat die Konferenz ein Dokument hervorgebracht, das in vielen Bereichen neues Terrain erschließt. Die Konvention über
chemische Waffen ist beispiellos im Hinblick auf die
enthaltenen Einschränkungen sowie ihr Verifikationssystem und ihren vielfältigen Nutzen insbesondere für
die Entwicklungsländer.
Gelegentlich besteht eine Tendenz, bei der unvermeidbaren Konzentration auf die Einzelheiten des
Textes den Gesamtzusammenhang zu verlieren. Ich
möchte kurz die bemerkenswerten Einzelheiten dieser
Konvention erläutern.
Zum ersten Mal haben Staaten auf multilateraler Ebene
dem vollständigen Verbot einer ganzen Kategorie von
Waffen einschließlich der Durchführungsmechanismen zugestimmt. Das Ziel des Vertrags über chemische Waffen ist nicht nur die Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen oder der Erhalt des Status
quo. Es besteht vielmehr in der Beseitigung eines
ganzen Waffentyps - Waffen, die in großen Mengen
existieren und im Kampf eingesetzt wurden.
Dieses Verbot wird absolut sein. Alle Aktivitäten für
offensive chemische Zwecke werden verboten, nicht
nur der Einsatz solcher Waffen. Alle bestehenden
chemischen Waffen werden zerstört, nicht nur einige.
Alle Gebiete der Welt werden geschützt, nicht nur eine
spezifische Region oder einige wenige Staaten.
Im Hinblick auf die C-Waffenarsenale möchte ich
betonen, daß sich die Vereinigten Staaten als ein
Land, das im Besitz chemischer Waffen ist, verpflichten, ihren gesamten Chemiewaffenbestand binnen der
im Vertrag festgelegten 10jährigen Zerstörungsphase
zu vernichten. Der gesamte amerikanische Bestand
ist auf amerikanischem Territorium gelagert. Alle
amerikanischen Arsenale werden auf amerikanischem
Territorium zerstört. Andere Staaten können sich auf
diese Zusagen verlassen, während sie die Offenlegung vorbereiten und die Erfüllung der Verifikationsbestimmungen im Rahmen der Konvention anstreben.
Der beispiellose Umfang der Konvention erfordert
einmalige Verifikationsmaßnahmen. Der Vertrag sieht
die Deklaration und Inspektion chemischer Waffen
und deren Produktionseinrichtungen, kontinuierliche
Inspektionen bis zu ihrer Zerstörung sowie die lnspektion der Zerstörung vor. Die Inspektoren können
während des Zerstörungsprozesses der chemischen
Waffen ständig anwesend sein.
Die Verifikationsbestimmungen des Vertrags sind auch
von der komplexen Beziehung zwischen chemischen
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Aktivitäten geleitet, die verboten und denjenigen, die
nicht verboten werden. Sowohl die Industrie- als auch
die Entwicklungsländer hängen von einer großen
Bandbreite chemischer Aktivitäten ab. Bedauerlicherweise können viele gängige Industriechemikalien und
ihre Produktionseinrichtungen für C-Waffenzwecke
mißbraucht werden. Die Aufgabe der Unterhändler
bestand in der Erarbeitung von Maßnahmen, mit denen
die Einhaltung wirksam verifiziert werden kann, die
jedoch legitime Industrieaktivitäten nicht ungebührlich
beeinträchtigen. Je größer das Risiko, desto genauer
die Überwachung. Infolgedessen wird sich die Verifizierung auf die Aktivitäten konzentrieren, die das größte Risiko darstellen. Wo genehmigte Aktivitäten ein
geringeres Risiko bergen, werden andere, weniger
strikte Maßnahmen angewandt, die dennoch dazu
beitragen, das Potential zur Umgehung des Systems
zu verringern.
Ein Sicherheitsnetz für das Verifizierungssystem wird
durch die Bestimmungen über Verdachtsinspektionen
bereitgestellt. Diese gehen weit über die in anderen
jüngeren Abkommen enthaltenen analogen Maßnahmen hinaus. Gleichzeitig werden die legitimen Anliegen des inspizierten Staates gut geschützt.
Eine weitere Innovation im Verifizierungssystem ist
das Konzept der Koordinierung bilateraler und multilateraler Verifizierungsbemühungen. Dies wird dazu
beitragen, die direkten Kosten für die Verwirklichung
der Konvention zu reduzieren, ohne das Ausmaß der
den Parteien gewährten Garantien zu schmälern.
Um die Durchführung dieser Konvention - insbesondere die Verwirklichung ihrer Verifizierungsbestimmungen - zu überwachen, wird eine wichtige neue internationale Organisation ins Leben gerufen. Die Verifizierungspflichten dieser Organisation - und damit auch
die an sie gestellten Anforderungen - sind wesentlich
umfassender als die unter normalen Umständen von
der IAEO und anderen bestehenden Gremien zu erfüllenden.
Diese Kombination aus strikter Verifizierung von Einrichtungen zur Waffenproduktion und umfassender
Überwachung privatwirtschaftlicher Aktivitäten ist das
einzigartige Merkmal der Konvention über chemische
Waffen. Sie stellt eine phantasievolle und praktische
Lösung eines einzigartigen Problems dar.
Zusätzlich zu ihrem Anwendungsbereich und dem
Verifizierungssystem bietet die Konvention den Entwicklungsländern ein einmaliges Maß an Garantien.
Artikel X sieht Beistand für einen Staat vor, der mit
chemischen Waffen angegriffen oder bedroht wird.
Nothilfe soll unverzüglich geleistet werden.
Die in Artikel X enthaltenen Sieherheitsgarantien werden durch wirtschaftliche Garantien in Artikel XI ergänzt. Diese Bestimmungen bedeuten, daß die Konvention die Entwicklung einer chemischen Industrie

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�fördern wird anstatt sie zu behindern. Gleichzeitig
behalten die Staaten ihr souveränes Recht, den Export
chemischer Stoffe und Geräte von ihrem Territorium
aus zu kontrollieren, um wichtige Ziele der nationalen
Sicherheit und Außenpolitik zu fördern. Ich möchte
dazu feststellen, daß die Mitglieder der AustralienGruppe Zusicherungen abgegeben haben, daß sie
ihre Kontrollen in Zusammenhang mit C-Waffen im
Hinblick darauf überprüfen werden, sie bei Exporten in
solche Staaten aufzuheben, die diese Konvention
uneingeschränkt erfüllen. Darüber hinaus möchte ich
anmerken, daß die Konvention dem Handel mit Nichtvertragsstaaten Beschränkungen auferlegt. Dies ist
ein wichtiger Schritt, um zur allgemeinen Einhaltung
der Konvention zu ermutigen.
Schließlich gehen wir im Hinblick auf die Kosten davon
aus, daß von Beginn an den finanziellen Aspekten der
Verwirklichung der Konventionsbestimmungen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. Wir
sind uns der wirtschaftlichen Belastungen bewußt, an
denen die Staaten bereits heute schwer zu tragen
haben, insbesondere diejenigen, in denen derzeit eine
schwierige Wirtschaftslage herrscht. Wir sind bereit, in
der Vorbereitungsphase wie auch nach Inkrafttreten
des Vertrags eng mit anderen zusammenzuarbeiten,
um im Einklang mit der erforderlichen effektiven Durchführung der Konventionsbestimmungen die Kosten
möglichst niedrig zu halten.
Herr Präsident, die Konvention über chemische Waffen ist nicht perfekt. Jeder von uns kann Bestimmungen anführen, die seiner Meinung nach verbesserungswürdig sind. Ferner steht fest, daß jeder von uns
andere Bestimmungen kritisieren würde. Was nach
Meinung einer Delegation geändert werden sollte, darf
nach Meinung einer anderen nicht geändert werden und umgekehrt.
Tatsache ist, daß wir nach jahrelangen Verhandlungen
ein delikates Gleichgewicht zwischen konkurrierenden
Interessen und Anliegen erreicht haben. Dazu gehören: ein Gleichgewicht zwischen den Anliegen von
Staaten, die chemische Waffen besitzen und Staaten,
die keine haben; ein Gleichgewicht zwischen dem für
die Verifizierung erforderlichen Zugang und den notwendigen Beschränkungen, um sicherheitsempfindliche nichtchemische Rüstungsaktivitäten oder Wirtschaftsinteressen zu schützen; ein Gleichgewicht
zwischen den Interessen der Industriestaaten und
denen der Entwicklungsländer.
Die wichtigste Frage ist heute, ob die Konvention dem
Ziel der Beseitigung chemischer Waffen gerecht wird
und sich darüber hinaus als für die Staaten akzeptabel
erweist. Wir gehen davon aus, daß beides zutrifft.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Konvention
über chemische Waffen uneingeschränkt. Sie stellt
eine wichtige internationale Norm dar, an der das
Verhalten jedes Mitglieds der internationalen Staaten-

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gemeinschaft gemessen werden wird. Wir dringen
darauf, daß sie der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Zustimmung vorgelegt wird, damit sie
zu Beginn des nächsten Jahres zur Unterzeichnung
geöffnet werden kann. Ich gehe davon aus, daß diese
Ansichten von einer überwältigenden Mehrheit der
Staaten geteilt werden, die an den Verhandlungen
beteiligt waren. Meine Regierung hofft in der Tat, daß
alle anderen Staaten zu dem Schluß kommen, daß sie
diese Konvention unterstützen, unterzeichnen und
ratifizieren sollten.
Bevor ich das Thema chemische Waffen verlasse,
möchte ich betonen, daß der Abschluß der Verhandlungen - so wichtig er ist - nur eine Phase eines
längeren Prozesses darstellt. Die Durchführung wird
dasselbe Maß an Hartnäckigkeit und Kreativität erfordern wie die Verhandlungen. Anhaltende enge Zusammenarbeit zwischen den Staaten wird unerläßlich
sein. Die Erfahrung zeigt, daß ein Vertrag nur dann
Erfolg hat, wenn seine Durchführung gut vorbereitet
und genau überwacht wird. Wir fordern alle Staaten
auf, Erstunterzeichner zu werden und an der Vorbereitungskonferenz teilzunehmen.
Die Vereinigten Staaten möchten der Abrüstungskonferenz und ihren Mitgliedern nochmals gratulieren.
Insbesondere beglückwünschen wir den Vorsitzenden
des Ad-hoc-Ausschusses, Botschafter Adolf von
Wagner, für seine unermüdlichen Bemühungen, die
eine solch wichtige Rolle bei dieser Errungenschaft
gespielt haben sowie Senator Gareth Evans, den
Außenminister von Australien, daß er den Verhandlungen über C-Waffen mit seiner Initiative zu Beginn
dieses Jahres neue Impulse gegeben hat.
Wir sehen dem Erfolg der C-Waffenkonvention erwartungsvoll entgegen, und wir versprechen alles in unserer Macht Stehende zu tun, um zu gewährleisten, daß
ihre ehrgeizigen Ziele erfüllt werden. Ich möchte
eindeutig feststellen, daß die Vereinigten Staaten
Erstunterzeichner dieser Konvention sein werden, und
wir fordern alle anderen Staaten auf, zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine ebensolche öffentliche Verpflichtung einzugehen.
Herr Präsident, der Abschluß der Arbeit an der Konvention über chemische Waffen lenkt unsere Gedanken in eine andere Richtung. Welchem Bereich sollte
die Abrüstungskonferenz als nächstem ihre Aufmerksamkeit schenken? Das Ende des Kalten Krieges hat
uns im Hinblick auf Chancen und Herausforderungen
für Rüstungskontrolle und Abrüstung mehr und nicht
weniger gebracht. Eine Vielzahl neuer Sicherheitsprobleme mit ihren dazugehörigen Rütsungskontrolldimensionen verlangt unsere unmittelbare Aufmerksamkeit. Die derzeitige Tagesordnung der CD, deren
Wurzeln vielfach in einer Vergangenheit liegen, die
immer mehr in den Hintergrund tritt, muß den Erfordernissen der neunziger Jahre angepaßt werden, nicht
denen der siebziger Jahre.

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�Einige der neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen machen sich bereits im Arbeitsbereich der
Abrüstungskonferenz bemerkbar. Das Thema der
Transparenz bei den Rüstungen mit seiner UNOKomponente eines Registers für konventionelle Waffenlieferungen und seiner CD-Komponente einer tiefgreifenderen Untersuchung des Problems ist eine
dieser Fragen. Darüber hinaus müssen wir erneut alle
Themen auf der Tagesordnung der Abrüstungskonferenz unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Revision überprüfen, um die Entwicklungen der vergangenen beiden Jahre zu berücksichtigen oder sie gänzlich
zu streichen, falls sie heute überholt sind. Die Nichtverbreitung als allgemeines Problem könnte darüber
hinaus nach Möglichkeiten durchforstet werden, mit
denen die CD Maßnahmen ergreifen kann, um die
anhaltende Arbeit in anderen Foren zu stärken oder
ergänzen. Die Abrüstungskonferenz sollte jedoch
nicht versuchen, die andauernde Arbeit in anderen
Foren zu überlagern. Konkrete Vorbereitungen für die
NPT-Konferenz von 1995 wären zum Beispiel geeig-

nete Aktivitäten für die Parteien in den einschlägigen
Gremien, nicht für die CD.
Darüber hinaus stehen wir vor der Herausforderung,
die Abrüstungskonferenz selbst ihrem neuen Umfeld
anzupassen. Das Problem wird darin bestehen, über
die geeignete Struktur und den Schwerpunkt der CD
im Zeitalter nach dem Kalten Krieg zu entscheiden.
Dies ist ein Thema, zu dem wir die Arbeit bereits
aufgenommen haben. Ich weiß zum Beispiel, daß Sie,
Herr Präsident, in der Sitzungspause inoffizielle Konsultationen zu solch wichtigen Angelegenheiten wie
der künftigen Mitgliedschaft und Tagesordnung der
Konferenz durchführen werden. Ich kann Ihnen versichern, daß Sie in den Vereinigten Staaten bei diesen
Konsultationen sowie bei dem kontinuierlichen Prozeß, die Arbeit der CD im Hinblick auf die uns alle
konfrontierenden neuen sicherheits- und rüstungskontrollpolitischen Probleme und Chancen zu definieren
und zu konzentrieren, einen aktiven Teilnehmerfinden
werden.

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�D E U T S C H L A N D - USA
9. September 1992

UNSERE KULTURELLEN BEZIEHUNGEN DIE BINDUNGEN, DIE UNS VEREINEN
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
FREIBURG - (AD) - US-Botschafter Robert M. Kimmitt hat am 4. September 1992 eine Ansprache vor der
"Freiburger Montagsgesellschaft" gehalten, einer Vereinigung renommierter Persönlichkeiten aus Politik und
Wirtschaft.
In seiner Ansprache ging Botschafter Kimmitt auf die Rolle ein, die von Deutsch-Amerikanischen Instituten und
anderen Organisationen sowie von Austauschprogrammen bei der Festigung der transatlantischen Bindungen
gespielt wurde. Darüber hinaus gibt die Rede einen Überblick über die deutsch-amerikanischen Beziehungen
in den vergangenen Jahrzehnten bis zu der heutigen "Partnerschaft in der Führung". Der Botschafter forderte
in diesem Zusammenhang eine Fortsetzung der engen kulturellen Bindungen zwischen unseren Ländern,
während wir uns gleichzeitig bemühen, die ehemals kommunistischen Nationen in eine Gemeinschaft mit
gemeinsamen Werten aufzunehmen.
Höhepunkt des Tages war eine Feierstunde zum 40. Jahrestag des Deutsch-Amerikanischen Instituts in
Freiburg, des Carl-Schurz-Hauses, bei der der Botschafter ein kurzes Grußwort an die Anwesenden richtete.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt bei der Freiburger Montagsgesellschaft im
Wortlaut.

Herr Vorsitzender Ruhe,
Herr Dr. Hodeige,
meine Damen und Herren,

Montagsgesellschaft organisierte hochkarätige Programm von Vorträgen zu aktuellen Themen wie dem
heutigen hat viele Jahre lang den geistigen Bedürfnissen Freiburgs gedient. Ihr Engagement für ein qualitativ hochwertiges Gemeinwesen ist beispielhaft.

ich freue mich, heute nachmittag in Ihrer schönen
Stadt zu sein. Es war mir eine große Freude, Dr. Darüber hinaus möchte ich dem Carl-Schurz-Haus zu
Hodeige und Mitgliederder Freiburger Montagsgesell- seinem vierzigjährigen Bestehen gratulieren. Ich werde
schaft kurz nach meiner Ankunft vergangenes Jahr in bei der Feier aus diesem Anlaß heute nachmittag im
der Botschaft in Bonn zu empfangen. Ich erinnere Seepark eine kurze Ansprache halten. Als das Amemich gut an unsere lebhafte Diskussion, die mir im rika Haus in Freiburg vor vierzig Jahren seine Tore
Hinblick auf die grundlegenden Beiträge die Augen öffnete, erholten sich Deutschland und Europa noch
öffnete, die von deutsch-amerikanischen Freundschafts- von der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs. Der
Marshallplan ging gerade zu Ende, und das erste
gesellschaften wie der Ihrigen geleistet wurden.
erfolgreiche Experiment der europäischen wirtschaftDie Montagsgesellschaft ist über die Jahre hinweg lichen Zusammenarbeit, die Montanunion, war ein
eine wichtige Quelle der Unterstützung für zahlreiche Jahr alt. Das Carl-Schurz-Haus und vergleichbare
Einrichtungen der Stadt gewesen, darunter das Carl- Institutionen waren unerläßlich, um aus den bescheiSchurz-Haus, und sie hat für die Bürger Freiburgs eine denen Anfängen vor vierzig Jahren die kooperative
bessere Lebensqualität geschaffen. Das von der Partnerschaft aufzubauen, derer sich Deutschland
und die Vereinigten Staaten heute erfreuen können.

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�Vor fast genau einer; ., ahr überreichte ich Bu ndespräsidentvon Weizsäokei mein Beglaubigungsschreiben.
Im Kontext der europäischen Nachkriegsgeschichte
ist ein Jahr eine se^.r h ..rze Zeitspanne. Aber in diesem
Zeitraum ist viel gesehenen, was die transatlantischen
und deutsch-amerikanischen Beziehungen auf einige
Zeit beeinflussen vvirö.
Eines meiner persönlichen Ziele in diesem ersten Jahr
war es, Ihr Lana soviel wie möglich zu bereisen,
insbesondere die neuen Bundesländer im Osten. In
diesem ersten Jahr besuchte ich alle 16 Bundesländer
und traf mit ihren Ministerpräsidenten zusammen.
Meine zwölf Besuche in den neuen Bundesländern
sind ein sichtbarer Beweis der Tatsache, daß auch wir
dem Prozeß der deutschen Vereinigung Priorität einräumen.
Auf meinen Reisen nabe ich zahlreiche Beispiele
unserer kulturellen Bindungen gesehen. Ich traf mit
deutschen Politologen zusammen, die mit Begeisterung von der Zeit spracnen, die sie als Gastdozenten
in den Vereinigten Staaten verbrachten. Und bei
jedem Vortrag, Jen ch an Universitäten gehalten
habe, befanden sich im Publikum zahlreiche amerikanische Austauschstudenten, die ihr Verständnis von
Ihrem Land und ihrer Kultur vertieften.
Diese Beispiele und ziele andere haben mir zunehmend klargemacht, daß die sehr engen Beziehungen
zwischen unseren beiden Regierungen auf den unzähligen persönlichen Bindungen beruhen, die von unse
ren beiden Völkern geschaffen wurden. Die durch
akademischen Austausch, gemeinsame militärische
Ausbildung, Tourismus, Wirtschafisunternehmen,
Konferenzen, wissenschaftliche Zusammenarbeit sowie
durch Kunstausstellungen geschaffenen Bindungen
bilden das Fundament beiderseitiger Entwicklung und
Anteilnahme, die unsere Beziehungen in der Nachkriegszeit charakterisieren.
Solche Bindungen müssen jedoch ständig genährt und
verstärkt werden Jede nachfolgende Generation muß
sich heute erneut dazu verpflichten, diese Bindungen
zu bewahren und zu vertiefen, denn sonst werden sie
verblassen und an Bedeutung verlieren. Organisationen wie Ihre werden und müssen in Zukunft eine noch
wichtigere Rolle dabei spielen.
In meinem ersten Jahr als Botschafter hat es drei
überragende Entwicklungen gegeben, die meines
Erachtens in den Kommenden Jahren besonderen
Einfluß auf das transatlantische Verhältnis und die
deutsch-amerikanischen Beziehungen haben werden:
der Zusammenoruch der Sowjetunion, die Geißei
ethnischer Konflikte auf dem Balkan sowie die Bemü
hungen der Europäischen Gemeinschaft, den Vei
von Maastricht zu ratifizieren. Ich möchte die:
men erörtern und dann zu meiner zentralen These
zurückkehren: Daß die politischen und militärische
Dimensionen unserer Beziehungen zwar äußerst wichtig

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bleiben, die "Wachstumssektoren" in diesen Beziehungen jedoch in den Bereichen Handel, kulturelle
Interaktion und Austausch liegen werden.
Demokratie in den ehemaligen Sowjetrepubliken
Kurz vor meiner Ankunft in Bonn im August vergangenen Jahres errangen die Kräfte der Demokratie in der
Sowjetunion einen großen Sieg über den Totalitarismus. Sie schlugen den Putschversuch gegen Präsident Gorbatschow nieder.
Der Sieg der demokratischen Kräfte löste dramatische
Veränderungen aus. In dem folgenden Jahr löste sich
die Sowjetunion auf, und an ihre Stelle traten fünfzehn
unabhängige Staaten. Die Vereinigten Staaten haben
in allen diesen neuen Staaten Botschaften eröffnet.
Der Kalte Krieg, der jahrzehntelang unsere Energie
und Aufmerksamkeit so vollständig in Anspruch genommen hatte, war von der ersten wirklich demokratischen Revolution hinweggefegt worden, die jemals auf
russischem Boden Wurzeln schlug.
Die Zukunft der Demokratie in Rußland und den anderen neuen Staaten des alten sowjetischen Imperiums
ist die wichtigste Frage, die sich uns stellt. Die Entwicklung stabiler Demokratien und politischer Legitimität in den Staaten Mitteleuropas und der ehemaligen
Sowjetunion sind letztlich grundlegend für die Sicherheit Europas.
3, daß diese Frage in Deutschland von großem
ilbarem Interesse ist. Das gilt sowohlfürdie
politischen Entscheidungsträger als auch für die Öf)eutschland und die Deutschen haben
nihrungsrolle dabei übernommen, der ehemaligen
i und Osteuropa Hilfe zu leisten. Die
i und Deutschland haben sich
ingesetzt, diese neuen DemokraOrganisationen wie die KSZE
einzugliedern und ihre engere Bindung an die NATO
zu fördern. Der jüngste Ausdruck dieses Engagements war die nachhaltige Unterstützung Deutschlands für die Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrates sowie seine Initiative, die neuen Republiken
Sowjetunion in dieses Gremium zu
integrieren.
ung von Hilfe für die ehemalige Sowjetunion ist auch für die Amerikaner eine Frage von
großer E ieutung. Zu Beginn dieses Jahres war ich
auf dem Rhein-Main-Flughafen anwesend, als deutanische Transportflugzeuge mit
Nahrungsmitteln und dringend benötigten medizinischen Hilfsgütern nach Moskau und in 19 andere
Städte der ehemaligen Sowjetunion starteten.
auf anderen Stützpunkten auch hatten
3 und Amerikaner zwei Generationen
standen, mit ihren Flugzeugen einen
riff abzuwehren. Heute jedoch star-

AMERIKA DIENST 36

�ten deutsche und amerikanische Militärmaschinen statt
mit Raketen und Bomben mit Nahrungsmitteln und
Medikamenten, um unserem ehemaligen Gegner zu
helfen. Diese Flüge werfen ein dramatisches Schlaglicht auf unsere gemeinsamen neuen Beziehungen zur
ehemaligen Sowjetunion.
Neben der Reaktion auf die dringenden humanitären
Bedürfnisse der Menschen in dieser Region wollen die
Vereinigten Staaten den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bei der Zerstörung und Kontrolle der Relikte
des Kalten Krieges helfen - insbesondere bei nuklearen, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen.
Auf Einladung der Bundesminister Rühe und Kinkel
hatte ich den Vorzug, im vergangenen Monat Zeuge
eines Ereignisses zu werden, das zwei praktische
Konsequenzen des Endes des Kalten Krieges unterstrich. In Rockensussra in Thüringen war ich beim
Beginn der Zerstörung militärischen Geräts der Bundesrepublik Deutschland anwesend, das nach den
Bestimmungen des KSE-Vertrages verboten ist. Darüber
hinaus erfuhr ich von den Hunderten von deutschen
Arbeitsplätzen, die durch die Aufgabe der Waffenzerstörung geschaffen wurden. Wir arbeiten mit Deutschland und anderen Ländern zusammen, um zivile Arbeitsplätze auch in der ehemaligen Sowjetunion für
Wissenschaftler und andere Techniker zu schaffen,
die ihr ganzes Leben Kriegswaffen entwickelt haben.
Die Förderung der Einführung von Marktwirtschaften
in den ehemaligen sowjetischen Staaten ist eine weitere Priorität, die sich unsere beiden Länder gesetzt
haben. Die Neuorientierung einer ganzen Gesellschaft auf Wirtschaftsprinzipien und Fähigkeiten, die
dem Großteil der freien Welt Wohlstand gebracht
haben, ist wahrscheinlich die schwierigste und vordringlichste Aufgabe, mit der sich diese Länder konfrontiert sehen. Beträchtliche Anstrengungen des
Westens sind erforderlich, um sicherzustellen, daß die
aufstrebenden Demokratien des ehemaligen sowjetischen Imperiums nicht in wirtschaftlichem Chaos versinken.
Regionale und ethnische Konflikte
Der Flug dieser Maschinen vom Rhein-Main-Flughafen in die ehemaligen Sowjetrepubliken war in der Tat
Teil einer größeren Reise, die anschaulich die Distanz
belegt, die von der Welt - und insbesondere von
Europa - nach so vielen Jahren des Kalten Krieges
zurückgelegt wurde. Dennoch erinnern uns die Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien täglich daran, daß
die Reise zu einer wirklich dauerhaften und friedlichen
Ordnung noch nicht beendet ist. Heute verlassen
dieselben Flugzeuge den Rhein-Main-Flughafen mit
Nahrungsmitteln und Medikamenten fürdie Menschen
in Bosnien.

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Die Gewalt im ehemaligen Jugoslawien hat demonstriert, wie schwer Stabilität herzustellen sein kann.
Trotz des Zusammenbruchs des Kommunismus und
der verringerten Bedrohung einer nuklearen Konfrontation zwischen Supermächten bleiben militärische
und verteidigungspolitische Fragen für die zukünftige
Sicherheit Europas von Bedeutung. Die Bedrohung,
der wir uns heute gegenübersehen, ist nicht mehr eine
massive militärische Invasion über die alte innerdeutsche Grenze, sondern sie ist vielmehr die Unsicherheit, die östlich von Deutschland durch politische und
wirtschaftliche, häufig von ethnischen Konflikten begleitete Unruhen entstanden ist.
Wirteilen den Schock und die Empörung Europas über
die fortwährenden Gewaltakte und Menschenrechtsverletzungen, die auf dem Territorium des ehemaligen
Jugoslawiens begangen werden. Wir unterstützen die
politischen Bestrebungen der Europäischen Gemeinschaft und werden weiterhin in der UNO aktiv sein, um
deren Bemühungen zu unterstützen, das Wirtschaftsembargo abzusichern, das der Diplomatie bei der
Beendigung des Konflikts behilflich sein soll.
Wir haben auch eine eindeutige humanitäre Verantwortung in diesem Konflikt. Wir werden alles Erforderliche tun, um den leidenden Menschen Nahrungsmittel und Medikamente zu liefern, einschließlich der
Entsendung von UN-Friedenstruppen zur Absicherung dieser Hilfslieferungen. Deutschland muß besonders für die humanitäre Hilfe gelobt werden, die es
bereitstellt, vor allem für viele Tausende, die durch
diese Tragödie zu Vertriebenen wurden.
Wenn uns jedoch der Konflikt, dessen Zeuge wir heute
auf dem Balkan werden, irgendetwas lehrt, dann, daß
das Ende des Kalten Krieges Europa nicht unverzüglich Frieden und Stabilität gebracht hat. Daher begrüßen wir eine aktive Rolle Deutschlands bei der Schaffung einer stabilen neuen Ordnung in Europa und
begrüßen ein Deutschland, das zur Übernahme größerer Verantwortung im Bereich der kollektiven Sicherheit fähig ist. Gleichzeitig sind wir uns bewußt,
daß eine solche Entscheidung, insbesondere über
sogenannte Einsätze in bündnisfremdem Gebiet, beim
deutschen Volk und seinen politisch Verantwortlichen
liegt.
Europäische Einheit
Während wir neue Strategien zur Bewältigung der
neuen sicherheitspolitischen Realitäten entwickeln,
müssen wir bestehenden multilateralen Institutionen
wie der NATO und den Vereinten Nationen neue
Aufgaben verleihen und das Potential neuer Institutionen wie der G-7 und des Nordatlantischen Kooperationsrats entwickeln.

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�Die Vereinigten Staaten unterstützen das Ziel der
europäischen Integration so eindeutig und unmißverständlich wie wir die Vereinigung Deutschlands unterstützt haben. Aber ebenso wie bei der Vereinigung
Deutschlands wollen die Vereinigten Staaten sicherstellen, daß die Verwirklichung der Vision von Maastricht eher die traditionellen Beziehungen und Verpflichtungen erweitert statt davon ablenkt.

Partner in der Führung

Aber mein persönliches Ziel besteht selbstverständlich darin, die deutsch-amerikanischen Beziehungen
noch weiter zu stärken. Diese Beziehungen haben zu
den dramatischen Ereignissen von 1989 und 1990
geführt und sind grundlegend für Ihre und unsere
künftige Sicherheit. Die Evolution der deutsch-amerikanischen Beziehungen von Fürsorge zu PartnerDie Beziehung zwischen europäischer Sicherheit und schaft ist eine der großen internationalen Erfolgsgeihrem wichtigsten und erprobten Garanten - der NATO schichten dieses Jahrhunderts.
-wurde beim NATO-Gipfeltreffen in Rom im vergangenen November vereinbart. Die NATO ist sich eindeutig Und diese Geschichte der deutsch-amerikanischen
der Notwendigkeit bewußt, sich den neuen Realitäten Beziehungen entwickelt sich weiter. Über vier Jahrin Europa anzupassen. Zu diesem Zweck hat sie ihre zehnte lang wurden unsere Beziehungen von ihren
politischen Bestrebungen durch den neuen Koopera- politischen und militärischen Dimensionen beherrscht.
tionsrat nach Osten erweitert, der die ehemaligen Heute sehen wir, daß die wirtschaftlichen, ökologiWarschauer-Pakt-Staaten einbezieht. Und die neu schen und soziokulturellen Dimensionen unserer
vereinbarten Beziehungen zwischen NATO und KSZE Beziehungen wachsende Bedeutung erlangen.
sind ein Schritt zur Anpassung der SicherheitsinstituSicherlich sind die wirtschaftlichen Bindungen zwitionen Europas an das Umfeld nach dem Kalten Krieg. schen uns von zunehmender Bedeutung. Vierzig
Gleichzeitig ermutigen die Vereinigten Staaten eine Prozent aller Exporte Baden-Württembergs gehen in
stärkere europäische Sicherheitsidentität, die so ent- die Vereinigten Staaten. Umgekehrt hat die amerikawickelt wird, daß sie auf der von der NATO gebotenen nische Wirtschaft erheblich in Baden-Württemberg
starken Grundlage aufbaut und diese erweitert. Wir investiert. Die Ermutigung zu wirtschaftlichem Engaführen Gespräche mit deutschen und anderen euro- gement in beiden Richtungen bietet beiden Ländern
päischen Regierungsvertretern im Hinblick auf die große Vorteile.
Weiterentwicklung der Westeuropäischen Union und
Das unlängst abgeschlossene Nordamerikanische
auf das deutsch-französische Korps. Wir tun dies in
Freihandelsabkommen ist eine Entwicklung, die letztdem Vertrauen, daß wir die gleichen Ziele verfolgen:
lich deutschen Unternehmen neue Märkte öffnen wird,
Ein starkes Bündnis und ein starker europäischer
Verteidigungspfeiler als Teil der transatlantischen insbesondere solchen, die Waren in Nordamerika
herstellen.
Partnerschaft.
Aber es ist das GATT, das den vielleicht wichtigsten
Vor exakt dreißig Jahren, am 4. September 1962, Rahmen geschaffen hat, innerhalb dessen sich unsere
begann Präsident de Gaulle seinen wichtigen Staats- Wirtschaftsbeziehungen entwickeln und gedeihen
besuch bei Bundeskanzler Adenauer in Bonn. Ich konnten. Ein erfolgreicher Abschluß der Uruguaykann die Bedeutung, die Deutschland seinen Bezie- Runde des GATT ist deshalb für unsere beiden Länder
hungen zu Frankreich beimißt, heute sehr viel besser - und in der Tat für die ganze Welt - von vitalem
beurteilen als zu der Zeit, als ich noch in Washington Interesse.
war. Die Vereinigten Staaten unterstützen möglichst
enge Verbindungen zwischen unseren beiden großen In meinem ersten Jahr als Botschafter in Deutschland
Verbündeten und Freunden - Deutschland und Frank- habe ich ein wesentlich besseres Verständnis dessen
reich. Ihre entscheidenden bilateralen Beziehungen gewonnen, wie wichtig die soziokulturelle Dimension
wurden von einer Quelle der Instabilität zu einer we- unserer Beziehungen immer gewesen ist. Während
sentlichen Triebkraft für die europäische Einheit um- meiner Jahre als hochrangiger Beamter im Finanzgewandelt.
und Außenministerium sowie im Weißen Haus war ich
mir der Bedeutung der kulturellen Dimension nicht
Engere Verbindungen zwischen Deutschland und vollständig bewußt. Je länger ich hier bin, desto mehr
Frankreich müssen jedoch nicht zwangsläufig auf Kosten gelange ich zu der Überzeugung, daß es diese kultuengerer Verbindungen zwischen den Vereinigten Staa- relle Dimension sowie die persönlichen Bindungen
ten und Deutschland oder zwischen den Vereinigten zwischen Deutschen und Amerikanern sind, die die
Staaten und Frankreich erfolgen. Unser Ziel sollte der wahre Grundlage unserer starken Beziehungen bilNutzen sein, der sich in Europa und den Vereinigten den.
Staaten aus engeren bilateralen Beziehungen zwischen allen Freunden und Verbündeten ableitet.

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AMERIKA DIENST 36

�Viele amerikanische Soldaten, die in diesen vierzig
langen Jahren in Baden-Württemberg und anderen
Teilen Deutschlands stationiert waren, kehren nach
Hause zurück. An dem Tag, an dem die Berliner Mauer
fiel, hatten die Vereinigten Staaten nicht einen, sondern 600.000 amerikanische Botschafter in Deutschland. Es waren die hier stationierten Angehörigen der
amerikanischen Streitkräfte und deren Familien. Heute
ist diese Zahl wesentlich geringer und wird bis 1993
noch weiter abgebaut werden.

Wir haben in Leipzig ein neues Generalkonsulat
und ein neues Amerika Haus eröffnet als sichtbares Zeichen unseres Engagements, Deutschland beim Wiederaufbau und der Integration der
neuen Bundesländer zu helfen. Von Leipzigund
auch von der Außenstelle unserer Botschaft
und dem Amerika Haus in Berlin bieten wir ein
breites Spektrum kultureller, Informations- und
sonstiger Austauschprogramme für ganz Ostdeutschland an.

Wir werden eine schlagkräftige amerikanische Streitmacht in Deutschland belassen, solange Deutschland
unsere Präsenz wünscht. Diese amerikanische Streitmacht wird zwar schlagkräftig, aber kleiner sein, und
die Kontakte zwischen Amerikanern und Deutschen
werden weniger werden. Insbesondere deshalb, weil
mehr amerikanische Familien in regierungseigene
Wohnungen ziehen und weil sie die Folgen des niedrigen Dollarkurses spüren. Infolgedessen wird die
Arbeit von Gruppen wie der Ihrigen zur Förderung
persönlicher Kontakte zwischen Deutschen und
Amerikanern immer wichtiger.

Wir legen besondere Betonung auf Austauschprogramme, um die Menschen in der ehemaligen DDR zu erreichen, die in den kommenden
Jahren wahrscheinlich Einfluß in Politik, Kultur,
Wirtschaft, den Medien und im Bildungswesen
haben werden. Wir konfrontieren sie direkt mit
den Vereinigten Staaten und bieten ihnen die
Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Es ist genau diese Art von Programmen,
die bei der Vertiefung des Verständnisses und
guten Willens so effektiv waren, die den Kern
der deutsch-amerikanischen Beziehungen ausmachen.

In diesem Zusammenhang ist der Erfolg von Institutionen wie der Freiburger Montagsgesellschaft und des
Carl-Schurz-Hauses in Freiburg besonders ermutigend. Obwohl keine amerikanischen Soldaten in
Freiburg stationiert sind, wurde diese Stadt zum Modell
für die Verbesserung der deutsch-amerikanischen
Beziehungen durch enge persönliche Kontakte. Ihr
Erfolg wird uns bei unseren künftigen Bemühungen in
ganz Deutschland leiten, einschließlich der neuen
Bundesländer.
Das amerikanische Engagement für die neuen
Länder
Ich habe die starke amerikanische Unterstützung für
die deutsche Vereinigung bereits erwähnt. Die Unterstützung dieses Prozesses ist eine meiner vordringlichsten Aufgaben als Botschafter. Hier in Deutschland möchten wir Amerikaner eine bedeutsame Rolle
beim Wiederaufbau der fünf neuen Bundesländer
spielen, die so lange von der Freiheit abgeschnitten
waren, die für uns im Westen so selbstverständlich ist.
Durch die Aktivitäten des United States Information
Service und anderer Abteilungen der Botschaft versuchen wir, das verzerrte Bild von Amerika und dem
Westen zu korrigieren, das Tag für Tag den Menschen
vorgehalten wurde, die man lehrte, uns zu fürchten und
unseren Motiven mit Mißtrauen zu begegnen. Der
intellektuelle Hunger nach Informationen im Osten hat
uns bestärkt. Die Befriedigung dieses Hungers war
angesichts unserer bereits knappen Mittel und der
angespannten Haushaltslage eine Herausforderung.
Nachfolgend möchte ich einige der vielen Maßnahmen
erwähnen, die wir im Osten ergriffen haben:

AMERIKA DIENST 36

Das Fulbright- und andere akademische Austauschprogramme wurden ebenso wie das Parlamentarische Patenschaftsprogramm Kongreß/
Bundestag auf die neuen Bundesländer ausgeweitet. Darüber hinaus erweitern wir unsere
Programme und Aktivitäten für den Englischunterricht und Amerikanistikstudien.
Mit der Schließung oder Verkleinerung unserer
militärischen Stützpunkte in Westdeutschland
werden zahlreiche Bibliotheken dieser Stützpunkte Institutionen in der ehemaligen DDR
gespendet. Nahezu 200.000 Bände sind bereits
an Bibliotheken, Schulen und andere Einrichtungen übergeben worden und bilden einen
wertvollen Grundstock der Bestände für Amerikanistikstudien und Literatur in englischer Sprache. Ich kann mir kein besseres Beispiel einer
"Friedensdividende" denken, als Millionen von
Menschen das unschätzbare Erbe der westlichen Zivilisation in schriftlicher Form zu vermachen.
Die RIAS-Stiftung entstand zum Teil aus den
Vermögenswerten des Senders, der so viele
Jahre lang die Informationsquelle für Ostdeutsche war. Die Stiftung soll Kontakte und den
Informationsaustausch zwischen Medienzentren
und Medienvertretern in den neuen Ländern
und deren amerikanischen Kollegen fördern.
Durch diese Stiftung wird der stolze Name - und
der Geist - des RIAS weiterleben.
In der Erkenntnis, daß wirtschaftliche Stabilität
eines der größten Bedürfnisse in den neuen

Seite 5

�Ländern ist, ermutigen wir dort aktiv amerikanische Investitionen. Ungefähr 150 amerikanische Unternehmen sind bereits im Osten tätig,
schaffen zusammen Zehntausende von Arbeitsplätzen und verhindern den Verlust von vielen
weiteren. Der Bekanntheitsgrad und gute Ruf
führender bereits in Ostdeutschland tätiger amerikanischer Firmen ermutigt andere Firmen, eine
Niederlassung dort ins Auge zu fassen.

drängenderer Sicherheitsprobleme überschattet.
Während des Kalten Krieges waren wir tatsächlich der
Überzeugung, was die westlichen Demokratien zusammehalte sei die gemeinsame Bedrohung. Mit dem
Ende des Kalten Krieges und damit der gemeinsamen
Bedrohung wird deutlich, daß das Bündnis durch
gemeinsame Werte zusammengehalten wurde.

Die vor uns liegende Herausforderung besteht nun
darin, diese Werte mit den Deutschen im Osten und
Schließlich ermutigen wir unsere privaten Orga- den aufstrebenden Staaten in der ehemaligen Sowjetnisationen, die im Westen Deutschlands so union zu teilen.
erfolgreich sind - wie USO, American Women's
Group und Kontakt-Clubs - zur Erweiterung Bedauerlicherweise führen Versuche zur Bewältigung
dieser Herausforderungen zu finanziellen Engpässen
ihrer Aktivitäten in den neuen Bundesländern.
in unseren beiden Ländern und drohen, unsere EnerWeiteres Engagement für den Westen
gien von der Unterstützung eben dieser Bindungen
abzulenken, die solch grundlegende Bausteine unseObwohl die Vereinigten Staaten den Staaten im Osten rer Beziehungen sind. Mehr denn je müssen jetzt die
zwar Priorität eingeräumt haben, vernachlässigen wir Nutznießer bisheriger Programme die Arbeit ihrer
unsere Programme und Freunde in den westlichen Vorgänger fortsetzen, indem sie diese gemeinsamen
Ländern nicht. Die US-Regierung, öffentliche und Werte an die nächste Generation weitergeben. Aus
Privatinstitutionen sowie amerikanische Unternehmen diesem Grund bin ich heute hier, weil ich jetzt, am Ende
sind hier weiterhin stark engagiert.
meines ersten Jahres als Botschafter in Deutschland,
die Bedeutung der von Ihnen geleisteten Arbeit und die
Ein Beispiel dieses Engagements ist die jüngste Ver- lebenswichtige Bedeutung der vor uns liegenden Auflagerung einer Einrichtung der US-Armee in die Stadt gabe sehr viel mehr zu schätzen weiß. Aus diesem
Schwäbisch Gmünd. Diese ehemalige militärische Grund bitte ich um eine erneute Verpflichtung unsererEinrichtung wird ein Campus der University of Mary- seits. Wir müssen uns wieder engagieren und die
land, der Ende dieses Monats eröffnet werden soll. Probleme in Angriff nehmen, mit denen sich unsere
Dort werden Studenten aus ganz Europa, den Verei- beiden Länder bei der Bewahrung von Frieden und
nigten Staaten und sogar der ganzen Welt eine Chan- Stabilität in dem neuen Europa konfrontiert sehen.
ce erhalten, zu lernen und Ideen und Erfahrungen
auszutauschen. Sie werden die Tausende amerikani- Ich danke Gott, daß es Menschen wie Carl Schurz
scher Studenten ergänzen, die bereits an renommier- gegeben hat und solche, die seinem Beispiel folgten,
ten Institutionen wie der Freiburger Universität einge- die Vision hatten und das Engagement aufbrachten,
schrieben sind.
unermüdlich auf stärkere Bande zwischen Deutschen
Hunderte amerikanischer Firmen sind als anerkannte und Amerikanern hinzuarbeiten.
Wirtschaftsunternehmen hier ansässig. Das starke
Engagement amerikanischer Unternehmen hier in Baden
steht für das, was *a übrigen Deutschland geschieht.
Ich beglückwünsche Firmen wie I-Omega, die in diesem Teil des Landes so erfolgreich waren, hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen und den ausgezeichneten Ruf der Region zu bewahren.
Die vor uns liegende Herausforderung
Während des Kalten Krieges wurden kulturelle Interessen und gemeinsame Werte von der Bewältigung

Ich bin hier, um Ihre Hilfe zu erbitten. Ich bin hier, um
jeden in diesem Raum Anwesenden - und Ihre Söhne
und Töchter zu bitten, gemeinsam mit uns unsere
Bemühungen zu verdoppeln, um sicherzustellen, daß
Amerikaner und Deutsche sich weiterhin besser kennen-, verstehen und schätzen lernen. Damit bringen
wir nicht nur zwei großartige Länder einander näher,
sondern die gesamte internationale Staatengemeinschaft.
Ich danke Ihnen.

* *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 36

�JUGOSLAWIEN
9. September 1992

VEREINIGTE STAATEN SAGEN 40 MILLIONEN DOLLAR
AN FLÜCHTLINGSHILFE FÜR JUGOSLAWIEN ZU
Erklärung von Botschafter Zlmmerman
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben am 4. September 1992 etwa 40 Millionen Dollar zugesagt, um die
internationalen Hilfsorganisationen zu unterstützen, die sich um die über zwei Millionen Opfer des Konflikts im
ehemaligen Jugoslawien kümmern, insbesondere in den kommenden harten Wintermonaten.
Der Beitrag wurde von Botschafter Warren Zimmerman, dem Leiter des Büros für Flüchtlingsprogramme im USAußenministerium und US-Sonderbeauftragter für Jugoslawien, im Rahmen einer UNO-Konferenz in Genf
angekündigt, die humanitäre Unterstützung für die Notleidenden im früheren Jugoslawien zum Inhalt hatte.
Zimmerman erklärte, der neue amerikanische Beitrag umfasse Bargeld, Nahrungsmittel, Medikamente, Material
zum Bau von Unterkünften, Kleidung, logistische Unterstützung sowie technischen Rat. Damit sollen die
Programme der im ehemaligen Jugoslawien tätigen internationalen Behörden und nichtstaatlichen Organisationen bei der Bereitstellung von Hilfe (Konvois) und winterfesten Unterkünften gefördert werden.
Das eintägige Treffen über humanitäre Hilfe fand unter dem Vorsitz der Hohen Flüchtlingskommissarin der
Vereinten Nationen (UNHCR), Sadako Ogata, statt, deren Organisation die Hilfsbemühungen für Flüchtlinge und
Vertriebene im ehemaligen Jugoslawien, insbesondere im konfliktgeschüttelten Bosnien-Herzegowina, leiten
soll.
Während des Treffens wurde ein neuer internationaler Hilfsappell zur Bereitstellung von 467 Millionen Dollar
verabschiedet, um die geschätzten Kosten für die Hilfsbemühungen in den nächsten sechs Monaten zu
bestreiten darunter ein Programm zum Bau von winterfesten Unterkünften für die Flüchtlinge und Vertriebenen.
Im Rahmen einer am selben Tag veranstalteten Pressekonferenz teilte Botschafter Zimmerman mit, sowohl das
Treffen über humanitäre Hilfe - bei dem die Länder "beeindruckende" Hilfsbeiträge zugesagt hätten - als auch
der Friedensprozeß des Lenkungsausschusses seien Beweise für das Ausmaß internationaler Besorgnis über
die Ereignisse im früheren Jugoslawien.
Es bestehe ein starkes "Gefühl der Dringlichkeit" sicherzustellen, daß der Elan der Londoner Konferenz, auf der
- insbesondere von den bosnischen Serben - Verpflichtungen zur Herbeiführung einer Lösung eingegangen
wurden, aufrechterhalten wird.
Darüber hinaus herrsche "große Entschlossenheit" zu verhindern, daß die Doppelstrategie der ethnischen
Säuberung und Aushungerung durch die Serben Erfolg habe.
"Wir treten in eine Winterperiode ein, in der die serbische Politik der ethnischen Säuberung und Aushungerung
auf die Probe gestellt wird", erklärte Zimmerman. Die internationale Staatengemeinschaft sei entschlossen, "es
der Bevölkerung von Bosnien zu gestatten, mit Unterkünften und damit neuer Hoffnung auf ein Ende ... dieser
schrecklichen Heimsuchung durch den Winter zu kommen".
Auf Fragen zu den Internierungslagern, die international auf harte Kritik gestoßen sind, erklärte Zimmerman, eine
der wichtigsten amerikanischen Prioritäten sei es, Zugang zu den Lagern zu erhalten und sie so bald wie möglich
aufzulösen. Das Treffen über humanitäre Angelegenheiten habe die Frage erörtert, die Internierten nach ihrer
Freilassung in sichere Gebiete zu transportieren.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Botschafter Zimmermans im Wortlaut.

AMERIKA DIENST 36

Seite 1

�Wir beglückwünschen Frau Ogata und ihre Mitarbeiter
zu Ihrer Initiative, dieses dringliche Programm mobilisiert zu haben, um den Konfliktopfern im ehemaligen
Jugoslawien humanitäre Hilfe zu leisten. Die von der
Hohen Flüchtlingskommissarin bei der internationalen
Konferenz in Genf am 29. Juli entworfene umfassende
Reaktion auf die humanitäre Krise im ehemaligen
Jugoslawien ist der richtige Rahmen, um der Tragödie
im ehemaligen Jugoslawien auf humanitärer Ebene zu
begegnen, und wir unterstützen sie uneingeschränkt in
allen Aspekten.
Bei unserem heutigen Treffen sollten wir vor allem von
einem Gefühl der Dringlichkeit erfaßt sein. Der Winter
steht kurz bevor, und wir haben jetzt noch die Macht,
viele Tausende in Bosnien und andernorts im ehemaligen Jugoslawien zu retten, die durch Konflikt und
ethnische Säuberungen mittel- und heimatlos geworden sind.
Die Dringlichkeit unserer Aufgbe erfordert, daß wir
unverzüglich Zugang zu den Gebieten in Bosnien mit
dem größten Bedarf erhalten, daß wir Prioritäten setzen und effektiv vorgehen.
Der dringendste Bedarf besteht eindeutig in Bosnien.
Wir müssen die notwendigen Routen für die Landkonvois ausfindig machen, einschließlich solcher, die auch
während des Winters benutzt werden können und die
erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen treffen. Für
Sie, die Hohe. Flüchtlingskommissarin und die UNSchutztruppe UNPROFOR ist es unabdingbar, enge
Arbeitsbeziehungen auf der Grundlage gemeinsamer
Ziele herzustellen. Wenn Sie bereit sind, werden wir
die logistische Unterstützung zur Verfügung stellen,
um die Lastwagen auf den Weg zu bringen. Wir
müssen uns insbesondere auf die belagerten Gebiete
konzentrieren, um einen weiteren Flüchtlingsstrom zu
verhindern.
Die Bereitstellung von winterfesten Unterkünften für
Tausende im ehemaligen Jugoslawien muß oberste
Priorität sein. Bei der Bewältigung dieser Herausforderung müssen wir knappe Ressourcen strecken sowie
bestehende Strukturen und temporäre Maßnahmen
so weit wie möglich nutzen. Bei der Erarbeitung von
Programmen für winterfeste Unterkünfte müssen wir
darauf bedacht sein, Maßnahmen zu verhindern, die
auf Dauer labile ethnische Gleichgewichte verändern
und die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts bergen
würden.
Diese komplexen und vordringlichen Aufgaben können nur mit effektiver Koordinierung zwischen den
jeweiligen Behörden und Regierungen sowie einem

Koordinierungsmechanismus bewältigt werden, der
denjenigen vor Ort entsprechende Entscheidungsbefugnisse einräumt. Wir sind uns der Tatsache bewu ßt,
daß das Hochkommissariat als federführende Behörde weit über ihre Mitarbeiterkapazitäten hinaus beansprucht ist und sind bereit, Experten für die Koordinierung und Verwaltung einschließlich der Bereitstellung
von Daten und Koordinierung der Logistik für die
Landkonvois zur Verfügung zu stellen.
Wir sind uns des Risikos bewußt, daß die humanitäre
Hilfe, wenn wir nicht sorgfältig vorgehen, zur Konsolidierung der Landnahme in Bosnien beitragen und
ethnische Spannungen andernorts verschärfen könnte. Die internationale Staatengemeinschaft wird bald
gezwungen sein, das Thema anzusprechen, wie wir
den Flüchtlingen bei der Rückkehr in ihre zerstörten
Häuser und Dörfer und deren Wiederaufbau behilflich
sein können. Die Hohe Flüchtlingskommissarin hat zu
Recht diese Aufgaben als Phase 2 und 3 des humanitären Hilfsprogramms ausgemacht, wenn wir den
bevorstehenden Winter hinter uns gebracht haben.
Schließlich müssen alle Geberländer großzügig spenden, um die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung
zu stellen. Der Bedarf steigt täglich. Die Mindestsumme von 467 Millionen Dollar wurde für die Kosten der
von UN-Behörden nur für die nächsten sechs Monate
in die Wege geleiteten Programme errechnet. Die
Aufgabe der Rückführung und Rehabilitation wird später
weitere beträchtliche Finanzspritzen an internationaler
Hilfe erforderlich machen.
Ich freue mich, heute einen amerikanischen Beitrag in
Höhe von rund 40 Millionen Dollar zur Unterstützung
der Nothilfemaßnahmen sowie Programme für winterfeste Unterkünfte und der Konvois zur Verfügung
stellen zu können, die von internationalen Behörden
und nichtstaatlichen Organisationen in die Wege geleitet wurden. In diesem Betrag ist Bargeld enthalten
sowie Nahrungsmittel, Medikamente, Material für
Unterkünfte, Kleidung, logistische Unterstützung und
technisches Fachwissen. Im Oktober werden wir
weitere maßgebliche Beiträge in Erwägung ziehen.
Lassen Sie mich abschließend meiner Hoffung Ausdruck verleihen, daß die bei der Londoner Konferenz
getroffenen Entscheidungen den Durchbruch bewirken, den wir alle in dem Friedensproze ß anstreben und
den Kreislauf der Gewalt durchbrechen, der Bosnien
erfaßt hat. Die humanitären Hilfsprogramme, die wir
hier durchführen, können diesen Prozeß voranbringen, auch wenn sie nicht die Lösung der Probleme
darstellen.
Ich danke Ihnen.

*

*

AMERIKA DIENST 36

�SOMALIA
9. September 1992

HILFSPLAN DER USA FÜR SOMALIA
Erklärung des Sonderbeauftragten Natsios
WASHINGTON - (AD) - Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem von Hungersnot betroffenen Somalia legte
der amerikanische Sonderbeauftragte für die Somaliahilfe, Andrew Natsios, die sechs Punkte umfassende
Strategie der Vereinigten Staaten dar.
In einer am 1. September 1992 veröffentlichten Erklärung stellte Natsios fest, daß die Vereinigten Staaten in den
vergangenen anderthalb Jahren über 85 Millionen Dollar zu den Hilfsleistungen beigetragen haben, einschließlich 80.000 Tonnen Nahrungsmittel, die entweder bereits geliefert wurden oder sich auf dem Weg befinden. "Von
all den Nahrungsmitteln, die im vergangenen Jahr nach Somalia geliefert wurden, stammen 57 Prozent aus den
Vereinigten Staaten", erklärte er.
Natsios zufolge umfaßt die amerikanische Strategie für Somalia folgende Punkte: Erstens, Verkauf von
Nahrungsmitteln an somalische Händler zur Senkung der Marktpreise, eventuell durch Versteigerungen.
Zweitens, Bereitstellung von Nahrungsmittteln durch Nahrungsmittelstützpunkte oder Suppenküchen. Drittens,
Lieferung von kostenlosen Trockennahrungsmitteln in großen Mengen für die ländlichen Gebiete. Viertens,
Verbesserung der Sicherheit. Fünftens, Dezentralisierung.
Der sechste Punkt, erklärte Natsios in einer Pressekonferenz, umfaßt die Verteilung von Saatgut und
Werkzeugen, Impfung von Viehherden und Reparatur der Brunnen.
Auf die Frage, wie viele Menschen bisher in Somalia verhungert oder kurz vor dem Verhungern seien, antwortete Natsios: "Niemand weiß es genau. Wir wissen nicht, wie viele Menschen bereits gestorben sind. Es sind
jedoch sehr viele".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Sonderbauftragten im Wortlaut.

Ich bin erst gestern abend aus Somalia und Kenia
zurückgekehrt und möchte drei Aspekte der Situation
kommentieren. Zunächst möchte ich einen kurzen
Überblick über das bereits Geleistete und die in die
Wege geleiteten Maßnahmen geben, zweitens einige
Anmerkungen zur derzeitigen Lage machen und drittens unsere generelle Hilf sstrategie für Somalia umreißen.
Erstens das bereits Geleistete. Die Vereinigten Staaten sind seit über anderthalb Jahren mit humanitären
Hilfsleistungen für Somalia befaßt. Wir haben über 85
Millionen Dollar für diese Bestrebungen bereitgestellt
und mehr als 80.000 Tonnen amerikanischer Nahrungsmittel sind entweder bereits geliefert oder für
dieses Haushaltsjahr bewilligt worden. Von all den
Nahrungsmitteln, die im vergangenen Jahr nach Somalia
geliefert wurden, stammen 57 Prozent aus den VereiAMERIKA DIENST 36

nigten Staaten. Für viele von Ihnen ist dies sicherlich
nicht Neues. Aber ich möchte es unterstreichen, um
alle von dem Gedanken abzubringen, wir seien erst in
diesem Sommer plötzlich aufgewacht und uns der
Krise in Somalia bewußt geworden. Wir haben seit
langer Zeit hart gearbeitet und die von Präsident Bush
am 14. August 1992 angekündigten neuen Initiativen
stellen nur eine Erweiterung früherer Bestrebungen
dar.
Sieben Tage nach Präsident Bushs Ankündigung haben
wir eine Luftbrücke nach Wajir in Nordkenia begonnen.
Bis heute wurden über 1.600 Tonnen Nahrungsmittel
nach Kenia geflogen - unter der Schirmherrschaft von
CARE und für die somalischen Flüchtlinge bestimmt,
die über die Grenze nach Kenia gekommen sind sowie
für von der Dürre betroffene Kenianer.

Seite 1

�Am Freitag, dem 28. August -14 Tage nach Präsident
Bushs Ankündigung - nahm das US-Militär eine Luftbrücke nach Belet Weyne in Zentralsomalia auf. Bis
heute morgen haben wir 190 Tonnen Nahrungsmittel
nach Belet Weyne geflogen. Diese Nahrungsmittel
unterstehen dem Internationalen Komitee vom Roten
Kreuz (IKRK) zur Lagerung und Verteilung. Die Flüge
werden fortgesetzt und ich erwarte, daß sie in baldiger
Zukunft auf andere Gebiete in Somalia ausgedehnt
werden. Ich habe mich ausführlich mit Brigadegeneral
Frank Libutti unterhalten, der die militärische Leitung
der Luftbrücke hat. Er und andere Angehörige der
Einsatztruppe leisten ebenso ausgezeichnete Arbeit
wie das IKRK und andere private Hilfsorganisationen
in der Region.

langwierige Verhandlungen mit den jeweiligen Stammesfürsten führen mußte, welcher untergeordnete
Stamm wann welchen Anteil der Lieferung erhalten
würde. Nur wenn zwischen den Stämmen Einstimmigkeit herrscht, können die Nahrungsmittel sicher transportiert werden. Wenn ein untergeordneter Stamm
unzufrieden ist, unternimmt er den - für gewöhnlich
erfolgreichen - Versuch, seinen gerechten Anteil durch
vom Stamm organisierte Plünderungen zu erhalten.

Die zweite Geschichte: Nahrungsmittelpreise. Als ich
in Belet Weyne war, traf ich mit den Stammesfürsten
und Ältesten der Region zusammen. Ich bat sie, mir
den Preis für einen 50 Kilogramm schweren Sack Reis
auf dem offenen Markt zu nennen. Vor zwei Jahren,
vor dem Krieg und der Hungersnot, betrug er ihren
Aussagen zufolge 35.000 somalische Schilling. Im
letzten Sommer schnellten die Preise auf über300.000
Schilling hoch und im vergangenen Frühjahr, als die
Nahrungsmittelhilfe in die Gegend zu fließen begann,
fielen die Preise auf rund 120.000 Schilling. Einen Tag
nach Bekanntgabe der Luftbrücke nach Belet Weyne
fielen die Preise auf 80.000 Schilling - was immer noch
zu hoch ist, aber eine entschiedene Verbesserung
gegenüber den früheren Preisen.

Zweitens, die Bereitstellung kostenloser Nahrungsmittel in Nahrungsmittelstützpunkten oder Suppenküchen.
(Diese richtet sich vorrangig an innerhalb Somalias
Vertriebene in Ballungsgebieten.) Drittens die Lieferung großer Mengen von kostenloserTrockennahrung
in ländliche Gebiete. Viertens die Verbesserung der
Sicherheitslage. In diesem Zusammenhang unterstützen wir voll und ganz die Forderung der Vereinten
Nationen nach Entsendung weiterer Friedenstruppen.
Fünftens die Dezentralisierung. Eines der klassischen
Phänomene bei Hungersnöten besteht darin, daß
Bevölkerungen - auf der Suche nach Nahrung - in
andere Gebiete wandern. Wenn sie dies tun, sterben
viele auf dem Weg, und diejenigen, die es schaffen,
verursachen zusätzlichen Druck und weitere Belastungen für bereits überbevölkerte Ballungsgebiete.

Übrigens brachten die somalischen Stammesfürsten,
mit denen ich sprach, alle den Wunsch nach amerikanischer Hilfe zum Ausdruck.

Die vierte Geschichte: Einige bewaffnete Wegelagerer im Teenager-Alter zogen kürzlich in das Gebiet ein
Am Tag bevor die Luftbrücke nach Somalia aufgenom- und begannen, Frauen zu vergewaltigen und Nahmen wurde, bin ich nach Belet Weyne geflogen und rungsmittel zu stehlen. Die Anführer der örtlichen
habe mehrere andere Orte in Somalia besucht. An- Clans wollten der Gewalt Einhalt gebieten und bestatt Ihnen eine Art Gesamtüberblick der Situation zu stimmten einen Ältesten, der mit der Gruppe Jugendgeben, möchte ich Ihnen vielmehr einige spezifische licher zusammentreffen sollte. Er wurde erschossen.
Beispiele dessen aufzählen, was ich gesehen und
Ich erzähle Ihnen diese Geschichten nicht, um Sie zu
gehört habe. Ich glaube dadurch erhalten Sie ein
schockieren, sondern, um Ihnen ein Gefühl für das
besseres Verständnis der Motivation, von der wir bei
Umfeld zu geben, in dem wir und die nichtstaatlichen
dieser Nothilfestrategie geleitet sind.
Hilfsorganisationen zu arbeiten versuchen. Meines
In der Nähe von Belet Weyne gibt es ein Dorf. Vor Erachtens müssen Sie dieses Umfeld verstehen, um
einigen Wochen zählte das Dorf noch 600 Einwohner. die Logik hinter unserer Hilfsstrategie zu verstehen.
Binnen einer Woche wuchsdiese Zahl auf schätzungsUnsere Hilfsstrategie besteht aus sechs Schlüsseleleweise 7.000 an. Warum? Aufgrund von Gerüchten menten: Erstens, der Verkauf von Nahrungsmitteln an
oder Hinweisen, daß Nahrungsmittel in dieses Gebiet somalische Händler, um die Marktpreise zu senken,
kommen würden.
vielleicht durch einen Versteigerungsmechanismus.

In Oddur gingen wir auf den Markt und sprachen direkt
mit den Händlern. Dort waren die Preise für einen Sack (Das sechste Element, das aus der gedruckten ErkläReis in den vergangenen drei Jahren um über 1.400 rung entfernt wurde, ist die Rehabilitation. Natsios
erklärte Reportern, dazu gehörten die Verteilung von
Prozent gestiegen.
Saatgut und Werkzeugen, die Impfung der ViehbeDie dritte Geschichte: Nahrungsmittelverteilung. Als stände sowie der Wiederaufbau.)
ich am Donnerstag in Belet Weyne mit Vertretern des
IKRK zusammentraf, beschrieben sie eine Nahrungs- Wir erhielten in Somalia Berichte, zum Beispiel vermittellieferung vom März. Die Lieferung kam an und gangene Woche, daß in einigen Gebieten 50 Prozent
wurde im Lagerhaus für die "unverzügliche" Verteilung der Menschen auf dem Marsch nach Belet Weyne
- dachten sie - gelagert. Die Lebensmittel lagerten dort gestorben seien. Als Teil unserer Strategie möchten
zwei unendliche Wochen lang während das IKRK wir deshalb Nahrungsmittel in einer Reihe von Gebie-

Seite 2

AMERIKA DIENST 36

�ten au ßerhalb der größeren Städte verteilen, um diese
tödliche Wanderung aufzuhalten - oder zumindest zu
verlangsamen - zu versuchen.
In diesem Zusammenhang möchte ich etwas über
Mogadischu sagen. Unsere Strategie besteht - zumindest für die nächste Zukunft - bewußt darin, über die
Luftbrücke gelieferte Nahrungsmittel nach außerhalb
von Mogadischu zu transportieren. Nicht nur aus den
gerade erläuterten Gründen in Zusammenhang mit
der Verhinderung von Wanderungsbewegungen,
sondern aus Sicherheitsgründen. Wir werden unsere
Rehabilitationsbemühungen auf die Gebiete konzentrieren, die vergleichsweise stabiler und sicherer sind.
Wir werden weiterhin die Hungernden verpflegen, wo
sie sich befinden. Und ich möchte so deutlich und
eindringlich ich kann erklären: Die Clan-Führer müssen verstehen, daß wir die Rehabilitation auf diese
Gebiete zu konzentrieren gedenken. Dazu gehört die
Bereitstellung von Saatgut und Werkzeugen, die
Rehabilitation der Viehbestände, der Wiederaufbau
von Brunnen zur Wasserversorgung sowie die Wiederherstellung von Krankenhäusern. In dem Maß, wie
sie die Gewalt unter den Clans in ihren Gebieten
fortsetzen, werden sie verhindern, daß die Hilfe ihre
eigenen Angehörigen erreicht.
Wir alle bemühen uns äußerst energisch darum, aber
letztlich liegt das Schicksal Somalias in Händen der
Somalis.
Ein Wort zum Verkauf von Nahrungsmitteln, da dieses
Konzept weithin mißverstanden wird. Von den 145.000
Tonnen Nahrungsmitteln, die der Präsident für das
nächste Haushaltsjahr zugesagt hat, werden meinen
Schätzungen zufolge maximal 10 Prozent per Flugzeug transportiert werden. Die Luftbrücke ist ein
besonderer, kurzfristiger Aspekt unserer Gesamtstrategie. Von den 145.000 Tonnen wird unseren Prognosen zufolge die Hälfte "kostenlos" geliefert und die
andere Hälfte auf dem offenen Markt verkauft. Manche haben gesagt: Wie können wir verhungernden
Menschen Nahrungsmittel verkaufen?
Die Antwort lautet, daß wir mehrere Ansätze gleichzeitig durchführen müssen, um Nahrungsmittel in das
Land zu liefern. Sicherlich gibt es Tausende Mittelloser - und für diese liefern wir und andere Geberländer
kostenlose Nahrungsmittel. Gleichzeitig ist es jedoch
zwingend erforderlich, die privatwirtschaftlichen Nahrungsmittelmärkte in Gang zu bringen. Mit der Lieferung kostenloser sowie zum Verkauf angebotener
Nahrungsmittel nach Somalia werden wir dramatische
Preissenkungen beobachten - und in der Tat finden
diese an einigen Orten bereits statt.

*

AMERIKA DIENST 36

*

In den letzten beiden Wochen wurde von CARE berichtet, daß im Hafen Kismayo Plünderer mehrere
Lastwagen mit 500 Säcken amerikanischer Hirse in
ihre Gewalt brachten. Die Somalis mögen Hirse nicht
besonders. Als die Plünderer ihre Beute lokalen
Händlern zum Kauf offerierten, boten diese nur einen
sehr geringen Preis dafür. Das Ende der Geschichte
lautet, daß die gesamte Hirse mitsamt den Lastwagen
von CARE wiedergefunden wurde. Man hatte sie
einfach stehenlassen, weil sich die Plünderung nicht
lohnte. Wir müssen die Lebensmittelpreise senken,
damit sich Plündern nicht lohnt.
Wir müssen den Teufelskreis in Somalia durchbrechen, wo Nahrungsmittel den gleichen Wert haben wie
Geld. Die Lieferung zusätzlicher Nahrungsmittel in
das Land wird sie nicht nur erschwinglicher machen,
sondern auch die Sicherheit erhöhen.
Ich möchte mit einem speziellen Fall abschließen.
Vergangenen Freitag fuhren wir nach Baidoa. Die
Bedingungen dort sind entsetzlich. In den vergangenen Jahren war ich Zeuge der meisten großen Hungersnöte in der Welt, und ich kann Ihnen versichern,
daß das, was ich in Baidoa vor wenigen Tagen gesehen habe, im Hinblick auf menschliches Leid das
schlimmste ist, was ich jemals erlebt habe. Das IKRK
sammelte die Leichen auf den Straßen ein und beerdigte sie. Dabei handelte es sich nur um solche, die
keine Verwandten hatten, die sie beerdigen konnten.
Das IKRK sammelte 176 Leichen. Einhundertfünfzig
sind derTagesdurchschnit in dieser einen Stadt. Wir
besuchten einen Nahrungsmittelstützpunkt in Baidoa,
auf dem über 4.000 Vertriebene verpflegt wurden. Als
ich in das Gebäude ging, lagen zwei ältere Frauen -tot
- vor meinen Füßen. Als ich wieder hinausging, wurde
der Körper eines zwölfjährigen Jungen, der gerade
gestorben war, auf einer Schubkarre entfernt.
Da war ein fünfjähriges Mädchen. Seine Mutter und
sein Vater waren bereits tot. Nur seine 11jährige
Schwester war noch übriggeblieben, um sich um es zu
kümmern. An jenem Morgen starb auch das kleine
Mädchen und ließ die ältere Schwester allein auf der
Welt zurück.
Es gibt heute viele Helden in Somalia - amerikanische
und europäische freiwillige Helfer, UN-Mitarbeiter,
amerikanische Soldaten, das Internationale Komitee
vom Roten Kreuz - und Somalis, die äußerst hart
arbeiten. Ich kann nur hoffen, daß wir durch ihre
Bemühungen - und die Anstrengungen der Vereinigten
Staaten - diese Geschichten Vergangenheit werden
lassen.

*

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. C-Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen vereinbartes C-Waffenverbot uneingeschränkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Lehman vor der Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Deutschland-USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unsere kulturellen Beziehungen - die Bindungen, die uns vereinen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Jugoslawien&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Vereinigte Staaten sagen 40 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe für Jugoslawien zu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Zimmerman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hilfsplan der USA für Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Sonderbeauftragten Natsios&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
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37

16. September 1992

WIRTSCHAFT

BUSH MÖCHTE HANDELSABKOMMMEN
MIT OSTEUROPÄISCHEN STAATEN
Das Programm für die
Erneuerung Amerikas - Auszüge

MENSCHENRECHTE

USA: WIENER KONFERENZ MUSS SICH
AUF MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
KONZENTRIEREN
Erklärung von Botschafter Blackwell

B-WAFFEN

USA, GROSSBRITANNIEN UND RUSSLAND
ERWEITERN ZUSAMMENARBEIT BEI DER
KONTROLLE BIOLOGISCHER WAFFEN
Erklärung der USA zu Moskauer Treffen

WAHLEN '92

CLINTON UND BUSH ERLÄUTERN
IHRE WIRTSCHAFTSPROGRAMME
NBC-Interview mit den
Präsidentschaftskandidaten
DAS AMERIKANISCHE
WAHLMÄNNERGREMIUM
von Ellis Katz

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�WIRTSCHAFT
16. September 1992

BUSH MÖCHTE HANDELSABKOMMEN
MIT OSTEUROPÄISCHEN STAATEN
Das Programm für die Erneuerung Amerikas - Auszüge
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat erklärt, er wolle sich für den Abschluß von Freihandelsabkommen
nicht nur mit den Ländern Lateinamerikas, sondern auch mit Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei
engagieren und darüber hinaus die Einbeziehung von asiatischen Staaten in ein umfassenderes Freihandelsnetz sondieren.
Bush erläuterte seine Wirtschaftsvorschläge am 10. September 1992 in einem Papier mit dem Titel "Programm
für die Erneuerung Amerikas". Nachfolgend veröffentlichen wir den Abschnitt des Dokuments, der den Handel
und die Weltwirtschaft betrifft.
Während des Kalten Krieges haben wir eine weltweite
Sicherheitsstruktur aufgebaut, um der Sowjetunion
und kommunistischer Aggression Einhalt zu gebieten.
Wir haben militärische Bündnisse über den Pazifik und
den Atlantik hinweg gebildet, die diese Struktur untermauerten. Im Zeitalter nach dem Kalten Krieg benötigen wir eine strategische Weltwirtschafts- und Handelspolitik, die unsere Stellung auch als Supermacht in
Wirtschaft und bei Exporten gewährleistet.
Wir befinden uns für die Verwirklichung dieses Zieles
in einer guten Position. Wir haben den größten Binnenmarkt der Welt. Dies verschafft uns Einf lu ß gegenüber anderen Ländern, die Zugang zu unserem Markt
wünschen. Die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) durch den
Kongreß wird unsere Position weiter stärken. Das
NAFTA wird einen wichtigen Markt öffnen, eine mexikanische Volkswirtschaft, deren Wachstumsaussichten seine expandierenden Industrien und seine Verbraucher rasch zu hervorragenden amerikanischen
Kunden machen wird. Ebenso wichtig ist die Tatsache, daß die Integration der amerikanischen, mexikanischen und kanadischen Fähigkeiten unsere globale
Wettbewerbsfähigkeit stärken wird, indem sie es
amerikanischen Firmen ermöglicht, Zulieferleistungen
zu geringeren Kosten zu erwerben. Damit wird es
amerikanischen Firmen erleichtert, bei Lohnniveau
und Wertschöpfung weiterhin einen Spitzenplatz einzunehmen.
Auch unsere geopolitische Position ist vorteilhaft. Die
Vereinigten Staaten sind sowohl eine pazifische als
auch eine europäische Macht; unsere politischen und
AMERIKA DIENST 37

militärischen Bindungen verknüpfen uns mit den größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften am anderen Ende beider Ozeane. Unser transpazifischer Handel übersteigt bereits den transatlantischen. Dies ist ein Grund dafür, daß wir an der
Gründung einer asiatisch-pazifischen Wirtschaftszusammenarbeit mitgewirkt haben, die unsere wirtschaftlichen Bindungen mit der Region weiter stärken wird.
Unsere direkten Nachbarn - von Mittelamerika bis
Chile - möchten Handelsbrücken zu uns errichten,
damit sie bessere Volkswirtschaften für ihre Völker
aufbauen können.
"Der Ball der Freiheit", so schrieb einst Thomas Jefferson, "ist jetzt so weit in Bewegung geraten, daß er um
den Globus rollen wird." Er hatte Recht.
Die Freiheit ist durch Osteuropa, die ehemalige Sowjetunion und Lateinamerika gerollt - und heute sind
wir am Zuge. Freie Menschen und freie Märkte
entwickeln sich Hand in Hand. Die Menschen schätzen amerikanische Werte. Die Menschen möchten
kaufen, was wir anzubieten haben. Englisch ist die
Sprache der Freiheit und der Wirtschaft.
Unsere politischen und wirtschaftlichen Bindungen
werden durch die Anziehungskraft ergänzt, die von der
amerikanischen Kultur in der ganzen Welt ausgeübt
wird. Es gibt eine neue "sanfte Gewalt", die wir
anwenden können. Heute gehören Spielfilme, Musik
und Videos zu unseren Exportbestsellern.
Als wichtigstes Gründungsmitglied und stärkster Verfechter des Welthandelssystems GATT befinden wir
uns schließlich nach wie vor in einer starken Position,
Seite 1

�solange wir uns seiner bedienen, um wahrhaft offene
Märkte, einschließlich unseres eigenen, zu schaffen.
Der Schlüssel für Amerikas Wachstum, Expansion
und Innovation war stets unsere Offenheit für Handel,
Investitionen, Ideen und Menschen.
Aus diesem Grund bestehen die nächsten Schritte in
meiner strategischen Handelspolitik darin, die Zustimmung des Kongresses zum NAFTA sicherzustellen
und die Welthandelsgespräche abzuschließen - die
sogenannte Uruguay-Runde im Rahmen des GATT.
Das NAFTA wird amerikanischen Unternehmern,
Arbeitnehmern und Verbrauchern Türen öffnen. Es
wird gute Arbeitsplätze schaffen. Trotzdem erwarte
ich Anfang 1993 einen harten Kampf im Kongreß, weil
sich dort Sonderinteressen mit einem protektionistischen Ziel zusammenballen. Die Welthandelsgespräche könnten dagegen kurz vor einem Durchbruch
stehen, wenn die Vereinigten Staaten weiterhin als
starke Führungsmacht handeln. Es liegt ein Vertragsentwurf vor, der die Grundzüge eines bedeutenden
neuen GATT-Abkommens festlegt. Wenn wir im Einklang mit diesem Vertragsentwurf Einschnitte bei den
Agrarsubventionen sicherstellen - um unseren Landwirten ihren relativen Vorteil zu erhalten -, werden wir
meines Erachtens in der Lage sein, die UruguayRunde abzuschließen.
Ein verbessertes Welthandelssystem ist jedoch nur
eine Grundlage für freieren Handel, für stärkere Investitionsbindungen, für größeres weltweites Wachstum. Wir müssen die Entwicklung eines strategischen
Netzes von Freihandelsabkommen über den Pazifik
und Atlantik hinweg sowie in unserer Hemisphäre in
die Wege leiten. Dieses Netz wird in krassem Gegensatz zu den rückständigen Blöcken der wirtschaftlichen Isolierung stehen. Wenn wir wirklich eine Exportsupermacht sein wollen, können wir uns nicht nur auf
eine Region beschränken. Statt dessen beabsichtige
ich, unseren attraktiven Binnenmarkt als Grundlage
einer kraftvollen Freihandelspolitik einzusetzen, die
den wirtschaftlichen Aktionsradius Amerikas weltweit
stärken und unsere weltweite militärische Präsenz
ergänzen wird.

men eine starke Position einnehmen. Der Kongreß
wird Wankelmut und Zweideutigkeit als Schwäche
auslegen, und das nationale Interesse wird Opfer
eines politischen Kuhhandels werden, wenn der Kongreß business as usual betreibt. Dies ist ein äußerst
wichtiges Thema, das bei dieser Wahl auf dem Spiel
steht.
Mit dem neuen Verhandlungsmandat werde ich im
Rahmen meiner Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas neue Handels- und
Wirtschaftschancen in Lateinamerika anstreben. Dabei
werde ich mit Chile beginnen. Darüber hinaus möchte
ich auf den Abschluß von Freihandelsabkommen mit
Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei zum Ende
meiner zweiten Amtszeit hinarbeiten. Ferner möchte
ich die Möglichkeit einer Verbindung zwischen NAFTA
und dem ASEAN-Freihandelsabkommen oder AFTA
untersuchen. Es wird nicht lange dauern, bis andere
Länder beginnen, ihr Interesse an neuen Handels- und
Wirtschaftsverbindungen mit uns auszudrücken. So
haben bereits führende Politiker in Australien und
Korea ihr Interesse bekundet, engere Wirtschaftsbeziehungen mit uns zu knüpfen.
Einige sehen neue Bedrohungen, andere sehen arte
Feinde. Ich sehe neue Märkte, neue Chancen, neue
Arbeitsplätze.
Während wir dieses Wirtschafts- und Handelsnetz für
das 21. Jahrhundert entwickeln, werde ich energisch
für die Förderung amerikanischer Handelsinteressen
kämpfen. So engagiere ich mich zum Beispiel für ein
umfangreiches Exportförderungsprogramm (EEP) um
zu gewährleisten, daß unsere Landwirte mit den subventionierten Agrarexporten der Europäischen Gemeinschaft konkurrieren können. Wir wissen aus
unserer Erfahrung mit militärischer Sicherheit, daß der
Schlüssel zu wirtschaftlicher Sicherheit auf "Frieden
durch Stärke" basieren muß - nicht einseitiger Abrüstung. Aus diesem Grund habe ich unlängst die größte
jemals durch das EEP-Programm vergebene Menge
Weizen bekanntgegeben - nahezu 30 Millionen Tonnen an 28 Käufer.

Ich werde sicherstellen, daß unsere Exlm-Bank sowie
die Entwicklungsgesellschaft OPIC mit Gruppen unserer Botschafter bei der Entwicklung von Handels- und
Investitionsmöglichkeiten für amerikanische Unternehmen zusammenarbeiten. Wir haben diese Arbeit
bereits bei sechs ASEAN-Staaten aufgenommen - und
sie funktioniert. Ich werde besonders der mittelständischen Wirtschaft bei der Entwicklung von HandelsInsbesondere werde ich in der ersten Hälfte des Jah- möglichkeiten helfen. Diese Unternehmen sehen klein
res 1993 ein zusätzliches Verhandlungsmandat vom aus - aber sie betreiben großen Handel. Ich weiß dies.
Kongreß benötigen. Um die Sonderinteressen und Ich habe mein eigenes Unternehmen gegründet. Und
Protektionisten zu überwinden, werde ich ein Mandat ich habe zahlreiche kleine und mittlere Fabriken in den
des amerikanischen Volkes benötigen. Wenn Ameri- gesamten Vereinigten Staaten besucht, die zunächst
ka eine Supermacht beim Export und in der Wirtschaft überlebten und dann im Kampf mit der ausländischen
sein soll, muß der amerikanische Präsident bei den Konkurrenz floriert haben. Ich weiß, daß die AmerikaVerhandlungen über Handels- und Wirtschaftsabkom- ner es schaffen können.

Indem wiruns auf die Öffnung von Märkten konzentrieren, können wir meines Erachtens die strukturellen
Hindernisse für den Wettbewerb in Nordamerika,
Westeuropa, Japan und andernorts abbauen. Wettbewerb wird zu unternehmerischem Kapitalismus ermutigen - auf Kosten verfestigter Sonderinteressen - und
noch mehr weltweites Wachstum hervorbringen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 37

�MENSCHENRECHTE
16. September 1992

USA: WIENER KONFERENZ MUSS SICH AUF
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
KONZENTRIEREN
Erklärung von Botschafter Blackwell
GENF - (AD) - Die für Juni 1993 in Wien geplante Weltkonferenz über Menschenrechte muß sich auf Gebiete
wie das frühere Jugoslawien konzentrieren, in denen weiterhin Menschenrechte verletzt werden.
"Heute existieren internationale Konventionen, Verträge und Protokolle, um ein breites Spektrum von Menschenrechtsverletzungen zu erkennen und verbieten", erklärte Botschafter J. Kenneth Blackwell am 14. September
in Genf beim dritten Vorbereitungstreffen für die Weltkonferenz.
'Trotzdem haben wir immer noch nicht die allgemeine Wahrung der Menschenrechte erreicht, wie sie in
internationalen Maßstäben und Normen niedergelegt ist," erklärte der amerikanische Vertreter bei der UNOMenschenrechtskommission und US-Delegierte bei diesem Vorbereitungstreffen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter J. Kenneth Blackwells Erklärung bei der dritten Sitzung des
Vorbereitungsausschusses für die Weltkonferenz über Menschenrechte 1993 im Wortlaut.
Leistung im Bereich der Menschenrechte in diesem
Jahrhundert darstellt. Die Weltkonferenz über Menvor 45 Jahren beschlossen die eben erst gegründeten schenrechte wird diese Allgemeingültigkeit würdigen,
Vereinten Nationen die Menschenrechtskommission da sich Menschen mit völlig verschiedenen Traditioins Leben zu rufen, die sich dem Schutz und der nen und Kulturen nächsten Juni versammeln werden,
Förderung der Menschenrechte und Grundfreiheiten um die gemeinsame Überzeugung zu bekräftigen, wie
widmen sollte. Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs sie in den Worten der Allgemeinen Deklaration der
waren den Mitgliedern dieser neuen Kommission noch Menschenrechte in "der allen Angehörigen der menschfrisch in Erinnerung. Sie wurden geleitet von dem lichen Familie zukommenden Würde sowie ... unverWunsch sicherzustellen, daß Staaten nie wieder die äußerlichen Rechte" zum Ausdruck kommt.
jedem Mitglied der Weltbevölkerung zustehende grundsätzliche Achtung verweigern könnten. Die Kommis- Heute können wir auf 1948 als das Jahr zurückblicken,
sion wurde beauftragt, eine Allgemeine Erklärung der das ein Zeitalter der Definition international gültiger
Menschenrechte zu erarbeiten, um einen internationa- Menschenrechtsmaßstäbe eingeleitet hat. Heute
len Maßstab zu schaffen, der die Verpflichtungen der existieren internationale Konventionen, Verträge und
Staaten gegenüber ihren Bürgern eindeutig definierte. Protokolle, um ein breites Spektrum von Menschenrechtsverletzungen zu erkennen und verbieten. Dies
Die Mitglieder der Kommission kamen aus unterschied- war ein ehrenwertes Vorhaben, und ich bin besonders
lichen geographischen, kulturellen und ideologischen erfreut darüber, daß die Vereinigten Staaten dieses
Kreisen, und es war nicht leicht, eine gemeinsame Jahr bereits die internationale Konvention über bürgerDefinition der Grundrechte des Menschen zu finden. liche und politische Rechte ratifiziert haben. Die StaaLetztlich haben sie ihre Aufgabe jedoch erfüllt. Sie ten haben öffentlich ihre Verpflichtung erklärt, die
legten ein Dokument vor, das im Jahr 1948 ohne Unterdrückung ihrer Bürger einzustellen. VertragsgreGegenstimme von der UN-Generalversammlung ver- mien wurden gegründet, um die Einhaltung dieser
abschiedet wurde, ein Dokument, das sich selbst als Normen durch die Staaten zu überwachen. Eine
"das von allen Völkern und allen Nationen zu erstre- internationale Menschenrechtsstruktur wurde in den
bende gemeinsame Ideal" bezeichnet. Es ist dieser Vereinten Nationen, der KSZE, der interamerikaniBegriff der Allgemeingültigkeit, der uns alle als Men- schen Menschenrechtskommission und andernorts
schen miteinanderverbindet und der die dauerhafteste verankert.
Herr Vorsitzender,

AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�Trotzdem haben wir immer noch nicht die allgemeine
Wahrung der Menschenrechte erreicht, wie sie in
internationalen Maßstäben und Normen niedergelegt
ist. Betrachten Sie die in diesem Augenblick im
ehemaligen Jugoslawien begangenen Schreckenstaten, wie ich sie persönlich erlebt habe. Betrachten Sie
die grausamen Verletzungen, die von den Sonderberichterstattern der Menschenrechtskommission berichtet wurden. Keine Region ist vor diesen Problemen
gefeit.
Die Hartnäckigkeit dieser und anderer Angriffe auf die
Menschenwürde zeigt uns, daß wir trotz der Verabschiedung so vieler internationaler Normen und Maßstäbe noch nicht so weit gekommen sind, wie die
Gründer der UNO gehofft hatten. Niemand kann
meines Erachtens leugnen, daß wir heute nicht mit
einem Mangel an Maßstäben und Normen im Bereich
Menschenrechte konfrontiert sind, sondern mit der
Notwendigkeit, größere Anstrengungen zu deren
Verwirklichung zu unternehmen. Die Zeit ist reif, um
unsere Prinzipien in die Praxis umzusetzen. Dieser
Gedanke wurde bereits bei früheren Vorbereitungskonferenzen erörtert und kommt in der Resolution 41/
120 der UN-Generalversammlung zum Ausdruck, in
der die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert wird, "der Verwirklichung bestehender internationaler Normen im Bereich Menschenrechte Vorrang
einzuräumen". Niemand sollte daran zweifeln, daß die
Vereinigten Staaten einer Weltkonferenz, die Träume
zur Wirklichkeit werden läßt, alle mögliche Unterstützung gewähren werden. Wir sollten in der Lage sein,
eines Tages auf diese Konferenz als Wendepunkt
zurückzublicken, der den Übergang von der Definition
von Normen zu deren Einhaltung markiert.
In den letzten Jahren haben sich auf der ganzen Welt
dramatische Veränderungen vollzogen. Die Demokratie ist auf dem Vormarsch. Mit dem Ende des
Kalten Krieges verschwundene ideologische Spaltungen wurden jedoch tragischerweise durch einen steilen Anstieg bewaffneter Konflikte und von Menschenrechtsverletzungen abgelöst, die durch ethnische,
rassische und religiöse Intoleranz verursacht werden.
Dieses Phänomen stellt eine wichtige Herausforderung für die internationale Staatengemeinschaft dar.
Wir müssen dies im Gedächtnis behalten, während wir
die Weltkonferenz vorbereiten. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der KSZE-Delegation, die kürzlich das
ehemalige Jugoslawien besuchte, wurde ich Zeuge
schrecklicher Barbarei, die im Namen "ethnischer
Säuberung" verübt wird. Gefangene, die meisten
davon Nichtkombattanten, werden unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten - einige werden sogar
in ehemaligen Viehställen eingesperrt. Diese unglücklichen Menschen werden illegal interniert und auf das
äußerste terrorisiert, sie werden unzureichend ernährt,

Seite 2

häufig physisch mißhandelt und von ihren Familien
getrennt. Solches Elend läßt sich nicht rechtfertigen.
Die internationale Staatengemeinschaft muß zusammenarbeiten, um die Intoleranz zu beseitigen, die
Ursache solcher Menschenrechtsverletzungen ist.
Ein anderer Weg für das weitere Vorgehen besteht
darin, sich auf eine besonders ungeheuerliche Verletzung der Menschenrechte zu konzentrieren, die nach
unserer Aufmerksamkeit schreit. Ich habe bereits bei
anderen Gelegenheiten vorgeschlagen, daß sich die
Konferenz auf die Abschaffung der Folter bis zum Jahr
2000 konzentrieren sollte. Obwohl die Folter durch
nationale Gesetze und internationale Verträge verboten ist, bleibt sie in zahlreichen Ländern auf der ganzen
Welt bestehen. Die Kluft zwischen der Verwirklichung
von Menschenrechtsnormen de jure und de facto wird
von dieser schrecklichen Inkonsequenz schlaglichtartig beleuchtet. Die Arbeit für die Abschaffung der
Folter bis zum Ende dieses Jahrhunderts würde unser
gemeinsames Engagement unterstreichen, Fortschritte bei der Verwirklichung der bereits bestehenden
Normen zu erzielen.
Es ist Aufgabe aller Teilnehmer an dieser dritten
Sitzung des Vorbereitungsausschusses, eine Übereinkunft zu einer Tagesordnung zu erzielen, die die
Verwirklichung der bestehenden Normen betont. Die
Tagesordnung sollte die Grundlage für eine sinnvolle
Weltkonferenz legen, anstatt für eine Übung in bloßer
Rhetorik. Die von uns verabschiedete Tagesordnung
muß die Weltkonferenz in die Lage versetzen, ihren
wichtigen Auftrag zu erfüllen: die allgemeine Wahrung
und Respektierung der Menschenrechte und Grundfreiheiten zu erlangen.
Jede von uns erarbeitete Tagesordnung muß sich auf
die Praxis und nicht auf Hypothesen konzentrieren.
Sie muß sich den Arten von bürgerlichen und politischen Rechten widmen, die heute auf solch unerhörte
Weise im ehemaligen Jugoslawien mißachtet werden.
Sie muß die Verbindung zwischen Menschenrechten,
Demokratie und Entwicklung anerkennen und der
Tatsache Rechnung tragen, daß die Freiheit des einzelnen unverzichtbar für wirtschaftliche Entwicklung
ist. Sie mu ß der Weltkonferenz über Menschenrechte
erlauben, es gewohnheitsmäßigen, ungeheuerlichen
Menschenrechtsverletzem zweifelsfrei zu verdeutlichen, daß die internationale Staatengemeinschaft
Verletzungen von Grundfreiheiten wie der Freiheit von
Folter oder Furcht vor Folter, der Freiheit von "ethnischer Säuberung" oder Freiheit von willkürlicher Verhaftung und Internierung nicht hinnehmen kann.
Wir fordern alle hier Versammelten auf, in diesem
Geist zu arbeiten, wenn wir unsere Vorbereitungen für
die Weltkonferenz über Menschenrechte fortsetzen.

AMERIKA DIENST 37

�B-WAFFEN
16. September 1992

USA, GROSSBRITANNIEN UND RUSSLAND
ERWEITERN ZUSAMMENARBEIT
BEI DER KONTROLLE BIOLOGISCHER WAFFEN
Erklärung der USA zu Moskauer Treffen
MOSKAU - (AD) - Die Vereingten Staaten, Großbritannien und Rußland haben "ihre Verpflichtung zur
vollständigen Einhaltung" der Konvention über biologische und Toxinwaffen von 1972 bekräftigt und vereinbart,
daß biologische Waffen "bei ihren Streitkräften unerwünscht sind", stellte der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, in einer am 14. September 1992 veröffentlichten Erklärung fest.
Vom 10. bis 11. September 1992 kamen in Moskau hochrangige Vertreter aus den drei Nationen zusammen,
um Fragen im Hinblick auf die Konvention zu erörtern.
Bouchers Erklärung verwies auf die Ankündigung der russischen Regierung über die Einstellung ihrer offensiven
Forschung zu biologischen Waffen, Abbau der experimentellen technologischen Produktionsstätten sowie
Schließung ihrer Einrichtungen zur Erprobung biologischer Waffen. Rußland erklärte femer, es habe das derzeit
mit militärisch-biologischen Programmen beschäftigte Personal um die Hälfte reduziert, die Forschungsfinanzierung um 30 Prozent gekürzt und weitere entsprechende Schritte unternommen.
Boucher zufolge haben die drei Regierungen die Gründung von Arbeitsgruppen vereinbart, um eine Reihe von
Fragen anzusprechen, darunter Besichtigungen von militärisch-biologischen Einrichtungen "auf gegenseitiger
Basis", die "ungehinderten Zugang, Sammlung von Proben, Gespräche mit den Beschäftigten sowie Audio- und
Videoaufzeichnungen" beinhalten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Sprechers des US-Außenministeriums im Wortlaut.
Hochrangige Vertreter der Regierungen der Vereinigten Staaten, des Vereinigten Königreichs und der
Russischen Föderation kamen am 10. und 11. September 1992 in Moskau zusammen, um Fragen im
Hinblick auf die Einhaltung der Konvention über biologische und Toxinwaffen von 1972 zu erörtern. Die
amerikanische Delegation wurde von Staatssekretär
Frank G. Wisner, die britische Delegation von Unterabteilungsleiter Paul Lever und die russische Delegation
vom Stellvertretenden Au ßenministerGhgoryBerdennikow geleitet. Hochrangige Vertreter der Verteidigungs- und Außenministerien sowie renommierte
Fachleute nahmen ebenfalls teil. Die Leiter der amerikanischen und der britischen Delegation wurden vom
russischen Außenminister Andrej Kosirew empfangen
Die drei Regierungen bekräftigten ihre Verpflichtung
zur vollständigen Einhaltung der Konvention über biologische und Toxinwaffen von 1972 und vereinbarten,
daß biologische Waffen bei ihren Streitkräften unerwünscht sind.
AMERIKA DIENST 37

Bei diesen Sitzungen erklärte die russische Regierung, sie habe folgende Schritte zur Lösung der Fragen im Hinblick auf die Einhaltung unternommen:
A

-

B

-

Festgestellt, daß Präsident Jelzin am 11. April
herausgegeben hat, das die Erfüllun
9 internationaler Verpflichtungen im Bereich
der
biologischen Waffen sicherstellt. Damit wird
die
rechtmäßige Nachfolge der Russischen
Föderation bei den Verpflichtungen der Konventlon
bekräftigt und festgestellt, daß die EntWicklung und Durchfuhrung von biologischen
Programmen in Verletzung der Konvention ille9 al ,st- l m Einklang mit dem Dekret wurde der
Präsidialausschuß für Probleme im Zusammenhang mit chemischen und biologischen Waffen
mit der Aufsicht über die Durchführung der
Konvention von 1972 in der Russischen Föderation beauftragt,
e,n Dekret

Die

Einstellung der offensiven Forschung, der
Abbau der experimentellen technologischen ProSeite 1

�duktionsstätten für die Herstellung biologischer
Wirkstoffe sowie die Schließung der Einrichtungen zur Erprobung biologischer Waffen bestätigt.
C.

Das derzeit mit militärisch-biologischen Programmen beschäftigte Personal um die Hälfte
reduziert.

D.

Die Forschungsfinanzierung um 30 Prozent
gekürzt.

E.

Die für das offensive biologische Programm
zuständige Abteilung des Verteidigungsministeriums aufgelöst und eine neue Abteilung für
radiologische, biologische und chemische Verteidigung gegründet.

C.

Die Bereitstellung weiterer erhellender Informationen wie in Formular F der UNO-Deklaration
vorgesehen.

D.

Renommierte unabhängige Wissenschaftler
werden zur Teilnahme an der Untersuchung von
Fällen im Hinblick auf die Einhaltung der Konvention über biologische Waffen eingeladen.

Darüber hinaus haben die drei Regierungen die Gründung von Arbeitsgruppen mit Experten vereinbart, um
eine Reihe von Fragen anzusprechen, darunter die
folgenden:
A.

Besichtigungen aller militärisch-biologischen
Einrichtungen auf gegenseitiger Basis, um Mißverständnisse auszuräumen, vorbehaltlich der
erforderlichen Wahrung vertraulicher Informationen auf der Grundlage vereinbarter Prinzipien. Solche Besichtigungen beinhalten den
ungehinderten Zugang, Sammlung von Proben,
Gespräche mit den Beschäftigten sowie Audiound Videoaufzeichnungen.

B.

Die Prüfung möglicher Maßnahmen zur Beobachtung der Einhaltung der Konvention über
biologische Waffen und zur Erweiterung des
Vertrauens in diese Einhaltung.

C.

Die Prüfung potentieller Modalitäten für die
Erprobung solcher Maßnahmen.

D.

Das russische Parlament hat dem Präsidenten
der Russischen Föderation empfohlen, Gesetze
zur Durchsetzung der Verpflichtungen Rußlands
gemäß der Konvention von 1972 vorzuschlagen.

Die Prüfung der Infrastruktur biologischer Einrichtungen in den drei Ländern zur gemeinsamen Feststellung, wo spezifisches Gerät oder
überzählige Kapazitäten existieren, die nicht mit
ihrem erklärten Ziel in Einklang stehen.

E.

Erwägung der Zusammenarbeit bei der Entwicklung biologischer Verteidigungssysteme.

Infolge dieses Austausches hat Rußland folgenden
Schritten zugestimmt:

F.

Sondierung von Wegen zur Förderung von
Zusammenarbeit und Investitionen in die Konversion von Einrichtungen zur Herstellung biologischer Waffen, einschließlich Besichtigung
bereits umgerüsteter Anlagen.

F.

Die Deklaration gemäß der bei der Dritten Folgekonferenz der Konvention im Jahr 1991 vereinbarten vertrauensbildenden Maßnahmen an
die Vereinten Nationen weitergeleitet.

G.

Präsident Jelzin hat als Reaktion auf von den
Vereinigten Staaten und Großbritannien vorgebrachte Bedenken die Überprüfung von Aktivitäten am Institut für ultrareine biologische Vorbeitungen in St. Petersburg angeordnet. Amerikanische und britische sowie Experten aus
anderen Ländern sind zur Teilnahme an der
Ermittlung eingeladen, einschließlich einer unverzüglichen Besichtigung der Einrichtung und
der Veröffentlichung des Berichts.

H.

A.

B.

Jederzeitige Besichtigungen aller nichtmilitärischen biologischen Einrichtungen zur Ausräumung von Mißverständnissen, vorbehaltlich der
erforderlichen Wahrung von gesetzlich geschützten Informationen auf der Grundlage vereinbar- G.
ter Prinzipien. Solche Besichtigungen beinhalten ungehinderten Zugang, Entnahme von
Proben, Gespräche mit den Beschäftigten sowie
Audio- und Videoaufzeichnungen. Nach ersten
Besuchen russischer Einrichtungen finden unH.
ter den gleichen Voraussetzungen vergleichbare Besichtigungen amerikanischer und britischer
Einrichtungen statt.
Auf Anfrage die Bereitstellung von Informationen über den bis heute vorgenommenen Abbau.

Die Vorlage regelmäßiger Berichte an ihre
gesetzgebenden Körperschaften und die Öffentlichkeit, die biologische Forschung und Entwicklungsaktivitäten beschreiben.

I.

* * * *

Seite 2

Erwägung eines Informationsaustauschs auf
vertraulicher, gegenseitiger Basis im Hinblick
auf bisherige offensive Programme, die in den
Erklärungen an die Vereinten Nationen nicht im
Detail enthalten sind.

Die Ermutigung zum Wissenschaftleraustausch
in biologischen Einrichtungen auf langfristiger
Basis.
*

AMERIKA DIENST 37

�WAHLEN

'92
16. September 1992

CLINTON UND BUSH ERLÄUTERN
IHRE WIRTSCHAFTSPROGRAMME
NBC-Interview mit den Präsidentschaftskandidaten
WASHINGTON - (AD) - Die Präsidentschaftskandidaten von Demokraten und Republikanern, Bill Clinton und
George Bush, wurden am 6. September vom Moderatorder NBC News, Tom Brokaw, im Fernsehen interviewed.
Die nachfolgenden Auszüge dokumentieren die Aussagen der Kandidaten zu der von ihnen im Falle eines
Wahlsieges angestrebten Wirtschaftspolitik. Der Abdruck ist mit folgendem Zusatz gestattet: Aus NBC's THE
BROKAW REPORT, 58 DAYS, Copyright (c) 1992 National Broadcasting Company, Inc. Alle Rechte
vorbehalten.
Frage: Die Wirtschaft in diesem Land ist in schlechterer Verfassung als wir dachten, wenn man die Zahlen
der letzten Woche berücksichtigt. Die meisten Fachleute, die Ihren Plan geprüft haben, sind der Meinung,
daß Siedie Aussichten für Wirtschaftswachstum überund die Kosten Ihrer staatlichen Programme wahrscheinlich unterschätzt haben. Was muß angesichts
der Wirtschaftslage in Amerika geschehen: Müssen
wir ein höheres Defizit in Kauf nehmen? Oder werden
Sie in der Lage sein, die Steuern zu erhöhen?

Deutschen Mark. Die Wirtschaftsexperten halten also
wesentlich mehr von meinem Plan als von seinem.
Sie können das Defizit nicht in den Griff bekommen,
wenn Sie nicht gleichzeitig die Tatsache berücksichtigen, daß die Investitionen in Amerika zurückgegangen
sind. Man muß also die Investitionen ankurbeln und
gleichzeitig das Defizit reduzieren. Dies wird viel
Disziplin erfordern. Aber es ist zu schaffen.

Frage: Aber, Herr Gouverneur, die Wirtschaft ist
Clinton: Ich habe Steuererhöhungen für die oberen 2 heute in schlechterer Verfassung als wir noch vor zwei
Prozent der amerikanischen Bevölkerung befürwortet, Wochen dachten. Und jeder Volkswirt, der sich damit
deren Steuerbelastung in den achtziger Jahrengesun- befaßt, wird erklären, daß aufgrund der jetzt vorliegenken ist während ihr Einkommen stieg. Insgesamt den Daten die Steuereinnahmen im nächsten Jahr
werden die Auswirkungen der Steuererhöhungen je- sinken werden. Das paßt doch nicht zusammen.
doch wesentlich unter den von Präsident Bush verabschiedeten Steuererhöhungen liegen, weil meines Clinton: Wenn Sie mich fragen würden, wo meine
Erachtens auch Steuergutschriften für Investitionen in Prioritäten liegen, so wäre die erste Aufgabe, ein
neue Fabriken und Ausrüstung sowie Steueranreize Programm zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zu verfür Investitionen in neue Unternehmen gewährt wer- abschieden. Anreize für Beschäftigungswachstum in
den müssen. Darüber hinaus benötigen meines Er- der Wirtschaft - indem wir das Geld im Privatsektor
achtens die Angehörigen der Mittelschicht, besonders nutzen, mehr davon investieren und weniger konsudiejenigen, die Kinder aufziehen, eine Entlastung von mieren. Zweitens bedeutet dies, einen rigorosen Plan
den enormen Steuererhöhungen, die sie bereits ertra- zur Kontrolle der Kosten im Gesundheitswesen vorzulegen. Solange es keinen Plan zur Kostendämpfung
gen mußten.
im Gesundheitswesen gibt, können weder das Defizit
Sie sagen, den meisten Wirtschaftsexperten zufolge abgebaut noch die Gelder freigesetzt werden, die wir
seien meine Schätzungen zu rosig. Bei der Zusam- für Investitionen in unsere Zukunft benötigen. Investimenstellung meines Planes habe ich die bescheide- tionen sind jedoch der Schlüssel zum Wachstum. Es
nen Wachstumsschätzungen von Bush benutzt, und sind die unzureichende Investitionstätigkeit der veracht Träger des Nobelpreises für Wirtschaft haben gangenen 12 Jahre und der übermäßige Konsum - die
meinen Plan gutgeheißen. Dagegen brachen nach der Tatsache, daß wir eine Wirtschaftspolitik mit SickerefBush-Rede in Houston die Aktienkurse ein, und der fekt und keine Kontrolle der Kosten im GesundheitsDollar erlebte dramatische Einbußen gegenüber der wesen hatten -, die uns in das heutige Dilemma geführt
AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�haben. Und es ist ein schreckliches Dilemma. Ich
gebe nicht vor, daß sich dies leicht oder schnell ändern
läßt. Aus diesem Grund habe ich auch niemals behauptet, wir könnten den Haushalt in vier Jahren
ausgleichen. Meines Erachtens wird dies länger dauern.
Wir können das Defizit in den nächsten Jahren aber
halbieren, wenn wir wirklich diszipliniert sind.
Frage: Herr Gouverneur, mit dem Eintritt zusätzlicher
College-Absolventen in den Arbeitsmarkt und weiteren Entlassungen von Angestellten in Amerika wird der
Wettbewerb um die verbleibenden Arbeitsplätze in den
kommenden 18 Monaten noch härter werden. Werden
Sie die Programme zur Gleichstellung von Minderheiten stärken und mehr für den Schutz der Minderheiten
tun müssen, die dabei das Nachsehen haben werden?
Clinton: Meines Erachtens müssen die bestehenden
Gleichstellungsprogramme durchgesetzt werden. Die
eigentliche Antwort auf Ihre Frage lautet jedoch, mehr
Arbeitsplätze für Angestellte, mehr gut bezahlte Arbeitsplätze und eine Wirtschaft mit starkem Wachstum
zu schaffen. Davon kann vieles im nächsten Jahr
verwirklicht werden. Zum Beispiel haben wir in der
Vergangenheit die Einsparungen im Verteidigungshaushalt verwendet, um sie für die steigenden Kosten
im Gesundheitswesen und die Sanierung von Sparbanken auszugeben. Wir schlagen vor, daß die unabhängig vom Ausgang der Wahl bevorstehenden Einsparungen im Verteidigungshaushalt eingesetzt werden, um in amerikanische Arbeitsplätze, in das Verkehrswesen, den Kommunikationsbereich sowie die
neuen Technologien des 21. Jahrhunderts zu investieren - und gleichzeitig eine sehr starke nationale Verteidigung aufrechtzuerhalten. Und wir werden in dieser
Übergangsphase bei der Verteidigung Arbeitsplätze
schaffen anstatt Millionen zu verlieren, wie es in den
vergangenen dreieinhalb Jahren geschehen ist.
Frage: Sie sagen also, daß es aufgrund der heute
vorliegenden Wirtschaftsdaten und ihrer eigenen Berechnungen im Hinblick auf Ihren Wirtschaftsplan nicht
nötig sein wird, die Steuern über das von Ihnen erwähnte Maß hinaus anzuheben und wir es schaffen
können, das Defizit unter den von Ihnen vorgeschlagenen Bedingungen zu reduzieren?
Clinton: Ich sage, daß dies meinem heutigen Kenntnisstand am besten entspricht, daß acht Nobelpreisträger für Wirtschaft meinen Wirtschaftsplan gutgeheißen haben, aufgrund der vorliegenden Daten alles
darauf hindeutet, daß wir das Defizit abbauen sowie
Investitionen und Wachstum ankurbeln und Millionen
von Arbeitsplätzen in diesem Land schaffen können,
wenn wir einer Wirtschaftspolitik mit Sickereffeki eine
Absage erteilen, nicht zur alten Steuern- und Ausgabenpolitik zurückkehren, sondern eine Politik betreiben, die Investitionen, Bildung und Ausbildung fördert.
Frage: Herr Gouverneur, vor drei Wochen erklärten
Sie mir, Sie hätten den Text des Nordamerikanischen
Seite 2

Freihandelsabkommens zwischen den Vereinigten
Staaten, Kanada und Mexiko noch nicht gelesen, das
unbestreitbar eines der wichtigsten Wirtschaftsabkommen der Nachkriegszeit ist. Sind Sie dafür oder
dagegen?
Clinton: Im Prinzip bin ich dafür. Die erste Hälfte des
Abkommens wurde, wie Sie wissen, endlich veröffentlicht. Sie wird von uns zur Zeit analysiert. Ich möchte
den gesamten Text sehen. Ich wurde nie gefragt - und
auch niemand sonst wurde anfänglich um mehr gebeten, als zu sagen, im Prinzip möchten wir dies, und der
Präsident sollte die Fast-track-Vollmacht haben. Ich
habe das mit Begeisterung unterstützt. Das habe ich
auch bei den demokratischen Vorwahlen getan, obwohl es nicht sonderlich populär war. Meines Erachtens ist es falsch, mich oder irgend jemand sonst
aufzufordern, diesen Vertrag zu unterstützen, solange
wir nicht die Möglichkeit haben, ihn zu prüfen. Wir
müssen wissen, ob die dem amerikanischen Volk
gemachten Versprechungen im Hinblick auf Arbeitsgesetze, Umweltschutz und Umschulung amerikanischer Arbeitnehmer eingehalten werden.
Sollten wir überhaupt ein neues Handelsabkommen
mit Mexiko haben? Sicherlich sollten wir das. Es wird
beiden Ländern zugute kommen. Wir haben ein starkes Interesse daran, daß der von Präsident Salinas
eingeleitete marktwirtschaftliche Prozeß anhält. Und
deshalb bin ich ein starker Befürworter eines Handelsabkommens.
Frage: Gouverneur Clinton, selbst Ihre Freunde haben
angedeutet, daß Ihr Programm im Hinblick auf die
Außenpolitik und militärische Angelegenheiten ziemlich lückenhaft ist. Warum blicken Sie nicht den
Amerikanern in die Augen und sagen Ihnen, wen Sie
sich als Verteidigungs- und Außenminister vorstellen?
Clinton: Nun, meines Erachtens habe ich bei der
Außen- und Verteidigungspolitik gute Arbeit geleistet.
Ich habe einige der verläßlichsten Politiker dieses
Landes konsultiert, die von den drei außenpolitischen
Reden begeistert waren, die ich gehalten habe. Ich
habe Positionen in der Außenpolitik vertreten, die
später von dieser Administration übernommen oder
von ihr unterstützt wurden. Ich habe mit Senator Nunn
und den Kongreßabgeordneten Aspin und Lee Hamilton sowie zahlreichen anderen renommierten Persönlichkeiten gesprochen. Wie Sie wissen, haben viele
demokratische Anhänger von Reagan, die Reagan
und Bush unterstützt hatten, zur Eröffnung des Republikanischen Parteikonvents eine große Anzeige in der
New York Times veröffentlicht, in der sie ihre Unterstützung für mich wegen meiner Außenpolitik und
meiner Einstellung zur nationalen Verteidigung bekundeten.
Meiner Ansicht nach sollte ich nicht sagen, für wen ich
mich als Verteidigungsminister entscheide. Ich finde,
ich sollte das so handhaben, wie die VizepräsidentAMERIKA DIENST 37

�schaft: Ich spiele nicht mit Namen und ich spiele nicht
mit den Gefühlen der Menschen. Ich habe mich für die
Besten entschieden, die ich für das jeweilige Amt
finden konnte.
Frage: Herr Präsident, Sie waren in Michigan. Vor vier
Jahren betrug die Arbeitslosenquote in Michigan 7,4
Prozent, jetzt 9,0 Prozent. Um die berühmte Frage von
Ronald Reagan zu zitieren, können Sie diesen Menschen sagen, es geht ihnen besser als vor vier Jahren?

Ich muß also weiterhin für diese Veränderungen
kämpfen. Ein positiver Aspekt von Wahlen ist, daß
man seine Sache dem amerikanischen Volk vortragen
kann. Diese und andere meiner Initiativen wurden vom
Kongreß torpediert.

Frage: Herr Präsident, viele erwarten von Ihnen einen
Ausgabenboom von heute bis zum Wahltag. Erst in
der vergangenen Woche haben Sie 250 Millionen
Dollar zur Modernisierung des M-1-Panzers bewilligt,
obwohl jeder, angefangen von Verteidigungsminister
Bush: Natürlich kann niemand, der arbeitslos ist, Cheney, erklärte, dies sei nicht notwendig und wir
sagen, daß es ihm besser geht, wenn er vorher Arbeit sollten es nicht tun. Wären diese 250 Millionen nicht
hatte. Glücklicherweise haben viele Menschen Arbeit. besser zum Ausgleich unseres Defizits verwendet
Und glücklicherweise sagen viele ja, wenn sie in diesen worden?
Meinungsumfragen gefragt werden, ob es ihnen persönlich besser geht.
Bush: Ich sehe Verteidigung folgendermaßen. Wir
haben die Verteidigungsausgaben gekürzt. Und der
Aber zu jemandem, der leidet, sei es in Michigan oder Grund, warum wir die Verteidigungsausgaben kürzen
irgendeinem anderen Bundesstaat, kann ich das nicht konnten, waren unsere dramatischen Erfolge bei der
sagen. Ich würde sagen, wir haben seit langem ein Veränderung der gesamten Wert. Die Welt ist sehr viel
schleppendes, lethargisches Wirtschaftswachstum - friedlicher. Die Kinder schlafen nachts ohne Angst vor
Weltwirtschaftswachstum übrigens, wenn Sie Kana- einem Atomkrieg. All diese Veränderungen sind
da, Deutschland, Frankreich oder England betrachten. bemerkenswert und haben uns gestattet, die VerteidiEs waren schwierige Zeiten. Was wir versuchen, ist, gungsausgaben zu senken. Aber ich werde nicht den
die Konjunktur anzukurbeln und den Menschen wieder Nerv der Verteidigung treffen. Und wenn das VerteidiArbeit zu verschaffen.
gungsministerium zu mir kommt, kluge Männer wie
Frage: Herr Präsident, erst in der vergangenen Woche Colin Powell und Dick Cheney, neige ich dazu, ihren
haben wir erfahren, daß heute mehr Menschen in den Empfehlungen zu folgen. Und das ist eine gute Politik.
Vereinigten Staaten in Armut leben als zu irgendeiner
Die Opposition will jetzt die Verteidigungsausgaben
Zeit seit 1964. Und allein im Monat August gingen im
noch sehr viel drastischer kürzen und damit noch mehr
Privatsektor 167.000 Arbeitsplätze verloren - das heißt,
in der Rüstungsindustrie Beschäftigte um ihren Ares gibt dort heute weniger Arbeitsplätze als bei Ihrer
beitsplatz bringen, und ich will das nicht.
Amtsübernahme. Wenn Sie ein Privatunternehmen
leiten würden, und einer Ihrer Geschäftsführer dies Ich habe das Gefühl, daß die von mir getroffene
verschuldet hätte, würden Sie ihn nicht eher feuern als Entscheidung bezüglich der Flugzeuge in Fort Worth
ihn für weitere vier Jahre beschäftigen?
eine sehr gute war. Und ich bin zuversichtlich, daß
mein Versuch, das Agrarexport-Förderungsprogramm
Bush: Erstens glaube ich nicht an diese Statistiken.
zur Aufstockung des Verkaufs von amerikanischem
Ich bin nicht sicher, daß weniger Menschen arbeiten.
Getreide und Weizen ins Ausland ein gutes Programm
Aber das ist nicht gut genug. Ich mu ß weiterhin auf die
ist. Wir können es irgendwann einmal abschaffen,
Reformen drängen, die ich verwirklichen will.
wenn uns der erfolgreiche Abschlu ß der GATT-Runde
Sie erinnern sich vielleicht, daß ich in meinem Bericht gelingt, mit anderen Worten, wenn wir die Handelszur Lage der Nation bestimmte Initiativen zur Stimulie- hemmnisse abschaffen und die amerikanischen Farrung des Wirtschaftswachstums gefordert habe. Und mer mit allen konkurrieren können. Aber wir werden
der Hemmschuh von Kongreß hat nein gesagt. Zum sie nicht mit gefesselten Händen in den Wettbewerb
Beispiel bei Sachen wie Steuervergünstigungen für schicken.
Ersteigenheimbesitzer. Eine kleine Steuervergünstigung hätte die Baukonjunktur belebt. Jeder stimmte Frage: Herr Präsident, zwischen heute und dem
Wahltag liegt noch ein Berichterstattungszeitraum für
dem zu, nur der Kongreß legte sein Veto ein.
die Arbeitslosenstatistik. Gestern betrug die ArbeitsloEntsprechend befürworte ich einen Investitionssteuer- senquote 7,6 Prozent. Die meisten sind der AuffasFreibetrag, der Investitionen in Maschinen und Geräte sung, daß sie nur einen Zehntel Prozentpunkt gesunfür mittelständische Unternehmen attraktiv machen ken ist, weil enorm viele Menschen aufgehört haben,
würde. Ich stimme nicht mit der liberalen Haltung nach einem Arbeitsplatz zu suchen. Sie werden davon
überein, daß eine Senkung der Kapitalertragssteuer gar nicht erfaßt. Wäre es nicht besser, wenn Sie die
eine Steuervergünstigung für die Reichen ist. Meines Amerikaner ansprechen und sagen würden: Sehen
Erachtens würde dies die Schaffung vieler neuer Ar- Sie, es könnte noch sehr viel schlimmer sein, wenn wir
beitsplätze in mittelständischen Unternehmen begün- das nächste Mal so etwas durchmachen müssen?
stigen.
AMERIKA DIENST 37

Seite 3

�Bush: Nein, das konnte ich in der Tat den Berichten
nicht so entnehmen. Vor zwei Monaten betrug sie 7,9
Prozent, vor einem Monat 7,7, jetzt 7,6 Prozent. Ich
glaube, es wird besser. Und ich möchte Ihnen eines
sagen. Wir stehen vor einem starken Aufschwung.
Die Zinssätze sind niedrig. Die Inflationsrate ist niedrig. Viele große und kleine Unternehmen haben abgespeckt. Uns steht ein dramatisches Wirtschaftswachstum bevor, und ich glaube, die im Investitionsgeschäft
Tätigen werden darin übereinstimmen.
Ich bin also nicht einer dieser Niedergangspropheten
im Hinblick auf die Wirtschaft. Sie war zu lange
rückläufig, aber wir konnten fünf aufeinanderfolgende
Quartale des Aufschwungs verzeichnen, so schwach
er auch gewesen sein mag. Ich bin also nicht bereit zu
sagen, alles würde drastisch schlechter.

Frage: Herr Präsident, im Verlauf dieses Wahlkampfs
wurden andere Themen angeschnitten, vor allem beim
Parteitag der Republikaner, bei dem viel von Familienwerten die Rede war.
Bush: Ja. Meines Erachtens sind Familien werte sehr
wichtig für Amerika. Wir reden von Disziplin. Wirreden
von Respekt. Wir reden von der Unterstützung der
Strafverfolgungsbeamten. Wir reden von der Reform
des Sozialwesens. Wir reden von Wahlmöglichkeiten
bei der Ausbildung. Und wir reden von der Wahl der
Kinderbetreuung. All dies zusammengenommen trägt
zur Stärkung der Familie bei.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 37

�WAHLEN '92
16. September 1992

DAS AMERIKANISCHE WAHLMANNERGREMIUM
von Ellis Katz
In dem nachstehenden Artikel untersucht der Autor die verfassungsmäßigen Wurzeln und historische Entwicklung des Wahlmännergremiums, die heutige Funktionsweise dieses Systems sowie Vorschläge zu seiner
Reform.
Ellis Katz ist Professor für Politologie sowie Mitglied des Center for the Study of Federalism an der Temple
University in Philadelphia, Pennsylvania. Er ist der Verfasser von über 50 Büchern, Monographien, Forschungsberichten und Artikeln. Sein neuestes Werk hat den Titel The American Model of Revolutionary Leadership
(mit Daniel J. Elazar) und wurde im Jahr 1991 von der University Press of America veröffentlicht.

James Wilson aus Pennsylvania kommentierte seine
Erfahrungen als Delegierter des Vertassungskonvents
von 1787 einmal folgendermaßen: "Das Thema (der
Wahl des Präsidenten) hat das Haus tief gespalten,
und es wird auch die Menschen draußen spalten. Es
ist in Wahrheit das schwierigste von allen, über die wir
zu entscheiden hatten."
Die Debatte über die Wahl des Präsidenten war so
intensiv, schrieb Max Ferrand in seinem Bericht über
den Verfassungskonvent, daß alle anderen Themen
"zur Unkenntlichkeit verblaßten im Vergleich mit dem
Problem des Konvents, eine befriedigende Methode
zur Wahl des Präsidenten zu bestimmen".
Und doch beschrieb Alexander Hamilton schon kurz
nach dem Konvent im Federalist Number 68 die
Bestimmungen der Verfassung, die die Wahl des
Präsidenten regeln, als "einziger Teil der Verfassung,
der von ihren Gegnern nicht verurteilt wird".
Im Widerspruch zu Hamilton - und über 175 Jahre
später - schrieb einer der führenden amerikanischen
Experten zum Präsidentenamt, Lewis Koenig:
Die bestehenden Regelungen für das Votum
der Wahlmänner sind seit langem das Ziel harter Kritik und unheilverkündender Warnungen.
Die Kritiker behaupten, daß das Wahlmännersystem die Grundziele der Demokratie verletzt
und seine zahlreichen Verfahrensmängel einen
Zusammenbruch sowie die Eskalation einer
Präsidentschaftswahl zu alptraumhaften Auseinandersetzungen zwischen den Bürgern heraufbeschwören.

AMERIKA DIENST 37

Vielleicht haben Wilson, Ferrand, Hamilton und Koenig
alle recht. Der Konvent war in der Frage der Präsidentenwahl tief gespalten, und mehr als einmal verzweifelten die Delegierten an der Möglichkeit, ein funktionsfähiges und akzeptables System zu schaffen. Aber das
System des Wahlmännergremiums, das schließlich in
der letzten Woche des Konvents entstand, schien alle
unterschiedlichen Fraktionen zufriedenzustellen.
Hamilton hatte deshalb mit seiner Beobachtung recht,
daß diese Bestimmung nicht mehr kontrovers war.
Aber mit dem zunehmend demokratischen Charakter
der Institution des Präsidenten ergaben sich neue
Argumente im Hinblick auf dessen Wahl. Auch heute
noch dauert in den Vereinigten Staaten die Debatte
über die Vorzüge des Wahlmännersystems an.
Dieses Essay wird die Probleme der Gründerväter
beim Entwurf der amerikanischen Verfassung, die
historische Entwicklung des Wahlmännergremiums,
die Verfahrensregeln dieses Systems sowie einige
Kritikpunkte und Reformvorschläge behandeln.
Die Wahl des Präsidenten beim Verfassungskonvent
Beim Konvent sahen beide ursprünglichen Vorschläge
- der Virginia-Plan von James Madison und der NewJersey-Plan von William Paterson - vor, daß der Präsident vom Parlament gewählt werden sollte. Madison
machte sich nicht besonders für die Wahl durch das
Parlament stark und erklärte, "ich habe mir noch keine
endgültige Meinung darüber gebildet, ob der Präsident
vom Parlament oder dem ganzen Volk gewählt werden
sollte..." Der New-Jersey-Plan dagegen orientierte

Seite 1

�sich an der Vorstellung der Whigs von einem schwachen Präsidenten. Zur Unterstützung des Vorschlags
von New Jersey stellte Roger Sherman aus Connecticut fest:
... das Präsidentenamt ist nichts als eine Institution, die den Willen des Parlaments umsetzt.
Die Person oder Personen sollten nur vom
Parlament eingesetzt und diesem verantwortlich sein, denn es ist der Vertreter des obersten
Willens der Gesellschaft.

ist... Die Wahlmänner treten in ihren Staaten
zusammen und stimmen durch Stimmzettel für
zwei Personen... (Diese Stimmzettel werden
beglaubigt und an den Sitz der Regierung übersandt, wo sie vom Präsidenten des Senats
geöffnet und gezählt werden.) Derjenige, der
die größte Stimmenzahl auf sich vereinigt, soll
Präsident sein, wenn diese Zahl der Mehrheit
der Gesamtzahl der bestellten Wahlmänner
entspricht; ...und wenn niemand eine derartige
Mehrheit erreicht hat, soll das genannte Haus
aus den fünf führenden Personen auf der Liste
den Präsidenten wählen. Bei dieser Wahl des
Präsidenten wird jedoch nach Staaten abgestimmt, wobei die Vertretung jedes Staates eine
Stimme hat...

Deshalb wurde beim Konvent die Bestimmung des
Präsidenten durch das Parlament als gleichbedeutend
mit Vorstellungen der Whigs vom Primat des Parlaments betrachtet. Infolgedessen wechselte Madison
rasch die Seiten und begann, andere Methoden für die
Wahl des Präsidenten zu befürworten.
Am 15. September wurde die Verfassung einschließDer erste Vorschlag einer Wahl durch das Volk wurde lich der Bestimmung über die Präsidentenwahl vom
von Wilson aus Pennsylvania eingebracht, der be- Plenum des Konvents verabschiedet, und zwei Tage
hauptete, die Macht und Unabhängigkeit des Präsi- später vertagte sich der Konvent.
denten könne nur dann gewährleistet werden, wenn
seine Macht "dem ganzen Volk entspringt".

Angesichts der theoretischen und praktischen Debatten sowie im Hinblick auf die letztlich verabschiedete
Die theoretische Dimension der Debatte kam klar zum Sprachregelung sind mehrere Aspekte klar:
Ausdruck: Whigs, die den Primat des Parlaments 1. Der Konvent lehnte die Präsidentenwahl durch das
befürworteten, forderten weiterhin die Wahl durch das Parlament ab, weil er davon ausging, daß ein solches
Parlament, Federalists, die von der ausgewogenen System den Präsidenten zu sehr vom Parlament
Gewaltenteilung ausgingen, befürworteten irgendeine abhängig machen würde - eine Verletzung des PrinMethode zur Wahl durch das Volk.
zips der Gewaltenteilung.
Die theoretische Debatte wurde jedoch durch praktische politische Erwägungen noch komplizierter. Die
kleinen Bundesstaaten lehnten die Direktwahl des
Präsidenten ab, weil sie befürchteten, eine solche
Wahl werde von den größeren Bundesstaaten dominiert, wenn nicht sogar kontrolliert. Selbst nachdem
die Delegierten von der Notwendigkeit eines starken
und unabhängigen Präsidenten überzeugt waren,
mußten sie deshalb ein Wahlsystem erarbeiten, das
die Befürchtungen der kleineren Staaten mildern und
gleichzeitig garantieren würde, daß die Autorität des
Präsidenten "dem ganzen Volk entspringt".

2. Der Konvent lehnte ferner die Einführung eines
permanenten Wahlmännergremiums ab, um in Hamiltons Worten "Kabalen, Intrigen und Korruption" zu
vermeiden.

Dies war keine leichte Aufgabe. Mindestens sieben
verschiedene Vorschläge für die Wahl des Präsidenten wurden beim Konvent diskutiert, und die jeweiligen
Abstimmungsergebnisse wurden von nachfolgenden
Abstimmungen wieder zunichte gemacht. Schließlich
wurde beschlossen, die Angelegenheit einem von
Gouverneur Morris aus Pennsylvania geleiteten
"Committeebn Style" zu überlassen. Der am 8. September 1787 vorgelegte und umgehend vom Plenum
des Konvents verabschiedete Vorschlag dieses Ausschusses sah folgendes vor:

4. Die Direktwahl durch das Volk wurde niemals ernsthaft in Erwägung gezogen, und das offenkundig aus
zwei Gründen. Erstens hätte eine Direktwahl nicht die
Macht der kleinen Staaten geschützt, und zweitens
war dieses Verfahren im Amerika des 18. Jahrhunderts praktisch undurchführbar. Obwohl wichtige
Delegierte beim Konvent wie Wilson, Morris und selbst
Madison die Direktwahl durch das Volk befürwortet zu
haben scheinen, wurde sie wegen der Undurchführbarkeit abgelehnt.

Jeder Einzelstaat bestimmt in der von seiner
gesetzgebenden Körperschaft vorgeschriebenen Weise eine Anzahl von Wahlmännern, die
der Gesamtzahl der dem Staat im Kongreß
zustehenden Senatoren und Abgeordneten gleich
Seite 2

3. Die Besorgnis der kleinen Staaten wurde gemildert,
da die Delegierten der festen Überzeugung waren,
daß das Wahlmännersystem seiner Konzeption nach
nur selten einen Präsidenten hervorbringen werde:
daß die Wahl letztlich dem Repräsentantenhaus zufallen würde, in dem die Macht der kleinen Staaten
gewährleistet war, da dort jeder Staat eine Stimme hat.

Die Entwicklung des Wahlmännergremiums
Die Verfassung gestattet es jedem Bundesstaat, seine
Wahlmänner "in der von seiner gesetzgebenden Körperschaft vorgeschriebenen Weise" zu bestimmen.
Bei den ersten drei Präsidentschaftswahlen wurden
AMERIKA DIENST 37

�die Wahlmänner hauptsächlich durch die Parlamente
der Bundesstaaten bestimmt. Danach setzte sich
schrittweise die Wahl durch das Volk durch, und seit
dem Jahr 1832 wurden die Wahlmänner in allen Bundesstaaten vom Volk gewählt - außer in South Carolina, das bis 1864 an der Wahl durch das Parlament
festhielt.
Zunächst wurde die Wahl durch das Volk vorwiegend
innerhalb von Parlamentsbezirken durchgeführt, und
diese Methode wurde anscheinend auch von vielen
Gründervätern bevorzugt. Infolgedessen waren die
Wahlmännerstimmen eines Bundesstaates häufig
zwischen zwei oder mehr Präsidentschaftskandidaten
aufgesplittet. Mit dem Aufstieg der politischen Parteien begannen die Staaten jedoch das "Alles-oderNichts"-Prinzip ("winner-take-all") anzuwenden, um
die Wahlmänner zu bestimmen. Diesem System
zufolge erhält die Partei, die in einem Bundesstaat die
Mehrheit - mag diese noch so klein sein - erringt, alle
Wahlmännerstimmen dieses Bundesstaats, während
die Minderheitspartei oder -parteien leer ausgehen.
Seit 1836 wird dieses System von allen Bundesstaaten
benutzt (mit Ausnahme einer vorübergehenden Abweichung in Michigan in den neunziger Jahren des 19.
Jahrhunderts).

Das moderne Wahlkollegium
Die Verfassung legt fest, daß jeder Staat "eine der
Gesamtzahl von Senatoren und Abgeordneten entsprechende Zahl von Wahlmänner haben soll, die dem
Bundesstaat im Kongreß zustehen." (Die Verfügung
wurde 1961 leicht geändert, um die Wahlmänner für
den District of Columbia zu berücksichtigen). Aufgrund dessen hat Pennsylvania 25 Wahlmänner, weil
es zwei Senatoren und 23 Abgeordnete hat. Der
bevölkerungsreichste Bundesstaat Kalifornien hat 47
Wahlmänner, während die kleinsten Staaten nur drei
haben.

Kurz nachdem die führenden politischen Parteien ihre
Kandidaten für die Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft nominiert haben (für gewöhnlich bei einem
nationalen Parteikonvent), erstellt jede politische Partei auf Bundesstaatenebene eine provisorische Kandidatenliste für die Wahlmänner, die sich zur Unterstützung der Kandidaten der Partei verpflichten. Im Jahr
1988 wählte die Republikanische Partei in Pennsylvania beispielsweise 25 dem Bush-Quayle-Team verpflichtete Wahlmänner, die Demokratische Partei 25
Dukakis und Bentsen verpflichtete, und die zahlreichen kleinen Parteien in Pennsylvania entschieden
sich für Listen von Wahlmännem, die sich den KandiDie politischen Parteien spielten bei der ersten Präsi- daten ihrer Parteien verpflichtet hatten. Die Position
dentschaftswahl im Jahr 1788 keine Rolle - jeder eines Wahlmannes ist eher ehrenamtlich, und für die
Wahlmann stimmte für George Washington, was die provisorische Liste der Wahlmänner aufgestellt zu
Stimmung im Volk widerspiegelte. Geteilte Meinun- werden, ist häufig eine Belohnung für bisherige Vergen zwischen der Führungselite und der Wählerschaft dienste in der Partei.
über den Nachfolger Washingtons führten 1796 zu
einer umstrittenen Wahl. Obwohl John Adams Tho- Wenn die amerikanischen Wähler alle vier Jahre im
mas Jefferson in dieser Wahl besiegte, arbeiteten November in die Wahllokale gehen, sind sich viele der
Jefferson und seine Anhänger an der Organisierung Tatsache nicht bewußt, daß sie in Wirklichkeit eine
der Wähler. Bei der Wahl im Jahr 1800 besiegte provisorische Liste von Wahlmännern wählen statt
Jefferson Adams ohne Mühe und verdammte die direkt den Präsidenten und Vizepräsidenten. Tatsächlich sind für gewöhnlich nur die Namen der einzelnen
Föderalistische Partei in die Geschichtsbücher.
Präsidentschafts- und VizepräsidentschaftskandidaDas politische Parteiensystem hat das Wahlmänner- ten auf dem Stimmzettel aufgeführt. Nachdem die
system auf mindestens drei Arten beeinflußt. Erstens Wahl vorüber ist, wissen alle Amerikaner, wer ihr
ebnete es den Weg für das dem Wahlsieger die nächster Präsident und Vizepräsident sein wird. Die
Hauptmasse der Sitze zuerkennende System bei der Verfassung fordert jedoch einen weiteren Schritt, bevor
Wahl der Wahlmänner. Zweitens, weil die Wahlmän- die Wahl offiziell ist.
ner zur Unterstützung eines bestimmten Kandidaten
oder einer Partei verpflichet wurden, dienten sie nur Den Gesetzen der Bundesstaaten zufolge ist die Liste
dazu, die Stimmung der Wählerschaft ihres Bundes- der provisorischen Wahlmänner gewählt, die die Mehrheit
staates widerzuspiegeln, und die Vergabe ihre Stim- der Stimmen auf sich vereinigt. Es besteht nicht die
men lag daher in ihrem Ermessen. Und schließlich Bedingung, daß die Wahlmänner die Mehrheit der
macht das Parteiensystem zusammen mit dem Zwei- abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen, also kein
parteiencharakter des Präsidentschaftswahlkampfs die System der Stichwahl. Noch wichtiger ist, daß die
Möglichkeit der Wahl durch das Repräsentantenhaus gesamte provisorische Liste der Wahlmänner gewählt
höchst unwahrscheinlich. Tatsächlich ist es der wird, unabhängig davon, wie knapp der Sieg ist. Es
Wählerschaft nur dreimal nicht gelungen (1800,1824 gibt kein System der proportionalen Vertretung. Die
und 1876), eine Mehrheit für das Wahlkollegium her- von der Liste gewählten Wahlmänner der 50 Bundesstaaten und des District of Columbia kommen in den
vorzubringen.

AMERIKA DIENST 37

Seite 3

�folgenden Monaten in den jeweiligen Hauptstädten
ihrer Bundesstaaten zusammen, um ihre Stimmen für
den Präsidenten und den Vizepräsidenten abzugeben.
Diese Stimmen werden dann von bundesstaatlichen
Behörden versiegelt und nach Washington geschickt,
wo sie vom Präsidenten des Senats im Beisein aller
Senatoren und Abgeordneten geöffnet und gezählt
werden.

diesem Zeitpunkt ist die einzige verfassungsmäßige
Bestimmung das Ermessen des Wahlmannes.

amtsunfähig wird. Es gibt jedoch keine Verfügungen
für eine Amtsunfähigkeit zwischen der allgemeinen
Wahl und der Zusammenkunft der Wahlmänner. Zu

Das amerikanische Wahlkollegium wurde als demokratische Institution gegründet und - was noch wichtiger ist - hat als demokratische Institution funktioniert.

Das zweite gegen das Wahlkollegium vorgebrachte
Argument ist interessant. Unter dem gegenwärtigen
System kann ein Präsidentschaftskandidat die Mehrheit der Stimmen der Wählerschaft auf sich vereinigen,
aber dennoch im Wahlkollegium verlieren. Ich möchte
hier jetzt keine mathematischen Berechnungen anWarum dieses ganze Ritual, wenn der Gewinner des stellen, sondern nur darauf verweisen, daß dies auf
Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftswahlkampfs zwei Aspekte des Systems zurückzuführen ist: Erin Wirklichkeit schon nach der Wahl des Volkes im stens werden jedem Bundesstaat unabhängig von
November bekannt ist? Zu Recht verweisen Gegner seiner Größe drei Wahlmänner zugestanden, und
des Wahlkollegiums auf zwei dem System immanente zweitens bedeutet das dem Wahlsieger die HauptProbleme und drängen auf seine Modifizierung oder masse der Sitze zuerkennende Wahlsystem, daß einem
siegreichen Kandidaten - gleichgültig, wie knapp sein
sogar vollständige Abschaffung.
Sieg auch sein mag - alle Wahlmännerstimmen eines
Änderungsvorschläge
Bundesstaates zugeschlagen werden. Es gab drei
Fälle - 1824 (John Quincy Adams gegen Andrew
Das erste Problem ist eine Entscheidung des Ober- Jackson), 1876 (Rutherford B. Hayes gegen Samuel
sten Gerichtshofs (Roy ./. Blair, 1952) mit der Verfü- Tilden) und 1888 (Benjamin Harrison gegen Grover
gung, daß es nicht im Einklang mit der Verfassung Cleveland) - bei denen es scheint, daß der Sieger bei
steht, wenn ein Bundesstaat seine Wahlmänner zur der allgemeinen Wahl die Präsidentschaft wegen dieStimmabgabe für den Kandidaten veranlaßt, dem sie ser mathematischen Probleme mit dem Wahlkolleverpflichtet sind. Infolgedessen verweisen Kritiker des gium verloren hat. Das normalere Verfahren ist jeWahlmännersystems auf die Möglichkeit eines enor- doch, daß das Wahlkollegium abstimmt, um die von
men Schadens, der angerichtet würde, wenn eine den Wählern abgegebene Stimmenzahl zu erhöhen.
beträchtliche Anzahl der Wahlmänner ihre Stimme
nicht für den Kandidaten abgeben, dem sie verpflichtet Aufgrund dieser mathematischen Probleme tendieren
sind und damit den Willen des Wählers vereiteln. Es die Kritiker des Wahlkollegiums dahin, eine von zwei
gab mindestens vier Fälle, in denen die einzelnen Reformarten zu befürworten. Erstens streben sie ein
Wahlmänner nicht für ihren Kandidaten gestimmt haben. System an, das bei der Zuerkennung von WahlmänEin Fall war 1820, als der James Monroe verpflichtete nern pro Staat die Verteilung der Stimmen der WählerWahlmann seine Stimme statt dessen John Quincy schaft besser widerspiegeln würde, entweder durch
Adams gab. Seine Begründung lautete, seine Stimme ein System der proportionalen Vertretung oder durch
hätte die Wahl von Monroe zu einer einstimmigen die Auswahl von Wahlmännern in Wahlbezirken. Jede
Wahl gemacht, und kein Präsident außer George Reform würde das Ende des derzeitigen Wahlsystems
Washington verdiene einstimmige Unterstützung. Die bedeuten, bei dem der Wahlsieger alle Wahlmänner
anderen drei Fälle-in den Jahren 1956,1960 und 1968 auf sich vereinigt. Derartige Vorschläge würden die
-waren ebenso auf die Eigentümlichkeit des jeweiligen Bildung dritter Parteien ermutigen und mehr PräsiWahlmanns zurückzuführen. Keiner beeinflußte das dentschaftswahlen ins Repräsentantenhaus bringen,
Wahlergebnis.
wo jede Delegation eines Bundesstaats unabhängig
von der Einwohnerzahl eine Stimme hat. Auch das
Illoyalität der Wahlmänner in großem Stil scheint müßte sich natürlich ändern.
unwahrscheinlich, aber wenn eine solche Situation
tatsächlich das Ergebnis einer Präsidentschaftswahl Die andere von Kritikern vorgeschlagene Art der Rebedrohen würde, ist nicht sicher, ob der Oberste form des gegenwärtigen Wahlmännersystems reicht
Gerichtshof dies tolerieren würde. Präzedenzfälle in sogar noch weiter. Einige sehen im Wahlkollegium
diesem Bereich existieren praktisch nicht.
einen Anachronismus des 18. Jahrhunderts, der in
Vielleicht sollte das Ermessen der Wahlmänner etwas einem modernen Nationalstaat überholt ist. Diese
sorgfältiger begrenzt werden. Der 25. Zusatzartikel Reformer würden das gesamte Wahlmännersystem
zur Verfassung behandelt die Situation, wenn ein abschaffen und durch direkte Wahlen des Volkes
Präsident amtsunfähig wird. Verschiedene Bestim- ersetzen. Die amerikanische Anwaltskammer befürmungen befassen sich mit einem Präsidentschafts- wortet die Direktwahl des Präsidenten. Dies würde
kandidaten, der nach der Nominierung durch seine eine wirkliche Abkehr von der föderalistischen Struktur
Partei aber vor der allgemeinen Wahl im November der amerikanischen Republik bedeuten.

Seite 4

AMERIKA DIENST 37

�Die wirkliche Frage lautet, wollen Amerikaner ein mit
der nationalen Demokratie oder mit föderalistischer
Demokratie in Einklang stehendes System?
Unter dem heutigen System dienen die Bundesstaaten als Wahlbezirke für die Präsidentschaft ebenso wie
als Wahlbezirke für den amerikanischen Senat.
Amerikaner sind sich sehr wohl der Tatsache bewu ßt,
daß der Senat konzipiert wurde, um den föderativen
Charakter der Union widerzuspiegeln und niemand
erwartet, daß die Anzahl der Republikaner und Demokraten im Senat das Gleichgewicht zwischen den von
Republikanern und Demokraten für einen Senator
abgegebenen Stimmen im ganzen Land akkurat widergibt. Sowohl der Senat als auch der Präsident sind

*

AMERIKA DIENST 37

nationale Entscheidungsträger in den Vereinigten
Staaten. Die Amerikaner sind jedoch vielleicht eher
bereit, die Legitimität föderalistischer Prinzipien in der
Struktur des Senats zu akzeptieren als in der Wahl des
Präsidenten.
Insgesamt gesehen - von der ersten Vorwahl in New
Hampshire bis zur Öffnung der Stimmzettel - spiegelt
die Wahl des Präsidenten in den Vereinigten Staaten
ein delikates Gleichgewicht zwischen nationalen und
föderalistischen Konzeptionen der amerikanischen
Demokratie wider. Was immer die Amerikaner bezüglich des Wahlkollegiums entscheiden, die Demokratie
selbst steht nicht auf dem Spiel - nur die Frage, wie der
Wille des Volkes kanalisiert und organisiert wird.

* * *

*

Seite 5

�Mrs. Gabriele Niessen
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030

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush möchte Handelsabkommen mit osteuropäischen Staaten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Programm für die Erneuerung Amerikas - Auszüge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: Wiener Konferenz muss sich auf Menschenrechtsverletzungen konzentrieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Blackwell&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. B-Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA, Großbritannien und Russland erweitern Zusammenarbeit bei der Kontrolle biologischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der USA zu Moskauer Treffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton und Bush erläutern ihre Wirtschaftsprogramme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NBC-Interview mit den Präsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanische Wahlmännergremium&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Ellis Katz&lt;/em&gt;</text>
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23. September 1992

^

WIRTSCHAFT

BRADY SIEHT ZUSAMMENHANG ZWISCHEN
NIEDRIGEREN ZINSSÄTZEN UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM IN EUROPA
Rede des US-Finanzministers

SOMALIA

USA UNTERSTUTZEN UNO-BEMUHUNGEN
FÜR POLITISCHE LÖSUNG IN SOMALIA
Erklärung von
Abteilungsleiter Herman Cohen

WAHLEN '92

POLITISCHE PARTEIEN IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN
von Stephen J. Wayne

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�WIRTSCHAFT
23. September 1992

BRADY SIEHT ZUSAMMENHANG ZWISCHEN
NIEDRIGEREN ZINSSÄTZEN UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM IN EUROPA
Rede des US-Finanzministers
WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister Nicholas Brady zufolge sind niedrigere Zinssätze
in Europa "unvermeidlich, wenn dieser Kontinent einen Konjunkturaufschwung erleben soll." Bei der CNNKonferenz über die Entwicklung der Weltwirtschaft erklärte Brady am 18. September 1992, es sei "wichtig, daß
die Rückkehr zum Wachstum so bald wie möglich vollzogen wird".
Brady betonte, daß das zukünftige Wachstum der Vereinigten Staaten von verstärkten Exporten in ein
zunehmend offenes Welthandelssystem und staatlichen Maßnahmen abhängt, die Wettbewerb im Inland,
zusätzliche langfristige Investitionen in den Produktionssektor sowie die Entwicklung einer besser ausgebildeten, qualifizierten Erwerbsbevölkerung fördern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Finanzminister Brady im Wortlaut.
Wir haben das große Glück, an der Schwelle des 21.
Jahrhunderts zu stehen. Diese Aussage mag verfrüht
erscheinen- die weithin akzeptierte Berechnung gibt
uns noch sieben Jahre bis zur Jahrhundertwende.
Aber wenn die Geschichte unseres Zeitalters von den
fleißigen Gelehrten künftiger Generationen geschrieben wird, liegt es auf der Hand, daß sie den Wendepunkt - das Ende eines Zeitalters und den Beginn eines
neuen - in den entscheidenden Zeitraum der zwei oder
drei Jahre verlegen, den wir jetzt hinter uns lassen. Der
Fall der Berliner Mauer, der Zusammenbruch der
Sowjetunion, das Entstehen von Märkten und Demokratien im Osten und in Lateinamerika sowie die
Umgestaltung von Wirtschaftsbeziehungen weltweit all dies sind die Vorboten des nächsten Jahrtausends
und die Vorläufer einer neuen Wirtschaftsordnung.
Um unseren Weg in dieser neuen Wert ausfindig zu
machen, benötigen wir ein eindeutiges, ausgeprägtes
Gefühl unserer Zielrichtung. Denn mit Wandel gehen
Unsicherheit und Chancen einher. Ohne sichere
Kenntnis des wirtschaftlichen Umfelds kann Unsicherheit lähmen und können Chancen verpaßt werden.
Daher möchte ich heute meine Sicht dieses Umfelds
und unseres einzuschlagenden Kurses darlegen.

kennzeichnet: einer Serie bedeutender, aber temporärer Störungen und - noch wichtiger - einer strukturellen und dauerhaften Veränderung der Organisation
des wirtschaftlichen Wettbewerbs. Dieser Umbruch
ist tiefgreifender als alles, was wir seit dem Ende des
Zweiten Weltkriegs erlebt haben - in mancher Hinsicht
folgenschwerer als alles seit der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts.
Als erstes möchte ich Ihnen einige Beispiele der bedeutenden, aber temporären Störungen nennen:
Der Sieg im Kalten Krieg wird der Weltwirtschaft unermeßlichen Nutzen bescheren während wir die enorme
Last der Verteidigungsausgaben reduzieren. Die Vorteile
des Friedens sind jedoch nicht kostenlos: dieses Land
ist jetzt davon gekennzeichnet, die Lasten der Verteidigung der freien Welt nahezu 50 Jahre lang getragen
zu haben. Diese Belastung wird deutlich, wenn wiruns
den Übergang zu einer Wirtschaft in Friedenszeiten
und die schwierige Anpassung betrachten, die er für
Beschäftigte in der Rüstungsindustrie, die Militärs und
ihre Angehörigen mit sich bringt - Belastungen, die
nicht nur von den Arbeitnehmern in Kalifornien und
Neuengland gespürt werden, sondern auch in Polen
und Rußland.

Zunächst müssen wir den Charakter des tiefgreifenden wirtschaftlichen Umbruchs verstehen, den die Solche Anpassungen haben wir auch in der VerganVereinigten Staaten und die Welt in den vergangenen genheit bei der Beendigung von Kriegen vorgenomvier Jahren erlebt haben. Aus meiner Sicht war dieser men, und wirwerden es auch diesmal schaffen. Als die
Übergang von zwei herausragenden Aspekten ge- Vereinigten Staaten zum letzten Mal eine vergleichbaAMERIKA DIENST 38

Seite 1

�re Periode durchlebten - die erste Truman- Administration direkt nach dem Zweiten Weltkrieg - fiel das
Bruttosozialprodukt in einem einzigen Jahr tatsächlich
um 19 Prozent. Damit wird das heutige positive
Wachstum von über 2 Prozent in Relation gestellt - und
wir sollten uns auch vor Augen führen, daß Trumans
zweite Amtszeit, nachdem die Umstrukturierung voll
im Griff war, ein Wirtschaftswachstum von nahezu 25
Prozent in vier Jahren erlebte. Das Wissen, daß die
Schwächen von heute vorübergehend sind, mindert
jedoch nicht die Belastungen für die betroffenen
Menschen oder die Wirtschaft insgesamt.

Sätze in Europa sind unvermeidlich, wenn dieser
Kontinent einen Konjunkturaufschwung erleben soll.
Es ist wichtig, daß die Rückkehr zum Wachstum so
bald wie möglich vollzogen wird.
Kurzfristig haben diese fünf Gegebenheiten als Bremse für Wirtschaftswachstum gewirkt. Und ihre kumulativen Auswirkungen auf die Wirtschaft insgesamt
waren sehr viel größer als die einzelnen zusammengenommen: durch die Unterminierung von Herstellerund Verbraucherverhalten haben sie als zusätzlicher,
unabhängiger Hemmschuh für die Wirtschaft gewirkt.
Glücklicherweise befindet sich jeder dieser Faktoren
auf dem Weg zu einer Lösung. Aber wenn diese
Lösung erfolgt, werden wir die beträchtliche, langfristige Umgestaltung des wirtschaftlichen Wettbewerbs
noch deutlicher sehen - eine Umgestaltung, die dank
der Technologie im letzten Jahrzehnt ermöglicht wurde. Das alte industrielle Zeitalter verschwindet und
wird durch eine neue Weltwirtschaft ersetzt, die durch
eine neue Mobilität von Kapital, Ideen und Informationen gekennzeichnet ist.

Zweitens war die Verschuldung in allen Bereichen der
amerikanischen Gesellschaft in den vergangenen vier
Jahren historisch hoch. Diese Zahlen beginnen jedoch
endlich zu sinken, während die Unternehmen ihre
Bilanzen verbessern und die geburtenstarken Jahrgänge zur Elterngeneration der neunziger Jahre werden, die auf ihr Budget achtet, für ihren Ruhestand und
die Ausbildung ihrer Kinder spart. Der Abbau der Verschuldung des Landes setzt den Rahmen für erneutes
langfristiges Wachstum - selbst wenn es kurzfristig
Diese langfristige Umgestaltung ist das Thema dieser
langsameres Wachstum bedeutet.
Konferenz: die zunehmende Globalisierung des Warenund Dienstleistungsmarkts jeglicher Art. Vorzwanzig
Drittens wurde das Wirtschaftswachstum durch das
Jahren
konnten die meisten Unternehmen ihre VerFinanzsystem behindert, das zunächst wegen der zu
braucher
auf der Straßenkarte ausfindig machen, heute
hohen Inanspruchnahme durch die Verschuldung der
benötigen
sie eine Weltkarte. Die neue Mobilität von
Dritten Welt, dann durch den Zusammenbruch der
heute
ist
nicht
nur bei unseren Reisen, sondern auch
Spar- und Darlehensbanken und in jüngster Zeit durch
bei
unserer
täglichen
Arbeit Routine geworden.
schrumpfende Immobilienmärkte geschwächt wurde.
Die amerikanischen Banken, Sparkassen und Versicherungsgesellschaften verhalten sich zögernd bei Auf dem heutigen Markt sind die Unternehmen nicht
der Vergabe der zur Ankurbelung der Wirtschaft benö- aufgrund des Diktats der Geographie an ein bestimmtigten Kredite. Die Verschuldungskrise der Dritten tes Land gebunden. Über ein elektronisches Netz
Welt liegt jetzt jedoch hinter uns, und die Krise der können getrennte Bereiche des ProduktionsprozesSpar- und Darlehensbanken ist nahezu bewältigt. Die ses von überall auf der Welt gelenkt werden.
Banken sind liquider als seit Jahrzehnten, mit einer
Noch entscheidender ist, daß Informationen und geibesseren Kapitaldecke ausgestattet als je seit 1966,
stiges Potential zunehmend wichtige Bestandteile des
verzeichnen die höchsten Einnahmen seit 10 Jahren
Produktionsprozesses geworden sind. Im Zuge desund stehen vor einer finanziellen Expansion.
sen werden Unternehmen gegründet, die weniger von
Viertens ist der Umstrukturierungsprozeß nahezu physischer Kraft und mehr vom Geschick und Knowabgeschlossen, der sich in der amerikanischen Indu- how abhängen, die nicht an einen bestimmten Standort gebunden sind. Diese Unternehmen werden in der
strie in den vergangenen Jahren vollzogen hat.
Tat zu den führenden Industrien des neuen JahrhunUnd schließlich befanden wir uns in einer Periode derts: Microsoft beispielsweise hat einen Gesamtwert
gedämpften Weltwirtschaftswachstums. Die meisten auf dem Aktienmarkt von 22 Milliarden Dollar, Amgen,
Beobachter, einschließlich des IWF in seiner aktuali- ein führendes Gentechnikunternehmen einen Aktiensierten Prognose, erwarten jedoch 1993 einen be- marktwert von 9 Milliarden Dollar und McCaw Celluträchtlichen Anstieg des Wachstums in den Vereinig- lar's einen von 5 Milliarden Dollar.
ten Staaten und in der gesamten industrialisierten
Welt. Dieses Wachstum ist größtenteils die Folge Verbesserungen beim Transport zusammen mit neueines Konsenses zum Wachstum der G-7, in der die en Informations- und Kommunikationssystemen haVereinigten Staaten einen Führungsrolle übernom- ben die Transportzeit von Waren drastisch verkürzt
men haben. Das vor kurzem von Japan erarbeitete und gestatten es den Unternehmen, selbst mit weit
finanzielle Ankurbelungspaket - das umfassendste entfernten Lieferanten einen Bestand zu unterhalten,
seiner Geschichte - unterstützt zweifelsohne diesen der gerade noch rechtzeitig aufgestockt wird. Eine
Trend. Und inmitten der europäischen Reaktion auf Flugzeugfirma in Mittelkalifornien kann einen Auftrag
die Ereignisse dieser Woche liegt die Lösung für für Ersatzteile nach Leeds in England faxen und die
verstärktes europäisches Wachstum. Niedrigere Zins- Teile am nächsten Tag per Flugkurier erhalten.
Seite 2

AMERIKA DIENST 38

�Kapital wird auf der ganzen Welt mit einem Knopfdruck
bewegt - ohne staatliche Genehmigung - an den Ort,
an dem es die höchsten Erträge bringt, sei es in Paris
im Bundesstaat Texas oder Paris in Frankreich. Um
die Mobilität des Kapitals in Perspektive zu setzen:
jeden Tag gehen internationale Transaktionen im Wert
von weit über 1 Billion Dollar über die Bundesbank in
New York oder werden dort vereinbart.
Diese Veränderungen haben die Wirtschaftsordnung
umgestaltet, die über den Großteil unseres Lebens
hinweg existierte. Dies ist für Arbeitnehmer und ihre
Familien verständlicherweise beunruhigend. Vehementer internationaler Wettbewerb hat einige der größten
und renommiertesten Firmen unseres Landes zur
Umstrukturierung veranlaßt, nicht nur General Motors,
sondern auch Ford, IBM, AT&amp;T und andere. Die
amerikanischen Arbeitnehmer gehen zu den Ersatzteilregalen und sehen Schilder, die sie beunruhigen.
Um eine kürzliche Bemerkung von George Shultz zu
zitieren:
"Vor einigen Monaten sah ich ein Photo einiger von
einem amerikanischen Unternehmen hergestellter
integrierter Schaltkreise. Darauf stand, 'Made in einem oder mehreren der folgenden Länder: Korea,
Hongkong, Malaysia, Singapur, Taiwan, Mauritius,
Thailand, Indonesien, Mexiko, Philippinen. Das genaue Herkunftsland ist unbekannt.' Dieses Schild sagt
sehr viel darüber aus, wohin die aktuellen Trends
weisen."

Diejenigen, die die Sorge der Menschen vor vermehrtem Handel politisch ausschlachten wollen, tun dies für
einen geringen politischen Vorteil. Sie sind die neuesten Anhänger der These, die Erde sei eine Scheibe.
Die meisten Wirtschaftsbedingungen, die den Vereinigten Staaten eine Führungsrolle in den Industrien
dieser neuen Weltwirtschaft einräumen - Industrien
wie Pharmazie, Software, Telekommunikation, Luftund Raumfahrt sowie Computer - werden durch den
Handel verstärkt und werden uns weiterhin die wirtschaftliche Führung überlassen, wenn wir die Maßnahmen befolgen, die diese Bedingungen fördern.
Es ist eine Tatsache, daß die Amerikaner am besten
abschneiden, wenn der Wettbewerb hart ist - wir
schneiden am besten ab, weil wir kreativer, von größerem Unternehmergeist geleitet und innovativer sind.
Und in der Welt von morgen, in der das geistige
Potential ebenso wichtig wie physische Kraft ist, wird
Innovation, die die Anwendung des intellektuellen
Potentials auf den Produktionsprozeß ist, mehr Arbeitsplätze hervorbringen, als die herkömmlichen Vorteile
bei physischen Kosten.
In dieser Hinsicht haben wir Amerikaner Glück. Innovation und Wandel sind unser Vermächtnis - seit jenem
Sommertag im Jahr 1776, als wir eine neue Regierungstheorie entworfen haben bis zum jüngsten Flug
der Raumfähre Atlantis. Die Amerikaner sind in einer
einzigartigen Position, in der von Innovationen geleiteten Welt des 21. Jahrhunderts Erfolg zu haben.

Aber die Herausforderung - für politische Entscheidungsträger und Privatunternehmen aller Länder wird darin bestehen, die Bedingungen für Innovation
und Wachstum aufrechtzuerhalten und zu verbessern.
Dies bezieht sich nicht nurauf die Innenpolitik, sondern
In den Vereinigten Staaten ist es eine Tatsache, daß auch - und dies ist von ebenso großer Bedeutung - auf
die neue Mobilität Millionen neuer und besserer Ar- Verträge wie das NAFTA auf diesem Kontinent und
beitsplätze schaffen wird - und an diesen exportabhän- GATT auf weltweiter Ebene.
gigen Arbeitsplätzen kann man durchschnittlich 17
Prozent mehr verdienen als gewöhnlich. Andere Länder Welche Bedingungen zählen in diesem Land? Vor
werden ebenfalls von neuen Arbeitsplätzen profitieren allem von staatlichem Einfluß ungehinderter Wettbeund ihren Lebensstandard verbessern. Noch wichtiger werb. Die Bereiche, in denen Amerika - oder irgendein
ist, daß die neue Mobilität den Lebensstandard in den anderes Land - international am stärksten ist, sind
Entwicklungsländern auf der ganzen Welt erhöht. diejenigen mit beträchtlichem Wettbewerb im Inland.
Infolgedessen werden sie mehr hochwertige Produkte Wenn die Vereinigten Staaten eine starke, wettbeaus den Vereinigten Staaten kaufen. Aus diesem werbsfähige Industrie haben, spielen sie international
Grund hat Mexiko seine Importe aus Michigan und eine Führungsrolle und bieten attraktive Arbeitsplätze
Illinois aufgestockt, und unsere Industriestaaten wer- im Inland. Es gibt in den Vereinigten Staaten über
den profitieren.
5.000 Softwarefirmen, die mit subventionierten Unternehmen in Japan, Frankreich und andernorts konkurDiese neue Mobilität, die die Weltwirtschaft charakte- rieren - trotzdem hält diese zersplitterte amerikanische
risiert, hat eine Parallele im politischen Bereich. Eben- Branche einen 75prozentigen Anteil am Weltmarkt.
so wie der Welthandel immer freier über nationale
Grenzen hinweg getätigt wird, weht die belebende Zweitens, Investitionen. Die pharmazeutischen UnterBrise der politischen Freiheit im Großteil der ehemals nehmen meines Heimatstaates New Jersey sind
kommunistischen Welt. Die neue Mobilität der Infor- Weltspitze, weil sie investiert und reinvestiert haben.
mation - für die CNN und der Personalcomputer cha- Wir müssen Maßnahmen erarbeiten, die Investitionen
rakteristisch sind - hat eine zentrale Rolle bei der in Amerika steigern und den Horizont dieser InvestitioZerstörung der alten autoritären Regime gespielt.
nen erweitern, um vernünftige, langfristige ManageAber diejenigen, die versuchen, die Amerikaner davon
zu überzeugen, sie seien in der neuen Wirtschaftswelt
des freien Handels und der neuen Mobilität unterrepräsentiert, liegen falsch.

AMERIKA DIENST 38

Seite 3

�mententscheidungen zu gestatten, Maßnahmen, die Wir haben ehrgeizige Bildungsreformen vorgeschlaKapital in produktive Investitionen umleiten und nicht in gen - sowohl in der allgemeinen Schulbildung als auch
in der Berufsausbildung. Unser Programm Amerika
die Schatztruhen der Regierung.
2000, das Freiheit der Schulwahl und die Einführung
Drittens, Bildung. Die neue Mobilität wird eine hervor- nationaler Leistungsmaßstäbe vorsieht, würde gewährragend ausgebildete Arbeitnehmerschaft belohnen. leisten, daß wir die am besten ausgebildeten MenStaatliche Maßnahmen, die den Erwerb solcher Fähig- schen haben, um den Arbeitsanforderungen von morgen
keiten fördern und sie jedermann zugänglich machen, gerecht zu werden. Arbeitnehmern, die in einem
werden für künftige Steigerungen der nationalen Pro- Bereich ihren Arbeitsplatz verlieren, muß Hilfe zur
duktivität entscheidend sein. Ich beziehe mich nicht Umschulung geboten werden. Die Vorschläge der
nur auf Bildung im allgemeinen, sondern auch auf Administration würden die Zersplitterung der heutigen
berufsspezifische Ausbildung.
Bundesprogramme durch ein koordiniertes, marktorientiertes System ablösen und die gegenwärtig für
Schließlich der Handel. Wenn Wettbewerb der Hebel Ausbildungszwecke bereitgestellten Mittel verdreifaist, mit dem ein Land seine Produktivität im 21. Jahr- chen.
hundert steigert, dann ist Handel der Angelpunkt.
Wenn eine Branche neue Produkte entwickelt, muß Wir haben energisch gehandelt, um freie, offene und
sie auch in der Lage sein, sie auf dem größtmöglichen wachsende Märkte auf der ganzen Welt zu gewährleiMarkt zu verkaufen. Mit dem durch die neue Mobilität sten. Das unlängst vollendete Nordamerikanische
hervorgebrachten Anstieg des Lebensstandards in Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko wird
ehemals unterentwickelten Ländern werden nahezu uns mit unseren Nachbarn im Norden und Süden
4,5 Milliarden potentielle neue Kunden für die Waren verbinden und eine historische Handelspartnerschaft
der Welt geschaffen. Der Handel hat darüber hinaus ins Leben rufen.
das zusätzliche Verdienst sicherzustellen, daß jedes
Land - tatsächlich sogar jede Region - von der steifen Schließlich standen wir auch bei den internationalen
Brise des Wettbewerbs profitiert, indem es seine Pro- Bemühungen zur Stärkung des weltweiten Wachsduktivität verbessert und damit seinen Lebensstan- tums an vorderster Front.
dard hebt.
Manche behaupten, diese Analyse treffe zwarzu, aber
In den vergangenen vier Jahren hat Präsident Bush ein das Rezept sei falsch. Internationaler Wettbewerb, so
Programm entwickelt, um exakt diese Maßnahmen zu sagen sie, ist zerstörerisch - Handel vernichtet Arbeitsverfolgen. Seine Administration hat sich bemüht, ein plätze, Wahlfreiheit zerstört Schulen, Investitionsanwettbewerbsfähiges Umfeld zu schaffen, indem sie reize helfen nur den Reichen. Alles, was diese Kritiker
unnötige staatliche Vorschriften abgebaut und allen anzubieten haben - und sie mit den neuesten SchlagForderungen widerstanden hat, unsere Industrien von wörtern aufpolieren - sind die unwirksamen Heilmittel
der Weltkonkurrenz abzuschotten. Darüber hinaus Protektionismus, Steuern und Staatsdirigismus.
haben wir Programme ins Leben gerufen, um die
Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen zu Wir können uns jedoch nicht an der alten Welt festfördern - durch Steueranreize, Abbau von Vorschriften klammern, und wir sollten dies auch nicht wollen.
und erweiterte Kreditvergabemöglichkeiten -, die zwei Wenn wir in das 21. Jahrhundert aufbrechen, müssen
wir dies mit Mut und Weitblick tun - und ein wenig Stolz.
Drittel der Arbeitsplätze in unserem Land schaffen.
Wir wissen, was wir tun müssen, um von der neuen
Um die Investitionstätigkeit anzukurbeln, haben wir die Mobilität zu profitieren, um in der neuen Weltwirtschaft
Kapitalkosten durch die niedrigsten Zinssätze und Erfolg zu haben. Genau dies tun wir zur Zeit. InsbeInflationsraten in einer Generation reduziert - und wir sondere die Amerikaner haben guten Grund, im Hinschlagen vor, die Kosten durch differenzierte Kapital- blick auf diese neue Welt optimistisch zu sein, denn
zuwachssteuern und eine niedrigere Steuerlast für das Spielfeld ist unser eigenes: kreativ und risikofreuUnternehmen und Einzelpersonen noch weiter zu dig sein, konkurrieren, Leistung erbringen. Mit Optimismus, Energie und Engagement können wir die
senken.
Herausforderungen dieses neuen Jahrhunderts gemeinsam meistern.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 38

�SOMALIA
23. September 1992

USA UNTERSTÜTZEN UNO-BEMÜHUNGEN FÜR
POLITISCHE LÖSUNG IN SOMALIA
Erklärung von Abteilungsleiter Herman Cohen
WASHINGTON - (AD) - Unterstützung der UNO-Bemühungen zur Herbeiführung einer politischen Lösung in
Somalia sowie anhaltende humanitäre Hilfe für die Bedürftigen dort sind die Eckpfeiler der amerikanischen Politik
gegenüber Somalia. Dies erklärte Herman Cohen, Abteilungsleiter für afrikanische Angelegenheiten im USAußenministerium, am 16. September vor dem Unterausschuß für Afrika des Auswärtigen Ausschusses des
Repräsentantenhauses.
Dabei bezeichnete Cohen die Beobachtung von UN-Generalsekretär Boutros-Ghali als "völlig zutreffend", daß
"sowohl Konflikte innerhalb und zwischen den Clans als auch allgemeine Gesetzlosigkeit" in Somalia die
Hauptursachen sind, die eine effektive Verteilung von Hilfsgütern verhindern.
Cohen würdigte "das bemerkenswerte Geschick... das Vertrauen der somalischen Politiker zu gewinnen", das
von dem UN-Sonderbeauftragten Mohamed Sahnoun unter Beweis gestellt worden sei und stellte fest: "Wir
möchten seine Bestrebungen auf jede erdenkliche Weise unterstützen, besonders da sie eine Konfliktlösung
zwischen den kriegführenden Fraktionen in Somalia versprechen."
Dem Abteilungsleiter zufolge haben die Vereinigten Staaten bis heute über 148 Millionen Dollar ausgegeben.
Dazu gehörten die Lieferung von mehr als 80.000 Tonnen Nahrungsmitteln, um die Leiden der somalischen
Bevölkerung zu lindem. Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten für das am 1. Oktober 1992 beginnende
Haushaltsjahr weitere 145.000 Tonnen Nahrungsmittel zugesagt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Cohens Stellungsnahme vor dem Unterausschuß im Wortlaut.
Situation nach wie vor verzweifelt
Erfahrene Mitarbeiter humanitärer Organisationen
beschreiben die Bedingungen in Somalia nach wie vor
als die schlimmsten, die sie jemals erlebt haben. Das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schätzt,
daß 1,5 Millionen Somalis verzweifelt und unverzüglich Hilfe benötigen. Bis zu 4,5 Millionen Somalis
benötigen dringend Nahrungsmittel und andere Formen der Hilfe. Hunger und Unterernährung sind weit
verbreitet, besonders in den zentralen und südlichen
Landesteilen. Die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen
in entlegenen Landesteilen befürchten, daß zahlreiche
Menschen auf dem Lande sterben, bevor sie die
Nahrungsmittelstützpunkte in den Städten erreichen.
Vor weniger als zwei Monaten schätzten die Hilfsorganisationen, daß Somalia 30.000 bis 35.000 Tonnen
Nahrungsmittel pro Monat benötige, um die Hungernden zu versorgen. Jüngsten Schätzungen des IKRK
zufolge ist der Bedarf an Nahrungsmittelspenden heute
doppelt so hoch, und das IKRK bittet um Nahrungsmittellieferungen von mindestens 52.000 Tonnen monat-

AMERIKA DIENST 38

lich. Die verzweifelte Suche nach Nahrung hat zu
großen Wanderungsbewegungen innerhalb Somalias
geführt und Hunderttausende von Flüchtlingen hervorgebracht, die in Lager in Kenia, Äthiopien und Dschibuti geströmt sind.
Die Reaktion auf den Hilferuf
Wie der Vorsitzende und die Mitglieder dieses Ausschusses wissen, sind wir bereits seit 18 Monaten bei
der Hilfe an Somalia an vorderster Front beteiligt. Bis
heute übersteigt unser Gesamtbertrag 148 Millionen
Dollar, einschlie ßlich der Lieferung von 80.000 Tonnen
Nahrungsmitteln. Wir haben für das am 1. Oktober
beginnende Haushaltsjahr weitere 145.000 Tonnen
Nahrungsmittel zugesagt.
Am 14. August haben wir Pläne bekanntgegeben,
Flugzeuge des Verteidigungsministeriums einzusetzen, um von Mombasa in Kenia aus Nahrungsmittel zu
Orten in Nordkenia und nach Somalia selbst zu transportieren. Ein Team des Pentagon traf am 17. August
in Kenia ein, um Vorbereitungen für die Luftbrücke zu

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�treffen. Seit dem 21. August wurde dieses Team von
einem besonderen Einsatzkommando (DART) des
Büros für Katastrophenhilfe (OFDA) des US-Amts für
internationale Entwicklung (USAID) unterstützt, das
sich an der Luftbrücke beteiligt sowie weitere amerikanische Maßnahmen plant.
Wir betrachten die Regierung Kenias als unseren
Partner bei dieser Operation, die darüber hinaus auch
Tausenden von der Dürre betroffenen Kenianern
geholfen hat. Wir werden weiterhin alle Elemente der
Operation mit den kenianischen Behörden koordinieren.
Diplomatische und politische Initiativen
Das grundsätzliche Problem, mit dem die Vereinigten
Staaten und die übrigen Geberländer in Somalia konfrontiert sind, ist die Frage, wie Nahrungsmittel und
andere Hilfe sicher an die Bedürftigen geliefert werden
können. In seinem Bericht an den Sicherheitsrat über
die technische Bestandsaufnahme durch die Vereinten Nationen stellte Generalsekretär Boutros-Ghali
fest, der Mangel an Sicherheit sei das Haupthindernis
bei der Lieferung dringend benötigter verstärkter Hilfe.
Er führte dabei sowohl Konflikte innerhalb und zwischen den Clans als auch allgemeine Gesetzlosigkeit
als die Gründe an, die eine effektive Verteilung von
Nahrungsmittelhilfe dort verhinderten, wo sie am meisten benötigt werde.

ten nach Berbera in Nordwest-Somalia und nach Kismayo an der Südostküste entsandt werden.
Diese Einheiten würden von den zusätzlichen UNTruppen abgezogen, deren Stationierung der Sicherheitsrat mit einer Resolution am 28. August zugestimmt hat.
Wir sind ferner der Überzeugu ng, da ß man die Entsendung einiger Truppen in die bedürftigsten Regionen im
Landesinnern in Erwägung ziehen sollte, wo sie die
sichere Verteilung gewährleisten könnten sobald die
UN-Truppen zur Sicherung der Nahrungsmittel erfolgreich stationiert sind.
Der UN-Sonderbeauftragte Mohamed Sahnoun hat
bereits seine Konsultationen mit führenden Vertretern
der somalischen Fraktionen über die Entsendung
weiterer Truppen in andere Regionen aufgenommen.
Botschafter Sahnoun hat bemerkenswertes Geschick
dabei bewiesen, das Vertrauen der somalischen Politiker zu gewinnen. Wir möchten seine Bestrebungen
in jeder erdenklichen Weise unterstützen, besonders
da sie eine Konfliktlösung zwischen den kriegführenden Parteien in Somalia versprechen.
Die Rolle des amerikanischen Sonderbotschafters

Der amerikanische Botschafter Peter J. de Vos wurde
am 27. August zum Sonderbotschafter für Somalia
Die Beobachtungen des Generalsekretärs sind völlig ernannt, um die Zusammenarbeit mit Botschafter
zutreffend. Das effektivste Mittel für die Lieferung Sahnoun zu koordinieren. Botschafter de Vos ist ein
großer Mengen von Nahrungsmitteln ist der Transport äußerst erfahrener Berufsdiplomat mit großem Geüber Land durch Lastwagenkonvois. Dies kann jedoch schick bei der Konfliktlösung. Seine Hauptaufgabe
nicht erfolgen, wenn Hilfskonvois geplündert werden besteht in der Sicherstellung der Koordinierung der
oder wenn Banden von Wegelagerern Versorgungs- amerikanischen Unterstützung der UN-Bestebungen,
Frieden und nationale Aussöhnung für das somalische
und Verteilungsstützpunkte angreifen.
Volk herbeizuführen.
Unterstützung bei der Stationierung von UN-WachBotschafter de Vos ist mehrfach mit Botschafter Sahpersonal
noun zusammengetroffen. Sie haben Themen wie
Aus diesem Grund haben wir uneingeschränkt die Nothilfemaßnahmen und Aussöhnung sowie die NotStrategie der UNO unterstützt, die Sicherheit von wendigkeit eines umfassenden nationalen Ansatzes
Hilfsoperationen durch die Stationierung von Wach- zur Lösung der somalischen Krise erörtert.
personal an ausgewählten Standorten in Somalia zu
verbessern. Am 13. August hat die Administration Konsultationen zur Unterstützung der UN-Bestreangeboten, das erste Kontingent mit 500 pakistani- bungen
schen UN-Wachen nach Mogadischu zu transportieBotschafter de Vos ist inzwischen nach Nordost- und
ren. Diese Stationierung begann am 14. September
Südsomalia gereist und hat Mogadischu besucht. Er
mit der Ankunft eines 40köpfigen Vorauskommandos
führte Gespräche mit mehreren Fraktionsführern,
in Mogadischu an Bord einer US-Militärmaschine. Die
einschließlich General Farah Mohamed Aideed, Ali
Vereinigten Staaten werden darüber hinaus das HauptMahdi Mohamed und General Abshir Muse, dessen
kontingent dieser Einheit und deren Ausrüstung nach
Bewegung den Nordosten Somalias kontrolliert. BotMogadischu transportieren.
schafter de Vos hat betont, daß keine somalische
Die Vereinigten Staaten haben die Empfehlung des Fraktion einen militärischen Sieg erringen kann und
Generalsekretärs für die Stationierung entsprechen- Dialog unabdingbar ist. De Vos stellte fest, daß einige
der Einheiten in Bossasso im Nordosten Somalias und somalische Parteien weniger zum Dialog oder zu
- vorbehaltlich der Zustimmung der kenianischen Gesprächen bereit sind als andere. Es ist offenkundig,
Regierung - in Mandera im Nordosten von Kenia daß Ausdauer, Geduld und Geschick zur Aussöhnung
uneingeschränkt unterstützt. Weitere Einheiten könn- erforderlich sind.
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AMERIKA DIENST 38

�Botschafter de Vos hat ferner mit führenden Politikern
am Hörn von Afrika in Dschibuti und Äthiopien Konsultationen geführt, ist mit Vertretern der eritreischen
Übergangsregierung zusammengetroffen und hat mit
französischen, italienischen und britischen Regierungsvertretern gesprochen.

dem deuten auf die breite Unterstützung der vorgesehenen Konferenz zur Koordinierung der Hilfe in Somalia hin. Wir werden weiterhin mit der UNO zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß die gesteckten Ziele
erreicht werden.

Wir unterstützen ferner die Idee der Einberufung einer
Folgekonferenz mit Vertretern der somalischen Fraktionen, um deren Unterstützung zu gewinnen und den
Prozeß der nationalen Aussöhnung in die Wege zu
Bei jedem Aufenthalt hat Botschafter de Vös die Not- leiten. Wir alle wissen, daß weder die Hilfsstrategien
wendigkeit für internationale Unterstützung der UN- noch diplomatische Initiativen ohne die Mitarbeit der
Bestrebungen verdeutlicht. Er hat unser besonderes somalischen Politiker bei der Beendigung der HunInteresse an einem UN-Vorschlag zur Einberufung gersnot und dem politisch motivierten Blutvergießen
einer internationalen Konferenz über die Koordinie- vollen Erfolg zeitigen werden. Es ist entscheidend,
rung der Hilfe für Somalia bekräftigt. Der Sonderkoor- daß sie sich gemeinsam mit der internationalen Staadinator Natsios hat dieses Thema mit UN-Vertretern in tengemeinschaft an umfassenden Bestrebungen zur
Genf und Rom erörtert. Unsere UN-Mission hat diese Lösung der Krise in ihrem Land beteiligen.
Frage mit dem Stellvertretenden Generalsekretär der
UN-Abteilung für humanitäre Angelegenheiten einge- Ich möchte alle somalischen Politiker eindringlich zur
hend diskutiert. Der Stellvertretende Generalsekretär Kooperation mit der UNO und den Geberländern und
hat seinen aufrichtigen Dank für unsere uneingeschränk- zu der Verpflichtung auffordern, die Lieferung der
te Unterstützung dieses Vorschlags zum Ausdruck Nahrungsmittel zu den Hungernden sicherzustellen.
gebracht.
Dies ist eine von Menschen verursachte Tragödie. Wir
wissen, daß Somalia nicht rehabilitiert weiden kann,
Bei der Konferenz würden alle Teilnehmer der Hilfsbe- bis der Frieden wiederhergestellt ist. Es ist ein Trugstrebungen für Somalia zusammenkommen, um die schluß, daß irgendein somalischer Politiker mit Wafhumanitäre Hilfe besser zu strukturieren und zu koor- fengewalt die Einheit und den Frieden wiederhersteldinieren. Die Konferenz würde die Gelegenheit zur len kann. Die bisherigen Konferenzen über die AusErarbeitung von Plänen für kurzfristige Hilfsmaßnah- söhnung sind gescheitert, weil die somalischen Politimen, eines Konzepts für längerfristige Hilfe und Stra- ker sich geweigert haben, mit ihren Gegnern zu spretegien zur Bewältigung der Sicherheitsprobleme, chen. Ich fordere die Somalis auf, Botschafter SahRehabilitation und nationale Aussöhnung bieten.
nouns Appell zu Dialog und Aussöhnung zu befolgen.
Die UN-Konferenz über Koordinierung der Hilfsmaßnahmen und nationale Aussöhnung

Unsere Konsultationen mit UN-Vertretern, unseren
Verbündeten und anderen internationalen Geberlän* *

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*

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�WAHLEN

'9 2
23. September 1992

POLITISCHE PARTEIEN IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN
von Stephen J. Wayne
In dem nachstehenden Artikel erläutert der Verfasser die Geschichte der politischen Parteien in den Vereinigten
Staaten und ihre Rolle im demokratischen Prozeß von heute. Stephen J. Wayne ist Professor für Staatswissenschaft an der Georgetown University in Washington.
Die politischen Parteien tragen entscheidend zum
Funktionieren des demokratischen Prozesses in den
Vereinigten Staaten bei. Sie wirken als Bindeglied
zwischen den Bürgern und ihren gewählten Vertretern
und bieten diesen Vertretern gleichzeitig eine Orientierungshilfe bei der politischen Entscheidungsfindung.
Wie sie dies bewirkt haben, wurde jedoch von dem
Umfeld beeinflußt, in dem sie agierten.

ten um Posten auf Staats- oder Gemeindeebene oder
um die Wahl der Vertreter eines Bundesstaates im
Kongreß.

Dies kommt naturgemäß im Parteiensystem zum
Ausdruck. Die Kandidaten werden auf Staats- oder
Gemeindeebene rekrutiert und gehen primär auf ihre
örtliche Wählerschaft ein. Zahlreiche der von ihnen
angesprochenen Wahlkampfthemen haben bedeutenZwei Hauptfaktoren haben dieses Umfeld geprägt: die de Auswirkungen auf ihren Bundesstaat oder ihre
föderale Strukturdes amerikanischen Verfassungssy- Gemeinde. Dies beeinflu ßt die von ihnen während des
stems und der wachsende Pluralismus der amerikani- Wahlkampfs vertretenen Positionen sowie - im Falle
schen Gesellschaft. Diese Faktoren haben die politi- ihrer Wahl-die Entscheidungen, die sie im Amt treffen.
schen Parteien dazu ermutigt, sich zu großen, breit Es wirkt sich darüber hinaus auf die Struktur, Haltung
gefächerten und heterogenen Organisationen zu ent- und Vorgehensweise ihrer politischen Parteien aus.
wickeln, um ihr Überleben zu sichern. Für die großen
Parteien hatte dies eine lockere Koalition von Berufs- Amerikanische Parteien sind Konglomerate. Auf
politikern, Kandidaten und Anhängern an der Basis, Bundesebene bestehen sie aus Vertretern der 50
einen pragmatischen Ansatz bei Problemen, eine Bundesstaatsparteien. Auf Bundesstaatsebene bedezentralisierte, vielschichtige Organisation und eine stehen sie aus lokalen Parteifunktionären. Eine starKonzentration auf das Gewinnen von Wahlen anstatt ke, geschlossene, zentralisierte nationale Parteistruktur hat es niemals gegeben.
das Regieren zur Folge.
Dasselbe gilt für die Mitgliedschaft. Der föderale
Charakter der Regierung und die Vielfalt der Nation
Die politischen Parteien rekrutieren politische Ent- haben die großen politischen Parteien in den Vereinigscheidungsträger, nehmen an Wahlen teil und versu- ten Staaten dazu veranlaßt, in ihrer Zusammensetchen, die Führung der Regierungsgeschäfte zu beein- zung groß und heterogen zu sein sowie gemäßigt und
flussen. Die großen Parteien in den Vereinigten Staa- pragmatisch in ihrer politischen Orientierung.
ten sind dezentralisierter, diversifizierter und pragmatischer als ihre Gegenstücke in anderen demokrati- Während die großen Parteien seit jeher nicht ideologisch festgelegte Volksparteien waren, galt dasselbe
schen Ländern. Warum ist dies der Fall?
nicht für die kleineren Parteien. Einige traten offen für
Die Verfassung der Vereinigten Staaten überträgt den eine bestimmte Ideologie ein, wie etwa die KommuniBundesstaaten wesentliche Rechte und Pflichten, stische Partei, die Sozialistische Arbeiterpartei und die
darunter das Abhalten von Wahlen für alle Ämter auf Libertäre Partei. Obwohl sie nicht viele Anhänger für
Bundes- und Bundesstaatsebene. Mit Ausnahme der sich gewinnen konnten, stellen sie Kandidaten auf,
Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten geht es unterhalten Organisationen und veröffentlichen Appeltatsächlich bei allen Wahlen in den Vereinigten Staa- le. Ihr Einfluß auf die großen Parteien war jedoch
Der Charakter der amerikanischen Parteien

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�gering, weil ihre Ansichten außerhalb der Hauptströmungen der amerikanischen Gesellschaft liegen.
Ein anderer Typ kleinerer Parteien hat jedoch Auswirkungen gezeitigt. Anstatt eine Doktrin zu verfechten,
benutzen solche Parteien bestimmte Sachthemen wie
Einwanderung, Einkommensteuern, Wahlrechtsreform
oder in der jüngeren Geschichte Präsidentschaftskandidaten wie George Wallace im Jahr 1968 und John
Anderson 1980 als Mittel, um Wähler zu gewinnen.
Diese Parteien werden häufig als Splitter- oder Übergangsparteien bezeichnet, weil ihre Gründung für
gewöhnlich von Unzufriedenheit über eine der großen
Parteien verursacht wird, wenn diese Partei ein wichtiges Thema ignoriert, eine unpopuläre Haltung einnimmt oder unattraktive Kandidaten nominiert, besonders für ein Amt auf Bundesebene.

ren des 19. Jahrhunderts waren die demokratischen
Republikaner die einzige Partei, die Kongreß und
Präsidentschaftswahlen gewinnen konnte.

Mit dem Wachstum der demokratischen Republikaner
begannen sich regionale Fraktionen innerhalb der
Partei zu entwickeln. Eine dieser Fraktionen, die von
dem ehemaligen General Andrew Jackson angeführt
und als Demokraten bezeichnet wurde, trat schließlich
als Mehrheitsfraktion hervor. Als Jackson 1828 zum
Präsidenten gewählt wurde, strukturierte er die Partei
neu, um auf die Interessen der Durchschnittsbürger
einzugehen: der Kleinbauern, neuen Wähler und
Neueinwanderer. Die als Partei der Whigs bekannte
Opposition gegen Jackson bestand aus denjenigen,
die Jacksons Politik ablehnten: wohlhabendere Farmer, Geschäftsleute und Befürworter der Abschaffung
der Sklaverei. Weil die Whig-Partei so vielfältig war,
Kleinere Parteien dieses Typs haben ihre Bemühun- konnte sie die Präsidentschaft nur durch die Nominiegen auf die Kandidatur für Wahlämter konzentriert. rung von Kriegshelden gewinnen. Die Whigs schafften
Obwohl sie bei der Wahl ihrer Kandidaten erfolglos zweimal den Einzug ins Weiße Haus, hatten jedoch
waren, ist es ihnen gelungen, die Aufmerksamkeit auf Schwierigkeiten, effektiv zu regieren. Schließlich zerfiel
ihre Anliegen zu lenken, die Wahlchancen der von die Partei.
ihnen verlassenen Partei zu beeinträchtigen und in
einigen Fällen diese Partei zu zwingen, die Maßnah- Demokraten und Whigs beherrschten die amerikanimen zu ergreifen, ihre Untätigkeit einzustellen oder sche Politik von 1828 bis zum Ausbruch des Bürgereine Haltung zu ändern, die den Protest ursprünglich krieges. In den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts
ausgelöst hatte.
spaltete die Frage der Sklaverei jedoch die Demokratische Partei in eine Nord- und eine Südfraktion und
Die Geschichte der amerikanischen Parteien
führte zum Auseinanderbrechen der Whigs. Im Jahr
1854 wurde eine neue Partei, die Republikaner, ins
Parteien wurden weder in der Verfassung erwähnt,
Leben gerufen. Sie wurde von den Befürwortern des
noch existierten sie vor der Administration George
freien Unternehmertums und des Privatbesitzes unterWashingtons (1789 -1797). Sie entstanden während
stützt und lehnte sowohl die Ausbreitung der Sklaverei
seiner Administration hauptsächlich zur Unterstützung
als auch die Sklaverei selbst ab. Die Republikaner
oder als Opposition zu ihren Maßnahmen. Im Lauf der
stellten ihren ersten Präsidentschaftskandidaten im
Zeit wurde ihre Entwicklung durch die Konkurrenz
Jahr 1856 und ihren zweiten, Abraham Lincoln, 1860
zweier Parteien und die Dominanz einer Partei charakauf. Die tiefe Spaltung der Demokratischen Partei, die
terisiert.
dazu führte, daß beide Fraktionen ihren eigenen PräVon 1790 bis 1824 waren die wichtigsten Parteien als sidentschaftskandidaten aufstellten sowie die Existenz
Federalists und Democratic-Republicans bekannt. Die eines Kandidaten einer dritten Partei ermöglichten es
Federalists unterstützten die von Finanzminister Alex- Abraham Lincoln, die Wahl mit etwas weniger als 40
ander Hamilton vorgeschlagenen und von der Wash- Prozent der Gesamtstimmen zu gewinnen.
ington-Administration angestrebten Maßnahmen zur
nationalen Entwicklung. Ihre demokratisch-republika- In den nächsten 40 Jahren konkurrierten Republikaner
nischen Gegner, die von Thomas Jefferson angeführt und Demokraten ziemlich gleichmäßig auf nationaler
wurden, der seinen Posten in Washingtons Kabinett Ebene. Im Jahr 1876 mußte der Kongreß aufgrund
wegen seiner Ablehnung dieser Maßnahmen aufgege- des knappen Wahlausgangs und Anschuldigungen
ben hatte, befürworteten eine geringere Rolle der des Wahlbetrugs in mehreren Südstaaten eine KomBundesregierung, während die Bundesstaaten und mission bilden, um den Wahlsieger zu ermitteln. Die
aus acht Republikanern und sieben Demokraten beGemeinden mehr Macht ausüben sollten.
stehende Kommission stimmte nach Parteizugehörigkeit
ab und entschied zugunsten des republikanischen
Während die Maßnahmen der Federalists (mit Hilfe
Kandidaten
Rutherford B. Hayes. Die Entscheidung
eines aus Federalists zusammengesetzten Obersten
war
weithin
umstritten,
da Hayes nicht die Mehrheit der
Bundesgerichts, das die Befugnisse der Bundesregievon
den
Wählern
abgegebenen
Stimmen erhalten
rung weit auslegte) die Oberhand behielten, war der
hatte
(obwohl
die
Kommission
entschied,
daß er die
Partei der Federalists kein Erfolg beschieden. Da sie
meisten
Wahlmännerstimmen
hatte).
Um
die Demonicht vermochte, ihre Anhängerschaft zu erweitern
kraten
im
Kongreß
zu
veranlassen,
den
Beschluß
der
und beim Durchschnittsbürger Anklang zu finden, nahm
Kommission
zu
billigen,
versprach
Hayes
den
Abzug
ihr Einfluß ständig ab, während der der demokratischen Republikaner zunahm. In den zwanziger Jah- der Bundestruppen aus dem Süden, was den weißen
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AMERIKA DIENST 38

�Politikern gestattete, ihre Kontrolle über die Regierungen dieser Bundesstaaten wiederzugewinnen. Als
Reaktion auf die Maßnahmen der Republikaner, die im
Bürgerkrieg und der Reconstruction des Südens unter
republikanischer Herrschaft kulminierten, blieben die
Wähler des Südens nahezu 100 Jahre lang demokratische Stammwähler.

Moderne Parteikoalitionen und deren Auswirkungen

Die Demokratische und die Republikanische Partei
haben ihre Wurzeln in einem System, daß sich während der Großen Depression und dem Zweiten Weltkrieg entwickelte. Die Demokraten betrachten einander weiterhin als Partei des kleinen Mannes, die Partei
der
Mittel- und Unterschicht, während die RepublikaDie nächste Phase in der Fortentwicklung der amerikaner
sich
als Partei der Unternehmer und Selbständigen
nischen Parteien begann Ende des 19. Jahrhunderts.
sehen.
Eine Rezession im Jahr 1893 unter der demokratischen Administration von Präsident Grover Cleveland
verlagerte das politische Gleichgewicht zugunsten der Heute beziehen die Demokraten erhebliche UnterstütRepublikaner. Die Republikaner gingen daraus als zung von rassischen Minderheiten, wie etwa AfroameMehrheitspartei hervor und kontrollierten im Zeitraum rikanern und Hispaniem, sowie von religiösen Mindervon 1896 bis 1930 nahezu durchgängig den Kongreß heiten, wie Juden und - in geringerem Umfang und das Weiße Haus. Ihre Anhängerschaft stützte Katholiken. Die Führung der Gewerkschaften ist der
sich auf eine breite Basis. Dazu gehörten Unterneh- Demokratischen Partei treu geblieben, obwohl die
mer und Gewerkschaften, Konservative und Progres- Unterstützung der Basis für die Kandidaten der Partei,
sive, Stadtbewohner sowie die Landbevölkerung. In besonders bei Präsidentschaftswahlkämpfen, abgeden zwanziger Jahren führte jedoch der Zustrom von nommen hat. Diejenigen, die sich als Linke identifizieNeueinwanderern gemeinsam mit unpopulären repu- ren, sind demokratisch geblieben, jedoch hat der Anteil
blikanischen Maßnahmen - insbesondere dem Verbot der Linken an der Gesamtbevölkerung abgenommen,
alkoholischer Getränke - dazu, daß die Angehörigen und zu Beginn der neunziger Jahre betrachten sich
von Minderheiten in den Städten zur Demokratischen rund doppelt so viele Menschen als konservativ wie als
Partei wechselten. Eine Landwirtschaftskrise in den links.
zwanziger Jahren brachte die Bauern gegen die Politik
Im Gegensatz zu den Demokraten sind die Republikaund Philosophie der Republikanischen Partei auf.
ner vorwiegend weiß und Protestanten. Sie erhalten
ihre
stärkste Unterstützung von Angehörigen der oberen
Bei der Wahl von 1932 befanden sich die Republikaner
sozioökonomischen
Schichten. Personen mit höhein der unglücklichen Position, als Inhaber der Regierem
Einkommen,
besserer
Ausbildung und angeseherungsgewalt während der größten Wirtschaftskrise in
neren
Berufen
neigen
dazu,
sich mit den Republikader Geschichte des Landes einen Wahlkampf führen
nern
zu
identifizieren.
Schließlich
erhalten die Repuzu müssen. Das Ergebnis war entsprechend. Die
blikanern
eine
unverhältnismäßig
große UnterstütDemokraten bewahrten und erweiterten ihre Anhänzung
von
denjenigen,
die
sich
als
konservativ
betrachgerschaft unter weißen Südstaatlern, ethnischen
ten.
Gruppen in den Städten und den Arbeitnehmern. Im
Jahr 1936 hatten die Afroamerikaner von der Partei Geographisch haben die Demokraten ihre HochburLincolns zur Partei des wirtschaftlichen Aufschwungs gen in den Städten, besonders in den großen Indugewechselt. Von Präsident Franklin Roosevelts Libe- striestädten des Nordostens und Mittelwestens. Die
ralismus und seiner Außenpolitik gegen die Nazis Republikaner sind in den Vororten stärker. Bei Präsiangezogene Juden wechselten zu den Demokraten. dentschaftswahlkämpfen erhalten die Republikaner
Obwohl die Republikaner ihren Einfluß bei Protestan- die stärkste Unterstützung in den Rocky Mountains
ten im Norden aufrechterhielten, verzeichneten die und im Süden.
Demokraten auch dort Erfolge, besonders bei den
Angehörigen einkommensschwächerer Gruppen. Die Zwischen den großen Parteien bilden sich darüber
Wählerschaft war infolgedessen wie niemals zuvor hinaus wichtige alters- und geschlechtsspezifische
nach wirtschaftlichen Schichten gespalten. Die weni- Unterschiede. Ältere Wähler, die während der Depresger Wohlhabenden neigten mehr zu den Demokraten, sion und des Zweiten Weltkriegs wahlberechtigt wurwährend die Wohlhabenderen eher republikanisch den, tendierten dazu, ihre Zugehörigkeit zu den Demowählten. Die Ausnahme bildete der Süden, wo die kraten zu bewahren. Andererseits haben jüngere
Wähler unabhängig von ihrem Sozialstatus demokra- Wähler, insbesondere die unter 30 Jahren, die ihre
tisch waren.
prägenden politischen Erfahrungen während der
Administrationen Carter (1977-81) und Reagan (1981Seit dem Umschwung der dreißiger Jahre sind die 89) sammelten, begonnen, eine Bindung an die RepuParteikoalitionen schwächer geworden, jedoch nicht blikanische Partei zu entwickeln. Von allen Altersgrupvöllig auseinandergebrochen. Obwohl die Demokra- pen hat diese jüngere Wählergruppe republikanische
ten weiterhin die Regierungen der Bundesstaaten und Kandidaten am stärksten unterstützt. Unterschiede
den Kongreß beherrschen, haben die Republikaner sind auch zwischen Männern und Frauen aufgetreten,
ihren Stimmenanteil im Kongreß erhöht und in sieben wobei Männer eher die Republikaner und Frauen eher
der letzten 10 Wahlen die Präsidentschaft errungen.
die Demokraten unterstützen.
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�Die Zusammensetzung der Parteien hat ihre ideologische Orientierung und politischen Positionen beeinflußt. Naturgemäß waren die Republikaner konservativer als die Demokraten und befürworteten Maßnahmen, die den Privatsektor stimulierten, den Einflu ß des
Staates auf die Innenpolitik reduzierten und die amerikanische Verteidigungsfähigkeit stärkten. Seit dem
Vietnamkrieg waren sie ferner eher dazu bereit als die
Demokraten, militärische Gewalt als Instrument der
Außenpolitik anzuwenden. Die Aktionen der ReaganAdministration in Libanon und Grenada sowie der
Bush-Administration in Panama und am Persischen
Golf sind nur einige Beispiele für diese Tendenz. Die
Republikaner haben eine starke Position gegen Schwangerschaftsabbrüche eingenommen, eine Haltung, die
Spaltungen innerhalb der Partei hervorzurufen beginnt.

Heute besteht zwischen den Parteien ein ungefähres
Gleichgewicht. Nahezu der gleiche Bevölkerungsanteil (35 bis 40 Prozent) identifiziert sich mit jeweils einer
Partei. Der Rest betrachtet sich als unabhängig. Die
Parteiidentifikation hat heute jedoch weniger Einfluß
auf das Wahlverhalten als noch vor zwei oder drei
Jahrzehnten. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß sich die Menschen mehr auf das Führungspotential und die Persönlichkeit der Kandidaten
konzentrieren als auf ihre Parteizugehörigkeit.

Der abnehmende Einfluß der Parteien auf die Wähler,
das relative Gleichgewicht zwischen den Parteien und
der kandidatenorientierte Charakter der amerikanischen Politik hat zu einer weniger einheitlichen Kontrolle der Regierung geführt. Es ist nicht ungewöhnlich, daß eine Partei das Parlament und die andere die
Exekutive kontrolliert. Auf nationaler Ebene kontrollieDie Demokraten waren dagegen eher bereit, den Staat ren die Demokraten mit Ausnahme von vier Jahren seit
um Hilfe bei der Bewältigung der größten wirtschaftli- 1932 eines oder beide Häuser des Kongresses, und
chen und sozialen Probleme des Landes anzurufen. die Republikaner stellen mit Ausnahme von vier JahSie neigten weniger dazu, die Inlandsausgaben oder ren seit 1968 den Präsidenten.
die Rolle des Staates beim Schutz der bürgerlichen
und politischen Rechte der Amerikaner zu verringern. Die geteilte Kontrolle der Regierung hat zu erheblichen
Im allgemeinen waren sie weniger bereit als die Repu- Konflikten zwischen Kongreß und Präsidentschaft
blikaner, den Verteidigungshaushalt stark zu erhöhen geführt, insbesondere bei innenpolitischen Themen.
und amerikanische Truppen im Ausland einzusetzen. Präsidenten müssen bei ihren politischen Vorschlägen
Die demokratischen Mitglieder im Kongreß, insbeson- häufig Kompromisse schließen, um ausreichende
dere im Senat, stimmten mit überwältigender Mehrheit Rückendeckung zu erhalten. Darüber hinaus müssen
gegen die Genehmigung militärischer Gewalt am sie immer mehr Zeit dafür aufbringen, Unterstützung
Persischen Golf durch den Präsidenten und wollten im Kongreß sowie bei Interessengruppen und der
den Sanktionen gegen den Irak mehr Zeit einräumen. Öffentlichkeit zu gewinnen. In der Außenpolitik haben
Die Demokraten haben zu einer Vielzahl wirtschaftli- sich die Präsidenten für gewöhnlich erfolgreicher durchcher und sozialer Probleme Positionen eingenommen, gesetzt, obwohl die Unterstützung nicht automatisch
die den Interessen und Bedürfnissen derjenigen Grup- gewährt wird. Im allgemeinen haben parteipolitische
pen gerecht werden, die ihre Wählerkoalition bilden. Differenzenden Konflikt verschärft, der die BeziehunDazu gehören die Befürwortung höherer Mindestlöh- gen zwischen Präsident und Kongreß in den letzten
ne, die Verlängerung des Arbeitslosengelds, Gesetze Jahren charakterisierte.
gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz und das Recht
der Frau auf Abtreibung.
* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brady sieht Zusammenhang zwischen niedrigen Zinssätzen und Wirtschaftswachstum in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Finanzministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen UNO-Bemühungen für politische Lösung in Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Abteilungsleiter Herman Cohen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Politische Parteien in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Stephen J. Wayne&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
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30. September 1992

39

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UNO

BUSH VERKÜNDET INITIATIVEN
ZUR BEWÄLTIGUNG GLOBALER
HERAUSFORDERUNGEN
Rede vor der UNO-Generalversammlung

USA-DEUTSCHLAND

NEUES OPEL-WERK
IN EISENACH ERÖFFNET
Botschafter Kimmitt überbringt
Botschaft von Präsident Bush

WAHLEN '92

BUSH SCHLÄGT ÜBERRASCHEND
VIER DEBATTEN VOR
Neuer Schachzug des Präsidenten

JUGOSLAWIEN

USA: AUSSCHLUSS BELGRADS DURCH
UN-GENERALVERSAMMLUNG "ANGEMESSEN'
Erklärung von Botschafter Perkins

KSZE

USA: SICHERHEITSFORUM WIRD
AGGRESSIONSRISIKO VERRINGERN
Amerikanische Erklärung bei der
Eröffnung des Sicherheitsforums
DIE KSZE 1992: DIE HERAUSFORDERUNGEN DES WANDELS
Vortrag von John Kornblum

NATO

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EUROPA UND NORDAMERIKA WERDEN
GEMEINSAM FORTSCHRITTE ERZIELEN
Rede von Botschafter Bartholomew

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�UNO
30. September 1992

BUSH VERKÜNDET INITIATIVEN ZUR BEWÄLTIGUNG
GLOBALER HERAUSFORDERUNGEN
Rede vor der UNO-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - In einer Rede vor der UNO-Generalversammlung kündigte Präsident Bush am
21. September 1992 neue Initiativen zur Bewältigung von drei großen Herausforderungen an: Friedenssicherung, Beendigung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und Förderung von Wohlstand für alle.
"Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert von uns verstärktes kollektives Engagement", erklärte
Bush den Delegierten der 47. Sitzung der UNO-Generalversammlung. "Wir werden unsere kollektiven Institutionen umgestalten müssen. Und vor allem muß jeder von uns die eigene Regierung beim Umgang mit
internationalen Angelegenheiten einer ernsthaften Prüfung unterziehen."
Bush begrüßte Generalsekretär Boutros-Ghalis Ruf nach einer neuen Tagesordnung zur Stärkung der
Fähigkeiten der Vereinten Nationen bei der Verhinderung, Eindämmung und Lösung von Konflikten auf der
ganzen Welt. Indem er alle Mitglieder aufforderte, gemeinsam "kühne Schritte zu unternehmen, um diese
Tagesordnung voranzubringen", stellte der Präsident fest, er werde "mit- meinen Kollegen den Nutzen einer
Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats zur Erörterung der Vorschläge des Generalsekretärs und Erarbeitung
konkreter Antworten" in Schlüsselbereichen sondieren.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Gäste, leben, stellten Millionen fest - wie Arthur Koestler so
ich danke Ihnen. Vor 47 Jahren war ich ein junger eindringlich schrieb - daß Mittags Dunkelheit herrschMann von 21 Jahren und wie Tau sende andere meiner te. Und statt die Nationen zu einen, wurde dieses
Generation war ich in den Krieg gezogen, um die Gremium zu einem Forum des Mißtrauens und der
Freiheit zu zu verteidigen. In diesem Monat vor 47 Spaltung von Nationen. Und in grausamer Ironie
Jahren war der Krieg endlich beendet und ich blickte wurden die Vereinten Nationen, geschaffen, um die
hoffnungsvoll auf den Frieden und die Chance, mein Welt von Konflikten zu befreien, selbst Opfer von
Leben nun ernsthaft zu beginnen. 1945 stand als Konflikten.
Symbol der Hoffnung nicht nur für mich, sondern fürdie
gesamte Menschheit. Ein großer Kampf gegen Dikta- Auch ich habe diese Konflikte erlebt. Ich habe - mit
Stolz erfüllt - dort gesessen, wo Sie sitzen und in dieser
tur war gekämpft und gewonnen worden.
Versammlung gedient. Zu meiner Zeit habe ich die
Auf der ganzen Erdkugel blicken wir einer von Kriegen Konsequenzen der scharfen Worte des Kalten Krieges
freien Zukunft entgegen, einer Welt, in der wir unsere für die höheren Aufgaben der Vereinten Nationen
Kinder in Frieden und Freiheit aufziehen können. Und gesehen. Und heute, 47 Jahre später, stehen wir am
diese Institution - die Vereinten Nationen -, geboren Ende eines anderen Krieges, des Kalten Krieges. Und
inmitten der Asche des Krieges, verkörperte diese unsere Hoffnungen und Träume sind wieder aufgeHoffnungen und Träume wie keine andere.
keimt.
Die Hoffnungen und Träume von 1945 blieben jedoch
unerfüllt. Der kommunistische Imperialismus teilte die
Welt, unsere Hoffnung auf Frieden und unsere Träume
von Freiheit wurden im Würgegriff des Kalten Krieges
eingefroren. Und anstatt eine gemeinsame Basis zu
finden, standen wir vor einer nuklearen Konfrontation.
Und anstatt auf Churchills weiten, sonnigen Höhen zu
AMERIKA DIENST 39

Getrieben von seinen immanenten Widersprüchen
und von dem unsterblichen Freiheitsdurst der Menschen verbannt, fand der imperialistische Kommunismus an seinem Geburtsort den Tod. Und heute ist
Ru Bland erwacht - demokratisch, unabhängig und frei.
Auch die baltischen Staaten sind frei, ebenso wie die
Ukraine, Armenien und Belarus, Kasachstan und die
Seite 1

�anderen unabhängigen Staaten, die den Nationen
Mittel- und Osteuropas in Freiheit beitreten.

Notwendigkeit für erweiterte Kapazitäten zur Friedensbewahrung nie größer, waren die Konflikte, mit
denen wir uns befassen, schwerer in den Griff zu
bekommen, die Kosten der Konflikte höher.

Die Furcht vor einem nuklearen Armageddon zwischen den Supermächten ist verschwunden. Wir sind
stolz, unseren Teil dazu beigetragen zu haben, daß Und zweitens sehen wir uns der strategischen Herausunsere Schulkinder nicht mehr üben müssen, sich forderung der Verbreitung von Massenvernichtungsunter ihren Pulten zu verstecken aus Angst vor einem waffen gegenüber - zweifelsohne der am schnellsten
wachsenden sicherheitspolitischen Herausforderung
nuklearen Angriff wie die Generationen vor ihnen.
für internationalen Frieden und Ordnung.
Voller Stolz beglückwünsche ich die Staats- und
Regierungschefs, die im Besitz von Atomwaffen sind - An dritter Stelle steht die gemeinsame wirtschaftliche
die Präsidenten Jelzin, Krawtschuk, Nasarbajew, Herausforderung der Förderung von Wohlstand für
Schuschkjewitsch - die mit mir gemeinsam die Kon- alle, der Stärkung einer offenen, wachstumsorientierfrontation zwischen den Supermächten beendet ha- ten, marktwirtschaftlichen internationalen Wirtschaftsben, die einen nuklearen Alptraum riskierte. Dies ist ordnung bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt.
die erste Generalversammlung, bei der Sie als wirklich
unabhängige und freie Nationen einen Sitz haben. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert
Und Ihnen und den Staats- und Regierungschefs der von uns verstärktes kollektives Engagement. Wir
anderen unabhängigen Staaten sage ich: Willkom- werden unsere kollektiven Institutionen umgestalten
men zu Hause, wir sind jetzt wirklich Vereinte Natio- müssen. Und vor allem muß jeder von uns die eigene
Regierung bei der Handhabung internationaler Angenen.
legenheiten einer ernsthaften Prüfung unterziehen.
Mit dem Ende des Kalten Krieges haben wir meines Auch wir müssen unsere Institutionen und Praktiken
Erachtens eine echte Chance, über die künstlichen ändern, wenn wir eine neue Welt mit den Versprechu nTeilungen einer ersten, zweiten und dritten Welt hin- gen von heute schaffen und ein 21. Jahrhundert des
auszugehen und statt dessen eine wirklich globale Friedens sichern wollen.
Staatengemeinschaft freier und souveräner Nationen
zu schmieden. Eine auf Achtung der Prinzipien, fried- Ich möchte heute mit Ihnen diese drei Herausforderunlicher Beilegung von Konflikten, grundlegenden Men- gen erörtern - Friedenssicherung, Weiterverbreitung
schenrechten und den Säulen Freiheit, Demokratie und Wohlstand. Und ich möchte diese Gelegenheit
ergreifen, um darzulegen, wie die internationale Staaund freie Märkte gegründete Gemeinschaft.
tengemeinschaft bei der Bewältigung dieser HerausDie Vereinten Nationen und insbesondere der Sicher- forderungen aus meiner Sicht zusammenarbeiten kann
heitsrat haben bereits sehr viel zur Erfüllung ihrer und wie die Vereinigten Staaten ihre Institutionen und
ursprünglichen Mission getan und diese globale Staa- Maßnahmen ändern, um diese Bestrebungen zu Förtengemeinschaft aufgebaut. Die Führungsrolle der dern.
Vereinten Nationen war entscheidend bei der Lösung
von Konflikten und Vermittlung von Frieden auf der Lassen Sie mich mit der Friedenssicherung beginnen.
gesamten Welt. Die Sicherung von Demokratie und Die Vereinten Nationen blicken auf eine lange und
Frieden in dem vor uns liegenden Jahrhundert wird herausragende Tradition der Friedenssicherung und
jedoch keine leichte Aufgabe sein. Der imperialisti- humanitären Hilfe zurück. Von Zypern und dem Libasche Kommunismus mag besiegt sein - die Herausfor- non bis zu Kambodscha und Kroatien sind die Blauhelderungen unseres Zeitalters sind damit jedoch nicht me zu einem Symbol der Hoffnung inmitten all dieser
beendet. Herausforderungen, die überwunden wer- Feindschaft geworden. Die Vereinten Nationen haben
den müssen, wenn wir endlich die Teilungen zwischen seit langem eine zentrale Rolle dabei gespielt, die
Ost und West, Nord und Süd beenden wollen, die Eskalation von Konflikten zu Kriegen zu verhindern,
Auseinandersetzungen, Belastungen, Konflikte und und verstärkte Kapazitäten zur Friedenssicherung
können diese diplomatischen Bestrebungen unterKrieg schüren.
mauern.
Während wir das historische Wachstum von Demokratieweltweit unterstützen, sehen sich die internationale So viel die Vereinten Nationen auch getan haben - sie
Staatengemeinschaft und die Vereinten Nationen beim können noch mehr tun. Die Friedensbewahrer werden
Eintritt ins 21. Jahrhundert mit drei entscheidenden, aufs Äußerste gefordert während der Bedarf an ihren
miteinander verflochtenen Herausforderungen kon- Diensten täglich steigt. Die Notwendigkeit von Überwachung und präventiver Friedenssicherung sowie
frontiert:
der Entsendung von Kräften vor dem Ausbruch von
Erstens stehen wir vor der politischen Herausforde- Kämpfen könnten sich in unsicheren Regionen als
rung, den Frieden von heute zu bewahren und die besonders kritisch erweisen. Dies gilt insbesondere
Kriege von morgen zu verhindern. Wie wir täglich in aufgrund der raschen und turbulenten VeränderunBosnien, Somalia und Kambodscha sehen, fordern gen, die Osteuropa und Eurasien weiterhin erschütüberall Konflikte unschuldige Menschenleben, war die tern.
Seite 2

AMERIKA DIENST 39

�In den Ländern, die einstmals hinter dem Eisernen
Vorhang gefangengehalten wurden, besinnen sich die
Menschen auf ihre historischen Identitäten, die in den
Katakomben des Kommunismus eingefroren waren.
Wodies in demokratischer Art und Weise mit Toleranz,
zivilisiert und Achtung der grundlegenden Menschrechte und Freiheiten stattfindet, ist dieser neue demokratische Nationalismus nur zum Guten.

Drittens: Darüber hinaus müssen wir angemessene
logistische Unterstützung für friedenssichemde und
humanitäre Operationen bereitstellen. Die Mitgliedstaaten sollten Bestände der zur Erfüllung der humanitären Nothilfe erforderlichen Ressourcen anlegen,
wie etwa für Hungersnöte, Überschwemmungen, bürgerkriegsähnliche Unruhen. Dies wird in Krisenzeiten
wertvolle Zeit sparen.

Bedauerlicherweise müssen wir jedoch nur auf die
blutigen Schlachten blicken, die an Orten wie dem
ehemaligen Jugoslawien wüten, um die Gefahren
ethnischer Gewalt zu sehen. Dies ist die größte
Bedrohung des demokratischen Friedens, den wir mit
Osteuropa, Rußland und Eurasien aufbauen wollen noch mehr als wirtschaftliche Entbehrungen.

Viertens: Wir werden Planungs-, Krisenmanagement
und nachrichtendienstliche Fähigkeiten zur Friedenserhaltung und für humanitäre Operationen entwickeln
müssen.

Wir unterstützen die Bestrebungen von NATO, KSZE
und WEU, der GUS und anderen kompetenten regionalen Organisationen bei der Entwicklung von Kapazitäten zur Friedenssicherung uneingeschränkt. Wir
sind jedoch davon überzeugt, daß erweiterte Fähigkeiten der UNO eine notwendige Ergänzung dieser regionalen Bemühungen darstellen, nicht nur in Europa und
Eurasien, sondern auf der ganzen Welt.
Ich begrü ße Generalsekretär Boutros-Ghalis Ruf nach
einer neuen Tagesordnung zur Stärkung der Fähigkeiten der Vereinten Nationen bei der Verhinderung,
Eindämmung und Lösung von Konflikten auf der ganzen Welt. Ich fordere alle Mitglieder auf, gemeinsam
kühne Schritte zu unternehmen, um diese Tagesordnung voranzubringen. Ich werde daher mit meinen
Kollegen den Nutzen einer Sondersitzung des UNSicherheitsrats zur Erörterung der Vorschläge des
Generalsekretärs und Erarbeitung konkreter Antworten in fünf Schlüsselbereichen sondieren.
Erstens: Durchgreifende Friedenssicherung erfordert
Personal und Gerät, das nur die Mitgliedstaaten bereitstellen können. Die Nationen sollten militärische Einheiten für mögliche Friedenssicherungsoperationen
und humanitäre Hilfe aufstellen und ausbilden. Diese
Kräfte müssen kurzfristig auf Antrag des Sicherheitsrats und natürlich mit Genehmigung der sie entsendenden Regierungen verfügbar sein.
Zweitens: Wenn multinationale Einheiten zusammenarbeiten sollen, müssen sie zusammen üben. Zahlreiche Nationen - beispielsweise Fiji, Norwegen, Kanada
und Finnland - blicken auf eine lange Tradition der
Friedenssicherung zurück. Wir alle können von diesen
Erfahrungen profitieren, während wir für erweiterte
Operationen ausbilden. Effektive multinationale Aktionen erfordern ferner koordinierte Führung und Interoperabilität von Gerät und Kommunikation. Multinationale Planung, Ausbildung und Manöver werden erforderlich sein. Diese Bestrebungen sollten mit den
regionalen Organisatoren abgestimmt werden.

AMERIKA DIENST 39

Und fünftens: Wir müssen die angemessene, gerecht
verteilte Finanzierung von Friedensmissionen der UNO
gewährleisten.
Wie ich bereits sagte, müssen wir unsere nationalen
Institutionen verändern, wenn wir unsere internationalen Beziehungen verändern wollen. Ich möchte Ihnen
deshalb versichern: Die Vereinigten Staaten sind
bereit, ihren Teil dazu beizutragen, den Weltfrieden
durch die Stärkung der internationalen Fähigkeiten zur
Friedensbewahrung zu stärken.
Jahrzehntelang haben die amerikanischen Streitkräfte
als stabilisierende Präsenz auf der ganzen Welt gedient. Und ich möchte mir unsere große Erfahrung
beim Gewinnen von Kriegen und bei der Friedensbewahrung zunutze machen, um die friedenssichernden
Bemühungen der Vereinten Nationen zu unterstützen.
Ich habe den amerikanischen Verteidigungsminister
angewiesen, der Friedenserhaltung einen neuen
Schwerpunkt zu verleihen. Aufgrund der wachsenden
Bedeutung der Friedenssicherung als Mission für die
amerikanischen Streitkräfte werden wirdie Ausbildung
von Kampf-, Pionier- und Logistikeinheiten für das
gesamte Spektrum von friedenserhaltenden und
humanitären Aktivitäten forcieren.
Darüber hinaus werden wir mit den Vereinten Nationen
zusammenarbeiten, um unsere beachtlichen Kapazitäten in den Bereichen Transport, Kommunikation und
Aufklärung zur Unterstützung von friedenserhaltenden Operationen einzusetzen. Ferner werden wir
unsere Kapazitäten für gemeinsame Simulationen und
Übungen anbieten, um unsere Fähigkeit zu stärken,
gemeinsame friedenssichernde Operationen durchzuführen. Dabei gibt es Raum für alle Länder, klein
oder groß, und ich hoffe, alle werden sich daran
beteiligen.
Den Mitgliedstaaten muß natürlich wie immerdie letzte
Entscheidung über den Einsatz ihrer Truppen vorbehalten bleiben. Wir müssen jedoch unsere Fähigkeit
entwickeln, friedensbewahrende Bemühungen zu
koordinieren, damit wir eine rasche Mobilisierung durchführen können, wenn eine Bedrohung für den Frieden
entsteht oder wenn Menschen in Not die Welt um Hilfe
bitten.
Seite 3

�Ich habe überdies die dauernde Einrichtung eines
Lehrgangs für Friedenserhaltung an den amerikanischen Militärakademien angeordnet. Der Ausbildung
kommt offenkundig eine Schlüsselfunktion zu. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, ihre Stützpunkte und
Einrichtungen für multinationale Ausbildung und Manöver zur Verfügung zu stellen. Einer dieser Stützpunkte, der hier in der Nähe liegt und solche Einrichtu ngen hat, ist Fort Dix. Amerika hat diese Stützpu nkte
benutzt, um den Kalten Krieg zu gewinnen. Heute
können sie nach der Beendigung des Kalten Krieges
zum Aufbau eines dauerhaften Friedens beitragen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihr militärisches
Wissen den Vereinten Nationen zur Verfügung zu
stellen, um den Vereinten Nationen bei der Stärkung
ihrer Planung und friedenserhaltenden Operationen zu
helfen. Darüber hinaus werden wir die amerikanische
Unterstützung für die Überwachung, Verifizierung,
Aufklärung und andere Erfordernisse von Friedensmissionen oder humanitären Hilfsoperationen der UNO
ausbauen.

Ferner fordere ich die unbegrenzte Verlängerung des
Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen
bei dessen Überprüfungskonferenz im Jahr 1995. Wir
müssen Wege sondieren, mit denen wir die Verbindungen zwischen diesen Lieferantenklubs, der Gruppe
nuklearer Lieferländer, der Australiengruppe und dem
Regime zur Kontrolle von Raketentechnologie sowie
Sonderbehörden der Vereinten Nationen stärken
können. Hier möchte ich die produktiven Bemühungen
von UNSCOM bei der Demontage der irakischen
Massenvernichtungswaffen sowie die anhaltend gute
Arbeit der Internationalen Atomenergieorganisation
hervorheben.
Aber während sich die UN-Organisationen anpassen,
um der Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten, muß
auch jedes Mitgliedsland seine Strukturen verändern,
um unsere Ziele der Nichtverbreitung zu fördern.

In diesem Geist möchte ich heute meine Absicht
bekanntgeben, in Zusammenarbeit mit dem Kongreß
den Schwerpunkt des US-Amts für Rüstungskontrolle
und Abrüstung, das einigen von Ihnen unter dem
Schließlich werden die Vereinigten Staaten auch prü- Kürzel ACDA bekannt ist, darauf zu verlagern, technifen, wie wir die Friedensbewahrung finanzieren kön- sche Unterstützung für die Nichtverbreitung, Überwanen und neue Wege sondieren, um die angemessene chung und Zerstörung von Waffen sowie die weltweite
finanzielle Unterstützung von Friedensmissionen und Konversion der Rüstungsindustrie zur Verfügung zu
humanitären Aktivitäten der UNO durch die Vereinig- stellen.
ten Staaten zu gewährleisten. Ich bin der Überzeugung, daß wir überdenken müssen, wie wir unsere Unter Leitung des Außenministers sollte das ACDA
Sicherheit in dieser neuen Ära gewährleisten und dafür nicht nur für die Vollendung des traditionellen Rüstungskontrollprogramms eingesetzt werden, sondern
bezahlen.
auch - was ebenso wichtig ist - für die Bereitstellung
Das Ende des Kalten Krieges mag zwar dem nuklea- technischer Hilfe im Rahmen unseres neuen Sicherren Wettrüsten zwischen den Supermächten ein Ende heitsprogramms.
bereitet haben, aber der regionale Wettlauf und Massenvernichtungswaffen bleiben bestehen. Über 20 Aber auch wenn wir uns um die Verhinderung der
Länder besitzen oder entwickeln nukleare, chemische Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bemüoder biologische Waffen und deren Trägersysteme. hen, müssen wir realistisch sein und uns gegen die
Zu einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten und ihre Weiterverbreitung schützen, die bereits stattgefunden
ehemaligen Gegner ihre nuklearen Arsenale in histori- hat. Deshalb arbeiten wir auf ein kooperatives Verteischem Ausmaß reduzieren, werden unsere Kinder digungssystem gegen begrenzte ballistische Angriffe
und Kindeskinder uns niemals verzeihen, wenn wir die hin. Wir beabsichtigen ohne Wenn und Aber, andere
Entwicklung neuer und instabiler nuklearer Konfronta- Nationen an diesem weltweiten Verteidigungssystem
teilhaben zu lassen.
tionen auf der ganzen Welt zulassen.
Wir gehen davon aus, daß der Sicherheitsrat ein
Hauptforum fürdie Durchsetzung der Nichtverbreitung
werden sollte. Der Sicherheitsrat sollte seine Absicht
verdeutlichen, der Verbreitung Einhalt zu gebieten und
gegen Weiterverbreiter Sanktionen zu verhängen. Zur
Bekräftigung von Zusicherungen, die bei der Aushandlung des Vertrages über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen (NPT) gemacht wurden, habe ich vorgeschlagen, der Sicherheitsrat solle den Nichtkernwaffenstaaten versichern, daß er unverzügliche Maßnahmen anstrebt, um im Einklang mit der Charta allen
Nichtkernwaffenstaaten, die Vertragspartei beim NPT
und Opfer eines Aktes der Aggression sind oder von
einer Aggression mit Kernwaffen bedroht werden,
Beistand zu gewähren.
Seite 4

Obwohl erweiterte Friedenserhaltungsfähigkeiten und
verbesserte Bemühungen zur Nichtverbreitung fürden
Aufbau eines dauerhaften Friedens entscheidend sein
werden, ist gemeinsames Wirtschaftswachstum die
langfristige Grundlage für eine bessere Zukunft bis
weit ins nächste Jahrhundert. Aus diesem Grund habe
ich gestern in einem Moment internationaler Ungewißheit erklärt, daß sich die Vereinigten Staaten mit ihren
weltweiten Partnern am Aufbau einer globalen Wirtschafts-, Finanz- und Handelsstruktur für dieses neue
Zeitalter beteiligen werden. Gleichzeitig fordere ich
dazu auf, daß uns unsere weltweiten Pflichten dazu
veranlassen, Wege zu prüfen, um den Koordinierungsprozeß der G-7 zu stärken. Ich habe ferner die
Unterstützung der Vereinigten Staaten fürdie europäi-

AMERIKA DIENST 39

�sehe Integration bekräftigt, die Märkte öffnet und die ten zu verlagern, die selbst einen Beitrag zu einer
Fähigkeit Europas verbessert, unser Partner bei den gesunden, wachsenden Weltwirtschaft leisten köngroßen Herausforderungen dieses neuen Zeitalters zu nen.
sein.
Das bedeutet, daß unser neuer Schwerpunkt der
Obwohl die exakte Form dieser Integration natürlich Aufbau einer wirtschaftlichen Partnerschaft zwischen
Sache der Europäer ist, werden wir ihnen zur Seite unseren Privatsektoren sein sollte, die Wohlstand im
stehen. Wirtschaftswachstum ist kein Nullsummen- In- und Ausland hervorbringen wird. In Zusammenarprozeß. Wir alle werden von der Ausdehnung von beit mit dem Kongreß werde ich eine vollständige
Handel und Investitionen profitieren, die mit einer Umstrukturierung unserer Institutionen vorschlagen,
die Auslandshilfe planen und durchführen. Damit wird
florierenden wachsenden Weltwirtschaft einhergeht.
die Bürokratie drastisch abgebaut, die im Umfeld staatUm ferner sicherzustellen, daß die Vorteile dieses licher Programme entstanden ist, unsere Systeme zur
Wachstums von Dauer sind und von allen geteilt Bereitstellung der Hilfe werden gestrafft und die Unterwerden, sollte fairerund offener Wettbewerbder Treib- stützung für Entwicklung des Privatsektors und Wirtstoff der weltweiten Wirtschaftslokomotive sein. Aus schaftsreformen verstärkt.
diesem Grund möchten die Vereinigten Staaten die
Uruguay-Runde im Rahmen des GATT so rasch wie Das Amt für Internationale Entwicklung (AID), eine
möglich abschließen und ein Netz von Freihandelsab- weitere während des Kalten Krieges entstandene
kommen schaffen, das mit dem Nordamerikanischen Institution, bedarf einer grundsätzlichen und radikalen
Freihandelsabkommen beginnt. Gleichzeitig müssen Umstrukturierung. Förderung der wirtschaftlichen
wir erkennen, daß wir gemeinsam Verantwortung dafür Sicherheit, wirtschaftlicher Chancen und der Wettbetragen, die marktwirtschaftlichen Reformen zu fördern werbsfähigkeit wird eine vorrangige Aufgabe des
und unterstützen, die für den Aufbau wachsender Außenministeriums werden.
Volkswirtschaften und lebendiger Demokratien in den
Entwicklungsländern und in den neuen Demokratien Unsere Hilfsbemühungen sollten keine Almosen sein.
erforderlich sind. Dies sollte durch Förderung des Im Gegenteil, sie sollten allseitigen Wohlstand fördern.
Privatsektors beim Aufbau dieser neuen Volkswirt- Deshalb werde ich vorschlagen, unter Einsatz besteschaften erfolgen, nicht durch Unterstützung der hender Mittel des Außenministeriums einen mit 1 MilAbhängigkeiten der traditionellen Hilfe von Regierung liarde Dollar ausgestatteten Wachstumsfonds einzurichten. Der Fonds wird Beihilfen und Kredite gewähzu Regierung.
ren, um amerikanische Unternehmen bei der BereitSeit dem Zweiten Weltkrieg hat Auslandshilfe oft als stellung von Fachwissen, Waren und Dienstleistungen
Waffe im Kalten Krieg gedient. Zweifellos werden wir zu unterstützen, die dringend in den Ländern benötigt
weiterhin entscheidende Mittel der Auslandshilfe be- werden, die eine wirtschaftliche Umstrukturierung
nutzen, um legitime Sicherheitsbedürfnisse zu erfül- durchführen.
len. Und wie unsere humanitären Operationen in
Somalia und im Nordirak, Bosnien und der ehemaligen Darüber hinaus werde ich eine erhebliche Steigerung
Sowjetunion belegen, werden wir weiterhin unsere der Programme der Export-Import-Bank unterstützen,
nachhaltigen Bemühungen für humanitäre Hilfe fort- um zu gewährleisten, daß amerikanische Produkte
setzen, um denjenigen beizustehen, die unter vom und Technik Investitionen für weltweites WirtschaftsMenschen verursachten und Naturkatastrophen lei- wachstum fördern. Die Vereinigten Staaten werden
mit ihren Partnern weltweit, insbesondere den G-7den.
Staaten, dafür eintreten, das Wachstum der WeltwirtAber die Auslandshilfe wie wir sie kennen bedarf der schaft an diesem Wendepunkt der Weltgeschichte zu
Umgestaltung. Die Vorstellung von der milden Gabe verstärken, da ein Zeitalter zu Ende geht und wir am
an weniger entwickelte Länder muß der Zusammenar- Beginn eines neuen stehen. Keiner von uns kann sich
beit in allseits produktiven Wirtschaftsbeziehungen eine isolierte Politik leisten. Jeder von uns muß durch
weichen. Wir wiesen, daß das Wirtschaftswachstum besser koordinierte Maßnahmen dazu beitragen, eine
eines Landes umso höher ist, je stärker es auf die stärkere Weltwirtschaft aufzubauen.
Privatwirtschaft vertraut. Je offener es für Handel ist,
desto höher ist seine Wachstumsrate. Und je besser Meine Damen und Herren, ich bin mir der Tatsache
das Investitionsklima in einem Land, desto höher sein bewußt, daß ich heute eine ehrgeizige Tagesordnung
skizziert habe. Aber wir leben in bemerkenswerten
Wachstum.
Zeiten - Zeiten, in denen Imperien zusammenbrechen,
Um von der Hilfe, die ich als "Abhängigkeit von Hilfe" Ideologien sich auflösen und Mauern zerbröckeln,
bezeichnen würde, zu einer wirtschaftlichen Partner- Zeiten, in denen Veränderungen so rasch erfolgen
schaft überzugehen, schlage ich vor, den Schwer- können, daß wir bisweilen vergessen, wie weit und wie
punkt der amerikanischen Hilfsprogramme grundsätz- schnell wir bei der Verwirklichung unserer Hoffnungen
lich zum Aufbau starker, unabhängiger Volkswirtschaf- auf eine Weltgemeinschaft demokratischer Nationen
fortgeschritten sind.
AMERIKA DIENST 39

Seite 5

�Und angesichts der heutigen Veränderungen mit dem
Verlust so vieler vertrauter und berechenbarer Parameter besteht für Menschen überall eine große Versuchung, Nabelschau zu betreiben und Mauern um sich
herum aufzubauen. Mauern gegen den Handel, Mauern
gegen Menschen, Mauern gegen Ideen und Investitionen, Mauern gegen alles, was neu und anders zu sein
scheint.
Wie die Berliner Mauer fiel, müssen auch diese Mauern fallen. Sie müssen fallen, weil wir unser Schicksal
nicht von dem der anderen trennen können. Unser
Frieden ist so miteinander verbunden, unsere Sicherheit so stark verflochten, unser Wohlstand so vonein-

ander abhängig, daß eine Wendung nach innen und
eine Abkehr von der Welt eine Katastrophe und eine
Niederlage heraufbeschwören würden. An der Schwelle eines neuen Jahrhunderts können wir wahrhaft
feststellen, daß uns eine friedlichere, sicherere, wohlhabendere Zukunft winkt. Und um unserer Kinder und
Enkel willen und um derjenigen willen, die im Kalten
Krieg ihr Leben ließen und um all der Männer, Frauen
und Kinder willen, die die Flamme der Freiheit selbst in
den dunkelsten Stunden am Leben erhielten, sollten
wir uns alle verpflichten, diese Zukunft Wirklichkeit
werdenzu lassen. Und wir sollten uns verpflichten,das
Versprechen auf wahrhaft Vereinte Nationen zu erfüllen.

* * * *

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AMERIKA DIENST 39

�USA - D E U T S C H L A N D
30. September 1992

NEUES OPEL-WERK IN EISENACH ERÖFFNET
Botschafter Kimmitt überbringt Botschaft von Präsident Bush
EISEN ACH - (AD) - In einer kurzen Ansprache anläßlich der Eröffnung des neuen Automobilwerks der Opel AG.
in Eisenach übermittelte der amerikanische Botschafter Robert M. Kimmitt am 23. September 1992 der
Bevölkerung des Bundeslandes Thüringen eine Botschaft von Präsident Bush, in der die kontinuierliche
Unterstützung der Vereinigten Staaten für die Vereinigung Deutschlands und das Engagement amerikanischer
Unternehmen wie der Opel-Muttergesellschaft General Motors für den Wiederaufbau Ostdeutschlands unterstrichen wird. Nachfolgend veröffentlichen wir die kurze Ansprache von Botschafter Kimmitt mit der Botschaft
des Präsidenten im Wortlaut.
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
meine Herren Smith, Hughes und Herman,
meine sehr verehrten Gäste,

Gewiß sind Amerikaner und Deutsche schon gemeinsam an diesem Werk beteiligt, und dies gilt nicht nur
hier in Eisenach, sondern überall in den fünf neuen
Bundesländern. Über 150 amerikanische Firmen sind
bereits in den neuen Ländern tätig. Ihre Investitionen
übersteigen drei Milliarden D-Mark, und sie beschäftigen über 30.000 Menschen.

es ist mir eine große Freude, heute bei Ihnen sein zu Keine amerikanische Investition ist jedoch eindruckskönnen. Präsident Bush hat mich gebeten, die folgen- voller als diese hier. Auf dem von immer schärferem
Wettbewerb gekennzeichneten Weltmarkt müssen
de Botschaft zu verlesen:
erfolgreiche Unternehmen sowohl im Inland als auch
"An die Bürger des Bundeslandes Thüringen:
im Ausland stark sein. Ich habe keinen Zweifel daran,
daß die zukunftsorientierte Strategie von General Motors
In den historischen Jahren 1989 und 1990 haben in Deutschland einen großen Beitrag zur Stärke und
die Amerikaner mit besonderem Stolz den Pro- zum Erfolg des Unternehmens in den Vereinigten
zeß, der zur Vereinigung Deutschlands führte, Staaten und weltweit leisten wird.
unterstützt. Dieser Prozeß dauert heute noch
an, und Amerika möchte weiterhin seinen Teil Die Investition von General Motors an diesem Ort ist
dazu beitragen. Im vergangenen Jahr hat Jim darüber hinaus ein Vorzeichen für das weitere EngaBaker in Berlin unser Engagement bekräftigt, gement der amerikanischen Wirtschaft in den fünf
indem erfeststellte: 'Ich zweifle nicht daran, daß neuen Bundesländern. Allein in den letzten beiden
dieser Teil Deutschlands in nicht allzu ferner Wochen haben wir die Vorstandsvorsitzenden von
Zukunft eines der wirtschaftlichen Zugpferde Kodak, Pitney-Bowes und der Eaton Corporation in
Europas sein wird. An dem Tag, so glaube ich, diesem Teil Deutschlands begrü ßt. Sie alle sind in den
werden Amerikaner und Deutsche gemeinsam neuen Bundesländern geschäftlich tätig, und sie alle
an diesem Werk beteiligt sein.' Heute ist diese möchten ihre Aktivitäten hier weiter verstärken. PitErklärung Wirklichkeit geworden. Mit Stolz und ney-Bowes hat sogar seine jährliche Vorstandssitzung
Vertrauen in unsere gemeinsame Zukunft sen- gerade deshalb im Ostteil Berlins veranstaltet, weil
de ich Ihnen deshalb heute die besten Wünsche man sich persönlich aus erster Hand über die hier
des amerikanischen Volkes zu diesem beson- bestehenden Chancen informieren wollte.
deren Anlaß.
Bei Chancengleichheit im Wettbewerb um InvestitioUnterzeichnet: George Bush, Präsident der nen in den neuen Ländern bin ich zuversichtlich, daß
Vereinigten Staaten von Amerika."
zahlreiche weitere amerikanische Unternehmen einen
Beitrag zur Renaissance in diesem Teil Deutschlands

AMERIKA DIENST 39

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�leisten werden. Wir sind besonders an Investitionen in
den Sektoren Energie und Telekommunikation interessiert, in denen amerikanische Firmen bereits Vorschläge für Gesamtinvestitionen von über 1 Milliarde
D-Mark unterbreitet haben.

intensivieren. Darüber hinaus müssen wir erkennen,
daß Sicherheit und politische Fragen zwar wichtig
bleiben werden, jedoch die wirtschaftlichen und kulturellen Bindungen zwischen unseren beiden Ländern die hier am heutigen Tage so wunderbar zum Ausdruck kommen - mit jedem verstreichenden Jahr an
Meine Damen und Herren, dieser dramatische Anstieg Bedeutung gewinnen.
der amerikanischen Investitionstätigkeit in den neuen
Bundesländern ist ebenfalls ein Zeichen für unsere Ich beglückwünsche erneut die Opel-Werke von General
Zukunft. Die Umgestaltung der deutsch-amerikani- Motors und die Menschen von Eisenach und Thürinschen Beziehungen zu der heutigen engen Partner- gen. Ihre neue Partnerschaft hier, dessen bin ich
schaft ist eine der größten Erfolgsgeschichten unseres sicher, wird gut für die Wirtschaft sein. Aber ich bin
Zeitalters. Wir können zwar aus unserem vergange- noch zuversichtlicher, daß sie auch die Bindungen
nen Erfolg Stärke schöpfen, müssen aber die Notwen- zwischen unseren beiden Ländern und Völkern verdigkeit erkennen, unsere Bemühungen in Zukunft zu stärken wird. Ich danke Ihnen.
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AMERIKA DIENST 39

�WAHLEN

'92
30. September 1992

BUSH SCHLÄGT ÜBERRASCHEND
VIER DEBATTEN VOR
Neuer Schachzug des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 29. dent forderte Clinton auf, seine Wahlkampfhelfer zu
September 1992 seinen demokratischen Gegenkandi- veranlassen, die Kommission zu umgehen und "unverdaten für das Präsidentenamt, den Gouverneur von züglich mit meinen Wahlkampfmitarbeitern zusamArkansas Bill Clinton, zu vier Fernsehdebatten über menzutreffen, um die Einzelheiten unmittelbar zwidie Zukunft der Vereinigten Staaten herausgefordert. schen den Parteien auszuarbeiten. Laßt uns zur
Sache kommen", erklärte Bush.
Nach wochenlangen Diskussionen über die Form der
Debatten benutzte der Präsident eine abendliche Präsidentschaftsdebatten wurden seit den KonfrontaWahlversammlung in Clarksville (Tennessee) zur tionen zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon
im Jahr 1960 im Fernsehen übertragen. Bei diesen
Verkündung dieses überraschenden Schachzugs.
Begegnungen traten die Gefahren und Vorzüge sol"Worüber werden wir in diesen Debatten sprechen?", cher Debatten klar zutage. Keiner der beiden Kandidafragte Bush. "Eine simple Frage - was für ein Amerika ten wurde als Gewinner bei den Sachfragen betrachwir möchten."
tet. Aber die zuversichtliche und ruhige Art des damaligen Senators Kennedy sowie das sichtbare SchwitEr forderte Clinton auf, seine "Herausforderung für zen und die fahle Hautfarbe (die durch zu dickes
eine Debatte an jedem Sonntag vom 11. Oktober bis Makeup verursacht wurde) von Vizepräsident Richard
zum 1. November" anzunehmen. "Dies würde bedeu- Nixon veranlaßten viele Zuschauer zu der Ansicht, der
ten, daß es vier im Fernsehen übertragene Debatten demokratische Herausforderer habe besser abgeschnitder Präsidentschaftskandidaten geben würde, mehr ten. Kennedy gewan schließlich das Kopf-an-Kopfals je zuvor in einem Präsidentschaftswahlkampf."
Rennen.
Die überparteiliche Kommission zu den PräsidentBush erklärte, er werde die Teilnahme Ross Perots bei
schaftsdebatten hatte drei Debatten vor der Wahl am
den Sonntagsdebatten begrüßen, falls sich der Milliar3. November vorgeschlagen, war jedoch gezwungen,
där aus Texas wie erwartet zu einem Sinneswandel
zwei davon abzusagen, weil der Präsident die von der
entschließen und sich am Wettstreit um das Weiße
Kommission vorgesehene Form ablehnte. Infolge der
Haus beteiligen sollte.
wertverbreiteten Kritik an der Form früherer Debatten
hatte die Kommission direkte Diskussionen zwischen Femer sollte es Bush zufolge zwei Debatten - eine in
den Kandidaten mit nur einem Moderator vorgeschla- jedem Format - zwischen Vizepräsident Quayle und
gen, der die Debatten leiten sollte. In früheren Jahren seinem demokratischen Gegner, dem Senator aus
hatten die Kandidaten abwechselnd Fragen von einer Tennessee AI Gore geben.
Gruppe von vier Journalisten beantwortet. Clinton
hatte den Vorschlag der Kommission angenommen Bush erklärte, seiner Auffassung nach sei es für die
und weigerte sich, mit Bushs Wahlkampfteam über amerikanischen Wähler lebenswichtig, "eine Möglichalternative Formen zu verhandeln.
keit zu haben, die Kandidaten selbst in öffentlichen
Fernsehdebatten zu sehen und zu hören. Darüber
Bush schlug vor, zwei der vorgeschlagenen vier De- hinaus glaube ich, daß die Kandidaten keine Angst
batten mit nur einem Moderator zu veranstalten und haben sollten, während der Präsidentschaftsdebatten
zwei in der von ihm so bezeichneten "traditionellen" Fragen zu akzeptieren und beantworten."
Form mit Fragen von mehreren Reportern. Der Präsi* * * * *

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�JUGOSLAWIEN
30. September 1992

USA: AUSSCHLUSS BELGRADS DURCH
UN-GENERALVERSAMMLUNG "ANGEMESSEN"
Erklärung von Botschafter Perkins
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter Edward Perkins erklärte am 22. September
1992, daß der Ausschluß Belgrads durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen "nur die Realitäten
der Lage im ehemaligen Jugoslawien widerspiegelt" und keineswegs überraschend kam.
Mit 127 zu 6 Stimmen bei 26 Enthaltungen schloß die Generalversammlung Serbien und Montenegro, bekannt
als Föderative Republik Jugoslawien, aus der Generalversammlung aus und verfügte, daß Belgrad einen Antrag
auf UN-Mitgliedschaft stellen muß.
Mit der Auflösung der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien "bildet keine der ehemaligen Republiken so eindeutig einen überwiegenden Teil des ursprünglichen Staates, um als Nachfolger dieses Staates
behandelt zu werden. Aus diesem Grund hat meine Regierung stets eindeutig klargestellt, daß wir den Anspruch
von Serbien-Montenegro auf den Sitz des ehemaligen Jugoslawiens nicht anerkennen können", erklärte Perkins
bei einer Pressekonferenz.
"Unseres Erachtens ist dieses Vorgehen des Sicherheitsrats und der Generalversammlung die angemessene
Reaktion auf diese außergewöhnliche Situation", stellte der Botschafter fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut von Perkins Erklärung.
Heute abend hat die Generalversammlung die außer- Nationen bei der Entscheidung von Fragen der Mitgewöhnlichen Konsequenzen einerdergroßen Tragö- gliedschaft im Zusammenhang mit der Auflösung von
dien unserer Zeit angesprochen. Der Konflikt auf dem Staaten. Diesen Prinzipien zufolge wird die juristische
Territorium des ehemaligen Jugoslawiens gefährdet Person des ehemaligen Staates als erloschen angeseunser aller Sicherheit, weil er die von uns angestrebte hen, und kein Staat hat das Recht auf Fortsetzung der
demokratische und friedliche Ordnung gefährdet. Wir Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen, wenn keine
können kein wichtigeres Ziel verfolgen, als die Erlan- der ehemaligen Republiken so eindeutig einen übergung von Frieden. Wir unterstützen alle praktischen wiegenden Teil des ursprünglichen Staates bildet, um
Bemühungen, um Frieden auf dem Territorium des fairerweise als Nachfolger dieses Staates angesehen
ehemaligen Jugoslawiens herbeizuführen. In diesem zu werden.
Zusammenhang begrüßen wir die Bestrebungen von
Premierminister Panic um eine friedliche Lösung der Vor ihrer Auflösung war die Sozialistische Föderative
Krise. Wir unterstützen diese Maßnahmen und wer- Republik Jugoslawien eine der dezentralisiertesten
den die Situation genau überwachen. Wir werden Nationen der Welt. Seitdem wurde unter den ehemajeden konstruktiven Versuch zu einer friedlichen poli- ligen jugoslawischen Republiken keine Einigung über
den Sitz des ehemaligen Jugoslawiens in den Vereintischen Lösung im ehemaligen Jugoslawien fördern.
ten Nationen erzielt. Entsprechend bildet keine der
Im Hinblick auf die Vermittlung von Frieden möchten ehemaligen Republiken so eindeutig einen überwiewir betonen, daß die heute von der Generalversamm- genden Teil des ursprünglichen Staates, um als Nachlung ergriffene Maßnahme nur die Realitäten der Lage folger dieses Staates behandelt zu werden. Aus
im ehemaligen Jugoslawien widerspiegelt. Obwohl diesem Grund hat meine Regierung stets eindeutig
dieses Vorgehen einmalig ist, kam es keineswegs klargestellt, daß wir den Anspruch von Serbien-Montevöllig überraschend. Vor 45 Jahren formulierte der negro auf den Sitz des ehemaligen Jugoslawiens nicht
Sechste Ausschuß (Rechtsausschuß) der Vereinten anerkennen können. Unseres Erachtens ist dieses
Nationen Prinzipien als Richtlinien für die Vereinten Vorgehen des Sicherheitsrats und der GeneralverAMERIKA DIENST 39

Seite 1

�Sammlung die angemessene Reaktion auf diese außergewöhnliche Situation.

seine Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen daher
ausgelaufen ist.

Die Charta der Vereinten Nationen sieht kein bestimmtes Verfahren für die Ablehnung des Anspruchs des
Restes eines ehemaligen Staates vor, die Mitgliedschaft dieses Staates zu erben. Das heutige Vorgehen
bestätigt jedoch, daß diese Frage - wie andere Fragen
der Mitgliedschaft - von der Generalversammlung auf
Empfehlung des Sicherheitsrats entschieden werden
sollte. Andere Gremien im UN-System sollten jetzt der
Entscheidung der Generalversammlung folgen und
unverzüglich handeln, um sicherzustellen, daß Serbien-Montenegro den Sitz des ehemaligen Jugoslawiens nicht länger behält.

Da der Rat und die Generalversammlung bestätigt
haben, daß Serbien-Montenegro nicht die Fortsetzung
der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien
ist, folgt automatisch, daß Serbien-Montenegro einen
Antrag auf Mitgliedschaft stellen muß, ebenso wie es
die anderen ehemaligen jugoslawischen Republiken
getan haben, wenn es Mitglied der Vereinten Nationen
sein will.

Wenn Serbien-Montenegro einen Antrag stellt, wird es
anhand derselben Kriterien beurteilt wie alle neuen
Staaten. Wie alle Bewerber wird Serbien-Montenegro
beweisen müssen, daß es bereit und willens ist, die
Die vom Sicherheitsrat am Wochenende verabschie- Verpflichtungen der UN-Charta zu erfüllen, einschließdete Resolution 777 (1992) erkennt an, daß das ehe- lich der Verpflichtung zur Einhaltung von bindenden
malige Jugoslawien aufgehört hat zu existieren. Auf Resolutionen des Sicherheitsrats. Wir hoffen, daß der
Empfehlung des Rats lehnt die heutige Resolution der Wunsch Serbien-Montenegros nach Mitgliedschaft in
Generalversammlung den Anspruch von Serbien- den Vereinten Nationen als starker Anreiz für dieses
Montenegro ab, die Mitgliedschaft des ehemaligen Land dient, diese Verpflichtungen zu wahren. Bis zum
Jugoslawiens fortzusetzen. Hierbei handelt es sich Zeitpunkt des Antrags und bis Serbien-Montenegro
nicht um die Aussetzung der Mitgliedschaft, wie einige offiziell aufgenommen wird, kann dieses Land wie
behaupten könnten. Im Anschluß an die Maßnahmen jedes andere Land, das nicht Mitglied der Vereinten
des Sicherheitsrats hat die Generalversammlung viel- Nationen ist, sich nicht an der Arbeit der Generalvermehr schlicht und einfach entschieden, daß das ehe- sammlung oder ihrer Ausschüsse beteiligen, es sei
malige Jugoslawien aufgehört hat zu existieren und denn, es wird ausdrücklich dazu eingeladen.

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AMERIKA DIENST 39

�KSZE
30. September 1992

USA: SICHERHEITSFORUM WIRD
AGGRESSIONSRISIKO VERRINGERN
Amerikanische Erklärung bei Eröffnung des Sicherheitsforums
WIEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Erklärung im Wortlaut, die vom amerikanischen Vertreter
beim KSZE-Forum für Sicherheitszusammenarbeit, Botschafter Lynn M. Hanson, beider Eröffnungssitzung des
Forums am 22. September 1992 in Wien abgegeben wurde.
Heute nehmen die Teilnehmerstaaten der KSZE ein
ehrgeiziges und ehrenwertes Vorhaben auf, durch
das sie versuchen, ihr Streben nach Verwirklichung
der im Namen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zum Ausdruck kommenden
Ziele zu untermauern: Zusammenarbeit bei Angelegenheiten, die ihre gemeinsame Sicherheit betreffen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind erfreut
darüber, an diesem historischen Anlaß teilzunehmen.
Das Forum für Sicherheitszusammenarbeit, das wir
soeben eröffnet haben, führt sein Mandat direkt auf
die Schlußakte von 1975 zurück. Dort haben die
teilnehmenden Staaten einer sehr jungen KSZE
anerkannt, daß ihre Sicherheit unteilbar ist und sind
eine feierliche Verpflichtung eingegangen, zur Förderung des Friedens und der Stabilität in ganz Europa
zusammenzuarbeiten. In den letzten Jahrzehnten
des Kalten Krieges haben wir, die Mitglieder der
KSZE, uns in Helsinki und in Genf, in Belgrad und in
Madrid, in Stockholm und hier in Wien darum bemüht,
dieses Versprechen einzulösen.
Unsere Bemühungen wurden von unvorstellbarem
Erfolg gekrönt. Der Kalte Krieg ist nun ein Kapitel im
Buch der Geschichte. Mit seinem Ende hat die
Aussicht auf Freiheit Millionen mit neuer Hoffnung für
die Zukunft erfüllt. Die nukleare Bedrohung hat abgenommen, und die Konfrontation zwischen den Blökken wurde vom Fundament einer neuen Sicherheitsarchitektur für Europa abgelöst. Es ist nun unsere
Aufgabe als Teilnehmer an diesem Forum für Sicherheitszusammenarbeit, auf diesem Fundament eine
solide und dauerhafte Struktur zu bauen.
Es ist jedoch eine schreckliche Ironie, die niemandem
in diesem Saal entgangen sein wird, daß dieses der
europäischen Sicherheit gewidmete Forum seine Arbeit
vor dem Hintergrund des tödlichsten und zerstöreAMERIKA DIENST 39

rischsten Konflikts aufnimmt, den Europa im letzten
halben Jahrhundert erlebt hat. Dies sind die negativeren Aspekte des neuen Europas: Freiheit ohne
Demokratie, Stärke ohne Zurückhaltung. Das Potential für lokale Konflikte, die aus ethnische Haß und
intolerantem Nationalismus entstehen, stellt heute die
größte realistische Bedrohung der kollektiven Sicherheit Europas dar.
Die Charta von Paris sowie das Dokument von Helsinki von 1992 haben anerkannt, daß die KSZE sowohl
die Mittel schaffen mu ß, um die Wurzel von Konflikten
bloßzulegen als auch ihre Mechanismen für die Beilegung von Konflikten stärken muß. Das Forum für
Sicherheitszusammenarbeit muß auch hier eine wichtige Rolle spielen. Diese Institution der KSZE hat ein
Mandat, um Konfliktrisiken durch Überwachung und
Regulierung der Mittel zu reduzieren, mit denen die
Staaten Aggressionen begehen könnten: insbesondere militärische Aktivitäten sowie die Streitkräfte und
Rüstungen selbst. Bei der Verfolgung dieses Ziels
berücksichtigen wir, daß der KSE-Vertrag ein Eckpfeiler des Fundaments der europäischen Sicherheit
ist. Die peinlich genaue Einhaltung seiner Bestimmungen und Ziele ist nach Ansicht der Vereinigten
Staaten eine Voraussetzung für den Erfolg unserer
Arbeit hier.
Die Maßnahmen, die wir durch Verhandlungen in
diesem Forum erreichen möchten, zielen letztlich auf
die Reduzierung des Konfliktpotentials ab. Die Transparenz und verstärkten Kontakte, die wir hier fördern, werden - so hoffen wir - die Berechenbarkeit
erhöhen und dazu beitragen, das Mißtrauen und die
Fehleinschätzungen zu überwinden, die Konflikte hervorbringen und schüren können. Unter den heutigen
Umständen sind diese Ziele schwerlich abstrakte
Konzepte. Ihre Verwirklichung kann unmittelbare
positive Auswirkungen auf Menschenleben haben.
Seite 1

�Die Delegation der Vereinigten Staaten ist bereit, eine
aktive und konstruktive Rolle bei der Bewältigung der
vor uns liegenden Herausforderungen zu spielen. Wir
sehen der Zusammenarbeit mit allen Delegationen bei
der Verwirklichung der im Mandat des Forums enthaltenen gemeinsamen Ziele erwartungsvoll entgegen.

Insbesondere reichen wir jenen neuen unabhängigen
Staaten die Hand, die zum ersten Mal an einem
multilateralen Sicherheitsforum teilnehmen. Meine
Delegation steht bereit, um unsere Erfahrungen und
Ressourcen in der Hoffnung zu teilen, daß wir Ihre
Akklimatisierung bei diesem großen Vorhaben erleichtem können.

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AMERIKA DIENST 39

�KSZE
30. September 1992

DIE KSZE 1992:
DIE HERAUSFORDERUNGEN DES WANDELS
Vortrag von John Kornblum
KNOKKE-HEIST - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Vortrag von Botschafter John C. Kornblum, dem
Vertreter der Vereinigten Staaten bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE)
anläßlich der 8. Jahreskonferenz der Direktoren der Institute für Strategische Studien am 24. September 1992
im Wortlaut.
Es bedurfte nicht der Ergebnisse des französischen
Referendums um zu verdeutlichen, daß die in Europa
stattfindenden Veränderungen grundlegender sind als
viele zunächst geglaubt hatten. Wir befinden uns
inmitten eines historischen Umbruchs, der nicht weniger bedeutend ist als im Jahr 1914 und 1815. Die
westlichen Gesellschaften werden ebenso anfällig für
Unsicherheit wie die neuen Demokratien im Osten.

Eine Welt, die sich an die vorsichtige Handhabung der
Weltpolitik durch Supermächte und ihre jeweiligen
Bündnisse gewöhnt hat, neigt eher dazu, von anhaltenden Konflikten tiefgreifend erschüttert zu werden.
Ein Europa, daß durch die Annahme selbstgefällig
wurde, es habe den Kreislauf von Konflikten und
Auseinandersetzungen durchbrochen, wird genötigt
sein, die Gründe der neuen Ausbrüche von Gewalt
zwischen seinen Völkern zu begreifen.

Es ist wahrscheinlich, daß in den kommenden fünf bis
zehn Jahren eine Kombination von innen- und außenpolitischen Faktoren Beziehungen durcheinanderbringen, Ziele vernebeln und das politische Kalkül praktisch jedes wichtigen Entscheidungsträgers durchkreuzen werden.

Unter solchen Bedingungen ist es nur natürlich, daß
die Staaten Hilfe zunächst von den internationalen
Institutionen erwarten werden, die seit dem Ende des
Ersten Weltkrieges entstanden sind. Wilsons Vision
von einer auf der Grundlage gemeinsamer Prinzipien
vereinigten Welt ist nach wie vor mächtig, insbesondeSo schwierig eine Definition auch sein mag, die Aus- re in Europa. Die politischen Entscheidungsträger
wirkungen dieser historischen Umgestaltung werden können aus der von anderen Regierungen als Teil
in vielen unserer Länder wahrscheinlich weitreichende einer geteilten Last gewährten Unterstützung Trost
Veränderungen in den innen- und außenpolitischen schöpfen. Das quälende Gespenst des aggressiven
Debatten auslösen. Das weitverbreitete Gefühl der Nationalismus bleibt ein mächtiger Anreiz zu internaMisere, wie es in vielen westlichen Staaten empfunden tionaler Zusammenarbeit, und viele der Aufgaben von
wird, ist zumindest teilweise auf eine wachsende Kluft heute können wirklich nur im Konzert mit anderen
zwischen Vision und Ziel zurückzuführen. Die Besei- gleichgesinnten Staaten erfüllt werden.
tigung des zentralen Organisationsprinzips des OstWest-Konflikts hat uns alle in eine Lage versetzt, in der Die andauernde Suche nach europäischer
wir nach etwas Neuem suchen, auf das wir unsere Sicherheit
Energien verwenden können.
Unter den nach dem Kalten Krieg auf der Tagesordnung
stehenden internationalen Aufgaben scheint keine
Alle Nationen werden innenpolitisch mit diesen Probleso
zwingend
erforderlich zu sein wie die europäische
men zu kämpfen haben. Diese sogenannte Vision wird
Sicherheitszusammenarbeit.
Seit dem Zusammenauf der Tagesordnung der meisten Entscheidungsträbruch
des
europäischen
Gleichgewichts
der Kräfte im
ger weiterhin einen hohen Rang einnehmen. Dasselbe
Jahr
1914
hat
die
Suche
nach
einer
neuen
und dauergilt für die Bewältigung der neuen Probleme, die aus
haften
Friedensordnung
in
Europa
den
Löwenanteil
der Asche der alten Ordnung aufgetaucht sind. Ethnische Auseinandersetzungen, wirtschaftliche Schwä- der internationalen Aufmerksamkeit verschlungen. Dies
che und innenpolitische Unruhen werden voraussicht- war schließlich der Hauptgrund für den Kalten Krieg.
Selbst in der angeblich multipolaren Welt von heute
lich auf einige Zeit hinaus andauern.
AMERIKA DIENST 39

Seite 1

�scheint ein allgemeiner Konsens zu bestehen, daß ein
dauerhafter Weltfrieden nicht erlangt werden kann,
wenn man nicht irgendwie ein tragfähiges Gleichgewicht zwischen den Konfliktparteien auf diesem Kontinent findet.

Seit 1945 sind zu diesem Zweck mehrere internationale Foren entstanden. Diese Gremien betonen das
Gemeinsame gegenüber dem Teilaspekt. Sie ermöglichen konkrete Schritte zu echter Zusammenarbeit.
Am wichtigsten ist vielleicht, daß die seit dem Zweiten
Weltkrieg entstandene Architektur eine feste Rolle für
die einzige Macht definiert, die einen Anschein von
Ordnung in Europa garantieren kann - die Vereinigten
Staaten.

Ebenfalls scheint allgemein Übereinstimmung darüber
zu herrschen, daß sich europäische Sicherheit nur
durch internationale Zusammenarbeit verwirklichen
läßt. Auf nationalem Vorteil basierende einseitige
Sicherheit bleibt das am nachhaltigsten abgelehnte Sicherheit und Identität gleich SicherheitsidentiKonzept. Das Schlagwort lautet heute "europäische tät?
Sicherheitsarchitektur". Unter der Annahme, daß die
alte Sicherheitsarchitektur das Gleichgewicht des Kalten Diese amerikanische Rolle bleibt für den Prozeß so
Krieges war, hat sich eine bisweilen schier verzweifelt zentral, daß sie selbst für die Erbauer des neuen
erscheinende Suche nach einem neuen Rahmen ent- Sicherheitsgebäudes eines der wichtigsten Konstruktionsprobleme ist. Indem wir so tief in Europa engawickelt, der dessen Stelle einnehmen soll.
giert sind, liefern wir die Grundlage für den historischen
Der Vertrag von Maastricht war sicherlich als Teil Prozeß des Aufbaus einer neuen europäischen Idendieser Architektur konzipiert. Die mehrfachen Verän- tität. Gerade diese unsere Rolle macht jedoch ebenso
derungen der NATO nach 1989 verfolgten dasselbe klar, wie lang dieser Prozeß wahrscheinlich dauern
Ziel. Die KSZE hat zweimal versucht, einen radikal wird. Manchmal dienen wir allzu leicht als Krücke, auf
veränderten Rahmen von Arrangements zu entwick- die man sich stützt, während man schwere Entscheieln, um Schritt zu halten. Und natürlich hat die UNO dungen vermeidet.
eine wesentlich aktivere Rolle bei der Bewältigung von
In Helsinki hat der damalige Stellvertretende AußenKrisen in Europa übernommen.
minister Eagleburger erklärt, der tiefere Zweck der
Jede dieser Bestrebungen hat dazu beigetragen, wich- KSZE-Folgekonferenz bestehe in der Entwicklung einer
tige Institutionen an die veränderte Welt anzupassen. neuen Definition von Sicherheit in der Welt nach dem
Im Hinblick auf die Annahme, daß das Finden der Kalten Krieg. Aus amerikanischer Sicht hat das entrichtigen Struktur an sich zu einer Lösung des Pro- scheidende Element der europäischen Sicherheit nieblems führen wird, ist große Skepsis angebracht. mals nur in der Abschreckung von Aggression oder
Wahrscheinlich wird es anders herum geschehen. Unterdrückung von Instabilität bestanden. Wir haben
Lösungen werden langsam entstehen, und die Struk- energisch die Ansicht vertreten, Europa könne sein
tur wird ihnen folgen. Einige wenige Leitprinzipien inneres Gleichgewicht nicht wiederfinden, bevor es
werden unabdingbar sein, aber es ist gefährlich anzu- nicht erfolgreich die Frage seines Wertgefühls und
nehmen, man müsse nur den richtigen Vertrag oder seiner Identität gelöst habe. Wie sich dieser Prozeß
den perfekten Rahmen von Mechanismen konzipie- des Findens eines stärkeren Selbstwertgefühls geren, und das schreckliche Dilemma der Welt nach dem genüber den Vereinigten Staaten abspielt, wird in
erheblichem Ausmaß die künftige Richtung der euroKalten Krieg würde sich in Wohlgefallen auflösen.
päischen Sicherheitszusammenarbeit bestimmen.
Nichts derartiges wird voraussichtlich geschehen. Wie
die Verfasser von Maastricht zu ihrem Schmerz erfah- Wir haben die Idee der europäischen Identität proparen mußten, können langfristige politische Prozesse giert lange bevor sie zum Schlagwort der Brüsseler
und besonders die Stimme des Volkes nicht außer Bürokratie wurde. Wir glaubten, die amerikanische
acht gelassen werden. Verwirrung anstatt Klarheit Erfahrung habe Europa eine wichtige Leitlinie gegewird wahrscheinlich das Leitprinzip sein, während sich ben. Es sei wichtig, daß es keine blinde Nachahmung
diese natürliche Evolution zu einer heute historischen in Gestalt föderaler "Vereinigter Staaten von Europa"
Ära langsam vollzieht.
werde. Wir gingen davon aus, daß sich die europäischen Nationen mit ihrer gegenseitigen Existenz nieEbenso kann die Energie, die aus der Furcht um das mals wohlfühlen würden, wenn sie nicht das Gefühl
eigene Überleben entsteht, massiv - und gefährlich - hätten, einen gemeinsamen Raum zu teilen.
sein. Eine der größten Errungenschaften dieses
Jahrhunderts ist die Tatsache, daß die in Europa Wir haben die europäische Sicherheit auf der Basis
beteiligten Staaten überwiegend gelernt haben, diese angestrebt, daß die Ziele und Werte der GesellschafEnergien in die Arbeit von Institutionen oder zumindest ten langsam miteinander ins Gleichgewicht kommen
in Debatten über die Arbeit dieser Gremien zu kanali- müssen. Und wie wir nicht müde werden zu betonen,
sieren. Debatten innerhalb der EG oder der ewige darf dieses Gleichgewicht nicht nur vom Atlantik bis
amerikanisch-französische Wettstreit sind alternati- zum Ural angestrebt werden. Die Erfahrung sollte uns
ven Konfliktformen sicherlich vorzuziehen.
endlich gelehrt haben, daß die einzige legitime Defini-

Seite2

AMERIKA DIENST 39

�tion dieses neuen europäischen Sicherheitsraumes in
der Tat Vancouver bis Wladiwostok ist.
Das Problem besteht darin, daß die Erlangung eines
gemeinsamen euro-atlantischen Raumes mehrere
historische Schritte erfordert, die noch nicht stattgefunden haben. So müssen die Vereinigten Staaten
zum Beispiel ihre Pflichten in einem neuen Zeitalter
ohne Feinde definiert haben.

Jeder, der wie ich sechs konzentrierte Monate in
Helsinki verbracht hat, mußte die wachsende Distanz
zwischen dieser Debatte und den Anliegen des Rests
Europas, geschweige denn Kanadas und der Vereinigten Staaten erkennen. Jeder, der bei meinen Gesprächen zugehört hat, wäre vielleicht überrascht davon
gewesen, wie gespannt die Europäer aus Nicht-EGStaaten auf die Vereinigten Staaten blickten, um ihre
Bestrebungen gegenüber der geschlossenen Gesellschaft zu unterstützen, deren Entwicklung sie im Westen
ihres Kontinents feststellten.

Das erfordert westeuropäische Partner, die mit den
Beziehungen untereinander sowie individuell und kollektiv mit ihrem transatlantischen Vetter im reinen sind. Die Vereinigten Staaten zogen aus den beiden schreckAm problematischsten ist die Notwendigkeit, daß die lichen Kriegen dieses Jahrhunderts eine wichtige Lehre.
Nationen Mittel- und Osteuropas, ganz zu schweigen Weder Europa noch die Vereinigten Staaten - dasselvon Rußland, zumindest die Anfänge stabiler demo- be gilt übrigens für Japan und Ostasien - können
kratischer politischer und wirtschaftlicher Entwicklung diesen gemeinsamen Raum noch länger getrennt
erlangt haben, die es ihnen gestatten wird, an deroben voneinander finden. Für uns sind miteinander verzahnte Institutionen in Wirklichkeit diejenigen, die
erläuterten Gemeinschaft teilzuhaben.
gemeinsame Ziele auf dem Weg zur Findung dieses
gemeinsamen Raumes unterstützen. Eine wichtige
Verzahnte Institutionen
Komponente dieses Raumes muß eine Gemeinschaft
Außenminister Baker hat diese Lage in seiner Rede europäischer Nationen sein. Diese Gemeinschaft
beim KSZE-Ministerrat in Berlin im Juni letzten Jahres mu ß jedoch mit den Zielen ihrer Partner und Nachbarn
jl
harmonisieren und nicht danach trachten, sich von
eloquent beschrieben. Er weigerte sich, die Form
ihnen zu trennen.
einer künftigen Architektur vorherzusagen, aber er
argumentierte, daß sie am besten auf der Grundlage Was unsere eigene Sicherheit angeht, so steht außer
einer Struktur miteinander verzahnter Institutionen Frage unter allen wichtigen Gruppierungen, daß Frieerrichtet werden könnte, die auf den Aufbau einer den nur bewahrt werden kann, wenn wir Teil Europas
demokratischen Gemeinschaft zwischen den KSZE- sind und nicht nur mit ihm befreundet. Isolationismus
Teilnehmerstaaten ausgerichtet ist.
bedeutet vor allem einen Rückzug aus Europa - und
Diese Verflechtung wird noch auf einige Zeit hinaus dies wird nicht geschehen. Ich wünschte, ich wäre
und für die Gründung dieser neuen Gemeinschaft ebenso überzeugt davon, daß dasselbe Gefühl in allen
unabdingbar sein. Eine erfolgreiche Interims-Sicher- Hauptstädten Westeuropas ebenso fest verankert ist.
heitsstruktur erfordert die uneingeschränkte Zusammenarbeit zwischen den drei Elementen: NATO, Die KSZE und verzahnte Institutionen
KSZE und EG. Um Erfolg zu haben, muß sie wahrhaft
Die obige Argumentation steht in engem Zusammenmiteinander verzahnt sein.
hang mit dem amerikanischen Ansatz gegenüber der
Dies ist der Punkt, an dem viele Amerikaner häufig KSZE. Für uns bietet die KSZE einen zunehmend
Verwirrung über die Ziele der sogenannten europäi- nützlichen Rahmen, in dem wir den Aufbau eines euroschen Reife-/Identitätsdebatte äußern, die von Zeit zu atlantischen Raumes verfolgen können.
Zeit entsteht. Wir stimmen vorbehaltlos zu, daß eine
Sie erleichtert die Teilnahme, und ihr Anwenneue europäische Identität aus dem alten Zeitalter
dungsbereich kann daher nahezu universell sein.
hervorgehen muß. Aber wir fragen uns auch, warum
einige Europäer zuerst diese Identität getrennt von
Sie gründet sich auf Werte, das heißt, ihre
ihren umfassenderen Interessen sowohl in Europa als
operativen Bestimmungen sind direkter mit geauch über den Atlantik hinweg anstreben.
meinsamen politischen und philosophischen
Werten
verbunden, als es bei jedem anderen
Für mich zumindest besteht kein Zweifel über einen
umfassenden
politischen Unternehmen der Fall
wichtigen Punkt. Die tiefgreifenden Debatten innerist.
Sie
kann
die
Aufmerksamkeit auf das lenhalb der Europäischen Gemeinschaft über eine sogeken,
was
zur
Verwirklichung
dieses gemeinsanannte "europäische Sicherheitsidentität" sind in Wirkmen
Raumes
erforderlich
ist.
lichkeit die internen Debatten einer Gruppe europäischer Länder, die vorgeben, für die gesamte euroatlantische Gemeinschaft zu entscheiden, wie sich
unsere Beziehungen in dem neuen Zeitalter entwikkeln sollten.

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Ihr Standard ist hoch. Über fünfzehnjährige
Diskussionen haben einen Katalog demokratischer Normen hervorgebracht, die bei jeder
anderen Institution ihresgleichen suchen.

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�Ihre Methoden sind flexibel. Trotz des hohen
Standards bedeutet das Fehlen rechtlicher Verpflichtungen und bürokratischer Strukturen, daß
die Teilnehmerstaaten ihre Debatten auf Ereignisse und Verhaltensweisen konzentrieren
können statt auf die detaillierten Verfügungen
eines Vertrags. Unsere Diskussion vom Frühjahr über den Charakter des jugoslawischen
Regimes ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür.

Die Beschlüsse von Helsinki und darüber hinaus

Die Beschlüsse von Helsinki bringen die KSZE bei
ihrer Anpassung an ein neues Zeitalter einen Schritt
weiter. Sie sind aus zwei Gründen von Bedeutung.
Erstens bekräftigen sie die grundlegenden Werte, die
das Fundament der KSZE bilden und machen sie
praktikabler, und zweitens stellen sie die organisatorischen Instrumente zur Verfügung, damit die KSZE mit
der NATO und dem NAKR, der EG und anderen
Schließlich und von besonderer Bedeutung in Institutionen bei der Bewältigung des vor uns liegender neuen Phase, in die wir eintreten, ist, daßdie den Wandels zusammenarbeiten kann.
KSZE unverzüglich und flexibel reagieren kann.
Aufgrund des Fehlens detaillierter Strukturen Alle Operationen einschließlich friedenserhaltender
wie bei NATO und EG kann die KSZE buchstäb- Operationen, die von der KSZE in Zukunft durchgelich Projekte aus dem Nichts erfinden. Inder Tat führt werden, gründen sich auf die folgende Schlußfolhaben wir dies bereits mehrfach im Hinblick auf gerung aus Absatz 8 der Erklärung von Helsinki:
Jugoslawien getan.
"Wir betonen, daß die im Bereich der menschlichen
Diese Vorteile statten die KSZE mit einer wesentlichen Dimension der KSZE eingegangenen Verpflichtungen
Rolle in diesem von mir bereits erwähnten Prozeß der ein unmittelbares und berechtigtes Anliegen aller TeilNeudefinierung der europäischen Sicherheit aus. Wenn nehmerstaaten und eine nicht ausschließlich innere
die KSZE-Länder sich darauf einigen können, ihren Angelegenheit des betroffenen Staates darstellen. Der
kollektiven politischen Willen auf eine bestimmte Fra- Schutz und die Förderung der Menschenrechte und
ge zu konzentrieren, können sie beträchtliche Energie Grundfreiheiten sowie die Stärkung demokratischer
freisetzen. Selbst wenn sie keine Einigung erzielen, Institutionen sind weiterhin eine unerläßliche Grundlakönnen die Länder durch Erörterung der Frage zu ihrer ge für unsere umfassende Sicherheit."
Definition beitragen und den Weg für einen späteren
Dies ist eine Verpflichtung zu gemeinsamem VorgeKonsens ebnen.
hen, die das Recht der Intervention hervorhebt, das
Das Geniale an der Methode der KSZE ist, daß sie als einen Großteil der Debatten über Menschenrechte in
Operationsgrundlage von Meinungsverschiedenhei- den vergangenen zwanzig Jahren charakterisiert hat.
ten ausgeht. Organisationen wie NATO und EG Sie trägt der Tatsache Rechnung, daß in der Zeit nach
setzen ein beträchtliches Maß gemeinsamer Aktionen dem Kalten Krieg die verbale Unterstützung der Menunter ihren Mitgliedern voraus. Indem sie diese ge- schenrechtsprinzipien nicht genug sein wird. Das
meinsamen Ziele nutzen, bringen sie ein höheres Menschenrechtsprinzip zu "operationalisieren" bedeuSicherheitsniveau für alle hervor.
tet, gemeinsame Aktionen auf die in der Schlußakte
Die KSZE gründet sich auf Vielfalt. Sie geht nicht von verankerten Werte zu gründen.
Übereinstimmung aus und ist in der Tat auf Meinungs- Die Beschlüsse von Helsinki bieten mehrere Instruverschiedenheiten vorbereitet. Durch langwierige und mente zur Verwirklichung dieses Ziels. Ein detailliergelegentlich schmerzhafte Diskussionen erweitern die tes Kapitel über Konfliktverhütung und KrisenmanageMitgliedstaaten die Bereiche der Übereinstimmung ment umreißt einen vierstufigen Prozeß für die politiuntereinander. Auf diese Weise tragen sie zur Schaf- sche Bewältigung des Wandels. Das Ziel besteht
fung eines neuen Gefühls der Sicherheit bei.
darin, Krisen vor ihrem Ausbruch zu vereiteln. Sobald
Aus diesem Blickwinkel wäre es unbedacht zu versu- Instabilität entsteht, werden zusätzliche Methoden
chen, die Prinzipien und Verfahren der KSZE zu kodi- einschließlich friedenserhaltender Operationen zu deren
fizieren. Damit würde das Gremium auf eine Interpre- Bewältigung genehmigt.
tation oder deren Aufhebung beschränkt, während
sich die europäische Situation um es herum rasch
verändert. Was wäre das Schicksal der KSZE heute,
wenn wir ihre Verfahren 1979 oder selbst 1985 rechtlich verankert hätten? Sie hätte schnell der Vergangenheit angehört. Es ist gerade das Fehlen einer
Struktur, die es der KSZE gestattet, bei dieser Suche
nach einem gemeinsamen euro-atlantischen Raum
ein bedeutsames Element zu sein.

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Gleichzeitig bekräftigen die Beschlüsse von Helsinki
die Funktion der KSZE als ein basis-und an den
Menschen orientiertes Unternehmen. Ein Hauptziel
der KSZE besteht nach wie vor in der Entwicklung
demokratischer Institutionen auf unterster Ebene. Die
Rolle des einzelnen und nichtstaatlicher Organisationen wird unterstrichen.

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�In den knapp zwei Monaten nach Helsinki haben wir
festgestellt, daß die Ereignisse sich schneller entwikkert haben als Worte auf dem Papier. Aus dem Nichts
wurden neue Methoden der Konfliktverhütung entwickelt. Der Begriff "präventive Diplomatie" spielt in
unseren Beratungen eine sehr viel größere Rolle als er
es in Helsinki getan hat. Andererseits gelangten wir zu
der Schlußfolgerung, daß unsere friedenserhaltenden
Bestimmungen zu stark an bestimmte Arten von
Operationen gebunden waren, für die die Bedingungen noch nicht entstanden sind. Wir wurden von den
Umständen gezwungen, flexiblere Mittel zu erarbeiten, um KSZE-Vertreter in Krisenherde zu entsenden.

femer als effektives Mittel unter Beweis gestellt,
die Bestrebungen wichtiger Länder bezüglich
eines Problems zu konzentrieren.

Zum Beispiel:

Sicherheitseliten der neuen Demokratien in die
größere KSZE-Gemeinschaft.

Im ehemaligen Jugoslawien hat die von Sir John
Thomson geführte humanitäre Mission bei der
Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen einen wichtigen Dienst erwiesen, die berichtet, aber nicht vollständig bewiesen worden
waren. Als politisches Unternehmen könnte die
KSZE solche Aufgaben leicher wahrnehmen als
Hilfsorganisationen wie beispielsweise das IKRK.

In einem Kommentar zu diesem Bericht hat der KSZEAusschuß
Hoher Beamten die "Entschlossenheit der
Infolgedessen wurden noch keine klassischen frieTeilnehmerstaaten
zur Nutzung der besonderen Erdenserhaltenden Operationen in die Wege geleitet.
fahrung
der
KSZE
im Bereich Menschenrechte zur
Wir haben jedoch die Notwendigkeit erkannt, OperaErarbeitung
dauerhafter
Lösungen als Grundlage für
tionen zur Krisenbewältigung in Gebieten wie dem
die
Bewertung
des
Verhaltens
von Konfliktparteien,
Kosovo, Wojwodina und Sandschak sowie in Mazedozur
Definition
der
erforderlichen
Lösungen
und für die
nien zu starten. Die Fähigkeit der KSZE, einer Mission
persönliche
Haftbarmachung
der
für
die
Verletzungen
mit den Behörden in Skopje trotz der anhaltenden
Probleme mit der offiziellen Anerkennung dieser Verantwortlichen" festgestellt.
Regierung zuzustimmen, belegen die Flexibilität der
Eine weitere wichtige von der KSZE erfüllte
Struktur.
Funktion war ihr Beitrag zur Organisation von
die
Sanktionen überwachenden Teams in den
Solche Operationen werfen ein Schlaglicht auf die
an
Serbien
angrenzenden Ländern. Kein andeBereiche, in denen die KSZE in Zukunft wahrscheinlich
rer
Rahmen
hat den Umfang und die Flexibilität
am aktivsten wird. Wenn eine Krise den Punkt eines
zur
Durchführung
dieser Aufgabe geboten.
bewaffneten Konflikts erreicht, hat die KSZE im wesentlichen ihre Aufgabe verfehlt. Andere Gremien
Das am 22. September 1992 in Wien eröffnete
müssen die Hauptrolle übernehmen. Aber in der
Forum für Sicherheitszusammenarbeit bildet den
Phase wachsender Spannungen oder politischer
einzigen kontinuierlichen Rahmen für VerhandAuseinandersetzungen kann die KSZE als wichtiges
lungen und Konsultationen über konventionelle
Forum für die Erörterung von Fragen dienen und wird
Rüstungen in Europa. Das Forum verfügt ferner
weiterhin Instrumente zur Konfliktverhütung entwikdie Vertiefung des Dialogs über Sicherheitsfrakeln, die beträchtlichen Wert haben können.
gen sowie die Integration der militärischen und
Im Frühjahr und Sommer 1992 war der KSZEAusschuß Hoher Beamten ein zentrales Forum,
um den Charakter des serbischen Regimes zu
erörtern. Serbiens Ausschlu ß aus der KSZE am
8. Juli 1992 war ein historisches Ereignis.
Am 12. Oktober 1992 werden die KSZE-Mitgliedstaaten die Verhandlungen über eine umfassende Struktur von Mechanismen zur friedlichen Beilegung von Streitfällen aufnehmen. Dies
ist ein lange vernachlässigter Bereich der Konfliktverhütung, der unseres Erachtens besonders vielversprechend ist, wenn er mit den politischen Impulsen der KSZE-Verpflichtungen
verknüpft wird.
Die Konferenz von Minsk über Nagorny-Karabach sah sich seit ihrer Gründung am 24. März
mit enormen Schwierigkeiten konfrontiert.
Gleichzeitig hat sie sich als bester Rahmen für
die Diskussion schwieriger Themen bezüglich
des Konflikts erwiesen. Die KSZE hat sich

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Zu einem gemeinsamen Raum
Wenn meine Analyse der neuen Situation richtig ist,
wird ein Großteil der Aufgabe des Aufbaus eines
gemeinsamen euro-atlantischen Raums viel Energie
bei der Arbeit an einer neuen Sicherheitsarchitektur für
Europa erfordern. Die drei wichtigsten "verzahnten"
Institutionen - NATO, EG und KSZE - bieten einen
ausgezeichneten Rahmen für die vor uns liegenden
Aufgaben. Jede trägt dazu bei, die Teile dieses euroatlantischen Raums miteinander zu verbinden, während sie gleichzeitig die wesentlichen Funktionen für
das Gemeinwohl durchführen.
Während die KSZE ihre operativen Fähigkeiten entwickelt und ihre grundlegenden Normen weiter perfektioniert, werden ihr meinen Erwartungen zufolge weitere Aufgaben zufallen. Wie solche Entwicklungen die
Strukturen und Organisationen beeinflussen, kann ich
nicht sagen. Es gibt bereits Anzeichen, daß die in Paris
und Helsinki entworfenen Strukturen nicht den vor

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�ihnen liegenden Aufgaben gerecht werden. Neue
Definitionen der Panzer-Grundtypen und vielleicht neue
operative Strukturen werden erforderlich sein.
Ich kann bestätigen, daß die Debatte über die Methoden und Ziele für diesen gemeinsamen Raum fortgeführt wird. Es wird Meinungsverschiedenheiten und
Rückschläge auf dem Weg dorthin geben. Die KSZE
hat Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, ganz

zu schweigen von der Lösung von Problemen. Aber
sie ist der eine Ort, an dem jeder auf der Grundlage
gemeinsamer Verpflichtungen und gemeinsamer Interessen vertreten ist. Sie ist auch flexibel und
unbegrenzt veränderbar. Diese Eigenschaften mac n e n ^ z u e i n e m wichtigen Element der verzahnten
struktur, die sich hoffentlich in den kommenden Jahr e n entwickelt,

* * * *

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*

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�NATO
30. September 1992

EUROPA UND NORDAMERIKA WERDEN
GEMEINSAM FORTSCHRITTE ERZIELEN
Rede von Botschafter Bartholomew
KNOKKE-HEIST - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Ständigen Vertreters der Vereinigten
Staaten beim Nordatlantikrat, Botschafter Reginald Bartholomew, bei der Eröffnung der 8. Jahreskonferenz der
Direktoren der Institute für Strategische Studien am 23. September 1992 im Wortlaut.
Heute abend möchte ich direkt das Thema dieser
Konferenz ansprechen - die Atlantische Gemeinschaft
nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. Ich
möchte eine kurze Bestandsaufnahmeunsererderzeitigen Sicherheitslage vornehmen - das heißt, der
Entwicklungen seit dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums und der Rolle der NATO dabei. Vor
diesem Hintergrund möchte ich Ihnen meine Sicht der
künftigen Tagesordnung des Atlantischen Bündnisses
darlegen.
Die Zukunft des Prozesses der europäischen Integration ist integraler Bestandteil jeder Diskussion überdas
Bündnis. Angesichts der Ereignisse der vergangenen
Tage und Wochen ist der vor uns liegende Weg
vielleicht etwas weniger klar als er noch vor einigen
Monaten schien. Ich möchte jedoch gleich zu Beginn
meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, daß Europa
an zahlreichen Fronten - in Zusammenarbeit mit Nordamerika - Fortschritte erzielen kann und wird.
Ich bin vor anderthalb Monaten zum NATO-Hauptquartier gekommen. Dies ist meine erste Entsendung
zu dieser renommierten Institution, obwohl ich mich
seit über 20 Jahren intensiv mit NATO-Angelegenheiten befasse. In dieser Zeit hat sich die NATO beträchtlich gewandelt, insbesondere jedoch in den letzten
zwei bis drei Jahren. Nach dem Gipfeltreffen in Rom
im vergangenen November war ich tatsächlich davon
ausgegangen, daß die NATO genügend Veränderungen durchgemacht hat, um den Übergang ins nächste
Jahrhundert zu bewältigen!
Zweifelsohne haben die Staats- und Regierungschefs
des Bündnisses in Rom Entscheidungen von großer
Tragweite getroffen. Sie haben die erste neue Militärstrategie seit Ende der sechziger Jahre verabschiedet
und den Nordatlantischen Kooperationsrat geschaffen. Mit der Anpassung der NATO an das Europa nach
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dem Kalten Krieg haben unsere Politiker sie von einem
Instrument zur Abwehr der Kommunisten zu einem
Instrument umgestaltet, das als eines seiner Hauptziele die Einbeziehung unserer ehemaligen Gegner in
unser System der Sicherheit und Stabilität erachtet.
Angesichts der in vielen Teilen Europas nach dem
Kalten.Krieg wütenden Konflikte ist es allerdings nicht
überraschend, daß vielfach die Frage aufgeworfen
wird, ob die NATO noch immer eine bedeutende Rolle
zu spielen hat.
Um zu verstehen, warum das Atlantische Bündnis
nach wie vor so große Bedeutung hat, müssen wir
Abstand von den aktuellen Schlagzeilen über Maastricht, Wechselkursmechanismen und Bosnien-Herzegowina nehmen. Wir müssen über die wesentlichen
Herausforderungen fürdie Sicherheit nachdenken, mit
denen sich die "euroatlantische Gemeinschaft" konfrontiert sieht, die wir so elegant als solche bezeichnen.
Die europäische Sicherheit heute
Obwohl der Kalte Krieg beendet ist, befinden wir uns
noch inmitten eines Umbruchs in Europa. Dieser
Übergang scheint sich offensichtlich hinzuziehen, und
keiner von uns kann voraussehen, wohin er uns führen
wird. Grundlegende Annahmen, die bisher unsere
sicherheitspolitischen Prognosen bestimmten, sind
verschwunden. Die Menschen in Europa - sowohl im
Osten als auch im Westen - sehen sich Schlüsselfragen gegenüber. Dazu zählen die Debatte über die
nationale und europäische Identität, Rechte ethnischer Gruppen und Minderheiten, Handelspolitik,
Wirtschafts- und Währungsbeziehungen und - letztlich - die politische Union. Und es stellt sich die
grundlegende Frage nach der Ausgestaltung und
Bedeutung der europäischen Sicherheit heute.

Seite 1

�Wie wir jetzt sehen, ist der Übergang zu Demokratie
und freien Märkten in Osteuropa und den Ländern der
ehemaligen Sowjetunion schmerzlich und mit vagen
Aussichten für unmittelbaren Erfolg verbunden. Nationale und ethnische Konflikte, die Jahrzehnte kommunistischer Unterdrückung erstickt hatten, sind an die
Oberfläche gekommen - mit erschreckenden Folgen.

unserer gemeinsamen Institutionen gefangen zu sein.
Das Ergebnis ist die Konzentration auf eng definierte
Fragen und häufig akademische Meinungsverschiedenheiten - auf "Buchstaben und Architektur".

Diese Debatten haben gelegentlich einen deutlichen
Hauch von Realitätsferne, insbesondere angesichts
der uns verbindenden festen Beziehungen - und der
Das andauernde Gemetzel in Jugoslawien ist bisher harten Realitäten, die uns täglich in den Abendnachder schlimmste und uns am nächsten liegende Fall. richten geboten werden. Wir riskieren, unsere übergeAber mehr und mehr werden sich die Regierungen ordnete Aufgabe aus dem Blick zu verlieren: Stärkung
auch mit Konflikten an so unbekannten Orten wie und Anpassung der Beziehungen zwischen uns im
Nagomy-Karabach, Abchasien, Transnistria und Tad- Westen und Integration unserer ehemaligen Gegner in
das umfassende Gefüge demokratischer Werte, marktschikistan befassen müssen.
orientierter Prinzipien und SicherheitszusammenarWenn die Ausbreitung dieser Konflikte eine Gefahr beit.
darstellt, dann auch die Versuchung für den Westen,
die Infektion regionaler Konflikte unter Quarantäne zu Wir müssen uns eindeutig auf das Wesentliche konstellen, um eine neue Ost-West- oder Nord-Süd-Spal- zentrieren: endlich den Versuch zu unternehmen, die
tung zu schaffen. Es könnte verlockend sein, einen richtigen Fragen zu stellen und unsere höchsten Si"Cordon Sanitaire" einzurichten, um - nicht den Kom- cherheitsziele nicht aus den Augen zu verlieren.
munismus - aber Armut, ethnische Konflikte und Einwanderung einzudämmen. Dies würde jedoch nicht Die Anpassung der NATO
nur zu Aufruhr und Unterdrückung an der Türschwelle
Rußlands führen - was die neue russische Revolution Diese Herausforderung erstreckt sich auf viele Instituim Keim ersticken könnte. Letztlich wäre es auch tionen und erfordert fortschrittliche Maßnahmen der
schwierig zu verhindern, daß der Virus auf uns über- westlichen Länder, die individuell handeln. Im Bereich
der Sicherheit gestatten die Kernfunktionen der NATO
springt.
dem Bündnis, einen besonders wichtigen Beitrag zu
In der Tat sollte man sich vor Augen führen, daß die leisten. Wie in den Kommuniques verankert, bietet die
Geschichte nicht westlich der Oder geendet hat, obwohl NATO die "unerläßliche Grundlage" für Stabilität in
die Winde der Zersplitterung und Auflösung in der ganz Europa und auch für die Verteidigung seiner
Region am stärksten sein mögen, die einstmals die sechzehn Mitgliedstaaten. In einer Periode, in der
kommunistische Welt war. Die Ereignisse der vergan- offene Konflikte im ehemaligen Jugoslawien und der
genen Wochen erinnern uns daran. Daher können wir ehemaligen Sowjetunion wüten, war die NATO eine
nicht unbekümmert davon ausgehen, daß die Proble- Konstante in einem sich rasch verändernden Umfeld.
me Osteuropas oder auf dem Balkan nur durch die Unsere ehemaligen Gegner wissen besonders unterbrochene Entwicklung verursacht wurden. Wir manchmal besser als die NATO-Bündnispartner selbst
im Westen waren niemals immun gegenüber sozialen - zu schätzen, wie das Bündnis seine Mitglieder in die
und wirtschaftlichen Entwicklungen andernorts in Europa Lage versetzt hat, das strategische Gleichgewicht in
Europa bei gleichzeitiger Vermeidung der Renationaund werden dies niemals sein.
lisierung ihrer Verteidigungspolitik aufrechtzuerhalten.
Ich sollte auch erwähnen, daß nicht alle die Bedrohungen und Risiken, denen sich die europäische Sicher- Die NATO ist gleichzeitig das Bindeglied, das die
heit heute gegenübersieht, hausgemacht sind. Die Sicherheit Europas mit der Nordamerikas verbindet.
mögliche Verbreitung ballistischer Raketentechnolo- Die Veränderungen und Unsicherheiten in der Weh
gie sowie nuklearer und chemischer Waffen könnte nach dem Kalten Krieg haben das Potential für DoppelEuropa und uns alle direkter bedrohen als je zuvor. deutigkeit, Mißverständnisse und sogar Wettbewerb
Dies kann nicht nur als mögliches Problem der südli- zwischen Europa und den Vereinigten Staaten erweichen Region allein betrachtet werden. Wirtschaftliche tert. In diesen turbulenten Zeiten ist die eindeutige
und politische Unruhen im Maghreb und am Hörn von Botschaft des kontinuierlichen amerikanischen EngaAfrika stellen weitere Risiken dar. Die "Sicherheit gements durch die NATO jedoch eine Erinnerung an
Europas" ist mehr denn je eine Frage, die weit über das unsere Partnerschaft mit Europa.
Territorium der sechzehn NATO-Mitgliedstaaten hinWährend die zahlreichen Köche auf beiden Seiten des
ausgeht.
Atlantiks die Buchstabensuppe aufkochen - NATO,
Angesichts der erschreckenden Natur dieser Proble- EG, KSZE, G-7, G-24 usw. - müssen wir uns die
me - mit denen wir uns alle konfrontiert sehen - könnten gemeinsamen Sicherheitsinteressen vor Augen fühwir versucht sein, uns abzuwenden und zunehmend ren, die uns verbinden. Trotz der Dynamik der EreigNabelschau zu betreiben. Wir scheinen von unseren nisse seit dem vergangenen November ist der Wert
eigenen nationalen Bedingungen und den Strukturen dessen, was die Staats- und Regierungschefs der
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AMERIKA DIENST 39

�NATO in Rom geleistet haben, nicht weniger relevant
geworden. Mit der Bekräftigung der Rolle der NATO
als "unabdingbares Forum" für die Sicherheit ihrer
Mitglieder betreffende Entscheidungen, mit derVerabschiedung des neuen strategischen Konzepts mit
Betonung auf kleineren, flexibleren multinationalen
Streitkräften und mit der Gründung des Nordamerikanischen Kooperationsrats zur Institutionalisierung der
Partnerschaft mit dem Osten haben die Staats- und
Regierungschefs der NATO eine Blaupause erarbeitet, die im Lichte der Ereignisse in Jugoslawien größeren Weitblick zu besitzen scheint als alles zuvor. Die
Aufgabe besteht jetzt darin, diese Blaupause in die
Realität umzusetzen.

Nie zuvor ist versucht worden, europaweite Zusammenarbeit in einem Rahmen der Demokratie und
marktwirtschaftlicher Prinzipien herzustellen. Diese
ehrgeizige Bestrebung wird völlig neue Ansätze erfordern. Diese neuen Demokratien sind in nahezu allen
Bereichen des Übergangs mit Problemen konfrontiert:
wirtschaftlichen, finanziellen, industriellen, sozialen,
ethnischen und politischen.

Der Weg der NATO in die Zukunft: Die Schaffung
eines aktiven Ost-Programms

Deshalb müssen wir den Anreiz liefern um sicherzustellen, daß keiner unserer ehemaligen Gegner, darunter die aus dem sowjetischen Imperium hervorgegangenen neuen Staaten, den Kampf aufgibt. Wenn
das uns zur Verfügung stehende Mittel das Zuckerbrot
engerer Zusammenarbeit durch eine wirtschaftliche
Assoziierung mit der Gemeinschaft oder durch intensivere Beziehungen mit der NATO ist, dann können
und sollten wir dies nicht verweigern.

Sicherlich gibt es für die Sicherheit im neuen Europa wie im alten - keine grundlegendere Aufgabe als den
Umgang mit Rußland. Man kann sich schwerlich eine
wichtigere Frage denken als den Erfolg der neuen
russischen Revolution. Unser Beistand kann entscheidend dazu beitragen, eine Rückkehr zu einer
weniger am Westen orientierten und weniger demokratischen Haltung in Moskau zu verhindern.
Ein Zusammenbruch der demokratischen Revolution
in Rußland würde das Wiederaufleben einer großen
militärischen Bedrohung oder eine Rückkehr zu den
Spannungen des Kalten Krieges nicht notwendigerweise unvermeidlich machen oder gar unmittelbar
heraufbeschwören. Aber selbst weitreichende Abweichungen vom Weg der russischen Reformen könnten
negative Folgen für uns haben und viele Aussichten
unserer derzeitigen Politik verändern. Darüberhinaus
sollten wir nicht vergessen, daß Rußland - sei es nun
demokratisch oder nicht - eine Großmacht mit einem
bedeutenden Arsenal an Kernwaffen bleiben wird.

In großem Maße wird der Erfolg der Reformen in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion von der
Fähigkeit dieser neuen Demokratien abhängen zu
demonstrieren, daß ein besseres ebenso wie ein freieres Leben erreicht werden kann.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Erklärung
von Minister Eagleburgerin Oslo im vergangenen Juni
in Erinnerung rufen. Er stellte fest: "Wir sollten die
Stabilität des Bündnisses nicht mit Inflexibilität verwechseln - und unsere Bilanz zeigt, daß wir dies auch
nicht tun. Sogar die Zusammensetzung des Bündnisses könnte unter voller Berücksichtigung unserer strengen demokratischen Normen und der Notwendigkeit
zur Bewahrung des festen Geflechts der gemeinsamen Verteidigung zum geeigneten Zeitpunkt vielleicht
erweitert werden."

An diesem Punkt möchte ich einige Bemerkungen
speziell zum Nordatlantischen Kooperationsrat (NAKR)
machen. Wir können nicht zulassen, daß die ZusamDeshalb müssen wir unsere Kräfte an allen Fronten - menarbeit im NAKR ein überwiegend symbolisches
politisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch - ein- Unterfangen wird anstatt ein integraler, substantieller
setzen, um Rußland in einen gemeinsamen Sicher- Bestandteil der NATO an sich. Dies wäre ein schwerheitsrahmen einzubinden. Wir müssen Rußland dabei wiegender Fehler. Das volle Potential des NAKR (und
helfen, für sich einen beständigen und stabilen Platz in das volle Potential der mit ihm verbundenen Gruppe
der internationalen Staatengemeinschaft zu finden - für Verteidigungsfragen) muß noch verwirklicht wereinen Platz, der seinem Rang entspricht, aber keine den. Der NAKR muß sich noch von einem Forum
regelmäßiger Konsultationen zu einem Instrument
Unsicherheit bei anderen auslöst.
entwickeln, das den Ländern greifbare Hilfe liefert,
Eine zweite dringliche Frage muß ebenfalls behandelt deren alte Sicherheitspolitik sich als bankrott erwiesen
werden: Wie werden diejenigen, die in der Vergangen- hat. Er mu ß sich noch von einer distanzierten Freundheit zwischen Rußland und dem Westen eingekeilt schaft zu einem M ittel gemeinsamer Aktionen entwickwaren - die Mittel- und Osteuropäer - ihren Platz eln, die dem Begriff "Partnerschaft" gerecht werden.
finden? Wir müssen unser Engagement auch in dieser
Region vertiefen, um einen Spielraum zu definieren, Wenn sich der NAKR nicht in dieser Weise entwickelt,
innerhalb dessen diese Länder dauerhafte Sicherheit, wird unsere kollektive und individuelle Unterstützung
Demokratie und wirtschaftliche Freiheit erlangen kön- der Reformen im Osten wirklich in Frage gestellt. Es
nen. Wir müssen gewährleisten, daß die mittel- und ist bezeichnend, daß die glühendsten Befürworter des
osteuropäischen Staaten wissen, daß sie integraler NAKR die Partner selbst sind. Wir können es uns nicht
Bestandteil einer umfassenderen Gemeinschaft sind leisten, sie an diesem kritischen Wendepunkt abzuund nicht lediglich Puffer oder Brücken.
weisen oder zu enttäuschen.
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�Desgleichen mu ß die von der NATO in Oslo eingegangene Verpflichtung zur Durchführung und Unterstützung der Friedenssicherung in Europa durch Taten
untermauert werden. Präsident Bush hat dies in seiner
Rede vor der Generalversammlung eindringlich unterstrichen. Im Hinblick auf Jugoslawien ist der Entscheidungsfindungsprozeß über den Beitrag der NATO zu
den humanitären Hilfsbemühungen der UNO in vollem
Gange. Dies ist für das Bündnis wie für andere auch
ein kompliziertes, neues Terrain. Fortschritte sind
gemacht worden, und weitere können erzielt werden.
Indem ich dies sage, möchte ich eindeutig feststellen:
UnserZiel ist nicht, die NATO in ihrer jetzigen Form zu
sichern oder "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen" zu
ersinnen, damit das Bündnis seine Daseinsberechtigung beweisen kann. Mit Arbeitsbeschaffung wird die
transatlantische Partnerschaft nicht aufrechterhalten
oder ein gemeinsamer Sicherheitsrahmen geschaffen, der die Länder Mittel- und Osteuropas einbezieht.
Diese Ziele können nur dadurch erreicht werden, daß
das Bündnis in Bereichen tätig wird, in denen es einen
besonderen Beitrag leisten kann - zur Friedenssicherung, im Krisenmanagement und bei der Umgestaltung der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten zu
stabilen, bürgerlichen Gesellschaften.

aber ebenso in den Sektoren Wirtschaft und Handel.
In diesem Zusammenhang muß ich Ihnen nicht erklären, wie lebenswichtig es für diese Beziehungen ist,
daß wir die Uruguay-Runde des GATT ein für allemal
abschließen. Und im Bereich Sicherheit und Verteidigung sind die Amerikaner sicherlich dazu bereit, daß
Europa mehr Verantwortung übernimmt und eine sinnvolle europäische Sicherheits- und Verteidigungsidentität entwickelt. Die Dauerhaftigkeit der transatlantischen Beziehungen wird tatsächlich durch die Entwicklung von Wegen gestärkt, mit denen Europa diese
Ziele verwirklichen kann.

Die neue Strategie der NATO räumt in der Tat einen
Spielraum für die Entwicklung einer europäischen
Sicherheitsidentität sowie für konkrete europäische
Aktionen im Krisenmamagement und bei der Friedenssicherung ein, falls gewünscht. Sie tut dies ohne
die kostspieligen Bemühungen, die bei einer Verdoppelung der integrierten militärischen Struktur der NATO
entstehen würden. Die NATO hat die Vereinigten
Staaten, Großbritannien, Frankreich oder andere Länder
niemals daran gehindert, ihre eigene Sicherheitsidentität aufrechtzuerhalten oder der NATO unterstellte
Truppen einzusetzen, wenn diese um nationaler Ziele
willen benötigt wurden. In diesem Sinne hat die NATO
auch die Flexibilität, einer kollektiven europäischen
Die NATO hat besondere Mittel und Fachkenntnisse Sicherheitsidentität gerecht zu werden. Der Schlüssel
zur Verfügung, die mehr als die Summe ihrer Teile liegt jedoch darin sicherzustellen, daß jedes Arrangedarstellen. Wenn die NATO einen besonderen Beitrag ment oder jegliche eventuell veranlaßten Maßnahmen
leisten kann - zur Unterstützung der Friedenssiche- das Ergebnis vollständiger Konsultationen und Entrung durch die UNO oder die KSZE, um den osteuro- scheidungen mit Beteiligung aller Bündnispartner sind.
päischen Ländern bei der Konversion der Rüstungsin- Genau darum ging es in Rom - und Maastricht.
dustrie zu helfen oder ihre militärischen Kader umzuschulen - dann sollten wir ihn leisten ohne in institutio- Die Notwendigkeit der Klarheit
nelle Rivalität zu verfallen.
Wenn wir in die Zukunft blicken, müssen wir VerbündeKorrekte Beziehungen innerhalb des Bündnisses te uns darüber im klaren sein - jeder für sich und
untereinander -, wohin wir gehen und wohin wir nicht
Damit komme ich zum zweiten Aspekt beim Weg der gehen möchten: als Einzelstaaten, als NATO und als
NATO in die Zukunft: die Beziehungen innerhalb der Europäer. Wir müssen uns über den Wesensgehalt
Allianz sowie die besondere Frage einer europäischen der NATO im klaren sein. Der Begriff "Bündnis" ist in
Sicherheits- und Verteidigungsidentität. Wir müssen vieler Hinsicht eine ungenaue Beschreibung der NATO,
diese Beziehungen auf jeden Fall zurechtrücken, alles denn Bündnisse sind stets ad hoc als mehr oder
von mir bisher Gesagte hängt davon ab.
weniger vorübergehende Arrangements geschaffen
worden, um unmittelbare Bedrohungen zu bewältigen.
Beim Gipfel von Rom haben wir einen Bezugsrahmen
Nur selten hatten Bündnisse in Friedenszeiten tatnicht nur für die Anpassung der militärischen Strategie
sächlich Einflu ß, und selbst dieser war äu ßerst dürftig.
der NATO zur Bewältigung neuer Bedrohungen und
Risiken geschaffen, sondern auch zur Verknüpfung In der NATO haben wir eine Gemeinschaft im eigentder NATO mit einer wachsenden Rolle Europas in lichen Sinn des Wortes aufgebaut. Wir teilen eine
Sicherheitsfragen. Eine solche Verknüpfung steht im gemeinsame Perspektive und sind in unserer SicherEinklang mit dem wachsenden politischen Gewicht heit voneinander abhängig. Wir planen und errichten
Europas auf der Weltbühne und dem Wunsch nach unsere Verteidigung nicht getrennt, sondern gemein"Lastenteilung" auf beiden Seiten des Atlantiks (nicht sam. Das außergewöhnliche Potential der NATO für
zuletzt im US-Kongreß).
kollektives Handeln, ihre einzigartigen Fähigkeiten bei
der Bereitstellung von Dingen wie strategischem LuftWir Amerikaner wünschen die Vereinigung Europas.
transport, Logistik und Aufklärung verleihen ihr eine
Angesichts der Kräfte der Zersplitterung und Auflöwirklich besondere Rolle in der künftigen Sicherheitssung erkennen wir in der Geschlossenheit der europäordnung Europas.
ischen Integration einen erneuerten Wert und eine
Notwendigkeit. Dies ist wichtig im politischen Bereich,
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AMERIKA DIENST 39

�Die Vereinigten Staaten gehen ihrerseits davon aus,
daß die NATO belangvoll und effektiv bleiben muß.
Gegebenenfalls muß sie sich bei den schwierigsten
Sicherheitsproblemen einschalten und einen Beitrag
leisten, mit denen dieser Kontinent fertigwerden muß.
Niemand von uns wird großes Interesse an einer
NATO haben, die sich in einer Flagge erschöpft, einer
Feuerwehr, die in ihrer Feuerwache bleibt, um die Art
von massivem Flächenbrand zu bewältigen, der uns
Gott sei dank nicht länger zu drohen scheint.
* *

AMERIKA DIENST 39

Wie ich bereits betont habe, wird die NATO nur dann
Bestand haben, wenn sie belangvoll und effektiv bleibt,
indem sie praktische, nicht theoretische oder symbolische Beiträge zur Sicherheit und Stabilität auf diesem
Kontinent leistet. Genau dies tut die NATO zur Zeit,
aber wir müssen es noch besser machen. Gemeinsam, als Verbündete, werden wir dies sicherlich schaffen.

*

*

Seite 5

�</text>
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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 30.09.1992</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. UNO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush verkündet Initiativen zur Bewältigung globaler Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor der UNO-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues Opel-Werk in Eisenach eröffnet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafter Kimmitt überbringt Botschaft von Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush schlägt überraschend vier Debatten vor &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neuer Schachzug des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Jugoslawien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: Ausschluss Belgrads durch UN-Generalversammlung "angemessen" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Perkins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: Sicherheitsforum wird Aggressionsrisiko verringern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Erklärung bei der Eröffnung des Sicherheitsforums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die KSZE 1992: die Herausforderungen des Wandels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vortrag von John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Europa und Nordamerika werden gemeinsam Fortschritte erzielen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Bartholomew&lt;/em&gt;</text>
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