<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=189" accessDate="2026-11-05T02:13:24+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>189</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="1684" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1695">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/275845dc1cd7c319b02523a83e00ca1c.pdf</src>
        <authentication>ec7e1676c3edb717b4704934a31b8f98</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8640">
                    <text>Information
und
Dokumentation

WHIST

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. April 1980

19

INHALT

INFORMATION
USA brechen diplomatische Beziehungen zum Iran ab
- Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Präsidenten -

Präsident Carter legt Katalog wirtschaftlicher Maßnahmen gegen
den Iran vor
- Botschaft des Präsidenten an den Kongreß -

DOKUMENTATION
Vance gibt umfassenden überblick über die amerikanische Außenpolitik
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Senats -

Um Uber/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Information

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. April 1980

19

USA BRECHEN DIPLOMATISCHE BEZIEHUNGEN ZUM IRAN AB
Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter kündigte am 7. April 1980 an,
daß die Vereinigten Staaten ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran abbrechen
werden und das diplomatische und konsularische Personal die Vereinigten Staaten
bis zum 8. April um Mitternacht verlassen muß. Auch die Wirtschaftssanktionen,
mit Ausnahme eines Minimums an Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen,
werden ab sofort in Kraft treten«
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Seit iranische Terroristen Anfang November amerikanisches Botschaftspersonal in Teheran gefangennahmen, waren die Sicherheit, das Wohlergehen
und die Zukunft dieser 50 Männer und Frauen Gegenstand unserer tiefen Sorge.
Wir haben alle Anstrengungen unternommen, um ihre Freilassung auf ehrenwerte,
friedliche und humanitäre Weise zu erreichen. Aber die Iraner haben sich
geweigert, sie freizulassen oder die Bedingungen zu verbessern, unter denen
sie gefangengehalten werden.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Die Ereignisse der letzten Tage haben eine neue und bedeutsame Dimension
dieser Angelegenheit enthüllt.

Die die Botschaft kontrollierenden Militanten

haben erklärt, daß sie bereit seien, die Geiseln der Regierung des Iran zu
überstellen; aber die Regierung hat sich geweigert, die amerikanischen Geiseln
in ihre Obhut zu nehmen„

Dies macht die volle Verantwortung des Ayatollah

Khomeini und des Revolutionsrats für die fortgesetztte widerrechtliche und
empörende Gefangenhaltung der unschuldigen Geiseln deutlich»

Die iranische

Regierung kann sich nicht länger der Verantwortung dadurch entziehen, daß sie
sich hinter den Militanten in der Botschaft versteckt.
Es muß klargestelH werden, daß die nicht erfolgte Freilassung der Geiseln
den Iran und seinen Interessen immer teurer zu stehen kommen wird.

Heute

habe ich folgende Schritte angeordnet:
Erstens: Die Vereinigten Staaten brechen die diplomatischen Beziehungen
mit der Regierung des Iran ab* Der Außenminister hat die Regierung des Iran
darüber informiert, daß ihre Botschaft und Konsulate in den Vereinigten Staaten
sofort zu schließen sind. Das gesamte iranische diplomatische und konsularische
Personal wurde zur persona non grata erklärt und hat dieses Land bis morgen
um Mitternacht zu verlassen»
Zweitens:

Der Finanzminister wird mit sofortiger Wirkung offizielle

Sanktionen erlassen, um Exporte aus den Vereinigten Staaten in den Iran zu
verbieten.

Dies geschieht in Übereinstimmung mit den Sanktionen, die am

13. Januar von zehn Mitgliedern des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
in einer Resolution gutgeheißen worden sind, gegen die die Sowjetunion ihr Veto
einlegte,

Obgleich in dieser Abstimmung des Sicherheitsrats der Vereinten

Nationen die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten nicht enthalten war,
wird erwartet, daß auch die Ausfuhr solcher Waren in den Iran minimal oder
gleich null sein wird.
Drittens: Der Finanzminister wird eine formelle Aufstellung der Vermögenswerte der iranischen Regierung vorlegen, die durch meine vorhergegangene

- 2 -

�vorhergegangene Anweisung eingefroren wurden; er wird zugleich eine Zählung
oder Auflistung noch ausstehender Forderungen amerikanischer Bürger und
Körperschaften gegenüber der Regierung des Iran durchführen.

Dieses Verzeichnis

der Ansprüche wird beim Entwurf eines Programms gegen den Iran zugunsten
der Geiseln, ihrer Familien und anderer amerikanischer Anspruchsteller helfen.
Wir bereiten derzeit Gesetzentwürfe vor, die im Kongreß eingebracht werden,
um die Bearbeitung und Erfüllung diese»" Forderungen zu erleichtern.
Viertens: Der Außenminister und der General Staatsanwalt werden alle Visen,
die iranischen Staatsbürgern für eine künftige Einreise in die Vereinigten
Staaten ausgestellt wurden, mit sofortiger Wirkung für ungültig erklären.
Wir werden keine Visen erneuern oder neue Visen ausstellen, sollten keine
zwingenden oder nachgewiesenen humanitären Gründe vorliegen oder dies die
nationalen Interessen unseres eigenen Landes erfordern. Diese Anweisung wird
sehr streng ausgelegt werden.
Um den Schaden für die Geiseln so gering wie möglich zu halten, haben die
Vereinigten Staaten im Verlauf dieser Krise stets mit außergewöhnlicher Geduld
und Zurückhaltung gehandelt.

Wir haben die Maßnahmen von Generalsekretär

Waldheim im Rahmen seines Mandats unterstützt, das ihm vom Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen übertragen wurde, um auf eine friedliche Lösung hinzuarbeiten.

Wir werden auch weiterhin unsere Verbündeten und andere befreundete

Regierungen hinsichtlich der Schritte konsultieren,die wir unternehmen werden,
sowie über zusätzliche Maßnahmen, die erforderlich sein könnten.
Ich bin zur Lösung dieser Krise verpflichtet. Ich bin zur sicheren
Rückkehr der Geiseln und zur Wahrung unserer nationalen Ehre verpflichtet.
Die Geiseln und ihre Familien, ja, wir alle hier in Amerika leben nun seit
fünf Monaten mit der Realität und der Qual ihrer Gefangenschaft.
Die von mir angeordneten Schritte sind die, die derzeit notwendig sind.
Andere Maßnahmen könnten sich als notwendig erweisen, sollten diese Schritte
nicht die unverzügliche Freilassung der Geiseln herbeiführen.
+ + + + +

- 3 -

�Information

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

9. April 1980

PRÄSIDENT CARTER LEGT KATALOG WIRTSCHAFTLICHER MASSNAHMEN
GEGEN DEN IRAN VOR
- Botschaft des Präsidenten an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - In einer Botschaft an den Kongreß der Vereinigten Staaten, die vom Weißen Haus am 7. April 1980 veröffentlicht wurde, legte Präsident Carter im einzelnen dar, welche Exporte in den Iran nunmehr dem offiziellen Ausfuhrverbot unterliegen werden.

Die Botschaft hat folgenden Wortlaut:

An den Kongreß der Vereinigten Staaten:

Gemäß Abschnitt 204 (B) des Gesetzes über wirtschaftliche Vollmachten
im Fall internationaler Krisen (International Emergency Economic Powers Act)
-50 U.S.C. 1703- teile ich hiermit dem Kongreß mit, daß ich heute die mir durch
dieses Gesetz verliehene Vollmacht ausgeübt habe, bestimmte Handels-, Finanzund andere Maßnahmen gegenüber dem Iran und seinen Staatsangehörigen zu ergreifen.

1. Am

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�1. Am 14. November 1979 habe ich Maßnahmen ergriffen, um bestimmte Vermögenswerte oder vermögensrechtliche Ansprüche der Regierung und der Zentralbank des Iran, deren Eigentumstitel und von diesen kontrollierte juristische
Personen zu blockieren.

Zu jenem Zeitpunkt wurde die Botschaft der Vereinig-

ten Staaten in Teheran besetzt und amerikanisches Personal dort in flagranter
Verletzung des Völkerrechts als Geisel festgehalten.

Zudem hatte der Iran

plötzlich damit gedroht, seine Vermögenswerte von Banken in den Vereinigten
Staaten abzuziehen, keine Dollar mehr als Zahlungsmittel für Erdöl anzunehmen
und Verbindlichkeiten gegenüber den Vereinigten Staaten und amerikanischen
Staatsbürgern

zurückzuweisen.

Die Maßnahmen des Iran rüttelten an der Grund-

festen der internationalen Rechtsordnung, aber auch an der Stabilität der
Weltwirtschaft und des internationalen Wä'hrungssystems.
2. Die außerordentliche Bedrohung der nationalen Sicherheit, der Außenpolitik und der Wirtschaft der Vereinigten Staaten, deren Vorhandensein ich
am 14. November feststellte, besteht noch heute.

Die Vereinigten Staaten ha-

ben alle ihnen zur Verfügung stehenden diplomatischen und rechtlichen Mittel
ausgeschöpft, um diese außerordentliche Bedrohung zu beenden - jedoch ohne
Erfolg.

Der Iran hat eine Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes

ebenso ignoriert oder abgewiesen, wie Resolutionen des Sicherheitsrates der
Vereinten Nationen oder Anstrengungen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen und anderer zur Lösung der zugrundeliegenden Probleme.
3. Angesichts dessen besteht für mich die Notwendigkeit, folgendes zu
verbieten:
*
(a) Den Verkauf, die Lieferung oder anderweitige überstellung aller Arten
von Waren, Rohstoffen oder Produkten durch der

Rechtsprechung der Vereinig-

ten Staaten unterliegenden Personen - ausgenommen Lebensmittel, Medikamente
und Lieferungen mit dem eindeutigen Zweck medizinischer Anwendung sowie
Kleiderspenden in der Absicht der Linderung menschlichen Leidens - aus den
Vereinigten Staaten oder aus jedem anderen Land, gleichgültig,ob die Vereinigten Staaten Ursprungsland sind oder nicht, weder direkt in den Iran noch mit
Bestimmung dorthin, weder an eine iranische Regierungsstelle noch an eine na-

�natürliche oder juristische Person im Iran oder irgendeine andere Person oder
Körperschaft mit dem Zweck der Tätigung eines Geschäftes im Iran.

(b) Die Verfrachtung per Schiff, Flugzeug, Eisenbahn oder eine andere
Art von Landtransport, registriert in den Vereinigten Staaten oder im Besitz
oder gechartert von irgendeiner Person, die der Gesetzgebung der Vereinigten
Staaten unterliegt, oder der Transport (ob unter zollamtlichem Verschluß oder
nicht) durch die Vereinigten Staaten mit Hilfe von Beförderungsmitteln zu
Lande von jeglichen Waren, Rohstoffen und Produkten, die von Unterabschnitt
(a) dieses Abschnitts betroffen und die für den Iran, eine iranische Regierungsstelle oder irgendeine andere natürliche oder juristische Person oder
ein im Iran tätiges Unternehmen konsigniert oder bestimmt sind.

(c) Die Beförderung irgendeinerdieser Waren, Produkte

und Rohstoffe

wie sie von Unterabschnitt (b) dieses Abschnitts betroffen sind, auf Schiffen
oder Flugzeugen, die im Iran registriert sind.

(d) Die folgenden Handlungen irgendeiner Person, die der Gesetzgebung
der Vereinigten Staaten unterliegt, in Verbindung mit irgendeinem Rechtsgeschäft, das den Iran, eine iranische Regierungsstelle, ein vom Iran oder einer
iranischen Regierungsstelle kontrolliertes Unternehmen ode~ irgendeine Person
im Iran einbezieht:

(I) Die Verfügbarmachung neuer Kredite oder Darlehen;
(II) Die Verfügbarmachung neuer Depotfazilitäten oder cie Erlaubnis für
umfangreichere Erhöhungen bei Einlagen in anderen Währungen als dem
Dollar, die zur Zeit dieses Erlasses bestehen;
(III) Das Versäumnis, sich bei der Wahrung aller Rechte auf geschäftsmäßig korrekte Weise zu verhalten, wenn Zahlungen, die für bestehende Kredite oder Darlehen anstehen, nicht rechtzeitig geleistet
werden.

(e) Den Eintritt einer Person, die der Rechtsprechung de^ Vereinigten
Staaten unterliegt, in einen Dienstvertrag zur Unterstützung eines Industrieprojektes im Iran, mit Ausnahme all jener Verträge, die vor dm Zeitpunkt die- 3 -

�dieses Erlasses eingegangen wurden oder die medizinische Versorgung betreffen.
(f) Den Eintritt einer Person, die der Rechtsprechung der Vereinigten
Staaten unterliegt, in jedes Rechtsgeschäft, das irgendeines der oben angeführten Verbote umgeht oder vermeidet oder einen solchen Zweck oder eine solche Wirkung hat.
Beigefügt ist eine Kopie dieser Durchführungsbestimmung, die ich gemäß
50 u.S.C. 1641 (B) übersende.
4. Die Verbote von Abschnitt 3 finden keine Anwendung auf Rechtsgeschäfte
von der Rechtsprechung der Vereinigten Staaten unterliegenden Personen, die
Gesellschaften ohne Bankcharakter, Körperschaften oder andere Organisationen
sind, die nach den Gesetzen eines anderen Landes organisiert und geschäftlich tätig sind.
5. Die obiger Maßnahmen werden ergriffen, um die Ziele der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 31. Dezember 1979 angenommenen Resolution 461 zu
fördern, die vom Sicherheitsrat am 13. Januar 1980 besonders verfügt worden
wären, hätte es nicht das Veto der Sowjetunion gegeben.
6. Diese Maßnahme wird in bezug auf den Iran und seine Staatsangehörigen aus
den in diesem Bericht beschriebenen Gründen heraus ergriffen.

Das Weiße Haus,
7. April 1980

gez.: Jimmy Carter

+ + + + +

- 4 -

�rill

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

9. April 1980

VANCE GIBT UMFASSENDEN ÜBERBLICK ÜBER DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance gab am
27. März 1980 einen umfassenden überblick über die außenpolitischen Grundsätze der Vereinigten Staaten. In einer längeren Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats legte Vance acht Ziele und Interessen der USA dar:
- Aufrechterhaltung der Sicherheit durch ein gesichertes militärisches
Gleichgewicht;
- Gestaltung eines Verhältnisses zur Sowjetunion, in dem ein fundamentaler Wettstreit durch Zurückhaltung gebunden wird;
- Nachdruck auf Rüstungskontrolle;
Maßnahmen zur Verhütung einer künftigen Energie-Katastrophe;
- Erreichung

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�- Erreichung friedlicher Lösungen für Streitigkeiten in Unruhegebieten
der Welt;
- Aufbau positiver bilateraler Beziehungen zu allen Ländern, wo es gemeinsame Besorgnisse gibt;
- Unterstützung der Menschenrechte;
- Beachtung anderer weltweiter Trends, die "den Horizont verdunkeln".
Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit, mit Ihnen zusammen einen Ausblick über die
unmittelbaren Ereignisse hinaus auf die Gesamtposition und die Gesamtzielsetzungen Amerikas in der Welt zu geben.
Während der letzten vier Monate war unser Hauptaugenmerk auf ein Gebiet
der unmittelbaren Krise gerichtet - auf Südwestasien und den Persichen Golf.
Terrorismus in Iran und sowjetische Aggression in Afghanistan haben unsere
konzentierte Aufmerksamkeit erfordert. Aber während wir uns den derzeitigen
Herausforderungen stellen, müssen wir unsere Antwort auf einzelne Ereignisse
ständig in den Rahmen unserer umfassenderen Strategie einpassen. Unsere gegenwärtigen Maßnahmen dürfen nicht nur auf die Krisen des Augenblicks antworten, sondern müssen zugleich unsere langfristigen Interessen fördern.
Im Lauf der letzten Jahre bin ich schon oft vor diesem Ausschuß erschienen, um über einzelne Elemente unserer Außenpolitik zu sprechen. Diese Anhörungen bieten die Gelegenheit, Amerikas vielfältige Interessen, das Verhältnis, in dem sie zueinander stehen,und unseren Gesamtkurs zu überdenken.
Ich hoffe, daß diese Anhörungen auch einem weiteren Zweck dienen können:
nämlich, dabei behilflich zu sein, eine breite Übereinstimmung über den kontinuierlichen Kurs herauszukristallisieren, der den Interessen und den Erforder-

�Erfordernissen Amerikas im kommenden Jahrzehnt am besten dient.

Ich nehme nicht an, daß derzeit eine völlige Übereinstimmung bis in die
letzten Einzelheiten der Außenpolitik zu erwarten ist.

In einer Welt außer-

gewöhnlicher und wachsender Verflechtung, einer Welt, in der unsere Interessen
mannigfaltig sind, können wir uns den Alternativen nicht entziehen, die ihrer
Natur nach Stoff zur Kontroverse bieten.

Aber ich bin der Ansicht, daß trotz der Meinungsverschiedenheiten über
Entscheidungen, die wir getroffen haben und die wir und andere im Verlauf der
achtziger Jahre treffen werden, unser Land jetzt in der Lage ist, einen Konsensus über eine neue Außenpolitik herzustellen - über unsere Ziele in der
Welt und die wesentlichen Elemente unserer Strategie, um diese Ziele zu verfolgen.

Dieser Konsens kann sich durch Übereinstimmung hinsichtlich zweier zentraler Punkte entfalten:

- Erstens, die Vereinigten Staaten müssen ein militärisches Gleichgewicht der Kräfte aufrechterhalten.
weiterhin unübertroffen bleiben.
Frage stehen.

Unsere Verteidigungsstreitkräfte müssen
Unsere strategische Abschreckung muß außer

Unsere konventionellen Streitkräfte müssen stark und flexibel

genug sein, um der ganzen Bandbreite militärischer Bedrohungen begegnen zu
können, denen wir gegenüberstehen könnten.

Als Weltmacht müssen wir das welt-

weite militärische Gleichgewicht aufrechterhalten.

Unsere Stärke ist wichtig

für unsere eigene Sicherheit; für eine starke Außenpolitik, die frei von Zwang
ist; für das Vertrauen der Verbündeten und Freunde; und für die Zukunft beiderseitiger Rüstungskontrolle und andere Verhandlungen.

Unsere Stärke festigt

auch regionale Gleichgewichte, die durch direkte oder indirekte Einwirkung
sowjetischer Macht gestört werden könnten.

- Der zweite zentrale Punkt:

Unsere militärische Stärke ist allein

keine ausreichende Bedingung - auch wenn sie eine wesentliche Bedingung für

- 3-

�für eine wirkungsvolle Außenpolitik darstellt.
anderen Elementen der Stärke Kraft schöpfen:

Wir müssen auch aus unseren
unseren Bündnissen und anderen

internationalen Bindungen; unseren wirtschaftlichen Hilfsquellen; unserer Fähigkeit, mit der Vielfalt fertig zu werden; und aus unseren Idealen.

Wenn

wir daraus schöpfen, können wir jetzt dabei helfen, die Ereignisse in dieser
Welt in einer Weise zu gestalten, die die spätere Möglichkeit der Anwendung
militärischer Gewalt mindert.
Eine weltweite amerikanische Außenpolitik kann nur dann Erfolg haben,
wenn sie diese beiden Dimensionen enthält.
•

Manche Leute haben argumentiert, eine starke Antwort auf die militärische
Aufrüstung und auf die Aggression der Sowjetunion bedeute eine Überreaktion.
Aber man würde sich in Illusionen flüchten, wollte man das Anwachsen der
sowjetischen Militärprogramme und

-haushalte außer acht lassen, oder die

Aggression als ein Verteidigungsmanöver wegerklären.
Ebenso illusorisch wäre es - und ebenso gefährlich -, zu glauben, es
könne eine Festung Amerika geben, oder zu glauben, die Welt werde unserer
Führung einzig aufgrund unserer militärischen Stärke folgen. Amerikas Zukunft hängt nicht nur von unserer wachsenden militärischen Macht ab; es bedarf außerdem des fortgesetzten Strebens nach Sicherung der Energieversorgung
und Rüstungskontrolle, nach Menschenrechten und wirtschaftlicher Entwicklung
im Ausland.
Wenn wir auf die achtziger Jahre blicken, dann müssen wir uns zunächst
einmal ein klares Bild von der Welt machen.
- Wir stehen einer ernsten und anhaltenden sowjetischen Herausforderung
gegenüber, sowohl militärisch als auch politisch.
der Sowjetunion geht unvermindert weiter.

Die militärische Aufrüstung

Sie stellt eine größere Bereit-

schaft zur direkten Anwendung dieser Macht zur Schau, sowie zur Anwendung durch
andere.

In diesem Sinn ist Afghanistan das deutliche Zeichen eines umfassen-

- 4 -

�umfassenderen Problems, das auch in Äthiopien, im Südjemen, in Südostasien
und in anderen Gebieten evident wird.

- Die Weltwirtschaftsordnung macht einen dramatischen Wandel durch.
Energiekrise hat ihre Grundlagen erschüttert.

Eine

Wirtschaftliche Interdependenz

ist für die Bürger jedes Landes eine tägliche Realität geworden.

- Gleichzeitig hat die Verwirklichung nationaler Unabhängigkeit die politische Geographie des Planeten umgestaltet.

Es gibt einen Überfluß an un-

terschiedlichen Systemen und Lehenspflichten und eine weite Verbreitung politischer und militärischer Macht.

Innerhalb der Staaten werden wir Zeuge eines

immer rascheren Anstiegs der Erwartungen des einzelnen.

Diese Herausforderungen bedürfen eines umfassenden amerikanischen Engagements in der Welt, einer Entschlossenheit, unsere lebenswichtigen Interessen, falls notwendig, mit Gewalt zu verteidigen und den potentiellen Ursachen
von Konflikten bei zukommen, ehe die Konflikte ausbrechen können.

Die Anhörungen hier können zu einer klaren Erkenntnis beitragen, wie wir
den weiten Bereich unserer Interessen in einer immer komplexer werdenden
Welt besser ordnen und verwirklichen können.

In meinen Bemerkungen heute möchte ich acht zentrale amerikanische Interessen der kommenden Jahre erläutern.
selbst umfangreich.

Jedes dieser Interessen ist in sich

Aber ich glaube nicht, daß auch nur eines davon einge-

schränkt, oder weniger beachtet werden dürfte, ohne den anderen Schaden zuzufügen.
- Unser grundlegendstes Interesse und unsere oberste Priorität ist die
physische Sicherheit unseres Landes, die Sicherheit unseres Volkes.

Dies

erfordert starke Verteidigungsstreitkräfte und starke Bündnisse.
- Es erfordert weiter, daß wir und unsere Verbündeten mit Festigkeit
und Sorgfalt einen zweiten Interessenbereich beachten:
- 5 -

die Ost-West-Bezie-

�.

Beziehungen.

- Ein drittes Interesse - die Kontrolle der Zunahme und Weiterverbreitung nuklearer und anderer Waffen - vermehrt unsere kollektive Sicherheit
und die internationale Stabilität.
«

•

- Viertens, wir müssen uns der weltweiten Energiekrise stellen und die
Weltwirtschaft stärken, denn das ist für unser Wohlergehen als Volk und unsere
Stärke als Nation von zentraler Bedeutung.
- Ein fünftes Interesse, nämlich Frieden in den Unruhegebieten der Welt,
mindert die potentiellen Drohungen eines größeren Krieges und nimmt unseren
Rivalen Gelegenheiten, ihren Einfluß auszudehnen.
- Unsere Diplomatie in Unruhegebieten sowie unsere Fähigkeit zur Verfolgung unserer weltweiten wirtschaftlichen Zielsetzungen werden durch die Verfolgung eines sechsten Interesses gestärkt: Ausweitung unserer Bindungen zu
anderen Staaten - mit China zum Beispiel und überall in der Dritten Welt.
- Die Förderung der Menschenrechte ist mehr als ein Ideal. Auch das ist
ein Interesse. Friedliche Gewinne für die Freiheit sind zugleich Schritte
hin auf Stabilität im Ausland - und größere Sicherheit für Amerika.
- Und schließlich können wir unser Interesse daran nicht vernachlässigen,
Umweltfragen und andere längerfristige weltweite Trends anzugehen, die unsere
Zukunft gefährden können.
Die Verfolgung jedes dieser Interessen hilft dabei, jene Art von Welt zu
gestalten, die wir sehen möchten.

Jedes dieser Interessen ist wichtig - als

Teil dieser weiteren Konzeption und aufgrund der Tatsache, daß ein Mißlingen
in einem Bereich zu einem Mißlingen in einem anderen führen kann.
Können

- 6 -

�Können wir sagen, ob unsere Sicherheit mehr gefährdet ist durch das Anwachsen der sowjetischen Militärmacht oder durch die Belastungen, die wir
für die Weltwirtschaft voraussehen können?

Durch die Aussicht auf Kernwaffen

in der Hand weiterer Staaten oder durch die Aussicht auf soziale und politische
Unruhen in vielen Gebieten der Welt?
Harte Tatsache ist, daß wir jeder dieser Möglichkeiten gewärtig sein
müssen und gleichzeitig noch weiterer Herausforderungen. Es liegt auf der
Hand, daß unsere Interessen in besonderen Umständen miteinander kollidieren.
Wir können uns nicht vor der schwierigen Aufgabe drücken, unsere Interessen
gegeneinander abzuwägen und alle zu fördern, wann immer es möglich ist.
Unser Kurs in dieser Welt muß definiert werden durch eine vernünftig
ausgewogene Mischung der Interessen, die stets die zentrale Forderung nach
nationaler Sicherheit für unser Land und für unser Volk erfüllt. Kein simples Schlagwort und keine einzelne Priorität kann im voraus Antwort auf die
Schwierigkeiten des kommenden Jahrzehnts geben.
Wir können auch unsere Sicherheitsinteressen nicht in einer Weise definieren, die irgendeine Region ausspart.

Würde dies getan, dann lägen Staaten,

die für unser Wohlergehen von echter Bedeutung sind, jenseits unserer Interessenlinie, oder andere würden zu dem Glauben verleitet, wir würden ihnen
neue Einflußsphären zugestehen.
Sicherlich werden wir immer regionale Prioritäten haben. Wie ich noch
im einzelnen ausführen werde, sind unsere Verbündeten in Europa und im Fernen
Osten durch Geschichte, strategische Lage und gemeinsame Werte für unsere
Planungen ebenso zentral wie unsere Hemisphäre.
Wir haben außerdem in den zurückliegenden Jahren auf neue Gefahren in
einer Region wachsender strategischer Bedeutung geantwortet:
und den Persichen Golf.

Südwestasien

Lassen Sie mich wegen ihrer gegenwärtigen Dringlich-

keit und Bedeutung für unsere gesamte Außenpolitik damit beginnen.
Unsere
- 7 -

�Unsere oberste Sorge ist die anhaltende, illegale Gefangenhaltung von
Amerikanern in Teheran.

Selten sind unsere Entschlossenheit und unsere Ur-

teilskraft einer so schweren Probe unterzogen worden wie bei unseren Anstrengungen zu ihrer Befreiung.
leute frei sind.

Wir werden nicht ruhen, bis alle unsere Lands-

Solange ihre grausame Qual andauert, wird dieses Thema an

der Spitze unserer nationalen Tagesordnung stehen.
Wir haben eine Politik der Festigkeit und der Zurückhaltung verfolgt.
Dies ist der praktischste Kurs, der mit unserer nationalen Ehre und der Sicherheit der Geiseln in Einklang steht.
Die internationale Verurteilung des Iran und die wirtschaftlichen Maßnahmen, die den Preis erhöht haben, die der Iran für seine illegalen Aktionen
zahlen muß, haben den Iranern die Tatsache vor Augen geführt, daß das Festhalten der Geiseln ihren Interessen und dem Erfolg ihrer Revolution abträglich ist.
Doch hat die Zersplitterung der Macht im Iran einen Fortschritt bisher
verhindert.
Wir arbeiten auch weiterhin auf eine friedliche Lösung der Krise hin.
Die Vereinigten Staaten gaben ihre Zustimmung, daß eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen die Beschwerden des Iran anhören und sich um
eine friedliche Lösung der Geiselkrise bemühen sollte. Wir bedauern, daß
diese Kommission nicht in der Lage war, ihr volles Mandat in Teheran auszuführen. Wir sind bereit, die Kommission ihre Arbeit fortsetzen zu lassen,
sobald positive Bedingungen entstehen.
Wenn jetzt kein konkreter Fortschritt erzielt werden kann, werden wir
unsere Optionen erneut überprüfen.
Es geht hier nur um das eine Problem:

das widerrechtliche Festhalten

unseres diplomatischen Personals und amerikanischer Bürger entgegen jedem
Völkerrecht und internationaler Gepflogenheit.

Wir akzeptieren die iranische

�iranische Revolution als eine Tatsache; wir bestreiten nicht das Recht des
iranischen Volkes, über seine Zukunft selbst zu bestimmen; wir haben auch
nichts gegen den Wunsch des Iran, der Weltöffentlichkeit seine Beschwerden
kundzumachen.

Aber der Iran muß erst seinen fundamentalen Verpflichtungen

für die Sicherheit, das Wohlergehen und die Freilassung der Geiseln nachkommen .

Mehrere Umstände weiterreichender Natur in diesem Gebiet kommen zusammen und erfordern unsere Aufmerksamkeit.

- Da ist einmal unser direktes Interesse an der Region um den Persischen
Golf.

Rund ein Viertel unseres importierten Öls kommt aus diesem Gebiet der

Welt.

Bei unseren Verbündeten ist der Anteil noch höher - im Falle West-

europas sind es zwei Drittel, im Falle Japans drei Viertel.

Der Verlust die-

ses Öls würde zu chaotischen Verhältnissen nicht nur für die Weltwirtschaft,
sondern auch für die Sicherheit unserer Bündnisse führen.

Was für uns in dieser Region auf dem Spiel steht, umfaßt aber weit mehr
als nur das öl.

Friede und Stabilität in diesem Gebiet sind von kritischer

Bedeutung für die Zukunft unserer Freunde dort und wirken sich auf den Frieden im weiteren Sinne aus.

Unsere Stärke und unser Geschick bei der Unter-

stützung ihrer Unabhängigkeit werden ihnen und anderen die Kontinuität unserer
Zielsetzungen in der Welt vor Augen führen.

- Ein weiterer Umstand ist die Gefahr der Unruhe und Instabilität, die
durch Spannungen zwischen und innerhalb der Nationen hervorgerufen werden.

- Ein dritter ist die Zugangsmöglichkeit, den die Sowjetunion zu dieser
entscheidend wichtigen Region aufgrund der geographischen Verhältnisse hat.
Die sowjetische Invasion Afghanistans erhöht und aktualisiert die potentielle
Gefahr für die Sicherheit der Nationen in diesem Gebiet und für den freien Zugang der Welt zu den natürlichen Rohstoffquellen und Schiffahrtswegen.

Das
- 9 -

�Das sind die Tatsachen, was immer wir auch über die sowjetischen Ziele
denken mögen.

Denn Absichten lassen sich nicht mit Sicherheit erkennen.

Selbst wenn man es könnte, so können sich Absichten auch ändern.

Unsere Re-

aktion muß die Kapazitäten und das Verhalten der Sowjets zugrundelegen.

Auf

diese Realitäten jetzt entschlossen zu reagieren, heißt nicht apokalyptische
Bilder zu beschwören, sondern ganz einfach, klug zu sein.
So gehen wir daran, uns auf eine neue Sicherheitssituation einzustellen.
Wir haben unsere eigene Flottenpräsenz in diesem Gebiet verstärkt,und wir bemühen uns mit anderen um Zugang zu weiteren Luft- und Flotteneinrichtungen in
dieser Region.

Wir stehen mit anderen in Konsultation über Maßnahmen zur

Verstärkung der Abschreckung gegen jede künftige sowjetische Aggression.
•

Diese Maßnahmen dienen einem ausdrücklichen und unmißverständlichen
Zweck.

Wie es Präsident Carter formulierte:

"Ein Versuch durch eine Macht

von außen, die Kontrolle über die Region des Persischen Golfes zu erlangen,
wird als ein Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden, und ein solcher Angriff wird durch den Einsatz aller
notwendigen Mittel, einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden."
Wir tun ferner das unsrige, um die gegen Afghanistan verübte Aggression
mit einem hohen und anhaltenden Preis zu belegen. Die von uns getroffenen
Maßnahmen - beim Getreide, bei der Technologie, bei den Olympischen Spielen
und auf anderen Gebieten - verfolgen zwei Ziele.
Erstens, durch unsere feste und entschlossene Reaktion gegenüber der
Aggression

bemühen wir uns, sie anderswo abzuschrecken.

Aggression so zu tun, als sei

Angesichts der

nichts geschehen, hieße zu neuen Abenteuern zu

verlocken oder Fehleinschätzungen zu riskieren.
Entspannung läßt sich von Abschreckung nicht trennen.

Der Aggression

jetzt entgegentreten, heißt,den Frieden in der Zukunft fördern - die Bedin-

�Bedingungen für einen Fortschritt in den Ost-West-Beziehungen verbessern.
Die Annahme, wir könnten in den Genuß der Früchte der Entspannung gelangen,
während wir die Notwendigkeit der Abschreckung ignorieren, wäre kurzsichtig
und gefährlich.

Die Annahme, daß die Entspannung teilbar sei und daß man der

Aggression nur entgegentreten müsse, wenn sie direkt die eigene Region bedroht,
könnte zur Aggression an anderen Orten ermutigen.
Abschreckung erfordert Opfer.
ihren Anteil zu tragen.

Die Vereinigten Staaten sind gewillt,

Entscheidend wichtig ist, daß die Last der Opfer

unter all unseren Verbündeten verteilt wird, um unserer Bündnisse willen und
um der öffentlichen Unterstützung willen, durch die diese Bündnisse stark
werden.
Die sowjetische Invasion stellt nicht nur eine Herausforderung unserer
eigenen Interessen dar, sondern genauso der Interessen unserer Verbündeten.
Und insofern es eine Verteilung der Mühen und Lasten geben muß, so muß diese
eine faire sein.
Es ist nicht unser Bestreben - und wir fordern unsere Verbündeten auch
nicht dazu auf, den Gesamtrahmen der Ost-West-Beziehungen zu zerstören.
Wir fordern jedoch, daß sie Maßnahmen treffen, die dazu bestimmt sind, die
Sowjets vor neuen Abenteuern abzuschrecken, durch die neue Krisen hervorgerufen werden könnten. Es ist wichtig, daß wir und unsere Verbündeten in der
Verurteilung der Aggression fest zusammenstehen.
Dieses feste Zusammenstehen dient einem zweiten Ziel:

dem Abzug aller

sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan.
Der Westen steht mit dem von ihm ausgeübten Druck nicht allein.

Die

sowjetischen Aktionen wurden von der überwiegenden Mehrheit aller Länder der
Welt unverzüglich und nachdrücklich verurteilt.

Die Sowjets stoßen in

Afghanistan auf verbissenen, breitfundierten Widerstand.

All diese Faktoren

wirken zusammen und fordern von den Sowjets einen unverminderten Preis für
ihre Aggression.
Wir

�Wir unterstützen auch die Bemühungen um die Wiederherstellung eines neutralen, blockfreien Afghanistan, mit einer Regierung, die den Wünschen des
afghanischen Volkes entsprechen würde.

Bei einem unverzüglichen Abzug der

sowjetischen Truppen wä'ren wir im Verein mit den Nachbarn Afghanistans zu
einer Garantie für eine echte Neutralität und die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Afghanistans bereit.
Ich möchte aber klar aussprechen, daß,solange sowjetische Truppen in
Afghanistan verbleiben, die von uns als Reaktion auf die sowjetische Invasion
getroffenen Maßnahmen in Kraft bleiben werden.
einen sowjetischen Abzug.

Wir sehen kein Anzeichen für

Alles spricht für einen weiteren Ausbau ihrer Macht.

Genau so klar aber möchte ich aussprechen, daß es unsere Absicht ist,
die Sanktionen aufzuheben, sobald die sowjetischen Truppen aus Afghanistan
voll abgezogen sind.
Dazu würden auch die von uns in der vorigen Woche angekündigten strengeren Kriterien gehören, die sich auf Ausnahmen in den Kontrollbestimmungen
bei Exporten von technisch hochentwickelten Gütern nach der Sowjetunion beziehen. Doch würden die Veränderungen in der Liste der Güter, die zu kontrollieren sind, wenn sie von COCOM akzeptiert werden, so bestehen bleiben;
solche Veränderungen waren bereits lange vor der Invasion Afghanistans als
notwendig in Erwägung gezogen worden, um die Sicherheitsinteressen des Westens
zu unterstützen und dem Stand der sowjetischen Technologie zu entsprechen.
Auch werden wir unsere feste Position gegen die Beteiligung an den Moskauer
Olympischen Spielen nicht ändern. Die für Februar festgesetzte Frist ist
abgelaufen.
Unsere Antwort auf die unmittelbare Lage bildet einen Teil unserer langfristigen Strategie in dieser Region, wobei wir mit anderen zusammen an einem
Gesamtrahmen für kooperative Sicherheit arbeiten.

Unser Ziel ist es nicht,

irgendeine Nation zu beherrschen; unser Ziel ist es, den anderen Nationen die-

- 12 -

�dieser Region zu helfen, ihre Unabhängigkeit zu bewahren und ihre Stärke auszubauen, damit sie sich gegen jede Beherrschung durch andere wehren können.

Wir gehen auf dieses Ziel auf mehreren Wegen zu.

- Wir halten unerschütterlich an unseren Bemühungen um Frieden in diesem
weiten Gebiet fest.

Eine umfassende Friedensregelung zwischen Israel und

seinen Nachbarn bleibt das oberste Ziel für Amerika.

Eine solche Regelung

würde die Sicherheit Israels stärken, der wir unerschütterlich verpflichtet
bleiben.

Es würde aber auch die Sicherheit der Nachbarn Israels und die Sta-

bilität der Region als Ganzes vermehren.

In Südasien schadet das zwischen Indien und Pakistan herrschende gegenseitige Mißtrauen der Sicherheit beider und erhöht die Gefahr in der Region.
Wir werden auch weiterhin ihre Bemühungen um eine Lösung der sie trennenden
Fragen unterstützen.

Wir streben nach guten Beziehungen zu beiden Ländern.

Unsere jeweils dem einen gewährte Hilfe ist nicht gegen den anderen gerichtet.

- Wir arbeiten mit den Staaten der Region zusammen, um ihren wirtschaftlichen Fortschritt und ihre politische Stabilität zu fördern.

Die zu innerer

Unordnung einladenden Verhältnisse können nicht durch militärische Macht geheilt werden.

Dies kann nur dadurch geschehen, daß die Regierungen die Er-

wartungen ihrer Völker auf ihre eigene Weise und im Rahmen ihrer eigenen Traditionen erfüllen.

- Wir stärken die Grundlage für Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich in
dieser Region - durch militärischen Beistand, durch Zugang zu Stützpunkten
und durch verstärkte Präsenz.

Unter diesen neuen Umständen haben wir unsere

Verpflichtung im Rahmen des Abkommens über Zusammenarbeit mit Pakistan von
1959 erneuert.

Die Art unseres Wirtschafts- und Sicherheitsbeistands wird

sowohl von Pakistans Beurteilung seiner Erfordernisse als auch von unseren eigenen Möglichkeiten abhängen.

- Schließlich
- 13 -

�- Schließlich versuchen wir, unsere Beziehungen zu allen Staaten in diesem Gebiet zu verbessern, woimmer es eine Grundlage gemeinsamer Interessen
gibt.

Unsere Diplomatie gründet sich auf die Unterstützung der Unabhängig-

keit der anderen und auf den Respekt vor ihren Traditionen und Anliegen.
Ich habe mich auf unsere Betrachtungsweise dieses einen Gebietes deshalb
konzentriert, weil es von unmittelbarer Bedeutung ist und zugleich einen umfassenderen Plan illustriert:

Ebenso wie in dieser Region muß auch weltweit

unsere Haltung darin bestehen, unsere eigene militärische Stärke sowie die
unserer Verbündeten aufrechtzuerhalten, während wir gleichzeitig eine aktive,
positive Diplomatie verfolgen.

Beides dient dem gesamten Bereich unserer

Interessen.
•

Unser grundlegendstes Interesse ist die Aufrechterhaltung unserer Sicherheit

durch ein gesichertes Gleichgewicht militärischer Macht.

Seit über 15 Jahren wuchsen die sowjetischen Militärprogramme und -haushalte ständig an. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte haben sich ihre Verteidigungsanstrengungen verdoppelt. Es gibt kein Zeichen für ein Nachlassen
dieses Trends.
Während des größten Teils dieses Zeitraums sanken unsere Realausgaben.
Wir haben diesen Abwärtstrend umgekehrt. Denn hätte er angehalten, hätte sich
das gegenwärtige Gesamtgleichgewicht militärischer Macht auf gefährliche
Weise verändert.
Die Erhöhung der Verteidigungsausgaben, die diese Administration vorgeschlagen hat, erfordert Opfer in einer Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten.
Es sind Opfer, die wir jetzt zugunsten unserer Sicherheit in der Zukunft bringen müssen.
Dabei sollten wir bei unserem Vorgehen nicht unsere bestehende Stärke
unterschätzen.

Wir wollen keine gefährlichen Fehleinschätzungen unserer Macht

und unseres Willens.

Einfache
- 14 -

�Einfache Vergleiche der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte
berücksichtigen zum Beispiel nicht die Prinzipien kollektiver Sicherheit,
die im Mittelpunkt unserer Verteidigungsstrategie stehen.

Insgesamt leisten

unsere Verbündeten einen bedeutend größeren militärischen Beitrag als die
Verbündeten der Sowjets.

Die Stärke der NATO insgesamt stützt sich auf eine

wirtschaftliche Basis, die mehr als zweimal so stark ist wie die des Warschauer
Paktes.

Auch haben unsere Bündnisse einen grundlegenden Zusammenhalt, der

auf Seiten des Warschauer Paktes viel weniger gewiß ist.
Eine faire Bemessung des Gleichgewichts muß auch die Tatsache in Rechnung stellen, daß die Sowjets ein volles Viertel ihrer Landstreitkräfte und
ihrer taktischen Luftstreitkräfte entlang ihrer Grenze zu China disloziert
haben.
Im größeren Rahmen gesehen steht unsere Absicht in der Welt in grundsätzlicher Harmonie mit der festen Entschlossenheit der Nationen in der ganzen
Welt, ihre Souveränität zu verteidigen. Eine Absicht, die mit dem Nationalismus in Konflikt gerät - ein Versuch, andere zu dominieren und zu kontrollieren -, stellt weit mehr Schwierigkeiten und Gefahren dar: die Sowjets
lernen dies derzeit von den national gesinnten Menschen in Afghanistan.
Von größter Bedeutung jedoch ist die Tatsache, daß wir methodisch darangehen, potentielle Lücken in unseren Verteidigungsbereichen - im strategischen Bereich, im nuklearen Mittel Streckenbereich (TNF) und im konventionellen
Bereich - zu erkennen und sie zu schließen. Unsere Verteidigungsprogramme verzeichnen einen Realzuwachs. Die Wiedereinführung der Registrierung für den
Wehrdienst wird unsere Fähigkeit zur raschen Erhöhung der Zahl unserer Soldaten erhöhen, sollte eine künftige Krise dies erforderlich machen.
Das Bild eines Amerika, das angesichts wachsender Gefahren reglos verharrt, mag modisch sein, aber es ist offensichtlich auch falsch.
Unsere Sicherheit beginnt beim Gleichgewicht der strategischen Streitkräfte.

Das sowjetische Kernwaffenarsenal stellt die einzige glaubwürdige,
- 15 -

�glaubwürdige, direkte Bedrohung der Vereinigten Staaten auf dem nordamerikanisehen Kontinent dar.
Um vor dieser Gefahr wirkungsvoll abzuschrecken, brauchen wir die Fähigkeit zu sicherer und angemessener Vergeltung auf jeder Ebene des Angriffs.
Außerdem müssen wir Streitkräfte unterhalten, die im wesentlichen jenen der
Sowjetunion gleichwertig sind - und auch so anerkannt werden -, um die möglichen militärischen oder politischen Konsequenzen zu verhüten, die ein Ungleichgewicht mit sich bringen könnte.
Diese Erfordernisse - flexible Antwort und wesentliche Gleichwertigkeit werden durch unsere Programme zur Modernisierung und Verbesserung der drei
Elemente unserer Triade strategischer Streitkräfte beschleunigt:

durch die

mobile, landgestützte MX-Rakete, durch die TRIDENT-Untersseboote und die Raketen-Programme sowie die luftgestützten Marschflugkörper für unsere bemannten Bomber.
Unsere Sicherheit stützt sich auch auf die kollektive Verteidigung.

Die

Sicherheit unserer Verbündeten ist gleichbedeutend mit unserer eigenen.
Die Sowjetunion hat zusammen mit ihren Verbündeten im Warschauer Pakt
ihre Fähigkeit verbessert, einen Großangriff in Europa ohne große Vorwarnung
in die Wege zu leiten. Um dieser Gefahr zu begegnen, empfahl Präsident Carter
1977 der NATO ein Langfristiges Verteidigungsprogramm, um die Kapazitäten
der Verbündeten in jedem der zehn lebenswichtigen Bereiche zu verbessern,
die sich von der Luftverteidigung zur Flottenstärke erstrecken. Das Programm
wurde 1978 verabschiedet. Es wird derzeit ausgeführt.
Im September vorigen Jahres stimmten die NATO-Minister als Antwort auf
die sowjetische TNF-Modernisierung einem Plan zur Modernisierung unserer TNFStreitkräfte zu, während wir gleichzeitig durch Verhandlungen beiderseitige
Begrenzungen erstreben.
Diese
- 16 -

�Diese Verbesserungen der Streitkräfte spiegeln die gemeinsame Vorstellung innerhalb der NATO von einer wachsenden Bedrohung Europas wider - und
die gemeinsame Entschlossenheit zur Reaktion.

Ich will nicht so tun, als

gäbe es innerhalb des Bündnisses Einstimmigkeit in allen internationalen Fragen.

Aber in der NATO herrscht Einigkeit hinsichtlich ihrer zentralen Rolle,

und das Bündnis macht Fortschritte bei der Sicherstellung, daß seine Kapazitäten zur Erfüllung seiner Verpflichtungen ausreichend sind.
Wir haben in Asien Sicherheitsinteressen, die denen in Europa ähnlich
sind.

Wir haben uns dazu verpflichtet, unsere Stärke in Asien aufrechtzuer-

halten.
Unsere engen Bindungen an und unser enges Bündnis mit Japan spiegeln
die starken wirtschaftlichen Bande und die gemeinsamen Sicherheitsinteressen
wider. Unsere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich weitet sich aus. Die
japanischen Streitkräfte zur Selbstverteidigung werden ständig verbessert.
Wir haben die japanische Führung gedrängt, diese Programme innerhalb der durch
die japanische Verfassung festgelegten Grenzen auszuweiten.
Wir legen großen Wert auf unsere Bündnisse mit unseren ANZUS-Partnern
- Australien und Neuseeland. Wir stehen fest zu unseren anderen Sicherheitsverpflichtungen in der Region.
Als Antwort auf die festgestellte rasche militärische Aufrüstung in Nordkorea halten wir auch weiterhin unsere Stärke in diesem Gebiet aufrecht.
Gleichzeitig nimmt die Stärke unseres südkoreanischen Verbündeten zu.

Im

nächsten Jahr sollen die südkoreanischen Verteidigungsausgaben nahezu sechs
Prozent des Bruttosozialprodukts erreichen - im Vergleich zu etwa vier Prozent zu Beginn der siebziger Jahre.
Der Abschluß eines überarbeiteten Stationierungsabkommens mit den
Philippinen ist eine wichtige,positive Entwicklung für die anhaltende Verteidigung dieser Region.
Unsere
- 17 -

�Unsere Streitkräfte in Ostasien dienen nicht nur zur Verstärkung unserer
dortigen Sicherheitsverpflichtungen, sondern helfen aufgrund ihrer Mobilität
auch die Interessen zu schützen, die wir und unsere asiatischen Verbündeten
gemeinsam außerhalb der Region selbst haben, beispielsweise die im Persischen
Golf.
Unsere europäischen und asiatischen Bündnisse haben seit langem die Hauptprioritäten unserer Verteidigung in Anspruch genommen.

Sie stellen jedoch

nicht die äußere Grenze des Bereichs unserer Sicherheitsinteressen dar. Wir
müssen auch bereit sein, die Kapazität zum Widerstand gegen eine Aggression
in Gebieten außerhalb unserer Bündnisbereiche zu verstärken.
Lassen Sie mich kurz auf diese wichtige Frage eingehen.
Bei der unumstrittenen Bedeutung, die eine gesunde internationale Wirtschaft für uns hat, können wir nicht müßig zusehen, wie Ressourcen von entscheidender Wichtigkeit unter die Kontrolle einer auswärtigen Macht gelangen.
Unsere Interessen erfordern es, daß wir fähig und gewillt sind, anderen dabei
zu helfen, jeglicher Bedrohung ihrer Souveränität Widerstand zu leisten und
insbesondere der wachsenden Fähigkeit der Sowjetunion zum Einsatz ihrer Macht
außerhalb des eigenen Bereichs entgegenzuwirken.
Unsere Fähigkeit, unsere Macht andernorts darzustellen, ist unerreicht.
Dennoch müssen Verbesserungen vorgenommen werden. Die Erhöhung der Mobilität
unserer Eingreiftruppen wird dabei ein wichtiger Schritt vorwärts sein. Pläne
für Vorausbereitstellungsschiffe unserer Marine und ein neues mächtiges
Transportflugzeug werden unsere Fähigkeit zu einer raschen Reaktion in Krisenfällen weiter verstärken.
Das Vertrauen unserer Freunde und unser politischer Einfluß in der Welt
beruhen zu einem Teil auf unserer militärischen Stärke und unserem Willen,
diese, wenn notwendig, einzusetzen. Wir müssen als absolut zuverlässig gelten.
Unsere Stärke muß als voll ausreichend angesehen werden, um realistischen Bedrohungen zu begegnen.
Gewiß
- 18 -

�Gewiß gibt es Grenzen für das, was wir tun können und sollten.

Wir

würden das Vertrauen unserer Freunde und Verbündeten durch kriegerisches
Sä'belgerassei oder eine Positur, aus der man ein Interesse an der Beherrschung anderer souveräner Staaten ableiten könnte, nur untergraben.
Präsident in seiner Botschaft über die Lage der Nation sagte:

Wie der

"Unsere Macht

wird niemals genutzt werden, um eine Bedrohung der Sicherheit irgendeines
Landes oder der Rechte irgend eines Menschen auszuüben."
Es gibt keine einfache Formel, um im voraus zu bestimmen, wann wir unsere militärische Macht über die Gebietsgrenzen unserer Bündnisse hinaus einsetzen sollten.

Die richtige Reaktion muß in jedem Falle sein, eine Funk-

tion der Bedeutung und Unmittelbarkeit der auf dem Spiele stehenden amerikanischen und verbündeten Interessen; des Ursprungs und der Art der Bedrohung;
der potentiellen Verwicklung der Freunde und Verbündeten innerhalb und außerhalb der betroffenen Region; der Aussichten auf Erfolg und der möglichen
Kosten unseres Engagements

sowie anderer Faktoren.

Unser System legt die Verantwortung, für den Einsatzbefehl für unsere
Streitkräfte zu recht sowohl dem Präsidenten wie dem Kongreß auf.

Um einen

solchen Einsatz durchzuhalten, bedarf es einer festen Basis in der Öffentlichkeit.

Zweifellos geben wir einem direkten militärischen Engagement nicht

den Vorzug.

Die beste Antwort auf Pressionen von außen liegt in der eigenen

Stärke eines Landes selbst.

Vernünftige Programme für einen Sicherheitsbei-

stand und Waffenlieferung können unseren Freunden dabei helfen, ihre eigene
Fähigkeit zum Widerstand aufzubauen.

Eine Politik, die sich ausschließlich auf unsere eigene militärische
Stärke konzentriert und es versäumt, die legitimen Sicherheitserfordernisse
unserer Freunde zu berücksichtigen, wäre mehr als kurzsichtig.
fährlich.

Sie wäre ge-

Denn eine solche Politik würde die Gefahr von Konflikten und inter-

nationalen Konfrontationen erhöhen, die vermieden werden könnten, wenn das
Sicherheitsgleichgewicht am Ort erhalten bleibt.

Lassen
- 19 -

�Lassen Sie mich darauf hinweisen, Herr Vorsitzender, daß eine Verringerung unseres Sicherheitsbeistands heute eine Verringerung unserer eigenen
Sicherheit in Zukunft bedeuten würde.

Solche Programme sind kein Geschenk

an andere Staaten; es sind Investitionen, die sowohl unseren Sicherheitsinteressen als auch deren eigenen dienen.
Während wir die Anforderungen von Verteidigung und Abschreckung befriedigen, besteht unser zweites Interesse darin, ein Verhältnis mit der Sowjetunion zu entwickeln, bei dem unser fundamentaler Wettbewerb durch Zurückhaltung eingegrenzt wird.
Die sowjetische Invasion Afghanistans und ihr Abenteurertum in Afrika
und Asien haben diesem Verhältnis und den unmittelbaren Aussichten auf eine
friedlichere Welt echten Schaden zugefügt.
Wir sind bereit, für eine Aggression einen Preis zu fordern, solange
es nötig ist. Bei all unseren Handlungen werden wir Amerikas Interesse und
Werte fördern.
Aber wir wollen keinen Kalten Krieg, keine blinde Konfrontation. Es
liegt nicht in unserem Interesse, das Rahmenwerk der Ost-West-Beziehungen,
das im Lauf von mehr als einer Generation errichtet wurde, einzureißen - auch
nicht in einer Zeit erhöhter Spannungen. Selbst wenn wir die unmittelbaren
Auswirkungen eines unbegrenzten Wettbewerbs zugunsten unserer eigenen Interessen abschätzen könnten - und wir sind dazu nicht in der Lage -, so fordern allein schon unsere Beziehungen zu unseren Verbündeten und unsere Glaubwürdigkeit in der ganzen Welt eine im guten Glauben unternommene Anstrengung
Amerikas, um das Rahmenwerk friedlichen Zusammenlebens zu schützen.
Aus diesem Grund haben wir unsere formellen Verpflichtungen sogar dann
eingehalten, als wir auf die sowjetische Aggression antworteten.

Der Sowjet-

union werden zwar bestimmte Vorteile vorenthalten; aber wir haben keine formellen Abkommen gebrochen.

Der Fortschritt wurde unterbrochen; aber sobald

- 20 -

�sobald es das sowjetische Verhalten erlaubt, wird sich das Tor zu einer stabileren und gegenseitig fruchtbaren Beziehung - zu einem Wettbewerb, begrenzt
durch Zurückhaltung und Achtung der beiderseitigen Interessen - wieder öffnen.
Unterdessen sollten wir uns davor hüten, unsere Diskussion über die OstWest-Beziehungen auf eine Weise zu führen, die eine falsche Wahl zwischen
zwei Extremen suggeriert:

zwischen dem utopischen Zustand perfekter Entspan-

nung einerseits oder einem Zustand unversöhnlicher Feindschaft andererseits.
Realismus und Sicherheit erfordern ja gerade, daß sich unsere Beziehungen fortwährend zwischen diesen beiden Polen bewegen.

Manchmal wird es größeren Fort-

schritt in Bereichen des beiderseitigen Interesses geben; manchmal, so wie
jetzt, werden die Elemente der Gegnerschaft in unseren Beziehungen vorherrschen.
Immer wird es Elemente von bei dem geben.
Während wir versuchen, vor weiterer Aggression abzuschrecken,und auf ein
Ende der Invasion in Afghanistan drängen, arbeiten wir zugleich daran, die Bedingungen zu schaffen, die es uns ermöglichen werden, zum Aufbau einer stabileren Beziehung zurückzukehren.
Ein dritter Bereich, der betont werden muß und hiermit in Zusammenhang
steht, ist die Rüstungskontrolle.
Unseren Interessen wurde durch die Rüstungskontroi labkommen gedient, an
denen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion beteiligt sind.
1963 stellten wir die Kernwaffenversuche in der Atmosphäre ein.

Im Jahre
Das SALT I-

Interimsabkommen fror die Anzahl strategischer Offensivraketen zu einer Zeit
ein, als die Sowjets in diesem Bereich aufrüsteten, wir jedoch nicht.

Der

Vertrag über Raketenabwehr-Raketen (ABM) verhinderte ein potentiell kostspieliges und destabilisierendes Wettrüsten bei diesen Defensivwaffen.
In gleicher Weise würde der SALT II-Vertrag den obersten Sicherheitsinteressen dieses Landes dienen.
Wir
- 21 -

�Wir alle müssen höchst sorgfältig die Folgen für eine Welt bedenken,
in der es kein SALt II gibt:
*

.

•

Wie würde diese Welt aussehen?
- Ohne SALT gäbe es keine vereinbarte Begrenzung der Anzahl strategischer
Systeme, die die Sowjets bauen könnten. Mit Leichtigkeit könnten sie in den
kommenden fünf Jahren eine Gesamtzahl von 3000 Abschußsystemen erreichen - was
700 mehr bedeuten würde, als der Vertrag einräumt.
- Ohne SALT gäbe es keine Begrenzung der Anzahl der einzelnen Gefechtsköpfe auf jeder Rakete. Jede der schwersten Raketen der Sowjetunion - der
SS 18 - könnte theoretisch 20 oder sogar 20 nukleare Gefechtsköpfe tragen,
anstatt der von dem Vertrag zugestandenen zehn.

Diese 308 SS 18-Raketen könn-

ten die Sowjets mit all den zusätzlichen Gefechtsköpfen bestücken, über die
derzeit ihre gesamte strategische Streitmacht verfügt.
- Ohne SALT würde unsere eigene Verteidigungsplanung überaus erschwert.
Zum Beispiel gäbe es viel größere Schwierigkeiten bei der Entwicklung und
dem Aufbau unseres M-X-Programms; auch seinen Zweck würde es mit viel weniger
Sicherheit erfüllen.
- Ohne den Vertrag wäre unsere Fähigkeit zur Überwachung der sowjetischen
strategischen Streitkräfte - und damit die Beurteilung der sowjetischen Möglichkeiten - geschmälert, da es dann keinerlei Beschränkung dabei gäbe., diese
Streitkräfte absichtlich zu verheimlichen.
- Ohne den Vertrag würde der wahrscheinlich eintretende Zuwachs bei den
strategischen Kapazitäten der Sowjetunion uns zu weiteren Verteidigungsausgaben zwingen, die die Möglichkeiten unseres Haushaltes - die schon jetzt
begrenzt sind -, weiterhin einengen.
Die Vorteile von SALT II im Sicherheitsbereich wurden durch die Ereignisse der letzten Zeit erneut unterstrichen. In einer Zeit erhöhter Spannungen
- 22 -

�Spannungen zwischen den Supermächten wird wirkungsvolle gegenseitige Zurückhaltung bei den strategischen Waffen nur noch umso wichtiger.

Aus diesen zwingenden Sicherheitsgründen heraus sollten wir mit der Ratifizierung zum frühestmöglichen Zeitpunkt weitermachen.

In der Zwischenzeit ist es von äußerster Wichtigkeit, daß beide Seiten
auch weiterhin die beiderseitigen Beschränkungen beachten, die SALT I und
SALT II auferlegen.

Unsere eigenen strategischen Programme stehen mit die-

sen Abkommen in Einklang.

Wir werden natürlich auch weiterhin gemeinsam mit

dem Kongreß unsere Erfordernisse im Bereich der strategischen Waffen im Auge
behalten und die Maßnahmen der Sowjets genau beobachten, um zu gewährleisten,
daß sie ein ähnliches Maß an Zurückhaltung an den Tag legen.

Aus den gleichen Gründen heraus werden wir mit ausgewogenen und verifizierbaren Rüstungskontrollabkommen auf anderer Ebene vorangehen, wo immer dies
möglich ist - bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR), über Antisatelliten-Kriegsführung, über das Verbot von
Kernwaffenversuchen, über chemische Kriegsführung und in anderen Bereichen.
Auf dem Tisch bleibt auch das Verhandlungsangebot über TNF-Waffen, und wir
haben die Sowjetunion dazu aufgefordert, es gemeinsam mit uns aufzugreifen.

Keine einzige dieser Anstrengungen wird unternommen, um anderen einen
Gefallen zu erweisen; jede dient den nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten ebenso wie denjenigen anderer Staaten.

Unsere Bereitschaft zur Zurückhaltung bei den strategischen Waffen verstärkt wiederum andere, entscheidende Rüstungskontrollanstrengungen.

Insbe-

sondere müssen wir uns mit der Weiterverbreitung (Proliferation) von Kernwaffen
auseinandersetzen.

Diese Technologie ist längst kein Geheimnis mehr.

Länder haben bereits Atomexplosionen durchgeführt.

Sechs

Mindestens ein weiteres

Dutzend könnte innerhalb weniger Jahre eine Waffe herstellen, sollten sie sich
dazu entschließen.
Die
- 23 -

�Die Gefahren in dieser Richtung liegen auf der Hand.

Regionales Wett-

rüsten mit Kernwaffen ist zu einer echten Gefahr geworden.

Das Vorhandensein

von Kernwaffen in Unruheherden vervielfacht die Möglichkeit ihrer Verwendung.
Aus diesem Grund bemühen wir uns auch weiterhin darum, daß möglichst
viele Staaten den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen.

Wir fordern andere

dazu auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Vertrag von Tlatelolco
in Kraft treten zu lassen.

Und wir unterstützen mit ganzer Kraft die Verbes-

serung und Anwendung der Sicherheitsregeln der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).
Im Jahr 1977 rief Präsident Carter auch die Internationale Bewertung des
Kernbrennstoffzyklus (INFCE) ins Leben, um Hersteller- und Verbraucherstaaten
in die gemeinsame Suche nach Möglichkeiten einzubeziehen, wie die Vorteile
der Kernkraft genutzt werden können und gleichzeitig das Risiko begrenzt wird,
daß Kernwaffen entwickelt werden.

Dabei handelt es sich nicht um Gespräche,

die alle Meinungsverschiedenheiten aus der Welt schaffen; vielmehr war dies
eine technische Studie, die die Probleme erhellte und mögliche Lösungen aufzeigte.

Sie ermöglichte ein besseres Verständnis der wirtschaftlichen und

technologischen Aspekte sowie der Risiken, die mit dem Kernbrennstoffzyklus
verbunden sind, und brachte Übereinstimmung hinsichtlich einer Reihe mittelfristiger Ziele.

Diese umfassen den potentiellen Wert eines internationalen

Verfahrens zur Bewirtschaftung überschüssigen Plutoniums, klarere Zusicherungen
für Verbraucher hinsichtlich der Brennstoffversorgung bei wirkungsvollen Nanproliferationskontrollen und die Umrüstung von Forschungsreaktoren, die hochangereichertes Uran verwenden.
In vielen Bereichen bleiben Meinungsverschiedenheiten bestehen. Aber die
Kernfrage, um die es geht, wurde durch diese gemeinsame Anstrengung näher an
eine Lösung herangeführt.
Immer mehr Länder werden sich in dem vor uns liegenden Jahrzehnt der
Schwelle zur Kernwaffe nähern - einige davon, in den Regionen von Spannung
und Konflikt, mit ungewissen Absichten.
- 24 -

Die Zeit, die noch bleibt, um den

�den Reiz der Kernwaffen zu mindern und sichere Wege zu entwicklen, um den legitimen Bedarf im Energiebereich zu befriedigen, zerrinnt.

Unsere Anstren-

gungen um die Nichtweiterverbreitung sind derzeit lebenswichtiger denn je.
Viertens:

Es liegt offensichtlich in unserem Interesse, jetzt zu han-

deln, um eine künftige Energiekatastrophe zu verhindern.

Denn das ist es

ganz schlicht und einfach, was auf uns wartet.
Derzeit importieren wir etwa 40 Prozent des Erdöls, das wir verbrauchen.
Allein in diesem Jahr

wird sich die Rechnung für diese Einfuhren auf etwa

90 Milliarden Dollar belaufen.
Diese Energieabhä'ngigkeit heizt unsere Inflation an.
Dollar unter Druck.

Sie setzt den

Sie erhöht unsere Verwundbarkeit.

Mehr als alles andere im kommenden Jahrzehnt wird unsere Anstrengung,
die Kontrolle über unsere Energiezukunft zu gewinnen - durch Einsparung,
durch Ausweitung unserer eigenen Förderung und durch Entwicklung neuer und
nachwachsender Brennstoffe -, nicht nur die Qualität des Lebens im eigenen
Land bestimmen, sondern auch die Stärke unserer Position in der Welt.
Auch müssen wir die tiefgreifenden Folgen der weltweiten Energiekrise
für die anderen Verbraucherländer beachten, deren wirtschaftliche Gesundheit unsere eigene beeinflußt.
Unsere Verbündeten sind in noch stärkerem Maße als wir selbst von den
Förder- und Preisentscheidungen der OPEC sowie von den politischen Ereignissen in den ölförderländern abhängig.
Dieser Gesichtspunkt wird auf das lebhafteste durch die Lage der Türkei
beleuchtet, die derzeit zwischen 70 und 80 Prozent ihrer Exporteinnahmen für
ihre ölimporte aufwenden muß. Aufgrund der Brennstoffknappheit kann die dortige Industrie nur zu etwas weniger als 50 Prozent ihrer Kapazität ausgelastet werden.

Man kann den Druck gar nicht genug betonen, den die Energie- 25 -

�Energiekrise auf viele Staaten - wie diesen demokratischen und strategisch
gelegenen Verbündeten - ausübt.
Die Entwicklungsländer tragen noch härter an der Last der steigenden
ölpreise, an der Inflation, die sie mit anheizen,und an den Schulden, die sie
mit sich bringt.

In diesem Jahr werden die Entwicklungsländer allein für öl

und Schuldendienst dreimal so viel bezahlen,wie sie an Wirtschaftshilfe von
allen demokratischen Industriestaaten und den OPEC-Staaten erhalten.
Die Vereinigten Staaten haben ein unmittelbares Interesse an der Lebensfähigkeit der Entwicklungsländer.

Ihre Bedeutung als Handelspartner nimmt

immer mehr zu - als Märkte und als Lieferquellen.

Zudem kann die politische

Wirkung ihrer wirtschaftlichen Stagnation ernsthafte Folgen auch für uns haben - große soziale Spaltungsprozesse, Umkehrung des Fortschritts in Richtung auf Demokratie und Menschenrechte und neue Möglichkeiten für Gewalt und
Rassismus.
Kurz, unsere Wirtschaft und letztlich unsere Sicherheit hängen davon ab,
ob wir die Kontrolle über unsere eigene Energiezukunft gewinnen können und
ob die Weltwirtschaft den schwierigen Übergang zustande bringt, der vor uns
liegt.
In den letzten Jahren haben wir einigen Fortschritt erzielt.

Während

unsere Wirtschaft im vorigen Jahr Wachstum verzeichnete, ging unser Ölverbrauch zurück. Die Elemente einer nationalen Energiepolitik nehmen Gestalt
an.
Der anhaltende Fortschritt hier im eigenen Land wird auch unseren internationalen Anstrengungen Auftrieb verleihen, wenn wir mit anderen Verbraucherländern zusammenarbeiten, um eine strengere Sparsamkeit zu erreichen und
durch Finanzierung der Weltbank und bilateralen Beistand neue Energiequellen
zu erschließen.
Während
- 26 -

�Während wir uns mit dem Energieproblem auseinandersetzen, ist es von
großer Bedeutung, zugleich unsere weiteren wirtschaftlichen Interessen im
Auge zu behalten und nicht den Fortschritt zu gefährden, der in den vergangenen Jahren zur Öffnung und Stärkung der Weltwirtschaft gemacht wurde.

Trotz der Hartnäckigkeit protektionistischer Impulse, wie sie in Zeiten
wirtschaftlicher Schwierigkeiten auftreten, gelang es, bei den Handelsverhandlungen im Rahmen der Tokio-Runde, sich auf deutliche Senkungen von Handelsschranken zu einigen - ein Ergebnis, das sowohl unseren Zugang zu ausländischen
Märkten verbessert als auch eine Hilfe zur Inflationsbekämpfung hier im eigenen
Land darstellt.

Der gegenwärtige wirtschaftliche Druck darf diese bedeutsame

Leistung nicht untergraben.

Die weltweite Wirtschaftsstruktur wird auch noch durch andere Maßnahmen
gestärkt - durch Verhandlungen über Rohstoffabkommen, Fortschritte beim Gemeinsamen Fonds und durch zusätzliche Mittel für die Multilateralen Entwicklungsbanken.

Der Internationale Währungsfonds vor allem spielt eine Hauptrolle, um
Ländern in dieser Periode der Anpassung Unterstützung zu gewähren und die
gewaltigen Überschüsse der OPEC in den Kreislauf des Geldes zurückzuführen.
Um diese überaus wichtigen Aufgaben zu erfüllen, ist eine Erhöhung der Quoten
des Währungsfonds von entscheidender Bedeutung; sie soll planmäßig noch in
diesem Jahr erfolgen.

Auch haben wir ein Interesse daran, das notwendige

Kapital für die Weltbank, die Internationale Entwicklungsgesellschaft und
die Regionalen Entwicklungsbanken zu garantieren.

Damit wir uns nicht mißverstehen: Die vor uns liegenden Jahre werden für
die Weltwirtschaft beschwerlich sein.
mierend.

Der Trend bei den ölpreisen ist alar-

Die OPEC-Länder werden auch weiterhin gewaltige Überschüsse erzie-

len - sie werden für das Jahr 1980 auf über 100 Milliarden Dollar geschätzt -,
was zugleich für die anderen Staaten ein entsprechendes Defizit bedeutet.
Die Entwicklungsländer werden davon am härtesten getroffen; sie stehen vor
der qualvollen Wahl zwischen stagnierendem Wachstum

und höheren Schulden.
Durch

- 27 -

�Durch die von uns ergriffenen Maßnahmen gewinnen wir zwar etwas Zeit.
Aber wir müssen diese Zeit nutzen, um fundamentale Anpassungen in unserem
Energieverbrauch und unserer Produktion zu erreichen.

Unsere älteren In-

dustriezweige müssen koordinierter arbeiten und sich neu orientieren, um der
unvermeidlichen Herausforderung einer offeneren und wettbewerbsfähigeren Weltwirtschaft gerecht zu werden. Mehr Investitionen müssen für neue Produktionsreihen und für die moderne Technologie bereitgestellt werden.

Denn das

ist notwendig, um das Gleichgewicht des internationalen Handels wiederherzustellen und um die künftige Prosperität des amerikanischen Volkes zu
gewährleisten.
Ein fünftes Element unserer globalen Strategie ist die Erreichung friedlicher Lösungen der Streitfälle in Krisengebieten der Welt.
i-

•

'

•

-

*

•

•

Diese Aufgabe ist zwingend, und sie hat ihren Preis. Es ist immer schwieriger, auf Anpassungen hinzuarbeiten, die nicht den Forderungen einer jeden
Seite gerecht werden können, weil sie von allen Seiten akzeptiert werden müssen.

Wir müssen auf Frustration vorbereitet sein.

Aber die Arbeit für den Frieden steht in einem direkten Bezug zu unserem
Interesse an der kollektiven Sicherheit und an der Freiheit anderer Länder
vor Beherrschung von außen. Regionale Konflikte bergen die Gefahr weitergreifender Konfrontationen in sich. Streitigkeiten zwischen unseren Verbündeten - wie zwischen Griechenland und der Türkei - schwächen die gemeinsame
Verteidigung. Und wie der Magnet Eisen anzieht, so scheinen Konflikte in der
Dritten Welt die Interessen der Sowjets, der Kubaner oder anderer anzuziehen,
die bereit sind, aus Unordnung für sich Kapital zu schlagen.
Wir können mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen, daß in dem Streben nach
Frieden wirkliche Fortschritte erzielt worden sind.
Der Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten aus dem Jahr 1979 ist
ein historisches Ereignis.

Es gibt für uns keine dringendere diplomatische

Priorität als das Bemühen, diesen Frieden auszubauen und zu vertiefen, damit
- 28 -

�damit Israel, die angrenzenden arabischen Staaten sowie das palästinensische
Volk sicher und in Würde leben können.

Unsere unmittelbare Aufmerksamkeit muß den Autonomieverhandlungen gelten.

Botschafter Linowitz hat hart und in sehr fähiger Weise an einer Kon-

zentrierung und Beschleunigung dieser Gespräche gearbeitet, bei denen man
jetzt zu den substantiellen Fragen kommt, die den eigentlichen Kern der Verhandlungen bedeuten - Fragen wie Sicherheit, Wasser, Land.

Wir geben uns

keinen Illusionen über die Schwierigkeit und Sensitivität der noch offenen
Probleme hin.

Aber in diesem Entwicklungsprozeß haben wir Hindernisse über-

wunden, die vorher unüberwindlich schienen.

Der Präsident hat den arabischen Staatspräsidenten Sadat und Ministerpräsident Begin zu Gesprächen im April nach Washington eingeladen.

Sie wissen,

daß der Prozeß von Camp David die beste Möglichkeit seit 30 Jahren bietet,
dem Nahen Osten die Sicherheit des Friedens zu bringen.

Wir dürfen diese

Chance nicht verpassen.

Auch im südlichen Afrika hat es einen historischen Durchbruch gegeben.
Das Land Zimbabwe wird bald Realität werden - durch den Realismus der Beteiligten, durch die Umsicht der britischen Diplomatie, durch den Einsatz anderer afrikanischer Staaten und durch die konstruktive Rolle, die die Vereinigten Staaten gespielt haben.

Die Standhaftigkeit des amerikanischen

Kongresses, sich den Versuchen zur Aufhebung der Sanktionen zu widersetzen,
hat wesentlich dazu beigetragen, daß Verhandlungen und Wahlen statt Bürgerkrieg die Zukunft Rhodesiens gestalten.

Ich lege großen Wert darauf, daß die Bedeutung dieses Ereignisses richtig erkannt wird.

Der Bereich unserer Interessen in Afrika ist groß - Sicher-

heitsinteressen, wirtschaftliche Interessen, ein Interesse an der politischen
Zusammenarbeit hinsichtlich aller globalen Fragen.

Nach meinem Dafürhalten

hätte keine Politik diesen Interessen besser dienen können als unsere unerschütterliche Unterstützung des Prinzips der Mehrheitsherrschaft unter der
Berücksichtigung der Rechte der Minderheit in Rhodesien.
- 29 -

Und nichts hätte u_ns_

�uns dort mehr schaden können, als bei dieser entscheidenden Anstrengung
schwankend zu werden.
Friede und Stabilität stehen auch in anderen Teilen der Welt auf dem
Spiel - im östlichen Mittelmeer, in Südostasien, im nordwestlichen Afrika,
in unserer eigenen Hemisphäre. All diese Fälle haben in gewisser Weise Auswirkungen auf amerikanische Interessen.

Gleichzeitig gibt es natürlich

praktische Grenzen hinsichtlich dessen, was wir oder irgendein anderes Land
tun können.
Die Art unseres Engagements wird unterschiedlich sein - von der Unterstützung der Bemühungen anderer über die Vermittlung unsererseits bis zum
Beitrag zum Gleichgewicht der Kräfte, wenn dies notwendig werden sollte,
um anderen einen Anreiz zur friedlichen Lösung von Streitigkeiten zu geben.
Aber in jedem Falle sind wir entschlossen, den uns zur Verfügung stehenden Einfluß geltend zu machen, um praktische Alternativen zum Krieg zu entwickeln.
Wir fördern den regionalen Frieden auch auf andere greifbare Weise., indem
wir uns nämlich bemühen, die Zerstörungen des Krieges, wenn sie nicht verhindert werden können, zumindest zu begrenzen.
Seit 1977 haben die Vereinigten Staaten die Frührung bei dem Bemühen
übernommen, auf vereinbarte Begrenzungen bei der Lieferung konventioneller
Waffen hinzuarbeiten.

Wenn wir auch weiterhin davon überzeugt sind, daß sol-

che Abkommen zu einer sichereren Welt beitragen können, so erwarten wir jedoch
zu diesem Zeitpunkt keine Fortschritte.
•

Solange es auf internationaler Ebene keine vereinbarte Zurückhaltung gibt,
planen wir keine weitere Herabsetzung der Höchstgrenze unserer eigenen Waffenlieferungen.

Aber die anderen Elemente unserer Waffenlieferungspolitik werden

auch weiterhin unseren Interessen dienen.
Unsere
- 30 -

�Unsere Waffenlieferungen müssen sich auf die Bewertung der amerikanischen
Außenpolitik sowie auf den nationalen Sicherheitsinteressen gründen.

Diese

Politik hat einen zweifachen Effekt:
- Sie muß jene Waffenlieferungen erleichtern, die offenkundig die Sicherheit der Vereinigten Staaten, unserer Verbündeten und Freunde fördern;
und
- sie muß Lieferungen einschränken, die über legitime Verteidigungserfordernisse hinausgehen, ein regionales Wettrüsten oder die Instabilität
fördern könnten oder auf andere Weise den amerikanischen Interessen
nicht nützen.
Kurzum, das Ziel unserer Waffenlieferungen ist Sicherheit, nicht Profit.
Wir haben ein Interesse am Aufbau positiver bilateraler Beziehungen
zu allen Ländern, sofern eine Basis für gemeinsame Anliegen und Interessen
vorhanden ist.
Dutzende neuer Länder - und neuer Machtzentren - sind seit dem Ende des
Zweiten Weltkrieges entstanden.

Die internationale Landschaft - und damit

das Wesen der Diplomatie - haben sich grundlegend verändert.

Fragen, die für

uns von direkter Bedeutung sind, werden nicht mehr nur in einigen wenigen
Hauptstädten, sondern in 105 solcher Zentren entschieden.

Unser Zugang zu

Ressourcen und zu Verteidigungseinrichtungen läßt sich nicht mehr einfach deklarieren .sondern muß vereinbart werden.

Wenn wir positive Beziehungen über-

all auf der Welt suchen, so nicht,weil wir unbedingt geliebt werden wollen,
sondern weil es um unsere Interessen und das Wohlergehen unseres Volkes geht.
Dieses Interesse an einem weitverzweigten Netz von Beziehungen spiegelt
sich in der Form unserer internationalen Politik wider:
- Diese Administration hat sich besonders hart um die Stärkung unserer
altbewährten Partnerschaften mit unseren traditionellen Verbündeten bemüht.
- 31 -

�bemüht.

Wenn neue Spannungen und Belastungen zwischen uns aufzutreten schei-

nen, dann leiten sie sich hauptsächlich aus der Tatsache her, daß wir uns zusammen vor neue und harte Herausforderungen gestellt sehen.
- Wir haben oft ein Interesse an der Zusammenarbeit mit Nationen, deren
Ideologien von den unseren verschieden sind.

In einer vielgestaltigen Welt

wird die genaue Skala unserer Werte selten, wenn Liberhaupt, eine Wiederholung
finden.

Es wäre sinnlos, unseren Einfluß zu beschränken, indem wir uns wei-

gern, spezifischen gemeinsamen Interessengebieten mit anderen Nationen nachzugehen, weil wir in einem weitergefaßten Sinne mit ihnen nicht übereinstimmen.
Das ist der Grund, warum wir im Prinzip gegen eine Beschränkung unserer
Hilfs- und Handelsprogramme nach der Liste von Land zu Land sind.

Ganz sicher

werden wir keine solche Beziehungen haben, wenn es nicht doch eine Basis für
eine Kooperation gibt - wie dies jetzt bei Kuba und Vietnam der Fall ist.
Unsere Diplomatie aber wird behindert, wenn solche Restriktionen Gesetzesform erhalten.

Die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zur Volksre-

publik China illustriert den Wert eines unbehinderten, offenen Vorgehens.
Sie ist als solche eine Leistung von historischer Bedeutung - ein Ereignis
von wirtschaftlicher wie diplomatischer Bedeutung, von globaler wie auch regionaler Auswirkung.

Die Normalisierung ist kein Zweck an sich.

Sie ist viel-

mehr der Beginn von andauernden Bemühungen um die Verbesserung unserer Beziehungen zu Peking.
In ähnlicher Weise arbeiten wir an der Verbesserung unserer Beziehungen
zu den Staaten Osteuropas.
- Die Wahrnehmung unserer Interessen erfordert auch, daß wir Nachdruck
auf eine andere miteinbeziehende Form der Diplomatie legen, bei der alle, für
die etwas auf dem Spiel steht, auch ihre Rolle haben und ermutigt werden, ihren Anteil an der Verantwortung für harte Entscheidungen mitzuübernehmen.
Solche multilateralen Anstrengungen sind zeitraubend und schwierig.

Aber der

Aufbau von Koalitionen ist ein Prozeß, den wir Amerikaner mit unseren plu-

- 32 -

�pluralistischen Traditionen sehr gut verstehen.

Bei vielen Fragen ist dies im

Ausland nicht anders als in unserem eigenen Land der einzige Weg, um zu brauchbaren Ergebnissen zu gelangen.

Unser Interesse erfordert keinesfalls, daß andere wie wir sind oder in
jedem Falle auf unserer Seite stehen.

Wir suchen ihre Bereitschaft, Gebiete

von gemeinsamem Interesse zu finden oder aber für den Fall, daß unsere Interessen kollidieren, zu einem ausgewogenen Kompromiß zu gelangen.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang zu der Ansicht Stellung nehmen,
daß wir in unseren Beziehungen zur Dritten Welt zwischen zwei gangbaren Möglichkeiten zu wählen hätten:

Entweder Wettstreit mit den sowjetischen Ambi-

tionen in der Dritten Welt, indem man die Entwicklungsländer hauptsächlich
durch ein Ost-West-Prisma sieht, oder indem man sich mit der Dritten Welt in
erster Linie gemäß den eigenen Problemen der Dritten Welt einläßt.

Diese wer-

den manchmal als die ausschließlichen Optionen dargestellt.

Aber die so dargestellte Entscheidung - zwischen dem Interesse an dem
eigentlichen Anliegen der Dritten Welt und der Entschlossenheit, sowjetischen
Vordringen zu begegnen - ist falsch.

De facto sind beide miteinander zusam-

menhängende Züge in einer einzigen Strategie.

Denn die beste Strategie, um

mit den Sowjets zu konkurrieren, besteht darin, die praktischen Interessen
der Länder der Dritten Welt selbst anzusprechen - nicht nur ihre Sicherheitsbelange, sondern auch ihre Ziele der wirtschaftlichen und politischen Gerechtigkeit.

Es wäre natürlich irreführend, wollte man so einfach über unsere einen
weiten Bereich von Problemen betreffenden Differenzen mit den Entwicklungsländern hinweggehen.

Aber wir können höchst wirksam und zu unserem beider-

seitigen Vorteil darüber verhandeln, wenn sie das Vertrauen haben, daß wir
die Ziele eines fairen und gerechten wirtschaftlichen Wachstums und politischer
Unabhängigkeit gemeinsam mit ihnen verfolgen.

Sicherlich
- 33 -

�Sicherlich hat es schmerzliche Enttäuschungen und Rückschläge gegeben.
Aber weil wir für diese Ziele eingetreten sind, sind unsere Beziehungen zu
den meisten Staaten Afrikas, Lateinamerikas und Asiens besser als sie es
viele Jahre hindurch gewesen sind.
Der siebente Weg, auf dem wir unsere Interessen in der Welt - ja unsere
Sicherheit auf lange Sicht - fördern, ist unser Eintreten für die Menschenrechte.
-

.

•

'

. .

•

•

•

•

Wenn die beiden Grundbegriffe - Menschenrechte und nationale Sicherheit in einem Atemzug genannt werden, so oft, um damit einen unvermeidbaren Konflikt zum Ausdruck zu bringen - eine fundamentale Spannung zwischen dem Streben nach dem Guten und dem Streben nach dem praktisch Durchführbaren.
'

•

Ich weise mit aller Entschiedenheit den Gedanken zurück, daß es eine
grundsätzliche Unvereinbarkeit gäbe zwischen dem Eintreten für die Menschenrechte und der Verfolgung des Eigeninteresses.
.

.

.

•

'

•

Damit will ich keinesfalls sagen, daß es niemals zu einem Konflikt zwischen den Belangen der Menschenrechte und den Belangen der Sicherheit kommen
kann.

Wir können uns den harten Entscheidungen, die in einem solchen Falle

getroffen werden müssen, nicht entziehen.

Wir müssen ständig abwägen, wie

wir die Förderung der Menschenrechte am besten unterstützen und doch unsere
Fähigkeit beibehalten können, wesentliche sachliche Verhandlungen mit Regierungen - auch unpopulären - in Ländern zu führen, wo es für uns bedeutsame
Sicherheitsinteressen gibt.
Wir wissen aus unserer eigenen nationalen Erfahrung, daß im Drang nach
menschlicher Freiheit eine ungeheure Kraft und Vitalität steckt.

Dieser

Drang ist weltweit, voller Dynamik und letztlich nicht unterdrückbar.
Gerade in den letzten Jahren hat dieser Drang nach größerer Mitsprache
im wirtschaftlichen und politischen Leben neuen Ausdruck gefunden - in
Spanien und Portugal und Griechenland, in Nigeria und Ghana und Obervolta, vn.

�in Ecuador, Peru und der Dominikanischen Republik und anderswo.
Diese Länder sind ein überzeugendes Beispiel für die These, daß in der
Welt die Zeichen der Zeit auf die Menschenrechte hinweisen, und daß es in unserem Interesse liegt, diese Bewegung zu unterstützen.
Die Vereinigten Staaten können das Verdienst für diese Entwicklungen
nicht für sich beanspruchen.

Aber wir können darin den Beweis finden, daß

unsere Politik der Förderung der Menschenrechte nicht nur im Einklang mit
amerikanischen Idealen steht, sondern auch im Einklang mit den Wünschen und
Hoffnungen der anderen.
Unser Eintreten für diese Wünsche und Hoffnungen ermöglicht es uns, die
führende Position im Wettstreit um den Einfluß in der Welt wiederzuerlangen.
Es steht in deutlichem Gegensatz zu den Praktiken der Sowjetunion im Ausland
- wie Afghanistan zeigt - und im eigenen Land, wie das innere Exil von Andrei
Sacharow es klar zeigt.

Kurzum:

Unsere Bereitschaft, nachdrücklich für den Fortschritt der Menschen-

rechte einzutreten, gibt unserem Einsatz für die Freiheit die Glaubwürdigkeit.
Und es ist dieser unbedingte Einsatz, der stets zu den nachhaltigsten Stärken
Amerikas in der Welt gehört hat.

Unser Eintreten für die Menschenrechte dient unseren Interessen noch auf
andere Weise.

Wie Präsident Carter es in seiner Botschaft über die Lage der

Nation ausdrückte:

"In repressiven Regimen hat das Gefühl der Vergeblichkeit im Volk oft
kein anderes Ventil als die Gewalt.

Aber wenn Völker und ihre Regierungen

ihre Probleme gemeinsam angehen - durch offene, demokratische Methoden -, ist
die Grundlage für Stabilität und Frieden viel solider und haltbarer".

Wie der Präsident sagte, unterschiedliche Anschauungen können nicht lange
unterdrückt werden, ohne daß die Saat gewaltsamer Ausbrüche gesät wird.

Und

wenn erst einmal die Bindungen zwischen Regierung und Volk zerstört sind,

- 35 -

�sind, kann auch eine Intervention von außen ihr überleben auf lange Sicht
nicht sicherstellen.
Somit liegt es zutiefst in unserem nationalen Interesse, den konstruktiven
Wandel zu unterstützen, ehe sich diese Bindungen auflösen und die Alternativen
des Radikalismus oder der Repression maßvolle Lösungen unmöglich machen.
Wie die einzelnen Gesellschaftssysteme den Wandel bewältigen,müssen sie
selbst entscheiden.

Wir können und sollen nicht die Gesellschaftsverträge

anderer Gesellschaften schreiben.
Wir können

andere

aber in dem Bemühen unterstützen, friedliche und

geordnete Reformen zu fördern - auf ihre Weise.
Wir tun dies dergestalt, daß wir unsere Ablehnung der Folter, der willkürlichen Inhaftierung und anderer mißbräuchlicher Verletzungen der Grundfreiheiten des einzelnen deutlich bekunden. Solche Maßnahmen mögen kurzfristig
eine Art von Ruhe herstellen, langfristig aber schaffen sie nichts als Bitter
keit.
Wir tun dies durch Verstärkung der Bemühungen, die wirtschaftlichen und
politischen Institutionen für eine umfassendere öffentliche Beteiligung zu
öffnen, um sie in die Lage zu versetzen, widerstreitende Auffassungen und
Interessen besser miteinander in Einklang zu bringen.
Und wir tun dies ferner dadurch, daß wir uns in der Entwicklungshilfe darauf konzentrieren, die Regierungen dabei zu unterstützen, die grundlegenden menschlichen Ansprüche ihrer Völker zu befriedigen; indem wir unser
Teil dazu beitragen, der größten moralischen Herausforderung unserer Zeit
zu begegnen - die Not von Hunderten von Millionen menschlicher Wesen zu beseitigen, denen eine ausreichende Ernährung und Gesundheitsversorgung abgeht -, bekämpfen wir die eigentlichen Ursachen der Instabilität.

Wir müssen

angesichts der Forderung dieser Menschen nach der Gewährleistung ihrer grund-

�grundlegenden Menschenrechte anerkennen, daß Stabilität nur durch friedliche
Mittel, nicht aber durch verzweifelte Anstrengungen zur Aufrechterhaltung
des Status quo erreicht werden kann.

Nirgendwo wird im gegenwärtigen Zeitpunkt der Wettlauf zwischen radikalem
und friedlichem Wandel deutlicher als in Lateinamerika.

Und nirgendwo wird

unsere Verpflichtung auf den friedlichen Wandel auf eine so eindeutige Probe
gestellt.

In Nikaragua stehen wir vor der Aufgabe, uns mit anderen Ländern dieses
Raumes zusammenzuschließen, um dem Volk und der Regierung von Nikaragua zu
helfen, auf den Trümmern der Diktatur und des Bürgerkrieges eine stabile, gesunde und demokratische Gesellschaft zu errichten.

Wir können keine Gewähr bieten, daß die Demokratie dort Fuß fassen wird.
Nikaragua aber den Rücken zu kehren, hieße dazu beizutragen, daß die Demokratie dort scheitert.

Die Weigerung, benötigte amerikanische Hilfe zu gewähren, hat schon
wiederholt unsere eigenen Interessen gefährdet.

Sie schwächt unsere Position

auf dem Sektor der Privatwirtschaft, dem der größte Teil unserer Hilfe zugutekommen würde.

Sie hat es seit längerem schon für die nikaraguanische

Regierung schwierig gemacht, eine Entwicklungsstrategie zu verfolgen, die
für den staatlichen wie für den privaten Sektor eine wichtige Rolle vorsieht.
Sie hat den Kubanern in die Hand gespielt.

Alle diejenigen, die sich wegen des Potentials für radikale Revolutionen
in Lateinamerika und des wachsenden Einflusses Kubas in diesem Gebiet Sorge
machen, sollten zu den entschiedensten Verfechtern unserer Bemühungen zur
Unterstützung Nikaraguas beim Aufbau einer besseren Zukunft gehören.

Unsere wesentliche Herausforderung in El Salvador ist ähnlich gelagert.
Im Oktober vorigen Jahres haben reformbewußte Offiziere eine Militärdiktatur
gestürzt, um dem Ausbruch eines gewaltigen und blutigen Bürgerkrieges zuvor- 37 -

�••'

•

|

• •

zuvorzukommen.

.

' V -

••

.

'

,

•

•

•

'

.

•

•

'

•

'

:

'

'

;

'

.

Die revolutionäre Junta-Regierung, der auch Vertreter der

christlich-demokratischen Partei angehören, hat einen umfassenden friedlichen
Wandel auf ihre Fahnen geschrieben.

Eine eindrucksvolle Agrarreform hat in

landwirtschaftlichen Gebieten bereits 224 000 ha Bodenfläche in den Besitz
von Armen überführt.

Der endgültige Erfolg dieses Programms wird weitgehend

von unserer Fähigkeit abhängen, technische und wirtschaftliche Hilfe zu leisten.
Die Gefahren der Situation wurden in der bedauerlichen Ermordung von Erzbischof Romero deutlich.
Sollte die Reform scheitern, wird El Salvador zum Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen der radikalen Linken und der radikalen Rechten werden.
Eine gemäßigte Lösung ist noch immer möglich.
esse.

Sie liegt in unsrem Inter-

Wir werden dieses Interesse dergestalt verfolgen, daß wir die Regierung

von El Salvador dabei unterstützen, auf weitere Fortschritte zu drängen.
In kurzen Worten:

Wir verfolgen unsere Zielsetzungen auf dem Gebiet der

Menschenrechte nicht allein deshalb, weil dies rechtens ist, sondern auch
weil für uns viel auf dem Spiele steht, wenn es um die Stabilität geht, die
nur dann zustande kommt, wenn ein Volk seine Hoffnungen frei zum Ausdruck und
seine Zukunft selbst frei gestalten kann.

Unsere Ideale und unsere Interessen

sind deckungsgleich.
i

Achtens und abschließend können wir unsere Interessen nicht so eng fassen,
daß wir anderen weltweiten Trends, die den Horizont verdunkeln, unsere unmittelbare Aufmerksamkeit entziehen.
Wir sind mit der Tatsache konfrontiert, daß sich die Weltbevölkerung in
der nächsten Generation verdoppeln und damit das weltweite Potential an natürlichen Hilfsquellen aufzehren kann; so schwinden, um nur ein Beispiel zu geben, die tropischen Wälder der Erde mit einer Rate von 20 ha pro Minute dahin.
Der weltweite Strom von Flüchtlingen, die aus ihrer Heimat vertrieben werden
- heute rund sieben bis acht Millionen Menschen -, schwillt laufend an. Der
- 38 -

�Der gewaltige internationale Handel mit Drogen kostet unsere

Gesellschaft

jedes Jahr nahezu 50 Milliarden Dollar und zerstört Tausende von Menschenleben.

Die steigende Welle des internationalen Terrorismus richtet sich ge-

gen den Kern unserer bürgerlichen Ordnung.

Man stelle sich einmal vor, wie schwer es unsere

Kinder in unserer Welt

haben werden, wenn wir uns diesen Problemen nicht heute schon auf der Basis
ihrer Dringlichkeit zuwenden.

Diese Angelegenheiten jeweils auf die Nachfolge-

generation in unserer Außenpolitik abwälzen zu wollen, hieße nun nur umso
ernstere Folgen für uns in der Zukunft heraufzubeschwören.

- Deshalb haben wir unsere bilateralen Hilfszusagen auf dem Gebiet der
Familienplanung erweitert.

Die Vereinigten Staaten stellen auf diesem Ge-

biet die meisten Mittel zur Verfügung.

- Wir haben größere Aufmerksamkeit und größere Ressourcen auf die Bemühungen konzentriert, solchen möglicherweise gefährlichen Umwelttrends entgegenzuwirken wie dem weltweiten Schwinden der Bestände an Tropenwäldern und
Anbauflächen und der schleichenden Ausdehnung der Wüsten.

- Die Vereinigten Staaten haben eine führende Rolle bei der Unterstützung
und Wiederseßhaftmachung von Flüchtlingen übernommen, insbesondere im Falle
von Flüchtlingen aus Südostasien, bei denen die Not besonders akut ist.
Humanitäre Gründe allein schon zwingen uns zu einem großzügigen Verhalten.
Unsere politischen und strategischen Interessen verstärken die Notwendigkeit
hierzu, weil massive Flüchtlingsströme die Spannungen in Gebieten verschärfen,
die infolge politischer und militärischer Auseinandersetzungen ohnehin in
Schwierigkeiten geraten sind.

Wir müssen befreundeten Ländern helfen, die

schwere innere Belastung zu tragen, wenn sie die zusätzliche Belastung durch
den Zustrom von Flüchtlingen auf sich nehmen.
:

f

- Wo immer dies möglich war, haben wir unsere bilaterale Zusammenarbeit
mit jenen Regierungen verstärkt, die sich darum bemühen, die Erzeugung von
Drogen innerhalb ihrer Grenzen zu unterbinden.
- 39 -

n.

�Die Schritte, die wir heute unternehmen, um solche weltweiten Probleme
in den Griff zu bekommen, sind geeignet, zu verhindern, daß wir später von
ihnen überrannt werden.
Aber lassen Sie mich an dieser Stelle noch etwas Grundsätzliches darlegen:

Für diese - und viele der anderen Aufgaben, die ich heute morgen hier

angeführt habe - kann es keine ausschließlich amerikanischen Lösungen geben.
Es kann nur internationale Lösungen oder überhaupt keine geben.
Die Geißel des Terrorismus bietet ein besonderes Beispiel hierfür.

Kein

Land kann auf sich allein gestellt mit ihr fertig werden. Wir arbeiten in
den Vereinten Nationen und in anderen multilateralen Institutionen auf das Zustandekommen eines internationalen Konsensus über die Kriminalität von Terrorpraktiken hin.

Die verschiedenen internationalen Konventionen - über Flug-

zeugsabotage, Flugzeugentführung, den Schutz von Diplomaten und gegen Geiselnahmen - spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Wir brauchen ein verstärktes Eintreten für den Grundsatz, daß Regierungen der terroristischen Erpressung nicht nachgeben dürfen und daß diejenigen, die sich terroristischer Akte
schuldig machen oder diese unterstützen, bestraft werden müssen.

Kein prak-

tisch möglicher Schritt in Richtung auf dieses Ziel - ob einseitig oder
multilateral - darf versäumt werden.
Auf diesem und vielen anderen Gebieten lautet die Wahrheit, daß wir unsere eigene Sicherheit in Zukunft nicht gewährleisten können, ohne einen
Rahmen für eine weltweite Zusammenarbeit in Fragen zu schaffen, die viele
Länder und Völker gleichermaßen berühren.
Das ist der Grund dafür, daß wir die zunehmende Stärke regionaler Zusammenschlüsse wie der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), der Organisation Afrikanischer Einheit (OAU) und der Vereinigung Südasiatischer Länder (ASEAN) begrüßen und fördern.
Und das ist auch der Grund dafür,daß wir die Vereinten Nationen und
die ihr angeschlossenen Sonderorganisationen unterstützen und fortgesetzt
stärken helfen.

Sie sind Zentren weltweiter politischer Aktivitäten.
- 40 -

Der

�Der kollektive Ausdruck der Weltmeinung, wie ihn die jüngsten Abstimmungen
der Vereinten Nationen in bezug auf Afghanistan und den Iran verkörperten,
zeigt deutlich, daß unsere Interessen dort vorangebracht werden können.

Im

Nahen Osten und auch in anderen Gebieten vermindern deren Friedenskräfte
die Spannungen.

In bezug auf die Flüchtlinge, den Kampf gegen Kunger, An-

alphabetentum und Krankheit, die Stärkung des internationalen Widerstands
gegen den Terrorismus, und andere für uns wichtige Fragen, leisten die Vereinten Nationen konkrete Beiträge,

Gewiß bestehen Grenzen hinsichtlich dessen, was internationale Organisationen bewerkstelligen können.

Sie aber als irrelevant oder unkonsequent

abzutun, wäre töricht.

Es ist eine einfache Tatsaches daß wir ihrer Hilfe und sie unserer Unterstützung bedürfen.

Die Institutionen der internationalen Zusammenarbeit und

des internationalen Rechts sind von entscheidender Bedeutung für die praktische
Förderung unserer Interessen in der Welt.

Herr Vorsitzender, ich weiß, daß sich niemand der Breite und Mannigfaltigkeit der Herausforderung, mit der wir konfrontiert sind, deutlicher bewußt ist als jedes der Mitglieder dieses Ausschusses.
umfangreichen Tagesordnung,

Wir stehen vor einer

sie erfordert fortgesetzt die strenge Auswahl

unter zwingenden, aber konkurrierenden Interessen.

In einer gefahrvollen

Welt erfordert diese Tatsache die Bereitschaft, unsere lebenswichtigen Interessen nötigenfalls energisch zu verteidigen, und eine Diplomatie des aktiven
und konstruktiven Engagements, um die Gefahren zu vermindern, denen wir uns
ausgesetzt sehen.

Das mag Opfer notwendig machen - an Ressourcen für unsere

Verteidigung und an Hilfe für andere Länder, an einem verminderten Verbrauch
von Energie und an Anstrengungen zur Eindämmung der Inflation.

Unsere Klug-

heit und unsere Beharrlichkeit wird auf eine harte Probe gestellt werden.

Es wird uns teuer zu stehen kommen, wollten wir es an Verständnis für
eine Welt des raschen Wandels ermangeln lassen und vor ihrer Vielschichtigkeit
zurückschrecken.

Es ist eine einfache Wahrheit, daß sich vielschichtige Pro- 41 -

�Probleme selten durch simple Lösungen bereinigen lassen.
Manche Kreise meinen, wir versuchten, zu viel zu tun.

Ich meine, wir

können es uns - im Hinblick auf unsere nationalen Interessen - nicht leisten,
weniger zu tun.
Manche meinen, daß wir in dem Versuch, zu viel zu tun, zu wenig erreichen.
Ich meine, daß wir in Stärkung unserer militärischen Position... in unserem
erneuten Eintreten für die NATO und mit deren Stärkung - mit der Aushandelung
des SALT II-Vertrages - durch die Normalisierung der Beziehungen zu China mit unserem Beitrag zum Zustandekommen eines Friedens zwischen Israel jnd
Ägypten und eines Rahmens für einen umfassenden Frieden im Nahen Osten - mit
der Förderung des Friedens in Zimbabwe - mit dem Panamakanal-Vertrag - in den
erfolgreichen multilateralen Handelsverhandlungen und mit anderen Verbesserungen
des Welthandelssystems - mit den engeren Bindungen zu den Entwicklungsländern und durch das Eintreten für die Menschenrechte - auf allen diesen Gebieten,
meine ich, befinden wir uns auf dem rechten Weg, auch wenn es ein langer und
beschwerlicher Weg ist.
Einige meinen, daß wir mit unserem Eintreten für den friedlichen Wandel
in Richtung auf größere menschliche Gerechtigkeit überall auf der Welt zu
Radikalismus ermutigen; aber ich meine, daß sich die Welt verändert...
daß Menschen überall ein besseres Leben fordern. Die Vereinigten Staaten müssen ihre Vision von einer besseren Zukunft anbieten, oder die Zukunft wird
anderen gehören.
•

Manche meinen, Exekutive und Legislative könnten in Fragen der Außenpolitik nicht wirkungsvoll zusammenarbeiten.

Ich meine, daß in den letzten

Jahren auf diesem Gebiet vieles geleistet wurde.
•

Gewisse Leute meinen, Amerika befinde sich in einer Periode des Niedergangs.

Ich bin überzeugt, daß sich diese Leute irren.
Fe
L5

�Es steht außer Frage, daß die kommenden Jahre düstere Aussichten bergen.
Die sowjetische Herausforderung in Afghanistan und anderswo - die Energiekrise - revolutionäre Ausbrüche dort, wo die Erwartungen dem Fortschritt vorauseilen - solche Tagesereignisse sind aller Wahrscheinlichkeit nach Vorboten
von Trends des kommenden Jahrzehnts. Das ist die Realität, mit der wir uns
konfrontiert sehen.
Es ist aber auch eine Realität, daß uns unsere Stärke - unsere militärische, wirtschaftliche und politische Stärke - eine bisher beispiellose
Fähigkeit zur Übernahme der Führungsrolle in der Welt gibt.
Wir können Erfolg haben - wenn wir Macht mit Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Geduld verbinden.
Wir können Fortschritte erzielen, wenn wir unsere Interessen in voller
Breite verfolgen und den gesamten Bereich unserer Stärke zur Geltung bringen.

+ + + + +

- 43 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8637">
                <text>09.04.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8638">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8639">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14018">
                <text>Amerikadienst 09.04.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14019">
                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA brechen diplomatische Beziehungen zum Iran ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt Katalog wirtschaftlicher Maßnahmen gegen den Iran vor&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft des Präsidenten an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vance gibt umfassenden Überblick über die amerikanische Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1683" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1694">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/871bd08fa55d843f246dbe29880e4a44.pdf</src>
        <authentication>20543bdce8962dfe44be3daa42c1834c</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8636">
                    <text>an

Information
und
Dokumentation

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. April 1980

18

INHALT

INFORMATION
USA schieben Verhängung zusätzlicher Sanktionen gegen Iran auf
- Wortlaut der Erklärung des US-Präsidenten DOKUMENTATION
Unterstaatssekretär Saunders erläutert US-Politik in Südwestasien
HINTERGRUNDMATERIAL
Sawhill: Umfassendes Energieprogramm der USA
- Stellvertretender US-Energieminister vor der Auslandspresse Nahrungsmittel oder Kraftstoffe?
- Nachwachsende Energiequellen können Entscheidungszwang für die
Landwirtschaft bedeuten -

Um Übcf/enclung von
ßclcgcxcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. April 1980

18

USA SCHIEBEN

VERHÄNGUNG ZUSÄTZLICHER SANKTIONEN GEGEN IRAN AUF

- Wortlaut der Erklärung des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 1. April 1980 bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten die Verhängung zusätzlicher Sanktionen
gegen Iran, um die Freilassung der in Teheran festgehaltenen amerikanischen
Geiseln zu erreichen, aufgeschoben haben.

Diese Entscheidung folgte auf die

Rede des iranischen Staatspräsidenten Bani-Sadr zum Jahrestag der Islamischen
Republik, in der er die Übergabe der Geiseln von den Studenten an die Regierung ankündigte.

Amerikanische Regierungskreise in Washington wollten sich zu Einzelheiten über die Beziehungen zu iranischen Regierungskreisen nicht äußern.

In einer Rede vor der Bauarbeitergewerkschaft im amerikanischen Gewerkschaftsverband AFL-CIO am gleichen Tag betonte Präsident Carter, daß es keinen Grund für Entschuldigungen gegenüber dem Iran gebe:

"Ich möchte eines

klarstellen", so sagte er, "Niemand in der Regierung der Vereinigten Staaten
hat sich bei irgend jemand in der Regierung des Iran entschuldigt...

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Der Grund

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Grund dafür ist, daß es nichts gibt, wofür wir uns entschuldigen müßten".
Carter bezeichnete die Rede Bani-Sadrs als eine positive Entwicklung, hob
jedoch gleichzeitig hervor, daß sich die Vereinigten Staaten niemals mit
der Geiselnahme abfinden werden.
Die Erklärung, die Präsident Carter im Weißen Haus vor der Presse abgab, hat folgenden Wortlaut:
"Wie Sie sicher wissen, haben wir eine positive Entwicklung im Iran
angestrebt, und wir haben an die Übergabe der amerikanischen Geiseln aus
der Kontrolle der militanten Kräfte in die Fürsorge und den Schutz der iranischen Regierung gedacht.
Wenn es nicht zu dieser Maßnahme kommen sollte oder nicht gekommen ist,
haben wir weitere Sanktionen gegen den Iran erwogen und die iranische Regierung von dieser Tatsache in Kenntnis gesetzt.
Heute morgen hat der Präsident des Iran bekanntgegeben, daß die Kontrolle
über die Geiseln an die Regierung des Iran übertragen werden wird, was wir
als einen positiven Schritt betrachten.
Im Lichte dieser Maßnahmen betrachteten wir es als nicht angemessen,
jetzt weitere Sanktionen zu verhängen. Wir werden die Situation sehr sorgfältig verfolgen. Wir würden wünschen, daß diese positive Entwicklung weitergeht, und unsere Hauptüberlegungen und unsere ständigen Bemühungen werden
auf eine baldmöglichste Freilassung der amerikanischen Geiseln und ihre Rückkehr in unser Land und in die Freiheit ausgerichtet sein."

+ + + + +

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. April 1980

18

UNTERSTAATSSEKRETÄR SAUNDERS ERLÄUTERT US-POLITIK IN SÜDWESTASIEN

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für nahöstliche und südasiatische Angelegenheiten im State Department, Harold H. Saunders, legte
am 24. März 1980 vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Europa
und den Mittleren Osten die Grundzüge der amerikanischen Politik im Persischen
Golf, Südwestasien und dem Bereich des Indischen Ozeans dar.

Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs haben folgenden Wortlaut:

Die Entwicklungen der letzten Monate haben die Aufmerksamkeit mit neuer
Intensität auf den Persischen Golf, auf Südwestasien und den Bereich des Indischen Ozeans gelenkt.

Unsere heutige Diskussion bietet eine jener Gelegen-

heiten, bei denen ich die Ehre habe, gemeinsam mit diesem Unterausschuß das
Rahmenwerk jenes Konzeptes zu entwickeln, innerhalb dessen die amerikanischen
Interessen in diesem kritischen Gebiet verfolgt werden.

Der Präsident selbst hat in seiner Botschaft über die Lage der Nation
drei grundlegende Entwicklungen definiert, die dazu beigetragen haben, den
Herausforderungen Gestalt zu verleihen, vor denen wir in dieser Region stehen.
- Erstens:

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�- Erstens:

"Das stetige Anwachsen und die verstärkte Darstellung

sowjetischer Militärmacht über ihre eigenen Grenzen hinweg;"
- zweitens:

"Die überwältigende Abhängigkeit der demokratischen In-

dustriestaaten von der 'Ölversorgung aus dem Mittleren Osten;" und
- drittens:

"Der Druck sozialen, religiösen, wirtschaftlichen und po-

litischen Wandels in vielen Ländern der Entwicklungswelt, beispielhaft gezeigt durch die Revolution im Iran."
Wie der Präsident sagte:
von Bedeutung.

"Jeder dieser Faktoren ist für sich allein

Jeder wirkt sich auf die anderen aus. All diese Faktoren

müssen zusammen gemeistert werden."
Die landesweite Aufmerksamkeit, die sich nunmehr auf dieses Gebiet richtet, bedarf der Wiederholung zweier grundsätzlicher Gedanken, die in unseren
Diskussionen

über den Mittleren Osten und Südwestasien im Lauf der letzten

beiden Jahre regelmäßig aufgetaucht sind:
- Erstens: Mehr bedeutsame amerikanische Interessen überschneiden sich
heute in diesem Teil der Welt als in jedem anderen Bereich der Dritten Welt.
Diese Interessen werden heute zudem durch Maßnahmen der Sowjetunion herausgefordert.
- Zweitens:

In einer Weltregion raschesten Wandels besteht das Problem

für amerikanische Politiker nicht darin, wie man dem Wandel Einhalt gebieten
kann, sondern darin, seine Ursachen zu verstehen und zu einer Entscheidung zu
gelangen, wie man mit den Regierungen in diesem Gebiet zusammenarbeiten kann,
um ihn in eine konstruktive Richtung zu lenken.
Unsere Absicht hier und heute ist es, über die Politik nachzudenken, die
angesichts der Bedeutung unserer Interessen, ihrer Bedrohung und der komplexen
Kräfte, die in diesem Gebiet selbst am Werke sind, angemessen ist. Mit einem
Wort, ich möchte zu folgendem Punkt Stellung nehmen:
- 2 -

In Zusammenarbeit mit

�mit unseren Freunden und Verbündeten müssen wir eine breitgefächerte Reihe
von Hilfsmitteln zum Tragen bringen, um in einer anhaltenden Anstrengung unsere Interessen zu schützen und den Staaten in diesem Gebiet dabei zu helfen,
ihre Unabhängigkeit zu wahren und den Wandel in konstruktive Richtungen zu
lenken.

Unsere Politik kann sich nicht auf eingleisige Lösungen stützen,

sondern bedarf einer intensiven Anstrengung, die im Lauf der Zeit unsere
Rolle in dieser Region weiterhin ausweiten und vertiefen wird.

Die sowjetische Bedrohung
Eines der obersten Ziele in diesem Gebiet war für uns schon seit langem,
die Errichtung einer gegnerischen Position zu verhindern, die unseren Zugang
beeinträchtigen, die Sicherheit der Region untergraben und zu einer Konfrontation führen könnte. Im Nachklang des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan
ist dies noch dringlicher geworden, und es ist wichtig, die exakte Natur des
Problems zu definieren:
- In Afghanistan wurde die Drohung einer sowjetischen Aggression im Dezember Wirklichkeit.
- Beim Blick in die Zukunft müssen wir die Möglichkeit weiterer sowjetischer
Schritte ernstnehmen, auch wenn wir über die wahre Natur der sowjetischen Absichten keine Gewißheit haben können.

Seit langem schon wurden in dieser Re-

gion die Bedenken zum Ausdruck gebracht, daß es Ziel der Sowjets sei, einen
Zugang zu warmen Gewässern über Belutschistan hinweg zu erzielen oder sich in
Richtung auf den Persischen Golf zu bewegen mit dem zusätzlichen Ziel, die Ölquellen des Westens zu kontrollieren.
Bedenken gibt es auch hinsichtlich der Tatsache, daß das anhaltende Fehlen
einer starken zentralen Autorität im Iran zur erneuten Besetzung von Teilen
dieses Landes durch die Sowjets wie am Ende des Zweiten Weltkrieges führen
könnte.

Die wachsende Stärke der kommunistischen Tudeh-Partei im Iran könnte
- 3 -

�könnte zu einer Situation beitragen, die die UdSSR ausnützen könnte.
Andere potentiell gefährliche Entwicklungen in dieser Region sind weniger leicht zu charakterisieren, da die genaue Natur der sowjetischen Beteiligung nicht klar zutage liegt. Zum Beispiel:
- Die Sowjetunion unterhält eine beachtliche Präsenz im Südjemen.

Auch

osteuropäische und kubanische Vertreter spielen dort eine wesentliche Rolle.
Als vor einem Jahr slidjemenitische Streitkräfte im Nordjemen einfielen, überquerten unseres Wissens weder Sowjets noch Kubaner die Grenze, aber die südjemenitischen Streitkräfte dürften nur mit solcher Unterstützung hierzu in
der Lage gewesen sein.
- Die Sowjetunion hat auch anderen Regierungen und Befreiungsorganisationen
in diesem Gebiet beträchtliche Unterstützung gewährt.

Dabei geht es nicht

darum, ob die Sowjets diese Regierungen oder Organisationen kontrollieren.
Das Problem ist, ob sich die Sowjets in eine Lage gebracht haben, in der sie
für ihre eigenen Absichten Vorteile aus Situationen ziehen, in denen die Interessen beider Seiten sich decken. Unter vielen solcher Umstände wird die
sowjetische Rolle augenscheinlich sein, aber der Grad unmittelbarer sowjetischer Verantwortlichkeit wird sich nur mit größerer Schwierigkeit feststellen
lassen.
- Eine ständige sowjetische Beherrschung Afghanistans würde die sowjetische Fähigkeit zur Unterstützung von Subversion und anderen Formen des
Drucks auf Regierungen in diesem Gebiet vergrößern.
- Sogar auf einem niedrigeren Niveau gibt es andauernde sowjetische Anstrengungen zur Durchdringung der verschiedenen Institutionen in diesem Gebiet in der Absicht, Vorteile aus instabilen Lagen zu ziehen, wo immer sie
können.
Die

- 4 -

�Die amerikanische Position und Politik
In seiner Botschaft über die Lage der Nation sprach der Präsident eine
Warnung aus, als er sagte:

"Unser

Standpunkt muß absolut klar sein:

ein

Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die Region des Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden.

Und solch ein Angriff

wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel, einschließlich militärischer
Macht, zurückgewiesen werden."
Im Mittelpunkt unserer heutigen Diskussion steht die Frage:

Welche Po-

litik folgt aus dieser kraftvollen Erklärung zur amerikanischen Position?
In den Worten des Präsidenten lautet die Antwort: "...Wir sind bereit,
mit anderen Ländern der Region zusammenzuarbeiten, um einen kooperativen
Sicherheitsrahmen zu schaffen, der unterschiedliche Werte und politische Überzeugungen respektiert, jedoch die Unabhängigkeit, die Sicherheit und Prosperität aller fördert."
Während wir an der Stärkung unserer Beziehungen in dieser Region und
an der Zusammenarbeit mit den dortigen Staaten weiterarbeiten, um den sowjetischen Druck unter Kontrolle zu halten und eine ruhige Entwicklung zu fördern, müssen wir uns auch der Notwendigkeit bewußt sein, unsere Betrachtung
der komplexen Fragestellung dieser Region auf einem soliden strategischen Fundament aufzubauen, was folgendes beinhaltet:
- Eine starke amerikanische Wirtschaft, die weniger von ausländischem
öl abhängt;
- eine lebensfähige westliche Allianz, die in der Lage ist, mit den Golfstaaten in Verfolgung gemeinsamer Ziele wirkungsvoll zusammenzuarbeiten;
- eine verstärkte amerikanische Militärkapazität zur Darstellung unserer

�unserer Stärke in dieser Region auf eine Art und Weise, die Sicherheit
und Stabilität fördert;
- ein nationaler Wille, auf die Lösung einer der grundlegenden Ursachen
der Instabilität in diesem Bereich zu dringen, nämlich des Konfliktes
zwischen Israel und den Arabern; und
- eine Bereitschaft, Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, um das überleben und die Unabhängigkeit von Regierungen und Völkern in dieser Region zu fördern, die die konstruktive Zusammenarbeit mit uns für Friede und Menschenwürde suchen.
Indem wir diese einzelnen Fäden zu einer einheitlichen Strategie verflechten, können wir eine starke, entschlossene und verständnisvolle Führung
anbieten, die den meisten Staaten dieser Region zwingende Gründe dafür geben
wird, zu dem Schluß zu kommen, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, eng
mit uns zusammenzuarbeiten, um die Kräfte der Aggression, der Unterdrückung
und des Chaos zu überwinden.
Die amerikanische Politik muß die diplomatischen, wirtschaftlichen, politischen wie auch die militärischen Elemente amerikanischer Macht zum Tragen
bringen. Sie muß die Beziehungen zwischen den Staaten in diesem Gebiet in
Rechnung stellen, die entschlossen sind, ihre eigene Unabhängigkeit zu bewahren. Eine einzige amerikanische Antwort allein kann die Herausforderung
nicht annehmen, die die vielschichtigen Entwicklungen in diesem Gebiet darstellen, und sie kann auch keinen Nutzen aus der großen Bandbreite von Hilfsmitteln ziehen, die zur Annahme dieser Herausforderung zur Verfügung stehen.
Unsere Anstrengung muß vielmehr vierfacher Art sein.

Unsere

�Unsere Antwort im Sicherheitsbereich

Es liegt auf der Hand, daß die Vereinigten Staaten heute eine führende
Rolle spielen und bei der militärischen Kapazität die Hauptlast tragen müssen,
um die Sicherheit des Gebietes zu stärken; aber dabei ist es wesentlich, daß
wir auch weiterhin mit unseren Freunden in dieser Region und mit unseren Verbündeten außerhalb der Region zusammenarbeiten, die dort an diesem Gebiet
großes Interesse haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten die Briten im

Golfgebiet eine Hauptrolle.

In den fünfziger Jahren haben wir den Bagdad-

Pakt entwickelt, der später zur Zentralpaktorganisation wurde.

In den sieb-

ziger Jahren glaubten wir, der Iran sei eine Kraft für die Sicherheit in der
Region.

Heute hat sich die Lage geändert, und beides steht nicht mehr zur

Verfügung.

Wie der Präsident in seiner Botschaft über die Lage der Nation deutlich
machte, verstärken wir unsere Verteidigungsanstrengungen und verbessern wir
unsere Fähigkeit, amerikanische Streitkräfte rasch in entfernte Gebiete zu
dislozieren.

Die Vereinigten Staaten haben ihre eigene Flottenpräsenz im In-

dischen Ozean erhöht und verstärkt, wobei sie seit Ende des letzten Jahres
zwei Flugzeugträger-Kampfgruppen dort unterhalten und eine amphibische Einheit des amerikanischen Marinekorps angewiesen haben, sich ihnen gegen Ende
des Monats anzuschließen.

Wir führen außerdem mit einigen Staaten in der Re-

gion in Verbindung mit derzeitigen Flottenbewegungen Gespräche über die Nutzung bestimmter See- und Luftstützpunkte.

Wir werden unsere Fähigkeit zu stän-

diger Einsatzbereitschaft aufrechterhalten, um im Notfall die notwendigen zusätzlichen Streitkräfte zur Unterstützung bedrohter Länder in dieser Region
einzusetzen.

Wir werden unsere Mittel sorgfältig auswählen, um sicherzustel-

len, daß die amerikanischen Maßnahmen keine lokalen politischen Belastungen
hervorrufen, die die Wirksamkeit unserer Gesamtanstrengung vermindern könnten.

Wir haben außerdem unsere Beziehungen zu einer Reihe von Staaten in diesem Gebiet hinsichtlich unserer militärischen Versorgung weiter gepflegt.
Diese tragen nicht nur zu ihrer eigenen Fähigkeit hinsichtlich ihrer Selbst-

- 7 -

�Selbstverteidigung bei, sondern auch zu einem Gefühl der Stabilität und zur
Bereitschaft, sich an der gemeinsamen Sicherheitsanstrengung zu beteiligen.
Wie stark die Antwort auf die Herausforderung ausfällt, wird sowohl von
den Zusagen der Staaten dieser Region abhängen, als auch vom Umfang der Maßnahmen anderer Staaten.

Zu dem von mir erwähnten Ausbau unserer militärischen

Abschreckung kommt unsere dauernde Zielsetzung, die Sowjetunion einen konkreten Preis für ihre Aggression in Afghanistan zahlen zu lassen.

Solange

diese Invasion weitergeht, sollten wir und andere Staaten der Welt mit der
UdSSR nicht so umgehen, als ob nichts wäre.

Wir haben eine Reihe wirtschaft-

licher und anderer Sanktionen verhängt und von unseren Verbündeten eine ähnliche Anstrengung erbeten.

Diese Maßnahmen stehen nicht isoliert da.

Sie

sollen von der Sowjetunion in Verbindung mit der Verurteilung durch die überwältigende Mehrheit der Staaten und dem Widerstand des afghanischen Volkes
selbst gesehen werden.

Wir hoffen, auf diese Weise dazu beizutragen, die

Sowjets zu einer realistischen Beurteilung ihrer Haltung und zum Abzug ihrer
Streitkräfte aus Afghanistan zu bewegen.
.

Die politische Antwort
Die Vereinigten Staaten erstreben eine konstruktive Beziehung zu allen
Staaten in diesem Gebiet, die ihre eigene Unabhängigkeit bewahren wollen.
Wir erstreben keinen besonderen Vorteil für uns selbst.
Die Vereinigten Staaten haben jahrelang mit vielen der Regierungen in
diesem Gebiet zusammengearbeitet,um ihnen bei ihrem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt behilflich zu sein.

Ihre Entwicklung war stets eines un-

serer wichtigsten Ziele, denn wir waren der Ansicht, daß die Hilfe für diese
Regierungen bei dem Unterfangen, ihren Völkern eine umfassendere Beteiligung
an der Gestaltung ihrer Zukunft zu gewähren, sowohl in humaner als auch in
politischer Hinsicht entscheidend ist.
Die
- 8 -

�Die traditionellen Regierungen in dieser Region setzen sich nicht nur
mit dem intensiven Drang nach Wandel auseinander, der von moderner Technologie
und Erziehung, von Industrialisierung und hohen öleinnahmen herrührt, sondern
sie kämpfen auch mit dem Problem, wie das Interesse ihrer Bürger an politischer
Beteiligung bei der Festlegung der Richtung gestärkt werden kann, die ihre Länder einschlagen.

Beispielsweise war eines der Probleme der persischen Revolution der Mangel an breiter politischer Beteiligung an Entscheidungen, die eine wirtschaftliche Entwicklung mit sich brachte, die manchmal auf Kosten des Gefühls für
grundlegende islamische Werte ging.

Alle Führungsinstanzen in dieser Region

müssen sich auf ihre Weise und in ihrem eigenen nationalen Umfeld mit solchem Druck auseinandersetzen und ihn in konstruktive Bahnen lenken.

Die Vereinigten Staaten können bei diesem Unterfangen ein verläßlicher
Partner sein.

Die Vereinigten Staaten sind ohne weiteres in der Lage, mit

der Vielfalt vieler unterschiedlicher politischer Systeme in dieser Welt zu
leben, ja, diese zu fördern.

Dies spiegelt nur die Art und Weise wider, in

der unsere eigene Gesellschaft funktioniert, die mit Bürgern unterschiedlichen
rassischen oder nationalen Hintergrundes und unterschiedlicher wirtschaftlicher
und sozialer Interessen zuständekommt.

Um noch einmal den Iran als Beispiel zu nehmen:
ist eine Tatsache, die wir anerkennen.

Die Revolution im Iran

Es geht nicht um die Frage einer ame-

rikanischen Anstrengung, die Uhren dort zurückzudrehen, sondern darum, wie
die Vereinigten Staaten und die gegenwärtige Regierung des Iran miteinander
verkehren sollen.

Zusätzlich zu den schwerwiegenden, ja empörenden, mensch-

lichen Dimensionen der Geiselkrise stellt sich die weitere Frage, in welchem
Verhältnis die Vereinigten Staaten und der Iran zueinander stehen und welche
Geschäftsbeziehungen sie zueinander aufrechterhalten können, bis jede Seite
bereit ist, sich an die Prinzipien des Völkerrechts zu halten.

Würden diese

Prinzipien anerkannt und die Geiseln wohlbehalten freigelassen, wären die
Vereinigten Staaten bereit, zu einem angemessenen Zeitpunkt in Gespräche einzu-

- 9-

�einzutreten, um festzulegen, welche Grundlage für eine Beziehung zwischen
unseren beiden Ländern besteht.
Der Präsident hat in seiner Botschaft über die Lage der Nation klargestellt:

"Wir sind der Überzeugung, daß es keine unüberwindlichen Differenzen

zwischen uns und irgendeinem islamischen Volk gibt. Wir achten den islamischen Glauben, und wir sind bereit, mit allen moslemischen Ländern zusammenzuarbeiten."

Beiläufig möchte ich hier betonen, daß allein die Geiselnahme

selbst eine Verletzung der islamischen Prinzipien und Tradition ist.

Die diplomatische Antwort:

Der arabisch-israelische Friedensprozeß

Die Rolle, welche auswärtige Mächte in dieser Region spielen werden,
wird sich teilweise aus ihrer Fähigkeit ergeben, bei der unparteiischen
Verminderung solcher Spannungen innerhalb der Region zu helfen, die ihre Verwundbarkeit gegenüber äußerer Ausbeutung steigern.
Es gibt keinen besseren Beweis für die Kraft wirkungsvoller Diplomatie
als den Erfolg, der in Camp David erzielt wurde, und den ägyptisch-israelischen
Friedensvertrag in seiner Folge. Die Vereinigten Staaten haben eine wesentliche Rolle dabei gespielt, bei der Erzielung einer Lösung des arabisch-israelischen Konflikts auf dem Verhandlungswege zu helfen, die die Sicherheit
Israels aufrechterhält und die Souveränität, territoriale Integrität und
die Unabhängigkeit aller Staaten in dieser Region respektiert - und wir werden
dies auch weiterhin tun.
Die Lösung des arabisch-israelischen Konflikts hat seit langem eine
erste Stelle unter unseren nationalen Zielsetzungen inne. Unsere Anstrengungen begannen lang vor der sowjetischen Invasion Afghanistans.

Kein an-

deres außenpolitisches Thema hat - wie Außenminister Vance hier letzte Woche
bemerkte - die Energien und die Aufmerksamkeit Präsident Carters in den letzten drei Jahren mehr beschäftigt.
Wir
- 10 -

�Wir werden auch weiterhin alles in unserer Macht stehende tun, um Israel und Ägypten bei der Vollendung ihrer Friedensaufgabe zu helfen.

Die

Sicherheit Israels ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg dieser
Anstrengung und liegt im strategischen Interesse der Vereinigten Staaten,

Der Fortschritt zu einem gerechten und dauerhaften Frieden ist entscheidend wichtig, wenn wir einen weiteren Krieg vermeiden wollen, der die Gefahr
einer sowjetischen Intervention erhöhen würde.
Stabilität reicht noch weiter.

Aber die Notwendigkeit der

Wenn das Palästinenser-Problem nicht gelöst

wird, dann stellt es eine Ursache dar, die Unruhe in den arabischen Staaten
und in den Gefühlen der Bevölkerung der islamischen Staaten und der Staaten
der Dritten Welt auslösen kann.

In dieisozialen und politischen Entwicklun-

gen im Mittleren Osten sind Elemente der Palästinenser-Bewegung hineinverwoben und stellen Faktoren dar, die für die weitere künftige Stabilität des
Gebietes mitbestimmend sind.

Gleichzeitig ist es unerläßlich, daß das Pa-

lästinenser-Problem auf eine Weise gelöst wird, die die Sicherheit Israels
gewährleistet, denn ohne eine solche Zusicherung kann es keinen Frieden geben.

Die derzeitigen Verhandlungen wurden in Camp David als ein erster Schritt
zur Lösung der Fragen der West Bank und des Gaza-Streifens vereinbart.

Die

Besuche von Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin werden Gelegenheit
bieten, über den Stand dieser Verhandlungen zu sprechen.

Wir sind uns darüber

im klaren, wie wichtig es ist, auf den bereits erzielten historischen Erfolgen weiter aufzubauen und einen ständigen Fortschritt zu einem umfassenden
Frieden im Nahen Osten zu erzielen.

Die wirtschaftliche Antwort

Im Golf und auf der Arabischen Halbinsel ist und bleibt es unsere Politik,
die dortigen Regierungen zur Zusammenarbeit im Interesse der Sicherheit und
des kontinuierlichen Wachstums der Region zu ermutigen, und unser Dialog über
wirtschaftliche Fragen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Bemühungen.

- 11 -

Wir

�Wir haben mit den Regierungen bestimmter Golfländer, vor allem Saudi-Arabien,
eng in kooperativen diplomatischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Hilfsanstrengungen zusammengearbeitet, um die Staaten in der weiteren
Region zu stärken.
Die öl Produzenten in der Golfregion begrüßen unseren Fortschritt zu
einer wirksamen Energiepolitik.

In unseren Konsultationen mit ihnen, einschließ-

lich mehrerer Gespräche auf Kabinettsebene in den letzten sechs Mqnaten, haben
wir Fortschritte in unseren Bemühungen erzielt, das Gefühl für ein gemeinsames
Interesse von Produzenten und Konsumenten an e|inem geordneten Markt zu erwekken.

Dazu gehört eine Zurückhaltung der Verbraucherländer in der Nachfrage

und die Bereitschaft der Erzeuger, gelegentlich mehr öl anzubieten, als es
die Einkommenslage im eigenen Lande erfordern würde.
Dadurch haben bestimmte Erzeuger große finanzielle Überschüsse angehäuft.
Sie haben einen Teil dieser Mittel für die Entwicklungshilfe für andere Länder
eingesetzt, und sie haben sich als internationale Investoren verantwortungsbewußt verhalten. Es ist für unsere Interessen wichtig, daß wir mit diesen
Regierungen noch enger zusammenarbeiten, um ihre verantwortungsbewußte Beteiligung am internationalen Finanzsystem und ihre Zusammenarbeit zum Wohle stabiler Geldmärkte in der Welt und eines geordneten Wachstums der Entwicklungswelt zu stärken. Wir können auf diese Länder zählen, wenn es darum geht, sich
an den Kosten für die Gewährleistung der Sicherheit in dem Gebiet zu beteiligen, wobei wir allerdings nicht vergessen dürfen, daß wir die Last der Sicherheit für ein Gebiet, das von lebenswichtiger Bedeutung für uns ist, nicht anderen aufbürden können.
Die Geschichte der amerikanischen Beziehungen zu Saudi-Arabien und seinen
Nachbarn am Golf ist eine Geschichte des Transfers amerikanischer Technologie.
Wir werden weiterhin sowohl auf regierungsamtlichem Wege wie über den Privatsektör eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, amerikanisches technisches Wissen zu vermitteln, um diesen Ländern bei einer geordneten Entwicklung zu helfen.

Unsere Handelstätigkeit in der Region hat sich in zunehmendem
- 12 -

�zunehmendem Maße nützlich für unsere Wirtschaft entwickelt und hat Bindungen
gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen geschaffen, die unser Gesamtverhältnis zu den Staaten dieser strategisch wichtigen Region festigen.

Wir müssen

als Regierung und als Land weiterhin dazu beitragen, um diesen entscheidend
wichtigen Aspekt unseres Verhältnisses zu der Region zu fördern und zu stärken.

Zusammenfassung

Ich habe, kurz gesagt, dargelegt, wie komplex und wie mit einander zusammenhängend die Faktoren weiterhin sind, um die es bei dem Aufbau eines
kooperativen Sicherheitsrahmens im Gebiet des Persischen Golfes, Südwestaisens und des Indischen Ozeans geht, wenn es gilt, auf die dortigen Herausforderungen der Stabilität und Unabhängigkeit zu antworten.

Angesichts dieser Herausforderung muß unsere Antwort vielseitig sein.
Zu dieser Antwort werden gehören unsere militärische Bereitschaft, größere
Beiträge und Zusammenarbeit der betroffenen Länder der Region und unserer
Verbündeten sowie weitere Beziehungen der aktiven militärischen Versorgung
der Länder des Gebietes.

Weit über das Militärische hinausgehend müssen un-

sere Antworten unseren diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Einfluß nutzen, um die Regierungen der Region sowohl bei der wirtschaftlichen
Entwicklung ihrer eigenen Länder als auch bei der Bewahrung der politischen
Stabilität und der Sicherheit des Gebietes vor direkten Bedrohungen zu unterstützen - die von jenen geschürt oder gefördert werden, die ein Interesse an
der Schaffung von Instabilität haben.

Darüber hinaus müssen wir unsere eigene Wirtschaft festigen, unsere eigenen Bündnisse stärken und unsere eigenen wirtschaftlichen Interessen in der
Region auf eine Weise verfolgen, die es uns erlaubt, den Herausforderungen
unserer allgemeinen Interessen in dem Gebiet zu begegnen.

Die
- 13 -

�Die Hauptelemente der Antwort unserer Regierung auf die sowjetische Herausforderung in der Region stehen oder werden an ihren Platz gestellt.

Aber

der Aufbau und die Aufrechterhaltung dieser Position wird nachhaltige Anstrengungen in Zusammenarbeit mit den Regierungen der Region und mit anderen
Regierungen, die ein starkes Interesse an der Sicherheit der Region haben,
erfordern.

+ + + + +

•

14

�2. April 1980

18

SAWHILL: UMFASSENDES ENERGIEPROGRAMM DER USA
Stellvertretender US-Energieminister vor der Auslandspresse

- (AD) - Das jetzt "angemessen umfassende" Energieprogramm der
Vereinigten Staaten wird auch vom Ausland anerkannt.

Diese Meinung

vertrat John D. Sawhill, stellvertretender Energieminister der USA, bei
einem Gespräch mit Auslandsjournalisten im Pressezentrum des US-Amtes für
Internationale Kommunikation (USICA) in Washington Ende März nach seiner
Rückkehr von einer Tagung der OECD-Länder (Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung) in Paris. Die europäischen Länder und
Japan würdigten, wie Sawhill erklärte, das sehr gute amerikanische Programm
und die Tatsache, daß die USA aktiv geworden seien.

Jetzt komme es nicht

auf die Einführung von noch mehr Gesetzen, sondern auf die wirksame
Durchsetzung der vorhandenen Bestimmungen an.
Zu den wichtigen neuen Elementen des Energieprogramms Präsident
Carters zählten Sawhill zufolge die Benzinsparabgabe in Höhe von 10 Cents
pro Gallone (2,6 Cents pro Liter), das vom US-Kongreß am 27. März 1980
verabschiedete Gesetz zur Abschöpfung der Situationsgewinne aus der
Förderung von einheimischem Rohöl (die Abgaben der Mineralölindustrie a_n

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�an den Staat steigen dadurch in den nächsten 10 Jahren um 227 Milliarden
Dollar), ferner ein 88-Millionen-Dollar-Programm für die Herstellung von
Synthesebrennstoffen, die Umstellung von öl- auf Kohlefeuerung bei
Elektrizitätswerken und das vorgesehene Energie-Mobilisierungsamt, das
die Realisierung vordringlicher Energieprojekte beschleunigen soll.
Diese Initiativen sollen zusammen mit früheren Maßnahmen auf dem
Energiesektor die ölimporte der Vereinigten Staaten bis zum Jahr 1990
um 50 Prozent (bzw. etwa vier Millionen Faß - mehr als 570 000 Tonnen pro Tag) verringern.

Mit der Benzinsparabgabe wird angestrebt, den

Benzinverbrauch bis Ende dieses Jahres um eine Menge einzuschränken, die
100 000 Faß öl pro Tag (ca. 14 300 Tonnen) entspricht.

Auf der OECD-

Tagung habe die Meinung vorgeherrscht, daß man es beim Erdöl mit einem
"labilen" Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage zu tun habe, die
Möglichkeit für weitere Versorgungsschwierigkeiten groß und die Energiesituation bestenfalls als dürftig zu bezeichnen sei.
Von der Ministerkonferenz der Internationalen Energieagentur (IEA)
am 21./22. Mai erwartet Sawhill ein "Initiativen-Paket", das die 20 Mitgliedstaaten in die Lage versetzt, enger als zuvor zusammenzuarbeiten.
Es sei wichtig, Ziele abzustecken und Sollzahlen für die Verringerung
der ölimporte festzusetzen. "Ich halte es für ebenso bedeutsam", erklärte
er, "und ich hebe 'ebenso bedeutsam' hervor, daß wir in jedem Lande positive
Maßnahmen zur Erlangung dieser Ziele und Sollzahlen einführen... Zielsetzungen können in Situationen nützlich sein, in denen es für kurze Zeit
ein starkes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage gibt", meinte
Sawhill. Ein Versorgungsengpaß führe leicht zu "sehr schwerwiegenden
Preis-Auswirkungen, die das Funktionieren unserer Wirtschaft stark beeinflussen. Mittel- und langfristig gesehen müssen wir uns jedoch auf die
Marktkräfte verlassen... und ich glaube, daß sich die IEA-Länder generell
über diese Prinzipien einig sind."
Sawhill
_____

- 2 -

�Sawhill setzte sich für eine "wirksamere und sinnvollere Kommunikation
mit den erdölexportierenden Ländern ein. Als sich im vergangenen Jahr eine
angespannte Versorgungslage entwickelte, "drängten sich die Verbraucherländer zum öl und trieben den Preis hoch", führte Sawhill aus.

"Wir

können den OPEC-Ländern (Organisation der erdölexportierenden Länder)
wirklich nicht zum Vorwurf machen, daß sie den steigenden Spot-Markt-Preisen
mit den vertraglich festgesetzten Preisen gefolgt sind".
Auf die Frage, wie er auf Kritik aus dem Ausland reagieren würde,
daß die Vereinigten Staaten "viel zu wenig zu spät tun", um durch Erhöhung
der Energiepreise die Nachfrage zu drosseln, erklärte John Sawhill: "Dem
hielte ich entgegen, daß im vergangenen Jahr der Energieverbrauch der
Vereinigten Staaten zurückgegangen ist. In den meisten anderen OECDLändern stieg er an. Per Saldo haben die Vereinigten Staaten während
der letzten ein oder zwei Jahre mehr Energie eingespart als die anderen
Industrieländer, was aber nicht für einen weiter zurückreichenden Vergleichszeiträum gilt." Sawhill äußerte sich überzeugt davon, daß mit der
Aufwärtsbewegung der Preise bis zur Höhe der tatsächlichen Kosten der
Ersatzbeschaffung und der Einführung der Benzinsparabgabe - die schließlich
beide weiter erhöht werden können, wenn sich dies als erforderlich erweisen
sollte - die Vereinigten Staaten "ein Programm in Gang gesetzt haben, das
den Wirkungsgrad, mit dem wir Energie nutzen, merklich verbessern wird".
Sawhill wies darauf hin, daß vor kurzem bei der Ankündigung des AntiInflations-Programms durch Präsident Carter von mancher Seite gefordert
worden sei, die Aufhebung der Rohölpreisbindung zu verlangsamen oder ganz
zu stoppen. Die Regierung habe jedoch entschieden, die Aufhebung der
Preisbindung im vorgesehenen Tempo weiterzuführen, so daß ab Oktober 1981
mit den Weltmarktpreisen gleichgezogen werde.

Internationaler

�- Internationaler Konsens über Nutzung der Atomenergie Vor dem Hintergrund der allgemeinen Energiesituation werde, wie
Sawhill weiter erklärte, die friedliche Nutzung der Kernenergie in zunehmendem Maße weltweit als akzeptable Möglichkeit zur Deckung des steigenden
Bedarfs betrachtet.

Das pro-nukleare Wahlergebnis in Schweden und Äußerungen

von Politikern in anderen Ländern zeigten "einen wachsenden Konsens... den
wir in der industrialisierten Welt brauche, um unsere Nuklearprogramme
auszubauen".

Die Regierung Carter nehme eine positive Haltung zum weiteren

Ausbau der Kernenergie als eine der Alternativen zur Einsparung von ImportÖl ein.
Die Vereinigten Staaten erzeugen gegenwärtig Atomstrom in einem
Umfang, der etwa 1,3 Millionen Faß ül (knapp 186 000 Tonnen) pro Tag
entspricht; bis 1985 dürfte sich laut Sawhill diese Menge mehr als verdoppelt
haben.

Ähnliche Steigerungen seien auch in den übrigen Ländern der OECD

vorgesehen.
Die drei Hauptprobleme, die in den Vereinigten Staaten den Ausbau
der Kernenergie verzögerten - Sicherheit, Entsorgung und das Risiko einer
Weiterverbreitung von Kernwaffen (Proliferation) - werden, wie Sawhill
erklärte, von der US-Regierung wirksam angegangen. "Wir haben aus den
Erfahrungen von Three Mile Island gelernt. Wir entwickeln jetzt bessere
Ausbildungsverfahren für das technische Personal von Atomkraftwerken.
Vielleicht setzen wir Bundesinspektoren in solchen Anlagen ein. Mit
Sicherheit werden bessere Evakuierungsmaßnahmen für den Notfall entwickelt.
Und auf Grund dieser Schritte wird, so meine ich, auch die Bevölkerung
mehr Vertrauen zur Sicherheit auf dem Nuklearsektor bekommen."
Auf den scheinbaren Widerspruch zwischen der Unterstützung der Kernenergie durch Präsident Carter und die von der Regierung vorgeschlagene
Verringerung der Etatmittel für den Ausbau der Kernkraft im Haushalts-

�Haushaltsjahr 1981 angesprochen, erklärte Sawhill: "Das Regierungsbudget
bestimmt nicht den Umfang, in dem unser Nuklearprogramm ausgebaut wird...
Die Regierung baut keine Atomkraftwerke.

Sie werden bei uns von der

Privatwirtschaft gebaut. Woran Sie sich orientieren müssen, ist das
Tempo, in dem Versorgungsunternehmen Atomkraftwerke in Auftrag geben und
bauen, und das Ausmaß, in dem neue Anlagen und Standorte genehmigt werden.
Und ich meine, dies wird in den nächsten Jahren zunehmen."
In dem Gespräch mit der Auslandspresse, ging Sawhill auf eine Anzahl
weiterer wichtiger Punkte ein. So müßten z.B. die Industrieländer den
ärmeren, nicht der OPEC angehörenden Ländern helfen, ihre einheimischen
Energiequellen zu entwickeln und mit den schwerwiegenden finanziellen
Problemen fertig zu werden, die sich aus den rapide steigenden Energiepreisen ergeben. Venezuela werde von den Vereinigten Staaten ermutigt,
seine Schweröl Produktion zu erweitern; die eigene Raffinerie-Kapazität
zur Verarbeitung von Schweröl soll ausgebaut werden. Auf mögliche Importrestriktionen für Autos angesprochen, erklärte Sawhill, ihm würde es
"widerstreben", die Einfuhr kleiner, wirtschaftlicher Autos aus Europa
und Japan zu beschränken, weil sie viel zu den Bemühungen der USA, Energie
zu sparen, beitragen.

+ + + + +

- 5 -

�2. April 1980

18

NAHRUNGSMITTEL ODER KRAFTSTOFFE?
Nachwachsende Energiequellen können Entscheidungszwang für
die Landwirtschaft bedeuten

- (AD) - Die immer größerem Anstrengungen in den Vereinigten Staaten
und in einer Reihe anderer Länder, Kraftstoffe aus Produkten der Landwirtschaft
herzustellen, machen es wahrscheinlich, daß "der ülpreis bald den Preis von
Nahrungsmitteln bestimmt". Diese Meinung vertritt Dr. Lester Brown, der Präsident des "Worldwatch Institute" in Washington. Dieses ist eine unabhängige Forschungsorganisation, die sich mit der Untersuchung internationaler
Probleme befaßt.
In seiner kürzlich veröffentlichten Studie: "Nahrungsmittel oder Kraftstoffe: Neuer Wettlauf um die Anbaufläche der Erde" stellt Brown die These
auf, daß bei wachsender Inanspruchnahme von Alkohol aus landwirtschaftlichen
Produkten als Kraftstoff die Bauern die Wahl haben werden, entweder Nahrungsmittel oder Rohmaterial für Treibstoffe zu produzieren. Sie dürften sich,
wie Brown erklärt, für das entscheiden, was mehr einbringt.
Angesichts

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Angesichts des ständig steigenden ölpreises sei kaum zu bezweifeln, daß
es schon in Kürze gewinnbringender sei, für Biosprit zu produzieren.

Eine

direkte Konkurrenz zwischen der wohlhabenden Minderheit, d.h. den Autofahrern,
und den Ärmsten der Menschheit sei bereits vorgezeichnet.

Letztere kämpfen

schon jetzt hart darum, sich die notwendigsten Nahrungsmittel zum überleben
zu beschaffen.
Alkohol läßt sich aus einer Vielzahl pflanzlicher Stoffe herstellen, u.a.
aus Zuckerrohr, Wurzeln wie Lavasse und den wichtigsten Getreidearten, vor
allem aus Mais und Weizen.

Brasilien z.B. verwendet Zuckerrohr für die Gewin-

nung von Äthanol, das mit Benzin vermischt den Kraftstoff Gasohol ergibt.
In den Vereinigten Staaten verwendet man für den gleichen Zweck Mais, in
Australien Weizen.
Dabei handelt es sich keineswegs um ein neues Rezept für Benzinersatz.
Die Verwendung von Äthanol geht in Brasilien bis Anfang der zwanziger Jahre
zurück, als die Regierung die Beimischung von fünf Prozent Äthylalkohol zu
Benzin forderte, um auf diese Weise der Zuckerindustrie zu helfen.

Im Zweiten

Weltkrieg produzierte das Land 150 Millionen Liter Äthylalkohol als Kraftstoffersatz.

In der Nachkriegszeit wollte man vom Alkohol zunächst nicht

mehr viel wissen.
im Jahr 1973.

Das änderte sich jedoch schlagartig mit dem ölpreisanstieg

In jenem Jahr schnellte in Brasilien die Äthanol Produktion

auf 665 Millionen Liter hoch, 1978 waren es bereits 2,5 Milliarden Liter, und
1985 dürfte die 10-Milliarden-Grenze schon weit überschritten werden.

Gegen-

wärtig ist eine Beimischung von 20 Prozent Äthanol zu Benzin vorgeschrieben.
Es kommen jedoch bereits Autos vom Fließband, die mit unvermischtem Äthylalkohol fahren - und von diesen werden 250 000 in den kommenden Jahren gebaut.
Die Kosten der Äthanol Produktion stellen allerdings noch ein erhebliches
Problem dar.

Die Verfahren haben sich in den vergangenen 50 Jahren kaum ge-

ändert, und Äthylkraftstoff ist teurer als Benzin.

Aber die Regierung will

erreichen, daß bis 1985 auf 27,8 Millionen Liter Benzin pro Tag verzichtet
werden kann.

Die Kosten des Programms, das allerdings nicht von dem Zwang zum

�zum Import von Erdöl im Umfang von 85 Prozent der erforderlichen Gesamtmenge
befreit, wird auf fünf Milliarden Dollar geschätzt.

Es gibt beispielsweise

noch keinen Ersatz für Dieselöl, das in Brasilien eine wichtige Energiequelle
darstellt.

Wissenschaftler sondieren gegenwärtig Möglichkeiten für eine um-

fangreichere Verwendung von Kohle, den beschleunigten Einsatz von Atomkraft
und die Gewinnung von Alkohol aus Holz und Müll.

Brown hebt hervor, daß Länder wie die Vereinigten Staaten, Australien
und andere Getreideexportländer in der Äthanol Produktion einen Weg sehen, ihre
Abhängigkeit von Importöl zu verringern.

Selbst ein Industrieland wie Öster-

reich, das seinen Überschußweizen nach Polen exportiert, erwäge jetzt eine
Umstellung auf Äthanol Produktion, damit ölimporte verringert werden könnten.
Pläne solcher Art kämen zu einer Zeit, in der die Anstrengungen um eine Steigerung der Nahrungsmittelversorgung der Armen dieser Welt nachgelassen haben.
Aber auch "ohne die Konkurrenz von Energiepflanzen wird sich die Welt sehr anstrengungen müssen, um im kommenden Jahrzehnt ein Absinken der Pro-Kopf-Produktion von Nahrungsmitteln zu vermeiden", meint Brown.

Dennoch wäre der Studie Browns zufolge ein Kompromiß denkbar:

Ein sorg-

fältig geplantes Produktionsprogramm für Alkoholtreibstoffe könnte sogar die
Nahrungsmittel Produktion fördern.

Die Landwirtschaft sollte, sobald die öl-

vorräte zu schwinden beginnen, als erste in die Lage versetzt werden, Fahrzeuge und Maschinen wie z.B. Bewässerungspumpen mit Äthanol zu betreiben und
auf diese Weise dazu beitragen, daß die Produktion von Nahrungsmitteln sichergestellt wird.

Außerdem könnte eine Industrie, die aus landwirtschaftlichen

Abfällen, Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie und zellulosehaltigem Material wie Maisstroh Alkoholtreibstoffe herstellt, sich einen wichtigen Platz
in der Energie-Wirtschaft sichern.

Nun komme es darauf an, so Lester Brown,

daß es den Regierungen gelingt, zur Produktion von Alkoholkraftstoffen zu ermutigen, ohne damit unbeabsichtigt einer Industrie den Boden zu bereiten, die
die Nahrungsmittel Produktion beeinträchtigen würde.

+ + + + +

- 3-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8633">
                <text>02.04.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8634">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8635">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14020">
                <text>Amerikadienst 02.04.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14021">
                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA schieben Verhängung zusätzlicher Sanktionen gegen Iran auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unterstaatssekretär Saunders erläutert US-Politik in Südwestasien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sawhill: Umfassendes Energieprogramm der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellvertretender US-Energieminister vor der Auslandspresse -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nahrungsmittel oder Kraftstoffe?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nachwachsende Energiequellen können Entscheidungszwang für die Landwirtschaft bedeuten -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1682" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1693">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/261020d521a37969b2a7658df1ac61d8.pdf</src>
        <authentication>10cabd8c56628418ae43ba0576f6d11e</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8632">
                    <text>Information
und
Dokumentation

IPTI

Tu

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. März 1980

17

INHALT

DOKUMENTATION
Carter würdigt Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten
- Ansprache zum ersten Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages Carter bekräftigt: Keine Teilnahme an Olympiade in Moskau
- Bitte um Unterstützung des Boykotts durch die Athleten Vance:

Keine Änderung der Nahost-Politik der USA

- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Senats Deutsch-amerikanische Beziehungen im Rahmen der NATO
- Ansprache von US-Botschafter Bennett vor der Deutschen Atlantischen
Gesellschaft HINTERGRUNDMATERIAL
Präsident Carter drängt auf höheren Kohleverbrauch
USA: Fahrgemeinschaften auf dem Vormarsch
- Ära der Benzinschlucker im Individualverkehr geht zu Ende -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221 - 8 9 32 40
Telex:08-85432

�26. März 1980

17

CARTER WÜRDIGT FRIEDENSVERTRAG ZWISCHEN ISRAEL UND ÄGYPTEN
Ansprache zum ersten Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 23. März 1980 die
Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel vor rund
einem Jahr im Rahmen einer Feier im Weißen Haus gewürdigt und betont, daß
der Normalisierungsprozeß zwischen beiden Ländern in diesem Jahr noch schnei
ler vorangekommen sei, als er ursprünglich erwartet hatte.
Die Ansprache Carters hat folgenden Wortlaut:
Dies ist ein bemerkenswerter Tag. Botschafter Ghorbal, Botschafter
Evron, Freunde meines Landes, Israels und Ägyptens, es ist mir ein Vergnügen, Sie hier wiederzusehen. Vor einem Jahr haben viele von Ihnen hier im
Weißen Haus an einem dramatischen Augenblick teilgenommen: der Unterzeichnung eines Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel. Wir standen im
hellen Sonnenlicht jenes Frühlingstages, erfüllt mit der Hoffnung eines
neuen Beginns für ein Land, das ich liebe, sowie für zwei Länder in einem
Gebiet, in dem sie sich seit langem bekriegt hatten.

Wir

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Wir kannten die Schwierigkeiten, die vor uns liegen würden, doch wir
waren froh gestimmt über die Aussichten für den Frieden.

Wir sahen, wie

die Führer zweier großer Völker, die lange Feinde gewesen waren, sich umarmten und eine neue und erfolgversprechende Beziehung einleiteten - zwei
mutige Männer, Präsident Anwar Sadat und Ministerpräsident Menachem Begin.
Sie setzten die Welt in Erstaunen, sie hatten für eine Weile die Stimme
des Zynismus, des Hasses und der Verzweiflung zum Schweigen gebracht.
hatten das Unmögliche erreicht.

Sie

Sie hatten Frieden geschlossen.

Jener Tag war der Höhepunkt eineinhalbjähriger geduldiger und oft sehr
schwieriger Verhandlungen im Anschluß an den historischen Besuch von Präsident Sadat in Jerusalem.

Ich erinnere mich an jenen Augenblick in Camp

David - es war an einem Sonntag nachmittag -, als wir uns plötzlich darüber
klar wurden, daß der Friede möglich sei.

Ich erinnere mich des Augenblicks

in Kairo - nachdem ich zuvor Jerusalem besucht hatte -, als wir der Welt
mitteilen konnten, daß ein Vertrag zwischen diesen beiden großen Ländern
endlich in Reichweite sei. Und schließlich an die Feierstunde hier an
dieser Stelle, mit der 30 Jahre des Krieges zu Ende gingen.
Ministerpräsident Begin sprach damals die Worte zu uns: "Der Friede
sei mit uns, Shalom, Salaam für immer." Vieles hat sich seit diesem Tag
vor fast einem Jahr ereignet - Dinge, die wir nicht einmal zu träumen wagten. Die Grenzen wurden geöffnet, Botschafter zwischen den beiden Ländern
auf der Grundlage voller diplomatischer Anerkennung ausgetauscht. Bürger
kommen als Touristen in ein Nachbarland, aus dem sie seit vielen, vielen
Jahren völlig ausgeschlossen waren. Es ist heute nicht mehr schwieriger,
zwischen Tel Aviv und Kairo zu reisen als zwischen Tel Aviv und Kairo und
New York.
Israelis und Ägypter aus allen Lebensbereichen haben sich auf den Straßen Jerusalems und Kairos, Alexandrias und Tel Avivs in Freundschaft begrüßt.
Israel

�Israel hat einen großen Teil des Sinai an Ägypten zurückgegeben, und
Ägypten hat den Normalisierungsprozeß noch schneller durchgeführt, als wir
dies vor einem Jahr vorausgesehen hatten.

Die Zweifler konnten sich frü-

her auf die Geschichte berufen, denn so etwas hatte es vorher nicht gegeben.
Die praktischen Träumer jedoch hatten die Geschichte ebenfalls auf ihrer
Seite, denn es ist jetzt der Beweis erbracht worden, daß alte Muster des
Hasses und des Todes, des Leidens und des Mißtrauens nicht wiederholt zu
werden brauchen.

Benjamin Franklin, der den Vertrag mit England nach der amerikanischen
Revolution aushandelte, hat einmal gesagt, daß er keinen Friedensvertrag
kenne, sei er auch noch so erfolgreich, der nicht als unzulänglich kritisiert wurde.
umfassen.

Ein Vertrag kann unmögjich jedes Ziel aller Vertragsparteien

Was ein Vertrag erreichen kann ist, durch Verhandlungen und Kom-

promiß die lebenswichtigen Interessen aller beteiligten Parteien zu schützen.

Das haben wir hier vor 12 Monaten getan.

Wir alle wissen, daß unsere Arbeit unvollständig ist, solange der Frieden nicht alle einschließt, die in der Vergangenheit von dem Konflikt im
Nahen Osten betroffen wurden.

Wir müssen allen Menschen im Nahen Osten be-

weisen, daß dieser Friede zwischen Ägypten und Israel keine Gefahr für andere darstellt, sondern eine kostbare Möglichkeit und Chance bietet.
Als ich vor der Knesset stand - und zwar in einem Augenblick, da es
schien, als seien die Aussichten für einen Friedensvertrag in eine Sackgasse geraten - erinnerte Ministerpräsident Begin uns daran, daß es ein Frieden sein müsse, der nicht nur Monate und Jahre, sondern für immer andauere.
Wir haben nunmehr das erste Jahr hinter uns.

Wir müssen jetzt die Welt so

sehen, wie sie ist, und Mittel und Wege finden, um auch weiterhin miteinander in Frieden zu leben.

Der Vertrag zwischen Ägypten und Israel ist nur ein Schritt auf dem Wege
zu einem umfassenden Frieden überall in dieser geplagten Region.

- 3 -

In Camp

�Camp David waren Präsident Sadat, Ministerpräsident Begin und ich uns einig
über einen zweiten Schritt, den wir jetzt tun:

Verhandlungen über die volle

Autonomie der Bewohner der West Bank und des Gaza-Streifens.

Dieser Plan

bietet eine erste reale Hoffnung für die Einhaltung unseres gemeinsamen Versprechens - eines Versprechens, das alle drei von uns abgegeben haben -,
nämlich das Palästinenserproblem in allen seinen Aspekten zu lösen, während
die Sicherheit und die Zukunft Israels voll geschützt werden.
Die Autonomiegespräche werden zu einer Übergangsvereinbarung führen.
Weitere Verhandlungen werden nach etwa drei Jahren erforderlich sein, um
den endgültigen Status der West Bank und des Gaza-Streifens zu bestimmen.
Ägypten, Israel und die Vereinigten Staaten müssen jetzt für den Erfolg dieses
Kurses eintreten, mit dem wir in Camp David begonnen haben - eines Kurses,
der auf diesen Absprachen sowie auf den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen basieren.

Wie wir alle in Camp David feierlich festgestellt

haben, kann Israel durch die gegenwärtigen Verhandlungen vermehrte Sicherheit erlangen, und die Palästinenser können an der Bestimmung ihrer eigenen
Zukunft teilnehmen und eine Lösung erzielen, die ihre legitimen Rechte anerkennt.
Während der vergangenen zehn Monate haben unsere Unterhändler geduldig
daran gearbeitet, diese schwierigen Fragen zu definieren. Heute, da wir
hier zusammentreffen, befindet sich Botschafter Sol Linowitz in Israel und wird
demnächst nach Ägypten reisen, um mitzuhelfen, daß diese Gespräche vorankommen; und im nächsten Monat werde ich hier mit Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin zusammentreffen. Es ist an der Zeit, daß wir den
bisher erzielten Fortschritt überprüfen und die Möglichkeit erörtern, wie
wir noch schneller vorankommen können. Diese beiden Gipfeltreffen sollen
nicht etwa an die Stelle der Unterhändler treten, die so hart gearbeitet und
solche Fortschritte erzielt haben, sondern sie sollen den Unterhändlern
helfen, ihre so lebenswichtige Arbeit zu beschleunigen. Ich freue mich darauf, mit diesen beiden Staatsmännern erneut zusammenzutreffen. Sie sind
meine Freunde.
Während
- 4 -

�Während der 13 Tage in Camp David und während der Zusammenkünfte,
die ich mit ihnen vorher und seither hatte, habe ich sie sehr gut kennengelernt.

Beide Männer sind von tiefen religiösen Überzeugungen erfüllt.

Beide sind Männer, deren persönliches Gefühl für die Geschichte ihrer Länder von früher Kindheit an ihr eigenes Leben geformt hat.

Es sollte nie-

mals vergessen werden, daß nach vielen, vielen Jahren erfolgloser Bemühungen, wobei die Talente unzähliger hervorragender Staatsmänner zum Tragen
kamen, Mut und Weitsicht erforderlich waren, um diesen ersten großen Schritt
in Richtung auf den Frieden zustandezubringen.

Und es werden sicher noch

mehr Mut und Weitsicht und die Verpflichtung erforderlich sein, nicht nur
den Buchstaben, sondern auch den Geist der Abkommen von Camp David zu erfüllen und unsere Träume von einem dauerhaften Frieden zu verwirklichen.

Der Zeitraum zwischen heute und dem Abschluß der Gespräche wird ohne
Frage nicht einfach sein, wenn wir daran arbeiten, einige der kompliziertesten und der
gibt.

emotionalsten Fragen zu lösen, die es überhaupt in der Welt

Ägypten und Israel werden vor schwierigen Entscheidungen bei dem

Bemühen stehen, eine Antwort auf die schwierigen Fragen zu finden, und sie
werden Geduld und Verständnis benötigen - auf jeweils ihrer Seite und auch
auf unserer.

Doch in der Lösung dieser Fragen liegt die große Verheißung

für die Erreichung des umfassenden Frieden, nach dem Ägypten, Israel, die
Vereinigten Staaten und alle Menschen guten Willens überall so sehr trachten.

Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin geduldig und konstruktiv
mit Ägypten und Israel als volle Partner in den Verhandlungen zusammenarbeiten.

Diese im Augenblick stattfindenden Verhandlungen bilden den Weg

zum Frieden.

Sie können Erfolg haben, ja, sie müssen Erfolg haben.

Lassen Sie mich eines klarstellen.

Innenpolitische Fragen dürfen keine

Furcht und keine Hindernisse schaffen, sie dürfen nicht den Geist von Camp
David behindern oder untergraben und sie dürfen nicht zu einem Mangel an
Einsatz führen, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen.
Jetzt
- 5 -

�Jetzt ist es an der Zeit, den politischen Weitblick zu bewahren, der
den heute von uns gewürdigten Vertrag erst ermöglichte.
Begin sagte an dieser Stelle im letzten Jahr:

Ministerpräsident

"Jetzt ist der Zeitpunkt für

uns alle gekommen, Zivilcourage zu zeigen, um vor unserem Volke und vor anderen zu verkünden, daß es keinen weiteren Krieg, kein weiteres Blutvergießen, keine schmerzlichen Verluste mehr geben wird."
In Camp David haben wir andere dazu aufgefordert, dem Rahmenwerk des
Friedens beizutreten und sich an den Verhandlungen zu beteiligen. Die Verhandlungen müssen auf einer gemeinsam akzeptierten Grundlage basieren.

Las-

sen Sie mich, da diese Gespräche jetzt fortgesetzt werden, zwei Punkte unterstreichen:
Wir werden weder mit der palästinensischen Befreiungsorganisation verhandeln, noch werden wir sie anerkennen, es sei denn, sie akzeptiert die
Resolutionen 242 und 338 und erkennt Israels Recht auf Existenz an.

Und

wir sind gegen die Schaffung eines unabhängigen palästinensischen Staates.
Die Vereinigten Staaten haben, wie Sie alle wissen, ein herzliches und
einmaliges Verhältnis der Freundschaft zu Israel, was moralisch richtig und
begründet ist. Es steht in Übereinstimmung mit unseren tiefsten religiösen
Überzeugungen, und dies ist auch richtig im Hinblick auf die eigenen strategischen Interessen Amerikas. Wir sind der, Sicherheit Israels, seiner
Prosperität und Zukunft als ein Land verpflichtet, das der Welt so viel zu
bieten hat. Ein starkes Israel und ein starkes Ägypten dienen unseren eigenen Sicherheitsinteressen.
Wir sind dem Recht Israels verpflichtet, mit allen seinen Nachbarn in
Frieden zu leben und zwar innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen, frei
von Terrorismus. Wir sind Jerusalem verpflichtet, das bei freiem Zugang
für immer ungeteilt bleibt - bei freiem Zugang aller Glaubensbekenntnisse zu
den heiligen Stätten. Nichts wird uns von diesen fundamentalen Prinzipien
und Verpflichtungen abbringen, die ich Ihnen gerade dargelegt habe.
Wie
- 6 -

�Wie Sie ebenfalls alle wissen, haben die Vereinigten Staaten ihre wertvolle Beziehung zu Ägypten erweitert und vertieft - dem größten, mächtigsten
und einflußreichsten arabischen Staat der Erde.

Präsident Sadat hat auf-

grund seiner heldenhaften Haltung tiefgreifende Veränderungen nicht nur in
der übrigen Welt, sondern auch im inneren Leben Ägyptens selbst zustandegebracht.

Und er hat Ägypten innerhalb der Völkergemeinschaft zu einem füh-

renden Land bei dem Streben nach Frieden gemacht.

Wir unterstützen die Si-

cherheit und das Wohlergehen Ägyptens, und wir werden mit Ägypten zusammenarbeiten, um ein gedeihliches und friedliches Leben für das ägyptische Volk
sicherzustellen.
Präsident Sadat hat vor einem Jahr an dieser Stelle erklärt: "Es darf
keine Kriege und kein Blutvergießen zwischen Arabern und Israelis mehr geben. Es darf auch kein weiteres Leid oder die Verweigerung von Rechten mehr
geben. Lassen Sie uns dafür sorgen, daß es keine Verzweiflung oder den Verlust des Glaubens mehr gibt. Keine Mutter soll mehr über den Verlust ihres
Kindes klagen. Kein junger Mensch soll mehr sein Leben in einem Konflikt
verlieren, der keinem nützt. Lassen Sie uns zusammenarbeiten, bis der Tag
kommt, wo wir unsere Schwerter zu Pflugscharen und unsere Speere zu nützlichen Werkzeugen machen."
Jesaja spricht im Kapitel 42 in der Bibel von einem großen Diener Gottes
folgendermaßen: "Ein geknicktes Rohr wird er nicht abbrechen, und einen
glimmenden Docht wird er nicht auslöschen... Ich habe... Dich zum Volksbund gemacht, zum Licht für die Völker, um blinde Augen zu öffnen."
Heute, da die Erde im Frühling nach einem langen Winter neu geboren
wird, halten wir jenen glimmenden Docht des Friedens vor den Völkern dieser
Welt hoch.

In diesem Licht können wir alle sehen, daß inmitten der Enttäu-

schungen und Gefahren die Menschheit immer noch die Oberhand über ihre

ei-

genen übel behalten kann - gegenüber ihrer eigenen Vergangenheit, gegenüber
allen Versuchen, die uns voneinander trennen und zu Feinden machen können.
Wir dürfen nicht gemein noch geizig sein und dürfen es nicht an Mut fehlen
lassen.

Wir dürfen nicht das Vertrauen jener Menschen täuschen, die an uns
- 7 -

�uns glauben.
Durch die Jahrhunderte hindurch haben die Kinder Abrahams täglich in
ihren Grußworten von ihrer Sehnsucht nach Frieden gesprochen.

Präsident

Sadat und Ministerpräsident Begin sind Kinder Abrahams, und sie sind Männer
des Friedens.

Ich bitte auch Sie darum, um einen umfassenden Frieden für

uns alle zu beten.

Ich selbst bete darum, daß der schwach glimmende Docht,

den wir angezündet haben, immer noch die helle Flamme des Friedens schüren
möge, die die Welt erleuchten wird.
Ich, Präsident Sadat und Ministerpräsident Begin schließen uns Ihren
inbrünstigen Gebeten an:
Friede, Shalom, Salaam.

+ + + + +

8 -

�I
I 3

m

Dokumentation
United States Information Service

17

26. März 1980

CARTER BEKRÄFTIGT:

KEINE TEILNAHME AN OLYMPIADE IN MOSKAU

- Bitte um Unterstützung des Boykotts durch die Athleten -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich eines Treffens mit einer Gruppe amerikanischer Athleten am 21. März 1980 im Weißen Haus unterstrich Präsident Carter
erneut, daß die Vereinigten Staaten nicht an den Olympischen Sommerspielen
in Moskau teilnehmen werden; gleichzeitig bat er die Sportler um Unterstützung
dieses Entschlusses.

Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Es ist mir eine große Ehre, mit so berühmten Leuten zusammenzusein.
In dieser Zeit der Herausforderung und der Enttäuschung hege ich für Sie
eine tiefe Bewunderung und ein tiefes Mitgefühl.

Es herrschen traurige Zeiten für all jene in unserem Land, die sich als
Amateure dem Sport widmen.

Wie Sie wissen, kam es in der vorigen Woche in

Warschau zu einem tragischen Flugzeugunglück, bei dem 22 Mitglieder der amerikanischen Box-Amateurmannschaft ums Leben kamen.

Es war ein tragisches

Ereignis und unsere gesamte Nation wurde an den Wert des menschlichen Lebens
erinnert und zugleich daran, welche Opfer beim Training für Hochleistungssport gebracht werden.

...

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Diese Mannschaft ging ins Ausland, um ihr Bestes zu geben.

Sie wan

voller Sportgeist und Entschlossenheit, ihre eigene Tatkraft und ihren
Leistungswillen unter Beweis zu stellen und gleichzeitig ihr Land zu vertreten.

Sie haben uns gut vertreten.

Ich fühle den Verlust persönlich,

einen Verlust, von dem ich weiß, daß Sie ihn alle teilen.
Wenn wir uns solch schrecklichen Tragödien gegenübersehen, halten wir
einen Augenblick lang inne und betrachten unser eigenes Leben, unsere eigenen
Grundsätze, unsere eigenen Gefühle und unsere eigenen Verpflichtungen wieder
aus einem anderen Blickwinkel, um uns darüber Klarheit zu verschaffen und
das vor uns aufzureihen, was im Leben des Menschen das Wichtigste ist. Wir
leben in einer solchen Zeit.

Aus diesem Grund habe ich Sie - mit einer

gewissen Erregung - darum gebeten, ins Weiße Haus zu kommen, um Dr. Brzezinski
anzuhören, um mit Joe Onek zu sprechen und mit mir, Ihrem Präsidenten, zusammenzutreffen, um eine sehr ernste und höchst lebenswichtige Angelegenheit
zu besprechen, die unmittelbar menschliches Leben betrifft, Tausende von
Menschen, die in Afghanistan bereits ihr Leben lassen mußten, und noch viele
Hunderttausende, die ihr Leben verlieren könnten, wenn unsere Nation nicht
stark genug und zum Opfer entschlossen ist, den Frieden unseres Landes zu
bewahren, sollte dies notwendig sein.
Die oberste Verpflichtung, die ich in meiner amtlichen Eigenschaft als
Präsident habe, besteht darin, die Sicherheit der Vereinigten Staaten von
Amerika zu wahren und Frieden zu halten. Jede Entscheidung, die ich treffe,
jede Maßnahme, die ich treffe, muß mit dieser Verpflichtung in Einklang stehen.
Wir leben in einem nuklearen Zeitalter. Unsere Aussichten sind noch weit
ernster als sogar jene damals 1936, als die Olympischen Spiele in Berlin abgehalten wurden. Es war damals ernst. Im Rückblick ist es offenkundig.
Ich traf vorige Woche mit dem Ministerpräsidenten von Bayern zusammen,
der sich in diesem Jahr um das Amt des Bundeskanzlers bewirbt. Er sagte:
Wären die Olympischen Spiele 1936 in Berlin nicht abgehalten worden, hätte
der Lauf der Geschichte anders sein können. Wir stehen heute vor einer ähnlichen Aussicht. Ich bin entschlossen, unser nationales Interesse über alles
- 2 -

�alles zu stellen, sogar wenn Menschen, die ich liebe und bewundere - so
wie Sie - dadurch gezwungen sind, Enttäuschung und persönliche Opfer auf
sich zu nehmen.

Ich sage dies nicht leichthin, denn meine Bewunderung

und meine Wertschätzung für Sie sind sehr tief und aufrichtig.

Aber es ist absolut notwendig, daß wir und andere Staaten, die an die
Freiheit, an die Menschenrechte und an den Frieden glauben, unsere Stimmen
so deutlich wie nur irgend möglich zu Gehör bringen und der Sowjetunion
und ihrer Regierung nicht den Stempel der Zustimmung aufdrücken, solange
ihre 105 000 Mann starken, schwerbewaffneten Invasionstruppen in dem freiheitsliebenden, unschuldigen und tiefreligiösen Land Afghanistan stehen.
Tausende haben bereits ihr Leben verloren.

Ganze Dörfer wurden mutwillig

durch die sowjetischen Invasionstruppen zerstört.

Und wie Sie wissen, hat

die Bevölkerung in der Sowjetunion davon noch nicht einmal Kenntnis. Sie
weiß noch nicht einmal, daß 104 Staaten in den Vereinten Nationen die Sowjetunion wegen ihrer Invasion verurteilt und sie zum sofortigen Rückzug aus
Afghanistan aufgefordert haben.

Die Bevölkerung der Sowjetunion weiß davon

nichts.

Die Olympischen Spiele sind für die Sowjetunion wichtig.
massiv in Gebäude, Ausrüstung und Propaganda investiert.

Es wurde

Wie Sie wahrschein-

lich schon darauf hingewiesen wurden, wurden Hunderttausende von Kopien
einer offiziellen sowjetischen Broschüre verteilt, in der es heißt, daß die
Entscheidung der Staatengemeinschaft zur Abhaltung der Olympischen Spiele
in Moskau die Bestätigung der Billigung der sowjetischen Außenpolitik darstelle und für die Welt der Beweis sei, daß der internationale Friede Ergebnis der sowjetischen Politik sei.

In diesem Augenblick vermag ich nicht zu sagen, welche anderen Länder
nicht an den Olympischen Sommerspielen in Moskau teilnehmen werden.
Land wird nicht teilnehmen.
Entscheidung ist gefallen.

Ich sage dies ohne jede Zweideutigkeit.

Unser
Die

Das amerikanische Volk ist überzeugt davon, daß

wir an den Olympischen Sommerspielen nicht teilnehmen sollen.

- 3 -

Der Kongreß

�Kongreß hat mit überwältigender Mehrheit, nahezu einstimmig, was sehr selten
vorkommt, darüber abgestimmt, daß wir nicht teilnehmen werden.

Und ich kann

Ihnen sagen, daß viele unserer wichtigsten Verbündeten, besonders jene demokratischen Länder, die an die Freiheit glauben, auch nicht teilnehmen werden.
Ich verstehe Ihre Gefühle, und ich habe viel darüber nachgedacht als
dieser Augenblick näherkam, an dem ich hier vor Ihnen stehen würde, vor den
großartigen jungen Amerikanern und hingebungsvollen Trainern, die in manchen
Fällen über zehn Jahre lang, in jedem Fall jahrelang daran gearbeitet haben,
zu den besten Athleten der Welt zu zählen und ich weiß, was die Olympischen
Spiele für Sie bedeuten, ich weiß, daß Sie enttäuscht sein würden.

Es ist

für mich kein angenehmer Augenblick.
Sie nehmen im amerikanischen Leben eine besondere Stellung ein:

nicht

wegen Ihres Talentes, Ihrer Hingabe, Ihres Trainings, Ihrer Verpflichtung oder
Ihrer Fähigkeiten als Athleten, sondern weil die Sportler der Olympischen
Spiele für das amerikanische Volk etwas anderes repräsentieren.

Sie reprä-

sentieren die höchsten Werte unseres Landes. Sie repräsentieren eine besondere Verpflichtung gegenüber dem Wert eines Menschenlebens und dem Erreichen einer Vortrefflichkeit in einem Umfeld der Freiheit, einen Glauben
an Ehrlichkeit, Freundschaft und Respekt vor den anderen, die Beseitigung
der Diskriminierung und die Achtung der Menschenrechte und des Friedens.
Obgleich viele von Ihnen diese Art Wertschätzung vielleicht sogar nicht
rechtfertigen oder verdienen mögen, weil Sie über diese Fragen womöglich nicht
so intensiv nachgedacht haben, glaubt doch das amerikanische Volk, daß es so
ist, denn Sie werden zutreffend als sauber und bescheiden, als ehrlich und
hingebungsvoll gekennzeichnet.
Aus diesem Grund ist es von solch besonderer Bedeutung, daß Sie sich uns
anschließen - nicht zur Verdammung der Sowjetunion, keineswegs in einem negativen Sinn, sondern im positiven Sinn dessen, was am besten ist für unser
Land und für den Weltfrieden.

Es bedarf ;eines festen, klaren Wortes der

�der Warnung an die Sowjetunion - nicht nur der Warnung und Kritik darüber,
was sie bereits getan hat, um ein kleines und verhältnismäßig schwaches Land
zu plündern, sondern auch, um sicherzustellen, daß sie es nicht als eine
Großtat betrachtet, die keinerlei ernste negative Folgen hat und der dann
weitere Aggressionen auf gleicher Basis folgen können.

Seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Sowjets - wie Sie wissen - erfolgreich in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und in anderen Ländern ebenso
eingefallen und haben deren Völker unterdrückt und sie ihrer Freiheiten beraubt; aber seit über 25 Jahren haben sie - nach Gründung des Warschauer
Paktes - nicht mehr ihre eigenen mächtigen Streitkräfte eingesetzt, um selbst
in ein benachbartes Land einzudringen.

Sie verwenden andere, um die Schlach-

ten für sie zu schlagen, die Vietnamesen und die Kubaner, früher die Nordkoreaner.

Dies hier, nämlich selbst einzugreifen, war eine radikale Abkehr

von früherer Sowjetpolitik - und es darf nicht einfach hingenommen werden.

Ich möchte auch darauf hinweisen, daß Sie nicht die einzigen sein werden,
die ein Opfer bringen.
sein.

Das Ihrige mag für Sie das tiefste und persönlichste

Ich erkenne das an.

Aber die Bauern dieses Landes leiden ebenfalls.

Einige unter Ihnen kommen aus Farmerfamilien.

Sie wissen, wie wichtig es

ist, stabile internationale Märkte zu haben, um Ihre Produkte zu verkaufen,
nachdem man überaus unbeständige Jahreszeiten hatte und sich hoch verschulden mußte.

Kurz vor den Wahlen in Iowa erklärte ich ein Embargo und blockierte
17 Millionen Tonnen Getreide, das für die Sowjetunion bestimmt war, und eine
Menge Leute sagte:

"Die Bauern werden Sie verdammen, Herr Präsident.

werden bei der Wahl nie Erfolg haben".

Sie

In den ländlichen Gemeinden gewann

ich die Wahl mit einem Vorsprung von 3 : 1, denn die Bauern fühlten:

"auch

wenn es für mich ein Opfer ist, so glaube ich doch an mein Land; und auf
friedliche Weise müssen wir den Sowjets eine deutliche Botschaft übermitteln:
daß Aggression weder gutgeheißen noch entschuldigt

wird."

Und ich möchte

Sie daran erinnern, daß alles, was wir getan haben, nicht nur für das höchste
Zeit, den Frieden, getan wurde, sondern auch mit friedlichen Mitteln getan
- 5 -

�getan wurde.

Es stehen mir machtvolle Streitkräfte zu Gebot, um meinem

Befehl zu folgen, - die stärksten Streitkräfte der Welt.
lei militärischen Einfluß geltend gemacht.

Ich habe keiner-

Wir haben wirtschaftlichen

Einfluß geltend gemacht, indem wir die anderen Staaten aufgefordert haben,
sich uns bei den Vereinten Nationen anzuschließen,um die Sowjetunion zu verurteilen - und 103 andere Staaten taten dies -, und wir haben wirtschaftlichen Einfluß geltend gemacht, den ich Ihnen eben beschrieben habe und
nicht zu wiederholen brauche. Auf der anderen Seite müssen wir mit unseren
Verbündeten und Freunden und den freiheitsliebenden Völkern in der ganzen
Welt zusammenstehen und sagen:

"Wir werden nicht nach Moskau gehen und an

den Olympischen Spielen in eurer Hauptstadt teilnehmen.

Wir fordern die

Verlegung der Olympischen Spiele oder ihre Aufschiebung um mindestens ein
Jahr, bis die sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen sind oder die
Aufhebung der Spiele" - ansonsten nehmen wir nicht teil.
Herr Onek hat zu Ihnen von meiner Verpflichtung gesprochen, alles
in meiner Macht stehende zu tun, um Ihnen internationalen Wettbewerb auf
olympischem Niveau zu bieten, an dem Sie - wahrscheinlich gegen Ende August - teilnehmen und sich selbst und unser Land vertreten können. Ich bin
nicht naiv und ich weiß, daß es nichts gibt, bei dessen Schaffung ich behilflich sein könnte, was dem Rang einer olympischen Goldmedaille gleichkäme
- selbst wenn alle anderen Länder dieser Welt mich dabei unterstützen würden. Meinem Urteil nach schützt das, was wir tun, die Prinzipien und die
Qualität der Olympischen Spiele - es zerstört sie nicht.
Es wäre mir sehr recht, wenn wir eine ständige Olympische Stätte in der
Nähe der ursprünglichen Olympischen Spiele in Olympus in Griechenland hätten.
Wir haben uns dafür verwendet. Wir haben eine Delegation des Weißen Hauses
zu Ministerpräsident Karamanlis nach Griechenland geschickt, um nach einem
möglichen Gelände zu suchen. Dies würde mich gänzlich zufriedenstellen.
Es wird eine Weile dauern, dies zu tun. Aber ich möchte sicher sein, daß
die Prinzipien der Olympischen Spiele erhalten werden und nicht aufgezehrt,
zerstört oder herabgesetzt werden.
Offensichtlich
- 6 -

�Offensichtlich ist dies eine schwierige Entscheidung, die ich zu treffen habe.

Für Sie ist sie noch viel schwerer.

Ich sage nicht, daß es noch

schlimmer für mich ist.

Einen letzten Gedanken möchte ich noch äußern:
der Belohnung und der Anerkennung.
Lä'ufer.

Wir haben viele Arten

Ich bin kein überragender 10 000-Meter-

Aber ich wurde durch Wahlen mit dem höchsten wählbaren Amt in un-

serem Land geehrt.

Und es wird einen Unterschied - nicht nur einen kleinen

Unterschied - zwischen einer Goldmedaille geben, die Sie vielleicht Ende
August bei den internationalen Spielen gewinnen und die für Sie nicht die
Bedeutung einer Olympischen Medaille haben wird.

Ich verstehe das.

Aber

es wird eine zusätzliche Belohnung geben und ich werde dabei helfen, sie im
Rahmen meiner Fähigkeit, meiner Autorität, meines Einflusses und meines Ranges als Präsident ins Bewußtsein zu bringen - nicht nur durch eine besondere
Anerkennung für Sie, daß Sie in einem großartigen internationalen Wettstreit
im Rang einer Weltmeisterschaft obsiegt haben, sondern durch eine zusätzliche
Ehrung dafür, daß Sie dabei geholfen haben, die Freiheit zu erhalten, die
Qualität und die Grundsätze der Olympischen Spiele zu stärken und auf persönliche Weise dazu beigetragen haben, die Prinzipien und Ideale unserer
Nation in die Tat umzusetzen und dabei ein Opfer gebracht haben.

Und ich hoffe, daß zumindest im Gedächtnis einiger unter Ihnen die Medaille, die Sie vielleicht im Wettstreit gewinnen werden und die Anerkennung
einer dankbaren Nation wenigstens teilweise ein Ersatz für das Opfer sein
werden, das Sie in diesem Sommer werden bringen müssen, wenn Sie nicht an
den Olympischen Sommerspielen in Moskau teilnehmen.

Ich bin sehr dankbar dafür, daß Sie gekommen sind, und ich hoffe, daß
Sie mir helfen werden und - wenn möglich - mit mir übereinstimmen.
dies ist ein freies Land und Ihre Stimme gehört Ihnen.

Aber

Was Sie tun und sa-

gen, unterliegt einer Entscheidung, die Sie selbst zu treffen haben.

Was

immer Sie hinsichtlich Ihrer Haltung entscheiden werden, so werde ich es
respektieren.

Ich schätze diese Gelegenheit, daß ich als Präsident hier

- 7 -

�hier mit Ihnen zusammenkommen und mit Ihnen eine sehr ernste Angelegenheit
unter Gleichen besprechen konnte, als Amerikaner, die unser Land lieben,
die erkennen, daß wir manchmal Opfer bringen müssen und daß solche Opfer
für das gemeinsame Gut, für Frieden und für Freiheit, gerechtfertigt sind.
•

Ich danke Ihnen.

+ + + + +

�I

3
3

I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. März 1980

17

VANCE: KEINE ÄNDERUNG DER NAHOST-POLITIK DER USA
Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen
Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat
am 20. März 1980 in einer Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des
Senats betont, daß sich die Nahost-Politik der Vereinigten Staaten nicht
geändert habe und weiterhin das Ziel einer umfassenden Friedensregelung verfolge.
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Es ist über das Thema der heutigen Anhörung sehr viel geredet worden:
Es geht um die Ereignisse im Zusammenhang mit der Stimmabgabe der Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat (der Vereinten Nationen) am 1. März. Herr
Vorsitzender, ich weiß, daß wir uns alle hier darüber im klaren sind, wie
wichtig es ist, mit welcher Einstellung wir an unsere heutigen Erörterungen
herangehen, gerade im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen auf unsere Bemühungen um einen umfassenden Frieden. Was dies angeht, so reist Botschafter
Linowitz morgen zu einer Runde besonders heikler Verhandlungen mit den Ägyptern
und den Israelis ab.
Seit

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Seit Jahren haben die Vereinigten Staaten ihre Position in diesen Fragen
klar und deutlich zum Ausdruck gebracht.

Wir haben deutlich gemacht:

- unsere standhafte Unterstützung der Sicherheit und des Wohlergehens
Israels;
- unsere seit langem bestehende Verpflichtung zur Unabhängigkeit und
territorialen Integrität aller Staaten im Nahen Osten, einschließlich des
Rechtes Israels, innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen in Frieden zu
leben;
- unsere Unterstützung für die Resolution Nr. 242 des Sicherheitsrates
(der Vereinten Nationen) in all ihren Teilen als Grundlage für eine umfassende Friedensregelung;
- unsere von Ägypten und Israel in Camp David bestätigte Überzeugung,
daß Verhandlungen zu dem Zwecke notwendig sind, alle Bestimmungen und Prinzipien der Resolutionen 242 und 338 zu verwirklichen;
- unsere von Ägypten und Israel geteilte Überzeugung, daß zu einem umfassenden Frieden die Lösung des Palästinenserproblems in all seinen Aspekten
gehören muß;
- unseren festen Standpunkt, daß wir die PLO nicht anerkennen und nicht
mit ihr verhandeln werden, solange die PLO das Existenzrecht Israels nicht
anerkennt und die Resolutionen 242 und 338 des Sicherheitsrats nicht akzeptiert;
- unsere unablässige Verpflichtung zu dem Verhandlungsprozeß, wie er
in Camp David abgesteckt wurde; und
- unsere feste Oberzeugung, daß in der Zwischenzeit die Beteiligten
sich entsprechend dem internationalen Recht und einer vernünftigen Zurückhai -

- 2 -

�Zurückhaltung verhalten sollten, um das Vertrauen zu erwecken, daß eine
Folge erfolgreicher Verhandlungen einen gerechten, ehrenhaften und dauerhaften Frieden für alle herbeiführen kann.
Nach fast 30 Jahren des Patts und des Streites haben wir jetzt endlich
einen konkreten Fortschritt zum Frieden durch Verhandlungen erlebt. Präsident Sadat, Ministerpräsident Begin und Präsident Carter haben einen Prozeß in Gang gesetzt, der zum Rahmen von Camp David, dem ägyptisch-israelischen Friedensvertrag und den gegenwärtigen Verhandlungen über eine sinnvolle Autonomie in der West Bank und im Gaza-Streifen geführt hat. Auf Ersuchen beider Parteien sind die Vereinigten Staaten ein voller Partner in
diesen Verhandlungen.
Es ist wichtig zu unterstreichen, daß das Ziel aller drei Partner
eine friedliche Lösung ist, die mit den übereinkommen von Camp David vereinbar ist und durch Verhandlungen zustandekommt. Die Methode, die in
den letzten zwei Jahren Frucht zu tragen begonnen hat, zielt auf eine Beilegung all jener Fragen ab, die jetzt gemeistert werden können, um dann den
im jetzigen Stadium erzielten Fortschritt zu nutzen und um die Lösung
schwierigerer Fragen in späteren Verhandlungsphasen zu erleichtern. Es ist
entscheidend wichtig für diesen Prozeß, daß jede Seite Vertrauen darin gewinnt, eine Regelung zu fairen Bedingungen sei auf dem Verhandlungswege
möglich.

Die derzeitigen Verhandlungen
Die derzeitigen Verhandlungen bieten den Kontext für konkrete Erörterungen einzelner Fragen. Es ist wichtig zu definieren, was die derzeitigen Verhandlungen sind und was nicht.
Sie dienen beispielsweise nicht dazu, den endgültigen Status der WestBank und des Gaza-Streifens zu definieren. Alle Fragen bezüglich der dauernden Institutionen in diesen Gebieten sollen in späteren Verhandlungen ge- 3 -

�geklärt werden, an denen die Palästinenser teilnehmen können, um im Rahmen
des in den übereinkommen von Camp David festgelegten Prozesses ihre eigene
Zukunft selbst zu bestimmen.

Unsere Sorge ist, daß einseitige Handlungen

das Ergebnis jener Verhandlungen präjudizieren könnten und deshalb den Weg
zu einer friedlichen und ehrenhaften Lösung dieser komplexen Fragen verbauen würden.
•

• •

'•'•'•''

••

•

Die derzeitigen Verhandlungen stellen eine Bemühung dar, in der West
Bank und im Gaza-Streifen für eine Übergangsphase eine Selbstverwaltungsbehörde zu schaffen und gleichzeitig die Sicherheit Israels voll zu gewährleisten.

Wenn diese Bemühung Erfolg haben soll, dann müssen einige wichtige

Fragen gelöst werden.
Die derzeitigen Verhandlungen müssen auch die Machtbefugnisse und Verantwortlichkeiten der Selbstverwaltungsbehörde definieren, die diese in der
West Bank und im Gaza-Streifen ausüben soll. Diese Vereinbarungen sollten
die volle Autonomie für die Bewohner dieser Gebiete gewährleisten und gleichzeitig den legitimen Sicherheitsanliegen der Beteiligten Rechnung tragen.
Dann ergibt sich auch die Frage, wie die Wahlen durchgeführt werden
sollen, aus denen die freigewählte Körperschaft hervorgehen soll, wie sie
in dem Rahmen von Camp David vorgesehen ist. Diese Wahlen müssen sicherstellen, daß die Körperschaft die Unterstützung aus der Bevölkerung genießt,
die notwendig ist, damit sie in der Übergangsperiode die von den Parteien
vereinbarten Aufgaben erfüllen kann.
Was die Frage der Sicherheit angeht, so lassen Sie mich die in den Übereinkommen von Camp David niedergelegte Erklärung bekräftigen, daß alle notwendigen Maßnahmen ergriffen und Vorkehrungen getroffen werden, um die Sicherheit Israels und seiner Nachbarn während der Übergangsperiode und darüber
hinaus zu gewährleisten.

Diese Verpflichtung ist ein integraler Bestandteil

des Rahmens von Camp David,und diese Administration hat die Absicht, dafür
zu sorgen, daß sie voll eingehalten wird.
Die

�Die UN-Resolution
Im Februar wurden wir mit dem Entwurf einer Resolution zur Frage der
isralischen Siedlungen konfrontiert, der im Sicherheitsrat in Umlauf kam.
Wir lehnten einen Hinweis in der Resolution ab, der sich auf den Abbau bestehender Siedlungen bezog, und versuchten ohne Erfolg, eine Streichung
dieses Hinweises zu erreichen.

Wie dies im Sicherheitsrat der Vereinten Na-

tionen oft geschieht, machten wir daher unsere Einwände geltend, ohne die
Resolution insgesamt abzulehnen.

Präsident Carter hat klar und deutlich un-

sere Auffassung deutlich gemacht, daß diese Forderung nach Abbau weder richtig noch praktikabel sei.
Wie Sie wissen, gelang es uns, Paragraph 7 des Entwurfs zu streichen,
in dem Israel aufgefordert wurde, die freie Religionsausübung in Jerusalem
zu gewährleisten, wodurch fälschlicherweise der Eindruck entstanden wäre,
Israel täte dies nicht bereits.
Es gab jedoch ein Mißverständnis bezüglich unseres Standpunktes zu anderen Hinweisen auf Jerusalem in der Resolution.

Der Präsident ging davon

aus, daß alle Hinweise auf Jerusalem gestrichen würden, ehe wir für die Resolution stimmen würden - aus der Überzeugung heraus, daß es in der gegenwärtigen Phase der Autonomieverhandlungen nicht nützlich wäre, die Frage
Jerusalems in einer UN-Resolution bezüglich der Siedlungen aufzuwerfen.

Ich

hatte geglaubt, daß das, was der Präsident gestrichen haben wollte, die Hinweise auf Jerusalem und das damit Zusammenhängende in Paragraph 7 seien.

Es

war mein Fehler, und ich habe die volle Verantwortung für dieses Mißverständnis übernommen. .
Wie Botschafter McHenry unmittelbar nach der Abstimmung im Sicherheitsrat erklärt hat, betrachten die Vereinigten Staaten die Resolution 465 als
eine Empfehlung und nicht als bindend.

Was den Hinweis "palästinensische

und andere arabische Länder" angeht, so vertreten wir den Standpunkt, daß
diese Formulierung nicht dahingehend ausgelegt werden darf, daß sie in ir- 5 -

�irgend einer Form das Ergebnis der Autonomieverhandlungen über den endgültigen Status der West Bank und des Gaza-Streifens präjudizieren würde.
Wie der Präsident am 3. März unmißverständlich erklärt hat, hat sich
unsere Politik bezüglich der Siedlungen in besetztem Gebiet und bezüglich
Jerusalems nicht geändert.

Ich halte es für wichtig, daß ich unsere Politik

in diesen beiden Fragen noch einmal kurz darlege.

Siedlungen in besetztem Gebiet
^

—

—

i

^

^

—

I

I

I

I

II

I

I

I

I

ll

I II

Die amerikanische Politik bezüglich der Errichtung israelischer Siedlungen in den besetzten Gebieten ist eindeutig und seit langem öffentlich
bekannt.

Wir betrachten es als einen Verstoß gegen das internationale Recht

und als ein Hindernis für den erfolgreichen Abschluß des Friedensprozesses
im Nahen Osten.

Wir haben Israel immer wieder gedrängt, den Handlungen zur

Errichtung neuer Siedlungen Einhalt zu gebieten oder sich Land anzueignen,
um die bestehenden zu vergrößern.

Wir erachten eine solche Zurückhaltung

als besonders wichtig, während die Autonomieverhandlungen andauern.
Der Rahmen von Camp David nimmt nicht ausdrücklich auf israelische
Siedlungen in der West Bank und im Gaza-Streifen Bezug.

Trotzdem müssen be-

stimmte Fragen bezüglich des Status der Siedlungen während der Übergangsperiode offensichtlich im Zuge der Autonomieverhandlungen gelöst werden.
Die endgültige Regelung der Frage der Siedlungen muß dann in den folgenden Verhandlungen über den endgültigen Status der besetzten Gebiete entschieden werden.

Jerusalem

- 6 -

�/

-&amp;' Jerusalem
Unsere Politik bezüglich Jerusalemsist unter vier amerikanischen Präsidenten konsequent die gleiche geblieben. Wie Präsident Carter am 3. März
verklärte, hat sich unsere Position bezüglich Jerusalems nicht geändert. Dieser Standpunkt ist und bleibt der gleiche, wie ihn der Präsident in seinem
Schreiben an Präsident Sadat dargelegt hat, das zur Zeit der übereinkommen
von Camp David unterzeichnet wurde,
s-iü
' u.A :&gt;f f cv r:". '
&lt;-&lt;
-mu bnu Was^die^Zukupffe Jerusalems! angeht*; sd .'Habedptfir immer deniStandpunkt
vertreten, daß der endgültige Status der Stadt ftm Kontext &gt;der 'Verhandlungen
über einen endgültigen Frieden geregelt werden muß. Wir sind der Überzeugung,
.rÖalHweülolneitiösung auch immer ^schHeöl-ich '»epeinbarfe -wird, 'id*ese Jerusalem
.r-laisi'iiingeSeiltä Stadt behalten sollte. i$ie s ö J H e freien Zugang izü 'den/jü-d^soki»n^,rao$lewi»SGheB und christtfetoenWelligen Stättin .ohne UntersChiied oder
-"ferifrOüferSmitiDierüng der feeien Religionsausübung bieten! Die Lö9tlna; sollte'ohne
Rücksicht darauf getroffen werden, wie der endgültige Status JenasalenlSAganz
genau definiert werden könnte.
irgeS itnsbra'ßNq i?Ji i.'irM .
'
"...
mu „nsrnmo.^ us no; •
• '• v;
r
-egDBgi'RpiedensprpzeBrm
ii;.

:

Alles in allem, Herr Vorsitzender, es hat keine Änderung der amerikanischen Politik stattgefunden s und wir setzen unsere hingebungsvollen Bemühungen um eine umfassende Lösung fort.
Bevor ich Ihre Fragen beantworte $ möchte ich einige abschließende Worte
über den Friedensprozeß insgesamt im Nahen Osten sagen. Während der letzten
drei Jahre.gab es kein außenpolitisches Ziel, an dessen Erreichung der Präsident und ich härter gearbeitet hätten, als einen echten Frieden im Nahen
Osten. Die Erfolge von Camp David, der Friedensvertrag zwischen Ägypten und
Israel, der Beginn der Verhandlungen über die Errichtung einer vollen Autonomie
in der West Bank und im Gaza-Streifen sind historische Leistungen, vor allem
-7 -

�allem^wenn man sie vor dem Hintergrund der bisherigen Geschichte dieses tragischen Konflikts betrachtet.
Es ist sicherlich wichtig, daß wir unsere volle und ungeteilte Aufmerksamkeit auf die Autonomieverhandlungen konzentrieren und alles in unseren
Kräften stehende tun, um diesen Verhandlungen die bestmöglichen Aussichten
auf Erfolg verleihen.

Die Autonomieverhandlungen bieten die erste echte

Möglichkeit für die in der West Bank und im Gaza-Streifen lebenden Palästinenser, im Kontext der garantierten Sicherheit Israels die volle Autonomie
zu erreichen - als nächsten Schritt zu einer gerechten, dauerhaften und umfassenden Friedensregelung.
Wie in dem in Camp David erreichten Übereinkommen ersichtlich, liegt
ein solcher Frieden zutiefst im Interesse der Vereinigten Staaten, Israels,
der Nachbarn Israels und der ganzen Welt.
troffen haben

Jede Entscheidung, die wir ge-

und die wir treffen werden, dient dazu, uns diesem Ziel näher-

zubringen.
Aus diesen Überlegungen heraus hat der Präsident Ministerpräsident Begin
und Präsident Sadat eingeladen, Anfang April nach Washington zu kommen, um
mit jedem von ihnen darüber zu sprechen, wie wir die Bewegung auf unser gemeinsames Ziel hin beschleunigen können.

+ + + + +

:

- 8-

•

�Dokumentation

I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. März 1980

17

DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN IM RAHMEN DER NATO
Ansprache von US-Botschafter Bennett Jr., vor der Deutschen
Atlantischen Gesellschaft

BONN - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat, Botschafter W. Tapley Bennett Jr., sprach am 18. März 1980 vor der
Deutschen Atlantischen Gesellschaft über das Thema "Deutsch-Amerikanische
Beziehungen im Rahmen der NATO".

Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Verehrter Präsident Jäger, meine Damen und Herren:
Es ist mir eine große Ehre, heute abend in Bonn zu sein. Ich freue
mich sehr, mit Mitgliedern der Deutschen Atlantischen Gesellschaft zusammenzuseiri - einer Organisation, die sich den Interessen unserer beiden Länder
und unserer Verbündeten in dem Bestreben widmet, den Frieden und die Sicherheit der Völkergemeinschaft des Westens gemäß den Idealen unserer freien Gesellschaft aufrechtzuerhalten.
Bundeskanzler

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Bundeskanzler Schmidt erklärte kürzlich im Weißen Haus in Washington,
er absolviere seinen vierzigsten oder gar fünfundvierzigsten Besuch in den
Vereinigten Staaten.

Auf meiner bescheideneren Ebene darf ich in diesem

Sinne vorausschicken, daß ich Deutschland seit über vierzig Jahren kenne
- seit meinen Studienjahren in Freiburg Ende der dreißiger Jahre.
Ich fühle mich immer noch zu Hause in Ihrem Lande, meine Damen und
Herren, und ich bin stolz, daß unsere beiden Völker einander echte Freunde
und hilfreiche Verbündete, geworden sind:

in einer gemeinsamen Sache und

in gemeinsamen Grundsätzen verbunden.
Wir leben in einer Zeit ernster Schwierigkeiten.

Das ist unser Schick-

sal, aber keineswegs eine neue Situation für die Menschheit.

Vor vier Jahr-

hunderten schrieb William Shakespeare "die Zeit ist aus den Fugen; Schmach
und Gram, daß ich zur Welt, sie einzurichten, kam."

Das ganze Jahrhundert

hindurch von Kriegen und Krisen erschüttert, durch das Schrumpfen von Zeit,
Raum und Rohstoffvorkommen in zunehmende wechselseitige Abhängigkeit geraten,
ist unsere Welt heute wie einst ein gefährlicher Platz.
In einer Zeit der Entspannung, in der es jahrelang so schien, daß sich
ein stärker auf Vernunft gegründetes System internationaler Beziehungen zwischen Ost und West herausbilde und wir mehr Zeit auf friedliche Unternehmungen verwenden könnten, nach denen wir uns alle sehnen, waren doch auch dunkle
Kräfte am Werk. Bei einer relativ stabilen und ausgewogenen Situation in
Europa gab es in den letzten Jahren mehrere Vorstöße einer mächtigen und militarisierten Sowjetunion in Gebiete, die zuvor nicht in ihrer Sphäre lagen
- in Ländern wie Angola, Äthiopien, den Jemen und Kambodscha -, die sich als
entschlossene Anstrengungen darbieten (hier benutze ich die sowjetische Terminologie) "das Verhältnis der Kräfte zu verändern". Wir haben Breschnew
nicht genügend beachtet, als er 1967 erklärte: "Die Entspannung hebt... die
Gesetze des Klassenkampfes keineswegs auf."

Und

�Und nunmehr setzen die Sowjets im Dezember vorigen Jahres in Afghanistan
zum ersten Mal eigene Streitkräfte außerhalb der Grenzen des Warschauer Paktes
in großer Zahl ein, statt wie bisher Truppen von Satellitenstaaten als Ersatz
für eigene Truppen vorzuschieben.

Das geschah auf dem Weg zur Verwirklichung

des zaristischen Traums von der Beherrschung des Persischen Golfes in dem
klaren Bemühen, die uneingeschränkte Kontrolle über dieses strategisch äußerst
wichtige Gebiet zu erringen.

Die brutalen Operationen in Afghanistan halten

an.

Mir scheint es wenig sinnvoll, hier Spekulationen über die sowjetische
Motivation ihres Vorstoßes nach Afghanistan oder mögliche Fehleinschätzungen
der Lage anzustellen.

Tatsache ist, daß sie dort sind.

Haben sie Afghanistan

erst verdaut, können sie weiter vordringen, sobald sich ihnen eine Möglichkeit
dazu bietet.

Schließlich erfolgt die Verwirklichung einer Gesamtstrategie nie

nach einem festen Zeitplan.

Nun ein Wort zu der Lage, wie sie in den Vereinigten Staaten aussieht.

Vor dem erregenden Hintergrund des noch immer fortdauernden Alptraums der
Geiselnahme von Teheran - und hier möchte ich Ihnen meine tiefe Achtung vor
dem Kummer bekunden, den Sie hier in der Bundesrepublik schon mehrfach in ähnlichen Situationen von

Geiselnahmen in den letzten Jahren empfunden haben -

hat die bewaffnete Aggression der Sowjets in Afghanistan tiefe Rückwirkungen
auf mein Land gehabt - und, wie die Abstimmung in den Vereinten Nationen im
Januar gezeigt hat, auch auf die übrige Welt.

Ich bin im Januar und Februar

viel in den Vereinigten Staaten herumgereist und kann Ihnen deshalb versichern,
daß sich dort ein ganz erheblicher Wandel der öffentlichen Meinung seit den
Tagen vollzogen hat, in denen viele von Ihnen und ich im Oktober vorigen Jahres aus Anlaß der Jahrestagung der Vereinigung der Atlantischen Gesellschaften
(Atlantic Treaty Association - ATA) in Washington versammelt waren.

Heute besteht in Amerika eine Einigkeit des Willens und der Entschlossenheit, wie sie damals noch nicht bestanden hat.

Es wird nun in diesem Wahljahr

in den Vereinigten Staaten an der Oberfläche viel los sein, und wir werden
- 3 -

�werden flammende Reden von zahlreichen Kandidaten für politische Ämter zu
hören bekommen.

Unter der Oberfläche aber ist der nationale Wille heute

viel stärker geeint als in den Jahren zuvor.

Die Bereitschaft, sich neuen

Herausforderungen zu stellen, ist gegeben.
Meine Damen und Herren, wie soll die Antwort des Bündnisses auf diese
Herausforderung aussehen?
Die Ereignisse in Südwestasien haben das lebenswichtige Interesse des
NATO-Bündnisses als ganzes, wie auchseiher einzelnen Mitglieder, an Ereignissen, die sich außerhalb des formellen geographischen Geltungsbereiches
des Nordatlantikvertrages abspielen, klarer denn je zuvor hervortreten lassen.

Die jüngsten Ereignisse in Südwestasien sind zwar nicht genau jener

Art, denen zu begegnen das Bündnis einst gegründet worden ist; sie stellen
aber jedenfalls eine Herausforderung dar, die zu ignorieren

sich das Bünd-

nis einfach nicht leisten kann.
Unser Vorgehen muß in dem Glauben verankert sein, daß die Entspannung
unteilbar ist. Wir dürfen, mit anderen Worten, den Sowjets nicht gestatten,
von der Überlegung auszugehen, daß das, was sie in Afghanistan getan haben,
in keinerlei Zusammenhang mit ihren Beziehungen zu den Ländern des Westens
steht. Die Entspannung läßt sich nicht von der Abschreckung trennen. Der
Aggression heute entgegenzutreten heißt, dem Frieden in der Zukunft dienen.
Würde die Entspannung heute als teilbar angesehen, stünde zu erwarten, daß
bald auch die Sicherheit als teilbar angesehen werden wird.
Die Antwort des Bündnisses muß weit über Lippenbekenntnisse hinausgehend
zu konkreten Aktionen führen.

Worte allein reichen nicht aus, die Sowjets

von weiteren riskanten Schritten abzuhalten; sie müssen wissen, daß Aggressionen einen hohen Preis haben.

So zu tun, als sei alles beim alten geblie-

ben, ist kein Rezept für eine wirksame Antwort des Westens auf Afghanistan.
Wir müssen den Sowjets zu verstehen geben, daß ihr aggressives Verhalten greifbare negative Auswirkungen auf ihre Beziehungen zum Westen hat.
Das
- 4 -

�Das ist der Grund dafür, daß der bisher durch uns und unsere Verbündeten
aufgebaute Druck weiter aufrechterhalten werden muß.

Die Sowjets würden

rasch zu der Schlußfolgerung gelangen, wir meinten es nicht ernst, wenn wir
uns mit einer rein rhetorischen Einigkeit begnügten und in Passivität verharrten.

Die Umstände in Afghanistan sind eben deshalb dazu angetan, Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und ihren verbündeten Partnern
einschließlich der Bundesrepublik Deutschland hervorzurufen, weil die Vereinigten Staaten in weit stärkerem Maße als die übrigen Mitglieder des Bündnisses
in weltweitem Umfang zu handeln vermögen.

Das hat auf Seiten einiger unserer

Verbündeten die Neigung geweckt, die Vereinigten Staaten sollten für die Reaktion auf Ereignisse verantwortlich sein, die sich außerhalb des NATO-Bereichs
abspielen - selbst wenn sie sich darüber im klaren sind, daß auch ihre eigenen
Interessen auf dem Spiele stehen.

Was das Gebiet des Persischen Golfes angeht,

vergessen wir nicht, daß die europäischen Interessen dort größer als die amerikanischen sind.

Wir beziehen nicht ganz 25 Prozent unseres Erdölbedarfs aus

Ländern am Persischen Golf; Europa hingegen ist bis zu 60 Prozent von ihnen
abhängig.

Die Antwort des Bündnisses auf Afghanistan darf die Stärke nicht aufopfern, die wir aus unserer politischen Mannigfaltigkeit ziehen; sie muß vielmehr in den gemeinsamen Interessen und Zielsetzungen verwurzelt sein, die uns
als Verbündete einigen.

Es gilt, ein angemessenes Gleichgewicht zwischen der

Achtung vor nationalen Besonderheiten, die eine besondere Rücksichtnahme verdienen, und der Erfordernis nach Aktionen zu finden, die der kollektiven Besorgnis der Verbündeten Ausdruck verleihen.

Es wäre tragisch, wenn wir es

versäumten, der sowjetischen Herausforderung entgegenzutreten.

Wir verfügen

über gewichtige Pluspunkte, die wir gemeinsam nutzen sollten.

Der jüngste Besuch von Bundeskanzler Schmidt in Washington erbrachte eine
allgemeine Übereinstimmung über das Konzept, daß (a) alle Verbündeten in Unterstützung der gemeinsamen Zielsetzung Maßnahmen komplementärer Natur ergreifen,

- 5-

�ergreifen, und (b) über zahlreiche spezifische Schritte, die zu unternehmen
sind.

So kamen der Präsident und der Bundeskanzler zum Beispiel überein, daß

viel getan werden muß, um die Länder des südwestasiatischen Raums politisch
und wirtschaftlich zu stärken, und daß die westeuropäischen Länder einen erheblichen Beitrag zu diesen Bestrebungen leisten können.

Sie stimmten ferner

darin überein, daß unser gefährdeter Verbündeter an der Südflanke - die Türkei - besonderer Hilfe bedarf, und daß die Bundesrepublik Deutschland hierbei
die Federführung übernehmen werde.
Die Regierungschefs beider Länder bekräftigten auch ihr energisches Eintreten für das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO und für das der
NATO gesteckte Ziel einer jährlichen Erhöhung der Verteidigungsausgaben um
real drei Prozent.

Hier war die Absicht, die Abschreckung des Westens ange-

sichts des fortgesetzten und übermäßigen Ausbaus des sowjetischen Militärapparats aufrechtzuerhalten.
Sie unterstrichen nachdrücklich ihre gemeinsame Auffassung, daß alle
wichtigen Rüstungskontroll- und Abrüstungsverhandlungen mit dem Osten weitergeführt werden müssen.
Der Präsident und der Bundeskanzler waren sich auch darin einig, daß eine
Teilnahme an den Olympischen Spielen in Moskau unangebracht sei, solange die
sowjetische Besetzung Afghanistans fortdauert. Angesichts der täglichen Berichte über die wahllose Tötung von Menschen durch die Sowjets und über den
gegen das afghanische Volk angewandten Terror - von der Behandlung Andrej
Sacharows ganz zu schweigen - sind wir uns sicher alle darin einig, daß die
Sowjets der von Bundeskanzler Schmidt formulierten Auffassung bisher nicht
nachgekommen sind, daß es Sache der Sowjetunion sei, die Voraussetzungen zu
schaffen, unter denen Athleten aus allen Ländern in der Lage wären, an den
Spielen teilzunehmen.
Es gibt Kreise im Westen, die allen Ernstes argumentieren, man solle
Sport und Politik nicht miteinander vermengen. Ein Festival des Sports in

�in Moskau, so wird behauptet, habe nichts mit sowjetischen Grausamkeiten
anderswo zu tun, und man müsse vielmehr die sowjetische Politik im Kreml getrennt von den Spielen in Moskau sehen.

Das ärgerlichste an diesem Argument ist, daß es die Sowjets selbst, die
die Organisatoren dieser Spiele sind, nicht akzeptieren.

Sie geben vielmehr

ihrer Mißachtung jeder derartigen Idee deutlich Ausdruck.

Lassen Sie mich

folgende Passage aus dem offiziellen Handbuch "Sowjetsport:

Fragen und Ant-

worten" zitieren, das im Moskauer Verlag Nowosti herauskam:

"Die im Westen

populäre Ansicht, der Sport liege außerhalb des politischen Bereichs, findet
in der UdSSR keine Zustimmung.

Diese Ansicht ist in unserem Land unhaltbar.

Wenn jemand behauptet, der Sport liege außerhalb des Rahmens der politischen
Beziehungen, so haben wir das Gefühl, daß diese Bemerkung nicht ernst zu
nehmen ist."
Meine Damen und Herren, ein Boykott der Olympischen Spiele läßt sich vor
dem russischen Volk nicht verheimlichen.

Er ist deshalb die augenfälligste

Maßnahme, die wir ergreifen können, um die Gedankenkontrolle der Sowjetunion
zu durchbrechen - eine Gedankenkontrolle, die bedeutet, daß Dissidenten und
junge Aktivisten aus Moskau entfernt werden, um Kontakte mit ausländischen Besuchern während der Spiele zu verhüten, und Publikationen aus dem Westen nicht
einmal für Besucher aus dem Westen zugelassen werden.

Durch einen Boykott kön-

nen wir es dem einfachen Russen auf der Straße klarmachen, daß das ganze Ausmaß der sowjetischen Aggression in Südwestasien im Westen auf keinen Fall übersehen wird.

Meine Damen und Herren, es ist von dringender und überragender Bedeutung,
daß wir Maßnahmen ergreifen, die dem Zweck dienen, den Rückzug der sowjetischen
Streitkräfte aus Afghanistan zu bewirken, daß wir stabile Verhältnisse und
eine

wirksame Verteidigungspolitik im Gebiet des Persischen Golfs aufrechter-

halten und daß wir eine Politik ausarbeiten, die die Sowjets vor neuen Abenteuern abzuschrecken vermag, die wiederum neue Krisen heraufbeschwören würden.
Langfristig^

- 7-

�Langfristig muß das Ziel unserer Politik weitergesteckt

sein; die

Bedingungen zu schaffen, die die Sowjetunion zu der Erkenntnis bringen, daß
sie eine konstruktive und befriedigende Rolle in der Zusammenaroeit mit den
Ländern des Westens und der Dritten Welt spielen kann - nicht als verfemter
Außenseiter, sondern als Partner an den Bestrebungen, auf der Basis von Treu
und Glauben

positive Lösungen für die komplizierten Probleme der Zeit gegen

Ende des zwanzigsten Jahrhunderts - Übervölkerung, nukleare Proliferation,
Nahrungsmittel Versorgung und Energieknappheit - zu finden, die uns alle zu
überwältigen drohen.
Lassen Sie mich mit einem Zitat aus einem Interview schließen, das Andrej
Sacharow in der vorigen Woche, am 9. März, gegeben hat.

Dieser mutige Sowjet-

bürger, der eine einzigartige Position in der Weltgemeinschaft verdient und
dessen derzeitige unglückliche Lebensumstände - die Überwachung im inneren
Exil - alle Menschen, die ein Gewissen haben, woimmer sie leben mögen, mit
ernster Sorge erfüllen muß.
Sacharow: "Ich glaube, daß die kritische Situation in der Welt von
heute nicht nur Amerika eine besondere Verantwortung auferlegt, sondern allen
Ländern des Westens, der Dritten Welt und des Sozialistischen Blocks. Deshalb rufe ich zur Solidarität nicht nur mit den Amerikanern auf. Ich verbinde
mit dem Westen als ganzem die Hoffnung auf Demokratie, auf den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt, auf eine aktive Bewegung in Richtung auf
die Konvergenz (der Systeme) und auf den Widerstand gegen die zerstörerischen
Kräfte der modernen Zeit. Manchmal verabsäumen es europäische Länder unter
dem Vorwand, ihre politische Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten wahren
zu müssen oder in Verfolg wirtschaftlicher oder politischer Sonderinteressen,
den allgemeinen Trend zum Widerstand gegen den Totalitarismus zu unterstützen.
In diesen Fällen sprechen sie häufig von ihrem Wunsch, die Errungenschaften
der Entspannung oder dergleichen zu bewahren. Im Grunde aber... fügen sie
damit den langfristigen Interessen ihres Landes und der Welt schweren Schaden zu."
Lassen

�Lassen Sie mich diese Bemerkungen mit einem zweiten Zitat schließen
- diesmal aus der gemeinsamen Presseerklärung von Bundeskanzler Schmidt und
Präsident Carter vom 5. März:
"Der Bundeskanzler und der Präsident sahen in diesem Besuch einen weiteren Beweis der fundamentalen Verbundenheit mit der Nordatlantischen Allianz
und der engen Freundschaft und Partnerschaft zwischen ihren Ländern.

Sie

waren sich einig, daß nicht nur die gemeinsamen Sicherheitsinteressen beide
Länder miteinander verbinden, sondern auch ihre gemeinsamen Prinzipien und
ihr Glaube an die universellen Menschenrechte."
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

- 9 -

�vO

II

IS[51

n

I I M

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. März 1980

17

PRÄSIDENT CARTER DRÄNGT AUF HÖHEREN KOHLEVERBRAUCH

- (AD) - Die von Präsident Carter eingesetzte Kohle-Kommission
schloß mit einem Mitte März vorgelegten Bericht eine zweijährige Studie
ab, in der die Möglichkeiten und Probleme einer verstärkten Verwendung
von Kohle zur Einsparung von Erdöl untersucht wurden. Bei der Entgegennahme des Berichts erklärte der Präsident u.a.: "In diesem Jahr werden
wir über 95 Millionen Dollar für ölimporte zu zahlen haben... Jedes Faß
öl, das wir durch die Verwendung von Kohle sparen können....bringt
Amerikanern Arbeit, hilft die Inflation bekämpfen und dient der Sicherheit
unseres Volkes."
Einer Empfehlung der Kommission folgend wird Präsident Carter einen
Sonderbeirat für das Weiße Haus einsetzen.

Dieser hat die Aufgabe, fort-

laufend die Möglichkeiten zur Verwendung von mehr Kohle als Alternative
zu Importöl zu sondieren und Vorschläge zu machen, wie in der Praxis so
rasch wie möglich entsprechend gehandelt werden kann.

"Ich brauche den

Rat von zuverlässigen Leuten", so der Präsident, "die wissen, wo Kohlereserven liegen, und die die Kosten für deren Ausbeutung kennen".
Die

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�Die Kommission empfahl einen ständig steigenden Einsatz von Kohle
sowohl als Ersatz für Erdöl als auch für Erdgas bei der Stromerzeugung
und in großen Kesselanlagen der Industrie.

Wie bereits in der dem US-

Kongreß am 6. März 1980 zugeleiteten Regierungsvorlage über eine zwangsweise und freiwillig vorgenommene Umstellung von ül und Gas auf Kohlefeuerung angegeben, würden durch solche Maßnahmen ab 1990 ca. eine Million
Faß (fast 15 000 Tonnen) Erdöl täglich eingespart werden können.

Die

Regierung würde in den nächsten 10 Jahren 9,6 Milliarden Dollar bereitstellen, um die notwendigen Umrüstungen zu erleichtern.
Der Bericht der Kohle-Kommission, die von John D. Rockefeller IV,
dem Gouverneur des Bundesstaates West Virginia, geleitet wurde, enthält
spezielle Vorschläge, um ab 1990 täglich zwei Millionen Faß öl (knapp
30 000 Tonnen) Importöl einsparen zu können.

So sollen beispielsweise

-

Mengensteigerungen bei der Verwendung von Erdöl und Erdgas durch
Elektrizitätswerke über den gegenwärtigen Stand hinaus verboten
und eine Verringerung des jetzigen Verbrauchs um 60 Prozent bis
1990 angestrebt werden;

-

Regierungsbeihilfen die Umrüstung bestehender Anlagen und den
Neubau kohlebefeuerten Kraftwerke erleichtern;

-

von Preiskommissionen die Stromgebühren auf ein Niveau festgesetzt
werden, das für Investitionen des notwendigen Privatkapitals
attraktiv ist;

-

und

günstigere Bahnfrachttarife für den Kohletransport zulässig sein.

An den US-Kongreß wird appelliert, die von Präsident Carter eingebrachten Gesetzesvorschläge über den Aufbau einer Industrie zur Produktion
synthetischer Brennstoffe aus Kohle im großtechnischen Umfang zu verabschieden

- ? -

�verabschieden.

Der amerikanische Kohlebergbau habe gegenwärtig, wie die

Kommission feststellt, eine Kapazität für eine jährliche Mehrproduktion
von fast 180 Millionen Tonnen gegenüber der Förderung von 680 Millionen
Tonnen im Jahr 1979.
In dem Bericht wird auch angesprochen, daß es in der Öffentlichkeit
bei verstärkter Kohlenutzung Besorgnisse wegen erhöhter Umweltbelastung,
der Sicherheit der Bergleute, der Stabilität der Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern und den Lebensbedingungen der Bergleute und ihrer
Familien gebe. Der Präsident erklärte, er werde im Hinblick auf mehr
Sicherheit in den Bergwerken die "National Academy of Sciences" bitten,
jene Faktoren gründlich zu untersuchen, durch die sich in den Vereinigten
Staaten die sichersten von den am wenigsten sicheren Bergwerke unterscheiden. In bezug auf die Normen für die Luftqualität nach dem Gesetz
über die Reinhaltung der Luft habe man sich, wie Präsident Carter erklärte,
auf einen Kompromiß eingelassen. Die Kommission habe jede Empfehlung über
eine bestimmte Maßnahme auch unter dem Aspekt der Auswirkungen auf die
Umwelt dargelegt. Nach den heutigen Erkenntnissen sei anzunehmen, so die
Kohle-Kommission, daß sich bis zum Jahr 1990, weltweit gesehen, die
atmosphärische Konzentration an Kohlendioxid um ein Hundertstel Prozent
erhöhen werde, wenn mehr Kohle anstatt mehr Erdöl verbrannt wird.

+ + + + +

- 3-

�I 1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

26. März 1980

USA: FAHRGEMEINSCHAFTEN AUF DEM VORMARSCH
Ära der Benzinschlucker im Individualverkehr geht zu Ende

- (AD) - Die steigenden Benzinpreise haben bewirkt, daß die Amerikaner
ihren Wagen immer häufiger in der Garage stehen lassen. Ein Vergleich mit
dem Vorjahr zeigte z.B., daß im Jahr 1980 vom 25. Januar bis 22. Februar
neun Prozent weniger Benzin verbraucht wurde als im gleichen Zeitraum
des Jahres 1979. Gleichzeitig gingen die Gesamtölimporte um zehn Prozent
zurück, was als bedeutsamer Faktor anzusehen ist. Schon im Jahr 1978
hatten die Vereinigten Staaten ihre ölimporte um fünf Prozent reduziert,
was seinerzeit den anderen großen Industrieländern nicht gelang.
Daß dies möglich wurde, ist zum großen Teil den amerikanischen Autofahrern zu verdanken, die normalerweise 40 Prozent des gesamten Mineralöls
verbrauchen.

Im Jahr 1978 erreichte der Benzinverbrauch einen Höhepunkt

und geht seitdem immer weiter zurück - ein Trend, der auch künftig anhalten
dürfte.

Denn die meisten Autobesitzer überlegen sich zweimal, ob eine

früher als selbstverständlich angesehene Fahrt wirklich notwendig ist.
Die Zahl der Fahrgemeinschaften wächst, die Leute benutzen häufiger

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�häufiger öffentliche Verkehrsmittel, und sie bevorzugen kleinere, wirtschaftlichere Wagen.
Nach dem Erdölembargo von 1973/74 war beim Benzinverbrauch in den
Vereinigten Staaten erneut der typische Aufwärtstrend zu beobachten:
1975 plus zwei Prozent, 1976 plus vier Prozent, 1977 und 1978 plus drei
Prozent.

Im vergangenen Jahr jedoch ging der Verbrauch von 7,4 Millionen

Faß pro Taci (1978) auf 7 Millionen Faß pro Tag (1979) zurück.
1980 wird

Und für

er derzeit auf 6,86 Millionen Faß pro Tag geschätzt.

lange gedauert, bis die Wende eintrat.

Es hat

Aber sowohl auf Seiten der Regierung

als auch der Industrie ist man überzeugt, daß sich der Trend nicht mehr
umkehren wird.

Im Jahr 1990 dürfte der Verbrauch täglich nur noch sechs

Millionen Faß, Ende des Jahrhunderts fünf Millionen Faß betragen.
Es war Henry Ford, der vor 70 Jahren dem auf Mineralöl basierenden
Verkehrssystem einen besonderen Aufschwung gab.

Durch die Massenfertigung

billiger Autos bahnte er den Weg, dem Westeuropa und Japan erst ein paar
Jahrzehnte später zu folgen begannen.

Den nächsten Anstoß gab in Amerika

die rasche Ausbreitung der Städte nach dem zweiten Weltkrieg.

Früher hatten

die Leute in der Stadt gewohnt und fuhren mit der Straßenbahn zur Arbeit.
Dann zogen sie in die Stadtrandsiedlungen und fuhren mit dem Auto.

Im

Jahr 1950 gab es in den USA 30 Millionen Kraftfahrzeuge -heute, 1980, sind
es 103 Millionen.
Das ölembargo von 1973 lehrte die Autofahrer das Fürchten. Aber sie
konnten nicht sofort auf kleinere Wagen umsteigen. Die Lebensdauer eines
Wagens beträgt im Durchschnitt fünf bis sechs Jahre, und seine Anschaffung
bedeutet eine große Ausgabe für eine Familie. Man mußte zumindest warten,
bis die großen Wagen als Folge des üblichen Verschleißes ersetzt werden
mußten. Heute geht der Trend eindeutig zu den kleinen Wagen. Während die
im Jahr 1973 gefahrenen Autos durchschnittlich 18 Liter Benzin pro 100 km
schluckten, verbrauchen beispielsweise die Modelle von General Motors
für 1980 nur noch 11,2 Liter; und ab 1985 dürfen alle amerikanischen Neu- 2 -

�Neuwagen im Durchschnitt nur noch 8,6 Liter Benzin pro 100 km verbrauchen.
Letzten Endes werden öffentliche Verkehrsmittel das Problem lösen.
Aber im Gegensatz zu europäischen und japanischen Städten, die damit ausreichend versorgt sind, gibt es nur in wenigen amerikanischen Städten gute
Verkehrssysteme, weil Kraftstoff so lange Zeit so billig war. Deshalb
quälen sich nach wie vor zu den Stoßzeiten die amerikanischen Autofahrer
mühsam zur Arbeitsstelle und zurück zur Wohnung. Die Fernverkehrsstraßen
dagegen sind jetzt an Wochentagen relativ leer und werden vor allem von
Lastwagen benutzt. Bei diesen bemüht man sich weiter darum, bessere
Blechverkleidungen zur Verringerung des Luftwiderstandes zu entwickeln,
um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Aber die bisherigen Lösungen gehen,
wie Joseph Gastoaferro, Berater für Energiefragen des US-Handelsministeriums
erklärt, noch zu sehr auf Kosten der Frachtgutkapazität.
Die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 90 km pro Stunde auf den Autobahnen ist bei den Fahrern von Lastwagen und Personenwagen gleichermaßen
unbeliebt.

In den meisten amerikanischen Bundesstaaten ist die Polizei

bei Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit mit gebührenpflichtigen Verwarnungen rasch zurStelle - erstens um Menschenleben zu schützen, und
zweitens im Interesse der Einsparung von Treibstoff, da die meisten Autos
bei niedrigerer Geschwindigkeit wirtschaftlicher fahren.

In den westlichen

Bundesstaaten, wo erheblich längere Strecken als in den Oststaaten zurückzulegen sind, will man von dieser drastischen Geschwindigkeitsbeschränkung
nicht viel wissen - ähnlich wie in den meisten europäischen Ländern, wo
die Entfernungen sowieso kleiner und Geschwindigkeitsbeschränkungen, sofern
überhaupt welche existieren, höher angesetzt sind.
Aber die Leute schicken sich darein und fahren letztlich doch langsamer.
Fahrgemeinschaften, insbesondere mit Kleinbussen, werden immer beliebter.
Ein einziger Kleinbus bewirkt, daß wochentags bis zu sieben PKWs weniger
auf der Straße sind.

Die "New York Times" berichtet, daß inzwischen etwa

- 3 -

�etwa 16 Millionen Personen in inoffiziellen privaten Fahrgemeinschaften
befördert werden - das sind mehr, als die städtischen Buslinien und Nahverkehrszüge zusammen transportieren.

Den größten Zuwachs jedoch erfahren

die auf halboffiziellem Wege organisierten Kleinbus-Fahrgemeinschaften.
Die Kleinbusse können von einem der Pendler gekauft oder gemietet werden.
Er betreibt dann das "Unternehmen" auf eigene Rechnung; die Mitfahrer zahlen
weniger als für eine reguläre Busfahrkarte und natürlich erheblich weniger,
als wenn sie mit dem eigenen Wagen fahren würden.

Die Arbeitgeber sind

der Ansicht, daß es billiger ist, einen Kleinbus zu finanzieren, als acht
Parkplätze zur Verfügung zu stellen.

In manchen Städten, allen voran

Los Angeles, lassen sich gegenwärtig zehnmal mehr Berufstätige für Fahrgemeinschaften vormerken als vor einem Jahr.
Die amerikanische Regierung unterstützt diesen Trend durch finanzielle
Beihilfen an die Städte, um Schnellspuren für Kleinbusse, PKW-Fahrgemeinschaften und Busse einzurichten.

Wie gut das funktioniert, zeigt der

Shirley-Highway in der Nähe von Washington:

Während Einzelfahrer Stoß-

stange an Stoßstange mühsam vorankriechen, haben Busse und Fahrgemeinschaften auf der Schnellspur daneben freie Bahn.

Die Polizei schätzt,

daß auf dieser Spur doppelt so viele Personen wie auf der PKW-"Kriechspur"
in sehr viel weniger Fahrzeugen transportiert werden.

An der Mautstelle

zur Golden-Gate-Brücke in San Francisco werden Fahrgemeinschaften einfach
durchgeschleust, während alle anderen Wagen die übliche Straßenbenutzungsgebühr entrichten müssen.
Immer mehr Pendler erkennen die Vorteile der Fahrgemeinschaft und
nutzen sie. Firmen wie die Smithline Company haben inzwischen landesweit
Kleinbus-Fahrgemeinschaften organisiert. Das Unternehmen begann im Jahr
1976 mit der Einrichtung von 100 solcher Fahrgemeinschaften. Heute sind
es 7 000, und die Zahl dürfte sich bis Ende 1980 verdoppeln. In Minneapolis
im US-Bundesstaat Minnesota gibt die 3-M-Company Beihilfen für 135 Kleinbusse, mit denen 1 500 Werksangehörige zur Arbeit kommen. Dadurch werden,

- 4 -

�werden, wie Sprecher der Firma erklären, jährlich 1,2 Millionen Liter
Benzin eingespart.

Die Stadt Knoxville (Tennessee) unterhält Kleinbus-

Fahrgemeinschaften bereits seit fünf Jahren.

In dieser Zeit seien 77

Millionen Autokilometer nicht gefahren und schätzungsweise 11 Millionen
Liter Benzin eingespart worden.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8629">
                <text>26.03.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8630">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8631">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14022">
                <text>Amerikadienst 26.03.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14023">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter würdigt Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache zum ersten Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter bekräftigt: Keine Teilnahme an Olympiade in Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bitte um Unterstützung des Boykotts durch die Athleten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vance: Keine Änderung der Nahost-Politik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsch-amerikanische Beziehungen im Rahmen der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von US-Botschafter Bennett vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter drängt auf höheren Kohleverbrauch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Fahrgemeinschaften auf dem Vormarsch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ära der Benzinschlucker im Individualverkehr geht zu Ende -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1681" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1692">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c0baca14c96181838f64767b36091fe6.pdf</src>
        <authentication>ddc8428adf5a4582bd5a70575ac4cae0</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8628">
                    <text>Information
und
Dokumentation

31

L HifiMH

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. März 1980

16

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Carter gibt Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung bekannt
- US-Bundesbank zieht die Kreditbremse -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Den Feinreaktionen des Zell Wachstums auf der Spur
- Signal für Zellteilung kommt von der Oberfläche Laser-Zündung für die Analyse von Verbrennungsreaktionen

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�16

19. März 1980

PRÄSIDENT CARTER GIBT MASSNAHMEN ZUR INFLATIONSBEKÄMPFUNG BEKANNT
- US-Bundesbank zieht die Kreditbremse -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 14. März 1980 ein umfassendes Programm zur Bekämpfung der Inflation in den Vereinigten Staaten
bekanntgegeben.

Gleichzeitig führte die amerikanische Bundesbank (Federal

Reserve Board) Maßnahmen zur Krediterschwerung ein.
Auf einer Pressekonferenz am gleichen Tage betonte Carter, daß die Maßnahmen zur Eindämmung der Inflation "schmerzlich" seien und nicht über Nacht
wirken würden-

Aber sie seien notwendig, um die Stärke der größten Wirt-

schaftsmacht der Erde zu erhalten.

Carter teilte mit, daß die Maßnahmen mit

den führenden Vertretern der Demokratischen Partei im Kongreß abgestimmt worden seien und daß führende Vertreter der Republikanischen Partei ihre Unterstützung zugesichert hätten, wenn die Demokraten die Führung im Kampf gegen
die Inflation übernehmen würden.
Der Präsident kündigte an, daß er durch Kürzungen und Einsparungen - so
sollen bis 1. Oktober dieses Jahres durch eine Einstellungssperre 20 000 Planstellen im zivilen Bundesdienst wegfallen - für das Finanzjahr 1980/81 (vom

�(vom 1. Oktober 1980 bis 30. September 1981) entgegen dem Voranschlag einen
ausgeglichenen Haushalt vorlegen werde.

Um dies zu erreichen, müssen über

13 Milliarden Dollar eingespart werden.

Die entsprechenden Maßnahmen auf dem Energiesektor sehen eine Importabgabe von 4,62 Dollar pro Barrel vor, die sich nur auf den Benzinpreis auswirken soll und diesen um rund 10 Cent pro Gallone (knapp 5 Pfennig pro Liter)
erhöhen wird.

Die Ziele für den Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten

werden 5,5 Prozent unter dem Verbrauch des Jahres 1979 angesetzt.

Die amerikanische Bundesbank (Zentralbank) wird die Banken ersuchen,
ein freiwilliges Krediteinschränkungsprogramm zu befolgen, das die Zunahme
ihrer Kreditausweitung auf unter neun Prozent festlegt.

Für bestimmte Arten

der Kreditaufnahme der Banken, einschließlich Depositenzertifikate und Eurowährungskreditaufnahmen, werden die Mindestreservesätze erhöht.

Ferner wird

die Bundesbank eine Kontrolle über Konsumentenkredite, vor allem mit Hilfe
von Kreditkarten, ausüben, wobei allerdings Hypothekenkredite, Kredite für
Autos und Kredite für größere Haushaltsanschaffungen nicht eingeschlossen
sind.

Investmentfonds und andere Anlagefirmen, die mehr Zinsen bezahlen als

die Sparzinsen, müssen bei jeder Erhöhung ihres Anlagekapitals eine Sonderrücklage von 15 Prozent bei der Bundesbank hinterlegen.

Schließlich werden die Anleihen und Anleihegarantien des Bundes im Haushaltsjahr 1980/81 um fast vier Milliarden Dollar gekürzt.

Die freiwilligen Lohn- und Preisrichtlinien werden verschärft und genauer
überwacht.

Der Präsident der amerikanischen Bundesbank, Paul Volcker, betonte am
15. März vor der Presse, die getroffenen Maßnahmen dienten dem Hauptziel, die
Ausweitung des Geld- und Kreditvolumens in den USA besser unter Kontrolle zu
bringen und damit der Inflation Einhalt zu gebieten.

Er gab unter anderem be-

kannt, daß der Diskontsatz für kleine Banken und für gelegentliche Anleihen

- 2-

�Anleihen der Großbanken zwar nicht erhöht werden, daß aber wiederholte
Kreditaufnahmen von Großbanken mit einer dreiprozentigen Sonderabgabe belegt
werden - was einer Erhöhung des Diskontsatzes auf 16 Prozent entspricht.
Unter diese

Bestimmungen fielen 177 amerikanische Banken, so sagte Volcker.

Er wies darauf hin, daß das Kreditvolumen gewaltig zugenommen habe.

Die

Käufe auf Kreditkarten nahmen nach Auskunft Volckers mit einer Rate von
15,5 Prozent, die persönlichen Kredite mit 11,5 Prozent zu; die ausstehenden
Kredite auf Kreditkarten sind auf 68 Milliarden Dollar und die anderen Personalkredite auf 116 Milliarden Dollar aus einer Gesamtkonsumentenverschuldung von 381 Milliarden Dollar angewachsen.

Die ausländischen Banken,vor allem solche mit Zweigniederlassungen

in

den Vereinigten Staaten, werden nach Auskunft des amerikanischen Bundesbankpräsidenten ersucht, an dem neuen Kreditdämpfungsprogramm mitzuwirken.
Präsident Carter hat an das amerikanische Volk appelliert, nicht über
seine Verhältnisse zu leben und seinen Kampf gegen die Inflation zu unterstützen, der höchsten Vorrang habe.

Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:

Die anhaltend hohe Inflation bedroht die wirtschaftliche Sicherheit unseres Landes.

Seit meinem Wirtschaftsbericht und meinem Haushaltsbericht im Januar
haben rasche Veränderungen in den Geschehnissen der Welt urd in den wirtschaftlichen Aussichten es notwendig gemacht, unseren Kampf gegen die Inflation zu
verstärken.

In den letzten acht Wochen sind die Zinssätze auf eine nie dagewesene
Höhe geklettert, und die Inflation hat sich stark beschleunigt.

Das

- 3 -

�Das ist ein weltweites Problem.

In den letzten beiden Berichtsmonaten

haben die Zunahmen des Großhandelspreisindexes in Japan, Großbritannien und
Italien die 25 Prozentmarke überschritten.

Selbst in der Bundesrepublik

Deutschland betrug die Inflationsrate bei den Großhandelspreisen 13 Prozent.
Die Inflation, mit der wir es zu tun haben, hat tiefe Wurzeln.

Ihre

vielerlei Ursachen sind im Laufe von mehr als zehn Jahren entstanden.

Die

wichtigsten dieser Ursachen sind die rapide steigenden ölpreise, die Verlangsamung des Produktivitä'tswachstums sowie unser Versagen, als Regierung, als
Einzelperson und als Gesellschaft unseren Verhältnissen entsprechend zu leben.
Die Inflation ist ein Symptom einer wirtschaftlichen Notlage.

Die Wahr-

heit ist, daß wir Inflation haben, weil unsere Wirtschaft nicht produktiv
genug ist, all das zu leisten, was wir von ihr verlangen.

Wir wollen, daß

sie uns höhere Einkommen, größere Gewinne und umfangreichere Regierungsprogramme auf unserem Lieblingsgebiet beschert.
Die Bundesregierung muß aufhören, Geld auszugeben, das wir nicht haben,
und sich Geld zu leihen, um das fehlende Geld zu beschaffen.
Unsere ganze Gesellschaft - alle Amerikaner - müssen noch härter versuchen, mit dem auszukommen, was sie haben. Als Einzelpersonen wie als Nation
müssen wir damit anfangen, nur so viel Geld auszugeben, wie wir uns auf die
Dauer leisten können - nicht so viel, wie wir uns kurzfristig leihen können.
Es gibt keine raschen Antworten auf das Problem der Inflation und vor
allem keine Antworten, die nicht wehtun.

Wenn es solche Lösungsmöglichkeiten

gäbe, dann hätte man sie schon lange versucht.

Wir können die Inflation nicht

über Nacht abschaffen, indem wir einfach ein Gesetz gegen sie erlassen.

Nur

durch eine langfristige Anstrengung - in Partnerschaft mit Unternehmen, Gewerkschaften, dem einzelnen Bürger und allen Ebenen und Zweigen der Regierung - können wir dieses Problem erfolgreich in den Griff bekommen.
Die

�Die jetzige gefährliche Situation verlangt rasche Maßnahmen.
müssen fest und entschieden handeln.

Wir müssen jetzt handeln.

Wir
Wir müssen

alle Zweifel über den Willen unserer Nation beseitigen, die schmerzlichen
Maßnahmen zu ergreifen, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen.

Wir

können hohe Inflationsraten nicht einfach als eine ständige Tatsache des
Lebens akzeptieren.
Das von mir heute verkündete intensive Antiinflationsprogramm umfaßt
fünf Hauptbestandteile:
- Erstens:

Disziplin durch Kürzung des Bundeshaushalts;

- zweitens: Disziplin durch Kreditrestriktionen;
- drittens:

Disziplin durch Lohn- und Preismaßnahmen;

- viertens: Disziplin durch stärkere Einsparung von Energie; und
- fünftens: Strukturänderungen zur Ermutigung von Produktivität, Spartätigkeit, Forschung und Entwicklung.
Lassen Sie mich die Punkte im einzelnen durchgehen.
Erstens:

Der Haushalt

Ich werde bald einen neugefaßten Voranschlag für das Haushaltsjahr 1981
vorlegen, das am 1. Oktober dieses Jahres beginnt.

Es wird ein ausgeglichener

Haushalt sein, und ich beabsichtige, ihn ausgewogen zu halten.
Seit dem letzten ausgeglichenen Etat vor 12 Jahren sind unsere Staatsschulden um nahezu 500 Milliarden Dollar angewachsen.

Wir werden im Jahr 1981

wieder ein Ziel erreichen, das unser Land fast niemals - in guten wie in
schlechten Zeiten - erreicht hat: einen ausgeglichenen Haushalt.
Gegen Monatsende werde ich dem Kongreß eine weitgehend revidierte Fassung meiner beiden Haushaltsvoranschläge für 1980 und 1981 vorlegen.

Ich

�Ich werde bedeutende Kürzungen bei der Ausgabeermächtigung des laufenden
Haushalts vorschlagen, um die Ausgaben in diesem und dem nächsten Haushaltsjahr zu beschneiden.
\ " .

•

.

Ich werde die Ausgaben im Haushalt 1981 um mehr als 13 Milliarden Dollar
kürzen und werde zu diesem Zweck:
- die meisten der neuen oder der erweiterten Programme verschieben, kürzen oder streichen, die ursprünglich im Haushalt 1980 vorgeschlagen wurden;
- die Ausgaben für Personal, Betrieb und Unterhaltung im gesamten Regierungsbereich kürzen;
•

•

- bei den Zivil beschäftigten im Bundesbereich die Stellen ab sofort einfrieren, und strenge Höchstgrenzen einhalten, damit wir bis Oktober dieses
Jahres 20 000 weniger Bundesbedienstete haben werden;
- laufende Ausgabenprogramme im Gesamtbereich der Bundesregierung reduzieren.
Ich fordere den Kongreß dringend dazu auf, die Spar- und Einkommensmaßnahmen in dem von mir im Januar vorgelegten Haushalt anzunehmen. Ich möchte
im besonderen auf die Gesetzgebung hinweisen, die notwendig ist, um die Krankenhauskosten zu dämpfen, die Besoldung des Bundes zu reformieren und die Steuereinnahmen zu beschleunigen.
Wenn Haushaltskürzungen von vielen Amerikanern Opfer fordern, dann ist
es untragbar, daß sich manche der pünktlichen Zahlung ihrer Steuern entziehen.
Ich werde dem Kongreß Gesetzesvorlagen unterbreiten, um sicherzustellen, daß
Steuerschulden aus Einkommen durch Zinsen und Dividenden ebenfalls und rechtzeitig bezahlt werden.
Ich werde auch weiterhin meiner Verpflichtung zu einer starken Verteidigung und zu dem Realzuwachs der Verteidigungsausgaben nachkommen, zu dem
- 6 -

�dem wir uns unseren NATO-Verbündeten gegenüber verpflichtet haben.

Aber

auch das Verteidigungsministerium wird nicht gegen das Haushaltssparprogramm
gefeit sein.

Ich fordere insbesondere das Ministerium zu Einsparungen auf,

die unsere militärische Bereitschaft nicht beeinträchtigen.

Ich erachte den

vorgeschlagenen Verteidigungshaushalt als für die Erfordernisse unseres Landes ausreichend.

Wir müssen einen sparsamen Haushalt und verantwortungsbe-

wußtes fiskalisches Denken bei allen Regierungsbehörden aufrechterhalten.

Gegründet auf unsere Vorausschätzungen der wirtschaftlichen und haushaltsmäßigen Entwicklungen werden die von mir beschriebenen Schritte im Finanzjahr 1981 einen ausgeglichenen Haushalt zur Folge haben.

In unserem System kontrolliert der Kongreß, für welchen Zweck die Mittel
ausgegeben werden.

Die intensiven Anstrengungen der führenden Vertreter im

Kongreß in letzter Zeit und meine engen Konsultationen mit ihnen haben mich
davon überzeugt, daß der Kongreß in der Tat einen ausgeglichenen Haushalt,
wie von mir vorgeschlagen, verabschiedet und tragen wird.

Um aber dieses

Ergebnis sicherzustellen, werde ich alle mir zu Gebote stehende Macht nutzen.:

- Wie vorige Woche bei einem populären Gesetzesvorschlag

werde ich mein

Veto gegen jedes Gesetz einlegen, das über die Ausgabengrenzen hinausgeht,
die mit einem ausgeglichenen Haushalt in Einklang stehen.

- Ich werde meine weitreichenden Vollmachten gemäß dem Haushaltsreformgesetz des Jahres 1974 einsetzen, um die Bundesausgaben einzudämmen, einschließlich einiger Ausgaben, für die bereits eine Ermächtigung erteilt worden ist.

- Sollte ich im Laufe des Jahres zu der Ansicht gelangen, daß diese Maßnahmen und Vollmachten nicht ausreichend sind, werde ich den Kongreß um die
zeitweilige Gewährung außerordentlicher Vollmachten ersuchen, um sicherzustellen, daß die Ausgaben eingedämmt werden.

Die

- 7 -

�Die Kürzung von Bundesausgaben, um sie mit den Einnahmen in Einklang
zu bringen, ist kein Allheilmittel, aber es ist ein wesentlicher erster
Schritt.

Die Inflationsursachen sind viel zu komplex, als daß man ihnen durch

ein einziges Hilfsmittel beikommen könnte. Aber nichts wird helfen, solange
nicht die Bundesregierung zeigt, daß sie ihre eigenen Ausgaben und Schulden
in den Griff bekommen kann - nicht nur als eine Sache, die man ein Jahr lang
betreibt, sondern als eine langfristige Politik.

Genau das werden wir zusam-

men tun. Wir werden mit der Vorstellung Schluß machen, daß wir auf ewig im
Defizit leben müssen.
Ich möchte, was diese Haushaltskürzungen angeht, absolut ehrlich sein.
Wir haben bisher Verschwendung und Schwindel beseitigt und das Fett abgeschmolzen, das die Bürokratie angesetzt hat. Aber dieses Mal wird es auch
Kürzungen bei guten, wertvollen Programmen geben - bei Programmen, die ich
nachhaltig unterstütze.
In dieser kritischen Lage müssen wir alle über einige unserer lohnendsten
unmittelbaren Ziele hinaus blicken auf die überragenden ständigen Belange der
ganzen Nation.
Unser zweiter Bereich des Handelns ist die Eindämmung des Kreditzuwachses.
Genauso wie unsere Regierungen Schulden gemacht haben, um über die Runden zu kommen, so haben es auch die einzelnen Amerikaner getan.

Aber wenn

wir versuchen, die Inflation mit geliehenem Geld zu bekämpfen, dann machen
wir die Sache nur noch schlimmer.
Die Inflation wird durch Ausgaben, die über Kredite finanziert werden,
nur angeheizt.

Die Verbraucher haben sie zu tief in Schulden gestürzt.

Die

Spareinlagen in unserem Land waren seit über 25 Jahren noch nie so niedrig.
Mit steigender Inflationserwartung werden Unternehmer und andere Kreditnehmer
verlockt, Kredite nicht nur zur Finanzierung von produktiven Unternehmungen,
sondern auch von Spekulationsgeschäften zu verwenden.
Die

�Die herkömmlichen Werkzeuge, die die Bundesbank verwendet, um die Geldund Kreditexpansion zu kontrollieren, sind grundlegender Bestandteil der
Inflationsbekä'mpfung.

Aber unter den gegenwärtigen Umständen müssen diese

Werkzeuge geschärft werden, damit eine wirkungsvolle Zurückhaltung in einer
Weise erreicht werden kann, die die Last vernünftig und fair verteilt.
Ich werde daher meine Vollmacht gemäß dem Kreditkontroilgesetz des Jahres 1969 gebrauchen, um die Bundesbank zu ermächtigen, dem Kreditzuwachs auf
beschränkter und sorgfältig ausgerichteter Grundlage neue Beschränkungen aufzuerlegen. Kraft dieser Ermächtigung wird die Zentralbank:
- Kontrollen für Kreditkarten und andere nichtabgedeckte Darlehen einführen - jedoch nicht für gedeckte Kredite auf Häuser, Autos und andere Dauergüter;
- die Kreditausweitungen von Handelsbanken beschränken, die keine Mitglieder des Bundesbanksystems sind, sowie von bestimmten anderen Kreditgebern auf dem Geldmarkt.
Der Bundesbankpräsident wird ein freiwilliges Programm ankündigen, das
sofort in Kraft tritt, um übermäßigen Darlehenszuwachs größerer Banken und
anderer Geldgeber zu beschränken. Gleichzeitig wird das Programm den Fluß
der verfügbaren Kreditmittel für Investitionen und andere produktive Verwendung anspornen. Besondere Aufmerksamkeit wird dem speziellen Bedarf des
gewerblichen Mittelstandes, der Landwirte und derjenigen gewidmet, die sich
ein Haus kaufen wollen. Ich unterstütze diese Initiativen der Bundesbank.
Diese genau gezielten Maßnahmen werden die Produktionskapazität unseres
Landes nicht schädigen.

Durch Beschränkungen einer übermäßigen Kreditauf-

nahme und durch Dämpfung der Inflation sollten sie - zusammen mit den Haushaltsmaßnahmen, die ich angekündigt habe - die Aussichten auf Verminderung
des Drucks beschleunigen, der auf den Finanzmärkten lastet.
Zusatz!ich

�Zusätzlich werde ich Schritte unternehmen, um die Verschuldung der
Bundesregierung einzuschränken.

Bundesdarlehen und Darlehensgarantien werden

im Haushaltsjahr 1981 um annähernd 4 Milliarden Dollar beschnitten.
1

•

Als längerfristige Maßnahme dränge ich den Kongreß darauf, den Kredithaushalt einzuführen, den ich im Januar vorgeschlagen habe. Er wird uns dabei behilflich sein, die Darlehen und Darlehensgarantien wirkungsvoller zu
kontrollieren, die die Bundesregierung gewährt.
Unser dritter Bereich für Maßnahmen sind die freiwilligen Lohn- und
Preisrichtlinien.
Ich habe keine Ermächtigung, Kontrollen aufzuerlegen.
Ermächtigung auch nicht.
kontrollen verfügen.

Ich möchte diese

Wir werden keine obligatorischen Lohn- und Preis-

Lohn- und Preiskontrollen der Regierung haben in Frie-

denszeiten nie gewirkt.

Sie schaffen nur unfaire ökonomische Verzerrungen

und schaden der Produktivität.

Solche Ergebnisse zwangen stets dazu, die

Preiskontrollen zunächst zu lockern und dann aufzugeben - während die Inflation weitertobte.
Kontrollen schaffen Härten - und die größte Härte ist ihre Auswirkung
auf die Durchschnittsfamilie.

Wie sogar die glühendsten Verfechter obliga-

torischer Kontrollen einräumen, würden die Kosten der lebensnotwendigen Dinge
wie Nahrung und Brennstoff auf diejenigen abgewälzt werden, die von eingefrorenen Löhnen und festgeschriebenen Einkommen leben.
Wir können die Inflation nicht durch eine massive Bundesbürokratie verbieten, oder sie mit magischen Formeln wegzaubern.
Andererseits bieten freiwillige Lohn- und Preisrichtlinien die Flexibilität, die wir benötigen, um unsere komplexe Wirtschaft zu meistern.
Der Rat für Lohn- und Preisstabilität hat gerade verbesserte Lohnricht- 10 -

�Lohnrichtlinien herausgegeben und eine Ausweitung der Preisrichtlinien bestätigt.
Die neuen Lohnrichtlinien wurden in Anlehnung an die Empfehlungen einer
Dreierkommission entwickelt, der Vertreter der Arbeitgeber, -nehmer und der
Öffentlichkeit angehörten.

Die Kommission empfahl einstimmig Leitlinien für

Lohnerhöhungen im Umfang von 7,5 bis 9,5 Prozent und stellte fest, daß die
Erhöhungen unter normalen Umständen im Durchschnitt 8,5 Prozent betragen sollten.

Ich bin entschlossen, dieses Ziel zu erreichen.

Angesichts der vorjährigen Erhöhung des Verbraucherpreisindex um 13 Prozent und der noch höheren Rate der letzten Monate spiegelt diese einstimmige
Empfehlung der Lohnkommission - in der Absicht, einen durchschnittlichen
Anstieg der Löhne und Gehälter um 8,5 Prozent zu erhalten - einen löblichen
Geist der Zurückhaltung und Zusammenarbeit wider, und mit der Unterstützung
von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Öffentlichkeit, können wir dieses
Ziel der Beschränkung erreichen.
Auf meine Veranlassung hin wird der Rat für Lohn- und Preisstabilität
seine auf die Beobachtung der Lohn- und Preisentwicklung abzielenden Funktionen erheblich erweitern. Sein Mitarbeiterstab, zur Zeit 80 Mann, wird mehr
als verdreifacht. Der Rat wird Expertenteams zusammenstellen, die die Lohnund Preisentwicklungen in jedem größeren Industriezweig verfolgen. Er wird
mit den führenden Vertretern spezifischer Industrien zusammenarbeiten, um
sich ihrer Mitarbeit zu versichern. Wo es notwendig ist, wird er große Firmen darum bitten, von bedeutsamen Preiserhöhungen im Voraus unterrichtet zu
werden. Wir werden Lohn- und Preiserhöhungen, die aus dem Rahmen der Normen
zu fallen scheinen, eingehend überprüfen. Ich werde diese Rahmenwerte hart
und energisch sowohl gegenüber der Industrie wie gegenüber der Gewerkschaft
vertreten.
Unser viertes Aktionsfeld ist die Energie.

Die

�Die schlichte Wahrheit ist, daß wir niemals im eigenen Land vollkommen
stark oder außerhalb unserer Grenzen völlig sicher sein werden, ehe wir nicht
endlich die Libermäßige Abhängigkeit unseres Landes von ausländischem öl überwunden haben.
Der Preis für Importöl hat sich in den letzten zwölf Monaten mehr als
verdoppelt.

Der Anstieg im vorigen Jahr allein war größer als alle Preiserhö-

hungen seit dem ölembargo von 1973 zusammengenommen.
Wir müssen mit aller Kraft auf das von mir im vorigen Jahr gesetzte Ziel
hinstreben - die Menge des von uns importierten Öls bis 1990 um die Hälfte zu
senken.

Dazu wird notwendig sein, die Produktion von öl, Erdgas und Kohle im

eigenen Lande zu steigern - die Anstrengungen zur Energieeinsparung unermüdlich
fortzusetzen - und alternative Energiequellen so rasch wie möglich zu entwickel
Seit drei Jahren habe ich für eine nationale Energiepolitik gekämpft, um
jedes dieser Ziele zu erreichen. Heute sind wir nun doch endlich nahe daran,
einer solchen Politik Gesetzesform zu geben. Wir dürfen jetzt nicht schwanken.
Ich ersuche den Kongreß, mit den drei wesentlichen Komponenten dieses
Energieprogramms ohne Verzögerung zum Abschluß zu kommen - mit der Situationsgewinnsteuer (windfall profit tax), mit der Energiesicherungsgesellschaft und
dem Amt für Energiemobilisierung. Diese Gesetze sind Grundsteine für die Sicherung unserer Energieversorgung, unsere nationale Sicherheit und den Kampf
gegen die Inflation.
Ich habe vor kurzem dem Kongreß einen Vorschlag unterbreitet, um Energie
in Kraftwerken einzusparen und sie von öl auf Kohle und andere Brennstoffe umzustellen.

Auch diese Vorlage muß rasch verabschiedet werden.
: i

•

Aber wir können uns von unserer Energieabhängigkeit niemals freimachen,
wenn wir nicht mit dem Problem des verschwenderischen Benzinverbrauchs fertig
werden.
Benzin

�Benzin ist das wichtigste und am meisten verschwendete Erdölprodukt
in den Vereinigten Staaten.

Rund 40 Prozent des gesamten von uns verbrauchten

Erdöls entfallen auf Benzin.

In fast allen Industriestaaten liegt der durch-

schnittliche Benzinverbrauch des einzelnen Bürgers weit unter dem unsrigen und
der Durchschnittspreis weit darüber.

Die Amerikaner haben im vorigen Jahr bei

der Benzineinsparung schon einiges geleistet,, Wenn wir jedoch unsere Abhängigkeit von ausländischem ül weiter verringern wollen, dann müssen wir noch
mehr tun.

Kraft meiner Vollmacht als Präsident erlasse ich daher eine Benzinsparsteuer für Importöl.

Diese wird ausschließlich auf Benzin in einer Höhe von

rund 10 Cent pro Gallone (knapp 5 Pfennige pro Liter) erhoben.
wird die Kosten für andere ölprodukte nicht erhöhen.
winne der ölgesellschaften nicht erhöhen.

Die Steuer

Sie wird auch die Ge-

Sie sollte jedoch die Importe bis

Ende dieses Jahres um 100 000 Barrel pro Tag verringern und diese Reduzierung
später auf 250 000 Barrel pro Tag steigern.
Ich werde dem Kongreß den Antrag auf eine spezifische Benzinsteuer vorlegen, die später an die Stelle der Einsparungssteuer treten wird.

Die Mittel aus dem Aufschlag zur Benzineinsparung werden in Reserve gehalten oder zur Verringerung der staatlichen Verschuldung benutzt werden.

Es ist

nicht meine Absicht, diese Einnahmen zum Ausgleich des Haushalts oder als Ersatz für notwendige Ausgabenkürzungen zu verwenden.

Aber diese Einnahmen, die

sich unmittelbar anzusammeln beginnen werden, werden für den Haushalt eine
Sicherheitsmarge bedeuten - die die Gewähr bietet, das er ausgeglichen bleibt,
selbst wenn sich die Bedingungen oder die Schätzungen ändern sollten.

Wir können jetzt neue Ziele für den Benzinverbrauch in unserem gesamten
Land festsetzen, durch die der Verbrauch um 400 000 Barrel pro Tag verringert
wird.

Diese Aktion unterstreicht gleichzeitig die Verpflichtung zu größerer Spar-

- 13 -

�Sparsamkeit, der sich unsere Freunde im Ausland - sowohl die Erzeuger- als
auch die Verbraucherstaaten - anschließen und die sie unterstützen können.
Und schließlich hat der Energieminister einen Plan aufgestellt, um der
Nation die Probleme des Energieverbrauchs intensiver zu Bewußtsein zu bringen.

Unser Ziel ist es, alle Bereiche der Regierung, der Wirtschaft und der

Gewerkschaften - ja jeden einzelnen Bürger - zur Einsparung von Energie anzuhalten.
Unser fünftes Aktionsfeld umfaßt langfristige strukturelle Veränderungen
zur Förderung der Produktivität, der Spartätigkeit sowie der Forschung und
Entwicklung.
Wir haben bereits erste Fortschritte bei der Reform von Regierungsvorschriften gemacht, die mit diesen Zielsetzungen nicht in Einklang stehen.
Seit meiner Amtsübernahme habe ich an der Ausmerzung unnötiger Vorschriften
und an der Kostenwirksamkeit derjenigen gearbeitet, die notwendig sind.
Ich fordere den Kongreß auf, das Gesetz über die Reform solcher Bestimmungen
zu verabschieden, das unsere Anstrengungen unterstützen wird.
Im Rahmen des Möglichen müssen wir dem System der Privatwirtschaft die
Freiheit des Wettbewerbs lassen. Es ist uns gelungen, die Luftfahrtgesellschaften von einschränkenden Bestimmungen zu befreien. Ich fordere den
Kongreß auf, die Verabschiedung umfassender Gesetze zu beschleunigen, um
die Dienst- und Betriebsvorschriften im Bankenwesen, im Transportsystem,
bei der Eisenbahn und im Fernmeldewesen zu beschneiden.
Wir müssen auch die Spartätigkeit ermutigen. Dahin gelangen wir am
ehesten, wenn wir die Höchstgrenzen für Zinserträge abschaffen, die die
meisten Kleinsparer erzielen können. Ein Gesetz zur Reform der Finanzinstitutionen, das diese Änderung herbeiführen wird, ist gerade von einem Vermittlungsausschuß beider Häuser des Kongresses gebilligt worden. Ich dränge auf
seine rasche Verabschiedung.
Wir
- 14 -

�Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß im Lauf der letzten zehn
Jahre das Tempo des Produktivitätszuwachses in unserem Land stark nachgelassen hat.

Im vorigen Jahr ging die Produktivität sogar zurück.

Dieser Trend ist ein bedeutsamer Langzeitfaktor der Inflation.

Er muß

umgekehrt werden.
Ich ersuche meine Präsidialkommission für die Aufgaben der achtziger
Jahre, im Rahmen ihrer Arbeit spezielle Empfehlungen für die Wiederbelebung
unserer Wirtschaft zu entwickeln.
Höchsten Vorrang hat für uns jetzt ein ausgeglichener Haushalt. Sobald
aber diese Ausgabenbegrenzungen auch tatsächlich erreicht worden sind, können
wir Steuererleichterungen gewähren, um die Investitionstätigkeit anzuregen.
Durch Steuerdisziplin heute können wir morgen die Mittel für die Produktivität
freistellen, die die Steuersenkungen ermöglicht, die unser Land braucht.
Eine solche Disziplin ist nicht einfach.
den sehr angespannt sein.

Unserer neuen Haushalte wer-

Es wird einige Dinge geben, die wir uns nicht leisten

können - zumindest nicht jetzt.

Aber das wichtigste1, was win uns nicht leisten

können, ist die landesweite Selbsttäuschung, der wir uns über die Inflation
hingegeben haben.

Wir können uns das Märchen nicht leisten, daß man die In-

flation einfach dem anderen zuschieben kann - oder der nächsten Generation.
Die Maßnahmen, die ich dargelegt habe, bringen Kosten mit sich. Sie
bringen Schmerzen mit sich. Aber wenn wir handeln, dann kostet es uns viel weniger, als wenn wir nichts tun. Was Opfer und Disziplin heute an Schmerz verursachen, ist - für uns alle zusammen - weit geringer als der viel stärkere,
dauernde Schmerz einer steigenden Inflation. Für uns alle, aber besonders
für die Bedürftigsten unter uns, ist die Inflation die grausamste aller
Steuern.
Wenn wir diese notwendigen Schritte gegen die Inflation unternehmen, wird

- 15 -

�wird das Ergebnis kein rascher Sieg sein.

Wahrscheinlich wird die Inflation

auch in den nächsten Monaten auf einem hohen Stand bleiben.

Wir müssen Ge-

duld und Ausdauer zeigen.
Ich bin zuversichtlich, daß die Inflationsrate aufgrund der von mir
heute vorgeschlagenen Maßnahmen gegen Jahresende zurückgehen wird.

Sobald

dies eintritt, können wir auf ruhigere Geldmärkte und niedrigere Zinssätze
hoffen.
Indem wir dieses Problem in den Griff bekommen - was zugleich heißt,
uns selbst in den Griff zu bekommen -, können wir die Angst vor der Zukunft
bannen, die so viele unserer Landsleute und unserer Institutionen erfaßt hat.
Bei dem Kampf gegen die Inflation geht es um mehr als materiellen Wohlstand oder materiellen Komfort.

Es geht darum, ob wir Amerikaner - als Staat,

als Volk-tHiser eigenes Geschick in die Hand nehmen können oder nicht.
Bei Krisen im Ausland haben wir immer wieder unserer Fähigkeit unter
Beweis gestellt, standhaft und mutig zu reagieren. Jetzt müssen wir die
gleiche Entschlossenheit dabei zeigen, uns der Herausforderung durch die
Inflation zu stellen.
Ob Inflation, Verteidigung oder Energie, unsere Verantwortung ist eindeutig:
- Wir müssen uns der Welt so stellen, wie sie ist, und bei den harten
Entscheidungen, die notwendig sind, ehrlich sein;
- diese Entscheidungen treffen und sie ausführen; und
- gemeinsam eine starke, sichere und vielversprechende Zukunft für alle
Amerikaner aufbauen.
Mit geziemender Disziplin werden wir in unserem Kampf gegen die Inflation
die Oberhand behalten.
+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik
»

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
19. März 1980

16

DEN FEINREAKTIONEN DES ZELLWACHSTUMS AUF DER SPUR
• Signal für Zellteilung kommt von der Oberfläche -

Eine chemische Verbindung, die für den Beginn der Zellteilung eine wichtige Rolle spielt, wurde kürzlich von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien in Irvine identifiziert. Damit konnte ein bedeutsamer Beitrag zur Erforschung von Molekülen geleistet werden, die das Zellwachstum steuern oder
auslösen. Die Arbeiten im Laboratorium von Dr. Dennis Cunningham, Professor
der Mikrobiologie am "College of Medicine" in Irvine, führten zur Entdeckung
jenes Proteins auf der Zelloberfläche, das mit dem Enzym Thrombin reagiert.
Thrombin hat die Fähigkeit, die Mitose, (d.h. die exakt erbgleiche Zellteilung
mit gleicher genetischer Information in den Tochterkernen) zu fördern. Gleichzeitig vermag es auch Proteine (Eiweißkörper) aufzuspalten, hat also die Funktion einer Protease.
Prof. Cunningham verwies darauf, daß die neuen Forschungsergebnisse helfen, die Rolle besser zu verstehen, die die Oberflächenmembran der Zelle für
die Steuerung der Proliferation tierischer Zellen spielt, d.h. deren Regeneration oder Neuaufbau. Die Zell pro!iferation ist notwendig für Wachstum und
Wundheilung. Gerät sie außer Kontrolle, kann es z.B. zur Entstehung von Tumoren kommen.
Bei

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Bei früheren mikrobiologischen Experimenten hatten Prof. Cunningham
und Mitarbeiter entdeckt, daß die Fähigkeit von Thrombin, Proteine abzubauen,
für die Einleitung des Prozesses einer Zellteilung notwendig ist.

Aufgrund

dieser Erkenntnis begannen sie nach Fragmenten spezifischer ZelloberflächenProteine zu suchen, die vorhanden sein müssen, damit eine Zellteilung stattfinden kann.

Die Forscher konnten ferner nachweisen, daß Thrombin durch Re-

aktionen an der Zell Oberfläche, nämlich Eingehen einer Verbindung mit dem
spezifischen Rezeptor, die Zellteilung signalisiert. Bis dahin hatte man angenommen, Thrombin müsse ins Zell innere eingeschleust worden sein, um von dort
aus die Zellteilung in Gang zu bringen.
•

Aufgrund der Versuchsergebnisse ist Prof. Cunningham zufolge jedoch anzunehmen, daß Thrombin nach der Verbindung mit dem Rezeptormolekül an der
Zell Oberfläche dieses abbaut und daß die Fragmente in die Zelle transportiert
werden. Dieser Rezeptor ist übrigens nicht nur auf Zellen vorhanden, die mit
ihrer Teilung auf das Enzym Thrombin reagieren, sondern auch an der Oberfläche
von Zellen, die inaktiv bleiben. Zur Aufspaltung des Rezeptors kommt es allerdings nur bei den "teilungsbereiten" Zellen. Die Identifizierung von Spaltungsreaktionen und der Veränderungen, die das Thrombin-Rezeptorprotein durchmacht, sind eine wesentliche Hilfe für das Studium der Mechanismen von Wachstumsfaktoren und von deren Fähigkeit, die Zellteilung herbeizuführen. Das gelte
auch, wie Prof. Cunningham erklärt, für die Erforschung des Wundheilungsprozesses. "Wenn Blutgefäße oder Gewebe geschädigt sind, wird das Protein Prothrombin in Thrombin umgewandelt, das dann seinerseits der Zelle das Signal
zur Teilung gibt. Damit wird die Geweberegeneration eingeleitet. Wenn wir
im einzelnen mehr darüber wissen, wie das Zellwachstum gesteuert wird, könnte
uns dies vielleicht beim klinischen Studium der Probleme von anomalem Zellwachstum helfen. Und dazu gehört auch das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen."

(Mitverfasser des Berichts über den Thrombinrezeptor sind Kevin Glenn
von der Universität Kalifornien in Irvine und Dr. Darrell Carney, jetzt
Assistenzprofessor für Humanbiochemie und Genetik am medizinischen Department
der Universität Texas in Galveston.)
+ + + + +
- 2 -

�31
I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. März 1980

16

LASER-ZÜNDUNG FÜR DIE ANALYSE VON VERBRENNUNGSREAKTIONEN

- (AD) - Mit Hilfe eines Laser-Zünders versuchen Wissenschaftler der
Universität Colorado und des amerikanischen "National Bureau of Standards" ,
den Aufbau und die Abläufe der chemischen Reaktionen zu entschlüsseln, zu
denen es bei der Verbrennung von fossilen Kraftstoffen kommt. Denn die genaue Erforschung der einzelnen Phasen und Teilschritte der sehr schnellen
"Kettenreaktionen" bei der Verbrennung könnte wertvolle Informationen liefern, um die Technologie deutlich zu verbessern und den Wirkungsgrad der
KraftstoffVerbrennung in Motoren zu erhöhen.
Das von David J. Nesbitt und Dr. Stephen R. Leone (Joint Institute for
Laboratory Astrophysics in Boulder, Colorado) entwickelte Instrument arbeitet mit sehr kurzen Laser-Impulsen im Ultraviolett-Bereich. Mit diesen Energie"Paketen" werden in einer Reaktionskammer, durch die ein Gasgemisch strömt,
spezifische Verbrennungsreaktionen in Gang gebracht. Durch Beobachtung der
Infrarotstrahlung, welche die am Verbrennungsprozeß beteiligten Moleküle abgeben, kann der gesamte Aufbau der Reaktion verfolgt werden. Dabei wird die
Infrarotstrahlung von äußerst empfindlichen Meßfühlern erfaßt. Das Verfahren
hat nach Angaben der beiden Wissenschaftler den großen Vorteil, daß mit der
Zündung durch Laser-Licht-Impulse kontrollierbare und reproduzierbare Reaktionen in Gang gebracht werden, die im Vergleich zu der sich anschließenden

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�anschließenden "Verbrennung" sehr schnell ablaufen.

Die Infrarotsensoren,

die ein sehr hohes Auflösungsvermögen besitzen, machen es möglich, Einblick
in die "chemische Evolution" des Verbrennungsprozesses zu bekommen.
In den Vereinigten Staaten wurde Anfang 1980 als Gemeinschaftsprojekt
einer Reihe von Universitäts- und Forschungsinstituten ein Programm in Angriff genommen, das die Aufklärung der Vorgänge bei der Verbrennung in allen
Einzelheiten zum Ziel hat.

Es soll helfen, bessere Voraussetzungen für die

optimale Ausnutzung fossiler Brennstoffe zu schaffen.

Chemiker, Maschinen-

bauingenieure, Experten für Quantenchemie, Kollisionstheorie und viele andere Spezialgebiete bringen ihr Fachwissen dafür ein.

Die amerikanischen Na-

tionallaboratorien Argonne, Brookhaven und Arnes, das Sandia-Livermore-Institut,
die Universitäten Princeton und Kalifornien stellen geeignete Versuchseinrichtungen zur Verfügung.

Koordiniert wird das Projekt von der Auswertungs-

Zentrale "National Resource for Computation in Chemistry" am Lawrence Berkeley
Laboratory (LBL) an der Universität Kalifornien.
Die Wissenschaftler konzentrieren sich bei ihren Untersuchungen "auf
die elektronische Struktur und die Kollisionsdynamik bei Reaktionssystemen,
an denen Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff beteiligt sind". Projektleiter Dr. William A. Leste Jr. vom LBL bezeichnete das Unternehmen als die
umfassendste Studie, die auf diesem Gebiet bisher unternommen wurde. Ihr
komme angesichts der gegenwärtigen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen
außerordentliche Bedeutung zu. Schon allein beim Verbrennen von Kohle beispielsweise habe man es mit einer ganzen Reaktionskette zu tun, von deren
Einzelstufen man viel zu wenig wisse. "Verbrennung" ist ja nicht ein Einzelvorgang, sondern eine komplizierte Serie von Reaktionsmechanismen, wobei
manche Phasen schon in weniger als einer Millionstel Sekunde beendet sind.

+ + + + +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8625">
                <text>19.03.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8626">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8627">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14024">
                <text>Amerikadienst 19.03.1980&#13;
</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14025">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter gibt Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung bekannt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Bundesbank zieht die Kreditbremse -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Den Feinreaktionen des Zellwachstums auf der Spur&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Signal für Zellteilung kommt von der Oberfläche -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laser-Zündung für die Analyse von Verbrennungsreaktionen</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1680" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1691">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/9b06be6812fa58081d4c15d8da896d3c.pdf</src>
        <authentication>2fee0515e2eb5d07b0bcf00e7374c818</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8624">
                    <text>Information
und
Dokumentation

\*Ä

finül

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Carter legt Bericht über Rüstungskontrolle vor
- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongreß US-Verteidigungsminister erläutert Reaktion auf Afghanistan-Krise
- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations Vance beantwortet Fragen zur Weltlage

WIRTSCHAFT
US-Industrie: Produktionssteigerung mit weniger Energie

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gcbcccn

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

PRÄSIDENT CARTER LEGT BERICHT ÜBER RÜSTUNGSKONTROLLE VOR
- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 7. März 1980 dem amerikanischen Kongreß seinen Jahresbericht über die Rüstungskontrolle unterbreitet
und in diesem Zusammenhang die Überzeugung seiner Regierung unterstrichen, daß
die Rüstungskontrolle einen echten Beitrag zur nationalen Sicherheit leisten
könne.
In einem Begleitschreiben zu dem 200 Seiten umfassenden Bericht erklärte
der Präsident, er glaube mit Sicherheit, daß bei der Behandlung des SALT II-Vertrages durch das Plenum des Senats "diejenigen, die sich um unsere nationale
Sicherheit Gedanken machen, den Vertrag als einen klugen und umsichtigen Schritt
unterstützen werden".
Das Begleitschreiben Carters hat folgenden Wortlaut:

An

;

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�An den Kongreß der Vereinigten Staaten.
Ich freue mich, Ihnen den Jahresbericht 1979 des amerikanischen Amtes
für Rüstungskontrolle und Abrüstung unterbreiten zu können.

Während der letz-

ten Jahre hat SALT unser Denken über die Rüstungskontrollmaßnahmen der Vereinigten Staaten mehr oder weniger beherrscht.

SALT ist eine der vielen

Rüstungskontroilbemühungen, die in diesem Bericht beschrieben werden.

Im

Juni vorigen Jahres unterzeichnete ich gemeinsam mit dem sowjetischen Staatsund Parteichef Breschnew in Wien den SALT II-Vertrag und unterbreitete ihn dem
Senat mit der Bitte um Rat und Zustimmung zur Ratifizierung.
war SALT Gegenstand einer intensiven nationalen Debatte
von Anhörungen durch drei Ausschüsse des Senats.

Seit dieser Zeit

sowie auch Gegenstand

Im November unterbreitete

der Außenpolitische Ausschuß den Vertrag befürwortend dem Plenum des Senats.
Nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuchte ich den Senat jedoch, die Erörterung des SALT II-Vertrags im Plenum aufzuschieben, damit der
Kongreß und die Exekutive ihr Hauptaugenmerk auf legislative und andere Angelegenheiten richten könne, die als Reaktion auf diese Krise erforderlich sind.
Ich habe jedoch die Absicht, den Senat um Behandlung des Vertrages zu ersuchen,
nachdem diese dringenderen Angelegenheiten erledigt sind. In meiner Botschaft
über die Lage der Nation erklärte ich hier vor Ihnen: "Gerade jetzt in einer
Zeit großer Spannung wird die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten Beschränkungen im besten Interesse beider Länder
sein und dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren." Wenn das Plenum des Senats mit der Aussprache über SALT II beginnt, dann bin ich überzeugt, daß
diejenigen, die sich um unsere nationale Sicherheit Gedanken machen, den Vertrag als einen klugen und umsichtigen Schritt unterstützen werden.
Meine Administration ist weiterhin der Überzeugung, daß die Rüstungskontrolle
echte Beiträge zu unserer nationalen Sicherheit leisten kann.

Wir bleiben dem

Prozeß der beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungskontrolle zutiefst verpflichtet, vor allem auch dem Bemühen, die Verbreitung und Weiterentwicklung
nuklearer Waffen zu verhindern.
Diejenigen
- 2 -

�Diejenigen von Ihnen, die die Gelegenheit haben, den beigefügten Bericht zu lesen, und sich darüber Gedanken machen, werden zwingende Beweggründe für die Bedeutung der darin beschriebenen Arbeit feststellen - für
uns, für unsere Verbündeten und für diejenigen, die von uns in der Welt eine
führende Rolle erwarten.

Wir müssen sorgfältig ausgehandelte, verifizier-

bare Lösungen für das Wettrüsten anstreben, auf das sich einige Länder jetzt
eingelassen haben. Wir müssen bereit sein, mit anderen zusammenzuarbeiten,
um der Welt Frieden und Stabilität zu bringen.
Wenn wir uns nun darauf verlassen, daß das Amt für Rüstungskontrolle
und Abrüstung, das Verteidigungsministerium sowie andere Behörden hinsichtlich ihrer Aufgaben und Pflichten wachsam sind, so sollte doch keiner von
uns die Gefahr übersehen, der wir uns alle - einzeln und gemeinsam - gegenübersehen und die uns als souveräne Nation und als Teil der Staatengemeinschaft der Welt bedroht.

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER ERLÄUTERT REAKTION AUF AFGHANISTAN-KRISE
- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations -

NEW YORK

- (AD) - Verteidigungsminister Harold Brown ging am

6. März 1980 vor dem "New York Council on Foreign Relations", einer Privatorganisation von Bürgern, deren Interesse der Außenpolitik gilt, auf die
amerikanische Reaktion gegenüber der sowjetischen Invasion Afghanistans
ein.
Die Rede des Verteidigungsministers hat

folgenden Wortlaut:

Die siebziger Jahre gingen mit der sowjetischen Invasion Afghanistans
zu Ende.

Die achtziger Jahre begannen - in diesem Land und in der ganzen

Welt - mit der sich daran anschließenden Debatte darüber, wie auf diese
Invasion zu reagieren sei.

Diese Debatte - zeitweise konfus, zeitweise

ärgerlich, zeitweise scharfsinnig - ist noch nicht abgeschlossen.
Ich möchte in meinen Amerkungen heute übe die amerikanischen Interessen - von denen einige lebenswichtig sind - in jenem Teil der Welt

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Welt sprechen, über die Natur der Herausforderung, die die sowjetische
Bedrohung dort darstellt, über unsere Antwort auf diese Herausforderung
und insbesondere darüber, wie unsere militärischen Kapazitäten sich in
einen sicherheitspolitischen Gesamtrahmen für diese Region einfügen und zu
dieser Antwort beitragen.
Obgleich die jüngsten Ereignisse in Afghanistan von entscheidender
Bedeutung sind, so machen sie dennoch bei weitem nicht das gesamte Problem
aus.

Jede Diskussion über die angemessene amerikanische Antwort muß damit

beginnen, diese besonderen Ereignisse - die Invasion und deren Folgen in den weiteren Kontext vergangener und möglicher oder wahrscheinlichter
zukünftiger Entwicklungen zu stellen.
Der vollständige Kontext der sowjetischen Invasion umfaßt die historischen
Ambitionen Rußlands in dieser Region, umfaßt 20 Jahre Aufrüstung der sowjetischen Streitkräfte, umfaßt die jüngere Entwicklung der sowjetischen
Fähigkeii. zur Machtdarstellung und schließlich die allerjüngsten Umwälzungen
in der islamischen Welt.
Die Erklärungen für die Gründe der sowjetischen Invasion sind unterschiedlich.

Es bleibt die einfache Tatsache bestehen, daß ihre Motive

höchstwahrscheinlich gemischter Natur sind und wir die genaue Mischung
nicht kennen.

Aber Politiker kommen nicht darum herum, sich sowohl mit

dem besonderen Vorfall - der Invasion - als auch mit der langfristigen
Frage zu beschäftigen, wie man in Zukunft vor solchen Schritten abschrecken
kann.
In Überlegung dessen vollzog sich die amerikanische Antwort seit
der Dezember-Invasion auf zwei Ebenen:
-

Zum ersten wurde den Sowjets für diesen besonderen Fall direkter
Aggression ein echter Preis abgerungen.
Zum
- 2 -

�Zum zweiten wurde damit forgefahren, eine Strategie zu entwerfen,
und eine Reihe wirtschaftlicher, politischer, diplomatischer und
militärischer Maßnahmen entwickelt, um vor ähnlichen sowjetischen
Schritten in Zukunft abzuschrecken oder solche zu vereiteln Schritte, die noch unmittelbarer amerikanische Interessen bedrohen
könnten.

Die amerikansichen Interessen
Die amerikanischen Interessen hinsichtlich der Region um den Persischen
Golf im sü'dwestasiatisehen Raum konzentrieren sich kurzfristig sicherlich
auf die sichere und schnelle Freilassung der Amerikaner, die in Teheran
als Geiseln festgehalten werden; längerfristig können unsere Interessen
ziemlich schlicht so dargestellt werden:
1) den Zugang zur angemessenen Ölversorgung sicherzustellen;
2) der sowjetischen Expansion zu widerstehen;
3) die Stabilität in dieser Region zu fördern und
4) den Friedensprozeß im Nahen Osten voranzutreiben sowie gleichzeitig
die weitere Sicherheit des Staates Israel sicherzustellen (und gerade
bei dieser Sicherstellung zu helfen).
Betrachten wir diese einzelnen Punkte der Reihe nach.
öl ist der Lebenssaft der modernen Industriegesellschaften.
des importierten Erdöls der ganzen Welt kommen aus diesem Gebiet:

60 Prozent
etwa

13 Prozent des in den Vereinigten Staaten verbrauchten Öls und viel höhere
prozentuale Anteile unserer Verbündeten - 45 Prozent des Öls der Bundesrepublik Deutschland, 75 Prozent des Öls für Frankreich und für Japan.
Der
- 3 -

�Der Verlust dieses Öls würde für die Volkswirtschaften des Westens
und des industrialisierten Fernen Ostens ein Schlag katastrophalen Ausmaßes
darstellen.
Sogar bei einem Erfolg in der so notwendigen Anstrengung zur Verminderung
der amerikanischen Abhängigkeit von importierten Erdöl

würde der Verlust

der Lieferungen aus dem Persischen Golf unseren Verbündeten und Freunden
irreparablen Schaden zufügen.

Tatsächlich würde eine sowjetische Kontrolle

dieses Gebietes große Teile der industrialisierten Welt und der Entwicklungsländerpraktisch zu wirtschaftlichen Vasallen machen.

Die UdSSR würde noch

nicht einmal den ölfluß auch wirklich zu unterbrechen brauchen.
•

'

Die russischen Träume und Pläne von Expansion und Herrschaft in dieser
Region gehen noch auf zaristische Tage zurück.

Aber unseren langfristigen

Interessen und denjenigen dieses Gebietes ist am besten gedient, wenn die
Staaten dieser Region die Freiheit haben, sich in ihrer eigenen Weise
zu entwickeln, ohne ausländischem Druck oder Herrschaft zu unterliegen.
Sitzt die Sowjetmacht erst auf den ausgedehnten ölreserven, so würde der
Sowjetstaat zum erstenmal einen internationalen ökonomischen Hebel besitzen,
der seiner militärischen Macht entspräche.
Stabilität in dieser Region bedeutet nicht, daß keine Veränderungen
stattfinden. Es bedeutet starke Sicherheitsmaßnahmen bei jedem dieser
Staaten sowie Gelegenheiten für gewaltlose Lösung örtlicher Spannungen
und Unterschiede. Die Einflüsse sowohl des industrialisierten Westens
als auch des islamischen Fundamentalismus werden auch weiterhin das Leben
des einzelnen und die Zukunft der Nationen in dieser Region unmittelbar
berühren. Aber wir können dort eine Rolle beim Aufbau individueller und
kollektiver Sicherheit spielen und gleichzeitig solch destabilisierende
Entwicklungen wie die Proliferation von Kernwaffen verhindern.

�Der Friedensprozeß im Nahen Osten ist grundlegender Teil der amerikanischen
Politik - genauso wie unsere Verpflichtung zur Sicherheit von Israel.
Aspekte des Strebens nach einem stabilen und sicheren Nahen

Diese

Osten haben in

der Folge der kürzlichen Ereignisse im Iran und in Afghanistan neue Bedeutung
gewonnen.
Der Weg hin zum Frieden im Nahen Osten ist lang, steinig und gefährlich.
Aber Fortschritt auf diesem Weg ist - insgesamt gesehen - eine der großen
Erfolgsmeldungen der internationalen Politik gewesen. Noch im Jahre 1973
lagen Israel und Ägypten miteinander im Krieg. Als diese Regierung ihr Amt
antrat, kam der einzige internationale Austausch zwischen diesen beiden
Staaten aus den Läufen der Gewehre bei Grenzangriffen. In dem kurzen Zeitraum von drei Jahren sind wir Zeugen der Vereinbarungen von Camp David
geworden, des Rahmenwerks eines umfassenden Friedens und der offenen
Grenzen und des Austausches von Botschaftern. Bei der Verfolgung des
Friedens werden wir auch weiterhin unserer nationalen Verpflichtung zur
Sicherheit Israels nachkommen. Wir werden auch mit unseren arabischen
Freunden bei der Erstellung eines Sicherheitsrahmens zusammenarbeiten, der
dazu beiträgt, diese Region von dem sowjetischen Expansionismus und jeder
sich daraus ergebenden Bedrohung des freien ölflußes zu schützen, der für
sie und die übrige Welt so wichtig ist.
Beim Versuch der Förderung dieser vier Interessen wird unsere Entschlossenheit zur Beantwortung jeder Bedrohung dieser Interessen deutlich.
Präsident Carter formulierte es in seiner Botschaft über die Lage der
Nation so: "Ein Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die
Region des Persichen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die
lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden. Und
solch ein Angriff wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel, einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden."
Internationale

�Internationale Komplikationen für die Sowjets
Bevor ich auf unsere Strategie und unsere Fähigkeit im einzelnen zu
sprechen komme, in Zukunft eine solche Bedrohung abzuwenden, möchte ich
einige andere Faktoren darlegen, die in die sowjetischen Überlegungen in
diesem Gebiet einfließen und die zur Lösung unserer dortigen Probleme
beitragen könnten.
An deren erster Stelle steht der Wiederaufstieg des Islam, der eine
historische Bewegung hin zum Nationalismus in diesem Teil der Welt verstärkt.

Im Gegensatz zur Sowjetunion versuchen wir nicht, eine starke

islamische Bevölkerung von den Einflüssen ihrer religiösen Tradition zu
trennen.

Wir versuchen nicht, religiösen Aktivismus in der islamischen

Welt zu unterdrücken.

Und dies gilt auch hinsichtlich des Iran.

Wie wir

im Verlauf der andauernden Geiselkrise oft klargestellt haben, kommt eine
äußere Bedrohung der islamischen Revolution des Iran - sollte es eine
solche Bedrohung geben -, von der Sowjetunion, nicht von den Vereinigten
Staaten.
Der zweite Faktor - und mit dem ersten verwandt - ist der aktive
Widerstand von Völkern voller Nationalgefühl gegen äußere Beherrschung.
Die kürzlichen Ereignisse in Afghanistan erinnern uns - und zweifellos
noch unmittelbarer die Sowjets - an die zeitlose Wahrheit der Beschreibung,
die uns Toynbee vom klassischen Problem der Eindringlinge gegeben hat:
...Ein anmaßendes Selbstvertrauen, geboren aus diesem falsch verstandenen Glauben an ihre eigene Unbesiegbarkeit, führt sie in die Katastrophe durch unbesonnenen Angriff auf noch immer ungebrochene Völker,
deren Geist und Fähigkeit zum Widerstand sie völlig überrascht.
Ich möchte damit nicht sagen, daß die Sowjets sich nicht in
Afghanistan durchsetzen können. Sie können es - aber nur zu einem bestimmten

�bestimmten Preis, einem hohen Preis.
Und welche Probleme die Kräfte der Religion und der Unabhängigkeit, die
über dieses Gebiet hinwegstürmen, uns auch immer bringen:

vergessen wir

nicht, daß sie uns letztlich dabei helfen können, den sowjetischen Expansionismus zu behindern.
Die Bedenken der Dritten Welt haben im Nachklang der sowjetischen
Invasion eine - für manche Beobachter überraschende - Rolle gespielt.
Afghanistan gab sich freundlich, ja, prosowjetisch. Als unterentwickeltes
Land ist es in der Geschichte ein Pufferstaat zwischen den rivalisierenden
Großmächten gewesen. Die rasche Verlegung sowjetischer Panzer, Kampfhubschrauber und Zehntausender Soldaten zur Unterdrückung des "befreiten"
Afghanistan schockierte zu Recht einen großen Teil der Dritten Welt.
Unsere Verbündeten und die anderen industrialisierten Demokratien
(sowie, um ein weiteres Beispiel zu nehmen, auch China) teilen unser
Interesse und unsere Bedenken in diesem Gebiet - sowie, im großen und ganzen,
unsere Beurteilung der Gefahren, auch wenn sie nicht jedes Element unserer
Formeln zur Behandlung der Lage übernehmen. Westeuropa und Japan hängen
noch stärker als wir von den ülVorräten der Region ab. Viele unserer Verbündeten haben mit den Ländern dort historische Bindungen. Während wir die
Unterstützung der Verbündeten in diesem Gebiet suchen, müssen wir indessen
erkennen, daß direkte Beiträge nicht der einzige Weg sind, auf dem sie
helfen können. Zum Beispiel geben uns die Beiträge der Verbündeten zu
ihrer eigenen Sicherheit größere Beweglichkeit bei den Maßnahmen, die wir
ergreifen müssen, um unsere militärischen Kapazitäten zu stärken, damit wir
uns den Bedrohungen des Friedens und unserer gemeinsamen Interessen im
Persischen Golf und in Südwestasien stellen können.
Diese verschiedenartigen Faktoren können uns dabei helfen, der von den
Sowjets gestellten Herausforderung entgegenzutreten, ja, sie sind unabdingbarer

�unabdingbarer Bestandteil einer umfassenden Antwort.

Dennoch gibt es

keinen Zweifel darüber, daß die Vereinigten Staaten die Führung bei der
Organisierung einer solchen umfassenden Antwort auf die sowjetische
Aggression in Afghanistan und einer wirkungsvollen Abschreckung vor noch
gefährlicheren Schritten übernehmen müssen, die die Sowjets ansonsten
in Zukunft zu ergreifen versucht sein könnten.

Diese umfassende Antwort

muß vielseitig - militärisch und nichtmilitärisch - sein.

Die nichtmilitärischen Komponenten der Abschreckung
Der erste nichtmilitärische Bestandteil ist eine wirkungsvolle, langfristige Energiepolitik zur Verminderung unserer Abhängigkeit von importiertem
Erdöl.
Es muß jedoch Klarheit darüber herrschen, daß kein vorstellbarer
Maßnahmenkatalog - Einsparung, Lagerung oder alternative Energiequellen das kurzfristige Sicherheitsproblem eliminieren kann, das durch die Bedrohungen des Golfs und seines Öls geschaffen wurde. Die harte Tatsache
ist, daß die Vereinigten Staaten oder unsere Partner in der industrialisierten
Welt oder die Entwicklungsländer im kommenden Jahrzehnt oder wahrscheinlich
sogar im darauffolgenden nichts tun können, um schweren Schaden von sich
zu wenden, wenn der Großteil der Ölversorgung aus dem Persischen Golf für
einen längeren Zeitraum abgeschnitten würde.
Es handelt sich bei diesem Problem hier nicht darum - wie manche
behaupten -, ob es wegen der OPEC Krieg geben wird, oder darum, Schlangestehen vor den Zapfsäulen zu vermeiden.
nötig.

Einsparung ist in jedem Fall

Aber hierfür einzutreten als Ersatz für amerikanische Führung

bei der Stärkung der Sicherheit der Golfregion bedeutet lediglich, den
Ernst der wirklichen Lage nicht zu erfassen oder ihn zu verdrängen - denn

- 8 -

�denn dies betrifft nicht nur uns, sondern auch unsere Verbündeten und Freunde.
Sogar für ein energieunabhä'ngiges Amerika gäbe es keine Sicherheit in einer
Welt, in der Westeuropa oder Japan, die Türkei oder Brasilien im Energiebereich zu Geiseln einer freindlichen Macht würden.
Der zweite nichtmilitärische Aspekt betrifft die Wirtschaftshilfe
für jene Länder in dieser Region, die mit den Problemen der Entwicklung
ringen. Ein besonders wichtiges Beispiel bietet der Fall unseres Verbündeten
Türkei. Wirtschaftliche Unsicherheit läuft darauf hinaus, politische
Instabilität zu fördern. Hilfe für ein Land zur Lösung seiner internen
Probleme ermöglicht es diesem, sich wirkungsvoller mit der gemeinsamen
Sicherheit und anderen regionalen Belangen zu befassen. Wir erwarten von
unseren Freunden in der industrialisierten Welt und den reichen Olförderla'ndern in diesem Gebiet, ihren vollen Anteil auf dieser Seite der Aufgabe
zu übernehmen.

Militärische Komponenten der Abschreckung
Ich möchte mich nun den militärischen Komponenten zuwenden. Bei
unseren militärischen Planungen für den Persischen Golf und Südwestasien
- wie überhaupt insgesamt - ist unser oberstes Ziel die Abschreckung.
Das bedeutet, wir versuchen klarzumachen, daß mit einer Aggression große
Risiken und Strafen verbunden sind. Wir müssen notfalls in der Lage sein,
eine Aggression auf verschiedenen Ebenen niederzuschlagen. Ohne Frage
stellen eine solche Fähigkeit und der Wille zur Tat die wirkungsvollste
Abschreckung dar.
Bevor ich zur Erörterung der Arten von Streitkräften übergehe, die
zur Durchführung dieses Operationsziels notwendig sind, möchte ich noch
vier allgemeine Überlegungen zu den militärischen Komponenten unserer

�unserer Antworten anstellen.
Erstens, obgleich die Ausdrücke "Schnelle Eingreiftruppen" ("Rapid
Deployment Forces") und "Machtdarstellung" ("Power Projection") relativ
neue Schöpfungen der Fachsprache sind, so sind die militärischen Aufgaben,
die sie bedeuten, überhaupt nicht neu. Die Vereinigten Staaten betreiben
schon seit ziemlich langer Zeit dieses Geschäft des schnellen Dislozierens
und der Machtdarstellung.

Wer daran zweifelt, sollte die Angehörigen des

Marinekorps fragen, die vor fünf Jahren ihren 200. Jahrestag feierten.
In beiden Weltkriegen, in Korea und später in Vietnam zeigten wir,
daß wir in der Lage waren, Streitkräfte in sehr bedeutenden Größenordnungen
weit von unseren Küsten entfernt zu unterhalten.

Was immer auch unsere

anderen Schwierigkeiten in jenen Fällen waren, so waren die logistischen
Kapazitäten, die die Vereinigten Staaten zeigten, doch in der Tat eindrucksvoll.

Darüber hinaus ist es seit langer Zeit Teil unserer Militärdoktrin,

bereit und im Stande zu sein, in Krisenfällen auch in räumlich entfernten
Gebieten einzugreifen, ohne dadurch unsere Fähigkeit zur Abschreckung und
Verteidigung auf anderen Schauplätzen zu gefährden.
Zweitens, ich lehne schlechthin die These ab, daß wir die Kapazität
zu einem wirksamen Einsatz von Streitkräften gar nicht entwickeln sollten,
da wir sonst versucht sein könnten, sie unklug einzusetzen. Ich glaube,
das amerikanische Volk und seine politische und militärische Führung sind
klug genug - und wie man hinzufügen könnte, erfahren genug - um einige
einfache Wahrheiten zu begreifen und zu akzeptieren:
•. &gt; -.

-

Daß nämlich Streitkräfte allein nicht alle Probleme der Welt
zu lösen vermögen;
•

-

daß ihr Einsatz eine sehr schwerwiegende Sache ist;
daß
- 10 -

�-

daß derartige Streitkräfte und der Wille zu ihrem Einsatz, fall dies
notwendig sein sollte, wesentlich für die Verteidigung unserer
lebenswichtigen Interessen sind; und

-

daß diese Interessen sorgfältig definiert werden müssen.

Wir müssen uns von den Lehren der Geschichte leiten, aber nicht von
ihren Gespenstern bedrücken lassen.
Drittens, in der Presse ist verschiedentlich berichtet worden, daß
die Vereinigten Staaten sich angeblich für eine Strategie des "Stolperdrahts"
entschieden hätten, bei der wir - aus eigener Wahl oder durch Notwendigkeit
gezwungen - rasch zu taktischen Kernwaffen greifen würden, um uns gegen
einen sowjetischen Angriff in dem Gebiet zu verteidigen. Hier sind verschiedene Punkte zu klären. Jeder direkte Konflikt zwischen amerikanischen
und sowjetischen Streitkräften trägt das Risiko einer Intensivierung und
geographischen Ausbreitung des Konflikts in sich. Wir können nicht zulassen, daß die Sowjets allein über Schauplatz und Aktionen entscheiden.
Das bedeutet keinesfalls, daß die Eskalation bis zum Einsatz von
Kernwaffen die unbedingte Konsequenz eines amerikanisch-sowjetischen
Zusammenpralls in Südwestasien sein wird. Teils um ein solches Resultat
weniger wahrscheinlich zu machen, ist ein großer Teil unserer Anstrengungen
in dieser Region darauf gerichtet, die konventionelle Stärke zu verbessern,
die wir dort zum Tragen bringen können. Geht man von den amerikanischen
Kapazitäten und denen der anderen aus, deren Interessen durch eine sowjetische
Aggression gefährdet werden, berücksichtigt man die Schwierigkeiten, die
mit allen sowjetischen militärischen Aktionen über die Grenzen des eigenen
Landes hinaus in schwierigem Terrain und gegenüber einer feindseligen
Bevölkerung verbunden sind und nimmt man dazu den weiten Bereich unserer
Optionen, sowohl andere verwundbare Stellen der Sowjets für uns zu nutzen
und uns gegen den Angriff zu verteidigen, so sind konventionelle Abschreckung

- 11 -

�Abschreckung und Verteidigung durchaus realisierbare Ziele.
Viertens aber vertrete ich ganz generell die Ansicht, daß die Gesamtreaktion eine multilaterale ist und sein muß, die örtliche Streitkräfte,
amerikanische Verbände und Streitkräfte anderer
liegender Länder einschließt.

außerhalb der Region

So bemühen wir uns beispielsweise bei

verschiedenen Ländern der Region um einen stärkeren amerikanischen Zugang
zu örtlichen Anlagen und Einrichtungen.

Wir führen Gespräche sowohl mit

potentiellen Geber- wie potentiellen Empfängerländern über Programme für
Wirtschaftshilfe und Sicherheitsbeistand, die notwendige Ergänzungen zu
unseren anderen Anstrengungen darstellten.

Und wir stehen in Konsultationen

sowohl mit Ländern innerhalb wie außerhalb dieser Region über eine militärische
Zusammenarbeit in diesem Gebiet.
Trotz der Schwierigkeiten, die in einer von unabhängigen Staaten
getragenen multilateralen Aktion liegen, sind wir insgesamt bei unseren
Bemühungen bisher ganz erfolgreich gewesen und rechnen damit, dies auch
weiterhin zu sein.

Ich sollte vielleicht darauf hinweisen, daß wir in

vielen Fällen nicht um formelle, öffentliche Garantien und Abkommen bemüht
sind, sondern vielmehr um die Schaffung eines Systems besonnener Konsultation
und paralleler Verfolgung gemeinsamer Sicherheitsziele.
•

Um zum Ziel der Abschreckung zu gelangen, wird eine Kombination von
örtlichen Streitkräften für die Selsbtverteidigung von in dem Gebiet
präsenten amerikanischen Streitkräften und - soweit angebracht - von
amerikanischen und anderen Streitkräften erforderlich sein, die rasch disloziert
werden können, um bedrohte Gebiete zu verstärken.
•

In den meisten Fällen - ja,wohl beinahe in allen Fällen - würden
die örtlichen Streitkräfte in dem Land, das einem Angriff ausgesetzt ist
oder direkt bedroht wird, mobilmachen, um sich zu verteidigen.

Wir können

nicht hoffen, und es ist auch keinesfalls unsere Absicht, Völker in dieser

- 12 -

�dieser Region zu verteidigen, die nicht mithelfen wollen, sich selbst zu
verteidigen.

Genauso aber erwarten wir, daß wir dort, wo wir uns engagieren,

nicht allein stehen.

Weil die Aggression gegen einen sich zu einer Gefahr

für alle ausweiten könnte, dürften wohl andere in der Region sich der kollektiven
Verteidigungsanstrengung anschließen,und sicherlich sollten sie es tun.
Die Hilfe, die sie leisten könnten, würde von Fall zu Fall in ihrer Art
sehr unterschiedlich sein, von der Verfügbarmachung der notwendigen Zugangswege und Nachschubeinrichtungen bis zur Mobilisierung von Streitkräften,
die an unserer Seite stehen würden, um den Gegner abzuschrecken und zu
bekämpfen.
Die Abschreckung braucht außer den einheimischen Streitkräften sowohl
die militärische Präsenz der USA in dem Unruhegebiet als auch weitere amerikanische Streitkräfte, die rasch dahin gebracht werden können. Wichtig
dabei ist die Fähigkeit, Streitkräfte schnell in das Gebiet bringen zu
können und zwar mit der Stärke, Mobilität und Kampfkraft, die die Vorausverbände des Gegners daran hindern, lebenswichtige Punkte zu erreichen.
Es ist nicht notwendig, daß unsere ersten Kampfeinheiten imstande sind,
die gesamte Streitmacht zu schlagen, die ein Gegener schließlich ins Feld
führen kann. Es ist für uns genauso wenig notwendig, zu warten, bis der
erste Schuß fällt oder die ersten feindlichen Streitkräfte im Land sind.
Viele unserer Truppen können auf eine strategische Warnung hin in Marsch
gesetzt werden und einige schon nach Erhalt selbst sehr frühzeitiger und
durchaus noch nicht eindeutiger Anzeichen.
Eine wirksame amerikanische Antwort auf eine Aggression in diesem oder
anderen Unruhegebieten besteht aus verschiedenen Elementen. Beim ersten
Bestandteil - einer verstärkten kontinuierlichen Präsenz in Friedenszeiten werden vor allen die Seestreitkräfte ins Spiel treten. Unsere derzeigen Seestreitkräfte in der Region sind denen der Sowjetunion in diesem Gebiet
weit überlegen. Sie bieten uns eine taktische Luftstreitmacht, die sofort
eingreifen kann. Ich möchte hinzufügen, daß auch die Franzosen starke

- 13 -

�starke Seestreitkräfte im Indischen Ozean haben.

Außerdem machen wir

weiterhin ständige Fortschritte bei dem vor mehreren Jahren begonnenen
Ausbau unserer Anlagen auf Diego Garcia.

Unsere ständige Präsenz in dieser

Region wird um vieles größer sein als noch vor einem Jahr.
Die Vorausbereitstellung von Gerät ist der zweite lebenswichtige
Bestandteil.

Wir haben ein Programm in Angriff genommen, um eine Reihe

von Vorausbereitstellungsschiffen der US-Marine zu beschaffen, die uns
eine größere Flexibilität verleihen und uns der Probleme großer ständiger
amerikanischer Stützpunkte in Übersee in sensitiven Gebieten entheben werden.
Als kurzfristige Option stellen wir derzeit aktiv eine Flotte von
sieben Schiffen zusammen, die aus Schiffstypen besteht, wie sie in der
Handelsmarine verwandt werden, einschließlich von Roll-on/Roll-off- Schiffen
(Schiffe mit einer eigenen Laderampe, auf die Fahrzeuge ohne Hilfe von
Ladekränen oder sonstigen Ladeeinrichtungen direkt fahren können, Anm.
des Übersetzers), Großraumfrachtern und Tankern, um uns schon in den
nächsten Monaten mit dieser Kapazität auszustatten.

Diese Schiffe werden

mit der Ausrüstung ganzer Einheiten, Nachschubgütern, Brennstoff und Wasser
beladen werden - Mengen,die eine Landungsbrigade des amerikanischen Marinekorps in Stärke von etwa 10 000 Mann sowie mehrere Staffeln von Kampfflugzeugen der amerikanischen Luftwaffe in die Lage versetzen würden,
unabhängig zu operieren bis weiterer Nachschub aus den Vereinigten Staaten
eintreffen kann.
•

Die beladenen Schiffe werden Vorauspositionen beziehen, die nur
wenige Tagereisen vom Seegebiet des Persischen Golfes und des Arabischen
Meeres entfernt sind. Im Ernstfall könnten sie in einen vorbestimmten
Hafen nahe des Zielgebietes einlaufen und sich dort mit Flugzeugen und
Mannschaften treffen, die direkt von Stützpunkten in den Vereinigten
Staaten eingeflogen werden. Diese Einrichtung wird uns die Fähigkeit verleihen, innerhalb von Tagen statt von Wochen auf eine Krise in dem Gebiet

- 14 -

*

�Gebiet zu reagieren.
Mobilität - vor allem Luft- und Seebrückenkapazität - ist der dritte
Bestandteil. Wir stehen heute nicht ohne eine solche Kapazität da. So
könnten beispielsweise die ersten landgestützten taktischen Flugzeuge
innerhalb von Stunden in der Region sein, und größere Einheiten unterstützt
von dem fliegenden Frühwarn- und Leitsystem AWACS innerhalb weniger Tage.
Das erste Bataillon der 82. Luftlandedivision könnte innerhalb 48 Stunden
nach dem Marschbefehl eintreffen, die gesamte Division etwa innerhalb von
zwei Wochen. Eine volle Landungsstreitmacht des Marinekorps (eine Division
und ein Luftgeschwader)könnte in vier Wochen disloziert werden.
Darüber hinaus haben wir wichtige Verbesserungen unserer Kapazität
für einen raschen Einsatz (Soforteinsatzkapazität) vorgesehen. Vor einigen
Jahren begannen wir mit der Beschaffung von Maschinen des Typs KC-10 zur
Betankung aus der Luft (Tankflugzeugen), und wir beschleunigen jetzt
diese Anschaffungen. Wir haben ferner ein langfristiges Beschaffungsprogramm
für ein neues Transportflugzeug vom Typ "CX" begonnen (das entweder nach
einem neuen Entwurf oder auf der Grundlage eines vorhandenen Flugzeuges
gebaut wird), das für die Dislozierung überdimensionaler Lasten über große
Entfernungen hinweg geeignet ist. Wir sind schließlich, als Interimsmaßnahme,
dabei, schnelle Handelsschiffe zu erwerben, die ein unmittelbares militärisches
Seebrückenpotential darstellen.
Der vierte Bestandteil betrifft die Zugangs- und Durchgangsrechte, auf
die ich bereits abgehoben habe. Wir stehen in intensiven - und meinem Urteil
nach erfolgreichen - Verhandlungen über verbesserten Zugang zu See-, Luftund anderen Stützpunkten, um unsere Fähigkeit zur Versorgung von Schiffsund Flugzeugdislozierungen zu erhöhen. Lassen Sie mich noch einmal den
Unterschied zwischen der Suche nach Zugang und der Suche nach ständigen
Stützpunkten unterstreichen. Im wesentlichen ersuchen wir verschiedene
Länder in der Region, uns in die Lage zu versetzen, ihnen wirkungsvollere

- 15 -

�wirkungsvollere Unterstützung zu gewähren, sofern sie uns brauchen und uns
wollen.

Dies ist etwas ganz anderes als sie aufzufordern, ständige

amerikanische Stützpunkte zu beherbergen.
•

Häufige Dislozierung und Übungen in dem Gebiet enthalten einen
anderen wesentlichen Bestandteil.

Wir haben den Umfang und das Tempo der

regelmäßigen Dislozierungen unserer Seestreitmacht in dem Gebiet ausgeweitet.
Um zum Beispiel einen bestimmten Zeitpunkt herauszugreifen:

Vorigen

Oktober führte die Kampfgruppe unseres Flugzeugträgers "Midway" zusammen
mit Flotteneinheiten Großbritanniens und Australiens ein Manöver durch.
Außerdem waren vier Schiffe der amerikanischen Mittelost-Streitmacht im
Persischen Golf stationiert.

Eine zweite Flugzeugträger -, Kampfgruppe

erreichte außerdem im Dezember ? vom Westpazifik kommend - das Arabische
Meer.

Seit dieser Zeit stehen über 150 trägergestützte taktische Flugzeuge

und 14 Kriegsschiffe im Persischen Golf und im Arabischen Meer in ständiger
Bereitschaft, um eine sichtbare Präsenz der USA zu unterhalten.
Unsere Fähigkeit zur Darstellung von Luftmacht über große Entfernungen
wurde außerdem durch drei B-52 Seeüberwachungs- und drei fliegende

Früh-

warn- und Kontrollmissionen demonstriert, die im Gebiet des Indischen Ozeans
geflogen wurden.

Schließlich wird eine Landungseinheit des Marinekorps

gegen Ende dieses Monats im Arabischen Meer eintreffen.

Und schon vorher

haben wir dort taktische Flugzeuge disloziert - zum Beispiel F-15 und Frühwarnsysteme (AWACS) in Saudiarabien als Teil unserer Antwort der Bedrohung
des Nordjemen.
In der Debatte, die aus der Krise um den Persischen Golf erwachsen
ist, scheinen wir manchmal gegen den Angriff einer seltsamen Kombination
von Kritikern zu kämpfen.

Auf der einen Seite sind jene, die auf das Rede-

pult hämmern und nach schlecht definierten harten Maßnahmen schreien (oft,

�(oft, um Probleme zu lösen, für die es keine militärische Lösung gibt),
während sie gleichzeitig unsere militärischen Fähigkeiten verhöhnen.

Auf

der anderen Seite erklären unterschiedliche Stimmen, daß wir vor keinerlei
Problemen stehen, ausgenommen derer, die wir durch unsere eigene Überreaktion
schaffen und daß wir uns daher über unsere militärischen Kapazitäten überhaupt keine Sorgen zu machen brauchten.
Jede dieser Einstellungen - zur nationalen Politik erhoben - würde
unsere Sicherheit großen Gefahren aussetzen und würde der Sowjetunion ein
auf ernste und gefährliche Weise falsches Signal geben.

Schlußfolgerung
Die Politiken und die Methoden, die ich dargelegt habe, sind keine
Schritte in Richtung Krieg.
Krieg zu verhindern.

Sie sind dazu entworfen, stark zu machen und

Was wir tun, stellt eine notwendige und vernünftige

Antwort auf konkrete Erfordernisse dar.
Militärkapazitäten ist ein Faktum.

Der massive Zuwachs der sowjetischen

Ihre Bereitschaft, Stellvertreter und

sogar Einheiten der Roten Armee zu benutzen, um militärische und politische
Macht außerhalb der Grenzen der Sowjetunion auszuüben, wurde demonstriert.
Die Vereinigten Staaten und die Staaten, mit denen wir am engsten verbunden
sind, sind derzeit - und noch für eine lange Zeit - durch eine überaus
verwundbare Lebensader mit dem Nahen Osten und dem Persischen Golf verbunden.
Vielleicht werden die Sowjets diese Lebensader niemals bedrohen.
Vielleicht sind die "milderen" Interpretationen ihrer Invasion Afghanistans
- sofern man das Wort "mild" überhaupt gebrauchen kann - korrekt.

Aber als

Politiker, als verantwortungsbewußte Bürger und als Weltmacht können wir
dies nicht gefahrlos sagen.

Tatsächlich sind die Schritte, die wir unter-

nehmen müssen, um uns vor den Folgen der unmittelbaren Bedrohung durch das

- 17 -

�das kürzliche aggressive sowjetische Verhalten zu schlitzen, wahrscheinlich
der wirkungsvollste Weg, um langfristig die künftigen sowjetischen Unternehmungen einzudämmen.
Wir sagen zu den Sowjets nicht, daß Wettstreit der einzige Weg für
uns Ist. Wir sind auch weiterhin gewillt, auf den Gebieten zusammenzuarbeiten, wo sich unsere Interessen decken - wie dies bei SALT der Fall
ist.

Aber dort, wo sie unsere Interessen bedrohen, werden wir uns ihnen

auch auf dieser Grundlage entgegenstellen.
-

Wir müssen der Sowjetunion zeigen:
-

daß die Invasion Afghanistans in dem Teil der Welt, der nicht von
Moskau beherrscht wird, durchweg als rohe Verletzung der Normen
internationalen Verhaltens angesehen wird;

-

daß ihre dafür abgegebene Rechtfertigung weltweit als eine durchsichtige Verdrehung angesehen wird; und

-

daß die internationale Gemeinschaft der Ansicht ist, daß ähnliche
Schritte in der Zukunft die ernsthaftesten Gefahren sowohl für die
Sowjets als auch für die übrige Welt mit sich bringen würden.

Damit die Vereinigten Staaten in Zukunft ihre angemessene Rolle bei
der Abschreckung vor einer solchen Aggression spielen können, müssen wir
die angemessene militärische Kapazität und den Willen haben, sie zu gebrauchen, sollte dies notwendig sein.
Wenn wir die Absicht haben, eine Supermacht zu bleiben und unser
eigenes pluralistisches politisches und wirtschaftliches System zu schützen,
müssen wir uns langfristig verpflichten zu
wirtschaftlichem

- 18 -

�1) wirtschaftlichem Wiederaufbau,
2) einem Programm der Verminderung unserer Abhängigkeit von importierter
Energie und - nicht minder wichtig 3) einer Erhöhung unserer militärischen Kapazität, einschließlich
der Fähigkeit, Streitkräfte in Gebiete zu dislozieren, die weit
weg, aber lebenswichtig für uns sind - in einem Sicherheitsrahmen,
der bei der Stabilisierung solcher Gebiete hilft.
Diese Aufgaben werden nicht leicht sein. Sie können nicht als einmaliges Sofortprogramm durchgeführt werden. Aber wenn wir bei ihrer Durchführung versagen, wird das 21. Jahrhundert wahrscheinlich gefährlich werden für unsere Ideale, für unsere Sicherheit und für unsere Kinder.

+ + + + +

- 19 -

�Dokumentation

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

VANCE BEANTWORTET FRAGEN ZUR WELTLAGE

CHICAGO - (AD) - Im Anschluß an seine Rede vor dem "Rat für
außenpolitische Beziehungen" (Chicago Council on Foreign Relations) am
3. März 1980 in Chikago stellte sich der amerikanische Außenminister
Cyrus Vance den Fragen seiner Hörer. Die Fragen und Antworten hatten
folgenden Wortlaut:
FRAGE: Sie bezogen sich (in Ihrer Rede) auf Ihre Gespräche mit
dem französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing und Bundeskanzler
Helmut Schmidt, die später, nach der Invasion Afghanistans, eine energische
Erklärung zur Unterstützung der Einheit des Bündnisses veröffentlichten.
Dennoch haben viele Beobachter über die Reibungen innerhalb des Bündnisses
in den letzten Monaten gesprochen,und die Frage ist, wie einig unsere
europäischen Verbündeten hinter Ihnen und Ihrer Politik im Nahen Osten
und Südwestasien stehen?
ANTWORT:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�ANTWORT:

Lassen Sie mich zunächst sagen, daß wir über eine Reihe

gemeinsamer Zielsetzungen, eine Reihe gemeinsamer Ziele sprechen.
Der Hauptzweck meiner Reise war es, mit den Staatschefs der vier
Länder, die ich besucht habe, über unsere Beurteilung der Bedrohung, vor
der wir stehen, sowie die kurzfristigen und langfristigen Ziele zu sprechen,
so wie wir sie sehen.

Drüber hinaus erörterten wir die Frage, welche

Schritte unternommen werden könnten, um diese Ziele zu erreichen.
Was die Beurteilung dieser Bedrohung anging sowie kurz- und langfristige Ziele, fand ich, daß es ein hohes Maß an Übereinstimmung gab ja, daß wir auf derselben Linie lagen.
Als wir zur Frage der konkreten Schritte kamen, gab es Meinungsunterschiede bei einigen Punkten. Ich meine, das ist verständlich - es ist
für mich verständlich. Wir werden unsere Konsultationen fortführen bei
der gemeinsamen Arbeit, diese gemeinsamen Ziele und Zielsetzungen in die
Tat umzusetzen; und wir werden versuchen, sowohl gemeinsame Schritte als
auch parallele Schritte zu finden, durch die wir diese unsere gemeinsamen
Ziele erreichen werden. Ich bin der Ansicht, daß es im Gegensatz zu vielem,
wovon man von Zeit zu Zeit hört, unter uns Einigkeit gibt.
FRAGE: Herr Minister, eine Reihe von Fragen wird sich natürlich
mit den verschiedenen Aspekten der Lage im Iran und in Afghanistan beschäftigen» eine Reihe davon sind Beschwerden darüber, warum uns unsere
Verbündeten angeblich nicht mehr Unterstützung gewährt haben, andere fragen
wegen der Olympischen Spiele: Werden wir den Boykott tatsächlich durchziehen?
Inwieweit läßt sich die gegenwärtige Situation mit den Olympischen
Spielen im Nazi-Deutschland des Jahres 1936 vergleichen? Tun wir unseren
Sportlern und uns selbst mehr weh als den Sowjets?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Lassen Sie mich mit dem letzteren beginnen und erinnern

Sie mich dann noch einmal an die anderen Fragen.
Was die Olympischen Spiele angeht, so haben wir hierzu unsere Entscheidung getroffen:

Wir haben gesagt, wir würden nicht an Olympischen

Spielen teilnehmen, die in der Hauptstadt eines Landes stattfinden, das in
ein anderes Land einfällt.
Entscheidung.

Diese Entscheidung wurde getroffen, es ist unsere

Und es ist die Entscheidung, der wir folgen werden.

FRAGE: Unter den Kritikern der harten Reaktion der Regierung auf die
Invasion Afghanistans waren Ronald Reagan und George Kennan. Kennan stellte
fest, daß sich vom geopldtitischen Standpunkt aus die Meinung vertreten ließe die angeblich Mr. Reagan geäußert haben soll -, daß es vernünftiger wäre,
energische Schritte gegen Kuba, das nur 90 Meilen von unserer Küste entfernt
liegt, zu unternehmen, als zu versuchen, das sowjetische Verhalten 5000
Meilen weit weg zu beeinflussen, in einem Land, das an der sowjetischen
Grenze liegt.
Was ist Ihre Antwort?
ANTWORT:

Meine Antwort lautet, daß es für mich schwierig ist, diese

Eingebung von Mr. Kennan zu verstehen.

Der Vorschlag, wir sollten über

Kuba in diesem Moment eine Blockade verhängen, mit all den Gefahren, die
das mit sich bringen würde - und wir erinnern uns ja noch daran, was
damals, 1962, geschah -, ist meinem Urteil nach zu dieser Zeit nicht sehr
sinnvoll.
Ich meine, es ist ganz deutlich, daß unsere lebenswichtigen nationalen
Interessen sowie diejenigen unserer Verbündeten durch den Schritt bedroht
sind, den die Sowjets in Afghanistan getan haben, indem sie Zehntausende
ihrer Soldaten in dieses Land schickten und dabei nicht nur alle Regeln
der Charta der Vereinten Nationen und des Völkerrechts verletzten,sondern

- 3 -

�sondern auch die Menschenrechte der Menschen dieses Landes, und gleichzeitig zur Bedrohung der umliegenden Länder wurden

sowie zu einer potentiellen

Bedrohung - ich erwähnte es eben schon - der lebenswichtigen Interessen,
die wir alle am Fluß des Erdöls aus dieser wichtigen Region haben.
Aus diesem Grund, so will es mir scheinen, sollten wir unsere Aufmerksamkeit hierauf konzentrieren; und unsere Verbündeten teilen diese
Ansicht.
FRAGE:

Eine Anzahl von Fragen unserer Zuhörer geht

darauf ein, was

Sie über die Notwendigkeit einer starken Verteidigung gesagt haben.

Die

Leute machen sich besonders Gedanken über das Problem der Freiwilligenstreitkräfte.

Werden die Vorschläge zur Registrierung junger Männer und

Frauen zur Wehrdienstpflicht führen?

Und

inwieweit sollten Ihrer Meinung

nach auch Frauen bei Kampfeinheiten dienen?
ANTWORT: Was die Registrierung angeht, so habe ich sehr klare persönliche Ansichten. Und ich vertrete sie schon lange, auch wenn sie oft
nicht mit den Ansichten anderer Leute übereinstimmen.
Ich bin der Ansicht, daß es ein Fehler war, die Wehrdienstpflicht
abzuschaffen und zur Freiwilligenarmee überzugehen. Meiner Überzeugung
nach sollte es nicht nur Wehrdienstpflicht geben, sondern allumfassenden
Dienst, und jeder sollte seiner Regierung dienen müssen.
Ich meine nicht, daß dieser Dienst notwendigerweise Militärdienst
sein muß; aber man sollte zumindest ein Jahr irgendeiner Art Dienst für
das eigene Land widmen.

(Beifall!)

FRAGE: Herr Minister, hier ist eine Frage, die sich auf eine Umfrage
des "Chicago Council ori Foreign Relations" vor einem Jahr bezieht, als die
Mehrheit der Befragten große Bedenken über die immer schwächer werdende

- 4 -

�werdende Stellung der Vereinigten Staaten in der Welt zum Ausdruck brachte.
Nach der Hauptursache für diesen Niedergang befragt, führten es die meisten
der Befragten auf den verminderten Wert des US-Dollar zurück, nicht auf die
wachsende militärische Macht der Sowjetunion.
Die Frage ist:

Was hat die Regierung Carter getan, bzw. was tut sie,

um den Niedergang des Dollar aufzuhalten?
ANTWORT:

Eines der entscheidenden Dinge, die die Regierung im Zu-

sammenhang mit dem Problem des Dollar tun muß,ist es, die notwendigen Schritte
an der Energiefront zu unternehmen, wie ich es schon besprochen hatte.
Dies steht im Zentrum der zu ergreifenden Maßnahmen, denn das hat entscheidende
Auswirkung darauf, was mit dem Wert des Dollar geschieht.
Außerdem müssen wir, das ist offensichtlich, hier zu Hause Schritte
unternehmen, um die Inflation in den Griff zu bekommen;

denn das ist das

zentrale innenpolitische Thema in diesem Augenblick, ein Thema, dem diese
Regierung und der Kongreß jetzt und in den kommenden Monaten ihre Aufmerksamkeit widmen müssen.
FRAGE: Eine Reihe von Fragen zielt auf verschiedene Aspekte der Energieprobleme und unsere internationalen Beziehungen in diesem Zusammenhang. Wie
groß sind die Chancen, die Internationale Energieagentur (IEA) innerhalb
eines vernünftigen Zeitraums zu einem wirkungsvollen Verbraucherkartell
oder zu einem Bündnis der Verbraucher zu machen, um der OPEC entgegenzutreten?
ANTWORT:

Meinem Urteil nach wird die Internationale Energieagentur

im großen und ganzen auch weiterhin so arbeiten,wie sie das im Moment tut,
das heißt, sie dient als Körperschaft, die zu Zeiten zum Handeln aufgerufen
wird, da die Preise über den Gefahrenpunkt hinausgehen und es dann für sie
- nämlich die 20 Staaten, die der IEA angeschlossen sind - notwendig wird,

- 5 -

�wird, die Last zu teilen, die ihnen auferlegt wird.

Ich glaube, sie

wird eher dabei bleiben.als eine andere Gestalt anzunehmen.
FRAGE:

Herr Minister, da dies hier im Mittleren Westen ein land-

wirtschaftliches Gebiet ist, gibt es noch eine Reihe von Fragen über den
Getreideboykott.

Dies zeigt deutlich, daß viele sich über die Auswirkungen

des Getreideembargos auf die Herstellung und Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln Gedanken machen.

Der Londoner "Economist" hat die These aufgestellt,

daß es den amerikanischen Farmern und Steuerzahlern möglicherweise mehr
Schmerz bereiten könnte als der Sowjetunion.
Welches sind die wirtschaftlichen Folgen in den Vereinigten Staaten,
und wie weh können wir der Sowjetischen Regierung durch dieses Embargo tun?
ANTWORT: Was die letztere Frage angeht, so glaube ich, daß das
Getreideembargo über 17 Millionen Tonnen, die die Vereinigten Staaten nicht
verschiffen werden, seine Wirkung hat und auch weiterhin seine Wirkung auf
die Sowjetunion haben wird. Ich bin der Ansicht, daß es außerdem Wirkung
auf einige der Länder haben wird, die in diesem Bereich von der Sowjetunion
abhängig sind, und ich glaube daher, daß das Getreideembargo in seiner
kombinierten Wirkung bedeutungsvoll sein wird.
Es ist ein Schritt, der Opfer fordert. Aber wie ich bereits gesagt
habe: andere werden Opfer bringen müssen und bringen sie. Dies ist notwendig, wenn wir die Schritte unternehmen wollen, die unsere Entschlossenheit
und unsere Standhaftigkeit angesichts der Lage zeigen, vor der wir stehen und
die in der Tat eine kritische Lage ist.
FRAGE:Es

bleibt uns noch Zeit für zwei weitere Fragen.
•

.

•

Interessant ist, daß sich eine Reihe von Fragen eher mit Südostasien
als mit Südwestasien beschäftigt.

In Kambodscha und auch in anderen Bereichen

�Bereichen dieser Region haben die Vietnamesen große Verwüstung angerichtet.
Außerdem wurde da gestern in einem Artikel des "New York Times Magazine"
die bohrende Frage nach Kindern amerikanischer Soldaten gestellt, die in
Vietnam zurückgelassen wurden.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir

in absehbarer Zukunft diplomatische Beziehungen mit Vietnam aufnehmen - wie
auch immer geartete diplomatische Beziehungen?

Und

inwieweit droht die

vietnamesische Armee, auch weiterhin in dieser Region umfangreiche Gewinne
zu erzielen?
ANTWORT:

Ich glaube, es ist unwahrscheinlich, daß wir in absehbarer

Zeit Beziehungen zu Vietnam aufnehmen werden.

Zu Beginn der Regierung Carter

wiesen wir darauf hin, daß wir zu einem Schritt in dieser Richtung bereit
seien, falls die andere Seite entsprechend reagiert.
Zuerst stellten die Vietnamesen uns gegenüber die Forderung nach
"Reparationen", wie sie das nannten. Wir sagten, daß dies unter keinen
Umständen geschehen würde; und dies bildete ein Hindernis auf dem Weg zu
jeder Art Forschritt, bis sie es zurücknahmen. Etwa gleichzeitig aber
begannen sie mit dem Programm, Zehntausende von Menschen ins Meer zu treiben die "boat people". Und zur gleichen Zeit bereiteten sie sich auf die Invasion
Kambodschas vor.
Damals sagten wir ihnen, daß wir keinen Fortschritt auf eine Normalisierung
hin machen könnten, solange diese beiden Maßnahmen ihrerseits fortgesetzt
würden. Hinsichtlich der "Bootsmenschen" gab es einigen Fortschritt; es
gab ein Moratorium über einen Zeitraum der Vertreibung der "Bootsmenschen"
aus Vietnam. Aber was Kambodscha angeht, so stehen vietnamesische Truppen
noch immer dort und wurden nicht abgezogen; deshalb bleibt dies auch weiterhin ein Hindernis.
Langfristig erstreben wir eine Normalisierung der Beziehungen, aber
wir müssen uns um diese drängenden Fragen kümmern,und diese Art Probleme

- 7 -

�Probleme muß erst überwunden sein, bevor wir zu jenem Punkt kommen können.
FRAGE:

Eine letzte Frage:

Der Fragesteller weist darauf hin, daß der

Ansicht mancher Leute nach die Weltstabilitä't stärker durch die Instabilität
bedroht wird, die auf Präsident Titos Tod folgen könnte.
Wird die Sowjetunion eine Krisenlage ausnützen, die sich vielleicht
nach Titos Tod entwickelt,und versuchen, das Machtgleichgewicht der Welt
zu ändern?
ANTWORT: Die Führung in Jugoslawien ist fähig, stark und entschossen;
und wir vertrauen darauf, daß sie in der Zeit nach Tito ihren Staat mit
Stärke und Weisheit führen kann.
Was uns anbelangt, so unterstützen wir voll und ganz ihre unerschütterliche Haltung hinsichtlich der Bedeutung ihrer Unabhängigkeit, ihrer
Souveränität und ihrer territorialen Integrität.
Was unsere eigenen Beziehungen angeht, so sind unsere Beziehungen
zu Jugoslawien gut, ja,ich glaube, sie sind tief und stark.

Ich glaube

nicht, daß für Jugoslawien in der Zeit nach Tito Gefahr besteht.

Die

Führung ist gut und stark, und sie wird in der Lage sein, ihr Land gut und
weise zu führen.

+ + + + +

�a
I 3

e

Wift/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

US-INDUSTRIE: PRODUKTIONSSTEIGERUNG MIT WENIGER ENERGIE

- (AD) - Angesichts der steil ansteigenden Energiekosten versucht die
amerikanische Industrie öl ,zu sparen, wo immer ihr dies möglich erscheint.
Und dabei stellt sie fest, daß dennoch die Produktion keineswegs absinken
muß, sondern sogar erheblich gesteigert werden kann. Der Wirkungsgrad der
Energienutzung sollte von 1972 bis 1980 um 17 Prozent verbessert werden
- ein Ziel, das bereits 1978 erreicht wurde. Die Bemühungen der Industrie,
Energie immer rationeller zu nutzen, gehen weiter, teilweise mit staatlicher
Förderung, teilweise auch unter staatlichem Druck: 1) Industrie-Investitionen
für energiesparende Ausrüstungen werden mit einem zehnprozentigen Steuerkredit
honoriert; 2) neue Kesselanlagen und Industrieöfen müssen mit Kohle befeuert,
bereits vorhandene Großanlagen,wo immer möglich, von ül- auf Kohlebefeuerung
umgestellt werden; 3) für die zehn größten Sektoren der Industrie wurden für
1980 spezielle Richtwerte für den Wirkungsgrad der Energienutzung festgesetzt.
Alles in allem entfallen zur Zeit auf die amerikanische Industrie etwa
35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs und 20 Prozent des Ölverbrauchs in
den Vereinigten Staaten.

Da früher Energie reichlich vorhanden und billig

war, hatte man sich zunächst wenig um energie-effiziente Produktionsprozesse
gekümmert.

Dies ist aber in den letzten paar Jahren anders geworden. Die

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die jährliche Zuwachsrate des Energieverbrauchs ging erheblich zurück.

Beim

öl betrug sie 1979 noch drei Prozent gegenüber sieben Prozent vor vier Jahren.
Beamte des US-Energieministeriums schätzen, daß der Ölverbrauch der amerikanischen Industrie von nun an ständig weiter sinken wird.
Zum Teil sind die öleinsparungen auf den verstärkten Einsatz von Kohle
zurückzuführen - der Kohleverbrauch der amerikanischen Industrie lag trotz
der damit verbundenen Umweltprobleme im vergangenen Jahr um vier Prozent höher
als 1978, nachdem er in den Jahren davor ständig weiter abgesunken war. Ungeachtet der reichlich vorhandenen Vorräte ging gleichzeitig der Verbrauch an
Erdgas sprunghaft zurück - eine Spätfolge der 1973 sich abzeichnenden Tendenz
zu unzureichender Erdgasversorgung aus amerikanischen Quellen, was die Regierung veranlaßt hatte, eine Umstellung auf ölfeuerung zu empfehlen.

Die Mineral-

öl gesell Schäften hatten dadurch, wie sie sagen, eine Absatzeinbuße von mehr
als 85 Milliarden cbm; der Verkauf von 28,3 Milliarden cbm sei ihnen für immer
verloren gegangen, weil die Kunden kostspielige Umrüstungen auf ölbefeuerte
Kessel vornahmen.
Heute versuchen sie, ehemalige Abnehmer zurückzugewinnen und neu hinzukommende Verbraucher für die Verwendung von Gas zu interessieren. Zum einen,
so argumentieren sie, seien künftige Verknappungen nicht zu befürchten. Zwar
sei in der Gasproduktion in den USA ein langsamer Rückgang zu verzeichnen, jedoch würde aus Kanada und Mexiko sowie - in der Form von verflüssigtem Erdgas - aus Algerien und Indonesien ständig mehr geliefert. Und schließlich
sei Gas noch immer billiger als öl. Außerdem werde man in Zukunft aus Ölschiefer, Kohle, Torf und Abfall Gas auf synthetischem Wege gewinnen. Als eine
weitere Quelle kämen extrem tief liegende natürliche Vorkommen in Frage, sofern die notwendige Technik für ihre Ausbeutung zur Zufriedenheit entwickelt
werden könne.

Industriebranchen

�Industrieb ra n c h en yerfo1ge n ehr g ei z i g e Spar z i e 1 e

Die riesige chemische Industrie hatte sich 1972 zum Ziel gesetzt, den
Energieverbrauch um eine Menge zu drosseln, die knapp 43 000 Tonnen öl pro
Tag bzw. einer Verbesserung der Energienutzung um 14 Prozent gegenüber 1972
entsprach.

Im Jahr 1978 (das z. Zt. letzte Jahr, für das vollständige Sta-

tistiken vorliegen) jedoch war der entsprechende Wert bereits auf 17 Prozent,
drei Prozent über den Richtwert, geklettert.

Dies wurde durch Ersetzen al-

ter, wenig wirtschaftlicher Fabrikationsanlagen, das Verbrennen flüssiger
und gasförmiger Prozeß-Abfallprodukte in neuartigen Kesselanlagen und die Installierung von Kesselreglern für wirtschaftliche Energienutzung erreicht.

Einige Unternehmen geben hohe Summen dafür aus, um beispielsweise Phosphatgestein naß zu mahlen und auf die normalerweise vorangehende Trocknung zu verzichten.

Andere sind jetzt in der Lage, mit Wasser geschlämmte Kohle anstatt

öl zu verbrennen.

Die Mineralöl- und Kohleindustrie sind selbst die drittgrößten Energieverbraucher bei der Herstellung ihres "Produkts" - nämlich Energie.

Sie hatten

sich vorgenommen, bis 1980 eine Energiemenge einzusparen, die 28 600 Tonnen öl
pro Tag entspricht.

Ähnlich wie die chemische Industrie haben sie dieses Ziel

bereits 1978 erreicht, und zwar durch bessere Isolation und neue, hochmoderne
Wärmeaustauscher.

Außerdem verwenden sie unter hohem Druck stehende flüssige

und gasförmige Prozeßprodukte, um damit Turbinen anzutreiben, Strom zu erzeugen oder mechanische Arbeiten zu verrichten.

Rauchgas wird in Kohlendioxid

umgewandelt, um Dampf für Generatoren zu produzieren.

Die größten Energieverbraucher in der Industrie sind die Rohmetallhersteller.

Die Produzenten von Eisen, Stahl und Aluminium hatten sich eine neun-

prozentige Verbesserung der Energieausnutzung vorgenommen (dies entspricht mehr
als 28 600 Tonnen öl pro Tag)5ein Ziel, das 1978 erreicht war.

Alte und ver-

altete Anlagen waren stillgelegt und leistungsfähigere Elektroofen installiert
worden; pro Tonne Roheisen verbrannte man weniger Koks, und Abwärme wurde in

- 3 -

�in den Prozeß zurückgeführt.
Den Fahrzeugherstellern war es gelungen, bis 1978 ihren Richtwert für verbesserte Energienutzung von 16 Prozent auf 21 Prozent zu bringen und ihn seitdem noch weiter zu erhöhen.

Vertreter der Branche berichten, daß beispiels-

weise der Ersatz von Metallteilen durch Kunststoffteile, Konstruktionsänderungen an bestimmten Teilen zur Verringerung der Wärmebehandlungszeit und die Einführung elektrischer Induktionserhitzung dazu verholfen hätten.
Bei der Textilindustrie, bei Fertigfabrikaten in der Metallindustrie sowie in den Branchen Steine und Glas gab es 1978 noch Rückstände zu den für 1980
gesetzten Zielen, jedoch war mehr erreicht worden, als zunächst vorhergesagt.
Textilfirmen kümmerten sich um bessere Isolier- und Kühl verfahren, leistungsfähigere Kessel anlagen, Abwärmerückführung, Verringerung der Prozeß-Temperaturen,
generelle Verkürzung der Produktionsverfahren und Reduzierung der Trocknungszeiten auf ein Minimum.
Ziegelwerke berichten über bessere Isolierung der Brennöfen.

Die Herstel-

ler von Portland-Zement verwenden einen Trocken-Prozeß-Ofen, der, wie sie sagen, 18 Prozent weniger Energie verbrauche.

Umgebaute und besser isolierte

Öfen in Metall betrieben der weiterverarbeitenden Industrie brachten eine um
22 Prozent bessere Energieausnutzung.
Nur die Papierindustrie kämpft noch darum, die angestrebten 20 Prozent
besserer Energieverwertung zu erreichen.

Bis 1978 hatte sie 14 Prozent er-

reicht - in erster Linie durch Umstellung der Kesselbefeuerung von öl auf das
bei ihnen reichlich anfallende Abfallholz.

Einer der Betriebe deckt derzeit

80 Prozent seines Energiebedarfs aus dieser Quelle.
Allgemein gesehen wird es aber immer schwieriger, die Energienutzung weiter
zu rationalisieren.

"Von jetzt an ist harte Technik notwendig, das Warten auf

den Verschleiß alter Ausrüstungen
leute.

und Innovation im Prozeß", meinen die Fach-

Ganze Betriebe müssen möglicherweise aufgegeben, die Belegschaften um-

- 4 -

�umgeschult werden.

Dennoch zeichnen sich immer wieder neue Wege ab, wie die

Aluminiumindustrie demonstriert:

Sie Verbrauchterbeispielsweise im Jahr 1978

für die Gewinnung von einem Kilogramm Aluminium 17 Kilowatt Strom.

Neue Pro-

duktionsverfahren, auf die sie gegenwärtig umstellt, dürften diese Strommenge
bis zum Ende des Jahrhunderts - vielleicht auch schon früher - auf 11 oder
gar weniger als neun Kilowatt verringern.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8621">
                <text>12.03.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8622">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8623">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14026">
                <text>Amerikadienst 12.03.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14027">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt Bericht über Rüstungskontrolle vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungsminister erläutert Reaktion auf Afghanistan-Krise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vance beantwortet Fragen zur Weltlage&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Industrie: Produktionssteigerung mit weniger Energie</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1679" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1690">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/15980cf11489cfef33e0a25d274f5f4a.pdf</src>
        <authentication>c4261c4faaf34596d6fbd6a55f9a1a3d</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8620">
                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of Amei i

5. März 1980

14
INHALT

DOKUMENTATION
Rede des amerikanischen Außenministers Vance vor dem "Chicago Council"
- Wortlaut Interview des Stell vertretenden US-Außenministers mit dem holländischen
Fernsehen

INFORMATION
Von der Konfrontation zur Annäherung der Meinungen
- US-Sonderbotschafter Gerard Smith zu den Ergebnissen der Konferenz über
Kernbrennstoffzyklen und die Risiken nuklearer Proliferation HINTERGRUNDMATERIAL
—

—

-

—

-

•*

i

i

•

Die sowjetische Intervention in Afghanistan - Moskau auf der Suche nach
einem Vorwand
- Von Marshall Shulman Mit freundlicher Genehmigung von World Paper
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Regierung fördert Bau von Hydrierwerken
- Gas und Benzin aus Kohle mit teilweise neuen Verfahren -

Um Ubcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. März 1980

14

REDE DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS VANCE VOR DEM "CHICAGO COUNCIL'
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem "Chicago Council on Foreign
Relations" umriß der amerikanische Außenminister Cyrus Vance am 3. März 1980
die Ziele der amerikanischen Außenpolitik im Hinblick auf die Lage in
Afghanistan und im Iran.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, hier bei Ihnen zu sein.

Der "Chicago Council on Foreign

Relations" blickt auf eine stolze Tradition zurück als ein Forum, auf dem bedeutsame Fragen der Weltpolitik untersucht und diskutiert werden können.

Seit nahe-

zu 60 Jahren ist diese Organisation ein Zentrum des Nachdenkens, der Erziehung
und der durchdachten Debatte über Amerikas Weg in der Welt.
Ich möchte mich heute mit Ihnen über diesen Weg unterhalten. Denn nie
war es in den zurückliegenden Jahren für unser Volk wichtiger, sich über die
Ziele unserer Nation klar zu sein und über die Schritte, die wir zu deren Verwirklichung zu unternehmen bereit sind.
c ,
So lange

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Solange Amerikaner im Iran gefangengehalten werden, ist ihre unversehrte
Befreiung unser oberstes Ziel.

Die Angelegenheit hat derzeit ein heikles und

schwieriges Stadium erreicht.

Es wäre nicht angemessen, wenn ich heute im De-

tail zu dieser Situation Stellung nehmen würde.
Lassen Sie mich ganz einfach feststellen, daß es unser Ziel ist, die gegenwärtige Krise zu einem frühen Ende zu bringen. Wir hoffen, daß die Arbeit
der Kommission zu diesem Ziel beiträgt.

Unsere Geiseln müssen freigelassen

und unversehrt in die Vereinigten Staaten zurückgebracht werden.

Gleichzeitig

hoffen wir auf einen unabhängigen und sicheren Iran und haben keinerlei Wunsch,
uns in seine inneren Angelegenheiten einzumischen.
Heute möchte ich mich mit Ihnen über eine andere ernste Herausforderung
unterhalten, vor der wir stehen:

die sowjetische Aggression gegen Afghanistan

und die Schritte, die wir in deren Beantwortung unternommen haben.
Ich möchte insbesondere die Absichten diskutieren, die unseren Schritten
zugrundeliegen - und in welcher Beziehung sie zu den langfristigen Zielen der
amerikanischen Außenpolitik stehen.
Lassen Sie mich damit beginnen, zu unterstreichen, worum es geht.
Aufgrund unserer Verpflichtung gegenüber den Prinzipien der nationalen
Unabhängigkeit, der territorialen Integrität und der Menschenrechte können wir
uns nicht abwenden, wenn Staatsgrenzen verletzt werden, - wenn die Unabhängigkeit eines anderen Landes zerstört wird, - wenn der Volkswille durch rohe militärische Gewalt unterdrückt wird.
Worum es in Afghanistan vor allem geht, ist die Freiheit einer Nation und
eines Volkes.
Wir haben es zugleich mit der umfassenderen Bedrohung zu tun, die die
sowjetischen Schritte für Südwestasien und das Gebiet um den Persischen Golf
darstellen.

Wi&gt;

- 2 -

�Wir hängen von diesem Teil der Welt durch ungefähr 25 Prozent unserer
jährlichen Erdöleinfuhren ab.

Unsere Verbündeten und andere Staaten - Entwicklungsländer ebenso wie
Industrieländer - sind in noch größerem Maß von dem öl aus diesem Gebiet abhängig.

Annähernd zwei Drittel der ölimporte Westeuropas und drei Viertel der

japanischen öleinfuhren kommen aus dem Persischen Golf.

Und wir dürfen nicht

vergessen, daß unsere eigene wirtschaftliche Gesundheit eng mit der ihrigen
verbunden ist.

Unser Interesse an dieser Region geht jedoch über das öl, über das Wirtschaftliche hinaus.

Friede und Stabilität in dieser Region sind für die Zukunft unserer
Freunde dort von entscheidender Bedeutung.

Die Stärke und die Fertigkeit,

die wir bei der Unterstützung ihrer Unabhängigkeit zeigen, wird ihnen und anderen die Beständigkeit unserer Absicht demonstrieren.

Dies ist für den

Charakter unserer Bündnisse wichtig, ist wichtig für unsere Beziehungen zu
befreundeten Nationen in allen Regionen der Welt und für unsere zukünftigen
Beziehungen zur Sowjetunion

Es ist daher absolut zutreffend zu sagen, daß die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten, ja, fast der ganzen Welt, in dieser Region auf
dem Spiel stehen.

Ein Versuch jeder äußeren Kraft, die Kontrolle über die

Golfregion zu erlangen, würde einen Angriff auf diese lebenswichtigen Interessen bedeuten.

Und wie der Präsident gesagt hat, würde er "mit allen notwen-

digen Mitteln zurückgewiesen werden, einschließlich militärischer Gewalt."

Nicht einmal die gründlichste Analyse kann mit Sicherheit die sowjetischen
Absichten in diesem Gebiet festlegen - ob ihre Motive in Afghanistan begrenzter Natur sind oder Teil einer umfassenderen Strategie.

Tatsache ist, daß

Zehntausende sowjetischer Soldaten in Afghanistan stehen.

Tatsache ist, daß

die sowjetischen Schritte eine potentielle Bedrohung für die Sicherheit der

- 3 -

�der Staaten in dieser Region und für den freien Zugang der Welt zu den lebenswichtigen Rohstoffquellen und Schiffahrtslinien geschaffen haben.
Eine entschlossene Antwort auf diese potentielle Bedrohung zu geben, bedeutet nicht, apokalyptisch zu sein; es bedeutet lediglich, klug zu sein.
In einer solchen Lage müssen unser eigenes Volk, unsere Verbündeten und
die Führung der Sowjetunion nicht nur verstehen, was die Vereinigten Staaten
in dieser Krise tun, sondern auch, warum sie es tun.
Vor einigen Tagen flog ich auf den Wunsch des Präsidenten hin nach Europa,
um eine Reihe unserer Verbündeten wegen der sowjetischen Invasion Afghanistans
zu konsultieren.

Wir sprachen über unsere gemeinsamen Interessen und über un-

sere gemeinsamen Verantwortlichkeiten.
Ich erklärte, wie die Schritte Amerikas fünf wesentlichen Zielen dienten.
Heute möchte ich sie Ihnen - und der größeren Zuhörerschaft über diesen Raum
hinaus - kurz umreißen.
Unsere erste Absicht ist es, einen hohen Preis für diese Aggression aufzuerlegen - aufgrund unserer Abscheu vor dem, was dem afghanischen Volk angetan wurde, und um dabei zu helfen, vor ähnlichen Unternehmungen anderswo abzuschrecken. Die sowjetische Führung muß begreifen, daß die internationale
Reaktion auf Aggression rasch und entschlossen ist.
Die Schritte, die wir unternommen haben - hinsichtlich Getreide, Technologie, der Olympischen Spiele, der Fischerei rechte und auf anderen Gebieten zeigen unsere Entschlossenheit auf das deutlichste.
Diese Maßnahmen stehen indessen nicht allein.

Denn die Sowjets begegnen

einem hartnäckigen, weitgestützten afghanischen Widerstand.

Und sie wurden

von der überwältigenden Mehrheit der Staaten dieser Welt verurteilt.
.

•

Die

�Die von uns ergriffenen Maßnahmen enthalten Opfer - für unsere Bauern
und unsere Geschäftswelt, für unsere Sportler und unsere Wissenschaftler, ja,
für uns alle.
Aber das amerikanische Volk ist bereit, für den Frieden, den wir lieben,
Opfer zu bringen.
Die Schritte, die wir unternommen haben, dienen aber auch dazu, uns einem
zweiten Ziel näherzubringen: dem Abzug aller sowjetischer Streitkräfte aus
Afghanistan.
Lassen Sie mich heute unterstreichen, daß die Sanktionen, die wir als
Antwort auf die sowjetische Invasion ergriffen haben, so lange in Kraft bleiben werden, bis alle sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen sind.
Lassen Sie mich ebenso deutlich unterstreichen, daß es unsere Absicht
ist, diese von uns auferlegten Sanktionen seit der Invasion dieses Landes zurückzunehmen, wenn diese Invasion aufhört, wenn die sowjetischen Truppen vollständig aus Afghanistan abgezogen sind.
Um zu diesem Abzug zu ermutigen, sind wir ebenso bereit - der Präsident
hat es gesagt -, Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft für
eine neutrale, bündnisfreie afghanische Regierung zu unterstützen, die sich
den Wünschen des afghanischen Volkes empfänglich zeigt. Bei einem sofortigen
Rückzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan wären die Vereinigten Staaten bereit, sich den Nachbarn Afghanistans anzuschließen, um Afghanistans
echte Neutralität und die Nichteinmischung in seine inneren Angelegenheiten
zu garantieren.
Eine solche politische Regelung würde der Brutalität und dem Blutvergießen in Afghanistan ein Ende setzen. Sie würde keinerlei Interessen irgendeines anderen Landes bedrohen, und sie würde unser aller Interesse dienen.
Aber

- 5 -

�Aber lassen Sie mich offen sein: derzeit gibt es keinerlei Anzeichen
für einen sowjetischen Abzug.

Wenn Liberhaupt, so weisen die gegenwärtigen

Zeichen auf das Gegenteil hin.

Der sowjetische Aufmarsch geht weiter, und

ständige Einrichtungen werden geschaffen.
Dies macht unser drittes Ziel umso wichtiger.

Während für die Aggression

so lange wie nötig Strafmaßnahmen auferlegt werden, liegt es zutiefst im Interesse der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten, die Ost-West-Beziehungen in einer Weise zu unterhalten, die deren wesentliches Rahmenwerk bewahrt.
Unsere Beziehungen zur Sowjetunion waren und werden im wesentlichen kompetitiver Natur sein.

Unsere fundamentalen Werte unterscheiden sich.

Interessen divergieren häufig.

Unsere

Wir werden unsere Interessen und unsere Werte

fördern, und wir werden der Aggression entgegentreten.
Aber unser Wettstreit muß durch Zurückhaltung und durch das Gefühl für
die lebenswichtigen Interessen des anderen in Schranken gehalten werden.
Denn eine solche Beziehung zwischen den beiden Supermächten ist für den Frieden von zentraler Bedeutung.
Wir trachten nicht nach der Rückkehr zum Kalten Krieg, zur blinden Konfrontation früherer Zeiten.
Wir werden auch weiterhin unsere, nationalen Interessen im Rahmen ausgewogener und verifizierbarer Rüstungskontroll Vereinbarungen verfolgen - beim
SALT-Prozeß, bei den konventionellen Streitkräften und den nuklearen Mittelstreckensystemen in Europa (TNF), bei den Teststopps für Kernwaffen und in anderen Bereichen.

Vor allem bleibt das Angebot zur Aushandlung eines Abkommens

über die Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa auf dem Tisch.
Die Sowjetunion sollte es mit uns verfolgen.
•

Unser Land hat aus den Rüstungskontroi labkommen Nutzen gezogen, die wir
erzielt haben.

Im Jahr 1963 stellten wir die verderblichen Kernwaffentests

in der Atmosphäre ein.

Das SALT I-Zwischenabkommen fror die Anzahl der stra-

�strategischen Offensivwaffen ein, als die Sowjets in diesem Bereich aufrüsteten, wir aber nicht. Der Vertrag über die ballistischen Abwehrraketen hielt
ein potentiell kostspieliges und destabilisierendes Wettrüsten bei diesen Defensivwaffen auf.
Der SALT II-Vertrag, den wir ausgehandelt haben, dient ebenfalls den
Sicherheitsinteressen Amerikas. Er würde die strategischen Programme der
Sowjets bis 1985 einschränken. Er würde die künftigen Bedrohungen begrenzen,
vor denen wir stehen werden und daher unsere eigene Verteidigungsplanung gesicherter machen. Er würde uns unsere Fähigkeit bewahren, die strategischen
Entwicklungen der Sowjets zu überwachen. Und er würde uns den Fortgang unserer eigenen Modernisierungsanstrengungen erlauben.
SALT II ist kein Zuckerbrot. Und auch keine Peitsche. Er spricht für
sich als integraler Teil unserer nationalen Sicherheitspolitik.
Er ist von besonderer Bedeutung in einer Zeit der erhöhten Spannung zwischen den beiden Supermächten.
Wir bleiben der Ratifizierung des Vertrags zutiefst verpflichtet.

Es

liegt nicht in unserem Interesse, auf seine Sicherheitsvorteile zu verzichten
Es ist auch nicht in unserem Interesse, im Lauf einer Periode erhöhter
Spannung das Rahmenwerk der Ost-West-Beziehungen niederzureißen, das in mehr
als zwei Jahrzehnten aufgebaut wurde.
Um dabei zu helfen, dieses Rahmenwerk zu bewahren und auch, weil wir uns
dem Völkerrecht unterwerfen, brechen wir keine formellen Abkommen mit der
Sowjetunion.
Wir fahren mit den Vorbereitungen für die Folgekonferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa fort, die in diesem Jahr in Madrid abgehalten
wi rd.
Wir

�Wir werden unsere Politik fortsetzen, engere Beziehungen zu den Staaten
Osteuropas zu unterhalten.
Und wir sind weiterhin bereit, eine stabilere Beziehung zur Sowjetunion
aufzubauen, sobald es die Umstände erlauben.
Unser viertes Ziel ist es, mit den Staaten von Südwestasien sowie mit
anderen zusammenzuarbeiten, um die Sicherheit, die Stabilität und die Unabhängigkeit dieser Region zu stärken.

Es ist unser tiefer Glaube, daß die

Staaten dieser Region ihr eigenes Schicksal bestimmen sollten.

Und ganz ent-

schieden sind wir der Ansicht, daß die Rohstoffe dieser Region ihren Staaten
und ihren Völkern gehören.
uns dar.

Ihre Unabhängigkeit stellt keine Bedrohung für

Die Bedrohung würde in dem Verlust ihrer Unabhängigkeit liegen.

Wir verstärken unsere Fähigkeit, rasch und wirkungsvoll zu reagieren,
wenn unsere lebenswichtigen Interessen gefährdet sind. Wir haben unsere
Flottenpräsenz im Indischen Ozean verstärkt. Wir hatten positive Gespräche
mit Staaten in diesem Gebiet über amerikanischen Zugang zu Luft- und SeestützPunkten..
Unsere eigene militärische Bereitschaft ist jedoch nur ein Element unserer Strategie in dem Gebiet. Die Schaffung eines Rahmenwerks für Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich in dem Gebiet muß, ihrem Wesen gemäß, ein kooperatives Unternehmen sein.
Dies bedeutet, daß wir mit den Staaten der Region zusammenarbeiten, um
dabei zu helfen, ihre Fähigkeit zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit und
zur Vergrößerung ihrer politischen und wirtschaftlichen Stabilität zu verstärken.
Es bedeutet, daß wir auch weiterhin mit anderen auf friedliche Lösungen
der Spannungen zwischen Staaten in der Region hin zusammenarbeiten werden
- am wichtigsten zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn.
Und

�Und es bedeutet, daß wir daran arbeiten werden, unsere Beziehungen zu
all den Staaten in der Region zu verbessern, bei denen es eine Basis der
gemeinsamen Interessen gibt.

Die Vereinigten Staaten begrüßen die wachsende

Lebenskraft der islamischen Welt und sehen darin einen schöpferischen Beitrag
zu einer Welt, die sich auf Vielfalt und Selbständigkeit gründet.

Unser fünftes Ziel muß es sein, aus diesen Ereignissen eine erneuerte
Verpflichtung zum Ausbau der grundlegenden militärischen und wirtschaftlichen
Stärke Amerikas zu ziehen.

Unser Land hat mit der umfassendsten Modernisierung unserer Verteidigungskräfte über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt begonnen.

Wir

werden schnell mit den begonnenen Programmen weitermachen, um jeden Pfeiler
unserer strategischen Streitkräfte zu modernisieren, um die NATO-Entscheidung vom vorigen Dezember über unsere nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa auszuführen und unsere konventionellen Streitkräfte zu verstärken.

Afghanistan bringt die Bedeutung dieser langfristigen Verteidigungsinvestitionen in aller Schärfe zum Vorschein und rückt erneut die Notwendigkeit erhöhter militärischer Mobilität in den Mittelpunkt.

Diese Programme erfordern höhere Verteidigungshaushalte - in diesem
Jahr und für die absehbare Zukunft.

Unsere Entschlossenheit muß deutlich

werden, den Erfordernissen der Sicherheit und des Schutzes für unser Land
und unsere Verbündeten nachzukommen.

Die Ereignisse in Südwestasien müssen außerdem unsere Entschlossenheit
stärken, eine zukünftige Energiekatastrophe zu verhindern.

Denn, ganz schlicht

gesagt, genau das ist es, was auf uns zukommen könnte.

Es sollte keines Winkes hinsichtlich der Kosten und der Risiken unserer
Abhängigkeit im Energiebereich bedürfen.

Sie
- 9-

�Sie heizt unsere

Inflation an.

schwächt unsere Zahlungsbilanz.

Sie setzt den Dollar unter Druck.

Sie

Sie erhöht unsere Verwundbarkeit.

Die Botschaft ist klar; Energiepolitik ist für unsere Außenpolitik entscheidend.

Langfristig gesehen, können wir nicht unabhängig, stark und frei

sein - und gleichzeitig in hohem Maße von ausländischer Energie abhängig
bleiben.
Wir haben in den vergangenen Jahren einigen Fortschritt gemacht.

Unser

Gesamtölverbrauch fiel 1979. Dies galt auch für den Benzinverbrauch.

Unter

der Führung des Präsidenten haben wir wesentliche Schritte auf größere Energiesicherheit hin getan.

Aber, wie der Präsident gesagt hat, es muß noch viel

mehr getan werden.
Die Kontrolle über unsere Energiezukunft zu gewinnen, ist wesentlicher
Teil einer klugen Antwort auf die kürzlichen Ereignisse in Südwestasien.
Jedes dieser Ziele - das Erreichen eines Rückzugs aller sowjetischen
Streitkräfte aus Afghanistan, die Abschreckung weiterer sowjetischer Aggression, die verständige Handhabung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
in einer Zeit gesteigerter Spannungen, die Hilfe bei der Stärkung der Staaten
in der Golfregion und der Ausbau der Stärke Amerikas -, jedes dient nicht nur
den Interessen Amerikas, sondern auch all jener Staaten, die ein Interesse
am Frieden und an der Stabilität der Welt haben. Und sie beinhalten die Anstrengungen anderer wie auch unsere eigenen.
Während wir gemeinsam weitergehen, müssen unsere Verbündeten wissen, daß
die Vereinigten Staaten stark bleiben.

Und wir werden es.

Sie müssen wissen, daß wir der gemeinsamen Verteidigung verpflichtet
sind.

Wir sind es, und wir bleiben es.
Sie
- 10 -

�Sie müssen gleichzeitig wissen, daß die Vereinigten Staaten, was die
USA anbelangt, eine stabilere Beziehung zur Sowjetunion begrüßen würden.
Und wir würden das.
Wir fordern unsere Verbündeten nicht auf, das Rahmenwerk der Ost-WestBeziehungen niederzureißen. Wir fordern sie auf, Maßnahmen zu ergreifen in
der Absicht, den Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan herbeizuführen und die Sowjets vor neuen Abenteuern abzuschrecken, die neue
Krisen bewirken werden.
Entspannung kann nicht von Abschreckung getrennt werden. Wenn wir der
Aggression jetzt Widerstand leisten, dann fördern wir damit den Frieden in
der Zukunft - die Verhältnisse für einen Fortschritt in den Ost-West-Beziehungen. Es wäre kurzsichtig und gefährlich, anzunehmen, daß wir den Nutzen
der Entspannung erlangen könnten, wenn wir die Notwendigkeit für eine Abschreckung außer acht ließen. Ich bin davon überzeugt, daß wir dies nicht
tun werden.
Wenn wir mit anderen Nationen zusammenarbeiten, dann bemühen wir uns
gleichzeitig auch um das Verständnis und die Unterstützung des amerikanischen
Volkes für die von mir beschriebenen Ziele.
Die Stärke Amerikas liegt nicht nur in unseren Waffen und Laboratorien,
unseren Fabriken und unseren Farmen - sie wurzelt in der Entschlossenheit
und dem Urteilsvermögen unseres Volkes, wenn es sich zu gemeinsamen Vorhaben zusammenschließt.
Denn die Gestaltung unserer Zukunft hängt von unserem Willen und unserer
Klugheit ab - dem Willen, auf Aggression mit einer erneuerten nationalen
Stärke zu reagieren, und der Klugheit, bei unserer Antwort auf unmittelbare
Krisen eine neue nationale Einheit für unsere Außenpolitik in der Zukunft
zu finden.
Das
- 11 -

�Das führt mich zu meinem letzten Punkt.
Die sowjetische Invasion Afghanistans hat eine entscheidende Auswirkung auf unsere Außenpolitik gehabt, auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und auf die gemeinsame Agenda mit unseren Verbündeten.

Aber sie

sollte uns nicht - und wird es auch nicht - ablenken von den fundamentalen
Zielen, die unsere Länder in der Welt verfolgt haben.

Sie bleiben weiterhin

zutiefst in unserem nationalen Interesse.
•

- Es liegt in unserem nationalen Interesse, der Aushandlung friedlicher
Lösungen bei regionalen Spannungen Amerikas vollste Unterstützung zu
leihen.
•.

•

Schwärende regionale Streitfragen heizen ein örtliches Wettrüsten an,
das wiederum für humane Erfordernisse dringend benötigte Mittel abzweigt.

Sie bieten günstige Gelegenheit für eine Intervention und Aus-

beutung von außen.

Und sie können sich zu offenen Konflikten entwic-

keln, die die Gefahr größerer Kriege mit sich bringen.
Gerade weil die Welt in den vergangenen Monaten ein gefährlicherer Ort
geworden ist, werden wir auch weiterhin daran arbeiten, die Gefahren
zu vermindern.
- Es liegt in unserem nationalen Interesse, unsere traditionellen Bündnisse auch in Zukunft zu stärken, neue Beziehungen anzuknüpfen, wie dies
mit China der Fall war, und mit unseren Bemühungen zum Aufbau kooperativer Beziehungen mit den Entwicklungsländern fortzufahren.
•

-,

•

•

Der beste Weg, um eine sowjetische Einmischung in der Dritten Welt zu
vereiteln, liegt darin, dort eine eigene positive Politik zu verfolgen
- eine Politik, die sich den wahren Interessen zuwendet, die wir hinsichtlich der Freiheit der Entwicklungsländer gemeinsam haben - der Freiheit von der Beherrschung von ausländischen Mächten, von der Bitterkeit

�Bitterkeit rassischer Ungerechtigkeiten, von der Verschwendung, die
regionale Konflikte mit sich bringen, von den Lasten der Armut.

Diese Strategie bedeutet nicht, daß wir unsere Meinungsunterschiede
mit den Entwicklungsländern verbergen.

Aber wir können überaus wirk-

sam bei Fragen von entscheidender Bedeutung zusammenarbeiten, wenn sie
wissen, daß wir ihre Ziele der politischen Unabhängigkeit und der wirtschaftlichen Gerechtigkeit teilen.
Diese Politik baut auf unsere Stärke auf - denn es ist meistens der
Westen, an den diese Länder sich zuerst wenden, um Unterstützung bei
der Erfüllung ihrer wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Belange
zu finden.

Und diese Politik greift auch.

Es gibt zwar ernsthafte Krisenpunkte.

Aber es ist eine Tatsache, daß unsere Beziehungen mit den meisten Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas heute stärker sind, als dies
seit Jahren der Fall war.

- Und schließlich liegt es nicht nur in unserem Nationalcharakter, sondern auch zutiefst in unserem nationalen Interesse, unser Eintreten
für die Freiheit in eine praktische Unterstützung für die menschliche
Freiheit in anderen Ländern umzusetzen.

Länder, die die Rechte ihrer Bürger respektieren, die offen sind gegenüber dem Ausdruck und der Anpassung miteinander in Konflikt stehender
Ansichten und Interessen, befinden sich in einer stärkeren Position, um
ihr nationales Gleichgewicht und ihre nationale Unabhängigkeit zu bewahren.

Wir sind uns darüber im klaren, daß schwelende Frustrationen schnell
Radikalismus und Gewalt führen können, die die Interessen Amerikas gefähr.

Aber es ist auch wahr, daß heute immer häufiger der Wandel und die Ver-

- 13 -

�Veränderung auf friedlicher Weise stattfinden - und dies führt zur Freiheit
des Menschen.
Es liegt in unserem Interesse, Teil dieser Entwicklung zu werden.

Und

es liegt in unserem Interesse, die Menschenrechte zu verteidigen, wenn sie
in Gefahr sind.
Ja, eine zentrale Frage, vor die sich die gesamte Welt aufgrund der
sowjetischen Maßnahmen in Afghanistan gestellt sieht, ist die der Menschenrechte:
- Das Recht, über seine eigene Regierung zu entscheiden;
- das Recht auf religiöse Freiheit; und
- das Recht, in Frieden zu leben.
Wir werden auch weiterhin nach diesen Dingen streben - wir wollen nicht
anderen unsere eigenen Einrichtungen auferlegen, sondern wir wollen anderen
dabei helfen, sich auf ihre eigene Weise auszudrücken - bei ihrem ununterdrückbaren Menschenrecht, frei zu sein.
Letztendlich liegt das Ziel - und das Maß - unserer Außenpolitik in
ihrer Auswirkung auf das Leben unseres Volkes und anderer.
Seit über 200 Jahren stehen die Vereinigten Staaten auf der Seite der
Freiheit und des Fortschrittes. Wenn wir die Welt auch als einen gefährlichen
Ort kennengelernt haben, der unsere Stärke und unsere Wachsamkeit erfordert,
so haben wir auch erkannt, daß sie uns nicht feindlich gesonnen zu sein braucht.
Wenn sich die menschlichen Bedingungen verbessern, wenn die Menschen überall
in der Welt ein besseres und sichereres Leben führen können, dann wird diese
Welt auch ein sichererer Ort für Amerika.

�Es ist diese Überzeugung, die den amerikanischen Charakter seit Bestehen
unserer Republik geprägt hat.
Wir glauben auch heute daran.

+ + + + +

- 15 -

�1

1
I

3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

5. März 1980

INTERVIEW DES STELLVERTRETENDEN US-AUSSENMINISTERS
MIT DEM HOLLÄNDISCHEN FERNSEHEN

WASHINGTON

- (AD) - Nachstehendes Interview, das der Stellver-

tretende amerikanische Außenminister Warren Christopher dem niederländischen
Fernsehnetz VARA-TV am 29. Februar über Satellit gewährte, betrifft wichtige
politische Tagesfragen:

Afghanistan und die amerikanisch-europäischen

und die Ost-West-Beziehungen.

Als Gesprächspartner Christophers waren an

der Sendung W.L. Brugsma von VARA-TV, Andre Fontaine von Le Monde, Ingeborg
Wurster vom ZDF und Peter Jenkins von The Guardian beteiligt.
Die Fernsehdebatte hatte folgenden Wortlaut:
JENKINS:

Herr Christopher, lassen Sie mich eine Frage stellen, die

meiner Auffassung nach die grundlegendste aller hier zu erörternden Fragen
ist:

Womit haben wir es nach Auffassung der Administration der Vereinigten

Staaten auf beiden Seiten des Atlantik

in Wirklichkeit zu tun?

Geht es

um eine Art von globalem Vorstoß der Sowjetunion, der in die Richtung
der lebenswichtigen Ölvorkommen im Nahen Osten zielt, oder geht es um

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�um weniger als das, eher um eine lokale Angelegenheit?
CHRISTOPHER:

Herr Jenkins, es geht um die objektive Tatsache, daß

ein Land, Afghanistan, das bisher ein Puffer war,nunmehr zu einem Keil
geworden ist. Die Sowjetunion ist in Abweichung von ihrer bisherigen
Politik in ein unabhängiges Land eingedrungen.

Ihre Zukunftsabsichten

sind selbstverständlich schwer zu deuten, und unsere Analytiker bemühen
sich sämtlich

um eine solche Deutung.

Beabsichtigen sie einen Vorstoß in warme Gewässer?

Beabsichtigen

sie einen Vorstoß nach dem Iran oder in den Persischen Golf?

Was wirklich

zählt, ist die objektive Tatsache, daß sie in ein zuvor unabhängiges Land
eingefallen sind, dort die Staatsgewalt übernommen haben und nunmehr
versuchen, die Bevölkerung zu unterjochen.
FONTAINE:

Sie erwähnten eben, daß Afghanistan vor der Invasion ein

Pufferstaat war. Tatsächlich aber hat sich Afghanistan, wie ich die Dinge
sehe, im April 1978 dem Sowjetblock angeschlossen, und es waren dort seither viele sowjetische Berater einschließlich Militärberater tätig.

Warum

also hat die Regierung der Vereinigten Staaten mit ihrer Reaktion auf die
Entwicklungen in Afghanistan gewartet, bis es zu der Invasion großen Stils
kam, die dann im Dezember letzten Jahres erfolgt ist?
CHRISTOPHER: Herr Fontaine, nach meinem Dafürhalten ist am Weihnachtstag des vergangenen Jahres tatsächlich eine grundlegende Änderung eingetreten, als die Invasion Afghanistans durch sowjetische Truppen erfolgte.
Zuvor war jenes Land Teil der Bewegung der Blockfreien. Das dortige
Regime war in der Tat der Sowjetunion freundlich gesonnen; die Präsenz
von rund 100 000 bewaffneten sowjetischen Soldaten in Afghanistan aber
stellt eine grundlegende Veränderung in der Politik der Sowjetunion dar.
Und eben diese Veränderung hat die sehr scharfe Reaktion seitens der
Vereinigten Staaten wie auch ihrer westlichen Verbündeten hervorgerufen.
FONTAINE:
- 2 -

�FONTAINE:

Herr Außenminister, natürlich wünscht ein jeder, daß diese

Invasion aufhört und die sowjetischen Truppen Afghanistan räumen. Glauben
Sie aber wirklich, Sie können die Sowjets durch Sanktionen und Boykotte
aus Afghanistan vertreiben?
CHRISTOPHER: Unserer Überzeugung nach ist der Sowjetunion mit dem
Einmarsch in Afghanistan eine grundlegende Fehleinschätzung der Lage unterlaufen. Die Ereignisse überall auf der Erde aber haben den Sowjets vor
Augen geführt, ein wie hoher Preis für Invasionen dieser Art zu entrichten
ist. Wir hoffen, dies wird sie dazu bewegen, das Richtige zu tun: nämlich
ihre Truppen zurückzuziehen und jenem Land zu gestatten, eine neutrale
blockfreie Position einzunehmen.
FONTAINE: Herr Christopher, das ist eine interessante Antwort, weil
es mir noch vor einigen Wochen so schien, als ob das Schwergewicht der
amerikanischen Politik darauf gerichtet schien, den Sowjets einen sehr
hochen Preis dafür abzufordern, was sie getan haben - und zwar in der Absicht,
sie davor abzuschrecken, etwas ähnliches noch einmal zu versuchen.
Wie Sie es soeben formuliert haben, steht zu vermuten, daß Ihre
Diplomatie darauf gerichtet ist, sie dazu zu überreden, aus Afghanistan
herauszugehen.

Stellt dies einen Wandel dar?

CHRISTOPHER: Nein, wir haben stets ein doppeltes Ziel verfolgt.
Wir haben versucht, den Sowjets das Fehlerhafte dessen aufzuzeigen, was
sie getan haben, damit sie ihre Truppen aus Afghanistan abziehen. Wir
haben aber auch das andere Ziel zu erreichen versucht, ihnen klarzumachen,
daß für diese Art aggressiver Aktionen ein sehr hoher Preis besteht.
FONTAINE:

Und Sie glauben, daß sie ihre Truppen aus Afghanistan

zurückziehen werden?
CHRISTOPHER:

- 3 -

�CHRISTOPHER:

Nach meinem Dafürhalten werden sie im Laufe der Zeit

einsehen, daß sie ein unabhängiges Land nicht unterjochen können.

Es

ist nach meinem weiteren Dafürhalten eine faire Chance gegeben, daß die
Sowjetunion im Laufe der Zeit aus der scharfen Reaktion der Völkergemeinschaft
herauslesen wird, daß die Kosten des Verbleibs in Afghanistan höher sind
als die des Abzugs.
Ich möchte realistisch bleiben und sagen, daß dies wahrscheinlich nicht
in sehr naher Zukunft der Fall sein wird, obwohl die Ereignisse in
Afghanistan innerhalb der letzten 48 Stunden erkennen lassen, welche
Schwierigkeiten die Sowjets mit der Unterjochung der dortigen Bevölkerung
haben.
FONTAINE: Ein Rückzug der Sowjets aus Afghanistan liefe meiner
Meinung nach aber auf das Eingeständnis eines völligen Fehlschlags hinaus.
Ich glaube nicht, daß es viele Präzedenzfälle eines solchen Eingeständnisses
durch die Sowjetunion gibt. Nach meinem Dafürhalten müssen Sie den Sowjets
eine irgendwie geartete Möglichkeit bieten, einigermaßen Gesicht zu bewahren.
Ferner möchte ich hieran die Frage nach der Art der Sanktionen anschließen, die die Regierung der Vereinigten Staaten gegen die Sowjetunion
anwendet. Die meisten Sanktionen stehen im Zusammenhang mit dem Boykott
der Olympischen Spiele oder berühren wirtschaftliche Belange. Die Sowjetunion sieht sich im gegenwärtigen Augenblick vor große wirtschaftliche
Schwierigkeiten gestellt, und ich glaube, auch ihre Satellitenstaaten
stehen vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Glauben Sie nicht, daß diese Schwierigkeiten und damit auch die
Spannungen innerhalb des sowjetischen Blocks mit der Verlagerung der
Drohung auf das wirtschaftliche Gebiet noch vergrößert werden - und
das zu einem Zeitpunkt, zu dem Sie sicher sein können, daß die sowjetische

�sowjetische Regierung das Gewicht ihres Mi 11tSrhaushalts keineswegs
vermindern wird?

Birgt das nicht das Risiko, daß es auf Grund der wirt-

schaftlichen Sanktionen zu einer Vermehrung der Spannungen kommen wird,
was darauf hinauslaufen würde, daß die Sanktionen das Gegenteil des erwünschten Effekts bewirken?
CHRISTOPHER: Es ist uns, wie ich klarstellen möchte,sehr daran
gelegen, daß das Rahmenwerk der amer^kanischen-sowjetisehen Beziehungen
in Takt bleibt. Wir geben auf vielfältige Weise zu erkennen, daß wir im
Bereich der Rüstungsbeschränkungen, um ein Beispiel zu nennen, eifrig
bemüht sind, die verschiedenen Rüstungsbegrenzungsbemühungen weiterzuverfolgen, über die bereits Verhandlungen im Gange waren.
Wir halten auch an den Regierungsabkommen fest, die wir mit der
Sowjetunion getroffen haben.
aufrecht - hier wie in Moskau

Wir halten den Dialog mit der Sowjetunion
Wir beabsichtigen mit der Konferenz

in Madrid, der KSZE-Konferenz, voranzugehen

Wir erwarten sehr wohl,

wie ich hier unterstreichen möchte, daß die Sowjets einen hohen Preis
für ihre Invasion Afghanistans entrichten müssen, sehen aber dennoch
dem Tag erwartungsvoll entgegen, an dem uns T hr Verhalten die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit ihnen gestatten wird
Nach meinem Dafürhalten sind die wirtschaftlichen Schritte, die
wir eingeleitet haben, anderen Formen der Gegenwirkung weitaus vorzuziehen, derer sich die Vereinigten Staaten und die restliche Welt ebenfalls
hätten bedienen können.
JENKINS:

Ich möchte mich nunmehr den militärischen Aspekten der

Antworten der Vereinigten Staaten zuwenden.
Ihre erste Antwort, Herr Christopher.

Ich komme damit zurück auf

Sie erklärten darin, die objektive

Tatsache der Anwesenheit der Sowjets in Afghanistan zähle unabhängig
davon, was "ihre Motivation war oder bleiben wird.

- 5 -

Der Präsident verkündete

�verkündete das, was man in Kurzfassung die Carter-Doktrin nennen kann.
Sie besagt im Grunde, daß es zu militärischen Gegenmaßnahmen kommen wird,
falls die Sowjetunion die öl lieferungen aus dem Gebiet des Golfs in den
Westen bedroht.
Welche Art der militärischen Entgegnungen außer einem dritten Weltkrieg steht den Vereinigten Staaten zur Verfügung?
CHRISTOPHER:

Was der Präsident erklärte - und hier sollten wir uns

sehr präzise ausdrücken -, besagt, daß jeder Versuch einer dritten Macht,
Kontrolle über das Gebiet des Persischen Golfs zu erlangen, seitens der
Vereinigten Staaten als ein Angriff auf ihre lebenswichtigen Interessen
angesehen werden würde. Die Vereinigten Staaten würden angemessene
Maßnahmen ergreifen, einschließlich militärischer Aktionen, um diese Kräfte
zurückzudrängen.
Ich halte es nicht für nützlich, Spekulationen über eine ganze Reihe
von möglichen Entwicklungen anzustellen. Ich denke, wir haben der Sowjetunion inzwischen klar zu verstehen gegeben, daß die Vereinigten Staaten
im Falle eines Versuchs der Sowjets, die Kontrolle über das Gebiet des
Persischen Golfs zu erlangen, sehr starke Maßnahmen ergreifen würden.
JENKINS:

Sehr viele amerikanische Kommentatoren bezweifeln die

Fähigkeit der Vereinigten Staaten, die militärischen Drohungen des Präsidenten
wahrzumachen. .
CHRISTOPHER:

Wir haben, davon bin ich überzeugt, sehr viele Möglich-

keiten, und wir sind dabei, unsere Kapazitäten weiter auszuweiten.

Wir

stärken unsere Seemacht im Gebiet des Persischen Golfs; wir erhalten
Zutritt zu zusätzlichen Einrichtungen in jenem Gebiet; und wir unternehmen Schritte, die unabhängigen Länder jener Region zu stärken, die ergänzt werden durch die Hilfe, die unsere Verbündeten in Europa hierzu leisten.
Nach

�Nach meinem Dafürhalten sollte niemand die Macht der Vereinigten
Staaten unterschätzen.

Ich möchte mich hier nicht auf Säbelrasseln

verlegen - das wäre das letzte, was ich wollte. Auf der anderen Seite wäre
es ein ernster Fehler für jedes Land der Erde, unsere Macht zu unterschätzen.
BRUGSMA:

Da ist noch eine Frage an Sie zum gleichen Thema aus einem

mit uns verbündeten Land, aus Deutschland.
WURSTER:

Frau Wurster.

Herr Christopher, können Sie mir sagen, auf welches der

Länder jener Region Sie sich wirklich verlassen können?
CHRISTOPHER: Nach meiner Auffassung unterhalten wir unterschiedliche
Beziehungen zu den verschiedenen Ländern in jenem Gebiet. Ich rechne nicht
damit, daß wir jene Art der engen Allianz dort haben werden, die wir in
Westeuropa haben. Andererseits meine ich, daß jedes der Länder in diesem
Gebiet die eigene Unabhängigkeit schätzt und daß wir ihrer Mitarbeit sicher
sein können, wenn sie sich von Kräften von außen her bedroht fühlen.
FONTAINE:

Sie haben lange auf den Iran vertraut, dem Sie in Jahren

sehr wichtige Hilfe geleistet haben.

Fürchten Sie nicht, daß andere

Länder, auf die Sie sich heute stützen, dem Beispiel des Iran folgen könnten?
CHRISTOPHER: Meiner Meinung nach muß jedes Land auf seine eigene
innere Stabilität bedacht sein und versuchen, dort Abhilfe zu schaffen,
wo diesbezügliche Probleme gegeben sind. Die Rolle der Vereinigten Staaten
besteht meiner Auffassung nach darin, jenen Ländern im Verein mit ihren
Verbündeten zu helfen, ihre Unabhängigkeit zu wahren.
Natürlich müssen diese selbst es wünschen, ihre Unabhängigkeit
aufrechtzuerhalten. Ich glaube aber, daß dies das gemeinsame Bestreben
aller Länder dieser Region ist.
WURSTER:

�WURSTER:

Herr Außenminister, besteht hierbei nicht die Gefahr,

daß Amerika dieselben Fehler macht, die es im Iran und in Pakistan gemacht
hat?
CHRISTOPHER:

Ich glaube, daß Pakistan erkannt hat, daß es einer neuen

Bedrohung gegenübersteht, die in der Vergangenheit nie bestanden hat.
Wir beabsichtigen Pakistan auf eine Art und Weise zu helfen, die es zufriedenstellen wird.

Meiner Auffassung nach befleißigt sich der Führer -

der derzeitige Führer - Pakistans, Präident Zia, einer ruhigen Analyse
der Situation.

Wir führen unsere Politik der Non-Proliferation und der

Verwirklichung der Bürgerrechte weiter; die Sicherheit Pakistans aber
ist für uns im gegenwärtigen Zeitpunkt von größerer Wichtigkeit,und wir
haben die Absicht, jenem Land zu helfen.
Meines Wissens sind sich die führenden Politiker Pakistans der
Situation ihres Landes sehr bewußt.
FONTAINE:

Herr Christopher, Amerikas Beziehungen zu Rotchina

entwickeln sich gegenwärtig zu einer Art Bündnis. Haben Sie nicht das
Gefühl, dieses Bündnis könnte die Sowjetunion dazu verleiten, eine äußerst
defensive Haltung sowohl gegenüber China als auch gegenüber den Vereinigten
Staaten zu beziehen?
CHRISTOPHER: Die Vereinigten Staaten haben, wie Sie, Herr Fontaine,
wissen,ihre Beziehungen zur Volksrepublik China etwa vor vierzehn Monaten
normalisiert. Wir sind auf dem ordentlichen Weg zur Normalisierung ein
großes Stück vorangekommen. Wir sind aber tatsächlich gegenüber einer
Reihe von westeuropäischen Ländern auf dem Weg zur Normalisierung weit im
Hintertreffen. Ich würde unsere Beziehungen keineswegs als Bündnis darstellen wollen.

Wir

�Wir pflegen freundlicheren Umgang untereinander als in der Vergangenheit.
Wir haben aber kein militärisches Bündnis mit China.
China militärische Waffen zu verkaufen.

Wir beabsichtigen nicht,

Meiner festen Überzeugung nach

bietet unser Verhalten gegenüber China keine Grundlage für irgendwelche
Besorgnisse anderer Länder.

FONTAINE:

Schließen Sie die Möglichkeit des Verkaufs von Waffen an

China vollständig aus?
CHRISTOPHER:

Ja, wir haben nicht die Absicht, China militärische

Waffen zu verkaufen.

JENKINS:

Unsere derzeitige Politik verbietet uns das.

Herr Christopher, es bildet sich auf dieser Seite des

Atlantik - wie Sie sicherlich wissen - die Auffassung heraus, daß man für
den Fall, daß das Problem im Nahen Osten darin besteht, die Stabilität
der Nachbarstaaten Afghanistans und des Iran zu erhalten, der Beendigung
oder dem Näherkommen einer angemessenen Lösung des arabisch-israelischen
Konflikts hohe Dringlichkeit beimessen muß.

Einige europäische Regierungen würden meines Wissens gerne über
die Vorschläge von Camp David hinausgehen, die sie vor dem Hintergrund
der Autonomiegespräche wahrscheinlich als nicht sehr produktiv ansehen, und
die Resolution 242 des Sicherheitsrats am liebsten neu formulieren, um das
Recht des palästinensischen Volkes auf irgendeine Form der Selbstbestimmung
zum Ausdruck zu bringen.

Was sagen Sie hierzu?

CHRISTOPHER:

Ich sage, die höchste Priorität kommt im gegenwärtigen

Zeitpunkt den Autonomiegesprächen zu.

Wie Sie wissen, ist Botschafter

Linowitz bestrebt, den Teilnehmern an diesen Verhandlungen Hilfestellung
zu leisten.

Es gibt einen wichtigen Termin im Mai, den 24. Mai, den Jahrestag

- 9 -

�Jahrestag der Unterzeichnung der Vereinbarungen von Camp David.
•

Wir sollten uns meiner Meinung nach auf den Zeitraum zwischen heute
und dem 24. Mai konzentrieren, wenn uns daran gelegen ist, maximale Fortschritte in den Autonomiegesprächen zu machen.

Das sind entsetzlich

schwierige Probleme mit einer langen ernsten Vorgeschichte.

Lösungen

können wir meiner Meinung nach nicht von heute auf morgen finden.

Meiner

Erfahrung mit Gesprächen mit Vertretern des Nahen Ostens und Menschen überall
auf der Welt nach zu urteilen, ist das, worauf es ankommt, daß Fortschritte
erzielt werden.

Und ich glaube, daß Botschafter Linowitz und seine

Verhandlungspartner aus Israel und Ägypten im gegenwärtigen Zeitpunkt echte
Fortschritte machen, und das ist genau das, worauf wir uns meines Erachtens
konzentrieren sollten.
JENKINS:

Wenn ich da kurz nachhaken darf:

stimmen Sie darin mit

mir 'überein, daß viele islamische und arabische Regierungen den arabischisraelischen Konflikt als eher noch ominöser und als von noch größerer
Dringlichkeit für sich selbst ansehen als, sagen wir einmal, die Invasion
Afghanistans?
CHRISTOPHER:
ist.

Ich bin sicher, daß dies für diese von hoher Priorität

Auf meiner jüngsten Reise nach dem Nahen Osten war ich verblüfft,

feststellen zu müssen, wieviel Angst die Invasion Afghanistans durch die
Sowjets in diesem Raum hervorgerufen hat. Die Ergebnisse der islamischen
Konferenz sind nach meinem Dafürhalten ein Hinweis auf den Ernst jener
Besorgnisse.
Wenn Sie sich die Entschließung der islamischen Konferenz zur Hand
nehmen, gewinnen Sie einen anderen Maßstab für den Ernst der Besorgnisse,
als ihn Ihre Frage impliziert. Das heißt, die islamischen Länder scheinen
jener besonderen Bedrohung eine höhere Priorität beizumessen. Nun möchte
ich sicherlich die Bedeutung des Versuchs nicht unterschätzen, jenes

- 10 -

�jenes langbestehende historische Problem zu lösen.

Was ich sagen möchte,

ist vielmehr-und ich hoffe, das klingt nicht allzusehr nach Eigenlob daß die Vereinigten Staaten eines der Länder der Welt

die sich aktiv

an den Versuchen zur Lösung jenes Problems beteiligen.
BRUGSMA: Darf ich das Gespräch an diesem Punkt kurz unterbrechen?
Ich möchte die Diskussionsteilnehmer, ehe wir uns einem anderen Gebiet
zuwenden, fragen, ob Sie noch irgendwelche weitere Fragen zum Nahen Osten
oder dem israelisch-arabischen Konflikt haben?
Keine; gut also, ich gehe davon aus, daß wir gewissermaßen mit
Siebenmeilenstiefeln durch verschiedene Regionen der Erde gestreift sind.
Jetzt kehren wir zurück auf unseren alten eigenen Kontinent, nach Europa,
und zu unseren alten Verbündeten. Sicherlich bestehen bezüglich dieses
Themenkreises verschiedene Fragen, und ich möchte Frau Ingeborg Wurster
bitten, die erste an Sie zu stellen.
WURSTER: Wir wissen, daß die Amerikaner über ihre europäischen
Verbündeten recht entäuscht sind. Wir wissen auch, daß selbst Walter
Cronkite neulich von sogenannten Verbündeten sprach. Sie wissen aber
genauso gut, daß wir auch einigermaßen über Washington enttäuscht sind,
und deshalb meine Frage: Können Sie uns einen Grund nennen, warum Sie
uns nicht schon frühzeitig informieren, warum Sie keine Konsultationen
führen?
CHRISTOPHER:

Lassen Sie mich allem voraus sagen, daß ich von unseren

westeuropäischen Verbündeten nicht enttäuscht bin. Außenminister Vance
ist eben erst von einer Europareise zurückgekehrt, und ich habe mit ihm
sehr ausführlich darüber gesprochen.

Wir haben ein gemeinsames Bewußtsein

der Bedrohung, die von der sowjetischen Aktion in Afghanistan ausgeht.
Wir sind uns in der gemeinsamen Beurteilung einig, daß es notwendig ist,
feste Schritte zu unternehmen.

Kleine Unterschiede bestehen in bezug auf

- 11 -

�auf die Taktik.
So gehe ich nicht konform mit der Auffassung, wir seien von unseren
Verbündeten enttäuscht.

Ich bin vielmehr stolz auf unsere Verbündeten.

Auf der anderen Seite ihrer Frage darf ich sagen, daß das Problem der
Konsultation dem Streben nach Perfektionen verhaftet ist.

Wir geben uns

Mühe, bei jeder Gelegenheit die richtige Art der Konsultation zu finden.
Manchmal gelingt uns das sehr gut - beispielsweise in der Frage der
nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) gab es gute Konsultationen bezüglich
des gesamten Fragenkomplexes.
Es gibt auch Zeiten, in denen wir das Ideal perfekter Konsultationen
nicht erreichen.

Die Vereinigten Staaten bedauern es, wenn es dazu kommt,

und ein solches Versäumnis bestärkt uns in dem Entschluß, es das nächste
Mal besser zu machen.

Ich war im Januar zweimal in Europa, in den ersten

Tagen des Monats und am 15.}und sprach über die Problemkreise, die wir
hier behandelt haben.
Das war eine Form der Konsultation. Wenn wir aber in manchen Fällen
nicht zu perfekten Konsultationen finden, dann kann ich dazu nur sagen,
daß wir entschlossen sind, uns so weitgehend gegenseitig zu konsultieren,
wie wir nur können - auf allen Ebenen. Und wenn es in der jüngsten
Vergangenheit nicht so ganz geklappt hat, dann wird dies nur unseren
Entschluß verdoppeln, es in Zukunft besser zu machen.
WURSTER: Darf ich weiterfragen zu dem.was Sie eben gesagt haben?
Sie haben Ihren Besuch im Januar erwähnt. Ich darf Sie daran erinnern,
daß Sie im Januar auch in Bonn waren. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel
geben für das, was ich meinte, als ich von dem Versäumnis sprach, uns
rechtzeitig zu informieren und zu konsultieren.
Meines

- 12 -

�Meines Wissens wurden Sie während Ihres Hierseins 1m Januar gefragt,
was es mit den GerUchten Über einen geplanten Boykott der Olympischen
Sommerspiele auf sich habe.

Meines Wissens haben Sie geantwortet, dem

sei nicht viel Gewicht beizumessen, es gäbe keine diesbezügliche Entscheidung,und es würde Wochen dauern, bis sich Amerika darüber klar
werde.

Sie waren kaum abgereist, als Ihr Präsident im Fernsehen bekanntgab,

daß ein Boykott erfolgen werde.

Ist es möglich, daß Sie selbst nicht informiert waren?

CHRISTOPHER:
hinweg rundweg

Nun, es ist nicht sehr eizvoll, Ihnen über den Atlantik

widersprechen zu müssen;

ich glaube aber, wenn Sie sich

die Mühe machen wollten, die Protokolle dessen nachzulesen, was ich in
Europa öffentlich erklärt habe - nicht nur an einem Ort, sondern an
verschiedenen Orten - werden Sie sehen, daß ich von einer steigenden Flut
der Opposition gegen eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in den
Vereinigten Staaten sprach und auch davon, daß ich eine ähnliche Welle
auch in Europa angetroffen habe.

Im übrigen wurde hierüber in den Vereinigten Staaten berichtet.
Man machte sich mancherorts sogar über mich lustig und meinte, das wäre
vielleicht lediglich ein Trick meinerseits gewesen.

Das aber, was ich in

Europa Mitte jener Woche, mämlich am 15. und 16.,gesagt habe, hätte als
Hinweis darauf dienen können, daß wir uns, wenn ich schon von einer
steigenden Flut sprach, in die Richtung auf eine Entscheidung über Olympia
bewegten.

Erst am Sonntag jener Woche hat der Präsident die Entscheidung der
Vereinigten Staaten im Fernsehen bekanntgegeben.

Diese Entscheidung wurde

mithin fünf oder sechs Tage nach meiner Europareise getroffen - sie wurde
über das Wochenende getroffen und am Sonntag bekanntgegeben.

Wenn es in

dieser Frage zu einem Fehlverhalten gekommen sein sollte, dann bestand es,

- 13 -

�es, glaube ich, wohl darin, daß wir in den Tagen unmittelbar vor der
Entscheidung des Präsidenten nicht jenes Maß an Perfektion erreichten,
von dem ich vorhin in bezug auf die Konsultationen gesprochen habe.
FONTAINE:

Herr Christopher, ich glaube,wir haben alle mit großem

Interesse Ihre positive Beurteilung des Verhaltens der europäischen
Regierungen in der Afghanistan-Krise zur Kenntnis genommen.

Sie unterscheidet

sich allerdings sehr stark von dem, was wir beispielsweise in der amerikanischen Presse zu lesen bekommen haben. Wir bekommen zu lesen, daß der
amerikanische Botschafter in Paris von neutralistischem Unsinn spricht.
Stimmen Sie hierin mit Herrn Hartman überein?
•

CHRISTOPHER:
gesagt haben soll?
FONTAINE:
BRUGSMA:

Verzeihung, würden Sie wiederholen, was Herr Hartman
Die Tonübertragung ist nicht sehr gut.

Neutralistischer Unsinn.
Mit diesen Worten umschrieb der Botschafter die Haltung einiger

Europäer oder einiger europäischer Länder.
CHRISTOPHER: Meine Antwort hierauf lautet: Außenminister Vance
kam aus Europa in der Überzeugung zurück, daß die Beurteilung der Bedrohung,
die von der Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion ausgeht, in allen
Ländern, die er besuchte, die gleiche war.
Ich glaube,wir hoffen alle, daß sich

die Sowjetunion aus Afghanistan

zurückziehen und jenes Land in einem neutralen oder blockfreiem Status zurücklassen werde. Wenn dies die Kommentare zu harmonisieren vermag, ist es gut,
denn mehr kann ich nicht tun.

Für mich selber aber darf ich sagen:

Wir

haben Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Taktik, und es mag Gebiete
geben, auf denen wir hoffen, daß unsere Verbündete Schritte im wirtschaftlichen
Bereich unternehmen, die stärker und den unsrigen gleichgerichteter sein

- 14 -

�sein sollten.

Dennoch halte ich das Bündnis für intakt und stark.

Und

ich erwarte von uns allen, daß wir gemeinsame Schritte unternehmen, der
gemeinsamen Bedrohung entgegenzutreten.
JENKINS: Herr Christopher, ich glaube, daß hier eine echte Meinungsverschiedenheit besteht, eine Meinungsverschiedenheit, derer sich keiner
unter uns zu schämen braucht oder hinter den Berg zu halten braucht.
Sie wird im Zusammenhang mit der fast theologischen Frage erörtert, ob
die Detente teilbar oder unteilbar ist.
Nach meinem Verständnis bedeutet das, daß die europäischen Länder ein
sehr echtes Interesse an der Entspannung haben, daß beim Abwägen diese
Krise schwerer wiegt als die Sorge der Vereinigten Staaten nicht nur in
bezug auf das weltweite Verhalten der Sowjetunion, sondern auch in bezug
auf die iranische Krise und auf die Geiseln in den Händen der Iraner und
auch in bezug auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl.
CHRISTOPHER:
kann.

Lassen Sie mich das so klar heraustellen.wie ich nur

Wir sind an der Entspannung so sehr interessiert wie nur irgendwer

auf der Erde.

Unsere wichtigste Verantwortung ist die Verhinderung eines

Atomkrieges.
Wir haben keine Wiederaufnahme des Kalten Krieges im Sinn. Wir
sorgen uns ebenso um die unteilbare Detente wie nur irgendjemand in Europa,
und wir wollen mit Ihnen zusammenarbeiten,um sie zu erhalten.
Wenn sie durch die jUngsten Ereignisse verletzt worden sein sollte wir wünschen uns nichts mehr,als daß uns das Verhalten der Sowjetunion in
die Lage versetzt, in die Zeit der Kooperation zurückzufinden.
BRUGSMA:

Das bringt uns zu dem Schlußthema dieses transatlantischen

Teils der Aussprache.

Die Situation ist einigermaßen verwirrend,und die

- 15 -

�die berühmte Quizfrage lautet:

Wie finden wir heraus aus diesem Wirrwarr?

Im Denken der europäischen Teilnehmer an dieser Diskussion steht ganz
vorn sicherlich die Frage, was vermag Europa zu tun, aus dieser mißlichen
Situation herauszukommen, und sowohl unseren amerikanischen Verbündeten
als auch unseren sowjetischen Gegnern dabei zu helfen, ihr Gesicht zu wahren.
CHRISTOPHER:

Nach meinem Dafürhalten liegt die Hauptverantwortung

hier bei der Sowjetunion.

Ihr Verhalten hat uns in dieses Problem hinein-

gebracht,und ihr Verhalten muß uns den Weg aus diesem Problem weisen.

Ich

möchte aber noch einmal auf die Bemerkung zurückkommen, die ich schon
eingangs gemacht habe, daß wir nämlich ein neutrales, blockfreies Afghanistan
begrüßen würden und bereit wären, uns den Ländern jenes Raumes um Afghanistan
bei der Garantie anzuschließen, daß keine Intervention von dritter Seite
erfolgen wird.
Mag sein, daß die Verantwortlichkeit für die Rückkehr auf den Pfad
der Zusammenarbeit auf jenem Gebiet liegt - einer Zusammenarbeit, die
sicherlich ein wichtiges Ziel für die Vereinigten Staaten und, dessen bin
ich sicher, für ganz Europa darstellt.
FONTAINE: Glauben Sie, daß die Idee der Neutralisierung Afghanistans,
die von den Ministerpräsidenten der neun Länder Westeuropas vorgebracht
wurde, mit dazu beitragen kann, eine Lösung zu finden?
CHRISTOPHER: Ja, ich halte das für eine wertvolle Idee. Sie ist
sehr vielschichtig und es wird viel Zeit in Anspruch nehmen, sie voll auszuarbeiten.
Es gibt aber gewisse Anzeichen in der Rede Breschnews und gewisse
Anzeichen in Äußerungen Gromykos, daß die Sowjets willens sein könnten,
diese Idee zumindest weiter zu sondieren.

Was sie gesagt haben, erfordert

ein hohes Maß an Klarstellung, und die Rede Breschnews mag in mancher

�mancher Hinsicht nicht entgegenkommend sein, wie frühere Erklärungen.
Dennoch ist es unsere Pflicht, diese so sorgfältig wie nur möglich zu
prüfen und uns Gedanken darüber zu machen, wie ein Weg gefunden werden
kann, Afghanistan wieder in die Hände: der Menschen dieses Landes zurückzugeben,statt

es unter die Kontrolle der sowjetischen Armeen zu bringen.

WURSTER: Sie haben vorhin erwähnt, daß Sie bemüht seien, den Dialog
an verschiedenen Orten offenzuhalten. Es scheint mir aber augenfällig,
daß Ihr heißer Draht, oder wie immer Sie Ihr Telefon oder Ihren roten
Fernschreiber bezeichnen mögen, nicht benutzt wird.
Können Sie sich vorstellen, daß ein Dritter zu erfolgreichen Schlichtungsbemühungen beitragen oder als Vermittler fungieren könnte?
CHRISTOPHER: Ja, ich kann mir eine Reihe von Dritten vorstellen,
die in dieser Hinsicht behilflich sein können. Einige der Länder in jenem
Raum könnten sehr hilfreich sein. Wir würden ihre Vermittlerdienste sehr
begrüßen, solange sie einsehen, daß das, was wir hierbei zu erreichen
suchen, der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan und die Schaffung
eines blockfreien Staates ist, der seinem Volk ermöglicht, seine eigenen
Rechte wahrzunehmen.
JENKINS:

Herr Christopher, es gab sehr viele Diskussionen um die Frage,

was die angemessene Arbeitsteilung zwischen der europäischen und der amerikanischen Seite des Bündnisses wäre. Aber würden es die Vereinigten Staaten
gerne sehen, wenn der europäische Teil der NATO eine militärische Rolle
außerhalb ihres derzeitigen Gebietes spielen wollte?
CHRISTOPHER:

Nach meinem Dafürhalten werden die Länder der NATO

sicherlich wichtige Hilfe außerhalb der NATO leisten.

Das Bündnis als

Ganzes - das ist wirklich eine Frage des Bündnisses selbst. Wir glauben
aber, daß es - wie Sie sagen - eine Rolle für Arbeitsteilung gibt, während

- 17 -

�während wir dabei sind, unsere Streitkräfte im südwestasiatischen Raum
und im Gebiet des Persischen Golfs zu verstärken.
BRUGSMA:
Außenminister.

Und jetzt eine letzte Frage von mir, Herr stellvertretender
Welche Rolle soll Europa bei dieser Arbeitsteilung spielen?

CHRISTOPHER:

Die Rolle der Europäer konnte darin bestehen, uns in die

Lage zu versetzen, das Recht zu erlangen, verschiedene Territorien zu überqueren, uns bei der Erlangung von Einrichtungen und Anlagen in einigen
Ländern im Nahen Osten zu helfen, zu denen Sie besonders starke Beziehungen
unterhalten.

Ich kann mir Länder in Europa vorsellen, die ihre eigene

Stärke im Nahen Osten verfestigen.
Ich möchte aber sagen, daß der Hauptinhalt dessen, was wir zusammen
tun können, die Stärkung unserer Verteidigung ist - durch Stärkung der
NATO und durch Verringerung unseres Energieverbrauchs.

Das sind die beiden

Dinge, die den Westen stark machen und in die Lage versetzen werden, seine
Position in der Welt zu wahren.

+ + + + +

- 18 -

�Information

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. März 1980

14

VON DER KONFRONTATION ZUR ANNÄHERUNG DER MEINUNGEN
US-Sonderbotschafter Gerard Smith zu den Ergebnissen der
Konferenz über Kernbrennstoffzyklen und die Risiken
nuklearer Proliferation

- (AD) - Die von der "Internationalen Konferenz über die Bewertung
von Kernbrennstoff-Zyklen (INFCE)" veranlaßten Studien haben in amerikanischer Sicht das Bewußtsein für die politischen Risiken der Nukleartechnologie in der ganzen Welt geschärft. Die Ergebnisse, die unter Führung
eines technischen Koordinierungsausschusses von acht Fachgruppen im Verlauf
von zwei Jahren erarbeitet wurden, liegen jetzt in einer neunbändigen Studie
vor. Sie wurden in den Hauptpunkten auf der abschließenden Plenartagung
in Wien (25.-27. Februar 1980) erörtert.
Die INFCE-Organisation, die auf Anregung Präsident Carters vor
etwas mehr als zwei Jahren als Studien- und Beratungsgremium geschaffen
wurde und der 66 Länder sowie fünf internationale Organisationen angehörten,
bemühte sich in zahlreichen Untersuchungen und Analysen um die Klärung
nuklearwirtschaftlicher und nukleartechnischer Fragen im Zusammenhang mit

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex: 08-85432

�mit den Risiken einer Weiterverbreitung von Kernwaffen (nukleare Proliferation)
als Folge der Entwicklung und des fortgesetzten Gebrauchs von Kernkraft.

Sie

hatte nicht die Aufgabe, als Verhandlungsrunde zu fungieren, die einen für
Regierungen bindenden Vertragstext ausarbeitet.

Es galt vielmehr, ungeachtet

der unterschiedlichen Einzelinteressen Experten und Wissenschaftler der
beteiligten Länder zu Wort kommen zu lassen und unter Vermeidung von Polemik
nach Wegen zu suchen, die die Nutzung von Kernkraft in größerem Umfang
ermöglichen und dennoch die Risiken nuklearer Proliferation auf ein Minimum
beschränken.

INFCE hat sowohl Regierungen als auch den mit Atomenergie

befaßten internationalen Organisationen wichtige Anregungen geben können.
Sonderbotschafter Gerard Smith, der Leiter der amerikanischen Delegation
für die Abschlußtagung in Wien, unterstrich in seinem Resümee den nützlichen
und konstruktiven Charakter der Konferenz trotz der zutage getretenen
Meinungsunterschiede.

Smith erklärte am 25. Februar 1980 in Wien u.a.:

"Wir alle teilen die Überzeugung, daß Kernkraft notwendig ist, um
wertvolle, nicht regenerierbare Ressourcen zu schonen und in vielen Ländern
unerträgliche Abhängigkeiten von importierten fossilen Brennstoffen zu
vermindern.

Gewiß wollen wir alle auch sicherstellen, daß Kernkraft nur

unter Bedingungen erzeugt wird, die der Verringerung der Gefahren nuklearer
Proliferation auf ein Minimum dienlich sind.
Mehr als zwei Jahre lang haben sich Delegierte der hier versammelten
Länder und Organisationen gemeinsam und gründlich in einer bisher einzigartigen Aktion internationaler Zusammenarbeit bemüht. Wir haben unsere
besten Analytiker vereint, damit sie die verschiedenen Brennstoffzyklen,
deren Risiken und die Möglichkeiten prüfen, wie diese Risiken durch
institutionelle und technische Maßnahmen auf ein Mindestmaß veringert werden
könnten. Wir haben nach Mitteln und Wegen gesucht, die nuklearen Versorungsgarantien zu verbessern, und wir haben die Aufmerksamkeit auf die besonderne
Erfordernisse der Entwicklungsländer gelenkt.
Wir
- 2 -

�Wir hatten nicht die Aufgabe, über Lösungen zu verhandeln, sondern
Analysen der Auswirkungen verschiedener Technologie-Linien zu erarbeiten,
um sie den Regierungen an die Hand zu geben.
Staaten war INFCE ein Erfolg.

Nach Überzeugung der Vereinigten

Unser besonderer Dank sollte der Internationalen

Atomenergie-Organisation (IAEO) für ihre wertvolle Hilfe und Professor
Abram Chayes gelten, der in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des
Technischen Koordinierungsausschusses eine Schlüsselrolle dabei spielte,
den erfolgreichen und rechtzeitigen Abschluß dieser Bewertung sicherzustellen.

Wenn ich INFCE als Erfolg bezeichne, so soll das nicht heißen, daß
die Vereinigten Staaten oder irgendeine andere Nation mit allem übereinstimmen,
was in den Berichten gesagt wird.

Die Teilnehmer an INFCE haben als

Experten gearbeitet, die sich um Konsens bemühten.

Die Berichte sind das

Spiegelbild eines weiten Spektrums von Anschauungen, Urteilen und Standpunkten.

Sie enthalten beispielsweise die Standpunkte von Entwicklungs-

ländern,die sich den Zugang zu den Vorteilen der Kernkraft sichern wollen.
Sie enthalten ebenso die Anschauungen sowohl von Exporteuren als auch
Importeuren von Uran, Anreicherungsleistungen und Reaktoren.

Sie zeigen

die Standpunkte von Nationen wie z.B. meinem Land, die überzeugt sind, auf
vernünftige Weise Maßnahmen,die zwangsläufig zu einer Plutomium-Wirtschaft
führen, aufschieben zu können.

In der Mehrzahl der wesentlichen Punkte gelang es den Mitgliedern der
Arbeitsgruppen und des Technischen Koordinierungsausschusses, sich auf
eine bestimmte Meinung zu einigen.

In einigen Fragen jedoch wurde eine

solche Annäherung der Standpunkte nicht erreicht, und die verbleibenden
Meinungsunterschiede kommen in den Berichten zum Ausdruck.

Das gesamte

Verfahren hat, ohne die Atomkraftpolitik irgend einer Nation oder einer
Gruppe von Nationen zu rechtfertigen oder zu'kritisieren, eine gemeinsame
Basis von Fakten und Resultaten geschaffen, die unser Denken leiten,neue
internationale Verständigung auf politischer Ebene erleichtern und zur
Schaffung einer besser geordneten internationalen Gemeinschaft beitragen

- 3 -

�beitragen sollte, wenn wir uns darum bemühen, die Vorteile der Kernkraft
unter Bedingungen zu realisieren, die mit Non-Proliferations-Politik vereinbar sind.
In der festen Überzeugung, daß INFCE konstruktiv war, möchte ich auf
einige Dinge zu sprechen kommen, die uns besonders nützlich erscheinen,
und auch kurz auf ein paar Gebiete eingehen, wo unseres Erachtens Vorsicht
geboten ist... INFCE hat zu einer besseren Kommunikation zwischen den Ländern
mit Atomprogrammen und zu einem Abbau von Spannungen und Mißverständnissen
zwischen Liefer- und Verbraucherländern viel beigetragen.

Wir haben jetzt

mehr Verständnis für die Ziele, Erfordernisse und Interessen des anderen.
Wir alle sind jetzt besser über den weltweiten Atomenergiebedarf und die
nuklearen Ressourcen, die weltweite Besorgnis über die nukleare Proliferation
und über die technischen und institutionellen Probleme und Möglichkeiten
informiert, die vor uns liegen.

Wir hoffen, daß die IAEO unsere Resultate

gemeinsam mit allen interessierten Staaten prüfen wird, damit jene INFCEAufgaben benannt werden, die eine Weiterführung durch IAEO-Maßnahmen verdienen.
Innerhalb der INFCE wurde klar erkannt, daß Kernkraft jetzt und künftig
für viele unserer Volkswirtschaften von Bedeutung ist. Gleichzeitig
bestand weitgehend Übereinstimmung hinsichtlich der Existenz von ProliferationsRisiken im Zusammenhang mit Kernkraft und der Notwendigkeit von Maßnahmen,
die solche Risiken erträglicher machen und durch die man sie besser in den
Griff bekommt. Wir alle wissen, daß Proliferation im Grunde eine politische
Angelegenheit ist, und daß eine Nation, die sich zur Entwicklung nuklearer
Sprengsätze entschließt, dies ohne Mißbrauch ziviler Atomkraftanlagen tun
kann. INFCE hebt jedoch die Möglichkeit zum Mißbrauch solcher Anlagen hervor
und verweist darauf, daß es deshalb wichtig sei, künftige Brennstoffzyklen
unter sorgfältiger Beachtung der Proliferationsrisiken zu planen. Die
Vereinigten Staaten haben erkannt, daß solche Risiken in jedem BrennstoffZyklus liegen. INFCE hat keine einzige technische Lösung aufgezeigt, die

- 4 -

�die solche Risiken ausschaltet. Aber die Konferenz identifizierte eine
Anzahl wichtiger positiver Faktoren,die für die künftige Planung nützlich
sind.
Wir akzeptieren den INFCE-Standpunkt, daß Verallgemeinerungen hinsichtlich
vergleichender Proliferationsrisiken der verschiedenen Brennstoffzyklen
unangebracht sind. Wir haben beispielsweise Verständnis dafür, daß bei
einem Vergleich zwischen der Proliferations-Resistenz des Leichtwasserreaktors
mit seinem Kernbrennstoff-Zyklus des einmaligen Durchsatzes und alternativen
Brennstoffzyklen auch der Standort und die Art der Urananreicherungsanlagen sowie die Art und Weise in Betracht gezogen werden müssen, wie diese
gegen Mißbrauch gesichert sind.
Ich glaube, wir alle wissen, daß es im Zusammenhang mit für Waffen
geeigneten Materialien und den Technologien zu deren Produktion erhebliche
Risiken gibt. Dies sollte helfen, die Zukunft der Kernkraft in sicherere
Richtungen zu steuern.. Neue Schutzmaßnahmen unter Einschluß verbesserter
Sicherungen, jedoch nicht nur diese, sind erforderlich, um Brennstoffzyklen
gewachsen zu sein, die leichten Zugang zu erheblichen Mengen von waffenfähigem Material bieten.
Wir sind uns jetzt der langfristigen Auswirkungen mittelfristiger
Aktionen besser bewußt und schicken uns bereits an, die Verwendung waffenfähiger Materialien in Reaktoren zu begrenzen, wenn diese Verwendung nicht
unbedingt notwendig ist.

Ein Beispiel dafür ist der kürzlich eingebrachte

Antrag, Forschungsreaktoren auf Kernbrennstoff mit geringerem Anreicherungsgrad umzustellen.
Ein einziger Brennstoffzyklus wird den Erfordernissen aller Nationen
nicht gerecht werden können. Unterschiedliche Gegebenheiten bei den
einzelnen Nationen verlangen eindeutig unterschiedliches Vorgehen. So
wird beispielsweise die Notwendigkeit und der Zeitpunkt für eine Brüter-

- 5 -

�Brüter-Entwicklung bei den einzelnen Ländern entsprechend ihrer technischen
Infrastruktur, dem Umfang ihres Stromverteilernetzes, dem Vertrauen in die
Verfügbarkeit von Uranressourcen und anderen Faktoren variieren

Besonders

wichtig ist die Relation zwischen Strombedarf und der Verfügbarkeit sowie
dem Preis von Uran.
Hinsichtlich der Rohstoff-Frage leistete meines Erachtens INFCE
gute Dienste in der Bewertung der Faktoren, die für die Aussichten auf
die Verfügbarkeit von Natururan von Bedeutung sind. Auf der Bedarfsseite
wird es notwendig sein, die in der INFCE-Konferenz erarbeiteten Schätzdaten
von Zeit zu Zeit zu überprüfen. So kam es beispielsweise seit Aufstellung
dieser Schätzdaten vor zwei Jahren zu einem erheblichen Rückgang bei Reaktoraufträgen und von langwierigen Verzögerungen in der Bauausführung. Für
die Vereinigten Staaten, die einen hohen Anteil am Gesamtbedarf haben, führte
dies zu einer Minderung der für 1995 vorausgesagten Nuklearkapazität um
30 Prozent. Da die Dringlichkeit des Baues zusätzlicher BrennstoffzyklusAnlagen und der Einführung neuer Technologien von der Relation zwischen
Bedarf und Angebot abhängt, ist es wichtig, Schätzungen auf dem jeweils
neuesten Stand zu halten.
Bedarfs- und Angebotsrelationen sind auch wichtigem beurteilen
zu können, ob es genügend und angemessene Anreicherungsdienste gibt« Wir
dürften uns darüber einig sein, daß zumindest bis Mitte der neunziger Jahre
eine ausreichende Anreicherungskapazität vorhanden ist. Neue Kapazitäten
können rechtzeitig in Betrieb genommen werden, um den nach diesem Zeitpunkt
sich ergebenden Bedarf zu decken.
Wiederaufarbeitung, Rückführung von Plutonium in Hochtemperaturreaktoren
und die Notwendigkeit sowie der Zeitplan für Brutreaktoren waren Schlüsselfragen im INFCE-Forum. Aus unserer Perspektive ergeben sich mehrere wichtige
Einsichten: Während Wiederaufarbeitung in einigen Ländern als der Weg zur
Behandlung verbrauchten Kernbrennstoffs bevorzugt wird, macht die INFCE-

�INFCE-Bewertung deutlich, daß es andere Möglichkeiten gibt. Verbrauchter
Kernbrennstoff kann mittel- oder langfristig sicher gelagert werden, und
eine Endlagerung ohne Wiederaufarbeitung scheint sowohl aus wirtschaftlichen
Gründen als auch aus Gründen der Non-Proliferation eine realistische Möglichkeit
zu sein. Ich hebe diesen Punkt hervor, weil ich glaube, daß Nuklearenergie
nur davon profitieren kann, wenn hinsichtlich der im Zusammenhang damit
eingeschlagenen Wege Flexibilität vorhanden ist. Die große Mehrheit der
INFCE-Teilnehmer teilte die Auffassung, daß aus wirtschaftlichen Gründen
Wiederaufarbeitungsanlagen, wenn sie gebaut werden, ebenso wie Anreicherungsanlagen als große Betriebe konzipiert sein sollten. Und abgesehen von der
Wirtschaftlichkeit ist die Größenordnung aus Gründen der Non-Proliferation
ein wichtiger Faktor. Außerdem lohnt es sich, hier die übereinstimmende
Meinung aller Beteiligten zu vermerken, daß der wirtschaftliche Nutzen einer
Plutoniumrückführung in Leichtwasser-Reaktoren günstigstenfalls gering sein
wi rd.
Die INFCE-Arbeitsgruppen kamen zu dem Schluß, daß wirksame internationale
Sicherungsmaßnahmen ein wesentliches Merkmal für Anlagen für den nuklearen
Brennstoffzyklus darstellen. Die besondere Notwendigkeit der Anwendung
wirksamer Sicherungen - insbesondere für die sensitiven Phasen des Brennstoffkreislaufs wie Anreicherung, Wiederaufarbeitung und Herstellung von
Kernbrennstoff unter Verwendung von Plutonium oder stark angereichertem Uran wurde unterstrichen. Man fordert die Einbeziehung einer Planung für Sicherungsmaßnahmen schon in die allerersten Stadien der Bauplanung. Es wurde betont,
wie wichtig es sei, der Erprobung und Optimierung neuer, verbesserter
Sicherungsverfahren für die sensitiven Phasen des Brennstoffkreislaufs
höchste Priorität zu geben.
In diesem Zusammenhang möchte ich hervorheben, welch große Bedeutung
die Vereinigten Staaten der Anwendung wirksamer Sicherungsmaßnahmen der
Internationalen Atomenergie-Organisation in allen zivilen Nuklearanlagen
beimessen.

Für ebenso wichtig halten sie es, daß die IAEO zusätzliche Mittel,

- 7 -

�Mittel, mehr ausgebildetes Personal und die politische Unterstützung erhält,
die sie zur Wahrnehmung ihrer sich ausweitenden Sicherungsaufgaben benötigt.
Wenn auch Sicherungsmaßnahmen allein nicht ausreichen, um Proliferationsrisiken aus sensitiven Brennstoffzyklus-Phasen so gering wie möglich zu
halten, sind wir doch von der Notwendigkeit umfassender Sicherungsaktivitäten
überzeugt, wenn die Kernenergie die ihr angemessene Rolle bei der Deckung
des Weltenergiebedarfs spielen soll.
Die Teilnehmer schienen die Ansicht zu teilen, daß die gegenwärtig
bestehenden Beschränkungen hinsichtlich einer Wiederaufarbeitung und des
abgetrennten Plutoniums durch andere Schutzmechanismen verstärkt werden
müssen.

So wurde beispielsweise bei der Erörterung der besonders ernsten

Besorgnisse im Zusammenhang mit abgetrenntem Plutomium empfohlen, künftig
besonders aufmerksam darauf zu achten, daß überschüssiges Plutonium
internationaler Kontrolle unterstellt wird.

Die Vereinigten Staaten sind

bereit zur Zusammenarbeit, um ein wirksames internationales Verfahren der
Plutonium-Lagerung zu schaffen.

Wir beteiligen uns außerdem an der Studie

der IAEO über internationale Vorkehrungen zur Lagerung verbrauchter Brennelemente.
Die Notwendigkeit von Brutreaktoren und die Aussichten dieser Technologie
erfahren verständlicherweise große Aufmerksamkeit angesichts dessen, was
sie verheißen,und des Interesses, das einige Nationen an dieser Technologie
haben. Zweifellos könnten, langfristig gesehen, die Uranreserven durch
Brutreaktoren auf dramatische Weise gestreckt werden. Dies ist der Grund
für die hohen Investitionen, die die Vereinigten Staaten und andere Länder
für die Brüterentwicklung und für die Analyse der Möglichkeiten zu einer
technischen Realisierung, der wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Technologie
sowie ihrer Auswirkungen auf die nukleare Proliferation aufwenden. Jedenfalls gibt es keinen Brüter ohne seine hohen Kosten, seine Risiken und
Ungewißheiten. Von diesen sind einige im Bericht der Arbeitsgruppe Fünf
aufgeführt, wenn auch dieser Bericht erheblich mehr auf die positiven

�positiven Aspekte der Technologie ausgerichtet ist. Wir nehmen zur Kenntnis,
daß der Bericht zu dem Schluß kommt, die Entwicklung und Stationierung von
Brutreaktoren sei für .Nationen mit bescheidenen Atomkraftprogrammen
wirtschaftlich wohl kaum attraktiv.

INFCE vermittelte wertvolle Einsichten in

die speziellen Bedürfnisse von Entwicklungsländern.

Wir hoffen, daß die

IAEO als Teil ihrer Anschluf3maßnahmen mit besonderem Nachdruck Empfehlungen
verfolgt, die für die Dritte Welt von größtem Interesse sind.
Bei der Prüfung möglicher Proliferationsrisiken, die sich aus den
verschiedenen Wegen zur Nutzung von Kernkraft ergeben, befaßten sich die
INFCE-Berichte ausgiebig mit denkbaren Maßnahmen zur Verringerung solcher
Risiken. Man kam allgemein zu dem Resultat, daß eine Kombination von
neuen Sicherungsaktivitä'ten, technischen und institutionellen Maßnahmen wie
z.B. der Schaffung multinationaler Unternehmen, einen verheißungsvollen
Weg darstellen. Es wird große Anstrengungen seitens vieler Nationen erfordern,
um solche Maßnahmen bis zu dem Zeitpunkt durchzusetzen, an dem sie notwendig
sind, damit in angemessener Weise den Proliferationsrisiken im Zusammenhang
mit sensitiven Anlagen begegnet werden kann. Wir müssen jetzt handeln,
nachdem schon viel zu lange darüber geredet worden ist.
Schließlich hat INFCE auch eine Anzahl wichtiger Empfehlungen auf dem
Gebiet der nuklearen Versorgung gegeben, die in künftigen Regierungsentscheidungen vorrangig berücksichtigt werden sollten.

Demnach muß ein Land

mit einem Atomkraftprogramm vertrauensvoll z.B. hinsichtlicn der ReaktorBrennstoffversorgung und der Entsorgung für verbrauchten Kernbrennstoff
vorausplanen können.

Wir sind alle der Meinung, daß es von entscheidender

Bedeutung sein wird, ein hohes Maß an Vertrauen und Stabilität in den
Beziehungen bei der nuklearen Versorgung

zu erhalten, wenn die Kernkraft

eine lebensfähige Energiequelle bleiben und die verfrühte Ausbreitung
sensitiver Anlagen verhindert werden soll.

Den Berichten der Arbeitsgruppen

ist zu entnehmen, daß man der Notwendigkeit einer besseren Vorhersehbarkeit
der Bedingungen für eine Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen und den nach-

- 9 -

�nachteiligen Folgen abrupter oder einseitiger Veränderungen in der Versorgungslage besondere Aufmerksamkeit widmet.

Andererseits erkennen die Berichte an,

daß von den Lieferstaaten nicht zu erwarten ist, an einer starren Politik
festzuhalten oder Situationen zu ignorieren, die Anstrengungen zur Verhinderung
einer Proliferation nuklearer Sprengsätze ernstlich erschweren.
Die in den Berichten erhobene Forderung nach einem höheren Grad von
Sachgerechtigkeit und Voraussehbarkeit in den Handelsbedingungen auf
nukleartechnischem Gebiet stellt uns eine bedeutsame Aufgabe. Die Vereinigten
Staaten sind überzeugt, daß dieses Ziel erreichbar ist, und wir beabsichtigen,
unsere Energien und Ideen dafür einzusetzen, dieser Aufgabe baldmöglichst
gerecht zu werden."

+ + + + +

'.,

10 -

�I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

5. März 1980

DIE SOWJETISCHE INTERVENTION IN AFGHANISTAN - MOSKAU AUF DER SUCHE
NACH EINEM VORWAND
Von Marshall Shulman
Mit freundlicher Genehmigung von World Paper
Copyright: World Paper 1980
Die sowjetische Invasion und Besetzung Afghanistans hat die internationale Landschaft für die nächste Zeit beträchtlich verändert.

Für die Vereinig-

ten Staaten ist es bedauernswert, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen als Folge von Moskaus schlechtberatenem Kurs gelitten haben. Aber während
die weiterreichenden Folgen des sowjetischen Rückgriffs zur Gewalt gegen einen
bündnisfreien Nachbarn deutlich werden, ist es - weltweit gesehen - die Stabilität des internationalen Systems selbst, die gelitten hat. Alle Länder sind
weniger sicher, wenn ein einziges Land seine Souveränität und Unabhängigkeit
durch die sowjetische Aggression verliert.
Es wird wahrscheinlich niemals möglich sein, all die Berechnungen zufriedenstellend zu rekonstruieren, die in Moskaus Entscheidung einflössen.

Deut-

lich ist, daß es irgendwann einmal grobe Fehleinschätzungen gab - oder vielleicht sogar während all der Monate, in denen Moskau seine Intervention vorbereitete.

Für denjenigen, der sich mit der sowjetischen Außenpolitik auseinan-

dersetzt, ist indessen überraschend, daß man dabei versagte, eine plausible Er-

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�Erklärung parat zu haben, die den extremen Schritt einer bewaffneten Invasion
rechtfertigen könnte.

Die sowjetische Version der Ereignisse fiel immer dann

in sich zusammen, sobald sie dem prüfenden Urteil unterzogen wurde, und machte
es dem Analytiker und dem Politiker unmöglich, mehr als nur Vermutungen darüber
anzustellen, was wirklich zu dem Coup vom 27. Dezember gegen Präsident Hafizullah
Amin führte

und was es für die zukünftigen sowjetischen Absichten bedeutet.

Vielleicht ist es erhellend, einige der Widersprüchlichkeiten der Moskauer
Erklärungen zu untersuchen und an dem zu messen, was über die Ereignisse in Kabul
bekannt ist.

Der Kern der offiziellen sowjetischen Erklärungen an die Vereinig-

ten Staaten und viele andere. Regierungen bestand angeblich darin, daß ihre militärischen Streitkräfte von der afghanischen Regierung eingeladen wurden, um ihr
in einem Kampf gegen äußere Kräfte beizustehen.

Dies spricht den überwältigen-

den Beweisen dafür Hohn, daß die sowjetische Invasion in erster Linie die Absicht hatte, einen Volksaufstand gegen eine repressive Regierung zu unterdrücken.
Man könnte der sowjetischen Version leichter Glauben schenken, wären die
Ereignisse in jener Nacht des 27. Dezember während der sowjetischen Übernahme
glatter abgelaufen. Afghanische Truppen jedoch, die loyal zu Präsident Amin
standen, eröffneten einen harten Kampf gegen die Sowjets, die ihn im DurulamanPalast am Rande von Kabul angriffen und ihn töteten. Hunderte von Toten auf
beiden Seiten gaben Zeugnis für den afghanischen Widerstand gegen ein von den
Sowjets eingesetztes Regime ab. Vielleicht wäre der Widerstand ohne sowjetische
Täuschung noch größer gewesen: Die afghanischen Streitkräfte wurden zum Teil
durch sowjetische Militärberater auf dem Kampfplatz neutralisiert, die vorgaben, Afghanistan zu helfen - ein anschauliches Beispiel für andere Länder - wo
sowjetische Militärberater anwesend sind.
Andere Aspekte des Coups waren ebenfalls nicht gerade perfekt in Einklang gebracht. Eine auf Tonband aufgenommene Meldung des Exilkommunisten
Babrak Karmal, der von Moskau als Instrument ausgewählt worden war, wurde von
einem Sender auf sowjetischem Territorium ausgestrahlt. Die Meldung über den

- 2 -

�den Coup kam angeblich von Radio Kabul, das in Wirklichkeit von sowjetischen
Truppen belagert wurde.

Erst mehrere Stunden später sendete der echte Sender

Kabul die Meldung - und erst mehrere Tage später zeigte sich Babrak Kamal
öffentlich im Land.

Es war dies ein hervorragendes Beispiel für eine schief-

gelaufene sowjetische Bühneninszenierung.

Eine weitere Widersprüchlichkeit in der Serie der Ereignisse, die den
Coup begleiteten, war der unerklärliche Tod von Viktor Paputin, dem Ersten
Stellvertretenden Innenminister: der Sowjetunion.

Paputins Anwesenheit in

Kabul wurde Anfang Dezember festgestellt, obgleich über seine Mission keine
offizielle Erklärung abgegeben wurde.

Die nächste öffentliche Erwähnung

Paputins geschah Anfang Januar in der "Prawda" - in einer Todesanzeige.

Die

Todesanzeige stand an weit weniger ins Auge fallender Stelle,als dies bei
Paputins Stellung zu erwarten gewesen wäre, und es wurden auch keine Einzelheiten über seinen Tod bekanntgegeben - lediglich das Datum: 28. Dezember
1979, der Tag nach dem Coup in Afghanistan.

Wenn der sowjetische Anspruch, zur Invasion eingeladen worden zu sein,
dürftig ist, so ist es auch das Argument, daß Afghanistan durch äußere Kräfte
bedroht gewesen sei.

Erst Wochen nach der Invasion und erst infolge der Ab-

stimmungen in den Vereinten Nationen zur Verurteilung Moskaus (12 : 2 im
Sicherheitsrat, 104 : 18 in der Vollversammlung) entwickelte die sowjetische
Propaganda diese hohle Anschuldigung.

Am 19. Januar sprach Alexeij Petrow in

einem Leitartikel der "Prawda" von "zehntausenden" von Söldnern, die angeblich vor der sowjetischen Invasion an den Kämpfen in Afghanistan beteiligt gewesen seien.

Dennoch brachte die frühere afghanische Regierung zu keiner Zeit

eine Klage bei den Vereinten Nationen vor, und die Tatsachen zeigen an, daß
der Widerstand gegen die von Amin geführten Kommunisten im wesentlichen eine
einheimische, selbständige Bewegung islamischer Nationalisten war.

Petrow

behauptete auch, die Namen zweier Schiffe zu kennen, die angeblich afghanische
Rebellen, die von Pakistan aus operierten, mit Waffen versorgten.
hauptungen verdrehen den wahren Sachverhalt:

Seine Be-

Die meisten der von den Gegnern

des "revolutionären" Regimes benutzten Waffen, das 1978 zur Macht kam, waren

- 3 -

�waren sowjetischer Herkunft und von der afghanischen Armee gestohlen; später
konnten sie erlangt werden, weil afghanische Militäreinheiten in großem Umfang
desertierten.
Keine sowjetische Intrigengeschichte ist vollständig ohne das amerikanische Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) - und so klebte Petrow dem
bekannten amerikanischen Anthropologen Louis Dupree, der in Pakistan lebt
und dessen Hunderte von Freunden in dieser Gegend wissen, daß diese Behauptung falsch ist, einfach ein CIA-Etikett an.

Eine sogar noch erstaunlichere

Anschuldigung hinsichtlich CIA-Verbindungen war eine Sendung von Leonid
Samjatin, einem führenden Propagandisten des Stabs des Zentralkomitees der
WdSU Ende Januar im Moskauer Fernsehen.

Samjatin behauptete, Präsident

Hafizullah Amin sei ein CIA-Agent gewesen, der die Revolution betrügen wollte.

Es gelang Samjatin jedoch nicht, zu erklären, warum ein CIA-Agent ver-

sucht haben sollte, seinem Land ein marxistisches Regime aufzuzwingen - wie
Amin es getan hatte.

Es gelang Samjatin auch nicht, zu erklären, warum ein

CIA-Agent um eine massive sowjetische Militärintervention hätte ersuchen sollen - was Amin der sowjetischen Propaganda nach ausgerechnet vor seinem Tod
getan haben soll.

Man kann nur feststellen, daß es Präsident Breschnew

- nicht Präsident Carter - war, der Amin zu seiner "Wahl" zum Präsidenten
von Afghanistan im September 1979 gratulierte.
Die Versuche zur Diskreditierung Amins und die erfundenen sowjetischen
Behauptungen über äußere Kräfte, die Afghanistan bedrohten, weisen auf eine
Mutmaßung über die echten Gründe für die sowjetische Invasion hin. Die Sowjetunion bemerkte eine allmähliche Verschlechterung der innenpolitischen Lage
des marxistischen Regimes, das Präsident Daoud im April 1978 abgesetzt hatte,
und verlor die Geduld mit Amins Gruppe, die sich weigerte, sowjetischen Rat
anzunehmen, wie das Land zu regieren sei. Nicht gewillt, den Ereignissen
ihren eigenen Lauf zu lassen, setzten die Sowjets durch bewaffnete Intervention eine Marionettenregierung ein. Die große Gefahr besteht darin, daß sie
damit Erfolg haben und dies den sowjetischen Appetit auf ähnliche Aggressionen
anderswo anregt.
Die
- 4 -

�Die Antwort des afghanischen Volkes und der gesamten internationalen
Gemeinschaft gibt Grund für die Hoffnung, daß der sowjetische Schritt in
Afghanistan keinen Erfolg haben wird.

Ist dieser weitverbreitete Widerstand

erst einmal von Moskau erkannt und sind die sowjetischen Streitkräfte zurückgezogen, kann die Aufgabe des Wiederaufbaus der erschütterten internationalen
Stabilität von neuem beginnen.

+ + + + +

- 5 -

�Wi//en/chaft
und Technik

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. März 1980

14

US-REGIERUNG FÖRDERT BAU VON HYDRIERWERKEN
Gas und Benzin aus Kohle mit teilweise neuen Verfahren

- (AD) - Pläne zum Bau einer Demonstrationsanlage für Kohlevergasung
im US-Bundesstaat Tennessee gab jetzt das amerikanische Energieministerium
bekannt.

Sobald der genaue Standort feststehe, könne, wie Energieminister

Charles W. Duncan erklärte, das 700-Millionen-Dollar-Projekt in Angriff genommen werden.

Die Anlage soll stark schwefelhaltige Kohle aus den

amerikanischen Oststaaten in Gas umwandeln, das für die industrielle Verwendung geeignet ist. Man hoffe, das Synthesegas ab 1984 in Versorgungsleitungen einspeisen zu können.

Das amerikanische Energieministerium werde

außerdem Studien für eine weitere Kohleveredelungsanlage im benachbarten
Kentucky finanzieren.

Während beim erstgenannten Betrieb die Stadt Memphis

Partner Washingtons ist, wird es in Kentucky die W.R. Grace

Company sein.

In dieser zweiten Anlage, in der neben bereits bewährten Verfahren wie z.B.
dem Lurgi-Prozeß auch völlig neue Technologien angewandt bzw. erprobt
werden sollen, will man Kohle zunächst in Gas umwandeln und dieses dann
zur Benzinproduktion nutzen.

Unter Umständen wird das Versuchswerk zu einer

kommerziellen Großanlage bei Gesamtinvestitionen in der Größenordnung von

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�von drei Milliarden Dollar ausgebaut.
Das amerikanische Energieministerium fördert nach Aussage des Fachministers Test- und Demonstrationsanlagen verschiedener Art, um die bestmöglichen Verfahren zur Verwertung der nach Art und Qualität recht unterschiedlichen amerikanischen Kohlearten zu finden.

Im Werk Memphis will man

das sogenannte U-Gas-Verfahren anwenden, das vom Institut für Gastechnologie
in Chicago entwickelt wurde und sich vor allem für die Verwertung von Kohle
aus den amerikanischen Oststaaten eignet, die leicht verbackt und darauf
nicht eingerichtete Vergasungsanlagen bald blockiert.

Um das Verbacken zu

verhindern, werden der Retorte von unten her Wasserdampf und Sauerstoff zugeführt und mit fein gemahlener Kohle "verwirbelt".

Die Anlage würde pro Tag

3 100 Tonnen stark schwefelhaltige Kohle in 4,3 Millionen Kubikmeter Gas
von mittlerem Heizwert umwandeln.

Dieses erreicht zwar nicht den Wirkungs-

grad von Erdgas, eignet sich jedoch zum Beheizen von Kesseln in zwei riesigen
Industriekomplexen, in deren Nähe die Vergasungsanlage erbaut werden soll.
In der Anlage von Kentucky, für die das Energieministerium vorläufig
12 - 16 Millionen Dollar bereitstellt, will man für die Benzingewinnung aus
Kohle zwei neue Verfahren kombinieren. Das Synthesegas, eine Mischung aus
Kohlenmonoxid und Wasserstoff, wird zu anderen Produkten weiterverarbeitet.
Die Fa. W.R. Grace beabsichtigt, das erste Produkt, Kohlegas, nach dem
Einschleusungsverfahren der Texaco Oil Company herzustellen. Im Gegensatz
zum U-Verfahren wird Kohle zunächst mit Wasser aufgeschlämmt und die Masse
dann mit hoher Geschwindigkeit durch den Reaktor geführt. Das Produktgas
wird für weitere Reaktionen zur Herstellung von Methanol genutzt. Anschließend soll mit einem neuen, von der Mobil Oil Company entwickelten
Verfahren unter Einsatz eines Katalysators Methanol in Benzin hoher Oktanzahl umgewandelt werden. Dieser Prozeß wurde bereits in einem Betrieb der
Mobil Oil in New Jersey demonstriert. Zur Zeit werden Pläne ausgearbeitet,
um eine nach diesem Verfahren arbeitende Anlage mit einer Tagesproduktion
von knapp 16 000 Litern Benzin in der Bundesrepublik Deutschland zu bauen.
Vertreter

�Vertreter der Fa. W.R. Grace schätzen, daß ca. 29 000 Tonnen hochschwefelhaltiger Kohle pro Tag erforderlich wären, um daraus täglich 16 000 Tonnen
Methanol herzustellen, das wiederum in 11,95 Millionen Liter Benzin umgewandelt würde. Der Preis für "M-Benzin" dürfte, vor Steuern und Verteilungskosten, bei knapp 48 Cents pro Liter liegen.

Den Preis von Kohlegas aus

dem U-Vergasungsverfahren wird 1985 ungefähr dem von Erdgas entsprechen oder
geringfügig niedriger sein. Vertreter der Industrie in Memphis nehmen an,
daß sie für das Synthesegas ebensoviel zu zahlen hätten wie für das öl, das
sie jetzt verfeuern.

Robert Porter vom amerikanischen Energieministerium

erklärte, die Bundesregierung unterstütze die beiden Projekte vor allem
deshalb, weil "wir überzeugt sind, daß sich damit Brennstoff produzieren
läßt, der ab 1985 mit Importöl konkurrieren kann".

+ + + + +

- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8617">
                <text>05.03.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8618">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8619">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14028">
                <text>Amerikadienst 05.03.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14029">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des amerikanischen Außenministers Vance vor dem "Chicago Council"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interview des Stellvertretenden US-Außenministers mit dem holländischen Fernsehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von der Konfrontation zur Annäherung der Meinungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Sonderbotschafter Gerard Smith zu den Ergebnissen der Konferenz über Kernbrennstoffzyklen und die Risiken nuklearer Proliferation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Intervention in Afghanistan - Moskau auf der Suche nach einem Vorwand&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Marshall Shulman -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mit freundlicher Genehmigung von World Paper&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung fördert Bau von Hydrierwerken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gas und Benzin aus Kohle mit teilweise neuen Verfahren -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1678" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1689">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8fea22544d352f2dab3fc0aaa6fe2fbc.pdf</src>
        <authentication>2fd8959b56e0d07a3f5895197dfe7895</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8616">
                    <text>• *

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13
INHALT

DOKUMENTATION
Brief des US-Botschafters in Moskau an die "Literaturnaja Gazeta"
- Wortlaut Die sowjetische Invasion Afghanistans und die Reaktion der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten
- Von Arthur A. Hartman, Botschafter der USA in Paris Erklärung des Weißen Hauses zu den Olympischen Spielen in Moskau
Erklärung des Weißen Hauses zur Untersuchungskommission im Iran

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Regierung über GiftmUn-Export besorgt
- Rechtslage für staatliche Eingriffe wird geprüft

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Menschliche Gene werden kartiert

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Dokumentation

I 1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13

BRIEF DES US-BOTSCHAFTERS IN MOSKAU AN DIE "LITERATURNAJA GAZETA"
- Wortlaut -

MOSKAU - (AD) - Der Botschafter der Vereinigten Staaten in der
UdSSR, Thomas A. Watson, hat in einem Schreiben an die sowjetische Zeitschrift "Literaturnaja Gazeta" den nachhaltigen Wunsch Amerikas nach
"friedlichen und beiderseits nützlichen Beziehungen" zur Sowjetunion
unterstrichen. Die Zeitschrift hatte am 6. Februar einen offenen Brief
an Präsident Carter veröffentlicht, in dem eine Reihe von Maßnahmen der
amerikanischen Regierung als eine Fehleinschätzung der sowjetischen Rolle
in Afghanistan und als Bedrohung des Weltfriedens dargestellt wurde.
In seinem Schreiben an den Chefredakteur der "Gazeta", Alexander
Tschakowskij, gab Botschafter Watson seiner Hoffnung Ausdruck, daß die
Zeitschrift seine Antwort in voller Länge abdrucken werde, damit die Leser
sich ein umfassendes Bild machen könnten.
Am 22. Februar teilte die "Literaturnaja Gazeta" der amerikanischen
Botschaft in Moskau mit, daß sie das Antwortschreiben Watsons nicht

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�nicht veröffentlichen könne.
Das Schreiben von Botschafter Watson an die sowjetische Zeitschrift
hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Tschakowskij,
In der Ausgabe der "Literaturnaja Gazeta" vom 6. Februar haben Sie
einen offenen Brief an Präsident Carter veröffentlicht.

Wie Sie wissen,

haben in jüngster Zeit verschiedene große amerikanische Nachrichtenmedien,
darunter Newsweek, The New York Times

und die International Herald Tribüne,

Erklärungen sowjetischer RegierungsVertreter, in denen die sowjetischen
Ansichten zum derzeitigen Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
dargelegt wurden, im vollen Wortlaut veröffentlicht.

Ich vertraue darauf,

daß Sie im gleichen Geiste in der Lage sein werden, diese Antwort in voller
Länge abzudrucken, damit die Leser Ihrer wichtigen Zeitschrift eine ähnliche
Gelegenheit erhalten, sich ein Bild über alle Gesichtspunkte zu machen.
Sie haben Ihrem Brief ein Vorwort vorangestellt, in dem Sie tiefe
Unzufriedenheit und Besorgnis über eine, wie Sie es nannten, "scharfe
Kursänderung in der Politik der amerikanischen Regierung und ihrer möglichen
unerwünschten Folgen für den Weltfrieden" zum Ausdruck brachten. Sie
führten eine Reihe von Maßnahmen der Carter-Administration an, die, wie Sie
sagten, zu einer Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
geführt und letztlich die Intervention der Sowjetunion in Afghanistan
gerechtfertigt hätten. Und schließlich haben Sie den Präsidenten beschuldigt,
die sowjetische Rolle in Afghanistan falsch zu interpretieren und die Motive
und die moralische Berechtigung der amerikanischen Reaktion auf die dortigen
Ereignisse in Frage gestellt.
Es steht außer Frage, Herr Tschakowskij, daß sich die Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern in letzter Zeit verschlechtert haben.

Wie

�Wie Präsident Carter am 20. Januar festgestellt hat, besteht eine eindeutige Bedrohung des Friedens. Aber Ihre Analyse der für diese Situation
verantwortlichen Faktoren ist nicht richtig.
Es ist vielmehr so, daß der Verlauf der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen seit 1973 durch eine Reihe sowjetischer Handlungen negativ
beeinflußt wurde, die in den Vereinigten Staaten die generelle Unterstützung besserer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern und eines
Abbaus der Spannungen in der ganzen Welt untergraben haben. Ich will nicht
versuchen, in diesem Schreiben die ganze traurige Geschichte aufzurollen.
Ich möchte jedoch, daß Ihre Leser erkennen, daß in den Vereinigten Staaten
der überwältigende Wunsch herrscht, friedliche und beiderseits nützliche
Beziehungen zur Sowjetunion herzustellen; daß die Amerikaner jedoch meinen,
daß es die sowjetischen Maßnahmen waren, die die Entwicklung solcher Beziehungen
verhindert haben.
Die jüngste Aktion dieser Art - der Einmarsch sowjetischer Streitkräfte in Afghanistan - hat eine sehr negative Auswirkung auf die amerikanischen Vorstellungen bezüglich der vor den Sowjets in der Welt verfolgten
Zielen gehabt. Damit Ihre Leser jedoch nicht glauben, diese Reaktion stehe
lediglich in Verbindung mit der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, möchte ich die Reaktionen der Völkergemeinschaft der Welt aufzählen.
-

Schon wenige Tage nach der Invasion Afghanistans durch sowjetische
Truppen forderten über 50 Nationen - die Mehrzahl von ihnen
Entwicklungsländer und blockfreie Staaten - den Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen auf, die sowjetische Aktion zu verurteilen
und den Rückzug aus Afghanistan zu verlangen. Die Sowjetunion machte
von ihrem Vetorecht Gebrauch, um so eine Resolution zu blockieren,
die von den Blockfreien abgefaßt und mitgetragen wurde.
Eine

- 3 -

�-

Eine Woche später stimmten 104 Mitglieder der UN-Vollversammlung
- eine überwältigende Mehrheit - für eine ähnliche Resolution, wie
die von der Sowjetunion durch ihr Veto im Sicherheitsrat zu Fall
gebrachte

Wiederum wurde diese Resolution von Mitgliedern der

blockfreien Gruppe abgefaßt und eingebracht.
•

-

Schließlich verurteilten auf der Konferenz von Islamabad vom 26.
bis 29. Januar über 35 islamische Außenminister die sowjetische
Invasion Afghanistans und forderten den Abzug der sowjetischen
Truppen sowie den Abbruch der Beziehungen zu dem mit sowjetischer
Waffengewalt in Afghanistan eingesetzten Regime.
•

-

Diese Reaktionen zeigen die klare Erkenntnis, daß die sowjetische
Invasion Afghanistans eine Herausforderung der gesamten inter- .
nationalen Völkergemeinschaft darstellt.

Noch nie ist eine Aktion

einer Weltmacht auf eine raschere und allgemeinere Verurteilung
gestoßen.

Ihre Leser mögen sich fragen, warum die Welt so energisch

und hart reagierte; eine Rekapitulation der Tatsachen wird ihnen zum
Verständnis helfen:
-

In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember begann eine massive Luftlandeoperation sowjetischer Truppen in Kabul und an anderen Punkten in
Afghanistan, die bis zum 27. Dezember anhielt. Angeblich waren
diese Truppen von dem Amin-Regime angefordert worden.

-

Am Abend des 27, Dezember erlangten diese Streitkräfte nach intensiven
Kämpfen mit afghanischen Truppen die Kontrolle über Kabul und
stürzten

die bestehende Regierung.

Präsident Amin, dessen repressives

Regime die UdSSR mit Waffen, Menschen und Material unterstützt hatte,
wurde liquidiert,

(Sowjetische Behauptungen, Amin sei ein amerika-

nischer Agent gewesen, stießen auf ein klares Dementi, und selbst diejenigen, die unseren Dementis nicht glauben, müssen einsehen, daß

�daß - wären diese Behauptungen wahr gesesen - ein angeblicher
CIA-Agent doch wohl kaum sowjetische Truppen in sein Land gerufen
hätte, damit sie ihn absetzen.)
-

Die erste Bekanntgabe von der Ersetzung Amins durch Babrak Karmal
erfolgte nicht von Radio Kabul, das damals unter dem Angriff
sowjetischer Truppen stand, sondern von Sendern in der Sowjetunion.
Karmal war zu jener Zeit offensichtlich nicht einmal in Kabul,
sondern erschien erst einige Tage später in der Öffentlichkeit.

-

Inzwischen hatten sowjetische Truppen in Stärke von 50 000 Mann
die afghanische Grenze überschritten und verteilten sich über das
ganze Land, wobei sie die wichtigsten städtischen Zentren unter
ihre Kontrolle brachten.

-

Zur Zeit befinden sich über 90 000 sowjetische Soldaten in Afghanistan
- wohl kaum ein begrenztes Truppenkontingent.

-

Sie führen Operationen gegen die auf ihre Unabhängigkeit stolze und
religiöse muselmanische Bevölkerung durch. Diese Bevölkerung hatte
früher gegen das Taraki- und Amin-Regime gekämpft, um ihren Glauben
und ihre Lebensformen zu bewahren. Behauptungen, daß die Opposition
des afghanischen Volkes gegen Taraki, Amin und jetzt gegen Karmal
von außen her angefacht worden sei, werden durch keine Tatsachen
gestützt.

-

Ohne die massive sowjetische Präsenz in Afghanistan würde das
Karmal-Regime zusammenbrechen, da es von der Bevölkerung nicht
getragen wird.

-

Ich habe mich mit diesen Tatsachen etwas eingehender befaßt, weil
ich möchte, daß Ihre Leser wissen, warum die öffentliche Welt-

- 5 -

�Weltmeinung von den Ereignissen in Afghanistan so betroffen wurde.
Dies erschien der Welt als ein klares Beispiel für die Einmischung
in die inneren Angelegenheiten eines kleinen, von Unruhen heimgesuchten
Landes durch eine benachbarte Supermacht.

Angesichts der eindrucks-

vollen militärischen Stärke der Sowjetunion ist es schwer zu
akzeptieren, daß dabei irgendeine Gefahr für lebenswichtige sowjetische
Interessen mit im Spiel war, und daher ist es besonders schwer zu
verstehen, warum die sowjetische Regierung sich zu einer Aktion
entschließen sollte, durch die die internationalen Spannungen an
diesem so entscheidend wichtigen Zeitpunkt in der Weltpolitik
gefährlich erhöht werden.
Wie Sie wissen, wurde der wichtige Vertrag über die Begrenzung der
strategischen Kernwaffen, der in Wien von Präsident Carter und Präsident
Breschnew unterzeichnet worden war, dem Senat der Vereinigten Staaten zur
Ratifizierung vorgelegt und eine ernsthafte Debatte während mehrerer Monate
darüber geführt. Angesichts des sowjetischen Vorgehens in Afghanistan hat
Präsident Carter jedoch die weitere Erörterung des Vertrages durch den Senat
ausgesetzt. Er wird auch weiterhin in engen Beratungen mit dem Kongreß
stehen, um die Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen, und ich hoffe, daß es
bald möglich sein wird, die Erörterungen des SALT II-Vertrages im Senat
wieder aufzunehmen.
Was die weiteren von Präsident Carter in Reaktion auf die Invasion
angekündigten Maßnahmen anbetrifft, so sind sie zweifellos für unsere
Beziehungen bedeutsam. In ihnen kommt der Ernst der Situation zum Ausdruck,
die durch die Sowjetunion geschaffen wurde. Wie der Präsident hervorhob,
können die Vereinigten Staaten - zusammen mit anderen Ländern, die sich
zu den Prinzipien der nationalen Souveränität und Unabhängigkeit bekennen angesichts dieser Herausforderung gegenüber den etablierten Grundsätzen
des Völkerrechts und des internationalen Verhaltens in ihrem Umgang mit
der Sowjetunion nicht weiterhin so tun, als wäre nichts geschehen. Das

- 6 -

�Das heißt nicht, daß wir die Rückkehr in den Kalten Krieg wollen, und es
heißt auch keinesfalls, daß wir das sowjetische Volk und seine offiziellen
Vertreter, mit denen wir viele gute Möglichkeiten für eine für beide Seiten
nützliche Zusammenarbeit und einen Gedankenaustausch geschaffen haben,
"bestrafen" wollten.

Es heißt jedoch, daß wir wollen, daß die sowjetische

Regierung und das sowjetische Volk verstehen, wie stark wir von dem betroffen sind, was in Afghanistan geschah.
Vor diesem Hintergrund können Sie und Ihre Leser vielleicht die
Trauer verstehen, mit der Amerikaner solche maß- und zügellosen Erklärungen,
wie die in Ihrem Brief aufgestellte Behauptung entgegennehmen, daß Präsident
Carter den Kurs eines "rapiden und hysterischen Anti-Sowjetismus" eingeschlagen habe. Das ist einfach nicht wahr. Ihren Lesern eine solche falsche
Anschuldigung vorzusetzen, erschwert nur unnötig den künftigen Kurs unserer
Beziehungen und die Aussichten auf eine friedliche Welt ohne Gefahr eines
Krieges und ohne Verletzung der Souveränität und Unabhängigkeit der Völker.
Sie fragen in Ihrem Brief, welches die Ziele der USA in der kommenden
Zeit seien. Sie können versichert sein, daß sie sich nicht geändert haben.
Unsere Ziele sind: den Frieden erhalten, Mittel finden (vor allem durch
Rüstungskontrolle), um die Spannungen zwischen unseren beiden Ländern und
in der Welt insgesamt zu verringern, und wo es möglich ist und in unserem
beiderseitigen Interesse liegt, die Kooperation zwischen Ost und West zu
erweitern. Aber ehe wir realistisch einen weiteren Fortschritt in Richtung
auf diese Ziele hin erwarten können, muß die Sowjetunion ihrerseits eine
Frage beantworten: Wird die Sowjetunion helfen, stabilere internationale
Verhältnisse zu schaffen, in denen ihre eigenen und die legitimen friedlichen
Anliegen anderer Länder wahrgenommen werden können und wo kein Land die
Invasion durch ein anderes Land zu fürchten hat?
Hochachtungsvoll
gez.: Thomas J. Watson, Jr.
+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13

DIE SOWJETISCHE INVASION AFGHANISTANS UND DIE REAKTION
DER VEREINIGTEN STAATEN UND IHRER VERBÜNDETEN
Von Arthur A. Hartman, Botschafter der USA in Paris

PARIS

- (AD) - In einer Rede vor dem "American Club of Paris" ging

der Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich, Arthur A Hartman,
am 20. Februar 1980 auf die amerikanische Reaktion auf die sowjetische
Invasion Afghanistans sowie auf die Haltung der europäischen Verbündeten
in dieser Frage ein.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte eindringlich und ernsthaft zwei Aspekte des gleichen
Problems behandeln - erstens, die amerikanische Analyse der Ereignisse
in Afghanistan und die darauffolgende Reaktion und zweitens,warum wir nach
meiner Ansicht in dieser Frage Schwierigkeiten mit unseren europäischen
Freunden haben.

Zu

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Zu Anfang meiner Ausführungen möchte ich sagen, daß ein Großteil
unseres Problems zurückgeht auf die Anwendung des französischen Wortes
"detente" - ein großes Mißverständnis, weil entgegen der gängigen Weisheit
die französische Sprache nicht immer eine Hilfe für luzide Klarheit ist,
sondern vielmehr beim Geschriebenen das bewirken kann, was ein Löschblatt
hervorruft, wenn man darauf mit Tinte schreibt. Vom Standpunkt des Westens
läßt sich der Ausdruck "detente" im allgemeinen Sinne als das Verhalten
beschreiben, das man gegenüber einer expansionistischen und mächtigen
Sowjetunion zu einer Zeit einnimmt, in der ein uneingeschränkter Krieg
durchaus zu einem Mittel geworden ist, um die Welt zu zerstören.

Das

Problem in dieser Form hat uns seit über einem Jahrzehnt begleitet und
stellte sich somit zumindest für die letzten drei amerikanischen Präsidenten:
Nixon, Ford und Carter - als Aufgabe und Herausforderung.

Ich habe an den

Bemühungen um eine Definition von Entspannung (detente) in jeder dieser
Administrationen teilgenommen und bin mehr erstaunt über die Kontinuität
dieser Anstrengungen als über ihre Unterschiede.

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten bedeutete Entspannung stets eine zweigleisige Politik.
Einerseits bot sie die Aussicht auf ein sichereres und kooperativeres
Verhältnis zur Sowjetunion:

Verminderung des strategischen Wettrüstens,

Steigerung des für beide Seiten vorteilhaften Handels und Investierens,
Schaffung eines Netzes von Beziehungen auf wissenschaftlichem und kulturellem
Gebiet.

Andererseits erforderte die Entspannung eine Zurückhaltung der

Sowjets in ihrem globalen Verhalten sowie eine ausreichende militärische
Stärke Amerikas, um eine glaubhafte Abschreckung gegen den sowjetischen
Expansionismus zu bieten.

Jeweils war der eine Aspekt dieser Politik

immer von entscheidender Wichtigkeit für den anderen; die Verbindung von
Anreiz und Warnung, von Zuckerbrot und Peitsche mußte zusammen bestehen.
Es erwies sich, daß sich eine solche Politik unter den amerikanischen
Gegebenheiten nur sehr schwer durchführen ließ.

So wurde beispielsweise

die eine Seite - die des Anreizes oder Zuckerbrots - durch die Aktion
des Kongresses im Jahre 1974 geschwächt, die ein absolutes Junktim zwischen

- 2 -

�zwischen dem Handel und der sowjetischen Bereitschaft forderte, eine
bestimmte Quote von Emigranten zuzulassen, und die damit der Administration
die Hände band. Moskau lehnte ein solches Junktim ab, und der Handel
welkte. Auf der Seite der Warnung oder der Peitsche blieb der sowjetischkubanische Vorstoß nach Angola Ende 1976 weitgehend unbeantwortet, weil
es in der Öffentlichkeit keine Unterstützung gab, um ihn zu kontern. Aber
wenn es auch in der Durchführung der amerikanischen Politik Inkonsequenzen
gab, so war es doch die sowjetische Aggressivität, die primär für die
Verschlechterung der Beziehungen im Verlauf der letzten Jahre verantwortlich
war. Niemand in der amerikanischen Führung hat sich je irgendwelche
Illusionen über den rücksichtslosen Opportunismus gemacht, dem Moskau
folgte. Die Sowjets selbst haben sich darüber recht deutlich ausgesprochen.
Wie Breschnew im Jahre 1976 sagte: "Entspannung hebt nicht im geringsten...
die Gesetze des Klassenkampfes auf..." Auf den Vorstoß in Angola erfolgten
die von den Sowjets gestützten Bewegungen in Äthiopien, im Südjemen, in
Kambodscha und in jüngster Zeit in Afghanistan.

Auf welche Weise hat die Regierung Carter die Entspannung betrieben?
Nicht viel anders als ihre Vorgänger, nämlich als eine Kombination von
Verhandlungen zur Ermutigung eines zivilisierten sowjetischen Verhaltens
und von Strafen zur Entmutigung sowjetischer Aggressivität.

Die stärkere

öffentliche Betonung der Menschenrechte lag genau auf dieser Linie und
bedeutete eher einen Wechsel in der Betonung und im Stil.
Auf der einen Seite unternahm der Präsident große Anstrengungen,
um den SALT II-Vertrag fertigzustellen - einen Vertrag, der eindeutig
im Interesse der Vereinigten Staaten liegt, errichtet er doch Höchstgrenzen
für die strategische Rüstung der Sowjetunion. Obgleich die Invasion
Afghanistans den Vertrag gefährdet, bleibt der Präsident doch auch weiterhin
der Kontrolle von Kernwaffen verpflichtet. Auf der anderen Seite gibt es
eine Tendenz, die Schritte zu vergessen, die die Regierung Carter schon
vor Afghanistan unternommen hat, um auf die sowjetische Aufrüstung zu

- 3 -

�zu antworten.

Wir entschlossen uns dazu, die mobile Rakete MX zu bauen,

um eine unverwundbare landgestützte Abschreckungswaffe zu bekommen.

Wir

übernahmen eine führende Rolle bei der Entscheidung des Bündnisses,
modernisierte Kernwaffen in Europa als Antwort auf die sowjetische SS-20
zu dislozieren.

Wir begannen mit der Verbesserung unserer Fähigkeit,

amerikanische Streitkräfte rasch in entfernte Gebiete zu dislozieren.
Hierbei handelt es sich um langfristige Politiken.

Die Invasion Afghanistans

machte deutlich, daß auch eine unmittelbarere Antwort erforderlich war.
Was bedeutet Afghanistan?

Meiner Meinung nach wurden viel Tinte und

Worte in dem Versuch verschwendet, die Beweggründe der Sowjets zu definieren.
Aber was immer ihre Beweggründe sind, so ergeben sich doch bestimmte objektive
Konsequenzen aus der Brutalität der sowjetischen Intervention und den dabei
verwendeten Mitteln:
-

Erstens,

zum erstenmal wurden ganze Einheiten sowjetischer Truppen

außerhalb Osteuropas eingesetzt, um die koloniale Herrschaft
Moskaus auszuweiten.

Und wie die Sowjets den Warschauer Pakt

benützten, um die Invasion in Ungarn und in der Tschechoslowakei
zu rechtfertigen, so haben sie ihren Vertrag über Freundschaft
und Zusammenarbeit mit Afghanistan angeführt, um ihre dortige
Invasion zu verteidigen. Es verdient Beachtung, daß Moskau ähnliche
Verträge mit sechs weiteren Ländern hat. Drei davon - Südjemen,
Äthiopien und Irak - in der kritischen Golfregion.
-

Zweitens, die Einnahme Afghanistans spiegelt eine weitere Ausdehnung
des Machtbereichs Moskaus über seine Grenzen hinaus wider und verstärkt die Stützpunkte auf der arabischen Halbinsel und in Ostafrika.

-

Drittens, sowjetische Truppen sind nunmehr in einer Position, um
die Nachbarn Afghanistans unmittelbar zu bedrohen. Sie sind an
den Grenzen zu Pakistan. Außerdem besteht eine zusätzliche Bedrohung

�Bedrohung des angrenzenden Iran, der bereits durch einen Prozeß
der Desintegration gefährdet ist.

Zudem wird das nahegelegene China

unter zusätzlichen Druck gesetzt.

-

Viertens, der sowjetische Vorstoß nach Afghanistan bedroht eine
Region, in der mehr als zwei Drittel des exportierbaren Öls der Welt
lagern.

Unter solchen Umständen war eine kraftvolle amerikanische Reaktion
eindeutig erforderlich.

Versuchen Sie sich einmal die Lage vorzustellen,

hätte es keine solche amerikanische Reaktion gegeben.

Sicherlich würde

eine ganze Reihe der Staaten - vielleicht einschließlich einiger in dem
kritischen Golfgebiet -, die jene 104: 18-Abstimmung bei den Vereinten
Nationen gegen die sowjetische Invasion zustandebrachten, sich stattdessen
untereinander um eine Beilegung des Streites mit den Sowjets streiten.
Diejenigen in Moskau, die begierig danach sind, ihre Macht auszuweiten,und
von den Kosten nicht überzeugt sind, würden den Schluß gezogen haben,
daß sich ihr Einsatz ausgezahlt hat und das Spiel ungestraft erneut
versucht werden könnte.

Und schließlich:

Viele von denjenigen in West-

europa, die heute von amerikanischer Überreaktion flüstern, würden sich
darüber aufgeregt haben, daß die Vereinigten Staaten "ein weiteres Land
verloren" haben.

Daher war der Schritt des Präsidenten, den Sowjets Getreidelieferungen
und fortgeschrittene Technologie vorzuenthalten, sowie seine Anstrengungen
zur Verlegung, Absagung oder Verschiebung der Olympischen Spiele die
richtige Antwort.
unangemessen.

Manche Leute in Europa kritisieren unsere Schritte als

Ich warte noch immer auf eine Liste der angemessenen Schritte.

Manche sagen, diese Schritte würden dem Volk von Afghanistan nicht helfen.
Ich bin mir nicht so sicher.

Aber es geht ohnehin nicht darum!

Das Ziel

der Schritte des Präsidenten war es nicht, die Sowjets zu bestrafen, sondern
sie dadurch vor einer zukünftigen Aggression abzuschrecken, daß ihnen klar-

- 5-

�klargemacht wird, daß sie dafür einen hohen Preis zahlen müssen.
Aufgrund der Bedrohung angrenzender Gebiete beschränkte sich unsere
Reaktion nicht auf Schritte, die unsere bilateralen Beziehungen mit der
Sowjetunion betreffen.

Wir haben auch unser grundlegendes Interesse an

dem Gebiet um den Persischen Golf zum Ausdruck gebracht und unternehmen
Schritte, um die Sicherheit in dieser Region zu erhöhen:
-

Der Präsident hat die Warnung geäußert, daß jeder Versuch einer
außen stehenden Macht, die Kontrolle über die Region um den
Persischen Golf zu erringen, unter "Einsatz aller notwendigen
Mittel, einschließlich militärischer Macht" zurückgeschlagen werden
wi rd.
•

-

Wir haben unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean erhöht und
verstärkt und unternehmen derzeit Schritte, damit wichtige Flottenund Luftstützpunkte in dem Gebiet um Nordostafrika und den
Persischen Golf von unseren Streitkräften benützt werden können.

-

Wir haben unser Abkommen aus dem Jahr 1959 bekräftigt, Pakistan
bei der Wahrung seiner Unabhängigkeit und Integrität zu helfen,
und arbeiten an einem militärischen und wirtschaftlichen Hilfsprogramm für Pakistan.
"

•

•

'

'

"

•

!

.

-

Wir haben Frau Gandhi gegenüber unser Interesse an einer engeren
Zusammenarbeit mit Indien zum Ausdruck gebracht und betont, daß
unserer Ansicht nach eine aggressive Sowjetunion auch für Indien
eine Gefahr darstellen kann.

-

Wir werden mit der Normalisierung unserer Beziehungen zu China
fortfahren und der Volksrepublik militärisches Hilfsgerät - jedoch
keine eigentlichen Waffen - verkaufen.
über
- 6 -

�über die Golfregion hinaus sind wir auch in anderen Gebieten wachsam,
die sowjetischem Druck gegenüber verwundbar sein könnten. Auf dem Balkan
ist die Stabilität unseres Verbündeten Türkei und des bündnisfreien
Jugoslawien für die amerikanische Politik von größter Bedeutung.

Und wir

arbeiten daran, einen Konflikt im Nahen Osten zu verhindern.
Als Ergebnis des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel hat
Israel nunmehr zwei Drittel des Sinai an Ägypten zurückgegeben,und die
Beziehungen zwischen den beiden Ländern verbessern sich ständig. Dies ist
eine bemerkenswerte Tatsache, wenn man sich an die Kriege der Jahre 1967
und 1974 zwischen diesen beiden Ländern und an das Maß erinnert, zu welchem
diese die Großmächte hätte einbeziehen können - und auf diese Weise das
Risiko eines Weltkrieges. Was in Camp David erreicht wurde, ist nicht
vollkommen. Wir wissen, daß es heutzutage keine wichtigere Aufgabe gibt
als diejenige, Fortschritte bei der Palästina-Frage zu erzielen. Ein
Fehlschlag bei dieser Aufgabe würde den Nahen Osten zu dauernder Unsicherheit
und Gefahr verurteilen.
Dies also ist Teil einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die die Regierung
der Vereinigten Staaten ergriffen hat. Unsere Antwort auf die Ausweitung
sowjetischer Macht wurde auf mehreren Ebenen gegeben: bilateral, regional
und global. Es handelt sich um eine Antwort, die auf einen Rückzug der
sowjetischen Truppen abzielt, und um einen Versuch, eine garantierte Neutralität
für Afghanistan zu finden. Zugleich ist es eine umfassendere Antwort entworfen, um die Sowjetunion vor Schritten der Aggression an anderen
Stellen abzuschrecken. Sie ignoriert nicht die Tatsache, daß wir uns aus
eigenem Interesse auch weiterhin mit der Sowjetunion auseinandersetzen
werden, besonders in dem Bereich der strategischen Rüstungskontrolle.
Entspannung, verstanden als Methode, die sowohl Anreize als auch Strafen
umfaßt, hat nicht versagt. Aber die sowjetische Aggression hat Strafen
notwendig werden lassen.

Es wird sowjetischer Zurückhaltung bedürfen, um

- 7 -

�um eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit zu ermöglichen. Präsident Carter
deutete die Option an, als er feststellte:
grundlegende Fragen beantworten:

"Die Sowjetuniom muß einige

Will sie dabei helfen, ein stabileres

internationales Umfeld zu fördern, in dem ihre eigenen legitimen, friedlichen
Anliegen verfolgt werden können?

Oder will sie fortfahren, ihre militärische

Macht weit über ihre echten Sicherheitsbedü'rnisse hinaus auszudehnen und
diese Macht für koloniale Eroberung auszunützen?"
Ich glaube, daß die Amerikaner in der gegenwärtigen Krise auf die
einhellige Reaktion unseres Landes auf die zweifache Herausforderung durch
Iran und Afghanistan stolz sein können.

Als Regierung und als Volk haben

wir entschlossen und vernünftig gehandelt - mit Kraft, wenn dies erforderlich
war, mit Zurückhaltung, wenn es solcher bedurfte.

Unsere Antwort auf diese

Herausforderungen hat uns über die Ära nach Vietnam und Watergate hinweggeführt, als wir uns nur allzu oft unbeweglich und gelähmt fanden.
haben wir unsere Stimme und unser Selbstvertrauen wiedergefunden.
eine ruhige, stetige und folgerichtige Politik.

Endlich
Wir verfolgen

Wir würden bei unseren

Verbündeten gern ein gleiches sehen.
Erlauben Sie mir, daß ich mich nun dem Problem zuwende, wie Europa
es sieht»und damit der Frage, warum wir Schwierigkeiten bekamen, zu einer
Verständigung zu gelangen. Erstens, wir sind eine große, offene Demokratie,
die zu ihren Entscheidungen gelangt, indem sie eine unterschiedliche
breite Öffentlichkeit von kontinentalem Größenmaß auf eine vom Präsidenten
vertretene Politik vereint. Fehlt diese Unterstützung durch die breite
Öffentlichkeit, dann kann kein Präsident stark und zielbewußt erscheinen oder in der Tat stark sein. Ein wichtiges Element für jeden amerikanischen
Präsidenten ist die Bekundung vor der Öffentlichkeit, daß unsere Verbündeten
in den gleichen Bahnen denken wir wir selbst.
•

Daher haben die amerikanischen Präsidenten - selbst wenn es keinen
anderen triftigen Grund gab - die Notwendigkeit empfunden, mit ihren

- 8 -

�ihren Verbündeten zu einem Austausch der Ansichten, der Lagebeurteilungen
und der vorgesehenen Strategien zusammenzutreffen.

In Europa scheint in

gewissen Kreisen der entgegengesetzte Impuls zu herrschen.

Da wir relativ

groß und mächtig sind und die einzelnen europäischen Nationen sich selbst
als klein und relativ schwach ansehen, besteht bei den Europäern und vor
allem bei den Franzosen die Tendenz, sich möglichst nicht in eine Lage zu
bringen, in der nach ihrem Gefühl die innenpolitischen Gegner die Führung
beschuldigen könnte, sie beuge sich dem amerikanischen Druck.

Ich fürchte,

daß diese Situation bestehen bleibt bis zu der Zeit, da die wirtschaftliche
Stärke der Europäischen Gemeinschaft -die fast so groß wie die unsrige ist in eine nutzbare politische Kraft und Entscheidung verwandelt werden wird.

Aber wenn wir in dieser Zwischenzeit auch Verständnis für die Probleme
der Form zeigen müssen, was sind denn nun die Fakten?
Als erstes ist hervorzuheben, daß die amerikanischen Ziele und die
unserer Verbündeten die gleichen sind.

Wir wie sie wollen die Bedingungen

schaffen, die notwendig sind, um eine Wiederholung der sowjetischen Aggression
zu verhindern.

Wir wie sie wollen in unseren Beziehungen zu Moskau zu

dem richtigen Gleichgewicht zwischen Festigkeit und Kooperation gelangen,
in dem sich zeigt, was wahre Entspannung überhaupt ist.

Wie sollte das Vorgehen des Westens aussehen?

-

Es muß in der Überzeugung verankert sein, daß Entspannung nicht
teilbar ist; mit anderen Worten, die Sowjets dürfen nicht glauben
können, daß das, was sie in Afghanistan getan haben, in keinem
Zusammenhang mit ihren Beziehungen zu den westlichen Staaten stehe.

-

Ein westliches Vorgehen muß über die bloße Rhetorik hinaus zur
Aktion schreiten.

Die Sowjets werden sich durch Worte allein nicht

davon abbringen lassen, weitere Risiken einzugehen.

- 9-

Sie müssen

�müssen wissen, daß ein fühlbarer Preis zu zahlen sein wird.

So

zu tun, als ob nichts gewesen wäre - das ist kein Rezept für eine
wirksame westliche Antwort auf Afghanistan.
Das westliche Vorgehen muß nicht identische Aktionen seitens der
Verbündeten erfordern, aber es sollte zu parallelen Aktionen führen.
Wie Henry Kissinger vor einigen Wochen in Paris sehr richtig sagte,
wird es nicht gehen,daß die Europäer für sich das Monopol der
Mäßigung haben, während die Amerikaner das Monopol für Druck erhalten.
Das westliche Vorgehen muß nicht die Stärke zum Opfer bringen, die
wir aus unserer politischen Vielfalt ziehen, aber es muß in unseren
gemeinsamen Interessen und Zielsetzungen verwurzelt sein, die uns
als Verbündete einen. Ich glaube, wir sahen diesen Geist in der
Erklärung von Präsident Giscard und Bundeskanzler Schmidt vor zwei
Wochen, als sie die Loyalität ihrer beiden Ländern gegenüber dem
atlantischen Bündnis und ihre Entschlossenheit, ihre dem Bündnis
gegenüber eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, bekräftigten.
In dieser Hinsicht können die Erklärungen gewisser Politiker, daß
Europa "de-nationalisiert" werden und daß Frankreich "einen neuen
Weg zwischen den beiden Supermächten" finden sollte, nur als Ausdruck
neutralistischen Unsinns bezeichnet werden. Es erinnert mich an
eine Episode im Jahre 1939, kurz bevor Hitler den Zweiten Weltkrieg
begann, als die belgische Armee Manöver durchführte, die gegen
Frankreich gerichtet waren, nur um damit ihre Neutralität zu zeigen.
Es scheint mir wichtig, nicht zu vergessen, auf welcher Seite man
steht.

Schließlich gehört zu einem westlichen Vorgehen die Notwendigkeit
häufiger Konsultationen unter den Verbündeten, damit die Gewähr
gegeben ist, daß unsere gemeinsamen Zielsetzungen verfolgt werden,

�werden, daß unsere Lagebeurteilung den letzten Entwicklungen
entspricht und daß unsere Politik in parallelen Richtungen verläuft. Die Mißverständnisse, die die Vorbereitung des Bonner
Treffens überschatteten, sollten nicht unser grundsätzliches Vorgehen überschatten. Ich bin überzeugt, daß das Zusammentreffen
von Außenminister Vance mit Außenminister Francois-Poncet in einem
positiven Geist stattfinden wird.
Warum ist ein einheitliches westliches Vorgehen so wichtig?

Zunächst

einmal deshalb, weil die Vereinigten Staaten kein Monopol auf alle Gelehrsamkeit haben. Wir brauchen den Rat, den Beistand und die Beteiligung
Europas. Außerdem würde ein Mangel an westlicher Einheit es den Sowjets
erlauben, ihr altes Spiel zu betreiben, Europa von den Vereinigten Staaten
zu trennen und Führern in anfälligen Teilen der Welt das Signal zu geben,
daß der Westen Schwäche gezeigt hat. Drittens ist deutlich - auch wenn ich
mir nicht anmaßen möchte, für Europa zu sprechen -, daß die grundlegenden
Interessen Europas betroffen sind, wie die europäische Abhängigkeit von
importiertem Erdöl - neben anderen Faktoren - deutlich machen dürfte.
Wir fordern Europa nicht einfach geistlos dazu auf, sich uns anzuschließen;
aber wir haben ein Recht darauf, von Europa zu erwarten, daß es sich nicht
deshalb von uns distanziert, um seine Unabhängigkeit zu zeigen. Wir fordern
Europa lediglich dazu auf, die Vereinigten Staaten nicht als Kontrastfigur
anzusehen, sondern seine eigenen Interessen zu definieren und danach zu
handeln.
Im Licht unserer gemeinsamen westlichen Ziele kann ich nur erwarten,
daß ein europäischen Vorgehen zum Schutz seiner Interessen den Zusammenhang des Bündnisses stärken würde.

Es wäre tragisch, wenn wir dabei

versagen würden, uns der sowjetischen Herausforderung zu stellen, denn wr
sind so stark, wenn wir einig sind.

Die Sowjets, nicht wir, leiden an

einer alternden Führung, an beginnenden Produktivitätskrisen, an schwerwiegenden Nationalitätenproblemen, hervorgerufen durch die diktatorische

- 11 -

�diktatorische Natur des Regimes.
an zwei Grenzen kümmern.

Sie, nicht wir, müssen sich um Gegner

Sie leiden unter der Unfähigkeit, ihren Einfluß

ander als durch die Ausübung roher Gewalt geltend zu machen,und sind jetzt
von der islamischen Welt als gottlos abgestempelt.

Trotz seiner wirtschaft-

lichen Schwierigkeiten hat der Westen eine wirtschaftliche und technologische
Dynamik - sowie eine politische und moralische Dynamik -, der die Sowjets
nichts entgegensetzen können.
Was wir - wie in allen Zeiten der Krise - als Verbündete brauchen,
ist der politische Wille, uns der Herausforderung auf eine Weise zu stellen,
die unsere gemeinsamen Werte verstärkt. Das ist nicht zuviel verlangt von
Ländern, die das gleiche politische Erbe, die gleichen Vorstellungen von
Freiheit und Demokratie teilen. Die gegenwärtige Herausforderung durch die
Sowjetmacht ist komplex und gefährlich. Aber was mich angeht, so sehe
ich mehr Grund zum Optimismus, was die Antwort der Verbündeten angelangt,
als zur Verzweiflung. Gemeinsam haben wir uns schon früher solcnen Herausforderungen gestellt - in Berlin 1948, in Kuba 1962 und bei der Entscheidung
im vorigen Dezember, der Herausforderung durch die SS-20 mit neuen Raketen
in Westeuropa zu begegnen. Kühle politische Analyse, eine entschlossene
Antwort und eine Fähigkeit, für ein gemeinsames Ziel zusammenzuarbeiten
liegen sicherlich nicht außerhalb unserer Möglichkeiten. Es ist Zeit für
uns alle, daran zu denken, daß das, was uns einigt, wichtiger ist, als was
uns trennt - und weiterzumachen.

+ + + + +

..

.

- 12 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZU DEN OLYMPISCHEN SPIELEN IN MOSKAU

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus gab am 20. Februar bekannt,
daß Präsident Carter dem amerikanischen Olympischen Komitee empfohlen hat,
keine Mannschaft der Vereinigten Staaten zu den Olympischen Sommerspielen
in Moskau zu entsenden.
Vor einem Monat hatte Präsident Carter erklärt, der werde die Führung
des Nationalen Olympischen Komitees der USA auffordern, die Moskauer
Spiele zu boykottieren, falls die sowjetischen Streitkräfte nicht bis zum
20. Februar 1980 aus Afghanistan abgezogen seien.
Nachdem diese Frist unbeachtet abgelaufen war, erklärte das Weiße
Haus:

"Der Präsident hat deshalb dem Olympischen Komitee der Vereinigten

Staaten mitgeteilt, daß seine Entscheidung unverändert feststehe und wir
keine Mannschaft nach Moskau schicken sollten."
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:

Am

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Am 20. Januar schrieb der Präsident an den Präsidenten des Olympischen
Komitees der Vereinigten Staaten,Kane, um das Komitee aufzufordern, sich
an das Internationale Olympische Komitee mit dem Vorschlag zu wenden,
die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau zu verlegen, zu verschieben oder
abzusagen, sollten die sowjetischen Streitkräfte nicht innerhalb eines
Monats vollständig aus Afghanistan abgezogen sein.

Der Präsident forderte

darüber hinaus, daß das Olympische Komitee der Vereinigten Staaten auch
keine Mannschaft zu den Moskauer Spielen entsenden sollte, falls diese
Vorschläge nicht angenommen würden.
Diese Haltung erhielt die vollste Unterstützung des Kongresses der
Vereinigten Staaten und des amerikanischen Volkes.
Am 12. Februar kündigte das Internationale Olympische Komitee an,
daß es bei seinen Plänen bleiben werde, die Spiele in Moskau abzuhalten.
Am 14. Februar veröffentlichte der Präsident des amerikanischen Olympischen
Komitees, Kane, eine Erklärung, in der es hieß, das Olympische Komitee der
Vereinigten Staaten werde selbstverständlich jede Entscheidung des
Präsidenten darüber akzeptieren, ob eine Mannschaft nach Moskau geschickt
werden solle.
Ein Monat ist jetzt vergangen und die sowjetischen Streitkräfte haben
noch nicht einmal mit dem Abzug aus Afghanistan begonnen. Der Präsident
hat deshalb dem Olympischen Komitee der Vereinigten Staaten mitgeteilt,
daß seine Entscheidung unverändert feststehe und wir keine Mannschaft
nach Moskau schicken sollten. Der Präsident dankte dem Komitee für dessen
Eifer und patriotischen Anstrengungen bei der Unterbreitung des Vorschlags
einer Verlegung, Verschiebung oder Absage der Spiele und ersuchte es,
unverzüglich Schritte einzuleiten, um die Billigung seiner Entscheidung
zu formalisieren.
Das

- 2 -

�Das Olympische Komitee der Vereinigten Staaten hängt bei seinen
Mitteln von der Großzügigkeit amerikanischer Bürger und der amerikanischen
Geschäftswelt ab.

Obgleich keine amerikanische Mannschaft nach Moskau

geschickt wird, führt das Komitee eine Vielzahl anderer wichtiger und
wertvoller Tätigkeiten durch, um ausgezeichnete Leistungen der Athleten in
diesem Land zu unterstützen.

Der Präsident fordert alle amerikanischen

Bürger dazu auf, ihre finanzielle und moralische Unterstützung des
Komitees fortzusetzen.

+ + + + +

- 3 -

�31
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

27. Februar 1980

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUR UNTERSUCHUNGSKOMMISSION IM IRAN

WASHINGTON - (AD) - In einer vom Weißen Haus am 20. Februar 1980
veröffentlichten Erklärung wird unterstrichen, daß die von den Vereinten
Nationen eingesetzte Untersuchungskommission kein Tribunal sei, sondern
eine Mission zur "Tatsachenfeststellung" unternehme, die die Beschwerde
beider Seiten anhören werde. Es wird darin die Hoffnung zum Ausdruck
gebracht, daß die Kommission "eine baldige Lösung der Krise zwischen
unseren beiden Ländern erzielen wird, was die Freilassung der Geiseln
erfordert."
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Generalsekretär Waldheim hat die Errichtung einer Untersuchungskommission
angekündigt, die nach Iran gehen soll, um die Beschwerde des Iran anzuhören
und eine baldige Lösung der Krise zwischen dem Iran und den Vereinigten
Staaten zu ermöglichen. Er hat erklärt, daß die Kommission mit allen unseren
Leuten sprechen wird.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten und der Iran stimmen in der Einsetzung der
Kommission, wie sie vom Generalsekretär vorgeschlagen wurde, durch beiderseitig annehmbare offizielle Antworten an ihn Liberein.
Bei ihrem Einverständnis haben die Vereinigten Staaten die Erklärung
des Generalsekretärs zur Kenntnis genommen, daß die Kommission eine
Mission zur Tatsachenfeststellung unternehmen wird.
ein Tribunal handeln.

Es wird sich nicht um

Die Vereinigten Staaten setzen voraus, daß die

Kommission die Beschwerden beider Seiten anhören und dem Generalsekretär
berichten wird.

Das amerikanische Volk ist tief gekränkt darüber, daß

der Iran unsere Mitbürger - nachdem er ihnen Schutz zugesagt hatte - als
Geiseln genommen und seit 108 Tagen unter unerträglichen Bedingungen
festgehalten hat.

Die Vereinigten Staaten hegen keinerlei Wunsch, sich in

die inneren Angelegenheiten des Iran einzumischen, aber sie bestehen auf
der sofortigen Rückkehr der 53 Amerikaner, die derzeit illegal in Teheran
festgehalten werden.
•

Die Vereinigten Staaten haben ebenfalls ihre Haltung dahingehend
klargestellt, daß das Zusammentreffen der Kommission mit unseren Mitbürgern
in Einklang mit dem Völkerrecht stehen muß

und daß die Geiseln unter

keinen Umständen einem Verhör unterworfen werden dürfen.

Es ist für die

Kommission jedoch von größter Bedeutung, daß sie ihre vollzählige Anwesenheit feststellen und ihren Zustand beurteilen kann.
Wir hoffen, daß die Kommission - wie es der Generalsekretär gesagt hat
eine baldige Lösung der Krise zwischen unseren beiden Ländern erzielen
wird, was die Freilassung der Geiseln erfordert.

+ + + + +

- 2 -

�3

I a

(KlInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

27. Februar 1980

US-REGIERUNG ÜBER GIFTMULL-EXPORT BESORGT
Rechtslage für staatliche Eingriffe wird geprüft

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung prüft z.Zt. die
Rechtslage hinsichtlich der ihr möglichen Maßnahmen im Zusammenhang mit
Giftmüllexporten der US-Industrie in andere Länder. Atommüll ist davon
ausgenommen, weil in den Vereinigten Staaten anfallender Atommüll nicht
außer Landes gebracht werden darf. Manche amerikanische Firmen haben mit
anderen Ländern Kontrakte zur Aufnahme von Giftmüll abgeschlossen bzw.
verhandeln noch über solche Projekte, die Transaktionen im Wert von
Millionen von Dollar darstellen.
"Wir sind über mögliche Umwelt- und Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit einer Giftmüll-Lagerung im Ausland besorgt", erklärt Dr. Jack
Blanchard vom Referat Umwelt und Gesundheit im amerikanischen Außenministerium.

Mit dem gleichen Fragenkomplex wurden die Vereinigten Staaten

konfrontiert, als noch vor wenigen Jahren die amerikanische Industrie sich
giftiger Chemikalien und anderer gefährlicher Substanzen an Hunderten von
Stellen im Lande auf verschiedene Weise entledigte.

In einigen Fällen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Fällen verseuchten die Abfälle in der Folgezeit das Grundwasser oder
vergifteten anderweitig die Umwelt, was bei Einwohnern des betreffenden
Gebietes gesundheitliche Schäden hervorrief.
In Kürze wird im Rahmen des neuen Gesetzes über den Schutz und die
Rückgewinnung von Rohstoffen die Beseitigung von Sondermüll in den
Vereinigten Staaten mit Hilfe der gegenwärtig von der amerikanischen Umweltschutzbehörde ausgearbeiteten Bestimmungen überwacht.

Es gibt bei be-

stimmten Abfällen genügend Möglichkeiten zur Entgiftung, Entseuchung und
auch zur Lagerung.

Bei anderen chemischen Stoffen müssen erst noch

Verfahren zur sicheren Beseitigung oder Lagerung entwickelt werden.
"Wir würden es vorziehen", so Dr. Blanchard, "dieses Problem nicht zu
exportieren".

Aber die Situation ist heikel, weil die Absicht der

Regierung gleichbedeutend mit einer Einmischung in Verfahren der Abfallbeseitigung bei amerikanischen privaten Unternehmen
in die Importpolitik fremder Regierungen ist.

und darüberhinaus

"Wir können nur hoffen, daß

jene Regierungen, die der Aufnahme von Sondermüll zustimmen, auch in der
Lage sind, ihn ordnungsgemäß zu lagern", meinte Dr. Blanchard.

Er spielte

damit auf die Tatsache an, daß sich manche Regierungen von dem Abschluß
solcher Kontrakte Einnahmen, neue Arbeitsplätze oder anderweitige Vorteile
von der Abnahme oder Aufarbeitung von Sondermüll versprechen.
Die Frage des Sondermüllexports wurde im Oktober 1979 aktuell, als
die Firma NEDLOG TECHNOLOGY Group, Inc., berichtete, daß sie mit der
Regierung von Sierra Leone in Verhandlungen stehe, um gegen die Zahlung
von Millionen von Dollar Sondermüll in dieses Land verbringen zu können.
Die Abfälle würden bei Zustandekommen des Vertrags von einem Hafen der
Republik Sierra Leone aus ins Landesinnere gebracht, wo die Fa. NEDLOG
den Bau einer Aufarbeitungs- und Rückgewinnungsanlage plane. Abfälle,
aus denen sich keine brauchbaren Chemikalien, Metalle oder andere Stoffe
würden gewinnen lassen, werde man in nicht mehr benutzten Erzbergwerken

- 2 -

�Erzbergwerken, abgeschlossen von der Außenwelt, lagern. Damals wurde
bekannt, daß sich NEDL06 auch an Chile und ein nicht näher bezeichnetes
drittes Land gewandt hatte.
Seitdem berichtete die amerikanische Presse des öfteren über Firmen,
die angeblich andere afrikanische sowie südamerikanische Regierungen ersucht
hätten, Sondermülldeponien gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen.
Während die Fa. NEDLOG seit dem vorigen Jahre ihre Auslandspläne mit
Vertretern der amerikanischen Bundesregierung erörtert und, wie sie
erklärt, zur Zeit keinen Sondermüll zu exportieren habe, sind die zuständigen
Bundesbehörden besorgt, daß die ihnen bekannt gewordenen Fälle nur die
Spitze eines Eisbergs darstellen könnten. Man sei sich darüber im klaren,
daß es künftig immer häufiger zu einer solchen Situation kommen könne,
weil die Gesetze von Bund, Einzelstaaten und Kommunen immer strenger werden
und sowohl die Kosten als auch die technischen Schwierigkeiten der Sondermüllbeseitigung zunehmen.
So hatte beispielsweise die Fa. Allied Chemical im Jahr 1978 mit
einem Unternehmen in Großbritannien, das über eine Anlage zur Entgiftung
des Pestizids Kepone verfügte, einen Vertrag über Sondermüll abgeschlossen.
In den USA war die Kepone-Beseitigung zu einem Politikum geworden, weil
12 Angestellte einer Firma, die das Pestizid herstellte, an Vergiftungen
erkrankten. Außerdem war durch Kepone eine erhebliche Verseuchung des
James River im Bundesstaat Virginia verursacht worden. Aber auch in
Großbritannien kam es zu Reaktionen der Öffentlichkeit; schließlich erklärte
sich ein westdeutsches Unternehmen mit entsprechenden Anlagen bereit,
Kepone sachgemäß zu vernichten. In jedem Fall arbeitete laut Dr. Blanchard
die amerikanische Regierung "eng mit dem Unternehmen und hohen Regierungsbeamten der betreffenden Länder zusammen, um zu gewährleisten, daß jede
relevante Information über die Gefahren von Kepone allen, die mit der Sache
zu tun hatten, zugänglich gemacht wurde". Im allgemeinen jedoch möchte
die amerikanische Regierung einen gewissen Frei räum zwischen Staat und

- 3 -

�und Privatindustrie erhalten.
Gegenwärtig arbeiten amerikanische Regierungsbeamte an der Formulierung
geeigneter Richtlinien für den Export von Sondermüll, was getrennt von den
Bemühungen läuft, Maßnahmen hinsichtlich des Exports gefährlicher Produkte
zu entwickeln, die in den Vereinigten Staaten nur begrenzt oder überhaupt
nicht angewendet werden düfen.

(Für derartige Produkte mußes vielfach

unterschiedliche AnwendungsVorschriften geben: Während beispielswiese
das Schädlingsbekämpfungsmittel DDT in den USA nur mit starken Einschränkungen
verwendet werden darf, gilt es in einer Reihe anderer Länder für MoskitoVernichtungsaktionen und damit für den Schutz vor Malaria als dringend
notwendig.)
Sowohl in bezug auf gefährliche Produkte als auch Abfall Stoffe überprüft
gegenwärtig die amerikanische Regierung die im Zusammenhang mit dem Export
solcher Substanzen üblichen Meldeverfahren. Sie unterstützt, wie Dr.
Blanchard betont, "voll und ganz die Resolutionen des Umweltprogramms der
Vereinten Nationen und der UN-Vollversammlung, die vollständige Informationen
über verbotene oder gefährliche Chemikalien verlange, welche für Exporte
vorgesehen sind und deren Ausfuhr erschwert werden solid'.

+ + + + +

�I

Wi//cn/chaft
und Technik
International Cominunication Agency
Embassy of ihe United States of America

13

27. Februar 1980

MENSCHLICHE GENE WERDEN KARTIERT

- (AD) - Ein relativ schnelles und einfaches Verfahren zur Ortsbestimmung von Genen in menschlichen Chromosomen hat eine Gruppe von
Biochemikern, Medizinern und Genetikern der Universität Kalifornien in
einem Institut in San Francisco und am Lawrence Livermore Laboratory
entwickelt. Es gelang ihnen, die Zeit für den Prozeß der Lokalisierung
eines Gens auf ein paar Wochen zu verkürzen, wofür bisher unter Umständen
mehrere Jahre erforderlich waren.
Wie schwierig die Genbestimmung beim Menschen ist, erhellt schon
aus der Tatsache, daß die Gesamtzahl der Gene, die beim gesunden Menschen
auf den 46 Chromosomen gespeichert sind, vorläufig nur geschätzt werden
kann - auf 50 000 bis 100 000, von denen bisher 3 000 identifiziert wurden.
Davon konnte man inzwischen an die 300 lokalisieren, d.h. sie einem der
46 Chromosomen zuordnen und ihren Platz innerhalb des betreffenden
Chromosoms ermitteln. Eine Kartierung der Gene trägt dazu bei, die Struktur
des genetischen Materials für den menschlichen Organismus besser zu bestimmen und vielleicht auch das Zusammenwirken von Genen bei den ver-

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�verschiedensten Arten gesundheitlicher Störungen zu erfassen.

Die Gen-

Kartierung könnte außerdem Hinweise auf die Natur von chromosomalen Defekten
geben, die schwerwiegende Auswirkungen haben.

Den Ort jener Gene zu finden,

die beispielsweise für Krankheiten wie Hämophilie (Bluterkrankheit),
bestimmte Formen von geistiger Behinderung oder von Polyarthrosen verantwortlich sind, könnte breits den ersten Schritt zu einer die Ursache angehenden
Therapie bedeuten.
Der Schlüssel zu dem jetzigen Erfolg der Wissenschaftler (beteiligt
sind Tony Carrano vom Lawrence Livermore Laboratory, Roger Lebo und Yuet Kan
vom Institut für Genetik in San Francisco und eine Anzahl von Mitarbeitern)
war die Verwendung des am Livermore-Institut entwickelten Zell-Separators.
Mit Hilfe dieser Maschine ist es möglich, Zellen oder Chromosomen blitzschnell zu analysieren und zu trennen.

Von Tausenden menschlicher Zellen

wurden die Chromosomen abgetrennt - mit einer "Ausbeute" von 200 Chromosomen
pro Sekunde.

Dann ging man daran, den Chromosomenverband in seine ver-

schiedenen Untergruppen zu zerlegen.

Dies hätte bei der Anwendung der

bisherigen Verfahren eine Arbeit von Jahren bedeutet, weil bei den im
Labor gewonnenen Zellkulturen nur eine Isolierung von Chromosomen durch
natürliche Prozesse genutzt

werden konnte.

Ein wichtiger Test für das im Lawrence Livermore Laboratory (LLL
abgekürzt) angewandte Verfahren war die Lokalisierung des Gens, das für
die Produktion des Proteins Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) "zuständig"
ist. Die Forscher begannen die Prozedur mit einer "Kopie" des HämoglobinGens. Diese Kopie, in Bakterien kloniert, war ein genaues Duplikat des
"echten" Gens und dazu radioaktiv markiert. Dies wurde durch die
Verwendung eines radioaktiven Isotops von Phosphor erreicht.
Dann galt es, herauszufinden, welchem der 46
Hämoglobin-Gen zuzuordnen ist.

Chromosomen das

Die Wissenschaftler brachten eine Kopie

des Gens mit jedem einzelnen der voneinander getrennten 46 Chromosomen

- 2 -

�Chromosomen in einem "Hybridisierung" genannten Prozeß zusammen.

Beim

Chromosom 11 schließlich war es soweit - die Gen-Kopie verband sich mit
der DNS (Desoxyribonukleinsäure) im Chromosom, das zuständige Chromosom
war gefunden.

Nun wurde der Gen-Ort immer enger eingekreist, bis endlich

mit einer besonderen Aufnahmetechnik die von der Gen-Kopie abgegebene
Radioaktivität den genauen Ort des Hämoglobin-Gens auf dem Chromosom
bestätigte.
"Was unsere Arbeit zur Genort-Bestimmung bisher behinderte, war
die geringe Anzahl von Gen-Kopien, die uns gegenwärtig von verschiedenen
Genen zur Verfügung stehen", berichtet Carrano. Der Forscher hofft, daß
man auf diesem Spezialgebiet schneller vorankommen wird, sobald mehr GenKopien verfügbar werden und mehr Forschungszentren mit besonders leistungsfähigen Zell-Separatoren arbeiten können.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8613">
                <text>27.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8614">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8615">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14030">
                <text>Amerikadienst 27.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14031">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brief des US-Botschafters in Moskau an die "Literaturnaja Gazeta"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Invasion Afghanistans und die Reaktion der Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Arthur A. Hartman, Botschafter der USA in Paris -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zu den Olympischen Spiele in Moskau&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zur Untersuchungskommission im Iran&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung über Giftmüll-Export besorgt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rechtslage für staatliche Eingriffe wird geprüft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschliche Gene werden kartiert&amp;nbsp;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1677" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1688">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/e163f51addca48764bc1d31f7f58ba3d.pdf</src>
        <authentication>eae28c2642bbd0642892d7b18211d7a6</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8612">
                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of Amenci

20. Februar 1980

12

INHALT

INFORMATION
Langfristige nukleare Entsorgung
- Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an Pressekonferenz Präsident Carters vom 13. Februar 1980
- Auszüge
DOKUMENTATION
Erklärung des amerikanischen Außenministers vor der Vollversammlung
des IOC
USA würdigen Schlußbericht der Brandt-Kommission
- Presseverlautbarung der IDCA HINTERGRUNDMATERIAL
Sowjetische Beschuldigungen gegen die USA "vollkommen aus der Luft
gegriffen"
Die Bedeutung wissenschaftlicher Ost-West-Kontakte
- USICA-Interview mit Dr. Philip Handler, Präsident der Nationalen
Akademie der Wissenschaften WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lizenz für akustisches Mikroskop an Fa. Leitz

Um Übcr/cnJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Februar 1980

12

LANGFRISTIGE NUKLEARE ENTSORGUNG
Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an

- (AD) - In einer dem amerikanischen Kongreß am 12. Februar 1980
unterbreiteten Botschaft kündigte Präsident Carter ein umfassendes
Sondierungs- und Forschungsprogramm zur nuklearen Entsorgung für Abfälle
aus Atomkraftwerken und der militärischen Forschung an, das vorläufig auf
fünf Jahre befristet ist. Bundesregierung und Einzelstaaten sollen eng
zusammenarbeiten, um in den Vereinigten Staaten geeignete unterirdische
Lagerstätten zu finden, wo radioaktive Abfälle völlig isoliert von Menschen
und den von ihnen benutzten Dingen und Materialien deponiert werden können.
Präsident Carter hofft, daß bis Mitte der achtziger Jahre mehrere
in Frage kommende Lagerstätten ausfindig gemacht werden und Mitte der neunziger Jahre betriebsbereit sind.

"Mein Hauptziel im Zusammenhang mit der

nuklearen Entsorgung ist es, die Gesundheit und Sicherheit aller Amerikaner
zu schützen - jetzt genauso wie in der Zukunft", erklärte der Präsident.
Die Verantwortung für die Lösung des Problems dürfe nicht künftigen Generationen zugeschoben werden.
Die

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn2
Telex:08-85432

�Die bisherigen Bemühungen der Regierung um die Beseitigung radioaktiver Abfälle und die nukleare Entsorgung waren nach Ansicht Präsident
Carters "vom technischen Standpunkt aus gesehen nicht ausreichend".

Um-

weltschutzverbände und andere öffentliche Interessengruppen bezeichneten
den Plan des Präsidenten als "den ersten Schritt in Richtung auf ein
vernünftiges" nukleares Entsorgungsprogramm.

Nukleare Abfälle wurden

bisher in Zwischenlagern deponiert.
Kernstück des Carter-Planes ist ein umfassendes geologisches Forschungsund Explorationsprogramm, in dessen Verlauf zahlreiche unterirdische
Gesteinsarten und verschiedene Regionen untersucht werden sollen. Gesteinstypen vulkanischen Ursprungs wie Basalt und Tuff würden ebenso einbezogen wie Salzstöcke und andere Salzablagerungen, Granit, Schiefer- und
Tonschichten.

Die Formationen müssen isoliert sein von Quellen für

Grundwasser, frei von Rissen, über die Wasser einsickern könnte, und sie
dürfen sich nicht in erdbebengefährdeten Zonen befinden.
"Von der Idee langfristiger oberirdischer Lagerung halten wir nichts",
meinte Stuart Eizenstat, Berater Präsident Carters, nach der Ankündigung
des Programms. Dem Kongreß liegen z.Zt. mehrere Vorschläge über eine
langfristige oberirdische Lagerung vor, über die noch nicht entschieden
wurde.
Präsident Carter betonte, daß die Suche nach unterirdischen Lagerstätten mit einem Höchstmaß an Gründlichkeit erfolgen müsse, denn die
Eignung eines möglichen Deponieortes kann nur mit Hilfe detaillierter und
zeitraubender standortspezifischer Analysen sowie genauer Untersuchung
des geologischen Umfeldes ermittelt werden. Außerdem müßten Anlage und
Ausbau einer Lagerstätte "sorgfältig Schritt für Schritt" durchgeführt
werden.
Das

�Das bisher einzige Projekt für die unterirdische Lagerung radioaktiver
Abfälle - die Pilotanlage zur Abfall Isolierung bei Carlsbad, New Mexiko wird, wie Präsident Carter ankündigte, nicht weitergeführt.

Jedoch wird

der Standort als Entsorgungszentrum zusammen mit zehn weiteren möglichen
unterirdischen Deponieplätzen in den USA weiterhin geprüft.

Neben der

Durchführung geologischer Untersuchungen wird das amerikanische Energieministerium auch Forschungsprojekte auf dem Gebiet anderer Entsorgungstechniken wie z.B. der chemischen und metallurgischen Behandlung oder
dem absolut lecksicheren "Einpacken" von radioaktivem Material erheblich
ausweiten. "An diesem ergänzenden Forschungs- und Entwicklungsprogramm"
so Präsident Carter, "sollen sich die besten Naturwissenschaftler,
Ingenieure und Spezialisten anderer Gebiete...von den Universitäten,
der Industrie und von staatlichen Instituten beteiligen."

Mittlerweile wurde der Kongreß ersucht, die Genehmigung zum Ankauf,
Bau oder zur Verbesserung von Anlagen zu erteilen, wo verbrauchter Kernbrennstoff amerikanischer Herkunft "und eine begrenzte Menge verbrauchten
Kernbrennstoffs ausländischer Herkunft für den Fall gelagert werden kann,
daß damit den Zielen unserer Nonproh'ferationspol itik gedient wird", solange keine Endlagerstätten dafür vorhanden sind.

Die Vorschläge des

Präsidenten basieren auf den Ergebnissen zweijähriger Untersuchungen
einer Studiengruppe aus Vertretern von öffentlichkeit, Industrie, Bürgerinitiativen, einzelstaatlichen und kommunalen Behörden, Kongreß sowie
von Wissenschaftlern aller Fachgebiete, die die nukleare Entsorgung überprüften .

Angesichts des wachsenden öffentlichen Interesses an der Mitwirkung
bei Entscheidungen über die nukieare Entsorgung schuf der Präsident einen
"Planungsrat der Einzelstaaten", cem d^e Gouverneure der amerikanischen
Bundesstaaten angehören.

Er soll dazu beitragen, "unserer gemeinsamen

Verantwortung für den Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit
gerecht zu werden".

Außerdem wies Präsident Carter sämtliche Ministerien

- 3 -

�;

•&gt;

i

Ministerien und Behörden an, alle Mechanismen zu verbessern, um die
Beteiligung und Unterrichtung der Öffentlichkeit hinsichtlich aller
Aspekte des nuklearen Entsorgungsprogramms zu gewährleisten.
In einer nach der Ankündigung des Programms einberufenen Pressekonferenz wiesen Stuart Eizenstat, Wissenschaftsberater Dr. Frank Press
und Dr. John Deutch, Leiter der Forschungsabteilung im amerikanischen
Energieministerium,.darauf hin, daß die Atommüll-Frage "ein zähes Problem
sei und man noch einen langen Weg zu gehen habe.

+ + + + +

- 4-

�3

CO

I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12

20. Februar 1980

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT CARTERS VOM 13. FEBRUAR 1980
- Auszüge -

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf seiner Presse-

konferenz am 13. Februar 1980 vor allem zu Fragen Stellung genommen, die
sich mit der Lage der amerikanischen Geiseln in Teheran sowie mit der
durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan hervorgerufenen weltpolitischen
Situation befaßten.

Ein Teil der Pressekonferenz war auch innenpolitischen

Problemen sowie Wahl kämpfthemen gewidmet.
Nachstehend geben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zu den
außenpolitischen Themen wieder.
Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz mit folgender Erklärung:
Seit dem Tage, an dem unsere Botschaft in Teheran besetzt wurde, hatten
wir zwei Ziele: das erste, die Sicherheit und Freilassung der als Geiseln
festgehaltenen Amerikaner und das zweite, den Schutz unseres nationalen
Interesses in diesem kritischen Gebiet der Welt. Seit jenem Tag haben wir

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�wir jede Möglichkeit zur Erreichung dieser Ziele verfolgt.

Nichts ist

bei der Suche nach einer Lösung unversucht geblieben.
Während der letzten Wochen sind unsere Bemühungen und Aktivitäten
außerordentlich

Jelikat und intensiv geworden.

Kürzlich gab es einige

positive Zeichen, aber die Erfahrung hat uns gelehrt, uns vor jedem übermäßigen Optimismus zu hüten.

Seit Mitte November haben wir und Vertreter

des Iran mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Waldheim, seinen
Vorschlag erörtert, eine Untersuchungskommission nach Teheran zu entsenden.
Wir würden Schritte der Vereinten Nationen unterstützen, die zu der Freilassung der Geiseln führen könnten, wenn diese Schritte mit unseren
eigenen Zielen und unseren wesentlichen internationalen Grundsätzen
vereinbar sind.

Eine geeignete Kommission mit einer sorgfältig fest-

gelegten Zielsetzung wäre ein Schritt zur Lösung dieser Krise.
Ich weiß, daß Sie und das amerikanische Volk verstehen werden, daß
es mir zu diesem kritischen Zeitpunkt nicht möglich ist, über irgendwelche
spezifischen Bemühungen zu sprechen oder ausführlicher zu ihnen Stellung
zu nehmen, die vielleicht im Gange sind oder über Vorschläge, die zur
Beendigung der Krise nützlich sein könnten. Ich danke Ihnen
FRAGE: Herr Präsident, wenn die Krise in Afghanistan eine so reale
und so schwerwiegende ist, wie Sie gesagt haben, daß sie es sei, haben
die Vereinigten Staaten dann überhaupt die militärische Kapazität, um mit
ihr fertig zu werden, ohne Kernwaffen einzusetzen?
ANTWORT:

Es ist eine große Krise, die durch die sowjetische Invasion

in Afghanistan ausgelöst wurde und zwar aus mehreren Gründen.

Vor allem

ist dies ein entscheidend wichtiges Gebiet der Welt, für uns, für unsere
Verbündeten und für andere Länder.

Zweidrittel aller ölexporte in die gesamte

Welt kommen aus dem Gebiet um den Persischen Golf.

Zum anderen ist es ein

außerordentlich unbeständiger, sich rasch wandelnder und instabiler Teil

- 2 -

�Teil der Welt.

Dirttens, haben die Sowjets im Verlauf einer Reihe von

Jahren eine stetige militärische Aufrüstung betrieben, die uns Sorge
bereitet hat, und auf die wir, seitdem ich im Amt bin, reagiert haben.
Und viertens, haben die Sowjets in einer beträchtlichen Abweichung von
allem, was sie seit dem Zweiten Weltkrieg bisher getan haben, nunmehr
gezeigt, daß sie gewillt sind, ihre Streitkräfte über ihre eigenen Grenzen
hinaus zu einer massiven Invasion Afghanistans einzusetzen.
Die von mir ergriffenen Gegenmaßnahmen auf diese Schritte sind zweckmäßig und, wie ich glaube und hoffe, angemessen. Wir müssen die Sowjetunion
durch friedliche Mittel überzeugen, daß sie nicht ungestraft in ein
unschuldiges Land einfallen kann, und die Sowjets müssen die Konsequenzen
aus ihren Aktionen tragen.

zur
von
uns
daß
daß
für

Alles, was wir getan haben, war ein Beitrag zur Stabilität, zur Mäßigung,
klaren Linie, zur Festigkeit und zum Frieden. Wir haben unsere Aktionen
uns aus getroffen und wir haben unsere Verbündeten und andere gebeten, sich
anzuschließen in der Verurteilung der Sowjetunion und in der Forderung,
sich die Sowjets aus Afghanistan zurückziehen, und sie zu überzeugen,
jedesweitere Abenteusr
von ihrer Seite schwerwiegende Konsequenzen
die Sowjetunion haben würde
FRAGE:

akzeptabel?

Nochmal zu Afghanistan, was für eine Regierung wäre für Sie
Die Russen haben gesagt, daß, wenn sie abziehen, sie -

darauf deutet es hin - ein Marionettenregime hinterlassen würden.

Würden

Sie auf einem neutralen Regime bestehen, oder welche Aktion werden Sie unternehmen?
ANTWORT:

Was wir vor allem haben wollen, ist ein sowjetischer Rück-

zug und die Verpflichtung, die verifiziert und durchgeführt werden könnte,
daß die Sowjets nicht in ein anderes Land einfallen werden oder ihre Streitkräfte über ihre eigenen Grenzen hinaus wieder einsetzen, um den Frieden

- 3 -

�Frieden zu erschüttern.

Wir möchten ein neutrales Land.

Wenn es dazu

einer Übergangsphase bedarf, in welcher eine neutrale und verantwortliche
Regierung, die für das afghanische Volk akzeptabel ist, eingesetzt werden
könnte, dann könnte vielleicht eine von den Vereinten Nationen aufgestellte
Friedenstruppe - vielleicht aus moslemischen Truppenteilen oder anderen
gebildet - während dieser Übergangsphase eingesetzt werden, aber meine
Haupterwägung ist, sicherzustellen, daß die Sowjets erkennen, daß ihre
Invasion nicht akzeptabel ist, und so viel Unterstützung wie nur möglich bei
den anderen Ländern der Welt aufzubieten, um eine weitere Bedrohung des
Friedens und einen Anlaß zum Krieg zu verhindern.
•
•

Ich glaube, durch Stärke können wir den Frieden erhalten, aber wir
müssen entschlossen sein, wir müssen konsequent bleiben und unsere Maßnahmen
müssen den Charakter einer langfristigen, vorhersehbaren Aktion haben, die
von der Sowjetunion klar verstanden wird.
FRAGE: Herr Präsident, Sie fordern eine Steigerung der Ausgaben für
die militärische Verteidigung um fünf Prozent. Einige Mitglieder des
Kongresses haben gemeint, daß das angesichts der sowjetischen Invasion in
Afghanistan zu wenig sein könnte. Würden Sie einen Plan des Kongresses
unterstützen, sogar bis zu einer Verdopplung der derzeitigen fünfprozentigen
Steigerung für die militärischen Ausgaben zu gehen?
•

ANTWORT: Seit meinem ersten Amtsjahr als Präsident hat bei uns eine
kräftige und ständige Steigerung der Verteidigungsausgaben stattgefunden,
denn ich erkannte bei meinem Amtsantritt einige Schwächen in unserem
Verteidigungspotential. Um ganz genau zu sein, möchte ich hinzufügen, daß
Präsident Ford mit diesem Ausbau kurz vor Ende seiner Amtszeit begonnen
hat. Ich habe ihn fortgesetzt.
Meiner Meinung nach hat der Militärhaushalt, den wir dem Kongreß in
den letzten Wochen vorgelegt haben, den angemessenen Ausgabenumfang. ^r_

- 4 -

�Er ist sehr sorgfältig angepaßt an das Tempo, mit dem wir Waffen kaufen
und entwickeln können, und genau an die Fernziele der Dislozierung unserer
Truppen, der Mobilität unserer Truppen und der Wechselbeziehung mit unseren
Verbündeten angeglichen.
Ich sage damit nicht, daß ich nicht mit weiterer Feinabstimmung oder
anderen Modifikationen des Haushalts einverstanden wäre. Aber ich würde
mich sehr energisch jeder Anstrengung widersetzen, den Verteidigungshaushalt - wie dies erst kürzlich vorgeschlagen wurde - stärker zu kürzen
als es mein Vorschlag vorsieht.
FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben gesagt, die Sowjets müßten dazu

gebracht werden, einen Preis für ihre Invasion Afghanistans zu bezahlen;
und ihr Berater sagte, daß unser Boykott der Olympischen Spiele nicht als
Strafe gedacht sei. Wie erklären Sie den Gegensatz, der zwischen diesen
beiden Standpunkten zu bestehen scheint?
ANTWORT: Wir hegen nicht den Wunsch, die Olympischen Spiele als Mittel
der Strafe zu verwenden, nur legen die Sowjets auf die Abhaltung der
Olympischen Spiele in der Sowjetunion einen so hohen Wert. In ihrem eigenen
Propagandamaterial erheben sie den Anspruch, daß die Bereitschaft des
Internationalen Olympischen Komitees, die Spiele in Moskau stattfinden
zu lassen, eine Bestätigung der Außenpolitik und der friedliebenden Natur
der Sowjetunion sei. Meiner Meinung nach ist es für jede Nation unverantwortlich, Athleten unter dem Schutz der Spiele in die Hauptstadt eines
Landes zu senden, wenn dieses Land, das Gastgeberland, sich aktiv an der
Invasion eines anderen Landes und der Unterdrückung unschuldiger Menschen
beteiligt. Und daher glaube ich aus diesem Grund nicht, daß wir verpflichtet
sind, unsere Athleten nach Moskau zu schicken.
Ich möchte wiederholen:

Falls die Sowjetunion ihre Truppen nicht bis

zum 20. dieses Monats aus Afghanistan zurückzieht, werden weder ich, noch

- 5 -

�noch das amerikanische Volk, noch der Kongreß es unterstützen, daß eine
Olympiamannschaft diesen Sommer nach Moskau geschickt wird.
FRAGE:

Herr Präsident, falls die Sowjets womöglich ihre Truppen

zwischen dem 20. Februar und dem 24. Mai aus Afghanistan abziehen sollten,
wenn die Olympischen Komitees ihre Entscheidungen bekanntgeben:

Besteht dann

die Möglichkeit, daß Sie vielleicht Ihre Meinung ändern und es unterstützen,
daß ein amerikanisches Team nach Moskau geschickt wird?
ANTWORT:
FRAGE:

Ich glaube nicht an die erstere Möglichkeit.
Herr Präsident, wie Sie wissen, haben die Franzosen nicht

zugestimmt, noch in diesem Monat in Rom zu einer Außenministerkonferenz
zusammenzutreffen.

Die Westdeutschen haben dem Olympiaboykott nicht zuge-

stimmt und es gab, glaube ich, einige Unzufriedenheit über die Reaktion
Ihrer Regierung auf die Japaner. Waren Sie völlig mit der japanischen,der
französischen und der westdeutschen Reaktion auf Ihren Appell nach Bestrafung und Sanktionen gegen die Sowjetunion zufrieden?
ANTWORT:

Ja, im allgemeinen war ich sehr damit zufrieden.

Es gibt

zwischen all unseren Hauptverbündeten ein bemerkenswertes Maß an Einmütigkeit über den Ernst der sowjetischen Bedrohung in Afghanistan und
die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um dieser Bedrohung zu begegnen
und eine weitere Aggression der Sowjetunion zu verhindern.
Es gibt feine Unterschiede. Die Länder sind unterschiedlich, sie
haben unterschiedliche Perspektiven, sie haben unterschiedliche Regierungsformen. Manche haben Koalitionsregierungen, wo der Regierungschef einen
Außenminister hat, der eine andere Partei vertritt und so weiter. Es
gibt Zeiten, da wir zum Beispiel gereizt und ungehalten über die Franzosen
sind. Und es gibt Zeiten, da die Franzosen gereizt und ungehalten über
uns sind.
Die
6 -

�Die kürzliche Meinungsverschiedenheit über den genauen Zeitpunkt und
die Zusammensetzung sowie die beizubehaltende Verschwiegenheit auf dem
Außenministertreffen war bedauerlich. Meine Haltung dazu ergab sich aus
einem Telefongespräch mit Bundeskanzler Schmidt, nachdem dieser sich
mehrere Tage lang mit Präsident Giscard d'Estaing getroffen hatte. Ich war
der Ansicht, daß Zeitpunkt und Ort von ihnen vereinbart worden waren und
daß ich ihrer Bitte entsprach. Es war jedoch nicht die gleiche Ansicht,
die die Franzosen hatten. Unsere Kommunikation war unzureichend.
Aber diese Meinungsverschiedenheit ist nur geringfügig im Vergleich
zu den großen Übereinstimmungen, auf die wir die gegenwärtige und die
zukünftige Politik zwischen den Verbündeten der Vereinigten Staaten gründen.
FRAGE: Herr Präsident, Sie haben einmal gesagt, es sei für Sie nicht
sicher, ob amerikanische Soldaten jemals für die Verteidigung Jugoslawiens
eingesetzt werden sollten. Marschall Tito ist schwer krank. Ist dies
angesichts Afghanistans immer noch Ihre Meinung?
ANTWORT: Wir haben mit der Führung Jugoslawiens sehr eingehende
Gespräche geführt, unter anderem auch mit Marschall Tito bei seinem Besuch
vor nicht allzu langer Zeit. Nach dem Gesamtbild, das sie uns dabei übermittelten, und das ich als ein genau zutreffendes akzeptiere, ist Jugoslawien
ein auf seine Unabhängigkeit stolzes, mutiges und gut ausgerüstetes Land,
das sich selbst verteidigen kann.
Wenn wir dazu aufgefordert werden, dem jugoslawischen Volke in der
Zukunft irgendwelche Hilfe zu leisten, würden wir dies sehr ernsthaft
in Erwägung ziehen und überlegen, was nach unserer Meinung für sie und für
uns das Beste wäre.
Ich habe in jüngster Zeit mehrfach mit führenden Männern Europas
über die Notwendigkeit gesprochen, unsere Bindungen mit Jugoslawien zu

- 7 -

�zu verstärken und seine Blockfreiheit zu schützen, so daß es von der
Sowjetunion weder beherrscht noch erfolgreich bedroht werden kann.

Wir

werden das, was immer notwendig ist tun, um diese Ziele zu erreichen, aber
den aktuellen Notwendigkeiten und den spezifischen von Jugoslawien selbst
ausgehenden Anforderungen entsprechen.
•

Ich danke Ihnen!

+ + + + +

�V# J

M 1 •1H|
3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Februar 1980

12

ERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS
VOR DER VOLLVERSAMMLUNG DES IOC

LAKE PLACID - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyril Vance
begründete in einer Erklärung vor der Vollversammlung des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC) am 9. Februar 1980 in Lake Placid, warum sich
die amerikanische Regierung gegen die Olympischen Sommerspiele in Moskau
ausgesprochen hat. "Wir wollen nicht, daß die olympische Bewegung Schaden
erleidet. Wenn jedoch die Grundprinzipien der Olympischen Spiele ignoriert
werden, dann wird die Zukunft der Spiele selbst aufs Spiel gesetzt." Die
Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Im Auftrag Präsident Carters und als ehrenamtlicher Vizepräsident
des amerikanischen olympischen Komitees habe ich die Ehre, dieses hochgeschätzte Komitee in den Vereinigten Staaten und in Lake Placid willkommen
zu heißen und die Sportler aus der ganzen Welt zu den Olympischen Winterspielen 1980 zu begrüßen.
Während

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Während wir heute abend hier zusammentreffen, sieht sich die Welt einer
schweren Bedrohung des Friedens gegenüber, die für die olympische Bewegung
eine Frage von fundamentaler Bedeutung aufwirft.
Seit ihren Anfängen im alten Griechenland symbolisieren die Olympischen
Spiele einige der vornehmsten Prinzipien der Menschheit.

Unter ihnen steht

der Friede an erster Stelle.
Bei den Spielen der Neuzeit spiegelt sich dieses Prinzip in den
Eröffnungsfeiern wider, wenn man Tauben aufsteigen läßt, um den Frieden zu
symbolisieren.
Die Spiele im Altertum wurden im Stadtstaat von Elis abgehalten.
Mit ihnen setzte ein "Götterfrieden" ein.

Während dieser Zeit des Friedens

war ein offener Krieg gegen oder durch den gastgebenden Stadtstaat verboten.
Nach Auffassung meiner Regierung wäre es eine Verletzung dieses
fundamentalen olympischen Prinzips, olympische Spiele in einem Land durchzuführen oder zu besuchen, das zur Zeit in einen aggressiven Krieg
verwickelt ist und das sich geweigert hat, der Forderung der Weltgemeinschaft
nach Beendigung seiner Aggression und Zurückziehung seiner Streitkräfte
zu entsprechen.
Lassen Sie uns über die grundlegende Frage klar sein, vor der wir
stehen.
Es geht hier nicht um die Frage, ob die Mannschaft eines Staates aus
politischen Gründen von den Wettkämpfen ausgeschlossen werden sollte. Wir
heißen jede Mannschaft willkommen, die dieses Komitee zu diesen Winterspielen eingeladen hat.

Die

�Die Frage, vor der wir jetzt stehen, ist gänzlich anderer Art.

Es

geht darum, ob die Spiele in einem Land abgehalten werden sollten, das
selbst einen schwere Bruch des internationalen Friedens begeht.

Dies

zu tun, wäre nach unserer Überzeugung völlig unvereinbar mit dem Sinn
der Olympischen Spiele.

Es ist unmöglich, diese Entscheidung von ihren politischen Konsequenzen
abzutrennen.

Die Olympischen Spiele in einem Land abzuhalten, das gegen

ein anderes Krieg führt, heißt, den olympischen Mantel über die Aktionen
dieses Landes decken.

Wir sehen bereits, wie das Land, das als Gastgeber für die Sommerspiele ausgewählt wurde, seine Wahl als eine Anerkennung der "Richtigkeit
(seiner) Außenpolitik" und seiner "gewaltigen Verdienste...im Kampf für
den Frieden" bezeichnet.
Die unausweichliche Tatsache ist, daß den Kämpfen der Nationen und
Völker um die Erhaltung ihrer Unabhängigkeit - um die Erhaltung des
Friedens jetzt und für die Zukunft - entgegengetreten wird und man sie
herabsetzt, wenn die Olympischen Spiele in einem Land stattfinden, das
wegen fortgesetzter Aggression von der überwältigenden Mehrheit der UNVollversammlung verurteilt wurde.

Die Verantwortung für diese Angelegenheit sollte nicht auf die
Sportler abgewälzt werden.

Damit würde man sie lediglich zwingen, eine

Last zu tragen, die eigentlich den Führern der olympischen Bewegung
zukommt.

Niemand wünscht, daß unsere Sportler darunter leiden. Aber

wir dürfen auch nicht zulassen, daß sie ausgenutzt werden.

Über die Auswirkungen dieser Entscheidungen auf den internationalen
Frieden hinaus sollten wir uns auch Gedanken machen über die sich daraus
ergebenden Konsequenzen für die olympische Bewegung.
Die
- 3 -

�Die Vereinigten Staaten sind tief überzeugt vom Wert der Olympischen
Spiele und den Prinzipien, die sie tragen. Wir sind außerordentlich stolz
auf unsere Sportler und auf die Sportler der anderen Nationen, die lang
und hart trainiert haben. Wir wollen nicht, daß die olympische Bewegung
Schaden leidet.
Wenn jedoch die Grundprinzipien der Olympischen Spiele ignoriert werden,
dann wird die Zukunft der Spiele selbst aufs Spiel gesetzt.
In der ganzen Welt findet sich eine breite und wachsende Opposition
bei den Regierungen und den Menschen, die Spiele durchzuführen - so als
sei nichts geschehen.

Das zu tun, würde das Interesse und die Unterstützung

durch breite Kreise der Öffentlichkeit gefährden, auf denen diese und
künftige Olympiaden beruhen.
Vorzuziehen wäre es, die Spiele in diesem Sommer von Moskau an einen
anderen Ort oder an mehrere zu verlegen. Sicherlich gibt es bei der Durchführung Schwierigkeiten, aber diese könnten überwunden werden. Auch für
ein Absagen der Spiele existieren bereits Präzedenzfälle. Oder aber es
wäre möglich, die Spiele durch eine einfache Änderung der Regeln für ein
oder mehrere Jahre aufzuschieben.
Lassen Sie mich die Position meiner Regierung klarstellen: wir werden
uns der Teilnahme einer amerikanischen Mannschaft an jeglichen olympischen
Spielen in der Hauptstadt eines Landes widersetzen, das gewaltsam in ein
anderes Land einfällt.
Diese Position ist fest.

In ihr finden die tiefen Überzeugungen des

amerikanischen Kongresses und des amerikanischen Volkes ihren Ausdruck.
Um solche Probleme in Zukunft zu vermeiden, treten wir für die
Schaffung einer ständigen Heimstatt für die olympischen Winter- und

�und Sommerspiele ein.
Ich weiß, daß dieses hochgeschätzte Gremium sorgfältig die jetzt vor
ihm '»egenden Fragen abwägen wird.

Indem wir d^e Prinzipien der olympisch

Spiele hochhalten, wenn sie gefährdet sind, wenden wir Sinn und Bedeutung
der Olympischen Spiele für die künftigen Zeiten bewahren,

+ + + + +

�3
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Februar 1980

12

USA WORDIGEN SCHLUSSBERICHT DER BRANDT-KOMMISSION
_ Presseverlautbarung der IDCA -

WASHINGTON - (AD) - Der engste Berater Präsident Carters für
Entwicklungspolitik und Direktor der amerikanischen Behörde für internationale
Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten (International Development
Cooperation Agency - IDCA), Thomas Ehrlich, hat den am 12. Februar 1980
veröffentlichten Bericht der Brandt-Kommission über die Nord-Süd-Situation
"eine überaus wichtige Darstellung der drängendsten Bedürfnisse der
Entwicklungsländer" genannt, die die "wohlerwogene Aufmerksamkeit" der
ganzen internationalen Gemeinschaft erfordern.
Die Pressemitteilung, die von der IDCA am 13. Februar herausgegeben
wurde, hat folgenden Wortlaut:
Thomas Ehrlich, der Direktor der amerikanischen Behörde für internationale Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten kündigte heute (13.
Februar) an, daß die Behörde, die vor einiger Zeit geschaffen wurde, um
die Entwicklungspolitik der amerikanischen Regierung darzulegen und die
Aktivitäten in diesem entscheidenden Bereich amerikanischer Außenpolitik

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Außenpolitik zu koordinieren, die Führung bei den zwischenbehördlichen
Anstrengungen übernehmen wird, den Bericht der Brandt-Kommission zu
analysieren, der gestern (12. Februar) vorgelegt wurde.
Die 18-köpfige Kommission unter Führung des ehemaligen Bundeskanzlers
Willy Brandt wurde vor zwei Jahren eingesetzt, um sich mit Nord-SüdFragen zu beschäftigen.

Sie bestand aus Persönlichkeiten aus Industrie-

und Entwicklungsländern.
Mr. Ehrlich, der engste Berater des Präsidenten für amerikanische
Entwicklungspolitik, stellte fest, daß der Bericht (Bericht der unabhängigen
Kommission über internationale Entwicklungsfragen, "Nord-Süd:

ein Über-

lebensprogramm") "eine überaus wichtige Darstellung der drängendsten
Bedürfnisse der Entwicklungsländer (ist), Bedürfnisse, die die wohlerwogene Aufmerksamkeit der ganzen internationalen Gemeinschaft erfordern.
•

Der Brandt-Bericht enthält eine Fülle von Empfehlungen, und niemand
kann Übereinstimmung bei allen erwarten", stellte er fest. "Aber als ein
Bericht, der von Persönlichkeiten sowohl aus Industrie- als auch aus
Entwicklungsländern erarbeitet wurde, sollte er einen starken Anstoß
für Länder aus Nord und Süd darstellen, um in gemeinsamer Anstrengung
zur Förderung der Entwicklung zusammenzuarbeiten.
Beim ersten Durchlesen war ich erfreut zu sehen, daß der Bericht
besondere Aufmerksamkeit für die am wenigsten entwickelten Länder fordert
und der Beseitigung des Hungers in der Welt bis zum Ende dieses Jahrhunderts sowie den besonderen Problemen der Entwicklungsländer, die durch
den raschen Anstieg der ölpreise entstanden sind Priorität einräumt,"
fügte Ehrlich hinzu.
•

Der Bericht der Brandt-Kommission drängt auf ein Notprogramm in
den nächsten Jahren, das vier grundlegende Elemente enthalten würde:

�i

würde:

erhöhter Transfer von Entwicklungshilfe; eine neue internationale

Energiestrategie; ein weltweites Nahrungsmittel Programm und Beginn einiger
langfristiger Reformen, deren das Weltwirtschaftssystem bedarf.
Der IDCA-Direktor stellte fest, daß man zwar im Kreis der amerikanischen
Regierung bisher noch keine Gelegenheit gehabt habe, den Brandt-Bericht in
seinen Einzelheiten zu analysieren, aber "Anstrengungen unternommen werden,
die Empfehlungen in ihrem ganzen Umfang zu prüfen."
Die IDCA, die der amerikanischen Regierung als Sammelpunkt für
Wirtschaftsfragen dient, die die Entwicklungsländer berühren, wurde am
1. Oktober 1979 gegründet. Sie besteht aus der Behörde für internationale
Entwicklung, der Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee und einem
geplanten Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit.
Außerdem ist die IDCA verantwortlich für Entwicklungsfragen, die sich bei
der amerikanischen Beteiligung an internationalen Organisationen stellen,
einschließlich der Entwicklungsprogramme der Vereinten Nationen. Mit
dem Finanzministerium teilt es sich in die Verantwortung für die amerikanische
Beteiligung an den Multilateralen Entwicklungsbanken und mit dem Landwirtschaftsministerium die Verantwortung für die Lenkung des amerikanischen
Programms "Lebensmittel für den Frieden". (PL 480).

+ + + + +

- 3 -

�12

20. Februar 1980

SOWJETISCHE BESCHULDIGUNGEN GEGEN DIE USA
"VOLLKOMMEN AUS DER LUFT GEGRIFFEN"

WASHINGTON - (AD) - Die jüngsten sowjetischen Erklärungen, die den Vereinigten Staaten die Schuld für die Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion in die Schuhe zu schieben trachten, dienen nur dem Zweck, "die internationale Kritik zu entschärfen", die gegenwärtig allenthalben geübt wird, erklären offizielle amerikanische Regierungsstellen.

Die Sowjets behaupten, daß

"eine Einmischung von außen her" durch die Vereinigten Staaten und andere Länder den Einmarsch der Sowjetunion rechtfertige.
Es wird amerikanischerseits betont, daß die sowjetische "Desinformierungskampagne" voll von "falschen Rechtfertigungsgründen für die sowjetische Aggression und die hieraus resultierende Krise in den Ost-West-Beziehungen sei.
Die russische Propagandakampagne ist nach Auffassung amtlicher Washingtoner
Kreise in Entgegnung der Verurteilung eingeleitet worden, die die Invasion in
Afghanistan weltweit erfahren hat.

Ein

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Ein Beispiel für die sowjetische Kampagne ist ein Leitartikel, der am
29. Januar in der Prawda erschienen und als bezahlte Anzeige der sowjetischen
Presseagentur Nowosti auch in der Washington*
schen Tageszeitungen veröffentlicht wurde.

Post und in anderen ausländi-

In dem Leitartikel wird unter an-

derem behauptet, die seitens der Sowjetunion geleistete "Hilfe" sei "in Antwort auf ein Ersuchen der legitimen Führung Afghanistans erfolgt" und diene
dem Zweck, das Land vor einer "Bedrohung von außen her" zu schützen.
Amerikanische Regierungsvertreter ziehen die sowjetische Behauptung in
Zweifel, daß sie auf ein Hilfeersuchen einer legitimen afghanischen "Führung"
geantwortet hätten.

Präsident Taraki, so betonen sie, "wurde Mitte September

durch einen Gewaltstreich gestürzt.
dazu auffordern können.

Sein Nachfolger Amin hätte die Sowjets

Aber wenn er dies getan, hätte, hätte er es sicherlich

nicht in der Absicht getan, seine eigene Exekution zu beschleunigen."
Man weist in Washington in diesem Zusammenhang darauf hin, daß Präsident
Babrak Karmal in Afghanistan erst nach dem Coup und dem Beginn der Invasion
eingetroffen ist. "Die erste Ankündigung, daß Babrak Amin ersetzt habe, erfolgte von Sendern in der Sowjetunion, die Frequenzen benutzten, die den Eindruck erwecken sollten, daß es sich um Radio Kabul handelte. Obwohl der Sender Kabul einem Angriff sowjetischer Streitkräfte ausgesetzt war, setzte er
seine normale Sendefolge mindestens eineinhalb Stunden über den Zeitpunkt hinaus fort, an dem die besagten Ankündigungen erstmals zu hören waren," betonte
ein Sprecher in Washington.
Bezugnehmend auf die Behauptung der Prawda, Afghanistan sehe sich einer
"Bedrohung von außen" ausgesetzt, die von Lagern in Anrainerstaaten ausgeht,
wo ausländische Berater afghanische Flüchtlinge militärisch ausbilden, betonen amerikanische Regierungskreise, daß weit über 500 000 Afghanen, darunter
zahlreiche Frauen und Kinder, in Folge politischer Unterdrückung und religiöser Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen sind und Zuflucht in Pakistan gesucht haben.
"Wenngleich
- 2 -

�"Wenngleich nicht zu leugnen ist, daß Flüchtlinge aus solchen Lagern nach
Afghanistan zurückgekehrt sein mögen, um dort zu kämpfen," betont man amerikanischerseits, "stellen diese Lager keineswegs militärische Ausbildungsbasen
und auch keine Bedrohung Afghanistans oder der Sicherheit der Sowjetunion dar."

Die Sowjets behaupten auch, die Vereinigten Staaten verstärkten ihre Streitkräfte im Gebiet des Persischen Golfs als ein Teil ihrer Anstrengungen, "eine
amerikanische militärische Überlegenheit herzustellen."

Amerikanischerseits

hält man dem entgegen, den Sowjets müsse aus öffentlichen und vertraulichen
Äußerungen bekannt sein, daß die amerikanischen Streitkräfte im Indischen Ozean
nicht gegen die Sowjetunion aufgeboten wurden und aufgeboten sdhd, und daß
die Vereinigten Staaten niemals die Absicht hatten, sich in Afghanistans innere Angelegenheiten einzumischen.

"Unsere Entscheidung, eine Streitmacht für rasche Reaktionen zu bilden
und uns um den Zugang zu militärischen Anlagen im Nahen Osten für die Verwendung in einem Ernstfalle zu bemühen, wurde vielmehr in Erwiderung

auf die Be-

drohung unternommen, die die Sowjetunion für die leichtverletzlichen Staaten
in diesem Raum darstellt.

Nicht die Sowjetunion zu bedrohen, sondern zu dem

Zweck wurden diese Maßnahmen ergriffen, daß wir eine Position erlangen, unsere
Interessen wie auch die unserer Verbündeten und Freunde gegen den sowjetischen
Expansionismus verteidigen zu können."

In Klarstellung der amerikanischen Haltung unterstrich Präsident Carter,
daß die Vereinigten Staaten als "die andere Supermacht der Erde".eine "Verantwortung tragen", starke Maßnahmen zu ergreifen, um der Sowjetunion die
Kosten ihres Verhaltens wie auch die Entschlossenheit und die Willensstärke
des amerikanischen Volkes klar vor Augen zu führen.

Regierungssprecher in Washington weisen darauf hin, die sowjetischen
Maßnahmen in Afghanistan seien in klarer Verletzung des Völkerrechts wie auch
der Charta der Vereinten Nationen erfolgt, die die Androhung oder die Verwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines jeden Landes verbieten.
- 3 -

In
-~

�In ähnlicher Weise, so wird betont, stellt das sowjetische Vorgehen
eine direkte Verletzung der Bestimmungen des 1978 abgeschlossenen sowjetischafghanischen Vertrages der Freundschaft, guten Nachbarschaft und Zusammenarbeit dar, der von der "Achtung der natioanlen Souveränität" und "der gegenseitigen Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen" spricht.
Der Versuch, die Schuld an der Zunahme der internationalen Spannungen
den Vereinigten Staaten in die Schuhe zu schieben und letztere als Grund der
Rechtfertigung der sowjetischen Invasion in Afghanistan auszugeben, "kann
nur als eine den Eigenihteressen dienende Verdrehung der Wahrheit angesehen
werden, die die Aufmerksamkeit von der wahren Ursache der derzeitigen Spannungen ablenken soll:

die brutale und zynische sowjetische Aggression gegen

ein blockfreies Land," betont man offiziellerseits in USA.
In dem Leitartikel der Prawda wird die Behauptung aufgestellt, die CarterAdministration messe dem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion über die Begrenzung der strategischen Waffen (SALT II) "geringstmögliche Dringlichkeit" bei.
Dagegen machen amerikanische Regierungskreise deutlich, daß der Präsident
erst kürzlich die Verpflichtung der Vereinigten Staaten gegenüber SALT bekräftigt und dessen zunehmende Bedeutung in einer Zeit der Spannung festgestellt
hat. "Die Vereinigten Staaten haben die Absicht zum Ausdruck gebracht, auch
weiterhin keinerlei Schritte zu unternehmen, die nicht mit der Bestimmung
des SALT I-Zwischenabkommens in Einklang stehen und nichts zu tun, was Ziel
und Zweck des SALT II-Vertrags vereiteln könnte," stellen diese Kreise
fest.
Sie weisen darauf hin, daß es eine allgemein bekannte Tatsache sei, daß
die NATO-Entscheidung über die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) vom 12. Dezember 1979 vor dem Hintergrund der anhaltenden und
bedeutsamen Ausweitung der sowjetischen Mittel Streckenkapazitäten stattfand,
die gegen Europa gerichtet sind. Insbesondere die Dislozierung der SS-20,

- 4 -

�SS-20, einer mobilen Rakete mit Mehrfachgefechtsköpfen, die eine stark verbesserte Zielgenauigkeit hat, stelle eine wesentliche Verstärkung der sowjetischen
Kapazität dar. Gegenwärtig habe die NATO dieser Kapazität nichts Gleichwertiges
entgegenzusetzen.
Gleichzeitig wird betont, daß die NATO-Entscheidung ausdrücklich das Interesse der Verbündeten unterstreicht, Begrenzungen bei Mittel Streckenwaffen in
Europa durch Rüstungskontroll Verhandlungen mit der Sowjetunion zu erzielen.
Das am 12. Dezember 1979 von den Außen- und Verteidigungsministern der NATO
veröffentlichte gemeinsame Kommunique betonte die "große Bedeutung" von Rüstungskontrolle "als Beitrag zu einer stabileren militärischen Beziehung zwischen Ost
und West und zur Förderung des Entspannungsprozesses." Die Minister sprachen
sich für die Einbeziehung bestimmter amerikanischer und sowjetischer weiterreichender TNF-Systeme ("long-range Theater Nuclear Systems") in die laufenden
Rüstungskontroilanstrengungen aus, um ein stabileres Gesamtgleichgewicht bei
geringerem Umfang der Anzahl von Kernwaffen auf beiden Seiten zu erzielen.
Amerikanische Regierungskreise erwähnen besonders, daß die "kollektive
Natur" der NATO-Entscheidung "in sich selbst den sowjetischen Vorwurf widerlegt, sie seien in irgendeiner Weise den NATO-Verbündeten durch die Vereinigten
Staaten aufgezwungen worden."
Unter Hinweis auf die sowjetische Beschuldigung, die Regierung Carter
habe "die berüchtigte China-Karte" ausgespielt, stellen diese Kreise weiter
fest, daß die Reise von Verteidigungsminister Harold Brown vom 6. - 13. Januar
1980 "schon lange vor der sowjetischen Invasion in Afghanistan geplant und eine
ganz natürliche Folge des Prozesses der Normalisierung der amerikanischchinesischen Beziehungen war."
"Dieser Besuch richtete sich nicht gegen die Sowjetunion",so wird erklärt, "sein Zweck war vielmehr die Errichtung einer normalen Beziehung
schen den Verteidigungssystemen beider Länder.

- 5-

zwi-

Dennoch gab die Tatsache, daß

�daß die sowjetische Invasion unmittelbar vor dem Besuch stattfand, diesem
zusätzliche Bedeutung."

Diese Kreise stellen fest, daß die Chinesen, "eben-

so wie die meisten Staaten der internationalen Gemeinschaft" die amerikanischen Bedenken hinsichtlich der Bedrohung des Friedens teilen, den die
sowjetischen Schritte darstellen.

+ + + + +

�31
I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Februar 1980

12

DIE BEDEUTUNG WISSENSCHAFTLICHER OST-WEST-KONTAKTE
- USICA-Interview mit Dr. Philip Händler, Präsident
der Nationalen Akademie der Wissenschaften -

- (AD) - Den grundsätzlichen Standpunkt seines Landes zum wissenschaftlichen Austausch zwischen Ost und West angesichts der weltpolitischen
Spannungen hat der Präsident der amerikanischen Nationalen Akademie der
Wissenschaften (NAS), Dr. Philip Handler, in einem Interview mit dem
Korrespondenten des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA),
Michael Saks, dargelegt. Dr. Handler ist der Leiter der amerikanischen
Delegation auf dem Hamburger Wissenschaftsforum der 35 Staaten, die 1975
die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa KSZE - unterzeichnet haben, das am 18. Februar 1980 begann und bis zum
2. März dauert. Der Leiter der amerikanischen Delegation machte folgende
Ausführungen:
FRAGE:

Wie beurteilen Sie als Leiter der amerikanischen Delegation

betiWissenschaftsforum der KSZE in Hamburg die Bedeutung dieser Tagung für
die Vereinigten Staaten?
ANTWORT

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�ANTWORT:

Zum einen erfüllen wir mit unserer Teilnahme eine Verpflichtung.

Mit der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki erklärten wir uns bereit,
an einer Reihe von Sonderkonferenzen teilzunehmen, zu denen das Wissenschaftsforum gehört.

Das ist keine bilaterale Konferenz zwischen den Vereinigten

Staaten und der Sowjetunion, sondern eine Tagung von Delegierten aller
35 Signatarstaaten.

Und was immer vorübergehend unsere Beziehungen zu

irgendeinem der Länder beeinflußt, sollte nicht darüber entscheiden, ob
wir zu einer großen multinationalen Tagung mit alten Freunden oder BeinaheFreunden gehen.
FRAGE:

Ist der eigentliche Wert der Konferenz eher wissenschaftlicher

oder politischer Natur?
ANTWORT:

Wahrscheinlich ist sie mehr von politischer als von wissen-

schaftlicher Bedeutung, aber sicherlich trifft in Wahrheit beides zu
- in dem Sinne nämlich, als das primäre Programm

von Anfang an eine Erörterung

der Mittel und Wege zur Förderung verstärkter Kommunikation und eines
verstärkten Austausches in bezug auf Wissenschaftsfragen unter allen
Signatarmächten, und natürlich ganz besonders über die Ost-West-Grenzen
hinweg war.

Das ist noch immer ein vernünftiges Ziel, auch wenn im

gegenwärtigen Augenblick die Beziehungen zur Sowjetunion vor allem durch
Afghanistan belastet sind.
Es sind Delegierte von all den anderen osteuropäischen Nationen
anwesend, und unter den gegenwärtigen Umständen ist es wichtiger denn je,
daß wir Beziehungen zu den anderen osteuropäischen Nationen unterhalten,
die so herzlich wie nur irgend möglich sind.

Kommunikation und Austausch

in den Wissenschaften sind dafür besonders gut geeignet und erleichtern sie.
FRAGE:

Es gab in den Vereinigten Staaten Stimmen, diese Konferenz

zu boykottieren.

Wie stehen Sie dazu?
ANTWORT

�ANTWORT:

Wenn der Boykott ein Mittel ist, einer der 35 Nationen

unsere Besorgnisse zum Ausdruck zu bringen, so verstehe ich nicht, weshalb
wir nicht gehen sollten, um mit den anderen 34 zu reden. Außerdem halte
ich dies für eine viel zu gute Gelegenheit, als daß sie versäumt werden
dürfte, um unserem Lande eine Chance zu geben, Auge in Auge mit der gesamten
Delegation der Sowjetunion dieser die wahre Tiefe der Sorge der amerikanischen
Wissenschaftlergemeinschaft kundzutun.
ihrer Regierung zur Kenntnis bringen.

Die Russen können dann das Gehörte
Wenn wir jedwede Kommunikation

abschneiden, verlieren wir unser Blickfenster zur Gemeinschaft der sowjetischen
Wissenschaftler.

Wir würden dann die einzigen offenen Kommunikations-

kanä'le verschließen.

Das hätte meines Erachtens katastrophale Folgen.

Reden mag wertlos erscheinen.

Aber wir müssen es weiterhin versuchen,

denn irgendwo in der Zukunft lauert das Gespenst des Atomkrieges; und
diesen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern, ist
gewiß jede Mühe wert.

Deshalb sollten diejenigen von uns, die dank

wissenschaftlicher Austauschprogramme bis zu einem gewissen Grade Zugang
zu sowjetischen Ohren haben, diese Chance nutzen.
Wir sind beunruhigt, daß jene Personen in der Sowjetunion, die
Sektionen von Amnesty International und Organisationen zur Beobachtung der
Einhaltung des Abkommens von Helsinki geschaffen haben, sich nicht mehr
in der Lage sehen, diese lebensfähig zu erhalten. Sie wurden belästigt,
gestoppt, und einige wurden sogar wegen dieser Aktivitäten eingesperrt.
Wir beabsichtigen darüber mit der sowjetischen Delegation ein ernstes Wort
zu reden.
Und wir haben in die Waagschale zu werfen, daß der wissenschaftliche
Austausch des Westens voll und ganz von der freiwilligen Mitarbeit und dem
begeisterten Einsatz seiner Wissenschaftlergemeinschaft abhängt.

Wenn diese

unterbunden werden, kann weder die NAS noch der Kongreß der Vereinigten Staaten
ein Austauschprogramm zuwege bringen.

Und sie sind dabei, unterbunden

- 3 -

^

�zu werden.

Durch die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit Andrej

Sacharow ist dies sehr, sehr nahe gerückt.
FRAGE:

Wie ist die Reaktion der amerikanischen Wissenschaftler auf

die Verhaftung und Verbannung Dr. Sacharows?
ANTWORT: Sie sind offensichtlich sehr beunruhigt. Sacharow ist eine
überaus ungewöhnliche Persönlichkeit. Man nannte ihn "das Gewissen der
Menschheit". Vielleicht ist er das. Es waren Russen, die ihn mir als
einen "lebenden Heiligen" beschrieben. Er war ein wahrhaft großer
theoretischer Physiker; seine Leistungen sind über jeden Zweifel erhaben.
Es beunruhigt uns sehr, daß ein Mann, dessen Schriften - so unangenehm
sie auch für die regierenden Kreise in der Sowjetunion sein mögen - voll
und ganz dem Wohl der Menschheit gelten, aus eben diesem Grunde eingekerkert
werden soll. Ich bin in der Tat besorgt, daß die gegenwärtige Situation
nicht lange währen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, daß er sich in
Gorki nicht äußert und untätig ist. Er wird sicherlich in naher Zukunft
etwas sagen oder tun, was die sowjetische Regierung als Provokation betrachtet,
und ich weiß nicht, was dann geschehen wird.
FRAGE: Welches sind einige der Fragen, die unsere Delegierten wahrscheinlich ihren sowjetischen Kollegen stellen wollen?
ANTWORT: Ich glaube, daß die Fragen, die wir stellen wollen, weniger
wichtig sind als die Sorgen, mit denen wir kommen. Wir haben ein Paket
maßvoller, konstruktiver Vorschläge über erweiterten Austausch in ganz
Europa im Rahmen des wissenschaftlichen Porgramms dabei. Das bedeutet
beispielsweise Austausch im Zusammenhang mit Nahrungsmittel Versorgung,
Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens, mehr Erkenntnissen über
die Ursachen von Krebs und Herzerkrankungen und Austausch im Zusammenhang
mit neuen Methoden, um der Ausbreitung von Viruskrankheiten Einhalt zu gebieten.
Die

�Die amerikanischen Wissenschaftler sind außerdem über Prozesse einer
Kommunikation sowohl mit Westeuropa als auch Osteuropa ehrlich besorgt.
So haben wir beispielsweise mit Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland keine offiziellen Austauschprogramme.

Wir verlassen

uns auf freiwillig unternommene Aktionen der Gemeinschaft der Wissenschaftler.
Aber die Mittel, mit denen solche Verfahrensweisen gewöhnlich unterstützt
wurden, sind spärlicher geworden.

Ich muß leider sagen, daß unser Austausch

mit dem Westen abgenommen hat. Wir wissen vielleicht weniger darüber, was
in bestimmten Laboratorien in Frankreich, Deutschland und Schweden geschieht,
als was in der Sowjetunion passiert.
FRAGE: Welche Vorteile ergaben sich nach Ihrer Ansicht für die
Vereinigten Staaten in den letzten 20 Jahren aus deren Austauschprogramm
mit der Sowjetunion?
ANTWORT: Sicherlich ist der politische Vorteil am höchsten zu bewerten. Es gab eine Reihe anderer greifbarer Entwicklungen wie z.B. die
Zusammenarbeit in der nuklearen Fusionsforschung. Auch die Zusammenarbeit
in der Raumfahrt fing gerade an, bei der Planetenforschung konkrete
Ergebnisse zu zeitigen und die landwirtschaftliche Forschung war sehr
erfolgreich.
FRAGE: Wie beurteilen Sie Auswirkungen der sowjetischen Invasion in
Afghanistan und der Verbannung Sacharows auf die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen im Wissenschaftsbereich?
ANTWORT:

Ich glaube, wir müssen hier zwischen dem Verhalten der

amerikanischen Regierung als dem einer Regierung und den amerikanischen
Wissenschaftlerkreisen eine Trennung machen.

Unsere Regierung gibt der

Sowjetunion ihr Mißfallen hinsichtlich Afghanistan deutlich zu erkennen.
Ganz

- 5 -

�Ganz abgesehen von der Einschränkung der Getreideverkäufe hat unsere
Regierung beschlossen, den wissenschaftlichen Austausch auf Einzelbesuche
in beiden Richtungen zu begrenzen.

Alle die großen, bilateralen Konferenzen,

die vorgesehen waren, sind auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der große

Tunnel für die MHD-Maschine, der hier von der Fa. Westinghouse gebaut wurde
und sich auf dem Weg in die Sowjetunion befand, wird jetzt zurückgehalten.
Und alle übrigen offen sichtbaren Aspekte des Austauschprogramms der
amerikanischen Regierung sind blockiert.
In unseren Programmen an der Nationalen Akademie der Wissenschaften
haben wir im wesentlichen die gleiche Entscheidung getroffen.

Wir unter-

halten eine Reihe bilateraler Seminare, obgleich unser Programm vornehmlich
darin besteht, einzelnen Wissenschaftlern Gastaufenthalte zu ermöglichen.
Wir sagten, daß wir im wesentlichen dasselbe wie die Regierung tun
würden.

Wir wären mit Besuchsreisen einzelner Wissenschaftler in beiden

Richtungen einverstanden.

Und ob sich dann der eine oder andere Amerikaner

dafür entscheidet, nicht zu gehen, muß er mit seinem eigenen Gewissen ausmachen.

Wir haben die Abhaltung der großen bilateralen Seminare, für die wir

verantwortlich sind, zunächst verschoben.
FRAGE:

Welchen Umfang wird nach Ihrer Meinung der wissenschaftliche

Austausch zwischen den Vereinigten Staaten und osteuropäischen Ländern
künftig haben?
ANTWORT: Wir erwarten jetzt, daß er planmäßig weitergeht. Wenn die
Dinge so laufen, wie wir es in der Akademie und in der Regierung gerne
sähen, würden diese Austauschvorhaben in keiner Weise von unserem Verhältnis
zur Sowjetunion beeinflußt.
FRAGE:

Mit welchen osteuropäischen Ländern außerhalb der Sowjetunion

haben wir die aktivsten Austauschprogramme?
ANTWORT
- 6 -

�ANTWORT:

Der Austausch über die Nationale Akademie der Wissenschaften

mit der Tschechoslowakei, mit Ungarn und Polen hat etwa die gleichen Größenordnung.

Mit Jugoslawien ist er etwas umfangreicher als mit den erstgenannten

Ländern, mit Rumänien und Bulgarien etwas geringer.
wir ein Austauschprogramm mit Ostdeutschland.

Vor kurzem begannen

Wir nahmen die Gespräche mit

den Ostdeutschen darüber bereits auf, als es noch keine diplomatischen
Beziehungen zwischen unseren Ländern gab.
Das Programm der Akademie mit den Sowjets reicht bis 1958 zurück- es
begann fast zwei Jahrzehnte früher als das Regierungsprogramm.
Wir brachten im Jahr 1972 Gespräche mit den Chinesen und Austauschprogramme in Gang, also weit vor der Änderung in den Beziehungen der beiden
Regierungen. Diese Art von Erörterungen und Aktivitäten haben sicherlich
den Weg geebnet.

+ + + + +

- 7 -

�3
I 3
12

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
20. Februar 1980

LIZENZ FÜR AKUSTISCHES MIKROSKOP AN FA. LEITZ

- (AD) - Die Stanford-Universität (Kalifornien, USA) vergab an die
Fa. Ernst Leitz in Wetzlar die Lizenz zum Bau des sog. akustischen Mikroskops.
Wie Niels J. Reimers, der an der Stanford-Universität für TechnologieLizenzabkommen zuständig ist, dazu erklärte, wurden nunmehr die Voraussetzungen
geschaffen, das in fünfjähriger Gruppenarbeit entwickelte Ultraschallmikroskop auf den Markt zu bringen. Die Entwicklungen standen unter der
Leitung von Prof. Calvin F. Quate vom Department für angewandte Physik und
Elektrotechnik.
Die Arbeitsweise des Instruments beruht auf dem Prinzip, Objekte, die
mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind, mit Schallwellen sehr hoher
Frequenz - 500 Millionen bis 1 Milliarde Schwingungen in der Sekunde abzutasten, die am Objekt entstehenden Echosignale mittel eines piezoelektrischen Transducers in elektrische Signale umzuwandeln und auf einem
Bildschirm sichtbar zu machen. (Zum Vergleich: Das menschliche Ohr
vermag "normale" Schallwellen mit etwa 20 bis 20 000 Schwingungen pro
Sekunde zu erfassen.)
Mit

Postfach 20 0 3 OO
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�Mit der Stanford-Entwicklung erhielt die Ultraschall-Technik nicht
nur Eingang in einen Bereich der Mikroweit, der bisher dem optischen
Mikroskop vorbehalten war, sondern sie vermochte diesen sogar zu erweitern.
Denn durch die Sondierung mit Ultraschall wellen werden in zahlreichen
Fällen Details erkennbar, die bei der Betrachtung unter dem Lichtmikroskop
überhaupt nicht in Erscheinung treten.

So werden u.a. an biologischen

Präparaten wie Zellen, ja sogar bei Komponenten des Zellkerns innere
Strukturen sichtbar und in mehrtausendfacher Vergrößerung abgebildet.

Man

hofft, mit der Zeit die Technik so zu verbessern, daß auch die lebende Zelle
der mikroskopischen Ultraschall-Untersuchung zugänglich wird.
Wie Prof. Quate erklärte, sind "einige Substanzen durchlässig für
Lichtwellen, nicht aber für akustische Wellen.

Bei anderen Substanzen,

z.B. bei einem metallischen Film, ist es genau umgekehrt.

So lassen sich

mit dem Schallstrahl des akustischen Mikroskops Schichten durchdringen, die
optisch nur schwer oder überhaupt nicht zu untersuchen sind".

Das Ultra-

schallmikroskop erlaubt außerdem die Prüfung bestimmter Eigenschaften
des Objekts, die das optische Bild niemals wiedergeben könnte.

Das kommt

daher, daß z.B. die Dichte, Elastizität und Viskosität des Probenmaterials
die auftreffenden Schallwellen auf typische Weise verändern, was deren
Echos und damit die Wiedergabe des Objekts auf dem Bildschirm beeinflußt.
Dr. Werner A. Noli von der Fa. Leitz rechnet mit der Anwendung des
akustischen Mikroskops vor allem auf dem Gebiet der industriellen Werkstofftechnik, der Elektronik und der biologischen Forschung. In Wetzlar,
am Sitz des Unternehmens mit einer 128jährigen Tradition für den Bau
optischer Geräte, leitet K. Heitmann das gesamte Projekt. Ein Prototyp des
Instruments dürfte nach Meinung Heitmanns in etwa einem Jahr fertiggestellt
sein. Einige Komponenten sollen in den Vereinigten Staaten hergestellt
werden; Verhandlungen mit amerikanischen Elektronik-Firmen über diesen
Plan sind noch im Gange.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8609">
                <text>20.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8610">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8611">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14032">
                <text>Amerikadienst 20.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14033">
                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Langfristige nukleare Entsorgung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Carters vom 13. Februar 1980&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des amerikanischen Außenministers vor der Vollversammlung des IOC&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA würdigen Schlussbericht der Brandt-Kommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseverlautbarung der IDCA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Beschuldigung gegen die USA "vollkommen aus der Luft gegriffen"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung wissenschaftlicher Ost-West-Kontakte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Interview mit Dr. Philip Handler, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lizenz für akustisches Mikroskop an Fa. Leitz</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1676" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1687">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/b3f5498640e93a701eb73a1f16c151f5.pdf</src>
        <authentication>b13057e698e17446da3acc9c9ecbe120</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8608">
                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

INHALT

DOKUMENTATION
Rüstungskontrolle bleibt Ziel der Vereinigten Staaten
- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz HINTERGRUNDMATERIAL
US-Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten nimmt zum
Ost-West-Verhältnis Stellung
- USICA-Interview mit George West USA um gemeinsame Kernbrennstoff-Politik bemüht
- INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der KernwaffenProliferation Rasche Erschließung von Alaska-Dlfeldern geplant
- Präsident Carter ersucht Kongreß um Genehmigung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kohleveredelung und Gesundheitsschutz
- Biomedizinische Untersuchungen zu Prozeßprodukten Steuerungszentren für die Genfunktion
- Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und höheren Organismen

Um Übcf/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�9

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

13. Februar 1980

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT ZIEL DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz

GENF - (AD) - Der amerikanische Delegierte bei der Konferenz
des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen, Botschafter Adrian
S. Fisher, betonte am 7. Februar 1980 in Genf, daß die Aushandlung
durchsetzbarer Rüstungskontroi labkommen auch weiterhin das Ziel der
amerikanischen Politik sei - trotz der sowjetischen Intervention in
Afghanistan. Nach kurzen Begrüßungsworten machte der Botschafter folgende
Ausführungen:
...Herr Vorsitzender, die sowjetische Aggression in Afghanistan hat
einen Schatten über den Prozeß der Rüstungskontrolle und über die Arbeit
geworfen, die wir heute hier beginnen.

Diese Aggression, die von der

überwältigenden Mehrheit der Staaten in den Vereinten Nationen verurteilt
wurde, hat offensichtlich eine schwierige Lage hervorgebracht, die die
Arbeit dieses Ausschusses unmittelbar beeinflußt.

Sie zeigt, daß Rüstungs-

kontrolle begleitet sein muß von Zurückhaltung in den internationalen
Beziehungen und von strikter Beachtung der Prinzipien und Verpflichtungen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Verpflichtungen der Charta der Vereinten Nationen durch alle Staaten.
Ohne eine solche Zurückhaltung werden unsere Anstrengungen hier von
geringem Nutzen sein.

Die Ereignisse in Afghanistan unterstreichen die

Notwendigkeit realistischer Verhandlungen, und sie machen die Gefahren
wohlmeinender Erklärungen deutlich, die sich nur auf Hoffnung oder unangebrachtes Vertrauen gründen.
Trotzdem bleibt die Aushandlung durchsetzbarer Rüstungskontroi 1vereinbarungen, die wirksame und angemessene Verifizierungsmaßnahmen enthalten, auch weiterhin ein gültiges Ziel dieses Ausschusses.
Hinsicht liegen wichtige und dringende Aufgaben vor uns.

In dieser

In den kommenden

Monaten müssen wir unsere Aufmerksamkeit auch weiterhin auf diese Aufgaben
richten.

Wir müssen rasch und wirkungsvoll voranschreiten, wollen wir

einen echten Fortschritt bei der Arbeit erzielen, die schon begonnen hat
oder mit dieser Sitzung anfängt:
-

Vor uns liegt die Aufgabe, den Text der ersten internationalen
Konvention auszuhandeln, über die im Rahmen dieses Gremiums
seit der Vollendung des Vertrags über Umweltveränderung

("En-

vironmental Modifikation Treaty") verhandelt wird - eine Konvention
zum Verbot von Strahlenwaffen.
-

Von besonderer Bedeutung ist für viele Mitglieder die Frage
einer Konvention über chemische Waffen. Wir müssen über die besten
und praktischsten Mittel zur Verbesserung des allgemeinen Verständnisses in der Frage kommender Probleme entscheiden und den
Grundstein legen für ein mögliches Abkommen über einen
wirkungsvollen und verifizierbaren Vertrag im Bereich der
chemischen Waffen.

Die

�-

Die Vollversammlung hat uns darum ersucht, unsere Arbeit auf
der Grundlage fortzuführen, daß Staaten, die über keine Atomwaffen
verfügen, Garantien gegen einen Kernwaffenangriff erhalten - ein
Thema, bei dem es noch immer eine Fülle unterschiedlicher Ansichten
gibt.

-

Die Vollversammlung hat uns auch den Bericht der letztjährigen
Konferenz der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen über ein
umfassendes Programm zur Abrüstung zum Zweck der Prüfung vorgelegt.

Natürlich wird es für uns auch andere Themen zu diskutieren geben,
und vielleicht werden sie ausdrücklich auf unsere Tagesordnung gesetzt.
Es wird Meinungsverschiedenheiten darüber geben, wie diese Themen angegangen
werden sollen, aber meine Delegation hegt die Hoffnung, daß das Beispiel
freier Meinungsäußerung, gemildert durch die Bereitschaft, Wege zu einem
Konsens zu suchen, sich von der ersten Sitzungsperiode des Ausschusses im
vorigen Jahr auf die Sitzungsperiode des Jahres 1980 übertragen wird.
Es herrscht kein Mangel an konstruktiver Arbeit, die es zu tun gibt.
Nützen wir unsere Zeit mit Klugheit - zwar nicht uneingedenk der stürmischen
Zeit, in der wir leben, aber doch entschlossen, Fortschritte auf die Ziele
hin zu machen, die den Anlaß für die Errichtung des Abrüstungsausschusses
und seiner Vorgänger bildeten.
Im vorigen Jahr unterstrich ich in meinen Anmerkungen zu Beginn vor
dem Ausschuß die Bedeutung der Ausdauer als entscheidender Qualität zur
Erreichung dieser Ziele.
brachter.

Heute ist diese Ermahnung vielleicht noch ange-

Wir dürfen es uns nicht erlauben, uns der Verzweiflung und der

Ernüchterung hinzugeben, wenn beim Fortschritt Schwierigkeiten auftreten.
Wenn es die Ziele der internationalen Stabilität und der Verminderung
des Kriegsrisikos wert sind, verfolgt zu werden - und die Vereinigten

- 3 -

�Vereinigten Staaten sind dieser Ansicht -, dann sollten Geduld und Ausdauer,
die nötig sind, um sie zu erreichen, in diesem Gremium nicht fehlen.
Das Inkrafttreten des SALT II-Vertrags ist für meine Regierung eine
Angelegenheit des größten Interesses und der ernsthaftesten Bedenken, wie
es dies sicher auch für andere Mitglieder dieses Ausschusses ist.

In

diesem Zusammenhang möchte ich diesem Ausschuß das Schreiben vorlesen,
das Präsident Carter am 3. Januar 1980 an den Fraktionsführer der demokratischen
Mehrheit im Senat der Vereinigten Staaten gerichtet hat und in dem ersucht
wird, die Schlußbetrachtung des Senats über den SALT II-Vertrag zu verschieben.
•

"Sehr geehrter Senator Byrd,
angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuche ich Sie
darum, die Schlußberatung des SALT II-Vertrags im Senat aufzuschieben.
Der Zweck dieses Ersuchens besteht nicht darin, den Vertrag einer
Prüfung zu entziehen, sondern die Schlußberatung darüber zu verlegen,
so daß der Kongreß und ich als Präsident die sowjetischen Handlungen und
Vorhaben zu beurteilen vermögen und wir außerdem unser Hauptaugenmerk
auf legislative sowie anderweitige Maßnahmen legen können, die als Antwort
auf diese Krise erforderlich sind.
Wie Sie wissen, teile ich auch weiterhin Ihre Ansicht, daß der
SALT II-Vertrag im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten
und der ganzen Welt liegt und daß er vom Senat behandelt werden solle,
sobald diese dringenderen Themen geprüft worden sind.
gezeichnet:

Jimmy Carter."

�Die Führung des Senats entsprach der Forderung Präsident Carters.
Ich möchte betonen, daß der Vertrag nicht vom Senat fallengelassen wird;
der Fortgang des Verfahrens wurde lediglich bis auf weiteres hinausgeschoben.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation vom 23. Januar hat
Präsident Carter erneut seine feste Verpflichtung zum Gesamtprozeß der
Kontrolle von Kernwaffen und besonders zur Ratifizierung des SALT IIVertrags bekräftigt, sobald es die Umstände erlauben. Ich möchte den
entscheidenden Abschnitt zitieren:
"Die Vermeidung eines Atomkrieges ist die oberste
Verantwortung der beiden Supermächte. Aus diesem
Grund handelten wir die Verträge über die Begrenzungen der strategischen Rüstungen aus - SALT I
und SALT II. Gerade jetzt in einer Zeit großer
Spannungen wird die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten
Beschränkungen im besten Interesse beider Länder
sein - und dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren.
Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten bei
unserem Bemühen um die Kontrolle von Kernwaffen.
Diese Anstrengung wird nicht aufgegeben."
Ich möchte anmerken, daß auch die Sowjetunion in den letzten Tagen
öffentlich erneut versichert hat, sie wünsche die Ratifizierung von
SALT II. Mit schwebendem Inkrafttreten des Vertrags und unter der Annahme
einer ähnlichen sowjetischen Haltung, wird meine Regierung alles tun,
was sie vermag, um das SALT-Verfahren aufrechtzuerhalten.
An dieser Stelle möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Haltung
lenken, die die Vereinigten Staaten hinsichtlich Rüstungskontrol 1 ver-

- 5 -

�RüstungskontrollVerhandlungen im Anschluß an die sowjetische Invasion
Afghanistans und die darauffolgende Beeinträchtigung unserer Beziehungen
zur Sowjetunion eingenommen hat.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation sagte Präsident Carter:
.

"Wir bleiben auch weiterhin dem Prozeß gegenseitiger und verifizierbarer Rüstungskontrolle
zutiefst verpflichtet, insbesondere der Anstrengung,
die Verbreitung und weitere Entwicklung der Kernwaffen zu verhindern."
Wir verfolgen auch weiterhin die tri lateralen Verhandlungen mit
Großbritannien und der Sowjetunion über ein umfassendes Verbot von Kernversuchen.

Tatsächlich fing ja hier in Genf am 4. Februar eine neue

Verhandlungsrunde an. Wir hegen die Erwartung, daß diese Gespräche sachlich
verlaufen;

unsere Unterhändler werden wie bisher die schwierigen technischen

und politischen Probleme angehen, die mit der Verifizierbarkeit eines
umfassenden Teststoppabkommens verbunden sind.
Das Problem der Verifizierbarkeit eines umfassenden Teststoppabkommens ist natürlich für diesen Ausschuß von besonderem Interesse, und
wir hoffen auf weitere Fortschritte bei der Arbeit der Experten für
Seismik, die sich von kommendem Montag an erneut unter dem Dach des Abrüstungsausschusses treffen werden.
Bilaterale Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion über eine Konvention über chemische Waffen werden nächste Woche
wieder aufgenommen, und die Vereinigten Staaten werden alle Anstrengungen
darauf verwenden, Fortschritte in Richtung auf die versprochene gemeinsame
Initiative über ein wirkungsvolles Verbot chemischer Waffen zu erzielen.
Die
- 6 -

�Die gemeldete Verwendung chemischer Waffen in Südostasien und noch
kürzlich in Afghanistan unterstreicht die Bedeutung und Dringlichkeit
eines Verbots der Entwicklung, Produktion und Lagerung solcher Waffen.
Bei all diesen Verhandlungen sehen die Vereinigten Staaten den
Abschluß befriedigender Abkommen als Beiträge zur Stärkung der internationalen Sicherheit und des Weltfriedens. Wir werden diese Ziele auch
weiterhin verfolgen.
Natürlich gibt es noch andere Problemkreise, bei denen unsere Beteiligung Teil einer viel umfassenderen internationalen Anstrengung ist.
Die Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation) von Kernwaffen ist heute mehr
denn je ein lebenswichtiges internationales Anliegen. Wir warten auf
den Abschlußbericht der Konferenz über die Internationale Bewertung von
Kernbrennstoff-Zyklen (INFCE), der Ende dieses Monats vorgelegt wird.
Seine Empfehlungen werden gewichtigen Einfluß haben auf die zukünftige
Verwendung der Atomenergie in einer Welt, in der die begrenzten Vorräte
an fossilen Brennstoffen und der verständliche Wunsch vieler Länder
nach Erringung größerer Unabhängigkeit im Energiebereich dazu führen,
daß sich immer mehr Staaten für die Kernkraft interessieren.

Viele der hier

in diesem Saal vertretenen Staaten haben an den INFCE-Anstrengungen
teilgenommen, einschließlich jener, die den Nichtweiterverbreitungsvertrag
nicht unterzeichnet haben.
Wir alle müssen an die Folgen der Verwendung von Kernkraft denken und
erkennen, welch ein Interesse wir daran haben, sicherzustellen, daß ein
solches Wachstum nicht von der Weiterverbreitung von Kernwaffen begleitet
wird, da dies ohne Frage die Gefährdung des Weltfriedens in großen Ausmaß
erhöhen würde.
An

- 7 -

�An die zweite Konferenz zur Überprüfung des Nichtweiterverbreitungsvertrages, die planmäßig am 11. August beginnen soll, erinnern wir uns alle,
und sie ist bei der Durchführung unserer Arbeit für manche von uns von
höchstem Belang.

Der Meinung der Vereinigten Staaten nach müssen alle

Staaten - ob Unterzeichner des Vertrages oder nicht - ein entscheidendes
Interesse an dem erfolgreichen Abschluß dieser Konferenz haben.
Ich habe bereits bezug genommen auf eine der wesentlichen Aufgaben
dieses Ausschusses, der Aushandlung einer internationalen Konvention zum
Verbot der Entwicklung, der Produktion und der Lagerung von Strahlenwaffen.
Diese Konvention wird ein sehr reales Problem behandeln und ist der größten
Anstrengungen dieses Ausschusses wert.
Obwohl solche Waffen vielleicht heute noch nicht existieren, wurde
in dem Zeitraum unmittelbar nach dem ersten erfolgreichen Bau von Atombomben die Möglichkeit dafür mit Nachdruck untersucht.
Strahlenwaffen sind möglich. Die Charakteristiken verwendbarer
radiologischer Stoffe sind bekannt und es wäre keine unüberwindliche
Aufgabe, daraus Waffen herzustellen.
Zudem sind weltweit die Vorräte von radioaktivem Material und seine
Verfügbarkeit seit jenen frühen Möglichkeitsberechnungen enorm angewachsen. Jetzt sind wir in der Lage, die Entwicklung einer Waffenkategorie
zur Massenvernichtung zu verhindern, die äußerst schwer zu beherrschen und in
weltweitem Maßstab erhältlich wäre - was schreckliche Gefahren mit sich
bringen könnte.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß alle die hier vertretenen Länder
den wesentlichen Elementen einer Konvention gegen Strahlenwaffen, die
Juli vorigen Jahres gemeinsam von den Vereinigten Staaten und der UdSSR
vorgelegt wurde, ernsthafte und sorgfältige Aufmerksamkeit geschenkt haben

- 8 -

�haben.

Der erfolgreiche Abschluß eines solchen Vertrags wäre ein be-

scheidener, aber nützlicher Beitrag zu einer sichereren Welt.
Herr Vorsitzender, die Tagesordnung der Rüstungskontroilanstrengungen
des Jahres 1980 ist lang und die Herausforderungen, vor denen wir stehen,
sind schrecklich.

Die Delegation der Vereinigten Staaten wird alle

Anstrengungen unternehmen, um diesem Ausschuß bei der Erfüllung der Aufgabe
zu helfen, die die Welt von ihm erwartet.

+ + + + +

- 9 -

�11

13. Februar 1980

US-UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR EUROPÄISCHE ANGELEGENHEITEN
NIMMT ZUM OST-WEST-VERHÄLTNIS STELLUNG
- USICA-Interview mit George Vest -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, George S. Vest, ging am 31. Januar
1980 in einem Interview mit Candis Cunningham, der Korrespondentin des US-Amtes
für Internationale Kommunikation (USICA), auf das NATO-Bündnis und die OstWest-Beziehungen nach der sowjetischen Intervention in Afghanistan ein.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Mr. Vest, wie definieren Sie die Ost-West-Entspannung als Möglichkeit einer aktiven Politik im Licht des kürzlichen sowjetischen Einfalls
in Afghanistan?
ANTWORT: Entspannung ist in der Tat ein komplexes Zusammenspiel von Zusammenarbeit und Wettstreit. Unter Zusammenarbeit verstehen wir die Bereiche,
die zum gegenseitigen Nutzen sind und keinem Schaden zufügen. Wir sehen natürlich ein, daß unvermeidlicherweise mit dieser Zusammenarbeit auch der Wett-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Wettstreit verbunden ist. Aber wir halten auch fest, daß der Wettbewerb
innerhalb bestimmter Grenzen stattfindet und daß wir uns über einen bestimmten Punkt hinaus nicht gegenseitig auf die Zehen treten.
In der Vergangenheit hatten wir meistens eine klare Vorstellung davon,
daß dieser Bereich der Zusammenarbeit begrenzt und nur bis zu einem bestimmten Punkt nützlich war.

Er würde sicherlich kein Wundermittel für das ganze

Spektrum von

Schwierigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjet-

union sein.

Aber gleichzeitig erwarteten wir etwas innerhalb dieses Bereiches

der Zusammenarbeit - und was die Sowjets in Afghanistan getan haben, geht über
diese Grenzen hinaus.

Daraus ergibt sich, daß dies seine Auswirkung auf den

Entspannungsprozeß hat, der - obgleich wertvoll - sicherlich davon betroffen
ist.
FRAGE: Die Vereinigten Staaten legen großen Wert auf enge Arbeitsbeziehungen zu den NATO-Verbündeten. Könnten Sie bitte vor allem erklären, wie
wir unsere Verbündeten im Anschluß an die Afghanistaninvasion konsultiert haben?
ANTWORT: Es handelt sich um eine so umfassende Konsultation, daß es
schwer für mich ist, auch nur mit einer Aufzählung anzufangen. Natürlich
hatten wir seit vorigem Dezember eine gespanntere Krisenlage,als dies seit
langem der Fall war. Als Folge davon ergaben sich wiederholte Besuche in
Europa - zwei davon durch den Stellvertretenden Außenminister Christopher.
Auch ich und andere waren dort. Es handelte sich um Besuche in mehreren
der bedeutendsten Hauptstädte und wiederholte Besuche beim NATO-Rat selbst.
Mit anderen Worten, eine Krise diesen Ausmaßes erforderte ein Höchstmaß an
Konsultation auf allen Ebenen und in allen Gremien.
FRAGE: Warum sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß die Solidarität der Verbündeten angesichts der sowjetischen Bedrohung wichtig ist
- besonders was die Interessen des Bündnisses im Mittleren Osten angeht?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ich glaube, wir müssen die Tatsache anerkennen, daß die Inva-

sion Afghanistans eine weltweite Auswirkung hatte.

Sie verletzt jede Form

des internationalen Anstands, der für uns Teil unseres Lebens ist.

Daher ist

dies zwar insbesondere innerhalb des NATO-Bündnisses von Bedeutung, aber auch
für andere westliche Länder.

Man muß bedenken, daß die neutralen Länder sich

durch einen solchen Schritt sehr gefährdet fühlen.

Das gleiche gilt sicher

für die Staaten der Moslemwelt und die blockfreien Staaten, denn Afghanistan
war ein blockfreies Land.

Aus diesem Grund fühlen wir alle die Wirkung eines

solchen Schrittes.

FRAGE:

Ist die Unterstützung für die amerikanischen Ziele innerhalb des

Bündnisses soweit ausreichend gewesen oder brauchen wir in manchen Bereichen
eine noch größere Einigungsanstrengung?

ANTWORT:

Es gibt im allgemeinen, was unsere Zielsetzungen anbelangt,

kein Problem zwischen uns und unseren Hauptverbündeten.

Ich glaube, wir stim-

men alle völlig über die Unannehmbarkeit dessen überein, was die Sowjets getan haben, und über die Notwendigkeit, den Sowjets ein deutliches Signal darüber zu geben, daß eine Strafe für einen solchen Schritt erfolgen wird und sie
ihn nicht unternehmen können, ohne echte Schwierigkeiten zu schaffen.

Auch

müssen wir sie in Zukunft möglichst vor einem solch rücksichtslosen Verhalten
abschrecken.

Wir müssen in diesem Zusammenhang sehen, daß hier eine Situation herrscht,
die sich rasch ändert.

Verschiedene Länder können verschiedene Dinge tun.

Nicht alle würden dasselbe tun.
ist

Innerhalb dieser Bandbreite der Möglichkeiten

meiner Meinung nach, ein guter Anfang gemacht worden.

Ich glaube, die

Summe unserer Schritte hat bereits eine deutliche Wirkung gehabt - erkennbar
für die ganze Welt und sicherlich als ziemlich unangenehm empfunden, was die
Sowjets angeht.

Es gilt noch mehr Einklang zu erzielen, um sicherzustellen,

daß die Schritte, die wir im Westen unternehmen, sich gegenseitig ergänzen und
wirkungsvoll sind.

FRAGE:
- 3-

�FRAGE:

Was ist die logische Begründung für das amerikanische Fernbleiben

von den Olympischen Spielen in Moskau, und wie hoch schätzen wir die Unterstützung der westeuropäischen Regierungen für unsere Haltung ein?
ANTWORT:
erklärt wird.

Unsere logische Begründung ist etwas, das durch die Sowjets selbst
In einem für die Olympischen Spiele vorbereiteten Dokument

stel-

len die Sowjets die Spiele als eine bedeutsame Veranschaulichung der Kraft des
politischen Systems der Sowjetunion dar; und wenn dies wahr ist - wie sie es
sagen -, dann stellen die Olympischen Spiele einen bedeutenden politischen Faktor in den Augen der Sowjets dar.

Da dies der Fall ist, sind wir der Ansicht,

daß wir im Lichte ihrer Taten ihr politisches System nicht bekräftigen sollten,
das gerade den Einmarsch in ein anderes Land abgeschlossen hat.
FRAGE:

Beziehen Sie sich auf das 'Kleine Buch für Parteiaktivisten" der

Sowjets?
ANTWORT: Das ist richtig; das "Kleine Buch" beschreibt die Olympischen
Spiele unter politischen Gesichtspunkten. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, es kann nicht ignoriert werden, daß die Sowjets die Olympischen Spiele
als ein politisches Ereignis betrachten. Und weil sie es so sehen, halten wir
es nicht für richtig, wenn unsere Sportler hingehen. Wir haben dies öffentlich klargemacht und haben unseren Freunden in Europa, Bündnismitgliedem und
auch anderen, gesagt, daß wir hoffen, sie würden das gleiche tun. Wir sehen
auch, daß es in jedem Land besondere Probleme gibt hinsichtlich der Beziehung
zwischen Regierung und Nationalen Olympischen Komitee. Aber wir hoffen, daß
die Triftigkeit dieses Argumentes ankommen wird.
FRAGE:

Wie steht es um die Zielsetzung einer Nichtteilnahme an den

Olympischen Spielen in Moskau als Vergeltungsmaßnahme, um das interne Prestige
der Sowjets zu verletzen sowie ihr Prestige in der Welt?
ANTWORT:

Ich glaube, das ist eine unvermeidliche Folge.

Wenn man der Mei-

nung ist, sie seien ein Staat, der auf illegale, illegitime Weise gehandelt
hat, so ist dies eine Möglichkeit, es zu zeigen.
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Die Verbündeten sagen, sie würden die amerikanischen Handels-

sanktionen gegen die UdSSR nicht unterlaufen, aber einige Länder - Frankreich,
die Bundesrepublik Deutschland und Italien - sagen, sie würden mit schon eingeführten Handelspraktiken fortfahren.

Glauben Sie, daß diese Länder - von

den offensichtlichen Wirtschaftsinteressen abgesehen - deshalb zögern, ihre bedingungslose Unterstützung zu gewähren, weil sie befürchten, die Vorteile zu
verlieren, die sie durch die Entspannung erzielt haben?

ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß Befürchtungen hierbei überhaupt eine Rolle

spielen, noch bin ich der Meinung, daß die Länder weiterhin ihre Geschäfte wie
üblich betreiben wollen, um es einmal so zu nennen.

Aber es handelt sich um

ein kompliziertes Problem - wie jedes Land seine Aktivitäten, die im Verlauf
des vergangenen Jahrzehnts entwickelt wurden, modifiziert.

Wir führen eine Rei-

he von Gesprächen mit Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft, bei denen wir
die Liste der Güter durchgehen, die nach der Sowjetunion exportiert werden - Produkte einer hochentwickelten Technologie und militärische Technologie und ähnliches.

Auf diese Weise prüfen wir Mittel und Wege zu einer Begrenzung und

Einschränkung des Handels mit der Sowjetunion.

Es wäre voreilig, darüber ein

Urteil zu fällen, was das eine oder andere Land tun könnte oder nicht tun
sollte, aber ich bin zuversichtlich, daß das Gesamtergebnis ein wirksames Signal für die Sowjets sein wird.

FRAGE:

Glauben Sie, daß die Verbündeten hinsichtlich der Entspannung

noch die gleiche Auffassung vertreten wie die Vereinigten Staaten?

Und wenn

ja, warum sind sie dann offensichtlich nicht gewillt, die gleichen Risiken zu
übernehmen wie wir?

ANTWORT:

Alsojch kann der Frage nicht so ganz zustimmen.

uns mit ihrem ersten Teil beginnen.
die gleiche Auffassung wie wir.
das.

Aber lassen Sie

Haben sie, was die Entspannung anbetrifft,

Im großen und ganzen, so glaube ich, haben sie

Ich möchte betonen, daß die Maßnahmen, die der Präsident getroffen hat,

sehr bedacht dem, was man so vage als Entspannung bezeichnet, eine erhebliche
Rolle belassen haben.

Wir haben SALT nicht zurückgezogen, wir haben es ledig-

- 5 -

�lediglich aufgeschoben.

Wir haben erklärt, daß wir eine Reihe von wichtigen

Aktivitäten zur Rüstungskontrolle, die im Gesamtfeld der Entspannung weitergehen, fortzusetzen wünschen - wie beispielsweise MBFR, die Verhandlungen über
ein umfassendes Kernwaffen-Versuchsverbot und Dinge ähnlicher Art.

Vor allem

aber haben wir erklärt, daß wir auch weiterhin die Möglichkeit für eine Nachfolgekonferenz zu den Übereinkommen von Helsinki von 1975 für den Herbst dieses
Jahres in Madrid offenhalten wollen.
Damit haben wir auf jedem dieser Gebiete einen Hinweis gegeben - aber auch
durch unseren Versuch, die Wege zu anderen osteuropäischen Staaten offen zu
halten - daß wir der Ansicht sind, daß Entspannung einen Wert für uns darstellt.
Das tun auch die westlichen Länder.

Wenn ihre Erklärungen den Anschein erwek-

ken, daß sie eine unterschiedliche oder vielleicht auch eine ehrgeizigere Auffassung von Entspannung haben als wir, dann glaube ich, daß das eine Konsequenz
ihrer geographischen Lage ist. Sie sind unmittelbare Nachbarn des Ostens.
Es sind Länder, die Verantwortungen in verschiedenster Weise in bezug auf Berlin
haben, mit Menschen auf beiden Seiten der Grenzlinie, mit eng verknüpfter Regelung des Besucherverkehrs und des Austausches.

Dies sind Dinge, aufgrund

deren es für sie notwendig ist, präziser über das nachzudenken, was wir ändern
wollen.

Aber ich glaube, wir teilen die gleiche Grundauffassung über die Ent-

spannung.
FRAGE: Angesichts des sowjetischen Einfalls in Afghanistan hat Senator
Javits angeregt, daß die NATO ihre Einflußsphäre in den Mittleren Osten ausweiten sollte, einschließlich neuer NATO-Stützpunkte, um unsere Energie- und
anderen Interessen zu schützen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
ANTWORT:

Wie Sie wissen, hat es seit Jahren umfangreiche Debatten darüber

gegeben, was denn nun das eigentliche Hauptanliegen der NATO sei
extensiv es zu fassen sei.

oder wie

Ich glaube die meisten Länder erkennen an, daß es

wichtige Anliegen für einen oder für mehrere von uns, vielleicht für die
meisten von uns, gibt, die sich jetzt außerhalb des Vertragsgebietes abspielen.
Trotzdem ist es unwahrscheinlich, daß die Länder, die diesen Vertrag durch ihre
Parlamente gebracht haben, nunmehr sich bereitfinden werden, die vertragsbe- 6

�vertragsbezogenen Aktivitäten auf Gebiete außerhalb der Vertragsgrenzen zu tragen.
Das heißt jedoch nicht, daß ich die Möglichkeit ausschließe, daß einige
der verbündeten Staaten, individuell, deren Engagement der einen oder anderen
Art in Gebieten außerhalb des Vertragsgebietes größer ist, nicht nach Mitteln
und Wegen suchen, um zu handeln, um die Situation zu festigen und ihre Interessen zu schützen.

Was ich dagegen für unwahrscheinlich halte, ist, daß wir

zu einem allgemeinen Konsens gelangen können, die Gesamtperspektive von etwas
zu verändern, das fünfzehn Parlamente hat passieren müssen.
FRAGE: Glauben Sie, die Sowjets werden versuchen, eine größere Kontrolle
über die osteuropäischen Länder in ihren Beziehungen zum Westen auszuüben, wenn
man bedenkt, wie stark die weltweite Reaktion auf die Invasion Afghanistans
gewesen ist?
ANTWORT:

Ja, ich glaube, das ist fast unvermeidlich.

Vielleicht ist ein

Zeichen dafür bereits in der Tatsache zu sehen, daß es eine Reihe höherer Politiker gibt, die in die osteuropäischen Länder reisen oder von dort kommen
sollten und deren Besuche ohne jede Erklärung oder nur mit sehr höflichen Erklärungen abgesagt wurden.

Das ist zwar ein Symbol, ein Signal, aber ich glaube,

es ist unvermeidlich, daß die Sowjets versuchen werden, die Zügel dort anzuziehen, wo sich in vielen Bereichen ein sehr warmes und herzliches Verhältnis
zwischen Ost und West herausgebildet hat; und solche Überlegungen werden für
die Sowjets sicher nicht sehr attraktiv sein.
FRAGE: Mr. Vest, wie sollten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
Ihrer Meinung nach ihre Beziehungen mit den osteuropäischen Ländern angesichts
der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen gestalten?
ANTWORT:

Ich bin der Ansicht, wir sollten die wechselseitig' fruchtbaren

Beziehungen zwischen uns und den osteuropäischen Ländern in einem Höchstmaß
aufrechterhalten, das uns möglich ist.
- 7 -

Diese verbesserten Beziehungen, diese

�diese evolutionäre Serie von Aktivitäten zwischen uns und ihnen ist, so meine
ich, zu unserem Vorteil.

Wir wünschen den osteuropäischen Ländern mehr Zu-

gang, mehr wechselseitige Beziehungen, mehr Bewegungsfreiheit, weniger Verletzungen der Menschenrechte, mehr Reisen - alles Dinge, die sich teilweise
als Ergebnis unserer - von Land zu Land unterschiedlichen - Politiken entwikkelt haben.

In dem Maße, in dem dies Europa zusammenführt und die osteuropäischen

Länder auf Westeuropa hinorientiert und auf den Westen insgesamt, bin ich voll
dafür.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, daß wir unsere Beziehungen zu den ost-

europäischen Ländern nicht durch den augenblicklichen Stand unserer Beziehungen
mit der Sowjetunion beeinflussen lassen sollen?
ANTWORT:

Das sage ich nicht, denn es ist unvermeidlich insofern, als die

osteuropäischen Länder an einem Strick ziehen, eine Politik übernehmen und uns
gegenüber feindselige Erklärungen abgeben, um dem Drängen der Sowjets nachzugeben.

Dies wird unvermeidlicherweise Auswirkungen auf unser weiteres Verhält-

nis zu ihnen haben.

Aber in dem Maß, in dem wir eine wechselseitig nützliche

Beziehung haben, bin ich fürs Weitermachen.
FRAGE: Welche Auswirkungen werden Ihrer Meinung nach die Afghanistaninvasion und die sowjetischen Schritte gegen Andreij Sacharow auf den Fortgang
der KSZE-Bemühungen haben - zu einem Zeitpunkt, da sich die 35 Signatarstaaten
des Abkommens auf die Folgekonferenz in Madrid in diesem Jahr vorbereiten? Werden die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mit den Osteuropäern auch
weiterhin bilaterale Gespräche zur Vorbereitung des Treffens führen, wie dies
in der Vergangenheit der Fall war?
ANTWORT:

Im großen und ganzen erwarte ich, daß wir und unsere Verbünde-

ten, die neutralen, die bündnisfreien und die osteuropäischen Länder den Prozeß bilateraler Konsultationen fortsetzen - jetzt wohl mit beträchtlich mehr
Vorsicht.

Wir wissen noch nicht, was sich zwischen heute und, sagen wir, Sep-

tember ereignen wird.

In einem Zeitraum von Februar bis September kann viel

�viel geschehen - denken Sie doch daran, was allein in den letzten drei Wochen
passiert ist.

Ohne also im voraus darüber zu urteilen, was in diesem Zeit-

raum geschehen könnte, würde ich annehmen, daß wir alle auch weiterhin - wenngleich mit mehr Vorsicht - herausfinden wollen, was in Madrid erreicht werden
kann.

FRAGE:

Wie steht es mit den sowjetischen Schritten gegen Andreij Sacharow

im Licht der Übereinkommen von Helsinki?

ANTWORT:

Ich glaube, man könnte sagen, daß dies nur ein weiterer Grund für

uns ist, uns in Madrid zu treffen.

Denn schließlich ist es ja ein wesentlicher

Gesichtspunkt dieses Treffens, daß wir in der Lage sein sollten, die Situation
im Licht des Übereinkommens von Helsinki zu überprüfen.

Unter den zu überprü-

fenden Tatbeständen wäre aber auch das Verhalten des einen oder anderen unserer
Länder, das den Eindruck erweckt, die Prinzipien der Schlußakte von Helsinki
zu verletzen.

Der Fall Sacharow ist genau die Art von Vorkommnissen, die man

nicht vergessen wird.

FRAGE:

Sie glauben also, daß über Menschenrechtsverletzungen gesprochen

werden wird?

ANTWORT:

Ich bin immer davon ausgegangen, daß wir, wenn wir nach Madrid

gehen, alle Körbe - wie wir das nennen - behandeln werden, die in der Schlußakte enthalten sind und wo die Menschenrechtsverletzungen ein Teil des Ganzen
sind.

Aber ich kann Ihnen versichern, daß es eine ganze Reihe von Ländern gibt,

einschließlich der Vereinigten Staaten, die gesagt haben, daß die sowjetische
Behandlung von Dr. Sacharow nur unterstreicht, wie wichtig es ist, nach Madrid
zu gehen.

All dies ist Teil des Langzeitprozesses der KSZE, die einen gesetz-

mäßigen Rahmen abgibt, um sicherzustellen, daß Menschenrechtsverletzungen nicht
übersehen werden.

FRAGE:

Gibt es irgendeine Möglichkeit, daß Güter und Technologie, die

aus dem Westen in die osteuropäischen Länder kommen, schließlich in der Sowjet-

- 9-

�Sowjetunion landen?

Was werden die Vereinigten Staaten unternehmen, um dies

zu verhindern?
ANTWORT:

Man sollte nie sagen, etwas sei unmöglich; aber ich glaube,

die unvermeidliche Konsequenz der Lage, in der wir uns befinden, ist, daß es
eine viel schärfere Überwachung oder Kontrolle darüber geben wird, welche Güter und Exporte von uns in die osteuropäischen Länder gehen.
Wenn man über Nahrungsmittel und Industriegüter spricht, so glaube ich,
daß diese Länder die Grundlage, auf der sie gerade diese Produkte erhalten,
aufs Höchste schätzen, und sie werden sicherlich alles daransetzen, daß diese
Aktivität, dieser Austausch nicht beeinträchtigt wird.

Meiner Meinung nach

werden sie daher ein Weiterleiten in die Sowjetunion auch selbst nicht wollen.
Aber wir werden versuchen, sicherzustellen, daß die osteuropäischen Länder
nicht unter Druck etwas tun müssen, was sie nicht tun wollen.
FRAGE:
nach Tito?

Welche Probleme sehen Sie für Jugoslawiens weitere Unabhängigkeit

ANTWORT: Ich gehe von der Annahme aus, daß Jugoslawien seine Unabhängigkeit auch nach Tito behalten wird. Während der Woche, in der er operiert
wurde, war es höchst interessant zu sehen, daß man nicht den Eindruck gewann,
Jugoslawien gerate in Panik. Das Land war gut organisiert, voll Selbstvertrauen, achtete klug auf seine Eigeninteressen - und ich glaube, dies ist charakteristisch für das Jugoslawien, das sich in letzter Zeit unter Titos Herrschaft herausgebildet hat. (Mit seinem System der rotierenden kollektiven Führung).
Die Jugoslawen sind äußerst zähe, unabhängige Menschen, voller Selbstvertrauen.

Daher ist es nur zu verständlich, daß wir alle großen Respekt vor ih-

nen haben,und ich bin voller Zuversicht, daß sie ihre eigene Unabhängigkeit,
territoriale Integrität und Einheit erhalten werden.
+ + + + +
- 10 -

�11

13-. Februar 1980

USA UM GEMEINSAME KERNBRENNSTOFF-POLITIK BEMÜHT
INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der
Kernwaffen-Proliferation

- (AD) - Die Vereinigten Staaten bemühen sich um internationalen Konsens
hinsichtlich der Mittel und Wege, die praktikabel erscheinen, um zur Deckung
des weltweiten Energiebedarfs die Anwendung von Kernenergie auszuweiten, ohne
gleichzeitig das Risiko der Kernwaffen-Proliferation zu erhöhen. Das wichtigste
Forum zur Erörterung war in den letzten zwei Jahren die auf Anregung Präsident
Carters ins Leben gerufene "Internationale Konferenz über die Bewertung von
Kernbrennstoff-Zyklen" (INFCE - International Fuel Cycle Evaluation), die vom
26.- 27. Februar 1980 zu ihrer letzten Plenarsitzung in Wien zusammentritt.
Vertreter von 66 Ländern und verschiedenen internationalen Organisationen werden Bilanz ziehen über die Ergebnisse von Studien und Analysen, die in den letzten 16 Monaten über alternative Kernbrennstoff-Zyklen durchgeführt wurden.
Hauptziel ist nach wie vor, Wege zu finden, die Produktion von waffenfähigen
Materialien wie Plutonium und hochangereichertem Uran auf ein Mindestmaß zu
beschränken.
Offizielle Vertreter der amerikanischen Seite betonen, daß in bezug auf
zwei elementare Faktoren einer breiten internationalen Übereinstimmung "eindeutige und nachweisbare" Fortschritte erzielt wurden, nämlich
...
n u
1) hinsieht-

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1) hinsichtlich des Grundsatzes, daß das Proliferationsrisiko bei allen
Entscheidungen über Kernbrennstoffzyklen beachtet werden müsse, und
2) hinsichtlich der Forderung, die Produktion von waffenfähigem Material
so weit wie nur irgend möglich auf die unmittelbaren Erfordernisse von Forschung
und Entwicklung für zukunftsträ'chtige Nukleartechnologien zu begrenzen.
Die Carter-Regierung verfolgte von Anfang an das Ziel, ein überwechseln
zum Plutonium-Brennstoffzyklus zu vereiteln, solange es die notwendigen Sicherungen gegen die damit verbundenen zusätzlichen Risiken der Weiterverbreitung
von Kernwaffen nicht gibt.

Plutonium, ein spaltbares Element, das in Kernreak-

toren zur Energieerzeugung genutzt werden kann, wird durch Bestrahlung des
reichlich vorhandenen Uranisotops Uran-238 gewonnen.

Mit Brennstoffzyklen, bei

denen das auf diese Weise erzeugte Plutonium in Brutreaktoren verwendet wird,
kann der Strombedarf eines Landes unter Einsatz wesentlich geringerer Mengen
des Ausgangsbrennstoffes Uran gedeckt werden, als es bei den heute üblichen
Reaktoren der Fall ist.

Diese haben einen Brennstoffzyklus, bei dem der Kern-

brennstoff im einmaligen Durchsatz verwendet wird.
Eine Anzahl von Ländern, die nicht über Uranvorkommen wie z.B. die Vereinigten Staaten verfügen, sind überzeugt, daß künftige Energieverknappung und
zu starke Abhängigkeit von ausländischem Kernbrennstoff durch eine frühzeitige
Umstellung auf eine Kernbrennstoffwirtschaft auf Plutonium-Basis zu vermeiden
wären. Eine solche Politik würde eine stärkere Verwendung von Plutonium in
heute üblichen Kernbrennstoffzyklen für die - in der Mehrzahl - Leichtwasserreaktoren nach sich ziehen und schließlich zum Übergang auf schnelle Brutreaktoren führen, die mehr Plutonium-Brennstoff erzeugen als sie selbst verbrauchen. Beides würde kostspielige Anlagen zur chemischen Aufarbeitung von Abbrandelementen erfordern, aus denen Plutonium und anderes spaltbares Material
gewonnen werden.
Auf amerikanischer Seite räumt man ein, daß die Verwendung von Plutonium
in schnellen Brutreaktoren für gewisse Länder Anfang des nächsten Jahrhunderts

- 2 -

�Jahrhunderts ein brauchbares Verfahren darstellen könnte.

Aber man ist auch

überzeugt, daß die Entwicklung von Brutreaktoren vermutlich zu kostspielig
ist, als daß sich mehr als einige wenige wohlhabende Nationen dies leisten
könnten.

Auch sei die Stationierung von Brutreaktoren nur dort attraktiv,

wo es ein umfangreiches Stromverteilernetz gebe.

Nach amerikanischer Auffas-

sung arbeite ein Atomkraftwerk mit den heute üblichen Reaktoren bei einer
Rückführung von Plutonium in den Brennstoffzyklus günstigstenfalls am Rande
der Wirtschaftlichkeit.

Die Ergebnisse neuer Untersuchungen zeigen z.B.,

daß die kommerzielle Rückgewinnung von Plutonium und Uran aus Abbrandelementen bis zu acht Mal so teuer kommen könne wie die Urangewinnung aus Erz. Die
vorhandenen Uranressourcen reichten jedoch nach amerikanischen Berechnungen
zufolge aus, um zumindest bis zum Ende dieses Jahrhunderts, wahrscheinlich sogar bis ins nächste Jahrhundert hinein, den abschätzbaren Weltbedarf zu dekken.

Sofern zur Ergänzung des verhütteten Urans zusätzliche Wiederaufarbei-

tung und Anreicherung erforderlich sei, sollte die Anzahl solcher Anlagen begrenzt und wirksamer internationaler Kontrolle unterstellt werden.

Im Verlauf der INFCE-Gespräche erklärten Vertreter der USA wiederholt,
daß Abbrandelemente über lange Zeit sicher gelagert werden könnten, und daß
für eine sichere und wirtschaftliche nukleare Entsorgung nicht, wie manche
Länder behaupteten, die Wiederaufarbeitung notwendig sei.

Gleichzeitig ver-

wiesen sie auf die Möglichkeiten für eine merklich bessere Ausnutzung des
Kernbrennstoffs in Leichtwasserreaktoren.

In dem jetzt vom US-Energieministerium fertiggestellten Bericht über alternative Brennstoffzyklen heißt es u.a., daß mit veränderten Brennstoffsätzen, besserem Brennstoff-Management (einschließlich der Extraktion von mehr
verwendungsfähigem Uran aus dem Erz) und Konstruktionsveränderungen bei Atomkraftwerken der Brennstoff-Wirkungsgrad in Leichtwasserreaktoren schätzungsweise bis um 30 Prozent gesteigert werden könnte.

Von besonderer Bedeutung

sei außerdem die Tatsache, daß "kein nuklearer Brennstoffzyklus, der in den
nächsten Jahrzehnten kommerziell einsatzfähig werden könnte, einer Proliferation mehr hinderlich wäre als der des einfachen Brennstoff-Durchsatzes beim

- 3 -

�beim Leichtwasserreaktor - ein Zyklus, bei dem der Reaktorabbrand in Zwischenlagern sicher gelagert und die Anreicherung im Lohnverfahren von den darauf
spezialisierten Lieferanten durchgeführt wird."

Im Brennstoffzyklus eines

Leichtwasserreaktors, der mit niedrig angereichertem Uran arbeitet, kommt es
nicht zur Produktion von kernwaffenfä'higem Material.
Selbstverständlich konnte, wie John M. Deutch, Staatssekretär im USEnergieministerium, kürzlich vor Kongreßmitgliedern erklärte, die INFCE-Konferenz keine technische oder wirtschaftliche Zauberformel finden, um die Nutzbarmachung von Kernenergie risikofrei zu machen.

Das habe man auch nicht er-

wartet, denn "alle Brennstoffzyklen enthalten ein gewisses Proliferationsrisiko.

Aber INFCE half, die Legitimation, ja sogar die Notwendigkeit für einen

Vergleich der Hemmfaktoren für Proliferation bei verschiedenen Alternativtechnologien zu begründen und eine wichtige Basis für Entscheidungen in der Kernbrennstoff-Strategie zu schaffen."

Man habe jedoch mehrere wichtige Vorschlä-

ge erörtert - u.a. die Schaffung internationaler Mechanismen, die allen interessierten Nationen die Versorgung mit Kernbrennstoff gewährleisten, sowie die
Ausweitung internationaler Kontrollen über Abbrand-Zwischenlager -, denen die
beteiligten Ländern wahrscheinlich weiter nachgehen werden.
Mittlerweile sei, so Deutch, die IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation) weltweit tätig geworden, um eine Überwachung der Plutonium-Lagerhaltung
und ein internationales Verwaltungssystem für abgebrannten Kernbrennstoff zuwege zu bringen. Deutch verwies auf die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit der nuklearen Liefer- und Verbrauchernationen, um die neuen Nonproliferationsvereinbarungen nach Abschluß der INFCE-Gespräche zu definieren. Fortschritte auf diesem Gebiet werden auch Einfluß auf den amerikanischen Zeitplan
für die erneute Erörterung bilateraler Abkommen über nukleare Zusammenarbeit
mit anderen Ländern sowie darauf haben, welche Position die Vereinigten Staaten
in künftigen internationalen Verhandlungen über die Frage der Proliferation von
Kernwaffen einnehmen.

+ + + + +

�13. Februar 1980

11

RASCHE ERSCHLIESSUNG VON ALASKA-ÖLFELDERN GEPLANT
• Präsident Carter ersucht Kongreß um Genehmigung -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat in seiner Haushaltsbotschaft
vom 28. Januar 1980 den US-Kongreß um dessen Zustimmung zu einer beschleunigten Erschließung der regierungseigenen Erdölfelder in Alaska durch amerikanische Privatfirmen ersucht.

"Ich bin überzeugt", so der Präsident, "daß

die Exploration und Erschließung dieser Ressourcen am raschesten und kostengünstigsten für die Regierung durch ein Pachtprogramm zwischen Bundesbehörden
und Privatfirmen zu erreichen ist."
Wie aus Behördendaten hervorgeht, enthält das Feld der sog. nationalen
Erdölreserve - ein 9,3 Millionen Hektar großes Areal in Nordalaska, etwa
100 km westlich des staatseigenen ölfeldes an der Prudhoe Bay und der Transalaska ölpipeline - schätzungsweise 960 Millionen Tonnen Rohöl und 392 Milliarden cbm Erdgas. Falls der Kongreß in dieser Sitzungsperiode entsprechende
Gesetze verabschiedet, könnten Anfang 1982 die ersten Pachtabkommen abgeschlossen werden. Die Zeit bis dahin ist erforderlich, um die notwendigen Erschließungspläne, ökologischen Gutachten und Pachtbedingungen auszuarbeiten.

Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die US-Regierung würde, sofern das Areal der nationalen Erdölreserve
der Erschließung durch die Privatwirtschaft zugänglich gemacht wird, für die
ersten zehn Jahre Parzellen in der Größe von 24 280 Hektar anbieten»

Die Ge-

setzesvorlage sieht eine Vielfalt miteinander konkurrierender Angebotsformen
vor, u.a. solche auf der Basis von Barprämien, Nettogewinnen, Tantiemen und
bestimmten Produktionsmengen.

Vom Weißen Haus wurde darauf verwiesen, daß es sich bei den Zahlenangaben
zur ölreserve nur um Schätzungen handle.

Die Rentabilität der Erdöl- und Gas-

förderung hänge außerdem weitgehend davon ab, welche Schwierigkeiten unter den
besonders harten arktischen Verhältnissen zu überwinden seien.

Dennoch er-

scheine .dieses öl- und Gasfeld vorteilhafter als die Offshore-Vorkommen im Raum
Alaska.

Inzwischen veröffentlichte das Wall Street Journal eine Meldung, derzufolge das Geologische Bundesamt der USA seine Schätzungen über Offshore-Felder
an öl und Gas in Alaska erheblich nach oben korrigiert habe.

So werden jetzt

die Ölvorkommen im Navarin-Becken (im Beering-Meer vor der Westküste Alaskas)
auf 528 Millionen Tonnen geschätzt (1975: 50 Millionen Tonnen).

Für Erdgas

wurden die Schätzwerte von ca. 26 Milliarden cbm auf fast 400 Milliarden cbm
angehoben.

Im Beaufort-Becken (in der Beaufort-See an der Nordküste Alaskas)

dürften neuesten Angaben zufolge 580 Millionen Tonnen öl liegen (Schätzzahl
von 1975: 450 Millionen Tonnen).

Und für Erdgasvorkommen werden jetzt 462 Mil-

liarden cbm angenommen (1975: 230 Milliarden cbm).

Verhandlungen über Alaska-Pipeline angelaufen

Mit einer Grundsatzvereinbarung wurden Ende Dezember 1979 Verhandlungen
zwischen dem US-Energieministerium und amerikanischen Privatfirmen eingeleitet,
welche zunächst 500 Millionen Dollar zur Planung und technischen Vorbereitung
des Baues einer Gasleitung von Nordalaska durch Kanada nach den USA beitragen,
Die Pipeline soll bei Calgary im Südwesten Kanadas in zwei Leitungen

- 2 -

aufge-

�aufgeteilt werden, wobei eine bis in den amerikanischen Mittelwesten (Raum
Chicago), die andere zur amerikanischen Westküste durch die Bundesstaaten
Washington, Oregon und Kalifornien bis in die Nähe von San Francisco geführt
wird.

Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 23 Milliarden Dollar veranschlagt,
wovon 11 Milliarden auf den durch Alaska verlaufenden Teil von 1176 km Länge
entfallen (die Streckenlänge durch Kanada beträgt 3255 km). Bei der Ausarbeitung der Finanzierungsmodalitäten für die Realisierung des Projekts werden
Energieministerium und Privatwirtschaft eng zusammenarbeiten.

Bei der Bundesenergie-Aufsichtskommission (Federal Energy Regulatory
Commission) sind mittlerweile Vorschläge darüber eingegangen, die westliche
Abzweigung von Calgary (Alberta, Kanada) sofort in Angriff zu nehmen, damit
bereits im Winter 1980/81 Kalifornien mit täglich 6,7 Millionen Kubikmetern Erdgas

- vorläufig aus Kanada importiert - versorgt werden könnte.

Die oberste

kanadische Energiebehörde hat den Gasexport nach dem Westen der USA in der vorgeschlagenen Menge bis 1984 bereits genehmigt.

Nach Fertigstellung der Alaska-

Gas-Pipeline im Jahr 1984 würden täglich mehr als 67 Millionen cbm Erdgas von
der Prudhoe-Bay in Nordalaska nach den kontinentalen Bundesstaaten der USA
fließen.

- 3 -

�I

3

Uli/zen/chofl
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

KOHLEVEREDELUNG UND GESUNDHEITSSCHUTZ
Biomedizinische Untersuchungen zu Prozeßprodukten

- (AD) - Eventuelle gesundheitliche Auswirkungen von Stoffen, die beim
SRC-II-Verfahren zur Kohleverflüssigung entstehen, waren Gegenstand von Forschungsaufträ'gen des US-Energieministeriums.

Mit Hilfe dieses Verfahrens

(SRC ist die Abkürzung von "Solvent Refined Coal") werden aus stark schwefelhaltiger Kohle flüssige Brennstoffe destilliert, die sich neben einem sehr
niedrigen Schwefelgehalt auch durch geringen Aschegehalt auszeichnen. Bau
und Betrieb einer Demonstrationsanlage in der Nähe der amerikanischen Stadt
Morgantown im US-Bundesstaat West Virginia mit einem Tagesdurchsatz von 6000
Tonnen Kohle wurden als Gemeinschaftsprojekt zwischen den Vereinigten Staaten
und der Bundesrepublik vereinbart.
Die Ergebnisse der Studien über mögliche gesundheitliche Auswirkungen
sind in einem Bericht zusammengefaßt, der den Titel trägt:

"Biomedical Studies

on Solvent Refined Coal (SRC-II) Liquefaction Materials: A Status Report".
Er wurde im "Pacific Northwest Laboratory" des US- Energieministeriums in
Richland (Washington) ausgearbeitet und basiert auf Untersuchungen in der Pilotanlage von St. Lewis im Bundesstaat Washington.

In dem Bericht werden u.a. die

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�die Betriebsbedingungen erläutert, unter denen die zur Diskussion stehenden
Prozeßprodukte entstanden, und es wird erörtert, welche Bedeutung die durchgeführten Studien für den Betrieb von Demonstrationsanlagen sowie für die kommerzielle Kohleverflüssigung haben.
(Der Bericht, Katalognummer PNL-3189, kann vom amerikanischen "National
Technical Information Service" in Springfield, Virginia, 22151, bezogen werden,
Preis: 5,25 Dollar).

+ + + + +

�I 3

UUi//cn/choft
wui Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

STEUERUNGSZENTREN FÜR DIE GENFUNKTION
Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und
höheren Organismen

- (AD) - Neue Erkenntnisse der molekularbiologischen Forschung
lassen Zweifel daran aufkommen, ob der "genetische Code" tatsächlich als
die fundamentale, allgemein gültige Regel für die Steuerung von Lebensfunktionen und Vererbungsmechanismen bei allen Organismen anzusehen ist.
Zumindest scheint die Verschlüsselung der "Sprache des Lebens" bei höheren
Organismen wesentlich komplizierter zu sein als bisher angenommen und
vielleicht auch Gesetzen zu folgen, die man noch nicht kennt.
Dafür spricht z.B. die jüngste Entdeckung von Biologen der Carnegie
Institution in Washington, daß zwischen dem Funktionsablauf in den Genen
von Bakterien und in jenen höher organisierter Lebewesen wie Lurchtieren
(als Experimentiermaterial wurden Zellen vom Xenopus-Frosch verwendet)
ein grundlegender Unterschied besteht. Wie Prof. Donald Brown Ende
Januar 1980 auf einer Pressekonferenz in Washington berichtete, hatte
man nach langwierigen Untersuchungen am genetischen Material von Bakterien

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Bakterien herausgefunden, daß sich das Steuerungszentrum für die Genfunktion, von dem z.B. das Kommando zur Synthese einer Aminosäure ausgeht
und die Reaktion auch beendet wird, an den beiden Gen-Enden befindet.
Aber das gilt eben juir_ für Bakterien, Vertreter der sog. Prokaryonten.
Beim Frosch-Gen dagegen liegt es in der Mitte.

Eine besondere

Überraschung für die Wissenschaftler bedeutete ferner die Tatsache, daß
das Gen sogar bei Entfernung zahlreicher Komponenten voll funktionsfähig
bleibt, solange das mittlere Dirttel, das Steuerungszentrum, unversehrt ist.
Verständlich, daß sich nun das Interesse immer stärker auf die Identifizierung
jener Moleküle konzentriert, die in Zellen höherer Organismen die Genaktivität steuern.
Zum Umdenken zwang bereits die Beobachtung, daß in Zellen von
Eukaryonten (vom Hefepilz bis zum Menschen) die genetische Codierung für
den Aufbau eines Proteins im Gegensatz zu dem entsprechenden Vorgang im
Bakterium nicht aus kontinuierlich übersetzten Sequenzen des DNS-Muttermoleküls besteht.

Statt dessen werden die in dieser doppelsträngigen

Spirale enthaltenen Informationen für die Synthese wichtiger Makromoleküle
wie z.B. eines Proteins aus langen Teilen des DNS-Moleküls (Desoxyribonucleinsäure) auf RNS (Ribonucleinsäure) als eine Art Arbeitskopie "umgeschrieben"
und in mehrere, nicht kontinuierliche Segmente gespalten.

Diese Aufteilungen

bewirken Zwischensegmente oder Gen-Insertionen von Nucleotiden (Einheitsbausteine für DNS- und RNS-Moleküle), deren genaue Funktion aber noch
nicht ermittelt werden konnte.

Seltsamerweise werden nur Teile der

kopierten Segmente für den Aufbau der RNS-Matrize zusammengefügt, welche
dann die Proteinsynthese steuert.
Diese Entdeckung, über die die Zeitschrift MOSAIC der Nationalen
Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) in der September/Oktober-Ausgabe 1979
berichtet hatte, deutet nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler auf Unterschiede zwischen Zellen niedriger und höherer Organismen hin, die von

- 2 -

�von größerer Bedeutung sein duften als das Hauptunterscheidungsmerkmal die Tatsache nämlich, daß Eukaryonten einen jeweils typischen Zellkern
als wichtigsten Träger der Erbinformationen besitzen, Prokaryonten dagegen
nur ein chromosomenartiges Gebilde in der Form eines DNS-Moleküls im
Zellinnern.

Möglicherweise verkörpern die beiden Gruppen nicht Unterschiede

im Grad der biologischen Evolution, sondern voneinander abweichende Wege
der Evolution.
Sowohl Prof. Brown als auch die Verfasser des MOSAIC-Berichtes
verweisen darauf, daß die neuen Entdeckungen u.a. dazu zwingen, die möglichen
Ursachen verschiedener erheblicher Anomalien neu zu überdenken. Manche
könnten die Folge von Mutationen in den "inaktiven" Gen-Insertionen sein,
die die aktiven Teile eines DNS-Stranges unterteilen, nicht aber von
Mutationen in den aufgestückelten "Minigenen" selbst. Auch die Entstehung
von Krebs und einer Reihe anderer Krankheiten erscheint nun in einem
neuen Licht.
Die neuen Forschungsergebnisse stützen die Vermutung, daß Erkenntnisse
über die molekulare Biologie bei Bakterien nicht ohne weiteres oder eben
nur bedingt auf das Verständnis der molekularen Biologie höherer Organismen
anzuwenden sind, Seit Jahren diente das Darmbakterium Escherichia coli
als Lehrmoden zum Studium des Materials und der Prozesse, die am Vererbungsgeschehen beteiligt sind. Es hat gegenüber vielen anderen Organismen
den Vorzug der raschen Aufeinanderfolge von Generationen (zur Zellteilung
kommt es im Durchschnitt alle 20 Minuten) und der relativen Kleinheit der
genetisch wirksamen Substanz, eines ringförmig gestalteten DNS-Moleküls
im Zellinnern. Die Zell große beträgt etwa 1/500 der Zell große bei höheren
Organismen. Der Großteil der Tausende verschiedener Molekülarten und
ungefähr 30 Prozent der chemischen Reaktionen in der Escherichia coli-Zelle
konnten bereits aufgeklärt werden.
Bakterien

�Bakterien erwiesen sich, ähnlich wie z.B. in der klassischen Genetik
die Fruchtfliege beim Studium der Gesetze von Mutationen, als ideales
Material zur Untersuchung so wichtiger Fragen wie etwa die der Funktion
von Genen (kleinste Funktionseinheiten der Erbsubstanz, die z.B. für den
Aufbau spezifischer Proteine aus Aminosäuren verantwortlich sind, während
andere als "Operatoren" solche Vorgänge steuern und eine dritte Gruppe
die Aktivitäten der Operator-Gene regelt).

An Hand der bei Bakterien

beobachteten Vorgänge konnten die wichtigsten Gesetze der Weitergabe von
Erbinformationen an die nächste Generation, d.h. für die identische
Verdoppelung des genetischen Materials, ausfindig gemacht werden.

Ähnliches

gilt für die Aufklärung der Aufeinanderfolge bzw. Lokalisierung von Genen
bestimmter Funktion und für die Untersuchung vieler anderer mikrobiologischer
Probleme bis hin zur Übertragung und zum Einbau von Genen in die Erbsubstanz
eines artfremden Organismus.

Immer wieder zeigte sich, daß es nur vier

molekulare Nukleotide sind, die, in spezifischer Reihenfolge angeordnet,
als Symbole einer Art Schlüsselsprache den "genetischen Code" für die Bauund Funktionspläne bei jeder lebenden Zelle ergeben - vom niedrigsten
Bakterium über die Zellen höherer Lebewesen bis hin zum Menschen.

Aber in der Benutzung und wohl auch Deutung der Schlüsselsprache
scheinen tiefgreifende Unterschiede in dem so vielfältigen "biologischen
Spektrum" zu bestehen. Sie werden erst jetzt allmählich erkennbar, seitdem
die Biochemie mit ungemein verfeinerten Methoden sich auch an die Analyse
der überaus komplexen DNS-Moleküle von Zellen höherer Organismen wagen und
bestimmte Funktionseinheiten wie beispielsweise jenes Frosch-Gen isolieren
kann. Dank gentechnischer Verfahren wurden damit Milliarden von funktionsfähigen exakten Kopien erzeugt, die man in einen Extrakt von Zellkernen
lebender Froscheier einbrachte. Das Gen nahm die ihm zukommende Funktion
auf, als sei es "zu Hause" im Frosch-Organismus. So wurde es im Verlauf
langwieriger Experimente möglich, im Molekül verband des wohl aus Hunderten
von Nukleotidgruppen bestehenden Gens das aktive Zentrum ausfindig zu
machen. Dieses nach Struktur und detaillierter Funktionsweise zu analysieren
ist eine Aufgabe, die noch viel Zeit und Mühe kosten wird.

+ + + + +
- 4-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8605">
                <text>13.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8606">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8607">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14034">
                <text>Amerikadienst 13.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14035">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle bleibt Ziel der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten nimmt zum Ost-West-Verhältnis Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Interview mit George West -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA um gemeinsame Kernbrennstoff-Politik bemüht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der Kernwaffen-Proliferation -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rasche Erschließung von Alaska-Ölfeldern geplant&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter ersucht Kongress um Genehmigung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kohleveredelung und Gesundheitsschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Biomedizinische Untersuchungen zu Prozessprodukten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Steuerungszentren für die Genfunktion&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und höheren Organismen -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1675" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1686">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c367c77e10509b2fe86e2153a87b537c.pdf</src>
        <authentication>80176ee3dd393ffeff98d2c6e553305c</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8604">
                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1980

10

INHALT

WIRTSCHAFT
Der Wirtschaftsbericht Präsident Carters
- Auszüge -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�1

Wirt/chaft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

7. Februar 1980

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT CARTERS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - In seinem jüngsten Wirtschaftsbericht an den
amerikanischen Kongreß hat Präsident Carter am 30. Januar 1980 erneut
unterstrichen, daß die Inflationsbekämpfung weiterhin oberste Priorität
in der Wirtschaftspolitik der USA haben werde und in diesem Rahmen
verhindert werden müsse, daß die Auswirkungen der öl Preiserhöhungen
eine Lohn-Preis-Spirale in Bewegung setzen.
Wir veröffentlichen nachstehend wesentliche Auszüge aus diesem
Bericht:
Letztes Jahr stiegen die ölpreise um mehr als das Doppelte. Diese
Preiserhöhung wird sich mit ungefähr 200 Milliarden Dollar zu Buche
schlagen, die die Verbraucherländer zusätzlich für importiertes Erdöl
zu zahlen haben. Höhere ölpreise waren der Hauptgrund für eine weltweite
Beschleunigung der Inflation im Jahr 1979 und die sich trübenden Aussichten
auf ein Wachstum im Jahr 1980.
Die

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten waren wie andere öl importierende

Länder

hart getroffen. Unser Anteil an der zusätzlichen ölrechnung wird sich
in diesem Jahr auf nahezu 45 Milliarden Dollar belaufen. Wenn nicht
allein deshalb, so hat sich die Inflation doch wegen höherer ölpreise
scharf beschleunigt.

Der Verbraucherpreisindex stieg um über 13 Prozent.

Die Produktion des Landes an Gütern und Dienstleistungen - deren Anstieg
um 2,25 Prozent im Lauf der vier Quartale des Jahres 1979 im Wirtschaftsbericht des letzten Jahres vorausgesagt worden war - stieg um weniger als
ein Prozent.
Obgleich sich das Wachstum verlangsamte, bot unsere Wirtschaft
den Rezessionskräften heftigen Widerstand.

Trotz praktisch allseitiger

Voraussagen einer bevorstehenden Rezession stieg der Ausstoß während
der gesamten zweiten Hälfte des letzten Jahres. Der Verkauf und der Bau
von Häusern hielt sich bis weit ins Jahr hinein besser als erwartet.
Durch Verminderung ihrer Spareinlagen hielten die Verbraucher auch angesichts
der Schwächung der Kaufkraft durch höhere ölpreise in einem Umfang von
vielen Milliarden Dollar das Ausgabenniveau.

Da die Lagerbestände der

Wirtschaft bemerkenswert niedrig gehalten wurden, führten Verkaufsrückgänge nicht zu wesentlichen Bestandskorrekturen.

Generell gesehen war die

wirtschaftliche Erholung der letzten Jahre frei von Verzerrungen, die in
der Vergangenheit die Wirtschaft gegenüber rezessiven Kräften anfällig
machten.
Das Beschäftigungswachstum hielt sich sogar noch besser als der
Ausstoß, und die Arbeitslosigkeit blieb das ganze Jahr über unter sechs
Prozent.
Leider spiegeln die starken Gewinne im Bereich der Beschäftigung
einen scharfen Rückgang bei der Produktivität wider - 2 Prozent im Jahr.
Dieser Produktivitätsverlust erhöhte die Kosten und war daher mitverantwortlich für die höhere Inflation.
Obwohl
- 2 -

�Obwohl die Inflation 1979 zunahm, konzentrierte sich ein großer
Teil der Beschleunigung auf einige wenige Bereiche:

Energie, Hausbesitz

und Geldwesen sowie - im Frühjahr - auf landwirtschaftliche und Nahrungsmittel.

Ansonsten war die Verbraucherpreisinflation zurückhaltender:

die Preise stiegen im Lauf des Jahres um 7,5 Prozent.

Lohn- und Gehalts-

erhöhungen waren nicht höher als 1978, trotz der Beschleunigung der
Inflation.

Die freiwilligen Lohn- und Preisrichtwerte der Regierung wurden

großenteils

beachtet und begrenzten scharf ein übergreifen der Inflation

von öl und einigen anderen Problembereichen auf den Rest der Wirtschaft.

Die Bedeutung einer Verminderung der Inflation
Es ist meine innerste Überzeugung, daß die Inflation das wirtschaftliche
Problem Nr. 1 dieses Landes bleibt. Die Preise für Energie und Wohnungsbau
steigen noch immer rasch, tragen unmittelbar zur Inflation bei und bedrohen
die übrige Wirtschaft mit einer neuen Lohn-Preis-Spirale. Sogar abgesehen
von diesen speziellen Problembereichen beläuft sich die Inflation jetzt
auf etwa 8 bis 9 Prozent, verglichen mit 6 oder 6,5 Prozent vor einigen
Jahren - dies teilweise wegen einer enttäuschenden Produktivitätsleistung.
Unser erstes Ziel für 1980 muß es sein, ein übergreifen zweistelliger
Preisanstiege aus dem ölbereich und anderen Problembereichen auf die
übrige Wirtscahft zu verhindern. Mein Haushalt und unsere Wirtschaftspolitik haben dies als ihr oberstes Ziel. Wir teilen dieses gleiche
drängende Ziel mit praktisch allen anderen öl importierenden Ländern.
Der Ausdehnung der Inflation Einhalt zu gebieten, ist jedoch nicht genug.
Wir müssen Schritte zu ihrer Verminderung unternehmen.
Seit den sechziger Jahren brachte jede neue Inflationsrunde unserem
Land einehöhere zugrundeliegende Inflationsrate. Ohne Langzeitpolitiken,

�Langzeitpolitiken, die die gegenwärtige Rate von 8 bis 9 Prozent niederdrücken,wird unser Land gegenüber weiteren Anstiegen verwundbar bleiben.
Ein weiterer starker Anstieg der öl preise oder eine weltweite Mißernte
könnten die Schraube erneut anziehen

Eine Strategie zur Inflationsbekämpfung
Um die Inflation zu bekämpfen, schlage ich Schritte in vier Bereichen
vor;

der erste davon ist eine zurückhaltende Steuer- und Währungspolitik:
-

Unter den Wirtschaftsbedingungen, vor denen wir stehen, müssen
wir uns auf eine Verminderung des Haushaltsdefizits konzentrieren,
indem wir die Bundesausgaben niedrig halten und auf Steuererleichterungen verzichten.

Wir können uns kein permissives

Wirtschaftsumfeld leisten, in dem die durch das öl gesteuerte
Inflation des Jahres 1979 eine weitverbreitete Beschleunigung
der Lohn- und Preissteigerungen in den Jahren 1980 und 1981
zuläßt.
-

Um die Inflation in den folgenden Jahren zu vermindern, muß der
Haushalt angespannt bleiben. Dies bedeutet nicht, daß er nicht
mehr auf die sich ändernden wirtschaftlichen Umstände reagiert
oder daß es überhaupt keine Steuersenkungen mehr geben wird.
Aber im Vergleich zu früheren, weniger inflationären Zeiten
ist der Spielraum für budgetäre Manöver deutlich begrenzt.

-

Die Währungspolitik muß auch weiterhin die gleichen antiinflationistischen Ziele mit Festigkeit unterstützen.
Der

�Der zweite Handlungsbereich ist die Zurückhaltung des Privatsektors
bei seinen Lohn- und Preisentscheidungen. Mit Hilfe der Überlegungen der
im letzten Jahr eingesetzten Beratungsausschlisse bei Lohn- und Preisfragen ("Pay and Price Advisory Committees") konnten wir die freiwilligen
Lohn- und Preisrichtlinien auf einen neueren Stand bringen und verbessern.
Als dritten Handlungsbereich müssen wir Maßnahmen ergreifen, um
zum Produktivitätswachstum anzuregen, unsere Wirtschaft rasch an die
Tatsache geringerer Ölversorgung anzupassen und um unsere Wettbewerbsfähigkeit in der Weltwirtschaft zu verbessern. Indem wir diese grundlegenden Aspekte der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit angehen, versuchen
wir sicherzustellen, daß die langfristigen Währungs- und Steuerbeschränkungen,
die zur Eindämmung der Inflation notwendig sind, mit einem gesunden
Wachstum der Produktion der Beschäftigung und des Lebensstandards Hand
in Hand gehen. Diese Maßnahmen werden uns auch dabei helfen, Inflationsdruck von der Kostenseite her zu vermindern.
Die jüngste Geschichte hat uns die Lektion gelehrt, daß Ereignisse
außerhalb unseres Landes - wie weltweite Mißernten

oder plötzliche

Preisanstiege der OPEC - überaus starke inflationäre Wirkungen auf die
Binnenwirtschaft haben können.

Der vierte Handlungsbereich muß daher das

Ergreifen von Maßnahmen bei Energie und Nahrungsmitteln sein, die unsere
Verwundbarkeit durch äußere inflationäre Schübe herabsetzt.

Der kurzfristige wirtschaftliche Ausblick
Wir stehen in den nächsten zwei Jahren vor einer schwierigen
wirtschaftlichen Übergangszeit. Meinen Wirtschaftsberatern zufolge wird
unsere Wirtschaft in den ersten Monaten dieses Jahres durch eine milde
Rezession hindurchgehen.

Die meisten privaten Voraussagen teilen diese

- 5 -

�diese Ansicht.

Die Kaufkraft der Verbraucher wird durch steigende Energie-

preise abgeschöpft; außerdem dürfte der Wohnungsbau noch weiter zurückgehen aufgrund des begrenzten Angebots an Hypothekendarlehen und der hohen
Darlehenszinssätze.
Da das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre gut ausgewogen war,
gibt es keine ernsthaften Verzerrungen in unserer Wirtschaft, um die
Rezessionskrä'fte zu verstärken.

Daher dürfte eine wirtschaftliche

Abschwächung - sollte es zu einer solchen kommen - kurz und mild sein.
Gegen Jahresende dürfte unsere Wirtschaft wieder anziehen und das Expansionstempo 1981 wahrscheinlich zunehmen.
Die Arbeitslosigkeit wird in diesem Jahr wahrscheinlich leicht zunehmen.

Nächstes Jahr wird ein stärkeres Expansionstempo mehr neue Stellen

schaffen, und die Arbeitslosigkeit wird wieder sinken.
Die Inflation entwickelte sich in unserem Land über eineinhalb
Jahrzehnte hinweg, und es wird viele Jahre ständiger Anstrengung bedürfen,
um wieder davon herunterzukommen. In diesem Jahr werden die Energiepreise
weiterhin rascher steigen als die anderen Preise, aber weniger rasch als
1979. Einige der anderen Faktoren, die letztes Jahr zur Inflation beitrugen, dürften dies 1980 nur noch in geringerem Umfang oder überhaupt
nicht mehr tun. Die Verabschiedung des von mir vorgeschlagenen Haushalts
und die fortgesetzt geübte, vernünftige Zurückhaltung von Arbeitgeberund -nehmerseite bei ihren Lohn- und Preisentscheidungen sollten es möglich
machen, die Inflationsrate von den 13 Prozent des Jahres 1979 auf bis zu
10 Prozent im Jahr 1980 herunterzuschrauben und auf eine Höhe von 8 oder
9 Frozent im Jahr 1981. Aber diese Leistung wird die Inflation noch immer
in einem völlig unannehmbaren Tempo davonlaufen lassen. Wir können und
werden nicht ruhen, bis eine vernünftige Preisstabilität erreicht worden

Haushaltspolitik

�Haushaitspoli ti k
Meine Haushaltsvorschläge werden das Haushaltsdefizit des Bundes
im Haushaltsjahr 1981 um mehr als die Hälfte auf 16 Milliarden Dollar
senken.

Um diese Senkung zu erreichen - trotz der Auswirkung langsameren

Wirtschaftswachstums auf die Steuereinnahmen des Bundesäußerster Zurückhaltung bei den Bundesausgaben.

bedurfte es

Die Ausgaben

werden von

564 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 616 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1981 steigen.

Obwohl die Verteidigungsausgaben zunehmen werden, werden

die Bundesausgaben inflationsbereinigt praktisch konstant bleiben.

Ich

schlage vor, die Ausgaben - von der Verteidigung abgesehen - nach Angleichung
an die Inflation zu senken.
Mein Haushalt für das Jahr 1981 stützt sich ganz einfach auf die
Prämisse, daß es oberste Priorität der Wirtschaftspolitik bleiben muß,
die Inflation zu beenden. Es werden nicht nur die Haushaltsausgaben auf
einem Mindeststand gehalten, der noch in Einklang mit den drängenden
nationalen Forderungen steht, sondern es wird auch auf Steuersenkungen
verzichtet. Diese karge Haushaltspolitik ist in Verbindung mit unterstützender währungspolitischer Zurückhaltung eine notwendige Bedingung
zur Kontrolle der Inflation.
Bürger im ganzen Land stehen vor wachsenden Steuerlasten wegen zunehmender Steuern für die soziale Sicherheit und weil die Inflation den
einzelnen in die Klammern höherer Einkommensteuern treibt.

Sie fordern

und verdienen Steuererleichterungen, sobald Senkungen in Rahmen einer
umsichtigen Haushaltspolitik gewährt werden können.

Die Wirtschaft braucht

stärkere Anreize, um in neuen und modernen Betriebsanlagen und in Ausrüstung
zu investieren, die für das Anwachsen unserer Produktivitätskapazität und
für die langfristige Verbesserung der Effizienz der Wirtschaft entscheidend
sind.

Wenn wir auch weiterhin das Anwachsen der Bundesausgaben straff

zügeln, wird es Steuersenkungen geben. Aber ich konnte dieses Jahr keine

- 7 -

�keine Steuererleichterungen vorschlagen - und habe es nicht getan....
In dieser ungewissen Zeit kann man die Wirtschaftspolitik nicht
festschreiben und sie dann vergessen.

Sollten sich die Wirtschaftsbedingungen

und Aussichten deutlich verschlechtern, bin ich bereit, dem Kongreß zusätzliche steuerliche Maßnahmen vorzuschlagen, um Produktion und Beschäftigung
in einer Weise und unter Umständen zu unterstützen, die mit dem fortgesetzten Kampf gegen die Inflation in Einklang stehen

- .

Lohn- und Preisrichtlinien
Vor etwa einem Jahr forderte ich Arbeitgeber und -nehmer auf, sich
mir im Kampf gegen die Inflation dadurch anzuschließen, daß freiwillige
Richtlinien für Löhne und Preise befolgt würden. Die Zusammenarbeit auf
meine Bitte hin war groß. Die Beschleunigung der Inflation im letzten
Jahr stellte keinen Zusammenbruch der Lohn- und Preisrichtlinien dar.
Himmel stürmende Energiepreise und steigende Kosten für Hauskauf und
-finanzierung waren die Ursache für die deutliche Verschlechterung der
Inflation. Auch die sinkende Produktivität trug zu Geschäftskosten und
Preisen bei.
Tatsächlich haben die Lohn- und Preisrichtlinien dem Land gutgetan.
Obwohl die Preisrichtlinien bei den Nahrungsmitteln, bei Energie und bei
den Immobilienpreisen nur in geringem Ausmaß anwendbar waren, beschleunigten
sich die Preise in den übrigen Wirtschaftsbereichen, für die die Richtlinien
entworfen waren, im ersten Jahr des Programms nur wenig. Die Lohnerhöhungen
waren nicht größer als im Jahr 1978, obwohl die Lebenshaltungskosten rascher
stiegen. Die Erhöhungen bei den Energiepreisen wirkten sich nicht allzu
stark bei den Löhnen und dem übrigen Spektrum der Industrie- und Dienstleistungspreise aus.
Am

�Am 28. September 1979 erzielten meine Regierung und die Führung
der Gewerkschaften ein landesweites Übereinkommen.

Wir vereinbarten,

daß unsere Antiinflationspolitik wirkungsvoll und ausgeglichen sein müsse
und daß wir trotz des Kampfes gegen die Inflation unsere Anstrengungen
nicht aufgeben würden, die Ziele der Vollbeschäftigung und des ausgeglichenen
Wachstums zu verfolgen.

Als eines der Ergebnisse dieses Übereinkommens setzte ich einen
"Ausschuss für Lohnberatungen" (Pay Advisory Committee) ein, um in Zusammenarbeit mit meiner Regierung die Lohnrichtlinien zu überprüfen und
Vorschläge zu unterbreiten, wie sie durchgesetzt werden könnten.

Ein

"Ausschuß für Preisberatungen" (Price Advisory Committee) wurde eingerichtet, um Empfehlungen hinsichtlich Preisrichtlinien zu unterbreiten.

Das vordringlichste Problem im Jahr 1980 ist es, sicherzustellen,
daß die scharfen Preisanstiege für Energie nicht eine neue Bewegung der
Lohn- und Preisspirale zur Folge haben, die die gegebene Inflationsrate
noch viele Jahre lang verschlimmern würde.

Es ist verständlich, daß

die Arbeiter, die Industriemanager und andere Gruppen einen Ausgleich
für reale Einkommensverluste suchen und dies tun, indem sie höhere
Lohn- und Gehaltszuschläge und andere Einkommensformen fordern.

Solche

Anstrengungen würden nicht die durch steigende Weltölpreise und gesunkene
Produktivität verminderten Realeinkommen zurückbringen, sondern sie
würden nur die Inflation verschärfen.

Verbesserungen unseres Lebens-

standards können nur durch größere Effizienz unserer Wirtschaft und durch
geringere Abhängigkeit von importiertem öl erreicht werden.

Freiwillige Richtlinien für Löhne und Preise sind zusammen mit einer
disziplinierten Steuer- und Währungspolitik die wesentlichen Bestandteile
einer Strategie zur Senkung der Inflation.

Während der nächsten Jahre

wird durch Währungs- und Steuerpolitik versucht, die Inflation langsam
aber ständig zu senken.

Zurückhaltung bei Anleihen und Ausgaben bedeutet

- 9 -

�bedeutet in sich selbst verhältnismäßig langsames Wirtschaftswachstum
und etwas höhere Arbeitslosigkeit mit brachliegender Kapazität.

Wirksame

Richtlinien zur Mäßigung bei Lohn- und Preissteigerungen werden zu Fortschritten bei der Senkung der Inflation führen und dadurch die Last auf
Währungs- und Steuerpolitik mindern sowie Spielraum für rascheres Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze schaffen

;

Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftsleistung
Befriedigendes Wirtschaftswachstum zu erreichen, die Arbeitslosigkeit
zu verringern und gleichzeitig steten Fortschritt bei der Inflationsbekämpfung zu machen, stellt eine gewaltige Herausforderung für die
Wirtschaftspolitik dar.
Um die Inflation zu drücken, müssen wir den schmerzlichen Weg
weitergehen, der notwendig ist, um die Nachfrage zu dämpfen. Aber Nachfragedämpfung allein ist nicht genug. Wir müssen daran arbeiten, die
Angebotsseite unserer Wirtschaft zu verbessern, und ihren Anpassungsprozeß in einer Zeit knapper Energie beschleunigen, ihre Effizienz
erhöhen, die Wirkungsweise des Arbeitsmarktes verbessern und ihren
Kapitalsockel verbreitern. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, unsere
Verwundbarkeit bei inflationären Ereignissen zu vermindern, die sich
außerhalb unserer eigenen Volkswirtschaft zutragen. Nur eine Methode,
die sich mit Nachfrage und mit Angebot auseinandersetzt, kann das Land
in die Lage versetzen, ein gesundes Wirtschaftswachstum mit Preisstabilität
zu kombinieren.

Langfristige

- 10 -

�Langfristige Energiepolitik
Im Lauf der letzten drei Jahre habe ich einen Großteil meiner
eigenen Anstrengungen und der meiner Regierung darauf verwendet, für
dieses Land eine langfristige Energiepolitik zu entwerfen.

Viel ist

bereits in Zusammenarbeit mit dem Kongreß erreicht worden oder steht kurz
vor seiner Verabschiedung.
Die schrittweise Freigabe der Preise für Erdgas und inländisches
Rohöl wird ein starkes, eindeutiges Signal setzen, zur Energieeinsparung
ermutigen und die Entwicklung inländischer Energieversorgung anregen.
Aber die Freigabe der ölpreise bringt angesichts der sehr hohen OPECPreise unvermeidlicherweise gewaltige Situationsgewinne mit sich. Die
Steuer auf diese Situationsgewinne (Windfall Profit Tax), die ich vorgeschlagen habe, wird einen beträchtlichen Teil dieser Gewinne für den
öffentlichen Gebrauch abschöpfen.
Die zusätzlichen Bundeseinnahmen durch diese Steuer werden es möglich
machen, die Armen vor den Auswirkungen der höheren ölpreise zu schützen,
unsere Investitionen im öffentlichen Verkehrswesen zu erhöhen und Programme
für den beschleunigten Ersatz ölbetriebener Elektrizitätswerke und für
vermehrte private und kommerzielle Energieeinsparung zu unterstützen.
Ich habe auch Anreize für die Entwicklung von Sonnenenergie und Energie
aus Biomasse gegeben und den Kongreß um die Ermächtigung ersucht, eine
Energiesicherungsbehörde (Energy Security Corporation) ins Leben zu rufen,
um auf einer geschäftsmäßigen Grundlage Anreize und Beistand für die
beschleunigte Entwicklung synthetischer Brennstoffe zu gewähren. Weitere
von mir vorgeschlagene Gesetze, die zur Zeit ebenfalls einem Beratungsausschuß des Kongresses vorliegen, würde ein Energiemobilisierungsamt
schaffen, um den Behördenweg zu verkürzen und die Entwicklung wesentlicher
Energieprojekte zu beschleunigen. Ich fordere den Kongreß auf, die letzten
Schritte zu tun, um die für meine Energieinitiativen notwendige Gesetz-

- 11 -

�Gesetzgebung zu verabschieden.
•

Diese Politiken werden die Wirksamkeit wesentlich erhöhen, mit der
unser Land Energie verbraucht, und das Spektrum wirtschaftlich ausnutzbarer
Energiequellen vergrößern.

Auf diese Weise werden sie dabei helfen, unsere

Volkswirtschaft weniger inflationsanfällig zu machen.

Sie werden auch

unsere Abhängigkeit von importiertem öl drastisch reduzieren und die Wahrscheinlichkeit plötzlicher Inflationsschübe dadurch herabsetzen, daß unser
Land durch plötzliche Preisanstiege beim öl auf den Weltmärkten weniger
verwundbar ist.
Gegen Ende dieses Jahrzehntes werden wir uns wahrscheinlich schon
am Ende der Übergangsperiode zu einer neuen Welt der knapperen öl Vorräte
nähern.

In der Zwischenzeit bleibt unser Land jedoch noch immer den

Unberechenbarkeiten der Weltölmärkte auf gefährliche Weise ausgeliefert.
Ich verfolge Maßnahmen, um mit diesen Übergangsproblemen fertigzuwerden. Zusammen mit anderen wichtigen öl Verbraucher!ändern in der Internationalen Energieagentur arbeiten wir daran, verbesserte Möglichkeiten
zu entwickeln, um künftigen Kürzungen bei der Ölversorgung durch gemeinsames
Handeln zur Verminderung der ölnachfrage zu begegnen. Wir können die
Chancen auf weitere starke Preiserhöhungen vermindern, indem wir ein
kompetitives Gedränge nach knappem öl vermeiden.
Letztes Jahr versprach ich, daß unser Land niemals wieder mehr öl
als im Jahr 1977 importieren würde: 8,5 Millionen Barrel pro Tag. in
diesem Jahr setzte ich ein niedrigeres Importziel von 8,2 Millionen
Barrel pro Tag fest. Ich bin bereit, dieses Ziel weiter herabzusetzen,
sollten Diskussionen im Rahmen der Internationalen Energieagentur ein
faires und ausgeglichenes Abkommen erzielen, das noch niedrigere Importe
fordert. Ich werde eine Abgabe für den Kauf von ausländischem Erdöl
einführen, falls dieser die von mir festgesetzten Grenzen zu überschreiten
droht.
Ebenso
- 12 -

�Ebenso wesentlich wie die internationale Zusammenarbeit sind Maßnahmen,
die wir selbst ergreifen können.

In Einklang mit den im letzten Jahr

erlassenen Gesetzen hat die Regierung einen Notplan zur Benzinrationierung
entwickelt, um mit größeren Versorgungsstörungen fertigzuwerden - definiert
als ein Versorgungsdefizit von 20 oder mehr Prozent.

Dieser Plan wird dem

Kongreß im Februar vorgelegt. Aber sogar noch geringere Versorgungsstörungen können schwerwiegende wirtschaftliche Probleme hervorrufen.

Wir

überlegen daher Vorschläge für Notmaßnahmen, die zu ergreifen sind, wenn
geringfügigere, aber noch immer beträchtliche Unterbrechungen auftreten
sollten.

Die Strategische Benzinreserve (SPR) kann die Auswirkung eines

plötzlichen Lieferausfalls abschwächen.

Mein Haushalt sieht Mittel dafür

vor, Käufe im Rahmen dieser Reserve in diesem Jahr wieder aufzunehmen,
wenn es die Umstände erlauben.

Verbesserung des Arbeitsmarktes
Anhaltende hohe Arbeitslosigkeit bei bestimmten Berufsgruppen,
stürmische Nachfrage nach Arbeitskräften andererseits und in manchen
Bereichen nur sehr niedrige Arbeitslosigkeit: das ist nicht nur ein
großes soziales Problem, sondern eine Verschwendung nationaler Ressourcen.
Der Mangel an Fertigkeiten, die Mängel des Arbeitsmarktes und in manchen
Fällen die Diskriminierung, die eine solche Situation entstehen läßt,
vermindern die nationale Produktivität und tragen zur Inflation bei.
Obgleich unser Arbeitsmarkt für die meisten Menschen im Moment
ziemlich gut arbeitet, so tut er dies nicht für die benachteiligten
Jugendlichen und die jungen Angehörigen der Minderheiten.

Angesichts

dieser Tatsache habe ich kürzlich dem Kongreß Vorschläge zugeleitet, die
die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen sollen
Reform
- 13 -

�Reform gesetzlicher Vorschriften
Der Bereich der gesetzlichen Vorschriften ist neben der Besteuerung,
der Verteidigung und der Bereitstellung der Sozialversorgung eine der
Hauptbeschäftigungen der Regierung.

Unnötige Vorschriften, aber auch

notwendige Vorschriften, die unverhältnismäßige Lasten auferlegen, senken
die Effizienz und erhöhen die Kosten.
In den letzten drei Jahren habe ich mich entschieden für eine grundlegende Methode zur Reform der Vorschriften eingesetzt:

unnötige Vor-

schriften, wie tief auch immer in der Tradition verwurzelt, sollten
abgeschafft und die Rolle des Wettbewerbs sollte verstärkt werden;
notwendige Vorschriften sollten ihre sozialen Zielsetzungn zu minimalen
Kosten erreichen.
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß wurde die Luftfahrtindustrie von
einschränkenden Bestimmungen befreit. Nunmehr arbeiten wir mit Kongreßausschüssen zusammen, um die Arbeit für eine faire und wirkungsvolle
Gesetzgebung zu beenden, die die kostspieligen Teile der Vorschriften in
der Lastwagen-, der Eisenbahn-, der Kommunikations- und der Finanzindustrie
beseitigt.
Innerhalb der Exekutive steigern wir die Qualität der Vorschriften
und senken ihre Kosten. Der Rat zur Koordinierung staatlicher Vorschriften
(Regulatory Council), den ich vor einem Jahr eingesetzt habe, fördert
unser Verständnis für das ganze Ausmaß der Bundesaktivitäten im Bereich
der Bestimmungen und die Art und Weise,in der diese Aktivitäten insgesamt
die einzelnen Industrien und Sektoren beeinflussen. Eine Reihe von
weisungsbefugten Behörden experimentiert mit neuen Techniken, die die
Zielsetzungen zu weit niedrigeren Kosten zu erreichen versprechen.

Steigerung

- 14 -

�Steigerung der Investitionen und Ermutigung von Forschung und Entwicklung
Wir kennen nicht alle Ursachen der Verlangsamung des Produktivitätswachstunis, die in den letzten Jahren unsere Volkwirtschaft charakterisiert
hat.

Aber wir wissen, daß Investitionen, Forschung und Entwicklung bei

der Umkehrung dieses Trends eine wesentliche Rolle werden spielen müssen.
Um die kräftig gestiegenen Bedürfnisse des Landes nach Investitionen
im Bereich der Energieproduktion und -einsparung zu befriedigen, um seinen
Auftrag nach sauberer Luft und klarem Wasser sowie verbesserter Gesundheitsfürsorge und Sicherheit am Arbeitsplatz zu erfüllen und um gleichzeitig weitere und bessere Werkzeuge für eine wachsende amerikanische
Arbeitnehmerschaft zur Verfügung zu stellen, muß unser Land im kommenden
Jahrzehnt den Anteil seiner Mittel erhöhen, der für Kapitalinvestitionen
bereitgestellt wird.
Einen Schritt in diese Richtung unternahmen wir mit dem Einkommenssteuergesetz von 1978, das größere Steuererleichterungen für Investitionsmaßnahmen vorsieht.

Die Verabschiedung meiner anhängigen Energiegesetz-

gebung wird umfangreiche neue Anreize und finanziellen Beistand für
Investitionen

bei Produktion und Einaprung von Energie verfügbar machen.

Sobald die Wirtschaftsbedingungen für weitere Steuersenkungen angemessen
sind, werden wir meiner Meinung nach einen wesentlichen Teil jeder Steuerherabsetzung auf die Bereitstellung weiterer Anreize für allgemeine
Kapitalinvestitionen umleiten müssen.
Einer der bedeutsamsten Faktoren zur Sicherstenung eines starken
Produktivitätswachstums ist ein ständiger Fluß neuer Ideen aus dem
Industriebereich. Dieser Fluß hängt in erster Linie von einer soliden
Grundlage wissenschaftlicher Kenntnis ab. Die wichtigste Quelle solchen
Wissens ist die Grundlagenforschung, deren größter Teil aus Bundesmitteln
finanziert wird.
Zwischen
- 15 -

�Zwischen 1968 und 1975 fielen die Bundesausgaben für Grundlagenforschung - in gleichbleibenden Dollar gemessen - sogar. Aber seit 1975
und besonders während meiner Regierungsjahre stieg die Bundeshilfe für
die Grundlagenforschung kräftig.

Trotz der im allgemeinen angespannten

wirtschaftlichen Lage fordert der Haushaltsplan für 1981, den ich dem
Kongreß vorlege, eine weitere erhebliche Zunahme der realen Bundeshilfe
für die Grundlagenforschung.

Gerade in einer Zeit wirtschaftlicher

Schwierigkeiten können wir es uns nicht leisten, die Basis zukünftigen
Wohlstands zu schmälern....

Die Weltwirtschaft
Neben unserem Land erlitten auch andere Staaten im Jahr 1979
beträchtliche Rückschläge durch die dramatischen Preissteigerungen beim
öl. Die Wachstumsaussichten verschlechterten sich, die Inflation nahm
zu und die Zahlungsbilanzdefizite wuchsen. In solch schwierigen Zeiten ist
die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Staaten besonders wichtig.
Gemeinsame Schritte der öl Verbraucherstaaten sind notwendig, um den
Nachfragedruck auf das Angebot zu reduzieren und die Ordnung auf den
Weltölmarkten wiederherzustellen. Zusammenarbeit ist notwendig, um die
internationalen Finanzmärkte gegen potentiell mögliche Unterbrechungen
zu schützen, die aus der Notwendigkeit herrühren, stark erhöhte Zahlungen
für das Erdöl finanzieren zu müssen. Und Zusammenarbeit ist ebenfalls
notwendig, um eine zerstörerische Runde des Protektionismus zu verhindern.

Da der Dollar der wichtigste internationale Wertspeicher und die
sichtigste Valuta ist, ist die Stabilität der internationalen Finanzmärkte eng mit der Stärke des Dollar verbunden. Die im November 1978
von den Vereinigten Staaten und unseren Verbündeten ergriffenen Maßnahmen

�Maßnahmen zur Stärkung und Stabilisierung des Dollar funktionierten im
vergangenen Jahr gut. Die Tatsache, daß der Dollar sich trotz einer
beschleunigten Inlandsinflation gut hielt, ist teilweise auf eine deutliche
Verbesserung unserer gegenwärtigen Zahlungsbilanz im Verlauf des Jahres 1979
zurückzuführen. Unsere Exporte nahmen rasch zu und trugen dadurch dazu
bei, die steigenden Zahlungen für Erdöl auszugleichen. Im Herbst 1979
kam der Dollar jedoch unter rückläufigen Bewegungsdruck. Die Maßnahmen
der Bundesbank vom Oktober zur Änderung der Techniken der Geldpolitik
halfen dabei, die Inflationserwartungen zu dämpfen, die teilweise für den
Druck auf den Dollar verantwortlich gewesen waren. Wir müssen als Staat
die Bedeutung eines stabilen Dollar nicht nur für die Vereinigten Staaten
erkennen, sondern für die Weltwirtschaft als ganzes, und unsere Verantwortung
zur Verfolgung einer Politik übernehmen, die zu dieser Stabilität beiträgt.
Die multilateralen Handeslverhandlungen der Tokio-Runde wurden
erfolgreich abgeschlossen und erlangten im Lauf des Jahres 1979 in den
Vereinigten Staaten Gesetzeskraft. Diese Handelsvereinbarungen sind eine
bedeutsame Leistung für die Weltwirtschaft. Durch Senkung der Zollschranken
in den Vereinigten Staaten und im Ausland werden sie dabei helfen, unsere
Exporte zu erhöhen und uns Amerikanern Zugang zu ausländischen Gütern zu
verschaffen, die weniger kosten. Vielleicht noch wichtiger ist, daß diese
Abkommen restriktive und unfaire Handelspraktiken begrenzen und für
deutliche Heilmittel dort sorgen werden, wo es Mißbrauch gibt. Sie können
zwar nicht allein eine reibungslose Lösung aller Handelsfragen garantieren,
und tatsächlich wird die eigentliche Bewährungsprobe erst kommen, wenn wir
mit ihrer Ausführung beginnen. Dennoch stellen die im letzten Jahr
erreichten Abkommen eine klare Verpflichtung zur Bewahrung und Verbesserung
eines offenen Welthandelssystems dar.

Schlußfolgerung

- 17 -

�•

Schlußfolgerung
Die siebziger Jahre waren ein Jahrzehnt der wirtschaftlichen Unruhe.
Die Weltölpreise stiegen um mehr als das Zehnfache und trugen dazu bei,
zwei große Inflationswellen und die schlimmste Rezession seit vierzig
Jahren auszulösen.

Das internationale Wä'hrungssystem mußte einen schwierigen

Übergang von festen zu floatenden Wechselkursen durchmachen.

In der

Landwirtschaft wechselte eine chronische Überangebotslage in eine Situation
über, in der sich Zeiten des knappen Angebots mit Zeiten des Überangebots
abwechselten.
Es war ein inflationäres Jahrzehnt.

Es brachte in die Pläne der

Geschäftswelt und der Verbraucher für die Zukunft zunehmende Ungewißheit.
Wir unternehmen jetzt Anpassungen an die Realitäten der wirtschaftlichen
Welt, die uns die siebziger Jahre brachten.
eine schwierigere Welt als die vor ihr.

Sie ist in vieler Hinsicht

Dennoch sind die von ihr gestellten

Probleme nicht unüberwindlich.
Es warten keine Wirtschaftswunder auf ihre Verwirklichung. Aber
mit Geduld und Seibstdiziplin in Verbindung mit etwas Erfindungsreichtum
und Sorgfalt können wir uns erfolgreich mit dieser neuen Welt auseinandersetzen. Die achtziger Jahre können ein Jahrzehnt verminderter Inflation
und gesunden Wachstums werden.

+ + + + +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8601">
                <text>07.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8602">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8603">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14036">
                <text>Amerikadienst 07.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14037">
                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Wirtschaftsbericht Präsident Carters&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
