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I 3

Information
und
Dokumentation

1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie erläutert Bündnissysteme der USA
- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco Brown:

USA wollen keinen Atomkrieg

- Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ausreichende Reserve entscheidend fürj^ahrung^smHtelversorgung der
Weltbevölkerung
- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Das Meer - Energiequelle für Inseln und Küstenländer
- USA intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme
Start des Raumtransporters: Mä'rz 1981

Um Übcr/cncJung von
BcIcgcKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dokumentation

a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

AUSSENMINISTER MUSKIE ERLÄUTERT BÜNDNISSYSTEME DER USA
- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco -

SAN FRANCISCO - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie
hielt am 9. August 1980 in San Francisco vor dem Commonwealthclub eine Rede,
in der er sich eingehend mit den Bündnissystemen, denen die Vereinigten Staaten angehören, befaßte.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Als der Präsident mir den Posten des neuen Außenministers anbot, sicherte er mir zu, daß es nicht allzu viel zu reisen geben werde.
Seither bin ich in Brüssel und Wien gewesen, in Venedig, Ankara und
Kuala Lumpur; zweimal in Japan.
Nun ist das Reisen gar nicht so schlecht.

Denn ich habe herausgefunden,

daß es eine Ähnlichkeit gibt zwischen Auslandsreisen und dem Senioritä'tssystem im Senat: man findet mit der Zeit immer mehr Geschmack daran.
Teils

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Teils aufgrund der Umstände, aber zum größeren Teil aus eigenem Antrieb,
verwendete ich einen ansehnlichen Teil meiner Zeit im Verlauf der letzten
zweieinhalb Monate - sowohl während meiner Reisen als auch zu Hause - auf das
Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Hauptverbündeten.
Ich habe dies getan, weil ich zutiefst davon überzeugt bin - und das
war zu jedem Zeitpunkt meiner öffentlichen Laufbahn der Fall -, daß die Stärke und der Zusammenhalt unserer Bündnisse für unser Wohlergehen als Amerikaner
lebenswichtig sind.
Heute möchte ich gemeinsam mit Ihnen einige Überlegungen hinsichtlich
unserer grundlegenden Bündnisse anstellen: hinsichtlich ihres derzeitigen Zustandes und ihrer Entwicklung in der Zukunft.
Meine eigene öffentliche Laufbahn begann, als unsere Sicherheitsbündnisse der Nachkriegszeit - vor allem der NATO und unsere Bündnisse mit Japan geschlossen wurden.

Von jenem Zeitpunkt an bis heute gab es kaum einen Augen-

blick, in dem die Stärke dieser Partnerschaften nicht in Frage gestellt wurde.
Journalisten und andere "Untersuchungsbeamte" überprüften regelmäßig
unsere Bündnisse und fanden sie gefährdet:
auch durch "gähnende Löcher".

durch "Haarrisse" -, manchmal

Sie beschreiben diese Probleme mit Worten wie

"Verwirrung und Unordnung".
Vor den gleichen Behauptungen stehen wir heute.
Es wäre wahrscheinlich möglich, eine Antwort darauf einzig auf die höchst
reale und breite Übereinstimmung zu gründen, die sich auf dem Gipfeltreffen
von Venedig sowie auf dem Treffen der NATO-Minister in Ankara zeigte.
Aber ich möchte nicht in der Rhetorik globaler Beteuerungen schwelgen.
Tatsache ist, daß es Meinungsverschiedenheiten zwischen uns gibt.
Auch
- 2 -

�Auch biete ich nicht die Rhetorik der Gegenbeschuldigungen an. Gelegentliche Spannung zwischen freien Verbündeten ist verständlich.

Wir und

unsere Verbündeten stehen jetzt sowohl vor neuen Herausforderungen als auch
vor den alten Herausforderungen für die Interessen außerhalb der Grenzen
unserer Bündnisse und wieder anderen, die sich aus unserer wachsenden wirtschaftlichen Interdependenz ergeben.

Unsere gemeinsamen Ziele jedoch sind dauerhaft:

wir stehen zusammen,

um unsere demokratische Lebensweise zu erhalten, indem wir vor Krieg abschrecken und indem wir daran arbeiten, die Spannungen zwischen uns und unseren Gegnern abzubauen.

Aber während wir diese überdauernden, zentralen Ziele verfolgen, müssen die Formen unserer Zusammenarbeit ausgeweitet werden.
über unsere gemeinsame Verteidigung hinaus ist es stets für uns und
unsere Verbündeten wünschenswert gewesen, unsere Handlungen in anderen Teilen der Welt zu koordinieren.

Heutzutage jedoch ist diese weitere Zusammen-

arbeit nicht nur wünschenswert, sondern unabdingbar.
in einer neuen Ära.

Denn wir befinden uns

Wir leben in einer Zeit, da die zentralen Interessen der

demokratischen Industriestaaten nicht nur durch drohende militärische Gewalt
an den unmittelbaren Grenzen berührt werden, sondern auch durch die Tatsache
entfernterer Aggression.

Es ist ein Zeitalter, da die Wirtschaftspolitik

ebenso wie die militärische Strategie unserer Sicherheitsinteressen grundlegend beeinflussen - ein Zeitalter, da wir uns sowohl über die direkte
Bedrohung durch bewaffnete Angriffe als auch die Bedingungen Gedanken machen
müssen, die in der Welt der Entwicklungsländer Aufruhr schaffen.

Und es ist

ein Zeitalter, in dem die Verteidigung der gemeinsamen westlichen Interessen
in zunehmendem Maße konzertierte westliche Reaktion erfordert.

Den Herausforderungen dieses neuen Zeitalters müssen wir uns stellen.
Die demokratischen Industrieländer

müssen eine koordinierte Reaktion auf

- 3 -

�auf die bedrohlichen Ereignisse jenseits der Bündnisgebiete entwerfen.
wir dies nicht, so könnten die Folgen schwerwiegend sein.

Tun

In allen unseren

Staaten könnte sich das Vertrauen in unsere Bündnisse und das Vertrauen zueinander aushöhlen.

Und wenn wir zulassen, daß kurzfristige nationale Anliegen

uns davon abbringen, uns den strategischen Herausforderungen zu stellen, die
wir alle teilen - wie etwa in Afghanistan -, würden wir unsere zukünftige
Sicherheit gefährden.

*

Es gab in den vergangenen Monaten Spannungen, als wir und unsere Verbündeten neue Reaktionen auf die Aggression in Afghanistan und den Terrorismus
in Teheran ausarbeiteten.
Aber die Meinungsverschiedenheiten, die es dabei gegeben hat, sollten
eine zentrale Tatsache nicht verdunkeln: mit den Maßnahmen, die wir ausarbeiten, schaffen wir zugleich neue Formen der Zusammenarbeit.
zeß hat beträchtlichen Lärm verursacht.

Dieser Pro-

Aber zum größten Teil sind die

Töne, die wir hören, konstruktive Töne.
Verschaffen wir uns zunächst Klarheit über die grundlegende Stärke, die
im Mittelpunkt dieser Beziehungen steht.
Unsere Bündnisse sind erfolgreich, was ihre grundlegende Sinngebung anbelangt - die kollektive Verteidigung ihres gemeinsamen Territoriums.
Die Nordatlantische Verteidigungsgemeinschaft hat mehr als 30 Jahre Frieden hervorgebracht. Eben weil sie eine Aggression gegen Westeuropa vernichtend zurückweisen könnte, hat die NATO diese Aggression abgeschreckt.
»

In diesem Prozeß hat die NATO bemerkenswerte Elastizität und Wachstum
gezeigt.
- Wir haben erfolgreich weitreichende Anpassungen der strategischen
Doktrin in den Griff bekommen: den Übergang aus dem Zeitalter der massiven

- 4 -

�massiven Vergeltung zu einer realistischeren Strategie - einer Strategie
der flexiblen Antwort auf die gesamte Bandbreite der Gefahren, denen wir
gegenüberstehen.
- Im Juni 1978 hat die NATO das Langfristige Verteidigungsprogramm angenommen, um die Schwächen in unserer Verteidigung auszumerzen und für die
Zukunft vorzusorgen.
- Die NATO-Verbündeten haben sich zu dem Ziel eines dreiprozentigen
Real Zuwachses der Verteidigungsausgaben pro Jahr verpflichtet.
- Die NATO reagiert wirkungsvoll auf die Anwesenheit neuer sowjetischer
Kernwaffen im europäischen Bereich: mit neuen eigenen Systemen und mit einem
Angebot, mit den Sowjets wirklich gleichmäßige Beschränkungen dieser Waffen
auszuhandeln.
Dies sind die Anstrengungen eines Verteidigungsbündnisses, das kraftvoll seinen grundlegenden Zweck verfolgt: starke und entschlossene Verteidigung.
Das gleiche gilt für den Pazifik.
Unsere strategische Beziehung zu Japan weitet sich aus.

Und unser Ver-

hältnis zu den ANZUS-Staaten - zu Australien und Neuseeland - ist fest.
So steht am Anfang die Tatsache, daß unsere wichtigsten Beziehungen
auf dem Gebiet der Friedenssicherung auf beiden Seiten des Globus funktionieren.

Sie sind solide.

geschaffen wurden:

Sie machen Fortschritte.

Sie tun das, wofür sie

sie schrecken vor einer Aggression ab.

Dennoch wäre es töricht, die neuen Gegebenheiten zu ignorieren, die
uns dazu drängen, neue Formen der Zusammenarbeit zu gestalten.
Eine
- 5 -

�Eine dieser neuen Gegebenheiten zeigt sich beispielhaft in der sowjetischen Militärpräsenz in Afghanistan.
In den vergangenen Jahren hat sich die militärische Reichweite der
Sowjetunion bis in die Dritte Welt hinein ausgedehnt. Afghanistan ist der
jüngste und dramatischste Beweis für die wachsende sowjetische Militärtätigkeit in der Entwicklungswelt.
Durch ihre Nähe und durch ihr Beispiel hat die sowjetische Invasion
die Bedrohung der Energieversorgung und der Handelswege verstärkt, die für
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten lebenswichtig sind.

Und sie

beweist deutlich, daß es für die westlichen Interessen neue Herausforderungen
jenseits der unmittelbaren Bündnisgrenzen gibt.
•

Ein zweiter neuer strategischer Gesichtspunkt ist die verbesserte wirtschaftliche und politische Lage unserer Verbündeten. Die Vereinigten Staaten halten noch immer den strategischen Schirm. Aber unter diesem Schirm
hat sich eine Gruppe von immer wohlhabenderen und mächtigeren Staaten versammelt.
Die Probleme, die diese Entwicklung mit sich bringt, ähneln etwas den
Steuerproblemen eines Multimillionärs: sie sind zwar schwierig, aber trotzdem ist es eine Art von Problemen, die man nicht ungern hat.
Starke Partner verdienen nachdrückliche Überlegung: bei den amerikanischen Entscheidungen wird es keine automatische Fügsamkeit geben. Diese
Tatsache kann nur diejenigen beunruhigen, die auf die Tage warten, da Amerika
womöglich seine Verbündeten dominiert. Nichtsdestoweniger ist der Wandel
eine Tatsache.
Daß Entscheidungen jetzt tatkräftig debattiert werden, ist kein Zeichen
eines geschwächten Bündnisses; es ist ein Zeichen für Verbündete» die stärker geworden sind.
Tatsache
- 6 -

�Tatsache ist auch, daß unsere wirtschaftlichen und politischen Interessen nicht immer identisch sind.

Für viele Amerikaner ist die Entspannung

eine Abstraktion - durchaus eine vernünftige Politik, aber dennoch eine, die
weit von ihrem täglichen Leben entfernt ist. Für die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland hingegen hat das Maß an Spannung zwischen Ost und
West direkte Auswirkung auf die Probleme des Alltags.

Die Möglichkeit zu

Verwandtenbesuchen, die Möglichkeit für Deutsche, aus dem Osten zu emigrieren, die tägliche Lage in Berlin - um all das geht es.
Und es gibt noch andere Unterschiede.

Die Abhängigkeit der Staaten

Europas und Japans von ausländischen Energiequellen ist größer als unsere.
Diese unterschiedlichen Standpunkte müssen bei der Festlegung gemeinsamer
Positionen in Einklang gebracht werden.
Wir in den Vereinigten Staaten müssen ein Gefühl für die besonderen
Bedenken und Verletzlichkeiten unserer Verbündeten bekommen.
Gleichzeitig müssen unsere Verbündeten die wachsende Verantwortung übernehmen, die mit der wachsenden Stärke einhergeht. Sie müssen bereit sein,
ihren Anteil an der gemeinsamen Last zu übernehmen.
Der Anfang der Weisheit ist die freimütige Erkenntnis dieser Realitäten
- und die Verwendung dieser Grundlage für neue Formen der Zusammenarbeit.
Lassen Sie mich kurz darlegen, wie ich die Entwicklung dieser Formen sehe.
Der erste Bereich ist unsere gemeinsame Strategie zur Bewältigung der
Ost-West-Beziehungen.
Die Grundlage dieser Strategie muß - heute wie in der Vergangenheit - eine
militärische Abschreckung sein, die außer Frage steht.

Denn Abschreckung ist

auch weiterhin der Eckstein des Friedens, den wir zu bewahren beabsichtigen.
Der
- 7 -

�Der Beitrag unserer NATO-Partner für unsere kollektive Verteidigung wird
hier bei uns zu Hause nicht ausreichend erkannt.

Unsere Partner kommen für

fast die Hälfte der Verteidigungsausgaben der NATO auf; für fast 60 Prozent
der Streitkräfte; für etwa 75 Prozent der Panzerfahrzeuge; für mehr als 90
Prozent der Panzerdivisionen.
Aber angesichts der ständigen Zunahme der sowjetischen Militärmacht sind
wir und unsere Verbündeten gezwungen, noch größere Verteidigungsanstrengungen
zu unternehmen.
werden.

Diese neuen Lasten müssen fair und gleichmäßig verteilt

Da wir in den Vereinigten Staaten unsere eigenen Verteidigungsausgaben
deutlich erhöhen, erwarten wir von unseren Verbündeten,ihrer Verpflichtung
nachzukommen und ihre eigenen Ausgaben um drei Prozent pro Jahr zu erhöhen.
Und da die Vereinigten Staaten die Führungsrolle übernehmen, um gemeinsame Bündnisinteressen im Persischen Golf und in Südwestasien zu schützen,
werden unsere Verbündeten einen größeren Anteil an der Stärke der NATO in
Europa übernehmen.
Kurz gesagt, da wir das tun, was zur Aufrechterhaltung eines militärischen
Gleichgewichts notwendig ist, werden wir unsere Verbündeten weiterhin auffordern, Verteidigungslasten zu übernehmen, die ihrem Wohlstand, ihrem Einfluß
und ihrer Stärke entsprechen.
Eine gemeinsame Strategie bezüglich der Ost-West-Beziehungen erfordert
auch eine abgestimmte politische Antwort auf die sowjetischen Aktionen in
der ganzen Welt.
Die demokratischen Industriestaaten müssen den sowjetischen Führern unmißverständlich klarmachen, daß Abenteuer wie in Afghanistan echt auf Kosten
unserer direkten Beziehungen gehen.
Wie
- 8 -

�Wie der Präsident in Venedig sagte, kann Europa keine "Insel der Entspannung" sein, während anderswo eine Aggression stattfindet.

Denn das würde

einfach zu neuen Abenteuern und Krisen in Europa und anderswo einladen.
Wir müssen bereit sein, an unserem Kurs in der Afghanistanfrage so
lange festzuhalten, wie dieser Angriff auf die nationale Freiheit andauert.
Wenn Länder des Bündnisses oder ihre Firmen dort einspringen, wo die Vereinigten Staaten und amerikanische Firmen abseits bleiben, dann wird dieser Bruch
des Vertrauens und der Zusammenarbeit hier die öffentliche Unterstützung untergraben, auf der ein starkes Bündnis beruht.
Die Länder des Bündnisses müssen ausdauernd und stark sein, um die
Sowjets zur Zurückhaltung zu bewegen. Und diese Zurückhaltung ist für einen
Fortschritt in den Ost-W,est-Beziehungen notwendig. Entspannung und Abschrekkung sind also untrennbare Teile desselben Ganzen.
Aus diesem Grunde ist auch ein Fortschritt an einer anderen Front von
entscheidender Bedeutung für den Zusammenhalt des Bündnisses.

Neben unserer

anhaltenden Festigkeit hängt eine gemeinsame Strategie des Bündnisses gegenüber der Sowjetunion von unserer echten Bereitschaft ab, konkrete Abmachungen
anzustreben, die den Interessen des Westens dienen - vor allem vernünftige
Beschränkungen des Wettrüstens.
Wenn wir uns - und hier spreche ich hauptsächlich von den Vereinigten
Staaten - von unserer Verpflichtung zu einem stetigen Fortschritt in der
Rüstungskontrolle abwenden, dann wird die Stärke und die Einheit des Bündnisses echt erschüttert werden. Man kann sich wirklich kaum einen schwereren
Schlag vorstellen.
Wollen wir uns keinen Täuschungen hingeben:

Der Schlüssel zur künfti-

gen Rüstungskontrolle ist die Ratifizierung des SALT II-Vertrages.
Alle die strategischen Programme, die wir geplant haben, können unter
diesem Vertrag fortgesetzt werden.
Aber
- 9 -

�Aber ohne den Vertrag könnten wir 1985 vor 7000 bis 8000 mehr sowjetischen
Raketen und Bombern stehen, als es wären, wenn der Vertrag in Kraft wäre.
Ohne den Vertrag gäbe es nichts, um die Sowjets davon abzuhalten, jede
ihrer schweren Raketen mit 20 oder 30 mehr Nukleargefechtsköpfen statt der im
Vertrag vorgesehenen 10 auszurüsten.
Ohne den Vertrag stünde es den Sowjets frei, ihre strategischen Programme
vor der Beobachtung durch unsere Satelliten und andere Beobachtungseinrichtungen zu verbergen.

Wir wüßten weniger über die künftigen Bedrohungen, vor

denen wir stehen könnten.
Natürlich werden wir alles notwendige tun, um einer erhöhten Bedrohung
zu begegnen.

Aber das Wettrüsten wird während immer weiter hinausgezogener

Verhandlungen zu seiner Kontrolle nicht stillstehen.

Das war niemals der

Fall und wird auch niemals der Fall sein.
Und jeder,der behauptet, wir könnten ein besseres Abkommen aushandeln,
ohne zuerst SALT II unter Dach und Fach zu bringen, macht sich selbst etwas
vor.
Afghanistan hat ohne Frage die Ratifizierungsgespräche erschwert. Es
hat die Ratifizierung kein Jota weniger wichtig für unsere nationalen Interessen gemacht; nicht ein Jota weniger entscheidend für die Aufrechterhaltung
einer gemeinsamen Strategie der Ost-West-Beziehungen mit unseren Verbündeten.
Ein zweites und damit zusammenhängendes Gebiet, auf dem die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Bündnis wachsen muß, ist unsere Gesamteinstellung zur Entwicklungswelt.
Ich rede hier nicht von einer Art Verschwörung der Industriestaaten, bei
der die Starken dem Rest der Welt ihren Willen aufzwingen.

Diese Zeiten sind

vorbei. Und wir sollten ihnen nicht nachtrauern.
Aber
- 10 -

�Aber es liegt in unserem gemeinsamen Interesse, miteinander zusammenzuarbeiten, um an die Wurzeln der Instabilität und des Konflikts zu gehen,
bevor es zur Explosion kommt.
Es liegt in unserem Interesse, die Regierungen der Dritten Welt in ihrem
Kampf gegen Armut und Krankheit und Hoffnungslosigkeit zu unterstutzen, bevor
die Enttäuschungen den Siedepunkt erreichen.
Es liegt in unserem Interesse, in einem vernünftigen Umfang Sicherheitsbeistand zu leisten, wo das dazu beitragen wird, die nationale Unabhängigkeit
gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen.
Und es liegt in unserem Interesse an Harmonie, wenn wir nach praktischen
Lösungen auf dem Verhandlungswege für Streitfälle in unruhigen Gebieten der
Welt, wie dem Nahen Osten, streben.
Und schließlich wird unser Verhältnis zu unseren Verbündeten in zunehmendem Maße durch Wirtschaftsfragen gestaltet werden, denn die wirtschaftlichen Strömungen, die unser tägliches Leben gestalten, fließen durch die
ganze Industriewelt.
Was die Energie anbetrifft: Werden wir uns als Konkurrenten um das
knappe öl den Hals abschneiden - oder werden wir gemeinsam als Mitverbraucher
handeln, um unsere Abhängigkeit zu verringern und die Stabilität und Zurückhaltung auf dem Markt zu fördern?
Was den Handel anbetrifft:

Werden wir in einen neuen protektionistischen

Kreislauf hineinschlittern - oder werden wir weiterhin Formen des Handels
entwickeln, die frei und fair sind?
Was die Wirtschaftspolitik angeht:

Wird jeder von uns einfach seinen

zeitweiligen Vorteil anstreben - oder werden wir unser binnenwirtschaftliches
Handeln koordinieren, um unseren langfristigen Gesamtinteressen zu dienen?
Die
- 11 -

�Die Zukunft der Bündnisbeziehungen wird ebenso sehr davon bestimmt werden,
wie diese Fragen beantwortet werden - von dem Ausmaß unserer wirtschaftlichen
Zusammenarbeit ebenso wie von der Gestaltung unserer militärischen Zusammenarbeit.
- . Daß wir alle diese Dinge tun müssen, liegt auf der Hand - ob wir sie jedoch tun werden, steht noch keineswegs fest.
Es könnte sein, daß die demokratischen Industriestaaten es zulassen
werden, daß unsere abweichenden Interessen und unsere individuellen Probleme
uns auseinander treiben.
Oder aber wir können auf den neuen Formen der Zusammenarbeit aufbauen,
die Gestalt anzunehmen beginnen.
- Die Industriestaaten koordinieren in einem größeren Maße als bisher
ihre nationale wie ihre internationale Energie- und Wirtschaftspolitik.
- Die NATO-Verbündeten haben einen festen Standpunkt gegen den außerordentlichen sowjetischen Druck eingenommen, unseren Kurs bezüglich der Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) zu revidieren.
- In den letzten Jahren haben die westlichen Demokratien ein beispielloses Maß an Zusammenarbeit bei der Lösung gefährlicher regionaler Streitigkeiten - in Rhodesien und Namibia - gezeigt.
- Die demokratischen Industriestaaten haben sich in einem massiven Hilfsprogramm für die Türkei zusammengeschlossen.
- Obwohl wir umfassendere Maßnahmen angestrebt haben, so ist es doch
eine Tatsache, daß sich unsere Verbündeten uns in der Verhängung wirtschaftlicher Saktionen gegen den Iran wegen des Festhaltens amerikanischer Geiseln
angeschlossen haben.
- Und
- 12 -

�- Und das Gipfeltreffen in Venedig und die NATO-Tagung in Ankara demonstrierten die wesentliche Einigkeit der Verbündeten, indem sie auf einem
völligen - nicht kosmetischen - sowjetischen Abzug aus Afghanistan beharrten.

Die Sowjets sollten diese Entschlossenheit nicht unterschätzen.

Es entstehen neue Formen der Zusammenarbeit im Bündnis.
eindeutig mehr - viel mehr - getan werden.

Aber es muß

Wir müssen verhindern, daß wir

hinter den Fortschritten der letzten Monate zurückbleiben.

Ich habe keinen Zweifel, daß es in den kommenden Monaten und Jahren
weiterhin Meinungsverschiedenheiten und gegenteilige Auffassungen geben wird.
Die Vereinigten Staaten werden in solchen Zeiten ihre Auffassung nachhaltig
vertreten.

Aber wir sollten in solchen Augenblicken ein Gefühl für den größeren
Fortschritt einbringen, der gemacht werden muß.

Jene, die zweifeln, daß dieser Fortschritt möglich ist, sollten die
gegenwärtigen Augenblicke mit Augenblicken in der Vergangenheit vergleichen
- Augenblicke, in denen der Lärm, den die Welt vernahm, nicht der Lärm des
Aufbaus war, sondern das Knirschen der Zahnräder der Zusammenarbeit im Bündnis, die zum Stehen kamen.

Denken wir an die Suez-Krise im Jahre 1956, als

sich die Vereinigten Staaten im Gegensatz zu ihren Hauptverbündeten Großbritannien und Frankreich befanden

oder an die Zeit von Vietnam.

Wir sollten uns auch an einige fundamentale Tatsachen erinnern:

Die großen Industrieländer sind trotz all ihrer wirtschaftlichen Probleme die Hauptquelle des Wohlstandes der Welt.

Sie sind die Quelle der

Ideen, des technischen Geistes und der oragnisatorischen Fähigkeit, nicht
nur einen Großteil der Güter der Welt zu liefern, sondern auch die größte
Hoffnung auf einen Forschritt der Menschheit.

Und
- 13 -

�V

Und bei all ihren Unzulänglichkeiten sind unsere Länder die wesentlichen Hüter des demokratischen Erbes.

Wir haben Systeme, die an die Würde

des Einzelmenschen, die Unabhängigkeit von Nationen und die Zustimmung der
Regierten glauben und dies fördern.
Im Besitz solcher Aktiva und solcher Werte brauchen wir und unsere Verbündeten uns weder vor derzeitigen Meinungsverschiedenheiten noch vor unserer
gemeinsamen Zukunft zu fürchten.

+ + + + +

- 14 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

BROWN: USA WOLLEN KEINEN ATOMKRIEG
Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat in einem Schreiben vom 8. August 1980 an die Verteidigungsminister der
NATO-Länder, das am 11. August in Washington veröffentlicht wurde, die neue
Nuklearstrategie der Vereinigten Staaten erläutert.

Brown bezeichnete die

Verlagerung der strategischen Schwerpunkte in dieser neuen Konzeption als
eine "evolutionäre Entwicklung" durch die die Abschreckung verstärkt und die
Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges verringert werde.
Das Schreiben des amerikanischen Verteidigungsministers hat folgenden
Wortlaut:
Als ich am 1. Juni auf der Tagung der Nuklearen Planungsgruppe in Bodo
(Norwegen) unsere Strategie des Gegenzugs (countervailing strategy) erörterte, wies ich darauf hin, daß vom Präsidenten in Kürze eine Direktive ausgehen werde, in der diese Politik formell dargelegt würde.
berichten wissen, ist dies inzwischen geschehen.

Wie Sie aus Presse-

(Ich werde wohl bereits in

naher Zukunft eine öffentliche Erklärung zu unserer Politik abgeben, möchte

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�möchte aber diese Gelegenheit wahrnehmen, um mich mit Ihnen direkt über diese
Politik in Verbindung zu setzen.)
Die Politik des Präsidenten, wie sie in der neuen Direktive dargelegt
wird, ist die von mir beim Treffen der Nuklearen Planungsgruppe beschriebene
Politik des Gegenzugs. Es ist eine Strategie, die dazu bestimmt ist, die Abschreckung gegenüber einer jeden sowjetischen Aktion, die zu einem Atomkrieg
führen könnte, zu steigern, indem sie keinen Zweifel daran läßt, daß wir sowohl die Kapazitäten als auch die Pläne zum Einsatz unserer Streitkräfte
haben, falls die Abschreckung versagt.

Das heißt, daß ein Sieg für die UdSSR

kein irgendwie wahrscheinlicher Ausgang eines solchen Krieges wäre, wie immer
auch die Sowjets einen Sieg definieren mögen.
Da in einigen Presseberichten diese evolutionäre Entwicklung unserer
Doktrin als ein deutlicher Bruch mit der früheren Politik dargestellt worden ist, möchte ich hervorheben, wie ich dies auch bei der Nuklearen Planungsgruppe getan habe, daß die Vereinigten Staaten seit langem in ihre Pläne eine
wirksame und weitestgehende Erfassung der militärischen und Kontrollziele einbezogen haben.
Unsere diesbezüglichen Kapazitäten werden weiterhin verbessert und flexibler gestaltet werden, während wir diese Strategie des Gegenzugs durchführen.
Denn es ist von entscheidender Bedeutung, daß die sowjetische Führung erkennt,
daß sie durch eine Aggression nicht nur einen allgemeinen amerikanischen Vergeltungsschlag gegen den Gesamtbereich der Ziele riskieren würde, sie müssen
auch begreifen, daß im Falle sie eine Art Mittelstufe der Eskalation wählen,
die Vereinigten Staaten ihnen durch begrenztere Gegenzüge einen unannehmbar
hohen Preis hinsichtlich dessen aufzwingen könnten, was die sowjetische Führung am höchsten schätzt - die politische und militärische Kontrolle, die militärische Macht sowohl im nuklearen wie konventionellen Bereich und die
industrielle Kapazität zur Inganghaltung militärischer Operationen.
Wir

- 2 -

�Wir wissen um die großen Gefahren und Unsicherheiten einer jeden Anwendung von Kernwaffen, sei es als Vergeltung oder zu Beginn eines Konflikts.
Wir alle wissen darüber hinaus, daß auch die ausgeklügeltste Theorie für
den Einsatz von Kernwaffen uns nicht der Notwendigkeit einer Aktion behebt,
durch die wir alle eine adäquatere konventionelle Komponente in unserer militärischen Kapazität zur Abschreckung und Verteidigung schaffen.

Ein Atom-

krieg kann nicht ein bewußt gewolltes Instrument zur Erlangung unserer Sicherheitsziele oder zur Förderung unserer Interessen sein.

Aber selbst wenn wir

diese Beschränkungen und Risiken, wie sie von unserem Standpunkt aus im

We-

sen der Kernwaffen liegen,anerkennen, so können wir uns nicht das Risiko
leisten, daß die sowjetische Führung die Illusion hegt, daß ein Atomkrieg
eine Option - oder die Androhung eines nuklearen Krieges ein Zwangsmittel
zur Förderung sowjetischer Interessen sein könnte.

Diese lehrmäßigen Erklärungen und die Planungsmaßnahmen, die wir ergreifen, um sie durchzuführen - sowie unsere Modernisierungsprogramme für die
Streitkräfte und natürlich auch unsere Rüstungskontroilbemühungen - verbessern den Beitrag unserer strategischen Nuklearstreitkräfte für die Abschrekkung über das gesamte Spektrum der Bedrohungen, mit denen wir alle ernsthaft
rechnen müssen, und für die Erhaltung des Friedens in Freiheit.

Wir haben

nicht den Wunsch, einen Atomkrieg zu führen; er wäre eine unvorstellbare
Katastrophe.

Wir haben auch keinerlei Illusionen über die Schwierigkeiten

der Begrenzung seiner Eskalation noch über die sich daraus ergebenden Folgen.
Aber der beste Weg, um einen solchen Krieg zu vermeiden ist, sicherzustellen,
daß die sowjetische Führung sich keine Illusionen darüber macht, was ein derartiger Krieg für die sowjetische Staatsmacht bedeuten würde.

Natürlich sind es die Kapazitäten unserer Streitkräfte und nicht die
Worte, die wir darüber machen, die den stärksten Einfluß auf die sowjetischen
Anschauungen ausüben.

Aber ich bin zuversichtlich, daß die formelle Erklä-

rung des Präsidenten über unsere Gegenzug-Strategie in Verbindung mit unseren energisch durchgeführten Modernisierungsprogrammen in Moskau als eine

- 3 -

�37

20. August 1980

AUSREICHENDE RESERVE ENTSCHEIDEND FÜR NAHRUNGSMITTELVERSORGUNG
DER WELTBEVÖLKERUNG
- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im
US-Landwirtschaftsministerium -

WASHINGTON - (AD) - Dale Hathaway, Staatssekretär im amerikanischen Landwirtschaftsministerium, äußerte sich in einem Interview mit dem Korrespondenten
des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA), John J. Harter, zur
internationalen Situation und zu den Problemen der Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln.

Es bestehe, so erklärte Hathaway, eine dringende

Notwendigkeit zu verbreiteter Reservehaltung von Nahrungsmitteln im Rahmen
eines allgemein gültigen Aktionsprogramms, das in Mangelzeiten die Freigabe
regelt.

Der Staatssekretär verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten bisher

stets 55 bis 60 Prozent der gesamten internationalen Nahrungsmittelhilfe geleistet hätten und in diesem Jahr beabsichtigten, für bedürftige Entwicklungsländer mehr als sechs Millionen Tonnen Nahrungsmittel bereitzustellen.
Das Interview mit Staatssekretär Hathaway hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

�FRAGE:

Was bedeutet der Begriff "NahrungsmittelSicherung für die Welt"?

ANTWORT:

Im Grunde bedeutet er, daß genügend Nahrungsmittel erzeugt und

verfügbar gemacht werden müssen, um der Weltbevölkerung die Möglichkeit zu
ausreichender Ernährung zu geben.

Hierbei ist eine Unterteilung notwendig.

Die erste Hälfte der Forderung bezieht sich auf die Tatsache, daß bei einem
großen Teil der armen Länder - in Afrika, Asien und Lateinamerika - sowohl
die Wachstumsrate der Bevölkerung als auch ihre sehr bescheidene, gleichwohl
aber zunehmende Einkommensverbesserung folgendes bedeutet:

Die Nachfrage nach

Nahrungsmitteln steigt mit weitaus größerer Geschwindigkeit als die Fähigkeit
zur Produktion von Nahrungsmitteln.

Wenn diese Tendenzen anhalten, vermögen

schon um die Jahrhundertwende selbst agrarwirtschaftlich so leistungsfähige
Länder wie die Vereinigten Staaten den Nahrungsmittel bedarf dieser Menschen
nicht mehr zu decken.

Manche werden nichts bekommen, weil Nahrungsmittel so

rar und teuer werden.

Das zweite Element im sogenannten Ernährungssicherungsprogramm hat mit
der Tatsache zu tun, daß ein großer Teil der Weltproduktion an Nahrungspflanzen nach wie vor von natürlichen Regenmengen abhängt. Und wie das Wetter von
Jahr zu Jahr verschieden ist - daß es zu viel oder zu wenig regnet, daß es zu
kalt oder zu warm ist -, so verschieden fallen auch die Ernten aus. Wenn man
nicht über Nahrungsmittelreserven aus guten Erntejahren verfügt, kann es bei
schlechtem Wachswetter zu erheblicher Nahrungsmittel Verknappung kommen, Menschen verhungern, obgleich langfristig gesehen zufriedenstellende Produktionstrends bestehen. Eine echte Nahrungsmittel Sicherung muß beide Elemente
haben: Es muß eine ausreichende, lange anhaltende Wachstumsrate der Weltagrarproduktion und eine Politik ausreichender Vorratshaltung vorhanden sein,
um den veränderten Wetterverhältnissen von einem Jahr zum andern Rechnung
zu tragen.
FRAGE:

Glauben Sie, daß die Notwendigkeit einer weltweiten Nahrungsmittel-

Sicherung in dem Maße stärker in den Vordergrund tritt, in dem viele Entwicklungsländer immer weniger in der Lage sind, ihren eigenen Nahrungsmittel bedarf
selbst zu decken?

ANTWORT:

�ANTWORT:

Ein hoher Prozentsatz der Weltbevölkerung ist heute von Im-

porten, insbesondere von Getreideimporten abhängig.

Von immer größerer Be-

deutung ist eine ausreichende Vorratshaltung geworden, um sicherzustellen,
daß die Handelskanäle bei der Deckung des Weltbedarfs funktionieren.

Ganz

besonders notwendig ist ein Vorrat an Nahrungsgetreide, der in weiten Regionen unter Bestimmungen angelegt wird, die eine Freigabe in Zeiten der Verknappung vorsehen.

In den letzten paar Jahren haben wir in bezug auf dieses

Element der Nahrungsmittel Sicherung für die Welt keinen wirklich bedeutsamen
Fortschritt erzielt.

In den Jahren 1977 und 1978 bemühten wir uns sehr um

ein internationales Weizenabkommen, das eine Vorratshaltung vorsah.

Leider

brachten wir es nicht zustande, weil andere Länder keinen Beitrag zu den
Kosten leisten wollten.

FRAGE:

In welcher Form würde die neue Konvention über Nahrungsmittel -

hilfe zur Lösung dieses Problems beitragen?
ANTWORT:

Bei den Verhandlungen über die Nahrungsmittelhilfe-Konvention

hatten wir mehr Erfolg.

Wir konnten erreichen, daß die Mindestbeiträge im

Rahmen der Nahrungsmittelhilfe-Konvention gegenüber den Mengen nach der früheren Konvention verdoppelt wurden.

Es war also ein weiter Weg bis zur re-

gelmäßigen Nahrungsmittelhilfe für jene Länder, die sie entweder infolge
langewährender Schwierigkeiten oder kurzfristiger schlechter Ernten benötigen.
Wir hatten sehr gehofft, daß die so schnell zu Reichtum gekommenen ölexportierenden Länder beachtliche Beiträge zur Nahrungsmittelhilfe-Konvention
leisten würden, weil sie es sich wirklich leisten können.

Bisher haben sie

dies jedoch nicht getan.

FRAGE: Welchen Bezug hat der Gesetzesvorschlag der Regierung Carter von
1979 für die Schaffung einer, wie man es nennt, "Reserve zur NahrungsmittelSicherung" zur Nahrungsmittelhilfe-Konvention?

ANTWORT:

Eine Reserve zur Nahrungsmittel Sicherung ist das Programm un-

serer Regierung, mit dem gewährleistet werden soll, daß die Vereinigten Staaten
stets genügend Getreide verfügbar haben, um ihren Verpflichtungen zur Nah- 3-

�Nahrungsmittelhilfe im Rahmen der Konvention nachzukommen - mag unsere Ernte
in diesem oder jenem Jahr noch so karg bemessen sein, und ohne Rücksicht auf
den kommerziellen Bedarf.

Das heißt mit anderen Worten, daß wir vier Mil-

lionen Tonnen Weizen in Reserve halten, die ausschließlich für Zwecke der Lebensmittelhilfe zu verwenden sind, wenn das Angebot so knapp geworden ist,
daß wir über den Markt dafür nicht genügend Nahrungsmittel erhalten können.
FRAGE:

Manche behaupten, "Nahrungsmittelhilfe" sei im Grunde ein Weg

für Lebensmittel exportierende Länder, genügend Weizen über nichtkommerzielle
Kanäle loszuwerden, um sicherzustellen, daß auf den Weltmärkten die Weizenpreise hoch bleiben.
ANTWORT:
für 1980 zu.

Was sagen Sie dazu?

Das mag 1960 so gewesen sein, aber es trifft ganz gewiß nicht
Unsere Lebensmittelhilfe macht heute etwa vier Prozent des Ge-

samtwertes unserer Agrarexporte aus.

Unsere Lebensmittelhilfe ist nicht ge-

ringer geworden, aber unsere kommerziellen Exporte sind stark angestiegen.
Wir exportieren heute pro Jahr mehr als 100 Millionen Tonnen Getreide, wovon
nur vier Prozent auf die Nahrungsmittelhilfe entfallen.

Sie war einmal ein

höchst bedeutsamer Faktor im Weizenexport, Reisexport und im Export einiger
anderer Güter.

Das ist sie aber jetzt nicht mehr.

-

FRAGE: Obgleich durch die Nahrungsmittelhilfe-Konvention die garantierte
Mindestmenge der Nahrungsmittelhilfe für bedürftige Entwicklungsländer von
4,2 auf 7,6 Millionen Tonnen jährlich angehoben wurde, ist damit noch immer
nicht das 1974 auf der Welternährungskonferenz gesteckte Ziel von 10 Millionen Tonnen erreicht. Besteht Aussicht, daß man ihm doch noch näher kommt?
ANTWORT:

Ich hoffe es. Die Vereinigten Staaten boten an, bis zur Hälfte

der zehn Millionen Tonnen jeweils so viel zu liefern, wie die Länder der ganzen übrigen Welt.

Bisher wurde dieses Angebot nicht - oder zumindest nur

ungenügend - angenommen.

Eine Anzahl immens reicher Länder nimmt in diesem

Jahr aus ölexporten etwa 150 Milliarden Dollar ein - und manche sind der Meinung, diese Länder könnten in bemerkenswerter Weise zur Lebensmittelhilfe bei
tragen.

Wir hoffen, daß sie es in Zukunft tun.
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Wie wird der amerikanische Beitrag zur Lebensmittelhilfe im

Rahmen der Konvention und anderweitig aussehen?
ANTWORT:

Die USA haben ihren früheren Mindestbeitrag in etwa verdoppelt,

so daß wir uns gegenwärtig auf die Lieferung von 4,4 Millionen Tonnen von insgesamt 7,6 Millionen Tonnen festgelegt haben. Jahr um Jahr haben wir 55 bis
60 Prozent aller Lebensmittelhilfe in der Welt bereitgestellt.

Tatsächlich

kommt von den Vereinigten Staaten und von anderen Ländern mehr als nur der
Mindestbeitrag.

Gegenwärtig beabsichtigen wir, pro Jahr mehr als sechs Mil-

lionen Tonnen Nahrungsmittelhilfe zu geben, und die Welt als Ganzes stellt
wesentlich mehr als 7,6 Millionen Tonnen zur Verfügung.
FRAGE:

Wird das ausreichen, um das Problem der Nahrungsmittel Sicherung

zu lösen?
ANTWORT: Das Nahrungsmittel sicherungsproblem wird durch Lebensmittelhilfe als solche nicht gelöst, Sie hilft zwar armen Ländern, die sich infolge temporärer schlechter Ernten, wie wir sie in Ostafrika und Kambodscha
erlebt haben, in einem Notstand befinden. Und sie hilft Ländern mit chronischem Nahrungsmittelmangel wie z.B. Ägypten und Bangladesch, wo die Agrarproduktion mit der Wachstumsrate bei der Bevölkerungszahl nicht mehr Schritt
halten kann. Aber weder die eine noch die andere Art der Unterstützung kann
die Reserven ersetzen, die angelegt werden müssen, um mit den jährlichen
Schwankungen der Ernteerträge fertig zu werden.
FRAGE: Besteht die Gefahr, daß arme Länder von Nahrungsmittelhilfe abhängig werden und sich dann plötzlich infolge unvorhergesehener Umstände einer
drastischen Reduzierung gegenübersehen?
ANTWORT: Eben aus diesem Grunde haben wir unsere Reserve für die Nahrungsmittelsicherung in den Vereinigten Staaten angelegt. Das jüngste Beispiel für eine solche Situation erlebten wir 1974-75, als durch das Zusammentreffen von schlechten Ernten und einem rapide wachsenden kommerziellen Bedarf die Vereinigten Staaten ohne ausreichende Reserven dastanden, um ihren
- 5 -

�ihren Verpflichtungen zur Nahrungsmittel hilfe zu einem Zeitpunkt nachzukommen, wo sie dringend gebraucht wurde. Wenn der Kongreß die von uns empfohlene
Anlegung von Reserven zur Nahrungsmittel Sicherung billigt, wird sich dies
nicht wiederholen,
FRAGE:

Wo sollten Reserven angelegt werden?

In Erzeugerländern oder

in Verbraucher!ändern?
ANTWORT:

In beiden.

Es ist ungemein kostspielig, Nahrungsgetreide in

den Tropen auf Vorrat zu halten.

Aber da die Logistik schwierig ist und die

Ernteerträge stark schwanken, sollte eine Mindestmenge von Nahrungsmittel Vorräten in den Verbraucher!ändern in Reserve liegen - gleichgültig, ob wir von
reichen Ländern wie Japan oder armen Ländern wie Bangladesch sprechen.
Da man aber auch nicht im voraus weiß, wo von einem Jahr zum andern besonderer Bedarf besteht, und es viel billiger ist, Getreide in gemäßigtem
Klima auf Vorrat zu halten, ist es außerdem sinnvoll, größere Mengen in den
Exportländern in Reserve zu halten.
vernünftigen Schlüssel teilen.

In die Kosten könnte man sich nach einem

Damit meine ich, daß die Vereinigten Staaten,

die EG und Japan einen Teil der Kosten übernehmen sollten - ebenso die Sowjetunion, die eine erhebliche Quelle für die Instabilität der Weltmärkte darstellt.

Außerdem bin ich der Meinung, daß zumindest ein Teil der Kosten für

die lokale Vorratshaltung von den ärmeren Ländern übernommen werden könnte
- auch wenn vieles dafür spricht, daß sie sowohl auf den Import von Getreide
als auch auf Hilfe von außen zum Aufbau der Lager angewiesen sind,
FRAGE-

Welche Rolle könnte hier die Organisation der erdölexportieren-

den Staaten (OPEC) spielen?
ANTWORT: Die OPEC könnte eine überaus bemerkenswerte Rolle insofern
übernehmen, als sie hilft, die Vorratsspeicher in den ärmeren Ländern, den
Ankauf von Reserven zu finanzieren, und indem sie sich an den laufenden Lebensmittel hrfe-Programmen beteiligt.
FRAGE:
- 6 -

�FRAGE:

Gibt es einen echten Hinweis darauf, daß andere Exportländer

für Nahrungsmittel einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Weltprogramms
für die Nahrungsmittel Sicherung leisten?
ANTWORT:

Mehrere Länder - u.a. Kanada, Australien, die Europäische Ge-

meinschaft und Japan in bescheidenem Rahmen - haben zu erkennen gegeben, daß
sie dazu bereit sind.
FRAGE:

Glauben Sie, daß man sich in den "Globalverhandlungen" im Januar

auf die von uns erörterten Fragen konzentrieren wird?
ANTWORT: Ich vermute, daß sie auf der Tagesordnung stehen. Eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung ist wohl zwangsläufig ein Dauerproblem.
Aber ich sehe nicht ein, wieso diese Frage wichtiger sein soll als die Probleme, die durch die Eskalation der Preise für fossile Brennstoffe und deren
schlimme Auswirkungen auf Entwicklungsländer entstehen; deren Fähigkeit zur
Produktion ihrer Nahrungsmittel wird durch die sich unaufhörlich drehende
Preisspirale für Düngemittel, Dieselkraftstoff und andere in ihrer Landwirtschaft notwendigen Dinge aufs Spiel gesetzt. So scheint mir, daß es einen
ganzen Komplex von Fragen gibt, der international erörtert werden müßte:
Nahrungsmittel, die Auswirkungen der Brennstoffpreise auf die NahrungsmittelProduktion und eine Vielzahl anderer Probleme.
Es ist schrecklich einfach, sich auf eine weltweite Nahrungsmittel- und
Agrarstrategie zu konzentrieren und die Tatsache außer acht zu lassen, daß
die einzelnen Länder keine entsprechenden Strategien besitzen.

Wenn man keine

realistische Politik betreibt, um die Systeme zur Nahrungsmittelproduktion
und des Agrarwesens der einzelnen Länder funktionsfähig zu machen, hilft es
nicht viel, hinauszugehen und zu sagen:
gie".

"Wir brauchen eine globale Strate-

Wir sollten mit länderbezogenen Strategien anfangen, die funktionieren

- und dazu gehörten auch Handel und Hilfsaktionen -, und dann prüfen, ob wir
unsere verschiedenen Länderstrategien in eine realistische Globalstrategie
einbringen können.
Ich
- 7 -

�Ich bezweifle, daß die "GlobalVerhandlungen" zu den echten Sachfragen
vorstoßen, um für diese Lösungen zu finden. Meines Erachtens ist das wahre
Problem erkannt und recht gut umrissen. Jetzt brauchen wir stetige und wachsende Aufmerksamkeit für eine Vielzahl relativ wichtiger Dinge - tagein und
tagaus. Gelegentliche internationale Konferenzen, mögen sie einmal im Jahr
oder alle fünf Jahre stattfinden, sind von untergeordneter Bedeutung gegenüber der Tatsache, sich stets der Existenz des Problems bewußt zu sein und
unermüdlich, wenn auch in kleinen Schritten, auf seine Lösung hinzuarbeiten.

- 8 -

�3

L

öMOfi

Wi/scn/choft
und Technik
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20. August 1980

37

DAS MEER - ENERGIEQUELLE FÜR INSELN UND KÜSTENLÄNDER
- USA intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme

WASHINGTON - (AD) - Nach der Einrichtung eines Sonderprogramms im USEnergieministerium, die Nutzbarmachung der thermischen Meeresenergie durch
intensivere Forschung und Entwicklung zu beschleunigen, unterzeichnete Präsident Carter am 4. August 1980 ein Gesetz, das entsprechende Genehmigungsund Förderverfahren für die Industrie regelt. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, mit der Umwandlung der im Meer gespeicherten Wärmeenergie in
elektrische Energie einen Teil des Programms zu bestreiten, mit dem bis zum
Jahr 2000 ca. 20 Prozent des gesamten amerikanischen Energiebedarfs aus
Sonnenenergie und anderen regenerierfähigen Energiequellen gedeckt werden
sollen. Der Anteil der aus dem Meer gewonnenen Energie könnte zu diesem
Zeitpunkt bei 10 000 Megawatt liegen.
Bei der Umwandlung der im Meer gespeicherten Wärmeenergie (das entsprechende US-Programm läuft unter der Bezeichnung "Ocean Thermal Energy
Conversion - 0TEC") nutzen die Ingenieure die Temperaturunterschiede zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser.

Am rentabelsten

dürfte das Verfahren für Inseln und Küstenbereiche innerhalb des Gürtels

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Gürtels vom 20. Breitengrad nördlich bis zum 20. Breitengrad südlich des
Äquators sein. So bezeichnete ein hoher Verwaltungsbeamter aus Puerto Rico
die OTEC-Technik, für die amerikanische, japanische und französische Wissenschaftler Pionierarbeit leisteten, als "die natürliche Lösung für Puerto
Rico".

Dort wurden bereits mehrere Standorte auf ihre Eignung für eine 0TEC-

Demonstrationsanlage getestet.

Bereits im Jahr 1990 könnte, wie Robert

Cohen, Leiter des OTEC-Programms im US-Energieministerium, auf der 7. Konferenz über Meeresenergie (2. - 5. Juni 1980) in Washington erklärte, eine
Konversionsanlage von 250 Megawatt Stromleistung vor den Küsten Puerto Ricos
Elektrizität sehr viel billiger produzieren als ein neu installiertes, mit
öl beheiztes Kraftwerk.
Die Vereinigten Staaten wollen bis zum Jahr 1985 eine OTEC-Pilotanlage
in Betrieb nehmen, die zunächst 10 Megawatt Strom produziert, dann jedoch
aufgrund der vorgesehenen Modularbauweise auf die Leistungskapazität von
40 Megawatt erweitert werden kann. Eine solche Anlage lieferte genügend
Strom, um 40 000 Haushalte zu versorgen. Bisher vorliegenden Studien zufolge würde die erste 40-Megawatt-Anlage etwa 280 Millionen Dollar kosten.
Für technisch ausgereifte, kommerzielle OTEC-Anlagen mit ca. 400 Megawatt
Leistung dürften nach gegenwärtigen Berechnungen etwa 880 Millionen bis
1,2 Milliarden Dollar zu investieren sein.
Im äquatornahen Gürtel beträgt der Temperaturunterschied zwischen dem
Oberflächenwasser von 26 C Durchschnittstemperatur und den Schichten in
1000 m Tiefe etwa 20 - 22°C. Er reicht aus, um nach einem schon mehr als
100 Jahre bekannten Prinzip unter Einsatz modernster technischer Ausrüstungen elektrischen Strom zu erzeugen: In einem Wärmeaustauscher wird ein
flüssiges Arbeitsmedium, dessen Siedepunkt unter dem von Wasser liegt
(z.B. Freon oder Ammoniak) mit Hilfe des warmen Oberflächenwassers in den
gasförmigen Zustand übergeführt. Dabei dehnt sich das Arbeitsmedium aus
und treibt eine mit einem Stromgenerator gekoppelte Turbine. Das kältere
Tiefenwasser bringt das Gas wieder zur Kondensation, und nun kann der Zyklus
im geschlossenen OTEC-System von neuem beginnen. Der dabei produzierte

- 2 -

�produzierte Strom ließe sich über Kabel zur Küste leiten oder zum Betrieb von
schwimmenden Produktionsstä'tten auf künstlichen Inseln nutzen.

Das Arbeitsprinzip wurde mit einem als "Mini-OTEC" bezeichneten System
in den Gewässern vor Hawaii, in Laboratorien des US-Energieministeriums sowie
in Japan und Frankreich bereits erprobt.

Die vom US-Bundesstaat Hawaii und

einem Konsortium der Firmen Lockheed Missiles &amp; Space Company, Dillingham
Corporation, Alfa-Laval und Roto-Flo finanzierte Versuchsanlage "Mini-OTEC"
erreichte im vergangenen Jahr eine elektrische Leistung von 50 kW.

Aufgrund

der bisher gesammelten Erfahrungen ist anzunehmen, daß wegen der relativ
kostspieligen technischen Ausrüstungen der Preis für OTEC-Strom gegenwärtig
zwar mit dem Preis für Strom aus ölbeheizten Kraftwerken vergleichbar wäre,
aber angesichts der ständig weiter anziehenden ölpreise schon in einem Jahrzehnt wesentlich kostengünstiger sein wird.
In der ersten Phase des amerikanischen OTEC-Programms wurden in kleinem
Maßstab angefertigte Ausrüstungen erprobt.

Man wollte zunächst einmal er-

kunden, ob und in welcher Weise das System Wassertemeperaturen und im Wasser
lebende Organismen beeinflußt, welcher Art und wie umfangreich Schäden und
Korrosion am System durch Seewasser, Schlick, Algen und andere Faktoren sind
und wie die Anlage sauber gehalten werden kann.
gramms ist inzwischen angelaufen:

Die zweite Phase des Pro-

Ein ehemaliger Tanker der US-Marine, umge-

rüstet zur schwimmenden Versuchsstation ("The Ocean Energy Experiment"),
erprobt Wärmeaustauscher für eine 1-Megawatt-Anlage auf See.

Die dritte

Phase schließlich soll die technischen und wirtschaftlichen Informationen
bringen, die als Grundlage für den Bau kommerzieller Anlagen notwendig sind.

Auf technischem Gebiet ist in bezug auf die Entwicklung optimaler Grundausrüstungen - Ketten, Verankerung, Rohrleitungen, Kabel, usw. - noch viel
zu tun.

Beispielsweise wurde jetzt vom US-Energieministerium eine 300 m

lange Kaltwasserleitung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (Rohrdurchmesser:
3 m) mit Erfolg erprobt.

Für eine kommerzielle Anlage jedoch wären sehr viel

längere Kaltwasser-Rohrleitungen mit dem fünf- bis zehnfachen Durchmesser er-

- 3-

�erforderlich.

Für die Wärmeaustauscher müssen besonders korrosionsbestän-

dige Werkstoffe, möglicherweise rostfreier Stahl oder gar Titan, verwendet
werden.

Denn Seewasser ist sehr aggressiv und zerstört Metalle wie Alu-

minium in relativ kurzer Zeit.

Schlick oder Algenbesatz in den Rohrleitun-

gen würde mit der Zeit die Leistung der Wärmeaustauscher beeinträchtigen.
Um dies zu verhindern und die Rohre sauber zu halten, presst man mit einem
Abriebmittel überzogene Schwammgummikugeln durch die Ansaugrohre.
•

.

In einer auf drei Jahre angesetzten Gemeinschaftsstudie mit Kollegen
vom US-Amt für Umweltschutz (EPA) untersuchen derzeit Wissenschaftler des
US-Energieministeriums Fragen wie mögliche Umweltbelastungen durch chemische
Schadstoffe aus einer OTEC-Anlage, den Einfluß derartiger Strukturen auf
ökologische Systeme im Meer sowie Art und Umfang eventueller Gefahren für
das Betriebspersonal, die durch Sicherheitsmaßnahmen auszuschalten sind.

+ + + + +
...
. •

•

•

�3
3

Uli//cn/chofl
und Technik
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20. August 1980

37

START DES RAUMTRANSPORTERS: MÄRZ 1981

- (AD) - Mit allen verfügbaren Kräften und Mitteln arbeitet das USBundesamt für Luft- und Raumfahrt (NASA) darauf hin, den neu festgesetzten
Termin für den ersten Orbitalflug eines bemannten Raumtransporters (Space
Shuttle) im März 1981 einzuhalten. Wie NASA-Administrator Dr. Robert Frosch
auf einer Pressekonferenz am 1. August 1980 in Washington erklärte, sei dies
trotz des gedrängten Zeitplanes und die endgültige Lösung der noch bestehenden Probleme beschlossene Sache.
Der "Space Shuttle", ein wiederverwendbares Orbitalgerät für bemannte
Raumflüge, wird vertikal wie eine Rakete gestartet, kehrt aber wie ein Flugzeug zur Erde zurück. Das neue System soll die bemannte Raumfahrt wirtschaftlicher und flexibler machen. Infolge zwischenzeitlich aufgetretener
technischer Schwierigkeiten ist die NASA mit dem ersten bemannten Orbitalflug fast zwei Jahre im Verzug. Der jüngste Zwischenfall war ein Brand,
durch den während eines Tests am 30. Juli in Mississippi ein Triebwerk beschädigt wurde. Die Verzögerungen bereiten der NASA vor allem deshalb erhebliche Sorgen, weil nicht nur amerikanische Kunden, sondern auch eine Anzahl anderer Länder, z.B. die Bundesrepublik und Kanada, erhebliche Mittel
für Reservierungen im Nutzlastraum des Space Shuttle bereitgestellt haben

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T e l : 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�haben oder beabsichtigen, dies zu tun.

Im Frachtraum werden beispielsweise

Satelliten zum Absetzen oder Instrumente für Experimente während des Fluges
in der Erdumlaufbahn untergebracht.

Wichtigste Nutzlast des Orbiter ist

das wiederverwendbare Laboratorium SPACELAB, das von einem Konsortium europäischer Firmen unter Federführung der Europäischen Weltraumorganisation
ESA gebaut wurde.
Als das bisher kritischste technische Problem erwies sich der Hitzeschild.

Er besteht aus mehr als 30000 quadratischen Plättchen aus keramischem

Material, die einzeln an der Außenwand des Raumgleiters befestigt werden
müssen.

In mehreren Tests hat sich immer wieder eine Anzahl von ihnen gelöst

oder gelockert.
sert.

Das gesamte System wurde inzwischen verstärkt und verbes-

Gegenwärtig wird die Außenseite der Orbiterzelle erneut mit den Schutz-

platten besetzt.
Der Zeitplan bis zum März 1981 sieht folgendermaßen aus:
Bis zum 23. November hofft die NASA, den Orbiter im Montagegebäude
des Kennedy-Raumfahrtzentrums am Cape Canaveral zu haben. In der Zwischenzeit müssen die Flugtüchtigkeit der Triebwerke gesichert, die Änderungen am
Manövriersystem des Orbiter durchgeführt und die restlichen Arbeiten am
Startplatz beendet werden. In der riesigen Montagehalle werden die zwei als
Booster dienenden großen Feststoffraketen und der außen befestigte Treibstofftank mit dem Orbiter zusammengebaut. Dann folgen Tests für das integrierte System. Für Februar 1981 ist das Ausrollen des Fluggeräts zum Startplatz geplant. Dort werden weitere Tests, einschließlich Brenntests der
Triebwerke, sowie die "Generalprobe" für den Start im März durchgeführt.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Muskie erläutert Bündnissysteme der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brown: USA wollen keinen Atomkrieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausreichende Reserve entscheidend für Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Meer - Energiequelle für Inseln und Küstenländer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USa intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Start des Raumtransporters: März 1981</text>
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und
Dokumentation

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

36

6. August 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Carter:

Sowjets haben Prinzipien von Helsinki mißachtet

- Erklärungen zum 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte Muskie gibt überblick über amerikanische Außenpolitik
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß

INFORMATION
Gemeinschaftsprojekt:

Synthesebrennstoff-Produktion

- Abkommen zwischen Bundesrepublik, Japan und USA in Washington
unterzeichnet -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Billigeres Verfahren zur Abscheidung von Staub

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�36

6. August 1980

CARTER: SOWJETS HABEN PRINZIPIEN VON HELSINKI MISSACHTET
Erklärungen zum 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte -

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat anläßlich des

5. Jahrestages der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki darauf hingewiesen, daß die Sowjetunion die von ihr selbst unterzeichneten Übereinkommen
zum Abschluß der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) im eigenen Lande und durch die Invasion Afghanistans mißachtet
habe.

Die brutale Besetzung Afghanistans, so erklärte der Präsident auf

einer Gedenkfeier im Weißen Haus am 29. Juli 1980, könne weder mit den
Prinzipien der Schlußakte noch mit der Charta der Vereinten Nationen
vereinbart werden.
Zuvor hatten in einer Feierstunde im State Department auch der
amerikanische Außenminister Edmund Muskie sowie der Berater des Außenministeriums, Botschafter Rozanne L. Ridgway zu den amerikanischen Zielen
auf der KSZE-Folgekonferenz im November dieses Jahres in Madrid Stellung
genommen. Muskie nannte den Fortschritt in den Menschenrechten, verstärkte
menschliche Kontakte, einschließlich der Familienzusammenführung sowie

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�sowie weitere vertrauensbildende Maßnahmen auf militärischem Gebiet,
die nicht nur "kosmetisch" sein duften, als die drei Hauptziele der
Vereinigten Staaten für Madrid.
Botschafter Ridgway wies auf den einzigartigen Charakter der Schlußakte hin, die den Zusammenhang zwischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Menschenrechte und der Zusammenarbeit auf anderen Gebieten, wie Wirtschaft
und Sicherheit, herstelle.

Die USA würden auch die anderen Gebiete

neben den Menschenrechten in Madrid nicht hintanstellen.
Die Erklärung Präsident Carters auf der Feierstunde im Weißen Haus
hat folgenden Wortlaut:
Ich freue r, ich, daß Sie heute nach Washington kommen konnten, um
über den Prozeß zu sprechen, der vor fünf Jahren in Helsinki eingeleitet
wurde.
Sie sind jetzt mit den Leuten zusammengekommen, die an der Spitze
der amerikanischen Delegation auf der Madrider Folgekonferenz stehen
werden.

*

Sie und die neueiMitglieder aus der Öffentlichkeit, die hier

anwesend sind, gehören alle zu dem Team, auf das wir uns stützen, wenn
es um die Förderung der Sache von Helsinki gegen jede Opposition im Ausland
geht - und gegen die Skepsis, die sie im eigenen Lande bei einigen anderen
findet, die die fundamentale Wahrheit nicht begreifen, daß Frieden und
Förderung der Menscrenrechte Hand in Hand gehen.
der Menschenrechte bestärken sich gegenseitig.

Frieden und Förderung
Sie können beide nicht

unabhängig von einander erfolgreich vorangebracht werden.
Diese Überzeugung steht über der Partei politik - wie die Geschichte
des Helsinki-Prozesses erwiesen hat. Eine republikanische Administration
unterzeichnete die Übereinkommen; eine demokratische Administration verwirklichte sie. Die Übereinkommen verkörpern Ziele und Werte, an die

- 2 -

*

�die die Amerikaner als Menschen glauben, die um den Aufbau einer besseren,
menschlicheren Welt kämpfen.
Die auf dem Gipfeltreffen vor fünf Jahren in Helsinki von 35 Nationen
übernommenen Verpflichtungen wurden nicht leichtfertig eingegangen.
können nicht leichtfertig aufgegeben oder mißachtet werden.

Sie

Das Dokument,

das dort unterzeichnet wurde, ist, obwohl es als die Schlußakte bezeichnet
wird, nicht das Ende unserer Arbeit, sondern ein Neubeginn.
Die Konferenz in Madrid in diesem Jahr soll dazu dienen, Bilanz zu
ziehen, welche Fortschritte erreicht worden sind, und - wenn möglich das Tempo des Fortschritts und sein Ausmaß zu vergrößern.

Wie die Konferenz

in Belgrad 1977/78 bietet Madrid eine Gelegenheit, sorgfältig zurückzublicken, damit wir mit Nachdruck in die Zukunft gehen können.
Es gibt Leute, die gesagt haben, wir sollten nicht nach Madrid gehen daß wir aus dem Helsinki-Prozeß ausscheiden sollten. Solche Gedanken
entspringen dem Unwissen über die Bedeutung von Madrid. Manche Leute
haben die Konferenz sogar mit der Olympiade in Moskau verglichen und
gemeint, wenn amerikanische Sportler nicht nach Moskau gehen, dann sollten
amerikanische Diplomaten auch nicht nach Madrid gehen.
Das ist ein Trugschluß. Als Gastgeber der Olympiade hat die Sowjetunion versucht, sowohl die Früchte der Aggression in Afghanistan als
auch das Prestige und den Propagandawert als Veranstalter olympischer Spiele
einzuheimsen. Amerikanische Sportler und Sportler aus rund 50 Ländern
lehnten diese Gleichung als ungehörig ab. Ich spreche ihnen meine Anerkennung
aus. Sie blieben unter großen Opfern zuhause - und ohne sie wurde das
imposante Schauspiel in Moskau zum pathetischen Spektakel.
Aber Madrid wird kein Propagandafestival eines Aggressors werden»
Die Gastgeber sind die Spanier, nicht die Sowjets. Die Sowjetunion wird

- 3 -

�wird dort vertreten sein - wie die anderen 34 Staaten dort vertreten sein
werden -, um Rechenschaft abzulegen über die Art und Weise, wie sie ihre
Verpflichtungen erfüllt oder nicht erfüllt hat.
Es würde sicherlich jenen, die sich am meisten der Verletzung der
Menschenrechte schuldig gemacht haben, gefallen, von der Rechenschaft über
ihr Handeln vor dar Weltöffentlichkeit in Madrid befreit zu sein.
In Madrid werden keine Medaillen verliehen.

Hier geht es nicht um

Ringkämpfe oder turnerische Wettbewerbe für Diplomaten.

*

Die Prüfung

gilt dem Fortschritt in der internationalen Tagesordnung der Sicherheit
und Zusammenarbeit und der Festigkeit der Prinzipien, zu denen sich die
35 Beteiligten verpflichtet haben.
Beim Verfolg der Sache der Menschenrechte durch die Übereinkommen
von Helsinki gibt es keine Abkürzungen. Der Weg, den wir gehen, ist der
richtige. Als die Belgrader Konferenz zu Ende ging, bemerkte Dante
Fascell, daß "das Eintreten für die Menschenrechte kein Fingerschnippen
ist... Hier bieten sich keine leichten Siege an." Und doch müssen wir
diesen Weg gehen. Und in Madrid werden wir diesen Weg gehen.
Als ich Präsident wurde, unterstrich ich unsere Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten als ein fundamentales Gebot unserer Außenpolitik.
Diese Verpflichtung ist mir heute so wichtig, wie sie mir damals war.
Sie ist heute so zentral für die Interessen Amerikas, wie sie es war,
als unser Land geboren wurde.
Damals wie heute war und ist unsere Verpflichtung weltweit, über
Europa hinaus haben wir uns in Afrika, Asien und Lateinamerika bemüht,
hinter den Grundprinzipien der Achtung jeder Person, des fairen Prozesses,
der politischen Freiheit und der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit
zu stehen. Wir haben klargemacht, daß die Vereinigten Staaten der Überzeugung

. 4 -

�Überzeugung sind, daß Folter unter keinen Umständen geduldet werden kann,
daß ein amtlich gebilligtes "Verschwinden" in jeder Gesellschaft abscheulich
ist.

Und so wie wir Liberall auf dem Recht der Freizügigkeit bestanden

haben, so haben wir uns hart darum bemüht, den Flüchtlingen der Welt die
vor Unterdrückung und Not fliehen mußten, Hilfe zu leisten.
Wir verfolgen diese Politik, weil wir erkannt haben, daß unser Land
und unsere Welt sicherer sind, wenn die Grundwerte des Menschen international
geachtet werden.
Wenn wir für unsere Werte eintreten, dann treten wir für unsere
Sicherheit ein. Möge niemand daran zweifeln, daß unsere Werte und unsere
Taten nich+ ihre Spuren hinterlassen haben. Viele Regierungen haben politische
Gefangene freigelassen. Andere haben den Belagerungszustand aufgehoben willkürliche Verhaftungen eingeschränkt - weniger gefoltert. Weil wir
Führung gezeigt haben, hat die Verteidigung der Menschenrechte heute ihren
rechtmäßigen Platz auf der moralischen Tagesordnung unserer Zeit. Jene,
die dem einzelnen seine Rechte zu verwehren suchen, müssen heute wegen ihres
Handelns Antwort geben. Jene tapferen Männer und Frauen, die, oft unter
größten Schwierigkeiten, für die Freiheit kämpfen, wissen, daß sie nicht
allein sind.
Zusammen mit den 35 Staaten von Helsinki in Nordamerika, Osteuropa
und Westeuropa verfolgen wir die gleichen Ziele mit dem gleichen Nachdruck.
Die Übereinkommen von Helsinki verpflichten die Signatarstaaten, militärische
Bedrohungen und internationale Spannungen abzubauen, den Fortschritt zu
fördern und die Menschenrechte, die Grundfreiheiten und die Selbstbestimmung
der Völker zu achten.
Wir haben niemals mit einem ununterbrochenen Fortschritt gerechnet.
Vor allem das Verhalten der Sowjetunion hat die Prinzipien der Übereinkommen
von Helsinki mißachtet - innerhalb und außerhalb ihrer Grenzen.
Die
- 5 -

�Die sowjetische Invasion Afghanistans und die zunehmend brutale
Besetzung dieses einst freien Landes kann ebenso wenig mit den Verpflichtungen
von Helsinki wie mit der Charta der Vereinten Nationen vereinbart werden.
Für dsn Überfall auf einen Nachbarn steht die Sowjetunion vor der Welt als
verurteilt da - und die Welt hat den sofortigen und vollständigen Abzug
der sowjetischen Truppen gefordert.

Wenn sie zum Zeitpunkt der Madrider

Konferenz noch dort sein werden, dann werden wir weiterhin ihren Abzug
fordern.
Auch im eigenen Lande haben die sowjetischen Behörden ihre Unterdrückung der Freiheiten intensiviert, die zu fördern sie 1n Helsinki versprochen haben.
Die Verbannung von Andreij Sacharow, einem großen Wissenschaftler
und großen Humanisten, ins innere Exil ist der bekannteste aber leider
nicht der einzige Fall einer solchen Verletzung der Übereinkommen von
Helsinki,

über 40 mutige Männer und Frauen sind heute im Gefängnis oder

im Exil, weil sie in privaten Gruppen daran gearbeitet haben, die sowjetische
Regierung dazu zu bewegen, ihre Verpflichtungen von Helsinki zu erfüllen.
Sie sind zum Schweigen gebracht - aber in Madrid kann niemand ihre Sache
zum Schweigen bringen.
Die Madrider Konferenz wird eine nüchterne Konferenz sein. Es wird
offen und klar geredet werden - aber, so hoffen wir, auch ohne Polemik.
Wir streben nach Fortschritt, nicht nach Propaganda.

»
*

Natürlich gibt es auch einigen Fortschritt, den wir begrüßen können.
Einige vertrauensbildende Maßnahmen sind durchgeführt worden.

Die über-

einkommen von Helsinki haben dem langwierigen Prozeß des Abbaus der
Schranken zwischen Ost und West und der Erleichterung des Flusses von
Menschen und Ideen über einst geschlossene Grenzen hinweg Auftrieb gegeben.

So

sind beispielsweise im vorigen Jahr Tausende von Menschen aus

7 6 -

�aus osteuropäischen Ländern im Einklang mit den Verpflichtungen von
Helsinki nach dem Westen ausgewandert.

Es hat jüngst Anstrengungen einer

Reihe von Staaten gegeben, offene Fälle der Familienzusammenführung mit
den Vereinigten Staaten zu lösen, und wir begrüßen auch das.

Die Be-

stimmungen von Helsinki haben auch sowjetischen Juden zur Auswanderung
verholfen, obwohl die ermutigenden Rekordhöchststände, die 1979 erzielt
wurden, dieses Jahr nicht erreicht werden.

In Madrid werden wir eine

Erklärung für diesen Rückgang und eine Verpflichtung zum

Positiven ver-

langen.
Bei all diesen Fragen können wir in Madrid auf die Unterstützung
der großen Mehrheit der Teilnehmerstaaten rechnen.

Sie teilen mit uns

die Auffassungen über die internationalen Beziehungen, die den Absprachen
von Helsinki zugrunde liegen.

Ja, die Bemühungen um die Aushandlung

der Abkommen von Helsinki und nunmehr um die Garantie ihrer Durchführung
haben Westeuropa und die Vereinigten Staaten deutlicher denn jemals zuvor
die politischen und moralischen Werte und Interessen erkennen lassen,
die wir gemeinsam haben.

Zu einer Zeit, da häufig von westlicher Disharmonie

die Rede ist, kann das Folgetreffen von Madrid unserer Einigkeit über
fundamentale Werte und Zielsetzungen klaren Ausdruck verleihen.
Mit dieser Unterstützung können wir in Madrid die Ziele weiterverfolgen, denen wir uns in Helsinki verschrieben haben.
Wir wollen zu Fortschritten bei der Verwirklichung der Menschenrechte
seitens der Sowjetunion und ihrer Verbündeten ermutigen, und wir zögern
überhaupt nicht, in Madrid unsere eigene Bilanz den anderen zur Prüfung
vorzulegen.

Wir sind nicht perfekt, und wir sind mit Nachdruck und laufend

um Verbesserungen bemüht, weil die Wahrung und die Erweiterung der Menschenrechte Herz und Seele unseres gesamten Systems darstellen.
In

- 7 -

�In Madrid werden wir den KSZE-Prozeß nutzen, um noch mehr Schranken
gegenüber menschlichen Kontakten zwischen Ost und West niederzureißen
und um die Wiederzusammenführung von Familien sowie die Freizügigkeit, den
Fluß von Ideen und die LÖusng von Auswanderungsfragen zu fördern.
Als Teil eines ausgewogenen Ergebnisses werden wir versuchen, praktische
Fortschritte auf dem Gebiet der militärischen Sicherheit zu erreichen.

Das

Helsinki-Gremium sollte nicht in erster Linie zu einem Rüstungskontrollforum werden, aber die Vereinigten Staaten sind bereit, die Möglichkeit
zu prüfen, ob bedeutsame, verifizierbare und umfassende vertrauensbildende
Maßnahmen getroffen werden können, die zur Förderung der Sicherheit in
Europa beitragen.
Madrid bietet uns eine wichtige Gelegenheit, sowohl unseren echten
Wunsch nach besseren Ost-West-Beziehungen als auch unsere feste Ansicht
bezüglich der Grundsätze der Gegenseitigkeit und der beiderseitigen Zurückhaltung zu bekräftigen, auf denen sich praktisch durchführbare Bindungen
gründen müssen.
In Madrid wird es scharfe Gegensätze zwischen den Werten geben, die
wir hochhalten, und jenen, die die kommunistischen Länder zu fördern
versuchen. Wir werden jedoch nicht nach Madrid gehen, um Konflikte zu
suchen. Wir gehen vielmehr nach Madrid mit der Bereitschaft, Fortschritte
zu erzielen, und fühlen uns nur einem einzigen Wettstreit verpflichtet:
Dem Kampf um die Förderung der Freiheit und, durch Freiheit, der gegenseitigen Sicherheit.
Die Abkommen von Helsinki beinhalten für uns das Versprechen auf
ein freieres, humanereres und somit sichereres Europa - das nicht nur
auf einer Anpassung der Supermächte, sondern auf den fundamentalen
Grundsätzen des internationalen Verhaltens basiert.

- 8 -

Diese Prinzipien

�Prinzipien erfordern, daß die einzelnen Länder den Respekt ihrer Nachbarn
dadurch gewinnen, daß sie ihre Staatsbürger mit voller Achtung ihrer Rechte
und ihrer Würde als Einzelperson behandeln.
Mein eigenes Vertrauen in das letztliche Ergebnis dieses langen
Kampfes ist ungetrübt.
gezogen werden.

Die Rolle unseres Landes darf niemals in Zweifel

Um mit Archibald MacLeish zu sprechen:

"Es gibt Leute, die sagen werden, daß die menschliche Freiheit die Freiheit des Einzelnen und seines Geistes - nichts als ein Traum ist.
Und sie haben recht, es ist ein Traum. Es ist der amerikanische Traum."

+ + + + +

- 9 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. August 1980

36

MUSKIE GIBT ÜBERBLICK ÜBER AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie hat
in einer längeren Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses einen Überblick über die Außenpolitik der Vereinigten Staaten gegeben.

In seinen Ausführungen am 30. Juli 1980 befaßte er sich dabei

in erster Linie mit der sowjetischen Invasion Afghanistans, mit den amerikanischen Geiseln in Teheran und mit den Bemühungen um einen Frieden im
Nahen Osten.
Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers vor dem Ausschuß
haben folgenden Wortlaut:
Ich trete heute vor Sie mit der chronischen Beschwerde, daß ich in zu
kurzer Zeit über zu viele Dinge sprechen muß.
Das ist mir in den letzten zweieinhalb Monaten eigentlich immer passiert.
Heute möchte ich Sie mit meinen jüngsten Tätigkeiten, vor allem meine
jüngsten Gespräche im Ausland, vertraut machen.
Bevor

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�Bevor ich mich jedoch diesen Reisen zuwende, möchte ich einige Worte
zu drei Themen sagen, die diese Gespräche bestimmten:

die sowjetische Be-

setzung Afghanistans, die amerikanischen Geiseln im Iran und der Verhandlungsprozeß im Nahen Osten.
Zuerst zu Afghanistan:
Ich brauche nicht auf die Geschichte eingehen.
dere haben unsere Auffassung klar dargelegt:

Der Präsident und an-

Die sowjetische Invasion ist

nicht nur ein Angriff auf das Volk von Afghanistan, sondern sie ist auch ein
Angriff auf die fundamentalen Prinzipien der internationalen Ordnung und
des internationalen Wohl Verhaltens.

Sie stellt eine ernsthafte potentielle

Bedrohung für den Weltfrieden und lebenswichtige westliche Interessen im
Gebiet des Persischen Golfes dar.
Aus all diesen Gründen haben die Vereinigten Staaten fest reagiert.
Wir haben Restriktionen für Getreide-, Hochtechnologie- und Phosphatexporte
nach der Sowjetunion verhängt.

Wir boykottierten die Olympischen Spiele

in Moskau und haben mitgeholfen, 59 weitere Staaten davon zu überzeugen,
das gleiche zu tun. Wir sind für die weitverbreitete Verurteilung der
sowjetischen Invasion durch die internationale Gemeinschaft eingetreten und
haben uns ihr angeschlossen.

Wir haben den vollständigen Abzug der sowje-

tischen Streitkräfte aus Afghanistan und eine politische Lösung der Krise
gefordert.
Welches sollten die Elemente einer solchen politischen Lösung sein?
Nach unserer Auffassung sind vier Elemente wesentlich:

sofortiger und voll-

ständiger Abzug aller sowjetischen Streitkräfte; Nichteinmischung in die
inneren Angelegenheiten Afghanistans durch ausländische Mächte; eine für
das afghanische Volk akzeptable Regierung und schließlich ein unabhängiges
und blockfreies Afghanistan.

- 2 -

�Wir sind bereit, über Übergangsregelungen für die Wiederherstellung
des Friedens in Afghanistan zu sprechen.

Solche Vereinbarungen könnten

zusammen mit dem sofortigen Abzug der sowjetischen Truppen verwirklicht
werden.
Aber ich sehe keine Anzeichen, daß die Sowjetunion an irgend etwas
anderem interessiert wäre, als dieses Land in ihrem militärischen Griff
zu halten
Nach unserem Urteil bedeutet der im vorigen Monat verkündete
"Abzug" nur eine Redislozierung von Truppen - meist von Einheiten, die für
diese Art Krieg nicht geeignet sind. Auf die sowjetische Ankündigung erfolgten keinerlei Schritte, die darauf schließen ließen, daß die Sowjets
bereit wären, über eine politische Lösung zu sprechen. In den letzten Tage
scheinen sich die Kämpfe sogar verstärkt zu haben. Der Widerstand des
afghanischen Volkes wächst weiterhin.
Daher halten wir es für wesentlich, den Druck aufrechtzuerhalten,
mit den Sanktionen fortzufahren und der Sowjetunion für ihre Aggression
einen anhaltenden Preis aufzuerlegen.
Wir werden auch weiterhin andere Staaten zu einer standhaften Haltung
drängen.
Und wir werden fortfahren, Aufmerksamkeit und Unterstützung für die
Sicherheit von über einer Million afghanischer Flüchtlinge zu fordern, die
derzeit heimatlos in Pakistan und im Iran leben.
Im Iran tragen das noch immer andauernde Festhalten der amerikanischen
Geiseln und das anhaltende revolutionäre Chaos zusätzlich zur Instabilität
der Region bei und verlängern die Krise zwischen unseren beiden Ländern.
Die Führung des Iran wird durch diese

hausgemachte Krise davon abgelenkt,

sich mit. den wirklichen Bedrohungen seiner Unabhängigkeit und Sicherheit
ausei nanderzusetzen.

Zu

�Zu diesem Zeitpunkt können wir einfach noch nicht vorhersagen, welche
Wirkung - wenn überhaupt eine - der kürzliche Tod des Schah auf die Lage
haben könnte, auch wenn iranische Persönlichkeiten in Führungspositionen
sagen, daß dies keinen Einfluß auf ihre Entscheidung hinsichtlich der Freilassung der Geiseln haben wird.
Wir drängen über alle uns offenen Wege auch weiterhin auf eine baldige
Freilassung der Geiseln.

Und wir erlegen auch weiterhin wirtschaftliche

Sanktionen auf, die dem Zweck dienen, den Führungspersonen des Iran die
Kosten klarzumachen, die diese Krise für ihre ureigensten Interessen mit
sich bringt.

Die meisten der wichtigsten Handelspartner des Iran haben in

großem Maß eine Politik der Isolierung des Iran unterstützt.
Gleichzeitig haben wir klarqestellt, daß wir und die Welt bereit sind,
uns auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts mit dem Iran auseinanderzusetzen, sobald unsere Geiseln erst einmal freigelassen sind,

Es ist das

Festhalten der Geiseln, was den Iran daran hindert, sich besserer Beziehungen zu seiner Mitwelt zu erfreuen.
nisiert sich.

Das neue iranische Parlament orga-

Es gibt etwas Hoffnung, daß die Aussicht auf Freilassung

der Geiseln sich verbessern wird, wenn der interne Machtkampf innerhalb
des Iran einigermaßen entschieden ist. Jetzt und in den kommenden Wochen
werden wir alle diplomatische Quellen nützen, um die iranischen Führer zu
drängen, die Krise zu beenden.
Ich wünschte, ich könnte davon berichten, daß die kürzliche Freilassung
von Richard Queen zugleich vielversprechendere Folgerungen für die anderen
52 Geiseln habe.
tionen anstellen.

In der Tat können wir jedoch ganz einfach keine SpekulaWir sind ermutigt dadurch, daß die iranischen Autoritäten

Mitleid mit dem Leiden einer Geisel zeigten: wir hoffen, daß sie die fundamentale menschliche Dimension der ganzen Lage erkennen und rasch zur Freilassung der verbleibenden 52 schreiten.
Die iranischen Führer haben gesagt, sie hätten keinen Streit mit dem
amerikanischen Volk. Aber sie müssen einsehen , daß es gerade das ameri-

�amerikanische Volk ist, das die Freilassung der Geiseln fordert, solange
diese festgehalten werden.

Es sind Menschen wie Richard Queen und seine

Familie, die gelitten haben und die ihrer Freude Ausdruck geben werden,
wenn die Krise vorüber ist.
Ein dritter Bereich anhaltender Sorge, Herr Vorsitzender, ist der Nahe
Osten.

Die Camp David-Vereinbarungen von 1978 stellen einen historischen

Schritt in Richtung auf den Frieden dar.

Der Vertrag zwischen Ägypten und

Israel trägt auch weiterhin Früchte; er hat die Gefahr eines Krieges im
Nahen Osten vermindert.
Wie wir erwartet haben, haben sich die Verhandlungen hinsichtlich der
Autonomie für die Bewohner der West Bank und des Gaza-Streifens als schwierig und komplex erwiesen.
Aber es gibt Zeichen der Hoffnung.

Unsere Verhandlungsdelegation

hat sich in der Region aufgehalten und hat sich mit Israelis und Ägyptern
in intensiven Gesprächen über rechtliche, wirtschaftliche Themen und Probleme der Sicherheit sowie über die groben Umrisse
halten.

eines Abkommens unter-

Bei diesen Gesprächen haben beide Seiten eine neue Ernsthaftigkeit

ihrer Zielsetzung und die Bereitwilligkeit gezeigt, zu erwägen, wie man an
die schwierigen noch verbliebenen Probleme in neuer Weise herangehen kann.
Wenn die Gespräche in dieser positiven Weise weitergehen, dann erwarten
wir, daß die Leiter der Delegationen erneut mit Botschafter Linowitz etwa
Mitte August zusammentreffen werden.

Wir werden in den kommenden Monaten

weiterhin alles in unseren Kräften stehende tun, um ein Abkommen über die
Autonomie für die Bewohner der West Bank und des Gaza-Streifens zustandezubringen:

ein Abkommen, das die Sicherheitsbelange Israels voll berücksich-

tigen, das aber auch zu einem bedeutsamen und echten Wandel in der Situation
der Palästinenser führen muß.
In

- 5 -

�In unserem Bemühen, reale Verhandlungschancen zu fördern, werden wir
fest in unserer Haltung gegen einseitige Resolutionen über den Nahen Osten
in den Vereinten Nationen bleiben, wie gegenüber der einen soeben auf der
Sondersitzung der Vollversammlung vorgebrachten.
unausgewogen,
für eine

Diese Resolution war völlig

Sie berücksichtigte nicht die Resolution 242 als die Grundlage

Friedenslösung.

Sie anerkannte auch nicht das Existenzrecht Israels.

Wir stimmten gegen sie und waren erfreut, daß eine beträchtliche Zahl anderer
Mitglieder der Auffassung waren, sie könnten diese Resolution nicht unterstützen.

Solche Versuche werden uns dem Frieden nicht näher bringen.

Noch ein anderer Grundsatz gilt eindeutig für unsere Verhandlungsbemühungen.

Es ist der folgende:

Während die Verhandlungen geführt werden,

müssen alle Parteien einseitige Aktionen vermeiden, die dazu bestimmt sind,
den Ausgang der Verhandlungen zu präjudizieren, oder die bewirken könnten,
die Atmosphäre für erfolgreiche Verhandlungen zu verschlechtern.

Verhand-

lungen können nie zum Erfolg führen, wenn einer der Partner am Verhandlungstisch versucht, gleichzeitig einseitige Erfolge auf dem Terrain zu erzielen.
Sollten die Partner zu keinem Erfolg gelangen oder sollte der Prozeß
von Camp David durch mißgeleitete Interventionen zum Scheitern kommen,
dann könnte dies allerdings sehr ernsthafte Folgen haben.

Denn die Inter-

essen der gesamten Welt sind im Nahen Osten zutiefst engagiert.

Ein andau-

ernder Konflikt in dieser Region bedroht diese Interessen, gefährdet die Zukunft unserer Freunde in dieser Region, bringt die Gefahr einer Intervention
durch auswärtige Mächte - und gefährdet den Frieden der Welt.
Ich beginne mit der Erwähnung dieser drei gefährlichen Situationen,
Herr Vorsitzender, weil sie bei vielen meiner in jüngster Zeit geführten
außenpolitischen Diskussionen - und auch bei denen des Präsidenten - hier wie
im Ausland den Hintergrund gebildet haben.
Afghanistan, beispielsweise, war eindeutig das vordringlichste politische
Thema auf der Tagesordnung bei dem jüngsten Gipfeltreffen in Venedig. Ich

- 6 -

�Ich möchte kurz über das Treffen in Venedig - und über die anschließenden
Diskussionen in Ankara, wo die NATO-Minister zusammenkamen, berichten; ferner in K'a"!- Lumpur, wo ich mit den Außenministern der ASEAN-Staaten zusammentraf, und in Tokio, wo Präsident Carter dem verstorbenen Ministerpräsidenten Ohira die letzten Ehren erwies und mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Hua Guofeng zusammenkam.
Die Ergebnisse des Gipfeltreffens von Venedig, denen in der Öffentlichkeit am meisten Aufmerksamkeit zuteil wurde, waren die von den Staatschefs abgegebenen gemeinsamen Erklärungen zur Wirtschafts- und Energiesituation; und in der Tat haben Wirtschafts- und Energiefragen zwei der drei Gesprächsabschnitte des Gipfels beansprucht.
Die Ei&gt; r g«

hc+. in der Tat über 7 5 Prozent der Tagesordnung der Wirt-

schaftsgespräche eingenommen.

Das Resultat der Diskussion war ein klares,

starkes und un \vt.ide'jtiges Übereinkommen auf Seiten der großen Industriestaaten, bestimmte Ziele einzeln und im Verein zu verfolgen.

Die Staatschefs

kamen überein, auf eine beträchtliche Verringerung in ihrer Abhängigkeit
von ausländischem öl - innerneu o dieses Jahrzehnts - hinzuarbeiten; auf große
Energiecinsparungsanstrengungen zu drängen und wo möglich andere

Energie-

quellen als das öl zu nutzen - Kohle, Kernenergie, synthetische und erneuerbare Energiequellen.
Die Gespräche i" Venedig beschäftigten sich auch mit anderen Wirtschaftsfragen - vor allem r '~. der Inflation, !em Devisenmarkt v^ den schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen der weniger entwickelten Länder.
Ich will nicht den Versuch unternenmen, das zu wiederholen, was bereits
in den Kommuniques gesagt worden ist.

Lassen Sie mich lediglich unterstreichen,

was wir als die wesentliche Leistung dieser Wirtschaftsgespräche ansehen.
Erstens stellen sie einen Neubeginn dar - eine konzertierte Anstrengung der
Industriestaaten zur gemeinsamen Analyse ihrer wirtschaftlichen Probleme und
zur Erstellung gemeinsamer Ziele zu deren Lösung.

- 7 -

Zweitens sind die Kommu-

�Kommuniques in Einklang mit unseren eigenen Energie- und Wirtschaftspolitiken, ja, sie verstärken sie sogar.
Die politischen Gespräche in Venedig waren von einer ähnlichen Einheitlichkeit gekennzeichnet. Am Vorabend des Gipfeltreffens kündigten die Sowjets
ihren beabsichtigten Truppenabzug an.
war standhaft.

Die westliche Antwort kam rasch und

Die Führer forderten die Sowjetunion zu einem vollständigen,

nicht nur kosmetischen Abzug auf, falls sie wünschte, den durch die afghanische

Invasion hervorgerufenen Bruch zu heilen.

Lassen Sie mich kurz einen anderen Aspekt des Gipfeltreffens in Venedig
aufgreifen, der für die Vereinigten Staaten von großer Bedeutung war: die
Initiative der Europäischen Gemeinschaft zum Nahen Osten.
Die Vereinigten Staaten haben vor, während und nach den Treffen in
Venedig, hart daran gearbeitet, einen Punkt klarzustellen:

daß wir Initia-

tiven begrüßen, die den Camp David-Prozeß unterstützen - und daß wir nachdrücklich von Initiativen abraten, die diesen Prozeß untergraben könnten.
Nach Klarstellung dieses Punktes habe ich die Erklärung des italienischen
Premierministers Cossiga begrüßt, wonach die Europäische Gemeinschaft den
Camp David-Prozeß unterstützen möchte,.
Vorige Woche entschlossen sich die neun europäischen Außenminister,
den Außenminister von Luxemburg, Herrn Thorn, darum zu ersuchen, eine
Erkundungsmission in den Nahen Osten zu unternehmen. Wir gehen davon aus,
daß es sich um eine Mission handelt, die Tatsachen zusammenträgt, die die
Europäische Gemeinschaft in die Lage versetzen, sich ein klareres Bild davon zu machen, was man im Nahen Osten über den Friedensprozeß denkt.
Während diese Erkundung ihren Lauf nimmt, bleibt die Position der Vereinigten Staaten auch weiterhin klar und beständig:

wir sind der Meinung,

daß die Anstrengung der Europäer höchst konstruktiv sein wird, solange sie

- 8 -

�sie auf den laufenden Verhandlungen aufbaut.
ligung an diesen Verhandlungen begrüßen.

Wir würden eine größere Betei-

Aber wir glauben, daß es ein

schwerer Fehler wäre, eine Lösung zu ermutigen, die nicht ausgehandelt werden kann, oder die zentrale Tatsache zu ignorieren, daß die komplexen politischen Verhältnisse bereits in autonomen Verhandlungen in Angriff genommen
werden.
Gleich nach dem Gipfeltreffen in Venedig flog ich nach Ankara zum Ministertreffen des Nordatlantikrates - das erste Treffen dieser Art in der
Türkei seit 1960.
In Ankara unterstrich ich so nachdrücklich wie möglich die Bedeutung
der Schritte unserer Verbündeten für unser gemeinsames Ziel der Abschreckung
weiterer sowjetischer Aggression. Nach einer äußerst freimütigen Diskussion
einigten sich die Minister auf ein standhaftes, Afghanistan betreffendes
Kommunique, das auf der Erklärung von Venedig aufbaute.
Ich nützte meine Anwesenheit in Ankara zu einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Demirel und dem griechischen Außenminister
Mitsotakis.

Ich unterstrich ihnen gegenüber die Bedeutung der Stärkung des

südöstlichen Flügels der NATO; daß es zur Erreichung dieses Zieles nötig
sei, daß Griechenland seine aktive Teilnahme an der NATO wiederaufnimmt und
daß Griechenland und die Türkei weiter an der Lösung ihrer Gegensätze arbeiten.

Sie wiederum betonten erneut ihre Verpflichtung, auf diese Ziele hinzu-

wirken - und nach dem NATO-Ministertreffen führten der türkische und der
griechische Außenminister längere Gespräche, die, soweit ich hörte, recht
positiv verlaufen sind.
Nach dem Abflug von Ankara reiste ich um die halbe Welt nach Kuala Lumpur.
Dort traf ich die Außenminister der ASEAN-Staaten - Thailands, Malaysias,
Singapurs, Indonesiens und der Philippinen, sowie mehrerer anderer Staaten,
die den Dialog mit ASEAN unterstützen - Australien, Neuseeland, Kanada und
Japan.
Diese
- 9 -

�Diese Gespräche fanden angesichts des vietnamesischen Angriffs über die
thailändische Grenze hinweg statt - eines Angriffs, den wir zutiefst verurteilen.

Ich kündigte in Kuala Lumpur eine Reihe konkreter Schritte zur Stär-

kung der thailändischen Verteidigung an.

Diese beinhalten zwei Millionen

Dollar Soforthilfe, beschleunigte Lieferung von Panzern und anderen Waffen
sowie verbesserte Kreditbedingungen für Thailand.
Die zehn Außenminister veröffentlichten in Kuala Lumpur außerdem ein
gemeinsames Ersuchen an Generalsekretär Waldheim, um das Prestige seines
Amtes einzusetzen, damit die Nahrungsmittel lieferungen zur Unterstützung
Tausender verzweifelter kambodschanischer Flüchtlinge entlang der thailändischen Grenze wieder aufgenommen werden.

Ich bestätigte erneut unsere Ab-

sicht, nach Konsultationen mit dem Kongreß im Haushaltsjahr 1981

168 000

Flüchtlinge aus Südostasien aufzunehmen und so mitzuhelfen, die gewaltige
Last etwas zu vermindern, die die ASEAN-Staaten als erste Zufluchtstätte
tragen.
Der Besuch in Kuala Lumpur verwirklichte mehrere Absichten.

Er unter-

strich die Bedeutung, die wir unseren Beziehungen zu Asien beimessen.
stärkte unsere wachsende Beziehung zu ASEAN.

Er

Und er demonstrierte Hanoi

und Moskau unsere fortgesetzte Unterstützung der Unabhängigkeit und Integrität des nicht-kommunistischen Südostasiens.
Am 29. Juni kehrte ich von Kuala Lumpur nach Hause zurück. Am 9. Juli
reiste ich erneut in den pazifischen Raum, um Präsident Carter nach Tokio
zum Begräbnis von Präsident Ohira zu begleiten.
Mit Rücksicht auf Japans offizielle Trauer wurden keine Gespräche mit
den Japanern anberaumt.

Doch glaube ich, daß der lebendige Ausdruck unseres

Respekts für Ministerpräsident Ohira und für unsere Freundschaft zu Japan
durch den Präsidenten eine äußerst günstige Atmosphäre des guten Willens in
unseren Beziehungen geschaffen hat.
In
- 10 -

�In Tokio traf Präsident Carter zum ersten Mal mit dem Ministerpräsidenten
der Volksrepublik China, Hua Guofeng, zusammen.
drucksvolle Weise entspannt und herzlich.

Dieses Treffen war auf ein-

Es bestätigte, daß die strate-

gischen Ansichten unserer beiden Länder an mehreren wichtigen Punkten übereinstimmen.

Wir sind beispielsweise einer Meinung hinsichtlich der Bedeu-

tung der Unterstützung von Staaten, die durch Aggression an ihren Grenzen
unter Druck gesetzt werden, wie etwa Thailand und Pakistan.

Und wir sind

einer Meinung darüber, daß die chinesisch-amerikanischen Beziehungen gute
Fortschritte machen.
Die Treffen, die ich beschrieben habe, unterschieden sich in vieler
Hinsicht, Herr Vorsitzender.

Aber zusammenfassend glaube ich, einige ge-

meinsame Nenner zu finden.
Erstens:

obwohl es ohne Frage unterschiedliche Auffassungen zwischen

uns und unseren Freunden und Verbündeten über die Art und Weise der Reaktion
gibt, so habe ich doch eine eindrucksvolle Übereinstimmung auf beiden Seiten
der Erde hinsichtlich eines Punktes gefunden:

daß die Sowjetunion Kräfte

und Ereignisse in Bewegung gesetzt hat, die die Weltstabilität bedrohen,
die eine Gefahr für die Interessen und die Sicherheit freier und unabhängiger Staaten sind - und denen es sich zu widersetzen gilt.

Ich glaube, es

gelang mir, meinen Kollegen unsere Absicht deutlich zu machen, uns unserer
Verantwortung zu stellen, und wie wichtig es ist, daß sie ihr Teil beitragen.
Zweitens: auf beiden Seiten der Welt habe ich eindrucksvolle Unterstützung für die Ansichten und Positionen der Vereinigten Staaten gefunden.
Das Zeitalter der Einheit im Gleichschritt zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren Verbündeten ist vorbei - das ist sicher. Die verstärkte wirtschaftliche und politische Macht der anderen Industriestaaten und die Wahrnehmung
ihrer eigenen Interessen machen dies unvermeidlich. Die gegenwärtige Lage
aber als "Verwirrung" oder "Uneinigkeit" zu beschreiben, würde bedeuten, den
wirklichen Zustand unserer Beziehungen völlig zu verkennen. Unter dem Strich
stehen nach Venedig und Ankara und den anderen erwähnten Treffen gegenseitiger

- 11 -

�gegenseitiger Respekt und Kooperation.

Darüber sollte es keine Zweifel geben.

Lassen Sie mich damit schließen, Herr Vorsitzender, daß ich mich von
den speziellen Themen und Ereignissen ab- und der Diskussion zweier allgemeinerer Probleme zuwende: dem Zustand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und dem Zustand unserer bedeutendsten kooperativen Struktur, des NATOBündnisses.
Daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
äußerst angespannt sind, kann nicht geleugnet werden.

Und daß diese Spannung

zum großen Teil durch das sowjetische Verhalten hervorgerufen wurde, ist
ebenfalls nicht zu leugnen.
Was bedeutet diese derzeitige Spannung für die Zukunft?

Lassen Sie mich

kurz einige Punkte aufführen.
Die Beziehung zwischen den beiden Großmächten hat den wohl entscheidendsten
Einfluß auf den Frieden in der Welt. Daher bleibt eine stabile, ausgewogene
Beziehung zwischen unserem Land und der Sowjetunion unser Ziel.
Wir bleiben auch weiterhin an einer Verminderung der Spannung und der
sich ausweitenden Zusammenarbeit mit der Sowjetunion interessiert. Wie aber
der Präsident letztes Frühjahr in Philadelphia sagte: "Entspannung muß aufbauen auf einer stabilen Grundlage der Abschreckung". Die Sowjets müssen begreifen, daß sie nicht rücksichtslos den Weltfrieden bedrohen können, daß sie
keine Aggression begehen und dennoch sich der Vorteile der Zusammenarbeit
mit den Vereinigten Staaten und dem Westen erfreuen können.
Sie müssen begreifen, daß die Invasion Afghanistans eine tiefgreifend
negative Auswirkung auf die öffentliche Meinung der Welt - einschließlich
Amerikas - hatte.
Lassen Sie mich nach dieser Feststellung klarmachen, daß der Weg zu besseren Beziehungen offen steht, wenn die Sowjets ihr Verhalten ändern.
- 12 -

Diesen

�Diesen Wag ziehen wir eindeutig vor.

Wir sind bereit, die Sowjetunion als

eine große Weltmacht mit eigenen legitimen Interessen zu akzeptieren.

Wir

haben ke&gt;n Interesse an einem unversöhnlichen kalten Krieg, in dem die
Sowjetunion für alle Instabilitäten der Welt verantwortlich gemacht wird.
Wir wissen sehr wohl, daß die Welt für solche simplen Vorstellungen zu kompliziert ist.
Aber wir werden darauf beharren, daß Moskau die legitimen Interessen anderer Nationen respektiert und daß es seinen eigenen Vorteil nicht auf eine
Weise verfolgt, die das Gewebe des Weltfriedens bedroht.
».

Kurz gesagt, wir streben nach Verhandlungen und besseren Beziehungen
zur Sowjetunion. Aber wir haben nicht die Absicht, unsere Interessen, unseren
gesunden Menschen.erstand und unsere langfristigen Friedensaussichten im
Namen der Entspannung zu opfern.
Diese Haltung wird ganz deutlich in unserer Einstellung zu einer akuten
Ost-West-Frage:

die Frage der nuklearen Raketensysteme in Europa.

Im Dezember vorigen Jahres haben die NATO-Verbündeten, wie Sie wissen,
den Beschluß gefaßt, in einem zweigleisigen Verfahren das militärische Ungleichgewicht in Europa, das durch die sowjetische Aufrüstung mit SS-20-Raketen und Backfire-Bombern hervorgerufen wurde, anzupacken.
Das erste Verfahren besteht darin, die NATO-Streitkräfte mit Pershing
II-Raketen und Boden-LuFt-Marschflugkörpern aufzurüsten, und dieser Beschluß
ist in der Durchführung.
Das zweite Verfahren besteht im Streben nach Verhandlungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Zusammenhang mit SALT III-Verhandlungen über eine Begrenzung landgestützter Fernraketen.
Im vorigen Monat verzichteten die Sowjets auf ihre Forderung, daß solche Gespräche nicht stattfinden könnten, bevor die NATO ihre Modernisierungs- 13 -

�Modernisierungspläne eingestellt oder aufgegeben habe.

Wir und unsere Ver-

bündeten betrachten dies als einen Erfolg unserer zweifachen Verpflichtung,
ein stabiles militärisches Gleichgewicht und gleichzeitige Rüstungsbegrenzungen anzustreben.
Wir bereiten uns jetzt auf diesen ersten Gedankenaustausch vor.

Wir

werden uns eng mit unseren Verbündeten konsultieren, ehe wir mit den Sowjets
zusammenkommen.

Wenn SALT II ratifiziert sein wird - ein Ziel, dem wir fest

verpflichtet bleiben - kann dieser erste Gedankenaustausch zu formellen Verhandlungen und, wie wir hoffen, zu einer echten Begrenzung der TNF im Rahmen
von SALT III führen.
Wir sind der Überzeugung, daß die Klugheit unserer Politik - einer Politik der Festigkeit und der Bereitschaft zu kooperativen Vereinbarungen durch die Ereignisse bestätigt worden ist.
Es ist wichtig, sich darüber klar zu werden, daß dies auch die Grundeinstellung unserer Verbündeten ist.

Die Sowjetunion würde einen großen

Fehler machen, wenn sie glaubte, daß sie uns in grundlegenden Fragen von
unseren Verbündeten trennen könnte.

Die Ergebnisse von Venedig und Ankara

machen das ganz deutlich - und die Erklärungen von Bundeskanzler Schmidt bei
seinem Besuch in Moskau bekräftigten diesen Punkt.
Lassen Sie mich ganz offen reden.

Wir und unsere Verbündeten haben

vor einigen Monaten eine schwierige Periode durchgemacht.

Wir stießen auf

Schwierigkeiten, weil wir vor einer beispiellosen Situation standen.

Die

sowjetische Invasion Afghanistans war eine Herausforderung unserer gemeinsamen
Interessen, wenn auch nicht unseres kollektiven Territoriums.

Und wir such-

ten nach Wegen, um eine gemeinsame Antwort auf diese neue Herausforderung
zu finden, und dabei entstanden Differenzen zwischen uns.
Wir haben diese Schwierigkeiten überwunden.

In Venedig und Ankara zeig-

ten die Verbündeten sich als fähig, gemeinsam zu handeln und zu sprechen.

- 14 -

Wir

�Wir signalisierten den Sowjets, daß wir es mit Afghanistan ernst meinen und mit der weitergehenden Frage der Einhaltung der Regeln des internationalen Verhaltens.
Heute stehen die Verbündeten in Fragen des Interesses zusammen, das
jenseits der Grenzen des Vertragsgebietes liegt.
Und sicherlich stehen wir zusammen, wenn es zur Verteidigung dieses
Gebietes kommt.

Die Verpflichtungen der NATO in den letzten Jahren sind ein

deutlicher Beweis dafür:

das Langfristige Verteidigungsprogramm; die gemein-

same Verpflichtung zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben um real drei Prozent pro Jahr; die Entscheidung vom Dezember vorigen Jahres, das TNF-Gleichgewicht in Europa durch die Dislozierung neuer Raketen und durch Verhandlungen über eine Begrenzung der Raketenstreitkräfte wiederherzustellen.
Es wird ein zentrales Problem bleiben, die Sowjets daran zu hindern,
unser Bündnis zu spalten - und der verführerischen aber gefährlichen Illusion
zu widerstehen, daß Europa eine stabile Insel der Entspannung bleiben könne,
während die Sowjets anderswo gefährliche Situationen schaffen. Um mit diesem Problem fertig zu werden, wird es einer nachhaltigen und subtilen Diplomatie bedürfen; es wird vom amerikanischen Volk Geduld und Klugheit verlangen.
Aber wir sind auf dem richtigen Wege.
Diese Regierung, Herr Vorsitzender, hat sich einer Außenpolitik verschrieben, die gleichzeitig stark und großzügig ist.
Wir verfolgen das ehrgeizigste militärische Programm seit zwei Jahrzehnten.

Aber wir werden uns dagegen wehren, in einen Kreis neuerlichen Wett-

rüstens eingeschlossen zu werden - denn ein ungezügeltes Wettrüsten würde
Amerika im eigenen Lande bedrohen, ohne unsere Sicherheit zu erhöhen.
Wir
- 15 -

�Wir arbeiten mit unseren Verbündeten in einer Atmosphäre gegenseitiger
Anhörung und Unterstützung zusammen.

Aber wir lehnen die Illusion ab, daß

wir zu der Art von Vorherrschaft zurückkehren könnten - oder sollten - derer
wir uns erfreuten, als sich unsere Verbündeten noch vom Zweiten Weltkrieg
erholten.
Wir wenden uns nachdrücklich gegen sowjetisches Abenteurertum.

Aber

wir haben kein Interesse an einer Politik sturer Feindseligkeit, die hinter
jedem dritten Stein in der Welt einen Russen sieht.
Und schließlich, Herr Vorsitzender, arbeiten wir daran, Frieden und Stabilität aufzubauen - in Afrika, im Nahen Osten, in Mittelamerika und in anderen Unruhegebieten.
In jedem dieser Gebiete haben wir das Verständnis und die Zusammenarbeit
dieses Ausschusses gefunden und, Herr Vorsitzender, Ihre Unterstützung für
die Mittel, die für den Erfolg notwendig sind.
Wir begrüßen diese anhaltende Unterstützung, denn ich bin, Herr Vorsitzender, überzeugt, daß wir die beste Politik für heute und für das kommende Jahrzehnt machen.

Und ich bin überzeugt, daß diese Politik der Aus-

druck der Meinung und des Willens, des Realismus und des gesunden Menschenverstandes der großen Mehrheit des amerikanischen Volkes ist.

- 16 -

�Information

vO

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36

6. August 1980

GEMEINSCHAFTSPROJEKT: SYNTHESEBRENNSTOFF-PRODUKTION
Abkommen zwischen Bundesrepublik, Japan und USA in Washington
unterzeichnet

WASHINGTON - (AD) - Die Regierungen und einige Firmen der Länder Bundesrepublik, Japan und Vereinigten Staaten sind an dem Gemeinschaftsprojekt zur
Herstellung synthetischer Flüssigbrennstoffe aus Kohle beteiligt, zu dem
am 31. Juli 1980 in Washington im Rahmen einer Zeremonie im Weißen Haus die
endgültige Vereinbarung von Präsident Carter, dem deutschen Botschafter
Peter Hermes und dem japanischen Botschafter Yoshiro Okawara unterzeichnet
wurde.

Das erste internationale Programm für diesen Bereich der Technik

sieht den Bau einer Demonstrationsanlage zur Kohleverflüssigung in Morgantown
(West-Virginia) vor, die 1984 in Betrieb genommen werden soll.
werden mit 1,4 Milliarden Dollar veranschlagt.

Die Kosten

Bei einem Tagesdurchsatz von

6000 Tonnen Kohle von hohem Schwefel- und Aschegehalt will man pro Tag
20 000 Faß Syntheseöl erzeugen.

Das Produkt eignet sich u.a. zur Gewinnung

von Benzin, leichtem Heizöl und Kesselheizöl.

Die Firmen Gulf Oil Corpo-

ration (USA), Ruhrkohle AG und VEBA (Bundesrepublik) sowie Japan SRC, Inc.
(ursprünglich vertreten durch das japanische Unternehmen Mitsui) sind die
industriellen Partner des Projekts.
Es

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Es gilt als ein wichtiger Schritt der drei Länder, um ihre starke
Abhängigkeit von Importöl abzubauen, und den auf den Wirtschaftsgipfelkonferenzen von Tokio und Venedig eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen.

Gleichzeitig werden sich durch die Zusammenarbeit neue Impulse

zur Intensivierung der Handelsbeziehungen der drei Staaten ergeben.

Das

in Morgantown demonstrierte Verfahren dürfte von Japan und der Bundesrepublik auch in eigenen Verflüssigungsanlagen für Kohle angewandt werden.
Die Bundesrepublik Deutschland und Japan übernehmen je ein Viertel
der Kosten.

Die Gulf Oil Corporation, die bereits im Stadium von Pilot-

projekten über ihre Tochtergesellschaft "Pittsburg and Midway Coal Mining
Company" das Verflüssigungsverfahren erprobte, wird eng mit den deutschen
und japanischen Firmen zusammenarbeiten und 100 Millionen Dollar zum Bau
und Betrieb der Anlage beisteuern.

Die restlichen Kosten für das Projekt

selbst und die einschlägigen Forschungsarbeiten, d.h. etwa 43 Prozent des
1,4 Milliarden-Dollar-Programms, übernimmt das US-Energie-Ministerium.
Im Werk Morgantown kommt als SRC-Prozeß (Abkürzung von "Solvent
Refined Coal") ein Verfahren zur Anwendung, das die direkte Kohleverflüssigung unter Vermeidung des Umwegs über die Kohlevergasung ermöglicht.
Pittsburg &amp; Midway leisteten bereits Anfang der sechziger Jahre Pionierarbeit auf diesem Gebiet und haben die Methode seitdem mit finanzieller
Unterstützung durch die US-Regierung ständig weiter verbessert. Die erste
Versuchsanlage wurde 1965 in Merriam (Kansas) in Betrieb genommen; seit
1974 arbeitet eine Pilotanlage mit einem Kohledurchsatz von 50 Tonnen pro
Tag in Fort Lewis bei Tacoma (Bundesstaat Washington).
Das SRC-Verfahren zeichnet sich dadurch aus, daß es nicht nur wirtschaftlicher ist als die Mehrzahl der bisher entwickelten Hydrierprozesse,
sondern auch die Umwandlung hoch schwefel- und aschehaltiger Kohle zuläßt.
Bei den älteren Verfahren bereiten diese Beimengungen erhebliche Schwierigkeiten. Beim SRC-Prozeß werden in einer Reaktorkammer, dem sog. Dissolver,
bei hoher Temperatur und unter hohem Druck auf direktem Wege flüssige

- 2 -

�flüssige Brennstoffe erzeugt.

Dabei entstehen Kohlenwasserstoffe verschie-

dener Viskosität und Flüchtigkeit - vom Heizöl bis zum Methan.

Der in der

Kohle enthaltene Schwefel wird größtenteils in Schwefelwasserstoff umgewandelt, der leicht abzuscheiden ist. Das SRC-Verfahren ist so angelegt, daß
es Lösungsmittel, Katalysator und Wasserstoff, die dafür benötigt werden,
selbst produziert.
Wie Robert Hänfling vom US-Energieministerium erklärte, zählt der SRCProzeß zu den relativ umweltschonenden Verfahren der Kohleumwandlung. Das
Hydrierwerk emittiert nur einen Bruchteil dessen an Schwefeldioxid und
Kohlendioxid, was Anlagen abgeben, die Kohle verbrennen. Stoffe, die während des SRC-Prozesses entstehen, können zurückgeführt oder am Standort
des Werks beseitigt werden.
16 Elektrizitätswerke haben sich bisher bereit erklärt, als Teil eines
Forschungs- und Entwicklungsprogramms SRC-Produkte vom Werk Morgantown abzunehmen und einen Aufschlag von zwei Dollar zum Weltmarktölpreis zu bezahlen.

Das Firmenkonsortium für Morgantown beabsichtigt, sofern sich in den

ersten zwei Betriebsjahren keine besonderen Schwierigkeiten ergeben, das
Hydrierwerk auf eine Kapazität von 30 000 Tonnen Kohledurchsatz pro Tag zu
erweitern.

Die Produktion im großtechnischen Ausmaß könnte, so Hänfling,

wahrscheinlich 1989 beginnen.

Der Tagesausstoß einer solchen Anlage ent-

spräche etwa dem einer Erdölraffinerie mit 100 000 Faß pro Tag; eine Produktionskapazität dieser Größenordnung würde ausreichen, um pro Jahr bis
zu 35 Millionen Faß Importöl zu ersetzen.

- 3 -

�ai
3

UUi//cn/choft
und Technik
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36

6. August 1980

BILLIGERES VERFAHREN ZUR ABSCHEIDUNG VON STAUB

- (AD) - Ein neues, kostengünstigeres Verfahren zur Entstaubung der
Abluft kohlebefeuerter Heizkessel in der Industrie wurde von der amerikanischen Firma General Motors Corporation entwickelt.

Wie ein Sprecher des

Unternehmens bekanntgab, wird die neue SpezialVorrichtung, ein sogenannter
Seitenstrom-Separator, mit den heute üblichen mechanischen Staubsammlern
an Kesseln mit Stokerfeuerung gekoppelt.

Dadurch wird es möglich, aus der

Abluft Staubteilchen auszufiltern, die kleiner sind als 10 Micron (1/100 mm),
Der Kostenaufwand für den Einbau einer solchen Anlage ist um 30 bis 60 Prozent geringer als bei anderen Vorrichtungen für die Emissionskontrolle
- beispielsweise bei der Verwendung elektrostatischer Staubabscheider oder
verschiedener anderer Systeme.
Die General Motors Corp., deren Ingenieure den Seitenstrom-Separator
ursprünglich zur Anwendung in ihren Karosserie-Werken entwickelt hatten,
erklärten sich bereit, das Verfahren dem US-Bundesamt für Umweltschutz
(EPA) und interessierten amerikanischen Firmen, die Kessel mit Stokerfeuerung verwenden, kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen hofft,
auf diese Weise dazu beitragen zu können, daß in der Industrie die Umstellung von öl- auf Kohlefeuerung beschleunigt vorgenommen wird. Gegenwärtig
sind in den Vereinigten Staaten etwa 7500 kohlebefeuerte Kesselanlagen, davon 4800 mit Stokerfeueruno.. in Betrieb.
Postfach 2 0 0 3 OO
D 5 3 0 0 Bonn 2

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Sowjets haben Prinzipien von Helsinki mißachtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen zum 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muskie gibt Überblick über amerikanische Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinschaftsprojekt: Synthesebrennstoff-Produktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Abkommen zwischen Bundesrepublik, Japan und USA in Washington unterzeichnet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Billigeres Verfahren zur Abscheidung von Staub</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

31
I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

35

30. J u l i 1980

&lt;N

I N H A L T

INFORMATION
USA ergreifen weitreichende Maßnahmen gegen Putsch in Bolivien
- Erklärung von Außenminister Muskie -

DOKUMENTATION
Carter: Entschlossenes Handeln notwendig
- Erklärung des Präsidenten zum Bericht "Die Welt im Jahre 2000'
"Die Welt im Jahre 2000"
- Ergebnisse und Schlußfolgerungen des "Global 2000 Report"
Mondale e_rl_äutert Afrika-Politik der USA
- Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten in Nigeria -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Delegierter hofft auf Einigung auf der Genfer Seerechtskonferenz
- Wortlaut eines USICA-Interviews mit Botschafter Richardson -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Information

i 3

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30. Juli 1980

35

USA ERGREIFEN WEITREICHENDE MASSNAHMEN GEGEN PUTSCH IN BOLIVIEN
- Erklärung von Außenminister Muskie -

WASHINGTON

- (AD) - Die Vereinigten Staaten haben am 25. Juli 1980

weitere weitreichende Maßnahmen gegen den Militärputsch in Bolivien ergriffen.

Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie teilte in einer

Erklärung mit, daß die USA ihre Militärberatergruppe aus Bolivien zurückziehen, ihr Botschaftspersonal in La Paz wesentlich verringern und alle
wirtschaftlichen Hilfsprojekte einstellen würden.
Bereits am 23. Juli hatte das amerikanische Außenministerium in
einer Erklärung die militärische Führung Boliviens aufgefordert, die
Menschenrechte in diesem Lande zu respektieren, und davor gewarnt, daß
die Vereinigten Staaten ihre laufenden Wirtschaftsprogramme mit Bolivien
wesentlich reduzieren könnten.
Außenminister Muskie hatte seine Erklärung persönlich vor der
Presse verlesen, um den Ernst der amerikanischen Besorgnis über den
Rückschlag für die Demokratie in Bolivien zu unterstreichen. Die Militär-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�.•

'

Militärberatergruppe der USA in Bolivien setzt sich aus sechs Mann
militärischem Personal und zwei Angestellten des amerikanischen Verteidigungsministeriums zusammen.

Zum gegenwärtigen Stab der amerikanischen

Botschaft gehören 112 Personen,
Ein Vertreter des State Department teilte in diesem Zusammenhang mit,
daß bisher noch kein Datum für die Rückkehr von US-Botschafter Weismann
nach La Paz festgesetzt worden sei. Er gab ferner bekannt, daß sich in
der amerikanischen Botschaft in der bolivianischen Hauptstadt kein
Asyl suchender befinde.
Die Mitteilung des amerikanischen Außenministers erfolgte zu einem
Zeitpunkt, da der Rat der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS)
in Washington tagt, um über eine Resolution zu beraten, in der der Putsch
in Bolivien verurteilt wird.
Die Erklärung, die Außenminister Muskie vor der Presse verlas, hat
folgenden Wortlaut:
"Wir sind zutiefst besorgt über den Putsch in Bolivien und die sich
daran anschließenden Entwicklungen. Der demokratische Prozeß Boliviens
ist stark gehemmt worden. Der Wille des bolivianischen Volkes, der bei
den kürzlichen Wahlen frei zum Ausdruck kam, ist in flagranter Weise
verletzt worden. Wir bedauern diese Maßnahmen. Wir sind der Überzeugung,
daß der demokratische Prozeß wiederaufgenommen werden und der Wunsch des
bolivianischen Volkes zum Ausdruck kommen sollte. Wir bedauern ferner die
Verletzung der Rechte von hunderten von politischen, religiösen und gewerkschaftlichen Führern, die von dem neuen Regime festgehalten werden.
Wir stehen mit anderen Ländern in Konsultationen. Unsere Auffassungen
werden sowohl in der westlichen Hemisphäre als auch anderswo auf der Welt
weitgehend geteilt. Am bemerkenswertesten dabei ist, daß die Anden-Staaten d_i_e

- 2 -

�die Initiative ergriffen haben, um die Situation in Bolivien vor die
Organisation der Amerikanischen Staaten zu bringen.

Mit allem Nachdruck

unterstützen wir diese Initiative.
Wir unsererseits haben verschiedene Schritte ergriffen, um unsere
Besorgnisse über die Entwicklungen in Bolivien zu unterstreichen. Wir
haben unsere Militärhilfe eingestellt. Wir sind keine neuen Verpflichtungen
hinsichtlich der Wirtschaftshilfe eingegangen. Wir haben unseren Botschafter
zu Konsultationen zurückberufen.
Wir haben heute die Entscheidung getroffen, unsere Militärgruppe
aus Bolivien abzuziehen und unser Botschaftspersonal wesentlich zu reduzieren.
Darüber hinaus haben wir unsere gegenwärtigen Wirtschaftshilfsprogramme
im Hinblick auf wesentliche Kürzungen überprüft. Ich habe heute die
Einstellung aller Projekte der Wirtschaftshilfe angeordnet, wo dies unter
den bestehenden Abkommen nur immer möglich ist. Die einzige Ausnahme
bilden die Programme der humanitären Unterstützung, wie NahrungsmittelProgramme, die von privaten freiwilligen Stellen durchgeführt werden.
Diese Maßnahmen sollen den Ernst unserer Besorgnisse über die Situation
in Bolivien unterstreichen. Die Vereinigten Staaten können diesen Versuch,
den Willen des bolivianischen Volkes zu vereiteln, nicht unterstützen.
Sein Weg, in Richtung auf eine stabile demokratische Herrschaft war nicht
einfach. Aber das Volk hatte sein Bestreben, diesen Weg zu verfolgen,
unter Beweis gestellt. Wir verurteilen diesen Versuch, das Volk zu zwingen,
die Uhr zurückzudrehen."
In der am 23. Juli veröffentlichten Erklärung des State Department
hatte es unter anderem hinsichtlich der Verletzung der Menschenrechte in
Bolivien geheißen:
Das
- 3 -

�"... Das Außenministerium ist weiterhin zutiefst besorgt über den
Putsch vom 17. Juli und die darauffolgenden Entwicklungen in Bolivien.
Wir sind besonders beunruhigt über Berichte, die uns durch eine Anzahl zuverlässiger Quellen zugegangen sind, von weit verbreiteten, ja brutalen
Verletzungen der Menschenrechte, die diesen Berichten zufolge von den
bolivianischen Streitkräften in ihrer Operationszentrale in den Miraflores-Kasernen von La Paz begangen werden.

Es heißt, daß häufiges und

brutales Schlagen, Folter und die Verweigerung notwendiger medizinischer
Versorgung üblich sind.

Wir verfügen über Berichte, wonach Hunderte von

Meischen an verschiedenen Orten im ganzen Land gefangengehalten werden.
Diese Berichte beschäftigen uns zutiefst.

Wir drängen nachhaltig darauf,

daß die Rechte aller Bolivianer respektiert werden und die Führung des
bolivianischen Militärs sicherstellt, daß diese Verletzungen der Menschenrechte aufhören - wann immer und wo immer sie sich ereignen mögen..."

+ + + + +

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

35

30. Juli 1980

CARTER:

ENTSCHLOSSENES HANDELN NOTWENDIG

Erklärung des Präsidenten zum Bericht "Die Welt im Jahre 2000"

WASHINGTON - (AD) - Jimmy Carter hat die USA und alle Länder zu
einem entschlossenen Handeln aufgefordert, um die großen Zukunftsaufgaben
zu bewältigen.

Der Präsident hatte amerikanische Regierungsstellen kurz

nach seiner Amtsübernahme angewiesen, einen zukunftsweisenden Bericht
über die Entwicklung der Welt bis zum Jahre 2000 auszuarbeiten, der unter
dem Titel "The Global 2000 Report to the President" am 24. Juli 1980
veröffentlicht wurde.
Die Erklärung des Präsidenten zu dem Bericht hat folgenden Wortlaut:
Kurz nach meiner Amtsübernahme im Jahre 1977 habe ich den Rat für
Umweltqualität, das Außenministerium und andere Regierungsbehörden
angewiesen, eine Studie über die tiefgreifenden Veränderungen zu erstellen, die im Hinblick auf unsere Weltbevölkerung, die natürlichen
Ressourcen und die Umwelt bis zum Ende dieses Jahrhunderts stattfinden
könnten.
Noch

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�Noch nie zuvor hat unsere Regierung oder irgendeine Regierung versucht, einen so umfassenden, langfristigen Ausblick auf mit einander in
Zusammenhang stehenden Fragen, wie Weltbevölkerung, Landwirtschaft,
Wasserwirtschaft, Forstwirtschaft, Energiebedarf und die gesamte Umweltqualität der Erde zu geben, auf der wir leben»
Die Studie "Die Welt im Jahre 2000" ist jetzt abgeschlossen.

Ihr

Bericht projiziert die Bedingungen auf der Erde, die sich bis Ende
dieses Jahrhunderts entwickeln könnten, wobei sie davon ausgeht, daß
die gegenwärtigen Trends und Verhaltensweisen in der ganzen Welt anhalten.
Viele der Ergebnisse des Berichtes müssen für uns alle Anlaß zu großer
Sorge sein. Diese Ergebnisse zeigen Entwicklungen bezüglich der Bevölkerung und der Ressourcen der Welt auf, die wir beheben können, wenn
wir ihnen sofort Beachtung schenken. Wir werden die Informationen des
Berichtes "Die Welt im Jahre 2000" dazu benutzen, unsere öffentliche
Politik wo immer möglich danach auszurichten.

Darüber hinaus müssen wir

die ernsten aufgeworfenen Fragen weiterhin analysieren«
Es ist wichtig zu begreifen, daß die in dem Bericht projizierten
Bedingungen keineswegs unausweichlich sind.

Diese Projektionen sollten

und können vielmehr rechtzeitige Warnungen sein, die die Länder der Welt
auf die Notwendigkeit eines nachhaltigen und entschlossenen Handelns
auf nationaler und internationaler Ebene hinweisen.
Die Vereinigten Staaten stehen in ihrer Antwort auf Fragen der
Weltbevölkerung, der natürlichen Ressourcen und der Umwelt nicht allein.
Die Erklärung auf dem kürzlichen Gipfeltreffen in Venedig verpflichtete
die westlichen Industrieländer zur Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern in der Bewältigung der weltweiten Ernährungs-, Energie- und
Bevölkerungsprobleme. Die auf dem Gipfeltreffen vertretenen Länder kamen
über die Notwendigkeit eines besseren Verständnisses für die Auswirkungen
der Verfügbarkeit von Ressourcen und des Bevölkerungswachstums auf die

�die wirtschaftliche Entwicklung überein.

In den Vereinten Nationen

werden viele der in dem Bericht "Die Welt im Jahre 2000" angeschnittenen
Grundprobleme bei der Formulierung einer neuen internationalen Entwicklungsstrategie herangezogen.
Eine Reihe amerikanischer und internationaler Antworten auf kritische
weltweite Fragen ist bereits im Gange, So hat beispielsweise unsere
Regierung seit der Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche
Umwelt im Jahre 1972 aktiv zu ener Reihe von Weltkonferenzen über diese
Fragen und die Folgetätigkeiten beigetragen.
Trotzdem bin ich wegen der Bedeutung, des Umfangs und der Vielfalt
der in dem Bericht aufgezeigten Aufgaben der Auffassung, daß Amerika
eine besondere Führung bei der Inangriffnahme weltweiter Bedingungen
übernehmen muß. Ich ernenne daher heute eine Präsidial-Arbeitsgruppe
für weltweite Ressourcen und Umwelt, deren Vorsitz der Vorsitzende des
Rates für Umweltqualität übernimmt und der der Außenminister, der Berater
des Präsidenten für innenpolitische Angelegenheiten, der Direktor des
Amtes für Wissenschafts- und Technologiepolitik sowie der Direktor des
Amtes für Verwaltung und Haushalt angehören. Die Arbeitsgruppe wird mir
so bald wie möglich mit Empfehlungen für Maßnahmen auf Problemgebieten
berichten, die vorrangige Aufmerksamkeit erfordern. Ich weise andere
Bundesbehörden an, mit der Arbeitsgruppe zusammenzuarbeiten.
Ich weise ferner das Außenministerium an, die in dem Bericht "Die
Welt im Jahre 2000" aufgezeigten Fragen und Probleme in allen geeigneten
internationalen Zusammenkünften anzuschneiden, und ich werde sie auch
selbst anschneiden. So habe ich beispielsweise in meiner zweiten Umweltbotschaft vom August vorigen Jahres meiner Besorgnis über den Verlust
tropischer Wälder Ausdruck veHiehen, Als Sofortmaßnahme für dieses
kritische Problem weise ich alle zuständigen Bundesbehörden an, innerhalb
von 60 Tagen auf den Bericht der interministeriellen Arbeitsgruppe für

- 3 -

�für tropische Wälder, der mir im vorigen Monat vorgelegt wurde, zu antworten.

In ihren Antworten werden die Bundesstellen im Detail die Schritte

darlegen, die sie unternehmen werden, um die Empfehlungen des Berichtes
zu verwirklichen.

Nach Eingang dieser Berichte wird die interministerielle

Arbeitsgruppe für tropische Wälder als ein Organ der Präsidialarbeitsgruppe
für weltweite Ressourcen und Umwelt arbeiten. Und schließlich ersuche ich
die Kommission für die achtziger Jahre, diesen weltweiten Problemen
sorgfältige Aufmerksamkeit zu schenken.
In unserem 20. Jahrhundert bleiben uns noch weniger als zwanzig
Jahre.

Jetzt ist die Zeit, auf die Welt zu blicken, die wir im Jahre

2000 haben und künftigen Generationen hinterlassen wollen.

Es ist meine

feste Oberzeugung, daß wir eine Zukunft aufbauen können, in der alle
Menschen ein volles, anständiges Leben in Harmonie mit einem gesunden
und bewohnbaren Planeten leben können. Und ich bin ebenso überzeugt,
daß die Fähigkeiten, die Erfahrung, der Weitblick und der Mut des amerikanischen Volkes heute die Vereinigten Staaten zu einem natürlichen Führer
machen, wenn es gilt, den Kurs der Menschheit zu einer besseren Welt von
morgen abzustecken und zu steuern.

�3
3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Juli 1980

35

"DIE WELT IM JAHRE 2000"
Ergebnisse und Schlußfolgerungen des "Global 2000 Report"

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Carter 1977 angeregte
Studie über die Lage im Jahr 2000, die unter der Federführung des Außenministeriums und des Rates für Umweltqualität (Council on Environmental
Quality) erarbeitet wurde, ist am 24. Juli 1980 in Washington vorgelegt
worden. Der Bericht kommt zu der Schlußfolgerung, daß - abgesehen von
umwälzenden Fortschritten in der Technologie das Leben für die meisten
Menschen auf der Erde im Jahr 2000 schwieriger sein wird, als es derzeit
ist.
Nachstehend geben wir den Wortlaut des Kapitels "Wesentliche Ergebnisse und Schlußfolgerungen" des Berichts wieder.
Wenn die gegenwärtigen Trends anhalten, wird die Welt im Jahr 2000
dichtbesiedelter, verschmutzter, ökologisch instabiler und gegenüber
Zersetzungsprozessen anfälliger sein als die Welt, in der wir derzeit
leben. Starke Spannungen hinsichtlich Bevölkerung, Ressourcen und Umwelt

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�Umwelt sind deutlich erkennbar.

Trotz höherer materieller Produktion

werden die Menschen dieser Welt in vieler Hinsicht ärmer sein, als sie
es heute sind.
Für Hunderte Millionen der erschreckend Armen wird die Aussicht
auf Nahrungsmittel und andere Lebensnotwendigkeiten keineswegs besser
sein; für viele sogar noch schlechter.

Abgesehen von umwälzenden Fort-

schritten in der Technologie wird das Leben für die meisten Menschen auf
der Erde im Jahr 2000 schwieriger sein, als es derzeit ist, solange die
Staaten dieser Welt nicht entschlossen handeln, um die gegenwärtigen
Trends umzukehren.
Dies ist im wesentlichen das Bild, das sich aus den Projektionen
der amerikanischen Regierung über wahrscheinliche Veränderungen bei
Weltbevölkerung, Ressourcen und Umweltbedingungen gegen Ende des Jahrhunderts ergibt, wie sie in der Global 2000 Studie dargelegt werden.
Es wird nicht vorhergesagt, was geschehen wird.

Vielmehr werden Be-

dingungen vorgeführt, die sich wahrscheinlich so weiterentwickeln werden,
wenn es keine Änderungen in der öffentlichen Politik, den Institutionen
und der Beschleunigung des technologischen Fortschritts und wenn es
keine Kriege oder andere tiefgreifende Veränderungen gibt.

Eine sorg-

fältigere Bewußtwerdung der Natur der derzeitigen Entwicklungsrichtungen
könnte indessen Änderungen hervorrufen, die diese Trends umkehren und mit
ihnen die projizierten Ergebnisse.
.-.

Die wesentlichen Ergebnisse
Der rasche Anstieg der Weltbevölkerung wird sich bis zum Jahr 2000
kaum verändern.

Die Weltbevölkerung wird von 3 Milliarden im Jahr 1975

auf 6,350 Milliarden im Jahr 2000 ansteigen - ein Zuwachs um mehr aU.

- 2 -

�als 50 Prozent.

Die Zuwachsrate wird nur unmerklich abnehmen: von 1,8

Prozent jährlich auf 1,7 Prozent.

In reinen Zahlen ausgedrückt wird die

Bevölkerung im Jahr 2000 rascher zunehmen als heute - um 100 Millionen
jedes Jahr im Vergleich zu 75 Millionen im Jahr 1975.

90 Prozent dieses

Zuwachses werden in den ärmsten Ländern auftreten.
Obgleich die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer wahrscheinlich
mit rascheren Zuwachsraten expandieren als jene der Industriestaaten,
bleibt doch das Bruttosozialprodukt per capita in den meisten Entwicklungsländern niedrig. Das Durchschnitts-Bruttosozialprodukt per capita wird
voraussichtlich in manchen Entwicklungsländern (vor allem in Lateinamerika)
kräftig ansteigen, aber in den großen und dichtbevölkerten Staaten
Südasiens bleibt es unter 200 Dollar pro Jahr - in Dollarwerten des Jahres
1975 gerechnet. Die bereits bestehende große Lücke zwischen den reichen
und den armen Ländern wird noch größer.
Den Projektionen zufolge wird die Nahrungsmittelproduktion global
im Lauf der 30 Jahre von 1970 bis 2000 um 90 Prozent ansteigen. Dies
bedeutet einen Zuwachs um weniger als 15 Prozent für den genannten Zeitraum hinsichtlich der globalen Bevölkerungszahl. Denn der Hauptanteil
dieses Zuwachses geht in Länder, die bereits hinsichtlich ihres Nahrungsmittelverbrauchs per capita relativ weit vorne liegen. Währenddessen
wird sich der Pro-Kopf-Verbrauch in SUdasien, im Mittleren Osten und
in den Entwicklungsländern Afrikas kaum verbessern - oder sogar unter das
derzeitige, unangemessene Niveau sinken. Gleichzeitig kann man davon ausgehen, daß sich die Realpreise für Nahrungsmittel verdoppeln.
Ackerland wird es um das Jahr 2000 nur zweimal so viel geben wie
jetzt, so daß eine erhöhte Nahrungsmittel Produktion aus vermehrten Erträgen kommen muß.

Die meisten Elemente, die derzeit zu höheren Erträgen

beisteuern - Düngemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel, Energie für Bewässerung und Treibstoff für die Maschinen - hängen in hohem Maß von Dl

- 3 -

�öl und Gas ab.
Im Verlauf der neunziger Jahre wird die Erdölförderung nach geologischen
Schätzungen ihre maximale Förderkapazitä't erreichen, aber auch rasch steigende
ölpreise mit sich bringen.

Die Studie geht davon aus, daß die reicheren

Industriestaaten in der Lage sein werden, über genug öl und andere
kommerzielle Energieversorgung zu verfügen, um sich der steigenden Nachfrage in den neunziger Jahren anzupassen.

Durch die erwarteten Preisan-

stiege wenden viele der Entwicklungsländer auch zunehmende Schwierigkeiten
bei der Deckung ihrer Energiebedürfnisse haben.

Für ein Viertel der

Menschheit, das in erster Linie auf Holz als Energieträger angewiesen ist,
sind die Aussichten erschreckend.

Die Nachfrage nach Holz wird noch vor

Ende des Jahrhunderts das verfügbare Angebot um etwa 25 Prozent übersteigen.
Obgleich die nichterneuerungsfähigen Energiequellen der Welt - wie
Kohle, öl, Gas, Ölschiefer, Teersand und Uran - noch theoretisch für Jahrhunderte reichen, sind sie doch nicht gleichmäßig verteilt; außerdem
schaffen sie schwierige wirtschaftliche Probleme und Umweltprobleme;
auch sind sie sehr verschieden, was Zugänglichkeit für Förderung und
Verwendung angeht.
Die mineralischen Ressourcen, die nicht dem Brennstoffbereich zugehören, scheinen im großen und ganzen auszureichen, um die projizierte
Nachfrage bis zum Jahr 2000 zu befriedigen; allerdings sind weitere
Funde und Investitionen nötig, um die Reserven auf diesem Stand zu halten.
Zudem werden die Förderkosten mit den Energiepreisen steigen und manche
dieser Bodenschätze unwirtschaftlich machen. Das Viertel der Weltbevölkerung, das in den Industriestaaten lebt, wird auch weiterhin drei
Viertel der Mineralförderung der Welt absorbieren.
Regionaler

�Regionaler Wassermangel wird problematischer werden.

Im Zeitraum

von 1970 bis 2000 wird allein der Zuwachs der Bevölkerung so viel Wasser
erfordern, daß sich die Nachfrage danach in fast der hä'lfte der Welt
verdoppeln wird.

Eine noch stärkere Zunahme wäre erforderlich, um den

Lebensstandard zu verbessern.

In vielen Entwicklungsländern werden die

Wasservorräte aufgrund der extensiven Abholzung im Jahr 2000 noch weit
unberechenbarer.

Die Entwicklung neuer Möglichkeiten der Wasserversorgung

wird praktisch überall teurer.
Umfangreiche Waldverluste werden auch in den nächsten zwanzig Jahren
andauern, da die Nachfrage nach Holzprodukten und Brennholz ansteigt.
Die bisher zunehmenden Lager von Nutzholz in kommerziellen Ausmaßen werden
den Projektionen nach um 50 Prozent per capita zurückgehen. Die Wälder
dieser Welt verschwinden derzeit mit einer Rate von 18-20 Millionen Hektar
pro Jahr (ein Gebiet von der halben Größe Kaliforniens), wobei der größte
Teil davon in den feuchten Regenwäldern von Afrika, Asien und Südamerika
zu verzeichnen ist. Die Projektionen zeigen an, daß im Jahr 2000 etwa
40 Ptozent des Waldes, der die Entwicklungsländer noch bedeckt, verschwunden sein werden.
Ernste Verschlechterungen des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens
werden weltweit auftreten angesichts der Erosion, des Verlusts an Organstoffen, der Verwüstung, der Versalzung, der Verlaugung und Versumpfung.
Schon jetzt werden Wiesen und Felder von annähernd der Größe von Maine
jedes Jahr zu unfruchtbarem Land; die Verbreitung wüstenähnlicher Bedingungen
nimmt wahrscheinlich zu.
Die Konzentration von Kohlendioxyd und Sauerstoffzerstörenden Chemikalien in der Atmosphäre wird wahrscheinlich mit einer Schnelligkeit
zunehmen, die das Klima der Welt und die äußere Atmosphäre im Jahr 2050
deutlich verändern könnte. Versauerter Regen aufgrund erhöhter Verbrennung
fossiler Brennstoffe (vor allem Kohle) bedroht die Seen, den Boden und

- 5 -

�und die Ernte.

Radioaktive und andere gefährliche Stoffe schaffen in immer

mehr Ländern Gesundheits- und Sicherheitsprobleme.
Das Aussterben von Pflanzen-

und Tierarten wird dramatisch zunehmen.

Hunderttausende von Arten - unter Umständen bis zu 20 Prozent aller Arten werden unwiederbringlich verlorengehen, da ihre Wohnräume, besonders in
den tropischen Wäldern, verschwinden.
Die Zukunft, wie sie in den Projektionen der amerikanischen Regierung
aufgezeichnet wird und wie sie oben kurz dargestellt wurde, könnte dabei
sogar noch die anstehenden Probleme unterbewerten.

Die zur Durchführung

der Studie zur Verfügung stehenden Methoden führten zu bestimmten Lücken
und Unvereinbarkeiten, die die Tendenz haben, einen optimistischen Eindruck
zu geben.

So nehmen zum Beispiel die meisten der Einzelprojektionen bei

den verschiedenen untersuchten Sektoren - Nahrungsmittel, Bodenschätze,
Energie u.s.w. - an, daß genügend Kapital, Energie, Wasser und Land in
jedem dieser Sektoren verfügbar sein wird, um die Bedürfnisse zu befriedigen, ohne auf konkurrierende Bedürfnisse anderer Sektoren zu achten.
Besser übereinstimmende, besser miteinander verbundene Projektionen
würden ein noch eindringlicheres Bild der sich verstärkenden Zwänge
bieten, während die Welt sich dem 21. Jahrhundert nähert.

Schlußfolgerungen
Bei der derzeitigen und projizierten Wachstumsrate würde die Weltbevölkerung im Jahr 2030 10 Milliarden und Ende des 21. Jahrhunderts
annähernd 30 Milliarden zählen. Diese Zahlen entsprechen ziemlich genau
den Schätzungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den Vereinigtet
Staaten hinsichtlich der maximalen Aufnahmefähigkeit der gesamten Erde.
Schon die Bevölkerung im Saharagürtel von Arika und am Himalayagebirge Asiens

- 6 -

�Asiens hat die Aufnahmefähigkeit der unmittelbar betroffenen Gebiete
überschritten und eine Erosion der Kapazität des Landes ausgelöst, das
Leben zu erhalten.

Die daraus rührende Armut und schlechte Gesundheit

haben die Anstrengungen zur Verringerung der Fruchtbarkeit weiter erschwert.

Wenn dieser Kreislauf miteinander zusammenhängender Probleme nicht

bald aufgebrochen wird, wird der Bevölkerungszuwachs in solchen Regionen
unglücklicherweise durch andere Ursachen als die rückgängigen Geburtenraten verlangsamt werden:

Hunger und Krankheit werden mehr Neugeborene

und Kleinkinder fordern,und immer mehr derjenigen, die überleben, werden
durch falsche Ernährung in ihrer Kindheit geistig und körperlich behindert
sein.
In der Tat sind die Probleme der Erhaltung der Aufnahmefähigkeit
der Erde und die Bewahrung der Möglichkeit eines annehmbaren Lebens für die
Menschen, die sie bewohnen, gewaltig und stehen unmittelbar vor uns.
Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung. Es muß unterstrichen werden, daß die
Projektionen der Global 2000 Studie auf der Annahme beruhen, daß die
nationalen Politiken hinsichtlich Bevölkerungstabilisierung, Konservierung
von Ressourcen und Schutz der Umwelt im wesentlichen bis zum Ende des
Jahrhunderts unverändert bleiben. In der Tat aber beginnen sich diese
Politiken zu ändern. In manchen Bereichen werden Wälder nach der Abholzung
angepflanzt. Manche Staaten ergreifen Maßnahmen,um Bodenverluste und
Versteppung zu vermindern. Das Interesse an Energieeinsparung wächst,
und gewaltige Summen werden für die Erforschung von Alternativen zur ölabhängigkeit investiert. Die Notwendigkeit der Familienplanung wird
langsam besser verstanden. Die Wasserversorgung wird verbessert, und
Systeme zur Abfallverwertung werden installiert. Ertragreicher Samen
ist in großen Mengen verfügbar, und Samenbanken breiten sich aus. Manche
Landschaftsstriche mit ihren Tier- und Pflanzenarten werden unter Naturschutz gestellt. Natürliche Feinde und ausgewählte Schädlingsbekämpfungsmittel ersetzen wieder Pestizide mit Nachwirkung und Zerstörungsfähigkeit.

Wir
- 7 -

�Wie ermutigend diese Entwicklungen auch sind, so sind sie doch bei
weitem nicht angemessen, um den globalen Herausforderungen gerecht zu
werden, die diese Studie projiziert.

Energische, entschlossene neue

Initiativen sind notwendig, wenn zunehmende Armut und menschliches Leiden,
der Verfall der Umwelt sowie internationale Spannungen und Konflikte verhindert werden sollen.

Es gibt keine raschen Lösungen.

Die Lösungen der

Probleme Bevölkerung, Ressorcen und Umwelt sind komplex und langfristig.
Diese Probleme sind unentwirrbar verbunden mit einigen der kompliziertesten
und hartnäckigsten Probleme der Welt - Armut, Ungerechtigkeit und sozialem
Konflikt.

Neue und einfallsreiche Ideen und die Bereitschaft, sie in die

Tat umzusetzen, sind entscheidend.
Die erforderlichen Veränderungen gehen weit über die Fähigkeit
und Verantwortung dieses oder jenes einzelnen Staates hinaus. Ein Zeitalter von noch nicht dagewesener Zusammenarbeit und Verpflichtung ist von
entscheidender Bedeutung. Aber es gibt Gelegenheiten - und guten Grund für die Vereinigten Staaten, die Führung unter den Nationen zu ergreifen.
Eines der wichtigsten Erfordernisse für dieses Land muß eine sorgfältige
Beurteilung seiner Außen- und Innenpolitik hinsichtlich Bevölkerung,
Ressourcen und Umwelt sein. Die Vereinigten Staaten, die die stärkste
Volkswirtschaft der Welt haben, können von ihrer Politik erwarten, bedeutsamen
Einfluß auf die weltweiten Entwicklungen zu nehmen. Ein gleich wichtiges
Erfordernis für die Vereinigten Staaten ist die großzügige und gerechte
Zusammenarbeit mit anderen Ländern - besonders im Bereich des Handels,
der Investitionen und der Hilfe -, um Lösungen für die vielen Probleme
zu suchen, die sich jenseits unserer Landesgrenzen ausdehnen. Es gibt
viele noch zu ergreifende Gelegenheiten zur Zusammenarbeit mit anderen
Staaten in der Anstrengung, Armut und Hunger zu erleichtern, die Bevölkerung zu stabilisieren und die wirtschaftliche Produktivität und das
Umweltbewußtsein zu stärken. Mehr Zusammenarbeit unter den Staaten ist
auch notwendig, um die internationalen Mechanismen zum Schutz und zur
Nutzung der "globalen Gemeingüter" - der Meere und der Atmosphäre - zu_

�zu stärken.
Um sich den Herausforderungen zu stellen, die in dieser Studie
beschrieben werden, müssen die Vereinigten Staaten ihre Fähigkeit zur
Identifizierung auftauchender Probleme und zur Beurteilung alternativer
Antworten verbessern.

Während sie sich der derzeitigen Kapazitäten der

Regierung für langfristige, globale Analysen bediente und diese auswertete,
traf die Studie auf schwerwiegende Unvereinbarkeiten bei Methoden und
Postulaten, die von den verschiedenen Behörden zur Erstellung ihrer
Projektionen angewandt werden.

Die Studie selbst machte einen Anfang

damit, diese Unzulänglichkeiten ausoer Welt zu schaffen.

Sie stellt

die ersten Umweltprojektionen d&amp;r Regierung dar und liefert die bisher
übereinstimmendste Sammlung globaler Projektionen aller amerikanischen
Behörden.

Dennoch enthalten die Projektionen noch immer schwerwiegende

Lücken und Widersprüche, die berichtigt werden müssen, wenn die Fähigkeit
der Regierung zur Analyse verbessert werden soll.

Es muß gesagt werden,

daß derzeit die Bundesbehörden nicht immer in der Lage sind, Projektionen
von der Qualität zu liefern, wie sie für langfristige Entscheidungen
im politischen Bereich notwendig sind.
Obgleich begrenzte Ressourcen in manchen Fällen ein mitwirkender
Faktor sein können, so besteht das Hauptproblem doch im Mangel an
Koordination. Die amerikanische Regierung benötigt einen Mechanismus zur
ständigen Überprüfung der Postulate und Methoden, derer sich die Bundesbehörden bei ihren Projektionsmodellen und zur Sicherstellung dafür bedienen, daß diese Modelle stichhaltig, folgerichtig und gut dokumentiert
sind. Die verbesserten Analysen, die sich daraus ergeben könnten, würden
nicht nur ein besseres Verständnis der auftretenden Probleme und Möglichkeiten
bieten, sondern wären auch ein besseres Mittel zur Bewertung alternativer
Antworten und eine bessere Grundlage für Entscheidungen von weltweiter
Bedeutung, die der Präsident, der Kongreß und die Bundesregierung als
ganzes treffen müssen.
Mit
- 9 -

�Mit ihren Einschränkungen und ungefähren Annäherungen sollte die
Global 2000 Studie nur als eine Erkundung der Zukunft angesehen werden;
dennoch werden ihre Schlußfolgerungen unterstützt durch ähnliche Ergebnisse
anderer Globalstudien der jüngsten Zeit, die im Verlauf der Arbeiten zur
Studie untersucht wurden.

All diese Berichte stimmen hinsichtlich der Natur

der Probleme und der Bedrohungen, die sie für das künftige Wohlergehen
der Menschheit darstellen, überein.

Die verfügbaren Beweise lassen keinen

Zweifel daran, daß die Welt - einschließlich dieses Landes - in den unmittelbar vor uns liegenden Jahrzehnten vor gewaltigen, drängenden und komplexen
Problemen steht.

Rascher und tatkräftiger Wandel in der öffentlichen

Politik auf der ganzen Welt ist nötig, um diese Probleme zu vermeiden
oder so gering wie möglich zu halten, bevor sie überhaupt nicht mehr in
den Griff zu bekommen sind.
Maßnahmen erforderlich.

Lange Anlaufzeiten sind für wirkungsvolle

Wenn die Entscheidungen hinausgeschoben werden,

bis die Probleme noch drängender geworden sind, wird die Auswahl an
wirkungsvollen Maßnahmen stark eingeschränkt sein.

+ + + + +

- 10 -

�30. Juli 1980

35

MONDALE ERLÄUTERT AFRIKA-POLITIK DER USA
Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten in Nigeria

LAGOS

- (AD) - Im Verlauf eines Staatsbanketts, das der nigerianische

Vizepräsident Alex Ekwueme zu Ehren des amerikanischen Vizepräsidenten
Walter Mondale am 22. Juli 1980 in Lagos gab, ging dieser auf die Grundlagen und Ziele der amerikanischen Afrikapolitik ein.
Die Rede Mondales hat folgenden Wortlaut:
Man hat mir gesagt, daß jetzt in Nigeria das meistverkaufte Buch
die nigerianische Verfassung ist; dies beweist etwas, woran ich schon
immer geglaubt habe: die Freiheit mag eine Last sein, aber es ist eine
ruhmvolle Last. Und es gibt kein Volk auf Erden, das sich weigern würde,
diese Last auf die Schultern zu nehmen. Die Demokratie mag Lärm machen,
aber es ist das Geräusch des menschlichen Geistes; und es gibt kein Volk
auf Erden, das unter seiner Befreiung leiden müßte. Die Entwicklung mag
schwierig sein, aber es ist eine Aufgabe für den Menschen; und es gibt
keine Gesellschaft auf Erden, deren Menschenrechte sie nicht beschleunigen

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�beschleunigen würden.
Lassen Sie mich daher zu Beginn den Übergang Nigerias zur Demokratie
begrüßen und die Weisheit aller Nigerianer, sie zu erzielen.

Lassen

Sie mich nicht nur Ihre Rückkehr zu einer Zivilregierung feiern, sondern
zugleich den Prozeß, durch welchen sie eine solche erreichten.
Unsere Freude über Nigerias neue Demokratie unterstreicht den grundlegenden Wechsel in Amerikas Beziehungen zu Afrika.

Als Präsident Carter

und ich 1977 unser Amt antraten, waren wir entschlossen, unsere Außenpolitik
auf der Grundlage der demokratischen Wertvorstellungen Amerikas aufzubauen.
Wir schätzen die Gerechtigkeit.

Und daher verpflichteten wir unser

Land zu einem Afrika, das frei von Rassismus und Unterdrückung ist.
'

i

•

Wir schätzen die Würde des Menschen. Und daher verpflichteten wir unser
Land zu einem Afrika, das frei von Entbehrungen und von Leiden ist.
Wir schätzen den Frieden. Und daher verpflichteten wir unser Land
zu einem Afrika, das frei von Krieg und ausländischer Beherrschung ist.
Diese drei Ziele - Menschenrechte, wirtschaftlicher Fortschritt und
Frieden - wurden vor zwei Jahren hier in Lagos von Präsident Carter
unterstrichen, beim ersten Staatsbesuch eines amerikanischen Präsidenten
in Afrika. Und als er dies tat, wurde er mit Worten begrüßt, die freundlich
und deutlich waren. "Das nigerianische Volk", so sagte man ihm, "hat
es gelernt, politische Verkündigungen an ihren Ergebnissen zu messen und
nicht an den Aussichten."
Dies war ein angemessener Standpunkt. Und heute abend ist ein
angemessener Augenblick, diese Ergebnisse zu bewerten - und die Arbeit
zu überschauen, die vor uns liegt.
Erstens:
- 2 -

�Erstens:

die Menschenrechte.

Für die Vereinigten Staaten ist es

keine Frage, ob wir uns um die Förderung der Gerechtigkeit in Afrika
bemühen sollten, sondern wie wir dies tun können.
Heute abend tun wir einen historischen Schritt nach vorn - Mehrheitsregierung und Unabhängigkeit für das Volk von Simbabwe.

Dies war eine

Leistung, auf die die afrikanischen Regierungen, die britische Regierung
und alle Einwohner von Simbabwe stolz sein sollten.

Und ich bin stolz

darauf, daß mein Land fest zu dem Ihren und zu den anderen hielt.

Denn

heute bestimmt das Volk von Simbabwe über seine eigene Zukunft - frei von
äußerer Einmischung, sei es durch seine Nachbarn oder durch andere
Kontinente.
Während all der Jahre der Anstrengung um eine Lösung hielten die
Vereinigten Staaten an ihrer Politik der Unterstützung freier und fairer
Wahlen fest, die für alle Parteien offen sein sollten; an ihrer Politik
der Unterstützung einer demokratischen und fairen Verfassung und einer
Regelung durch Verhandlungen, die sich auf diese Prinzipien stützte.
Präsident Carter bestand auf fortgesetzten amerikanischen Sanktionen
gegenüber Rhodesien bis zu dem Augenblick, da ein unparteiischer Wahlprozeß seinen Anfang nehmen würde.

Es gab heftigen Druck zur Abkehr von

diesem Kurs, wir sollten unsere Prinzipien über Bord werfen und unsere
Interessen unter einem kurzsichtigen Gesichtspunkt betrachten.

Beide,

Präsident und Kongreß, weigerten sich.
Wir wissen, daß es in unserem eigenen nationalen Interesse liegt,
weitere Fortschritte in Simbabwe zu unterstützen.

Die Vereinigten Staaten

haben sich zu umfangreicher Hilfe für Simbabwe verpflichtet, denn wir
glauben, daß seine Zukunft dabei helfen wird, über die Zukunft des südlichen
Afrika zu entscheiden.
Einer

- 3 -

�Einer unserer Partner bei der Suche nach Frieden in Simbabwe war
Sir Seretse Khama aus Botswana.

Er war ein begnadeter, feinfühliger

Führer des modernen Afrika - der Vater eines nichtrassistischen und
demokratischen Staates in einer bewegten Region, die bisher noch zu wenig
von beiden Eigenschaften kannte.

Wir alle trauern um sein Ableben.

Aber wir feiern auch eine Sache, für die er sich einsetzte - demokratische
Regierung in Afrika.

Wir begrüßen die Rückkehr zu Zivilregierungen in

Nigeria, Ghana und Obervolta sowie die Demokratisierungsbewegung in anderen
Staaten dieser Region.

Wir heißen die verstärkte Betonung der Menschen-

rechte in vielen afrikanischen Staaten und in den Gremien der Organisation
für afrikanische Einheit (OAU) willkommen.
für die Zukunft von Simbabwe an.

Wir bieten unsere Unterstützung

Aber wir müssen uns auch um solche

Bereiche kümmern, wo die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.
Ungerechtigkeit, die sich auf rassische Diskriminierung gründet,
gilt Menschen und Frauen in aller Welt als abscheulich. Aus diesem
Grund sind die Probleme im südlichen Afrika von besonderer Bedeutung.
Wir sind der Meinung, daß ein Abkommen über einen Plan für Frieden
und Gerechtigkeit in Namibia, gegründet auf faire und öffentliche Wahlen,
in Reichweite ist. Der vom Generalsekretär der Vereinten Nationen vorgeschlagene Plan hat breite afrikanische Unterstützung gefunden und auch
das Einverständnis der Organisation des südwestafrikanischen Volkes
(SWAPO). Südafrika hat den Plan akzeptiert - stimmt aber noch nicht der
Art und Weise zu, wie er durchgeführt werden soll.
Nun ist die Zeit für Südafrika gekommen, Vertrauer in den von ihm
akzeptierten Plan zu setzen. Wenn es dies nicht tut, wenn es stattdessen
auf seine eigenen Versionen besteht und den Konflikt auch in die Anliegerstaaten hineinträgt, wäre die Gelegenheit für einen Frieden verloren,
würde der Konflikt andauern. Wir drängen Südafrika dazu, auf den Erfahrungen

- 4 -

�Erfahrungen mit Simbabwe aufzubauen und hinsichtlich der Namibia-Frage
vorwärts und nicht rückwärts zu gehen, solange es noch Zeit ist.
Ereignisse auch innerhalb Südafrikas erregen unsere Bedenken.

Im

Mai 1977 traf ich in Wien mit dem damaligen Ministerpräsidenten Vorster
zusammen.

Ich gab ihm in den klarsten Worten zu verstehen, daß die

Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern von dem Fortschritt in Richtung
auf umfassende Menschenrechte und umfassende politische Beteiligung aller
Menschen in Südafrika abhängen würden.

Ich brachte unsere tiefe Hoffnung

zum Ausdruck, daß sich die südafrikanische Regierung bald mit den repräsentativen Führern aus allen Schichten der Gesellschaft Südafrikas zusammensetzen möge, um die Zukunft des Landes festzulegen.
Ich wiederhole diesen Appell heute - denn die Uhr in Südafrika tickt.
Wir setzen uns nicht für eine simple Formel ein. Wir wissen, daß es
keine einfache Antwort gibt. Wir sehen die Notwendigkeit, ein Problem zu
lösen. Und wir glauben, daß nur Schwarze und Weiße, die miteinander sprechen
und miteinander denken, dessen Lösung finden können.
Ein bedeutender afrikanischer Dichter hat geschrieben "who would
bring life's memory back to the men of gutted hopes?" (Wer vermag die
Erinnerung an das wahre Leben jenen zurückzugeben, deren Hoffnungen
zerstört wurden?) Wir glauben, daß es noch immer für die Männer und Frauen
Südafrikas Hoffnung gibt.

Und noch immer ist Zeit - für Versöhnung,

für Fortschritt, für Vernunft. Aber die Zeit verrinnt.
Unser zweites Ziel in Afrika ist der wirtschaftliche Fortschritt:
Freiheit von Bedürftigkeit und menschlichem Leiden.
Seit dem Amtsantritt Präsident Carters hat sich die amerikanische
Wirtschaftshilfe für Afrika verdoppelt - auf mehr als 1 Milliarde Dollar
pro Jahr.
. Wi£
.-

- 5 -

�Wir haben uns mit dieser Hilfe auf die Menschen konzentriert Menschen, die sauberes Wasser und Nahrungsmittel benötigen,
Gesundheitsvorsorge, Wohnung und Ausbildung brauchen.

die ordentliche

Wir unterstützen die

besonderen Anstrengungen, um jenen zu helfen, die gezwungen sind, ihre
Heimat wegen Trockenheit oder Krieg zu verlassen.

Und wir haben zu

regionale Wirtschaftskooperation ermutigt, wie etwa bei der ECOWAS
(Economic Community of West African States - Wirtschaftsgemeinschaft der
Westafrikanischen Staaten).
Viel von unserer Hilfe fließt in die Landwirtschaft.

Hunger bringt

nicht nur Leiden für Millionen mit sich; er macht ein Volk auch verletzbar
gegenüber politischer Manipulation.

Eine starke Landwirtschaft bringt

nicht nur Millionen ein wohlanständiges Leben, sie stärkt auch ihre
Freiheit.

Alle Menschenrechte sind miteinander verbunden - und Freiheit

von Bedürftigkeit stärkt die Freiheit von Unterdrückung.
Die Landwirtschaftsabkommen, die wir während dieses Besuchs zu
unterzeichnen hoffen, werden Nigerias "Grüne Revolution" fördern. Und
sie werden nicht nur Zusammenarbeit zwischen unseren Regierungen, sondern
auch zwischen unseren Geschäftsleuten und Experten im technischen Bereich
bedeuten.
Denn Hilfe allein kann nicht die Ressourcen und die Technologie
bereitstellen, die nötig sind, um Afrikas umfangreichen Entwicklungserfordernissen zu entsprechen. Heutzutage suchen sogar marxistische
Führet in Afrika offen verstärkte Handels- und Investitionsbindungen
mit den industrialisierten Demokratien. Wir heißen diesen Pragmatismus
willkommen, und wir ermutigen die amerikanische Geschäftswelt, darauf
zu antworten, damit amerikanisches Kapital, Technologie und Märkte in
diesem Entwicklungsprozeß eine Rolle spielen können.
Für

- 6 -

�\

Für die Entwicklung noch bedeutsamer - letztlich sogar bedeutsamer
als der Transfer von Gütern und von Kapital - ist die Gemeinsamkeit der
Ideen.

Aus diesem Grund haben wir in unseren Gesprächen hier und in unseren

Programmen den Austausch von Experten im technischen Bereich und andere
gemeinsame Ausbildungsunternehmen so betont.
Denn von all den Werten, die wir Amerikaner mit den Nigerianern
teilen, umschreibt kein anderer deutlicher unseren Nationalcharakter als
unser gemeinsamer Glaube an die Erziehung. Der ausgebildete Verstand
ist unsere beste Quelle. Heute studieren mehr als 20 000 Nigerianer in
Amerika - die zweitgrößte Gruppe ausländischer Studenten in unserem Land.
Sie bereichern uns; sie bereichern Sie; und sie beweisen, daß Wissen
ein Schatz ist, der wächst, wenn man ihn teilt.
Amerikas drittes Ziel für Afrika ist Frieden:

Freiheit von der

Vergeudung durch den Krieg, Freiheit von äußerer Beherrschung und
militärischer Intervention.
Ich habe über aktive Unterstützung für friedliche Lösungen in
Simbabwe und Namibia gesprochen.
Lassen Sie mich auch sagen, daß die Vereinigten Staaten Ihre Anstrengungen und jene von anderen Staaten in der OAU (Organisation für
afrikanische Einheit) unterstützen, um Lösungen für Konflikte auf diesem
Kontinent - im Tschad, in der Westsahara und anderswo - zu finden, Lösungen,
die durch Verhandlungen zustande kommen.
Wir respektieren den Status der Unabhängigkeit und der Blockfreiheit
der Staaten dieser Region.

Wir wenden uns gegen militärische Inter-

vention in Afrika von außen.
Am

- 7 -

�Am Hörn von Afrika und anderswo haben wir gesehen, daß militärische
Intervention aus dem Ausland nur die Spannungen verstärkt, die Konflikte
verlängert und den eingesessenen Völkern das Recht verwehrt, ihre eigenen
Lösungen zu finden, sowie das Recht der Afrikaner bedroht, frei zu leben.
Aus all diesen Gründen heraus haben die Vereinigten Staaten es nicht
nur unternommen, den Staaten in Afrika dabei behilflich zu sein, ihre
Gesellschaften aufzubauen und ihre Institutionen zu stärken; wir haben
uns auch dazu verpflichtet, befreundeten Nationen dabei zu helfen, sich
selbst gegen äußere Einmischung zu stärken.

Und wir sind bereit, dieser

Verpflichtung zu entsprechen.
Wir müssen noch weit gehen, um unsere Ziele zu erreichen.

Aber wie

Präsident Franklin Roosevelt einmal sagte: "Die demokratische Regierung
hat eine ihr innewohnende Fähigkeit, ihr Volk gegen Katastrophen zu
schützen, die vormals als unvermeidlich angesehen wurden, und Probleme
zu lösen, die einst als unlösbar galten."
Und daher möchte ich heute abend über unsere Anstrengungen als
Amerikaner und Nigerianer, als Amerikaner und Afrikaner folgendes sagen:
Wir Demokratien werden stärker werden - nicht weil wir unsere Meinungsverschiedenheiten unterdrücken, sondern weil wir sie schätzen. Wir
werden reicher werden - nicht weil wir die persönliche Freiheit zerstampfen,
sondern weil wir sie respektieren. Wir werden gerechter werden - nicht weil
wir unsere Ungleichheiten verleugnen, sondern weil wir uns ihnen stellen.
Meinungsverschiedenheiten machen uns vielleicht manchmal zu Nationen
mit heiserer Stimme, aber wir schätzen den Geist höher ein als die Stille.
Die Freiheit macht uns vielleicht manchmal zu widerspenstigen Staaten, aber
wir schätzen eine offene Gesellschaft mehr als eine unterdrückte. Das
Eingeständnis unserer Ungerechtigkeiten macht uns manchmal vielleicht zu
ungeduldigen Nationen - aber wir würden lieber unsere Sehnsüchte zugeben

- 8 -

�zugeben als einer unverrichteten Arbeit den Rücken zuzuwenden.
Andere Staaten mögen sich einem anderen Kurs zuwenden.

Sie kon-

solidieren ihre Stärke, indem sie die Freiheit ihrer Völker unterdrücken.
Sie vergrößern ihren Reichtum, indem sie die Würde ihrer Völker schmälern.
Sie posaunen ihre Leistungen hinaus, indem sie die Unzufriedenheit ihrer
Völker dämpfen.
Aber wir glauben, und wir sehen es in Simbabwe, daß die Demokratie
ein Mittel zum Frieden ist.

Wir glauben, daß wie in Nigeria die Demokratie

ein Mittel zur wirtschaftlichen Entwicklung ist.

Und wir glauben, wie

in Afrika, in den Vereinigten Staaten und in der ganzen Welt, daß die
Demokratie mehr als jede andere Waffe das beste Arsenal der nationalen
Sicherheit ist.
Gesegnet sind diejenigen von uns, die sich der Demokratie erfreuen.
Und diejenigen, die noch nicht frei sind, dürfen nicht die Hoffnung verlieren.

"Haltet die Träume fest", sagt Langston Hughes, ein schwarzer

amerikanischer Dichter, "denn,wenn die Träume sterben, wird das Leben ein
Vogel sein mit gebrochenen Schwingen, der nicht mehr fliegen kann."
Jene Träume werden nicht sterben, weder hier in Nigeria, noch
sonstwo auf diesem Kontinent, der so reich ist, so schön und so voll
des Versprechens nach Menschlichkeit.

+ + + + +

- 9 -

�35

30. Juli 1980

US-DELEGIERTER HOFFT AUF EINIGUNG AUF DER GENFER SEERECHTSKONFERENZ
- Wortlaut eines USICA-Interviews mit Botschafter Richardson -

GENF - (AD) - Der amerikanische Delegierte auf der Dritten Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen, Botschafter Elliot L. Richardson,
hat in einem vcr Beginn der Konferenz am 28. Juli 1980 veröffentlichten
Interview mit dem US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) die
Hoffnung ausgesprochen, daß es zu einer Einigung über die noch umstrittenen
Fragen der Ausbeutung der Schätze des Meeresbodens kommen werde. Die
Konferenz in Genf, die bis zum 29. August dauern soll, ist die insgesamt
neunte Verhandlungsrunde. Richardson betonte, daß es außer dem Abbau
von Bodenschätzen auf dem Meeresgrund kaum noch strittige Fragen gebe.
Die Verabschiedung eines amerikanischen Gesetzes über Meeresbodenbergbau,
so unterstrich Richardson, brauche einer Einigung auf der Konferenz
nicht im Wege zu stehen.
Das Interview mit Botschafter Richardson hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�FRAGE:

Herr Botschafter, was,glauben Sie, wird auf dieser Runde der

Seerechtskonferenz geschehen?
ANTWORT:

Wir können damit rechnen, daß die Sitzungsrunde wichtige

Fortschritte in der Lösung der relativ wenigen substantiellen Fragen
machen wird, die noch offen stehen.

Die einzige Frage, die in diesem

Stadium wirklich noch in der Schwebe ist, ist, ob wir eine endgültige
Revision des Entwurfs des Seerechtsvertrages erreichen können oder ob
einige Fragen an eine weitere Sitzung der Konferenz im nächsten Jahr
verwiesen werden müssen.

Aber es ist wirklich noch zu früh, etwas über

das Tempo des Fortschritts zu sagen, den wir auf dieser Sitzung erzielen
können.

Die meisten Beteiligten sind der Meinung, daß eine echte Chance

besteht, die Verhandlungen nach über sieben Jahren Dauer zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen, und daß mit Entschlossenheit und harter Arbeit
die Chance genutzt und zum Wohle aller in Genf vertretener Länder genutzt
werden kann.
FRAGE:

Welches sind die Hauptfragen, die noch offen stehen?

ANTWORT: Diese zerfallen in drei Hauptkategorien: Fragen bezüglich
der Ausbeutung der Ressourcen des Meeresbodens, vor allem des Abbaus der
polymetallischen Knollen, die Nickel, Kupfer, Kobalt und Mangan enthalten;
wesentliche Fragen bezüglich anderer Gebiete des Textentwurfes eines
Seerechtsvertrages; und die Abschlußklauseln des Textes bezüglich der
Unterzeichnung, Ratifizierung und des Inkrafttretens des Vertrages und
möglicher Änderungen.
Genau gesehen ist die Zahl der Probleme außerhalb des MeeresbodenBergbaus bemerkenswert klein.

Und es ist außerordentlich wichtig, daß

die Delegation der Vereinigten Staaten keine Änderungen der nicht mit
dem Meeresboden zusammenhängenden Fragen anstrebt, die im Vertragstext
bereits ausgehandelt sind.

Die Vereinigten Staaten betrachten all diese

- 2 -

�diese Bestimmungen als zufriedenstellend.

Aber das bedeutet nicht, daß sie

auf der Konferenz nicht weiter erörtert werden.
Die Festlegung von Grenzen zwischen gegenüberliegenden Staaten
und Anrainerstaaten ist eines der Gebiete, auf dem seit Ende der letzten
Sitzungsrunde, als der derzeitige Seerechtsvertrags-Verhandlungstext
veröffentlicht wurde, ein bedeutsames Maß an Unzufriedenheit bei einigen
Ländern entstanden ist. Ferner gibt es einige Kritik seitens einiger
weniger Länder an den Bestimmungen an dem Regime für die wissenschaftliche Meeresforschung, die von den Vereinigten Staaten als zu den wesentlichen Fortschritten der letzten Sitzungsrunde gehörend gerechnet werden.
Es muß noch ein Punkt bezüglich der Jurisdiktion über den Festlandsockel
über 200 Meilen hinaus geklärt werden. Und es wird wahrscheinlich einige
Versuche geben, Fischerei rechte über Bestände zu erlangen, die über die
Grenze der exklusiven Wirtschaftszone von 200 Meilen hin- und zurückwandern.
FRAGE: Welche Fragen des Meeresboden-Bergbaus müssen von der
Konferenz noch gelöst werden?
ANTWORT: Die wichtigste Einzelfrage, vor der die Konferenz steht,
ist der Entschluß über das Entscheidungsverfahren im Rat der Internationalen
Meeresboden-Behörde. Das ist das Gremium, das die Ausbeutung der Ressourcen
des Meeresbodens in den Ozeanen jenseits der Grenzen der nationalen
Jurisdiktion regeln wird. Darüber hinaus wird die Konferenz sich darüber
einigen müssen, wie die Internationale Meeresboden-Behörde in der ersten
Zeit nach Inkrafttreten des Seerechtsvertrages finanziert werden soll.
Dann tritt auch immer wieder das Problem der Beteiligung von Unabhängigkeitsbewegungen, wie etwa die PLO, an den Einkünften aus dem Abbau
am Meeresboden in qroßen Tiefen auf - ferner einige Restprobleme bezüglich
der Erfordernisse des Lizenzzwangs für die Technologie des Meeresboden-Berg-

- 3 -

�Bergbaus.
FRAGE:

Welche Auswirkung auf die laufenden Verhandlungen wird die

amerikanische Gesetzgebung über den Meeresboden-Bergbau haben, die
Präsident Carter am 28. Juni unterzeichnet hat?
ANTWORT:
anzustellen.

Es ist wirklich nutzlos, darüber im Augenblick Spekulationen
Aber es lohnt sich zu unterstreichen,daß es mir gelungen ist,

das Einverständnis potentieller Meeresboden-Bergbaufirmen zu einem einseitigen Moratorium für den Meeresboden-Bergbau in dem Gesetz zu erlangen,
das den Meeresboden-Bergbau in kommerziellem Umfang bis nach dem
1. Januar 1988 verbietet.

Wir sind auch seit der Unterzeichnung des Ge-

setzes durch Präsident Carter mt

anderen Delegationen in Kontakt getreten,

um ihnen zu erklären, daß dieser Aufschub reichlich Gelegenhat bieten
dürfte, daß der Vertrag in Kraft treten kann und daß das Gesetz nicht als
eine Bedrohung der Ziele der Konferenz betrachtet werden sollte.
FRAGE:

Welcher Zeitraum wird zwischen der Unterzeichnung eines

Seerechtsvertrages und seinem Inkrafttreten notwendig sein?
ANTWORT: Natürlich kann niemand mit völliger Sicherheit einen
erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen, ja gar ein Inkrafttreten des
Seerechtsvertrages voraussagen. Wir hoffen jedoch, daß das Datum vom
1. Januar 1988 einen Anreiz für die prompte Ratifizierung des abgeschlossenen
Seerechtsvertrages bieten wird. Und die Vereinigten Staaten werden in
den Schlußklauseln Bestimmungen anstreben, die zu einer baldigen Ratifizierung ermutigen. Unter anderem treten die Vereinigten Staaten dafür ein,
daß nur 50 Staaten einen Seerechtsvertrag ratifizieren müssen, damit er
in Kraft treten kann, und nicht 70, wie es im gegenwärtigen Vertragsentwurf vorgesehen ist.
FRAGE:

�FRAGE:

Was, glauben Sie, wird in der Meeresboden-Bergbauindustrie

in der unsicheren Periode zwischen der Unterzeichnung des Vertrages und
seinem Inkrafttreten geschehen?
ANTWORT: Das ist für diese Firmen ein echter Anlaß zur Sorge. Es
ist richtig, daß während dieses Zwischenzeitraums voraussichtliche Investoren
nicht sicher sein können, daß ein Vertrag in Kraft treten wird, oder wenn
er in Kraft tritt, wann das sein wird. Wir haben deshalb versucht, das
Problem dadurch in den Griff zu bekommen, daß wir für den Investor die
Zusicherung zu erhalten suchen, daß er ein Vorzugsrecht für die Ausbeutung
eines Vorkommens erhalten wird, die er sich in dem Zwischenzeitraum
reserviert hat, und zwar im Rahmen eines Sonderverfahrens, das als "Vorbereitender Investitionsschutz" (Preparatory Investment Protection) bezeichnet wird. Dieses Verfahren, das die Vereinigten Staaten vorgeschlagen
haben, wird einer Gesellschaft, die die Exploration eines bestimmten
Vorkommens in vollem Umfang eingeleitet hat, das Recht geben, einen
Kontrakt für diese Vorkommen zu beantragen, wenn der Vertrag in Kraft
tritt. Das bedeutet, daß sich Gesellschaften sicher fühlen können, wenn
sie solche Investitionen vornehmen, die nur für dieses bestimmte Vorkommen
getätigt werden können, wie etwa die Anpassung ihres Geräts für das Vorkommen und die detaillierte Vermessung des Vorkommens. Ohne solche Zusicherungen bestünde das Risiko einer Auflösung der amerikanischen Meeresboden-Bergbauindustrie.

FRAGE: Welche Auswirkungen wird der Abbau von Mineralien aus dem
Meeresboden in großer Tiefe auf die Produzenten solcher Mineralien auf dem
Festland haben?
ANTWORT:

Die Produzenten solcher Mineralien auf dem Festland haben

gewisse Besorgnisse geäußert hinsichtlich der Konkurrenz seitens des
Meeresboden-Bergbaus.

Diese Besorgnisse haben zu der Formulierung

einer sogenannten "Produktionshöchstgrenze" hinsichtlich der aus dem

- 5 -

�dem Meeresboden abgebauten Mineralien geführt, um die traditionellen
Produzenten auf dem Festland gegen eine Meeresboden-Konkurrenz zu schützen.
Die Produktionshöchstgrenze sichert in der Praxis zu, daß den Festlandproduzenten zumindest ihre gegenwärtigen Märkte für diese Mineralien garantiert
werden, plus einem wesentlichen Anteil des zukünftigen Nachfragezuwachses
für Nickel. Nickel ist der treibende Faktor hinter dem Umfang des Meeresboden-Bergbaus, da Nickel das wichtigste Metall ist, das man in den Knollen
findet.

Der Entwurfstext beinhaltet Bestimmungen für einen Fonds, mit

dessen Hilfe die Industrie auf dem Festland entschädigt werden soll, die
unter Umständen unter der Meeresboden-Konkurrenz zu leiden hat.

Dies trifft

insbesondere auf die Kobaltproduzenten zu, da nur etwa 20 000 Tonnen
gegenwärtig im Jahr produziert werden und schon vier Meeresbodenprojekte
den gegenwärtigen Bedarf an Kobalt decken könnten.
FRAGE:

Wie wird der Seerechtsvertrag - wenn überhaupt - zur Nahrungs-

mittelversorgung der Welt beitragen, beispielsweise durch seine Auswirkungen
auf die Fischerei?
ANTWORT:

Ein solcher Beitrag wird sich in erster Linie aus einer

vernünftigen Erhaltung und Regulierung der Fischbestände ergeben, die
durch diesen Vertrag geschaffen würden.

Der Vertrag wird die Hauptver-

antwortung für die Regulierung der Grundfischbestände den Küstenstaaten
übertragen.

Für die Wanderfische, wie beispielsweise den Thunfisch,

sieht der Vertrag die Schaffung regionaler Gremien für diese Bestände vor.
In beiden Fällen ist im Hinblick auf dieses Ziel die Rede von einem
"optimal tragbaren Ertrag", und danach richtet sich, welcher Anteil an
Fischbeständen sicher eingebracht werden kann, während gleichzeitig
sichergestellt wird, daß ausreichende Bestände erhalten bleiben, um die
Fortpflanzung der Fischarten zu gewährleisten.
FRAGE:

Könnten Sie kurz die wesentliche politische und wirtschaftliche

Bedeutung des Vertrages umreißen:
ANTWORT:
- 6 -

�•»

ANTWORT:

Der Vertrag legt die Jurisdiktion über zumindest ein Drittel

der verbleibenden öl- und Erdgasreserven der Welt fest.
-

Er legt die Struktur fest, innerhalb derer der Abbau des Bedarfs
von zumindest tausend Jahren an Nickel, Mangan, Kupfer und Kobalt
durchgeführt werden kann.

-

Er wird die Beweglichkeit von Luft- und Seestreitkräften sowie
das Tempo berühren, mit dem diese Kräfte in entlegene Gebiete der
Welt verlegt werden können.

-

Er stellt einen wesentlichen Fortschritt in Richtung auf die Schaffung
eines umfassenden Systems zum Schutze der marinen Umwelt gegen
vom Festland und von der Schiffahrt ausgehende Quellen der Verschmutzung dar.

-

Er festigt den Rahmen, innerhalb dessen die wissenschaftliche
Meeresforschung durchgeführt werden kann, die von so entscheidender
Bedeutung für das Wissen um marine Ressourcen und das Verständnis
für das Klima der Erde sowie die ozeanischen Strömungen ist.

-

Und zusätzlich zu all diesen Punkten wird der Vertrag einen
wesentlichen Beitrag leisten zur Errichtung der Herrschaft des
Rechts an Stalle der Gefahren eines Konflikts in mehr als zwei
Dritteln der Oberfläche der Erde.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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1

I

Sondcrdicn/t
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Juli 1980

\

VEREINIGTE STAATEN BESORGT ÜBER MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN BOLIVIEN
- Erklärung des Sprechers des amerikanischen Außenministeriums -

t

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�WASHINGTON

- (AD) - John Trvttner, der Sprecher des amerikanischen

Außenministeriums, verlas am 23. Juli 1980 eine Sondererklärung, in der
die militärische Führung Boliviens aufgefordert wird, die Menschenrechte
in diesem Land zu respektieren und warnte, daß die Vereinigten Staaten
die laufenden Wirtschaftsprogramme mit Bolivien wesentlich reduzieren
könnten.
Die Erklärung des Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
Das Außenministerium ist weiterhin zutiefst besorgt über den Coup
vom 17. Juli und die darauffolgenden Entwicklungen in Bolivien. Wir
sind besonders beunruhigt über Berichte, die uns durch eine Anzahl zuverlässiger Quellen zugegangen sind, von weit verbreiteten, ja brutalen
Verletzungen der Menschenrechte, die diesen Berichten zufolge von den
bolivianischen Streitkräften in ihrer Operationszentrale in den MirafloresKasernen von La Paz begangen werden» Es heißt, daß häufiges und brutales
Schlagen, Folter und die Verweigerung notwendiger medizinischer Versorgung
üblich sind. Wir verfügen über Berichte, wonach Hunderte von Menschen
an verschiedenen Orten im ganzen Land gefangengehalten werden. Diese
Berichte beschäftigen uns zutiefst. Wir drängen nachhaltig darauf, daß
die Rechte aller Bolivianer respektiert werden und die Führung des
bolivianischen Militärs sicherstellt, daß diese Verletzungen der Menschenrechte aufhören - wannimmer und woimmer sie sich ereignen mögen.
Wir setzen unsere Konsultationen mit einer Reihe betroffener
Regierungen über die Lage in Bolivien fort. Wir haben betont, daß wir
diesen Coup des bolivianischen Militärs, die Unterbrechung des demokratischen
Prozesses und die begleitende Gewalttätigkeit bedauern» Die Andenstaaten
haben ein Treffen des Ständigen Rates der Organisation amerikanischer
Staaten (OAS) gefordert, das für den 24. Juli angesetzt worden ist, mit
dem Ziel, die Situation der Menschenrechte in Bolivien zu überprüfen.
Wir unterstützen diese Initiative und werden in vollem Umfang an den

- 1-

�den Beratungen dieses Treffens teilnehmen.
Wie angekündigt, haben wir jedwede militärische Hilfe sowie jede
weitere Verpflichtung zu Wirtschaftshilfe suspendiert und Botschafter Weissman
zu Konsultationen zurückgerufen.

Wir sind derzeit mit einer umfassenden

Überprüfung aller laufenden amerikanischen Programme in Bolivien beschäftigt,
was durchaus zu einer deutlichen Reduzierung dieser Programme führen
könnte, mit Ausnahme der von Care und anderen freiwilligen Privatorganisationen
durchgeführten humanitären Programme.

Diese Überprüfung der amerikanischen

Programme läuft und wir erwarten, daß wir hierzu etwa im Lauf der nächsten
Woche Ergebnisse vorlegen können.

�</text>
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                <text>Vereinigte Staaten besorgt über Menschenrechtsverletzungen in Bolivien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Sprechers des amerikanischen Außenministeriums -&lt;/em&gt;</text>
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T*y

Information
und
Dokumentation

r»i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Juli 1980

34

INHALT

DOKUMENTATION
Auszüge aus dem Parteiprogramm der Republikanischen Partei für
die Wahlen 1980
INFORMATION
Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik
Wechsel an der Spitze der National Science Foundation
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VELA-SIGNAL: Kernexplosion unwahrscheinlich
- Bericht einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe Kohlereinigung auf magnetischem Wege
US-Krebsinstitut testet Laetril

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Juli 1980

34

AUSZÜGE AUS DEM PARTEIPROGRAMM
DER REPUBLIKANISCHEN PARTEI FÜR DIE WAHLEN 1980

DETROIT

- (AD) - Der Nationalkonvent der Republikanischen Partei

nahm am 15. Juli 1980 in Detroit ein 75 Seiten umfassendes Wahlprogramm
an, das ihre Vorstellungen zu einer weitgesteckten Bandbreite von innenund außenpolitischen Themenkreisen ausführlich darlegt.
Das Wahlprogramm - die "platform" - einer politischen Partei in Amerika
dient traditionell als eine Art Wegweiser dafür, welche Politik die entsprechende Partei zu verfolgen gedenkt, sollte sie die Wahlen gew'nnen
Es hat jedoch nicht den verbindlichen Charakter wie die Parteiprogramme
deutscher Parteien. Wahl Programme sind außerdem traditionell besonders
kritisch gegenüber ihren politischen Widersachern - vor allem, wenn die
Partei in der Opposition steht. So gibt das Wahlprogramm der Republikaner
der Regierung Carter Schuld an einer schwachen Wirtschaft, an einer
verschlechterten internationalen Lage und an einem schwindenden Einfluß
der Vereinigten Staaten in der Welt. Es konstatiert: "Die Republikaner
sind sich einig in der Oberzeugung, daß Amerikas internationale Demütigung

Postfach20 0 3 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�»

Demütigung und sein Niedergang allein durch starke Führung durch den
Präsidenten und eine einheitliche, weitsichtige Außenpolitik rückgängig
gemacht werden kann, die unterstützt wird durch eine umfassende Verstärkung
der Streitkräfte, durch eine Vertiefung unserer Verpflichtungen gegenüber
unseren Verbündeten und durch die Entschlossenheit, unsere nationalen
Interessen nachdrücklich zu schützen."
Im wirtschaftlichen Bereich tritt das Wahlprogramm für Steuersenkungen
und eine Politik des Freihandels ein, wobei allerdings die Förderung
amerikanischer Exporte stärker betont wird.

Auch wird mehr Wert gelegt

auf bilaterale Auslandshilfe für befreundete Länder als auf Hilfe über
multilaterale Organisationen.

Preiskontrollen für öl, Erdgas und öl-

produkte sollen aufgehoben wenden.
Nachstehend folgen im Wortlaut die wesentlichen Auszüge aus diesem
Parteiprogramm:

Steuern
—_____

... die Republikanische Partei setzt sich für eine generelle Senkung
der Einkommensteuer über drei Jahre hinweg ein; dies wird die Steuersätze
von der Größenordnung zwischen 14 bis 70 Prozent auf eine Größenordnung
zwischen 10 bis 50 Prozent senken

Energie
2
—

Um die Inlandsproduktion von Energie zu erhöhen, setzen sich die
Republikaner für eine Aufhebung der Preiskontrollen für Erdöl und Erdgas

- 2 -

�Erdgas ab Förderstelle ein. Wir sind der Meinung, daß die sogenannte
Sondersteuer auf Situationsgewinne (windfall profits tax), die in keinem
Verhältnis zum Gewinn steht, abgeschafft werden sollte, da sie Anwendung
findet auch auf Kleineigentümer, auf neugefördertes öl, auf Kleinstquellen,
auf drittklassige Gewinnung sowie auf Schweröl, und daß das Auslaufen der
Steuer für Altöl beschleunigt werden sollte. Diese Steuergesetzgebung sollte
durch den Einschluß einer Bestimmung hinsichtlich der Rückführung von
Gewinnen ergänzt werden. Wir werden die Aufhebung der Preisbindung bei
allen Erdölprodukten suchen und mit der Befugnis der Regierung Schluß
machen, ülvorräte zuzuteilen - ausgenommen im nationalen Notstand. Wir
sind auch der Meinung, daß alle Markthindernisse zur Verwendung von
Erdgas aufgehoben werden müssen.

Die Republikaner unterstützen ein umfassendes Programm zur Reform
der Bestimmungen für verbesserte Anreize und zur Revision der schwerfälligen und zu scharfen Bestimmungen des Gesetzes über Luftverunreinigung
(clean air act). Dieses Programm wird die Umstellung der Kraftwerke,
der Industrie und der großen kommerziellen Heizungen von öl auf Kohle im
größtmöglichen Umfang beschleunigen und dadurch unsere Abhängigkeit
von ausländischem öl wesentlich verringern.
Kohle, Gas und Kernfusion bieten die besten Zwischenlösungen für
den Energiebedarf Amerikas. Wir unterstützen die beschleunigte Verwendung
der Kernenergie mit Hilfe von solchen Technologien, die sich als wirksam
und sicher erwiesen haben. Der sichere Betrieb genauso wie der Entwurf
von Kernkraftwerken wird bei uns höchste Priorität haben, um die weitere
Verfügbarkeit dieser bedeutsamen Energiequelle zu gewährleisten. Entwurf
und Betrieb dieser Anlagen kann in einer kürzeren Probezeit sichergestellt
werden als in den zehn bis zwölf Jahren, die derzeit für Lizenz und Bau
erforderlich sind. Wir sind der Meinung, daß der Lizenzierungsprozeß durch
Konsolidierung des derzeitigen Prozesses und durch die Verwendung standardisierter
Reaktorentwürfe beschleunigt werden kann und soll.
Der
- 3 -

�Der Vorfall von Three Mile Island weist auf die Notwendigkeit bestimmter
Reformen hin - wie etwa im Bereich der Ausbildung für die Bedienung -,
aber zeigt zugleich, daß angemessen entworfene und betriebene Kernkraftwerke die öffentliche Gesundheit oder Sicherheit nicht gefährden.

Weiterhin

ermutigen wir zur Forschung, Entwicklung und Demonstration des Brutreaktors
mit seinem Potential, auf sichere Weise zur Energieversorgung beizutragen.
Die Entwicklung der Kernenergie fordert solide Pläne für die Lagerung
von Atommüll und für die Wiederaufbereitung von Brennmaterial.

Technische

Lösungen für diese Probleme gibt es, und entscheidend ist nunmehr die
entschlossene Handlungsweise des Bundes zur Auswahl und Durchsetzung dieser
Lösungen....

Inflation
Wir sind der Ansicht, daß die Inflation und deren Auswirkung auf die
Arbeitsplätze die größte Bedrohung darstellen, vor der unser Land heute
innenpolitisch steht...
Die Republikanische Partei glaubt, daß die Inflation einzig durch
Steuer- und währungspolitische Zurückhaltung in Verbindung mit einer einschneidenden Verringerung der abschreckenden Steuer- und Durchführungsbestimmungen im Bereich der Spartätigkeit, der Investitionen und der Produktivität
unter Kontrolle gebracht werden kann. Aus diesem Grund lehnt die Republikanische Partei die Einführung von Lohn- und Präskontrollen sowie Kreditkontrollen ab...

•

Getreideembargo

4 -

�Getreideembargo
&lt;

Wir sind der Ansicht, daß landwirtschaft:&lt;vhe Embargos nur symbolischen
Charakter haben und unwirksame Werkzeuge der A SenpoV"
wir wahren
uns dagegen, die amei manischen Bauern dazu auszusuchen, die -asten von
Präsident Carters unbesonnenem, wirkungslosem und unangemessen durchgeführtem
Getreideembargo zu tragen. Das Cartersche Getreideembargo sollte sofort
aufgehoben werden....

Einwanderungs- und Fllichtlingspolitik
... Wir Republikaner sind stolz darauf, daß unser Volk seine Arme
und sein Herz für die Menschen aus dem Ausland geöffnet hat, und wir sind
für eine Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik, die in Einklang mit dieser
Tradition steht. Wir sind der Ansicht, daß diejenigen Einwanderer in
größtmöglichem Maße aufgenommen werden sollten, die einen positiven Beitrag
für Amerika leisten werden, und die bereit sind, die grundlegenden Werte
und die Lebensweise Amerikas anzunehmen. ' Gleichzeitig muß die Einwaiderungsund Flüchtlingspolitik der Vereinigten Staaten die Interessen unserer nationalen
Sicherheit und unseres wirtschafltichen Wohlergehens widerspiegeln. Die
Immigration in dieses Land darf nicht einzig durch ausländliche Regierungen
bestimmt werden - nicht einmal durch die Millionen Menschen in der ganzen
Welt, die nach Amerika kommen wollen. Die Bundesregierung hat die Pt k h t ,
Einwanderungsgesetze zu erlassen und Überwachungsverfahren einzuhalten, die
die vom amerikanischen Volk gewünschte Einwanderungspolitik fair und
wirkungsvoll durchsetzt.
Die sofortige Annahme dieser Politik ist entscheidend für eine
ordnungsgemäße Lösung des gewaltigen Problems der unterdrückten Menschen,
die Einlaß suchen, damit diejenigen, die einen Anspruch haben, ohne zusätz-

�%

zusätzliche Leiden in Amerika aufgenommen werden können.
Das Flüchtlingsproblem ist ein internationales Problem und es
sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Pläne zur Aufnahme
von Flüchtlingen zu koordinieren; dies sollte auf weltweiter Grundlage in
Zusammenarbeit mit regionalen Körperschaften, wie etwa der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) und der Vereinigung Südostasiatischer Staaten
(ASEAN) geschehen.

Nationale Sicherheit
... Die Republikaner verpflichten sich zu einer sofortigen Erhöhung
der Verteidigungsausgaben, die sinnvoll für die am dringendsten benötigten
Programme verwendet werden soll. Wir werden auf anhaltende Verteidigungsausgaben hinarbeiten, die ausreichend sind, um die Lücke zwischen uns und
den Sowjets zu schließen und um schließlich die Position militärischer
Überlegenheit zu erreichen, die das amerikanische Volk wünscht.

Kernwaffen
Kernwaffen sind der höchste militärische Garant amerikanischer
Sicherheit und der unserer Verbündeten. Dennoch haben sich die Vereinigten
Staaten seit 1977 im Bereich der strategischen Kernwaffen von einer Position
praktischer Gleichwertigkeit auf eine Position der Unterlegenheit gegenüber der Sowjetunion hinbewegt. Dieser Niedergang ergab sich aus Carters
Streichung oder Verzögerung strategischer Initiativen wie dem B-1-Bomber,
der MX-Rakete und der Programme für die TRIDENT II-Unterseeboot-Raketen
sowie aus seinen Entscheidungen zur Einstellung der MINUTEMAN Produktion

�Produktion und zur Nichtaufnahme der Produktion von Waffen mit verstärkter
Strahlenwirkung (Neutronenwaffe),
Mit zunehmender Disparität zwischen amerikanischer, und sowjetischen
strategischen Kernwaffen werden im Lauf der nächsten drei Jahre die meisten
der amerikanischen landgestützten Raketen, schweren Bomber und Unterseeboote in Häfen gegenüber einem sowjetischen Erstschlag verwundbar sein.
Eine solche Situation lädt im kommenden Jahrzehnt zu diplomatischer Erpressung der Vereinigten Staaten und zu Druck auf sie durch die Sowjetunion ein.
Um uns dem Problem der Verwundbarkeit der interkontinentalen ballistischen
Raketen (ICBM) zu stellen, werden wir eine Reihe von Initiativen vorschlagen, um die notwendige Überlebensfähigkeit der ICBM-Streitmacht auf
möglichst rasche und wirkungsvolle Weise sicherzustellen. Zudem werden wir
vorangehen mit:
-

der frühestmöglichen Dislozierung der MX-Rakete in umsichtiger
und überlebensfähiger Konfiguration;

-

der beschleunigten Entwicklung und Dislozierung eines neuen
bemannten stretegisehen Bombers mit DurchdringsUnfähigkeit
(penetrating bumber). wodurch die bereits im B-i--...nber
investierten 5,5 Milliarden Dollar verwertet werden, während
gleichzeitig die fortgeschrittenste Technologie eingesetzt wird,
die zur Verfügung steht;

-

der Dislozierung eines Luftverteidigungssystems, bestehend aus
eigens hierzu entwickelten modernen Aufklärungsflugzeugen und
einem Unterstützungssystem zur Frühwarnung;
- der

- 7 -

�-

der beschleunigten Entwicklung und Dislozierung strategischer
Marschflugkörper zur Dislozierung auf Flugzeugen, zu Land, auf
Schiffen und auf Unterseebooten;

-

der Modernisierung des militärischen Kommando- und Kontroll Systems,
um die Reaktionsbereitschaft der amerikanischen strategischen
Nuklearstreitkrä'fte gegenüber dem Präsidentenbefehl in Frieden oder
Krieg sicherzustellen sowie

-

der tatkräftigen Forschung und Entwicklung eines wirkungsvollen
antiball istischen Raketensystems (ABM-System), wie es der Sowjetunion bereits zur Verfügung steht sowie modernerer ABM-Technologien.

Seit über 20 Jahren - seit Mitte der fünfziger Jahre - unterhalten
die Vereinigten Staaten taktische Kernwaffen in Europa zum Zweck der Verhinderung eines tiefen Vorstoßes der sowjetischen Streitkräfte nach
Westen.

Seit 1977 jedoch hat es die Administration zugelassen, daß

unsere ehemalige Überlegenheit bis zu dem Punkt ausgehöhlt wurde, an dem
wir nunmehr in einem Verhältnis von über 3 zu 1 im Nachteil sind.
Eine republikanische Regierung wird sich für eine frühzeitige
Modernisierung unserer nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) einsetzen,
damit ein nahtloses Abschreckungsnetz auf allen Angriffsstufen aufrechterhalten werden kann und unsere Glaubwürdigkeit bei unseren europäischen
Verbündeten wiederhergestellt wird. In gemeinsamer Konsultation mit ihnen
werden wir mit der Dislozierung von Mittelstrecken-Marschflugkörpern,
ballistischen Raketen, Gefechtsköpfen mit verstärkter Strahlenwirkung
(Neutronengefechtsköpfe) und der Modernisierung der Nuklear-Artillerie
vorangehen.

Konventionelle

�Konventionelle Streitkräfte
Wir sind der Meinung, daß es derzeit nicht machba" ist und auch
langfristig nicht durchführbar wäre, umfangreiche ?~eri vär,&gt;i;he Landstreitkräfte in Gebieten wie dem Persischen Golf auf permanenter Basis zu
dislozieren, wie wir dies in Europa und an anderen Orten tun.

Eine

wirkungsvollere Strategie muß sich gründen auf zwei Pfeiler: einmal
auf Unterhaltung einer begrenzten Anwesenheit auf Dauer in dem entsprechenden
Gebiet als glaubwürdiger Abschreckungskraft, verbunden mit der sichtbaren
Fähigkeit, diese Präsenz rasch durch die zum Sieg notwendigen Streitkräfte
zu verstärken; zuwanderen muß diese Strategie auch militärische Maßnahmen
an anderer Stelle ins Auge fassen - an Punkten, wo die Sowjetunion verletzbar
ist.

Das ist ein Ausdruck der klassischen Doktrin des globalen Manövers.

Die Streitkräfte, die zur Unterstützung einer solchen Strategie
nötig sind, müssen eine wesentlich verbesserte Marine umfassen, da sie
die Streitmacht ist, die zur Aufrecnterhaltung amerikanischer Präsenz in
bedrohten Gebieten und zum Schutz der Seeverbindungswege am geeignetsten
ist. Zudem werden wir eine umfangreiche Verbesserung der Streitkräfte
für die Mobilität zur Luft und der See sowie verbesserten Zugang zu
regionalen Anlagen fordern. Eine republikanische Regierung wird ihre
umfangreiche Verbesserung vorschlagen, einschließlich der permanenten
Stationierung einer Flotte im Indischen Ozean.

Amerikanisch-sowjetische Beziehungen
... Die Republikaner glauben, daß die Vereinigten Staaten mit der
Sowjetunion nur aus einer Position unbestrittener Prinzipien und unbestrittener
Stärke verhandeln können...
Da

- 9 -

�&gt;0&gt;'-

,-V\v

;(

Da die Sowjetunion an ihrem expansionistischen Kurs festhält, hat
das Potential gefährlicher Konfrontationen zugenommen.

Die Republikaner

werden sich darum bemühen, kritische Probleme durch friedliche Verhandlungen
zu lösen; aber wir erkennen, daß Verhandlungen, die aus einer Position
militärischer Schwäche geführt werden, nur zusätzlichen Schaden für die
amerikanischen Interessen mit sich bringen können.
Eine republikanische Regierung wird auch weiterhin versuchen, eine
Verminderung der sowjetischen strategischen Waffen auszuhandeln.

Beim

Umfang der Streitkräfte des Ostblocks in Mitteleuropa sowie in anderen
Bereichen,die für Verminderungen oder Begrenzungen geeignet sind, werden
wir hartnäckige Verhandlungen für ausgewogene, verifizierbare und durchführbare Abkommen führen.

Wir werden kein Abkommen nur um seiner selbst

willen schließen. . Und wir werden keine Abkommen akzeptieren, die nicht
unsere nationale Sicherheit grundlegend erhöhen.
Die Republikaner sind gegen den Transfer fortschrittlicher Technologie
in die Sowjetunion und deren osteuropäische Satelliten, wie dies in der
Vergangenheit geschehen ist, da dies die Entwicklung hochkomplizierter
militärischer Waffen ermöglicht, die die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten bedrohen...
Die Republikaner fordern, den Technologiestrom in die Sowjetunion
einzudämmen, der direkt oder indirekt zum Anwachsen ihrer militärischen
Macht beitragen könnte. Dieses Ziel wird von einer republikanischen
Regierung zusammen mit unseren Verbündeten und anderen befreundeten
Staaten verfolgt werden. Wir werden sicherstellen, daß die Sowjetunion
genau versteht, daß von ihr erwartet wird, all die kommerziellen und
diplomatischen Verpflichtungen zu erfüllen, die sie in ihren internationalen
Abkommen eingegangen ist...

Wir

- 10 -

�Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung, die Sowjetunion dazu
zu drängen, die Erklärung der Vereinten Nationen über die Menschenrechte
sowie die Übereinkommen von Helsinki in die Tat umzusetzen, die Rechte wie
etwa den freien Austausch von Information und das Recht zur Auswanderung
garantieren. Eine republikanische Regierung wird die Sowjetunion dazu
drängen, mit Verfolgung und Einkerkerung jener aufzuhören, die sich gegen
die offizielle Politik stellen, und die ihr eigenes religiöses Bekenntnis
ausüben wollen oder die verschiedene ethnische Minderheiten und Nationalitäten vertreten...
Als Mitunterzeichner der Schlußakte von Helsinki wird eine republikanische Regierung auf umfassender sowjetischerEinhaltung der humanitären
Bestimmungen der Übereinkommen bestehen.
Die Republikaner bieten ihre anhaltende Unterstützung auch dem
kubanischen Volk und den gefangenen Völkern in Mittel- und Osteuropa
in ihrer Hoffnung auf Selbstbestimmung.
Jugoslawiens.

Wir stehen ein für die Unabhängigkeit

Wir unterstützen die Selbstbestimmung und echte Unabhängigkeit

der geknechteten jungen Staaten in Afrika und Lateinamerika, die von der
wachsenden Herrschaft der Sowjetmacht bedroht sind.
Eine republikanische Regierung wird der fortdauernden Politik Carters,
nämlich seiner Irreführung des amerikanischen Volkes hinsichtlich sowjetischer
Politik und sowjetischen Verhaltens, ein Ende bereiten. Wir werden keine
Anstrengung scheuen, um der Welt die grundlegenden Unterschiede der beiden
Systeme klarzumachen, und wir werden Medien wiedas Amt für Internationale
Kommunikation (ICA), die Stimme Amerikas (VOA), Radio freies Europa (RFE)
und Radio Liberty aktiv dabei unterstützen, amerikanische Werte und Politik
zu artikulieren und die Schwäche des Totalitarismus zu beleuchten.
Wir verpflichten uns dazu, den von Carter verursachten sowjetischen
Verletzungen von SALT I und SALT II ein Ende zu bereiten, den Vertuschungen

- 11 -

�Vertuschungen der sowjetischen Verletzungen der Konvention über biologische
Kriegsführung und den Verheimlichungen des sowjetischen Einsatzes von Gas
und chemischen Waffen in Afghanistan und an anderen Orten.

NATO und Westeuropa
... Die Republikanische Partei weiß um die Tatsache, daß die NATO
dem lebenswichtigen Interesse der gesamten westlichen Welt dient, und wir
haben im Lauf der Jahre dem Bündnis stets unsere ungeschmälerte und überparteiliche Unterstützung gegeben...
Durch ihre ungeeignete Politik hat die Regierung Carter in großem
Maß zu der deutlichen Erosion der Sicherheit und des Vertrauens des Bündnisses
in die Vereinigten Staaten beigetragen. Daher wird eine republikanische
Regierung als eine ihrer obersten Prioritäten und in enger Zusammenarbeit
mit unseren NATO-Partnern sicherstellen, daß die Vereinigten Staaten in
einer konzertierten Anstrengung vorangehen, wieder ein starkes, zuversichtliches
Bündnis aufzubauen, um sich den Bedrohungen und Herausforderungen der
achtziger Jahre zu stellen...
Die Widersprüchlichkeiten der Regierung Carter haben Uneinigkeit
im Bündnis verursacht. Wir erkennen Verwirrung im Bereich der Handels-,
der Finanz- und der Energiepolitik. Der Mangel an enger Koordination
hinsichtlich des Iran, des Nahen Ostens, Afghanistans, des Olympiaboykotts,
der Weiterverbreitung von Kernwaffen, des Ost-West-Handels, der Menschenrechte, der Nord-Süd-Fragen und einer Vielzahl von weiteren internationalen
Problemen, die die Interessen des Bündnisses betreffen, hat die Bedenken
der Verbündeten verstärkt. Die Republikaner machen sich Sorgen darüber,
daß diese Maßnahmen der Regierung Carter die Versuchung der Verbündeten
erhöht, unabhängige Diplomatie zu betreiben und angesichts des Drucks seitens

- 12 -

�seitens der Sowjetunion auf Anpassung hinzustreben. In dieser Hinsicht
weisen wir kategorisch einseitige Moratorien über die Dislozierung von
nuklearen Mittel Streckenwaffen (TNF) durch die- Vereinigten Staaten und
die NATO zurück. Außerdem wenden sich die Republikaner gegen solche
Rüstungskontrollabkommen, die den Transfer von Militärtechnologie an unsere
Verbündeten behindern.
Indem sie sich zu erneuter amerikanischer Führung, zu Zusammenarbeit
und Konsultation verpflichten, bringen die Republikaner ihre Erwartung
zum Ausdruck, daß jeder der Verbündeten seinen fairen Anteil an der gemeinsamen Verteidigungsanstrengung übernehmen wird und daß sie zur Unterstützung der gemeinsamen Zielsetzungen des Bündnisses eng zusammenarbeiten
werden...

Naher Osten, Persischer Golf
Heute sind die Länder des Nahen und Mittleren Ostens und am Persischen
Golf wie nie zuvor von sowjetischen Beratern und Truppen eingekreist,
die ihre Stützpunkte am Hörn von Afrika, im Südjemen und in Afghanistan
haben. Darüber hinaus haben die Sowjets enge politische und militärische
Bindungen zu anderen Staaten und Regionen...
Die Republikaner sind der Auffassung, daß die Wiederherstellung
von Ordnung und Stabilität in dieser Region auf der Erkenntnis der inneren
Beziehung zwischen sowjetischen und radikalen palästinensischen Zielen,
den fundamentalen Erfordernissen einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung
und der Vermarktung der Ressourcen des Gebietes und der zunehmenden
Gärung unter radikalen islamischen Gruppen basieren muß. Die Republikaner
sind der Überzeugung, daß eine kluge und glaubwürdige amerikanische
Politik klarmachen muß, daß unser größtes Anliegen die langfristige friedliche

- 13 -

�friedliche Entwicklung aller Staaten der Region ist und nicht lediglich
eine Ausbeutung ihrer Ressourcen im eigenen Interesse.

Unser Ziel besteht

darin, im arabisch-israelischen Konflikt einen gerechten und dauerhaften
Frieden zu bringen.
Im Hinblick auf eine endgültige Friedensregelung lehnen die Republikaner
jede Forderung nach einer Einbeziehung der PLO als nicht im langfristigen
Interesse Israels und der palästinensischen Araber stehend ab.

Die Verleihung

von Legitimität an Organisationen, die noch nicht bereit sind, das
fundamentale Existenzrecht des Staates Israel anzuerkennen, ist falsch.
Wiederholte Hinweise der Regierung Carter, auch wenn sie später dementiert
wurden, auf eine Einbeziehung der PLO haben der Glaubwürdigkeit der
amerikanischen Politik im Nahen Osten schweren Schaden zugefügt und die
Position der Unnachgiebigkeit der PLO gestärkt.

Wir sind der Überzeugung,

daß die Schaffung eines palästinensischen Staates in der West Bank
(Westjordanien) destabilisierend und schädigend für den Friedensprozeß
wäre.
Unsere langfristige und kurzfristige Politik für das Gebiet muß in
Konsultation mit unseren NATO-Verbündeten, Israel, Ägypten und anderen
Freunden in dem Gebiet entwickelt werden, und wir werden keine Mühe scheuen,
während des politischen Prozesses ihren Rat zu suchen, und nicht einfach
ihre stillschweigende Einwilligung in unsere Pläne fordern.
Die Souveränität, Sicherheit und Integrität des Staates Israel ist
ein moralisches Gebot und dient den strategischen Interessen der Vereinigten
Staaten. Die Republikaner bekräftigen unsere fundamentale und dauerhafte
Verpflichtung zu diesem Grundsatz. Wir werden die Verpflichtung unseres
Landes weiterhin durch politische, wirtschaftliche, diplomatische und
militärische Unterstützung honorieren...
Frieden

- 14 -

�Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn erfordert direkte Verhandlungen
der beteiligten Staaten,,

Dementsprechend wird eine republikanische

Regierung den jetzt im Gang befindlichen Friedensprozeß zwischen Ägypten
und Israel ermutigen, versuchen, ihn auszuweiten, und jene arabischen
Länder willkommen heißen, die bereit sind, in Frieden mit Israel zu
leben...
Wir begrüßen die Vision und den Mut des ägyptischen Präsidenten
Anwar Sadat und verpflichten uns, unser Verhältnis zu Ägypten in kulturellen
Angelegenheiten, in der wirtschaftlichen Entwicklung und der militärischen
Zusammenarbeit auszubauen, „ *
Während eine republikanische Regierung unsere Verpflichtung gegenüber
Israel erneut bekräftigen wird, wird sie auch enge Bindungen und die
Freundschaft mit gemäßigten arabischen Staaten anstreben. Wir werden den
wirtschaftlichen und militärischen Rahmen in Angriff nehmen, der eine
langfristige Stabilität in der inneren Entwicklung der Staaten oer Region
und einen geordneten Markt für die Ressourcen des Gebietes gewährleistet.
Wir werden klarmachen, daß jede Wiedereinführung eines ölembargos als
feindlicher Akt betrachtet würde. Wir werden uns gegen diskriminierende
Praktiken wenden, Boykotte eingeschlossen, und wir werden uns gegen Waffenverkäufe wenden, die zur Instabilität der Region beitragen.
Die Republikaner sind der Überzeugung, daß Jerusalem eine ungeteilte
Stadt mit weiterem freiem und ungehindertem Zugang zu allen heiligen
Stätten durch Menschen aller Religionen bleiber sollte.

Die westliche Hemisphäre
Wir bedauern die Machtübernahme in Nicaragua durch die marxistischen
Sandinisten und die marxistischen Versuche, El Salvador, Guatemala und

- 15 -

�und Honduras zu destabilisieren.

Wir sind nicht für eine amerikanische

Unterstützung irgendeiner marxistischen Regierung in der westlichen
Hemisphäre, und wir wenden uns gegen das Hilfsprogramm der Regierung
Carter für die Regierung von Nicaragua.

Wir werden jedoch Anstrengungen

des Volkes von Nicaragua unterstützen, eine freie und unabhängige Regierung
zu errichten.
Die Republikaner bedauern die gefährliche und unbegreifliche Politik
der Regierung Carter gegenüber Kuba...
Die Republikaner sind sich der Bedeutung unserer Beziehungen innerhalb dieser Hemisphäre bewußt und setzen sich für eine starke neue Politik
der Vereinigten Staaten in den beiden Amerikas ein. Wir werden fest zu
solchen Ländern halten, die bestrebt sind, ihre Gesellschaften zu entwickeln,
während sie gleichzeitig die Subversion und die Gewalt bekärrpfin, die Kuba
und Moskau exportieren. Wir werden zu dem grundlegenden Prinzip zurückkehren, wonach ein Freund als Freund behandelt wird, und derjenige, der
sich selbst zu unserem Feind erklärt, als Feind - ohne uns dafür zu
entschuldigen. Wir werden der Sowjetunion und Kuba klarmachen, daß ihre
Subversion und der Ausbau ihrer offensiven Streitkräfte unannehmbar sind.
Die Republikaner erkennen die besondere Bedeutung Puerto Ricos
und der amerikanischen Virgin Islands für die Verteidigung der Freiheit
in der Karibik. Wir sind der Ansicht, daß die Aufnahme Puerto Ricos in
die Union eine Demonstration unserer gemeinsamen Anliegen angesichts des
wachsenden sowjetischen und kubanischen Drucks in diesem Gebiet darstellen würde...
Wir werden uns dafür einsetzen, daß der Panamakanal offen, sicher
und frei von feindlicher Kontrolle bleibt.
Die

- 16 -

�Die Bedingungen und Übereinkommen der Panamakanal-Verträge, einschließlich derjenigen, die den Vereinigten Staaten die besondere Verantwortung
hinsichtlich des Schutzes und der Verteidigung des Kanals zusichern, sind
integraler Bestandteil dieser Verträge, und wir werden Panama zu strikter
Interpretation der Vertragssprache anhalten, die eindeutig durch den
gesetzgeberischen Prozeß festgelegt ist, in dem anläßlich der Zustimmung
des Senats zu diesen Verträgen die Ergänzungen, Vorbehalte und Abkommen
durch den Senat angenommen wurden...
Wir werden uns für ein Nordamerika-Abkommen einsetzen, das die enge
Zusammenarbeit und den gegenseitigen Nutzen für die Vereinigten Staaten,
Kanada und Mexiko fördert„

Asien und der Pazifik
Die Vereinigten Staaten sind eine Macht des pazifischen Raumes und
müssen dies bleiben. Es liegt in unserem vitalen Interesse, die von den
Vereinigten Staaten garantierte Stabilität in diesem Raum aufrechtzuerhalten. Die Republikaner erkennen die gefährlichen Machtverschiebungen,
die sich unter der gegenwärtigen demokratischen Regierung nur noch
beschleunigt haben. Das Gleichgewicht auf der koreanischen Halbinsel hat
sich auf gefährliche Weise zum Norden hin verschoben. Die sowjetischen
Seestreitkräfte in Asien und im Pazifik haben ständig zugenommen und
sind nunmehr mindestens ebenso stark wie die dortigen amerikanischen Seestreitkräfte. Die einseitige Aufkündigung des gegenseitigen Verteidigungsabkommens mit Taiwan durch die Vereinigten Staaten und die abrupte
Ankündigung des Abzugs amerikanischer Landstreitkräfte aus Korea haben in
den Ländern der gesamten Region dazu geführt, den Wert eines Bündnisses
mit den Vereinigten Staaten in Frage zu stellen.
Eine

- 17 -

�Eine neue, republikanische Administration wird in Asien und im
Pazifik wieder eine starke amerikanische Rolle spielen.

Wir werden klar- ,

stellen, daß jede militärische Maßnahme, die die Unabhängigkeit der
Verbündeten und Freunde Amerikas bedroht, eine Reaktion hervorrufen wird,
deren Kosten für einen potentiellen Gegner diesen davon abhalten werden.
Japan wird auch weiterhin eine Säule der amerikanischen Politik in
Asien sein.
Die Republikaner erkennen die besondere Gefahr, vor der unser Verbündeter
Südkorea steht. Wir werden die anhaltenden Anstrengungen zur Ausweitung
der politischen Beteiligung und der individuellen Freiheiten im Innern
des Landes unterstützen, werden uns aber auch mit den besonderen Problemen
befassen, die die Subversion und potentielle Aggression vom Norden her
mit sich bringen. Wir werden amerikanische Landstreitkräfte und Luftverbände in Südkorea beibehalten und werden unsere Präsenz nicht weiter
verringern. Unsere vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Südkorea
werden wieder in eindeutigen Worten zum Ausdruck gebracht werden, und wir
werden den Prozeß enger Konsultation zwischen unseren Regierungen wieder
einführen.
Wir werden uns um die Schaffung von Bedingungen bemühen, die die
friedliche Entwicklung unserer Beziehungen zur Volksrepublik China fördern.
Hinsichtlich unserer eigenen lebenswichtigen Interessen - insbesondere
auf dem Gebiet zunehmenden Handels - werden wir angemessene Vorsicht
und Klugheit walten lassen - einschließlich des Transfers komplizierter
Technologie mit potentiell offensiver militärischer Verwendung. Die
Beziehung zwischen den beiden Ländern muß sich auf gegenseitigen Respek*
und Wechselseitigkeit gründen und in angemessener Weise die Notwendigkeit
der Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität in Asien oerücksichtigen.
Gleichzeitig

- 18 -

�Gleichzeitig beklagen wir die Behandlung Taiwans, unseres alten
Verbündeten und Freundes, durch die Regierung Carter.

Wir geloben, daß

unsere Sorge um die Sicherheit und den Schutz der '7 Millionen Menschen
Taiwans von Dauer sein wird.

Wir würden jeden Versuch, Taiwans Status

mit Gewalt zu verändern, als eine Bedrohung des Friedens in der Region
betrachten.

Afrika
... In enger Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten wird eine
republikanische Regierung danach trachten, den Ländern Afrikas mit unserer
Präsenz, unseren Märkten, unserem Wissen und unseren Investitionen beizustehen. Wir werden auf die Schaffung eines Klimas der wirtschaftlichen
und politischen Entwicklung und des Vertrauens hinarbeiten. Wir werden
die Geschäftswelt dazu ermutigen und ihr dabei behilflich sein, eine
wichtige Rolle bei der Unterstützung regionaler industrieller Entwicklungsprogramme, Förderanlagen für Mineralien und landwirtschaftlicher Selbstversorgung zu spielen,„„
Eine republikanische Regierung wird eine Politik verfolgen, die die
vielfältigen Ursprünge der Konflikte in Afrika widerspiegelt, die unser
Wissen darum demonstriert, wo die amerikanischen Interessen liegen, und
die diese Interessen auf sinnvolle Weise unterstützt. Wir werden die
bedeutsame Rolle der wirtschaftlichen und militärischen Beistandstrogramme
anerkennen und werden umfangreiche Hilfsmittel zur Verfügung stellen, um
der Entwicklung und der Stabilität in Afrika beizustehen, wenn eine solche
Hilfe auf bilateraler Grundlage gegeben wird und direkt zu amerikanischen
Interessen auf dem Kontinent beiträgt.
Im

- 19 -

�Im südlichen Afrika muß eine amerikanische Politik von gesundem
Menschenverstand und von unseren eigenen humanitären Prinzipien geleitet
werden.

Wir Republikaner glauben, daß unsere eigene Geschichte für

Afrika dadurch Bedeutung hat, daß sie nachweist, daß eine vielrassige
Gesellschaft mit Garantien für individuelle Rechte möglich ist und
funktionieren kann.

Wir müssen gegenüber allen Parteien offen und hilfreich

sein - gleichgültig, ob im neuen Simbabwe, in Namibia oder in der Republik
Südafrika.

Eine republikanische Regierung wird keine Situationen oder

Verfassungen unterstützen - in welcher Gesellschaft auch immer -, die ihrem
Zweck oder ihrer Wirkung nach rassistisch sind.

Sie wird keine Wunder

erwarten, wird aber darauf drängen, daß es echten Fortschritt auf Ziele
hin gibt, die in Einklang mit den amerikanischen Idealen stehen.

Auslandshilfe und regionale Sicherheit
Die Vereinigten Staaten haben seit vier Jahrzehnten Auslandshilfe
und regionale Sicherheit als eines der wesentlichsten Elemente in ihre
Außenpolitik eingebunden. Angemessen verwaltet und ausgerichtet, kann die
Auslandshilfe ein wirkungsvolles Mittel zur Förderung der Zielsetzungen
amerikanischer Außenpolitik sein und der Erhöhung der amerikanischen Sicherheit
dienen, indem sie befreundeten Staaten dabei hilft, stärker und fähiger zu
werden, sich selbst und ihr Umfeld gegen ausländische Sib/ersion und
Angriffe zu verteidigen.
Die Bedrohung, der die einzelnen Staaten der Dritten Welt ausgesetzt
sind, ist weit größer, als daß sie sich ihr allein und einzeln stellen
könnten. Eine republikanische Regierung wird sich darum beirühen, regionale
Sicherheitsübereinkommen zwischen solchen Staaten zu unterstützen und zu
stärken, die bereit sind, die Last ihrer Verteidiugng auf sich zu nehmen.
Programme
- 20 -

�Programme der amerikanischen Auslandshilfe sollten nicht mehr länger
versuchen, die Übernahme amerikanischer Regierungsformen aufzuzwingen.
Die wesentliche Überlegung sollte sein, ob Hilfeleistung an einen Staat
oder eine Gruppe von Staaten Amerikas Interessen und Zielsetzungen fördert.
Der zielbewußte Versuch, amerikanische Werte und Demokratieverständnis
aufzuzwingen, hat verschiedene befreundete Staaten untergraben und in den
vergangenen vier Jahren das Vordringen sowjetischer Interessen in Asien,
im Mittleren Osten, Afrika und in der westlichen Hemisphäre ermöglicht.
Die Wirtschaftshilfe Amerikas im Ausland ist kein mildtätiges Unternehmen; Wohtätigkeit wird am wirkungsvollsten von privaten Körperschaften
ausgeübt. Stets wurde die Armut allein durch private Wirtschaftsentwicklung
und durch die Menschen der betroffenen Staaten Liberwunden. Die amerikanische
Wirtschaftshilfe im Ausland sollte vielmehr einen katalytischen Effekt auf
die eigenständige wirtschaftliche Entwicklung haben und nur dann gewährt
werden, wenn sie im Einklang mit den außenpolitischen Interessen Amerikas
steht. Die amerikanischen Hilfsprogramme im Ausland sollten ein Mittel
sein, um die amerikanischen Wertvorstellungen zu exportieren.
Eine republikanische Regierung wird bilaterale Hilfsprogramme betonen,
wo immer dies möglich ist. Bilaterale Programme bieten die beste Gewähr
dafür, daß Hilfsprogramme dem amerikanischen Steuerzahler gegenüber eindeutig
erklärbar sind und in völligem Einklang mit unseren außenpolitischen
Interessen stehen.
Das Bemühen der Regierung Carter, die Rolle der amerikanischen
Militärhilfe und der militärischen Verkäufe ins Ausland in unserer Außenpolitik zu vermindern, hat mehrere negative Auswirkungen gezeitigt:
Viele Tausende von amerikanischen Arbeitsplätzen gingen ans Ausland
verloren, indem die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich Lieferaufträge übernommen haben, die den amerikanischen Herstellern verboten waren;

- 21 -

�waren;
es hat die Fähigkeit befreundeter Staaten verringert, ihre Unabhängigkeit gegenüh2r von den Sowjets unterstützter Subversion zu verteidigen was in mehreren Fällen zu niederträchtigen Machtübernahmen durch offen
prosowjetische Regime geführt hat; und
es hat das Gewebe der amerikanischen Bündnisstruktur geschwächt, weil
dadurch die Vereinigten Staaten als unzuverlässiger Verbündeter erschienen ein Trend, der nur zu dem unerwünschten Versuch des Erwerbs eigener Kernwaffen durch Staaten führen kann, die um ihre Sicherheit besorgt sind.
Entscheidungen über die Vergabe von Militärhilfe sollten auf der
Grundlage der au3enpolitischen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten
gefällt werden.

Solcher Beistand an Staaten muß nicht unbedingt gänzliche

Zustimmung zur Innenpolitik einer Regierung beinhalten.

Die Republikaner

verpflichten sich zur Stärkung der Auslandspräsenz Amerikas durch wohlüberlegte Programme der Militärhilfe, um die nationale und regionale
Sicherheit zu fördern...

Welthandel und Wirtschaftspolitik
... Die Republikaner werden die internationale Wirtschaftspolitik
auf eine Weise betreiben, die den Wert des Dollar zu Hause und im Ausland
stabilisiert.
Die republikanische Partei ist der Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten eine aggressive Exportpolitik annehmen müssen. ,Zu lange schon
war unsere Handelspolitik darauf gerichtet, unseren ausländischen Handelspartnern zu helfen.

Wir müssen nunmehr die Vereinigten Staaten wieder au£

�auf die Weltkarte der Exporte zurückbringen.

Wir haben anderen Ländern

dabei geholfen, sich aus dem wirtschaftlichen Chaos nach dem Zweiten Weltkrieg zu ziehen; es ist Zeit, unsere eigene Krise in den Griff zu bekommen.
Handel - und insbesondere der Export - müssen auf der Liste unserer
nationalen Prioritäten ganz oben stehen.

Dorthin werden ihn die Republikaner

stellen und den Handel fördern, um die langfristige Gesundheit der
amerikanischen Wirtschaft zu sichern.
Exporte können eine Hauptrolle bei der Stärkung der amerikanischen
Wirtschaft, bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und bei der Verbesserung
unseres Lebensstandards spielen.
... Die Förderung des Exports wird ein zentrales Ziel der Welthandelspolitik einer republikanischen Regierung sein.
Eine republikanische Regierung wird die Betonung auf eine Politik des
freien Handels legen, wird aber gleiches von unseren Handelspartnern
erwarten. Das Versagen der Regierung Carter, energisch solche Verhandlungen
zu verfolgen, die geeignet sind, um den Zugang der amerikanischen Exporte
zu den ausländischen Märkten zu verbessern, hat zum Teil zu der protektionistisehen Stimmung beigetragen.
Die Republikaner sind der Meinung, daß die internationale Handelsbilanz dieses Landes durch die Abschaffung der hemmenden Faktoren für unsere
Exporteure verbessert werden kann. Gesetzliche und regulative Erfordernisse,
die den Export behindern, sollten überprüft und, wo immer praktisch möglich,
beseitigt werden. Weiterhin sind wir der Ansicht, daß die Regierung eine
Rolle bei der Förderung des Welthandels spielen kann, indem sie Anreize
für Exporte bietet, besonders für die kleinen und die mittleren Unternehmen.
Wir verpflichten uns dazu, mit unseren Handelspartnern zusammenzuarbeiten,
um Exportzuschüsse und Dumping zu beseitigen.
+ + + + +

- 23 -

�Information

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23. Juli 1980

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WISSENSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT MIT DER BUNDESREPUBLIK

- (AD) - Eine Vereinbarung über Zusammenarbeit in Grundlagenforschung und angewandter Forschung auf den Gebieten Natur- und Sozialwissenschaften, Mathematik und Ingenieurwissenschaften wurde zwischen der
Nationalen Wissenschaftsstiftung (National Science Foundation - NSF)
der Vereinigten Staaten und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
geschlossen. Das für fünf Jahre gültige Abkommen unterzeichneten Dr. Richard
G. Atkinson, der bisherige Direktor der NSF, und Dr. Carl Heinz Schiel,
Generalsekretär der DFG, in Washington am 24. Juni 1980. Die Max-PlanckGesellschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewdndten
Forschung sind in das neue Abkommen einbezogen. Vorgesehen sind gemeinsame
Forschungsprojekte, Austausch von Wissenschaftlern und Fachkräften, ferner
gemeinsame Seminare, Arbeitsgruppen und Tagungen.

+ + + ++

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34

23. Juli 1980

WECHSEL AN DER SPITZE DER NATIONAL SCIENCE FOUNDATION

- (AD) - Präsident Carter beabsichtigt, Dr. John B. Slaughter zum
neuen Direktor der Nationalen Wissenschaftsstiftung der USA (National
Science Foundation - NSF) zu berufen. Dr. Slaughter ist gegenwärtig
Akademischer Vizepräsident und Rektor der Staatsuniversität von Washington
in Pullman (Washington). Er ist als Nachfolger von Dr. Richard C. Atkinson
vorgesehen, der am 30. Juni 1980 ausschied, um Kanzler der Universität
Kalifornien in San Diego zu werden.
Dr. Slaughter, der bereits von 1977-79 die NSF-Abteilung für Astronomie,
Aeronomie, Geo- und Meeresforschung geleitet hatte, kam damals von der
Universität Washington in Seattle, wo er den Lehrstuhl für Elektrotechnik
inne hatte und als Direktor des Laboratoriums für angewandte Physik für
die Leitung und Organisation eines Forschungs- und Entwicklungsprogramms
für die marine und ökologische Forschung und Technik verantwortlich war.
Er initiierte neue Programme zur sparsamen Nutzung und Erschließung von
Energie- Rohstoffquellen sowie auf den Gebieten Geophysik, Akustik und
Biotechnik. Zuvor war Prof. Slaughter Chef des "Information Systems

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�Systems Department" des zentralen Elektroniklaboratoriums der US-Marine
(NELC) in San Diego. Mit einem Stab von Mitarbeitern entwickelte er die
modernen Kommunikations- und Kommandokontroll-Systeme der U.S. Marine.
Unter seiner Führung wurden außerdem neue Programme auf dem Gebiet der
biomedizinischen Technik zu Schwerpunktprogrammen ausgebaut.

Das NELC, in

dem Slaughter von 1960 - 1975 tätig war, nominierte ihn 1965 zum "Wissenschaftler des Jahres".
Dr. John Slaughter, der 1934 in Topeka (Kansas) geboren wurde, studierte
an der Staatsuniversitä't Kansas, an der Universität von Kalifornien in
Los Angeles sowie in San Diego, wo er mit einer Arbeit aus der Elektrotechnik zum Dr. pil. promovierte.

Seine wissenschaftliche Arbeit fand in

zahlreichen Veröffentlichungen ihren Niederschlag.

Seit 1977 ist Prof.

Slaughter Herausgeber der Fachzeitschrift "International Journal of
Computers and Electrica! Engineering".
Auf bildungspolitischem Gebiet engagierte sich Dr. Slaughter vor allem
für die Förderung von Angehörigen der Minderheitengruppen, um diesen den
Weg zur Laufbahn eines Forschers und Praktikers in den Natur- und IngenieurWissenschaften zu ebnen. Seit 1976 ist er Mitglied des "Komitees für Minderheiten" der "National Akademie für Ingenieurwissenschaften".
Dr. Donald Langenberg, der seit dem Ausscheiden Dr. Atkinsons die
"National Science Foundation" kommissarisch leitet, wurde nach der
Bestätigung durch den US-Senat offiziell das Amt des Stellvertretenden
NSF-Direktors übertragen. Er löste Dr. George C. Pimentel ab, der als
Direktor des Laboratoriums für chemische Biodynamik an die Universität
von Kalifornien in Berkeley zurückkehrte.
Dr. Langenberg, der als Physiker seit 1960 dem Lehrkörper der Universität
von Pennsylvanien angehört, war dort Direktor des Laboratoriums für die
Erforschung der Materiestruktur und in seiner Eigenschaft als Konrektor für

- 2 -

�für das Graduiertenstudium sowie für Forschung verantwortlich.

Als

Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der NSF, Mitglied der Nationalen
Forschungskommission und Berater der Abteilung Kältephysik des "National
Bureau of Standards" (Bundesamt für Normung und Materialforschung) hatte
er bereits wichtige Funktionen in Regierungsinstitutionen wahrgenommen.
Er gilt als "Experte für die Physik der kondensierten Materie bei tiefen
Temperaturen", wie Dr. Lewis M. Branscomb, der Vorsitzende des Nationalen
Wissenschaftsrates der USA, hervorhob.

Die Ergebnisse seiner Forschung

finden bereits praktische Anwendung in der Supraleitertechnik und auf anderen
Gebieten.

+ + + + +

- 3 -

�I a

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23. Juli 1980

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VELA-SIGNAL: KERNEXPLOSION UNWARHSCHEINLICH
Bericht einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe

- (AD) - Das von einem amerikanischen VELA-Satelliten im September
1979 erfaßte Lichtphä'nomen stammte "vermutlich nicht von einer Kernwaffenexplosion". Zu diesem Ergebnis kam ein vom Weißen Haus bestelltes Gremium
von neun unabhängigen Wissenschaftlern, deren Bericht am 15. Juli 1980
veröffentlicht wurde. Ihre Schlußfolgerung steht im Widerspruch zu der am
gleichen Tag herausgegebenen Mitteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums, in der es heißt, bei dem "Vorkommnis" ("event") habe es
sich wahrscheinlich um eine Kernwaffenexplosion im Sudatlantik gehandelt.
Die neun Wissenschaftler - unter ihnen Physiknobelpreisträger
Dr. Luis Alvarez (Universität Kalifornien in Berkeley), Dr. Riccardo
Giaconni (Harvard-Smithsonian-Institut für Astrophysik), Dr. Jack Ruina
(Massachusetts Institute of Technology) und Prof. Wolfgang Panofsky
(Leiter des Linearbeschleunigerlaboratoriums der Stanford-Universität)
werteten in den letzten 10 Monaten alle verfügbaren Daten aus, um die
Frage zu klären, ob es sich bei dem am 22. September 1979 registrierten

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�registrierten Lichtblitz um eine nukleare Explosion gehandelt haben könne
oder nicht.

VELA-Satelliten die die Erde in großer Höhe umkreisen, sind

mit speziellen BeobachtungsInstrumenten zur Ermittlung von Kernwaffenexplosionen ausgerüstet.
Nach Auffassung des Wissenschaftlergremiums unterschied sich das
"Vorkommnis" vom 22. September 1979 von allen durch VELA-Satelliten in
den letzten zehn Jahren registrierten Kernexplosionen in einem ganz
wesentlichen Punkt - nämlich in der Lichtintensität, die von den zwei
Detektoren an Bord des Überwachungsgeräts gemessen wurde.

Sie entsprach

nicht der Intensität, "die bei einer nuklearen Explosion nahe der Erdoberfläche zu erwarten ist...

Ein derart anomales Verhalten wurde

bei

Bhangmeter-Daten (d.h. Detektor-Meßdaten) von früheren Nuklearexplosionen
niemals beobachtet.

Somit weicht das Vorkommnis vom 22. September, auch

wenn es viele Merkmale von nuklearen Signalen enthält, in einem ganz
wesentlichen Punkt davon ab".
Die Wissenschaftler verglichen das "event" vom 22. September mit
allen bekannt gewordenen nuklearen Detonationen. Zwar seien, so heißt
es in dem Bericht, einige ihrer Merkmale, u.a. ein typisches "Doppelmaximum", zu erkennen, jedoch enthielten die Daten so viele widersprüchliche
Charakteristika, daß ernsthaft bezweifelt werden müsse, daß das Signal von
einer nuklearen Explosion herrührte. Auch mit Tausenden anderer von
VELA-Satelliten registrierten "Vorkommnissen" wurden die in Frage stehenden
Signale verglichen - u.a. mit astronomischen Phänomenen, gewöhnlichen
Blitzen, Superblitzen, Reflexion von Sonnenlicht durch andere Satelliten,
Sonnenlichtreflexion durch Meteoriten in Nähe des VELA-Satelliten und
Sonnenlichtreflexion durch Partikel, die bei Kollisionen von Meteoriten
mit dem Fluggerät aus diesem herausgeschlagen wurden.
Das letztgenannte Ereignis könnte nach Meinung der Wissenschaftler
Ursache für das Lichtphänomen mit den gemessenen Lichtintensitäten am

- 2 -

�am nächsten kommen.

Denn im Verlauf der Untersuchung stellte sich heraus,

daß früher nicht erklärbare Lichtblitze - ähnlich denen, die der VELASatellit registriert hatte - von der Sonde PIONIER 10 auf ihrem Weg zum
Planeten Jupiter beim Passieren des Asteroidengürtels registriert worden
waren.

Der Asteroidengürtel ist ein Ring aus Staub und Gesteinsbrocken

zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter auf ihrem Weg um die Sonne.
Meteoriten-Detektoren an Bord der PIONIER-Sonde registrierten Kollisionen
mit Staubpartikeln, die mit gleichzeitig erfaßten Lichtblitzen in Zusammenhang gebracht werden konnten. Mit einer Kollision dieser Art ist
Berechnungen zufolge bei einem VELA-Satelliten im Durchschnitt einmal in
zehn Jahren zu rechnen.
Die Forschergruppe berichtete ferner, daß weltweit geführte Untersuchungen keinen Hinweis erbracht hätten, der die Hypothese einer Nuklearexplosion hätte stützen können. Es wurden weder radioaktive Niederschläge
noch seismische Signale oder irgendwelche andere Daten beobachtet, die
gewöhnlich mit derartigen Detonationen einhergehen.

+ + + + +

- 3 -

�31
I

UUi//cn/choft
und Technik
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34

23. Juli 1980

KOHLEREINIGUNG AUF MAGNETISCHEM WEGE

- (AD) - Die Kohle erfährt ein massives Comeback - gibt sie doch
die Möglichkeit, einen Ersatz für das ständig teurer werdende Importöl
zu schaffen. Aber Kohle ist "schmutzig". Deshalb äußern Umweltschützer
auch erhebliche Bedenken gegen den Ausbau der Kohlenutzung, sofern der
zusätzlichen Belastung nicht durch verbesserte Filter- und Reinigungsverfahren begegnet wird.
Einen neuen Weg beschritten Wissenschaftler des Kernforschungsinstituts "Oak Ridge National Laboratory" mit dem Versuch, Schadstoffpartikel aus trockener, fein gemahlener Kohle magnetisch abzuscheiden.
Im gegenwärtigen Stadium der Erprobung des neuen Verfahrens ist bereits
anzunehmen, daß es auch im großtechnischen Rahmen durchführbar ist. Es
war möglich, mehr als 60 Prozent derasche-und schwefelhaltigen Mineralien
aus der Kohle herauszuholen, deren Heizwert zu mehr als 90 Prozent
erhalten blieb.

Das

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�Das Oak-Ridge-Verfahren gilt als Alternative zum gegenwärtig angewandten Naßreinigungsprozeß fein gemahlener Kohle. Der Trockenprozeß
basiert auf der Tatsache, daß anorganische (kohlenstoff-freie) Beimengungen
von Kohle von Magnetkräften angezogen werden, während rein organische Kohle
abgestoßen wird.

Die Trennapparatur besteht im wesentlichen aus einer

Serie von Behältern, die die fein gemahlene Kohle über Drahtnetze führen.
Die Netze, die wie Siebe wirken, sind magnetisiert.

Die Beimengungen

bleiben darin hängen, die Kohle dagegen fällt durch und wird auf diese
Weise abgetrennt.

Angrenzend an ein Kohlekraftwerk, in dem Heizverfahren

nach der neuesten Technik angewandt werden, soll nach Abschlußder Testserien eine Trennungsanlage gebaut werden, um dort das Verfahren unter
Industriebedingungen zu erproben.

+ + + + +

- 2 -

[

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23. Juli 1980

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US-KREBSINSTITUT TESTET LAETRIL

- (AD) - Unter der Leitung des Nationalen Krebsinstituts (NCI) der
Vereinigten Staaten begannen Anfang Juli 1980 erste klinische Tests
zur Klärung der Frage, ob das umstrittene Präparat Laetril ("Amygdalin"
ist die chemische Bezeichnung) in der Krebstherapie eingesetzt werden kann.
Entsprechende Versuche werden an vier amerikanischen Krebsforschungsinstituten durchgeführt, und zwar an der Mayo-Klinik in Rochester
(Minnesota) von Dr. Charles Moertel, am Memorial Sloan-Kettering Cancer
Center (New York) von Dr. Charles Young, am Jonsson Cancer Center der
Universität Kalifornien in Los Angeles von Dr. Gregory Sarna und am Health
Sciences Center der Universität Arizona in Tuscon von Dr. Stephen Jones.
In die vorläufig auf zwei Jahre befristete Studie werden etwa
200 Krebspatienten einbezogen, bei denen bisher keine andere Therapie
ansprach. Sie erhalten Laetril zusammen mit einer Spezialdiät und
Vitaminpräparaten. Amygdalin ist eine aus Pflanzen gewonnene Verbindung,
die Cyanwasserstoff freisetzen kann, wenn im Körper das Molekül aufgebrochen wird. Die Substanz ist beispielsweise in den Kernen von bitteren

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�bitteren Mandeln, von Aprikosen, Pfirsichen und Pflaumen enthalten.
Bevor die FDA (US-Bundesamt für Nahrungs- und Arzneimittel) die
Durchführung von Wirksamkeitstests mit Laetril genehmigte, mußte geprüft
werden, unter welchen Voraussetzungen mit möglichen toxischen Wirkungen
von Laetril zu rechnen ist.
statt.

Diese Untersuchungen fanden an der Mayo-Klinik

Dabei zeigte sich erneut, wie bereits in einer früheren Einzel-

studie f\ Kalifornien ermittelt, daß der Genuß roher Mandeln in unverhältnismäßig großer Menge Vergiftungserscheinungen auslöst.

Mandeln

scheinen, wenn sie während einer Laetril-Behandlung verzehrt werden,
die Cyanid-FreiSetzung anzuregen und mengenmäßig zu fördern.
In einer weiteren klinischen Studie, die in Kürze beginnt, soll
Laetril daraufhin getestet werden, ob durch das Präparat bei Krebskranken
bestimmte Symptome, z.B. Schmerzen, gemildert werden können

und ob das

Präparat Patienten, bei denen andere Therapiemöglichkeiten versagen,
hilft, mit den alltäglichen Dingen besser fertigzuwerden.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Parteiprogramm der Republikanischen Partei für die Wahlen 1980&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wechsel an der Spitze der National Science Foundation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;VELA-SIGNAL: Kernexplosion unwahrscheinlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kohlereinigung auf magnetischem Wege&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Krebsinstitut testet Laetril&amp;nbsp;</text>
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                    <text>Fo

Information
und
Dokumentation

L*J

SKI

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. J u l i 1980

33

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie hebt Bedeutung der Auslandshilfe hervor
- Ansprache vor der Außenpolitischen Gesellschaft in New York Pressekonferenz des Stellvertretenden Außenministers der USA in Bonn

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüsten für den Kohleboom
- Expansion mit staatlicher Unterstützung -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�1

1
I

3Nil

33

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Juli 1980

AUSSENMINISTER MUSKIE HEBT BEDEUTUNG DER AUSLANDSHILFE HERVOR
Ansprache vor der Außenpolitischen Gesellschaft in New York

NEW YORK

- (AD) - In einer Ansprache vor der Außenpolitischen

Gesellschaft in New York ging Außenminister Edmund Muskie am 7. Juli 1980
zum zweitenmal innerhalb eines Monats auf die negativen Folgen einer
möglichen Kürzung der amerikanischen Auslandshilfe durch den Kongreß ein.
Er warnte davor, daß weniger wirtschaftliche und militärische Unterstützung
nur der Sowjetunion dabei behilflich wäre, in vielen Ländern "innere
Instabilität auszunützen".
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über diese Gelegenheit, vor der Außenpolitischen
Gesellschaft zu sprechen und zusammen mit Ihnen ein Problem aufzugreifen,
das für unser Land von grundlegender und langfristiger Bedeutung ist.

Es

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Tel: 0228-89 32 40
j e | e x : 08-85432

�Es handelt sich um eine Frage, die alle Aspekte unserer Außenpolitik berührt.

Durch sie wird entschieden werden, ob die Vereinigten

Staaten in den kommenden Jahren eine wirkungsvolle, positive Außenpolitik
haben werden - oder wir lediglich händeringend auf Krisen reagieren können.
Es geht um folgendes:

Sind wir bereit, für die Verteidigung unserer

Interessen und für die Förderung unserer Ideale im Ausland genügend Mittel
aufzubringen?
Die Frage wurde erneut aufgeworfen durch die Entscheidung vorige
Woche im Kongreß, zusätzliche Mittel aus dem Haushalt herauszustreichen,
die wir angefordert hatten, um andere Länder bei der Stärkung ihrer
Sicherheit und der Entwicklung ihrer Volkswirtschaften zu unterstützen
und dabei zu helfen, daß ihre Völker überleben.
In weniger als 90 Tagen wird das Haushaltsjahr 1980 zu Ende gehen.
Die ganze Zeit standen wir ohne Bewilligung der Hilfsgelder für 1980 da.
hinkten auf dem Ausgabenniveau des letzten Jahres einher.

Wir

Die konkrete

Folge waren umfangreiche Kürzungen bei entscheidenden Programmen und
Projekten.
Nunmehr haben wir eine ergänzende Bewilligung. Dies stellt verspätet
Mittel für ein paar der dringendsten Maßnahmen zur Verfügung - schließt
aber alle anderen aus. Das ist keine Lösung. Es verzögert nur das
eigentliche Problem.
Bedenken Sie nur einige wenige Beispiele dessen, was wir nunmehr
aufgrund der Verzögerung und der Streichungen zu vernachlässigen gezwungen
sind, von denen ich berichtet habe:
-

Es gibt gegenwärtig nur eine äußerst begrenzte Ermächtigung für
Bankkredite im Export-Import-Geschäft - einem Mittel zur Förderung

�Förderung des amerikanischen Handels. Das bedeutet weniger
amerikanische Arbeitsplätze und geringere amerikanische Gewinne.
.1

-

Verkäufe von militärischen Gütern ins Ausland auf Kreditbasis
wurden beschnitten - Kredite, die in solchen Gegenden der Welt
hätten benutzt werden können, die für unsere Sicherheit von
Bedeutung sind.

Wer kann sich die sowjetische Aktivität in de&gt;"

Welt ansehen und zu dem Schluß gelangen, dies sei die Zeit,
die Sicherheitsbedürfnisse unserer Freunde zu vernachlässigen?
-

Das Programm für internationale militärische Ausbildung und
Training - ein Programm, das die berufliche Tüchtigkeit von
Offizieren in Entwicklungsländern fördert-, wurde um 25 Prozent
gekürzt.

-

Die Mittel für unsere internationalen Anstreno r.igen zur Rauschgif tkontrolle liegen um 20 Prozent unter dem Betrag, den vorher
ein Vermittlungsausschuß des Repräsentantenhauses und des Senats
bewilligt hatte.

Es handelt sich dabei um kein umfangreiches

Programm - aber es dient unseren Interessen, weil es das Drogenproblem anpackt, das dem amerikanischen Volk jedes Jahr Milliarden
Dollar durch Kriminalität, ruinierte Gesundheit und zerstörtes
Leben kostet,
-

Wir müssen mit schmerzlichen Kürzungen bei den Internationalen
Entwicklungshilfe-Programmen zur Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion, der ländlichen Entwicklung und der Ernährung
fertigwerden. Projekte in der Karibik, in Kenia und im Jemen
gehören zu denjenigen, die gefährdet sind.

-

Die multilateralen Programme sind besonders hart betroffen.
Bewilligt wurden bisher nur 16 Prozent von dem, was wir der

- 3 -

�der Weltbank schulden.

Mittel für den Afrikanischen Entwicklungs-

fonds würden um 40 Prozent gegenüber dem im Haushalt vorgesehenen
Betrag sinken - und zu der Interpretation einladen, Amerikas
Interesse an dieser bedeutsamen afrikanischen Institution ginge
zurück; dies würde zugleich einen Umschwung bei der stetigen
Verbesserung unserer Beziehungen mit Afrika unter Präsident Carter
bedeuten.

Ernste Unzulänglichkeiten gibt es darüber hinaus bei

den Mitteln für die Asiatische

Entwicklungsbank.

Wenn wir mit unseren Beiträgen für diese Banken zurückbleiben, wird
die Entwicklung darunter leiden - und Menschen.
Banken leidet.
zu leisten.

Unser Einfluß bei diesen

Unsere Fähigkeit leidet, andere dazu zu bringen, Beiträge

Letztendlich leidet unsere Diplomatie.

Unsere Beiträge für die Banken sind nicht einfach Erfindungen der
Regierung; sie sind durch Verhandlungen zustande gekommen.

Die Carter-

Administration hat den Kongreß mit höchster Sorgfalt auf jeder Stufe
dieser Verhandlungen konsultiert.

Wenn dann die Mittel gekürzt werden,

verlieren die Entwicklungsländer die Hilfe, die sie so dringend brauchen und in der Folge verlieren andere Beitragsländer, unsere Verbündeten und
Freunde, ihr Vertrauen in das Wort Amerikas.
Ich bin nicht lediglich hier, um das Schicksal eines einzelnen
Gesetzes zu beklagen - obgleich auch dieses schon in solchen Zeiten
Anlaß genug zur Sorge wäre. Was mich mehr beunruhigt, ist eine Verhaltensweise. Es mangelt nicht an großen Worten, die nach mehr amerikanischer
Führung in der Welt rufen, nach Führung, die wir auch weiterhin bieten
müssen. Aber wenn wir weiterhin führen sollen, dann müssen wir bereit
sein, den Preis zu bezahlen, den Führung abverlangt.
Wenn dieser Abwärtstrend bei der Auslandshilfe anhält, werden wir
zu einer menschlichen Tragödie von gewaltigem Ausmaß beitragen. Denn wir

�wir sollten stets daran denken, daß diese Programme Menschen helfen.
Lassen Sie mich nur ein paar Beispiele aufführen:
-

Zwischen 1966 und 1972 wurden mit Hilfe des AID-Programms 250
Systeme zur Brauchwassergewinnung in ländlichen Gemeinden in
Thailand erstellt.

Das Programm war ein Erfolg und wurde von der

thailändischen Regierung fortgeführt.

Nunmehr werden damit 800

Dörfer versorgt. Als Folge davon nahmen Krankheiten, die auf
unreines Wasser zurückzuführen sind - und dies ist einer der
größten Krankheitsherde in der Dritten Welt - ab.

Gleichzeitig

stiegen die Einkommen und das Dorfleben hat sich stabilisiert.
-

In einem anderen Fall wurde mit der Auslandshilfe in Kolumbien
ein Kreditsystem aufgebaut, das es den Kleinbauern ermöglichte,
die Vorteile der Bodenreform auszunützen. In einem Zeitraum
von 15 Jahren wurden nahezu 35 000 kleine Baue, nhöfe finanziert.
Die Auslandshilfe hat ähnliche Programme in der ganzen Welt
unterstützt.

-

Ein AID-Programm hat sich in Guatemala auf dem Lande mit der
verbesserten Lehrerausbildung und besseren Ausstattung der
Schulen befaßt.

Durch dieses Programm wurde die Ausfallquote

hinsichtlich der Teilnahme an schulischen Veranstaltungen auf
dem Land um über 30 Prozent gesenkt.
Aus der Entfernung wirkt keines dieser Projekte aufsehenerregend.
Aber was die Menschen angeht, denen geholfen wird, so verändern sogar
kleine Projekte ihr Leben. Und die kumulative Auswirkung weltweit gesehen
ist tiefgreifend.
Ich möchte betonen, daß diese Programme mehr umfassen als nur
unsere humanitären Gefühle.

Sie haben unmittelbaren Bezug zu unseren

- 5 -

�unseren nationalen Interessen.

Denn Tatsache ist, daß wir ein großes

und wachsendes Interesse an den Entwicklungsländern haben.
ohne sie:

Es geht nicht

als Handelspartner und als Märkte, als Ursprungsländer wichtiger

Rohstoffe, als notwendige Partner

bei unseren Anstrengungen gegenüber

Umweltverschmutzung und Bevölkerungswachstum, Nichtweiterverbreitung
von Kernwaffen und zahllosen anderen Problemen, die unser aller Leben
angehen.
Wir wollen ihren Fortschritt, weil wir uns um Menschen kümmern.
Wir wollen ihren Erfolg, weil unsere eigene wirtschaftliche Gesundheit
mit der ihrigen verbunden ist.
Unsere Fonds für wirtschaftliche Unterstützung - ein zentrales
Element unseres Sicherheitsbeistandes - waren für unsere Anstrengungen
zur Stärkung der Volkswirtschaften befreundeter Länder wie Israel,
Ägypten und Türkei von wesentlicher Bedeutung.

Diese Fonds lieferten

zugleich entscheidende Hilfe bei der Unterstützung unserer Bemühungen, im
südlichen Afrika Stabilität und friedlichen Wandel herbeizuführen.
Hinsichtlich des Zweckes unserer internationalen Programme gibt
es keine Geheimnisse. Es handelt sich um eine Methode, die weltweit
ebenso sinnvoll ist wie im Bereich unseres Geschäftslebens, in unseren
Familien oder in allen anderen Bereichen unseres Lebens. Ein Problem
vorauszusehen und sich mit ihm auseinanderzusetzen ist ungleich sicherer
und billiger, als auf den Ausbruch der Krise zu warten.
Es liegt in unserem eigenen Interesse, alles in unserer Macht
Stehende zu tun, um den Bedingungen entgegenzuwirken, die wahrscheinlich
andernfalls die Menschen später zur Verzweiflung treiben würden. Es
verursacht weniger Kosten, jetzt in Brauchwassersysteme zu investieren
als später Krankheiten heilen zu müssen, die durch verunreinigtes
Wasser entstanden sind. Es ist klug, Menschen bei ihrer 1andwirtschaftlichen

�landwirtschaftlichen Selbstversorgung zu helfen, anstatt später Notprogramme anzubieten, die nötig sind, um ihr Leben angesichts Trockenheit
und Hungersnot zu erhalten.

Wir möchten lieber Techniker ins Ausland

schicken, um beim Getreideanbau zu helfen, als Soldaten in Kriegen einzusetzen, die ausbrechen können, wenn Menschen hungrig sind und von anderen
ausgenützt werden können.
Damit wir uns also nicht mißverstehen: Durch Beschneidung solch
internationaler Programme sparen wir kein Geld. Wir verschieben den
Zeitpunkt, da die dramatisch gestiegenen Kosten eines Tages doch gezahlt
werden müssen.
Aber diese Programme sind auch noch aus einem anderen Grund wichtig.
Mit ihrer Hilfe haben wir eine Möglichkeit, die Ereignisse in problematischen
Gebieten dieser Welt zu beeinflussen; ohne sie verringert sich unsere
Macht, solche Ereignisse mitzugestalten, beträchtlich.
Wir alle machen uns zurecht Gedanken darüber, nicht in militärische
Schwäche zu verfallen.

Wir modernisieren ständig unsere militärische

Position. Aber Kürzung unserer anderen internationalen Programme trägt
nur zu einer weiteren Art Schwäche bei, die ganz genauso gefährlich ist.
Sie kürzt nämlich unser Arsenal an Einflußmöglichkeiten.
Unsere Unterstützung der Freiheit in der Welt, unsere Verteidigung
amerikanischer und westlicher Interessen, kann nicht durch militärische
Waffen allein geschehen.

Die Schlacht um den Einfluß Amerikas in der

Welt erfordert mehr als Raketen, sicherlich mehr als Reden.

Sie benötigt

die Mittel, die unsere Diplomatie wirkungsvoll machen.
Wie sehen die möglichen Folgen für Amerika aus, wenn wir diese
Mittel nicht bekommen?
Die

- 7 -

�\

Die erste Folge wäre die Isolation Amerikas.
Handelspartner.

Wir brauchen gesunde

Wir benötigen den Zugang zu Einrichtungen und Rohstoffen.

Wir brauchen die Unterstützung anderer, um bei der Erzielung friedlicher
Lösungen regionaler Konflikte zu helfen.

Wir brauchen politische Unter-

stützung - gleich, ob beim Widerstand gegen den Terrorismus im Iran oder
die Aggression in Afghanistan.
Aber wir können nicht die Zusammenarbeit und die Unterstützung
anderer bei Fragen erwarten, die für uns von Bedeutung sind, wenn wir
nicht bereit sind, konkrete Unterstützung bei Fragen anzubieten, die für
sie von Bedeutung sind - besonders bei ihrer eigenen wirtschaftlichen
Entwicklung und ihrem sozialen Fortschritt.
Aber Isolation wäre nur die eine Folge.

Nachlassende amerikanische

Hilfe und nachlassender amerikanischer Einfluß würden es zugleich der
Sowjetunion leichter machen, innere Instabilität auszunützen, wie etwa
in Nicaragua, in El Salvador und in vielen anderen Ländern, wo die
Sowjets bereit sind, Spannungen auszunützen, um ihre Macht auszudehnen
und den westlichen Einfluß zurückzudrängen.
Nichts am amerikanischen Volk gibt mir den Eindruck, es wolle den
Sowjets diese Art freien Lauf lassen. Ich glaube, daß das amerikanische
Volk möchte, daß sein Land dem sowjetischen Expansionismus widersteht nicht nur militärisch, sondern durch die Unterstützung anderer Länder bei
der Verteidigung deren Freiheit und bei der Ernährung ihrer Bewohner.
Ich glaube, daß das amerikanische Volk möchte, daß sein Land sich aktiv
in dieser Welt einsetzt.
Schließlich würde der Rückgang amerikanischer Hilfe und amerikanischen
Einflusses unsere Anstrengungen behindern, gefährliche Streitigkeiten
beizulegen und friedliche, demokratische Lösungen zu finden.
Lassen

8 -

�Lassen Sie mich ein Beispiel geben:
Während der letzten drei Jahre kämpften 1m Kongreß viele erbittert
gegen die Rhodesien-Politik von Präsident Carter.
Mutig und nahezu allein bestand Präsident Carter darauf, daß die
Vereinigten Staaten aktiv die Anstrengungen Großbritanniens unterstutzten,
um Rhodesien eine demokratisch gewählte Regierung zu geben.
Glücklicherweise behielt Präsident Carter gegenüber einer heftigen
Opposition die Oberhand. In der Tat trug seine Weigerung gegenüber einem
verfrühten Kompromiß über Rhodesien zur Beendigung eines blutigen Bürgerkriegs in diesem Land bei. Das Ergebnis war für das Volk von Simbabwe
gut, und es war schlecht für die Sowjets, die versuchten, die dortige
Unruhe auszunützen.
Denken Sie an einen anderen Fall:

Wir haben seit über einem Jahr

versucht, die Mitte 1n Nicaragua zu stärken und den gemäßigten Kräften
dort dabei zu helfen, extremistischen Lösungen zu widerstehen.
Jedesmal, wenn wir versuchten,die Mittel zu bewilligen, die notwendig
waren, um unsere Anstrengungen in Niciragua zu unterstützen, wurde dieses
Bemühen zurückgewiesen.

Zuguterletzt hat der Kongreß gehandelt, um

75 Millionen Dollar bereitzustellen, die nötig waren, um unsere Verpflichtungen
zu erfüllen.
Aber durch die Verzögerung erlitten wir einen Vertrauensverlust.
Die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, sich für die Demokratie einzusetzen, wurde in der ganzen Region in Frage gestellt.
Es geht doch darum:

Gerade die, die sich am meisten über sowjetische

und kubanische Aktivitäten in der Welt Sorgen machen, sollten unsere

- 9 -

�unsere Anstrengungen am stärksten unterstützen, den gemäßigten Übergang
von repressiver Tyrannei zu demokratischer Entwicklung mitzutragen.
Denn wenn wir dabei versagen, die Alternativen zum Radikalismus zu
unterstützen, tragen wir nur zur Entstehung von Radikalismus bei.
Dieser andauernde Angriff auf die Auslandshilfe ist nicht nur
kurzsichtig; er ist für die amerikanischen Interessen gefährlich.

Denn

er bedroht die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, in der Welt eine
positive Rolle zu spielen, in einen wirkungsvollen Wettbewerb mit den
Sowjets zu treten und die sich entwickelnden - und bedrohten - Demokratien
zu ermutigen.

Er droht, Amerika aller seiner Instrumente zu berauben -

ausgenommen der Instrumente der Zerstörung.
..'&gt;

. 'J,O'.

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk verstehen wird,

worum es geht, sobald es die Tatsachen kennt.

Ich glaube, es wird ver-

stehen, daß eine großzügige Investition in Sicherheitsbeistand und wirtschaftliche Entwicklung im Ausland für ein starkes Amerika notwendig ist.
•

•

-

Ich beschäftige mich mit diesem Thema nicht erst seit heute. Vor
22 Jahren machte ich meine Unterstützung der Auslandshilfe zu einem der
zentralen Themen meines ersten Senatswahl kämpfes. Und ich bin absolut
bereit, mich hinter diese Botschaft zu stellen, bis sie zum Durchbruch
gelangt.
. ,,,
i

|

• . . , - .

,' \

•

Ich glaube, es ist Zeit für eine gesunde landesweite,Debatte über
dieses Thema - und ich lade Sie als Bürger, die sich ernsthaft Gedanken
über Amerikas Rolle in der Welt machen, dazu ein,, zu dieser Debatte
beizutragen.
Der Preis für Schweigen könnte wachsende Isolation und sogar Bedeutungslosigkeit für Amerika sein. Das ist ein Preis, den zu zahlen
kein Amerikaner von uns verlangen sollte.

+ + + + +

- 10 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Juli 1980

33

PRESSEKONFERENZ DES STELLVERTRETENDEN AUSSENMINISTERS DER USA IN BONN

BONN

- (AD) - Warren Christopher, der Stellvertretende Außenminister

der Vereinigten Staaten, hielt während seines Aufenthalts in Bonn, wohin er
zum Zweck ausführlicher Konsultationen gekommen war, am 14. Juli 1980 eine
kurze Pressekonferenz ab, die wir im Wortlaut wiedergeben.
Nach einleitenden Worten des Sprechers des Auswärtigen Amtes gab
Warren Christopher zunächst eine Erklärung ab und stellte sich dann den
Fragen der Journalisten:
CHRISTOPHER: Ich bin nach Bonn gekommen, um eine Reihe von Treffen
fortzusetzen, die ich mit Staatssekretär van Well, meinem analogen Gesprächspartner in der deutschen Regierung, gehabt habe. Wir sind im Lauf der
letzten Wochen und Monate gelegentlich zusammengetroffen, wenn es uns
beiden geeignet schien, unsere Ansichten über eine ganze Bandbreite von
weltweiten und bilateralen Fragen auszutauschen. Diesmal haben wir drei
oder vier Stunden miteinander gesprochen und eine ganze Reihe von Themen
behandelt. Wir haben über Afghanistan und andere Bereiche Asiens gesprochen

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Telex: 08-85432

�gesprochen und uns über Korea unterhalten.
Es gab eine anregende Diskussion über das südliche Afrika und
insbesondere das Namibia-Problem.

Wir tauschten unsere Ansichten über

Mittelamerika aus, wo beide Länder ein Interesse daran haben, daß Frieden
und Ruhe wiederhergestellt werden.
Bündnisses gesprochen.

Natürlich haben wir über Fragen des

Wir befassten uns mit den Vorbereitungen für Madrid

und haben selbstverständlich auch die Frage der eurostrategischen Waffen
sowie der jüngsten Entwicklung auf diesem Gebiet behandelt.
Wie Sie vielleicht wissen, bin ich heute morgen kurz mit dem Außenminister, Herrn Genscher, zusammengekommen. Ich hatte bei diesem Zusammentreffen die Gelegenheit, ihm von einem Gespräch zu berichten, das ich
vorigen Donnerstag mit Botschafter Dobrynin führte. Bei jener Gelegenheit
übermittelte uns Botschafter Dobrynin unmittelbar die Antwort der Sowjetunion
auf die Haltung, die die Vereinigten Staaten hinsichtlich der Rüstungskontrolle einnehmen - ein Gedankenaustausch, der sich aus der NATO-Entscheidung
vom vorigen Dezember in bezug auf die nuklearen Mittel Streckenwaffen (TNF)
entwickelte.
Der von Herrn Dobrynin letzten Donnerstag vertretene Standpunkt war
dabei im wesentlichen derselbe wie jener, den Bundeskanzler Schmidt in
seinem Bericht aus Moskau zurückbrachte und hinsichtlich dessen Herr
Genscher und Herr van Well die Freundlichkeit hatten, nach Washington zu
kommen und ihn uns unmittelbar nach den Treffen in Moskau direkt zu vermitteln. Zu dieser Frage besprachen Herr Genscher und ich die Schritte,
die im Lauf der kommenden Wochen bezüglich dieser Angelegenheit unternommen
werden. Dabei werden die jeweiligen Regierungen sich damit befassen,
dabei werden wir in der NATO die Konsultationen fortführen und dabei werden
wir bei gegebener Gelegenheit in der Beratungsgruppe zusammentreffen, um
die Angelegenheit voranzubringen, nachdem die Sowjetunion nunmehr ihre Vorbedingungen hat fallen lassen.
Ich

•

�Ich möchte noch hinzufügen, daß ich insbesondere die Gelegenheit
schätze, mit meinem Gesprächspartner, Herrn Günther van Well und den
anderen deutschen Amtsträgern, Berndt von Staden und anderen, zusammenzutreffen. Ich glaube, wir haben eine Beziehung aufgebaut, die es uns
ermöglicht, einen freundschaftlichen und offenen Gedankenaustausch zu
führen; dies ist ein überaus wertvoller Teil dessen, was ich intensivierte
Koordination zwischen unseren beiden Ländern nennen möchte - zu einer Zeit
bedeutsamer Entwicklungen sowohl in diesem Bereich als auch in der ganzen
Welt. Wir werden unsere Gespräche fortsetzen. Daher möchte ich nicht zu
lange bleiben; aber ich beantworte gern einige Fragen, falls es solche
gibt.
FRAGE: Herr Christopher, haben
geber, einen Kommentar zur Frage der
Nuklearwaffen), zur Verbesserung der
sprechenden Systemen auf der anderen

Sie selbst oder Ihr deutscher Gast"Forward Based Systems" (FBS) (VorfeldFBS auf der einen Seite und den entSeite?

ANTWORT: Nun, es ist die Einstellung der Vereinigten Staaten, daß man
sich im Verlauf der einleitenden Gespräche auf die landgestützten, weitreichenden eurostrategischen Systeme konzentrieren sollte. Diese Haltung
wurde vorigen Dezember bei der NATO sowohl von den Vereinigten Staaten als
auch von der Bundesrepublik Deutschland eingenommen. Daher glaube ich
nicht, daß es irgendwelche Meinungsverschiedenheiten zwischen uns hinsichtlich
der Basis geben könnte, auf der die ersten Gespräche mit der Sowjetunion
beginnen sollten. Wie Sie wissen, hat die Sowjetunion die Einstellung,
daß die FBS-Systeme in diese Gespräche mit einbezogen werden sollten.
FRAGE:

Als Sie die Frage der Vorbereitungen besprachen, die in den

kommenden Wochen getroffen werden, um diesen Vorschlag zu behandeln:
könnten Sie uns sagen, ob diese auch beinhalten, der Sowjetunion irgendeine Art von Antwort zu geben?

Oder wird lediglich analysiert, was sie

sagt?
ANTWORT:
- 3 -

�ANTWORT:

Lassen Sie mich das in einen Zusammenhang stellen.

Wie Sie

wissen, boten die Vereinigten Staaten vorigen Dezember im Zusammenhang
mit der TNF-Entscheidung an, einen ersten Meinungsaustausch mit der Sowjätunion
in bezug auf Fragen der Rüstungskontrolle 1h Europa parallel zu len TNFEntwicklungen aufzunehmen.
Reaktion der Sowjetunion.

Sieben Monate lang warteten wir auf eine
Während dieses Zeitraums beharrte die Sowjetunion

darauf, daß diese Dezember-Entscheidung aufgegeben werden müsse, bevor sie
sich an diesen Gesprächen beteiligen würde.

Nun hat die Sowjetunion während

der letzten Wochen diese ihre Haltung geändert und Verhandlungsbereitschaft
angezeigt.

Was wir nunmehr vorbereiten, ist ein vorbereitender Gedanken-

austausch zu diesem Thema.

Wie Sie wissen, ist die Haltung des Bündnisses,

diesen vorbereitenden Gedankenaustausch in SALT III einzubinden und daß
der Meinungsaustausch innerhalb des Rahmenwerks von SALT III stattfinden
sollte.

Was wir in den kommenden Wochen tun werden ist, in unseren eigenen

Regierungen die Grundlage für diesen vorbereitenden Gedankenaustausch auszuarbeiten und ihn dann innerhalb des Bündnisses in der Beratungsgruppe
zu überdenken, sodaß die Treffen mit den Sowjets zur richtigen Zeit und
rechtzeitig stattfinden können.
Ich brauche niemandem von Ihnen zu sagen, daß es sich um eine ungeheuer
komplizierte Angelegenheit handelt und daß die Vorbereitungen für das erste
Treffen sorgfältig, umfassend und intensiv sein mUssen.
FRAGE:

(teilweise unverständlich): Wird deutlich, daß die Sowjetunion

einverstanden ist, daß Waffen wie die SS-4 und SS-5 einbezogen sind?

Mit

anderen Worten, daß die entsprechenden Waffen in die einleitenden Gespräche
zusammen mit den amerikanischen FBS-Systemen einbezogen werden?

Ist ein-

deutig, daß die Sowjetunion dies akzeptiert hat?
ANTWORT:
sieren.

Ich möchte nicht die Einstellung der Sowjetunion charakteri-

Ich möchte lediglich sagen, daß sie den Eindruck macht, hinsichtlich

der nuklearen Mittel Streckenwaffen in Europa (TNF) gesprächsbereit zu sein.

�sein.

Und sicherlich dürften diese Waffen, diese Raketen in diesem

Zusammenhang stehen.

Aber ich habe nicht das Gefühl, daß seitens der

Sowjetunion irgendwelche Wünsche bestehen, eine weitere Reihe von Vorbedingungen aufzustellen.

Ich glaube, sie sind zu Gesprächen bereit •

und die Gespräche werden Tiefe und Breite herausfinden müssen.

+ + + + +

- 5 -

�Hintergrund
materiell

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

33

16. Juli 1980

RÜSTEN FÜR DEN KOHLEBOOM
Expansion mit staatlicher Unterstützung

WASHINGTON - (AD) - Die Anstrengungen der Vereinigten Staaten, ihre
reichen Kohlevorkommen als Ersatz für Importö"! und für die Produktion von
synthetischen Brennstoffen einzusetzen, verlangen eine drastische Ausweitung der gesamten Kohlewirtschaft - das Transportwesen eingeschlossen.
Ohne staatliche Unterstützung ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen.
Die amerikanische Regierung ist entschlossen, jede notwendige Hilfe zu
gewähren und Bedingungen zu schaffen, unter denen die Kohleindustrie so
effizient wie nur irgend möglich tätig sein kann.
Dies geschehe, wie John C. Sawhill, stellvertretender US-Ener-gieminister, auf der Jahrestagung der "National Goal Association" (Verband
der amerikanischen Kohlewirtschaft) in Washington hervorhob, durch
eine Kombination wirtschaftlicher Anreize, durch sorgfältig ausgewählte
Forschungs- und Entwicklungsprojekte und gut bedachte regulative Maßnahmen,
Die Regierung strebe eine Partnerschaft an, in der Staat und r;dt:t-ie
klar definierte Rollen übernehmen.

"Der Beweis rür unser Engagement Ist

Postfach20 0 3 0 0 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
T e | e x : 08-85432

�ist eine eindrucksvolle Anzahl von Bundesprogrammen zur Erhöhung des
Kohleverbrauchs", so Sawhill, "während gleichzeitig sichergestellt wird,
daß Ihre (d.h. der Kohleindustrie) Anstrengungen, mehr zu liefern, nicht
unnötig behindert werden.

Teil der Programme ist der energische Vorstoß

zur Schaffung einer Synthesebrennstoff-Industrie, zur Umstellung der
Kesselbefeuerung in Kraftwerken auf Kohle, zur Beschleunigung von
Pachtgenehmigungen bei bundeseigenem Land und zur Ausschaltung von
Hindernissen für die rasche Ausweitung des Kohleexportmarktes".
Die Förderung von Heiz- und Hüttenkohle lag in den Vereinigten
Staaten im Jahr 1979 bei ca. 770 Millionen Tonnen.

Davon nahm die

amerikanische Elektrizitätswirtschaft schätzungsweise 530 Millionen
Tonnen auf.

Schon in den nächsten paar Jahren wird dieser Markt einen

hohen Zuwachs erfahren, wenn die Pläne, bis zum Jahr 2 000 etwa 270
neue Kohlekraftwerke in Betrieb zu nehmen, realisiert werden.

Diese

Kraftwerke allein würden schließlich mehr als 350 Millionen Tonnen Kohle
pro Jahr benötigen.

Dazu kämen zunächst noch 80 Heizkraftwerke, die mit

Bundeszuschüssen und Krediten in Höhe von insgesamt vier Milliarden Dollar
bis 1985 von öl- auf Kohlefeuerung umgerüstet werden sollen.

Dadurch

würden, wie Sawhill erklärte, täglich 300 000 Barrel öl eingespart;
der Kohlebedarf dieser Betriebe wird auf 25-30 Millionen Tonnen im Jahr
geschätzt.

Die gegenwärtig noch freie Kapazität des amerikanischen

Kohlebergbaus von 100 Millionen Tonnen pro Jahr wäre also bald ausgelastet,
und zwar noch ohne Berücksichtigung der zu erwartenden Steigerung der
Kohleexporte und des Eigenbedarfs der USA für die SynthesebrennstoffProduktion.
Um beispielsweise das auf der Gipfelkonferenz von Venedig von den
USA, der Bundesrepublik, Frankreich, Italien, Japan und Kanada gesetzte
Ziel zu erreichen, bis 1990 das Äquivalent von täglich 15-20 Millionen
Barrel öl aus anderen Energiequellen - die Hälfte davon aus Kohle - zu
produzieren, müßten die Vereinigten Staaten ihre Kohleexporte von fünf

- 2 -

�fünf Millionen Tonnen (im Jahr 1979) auf mindestens 100 Millionen Tonnen
pro Jahr steigern.

Die Kohleimporte der EWG-Länder dürften in den nächsten

20 Jahren auf insgesamt 280 Millionen Tonnen anwachsen (gegenwärtige
Einfuhren: 66 Millionen Tonnen im Jahr).

In der kürzlich veröffentlichten

Weltkohlestudie wurde bereits auf die Notwendigkeit verwiesen, die Schiffskapazitäten für Massengüter um mindestens 20 Prozent auszuweiten.

Für

einige amerikanische Häfen mit bisher relativ geringem Kohleumschlag
wie New Orleans (Louisiana),Mobile (Alabama), Wilmington (Delaware) und
Philadelphia (Pennsylvania; sind Erweiterungsprojekte geplant oder bereits
in Angriff genommen.

Großhäfen wie Norfolk und Newport News (Virginia)

sowie Baltimore (Maryland) sind einem verstärkten Umschlag zumindest in
den nächsten Jahren noch gewachsen.
Sawhill schätzt, daß durch die Aktivität der mit dem Energiesicherungsgesetz von 1980 geschaffenen "Synthetic Fuels Corporation" (SFC - unabhängiges staatliches Gremium zur Förderung der SynthesebrennstoffErzeugung) allein in den achtziger Jahren ein zusätzlicher Kohlebedarf von
150 bis 200 Millionen Tonnen, bis zum Ende des Jahrhunderts sogar von
etwa 300 Millionen Tonnen Kohle entsteht. Er bekräftigte erneut, daß
die SFC den privaten Sektor nicht verdrängen werde. Nach wie vor sei
es Sache der Industrie, die notwendigen neuen Werke zu bauen und die neue
Technologie zu kommerzialisieren. Jedoch sei es notwendig, der Privatwirtschaft beim Aufbau einer Synthesebrennstoffindustrie mit Krediten,
Kreditbürgschaften, Preis- und Abnahmegarantien Starthilfen und Anreize
zu geben und Projektentwicklungen zu beschleunigen. An den vielfältigen
Aufgaben sind Privatunternehmen der verschiedensten Größe und Branchen
beteiligt. Für die erste Phase des Programms hat der amerikanische
Kongreß 20 Milliarden Dollar bewilligt.
Beim US-Energieministerium gingen inzwischen, wie Sawhill berichtete,
ca. 1 000 Vorschläge von Firmen, einzelstaatlichen und kommunalen Behörden
zu technischen Studien und Kooperationsprojekten ein, die jetzt mit Vorrang

- 3 -

�Vorrang geprüft werden.

Bei zahlreichen Verfahren der neuen Kohletechnologie

sei das Versuchsstadium überwunden.

Man habe demonstrationsfähige Methoden

und Ausrüstungen zur Produktion synthetischer Brennstoffe für einen realen
und ständig wachsenden Markt entwickelt, die auch unter Gesichtspunkten des
Umweltschutzes akzeptabel seien.

Für drei wichtige Techniken der Kohle-

verflüssigung, u.a. die beiden gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland
entwickelten SCR-Verfahren, beginnt in Kürze die Demonstrationsphase.

Die

SCR-Anlagen werden sowohl flüssige Synthesebrennstoffe als auch verbesserte
Festbrennstoffe erzeugen.

Sie sind so ausbaufähig, daß M t t e der achtziger

Jahre die großtechnische Produktion anlaufen kann.
Dem für Rohstofferschließung zuständigen US-Innenministerium wurde
vom Energieministerium empfohlen, in den nächsten drei Jahren genügend
zusätzliches Land für Verpachtungen freizugeben, um Kohleförderung im
Umfang von insgesamt acht Milliarden Tonnen zu ermöglichen. Das wären
50 Prozent mehr, als gegenwärtig von bundeseigenem Land gefördert werden
könnte.

In einer Art Flurbereinigung sollten, so Sawhill, kleine Parzellen

in privatem und staatlichem Besitz so arrondiert, getauscht oder zusammengelegt werden, daß sich ein Abbau von Kohle rentiert.

Die Pachtbedingungen

sollten die Möglichkeit schaffen, einige Synthesebrennstoff-Betriebe
in der Nähe der Fördergebiete zu errichten.
Sawhill ist der Auffassung, daß amerikanische Kohleexporte auch
ohne besondere Bundesinitiativen innerhalb des nächsten Jahrzehnts auf
100 Millionen Tonnen gesteigert werden könnten. "Wir streben an, Kohleexporte noch stärker anzuheben. Bei einem Preis von 50 Dollar per Tonne
könnte der Export von 100 Millionen Tonnen dem Lande fünf Milliarden
Dollar jährlich einbringen und so wesentlich zur Wiederherstellung einer
positiven Handelsbilanz beitragen. Ende des Jahrhunderts könnte die Kohle
das Getreide als unser wichtigstes Exportgut überholen . . . Wir sondieren
Mittel und Wege, um der Industrie zu helfen, die Kapazitäten für den
Bahntransport zu verbessern, Hafenanlagen auszubauen und Ausrüstungen zu_

�zu modernisieren...".
Die Vereinigten Staaten wenden, wie Sawhill ausführte, im kommenden
Jahr mehr als eine Milliarde Dollar für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf dem Sektor Kohle auf - d.h. 90 Prozent der für fossile
Brennstoffe vorgesehenen Mittel. Dazu gehört beispielsweise die Weiterführung von Projekten auf dem Gebiet der Wirbelschichtverbrennung, um
auch schwefelreiche Kohle umweltschonend verwerten zu können. Rund
97 Millionen Dollar sind für Programme bestimmt, in denen es um einen
besseren Wirkungsgrad der Energieumwandlung bei Brennstoffzellen und MHDSystemen geht. Mit 22 Millionen Dollar werden die Versuche zur Verwendung
von Öl-Kohle-Mischungen, mit 65 Millionen Dollar verbesserte Verfahren
zur Umwandlung und Verbrennung von Kohle und mit 50 Millionen Dollar neue
Experimente zur direkten und indirekten Kohleverflüssigung, zur Raffinerie
flüssiger Kohleprodukte, unterirdischen Kohlevergasung und für neue
Kohleaufbereitungsverfahren weiterfinanziert.
Kohle soll in den achtziger und neunziger Jahren zum Rückgrat des
amerikanischen Energiesystems werden.

Sie werde, so erklärte John Sawhill,

die Vereinigten Staaten auch in die Lage versetzen, die Inflation dort
wirksam zu bekämpfen, wo sie durch die Kosten des Importöls verursacht
ist.

Kohle werde direkt 59 000 und indirekt 295 000 neue Arbeitsplätze

schaffen - von den neuen Arbeitsmöglichkeiten im Zusammenhang mit den
Synthesebrennstoffwerken einmal ganz abgesehen.

Durch sie werde die

Produktivität wieder zunehmen, der Wert des Dollar gefestigt und das
Vertrauen in die technologische Stärke Amerikas neu belebt.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Muskie hebt Bedeutung der Auslandshilfe hervor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor der Außenpolitischen Gesellschaft in New York -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz des Stellvertretenden Außenministers der USA in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüsten für den Kohleboom&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Expansion mit staatlicher Unterstützung -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>9. Juli 1980

INHALT

INFORMATION
Synthesebrennstoff-Gesetz von Präsident Carter unterzeichnet
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zur Registrierungspflicht
HINTERGRUNDMATERIAL
Gedanken zur transatlantischen Partnerschaft
- von James G. Lowenstein überzeugende Starterfolge des US-Energieprogramms
- Integrierende Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- und Forschungspolitik - ein tragfähiges Fundament für die Zukunft Reform der Atomkraftwerks-Sicherheitsbestimmungen
- US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zink-Chlorid-Batterie-System für Elektroautos

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 0228-89 32 40
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�Information

3

International Communication Agency
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32

9. Juli 1980

SYNTHESEBRENNSTOFF-GESETZ VON PRÄSIDENT CARTER UNTERZEICHNET

- (AD) - Das Gesetz Über die mit vorerst 20 Milliarden Dollar
aus der Staatskasse zu fördernde großtechnische Produktion von synthetischen
Brennstoffen unterzeichnete President Carter am 30. Juni 1980 1m Rahmen
einer Feierstunde 1m Weißen Haus. Der Kongreß hatte Ende Juni das Kernstück eines schon vor einem Jahr vom Präsidenten eingebrachten Gesetzwerks zur künftigen Energiepol1t1k der Vereinigten Staaten verabschiedet.
Es Ist darauf abgestellt, die Abhängigkeit der USA von Importöl drastisch
zu verringern und die Energieversorgung in höchstmöglichem Umfang aus
einheimischen Quellen zu bestreiten.
Der Präsident bezeichnete die Inkraftsetzung des SynthesebrennstoffGesetzes als einen "stolzen Tag" für Amerika. "Der Grundpfeiler unserer
nationalen Energiepolitit wird endlich gesetzt. Unsere unerträgliche
Abhängigkeit von ausländischem öl bedroht unsere wirtschaftliche Sicherheit
und unsere nationale Sicherheit. Die Energiesicherheit Amerikas ist
der Schlüssel für beides, denn alle drei sind Glieder ein- und derselben
Kette."
Der

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�Der Präsident verwies darauf, daß er mit dem Augenblick seiner
Amtsübernahme im Energieproblem eine ernste Gefahr für Leben und Existenz
der Amerikaner gesehen habe.
die Inflation.

Denn der hohe Preis des Importöls treibe

Mit der Inflation komme Arbeitslosigkeit und sinkende

Produktivität im eigenen Land und Mangel und Armut in weniger entwickelten
Ländern.
"Dies sind die harten Tatsachen", erklärte der Präsident, "und
es fiel uns schwer, uns ihnen zu stellen.

Aber in den vergangenen

12 Monaten haben Amerikaner aller Schichten und von allen Regierungsebenen unsere Entschlossenheit zu erkennen gegeben, daß unser Land
mehr Energie produzieren, entdecken, nutzen und sparen wird - und wir
werden dies mit amerikanischen Ressourcen, amerikanischem Wissen und
Können und amerikanischer Arbeitskraft tun.
Die Verabschiedung des Energiesicherungsgesetzes ist der Glanzpunkt unserer Anstrengungen, eine umfassende nationale Energiepolitik
zu entwickeln und durchzusetzen, nämlich
-

eine Politik, die unseren Energieproblemen gerecht wird;

-

eine Politik, die unser Programm für die Zukunft vorzeichnet;

-

eine Politik, die uns die Waffen an die Hand gibt, um den Energiekrieg zu wagen und zu gewinnen....

Alles in allem wird das Energiesicherungsgesetz in diesem Jahrzehnt
das größte Engagement in bezug auf Kapitalinvestitionen, Technologie,
Arbeitseinsatz und Ressourcen seit dem Raumfahrtprogramm in Gang setzen es wird an Umfang sogar die koordinierten Programme weit in den Schatten
stellen, die uns zum Mond brachten und mit denen wir unser Fernstraßennetz
gebaut haben."
Die

�Die Vereinigten Staaten haben, wie Präsident Carter erklärte, seit
1977 ihre ölimporte um mehr als 1,5 Millionen Barrel (Barrel = Faß mit
159 Litern) pro Tag verringert.

In der ersten Hälfte dieses Jahres

lagen die Importe um 12,9 Prozent unter denen von 1979; der Benzinverbrauch
ging um acht Prozent, der gesamte Ölverbrauch um mehr als neun Prozent
zurück.

Die einheimische Rohöl Produktion steigt wieder an. Und im

ersten Quartal 1980 wurden 16 Prozent mehr amerikanische Kohle gefördert
- Kohle, die in den USA reichlich vorhanden ist und wichtiger Rohstoff
für Synthesebrennstoffe sein wird.
Der Präsident verwies darauf,daß das neue Gesetzeswerk, das mehr
Möglichkeiten zum Energiesparen eröffne und eine neue Industrie zur
Energieproduktion ins Leben rufe, durch die Planung, den Bau und den
Betrieb von Synthesewerken, deren Versorgung mit Rohstoffen sowie die
Gewinnung von Alkohol und anderen Biomasse-Brennstoffen jährlich mindestens
70 000 neue Arbeitsplätze schaffe. Tausende weiterer Arbeitsplätze werden
sich durch die Programme zur Energieeinsparung und Nutzung der Sonnenenergie
sowie durch die indirekten Auswirkungen aller Programme ergeben.
Das Gesetz verfügt die Einsetzung einer staatlichen Gesellschaft
zur Förderung aller notwendigen Maßnahmen, um bis 1992 einen Tagesausstoß
von zwei Millionen Barrel synthetischer Brennstoffe durch Kohleumwandlung,
die Extraktion von öl aus Ölschiefer und Teersanden und durch andere
Mittel zu erreichen. Die Bank für Sonnenenergie und Energieeinsparung
wird mehr als drei Milliarden Dollar in direkten Subventionen an Privathaushalte und Betriebe für Energie-Sparmaßnahmen und zur Nutzung regenerierfähiger Energiequellen geben. Die USA streben an, bis zum Jahr 2 000
etwa 20 Prozent des Energiebedarfs mit Sonnenenergie zu decken. Mit
mehr als einer Milliarde Dollar wird die Produktion von Brennstoffen
wie GAS0H0L (Benzin-AIkohol-Mischkraftstoff) aus Getreide und anderer
"Biomasse" gefördert. Allein im laufenden Jahr wollen die USA ihre
GASOHOL-Produktionskapazität vervierfachen.
In
- 3 -

�In dem Gesetz sind mögliche Umweltprobleme berücksichtigt, die sich
im Zusammenhang mit der intensivierten Energieproduktion und massiven
Kohleverwertung ergeben können.

Es sieht deshalb u.a. die Fertigstellung

einer umfassenden Studie über säurehaltigen Regen und andere Auswirkungen
der Verbrennung fossiler Brennstoffe auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft
vor.
Die Entscheidung über die Einsetzung einer "Energie-MobilisierungsKommission" (Energy Mobilisation Board) steht noch aus.

Die entsprechende

Gesetzesvorlage wurde am 27. Juni noch einmal an den Vermittlungsausschuß
des Kongresses zurückverwiesen.

Präsident Carter richtete einen dringenden

Appell an den Kongreß, die Frage umgehend zu behandeln und ein Gremium
einzusetzen, das Genehmigungsverfahren beschleunigt und für angemessenen
Umweltschutz sorgt.

Auch die Vorlage über die forcierte Umstellung

von ölheizkraftwerken auf Kohle (ein 10-Milliarden-Dollar-Projekt) sollte
nach Ansicht des Präsidenten unverzüglich verabschiedet werden.

+ + + + +

�I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

32

9. Juli 1980

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUR REGISTRIERUNGSPFLICHT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 2. Juli 1980
eine Proklamation unterzeichnet, mit der die Registrierung männlicher
amerikanischer Bürger im Alter von 19 und 20 Jahren für eine eventuelle
Wehrpflicht eingeführt wird. Bei der Unterzeichnung betonte Präsident
Carter ausdrücklich, daß es sich nur um eine Registrierung handle und
für die Wiedereinführung der Wehrpflicht ein eigenes Gesetz verabschiedet
werden müßte.
Die Erklärung des Präsidenten bei der Unterzeichnung hat folgenden
Wortlaut:
Heute vormittag unterzeichne ich eine Proklamation über die Durchführung des Registrierungsgesetzes, das der Kongreß kürzlich verabschiedet
hat. Ich möchte gleich zu Anfang sagen, daß der Kongreß eine sehr kluge
Entscheidung getroffen hat. Ich möchte betonen, daß das Registrierungsgesetz, das jetzt verabschiedet wurde und in Kraft tritt, keine Kriegsdrohung bedeutet, sondern der Erhaltung des Friedens dient.
Die

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Te|ex:

�Die Maßnahme, die von unserem Lande - wie von fast allen anderen
Ländern der demokratischen Welt - ergriffen wurde, soll dazu dienen, den
Frieden zu erhalten.

Wir sind zutiefst besorgt über die ungerechtfertigte

und verwerfliche Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion und die
sowjetische Besetzung dieses unschuldigen und wehrlosen Landes, die
völlig unberechtigt ist.
Wir haben eine Reihe von Schritten unternommen - wirtschaftliche,
diplomatische, politische und militärische Schritte -, um die Sowjetunion
davon zu überzeugen, daß ihr Handeln schlecht beraten ist, und sie
zu ermutigen, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen, und auch um eine
weitere Aggression zu verhindern, falls die Sowjets sich zu einer solchen
versucht fühlen sollten.

All die Maßnahmen, die wir ergriffen haben,

sind ihrer Natur nach friedlich, und wir fühlen uns weiterhin einer
friedlichen Lösung von Streitfällen verpflichtet.
Die Freiheitskämpfer in Afghanistan, die nach der Befreiung ihres
Landes streben, verdienen die Bewunderung der ganzen Welt, und ihr Mut
und ihre Ausdauer sind für sich allein schon das stärkste Gegenmittel
gegen einen Erfolg der sowjetischen Aggression.
Ich möchte betonen, daß das Registrierungsgesetz nicht die Wehrpflicht
bedeutet. Ich bin gegen eine Wehrpflicht in Friedenszeiten. Dieses
Registrierungsgesetz wird ganz wesentlich dazu beitragen, den Widerstand
unseres eigenen Landes aufzurufen, um nicht der Versuchung zu erliegen,
die zum Krieg und damit zur Wehrpflicht führen könnte. Die einzige Zeit,
in der ich an die Unterbreitung eines Wehrpflichtgesetzes im Kongreß
denken könnte, wäre eine Zeit des Krieges oder eine Zeit des nationalen
Notstandes, und in einem solchen Falle, wenn die Sicherheit unseres
Landes bedroht ist, wäre eine getrennte gesetzliche Maßnahme durch den
Kongreß notwendig - ein eigenes Gesetz, um unter solchen Umständen
die Wehrpflicht einzuführen.
Ich
- 2 -

�Ich darf sagen, daß wir uns weiterhin auf die Meldung von Freiwilligen
für die Streitkräfte zur Verteidigung unseres Landes verlassen werden.

Im

übrigen werden wir durch den Haushalt 1981 und durch eine Reihe von
Gesetzen, die einige der Mitglieder des Kongresses, die hinter mir stehen
und wir selbst eingebracht haben, dem Verteidigungshaushalt rund eine
Milliarde Dollar hinzufügen, um zusätzliche Freiwilligenmeldungen von
hochbegabten jungen Männern und Frauen zu bewirken und auch dafür zu
sorgen, daß jene gut ausgebildeten Soldaten länger im Militärdienst
bleiben.
Lassen Sie mich abschließend sagen, daß nach Unterzeichnung dieser
Proklamation junge Männer, die in den Jahren 1960 und 1961 geboren wurden,
sich bei den Postämtern ihrer jeweiligen Gemeinden melden müssen. Das
bedeutet nicht, daß sie eingezogen werden. Es bedeutet, daß wir den
Prozeß beschleunigen, durch der - sollte in Zukunft eine Zeit
des Notstandes oder eine Bedrohung unserer nationalen Sicherheit oder eine
Zeit des Krieges eintreten - die Mobilisierung unseres Verteidigungsmechanismus in Gang gesetzt werden kann. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die dazu dient, unser Land stark zu machen und den Frieden
zu erhalten.
Ich möchte um die Unterstützung aller Amerikaner für diesen Schritt
bitten: der Amerikaner, die registriert werden, und der Amerikaner aller
Altersstufen, die an ein starkes Amerika glauben, die an den Patriotismus
glauben, die an die Erhaltung des Friedens durch Stärke glauben.
Ich möchte jetzt die Proklamation unterzeichnen, die das RegistHerungsgesetz in Kraft setzt.

Und ich möchte jenen Mitgliedern des Kongresses

meinen Dank aussprechen, die so klug und mutig für dieses Gesetz gestimmt
haben.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 3 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Juli 1980

32

GEDANKEN ZUR TRANSATLANTISCHEN PARTNERSCHAFT
von James G. Lowenstein

James G. Lowenstein ist Botschafter
der USA in Luxemburg. Der Artikel
basiert auf einer Ansprache, die der
Verfasser kürzlich vor dem Politischen
Ausschuß der Ncrdatlantischen
Gesellschaft gehalten hat.

Wir Amerikaner sind stolz auf die Rolle, die wir bisher in Europa
gespielt haben. Wir sind der Ansicht, daß es ohne unsere Hilfe nicht
möglich gewesen wäre, die allgemeine Weltordnung dreißig Jahre lang
angesichts der ernsten Drohungen derjenigen aufrechtzuerhalten, die sie
in einer Weise zu verändern wünschen, die für die demokratischen Gesellschaften
unannehmbare Folgen mit sich gebracht haben würde. Große Befriedigung
ziehen wir Amerikaner aus der Tatsache, anderen mehr Wirtschaftshilfe gegeben
zu haben als irgendein anderes Land, mehr Nahrungsmittel verteilt, mehr
Menschen aus anderen Ländern ausgebildet und mehr Einwanderer wi11 kommen

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�willkommen geheißen zu haben.
Aber für diese dreißig Jahre des Friedens und des Wohlergehens mußte
ein hoher Preis entrichtet werden.

Es ist ein Preis, den die Amerikaner

nicht mehr allein zu zahlen bereit sind.

Und da eine lebensfähige

amerikanische Politik von der Unterstützung des amerikanischen Volkes
abhängt und diese Unterstützung sich wiederum auf die amerikanische
Vorstellung gründet, daß Europa sein Teil dazutut, hängt nunmehr die
Rolle Amerikas im Bündnis im gleichen Maß von Ihnen ab wie von uns.

Aber

ist dies nicht schließlich das Wesentliche einer Partnerschaft?
Wenn es um die weitere amerikanische Unterstützung für die NATO
geht, so ist die Vorstellung in den Vereinigten Staaten, daß uns unsere
europäischen Partner unterstützen, von der gleichen Bedeutung wie die
Vorstellung in Europa, daß die amerikanische Verpflichtung zu Europas
Verteidigung unverändert gilt.
Und meiner Meinung nach ist es gerade der Zustand dieser wechselseitigen Vorstellungen - bzw^ dieser falschen Vorstellungen -, von dem
man sagen könnte, er sei im Mittelpunkt all der Spannungen, die derzeit
in den amerikanisch-europäischen Beziehungen herrschen.
Der derzeitige Unterschied bei den Auffassungen dreht sich um Iran
und Afghanistan. Von unserem Standpunkt aus gesehen ergibt sich folgendes
Bild: obwohl Sie unsere Entrüstung über die Geiselnahme und das Festhalten
der amerikanischen Diplomaten teilen und mit uns einer Meinung sind, daß
die derzeitige Instabilität im Iran eine strategische Bedrohung darstellt,
fürchten Sie doch, daß unsere Reaktion das Risiko in sich birgt, den Iran
in die Arme Moskaus zu treiben. Was Afghanistan angeht, so teilen Sie
unserer Meinung nach zwar unsere Bedenken darüber, daß die sowjetische
Invasion eine Bedrohung des Zugangs zum öl des Persischen Golfs darstellt,
daß sie auf eine größere Bereitschaft der Sowjetunion zur Anwendung

�Anwendung militärischer Gewalt schließen läßt, einen Wandel in den Absichten
Moskaus signalisiert und die Verwundbarkeit des Westens unterstreicht; zugleich
stimmen Sie mit einigen der von uns vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen nicht
überein, vor allem nicht mit vielen der wirtschaftlichen Maßnahmen, für
die wir uns stark gemacht haben - Getreide, Technologie, Olympische
Spiele. Wir sind der Meinung, daß diese Wirtschaftssanktionen dazu
beitragen, die Sowjets von weiteren Abenteuern abzuschrecken. Viele von
Ihnen glauben, daß sie die Sowjets nur bestrafen sollen, daß sie unwirksam
sind und innenpolitisch Opfer bei Handel und Beschäftigung mit sich
bringen, was bei Ihnen zu Hause ernsthafte wirtschaftliche und politische
Probleme verursachen könnte.
Zusammengefaßt: wir tendieren dazu, in Europa einen Mangel an
politischer Bereitschaft zu erkennen, während Sie dazu neigen, in Washington
Unstetigkeit und Unentschlossenheit auszumachen.
Wie sieht die Lösung aus? Wir können diese unterschiedlichen
Auffassungen überbrückt werden? Wir erkennen keine rasche und leichte
Methode, um zu lösen, was in der Tat ein chronisches Problem ist.
Unserer Ansicht nach gilt etwas seit dem Bestehen dieses Bündnisses
- e i n Bündnis, das ein Harvard-Professor namens Henry Kissinger in einem
1965 geschriebenen Buch "The Troubled Partnership" nannte - (im Deutschen
hat das Buch den Titel : "Was wird aus der westlichen Allianz?"d. Red.), daß
nämlich Ruhe, Verläßlichkeit und umfassende Konsultation notwendig sind,
wobei alle Bündnispartner Bereitschaft nicht nur zur Information und
zum Zuhören zeigen, sondern auch zur Anpassung an die Bedenken der
anderen Partner, bevor größere Entscheidungen getroffen werden, die auch
diese anbelangt.
Eine der Sorgen unserer europäischen Verbündeten besteht, wie wir
wissen, darin, wie die Invasion Afghanistans unser Konzept der Ost-WestBeziehungen langfristig beeinflußt.

Kurz: sind wir zum Kalten Krieg

- 3 -

�Krieg zurückgekehrt, und - wenn dem nicht so ist - wollen wir das?

Ich

habe das Außenministerium um eine Antwort auf diese Frage gebeten.

Hier sind

die wesentlichen Elemente der Erwiderung:
Erstens:

Während wir beabsichtigt haben, die Sowjets einen hohen

Preis zahlen zu lassen, von dem wir hoffen, er möge mit dazu beitragen,
vor ähnlichen Schritten anderswo abzuschrecken, waren die von uns
getroffenen Maßnahmen zugleich darauf gerichtet, uns dem Ziel eines
vollständigen Abzugs der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan näherzubringen.
Zweitens: gleichzeitig haben wir ein anhaltendes Interesse an einer
Ausgestaltung der Beziehung zur Sowjetunion, bei der der grundlegende
Wettbewerb durch Zurückhaltung eingeschränkt wird.
'•

Drittens: Mit der Verhängung von Sanktionen haben wir kein einziges
unserer formellen Abkommen mit der Sowjetunion aufgehoben. Das Rahmenwerk
für eine stabilere, für beide Seiten nützliche Beziehung bleibt erhalten.
Viertens: Wir bleiben auch weiterhin Verhandlungen mit den Sowjets
über Rüstungskontrolle verpflichtet. Obgleich wir die politischen
Schwierigkeiten einer Ratifizierung in nächster Zukunft erkennen, so bleiben
wir doch dem SALT II-Vertrag verpflichtet und haben die Absicht, keine
Maßnahmen zu ergreifen, die dem Zweck oder dem Ziel des Vertrags zuwiderlaufen oder die im Widerspruch zum SALT I-Zwischenabkommen stehen,
überdies haben wir unsere Bereitschaft zu erkennen gegeben, in Verhandlungen
über weitreichende nukleare Mittel Streckensysteme (LRTNF) im Rahmen von
SALT III einzutreten und einen vorbereiteten Meinungsaustausch sogar noch
vor der Ratifizierung von SALT II abzuhalten. Wir bedauern nur, daß sich
die Sowjets nicht zu einer positiven Reaktion bereitfinden konnten.
Fünftens

- 4 -

�Fünftens:

Ohne eine Rückkehr zu normalen Geschäftsbeziehungen

zu siganlisieren, erkennen wir doch die Bedeutung der Offenhaltung von
Kommunikationskanälen zu den Sowjets, wie dies durch das Treffen von
Außenminister Muskie mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gromyko in
Wien belegt wurde.
Sechstens: Gleichzeitig haben wir unsere Politik der verstärkten
Bande mit Osteuropa fortgesetzt. Wir beabsichtigen, die Suche nach
verbesserten Beziehungen zu allen osteuropäischen Ländern fortzusetzen
und zwar in dem Maß, in dem sie unser Interesse erwidern und die Bereitschaft dafür zeigen, unsere Bedenken in Rechnung zu stellen. Obgleich wir
jedoch nicht darauf bestehen, daß die Staaten des Warschauer Paktes
unsere Ansichten zu den Ereignissen in Afghanistan teilen, so würden es
doch Schritte ihrerseits, die zur Untergrabung der von uns hinsichtlich
unserer Bezeihungen mit der Sowjetunion getroffenen Maßnahmen dienen würden,
für uns in zunehmendem Maß schwieriger machen, mit den Politiken fortzufahren, die zwischen einzelnen osteuropäischen Staaten und der Sowjetunion
unterscheiden.
Und siebtens:

wir haben erneut unsere Verpflichtung gegenüber dem

KSZE-Prozeß bekräftigt, den wir nicht nur als Teil eines Rahmenwerks
ansehen, der dabei helfen kann, zur Entwicklung einer stabileren Beziehung
zur Sowjetunion beizutragen, sondern auch als einen Prozeß, der auf
konstruktive Weise die osteuropäischen Völker mit einbezogen hat.
Es scheint mir, als stellten diese Elemente kein Rezept für eine
Rückkehr zum Kalten Krieg dar.
Und dennoch besteht die europäische Presse seit einigen Monaten
auf dem Gegenteil.

Mir scheint, einer der Gründe für das Problem der

unterschiedlichen Auffassungen in den Vereinigten Staaten und in Europa
ist die Berichterstattung über Europa in der amerikanischen Presse und

- 5 -

�und über die Vereinigten Staaten in den europäischen Medien. Mein
Eindruck ist, daß die amerikanische Presse nicht nur unzureichend über die
technologischen Fortschritte berichtet, die die europäischen Länder machen
sowie über deren gesellschaftliche Konsequenzen, sondern daß ihre Berichterstattung über das politische Geschehen in Europa sich dem anzuschließen scheint, womit die amerikanische Regierung im Augenblick besonders
beschäftigt ist.

Im letzten Jahr war dies vor allem abwechselnd das

TNF-Problem, Iran und Afghanistan. Aber die Europäer machen sich zumindest ebenso viele Sorgen um den Nahen Osten und um das Erdöl, um die
Stahlpreise und um Dollarschwankungen.

Liest man die amerikanische Presse,

so kann man dies nicht einmal erahnen, und ich finde in der amerikanischen
Presse nur sehr wenige Analysen und Kommentare darüber, in welcher Beziehung
Themen der Außenpolitik zu den innenpolitischen Sorgen in Europa stehen.
Was die Berichterstattung in der europäischen Presse über die Vereinigten
Staaten anbelangt, so kommt sie mir oft genug oberflächlich vor. Ein
Europäer, der über die Vereinigten Staaten liest, hat nur eine sehr
vage Vorstellung von der Vielfalt der amerikanischen Gesellschaft, von
den Konflikten und Widersprüchen zwischen den moralistischen und
materialistischen Aspekten der amerikanischen Psyche oder von der selbstbewußten Geistigkeit der politischen Analyse und des politischen Denkens
in Amerika. Und es gibt viele wichtige Bereiche im politischen und
sozialen Leben Amerikas, die die europäische Presse kaum berührt. Und
auf beiden Seiten des Atlantik scheint bei der Presse eher die Einstellung
zur Kritik als zur Erklärung zu herrschen.
Aber ungeachtet aller Kritik und ungeachtet aller auftretender
Unterschiede in der Auffassung, ist es meiner Meinung nach wichtig,
nicht zu vergessen, daß seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs jeder
amerikanische Präsident und jeder Außenminister das Primat der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber Europa betont hat.
Präsident

�Präsident Carter bekräftigte dies eindringlich am 9. Mai in einer
Rede in Philadelphia, als er die Solidarität mit unseren Verbündeten
als "den Prüfstein unserer Außenpolitik" definierte. Gleichgültig,
weswegen Sie uns sonst auch kritisieren mögen: Tatsache ist, daß wir
Europa nicht den Rücken gekehrt haben - wir haben weder protektionistischem
Druck 1m Wirtschaftsbereich noch isolationsistischem Druck im politischen
Bereich nachgegeben.
Im Gegenteil: während republikanischer und demokratischer Administrationen,
im Verlauf konservativer und liberaler Regierungsperioden der amerikanischen
Geschichte, durch alle politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen
hindurch, die wir in den vergangenen drei Jahrzehnten erlebt haben,
schwankten wir zu keiner Zeit 1n unserer Überzeugung, daß eine möglichst
enge Beziehung zu einem möglichst starken Europa die wesentlichste Bedingung
der amerikanischen Politik ist. Ich bin davon überzeugt, daß die Europäer
nicht wollen, es wäre anders.

+ + + + +

- 7 -

�9. Juli 1980

32

ÜBERZEUGENDE STARTERFOLGE DES US-ENERGIEPROGRAMMS
Integrierende Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- un^ Forschungspolitik
ein tragfähiges Fundament für die Zukunft

- (AD) - Ein überaus wichtiger Markstein auf dem Wege der Vereinigten
Staaten zu größerer Unabhängigkeit vom Ausland in der Energieversorgung
war die Verabschiedung des "Energiesicherungsgesetzes von 1980", das
Präsident Carter am 30, Juni 1980 unterzeichnete. Der US-Kongreß bewilligte 20 Milliarden Dollar für die erste Phase der Produktion synthetischer
Brennstoffe, die Erschließung regenerativer Energiequellen und umfassende
Maßnahmen zur Energieeinsparung,,
Das Gesetz sieht die Errichtung einer unabhängigen staatlichen
Gesellschaft, der "Synthetic Fuels Corporation" vor, deren sieben Direktoren
vom Präsidenten ernannt und vom Kongreß bestätigt werden müssen. Sie
hat die Aufgabe, die großtechnische Produktion von Brennstoffen aus Kohle,
Ölschiefer, Teersanden und anderen alternativer, Quellen zu finanzieren.
Dies geschieht vor allem durch Kredite, Kreditbürgschaften, Abnahmeund Preisgarantien an die Privatwirtschaft für qualifizierte Projekte.
Nach

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Nach vier Jahren wird der Kongreß unter Bewertung der inzwischen
aufgebauten Produktionskapazitäten und Planungen für die Zukunft darüber
entscheiden, ob weitere 68 Milliarden Dollar (insgesamt 88 Milliarden
waren vom Präsidenten in seinem vor einem Jahr eingebrachten Vorschlag
gefordert worden) für derartige Projekte bereitzustellen seien.

Vorläufiges

Produktionsziel für Synthesebrennstoffe sind täglich 500 000 Barrel
(1 Barrel = 159 Liter) im Jahr 1987, zwei Millionen Barrel pro Tag im
Jahr 1992. Außerdem soll die strategische ölreserve wieder aufgefüllt
und eine Bank mit drei Milliarden Dollar Kapital für Investitionen zur
Energieeinsparung und Erschließung regenerativer Energiequellen, für
zusätzliche Kredithilfen der BrennstoffProduktion aus Biomassen und
Alkohol sowie für Zuschüsse zu Energiespar-Investitionen von Elektrizitätsund Gaswerken eingerichtet werden.
Mit der Verabschiedung des Nationalen Energiegesetzes (NEA) im
November 1978 schuf die US-Regierung bereits eine wichtige Basis für die
jetzt in Gang kommenden Maßnahmen. Diese Politik läßt, wie aus einer
kürzlich vom US-Außenministerium veröffentlichten Übersicht hervorgeht,
nunmehr erste eindrucksvolle Erfolge erkennen. Sie betreffen u.a. die
Einsparung von Energie im wirtschaftlich- industriellen und privaten
Bereich, den Rückgang von Ölverbrauch und ülimporten, den Abbau der
staatlichen Subventionierung von einheimischem Erdgas und Erdöl und die
Entwicklung alternativer Energiequellen. Mit der Verabschiedung des
neuen "Energiesicherungsgesetzes" wird übrigens auch die Nutzbarmachung
der Erdwärme und die Verwertung von Müll zur Energiegewinnung stärker
als bisher gefördert.

- Einsparung von Energie In der Praxis hat gegenwärtig die Einsparung von Energie Vorrang.
Für einschlägige Programme wendet die Bundesregierung im laufenden

- 2 -

�laufenden Haushaltsjahr mehr al 1,5 Milliarden Dollar auf.

Durch

Steuererleichterungen und Regierungszuschüsse ergeben sich allein für
den ßausektor mehr als 3,5 Milliarden Dollar an privaten und öffentlichen
Investitionen,

Außerdem hat die Bundesregierung über die nächsten zehn

Jahre sechs Milliarden Dollar für beschleunigt durchzuführende Energiesparinvestitionen, insbesondere bei Wohnungen für Familien mit mittleren
und niedrigen Einkommen, vorgesehen.

Langfristige Kredite bedeuten für

die Begünstigten Sofortersparnisse bei den Lebenshaltungskosten.

Die

Energieeinsparung als Folge dieser Maßnahmen könnte bis 1990 den ölbedarf
um 500 000 Barrel pro Tag senken.
Großer Wert wird seit Anlaufen eines entsprechenden Programms
im Jahr 1975 auf die verbesserte Wirtschaftslichkeit der Kraftfahrzeuge
gelegt. Die amerikanischen Autohersteller haben bereits bei ihren
Modellen für 1978, 1979 und 1980 die von der Regierung geforderten durchschnittlichen Verbrauchswerte unterschritten. Zunehmend strengere
Anforderungen werden helfen, bis 1985 täglich etwa 500 000 Barrel, bis
1990 sogar mehr als eine Million Barrel zu sparen. Ein im April von
Präsident Carter verkündetes Programm zielt darauf ab, durch die Einrichtung von Fahrgemeinschaften, Training in benzinsparendem Fahren und
die Auszeichnung von Einzelpersonen und Betrieben, die im Energiesparen
besonders erfolgreich sind, die Sparerfolge zusätzlich zu fördern.

- Abbau von Subventionen für öl Die Preisbindung für einheimisches öl läuft am 30. September 1981
endgültig aus. Das Programm begann am 1. Juni 1979, als neu entdeckte
Erdölvorkommen, öl aus Sekundär- und Teritiärförderung, ferner die
Produktion aus unbedeutenden Vorkommen zu höheren als den staatlich festgesetzten Preisen abgegeben werden durfte.

- 3 -

Inzwischen unter!iegen

�unterliegen 38 Prozent des in den USA geförderten Öls keiner Kontrolle
mehr.

Der zu erwartende Nachfragerückgang als Folge der Angleichung

an die Weltmarktpreise ab Oktober 1981 könnte bis 1990 zu einer Importdrosselung um zwei Milliarden Barrel pro Tag führen.

Für schweres öl

aus einheimischer Produktion wurde schon im August 1979 die Preisbindung
aufgehoben.

- Importe Auf dem Wirtschaftsgipfel von Tokio im Juni 1979 erklärten sich
die Vereinigten Staaten bereit, ihre ölimporte auf 8,5 Millionen Barrel
pro Tag zu begrenzen.

Kurz darauf gab Präsident Carter bekannt, daß die

Nettoimporte auf 8,2 Millionen Barrel/Tag und darunter gedrosselt würden
und die Einhaltung der Importquoten kontrolliert werde.

Während den

Vereinigten Staaten auf der Ministerratssitzung der Internationalen
Energieagentur (IEA) im Dezember 1979 täglich 8,5 Millionen Barrel an
Importen zugestanden wurden, begrenzte Präsident Carter diese Menge in
seiner Botschaft zur Lage der Nation im Januar 1980 auf 8,2 Millionen
Barrel.

- Benzinverbrauch im Jahr 1980 Präsident Carter verfügte, daß der durchschnittliche Benzinverbrauch
der USA pro Tag nicht mehr als sieben Millionen Barrel betragen dürfe 5,5 °rozent weniger als 1979. Die Aufteilung unter den Bundesstaaten
erfolgt nach einem den jeweiligen Gegebenheiten entsprechenden Schlüssel.
- Raumtemperaturen -

�- Raumtemperaturen Das Bundesprogramm zur Temperaturkontrolle in nicht als Wohnung
genutzten Gebäuden wurde bis zum 1. Januar 1981 verlängert.

Hierbei

geht es um die von der Regierung verfügte Einhaltung von Höchsttemperaturen
für Heizung und Warmwasser und maximale Kühltemperaturen für Klimaanlagen
bei etwa drei Millionen Gebäuden.

Seit Inkrafttreten des Programms 1m

Juli 1979 dürfte bereits Energie in einem Umfang eingespart worden sein,
der 200 000 bis 400 000 Barrel öl pro Tag entspricht.

- Besteuerung von Situationsgewinnen Präsident Carter unterzeichnete am 1. April 1980 das Gesetz über
die Besteuerung der sog. Situationsgewinne ("Windfall Profits Tax"),
welche den Mineral öl firmen durch die allgemeine Preissteigerung beim
öl und die Aufhebung der Preisbindung für amerikanisches öl zufallen.
Die Einkünfte aus dieser Steuer werden zur Entwicklung alternativer
Energiequellen beitragen, ferner zusätzliche, energiepolitisch wirtschaftliche
Massenverkehrsmittel finanzieren helfen und die finanzielle Unterstützung
von Familien mit geringem Einkommen zum Ausgleich der Energiekostensteigerung nach der Aufhebung der Preisbindung von öl und Gas ermöglichen.

- Kohle statt Erdöl und Erdgas Vom Kongreß noch nicht verabschiedet sind die von Präsident Carter
eingebrachten Gesetze, durch die der Erdöl- und Erdgasverbrauch in
Heizkraftwerken in einem Umfang reduziert werden soll, der 1990 der
Einsparung von etwa 1 Million Barrel öl pro Tag entspricht. Den Ausgleich

- 5 -

�Ausgleich sollen in erster Linie einheimische Kohle und wirkungsvolle
Energiesparprogramme schaffen.

Der ihnen zugrundeliegende Plan ist

darauf abgestellt, mehr Kraftwerke in kürzerer Zeit auf Kohlebefeuerung
umzustellen, als dies auf der Basis bereits geltender Gesetze möglich
ist.

Für die beschleunigte Umstellung sind Zuschüsse von der Bundes-

regierung und eine Straffung der bürokratischen Verfahren vorgesehen.
Die Finanzierung erfolgt über Einkünfte aus der Situationsgewinnsteuer.

- Energie- und Ölverbrauch der USA Der gesamte Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten hielt sich
1979 auf dem Stand von 1978 - gegenüber einer realen Wachstumsrate
des Bruttosozialprodukts um 2,3 Prozent.

Dieser Umstand verweist auf

einen bemerkenswerten Wandel gegenüber der Relation zwischen Energieverbrauch und Wirtschaftswachstumsraten vor Beginn der siebziger Jahre.
Der Ölverbrauch war im Jahr 1979 um 2,4 Prozent niedriger als 1978. In
den ersten viereinhalb Monaten dieses Jahres lag der Tagesverbrauch
bei 17,6 Millionen Barrel und damit um 9,2 Prozent unter dem Verbrauch
des Vergleichszeitraums im Vorjahr.

- Weniger ölimporte Die Netto-Ölimporte der Vereinigten Staaten beliefen sich 1979 auf
7,8 Millionen Barrel pro Tag (einschließlich der Importe für die strategische
ölreserve) - gegenüber 8 Millionen/B/Tag im Jahr 1978 und 8,5 Millionen
Barrel pro Tag im Jahr 1977. In den ersten viereinhalb Monaten des
Jahres 1980 wurden Tagesimporte von 6,8 Millionen Barrel ermittelt,
d.h. 12,7 Prozent weniger als 1979.
- Energie

�- Energie- und Ölverbrauch in Einzelbereichen Verkehrswesen:

Im Jahr 1979 lag der Benzinverbrauch in Amerika

um 5 Prozent unter dem von 1978. Diese Tendenz verstärkte sich inzwischen,
wie der weitere Rückgang um 8,2 Prozent während der ersten viereinhalb
Monate im Jahr 1980 gegenüber 1979 zeigt.
Heizöl:

Sowohl in Privatwohnungen als auch in gewerblich genutzten

Bauten ging der Ölverbrauch von 1973 bis 1979 um 8 Prozent (300 000 Barrel
pro Tag) zurück.
Industrie:

Trotz Wirtschaftswachstum und höherem Produktions-

ausstoß der Industrie lag hier der Energieverbrauch nur geringfügig
über dem von 1973. Seit 1972 haben in den Vereinigten Staaten

die zehn

energieintensivsten Industriebranchen eine um 14 Prozent bessere Effizienz
der Energienutzung erzielt und sparen heute gegenüber 1972 das Äquivalent
von 1,2 Millionen Barrel pro Tag ein.

- Preissituation Von Monat zu Monat wird der gegenwärtige Anteil von 38 Prozent der
nicht preisgebundenen amerikanischen öl Produktion steigen, bis ab
1. Oktober 1981 jegliche Preisbindung entfällt. Selbst mit Subventionen
ist der Unterschied zwischen dem Importölpreis und dem Mischpreis bzw.
den Abnahmepreisen für Raffinierien viel geringer.als allgemein angenommen
wird. Die Rohöl kosten der amerikanischen Raffinerien belaufen sich
im Durchschnitt auf mehr als 80 Prozent des Weltmarktpreises. Dieser
Abstand verringert sich mit der zunehmenden Aufhebung der Preisbindung
für einheimisches öl ständig - bis zur völligen Angleichung an den
Weltmarktpreis im Herbst 1981.
Mit
- 7 -

�Mit Ausnahme von Benzin und Propan unterliegen die Wiederverkaufspreise für Mineralölprodukte keiner Preisbindung mehr.

- Energieproduktion Die einheimische Energieproduktion soll auf den höchstmöglichen
Stand gebracht werden.

Deshalb hat Präsident Carter die Bedeutung eines

sicheren Ausbaus der Kernkraft bekräftigt.

Die Nukleare Aufsichts-

kommi'ssion (NRC) der USA erteilt seit kurzem wieder Genehmigungen für
Kernkraftwerke.

Die Kernkraft spielt auch künftig eine wichtige Rolle

in der amerikanischen Energieproduktion.

Ihr Anteil an der gesamten

Stromproduktion betrug 1979 11,5 Prozent (gegenüber 4,5 Prozent im
Jahr 1973).
Die Kohleproduktion erreichte 1979 die Rekordhöhe von 775 Millionen
short tons (712 Millionen metrische Tonnen) und lag damit um 15,8 Prozent
über der Jahresförderung von 1978. Aufgrund der von der Regierung
verfolgten Politik wird künftig ständig mehr Kohle abgebaut und sowohl
für die Stromerzeugung als auch die direkte industrielle Verwertung u.a. der Erzeugung synthetischer Brennstoffe - eingesetzt werden.
Die stufenweise Aufhebung der Preisbindung für den Erdgasförderpreis
stimuliert die einheimische Erdgasproduktion. Sie erscheint jetzt
lohnender, und der ständige Rückgang in der Reservenergänzung wurde etwas
gebremst. Die vermarktete Produktion im Jahr 1979 lag bei 560 Milliarden cbm,
1,3 Prozent weniger als 1978„ Die US-Regierung verfolgt jetzt das Projekt
einer Alaska-Erdgasleitung mit großem Nachdruck. Seit April 1979 wurden
bereits zahlreiche Umstellungen auf Erdgas vorgenommen; ca. sieben
Prozent der Eigenheime, die bisher Heizöl benutzten, verwenden jetzt

�jetzt Erdgas oder Holz.
Die Inlandförderung von Rohöl lag 1979 bei durchschnittlich 8,5
Millionen Barrel pro Tag gegenüber 8,7 Millionen Barrel im Jahr 1978.
Für Expo"*oration und neue bzw. verbesserte Produktionsstätten wurde in
den USA in letzter Zeit viel unternommen.

Die Zahl der Explorations-

bohrungen erhöhte sich von 1973 bis 1979 um 87 Prozent.

- Forschung und Entwicklung Das Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramm der
Vereinigten Staaten auf dem Energiesektor wird in einem am 25. Juni 1980
von der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris veröffentlichten
Bericht als "gewichtig und breit fundiert" besonders hervorgehoben.
Die Mittel dafür seien von 808 Millionen im Haushaltsjahr 1974 auf
3,8 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1980 angehoben worden (militärische
Energieforschungs- und Entwicklungsprogramme sind dabei nicht berücksichtigt). Im Jahr 1979 entfielen allein 55 Prozent aller in den
21 IEA-Mitgliedstaaten für Energieforschung und Entwicklung aufgebrachten
Mittel auf die Vereinigten Staaten. Um die auf dem Wirtschaftsgipfel
von Venedig anvisierten Ziele für die nächsten zehn Jahre, nämlich
Verdoppelung der Kohleproduktion und Ersatz von öl durch Alternativenergien entsprechend einem Energiegehalt von 15 - 20 Millionen Barrel
öl pro Tag, zu erreichen, ist nach Ansicht von Dr. Donald M. Kerr eine
rasche Kommerzialisierung bereits erarbeiteter Technologien für Alternativenergie notwendig. (Dr. Kerr ist der Vorsitzende des IEA-Komitees für
Forschung, Entwicklung und Demonstration und Direktor des amerikanischen
Wissenschaftlichen Laboratoriums Los Alamos.) Auf dem Gebiet von Forschung
und Entwicklung trete die Kohleforschung mit der Entwicklung besserer
umweltschonender Abbauverfahren und Verbrennungsverfahren mit höherem
Wirkungsgrad bei geringerer Umweltbelastung immer mehr in den Vordergrund.
+ + + + +
- 9 -

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i

3

«KlInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Juli 1980

32

REFORM DER ATOMKRAFTWERKS-SICHERHEITSBESTIMMUNGEN
US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz

- (AD) - Das erste Gesetz zur Neuordnung der Bestimmungen für die
Sicherheit bei Atomkraftwerken wurde kürzlich vom amerikanischen Repräsentantenhaus verabschiedet und dem Senat zugeleitet.

Es leitet Reformen ein,

die nach dem Reaktorunfall von Three Mile Island bei Harrisburg (Pennsylvanien)
im März vergangenen Jahres eine Wiederholung solcher oder ähnlicher
Vorkommnisse verhindern sollen.
Der Nuklearen Aufsichtskommission (NRC) der Vereinigten Staaten werden
u.a. zusätzliche Mittel für Kontrollaufgaben auf dem Gesundheits- und
Sicherheitssektor bewilligt.

Vorgesehen sind verbesserte Katastrophen-

schutzmaßnahmen seitens einzelstaatlicher und kommunaler Behörden, bessere
Schutzvorkehrungen gegen Sabotageakte und die Ausarbeitung eines nationalen
Bereitschaftsplanes für eine angemessene Soforthilfe bei nuklearen Unfällen.

Dem

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dem Gesetz zufolge werden 146 hauptamtliche NRC-Inspektoren zusätzlich eingesetzt und den verschiedenen Atomkraftwerken zugeteilt. Das
Gesetz sieht außerdem vor, daß
-

jeder Verstoß gegen Genehmigungsbestimmungen der NRC mit einer
Geldstrafe in Höhe von 25 000 bis 100 000 Dollar geahndet wird;

-

die NRC neue Genehmigungen für den Betrieb von Atomkraftwerken
erst dann erteilen darf, wenn ein vom zuständigen Bundesstaat
oder von zuständigen kommunalen Behörden gebilligter Katastrophenschutzplan über Maßnahmen bei nukleartechnischen Unfällen vorliegt
oder ein Plan für den angemessenen Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit existiert;

-

Sabotage nach dem Strafrecht zu ahnden ist; und

-

neue Bestimmungen für die Standortwahl auszuarbeiten sind, die
gewährleisten, daß neue Atomkraftwerke weitab von dichtbevölkerten
Gebieten errichtet werden.

Im Fall eines nuklearen Unfalls muß der Präsident einen nationalen
Einsatzplan ausarbeiten lassen. Die NRC ist verpflichtet, Ausbildungsprogramme für das Betriebspersonal von Atomkraftwerken zu verbessern und
den Gouverneuren der Bundesstaaten geplante Transporte von Atommüll durch
das ihrer Kontrolle unterliegende Gebiet vorher zu melden.

+ + + + +

�3
i

I 3

Wi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Juli 1980

32

ZINK-CHLORID-BATTERIE-SYSTEM FÜR ELEKTROAUTOS

- (AD) - Mit einem von dem amerikanischen Unternehmen "Gulf
&amp; Western Industries" entwickelten Zink-Chlorid-Batterie-System fahren
zwei auf Elektroantrieb umgerüstete Testfahrzeuge, die Firmenprä'sident
David N, Judelson kürzlich in New York der Öffentlichkeit vorstellte.
Das mit insgesamt 27 Millionen Dollar von Gulf &amp; Western sowie dem von
der amerikanischen' Kraftwerkindustrie unterhaltenen "Electric Power
Research Institute" und vom US-Energieministerium finanzierte Projekt
wurde bereits 1972 in Angriff genommen. Das Ergebnis bezeichnete
Judelson als "eine der vielleicht sinnvollsten Entwicklungen dieses
Jahrhunderts". Denn im Gegensatz zu den Säurebatterien wird die ZinkChlorid-Batterie nicht aufgebraucht und dürfte, wie aus mehrjährigen
Dauertests zu schließen ist, praktisch unbegrenzt wiederaufladbar sein.
Demonstriert wurde das Batteriesystem an einem Kombifahrzeug
japanischer Bauart und an einem VW-Rabbit. Die Reichweite beträgt
240 km bei einer Fahrgeschwindigkeit von 88 km pro Stunde.

Sie wäre

sicherlich größer, wenn ein speziell dafür konstruiertes Fahrzeug zur

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�zur Verfügung stünde. Autos mit dem Zink-Chlorid-Batterie-System sind
als Zweitwagen vor allem für den wohnortnahen Berufs- und Stadtverkehr
gedacht.

Die Batterie läßt sich aus der Steckdose (Wechselstrom, 220 V)

in sechs bis acht Stunden neu aufladen,,

Bei einem durchschnittlichen

Strompreis von 5 Cents pro Kilowattstunde in den USA lägen nach Berechnungen
von Gulf &amp; Western Industries die Betriebskosten für einen mit vier
Personen besetzten VW-Rabbit bei 1,4 Cent pro Kilometer - im Vergleich
zu gegenwärtig 4 Cent bei dem mit Benzinmotor ausgerüsteten Fahrzeug.
Wie Charles J. Smith vom amerikanischen Energieministerium erklärte,
dürfte die Zink-Chlorid-Batterie früher als andere vom Energieministerium
geförderte Kraftsysteme für Elektroautos zur kommerziellen Anwendung
kommen,

Nach Auskunft eines Firmensprechers könnte damit in etwa vier

Jahren gerechnet werden.

Und es sei denkbar, daß schon in zwei Jahrzehnten

die Produktion von Elektroautos mehr als ein Drittel der gesamten Kraftfahrzeugproduktion ausmache.
Durch weitere technische Verbesserungen will die Firma Gulf &amp; Western
Industries das Batteriesystem (mit einem Gesamtgewicht von ca. 540 kg
einschließlich Kaltspeicher, einiger Tausend Plattenelektroden aus
Graphit sowie Pumpen und Minicomputer zur Steuerung des Betriebsstroms)
noch leistungsfähiger und damit für den Betrieb billiger gestalten.
Das Projekt ist Teil eines von der amerikanischen Privatwirtschaft,
von privaten und staatlichen Forschungsinstituten betriebenen und von
Behörden geförderten Programms zur Entwicklung wirtschaftlicher Elektrofahrzeuge, die schon in absehbarer Zukunft einen nicht zu unterschätzenden
Beitrag zur Einsparung von Importöl leisten könnten. Dabei werden die
verschiedensten technischen Möglichkeiten in bezug auf die Kraftquelle
sowie Kombinationen von Elektroantrieb und Benzinmotor erprobt.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Synthesebrennstoff-Gesetz von Präsident Carter unterzeichnet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zur Registrierungspflicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedanken zur transatlantischen Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von James G. Lowenstein -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überzeugende Starterfolge des US-Energieprogramms&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Integrierte Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- und Forschungspolitik - ein tragfähiges Fundament für die Zukunft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reform der Atomkraftwerks-Sicherheitsbestimmungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zink-Chlorid-Batterie-System für Elektroautos</text>
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                    <text>Informotion
und
Dokumentation

r»r

FO

vE\aTiU

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. J u l i 1980

31 B

INHALT

DOKUMENTATION
Gemeinsame Erklärung zum Besuch Carters 1n Jugoslawien
Presseerklärung der spanischen Regierung zum Besuch Carters
Carter-Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE
Carters Tischrede auf dem Staatsbankett In Madrid
Carter-Interview mit der portugiesischen Nachrichtenagentur ANOP
Gemeinsame amerikanisch-portugiesische Erklärung zum Besuch Carters
Erklärung Carters nach der Rückkehr aus Europa

Um Ubcf/cndung von
ßckgcKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUM BESUCH CARTERS IN JUGOSLAWIEN

BELGRAD
(AD) - Anläßlich des Besuches von Präsident Jimmy Carter
in Jugoslawien am 24. und 25. Juni 1980 wurde folgende gemeinsame Erklärung
veröffentlicht:
Auf Einladung der Präsidentschaft der Sozialistischen Föderativen
Republik Jugoslawien statteten der Präsident der Vereinigten Staaten,
Jimmy Carter, und Mrs. Carter am 24. und 25. Juni 1980 Jugoslawien einen
offiziellen Besuch ab.

Während des Besuches führten Präsident Carter

und der Präsident der Präsidentschaft der SFRJ, Cvijetin Mijatovic,
herzliche und konstruktive Gespräche in einer Atmosphäre der gegenseitigen
Achtung, Verständigung, Offenheit und Freundschaft.
Von amerikanischer Seite waren an den Gesprächen beteiligt:
Jimmy Carter,

Präsident der Vereinigten Staaten;

Lawrence S. Eagleburger, Botschafter in Jugoslawien;
Zbigniew Brzezinski,

Berater des Präsidenten für Fragen der

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Tel: 0228-89 32 40
j e | e x : 08-85432

�der nationalen Sicherheit;
Jody Powell,

Pressesekretär des Präsidenten;

David Newsom,

Staatssekretär für politische Angelegenheiten;

Richard Cooper,

Staatssekretär flir wirtschaftliche Angelegenheiten;

Steve Larrabee,

Nationaler Sicherheitsrat.

Von jugoslawischer Seite nahmen teil:
Cv1jet1n

Mijatovlc,

Präsident der Präsidentschaft der SFRJ;

Lazar Kolisevski,

Mitglied der Präsidentschaft der SFRJ;

Veselin Djuranovic,

Präsident des Föderativen Exekutivrates;

Joslp Vrhovec,

Föderativer Sekretär für Auswärtige Angelegenheiten (Außenminister);

Sinan Hasani,

Vizepräsident der Föderativen Versammlung;

Budimir Loncar,

Botschafter in den Vereinigten Staaten;

Milovoje Maksic,

Außenpolitischer Berater des Präsidenten der
Präsidentschaft;
Direktor für nordamerikanische Angelegenheiten
im Außenministerium.

Mirko Zaric,

Präsident Carter traf auch mit anderen führenden Vertretern Jugoslawiens
zusammen.
i

Präsident Carter brachte die tiefe Trauer des amerikanischen Volkes
über den Tod von Präsident Tito zum Ausdruck, der in den Vereinigten
Staaten stark bewundert und geachtet wurde. Der Präsident und Mrs. Carter
äußerten bei dieser Gelegenheit erneut ihr Bedauern über den Verlust
eines großen Staatsmannes, der als einer der prominentesten Führer der
blockfreien Bewegung sein ganzes Leben in den Dienst des Aufbaus eines
starken und unabhängigen Jugoslawiens und der Sicherung des Friedens und
Fortschrittes in der Welt stellte.
Präsident

- 2 -

4.:

�Präsident Carter und die Präsidentschaft von Jugoslawien stellten
mit Befriedigung die sehr erfolgreiche Entwicklung der Beziehungen und
der Zusammenarbeit zwischen Jugoslawien und den Vereinigten Staaten fest.
Sie stimmten darin überein, daß das Treffen in Washington im März 1978
zwischen Präsident Carter und Präsident Tito und das zu diesem Anlaß
unterzeichnete Dokument eine dauerhafte und stabile Basis für die weitere
Stärkung der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern darstellen.

Fest auf

die in diesem Dokument niedergelegten Standpunkte und Grundsätze sowie
auf die 1971 und 1975 von den Präsidenten beider Länder unterzeichneten
Dokumente gegründet, haben die Vereinigten Staaten und Jugoslawien in der
Verbreiterung und Vertiefung ihrer Beziehungen auf allen Gebieten große
Fortschritte gemacht.
Beide Seiten bekräftigten, daß in den letzten Jahren eine bedeutsame
Ausweitung des Dialogs und der Konsultation zwischen beiden Ländern stattgefunden hat, wobei der regelmäßige Schriftwechsel zwischen Präsident
Tito und Präsident Carter eine besondere Rolle spielte. Es haben ferner
stattgefunden ein ständiger Besuchsaustausch auf allen Ebenen, einschließlich
produktiver Kontakte zwischen Mitgliedern des amerikanischen Kongresses
und der Föderativen Versammlung der SFRJ sowie andere beiderseits nützliche
Besuche und Austauschprogramme. Die Vereinigten Staaten und Jugoslawien
bekräftigten ihre Bereitschaft, diese nützliche Praxis fortzusetzen, die
sich als im Interesse beider Länder und allgemein der größeren internationalen
Verständigung erwiesen hat.
Beide Seiten stellten die Bedeutung historischer und kultureller
Bindungen zwischen beiden Völkern und die besondere Rolle der Amerikaner
jugoslawischer Abstammung für die Stärkung der Bande der Freundschaft
und der Verständigung fest. Sie bekräftigten auch ihr beiderseitiges
Interesse an den Erleichterungen des freien Flusses von Informationen und
Menschen zwischen beiden Ländern, billigten amtliche und nichtamtliche
Austauschprogramme auf den Gebieten von Wissenschaft und Technologie,

- 3 -

�Technologie, Kultur und Information und kamen überein, daß auf diesen
Gebieten noch mehr getan werden kann.
Bezüglich der steigenden Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und Jugoslawien stellten Präsident Carter
und die Präsidentschaft der SFRJ mit Befriedigung das Wachstum in Handel
und wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen jugoslawischen und amerikanischen
Betrieben und Finanzinstituten fest.

Sie unterstrichen ihr beiderseitiges

Interesse an einer weiteren Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen und
kamen überein, die Bemühungen um eine Steigerung des Handels zu intensivieren,
und waren sich gleichzeitig darüber im klaren, daß das Wachstum der Exporte
Jugoslawiens ein wichtiger Faktor einer befriedigenden Entwicklung des
zweiseitigen Handels sein wird.

Sie kamen ferner überein, daß mehr getan

werden müsse, um andere Formen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit,
einschließlich gemeinsamer Unternehmen und langfristiger Zusammenarbeit,
zu fördern.

Die amerikanische Seite brachte ihr Verständnis und Bereitschaft

für die Förderung der Bemühungen Jugoslawiens um die Stabilisierung und
Weiterentwicklung seiner Wirtschaft zum Ausdruck.

Es wurde die Anerkennung

für den bereits geleisteten Beitrag zur Stärkung der amerikanischjugoslawischen Wirtschaftsbeziehungen durch den Amerikanisch-Jugoslawischen
Wirtschaftsrat, die Jugoslawische Kammer zur Förderung der Wirtschaftlichen
Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und die amerikanisch-jugoslawischen
Wirtschaftsarbeitsgruppen ausgesprochen.
Beide Seiten stellten mit Befriedigung die Maßnahmen fest, die
getroffen werden, um Gewaltakte gegen Jugoslawien und seine diplomatischen,
konsularischen und sonstigen Vertreter in den Vereinigten Staaten zu
verhindern und Schuldige zu bestrafen. Präsident Carter bekräftigte die
Verpflichtung der amerikanischen Regierung, keine solchen terroristischen
Aktivitäten zu dulden, die den Interessen der Vereinigten Staaten zuwiderlaufen und auch die guten Beziehungen zwischen beiden Ländern stören.
Präsident

�Präsident Carter und der Präsident der Präsidentschaft der SFRJ brachten
ihre große Besorgnis über die ernste Verschlechterung der internationalen
Lage zum Ausdruck, die eine Bedrohung des Weltfriedens darstellt. Mit
dem Ziel, dem gegenwärtigen gefährlichen Trend in den internationalen
Beziehungen Einhalt zu gebieten und den unterbrochenen Prozeß der Entspannung wieder in Gang zu bringen, bekräftigten sie die Notwendigkeit
für die strikte Einhaltung des Geistes und der Grundsätze der Charta der
Vereinten Nationen - vor allem jener, die sich mit der Unzulässigkeit der
Anwendung von Gewalt, der Intervention und der Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder, der Aufzwingung eines fremden Willens auf
souveräne Staaten, in welcher Form und Rechtfertigung auch immer, und der
Blockierung ihrer unabhängigen inneren Entwicklung befassen.
Auf dieser Basis unterstrichen beide Seiten die Bedeutung der
Ausweitung des Prozesses der Verhandlungen und Zusammenarbeit in der
Welt sowie die Notwendigkeit eines umfassenden Prozesses der Entspannung,
der die größtmögliche Zahl von Ländern einbeziehen und auf der strikten
Achtung vor der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität
aller Staaten beruhen sollte. Dies wurde als umso wichtiger betrachtet,
als die Welt große Veränderungen durchmacht, die eine gegenseitige
Zurückhaltung seitens aller Länder von Handlungen notwendig macht, die
den Weltfrieden und die internationale Stabilität stören. Sie unterstrichen die Rolle der Vereinten Nationen als wesentliches Instrument
zur Erhaltung des Friedens, der friedlichen Beilegung von Streitigkeiten
und für die Stärkung der Zusammenarbeit in der Welt.
Die Gespräche erstreckten sich auch auf allgemeine Fragen der
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Beide Seiten bekräftigten
die Verpflichtung, alle Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki durchzuführen, und betonten ihre Entschlossenheit, den KSZE-Prozeß zu stärken
und sich auf der Madrider-Konferenz für einen ausgewogenen Fortschritt
auf allen Gebieten einzusetzen, in der Überzeugung, daß dies die Sicherheit

- 5 -

�Sicherheit und Zusammenarbeit unter allen Unterzeichnern der Schlußakte
verbessern und eine umfassendere Bedeutung haben würde.
Beide Seiten äußerten ihre Ansichten über die Folgen eines weiteren
Wettrüstens unter dem Gesichtspunkt der Erhaltung von Frieden und Sicherheit,
der derzeitigen Verschlechterung der internationalen Situation und der
Notwendigkeit für eine allgemeine wirtschaftliche Entwicklung.

Sie stimmten

überein, daß es notwendig sei, sich weiterhin um wirksame, faire und
verifizierbare Abkommen zur Rüstungsbegrenzung, Rüstungsreduzierung und
Abrüstung zu bemühen, die.auf den Grundsätzen der unverminderten Sicherheit
für alle Staaten beruhen.

Das Ziel sollte die allmähliche Reduzierung

der Rüstung auf den tiefstmöglichen Stand sein, wie er mit der Sicherheit
und Stabilität für alle Nationen mit dem letztlichen Ziel einer allgemeinen
und vollständigen Abrüstung unter wirksamer internationaler Kontrolle
vereinbar ist.

Besondere Aufmerksamkeit wurde in den Gesprächen der sich

verschlechternden Lage der Entwicklungsländer und der internationalen
wirtschaftlichen Situation als Ganzes gewidmet.

Ausgehend von der wachsenden

Interdependenz aller Nationen wurde von beiden Seiten bekräftigt, daß die
dringende Notwendigkeit besteht, nach Lösungen für die noch nicht bewältigten
Probleme zu suchen und sich um eine gerechte Harmonisierung der wirtschaftlichen Interessen aller Länder zu bemühen.

Beide Seiten waren sich einig

über die weitreichende politische Bedeutung der Fortsetzung eines konstruktiven
Dialogs zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern sowie über die
Förderung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf einer
stabileren und gerechteren Grundlage.

Sie unterstrichen nachdrücklich die

Bedeutung einer größeren Unterstützung von Seiten der industriell entwickelten Länder für die rasche Entwicklung der Entwicklungsländer und
die Wichtigkeit globaler Verhandlungen über diese Fragen.

Sie gaben der

Hoffnung Ausdruck, daß diese Verhandlungen zu produktiven Ergebnissen
zum Nutzen aller und vor allem zum Nutzen der Entwicklungsländer führen
werden, was im Interesse eines wirksameren Funktionierens der gesamten
Weltwirtschaft liegen würde.
Bei

�Bei der Erwägung der verschiedenen Aspekte der Menschenrechte waren
sich beide Selten auch darllber einig, daß die Bemühungen zur Förderung
der Achtung vor den Menschenrechten in allen Ländern in Einklang mit den
Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Erklärung
der Menschenrechte und der Schlußakte von Helsinki weitergeführt werden
sollten.
In Übereinstimmung mit der Notwendigkeit, entscheidende Anstrengungen
zu einer gerechten Lösung sowohl der von frLlher her bestehenden als auch
der neuen Krisen 1n der Welt zu unternehmen, befaßtenslch die amerikanische
und die jugoslawische Seite mit den derzeitigen Entwicklungen im Nahen
Osten, in Südafrika, SUdwest- und SUdostasien und anderen Gebieten.
Die beiden Seiten gaben ihrer besonderen Besorgnis über die Situation
im Nahen Osten Ausdruck, die weiterhin eine Quelle für große Spannung in
internationalen Angelegenheiten bleibt.

Sie waren sich über die dringende

Notwendigkeit einig, eine umfassende, gerechte und dauerhafte Lösung für
die Probleme des Nahen Ostens zu finden, und erläuterten im einzelnen
ihre jeweiligen Ansichten zu der derzeitigen Situation.
Sich dem südlichen Afrika zuwendend verurteilte die amerikanische
wie auch die jugoslawische Seite den Rassismus in jeder Form und das
südafrikanische System der Apartheid.

Sie gaben ihrer Unterstützung für

die Bemühungen Ausdruck, die auf das Zustandekommen einer Mehrheitsherrschaft und der nationalen Unabhängigkeit in Zimbabwe gerichtet sind.
Beide Seiten betonten die Notwendigkeit der Respektierung der Rechte
des Iran auf Unabhängigkeit und Blockfreiheit sowie seines Rechts, über
seine eigene innere Entwicklung und Orientierung in internationalen Angelegenheiten ohne Einmischung und Druck von außen zu bestimmen. Sie waren
sich einig, daß die Freilassung der als Geiseln im Iran festgehaltenen
amerikanischen Diplomaten und die friedliche Lösung der zwischen ihnen

- 7 -

�ihnen bestehenden Probleme durch die Vereinigten Staaten und den Iran
auf der Grundlage der Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen wesentlich
zum Frieden und der Stabilität in dieser Region beitragen wllrden.
Beide Selten forderten, daß es mit der militärischen Intervention und
allen anderen Formen der Einmischung 1n die inneren Angelegenheiten unabhängiger Länder ein Ende haben müsse. Beide Seiten betonten die Notwendigkeit,
daß die Involvierten ausländischen Truppen zurückgezogen werden und allen
Ursachen fUr Leiden und Opfer 1n solchen Ländern ein Ende gesetzt wird.
Sie forderten auch weitere humanitäre Anstrengungen seitens der Internationalen Gemeinschaft zur Lösung der Probleme der Flüchtlinge.
In diesem Zusammenhang legte jede Seite ausfuhrlich Ihren Standpunkt
Über die Mittel und Wege zur Lösung der Situation dar, die in Afghanistan
und Kambodscha entstanden Ist, wobei die Notwendigkeit hervorgehoben wurde,
die Rechte aller Völker auf Entscheidung über ihr eigenes Geschick zur
respektieren.
Präsident Carter und der Präsident der Präsidentschaft der SFRJ
unterstrichen die Bedeutung der Blockfreiheit als unabhängiger Faktor
in internationalen Angelegenheiten.
Präsident Carter bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten den Wunsch
der blockfreien Staaten respektierten, über ihre eigenen inneren Entwicklungen
und die Orientierung in internationalen Angelegenheiten selbst zu entscheiden.
Präsident Carter verwies noch einmal auf den anhaltenden Respekt und
das Eintreten der Vereinigten Staaten für die Unabhängigkeit, territoriale
Integrität und die Einheit Jugoslawiens. Die Vereinigten Staaten sehen
in einem unabhängigen und blockfreien Jugoslawien einen wichtigen Faktor
für das Gleichgewicht, den Frieden und die Stabilität in Europa und der

- 8 -

�der Welt.
Die beiden Seiten unterstrichen ihre Entschlossenheit, die derzeitige
erfolgreiche Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der SFRJ
und den Vereinigten Staaten von Amerika weiter auszuweiten und zu bereichern
auf der Basis der Gleichheit und mit voller gegenseitiger Respektierung der
Unterschiede der jeweiligen sozialen Systeme und der internationalen Stellung
des anderen.
Präsident Carter lud den Präsidenten der SFRJ zu einem Besuch der
Vereinigten Staaten ein, und die Einladung wurde mit Freude angenommen.

+ + + + +

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juli 1980

31

PRESSEERKLÄRUNG DER SPANISCHEN REGIERUNG ZUM BESUCH CARTERS

MADRID

- (AD) - Die spanische Regierung hat am 26. Juni 1980 eine

Presseerklärung zum Besuch den amerikanischen Präsidenten veröffentlicht,
die die Ansichten beider Regierungen widerspiegelt.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Auf Einladung seiner Majestät, König Juan Carlos, stattete Jimmy
Carter, der Präsident der Vereinigten Staaten, Spanien vom 24. - 26.
Juni einen offiziellen Besuch ab.
Im Verlauf dieses Besuchs führte der Präsident der Vereinigten
Staaten Gespräche mit Seiner Majestät dem König.

Präsident Carter traf

auch mit dem Präsidenten der Regierung, HerrnSuarez, und mit Mitgliedern
der spanischen Regierung zusammen.
Präsident

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D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Präsident Carters Besuch ist der erste eines Präsidenten der Vereinigten
Staaten im demokratischen Spanien.

Durch die Annahme der Einladung des

spanischen Königs erwidert der Präsident die Besuche Seiner Majestät und
des Präsidenten der spanischen Regierung in seinem Land.
Im Verlauf der Gespräche zwischen Präsident Carter und Seiner Majestät
wurde mit Befriedigung das hervorragende Niveau der engen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern sowie die harmonisierenden
Ansichten hinsichtlich einer ganzen Reihe außenpolitischer Themen festgestellt.
Die beiden Staatschefs brachten ihre Bedenken hinsichtlich der in
verschiedenen Teilen der Welt bestehenden Spannungen zum Ausdruck und
unterstrichen ihren Wunsch und ihre Absicht, in angemessener Weise zur
Wiederherstellung von Frieden und Stabilität in diesen Regionen beizutragen.
Präsident Carter gratulierte Seiner Majestät zu der günstigen
Entwicklung des spanischen Demokratisierungsprozesses, der die aufrichtige
Unterstützung der gesamten freien Welt verdient hat, sowie zu Spaniens
Rückkehr zu seinem ihm angemessenen Platz im Zusammenspiel der Nationen.
Was sie anbelangte, so brachte die spanische Seite ihre Wertschätzung
für die von den Vereinigten Staaten zur Unterstützung der Menschenrechte
und der Sache des Frieden", geleistete Arbeit zum Ausdruck.
Die internationale Lage - insbesondere die Krisen im Iran und
Afghanistan und die Lage im Nahen Osten sowie die bilateralen Beziehungen wurden beim Treffen von Präsident Carter mit dem Präsidenten der spanischen
Regierung, Herrn Suarez, erörtert. Im Verlauf dieser Gespräche, die im
Rahmen der zwischen westlichen Führungen stattfindenden Konsulationen
und Kontakte abgehalten wurden, wurde erneut deutlich, daß die westliche
Solidarität eines der Grundprinzipien der Außenpolitik des demokratischen
Spanien darstellt und daß Spanien seine Anstrengungen denen der anderen

- 2 -

�anderen Worten: wir brauchen mehr Wachstum bei weniger Energie, durch
Einsparung und durch Verringerung vor allem beim ölimport.
das alle Gespräche durchzog, war Erdöl.

Das eine Wort,

Der Geruch ausländischen Öls

hat auf alle unsere Staaten eine tiefgreifende Wirkung.

Es ist offen-

sichtlich, daß unsere übermäßige Abhängigkeit von ausländischem öl uns
unsere grundlegende Sicherheit raubt - nämlich das Recht, unsere eigenen
Entscheidungen zu treffen.

Der Preis des Öls schwächt nicht nur uns und

bringt zusätzliche Inflation und somit Arbeitslosigkeit; für die weniger
entwickelten und armen Länder und ihre Aussichten sind die neuen, rasch
steigenden exzessiven ölpreise besonders schädlich.

Die Erdölpolitik

verändert buchstäblich das gesamte Beziehungsgeflecht zwischen den
Staaten.

Wir müssen uns diesem Problem vereint und, wann Immer möglich,

kooperativ stellen und der Herausforderung an Sicherheit und Gewißheit
unserer Zukunft entgegentreten, die durch die rasch steigenden und
unkontrollierbaren ölpreise und unser aller übermäßige Abhängigkeit
von Erdöl einfuhren hervorgerufen wird.
Schließlich gab es ausführliche politische Gespräche.

Wir waren

uns einig in unserer Verpflichtung und in unseren Erklärungen an die
Öffentlichkeit, daß durch die Sowjetunion mit ihrer ungerechtfertigten
Invasion und gegenwärtigen Besetzung Afghanistans eine ernsthafte Bedrohung
des Weltfriedens entstanden ist.

Wir brachten unsere Bewunderung für die

Freiheitskämpfer in Afghanistan zum Ausdruck, die um nationale Befreiung
von der sowjetischen Besatzungsmacht ringen.

Wir waren alle einer Meinung,

daß diese ernste Bedrohung durch den Abzug der sowjetischen Truppen, durch
den völligen Abzug, beseitigt werden muß.

Das derzeitige Anzeichen eines

Rückzugs hat nur eine relativ geringe strategische Bedeutung, solange
er nicht für immer ist und ihm nicht ein schrittweiser Rückzug aller
sowjetischen Streitkräfte folgt.
Schließlich brachten alle Staaten uns gegenüber ihre Verpflichtung
zum Ausdruck, die iranische Regierung so rasch wie möglich darauf zu drängen,

- 3 -

�drängen, den Akt internationalen Terrorismus zu beenden, der dort gegen
53 unschuldige Amerikaner, gegen unsere Nation und zugleich gegen den
Rest der Welt verübt wurde. Dieses Festhalten unschuldiger Geiseln ist
unannehmbar. Es verletzt alle Prinzipien des Völkerrechts und des
menschlichen Anstandes. Alle diese Staaten haben sich uns gegenüber erneut
dazu verpflichtet, alles zu tun, was immer sie nur können, um durch
private diplomatische Kanäle und durch ihre öffentlichen Erklärungen und
Schritte die rasche Freilassung der amerikanischen Geiseln zu erreichen.
Schließlich erkennen wir an, daß es unter demokratischen Staaten und
freien Völkern einige Unterschiede geben muß. Aber das gemeinsame Verständnis, das wir haben, und die Obereinkommen, die wir erzielten, zeigen
ein bemerkenswertes Maß an Einheit, während wir uns den derzeitigen
Problemen stellen und uns auf die Zukunft vorbereiten. Das Beste an dieser
Reise ist die Heimkehr. Wir freuen uns, wieder zurück zu sein in den
Vereinigten Staaten von Amerika, der mit Abstand größten Nation auf Erden.
Vielen Dank.

+ + + + +

. 4 _

�I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

CARTER-INTERVIEW MIT DER SPANISCHEN NACHRICHTENAGENTUR EFE

Präsident Jimmy Carter gewährte kurz
vor Antritt seiner Europa-Reise der
spanischen Nachrichtenagentur EFE
ein Interview, das am Abend des
24. Juni zur Veröffentlichung freigegeben war. Es hat folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Die spanische Demokratie besteht fort und das spanische Volk

wünscht sich deren Konsolidierung dringend.

Wie bewertet Ihre Administration

die Rolle seiner Majestät in der demokratischen Entwicklung in Spanien?
Und wie die der politischen Kräfte?
ANTWORT: Wir in Amerika teilen den Wunsch des spanischen Volkes,
daß die Demokratie blühen und gedeihen möge. Eine echte Demokratie befreit
ihre Bürger, ihr Bestes zu leisten und um die Erfüllung höchster Normen
durch ihre Regierung zu fordern.
Sicherlich

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�Sicherlich war, wie Sie schon andeuteten, die Rolle Seiner Majestät
des Königs von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Demokratie in
Spanien.

Ich, der ich aus einem Volk mit lebendigen demokratischen

Traditionen komme, weiß aber auch zu schätzen, welche entscheidende Rolle
verantwortungsbewußte politische Parteien in der Position der Führung als
auch in der der Opposition bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung einer
lebensfähigen und aktiven Demokratie spielen.
Am wichtigsten ist selbstverständlich die Entschlossenheit des Volkes
eines Landes, sich seine freien Institutionen zu bewahren.

Dies ist ein

kontinuierlicher Prozeß - in Spanien ein Prozeß zudem, dessen Verlauf
unsere Regierung und unser Volk mit großer Bewunderung und Unterstützung
verfolgen.
FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns einige generelle Dinge zu

Ihrer bevorstehenden Reise in mehrere Mittelmeerländer Europas sagen?
Was steht auf Ihrer Tagesordnung?
ANTWORT: Der eigentliche Zweck ist natürlich die Teilnahme am
jährlichen Wirtschaftsgipfeltreffen, das dieses Jahr in Italien stattfindet. Als ich mir die Reisepläne näher ansah, schien mir die Gelegenheit
gekommen, die großzügigen Einladungen durch die Regierungen von Spanien,
Portugal und Jugoslawien anzunehmen und diesen Mittelmeerstaaten einen
Besuch abzustatten.
Diese Besuche werden, auch wenn sie nicht so lange dauern wie ich
es gerne hätte, mir Gelegenheit bieten, einen Meinungsaustausch über eine
ganze Reihe von Themen zu pflegen - und dies zu einer Zeit, in der die
Konsultationen und Zusammenarbeit mit guten Freunden nicht nur wünschenswert, sondern dringend geboten erscheinen.
Es

�Es gab in den letzten Monaten kritische Entwicklungen, die unsere
Völker und Bürger berühren.

Die sowjetische Invasion Afghanistans hat

strategische Auswirkungen für das Wohlergehen aller Länder, die den Frieden
und die Unabhängigkeit schätzen.

Die Inhaftierung von Geiseln im Iran

widerspricht international akzeptierten Regeln des zivilisierten Verhaltens
unter Völkern.

Wir werden Fragen der europäischen Verteidigung und

Sicherheit, sowie andere regionale und bilaterale Probleme miteinander
erörtern.

Kurz gesagt, die Tagesordnung ist voll.

Darüber hinaus bin ich erfreut, daß sich eine Gelegenheit für mich
ergibt, die Bewunderung und die Unterstützung Amerikas und der Amerikaner,
von denen so viele spanischen Ursprungs sind, für Spaniens historischen
Übergang zur demokratischen Staatsform zum Ausdruck zu bringen.

Diese

Entwicklung - eine der ermutigendsten politischen Entwicklungen in unserer
Generation - wird mit Reife und Einfühlungsvermögen vollzogen.
Ich sehe dem abermaligen Zusammentreffen mit Seiner Majestät, dem
König, und mit Präsident Suarez - die im Weißen Haus zu empfangen ich
die Ehre hatte - sowie mit anderen spanischen Regierungsvertretern und
Bürgern mit großer Freude entgegen.
Um dem noch ein persönliches Wort hinzuzufügen: Meine Frau und ich
haben unser ganzes bisheriges Leben hindurch Achtung für spanische Lebensart und Kultur empfunden, und wir begrüßen die Gelegenheit, Spanien selbst
zu besuchen.
FRAGE:

Herr Präsident, wie beurteilen Sie die Beziehungen zwischen

den Vereinigten Staaten und Spanien im gegenwärtigen Augenblick und wie
sehen Sie Spaniens Rolle in Europa und in der westlichen Welt?
ANTWORT:

Die Beziehungen zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten

sind besser als zu jedem anderen Zeitpunkt der jüngeren Geschichte.

- 3 -

Als

�Als Demokratien mit gemeinsamen Interessen und Vorstellungen stehen unsere
beiden Länder häufig miteinander in Konsultationen über Herausforderungen,
vor die sich die Welt heute gestellt sieht.

Wir arbeiten auf vielen Gebieten

zusammen - auf politischem, militärischem und wirtschaftlichem Gebiet.
Und unsere Zusammenarbeit hat sich seit Errichtung der Demokratie in Spanien
intensiviert.

Der erfreuliche Geist der Freundschaft gibt den Ton an

für meinen Besuch in Spanien.
Hinzu kommt, daß wir durch Bande der Familie und Kultur miteinander
verbunden sind.

Spanier aus allen Landesteilen, die ihres Lebensunterhaltes

wegen nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, haben unsere Gesellschaft
auf unermeßliche Art und Weise bereichert.
Spanien ist zudem ein integraler und wichtiger Teil Europas und der
westlichen Welt.

Dank einer reichen Geschichte und Kultur konnte Spanien

viel zu unserer Kultur und Zivilisation beitragen.

Als eine junge und

lebensvolle Demokratie hat es noch weit mehr zu geben.

Das ist eine Rolle,

die wir in den Vereinigten Staaten begrüßen und der wir unseren Beifall
zollen.

Wir freuen uns auf die verstärkte Zusammenarbeit mit Spanien auf

vielen Gebieten, auf denen wir den Herausforderungen unserer gemeinsamen
Interessen gemeinsam begegnen können.
FRAGE:

Wegen seiner historischen Bindungen fühlt sich Spanien

auf spezifische Weise mit den arabischen und mediterranen Ländern verknüpft. Können Sie zu diesen Bindungen und ähnlichen Banden Spaniens
zu Lateinamerika Stellung nehmen?
ANTWORT:

Auch wenn Spanien geographisch und politisch Teil Europas

ist, besitzt es nichtsdestoweniger ein einzigartiges Verständnis für die
arabische und mediterrane Welt.

Die vielschichtigen Gründe hierfür sind

in seiner Geschichte und Geographie verwurzelt.

Das hieraus resultierende

Erbe vermittelt Spanien besondere Einsichten in die arabische Welt.

Wir

�Wir haben diese Tatsache begriffen, und wissen die Art und Weise zu
schätzen, in der sie Spaniens wachsende institutionelle Beziehungen zum
Westen ergänzt.
Aus tiefen historischen Gründen hat Spanien besondere Beziehungen
auch zu den Ländern Lateinamerikas - woraus ihm eine Rolle erwächst, die
die Vereinigten Staaten sehr begrüßen.

Spaniens Interesse an den Verhältnissen

in Lateinamerika, wie es in seiner Beteiligung am Anden-Pakt zum Ausdruck
kommt, stellt eine heilsame Entwicklung dar.

Spanien muß im modernen

Lateinamerika eine wichtige Rolle spielen - als historische Quelle
kultureller Energien und zeitgenössisches Beispiel für den demokratischen
Lebenswillen.
FRAGE: Die nächste Gesprächsrunde zur Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (KSZE) wird im kommenden Herbst in Madrid stattfinden. Sind die Vereinigten Staaten dafür, daß diese Gespräche stattfinden
wie geplant? Wie sehen Sie die Aussichten für diese Konferenz generell?
ANTWORT:

Auch wenn die sowjetische Invasion Afghanistans das Klima

der Ost-West-Beziehungen schwer geschädigt hat, liegt die Madrider KSZEFolgekonferenz meiner Auffassung nach im Interesse aller Signatarstaaten
der Schlußakte von Helsinki, einschließlich der Vereinigten Staaten.
Wir sind dafür, daß wir voranschreiten

wie geplant.

Die Vereinigten Staaten - und andere Länder - werden die KSZE-Tagung
zum Anlaß nehmen, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wie gut oder wie
schlecht die einzelnen Signatarstaaten ihren Verpflichtungen in der Zeit
nach dem Gipfel von Helsinki im Jahre 1975 nachgekommen sind.

Diese

Bestandsaufnahme ist besonders wichtig, was die Menschenrechte und die
humanitären Bestimmungen der Schlußakte angeht, bezüglich derer es zu
ernsthaften Versäumnissen einiger Länder in der Erfüllung der übernommenen
Verpflichtungen gekommen ist.
Darüber
- 5 -

�Darüber hinaus bietet uns die Madrider Tagung die Chance, weitere
Maßnahmen für die Verbesserung der Verwirklichung der Schlußakte durch
ausgewogene Fortschritte auf allen von ihr berührten wichtigen Gebieten
zu vereinbaren.

Schließlich sollte diese Tagung sicherstellen, daß der

Prozeß von Helsinki durch reguläre künftige Folgetagungen der Art, wie
sie für Madrid geplant ist, weitergeführt wird.
FRAGE:

Welches ist die derzeitige Politik Ihrer Administration

gegenüber den lateinamerikanischen Ländern?
ANTWORT:

Meine Regierung hat sich von Anfang an von der Überzeugung

leiten lassen, daß Lateinamerika eine wichtige weltweite Rolle spielt.
Die nationalen Hoffnungen und Wünsche einzelner lateinamerikanischer und
karibischer Länder in bezug auf ihre Unabhängigkeit, ihr Selbstverständnis
und ihre wirtschaftliche Entwicklung sind wichtig - sowohl für die Dritte
Welt als auch für den Westen und insbesondere für Länder wie Spanien und
die Vereinigten Staaten, die mit ihnen durch zahlreiche persönliche und
historische Bindungen verknüpft sind.
Die amerikanische Politik erstrebt Beziehungen, die diese Traditionen,
diese Hoffnungen und Wünsche und dieses Potential bejahen. Wir halten
einen fortgesetzten Dialog aufrecht, der ihren Interessen und unseren
eine ausgewogene Behandlung sichert. Ich habe die Notwendigkeit engerer
direkter Verbindungen von Volk zu Volk herausgestellt, die auf den
grundlegenden Werten unserer gemeinsamen Kultur beruhen und uns in die
Lage versetzen, uns die Gelegenheit zunutze zu machen, noch engere und
ausgewogenere Beziehungen zu knüpfen. Ich fühle mich ermutigt durch
die zunehmende Achtung vor den Menschenrechten in den meisten lateinamerikanischen
Ländern und deren Trend zur Demokratie. Wir Amerikaner befürworten dieses
Verhalten nachdrücklich.
FRAGE:

�FRAGE:

Verdient die derzeitige Situation in Mittelamerika und im

karlbischen Raum irgendwelche besondere Überlegungen seitens Ihrer
Administration?
ANTWORT:

Selbstverständlich ja.

Die Lage in der Karibik verändert

sich rasch, und das gilt auch für die Struktur der Beziehungen zwischen
den Nationen dieses Raumes und dem Westen.

Wir sind der Auffassung, daß

die Herausforderung, vor die wir uns hier gestellt sehen, nicht darin
besteht, uns diesen Veränderungen - von denen die meisten natürlich
unausweichbar sind - zu widersetzen, sondern sie auf neue und konstruktive
Artund Weise zu fördern.
Gemeinsam mit anderen Ländern sind wir bestrebt
-

die gemäßigten und demokratischen Kräfte innerhalb dieses gesamten
Gebietes zu ermutigen;

-

die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und eine gerechte
Verteilung des Wohlstands zu erreichen;

-

die Beachtung international anerkannter Normen in bezug auf die
Menschenrechte durchzusetzen;

-

den Prozeß der regionalen Zusammenarbeit zu erneuern;

und

-

die Sicherheit vor Aggression von außen zu gewährleisten.

Wir gewähren Nicaragua Unterstützung, um dem Lande zu helfen, sich
von einem vernichtenden Bürgerkrieg zu erholen, und um zur Evolution
eines pluralistischen und wahrhaft unabhängigen Nicaragua zu ermutigen.
In

- 7 -

�In El Savador führt eine christlich-demokratische Militärregierung
eine Reform des Bodenbesitzes und des Bankwesens durch, die ohne Beispiel
ist. Aus diesem Grund glauben wir, daß diese Regierung die beste Gewähr
fUr ein maßvolles, demokratisches Ergebnis bietet. Wir unterstutzen sie
und wir glauben, daß sie die wirtschaftliche und politische H U f e auch der
Westeuropäer verdient.
Die friedliche und demokratische Evolution dieser und anderer Länder
am Rande des karibischen Meeres Ist der einzige Weg zur Schaffung von
lebensfähigen Demokratien in diesem wichtigen Raum. Das Ist der Weg, den
wir befürworten - der Weg aber auch, den Kuba auf vielfältige Art und
Weise und häufig mit Gewalt zu versperren trachtet. Wie in Spanien,
so unterstutzen die Vereinigten Staaten auch in der Karibik die Stärkung
der Demokratie, die unsere Zustimmung findet.

+ + + + +

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juli 1980

31

CARTERS TISCHREDE AUF DEM STAATSBANKETT IN MADRID

MADRID

- (AD) - Auf einem Staatsbankett, das zu Ehren des amerikanischen

Präsidenten am 25. Juni vom spanischen König Juan Carlos in dessen Palast in
Madrid gegeben wurde, hielt Jimmy Carter folgende Tischrede:
Majestäten, Herr Präsident, Freunde Spaniens und der Vereinigten
Staaten:
Es ist dies ein großer Augenblick für mich - hier zu sein und Ihnen
und Ihrem Volk die besten Wünsche der Regierung und des Volkes der Vereinigten
Staaten von Amerika zu überbringen.

Es ist für mich ein ganz besonderes

Vergnügen wegen meines großen persönlichen Interesses an Ihrer Sprache und
Kultur.
Vor 400 Jahren war Spanien die Supermacht der westlichen Welt und
der Spanier jener Tage hinterließ die Legende des Weitblicks und des Mutes,
die zu keiner Zeit vergessen wurde. In diesem Goldenen Zeitalter lehrten
Maler wie El Greco und Velasquez, Schriftsteller wie Cervantes und Lope

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Te|ex:

�Lope de Vega die Welt ein neues Sehen und neues Fühlen.

Die spanischen

Entdecker waren die Astronauten ihrer Zeit, die mit Tapferkeit in neue
Welten von unvorhergesehener Gefahr und Schwierigkeit eindrangen.

Wir

alle zogen Nutzen aus dieser Größe Spaniens.
Mein eigener Staat Georgia war zu Beginn ein kleiner Vorposten des
spanischen Weltreichs.

Der erste Europäer, der seinen Fuß darauf setzte,

war im Jahr 1540 Hernando de Soto.

Georgia war viel länger spanische

Kolonie als englische Kolonie.
Ich spreche von dem historischen Einfluß Spaniens deshalb, weil es
so offenkundig ist, daß Spaniens Mut und Größe noch heute vorherrschen.
In wenig mehr als vier Jahren haben Sie eine kräftige, blühende Demokratie
geschaffen, mit Achtung vor den Menschenrechten,

den Freiheiten des

Einzel menschen und der Redefreiheit.
Die Aufgabe war nicht einfach. Sie mußten sich mit der weltweiten
Rezession auseinandersetzen, mit gewaltigen Kostenanstiegen bei der Energie
sowie mit althergebrachten und manchmal spaltenden Herausforderungen im
Inneren. Und dennoch ist es Ihnen auf hervorragende Weise gelungen,
die alten Institutionen zu erneuern und neue zu schaffen.
Der Aufbau der spanischen Demokratie war für die gesamte westliche
Welt ein stärkendes Mittel. Spanien widerlegt die falsche Behauptung,
daß die Bewegung der Geschichte unabänderlich hin zum Autoritarismus
führe; daher ist Spanien eine Quelle der Hoffnung und der Inspiration
für alle anderen Demokratien. Die Erfahrung Spaniens gewährt Lektionen
über Entschlossenheit, Mäßigung und Selbstkontrolle, Lektionen für andere
Demokratien und für junge Länder in der Dritten Welt, die ihre Freiheit
gefunden haben und jetzt nach Modellen suchen, denen sie bei der Gestaltung ihrer eigenen Gesellschaften folgen können.
In

- 2 -

�In den vergangenen vier Jahren hat sich Spanien auch einen Platz
der Führung in dieser Welt errungen.

Immer wieder haben Ihre Minister

klargestellt, daß Spanien an der Seite der anderen westlichen Demokratien
steht, als kommendes Mitglied der Europäischen und der Atlantischen
Gemeinschaft.

Wir sind erfreut darüber, daß Sie mit den Verhandlungen

über einen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft begonnen haben, denn
wir sind der Meinung, daß Spaniens Beitritt die Gemeinschaft stärken
wird - genauso wie die Gemeinschaft Europa stärkt.
Desgleichen hoffen wir, daß Spanien seinen eigenen Interessen durch
Teilnahme an der kollektiven Verteidigung des Westens gedient sieht.
Gleichwohl anerkennen wir völlig, daß dies eine Entscheidung ist, die
einzig und ausschließlich durch Spanien getroffen werden muß, zu seiner
Zeit und auf seine Weise.

Unsere Nation wird Ihre Entscheidung, ist sie

einmal getroffen, voll unterstützen.
Zusätzlich hierzu teilen sich unsere beiden Länder in eine bilaterale
Sicherheitspartnerschaft, die sich auf wichtige gemeinsame Interessen
gründet.

Wir werden in diesem Jahr mit einer Überprüfung dieser Partner-

schaft beginnen, die den Interessen unserer beiden Länder gut gedient
hat und die auch weiterhin den gemeinsamen Interessen noch viele Jahre
lang dienen wird.
Auch unsere bedeutenden Wirtschaftsbeziehungen verbinden unsere
Völker.

Führende amerikanische Geschäftsleute haben ihren Glauben in

die Zukunft Spaniens durch ein hohes Maß an Investitionen zum Ausdruck
gebracht, die sie in den letzten Jahren hier getätigt haben.

Exporteure

aus beiden Staaten betrachten das andere Land als wichtigen Markt für
ihre Produkte.

Ganz außer Zweifel ist, daß die wachsende Wirtschafts-

beziehung für beide Länder von sehr großem Nutzen ist.
Spaniens

- 3 -

�Spaniens Bedenken hinsichtlich der Energieversorgung wird voll
von den Vereinigten Staaten geteilt. Wie Sie wissen, kam ich ins Amt
zu einer Zeit, als das amerikanische Volk noch weitgehend glaubte, öl
sei ein unerschöpflicher Rohstoff. Das zentrale Drama des amerikanischen
öffentlichen Lebens in den letzten vier Jahren war der Kampf um die Änderung
dieser Haltung und des anschließenden Aufbaus einer lebensfähigen Energiepolitik. Dieser Kampf geht weiter, aber die Grundlagen einer solchen
Energiepolitik sind jetzt nahezu vorhanden. Das ist nicht nur für die
Zukunft meines eigenen Landes von entscheidender Bedeutung, sondern auch
für das umfassendere Geflecht der Beziehungen, dem unsere beiden Länder
angehören.
Unsere beiden Länder teilen auch ein starkes Interesse an der
demokratischen Entwicklung und an der Achtung vor den Menschenrechten
1n anderen Teilen der Welt. Wir haben beide 1n Lateinamerika besondere
Bindungen. Ich schätze die Unterstützung und den klugen Rat, den wir
oft von Spanien bei schwierigen und häufig kritischen Situationen 1n
Lateinamerika und der Karibik erhalten haben. Wir schätzen auch die
engen Konsultationen, die es zwischen uns gegeben hat und den Beistand,
den Sie uns bei der Geiselkrise im Iran und anderen Aspekten dieser
heiklen Situation geleistet haben. Im Nahen Osten und Teilen Afrikas
können wir auf weitere Zusammenarbeit rechnen, die besonders wertvoll
wegen Ihrer aus der Geschichte gewonnenen Kenntnis der islamischen Welt
ist.
Die Vereinigten Staaten haben besonderen Grund,dem Hervortreten
Spaniens als wichtigem Partner bei den noch nicht gelösten Aufgaben
des Friedens Beifall zu zollen. Seine kulturellen und historischen
Verbindungen zu so vielen Gebieten der Welt befähigen es, eine Brücke
zu bilden zwischen der Dritten Welt und dem Westen. Das ist besonders
wichtig, wenn wir an die Probleme des neuen Jahrzehnts herangehen, die
in vieler Hinsicht schwieriger und gefährlicher sein werden als alle,

- 4 -

�alle, die wir bis dahin überwunden haben.
Heute sieht sich der Westen einer strategischen Herausforderung von
historischer Größenordnung gegenüber.

Von 1945 bis zur Mitte der fünfziger

Jahre haben wir dem sowjetischen Expansionsdrang nach West und Ost
Widerstand geboten.

Heute stößt die Sowjetunion nach Süden vor, direkt

in Afghanistan, indirekt durch Vietnam und Kambodscha und an anderen
Stellen durch ausländische Helfershelfer.

Die Herausforderung ist klar

und klar ist auch die Frage, die sich für unsere demokratischen Institutionen stellt:

Lassen wir es zu, daß die Aggression ungestraft voranschreitet

oder leisten wir diesem Vordringen, das unser gemeinsames lebenswichtiges
Interesse betrifft, Widerstand?

Es gibt nach meiner Ansicht keinen Zweifel

darüber, welchen Standpunkt unsere beiden Länder gegenüber dieser Frage
einnehmen.
Das erfreuliche Wiedererstarken des spanischen Einflusses in der
ganzen Welt ist eine wichtige Quelle der Zuversicht, mit der der Westen
an das schwierige kommende Jahrzehnt herangehen kann.

Die Stärke und

Vitalität, der ich hier begegnet bin, sind ein Zeugnis für Spaniens
eigenes sicheres Gefühl für seine Zukunft und für die Richtung, die es
frei gewählt hat - zur Demokratie, zur Vielfalt und zur unbehinderten
Ausübung der Kräfte des menschlichen Geistes.
Majestät, ich möchte mein Glas erheben:
-

auf Sie, auf Ihre liebreizende Königin, auf Ihren Präsidenten
und alle führenden Männer der Regierung und der demokratischen
Opposition, die mitgeholfen haben, die spanische Demokratie
aufzubauen - vor allem aber auf das spanische Volk, dessen Geist
den Hauptanteil an den Erfolgen der vergangenen letzten Jahre
trägt.

Viva Espana!
+ + + + +

- 5 -

�a
»

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

CARTER-INTERVIEW MIT DER PORTUGIESISCHEN NACHRICHTENAGENTUR ANOP

Präsident Jimmy Carter hat vor Antritt
seiner Europareise der portugiesischen
Nachrichtenagentur ANOP ein Interview
gegeben, das am Abend des 25. Juni 1980
zur Veröffentlichung freigegeben war.
Es hat folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben seit einiger Zeit keine Auslands-

reise mehr unternommen, abgesehen von Ihrer Teilnahme am Gipfeltreffen in
Venedig.

Was hat Sie zu Ihren Besuchen in Jugoslawien, Spanien und

Portugal veranlaßt, und was erhoffen Sie sich von ihnen?
ANTWORT: Die Besuche, die ich europäischen Staaten im Anschluß an
den Wirtschaftsgipfel in Venedig mache, bringen mich zu offenen Gesprächen
mit Freunden und Verbündeten in einer Zeit ernsthafter Herausforderungen
gemeinsamer Interessen zusammen. Diese Herausforderungen sind bekannt
und ernst: Die Krise im Iran und in Afghanistan, die Suche nach Frieden

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T e | e x : 08-85432

�Frieden im Nahen Osten, die Frage der Energieabhä'ngigkeit der industrialisierten
Welt und das Verlangen der Entwicklungsländer nach wirtschaftlicher
Gerechtigkeit.

Gründliche Erörterungen dieser und anderer Angelegenheiten

sind nicht nur notwendig, sie dienen dem Bemühen, enge Beziehungen noch
enger zu gestalten und einen Konsensus bezüglich gewisser Vorstellungen
und Auffassungen zustandezubringen.
In diesem Gesamtzusammenhang messe ich meinem Besuch in Portugal
besondere Bedeutung bei. Was mich persönlich angeht, freue ich mich sehr
über die Gelegenheit, nach Lissabon zu kommen und eine Hauptstadt zu besuchen, die zu besuchen kein amerikanischer Präsident seit 1960 den Vorzug
hatte.

Darüber hinaus bin ich darauf bedacht, meinen Aufenthalt in Portugal

dazu zu benutzen, der tiefen Bewunderung Ausdruck zu geben, die ich und
die Amerikaner im allgemeinen für den bemerkenswerten Übergang Ihres Landes
zur Demokratie hegen.

Ihre Erfahrung und auch die Spaniens widerlegen

jene Pessimisten, die behaupten, die Demokratie rund um den Erdball
im Rückzug zu sehen.

Sie bestärken alle jene, die sich der Achtung der

Freiheit und Würde des einzelnen als dem sichersten Weg zu sozialen und
politischen Fortschritten verschrieben haben,

über den Wunsch hinaus,

Ihrem Vorbild Tribut zu zollen, freue ich mich auch auf die Konsultationen
mit führenden Politikern Portugals, die den Übergang zur Demokratie mit
so viel Geschick und Klugheit bewerkstelligt haben.
Das freimütige Eintreten der portugiesischen Regierung für die
Normen des Völkerrechts und des zivilisierten Verhaltens gegenüber jenen,
die diese Normen in Iran und in Afghanistan verletzen, hat die Grundlage
geschaffen, auf der wir in dem Bemühen, diese Krisen zu bewältigen, auch
weiterhin zusammenarbeiten können. Portugals anhaltende Verbindungen zu
den portugiesisch sprechenden Teilen Afrikas verschaffen mir darüber
hinaus wertvolle Einblicke, was die Möglichkeiten der Zusammenarbeit in
bezug auf die dringende Notwendigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung
jenes Kontinents angeht.
Obgleich
- 2 -

�Obgleich die Zeit sehr kurz bemessen ist, gibt es viel zu besprechen,
viel zu tun und viel zu gewinnen, wenn wir miteinander sprechen und zusammenarbeiten.
FRAGE:

Herr Präsident, wie Sie wissen, besteht in Portugal nach

wie vor ein starkes Interesse an den Entwicklungen in Afrika (insbesondere
1n unseren ehemaligen Kolonien) und an unseren Verpflichtungen gegenüber
dem Atlantischen Bündnis.

Können Sie uns angesichts der Tatsache, daß

viele internationale Krisengebiete heute außerhalb des traditionellen
Bereichs regionaler Besorgnisse der NATO liegen, einen Kommentar zu den
Vorteilen geben, die sich für die NATO aus einer eher weltweiten Strategie
ergeben werden?
ANTWORT: Die NATO wurde 1949 in Erwiderung auf das gegründet, was
man damals als eine weithin sichtbare Bedrohung ansah: den militärischen
Aufbau der Sowjetunion in Osteuropa und deren Pläne in Westeuropa. Dreißig
Jahre lang hat unser Bündnis allen expansionistischen Bedrohungen des
Bereichs des NATO-Vertrags widerstanden.
Die ganzen Jahre hindurch aber mußten unsere Völker über den eigentlichen
NATO-Bereich hinausgreifend auf sowjetische Aktionen in anderen Gebieten
der Erde und deren potentielle Auswirkungen auf die europäische Sicherheit
achten.

Diesbezügliche Sorgen haben sich innerhalb der Geschichte des

Bündnisses wiederholt ergeben.

So brachte beispielsweise im Juni 1974

die Erklärung des Nordatlantikrats von Ottawa - die im weiteren Verlauf
jenes Monats von den Staatschefs in Brüssel gebilligt wurde -, klar und
deutlich zum Ausdruck, daß die Interessen des Bündnisses auch von Ereignissen
in anderen Gebieten der Erde berührt werden können.
Die sowjetische Invasion Afghanistans hat diese Realität stärker
in den Vordergrund treten lassen als jedes andere Ereignis der jüngeren
Zeit.

Die Invasion, wiewohl sie außerhalb des Vertragsgebietes der NATO

- 3 -

�NATO stattfand, berührt die Ost-West-Beziehungen insofern, als sie eine
Bedrohung für Südwestasien und den Persischen Golf darstellt - eines
Gebietes, das für die Sicherheit des gesamten westlichen Bündnisses von
lebenswichtiger Bedeutung ist.
Diese neue Herausforderung für den Frieden ist so geartet, daß ihr
die NATO als ein Atlantisches Bündnis am besten dergestalt entgegentritt,
daß sie ihre eigentliche und primäre Mission erfüllt: Europa zu verteidigen. NATO-Mitgliedstaaten und unsere übrigen Freunde und Verbündeten
aber müssen ihrerseits bereit sein, als Partner für Frieden und Sicherheit
gemäß Ihren jeweiligen Fähigkeiten zu kooperativen Sicherheitsbemühungen
auch in anderen Teilen der Welt beizutragen. Die beste Methode, den Frieden
zu erhalten, besteht darin, jeder Aggression entschlossen entgegenzutreten.
FRAGE: Wie beurteilen die Vereinigten Staaten die demokratische
Entwicklung auf der iberischen Halbinsel und Insbesondere 1n Portugal?
In welchem Maße stärken diese Entwicklungen die Sicherheits- und
Verteidigungsrolle unseres Landes innerhalb der NATO-Struktur?
ANTWORT: Die Entwicklung der Demokratie in den iberischen Staaten
stärkt die Aussichten auf dauerhafte Stabilität und wirtschaftlichen
Fortschritt sowohl in Spanien als auch in Portugal. Wir wurden Zeuge,
wie sich beide Länder neue Verfassungen mit weitgehenden Schutzbestimmungen
für die Menschenrechte gaben, die die öffentliche Meinung befähigen,
ihre entscheidende politische Rolle zu spielen.
In Spanien erreichte der Übergang zur Demokratie im Dezember 1978
einen wichtigen Meilenstein, als das spanische Volk eine neue Verfassung
annahm, die eine konstitutionelle Monarchie mit einem souveränen Parlament
errichtete, dem der Präsident verantwortlich ist. Kaum vier Jahre nach
Francos Tod wurde das Nationale Parlament zum zweiten Mal gewählt jjnd_

�und konnten frei gewählte Stadtverwaltungen ihre Amtsgeschäfte zum
ersten Mal in vielen Jahren antreten.
Portugals politische Entwicklung seit der Revolution vom 25. April 1974
verlief ebenso bewundernswert.

Ich bin beeindruckt von dem Tempo, mit dem

sich das portugiesische Volk von den wirtschaftlichen und politischen
Schwierigkeiten der vorausgegangenen Jahre erholt hat.

Eine Verfassung

geschaffen zu haben, die den Menschenrechten soviel Aufmerksamkeit widmet
wie diese, ist ein gutes Omen für die Zukunft der Demokratie in Portugal.
Der ständige beharrliche Fortschritt in Richtung auf größere politische
Stabilität bereitet den Boden für erhebliche wirtschaftliche und soziale
Fortschritte in den künftigen Jahren.
Die Errichtung demokratischer Institutionen hat natürlich die Entwicklung
Portugals zu einem geachteten Mitglied der NATO beschleunigt. Das Verhalten
des portugiesischen Volkes während der letzten Jahre hat Portugals Ansehen
und Stimme in der Gemeinschaft der atlantischen Völker gestärkt. In
Würdigung der wichtigen Rolle Portugals innerhalb des Bündnisses tragen
die Vereinigten Staaten in beträchtlichem Ausmaß zur Ausrüstung der
portugiesischen Armee und Luftstreitkräfte bei. Wir arbeiten gemeinsam
mit den anderen Verbündeten innerhalb der NATO daran, eine Gewähr für
deren anhaltenden wirksamen Beitrag zur Modernisierung der portugiesischen
Streitkräfte im Interesse der gemeinsamen NATO-Verteidigung zu gewährleisten.
FRAGE:

Was planen Sie im Lichte der derzeitigen Situation als künftige

amerikanische Schritte zur Sicherstellung der Freilassung der amerikanischen
Geiseln in Teheran?

Inwieweit bedroht die Situation in Südwestasien (im

Iran und in Afghanistan) den Weltfrieden?
ANTWORT:

Das Festhalten von Diplomaten als Geiseln durch den Iran

verletzt alle Normen des Völkerrechts und des zivilisierten Verhaltens.
Während wir damit fortfahren, eine Vielfalt diplomatischer Kanäle zur

- 5 -

�zur Gewährleistung der sicheren Freigabe unserer Bürger verfolgen, suchen
wir dem Iran durch wirtschaftlichen Maßnahmen, die wir gemeinsam mit
unseren Verbündeten und anderen Nationen ergriffen haben, die greifbaren
Kosten eines solchen verantwortungslosen Verhaltens klarzumachen.

Wenn

die führenden Politiker des Iran tatsächlich das Interesse des iranischen
Volkes und das Wohlergehen ihrer Bürger als ihr erstes Ziel ansehen, dann
bin ich sicher, daß sich hieraus die Freigabe der Geiseln ergeben wird.
Aber selbst wenn wir von der Geisel frage einmal absehen, schafft
die mangelnde Stabilität im Iran eine unsichere Situation in einem
turbulenten und wichtigen Gebiet.

Die brutale Invasion Afghanistans

durch die Sowjets bedroht das strategische Gleichgewicht in diesem
kritischen Raum.

Die Maßnahmen, die unsere Verbündeten gemeinsam mit

Dutzenden anderer Länder ergriffen haben, dienen dem Zweck, der Sowjetunion
vor Augen zu führen, daß ihre Aggression - und für deren Vorgehen gibt
es kein anderes Wort - nicht ungestraft bleiben wird.

Gewiß werden unsere

Sorgen um die Sicherheit in Südwestasien und im Gebiet des Persischen
Golfes einen großen Raum in meinen Gesprächen mit Präsident Eanes und
Ministerpräsident Sa Carneiro einnehmen.

Portugals prinzipielle Antwort

auf die Krise im Iran und in Afghanistan war ebenso willkommen wie mutig.
Die Krise aber dauert an, und wir werden viel darüber zu sprechen haben.
FRAGE: Welche Aspekte der amerikanischen Diplomatie in Afrika bieten
Ihrer Meinung nach die beste Chance, dem langfristigen Einfluß der Sowjets
beziehungsweise dem Einfluß ihrer Handlanger auf den Kontinent entgegenzu wirken?
ANTWORT:

Die sowjetischen Aktivitäten in Afrika basieren auf einer

Mischung aus geopolitischen, strategischen und ideologischen Motivationen.
Ihr Ziel ist es, den sowjetischen Einfluß auf jede nur mögliche Art und
Weise auszuweiten, alle sich ergebenden Möglichkeiten zu nutzen und sich
mehr der militärischen als der wirtschaftlichen Hilfe zu bedienen.
Die

�Die Folgen

in jenen Gebieten aber, 1n denen die Sowjets Ihren

Einfluß am nachhaltigsten verstärken konnten - wie 1n Äthiopien und Angola -,
waren eine Intensivierung der Konflikte und Leiden.

Die Flüchtlinge, die

vor dem Kommunismus aus Kambodscha, Afghanistan und Kuba fliehen, sind die
unschuldigen Opfer der sowjetischen Einmischung.
Nach unserem Dafürhalten soll es den Afrikanern frei stehen, Ihre
Zukunft selbst zu gestalten. Demgemäß verfolgen wir eine Politik, die die
grundlegenden afrikanischen Aspirationen und Prioritäten anerkennt:
-

Selbstbestimmung;

-

Beendigung des Rassismus und der weißen Minderheitsherrschaft;

-

Aufrechterhaltung der territorialen Integrität; und

-

wirtschaftliche Entwicklung.

Wir Amerikaner können uns mit diesen Prioritäten identifizieren
und tun dies auch.
finanzielle

Wir fahren damit fort, unsere diplomatische

Unterstützung auf deren Förderung zu verwenden.

und

Diese

Haltung ist langfristig die wirksamste Antwort auf die Versuche der
Sowjets und ihrer kubanischen Handlanger, in Afrika und auf Kosten echter
afrikanischer Interessen und Bedürfnisse immer stärkeren Einfluß zu gewinnen.
FRAGE: Wir Europäer machen uns offensichtlich Sorgen über die
internationalen Sicherheitsvorkehrungen in bezug auf Kernwaffen -sei es
im Zusammenhang mit SALT und anderen Abrüstungsverhandlungen oder auch
mit den auf Computerversagen zurückzuführenden amerikanischen Verteidigungsalarm-Fällen. Können Sie ein*n Kommentar zu der Frage nach den Sicherheitsvorkehrungen und den Möglichkeiten eines Kriegs aus Zufall geben?
ANTWORT:

�ANTWORT: Der weitere Ausbau der Rüstungsbeschränkungen Ist 1m
Grunde genommen eine Maßnahme, einen Konflikt aus Zufall zu verhindern.
Verhandlungen machen beispielsweise einen Dialog zwischen Gegnern möglich,
der ein generell größeres Verständnis fUr das militärische Denken und fUr
militärische Systeme wecken kann. RUstungsbegrenzungsabkommen tragen
darUber hinaus dazu bei, das Vertrauen zwischen beiden Selten auf spezifischen
Gebieten zu stärken - beispielsweise durch die Bestimmungen des SALT IIVertrages Über die vorherige Bekanntgabe gewisser Flugtests Interkontinentaler
Raketen. Wenngleich unser eigenes Warnsystem vollkommen ausreicht, einen
Angriff klar zu erkennen, Ist es nützlich, Informationen dieser Art als
Teil eines vertrauensbildenden Prozesses gegenseitig auszutauschen. Die
Verfahren zur Bekanntgabe von Truppenbewegungen und Übungen großen Stils
gemäß den Vereinbarungen von Helsinki aus dem Jahre 1975 tragen 1n ähnlicher
Welse zur Sicherheit Europas bei.
Auch wenn wir uns wegen der Computerfehler Sorgen machen, bestand
keine Möglichkeit eines aggressiven Gegenzuges seitens der Vereinigten
Staaten allein gestützt auf einen isolierten Hinweis auf eine Waffenkomponente.
Während jener beiden kurzen Alarmperioden verfuhr unser Personal nach
Standardverfahren und gelangte unverzüglich zu der Feststellung, daß kein
Angriff im Gange sei. Wir standen keineswegs unmittelbar davor, irgendwelche eigenen nuklearen Streitkräfte in Marsch zu setzen. Sämtliche
unserer Warn-Sensoren haben korrekt funktioniert; und das gleiche gilt
auch für die Verfahren, einen echten von einem falschen Alarm zu unterscheiden.
FRAGE: Der jeweilige Zustand der Wirtschaft hat schom immer eine
wichtige Rolle für den Ausgang amerikanischer Präsidentschaftswahlen
gespielt. Werden die Sorgen im eigenen Land in bezug auf die derzeitige
Wirtschaftslage (Rezession, steigende Arbeitslosigkeit und dergleichen)
das Übergewicht über die amerikanischen Anstrengungen im Ausland gewinnen sowohl was Ihre Wiederwahl als auch die Stoßrichtung der künftigen

�künftigen amerikanischen Priorität angeht?
ANTWORT:

Wenn Sie damit meinen, daß sich die Vereinigten Staaten

wegen der Sorgen um die heimische Wirtschaft nach innen orientieren werden,
dann ist die Antwort ein klares "Nein". Wir müssen eine wichtige und
verantwortliche internationale Rolle als Mitglied des Atlantischen Bündnisses,
der NATO, als uneingeschränkter Partner der Friedensbemühungen im Nahen
Osten und als eine verantwortungsbewußte und ständige Kraft der Aussöhnung
und des wirtschaftlichen Fortschritts spielen.
Unsere derzeitige binnenwirtschaftliche Situation würde mir natürlich
auch Sorgen bereiten, wenn 1980 kein Wahljahr wäre. Im wesentlichen
unterscheiden sich unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht von jenen,
mit denen auch die anderen Industriestaaten der Erde zu kämpfen haben.
Unsere Tagesordnung für das Gipfeltreffen in Venedig schloß solche
Wirtschaftsfragen von vorneherein ein - insbesondere die langfristige
Frage der Einsparung und Erzeugung von Energie und der Versorgung mit
Energiestoffen sowie den anhaltenden Kampf gegen die Inflation. In unserem
Zeitalter lassen sich binnen- und außenwirtschaftliche Prioritäten nicht
auseinanderhalten. Sie müssen beide im In- und im Ausland in dem gleichen
Verantwortungsbewußtsein und mit der gleichen Kreativität angegangen werden.
Sie erfordern eine offene Beurteilung und manchmal schwierige Entscheidungen,
die weit über ein Wahljahr hinausreichen.

+ + + + +

- 9 -

�Dokumentation

I 2

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31

2. Juli 1980

GEMEINSAME AMERIKANISCH-PORTUGIESISCHE ERKLÄRUNG ZUM BESUCH CARTERS

LISSABON - (AD) - Nach den Gesprächen des amerikanischen Präsidenten
mit der portugiesischen Führung am 26. Juni 1980 wurde folgende gemeinsame
Erklärung veröffentlicht:
Jimmy Carter, Präsident der Vereinigten Staaten, besuchte am 26. Juni
Lissabon aufgrund der Einladung des Präsidenten von Portugal, Antonio
Raalho Eanes.

Der Besuch bot Gelegenheit zu Treffen zwischen den beiden

Präsidenten und zwischen Präsident Carter und Ministerpräsident Francisco
Sa Carneiro.
Präsident Carter und seine Gastgeber stellten mit Befriedigung
die enge Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Portugal fest,
die sich auf die seit langer Zeit bestehenden Bande der Freundschaft,
auf die gemeinsame Verpflichtung gegenüber den demokratischen Werten und
auf die Partnerschaft im NATO-Bündnis gründet. Sie besprachen internationale
Fragen, einschließlich der Lage in Afghanistan, im Iran und im Nahen Osten,
neue Formen der Koordination und Konsultation zwischen den westlichen

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�westlichen Ländern sowie die amerikanisch-portugiesische Zusammenarbeit
zur Stärkung der westlichen Sicherheit, einschließlich der Entwicklung
und Konservierung von Energiequellen.
Präsident Carter betonte Portugals überaus positive Beiträge zum
westlichen Bündnis und beglückwünschte den Präsidenten und den Ministerpräsidenten zu ihrer kraftvollen Führung bei der Entwicklung der portugiesischen Demokratie.

Er würdigte insbesondere die rasche Reaktion der

protugiesischen Regierung auf die bewaffnete sowjetische Invasion und
Besetzung Afghanistans.

Die Führer stimmten überein, daß diese sowjetische

Maßnahme in flagranter Verletzung der Charta der Vereinten Nationen den
internationalen Frieden schwer gefährdet und eine große strategische
Herausforderung darstellt, die die lebenswichtigen westlichen Interessen
in Südwestasien und in der Region des Persischen Golfs berührt.
In Einklang mit dieser gemeinsamen strategischen Beurteilung sehen
die Führer die Anwendung konkreter politischer, wirtschaftlicher und
kommerzieller Maßnahmen als unabdingbar an, um der Sowjetunion die Notwendigkeit eines sofortigen und vollständigen Rückzugs ihrer Truppen
aus Afghanistan vor Augen zu stellen.
Parallel zu dieser Ansicht begrüßten die Führer die konzertierten
Schritte, die die NATO derzeit verfolgt, um die gemeinsamf
Verteidigung in Beantwortung der strategischen Herausforderung zu stärken,
vor der alle westlichen Verbündeten stehen, und unterstrichen ihre
Verpflichtung zur frühestmöglichen Erfüllung der Zielsetzungen, wie
sie im Langfristigen Verteidigungsprogramm der NATO zum Ausdruck kommen.
Angesichts der amerikanischen Verpflichtung, Mittel zum Aufbau eines
Sicherheitsrahmens im Gebiet von Südwestasien und in der Region des
Persischen Golfs bereitzustellen, erkennen sie weiterhin die Nützlichkeit
angemessener Konsultationen zwischen den westlichen Verbündeten hinsichtlich
der Sicherheitserfordernisse innerhalb des NATO-Bereichs an.
Präsident
- 2 -

�Präsident Carter wiederholte seine und des gesamten amerikanischen
Volkes Wertschätzung für die offene Unterstützung Portugals bei der
internationalen Anstrengung, die Freilassung der im Iran ungeachtet
des Völkerrechts und universell anerkannter Anstandsregeln festgehaltenen
amerikanischen Geiseln sicherzustellen.

Die Führer betonten, daß das

Prinzip der Herrschaft des Rechts, das für die Gesundheit und Stabilität
der Weltgemeinschaft so entscheidend ist, in dieser Krise auf dem Spiel
steht.

Sie stellten gemeinsam fest, daß eine dauernde Gefangenhaltung

der Geiseln das internationale Ansehen des Iran weiter untergraben
wird, und unterstrichen übereinstimmend die Notwendigkeit, die Wirtschaftssanktionen gegenüber dem Iran beizubehalten, sowie die von den
internationalen Körperschaften unternommenen Anstrengungen als ein Mittel,
die iranischen Autoritäten von der unversehrten Freilassung aller Geiseln
zu überzeugen.
Anderen Aspekten gemeinsamen Interesses zugewandt,betonten beide
Seiten die Bedeutung der Erzielung eines umfassenden und dauerhaften
Friedens im Nahen Osten, der die Interessen aller beteiligten Parteien
in Rechnung zieht.
Präsident Carter begrüßte die konstruktiven Einsichten und Vorschläge,
die Präsident Eanes und Ministerpräsident Sa Carneiro hinsichtlich der
kritischen Probleme der Ost-West- sowie der Nord-Süd-Beziehungen boten.
Insbesondere rühmte Präsident Carter die Anstrengungen Portugals zur Stärkung
der Bindungen mit Afrika, vor allem mit den portugiesischsprachigen
afrikanischen Staaten.

Sie waren sich einig, daß es nützlich sei, die

amerikanisch-portugiesischen Konsultationen über Möglichkeiten zu intensivieren,
wie beide Länder für mehr Frieden, Freiheit und Wohlergehen arbeiten können.

+ + + + +

- 3 -

�31

2. Juli 1980

ERKLÄRUNG CARTERS NACH DER RÜCKKEHR AUS EUROPA

WASHINGTON - (AD) - Bei seiner Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews gab Präsident Carter am 26. Juni 1980 nach seiner Europareise folgende Erklärung ab:
Lassen Sie mich zunächst sagen, daß Rosalynn, ich, Amy und alle
anderen hier sehr froh darüber sind, wieder zurück in den Vereinigten
Staaten zu sein.

Wir hatten eine sehr lange und, wie ich glaube, produktive

und erfolgreiche Reise.

Seit ich dieses Land vor einigen Tagen verließ,

hatte ich die Gelegenheit zu ausführlichen Gesprächen mit den Führungspersonen von neun verschiedenen Staaten - nicht nur mit den Staats- und
Regierungschefs, sondern auch in manchen Fällen mit den Führern der
Oppositionsparteien und denjenigen, die derzeit oder in Zukunft ebenfalls
die Regierung stellen.

Wir trafen auch mit dem Präsidenten der Europäischen

Gemeinschaft zusammen und hatten ausführliche Gespräche mit dem Papst im
Vatikan.

In

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�In Jugoslawien brachten wir unsere tiefe Verpflichtung gegenüber
der Integrität, der Einheit und der Sicherheit dieses Landes zum Ausdruck,
das nunmehr seit dem unglücklichen Ableben von Präsident Tito gute Fortschritte macht.

Die neue Regierung scheint stark und fest zu sein, alles

unter Kontrolle zu haben und hingebungsvoll zu sein.

Natürlich boten wir

ihnen für die zukünftige Stabilität und Integrität dieses großartigen
Landes unsere Unterstützung an.

In Italien teilen wir mit Ministerpräsident

Cossiga und Präsident Pertini die gemeinsame Grundlage, auf der wir unsere
eigenen Hoffnungen für die Zukunft bauen.

Die Italiener vollbrachten

bei der Vorbereitung der Konferenz von Venedig eine großartige Leistung;
dort trafen wir mit den führenden Staatsmännern nicht nur von Italien und
der Europäischen Gemeinschaft, sondern auch mit jenen Deutschlands,
Frankreichs, Großbritanniens, Kanadas und Japans zusammen.
Ich hatte auch Gelegenheit, mich in den beiden neuen Demokratien
Spanien und Portugal aufzuhalten - beide zwar altehrwürdige Länder, aber
erst seit kurzem im demokratischen Prozeß. Ich brachte ihnen gegenüber
die Dankbarkeit unseres eigenen Landes zum Ausdruck sowie unsere Bewunderung
über den raschen Wandel hin zu einer wirklich demokratischen Regierung.
Auch konnte ich mit ihnen fruchtbare Gespräche führen: Wir alle waren
uns in einem bemerkenswerten Ausmaß einig darüber, daß die siebziger Jahre
für uns leidvolle Erfahrungen mit sich brachten, mit sich rasch ändernden
wirtschaftlichen und sonstigen Umständen, daß wir aber in den achtziger
Jahren vor noch größeren Herausforderungen stehen. Alle Führungspersonen
erkennen, daß es schmerzliche Entscheidungen zu treffen gilt, daß aber
unsere Völker stark und mutig, entschlossen und geeint genug sind, um
diese Entscheidungen zu fällen, sogar dann, wenn dabei unsererseits einige
Opfer gebracht werden müssen sowie einige Anpassungen bei den gegenseitigen Wünschen und Bedürfnissen.
Wir erkennen, daß wir die Verkettung zwischen zukünftigem wirtschaftlichem Wachstum und Energieabhängigkeit aufbrechen müssen; mit anderen

- 2 -

�anderen Länder bei der Verfolgung von Frieden und Stabilität für alle
Völker hinzufügen wird.
In dieser Hinsicht betonte Präsident Carter seine Freude über den
Fortschritt hinsichtlich des Beitritts Spaniens zur Europäischen Gemeinschaft,
der die westliche Solidarität stärken und den Aufbau eines stärkeren und
einigeren Europas vervollständigen wird.
Beide Staatsmänner brachten die Hoffnung zum Ausdruck, daß eine
ausgewogene Fortführung der Madrider Konferenz die Schaffung eines für
Dialog und Kooperation günstigen Klimas erlauben wird und daß die Konferenz
die Wiederherstellung des gegenseitigen Vertrauens fördern und Fortschritt
auf dem Weg zu Entspannung und Frieden ermöglichen wird.
Präsident Carter brachte seine Befriedigung über die umfangreiche
Arbeit zum Ausdruck, die Spanien als Gastgeber der KSZE-Folgekonferenz
in Madrid übernimmt.
Beide Staatsmänner untersuchten Möglichkeiten zur Stärkung der
westlichen Solidarität angesichts der ernsten Bedrohung, die die sowjetische
Aggression in Afghanistan darstellt. Sie untersuchten die Bedeutung der
sowjetischen Ankündigung des Abzugs einiger Streitkräfte aus Afghanistan
und unterstrichen erneut, daß nur der vollständige Abzug der sowjetischen
Truppen und Garantien für Blockfreiheit sowie die Respektierung der Freiheit
des afghanischen Volkes zur Verdeutlichung seiner politischen Wünsche
die notwendigen Elemente für eine endgültige Lösung des Konflikts darstellen.
Präsident Carter brachte sein Verständnis für Spaniens Rolle hinsichtlich seiner Beziehungen zur arabischen Welt sowie für die Anstrengungen
von Präsident Suarez bei seinen internationalen Kontakten und seinen
Reisen in den Nahen Osten zum Ausdruck. Die beiden Führungspersönlichkeiten

- 3 -

�Führungspersönlichkeiten unterstrichen ihren gemeinsamen Wunsch nach
einem Beitrag zu einer gerechten und friedlichen Lösung der Probleme in
dieser Region.
Präsident Carter brachte seine Wertschätzung und den Dank des
amerikanischen Volkes für die Unterstützung und die Schritte Spaniens
in bezug auf die sofortige Freilassung der im Iran unrechtmäßig festgehaltenen amerikanischen Geiseln zum Ausdruck.
Der Präsident der spanischen Regierung erklärte, daß Spanien seine
Maßnahmen zur Unterstützung der internationalen Anstrengungen für eine
positive Lösung des Problems fortsetzen werde.

Die beiden Präsidenten

stimmten darin überein, daß die Respektierung des Völkerrechts für den
angemessenen Unterhalt internationaler Beziehungen und für die Lösung
der gegenwärtigen Krise unabdingbar ist.
Präsident Carter beschrieb die Ergebnisse, die auf dem jüngsten
Gipfeltreffen in Venedig erzielt wurden. Angesichts der von den beiden
Regierungen geteilten Bedenken hinsichtlich der weltweiten Energiekrise
und ihrer negativen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen bot
Präsident Carter Spanien an, bei Forschung und Entwicklung von alternativen Energiequellen - ein Feld, auf dem die Vereinigten Staaten derzeit große Anstrengungen unternehmen - mitzuarbeiten und Nutzen daraus zu
ziehen.
Die beiden Staatsmänner waren einer Meinung hinsichtlich der Bedrohung,
die der Terrorismus für den Frieden, die Stabilität und den Fortschritt
in der heutigen Welt darstellt.
Auf dem Gebiet der bilateralen Themen brachten die beiden Präsidenten
ihre Freude über den Zustand der gegenseitigen Beziehungen zum Ausdruck
und unterstrichen ihre Befriedigung angesichts der positiven Haltung

- 4 -

�Haltung beider Parteien hinsichtlich der Suche nach einem vertraglichen
Rahmenwerk für die zukünftigen Beziehungen zwischen beiden Ländern, das
die neuen politischen Bindungen in Spanien in Rechnung stellt.
Die beiden Seiten prüfen den Zustand der Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den beiden Ländern und brachten ihre Absicht zum Ausdruck, in dieser
Richtung fortzufahren und gleichzeitig auf ein Ende des gegenwärtigen Ungleichgewichts beim Handelsaustausch hinzuarbeiten.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung zum Besuch Carters in Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Presseerklärung der spanischen Regierung zum Besuch Carters&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter-Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carters Tischrede auf dem Staatsbankett in Madrid&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter-Interview mit der portugiesischen Nachrichtenagentur ANOP&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame amerikanisch-portugiesische Erklärung zum Besuch Carters&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters nach der Rückkehr aus Europa</text>
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                    <text>[jlljg, N I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31 A

2. Juli 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärungen vor dem Abflug Präsident Carters nach Europa
- Die Vereinigten Staaten wünschen Zusammenarbeit bei schwierigen Fragen
Gemeinsame amerikanisch-italienische Presseerklärung zum Besuch
Carters
Carter: Der Westen muß sich der sowjetischen Bedrohung stellen
- Ansprache des Präsidenten beim Staatsbankett in Rom Ansprache Präsident Carters beim Besuch im Vatikan
Carter-Presseunterrichtung am 22. Juni 1980 in Venedig
Präsident Carters Erklärung auf der abschließenden Pressekonferenz
in Venedig
Begrüßungsansprache Präsident Carters auf dem Belgrader Flughafen
Präsident Carters Toast beim Staatsbankett in Belgrad
- Anmerkungen zu möglicher Übergangsregelung in Afghanistan Carter Interview mit jugoslawischen Medienvertretern

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juli 1980

31

ERKLÄRUNGEN VOR DEM ABFLUG PRÄSIDENT CARTERS NACH EUROPA
- Die Vereinigten Staaten wünschen Zusammenarbeit bei schwierigen Fragen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter brachte vor seinem
Abflug nach Europa zum Wirtschaftsgipfel in Venedig und Besuchen in Rom,
Jugoslawien, Spanien und Portugal am 19. Juni 1980 seine Überzeugung
zum Ausdruck, daß die schwierigen Fragen, vor denen die demokratischen
Industriestaaten stehen, nur in Zusammenarbeit gelöst werden können.
Bei der Verabschiedung Jimmy Carters durch Vizepräsident Walter F,
Mondale wurden von beiden folgende Erklärungen abgegeben:

Ansprache des Vizepräsidenten:
"Herr Präsident und Rosalynn, Sie treten heute eine kritische Reise
in einer kritischen Zeit an. Sie werden in Venedig zum erstenmal seit
der sowjetischen Invasion Afghanistans mit den Führern der westlichen

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�westlichen Welt zusammentreffen.
für die ganze Welt:

Diese Invasion ist eine Herausforderung

eine Herausforderung für den Frieden, für die Prinzipi

des Völkerrechts und für die nationale Souveränität.
Um sich dieser Herausforderung zu stellen, müssen die führenden
Demokratien der Welt mit gemeinsamer Stimme sprechen.

Sie treffen auch

zu einem Zeitpunkt zusammen, da die Probleme der Inflation und Rezession
die Volkswirtschaft eines jeden Landes bedrohen.

Auch sie erfordern

internationale Zusammenarbeit und fordern uns alle dazu auf, mit einer
gemeinsamen Stimme zu sprechen und in gemeinsamer Absicht zu handeln.
Herr Präsident, Sie werden darüber hinaus drei wichtige Staaten
Südeuropas besuchen, von denen jeder an der Schwelle eines neuen Anfangs
steht. Zwei der ältesten, stolzesten und erhabensten Länder, Spanien
und Portugal, sind zugleich zwei der jüngsten Demokratien der Welt;
und mit einer neuen Führung beginnt das neue Jahrzehnt für das starke,
einige und unabhängige Volk in Jugoslawien. An diesem bedeutsamen Punkt
ihrer Geschichte bringen Sie jeder dieser drei Nationen die Botschaft
unseres Respekts, unseres guten Willens und unserer Freundschaft.
Wenn Sie Italien, die erste Station Ihrer Reise besuchen, werden
Sie bei einem Volk sein, zu dem sich Amerika besonders hingezogen fühlt.
Denn aus der Saat, die Italien gesät hat, ist der westlichen Welt so
viel Kultur erblüht. Von den Ufern dieses Landes aus überquerten so
viele Menschen den Ozean, um beim Aufbau unseres eigenen Staates zu helfen,
Sie bringen nach Italien die Wärme und die Wertschätzung und die Liebe
des amerikanischen Volkes.
Ich weiß, Herr Präsident, daß ich für alle Amerikaner spreche,
wenn ich sage, daß Sie uns angesichts solch historischer Gespräche, die
auf Sie warten, mit unserem Wunsch für eine sichere und erfolgreiche
Reise verlassen.
Die

�Die Antwort Präsident Carters lautete:
Vielen Dank, Fritz.

Ich weiß, daß ich dieses Land mit großem

Vertrauen darauf verlasse, daß Sie während meiner Abwesenheit

die Re-

gierungsgeschäfte bestens führen und daß wir jederzeit in ständiger
Verbindung sein werden.

Zum zweiten weiß ich, daß das amerikanische Volk

sein Herz und seinen Verstand auf die Herausforderungen dieses äußerst
schwierigen Besuchs eingestellt hat, auf das Zusammentreffen in kurzen
Zeitabständen mit den Führern der westlichen Welt und Japans im Verlauf
von mehr als 12 verschiedenen Konsultationen von großer Bedeutung.
Diese Reise ist verhältnismäßig kurz, aber sie ist von großer Bedeutung
und beinhaltet viele Schwierigkeiten und Herausforderungen. Unsere
Aufgabe ist vielgestaltig. Wir werden Themenkreise wie die Energieabhängigkeit untersuchen; die Volkswirtschaften der sich entwickelnden
Länder und unserer eigenen Länder; die Frage eines dauerhaften Friedens
im Nahen Osten. Wir werden die eindeutige Herausforderung durch die
sowjetische Invasion Afghanistans diskutieren; die Frage des Terrorismus
und wie wir den Iran behandeln können; die Kontrolle der Kernwaffen.
Und wir werden in Einzel treffen mit den Führern all dieser Staaten auch
die Meinungsverschiedenheiten sowie die gemeinsamen Absichten und Verpflichtungen unserer Länder besprechen.
Aber wenn es um all diese miteinander zusammenhängenden Probleme
und heiklen Nuancen der Meinungsverschiedenheiten geht, werden wir durch
dieses Bewußtsein geleitet werden: Durch die Macht freier, demokratischer
Länder, die die Verschiedenartigkeit begrüßen und die keine Mauern
errichten, um ihre eigenen Völker einzusperren; die bestehen, um die
Menschenrechte und den einzelnen Menschen zu schützen - nicht, um sie
zu versklaven. Die Macht der Demokratie und der Freiheit wird die
Zukunft der Welt gestalten.
In

- 3 -

�In Rom werde ich mit der italienischen Führung, mit Präsident Pertini
und mit Ministerpräsident Cossiga zusammenkommen, um diplomatische
Themen sowie Fragen der Energie und Sicherheit zu erörtern.

Dann werden

Papst Johannes Paul II und ich unsere Arbeit für die Menschenrechte,
für menschliche Ansprüche, für die Flüchtlinge und über Rüstungskontrolle
fortsetzen, die wir während seines Besuchs in Washington vorigen Oktober
begannen.

Danach werde ich für zwei Tage nach Venedig zu dem Treffen

der Gipfelkonferenz gehen, dem sechsten solcher Treffen zwischen den
bedeutendsten nichtkommunistisehen Industriestaaten.
Die demokratischen Industriestaaten bestehen derzeit mit Erfolg sehr
schwere Prüfungen.
komme:

Damit nirgendwo in der Welt ein Mißverständnis auf-

Wir sind nicht motiviert durch Feindschaft gegen irgendwen, auch

nicht durch irgendwelche Wünsche nach rücksichtsloser Konfrontation oder
der Rückkehr zum

kalten Krieg.

Aber wir müssen die ablehnende Haltung

der Welt gegenüber der sowjetischen Aggression wachhalten und dürfen es
den Sowjets nicht erlauben, irgendwelche dauernde Vorteile aus ihrer
Invasion des neutralen Landes Afghanistan zu ziehen.
Während wir auf diese Antwort und auf viele andere schwierige
Lösungen hinarbeiten, wird Amerika klar und deutlich seine eigenen
Verpflichtungen und Erfordernisse zum Ausdruck bringen - und wir werden
gespannt sein, die Ansichten der anderen Länder zu hören und zu verstehen.
Wir sind nicht der Warschauer Pakt, der durch die Panzer eines Landes
zusammengehalten wird. Wir sind verbunden durch gemeinsame Ideale,
gemeinsame Ziele und gegenseitigen Respekt. Unser Bündnis ist auf
Verständnis gegründet und nicht auf Forderungen; darauf, einander zuzuhören und nicht darauf, dem anderen etwas vorzuschreiben. Das ist es, was
diesen Gipfeltreffen ihre Bedeutung gibt. Das ist es auch, was diese
Gipfeltreffen zeitweilig so schwierig macht.

Wir

�Wir werden zusammen die schwierigen Probleme angehen, vor denen
jedes Land zu Hause steht:

Inflation, Arbeitslosigkeit, steigende öl-

preise, Energieeinsparung, Energieproduktion in unseren Ländern selbst;
eine ganze Reihe von Problemen, die miteinander verbunden und sehr
verwickelt sind.

Für uns Amerikaner ist es wichtig, sich zu vergegen-

wärtigen, daß internationales Einvernehmen und Zusammenarbeit bei diesen
Fragen für unsere Sicherheit, unsere Arbeitsplätze und unsere Lebensqualität ganz genauso wichtig sind wie alles das, was wir selbst hier
im eigenen Land tun können.
Unmittelbar nach dem Gipfeltreffen in Venedig werde ich nach Jugoslawien,
Spanien und dann nach Portugal reisen. Ich werde der Führung und dem
Volk von Jugoslawien die standhafte Unterstützung Amerikas für die Unabhängigkeit, die Einheit und die territoriale Integrität dieses großen
Landes sowie unseren Respekt für Jugoslawiens konstruktive blockfreie
Haltung übermitteln.
Amerika hat mit Erstaunen, mit tiefer Wertschätzung und Bewunderung
Spanien und Portugal dabei beobachtet, wie sie in den letzten Jahren
den bemerkenswerten Übergang von Autokratie zu Demokratie vollzogen haben.
Ich werde der Führung und dem Volk in beiden Ländern persönlich die große
Freude zum Ausdruck bringen, die wir Amerikaner über den Erfolg dieser
historischen Leistung empfinden.

Ich werde mich all diesen Staaten,

ihren Führern und in manchen Fällen ihren Völkern anschließen bei der
Erfüllung der schwierigen und anspruchsvollen Tagesordnung des Friedens,
des Ausarbeitens einer soliden wirtschaftlichen Grundlage für die ganze
Welt und der Widmung der hohen Ideale und der tiefen Verpflichtung freier
Menschen.
Abschließend möchte ich sagen, daß die schwierige Aufgabe, das
demokratische Bündnis dabei zu führen, sich den Herausforderungen,
Gefahren und Chancen eines neuen Jahrzehnts zu stellen, Mut erfordert

- 5 -

�erfordert Geduld, Wissen und Ausdauer bei den Völkern aller unserer Länder.
Es gibt für einen amerikanischen Präsidenten keine bedeutsamere Aufgabe,
und ich bin dankbar für Ihre Unterstützung, während wir Frieden, Sicherheit
und ein besseres Leben für uns selbst und für die ganze Welt suchen.
Vielen Dank.

+ + + + +

�m üäfTTm

•DE MM

Dokumentation

f• j

International Communication Agency
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2. Juli 1980

31

GEMEINSAME AMERIKANISCH-ITALIENISCHE PRESSEERKLÄRUNG
ZUM BESUCH CARTERS

ROM

- (AD) - Die Pressestelle des Weißen Hauses gab am 20. Juni 1980

in Rom folgende gemeinsame amerikanisch-italienische Presseerklärung
zum Staatsbesuch Präsident Carters in Italien heraus:
Auf Einladung des Präsidenten der Italienischen Republik, Sandro
Pertini, stattete der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
Jimmy Carter, vom 19. bis 21. Juni Rom einen Staatsbesuch ab. Der Besuch
bot den beiden Präsidenten Gelegenheit, einen produktiven Meinungsaustausch
zu führen. Ferner fanden konstruktive Treffen zwischen Präsident Carter
und dem Präsidenten des Ministerrates, Francesco Cossiga statt. An den
Treffen nahmen auch die Außenminister Emilio Colombo und Edmund Muskie
teil.
Beide Seiten stellten mit Befriedigung die außerordentlich engen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Italien fest, die auf
alten Bindungen der Freundschaft und Verwandtschaft, auf einer gemeinsamen

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�gemeinsamen Verpflichtung zu demokratischen Werten und auf Bindungen
beruhen, die aus der Mitgliedschaft beider Länder im Atlantischen Bündnis
entspringen.

Im Verlauf der Gespräche fand ein Meinungsaustausch über

wichtige internationale Fragen von besonderem Interesse für beide Regierungen
statt:

Dazu gehorten die Krise in Afghanistan, die Situation im Nahen

Osten, das schwere Problem der illegalen Inhaftierung der Geiseln im
Iran und die amerikanisch-italienische Zusammenarbeit zur Förderung der
Sicherheit und des Friedens.

Präsident Carter brachte seine Anerkennung

für die konstruktive Rolle zum Ausdruck, die Ministerpräsident Cossiga
in seiner Eigenschaft als Präsident der Europäischen Gemeinschaft für
die laufende Periode gespielt hat.
Die durch die bewaffnete Intervention der Sowjetunion und die anhaltende
Besetzung Afghanistans geschaffene internationale Lage wurde eingehend
geprüft. Man kam überein, daß diese sowjetische Maßnahme - in flagranter
Verletzung der Charta der Vereinten Nationen unternommen - eine Gefahr
für den Frieden und eine ernste Herausforderung des Westens und dessen
Interessen in Südwestasien und im Persischen Golf darstellt, und daß sie
ein ernstes Hindernis für die Fortsetzung des Entspannungsprozesses
geschaffen hat.
Als Ergebnis dieser Beurteilung betrachten beide Seiten eine umfassende westliche politische Strategie als unerläßlich, die darauf angelegt
ist, der Sowjetunion durch die Anwendung greifbarer Maßnahmen die Notwendigkeit eines sofortigen und völligen Abzuges ihrer Truppen aus
Afghanistan klarzumachen.
In Übereinstimmung mit dieser Ansicht begrüßten beide Seiten die
konzertierten Schritte, die die NATO gegenwärtig unternimmt, um als
Antwort auf die strategische Herausforderung aller westlichen Verbündeten
die gemeinsame Verteidigung zu stärken. Beide Regierungen bekräftigten
ihre Verpflichtung zur frühest möglichen Verwirklichung dieser im Lang-

- 2 -

�Langfristigen Verteidigungsprogramm der NATO niedergelegten Ziele.

Beide

Seiten erkannten an, daß eine erhöhte Aufmerksamkeit Europas für die
Sicherheitserfordernisse innerhalb des Vertragsgebietes der NATO wegen
der Verpflichtung amerikanischer Ressourcen zum Aufbau eines Sicherheitsrahmens in der Region Südwestasiens und des Persischen Gol ,"2S eine noch
größere Dringlichkeit bekommen hat. Präsident Carter und Ministerpräsident Cossiga brachten ihre Befriedigung über die Entscheidung der NATO zum Ausdruck, die sich ergänzenden Ziele der Rüstungskontrolle und der Dislozierung von nuklearen
Mittel Streckensystemen (TNF) weiter zu verfolgen.

Präsiden

Carter

bekräftigte seine Bewunderung für die führende Rolle von Ministerpräsident
Cossiga in diesem Bemühen. Ministerpräsident Cossiga verwies aui die
aktive Unterstützung, die Italien der Verwirklichung des NATO-Angebots
vom 12. Dezember 1979 geben wird, das die Sowjetunion einlädt, in Verhandlungen über die Begrenzung der weiterreichenden nuklearen Mittelstreckensysteme (LRTNF) einzutreten.
Präsident Carter brachte seine eigene Anerkennung und die des
amerikanischen Volkes für die italienische Unterstützung der internationalen Anstrengungen zur Sicherstenung der Freilassung der im Iran
unter Verletzung des Völkerrechts und aller weltweit akzeptierten Verhaltensregeln festgehaltenen amerikanischen Geiseln zum Ausdruck. Es
wurde unterstrichen, daß der Grundsatz der Herrschaft des Rechts, der
für die Gesundheit und Stabilität der Weltgemeinschaft so lebenswichtig
ist, bei dieser Krise auf dem Spiele steht. Es wurde ferner die Oberzeugung zum Ausdruck gebracht, daß die Freilassung der Geiseln eine
Vorbedingung für die Wiederherstellung des internationalen Prestiges
des Iran und für die Wiederaufnahme gegenseitig nutzbringender Beziehungen
mit seiner Regierung, einschließlich des Widerrufs wirtschaftlicher
Sanktionen, ist.
Sich

- 3 -

�Sich anderen Fragen gemeinsamen Interesses zuwendend bekräftigte
Präsident Carter die amerikanische Verpflichtung zu einem umfassenden
Frieden im Nahen Osten, einschließlich der Lösung des Palästinenser-Problems
in all seinen Aspekten.

Er bekräftigte seine Überzeugung, daß die Über-

einkommen von Camp David weiterhin den gesündesten Rahmen dafür darstellen,
auf der Basis des wesentlichen Fortschrittes aufzubauen, der bereits
erzielt worden ist, um die Jahrzehnte der Bitterkeit und des Konflikts
im Nahen Osten zu beenden.
Ministerpräsident Cossiga gab der vollen Zustimmung Italiens zu dem
Ziel eines umfassenden und dauerhaften Friedens mit Gerechtigkeit für
alle, für Israel wie auch für die arabischen Staaten und dem palästinensischen
Volk Ausdruck.

Dieses Ziel haben auch die Vereinigten Staaten.

Es wird

ebenfalls von den Ländern der Europäischen Gemeinschaft unterstützt und
wurde vom Europäischen Rat in der Erklärung vom 13. Juni von Venedig
erneut bekräftigt.

Im Zusammenhang mit den auf die Erreichung dieses

Zieles gerichteten Anstrengungen gab der Ministerpräsident der Hoffnung
Ausdruck, daß ein bemerkenswerter Fortschritt bei der Durchführung aller
Aspekte des in Camp David dank des persönlichen und mutigen Einsatz von
Präsident Carter erzielten Abkommens gemacht werden könnte.
Beide Seiten bekräftigten erneut ihre Verpflichtung, auf eine auf
den Prinzipien der Gegenseitigkeit und gemeinsamen Zurückhaltung basierende
Entspannung hinzuarbeiten. Sie stimmten darin überein, daß Entspannung
nur unter der Bedingung zustande kommer '&lt;ann, daß ihr umfassender und
unteilbarer Charakter als unerläßlich anerkannt wird.
Ein Meinungsaustausch über die Tagesordnung des vom 22. bis 23. Juni
stattfindenden Gipfeltreffens in Venedig schloß sich an.

Präsident

Carter sprach seinen Dank für die umfassenden Vorbereitungen aus, die
Italien als Gastgeber für die sieben demokratischen Industrieländer
getroffen hat, die an dem Gipfel teilnehmen werden.
Beide

�Beide Seiten stimmten überein, daß die Notwendigkeit für engere
Konsultationen zwischen den demokratischen Industriestaaten bestehe, um
eine umfassende, auf gegenseitiger Sicherheit beruhende Strategie zu
formulieren, um den Herausforderungen der achtziger Jahre - den Krisen,
der Instabilität und den Konflikten in der Welt, die oft durci; Armut,
Unterentwicklung und Ungerechtigkeit hervorgerufen werden - zi begegnen.
Zur Förderung der engen bilateralen Beziehungen zwischen Italien
und den Vereinigten Staaten kam man überein, die für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit auf einer Reihe von Gebieten zu intensiveren. Die
beiden Regierungen gaben ihren Entschluß bekannt, bei der Gestaltung
der größten Anlage der Welt zur direkten Umwandlung von Sonnen!ich*
in Elektrizität - einer bei Puglia gelegenen photoelektrischen Anlage
mit 1 Megawattleistung - zusammenzuarbeiten. Sie kamen überein, andere
Projekte für Forschung und Informationsaustausch auf dem Gebiet der
Solarenergie und der Kohletechnologie, der geothermisehen Energie, der
nuklearen Sicherheit und der Energieeinsparung weiterzuentwickeln.
Auf dem sozialen Sektor wurde Übereinstimmung erzielt, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, vor allem unter den
Jugendlichen, fortzusetzen. Dabei wurde auch der Befriedigung über die
positive Auswirkung des sozialen Sicherheitsabkommens Ausdruck gegeben. Die
beiden Regierungen werden weiterhin sowohl auf bilateraler wie multilateraler
Basis bei der Unterdrückung des internationalen Rauschgifthandels, sowie
bei Verhinderung und Behandlung von Rauschgiftmißbrauch zusammenarbeiten.
Es wurde erörtert, die Kenntnis der Sprachen der beiden Länder zu
fördern. Nachdem sie mit Befriedigung die Ergebnisse der am 4. Mai 1978
in Rom unterzeichneten Vereinbarung ("memorandum of agreement") zur
Kenntnis genommen hatten, kamen beide Seiten überein, bei der Produktion
von Fernsehprogrammen für den Unterricht in ihrer jeweiligen Sprache
zusammenzuarbeiten. Die italienische Regierung bekundete ihre Absicht,

- 5 -

�Absicht, ihren finanziellen Beitrag zum Fulbright-Programm zu erhöhen,
um dem amerikanischen Beitrag für die kommenden Jahre zu entsprechen.
•

Der von der CINI-Stiftung in Venedig und der Guggenheim-Stiftung
in New York vor kurzem bekanntgegebene Entschluß, bei der Einrichtung
eines größeren Kulturzentrums in Venedig zusammenzuarbeiten, wuroe mit
Befriedigung als ein konkretes und überzeugendes Beispiel für de.i Beitrag
angeführt, den der private Sektor für die Entwicklung bilateraler Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Italien leistet.

+ + + + +

- 6 -

�Dokumentation

I
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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juni 1980

CARTER: DER WESTEN MUSS SICH DER SOWJETISCHEN BEDROHUNG STELLEN
- Ansprache des Präsidenten beim Staatsbankett in Rom -

ROM- - (AD) - Am 20. Juni 1980 warnte Präsident Carter auf einem
Staatsbankett, das ihm zu Ehren gegeben wurde, vor der Gefahr, daß das
strategische und wirtschaftliche Gleichgewicht sich zugunsten des
Totalitarismus verschieben werde, wenn die demokratischen Industriestaaten
nicht angesichts der neuen sowjetischen Herausforderung zusammenstehen.
Zugleich verwies er jedoch auch darauf, daß nichts "die außergewöhnlichen
Leistungen unserer Gesellschaft insgesamt verdunkeln" könne.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In jedem unserer Länder wurde eine Demokratie geboren. Beide
kämpften darum, das Gleichgewicht zwischen Einheit und Freiheit zu
erringen, das befreite Gesellschaften zur höchsten Form menschlicher
Regierung führt - zur Selbstregierung.
Freiheit

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Telex: 08-85432

�Freiheit und Menschenrechte haben in Tat und in Gedanken keinen
standhafteren Freund als Sandro Pertini.

Für die Freiheit des einzelnen

und für die Demokratie in seinem Land zahlte er den Preis jahrelanger,
grausamer Gefangenschaft.

Ja, ich habe gehört, daß er 1940 nicht -

wie es dem Gesetz nach sein Recht gewesen wäre - aus dem Gefängnis entlassen
wurde, weil er als "besonders gefährlich" angesehen wurde.
er bis heute geblieben:

Und das ist

gefährlich für jeden, der damit droht, die

Freiheit eines Menschen, die Rechte einer Gruppe, das Leben oder die
Existenz freier Menschen einzuschränken oder zu zerstören.

Als Staats-

oberhaupt war er der erste, der sich an die iranischen Behörden mit dem
Aufruf wandte, unser diplomatisches Personal aus den Händen der Terroristen
zu befreien, und es bereitet mir ein großes Vergnügen, bei dieser öffentlichen
Gelegenheit die Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, die das amerikanische
Volk und ich für diese unerschütterliche Unterstützung hegen.
Heute morgen haben Präsident Pertini und ich einige der zentralen
Fragen besprochen, die den Weltfrieden stören. Danach konnte ich diese
Fragen auch mit Ministerpräsident Cossiga erörtern, dessen Besuch in
Washington im Januar und dessen Präsidentschaft in der Europäischen
Gemeinschaft uns alle so tief beeindruckt haben.
Drei grundlegende Gedanken durchzogen unsere heutigen Gespräche.
Der erste: Angesichts einer Zeit der Gefahr, des Wandels und der Prüfung
in den achtziger Jahren besteht die bestmögliche Politik für unsere
Länder in einer Politik, die beides erstrebt - eine starke Verteidigung
der nationalen Sicherheit und alles andere,was notwendig ist.
In den vergangenen Jahrzehnten widerstand der Westen mit Erfolg dem
sowjetischen Expansion!'smus nach Westen wie nach Osten. Heute sehen
wir, wie sich die Sowjetunion nach Süden schiebt: direkt nach Afghanistan
hinein und indirekt durch Vietnam und Kambodscha. Dies stellt eine
strategische Herausforderung der lebenswichtigen Interessen des Westens

- 2 -

�Westens dar, der sich die demokratischen Industriestaaten gemeinsam
stellen müssen. Wenn wir in unserer Entschlossenheit fest bleiben,
werden wir eine Haltung definieren, aus der heraus wir zur Entspannung
ermutigen können.
Wenn wir dabei versagen, werden wir zulassen, daß das strategische,
politische und wirtschaftliche Gleichgewicht sich schwerwiegend zugunsten
des Totalitarismus verschieben wird.
Eine zweite Überzeugung, die wir teilen, ist die, daß wir unser
gemeinsames Erbe der Freiheit nicht durch Waffen allein verteidigen
können. Die Zukunft unserer Art zu leben hängt in gleichem Maße von unserer
Fähigkeit ab, allen unseren Bürgern wirtschaftliche Möglichkeiten und
soziale Gerechtigkeit zu bieten und eine annehmbare Umwelt zu schaffen,
in der die Freiheit überleben und gedeihen kann. Wir müssen zugleich
sorgfältige Theoretiker und praktische Politiker sein, wenn wir uns mit
der Energieabhängigkeit, der Inflation, den Entwicklungsländern, mit
Rüstungskontrolle und dem Frieden in den unruhigen Regionen wie etwa
dem Nahen Osten befassen.
*
Der dritte grundlegende Gedanke, der unser heutiges Gespräch durchzog, war der, daß nationale Sicherheit und Weltfrieden nur durch Aufrechterhaltung eines starken und einigen Atlantischen Bündnisses erreicht
werden können. Genauso wie die beste Regierungsform die Selbstregierung
ist, so ist das haltbarste Bindemittel jedes Bündnisses die Freiwilligkeit.
Wir haben ein Bündnis unabhängiger Demokratien. Wir erhalten unsere
Stärke aus unseren gemeinsamen Traditionen und unseren individuellen
Unterschieden.
Herr Präsident, fürchten wir uns nicht davor, die grundlegendsten
Herausforderungen unseres Bündnisses heute unmittelbar und vor den Augen
der Öffentlichkeit anzugehen.
In
- 3 -

�In letzter Zeit haben wir viel über Differenzen und Meinungsverschiedenheiten zwischen den westlichen Demokratien gehört.
in meinem Land und in Europa sprechen über Verwirrung.

Einige Stimmen

Einige Pessimisten

betrachten die Debatte zwischen demokratischen Staaten als ein Zeichen
fataler Schwäche.

Sie sagen einen Niedergang der westlichen Zivilisation

voraus und streuen Pessimismus, Materialismus, Willensschwäche und schwindendes
Vertrauen in uns selbst und in unsere Institutionen aus.
Unsere Erfahrung und die Wirklichkeit selbst zeigen deutlich, daß
diese selbsternannten "Realisten" Unrecht haben.

Unser offener und

öffentlicher Kampf mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen kann nicht
die außergewöhnlichen Leistungen unserer Gesellschaft insgesamt verdunkeln.
Die demokratischen Staaten sind für junge Studenten aus der ganzen
Welt ein Magnet.

Die demokratische Welt ist ein Mittelpunkt der

intellektuellen und technologischen Innovation, sie ist ein großartiger
Sammelpunkt kultureller Kreativität, sie macht einen großen Wiederaufschwung des religiösen Glaubens durch, und unsere politischen Institutionen
zeigen eine Beweglichkeit, wie es sie ihresgleichen in der totalitären Welt
nicht gibt.
Nicht vor der Demokratie sind seit 1945 Millionen Flüchtlinge davongelaufen. Nicht um der Demokratie zu entkommen, haben Menschen in den
letzten Wochen ihr Leben in kleinen Booten auf hoher See aufs Spiel
gesetzt. Und nicht wegen der Demokratie haben nahezu zehn Prozent des
Volkes eines ganzen asiatischen Staates ihre ursprüngliche Heimat verlassen. Und es war sicherlich nicht die Demokratie, vor der Hunderttausende Männer und Frauen und Kinder aus Afghanistan flohen, sondern
ausländische Unterdrückung. Diese Stimmen fliehender Millionen - wie die
lautwerdenden Stimmen von weiteren Millionen Menschen - werden abgegeben
für den tiefverwurzelten Glauben, der der Demokratie ihre einzigartige
Dynamik gibt: unseren grundlegenden Glauben in die unveräußerlichen Rechte

�Rechte und die Würde des Menschen.
Materielle Leistungen und kulturelle Lebenskraft allein können nicht
die Kraft unseres geistigen Erbes erklären. Und auch in den Unternehmungen,
den Fertigkeiten und dem Erfolg unserer Menschen allein läßt sich der
Geist unserer Gesellschaft nicht finden.
Der grundlegende Wunsch nach Demokratie steigt aus der Mitte des
Herzens und der Seele des Menschen.
Deshalb ist das Echo des ununterdrü'ckbaren Rufs nach Freiheit auf
der ganzen Welt zu hören.

Dieser Ruf erhält seine Stimme durch die Staaten,

die sich morgen in Venedig versammeln.
Unser Glaube an die Menschenrechte - die Freiheit, die Würde und den
Wert jedes einzelnen - ist der unwiderstehlichste revolutionäre Wurf unserer
Zeiten. Er hat ein Niveau des wirtschaftlichen Fortschritts und der
geistigen Kreativität hervorgebracht, wie dies keiner anderen politischen
Lehre oder Idee gelang. Wir haben keinen Grund, Veränderung, neue Ideen
oder neue Probleme zu fürchten. Wir verlassen uns nicht auf militärische
Invasionen durch sogenannte befreundete Nachbarn, noch weniger auf
Terrorismus, um die Idee der Freiheit aufrechtzuerhalten - sie steht für
sich allein.
Das Streben nach Freiheit und Demokratie hat sich in den letzten
Jahren ausgebreitet - in Spanien, in Portugal, in Griechenland, in Afrika
und in Lateinamerika. Heute tönt die echte menschliche Stimme der
Demokratie viel klarer als die krächzenden Lautsprecher der autoritären
Regime.
Aber obgleich die Freiheit nicht durch Gewalt aufgezwungen zu werden
braucht, so wissen wir doch zu gut, daß sie - einmal gewonnen - verteidigt

- 5 -

�verteidigt werden muß.

Die Suche nach dem Frieden fordert Stärke, nicht

Schwäche, Beständigkeit, nicht Wankelmütigkeit, Stolz, nicht Arroganz.
Wir versuchen nicht, die Welt nach dem Modell Amerikas oder des Westens
neu zu gestalten.

Wir möchten, daß die Völker der Welt über ihr eigenes

Geschick entscheiden, ihr eigenes Geschick in die Hand nehmen und ihre
Wahl selbst treffen.

Wir sind zuversichtlich, denn die Geschichte ist

auf der Seite der Freiheit.
Daß wir uns hier nicht mißverstehen: Der Westen ist nicht motiviert
durch rastlose Feindseligkeit oder durch einen Wunsch nach unterschiedsloser Konfrontation oder durch eine Rückkehr zum kalten Krieg. Aber würde
das westliche Bündnis die ausländische Besetzung und Beherrschung Afghanistans
lediglich als eine vollendete Tatsache hinnehmen, so wäre dies für die
Welt nur ein zynisches Signal, das nur zu weiterer Aggression ermutigen
könnte, zu weiterer Spannung und zu weiterer Gefahr für den Weltfrieden.
Es ist unsere Verantwortung, in klaren Worten unsere Verurteilung
der sowjetischen Invasion anzuzeigen, solange diese Invasion andauert.
Wir sind nicht in der Lage, mit Gewissheit die Beweggründe dieses
jüngsten sowjetischen Schrittes zu beurteilen - ob Afghanistan ein Zweck
oder ein Vorspiel ist -, aber es kann keinen Zweifel darüber geben, daß
die Invasion eine erhöhte Bedrohung für die Unabhängigkeit der Staaten
in dieser Region und für den Zugang der Welt zu lebenswichtigen Rohstoffen
und Seewegen darstellt.
Tatsache ist, daß unsere Demokratien in entscheidendem Maße von
den öl Vorräten einer unbeständigen Region abhängig sind, deren eigene
Sicherheit jetzt durch innere Uneinigkeit und äußere Bedrohung in Frage
gestellt ist. Wird es nicht gelöst, so könnte dieses Sicherheitsproblem
unsere Art zu leben ändern. Schon jetzt berührt es unser aller Leben
direkt und drastisch.
Aber

�Aber unser Interesse an Frieden und Stabilität in dieser Region
geht weit über das rein Wirtschaftliche hinaus.

In dieser Welt der immer

größeren wechselseitigen Abhängigkeit ist die Annahme, daß der Aggression
nur dann entgegenzutreten sei, wenn sie sich vor der eigenen Haustür
zuträgt, eine Einladung zu neuen und höchst schwerwiegenden Abenteuern.
Entspannung mit den Sowjets bleibt weiterhin unser Ziel, aber
Entspannung muß gegründet sein auf eine standhafte Grundlage der Abschreckung
vor Aggression. Die Sowjets müssen begreifen, daß sie den Weltfrieden
nicht rücksichtslos bedrohen oder daß sie auch weiterhin die Vorteile
der Zusammenarbeit genießen können, während sie eine Politik bewaffneter
Intervention verfolgen.
Vor allem aber soll jeder wissen, daß den Anstrengungen, unser
Bündnis zu entzweien oder uns in dem falschen Glauben einzuschläfern,
Amerika oder Europa könnten irgendwie eine Insel der Entspannung sein,
während an einem anderen Ort eine Aggression stattfindet, kein Erfolg
beschieden sein wird.
Wir erkennen, Herr Präsident, daß unsere Politik jenen gegenüber,
die den Frieden bedrohen, klar sein muß, folgerichtig und verständlich.
Es darf keinen Raum geben für irgendwelche Fehlurteile.
Aber lassen Sie mich ebenso klar sagen, daß der Weg zu verbesserten
Beziehungen offen ist - und daß dies der Weg ist, den wir bevorzugen.
Ich bin überzeugt davon, daß das amerikanische Volk unsere anhaltenden großen Anstrengungen zur Rüstungskontrolle wünscht - genauso
wie es eine anhaltende kraftvolle Politik gegenüber sowjetischer Aggression
will. Wir wissen, daß das SALT II-Abkommen unmittelbar zur Sicherheit
nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern auch Europas und sogar der ganzen
Welt beitragen kann. Es kann dabei helfen, künftigen Rüstungswettstreit zu

- 7 -

�zu beschränken, auf der historisch wichtigen Linie der Kernwaffenbegrenzung
fortzufahren und den Glauben daran zu bewahren, daß sogar die gefährlichsten
Meinungsverschiedenheiten in einem Rahmen der Zusammenarbeit abgebaut
werden können.
Gerade in dieser Zeit der Spannung ist die Einhaltung der beiderseitigen Beschränkungen, die der Vertrag auferlegt, im tiefsten Interesse
jedes Staates der Erde. Daher habe ich die Absicht, Ziel und Zweck dieses
Vertrags zu honorieren, solange die Sowjetunion, von uns dabei beobachtet, das
gleiche tut.
Ich werde meine engen Konsultationen mit unserem Kongreß fortsetzen
in der Absicht, die Ratifizierung von SALT II zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu erreichen.
Weiterhin müssen wir, damit das Jahrzehnt der achtziger Jahre nicht
zum Jahrzehnt der Gewalt wird, mit unseren Freunden in der erneuerten
Anstrengung zusammenarbeiten, alle Aspekte des Rüstungswettlaufs zu
stabilisieren und die Bandbreite der Rüstungskontrollmöglichkeiten auszuweiten.
Zusammengefaßt: Ich akzeptiere die Voraussagen über Schwäche und
Versagen der Demokratie in der Welt nicht. Ein Niedergang unserer
Gesellschaften, unserer Werte, unserer Freiheiten wird nur dann eintreten,
wenn wir es zulassen, nur dann, wenn wir uns der Ungewißheit über unseren
Standpunkt und über unsere Überzeugung ausliefern, nur dann, wenn wir
vergessen, daß jede Nation und jeder einzelne die Verantwortung mitträgt,
zusammenzustehen und jene gemeinsamen Überzeugungen zu verteidigen, die
uns einen - und ich bin überzeugt, daß wir nie aufgeben noch vergessen
werden.

�Herr Präsident, Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herren:
Genauso wie in jeder Demokratie müssen wir daran arbeiten, den Geist der
Gemeinsamkeit zu nähren, der allein eine ganze Nation zu mehr machen kann
als die Summe ihrer Teile.

So gilt auch innerhalb des Bündnisses freier

Staaten, daß wir sicherlich einzeln verwundbar sind, wenn wir nicht zusammenarbeiten.
Ich biete Amerikas eigene standhafte Verpflichtung gegenüber unseren
gemeinsamen Interessen der Sicherheit und des Friedens, und wir verlassen
uns auf unsere europäischen Freunde und Verbündeten, sich uns in dieser
Anstrengung anzuschließen. Gemeinsam können und werden wir die Werte
und Interessen unserer Gesellschaft verteidigen. Die Erfahrung der
Geschichte rät zu einem solchen Kurs. Gegenwärtige Umstände erzwingen
ihn.
In diesem Geist des Bündnisses und der Partnerschaft bitte ich Sie,
sich mir zu einem Toast auf Präsident Pertini anzuschließen, auf die
Traditionen zweier großer Nationen, die gleichzeitig parallel und
miteinander verflochten sind, und auf den unverbrüchlichen Geist der
Freiheit, Freundschaft und Liebe zum menschlichen Leben, der für immer
unsere Länder und unsere Völker verbinden wird.

+ + + + +

- 9 -

�fl l )

I

Dokumentation
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31

2. Juli 1980

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS BEIM BESUCH IM VATIKAN

VATIKANSTADT - (AD) - Präsident Jimmy Carter stattete am 21. Juni 1980
dem Vatikan und seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II, einen offiziellen
Besuch ab und hielt beim Empfang durch den Papst folgende Ansprache:
Euer Heiligkeit, so glücklich ich war, Sie als den ersten Papst,der
das Weiße Haus besuchte, begrüßen zu dürfen, so glücklich bin ich heute,
von Ihnen in Ihrer alten und heiligen Stadt begrüßt zu werden.
Wie Millionen vor mir bin ich durch die herrlichen Werke Michelangelos,
Raphaels, Berninis und vieler anderer großer Künstler tief bewegt. Sie
haben uns den Beweis hinterlassen, daß wir, wenn wir unsere Energien von
der Zerstörung weg dem Schöpferischen zuwenden, in der Lage sind, das Werk
des Göttlichen im Dienste der Menschen zu vollbringen.
Heute ist es wohl mehr denn je notwendig, daß Staatschefs und Führer
religiöser Glaubensgemeinschaften sich gemeinsam der Verpflichtung zum
Dienst an der Menschheit hingeben.
Inmitten

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Telex: 08-85432

�Inmitten einer Reise, die ich gegenwärtig unternehme und deren
Ziel es ist, den Frieden und die Zusammenarbeit und die gemeinsamen
Zielsetzungen mit den engen Partnern meines Landes zu fördern, ist es
für mich heute ein Privileg, mit einem Manne zusammenzutreffen, der sich
leidenschaftlich diesen gleichen Idealen verschrieben hat.
Ich bin dankbar, daß wir die gemeinsame Überzeugung haben, daß der
Kampf um die Förderung der Würde und des Anstands des Lebens des einzelnen
der Geschichte den Sinn gibt, daß durch unser Handeln unser Glaube Leben
erhält, daß die Rolle eines Staates nicht darin besteht, den Geist seiner
Menschen zu unterdrücken, sondern zu befreien, und daß es die Pflicht der
führenden Persönlichkeiten ist, sich mit allen zusammenzutun, die auf
den Wegen des Friedens wandeln.
•

Unsere gemeinsame Pilgerreise ist notwendiger denn je. Die Ressourcen
der Welt, die von Gott für alle gedacht sind, werden zu einem großen
Teil abgezweigt, um Mittel der Zerstörung zu finanzieren. Zu Millionen
ziehen heimatlose Menschen, oft durch Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben
und dem Hunger und der Krankheit ausgesetzt, durch die Welt in der Suche
nach der elementaren Würde, die ihnen vorenthalten wird.
Wir alle teilen die Verantwortung dafür, diesen Tragödien ein Ende
zu setzen. In der gegenwärtigen Weltlage wissen wir, daß sie mit widerstrebenden Interessen durchzogen ist, die die Gefahr von Blutvergießen
heraufbeschwören. Aber sie ist auch voller Chancen für Versöhnung, und
wir müssen diese Initiativen ergreifen und sie nutzen.
Die Nationen können einen Anfang machen, indem sie sich an ein
universelles moralisches und politisches Gebot halten, daß der Schutz
der Menschenrechte jeder Person die Voraussetzung für und die Zielsetzung
von Regierungen ist. Sie können auch die Souveränität anderer Nationen
als heilig betrachten.
Die
- 2 -

�Die Siedler Amerikas wurden durch das Versprechen der Freiheit
und eines besseren Lebens an unsere Küsten gelockt.

Im Laufe unserer

langen, jetzt über 200jährigen Geschichte hat sich Amerika von dieser
Tradition des ständigen Strebens - nicht nur für uns selbst, sondern
für alle Völker, - leiten lassen.
Darum sind das Streben nach persönlicher Freiheit und nach der
Sicherheit der Nationen und dem Frieden in der Welt Grundprinzipien
amerikanischer Außenpolitik.

Und darum hegen Amerikaner auch eine so

tiefe Bewunderung und eine so große Liebe für Papst Johannes Paul II.
Amerikaner aller Glaubensgemeinschaften haben sich über seinen Besuch
in unserem Lande im vorigen Jahr gefreut.

Es war eines der bemerkens-

wertesten Ereignisse in der Geschichte unseres Landes.

Wir haben mit

Achtung und Dankbarkeit erlebt, wie er auf seinen früheren Reisen
Millionen von Menschen in seinen Bann gezogen hat.

Seine moralische und

geistige Führung hat die Aufmerksamkeit der Welt auf jenes Leiden vor Hunger,
vor Armut und Krankheit, auf die Flüchtlinge in allen Winkeln der Erde
und auf jene gerichtet, die unter politischer Unterdrückung leiden.
Die Vereinigten Staaten teilen die Anliegen seiner Heiligkeit.
Das sind auch unsere unerledigten Aufgaben. Amerika hat großzügig
auf die Not der Männer, Frauen und Kinder von Kamputchea reagiert, und
wir handeln mit Gerechtigkeit und Nächstenliebe an jenen Menschen, die
untragbaren Bedingungen in der Karibik entfliehen. Und wir arbeiten mit
den internationalen Hilfsorganisationen, wie dem katholischen Hilfswerk,
zusammen, um jenen Nahrung und Unterkunft zu gewähren, die durch den Krieg
in Indochina, am Hörn von Afrika und in Afghanistan vertrieben wurden.
Darüber hinaus versuchen die Vereinigten Staaten eine neue führende
Rolle zur Herstellung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen
Osten zu übernehmen.

Wir freuen uns, Verfechter der Sache der Demokratie

- 3 -

�Demokratie und der menschlichen Entwicklung in Lateinamerika zu sein.
Und wir werden weiterhin bestrebt sein, die Vereinigten Staaten zu einem
würdigeren Lande zu machen, das sich der sozialen Gerechtigkeit, den
wirtschaftlichen Chancen und der religiösen Freiheit verschrieben hat.
Und noch etwas, was für mich ungeheuer wichtig ist. Im Namen des
amerikanischen Volkes möchte ich Ihnen, Eure Heiligkeit, persönlich danken
fUr Ihre Bemühungen um die Freilassung der 53 amerikanischen Geiseln,
die im Iran festgehalten werden - Opfer des Terrorismus, die in ständiger
Mißachtung des Völkerrechts und der weltweit akzeptierten Regeln des
Anstandes festgehalten werden.
Wir haben viele unerledigte Aufgaben, aber wir verfügen über viele
Kraftquellen des Mutes, der Geduld, des Glaubens, der Stärke und der
Liebe.

Wir haben diese Quellen bei unserem Zusammentreffen heute erneuert.

Zusammen arbeiten wir dem Tag entgegen, an dem nicht mehr Menschen andere
Menschen obdachlos und hungrig machen, an dem alle Menschen eine Stimme
haben werden, um ihr eigenes Schicksal zu bestimmen, an dem wir endlich
die schreckliche Angst vor nuklearer Zerstörung von unseren Kindern und
Kindeskindern nehmen können, an dem die Werte und Ideale der Freiheit
von allen Regierungen geachtet werden und an dem die Demut und der Dienst
am menschlichen Geist und den menschlichen Lebensverhältnissen die höchste
Ehre jedes menschlichen Staates ist.
Eure Heiligkeit, es ist mir eine Ehre und eine Freude, bei Ihnen
zu sein, und ich gehe in der Hoffnung, daß Sie für mich beten werden.

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation

I
31

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2. Juli 1980

CARTER-PRESSEUNTERRICHTUNG AM 22. JUNI 1980 IN VENEDIG

VENEDIG - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat nach dem ersten Tag
des Wirtschaftsgipfels in Venedig am 22. Juni 1980 eine informelle Presseunterrichtung abgehalten, die folgenden Wortlaut hat:
DER PRÄSIDENT: Wir haben den ersten Tag unserer Arbeit auf der
Gipfelkonferenz in Venedig abgeschlossen. Wir haben heute viel Zeit
damit verbracht, über die politischen und diplomatischen Wechselbeziehungen
zu sprechen, die uns verbinden, und wir haben auch das Problem erörtert,
vor dem wir in den achtziger Jahren stehen mit einer fast unausweichlichen
Verringerung der ölmenge, die uns zu Ende dieses Jahrzehnts zur Verfügung
stehen wird und die Notwendigkeit, unter uns selbst starke, vereinte,
abgestimmte Einsparungsverpflichtungen einzugehen und die Produktion
alternativer Formen der Energie zum öl zu erhöhen.
Ich war sehr erfreut über die Erklärung des Vorsitzenden und unseres
Gastgebers Ministerpräsident Cossiga am heutigen Nachmittag, die die
Einigkeit unter den hier versammelten sieben Nationen zeigt ebenso wie

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�wie die Verurteilung der sowjetischen Invasion und Besetzung Afghanistans,
die Verpflichtung, die wir gemeinsam eingegangen sind, unsere Opposition
zu dieser Invasionsarmee und unsere Bewunderung für die Freiheitskämpfer
in Afghanistan aufrechtzuerhalten, die ihr Land von den Besatzungstruppen
zu befreien suchen.
Wir beobachten mit Interesse die Ankündigung der Sowjetunion, daß
einige ihrer Streitkräfte aus Afghanistan zurückgezogen würden.

Wenn

diese Berichte bestätigt werden und wenn dieser Abzug auf Dauer ist und
wenn dieser Abzug ein erster Schritt wäre, die Sowjets zu einem ständigen
und völligen Abzug ihrer Streitkräfte in Afghanistan zu bewegen, dann
wäre das natürlich eine bedeutsame Sache.
Alle anderen Länder, die sich gegen eine Beteiligung an den Olympischen
Spielen ausgesprochen haben, haben ihren Standpunkt nachdrücklich bekräftigt,
und wir alle waren über das Ergebnis dieses ersten Arbeitstages sehr
befriedigt.
FRAGE: Herr Präsident, könnten Sie etwas über die Bedeutung der
sowjetischen Ankündigung über den Abzug gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt
sagen?
ANTWORT: Ich möchte dazu persönlich etwas sagen und nicht als
Sprecher der ganzen Gruppe. Meine Überzeugung ist, daß es-sehr viel mehr
mit dem Wunsch zusammenhängt, eine Beteiligung an der Olympiade zu erreichen
als die Formulierungen des Kommuniques zu beeinflussen, das hier in Venedig
herausgegeben werden wird. Der Olympiaboykott hat den Sowjets in der
Weltöffentlichkeit sehr geschadet und auch im eigenen Lande. Sie sind
jetzt bereit, die Auslagen einzelner Sportler zu bezahlen, denen es gestattet würde, in die Sowjetunion zu reisen, und ich glaube, daß dies
mehr ein Faktor ist als diese Gipfelkonferenz - aber wir wissen es noch
nicht. Wie ich bereits gesagt habe, die Bedeutung eines Truppenabzugs

- 2 -

�Truppenabzugs könnte erst richtig beurteilt werden, nachdem der Abzug
selbst bestätigt ist und nachdem wir die Gewähr haben, daß dies ein
erster Schritt eines völligen Abzuges der Sowjettruppen wäre.
FRAGE:

Herr Präsident, hat sich Präsident Giscard in irgend einer

Weise näher zu dieser Tass-Erklärung geäußert?

Hat er eine persönliche

Mitteilung von Breschnew erhalten und hat er darüber gesprochen?
ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Ja.
Was hat er Ihnen gesagt?
Diese Erklärungen möchte ich lieber ihn selbst abgeben

lassen.
FRAGE:

Können Sie uns etwas über Ihr langes Gespräch mit Giscard

d'Estaing sagen?
ANTWORT: Es hätte nicht besser verlaufen können. Präsident Giscard
d'Estaing und ich stehen häufig und regelmäßig miteinander in Verbindung,
entweder telefonisch oder telegraphisch, und wir treffen uns, wann immer
wir können. Wir haben einen weiten Bereich von Fragen erörtert; bilaterale
Fragen zwischen uns und Frankreich, Angelegenheiten bezüglich der Europäischen
Gemeinschaft und auch Fragen bezüglich Ostafrikas, des Persischen Golfes
und der südwestasiatischen Region. Das ist ein Bündnis und eine Beziehung
zwischen unserem Lande und Frankreich, die sehr wertvoll für uns und
für die Franzosen sind, und es gibt, so weit ich weiß, keine Meinungsverschiedenheiten, die Anlaß zur Besorgnis zwischen unseren beiden Ländern
wären.
FRAGE:

Herr Präsident, warum erwägen Sie nicht, daß wir vom Boykott

der Olympiade abrücken, wenn sich die Sowjets aus Afghanistan zurückziehen?
ANTWORT:
- 3 -

�ANTWORT:

Nein, unsere Entscheidung, nicht an der Olympiade teilzu-

nehmen, wurde bereits im Februar getroffen, und was mich angeht, ist diese
Entscheidung unwiderruflich.
FRAGE:

Haben Sie, nachdem Sie mit Präsident Giscard gesprochen

haben, den Eindruck, daß der sowjetische Bericht über einen Abzug aus
Afghanistan ernst gemeint ist oder handelt es sich nur um ein Komplott,
um eine Beteiligung an der Olympiade zu erreichen?
ANTWORT:

Das kann ich auch nicht wissen.

Wir alle sind der Auf-

fassung, daß diese sowjetische Ankündigung nur dann als bedeutsam beurteilt
werden kann, wenn sie genau stimmt, wenn sie für die Dauer gilt und wenn
sie ein erster Schritt zu einem völligen Abzug ist.

Ein Teilabzug

sowjetischer Truppen, sorgfältig ausgewählter Einheiten, hätte wenig
Bedeutung.
nicht.

Aber wir kennen heute die Antwort auf all diese Fragen noch

Wir werden es mit der Zeit herausfinden müssen.

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation

I

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2. Juli 1980

31

PRÄSIDENT CARTERS ERKLÄRUNG
AUF DER ABSCHLIESSENDEN PRESSEKONFERENZ IN VENEDIG

VENEDIG

- (AD) - Im Verlauf der gemeinsamen Pressekonferenz am

Ende des Weltwirtschaftsgipfels vom 22. bis 23. Juni 1980 in Venedig gab
der amerikanische Präsident folgende Erklärung ab:
Unser Treffen endet in einem Geist erfreulicher Eintracht und gegenseitigen Vertrauens. Wir sind gemeinsam übereingekommen, eine Liste
für individuelle und gemeinsame Maßnahmen zu erarbeiten. Von der Geschichte
dieser schönen Stadt haben wir eine wichtige Lektion gelernt:

Daß sogar

die gesichertsten politischen Mächte rechtzeitig handeln müssen, um
bedeutsame Veränderungen zu gestalten.
Die Republik von Venedig hinterließ uns ihre unvergleichliche
Schönheit, die wir zu unserem großen Vergnügen sahen. Aber am Ende
gelang es ihren Führern nicht, sich den Drohungen des Wandels zu stellen,
die aus dem Osten hereinbrachen und sie versagten dabei, die Gelegenheiten
für einen Wandel zu ergreifen, die sich ihnen damals im Westen boten.
Wir

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0 5 3 0 0

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Wir sind entschlossen, dieselben Fehler nicht zu wiederholen.
Alle von uns, die wir in Führungspositionen dienen, erkennen, daß das
Jahrzehnt der siebziger Jahre eine Periode großer Schwierigkeit und großer
Herausforderungen war, eine Zeit des Kampfes gegen unvorhersagbaren und
unkontrollierbaren Wandel. Aber wir alle erkennen auch, daß die achtziger
Jahre womöglich noch viel schwieriger sein werden, noch herausfordernder
und noch viel weniger vorhersagbar.
Die freien Völker stehen vor einer schwierigen Wahl.

Die Freiheiten,

die unsere Nationen stark machten, sind im Jahrzehnt der achtziger Jahre
in Gefahr.

Und wir haben uns auf dieser Konferenz in Venedig dazu

verpflichtet, diese Freiheiten in den achtziger Jahren und sogar bis zum
Ende dieses Jahrhunderts zu bewahren.
Die Herausforderungen sind ihrer Natur nach politisch und wirtschaftlich.
Wir haben unsere vereinte Stärke, unseren Einfluß und unsere Stimmen gegen
den Einmarsch einer grausamen Macht in das Land seines nächsten, schutzlosen
Nachbarn aufgeboten, eine Invasion, die die Stabilität eines Gebietes
dieser Welt bedroht, das für uns alle von entscheidender Bedeutung ist.
Die sowjetische Aggression in Afghanistan ist ein weitreichender Angriff
auf das Völkerrecht und eine ernste Bedrohung der Stabilität in dieser
lebenswichtigen Region.
Wir haben uns dazu verpflichtet, uns dieser sowjetischen Invasion
mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu widersetzen. Und wir tun
dies, weil es ein moralisches Gebot und zugleich ein strategisches Gebot
ist. Und wir wissen auch, daß der Widerstand heute gegen sowjetischen
Militarismus und Aggression es uns ermöglicht, in Zukunft-die Wege des
Friedens, der Entspannung und der Schlichtung wieder zu begehen.
Wir haben unsere nahezu einzigartige Einigkeit bei unserer Ablehnung
von Terrorismus, Entführung und Angriffen auf unschuldiges diplomatisches

- 2 -

�diplomatisches Personal demonstriert sowie hinsichtlich der Linderung
des Leidens vieler Millionen Flüchtlinge in der ganzen Welt.

Wir haben

uns zur gleichen Übereinstimmung verpflichtet» was die Absicht der Überwindung unserer gemeinsamen wirtschaftlichen Herausforderungen anbelangt.
Wir fahren fort, die inflationären Kräfte zu bekämpfen, die das Vertrauen
vergiften, auf dem unsere Wirtschaftssysteme gegründet sind.

Wir alle

wissen nur zu gut, daß diese Schlacht noch lange nicht gewonnen ist.
Sie zwingt uns zu einer noch größeren gemeinsamen Anstrengung.
In unserem eigenen Land waren wir seit der Übereinkunft des Gipfeltreffens
von Tokio bei der Reduzierung von ölimporten sehr wirkungsvoll und haben
einen seit langem anhaltenden Aufwärtstrend umgekehrt. Ich habe gerade
heute die Zahlen erhalten: In den ersten Monaten dieses Jahres sanken die
öleinfuhren unseres Landes um 13,4 Prozent unter diejenigen des gleichen
Zeitraums im Vorjahr - ein Hinweis nicht einmal so sehr auf unsere eigene
Leistung, sondern auf das Ergebnis dieser Gipfeltreffen, die sich in
der Vergangenheit schon so greifbar auf das Leben unseres Volkes ausgewirkt
haben.
Wir sind entschlossen - wie der französische Präsident gesagt hat -, die
Verkettung zwischen unserem wirtschaftlichen Wachstum und unserem Ölverbrauch aufzubrechen. Wir haben uns ehrgeizige Ziele für alternative
Energiequellen gesetzt, um öl durch Kohle und Ölschiefer, von der Sonne
hergeleitete Energie sowie durch Energie aus Getreide und Bäumen zu ersetzen - dem Äquivalent von zwischen 15 und 20 Millionen Barrel öl pro
Tag gegen Ende dieses Jahrzehnts.
Und wir haben konkrete, definitive Maßnahmen beschlossen, mit
denen wir dieses Ziel erreichen können. Dies sind keine Zahlen, die der
Öffentlichkeit unbegründet vorgelegt werden. Diese Verpflichtung ist für
uns alle bindend.
Mit

- 3 -

�Mit Ölverbrauch sowie Exploration und Entwicklung alternativer
Energiequellen - einschließlich unserer gewaltigen Kohlevorrä'te - stellt
sich uns ein Abenteuer, eine aufregende Möglichkeit zum Gebrauch unseres
Einfallsreichtums und unseres Könnens.
Und schließlich stehen wir, was die armen Länder dieser Welt anbelangt,
vor einer weiteren Herausforderung - jene Länder, die durch die ungerechtfertigten und exzessiven öl Preiserhöhungen

der OPEC-Staaten in besonderem

Maß geschwächt wurden. Auch hier müssen wir unsere Sorge mit konkreten
Maßnahmen in Einklang bringen.

Denn ohne solche Maßnahmen werden wir vor

einem sich beschleunigenden Kreislauf der Entfremdung, Verzweiflung und
des Aufruhrs stehen.
Wir werden diese Frage der Hilfe, des Beistands und des Handels
bis zum nächsten Jahr, wenn diese Gipfelkonferenz erneut zusammentritt,
1n allen Einzelheiten analysieren.

Wir teilen die Verantwortung unter-

einander und mit den Entwicklungsländern, um ein besseres Leben für uns
alle zu erzielen.

Wir wissen, daß der Hunger, unter dem viele dieser

Völker leiden, nicht nur ein Hunger nach Nahrungsmitteln ist, die unser
Land, Gott sei Dank, im Überfluß hat.

Es ist zugleich ein Hunger nach

gegenseitigem Respekt, nach gegenseitigem Verständnis und nach gegenseitiger Unterstützung; wir sind uneingeschränkt auf Gegenseitigkeit
hierzu bereit.
Wir erkennen diesen Hunger nach gleicher Behandlung und Gleichheit
der Beziehungen an, und wir haben beschlossen, alles zu tun, was wir
können, um diesen Hunger mit Würde und mit gleicher Behandlung zu stillen.
Was wir angesichts dieser Gefahren und Chancen tun, ist Maßstab
unseres Willens zum überleben als freie Gesellschaften. Es gibt nicht mehr
viele echte Unterschiede zwischen Innenpolitik und Außenpolitik, zwischen
militärischer Stärke und Stärke im Bereich von Wirtschaft oder Energie,

�Energie, zwischen wirtschaftlicher Gesundheit und politischer Vitalität.
Diese Faktoren und die Kennzeichen eines Lebens in einem Staat sind
eng miteinander verwoben und untrennbar.

All diese Elemente müssen

miteinander verschmolzen werden, um die Grundlage für echte Sicherheit
zu bieten - Sicherheit für die Zukunft wie für die Gegenwart.
Hier in Venedig sind wir gemeinsam diese ganze Bandbreite von
Herausforderungen angegangen, und gemeinsam haben wir unsere Antwort
entworfen. Unsere Gastgeber haben uns durch ihre Gabe der Gastfreundschaft
diesen Weg und die Gelegenheit zu Harmonie und greifbarer Zusammenarbeit
eröffnet. Wir schulden den Behörden der italienischen Republik unseren
Dank für die Vorbereitung und Koordinierung unserer Arbeit, insbesondere
unserem Vorsitzenden, Ministerpräsident Cossiga und den Einwohnern von
Venedig, die unseren Aufenthalt hier so angenehm machten.
Wir verlassen dieses Treffen mit Dank für ihre Hilfe, angeregt durch
ihr Beispiel, wie sie selbst die Probleme lösen und dazu verpflichtet,
durch unsere gemeinsame Arbeit zu zeigen, wie sehr wir die Opfer schätzen,
die sie für unsere Bequemlichkeit gebracht haben.
Wir werden nun in unsere eigenen Länder zurückkehren, um von uns
selbst mehr Opfer zu fordern. Es wird ohne Zweifel einige geben, die sich
den Verpflichtungen widersetzen werden, die wir hier eingegangen sind,
und den Versprechungen, die wir hier einander gegeben haben. Manche
werden versuchen, die Durchführung unserer Maßnahmen hinauszuzögern.
Aber ich bin zuversichtlich, daß unsere demokratischen Gesellschaften
diese Lasten der Freiheit auf sich nehmen werden, anstatt dann, wenn wir
versagen, noch weit drückendere Lasten von außen auferlegt zu bekommen.
Wir sind freiwillig zu unseren Schlußfolgerungen gekommen, wie sich
dies für eine Verbindung freier Völker ziemt. Wir haben uns über Wege
geeinigt, wie wir die Sicherheit unserer freien Welt garantieren können.

- 5 -

�können. Jetzt werden wir unverzüglich zeigen, daß wir das Werkzeug der
Demokratie handhaben können, um eine Zukunft in Freiheit zu bauen.
Dies war eine überaus erfreuliche Erfahrung für mich und von großem
Nutzen für unser Land. Die Verbindung mit den anderen Führern, die ihre
bedeutenden Länder vertreten, ist in der Tat ein wesentliches Element bei
der zukünftigen Gestaltung des Lebens des Volkes der Vereinigten Staaten
von Amerika. Ich stehe in ihrer sowie, Herr Vorsitzender, besonders in
Ihrer Schuld und in der des italienischen Volkes und der Einwohner dieser
schönen Stadt.

+ + + + +

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juli 1980

31

BEGRÜSSUNGSANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS AUF DEM BELGRADER FLUGHAFEN

BELGRAD - (AD) - Bei seiner Ankunft auf dem Belgrader Flughafen
am 24. Juni 1980 hielt Präsident Carter folgende Ansprache:
Herr Präsident, jugoslawische und amerikanische Freunde, ich habe
mich auf diesen Tag seit dem März 1978 gefreut, als mich Präsident Tito
einludt, nach Jugoslawien zu kommen.
Ich bin der Präsidentschaft der Sozialistischen Bundesrepublik von
Jugoslawien sehr dankbar, daß sie diese Einladung erneuert hat.
Meine Freude über den Besuch dieses stolzen und schönen Landes wird
getrübt durch die Trauer, die wir alle angesichts des Ablebens von Präsident
Tito fühlen. Er war ein großer Mann, einer der größten des 20. Jahrhunderts. Er war einer jener Handvoll Staatsmänner, von denen man wirklich
sagen kann, daß sie die moderne Welt gestaltet haben - und er war einer
von jener noch kleineren Handvoll, die sie zum besseren hin gestaltet haben.

Er

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Er war ein Mann von außergewöhnlichem Mut, von physischem, moralischem
und politischem Mut.

Zudem war er ein Mann der Einbildungskraft und der

seltenen Art praktischer Einsicht, jener Art Vision, die nicht nur erkennt,
wie eine bessere Welt aussehen könnte, sondern zugleich, wie die unvollkommenen Werkzeuge, über die wir verfügen, eingesetzt werden können, um
beim Aufbau einer besseren Welt zu helfen.
Präsident Titos Beitrag zur Entwicklung eines starken, unabhängigen
und blockfreien Jugoslawien hatte natürlich nicht seinesgleichen, aber
sein Beitrag zum internationalen Frieden und zur internationalen Stabilität
war nicht weniger bedeutsam.
Ich hatte das Privileg, mit Präsident Tito zusammenzuarbeiten.
Ich habe seinen Ratschlag zutiefst geschätzt, der das Ergebnis von so
viel Weisheit und Erfahrung war.

Er teilte diese Weisheit sehr großzügig

mit mir, sowohl im direkten Gespräch als auch durch die vielen Briefe,
die wir austauschten.
. •

.

-

;

-

:

,

,

,

Ich teile Ihre Trauer über sein Ableben und Ihre Bewunderung für
seine Leistung.

Präsident Tito hinterließ ein kostbares Vermächtnis,

ein starkes, unabhängiges und blockfreies Jugoslawien.
•

.

.

'

•

.

Ich bin nach Belgrad gekommen, um Sie der Freundschaft und der
Unterstützung der Vereinigten Staaten beim Ausbau dieses Vermächtnisses
zu versichern. Präsident Tito widmete einen großen Teil seiner Anstrengung
der Schaffung guter Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Heute
ist die Grundlage dieser Beziehungen fest und dauerhaft.
&gt;

•

In den vergangenen drei Jahren sind
beiden Ländern zudem noch sichtbar enger
darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen,

- 2 -

die Bande zwischen unseren
geworden und ich warte nur
sie noch fester zu gestalten.
Herr Präsident, heute erneut

�erneut die grundlegende Kontinuität der amerikanischen Politik gegenüber
Jugoslawien zusichern.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die unabhängige territoriale
Integrität und Einheit Jugoslawiens und werden dies auch weite hin tun.
Die Vereinigten Staaten möchten ein wirtschaftlich blühende m d politisch
starkes Jugoslawien sehen. Die Vereinigten Staaten respektieren Jugoslawiens
Blockfreiheit und bewundern Jugoslawiens konstruktive internationale Rolle.
Wir sind bereit, eng mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um die • weitergehende Entwicklung eines unabhängigen Jugoslawien zu gewährleisten, denn
wir wissen, daß Ihre Unabhängigkeit nicht die Schöpfung einer äußeren
Macht ist, sondern des Mutes und des Opfers des jugoslawischen Volkes.
Und wir wissen zugleich, daß das große Bollwerk Ihrer Unabhängigkeit
Ihre eigene leidenschaftliche Entschlossenheit ist, sie zu verteidigen.
Diese Entschlossenheit ist wahrscheinlich der Schlüsse! zu der
besonderen Rolle, die Jugoslawien in der Welt spielt.
ein Vorreiter der Blockfreiheit
freien.

Jugoslawien war

und ein Gründer der Bewegung der Block-

Auch heute bleibt Jugoslawien ein bedeutender Führer dieser

Bewegung - sowohl militärisch als auch wirtschaftlich und politisch.
Jugoslawien hat eine Politik echter Blockfreiheit verfolgt, die
ihm den Respekt der ganzen Welt erbracht hat. Gerade jetzt, zu einer Zeit,
da die Prinzipien der Gleichheit, der Nichteinmischung und der territorialen
Unverletzlichkeit bedroht sind, gewinnt Jugoslawiens standhafte Verteidigung
der Prinzipien der Vereinten Nationen und der blockfreien Bewegung neue
Bedeutung.
Wir wissen, daß Jugoslawien einen bedeutsamen Beitrag zur Lösung
der internationalen Probleme und zur weiteren Entwicklung der Entspannung
zwischen West und Ost beitragen kann. Auch die Vereinigten Staaten wünschen

- 3 -

�wünschen eine Stärkung der Entspannung, und wir werden eifrig auf dieses
Ziel hinarbeiten.
sein.

Aber Entspannung muß auf Gegenseitigkeit gegründet

Es muß auf wechselseitige Zurückhaltung gegründet sein.

Und es

muß gegründet sein auf der Achtung vor den Prinzipien der Souveränität,
der territorialen Integrität und der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten.
Dies sind die Prinzipien des internationalen Lebens, für die
Jugoslawien stets gekämpft hat.

Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten

nachdrücklich der Meinung, daß die Anstrengungen zur Verminderung der
Möglichkeiten eines Atomkriegs weitergehen müssen, genauso wie ü4€ Anstrengungen zur Schaffung eines internationalen Systems, das dabei hilft,
die Spannungen zu verringern und Frieden, Sicherheit, Freiheit und wirtschaftliches Wohlergehen zu fördern.
Trotz der Krisen, die heute die Welt bedrängen, bleiben die Vereinigten
Staaten auch weiterhin der Erhaltung des Rahmenwerkes der Entspannung
verpflichtet sowie der Aufrechterhaltung eines Dialogs zwischen den
Staaten der Welt, wobei wir besonders die Gespräche und Verhandlungen über
Rüstungskontrolle und Abrüstung unterstützen, wo immer sie zu beiderseitiger
Sicherheit und zu internationaler Stabilität beitragen können.
Wir urterstützen zugleich die Folgekonferenz der Schlußakte von
Helsinki in Madrid, die unserer Überzeugung nach zur umfassenden und freimütigen Überprüfung des bisherigen Fortschritts und zu ausgewogenen
Schritten in allen Bereichen der Schlußakte beitragen kann.
Herr Präsident, ich freue mich auf unsere Gespräche über diese und
andere Themen.

Wir sind begierig, Ihre Vorstellungen über die Wege zu

hören, auf denen Jugoslawien und die Bewegung der Blockfreien zur Lösung
der vielen schwierigen Probleme beitragen können, vor denen die Welt steht.
Herr
- 4 -

�Herr Präsident, unsere Zeit hier ist kurz und wir haben viel zu
besprechen, aber wir werden auf der Grundlage gemeinsamer Vorsätze aufbauen.

Ich freue mich sehr, hier zu sein.

Ich bringe Ihnen und dem ganzen

Volk von Jugoslawien die wärmsten Wünsche des Volkes der Vereinigten
Staaten.

Vielen Dank für diese freundliche Aufnahme.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation

IUI C*

I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juli 1980

31

PRÄSIDENT CARTERS TOAST BEIM STAATSBANKETT IN BELGRAD
Anmerkungen zu möglicher Übergangsregelung in Afghanistan

BELGRAD

- (AD) - In seiner Tischrede im Verlauf des Staatsbanketts

in Belgrad anläßlich seines Besuches unterstrich Präsident Carter am
24. Juni 1980, daß die Vereinigten Staaten nach einem sowjetischen Rückzug
aus Afghanistan bereit seien, sich Zusicherungen und Übereinkommen zur
Schaffung eines wirklich unabhängigen, blockfreien Afghanistan mit einer
für das afghanische Volk annehmbaren Regierung anzuschließen.
Die Tischrede des Präsidenten hatte folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, werte amerikanische Kollegen und jugoslawische
Freunde!
Obgleich dies mein erster Besuch in Jugoslawien ist, so hat das
besondere Verhältnis zwischen unseren Ländern bereits sieben amerikanische
Präsidenten einbezogen, angefangen mit Harry Truman. Ich bin hier, um
die Kontinuität dieser Beziehungen zu bestätigen. Ich bin hier, um unsere

Postfach20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
Bonn2
Telex: 08-85432

0 5 3 0 0

�unsere standhafte Unterstützung der Unabhängigkeit, territorialen
Integrität und Einheit Jugoslawiens sowie unseren Respekt für die blockfreie Haltung Jugoslawiens erneut zu bekräftigen.
Dies sind die Prinzipien, die Präsident Tito und ich während seines
Besuchs in den Vereinigten Staaten vor etwas über zwei Jahren unterstrichen
haben.

Sie sollen wissen, daß sie heute für die amerikanische Politik

noch genau so im Mittelpunkt stehen wie damals.
Mit großer Trauer zolle ich hier heute abend Präsident Tito einen
persönlichen Tribut.

Ich betrachte ihn als einen Freund und zugleich

als einen Staatsmann von ungewöhnlichem Einfallsreichtum.

Ich schätzte

seinen Rat, seine Weisheit und seine Ansichten. Aus unserer privaten
Korrespondenz, die sogar noch während seiner letzten Krankheit andauerte,
gewann ich tiefe Einsichten.
Die großen Männer der Geschichte hinterlassen manchmal die Nationen,
die sie geführt haben, mit ungenügendem Rüstzeug, um sich der Welt ohne
sie zu stellen. Was mich während meines kurzen Besuchs hier beeindruckt
hat, ist die Tatsache, wie reibungslos Sie die Herausforderung des Übergangs bewältigt haben. Das ist eine Würdigung nicht nur des Weitblicks
von Präsident Tito, sondern zugleich der Hingabe und des Patriotismus
seiner politischen Erben. Ein Mann wie Präsident Tito kann nicht ersetzt
werden. Es liegt in der Natur solcher Menschen, daß sie unersetzlich
sind. Aber der Mut und der Erfindungsreichtum des jugoslawischen Volkes
garantieren, daß Präsident Titos Lebenswerk in den kommenden Jahren
voranschreiten wird.
Jugoslawiens unerschütterliche Verteidigung der Prinzipien echter
Blockfreiheit und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten
unabhängiger Staaten ist in der instabilen und verworrenen Welt von heute
von besonderer Bedeutung.
Die_
- 2 -

�Die Vereinigten Staaten respektieren eine solche Politik.

Als

Präsident ist es stets meine Hoffnung gewesen, daß wir in vielen Bereichen
der Welt von Konflikt auf Frieden übergehen könnten.

Ich erwartete

bedeutsame Leistungen bei der Rüstungskontrolle durch die Ausführung von
SALT II. Die Ratifizierung dieses Vertrags wurde zeitweise vereitelt,
aber nicht aufgegeben.
Wir sind tief betroffen, daß ein ungerechtfertigter Akt bewaffneter
Aggression in Afghanistan andauert, neben Ihnen eines der Gründungsmitglieder der blockfreien Bewegung - ein kleines Land, das für niemanden
eine Bedrohung darstellte.
Die große Mehrheit der Länder der Welt hat in einer außergewöhnlichen
Abstimmung durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen den unverzüglichen
und bedingungslosen Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan
gefordert.
Wir wollen, daß ein unabhängiges und bündnisfreies Afghanistan wiederhergestellt wird, das mit all seinen Nachbarn in Frieden leben und zur
Stabilität dieses Gebietes beitragen kann.
Bei Abzug aller sowjetischen Truppen aus Afghanistan wären wir bereit,
uns Garantien und Abmachungen anzuschließen, um ein wahrhaft unabhängiges,
bündnisfreies Afghanistan mit einer für das afghanische Volk akzeptablen
Regierung zu begründen.
Wir wären bereit, uns um eine Übergangsregelung zu bemühen, die
zusammen mit dem unverzüglichen Abzug aller sowjetischer Truppen aus
Afghanistan durchgeführt werden kann, damit Frieden und Ruhe in diesem
leidenden Land wieder hergestellt werden.
Herr

- 3 -

�Herr Präsident, unsere Gespräche heute sind auch auf die ernsten
Konsequenzen des politisch motivierten Terrorismus eingegangen.
Ich spreche im Namen eines jeden amerikanischen Bürgers, wenn ich
sage, wie dankbar wir für das klare und unumwundene Eintreten Jugoslawiens
für die Freilassung des amerikanischen diplomatischen Personals sind,
das in diesem Augenblick im Iran als Geiseln gefangengehalten wird, unter
Verletzung jedes Gebotes nicht nur des Völkerrechtes, sondern auch des
einfachsten Anstands.
Ich möchte meinerseits nochmals betonen, daß meine Regierung keine
terroristischen Akte gegen jugoslawische Vertreter und Einrichtungen in den
Vereinigten Staaten dulden wird, und daß wir allen politischen Bestrebungen,
die auf die Unterminierung der Einheit und territorialen Integrität
Jugoslawiens abzielen, energisch entgegenwirken werden.
•

-

Herr Präsident, unsere heutigen Gespräche haben mich in meiner
Ansicht bestärkt, daß Jugoslawiens Konzeption der Blockfreiheit keine
passive, die Entscheidung meidende Haltung ist, sondemein kühnes, kreatives
und ideenreiches Herangehen an die Probleme der Welt, vor allem der
Entwi cklungslander.
Und unsere Gespräche haben noch etwas bekräftigt: Daß wir beide,
Jugoslawien und die Vereinigten Staaten, die bilateralen Beziehungen
zwischen uns stärken wollen - und daß wir dies auf der Basis der Unabhängigkeit, der Gleichberechtigung und der gegenseitigen Achtung tun
wollen.
Ich möchte Ihnen im Namen meiner Familie und meiner Mitarbeiter für
Ihre großzügige Gastfreundschaft und Herzlichkeit danken. Ich freue
mich auf einen weiteren Gedankenaustausch mit Ihnen über internationale
Fragen, über die wir so viele miteinander zu vereinbarende Ansichten

�Ansichten haben, und auch über bilaterale Fragen, bei denen wir in den
letzten Jahren einen so großen Fortschritt erzielt haben.
Ich möchte mein Glas erheben:
Auf die Präsidentschaft der Sozialistischen Föderativen Republik
Jugoslawien und ihren Präsidenten, seine Exzellenz Cvijetin Mijatovic;
auf eine starke und blühende Sozialistische Föderative Republik
Jugoslawien;
auf die Völker Jugoslawiens, deren Unabhängigkeitsliebe wir bewundern
und unterstützen; und
auf die weitere Stärkung der jugoslawisch-amerikanischen Freundschaft
für die Sache des Friedens und der Stabilität in der Welt.

+ + + + +

- 5 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

CARTER-INTERVIEW MIT JUGOSLAWISCHEN MEDIENVERTRETERN

Präsident Carter gewährte je einem
Vertreter des jugoslawischen Fernsehens und der Zeitung "Politika"
am Vorabend seiner Europa-Reise ein
Interview, das am Abend des 23. Juni 1980
gesendet und in der Ausgabe der "Politika"
vom 24. Juni veröffentlicht wurde. Das
Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Herr Präsident, obwohl sich die amerikanisch-jugoslawischen
Beziehungen seit langem schon günstig entwickelt hatten, glaubt man,
daß sie sich während Ihrer Präsidentschaft besonders rasch fortentwickelt
haben. Wie sehen Sie in dieser Hinsicht Ihre erste Reise nach Jugoslawien?
Was erwarten Sie von diesem Besuch?
ANTWORT:

Allem voran bin ich sehr gespannt auf Jugoslawien. Wir

hatten, wie Sie wissen, die Ehre eines Besuchs Ihres Präsidenten Tito*
Sein Besuch und seine Ratschläge hatten so erfreuliche Ergebnisse, daß

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�daß man offenkundig sagen kann, wir unterhalten gegenwärtig mit Jugoslawien
die besten Beziehungen, die seit vielen Jahren zwischen uns bestanden haben.
Zweitens betreiben wir eine geradlinige Politik gegenüber Jugoslawien
gemäß unserer Verpflichtung hinsichtlich dessen Unabhängigkeit, territorialer
Integrität und Einheit - seit über 30 Jahren, seit Präsident Truman mein
Amt bekleidete.
Drittens, wir teilen uns in eine ganze Reihe bilateraler Sorgen um
Frieden und Stabilität, um die Verhinderung von Akten des Terrorismus
und der Aggression, um die Rolle, die die Völker der Bewegung der Blockfreien
spielen sollen, und natürlich auch um die Möglichkeiten zur Verbesserung
der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen. Ich freue mich besonders auf
das Zusammentreffen mit den neuen Führern in Jugoslawien. Vielleicht
kann ich ihnen, da unser Zusammentreffen nach der Wirtschaftsgipfelkonferenz
in Venedig stattfindet, Bericht über das erstatten, was sich die wichtigsten
Industrieländer des Westens von der Zukunft in bezug auf Inflation,
Arbeitslosigkeit, Energie und Handel erhoffen. Deshalb meine ich,daß
es ein interessanter und auch sehr nützlicher Besuch für uns sein wird.
FRAGE: Die Jugoslawen und der größte Teil der internationalen
Öffentlichkeit haben Kenntnis von der weit über das übliche Maß hinausgehenden Intensität der persönlichen Korrespondenz zwischen Ihnen und
Präsident Tito.
Können Sie uns sagen, wie es zu diesem Austausch persönlicher
Botschaften kam, und welche Bedeutung er hatte?
ANTWORT: Er war für mich wie für Ihr Land äußerst wichtig. Ich
hatte Präsident Tito und seinen Beitrag zur Entwicklung unabhängiger
Nationen und zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit nicht nur der
Menschen in Ihrem Land, sondern auch in vielen anderen Ländern überall

- 2 -

�überall auf der Erde seit langem schon bewundert. Als ich Präsident
wurde, eröffnete ich den Gedankenaustausch gewissermaßen auf Versuchsbasis
und er ging begeistert darauf ein. So tauschten wir viele lange Briefe
aus, die ihrem Wesen nach geheim und vertraulich waren - dabei aber äußerst
offen in der Erörterung der Probleme unserer beiden Länder ui 1 unserer
Beziehungen, und auch in der Diskussion von Ereignissen, di s ch in
anderen Ländern abspielten,aber von Belang für uns waren. D.^ Ratschläge
und Hinweise, die er mir gab, waren wohlüberlegt, tief durchdacht und
gestützt auf seine langjährigen Erfahrungen im Umgang mit führenden
Politikern der Welt und mit Völkern überall auf der Erde, die E - sehr
viel besser kannte als ich. Als er zu seinem offiziellen Bes. h hier
in Washington eintraf, kamen wir sofort sehr gut miteinander zurecht,
was wir beide als erfreulich empfanden; somit dürfte die lange S e n e von
Mitteilungen, die als Teil unserer geheimen Korrespondenz hin und her gingen,
auch für ihn eine große Hilfe gewesen sein, unser Volk und seine derzeitige
Politik besser zu verstehen. Für mich jedenfalls waren sie äußerst hilfreich.
FRAGE:

Gestatten Sie mir, Herr Präsident, natürlich nur, wenn es

sich um keine Staatsgeheimnisse handelt, zu fragen:

Gibt es irgend-

welche Einzelheiten in diesem persönlichen Briefwechsel mit Präsident
Tito, an die Sie sich erinnern?
ANTWORT: Aissich die Beziehungen innerhalb der blockfreien Bewegung
und auch die zwischen uns und der Sowjetunion änderten, als wir nach einer
Basis für eine stärkere Entspannung und für den Frieden suchten, als wir
um die Grundsätze der SALT-Vereinbarungen zur Begrenzung der nuklearen
Waffen rangen und natürlich auch später, als sich die Geiselfrage ergab
und die Sowjets in Afghanistan einmarschierten - diese Art von aktuellen
Problemen wurde zwischen uns diskutiert. Ich empfing seinen Rat und
ich gab ihm natürlich Auskunft über die Politik unseres Landes in bezug
auf die jeweiligen Fragen.
Er

- 3 -

�Er hat sich bei seinem Besuch hier sehr wohl gefühlt und ich habe
keinen Zweifel, daß er hoch erfreut war über die Bewunderung, die ihm
mein eigenes Volk so offenkundig entgegengebracht hat.
FRAGE:

Sie haben die Bedeutung der Bewegung der Blockfreien unter-

strichen, der Jugoslawien als ein sehr aktives Mitglied angehört; man
hat in jüngster Zeit aber den Eindruck, daß von den Blockfreien in der
amerikanischen Politik weniger häufig die Rede ist.

Teilen Sie diesen

Eindruck, und was ist Ihre Position und Haltung, was die Blockfreiheit
für die Weltpolitik von heute angeht?
ANTWORT: Das ist eines der Themen, die Präsident Tito und ich in
aller Breite miteinander erörtert haben: Die Unterwanderung der Bewegung
der Blockfreien, die von ihrer Anfangsphase an mit dem wachsenden Einfluß
beispielsweise der Kubaner begonnen hat, die offensichtlich von der
Sowjetunion beherrscht werden und mit dieser verbündet sind; und dann die
Frage, wie die wirklich nicht blockgebundenen Länder unter der Führung
Indiens und Jugoslawiens die Integrität der Bewegung angesichts der
starken Rolle der Kubaner wiederherstellen könnten. In Vorbereitung
seiner Teilnahme an der Konferenz von Havanna legte er mir einige der
Grundsätze dar, die dort diskutiert und erörtert werden sollten, und ich
glaube,daß er auf der Konferenz der Bewegung der Blockfreien in Havanna
einen bemerkenswerten Erfolg in seinem Bemühen verzeichnen konnte, die
ganze Bewegung wieder auf die wahre Unabhängigkeit und Blockfreiheit zurückzuführen.
Wir machen uns ernste Sorgen über die Integrität und das Gewicht
der Bewegung der Blockfreien. Ich weiß, daß Präsident Tito gegen Lebensende wie seine Nachfolger heute sehr darauf drängte, die wahre Blockfreiheit wiederherzustellen. Die sowjetische Invasion Afghanistans ist
eine ernste Abkehr von der Achtung vor den blockfreien Ländern. Auch
wenn Afghanistan die Charta der Bewegung der blockfreien Länder nicht

4 -

�nicht unterzeichnet hat, war es dennoch ein blockfreies Land bis die
Sowjets einmarschierten.

Diese Beeinträchtigung der Integrität kleinerer

und schwächerer Nationen hat ihm und mir große Sorgen bereitet.
FRAGE:

Aber Sie halten die Bewegung der Blockfreien für einen

wichtigen Faktor in der Politik von heute?
ANTWORT:

Ja, für äußerst wertvoll für die Aufrechterhaltung des

Friedens und der Stabilität in der Welt und auch für die Bemühungen,
wirtschaftlichen Herausforderungen wie der explosionsartigen Erhöhung
der Energiepreise entgegenzutreten.

Was die blockfreien Länder tun und

sagen, ist,dessen bin ich sicher, sehr wichtig für unsere

beiden Länder,

für die Sowjetunion und für die übrige Welt.
FRAGE: Ihre Regierung, Herr Präsident, weiß um die Notwendigkeit
ernster Veränderungen in der Struktur der Wirtschaftsbeziehungen der
Welt. Dennoch ist aber auf diesem Gebiet bisher fast nichts geschehen.
Was sehen Sie als einen gangbaren Weg aus der Stagnation heraus hin zu einer
neuen wirtschaftlichen Form?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach kann man zutreffend sagen, daß wir dank den

regionalen Entwicklungsbanken, des Internationalen Währungsfonds und auch
der bilateralen Wirtschaftshilfe - durch die Ausweitung des Handels, durch
die Beseitigung protektionistischer Schranken und durch Maßnahmen des
Kulturaustauschs - viele Fortschritte in Richtung auf die wirtschaftliche
Entwicklung erzielt haben.

Dies gilt für unsere Beziehungen zu Jugoslawien

und zu anderen Ländern und für die Beziehungen der anderen Länder untereinander, die uns nicht unmittelbar berühren.
Die öl Preiserhöhungen durch die OPEC-Länder haben allerdings die
Energiekosten so in die Höhe getrieben, daß viele Länder gegenwärtig fast
ihre gesamten Exporterlöse auf den Kauf von öl aus den OPEC-Staaten zu

- 5 -

�zu den explosionsartig gestiegenen Preisen verwenden müssen.

Die OPEC-

Preise haben sich beispielsweise im Verlauf des Jahres 1979 mehr als
verdoppelt.

Sie stiegen stärker an, als je zuvor in der Geschichte seit

der ersten Entdeckung von Erdöl.

Wir selbst haben große Energievorräte,

sind aber noch immer ein großer Importeur.

Diese Entwicklung hat die

Weltwirtschaft erschüttert, und wir sind gegenwärtig dabei, Mittel und
Wege zur Einsparung von Energie zu suchen und alternative Energieformen
zu entwickeln, die nicht vom öl abhängig sind.
Wir machen meines Erachtens langfristig gesehen Fortschritte auf diesem
Gebiet, mußten aber aufgrund der unerwarteten ülpreisexplosion Rückschläge
hinnehmen.
FRAGE:

Manche Leute behaupten, das Erdöl sei teuer, während andere

sagen, die Computer seien auch teuer - was $11en wir aber mit jenen Ländern
tun, die keine Computer und auch kein Erdöl besitzen?
ANTWORT: Mehrere Länder haben natürliche und menschliche Ressourcen,
die sie bei ausreichenden Investitionen und nach Schaffung angemessener
Mittel zum Absatz ihrer Produktion anzapfen können. Ich bin der Auffassung,
daß der größte Aktivposten unseres Landes - historisch und über Jahrzehnte
hinweg gesehen - unsere landwirtschaftlich nutzbaren Bodenflächen sind,
die uns zur Erzeugung von Nahrungsmitteln und Faserstoffen für die ganze
übrige Welt befähigen. Offensichtlich verdanken wir den technischen
Fortschritt unserem, den Wettbewerb fördernden System der freien Wirtschaft,
das wir auf der Basis nahezu unbegrenzter natürlicher Hilfsquellen an
Mineral Stoffen, wachsender Wälder und ertragreicher Böden errichtet haben.
Aber jedes Land ist anders. Was wir heute zu tun versuchen, ist,
ein Marktsystem für die Welt zu schaffen, die Handelsschranken zu beseitigen und die leicht verwundbaren ärmeren Länder zu schützen, die häufig
nur ein oder zwei Exportgüter erzeugen, aus deren Absatz sie die dringend

�dringend benötigte Kaufkraft schöpfen können.
Wir haben unter meiner Führung auch eine Kommission zum Problem
des Hungers in der Welt eingesetzt. Sie soll für eine gerechtere Verteilung der Nahrungsmittel Vorräte sorgen und die nur über sehr schlecht
entwickelte Anbaumethoden verfügenden Völker dahin bringen, mit dem in
diesem Land entwickelten besseren Saatgut, Methoden der künstlichen
Bewässerung und verbesserten Düngemitteln mehr zu erwirtschaften. Wenn
wir mit unseren Technikern in jene kleinen, in der Entwicklung begriffenen
Ländern gehen, um ihnen dabei zu helfen, lernen wir selbst vio dazu,
was uns sehr zugute kommt.
FRAGE: Es ist viel die Rede von sehr schwierigen Zeiten hinsichtlich
der Entspannung. Wir wollen auch darüber sprechen. Wenn wir von der
Annahme ausgehen, daß sich gewisse kritische Streitfragen nicht innerhalb
sehr kurzer Zeit lösen lassen, was wird dann Ihrer Meinung nach in der
Zwischenzeit mit der Entspannung geschehen?
ANTWORT: Wir versuchen das Wesen der Entspannung herauszustellen das heißt, der Aggression entgegenzutreten und die Bedrohung des Weltfriedens zu beseitigen. Das muß gleichzeitig geschehen. Die Entspannung
und die Aussichten auf den Weltfrieden haben infolge der ungerechtfertigten
sowjetischen Invasion Afghanistans einen Rückschlag erlitten. Selbst
angesichts dieser sehr ernsten Entwicklung versuchen wir auch weiterhin
auf jede nur mögliche Weise, den Frieden der Welt zu erhalten, die Verbreitung
von Kernwaffen zu begrenzen und gleichzeitig ein besseres Einverständnis
unter den Nationen wiederherzustellen.
Insbesondere in Afrika und Asien haben wir neue Kommunikationswege
im Verhältnis zu Ländern wie Nigeria

geschaffen und davor schon zu

Ägypten, das früher kein sehr enger Freund von uns war.

Und in jüngerer

Zeit haben wir unsere Beziehungen zu China normalisiert.
Wir
- 7 -

�Wir wollen der Aggression auch weiterhin entgegentreten - ebenso
wie der Verfolgung von Menschen in Ländern wie Kambodscha und Äthiopien,
aus denen viele Flüchtlinge zu entkommen trachten.

Das gleiche gilt

natürlich für Afghanistan und neuerdings auch Kuba. Wir drängen gleichzeitig auf eine größere Achtung vor den Menschenrechten und der menschlichen
Freiheit.
Die Erhaltung des Friedens und der Stabilität, die Suche nach Methoden
zur Begrenzung der Kernwaffen, die Verbesserung der Kommunikationen unter
den Völkern und der Schutz der Menschenrechte - das sind meiner Auffassung
nach die Grundlagen für die Vorbereitung und die Durchführung der Entspannung.
FRAGE:

Wir nehmen Ihre Auffassung hierzu gerne zur Kenntnis.

Kann

eine europäische Konferenz mithelfen, gewisse positive Errungenschaften,
die uns die internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Entspannung
eingebracht hat, mindestens für Europa zu bewahren?

Was halten Sie von

der KSZE-Folgekonferenz in Madrid?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach war die Konferenz (KSZE-Folgekonferenz)

von Belgrad insofern ein historisches Ereignis, als sie

den Völkern -

verschiedenen Völkern mit verschiedenen Perspektiven - die Möglichkeit
bot, nach Gemeinsamkeiten zu suchen, auf die sie ihre Pläne für die
Zukunft gründen können.
Wir werden nach Madrid mit der Verpflichtung gehen, das weiter
auszubauen, was in Helsinki entschieden wurde:

Sorge zu tragen für

mehr Sicherheit unter den Völkern; für ein Nachlassen der Spannungen,
die sich aufgrund mißverstandener Absichten zwischen den Völkern ergeben
könnten; für die Förderung der Menschenrechte; und für die Entwicklung
besserer wirtschaftlicher Beziehungen.

Es

�Es wird in Madrid Schwierigkeiten geben.
zutreffende Vorhersage.

Ich halte das für eine

Wir sind aber auch der Auffassung, daß wir

gemeinsam unsere Grundsätze verwirklichen und die in Helsinki gegebenen
Zusagen ihrem Geiste nach erfüllen können.
FRAGE: Herr Präsident, zum Schluß möchte ich eine persönliche
Frage an Sie richten. Sie sind nunmehr fast vier Jahre im Amt, und ich
erinnere mich noch daran, als Sie es antraten. Sie sagten e-inmal, es
sei eine sehr schwere Bürde und es gebe Beschränkungen für das, was
ein Präsident tun kann. Wenn Sie nunmehr den Blick auf eine neL'e Amtszeit richten, fühlen Sie da die Bürde der großen Hoffnungen, di. Sie zu
Beginn hegten, nicht noch stärker?
ANTWORT: Ich glaube schon, daß ich nicht alle Belastungen vorausgesehen habe. Und ich habe auch die Begrenzungen hinsichtlich der Lösung
der Probleme der Welt nicht vorausgesehen. Wir sind eine Supermacht,
aber wir haben es mit anderen freien und unabhängigen Ländern zu tun,
die eine andere Perspektive haben als wir selbst. In einer freien Welt,
in der Völker ihre Entscheidungen nach eigenem Gutdünken treffen, kommt
es zwangsläufig zu Meinungsverschiedenheiten.
Dennoch haben wir Fortschritte erzielt. Die Welt befindet sich im
Grunde im Frieden. Wir haben Fortschritte in der Festlegung der Grundsätze für die SALT II-Vereinbarungen gemacht, deren Ratifizierung wir
doch noch erleben werden, um dann zu SALT III und zur Begrenzung der weitreichenden nuklearen Mittelstreckenraketen (LRTNF) überzugehen. Wir
haben neue Beziehungen zu einem Viertel der Menschen dieser Erde geknüpft zur Volksrepublik China. Wir haben unter schwierigsten Umständen bemerkenswerte Fortschritte im Nahen Osten erzielt: mit Friedensverträgen,
die nunmehr zwischen Israel und der wichtigsten arabischen Nation bestehen,
und wir arbeiten nunmehr, unter schwierigen Umständen, wie ich schon sagte,
auf weitere Fortschritte hin. Ich glaube,wir haben das NATO-Bündnis gestärkt

- 9 -

�gestärkt und die Beziehungen zwischen uns und Jugoslawien waren, wie
Sie vorher schon sagten, nie besser.
Wir machen also Fortschritte.
und ohne Zittern und Zagen.

Wir stellen uns den Problemen offen

Wir schrecken nicht zurück, wenn es gilt,

schwierige Entscheidungen zu treffen.

Der Schaden, den Vietnam und die

Watergate-Schwierigkeiten in unserem eigenen Land angerichtet haben,
ist im wesentlichen repariert.

Wir haben heute ein im Geist in seiner

Einigkeit viel stärkeres Land, obwohl es mit einigen wirtschaftlichen
Problemen zu kämpfen hat; diese sind aber auch nicht ganz so ernst, wie
die vieler anderer Länder.
Im allgemeinen bin ich zufrieden mit den Fortschritten, die wir
bisher gemacht haben.

Ich hoffe, daß ich wiedergewählt und die Chance

haben werde, meinem Land vier weitere Jahre zu dienen.

Wenn sich diese

Hoffnung erfüllt, werden wir weitere Fortschritte machen.
FRAGE:

Wir danken Ihnen sehr für dieses Interview, Herr Präsident.

ANTWORT: Es war mir ein Vergnügen, und ich freue mich auf meinen
Besuch in Jugoslawien.

+ + + + +

- 10 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärungen vor dem Abflug Präsident Carters nach Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die Vereinigten Staaten wünschen Zusammenarbeit bei schwierigen Fragen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame amerikanisch-italienische Presseerklärung zum Besuch Carters&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter: Der Westen muss sich der sowjetischen Bedrohung stellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des Präsidenten beim Staatsbankett in Rom -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters beim Besuch im Vatikan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter-Presseunterrichtung am 22. Juni 1980 in Venedig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carters Erklärung auf der abschließenden Pressekonferenz in Venedig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Begrüßungsansprache Präsident Carters auf dem Belgrader Flughafen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carters Toast beim Staatsbankett in Belgrad&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anmerkungen zu möglicher Übergangsregelung in Afghanistan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter Interview mit jugoslawischen Medienvertretern&amp;nbsp;</text>
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Information
und
Dokumentation

\TJ

afJ[J

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

25. Juni 1980

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung des westlichen Bündnisses
Afghanistan: Die Beweggründe für die Reaktion der NATO
von George S. Vest
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
NATO« Stärkung der transatlantischen Zusammenarbeit
von Robert W. Komer
Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium

Um Übef/endung von
ßckqcKcmplorcn wird
gebeten

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�30

25. Juni 1980

DIE HERAUSFORDERUNG DES WESTLICHEN BÜNDNISSES

AFGHANISTAN: DIE BEWEGGRÜNDE FÜR DIE REAKTION DER NATO
von George S. Vest
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten

NATO: STÄRKUNG DER TRANSATLANTISCHEN ZUSAMMENARBEIT
von Robert W. Komer
Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium

Unterstaatssekretär George S. Vest
vom amerikanischen Außenministerium
und Unterstaatssekretär Robert W. Komer
vom Verteidigungsministerium haben in
den nachfolgenden Artikeln die Auffassung
der Vereinigten Staaten zu der sowjetischen
Invasion in Afghanistan und die aus
ihrer Sicht notwendigen Reaktionen des
Nordatlantischen Bündnisses dargelegt.

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�30

25. Juni 1980

AFGHANISTAN: DIE BEWEGGRÜNDE FÜR DIE REAKTION DER NATO
von George S. Vest

Strategisch gesehen, stellt die sowjetische Invasion Afghanistans
eine erhöhte Bedrohung für das Nordatlantische Bündnis dar, vor allem
wenn man sie vor dem Hintergrund der langfristigen sowjetischen Aufrüstung
in Osteuropa und des Strebens Moskaus sieht, seine Macht in der ganzen
Welt darzustellen. Und diese Bedrohung kann noch größer werden, wenn
die sowjetische Führung die Fähigkeit der NATO, sich auf eine gemeinsame
und langfristige Reaktion auf diese jüngste Herausforderung zu einigen,
falsch einschätzen würde.
Am 14. Mai dieses Jahres kamen die Außenminister der an der militärischen
Integration des Bündnisses beteiligten Länder mit den Verteidigungsministern
dieser Länder zur Halbjahreskonferenz des Verteidigungs- Planungsausschusses
der NATO in Brüssel zusammen. Es war das erstemal seit der sowjetischen
Invasion der Tschechoslowakei im Jahre 1968, daß Außen- und Verteidigungsminister des Bündnisses sich auf diesem Forum trafen. Ihr Hauptaugenmerk
war auf Afghanistan gerichtet. Die Bedeutung der sowjetischen Invasion dort

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0 5 3 0 0

�dort geht weit über die in der Tschechoslowakei hinaus.

Zum erstenmal

seit dem Zweiten Weltkrieg haben reguläre Einheiten der sowjetischen Landund Luftstreitkräfte die Grenzen eines Landes außerhalb des Warschauer
Paktes überschritten.
Die Konferenz in Brüssel unterstrich den Ernst, mit dem das Bündnis
diese neue Herausforderung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität
betrachtet.

Und da die Verteidigungsprogramme des Bündnisses auf den Grund-

lagen der Außenpolitik beruhen, war die gemeinsame Tagung geeignet,
sicherzustellen, daß die Führer im Kreml klar verstehen, daß sich die NATO
über die Auswirkungen des sowjetischen Handelns einig ist und sich auf
eine gemeinsame Verteidigungsreaktion darauf verständigt hat.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die sowjetische Aggression
in Afghanistan - einem scheinbar fernab liegenden Land - eng mit der
Sicherheit Westeuropas und der Vereinigten Staaten zusammenhängt. Damit
soll nicht gesagt werden, daß wir der Auffassung seien, die Sowjets planten
die Anwendung direkter militärischer Gewalt gegen Europa selbst in naher
Zukunft, sondern vielmehr soll bekräftigt werden, daß ihre neue Position
in Afghanistan eine subtilere, wenn auch keineswegs weniger ernste Bedrohung
der Nordatlantischen Gemeinschaft darstellt:
-

Der Zugang zum öl des
amerika lebenswichtig
der Zeit, als sich die
Instabilitäten in der

Persischen Golfs, der für Europa und Nordist, ist heute stärker gefährdet, als zu
Sorgen des Westens auf im wesentlich interne
Region Südwestasien beschränkten.

-

Obwohl der sowjetische Schritt nur der jüngste, wenn auch ohne
Zweifel flagranteste Übergriff auf die Dritte Welt ist, so bleibt
die Tatsache bestehen, daß die Sowjets gezeigt haben, daß sie, wenn
sie es für notwendig erachten, bereit sind, ihre Streitkräfte über
die Grenzen und über die Grenzen ihrer Verbündeten im Warschauer

�Warschauer Pakt hinaus einzusetzen.
-

Während der letzten fünfzehn Jahre sind die konventionellen Streitkräfte und die nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) der Sowjetunion
vis-a-vis Westeuropa ständig verstärkt worden und übersteigen heute
in ihrer Stärke alle vernünftigen Verteidigungserfordernisse ganz
beträchtlich.

Gleichzeitig haben die Sowjets ihre Fähigkeit zur

weltweiten Darstellung ihrer Macht stetig weiter entwickelt und
haben mit der Erprobung dieser Fähigkeiten in Afrika, im Indischen
Ozean und in S'üdostasien begonnen.
-

Es besteht ein ernstes Risiko, daß die sowjetischen Führer die
Lebhaftigkeit der gegenwärtigen Debatte in der NATO über grundlegende Risse im Bündnis falsch verstehen und versucht sein könnten,
die Situation weiter auszunutzen.

Die Brüsseler Tagung der Außen- und Verteidigungsminister der NATO
war daher darauf ausgerichtet, jeden Zweifel auszuräumen, den die sowjetischen
Führer an der Reaktion des Bündnisses auf die Invasion Afghanistans haben
könnten.
Die Minister verurteilten die sowjetische Handlung nachdrücklich als
eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität. Und
sie einigten sich auf eine Reihe kurz- und längerfristiger Verteidigungsprogramme, um die dringendsten Mängel in der NATO-Verteidigung zu beheben.
Sie kamen ferner in unmißverständlichen Formulierungen überein, daß die
Notwendigkeit der Wiederherstellung des Gleichgewichts in Südwestasien,
das durch die sowjetische Aggression gestört wurde, eine Neuverteilung der
Sicherheitslasten im Bündnis erfordert.
Sie

- 3 -

�Sie einigten sich darauf, daß zumindest kurzfristig das Ungleichgewicht
in Südwestasien durch einen raschen Aufbau von Sicherheitsvorkehrungen
gegen jede weitere sowjetische Expansion dort behoben werden muß.

Die

Vereinigten Staaten müssen dabei notwendigerweise den Hauptteil dieser
Last übernehmen.
Da die Vereinigten Staaten diese Last nicht tragen und gleichzeitig
alle ihre erhöhten Beiträge zur Verbesserung der Verteidigung Europas
verwirklichen können, wie sie in dem Langfristigen Verteidigungsprogramm
der NATO vorgesehen sind, haben die europäischen Verbündeten zugestimmt,
Anpassungen ihrer Beiträge zu den langfristigen Plänen für die Modernisierung
der konventionellen Streitkräfte der NATO vorzunehmen.

Dazu gehören solche

Gebiete wie erhöhte Einsatzbereitschaft, raschere Mobilisierung von Reserven,
erhöhte Einlagerung von Munitions- und Materialreserven für den Ernstfall,
Verbesserung der Verteidigung zur See, Erweiterung der strategischen
Luftbrücken-Kapazität, wirksamere europäische Unterstützung der nordamerikanischen Verstärkung Westeuropas, Militärhilfe für Portugal und
die Türkei sowie Verbesserungen der militärischen Infrastruktur der NATO.
Diese Neuverteilung der Lasten bedeutet in keiner Weise, daß die
Sicherheit Europas in den grundlegenden amerikanischen Prioritäten einen
geringeren Rang erhielte. Ja, es ist vielmehr so, daß Außenminister Muskie
und Verteidigungsminister Brown ihren Kollegen in Brüssel versichert haben:
"Die Sicherheit des NATO-Gebietes bleibt ein zentrales Anliegen der
amerikanischen Politik, und die Vereinigten Staaten haben keine Pläne,
irgendwelche amerikanischen Streitkräfte, die ständig in Europa stationiert
sind, für einen Einsatz in Südwestasien abzuziehen."
Es wird zwar eine Verlagerung eines geringen Teils der amerikanischen
Seestreitkräfte geben, die jetzt im Mittelmeer stationiert sind, und im
Fall einer größeren Konfrontation in Südwestasien möglicherweise auch v_oini

- 4 -

�von Seestreitkräften im Atlantik, aber es ist und bleibt eine Tatsache, daß
die Vereinigten Staaten Europa weiterhin als die Grenze für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten betrachten.

Außenminister Muskie hat dies am

14. Mai so ausgedrückt: "Die Lasten, die wir tragen, um unsere kollektive
Verteidigung aufrechtzuerhalten, sind keine Lasten, die wir edelmütig
für andere tragen, sondern Lasten, die wir in kluger Weise für uns selbst
tragen."
Wenn wir das sagen, dann erwarten wir jedoch weiterhin von unseren
Verbündeten, daß die Lasten des Opfers gerecht verteilt werden, wenn es
darum geht,durch Entwicklungen in Südwestasien entstehende neue Bedrohungen
der Stabilität zu begegnen.
Das Bündnis muß im vernünftigen Selbstinteresse gegen diese jüngste
sowjetische Bedrohung aufstehen. Obwohl diese Bedrohung weitab vom NATOTerritorium erfolgte, so hat sie doch direkte Auswirkungen auf unser aller
Lebensinteressen.
Die Vereinigten Staaten haben nach dem Zweiten Weltkrieg erkannt, daß
ihre Sicherheit nicht mehr länger in den Vorstellungen einer "Festung
Amerika" gewährleistet werden kann.

Heute könnte das Atlantische Bündnis

durchaus an einem ähnlichen Punkt anlangen.

Damit soll keine Veränderung

in den traditionellen Grenzen des Vertragsgebiets der NATO vorgeschlagen
werden, sondern betont werden, daß sich die NATO jetzt kollektiv darauf
einigen muß, wie sie die Sicherheit innerhalb dieser Grenzen gewährleisten
will, und zwar in Begriffen,die weit über diese Grenzen hinausreichen,
angefangen mit dem Gebiet,aus dem 60 Prozent der öllieferungen kommen,
die für unser wirtschaftliches Wohlergehen so entscheidend wichtig sind.
Die Tagung vom 14. Mai zeigt sicherlich, daß das Bündnis jetzt bereit
ist, kollektiv auf die Ereignisse in Südwestasien zu reagieren.

Und ich

bin sicher, daß in den kommenden Wochen und Monaten die Festigkeit und

- 5 -

�. :

und Dauerhaftigkeit dieser Reaktion die Sowjetunion von der Verführung
abhalten wird, unsere Entschlossenheit und unsere Einigkeit falsch einzuschätzen.
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�25. Juni 1980

NATO: STÄRKUNG DER TRANSATLANTISCHEN ZUSAMMENARBEIT
von Robert W. Komer

Ich glaube, daß nunmehr innerhalb des Atlantischen Bündnisses generelle
Einigkeit darüber herrscht, daß die sowjetische Invasion Afghanistans
eine ausgewogene, langfristige westliche Antwort erfordert.

Das Treffen

der Außen- und Verteidigungsminister aus den Ländern, die der integrierten
Militärstruktur der NATO angehören, am 14. Mai 1980 war ein Meilenstein
auf dem Weg zur Entwicklung einer solchen Antwort.
Die zunehmende Bedrohung des westlichen Zugangs zum lebenswichtigen
Erdöl des Persischen Golfs bedarf kaum der Erläuterung. Die Gesundheit
unserer Volkswirtschaften, von denen wiederum unsere Verteidigung abhängt,
steht womöglich auf dem Spiel. Die sowjetische Invasion Afghanistans
läßt mit ziemlicher Sicherheit auf eine zunehmende sowjetische Bereitschaft
schließen, brutale Militärgewalt unter solch einladenden Umständen anzuwenden.
Die

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0 5 3 0 0

�Die Invasion muß zudem gesehen werden vor dem Hintergrund des gewaltigen Zuwachses sowjetischer Militärmacht im Lauf der letzten 20 Jahre.
Wir in der NATO wurden in den letzten Jahren in zunehmendem Maß dadurch
alarmiert.

Wir reagieren darauf mit unserer Verpflichtung zu einem

dreiprozentigen Realzuwachs des Verteidigungshaushalts und dem Langfristigen
Verteidigungsprogramm, das auf dem NATO-Gipfeltreffen im Jahr 1978 beschlossen wurde.
Afghanistan hat die amerikanische Erkenntnis der sowjetischen Bereitschaft geschärft, die wachsende militärische Stärke dazu zu verwenden, die
sowjetische Macht entweder direkt oder durch Vertreter weitab von der
Sowjetunion selbst zu demonstrieren.

Aus diesem Grund begreifen wir zugleich

die Notwendigkeit einer gemeinsamen globalen Antwort.
Stärke oder Schwächt

Eine einmal erkannte

in Nordostasien oder in Europa kann nicht ohne

Auswirkungen auf die sowjetische Kalkulationen bleiben, was in SUdwestasien
machbar ist.

Und so wird auch die Abschreckung sowjetischer Abenteuerlust

im Bereich des Persischen Golfs beeinträchtigt, wenn die Staaten, die zu
Gegenmaßnahmen in der Lage wären, sich vor solchen Schritten fürchten, weil
sie anderswo verwundbar sind.
Die Vereinigten Staaten aber sind das einzige größere Land der
Freien Welt, das ausreichende Fähigkeiten zur Demonstration weitreichender
Macht hat, um im Namen der anderen wie im eigenen Namen diese Rolle der
Abschreckung oder - falls notwendig - der Verteidigung gegenüber dem
sowjetischen Expansionismus in diesem Schlüsselbereich zu übernehmen.
Wir rechnen mit der Hilfe der bedrohten Regierungen in diesem Gebiet
und der amerikanischen Verbündeten. Dennoch wird die Hauptlast notwendigerweise auf die Vereinigten Staaten fallen.
Diese neue große Last für die Vereinigten Staaten - zusätzlich zu
unserer vorrangigen Verantwortung für die Aufrechterhaltung des strategischen
und taktischen Nuklearschirms, zur Kontrolle der Meere im Namen des Bündnisses

- 2 -

�Bündnisses und zu einem substantiellen Beitrag zur Abschreckung in Europa
und Nordostasien - wird unvermeidlich eine Umorientierung der amerikanischen
Militärmittel aus anderen Bereichen bedeuten, sollte es zu einem dringenden
Notfall in Sü'dwestasien kommen.

Obwohl wir versuchen, unsere Schnellen

Eingreiftruppen soweit möglich aus Streitkräften zu rekrutieren, die keine
NATO-Verpflichtungen haben, so werden doch einige Umgruppierungen sogar
in Friedenszeit notwendig sein - und könnten im Fall einer ernsten Krise
im Persischen Golf ziemlich umfangreich sein.
Die Vereinigten Staaten haben bereits die folgenden Schritte unternommen, um die westlichen

Möglichkeiten im Indischen Ozean und im

Bereich des Persischen Golfs zu verbessern:
-

Wir haben einen Zerstörer und eine Fregatte zu unserer Streitmacht
im Mittleren Osten zum ständigen Einsatz verlegt;

-

Wir haben unsere Streitmacht im Mittleren Osten vorläufig durch
zwei zusätzliche Zerstörer vergrößert;

-

Wir haben vorläufig eine unserer beiden Flugzeugträger-Kampfgruppen
aus dem Mittelmeer in den Indischen Ozean verlegt.

Sollte sich die Situation im Persischen Golf zu einer grcßBren
Konfrontation auswachsen, so müßten wir auf unsere Schnellen Eingreiftruppen zurückgreifen.
Taktische Flugzeugstaffeln könnten aus den Vereinigten Staaten nach
Südwestasien verlegt werden, und auch andere Luft- und Bodenstreitkräfte
könnten eingesetzt werden.
Zusätzlich zu den Einheiten, die bereits in unsernSchnellen Eingreiftruppen zusammengefaßt sind, prüfen die Vereinigten Staaten, welche noch

- 3 -

�noch umfangreicheren Streitkräfte notwendig sein könnten, um auf einen so
großen Ernstfall in Slidwestasien reagieren zu können, für den sogar die
derzeit aufgestellten Eingreiftruppen nicht ausreichend sein würden.
Sogar die Dislozierung von Truppen in bescheidenem Umfang würde im
Eventualfall notwendigerweise eine erhebliche Auslastung amerikanischer
Luft- und Seetransportkapazitäten erfordern, die natürlich zugleich nötig
sind, um amerikanische Dislozierungen in Europa und Nordostasien zu unterstützen.
Dennoch - und dies ist von grundlegender Bedeutung - haben diese
möglichen Verminderungen der Verfügbarkeit amerikanischer Streitkräfte für
die NATO keinerlei Einfluß auf die Bedeutung der NATO für die grundlegende
Politik Amerikas.
In der Tat wollen wir Verminderungen der amerikanischen Streitkräfte
und amerikanischer Ausrüstung im europäischen NATO-Bereich vermeiden, wie
dies während des Vietnam-Konflikts und im Verlauf der Nahostkrise 1973
geschah.
Die Vereinigten Staaten haben noch immer die Absicht, mit dem Programm
der raschen Verstärkung für Europa weiterzumachen. Wenn Europa seinen
Anteil an der "transatlantischen Zusammenarbeit" erfüllt, werden wir
unsere Verpflichtung aufrecherhalten, innerhalb von 10 bis 14 Tagen nach
der Dislozierungsentscheidung unsere Landstreitkräfte in Europa mehr als
zu verdoppeln und unsere taktischen Luftstreitkräfte zu verdreifachen.
Dennoch spreche ich nur einen ganz einfachen Tatbestand aus, an dem wir
alle nicht vorbeikommen: Wenn die Vereinigten Staaten umfangreiche Streitkräfte nach Südwestasien dislozieren müssen, um dem gemeinsamen Interesse
zu dienen, so wird dies unvermeidlich in einem gewissen Maß zu Lasten
unserer Fähigkeit gehen, die NATO oder Nordostasien in einem Eventualfall
direkt zu unterstützen.
Daher
- 4 -

�Daher brauchen wir eine bessere "Arbeitsteilung" zwischen den
Vereinigten

.Staaten und ihren Verbündeten, weil wir in einem zusätzlichen

kritischen Gebiet der Welt die Hauptlast für Abschreckung und Verteidigung
übernehmen müssen.

Dies bedeutet in der Tat, daß unsere Verbündeten mehr

tun müssen, um die Verteidigung der Freien Welt in der NATO und in anderen
Bereichen zu stärken.

Wir drängen indessen nicht auf eine große Zahl neuer

Initiativen "made in Washington".
Davon liegen der NATO schon mehr als genug vor mit den bestehenden
Zielsetzungen für die Streitkräfte und dem Langfristigen Verteidigungsprogramm.

Stattdessen schlagen wir die Beschleunigung ausgewählter be-

stehender Programme vor - über die man sich im Bündnis schon weitgehend
geeinigt hat.
Wesentlich aber bleibt, daß wir NATO-Mitglieder zumindest unserer
Verpflichtung nachkommen müssen, eine dreiprozentige reale jährliche
Zuwachsrate in den Verteidigungsausgaben auf jeden Fall zu erzielen.
Ein Nachlassen unserer Anstrengungen in dieser Hinsicht kann in Moskau
nicht anders als ein Zeichen unseres Versagens angesehen werden, die harten
Entscheidungen zu treffen, die zur Erhaltung unserer eigenen Sicherheit
notwendig sind.

Dies ist nicht nur eine Aufgabe für die größeren Verbündeten.

Auch die kleineren Mitglieder des Bündnisses spielen entscheidende Rollen
und müssen ihrerseits ihren Beitrag leisten.
Als Antwort auf die Notwendigkeit unmittelbarer kurzfristiger Initiativen
seitens aller Verbündeten, werden die Vereinigten Staaten ihrerseits:
-

so rasch wie möglich mit der Produktion unserer neuen großen
Kampfpanzer vorangehen;

-

die Beschaffung von Materialreserven für die Land- ind Luftstreitkräfte beschleunigen;
die
- 5 -

�-

die Maßnahmen zum Schutz all unseres militärischen Personals
gegen eine nukleare, biologische und chemische Kriegsführung
beschleunigen;

-

weitere Seeüberwachungsflugzeuge einsetzen und die Indienststellung
von Raketen-Schnellbooten beschleunigen;

-

eine rasche Dislozierung von

Nah-Luftverteidigungssystemen

für Flugplätze planen, soweit dies notwendig ist;
-

in Anerkennung der Erfordernisse der NATO die Streitkräfte zur
Luftaufklärung im Gefechtsfeld ausweiten;

-

etwa 14 Tanker der Handelsschiffahrt dafür bestimmen, mit Heckausrüstungen zum Auftanken anderer Schiffe versehen zu werden; und

-

wie bereits angelaufen das "Maritime Poinf'-Luftverteidigungsprogramm und das HARPOON-Antischiffsraketen-Programm - beschleunigen.

Wenn wir angesichts der eklatanten sowjetischen Aggression ein
deutlichen Signal gemeinsamer Entschlossenheit geben wollen, müssen
alle Verbündeten ihre entsprechenden kurzfristigen Maßnahmen innerhalb
der nächsten 12 Monate durchführen.
Aber diese kurzfristigen Initiativen sind lediglich ein erster
Schritt in Richtung auf eine Befriedigung dringlicher Erfordernisse des
Bündnisses. Wir müssen außerdem die langfristigen Maßnahmen beschleunigen,
um die Verminderung der NATO-Abschreckung auszugleichen, die durch die
Notwendigkeit geschaffen wird, daß die Vereinigten Staaten die Antwort
des Bündnisses in Südwestasien verstärken:

Die

- 6 -

�-

Die NATO bedarf besserer Nutzung ihrer europäischen Mannschaftsreserven und besserer Mobilisierungsverfahren.

Die Maßnahmen im

Rahmen des Langfristigen Verteidigungsprogramms, die zusätzliche
Reservekampfeinheiten erfordern, sollten von Vorschlägen rein
studienhaften Charakters übergehen zu konkreten Schritten und
sollten beschleunigt werden.
-

Die Bevorratung an Ausrüstung und Material für den Ernstfall sollte
in Europa erhöht werden.

-

Die Vereinigten Staaten brauchen den Beistand der zivilen Luftfahrt der Verbündeten, um bei der Erfüllung der europäischen
Zielsetzungen

zur Verstärkung behilflich zu sein - besonders dann,

wenn eine umfangreiche Verlegung amerikanischer Streitkräfte in
ein anderes Gebiet notwendig sein sollte.
-

Wir alle benötigen noch größere Beweglichkeit bei der Dislozierung
der verfügbaren Seestreitkräfte sowie qualitative Verbesserungen.
Desgleichen bedarf es der Verbesserungen bei der landgestützten
taktischen Luftunterstützung für Marineoperationen.

-

Die geplante Überprüfung des Finanzplafonds des laufenden Fünfjahres-Infrastrukturplans (1980-1984) nach Ablauf der ersten
Hälfte sollte beschleunigt werden.

NATO-Kommandeure lassen keinen

Zweifel daran, daß zusätzliche Mittel notwendig sind, um bekannte
Mängel der Infrastruktur auszugleichen - einschließlich der wichtigen
neuen Erfordernisse für die Stationierung der weitreichenden
nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF).
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Weitere Maßnahmen im Rahmen der Zielsetzungen des derzeitigen
Langfristigen Verteidigungsprogramms und anderer NATO-Programme
mögen den verbündeten Staaten wert erscheinen, sie beschleunigt

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�beschleunigt durchzuführen. So werden zum Beispiel 1n den USA
stationierte Streitkräfte und erste Verstärkungen in noch größerem
Maß auf die rechtzeitige Bereitstellung der Unterstützung des Gastlandes angewiesen sein, wenn kurz vorher oder gleichzeitig eine
Dislozierung amerikanischer Streitkräfte zum Persischen Golf
stattfinden sollte. Daher haben wir unsere Verbündeten und die
zuständigen NATO-Stellen dazu ermutigt, noch weitere Maßnahmen
vorzuschlagen.
Die Pläne fUr die Verbesserungen der Verteidigung existieren bereits.
Wir Amerikaner drängen nur auf Dinge, Über die bereits Obereinstimmung
herrscht - zumindest 1m Prinzip. Und wenn wir uns zumindest an unsere
bereits gegebene Zusage zu einem Realzuwachs der Verteidigungsausgaben um
Jährlich drei Prozent halten, dann wird nach unserer Überzeugung das meiste
von dem, was nötig Ist, auch finanziert werden können. So suchen wir erneut
Jene Solidarität bei der Antwort auf die auftauchenden Verteidigungsaufgaben, wie wir sie 1977, 1978 und beim TNF-Programm 1979 gezeigt haben.

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