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                    <text>Information
und
Dokumentation

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a

»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

47

22. Oktober 1980

INHALT

INFORMATION
Nukleares Entsorgungsprogramm

DOKUMENTATION
Muskie:

Amerika steht bei SALT II vor grundlegender Entscheidung

- Rede des Außenministers vor dem Women's National Democratic Club

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VOYAGER I sondiert den Planeten Saturn
- Von G. Weiss -

Um Übcf/cndung von
ßckgcKcmplaren wird
Qcbeten

Postfach 20 03 00

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

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Information

CO

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

47

22. Oktober 1980

NUKLEARES ENTSORGUNGSPROGRAMM

- (AD) - Als "ersten Schritt" zum Aufbau eines umfassenden nuklearen
Entsorgungsprogramms bezeichnete ein amerikanischer Atomwissenschaftler
das jetzt von Präsident Carter unterzeichnete Gesetz, das die Endlagerung
von 2,2 Millionen Litern hochaktiven flüssigen Atommülls in die Wege
leitet. Die Abfälle befanden sich bisher in einem Zwischenlager des
"Nuclear Service Center" im Westen des Bundesstaates New York.
Das "Service Center", die einzige kommerzielle Wiederaufarbeitungseinrichtung, die es in den Vereinigten Staaten gab, war von 1966 bis 1972
in Betrieb. Seitdem werden die hochaktiven Abfälle in bundeseigene Anlagen
gebracht, um dort aufbereitet zu werden. Das neue Gesetz sieht vor, daß
der flüssige Atommüll in einem nukleartechnischen Betrieb des US-Energieministeriums verfestigt und, in Doppelkanistern verpackt, zu einer bundeseigenen Deponie für die Endlagerung transportiert wird. Das "Service
Center" wird anschließend entseucht.
Weder

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

�Weder in bezug auf das Verfestigungsverfahren noch die Methode oder
den Ort der Endlagerung wurde bis jetzt eine endgültige Wahl getroffen.
Wissenschaftler staatseigener Institute überprüfen zur Zeit wissenschaftliche
und technische Daten einer Anzahl von Möglichkeiten zur Lagerung, beispielsweise in unterirdischen Salzstöcken.

Aber auch die Verfahren zur Verfestigung

werden erneut gründlich geprüft.
1

Eines davon ist die "Verglasung" von Atommüll, wobei die flüssigen
Abfälle zusammen mit glasigem Material erhitzt werden.

Die Mischlösung

bildet dann bei der Abkühlung eine feste, glasartige Substanz.

Wie Präsident

Carter erklärte, will man erreichen, "eine praktisch unzerstörbare feste
Masse" herzustellen.
Die Umwandlung von flüssigem Atommüll in einen festen Stoff hat

auf

den radioaktiven Zerfall keinen Einfluß. Aber in fester Form sind die
Abfälle leichter zu handhaben und vom Grundwasser fernzuhalten.

Mit der

Räumung der Deponie im Bundesstaat New York und der Umwandlung der Abfälle
machen die zuständigen Wissenschaftler zu ersten Mal den Versuch, eine so
große Menge flüssigen Atommülls zu verfestigen.

Präsident Carter bezeichnete

das Gesetz als "einen wesentlichen Teil der nuklearen Entsorgungspolitik.
Wir verfolgen mit aller Intensität moderne Verfahren zur Aufbereitung der
inzwischen angefallenen großen Mengen starkaktiver Abfälle.
Das Gesetz fordert außerdem fortlaufende und strenge Umwelt- und
Sicherheitskontrollen.

+ + + + +

�1

1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. Oktober 1980

47

MUSKIE: AMERIKA STEHT BEI SALT II VOR GRUNDLEGENDER ENTSCHEIDUNG
- Rede des Außenministers vor dem Women's National Democratic Club

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie betonte am 16. Oktober 1980 vor dem Women's National Democratic Club in
Washington, daß die Vereinigten Staaten in bezug auf SALT II vor einer grundlegenden Entscheidung stehen.

Es geht dem Außenminister zufolge um die Fra-

ge, ob die Vorteile des Vertrags erhalten werden und es im Rahmen von SALT III
zu weiteren Rüstungsbegrenzungen kommt oder "ob wir dieses Abkommen zerreißen und den Versuch machen wollen, noch einmal ganz von vorn anzufangen."
Nach einigen einleitenden Worten ging der Außenminister auf sein zentrales Thema, den SALT II-Vertrag, ein:
Ich freue mich darauf, den meisten Teil der Zeit, der uns hier zur Verfügung steht, darauf zu verwenden, die Fragen zu besprechen, die Ihnen wichtig sind.
Aber ich möchte zu Beginn einige Minuten über etwas sprechen, was für
mich besonders wichtig ist: die Zukunft des SALT II-Vertrages, ja, die
Rüstungskontrolle selbst.

., .
Voriges

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Voriges Jahr hörte ich mir als Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses
des Senats aufmerksam die Debatte über den Vertrag an.
Ich kam zu einer klaren und eindeutigen Schlußfolgerung:

daß nämlich

die Ratifizierung dieses Vertrags in seiner derzeitigen Form zwingend im
Interesse dieser Nation ist.
Als Befürworter des Vertrags unterstützte ich gleichwohl die Entscheidung des Präsidenten, angesichts der sowjetischen Invasion Afghanistans im
vorigen Dezember die Verschiebung einer Plenardebatte im Senat zu erreichen.
Es war offensichtlich, daß sich unsere Aufmerksamkeit - als Regierung
und als Volk - auf die Bedeutsamkeit dieses sowjetischen Schrittes sowie auf
eine starke amerikanische und internationale Reaktion richten mußte.
Und es war ebenso offensichtlich, daß die sowjetische Invasion den Weg
zur Ratifizierung nur noch steiler machte.
•

Die Sowjets stehen noch immer in Afghanistan.

Dies ist eine Tatsache,

die zu ignorieren wir uns nicht leisten können.
..

Als eine Nation, die ihre Freiheit schätzt, müssen wir uns auch über
die Freiheit des afghanischen Volkes von militärischer Aggression Gedanken
machen.
Und wir können die Drohung nicht ignorieren, die die sowjetische Invasion für eine Region darstellt, die nicht nur für die Vereinigten Staaten,
sondern für die ganze Welt lebenswichtig ist. Wir müssen voll und ganz bereit sein, diese lebenswichtigen Interessen zu schützen.
Solange die sowjetischen Streitkräfte noch dort stehen, können wir nicht
erlauben, daß Afghanistan unserer Aufmerksamkeit entzogen wird oder von der
internationalen Tagesordnung verschwindet.
Die
- 2 -

�Die sowjetische Führung muß begreifen, daß ihrer Aggression Widerstand
entgegengesetzt wird, und daß die einzige Grundlage, auf der sich eine Verbesserung unserer Beziehungen entwickeln kann, diejenige wechselseitiger Zurückhaltung ist.
Gerade wegen der Tatsache, daß SALT II ein abschätzbares Maß an Zurückhaltung bei den sowjetischen Kapazitäten sicherstellt - eine Zurückhaltung,
die es mit nahezu völliger Sicherheit ohne den Vertrag nicht geben würde -,
sollten wir den SALT II-Vertrag so bald wie möglich ratifizieren.
Wir sollten dies nicht für die Sowjets tun; wir müssen es vielmehr für
uns selbst tun.

Denn der Vertrag vermindert die Bedrohungen, vor denen wir

ansonsten in den kommenden fünf Jahren stehen würden.
Lassen Sie mich Ihnen kurz einige Beispiele dafür geben, was ich damit
meine.
- Ohne den Vertrag können die Sowjets bis 1985 25 Prozent mehr strategische Bomber und Raketen dislozieren als es möglich wäre, wenn der Vertrag
in Kraft ist.
- Wir schätzen, daß sie ohne den
zelne Kernwaffen zusätzlich auf jenen
dies unter dem Vertrag möglich wäre.
könnte 20 bis 30 Kernwaffen tragen ten zehn.

Vertrag bis 1985 mehrere tausend einBombern und Raketen haben werden als
Jede ihrer schweren Raketen allein
anstatt der unter dem Vertrag erlaub-

- Ohne den Vertrag gibt es für keine Partei irgendwelche Verbote, ihre
strategischen Programme zu verheimlichen - etwa, die Signale ihrer Raketenversuche zu verschlüsseln oder ganz einfach ihre Programme vor unseren Satelliten oder anderen technischen Überwachungsmechanismen zu verbergen.
- Wir würden in der Tat ohne den Vertrag von mehr Dingen weniger wissen.

- 3 -

�wissen.

Unsere Fähigkeit zur Beobachtung sowjetischer Militäranstrengungen

würde zu einem Zeitpunkt schwer behindert, da es keinerlei vereinbarte Begrenzungen darüber gäbe, was sie tun können.

In einem solch ungehemmten Um-

feld wird unsere eigene Verteidigungsplanung schwieriger, ungewisser und
kostspieliger.
- Ohne den Vertrag wären wir gezwungen, mehr von unseren Dollars für
strategische Programme auszugeben, als dies geplant ist, auf Kosten von Sozialprogrammen und zu Lasten unserer konventionellen Streitkräfte - oder
durch neue Steuerlasten.
Der Vertrag erzielt diese Beschränkung der sowjetischen Kapazitäten
ohne wesentlichen Eingriff in unsere eigenen strategischen Modernisierungsprogramme.

Die MX-Rakete, die Marschflugkörper, unsere neuen TRIDENT-Unter-

seeboote und -raketen - all diese Programme, die wir in den vergangenen
Jahren begonnen haben, um sicherzustellen, daß wir in den achtziger Jahren
ein stabiles nukleares Gleichgewicht aufrechterhalten - können und werden
unter dem SALT-Abkommen termingerecht vorangehen.
Es ist klar, daß dieser Vertrag nicht das Ende des Wettrüstens oder
des Risikos einer nuklearen Katastrophe bedeutet.

Die Gefahren, die zwei

umfassend gerüsteten Nuklearstaaten innewohnen, werden fortdauern.
Aber der Vertrag vermindert diese Gefahren, indem er das nukleare
Gleichgewicht stabiler macht, indem er die Ungewißheiten vermindert, die
zu einer tödlichen Fehlkalkulation auf dieser oder jener Seite führen könnten, indem er das Risiko vermeidet, weitere Milliarden in ein verschärftes
Wettrüsten zu stecken, das uns weniger - nicht mehr - Sicherheit erkauft.
Aus diesen Gründen hat der Präsident klargestellt, daß er sogleich
nach Zusammentritt des Senats dessen Führung konsultieren wird in der Absicht, die Behandlung des Vertrags im Senat wiederaufzunehmen und den Vertrag zur Abstimmung zu bringen, sobald dies praktisch möglich ist.
Denn
- 4 -

�Denn wir müssen uns einer entscheidenden Tatsache dieses Vertrags bewußt sein: Wir können seiner Vorteile nicht nur durch Ablehnung, sondern
auch durch Untätigkeit verlustig gehen.
In den Monaten seit der Vertragsunterzeichnung haben weder wir noch die
Sowjets Maßnahmen ergriffen, die mit dem Wortlaut des Vertrags unvereinbar
wären. Mit der Zeit könnte jedoch eine solche freiwillige Selbstbeschränkung
immer untragbarer werden.
Die Abkommen beinhalten Zeitpläne - zeitliche Programme, die integraler
Bestandteil des Handels waren. Diese Zeitpläne laufen. Es gibt spezielle
Maßnahmen, die für 1981 vorgesehen waren. Zum Beispiel müssen die Sowjets
Systeme abbauen, durch die sie ansonsten oberhalb der neuen Begrenzungen liegen würden. Und während der Vertrag selbst nicht vor 1985 ausläuft, gibt es
doch ein separates Protokoll, das Ende 1981 ausläuft. Mit dem näherrückenden
Ablaufen des Protokolls könnte auch die Übereinkunft insgesamt zerbröckeln.
Kurz - wie Juristen zu sagen pflegen -, die Zeit ist ein wesentlicher
Bestandteil dieses Abkommens.

Und die Zeit verrinnt.

Wir müssen unsere Entscheidungen treffen, oder sie werden für uns getroffen - durch Unterlassung.
Ich habe die konkreten, unmittelbaren Vorzüge des SALT II-Vertrags für
uns betont, weil ich der Meinung bin, daß sie ein überwältigendes Argument
für die Ratifizierung des Vertrags zum frühestmöglichen Zeitpunkt darstellen.
Aber es geht bei unserer Entscheidung über diesen Vertrag um noch etwas viel
Weiterreichendes: Es geht um die Zukunft der Rüstungskontrolle selbst.
Sieben amerikanische Präsidenten haben sich aus tiefster Überzeugung
der Anstrengung unterzogen, die schrecklichsten Schöpfungen der Menschheit
unter Kontrolle zu bringen. Dieser Prozeß ist erschreckend langsam gewesen
und hat nicht vermocht, mit der Technologie Schritt zu halten, die wir zu begrenzen suchen.
Und
- 5 -

�Und dennoch hat er eine Reihe von

Abkommen hervorgebracht, die eine ge-

fährliche Welt weniger gefährlich machten:
- das Verbot strahlungsgefährlicher Kernexplosionen in der Atmosphäre;
- der Vertrag über Raketenabwehr-Raketen (ABM), der ein gefährliches
und kostspieliges Wettrüsten bei diesen defensiven Waffen verhinderte;
- das SALT

I-Abkommen, das die Anzahl strategischer Raketen zu einem

Zeitpunkt einfror, als die Sowjets ausbauten, wir jedoch nicht; und
- nunmehr das SALT II-Abkommen.
Wenn wir uns von diesem Vertrag abwenden, werden wir nicht nur den bisher
erzielten Fortschritt gefährden; wir werden in eine ungewisse neue Welt eintreten, in einen unabsehbaren Zeitraum ohne die bindenden Beschränkungen von
SALT II, ja sogar ohne das ausgelaufene SALT I-Abkommen.
Und während wir versuchen, die Bruchstücke wiederaufzunehmen und von
neuem zu beginnen, wird die Technologie der modernen strategischen Waffen
nicht stillstehen. Sie wird vielmehr weitergehen. Und wir werden noch weit
größere Anstrengungen unternehmen müssen, um eine Kontrolle über das Wettrüsten zu erlangen, wenn es die Grundlagen nicht gibt, die wir schon geschaffen haben.
Was schon jetzt schwer ist, könnte hoffnungslos werden, nämlich, ein
Wettrüsten in den Griff zu bekommen, das die Zukunft der gesamten Menschheit
in Gefahr bringt.
Unsere Verbündeten begreifen diese Realität.

Sie alle unterstützen

nachdrücklich den Vertrag, denn sie erkennen die Vorteile eines stabilen
nuklearen Gleichgewichts und sie sehen in SALT II einen notwendigen Schritt
auf dem Weg hin zu weiteren Begrenzungen und weiteren Verringerungen.

- 6 -

Ganz

�Ganz besonders aber sehen sie in der Ratifizierung von SALT II eine Vorbedingung für umfassende Verhandlungen zur Begrenzung von nuklearen Mittelstrekkensystemen großer Reichweite (LRTNF) im Rahmen von SALT III. Eine Ablehnung dieses Vertrags wäre für das Bündnis ein folgenschwerer Schlag.
Zudem würde dies unsere Fähigkeit untergraben, andernorts auf Rüstungskontrolle hinzuarbeiten; unsere Fähigkeit, von solchen Staaten Zurückhaltung
zu erwarten, die auf der Schwelle zum Erwerb von Kernwaffen stehen, würde
zutiefst davon getroffen, wenn unsere eigene Verpflichtung zur gegenseitigen
Zurückhaltung auf diese Weise in Frage gestellt wäre.
Denn es wäre ein Propagandaerfolg von gewaltigem Ausmaß für unsere Gegner, wenn die Vereinigten Staaten als ein Feind der Rüstungskontrolle dargestellt würden.

Unsere Glaubwürdigkeit, unsere Stellung in der Welt als fried-

liche Nation ruht auch auf dem Schicksal dieses Vertrags.
Von mancher Seite wird vorgeschlagen, durch erneute Verhandlungen den
Prozeß der Rüstungskontrolle in Gang zu halten und einen besseren Vertrag
zu bekommen.
Ich bin fest davon überzeugt, daß dies ein Rezept für den Zusammenbruch,
nicht aber für den Fortschritt ist.
Dieser Vertrag ist das Ergebnis von siebenjährigen Verhandlungen unter
den Präsidenten Nixon, Ford und Carter. Wie alle komplexen Abkommen handelt
es sich um eine Anzahl kleinerer Verträge, die in einem ausgewogenen Gesamtpaket zusammengefaßt sind, von dem beide Seiten der Ansicht sind, es sei in
ihrem Interesse.
Können wir denn vernünftigerweise erwarten, den Sowjets größere Zugeständnisse abzuhandeln, ohne unsererseits Konzessionen zu machen?

Dies wäre

keine Formel für Verhandlungen, sondern für eine Sackgasse - während sich
die Sowjets Waffen verschaffen, die ihnen dieser Vertrag versagt.
Und
- 7 -

�Und während wir gleichzeitig eine neue strategische Doktrin - eine
Doktrin der "Überlegenheit" - verkündeten, würden die Aussichten dieser Verhandlungen sich verflüchtigen.
Ganz gleich, ob es "Überlegenheit" oder "Sicherheitsspielraum" heißt:
Eine solche Doktrin verwirft das zentrale Prinzip dieses Vertrags, daß nämlich die meiste Sicherheit von einem Gesamtgleichgewicht bei unseren Waffen
herrührt.

Sie fordert letztlich, daß wir nur dann einen Vertrag annehmen

sollten, wenn er unausgewogen ist, wenn für die Vereinigten Staaten ein Vorteil eingebaut ist.
Dies ist die unmißverständliche Bedeutung der Worte. Wenn eine Seite
"Überlegenheit" fordert, muß die andere Unterlegenheit akzeptieren; wenn die
eine einen Sicherheitsspielraum fordert, muß die andere einen Gefahrenspielraum akzeptieren.
Das heißt praktisch, daß wir auf dieser Grundlage keine Rüstungskontrollabkommen aushandeln - oder neu aushandeln - können, denn sie wären nicht
verhandlungsfähig.
Unser Land steht vor einer grundlegenden Wahl: Ob wir nämlich die Vorteile dieses Vertrags sichern und durch SALT III zu weiteren Begrenzungen
kommen wollen - oder ob wir dieses Abkommen zerreißen und den Versuch machen
wollen, noch einmal ganz von vorn anzufangen.
Ich kann mich in den 35 Jahren meiner Tätigkeit im öffentlichen Leben
nur an wenige nationale Entscheidungen erinnern, die tiefgreifendere Konsequenzen hatten.
Den Weg, den wir bei dieser schicksalhaften Frage einschlagen, wird unsere Zukunft in den kommenden Jahren gestalten.
Kernwaffen

- 8 -

�Kernwaffen sind eine Erfindung des Menschen.
nicht rückgängig machen.

Man kann ihre Erfindung

Aber wie wir uns der früheren Herausforderung der

Spaltung des Atoms stellten, müssen wir die gleiche Entschlossenheit aufbringen, die gleiche unbeugsame Verpflichtung gegenüber der Aufgabe, diese
Instrumente der Selbstzerstörung unter vernünftige Kontrolle zu bringen.
SALT II steht im Mittelpunkt dieses Versuchs.
Ich weiß, daß die Ratifizierung schwierig sein wird.
Aber ich weiß auch, daß sie notwendig ist.
Dies hier ist eine politische Gruppierung, das Land befindet sich im
Wahl kämpf.

Und das Thema, über das ich jetzt gesprochen habe - die Zukunft

von SALT II und des Rüstungskontroilprozesses - ist ein politisches Thema.
Es ist kein Thema der Partei politik. Die Debatte im vorigen Jahr hat
gezeigt, daß es Fürsprecher und Gegner auf beiden Seiten des Kongresses gibt.
Aber es ist ein Thema, das klar und deutlich Teil des Präsidentschaftswahlkampfes geworden ist.
Präsident Carter, sein Außenminister und seine Regierung haben sich mit
aller ihrer Energie der Ratifizierung dieses Vertrags sowie dem Vorantreiben
des Rüstungskontrollprozesses auf der Grundlage eines stabilen nuklearen
Gleichgewichts mit der Sowjetunion verpflichtet.
Der Widersacher des Präsidenten würde diesen Vertrag zerreißen und sich
auf die Suche nach einer militärischen Überlegenheit machen, die nicht nur
das Wettrüsten anheizen, sondern die Zukunft der Rüstungskontrolle einfrieren
würde.
Es handelt sich hier um ein eindeutiges Problem, um eine Frage von grundlegender Bedeutung, um eine Alternative, die dieser Wahlkampf dem amerikanischen Volk deutlich machen sollte.
Und
- 9 -

�Und ich würde meine Pflicht verletzen, bei der Darlegung der amerika
nischen Außenpolitik vor dem amerikanischen Volk behilflich zu sein, wenn
ich dabei versagen würde, dieses Thema zu besprechen und die grundlegende
Alternative klarzumachen.

- 10 -

�I a

UUi//cn/choft
und Technik
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22. Oktober 1980

47

VOYAGER 1 SONDIERT DEN PLANETEN SATURN
- von G. Weiss -

- (AD) - Die amerikanische Forschungssonde VOYAGER 1 passiert
am 12. November 1980 den Ringplaneten Saturn. Mit Spannung erwarten die
Wissenschaftler die Nahaufnahmen und Ergebnisse der Messungen, die vor,
während und nach der größten Annäherung auf 124 200 km über der Wolkenh ü n e und beim Durchgang durch das Ringsystem gemacht werden.
Erste direkte Meßdaten und Fotos wurden bereits im August und
September 1979 von dem amerikanischen Forschungsgerät PIONIER 11 zur Erde
übermittelt. Dieser "Pfadfinder" in unserem Sonnensystem war im Jahr 1973
am Kap Canaveral gestartet worden und hatte im Dezember 1974 beim Passieren
des Planeten Jupiter eine Fülle von Daten und Bildern aus einer fernen
Welt geliefert. Durch die Masse dieses größten Planeten im Sonnensystem
wurde er umgelenkt und auf eine Bahn katapultiert, die knapp fünf Jahre
später ein Rendezvous mit Saturn ermöglichte. Die Sonde bewies eine erstaunliche Leistungs- und Überlebensfähigkeit im interplanetaren Raum.

Mit

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Mit welcher Präzision PIONIER 11 nach dem Vorbeiflug am Jupiter,
wo das Gerät einem harten Strahlenbombardement mit zeitweiligem Ausfall
von Instrumenten ausgesetzt war, arbeitete und auf Funkkommandos von der
Erde reagierte, zeigt folgendes Beispiel:

Die Bahnberechnung der NASA-

Wissenschaftler von Ende 1974 hatten ergeben, daß PIONIER 11 am 5, September
1979 seine größte Saturn-Nähe erreichen werde.

Aber man wußte auch, daß

der Ringplanet am 9. September 1979 von der Erde aus gesehen direkt hinter
der Sonne stehen, diese also zum Zeitpunkt der Nahbeobachtungen den Funkverkehr mit der Sonde blockieren würde,

über Funk wurde deshalb ein Boden-

triebwerk gezündet, um dem Gerät soviel zusätzliche Beschleunigung zu erteilen, daß es einige Tage früher die Bahn des zweitgrößten Planeten
kreuzen würde.

Das Manöver gelang - PIONIER 11 passierte am 1. September

1979 den Saturn und näherte sich ihm bis auf 21 000 km Abstand.
Das erste wichtige Ergebnis des Vorbeiflugs war einfach die Tatsache,
daß die Sonde keinerlei Beschädigungen durch Materie,die in Saturnnähe
vermutet wurde, erlitt.

Man wußte ja noch nichts darüber, ob es sich bei

dem durch Radarmessungen von der Erde aus erfaßten Material außerhalb
der sichtbaren Ringe um dichten, feinen Staub oder größere, in relativ
weitem Abstand voneinander driftende Materieklumpen handelte,,

Schließlich

wandert der Saturn in einer mehr als 915 Mal größeren Entfernung um die Sonne
als unsere Erde - ein Umlauf dauert 29,46 Jahre.

Zur Zeit des PIONIER-

Besuchs war er fast 1,58 Milliarden Kilometer von uns entfernt.
Den Beobachtungen durch PIONIER 11 ist es z.B. zu verdanken, daß
das Magnetfeld des Saturn (es ist ca. tausendmal stärker als das der Erde),
ferner bis zu einem gewissen Grade Dichte, Druck und Temperatur seiner
Atmosphäre sowie Ausdehnung und Stärke der Ionosphäre ermittelt werden
konnten. Im Gegensatz zur Kenntnis vom Planeten Jupiter vor der "PIONIER"Zeit war zu diesen Punkten kaum etwas bekannt, da ajch die vom Saturn
emittierte Radiostrahlung, die auf eine innere Wärmequelle hindeutet,
die Erde nicht erreicht. Die Forscher wußten z.B. nicht, ob der Saturn

- 2 -

�Saturn ein Magnetfeld und Strahlungsgürtel besitzt.

Heute ist bekannt,

daß seine Ringe diese Strahlungsgürtel sehr scharf trennen - ein Phänomen,
das beim Jupiter nicht zu beobachten ist.
Auf Grund von Gravitationsmessungen ist anzunehmen, daß der Planet,
ein Körper von 120 000 km Äquatordurchmesser, einer Entfernung von 109 400 km
von Pol zu Pol und mit 95facher Erdmasse, einen Doppelkern besitzt: Der
innere, sehr heiße Kern aus geschmolzenen Schwerelementen wie Eisen und
Nickel, der zwei bis drei Erdmassen haben könnte, ist der Theorie zufolge
von einem zweiten Kern umgeben, der aus leichten, aber stark komprimierten
Stoffen wie Wasser, Ammoniak und Methan besteht. Diese Zone dürfte neun
bis zehn Erdmassen entsprechen und bis zur 28 000 km-Grenze des Gesamtdurchmessers hinausreichen. Darüber befindet sich, so wird angenommen, eine
viele Tausend Kilometer dicke Schicht aus flüssig-metallischem Wasserstoff d.h. unter hohem Druck stehendem Wasserstoff in atomarer Form, der
Elektrizität leitet. Er könnte die Quelle des Magnetfeldes sein. Diese
Zone wiederum ist umgeben von einer Schicht "normalen" flüssigen Wasserstoffs, wie er beispielsweise im Laboratorium benutzt wird, Darüber liegt
die Gashülle mit Wasser, Methan, Ammoniak, Wasserstoff und Helium, Im
Vergleich zur Erde ein enorm großer Körper, hat Saturn eine mittlere
Dichte von nur einem Achtel des für die Erde ermittelten Wertes, Seine
Gravitationskraft entspricht, ungefähr jener unseres Planeten.

- Komplexes Ringsystem Auf Fotos, die PIONIER 11 übermittelte, wurden mehr Ringe entdeckt,
als von der Erde aus zu beobachten sind. Am auffälligsten ist der sogenannte
E-F-F-Ring. Er erscheint auf den PIONIER-Aufnahmen als dünnes Gebilde
unmittelbar außerhalb des äußersten, von der Erde aus sichtbaren Ringes.
Er ist mehr als 2 000 km breit, und an ihn schließt sich nach außen hin
ein bis 5 000 km breiter, noch "durchsichtigerer" Ring an. Schon weit

- 3 -

�weit draußen, in ca. 500 000 km Abstand von der Obergrenze der Wolkenhülle, stieß PIONIER 11 auf einen bis dahin unbekannten Saturnring.
Es ist noch nicht lange her, daß man annahm, der Saturn sei der
einzige Ringplanet in unserem Sonnensystem.

Neue Entdeckungen zeigten aber,

daß auch die Planeten Jupiter und Uranus Ringe besitzen.

Nach Meinung

von NASA-Wissenschaftlern ist deren Zustandekommen noch ebenso rätselhaft
wie das der Saturnringe, obgleich man es mit verschiedenen Theorien zu
erklären versucht.
Galilei entdeckte als erster, daß Saturn anders beschaffen ist als
die übrigen Planeten.

Im Jahr 1610 sah er mit seinem primitiven Fern-

rohr eine große und zwei kleine Kugeln, die langsam ihr Aussehen zu
verändern schienen.

Erst ein halbes Jahrhundert später erkannte Huygens

mit einem stärkeren Instrument, daß es sich bei Galileis "Kugeln" um
einen flachen, vom Planetenkörper getrennten Ring handeln müsse.

Noch

im gleichen Jahrhundert stellte Gassini eine Zweiteilung des als ein festes,
starres Gebilde erscheinenden Ringes fest.

Und in der Folgezeit traten bei

der Saturn-Beobachtung mit ständig weiter verbesserten Instrumenten immer
mehr Unterteilungen in Ringe unterschiedlicher Reflexionsfähigkeit und wie durch PIONIER 11 "vor Ort" ermittelt - auch unterschiedlicher Lichtdurchlässigkeit, Dicke und Materiemasse in Erscheinung.

- Monde Von den bis zum PIONIER-Besuch bekannten zehn Trabanten (seitdem
wurden drei weitere entdeckt) wurde der Saturnmond Titan besonders unter
die Lupe genommen; die Sonde passierte ihn in knapp 360 000 km Abstand.
Titan ist nicht nur der größte Saturn-Mond, sondern auch der größte
bekannte Satellit im Sonnensystem.

Er übertrifft den Planeten Merkur

und erreicht fast die Ausmaße des Mars.

Er besitzt, wie seit längerem

�längerem bekannt, eine dichte Methan-Atmosphäre.

Der atmosphärische

Druck dürfte jenem der irdischen Lufthülle vergleichbar sein.

So wurden

auch Vermutungen angestellt, ob es auf der Titanoberfläche organische
Moleküle geben könnte und alles in allem Bedingungen herrschten, die
möglicherweise sogar eine Entwicklung von Leben zuließen.
nicht dafür ausgerüstet, nach Leben zu suchen.

PIONIER 11 war

Die Sonde meldete als

Globaltemperatur 75 Grad Kelvin - das sind minus 198 Grad Celsius, ein
Wert, der wahrscheinlich nicht auf eine lebensfreundliche Umwelt schließen
läßt.

Allerdings war es nicht möglich, den Unterschied zwischen Tag- und

Nachttemperaturen zu ermitteln.
Näheres hoffen die Wissenschaftler in Kürze durch VOYAGER 1 zu
erfahren. Die Sonde, die schon seit dem 22. August 1980 Aufnahmen vom
Saturn zur Erde übermittelt, wird sich Titan bis auf 5 000 km nähern.
Ihre Fotos haben ein weitaus höheres Auflösungsvermögen als die von
PIONIER 11. So bekam sie beispielsweise auf einer aus 106 Millionen km
Abstand am 24. August gemachten Aufnahme das Ringsystem mit gut erkennbarer
Struktur und die Monde Enceladus, Dione und Thetys aufs Bild. Während
der Nahbeobachtung von Titan durch VOYAGER 1 wird übrigens auch eine
gründliche Untersuchung von dessen Atmosphäre möglich sein.
Gemeinsam mit der Zwillingssonde VOYAGER 2, die im Juli 1979 den
Jupiter passierte und sich ebenfalls auf Kurs zum Saturn befindet, liefert
VOYAGER 1 seit Jahresbeginn u.a. Meßdaten, die inzwischen eine Korrektur
der bei Saturn angenommenen Rotationsdauer von 10 Stunden 14 Minuten pro
Umdrehung auf 10 Stunden 40 Minuten notwendig machten. Für VOYAGER 1
beginnt die Nahbeobachtungsphase am 11. November, einen Tag vor der
größten Annäherung an den Planeten und seinen Mond Titan. Erst am
15. Dezember 1980 stellt die Sonde ihre Messungen und Aufnahmen ein, um
dann, wie schon PIONIER 11, einen Kurs einzuschlagen, der aus dem Sonnensystem hinausführt.
Im

- 5 -

�Im August 1981 wird VOYAGER 2 am Saturn zu Nachbeobachtungen eintreffen. Nach ihrem Rendezvous mit dem Ringplaneten wird die Sonde zum
Planeten Uranus weiterziehen, ein Ziel, das sie im Januar 1986 erreicht.
Und wenn alles gut geht, ist im September 1989 sogar eine Beobachtung
des Planeten Neptun zu erwarten - allerdings aus relativ großem Abstand»
Mit Ausnahme von Pluto, dem äußersten bekannten Planeten unseres Sonnensystems, hätten dann Instrumentensonden alle unsere nahen und fernen
Nachbarn inspiziert.

+ + + + +

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. Oktober 1980

46

INHALT

DOKUMENTATION
Christopher erläutert Prinzipien für US-Politik im
irakisch-iranischen Konflikt
- Wortlaut der Ansprache vor UPI-Redakteuren -

HINTERGRUNDMATERIAL
Auf der Suche nach tragfähigen Begrenzungen bei den nuklearen
Mittel Streckensystemen großer Reichweite
- Von USICA-Korrespondent Russell E. Dybvik Energie in neuer Sicht
- Ein weltweites Phänomen Von Charles Duncan, US-Energieminister

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Förderprogramm für Fusionsenergie

Um Übet/endung von
ßelegcHcmplarcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

46

15. Oktober 1980

CHRISTOPHER ERLÄUTERT PRINZIPIEN FÜR US-POLITIK
IM IRAKISCH-IRANISCHEN KONFLIKT
- Wortlaut der Ansprache vor UPI-Redakteuren -

BOSTON - (AD) - Der stellvertretende amerikanische Außenminister Warren
Christopher hat am 7. Oktober 1980 die Prinzipien aufgezeigt, die die Politik
der Vereinigten Staaten hinsichtlich des Konfliktes im Persischen Golf bestimmen. Gleichzeitig gab er in seiner Rede vor Redakteuren der amerikanischen
Nachrichtenagentur United Press International (UPI) einen überblick über die
Hintergründe des Krieges zwischen dem Irak und dem Iran.
Die Ansprache Christophers hat folgenden Wortlaut:
Der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak ist in seine dritte Woche eingetreten. Ich bin dankbar für die Gelegenheit, vor Ihnen unsere Ansichten
zu diesem Konflikt darlegen zu können.
Lassen Sie mich mit einigen zentralen Feststellungen beginnen.

Für

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Für uns stehen im Gebiet des Persischen Golfes lebenswichtige Interessen auf dem Spiel, und wie Präsident Carter dies klargemacht hat, werden
wir sie verteidigen.

Viele unserer Verbündeten und Freunde sind gegenüber

Störungen in diesem Raum noch verwundbarer als wir - und ihr Wohlergehen ist
auch für uns von lebenswichtiger Bedeutung.
Zusammen mit anderen Ländern verfügen wir über beträchtliche militärische
Stärke in jenem Gebiet.

Unser Ziel ist es, unsere lebenswichtigen Interessen

zu verteidigen, sollten sie angegriffen werden.

Es ist nicht unser Ziel, die

Angelegenheiten irgendeines Landes in dieser Region zu beherrschen, sondern
dazu beizutragen, daß die Unabhängigkeit dieser Länder gestärkt und gefestigt
wi rd.
Unser Streitfall mit dem Iran bezüglich des Festhaltens unserer Diplomaten ist für keinen Amerikaner ein Grund, diesen Krieg etwa willkommen zu
heißen.

Wir machen die Regierung des Iran auch weiterhin verantwortlich für

die Sicherheit der Geiseln.
ihre Freilassung.

Völkerrecht und allgemeiner Anstand erfordern

Die Geiselfrage macht den Frieden umso dringlicher.

Lassen Sie mich als letzte einleitende Feststellung darauf hinweisen,
daß wir alle in dieser Krise die Bestätigung dafür finden sollten, wie klug
die Politik des Präsidenten zur Förderung der einheimischen Energieproduktion
und zur Verminderung des ölverbrauches war. Wir haben echte Fortschritte in
der einen wie der anderen Hinsicht gemacht. Wir müssen noch weitere Fortschritte erzielen.
Nachdem ich Ihnen diese Gedanken als Auftakt dargelegt habe, lassen Sie
mich kurz zusammenfassen, was wir als die Quellen des Konfliktes ansehen,
und danach möchte ich Ihnen unsere Ansichten und Interessen ausführlicher darlegen.
Wie Sie wissen, begannen die gegenwärtigen Kampfhandlungen am 22. September.
Ihnen

�Ihnen gingen mehrere Monate wachsender Feindseligkeit und Grenzzwischenfälle voraus. Mitte des vorigen Monats besetzten irakische Truppen zwei
kleine Gebietsstreifen im mittleren Teil der irakisch-iranischen Grenze.
Irak behauptet, daß dieses Gebiet gemäß des Vertrages mit Iran aus dem Jahre
1975 wieder eingegliedert werden müsse.
Nach dem irakischen Angriff eskalierten die Kampfhandlungen, und am 17.
September reagierte der Irak, indem er den Vertrag von 1975 mit dem Iran aufkündigte und die gesamte Wasserstraße von Schatt-el-Arab beanspruchte.
Seit dem 22. September sind die irakischen Landstreitkräfte eine beträchtliche Strecke in den Iran einmarschiert. Jede Seite hat Luftangriffe
weit in das Gebiet des anderen unternommen. Beide Hauptstädte wurden bombardiert, Bagdad und Teheran, aber auch andere Städte. Die ölanlagen beider
Länder wurden beschädigt. Es gab beträchtliche Opfer unter der Zivilbevölkerung.
Die Intensität und das Ausmaß der Kämpfe hat wohl mit großer Sicherheit
all das Libertroffen, was von den Beteiligten erwartet worden war.
Wir haben also wieder einmal gesehen, wie leicht ein Krieg ausbrechen
kann, und wie schwer es ist, ihn einzudämmen und zu beenden.
Wenn auch die Flammen erst kürzlich aufgelodert sind, so hat dieser
Konflikt doch schon seit vielen Jahren geschwelt.
- Der Iran und der Irak haben sich seit langem über die Festlegung ihrer
gemeinsamen Grenze gestritten, insbesondere in der Nähe des Persischen Golfes,
im Gebiet des Schatt-el-Arab - des Deltas zwischen dem Tigris und dem Euphrat.
Das Gebiet, um das man sich streitet, ist nicht groß.

Aber es hat mächtige

Emotionen und ständige Angriffe von beiden Seiten hervorgerufen.
- Dreimal

�- Dreimal in diesem Jahrhundert ist versucht worden, die Grenzfrage
zu regeln. Zum letztenmal wurde 1975 in dem Abkommen von Algier die Grenze
in der Mitte des Flusses, und zwar für die gesamte Länge des Schatt, festgelegt.

Bis zu einem gewissen Ausmaß reflektierte ein jedes dieser Abkommen

die relative Macht der jeweiligen Parteien zu jenem Zeitpunkt.

Die Geschichte

dieses Streitfalles lehrt uns also folgende Lektion: Wenn eine Regelung Bestand haben soll, dann kann sie sich nicht nur auf eine veränderliche Machtgleichung stützen, sondern sie muß eine unveränderliche Realität widerspiegeln - das beiderseitige Interesse der beteiligten Parteien an ihrer eigenen
Sicherheit und Stabilität in diesem Raum.
- Dieser territoriale Streitfall wurde noch durch religiöse und kulturelle Meinungsverschiedenheiten verschärft.

So hat der Iran beispiels-

weise sich mit Appellen an gewisse Elemente der irakischen Bevölkerung gewandt.

Bagdad betrachtet dies als eine Einmischung in seine inneren Ange-

legenheiten

- aber der Irak hat ebenfalls versucht, die Autorität der Re-

gierung in Teheran zu unterminieren.

Auf beiden Seiten wurde die propa-

gandistische Auseinandersetzung in zunehmendem Maße schärfer.
- Die beiden streitenden Parteien sehen sich vielleicht auch in einen
weitergehenden Konkurrenzkampf hineingezogen.

Im Laufe der Zeit hat jede

Seite Anerkennungsansprüche als eine hauptsächliche Einflußquelle in diesem
Gebiet geltend gemacht.
- Und schließlich werden die Auswirkungen dieses Konfliktes noch durch
den Ort der Feindseligkeit gravierender.

Im Mittelpunkt der Kampfhandlungen

befindet sich die wichtige iranische ölprovinz Khusistan.

Irak behauptet,

daß der Erwerb dieser Provinz nicht sein Ziel sei. Aber das gesamte Gebiet
und seine wichtigsten Städte werden von irakischen Streitkräften angegriffen.
Wenn sie dieses Gebiet einnehmen und versuchen, es zu halten, dann wäre die
Natur dieses Konfliktes von Grund auf geändert, und die Gefahr hätte sich
auf dramatische Weise vergrößert.
Dies

�Dies also sind einige der Kräfte und Bestrebungen, die sich uns gegenwärtig zeigen. Was sind nun die Ziele der Vereinigten Staaten?
Wir haben zwei Hauptziele.
Das erste ist der Frieden.
Die Vereinigten Staaten haben in diesem Krieg keine Partei ergriffen,
und wir werden dies auch nicht tun. Aber die Tatsache, daß wir keine Partei
ergreifen, ist kein Signal von Indiferenz. Wir sind besorgt über das menschliche Leiden. Wir sind besorgt über den ungeheuren physischen Schaden.

Wir

sind besorgt über die Angliederung von Territorium auf gewaltsamem Wege. Und
wir sind besorgt über die weiteren Auswirkungen.
Deshalb haben die Vereinigten Staaten mit allem Nachdruck die Bemühungen
internationaler Institutionen unterstützt, diesen Streitfall vom Schlachtfeld an den Verhandlungstisch zu bringen, und zwar so schnell, wie das möglich
ist.
Und wir werden auch weiterhin mit Nachdruck darauf drängen, daß alle
äußeren Mächte sich Zurückhaltung auferlegen.
einstehen.

Alle sollten für den Frieden

Alle müssen die grundlegende nationale Integrität der betroffenen

Länder, sowohl des Irak als auch des Iran respektieren.
Wir erwarten von der Sowjetunion, daß sie Selbstdisziplin übt.
Die sowjetischen Medien haben, ohne die geringste faktische Grundlage
zu haben, behauptet, daß die Vereinigten Staaten in diesem Konflikt Partei
ergriffen hätten.

Solche falschen Darstellungen können nur zu einer Aufhei-

zung einer Situation beitragen, die Gefahren für Ost und West gleichermaßen
in sich birgt.

Sie reflektiert in keiner Weise das Ausmaß an Verantwortung,

das von einer Großmacht erwartet werden muß.
Gleichzeitig

�Gleichzeitig haben die Sowjets sich den auf einen Frieden gerichteten
Anstrengungen des Sicherheitsrates angeschlossen.
meinen vorsichtig verhalten.

Sie haben sich im allge-

So wie wir das gegenwärtig sehen, tritt die

Sowjetunion wie die Vereinigten Staaten für eine baldige Beendigung des Krieges ein.

Sie sollte auf diesem Kurs fortfahren.

Es liegt in unserem beider-

seitigen Interesse, sicherzustellen, daß ein begrenzter Konflikt keine Supermacht-Dimension annimmt.
Unser zweites weitreichendes Ziel besteht darin, eine Ausbreitung dieses
Konfliktes zu verhindern.

Es ist unser Ziel, zusammen mit anderen sicherzu-

stellen, daß dieser Konflikt weder den Frieden in diesem Gebiet noch die Weltwirtschaft zerstört.
Die anderen Staaten der Golfregion und der Arabischen Halbinsel haben
allen Grund, tief besorgt zu sein.

Sie verdienen unsere Hilfe - wenn sie

darum ersuchen - bei der Abschreckung der Möglichkeit eines unprovozierten
Angriffes.
Deshalb hat Präsident Carter unverzüglich auf das Ersuchen reagiert,
amerikanische Frühwarn- und Kontrollflugzeuge (AWACS) nach Saudi-Arabien zu
entsenden.
Diese Flugzeuge bedrohen niemanden.

Ihre Zielsetzung in Saudi-Arabien

ist rein defensiver Natur - nämlich eine ausreichende Vorwarnzeit zu gewährleisten und die Saudis bei ihren eigenen Verteidigungsanstrengungen zu unterstützen, wenn dafür die Notwendigkeit besteht.

Ihre Anwesenheit hat in kei-

ner Weise unsere Neutralität im gegenwärtigen Konflikt verändert.
Wir möchten ferner, daß der Konflikt den ölfluß nicht gefährdet. In
diesem Zusammenhang erkennen wir die konstruktive Rolle an, die Saudi-Arabien
sowie eine Anzahl anderer ölfördernder Länder ergriffen haben, um die weltweite Ölversorgung bei anhaltendem Konflikt aufrechtzuerhalten.
Diese

�Diese lebenswichtige Ölversorgung hängt nicht nur von der Bereitschaft
der Lieferstaaten ab, sondern auch von der Sicherheit der Schiffahrt.

Die

jüngsten Entwicklungen haben uns sowie anderen Ländern die Wichtigkeit der
Freiheit der Schiffahrt in der Straße von Hormuz vor Augen geführt - ein Nadelöhr für den Fluß des üls in so viele Teile der industrialisierten Welt als
auch der Entwicklungsländer.
Der Iran hat kürzlich erklärt, daß er nicht die Absicht habe, den Verkehr durch diese Straße zu behindern.

Dies war ein positiver Schritt. Wich-

tigen Interessen aller Länder, einschließlich des Irak und des Iran, wird
durch die freie Schiffahrt im Persischen Golf gedient.
Unsere Absichten hinsichtlich des Konfliktes im Persischen Golf sind
also klar.

Lassen Sie mich zusammenfassen:

Erstens, die Vereinigten Staaten verhalten sich im Konflikt zwischen
dem Iran und dem Irak neutral. Wir werden auf keiner der beiden Seiten intervenieren.
Zweitens, wir erwarten von der Sowjetunion, daß sie Zurückhaltung übt.
Drittens, Neutralität in diesem Konflikt bedeutet jedoch nicht amerikanische Indifferenz. Wir werden unsere lebenswichtigen Interessen im Gebiet
des Persischen Golfes verteidigen.

Insbesondere:

- Es darf keine Einmischung in den freien Verkehr in der Straße von
Hormuz und im Persischen Golf geben. Wir werden tun, was erforderlich ist,
um eine solche Einmischung zu verhindern.
- Um zu verhindern, daß sich der Konflikt in einer Weise ausdehnt, die
die Sicherheit dieses Gebietes gefährdet, werden wir auf Unterstützungsersuchen von Seiten nichtkriegführender Freunde in diesem Gebiet reagieren,
die sich durch diesen Konflikt bedroht fühlen.
Und
- 7 -

�Und viertens, dieser Konflikt muß bald beendet werden. Keiner wird aus
seiner Fortsetzung Gewinn ziehen. Wir werden die Bemühungen internationaler
Institutionen unterstützen, eine friedliche Regelung zustandezubringen.
Diese vier Prinzipien sind heute für unsere Handlungen richtungweisend.
Dies wird auch in Zukunft so sein. Denn diese Prinzipien stützen sich auf
ein Bild von diesem Gebiet - das jetzt so unbeständig ist - in dem jeder Staat
die Rechte seines Nachbarn respektiert und keiner einem Druck von außerhalb
seiner Grenzen ausgesetzt ist. Auf solchen Prinzipien kann ein dauerhafter
Friede aufgebaut werden.

+ + + + +

�15. Oktober 1980

46

AUF DER SUCHE NACH TRAGFÄHIGEN BEGRENZUNGEN
BEI DEN NUKLEAREN MITTELSTRECKENSYSTEMEN GROSSER REICHWEITE
- Von USICA-Korrespondent Russell E. Dybvik -

WASHINGTON - (AD) - Hochrangige Experten der Außen- und Verteidigungspolitik in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wollen in dieser
Woche in Genf mit Gesprächen beginnen, die darauf abzielen, den Bereich
für künftige Verhandlungen über die Begrenzung weitreichender, bodengestützter nuklearer Mittel Streckensysteme in Europa abzustecken.
Es handelt sich hierbei um einen vorbereitenden Gedankenaustausch,
der einige Wochen dauern dürfte. Die eigentlichen Verhandlungen werden im
Rahmen von SALT III geführt werden - einer neuen Verhandlungsrunde über
die Begrenzung strategischer Waffen zwischen den beiden Supermächten.
Im Dezember vorigen Jahres einigten sich die Außen- und Verteidigungsminister der NATO auf ein Programm zur Modernisierung der Nuklearen Mittelstreckensysteme großer Reichweite (LRTNF) - ein Schritt, dem sie angesichts
der alarmierenden und gewaltigen Zunahme der LRTNF-Kapazität der Sowjetunion
entscheidende Bedeutung beimassen.

Gleichzeitig setzten sich die NATO-

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Telex: 08-85432

�NATO-Minister für Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion ein, um die LRTNF-Systeme beider Seiten zu begrenzen.
In ihrem Kommunique stellen die Minister des Bündnisses fest, daß
sie der Rüstungskontrolle "große Bedeutung" beimessen. In dem Kommunique
heißt es unter anderem: "Die Minister betrachten die Rüstungskontrolle
als integralen Bestandteil der Bemühungen des Bündnisses, die unverminderte
Sicherheit seiner Mitgliedstaaten zu gewährleisten und die strategische Lage
zwischen Ost und West auf einem beiderseits niedrigeren Rüstungsniveau
stabiler, vorhersehbarer und beherrschbarer zu gestalten,,"
Weniger als eine Woche nach dem Treffen der NATO-Minister schlugen
die Vereinigten Staaten in aller Form vorbereitende Gespräche mit der
Sowjetunion über die Begrenzung der LRTNF-Systeme ohne Vorbedingungen und
ohne Verzögerung vor.

Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag jedoch zurück

und verlangten stattdessen von der NATO, ihre Entscheidung über die
Modernisierung der Mittel Streckensysteme des Bündnisses rückgängig zu
machen oder formell deren Durchführung auszusetzen.

Erst im Juli ließ die

Sowjetunion ihre Vorbedingungen fallen.
Trotz der in jüngster Zeit frostigen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion - vornehmlich wegen der sowjetischen Invasion
Afghanistans - bleibt die Regierung Carter auch weiterhin der Rüstungskontrolle
und hier vor allem der Begrenzung der strategischen Waffen als im Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten liegend verpflichtet.
Vor kurzem erklärte Präsident Carter in einer Rede vor dem Rat für
Weltpolitik (World Affairs Council) in Philadelphia, daß das SALT II-Abkommen "eine große Leistung" seiner Regierung sei und er dessen Ratifizierung
zum frühestmöglichen Zeitpunkt anstrebe»
Der

- 2 -

�Der Präsident sagte: "Aber auch der Zeitpunkt rückt rasch näher, an
dem wir über SALT II hinausdenken müssen - um weitere, umfassendere Abkommen auszuhandeln, die sowohl neue Kategorien strategischer Waffen als
auch Waffen von geringerer als interkontinentaler Reichweite betreffen«
Wenn die achtziger Jahre nicht zu einem Jahrzehnt der Gewalt werden sollen,
dann müssen wir erneute Anstrengungen machen, um das Wettrüsten zu stabilisieren
und den Bereich der Rüstungskontrollabkommen zu erweitern»"
Die Sondierungsgespräche über die LRTNF-Systeme in Genf haben dieses
Ziel - beiderseitige Begrenzungen der amerikanischen und sowjetischen
LRTNF-Systeme auf niedrigerem Rüstungsniveau beider Seiten und auf der
Grundlage des Prinzips der Gleichheit,, Parallel hierzu werden die NATOVerbündeten ihr LRTNF-Modernisierungsprogramm vorantreiben, wobei sie
einräumen, daß das Programm im Lichte konkreter Ergebnisse angepaßt werden
kann, die durch Verhandlungen erreicht werden*
Eurostrategische Kernwaffen sind für Europa nichts neues. Diese
Art von Systemen geht noch auf die fünfziger Jahre zurück, als die in den
Vereinigten Staaten hergestellten Raketen mittlerer Reichweite THOR und
JUPITER in Großbritannien, Italien und in der Türkei disloziert wurden.
Diese Waffen hatten die Leistungsfähigkeit, Ziele in der Sowjetunion zu
treffen.

Schließlich wurden sie als überflüssig ausgemustert, als die

Vereinigten Staaten strategische Systeme dislozierten, die auf Ziele in
der Sowjetunion gerichtet waren.
Während bestimmte amerikanische Systeme, die der NATO zur Verfügung
gestellt wurden - wie Flugzeugraketen und seegestützte Raketen -, sowjetische
Ziele erreichen können, hat keines davon die gleiche Abschreckungskapazität
wie bodengestützte Raketen,
Derzeit sind viele der bodengestützten TNF-Waffen, die von den
Vereinigten Staaten in Westeuropa disloziert sind, nur zur Verwendung auf

- 3 -

�auf dem Gefechtsfeld, nicht aber für Ziele in der Sowjetunion, entwickelt
worden.
Auf der anderen Seite jedoch fand in den letzten Jahren eine starke
Ausweitung der sowjetischen LRTNF-Kapazität statt.

Seit 1974 begannen

die Sowjets mit der Dislozierung des BACKFIRE-Bombers, der Kernwaffen in
Ziele überall in Europa tragen kann«
Und 1977 begannen die Sowjets mit der Dislozierung ihrer SS-20-Raketen einer modernen, treffsicheren und mobilen Rakete, die mit drei unabhängig
voneinander zielgeplanten Gefechtsköpfen ausgerüstet ist, die aus der
Sowjetunion heraus jeden Ort in Westeuropa erreichen können.
Die sowjetische LRTNF-Aufrüstung in den letzten Jahren - die sich in
der Dislozierung dieser beiden LRTNF-Systeme manifestiert - hat die
nukleare Stabilität in Europa untergraben» Führende Rüitiker in Europa wie
auch amerikanische Regierungsstellen sind übereinstimmend der Meinung, daß
es sich bei der SS-20 wahrscheinlich um das besorgniserregendste Waffensystem handelt, das derzeit in Europa disloziert ist.
So stellte zum Beispiel Bundeskanzler Helmut Schmidt auf einer
Konferenz des Internationalen Instituts für Strategische Studien im
Oktober 1977 fest, daß die auf dem strategischen Niveau zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten erzielte Parität die Bedeutung
der Disparitäten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt sowohl bei
konventionellen als auch bei TNF-Waffen nur noch vergrößert habe, Schmidt
drängte auf Anstrengungen, das militärische Gleichgewicht in Europa wiederherzustellen und setzte sich für eine erneute Verpflichtung zu Verhandlungen
ein, um ein solches zu erreichen.
Seit den fünfziger Jahren fühlte sich Westeuropa unter dem Schirm
der strategischen Kernwaffen der Vereinigten Staaten verhältnismäßig sicher.

- 4 -

�sicher. Aber die Dislozierung des BACKFIRE-Bombers und der SS-20 durch
die Sowjetunion - ohne entsprechende Dislozierungen bei der NATO - hat
die Gefahr einer - wenn auch falschen - sowjetischen Kalkulation heraufbeschworen, daß die Sowjets Europa mit in der UdSSR stationierten Waffen
angreifen könnten, ohne daß die NATO in der Lage wäre, angemessen zu
reagieren.
Während der sowjetische BACKFIRE und die SS-20 Ziele überall in
Westeuropa angreifen könnten, haben die NATO-Verbündeten derzeit keine
bodengestützten TNF-Waffen, die Ziele in der westlichen Sowjetunion
erreichen würden.
Im Rahmen des LRTNF-Modernisierungsprogramms, das vorigen Dezember
angenommen wurde, werden 108 PERSHING-Raketen mit je einem Gefechtskopf,
die die Vereinigten Staaten derzeit in der Bundesrepublik disloziert
haben, durch die gleiche Anzahl von PERSHING-II-Raketen ersetzt«

Das neue

Modell wird ebenfalls nur einen einzigen Gefechtskopf tragen, jedoch wird
seine Reichweite etwa 1 000 Seemeilen betragen, im Vergleich zu einem
Maximum von 400 Seemeilen bei der existierenden Rakete.

Zudem wird sie

eine viel größere Treffgenauigkeit haben.
Zusätzlich zum Austausch der PERSHING-Raketen entschlossen sich
die Verbündeten im vorigen Dezember einstimmig, im Jahr 1983 mit der
Dislozierung von insgesamt 464 amerikanischen bodengestützten Marschflugkörpern (Ground Launched Cruise Missiles - GLCM) in fünf westeuropäischen
Ländern zu beginnen - in Großbritannien, Italien, der Bundesrepublik,
Belgien und den Niederlanden.

Die Durchführung dieser Entscheidung des

Bündnisses geht derzeit in Großbritannien, Italien, und in der Bundesrepublik
voran.

Das Bündnis erwartet eine weitere Klärung der belgischen Position

in Einklang mit der Verpflichtung Belgiens gegenüber der Entscheidung vom
Dezember.

Die Niederlande haben angedeutet, daß sie beabsichtigen, über

die Stationierung der GLCM bis Ende 1981 zu entscheiden.
Der
- 5 -

�Der Marschflugkörper ist ein Flugkörper

mit Luftstrahlantrieb,

der in niedriger Höhe Ziele anfliegt, die bis zu 1 500 Meilen entfernt
liegen.

Er ist mit einem Lenksystem ausgerüstet, das ein hohes Maß an

Treffsicherheit ermöglicht.
Amerikanische Regierungsstellen haben wiederholt betont, daß die
Gespräche in Genf einen einleitenden Gedankenaustausch darstellen, der
zu Verhandlungen über die LRTNF-Systeme im Kontext von SALT III führen
soll.
"Wir sind nunmehr zu ernsthaften und substantiellen Gesprächen bereit",
sagte ein höherer amerikanisier Regierungsvertreter kürzlich«

"Wenn

SALT III morgen beginnen würde, dann würden wir in diese Verhandlungen
auf die gleiche Weise eintreten, wie wir das bei diesem Meinungsaustausch
tun, das heißt, wir würden zunächst versuchen, die kritische Frage in den
Griff zu bekommen, welche Systeme begrenzt werden sollten."
In ihrem gemeinsamen Kommunique im vorigen Dezember erklärten die
Außen- und Verteidigungsminister der NATO:

"Das unmittelbare Ziel dieser

Verhandlungen soll die Vereinbarung von Begrenzungen für amerikanische und
sowjetische landgestützte LRTNF-Raketensysteme sein...
Die Minister haben sich zu diesen beiden parallel laufenden und
komplementären Vorgehensweisen entschlossen, um einen durch den sowjetischen
TNF-Aufwuchs verursachten Rüstungswettlauf in Europa abzuwenden, dabei
jedoch die Funktionsfähigkeit der Abschreckungs- und Verteidigungsstrategie
der NATO weiterhin zu erhalten und damit die Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten weiterhin zu gewährleisten...
Erfolgreiche Rüstungskontrolle, die den sowjetischen Aufwuchs
begrenzt, kann die Sicherheit des Bündnisses stärken, den Umfang des TNFBedarfs der NATO beeinflussen und im Einklang mit der grundlegenden NAT0-

- 6 -

�NATO-Politik von Abschreckung, Verteidigung und Entspannung - wie sie
im Harmel-Bericht niedergelegt wurde - Stabilität und Entspannung in
Europa fördern.

Der TNF-Bedarf der NATO wird im Licht konkreter Ver-

handlungsergebnisse geprüft werden«"
Derzeit ist die offizielle sowjetische Einstellung zu den Sondierungsgesprächen über die LRTNF-Begrenzung in Genf noch nicht bekannt. Aber
amerikanische Regierungsstellen betonen, daß es beiden Seiten freisteht,
ohne jede Vorbedingung all die gewünschten Vorschläge zu unterbreiten.
Die Genfer Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR
haben die Unterstützung der NATO-Verbündeten, und die Vereinigten Staaten
haben sich zu umfassenden und rechtzeitigen Konsultationen mit ihren
Verbündeten verpflichtet,,
Zu diesem Zweck wurde bereits innerhalb der NATO eine spezielle
Konsultativgruppe eingerichtet, welche regelmäßig zur Erörterung von
Problemen zusammentritt, die erwartungsgemäß im Verlauf der vorbereitenden
Gespräche auftreten werden.
Kein Zweifel sollte hinsichtlich der Entschlossenheit des Bündnisses
bestehen, dem zunehmenden Ungleichgewicht bei den LRTNF-Systemen durch die
Dislozierung neuer amerikanischer TNF-Systeme zu begegnen.
"Wahre Sicherheit im Atomzeitalter verlangt Maßnahmen, die das Risiko
eines Kriegsausbruches vermindern," sagte Außenminister Edmund Muskie im
vorigen Monat vor dem Rat für weltpolitische Fragen in Pittsburgh: "Es ist
das Mandat der Rüstungskontrolle - im Zusammenwirken mitäner starken
Verteidigung -, zu einem stabilen Gleichgewicht beizutragen und Fehleinschätzungen durch die andere Seite zu vermeiden."

- 7 -

�15. Oktober 1980

46

ENERGIE IN NEUER SICHT
- Ein weltweites Phänomen Von Charles Duncan, US-Energieminister

WASHINGTON - (AD) - Wir haben eine weltweite Revolution in Gang gesetzt,
die jede Nation auf diesem Planeten berührt.

Wir alle auf dieser Erde haben

begonnen, Energie mit anderen Augen zu sehen - wir befassen uns damit, wie
sie produziert, genutzt, eingespart und vergeudet wird.

Und wie bei allen

wichtigen Veränderungen in diesem Jahrhundert können die in einem Land erzielten Fortschritte einem anderen Land helfen.

Und von dem Fortschritt,

den wir gemeinsam machen, profitieren wir alle.
In den letzten paar Jahren sind die Vereinigten Staaten rasch vorangeschritten.

Aus einer Periode der Energiekrise sind wir zu einer Periode des

Energieaufbaus gelangt.

Wir arbeiten an einem starken, vielseitigen Energie-

programm, um dem elementaren Bedarf unserer Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten gerecht zu werden.

Wir müssen einen langen Weg gehen.

uns in einer 20jährigen Umstellungsperiode.
gabe ist klar.

Wir befinden

Aber die vor uns liegende Auf-

Wir und die anderen wichtigen öl Verbraucherländer müssen die

ölabhängigkeit durch Programme zur Nutzbarmachung verschiedener Energie-

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�Energieformen verringern.

Dies liegt sowohl im Interesse der öl produzieren-

den als auch der ölverbrauchenden Länder, und ganz gewiß auch im Interesse
der Entwicklungsländer.
Wir haben endlich damit begonnen, beim Energieproblem aktiv zu werden,
und wir tun dies mit immer mehr Schwung.

Nach jahrelanger Preiskontrolle,

die die Preise für Rohöl amerikanischer Herkunft beträchtlich unter den Weltmarktpreisen hielt, setzte sich Präsident Carter für die schrittweise Beendigung der Preiskontrollen für amerikanisches öl ein.

Dies geschieht jetzt.

Die Politik des Präsidenten hatte drei einschneidende Auswirkungen.

Wir ha-

ben erstens ein beispielloses Wachstum bei der Exploration und Erschließung
der Erdöl- und Erdgasvorkommen der Vereinigten Staaten erlebt.

Wir haben

zweitens dramatische Erfolge bei der Energieeinsparung in privaten Haushaltungen, in der Industrie und bei Kraftfahrzeugen gesehen.
mit Produktivität, nicht mit Entzug gleichgesetzt.

Einsparung wird

Und drittens haben wir,

was auf lange Sicht von Bedeutung ist, das wachsende und nicht nur vorübergehende Interesse der Privatwirtschaft an der Entwicklung von Alternativbrennstoffen erfahren, die früher wegen des niedrigen ölpreises kommerziell
nicht in Frage kamen.
In der ersten Oktoberwoche waren in den Vereinigten Staaten mehr Erdöl- und Erdgasbohrtürme in Betrieb als zu irgendeinem Zeitpunkt in den vorausgegangenen 32 Jahren:
Bohrtürme arbeiten.
1976.

Am 29. September 1980 wurde berichtet, daß 3138

Das waren 809 mehr als im Jahr 1979, und 1333 mehr als

Nimmt man den 19. September 1980 als Stichtag für unsere bisherigen

Erdöl-Nettoimporte in diesem Jahr, so lagen diese um 1,5 Millionen Barrel
pro Tag niedriger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, was einem Rückgang um 19,4 Prozent entspricht.

In den am 19. September zu Ende gegangenen

vier Wochen waren es 2,4 Millionen Barrel pro Tag oder 30,6 Prozent weniger.
Unser Erdölbedarf liegt in diesem Jahr um täglich 1,6 Millionen Barrel niedriger als im vergangenen Jahr - er ging also um 8,8 Prozent zurück.
Gleichermaßen

- 2 -

�Gleichermaßen wichtig ist der Trend - der Abwärtstrend - von ölimporten.
Von 1972 bis 1976 stiegen die ölimporte in die Vereinigten Staaten von 4,5
Millionen Barrel auf 7 Millionen Barrel pro Tag - eine Steigerung um 55 Prozent in nur vier Jahren.

Im Jahr 1977 lagen unsere Importe bei 8,5 Millionen

Barrel pro Tag, ein Anstieg von 88 Prozent.
und wir haben es getan.

Wir mußten diesen Trend umkehren,

Seit 1977 gehen die Importe zurück.

werden es weniger als sieben Millionen Barrel pro Tag sein.
Bevölkerung ist gewachsen.

Im Jahr 1980
Die Zahl unserer

Der gesamtwirtschaftliche Ausstoß ist gewachsen.

Aber die Importe sind zurückgegangen.

Wir beschleunigen jetzt unsere Investitionen in Alternativenergien.

Im

neuen Haushaltjahr, das am 1. Oktober begann, investieren wir etwa drei Milliarden Dollar - je eine Milliarde auf nuklearem Gebiet, auf dem Gebiet der
Kohle und auf dem Gebiet der Solartechnik.
brennstoff-Industrie auf.

Wir bauen eine ganz neue Synthese-

Die Vorbereitungen für den Bau eines Kohleverga-

sungswerks kommerzieller Größenordnung in Norddakota sind bereits im Gang.
Wir haben mit Ausschreibungen für offizielle Vorschläge zu Kreditgarantien
sowie Preis- und Abnahmevereinbarungen im Gesamtwert von fünf Milliarden
Dollar für eine Vielfalt von Synthesebrennstoffen begonnen.

Darüber hinaus

wird die jetzt im Aufbau befindliche staatliche "Synthetic Fuels Corporation"
der Privatindustrie finanzielle Anreize für die Entwicklung alternativer
Energiequellen geben, die bis jetzt kommerziell nicht attraktiv waren und
sich deshalb nicht durchsetzen konnten.

Wir erzielten Fortschritte bei der

Erdöl- und Erdgasproduktion, der Energieeinsparung und der Entwicklung von
Alternativenergie in den Vereinigten Staaten.

Wir schreiten jedoch nicht allein voran.

Dies ist ein weltweites

Problem, und wir haben die Absicht, gemeinsam mit anderen Nationen als Partnern vorwärtszukommen.
grenzen Halt.

Die Energieprobleme der Welt machen nicht an Länder-

Auch für die Lösungen dieser Probleme sind die internationalen

Grenzen durchlässig.

Es

- 3 -

�Es ist die Politik der Vereinigten Staaten in der ganzen Welt, zur
Entwicklung nationaler Energieressourcen zu ermutigen und dabei Hilfe zu
leisten.

Wir müssen zur Steigerung der Versorgung mit Energie in allen

Formen, in allen Nationen beitragen.

Wir dürfen uns nicht nur als Käufer

und Verkäufer von öl sehen, sondern als Nationen, die die Chance haben, eine
neue Energiebeziehung aufzubauen.

Ich glaube, daß die Entwicklung von Ener-

gieressourcen in jeder Nation dieser Welt sowie die Mannigfaltigkeit der
.. Nutzung solcher Ressourcen mit Technologien, die wir erst jetzt entwickeln,
eine Aufgabe ist, die jeden angeht, und die gemeinsam angepackt werden muß.
Das sind wir uns und künftigen Generationen überall in der Welt schuldig.
Die Vereinigten Staaten haben in der Internationalen Energieagentur
(IEA), einer von 21 Industrieländern gebildeten Organisation, eine aktive
Rolle zur Schaffung bindender Verpflichtungen für die Verringerung von ölimporten übernommen.

In Zusammenarbeit mit der IEA entwickelten wir auch

Maßnahmen und Mechanismen, um mit Verknappungen im Fall von Nachschubunterbrechungen fertig zu werden und Preisstabilität und einen geordneten Markt
zu fördern.

Die in der IEA zusammengeschlossenen Industrieländer haben für

1980 und 1985 bestimmte Importziele gesetzt.

Sie haben Maßstäbe geschaffen,

um den Fortschritt zur Erreichung dieser Ziele zu messen.

Eines ihrer Ziele

ist eine dramatische Reduzierung des Anteils von öl an ihrem Gesamtenergiebedarf über die nächsten zehn Jahre.
Auf der Gipfelkonferenz von Venedig, an der die sieben führenden Industrienationen der Welt teilnahmen, wurde ein ausführliches Kommunique ausgearbeitet, in dem 12 von 34 Abschnitten der Energie gewidmet waren.

Diese

Abschnitte setzen für diese Länder sehr spezifische Ziele für eine verstärkte
Nutzung von Kohle, Kernkraft, regenerierbarer Energie wie Sonnenenergie,
Wind und Wasser sowie von Synthesebrennstoffen über das kommende Jahrzehnt
fest.

Nicht minder bedeutsam ist die Erkenntnis dieser Industrieländer -

die gemeinhin als die Verbraucherländer gelten -, daß sie selbst Energieproduzenten werden müssen.

Sie kamen überein, nationale Energieprogramme zur

Verringerung der Abhängigkeit von öl einzuführen und Alternativenergien zu
entwickeln.

-,
- 4 -

�Ein bemerkenswertes Beispiel internationaler Zusammenarbeit ist die
Art und Weise, wie wir bei der Krise zwischen dem Irak und dem Iran vorgingen.

Enge Zusammenarbeit der ölverbrauchenden Industrieländer und Stabili-

sierungsbemühungen von öl produzierenden Ländern haben zusammengewirkt, um
zu verhindern, daß sich aus der Unterbrechung der ölzufuhr in einem Teil der
Welt eine Epidemie in anderen Regionen entwickelte.
Derartige Ereignisse bedeuten eine Bedrohung der Wirtschaft der Verbraucherländer, die von einer einzelnen, in einer bestimmten Weltregion konzentrierten Energiequelle so abhängig sind.

Wir müssen ganz eindeutig neue

Wege zur Zusammenarbeit auf dem Energiegebiet finden.

Was die Vereinigten

Staaten betrifft, so haben diese ein funktionsfähiges Programm für vielerlei
Energieformen entwickelt - dazu ein Programm, das mit anderen Nationen der
Welt zu teilen wir fest entschlossen sind, damit alle Nationen in das nächste
Jahrhundert mit jenem Sinn für Energiesicherheit eintreten können, die die
Basis für eine gesunde Wirtschaft sein muß.

- 5 -

�3
I 3

Wi//cn/chaft
UM} Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. Oktober 1980

46

FÜRDERPROGRAMM FÜR FUSIONSENERGIE

- (AD) - Ein Gesetz über die Entwicklung einer kommerziellen Demonstrationsanlage zur Energieerzeugung durch Atomkernverschmelzung, die
bis zum Jahr 2 000 betriebsfertig sein soll, wurde von Präsident Carter
am 7. Oktober 1980 unterzeichnet.

Der ursprünglich für das Jahr 2 015

vorgesehene Termin wird nunmehr um eineinhalb Jahrzehnte vorverlegt. Ein
wichtiger Vorläufer wird eine Testanlage sein, die 1987 den Betrieb aufnimmt.
Die gesetzliche Maßnahme ermöglicht dem US-Energieministerium die
Durchführung eines erweiterten Forschungs- und Entwicklungsprogramms auf
dem Gebiet der kontrollierten Kernfusion mit dem Schwerpunkt "Magneteinschluß des Plasmas". Zahlreiche Empfehlungen und Vorschläge, die
kürzlich eine unabhängige Wissenschaftlerkommission in einer Studie zu
den Aussichten für eine beschleunigte Entwicklung der Fusionsenergie in
den Vereinigten Staaten dem Energieministerium vorgelegt hatte, wurden in
das Programm aufgenommen.

Als

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�Als "Brennstoff" scheinen die Atome des schweren und überschweren
Wasserstoffs (Deuterium und Tritium), die im Plasmazustand mit elektrischen
und magnetischen Kräften zur Verschmelzung gezwungen werden, nach den
bisherigen Erfahrungen am besten geeignet zu sein.

Um aber ein brauchbares

Plasma, d.h. ein Gas, dessen Atome infolge der Abspaltung der Hüllenelektronen völlig ionisiert sind, überhaupt zu erhalten, muß man zunächst
einmal den Brennstoff auf Hunderttausende von Grad erhitzen.

Und erst durch

weitere Erhitzung auf zehn Millionen Grad und mehr kommt es zur Verschmelzung
einzelner Wasserstoffkerne zu Heliumkernen unter Freisetzung von sehr
energiereichen Neutronen.
Eine positive Fusionsenergie-Bilanz, d.h. die Erzeugung von wesentlich
größeren Energiemengen, als sie für den Prozeß selbst gebraucht werden, ist
wohl erst bei Temperaturen im Bereich von 100 Millionen Grad zu erwarten.
Weitere Bedingungen sind eine hohe Dichte und Stabilität des Plasmas sowie
die Gewähr, daß es nicht durch Material aus der Gefäßwandung "verschmutzt"
werden kann.

Dazu ist eine Einschließung und "Einschnürung" des Plasmas

in Magnetfelder erforderlich, die durch ihre Anordnung und Stärke verhindern,
daß Plasmateilchen die Gefäßwand überhaupt erreichen und dort Atome herausschlagen.
Es gibt bereits nach verschiedenen Prinzipien arbeitende Versuchsmaschinen - u.a. auch solche, bei denen man mit Hilfe von Laserstrahlen
die Aufheizung und thermonukleare Verschmelzung zu erreichen sucht.
Ungeachtet der bisher erzielten Erfolge sind jedoch alle Experimentieranlagen
von einem Reaktor für ein Fusionskraftwerk noch weit entfernt: Die
Einschließungszeiten im Magnetfeld sind noch immer zu kurz (der günstigste
Wert - er wurde mit einem Gerät des Max Planck-Instituts in Garching b.
München erzielt - liegt zur Zeit bei etwas mehr als drei Sekunden). Das
Plasma "bricht aus", nimmt Fremdatome auf, die ihrerseits Energie aus dem
Fusionsprozeß abziehen, und die Reaktion erlischt.

- 2 -

�Die Ergebnisse seit Mitte 1978 lassen aber, wie es im Begleittext
zu dem neuen Gesetz heißt, "die Kernfusionswissenschaftler in aller Welt
darauf vertrauen, daß die Zeit gekommen ist, wo die technische Phase der
Fusionsenergie-Entwicklung in Angriff genommen werden kann„„o

Die baldige

Demonstration der Funktionsfähigkeit magnetischer Fusionsenergie-Systeme zur
Strom- und Wärmeproduktion ..„ wird eine neue Ära der reichlichen Erzeugung
von Energie für die gesamte Menschheit einleiten.,,.. Mit den heute in Bau
befindlichen Anlagen lassen sich Bedingungen schaffen, unter denen der
Fusionsprozeß eine Energiemenge liefert, die etwa der von außen zugeflihrten
Aufheiz- und Zündungsenergie entspricht."

Dieser "break-even-point"

stellt eine wichtige Basis für die Entwicklung eines Fusionsreaktors
dar, der als Energielieferant im kommerziellen Sinne zu betrachten wäre,

- Neue Versuchsanlage in Oak Ridge -

Die Versuchsanlage EBT-P (abgekürzt aus "Elmo Bumpy Torus Proof-ofPrinciple Experiment"), mit deren Bau die Astronautikabteilung der
McDonnell Douglas Corporation in St.. Louis vom US-Energieministerium
beauftragt wurde, soll dazu beitragen, noch ungelöste physikalische und
technische Fragen im Zusammenhang mit kontrollierten thermonuklearen
Prozessen zu klären und optimale Lösungen für die schwierigen technischen
Probleme zu finden.

Als Bauzeit sind viereinhalb Jahre angesetzt, die Kosten

werden sich - je nach der letztlich gewählten Konstruktion sowie der
tatsächlichen Bauzeit - auf 70 bis 100 Millionen Dollar belaufen.

Standort

ist der "Oak Ridge Valley Industrial Park" in Oak Ridge (Tennessee),
Die kerntechnische Abteilung der Union Carbide Corporation, die im Auftrag
des US-Energieministeriums das Nationale Kernforschungszentrum Oak Ridge
betreibt, ist für

die Durchführung des Vertrages verantwortlich.

Die neue Maschine ist eine vergrößerte und leistungsstärkere Ausgabe
des seit 1973 in Oak Ridge betriebenen ersten amerikanischen EBT-Geräts.

- 3-

Bej

�Bei diesem Typ werden zwei bis drei Dutzend gerade Kammern verwendet, die
ringförmig angeordnet und durch Magnetspulen getrennt sind.
gibt dem Gerät das höckerige Aussehen ("bumpiness").

Diese Anordnung

Sie verbessert die

Möglichkeiten, mit den von den Spulen erzeugten Magnetfeldern das Plasma
einzuschließen.

Im Gegensatz zum EBT-Gerät hat beispielsweise eine

Tokamak-Maschine, deren Arbeitsprinzip in allen großen Laboratorien angewandt
wird, als Reaktionskammer einen Torus, d.h. ein ringförmiges Rohr. Zwei
Magnetfelder sind für die Plasma-Einschließung erforderlich.

Das eine

wird von einer um den Torus geführten Magnetspule erzeugt, das zweite ergibt
sich durch das Plasma selbst, das als elektrischer Strom im Torus läuft.
Beim EBT-Gerät wurden die Vorteile des Tokamak-Systems mit jenen des
Magnetspiegel Systems kombiniert, um statt einer gepulsten Energieabgabe
einen kontinuierlichen Betrieb zu ermöglichen.

Dieser ist nach wirtschaftlichen

wie technischen Gesichtspunkten vorteilhafter.

Die Wissenschaftler hoffen,

auf diese Weise bessere Voraussetzungen für den Bau eines Fusionsreaktors
schaffen zu können.

+ + + + +

�</text>
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und
Dokumentation

a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

45

8. Oktober 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Carter sagt volle Unterstützung des IWF und der Weltbank zu
- Ansprache auf der gemeinsamen Sitzung in Washington Muskie unterstreicht US-Beitrag zum Aufbau einer freiheitlichen
Weltordnung
- Wortlaut der Rede vor dem Wirtschaftsclub in Memphis -

INFORMATION
Solarstrom für Georgetown-Universität

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Viren, Krebs und Altern
- Forschung kommt wichtigen Mechanismen auf die Spur -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�«MMOI
»

45

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8. Oktober 1980

CARTER SAGT VOLLE UNTERSTÜTZUNG DES IWF UND DER WELTBANK ZU
- Ansprache auf der gemeinsamen Sitzung in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) und der Weltbank die volle Unterstützung der Vereinigten
Staaten zugesagt. Auf einer gemeinsamen Sitzung der beiden internationalen
Institutionen sagte der Präsident am 30. September 1980, die amerikanische
Unterstützung reflektiere "sowohl unsere fundamentalen humanitären Prinzipien
als auch unsere wirtschaftlichen Interessen," Gleichzeitig warnte Carter
die beiden Institutionen davor, sich durch Druck von außen beeinflussen zu
lassen.
Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir ein Vergnügen, Sie hier zur 35, Jahresversammlung dieser
beiden großen Institutionen begrüßen zu dürfen. Und es ist mir eine besondere
Freude, alle neuen Mitglieder willkommen zu heißen.
Ihre

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

T e l : 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Ihre Anwesenheit hier symbolisiert den Einsatz von mehr als 140
Ländern für ein dynamisches System der internationalen wirtschaftlichen
Zusammenarbeit und ihre Verpflichtung gegenüber deren zentrale Institutionen,
dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.
Ihre Verpflichtung stärkt die Aussichten für einen dauerhaften Weltfrieden, weil der Friede nicht garantiert werden kann, wenn Hunderte von
Millionen Menschen keine Hoffnung haben, der Armut und der wirtschaftlichen
Unsicherheit zu entfliehen.

Die Weltbank und der Internationale Währungs-

fonds bieten diese Hoffnung.
Sie passen sich schnell den neuen großen Aufgaben an.

Wir unterstützen

diesen Prozeß des Wandels. Die Antwort auf eine sich ändernde Welt kann
am besten im Rahmen dieser Institutionen formuliert werden, und zwar indem
Sie auf Ihren eigenen Gebieten der Kompetenz und der Erfahrung handeln.
Sie sollten sich in ihrer Arbeit nicht durch politische Streitfragen von
außen ablenken lassen.

Und wenn Sie diesen Prozeß der Formung und der

Anpassung vollziehen, dann müssen Sie voll und ganz davon überzeugt sein,
daß Ihre Entscheidungen nicht in einem anderen Rahmen wieder aufgehoben
oder neu verhandelt werden. Jeder politische Druck oder jede ungerechtfertigte Einflußnahme seitens irgendeines internationalen Forums wäre
weder nötig noch wünschenswert.
Der IWF ist die hauptsächliche offizielle Quelle der Zahlungsbilanzfinanzierung. Bisher hat der Fonds in diesem Jahr über 5,5 Milliarden
Dollar für seine Programme bereitgestellt. Aber es sind noch mehr Mittel
notwendig, und daher sind Maßnahmen im Gange, um diese Ressourcen auszuweiten. Der IWF hat ferner in seiner Politik wichtige politische Änderungen
eingeführt, wodurch er besser auf die sich wandelnden Erfordernisse und
Interessen seiner Mitgliedstaaten reagieren kann.
Während

�während der vergangenen 12 Monate hat die Weltbankgruppe über
12 Milliarden Dollar an die Entwicklungsländer entliehen.

Davon gingen

nahezu 4 Milliarden Dollar zu Vorzugsbedingungen an die ärmsten Länder.
Die Weltbank ergreift Initiativen, um es den Entwicklungsländern zu
ermöglichen, mehr Energie zu erschließen und zu erzeugen, während gleichzeitig andere wichtige Programme der Bank durchgeführt werden.

Ein

erweitertes Programm der Weltbank für Energieerschließung und -entwicklung
würde für uns alle von Nutzen sein.
Die Weltbank hat ferner ein Vergabeprogramm sowie einen Beratungsdienst gestartet, um den Entwicklungsländern zu helfen, die durch die
höheren Energiepreise erforderlichen strukturellen Anpassungen vorzunehmen.
Ich kann die Rolle der Weltbank nicht erörtern, ohne die Führung
und den Einsatz von Robert McNamara während der letzten 12 Jahre zu würdigen.
Unter der Führung von Bob McNamara ist die Weltbank zu einem Brennpunkt der internationalen Zusammenarbeit zur Verbesserung der menschlichen
Bedingungen sowie zu einem hervorragenden Beispiel dafür geworden, wie eine
solche Zusammenarbeit wirksam sein kann,

Bob, Sie werden Ihrem Nachfolger

einen hohen Standard und eine feste Grundlage für die Zukunft hinterlassen.
Die Unterstützung des IWF und der Weltbank durch die Vereinigten
Staaten reflektiert sowohl unsere fundamentalen humanitären Prinzipien
als auch unsere wirtschaftlichen Interessen.

Die Gesetzgebung, durch

die unsere Beteiligung an der Quotenerhöhung des IWF gesichert ist,wurde
in der vergangenen Woche vom Repräsentantenhaus verabschiedet.

Ich setze

mich mit Nachdruck für die Verabschiedung im Senat ein, und ich werde
das Gesetz, sobald es auf meinem Tisch liegt, unterzeichnen.
Darüber

�Darüber hinaus werde ich den Kongreß drängen, der für einen späteren
Zeitpunkt in diesem Jahr vorgesehenen sechsten Aufstockung der Mittel der
Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) hohe Priorität zu geben.
Im nächsten Jahr werden wir eine Gesetzesvorlage für unsere Subskription
zur allgemeinen Kapitalerhöhung der Weltbank einbringen.

Sowohl der Fonds

wie die Weltbankgruppe müssen all die Mittel haben, die sie für ihre
Arbeit brauchen.
Lassen Sie mich ferner verschiedene andere von den Vereinigten Staaten
getroffene

Maßnahmen erwähnen, die mithelfen werden, die Weltwirtschaft

zu stabilisieren.
Wir haben ein energisches Antiinflationsprogramm fiskalischer und
monetärer Zurückhaltung eingeführt.
Wir haben mit einem die ganze Nation umspannenden Programm begonnen,
um unsere industrielle Basis neu zu beleben und das Wachstum der Produktivität
zu beschleunigen.

Dieses neue Programm wird den Anteil an unserem Brutto-

sozialprodukt, der für Investitionen eingesetzt wird, erhöhen; es wird
die Inflation abbauen und unserer Wirtschaft wieder Innovationsfreudigkeit
und Energie geben.
Wir haben ferner ein umfassendes Programm zum Wiederaufbau unserer
Energiebasis in Angriff genommen.

Dieses neue Programm trägt bereits

Früchte.

In den letzten drei Jahren haben wir die öleinfuiren um 24 Prozent

gesenkt.

Wir führen in diesem Jahr mehr Gas- und Ölbohrungen durch und

fördern mehr Kohle als jemals zuvor in unserer Geschichte.

Wir bemühen

uns sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten dem Weltbedarf an Kohle
gerecht werden können.

Wir

�Wir haben mit einem massiven Investitionsprogramm zur Erhöhung
der Produktion von synthetischen Treibstoffen begonnen. Wir geben vier
Milliarden Dollar im Jahr für die Forschung und Entwicklung aus und
weitere Milliarden für Anreize zur besseren Nutzung der Energie in unseren
Häusern, Industrien, im Handel und dem Transportwesen.
Die WeltölVorräte haben einen bisher einmaligen Höchststand erreicht,
und diese Reserven werden mithelfen, die Auswirkungen vorübergehender
Nachschubverringerungen, so wie sie durch den derzeitigen Konflikt
zwischen dem Irak und dem Iran verursacht werden, auszugleichen.
Dennoch sind wir uns sehr wohl bewußt, daß einige Nationen auch schon
durch eine vorübergehende Unterbrechung der ülzufuhren ernsthaft bedroht
werden, und sind daher darum bemüht, diesen Konflikt so rasch wie möglich
zu beenden.
Unser Energieprogramm ist Teil einer weitreichenden Anstrengung,
zu der wir uns auf dem Wirtschaftsgipfel in Venedig verpflichtet haben.
Das gemeinsame dort akzeptierte Ziel besteht darin, mehr öl einzusparen
und das Äquivalent an alternativen Energien von 15-20 Millionen Barrel
öl pro Tag bis zum Ende dieses Jahrzehnts zu produzieren. Das wird
den Druck von den ölmärkten nehmen, die Zahlungsbilanzprobleme erleichtern
und den Entwicklungsländern die Möglichkeit geben, einen größeren Anteil
an den Weltöllieferungen zu erlangen.
Unser langfristiges Ziel bei diesen Energieanstrengungen im eigenen
Lande und auf internationaler Ebene ist ein faires Geschäft für alle
öl produzierenden und ölverbrauchenden Länder:
-

durch das die Gefahren abrupter Schwankungen im ölpreis vernr ndert
werden;
- durch

- 5 -

�-

durch das den Verbraucherländern die Gewähr für eine in ihrer
Höhe einigermaßen voraussagbare Menge an öl lieferungen gesichert
wi rd;

-

und durch das eine sich ausweitende Inflation verhindert wird.

Sowohl die öleinfuhr- wie die ölausfuhrländer können zu diesem Bemühen
ihren Beitrag leisten.

Für sie alle steht dabei etwas auf dem Spiel.

Diese Versammlung findet zu einer für uns alle kritischen Zeit
statt.
Die Welt setzt ein ungeheueres Vertrauen in Ihr Urteil und in die
Arbeit der Weltbank und des IWF.
worden.

Dieses Vertrauen ist nie enttäuscht

Und ich bin sicher, daß es für die Zukunft noch mehr gerechtfertigt

sein wird.
Im Namen der Vereinigten Staaten versichere ich Ihnen, daß wir
weiterhin aktiv an den Entscheidungen und kooperativ an den auf uns zukommenden Aufgaben mitzuwirken gedenken.

+ + + + +

�i

Dokumentation

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

45

8. Oktober 1980

MUSKIE UNTERSTREICHT US-BEITRAG ZUM AUFBAU EINER
FREIHEITLICHEN WELTORDNUNG
- Wortlaut der Rede vor dem Wirtschaftsclub in Memphis -

MEMPHIS, TENNESSEE - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Edmund Muskie hat am 6. Oktober 1980 inMemphis im amerikanischen Bundesstaat Tennessee vor den Mitgliedern des dortigen Wirtschaftsclubs die
Außenpolitik der Vereinigten Staaten umrissen und dargelegt "wie unsere
Nation mit einer Welt des raschen Wandels und der neuen Herausforderungen
fertigwerder wird."
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Dieses Ereignis hier nennt sich "Bürgerversammlung", und ich freue
mich auf einen Gedankenaustausch mit genauso vielen Fragen und mit genauso
großer Lebhaftigkeit, wie dies bei den Bürgerversammlungen in meinem
Heimatstaat in Neuengland der Fall ist.
Bevor

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Bevor wir zum interessanten Teil unserer Versammlung kommen - zur
Diskussion der Themen, die Sie vorbringen möchten -, gestatten Sie mir einige
Bemerkungen zu einer für uns grundlegenden Frage: wie unsere Nation mit
einer Welt des raschen Wandels und der neuen Herausforderungen fertigwerden
wi rd.
Ober 200 Jahre lang ist Amerika gediehen und erblüht - nicht, weil
es vor Veränderungen in der Welt zurückschreckte, sondern weil es an
ihrer Gestaltung mitarbeitete.

Wir haben festgestellt, daß Veränderung

der notwendige Begleiter menschlichen Fortschritts ist.
Wir gingen voran, indem wir die Welt betrachteten, so wie sie ist
und wie sie sein kann - nicht, indem wir auf eine einfachere Welt zurückblickten, an die wir uns erinnern.
Der Anfang der Weisheit ist das Verstehen - das Verstehen, daß wir
heute in einer Zeit des umfassendsten Wandels in der Geschichte des Menschen
leben.
Lassen Sie mich damit beginnen, einige dieser Veränderungen und
Herausforderungen zu erwähnen:
-

Die Sowjetunion ist zu einer militärischen Supermacht geworden und beabsichtigt, dies zu bleiben.

Der Einsatz der sowjetischen

Militärmacht in Afghanistan und an anderen Orten hat neue Risiken
für den Weltfrieden mit sich gebracht;
-

im Zeitraum von weniger als einer halben Generation haben wir die
Geburt von mehr als 100 neuen Staaten erlebt.

Jeder von ihnen

kämpft darum, den zunehmenden, manchmal sogar gewaltsamen Forderungen
seiner Bevölkerung nach raschem wirtschaftlichem und politischem
Fortschritt zu genügen;
- regionale
- 2 -

�-

regionale Rivalitäten haben sich zu einer neuen Gefahr entwickelt
durch die Verbreitung hochmoderner Waffen sowie durch die Bereitschaft
der Sowjets, der Kubaner und anderer, sie auszunützen;

-

unsere Binnenwirtschaft ist mehr denn je zuvor Teil einer Weltwirtschaft, und Länder mit neuer Wirtschaftsmacht üben neuen
Einfluß auf unser tägliches Leben aus;

-

und während der Wohlstand unserer traditionellen Verbündeten in
Westeuropa und in Japan gewaltig zu unserer gemeinsamen Stärke
beiträgt, hat er doch zugleich das Potential für Spannungen zwischen
uns erhöht.

Einige dieser neuen Gegebenheiten sind bedrohlich. Andere wiederum
tragen das Potential zu Gut oder Böse in sich - in nicht geringem Maß abhängig davon, wie wir ihre Entwicklungsrichtung gestalten.
Aber bei allen handelt es sich um Realitäten.
hinweghexen.

Wir können sie nicht

Und wir können sie nicht durch bloßes Reden ändern.

Wir müssen uns schöpferisch und illusionslos mit ihnen befassen mit allen.
Ich möchte heute abend kurz darüber sprechen, wie die Vereinigten
Staaten sich mit diesen neuen Realitäten befassen - darüber, wo wir stehen
und in welche Richtung wir uns bewegen.
Erstens:

wir bauen unsere militärische Stärke aus.

Nahezu zwei Jahr-

zehnte lang hat die Sowjetunion ihre militärische Stärke mit vier Prozent
oder mehr ausgebaut.
Grundlage.

Währenddessen schrumpfte unsere eigene militärische

Derzeit führen die Vereinigten Staaten die weitreichendste

Militärmodernisierung seit den frühen sechziger Jahren durch.
Wir
- 3 -

�Wir verbessern jeden Bereich unserer strategischen Kernwaffen - zu
Lande, zur See und in der Luft.

Der Präsident hat die umfassende Entwicklung

einer schlagkräftigen, neuen bodengestlitzten Rakete, der MX, befohlen.
Das erste unserer hochmodernen neuen TRIDENT-U-Boote wurde in diesem Jahr
vom Stapel gelassen.

1982 werden wir damit beginnen, unsere B-52 mit neuen

Marschflugkörpern auszurüsten.
Gleichzeitig bauen wir die Verteidigungskapazitäten unserer Bündnisse
aus.
-

Im Jahr 1978 riefen wir und unsere NATO-Partner auf amerikanische
Initiative hin ein langfristiges militärisches Verbesserungsprogramm ins Leben.

-

Dieses Programm läuft bereits gut.

Gegen Ende 1979 beschlossen wir und unsere NATO-Verb'ündeten ein
Programm zur Modernisierung unserer Kernwaffen in Europa, um einen
jahrzehntelangen sowjetischen Aufbau einzuholen.

Wir werden mit

diesem Programm vorangehen, während wir gleichzeitig faire und
verifizierbare, durch Verhandlungen zustandegekommene Begrenzungen
mit der Sowjetunion anstreben.
Und wir bauen unsere militärische Kapazität aus, um rasch auf ernste
Krisen zu reagieren, woimmer solche auftreten mögen - einschließlich der
lebenswichtigen Region des Persischen Golfs.
Damit es keine Mißverständnisse gibt:
kostet viel Geld.

dieses Modernisierungsprogramm

In den vergangenen vier Haushaltsjahren haben die

Vereinigten Staaten ihre Verteidigungsausgaben um zehn Prozent erhöht.
Das Verteidigungsprogramm des Präsidenten wird die Ausgaben im Lauf der
nächsten vier Jahre um weitere 17 Prozent erhöhen.
Dieses

�Dieses Modernisierungsprogramm ist notwendig, um sicherzustellen,
daß wir in den kommenden Jahren ein militärisches Gleichgewicht mit der
Sowjetunion aufrechterhalten.

Es handelt sich um ein beständiges und

verläßliches amerikanisches Verteidigungsprogramm, nicht um eine
verschwenderische und mutwillige Anstrengung, um eine unerreichbare
"Superiorität" zu erzielen - eine Anstrengung, die nur zu den Gefahren
eines umfangreichen neuen Wettrüstens führen würde.
Zweitens:

Die Vereinigten Staaten machen heute ihre Führungskraft

geltend, im die internationale Haltung gegenüber der sowjetischen Aggression
zu stärken.
Der sowjetischen Anstrengung zur Zerstörung der nationalen Unabhängigkeit
Afghanistans durch militärische Gewalt muß durch die internationale Gemeinschaft entschlossen Widerstand entgegengesetzt werden. Es handelt sich
hier um einen Versuch, nackte militärische Gewalt anzuwenden, um einem Volk
und einem Staat die Freiheit zu verwehren. Durch seine Beispielhaftigkeit
und durch die geographische Nähe erhöht dieser Versuch die sowjetische
Bedrohung in einer Weltregion, die für die Vereinigten Staaten, für die
Industriedemokraten, für die ganze Welt von lebenswichtiger Bedeutung ist.
Durch die Haltung, die wir - bei Getreide, beim Verkauf von Technologie,
bei den Olympischen Spielen - eingenommen haben, haben wir die Enrsthaftigkeit
des amerikanischen Volkes deutlich und konkret zum Ausdruck gebracht.
Die meisten Amerikaner unterstützen die von uns ergriffenen Maßnahmen.
Denn sie verstehen, daß wir unsere nationale Entschlossenheit nicht ohne
individuelle Opfer zum Ausdruck bringen können.

Opfer von den Bauern,

Opfer von den Geschäftsleuten, von den Sportlern,von uns allen.
Und dennoch sehen wir im Senat und auch anderswo Anstrengungen, das
Getreideembargo aufzuheben.
Es
- 5 -

�Es gibt hier eine kurze, knappe Antwort:

wir können die sowjetische

Aggression nicht dadurch besser bekämpfen, daß wir als Amerikaner weniger
Opfer bringen.
Die entschlossenen Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten in den
letzten Monaten ergriffen haben, haben nicht zur Absicht, eine Konfrontation
zu provozieren, sondern eine Konfrontation zu vermeiden, indem sie vor
künftigen sowjetischen Abenteuern abschrecken.
Diese Maßnahmen wurden ergriffen, um die einzige Grundlage zu erhalten, auf der eine Abnahme der Spannungen erfolgen kann - deutlichgemachte sowjetische Zurückhaltung.

Wir müssen, wie der Präsident gesagt

hat, bereit sein, jene Maßnahmen durchzuhalten, solange sowjetische Truppen
in Afghanistan stehen.
Weiterhin müssen wir sowjetische Zurückhaltung durch ausgewogene
und vollziehbare Abkommen zu erreichen suchen, die die Aufrüstung begrenzen.
Da die Sowjets nunmehr ihre Vorbedingungen haben fallen lassen,werden
wir noch in diesem Monat mit den Vorgesprächen zur Begrenzung der Nuklearen
Mittel Streckensysteme (TNF) von großer Reichweite beginnen.
Und wir werden uns um die Ratifizierung des SALT II-Vertrags - eines
Abkommen, das zutiefst in unserem nationalen Interesse liegt - bemühen,
sobald es Anfang nächsten Jahres möglich ist.
Zunehmende Spannungen schmälern nicht den Anlaß für SALT; stattdessen erinnern sie uns daran, warum Rüstungskontrolle so wesentlich ist um die auf uns gerichteten Arsenale zu reduzieren, um ein sinnloses
Wettrüsten zu verhindern, um die Möglichkeit zu verringern, daß eine
verhängnisvolle Fehlberechnung beide Länder in Schutt und Asche legt.
Denn

�Denn wir stärken unsere langfristige Sicherheit nicht durch Worte,
sondern durch eine klare und dauerhafte Demonstration, daß wir den nationalen
Willen haben, uns einer Aggression entgegenzustellen.

Und wir stärken unsere

Sicherheit auch durch die Bereitscahft, zu konkreten übereinkommen zu
gelangen, die die nuklearen Bedrohungen begrenzen, denen wir gegenüberstehen.
Drittens:

Die Vereinigten Staaten sind heute energisch auf der

Suche nach friedlichen, durch Verhandlungen zustandegekommene Lösungen für
möglicherweise explosive regionale Streitigkeiten.
Zum erstenmal seit seiner Gründung lebt Israel mit Ägypten, seinem
stärksten arabischen Nachbarn, nicht in einem zerbrechlichen Waffenstillstand, sondern in einem soliden Frieden. Und zum erstenmal gibt es
Verhandlungen über die grundlegenden Fragen, die beantwortet werden müssen,
um in diesem Teil des Nahen Ostens einen breiterangelegten Frieden zu
erzielen.
Das Übereinkommen, das wir mit Panama nach 14 Jahren der Verhandlungen
erzielt haben, hat dem Kanal eine sicherere Zukunft eröffnet und unsere
Position in ganz Lateinamerika verbessert.
Unsere unerschütterliche Unterstützung der Verhandlungen in Rhodesien
half mit, den blutigen Bürgerkrieg dort zu beenden, die Mehrheit an die
Regierung und eine echte Hoffnung auf Frieden in Freiheit vor äußerer
Einmischung zu bringen.
Jeder Schritt, den wir heute auf eine Milderung dieser internationalen
Spannungen hin tun, ist ein Schritt auf die Verhinderung größerer Konflikte
morgen.
Ich glaube, daß das amerikanische Volk will, daß wir diese Anstrengungen
fortsetzen.
Viertens
- 7 -

�Viertens:

Die Vereinigten Staaten von heute arbeiten daran, unsere

wirtschaftliche Position in der Welt zu stärken - zugunsten unserer
Verbraucher und Geschäftsleute, unserer Bauern und unserer Arbeiter.
Wir haben ein wichtiges internationales Handelsabkommen erzielt, das
sicherstellt, daß wir in einem fairen Wettbewerb bleiben.
Wir verfolgen ein Programm vermehrter amerikanischer Produktivität.
Mehr denn je koordinieren wir durch Gipfeltreffen und ständige
Konsultationen unsere Wirtschaftspolitiken mit unseren wichtigsten Verbündeten; dies geschieht zum Vorteil von uns allen.
Und was vielleicht am wichtigsten ist:
Energiebereich verbessert.

wir haben unsere Lage im

Die amerikanischen Erdöleinfuhren sind seit

1977 um 25 Prozent gesunken; unsere inländische Energieproduktion steigt;
und zusammen mit unseren Verbündeten haben wir die Vorkehrungen verbessert,
um im Fall schwerwiegender Knappheit auf den Weltmärkten Energie zu teilen.
Wir müssen auf dem Weg der Einsparung und der vermehrten Produktion
noch weiter gehen.

Aber schon der kleine Sicherheitspielraum, den wir

erreicht haben und den wir während des iranisch-irakischen Konfliktes brauchen,
zeigt, daß wir auf dem richtigen Weg sind.
Fünftens:

Die Vereinigten Staaten haben eine Außenpolitik, die unsere

nationale Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten bekräftigt.
Amerikas Stärke in der Welt hängt nicht nur von unserer militärischen
Stärke ab.

Sie liegt vielmehr darin, wofür wir als Nation einstehen.

Wir stehen für die menschliche Freiheit ein.
eint uns als ein Volk.

Menschliche Freiheit

Menschliche Freiheit unterscheidet uns von unseren

- 8 -

�unseren Widersachern.

Und unser Einstehen für die menschliche Freiheit

liegt zutiefst in unserem nationalen Interesse.
Wie wir Amerikaner wissen,stärken sich Freiheit und Stabilität
gegenseitig.

Unterdrückung kann die Bande zwischen einer Regierung und

ihrem Volk zerbrechen und das Potential für gewalttätige Veränderung erhöhen.
Wir haben gesehen, wie die Wirren konvulsiven Wandels - etwa im Iran unsere eigene Nation unmittelbar beeinflussen können. Wir werden nicht
ruhen, bis alle unsere Leute aus dem Iran in die Heimat zurückgekommen
sind - sicher und frei. Dies ist ein dunkles Kapitel für all jene in der
ganzen Welt, die die Menschenrechte schätzen.
Aber während wir einen klaren Blick auf die Welt werfen, sehen wir
zugleich ein erneutes Auftauchen der demokratischen Werte, die wir unterstützen.

In Portugal, Spanien und Griechenland, in Nigeria, Ghana urd

Zimbabwe, in Ekuador und Peru hat die Demokratie ihren Völkern die Kontrolle
ihres eigenen Schicksals wiedergegeben.
Wir sollten aus dieser Bewegung erneuertes Vertrauen dafür gewinnen,
daß die Strömung der Demokratie und menschlichen Freiheit auch weiterhin
in der Welt stark ist und daß es in unserem eigenen Interesse liegt, sie zu
unterstützen und ein Teil davon zu sein.
Sechstens und abschließend: Die Vereinigten Staaten entwickeln heute
stärkere Beziehungen zu Ländern mit wachsender Bedeutung auf der Bühne dieser
Welt.
Ein Viertel der Weltbevölkerung lebt in China. Und heute schaffen
wir ein neues Verhältnis zu der Regierung dieses Landes, das sich auf
normalisierte Beziehungen gründet.
In
- 9 -

�In weniger als 20 Jahren werden vier von fünf Menschen auf dieser
Welt in den Entwicklungsländern leben.

Der wirtschaftliche Fortschritt und

die langfristige Stabilität der Entwicklungsländer gewinnt in zunehmendem
Maß für unser eigenes tägliches Leben an Bedeutung.
Wir können nicht ihre Unterstützung bei Angelegenheiten erwarten,
die für uns wichtig sind, wenn wir nicht bereit sind, praktische Unterstützung bei Problemen zu gewähren, die für sie wichtig sind - etwa die
Verteidigung ihrer nationalen Unabhängigkeit und den Aufbau ihrer Volkswirtschaften und Gesellschaften.
Daher müssen in unserem eigenen Interesse die nächsten Jahre eine
Zeit sein, in der wir vorangehen - und nicht zurückfallen, um unsere
Beziehungen zu den Ländern Afrikas, Lateinamerikas, Asiens und des Nahen und
Mittleren Ostens auszubauen.
Diese Politik und diese Leistungen helfen dabei, eine Welt im Wandel
zu gestalten.
Natürlich wird es Diskussionen über einzelne Entscheidungen geben,
die getroffen wurden.

Aber ich bin fest davon überzeugt, daß trotz

aller Gefühle der Frustration, die die Auseinandersetzung mit dieser neuen
Welt auch bringt, Amerika sich auf dem rechten Weg befindet - dem Weg
des Engagements und des Fortschritts, nicht der Isolation und der Reaktion.
Unser Kurs ist sinnvoll.
umkehren.

Wir sollten so weitermachen und nicht

Ein amerikanischer Autor hat einmal gesagt:
rückwärts in die Zukunft gehen".
anderen gehören.

"Wir können nicht

Wenn wir dies versuchen, wird die Zukunft

�Mit der ständigen Zunahme ameri kanischer Stärke, mit dem amerikanischen
Pragmatismus, der für die amerikanis chen Ideale nutzbar gemacht wird, werden
wir auch weiterhin auf eine Zukunft zugehen, bei deren Schöpfung wir
behilflich sind.

- 11 -

�Information

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

45

8. Oktober 1980

SOLARSTROM FÜR GEORGETOWN-UNIVERSITÄT

- (AD) - Mit einer Solarzellen-Belegfläche von 16 275 Quadratmetern erhält ein neues Institut der Georgetown-Universität in Washington das größte
Sonnendach, mit dem je ein Gebäude ausgestattet wurde. Kleine Siliziumplättchen wandeln Licht in elektrischen Strom um, der in das Versorgungsnetz der
Universität eingespeist wird. Das neue "Intercultural Center" mit Abteilungen für Fremdsprachenstudien und Linguistik, Diplomatenschule, Studium der
Kultur des arabischen, lateinamerikanischen, russischen und deutschen Sprachraums, Wirtschaftsdiplomatie und Amerikanistik ist ein sechstöckiges Gebäude,
das mit finanzieller Unterstützung eines Privatunternehmens sowie des USEnergieministeriums ein Demonstrationsprojekt für die Nutzung photovoltaischer
Zellen werden soll. Die Solargeneratoren auf dem Dach sind Teil eines langfristigen Planes, die Georgetown-Universität von Energiezufuhr von außen unabhängig zu machen. Dazu soll u.a. eine Kesselanlage beitragen, die nach
dem Verfahren der Wirbelbettverbrennung arbeitet und mit Kohle abgasfrei geheizt wird.

+ + + + +

Postfach 20 03 00
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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�3
I a

Wi//en/chaft
und Technik
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Embassy of the United States of America

45

8. Oktober 1980

VIREN, KREBS UND ALTERN
Forschung kommt wichtigen Mechanismen auf die Spur

WASHINGTON - (AD) - Zum Thema "Fronten der Alterns- und Krebsforschung"
fand vom 21. bis 26. September 1980 in Washington eine erste internationale
Tagung statt, die für weitere Symposien und wissenschaftliche Konferenzen
in aller Welt den Anstoß geben sollte. Sie wurde von einem Sonderausschuß
des US-Repräsentantenhauses, dem amerikanischen Nationalen Krebsforschungsinstitut und dem Nationalen Institut für Alternsforschung in Bethesda (Maryland) initiiert und von privater Seite großzügig unterstützt. Mehr als 400
Wissenschaftler aus 20 Ländern, unter ihnen fünf Nobelpreisträger, erörterten die neuesten Erkenntnisse auf den Fachgebieten Virusforschung, Krebsforschung, Gerontologie und Molekularbiologie in dem Versuch, "Natur und Anatomie der Zelle", "Organisation und Funktionieren des genetischen Materials"
(das die Zellaktivität steuert), "Zellwachstum, Zellbewegung und Zelldifferenzierung", "die Rolle von Viren in Alterns- und Krebsprozessen" und "das Immunsystem des Körpers" (das auch einen Schutz gegen Krebs darstellt) besser zu
verstehen.

Die Aufklärung der Struktur der Desoxyribonukleinsäure (DNS) durch Watson;
Wilkins und Crick in den fünfziger Jahren hatte im Verein mit der sich daraus

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�daraus entwickelnden Technik der Aufspaltung und Rekombination von genetischem
Material zu einer "ganz neuen Revolution in der Biologie" geführt, wie Dr.
Lewis Thomas, Kanzler des "Memorial Sloan-Kettering Cancer Center" in New York,
erklärte.

"In den letzten drei oder vier Jahren kam es in Forschungslabora-

torien hier in den Vereinigten Staaten und im Ausland zu Entwicklungen, die
die Biologie zu einer ganz neuen Art von Wissenschaft machten.

Wir beginnen

jetzt wesentliche Aspekte der lebenden Zelle in einer Weise zu verstehen, die
vor wenigen Jahren buchstäblich undenkbar war-"
Damit spielte Thomas darauf an, daß die Wissenschaft nunmehr in die Funktionen und die Rolle von Genen sowie die Zellmechanismen Einblick erhält, die
alles normale, aber auch alles anomale und zum Krebs entartete Zell verhalten
steuern.

Im Laboratorium ist es heute möglich, die Zellaktivität zu manipu-

lieren und dabei z.B. zu untersuchen, wie Krebs beginnt und wächst, oder auf
welche Weise Substanzen wie Interferon in größeren Mengen zu produzieren sind.
Interferon wird normalerweise in winzigen Mengen von der Zelle gebildet, sobald in diese ein Virus eindringt. Viele Wissenschaftler sind überzeugt, daß
Interferon, ein Abwehrstoff gegen Virusinfektionen, auch helfen könnte, Krebs
und Tumoren zu bekämpfen.
Keiner der anwesenden Experten konnte bisher den Beweis erbringen, daß
Viren beim Menschen Krebs verursachen, obgleich bestimmte Viren als Krebsursache bei Tieren eindeutig erkannt worden sind. Die Virusgene produzieren
Proteine, die in normale Zellen gelangen und bei diesen ein anomales Verhalten
provozieren - beispielsweise Zellwucherung. Durch mikroskopische Untersuchungen
wurde nachgewiesen, daß "Proteinmoleküle an der Zelloberfläche hübsche kleine
Rezeptoren bilden", erklärte Thomas, "um damit von außen all das einzufangen
und ins Zellinnere zu schleusen, was die Zelle braucht". Probleme, für deren
Lösung man Jahre angenommen hatte oder für die man überhaupt keine Lösungsmöglichkeiten sah, könne man dank der neuen Forschungsverfahren jetzt innerhalb von wenigen Wochen aufklären.
Diskutiert wurden u.a.:
- ein

�- Ein neues Laborverfahren zur Züchtung menschlicher Zellen in Gewebekulturen.

Es ermöglichte bereits das Studium von 400 menschlichen Genen und

dürfte in den nächsten fünf Jahren die Untersuchungen von weiteren 1000 menschlichen Genen erlauben.
- Leukämiezellen können, so wurde beobachtet, von dem gleichen Hormon
kontrolliert werden, das die Blutzellenproduktion steuert. Einige dieser
Hormone wurden isoliert und von Beimengungen gereinigt, was die Möglichkeit
eröffnet, sie für die Leukämiebehandlung zu nutzen.
- Es gibt Anzeichen dafür, daß Tumorzellen in der Lage sind, neue Hormone
zu produzieren, die zum Wachstum von noch mehr Tumorzellen anregen.
- Das Studium von virusinduziertem Krebs bei Tieren führte zu einem
besseren Verständnis der molekularen Grundlagen für die Mechanismen von Veränderungen des Zell Wachstums, wie sie im Zusammenhang mit Krebs eintreten.
- Dank der DNS-Technologie kennt die Wissenschaft nunmehr bei mehreren
Tumorviren

die gesamte Struktur.

Jede Art von Tumorvirus besitzt ein Gen,

das Tumorwachstum auslöst und ein Protein "kodiert", das die Zellproliferation
anregen kann.

Zusammen mit anderen viralen Genen wird dieses Gen in die Zell-

chromosomen eingebaut und so an die Tochterzellen weitergegeben, die dann
ihrerseits alle das virus-"kodierte", tumorverursachende Protein produzieren.
In vielen Fällen handelt es sich bei diesem Protein um ein Enzym, das die
Zellproteine verändert.
- Viren sind an degenerativen Erkrankungen des Nervensystems und des
Gehirns beteiligt.
- Winzige virusähnliche Einheiten führen bei Pflanzen wie z.B. Kartoffeln,
Tomaten und Gurken zu ausgedehnten Krankheiten.
- Viren

�- Viren können Krebs entweder durch eine Blockierung der Zelldifferenzierung oder durch Anregen des Zellwachstums verursachen.

Die bisher vorlie-

genden Forschungsergebnisse deuten eher darauf hin, daß der Anregung des Zellwachstums die größere Bedeutung zukommt.
- Einige Tumorviren haben offenbar einzelne Gene, die allein für Krebs
verantwortlich zu machen sind.

Ganz ähnlich - vielleicht sogar identisch -

ist das Vorhandensein von Krebsgenen in normalen Zellen, deren Funktion bei
normalem Wachstum und bei normaler Entwicklung aber reguliert ist.
- Bei der Umwandlung normaler Zellen in Krebszellen kommt es zu einer
bestimmten Folge von Ereignissen.

Experimente in Israel haben demonstriert,

daß nach einer solchen Veränderungssequenz durch die Induzierung einer normalen Zelldifferenzierung einige Formen von Leukämie dazu gebracht werden
können, von der bösartigen Verlaufsform in den normalen Zustand zurückzukehren.

Diese "Umkehr"-Möglichkeit kann für die Behandlung von Krebs beim

Menschen von Bedeutung werden.
- Bei manchen Pflanzenarten kommt es dann zu Tumoren, wenn die Zellkerne
bestimmte DNS-Segmente eines Bakteriums, das die Pflanze infiziert hat, einbauen.
- Eine Schädigung der DNS-Erbsubstanz kann zu Krebs führen. Die Fähigkeit der Zelle, geschädigte DNS selbst zu "reparieren", scheint das Krebsrisiko ganz wesentlich zu senken. Ältere Zellen akkumulieren geschädigte
DNS. Dies scheint jedoch nicht eine Folge unwirksamer werdender Reparaturmechanismen zu sein. Die Forschung muß noch zeigen, ob die "Heilungsfähigkeit" wegen des Zellalters abnimmt, oder ob die Zelle altert, weil sie ihre
Selbstheilungsfähigkeit verliert.
- Umweltfaktoren, die DNS schädigen, können - vermutlich wegen der Verursachung von Mutationen - Krebs auslösen.

Wenn beispielsweise bei Bakte-

rien die DNS geschädigt wird, tritt eine Anzahl von Genen in Funktion, die

�die normalerweise nicht aktiv sind.
- Wissenschaftler haben an der Innenseite der Zellmembran zwei krebsproduzierende Proteine lokalisieren können.

Ein Protein, das bei Hühnern

gefunden wurde, war das Produkt eines krebsauslösenden Virus, das zweite
(bei Mäusen entdeckt) das Produkt eines Mäusekrebsvirus.

Im ersten Fall

befindet sich das Protein genau dort, wo Zellen einander berühren und sich
"verständigen" und von wo aus deshalb die Weitergabe von Informationen zwischen Zellen reguliert werden kann.

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter sagt volle Unterstützung des IWF und der Weltbank zu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache auf der gemeinsamen Sitzung in Washington -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muskie unterstreicht US-Beitrag zum Aufbau einer freiheitlichen Weltordnung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rede vor dem Wirtschaftsclub in Memphis -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Solarstrom für Georgetown-Universität&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Viren, Krebs und Altern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forschung kommt wichtigen Mechanismen auf die Spur -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

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I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

44

1. Oktober 1980

I N H A L T

DOKUMENTATION
Carter: Konflikt zwischen Iran und Irak muß unverzüglich beendet werden
- USA fordern freie Schiffahrt im Persischen Golf -

HINTERGRUNDMATERIAL
Neuer Boom auf Amerikas öl fei d e m
- Fast 20 Prozent weniger Importöl -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mini-Defibrillator zur Implantation
Computer verbessert Schädlingsbekämpfung
Maishalme als Eiweißquelle

Um Ubei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�i

Dokumentation
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

1. Oktober 1980

44

CARTER: KONFLIKT ZWISCHEN IRAN UND IRAK MUSS UNVERZÜGLICH BEENDET WERDEN
- USA fordern freie Schiffahrt im Persischen Golf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 24. September 1980 in einer
Erklärung auf die "sehr gefährliche Situation" hingewiesen, die durch den
iranisch-irakischen Konflikt hervorgerufen wurde, und betont, daß dieser Konflikt unverzüglich beendet werden müsse.

Gleichzeitig unterstrich er vor den

im Weißen Haus akkreditierten Journalisten, daß die USA mit allem Nachdruck
die internationalen Bemühungen zur Erreichung dieses Zieles unterstützten,
und sagte, die freie Schiffahrt im Persischen Golf sei von oberster Bedeutung
für die gesamte Völkergemeinschaft.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich bin heute vormittag mit meinen wichtigsten Beratern zusammengetroffen,
um die sehr gefährliche Situation zu erörtern, die durch den Konflikt zwischen
dem Iran und dem Irak geschaffen worden ist. Obwohl die Vereinigten Staaten
in keiner Weise in diesen Streitfall verwickelt sind - und Behauptungen, die
das Gegenteil besagen, sind ganz offensichtlich und offenkundig falsch -, ist
es wichtig, unsere Haltung in dieser Angelegenheit klar zu machen.
Die

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Die Kämpfe zwischen dem Iran und dem Irak rufen unnötige Härten und unnötiges Leid unter den betroffenen Menschen hervor.

Sie Stellen eine Gefahr

für den Frieden und die Stabilität dieser Region dar.

Es sollte in gar keiner

Weise eine Einmischung in diesen Konflikt seitens irgendeines anderen Landes
geben.
Die Kämpfe sollten unverzüglich beendet werden.

Alle Beschwerden und

Streitigkeiten zwischen dem Iran und dem Irak sollten am Verhandlungstisch
und nicht auf dem Schlachtfeld geregelt werden.
Wir unterstützen mit allem Nachdruck internationale Bemühungen - sowohl
die Erklärung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen als auch des Präsidenten des Sicherheitsrates -, um die Kämpfe zu einem baldigen Ende zu bringen
und eine ausgehandelte Lösung zu erreichen.
Außenminister Muskie hat während der vergangenen Tage mit einer Reihe von
Außenministern in New York Konsultationen geführt.

Und er setzt diese Kontak-

te am. heutigen Nachmittag und heute abend fort, über unsere Botschaften im
Ausland sowie direkt mit den führenden Staatsmännern einiger dieser Länder
stehe ich ebenfalls in Kontakt mit anderen Staaten.

Wir werden auch weiterhin

nachdrücklich mit soviel Ländern wie möglich sowie mit internationalen Institutionen

zusammenarbeiten, die wie wir ein baldiges Ende des Konfliktes

anstreben.
Ich weiß, daß der Konflikt beträchtliche Besorgnisse ausgelöst hat, daß
die öl Vorräte der Welt stark reduziert werden könnten und daß dadurch die 01preise steigen und die wirtschaftliche Sicherheit der Verbrauchernationen
gefährdet würden. Diese Besorgnisse sind durch die gegenwärtige Situation
nicht gerechtfertigt. Es stimmt, daß... direkte Lieferungen aus dem Iran
und aus dem Irak während des Ausbruchs der Feindseligkeiten unterbrochen oder
ausgesetzt worden sind. Aber selbst wenn diese Aussetzung der Lieferungen
aus dem Iran und dem Irak längere Zeit anhalten sollte, dann können die Verbrauchernationen diesen Ausfall kompensieren.
Die
- 2 -

«

�Die Lagerbestä'nde an öl innerhalb der wichtigen ölverbrauchenden Länder
der Welt haben gegenwärtig einen absoluten Höchststand erreicht.

Der Sicher-

heitsspielraum der Ölversorgung der Welt ist heute viel größer als im Winter
1978 und 1979, als die iranische Revolution die öllieferungen zu einem Zeitpunkt verknappten, als die öl lagerbestände sehr niedrig waren.

Unsere größere Sicherheit ist heute zum Teil auf die Energieeinsparung
sowie auf den Rückgriff auf andere Brennstoffe als Ersatz für öl zurückzuführen - und zwar sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen Verbraucherländern.

Dies hat die Anlage von Reservevorräten bis zu einer Höhe erleichtert,
die weitaus zufriedenstellender ist als im Jahre 1979.

Deshalb gibt es keinen

Grund für eine Wiederholung der Verknappungen oder der Preiseskalation, die
1979 erfolgten.

Natürlich würde eine totale Aussetzung der ölexporte aus den

anderen Ländern, die öl durch das Gebiet des Persischen Golfs liefern, eine
ernsthafte Bedrohung der öl Vorräte der Welt schaffen und entsprechend eine
Bedrohung der wirtschaftlichen Gesundheit aller Länder darstellen.

Deshalb ist es wichtig, daß ich und unser Land nachdrücklich die Erklärung unterstützen, die die neun Länder der Europäischen Gemeinschaft gestern
abgegeben haben.

Die Freiheit der Schiffahrt im Persischen Golf ist von

oberster Bedeutung für die gesamte Völkergemeinschaft.

Es ist dringend er-

forderlich, daß es keine Beeinträchtigung dieser Freiheit der Schiffahrt
nach und von der Region des Persischen Golfes gibt.

Lassen Sie mich wiederholen, daß wir in den Konflikt zwischen dem Iran
und dem Irak nicht verwickelt waren und auch nicht verwickelt werden.

Ein letzter Punkt, der überaus wichtig für die Amerikaner ist

und der

in unserer Besorgnis über die gefährliche, durch diesen Konflikt geschaffene
Situation, inbegriffen ist - und wir haben ihn auch nicht für einen einzigen
Augenblick vergessen - sind die amerikanischen Geiseln, die immer noch im

- 3 -

�im Iran gefangengehalten werden.

Wir setzen unser Bestreben nach ihrer bal

digen und sicheren Freilassung fort, und wir halten auch weiterhin die Regierung des Iran verantwortlich für die Sicherheit und das Wohlergehen der
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•

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amerikanischen Geiseln.
Ich danke Ihnen.

+ + + + +

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�1. Oktober 1980

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NEUER BOOM AUF AMERIKAS ÖLFELDERN
Fast 20 Prozent weniger Importöl

WASHINGTON - (AD) - Energieeinsparung und verstärkte Erschließung
einheimischer Energiequellen stehen an erster Stelle der energiepolitischen
Maßnahmen in den Vereinigten Staaten» Ermutigende Erfolge der inzwischen
angelaufenen Programme beginnen sich einzustellen: Der Nettoimport an
Erdöl lag in den mit dem 5, September 1980 endenden vier Wochen um 19,4
Prozent niedriger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Pro Tag werden
mindestens 1,5 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Erdöl weniger eingeführt. Dagegen weise die Produktion von Rohöl aus einheimischen Vorkommen,
wie Präsident Carter am 22. September 1980 in Springfield (Illinois)
erklärte, eine stark steigende Tendenz auf. Im laufenden Jahr würden mehr
neue Suchbohrungen durchgeführt als je zuvor in der amerikanischen Geschichte.
Energieminister Charles Duncan zitierte eine Angabe des "American
Petroleum Institute", derzufolge man im Jahr 1980 mit mehr als 59 000
Bohrungen rechne.

Damit werde die Zahl des Rekordjahres 1956 mit etwas

über 58 000 neuen Bohrungen übertroffen.

Gegenwärtig seien 3 051 Fördertürme

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0 5 3 0 0

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Fördertürme in Betrieb, die höchste Zahl seit 25 Jahren.

Die amerikanischen

Mineral öl firmen reagieren auf die Aufhebung der Preisbindung für amerikanisches
Erdöl und Erdgas mit bemerkenswerter Steigerung der Produktion.

Sie dürfte

bei öl in diesem Jahr 2 Prozent betragen. Allerdings scheut sich die
Industrie offenbar noch, mit intensiver Prospektion und Suchbohrungen in
andere als die bisher bekannten Gebiete mit öl- und Gasvorkommen vorzustoßen.
Vielfach werden die neuen Bohrungen in 5 000 Meter Tiefe und mehr vorgetrieben.
Die Gewinnung von Synthesebrennstoffen aus Kohle, Ölschiefer und anderen
Rohstoffen wird noch durch Demonstrationsprogramme vorbereitet. Nach
Aussage Präsident Carters übertrifft der ölgehalt der amerikanischen ölschiefervorkommen den ölreichtum Saudi-Arabiens um das Dreifache. Diese
reiche Quelle werde nunmehr von der im Aufbau begriffenen Synthesebrennstoff-Industrie angezapft. Die Kohleförderung wurde bereits intensiviert.
Wie Energieminister Duncan berichtet, erwarte man für das Jahr 1980 eine
Fördermenge von 825 Millionen Tonnen - verglichen mit 679 Millionen Tonnen
im Jahr 1976 und 775 Millionen Tonnen im Jahr 1979.
Vom US-Energieministerium durchgeführte Untersuchungen über das
Sparverhalten der amerikanischen Bürger im Verlauf der letzten sieben
Jahre, d.h. seit dem ersten ölschock von 1973, erbrachten laut Dr. Jeffrey
S. Mi Istein "ermutigende Ergebnisse". Sie demonstrierten, wie Mi Istein
erklärt, ein immer stärker sich durchsetzendes Energiebewußtsein in der
Bevölkerung: Die Hälfte der befragten Familien habe die Wärmedämmung
ihrer Häuser verbessert, in neun von zehn Haushaltungen verfüge man über
bessere Isolierungen in der einen oder anderen Form, Die Fahrgewohnheiten
hätten sich, so Milstein, wesentlich geändert. Die meisten Bürger halten
sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Viele bilden Fahrgemeinschaften
für den Weg zur Arbeit und überlegen sich einmal mehr, ob sie für das eine
oder andere Vorhaben nicht ganz auf ihr Auto verzichten sollten. Jeder
Zehnte der befragten Personen benutzt nunmehr öffentliche Verkehrsmittel, W£

- 2 -

�wo immer sich dies einrichten läßt.

Im Haushalt wird mehr Energie gespart -

ob es sich nun um Stromverbrauch für Licht, Geräte und Klimaanlagen oder
um den Betrieb der Ölheizung handelt.
Der Trend zur Anschaffung kleinerer Wagen setzt sich immer stärker
durch.

Dies könne, wie das Mellon Institute (Arlington, Virginia) errechnete,

in Verbindung mit der Verwendung synthetischer Kraftstoffe und der höheren
Fahrleistung neuer Wagen den Erdölverbrauch bis 1990 um fast 3 Millionen
Barrel pro Tag einschränken.

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1. Oktober 1980

MINI-DEFIBRILLATOR ZUR IMPLANTATION

- (AD) - Herzflimmern, ausgelöst durch Störungen im Reizleitungssystem
des Herzens, führt meist in kurzer Zeit zum Tode, wenn dem Patienten nicht
innerhalb sehr kurzer Zeit durch eine Injektion oder Anschluß an einen Defibrillator Hilfe gebracht werden kann.

Letzteres ist ein elektrisches Gerät,

das Stromstöße bestimmter Stärke abgibt.

Der Herzmuskel wird dadurch in einer

Weise beeinflußt, daß das natürliche Reizbildungssystem wieder in Gang kommen kann und eine geordnete Herzkammerfunktion möglich wird.

Allerdings stehen

derartige Geräte nur im Krankenhaus, in Notarztwagen oder in speziell ausgerüsteten Arztpraxen zur Verfügung.
Wissenschaftler der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA sind gemeinsam
mit Medizinern z.Zt. dabei, einen Miniatur-Defibrillator zu entwickeln, der
gefährdeten Patienten implantiert werden kann.

In gewisser Weise ähnelt er

dem Herzschrittmacher, hat aber eine andere Funktion.
Der automatische Defibrillator ist in einem kleinen Kästchen untergebracht, das im Oberbauch direkt unter die Haut implantiert und über zwei
Elektroden mit dem Herzen verbunden wird.

Das Gerät überwacht fortlaufend

die Herztätigkeit auf jede Änderung des regelmäßigen Herzschlags.

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Sobald

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�Sobald das Herz unkontrolliert zu schlagen und zu "flimmern" beginnt, wartet
der Defibrillator 15 Sekunden,

Kommt in dieser Zeit keine Normalisierung

der Herztätigkeit zustande, sendet er einen Stomstoß aus. Bringt dieser
nicht die gewünschte Wirkung, folgen bis zu drei weitere Stomstöße von wachsender Stärke.
Die für das Gerät entwickelte Spezialbatterien bleiben drei Jahre funktionsfähig und sind leistungsstark genug, um insgesamt bis zu 100 Stromstöße
zur Regulierung der Herztätigkeit auszulösen.
Die Arbeitsweise des Geräts wird durch eine zweite, außen am Körper getragene Einheit kontrolliert.
korder.

Es handelt sich um ein Kästchen mit einem Re-

Dieser wird durch die Herzkontraktion aktiviert, die dem Kammer-

flimmern vorausgeht.

Er zeichnet automatisch die elektrische Herzaktivität

vor und nach dem vom Defibrillator abgegebenen Stromstoß auf. Außerdem registriert er, wann, wie oft und in welchen Abständen es zu ungeordneter Herztätigkeit kommt, so daß der Arzt die Störungen im Reizleitungssystem des Herzens zu analysieren vermag.

Nach Angaben der NASA-Wissenschaftler sind die

Entwicklungen noch nicht abgeschlossen, so daß das Gerät vorläufig noch nicht
auf dem Markt zu erwarten ist.

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1. Oktober 1980

COMPUTER VERBESSERT SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG

- (AD) - Millionen Tonnen von Reis gehen in Asien jedes Jahr durch
Pilzbefall verloren. In Südkorea beispielsweise betrug vor zwei Jahren der
Verlust elf Prozent. Der Schädling ist sehr hartnäckig, widersteht offenbar chemischen wie biologischen Bekämpfungsmethoden. In Teilen Südamerikas
und Asiens, wo Reis gut gedeihen würde, wird wegen dieser Situation die Kultivierung eingeschränkt.
Dr. David MacKenzie, Pflanzenphysiologe an der Staatsuniversität
Pennsylvanien (University Park, Pennsylvania), schlägt nun ein computergestütztes Verfahren zur Schädlingsbekämpfung vor, das er vor einigen Jahren
für den Schutz von Kartoffelkulturen entwickelte und mit wachsendem Erfolg
einsetzte.

Schlüssel des Verfahrens ist der präzise gewählte Termin für die

Anwendung des Pestizids.

Das erhöht dessen Wirksamkeit, hält die Kosten

niedrig und verringert Umweltschäden auf ein Minimum.
MacKenzie verwendet einen Minicomputer in einem 5 mal 15 Zentimeter
großen Kästchen, der auf dem Feld verbleibt.

Alle siebeneinhalb Minuten

mißt er Faktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit und Blattnässe, um sie mit

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Telex: 08-85432

�mit gespeicherten Daten über das zu verwendende Pestizid und die Bedingungen,
die das Wachstum des Schädlings begünstigen, zu vergleichen.

Auf einen Knopf-

druck hin gibt der Computer dem Farmer Auskunft, wann der beste Zeitpunkt
zum Sprühen ist. Außerdem kommt vom Gerät eine Warnung, falls der Schädlingsbefall eine kritische Marke erreicht.
Im kommenden Frühjahr beginnen Versuche mit MacKenzies Verfahren auf
Feldkulturen des Internationalen Reisforschungsinstituts in der Nähe von
Manila (Philippinen) sowie in bestimmten Reisanbaugebieten von Südkorea.
Der Forscher ist überzeugt, daß mit Hilfe seines Verfahrens der Reisertrag
in zweifacher Hinsicht gesteigert werden könnte:

Es verringert erstens das

Ausmaß der Zerstörung von Reiskulturen durch Pilzbefall und es ermutigt Bauern
in vielen anderen Teilen der Welt, mehr Reis anzubauen.

Der Wissenschaftler

verweist darauf, daß beispielsweise Bauern im brasilianischen Hochland aus
Angst vor dem Befall der Reispflanzen nur einen Bruchteil des Landes kultivieren, das mit Reis bepflanzt werden könnte.

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1. Oktober 1980

MAISHALME ALS EIWEISSQUELLE

- (AD) - Maishalme sind eine ergiebige Quelle für Vitamine und
könnten sogar eine wichtige Rolle für die menschliche Ernährung spielen.
Auf einer Chemikertagung in Las Vegas im August 1980 berichtete Prof.
Bruce Dale von der Staatsuniversität Colorado, daß das in Maishalmen
ebenso wie in Sorghum-Blättern enthaltene Eiweiß etwa den gleichen Nährwert
habe wie Eiweiß aus Milch und Eiern und leicht zu extrahieren sei.

Seinen

Berechnungen zufolge könnte die Weltproduktion an Eiweiß merklich gesteigert
werden, wenn wenigstens ein Teil des Eiweißgehalts der rund 200 Millionen
Tonnen Maisrückstände genutzt würde, die jährlich in den Peinigten Staaten
anfallen.

Die Hälfte der Proteine in Maishalmen und Sorghum-Blättern

ließen sich durch einfaches Auswaschen mit Wasser bei Raumtemperatur gewinnen.
In stark konzentrierter Form könnten sie dann menschlicher Nahrung oder
Tierfutter zugesetzt werden.
Aber auch das, was dann noch übrig bleibe, lasse sich, so Prof. Dale,
weiterverwerten, und zwar für die Produktion von Alkohol als Zusatz zu
Benzin. Ernterückstände von Mais, Weizen, dem hirseähnlichen Sorghumgetreide

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�Sorghumgetreide und Zuckerrohr würden - vor allem aus wirtschaftlichen
Gründen - noch viel zu wenig zur Alkohol gewinnung genutzt. Mit der gleichzeitigen Nutzung als Eiweißquelle jedoch dürften sich die Kosten für die
Produktion von technischem Alkohol merklich ausgleichen lassen. Außerdem
sei dann auch das Argument, daß durch die Brennstoff-Produktion aus sogenannten
Biomassen Nahrungsmittel dem Konsum entzogen würden, leichter zu widerlegen.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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und
Dokumentation

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rsrs
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International Communication Agency
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26. September 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie gibt weltpolitischen überblick
- Ansprache auf der Sitzung der UN-Vollversammlung -

Um Übef/enduiiQ von
Belegexemplaren wird
gebeten

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26. September 1980

AUSSENMINISTER MUSKIE GIBT WELTPOLITISCHEN ÜBERBLICK
- Ansprache auf der Sitzung der UN-Vollversammlung -

VEREINTE NATIONEN,NEW YORK

- (AD) - Der amerikanische Außenminister

Edmund Muskie hat am 22. September 1980 vor der UN-Vollversammlung in New
York einen weltpolitischen überblick aus der Sicht der USA gegeben, wobei
er eine Vielzahl von Themen ansprach.

Ein längerer Teil seiner Ausführungen

waren dem Iran und der Situation der amerikanischen Geiseln gewidmet.

Muskie

forderte die Vereinten Nationen in diesem Zusammenhang auf, gemeinsam mit
den USA auf eine baldige Freilassung der Geiseln zu drängen.

Die Vereinigten

Staaten seien bereit, ihren Teil zu leisten, um die zwischen beiden Ländern
bestehenden Streitfragen auf faire Weise zu lösen.
Die Ansprache Muskies hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Delegierte der Vollversammlung,
ich bin heute hierher gekommen, um erneut die Verpflichtung der
Vereinigten Staaten gegenüber den Vereinten Nationen zum Ausdruck zu bringen.
Ich

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�•

Ich bin ebenfalls hierher gekommen, um unsere Hoffnungen für die
Zukunft der Weltorganisation auszusprechen - zu einem Zeitpunkt, da die
Welt durch Spannungen und Unsicherheit bedrängt ist.

Der Friede wird durch

schwelende regionale Konflikte bedroht, durch Angriffe der Starken auf die
Schwachen.

Große und kleine Länder werden geplagt durch stark steigende

öl preise und ernsthafte wirtschaftliche Belastungen.

In zahlreichen

Ländern bilden Armut und Unterdrückung eine explosive Kombination.
Vor einigen Wochen sprach ich vor dieser Versammlung über die internationale Wirtschaft.

Ich unterstrich die Verpflichtung der Länder,

angesichts weltwirtschaftlicher Probleme zusammenzuarbeiten:

Zahlungs-

ungleichgewichte, Energie, Inflation, verlangsamtes Wachstum in vielen
Entwicklungsländern, die gespenstischen Erscheinungen des Umweltverfalls und
sogar Hungersnot.
Die Unfähigkeit, einen Konsensus über Verfahrensweisen für globale
Verhandlungen zu erreichen, stellt eine Pause in diesem Prozeß dar, nicht
einen Fehlschlag hinsichtlich unserer Zielsetzung. Ich will damit keineswegs
sagen, daß die Meinungsverschiedenheiten, die eine Formel für solche globalen
Verhandlungen verhinderten, einfach bemäntelt werden können. Sie sind real;
sie existieren wirklich. Aber wir sind bereit, den Zeitraum dieser Vollversammlung für eine Fortsetzung der Erörterungen zu nutzen, was zu
Verfahrensweisen, zu einer Tagesordnung und zu einer Verhandlungsstruktur
führen kann, die eine breite Übereinstimmung zwischen all den hier vertretenen Ländern fördern wird.
Heute möchte ich über wirtschaftliche Probleme hinaus mich einer
Bedingung zuwenden, die die Voraussetzung für jeden materiellen Fortschritt
ist, der Friede. Wenn uns wirklich daran gelegen ist, eine Welt zu schaffen,
in der Frieden und Gerechtigkeit vorherrschen, dann können die Länder der
Welt - und diese Organisation - nicht einfach bestimmte politische und
rechtliche Verpflichtungen ignorieren - Verpflichtungen, die bis ins kleinste

- 2 -

.

�sowie für eine politische Lösung eintreten.

Wir müssen die Grundsätze

der Nicht-Einmischung, der Selbstbestimmung und der Blockfreiheit für
Afghanistan unterstützen.,
Auch in Kambodscha hält die bewaffnete Aggression an. Wir begrüßen
die Berichte, daß unter der Führung des UN-Generalsekretärs sowie internationaler Organisationen einiger Fortschritt bei der Linderung der Entbehrungen
und der Krankheiten erreicht worden ist, die vor einem Jahr noch so
vorherrschend waren.

Die Drohung einer neuen Hungersnot erfordert bedeutsame

künftige Beiträge von der Weltgemeinschaft.
Trotz einiger Verbesserungen der verzweifelten Situation der Menschen
in Kambodscha wurde keinerlei Fortschritt erzielt in bezug auf den Abzug
der vietnamesischen Besatzungstruppen und die Wiedererlangung der Selbstbestimmung für das kambodschanische Volk, wie es in der von den blockfreien
Staaten im vergangenen Jahr eingebrachten Kambodscha-Resolution gefordert
wird. Wir unterstützen nachdrücklich die Grundlage für eine Lösung des
Problems, einschließlich der Idee einer internationalen Konferenz, wie sie
in dieser von einer großen Mehrheit verabschiedeten Resolution enthalten
ist.
Vor allem aber sollten wir zwei Grundziele im Auge behalten, um
derentwillen diese Körperschaft existiert: der bewaffneten Aggression
entgegentreten und Hilfe gegen die Folgen einer solchen Aggression lasten.
Keine Erfolge können für den künftigen Einfluß und die Effizienz der
Vereinten Nationen wichtiger sein und kein Versagen könnte sich schädlicher
auswirken als das Versäumnis, sich entschlossen mit diesen Fragen zu befassen.
Unsere zweite, durch unsere Charta proklamierte Verpflichtung ist
es, internationale Streitigkeiten durch friedliche Mittel beizulegen.
Die

- 4 -

,

�kleinste hinein so zwingend sind, wie die wirtschaftlichen, von denen ich
soeben gesprochen habe.
Diese Verantwortungen sind nicht neu.
Vereinten Nationen proklamiert.

Sie sind in der Charta der

Aber gefährlich neue Umstände machen es

erforderlich, daß wir sie aufs neue unterstreichen, damit wir nicht gerade
die Zielsetzung verraten, der die Vereinten Nationen dienen sollen.
Unsere erste Verpflichtung ist es, sich der Aggression zu enthalten
und sich mit ihr nachdrücklich auseinanderzusetzen.
Der erste Artikel der UN-Charta sieht die "Unterdrückung von Akten
der Aggression und anderen Friedensbrüchen" vor.

Der zweite Artikel

verbietet die "Drohung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale
Integrität oder politische Unabhängigkeit eines jeden Staates..."
Demgemäß müssen sich die Vereinten Nationen mit dem anhaltenden Angriff
auf Afghanistan befassen.

Ich bringe dieses Thema auf, nicht um einen

. rhetorischen Schlagabtausch auszulösen, nicht um eine Polemik herbeizuführen, sondern im Interesse des Friedens.
Heute sind mehr als eine Million Flüchtlinge der menschliche Zoll
der Gewaltanwendung in Afghanistan.

Und es steht mehr auf dem Spiel als

die Unabhängigkeit eines einzelnen Landes.

Wenn dieser Angriff anhält,

dann sind die Unabhängigkeit und die Integrität eines jeden kleinen,
verteidigungslosen Landes in Frage gestellt.

t
Im Januar dieses Jahres wurde auf einer Sondersitzung dieser Vollversammlung der Angriff auf Afghanistan mit großer Mehrheit verurteilt.
Wir sind mit großem Nachdruck der Meinung, daß auch die 35. Vollversammlung
gemäß der Charta handeln muß, um die Prinzipien der Vereinten Nationen zu
stärken. Wir müssen für einen totalen Abzug der sowjetischen Truppen sowie

�Daß Beharrlichkeit Früchte bringen kann - daß Verhandlungen zum
Frieden führen können - das ist in den vergangenen Monaten erneut im
südlichen Afrika bestätigt worden.

Heute haben wir guten Grund,nicht nur

das Erreichte zu feiern, sondern auch die Art und Weise, in der Nationen
zusammengearbeitet haben, um es zu erreichen.

Und für die Zukunft bietet

die Lösung für Zimbabwe Hoffnung - und ein Modell - für friedliche Lösungen
im südlichen Afrika und an anderen Plätzen.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin energische Anstrengungen
unternehmen, um den Plan der Vereinten Nationen für Namibia zu fördern.
Es sind hier keine bedeutenden substantiellen Fragen mehr zu lösen. Ich
bin überzeugt, daß der Plan der Vereinten Nationen sich in fairer Weise
verwirklichen ließe= Alles, was noch zu tun bleibt, ist, daß Südafrika
in seinem eigenen Interesse, im Interesse des Friedens in dieser Region
und im Interesse des Volkes von Namibia handelt - und die Verwirklichung
der von den Vereinten Nationen vorgeschlagenen Lösung akzeptiert.
Wenn dies nicht bald geschieht, könnte die Chance für den Frieden
verloren gehen, und wir würden einer bitteren Zukunft eines sich weiter
hinziehenden Konflikts und tragischen menschlichen Leids entgegensehen.
Die Lösung in Zimbabwe kann auch als Präzedenzfall für einen friedlichen Wandel in Südafrika dienen. Wir werden weiterhin die Regierung von
Südafrika dazu drängen,die unvertretbare Politik der Apartheid aufzugeben.
Wir halten es für dringlich, daß Gespräche zwischen führenden Repräsentanten
über die Frage eines friedlichen, geordneten Wandels in Südafrika aufgenommen
werden, solange es dazu noch Zeit ist.
Wir müssen auch in anderen Teilen der Welt unsere Bemühungen um
Frieden und Wiederherstellung der Achtung vor dem Völkerrecht fortsetzen.
Im Libanon, auf Zypern und an anderen Plätzen werden wir den friedensstiftenden und friedenserhaltenden Bemühungen der Vereinten Nationen unsere

- 6 -

�Die Erreichung dieses Ziels bleibt weiterhin außerordentlich wichtig
in zwei Gebieten von zentraler Bedeutung: dem Nahen Osten und Südafrika.
Im Nahen Osten treten die Vereinigten Staaten für einen umfassenden
Frieden ein - einen dauerhaften Frieden, der sich auf die Grundsätze der
UN-Resolutionen 242 und 338 stützt.

Wir sind entschlossen, auf einen

erfolgreichen Abschluß des in diesem Monat vor zwei Jahren in Camp David
begonnenen Friedensprozesses hinzuarbeiten.

Dieser Prozeß hat bereits

das eine zustandegebracht, was einst für unmöglich gehalten wurde:
zwischen Ägypten und Israel.

Friede

Jetzt konzentrieren sich die Verhandlungen

auf ein zweites Ziel: einen ersten bedeutsamen Schritt zur Lösung des
Palä'stinenserproblems zu tun.

Ziel der derzeitigen Autonomieverhandlungen

ist es, zu Interimsvereinbarungen zu gelangen, um der Bevölkerung der
Westbank und des Gazastreifens Autonomie zu verschaffen.

Danach wird

der Prozeß zu Verhandlungen übergehen, die über den endgültigen Status
dieser Gebiete entscheiden sollen.
In unserem Bemühen um eine Lösung dieses Konflikts sind wir verpflichtet, eine Lösung für das Palästinenserproblem in all seinen Aspekten
zu finden und gleichzeitig eine dauerhafte Sicherheit für den Staat Israel.
Wir machen uns keine Illusionen über die Schwierigkeiten dieses Problems.
Wir haben es mit einem Problem zu tun, das von langer Dauer und durch
tiefreichende Emotionen belastet ist.

Eine einfache und glatte Lösung kann

es nicht geben.
So rufe ich denn heute alle Mitglieder dieser Versammlung auf, diesen
Verhandlungen ihre Unterstützung zu geben.

Camp David hat sich als der

hilfreichste und produktivste Weg zum Frieden im Nahen Osten erwiesen und
bleibt dies auch für die Zukunft.
es sei denn den weiteren Konflikt.

Es gibt keine Alternative zu Verhandlungen,
Wollen wir uns doch daran erinnern,

daß Differenzen wie Flüsse sind, die man überqueren muß, nicht aber Gründe,
um den Rückzug anzutreten.
Daß
- 5 -

�Einklang mit dem Völkerrecht leben, und die Sanktionen würden eingestellt
werden.
Ich fordere heute den Iran als Nation, sein Parlament und seine
Bevölkerung auf, auch einmal die menschliche Seite des Geisel Problems zu
erwägen.

Diese unschuldigen Menschen und ihre Familien haben bitteres

Leid erfahren.

Ich ersuche auch diese Gemeinschaft der Nationen, sich

unserer dringenden Bitte anzuschließen, daß ihre schwere Prüfung zu einem
sicheren, ehrenvollen und unverzüglichen Ende gebracht wird.
Wir wissen auch, daß aufgrund von in der Vergangenheit erfahrenem Leid
und Mißgeschick die Gemüter im Iran wie auch in den Vereinigten Staaten tief
erregt sind. Wir sind bereit, unseren Teil zu tun, um die zwischen uns
bestehenden Streitfragen auf faire Weise zu lösen.
Das iranische Parlament hat angekündigt, daß es eine Kommission
ernennen will, die sich mit der Geisel frage befassen soll.

Wir hoffen,

daß dieser positive Schritt die Regierung des Iran enger an eine
Entscheidung über die Freilassung der Geiseln heranbringen wird.
Die Vereinigten Staaten teilen viele gemeinsame Werte mit dem iranischen
Volk.

Wenn die sichere Rückkehr aller Geiseln zu ihren Familien gewährleistet

ist, sind wir bereit, uns auf einer Basis des gegenseitigen Respekts und der
Gleichheit mit allen ungelösten Fragen und Mißverständnissen, die zwischen
dem Iran und den Vereinigten Staaten bestehen, zu befassen und Absprachen
über die Grundsätze zu treffen, die das Verhältnis zwischen uns bestimmen
werden.
Mit dem Blick auf die Zukunft fordere ich die Vereinten Nationen
dringend auf, sobald wie möglich entschlossene und effektive Maßnahmen zu
treffen, um der weltweiten Drohung von Angriffen auf Diplomaten und andere
entgegenzutreten. Die Gefahr, die dadurch für das zuvilisierte internationale

- 8 -

�unsere volle Unterstützung erteilen.
Und obwohl die Festhaltung von amerikanischen Geiseln im Iran kein
Thema der Tagesordnung dieser Versammlung ist, bleibt es eine Sache von
äußerster Dringlichkeit, daß ein Weg aus dieser tragischen Sackgasse gefunden
wird - daß das Problem auf eine Weise gelöst wird, die den Frieden stärkt
und die Achtung vor dem Völkerrecht wiederherstellt.
Die anhaltende Situation im Iran trägt zur Ungewißheit über die
Sicherheit und Stabilität in Südwestasien bei.

Die Sicherheit des Iran

selbst und die Stabilität des Gebietes hängen ab von einem geeinten,
starken und unabhängigen Iran, der mit seinen Nachbarn in Frieden lebt.
Mit dem Ende des früheren Regimes und dem Tod des ehemaligen Schahs
ist ein Kapitel in der Geschichte des Iran abgeschlossen.

Mit dem Anfang

des neuen Kapitels betonen wir mit allem Nachdruck, daß wir die Realität
der iranischen Revolution anerkennen und daß wir die Rechte des iranischen
Volkes respektieren, seine eigene Regierungsform ohne jegliche Einmischung
zu wählen.
Nach dem Wirksamwerden der neuen Verfassung, der Bildung einer neuen
Regierungsstruktur und der allmählichen Konsolidierung der Autorität kann
die islamische Republik des Iran ihre Verpflichtungen und ihre unabhängige
Rolle in dieser Gemeinschaft der Nationen übernehmen.
Ein unerläßlicher Schritt aber wird die sichere Rückkehr der amerikanischen Geiseln im Iran zu ihren Familien sein.

Während all der 324 Tage

ihrer Gefangenschaft haben die Mitglieder und Institutionen der Vereinten
Nationen auf mannigfache Weise und über zahllose Kanäle ihre Besorgnis über
die Geiseln zum Ausdruck gebracht.

Mit ihrer Freilassung, wie sie wiederholt

vom Sicherheitsrat und dem Internationalen Gerichtshof gefordert wurde,
könnte der Iran seine Isolation von all den Nationen beenden, die im Einklang

�Weltorganisation.

Aber alle sind von nachhaltiger Bedeutung für die

internationale Gemeinschaft.

Denn ein ungezügeltes Wettrüsten würde den

Horizont der gesamten Menschheit verdunkeln.
Erstens. Es ist die Absicht Präsident Carters,so schnell wie möglich
auf eine Ratifizierung des SALT II-Vertrages hinzuwirken. Demgemäß
beabsichtigt der Präsident, bald nach den Wahlen die Führung des Senats
der Vereinigten Staaten mit dem Ziel zu konsultieren, den Ratifizierungsprozeß sobald wie möglich wieder aufzunehmen.
Wir erachten es als von entscheidender Bedeutung, SALT II zu ratifizieren
und mit dem SALT-Prozeß voranzuschreiten. Die Sowjetunion muß sich jedoch
darüber im klaren sein, daß die jüngsten sowjetischen Aktionen für viele
Amerikaner das Eintreten der Sowjetunion für den Weltfrieden und für weltweite Zusammenarbeit in Frage gestellt haben.
Wir fordern also die Sowjetunion auf, in einer Art und Weise zu
handeln, die die Aussichten für SALT II sowie für weitere Rüstungskontrollbemühungen fördert, nicht aber ihnen schadet.
Zweitens.

Wir sind dem Streben nach sinnvollen und gleichen Begrenzungen

der nuklearen Mittel Streckensysteme im Rahmen von SALT III verpflichtet.
Wir sind bereit,mit dem sowjetischen Außenminister in dieser Woche in
Gespräche einzutreten, um dieses Thema zu erörtern und eine Einigung über
die Vorkehrungen für einen baldigen Beginn dieser Gespräche zu erreichen.
Drittens.

Wir haben uns dem Abschluß eines wirksamen und verifizierbaren

umfassenden Vertrages über ein Versuchsverbot verpflichtet.

Auf dem Wege

zu diesem Ziel sind wesentliche Fortschritte erzielt worden,und wir sind
entschlossen diese Bemühungen mit allem Nachdruck voranzutreiben.
Viertens

- 10 -

�internationale Leben entsteht, wächst ständig; keine Friedensinstitution
kann es sich leisten, dies zu ignorieren.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits wollen in Frieden mit allen Ländern
leben.

Ob es nun der Iran ist oder die Sowjetunion, wir sind bestrebt,

die Spannungen zu vermindern und produktive Beziehungen wiederherzustellen,
sobald deren Handlungen dies zulassen.
In allen Fällen wird unsere Politik unsere Verpflichtung zur Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder widerspiegeln.
Wie Präsident Carter bekräftigt hat, werden wir uns nicht in die Angelegenheiten Polens einmischen, und wir erwarten, daß andere ebenfalls das Recht
der polnischen Nation respektieren werden, ihre eigenen Probleme auf eigene
Weise zu lösen.
Eine weitere Verpflichtung der Nationen, Herr Präsident, ist die
Kontrolle und die Begrenzung von Rüstungen.
Eine Zeit erhöhter Spannungen in der Welt macht die Erfüllung dieser
Verpflichtung schwieriger, aber sie macht sie auch umso dringender.
Aus diesem Grunde lassen Sie mich heute erneut die Verpflichtung
meiner Regierung zur Rüstungskontrolle unterstreichen - für praktische Maßnahmen,
die zum Weltfrieden beitragen und die internationale Stabilität fördern.
Präsident Carter hat diese grundlegende Verpflichtung ausgesprochen, als
er im Januar 1977 als Präsident vereidigt wurde. Sie ist in gleicher Weise
auch heute noch gültig.
Lassen Sie mich hier mehrere konkrete Beispiele dieser Verpflichtung
anführen.
werde,

Einige der Rüstungskontrollbemühungen, von denen ich sprechen

involvieren eine aktive Beteiligung seitens der Vereinten Nationen;

andere berühren Verhandlungen außerhalb des Rahmens der Weltorganisation.

- 9 -

�bei,umfassende und weitgefaßte internationale Sicherheitsmaßnahmen zu
erreichen«

Wir sind der Ansicht, daß die Akzeptierung solcher Maßnahmen

zu einer Bedingung für neue Verpflichtungen bezüglich nuklearer Lieferungen
an solche Staaten gemacht werden sollte. Wir werden auch weiterhin für
eine Welt eintreten, in der alle Länder an der friedlichen Nutzung der
Kernenergie teilhaben können,ohne daß die Gefahr einer Verbreitung von
Kernwaffen gegeben ist.
Bevor ich dieses Thema verlasse, möchte ich unsere große Besorgnis
über eine weitere Rüstungskontrollangelegenheit zum Ausdruck bringen.
Wenn die Rüstungskontrolle erfolgreich sein woll, dann müssen die Abkommen
voll und ganz eingehalten werden. Fragen, wie sie jetzt durch immer wiederkehrende Berichte aufgeworfen werden, wonach chemische Waffen in Afghanistan,
Laos und Kambodscha eingesetzt worden sind, können von der internationalen
Gemeinschaft nicht einfach ignoriert werden. Würde man das tun, dann würden
wir sowohl die Rüstungskontrolle als auch das Völkerrecht unterminieren.
Die Vereinigten Staaten begrüßen daher den Nachdruck, den der Abrüstungsausschuß auf seiner jüngsten Sitzung auf die Notwendigkeit gelegt hat,
durch internationale Bemühungen, die hinter diesen Berichten stehenden
Tatsachen zu klären. Wir sind der Ansicht, daß eine unparteiische Untersuchung dieser Berichte am angemessensten unter den Auspizien der Vereinten
Nationen erfolgen könnte.
So wichtig diese von mir angeführten Verpflichtungen sind, so erschöpfen sie doch in keiner Weise die Verantwortung, die uns als Länder
sowie als eine Gemeinschaft von Ländern auferlegt ist, wenn wir den
Frieden sichern wollen.

Und mit Frieden meine ich nicht die zerbrechliche,

künstliche Stabilität, die mit der Unterdrückung eines Volkes seitens
seiner Regierung gegeben ist.

Ich meine vielmehr die wahre Stabilität von

Gesellschaften, die mit sich im Frieden leben, weil die Rechte ihrer
Bürger geschützt und gestärkt werden.
Herr

- 12 -

�Viertens.

Die Vereinigten Staaten haben sich mit den Gesprächen in

Wien verpflichtet, eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung
sowie Begrenzungen zu erreichen, um die mit der massiven Präsenz militärischer
Kräfte in Mitteleuropa verbundenen Risiken abzubauen.
Fünftens.

Wir sind bereit, die Sicherheitsaspekte der Konferenz

über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) weiterzuentwickeln.
Wenn die internationale Situation es erlaubt

und wenn es auf der Folge-

konferenz in Madrid einen ausgewogenen Fortschritt auf allen Gebieten
gibt

- einschließlich der Menschenrechte -,dann sind wir bereit, nach

Madrid eine europäische Konferenz der KSZE-Signatarstaaten über die
Entwicklung militärisch bedeutsamer,vertrauenschaffender Maßnahmen in
Erwägung

zu ziehen.

Sechstens.

Wir unterstützen die Bemühung des neuerdings erweiterten

Abrüstungsausschusses, die Bestimmungen einer internationalen Konvention
über radiologische Waffen auszuarbeiten.

Wir unterstützen ebenfalls

seine auf ein umfassendes Verbot chemischer Waffen gerichtete Arbeit, und
wir wollen auch weiterhin unsere bilateralen Verhandlungen mit der Sowjetunion über ein effektives Verbot chemischer Waffen fortsetzen:
Und schließlich: die Weiterverbreitung von Kernwaffen würde eine
ernsthafte Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit
darstellen. Wir unterstützen daher mit Nachdruck die Bemühungen um eine
Reduzierung der Gefahr der nuklearen Weiterverbreitung. Der Nicht-Weiterverbreitungsvertrag (NPT) ist ein Eckpfeiler dieser Bemühungen. Wir
fordern daher nachdrücklich die Nicht-Mitglieder auf, sich diesem Vertrag
anzuschließen, denn er fördert die Sicherheit aller Länder, ob sie nun
über Kernwaffen verfügen oder nicht. Auf der kürzlich beendeten NPTüberprüfungskonferenz war man sich einstimmig darüber einig, daß dieser
Vertrag grundlegend richtig ist und daß alle Länder in der Welt ihm beitreten sollten. Im Hinblick auf die Nichtnuklear-Staaten, die diesem Vertrag
noch nicht beigetreten sind, messen wir besondere Bedeutung dem Ziel bei,
- 11 -

�in der Sub-Sahara-Zone Afrikas.

Es kann kein Zweifel daran bestehen,

daß es sich hier um ein weltweites Problem handelt.

Dieses Problem erfordert

daher eine weltweite Reaktion.
Die Anstrengungen zur Wiederansiedlung der Flüchtlinge, über die man
sich im letzten Jahr in Genf geeinigt hat, erfordern unsere ganze Energie
und unsere Generosität.
Wir müssen das Amt des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge mit aller
Kraft unterstützen.
Die humanitären Programme der Vereinten Nationen sowie anderer Stellen
erfordern einen erneuten Einsatz von uns allen - zu ihrer Unterstützung und
ihrer Stärkung.
Aber letztlich kann diese menschliche Tragödie nur bewältigt werden,
wenn wir die Ursachen an der Wurzel packen: indem wir die Armut beseitigen,
die Mißachtung der Menschenrechte in den einzelnen Ländern beenden und für
Frieden unter den Ländern sorgen, so daß kein Mensch sich gezwungen sieht,
Heim und Land aufzugeben.
Deshalb unterstützt mein Land die Stärkung der Demokratie und der
persönlichen Freiheit - auf dem amerikanischen Kontinent und in Afrika und
in jedem Teil der Welt. Die Verwirklichung dieser letztlichen Zielsetzungen bleibt weiterhin eine der obersten Aufgaben der Vereinten Nationen.
Die 35. Vollversammlung muß daran arbeiten, auf diesem Gebiet Fortschritte
zu erzielen.
Herr Präsident, wir dürfen Tatsachen nicht einfach ignorieren!

Wir

befinden uns in einer Zeit weltweiter wirtschaftlicher Schwierigkeiten und
in einer Zeit der Spannungen zwischen Großmächten.
In

- 14 -

�Herr Präsident, ich darf daher eine weitere Verpflichtung für unsere
Länder unterstreichen, die Verpflichtung nämlich, die Menschenrechte zu
bewahren und uns mit allem Nachdruck mit den fundamentalen menschlichen
Erfordernissen zu befassen.
In der universellen Menschenrechtserklärung hat die Völkergemeinschaft
in nobler Weise die Konzeption der Menschenrechte und der Menschenwürde
definiert - genauso wie wir in der Charta der Vereinten Nationen das Gebot
der friedlichen Zusammenarbeit dargelegt haben.
Die Tatsache, daß die einzelnen Länder diesen Menschenrechtsverpflichtungen
nicht nachkamen, ist eine anhaltende Tragödie, was sich auf schmerzliche
Weise in den Flüchtlingswellen rranifestiert, die jetzt über die Welt
schlagen.
•

Diese leidgeprüften Menschen stellen eine dramatische Herausforderung
für die internationale Gemeinschaft dar, die durch diese Vollversammlung
repräsentiert wird.

Während der vergangenen fünf Jahre haben die Vereinigten

Staaten über 600 000 Flüchtlinge aufgenommen - aus Afrika, Europa, dem Nahen
Osten und der westlichen Hemisphäre.

Allein während der vergangenen fünf

Monate sind mehr als 120 000 Menschen zu uns gekommen, die aus Kuba an
unsere Ufer getrieben worden sind: ein Zustrom, der außerordentliche Herausforderungen für unsere Ressourcen darstellt.
In Anerkennung der menschlichen Not, die diese weltweite Flüchtlingswelle impliziert, hat Präsident Carter die Absicht der Vereinigten Staaten
bekanntgegeben, im Verlauf des nächsten Jahres weitere 217 000 Flüchtlinge
aufzunehmen.
Unser Land ist natürlich nur eines von vielen Ländern, die Flüchtlinge
aufgenommen und unterstützt haben. Ober eine Million Menschen sind aus
Afghanistan nach Pakistan geflüchtet; 400 000 Indochinesen befinden sirh in
Thailand. Mehr als drei Milliarden Menschen sind heimatlos j_n
- 13 -

�In solchen Augenblicken ist die friedliche Zusammenarbeit noch
schwieriger als gewöhnlich.

In solchen Augenblicken bekommen unsere

Verpflichtungen als Mitglieder dieser Völkerversammlung eine neue Bedeutung.
In solchen Zeiten, da die Wolken krisenhafter Ereignisse unser Streben
nach einem endgültigen Frieden verdunkeln, können wir unseren Weg nur
dadurch erhellen, daß wir getreulich die Charta der Vereinten Nationen
befolgen, daß wir uns an das Völkerrecht halten, das uns verbindet, und

i

dem Standard internationalen Verhaltens entsprechen, der uns schützt.
Herr Präsident, hoffen wir, daß das Licht, das wir auf diese Weise
entzünden, die Wolken der Spannung und der Zwietracht vertreiben wird, die
unsere Welt heute verdunkeln.
Die Vereinigten Staaten werden ihren Beitrag leisten.

Wir werden

unsere Verpflichtungen erfüllen, um der Aggression entgegenzutreten,
den Frieden zu stärken, die Rüstungen zu begrenzen, die Menschenrechte zu
unterstützen und wirtschaftliche Gerechtigkeit zu fördern.

Für uns und für

andere Nationen können diese Bemühungen in unermeßlicher Weise das Leben
auf Erden verbessern und den gerechten und dauerhaften Frieden schaffen,
nach dem sich alle unsere Völker sehnen.

+ + + + +

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. September 1980

42

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie hebt starke Verteidigungsposition der USA hervor
- Wortlaut der Ansprache in Pittsburgh Muskie:

Ein Nuklearkonflikt ist kein Instrument der Politik

- Erklärung vor dem außenpolitischen Senatsausschuß Botschafter Kampelman:

KSZE-Prozeß muß fortgesetzt werden

- Erklärung auf dem Vorbereitungstreffen in Madrid -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bericht "Welt im Jahr 2000" vor Kongreßausschuß
- Empfehlungen an US-Präsidenten werden vorbereitet

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Teersandaufbereitung - wirtschaftlicher und umweltschonend

Um Übcf/cndung von
ßcIcgcHcmplarcn wird
gebeten

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Ijüiai ßtr
iii

a

Dokumentation

(*i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

42

24. September 1980

AUSSENMINISTER MUSKIE HEBT STARKE VERTEIDIGUNGSPOSITION DER USA HERVOR
- Wortlaut der Ansprache in Pittsburgh -

PITTSBURGH - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie hat am
18. September 1980 vor dem Rat für weltpolitische Fragen in Pittsburgh erklärt,
daß die Verteidigungsposition der Vereinigten Staaten aufgrund der ständigen
Verbesserung ihrer Streitkräfte stark sei und immer stärker werde.

Die Ansprache des Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Während dieser Zeit der Behauptungen und Gegenbehauptungen ist es nützlich }sich eine Geschichte ins Gedächtnis zurückzurufen, die Abraham Lincoln
zu erzählen pflegte.

Wenn die Diskussionen in seinem Büro den Siedepunkt erreicht hatten,
unterbrach er die Erörterungen, um die Geschichte von dem Jäger zu erzählen,
der sich im Walde verirrt hatte, als ein schwerer Sturm losbrach.

Der hef-

tige Sturm machte es dem Jäger nahezu unmöglich, zu sehen, wohin er ging.
Dann brach die Nacht herein,so daß der Jäger sowohl mit der Finsternis als
auch mit dem heftigen Regen zu kämpfen hatte.

Der Donner war ohrenbetäubend.

Nur gelegentliche Blitze wiesen ihm den Weg.
Schließlich

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Telex: 08-85432

�Schließlich fiel der Jäger, durchnäßt und ermüdet, auf die Knie, um zu
beten. "Wenn es Dir nichts ausmacht, Herr," so sagte er, "dann wäre ich dankbar für etwas weniger Lärm und etwas mehr Licht."
In diesem Geiste möchte ich heute hier zu Ihnen sprechen.
In den vergangenen Monaten war die Atmosphäre ungewöhnlich dick von Erklärungen über eine Abnahme der militärischen Stärke der USA.
solche Grabgesänge nicht einstimmen.
nicht den Tatsachen.

Wir können in

Denn sie sind falsch und entsprechen

Und sie können, was ihre Auswirkung anbetrifft, gefähr-

lich sein.
Ich bin heute hier, um mich nachdrücklich mit diesen Predigern der amerikanischen Schwäche auseinanderzusetzen und um zu bekräftigen, daß Amerika heute
stark ist und immer stärker wird.
Wenn unser Land wirklich seine Verteidigung vernachlässigen würde, dann
wäre es die Pflicht aller informierten Leute, Alarm zu schlagen.

Aber falsche

Erklärungen, in denen von Schwäche die Rede ist, intensivieren nur die Gefahren, vor denen wir stehen.

Sie können dazu führen, daß unsere Freunde an

uns zweifeln und unsere Feinde uns falsch einschätzen.

Sie können von ande-

ren Anstrengungen ablenken, die notwendig sind, um unsere Gesellschaft stärker
und unsere Welt sicherer zu machen.
Wollen wir also unsere Verteidigungsposition bewerten, aber in fairer
Weise.

Wollen wir das Gleichgewicht zwischen Ost und West realistisch ab-

wägen.

Und wollen wir unsere eigene Stärke wie die unseres Gegners in ange-

messener Weise betrachten.
Unsere Verbündeten sind stärker, unsere Bündnisse fester als die der
Sowjetunion.

An wirtschaftlicher Kraft übertreffen die Vereinigten Staaten

und unsere NATO-Verbündeten den Warschauer Pakt im Verhältnis zwei zu eins.
Insgesamt verwenden wir mehr auf die Verteidigung als der Warschauer Pakt,
die Sowjetunion eingeschlossen.

Hin7u

�Hinzu kommt für unsere Bündnisse die Verläßlichkeit, die entsteht, wer»
Wertvorstellungen und Zielsetzungen gemeinsam getragen werden

anders als

beim Warschauer Pakt sind die NATO-Mitglieder sowie J a p ^ Verbündete
gener Wahl.

aus ei-

Der Zweck unserer Bündnisse ist nicht d^e Verschleierung der Am-

bitionen eines einzelnen Mitglieds, sondern die Verteidigung der

aiheit

aller.
Mindestens ein Viertel der Landstreitkräfte der Sowjetunion sind an der
langen gemeinsamen Grenze mit China gebunden.

Die Nationen an unseren Gren-

zen sind Freunde.
Technologie ist ein weiterer amerikanischer Vorteil. "Schneller" / G e nauer", "Moderner" - dies sind allgemein Begriffe, die auf amerikanische
Waffen und Systeme zutreffen. Die sowjetische Technologie ist hinter uns
zurückgeblieben.
Und unsere Sicherheit wird ferner gefördert durch den Inhalt unserer
Außenpolitik - durch die internationalen Prinzipien, die wir unterstützen.
Auf globaler Basis stehen wir ein für die Grundgebote der nationalen Souveränität und der Menschenrechte. Gewiß leben wir in einer tumultuarisehen
Welt, die durch einen ungestümen Nationalismus und durch hochfliegende menschliche Erwartungen in über hundert neuentstandenen Nationen gekennzeichnet
ist. Aber wenn eine solche uns umgebende Welt für uns verwirrend und beunruhigend ist, so wird sie sich noch als weitaus gefährliche^ für die Nationen erweisen, die versuchen, andere zu beherrschen und ihnen ihr System aufzuzwingen. Solche Ideen des Imperialismus gehören der Vergangenheit an,
Sie kollidieren frontal mit den historischen Trends, die heute faktisch überall auf der Welt wirksam sind - von den Patrioten in Afghanistan bis zu den
Nationalisten in jeder Nation der Dritten Welt, von den demokratischen Kräften in Zimbabwe bis zu den tapferen Arbeitern in Polen, die uns alle angespornt haben.
Kurzum:

unsere Technologie, unsere soliden Sicherheitspartnerschaften,

unsere Identifizierung mit nationaler Unabhängigkeit und menschlicher Frei- 3 -

�Freiheit - alle diese Aktivposten sollten unser Vertrauen stärken, wenn wir
uns fragen, ob unsere Verteidigung ausreichend ist.
Sie geben uns jedoch keinen Grund zur Selbstzufriedenheit.
Unsere militärische Position erfordert weiterhin unsere größte Aufmerksamkeit.
Mit der Sowjetunion steht uns ein Rivale gegenüber, der seit über einer
Generation dabei ist, seine militärischen Streitkräfte - sowohl die konventionellen als auch die strategischen - ständig weiter auszubauen.
Bei den strategischen nuklearen Streitkräften haben die Sowjets etwa
die Gleichwertigkeit erreicht. Auf konventionellem Gebiet haben sie die Gefahr für unsere asiatischen und europäischen Verbündeten vermehrt.

Sie haben

den Status einer globalen Macht angestrebt - die Kapazität zur direkten Einmischung selbst in entfernten Regionen.

Und wie in Afghanistan haben sie

auch nicht gezögert, ihre Macht anzuwenden, in einem brutalen Versuch, einen
souveränen Nachbarstaat zu unterdrücken.
Die Frage, vor der wir Amerikaner stehen, ist nicht, ob wir auf diese
Entwicklungen reagieren sollten. Alle sind sich einig, daß wir das müssen.
Die eigentliche Frage ist, ob wir weitermachen wollen mit einer wohldurchdachten und abgewogenen Reaktion, angepaßt den wirklichen Bedrohungen,
denen wir uns gegenübersehen - oder ob wir wild in alle Richtungen zugleich
losstürmen werden und dabei weitaus größere Summen für einen geringen - wenn
überhaupt einen - Effekt ausgeben wollen.
Lassen Sie mich einen kurzen Überblick darüber geben, wie die Reaktion
bisher gewesen ist.
Insgesamt gesehen sind die Ausgaben für unsere Rüstung nicht länger rück
läufig.

Unsere
- 4 -

�Unsere Verteidigungsausgaben sanken in den sieben oder acht Jahren,unmittel bar

bevor Präsident Carter sein Amt übernahm, und zwar insgesamt um

mehr als 37 Prozent.

Seit der Amtseinführung Präsident Carters jedoch sind die Verteidigungsausgaben vier Jahre nacheinander gestiegen - ein Gesamtanstieg von zehn Prozent, nach Abzug der Inflationsrate.

Und wenn der Fünf-Jahresplan des Prä-

sidenten durchgeführt sein wird, wird der Zuwachs bis 1985 über 27 Prozent
hinausgehen.

Aber selbst hierbei gibt es manche, die erklären, daß diese Anstrengung
nicht ausreiche.

Sie bestehen auf einem noch größeren Rüstungsbudget.

Sie wollen uns jedoch nicht sagen, was in ihm enthalten sein soll.
se Entscheidungen lassen sie für später.

Die-

Sie wollen einfach "mehr" - was

auch immer, ganz als ob das Einsacken des Geldes der Steuerzahler ein erstrebenswerter Endzweck sei.

Das aber ist nicht die Formel für größere Sicherheit, sondern für garantierte Verschwendung - ein Fehler, wie er bei der Verteidigung genauso vermieden werden sollte wie in allen anderen Sparten des Haushaltsplanes.

Was wir brauchen, ist dagegen ein sorgfältig strukturiertes Verteidigungsprogramm, das in wirkungsvoller Weise den spezifischen Gefahren entspricht.
Und das haben wir.

Bei den konventionellen Streitkräften begann die Carter-Administration
sich 1977 unverzüglich mit den militärischen Schwächen der NATO zu befassen
- Fragen, denen man vorher zwar überreichlich Erörterungen, aber nur herzlich
wenig konkrete Beachtung gewidmet hatte.

Heute steht das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO - eine Initiative Amerikas - in seinem dritten Jahr.

Probleme, die von der Einsatzbe-

reitschaft und raschen Verstärkung bis zur integrierten Luftverteidigung rei- 5-

�reichen, werden nicht länger mehr nur einfach geprüft, sondern sie wurden
gelöst.
Diese Verbesserungen in der NATO werden getragen von einem übereinkommen
des Bündnisses, die Verteidigungsausgaben in jedem Jahr um mindestens drei
Prozent zu erhöhen - eine weitere Initiative der Vereinigten Staaten.
Wir sind dabei, die Waffen und die Ausrüstung des Heeres auf breiter
Basis zu modernisieren.

Wir haben mit der ersten großangelegten Modernisie-

rung der taktischen Luftstreitkräfte seit den Tagen des Vietnamkrieges begonnen.

Unser Schiffbauprogramm wird im Verlauf der nächsten fünf Jahre 97

neue Schiffe erstellen zum Aufbau einer neueren und leistungsfähigeren Flotte
von 550 Schiffen, im Gegensatz zu den 476 Schiffen im Jahre 1977.
Zusammen mit der Fortentwicklung dieser Programme haben wir auch damit
begonnen, unsere Fähigkeit zu verbessern, auf Krisensituationen außerhalb
der wichtigsten Bündnisregionen zu reagieren, dazu gehört auch das lebenswichtige Gebiet Nahost-Persischer Golf.

Unsere Flottenpräsenz dort ist die

stärkste seit je. Wir haben neue Abkommen über den Zugang zu Häfen und
Flugplätzen ausgehandelt.

Im Gebiet des Indischen Ozeans schaffen wir Ar-

senale für vorausgelagertes Gerät und Nachschubmaterial.
flugzeug wird entwickelt.

Ein neues Transport-

Die Einheiten für eine schnelle Eingreifgruppe

sind aufgestellt, und Einsatzübungen sind im Gange.
In unseren Programmen auf dem Gebiet der Kernwaffen spiegelt sich dieses
gleiche Eintreten für die Abschreckung vor einem Krieg durch die Gewißheit
der Stärke wider.
Im vergangenen Jahr hat die NATO unsere Empfehlungen zur Modernisierung
der nuklearen Mittel Streckenwaffen (TNF) angenommen.
Bei den Interkontinentalraketen oder strategischen nuklearen Streitkräften sind die harten Entscheidungen gefallen. Eine durchgreifende Modernisierung aller drei Elemente unserer nuklearen Triade - zu Land, zur See und in
der Luft - geht voran.
_ ,,
- 6 -

�- Was die strategischen Bomberverbände anbetrifft, so hat Präsident
Carter hier den vernünftigsten Weg eingeschlagen, auch wenn damit harte politische Debatten verbunden waren.

Statt Milliarden Dollar in den B-1-Bomber

mit einer zweifelhaften Zukunft zu stecken, beschloß er, unsere vorhandenen
Bomber mit luftgestützten Marschflugkörpern (ALCM) auszurüsten.

An Steile

der alten Konzeption, die im hohen Maße verwundbar gegenüber sowjetischen
Abwehrmaßnahmen war, wählte er einen Komplex fortschrittlichster Technologien, die alle vorhersehbaren sowjetischen Verteidigungsmaßnahmen überwinden
können.

- Zur See wurde das Trident-Unterseebootprogramm wieder aufgenommen.
Das erste dieser modernen U-Boote wird sich im kommenden Jahr in die Flotte
eingliedern.

Teile der bestehenden Flotte verfügen bereits über die Trident-

I-Rakete mit wesentlichen Verbesserungen hinsichtlich Reichweite und Stärke,
- Und zu Lande wird die neue MX-Rakete - auf mobiler Basis - die Hauptquelle einer potentiellen nuklearen Instabilität beseitigen:
Verwundbarkeit unserer verbunkerten Raketen.

die zunehmende

Wie bei unser Bomberflotte

verwarf Präsident Carter auch hier alle zweitbesten Vorschläge und vergewisserte sich, daß wir über den besten Plan verfügten, ehe mit der Konstruktion begonnen wurde - so daß wir weder Zeit noch Geld für die spätere Beseitigung von Fehlern zu vergeuden haben.

Zusammen mit diesen Programmen - Marschflugkörper, Trident, MX - gibt er
ein viertes Programm, das ich erwähnen möchte - eine "Geheimwaffe", wenn S'e
so wollen.

Lassen Sie mich einiges davon ausführen, was diese vermag.

Diese Geheimwaffe ganz allein schon würde etwa ein Viertel aller sowjetischen Langstreckenraketen und -bomber ausschalten, mit denen wir bis 1985
rechnen.

Sie würde das tun, ohne einen Nuklearkrieg zu entfesseln, ja, ohne

auch nur einen Schuß abzufeuern.

Im weiteren Verlauf würde sie tausende einzelner Raketensprengköpfe und

- 7 -

�und Bomben eliminieren, die das sowjetische Arsenal sonst für unser Land hätte
bereithalten können.
Die Geheimwaffe verfügt außerdem über Überwachungskapazitäten.

Mit ihrer

Hilfe wäre sie in der Lage, sich einen genaueren überblick über den Stand der
sowjetischen Streitkräfte und Programme zu verschaffen.
Und bei all ihrer militärischen Effektivität gibt es keinerlei Unvereinbarkeit zwischen dieser Geheimwaffe und unseren anderen strategischen Programmen.

Die Produktion der MX-Rakete, der Trident und der luftgestützter Marschflug-

körper kann weiterlaufen wie geplant.
Auch wird die Einbeziehung dieser neuen Waffe in unser System keine massiven neuen Budgetbewilligungen erfordern.

Vielmehr wird auf längere Sicht so-

gar noch Geld gespart werden.
Unsere Verbündeten werden sich ihretwegen keine Sorgen zu machen brauchen.
Im Gegenteil, sie ist ihnen bekannt, und sie treten mit Nachdruck für sie ein.
Ihre einzige Sorge ist, daß wir sie nicht akzeptieren könnten.
Natürlich ist die Waffe, von der ich spreche, überhaupt keine Waffe.

Es

ist ein Abkommen - der SALT II-Vertrag.
Aber dennoch leistet er all die Beiträge zu unserer Sicherheit, die ich
soeben beschrieben habe. Man kann die Bedeutung des Vertrages nicht unterschätzen.

Er ist ein integraler Teil einer harten Strategie der amerikanischen

Verteidigung.

Und er sollte als solcher auch anerkannt werden.

Ja, es kann durchaus sein, daß einige, die SALT II jetzt ablehnen, diesen
Vertrag unterstützen - sogar auf ihm bestehen würden, wenn es sich dabei um
eine Verteidigungsausgabe handeln würde, durch die man die gleichen Resultate
kaufen könnte.
Der
- 8 -

�Der Beitrag von SALT zu unserer Verteidigung unterstreicht die zweite der
beiden Botschaften, die ich hier heute verkünden möchte.
Die erste, wie ich bereits angeführt habe, ist, daß unsere Verteidigungsposition allein gesehen wie in Verbindung mit unseren Verbündeten keiner anderen unterlegen ist. Wir sind entschlossen, dafür zu sorgen, daß dies so
bleibt.

Diese Entschlossenheit schlägt sich nicht nur in Worten nieder; sie

wird durch unser Budget gestützt.
Die zweite Botschaft ist, daß nur weitere Ausgaben sowie die Produktion
weiterer Waffen, selbst wenn dadurch eine große militärische Macht entsteht,
nicht genug sind, um unsere Sicherheit in der Welt von heute zu garantieren.
Unsere Verteidigungsposition selbst hängt von anderen internationalen
Aktivposten und Qualifikationen ab.

Denken Sie an das Langfristige Verteidi-

gungsprogramm der NATO, an das Abkommen über größere Verteidigungsanstrengungen,
an die TNF-Entscheidung, an unseren Zugang zu Einrichtungen im Indischen Ozean.
Solche Maßnahmen kommen nicht durch einseitige Ankündigungen oder unspezifizierte neue Ausgaben zustande.

Sie sind vielmehr das Ergebnis sorgfältiger

Verhandlungen und anhaltender Führerschaft - Anstrengungen, die bis ins
kleinste genauso entscheidend für unsere Verteidigung sind wie Waffen.
Und diese Anstrengungen haben auch noch andere Ausweitungen, die für unsere Sicherheit unerläßlich sind.
Wahre Sicherheit im Atomzeitalter verlangt Maßnahmen, die das Risiko
eines Kriegsausbruches vermindern.

Es ist das Mandat der Rüstungskontrolle

- im Zusammenwirken mit einer starken Verteidigung -, zu einem stabilen Gleichgewicht beizutragen und Fehleinschätzungen durch die andere Seite zu vermeiden.

Denn wir wissen, daß ein Nuklearkrieg die Katastrophe für beide Seiten

bedeuten würde.

Es würde in unserer Zeit nur unsere Sicherheit gefährden,

würden wir die Rüstungskontrolle ablehnen und uns auf Doktrinen versteifen,
einschließlich des Hirngespinstes der nuklearen Überlegenheit, die nur zu
einem nuklearen Wettrüsten einladen.

,,
Unsere

�Unsere Sicherheit wird ferner gefördert durch eine energisc ie Diplom ti
die eine ausgereifte, stabile Basis der Zusammenarbeit schafft, selbst mit solchen Ländern wie beispielsweise China, die anderscrtige
ben.

Systeme als wir ha-

Wir dürfen nicht von solchen Anstrengungen zurücktreten, wir dürfen sie

nicht durcheinanderbringen, und wir dürfen uns nicht durch sie verwirren lassen.
Unsere Sicherheit wurde durch den Erfolg der Friedensstiftung in Zimbabwe
gefördert.

Diese Anstrengung verhinderte einen Konflikt, den unsere Gegner

hätten ausbeuten können.

Einige Amerikaner wünschten die Unterbrechung des

Friedensprozesses durch eine vorzeitige Beendigung unserer Beteiligung an internationalen Sanktionen.

Wir können alle nur dankbar sein, daß sie mit ih-

rer Meinung nicht die Oberhand behielten.
Unsere Sicherheit ist noch tiefer betroffen im Nahen Osten, wo

der Pro-

zeß von Camp David zum ersten wahren Friedensabkommen seit der Entstehung
Israels geführt hat. Nur durch eine geduldige, nachhaltige und einfallsreiche
Diplomatie können die noch bestehenden Streitfragen gelöst werden - dieselbe
Art von Diplomatie, durch die die Abkommen von Camp David zustandegebracht
wurden.

Kriegerische Äußerungen oder Angriffe auf den Verhandlungsprozeß,

die keine konkreten Alternativen anbieten, fördern weder dieses Unterfangen,
noch dienen sie der Sache des Friedens.
Und unsere Sicherheit wird auch berührt durch einen weiten Bereich wirtschaftlicher Fragen, an die man mit Waffen nicht heran kann. Niemals hätten
wir beispielsweise ein neues Handelsabkommen durch Sprengstoffe zustandebringen können.

Wir können an stagnierende Volkswirtschaften auch nicht mit

Drohungen herangehen, um sie gedeihlicher zu machen, noch können wir hungrige

Menschen durch Einschüchterung gesund machen.

Und doch hängt unser Schicksal letztlich von solchen Fragen ab, auch
wenn es auf dem Gleichgewicht der Macht beruht. Wenn wir solche Herausforderungen einfach vernachlässigen, dann wäre unser Schicksal vielleicht, langsam in die Vergessenheit abzurutschen, statt in sie katapultiert zu werden.
- 10 -

�werden.

Aber der Endpunkt wäre derselbe.

Kurz gesagt, unsere Sicherheit in der Zukunft erfordert die gleichen Prioritäten, die unsere Außenpolitik in der jüngsten Vergangenheit charakterisiert
haben.

Auf dem Felde der Verteidigung müssen wir die stetige und umsichtige Verbesserung unserer Streitkräfte fortsetzen.

Wir müssen insbesondere die fal-

sche Botschaft zurückweisen, daß unser Land schwach sei.

Und unsere Sicherheit verlangt noch mehr.

Sie erfordert ein realistisches

Verständnis der Art der Welt, in der wir gemeinsam leben, eine Verpflichtung
für den Frieden wie für die Macht, die Fähigkeit, konstruktiv mit anderen zusammenzuarbeiten, um die gemeinsamen Zielsetzungen zu fördern und der ganzen
Bandbreite der vor uns liegenden Herausforderungen zu genügen.

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk die Notwendigkeit für eine
ausgewogene amerikanische Einstellung gegenüber der Welt versteht.

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk eine Verteidigungsposition
der Stärke und des Vertrauens sowie eine Außenpolitik des Aufbaus und der Hoffnung unterstützt.

- 11 -

�1 ^^^1

vO

3

III

f •!

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
24. September 1980

42

MUSKIE:

EIN NUKLEARKONFLIKT IST KEIN INSTRUMENT DER POLITIK

- Erklärung vor dem außenpolitischen Senatsausschuß -

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie

hat erneut unterstrichen, daß ein nuklearer Konflikt weder für die
Vereinigten Staaten noch für die Sowjetunion ein Instrument zur Erreichung
nationaler politischer Ziele sein kann. Vor dem außenpolitischen Ausschuß
des US-Senats sagte Muskie am 16. September 1980, in einem Nuklearkrieg
würde es keinen Sieger geben.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses,
ich bin erfreut, diese Gelegenheit zu haben, anschließend an Harold
Brown (US-Verteidigungsminister) mit Ihnen über die Zielsetzung unserer
nuklearen Strategie zu sprechen. Als ich Mitglied dieses Ausschusses war,
war ich zutiefst überzeugt, daß es zu unserer Verantwortung gehört, uns

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T e | e x : 08-85432

�uns eindringlich mit den Problemen der strategischen Nuklearpolitik zu
befassen.

Im Verlauf der Jahre befragte ich eine Reihe von Vertretern

der Administration, aber auch andere Experten, wie Veränderungen in unserer
nuklearen Doktrin, den nuklearen Streitkräften und der Strategie sich auf
unsere Sicherheit und die internationale Stabilität auswirken würden.
Ich habe dieses Interesse nicht aufgegeben, als ich Außenminister
wurde.

Ja, es ist ein zentraler Teil meiner Verantwortlichkeiten, sicher-

zustellen, daß außenpolitische Erwägungen - im weitesten Sinne - bei
Entscheidungen über Verteidigungsprogramme und Verteidigungsdoktrin in
Rechnung gestellt werden.
Als Außenminister bin ich besonders daran interessiert, wie sich
unsere strategische Doktrin auf unsere Außenpolitik insgesamt gegenüber
unseren Verbündeten und Gegnern auswirkt.

Um unsere grundlegenden Ziele

in der Außenpolitik und der nationalen Sicherheit zu unterstützen, sollte
unsere nukleare Strategie folgenden Bedingungen genügen:
-

Sie sollte gewährleisten, daß potentielle Gegner völlig von
unserer Entschlossenheit überzeugt sind, daß wir einer nuklearen
Aggression jeden Ausmaßes, zu jeder Zeit und unter allen Umständen
Widerstand leisten werden.

-

Sie sollte vermeiden, einen Zirkel von falschen Vorstellungen
und Fehleinschätzungen in Gang zu bringen, der die strategische
Stabilität untergraben könnte.

-

Sie sollte voll in Einklang stehen mit unseren Rüstungskontroi 1zielen, damit wir die Chancen bewahren, Sicherheit und Stabilität
mittels gerechter und verifizierbarer Rüstungskontroi labkommen
zu stärken.
- Sie

- 2 -

�-

Sie sollte die Bereitwilligkeit unserer Freunde und Verbündeten,
ihre Sicherheit mit der unseren zu verbinden, unterstützen und
rechtfertigen,

Ich glaube, die Strategie des Gegenzugs besteht diese Prüfungen.
Die Strategie des Gegenzugs hebt zwei fundamentale Wahrheiten heraus und
macht sie den Sowjets unmißverständlich klar.

Erstens, sie könnten daraus,

daß sie den Anfang mit dem Einsatz von nuklearen Waffen machen, keinen auch
nur irgendwie denkbaren Gewinn ziehen, gleichgültig, wie begrenzt oder
umfassend der Angriff auch sei, und gleichgültig, in welchem Stadium eines
Konflikts sie eingesetzt würden.

Zweitens, ein nuklearer Konflikt kann

niemals ein Instrument zur Erreichung nationaler politischer Ziele sein;
denn gewiß wird es keinen Sieger in einem Atomkrieg geben,
Unsere Strategie und unsere Kapazität, als Vergeltung massive Zerstörung zuzufügen, liefern die Grundlagen, um die Sowjets von beiden Thesen
zu überzeugen.

Die Gegenzug-Strategie baut auf dieser traditionellen

Doktrin auf und vervollständigt sie, Sie erhöht unsere Fähigkeit, sowohl
selektive als auch massive Vergeltungsangriffe durchzuführen und den vollen
Bereich der Ziele zu erfassen, die für die Sowjets von Wert sind.

Sie

macht klar, daß wir die Kapazität haben, auf jeden nuklearen Angriff der
Sowjets - in welcher Größe und Form er auch erfolge - in der angemessenen
Größenordnung, Intensität und Zielgerichtetheit zu antworten.

Wir haben

den Schritt in diese Richtung getan, um sicherzustellen, daß die Sowjets welche Begriffe immer sie auch vom nuklearen Krieg oder der Nützlichkeit
von Kernwaffen haben mögen - nicht irrtümlich zu dem Schluß kommen, sie
könnten einen gewissen Vorteil erzielen, indem sie mit dem Einsatz von
Kernwaffen den Anfang machen oder begrenzte Schläge durchführen.
Die Strategie des Gegenzugs als solche ist kein radikales Abrücken
von der bisherigen Politik, Sie ist vie'mehr das Ergebnis einer schrittweisen Entwicklung unserer Dcktrin über eine ganze Reihe von Jahren als

- 3 -

�als Reaktion auf sich verändernde Verhältnisse und neue Erkenntnisse.
Die glaubwürdige Fähigkeit zur Vernichtung der Sowjetunion unter allen
Umständen bleibt ihr Grundpfeiler.
Spektrum der politischen

So werden wir auch weiterhin das volle

und militärischen wie auch der städtisch-industriellen

Ziele in unsere Planung miteinbeziehen»

Die Präsidialdirektive 59 (PD-59)

bedeutet nicht eine Verlagerung des Schwergewichts auf eine Kriegsführungsstrategie noch auf eine Erstschlag-Doktrin.

Sie hebt jedoch heraus - und

ich glaube, sie stärkt auch - die Glaubwürdigkeit unserer Kapazität, für
jeden nuklearen Angriff und unter allen Umständen Vergeltung zu üben gleichgültig, ob es sich dabei um einen massiven Schlag gegen die USA
oder einen mehr begrenzten gegen unsere Streitkräfte oder unsere Verbündeten
handeln sollte.
Die öffentliche Reaktion der Sowjets hat man erwarten können. Sie
behaupten, die Strategie des Gegenzugs stelle eine Kriegsführungsstrategie
und das Bemühen der USA dar, eine Erstschlagkapazität zu erlangen, die
die strategische Stabilität unterminieren würde. Sie behaupten ferner,
daß die PD-59 die wahre Erklärung für die Entscheidung der NATO über
TNF-Modernisierung sei und die Absicht der Vereinigten Staaten reflektiere,
jeden Nuklearkrieg auf Europa zu beschränken, während die USA gegenüber
jedem Angriff immun bleiben. Diese Behauptungen kommen weder überraschend,
noch sind sie wahr. Wir konnten vielmehr erwarten, daß die Sowjets
versuchen würden, die PD-59 zu benutzen, um einen Keil zwischen uns und
unsere Verbündeten zu treiben und uns der europäischen Unterstützung
für unsere Anstrengungen nach Afghanistan zu berauben. Wir können damit
rechnen, daß die Sowjets ihre Kräfte darauf konzentrieren werden, den
NATO-Konsensus zugunsten der TNF-Modernisierung zu unterminieren.
Diese sowjetischen Beschuldigungen klingen in der Tat hohl angesichts
ihrer eigenen Doktrin, der Aufmerksamkeit, die sie der nuklearen Kriegsführung widmen, sowie der Größe und des Charakters ihrer strategischen
nuklearen Streitkräfte. Darüberhinaus haben sie sich niemals besonders

- 4 -

�besonders behaglich gefühlt im Hinblick auf das, was sie als unsere
Philosophie der "Städte-Vernichtung" im Rahmen der nuklearen Abschreckung
ansehen.

Ich glaube nicht, daß sie diese Evolution in unserer Nuklear-'

Strategie wirklich als eine Hinwendung zu einer Erstschlag- und Kriegsführungskoktrin ansehen.

Der zentrale Zweck unserer Abschreckungspolitik

ist es, nachdrücklich die Konsequenzen für die Sowjets zu unterstreichen,
sollten sie jemals mit dem Einsatz nuklearer Waffen beginnen.
Wir wollen sichergehen, daß die Sowjets diese Botschaft erhalten.
Aber wir wollen auch sicherstellen, daß sie sie richtig verstehen. Wir
müssen auch weiterhin auf der Hut sein vor den Risiken falscher Vorstellungen
und falscher Einschätzungen, vor der Gefahr, daß die Sowjets vielleicht
eine Provokation sehen, wo von uns keine beabsichtigt ist. Ich möchte
nicht, daß irgend jemand zu der falschen Schlußfolgerung gelangt, daß
wir plötzlich zuversichtlich bezüglich unserer Fähigkeit geworden seien,
nukleare Schlagabtausche zu instrumentieren und eine Eskalation zu
kontrollieren, oder daß wir selbstgefällig hinsichtlich des Einsatzes
von Nuklearwaffen geworden seien.
Wir werden den Sowjets auch weiterhin vor Augen führen, daß unsere
Absichten friedlicher Natur sind und daß wir keine Gefahr für ihre
legitimen Sicherheitsinteressen darstellen.

Gleichzeitig werden wir auch

weiterhin darauf bestehen, daß sie die Interessen und Rechte anderer
respektieren, und wir werden sie auf die Konsequenzen hinweisen, sollten
sie zu Nuklearwaffen Zuflucht nehmen.
In diesem Zusammenhang brauche ich wohl kaum hinzuzufügen, daß wir
die Strategie des Gegenzugs in keiner Weise als einen Ersatz für die
Rüstungskontrolle oder als Symptom für eine Enttäuschung hinsichtlich des
Rüstungskontrollprozesses ansehen. Im Gegenteil, die Strategie des Gegenzugs steht in voller Übereinstimmung mit dem SALT II-Vertrag und unseren
längerfristigen Rüstungskontrollzielen. Nichts in der Strategie des

- 5 -

�des Gegenzuges ändert oder stellt unsere Überzeugung in Frage, daß die
nukleare Rüstungskontrolle einen wesentlichen Beitrag zu unserer Sicherheit
und zur internationalen Stabilität leisten kann.

Nichts in der Evolution

unserer nuklearen Doktrin hat uns dazu veranlaßt, den Nutzen gerechter und
verifizierbarer Rüstungskontroi labkommen mit unserem Hauptgegner neu zu
bewerten.

Insbesondere bin ich auch weiterhin der festen Überzeugung, daß

SALT II einen entscheidend wichtigen Beitrag zu unserer nationalen Sicherheit
darstellen würde.

Wir werden den Senat ersuchen, zum frühest möglichen

Zeitpunkt über die Ratifizierung abzustimmen.
Unsere Verbündeten teilen unsere Besorgnisse hinsichtlich der Abschreckung der ganzen Bandbreite sowjetischer nuklearer Drohungen wie auch
unseren anhaltenden Einsatz für die Rüstungskontrolle und die Aufrechterhaltung der strategischen Stabilität. Indem wir das Vertrauen unserer
Verbündeten in die Glaubwürdigkeit unserer nuklearen Garantie stärken,
wird die Strategie des Gegenzugs den Zusammenhalt und die Solidarität des
Bündnisses festigen und auch direkt die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts
vermindern. Die Strategie des Gegenzuges reflektiert und unterstützt
die NATO-Strategie einer flexiblen Antwort, indem sie die Verfügbarkeit
eines vollen Spektrums nuklearer Reaktionen unterstreicht.
Wir haben die Evolution unserer nuklearen Strategie und ihres Verhältnisses zur flexiblen Antwort im Zuge normaler Konsultationen mit unseren
Verbündeten erörtert. Die detaillierte Darlegung der Strategie des Gegenzuges im Jahresbericht von Verteidigungsminister Brown an den Kongreß im
Januar bot eine ausgezeichnete Grundlage für unseren Dialog in diesem
Jahr. Verteidigungsminister Brown hat die Nukleare Planungsgruppe der
NATO im Juni ebenfalls umfassend unterrichtet.
Im Zuge dieser Konsultationen und nach den Presseberichten über die
PD-59 haben unsere Verbündeten zu erkennen gegeben, daß sie die Strategie
des Gegenzuges verstehen und die Mittel und Wege begrüßen, durch die sjhs

- 6 -

�sie die strategische Verzahnung der USA mit ihrer Sicherheit stärkt.
Ich möchte hier nicht den Eindruck hinterlassen, ciaß wir ihre Unterstützung
für selbstverständlich halten: sie muß verdient und dann geschützt werden
angesichts der sowjetischein Bemühungen, die Solidarität des Bündnisses zu
unterminieren.

Ich möchte jedoch nachdrücklich untersträchen, daß die

führenden Politiker in unserem Bündnis die Grundprinzipien, die hinter
der Strategie des Gegenzugs stehen, zu würdigen wissen
Ich bin zuversichtlich,
daß ihre Unterstützung im Verlaufe unserer kontinuierlichen Konsultationen
aufrechterhalten bleibt.
Nukleare Strategie und Doktrin sind wirklich nüchterne Themen,

Dies

sollte jedoch nicht den wichtigen positiven Beitrag verschleiern, den die
Strategie des Gegenzuges für unsere grundlegendsten außenpolitischen Ziele
leistet.
Ich bin überzeugt, daß die Strategie des Gegenzuges nicht nur die
Abschreckung stärkt, sondern auch eine festere Grundlage für unsere
Diplomatie mit den Sowjets schafft,

Sie unterstreicht unsere Entschlossenheit,

auf jede Herausforderung für unsere lebenswichtigen Interessen zu reagieren;
gleichzeitig bestätigt sie, daß wir für die legitimen Interessen anderer
Staaten keine Gefahr bilden.

Als solche läßt sie den Sowjets keinen Raum

für Zweifel hinsichtlich unseres Willens oder unserer friedlichen Absichten.
Selbstverständlich wird die Strategie des Gegenzugs das im Grunde
gegnerische Verhältnis zwischen uns und der Sowjetunion nicht umwandeln.
Aber sie verringert die Chancen der Fehleinschätzung durch eine Supermacht,
vermehrt den Anreiz für die Sowjets zur Zusammenarbeit bei Durchführung
und Eingrenzung des Wettstreits zwischen uns„

Sie verbessert daher die

Aussichten auf das Zustandekommen von Rüstungskontroi labkommen, durch die
die Gefahr eines Krieges begrenzt wird.
Aus

- 7 -

�aus den gleichen Gründen bestärkt die Gegenzug-Strategie bei unseren
Verbündeten und Freunden die Gewißheit, daß die Vereinigten Staaten sich
verpflichtet fühlen, in gleichem Maße unsere gemeinsamen Sicherheitsinteressen
und die internationale Stabilität zu schützen.

Ich rechne damit, daß sie

dazu dienen wird, unser Verhältnis zu ihnen und unsere Rolle als Führungsmacht
des westlichen Bündnisses zu festigen.
Erlauben Sie mir, daß ich mich zum Abschluß meiner Eröffnungserklärung
kurz mit der Frage befasse, inwieweit das amerikanische Außenministerium
und der Außenminister bei der Formulierung der Strategie des Gegenzuges
mit engagiert waren.

Ich habe die Unterlagen gründlich studiert.

Ich bin

zum Schluß gekommen, daß Außenminister Vance und das Außenministerium mit
im Spiel waren, als die wichtigsten Konzeptionen der Politik entwickelt
wurden und daß sie in einer Position waren, um ihre Ansichten zur Kenntnis
zu bringen.
Die Entwicklung der Hauptzüge der Strategie war im wesentlichen bereits
geraume Zeit, bevor ich das Amt übernahm, abgeschlossen und in öffentlichen
Erklärungen bereits dargelegt worden, so vor allem in dem Bericht von
Verteidigungsminister Brown vom Januar 1980 an den Kongreß. Auf Grund
meiner Verantwortlichkeiten im Senat kannte ich natürlich die Richtung der
strategischen Überlegungen der Administration. Ja, ich hatte mich mit
einigen dieser Überlegungen und Konzeptionen in einer Rede befaßt, die ich
im vergangenen Jahr gehalten habe.
Danach ist die Vorbereitung und Herausgabe einer Präsidialdirektive,
durch die unsere Nuklearstrategie kodifiziert wird, als solche eine bedeutsame
Aktion, die eine wichtige außenpolitische Dimension hat. Es ist daher
selbstverständlich, daß ich als Außenminister und das Außenministerium
in angemessener Weise an dieser Aktion hätten beteiligt sein sollen.
Ich betrachte die Situation, die sich hier entwickelt hat, als eine
unbeabsichtigte Ausnahme der von dieser Administration geübten Praxis einer

�einer wesentlich stärkeren Hinzuziehung des Außenministeriums bei Fragen
der nationalen Sicherheit.

Ich habe dies Geschehnis mit dem Präsidenten

und auch mit Verteidigungsminister Brown und Dr. Brzezinski erörtert.

Der

Präsident hat mir versichert, daß ich und - soweit notwendig - andere Beamten
des Außenministeriums voll über die außenpolitischen Implikationen derartig
bedeutsamer Entscheidungen in der nationalen Sicherheitspolitik konsultiert
werden.

+ + + + +

- 9 -

�24. September 1980

42

BERICHT "WELT IM JAHR 2000" VOR KONGRESSAUSSCHUSS
Empfehlungen an US-Präsidenten werden vorbereitet

WASHINGTON - (AD) - Mit ihrem Bericht "Die Welt im Jahr 2000" hat die gemeinsame Studienkommission des US-Außenministeriums und des amerikanischen Präsidialbeirats für Umweltqualität die Welt alarmiert.

Er ruft die Nationen

auf, aktiv zu werden, um den Umweltschäden, dem Raubbau an Rohstoffen und
einer Übervölkerung zu steuern und eine ausreichende Nahrungsmittel Produktion
zu sichern.

Andernfalls seien, so besagt der Bericht, schon zum Ende dieses

Jahrhunderts chaotische Verhältnisse vor allem in den armen Ländern und daraus
resultierende schwerwiegende Gefahren für die ganze Welt zu befürchten.
Solchen Entwicklungen gilt es nach bestem Vermögen vorzubeugen.

Vor dem

Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses sind gegenwärtig Anhörungen
zu dem Bericht "Global 2000", wie der englische Titel der Studie lautet, im
Gange.

Sie sollen die Grundlage abgeben für spezielle Empfehlungen der Ex-

pertengruppe, die unter Einschaltung zahlreicher amerikanischer Regierungsbehörden den Bericht anhand ihrer dreijährigen Untersuchungen ausgearbeitet
hat.

Die Empfehlungen sollen dem Präsidenten spätestens im Dezember 1980 vor-

gelegt werden und der US-Regierung als Richtschnur für geeignete Maßnahmen
dienen.

Von

Postfach 20 03 00
Bonn 2

0 5 3 0 0

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Von grundsätzlicher Bedeutung sei, wie der Unterstaatssekretär im USAußenministerium, Thomas R. Pickering, vor dem Kongreßausschuß erklärte, die
Berücksichtigung der Tatsache, daß wirtschaftliche Entwicklung und natürliche
Ressourcen - darunter Nahrung(, Bevölkerung, Energie, Luft, Wasser - "in einer
symbiotischen Beziehung stehen".
das Wort.

Damit rede er keineswegs einem Nullwachstum

Denn die Untersuchungen hätten ja u.a. ergeben, daß "die Umwelt-

und Ressourcenfragen nicht ohne starke Wirtschaftsentwicklungen zu lösen sind".
Wenn aber Wirtschaftsentwicklung ohne Berücksichtigung der Ressourcenprobleme
betrieben werde, "kommen diese Probleme mit Sicherheit auf uns zurück", erklärte Pickering.
Neben Gesprächen auf diplomatischer Ebene bemüht sich die Arbeitsgruppe
"Global 2000" zur Zeit um Empfehlungen von internationalen Organisationen,
privaten Stiftungen, der amerikanischen Wirtschaft, vom US-Kongreß und von
den Regierungen anderer Länder. Außenminister Edmund Muskie hatte den Bericht
zum Kernstück seiner Rede vom 29. August 1980 vor den Delegierten der Sonderkonferenz der Vereinten Nationen über wirtschaftliche Entwicklung in New York
gemacht. Am 14. Oktober werden in Washington Delegierte der Teilnehmerstaaten
der Wirtschaftsgipfelkonferenz von Venedig im Juni 1980 und der EG-Kommission
die Ergebnisse des amerikanischen Berichts sowie die eigener Studien zu Umwelt- und Ressourcenfragen erörtern. Daß diese nicht nur für die betreffenden
Länder, sondern für die ganze Welt von Bedeutung sind, steht nach Ansicht
Pickerings außer Frage. "Sie zeigen globale Probleme auf, die einer globalen
Antwort bedürfen." Pickering äußerte sich besorgt über die Ausbeutung nicht
erneuerungsfähiger Rohstoffe wie Erdöl, aber auch über "die bemerkenswerte Bedrohung der nicht erneuerungsfähigen Ressourcen" - z.B. Wald, Fischbestände,
Landwirtschaft, Boden, Agrarland.

Wenn es nicht zu einer Umkehr der gegenwärtigen Trends komme, werde die
Erde,so errechneten die Verfasser des Berichts, in zwei Jahrzehnten von 6,4 Milliarden Menschen, 30 Jahre später gar von schätzungsweise 10 Milliarden bevölkert. Schon im Jahr 2000 würden 77 Prozent der Menschenmassen in Entwicklungsländern leben. Bereits überfüllte Städte werden noch mehr übervölkert:
- 2 -

�übervölkert:

Mexiko City werde dann etwa 30 Millionen, Kalkutta fast 20 Mil-

lionen Menschen beherbergen.
Solche Entwicklungen stellen praktisch unerfüllbare Anforderungen an Verwaltungen, Regierungen und die Welt als Ganzes,daß sie in ausreichendem Maße
Wohnung, Nahrung, Wasser, Gesundheitsdienste, Energie und Textilien verfügbar
machen, von Arbeitsmöglichkeiten ganz abgesehen.

Deshalb hoffe man, wie

Pickering betonte, daß die Probleme auf internationaler Ebene eingehend erörtert und koordinierte internationale Maßnahmen in die Wege geleitet werden.
Jedenfalls habe der inzwischen in dritter Auflage erscheinende Bericht "Global
2000" eine erfreulich starke Resonanz im Ausland gefunden.
Einige Zukunftsprognosen seien im folgenden angeführt:
- Die Waldbestände in Lateinamerika, Afrika, Asien und Ozeanien werden
in den nächsten 20 Jahren um 40 Prozent, in Europa, der UdSSR, Nordamerika,
Japan, Australien und Neuseeland um 0,5 Prozent zurückgehen. Bis zum Jahr 2020
dürften nahezu alle zugänglichen Wälder in den Entwicklungsländern geschlagen
sein.
- Der Wasserverbrauch nimmt in der Zeit zwischen 1975 und 2000 um
das Zwei- bis Dreifache zu - hauptsächlich für Zwecke künstlicher Bewässerung.
Wassermangel und schlechte Wasserqualität werden immer stärker in Erscheinung
treten.

Das Bevölkerungswachstum allein verdoppelt in fast 50 P^ozen^ der Län-

der dieser Erde den Wasserbedarf im Vergleich zu dem des Jahres 1971. Der
Verlust an Wald, die Bodenerosion und das Vordringen der Wüstengebiete bringen
den Wasserhaushalt zusätzlich aus dem Gleichgewicht.
- Für die Weltenergieprobleme ist keine Milderung in Sicht.
energiebedarf dürfte um 58 Prozent steigen.

Der Welt-

Der Pro-Kopf-Energieverbrauch wird

weltweit anwachsen - am stärksten zwischen 1975 und 1990 in Industrieländern
(ausgenommen USA). Der Anstieg für die Vereinigten Staaten wie für Entwicklungsländer

dürfte mit ca. 27 Prozent gleich groß sein, während für osteuro-

päische Länder etwa 12 Prozent anzunehmen sind.
- Schon

�- Schon 1994 werden in Entwicklungsländern 650 Millionen Kubikmeter Brennholz fehlen, d.h. 25 Prozent des errechneten Bedarfs. Stärker als bisher werden Dung und landwirtschaftliche Abfälle zu Brennzwecken benutzt.
- Der explosionsartige, in seinen Ausmaßen nicht vorhersehbare Anstieg
der öl preise in jüngster Zeit wird noch ungünstigere Auswirkungen auf andere
Sektoren haben, als die Prognosen des "Berichts 2000" besagen.
- Zur Zeit verliert die Erde jährlich etwa sechs Millionen Hektar nutzungsfähiges Land an die sich ausbreitenden Wüstengebiete, darunter 125 000 Hektar
künstlich bewässertes Agrarland.

Die Wüsten der Welt, z.Zt. ungefähr 800 Mil-

lionen Hektar, werden bis zur Jahrhundertwende um 20 Prozent anwachsen.

Böden

werden durch falsche Bewässerung, reduzierte Brachliegeperioden, Kultivierung
zu steilen oder schlecht geeigneten Landes und die Verringerung der Vegetationsdecke verdorben.

In Entwicklungsländern gehen dem Boden durch das Verheizen

von Dung, Torf und pflanzlichen Rückständen wichtige Nährstoffe verloren.

Und

die starke Abhängigkeit von chemischen Düngemitteln in anderen Ländern führt
zu Verlusten an organischen Düngestoffen, "was die Fähigkeit des Bodens zur
Bindung von Feuchtigkeit verringert."
- Der Verlust von Ackerland an die städtischen Bereiche setzt sich in
alarmierendem Ausmaß fort. In einigen Industrieländern nehmen die für Bauland
und andere Stadtentwicklungszwecke genutzten Flächen doppelt so schnell zu
wie die Bevölkerungszahl, und die aus anderen Ländern verfügbaren Daten zeigen
ähnliche Tendenzen.
- Dank der Verwendung ertragreicher Getreidesorten sind bemerkenswerte
Steigerungen der Ernteerträge zu erwarten. Aber mit dem ausgedehnten Anbau
"genetisch gleichartiger Feldfrüchte wächst die Gefahr katastrophaler Verluste
durch Insektenbefall oder Pflanzenkrankheiten".
- Wasserverseuchung durch massive Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln wird "wachsende Schwierigkeiten" verursachen.

In der Zeit zwischen

1975 bis zum Jahr 2000 dürften sich die in Entwicklungsländern eingesetzten

�eingesetzten Mengen zum mindesten vervierfachen.

Viele Bauern in Asien

zeigen nur noch wenig Eifer, Reisfelder zu bepflanzen und Fischteiche zu unterhalten, weil Schädlingsbekämpfungsmittel den Fischbestand dezimieren.

In-

folge der rapiden Bevölkerungszunahme in den Städten wird das Grundwasser in
deren Bereich durch Abwässer und Abfall noch stärker verschmutzt, als es heute
der Fall ist.

Die Verschmutzung von Küstengewässern wird fortdauern.

- Weltweit gesehen dürfte der Fischfang bis zum Jahr 2000 wenig, wenn
überhaupt noch ansteigen.

Die Weltfangquote hat sich in den siebziger Jahren

auf jährlich etwa 70 Millionen Tonnen eingependelt.

Im Jahr 1975 entsprach

die Menge 27 Prozent des Mindestbedarfs an Eiweiß von vier Milliarden Menschen«

- Der durch atmosphärisches Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Kohlendioxid verursachte saure Regen schädigt "Seen, Wälder, Böden, Feldfrüchte und
Baumaterialien", besagt der Bericht.

"Von 1500 Seen im südlichen Norwegen

mit einem pH-Wert von weniger als 4,3 (d.h. mit stark saurem Wasser) hatten
70 Prozent keine Fischbestände mehr."

- Eine halbe bis zwei Millionen Pflanzen- und Tierarten könnten, so schätzt
der Bericht, bis zur Jahrhundertwende ausgestorben sein - das wären 15 bis 20
Prozent aller auf der Erde lebenden Spezies.

Der Verlust an Wäldern, aber

auch Land- und Wasserbau (z.B. Flußregulierungen) und Umweltverschmutzung wären dafür in erster Linie verantwortlich zu machen.

Viele der bedrohten Arten

sind heute eine Quelle für Nahrungs- und Arzneimittel.

- Die Ozonschicht in der Stratosphäre, welche das Leben auf der Erdoberfläche gegen gefährliche Ultraviolettstrahlung von der Sonne abschirmt, ist
bedroht - insbesondere durch Stickstoffdioxid aus Stickstoffdüngemittel , durch
Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe aus Sprühdosen und Kälteanlagen
Abgase hochfliegender Flugzeuge.

und durch die

Eine weitere Erhöhung des Kohlendioxidge-

haltes der Atmosphäre könnte zu einer Veränderung der Temperaturen an der Erdoberfläche und damit von Wetter und Klima führen.
Mineralstoffversorqung

- 5-

�Mineral StoffVersorgung vorläufig gesichert
Die künftige Versorgung mit Erzen und Mineralien wi^d alles in allem
optimistischer beurteilt - mehr Altmaterial Verwertung und die Nutzung weniger
ergiebiger Rohstoffquellen als bisher vorausgesetzt.

Dem Bericht zufolge soll-

te generell zur Erschließung von Mineral vorkommen in Entwicklungsländern mehr
investiert werden.

für "eine Erschöpfung der Ressourcen in nächster Zeit gibt

es keine Anzeichen", jedoch seien mehr Reserven erforderlich, um den steigenden
Bedarf der Industrieländer am Ende des Jahrhunderts zu decken.

Ein erhöhter

Bedarf der Dritten Welt, der sich zwangsläufig aus der Industrialisierung ergäbe, würde sich auf die Preise für Eisen, Kupfer, Aluminium und andere Metalle
an den Weltmärkten auswirken.
Prognosen über die Produktion und den Verbrauch von Mineralien seien allerdings wegen der Einflüsse nicht vorausberechenbarer anderer Faktoren schwierig.
So körnten beispielsweise schon in den nächsten Jahren die Preise für Mineralien
im Vergleich zu jenen anderer Güter stark anziehen, wenn nicht genügend neue
Vorkommen erschlossen würden. In diesem Fall dürfte die AltstoffVerwertung,
das sog. Recycling, in Industrieländern für die Wirtschaft allgemein attraktiv
und Abraum-, Schrott- und Müllhalden als reguläre Rohstoffquellen erschlossen
werden. Außerdem erlaubten technologische Entwicklungen der letzten Jahre nunmehr die Verwertung von Erzen, die bisher als minderwertig galten und angesichts niedriger Mineralstoffpreise nicht beachtet wurden.
Allerdings könnte selbst die moderne Technik, so der Bericht, für eine
Reihe von Metallen sicherlich keine oder nur wenig befriedigende Ersatzstoffe
schaffen,, Das gelte im besonderen für Blei und Antimon (in Batterien), Nickel
und Chrom (rostfreier Stahl), Zinn (Lötmittel), Helium (Kältetechnik), Uran
und Beryllium (Kernreaktoren), Wolfram (Hochgeschwindigkeitswerkzeuge) und
Silber (Fotografie). Die Studie macht darauf aufmerksam, daß Aluminium, Kupfer,
Eisen, Phosphate, Kali und Schwefel "wesentlicher Bestandteil des modernen
internationalen Handels" seien und für 13 weitere Stoffe (u.a. Chrom, Helium,
Industriediamanten, Blei, Mangan, Quecksilber, Metalle der Platin-Gruppe, Silber, Zinn, Wolfram und Zink) vermutlich starker Bedarf in der Weltwirtschaft
- 6 -

�Weltwirtschaft am Ende des Jahrhunderts vorhanden sein werde.

Der weltbe-

darf an diesen Produkten dürfte jährlich um drei bis fünf Prozent zunehmen
- das bedeute etwas mehr als eine Verdoppelung des heutigen Bedarfs bis zum
Jahr 2000.

Für die meisten Mineralien gebe es noch immer große, erschließ-

bare Vorkommen, insbesondere an geringwertigen Erzlagerstätten, jedoch seien
dafür ausreichend hohe Investitionen erforderlich.
Neuerdings müsse aber zwei Faktoren, die Investitionen für den Abbau
beeinflussen, besondere Beachtung geschenkt werden - nämlich "der Verlagerung von Investitionen für Extraktion und Verarbeitung im letzten Jahrzehnt
von den Entwicklungsländern in die Industrieländer" und dem rapiden Anstieg
der Energiepreise. "Die Gewinnung vieler Mineralstoffe ist stark energieintensiv", betont der Bericht, "und es steht zu erwarten, daß die anzunehmenden weiteren öl Preissteigerungen die Ausweitung des Angebots in diesen Bereichen bremsen". Das elementare langfristige Problem der Mineralstoffwirtschaft dller Nationen sei jedenfalls nicht die Erschöpfung der Rohstoffquellen, sondern die Erhaltung eines ausreichenden Vorrats an Mineralien für die
Weltwirtschaft zu wirtschafts- und umweltpolitisch tragbaren Kosten.

- 7 -

�Anwesenheit heute in Madrid ist ein Zeugnis für dieses Faktum.
Unsere Institution ist in ihrer Art einmalig.
Sie hat keine ständige formale Struktur.

Sie nat keinen Stab.

Doch hat sich zum erstenmal in

der Geschichte ein Prozeß entwickelt, nach dem die 35 hier an diesem
Tisch vertretenen Nationen regelmäßig zusammenkommen, um den ganzen Umfang
ihrer Beziehungen miteinander zu erörtern.
Unser Forum ist nicht nur deshalb einmalig, weil es die Gelegenheit
bietet zusammenzukommen, unser Verhalten zu überprüfen und unsere Verpflichtungen erneut zu bekräftigen. Es ist auch deshalb einmalig, weil
wir geeint sind in der Einschätzung, daß all unseren Bürgern das Verlangen
nach Menschenwürde und nach den grundsätzlichen menschlichen Freiheiten
gemeinsam ist.
Es gibt zwischen uns Differenzen. Wir werden auch weiterhin Differenzen
haben. Diese Differenzen werden - hoffentlich mit Klarheit und Würde auf unserer Hauptkonferenz im November zum Ausdruck kommen. Es wäre irreführend - ja, es wäre verhängnisvoll -.wollten wir das Bestehen solcher
Differenzen und die damit für uns bestehende Notwendigkeit leugnen, sie zu
einem Mechanismus und zu einer Verfahrensweise führen zu helfen, durch die
unsere Differenzen in Frieden gelöst und unsere gemeinsamen Werte geschützt
werden können.
Unsere Aufgabe ist es, ein Mittel zu finden, um das Bestehen unserer
Differenzen,ja, bis zu einem gewissen Maß sogar die große Tiefe dieser
Differenzen, anzuerkennen und doch zu gleicher Zeit unsere Verpflichtung
dem Prozeß des Friedens gegenüber, wie er in den Abkommen von Helsinki
symbolischen Ausdruck findet, zu erneuern.
Ich bekräftige daher ohne Zögern unsere eigene Entschlossenheit und
Überzeugung, daß als Endresultat unseres Vorgehens die Entscheidung stehen

- 3 -

�stehen muß, erneut gemäß den Bestimmungen der Schlußakte zusammenzukommen.
Es mag dies im diplomatischen Sinne nicht der recHe Zeitpunkt und der
rechte Ort für eine solche Erklärung sein, wie ich mi.' lehr

wohi bewußt

bin, aber dies ist 4er eine unumgängliche Weg, um unsere tiefe Verpflichtung
gegenüber diesem Prozeß und unsere Entschlossenheit zu bekunden, daß er
weiterleben und unseren Bedürfnissen gerecht werden soll.

Weniger zu tun,

hieße, unseren Bürgern, unseren Werten und den künftigen Generationen
einen schlechten Dienst erweisen. Aber nun ist es an der Zeit, sich
spezifischen Fragen zuzuwenden,
Wir alle haben mit Vergnügen und Befriedigung die von unseren Kollegen
hier rund um den Tisch abgegebenen Erklärungen gehört. Mit Vergnügen wegen
ihrer großen Beredtheit und mit Befriedigung wegen der offensichtlich
weitreichenden Übereinstimmung, die hier zum Ausdruck kam über die Art,
wie wir vorgehen, und die Ziele, die wir ansteuern sollten.

Gestatten

Sie mir, Herr Vorsitzender, daß ich kurz die Punkte dieses Konsensus,
wie sie sich mir darstellen, zusammenfasse.
Zunächst einmal scheint es unter uns weitgehende Übereinstimmung
hinsichtlich der Vorteile des "Gelben Buches" zu geben, das unser Treffen
in Belgrad bestimmte. Einige meiner Kollegen haben Bereiche genannt, in
denen jene Verfahrenweisen verbessert werden könnten; andere haben darauf
gedrängt, die Belgrader Verfahrensweisen genau einzuhalten. Aber Übereinstimmung scheint darüber zu herrschen, daß sie der geeignete Ausgangspunkt
für unsere Beratungen darstellen. Lassen Sie mich sagen, daß meine Regierung
mit dieser Verfahrensweise völlig übereinstimmt. Wie einige meiner
Kollegen bereits ausgeführt haben, waren diese Belgrader Verfahrensweisen
nicht perfekt. In der Tat gerieten wir stark in die Versuchung, Änderungen
vorzuschlagen, die unseren Bedürfnissen und unserer Bewertung entsprachen. Aber
jene Verfahrensweisen haben funktioniert. Ich brauche Sie nicht noch einmal
an die Meinungsverschiedenheiten zu erinnern, die zu überwinden waren,
um eine solche Liste von Verfahrensregeln aufzustellen; und sicher sollte

- 4 -

�2

^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. September 1980

42

BOTSCHAFTER KAMPELMAN: KSZE-PROZESS MUSS FORTGESETZT WERDEN
- Erklärung auf dem Vorbereitungstreffen in Madrid -

MADRID

- (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation beim

Vorbereitungstreffen für die Folgekonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), Botschafter Max Kampelman, hat am 11. September 1980
in Madrid in einer Erklärung die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß
der KSZE-Prozeß sich "bester Gesundheit" erfreue, und unterstrichen, daß
die USA diesem Prozeß und seiner Fortsetzung verbunden sind.
Die Erklärung Kampelmans hat folgenden Wortlaut:
Verehrte Mitdelegierte,
ich erhebe mich hier heute nachmittag als Vertreter der Regierung
der Vereinigten Staaten. Es ist dies der dritte Tag unserer Beratungen,
und ich bemerke an mir selbst einen höheren Grad der Oberzeugung davon,
daß der KSZE-Prozeß sich bester Gesundheit erfreut.
Ich

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Ich bin hierher im Namen meiner Regierung gekommen - entschlossen,
unsere Ansicht darüber zu vertreten, daß wir diesem Prozeß und seiner
Fortsetzung als einem integralen und unabdingbaren Teil unserer internationalen Verpflichtungen verbunden sind.

Es ist für mich eindeutig,

daß diese Überzeugung meiner Regierung auch von den anderen Staaten geteilt
wird, die Mitunterzeichner der Schlußakte von Helsinki im Jahre 1975
waren.

Dies gibt mir eine große persönliche Befriedigung und ermöglicht

meiner Regierung eine noch höhere Wertschätzung der Tatsache, daß wir alle
gemeinsam einem edlen Werk im Namen des Friedens verpflichtet sind.
Wir haben dies bei der Vorbereitung für unsere Zusammenkünfte in
Madrid in diesem Monat mit allem Bedacht im Auge gehabt, weil wir alle
wünschen, daß die eigentliche Konferenz, die im November beginnt, ein
Erfolg sein möge.

Ein jeder von uns mag unterschiedliche Auffassungen

darüber haben, wie wir einen solchen Erfolg messen sollten, aber ich
glaube, daß ein Element einer jeden solchen Definition gemeinsam ist - das
unbedingte Eintreten für den Frieden, für die Sicherheit und für die
ewigen Grundsätze der menschlichen Würde, die ein unabdingbarer Teil der
Schlußakte von Helsinki sind.
Mit allergrößter Dankbarkeit ziehe ich als Bürger der Vereinigten
Staaten und als Vertreter meines Landes den Hut vor jenen unter den heute
Anwesenden, die mitgeholfen haben am Aufbau des KSZE-Systems, das sich
heute in der internationalen Gemeinschaft seinen Weg bahnt. Es hilft
uns bei unserem Streben nach Frieden. Jene unter Ihnen, die den Vorzug
hatten, an den Beratungen von Genf, Helsinki und Belgrad teilzunehmen,
haben die Dankbarkeit und Anerkennung von uns allen verdient.
Was als eine Art von Experiment in den internationalen Beziehungen
begann, ist zu einer lebendigen Institution geworden - einer Institution,
die sich entwickelt und wächst in dem Maße, wie sich unsere Probleme
verschärfen und aber auch unsere Chancen sich darbieten.

- 2 -

Unsere Anwesenheit

�sollte die Tatsache, daß wir uns jener Schwierigkeiten bewußt sind, uns
äußerste Zurückhaltung bei erneuter Änderung diese-- Verfahrenweisen auferlegen - ausgenommen solcher Änderungen, die sich aus dem Offenkundigen
ergeben, wie etwa Änderungen bei Zeit und Ort.
Meine Delegation hegt Zuversicht, daß sich das Gesetz der Vernunft
in unseren Verhandlungen durchsetzen wird,

Es gibt nützliche Änderunger;

um unseren Bedürfnissen und Bewertungen zu entsprechen, die im Rahmen der
mutatis mutandi-Formel aufgenommen werden sollten.

Wir hoffen, daß diese

Änderungen nicht Gegenstand einer Kontroverse zwischen uns werden.

Sollten

andere jedoch der Meinung sein, sie seien strittig, so werden wir sicherlicn
nicht insistieren, sondern diese Tatsache anerkennen.
Ich möchte Ihnen folgenden Vorschlag zur sorgfältigen Überlegung
unterbreiten: daß es unserer Ansicht nach weit besser ist, die Verfahrensweisen unverändert und wie im "Gelben Buch" dargelegt zu übernehmen, über
die wir bereits vorher Übereinstimmung erzielt haben, anstatt dieses Treffen
hier noch einmal für Empfehlungen zu öffnen, die getane Arbeit ungeschehen
machen und uns in eine lange - und womöglich fruchtlose - Debatte stürzen
würden.

Was uns angeht, so werden wir nichts unternehmen, um die Über-

einkunft hinsichtlich der Verfahrensweisen zu gefährden, die sich in
Belgrad durchsetzten und die unserer Meinung nach die einzig vernünftige
Grundlage für Madrid abgeben.
Ebenso scheint unter uns in zunehmendem Maß das Gefühl zu herrschen,
daß wir unsere Beratungen in einem Geist der Vernunft und des Pragmatismus
abhalten und unsere Pflichten rasch erfüllen und sodann zwecks Vorbereitung
der umfangreichen Diskussionen nach Hause zurückkehren sollten, die im
November beginnen werden.
Madrid ist schön.

Lassen Sie mich eine Tatsache feststellen:

Wir sind bereit, sc viel Zeit hier zu verbringen, wie

für unsere Aufgabe erforderlich ist - wenn auch nicht gerade die 49 Wochen,
die unser britischer Kollege als Grenze seines Ausharrungsvermögens andeutete.

- 5 -

�andeutete. Aber ich bin nicht sicher, ob zu viel Zeit unserem Prozeß
dienlich wäre.
Außerdem möchte ich, Herr Vorsitzender, noch etwas zu dem sagen,
was sich - wie ich meine - als allgemeine Übereinstimmung aus vielen
der Erklärungen herausbildet, die wir gehört haben, und aus vielen der
informellen Unterhaltungen, die wir hatten.

Diese Übereinstimmung betrifft

die Notwendigkeit, sich dessen zu erinnern, daß es sich hier um ein
Vorbereitungstreffer handelt,das - in Einklang mit Mandat und Präzedenz der Festlegung von Zeitpunkt, Dauer, Tagesordnung und anderen Modalitäten
des Haupttreffens gewidmet ist, welches nachfolgen wird.
hier, um selbständige Themen zu behandeln.

Wir sind nicht

Ja, es ist entscheidend für

den Erfolg unserer Anstrengungen - und ich glaube, hierin herrscht ebenfalls
weitverbreitetes

Einverständnis unter uns -, daß wir die Unterscheidung

zwischen der Aufgabe respektieren, für die wir uns hier im September
eingefunden haben, und den weitergehenden Aufgaben, die unsere Regierungen
vom 11. November an in Angriff nehmen werden.
Spricht man aber davon, daß die Aufgabe dieses vorbereitenden Treffens
eine begrenzte Aufgabe zu sein hat, so sagt man damit nicht, daß es eine
unwichtige Aufgabe ist. Ja, allein die Tatsache, daß wir unsere Arbeit
auf diesem Treffen gut machen, wird unsere kollektive Verpflichtung
gegenüber dem KSZE-Prozeß unterstreichen.

Es handelt sich dabei um eine

Verpflichtung, die in Madrid und bei den Folgetreffen, die nach Madrid
kommen werden, nur bekräftigt wird.
Herr Vorsitzender, ich hoffe, daß ich mit diesen kurzen Bemerkungen
nicht etwas fehlgedeutet habe, was mir die vorherrschende Stimmung hier
zu sein scheint.

Sollte dem so sein, so habe ich keine Zweifel darüber,

daß meine Kollegen mich berichtigen werden.
Herr

�Herr Vorsitzender, herausgefordert durch das gute Beispiel mehrerer
Delegationen, habe ich nach einem klassischen Zitat gesucht, das mir als
Abschluß meiner Anmerkungen dienen köntte.
angemessene spanische Quelle zu zitieren.

Es wäre gut gewesen, eine
Wäre ich mit dem Spanischen etwas

mehr vertraut, hätte ich sicherlich in dieser Sprache etwas Passendes
gefunden.

Lassen Sie mich als Ersatz ein Zitat aus einem anderen reichen

Kulturkreis anbieten, der im Rahmen der KSZE vertreten ist.

Hippokrates

legte für die Medizin eine Maxime fest, die auch für unser Streben in
diesem vorbereitenden Treffen gelten sollte:
Schaden an!

+ + + + +

- 7 -

Vor allem, richtet keinen

�42

24. September 1980

TEERSANDAUFBEREITUNG - WIRTSCHAFTLICHER UND UMWELTSCHONEND

- (AD) - Ein neues Verfahren, das von dem kanadisch-amerikanischen Unternehmen "Kruyer Tar Sands Development, Inc.," entwickelt wurde, macht die Extraktion von öl aus Teersanden wirtschaftlicher und umweltschonender.

Mit

Hilfe eines "oleophilen" Materials, das aus Forschungsarbeiten von Jan A.
Kruyer (Alberta) hervorgegangen ist, lassen sich die bitumenhaltigen Bestandteile der Teersande leichter als bei Anwendung der üblichen Verfahren herauslösen.

Bisher gewann man das im Sand gebundene öl durch Behandlung des Sandes
mit heißem Wasser und Natronlauge.

Anschließend muß das mit Schadstoffen

stark angereicherte Wasser zu Spezialklärbecken transportiert werden und dort
so lange verbleiben, bis sich die Natronlauge abgesetzt hat. Beim Kruyer-Verfahren dagegen läuft der mit Wasser versetzte Sand über ein als Förderband
konstruiertes Sieb, das mit einer oleophilen Substanz beschichtet ist. Das
öl bleibt am Sieb haften, während Sand und Wasser abgeschieden werden. Auf
diese Weise lassen sich 98 bis 99 Prozent des Öls extrahieren.
wird dem Aufbereitungsprozeß wieder zugeführt.

Das Wasser

Das dickflüssige "Rohöl"

wird vom Sieb gelöst und zu Düsentreibstoff, Benzin und anderen Produkten
weiterverarbeitet.
Jan

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Telex: 08-85432

�Jan Kruyer schätzt, daß der Verkaufspreis für das nach seinem Verfahren
gewonnene öl bei ca. 25 Dollar pro Barrel (Faß mit 159 Litern) liegt.

Damit

läge der Preis um fünf Dollar unter dem für Synthese-Rohöl, das man nach den
bisher üblichen Verfahren aus Teersand gewinnt.

Das Unternehmen hat inzwischen

Verhandlungen mit Landeigentümern im amerikanischen Bundesstaat Utah aufgenommen, um das neue Verfahren an sechs verschiedenen Teersanden, die in Utah
abgebaut werden, erproben zu können.

Bisher wurden dazu nur kanadische Teer-

sande als Ausgangsmaterial verwendet.

- 2 -

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                <text>Amerikadienst 24.09.1980</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Muskie hebt starke Verteidigungsposition der USA hervor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache in Pittsburgh -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muskie: Ein Nuklearkonflikt ist kein Instrument der Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem außenpolitischen Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Kampelman: KSZE-Prozess muss fortgesetzt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung auf dem Vorbereitungstreffen in Madrid -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht "Welt im Jahr 2000" vor Kongressausschuss&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Empfehlungen an US-Präsidenten werden vorbereitet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teersandaufbereitung - wirtschaftlicher und umweltschonend&amp;nbsp;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

41

17. September 1980
INHALT

DOKUMENTATION
USA: Amerikanisch-iranische Probleme sollten neu überdacht werden
- Schreiben Muskies an den neuen iranischen Ministerpräsidenten Vest erläutert Anstrengungen zur Bewältigung bevorstehender Herausforderungen
- Erklärung des Unterstaatssekretärs für europäische Angelegenheiten
Die Vereinigten Staaten und die Arabische Halbinsel
- Unterstaatssekretär Saunders nimmt vor Repräsentantenhaus Stellung

INFORMATION
Staatssekretär John C. Sawhill leitet "Synthetic FuelsCorporation"

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
100 Millionen Dollar für Windenergie-Forschung

Um Übcr/cndung von
ßclcgcxcmplorcn wird
gebeten

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Berichtigung:
In dem Artikel "Vorläufiger Abschied vom Mars" von G. Weiss in
Nr. 39 des Amerika Dienstes vom 3. September 1980 muß es auf Seite 2,
dritte Zeile, richtig heißen:
"... 19. Juni 1976, Absetzen des Landegeräts einen Monat später..."

�Dokumentation

1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. September 1980

41

USA: AMERIKANISCH-IRANISCHE PROBLEME SOLLTEN NEU ÜBERDACHT WERDEN
- Schreiben Muskies an den neuen iranischen Ministerpräsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Das State Department hat am 9. September 1980
das Schreiben des amerikanischen Außenministers Edmund Muskie an den neuen
iranischen Ministerpräsidenten Mohammad Ali Rajai veröffentlicht, das
vom 20. August datiert und in dem Muskie die Hoffnung äußert, daß die USA
und der Iran gemeinsam an konstruktiven Lösungen für die zwischen beiden
Ländern bestehenden Schwierigkeiten arbeiten werden.
Das Schreiben Muskies hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
ich schreibe Ihnen als jemand, der in seiner Position als Außenminister
erst vor kurzem mit den Problemen konfrontiert worden ist, die gegenwärtig
die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern belasten. Ich weiß, daß
diese Probleme nur einen Aspekt der schweren neuen Verantwortlichkeiten
darstellen, die Sie als der erste Ministerpräsident des Iran unter der

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�der Verfassung der Islamischen Republik auf sich nehmen.

Es ist meine

aufrichtige Hoffnung, daß wir - zusammen mit dem Außenminister, den Sie
ernennen werden - in der Lage sein werden, in Richtung auf konstruktive
Lösungen für die Schwierigkeiten zwischen unseren Ländern hinzuarbeiten.
Mit dem Tode des früheren Schahs ist ein Kapitel der iranischen
Geschichte nunmehr endgültig abgeschlossen.

Mit der Etablierung Ihrer

Regierung ist ein neues Kapitel aufgeschlagen worden.

Ich bin der Meinung,

daß dies der Augenblick ist, wo wir die Probleme zwischen dem Iran und
den Vereinigten Staaten neu überdenken sollten.
Die Vereinigten Staaten anerkennen die Realität der iranischen
Revolution und die Legitimität der islamischen Republik. Das iranische
Volk hatte in einer Reihe aufeinander folgender Schritte die Chance gehabt,
sich an dem Prozeß der Schaffung neuer Institutionen zu beteiligen.
Ich versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten nicht den Wunsch gehabt
haben, in diesen Prozeß einzugreifen. Wir sind überzeugt, daß keine äußere
Macht sich in die Rechte des iranischen Volkes, seine eigenen politischen
Entscheidungen zu treffen, einmischen sollte.
Zweiundfünfzig meiner amerikanischen Landsleute werden weiterhin im
Iran nach neun Monaten Gefangenschaft festgehalten. Ich bin mit ihren
Familien zusammengekommen. Ich kann das tiefe und verzweifelte Leid, das
diese Menschen erfahren haben, Ihnen gegenüber nicht in der angemessenen
Form zum Ausdruck bringen. Amerikaner aller politischen Richtungen und
Gesellschaftsschichten stehen vereint in der Sorge um ihre baldige Freilassung. Ich hoffe, Sie stimmen mir zu, daß es nunmehr an der Zeit ist,
das Leid dieser Menschen in ehrenhafter Weise zu beenden und die Geiseln
zu ihren Familien heimzusenden.
Ich bin mir bewußt, daß auch die Iraner gelitten haben.

Das weitere

Verharren in dieser Sackgasse kann nur zu weiterer Bitterkeit und weiterem

- 2 -

�weiterem Leid auf beiden Seiten führen.
voll.

Die Kelche des Leids sind nunmehr

Wir sollten sie leeren und neu beginnen.

Ich versichere Ihnen, daß

wir den vollsten Respekt für Ihre Unabhängigkeit» Ih^e territoriale
Integrität und für das Prinzip der Nichteinmischung bekunden werden.
Wir wissen, daß das iranische Parlament als Vertretung des iranischen
Volkes mit der Behandlung der Geiselkrise betraut worden ist. Wir wissen
auch, daß es im Iran, wie in den Vereinigten Staaten, tiefgehende Emotionen
aufgrund von in der Vergangenheit erlebten Kümmernissen gibt.

Es gibt,

viele schwierige Fragen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten.
Wir sind unsererseits gewillt, in fairer Weise vorzugehen und uns mit jeder
dieser Fragen auf der Basis gegenseitiger Achtung und Gleichberechtigung
zu befassen.
Um mit dem Prozeß eines besseren gegenseitigen Verstehens zu beginnen,
wäre es, wie ich glaube, nützlich, einen regulären Kommunikationsweg
einzurichten.

Ich persönlich würde es vorziehen, daß dies in direkter -

und wenn Sie es wünschen - sehr diskreter Weise zwischen Vertretern unserer
beiden Regierungen geschieht.

Ein offenes und direktes Gespräch ist der

beste Weg, um Feindseligkeit und Mißtrauen aus dem Weg zu räumen.

Wenn

sie es jedoch vorziehen, wären wir auch gern bereit, durch dritte Parteien
miteinander in Verkehr zu treten, die Botschaften zwischen uns auf einer
regulären Basis übermitteln könnten.

Die Botschaften der Schweiz und Algeriens

könnten diese Rolle übernehmen, da sie ja bereits die Schutzmächte sind.
Andere Personen könnten, entweder als offizielle oder private Vermittler, die
gleiche Funktion ausüben.
Ich möchte hoffen, daß Sie sich bereit finden, uns Ihre Gedanken
über Punkte, die bei einem solchen Austausch in nützlicher Weise erörtert
werden könnten, mitzuteilen.
Ich sehe Ihrer Antwort

im Interesse unserer beiden Völker erwartungsvoll

entgegen.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. September 1980

41

VEST ERLÄUTERT ANSTRENGUNGEN ZUR BEWÄLTIGUNG
BEVORSTEHENDER HERAUSFORDERUNGEN
Erklärung des Unterstaatssekretärs für europäische Angelegenheiten

WASHINGTON

-

(AD) - Der Unterstaatssekretär für europäische

Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, George S. Vest, gab
am 15. September 1980 vor dem Unterausschuß für Europa des Außenpolitischen
Ausschusses des Repräsentantenhauses die folgende Erklärung ab:
Ich freue mich über die Gelegenheit, gerade jetzt vor Ihnen zu
erscheinen. Es ist jetzt fast neun Monate her, daß die Sowjets in
Afghanistan einmarschiert sind, und noch länger, daß der Iran ins Chaos
abglitt. Wir treten nunmehr in eine neue Periode diplomatischer Aktivität
ein - im Rahmen der Vollversammlung der Vereinten Nationen und der intensiven
Runde von Konsultationen, die sich am Rande abspielen. Während wir uns
dieser Periode nähern, freue ich mich darüber, hier kurz auszuführen,
wie die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten darangehen, mit den
Herausforderungen fertigzuwerden, vor denen wir stehen, um weiter auf der
Einheit und der schöpferischen Kraft aufzubauen, die wesentlicher Bestandteil

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�Bestandteil unserer Gesellschaften sind.
Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß wir in den kommenden
Jahren vor einer komplexeren Welt stehen werden.

Eine rasche Aufzählung

der jüngsten Entwicklungen zeigt, daß wir einen Zeitraum hinter uns
gelassen haben, der durch Entspannung charakterisiert war - oder durch
ein Nachlassen der Spannungen zwischen Ost und West - und in einen Zeitraum eintreten, in dem es mehr Frost und mehr Wettstreit bei den OstWest-Beziehungen geben wird - zugleich ein Zeitraum, der unsicherer und
schwieriger zu behandeln sein wird.
Denken Sie an folgendes:
-

Die gewaltige Zunahme der sowjetischen Militärmacht über rein
defensive Erfordernisse hinaus, wie wir sie erkennen können;

-

ihre bewiesene Bereitschaft, diese Macht jenseits der sowjetischen
Grenzen in Afghanistan einzusetzen, die anhaltende Besetzung
dieses bislang blockfreien Landes und die Unterstützung eines
unrechtmäßigen Regimes in Kabul;

-

die jüngste Krise unter der Arbeiterschaft in Polen, die ungewisse
Zukunft dort, die unkalkulierbare Auswirkung, die deren Lösung
auf das übrige Osteuropa haben kann, sowie ihr Einfluß auf die
Beziehungen zwischen der Sowjetunion und ihren Nachbarn;

-

die anhaltenden Wirtschaftsprobleme im Westen:
sowie die Kostenschraube beim Importöl.

Inflation, Rezession

Alle diese Ereignisse und Probleme sind Grund genug, zu überlegen,
wie wir auf das reagieren sollen, was auf uns zukommt.
Innerhalb

�Innerhalb des NATO-Bündnisses haben diese und andere Entwicklungen
eine beispiellose Serie von Konsultationen sowohl auf multilateraler als
auch auf bilateraler Ebene in Gang gebracht.

Darin aber liegt die elementare

Stärke des Nordatlantischen Bündnisses - in der Gelegenheit, die sie für
den freimütigen Austausch der Ansichten über die gesamte Bandbreite derjenigen
Probleme bietet, welche die Sicherheit aller Verbündeten berühren.

Dies

hat im wesentlichen zu einer gemeinsamen Beurteilung der Probleme geführt,
vor denen wir stehen.

Es herrscht auch weiterhin die klare Erkenntnis,

daß es notwendig ist, zusammenzustehen, um all die wesentlichen politischen
Zielsetzungen zu verwirklichen, in denen wir übereinstimmen.

Daher haben

sich die Verbündeten verpflichtet, eine rationale und ausgewogene Arbeitsteilung auszuarbeiten und durchzuführen, die die besonderen Möglichkeiten
jedes Verbündeten respektiert.
Während wir an der Verwirklichung dieser Ziele arbeiten, müssen wir
an die demokratische Vielfalt denken, die dieses Bündnis kennzeichnet und
die oft unterschiedliche Standpunkte zur Folge hat, die bei entscheidenden
Fragen ins Spiel kommen. Man kann die Realitäten des europäischen Lebens,
der europäischen Politik und Wirtschaft nicht umgehen.

Die Nähe der

Sowjetunion, einer kontinentalen Supermacht, zu unseren europäischen
Verbündeten, die größere Rolle marxistischer Sozialtheorie in der Geistesgeschichte der meisten dieser Länder und das Vorhandensein kommunistischer
Parteien in vielen europäischen Staaten, die noch immer frische Erinnerung
an zwei Weltkriege, die auf europäischem Boden ausgetragen wurden - alle diese
Faktoren wirken zusammen und schaffen einen starken Glauben an die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung eines Dialogs mit der Sowjetunion und
einen starken Drang nach Rüstungskontrolle und Abrüstung.

Vermehrte

Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit den Staaten des Ostens, einschließlich
einer wachsenden Rolle der sowjetischen Energieversorgung in den letzten
Jahren sind Faktoren von unbestreitbarer Bedeutung für Westeuropa, die
es abzuwägen gilt, wenn Maßnahmen überlegt werden, um sich einer, sogar
von allen erkannten, sowjetischen Bedrohung zu stellen.

- 3 -

Letztlich aber •

�aber ••• und weit wichtiger - legen die Europäer,im Bewußtsein der sowjetischen
Militärmacht an ihrer östlichen Grenze, die Hauptbetonung darauf, militärisch
gerüstet zu sein, um potentiellen direkten Vorstößen der sowjetischen Streitmacht zu begegnen.
Wenn sie Überlegungen zu der notwendigen Arbeitsteilung anstellen,
so ist es für sie nur natürlich, daß sie von der globalen Supermacht
Amerika erwarten, daß diese die Hauptrolle beim Schutz der lebenswichtigen
Interessen des Westens etwa in Bereichen wie Südwestasien tragen,

über-

flüssig zu sagen, daß es nie eine leichte Aufgabe war, keine ist und nie
eine sein wird, konkrete Schritte zur Abwendung dieser Bedrohungen auszuarbeiten und gleichzeitig die Bedürfnisse von fünfzehn verbündeten
Demokratien zu befriedigen.

Dies erfordert amerikanische Führung - aber

zugleich geduldige, wirksame Konsultation und ebensolchen Dialog.
Stellt man diese verschiedenen Perspektiven in Rechnung, so haben
die Verbündeten bei einer Reihe von Reaktionen im Verteidigungsbereich
auf die sowjetische Herausforderung in Afghanistan und auf den umfangreichen
Ausbau der Streitkräfte des Warschauer Paktes große Übereinstimmung erzielt:
-

sie haben in den meisten Fällen die schwierige wirtschaftliche
und politische Entscheidung eines jährlichen Real Zuwachses der
Verteidigungsausgaben in Höhe von 3 Prozent getroffen;

-

sie haben sich auf das Langfristige Verteidigungsprogramm und den
ständigen Fortschritt bei der Zusammenarbeit, Rationalisierung,
Standardisierung der Ausrüstung sowie der Interoperabilität
der Ausrüstung des Bündnisses geeinigt;

-

sie einigten sich letzten Dezember auf ein Programm der Modernisierung
der TNF-Waffen großer Reichweite, verbunden mit Rüstungskontroll-

- 4 -

�R'üstungskontroll verhandl ungen;
-

sie arbeiten mit den Vereinigten Staaten auf mehreren Sektoren zusammen, um die westliche Sicherheit am Persischen Golf und im
Bereich Südwestasiens zu erhöhen; und

-

sie sind übereingekommen, die Modernisierung der konventionellen
Streitkräfte der NATO in Europa zu beschleunigen und die Schwächung
besser auszugleichen, die durch die Redislozierung amerikanischer
Streitkräfte in andere Bereiche hervorgerufen wurde.

Während wir beabsichtigen, das militärische Gleichgewicht wiederherzustellen, bringen wir und unsere Verbündeten gleichzeitig auch weiterhin
unsere Bereitschaft zum Ausdruck, mit den Sowjets Verhandlungen über
Rüstungsbegrenzung zu führen, dienen solche Verhandlungen doch den höchsten
Sicherheitsinteressen des Bündnisses und tragen sie zu Weltfrieden und
Stabiltät bei. Afghanistan hat die Rüstungskontrolle erschwert; es hat
die Ratifizierung von SALT II verzögert.

Wir haben unseren Verbündeten

klargemacht, daß wir auch weiterhin seiner Ratifizierung sowie der Aufrechterhai tung des Verhandlungsprozesses zur Rüstungskontrolle verpflichtet
sind.

Durch die Richtung unserer Reaktion auf die sowjetische Militär-

intervention haben wir Freund und Feind gleichermaßen verdeutlicht, daß der
Zweck einer standhaften, maßvollen westlichen Antwort darin bestand, die
Chancen auf eine schließliche Rückkehr zu korrekten Beziehungen zu wahren,
wenn die Sowjetunion ihre Bereitschaft demonstriert, mit Zurückhaltung
zu handeln.

Dies wird von uns allen Geduld erfordern.

Wir erkennen, daß die Struktur der Ost-West-Beziehungen, die unter
vielen Schwierigkeiten über die letzten Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde,
langsam aber sicher dazu geführt hat, den Menschen in Europa im täglichen
Leben Vorteile zu bringen. Wir sind der Wahrung dieser Struktur verpflichtet.
So befindet sich gegenwärtig die von Botschafter Max Kampelman geleitete

- 5 -

�geleitete amerikanische Delegation in Madrid und nimmt an einer Konferenz
teil, die das Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) vorbereitet, das in Madrid stattfinden wird. Auf dieser
bedeutenden Konferenz im November sind wir gleichfalls bereit, unseren
Teil beizutragen, um auf ein konstruktives Ergebnis hinzuarbeiten - ein
Ergebnis, das Maßnahmen hervorbringen soll in der Absicht, die Verwirklichung
der Schlußakte von Helsinki zu verbessern und dadurch die reale Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa zu erhöhen. Unserer Ansicht nach kann dies
auf dem Treffen von Madrid nur durch Aufrechterhaltung eines angemessenen
Gleichgewichts zwischen der Behandlung der Menschenrechtsfrage und der
Sicherheitsthemen erzielt werden.
Schlußfolgerung: Durch diese und andere Anstrengungen überbringen
wir den Sowjets eine Botschaft, daß nämlich das Bündnis geeint bleibt
angesichts der durch die Schritte in Afghanistan und an anderen Orten
geschaffenen Bedrohung, während es gleichzeitig jene Struktur der Ost-WestBeziehungen aufrechterhält, die unserer Meinung nach von Nutzen ist, um
eine Rückkehr zu besseren Beziehungen zu erleichtern. Eine solche Rückkehr
ist für uns alle von lebenswichtiger Bedeutung.

+ + + + +

�IS

(TO

I 3
41

CO

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. September 1980

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE ARABISCHE HALBINSEL
- Unterstaatssekretär Saunders nimmt vor Repräsentantenhaus Stellung

WASHINGTON - (AD) - Am 3. September 1980 legte Harold H. Sanders, der
Unterstaatssekretär für Nahost und Südasien im amerikanischen Außenministerium,
in einer Erklärung vor dem Unterausschuß für Europa und den Mittleren Osten
des Repräsentantenhauses das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und
den Staaten der Arabischen Halbinsel dar.
Dabei war seine Absicht, dem Unterausschuß die amerikanischen Interessen
in diesem Gebiet zu verdeutlichen, wie sie sich im Lauf der letzten Jahre
herausgebildet haben. Der Bericht analysiert die Bewegkräfte, die im Bereich
des Persischen Golfs am Werke sind, stellt die Entwicklungen in diesem
Gebiet im Verlauf der letzten zehn Jahre dar, geht auf die kommenden Herausforderungen ein und erläutert die amerikanische Politik gegenüber den
Ländern des Persischen Golfs. Die schriftliche Erklärung von Saunders
hat folgenden Wortlaut:

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Das amerikanische Verhältnis zu den Staaten der Arabischen Halbinsel am
Persischen Golf
In den beiden vergangenen Jahren wurde ich jeweils zu dieser Zeit
von diesem Unterausschuß darum ersucht, einen überblick über die Entwicklungen
im Mittleren Osten und in Südwestasien vorzulegen.

Auch wenn das heutige

"Hearing" nicht eigens für eine solche Darlegung vorgesehen ist, so ist
es doch angebracht, in diesem Zusammenhang mit dem Unterausschuß über
das Verhältnis zu diskutieren, wie es sich zwischen den Vereinigten Staaten
und den Staaten der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf - Saudi-Arabien,
Kuwait, Bahrein, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman entwickelt hat.

Die Entwicklungen in der umliegenden Region und die Be-

deutung des Golfs selbst rechtfertigen es, daß wir diese Region zunzentralen
Teil einer bedeutsamen politischen Überprüfung gemacht haben.
Ziel und Zweck dieser Erklärung ist es:
-

Darzulegen wie sich unsere Interessen an diesen Staaten in den
letzten Jahren verstärkt haben;

-

unsere Vorstellung von der Dynamik dieses Gebietes aufzuzeigen,
wie es sich im vergangenen Jahrzehnt entwickelt hat und welche
Aufgaben vor uns liegen; und

-

zu erörtern, wie die von uns in bezug auf dieses Gebiet verfolgte
Politik unseren sich erweiternden Interessen und den sich verändernden Verhältnissen dort entspricht.

•

•

.

Die Interessen der Vereinigten Staaten in dieser Region
Unsere Interessen an diesem Gebiet bestehen seit langem, sie sind

- 2 -

�sind bedeutend und miteinander verbunden.
-

Sie stellen in Rechnung:

die strategische Lage des Gebietes und seine Bedeutung für die
Aufrechterhaltung eines globalen strategischen Gleichgewichts;

-

die Bedeutung, die wir der Souveränität und Unabhängigkeit dieser
Länder als ein Faktor für eine stabilere Welt beimessen;

-

den für die Welt lebenswichtigen Bedarf an öl aus diesem Gebiet

und

-

die Bedeutung dieser Staaten für die internationalen Geldmärkte und
für die Entwicklung sowie als Märkte für unsere Waren und unsere
Technologie.

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich unsere Interessen an dieser Region
ihrem Wesen nach wenig verändert, sie haben jedoch an Bedeutung gewonnen:
-

Wir sprachen damals von dem lebenswichtigen Fluß des GolfÖls zu
unseren NATO-Verbündeten und unseren Freunden östlich von Suez.
Jetzt sind wir selbst in höchstem Maße abhängig vom Golföl.

-

In dem Maße wie die Länder am Golf reich geworden sind, haben sie
eine bedeutendere Rolle sowohl in regionalen Angelegenheiten
wie auch in der Weltpolitik übernommen.

-

Unser Handel mit diesem Gebiet hat sich ungeheuer erweitert, das
gleiche gilt für die Präsenz von Amerikanern in diesen Ländern.

-

Unsere kulturellen Beziehungen haben sich wesentlich verstärkt,
dazu gehört auch die Ausbildung einer großen Zahl von Studenten
aus diesen Ländern an amerikanischen Universitäten.
- Ereignisse

- 3 -

�-

Ereignisse in den umliegenden Ländern haben die Besorgnis über
einen sowjetischen Druck auf diese äußerst empfindliche Region
verstärkt.

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich unsere Beziehungen zu den sechs
Golfstaaten 1n solider Weise auf einer Basis entwickelt, zu der gehört:
- die strategische Bedeutung dieses Gebietes flir die westliche
Welt und die Bedeutung, die die Golfstaaten unserer Fähigkeit
beimessen, ein globales strategisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, durch das jede Intervention von außen 1n dieses Gebiet
entmutigt wird;
- die Priorität, die diese Staaten einer gerechten und dauerhaften
Lösung des arabisch-israelischen Konflikts beimessen, und ihre
Erkenntnis, daß unter den ausländischen Mächten die Vereinigten
Staaten in einzigartiger Weise in der Lage sind, eine wirksame
Rolle bei der Bemühung um das Zustandekommen eines umfassenden
Friedens in Nahost zu spielen;
- die allgemeine Anerkennung der gemeinsamen Verantwortung der
großen ölförderlander und der ölverbraucher zur Aufrechterhaltung
geordneter Märkte, die für das internationale wirtschaftliche
Wohlergehen Voraussetzung sind;
- ein sich erweiterndes gemeinsames Interesse an wirtschaftlicher
Zusammenarbeit, wozu gehört: Wachstum des Handels, TechnologieTransfer für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung der Golfstaaten; Aufrechterhaltung der internationalen finanziellen
Ordnung; Erleichterung der Entwicklung der ärmeren Staaten und
- der

- 4 -

�-

der Wunsch dieser Staaten nach amerikanischer Hilfe bei der
Entwicklung einer angemessenen Verteidigungskapazität

-

sowie

unsere Bereitschaft, sich unseren Verbündeten bei der Erfüllung
dieser Erfordernisse anzuschließen.

Ein Jahrzehnt des Fortschritts
Vor acht Jahren legte das Außenministerium vor diesem Unterausschuß
die amerikanische Politik hinsichtlich des Persischen Golfs dar, nachdem
es lang und intensiv die amerikanische Politik gegenüber dieser Region
angesichts der zu Ende gehenden vertraglichen Schutzverpflichtungen
Großbritanniens überprüft hatte, die es in der Vergangenheit mit den kleineren
Staaten auf der arabischen Seite des Golfs eingegangen war. Dann richteten wir
den Blick nach vorn, um formelle Beziehungen mit drei Staaten zu entwickeln,
die ihre volle Unabhängigkeit gewonnen hatten, während wir unsere historische
Beziehung zu Oman aufrechterhielten und weiter auf unseren seit langem
bestehenden Beziehungen zu Saudi-Arabien und Kuwait aufbauten.
Die internationale Gemeinschaft blickte jedoch mit verständlicher
Sorge auf den britischen Rückzug aus dem Golfgebiet, denn
-

revolutionäre Ideologien hatten schon des längeren die herrschende
Ordnung am Golf angegriffen;

-

territoriale Streitfragen erschwerten noch die Suche nach regionaler
Zusammenarbeit;

-

ein von kommunistischer Seite unterstützter Aufstand in der
Dhofar-Provinz von Oman bewies die destabilisierende Wirkung
äußerer Intervention;
- 5 -

die

�-

die Welt fragte sich, ob so kleine und dünnbesiedelte Staaten
überhaupt die Institutionen und den National Charakter entwickeln
konnten, die erforderlich sind, um in einer unruhigen Welt allein
bestehen zu können.

Es zeigte sich, daß die kleineren GolfStaaten bei ihrer Entwicklung
zum Staatsaufbau von einem relativ ruhigen Umfeld gefördert wurden.

Ihr

großer Nachbar, Saudi-Arabien, befand sich und befindet sich weiterhin 1n
einer Periode gewaltigen nationalen Fortschritts.

Das Konzept einer engen

Zusammenarbeit zwischen den Staaten der arabischen Halbinsel entlang des
Persischen Golfs entwickelte sich ständig.

Das harmonische Verhältnis,

das die beiden größten Länder des Mittleren Ostens, der Iran und Ägypten,
zueinander sowie zu Saudi-Arabien und den anderen Golfstaaten entwickelten,
brachte eine für geordnete Entwicklung günstige Atmosphäre.
Im Rahmen dieses Umfeldes war der Fortschritt auf der arabischen
Seite des Golfs eindrucksvoll:
-

Die sieben sogenannten "Waffenstillstands-Staaten" taten sich
zusammen und formten die Vereinigten Arabischen Emirate.

Bahrein

und Katar gestalteten gemeinsam ihre nationale Identität.

Alle

kleineren GolfStaaten entwickelten eine Grundlage der Zusammenarbeit auf einer ganzen Bandbreite wirtschaftlicher, politischer
und sicherheitspolitischer Fragen sowohl untereinander als auch
mit Kuwait und Saudi-Arabien.
-

Viele der problematischen Grenzstreitigkeiten am Golf wurden
beigelegt.

-

Der Aufstand in der Dhofar-Provinz von Oman, der durch das
radikale Regime in Südjemen unterstützt wurde, fiel angesichts
des überzeugten Widerstands und des Fortschritts zur nationalen

- 6 -

�nationalen Einheit in Oman in sich zusammen.

Dabei erhielt Oman

beträchtliche Unterstützung durch seine Nachbarn.
-

Saudi-Arabien und seine Nachbarn am Golf erzielten Fortschritte
bei der Entwicklung öffentlicher Verwaltungseinrichtungen und
paßten die traditionellen Gesellschaftsstrukturen an die Erfordernisse
moderner Regierung an. In den Vereinigten Arabischen Emiraten
hat sich die Bundesversammlung zu einem konstruktiven Ausdruck
öffentlicher Meinung entwickelt. Kuwait und Bahrein haben Versuche
mit vom Volk gewählten Nationalversammlungen angestellt und haben
im Verlauf dieses Prozesses wertvolle Erfahrungen dabei gesammelt,
wie man die öffentliche Meinung konstruktiv in die Ausformulierung
nationaler Politik mit einbezieht. Kuwaits Herrscher hat soeben
ein Dekret erlassen, das den Wiederzusammentritt einer gewählten
Nationalversammlung noch vor Ende Februar fordert. Saudi-Arabien
hat die baldige Errichtung eines Konsultativrats angekündigt.

Ausnahmslos haben diese sechs Regierungen bedeutsame Schritte unternommen, um die Vorteile des ölreichtums zu nützen und das Leben ihrer
Völker zu verbessern, indem sie die elementaren menschlichen Ansprüche
befriedigen und gleichzeitig das menschliche Potential entwickeln und
die materiellen Merkmale moderner Gesellschaften ausbauen.

Das äußere Umfeld
Derzeit und künftig muß diese eindrucksvolle Liste des Fortschritts
in diesen sechs GolfStaaten jedoch abgewogen werden gegen Ereignisse in
den umliegenden Ländern, die gewaltige Auswirkungen auf diese Staaten
haben.
Dazu gehören:
- die

�- die Revolution und der Niedergang der zentralen Gewalt im Iran,
die das strategische Umfeld der anderen GolfStaaten grundlegend
verändert haben;
- die sowjetische Invasion des blockfreien Afghanistan, die die
Sicherheit ganz SUdwestasiens bedroht;
-

eine regionale Atmosphäre, In der die sowjetische, kubanische und
ostdeutsche Präsenz am Hörn von Afrika und 1m SUdjemen alte
Sorgen Über sowjetischen Druck mittels Unterstützung radikaler
Kräfte verstärkt; und

- eine Atmosphäre deutlicher Instabilität, die Innerhalb der weiteren
Region herrscht.
Die Zurückweisung langgeschätzter Traditionen zivilen Verhaltens
wird immer deutlicher. Typische Beispiele dafür sind:
- die Verletzung des Völkerrechts und der Maßstäbe zivilisierten
Verhaltens unter Staaten durch das weitere Festhalten von Diplomaten
als Geiseln im Iran;
-

die beispiellose Terrorkampagne der libyschen Führung gegenüber
Landsleuten im Ausland;

- die Gewalt im Libanon und die Schwierigkeiten beim Wiederaufbau
einer zivilen Ordnung;
-

das Erbe der Unterstützung des Irak für radikale Terrorismusgruppen;

-

die Komplexität der Suche des Irak nach nationaler Existenz,
nach seinem zukünftigen Verhältnis mit den Nachbarn am Golf sowie

�sowie seine internationale Rolle als reiches Mitglied einer Welt,
die wirtschaftlich unter Druck steht - all das hat deutlich
Auswirkungen auf die Region zur Folge;
der historische Prozeß der Friedensschließung zwischen Ägypten
und Israel, der in seiner derzeitigen Ausgestaltung Spannungen
zwischen Ägypten und anderen arabischen Staaten hervorgerufen
hat; die momentane Isolierung Ägyptens von der arabischen Welt
hat Ägypten daran gehindert, seine Rolle als stabilisierende
Kraft in anderen Teilen des Nahen und Mittleren Ostens zu spielen.
Gleichzeitig nährt unsere Verpflichtung, uns mit allen Aspekten
des Palä'stinenserproblems auseinanderzusetzen - während wir Israels
Sicherheit schützen -, Hoffnungen auf die Ruhe, die ein Friede
dem ganzen Gebiet bringen kann. Aber diese Suche ist eine Herausforderung für die Führer im Golfgebiet und auch in anderen Bereichen
des Nahen und Mittleren Ostens zur Anhebung des Niveaus an Visionen
und an Mut, die erforderlich sind, um auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden vorwärts zu kommen.

Der Golf heute und in Zukunft:

Bedenken, Möglichkeiten und wie wir reagieren

können.
Die Golfstaaten betrachten sich und die Welt betrachtet die Golfstaaten
mit einer bemerkenswerten Mischung aus Angst und Hoffnung.

Spannungen in

angrenzenden Gebieten haben die Sorge um die Sicherheit des Golfs vermehrt,
während der Fortschritt selbst internen Druck in der Region hervorgerufen
hat.

Die ungeheuren Rohstoffe der Region und die von ihren Führern zur

Schau gestellte Bereitschaft, sich den neuen Herausforderungen im Innern und
im Ausland zu stellen, lassen vermuten, daß diese Staaten die Fähigkeit
besitzen, ihr eignes Haus in Ordnung zu halten und gleichzeitig eine immer

�immer konstruktivere und wichtigere Rolle bei regionalen und weltweiten
Angelegenheiten zu spielen.
Wir selbst können unsere Interessen in der Region in Einklang mit den
Wünschen und Sorgen der Menschen dort verfolgen. Zu diesem Zweck müssen
wir uns ständig daran erinnern, wie unsere verschiedenen Interessen und
ihre verschiedenen Bedürfnisse sich zueinander verhalten. Es besteht zum
Beispiel eine offenkundige Beziehung zwischen der Sicherheit der Region
und ihrer Verläßlichkeit als öl versorger. Der Umfang unserer wirtschaftlichen
Beziehungen wird Einfluß auf Tempo und Qualität der Entwicklung der Golfstaaten nehmen - und dies wiederum wird die Aussicht auf Stabilität beeinflussen. Unsere Fähigkeit zur Unterstützung der Sicherheit der Region
wird sowohl durch Faktoren der Internationalen Wirtschaft als auch der
regionalen Politik beeinflußt, und die regionale Sicherheit ihrerseits
wiederum wird die Aussicht auf geordnete Entwicklung und Stabilität
erhöhen. Die Fortschritte, die wir in Richtung auf einen umfassenden
Nahostfrieden machen können, werden nicht nur die Qualität unserer Beziehung
zu diesen Staaten sta***' beeinflussen, sondern werden auch eine tiefe Wirkung
auf ihre Hoffnungen nach geordnetem Fortschritt haben.

Sicherheit und geregelter Fortschritt
Aufgrund unseres starken Interesses an der Sicherheit der Region
und der Wachsamkeit der GolfStaaten gegenüber externem und internem Druck
auf ihre Stabilität könnten wir mögliche Bedrohungen der Region als ein
Rahmenwerk für die Diskussion eines Teil der politischen Reaktion der
Vereinigten Staaten definieren und klarstellen, daß unsere Haltung
Verteidigungscharakter hat und genau auf die Empfindlichkeit und die
Souveränität der Staaten in diesem Gebiet abgestimmt ist.

- 10 -

�Direkte sowjetische Aggression
Angesichts der historischen russischen Zielsetzungen und des Expansionismus
in Richtung auf Zentralasien haben die Golfstaaten guten Grund, hinsichtlich
der Möglichkeit einer direkten sowjetischen Militärintervention besorgt zu
sein. Die sowjetische Invasion Afghanistans verleiht dieser alten Sorge
eine neue, konkrete Qualität. Die Umwälzungen im revolutionären Iran
lassen auf eine weitere, unmittelbare Möglichkeit für die Sowjets schließen,
einen direkten Zugang zum Persischen Golf und sein öl sowie einen zusätzlichen
Hebel zu erhalten, mit dessen Hilfe die innere Stabilität der Golfregion
untergraben werden kann. Die dünnbesiedelten Golfstaaten erkennen, daß
sie keine Möglichkeit zum Aufbau einer militärischen Kapazität haben, um
diesen Bedrohungen zu begegnen. Sie richten ihre Blicke auf uns, um
jenen Einhalt zu gebieten - allerdings ziehen sie es vor, daß wir dies mit
Hilfe von Schritten außerhalb der Region sowie auf eine Weise tun, die
sie selbst nur so wenig wie möglich mit einbezieht. Sie hegen die tiefe
Furcht, daß das Gebiet die Arena für eine Konfrontation zwischen den
Supermächten werden könnte.

Unsere Antwort auf die sowjetische Bedrohung muß daher eine Vielfalt
von militärischen, wirtschaftlichen und politischen Schritten beinhalten
sowie die enge Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, unseren Freunden am
Golf sowie den Schlüsselstaaten im weiteren Umfeld der Region.
-

Wir und unsere Verbündeten haben wirtschaftliche und politische
Maßnahmen ergriffen, um den Sowjets klarzumachen, daß ihre Kosten
für die Intervention in Afghanistan Teil dieser unserer Reaktion
sind. Die Golfstaaten haben im Rahmen des Islam die internationalen
Anstrengungen angeführt, um einen sowjetischen Abzug aus Afghanistan
zu erreichen.
- Andere

- 11 -

�-

Andere Industriestaaten haben sich uns in den verstärkten Anstrengungen angeschlossen, zwei der wichtigsten angrenzenden
Staaten, nämlich die Türkei und Pakistan, zu unterstützen, die
sich größte Sorgen um die sowjetischen Absichten in der Region
machen.

-

Wir sind zudem bestrebt, den Staaten der Region eine verbesserte
eigene Verteidigungskapazität zu ermöglichen.

-

Wir haben große Opfer gebracht, um knappe Mittel in eine verstärkte,
weltweite Militärkapazität zu lenken und um auch weiterhin mit
unseren Verbündeten bei der gemeinsamen Aufgabe zusammenzuarbeiten,
ein militärisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das die Sowjets
vor einer Intervention am Golf oder an anderen Stellen abschreckt.

-

Wir und unsere NATO-Verbündeten fahren mit den Maßnahmen in Europa
fort, um die westliche Stärke gegenüber den Sowjets zu erhöhen
während wir gleichzeitig Mittel und militärische Kapazitäten in
das Gebiet des Persischen Golfs lenken, um auch dort eine Abschreckungskapazität aufzubauen.

-

Wegen seiner strategischen Lage und seiner entscheidenden Rohstoffe
ist der Golf unvermeidbar ein Faktor im weltweiten Gleichgewicht.
Unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts
erfordert die Möglichkeit, wirkungsvoll Macht in dieser Region
darzustellen mit dem Zweck, uns Aggressoren entgegenzustellen und
die Integrität der dortigen Staaten zu gewährleisten.

-

Wir sind zu einer Sicherung des Golfs vor äußerer Einmischung
entschlossen. In seiner Botschaft über die Lage der Nation
machte dies der Präsident klar, als er sagte: "Ein Versuch durch
eine Macht von außen, die Kontrolle über die Region des Persischen

- 12 -

�Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die
lebenswichtigen Interessen der Vereingten Staaten betrachtet
werden.

Und solch ein Angriff wird durch den Einsatz aller

notwendigen Mittel, einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden."
-

Die Logistik zur Aufrechterhaltung dieser Abschreckungskapazität
erfordert die Zusammenarbeit mit den befreundeten Staaten in der
Region,

über dreißig Jahre lang haben wir am Golf Militärpräsenz

aufrechterhalten und unsere dislozierten Streitkräfte hatten
Zugang zu den logistischen Versorgungseinrichtungen.

Unsere

weitere Fähigkeit, zur Sicherheit der Region beizutragen, hängt
in hohem Maß von solchem Zugang ab.
Um diese Politik in der Region zu verwirklichen, haben wir mehrere
Initiativen ergriffen:
-

Als Reaktion auf die destabilisierende Lage und den sowjetischen
Druck in der Region allgemein haben wir unsere Flottenpräsenz im
Indischen Ozean deutlich ausgeweitet.

-

Außerdem verbessern wir unsere Möglichkeiten zum Einsatz von
Streitkräften in diesem Gebiet, indem wir die Schnellen Eingreiftruppen (RDF-Rapid Deployment Forces) organisieren und unsere
Luft- und Seetransportkapazitäten verbessern, um die RDF rascher
zu verlegen.

-

Zusätzlich haben wir begrenzten Zugang zu Luft- und Seestützpunkten in dem Gebiet erstrebt und tun dies auch jetzt noch - wie
etwa in Oman, in Kenia und in Somalia.

Auch verbessern wir Anlagen

in diesem Gebiet - wie etwa Diego Garcia.
- Diese

- 13 -

�- Diese Anlagen dienen zur Unterstützung unserer Präsenz in Friedenszeiten, zu gelegentlichen Übungen und Dislozierungen sowie dazu,
es uns zu ermöglichen, umfangreichere Streitkräfte im Bedarfsfall
in das Gebiet zu verlegen.
- Wir wollen keine Stutzpunkte. Unsere kooperativen Vereinbarungen
respektieren völlig die Souveränität der zusammenarbeitenden
Staaten und Ihrer Nachbarn. Eine solche Zusammenarbeit reflektiert
den Realismus und das strategische Verständnis der Regierungen,
die entschlossen sind, Ihre eigene Unabhängigkeit zu bewahren
und ein sicheres regionales Umfeld zu fördern.

Aggression mit sowjetischer Unterstützung
Im Laufe der Jahre verbreitete sich unter den Regierungen der Golfstaaten Sorge über die militärische Unterstützung und den politischen
Einfluß der Sowjetunion 1n radikalen Nachbarstaaten, die eine aggressive
Politik verfolgen. In den vergangenen zehn Jahren hat das marxistische
Regime im Südjemen, das von den Sowjets stark unterstützt und schwer
bewaffnet wird, Grenzgefechte mit Saudi-Arabien ausgetragen, den Aufstand
in der Dhofar-Provinz von Oman unterstützt und ist im vorigen Jahr in den
NordJemen eingedrungen. Die sowjetische Position in Äthiopien erhöht
im Zusammenhang mit der bedeutenden Rolle der Sowjets im Südjemen die
Verwundbarkeit des Zugangs über Bab-el-Mandeb und das Rote Meer und hat
die Bedenken der GolfStaaten noch vermehrt. Kubaner und Ostdeutsche bieten
den sowjetischen Bemühungen in diesem Gebiet aktive Unterstützung.
Alle sechs Staaten der Arabischen Halbinsel, die am Persischen Golf
liegen, erstreben harmonische Beziehungen zu allen ihren Nachbarn, Es
ist ihre grundlegende Politik gewesen, zwischen den arabischen und islamischen
Staaten einen Sinn für gemeinsame Zielsetzungen zu entwickeln, der keinen

- 14 -

�keinen Raum für sowjetische Intervention lä'3t.
Diese Politik unterstützt unser eigenes Bestreben, das dahin geht,
Frieden und Ruhe für die Völker am Golf zu bewahren.

Wir werden durch

Anzeichen ermutigt, daß der Irak größere Harmonie mit seinen arabischen
Nachbarn am Golf entwickelt.

Wir sind Zeuge des Auftretens einer neuen

Führung im Südjemen geworden, und wir werden mit Sorgfalt nach greifbaren
Hinweisen dafür Ausschau halten, daß er bald in Frieden, vielleicht sogar
in Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn lebt.
Genauso wie an anderen Stellen im Mittleren Osten, so sind wir auch
hier bereit, mit anderen in dieser Region zusammenzuarbeiten, um Spannungen
zu vermindern, solange unsere Hilfe von Nutzen ist. Unsere Anstrengungen
zur politischen und militärischen Unterstützung sowie unsere Dislozierungen
in Reaktion auf den Krieg im Jemen im letzten Jahr waren ein Beweis für
diese Absicht.
Aber wenn Saudi-Arabien und seine Nachbarn am Golf vor einer von
den Sowjets unterstützten militärischen Bedrohung oder dem politischen
Druck, den eine solche Bedrohung hervorrufen kann, frei sein wollen,
brauchen sie eine moderne Verteidigungskapazität.

Unser Sicherheits-

beistand für diese Länder ist ein bedeutender Faktor für die Schaffung
dieser Kapazität und ein entscheidendes Element unserer Beziehungen zu
ihnen.

Unsere Militärpräsenz in Friedenszeiten in dieser Region ist ein

zusätzliches Element der Sicherheitsgarantie für das Gebiet.
In der Vergangenheit haben wir eine wichtige Rolle dabei gespielt,
Saudi-Arabien bei der Entwicklung einer modernen Verteidigungskapazität
behilflich zu sein.

Im Laufe der letzten zehn Jahre haben wir eine wesentliche

Rolle im Verteidigungsprogramm von Kuwait gespielt.

In den vergangener,

Jahren haben wir unsere Bereitschaft gezeigt, bei den Verteidigungserfordernissen der anderen Golfstaaten Unterstützung zu leisten.
Unsere
- 15 -

�Unsere Waffenpolitik gegenüber dieser Region steht in Einklang mit
unserer weltweiten
bereitzustellen.

Einstellung, militärische Ausrüstung und Ausbildung
Unsere Waffenverkäufe an alle sechs Staaten haben nicht

das Ziel, uns kurzfristige politische oder kommerzielle Vorteile zu
verschaffen, indem wir sie mit unpassender oder mit zu viel Ausrüstung
überhäufen, sondern haben das Ziel, ihnen bei der Erstellung einer angemessenen und wirkungsvollen nationalen Verteidigung zu helfen.

Bei dieser

Anstrengung erstreben wir keine Einzel rolle und begrüßen Beiträge unserer
industrialisierten Verbündeten und der Regierungen der Region, wie etwa
Jordaniens, die auf vielfältige Weise Beiträge leisten können.

Regionaler Konflikt
Die Atmosphäre, in der die Golfstaaten ihre Zukunft gestalten,
wird beeinflußt durch Rivalitäten, Spannungen und Gewalt im weiteren
Umfeld der Region - durch den arabisch-israelischen Konflikt, im Libanon,
in teilen Afrikas sowie, ganz in der Nähe der Region selbst, durch die
gegenwärtigen Spannungen zwischen dem Irak und dem Iran, und durch den
Druck, den der Südjemen auf seine Nachbarn ausübt.

Die Golfstaaten

erkennen deutlich die Notwendigkeit, diese Spannungen abzubauen.
eigene Politik bleibt auch weiterhin diesem Ziel verbunden.

Unsere

In manchen

Fällen können wir eine wesentliche Rolle spielen, wobei wir zeitweilig
mit den Golfstaaten zusammenarbeiten.

In anderen wiederum - wie etwa

bei den Spannungen zwischen dem Irak und dem Iran, übersteigt unsere
Sorge unsere Fähigkeit zur Beeinflussung der Ereignisse.

Wir begrüßen

jedmöglichen Einfluß, den die Golfstaaten ausüben können, um die Wurzeln
regionaler Spannungen zu beseitigen.

Von außen

- 16 -

�Von außen unterstützte Subversion und innere Bedrohungen
Kein Katalog möglicher Bedrohungen für die Golfstaaten würde ohne
die Erkenntnis vollständig sein, daß es weithin bekannte Besorgnisse
hinsichtlich der Bedrohungen von innen gibt. Daß Kräfte von außen sich
um eine Unterwanderung dieser Staaten bemühen, weiß die Öffentlichkeit.
Die Golfstaaten sehen sich aber auch einer Anzahl von Herausforderungen
gegenüber, die zum Teil gerade aus dem von ihnen erzielten Fortschritt
resultieren.
-

Der Modernisierungsprozeß als solcher bringt Veränderungen der
traditionellen Gesellschaftsformen mit sich.

-

Der große Strom ausländischer Arbeitskräfte, die für die Verwirklichung der nationalen Entwicklungsprogramme dieser Staaten
so notwendig sind, hat den Golfstaaten eine Arbeiterschaft
beschert, die sich aus mehr Ausländern denn aus "Einheimischen"
zusammensetzt. Dies hat ein langfristiges Problem von Ansprüchen
ausländischer Einwohner gegenüber der Gesellschaft zur Folge.

-

Die Führungsschicht in diesen Ländern hat hinsichtlich der
Verwendung des ölreichtums Klugheit und Anteilnahme an der menschlichen
Entwicklung gezeigt.

In den vor uns liegenden Jahren wird sie

sich jedoch wahrscheinlich einem anhaltenden inneren Druck
gegenübersehen, um den verschiedenen Teilen der Gesellschaft
einen fairen Anteil und eine bedeutungsvolle Rolle zu garantieren.
Gerade die Sicherung einer bedeutungsvollen Rolle für den ungewöhnlich großen Prozentsatz junger Menschen in diesen Gesellschaften,
von denen jeder Zugang zur Bildung hat, ist eine besonders große
Herausforderung.
-

Nachdem sie Fortschritte bei der Schaffung von Regierungsinstitutionen

- 17 -

�Regierungsinstitutionen gemacht haben, sehen sich diese Staaten
der großen Aufgabe gegenüber, einen feinfühligen Kontakt mit ihren
Völkern aufrechtzuerhalten und Einrichtungen zu entwickeln, die
die traditionelle soziale Harmonie in das moderne Zeitalter hinübertragen.
-

Seit der Revolution im Iran gab die Haltung der schiitischen
Minderheitsgruppen in vielen Gesellschaften der Golfstaaten Anlaß
zur Besorgnis.

In der Propaganda aus Teheran werden die ansässigen

Schiiten aufgefordert, gegen die monarchischen Regime in den Golfstaaten und gegen deren westliche Bindungen zu opponieren.

Die

GolfStaaten wollen annehmbare Beziehungen zu Teheran aufrechterhalten,. Sie wünschen eine Verminderung der Spannungen zwischen
den USA und dem Iran als Mittel zur Förderung der Ruhe in diesem
Gebiet.
Wir werden uns nicht in die inneren Angelegenheiten irgendeines
Landes einmischen. Wir haben jedoch - sowohl durch offizielle als auch durch
private Kanäle - eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklung dieser Region gespielt, und wir sind bemüht, diesen Beitrag
fortzusetzen, wo immer dies gewünscht wird. Wir teilen die Ansicht dieser
Regierungen, daß ihre wirtschaftliche und soziale Entwicklung gesund sein
und in einem vernünftigen Tempo voranschreiten muß. Die Regierungen der
Golfstaaten sind sich darüber im klaren, daß wir ihre Anstrengungen zur
Schaffung politischer Institutionen begrüßen, die in wirksamer Weise dem
Wunsch ihrer Völker entsprechen, an der Gestaltung einer nationalen Politik
in einer Zeit des raschen wirtschaftlichen und sozialen Wandels teilzuhaben. Diese Regierungen verstehen, daß wir keine besondere Doktrin und
kein besonderes politisches System für sie befürworten, sondern daß wir
ihr Interesse an der Entwicklung lebensfähiger Regierungsinstitutionen
unterstützen, die zur Gewährung des Schutzes der grundlegenden Menschenrechte beitragen.

18

�Der Frieden in Nahost - Sorgen und Chancen
Das Palästinenserproblem liegt als eine schwere Last auf allen
Regierungen der Golfstaaten und auf unseren Beziehungen zu ihnen. Die
Regierungen der Staaten am Golf suchen nach einem umfassenden Frieden im
Nahen Osten auf der Basis der Resolution 242 des Sicherheitsrates der
Vereinten Nationen.

Sie alle versichern mit Nachdruck, daß es keinerlei

Friedensregelung geben könne, wenn die Rechte des palästinensischen Volkes
darin nicht verwirklicht würden, und Saudi-Arabien vor allem fühlt sich
in besonderem Maße für den künftigen Status von Jerusalem verantwortlich.
Die Regierungen dieser Staaten sind einhellig der Auffassung, daß die
Hauptgefahr für die Sicherheit des Nahen Ostens und auch für die Stabilität
der Golfregion darin liegt, daß es keinen Frieden im Nahen Osten gibt.
Sie sehen in den Spannungen und Entfremdungen, wie sie durch den dreißigjährigen Konflikt zwischen den Arabern und Israelis geschaffen wurden, die
Hauptursache für den sowjetischen Einfluß in diesem Gebiet, durch den es
zu Revolutionen und radikalen politischen Strömungen im Nahen Osten
kommt und der das Haupthindernis für die Entwicklung von festen Beziehungen
zu den Vereinigten Staaten bildet, deren Entwicklung ihre nationalen
Interessen sonst fordern würden.
In den vergangenen beiden Jahren haben die Golfstaaten mit Ausnahme
Omans die von uns gegenüber den Friedensverhandlungen eingenommene Haltung
abgelehnt.

Selbst Oman hat vor kurzem öffentlich erklärt, daß die weiteren

Verhandlungen über die Autonomie der Palästinenser "eingestellt" werden
sollten, wenn Israel sich weigert, seine Bemühungen um die Konsolidierung
seiner Kontrolle über den im Juni 1967 besetzten Ostteil Jerusalems
einzustellen.

Die Golfstaaten sind ganz allgemein skeptisch, daß die

gemäß den Übereinkommen von Camp David geführten Verhandlungen zu einem
umfassenden Frieden führen könnten. Wir beabsichtigen mit ihnen in
engem Kontakt zu bleiben. Alle diese Staaten verstehen den unbedingten

- 19 -

�unbedingten Einsatz der Vereinigten Staaten für eine entschlossene Fortsetzung des Friedensprozesses und unsere einzigartige Befähigung unter
den ausländischen Mächten, einen Einfluß auf die Ereignisse zu nehmen.
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Das arabisch-israelische Problem ist das eindringlichste Beispiel
für die innere Verflechtung von Sorge und Hoffnung in den GolfStaaten.
Aber wenn es uns gelingt, auf dem Weg des Friedens recht bald in Zusammenarbeit mit den GolfStaaten weiter voranzuschreiten, dann können wir dabei
aus einer Gefahr eine Chance werden lassen. Denn der Fortschritt zum
Frieden wird die Sicherheit und die innere Ruhe am Golf stärken.

Er wird

die Qualität unserer gesamten Beziehungen zu dem Gebiet verbessern.

Und

durch ihn können enorme Ressourcen am Golf freigesetzt werden, um die
internationalen Anstrengungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen für
alle Menschen im Nahen Osten und in den Gebieten darüber hinaus zu fördern,
Als letzten Punkt möchte ich hervorheben, daß eine Lösung des arabischisraelischen Problems zwar vielleicht nicht zur Bereinigung aller Probleme
am Persischen Golf führen wird, daß sie aber als ein sichtbarer Fortschritt
in dem Bemühen um eine solche Lösung doch erheblich zur Verfolgung unserer
Golfpolitik in aktiver Harmonie mit den Staaten dieser Region beitragen
würde.

Die wirtschaftlichen Probleme
Unsere Politik und unsere Beziehungen sind ausgerichtet auf den
Gesamtkomplex dieser Ländern, die eine wichtige Rolle bei einigen der
drängendsten Wirtschaftsprobleme, denen sich die Weltgemeinschaft gegenübersieht, spielen und weiterhin spielen werden.

Energie

- 20 -

�Energie
Diese sechs Golfstaaten liefern zur Zeit fast die Hälfte des Öls, das
die freie Welt importiert,, Da ihre Aufnahmekapazität, zumindest kurzfristig, begrenzt ist im Verhältnis zu ihren gewaltigen ölreserven, verfügen sie in ihrer Produktionspolitik über eine beachtliche Flexibilität. Da
das öl fast ausschließlich der Grundquell für ihre Volkswirtschaften ist,
sehen sie sich im eigenen Lande einem immer stärker werdenden Druck
gegenüber, dieses kostbare nationale Erbe sparsam zu verwalten„ Gerade
diese Länder standen im allgemeinen auf der Seite der Gemäßigten bei
den Preisdebatten der OPEC, und sie zeigten sich geneigt, mehr zu produzieren
als sie für Ausgaben im eigenen Lande brauchten, um dem internationalen
Bedarf entsprechend einen Beitrag zu leisten.
Vor allem Saudi-Arabien, der bei weitem größte Produzent, ist durch
sein Verantwortungsbewußtsein hervorgetreten, das es der Weltwirtschaft
gegenüber sowohl in seiner Preis- wie Produktionspolitik gezeigt hat.
Es ist für die Vereinigten Staaten und die Welt ganz allgemein eine
Frage von entscheidender Bedeutung in diesem Jahrzehnt, wie eng oder weit
diese öl produzierenden Länder den Begriff ihrer wirtschaftlichen Interessen
bei ihren Überlegungen über Produktions- und Preisentscheidungen fassen.
Angesichts der angespannten Energieversorgungslage, die wir für dieses
Jahrzehnt erwarten, wird weiterhin die Notwendigkeit bestehen, Mittel und
Wege zu finden, um diese Förderländer zur Beibehaltung ihrer Produktion
zu ermutigen. Wir haben mit ihnen in den letzten Jahren in stetigem
Meinungsaustausch über die Energiefragen und ihre Auswirkungen auf die
Beziehungen zur Weltwirtschaft gestanden. Wir bemühen uns, diesen Dialog
zu vertiefen, um ein stärkeres Gefühl für die gemeinsame Verantwortung
der wichtigsten Erzeuger- und Verbraucherländer für einen geordneten
Übergang zu einer weniger auf öl als Energiequelle angewiesenen Welt zu
entwickeln. So wie sich dieser Dialog im Verlauf des vergangenen Jahres

- 21 -

�Jahres gestaltet hat, muß man hervorheben, daß die ölstaaten am Persischen
Golf die Anstrengungen sehr begrüßt haben, die wir unternehmen, um unsere
Abhängigkeit vom Importöl zu verringern und daß sie uns gedrängt haben,
in dieser Hinsicht noch erheblich mehr zu tun.

Internationale Finanzen
Die amtlichen Auslandsguthaben dieser Golfstaaten betragen heute
insgesamt über 140 Milliarden Dollar und wachsen so rasch, wie diese
Staaten mehr öl fördern als sie für die Deckung Ihrer laufenden Ausgaben
im eigenen Lande brauchen.
Die Golfstaaten haben bei der Investition ihrer überschüssigen
Guthaben verantwortungsbewußt gehandelt, aber so gewaltige Summen bringen
eine Reihe von Problemen für die internationale Wirtschaft mit sich:
- die Schwierigkeit der Aufrechterhaltung des Wachstums der Weltwirtschaft mit finanzieller Stabilität angesichts des massiven
Transfers von Ressourcen aus demokratischen Industrieländern
und der Entwicklungswelt in die öl erzeugenden Länder;
- die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung ausreichender Chancen für
die Investitionen der GolfStaaten in den Vereinigten Staaten und
in anderen Ländern;
- die Notwendigkeit der Stabilität des internationalen Finanzsystems
und der Aufrechterhaltung des Vertrauens seitens der Investoren; und
- das Problem der Befriedigung der Ansprüche jener Entwicklungsländer, die in zunehmendem Maße überfordert sind, ihre ölrechnung
zu bezahlen.
Wir
- 22

�Wir konsultieren uns in einer Vielfalt von Gremien mit den wichtigsten
Golfländern über diese Probleme und andere finanzielle Fragen.

Sie sind

zu wichtigen und konstruktiven Mitgliedern der internationalen Hnanzgemeinschaft geworden.

Wir versuchen, sie zu stärkerer Beteiligung zu

ermutigen, einschließlich einer größeren Anerkennung der Notwendigkeit
für die reichen ölerzeuger, einen größeren Anteil an der Aufgabe zu übernehmen, den ärmeren Ländern dabei zu helfen, ihre großen Zahlungsbilanzdefizite durch Vorzugshilfe und direkte Kredite zu finanzieren.

Internationale Entwicklung
Saudi-Arabien, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar
haben gemeinsam über 20 Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe für Entwicklungsländer in der arabischen Welt und darüber hinaus zugesagt, einschließlich
von etwa 5 Milliarden Dollar zur Unterstützung einer Vielfalt regionaler,
OPEC-bezogener und internationaler Krediteinrichtungen.

Sie wenden rund

fünf Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Anleihen für die wirtschaftliche
Entwicklung auf.

Wir versuchen, eng mit ihnen zusammenzuarbeiten in einer

gemeinsamen Anstrengung, Drittländern zu helfen.

Im kommenden Jahrzehnt

bietet sich ein weiter Bereich für eine noch engere Zusammenarbeit, in
einigen Fällen in der Kombination amerikanischer und anderer westlicher
Technologie mit der Finanzkraft der Golfstaaten im Verfolg konstruktiver
Entwicklungsprojekte in bedürftigen Ländern, einschließlich derer Unterstützung beim Ausbau von Energiequellen.

Handel
Die amerikanischen Exporte nach diesen sechs GolfStaaten übersteigen
heute 7 Milliarden Dollar pro Jahr und stellen die Hälfte unserer Lieferungen
nach dem Mittleren Osten dar.

Unsere Verkäufe an diese Länder schaffen

- 23 -

�schaffen Arbeitsplätze für etwa eine Viertelmillion Amerikaner.

Jedoch

wegen unserer Abhängigkeit vom Golföl und dem raschen Anstieg der öl preise
sind wir im vorigen Jahr in ein Handelsdefizit von 4 Milliarden Dollar mit
diesen Ländern geraten und rechnen damit, daß dieses Defizit in diesem Jahr
noch höher sein wird.
Amerikanische Exporteure halten derzeit über ein Sechstel des
Marktes in diesen Ländern und in Saudi-Arabien sogar ein Fünftel.

Aber

wir müssen weiterhin mit außerordentlich harter Konkurrenz seitens anderer
demokratischer Industriestaaten undaniger Entwicklungsländer rechnen, wenn
wir uns anstrengen, unsere Verkäufe zu halten und zu steigern»

Es gibt

eine Reihe wichtiger politischer Fragen unter der allgemeinen Überschrift
"Export-Abschreckungen", mit der sich die Administration und der Kongreß
weiterhin befassen müssen, wenn wir unser nationales Interesse an der
Ausweitung der kommerziellen Bindungen in dieser Region weiterverfolgen
wollen.

Technologie Transfer
Wir können Befriedigung aus der Rolle amerikanischer Privatleute
bei der Entwicklung der Ölindustrie der Golfregion ziehen, wurde dadurch
doch das Nötigste für die bemerkenswerte Verbesserung der Lebensbedingungen
der Menschen am Golf bereitgestellt. Amerikanische Technologie trägt auch
weiterhin auf einer großen Bandbreite von Aktivitäten zur Entwicklung bei.
Derzeit arbeiten rund 30 000 amerikanische Privatpersonen in Saudi-Arabien
und den anderen GolfStaaten und tragen dadurch zur geordneten Entwicklung
dieser Gesellschaften bei. Es liegt in unserem Interesse und steht in
Einklang mit anderen nationalen Politiken, zu noch stärkerer amerikanischer
Beteiligung zu ermuntern.
Seit

- 24 -

�Seit langem schon gibt es eine offizielle amerikanische Beteiligung
an der Entwicklung von Saudi-Arabien durch die Tätigkeiten des ame^'kanisehen
Vermessungsamtes und des US-Pionierkorps,

In den vergangenen Jahren haben

wir unsere offizielle Beteiligung im Rahmen der Gemeinsamen amerikanischsaudiarabischen Wirtschaftskommission beträchtlich ausgeweitet, die der
Regierung von Saudi-Arabien auf der Basis umfassender Entschädigung ihre
Erfahrungen zur Verfügung stellt.

Es gibt derzeit 20 Projekte dieser

Gemeinsamen Kommission in solchen Bereichen wie Planung von Wasserreservoiren,
Sonnenenergie, Berufsausbildung, Straßenbau, Meerwasserentsalzung, Datenverarbeitung und Informationsdienste im Finanzbereich.
Wir haben kürzlich eine Gemeinsame amerikanisch-omanische Wirtschaftskommission ins Leben gerufen, die sich ebenfalls auf technische Hilfe für
Entwicklungsprojekte konzentrieren wird. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen,
gemeinsam mit dem Oman zur Finanzierung der Aktivitäten dieser Kommission
beizutragen, die wir als wichtigsten Teil der expandierenden wirtschaftlichen
Zusammenarbeit ansehen.
Seit einigen Jahren ist unser Friedenskorps in Oman tätig - genau wie
bis vor kurzem in Bahrein, Auch dort haben wir eine Anzahl von Experten auf
der Grundlage der Kostenteilung zur Verfügung gestellt.
In anderen Golfstaaten haben wir über eine Vielfalt von Wegen auf
die Bitte der Gastregierungen hin amerikanische Regierungsfachleute zur
Verfügung gestellt„ In den letzten Jahren war das Handels- und Entwicklungsprogramm des Internationalen Amtes für Entwicklung und Zusammenarbeit
(IDCA^ ein wirkungsvoller Mechanismus zur Förderung dieses Technologietransfers.
Es ist unsere Politik, immer dort behilflich zu sein, wo Gastregierungen
wünschen, daß offizielle amerikanische Erfahrung für ihre Entwicklungsprogramme
verfügbar gemacht wird.

Es ist jedoch unsere klare Erkenntnis, daß in Zukunft

- 25 -

�Zukunft wie in der Vergangenheit unser Privatsektor die führende amerikanische
Rolle dabei spielen wird, den Gesellschaften am Golf dabei behilflich zu
sein, ihre Hoffnungen auf Entwicklung zu erfüllen.

Beziehungen in Bildung und Kultur
Im vergangenen Jahrzehnt haben sich sowohl die offiziellen als auch
die privaten amerikanischen kulturellen und bildungsbezogenen Bande mit
den Ländern am Golf stark vertieft. Heute gibt es an den amerikanischen
höheren Bildungsstätten über 15 000 Studenten aus dem Bereich der Arabischen
Halbinsel.

Der Besucheraustausch öffentlicher und privater Fachleute aus

den Bereichen Bildung und Kultur hat deutlich zugenommen.

In unserer

Politik gegenüber der Golfregion erkennen wir deutlich die Notwendigkeit
nach fortgesetzter Förderung dieser Beziehungen. Unsere anhaltenden
Anstrengungen zur Entwicklung verstärkter Beziehungen zu den GolfStaaten
werden großen Nutzen aus dem Verständnis und den Bindungen ziehen, die
sich aus der Erfahrung der Studenten aus diesen Ländern an unseren
Universitäten herausbilden.

Die Bedeutung dieser Region für die Vereinigten

Staaten heute und in Zukunft macht in unserer Gesellschaft ein besseres
Verständnis für die Kultur und für die Wünsche der Menschen am Golf
erforderlich.

Das sich entwickelnde Verhältnis
Während wir bestrebt sind, unsere Beziehungen zu Saudi-Arabien
und dessen arabischen Nachbarn am Golf in einer Weise auszubauen, die
für alle Seiten von Nutzen sind, sind wir uns zugleich der Tatsache
bewußt, daß der Verfolg jeder unserer Interessen - Sicherheit, Frieden,
Energie, wirtschaftliche Entwicklung, Zusammenarbeit im Finanzbereich,
Handel und Kultur - Auswirkungen auf Aussichten der jeweils anderen

- 26 -

�anderen Interessen hat. Deshalb werden wir auch weiterhin in unseren
Beziehungen ein Gleichgewicht anstreben, das die Gesamtheit unserer
eigenen Interessen und die umfassenden Charakteristika der GolfStaaten
widerspiegelt.
Weder wir noch unsere Freunde in den GolfStaaten unterschätzen die
Probleme, die vor uns liegen und die Schwierigkeit der Fragen, die unsere
sich ausweitenden Beziehungen angehen müssen. Im Gegenteil: wir erkennen,
daß wir uns um Sicherheit und Stabilität angesichts komplexer und sich
überschneidender Problemstellungen in einer Region bemühen, deren weitere
Unabhängigkeit und geordneter Fortschritt in unserem ureigensten Interesse
liegen. Auf der Grundlage des bisher erzielten Fortschritts glauben wir
jedoch, auch weiterhin mit jedem dieser Länder eine gefestigte und enge
Beziehung knüpfen zu können und zwar auf eine Weise, die in zunehmendem
Maß den Interessen unseres Volkes und auch denen der Weltgemeinschaft
insgesamt dienen werden.

+ + + + +

- 27 -

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

41

17. September 1980

STAATSSEKRETÄR JOHN C. SAWHILL LEITET "SYNTHETIC FUELS CORPORATION"

- (AD) - Präsident Carter hat John C. Sawhill, seit 1979 Staatssekretär
für Energie im US-Energieministerium, zum Vorsitzenden der mit dem Energiesicherungsgesetz 1980 neu geschaffenen "Synthetic Fuels Corporation" (SFC)
nominiert. Auch die sechs anderen Mitglieder des Direktoriums der unabhängigen staatlichen Gesellschaft, die den Aufbau einer privatwirtschaftlichen
Industrie zur Erzeugung von Synthese-Brennstoffen beschleunigt in Gang setzen
und qualifizierte Projekte fördern soll, wurden inzwischen nominiert. Sie
müssen nun vom Kongreß bestätigt werden.
Die SFC hat die Aufgabe, die großtechnische Produktion von Brennstoffen
aus Kohle, Ölschiefer, Teersand, Biomasse und anderen Energiequellen zur
Substitution von Erdöl zu finanzieren.

Dies geschieht vor allem durch Kredite,

Kreditbürgschaften, Abnahme- und Preisgarantien an die Privatwirtschaft. Der
US-Kongreß bewilligte bereits 20 Milliarden von insgesamt 88 Milliarden Dollar,
die Präsident Carter für das in den nächsten 12 Jahren in mehreren Stufen zu
realisierende Programm vorgesehen hat.

Die "Synthetic Fuels Corporation" soll,

wie der Präsident erklärte, "einen Grundpfeiler der nationalen Energiepolitik"
und "unser wichtigstes Instrument" zur Verringerung der Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Importöl bilden.
+ + + + +

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41

17. September 1980

100 MILLIONEN DOLLAR FÜR WINDENERGIE-FORSCHUNG

- (AD) - Ein Gesetz über die Bereitstellung von 100 Millionen Dollar im
Haushaltjahr 1980/81 für ein neues Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramm "zur beschleunigten Nutzbarmachung von Windenergie" wurde von
Präsident Carter unterzeichnet.

(Im Jahr 1979/80 lagen die Regierungsaufwen-

dungen für solche Projekte bei 60 Millionen Dollar.)

Damit soll erreicht

werden, daß schon im Jahr 1988 Windkraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt 800 Megawatt verfügbar sind.

Ca. 700 Megawatt sollen aus großen Genera-

toranlagen mit Kapazitäten von jeweils mehr als 100 Kilowatt, die restlichen
100 Megawatt von kleinen Windkraftwerken kommen.

Mit Hilfe des Programms will

man außerdem die Stromkosten von Windenergie soweit senken, daß sie mit den
Stromkosten bei der Anwendung konventioneller Produktionsverfahren konkurrieren können.

Gleichzeitig sollen der Privatwirtschaft Anreize gegeben werden,

sich stärker auf dem Sektor "Windenergie" zu engagieren.
Windkraft ist nur eine von verschiedenen Formen der Sonnenenergie, die
nach dem Nationalen Energieprogramm der USA im Jahr 2000 etwa 20 Prozent des
amerikanischen Energiebedarfs decken soll. Gegenwärtig liegt in den Vereinigten Staaten der Anteil der Windkraft an der gesamten Energieproduktion bei knapp
einem Prozent.

Er könnte sich nach Ansicht von Regierungsvertretern noch inner-

halb dieses Jahrzehnts verdoppeln und bis Ende des Jahrhunderts auf acht bis

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Telex: 08-85432

�bis zehn Prozent anwachsen.
"für

Die Bereitschaft von Bürgern, Windkraftanlagen

den Hausgebrauch" zu installieren, unterstützt der Staat mit Steuerver-

günstigungen, wodurch die Anschaffungskosten bis zu 40 Prozent reduziert werden.

Die elektrische Leistung der modernen Windmühlen liegt im Durchschnitt

bei 1,5 Kilowatt.

Hausbesitzer und Farmer machen, sofern sie in windreichen

Gegenden oder am Rande oder außerhalb großer Ortschaften leben, in zunehmendem Maße von den vorhandenen Angeboten Gebrauch.

Das Problem der Gerä'usch-

belä'stigung durch den Windmühlenpropeller ist allerdings noch nicht gelöst.
Und viele Bürger wehren sich dagegen, daß das Landschaftsbild durch die Errichtung von zu vielen Windkraftwerken verdorben wird.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: Amerikanisch-iranische Probleme sollten neu überdacht werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben Muskies an den neuen iranischen Ministerpräsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vest erläutert Anstrengungen zur Bewältigung bevorstehender Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Unterstaatssekretärs für europäische Angelegenheiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und die Arabische Halbinsel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unterstaatssekretär Saunders nimmt vor Repräsentantenhaus Stellung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Staatssekretär John C. Sawhill leitet "Synthetic Fuels Corporation"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;100 Millionen Dollar für Windenergie-Forschung</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

31

0 jlHi

•

^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. September 1980

40

INHALT

INFORMATION
Vertragstext für neues Seerecht im wesentlichen fertiggestellt
- US-Sonderbotschafter Richardson erwartet Unterzeichnung im Frühjahr 1981
HINTERGRUNDMATERIAL
CIA-Mitarbeiter informiert über erhöhte sowjetische Verteidigungsausgaben
- 11 bis 13 Prozent des Bruttosozialprodukts für Rüstung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Krebsforschungsinstitut gibt Interferon-Produktion in Auftrag

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 OO Tel: 0228-89 32 40
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Telex: 08-85432

�einzige wesentliche, noch nicht endgültig gelöste Frage sei die genaue Formulierung für die Bestimmungen, die die Abgrenzung der Wirtschaftszonen und
der Bereiche im Festlandsockel zwischen benachbarten Ländern regeln, obgleich
jetzt festzustehen scheine, daß eine Beilegung dieser Angelegenheit in keinem
Fall zu einschneidenden Änderungen des gegenwärtigen Vertragstextes führen
würde.
Zu Beginn der letzten Sitzungsperiode habe es große Meinungsverschiedenheiten zur Frage der sog. endgültigen Klauseln des Vertragswerkes gegeben.
Dank der intensiven Arbeit hinsichtlich dieser Punkte wurde, so Richardson,
ein Text formuliert, der die Integrität der Konvention als "Paketlösung",
d.h. die umfassende Behandlung aller anstehenden Fragen, wahren werde.
Richardson erklärte auf der abschließenden Pressekonferenz wörtlich:

"Nahe-

zu alle (der grundlegenden offenen Fragen) wurden in einer Weise gelöst, die
die breite Unterstützung durch die Konferenzteilnehmer finden mußten.

Es

ist jetzt so gut wie sicher, daß der Text einer Konvention über das Seerecht
im Jahr 1981 unterzeichnungsreif sein wird... Dies ist ein glücklicher Tag
für viele Menschen, die lange und hart an dieser Konvention gearbeitet haben.
Die Welt ist jetzt der Erlangung einer geschriebenen Verfassung für fast
drei Viertel der Erdoberfläche nahe.
oder irgendeine

Dies ist kein Sieg für irgendein

Ideologie oder irgendeinen

Standpunkt.

Land

Es ist ein Sieg

für die Grundsätze friedlicher Zusammenarbeit und von Recht und Gesetz."

Auf die Äußerung des kanadischen Botschafters hin angesprochen, daß der
Vertragsentwurf eine ungleichgewichtige Paketlösung zugunsten der Industrieländer zu sein scheine, erklärte Richardson:

"Damit sollten sich eher die

Kritiker des Vertrages in der Bundesrepublik Deutschland, in Japan, Großbritannien und den Vereinigten Staaten auseinandersetzen,die meinen, daß wir
im Hinblick auf die überwältigende Anzahl und die Findigkeit der Verhandlungsteilnehmer im Interesse der 77 (d.h. Entwicklungsländer) mit unseren Zugeständnissen viel zu weit gegangen seien".

Für das Problem der Einbezie-

hung der Europäischen Gemeinschaft als Vertragspartei müsse und werde nach
Richardsons Überzeugung eine Lösung gefunden werden.

- 3-

Denn in Konferenz-

�Konferenzkreisen sei man sich weitgehend der Tatsache bewußt und erkenne an,
daß die EG-Staaten an die Konferenz Vollmachten bezüglich einiger ihrer
Interessen delegiert haben... Wenn also diese Länder die Rechte und Pflichten in bezug auf Angelegenheiten, die im Vertrag der Europäischen Gemeinschaft
zur Wahrnehmung übertragen sind, akzeptieren sollen, führe der einzige Weg,
sie dazu zu bringen, über die Gemeinschaft.

Bei der Textformulierung für den

Vertrag werde sich dies als ein schwieriges Problem erweisen.
Richardson äußerte sich jedoch überzeugt, daß es gelöst werde.

+ + + + +

Elliot

�Information
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40

10. September 1980

VERTRAGSTEXT FÜR NEUES SEERECHT IM WESENTLICHEN FERTIGGESTELLT
US-Sonderbotschafter Richardson erwartet Unterzeichnung im Frühjahr 1981

GENF - (AD) - Botschafter Elliot Richardson, der die amerikanische Delegation auch während der neunten Sitzungsperiode der III. UN-Seerechtskonferenz
leitete, hält die Unterzeichnung einer neuen Seerechtskonvention im nächsten
Jahr für so gut wie sicher.

Die Ergebnisse der fünfwöchigen Tagung in Genf,

die am 29. August 1980 zu Ende ging, bezeichnete er als "das bemerkenswerteste
Ereignis in der Geschichte der friedlichen Zusammenarbeit und der Entwicklung
des Seerechts seit der Gründung der Vereinten Nationen".
Vor der internationalen Presse umriß Richardson nach Abschluß der Tagung die drei wichtigsten Aufgaben, die noch gelöst werden müßten, wenn die
Konferenz im Frühjahr 1981 zu ihrer letzten Arbeitsitzung zusammentrete.
Notwendig sei erstens die Fertigstellung einer Resolution über die Berufung
einer Vorbereitungskommission, die die Grundlagen für die Internationale
Meeresbodenbehörde schafft; zweitens die Ausarbeitung von Vorrang-Bestimmungen bezüglich eines vorgesehenen Fördergebietes für Investoren des Meeresbergbaus, gültig für die Zeit zwischen der Unterzeichnung und dem Inkraft-

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T e | e x : 08-85432

�Inkrafttreten des Vertrages; und drittens die Entscheidung darüber, welche
Organisationen zusätzlich zu den souveränen Staaten Vertragspartei werden
können - z.B. die Europäische Gemeinschaft, die assoziierten Staaten der
pazifischen Mandatsgebiete und - was möglicherweise negative Auswirkungen
auf den Vertragsabschluß haben könnte - die Beteiligung von Befreiungsorganisationen.

Das Entwurfskomitee müsse seine Arbeit vor Beginn der nächsten

Sitzungsperiode beenden, wenn die Konferenz in der Lage sein soll, eine Konvention mit mehr als 400 Artikeln in sechs offiziellen Konferenzsprachen
zu debattieren und anzunehmen.

Dies sei eine enorme Aufgabe.

Während der jetzt zu Ende gegangenen Sitzungsperiode war laut Richardson
das bei weitem schwierigste Problem die Behandlung der Frage, wer in den Rat
der neuen Meeresbodenbehörde gewählt werden soll.

Aufgrund der abschließenden

Paketlösung wären in dem aus 36 Mitgliedern bestehenden Rat der Meeresbodenbehörde für Beschlüsse je nach deren Kategorie verschiedene Mehrheiten erforderlich.

So brauchten

beispielsweise Verfahrensfragen nur eine einfache

Mehrheit, substantielle Fragen dagegen (d.h. heikle Angelegenheiten, die mehr
Unterstützung im Rat finden müssen) eine Zweidrittel- bis Dreiviertelmehrheit

und die besonders sensitiven Angelegenheiten die Zustimmung aller.

Richardson hatte sich strikt gegen eine Erweiterung des Rates ausgesprochen, die, wie er erklärte, die inzwischen ausgehandelten Entscheidungsmodalitäten möglicherweise "aus dem Gleichgewicht" gebracht hätte. Der
dritten Vertragsüberarbeitung zufolge sollen im Rat vertreten sein: Vier
Meeresbergbau betreibende Länder, vier Länder, die Mineralproduktion auf dem
Festland betreiben, vier wichtige Verbraucherländer für jene Minerale, die
in den Metallknollen auf dem Tiefseeboden enthalten sind, sechs besonders
wenig entwickelte Länder und 18 weitere, entsprechend den UN-Regeln zur Gewährleistung einer gerechten geographischen Verteilung ausgewählte Staaten.
Neben der zufriedenstellenden Lösung dieses Fragenkomplexes konnte im
Verlauf der neunten Sitzungsperiode, wie Richardson erklärte, auch eine beträchtliche Anzahl weiterer Probleme im Zusammenhang mit den Vertragsformulierungen zur Rechtsordnung für den Meeresbergbau geklärt werden.
- 2 -

Die ein-

�10. September 1980

40

CIA-MITARBEITER INFORMIERT ÜBER ERHÖHTE SOWJETISCHE VERTEIDIGUNGSAUSGABEN
- 11 bis 13 Prozent des Bruttosozialprodukts für Rüstung -

WASHINGTON

- (AD) - Der Direktor für strategische Studien beim

amerikanischen Amt für Nachrichten und Abwehr (CIA), Robert Huffstutler,
hat am 3. September 1980 vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses
zu Umfang und Entwicklung der sowjetischen Verteidigungsausgaben Stellung
genommen.

Danach beliefen sich diese Ausgaben zwischen 1971 und 1979

auf geschätzte 165 Milliarden Dollar und liegen damit um rund 50 Prozent
über den entsprechenden amerikanischen Ausgaben.
Der folgende Text gibt im Wortlaut die Passage "Derzeitige Schätzungen"
der Erklärung Huffstutlers wieder:

Schätzungen über Ausgaben in Rubel
Ich möchte mit unseren Schätzungen der sowjetischen Verteidigungsausgaben in Rubel beginnen.

Unsere jüngsten Schätzungen werden hier iji

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0 5 3 0 0

�in konstanten Rubel-Preisen wiedergegeben, um lediglich die realen
Veränderungen bei der Mittel Zuweisung widerzuspiegeln, nicht aber die
Auswirkungen der Inflation.
Wir Amerikaner und die Sowjets verwenden einigermaßen unterschiedliche
Definitionen darüber, welche Aktivitäten zur Verteidigung gehören, wobei
die Sowjets ein breiter angelegtes Konzept haben.

Die sowjetischen

Verteidigungsausgaben - hier zum Zweck einer besseren Analyse mit amerikanischen
Maßstäben gemessen - sind zumindest seit 1965 durchschnittlich real um 4 bis
5 Prozent pro Jahr gestiegen und werden wahrscheinlich im Jahr 1980 61 bis
66 Milliarden Rubel betragen.

Legen wir den breiteren sowjetischen Maßstab

an, so erhöht sich diese Summe noch um etwa 5 bis 6 Milliarden Rubel.
Die Verteidigungsausgaben beliefen sich im Zeitraum von 1865 bis 1978
wahrscheinlich auf etwa 11 bis 13 Prozent des sowjetischen Bruttosozialproduktes, was für diese Periode in etwa einen konstanten Anteil bedeutet,
da Verteidigung und Volkswirtschaft sich mit ziemlich gleicher Geschwindigkeit
entwickelten. Obgleich in jüngster Zeit die Verteidigungsausgaben auch
weiterhin die nahezu gleiche Zuwachsrate aufwiesen wie in der Vergangenheit,
ging die Wachstumsrate der sowjetischen Wirtschaft auf ihren niedrigsten
Stand seit dem Zweiten Weltkrieg zurück. Aus diesem Grund stieg im Jahr
1979 der Anteil des sowjetischen Bruttosozialproduktes, der für Militärausgaben verwendet wird, um nahezu einen Prozentpunkt auf 12 bis 14 Prozent,
Was die einzelnen Kategorien der Mittel Zuweisung angeht, so floß
seit 1965 etwa die Hälfte der geschätzten sowjetischen Verteidigungsausgaben in Investitionen für Waffen, Ausrüstung, und Anlagen; nahezu
ein Drittel wurde für Betriebskosten bereitgestellt; etwa ein Fünftel
für militärische Forschung und Entwicklung.

Davon scheinen die Kosten für

Forschung, Entwicklung, Technologie und Ausrüstung am schnellsten gestiegen
zu sein.
Seit

- 2 -

�Seit 1965 haben die Marine und die Luftwaffe jeweils etwas über ein
Fünftel der Mittel für Investitions- und Betriebskosten erhalten. Auch
die Landstreitkräfte hatten einen Anteil von etwa einem Fünftel.
Streitkräfte

Die

der nationalen Luftverteidigung haben durchschnittlich

etwas weniger als 15 Prozent der Verteidigungsausgaben erhalten, für die
strategischen Raketen wurde ein Durchschnittsanteil von weniger als 10 Prozent
zugewiesen.

Künftige Trends
Der derzeitige und voraussehbare Rückgang des sowjetischen Wirtschaftswachstums bringt Fragen über die Fähigkeit der UdSSR mit sich,
die Verteidigungsausgaben auch weiterhin zu erhöhen. Wir verfolgen diese
Entwicklung sehr genau und sind aufgrund von Informationen über Verteidigungsprogramme, die derzeit laufen oder geplant sind, zu dem Schluß gekommen, daß die
sowjetischen Verteidigungsausgaben real auch weiterhin - zumindest bis
1985 - steigen werden.
Die uns vorliegenden Informationen zeigen an, daß die Verteidigungsausgaben wahrscheinlich im Lauf der nächsten fünf Jahre mit der gleichen
- oder zumindest fast gleichen - Rate zunehmen werden wie in den vergangenen
15 Jahren, wenn die Sowjets ihre derzeitigen Pläne nicht ändern.

Sollte

der wirtschaftliche Druck jedoch noch zunehmen, könnten die Sowjets die
Wachstumsrate bei ihren Verteidigungsausgaben senken, indem sie sich
auf eine Weise einschränken, die nur eine bescheidene Wirkung auf die
Modernisierung ihrer Streitkräfte haben würde - indem sie zum Beispiel
ausgewählte Waffenprogramme zeitlich strecken oder indem sie die begrenzten
direkten Ersparnisse ausnützen, die durch Abkommen bei der Rüstungskontrolle
möglich werden.
Längerfristig

- 3 -

�Längerfristig gesehen könnten zunehmende wirtschaftliche Schwierigkeiten die sowjetische Führung dazu bringen, ihre Pläne unter dem Gesichtspunkt einer Verminderung des Anwachsens der Verteidigungsausgaben zu überprüfen.

Sie wird dabei jedoch abwägen müssen zwischen ihren Bedenken im

Wirtschaftsbereich einerseits sowie ihrer Vorstellung von den zukünftigen
militärischen Erfordernissen und ihrem Verständnis vom Nutzen militärischer
Macht zur Förderung ihrer politischen Zielsetzungen andererseits. Welche
Wahl sie aber auch immer hinsichtlich ihrer Verteidigungsausgaben treffen
wird, so sind wir doch der Meinung, daß es sogar längerfristig gesehen
höchst unwahrscheinlich ist, daß wirtschaftliche Schwierigkeiten eine
Wende der Langzeitpolitik der sowjetischen Führung erzwingen können, auch
weiterhin ihre militärischen Möglichkeiten zu verbessern.

Schätzungen in Dollar
Unsere Methode des direkten Kostenvergleichs ermöglicht es uns aber
auch, zu einer Schätzung der sowjetischen Verteidigungsmaßnahmen in Dollar
zu gelangen - was nützlich ist, um sie mit den amerikanischen Verteidigungsausgaben zu vergleichen. Dabei nehmen wir dieselben detaillierten
Schätzungen über die absoluten Mittel, die unseren Schätzungen der Ausgaben
in Rubel zugrunde lagen, und wenden sodann die entsprechenden amerikanischen
Preis- und Lohnraten an. Die Durchführung dieses Verfahrens ist komplex,
aber in etwa machen wir folgendes:
-

Hinsichtlich der Beschaffung schätzen wir, was es kosten würde,
die entsprechenden Objekte in den Vereinigten Staaten zu bauen zu derzeitigen Dollarpreisen für Materialien und Arbeitskraft
und unter der Annahme, daß die notwendigen Anlagen und die notwendige Versorgung verfügbar wären.
- Hinsichtlich

- 4 -

�-

Hinsichtlich der Betriebs- und Unterhaltskosten schätzen wir die
Preise in Dollar, die die Vereinigten Staaten für Arbeit, Material,
Ersatzteile, laufende Unkosten und Brennstoff zu zahlen hätten,
um die Ausrüstung auf die Weise zu bedienen und zu unterhalten,
wie dies die Sowjets tun.

-

Hinsichtlich des Militärpersonals schätzen wir zunächst ab,
welcher militärische Rang in den Vereinigten Staaten eingesetzt
würde, um die Funktionen jedes sowjetischen Militärs auszuführen,
und legen dann die entsprechenden amerikanischen Gehalts- und
Entschädigungsraten für den jeweiligen Posten an. Diese Verfahrensweise ist wegen der deutlichen Unterschiede zwischen den Strukturen
des Militärpersonals in beiden Ländern erforderlich.

Für den Zeitraum von 1970 bis 1979 übersteigt unsere Dollar-Schätzung
der sowjetischen Verteidigung die amerikanischen Ausgaben um etwa 30 Prozent.
Es muß festgestellt werden, daß wir für diese Vergleiche 1970 als Ausgangspunkt benützen, um Verzerrungen zu vermindern, die durch amerikanische
Verteidigungsausgaben Zustandekommen, die sich aus dem Vietnamkrieg ergeben.
Die Trends sind jedoch ziemlich unterschiedlich.

Der Dollar-Wert der

sowjetischen Militäraktivitäten wuchs beständig über diesen Zeitraum
hinweg mit einer durchschnittlichen Jahresrate von etwa 3 Prozent - mit
einer Aufwährtsbewegung bei fast allen wesentlichen Elementen des sowjetischen
Vertei di gungsberei chs.
Die amerikanischen Ausgaben hingegen gingen von Anfang des Jahrzehnts
bis 1976 zurück. Danach stiegen sie langsam, da Preiserhöhungen bei
Forschung, Entwicklung, Technologie und Ausrüstung sowie bei den Betriebskosten den anhaltenden Rückgang bei Herstellungs- und Personal kosten aufwogen.
Der

- 5 -

�Der geschätzte Dollar-Wert der sowjetischen Verteidigungsaktivitäten
hat die amerikanischen Ausgaben seit 1971 in zunehmendem Maß übertroffen.
Im Jahr 1979 lagen die Sowjets insgesamt bei 165 Milliarden Dollar - etwa
50 Prozent über den amerikanischen Ausgaben.

Vergleich der Mittel
Unsere Bausteine-Methode erlaubt es uns, die Mittel zu vergleichen,
die in den Vereinigten Staaten und bei den Sowjets den einzelnen Komponenten
der Verteidigungsanstrengung zugeteilt werden.

Zum Beispiel: bei Unter-

suchung der Investitionen in Waffen, Ausrüstung, wichtigste Ersatzteile
und Anlagen gelangen wir zu der Schätzung, daß der Dollar-Wert der sowjetischen
Programme um 50 Prozent über den vergleichbaren amerikanischen Ausgaben der
Gesamtperiode liegt.

Die sowjetischen Investitionen nahmen ständig zu,

während die amerikanischen Investitionen nach dem Vietnam-Ausbau scharf
zurückgingen, bevor sie nach 1976 erneut anstiegen.

Seit 1975 liegen die

sowjetischen Kosten im Durchschnitt bei etwa 80 Prozent über den amerikanischen
Ausgaben für Investitionen.
Die geschätzten Betriebskosten der Sowjets - einschließlich Personal,
Ausrüstung und Unterhaltung - lagen etwas höher als die entsprechenden
amerikanischen Kosten.

Jedoch waren auch hier die relativen Entwicklungs-

linien ziemlich unterschiedlich, wobei die sowjetischen Trends 1979 um
nahezu 30 Prozent höher lagen.

Vergleich der militärischen Ausgaben
Wir können unsere Dollar-Schätzungen auch benutzen, um die Mittel,
die die Sowjets für die verschiedenen militärischen Aufgaben bereitstellen,
mit den Mitteln der Vereinigten Staaten zu vergleichen,die diese dafür

- 6 -

�r

dafür festlegen. Für diesen Vergleich definieren wir die Aufgaben gemäß
der Kategorien der amerikanischen Verteidigungsplanung und der dazugehörigen
Programme,
Die Sowjets scheinen einen wesentlich höheren Anteil ihrer Mittel
als die Vereinigten Staaten fUr alle militärischen Aufgaben bereitzustellen •
mit Ausnahme der allgemeinen Seestreitkräfte und der taktischen Luftwaffe.
Die Trends der beiden Länder waren jedoch unterschiedlich, wobei die Sowjets
in allen wesentlichen Kategorien ein ständiges Wachstum aufweisen.

+ + + + +

- 7 -

�sJF

21Ja IE

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10. September 1980

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US-KREBSFORSCHUNGSINSTITUT GIBT INTERFERON-PRODUKTION
IN AUFTRAG

- (AD) - Einen Auftrag zur Produktion von 50 Milliarden internationalen Einheiten von menschlichem Leukozyten-Interferon vergab jetzt
das Nationale Krebsforschungsinstitut der USA an die Meloy-Laboratorien
in Springfield (Virginia). Die Aufwendungen sind auf fast 990 000 Dollar
veranschlagt. Das Interferon wird zusammen mit anderen Präparationen in
klinischen Tests verwendet, die noch vor Ende des Jahres an verschiedenen
Kliniken beginnen sollen. Die bei den Meloy-Laboratorien bestellte Menge
reicht aus, um eine mögliche krebshemmende Wirkung der Substanz an etwa
150 Patienten zu untersuchen.
Zwei ähnliche Kontrakte vergab das Institut bereits an die
"Parke-Davis Pharmaceutical Research Division" der Warner-Lambert Company
(ebenfalls zur Produktion von 50 Milliarden Einheiten von menschlichem
Leukozyten-Interferon) und an die Flow-Laboratorien, die 50 Milliarden
Einheiten von menschlichem Fibroblasten-Interferon herstellen werden.
Da die hierbei erforderliche Technik sehr viel aufwendiger ist als bei

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�bei der Gewinnung von Leukozyten-Interferon, wurden dazu mehr als zwei
Millionen Dollar bereitgestellt.
Interferon ist ein natürlich vorkommendes Protein, das Zellen
als eine Reaktion auf das Eindringen von Viren und anderen krankheitsverursachenden Substanzen bzw. Organismen in winzigen Mengen produzieren.
Bisher dienten in der Forschung drei Arten menschlicher Zellen - Leukozyten,
Fibroblasten und Lymphob!asten - als Interferonquellen. Untersuchungen über
die mögliche Rolle, die Interferon bei der Behandlung verschiedener Formen
von Krebs, bei Virusinfektionen und anderen Krankheiten spielen könnte,
waren bisher dadurch auf ein Minimum beschränkt, daß viel zu wenig davon
zur Verfügung stand.

+ + + + +

-

•

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vertragstext für neues Seerecht im wesentlichen fertiggestellt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Sonderbotschafter Richardson erwartet Unterzeichnung im Frühjahr 1981 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CIA-Mitarbeiter informiert über erhöhte sowjetische Verteidigungsausgaben&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 11 bis 13 Prozent des Bruttosozialprodukts für Rüstung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Krebsforschungsinstitut gibt Interferon-Produktion in Auftrag</text>
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                    <text>^T^|
FO

BEI ajij^j

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. September 1980

39

INHALT

DOKUMENTATION
Auszüge aus dem Parteiprogramm der Demokratischen Partei für die
Wahlen 1980

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vorläufiger Abschied vom Mars
- Zweite VIKING-Kamera-Sonde wurde abgeschaltet von G. Weiss

Um Ubcr/cncJung uon

BcIcgcMcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

D 5 3 0 0 Bonn 2

�3. September 1980

39

AUSZÜGE AUS DEM PARTEIPROGRAMM DER DEMOKRATISCHEN PARTEI
FÜR DIE WAHLEN 1980

NEW YORK

- (AD) - Der Nationalkonvent der Demokratischen Partei

hat am 14. August 1980 ein 130 Seiten umfassendes Wahlprogramm verabschiedet,
das die Grundeinstellung der Partei zu innen- und außenpolitischen Fragen
widerspiegelt.
Das nach eingehender Diskussion formulierte Programm - die "platform" räumt ein, daß die Regierung Carter in den letzten dreieinhalb Jahren
nicht alle Probleme Amerikas gelöst habe, weist jedoch darauf hin, daß die
meisten dieser Probleme von vorangegangenen republikanischen Regierungen
geerbt worden seien.
Das Programm, als "Vertrag mit dem Volk" bezeichnet, fordert außenpolitisch eine Stärkung der Beziehungen zur Dritten Welt, eine Erhöhung
der militärischen Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
sowie eine Verpflichtung zur Rüstungskontrolle.
Auf

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Auf wirtschaftlichem Gebiet sieht die

platform

ein nachhaltiges

Arbeitsplatzbeschaffungsprogramm, Zurückhaltung bei den Staatsausgaben,
anti-inflationäre Steuersenkungen; Priorität für Kohle und Sonnenenergie
und verstärkte Hilfe für die Dritte Welt vor.
Nachstehend wesentliche Auszüge aus diesem Parteiprogramm im Wortlaut:

I. WIRTSCHAFT

Die Demokratische Partei wird keine Maßnahme ergreifen, deren Auswirkung zu einer fühlbaren Erhöhung der Arbeitslosigkeit führen würde keine fiskalische Maßnahme, keine geldpolitische Maßnahme, keine haushaltsmäßige Maßnahme...
Hohe Zinssätze legen unfaire Lasten auf - auf Farmer, kleine Geschäftsleute und jüngere Familien, die ein Heim kaufen. Die Rezession legt denen
eine unfaire Last auf, die sie am wenigsten tragen können. Demokratische
Wirtschaftspolitik muß Fairness gegenüber den Arbeitern, den älteren
Menschen, den Frauen, den Armen, den Minderheiten und der Mehrheit jener
Amerikaner mit einem mittleren Einkommen garantieren. Wir versprechen 1980
eine echte demokratische Wirtschaftspolitik, um eine blühende wirtschaftsliche
Zukunft zu sichern.

Wirtschaftliche Stärke
Die Demokratische Partei ist verpflichtet, die notwendigen Schritte
zur Bekämpfung der gegenwärtigen Rezession zu unternehmen. Wir können
jedoch unseren Kampf gegen die Inflation nicht aufgeben. Wir müssen diese

�diese beiden Probleme gleichzeitig bekämpfen; dazu sind wir verpflichtet.
Wir werden den Kampf gegen die Inflation mit Mitteln fortsetzen, die nicht
darauf abzielen oder hinwirken, die Arbeitslosigkeit zu vergrößern...

Antirezessionshilfe
Wir müssen sofort ein kurzfristiges Antirezessionsprogramm in Angriff
nehmen, um die Flut einer verstärkten Rezession und steigender Arbeitslosigkeit umzukehren...
Wir versprechen ein Antirezessionsprogramm in Höhe von 12 Milliarden
Dollar zur Schaffung von Arbeitsplätzen, das mindestens 800 000 neue Arbeitsplätze schaffen wird, einschließlich der vollen Finanzierung des antizyklischen
Hilfsprogramms für die Städte, einer großen Ausweitung der Arbeitsplätze für
Jugendliche und eines Ausbildungsprogramms, um unseren jungen Menschen in
den Stadtkernen neue Hoffnung zu geben, erweiterte Ausbildungsprogramme
für Frauen... und neuer Chancen für die älteren Menschen...

Steuersenkungen
Wir verpflichten uns zu gezielten Steuersenkungen, die dazu dienen,
die Produktion anzuregen und die Rezession zu bekämpfen, sobald erkennbar
ist, daß sie keine unverhältnismäßig großen Auswirkungen auf die Inflation
haben werden.

Wir müssen ungezielte Steuersenkungen vermeiden, die die

Inflation steigern würden...

Bundesausgaben
Zurückhaltung bei den Ausgaben muß jene berücksichtigen, die von der

- 3 -

�der Bundesregierung Hilfe und Unterstützung erwarten, vor allem unsere
Arbeiter 1n Zelten hoher Arbeitslosigkeit.

Gleichzeitig ist jedoch,

solange der inflationäre Druck so stark bleibt, fiskalische Vorsicht
wichtig, um zu vermeiden, daß der bisher bei der Senkung der Inflationsrate gemachte Fortschritt zunichte gemacht wird.
Die RHtlk des Fiskus muß ein flexibles wirtschaftliches Instrument
bleiben.

Wir widersetzen uns einem Verfassungszusatz, der einen aus-

geglichenen Haushalt verlangen würde...

Zinssätze
Die Demokratische Partei ist in der Geschichte immer einer Rjitik
verpflichtet gewesen, die zu niedrigen Zinssätzen führte, um den Arbeitern,
kleinen Geschäftsleuten, Farmern und Hausbesitzern unseres Landes zu helfen.
Daher müssen wir weiterhin eine harte anti-inflationistische Politik
verfolgen, die zu einer generellen Senkung der Zinsen für Kredite führen
wi rd...

Wiederaufbau der amerikanischen Industrie
Um neue Märkte für amerikanische Erzeugnisse zu erschließen und den
Dollar zu stärken, müssen wir nach neuen Möglichkeiten für amerikanische
Exporte suchen; stabile, langfristige Handelsbeziehungen unter den Ländern
anstreben; auf den Weltmärkten konkurrierenden Firmen technische Unterstützung gewähren; auf der Basis der Gegenseitigkeit die Handelsbedingungen
für Länder fördern, die hier Geschäfte betreiben; und sicherstellen, daß
die Neuausstattung im eigenen Lande im Einklang mit der Schaffung neuer
Möglichkeiten im Außenhandel steht...
Haushalt

- 4 -

�Haushalt
Internationale Ereignisse haben eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben notwendig gemacht. Die sowjetische Herausforderung darf nicht außer
acht gelassen werden.

Wir mußten den stetigen Rückgang der Verteidigungs-

ausgaben, der unter der republikanischen Regierung eintrat, umkehren.
Wir dürfen und werden nicht zulassen, daß der Bundeshaushalt eine
inflationäre oder rezessionstreibende Kraft in unserer Wirtschaft wird,
aber wir dürfen auch nicht zulassen, daß die dringenden menschlichen Ansprüche ignoriert werden...
Wir werden als Demokraten unsere Politik fortsetzen, uns gegen
drastische Kürzungen in sozialen Programmen zu wenden, die den Armen und
Alten, den Frauen, den Kindern und den Minderheiten unfaire Lasten aufbürden würden...

II. REGIERUNG UND MENSCHLICHE ANSPRÜCHE

Verkehr
... Die Kohle steht im Mittelpunkt der Energiepolitik unseres Landes.
Wir sind besorgt über die Transportkosten für Kohle, um sie auf ihre Märkte
zu bringen, vor allem über die Kosten des Bahntransports.

Im Rahmen der

Reform der Bestimmungen müssen wir uns daher vor allem über die Auswirkungen
der Bahntarife auf die Kohle im klaren sein...
Die Autoindustrie und ihre Arbeiter müssen in dieser schweren Zeit
unterstützt werden. Wir haben uns einer intensiven Überprüfung der

- 5 -

�der fundamentalen Probleme der Automobilindustrie und sofortigen, wirksamen
Maßnahmen zur Behebung dieser Probleme verschrieben.

Wir haben uns auch

einem nachhaltigen Handelsanpassungsprogramm verschrieben, um den derzeit
arbeitslosen Automobilarbeitern zu helfen...
Wir müssen eine Schiffahrtspolitik entwickeln, die den Ausbau und
die Aufrechterhaltung eines Seeschiffahrtssystems unter amerikanischer
Flagge ermutigt, bemannt mit ausgebildetem und leistungsfähigem amerikanischem
Personal und in der Lage, einen wesentlichen Teil unseres internationalen
Handels in konkurrenzfähiger und leistungsfähiger Weise abzuwickeln...

III. REGIERUNGSTÄTIGKEIT UND REFORM

Steuerreform
... Wir versprechen Steuerreformen, die
-

die Spartätigkeit der Steuerzahler mit niedrigem und mittlerem
Einkommen fördern;

-

Lücken in der Steuergesetzgebung schließen, die nur Sonderinteressen
auf Kosten des durchschnittlichen Steuerzahlers zugute kommen;...

-

Kapitalbildung, Innovation und neue Produktion in den Vereinigten
Staaten ermutigen; ...

-

Schluß machen mit dem Mißbrauch in der steuerlichen Behandlung
ausländischer Quellen, wie etwa der besonderen steuerlichen Behandlung
und den Anreizen für multinationale Gesellschaften, die Arbeitsplätze

- 6 -

�Arbeitsplätze und Kapital aus der amerikanischen Wirtschaft
abziehen...

IV. ENERGIE, NATURSCHÄTZE, UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT

Energie
Wir müssen der Einsparung von Energie höchste Priorität einräumen...
Wir müssen ein massives Programm finanzieller Beihilfe für Energieeinsparungsmaßnahmen beim privaten Wohnungsbau aufstellen. Wir müssen
subventionierte Darlehen, direkte finanzielle Hilfe und andere gewichtige
Anreize verfügbar machen, um alle Wohnungen in den Vereinigten Staaten
energiesparend zu machen... Besondere Unterstützung sollte die Verwendung
von erneuerbaren Energiequellen, wie die passiven und aktiven Sonnenenergiesysteme, erhalten. Unser Ziel muß es sein, sicherzustellen, daß bis 1990
alle wirtschaftlich gerechtfertigten Investitionen zur Ratifizierung und
Einsparung von Energie getätigt werden.
Wir müssen die Verwendung von Kohle in unserem Land steigern.

Damit

dies gelingt, müssen wir darauf achten, daß der Transport der Kohle nicht
durch exzessive Frachtkosten belastet wird...
Die Kohleveredlung kann und muß in einer Weise erfolgen, durch die
die öffentliche Gesundheit geschützt wird... Durch diese Kohleveredlung
kann und muß der Kohleverbrauch gesteigert, die Nachfrage nach ül verringert,
und es müssen dadurch Arbeitsplätze an solchen Orten geschaffen werden,
wo dies am dringendsten notwendig ist.
Wir

�Wir müssen in der westlichen Welt die FUhrung Übernehmen bei der
Entwicklung eines Programms zur stärkeren Nutzung der Kohle 1n Europa,
Japan und den Entwicklungsländern.
Die Erschließung und Entwicklung von Energiequellen 1n den KUstengewässern sollte unter voller Berücksichtigung des Schutzes der Umwelt und
der maritimen Ressourcen erfolgen... Die Nutzung der Sonnenenergie sollte
1n verstärktem Maße erfolgen,und große Anstrengungen, wozu auch eine stetige
finanzielle Unterstützung gehört, rnUssen unternommen werden, um sicherzustellen, daß wir das Ziel erreichen, bis zum Jahre 2000 den Anteil der
Sonnenenergie an unserem Gesamtenergieverbrauch auf 20 Prozent zu bringen.
Ein Notstandsplan für die Rationierung von Kraftstoff muß aufgestellt
werden für den Fall einer ernsthaften Unterbrechung des Energienachschubs...
Die strategische Erdölreserve sollte, soweit es die Marktbedingungen erlauben,
in Einklang mit den Bestimmungen des bestehenden Gesetzes aufgefüllt werden.
Wir müssen der Bewältigung des Problems der nuklearen Entsorgung die
höchste Priorität einräumen. Die derzeitigen Bemühungen um die Entwicklung
eines sicheren, die Umwelt nicht gefährdenden Planes für die Lagerung
von Atommüll müssen fortgeführt und intensiviert werden. Der Nationale
Forschungsrat darf keine Lizenzen oder Genehmigungen für neue Atomanlagen
vergeben, ehe nicht die Empfehlungen der Kemeney-Kommission voll verwirklicht
worden sind.

V. AUSSENPOLITIK
1

Amerikas militärische Stärke ist unübertroffen und muß es bleiben.
Die demokratische Regierung ist darangegangen, den drohenden Abstieg der

- 8 -

�der amerikanische Position in der Welt umzukehren.

Während die Nixon-

Ford-Regierung zwar vorgab, um die Verteidigungsbereitschaft unserer Nation
besorgt zu sein, hat sie doch zugelassen, daß die amerikanischen Verteidigungsausgaben zwischen den Jahren 1968 und 1976 um rea1 33 Prozent zurückgingen.
Als Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen der demokratischen Regierung
und des Kongresses hat es in jedem Jahr seit 1976 in unseren Verteidigungsausgaben einen realen Zuwachs gegeben. Dieser Zuwachs ist notwendig, um
das Absinken der militärischen Stärke der USA während der vorausgegangenen
acht Jahre wettzumachen und um eine hohe Qualität des militärischen
Personals, eine wirksame nukleare Abschreckungskapazität, eine fähige
konventionelle Streitmacht und eine verbesserte Kapazität des Nachrichtendienstes zu gewährleisten. Wir sind entschlossen die Nachrichtenbeschaffung
und Auswertung weiter zu verbessern...
Wir werden die Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte weiter verbessern.

Höchste Priorität werden wir der Kampfausbildung, der Aufstellung

einer leistungsstarken Reserve und Nationalgarde sowie der Anlage von
ausreichenden Nachschub-, Ersatzteil-, Treibstoff- und Munitionslagern
geben...
Wir müssen angesichts der fortgesetzten Weiterentwicklung der strategischen
Streitkräfte der Sowjets etwas tun, um unsere Vergeltungskapazität zu
schützen.
Unser Land ist darangegangen, seine strategische Abschreckung durch die
MX-Trident- und Marschflugkörpersysteme zu modernisieren. Die Dislozierung
der MX-Rakete wird die Überlebensfähigkeit unserer landgestützten Interkontinentalraketen verbessern. Die Marschflugkörper werden unsere strategische
Luftabschreckung modernisieren,und das neue Trident-Unterseeboot wird mit
einer Raketenreichweite von über 4000 Meilen mithelfen, die Unverwundbarkeit
unserer nuklearen Abschreckung zu verbessern und zu gewährleisten.
Die

�Die Vereinigten Staaten haben gehandelt, um das gefährliche militärische
Ungleichgewicht zu korrigieren, das sich in Europa entwickelte, indem sie sich
um die Unterstützung und die schließliche Zustimmung der Verbündeten für ein
lange überfälliges Langfristiges Verteidigungsprogramm der NATO bemühten und
darüberhinaus für die Dislozierung nuklearer Mittel Streckensysteme (TNF) als
Abschreckungswaffen in Europa eintraten, um dadurch dem sowjetischen Aufbau
solcher Waffensysteme in Europa zu begegnen.

Unsere Verpflichtung, die Ver-

teidigungsausgaben um mindestens drei Prozent im Jahr zu erhöhen, ist von
entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung des Konsenses und des
Vertrauens der Verbündeten in dieser Hinsicht.

Wir müssen unsere konventionellen

militärischen Kapazitäten modernisieren, damit wir das Leben der Amerikaner
und die amerikanischen Interessen im Ausland besser schützen können.
Die demokratische Regierung hat Schritte unternommen, um unsere
Fähigkeit zu verbessern, auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren:
Organisation und Unterstützung der Schnellen Eingreiftruppen ermöglichen
eine Antwort auf militärische Probleme in allen Erdteilen, in denen unsere
lebenswichtigen Interessen bedroht sind. Zu diesem Zweck setzen wir uns
für die Entwicklung und die Produktion einer neuen Flotte von Transportflugzeugen mit internationaler Reichweite ein sowie für den Entwurf und
Ankauf einer Flotte von Vorausbereitstellungsschiffen, die die schwere Ausrüstung und den Nachschub für drei Brigaden des Marinekorps aufnehmen können,
schließlich für vermehrte regionale Militärübungen im Zusammenwirken mit
befreundeten Staaten...

Amerikanisch-sowjetische Beziehungen
Eine starke, konsequente und auf Prinzipien ruhende Politik gegenüber
der Sowjetunion ist ein lebenswichtiges Element unserer gesamten Außenpolitik.

Die demokratische Regierung wird alle ihre Mittel einsetzen - ein-

schließlich standhafter Diplomatie und militärischer Macht -, um vor Abenteuer-

�Abenteuertum abzuschrecken und um Zurückhaltung zum einzig annehmbaren
Kurs zu machen, der unseren Gegnern bleibt.
Wir sind bereit, bei jeder Gelegenheit und über eine große Bandbreite
von Themen in gutem Glauben Verhandlungen mit der Sowjetunion aufzunehmen einschließlich über strategische Waffen, nukleare Mittel Streckensysteme in
Europa und andere Fragen, die zum Frieden sowie zu einer unverfälschten
und gegenseitigen Entspannung beitragen könnten.
Im Mittelpunkt unserer Politik gegenüber der Sowjetunion muß die klare
Erkenntnis der Realität sowjetischer Macht stehen. Wir müssen die bequeme
Vorstellung zurückweisen, die Sowjets würden die Welt genauso sehen wie
wir. Eine langfristige Strategie für die achtziger Jahre erfordert ein klares
Bild von der Sowjetunion, ein Bild, das sich keine falschen Vorstellungen
macht, unser Gegner sei entweder gütig oder allmächtig.
Eine starke amerikanische Antwort auf die rechtswidrige und brutale
Invasion Afghanistans dient den Sicherheitsinteressen unseres Landes. Sie
wird und muß andauern, solange die sowjetischen Truppen dort stehen...
Während die Invasion Afghanistans das Streben nach einer produktiven
Beziehung zur Sowjetunion auf das Abstellgleis

geschoben hat, unter-

stützt die Demokratische Partei Anstrengungen zur Stärkung der Beziehungen
zu den Staaten Osteuropas...

Rüstungskontrolle
Der SALT-II-Vertrag dient auch den Sicherheitsinteressen unseres
Landes. Er ist ein entscheidender Schritt in einem Rüstungskontrollprozeß,
der einen Anfang dabei darstellen wird, den Schatten eines Atomkriegs von
der Menschheit zu wenden. Auch dieser Prozeß muß vorangehen.
Die
- 11 -

�Die sowjetische Aggression gegen Afghanistan hat den Ablauf der
Ratifizierung des SALT II-Vertrags verzögert, aber wir müssen auch weiterhin beide Sicherheitsprioritä'ten verfolgen:

Abschreckung sowjetischer

Aggression und ausgewogene Rüstungskontroi labkommen.

Sowohl die Reaktion

auf Afghanistan als auch der SALT Il-Vertrag dienen diesem Zweck.
Der SALT-Vertrag liegt im amerikanischen Interesse, denn er ist ein
wichtiges Mittel, um Zurückhaltung im sowjetischen Verhalten zu erreichen.
Ohne SALT II könnten die Sowjets noch Hunderte von Raketen und
Tausende von atomaren Gefechtsköpfen mehr haben,als der Vertrag zuläßt.
Mit dem Vertrag hätten sie viele Kernwaffen auszumustern, über die sie
oereits verfügen.
Der Vertrag trägt dazu bei, eine starke amerikanische Position in
der Welt aufrechtzuerhalten. Unsere Verbündeten und auch andere Staaten
in der ganzen Welt wissen, daß der SALT Il-Vertrag ihren Sicherheitsinteressen
genauso dient wie unseren eigenen. Der amerikanische Einsatz für Rüstungskontrolle ist für unser Ansehen in der internationalen Gemeinschaft wichtig dieselbe Gemeinschaft, die die Sowjets für ihre versuchte Unterdrückung
Afghanistans zurechtgewiesen hat. Er ist auch für unsere Anstrengungen
notwendig, eine dauerhafte Antwort auf die wachsende Bedrohung Europas
durch die sowjetischen SS-20-Nuklearraketen und die sowjetische Aggression
in Afghanistan zu finden.
Zusammen mit dem Eintreten für den SALT-Vertrag beabsichtigen wir,
in Europa ein stabiles Gleichgewicht im konventionellen und im nuklearen
Mittelstreckenbereich (TNF) zu unterhalten.

Wir unterstützen Modernisierungs-

programme, bei denen die europäischen Länder ihren gerechten Anteil an den
Kosten und den anderen Lasten tragen.

Gleichzeitig werden wir sicherstellen,

daß keine Möglichkeit für wirkungsvolle Begrenzungen bei den TNF-Waffen
unausgeschöpft gelassen wird.

Die demokratische Regierung wird zusammen

- 12 -

�zusammen mit unseren NATO-Verbündeten weitreichende gerechte und
verifizierbare Vorschläge für nukleare und konventionelle Rüstungskontrolle
in Europa unterbreiten.
Wir werden auch andere Möglichkeiten der Rüstungskontrolle verfolgen,
die sowohl unsere nationale Sicherheit als auch die Aussichten auf Frieden
erhöhen. Insbesondere wird die demokratische Regierung sich für einen
umfassenden Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen einsetzen.
Ein solcher Vertrag ist von entscheidender Bedeuturiy r'ür unsere Hoffnungen
darauf, die Weiterverbreitung von Kernwaffen zu kontrollieren...
Wir haben für unsere Lieferungen konventioneller Waffen bedeutsame
Begrenzungen eingeführt, und wir werden andere Waffenlieferanten und
-empfänger nachdrücklich darauf drängen, wechselseitige Zurückhaltung zu
üben.
Die demokratische Regierung hat unsere Fähigkeit erhöht, gegen den
internationalen Terrorismus anzugehen - sowohl auf nationaler Ebene als
auch in Zusammenarbeit mit anderen Regierungen - und mit Akten des
Terrorismus fertigzuwerden - einschließlich von Geiselnahmen durch einzelne
oder durch Regierungen.

Menschenrechte
Im Bereich der internationalen Politik hat die demokratische Regierung
die Macht Amerikas in den Dienst einer besseren Welt gestellt, indem sie
gemäß unserer eigenen Wertvorstellungen handelt und formell und überlegt
darauf hinarbeitet, die Prinzipien zu fördern, die in der Universellen
Erklärung der Menschenrechte niedergelegt sind...
Wir

- 13 -

�Wir müssen wachsam bei Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern
sein, in denen sie verübt werden, einschließlich Südafrikas. Wir stellen
insbesondere fest, daß viele der kommunistisch beherrschten Länder andauernd die grundlegendsten menschlichen Freiheiten verletzen - das Recht
auf freie Rede, das Recht auf religiöse Freiheit, das Recht auf Bewegungsfreiheit und Auswanderung sowie das Recht darauf, frei von willkürlicher
Verfolgung zu leben.
Wir unterstützen die Ratifizierung der Vökermordkonvention durch den
Senat und eine möglichst baldige Zusammenkunft auf internationaler Ebene
zum Thema Menschenrechte.
Wir unterstützen die Führungsrolle, die die Vereinigten Staaten auf
dem Gebiet der Menschenrechte übernommen haben, und drängen darauf, daß die
demokratische Regierung auch weiterhin offen und tatkräftig ihre Stimme
zu Menschenrechtsverletzungen erhebt, woimmer und wannimmer solche
geschehen...

Flüchtlinge und Menschenströme
Amerikas Wurzeln sind jene Einwanderer und Flüchtlinge, die an unsere
Gestade gekommen sind, um sich in einer neuen Welt ein besseres Leben zu
schaffen.

Die Demokratische Partei verpflichtet sich dazu, unsere historische

Bindung an dieses Erbe zu ehren.
Die erste umfassende Reform der Flüchtlingspolitik dieses Landes wurde
nach über 25 Jahren mit der Unterzeichnung des Flüchtlingsgesetzes aus dem
Jahre 1980 im März 1980 vervollständigt, das sich auf die Gesetzgebung
stützt, die dem Kongreß im März 1979 durch die Regierung Carter vorgelegt
wurde...
Der

- 14 -

�Der Nahe und Mittlere Osten
Im Anschluß an Präsident Carters Reise in den Nahen Osten im März 1979
unterzeichneten Ministerpräsident Begin und Präsident Sadat im Weißen Haus
den israelisch-ägyptischen Friedensvertrag.

Ein Jahr später führte dieser

Vertrag zur Obergabe von zwei Dritteln der Sinai-Halbinsel an Ägypten,
zusammen mit den öl fei d e m des Sinai; Botschafter wurden ausgetauscht;
Grenzen wurden geöffnet; die Normalisierung der Beziehungen macht gute
Fortschritte.

Israel hat endlich Frieden mit seinem größten arabischen

Nachbarn« Zusammengefaßt: diese demokratische Regierung hat mehr dazu beigetragen, Israels Traum vom Frieden zu verwirklichen als alle anderen
Regierungen in dreißig Jahren...
Die amerikaniscne Politik wird auch durch die folgenden Prinzipien
geleitet - und sollte dies weiterhin sein:
Die unveränderte Resolution 242 des Sicherheitsrats der Vereinten
Nationen und die Camp-David-Übereinkommen sind die Grundlage für den Frieden
im Nahen Osten.
Wir unterstützen Israels Sicherheit und werden auch weiterhin zu diesem
Zweck großzügige militärische und wirtschaftliche Hilfe leisten.
Wir verpflichten uns dazu, Israels potentiellen Gegnern keine hochentwickelten offensiven Rüstungsgüter zu liefern, die die Sicherheit Israels
gefährden könnten,
Jerusalem sollte für immer ungeteilt bleiben, mit freiem Zugang zu
den heiligen Stätten für Menschen jeglichen Glaubens.
Wir sind gegen die Schaffung eines unabhängigen palästinensichen
Staates.
Wir
- 15 -

�Wir werden mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation weder
verhandeln noch sie anerkennen, solange sie nicht das Existenzrecht Israels
sowie die Resolutionen 242 und 338 des Sicherheitsrats der Vereinten
Nationen anerkennt.

Es ist auch allerhöchste Zeit für eine Beendigung

des Terrorismus und aller Gewaltakte gegen Israel.
Wir haben unsere Hilfe für Israel nicht als Verhandlungsmittel
benützt und werden dies nicht tun.

Wir werden auch nie zulassen, daß öl-

Politik unsere Politik für den Frieden und für unsere Unterstützung
Israels beeinflußt...
Die demokratische Regierung wird außerdem die notwendigen Maßnahmen
zum Schutz der amerikanischen Interessen im Persischen Golf treffen,
einschließlich der Energiesicherung, der regionalen Stabilität und der
nationalen Unabhängigkeit.

Dies wird sowohl subtile Diplomatie als auch

militärische Kapazität erforderlich machen.

Wir werden sowohl äußerer

Bedrohung entgegentreten als auch zur notwendigen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ermutigen.

Letztlich haben auch unsere Verbündeten

ein ebenso großes oder sogar noch größeres Interesse an der Sicherheit
der Ölversorgung und der regionalen Stabilität als wir, und die
demokratische Regierung wird auch weiterhin mit ihnen bei der gemeinsamen
Strategie und der Verteilung der gemeinsamen Lasten zusammenarbeiten.
Wir verurteilen die Regierung des Iran für ihr empörendes Verhalten
bei der Gefangennahme unseres diplomatischen Personals als Geiseln.

Wir

bestehen auf Respektierung des Prinzips der Unverletzlichkeit des diplomatischen
Personals - wie dies wiederholt vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
und dem internationalen Gerichtshof zum Ausdruck gebracht wurde.

Wir rufen

alle Regierungen dazu auf, sich an diese Grundregel des zi/ilisierten
internationalen Verhaltens zu halten und sie zu unterstützen.
Was

�Was die Region insgesamt anbelangt, so müssen wir unsere gefährliche
Abhängigkeit von ausländischem öl beenden.

Nur auf diese Weise kann

unsere Außenpolitik wirkungsvoll dem Druck der Organisation erdölerzeugender
Länder (OPEC) und der Sowjetmacht begegnen, der von Afghanistan aus über
dem Persischen Golf dräut.

Die demokratische Regierung wird ihre Verpflichtung

hinsichtlich einer strategischen ülreserve erfüllen, um Amerika vor einem
ölembargo zu schützen.

Indem wir den Ölverbrauch und die Abhängigkeit

von der OPEC vermindern, werden wir in der Lage sein, unter gleichen
Bedingungen mit den OPEC-Staaten über die Zusicherung garantierter Ölversorgung zu stabilieren Preisen zu verhandeln.

Europa und Japan
Amerika und seine Verbündeten brauchen auch weiterhin das gegenseitige Vertrauen, die wechselseitige Verpflichtung und den Sinn für die
gemeinsame Zielsetzung, die jahrzehntelang unsere Beziehungen gekennzeichnet
haben.

Die Probleme, vor denen wir stehen, sind weltweiten Ausmaßes.

Wir können nicht mit ihrer Lösung beginnen, wenn jeder von uns seinen
eigenen Weg geht. Wir müssen lernen,bei immer mehr Problemen Partnerschaft! ich zusammenzuarbeiten - wie etwa in den Bereichen Afrika und
Persischer Golf sowie bei weltweiten Wirtschafts- und Sicherheitsfragen.
Die demokratische Regierung verpflichtet sich zu einer starken NATO
und einem stabilen militärischen Gleichgewicht in Europa.

Wir werden uns

sowohl für die Modernisierung der konventionellen Waffen und der Kernwaffen der NATO als auch für faire Begrenzungen zwischen der NATO und dem
Warschauer Pakt einsetzen...
Unsere Beziehungen zu Japan haben ein neues Niveau der Reife und
der Zusammenarbeit erreicht.

Die Vereinigten Staaten sind in der Lage,

sich geduldig und verständnisvoll mit einer ganzen Reihe schwieriger und

- 17 -

�und strittiger Wirtschaftsfragen auseinanderzusetzen.

Im Bereich der

Außen- und Sicherheitspolitik braucht die Haltung Japans im Hinblick auf
die Unterstützung der außenpolitischen Zielsetzungen der Vereinigten
Staaten keinen Vergleich zu scheuen. Wir werden diese Beziehung auch
weiterhin pflegen.

Handel
Der Handel schafft neue Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter,
neue Märkte für Farmer und Geschäftsleute und bringt niedrigere Preise
für die Verbraucher. Aber der Handel kann auch innerhalb der Volkswirtschaft Verzerrungen hervorrufen,und wir haben nach Wegen gesucht - und werden
dies auch weiterhin tun -, um die Last der Anpassung an ausländischen
Wettbewerb zu erleichtern, ohne den Prozeß des strukturellen Wandels zu
behindern, der für unsere volkwirtschaftliche Gesundheit von so entscheidender
Bedeutung ist. Wir sind für ein System des internationalen Freihandels,
aber dieses System muß zugleich auch fair sein. Wir werden nicht zulassen,
daß unsere Arbeiter und unsere Industrien durch unfairen Einfuhrwettbewerb
verdrängt werden. Wir haben ordnende Marktabkommen und andere Absprachen
in Bereichen wie Farbfernsehen, Schuhwerk und Textilien getroffen, um der
amerikanischen Industrie bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbslage zu
helfen.

Weitere Schritte könnten notwendig sein...

Um die amerikanische Volkswirtschaft zu stärken und unsere Wettbewerbslage in der Weltwirtschaft zu verbessern, muß sich die amerikanische
Import-Export-Politik auf das Prinzip des fairen Handels stützen, das
unsere Exporte erhöhen wird, während es gleichzeitig die Industrie im
eigenen Lande vor unfairen Handelspraktiken schützt. Damit ein ordnungsgemäßer ausländischer Handel sichergestellt ist, müssen die Vereinigten
Staaten die Beachtung ihrer Handelsgesetze sowie Zusammenarbeit bei unseren
Handelspolitiken verlangen, damit Störungen im Wirtschaftsleben vermieden

- 18 -

&lt;

�vermieden werden können.

Währungsfragen
Wir werden auch weiterhin alle notwendigen Schritte unternehmen,
um einen gesunden und stabilen Dollar zu erhalten. Wir werden mit anderen
Staaten zusammenarbeiten, um Wechselkursverzerrungen so klein wie möglich
zu halten. Wir unterstutzen voll und ganz die unternommenen Anstrengungen,
um die Fähigkeit der internationalen Finanzinstitutionen zu verbessern,
sich den veränderten Notwendigkeiten anzupassen und das Recycling der Mittel
der ölfördernden Länder, mit Zahlungsbilanzüberschüssen in jene Länder zu
erleichtern, die vor hohen, von den ölimporten herrührenden Defiziten
stehen.

Wir werden die OPEC-Länder darauf drängen, konstruktiv an diesem

Prozeß teilzunehmen.

Internationale Zusammenarbeit im Energiebereich
Wir haben auf Gipfeltreffen und bei der Internationalen Energieagentur
(IEA) mit den anderen Industriestaaten zusammengearbeitet, um gemeinsame
Programme zur rinsparung von öl und zur erhöhten Produktion alternativer
Energiequellen zu entwickeln.

Wir werden auch weiterhin solche Anstrengungen

unterstützen...

Die Entwicklungswelt
Die demokratische Regierung wird mit dem Kongreß zusammenarbeiten,
um Politiken und Programme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den
Entwicklungsländern auszuarbeiten und durchzuführen, die vom Gedanken des
gegenseitigen Interesses geleitet werden.

- 19 -

Wir werden die im nächsten Jahr

�Jahr stattfindenden Verhandlungen über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
dem industrialisierten Norden und dem sich entwickelnden SUden in diesem
positiven Geist angehen.

Wir werden den fairen Anteil der Vereinigten

Staaten zum Kapital der multilateralen Entwicklungsbanken und den entsprechenden Stellen beitragen, und wir werden mit den umfangreichen und
innovativen amerikanischen Programmen zur direkten Entwicklungshilfe flir
Staaten mit niedrigem Volkseinkommen fortfahren.
Diese Politik wird sich in der weiteren Konzentration der amerikanischen
Entwicklungshilfe auf Länder zeigen, die diese Hilfe sinnvoll einsetzen,und
bei Programmen, die sich um die grundlegenden Ansprüche der Mittellosen
kümmern, besonders also um Nahrungsmittel, Gesundheitsfürsorge und Hilfe
bei freiwilliger Familienplanung.

Wir werden die amerikanische und

multilaterale Technik- und Finanzhilfe für öl importierende Staaten erhöhen,
damit sie ihre eigenen Energiequellen entwickeln können.

Die Beteiligung

amerikanischer Privatunternehmen am wirtschaftlichen Wachstum der Entwicklungsländer wird abgestimmt und unter angemessener Beachtung der eigenen Beschäftigungsziele gefördert.
Wir sind zutiefst über das wachsende Problem des Welthungers besorgt,
wie dies die vom Präsidenten eingesetzte Kommission zur Untersuchung des
Welthungers berichtet.

Wir sind entschlossen, unsere Mittel zu erhöhen

und eine ähnliche Erhöhung seitens anderer Staaten zu erreichen - mit der
Absicht, dieses Problem gegen Ende des Jahrhunderts zu lösen.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten wird die demokratische Regierung
die OPEC-Länder und die kommunistischen Staaten dazu auffordern, eine neue,
gemeinsame, weltweite Verpflichtung zur wirtschaftlichen Entwicklung einzugehen.

Alle Seiten müssen ihre Beiträge zu dieser Entwicklung erhöhen,

damit die Welt dem Gespenst eines internationalen Bankrotts aufgrund
steigender Energiepreise und zunehmender Schuldenlast entrinnen kann...
Lateinamerika

- 20 -

�Lateinamerika und die Karibik
In krassem Gegensatz zu der Politik früherer republikanischer
Regierungen hat diese demokratische Regierung mit der Ausgestaltung einer
neuen, auf Zusammenarbeit beruhenden Beziehung zwischen den Staaten
Lateinamerikas und der Karibik begonnen - eine Beziehung, die sich auf eine
feste Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten, der Demokratisierung,
der erhöhten wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung sowie der
Nichteinmischung gründet.
Wir müssen nunmehr in neuer Weise darangehen, unsere Bindungen
zu unseren Nachbarn in der westlichen Hemisphäre zu stärken; erstens,
um jedes Vakuum für äußere Intervention zu verhindern und zweitens, um
bilaterale Schritte hin auf sozialen Fortschritt und wirtschaftliche
Entwicklung - einschließlich der Energiequellen - zu fördern.

Asien
Die Aufnahme diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu
China ist eine historische außenpolitische Leistung...
Die Demokratische Partei verpflichtet sich zu einer Ausweitung
und Vertiefung unserer Beziehungen zu China auf eine Weise, die unseren
beiden Völkern sowie dem Frieden und der Si :herheit der Welt dient. Wir
werden auch weiterhin neue Bereiche suchen, in denen die Vereinigten Staaten
und China zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen zusammenarbeiten können.
Wir haben die "chinesischen Karten" oder andere gefährliche Spiele nie
gespielt - und werden dies nicht tun. Wir werden aber auch nicht zulassen,
daß unsere Beziehungen zu irgendeinem Land unseren Anstrengungen im Wege
stehen, den Prozeß der Normalisierung unserer Beziehungen zu China fortzusetzen.

- 21 -

�Afri ka
Afrika wird für die amerikanische Außenpolitik der achtziger Jahre
von zentraler Bedeutung sein.

Als die republikanische Regierung im

Januar 1977 abtrat, hatten die Vereinigten Staaten in Schwarzafrika wenig
Glaubwürdigkeit, denn sie hatten keine oder nur wenige Versuche unternommen,
die afrikanischen Probleme von einem afrikanischen Gesichtspunkt aus zu
sehen.

Unsere Politik hatte damals keine klar festgelegten Zielsetzungen.

Als Folge davon waren unsere Versuche, den Krieg im südlichen Afrika zu
beenden, wirkungslos.

Wir wurden in den Augen der Afrikaner unbedeutend,

ja sogar im Widerspruch zum afrikanischen Streben stehend...
Wir erzielten bedeutende Erfolge, vielleicht am deutlichsten erkennbar
im südlichen Afrika.
In Südafrika werden wir unseren Einfluß ausüben, um den Fortschritt
in Richtung auf eine Herrschaft der Mehrheit und eine Beendigung des
rassistischen Systems der Apartheid zu fördern. Wir verurteilen die brutale
Unterdrückung der eingeborenen schwarzen Bevölkerung in Soweto und Kapstadt
durch das südafrikanische Regime und unterstützen erhöhten politischen
und wirtschaftlichen Druck mittels legaler Sanktionen auf dieses tyrannische
Regime.

Die Vereinten Nationen und internationalen Organisationen
überall auf der Erde werden die internationalen Organisationen und
Einrichtungen im kommenden Jahrzehnt geprüft werden und werden in zunehmendem
Maß eine entscheidende Rolle spielen. Die Vereinten Nationen sind auch
weiterhin das einzige Forum, wo Reiche und Arme, Ost und West sowie die
neutralen Staaten zusammenkommen können, um ihren Beschwerden Ausdruck zu
verleihen, um sich an den respektierten Foren der Weltmeinung zu beteiligen

- 22 -

�beteiligen und um Mechanismen zu finden, Meinungsverschiedenheiten aus
der Welt zu schaffen, ohne zur Gewalt Zuflucht nehmen zu müssen...
Wir werden auf neue Strukturen hinarbeiten, die die Vereinten Nationen
in den Bereichen der wirtschaftlichen Entwicklung stärken werden, einschließlich
der internationalen Handelsorganisationen, der Fortbilding, der Freiwilligendienste, der Vermittlung und Versöhnung, der internationalen Abrüstung,
der Anwendung des Abkommens über Seerecht und der Kontrolle des internationalen Terrorismus.

+ + + + +

- 23 -

�3

Wi//cn/chaft
w\d Technik

L

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. September 1980

39

VORLÄUFIGER ABSCHIED VOM MARS
Zweite VIKING-Kamera-Sonde wurde abgeschaltet
von G. Weiss

- (AD) - Die aktive Phase des amerikanischen Marsforschungsprogramms
VIKING ist praktisch beendet.

Was noch bis 1990, vielleicht sogar bis

1994 anfallen wird, sind einmal wöchentlich abgerufene Meßdaten des
Landegerä'ts VIKING 1 über Bedingungen vom Standortbereich am Westhang
der Chryse-Ebene auf der Nordhalbkugel des Planeten.

Die Lander-Antenne

wurde rechtzeitig zur Erde ausgerichtet, nachdem sich im Juli 1980 herausgestellt hatte, daß der in der Marsumlaufbahn verbliebene VIKING l-0rbiter
wegen Erschöpfung der TreibstoffVorräte bald
würde.

manövrierunfähig werden

Mitte August 1980 wurde schließlich der Orbiter abgeschaltet.

Er hatte dem Landegerät als Relaisstation für den Funkkontakt mit der Erde
bei der Datenübermittlung gedient.

Seine Hauptaufgabe war allerdings,

ebenso wie die der schon im Juli 1978 abgeschalteten VIKING 2-0rbitersonde, die Marsfotographie.

In

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�In den vier Jahren seit dem Eintritt der beiden VIKING-Forschungsgeräte in eine Marsumlaufbahn (VIKING 1 nach 10 Monaten Anflugdauer am
19. Juli 1976, Absetzen des Landegeräts einen Tag später mit Standort
22,3° Nord/48 0 West, VIKING 2 nach elfmonatigem Anflug am 7. August 1976,
Absetzen des Landegeräts am 3. September 1976 ca. 20 Grad weiter nördlich)
machten die beiden Orbiter 53 500 Aufnahmen von der Oberfläche des Planeten
Mars und seiner beiden Satelliten.

Jedes einzelne Bild enthält 20 mal

mehr Information als die Aufnahmen der Marssonde MARINER 9 von 1971,
die damals angesichts des Erkenntnisstandes von der Oberflächenbeschaffenheit
des Roten Planeten als sensationell galten.

Dazu kommen jetzt noch weitere

4 500 Farb-Stereoaufnahmen, die die beiden Landegeräte von der unmittelbaren
und weiteren Umgebung ihres jeweiligen Standorts übermittelten.

Auf

der reichen Bildausbeute des mit einer Milliarde Dollar ausgestatteten
VIKING-Programms, dessen aktive Forschungsdauer ursprünglich nur auf
wenig mehr als drei Monate befristet war, basiert der kürzlich von der NASA
herausgegebene "Atlas vom Mars".

Insgesamt 97 Prozent der Marsoberfläche

sind nunmehr kartographisch erfaßt.

Der Atlas enthält zahlreiche Fotos

und Karten, dazu Beschreibungen der besonderen Merkmale - Strombetten
inzwischen völlig ausgetrockneter Flüsse, ausgedehnte Grabensysteme,
erloschene Vulkane, von Lavaströmen und Erosion geprägte Landschaften,
durch Meteoritenbombardement entstandene Krater aller "Altersstufen",
an Steilwänden freiliegende Schichten verschiedener geologischer Formationen.
Dies alles ist auf dem Mars nicht weniger spektakulär als z.B. auf unserer
Erde, auf dem Mond, dem Merkur oder, wie die Radarsondierung durch die
amerikanische PIONIER-Orbitersonde in den letzten eineinhalb Jahren ergab,
auf dem Planeten Venus.

Die Hauptarbeit bei der Auswertung der VIKING-

Meßdaten, die noch Jahre in Anspruch nehmen wird, dürfte jedenfalls den
Geologen zufallen.

- Außerirdisches

- 2 -

�- Außerirdisches Leben? Ein wesentlicher Punkt des so erfolgreichen VIKING-Programms, nämlich
herauszufinden, ob auf dem Mars Leben in irgend einer Form existiert oder
nicht, konnte nicht einwandfrei geklärt werden.

Die beiden Landegeräte,

als automatische Laboratorien zur Bodenanalyse nach verschiedenen Verfahren
eingerichtet, fanden keine organischen Moleküle*

"Das bedeutet aber nicht",

so VIKING-Projektmanager Kermit Watkins, 'daß es Leben auf dem Mars nicht
gibt.

Es bedeutet nur, daß wir an den Landepunkten keine Anzeichen dafür

fanden."

Die US-Raumfahrtbehörde NASA hofft, in den neunziger Jahren ein

mobiles Robotergerät zum Mars entsenden zu können, das in verschiedenen
Regionen operiert und auch aus größerer Tiefe Bodenproben für Analysen und
Altersbestimmungen zur Erde schickt.
Die heute auf dem Mars herrschenden Bedingungen sind gewiß nicht lebensfreundlich.

Beispielsweise wurden vom Lander VI KING 1 als höchste Mittags-

temperatur minus 31 Grad Celsius, von VIKING 2 etwa 20 Breitengrade weiter
nördlich kurz vor Sonnenaufgang minus 124 Grad Celsius gemessen. Aber es
gibt z.B. Wasser, ohne das ja Leben nicht existieren könnte. Die Pol kappen
des Mars bestehen aus Kohlendioxid - und Wassereis. Je nach der Jahreszeit
nehmen sie an Masse zu oder ziehen sich wieder zurück.

Bei hohen Feuchtig-

keitswerten enthält die Marsatmosphäre etwa einen Kubikkilometer Eis, wie
Prof. James E. Tillman von der Universität Washington berichtet.

Der

Wissenschaftler ist überzeugt, daß unter der sandigen Oberfläche noch viel
Wasser im Dauerfrostboden gespeichert ist. Bei höheren Temperaturen würde
Schmelzwasser in beachtlichen Mengen freigesetzt.
Dies ist für die Biochemiker von besonderem Interesse. Denn einige
Ergebnisse der Analyse von Meteoriten, die in den letzten Jahren in der
Antarktis gefunden wurden, lieferten den Beweis, daß außerirdische Materie
bestimmte organische Moleküle enthalten kann, die als Vorläufer der Bausteine lebender Materie gelten. Es handelt sich um Aminosäuren, aus denen

- 3 -

�denen beispielsweise Proteine aufgebaut sind, die ihrerseits wichtige
Nucleinsäuren bilden - einschließlich der DNS-Moleküle als Träger der
genetischen Information.

Prof. Cyril Ponnamperuma (Universität Maryland)

analysierte die in den Meteoriten gefundenen Aminosäuren äußerst sorgfältig,
"Wir stellten fest, daß sie in manchen Punkten anders sind als Aminosäuren,
die wir in irdischen Organismen finden.

Vielmehr sind sie jenen ähnlich,

die wir produzieren, wenn wir bei Laborexperimenten den chemischen und
energetischen Prozessen auf die Spur kommen wollen, die sich in grauer
Vorzeit auf der jungen Erde abgespielt und eine Art 'Ursuppe* organischer
Moleküle gebildet haben könnten. Wir bezeichnen deshalb bestimmte, bei
solchen Versuchen entstehende Verbindungen als 'präbiotische Aminosäuren'."
Darunter sind organische Moleküle zu verstehen, die es gab, noch ehe
"Leben" da war.
Ponnamperuma verweist darauf, daß die Meteoriten, die z.T. schon
Millionen Jahre in der Antarktis lagen und wegen der dort herrschenden
Bedingungen frei sind von irdischen Verunreinigungen, aus dem Asteroidengürtel stammen - einem Ring aus Gesteinstrümmern und Staub zwischen den
Umlaufbahnen der Planeten Mars und Jupiter. Daß Materie aus diesem
Bereich unseres Sonnensystems, die das gleiche Alter wie unsere Erde hat,
präbiotische Aminosäuren enthält, war für die Wissenschaftler ein aufregender Fund. "Wir dürfen vermuten, daß die Prozesse, die auf der Erde
Leben hervorbrachten, nicht nur hier, sondern auch an anderer Stelle in
unserem Sonnensystem ablaufen können", erklärt Prof. Ponnamperuma. "Zwar
haben wir außerhalb der Erde, z.B. bei unseren bisherigen Forschungen
am Mars oder am Jupiter, keine Anzeichen für Leben entdeckt - aber wir
wurden in unseren Vermutungen bestärkt und werden, vielleicht mit anderen
Mitteln, weitersuchen."

- Atmosphäre

- 4 -

�Atmosphäre und Wetter
Die VIKING-Sonden fanden neben dem durch frühere Forschungen bereits
bekannten Kohlendioxid, Sauerstoff und Wasser auch Stickstoff, Argon, Neon,
Krypton und Xenon in der Atmosphäre des Planeten Mars,

Auf Grund der Analyse

dieser Elemente nehmen die Wissenschaftler an, daß die GashUlle des Mars
einst sehr viel dichter gewesen sein muß als sie heute ist.

Die Sonden

registrierten auffa'1 1 ige,häufig unterschiedliche Wetteränderungen.

So

erwies sich das Wetter am polna'heren Standort von VIKING 2 (das Gerät arbeitete
bis April 1980) als viel wechselhafter und dynamischer als in der ChryseEbene bei VIKING 1 - mit Reif und Bodenfrost, Wetterfronten und Zyklonen.
Stürme tragen Sand und Staub hoch in die Atmosphäre und transportieren sie
über große Entfernungen,

Die Staubwolken sind gelegentlich so dicht, daß

den Kamerasonden zeltweise der Blick auf die Oberfläche verwehrt war.
In der Atmosphäre haben die VIKING-Orbiterkameras dann und wann
ausgedehnte Eiswolkenfelder entdeckt. In einem Fall dürfte die Wolkenhöhe
etwa 27 000 m betragen haben. Manchmal ließ die Struktur der Wolkenfelder
auf weiträumige Wellenbewegung in der Atmosphäre schließen„ Einige der
dünnen Eiswolken waren dennoch dicht genug, um Schatten auf dem Boden zu
werfen.

- Boden und Topographie Die rötlich gefärbte oberste Bodenschicht, die dem Mars die Bezeichnung
"Roter Planet" eintrug, hat ihrer Zusammensetzung nach große Ähnlichkeit
mit stark eisenhaltigem Ton.

Die Schwefelkonzentration ist ziemlich hoch.

An manchen Stellen, so z.B. an den Böschungen von "Kanälen" und an Seitenwänden des bis einige Tausend Meter tiefen zentralen Grabens Vallis
Marineris in Äquatornähe, waren auf Fotos bis zu acht verschiedene geologische
Schichten auszumachen.

Sie könnten in Überflutungsperioden durch dij?

- 5 -

�die Ablagerung von Schwemmgut aus höher gelegenen Gebieten, oder aber durch
Lavaströme verschiedener Eruptionsperioden entstanden sein. Immerhin fanden
sich im Tharsis-Gebirge allein drei Vulkan-Kolosse von gut 17 000 m Höhe,
dazu eine Anzahl kleinerer Vulkane.
Die "Datierung" verschiedener,das Terrain formender Perioden und der
geologischen Prozeße auf dem Mars wird Wissenschaftler des Geologischen
Bundesamtes der USA künftig besonders beschäftigen. Anzahl, Größe und Höhe
von Vulkan- und Meteoritenkratern und die Untersuchung von Abbruchstellen
und ausgewaschenen Grabensteilwänden spielen dabei eine wichtige Rolle.
Die NASA jedoch wird sich mittlerweile auf Beobachtungen am Planeten Venus
konzentrieren. Ein zweiter PIONIER-Orbiter soll durch Radarsondierung
der Oberfläche durch die dichte Wolkendecke hindurch mehr Details herausfinden, als sie mit der Vorgänger-Sonde zu erhalten waren. Das zweite
große Ziel ist der Planet Saturn, dem VOYAGER 1 nach dem Vorbeiflug am
Planeten Jupiter im vergangenen Jahr am 12. November 1980 einen Informationsbesuch abstatten wird. Die NASA erwartet etwa 6000 Färb- und SchwarzweißAufnahmen, die das Ringsystem und den Saturnmond Titan aus relativ großer
Nähe zeigen.
+ + + + +

�</text>
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und
Dokumentation

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

INHALT

DOKUMENTATION
USA entwickeln neue Flugzeug-Technologie
- Erklärungen des US-Verteidigungsministers und des Staatssekretärs
für Forschung und Entwicklung Brown: Strategische Waffen schrecken vor Atomkrieg ab
- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem Naval War College -

INFORMATION
USA bedauern Störung der Stimme Amerikas durch Moskau
- Erklärung des State Department Neues Brennstoff-Synthesewerk in Kentucky geplant
Positive Bilanz der Geschwindigkeitsbegrenzung

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

USA ENTWICKELN NEUE FLUGZEUG-TECHNOLOGIE
Erklärungen des US-Verteidigungsministers und des Staatssekretärs
für Forschung und Entwicklung -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine neue FlugzeugTechnologie entwickelt, die es erlaubt, bemannte oder unbemannte Flugzeuge
zu bauen, die von den bestehenden Luftverteidigungssystemen nicht erfaßt
werden können. Die Entwicklung dieser Technologie, die die Bezeichnung
"Stealth" (heimlich) trägt, wurde am 22. August 1980 von dem amerikanischen
Verteidigungsminister Harold Brown und dem Staatssekretär im Verteidigungsministerium für Forschung und Entwicklung, Dr. William J. Perry, auf einer
Pressekonferenz bekanntgegeben.
Brown betonte, die Bekanntgabe erfolge, weil Berichte in der Presse
über die bisher geheime Entwicklung aufgetaucht seien, und nicht wegen der
bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Es gehe hier um eine Entwicklung für
Bomber, Kampfflugzeuge und Marschflugkörper, die das militärische Kräfteverhältnis wesentlich verändere.

Die

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�Die Erklärung des amerikanischen Verteidigungsministers hat folgenden
Wortlaut:
Ich gebe heute einen wichtigen technologischen Fortschritt von großer
militärischer Bedeutung bekannt.

,

Diese sogenannte "Stealth"-Technologie erlaubt es den Vereinigten Staaten, bemannte und unbemannte Flugzeuge zu bauen, die von den bestehenden
Luftverteidigungssystemen nicht erfolgreich abgefangen werden können.

Wir

haben zu unserer Befriedigung herausgefunden, daß die Technologie funktioniert.
Dieser Erfolg wird ein hervorragendes Instrument für den Frieden sein.
Er verspricht, unseren taktischen Streitkräften und der Abschreckungsstärke
unserer strategischen Streitkräfte eine einzigartige neue Dimension hinzuzufügen.

Gleichzeitig wird er uns Fähigkeiten verleihen, die im völligen

Einklang mit unserem Streben nach verifizierbaren R'üstungskontrollabkommen,
vor allem mit den Bestimmungen von SALT II, stehen.
Wir haben die Geheimhaltung dieses Programms drei Jahre lang erfolgreich aufrechterhalten. Das war möglich aufgrund der gewissenhaften Anstrengungen der relativ wenigen Personen in der Exekutive und in der Legislative,
die über die Tätigkeit unterrichtet wurden, und der daran arbeitenden Vertragsfirmen.
In den letzten Monaten wurde jedoch der Kreis der Personen, die von dem
t

Programm wußten, ausgedehnt, zum Teil wegen des erweiterten Bereichs der Anstrengung und zum Teil wegen der Debatte im Kongreß über Vorschläge für neue
Bomber. Bedauerlicherweise hat es in den letzten Tagen einige undichte
Stellen bezüglich des Stealth-Programms in der Presse- und Fernsehberichterstattung gegeben.
Angesichts

- 2 -

�Angesichts dieser durchgesickerten Meldungen halte Ich es nicht fUr angebracht oder glaubwürdig, daß wir die Existenz dieses Programms dementieren.
Und es ist jetzt wichtig, einige der durchgesickerten Informationen zu korrigieren, die den Standpunkt der Regierung bezüglich eines neuen Bomber-Programms falsch darstellten.

Der sogenannte Stealth-Bomber spielte bei unserer

Entscheidung im Jahre 1977, den B-1-Bomber einzustellen, keine Rolle, ja, er
war noch nicht einmal im Entwurf vorhanden.
Ich freue mich, daß bisher keine der höchst sensitiven und wichtigen
geheimen Informationen über die Charakteristika dieses Programms enthüllt
worden sind.

Ein wichtiges Ziel der heutigen Bekanntgabe besteht darin, die

Art von Informationen klarzustellen, die wir mit der höchsten Geheimhaltungsstufe mit allen Mitteln zu schützen beabsichtigen.

Dr. Perry, mein Staats-

sekretär für Forschung und Entwicklung, einer der Hauptarchitekten dieses
Programms, wird diesen Punkt näher erläutern.
Kurz gesagt, wir haben eine neue Technologie von außerordentlicher militärischer Bedeutung entwickelt.

Wir wenden diese Technologie mit Nachdruck

an, um eine Reihe von Militärflugzeugen zu entwickeln, und diese Programme
sind sehr vielversprechend.

i.

Wir können auf diesen jüngsten Erfolg der amerikanischen Technologie
sehr stolz sein. Er kann eine wichtige Rolle spielen in der Stärkung unserer
strategischen und taktischen Streitkräfte, ohne in irgendeiner Weise irgend eine unserer Rüstungskontroll initiativen zu gefährden. Und er kann zur
Aufrechterhaltung des Friedens beitragen, indem er einen neuen und bedeutsamen Ausgleich zu dem Versuch der Sowjetunion darstellt, mit dem zahlenmäßigen
Gewicht eine militärische Überlegenheit zu gewinnen.
Ich möchte jetzt Bill Perry bitten, Ihnen zusätzliche Einzelheiten über
unser Stealth-Programm mitzuteilen.
Die Erklärung von Dr. Perry hat folgenden Wortlaut:

- 3 -

Der

�Der Zweite Weltkrieg hat gezeigt, welche entscheidende Rolle die Luftmacht bei militärischen Operationen spielen kann.

Er zeigte auch das Poten-

tial des Radar als Hauptmittel der Ortung von Flugzeugen und der Feuerleitung
gegen sie.

Im Endeffekt lag jedoch der Vorteil deutlich beim Flugzeug.

Nach

dem Zweiten Weltkrieg wurden Verteidigungsraketen - sowohl landgestützte als

,

auch luftgestützt - entwickelt und mit Radar-Feuerleitsystemen "verheiratet".
Dies erhöhte die Wirksamkeit der Luftverteidigungssysteme wesentlich, und
das Verhältnis verschob sich zu Ungunsten des Flugzeuges.

In den letzten

Jahrzehnten haben wir an Techniken gearbeitet, um solche Luftverteidigungssysteme zu überwinden.

Derzeit machen unsere Militärflugzeuge reichlich Ge-

brauch von elektronischen Gegenmaßnahmen (Störung) und fliegen tief, um sich
im "Radarschatten" (im Konturenflug) zu bewegen, was beides die Wirksamkeit
von Luftverteidigungsradar herabsetzt.

Durch diese Mittel haben wir die Wirk-

samkeit unserer Militärflugzeuge gegen Radar-geleitete Verteidigungsraketen
aufrechterhalten.
Die Sowjets legen jedoch weiterhin sehr großen Nachdruck auf die Entwicklung und Dislozierung von Luftverteidigungsraketen - in dem Versuch, den
Vorteil auszugleichen, den wir in der Luftmacht haben. Sie haben Tausende
von Boden-Luft-Raketensysteme gebaut, sie wenden Hochleistungsradar mit Monopuls-Zielverfolgungsverfahren an, die sehr schwer zu stören sind, und in den
letzten Jahren haben sie Luft-Luft-Raketen entwickelt, die von "Abwärtssicht"("look down")-Radar geleitet werden, die in der Lage sind, Flugzeuge zu orten,
die im Konturenflug (im "Radarschatten") fliegen.
Wegen dieser Entwicklungen und wegen der Bedeutung, die wir der Aufrechterhai tung unserer Luftüberlegenheit beimessen, haben wir seit Jahren an der
Entwicklung der sogenannten "Durchdringungs"-Technologie gearbeitet: der
Technologie, die die Wirksamkeit von Radar und anderen in Luftverteidigungssystemen benutzten Sensoren herabsetzt. Besonderer Nachdruck wurde auf die
Entwicklung jener Technologie gelegt, die ein Flugzeug für Radar "unsichtbar"
macht (wobei "unsichtbar" natürlich nur in übertragenem Sinne gemeint ist).
Anfang der sechziger Jahre wandten wir eine besondere Version dieser Tech-

._ 4 _

^

�Technologie für einige unserer Aufklärungsflugzeuge an. Mitte der siebziger
Jahre wandten wir sie bei den damals entwickelten Marschflugkörpern (Tomahawk
und ALCM) an.

Im Sommer 1977 wurde klar, daß diese Technologie in ihrer

Wirksamkeit wesentlich ausgedehnt werden und auf einen weiten Bereich von
Vehikeln, einschließlich bemannte Flugzeuge, Anwendung finden konnte.

Wir

kamen zu dem Schluß, daß es möglich wäre, Flugzeuge zu bauen, die so schwer
zu orten sind, daß sie von keinem der existierenden Luftverteidigungssysteme
erfolgreich erfaßt werden könnten.
In Erkenntnis der großen Bedeutung einer solchen Entwicklung unternahmen
wir drei miteinander zusammenhängende Maßnahmen: Erstens, wir nahmen eine
rund zehnfache Erhöhung unserer Investitionen zur Förderung dieser Technologie
vor; zweitens, wir leiteten eine Reihe ganz vordringlicher Programme für die
Anwendung dieser Technologie ein; drittens, wir gaben dem gesamten Programm
einen außerordentlichen Geheimhaltungsschutz - bis zu dem Punkt, daß sogar
die Existenz eines solchen Programmes geheimgehalten wurde.
&gt;

Zunächst waren wir,in der Lage, die Kenntnis von dem Programm auf ganz
wenige Regierungsvertreter in der Exekutive und Legislative zu begrenzen,
und es gelang uns,,die Existenz des Programms völlig geheimzuhalten.

Als

das Programm jedoch in seinem Umfang zunahm - derzeit wird jährlich hundertmal mehr Geld für das Programm ausgegeben als zu dem Zeitpunkt 1977, als wir
beschlossen, das Programm zu beschleunigen -, war es notwendig, mehr Personen
zu unterrichten.
kannt geworden.

Die Existenz des Stealth-Programms ist jetzt öffentlich beAber selbst wenn wir jetzt die Existenz eines Stealth-Pro-

gramms bestätigen, so werden wir eine neue Geheimhaltungslinie ziehen, um
jene Information über das Programm zu schützen, die ein sowjetisches Gegenprogramm erleichtern könnte.

Wir werden weiterhin mit der höchsten Geheim-

haltungsstufe Informationen schützen über:
a) die spezifischen Techniken, die wir zur Herabsetzung der Ortungsfähigkeit verwenden;
b) das

�b) das Ausmaß des Erfolgs jeder dieser Techniken;
c) die Charakteristika der spezifischen Vehikel, die entwickelt werden;
d) die Mittel, die für spezifische Programme eingesetzt werden; und
e) die Zeitpläne spezifischer Programme.

*

Aus diesen Grundregeln werden Sie, wie ich meine, erkennen, daß mir in
dem, was ich Ihnen über das Programm sagen kann, außerordentlich enge Grenzen
gesetzt sind.

Ich möchte so sagen:

Erstens, bei der Stealth-Technologie

handelt es sich nicht um einen einzigen technischen Weg, sondern um eine komplexe
Synthese vieler Wege.

Selbst wenn ich es Ihnen beschreiben dürfte, könnte ich

das nicht in einem Satz oder in einem Absatz.

Zweitens, wir haben zwar in den

letzten drei Jahren bemerkenswerte Fortschritte in dieser Technologie erzielt,
aber wir konnten auf der ausgezeichneten Arbeit in unserem Verteidigungstechnologie-Programm der letzten zwei Jahrzehnte aufbauen.

Drittens, diese Tech-

nologie könnte - zumindest theoretisch - auf jedes militärische Vehikel angewandt werden, das mit Radar-geleitetem Feuer angegriffen werden kann.

Wir

erwägen,alle solche Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln, die am praktikabelsten sind und die die größte militärische Bedeutung haben.

Viertens, wir

haben in dem Programm außerordentliche Erfolge erzielt, einschließlich der
Flugerprobung einer Reihe verschiedener Vehikel.

i

+ + + + +

- 6 -

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ilWill Hfl

3PS

Dokumentation
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27. August 1980

38

BROWN: STRATEGISCHE WAFFEN SCHRECKEN VOR ATOMKRIEG AB
Rede des US-Verteidigungsministers vor dem Naval War College

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat sich am 20. August 1980 in einer Rede vor dem Naval War College (Kriegsschule der US-Marine) ausführlich mit der Entwicklung der strategischen Politik der Vereinigten Staaten befaßt.

Er nannte sie "ein ausgewogenes Ganzes

aus Streitkräftemodernisierung, ausgehandelter Begrenzung sowie überzeugender
und wirkungsvoller Abschreckungsdoktrin."

Es sei das einzige Ziel der ameri-

kanischen strategischen Streitkräfte, den Frieden zu bewahren und die Gefahren
eines Atomkrieges zu vermindern.
Die Rede des Verteidigungsministers hat folgenden Wortlaut:
Es ist für mich eine echte Freude, hier im Naval War College zu sein.
Ihr Dienst hier ist eine vorzügliche Gelegenheit, etwas Distanz zu den Verantwortlichkeiten des Alltags zu gewinnen und sich über eine Reihe von wichtigen nationalen Sicherheitsfragen einige intensive und ernsthafte Gedanken
zu machen.
Eine

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�Eine der kritischsten dieser Fragen und zugleich eine, der derzeit viel
öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist die strategische Nuklearpolitik.

Sie ist auch das Thema meiner heutigen Anmerkungen.
Die Ausarbeitung einer strategischen Nuklearpolitik, die uns von einem

Atomkrieg weg und nicht auf einen hin führt, erfordert leidenschaftslose
Analyse, ausgewogenes Urteil und ein klares Verständnis der komplexen Vielgestaltigkeit des Atomzeitalters.
Die überragende Zielsetzung unserer strategischen Streitkräfte ist die
Abschreckung vor einem Atomkrieg. Abschreckung erfordert Stabilität. Um
strategische Nuklearstabilität zu erzielen, müssen drei Voraussetzungen erfüllt werden:
Erstens: wir müssen über strategische Kernwaffen verfügen, die einen
sowjetischen Erstschlag absorbieren und auch dann noch mit verheerender Wirkung zurückschlagen können.
Zweitens: wir müssen den Anforderungen im Sicherheitsbereich gerecht
werden und insgesamt ein strategisches Gleichgewicht auf dem niedrigsten
und stabilsten Niveau aufrechterhalten, das durch unsere eigene Streitkräfteplanung und durch unsere Rüstungskontrollabkommen möglich gemacht wird.
Drittens: wir brauchen eine Doktrin und Pläne für den Einsatz unserer
Streitkräfte - im Bedarfsfall -, die den Sowjets die harte Realität klarmachen,
daß sie - welchen Kurs in Richtung auf einen Atomkrieg sie auch immer einschlagen mögen - niemals einen Vorteil erzielen könnten, der den unannehmbaren Preis aufwiegen würde, den sie dafür zu zahlen hätten.
Die Fähigkeit unserer Streitkräfte zum überstehen eines Überraschungsangriffs ist das Wesen der Abschreckung. Derzeit garantiert unsere Triade
der strategischen Kernwaffen, daß unsere Abschreckung überlebensfähig ist.
Aber

�Aber in Zukunft könnten die sowjetischen Militärprogramme zumindest
potentiell die Überlebensfähigkeit jeder Komponente unserer strategischen
Streitkräfte bedrohen.

Was unsere Interkontinentalraketer, (ICßMs) anbelangt,

so ist die Möglichkeit mehr oder minder erkannt worden.

Die Sowjets sind

derzeit dabei, Tausende von ICBM-Gefechtsköpfe zu dislozieren, die treffsicher genug sind, um unsere festen MINUTEMAN-Silos zu bedrohen.

Was unsere

Bomber anbelangt, so sind die Bedrohungen weniger konkret, hinsichtlich unserer U-Boot-gestützten Raketen (SLBMs) mehr hypothetisch.

Jedoch entwickeln

die Sowjets derzeit fliegende Radarstationen und Antiflugzeugraketen, um unsere durchdringenden B-52 Bomber abzuschießen.

Und sie suchen intensiv nach

Systemen, um unsere U-Boote zu entdecken und zu zerstören, die mit ballistischen Raketen bestückt sind.

Diese sowjetischen Anstrengungen dürfen wir

nicht ignorieren.
Als Reaktion auf diese derzeitigen und zukünftigen Bedrohungen verstärken wir unsere strategischen Nuklearkapazitäten in angemessenem Umfang und
in allen Bereichen.

Dies ist notwendig, weil - bei derzeitig im wesentlichen

ausgewogener Stärke - der Umfang und die Schwungkraft der sowjetischen Programme im Lauf der siebziger Jahre, die sich unvermeidlicherweise auf ihre
Dislozierung im Lauf der achtziger Jahre auswirken werden, ausgleichende
Schritte der Vereinigten Staaten erfordern.

Obwohl wir einige bedeutsame Fortschritte erzielt haben, vor allem bei
den Mehrfachgefechtsköpfen, betrugen unsere Investitionen in strategische
Programme weniger als ein Drittel dessen, was die Sowjets für ihre strategischen Programme ausgaben.
*•

Wenn wir eine Fortsetzung dieses Trends zuge-

lassen hätten, dann hätten wir Mitte der achtziger Jahre vor einer Situation
gestanden, die man bestenfalls als eine Vorstellung von Unterlegenheit,
schlimmstenfalls als eine echte Möglichkeit der nuklearen Erpressung bezeichnen müßte.

Daher verstärken wir alle drei Elemente unserer strategischen Streitkräfte:

In
- 3 -

�In dreieinhalb Jahren haben wir das Programm der TRIDENT-Rakete und
das Unterseeboot-Programm wieder ins Gleis gebracht.

Wir haben damit be-

gonnen, unsere Poseidon-Unterseeboote mit der neuen TRIDENT I-Rakete auszurüsten, die die Meeresgebiete, in denen die Unterseeboote patroullieren
können und noch in Reichweite ihrer Ziele sind, um ein Zehnfaches vergrößert.
Das erste TRIDENT-Unterseeboot, die USS Ohio, wird noch in diesem Jahr in
die Seeerprobung und im kommenden Jahr in den aktiven Flottendienst gehen.
Ihr Schwesterschiff, die USS Michigan, wird bald vom Stapel laufen.
Wir unternehmen wichtige Schritte, um eine lebensfähige und wirksame
Bomberflotte aufrechtzuerhalten.

Bereits zu Beginn seiner Amtsperiode kam

Präsident Carter zu dem Schluß, daß Luft-Boden-Marschflugkörper eine wirksamere und leistungsfähigere strategische Waffe wären als der Bomber vom
Typ B-l. Seither haben technische Entwicklungen in den USA und Erkenntnisse der Aufklärung über Fortschritte in der sowjetischen Luftverteidigung
dieses Urteil nachdrücklich bestätigt.
In der Zwischenzeit setzen wir die Entwicklung der Technologie und
die Entwürfe für ein neues Trägerflugzeug für Marschflugkörper und einen
neuen Bomber fort, sollten sie notwendig werden, um mit der Bedrohung in
den neunziger Jahren und darüber hinaus fertig zu werden.
Die Verwundbarkeit unserer festverbunkerten Interkontinentalraketen
wird für die nächsten paar Jahre der am meisten Sorge bereitende Mangel unserer Streitkräfte sein. Beobachter haben diese Entwicklung seit vielen
Jahren kommen sehen, aber eine brauchbare technische Lösung war nicht zu
finden, bis das Programm der multiplen Schutzbunker für die MX entwickelt
und im Jahre 1979 angenommen wurde. Dieses Programm - das, wie wir glauben,
der Kongreß und die öffentliche Meinung auch weiterhin unterstützen werden ist äußerst wichtig für die Erhaltung des strategischen Gleichgewichts auf
lange Sicht. Die anderen Elemente unserer strategischen Streitmacht - von
denen jedes Anfang der achtziger Jahre rasch weiterentwickelt werden wird ermöglichen es uns, das Gleichgewicht und eine überlebensfähige Abschrekkung während der Zeitspanne aufrechtzuerhalten, in der unsere Interkonti-

�Interkontinentalraketen noch verwundbar bleiben.

Dies ist natürlich eine Si-

tuation, in der wir nicht für immer leben wollen.

Wir müssen uns gegen die

möglichen Verwundbarkeiten der anderen Pfeiler der Triade sichern und beispielsweise nicht zulassen, daß sich die Sowjets völlig auf ihre Kapazitäten
zur U-Bootbekämpfung konzentrieren.

Daher die Notwendigkeit der MX.

Die

große Anstrengung - und die erheblichen Kosten -, die wir aufzubringen gewillt sind, um die Überlebensfähigkeit der MX sicherzustellen, sind der Beweis dafür, daß wir in der Planung unseren strategischen Streitkräften eine
Vergeltungsrolle zuweisen.

Ein überlebensfähiges System bedeutet weniger

Gefahr als das verwundbare, das es ersetzt.
Nicht im eigentlichen Sinne ein Teil unserer strategischen Streitkräfte,
aber doch entscheidend wichtig für das nukleare Gesamtgleichgewicht, sind
die nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF).

Im vergangenen Jahr ist das NATO-

Bündnis zu einer gemeinsamen Entscheidung gelangt - zu einer für einige Verbündete sehr schwierigen Entscheidung - auf den im großen Rahmen durchgeführten
Aufbau der sowjetischen TNF zu reagieren.

Diese Entscheidung umfaßt ein kom-

biniertes Programm verbesserter amerikanischer TNF - landgestützter Marschflugkörper (cruise missiles) und PERSHING II-Raketen - und die Weiterverfolgung der Bemühungen, mit den Sowjets eine faire und verifizierbare Begrenzung der TNF auf beiden Seiten auszuhandeln.

Wir haben ferner unser Eintre-

ten für eine starke alliierte Nuklearkapazität durch das jüngste Abkommen
unter Beweis gestellt, durch das TRIDENT-Raketen einer modernisierten britischen
Nuklearstreitmacht verfügbar gemacht werden sollen.
Diese Programme ziehen Nutzen aus der technologischen Stärke der Vereinigten Staaten - bei der Gestaltung und der Qualität der U-Boote, bei der
Treffsicherheit und minimalen Größe der Marschflugkörper und bei einem wirksamen Programm für die Mobilität landgestützter Raketen.

Sie bieten lang-

fristige Lösungen und sind nicht Maßnahmen zur bloßen überbrückung von Lücken.
Vor allem bei den strategischen Streitkräften müssen wir unsere Ressourcen
für solche Waffensysteme aufwenden, die unseren Bedürfnissen auf lange Sicht
hin dienen werden, nicht aber unsere Kräfte vergeuden, um rasche aber nur unvollständige und kurzlebige Lösungen zu finden.
Zusammengenommen
- 5 -

�Zusammengenommen stärken diese Programme die Abschreckung.

Sie sorgen

für eine vermehrte überlebensfSh1gkelt unserer strategischen Streitkräfte,
Indem sie unsere Verwundbarkelt gegenüber sowjetischen Drohungen vermindern.
Sie halten die strategische Stabilität aufrecht, indem sie unsere Kapazität
zur Abschreckung vor einem Atomkrieg vermehren.
Ein zweiter Teil unseres Programms zur Erzielung einer strategischen
Stabilität besteht 1n dem Bemlihen um das Zustandekommen gerechter und verlflzlerbarer Abkommen zur Kontrolle der strategischen Rüstungen, wie der SALT IIVertrag.

Rüstungskontrolle Ist nicht ein Ersatz fUr eine energisch durchge-

führte Modernisierung der Streitkräfte, sondern eher eine Ergänzung, indem sie
wirksame Kontrollen in bezug auf Größe und Kapazität der sowjetischen strategischen Streitkräfte an die Hand gibt.

Gleichzeitig erlaubt sie uns die Durch-

führung derjenigen Programme, die wir brauchen, um das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Diese Administration hat sich wie alle anderen Administrationen in
Washington seit Beginn des Nuklearzeitalters um die Kontrolle der nuklearen
Rüstung bemüht - nicht unseren Gegnern zuliebe oder aus irgendeiner Illusion
über ihren wahren Charakter, sondern als Mittel zur Stärkung unserer eigenen
Sicherheit und des Friedens in der Welt.

Wir wollen Rüstungskontrollabkommen

mit den Sowjets, und sie wollen sie mit uns, gerade weil wir Gegner sind - zwischen Freunden sind solche Abkommen nicht nötig.

Beiderseitiges Interesse

ist hier die treibende Kraft und beiderseitiger Nutzen das notwendige Kriterium für ein jedes Rüstungskontroi labkommen zwischen den Supermächten.
Der SALT II-Vertrag wird den Ausbau der strategischen Waffen der Sowjet- i
union erheblich einschränken, weit unterhalb des Niveaus, das wahrscheinlich
ohne die Begrenzungen durch diesen Vertrag erreicht worden wäre; die Sowjets
werden ihre derzeitigen strategischen Kernwaffen um etwa zehn Prozent reduzieren
müssen und werden bei der Zahl von Gefechtsköpfen begrenzt sein, die sie dislozieren können.
SALT II

�SALT II wird bei den zukünftigen strategischen Waffen der Sowjetunion
sowohl hinsichtlich ihrer Anzahl als auch ihrer Eigenschaften genauere Aussagen zulassen - und dadurch unsere eigene Verteidigungsplanung erleichtern.
SALT II wird ein unnötiges, ungehindertes und Liberaus kostspieliges Wettrüsten im Bereich der strategischen Waffen mit der Sowjetunion verhindern.
Dies ist umso wichtiger, als wir vor der dringenden Notwendigkeit stehen, mehr
Mittel für die konventionellen Streitkräfte bereitzustellen - ein Erfordernis,
das nunmehr als Ergebnis der sowjetischen Invasion Afghanistans nur noch umso
dringlicher geworden ist.
Die Chefs des Gemeinsamen Stabes betrachten auch weiterhin die von dem
Vertrag auferlegten Begrenzungen als in unserem nationalen Sicherheitsinteresse liegend.
Die sowjetische Invasion Afghanistans machte es in der praktischen Politik notwendig, die Ratifizierung von SALT II zu verschieben, während wir
die sowjetischen Maßnahmen einer Beurteilung unterzogen und die notwendigen
Antworten gaben. Aber die Ratifizierung des Vertrags zum frühestmöglichen
Zeitpunkt ist auch weiterhin für unser nationales Sicherheitsinteresse von Bedeutung.
Zusätzlich zu den strategischen Waffen, die technisch angemessen sind,
benötigen wir einen politischen Rahmen:
Wir müssen das Notwendige anordnen, damit die Abschreckung auch weiterhin
funktioniert;
wir müssen unsere Beschaffungsstrategie für den Erwerb strategischer Kernwaffen sowie für die entsprechenden Befehls-, Kontroll- und Kommunikationssysteme lenken; und
wir
- 7 -

�wir müssen unsere operative Planung für den Einsatz unserer Streitkräfte
- sollte dies notwendig sein - ausgestalten.
Als Ergänzung zu unseren Anstrengungen bei der Waffenmodernisierung und
bei den RüstungskontrollVerhandlungen haben wir in den vergangenen drei Jahren
intensiv daran gearbeitet, die Abschreckung sicherer und wirkungsvoller zu
machen - durch bessere Planung und durch eine überzeugendere Darlegung unserer
strategischen Doktrin.

Im Verlauf dieses Prozesses haben wir eine Reihe wich-

tiger analytischer und operativer Schritte unternommen.
;

' .

'"

Im Sommer 1977 ordnete Präsident Carter eine grundlegende Überprüfung
unserer Zielpolitik an.

Im Verlauf der folgenden 18 Monate wurde diese Studie

von militärischen und zivilen Experten durchgeführt, wobei unsere Streitkräfte,
Pläne, Probleme und Kapazitäten sowie die Perspektiven, die Stärke und die Verwundbarkeit der Sowjetunion in Rechnung gestellt wurden.
Seit ich dem Präsidenten meinen Bericht zu dieser Analyse vorgelegt habe,
sind wir mit Bedacht daran gegangen, seine Grundprinzipien durchzuführen.
Ich habe die wesentlichen Regeln dieser Strategie des Gegenzuges Anfang 1979
in meinem Verteidigungsbericht ausgeführt, mehr in die Einzelheiten gehend im
Januar dieses Jahres.
Auf einem Treffen der Nuklearen Planungsgruppe der NATO im Juni dieses
Jahres informierte ich unsere Verbündeten über die Schlußfolgerungen, zu denen
wir gelangt sind, und die Maßnahmen, die wir nunmehr ergreifen. Sie unterstützen voll und ganz die Notwendigkeit für die Vereinigten Staaten, über eine
große Bandbreite von nuklearstrategischen Optionen zu verfügen. Unsere Strategie des Gegenzuges steht in völligem Einklang mit der flexiblen Antwort
der NATO und zeigt in der Tat unsere Entschlossenheit an, diese Strategie
des Bündnisses in die Tat umzusetzen.
Präsident Carter hat vor kurzem eine Durchführungsdirektive erlassen
- die Präsidialdirektive No. 59 -, in der unsere neuformulierte Doktrin kodifiziert wird und durch die eine Orientierung bei der weiteren Entwicklung
- 8 -

�Entwicklung unserer Planung und unserer Zielerfassung geschaffen wird.

Es ist offensichtlich, daß die Einzelheiten unserer Planung Pin streng
behütetes Geheimnis bleiben müssen.
unserer Politik öffentlich
zu gefährden.

Dennoch kann die grundlegende Prämisse

mitgeteilt werden, ohne unsere eigene Sicherheit

In der Tat liegt es gerade in unserem nationalen Interesse,

daß unsere Abschreckungspolitik - und die Folgen einer Aggression - sowohl
von Freund als auch von Feind verstanden werden.

Lassen Sie mich zunächst betonen, daß die Präsidialdirektive 59 (P.D.59)
keine neue strategische Doktrin ist; sie ist keine grundlegende Abkehr von
der amerikanischen Strategiepolitik während etwa des vergangenen Jahrzehnts.
Sie ist vielmehr eine Verfeinerung, eine Kodifizierung vorhergehender Erklärungen zu unserer Strategiepolitik.

Die P.D.59 übernimmt die gleiche wesent-

liche strategische Doktrin und formuliert sie klarer, überzeugender angesichts
der gegenwärtigen Bedingungen und der gegenwärtigen Möglichkeiten.

überdies ist es eine Absicht meiner heutigen Darlegung des Problems - sowie meiner früheren Erklärungen zu diesem Thema -, den Sowjets die Natur
unserer Strategie des Gegenzuges klarzumachen.

Dies geschieht, um sicherzu-

stellen, daß kein potentieller Gegner der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten jemals zu der Schlußfolgerung gelangen könnte, eine Aggression könne
die Kosten wert sein, die in ihrem Verlauf entstehen.

Dies gilt für jedwedes

Konfliktniveau, das ins Auge gefaßt werden könnte.

Die Abschreckung bleibt unser grundlegendes strategisches Ziel, so, wie
es dies bisher in der Geschichte der Fall gewesen ist. Aber Abschreckung muß
eine weit größere Bandbreite von Bedrohungen im Zaum halten als nur einen massiven Angriff auf amerikanische Städte.

Wir wollen jeden Gegner von jeder Art

Kurs abschrecken, der zu einem allgemeinen Atomkrieg führen könnte.

Unsere

strategischen Streitkräfte müssen auch von Nuklearangriffen auf kleinere Ziele
in den Vereinigten Staaten oder auf amerikanische Streitkräfte abschrecken sowie ein Schutzwall gegen nuklearen Zwang oder nuklearen Angriff auf unsere

�unsere Freunde und Verbündeten

sein.

Und die strategischen Waffen müssen in

Verbindung mit den nuklearen Mittel Streckensystemen (TNF) zur Abschreckung
auch von konventioneller Aggression beitragen.

(Ich sage "beitragen", denn

wir erkennen, daß weder die Kernwaffen noch die klügste Theorie ihres Einsatzes für uns - und unsere Verbündeten - die Notwendigkeit beseitigen können,
eine wirkungsvolle konventionelle Abschreckung zu unterhalten.)
In unserer Analyse und in unseren Planungen verwenden wir notwendigerweise größere Aufmerksamkeit darauf, wie ein Atomkrieg wirklich auf beiden
Seiten ausgetragen werden würde, wenn die Abschreckung versagen sollte.

Es

gibt dabei keinen Widerspruch zwischen der Überlegung, wie ein Krieg ausgetragen werden würde und welche seine Ergebnisse sein würden einerseits sowie unserer Absicht andererseits, durch gegenseitige Abschreckung auch weiterhin den
Frieden zu sichern.

Ja, diese Betrachtungsweise hilft uns sogar dabei, Ab-

schreckung und Frieden zu erzielen, indem sie nämlich sicherstellt, daß unsere
Fähigkeit zur Vergeltung in vollem Umfang glaubwürdig ist.
Per Definition bedeutet erfolgreiche Abschreckung unter anderem, den
Blick der Sowjets dafür zu schärfen, was ein Krieg bedeuten und welche Risiken
und Verluste eine Aggression beinhalten würde. Wir brauchen Streitkräfte,
Pläne für den Eventualfall, sowie Befehls- und Kontrollkapazitäten, die die
sowjetische Führung davon überzeugen, daß kein Krieg und kein Aggressionskurs
ihrerseits, der zum Einsatz von Kernwaffen führen würde, auf welcher Angriffsskala und in welchem Stadium des Konflikts auch immer, zum Sieg führen könnte wie immer sie auch den Sieg definiert. Sie von dieser grundlegenden Wahrheit
zu überzeugen, ist die sicherste Gewähr dafür, daß sie nicht in die Versuchung
einer Aggression gerät.
Operativ erfordert unsere Strategie des Gegenzuges, daß unsere Pläne und
Kapazitäten so strukturiert werden, daß sie mehr Gewicht auf die Fähigkeit legen, strategische Kernwaffen selektiv genauso wie bei einer umfassenden Vergeltung als Antwort auf massive Angriffe auf die Vereinigten Staaten einzusetzen.
Es ist unsere Politik - und wir haben in zunehmendem Maß die Mittel und die de- 10 -

�detaillierten Pläne, um diese Politik durchzuführen -, sicherzustellen, daß
die sowjetische Führung weiß, daß wir - sollte sie irgendein mittleres
Aggressionsniveau wählen - durch selektive, umfangreiche (aber noch immer
nicht maximale) Angriffe einen unannehmbar hohen Preis in Gestalt von Dingen
erzwingen können, die die sowjetischen Führer am höchsten einzuschätzen
scheinen, nämlich die politische und militärische Kontrolle, die militärische
Macht sowohl nuklearer als auch konventioneller Art, sowie die industrielle
Kapazität, einen Krieg durchzustehen.

Bei unseren Planungen haben wir nicht

das Problem der Beendigung eines Krieges ignoriert; wir würden dies auch nicht
im Fall eines Krieges tun.

Und natürlich haben wir eine überlebensfähige und

dauerhafte Kapazität - und werden sie aufrechterhalten -, um die ganze Bandbreite von Zielen anzugreifen - einschließlich der sowjetischen Wirtschaftsbasen -, sollte dies die angemessene Antwort auf einen sowjetischen Schlag
sein.
Auf Anweisung des Präsidenten hat das Verteidigungsministerium seit 1977
an der Erhöhung der Flexibilität unserer Pläne gearbeitet, um uns der innewohnenden Kapazitäten unserer Streitkräfte zu bedienen. Wir unternehmen außerdem Schritte zur Verbesserung unserer Fähigkeit zum Unterhalt wirkungsvoller
Kommunikation sowie des Kommandos und der Kontrolle unserer Streitkräfte sogar
unter den höchst ungewissen und chaotischen Bedingungen, die bei einem Atomkrieg herrschen würden. Diese Maßnahmen sind eine große Verstärkung unserer
Abschreckung.
Diese Doktrin - ich habe es schon vorher betont - ist kein Neuanfang.
Die Vereinigten Staaten haben zu keiner Zeit eine Doktrin gehabt, die sich einfach und einzig auf reflexhafte, massive Angriffe sowjetischer Städte gründete.
Stattdessen waren unsere Pläne schon immer selektiver (Optionen, die den urban-industriellen Schaden begrenzten) und umfassender (eine ganze Bandbreite
militärischer Ziele).

Auch frühere Regierungen bis weit in die sechziger

Jahre hinein erkannten die Unangemessenheit einer strategischen Doktrin, die
uns einen zu engen Optionsspielraum gab.

Die grundlegende Prämisse der Stra-

tegie des Gegenzuges ist eine natürliche Entwicklung aus den theoretischen
Grundlagen, die sich im Verlauf einer Generation herausgebildet haben - etwa

�etwa unter den Verteidigungsministern McNamara und Schlesinger, um nur zwei
meiner Vorgänger zu nennen, die am engsten mit der Entwicklung unserer Nukleardoktrin identifiziert worden sind.
Diese Regierung erhebt nicht den Anspruch, die Notwendigkeit für eine
breite Skala der Abschreckung, für verbesserte Flexibilität, für sicheres
und verläßliches Kommando und Kontrolle unserer eigenen Streitkräfte im Fall
des Versagens der Abschreckung oder für wirkungsvollen Zieleinsatz der Streitkräfte sowie ihrer politischen Führung und militärischen Kontrolle erfunden
zu haben.
Diese Entwicklung unserer Doktrin erhöht die Abschreckung und vermindert
die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs.

Dies tut sie, weil sie - wie unsere

nuklearen Modernisierungsprogramme - die Überlebensfähigkeit unserer Streitkräfte betont und den Sowjets die Botschaft übermittelt, daß jede oder alle
Komponenten sowjetischer Macht - und nicht nur ihr urban-industrieller Komplex - im Rahmen der Vergeltung angegriffen werden könnten.
Was wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren getan haben,war, einen genaueren Blick auf unsere Kapazitäten, unsere Doktrin und unsere Pläne zu werfen angesichts dessen, was wir über die sowjetischen Streitkräfte, ihre Doktrin
und ihre Pläne wissen. Es scheint, daß die sowjetische Führung zumindest mit
der Möglichkeit eines verhältnismäßig langen Schlagabtausches rechnet, falls
es zu einem Krieg kommen sollte; und zumindest in einigen Kreisen scheint die
theoretische Möglichkeit eines Sieges in einem solchen Krieg ernstgenommen zu
werden. Wir können es uns nicht leisten, diese Ansichten zu ignorieren, sogar
dann nicht, wenn wir anders denken - wie ich etwa. Wir brauchen - und wir
haben - eine Position sowohl hinsichtlich der Streitkräfte als auch der Doktrin,
die den Sowjets und der Welt klarmacht, daß jeder Gedanke an Sieg in einem
Atomkrieg unrealistisch ist.
.

Die Einführung unserer Strategie erfordert von uns, bei unserer operativen Planung einige Änderungen vorzunehmen - wie etwa einen graduellen Anstieg
- 12 -

�Anstieg bei Umfang, Vielfalt und Flexibilität der uns für den Fall einer
sowjetischen Aggression zur Verfügung stehenden Optionen.
ist seit 1977 bereits getan worden.

Einiges davon

Aber es muß noch mehr getan werden.

Wir müssen auch die Überlebensfähigkeit und Ausdauer unseres Befehls- und
Kontroll Systems verbessern.

Es handelt sich nicht um eine Strategie des Erstschlags.

Wir sprechen

darüber, was wir tun könnten und entsprechend der Natur eines sowjetischen
Angriffs tun würden in Beantwortung eines sowjetischen Angriffs.

Nichts

an dieser Politik faßt ins Auge, daß ein Atomkrieg ein absichtliches Instrument zur Erreichung unserer nationalen Sicherheitsziele sein könnte - denn
dies kann es nicht sein.

Aber wir können es nicht riskieren, daß die sowje-

tische Führung sich der Illusion hingibt, ein Atomkrieg könne eine Option
darstellen - oder die Drohung damit ein Mittel für sie, um Druck auszuüben.

Während wir unsere Fähigkeit und unsere Absicht erklären, einen sowjetischen Sieg - sogar unter den gefährlichsten Umständen - zu verhindern,
machen wir uns keine Illusionen darüber, was ein Atomkrieg für die Menschheit bedeuten würde.

Er würde eine unvorstellbare Katastrophe sein.

Wir sind uns auch der gewaltigen Ungewißheiten bewußt, die mit jeder
Art Einsatz von Kernwaffen verbunden sind.

Wir wissen, daß das, was als ein

angeblich kontrollierter, begrenzter Schlag anfangen würde, leicht - und
meiner Ansicht nach sogar sehr leicht - zu einem totalen Atomkrieg eskalieren
könnte.

Wir wissen außerdem, daß sogar ein begrenzter nuklearer Schlagab-

tausch gewaltige Verluste und Zerstörung mit sich bringen würde.

Aber neben

der massiven Vergeltung haben wir schon immer als Antwort auf schwerwiegende,
aber immer noch begrenzte Provokation auch andere Optionen benötigt.

Die

Ausweitung der sowjetischen strategischen Kapazität im Verlauf der letzten
zehn Jahre sowie unsere Bedenken darüber, daß die Sowjets womöglich nicht
daran glauben, daß ein Atomkrieg nicht zu gewinnen ist, stellen die Vereinigten Staaten vor die Notwendigkeit weiterer und selektiverer Vergeltungsoptionen.
Die
- 13 -

�Die Maßnahmen bei Doktrin und Planung, die wir ergreifen, verbessern
in Verbindung mit unseren Waffenmodernisierungsprogrammen die Wirksamkeit
unserer strategischen Kernwaffen angesichts der gesamten Bandbreite von Bedrohungen.

Sie verdeutlichen unsere Einstellung, wonach der beste Weg zur

Vermeidung eines Krieges ist, sicherzustellen, daß die sowjetische Führung
sich keinerlei Illusionen darüber hingibt, was ein solcher Krieg für die
sowjetische Staatsmacht und für die sowjetische Gesellschaft bedeutet.
Zusammengenommen ist unsere Strategiepolitik ein ausgewogenes Ganzes
aus Streitkrä'ftemodernisierung, ausgehandelter Begrenzung sowie überzeugender
und wirkungsvoller Abschreckungsdoktrin.

Wir haben ein einziges Ziel:

Frieden zu bewahren und die Gefahr eines Atomkrieges zu vermindern.

den

Dies ist

gleichzeitig ein militärisches, ein politisches und ein moralisches Ziel.
Wir werden auchi weiterhin eine integrierte Politik der Aufrechterhaltung und
Modernisierung unserer Streitkräfte zum Erhalt eines angemessenen Gleichgewichts verfolgen und versuchen, den Rüstungswettlauf zu stabilisieren sowie
unsere Doktrin und unsere Planung zu verbessern, um den Sowjets jede Hoffnung
auf einen Sieg in einem Atomkrieg zu rauben, wie immer sie auch einen Sieg
definieren und auf welche Ebene auch immer ein solcher Konflikt ausgetragen
werden sollte.
•

Es ist von entscheidender Bedeutung, daß unsere Politik der nuklearen
Abschreckung vom amerikanischen Volk, von unseren Freunden und Verbündeten
sowie auch von unseren Gegnern verstanden wird. Dies ist der Sinn und Zweck
dieser Rede. Es liegt vor allem an Experten wie Ihnen, diese verwickelten
und doch so bedeutsamen Politiken der nationalen Sicherheit zu verstehen und
zu erklären. Ja, dies ist eine der wichtigsten Funktionen derjenigen unter
uns, die im Rahmen der Formulierung oder der Durchführung unserer Politik den
nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten dienen.

+ + + + +

- 14-

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

USA BEDAUERN STÖRUNG DER STIMME AMERIKAS DURCH MOSKAU
- Erklärung des State Department -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat die Tatsache
bedauert, daß die Sowjetunion die Störungen der Sendungen der Stimme Amerikas
sowie anderer westlicher Rundfunksender wieder aufgenommen hat. In einer Erklärung vom 20. August 1980 betonte das State Department, man könne nur den
Schluß ziehen, daß die sowjetische Maßnahme - der erste derartige Schritt
seit sieben Jahren - durch den großen Unterschied zwischen sowjetischzensierten Nachrichten und dem freien Informationsfluß aus dem Westen ausgelöst worden sei.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
"Wir bedauern die Tatsache, daß die Sowjetunion die Störung von Sendungen
der Stimme Amerikas nach der Sowjetunion sowie anderer westlicher Rundfunksendungen zum ersten Mal seit 1973 wieder aufgenommen hat.

Diese Maßnahme der

Sowjetunion erfolgt unter krasser Mißachtung der Bestimmungen der Schlußakte
von Helsinki hinsichtlich der Verbreitung von Informationen.
Wir

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Wir wissen nicht, warum die Sowjetunion diesen unglücklichen Rückschritt
getan hat, und wir wissen auch nicht, ob er zeitweiliger oder langfristiger
Natur ist.

Die Rundfunkpolitik der Stimme Amerikas hat sich im Verlaufe der

letzten sieben Jahre nicht wesentlich geändert, und man kann nur annehmen,
daß die sowjetischen Stellen in der letzten Zeit besorgt geworden sind über
die große Lücke zwischen den stark zensierten Nachrichten, wie sie dem sowjetischen Volk durch die sowjetischen Nachrichtenmedien dargeboten werden,
und den Nachrichten, wie sie die Stimme Amerikas bringt."
In einer Erklärung der Stimme Amerikas wird darauf hingewiesen, daß nicht
nur die eigenen, sondern auch die Sendungen der British Broadcasting Company
(BBC) und der Deutschen Welle gestört werden.

Man habe festgestellt, daß zu-

mindest sechs Frequenzen gestört würden, auf denen in russischer, ukrainischer
und armenischer Sprache gesendet werde.

Die Direktorin der Stimme Amerikas,

Mary Bitterman, erklärte in diesem Zusammenhang, es sei nicht an Vergeltungsmaßnahmen gedacht, da sich Amerika dem freien Fluß von Informationen verpflichtet fühle.

i

�ä

a
38

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

NEUES BRENNSTOFF-SYNTHESEWERK IN KENTUCKY GEPLANT

- (AD) - Ein Kooperationsabkommen über den Bau einer Demonstrationsanlage für die Herstellung von Synthesebrennstoffen in Newman (Kentucky) wurde
vom amerikanischen Energieministerium mit dem Bundesstaat Kentucky und der
"International Coal Refining Company", einem amerikanischen Privatunternehmen,
unterzeichnet. Das 1,5-Milliarden-Dollar-Projekt kann jedoch erst nach Abschluß der Umweltbelastungsanalyse in Angriff genommen werden.
Die Anlage soll 1984 den Betrieb aufnehmen. Bei einem Tagesdurchsatz
von 5400 Tonnen stark schwefelhaltiger Kohle wird sie nach dem SRC-I-Verfahren
(SRC ist die Abkürzung für die Verfahrensbezeichnung "Solvent Refined Coal",
eine neue Methode für die Entfernung von Schwefel und anderer Beimengungen
aus Kohle) ein "sauber" verbrennendes Produkt liefern. Es kann als fester
Brennstoff verwendet oder zu flüssigen Brennstoffen weiterverarbeitet werden.
Demgegenüber wird im Werk Morgantown (Westvirginia), das gemeinsam von den
USA, der Bundesrepublik Deutschland und Japan errichtet wird, das bereits verbesserte SRC-II-Verfahren angewandt. Dieses erlaubt die direkte Umwandlung
von Kohle in flüssige Brennstoffe.

Die

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Telex: 08-85432

�Die Tagesmenge, die im Werk Newman erzielt werden wird, entspricht etwa
20 000 Faß Rohöl.

Die Internationale Coal Refining Company beabsichtigt,

die Demonstrationsanlage ganz zu übernehmen, wenn sich die Methode als erfolgreich erweist, und den Betrieb zu einem großtechnischen Werk mit einer
Tageskapazität auszubauen, die 100 000 Faß Rohöl entspricht.

Während der

ersten Betriebsjahre will man zunächst weitere praktische Erfahrungen sammeln und technische, finanzielle und betriebstechnische Parameter bekommen.
Zwei weitere Demonstrationsanlagen für die Kohleumwandlung, für die das USEnergieministerium erhebliche Mittel zur Verfügung stellt, sind das Hydrierwerk von Catlettsburg (Kentucky) und ein Exxon-Betrieb in Baytown (Texas).

+ + + + +

�Information

i

31

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

27. August 1980

POSITIVE BILANZ DER GESCHWINDIGKEITSBEGRENZUNG

- (AD) - Seit Januar 1974 sind auf den meisten amerikanischen Fernstraßen aus Gründen der Energieeinsparung 88 km pro Stunde (55 mph) als
Höchstgeschwindigkeit zugelassen. Wie Energieminister Neil Goldschmidt
kürzlich berichtete, haben inzwischen Untersuchungen zu den Auswirkungen
dieser Maßnahme ergeben, daß pro Jahr im Durchschnitt 12,87 Milliarden Liter
Benzin weniger verbraucht wurden. Außerdem ist die Zahl der Verkehrstoten
merklich zurückgegangen. Während 1973 bei Zugrundelegung von jeweils 160
Millionen Fahrkilometern noch 4,11 tödliche Verkehrsunfälle zu verzeichnen
waren, betrug 1974 die entsprechende Durchschnittszahl 3,52; bis 1979 war
sie auf 3,35 zurückgegangen.
Fachleute schätzen, daß die Einführung der Geschwindigkeitsbeschränkung
wesentlich dazu beitrug, daß in den letzten sechs Jahren der Verkehr etwa
37 000 weniger Todesopfer forderte, als die Statistiken der Jahre vor 1974
hätten erwarten lassen. Bei Umfragen in allen Teilen der USA sprachen sich
mehr als 70 Prozent der amerikanischen Bevölkerung für die Beibehaltung der
Geschwindigkeitsbeschränkung aus.
+ + + + +

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA entwickeln neue Flugzeug-Technologie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen des US-Verteidigungsministers und des Staatssekretärs für Forschung und Entwicklung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brown: Strategische Waffen schrecken vor Atomkrieg ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem Naval War College -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Störung der Stimme Amerikas durch Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des State Department -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Brennstoff-Synthesewerk in Kentucky geplant&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Positive Bilanz der Geschwindigkeitsbegrenzung</text>
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