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                    <text>T

nfoimcilion
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982
INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung Ronald Reagans bei der Verabschiedung von
Bundeskanzler Schmidt
Ronald Reagan: Der Friede bleibt unser Ziel
- Neujahrsbotschaft des US-Präsidenten an die Welt Präsident Reagan: Die Sowjets sind für die Unterdrückung
in Polen verantwortlich
- Erklärung über Maßnahmen gegen die Sowjetunion Walter Stoessel erläutert Lage in Polen
- Interview mit europäischen Journalisten HINTERGRUNDMATERIAL
William P. Clark: Der neue Sicherheitsberater Reagans
Die Vereinigten Staaten kämpfen gegen chemische Kriegführung
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartige Palladium-Katalysatoren
- Spezielle Verbindungen auch für Krebstherapie von Interesse
Von G. Weiss
Naturrätsel am Planeten Saturn
- Kondensation kleiner Materieteile in Randbändern der Ringe •

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982

ERKLÄRUNG RONALD REAGANS BEI DER VERABSCHIEDUNG VON BUNDESKANZLER SCHMIDT
- Reagan und Schmidt besprechen die westlichen
Maßnahmen zur polnischen Krise -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Reagan stellte am 5. Januar 1981 nach Beendigung seiner Gespräche mit Bundeskanzler Schmidt im Weißen Haus fest, daß
er seinem Gast gegenüber seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht habe, daß
"jetzt eine greifbare Reaktion des Bündnisses auf die polnische Krise erfolgen muß". Beide Staatsmänner hätten "die Notwendigkeit eindringlicher westlicher Maßnahmen" besprochen, um die polnischen und sowjetischen Behörden
dazu zu bewegen, das Kriegsrecht aufzuheben.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Bundeskanzler Schmidt und ich haben gerade wieder eines unserer Treffen
in einem kritischen Augenblick der Weltpolitik beendet. Natürlich stand im
Mittelpunkt unserer Überlegungen Polen und die Verhängung des Kriegsrechts
über diesem unglücklichen Land.
Wir besprachen

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�Wir besprachen eingehend das Ausmaß sowjetischer Beteiligung an der
gegen das polnische Volk gerichteten Unterdrückung sowie die Notwendigkeit
eindringlicher westlicher Maßnahmen, um die polnischen und sowjetischen Behörden dazu zu bewegen, das Kriegsrecht aufzuheben, all jene freizulassen,
die verhaftet wurden und die Wiederaufnahme eines nationalen Dialogs zu ermöglichen, der zu einer echten Reform führt.
In diesem Zusammenhang ging ich noch einmal mit dem Bundeskanzler die
Reihe von Maßnahmen durch, die ich in meiner Weihnachtsbotschaft und am 29.
Dezember angekündigt hatte. Ich unterstrich meine Überzeugung, daß jetzt eine
greifbare Reaktion des Bündnisses auf die polnische Krise erfolgen muß.Sollte
es uns nicht gelingen, darauf zu beharren, daß die Sowjetunion ihren direkten
und indirekten Druck auf Polen aufgibt, so könnten sich daraus die ernstesten Folgen für die internationalen Beziehungen ergeben.
Unsere heutigen Gespräche deckten ein weites Feld von Themen der Wirtschaft und der Sicherheitspolitik ab. So besprachen wir zum Beispiel die Bedeutung der Verhandlungen über Kernwaffen mittlerer Reichweite in Genf, die
am 30. November begonnen haben, und brachten unsere Hoffnung zum Ausdruck,
daß die Sowjetunion sterile Propaganda vermeidet und konstruktiv auf unsere
Vorschläge einer Null-Lösung für echte Verminderung bei den Kernwaffen
reagiert.
Weitere internationale Fragen unserer Tagesordnung umfaßten die Aussichten für Gespräche über die Verminderung der strategischen Rüstung - die wir
START nennen; außerdem die Lage in Mittelamerika, im Nahen und Mittleren
Osten und im südlichen Afrika sowie der Stand des KSZE-Prozesses im Lichte
der polnischen Krise.
Wir bekräftigen erneut unsere Besorgnis, die wir beide angesichts der
fortdauernden sowjetischen Besetzung Afghanistans hegen sowie unsere Unterstützung für Initiativen des Europaparlamentes

und des Kongresses der Ver-

einigten Staaten, den 21. März zu einem Afghanistan-Tag zu erklären.
Was die
- 2 -

�Was die Vereinigten Staaten angeht, so veröffentlichen sie heute durch
das US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) im Ausland eine Broschüre,
die in beredten Worten die menschliche Seite des Kampfes der Afghanen gegen
die sowjetischen Besatzungsstreitkräfte dokumentiert. Ich habe persönlich
Bundeskanzler Schmidt ein Exemplar überreicht.
Vor allem aber waren wir uns hinsichtlich der Bedeutung der amerikanischdeutschen Partnerschaft und der Notwendigkeit weiterer enger Konsultationen
einig. Wir hoffen, diese Kontakte zu erweitern und zu vertiefen. Wir machen
zudem der öffentlichen Meinung in beiden Ländern, vor allem der jüngeren
Generation, die Verantwortung deutlich, die wir alle bei der Aufrechterhaltung unserer Freundschaft und unserer Verpflichtung gegenüber jenem Instrument teilen, das den Frieden über 30 Jahre lang bewahrt hat - das Nordatlantische Bündnis.
Herr Bundeskanzler Schmidt, auf Wiedersehen.

- 3 -

�6. Januar 1982

RONALD REAGAN: DER FRIEDE BLEIBT UNSER ZIEL
- Neujahrsbotschaft des US-Präsidenten an die Welt

WASHINGTON - (AD) - In einer Neujahrsbotschaft wandte sich Präsident Ronald Reagan

am 31. Dezember 1981 an die Welt und brachte darin

seine Hoffnung zum Ausdruck, daß der Frieden bewahrt und Freiheit für alle
Menschen ermöglicht werde.
Die Botschaft hat folgenden Wortlaut: •
Es ist mir eine große Ehre, Ihnen allen im Namen des amerikanischen
Volkes die besten Wünsche für ein glückliches neues Jahr zu übermitteln.
Wir blicken auf das kommende Jahr als eine Zeit großer Möglichkeiten. Wir
hoffen und beten, daß guter Wille und Rechtschaffenheit die Oberhand behalten mögen und daß die Menschheit es ein wenig besser haben wird aufgrund
der Dinge, die wir als einzelne und als Nation im vor uns liegenden Jahr
tun werden.
In den

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�In den Vereinigten Staaten war das vergangene Jahr eine Zeit erneuerter Hingabe an die grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Konzeptionen Amerikas, genau so, wie dies das Volk durch die Wahlen des Jahres
1980 zum Auftrag machte. Nach einer Periode zunehmender Macht der Regierung entschied das amerikanische Volk, daß es an der Zeit sei, von staatlicher Kontrolle und Reglementierung loszukommen und auf etwas zuzusteuern,
das mehr in Einklang mit unserem Glauben an die Freiheit steht - die Freiheit aller und jedes einzelnen.
Die Vereinigten Staaten waren in diesen vergangenen zwölf Monaten mit
Frieden gesegnet - und Frieden bleibt unser Ziel. Unsere militärische Stärke ist diesem edlen Ziel gewidmet. In Übereinstimmung hiermit schlug ich am
18. November im Namen des amerikanischen Volkes der Sowjetunion eine Beseitigung jener Kernwaffen vor, die Europa bedrohen. In den kommenden Monaten
werden die Verhandlungen zwischen unseren beiden Staaten diese Anstrengung
fortführen. Die Vereinigten Staaten haben einen Plan zur Entfernung aller
landgestützten Atomraketen mittlerer Reichweite auf dem europäischen Kontinent vorgelegt. Wir fordern die Sowjetunion auf, sich uns dabei anzuschließen, dieses Ziel zu erreichen.
Es macht uns keine Freude, unsere Mittel zur Herstellung von Kriegsgerät zu verwenden. Während der vergangenen zehn Jahre verringerten die Vereinigten Staaten den Umfang ihrer Streitkräfte und senkten ihre Militärausgaben. Leider wurde diese Geste mit einer massiven Aufrüstung der sowjetischen Streitkräfte beantwortet. Hoffen wir, daß die derzeitige Möglichkeit
für Rüstungsverminderung nicht vertan wird. Die Sowjetunion sollte einsehen,
daß ihre Mittel besser dafür eingesetzt würden, die Bedürfnisse ihres Volkes
zu befriedigen als Vernichtungsinstrumente zu produzieren.
1981 peinigte auch weiterhin sinnlose Gewalt die Welt. In Ägypten wurde
ein großer Mann, ein Mann des Friedens, ermordet. Ein Anschlag wurde auf das
Leben von Papst Johannes Paul verübt, wodurch die Welt fast dieses aufrichtigen Gottesmannes beraubt wurde. Auch ich hatte die Gelegenheit zu erkennen,

- 2 -

�zu erkennen, daß wir die uns bleibende Zeit nützen müssen, um jene Werte zu
fördern, die überdauern werden, wenn wir als einzelne nicht mehr sind.
Ein ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten hat einmal gesagt:
"Das höchste Ideal des amerikanischen Volkes ist der Idealismus... Amerika
ist eine Nation von Idealisten." Dies ist heute genauso richtig wie damals,
als Präsident Calvin Coolidge im Jahr 1925 diese Worte sprach.
Wir Amerikaner bleiben jenem Konzept von Freiheit verpflichtet, das unserem Volk Freiheit und Oberfluß gebracht hat. Zudem sind wir eine Nation,
die sich aus Menschen zusammensetzt, die hierher von überall in der Welt gekommen sind, Menschen aller Rassen und aller Glaubensbekenntnisse, die gelernt haben, miteinander in Frieden und Wohlstand zu leben. Vielleicht kennen auch Sie jemanden oder haben Verwandte, die jetzt hier leben. Nun,sie
sind in genau demselben Maß Amerikaner wie diejenigen, die vor zwei Jahrhunderten auf der Suche nach Freiheit hierherkamen. In einem sehr konkreten
Sinn sind alle Menschen, die sich nach Freiheit sehnen, unsere Mitbürger.
Es ist diese Liebe zur Freiheit, die uns und unsere Vorfahren in dieses
Land brachte.
•

Wegen dieses besonderen amerikanischen Wesenszuges sind unsere Herzen
bei jenen, die Unterdrückung erleiden. Im vergangenen Jahr haben wir gesehen,
wie die Arbeiter in Polen dafür kämpften, ihr Land näher zur Freiheit zu
bringen - und die dafür Blutvergießen und Unterdrückung erlebten. Wir haben
gesehen, wie das mutige Volk Afghanistans gegen gewaltige Widerstände in
dem Versuch ankämpft, ausländische Herrschaft abzuschütteln.
Während meines Lebens habe ich den Aufstieg des Faschismus und des Kommunismus gesehen. Beide politische Theorien verherrlichen die unumschränkte
Macht des Staates. Auf einige Intellektuelle übten diese Ideologien zunächst
eine gewisse Faszination aus. Aber beide haben versagt. Beide verwehren die
gottgegebenen Freiheiten, die die unveräußerlichen Rechte eines jeden Menschen

- 3 -

�Menschen auf diesem Planeten sind, und sie verneinen die Existenz Gottes.
Wegen dieses grundlegenden Fehlers ist der Faschismus bereits zerstört und
ist auch der Bankrott des Kommunismus für jedermann offenbar - eines Systems, das bei der Produktion von Kriegsmaschinerien effizient ist, aber
sein Volk nicht satt machen kann.
Wir Amerikaner beginnen dieses neue Jahr mit erneuerter Verpflichtung
gegenüber unseren Idealen und mit der Zuversicht, daß der Frieden erhalten
bleiben und letztlich Freiheit für alle Menschen herrschen wird.
Wo immer Sie deshalb auch sein mögen: Amerika wünscht Ihnen für dieses
Neue Jahr alles Gute. Und all jenen, die danach verlangen, in Freiheit zu
atmen, die sich nach einem besseren Leben sehnen, sei gesagt: Wir denken
an euch, wir beten für euch, und wir sind stets mit euch.

- 4 -

�6. Januar 1982

PRÄSIDENT REAGAN: DIE SOWJETS SIND FÜR DIE UNTERDRÜCKUNG
IN POLEN VERANTWORTLICH
- Erklärung über Maßnahmen gegen die Sowjetunion -

LOS ANGELES - (AD) - Präsident Reagan hat am 29. Dezember 1981 in
Los Angeles eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die gegen die Sowjetunion
wegen ihrer "gewaltigen und unmittelbaren Verantwortung für die Unterdrükkung in Polen" ergriffen werden sollen.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Sowjetunion trägt eine gewaltige und unmittelbare Verantwortung
für die Unterdrückung in Polen, über viele Monate hinweg haben die Sowjets
öffentlich und insgeheim einen solchen Schlag gefordert. Durch jetzt bekanntgewordene Briefe an die polnische Führung, durch militärische Manöver
und durch andere Formen der Einschüchterung wurde von ihnen erheblicher
Druck ausgeübt. Nunmehr unterstützen sie öffentlich die erfolgte Unterdrückung.

Vorige

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�Vorige Woche habe ich erklärt, daß ich einen Brief an Präsident
Breschnew geschickt hatte, in dem ich darauf drängte, er möge die Wiederherstellung der grundlegenden Menschenrechte in Polen ermöglichen, wie dies
in der Schlußakte von Helsinki niedergelegt ist. Ich habe ihn außerdem darüber informiert, daß die Vereinigten Staaten bei anhaltender Unterdrückung
keine andere Wahl haben würden, als weitere konkrete politische und wirtschaftliche Maßnahmen zu ergreifen, die unsere Beziehungen beeinflussen.
Die Unterdrückung in Polen dauert an,und Präsident Breschnew hat auf
eine Weise geantwortet, die deutlich macht, daß die Sowjetunion nicht den
Ernst unserer Besorgnis und auch ihre Verpflichtungen nicht versteht, die
sich sowohl aus der Schlußakte von Helsinki als auch aus der Charta der
Vereinten Nationen ergeben. Ich habe daher entschieden, daß die folgenden
sofortigen Maßnahmen gegenüber der Sowjetunion ergriffen werden:
- Alle Flüge der AEROFLOT in die Vereinigten Staaten werden suspendiert.
- Die sowjetische Einkaufskommission wird geschlossen.
- Die Ausgabe oder die Erneuerung von Lizenzen für den Export von elektronischer Ausrüstung, von Computern und anderem hochtechnologischen
Gerät in die Sowjetunion wird suspendiert;
- Verhandlungen über ein neues langfristiges Getreideabkommen werden
verschoben.
- Die Verhandlungen über ein neues amerikanisch-sowjetisches Schiffahrtsabkommen werden suspendiert, und nach Ablauf des derzeitigen Abkommens über Zugangskontrolle sowjetischer Schiffe zu amerikanischen
Häfen am 31. Dezember wird eine neue Regelung in Kraft treten.
- Für die Ausfuhr in die Sowjetunion werden bei einer erweiterten Liste
von Ausrüstungsgegenständen zur ül- und Gasförderung Lizenzen erforderlich. Die Ausstellung solcher Lizenzen wird suspendiert. Hierin
eingeschlossen sind Maschinen zur Rohrverlegung. •
- Amerikanisch

�- Amerikanisch-sowjetische Austauschvereinbarungen, die demnächst zur
Erneuerung anstehen - einschließlich der Abkommen über Energie, Wissenschaft und Technologie - werden nicht erneuert. Eine umfassende
Überprüfung aller anderen amerikanisch-sowjetischen Austauschvereinbarungen wird stattfinden.
Die Vereinigten Staaten wollen ein konstruktives und wechselseitig vorteilhaftes Verhältnis zur Sowjetunion. Wir beabsichtigen, auf hoher Ebene
einen Dialog aufrechtzuerhalten. Aber wir sind bereit, in jedwede Richtung
zu gehen, für die sich die Sowjetunion entscheidet - in Richtung auf größere wechselseitige Zurückhaltung und Zusammenarbeit oder weiter auf einem
unangenehmen und weniger vorteilhaften Weg. Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen die Ereignisse in Polen genau beobachten. Weitere Schritte
könnten notwendig sein, und ich bin bereit, sie zu unternehmen. Die amerikanischen Entscheidungen werden von den sowjetischen Maßnahmen bestimmt sein.
Außenminister Haig steht in Verbindung mit unseren Freunden und Verbündeten hinsichtlich der von uns ergriffenen Maßnahmen und hat erklärt, warum
wir der Überzeugung sind, daß solche Schritte zu diesem Zeitpunkt entscheidend sind.
Ich fordere die Sowjetunion noch einmal auf, den eindeutigen Wunsch der
überwältigenden Mehrheit des polnischen Volkes nach einem Prozeß der nationalen Versöhnung, Erneuerung und Reform anzuerkennen.

+ + + + +

- 3 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982

WALTER STOESSEL ERLÄUTERT LAGE IN POLEN
Interview mit europäischen Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Walter Stoessel, der in Vertretung von Alexander
Haig als amerikanischer Außenminister fungierte, legte am 30. Dezember 1981
in einem Interview mit europäischen Journalisten die Haltung der Vereinigten
Staaten zu den Vorgängen in Polen dar und stellte sich anschließend den Fragen der Presse.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
Während der letzten 18 Monate waren wir Zeugen einer der außergewöhnlichsten Entwicklungen in diesem Jahrhundert. Praktisch die gesamte polnische Bevölkerung, einschließlich großer Teile der kommunistischen Partei,
nahmen an einem noch nie dagewesenen friedlichen Prozeß der Erneuerung und
Reform teil. Es war eine echte Massenbewegung.
In den vergangenen Monaten gab es sogar eine praktische Beendigung der
Streiks, während sich ein interner Konsens über die Zukunft Polens abzu-

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�Polens abzuzeichnen begann.
Aber gerade in dem Augenblick, als diese friedliche Erneuerung Frucht zu
tragen begann, wurde dem Land die schwere Hand des Polizeiterrors auferlegt einem Staat, der sich angeblich auf einer zehn Millionen starken Arbeiterbewegung gründete. Alle freien Menschen müssen sich fragen, warum dies getan
wurde - in Verletzung der Vereinbarungen der Schlußakte von Helsinki, die
von Polen und der Sowjetunion unterzeichnet wurde

-, und was wir dagegen

unternehmen.
Es gibt derzeit in dieser Welt keine wichtigere moralische Frage. Es
ist klar, daß wir mit einer polnischen Militärjunta, die diese Unterdrückung
durchführt und mit der Sowjetunion, deren monatelanger offener und heimlicher
Druck all dies zustande brachte, nicht bei der normalen Tagesordnung bleiben
können.
Im Namen der überwältigenden Mehrheit des polnischen Volkes, das derzeit
nicht für sich selbst sprechen kann, müssen wir eine Erneuerung des nationalen Dialogs zwischen der Solidarität, der Kirche und der Regierung fordern.
Es kann kein sinnvoller Dialog stattfinden, wenn diejenigen eingesperrt
sind, die für die breite Masse des polnischen Volkes sprechen. Man kann nicht
aus einer Gefängniszelle heraus verhandeln.
Die internationale Arbeitsorganisation, die ILO, darf in einem sogenannten Arbeiterstaat noch nicht einmal Arbeiter besuchen.
Die Vereinigten Staaten und der Westen haben eine moralische und politische
Verpflichtung, in dieser Situation nicht nur das Wort zu ergreifen, sondern auch
zu handeln. Daher haben die Vereinigten Staaten den Eindruck, daß sie eine
Führungsrolle übernehmen sollten, und wir hoffen, daß andere ebenfalls handeln werden. Um vor weiterer Unterdrückung abzuschrecken, muß es praktische
Konsequenzen für diejenigen geben, die sie ausüben wollen.
Wir müssen
- 2 -

�Wir müssen uns daran erinnern, daß zur Herrschaft des Bösen nur eins
nötig ist: Daß anständige Menschen daneben stehen und nichts tun. Die Vereinigten Staaten haben nicht die Absicht, nichts zu tun.
FRAGE: Herr Minister, die Maßnahmen, die Sie bisher ergriffen haben,
waren einseitige Maßnahmen. Sehen Sie hier eine Möglichkeit für einen ernsthaften Bruch im Bündnis in dem Sinne, daß Sie Führung ausüben, dann aber
nach hinten schauen und feststellen, daß niemand folgt?
ANTWORT: Ich glaube, das ist wahrscheinlich übertrieben. Wir hatten
natürlich von Anfang an sehr gute Konsultationen hinsichtlich der Lage in
Polen. Und ich glaube.es herrscht gutes Einvernehmen hinsichtlich der verschiedenen Schritte, die von den Regierungen in dieser Situation unternommen werden könnten - und die Schritte, die wir einseitig unternommen haben,
sind abgestuft und maßvoll.
Ich würde annehmen, daß wir unsere Konsultationen über diese Schritte
mit unseren Verbündeten in den kommenden Tagen noch verstärken werden und
unsere Erwartungen und Hoffnungen gehen dahin, daß sich uns andere in parallelen oder ähnlichen Aktionen anschließen - nicht notwendigerweise genau
die gleichen, die wir unternommen haben, aber Schritte, die demselben Ziel
dienen und daß auf keinen Fall Länder so handeln, daß das untergraben wird,
was wir getan haben.
FRAGE: Wenn ich noch einmal auf den letzten Aspekt Ihrer Erklärung
eingehen darf, Herr Minister: Sie sagen, Sie hofften, daß die anderen sich
ihnen anschließen werden oder zumindest nichts untergraben. Gibt es hier
eine Art Sicherheit, eine Gewißheit, daß dies in der Tat passieren wird?
Schließlich haben wir uns innerhalb des Bündnisses fast 18 Monate lang
darüber konsultiert, was im Falle einer sowjetischen Intervention zu tun
sei. Das hat nun stattgefunden und Sie haben Schritte unternommen. Können
Sie denn nicht nach so vielen Monaten der Konsultation mehr oder weniger
vorhersagen, ob Sie zumindest ein biß:hen Unterstützung bekommen?
ANTWORT:

�ANTWORT: Ich glaube, wir können diese Voraussage machen, und wir haben
natürlich schon Unterstützung für die Maßnahmen erlebt, die wir vorher hinsichtlich Polens ergriffen haben. Die meisten Regierungen des Bündnisses
haben hinsichtlich der Kredite ähnliche Maßnahmen ergriffen und achten darauf,
daß Hilfe lediglich dem polnischen Volk selbst zukommt. Das alles läuft also
bereits. Und ich glaube auch, daß wir bei den anderen, gegen die Sowjetunion
gerichteten Maßnahmen Unterstützung für unseren Kurs erleben werden.
FRAGE: Aber ganz offen Herr Minister, haben Sie nicht viel positivere
Schritte seitens der europäischen Länder erwartet?
ANTWORT: Ich glaube wirklich nicht. Natürlich haben wir diese Maßnahmen
erst gestern angekündigt. Die genauen Maßnahmen wurden den Verbündeten mit
einem sehr kurzen zeitlichen Abstand übermittelt.
Wir hatten über solche Maßnahmen als Teil einer, wenn Sie so wollen,
Palette gesprochen - einer Palette von Maßnahmen, die getroffen werden könnten; aber das genaue Paket wurde erst geschnürt, als der Präsident dazu seine Entscheidung gefällt hatte. Das aber geschah sehr rasch nach Erhalt des
Breschnew-Briefs, der durch Ton und Haltung anzeigte, daß wir Schritte unternehmen mußten, und daß sie schnellstens unternommen werden mußten, um so wirkungsvoll wie möglich zu sein.
So viel zum Zeitfaktor. Ich glaube, wir werden nunmehr einen Prozeß der
Konsultationen über diese Maßnahmen erleben. Außerdem wird es seitens der
Europäischen Gemeinschaft eine Reihe von Treffen geben, und auch beim NATORat, möglicherweise ein NATO-Ministertreffen Anfang Januar. Durch diesen
Prozeß werden wir zu einer guten Verständigung gelangen.
FRAGE: Herr Minister, es scheint einen grundlegenden Unterschied zwischen
Ihrer Perspektive und der Ihrer Verbündeten, besonders der Deutschen zu geben,
die die Unterdrückung in Polen als eine

Unterdrückung von Polen durch Polen

ansehen - und daher eine polnische Angelegenheit. Dagegen betrachten Sie sie,
als von der Sowjetunion inspiriert.
- 4 -

c«. k , nn

�Es kann nur das eine oder das andere sein, nicht wahr?
ANTWORT: Wir haben folgenden Eindruck: Während die eigentliche Unterdrückung in Polen offensichtlich durch die Polen selbst ausgeführt

wird,

so wurden sie doch über einen langen Zeitraum hinweg selbst von den Sowjets
unter Druck gesetzt und es sollte keinerlei Zweifel darüber geben, daß letztlich die Sowjets hinter dem stehen, was in Polen vorgeht.
Man kann darüber argumentieren, ob General Jaruzelski autonom handelte,
als er den Schritt zum Kriegsrecht tat, oder ob er direkt durch die Sowjets
hineingestoßen wurde. Ich glaube, die objektive Tatsache ist, daß das Kriegsrecht verhängt wurde, daß die Sowjets dahinter stehen und daß das der Punkt
ist, über den wir uns Gedanken machen sollten.
Ich meine, es sollte auch keinen Zweifel darüber geben, was in Polen
vorgeht, daß wir Zeuge der Unterdrückung einer Arbeiterbewegung sind, daß
wir erleben, wie viele Tausende von Menschen im Gefängnis oder im Internierungslager festgehalten werden und daß es keinen Dialog zwischen Kirche,
Staat und Solidarität gibt.
Dies also geschieht. Es geschieht in Verletzung der Schlußakte von
Helsinki und wir fühlen eine Verpflichtung, unsere Stimme zu erheben. Und
ich glaube, wir alle im Bündnis stimmen darüber überein, daß wir unsere
Stimme wegen dieser Verletzungen erheben sollten.
Die Erklärungen der Besorgnis, die von den Regierungen abgegeben wurden,
waren in dieser Hinsicht sehr deutlich.
FRAGE: Aber,Herr Ministert wann ich hier noch etwas weitergehen darf,
die Ankündigung von Strafmaßnahmen gegen die Sowjetunion sind doch bei dem
Klima der europäischen Politik wirklich ein sehr ernster Schritt. Wir alle
wissen, wie empfindlich das Ost-West-Klima seit einiger Zeit schon ist und
wir alle wissen, wie empfindlich die westlichen Verbündeten insbesondere

- 5 -

�Verbündeten insbesondere dabei sind, nicht zu überreagieren, wenn sie es
vermeiden können.
Ich habe es aus einer Quelle in Bonn, daß die hier in Washington gestern
angekündigten Maßnahmen der Übereinkunft des Bündnisses nach wirklich dem extremen Fall einer militärischen Intervention durch die Sowjets vorbehalten
sein sollten. Aber Sie waren irgendwie etwas schnell bei der Hand, als Sie
die Hälfte dieser Maßnahmen sozusagen aus der Schublade holten, bei denen
das Bündnis übereingekommen war, sie im Fall einer offenen sowjetischen Militärintervention zu ergreifen. Ich könnte mir zu diesem Punkt seitens der
Europäer eine ziemliche Verwirrung vorstellen, daß Sie nämlich ohne ausreichende Konsultation die schärfsten Gegenmaßnahmen ergriffen haben, die möglich waren für den Fall eines Ereignisses, das in den Augen der Europäer noch
gar nicht stattgefunden hat - ich meine die offene Militärintervention durch
die Sowjetunion.
Wie würden Sie diese beiden Einstellungen in Einklang bringen?
ANTWORT: Natürlich ist eine einheitliche Haltung des Bündnisses am
einfachsten dadurch zu erlangen, daß man auf eine offenkundige sowjetische
Militärintervention reagiert - und hierfür wurden ganz genaue Pläne ausgearbeitet, wurde - wie Sie andeuten - eine ganze Liste von Maßnahmen in Erwägung
gezogen.
Gleichzeitig arbeitete das Bündnis aber auch Maßnahmen aus, die in einer
Situation ergriffen werden sollten, die unterhalb einer umfassenden sowjetischen Militärintervention lag. Dies aber ist offensichtlich eine kompliziertere Angelegenheit, und es ist schwieriger, spezielle Reaktionen auszuarbeiten.
Aber ich würde sagen, daß all die von uns ergriffenen Maßnahmen der Art
waren, wie wir sie für einen begrenzteren Notfall, wie auch für den letztendlichen Notfall besprochen hatten.
Es gab

- 6 -

�Es gab keine klare, eindeutige Linie zwischen diesen beiden Arten von
Notfällen. Ich möchte zugleich wiederholen, daß das, was wir bisher unternommen haben, abgestuft und maßvoll war. Es ist keineswegs das Letztmögliche,
das getan werden könnte und wir werden daher die Ereignisse in Polen genau
beobachten und sehen, was sich dort zuträgt. Wenn die Unterdrückung andauert
oder die Lage sich gar verschlimmert, könnte in bezug auf Sanktionen auch
noch anderes in Erwägung gezogen werden.
FRAGE: Glauben Sie wirklich, eine Möglichkeit zu haben, die Haltung der
Sowjets hinsichtlich Polen zu ändern?
ANTWORT: Ich glaube, es gibt eine Möglichkeit. Wir wissen, daß sich die
Sowjets über 18 Monate hinweg aus diesem oder jenem Grund von einer Intervention in Polen zurückhielten. Obgleich sie drohten, Briefe schickten und auf
verschiedene Weise Druck ausübten, so intervenierten sie doch nicht; das
Kriegsrecht wurde nicht ausgerufen.
Diese Einflüsse, die eine solche Zurückhaltung erforderten, sind nicht
plötzlich verschwunden und wir glauben, daß wir durch die von uns getroffenen Maßnahmen jene Elemente der Zurückhaltung dazu ermutigen können * hervorzutreten, daß die Aussicht besteht, daß es Bewegung in Richtung auf jenen Prozeß gibt, der in Polen vor dem 13. Dezember stattfand.
FRAGE: Meinen Sie damit letztlich, daß ein verbaler Ausdruck der Besorgnis eigentlich nicht viel Wert hat und daß der große Prügel die einzige Sprache
spricht, die die Sowjets verstehen?
ANTWORT: Ich glaube, daß es wichtig und willkommen ist, seine Besorgnis
zum Ausdruck zu

bringen, und ich bin sicher, daß diese Sorge aufrichtig und

ernst gemeint ist. Gleichzeitig meine ich aber auch, daß sie durch konkrete
Schritte unterstützt werden muß, die Zeugnis von der Stärke dieser Besorgnis
geben. Und genau das versuchen wir mit unseren Maßnahmen zu tun und hoffen,
daß andere uns folgen werden.

TRAPP-

- 7 -

�FRAGE: Um noch einmal auf das zurückzukommen, was Sie vorhin über bestimmte sowjetische Zwänge und sowjetische Zurückhaltung bei Polen gesagt
haben: Es gibt eine Richtung, die behauptet, dies sei nicht so sehr Zurückhaltung ihrerseits gewesen, sondern vielmehr eine verlängerte Suche nach
der in ihren Augen richtigen Lösung, die es ihnen erlauben würde, die Bewegung niederzuschlagen. Sie hatten nie die Absicht, sie zu tolerieren. Sie
brauchten nur etwas länger, um zur Niederschlagung zu kommen, ohne bis zur
militärischen Intervention zu gehen.
Um etwas den advocatus diaboli zu spielen: Wie können wir annehmen, daß
es Elemente gab, die die Sowjets zurückhielten, da doch offenkundig jener Typ
der Entwicklung, den wir jetzt erkennen - die Niederschlagung - nur etwas
länger dauerte? Wie können wir glauben, daß wir - der Westen oder wer auch
immer - irgendetwas mit dieser Zurückhaltung der Sowjets Über einen so langen Zeitraum zu tun hatten?
ANTWORT: Es ist offensichtlich schwer, genau zu wissen, was die Sowjets
motiviert hat und was sie motiviert. Gleichzeitig ist aber deutlich - und
alle Beweise, über die wir verfügen, deuten darauf hin -, daß die Sowjets
während dieser ganzen Zeit von der Haltung des Westens beeindruckt waren,
von der sicheren Erkenntnis, daß im Fall einer militärischen Intervention
vom Westen sehr harte Maßnahmen ergriffen würden und daß dies einen sehr
nachteiligen Effekt auf die Ost-West-Beziehungen insgesamt und auf die vielen Dinge - sowohl wirtschaftlich als auch politisch - haben würde, an denen die Sowjets interessiert sind.
Ich meine, das ist offensichtlich - und eine der wichtigsten Beschränkungen, die bisher gewirkt haben, eine die, wie ich glaube, auch weiterhin
wirksam bleiben kann.
FRAGE: Um auf mein Argument zurückzukommen: Es war also nicht so sehr
die Tatsache, daß sie nur einfach länger brauchten, um aus diesem Dilemma
herauszukommen...?
ANTWORT:
- 8 -

�ANTWORT: Nein, ich glaube nicht. Sie waren besorgt über den Gang der
Dinge in Polen. Sie haben nach Wegen gesucht, um damit fertig zu werden zurückgehalten durch die westlichen Maßnahmen. Dies ist sicherlich ein
Element des Gesamtbildes.
FRAGE: Herr Minister, dies mag vielleicht eine schwierige Frage sein, aber welche Unterschiede sehen Sie zwischen den Reaktionen in Paris, in
London und in Bonn?
ANTWORT: Das ist schwierig, und ich möchte keine Vergleiche im einzelnen anstellen. Es scheint deutlich, daß die öffentliche Reaktion in Frankreich besonders stark war. Das hat sicher zu tun mit Emotionen in Frankreich
hinsichtlich Polens und der historisch sehr engen Beziehung zur polnischen
Nation. Das wurde sehr deutlich und von da aus waren die Erklärungen der
französischen Regierung besonders nachdrücklich und klar.
Auch in Großbritannien haben wir ähnlich deutliche Erklärungen und Reaktionen gesehen. Ich würde sagen, in der Bundesrepublik ist die Situation etwas anders - und zwar aus verständlichen Gründen. In gewisser Hinsicht ist
die Bundesrepublik in einer anderen Lage. Die geographische Lage Deutschlands ist doch recht anders. Es ist am exponiertesten. Die Bundesrepublik
hat starke Handelsbeziehungen zu Osteuropa und gewichtige humanitäre Anliegen.
Das ist verständlich. Andererseits habe ich den Eindruck, auch in der
Bundesrepublik haben wir eine starke öffentliche Reaktion erlebt. Man macht
sich viele Sorgen darüber, was in Polen vorgeht. Wir stehen mit der Bundesregierung in engem Kontakt, in enger Konsultation und wir freuen uns auf den
Besuch von Bundeskanzler Schmidt nächste Woche in Washington, wo wir Gelegenheit haben werden, auf höchster Ebene mit ihm Gespräche zu führen und,
wie ich hoffe und glaube, zu einer gemeinsamen Beurteilung der Lage und
dessen kommen werden, was getan werden sollte.
FRAGE:

- 9 -

�FRAGE: Herr Minister, ich glaube, wir haben nur noch Zeit für eine
weitere Frage. Würden Sie es geradeheraus sagen: Sie machen sich um die
Deutschen Sorgen?
ANTWORT: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich habe ja etwas Erfahrung
mit der Bundesrepublik Deutschland, nachdem ich vier Jahre lang dort Botschafter war. Und ich habe das größte Vertrauen in das deutsche Volk und
in die Bundesregierung, daß man das Richtige tut.
FRAGE: Vielen Dank für Ihre diplomatische Antwort.
ANTWORT: Vielen Dank.

+ + + + +

- 10 -

�intcrgrundmotericil
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6. Januar 1982

WILLIAM P. CLARK: DER NEUE SICHERHEITSBERATER REAGANS

WASHINGTON - (AD) - Der bisherige Stellvertretende Außenminister
William P. Clark ist von Präsident Reagan zu seinem neuen Sicherheitsberater ernannt worden. Er tritt die Nachfolge von Richard V. Allen an.
Clark hatte sich im amerikanischen Außenministerium rasch eingearbeitet
und sich einen Namen als tüchtiger Verwaltungsmann, harter Arbeiter und geschätzter Vermittler gemacht. Er ist bekannt dafür, klare Entscheidungen zu
treffen und verfügt über sehr gute Kontakte zu wichtigen Regierungsvertretern in Washington. Mit dem Präsidenten ist er seit 14 Jahren persönlich vertraut
und wird in seiner neuen Stellung als Sicherheitsberater im Weißen Haus
direkten Zugang zu Reagan haben.
Wie der Stellvertretende Pressereferent des Weißen Hauses, Larry Speakes,
mitteilte, hat der Präsident Clark mit der "Entwicklung, Koordination und
Durchführung der nationalen Sicherheitspolitik" beauftragt. Clark ist in
seiner neuen Stellung Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates.
Die Ernennung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die Ernennung Clarks hat in der amerikanischen Presse und Öffentlichkeit weitgehende Anerkennung gefunden.
Clark, am 23. Oktober 1931 in Oxnard, Kalifornien geboren, war Beisitzer am Obersten Gerichtshof von Kalifornien, wohin ihn 1973 Ronald Reagan
in seiner Gouverneurszeit berufen hatte.
Von 1971 bis 1973 war er Richter am kalifornischen Appellationsgerichtshof. Zuvor war er von 1969 bis 1971 an einem oberen Gericht in Kalifornien
tätig.
Von 1967 bis 1969 war er als Stabschef von Gouverneur Ronald Reagan in
Sacramento verantwortlich für die Reorganisation der Exekutive des Staates
Kalifornien und stand dabei in intensivem Kontakt mit mehreren Bundesministerien in Washington und Kongreßabgeordneten aus Kalifornien.
Von 1959 bis 1969 war er Seniorpartner der Anwaltsfirma Clark, Cole
and Fairfield in Oxnard, Kalifornien.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Clark im Rahmen einer nachrichtendienstlichen Tätigkeit nach Westeuropa.
Seine Erfahrung in Rechtsfragen umfaßt die Vertretung von Klienten in
und aus Westeuropa und Mexiko, Vortragstätigkeit über vergleichendes Recht
in Budapest und Salzburg.
Clark besuchte die Universitäten Stanford und Santa Clara sowie die
Loyola Night Law School.

+ + + + +

�Hintergrund
materiell
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6. Januar 1982

DIE VEREINIGTEN STAATEN KÄMPFEN GEGEN CHEMISCHE KRIEGFÜHRUNG

WASHINGTON - (AD) - In einem am 4. Januar 1982 im "Wall Street Journal1
veröffentlichten Leserbrief hat der Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt,
darauf hingewiesen, daß die Reagan-Administration dem Problem der Anwendung von chemischen Waffen und Giftstoffen "höchste Priorität" einräume.
Das Ziel der amerikanischen Regierung sei es, "der Anwendung von chemischen
Waffen und Giftstoffen gegen unschuldige und wehrlose Menschen in Laos,
Kambodscha und Afghanistan ein Ende zu bereiten".
Der Leserbrief von Richard Burt hat folgenden Wortlaut:
Ich teile viele der Beurteilungen, die in Ihrem Leitartikel vom 18.
Dezember bezüglich der ABC-Fernsehdokumentation über den Einsatz chemischer
Waffen in Südostasien und Afghanistan zum Ausdruck kamen. Ich muß mich jedoch gegen die in diesem Leitartikel und in einem früheren Leitartikel zum
gleichen Thema vertretene Auffassung wenden, die Vereinigten Staaten hätten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�hätten sich nicht nachdrücklich genug mit diesem Problem befaßt.
Diese Administration hat dem Problem der Anwendung chemischer Waffen
und von Giftstoffen höchste Priorität eingeräumt. Leitende amerikanische
Regierungsvertreter, darunter Außenminister Haig, haben zahlreiche öffentliche Erklärungen abgegeben, in denen die Aufmerksamkeit auf dieses abscheuliche und ungesetzliche Tun hingelenkt

wurde. Gleichzeitig hat die

Administration umfassende neue bilaterale und multilaterale Kontakte geknüpft, um andere Regierungen dazu zu bewegen, diesem Problem eine ähnliche Priorität einzuräumen. Die Vereinigten Staaten sind in dieser Angelegenheit auch formell und nachdrücklich bei der Sowjetunion und bei den
Regierungen von Laos und Vietnam vorstellig geworden.
Die erste öffentliche Äußerung über die amerikanische Besorgnis bezüglich des Einsatzes chemischer Waffen in Südostasien und Afghanistan erfolgte
vor über zwei Jahren. Vor 18 Monaten hat die Regierung eine 125seitige Zusammenstellung von Beweisen für einen solchen Einsatz veröffentlicht. Diese
Dokumentation wurde im März vorigen Jahres durch eine weitere längere Veröffentlichung ergänzt. Neben öffentlichen Anstrengungen fanden vertrauliche
diplomatische Bemühungen statt. Bereits

1978 begannen die Vereinigten Staa-

ten diese Frage auf diplomatischem Wege, zuerst mit Laos und dann mit Vietnam
und der Sowjetunion aufzugreifen. Im Jahre 1980 brachten die Vereinigten
Staaten dieses Problem zum erstenmal vor die Vereinten Nationen, wo es uns
und anderen besorgten Regierungen gelang, eine internationale Untersuchung herbeizuführen.
Am 13. September 1981 veröffentlichte die Regierung neue dramatische
praktische Beweise, durch die, wie Außenminister Haig feststellte, Toxine
(Giftstoffe) als Bestandteil der chemischen Einsatzmittel identifiziert
wurden, die in Südostasien verwandt werden. Diese Beweise wurden der
Öffentlichkeit und der Weltgemeinschaft zur Verfügung gestellt, nachdem
die Versuche abgeschlossen und die Ergebnisse der Analysen verfügbar waren.
Seither wurden alle nur möglichen Anstrengungen unternommen, um zusätzliche

- 2 -

�um zusätzliche Beweise zu sammeln und der Öffentlichkeit so viele Einzelheiten wie möglich bezüglich der Informationsquellen, der Methoden der Analyse
und der Auswirkungen unserer Befunde zur Verfügung zu stellen. Ohne die Frage einer sowjetischen Beteiligung ganz zu erfassen, haben wir sie sorgfältig
und genau dokumentarisch

belegt. In meinen eigenen Aussagen vor dem Abrü-

stungsunterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Senats am 10. November habe ich die Beweise für die sowjetische Beteiligung in einiger Ausführlichkeit dargelegt. In diesen gleichen Aussagen habe ich die Auffassung
der amerikanischen Regierung deutlich gemacht, daß wir den Einsatz toxischer
Waffen als eine Verletzung des Genfer Protokolls von 1925 und der Konvention über das Verbot biologischer Waffen von 1975 sowie der Regeln des Völkerrechts betrachten.
Diesen Monat wurde der Auftrag für eine Untersuchung durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen erneuert. Trotz heftigen sowjetischen
Widerstandes sicherte dieser Schritt die Unterstützung durch 86 Nationen zehn mehr als im vorigen Jahr, und 66 mehr als die Handvoll von Ländern,
die den sowjetischen Versuch unterstützten, diese Untersuchung zu unterdrücken. Ich bin mir darüber im klaren, daß kein

Bericht der Vereinten

Nationen allein, keine Resolution allein und keine internationale Untersuchung allein genügen werden, um diesem Tun Einhalt zu gebieten. Und doch
bedeutet diese kürzliche Abstimmung in den Vereinten Nationen einen wesentlichen, wenn auch bescheidenen Schritt in unseren ständigen Bemühungen, ein
breites Segment der öffentlichen Meinung der Welt zu mobilisieren, gegen
die Anwendung dieser barbarischen Waffen zu protestieren und die Einstellung
ihrer Anwendung sicherzustellen.
Die Vereinigten Staaten haben eine Reihe von Initiativen ergriffen, um
die Information über den Einsatz chemischer und toxischer Waffen so weit
wie möglich zu verbreiten. Journalisten wurde direkter und umfassender Zugang zu den zuständigen Wissenschaftlern der Regierung, Untersuchungspersonen und Regierungsvertretern gewährt. Im Oktober besuchte eine Gruppe amerikanischer Regierungsvertreter und Experten Europa, wo sie alle verbündeten

- 3 -

�verbündeten Regierungen im Detail über unsere neuesten Beweise unterrichteten. In jeder der besuchten Hauptstädte kam das Team auch mit Journalisten,
Wissenschaftlern und anderen nicht der Regierung angehörenden Persönlichkeiten mit einem potentiellen Interesse an dieser Sache zusammen. Ein ähnliches
Team traf in New York mit der Gruppe der Vereinten Nationen zusammen, die den
Einsatz chemischer Waffen untersucht,

um den schriftlichen Bericht der Ver-

einigten Staaten an die Vereinten Nationen zu ergänzen.
Das Ziel der amerikanischen Regierung bei all diesen Schritten besteht
darin, der Anwendung von chemischen Waffen und Giftstoffen gegen unschuldige
und wehrlose Menschen in Laos, Kambodscha und Afghanistan ein Ende zu bereiten. Ich darf Ihnen versichern, daß wir weiterhin über diesen Einsatz, so
lange er andauert, Informationen sammeln, analysieren und veröffentlichen
werden. Wir werden uns auch weiterhin bilateral, multilateral und vor jedem
möglichen Forum nachdrücklich mit dieser Angelegenheit befassen.
Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht allein handeln, wenn wir
bei der Veröffentlichung und letztlichen Beendigung dieser Greuel Erfolg
haben wollen. Hier haben Privatpersonen und private Organisationen ebenfalls
eine Pflicht zu handeln, und haben die Möglichkeit,wirksam zu handeln. Die
Presse kann eine unerläßliche Rolle als unabhängige Quelle für Beweis und
Analyse spielen. Die Sendung von ABC hat bewiesen, daß es für eine private
Organisation, wenn sie über Entschlossenheit und Initiative verfügt, möglich
ist, Beweise über den Einsatz chemischer und toxischer Waffen zu sammeln,
zu analysieren und auszuwerten. Ich bin sicher, daß Sie sich uns in dem Bemühen anschließen werden, andere dazu zu bewegen, dieser Angelegenheit die
Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient, wie Sie es bezüglich der Anregung eines weltweiten Protestes gegen den Einsatz von Toxinen und anderen
tödlichen und kampfunfähig machenden chemischen Waffen getan haben.
+ + + + +

�6. Januar 1982

1

NEUARTIGE PALLADIUM-KATALYSATOREN
Spezielle Verbindungen auch für Krebstherapie von Interesse
Von G. Weiss

(AD) - Die Erforschung metallorganischer Verbindungen bringt immer wieder Überraschungen. So verwies kürzlich Dr. George R. Newkome, Chemiker an
der Staatsuniversität Louisiana in Baton Rouge, in einem Bericht an die
"National Science Foundation" (NSF-Nationale Forschungsstiftung der USA)
auf neue Möglichkeiten zur Anwendung bestimmter Organoppalladium-Verbindungen sowohl in der chemischen Industrie als auch in der Medizin. Palladium gehört zu den Metallen der Platingruppe und ist ein Edelmetall. Schon
seit einigen Jahrzehnten spielt es als Katalysator - insbesondere bei Hydrierprozessen - eine wichtige Rolle, weil es große Mengen Wasserstoff aufzunehmen vermag. Dieser adsorbierte Wasserstoff ist sehr aktiv und reagiert mit vielen Stoffen, mit denen er normalerweise nicht reagieren würde.
Der Katalysator selbst, ein Hilfsmittel zur Beschleunigung oder Verlangsamung chemischer Reaktionen, erfährt dabei keinerlei chemische Veränderung.
Mit

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�Mit finanzieller Unterstützung der NSF befaßt sich Dr. Newkome vor
allem mit löslichen Katalysatoren. Die jüngsten Untersuchungen galten
einer Klasse metallorganischer Palladiumverbindungen, bei denen Palladium
als zentrales "Kern"-Atom an seinem Platz im Molekül gehalten werden soll,
damit die katalytische Wirkung erhalten bleibt. Laut Newkome fungieren die
Organopalladium-Verbindungen als lösliche Katalysatoren. Winzige Mengen davon sind bei Anwesenheit von Wasserstoff in der Lage, ganz bestimmte organische Moleküle wirksam umzubauen. Da sie gegenüber Hitze, Licht und oxidierenden Prozessen beständig sind, könnten sie nach Ansicht Newkomes und
seiner Mitarbeiter eine wichtige Rolle dabei spielen, die Energiekosten für
zahlreiche chemische Prozesse drastisch zu verringern.
Beispielsweise führen geringe Strukturveränderungen an diesen Molekülen zu Verbindungen, die eine monomolekulare Schicht von metallischem Palladium auf schwer zugänglichen Oberflächen ablagern können. Daraus ergebe sich
eine Möglichkeit, so Dr. Newkome, Bereiche von aktivem Metall in Reaktionsgefäße direkt einzubauen, um so ein katalytisches Medium von einem ganz bestimmten Wirkungsmechanismus zu schaffen. Die Anwendung solcher Organopalladium-Reaktionsmedien bei der Synthese komplexer zwei- und dreidimensionaler Moleküle eröffne einen neuen Weg zu einem höchst interessanten und
aktiven Gebiet der Chemie.
- Chemotherapeutikum Organopa1ladium-Verbindungen einer ganz bestimmten Geometrie müßten
nach Ansicht Newkomes, ähnlich wie die in der Krebstherapie vielfach angewandten cis-Platin-Verbindungen, von hohem therapeutischem Wert sein. Sie
wären wesentlich aktiver und weniger toxisch als die heute in der Krebstherapie üblichen Schwermetall-Präparate.
Von der Forschergruppe Newkome wurden inzwischen bei einer ganzen
Serie von Organopalladium-Verbindungen die für solche Zwecke erforderlichen

- 2 -

�erforderlichen Molekül strukturen "konstruiert" und die Struktur jedes einzelnen Typs bestimmt. Erste Versuche zur Erprobung an Desoxyribonucleinsäure
(DNS) ergaben, daß sie auf diese eine etwa zehntausendfach stärkere Wirkung
haben als cis-Platin-Verbindungen. Die Tendenz zur Zerstörung von Zellen
mit hoher Teilungsrate, die für Krebsgeschwülste typisch sind, ist bei ihnen sehr viel stärker ausgeprägt. Somit wäre es möglich, mit sehr viel niedrigeren Dosen als bei den heute üblichen Präparaten auszukommen, wodurch
das Problem unerwünschter, ja unakzeptabler Nebenwirkungen wie z.B. eine
irreversible Schädigung der Nieren, wesentlich gemildert würde.

+ + + + +

- 3 -

�6. Januar 1982

NATURRÄTSEL AM PLANETEN SATURN
Kondensation kleiner Materieteile in Randbändern der Ringe -

(AD) -- Die Ringscheiben des Planeten Saturn sind erstaunlich dünn,
haben ausgesprochen scharfe Ränder und bestehen teilweise aus Partikeln,
die auf rätselhafte Weise nach ihrer Größe sortiert sind. Dies berichtete
eine Gruppe von Wissenschaftlern der Stanford-Universität (Kalifornien)
auf einer Regionaltagung der "American Geophysical Union" Anfang Dezember
1981 in San Francisco, auf der neue Forschungsergebnisse aus dem N^\SARaumfahrtunternehmen VOYAGER 2 erörtert wurden.
Dr. G. Leonard Tyler und Dr. R. von Eshelman (beide Professoren der
Elektrotechnik) fanden bei der Auswertung von Meßdaten eines Radiowellenexperiments von Bord der Sonde, daß die Dicke der Ringe in vertikaler Richtung bei höchstens 500 m, wahrscheinlich eher bei 400 m liege. Dies gelte
für den gesamten Ringbereich von ca. 180 000 km Ausdehnung.
VOYAGER 2

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�VOYAGER 2 hatte den Planeten bzw. dessen Ringsystem bereits passiert
und sandte nun Radiostrahlen der Frequenzen 3,6 cm (X-Band) und 13 cm (S-Band)
zu der jenseits des Saturn stehenden Erde. Dabei wurden die Radiowellen an den
Planetenringen in einer Weise gestreut und abgelenkt,die Rückschlüsse auf die
Dicke der Ringscheiben und die Größe der darin schwebenden Partikel - von der
Größe eines Golfballs bis zu der eines acht bis zehn Meter großen Hauses zulassen. An den Ringrändern erfuhren die Radiowellen die "klassische" Streuung. Die Beobachtungen ergeben, daß die Ringkante extrem scharf und ziemlich
glatt ist.
Eine Frage war damit beantwortet, die schon vor mehr als 300 Jahren gestellt wurde, nachdem Huygens im Jahr 1656 den Ring des Saturn entdeckt
hatte. Die neuen Erkenntnisse werfen jedoch viele neue Fragen auf: Weshalb
ist z.B. die Materie in den Ringen nicht gleichmäßig verteilt? Es gebe Abschnitte, so Tyler, in denen sehr kleine Partikel im Kantenbereich regelrecht
aufgehäuft seien. Solche Bänder habe VOYAGER 2 entlang der Hauptringe C, B
und A immer wieder gefunden. Die Wissenschaftler bezeichnen sie als "Kondensationen".
Der planetennächste C-Ring wurde von VOYAGER 2 am gründlichsten sondiert. Die ungleichmäßige Materieverteilung in den Kondensationsbereichen
sei, wie Professor Tyler erklärte, ganz auffällig gewesen. "Auf irgendeine
Weise hält die Natur dort Material zurück und häuft es am Rande auf". Welcher mechanische Prozeß dem zugrunde liege, wisse man gegenwärtig nicht. Er
scheine im A-Ring, in der dritten Scheibe, nur teilweise wirksam zu sein,
denn dieser weise an einer der Ringkanten - nicht an beiden - Aufhäufungen
auf. Beim B-Ring sei an einer Außenkante die Aufhäufung kleiner Materieteile deutlich zu beobachten (die andere Randzone wurde nicht untersucht).
An den schmalen Ringen des Planeten Uranus, die jeweils kaum mehr als
100 km breit sind (im Gegensatz zu 18 000 bis ca. 25 000 km Hauptringbreiten beim Saturn), zeigt sich dem Bericht Tylers zufolge ein ganz ähnliches
Phänomen. Wie ein Bedeckungsexperiment mit Hilfe eines Sterns ergab, ist dort

�ist dort im Randbereich ebenfalls eine Kondensation von Partikeln zu beobachten, die etwa die gleiche Größe wie die Partikel der aufgehäuften Materie in den Saturn-Ringen haben dürften.
Professor Tyler und seine Mitarbeiter wollen als nächstes die Auswertung der Meßdaten vom B-Ring des Saturn zu Ende führen und dann versuchen,
den relativen Anteil der großen und kleinen Partikel in den Ringen herauszufinden. Die Meßdaten aus dem Radiowellenexperiment mit X-Band und S-BandImpulsen ergaben außerdem, daß in der großen Lücke zwischen dem A- und B-Ring,
in der sogenannten Cassini-Teilung, kleine Partikel fast völlig fehlen, dagegen Materietrümmer von etwa 10 m Größe verhältnismäßig häufig anzutreffen
sind. Woraus die Ringmaterie besteht, weiß man nicht. Jedoch gibt es gute
Gründe für die Annahme, daß es sich hauptsächlich um Eisbrocken handelt.
- Heißes Gas im Bahnbereich von drei Saturnmonden Knapp 100 000 km außerhalb des Saturn-Ringsystems registrierte
V0YAGER 2 den Beginn einer ringwulstförmigen Zone sehr heißen Gases. Sie
hat etwa 450 000 km Durchmesser und reicht bis ungefähr 12 Saturn-Radien,
d.h. bis ca 720 000 km Entfernung vom Planeten in den Raum hinaus. Auf der
Tagseite ist ihre Ausdehnung merklich größer als auf der im Planetenschatten liegenden Seite.
Das dünne Gas - pro Kubikmeter dürften kaum mehr als 1000 Teilchen
vorhanden sein - war zur Zeit des Durchgangs von VOYAGER 2 ungefähr 300
mal heißer als die Sonnenkorona. Es ist dies der schwache, ausgedehnte
Strahlenkranz der Sonne mit sehr dünner Gasatmosphäre, die angesichts der
Bewegungsgeschwindigkeit der Partikel eine Temperatur von 1,2 bis 1,5
Millionen Grad haben dürfte.
Im Jahr 1979 hatte VOYAGER bereits eine heiße Plasma-Wolke um den Planeten Jupiter entdeckt, die jedoch nur die Hälfte der Temperatur besaß, die
im August 1981 in Saturn-Nähe gemessen wurde. Dr. S.M. Krimigis, Chefwissen-

�Chefwissenschaftler des Raumfahrtdepartments am Institut für angewandte
Physik der Johns Hopkins-Universität (Baltimore, Maryland), berichtete, daß
in dem betreffenden Bereich von der US-Sonde PIONIER 11 im Jahr 1979 und von
VOYAGER 1 im November 1980 relativ "kühles", wenn auch ein paar Millionen
Grad heißes Plasma registriert worden sei. Dessen Dichte war ungefähr Tausendmal größer als die des superheißen Gases, das VOYAGER 2 beobachtete. Es
befindet sich in einer Region, in der die Monde Dione und S-12 (Abstand
vom Planetenzentrum 377 000 km) sowie Rhea (526 800 km) den Saturn umkreisen.

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                    <text>^^^P^PV^^V^H

17. Dezember 1980

55 A

I N H A L T

INFORMATION
Alexander M. Haig, Jr.: Außenminister in spe
Caspar W. Weinberger:
Donald Regan:

Verteidigungsminister in spe

Finanzminister in spe

William French Smith:

Justizminister in spe

Malcolm Baldrige:

Handelsminister in spe

Andrew L. Lewis:

Verkehrsminister in spe

Raymond J. Donovan:
Richard S. Schweiker:

Arbeitsminister in spe
Minister für Gesundheit und Sozialwesen in spe

Dave Stockman:

Direktor des Amtes für Haushaltsplanung in spe

William Casey:
in spe

Direktor des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr

Um Über/endung von
ßckgcHcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�^

ITT
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17. Dezember 1980

55

ALEXANDER M. HAIG, JR.:

AUSSENMINISTER IN SPE

- (AD) - Mit der Nominierung des früheren Generals Alexander
M. Haig, Jr. zum Außenminister der Regierung Ronald Reagans wird in das
Machtzentrum Washingtons ein Mann zurückkehren, dessen Wirken sowohl
während republikanischer als auch demokratischer Regierungen ihn als
einen Mann ausweist, der sich durch seine Intelligenz, seine harte Arbeit
und seine Effizienz in vielen Krisenlagen bewährt hat.
Viele halten es für das Verdienst Haigs, als Stabschef des Weißen
Hauses in den letzten Monaten der durch den Watergate-Skandal erschütterten
Regierung Nixons die Präsidentschaft selbst vor dem Zusammenbruch bewahrt
und den Weg für einen geordneten Übergang der Macht an Gerald Ford bereitet
zu haben.
Respekt erwarb sich Haig danach als NATO-Oberbefehlshaber durch
seine Verbesserungen bei Ausbildung und Strategie des Bündnisses. Zugleich machte er sich für die Einführung der Neutronenwaffe stark. Es
hieß, daß er 1978 ernste Differenzen mit der Regierung Carter hierüber

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i

�hierüber hatte und mit seinem Rücktritt wegen der Entscheidung Washingtons
drohte, die Produktion dieser Waffe hinauszuschieben.

Bei der NATO

verbrachte Haig viereinhalb Jahre; sein Rücktritt als Vier-Sterne-General
kam 1979 dennoch recht unerwartet und war begleitet von seinen beredt
vorgetragenen Besorgnissen über die intensiven militärischen Anstrengungen
der Sowjets in Europa und ihre "offenkundige, illegale ... Intervention
in der Dritten Welt."
1947 ging Haig von der amerikanischen Militärakademie ab und erhielt
1961 seinen M.A. in Internationalen Beziehungen von der Georgetown-Universität.
Zu Beginn der sechziger Jahre arbeitete er als Assistent für Cyrus Vance,
der damals Armeeminister und später Stellvertretender Verteidigungsminister
war.

Mitte der sechziger Jahre nahm Haig als Kommandeut des 1. Battaillons

der 26. Infantriedivision am Krieg in Vietnam teil.
Zu Beginn der Präsidentschaft Richard Nixons machte Henry Kissinger
als Nationaler Sicherheitsberater Haig zu seinem Berater für Militärfragen im Nationalen Sicherheitsrat. Unter Haig wurde dessen Stab
reorganisiert, um den Informationsfluß und Gedankenaustausch zu verbessern.
Er hielt die Verbindung zwischen Pentagon und Außenministerium und leitete
die Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrates in Abwesenheit von Kissinger.
Für diesen war er ein "unentbehrlicher Stellvertreter".
1970 stieg Haig zu einem der wichtigsten Helfer des Präsidenten
auf und besuchte mehrmals Vietnam, um Nixon unmittelbare Eindrücke der
Kriegslage zu verschaffen.

Dabei gelang es Haig auch, die südvietnamesische

Einwilligung in das Waffenstillstandsabkommen von 1973 zu erhalten.
1972 ging er in die Volksrepublik China, um die Vorbereitungen
für den historischen Besuch Nixons in diesem Land zu treffen.
Trotzdem

�Trotzdem zog es Haig wieder zum Militär, und so beförderte ihn
Nixon vom Zwei-Sterne-Generalmajor zum Vier-Sterne-General.

Im Januar 1973

wurde Haig Stellvertretender Stabschef der Armee.
Mitte 1973 erzwang die Watergate-Krise jedoch den Rücktritt der
engsten Mitarbeiter Richard Nixons; Haig kam ins Weiße Haus zurück und
wurde Stabschef, wobei Nixon sich mit Verschärfung der Krise zunehmend
auf ihn stützte. Haig war sich des Opfers und der Last bewußt, die er
auf sich nahm, und bemerkte damals ironisch, er sei "ein historisches
Phänomen: der erste General im aktiven Dienst, der vom Militärdienst
zurücktreten muß, um in den Kampf zu ziehen." Andererseits habe er
"keine Alternative, als zu kommen".
Sechs Wochen noch war Haig dann Stabschef unter Präsident Ford,
bevor ihm dieser die beiden angesehensten militärischen Positionen übertrug, die es für einen amerikanischen Offizier im Ausland gibt: er ernannte
ihn zum Alliierten Oberbefehlshaber in Europa und zum Oberkommandierenden
der amerikanischen Streitkräfte in Europa.
Gefragt, ob ihm seine Tätigkeit in den letzten Tagen der Regierung
Nixons schaden könnte, antwortete Haig: "Ich hege absolut keine Gewissensbisse hinsichtlich meines Verhaltens in jener Zeit.

Ich nehme an, daß

die eine oder andere Entscheidung auf diesem Weg im nachhinein etwas
anders hätte ausfallen können.

Aber im wesentlichen bin ich stolz auf das,

was ich getan habe."
Haig, der jetzt 56 Jahre alt ist, legt bei seiner Rückkehr nach
Washington den Posten eines Präsidenten bei der Firma "United Technologies"
nieder, ein Unternehmen, das zu den 20 größten der Vereinigten Staaten
gehört.
(Auch Haig muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offizell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)
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�17. Dezember 1980

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CASPAR W. WEINBERGER: VERTEIDIGUNGSMINISTER IN SPE

- (AD) - Caspar Weinberger, den der designierte Präsident Ronald
Reagan fUr das Amt des Verteidigungsministers ausersehen hat, verfügt
über eine reiche Erfahrung im Regierungsdienst und in der Wirtschaft.
Jahrgang 1917, ist Weinberger Vizepräsident der Bechtei Power Corporation,
einer Kraftwerkgesellschaft in San Franzisko, und gilt als Vertrauter
Reagans.
Dem Mann, der unter Präsident Nixon Direktor des wichtigen Amtes
für Haushaltsplanung war, wird zu getraut, das notwendige Geld für notwendige neue Waffensysteme aufzubringen und gleichzeitig den Verteidigungshaushalt zu straffen. Aus jener Zeit stammt sein Spitznamen "Cap the
Knife", frei nach Mackie Messer, denn es gelang ihm in jenen Jahren,
den Bundeshaushalt zurückzustutzen.
Schon als Budgetdirektor war sich Weinberger über die "komplexen
Faktoren" des Verteidigungshaushaltes im klaren, bei dem es um die
komplizierteste Technologie, heikelste Diplomatie und komplizierteste

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�komplizierteste Strategie gehe, wobei man nur bedingt künftige Ereignisse
voraussagen oder beeinflussen könne.
Weinberger hatte unter Nixon auch den Posten des Ministers für
Gesundheit, Erziehung und Sozialwesen inne.
Caspar W. Weinberger wurde am 18. August 1917 in San Franzisko
geboren und besuchte nach seiner Schulzeit dort das College und anschließend die Juristische Fakultät der Harvard-Universität.

Im Zweiten

Weltkrieg trat er in die amerikanische Armee ein, wo er zuletzt in der
Aufklärungsabteilung im Hauptquartier von General McArthur tätig war
und als Hauptmann entlassen wurde.
Nach dem Kriege begann Weinberger eine Anwaltspraxis in Kalifornien
und kam zum erstenmal mit der Republikanischen Partei in Berührung. Er
wurde dreimal als Abgeordneter in die Gesetzgebende Versammlung (Parlament)
des Staates Kalifornien gewählt (1952-58). Er wurde 1960 Stellvertretender
Vorsitzender des Zentralausschusses der Republikanischen Partei in Kalifornien und 1962 dessen Vorsitzender.
Anfang bis Mitte der sechziger Jahre galt Weinberger als Liberaler,
als er jedoch Ende der sechziger Jahre Finanzdirektor des damaligen
Gouverneurs des Staates Kalifornien, Ronald Reagan, v^urde, nahm er in
zunehmendem Maße eine finanzpolitisch konservative Haltung ein. Die
Tendenz zu immer höheren Staatsausgaben, so seine Auffassung, sei nicht
"unausweichlich". Als er 1975 sein Amt als Gesundheitsminister in
Washington aufgab, warnte Weinberger vor der Gefahr einer alles überwuchernden Bundesregierung.
"Wenn diesem Wachstum nicht Einhalt geboten wird", sagte er damals,
"dann könnte es uns unserer kostbarsten persönlichen Freiheiten berauben.
Es erschüttert auch die Grundlagen unseres Wirtschaftssystems."
Erst
- 2 -

�Erst kürzlich, als von Reagan berufener Vorsitzender des Koordinierungsausschusses für die Wirtschaftspolitik, forderte er sofortige und tiefgreifende Ausgabenkürzungen.

Niemand, auch nicht die Minderheiten, sollten

sich jedoch wegen dieser Kürzungen Sorgen machen, da es um eine Straffung
und Verbesserung vor allem des Sozialsystems gehe, wie sie Reagan als
Gouverneur in Kalifornien erfolgreich praktiziert habe.
Weinberger ist mit der geborenen Jane Dal ton verheiratet und hat
zwei Kinder.
(Weinberger muß wie alle seine Kabinettskollegen nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten am 20. Januar 1981 von diesem offiziell
nominiert und vom Senat in seinem Amt bestätigt werden.)

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�17. Dezember 1980

55

DONALD REGAN: FINANZMINISTER IN SPE

- (AD) - Donald T. Regan, den der designierte Präsident zum Finanzminister
bestimmt hat, wird einen Posten übernehmen, den viele Kenner der politischen
Szene als die für Wirtschaftsfragen entscheidende Schaltstelle der Regierung
ansehen.

So wird der kommende Finanzminister als eine seiner ersten bedeut-

samen Aufgaben die von der neuen Regierung geplanten umfangreichen Steuersenkungen verwirklichen müssen.

Dabei macht ein Blick auf die Rezepte, die Regan

zur Heilung der Wunden des amerikanischen Wirtschaftslebens bereithält, deutlich, daß sie sich nur wenig von denen des neuen Präsidenten unterscheiden.
Im Verlauf einer Anhörung vor dem zuständigen Ausschuß des Repräsentantenhauses, schlug Regan im Rahmen eines dreiteiligen Anreizprogramms bei den Steuern unter anderem eine großzügigere Abschreibung vor, die es der Wirtschaft
erlauben soll, die Kosten neuer Investitionen rascher von ihrem zu versteuernden Einkommen abzusetzen, als dies gemäß derzeit geltendem Recht der Fall ist.
Außerdem regte er eine Verminderung der Kapitalertragssteuer auf einen Höchstsatz von 21 Prozent an sowie eine Ausweitung der gegenwärtigen Steuerklassen,
um die Inflationswirkung auszugleichen. Alle diese Vorschläge werden vom designierten Präsidenten unterstützt. Genau wie dieser glaubt Regan daran,
daß Steuersenkungen das Wirtschaftswachstum ankurbeln werden, ohne zugleich

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�zugleich inflationär zu wirken.

"Zusätzliches Wirtschaftswachstum und zusätz-

liche Steuereinnahmen würden durch günstige Stellenangebote, Ersparnisse und
die Auswirkungen auf Investitionsanreize geschaffen, die die Steuersenkungen
hervorrufen würden", unterstreicht Regan.
Regan setzt sich außerdem für eine Gesetzgebung ein, die auf ein niedrigeres Niveau der öffentlichen Ausgaben abzielt.

Derzeit machen diese Ausgaben

etwa 22 Prozent des amerikanischen Bruttosozialproduktes aus.
Auf einer Pressekonferenz am 11. Dezember betonte Regan, daß die Inflation
noch immer das Hauptproblem der amerikanischen Wirtschaft darstelle.

Deshalb

muß seiner Meinung nach das Wirtschaftsprogramm der neuen Regierung auch beides
umfassen: Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen.

Nur so könne das Land seine

Verteidigungsausgaben erhöhen, ohne zusätzliche inflationäre Kräfte freizusetzen.

Bis zur endgültigen Ausarbeitung des Programms besteht nach Ansicht Regans

die einzig richtige Art der Inflationsbekämpfung in einer Politik des knappen
Geldes.
Regan wurde am 21. Dezember 1918 in Cambridge im Bundesstaat Massachusetts
geboren.

Nachdem er 1940 seine Studien an der Harvard-Universität abgeschlossen

hatte, trat er in das Marinekorps ein und ging am Ende des Zweiten Weltkrieges
im Range eines Oberstleutnants ab.
Neben seiner Tätigkeit als Präsident der bekannten Börsenmaklerfirma
Merrill Lynch war Regan von 1972-75 Stellvertretender Vorstandsvorsitzender
der New Yorker Börse. Außerdem ist er Mitglied des privaten Rates für Auswärtige Beziehungen und anderer privater und gemeinnütziger Organisationen, die
geschaffen wurden, um Geschäfts- und Wirtschaftsbeziehungen in aller Welt zu
fördern.

Schließlich war Regan von 1974 bis 1978 Vorsitzender des Kuratoriums

der Universität von Pennsylvania.

Außerdem veröffentlichte er ein Buch und

zahlreiche Artikel über Finanz- und Wirtschaftsfragen.
(Regan muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)
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�17. Dezember 1980

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WILLIAM FRENCH SMITH: JUSTIZMINISTER IN SPE

- (AD) - Für den Posten des amerikanischen Justizministers hat der designierte Präsident Ronald Reagan den 63jährigen William French Smith nominiert,
mit dem ihn ein über fünfzehnjähriges enges Vertrauensverhältnis verbindet.
Smith ist Anwalt und Mitinhaber (senior partner) eines der größten Anwaltsbüros von Los Angeles.

Zu seinem Spezialgebiet gehören Verhandlungen

mit den Gewerkschaften, bei denen er die Belange der Arbeitgeber vertreten hat.
Smith hat sich auch viele Jahre lang aktiv in der Politik betätigt und
im Jahre 1972 auf dem Republikanischen Konvent die Delegation von Kalifornien
geführt. Bei den Wahlkampagnen Reagans war er ein entschiedener Befürworter
der Nominierung seines Freundes zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten.
Als Gouverneur von Kalifornien berief Reagan ihn in den Senat der Universität von Kalifornien.

Seit 1971 gehört Smith dem amerikanischen Beratungs-

ausschuß für Fragen der Weltpolitik, der Erziehung und Kultur an.

Er ist außer-

dem Präsident des Rates für weltpolitische Angelegenheiten von Los Angeles und
Mitglied des beratenden Ausschusses des Zentrums für strategische und internationale Studien der Georgetown-Universität.
Smi th

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�Smith hat ferner einen Sitz im Aufsichtsrat dreier großer amerikanischer
Firmen:

der Pacific Lighting Corporation, der Jorgensen Steel Company und

der Pullman, Incorporated.
Smith wurde in New Hampshire geboren und wuchs in Boston auf. Er studierte an der Universität von Kalifornien und schloß sein Studium mit den höchstmöglichen Noten ab. Während des Zweiten Weltkrieges diente er bei der Marine
und wurde zum Leutnant befördert.
(Smith muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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17. Dezember 1980

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MALCOLM BALDRIGE: HANDELSMINISTER IN SPE

- (AD) - Malcolm Baldrige, Leiter eines führenden Industrieunternehmens, wurde von Ronald Reagan zum Handelsminister seiner Regierung
auserwählt.
Baldrige, 58 Jahre alt, steht derzeit noch an der Spitze der Firma
Scovill-Aktiengesellschaft in Watersbury, Connecticut. Er trat 1962
in das Unternehmen ein und wurde bereits ein Jahr später Vorsitzender
des Vorstands. Unter seiner Führung verlagerte Scovill seine Aktivitäten
im Metallbereich und in der Herstellung von Industriegütern hin zu einer
diversifizierten Produktion von Haushaltsgeräten, mechanischen AusrUstungsgütern und automatischen Industrieanlagen. Zur Firma gehören 85 Zweigstellen in den Vereinigten Staaten sowie in 22 anderen Staaten. Ihr
Umsatz stieg von 169 Millionen Dollar im Jahr 1963 auf 929 Millionen im
Jahr 1979. Dies brachte ihr den 300. Rang in der von der Fachzeitschrift
"Fortune" herausgegebenen Liste der 500 führenden Industrieunternehmen in
den Vereinigten Staaten ein.

Die

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�Die Hauptaufgabe des Handelsministeriums besteht darin, die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten zu stärken.

Dies geschieht

durch eine vielfältige Dienstleistung, zu der die Sammlung statistischer
Unterlagen ebenso gehört wie Hilfestellung für Firmen und Förderung
amerikanischer Exporte.
Im Laufe einer Veranstaltung in Washington am 11. Dezember 1980,
auf der einige der neuernannten Mitglieder der Regierung Ronald Reagans
der Presse vorgestellt wurden, erklärte Baldrige, daß er eine seiner Hauptaufgaben im Handelsministerium darin sehe, die Produktivität des amerikanischen
Geschäftslebens zu erhöhen.

Zu den Überlegungen in diesem Rahmen gehören

seiner Meinung nach steuerliche Maßnahmen, Erleichterungen im Bereich
von Regierungsvorschriften und Verbesserung nicht nur der Arbeitsproduktivität,
sondern auch der Produktivität im Management.
Während der Vorwahlen des Jahres 1980 leitete Baldrige den erfolgreichen
Wahlkampf des Vizepräsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei,
George Bush, im Bundesstaat Connecticut. Nachdem Reagan von seiner Partei
zum Präsidentschaftskandidaten ausersehen worden war, wurde Baldrige
stellvertretender Vorsitzender einer landesweiten Vereinigung, die sich
"Geschäftsleute für Reagan" nannte.
Baldrige, der schon seit langem als ein gemäßigter Republikaner
gilt, wurde am 4. Oktober 1922 in Omaha im Bundesstaat Nebraska geboren.
Als Jugendlicher verbrachte er seine Sommerferien auf Rinderfarmen und
wurde dabei zum Spezialisten mit dem Lasso - ein Hobby, dem er auch heute
noch nachgeht: er gewann eine Vielzahl von Rodeo-Meisterschaften und war
ehemals Direktor des Verbandes der Rodeo-Reiter.
Im Jahr 1943 ging Baldrige mit einem B.A. von der Yale-Universität
ab und diente von 1943 bis 1946 in der amerikanischen Armee, wo er es
bis zum Hauptmann brachte. Den Krieg erlebte er im Pazifik. 1947 trat

- 2 -

�trat er in die "Eastern Company" ein, einer Metallwarenfirma in Connecticut,
und arbeitete sich zum Präsidenten dieser Firma empor, bevor er zu
Scovill überwechselte.
Neben seiner Tätigkeit bei dieser Firma sitzt Baldrige zudem noch im
Vorstand mehrerer anderer großer Unternehmen. Er ist Mitglied des "Business
Council", einer Organisation führender amerikanischer Geschäftsleute;
außerdem noch im Rat für auswärtige Beziehungen und in der Internationalen
Handelskammer.
Baldrige ist verheiratet und hat zwei Töchter.
(Baldrige muß wie alle seine Kabinettskollegen nach dem Amtsantritt
des neuen Präsidenten am 20. Januar 1981 von diesem offiziell nominiert
und vom Senat in seinem Amt bestätigt werden).

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17. Dezember 1980

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ANDREW L. LEWIS: VERKEHRSMINISTER IN SPE

- (AD) - Wenn die Wahl des designierten Präsidenten Ronald Reagan für
den Verkehrsminister der Vereinigten Staaten auf Andrew L. Lewis, Jr. fiel,
dann hat das sicherlich mit dessen reicher Erfahrung mit den amerikanischen
Eisenbahnen zu tun.
Während der letzten zehn Jahre war Andrew Lewis - "Drew", wie ihn seine
Freunde nennen - Mitglied des Aufsichtsrates der Reading Company of
Pennsylvania, die ein Fracht- und Massentransit-Eisenbahnnetz betreibt, das
Williamsport in Pennsylvania und Wilmington in Delaware mit New York verbindet.

(Die Eisenbahnen in den USA werden von Privatgesellschaften betrieben.)

Lewis ist Mitglied der Delaware River Port Authority - Hafenaufsichtsbehörde - und war auch in dem privaten World Affairs Council - Rat für Weltpolitik -,dem Direktorium der Temple-Universität in Pennsylvania und in zahlreichen anderen öffentlichen Interessengruppen aktiv tätig. Der Republikanischen
Partei ist er seit über zehn Jahren verbunden und hat die Präsidentschaftskandidatur Reagans nachdrücklich unterstützt. Seit 1968 hat er an jedem Parteikonvent der Republikaner teilgenommen. Seine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von Pennsylvania im Jahre 1974 schlug jedoch fehl.
Seit

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�Seit 1975 leitet Lewis seine eigene Finanz- und Unternehmensberatungsfirma, zu deren Kunden führende Firmen, wie die First Pennsylvania Bank und
Builders Investment Group gehören.

Die Reading Eisenbahngesellschaft, der

sein Hauptinteresse während der letzten zehn Jahre galt, hat rund 10 000 Beschäftigte und befördert jährlich rund 10 Millionen Passagiere. Sie hat ferner eine Tochtergesellschaft für den Straßengüterverkehr; ihr Bruttoertrag
für 1979 wird mit 150 Millionen Dollar, das Anlagevermögen mit rund 325 Millionen Dollar angegeben.
Im Jahre 1976 wurden die Reading Company und fünf weitere Eisenbahngesellschaften im Nordosten der Vereinigten Staaten zu einem neuen Verbund,
der Consolidated Rail Corporation, zusammengeschlossen.

An dieser Neuord-

nung, deren letzte Maßnahmen Ende 1980 abgeschlossen werden, war Lewis wesentlich beteiligt.
In den sechziger Jahren war Lewis in leitender Position bei einer ganzen
Reihe von Firmen tätig gewesen, darunter die Simplex Wire and Cable Company
in Boston und die National Gypsum Company in Buffalo.
Andrew L. Lewis wurde am 3. November 1931 in Philadelphia geboren, absolvierte das Haverford College in Pennsylvania und erwarb 1955 an der
Harvard-Universität seinen Master of Business Administration

(Betriebswirt-

schaft).
Lewis ist verheiratet mit der geborenen Marilyn Stoughton und hat drei
Kinder.
(Lewis muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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�17. Dezember 1980

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RAYMOND J. DONOVAN: ARBEITSMINISTER IN SPE

- (AD) - Als Arbeitsminister hat der künftige Präsident Ronald Reagan
den Spitzenmanager einer Straßenbaufirma im Bundesstaat New Jersey vorgesehen,
der für seine Fähigkeit bekannt ist, bei Verhandlungen mit den Gewerkschaften
hart, aber fair aufzutreten. Bei den Baugewerkschaften im Nordosten der USA
genießt Raymond J. Donovan Achtung, weil er ihren Standpunkt am Verhandlungstisch stets gewürdigt hat. Hierfür ist nicht zuletzt die Tatsache verantwortlich, daß Donovan selbst einmal Gewerkschaftsmitglied war. Seine Rolle bei
Lohnverhandlungen führte ihn zu der Schlußfolgerung, daß "die Gewerkschaften
eine ganze Menge zu unserem Wirtschaftsleben und unserem Land beitragen."
Der 50jährige Donovan übernimmt das Arbeitsministerium in einer Zeit, da
die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern verhältnismäßig gespannt sind.

Die vom Arbeitsministerium erarbeiteten und durchgesetzten Re-

geln und Bestimmungen werden von großen Teilen der Geschäftswelt und des
Kongresses zunehmend in Frage gestellt. Während die Gewerkschaften sich im
allgemeinen für eine strengere Durchsetzung etwa der Sicherheitsbestimmungen
für die Arbeiter starkmachen, führen viele Geschäftsleute und Unternehmer an,
daß dies die Produktionskosten erhöhe, ohne den Arbeitern wirklich konkrete
Vorteile zu verschaffen.
Eine

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�Ein weiterer wahrscheinlicher Streitpunkt zwischen Unternehmern und
Gewerkschaften wird wohl die geplante Erhöhung der amerikanischen Mindestlöhne sein, die sich gerade 1981 wegen der derzeitigen Konjunkturschwäche
der amerikanischen Wirtschaft besonders stark bemerkbar machen dürfte.
Während die Gewerkschaften zudem noch Mindestlöhne anstreben, die inflationssicher sein sollen, sehen die Unternehmer, aber auch viele Wirtschaftswissenschaftler darin einen Faktor, der ebenfalls zu der hohen Arbeitslosenrate bei Jugendlichen und ungelernten Arbeitern beiträgt.
Donovan, der in Bayonne im Bundesstaat New Jersey geboren wurde, wurde
1950 Mitglied der Gewerkschaft der Brauereiarbeiter, als er aushilfsweise im
Sommer bei der Ballantine-Brauerei beschäftigt war.

1952 und 1953 war er

Mitglied der Elektrikergewerkschaft.
Nachdem er seine Studien am Notre Dame-Seminar in New Orleans, Louisiana,
mit einem Diplom in Philosophie abgeschlossen hatte, arbeitete Donovan von
1953 bis 1958 für eine amerikanische Versicherungsgesellschaft in New Jersey.
Nachdem er 1959 in die Baufirma Schiavone eingetreten war, wurde er dort
bereits 1971 zum Verwaltungsdirektor ernannt.

Für die Gewerkschaften ist er

zudem der entscheidende Ansprechpartner seiner Firma.
Donovan ist verheiratet und hat drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter.
(Donovan muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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17. Dezember 1980

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RICHARD S. SCHWEIKER: MINISTER FÜR GESUNDHEIT UND SOZIALWESEN IN SPE

- (AD) - Mit Richard Schweiker holte sich Reagan einen Mann in das Kabinett,
der ihm bestens vertraut ist. Hatte er ihn doch 1976 bei seinem fehlgeschlagenen
Versuch, die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei zu erringen, als Vizepräsidentschaftskandidaten vorgesehen.
Senator Schweiker aus Pennsylvania übernimmt als Minister für Gesundheit
und Sozialwesen ein Ministerium, dessen Haushalt der zweitgrößte hinter dem
Verteidigungshaushalt ist, hier werden rund ein Drittel der Bundesausgaben und
45 Prozent der nicht militärischen Ausgaben verwaltet.
Vor vier Jahren galt Schweiker als einer der liberalsten Republikaner im
Senat; nachdem 1976 sein Streben nach der Vizepräsidentschaftskandidatur fehlschlug, wandte er sich jedoch mehr und mehr dem traditionellen konservativen
Denken der Republikanischen Partei zu. Während seiner 20 Jahre im Kongreß erwarb er sich den Ruf eines harten Arbeiters, der in jeder Frage eine eigene
Meinung vertrat. Schweikers Devise wurde die "Unabhängigkeit" und er haßte
immer vorgeformte Ansichten.
Beobachter

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�Beobachter bezeichnen Schweiker als einen pragmatischen Politiker, der
sich auf seine Wähler einstellt.
konservativ.

Freunde bezeichnen ihn als flexibel und

Während seiner acht Jahre im Repräsentantenhaus vertrat er die

mehr konservative Haltung seiner Wähler im Vorort von Philadelphia, als Senator des Staates Pennsylvania legte er eine liberalere Haltung an den Tag.
Allerdings legte er als Maßstab an alle Programme den Erfolg an.

Der Kongreß

müsse nicht nur unnötige Dinge ablehnen, sagte er, sondern auch untersuchen,
ob ein vielleicht sogar gutes Programm wirklich lebenswichtig sei.
Im Januar 1979, zwei Jahre vor Ablauf seiner Wahlperiode als Senator
(sechs Jahre), gab er bekannt, daß er auf eine weitere Kandidatur verzichten
und sich für die Nominierung Reagans als Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei einsetzen wolle.
• Richard S. Schweiker wurde am 1. Juni 1926 in Norristown in Pennsylvania
geboren und wuchs in dem nahegelegenen Worcester auf.

Im Alter von 17 Jahren

trat er in die amerikanische Marine ein und diente während des Zweiten Weltkrieges an Bord eines Flugzeugträgers.

Nach dem Kriege besuchte er die Staats-

universität von Pennsylvania und schloß 1950 seine Studien erfolgreich ab.
Bevor er sich zum erstenmal für den Kongreß zur Wahl stellte, war Schweiker
zwei Jahre in der Firma seines Vaters im Verkauf von Ziegeln und Fließen
tätig.
Nach viermaliger Wahl zum Abgeordneten bewarb er sich 1968 um die Wahl
in den amerikanischen Senat, die er auch gewann.

Im Senat war er Mitglied

des Unterausschusses für die Bewilligung der Gelder für das Gesundheits- und
Sozialwesen.
Schweiker gehört einer kleinen protestantischen Sekte,der Central
Schwenkenfeiders Church.an, die im Jahre 1734 aus Deutschland nach Pennsylvania
kam und heute rund 3000 Mitglieder zählt.
Er

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Er ist mit der geborenen Ciaire Coleman verheiratet und hat fünf Kinder.
(Schweiker muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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�17. Dezember 1980

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DAVE STOCKMAN: DIREKTOR DES AMTES FÜR HAUSHALTSPLANUNG IN SPE

- (AD) - In den Hallen des amerikanischen Kongresses kennt man David
Stockman, auf den die Wahl Ronald Reagans für die Stelle des Direktors des
Amtes für Haushaltsplanung gefallen ist, als Verfechter einer konservativen,
am freien Unternehmertum ausgerichteten Wirtschaft. Stockman, republikanischer Kongreßabgeordneter für den Bundesstaat Michigan, ist einer der herausragenden Vertreter jener Wirtschaftstheorie, die sich für umfangreiche
Steuersenkungen, höchstmögliche Senkung der öffentlichen Ausgaben und
drastische Verringerung der staatlichen Regelungen für die Geschäftswelt
einsetzt. Diese Maßnahmen würden, so Stockman, zu einem Anstieg der Produktivität und zu erhöhter Produktion ohne Beschleunigung der Inflation
führen.
Als Direktor des Amtes für Haushaltsplanung wird Stockmans Hauptaufgabe darin bestehen, den Bundeshaushalt vorzubereiten, den der Präsident jährlich dem Kongreß vorzulegen hat.

Auf einer Pressekonferenz erklärte Stockman

am 11. Dezember, daß er beabsichtige, die von dem designierten Präsidenten
Reagan eingegangene Verpflichtung zu erfüllen, die Bundesausgaben im laufenden Haushaltsjahr, das am 30. September 1981 zu Ende geht, um 2 Prozent gegenüber ihrem derzeitigen Stand zu kürzen.

"Es gibt keinerlei Anzeichen dafür,

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A

�dafür, daß wir uns dieser Verpflichtung entziehen".
Stockman ist außerdem ein entschiedener Verfechter des Kemp-RothSteuervorschlags, der darauf abzielt, die Steuern der Bürger im Lauf der
nächsten drei Jahre um 30 Prozent zu senken:

"Der Plan von Kemp-Roth stellt

nicht einfach eine simple Empfehlung für die Steuertabellen der Finanzämter
dar; er ist vielmehr eine neue Prämisse des wirtschaftlichen Wachstums, der
sozialen Mobilität und des nichtinflationären Wohlstands", schrieb Stockman
in einem Artikel der "Washington Post" am 15. Juli 1980.

"Die Idee von

Kemp-Roth richtet das Interesse wieder auf Anreize und Möglichkeiten für den
Produzenten, auf die Wunderwirkung der Leistung des Marktes, auf Kompetenz
und Innovation, auf die derzeit eingeholte Flagge einer stabilen Währung."
Stockman wendet sich gegen staatliche Eingriffe ins Marktgeschehen.
Er lehnte jenes Gesetz aus dem Jahr 1979 ab, das Darlehensgarantien gab,
um die Autofirma Chrysler vor dem Bankrott zu bewahren - und dies, obgleich
Chrysler in Michigan ansässig ist, dem Bundesstaat,aus dem er in den Kongreß
gewählt wurde.
Stockman wurde am 10. November 1946 in Texas geboren, wuchs in St. Joseph,
Michigan, auf und schloß seine Studien an der Staatsuniversität von Michigan
1968 mit einem Diplom für Geschichte ab. Im gleichen Jahr schrieb er sich
an der Harvard Divinity School ein und unterbrach diese Studien lediglich
1970, um einen Posten beim Stab des Republikaners John Anderson anzunehmen.
Im Jahre 1972 wurde Stockman zum Exekutivdirektor des "Republican
Conference Comittee" des Repräsentantenhauses ernannt, ein Amt, das er 1975
niederlegte, um sich auf seinen Wahl kämpf als Kongreßabgeordneter zu konzentrieren.

1976 gewann er die Wahl für das Repräsentantenhaus und wurde

1978 sowie im vorigen November wiedergewählt.
Stockman

�Stockman, der Junggeselle ist, interessiert sich im Kongreß vor allem
für die Themen Energie und Wirtschaft.

Er ist Mitglied des Zwischenstaat-

lichen Ausschusses und des Ausschusses für Außenhandel.
(Stockman muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

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�17. Dezember 1980

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WILLIAM CASEY: DIREKTOR DES ZENTRALAMTES FÜR NACHRICHTEN UND
ABWEHR IN SPE

WASHINGTON - (AD) - William Casey, Leiter des Wahlkampfes von Ronald
Reagan und während des Zweiten Weltkrieges als Nachrichtenoffizier in Europa
tätig, wurde vom designierten Präsidenten zum neuen Chef des amerikanischen
Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) vorgesehen.
Casey übernahm im Februar 1980 die führende Rolle im Wahl kämpf Reagans,
genau zu einem Zeitpunkt, da dieser im Bundesstaat Iowa gegen seinen Mitbewerber um die Nominierung, George Bush, verloren hatte. Da dies zum Teil an
der Weigerung Reagans gelegen hatte, mit seinem Herausforderer zu debattieren, drängte Casey darauf, ein aktives Image von Reagan zu verbreiten und
jede Chance zu einer öffentlichen Debatte zu nützen. Reagan nahm den Rat
Caseys, der selbst eher als scheu und zurückhaltend gilt, an und erklärte
sich mit zwei Debatten in New Hampshire einverstanden. Die große Publizität,
die diese ihm einbrachten, führten in wieder an die Spitze und dort sollte er
von da an auch bleiben.
Von

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�Von Beruf Rechtsanwalt in New York, arbeitete Casey bereits im Office
of Strategie Services (OSS), dem Vorläufer des jetzigen CIA.

Er war Nach-

richtenchef im Hauptquartier von General Eisenhower und in dieser Eigenschaft
verantwortlich für Sabotageplanung und Einsatz von Nachrichtendienstgruppen
im besetzten Europa.
Nach dem Krieg setzte er sich für die Verwirklichung des Marshall-Plans
zum Wiederaufbau Europas ein.
Als Rechtsanwalt erarbeitete sich Casey anschließend ein kleines Vermögen und kehrte erst wieder ins öffentliche Leben zurück, als ihn Präsident
Nixon dazu auswählte, die "Security and Exchange Commission" - Bank- und
Börsenaufsichtskommission - zu leiten.

Danach war er unter Außenminister

Henry Kissinger als Unterstaatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten
tätig.

Präsident Ford schließlich ernannte ihn zum Präsidenten der Export-

Import-Bank, die ausländischen Importeuren amerikanischer Waren Darlehen gewährt.
Zudem war Casey Mitglied in verschiedenen, von Präsidenten der Vereinigten Staaten eingesetzten Kommissionen wie etwa der Kommission zur Ausarbeitung
und Durchführung der Außenpolitik, der Beratungskommission für Rüstungskontrolle
und der Sonderkommission für internationale Entwicklung.
Während der Regierungszeit des demokratischen Präsidenten Jimmy Carter
zog sich Casey erneut ins Privatleben zurück.
Als er dann in den Wahlkampf Ronald Reagans einstieg, gab es zunächst
Unklarheit darüber, wer die Kampagne leiten sollte: Casey oder Edwin Meese.
Aber Casey stellte rasch Klarheit her mit den Worten: "In jedem Wahlkampf
muß es einen obersten Schiedsrichter geben. Und der bin ich."
Meese selbst beurteilt ihn so:

"Casey ist eine seltene Mischung aus

irischem Humor, Erfahrung und Scharfsinn.

Er ist unabhängig, hat einen starken

Willen und ist ein erstaunlich harter Arbeiter."
Casey
- 2 -

�Casey wurde am 13. März 1913 in New York geboren und studierte an der
Fordham University und der St. John's Law School. Seine Neigung für die
Künste beweist eine eigene Bibliothek mit über 10 000 Büchern und seine lebhafte Teilnahme am Kunstleben der Stadt New York.

Casey ist verheiratet und

hat eine Tochter.
(Casey muß nach Regierungsantritt von Ronald Reagan am 20. Januar 1981
noch offiziell nominiert und vom Senat bestätigt werden.)

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Alexander M. Haig, Jr.: Außenminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Casper W. Weinberger: Verteidigungsminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Donald Regan: Finanzminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William French Smith: Justizminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Malcolm Baldrige: Handelsminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andrew L. Lewis: Verkehrsminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Raymond J. Donovan: Arbeitsminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard S. Schweiker: Minister für Gesundheit und Sozialwesen in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dave Stockman: Direktor des Amtes für Haushaltsplanung in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William Casey: Direktor des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr in spe</text>
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55

17.

Dezember 1980

t

I N H A L T

DOKUMENTATION

Muskie-Interview mit europäischen Fernsehkorrespondenten
- Kontinuität in der US-Außenpolitik Erklärung der USA auf der KSZE_-Fo1geko_nferenz zum
wissenschaftlichen Austausch

HINTERGRUNDMATERIAL
Der große Technologie-Ausverkauf
$

- Von Arnaud de Brochgrave und Michael Ledeen -

%

Um Ubcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�17. Dezember 1980

55

MUSKIE-INTERVIEW MIT EUROPÄISCHEN FERNSEHKORRESPONDENTEN
- Kontinuität in der US-Außenpolitik -

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund S.

Muskie hat am 8. Dezember 1980 europäischen Fernsehkorrespondenten in
Washington ein Interview gegeben, in dem er zu zahlreichen Themen,
vor allem auch den Entwicklungen in Polen, Stellung nahm. Muskie, der
am 20. Januar 1980 aus seinem Amt ausscheidet, rechnet mit einer Kontinuität
der amerikanischen Außenpolitik.

Die Korrespondenten waren Kari Grete

Makjan vom norwegischen Fernsehen NTK, Regis Faucon vom französischen
Fernsehen TF-1 und Sergio Telmon vom italienischen Fernsehen RAI.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Ich möchte Sie gleich zu Anfang - und das wird Sie nicht

wundern - zu Polen befragen. Wie beunruhigt sind Sie wirklich wegen
einer sowjetischen Intervention in jenem Land?
ANTWORT:

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�ANTWORT:

Der Präsident hat am Sonntag bekanntgegeben, daß die

Sowjets ihre Vorbereitungen, die für eine Intervention notwendig wären,
abgeschlossen haben. Die nächste Frage ist, welche Absichten die Sowjets
von diesem Punkt an hegen, und es ist die Ungewißheit hinsichtlich dieser
Absichten, die große Besorgnis - berechtigte Besorgnis - bei uns und
unseren NATO-Verbündeten auslöst, wie auch bei anderen Ländern, die davon
berührt würden.

Und so, wie die Spannung in dem Gebiet steigt - und sie

(

scheint jeden Tag zu steigen - so bereiten diese Ungewißheiten eine immer
größere Sorge.
FRAGE:

'

Wenn es zu Interventionsprozessen kommt, besteht dann über-

haupt eine Möglichkeit, daß die NATO-Mächte Gewalt anwenden würden, um einer
sowjetischen Intervention Einhalt zu gebieten?
ANTWORT:

Wenn immer Maßnahmen dieser Art in einem nahe dem NATO-

Bereich liegenden Gebiet getroffen werden, dann müssen sich die NATOLänder Gedanken über den Stand ihrer Einsatzbereitschaft und ihrer Bereitschaft machen, mit allen Entwicklungen fertig zu werden, die eintreten
könnten.
Darüber hinaus glaube ich nicht, daß es angebracht wäre, Spekulationen
über Situationen anzustellen, vor deren Eintritt wir abzuschrecken versuchen
und die hoffentlich auch nicht eintreten werden.
FRAGE:

Offensichtlich sind die Vereinigten Staaten nicht zu glücklich

über die Art und Weise, wie die europäischen Verbündeten nach der Invasion
Afghanistans hinsichtlich von Sanktionen reagiert haben. Glauben Sie,
daß die europäischen Verbündeten nach einer Invasion Polens mehr in Übereinstimmung mit den Vereinigten Staaten reagieren würden?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Hinsichtlich Afghanistans gab es tatsächlich, wie aus

Veröffentlichungen deutlich wird, einige Meinungsverschiedenheiten mit
unseren Verbündeten hinsichtlich der zu treffenden Maßnahmen.

Die Maßnahmen,

die schließlich ergriffen wurden, haben der Sowjetunion nach meiner Auffassung
Kosten auferlegt»

Was nun Polen angeht, so liegt das natürlich viel

näher am NATO-Gebiet, und da dem so ist, mochte ich annehmen, daß die
Besorgnis (der europäischen Verbündeten) mindestens ebenso groß, wenn
nicht noch größer wäre.
Zweitens, im Falle Afghanistans hat es eine gewisse Enttäuschung
gegeben, daß es zu keiner ausreichenden Konsultation kam ehe das Ereignis
eintrat. Ich glaube, unsere Konsultationsverfahren und -gewohnheiten
haben sich seither verbessert.
Was die Entwicklungen in Polen und Osteuropa angeht, so standen
wir in engen Konsultationen mit unseren Verbündeten, und wir werden
das weiterhin tun. Wir geben alle uns verfügbaren Informationen an
unsere Verbündeten weiter. Und in dieser Woche, in der die Außen- und
Verteidigungsminister der NATO in Brüssel zusammenkommen, bietet sich
für uns eine ausgezeichnete Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch, zu
einer Planung für alle denkbaren Ernstfälle, so daß nach meiner Auffassung
die Aussicht auf einen Zusammenhalt des Bündnisses in diesem Falle sehr
günstig ist.
FRAGE:

Wie könnten die Vereinigten Staaten auf eine Intervention

reagieren, ohne daß es eine militärische Reaktion wäre?
ANTWORT:

Zunächst einmal ist es natürlich für alle betroffenen

Länder - und dies schließt alle unsere NATO-Verbündeten sowie andere
Länder ein - wichtig, mit allen nur möglichen Mitteln vor der Maßnahme
abzuschrecken, die wir verhindern wollen.

Und ich glaube, daß alle der

beteiligten Länder, alle der betroffenen Länder dies auch getan haben -

- 3 -

�haben - durch öffentliche Erklärungen und über alle ihnen zur Verfügung
stehenden diplomatischen Kanäle.
Zweitens müssen wir uns natürlich alle untereinander konsultieren
hinsichtlich der Schritte, die im Fall einer Intervention zu unternehmen
wären.

Und eine Intervention kann in unterschiedlicher Gestalt erfolgen.

Etwa in Gestalt von Übungen in den Staaten des Warschauer Paktes,
die eine Intervention überdecken; natürlich könnte sie auch in Gestalt
einer grenzüberschreitenden Intervention erfolgen.

Derzeit scheint das

erstgenannte Szenario eher möglich zu sein.
FRAGE:

Herr Minister, wenn ich noch etwas weiter gehen darf, so

erhält man doch den Eindruck, daß speziell die Vereinigten Staaten und
der Westen im allgemeinen letztlich gar nichts tun können, wenn die Russen
wirklich etwas in Polen unternehmen wollen.

Ich meine, es gibt nichts,

um sie davon abzuhalten, oder sie, sollten sie sich erst einmal in Bewegung
gesetzt haben, aufzuhalten.
ANTWORT: Die Sowjets müssen natürlich die Zielsetzungen, die diese
oder jene Intervention nahelegen, gegen die Kosten einer solchen Intervention
abwägen. Und es gibt Kosten, die sich daraus ergeben könnten: diplomatische,
wirtschaftliche und politische, etwa die Kosten der Gewalt in Polen, falls
eine solche ausbrechen sollte. Es verbinden sich also mit einer sowjetischen
Intervention dieser Art hohe Kosten. Die Fortdauer der Entspannung und
deren Vorzüge - sogar auf ihrem derzeitigen Niveau - wären solche Kosten.
Und diese Kosten können auch aus sowjetischer Sicht sehr hoch und schwer
sein - zumal die Sowjets auch vor der Reaktion der Welt auf Afghanistan
stehen. Die Sowjets müssen also diese Kosten abwägen. Und die Bedeutung
des frühzeitigen Ausdrucks der Besorgnis durch die Verbündeten, einschließlich
der Vereinigten Staaten, liegt darin, den Sowjets klarzumachen, daß eine
jede Intervention dieser Art das hohe Risiko in sich birgt, daß solche

- 4 -

�solche Kosten entstehen werden.
FRAGE:

Herr Minister, glauben Sie, daß die Russen bereit sind,

dieses Risiko einzugehen?

Mit einem Wort:

glauben Sie, daß sie wirklich

in Polen einmarschieren werden oder nicht?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß es nützlich wäre, darüber zu spekulieren,
welches die Absichten der Sowjets derzeit sein könnten. Wir wissen nicht,
ob sie eine Entscheidung getroffen haben.
Andererseits sind die Vorbereitungen für eine Intervention umfangreich
und teuer gewesen.

Und daraus ist zu folgern, daß diese Vorbereitungen -

gleichgültig, ob eine Entscheidung getroffen wurde oder nicht - unternommen
wurden, um die

Ereignisse in Polen zu beeinflussen.

Und dies kann jederzeit

das Risiko einer Intervention erhöhen.
FRAGE:
ANTWORT:

Dies ist eine ziemlich pessimistische Erklärung.
Ich versuche nicht, pessimistisch oder optimistisch zu

sein, sondern die Tatsachen so zu betrachten, wie sie sind.

Und man

kann diese Tatsachen nicht ignorieren, ohne anzuerkennen, daß wir der
Möglichkeit einer Intervention näher sind, als wir sein würden, wenn
diese militärischen Vorbereitungen nicht getroffen worden wären.
FRAGE:

Darf ich fragen, welche Auswirkungen Sie sehen, die eine

sowjetische Invasion Polens auf die stattfindenden Verhandlungen über
nukleare Mittel Streckensysteme in Europa (TNF) haben könnte?
ANTWORT:

Dies ist eine Frage, die wir im Fall einer solchen Intervention

zu beurteilen hätten, und ich glaube, daß wir im Interesse der Festigkeit
des Bündnisses diese Fragen erst diskutieren, bevor wir unilaterale
Erklärungen hierüber abgeben.
Ich
- 5 -

�Ich würde sagen, daß eine Intervention, eine massive Intervention
durch die Sowjetunion diese Gespräche gefährden würde.

Aber ich möchte

zugleich darauf hinweisen, daß dies Kosten für die Welt insgesamt bedeuten
würde, wenn der Schwung in Richtung auf Rüstungskontrolle verlorengeht.
Rüstungskontrolle ist ein bedeutendes internationales Ziel - nicht allein
für die Vereinigten Staaten und unsere Freunde innerhalb der NATO, sondern
für den Weltfrieden insgesamt.
Aber die Last dieses Risikos liegt genauso schwer auf der Sowjetunion wie auf uns.

Und Tatsache ist, daß die Auswirkungen einer sowjetischen

Maßnahme wie in Afghanistan die Aussichten auf Rüstungskontrolle verringern
würden.
Jene ist unmittelbar verantwortlich für die Unterbrechung und wie ich glaube - die Unmöglichkeit der Ratifizierung des SALT II-Vertrags eines Zieles, das unsere europäischen Freunde unterstützten, eines Zieles,
das die Regierung Carter unterstützte, eines Zieles, das ich unterstützte.
Ungeachtet der starken Verpflichtung zur Rüstungskontrolle beeinflusst
diese Art von Maßnahmen die öffentliche Meinung hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit der Sowjetunion bei der Aushandlung und der Einhaltung
solcher Verträge.
FRAGE: Alle sind von der Notwendigkeit der Einheit zwischen den
Vereinigten Staaten und den europäischen Partnern sowie Japan überzeugt.
Aber ist die Regierung Carter Ihrer Meinung nach erfolgreich dabei gewesen,
die westlichen Staaten und Japan davon zu überzeugen, politisch, wirtschaftlich wie auch militärisch mehr für die gemeinsame Verteidigung der
Verbündeten zu tun?
ANTWORT:
Afghanistan

Nun, ich habe bereits hierzu etwas bei der Frage bezüglich
gesagt.

Wir hatten zum Beispiel die Unterstützung der

Verbündeten beim Getreideembargo, das ich für ein höchst wirkungsvolles

- 6 -

�wirkungsvolles Instrument gegen die Sowjetunion halte, das einen hohen
Preis auferlegte und das auch weiterhin einen hohen Preis auferlegt, wenn
man daran denkt, daß die Sowjets in diesem Jahr bereits ihre zweite
schwerwiegende Mißernte haben.
Hinsichtlich des Technologietransfers - besonders in bezug auf
COCOM - hat uns das Bündnis meiner Meinung nach unterstützt; dies gilt
für Japan genauso wie für unsere NATO-Verbündeten. Die Kontakte zwischen
dem Westen und der Sowjetunion waren während dieses Zeitraums eingeschränkt.
Gemischte Unterstützung gab es beim Olympiaboykott, obgleich auch dieser
meiner Meinung nach die Sowjets einer echten Olympiade beraubte - einer
Olympiade, die ihnen die Art von Prestige gebracht hätte, das sie erstrebten,
als sie sich um die Durchführung der diesjährigen Olympischen Spiele
bewarben.
Die Kosten also waren schwerwiegend und hoch, wir hatten die Unterstützung des Bündnisses. Die uns im Fall Afghanistan zur Verfügung
stehenden Optionen sind vielleicht nicht so vielgestaltig, wie dies im
Falle Polen ist.
FRAGE:

Da wir über die NATO sprechen, wie würden Sie die militärische

Bereitschaft der Verbündeten beurteilen?
ANTWORT: Ich glaube, sie hat sich in den vergangenen drei Jahren
erheblich verbessert, und es läuft ein Programm für weitere Verbesserung.
Wir haben die Verpflichtung zu 3 Prozent realem Wachstum pro Jahr. Es
gibt einige Anzeichen dafür, daß die derzeitige Verlangsamung der Konjunktur
in Europa dort zu einer gewissen Verschiebung führen könnte, aber ich
glaube, daß die Verpflichtung noch immer fest steht.
Es

- 7 -

�Es gab eine Entscheidung zur Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa, begleitet von einem Anzeichen der Bereitschaft
zur Verhandlung über Begrenzungen dieser Waffen, und dies - das weiß ich ist wichtig für unsere europäischen Freunde, und es ist wichtig für uns.
Ich glaube daher, daß es Wege gibt, sich damit auseinanderzusetzen.
FRAGE:

Sie erwähnten, daß die Probleme bei der Erfüllung der Zusage

für eine dreiprozentige Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf wirtschaftliche
Probleme in den verschiedenen Staaten zurückzuführen sein könnten.
Aber sehen Sie auch ein politisches Verhaltensmuster hinter der
Tatsache, daß die drei Prozent nicht erfüllt werden?
ANTWORT: Nun, lediglich wohl das politische Verhaltensmuster, das
sich aus den wirtschaftlichen Bedingungen ergibt. Und dann auch die
überaus starke Unterstützung der Rüstungskontrolle, die wir in Europa
und an anderen Orten finden, auch in diesem Land, die dazu tendiert,
ebenfalls einen Einfluß auf diese Art von Entscheidungen auszuüben.
Aber wenn die Sowjetunion sich auf diese Art von Abenteuer einläßt, wie
das bei Afghanistan der Fall ist und wie dies bei einer Intervention in
Polen der Fall wäre, dann glaube ich, daß es eine Vorkehrung ist, die alle
Beteiligten zu treffen haben, nämlich, einen neuen Blick auf ihre militärische
Bereitschaft und ihre militärischen Vorbereitungen zu werfen.
Schließlich hat diese Art von Streitkräftebewegung in einem Territorium,
das in solcher Nähe der NATOTiegt, einen potentiellen Übersprungeffekt,
den in Rechnung zu stellen die Klugheit gebietet; und ich würde erwarten,
daß alle westlichen Staaten einen frischen Blick auf ihre Verteidigungspolitik und ihre Verteidigungsausgaben für den Fall einer Intervention
in Polen werfen.
FRAGE:

�FRAGE:

Verteidigungsminister Harold Brown hatte jüngst in einem

Interview mit der "New York Times" einige sehr scharfe Worte für die
europäischen Verbündeten.

Er sagte über die europäischen Länder, und

ich zitiere: "Sie müssen sich so verhalten, als ob ihre militärische
Sicherheit ihnen genauso wichtig ist wie uns."
Spiegelt dies auch Ihre Ansicht wider?
dem Bündnis?

Was empfinden Sie gegenüber

ANTWORT: Nun, Sie haben diesen Satz als "scharf" umschrieben.
Ich glaube, er ist ein Stück Realismus. Sollten das amerikanische Volk
und der amerikanische Kongreß einmal das Gefühl bekommen, Europa sei um
seine eigene Verteidigung nicht ebenso besorgt, wie wir es sind, so könnte
dies die Bündnisbeziehungen beeinflussen. Ich glaube nicht, daß das
der Fall ist.
Ich glaube, das, was wir jetzt sehen, ist eine Antwort auf wirtschaftliche Bedingungen und auf einen konjunkturellen Rückgang.

Ich

meine, daß die Verpflichtung zu den drei Prozent bisher - seit 1977 vorzüglich eingehalten wurde, zumindest, was die größeren NATO-Staaten
angeht.
Zusätzlich hierzu möchte ich noch darauf hinweisen, daß im Mai
dieses Jahres auf dem Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel eine
Verpflichtung hinsichtlich der Erwägung zusätzlicher Maßnahmen eingegangen
wurde, um die Lücke zu schließen, die die Vereinigten Staaten in dem
Fall hinterlassen könnten, daß amerikanische Verstärkung redisloziert,
in ein anderes Gebiet als das der NATO disloziert werden müßte. Und
solche Maßnahmen werden diese Woche bei der NATO auf Ministerebene erwogen.
FRAGE:

�FRAGE:

Senator Percy sagte der sowjetischen Führung, daß der

SALT II-Vertrag "mausetot" sei. Sind Sie auch dieser Ansicht?
ANTWORT:

Ich glaube, man muß diese Erklärung von Senator Percy

in Zusammenhang mit einer anderen sehen, die er ebenfalls abgab, und in der
er davon sprach, daß es im SALT II-Vertrag Teile gebe, die gut seien und
die gerettet werden sollten, auf die aufgebaut werden sollte.

Ich

glaube sein Ausdruck "mausetot" bezog sich auf seine Beurteilung der
Aussichten für die Ratifizierung von SALT II in seiner derzeitigen Form.
Was sich daraus ergeben könnte, wäre eine ganze Reihe von Elementen
von SALT II, die in ein anderes Abkommen einbezogen werden könnten.
Ich sage das, ohne wirklich zu wissen, was der neugewählte Präsident
Reagan beabsichtigt und ob er sein Rüstungskontroilpaket tatsächlich
gepackt hat oder nicht.
Aber ich glaube, man muß beide
Erklärungen von Senator Percy
lesen, um genau zu verstehen, was er sagen wollte.
FRAGE: Ja, ich möchte Ihnen gern eine Frage über Frankreich stellen:
können Sie mir sagen, wie Sie die Beziehungen zwischen Frankreich
- manchmal als ein nicht allzu guter Verbündeter betrachtet - und der
abtretenden Regierung einschätzen?
ANTWORT: Ich glaube, daß wir insgesamt gesehen positive und konstruktive
Beziehungen haben. Wir stimmen von Zeit zu Zeit nicht miteinander überein, und die Franzosen haben nie gezögert, ihre abweichenden Meinungen
zum Ausdruck zu bringen. Und es ist meiner Ansicht nach eines der Zeichen
eines gesunden Bündnisses, wenn das Gefühl herrscht, es gebe Raum für
Meinungsverschiedenheit, für Diskussion und die Lösung von Differenzen.
Natürlich eliminieren wir sie nicht alle.
Unsere

- 10 -

�Unsere NATO-Verbündeten operieren von einer anderen Perspektive aus
als wir.

Bei ihnen gibt es unterschiedliche Ebenen der Verbindungen mit

der Sowjetunion und den Ländern des Warschauer Paktes. Und ich meine,
es ist klar, daß sie gelegentlich auch unterschiedliche Ansichten über
die Risiken haben werden sowie über die Maßnahmen, die getroffen werden
sollten, um ihnen zu begegnen und so weiter. Aus diesem Grunde halten wir
ja diese Zusammenkünfte ab.
FRAGE: Ich lebe hier schon seit einiger Zeit und glaube auch persönlich
nicht daran - aber man hört von einigen Leuten, daß es hier in Amerika
eine antifranzösische Stimmung gäbe, um es noch einmal zu sagen, ich
persönlich glaube nicht, daß dies wahr ist.
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß ich die Haltung des amerikanischen
Volkes allgemein in dieser Weise charakterisieren würde, nein! Ich
vermute, daß genau so wie es in Frankreich Leute gibt, die durchaus keine
freundschaftlichen Gefühle für die Vereinigten Staaten hegen, auch Amerikaner
geben mag, die sich in ihren Gefühlen in der gleichen Weise gegenüber
Frankreich oder Deutschland oder anderen Ländern verhalten.
Aber ich denke ganz allgemein - und besonders seitdem ich dieses
Amt bekleide - daß die offiziellen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und unseren Verbündeten auf der Basis der Konsultation und hinsichtlich der Bemühungen um Beilegung von Differenzen und Erreichung von
Übereinkommen sehr gesund gewesen sind.
FRAGE: Darf ich eine Frage in bezug auf Norwegen und die nördliche
Flanke der NATO stellen? Die norwegische Regierung hat kürzlich - nach
hitziger Debatte und vielen Kontroversen in meinem Lande - entschieden,
einiges amerikanisches militärisches Gerät in Norwegen vorausstationieren
zu lassen. Denken Sie, daß eine zunehmend angespannte Situation in
Europa besteht, wie die, die wir gerade jetzt mit Polen erleben, die zur

- 11 -

�zur Notwendigkeit einer weiteren Vorausbereitstenung von amerikanischem
militärischem Material im nördlichen Teil Europas führt?
ANTWORT:

Ich glaube, ein solches Urteil wäre voreilig.

Wie ich

bereits sagte, wenn es zu einer sowjetischen Intervention der einen
oder anderen Art kommt, so meine ich, daß wir den Stand unserer Bereitschaft
und Vorbereitung überprüfen müssten, um jedem Risiko für die Verteidigung
der NATO zu begegnen.
Aber in welcher Form solche Verstärkungsmaßnahmen erfolgen würden,
das könnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht beurteilen.
FRAGE:

Könnte ich daran anschließen?

Ein Teil der Kontroverse

über die Vorausbereitstellungspläne in Norwegen leitet sich aus der Furcht
und Besorgnis her, daß Norwegen zu einem Kampfgebiet in einem nuklearen
Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion werden
könnte.

Könnten Sie zu dieser Besorgnis Stellung nehmen?

ANTWORT: Das ist natürlich eine Sorge, die auch auf die Meinung in
anderen europäischen Ländern ihren Einfluß hat. Norwegen ist nicht das
einzige Land zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und
das ist auch der Grund, warum die NATO-Verteidigungsstruktur aufgebaut
wurde, und unsere eigene Politik bezüglich der strategischen Nuklearwaffen
ist genau so mit Hinblick auf die Verteidigung der NATO wie auf unsere
eigene gestaltet worden.
Im Falle eines nuklearen Krieges wären wir alle verwundbar, nicht
nur Norwegen oder die NATO-Staaten sondern höchstwahrscheinlich die
Vereinigten Staaten wären das primäre Ziel; sodaß es unser Ziel sein muß,
den nuklearen Krieg zu verhindern und vor ihm abzuschrecken und ich denke,
das ist einer der Gründe, warum es in Norwegen und anderen NATO-Staaten
eine so starke Unterstützung für Maßnahmen zur Rüstungskontrolle gibt.

- 12 -

t

�gibt.

Und unsere Aufgabe ist es, auf solche Maßnahmen zu drängen, und

ich kann Ihnen versichern, daß dies auch unser Wunsch ist.
FRAGE:
stellen.

Ich möchte zum Mittleren Osten übergehen und zwei Fragen

Die erste:

Werden Sie Stellung nehmen zu Senator Percys Er-

klärung über einen von Yasser Arafat geführten Palästinenserstaat?

Und,

zweitens, wie ist der derzeitige Stand solcher Verhandlungen über eine
palästinensische Selbstverwaltung?
ANTWORT: Die Ansicht unserer Regierung - die Ansicht dieser Administration, natürlich - ist, daß wir die PLO solange nicht anerkennen oder
mit ihr verhandeln können, wie sie sich weigert, für die Resolution 242
der Vereinten Nationen einzutreten, die nach unserer Ansicht die realistischste
Grundlage für die Lösung des arabisch-israelischen Konflikts bietet. Und
bis die PLO bereit ist, das Recht Israels, als Staat zu existieren, anzuerkennen, ist das unser Standpunkt und wir sind davon nicht abgewichen.
Ich sollte vielleicht hinzufügen, daß in den Abkommen von Camp David
impliziert wurde, daß an einem gewissen Punkt, und wie zu hoffen, sobald
als möglich, die Verhandlungsbasis für die Camp David-Abkommen sich über
die Vereinigten Staaten, Israel und Ägypten hinaus erweitern und Vertreter
des Volkes der Palästinenser aber auch Jordanien und andere Länder in
dem Gebiet einschließen würde.

Die PLO als eine Organisation jedoch hat

politische Positionen eingenommen, die wir als nicht im Einklang mit unseren
und Israels Interessen ansehen.
FRAGE:

Herr Minister, ich möchte eine Frage über die Menschenrechts-

politik und darüber stellen, wie sie von der Regierung Carter gehandhabt
wurde.

Vielleicht ging sie nicht so weit, wie dies beabsichtigt war,

aber immerhin brachte sie mancherorts einige gute Resultate - wie etwa in
Südamerika.

Und natürlich wird jetzt oft gesagt, daß die neue Administration

sich von einer solchen Politik abwenden wird.

- 13 -

Ich nehme an, daß Ihnen das

�das leidtut?
ANTWORT:

Ich meine,daß die Menschenrechte ein wichtiger Bestand-

teil unserer außenpolitischen Zielsetzungen in all den 200 Jahren waren,
seit es dieses Land gibt.
gelegt.

Präsident Carter hat besondere Betonung darauf

Ihre Frage zielt ja eigentlich darauf ab, ob sie überhaupt ein

legitimer außenpolitischer Beweggrund seien.
Lassen Sie es mich so sagen:

Es gibt etwa 16 Millionen Flüchtlinge,

die auf diesem Planeten umherirren, alles Menschen, die sich entschlossen haben, ihr Heim und ihre Heimat aus dem einen oder anderen Grund zu
verlassen.

Die meisten dieser Gründe haben etwas mit den Menschenrechten

zu tun - es sind Flüchtlinge wegen Kriegen, Flüchtlinge vor politischer
Verfolgung, Flüchtlinge aufgrund unzureichender wirtschaftlicher Möglichkeiten, Flüchtlinge vor dem Hunger und Flüchtlinge, die ihrer bürgerlichen
Freiheiten beraubt wurden.

Diese Menschen also verlassen den Ort, an dem

ihre Menschenrechte nicht anerkannt werden - größtenteils, so darf ich
wohl sagen, sowjetisches und von den Sowjets beherrschtes Gebiet.
Daher kann der Kampf um Gerechtigkeit und Frieden auf diesem Planeten
nicht losgelöst werden von Überlegungen im Bereich der Menschenrechte.
Länder, die die Menschenrechte respektieren, sind stabiler, sie werden
bessere Freunde, stärkere Verbündete.

Und das ist es, was die Menschen-

rechte für uns bedeuten.
Nun ist die Welt aber nicht in ihrer Gesamtheit gerecht und menschlich
und mitfühlend - und wir erkennen diese Tatsache an. Man kann diesen
Zustand nicht überall auf der Erde über Nacht erreichen. Aber das muß Zielsetzung nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern auch der anderen Länder
sein; und ich sehe, daß die Menschenrechte von allen westlichen, demokratischen Gesellschaften genauso wie von unserer respektiert werden,
mögen sie vielleicht auch unterschiedlich formuliert sein. Daher glaube

- 14 -

�glaube ich, daß sie als ein wesentliches Element unserer Außenpolitik auch
weiterhin wichtig sein werden.

Denn nur, wenn wir erkennen, daß der

Hunger nach den Menschenrechten letztendlich die Ursache für die Instabilität in dieser Welt ist, können wir darauf hoffen, dem Frieden
näherzukommen.
FRAGE:
stellen?

Herr Minister, darf ich Ihnen noch eine Frage über das Bündnis

Sie sind gerade auf dem Weg nach Brüssel und das dortige

Ministertreffen der NATO.
sehr gut.
denken.

Derzeit ist der Zustand des Bündnisses nicht

Weder die Amerikaner noch die Europäer scheinen anders zu
Wo liegen Ihrer Meinung nach wirklich die Sorgen?

ANTWORT: Ich bin mit Ihrer ersten Annahme nicht einverstanden.
Ich glaube, wir haben darüber schon in Beantwortung einer anderen Frage
gesprochen.
FRAGE:

Ist alles o.k.?

ANTWORT: Lassen Sie es mich so sagen: die NATO ist im Wesentlichen
ein zur Verteidigung der Territorien seiner Mitgliedstaaten geschaffenes
Militärbündnis. In dieser Hinsicht sind die Zwecke und Zielsetzungen
des Bündnisses, ist die NATO meiner Meinung nach gesünder als dies viele
Jahre lang der Fall war. Wir haben mit einer Verbesserung unserer Verteidigungsposition, unserer Bereitschaft, unserer Vorbereitung und unseren
Modernisierungsanstrengungen begonnen.
Und bei diesen Zielsetzungen gab es, wenn überhaupt, nur wenig
Meinungsverschiedenheiten.

Wir sind Verpflichtungen eingegangen, auf

die ich bereits im Lauf dieses

Interviews abgehoben habe.

Wenn wir uns

aber mit Sicherheitsproblemen auseinandersetzen, die sich außerhalb des
NATO-Gebietes stellen, dann treten Meinungsverschiedenheiten auf, Unterschiede bei der Fähigkeit, mit diesen entstehenden Krisen fertigzuwerden

- 15 -

�fertigzuwerden und ein größeres Zögern seitens einiger Mitglieder des
NATO-Bündnisses, in diese Probleme einbezogen zu werden, die ihren
Ursprung außerhalb der NATO haben.

Und dies verlangt eine größere An-

strengung zur Führung seitens der Länder, deren Interessen betroffen
sind.
Nehmen wir das Gebiet des Persischen Golfs. Ganz Europa ist davon
betroffen, es geht um seine Sicherheitsinteressen bei jeder Bedrohung
des Gebiets um den Persischen Golf und der Seewege, wodurch ein öl ström
von 15 bis 16 Millionen Barrel täglich unterbrochen werden könnte.
Europa ist von diesem Strom abhängiger als wir in den Vereinigten Staaten.
Aber wir erkennen, daß jede Bedrohung der Sicherheitsinteressen der NATO
auch eine Bedrohung für uns ist.

Und daher sind wir Teil jener Anstrengung,

sind die führende Partei bei dem Unterfangen, die Risiken für das Gebiet
des Persischen Golfs so gering wie möglich zu halten.
Aber was die Rolle der NATO dort angeht, so ermöglichen es uns die
in Brüssel im vorigen Mai getroffenen Entscheidungen, beim Einsatz unserer
Streitkräfte flexibler zu sein, um den Drohungen am Persischen Golf zu
begegnen, und zeigen die Bereitschaft seitens des Bündnisses an, die
Lücke hinter uns zu schließen.

Und ich glaube, wir werden sehen, daß

daran auf den Treffen dieser Woche weitergearbeitet wird.
FRAGE:

Herr Minister, wir haben leider nur noch zwei Minuten.

Da ist noch eine Frage, die wir Ihnen noch nicht gestellt haben, und
es ist eine sehr wichtige.

Es geht um den Iran.

Ich weiß, daß Sie

in der Vergangenheit sehr darum bemüht waren, keine falschen Hoffnungen
zu erwecken.

Aber gibt es vielleicht jetzt irgendeinen Durchbruch?

ANTWORT: Ich muß auch heute wieder genauso vorsichtig sein. Ich
weiß, daß es einige positive öffentliche Erklärungen der iranischen
Führung gibt. Aber wir haben aus der Erfahrung dieser letzten, quälenden

- 16 -

�quälenden Monate gelernt, daß es besser ist, zu warten, bis wir ihre
offizielle Antwort haben, bevor wir ihre eigene Darstellung ihrer Reaktion
wörtlich nehmen.
Natürlich ist die Tatsache, daß wir auch weiterhin über einen Mittelsmann, auf stiller, diplomatischer Grundlage, miteinander verkehren, meiner
Meinung nach positiv, und wir hoffen, daß dies schließlich zu einer Lösung
führen wird.
FRAGE:

Ja. Noch einmal über Iran:

glauben Sie, daß die Iraner

auf die neue Regierung warten könnten, um - nun, Sie wissen!?
ANTWORT: Dies scheint nicht ihre derzeitige Haltung zu sein, aber
ich - noch einmal: ich glaube, daß ich auf diese Frage besser antworten
kann, wenn wir ihre nächste Antwort haben.
Herr Minister, vielen Dank.

+ + + + +

- 17 -

�Doku

ation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Dezember 1980

55

ERKLÄRUNG DER USA AUF DER KSZE-FOLGEKONFERENZ ZUM
WISSENSCHAFTLICHEN AUSTAUSCH

MADRID - (AD) - Ein Mitglied der Delegation der Vereinigten Staaten auf
der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid erörterte am 10. Dezember 1980 in einer
Sitzung über Korb 3 der Vereinbarungen von Helsinki die Haltung der USA in
Fragen der wissenschaftlichen Austauschprogramme.

Die Rede hat folgenden Wort-

laut:
"Die Delegation der Vereinigten Staaten nimmt diese Gelegenheit wahr, um
erneut ihrer Überzeugung Ausdruck zu geben, daß die Entwicklung wissenschaftlicher und technologischer Zusammenarbeit zur Stärkung von Sicherheit und Zusammenarbeit beiträgt und deshalb für die Entwicklung von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wichtig ist.
Am 3. Dezember beschrieb Dr. Philip Handler, der Präsident der Nationalen
Akademie der Wissenschaften der Vereinigten Staaten und anerkannter Wissenschaftler auf seinem Fachgebiet, vor dem Plenum die wissenschaftliche Zusammenarbeit als eine Entwicklung mit 500jähriger Tradition.

Es dürfte sehr schwie-

rig sein, dies noch beredter als er darzustellen - aber internationale Zusam-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Zusammenarbeit in der Wissenschaft ist, wie er erläuterte, ein unabdingbarer
Bestandteil wissenschaftlichen Bemühens. Wissenschaftler in aller Welt halten naturgemäß Verbindung mit ihren Kollegen und werden dies auch künftig
tun, um in ihrer Arbeit voranzukommen und die Phänomene, die uns umgeben,
besser zu verstehen.

Aufgabe der Regierungen ist es dabei, dieses wissen-

schaftliche Bemühen zu unterstützen und diese Verbindungen zu erleichtern.
Die Bemühungen der Vereinigten Staaten um Durchführung wissenschaftlicher
und technologischer Zusammenarbeit wurden seit Helsinki fortgesetzt, und die
Zusammenarbeit zwischen den USA und den Ländern Osteuropas wurde allgemein
ausgeweitet.

Neue Abkommen über wissenschaftliche und kulturelle Austausch-

programme wurden 1977 mit Bulgarien und Ungarn unterzeichnet, und Programme
mit Rumänien im Rahmen des 1974 geschlossenen Abkommens sind inzwischen erweitert worden.

Unser auf der Vereinbarung von 1974 basierendes Kooperations-

programm mit Polen ist durch weitere neue Projekte umfangreicher geworden.
Wir haben uns einverstanden erklärt, Verhandlungen über ein neues kulturelles
und wissenschaftliches Austauschabkommen mit der DDR Anfang 1981 zu sprechen.
Diese bilateralen Programme bestehen nicht nur bereits oder sind geplant,
sondern darüber hinaus setzt das Internationale Gremium für Forschung und
Austausch (IREX) sein Programm für den Austausch von graduierten Studenten,
Dozenten und Gelehrten mit den osteuropäischen Ländern fort. Das IREX-Programm für 1980/81 sieht Austauschprojekte von 30-Mann-Monaten mit Bulgarien,
von 55 Mann-Monaten mit Ungarn, von 60 Mann-Monaten mit Polen und von 50
Mann-Monaten mit Rumänien vor. Durch ein 1979 geschlossenes Abkommen wurde
auch ein IREX-Programm mit der DDR eingerichtet. Im Zeitraum 1980/81 sind
Austauschprojekte von 40 Mann-Monaten mit der DDR vorgesehen.
Von der Nationalen Akademie der Wissenschaften im Rahmen des FulbrightAustauschprogramme mit den osteuropäischen Ländern durchgeführte Austauschprojekte werden auch weiterhin auf einem Stand gehalten, der mindestens so
hoch ist wie in früheren Jahren.
Auch

�Auch die Zusammenarbeit mit der UdSSR hat im gleichen Zeitraum zugenommen.
Seit Helsinki haben wir nicht zugelassen, daß auch nur einer unserer bilateralen Wissenschafts- und Technologieverträge in Verzug gerät oder abgebrochen
wird. Vielmehr wurden mit der Sowjetunion im Jahr 1977 fünf, 1978 zwei, 1979
zwei Verträge und 1980 ein Vertrag, nämlich der über das Transportwesen, erneuert.

Bis Ende 1979 nahm die Zahl der Wissenschaftler und Projekte unter elf

Austauschverträgen mit der Sowjetunion zu, wie es bei der Aktivität in gewissen
multilateralen Projekten wie dem Internationalen Institut für angewandte
Systemanalyse (IIASA) geschah.

Im Dezember 1979 waren über 220 verschiedene

Projekte aufgrund dieser Abkommen im Gang, an denen einige unserer besten Wissenschaftler mitarbeiteten.

Diese Entwicklungen trugen bis zum Beginn des

Jahres 1980 generell zu ständig wachsender Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technologie bei.
IREX arrangiert auch weiterhin Austauschprojekte mit der UdSSR.

Das

IREX-Programm für 1980/81 sieht Austauschprojekte mit der UdSSR vor, die
450 Mann-Monate umfassen.

Die Vereinigten Staaten unterhalten außerdem ein

Vortragsaustauschprogramm im Rahmen des Fulbright-Programms mit der UdSSR,
das nach wie vor große Aktivität aufweist.
Jedoch wird die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit von
Problemen mehrerer Kategorien belastet.

Eines davon ist der Informationsaus-

tausch bei unveröffentlichten Forschungsdaten.

Die USA sind der Ansicht, daß

beide Partner eines Gemeinschaftsprojekts ein Recht auf alle dabei erarbeiteten Informationen haben, und zwar sowohl vor wie nach der Publikation, und
ebenso auf entsprechenden gegenseitigen Austausch veröffentlichter Informationen.

An Gemeinschaftsprojekten mit sowjetischen Kollegen beteiligte ameri-

kanische Wissenschaftler haben oft Schwierigkeiten gehabt, an unveröffentlichte Daten, die sich im Rahmen des Projekts ergaben, heranzukommen, und
sie erhielten nicht in jedem Fall veröffentlichte Daten auf der Basis der Gegenseitigkeit für jene Daten, die sie selbst verfügbar machten.
Amerikanischen Wissenschaftler gelingt es häufig nicht, sowjetischen
Wissenschaftlern per Post Zeitschriften und wissenschaftliche Arbeiten zu^
- 3 -

�zukommen zu lassen, und westliche Zeitschriften sind vor der Auslieferung
zensiert worden.
Auch die Nichterteilung von Visen durch Regierungsbehörden für amerikanische Gast-Wissenschaftler und für sowjetische Wissenschaftler, die im Rahmen
ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ins Ausland reisen wollen, behindert die
Kooperation.

Wir sind der Meinung, daß eine größere Flexibilität in der Ertei-

lung sowohl von Einreise- als auch von Ausreisevisen sowie von Einreisevisen
zu mehrmaliger Benutzung während der Dauer des vorgesehenen Aufenthaltes gerechtfertigt und notwendig ist, um den Bestimmungen der Schlußakte im Zusammenhang mit Austausch und Besuchen von Wissenschaftlern und Technikern gerecht
zu werden.
Amerikanische Wissenschaftler haben die Erfahrung gemacht, daß ihre Anstrengungen zur Realisierung des vollen Potentials wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit der UdSSR durch die sowjetische Weigerung behindert wird, Zugang
zu bestimmten Regionen zu erlauben, so in die Arktik und den Permafrost-Gürtel
sowie zu einigen Wissenschaftszentren, z.B. zu dem Institut für theoretische
Physik in Gorki, wo wichtige Arbeit geleistet wird.
Es trifft auch zu, Herr Vorsitzender, daß Entwicklungen auf internationaler Ebene und in bezug auf die Menschenrechte sowjetischer Wissenschaftler
zu einem massiven Rückgang in der wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit mit der Sowjetunion geführt haben, wie der Herr sowjetische Delegierte bemerkte.
Die amerikanische Akademikerschaft sah sich gezwungen, ihre Mißbilligung
repressiver Maßnahmen sowjetischer Behörden gegen eine Reihe sowjetischer Wissenschaftler klarzumachen, auf die Dr. Handler teilweise näher einging. Aufgrund dieser Situation reduzierte die Nationale Akademie der Wissenschaften
der Vereinigten Staaten, eine unabhängige, nicht-staatliche Körperschaft, Anfang 1980 Ihr Austauschprogramm, indem Symposien und Seminare mit der Sowjetunion verschoben wurden. Im Mai brachte der Präsident der Akademie in einem
Schreiben an seinen sowjetischen Kollegen erneut die Behandlung von Dr.
- 4 -

�Dr. Sacharow zur Sprache und gab seiner Besorgnis Ausdruck, daß die amerikanischen Wissenschaftler künftige Austauschprojekte möglicherweise nicht mehr
unterstützten, weil sowjetischen Wissenschaftlern Grundrechte vorenthalten
würden.
Auf der Plenarsitzung dieser Konferenz am 3. Dezember bemerkte Dr. Handler:
"In einer bemerkenswerten Aktion ließen kürzlich etwa 8000 amerikanische Wissenschaftler offizielle sowjetische Vertreter wissen, daß sie in keiner Form an
Austauschprogrammen mit der Sowjetunion teilnehmen wollten."

Und Dr. Handler

erklärte weiter, ihre Zahl werde steigen - gleichgültig, wer in Amerika Präsident sei - , solange es keine glaubhafte Gewähr dafür gebe, daß der Gang der
Ereignisse, der sie so besorgt mache, eine Umkehrung erfahre.
Herr Vorsitzender, diese von so vielen Angehörigen einer der prominentesten
Gruppen in den Vereinigten Staaten unternommene Aktion war und ist noch immer
eine sehr schmerzliche Angelegenheit.

Unsere Wissenschaftler waren erfreut über

die Austauschprogramme und profitierten davon.
Kollegen und persönliche Freunde.

Sie gewannen Wissenschaftler-

Die Aktion ist für sie ein persönliches Op-

fer, mit dem sie ihre Befürchtungen zum Ausdruck bringen.
In einer davon getrennten Entwicklung reduzierte die Regierung der Vereinigten Staaten als Reaktion auf die Invasion Afghanistans durch sowjetische
Truppen im Dezember 1979 den Personenaustausch im Rahmen der bilateralen Abkommen mit der UdSSR. Auf dem Höhepunkt dieser Austauschprogramme waren etwa
200 verschiedene Projekte im Gang; im Jahr 1979 konnten ca. 1500 amerikanische
und sowjetische Wissenschaftler einander in ihren Laboratorien besuchen. Wir
ließen die sowjetischen Behörden wissen, daß wir die Invasion als eine ernste
Verletzung der Verpflichtungen erachteten, die in der Schlußakte und an anderer Stelle festgeschrieben sind, und wir machten unseren Standpunkt deutlich,
daß damit die Basis des für kooperative zweiseitige Aktivität notwendigen gegenseitigen Vertrauens zerstört worden sei. Solange diese Grundlage des gegenseitigen Vertrauens fehlt, sehen wir uns außerstande, bilaterale Aktivitäten
auf der gleichen Basis wie zuvor fortzusetzen. Unsere bilateralen Abkommen über

- 5 -

�über Wissenschaft und Technologie bleiben bestehen, wenn auch in eingeschränkter Form.
Herr Vorsitzender, internationale Zusammenarbeit ist nach wie vor tief
eingebettet in die Politik der Vereinigten Staaten zur Entwicklung von Wissenschaft und Technologie.

Tausende von Wissenschaftlern in öffentlichen, pri-

vaten und industriellen Laboratorien und in Universitätsinstituten unterhalten
und erweitern Beziehungen mit Kollegen in der ganzen Welt, einschließlich den
auf dieser Konferenz vertretenen Ländern.

Wir schätzen diese Zusammenarbeit;

wir bemühen uns ernsthaft darum, ihr Wachstum zu fördern; und wir werden das
auch künftig tun.
Wir hoffen auf den Tag, an dem sowjetische Aktionen das Minimum an internationaler Stabilität und an internationalem Vertrauen wiederherstellen, das
erforderlich ist, um die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie auch
mit der UdSSR wieder aufzunehmen.

+ + + + +

�71

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Dezember 1980

55

DER GROSSE TECHNOLOGIE-AUSVERKAUF
Von Arnaud de Borchgrave und Michael Ledeen

A. de Borchgrave war Chefkorrespondent
für Auslandsberichterstattung des Nachrichtenmagazins NEWSWEEK. Michael Ledeen
ist Chefredakteur der Zeitschrift
"Washington Quarterly".
Der Artikel erschien in der Zeitschrift
THE NEW REPUBLIC.
Nachdruck mit dem Vermerk "Copyright 1980
by THE NEW REPUBLIC, Inc." gestattet.

- (AD) - Seit fast zwei Jahrzehnten finanziert der Westen zwei getrennte
Verteidigungsbudgets - sein eigenes
Aufwendungen des Sowjetblocks.

und einen ständig steigenden Anteil der

Einige der engsten Berater des künftigen Prä-

sidenten Ronald Reagan bestehen darauf, daß die neue Regierung die Initiative
ergreift, um strengere Kontrollen für den Strom von Informationen und modernster
Technologie in die Sowjetunion und in andere Länder des Warschauer Paktes zu
schaffen.

Aber obgleich auch selbst die Regierungschefs der NATO-Länder und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�und Japans dieser Meinung sind, werden sie sich dagegen sträuben, die Geschäfte in hochwertiger Technik mit den kommunistischen Ländern einzuschränken.
In einem der am häufigsten zitierten Lenin-Worte wird prophezeit, daß die
kapitalistischen Länder eines Tages der Sowjetunion noch den Strick verkaufen
würden, mit dem diese sie aufknüpft.

Und heute ist nach den Worten von Se-

nator Henry Jackson "unser Exportkontroilsystem ein Trümmerhaufen.

Die Ver-

einigten Staaten und ihre Verbündeten verkaufen den Strick an die Sowjets.
Was wir nicht verkauft haben, verschleudern wir in der Form von Bildungs-, Regierungs- und technischen Austauschprogrammen.

Was wir nicht verkauft oder

verschleudert haben, stehlen sie."
Allein in den letzten zehn Jahren haben die westlichen Länder den Sowjets
Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar verkauft - u.a. Werkzeugmaschinen,
Starkstromleitungen, hochwertige Technologie, die bei Raketen und Panzern eingesetzt wird, Kommando-, Kontroll- und Nachrichtensysteme, Spionagesatelliten
und Radar.

Auch waren die Russen in der Lage, modernste Fertigungsanlagen,

mit westlichen Krediten entworfen und gebaut, zu erwerben, die einen Teil ihres
militärischen Arsenals produzieren.
Einschränkungen westlicher Lieferungen an die Sowjets sind in den letzten
Jahren merklich schwächer geworden. Dies kommt zum Teil daher, daß die Personen und Institutionen, die diese Geschäfte regeln sollen, im allgemeinen wenig geeignet sind, die möglichen Auswirkungen von Technologie-Transfer zu beurteilen. Und zum Teil beruht es auf einem blinden Glauben an die Vorzüge
von Ost-West-Handel.
Im vorigen Jahr beispielsweise verkaufte die schwedische Firma DATSAAB
der Sowjetunion ein Luftverkehr-Kontroll System, mit dem jede Art von fliegendem Objekt (auch wenn kein Funksignal existiert) geortet werden kann; damit
vermag man auch herauszufinden, ob es sich bei dem Objekt um ein feindliches
Flugzeug oder einen feindlichen Flugkörper handelt.

Das DATSAAB-System kann

den Flugkurs des Objektes errechnen und innerhalb kurzer Zeit seine jeweilige
künftige Position zu jedem beliebig gewählten Zeitpunkt errechnen.

Kurzum,

�Kurzum, das der Sowjetunion verkaufte "Flugverkehr-Kontrollsystem" besitzt
Merkmale, die für militärische Zwecke einzigartig geeignet sind.

Dieses

schwedische System - für Moskauer Flughäfen bestimmt - enthält amerikanische
integrierte Schaltkreise und wurde mit amerikanischer Zustimmung an Moskau
geliefert, obgleich einige Beamte im Pentagon Besorgnisse äußerten.
Im Jahr 1972 genehmigte die US-Regierung den Verkauf von 164 Schleifmaschinen des Typs Bryant Centalign-B an die Sowjetunion. Diese Maschinen fabrizieren winzige Kugellager in bemerkenswert präziser Ausführung - mit einem
Millionstel Millimeter Maßgenauigkeit. Solche Kugellager sind unerläßlich für
Flugkörperführungssysteme modernster Konstruktion. Die Russen hatten erstmals
in den sechziger Jahren das Bryant-System angefordert, und die Regierung
Eisenhower genehmigte den Verkauf. Im folgenden Jahr gaben auch die Experten
Präsident Kennedys ihre Zustimmung, aber Kennedy annullierte das Geschäft,
nachdem eine Untersuchung durch den Kongreß das enorme militärische Potential
dieser Technologie aufgezeigt hatte. Ein Fachmann erklärte vor dem Senat,
"unser Herstellungsverfahren für diese kleinen Vorrichtungen ist kein Geheimnis - aber die Fähigkeit, sie in guter Qualität und wirtschaftlich herzustellen, hat Jahre der Entwicklung gebraucht und dürfte nicht an einen potentiellen
Gegner verkauft werden... Es geht ja nicht darum, unseren Gegnern einen Schläger zu verkaufen, sondern Maschinen, die helfen, bessere Schläger schneller und
billiger zu produzieren."
Zehn Jahre später erlangten die Sowjets von der Nixon-Administration
schließlich die Zustimmung, weil das Bryant-Verfahren angeblich von anderen
Ländern, beispielsweise der Schweiz, nachgeahmt werden könnte.

Zu dieser fol-

genschweren Entscheidung war man nach einer 24stündigen Blitzreise amerikanischer Ingenieure in die Schweiz gelangt.
Das 20-Millionen-Dollar-Geschäft war für die Sowjets ein Glückstreffer,
denn es gab ihnen die Möglichkeit, eine neue Generation von Interkontinentalraketen hoher Treffgenauigkeit zu bauen.

Jetzt müssen die Vereinigten Staaten

womöglich soundsoviele Milliarden Dollar aufwenden, um ihre eigenen Raketenstellungen gegen diese neue sowjetische Bedrohung zu verteidigen.
- 3 -

"Man kann

�kann schwerlich annehmen", so erklärte Lawrence Brady (ehemaliger stellvertretender Direktor des Amtes für Exportfragen) einem Senatsausschuß, "daß in
Qualität und Produktionsleistung vergleichbare Maschinen woanders hätten erworben werden können, wenn die Sowjets 11 Jahre darauf gewartet haben, eine
Ausfuhrgenehmigung

für Bryant-Maschinen zu bekommen."

In beiden Fällen mag man einwenden, daß amerikanische Beamte das militärische Potential der Verkäufe an die Sowjets einfach nicht erkannten.

Aber

selbst wenn die militärischen Auswirkungen nur zu deutlich wurden, hat es die
amerikanische Regierung - wie auch die Regierungen anderer westlicher Länder versäumt, zu handeln.

Beispielsweise erfuhren im Jahr 1977 die Amerikaner,

daß im Zil-Lastwagenwerk in Moskau zahlreiche Raketenabschußlafetten hergestellt und Tausende von Zil-Lastwagen in Militärbasen geschickt werden. Zuvor waren Lastkraftwagen vom Typ Zil-131 in Vietnam zum Materialtransport
über den Ho-Tschi-Minh-Pfad verwendet worden.

Dennoch genehmigten die Ver-

einigten Staaten auch weiterhin den Export von Computern, von Computerteilen
und sogar eines Laser-Systems für die Zil-Werke zur Verwendung sowohl im Lastwagenwerk als auch in ihrem Laboratorium in Moskau.

Zur gleichen Zeit konnten

amerikanische Experten nachweisen, daß Lastwagen aus dem mit massiver amerikanischer Hilfe gebauten Werk am Kama-Fluß für militärische Zwecke verwendet
wurden und daß es auch hier keine Maßnahme gab, um Genehmigungen für weitere
Unterstützung zu stoppen.

Die amerikanische Beteiligung am Kama-Projekt

wurde erst ausgesetzt, als sich herausstellte, daß Kama-Lastwagen im Zusammenhang mit der sowjetischen Invasion in Afghanistan eingesetzt wurden.
Am Beispiel Kama und Zil zeigte sich, wie falsch eine der wichtigsten
Theorien über die Entspannung war - die Theorie nämlich, daß die Sowjetunion
in ein Netz von Abkommen mit dem Westen und ineinandergreifenden Interessen
eingebunden würde.

Statt dessen "verhielt sich", wie Senator Jackson sagte,

die Carter-Regierung "wie eine kranke Spinne, die sich im eigenen Netz gefangen hatte und nicht fähig ist, sich daraus zu befreien".
Andere westliche Länder zeigten einen ähnlichen Mangel an Wahrnehmungsfähigkeit.

Die Westdeutschen exportierten computergesteuerte, für Mehrfach- 4 -

�Mehrfachbetrieb geeignete Maschinen zur Titanbehandlung - und erleichterten
damit die Entwicklung der modernsten Generation sowjetischer Raketen und des
neuen Riesenunterseeboots, das fast doppelt so groß ist wie die amerikanische
TRIDENT.

Und als die Vereinigten Staaten nach der sowjetischen Invasion in

Afghanistan die Exportkontrollen strenger handhabten, gaben die Franzosen
Pläne bekannt, von Creusot-Loire, ihrem führenden Stahl Produzenten, ein Elektrostahlwerk - ein 350-Millionen-Dollar-Projekt - in der Sowjetunion bauen zu
lassen.

Dies verärgerte die Amerikaner derart, daß Creusot-Loire-Stähle mit

mehr als 2,5 Prozent Nickel in den Vereinigten Staaten nicht mehr zugelassen
wurden (mit der Begründung, daß das Nickel aus Kuba komme und nach wie vor
unter ein allgemeines amerikanisches Embargo falle).

Die Grundidee für den westlichen Beitrag zur sowjetischen Technologie
erklärte der Chef der Fiat-Werke, Giovanni Agnelli:

"Es ist unmöglich, zu

beweisen - mit Ausnahme einiger weniger Gebiete hochwertiger Technologie -,
daß der Ost-West-Handel die Macht der Sowjets mehr stärkt, als daß er zum
Wohlergehen der westlichen Volkswirtschaften beiträgt."

Mit Außenhandel be-

faßte Beamte in den meisten europäischen Ministerien und das amerikanische
Handelsministerium scheinen dem zuzustimmen.

Aber viele Militärexperten sagen

etwas ganz anderes.

Dr. Miles Costick, der Präsident des in Washington ansässigen Instituts
für strategischen Handel, gab zu Protokoll, daß "selten, falls überhaupt ein
Land ähnlich wie die Sowjetunion in der Lage war, die Länder, gegen die ihre
Rüstung zum größten Teil gerichtet ist, dazu zu bringen, so viel von dieser
Aufrüstung zu finanzieren."

Und eine auffallend große Anzahl von Emigranten und Personen, die sich
aus dem Sowjetblock abgesetzt habe, berichtet, die westliche Technologie sei
von entscheidender Bedeutung für das Wachsen der Sowjetmacht - auf weite
Sicht zum Schaden für den Westen.

Dr. Igor S. Glagolev, als Forscher lang-

jähriges Mitglied der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, bis er im Oktober 1976 in den Vereinigten Staaten das erbetene Asyl erhielt, erklärte,
"die Sowjetgesellschaft sähe sich ohne all die Unterstützung, die sie von
- 5 -

�von westlichen Ländern erhält, unerträglichen Belastungen gegenüber".
Vor allem nutzten die Sowjets die übliche Offenheit des Westens - insbesondere in der Periode der Entspannung - aus, um in den Besitz westlicher
Industriegeheimnisse zu gelangen.

Beispielsweise betreffen 80 Prozent aller

der amerikanischen Regierung im Rahmen des Gesetzes über Informationsfreiheit
vorgelegten Anträge industrielle und wissenschaftliche Informationen.
Teil dieser Anträge kommt aus dem Sowjetblock.

Ein

Verschiedene Bundesministerien

werden mit Anträgen in bezug auf Patente, Fabrikationsverfahren und Konstruktionspläne geradezu überschwemmt, und oft haben sie keine Möglichkeit, nachzuprüfen, wer tatsächlich hinter den Anträgen steckt.

"Angesichts der Hunderte

von Einzelinformationen, die ich jährlich freigebe", so bemerkte ein hoher Beamter im Pentagon, "schaudert mich bei dem Gedanken daran, welches Gesamtbild
die Russen über unsere Aktivitäten zusammenfügen können".
Sowjetische Experten nehmen an wissenschaftlichen Konferenzen des Westens,
an hochspezialisierten Seminaren in westlichen Universitäten teil und haben Zugang zu fortgeschrittenen Forschungsprojekten in westlichen Laboratorien. Aber
Forscher aus dem Westen haben in der Sowjetunion keine derartigen Chancen.
Tatsächlich spricht ein Vergleich der Forschungsprojekte der 45 graduierten Studenten und Dozenten aus der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, die im
Jahr 1980 im jeweils anderen Land studieren, Bände, um zu erkennen, welche Vorteile die Sowjets davon haben. Fast alle Projekte der Sowjets sind hochtechnischer Natur (einschließlich solcher Themen wie "Wechselwirkung von Ionen und
Plasma mit festen Oberflächen", "automatische Kontrolle, auf Raumschiffe angewandt" ."Prinzipien der Konstruktion von Analogcomputern", außerdem so interessante Themen wie "Forschungen über die Hintergründe der amerikanischen
Mittelost-Politik auf der Basis offizieller amerikanischer und israelischer
Regierungsdokumente", während die amerikanischen Gelehrten in der Sowjetunion
sich fast ausschließlich mit humanistischen Themen wie "Sowjetisches Schadensersatzrecht", "Eine vergleichende semantische Analyse des verbalen Aspekts im
Russischen und Serbo-Kroatischen" und "Musikalische Genren in russischer Musik" befassen.
Darüber

�Darüber hinaus spielen die Sowjets natürlich auf vielen Instrumenten,
um Begeisterung für einen Ost-West-Technologie-Transfer wach zu halten. So
richteten sie 1972 in Moskau eine Ausstellung ihrer neuesten Computer aus
- der sogenannten Ryad-Serie.
Memorex Corporation:
fähig.

Dazu Eugene Douglas von der Direktion der

"Ein großer Teil der Ausrüstungen war nicht betriebs-

Einige Modelle waren weiter nichts als leere Boxen, Maschinenattrap-

pen, die nur zur Schau gestellt waren."
sollte zweierlei bezweckt werden.

Mit diesen "Potemkinschen Computern"

Erstens wollte man westliche Firmen dvon

überzeugen, daß - nach einem Motto der Sowjets - "ein enormer unerschlossener
Computermarkt" bestehe.

Zweitens sollte damit suggeriert werden, die Russen

hätten so große Fortschritte in der Computertechnik gemacht, daß Gründe der
nationalen Sicherheit nicht länger angeführt werden könnten, um ihnen unsere
eigene Computertechnik vorzuenthalten.

Die Russen haben sogar schon begonnen, einflußreiche Beteiligungen an
westlichen Firmen in so sensitiven Bereichen wie der Elektronik zu erwerben.
Eine dieser Firmen ist Unitronex in Des Piaines im Staate Illinois.

Unitronex

gehört zum Teil einem polnischen Computer-Elektronik-Konzern namens Unitra
und befaßt sich mit einigen der fortschrittlichsten Computertechnologien, die
es in den USA heute gibt.

Aus dem Pentagon verlautet, daß Firmen wie

Unitronex Zugang zu modernster Technologie erlangen können, deren Export wahrscheinlich nicht genehmigt würde.

In den Vereinigten Staaten gibt es jetzt über 25 solcher Firmen, eine
Entwicklung, die, wie es heißt, im Sommer dieses Jahres den Nationalen Sicherheitsrat veranlaßte, dieses Thema in einer Denkschrift zu erörtern.

Als die

Studie des Nationalen Sicherheitsrates von einem interministeriellen Gremium
geprüft wurde, drang das Pentagon darauf, die Namen dieser Firmen zu veröffentlichen, damit jedermann erfahre, wer sie seien.

Aber das State Department

riet der US-Regierung, von einer Intervention Abstand zu nehmen, und hob die
Bedeutung guter allgemeiner Beziehungen zur Sowjetunion hervor.

Natürlich

istdieses Instrument des Sowjetblocks nichts Illegales - amerikanische Firmen
mit ausländischer kommunistischer Beteiligung dürfen sich genauso wie jedes
andere amerikanische Unternehmen betätigen.
Eines
- 7-

�Eines der Grundthemen sowjetischer Propaganda für einen Zugang zu westlicher hochwertiger Technologie möchte glauben machen, daß ein solcher Zugang
den Russen helfen könne, ihre eigenen Energievorkommen zu entwickeln und damit
die Versuchung zu verringern, einen militärischen Schlag im Gebiet des Persischen
Golfs zu führen.

Dies war eines der Hauptthemen in der Debatte über das soge-

nannte Dresser-Geschäft.
Im Jahr 1978 erlangte das Unternehmen Dresser Industries in Dallas, ein
führender Hersteller von ölbohrausrüstungen, Exportgenehmigungen für ein Fertigungsprojekt im Wert von 144 Millionen Dollar für ein Werk zur Herstellung
von Steinmeißeln für ölbohrausrüstungen und für eine computergesteuerte Elektronenschweißanlage, die zur Herstellung der Meißel verwendet werden konnte. Die
Genehmigungen wurden sowohl vom Handels- als auch vom Verteidigungsministerium
erteilt, aber der ständige Untersuchungsausschuß Senator Jacksons wandte sich
gegen die Entscheidung der Regierung Carter.

In seiner Aussage vor dem von

Senator Jackson geleiteten Unterausschuß stellte Dr. J. Fred Bucy vom Direktorium der Fa. Texas Instruments als das zentrale Problem heraus:

"Es gibt

keine Politik zu der Frage, ob es die Vereinigten Staaten für eine gute oder
eine schlechte Sache halten, den Sowjets zu helfen, ihre Energieressourcen
zu erschließen.

Bis diese Entscheidung gefällt wird, müssen wir, so scheint

mir, die Option offen halten, ihnen entweder zu helfen oder nicht zu helfen.
Nach meinem Gefühl haben wir uns im Grunde dieser Option begeben, wenn diese
Bohrmeißelfabrik genehmigt wird."
Die Carter-Administration schob die endgültige Genehmigung des DresserGeschäfts zwei Jahre auf, und die Angelegenheit wurde offenbar kurz nach den
Präsidentschaftswahlen beigelegt, als der Berater für Nationale Sicherheit,
Brzezinski, im Namen des Präsidenten bekanntgab, das Dresser-Werk solle nicht
für die Sowjets gebaut werden.
Die Entscheidung Carters war keine Lösung für das Grundproblem; der künftige Präsident wird die weitergehende Frage, ob der Westen das sowjetische
Energieprogramm zu unterstützen wünsche, ansprechen müssen.
Es
- 8 -

�Es gibt

eine internationale Organisation für die Kontrolle von Exporten

in den Sowjetblock, COCOM (Koordinierungskomitee) genannt, dem Japan und alle
NATO-Länder mit Ausnahme Islands angehören.

COCOM führt bestimmte Technologien

auf, die ohne Sondergenehmigung nicht an den Ostblock geliefert werden dürfen.
Vor der Präsidentschaft Carters gingen die meisten Ausnahmegenehmigungen an
westeuropäische Länder.

In den letzten Jahren jedoch entfallen mehr als 60

Prozent der Sondergenehmigungen auf die Vereinigten Staaten, was es diesen erschwert, von den Verbündeten mehr Zurückhaltung zu fordern.

Während im amerika-

nischen Außenhandel Exporte in den Osten nur einen kleinen Prozentsatz ausmachen,
sind diese für die Europäer von viel größerer Bedeutung.

Ein Streitfall ergibt sich gegenwärtig aus dem westdeutschen Tauschgeschäft von Technologie gegen sowjetisches Erdgas.

Die Sowjets versuchen, den

größten Teil Westeuropas in das 12-Milliarden-Dollar-Projekt zu involvieren.
Ein belgisches Bankenkonsortium verhandelt gegenwärtig mit den Sowjets über
einen Kredit in Höhe von 1 Milliarde Dollar, und die größte Bank des Landes
- Societe Generale - hat die belgische Regierung um eine Garantie für den
Kredit ersucht.

Die Sowjets würden diese Kredite für den Ankauf von Röhren

und Fahrzeugen zur Röhrenverlegung in Übergröße (worüber gegenwärtig mit der
Caterpillar Corporation in Washington verhandelt wird) sowie von anderen Ausrüstungen verwenden.

Die Bezahlung würde in der Form sowjetischen Erdgases

erfolgen.

Sollte dieses Tauschgeschäft Zustandekommen, wird die Bundesrepublik
Deutschland schließlich zu 30 Prozent ihres Erdgasbezugs von der Sowjetunion
abhängig werden, während die Sowjets all die Technologie bekommen, die zur
Entwicklung ihrer eigenen Ressourcen und sogar zum Bau einer Pipeline in die
Region des Persischen Golfs notwendig ist.

Dies wird es der neuen Reagan-Ad-

ministration noch schwerer machen, die Verbündeten Amerikas von der Dringlichkeit strikter Kontrollen über künftige Aktionen von Technologie-Transfer zu
überzeugen, denn die Russen werden in beträchtlichem Umfang Einfluß auf die
westliche Energieversorgung erlangt haben.

Vom

�Vom künftigen Präsidenten weiß man, daß er eine Politik der Verbindungen
mit den Sowjets befürwortet und Technologie-Transfer soll ja eine wichtige
Rolle in dieser Politik spielen.

Reagan hofft, das abenteuerliche Vorgehen

der Sowjets in der Dritten Welt einschränken zu können, indem hochwertige
Technik zurückgehalten wird, solange das Verhalten des Kreml unannehmbar ist.
Aber eine Stornierung der Verbindungen verlangt die volle Mitarbeit aller
Mitglieder des COCOM.

Deshalb muß der neue Präsident im Technologie-Transfer

ein Problem sehen, das zu Meinungsverschiedenheiten führen könnte.

- 10 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Muskie-Interview mit europäischen Fernsehkorrespondenten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kontinuität in der US-Außenpolitik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung der USA auf der KSZE-Folgekonferenz zum wissenschaftlichen Austausch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der große Technologie-Ausverkauf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Arnaud de Brochgrave und Michael Ledeen -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Dezember 1980

54
4

INHALT

INFORMATION
Mehr Nachdruck auf Umweltschutz in CCMS-Gremien
DOKUMENTATION
Brzezinski:

USA brauchen Unterstützung der Verbündeten

- Rede des US-Sicherheitsberaters in Montreal Amerikanische Erklärung zum Thema "Vertrauensbildende Maßnahmen"
auf der KSZE-Folgekonferenz in Madrid
HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan fordert mehr Verständnis für Wissenschaft und Technik
- Angewandte Forschung soll gefördert werden -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�10. Dezember 1980

54

MEHR NACHDRUCK AUF UMWELTSCHUTZ IN CCMS-GREMIEN

- (AD) - Umweltbehörden von 15 Ländern des Atlantischen Bündnisses
vereinbarten auf der jüngsten Tagung des Umweltausschusses der NATO (CCMS Committee on the Challenges of Modern Society) Ende November 1980 in
Brüssel eine verstärkte internationale Zusammenarbeit, um "der Herausforderung
der nächsten Generation von Technologie in den kommenden 30 oder 40 Jahren
gerecht zu werden". So formulierte es Douglas M. Costle, der Leiter des
amerikanischen Bundesamtes für Umweltschutz (EPA).

In einem umfassenden

informellen Bericht über die in den Vereinigten Staaten vorherrschenden
Meinungen führte Costle den Delegierten vor Augen, daß sich die Welt nicht
nur technischen, sondern auch "gesellschaftlichen Herausforderungen"
bei ihren Versuchen gegenübersehe, Ersatzenergien für Erdöl zu finden.
Er rechnet künftig mit ausgedehnter Anwendung von Kohle und Kernkraft Entwicklungen, die mit Sicherheit neue Umweltgefahren mit sich bringen,
welche "unsere Fähigkeiten auf die Probe stellen werden".
John Roberts, der kanadische Umweltminister, hob hervor, daß erst
jetzt, da man sich eingehend mit Umweltproblemen befasse, klar werde,
wie schwer ihnen innerhalb nationaler Grenzen beizukommen sei.

"Wir schaffen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�schaffen diese Probleme gemeinsam - und wir werden sie nur lösen, wenn
wir gemeinsam handeln".

Die Delegierten sahen in den informell geführten

Diskussionen eine überaus nützliche Chance zum Informations- und Meinungsaustausch über den Schutz von Gesundheit und Umwelt in den von ihnen
vertretenen Ländern.
Im Oktober 1981 sind zwei wichtige CCMS-Konferenzen vorgesehen, deren
eine (in Washington) der Überprüfung der Fortschritte auf dem Gebiet der
Beseitigung gefährlicher Abfälle, und deren zweite (in der Bundesrepublik
Deutschland) der Bewertung des Einflusses der Technologie auf Prozesse
der Entscheidungsfindung gewidmet ist.

Auf dem letztgenannten Symposium

soll auch erörtert werden, welchen Einfluß die Öffentlichkeit, wie etwa
die Medien, öffentliche Einrichtungen und Universitäten, auf Entscheidungen
anderer gesellschaftlicher Gruppen hat.
Auf der Brüsseler Konferenz (24.-25. November) berichtete ein
französischer Delegierter über französisch-britische Tests für ein
"verheißungsvolles Verfahren", um Schiffe zu ermitteln, die in Küstengewässern öl ablassen.

Während sich die gegenwärtigen Überwachungstechniken

auf fotographische Aufnahmen bei Tage konzentrieren, mit deren Hilfe
derartige "ölsünder" ausgemacht werden können, deuten in Großbritannien
angestellte Versuche darauf hin, daß elektronische Sensoren das Ablassen
von öl auch bei Nacht aufzuspüren vermögen.

Das Verfahren wird gegenwärtig

noch verbessert; 1981 sind endgültige Resultate zu erwarten.
Ein weiteres wichtiges Tagungsthema war die Frage, ob die Erörterung
von möglichen Umweltschäden durch militärische Aktivitäten in Friedenszeiten weiterhin in den CCMS-Gremien, die ja nichtmilitärische Probleme
behandeln und denen auch Länder außerhalb des NATO-Bündisses angehören,
erfolgen soll.

Auf einem kürzlich in München abgehaltenen Seminar, auf dem

man sich speziell mit dieser Frage befaßte, hatte sich eine Reihe von
Ländern dafür ausgesprochen, den Informationsaustausch auf multinationaler

�multinationaler Ebene fortzuführen.
Ferner kamen die Delegierten in Brüssel überein, die CCMS-Stipendienprogramme zu stärken und künftig enger mit den laufenden Leitstudien zu
verknüpfen.

Von den seit 1959 in Angriff genommenen 29 Leitstudien, die

die Lebensqualität in den westlichen Ländern verbessern helfen sollen,
wurden 10 abgeschlossen.

Die restlichen 19 Projekte befinden sich entweder

im aktiven Stadium oder werden durch Folgeprogramme weitergeführt - u.a.
Maßnahmen zur Kontrolle von Luftverschmutzung unter Federführung der
Bundesrepublik Deutschland und die sog. integrierte Schädlingsbekämfpung
unter Federführung der USA.

Dies ist eine interdisziplinär Methode mit

koordinierter Anwendung vielfältiger Verfahren zur Schädlingsbekämpfung,
wobei sowohl die Notwendigkeit als auch die Gefährlichkeit von Pestiziden
voll berücksichtigt, chemische Verfahren auf ein Mindestmaß beschränkt und
natürliche Prozesse voll ausgeschöpft werden sollen.

+ + + + +

- 3 -

�10. Dezember 1980

54

BRZEZINSKI: USA BRAUCHEN UNTERSTÜTZUNG DER VERBÜNDETEN
- Rede des US-Sicherheitsberaters in Montreal -

MONTREAL - (AD) - Der Sicherheitsberater Präsident Carters, Zbigniew
Brzezinski, hat am 5. Dezember 1980 in einer Rede vor dem Kanadischen Club
in Montreal erklärt, die Vereinigten Staaten brauchten die Unterstützung
ihrer Verbündeten in Europa und Asien, um einen Sicherheitsrahmen im Persischen Golf aufbauen zu können.

Die Interessen dieser Verbündeten seien

in diesem Gebiet noch mehr berührt als die der USA.
Die Rede Brzezinskis hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute zu Ihnen über den jüngsten - und einen der herausragendsten - Aspekte des 35jährigen Strebens Amerikas nach Frieden und globaler Stabilität sprechen.

Ich möchte die Anstrengungen der Carter-Administra-

tion erörtern, einen Rahmen für die regionale Sicherheit in dem lebenswichtigen und turbulenten Gebiet Südwestasiens zu errichten, das den Persischen
Golf und den Mittleren Osten einschließt.
Diese Anstrengungen befinden sich im Anfangsstadium.

Sie sind jedoch

Teil einer wesentlichen und dauerhaften amerikanischen Verpflichtung zur För-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Förderung eines Klimas der Stabilität in der Welt, in dessen Rahmen der
Wandel sich zu positiven statt zu zerstörerischen Zielen hin auswirken kann.
Der rasche und alles aus dem Gleichgewicht bringende Wandel ist eine
der Realitäten unserer Zeit.
könnten.

Er ist keine Entwicklung, die wir umkehren

Er kann nicht durch bekannte aber vereinfachte Theorien wegdisku-

tiert werden, daß aller Protest kommunistisch inspiriert oder daß aller Umsturz einer angeblichen amerikanischen Schwäche oder westlichen Uneinigkeit
zuzuschreiben sei.
Der politische Wandel ist seiner Natur nach verschiedenen Ursprungs
und in seinen praktischen Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen
vielfältig.

Die Veränderungen, mit denen sich die Macht und Zielsetzung

des Westens befassen muß, schließen demographische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Veränderungen ein.

Sie entstehen größtenteils

aus dem dramatischen Erwachen von Völkern, die einst passive Subjekte waren,
aber heute aktive und unruhige Teilnehmer an einem politischen Prozeß sind,
der zwar weltweit, aber noch nicht in geordneten Bahnen eingesetzt hat.
Wenn es ein Einzelereignis gibt, das den Beginn dieses umfassenden Prozesses des Wandels kennzeichnet, dann ist es das Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Krieg zerstörte nicht nur europäische Großmächte, sondern auch die
eurozentrische Weltordnung, die den Rahmen für internationale Rivalität aber
auch Entwicklung abgegeben hatte. Aus diesem Zusammenbruch gingen die Vereinigten Staaten als die vorherrschende, aber nicht einzige Weltmacht hervor. •
Wir hatten es damals - wie heute - mit einem Rivalen zu tun: der Sowjet- '
union. Und dieser Rivale schien damals in einer Lage zu sein, die Kontrolle
über Europa und Asien zu gewinnen, -deren Verteidigung und Wirtschaft in
Trümmern lag.
•

Aus diesem Zusammenhang heraus nahmen die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten die Aufgabe auf sich, die sowjetische Macht einzudämmen.

- 2 -

Der

�Der sowjetische Druck auf Berlin rief amerikanische Befürchtungen hervor,
die Kommunisten könnten bis zum Atlantik vordringen.

Der Sieg der Roten

Armee in China im gleichen Zeitraum ließ die Möglichkeit einer kommunistischen
Beherrschung selbst Japans erwarten.

Als Antwort auf diese klar erkannten Herausforderungen unternahm Amerika
von 1945 bis 1955 die erste große Phase seines Engagements in der Welt. Wir
verpflichteten uns, Westeuropa wieder aufzubauen und seine Sicherheit zu gewährleisten.

Aus diesem Engagement heraus entstanden der Nordatlantikvertrag

und der Marshall-Plan.

Zusammen ermöglichten sie den Wiederaufbau Europas

als lebendige Macht in der Weltpolitik.

Etwa zum gleichen Zeitpunkt - nur von längerer Dauer - begann Amerika
sein zweites großes Unternehmen:
Osten.

die Herstellung der Stabilität im Fernen

Ausgelöst durch den Koreakrieg fand dieses Streben Mitte der fünf-

ziger Jahre seinen Ausdruck auch in dem amerikanisch-japanischen Friedensvertrag und der daraus resultierenden Beziehung auf dem Gebiet der Verteidigung.

Die Bemühungen um Stabilität im Fernen Osten zogen sich jedoch sehr

viel länger hin und waren viel komplexer.

Später zogen uns diese Bemühungen in den schmerzlichen, uns schwächenden Vietnam-Konflikt hinein.

Trotzdem konnte man Ende der siebziger Jahre

mit der Normalisierung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen davon sprechen, daß ein lebensfähiges System der Abschreckung - zu dem eine Sicherheitsbeziehung zu Japan und zu Südkorea sowie eine bessere Verständigung
mit China gehört - entstand, das in ähnlicher Weise eine Abschreckung vor
sowjetischen Ambitionen bot.

Weltfriede und internationale Stabilität beruhten somit auf der amerikanischen Verpflichtung für die Unabhängigkeit und Sicherheit zweier zentraler
strategischer Zonen:

Westeuropa und Fernost.

Eine Bedrohung einer dieser

beiden zentralen strategischen Zonen wurde automatisch als eine Berührung
amerikanischer Interessen betrachtet.

- 3 -

Die amerikanische Macht wurde als

�als bereit angesehen, der Bedrohung eines (sowjetischen) Expansionismus entweder nach Westen oder nach Osten zu begegnen.
Zum Teil auch um diese beiden strategischen Zonen zu überwinden oder
sie in der Flanke zu umfassen, unternahm die Sowjetunion unter Chruschtschow
und dann später unter Breschnew eine Reihe von Manövern - vor allem in der
Dritten Welt.

In der Ausweitung des sowjetischen Einflusses auf Kuba und

auf bestimmte Gebiete in Afrika fand diese Strategie zum Teil ihren Ausdruck;
aber die sowjetischen Erfolge lagen weitgehend an der Peripherie, wurden gelegentlich auch wieder zurückgedrängt und reichten niemals aus, um die eine
oder die andere der beiden zentralen strategischen Zonen zu bedrohen.
In den jüngsten Jahren nun - was von einigen schon weitaus früher erkannt worden war - gewann eine dritte strategische Zone eine entscheidend
wichtige Bedeutung für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten: die Region, die wir heute als Südwestasien bezeichnen, einschließlich des Persischen
Golfs und des Mittleren Ostens.

Der wirtschaftliche Wohlstand Westeuropas

und des Fernen Ostens sind von dieser Region abhängig.

Ihre Beziehung zu

diesem Gebiet und seinen Ölquellen macht es zur dritten zentralen strategischen Zone, die von lebenswichtigem Interesse für uns wie für unsere wichtigsten Verbündeten ist.
Eine Reihe von Jahren hindurch war diese Region von sowjetischem Einfluß durch einen Staatengürtel abgeschirmt, der sich von der Türkei über das
Kaspische Meer und über Afghanistan erstreckte und der als eine Pufferzone
das im wesentlichen prowestliche Pakistan schützte. Iran nahm eine Schlüsselstellung in diesem Staatengürtel ein. Es bildete sozusagen das Scharnier
für ein Sicherheitssystem, das den Persischen Golf von der Sowjetunion absperrte.
In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre kam dieses Gebiet unter wachsenden Druck von außen.

Bis zu einem gewissen Ausmaß wurde es in den Flanken

umgangen durch die plötzliche militärische Präsenz der Sowjets in SüdJemen

- 4 -

�Südjemen und durch Helfershelfer der Sowjets in Äthiopien.

Der Taraki-

Coup in Afghanistan im März 1978 öffnete dann das Tor für ein direktes sowjetisches Engagement und die anschließende militärische Besetzung dieses Landes Ende des Jahres 1979 und Anfang 1980.
Gleichzeitig aber sind die Länder dieses Gebiets ein Beispiel für die
Realität des Wandels, von der ich vorhin gesprochen habe.

Diese Länder sehen

sich einer wachsenden Gefahr von innen gegenüber - der Hinfälligkeit der lokalen Regime unter dem Druck der Modernisierung und dem wachsenden Einfluß
der islamischen Renaissance.
spiel.

Der Sturz des Schah ist das überzeugendste Bei-

Der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak hat Weiter zu der Möglich-

keit regionaler Wirren und Unruhen beigetragen, die auf eine ganze Reihe von
Staaten entlang des Persischen Golfs übergreifen und dadurch ein Viertel der
Weltölproduktion ausfallen lassen könnten.

Und natürlich werden durch diese

unstabilen Verhältnisse neue Möglichkeiten für ein politisches und militärisches Eingreifen der Sowjets geschaffen.
Als Reaktion auf diese strategische Realität hat dann Präsident Carter
bereits im Januar 1980 in der Carter-Doktrin, wie man sie später genannt
hat, proklamiert:

Jeder Versuch einer äußeren Macht, die Kontrolle über die

Region am Persischen Golf zu erlangen, wird als ein Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika angesehen werden,
und ein solcher Angriff wird mit allen notwendigen Mitteln, einschließlich
militärischer Gewalt, zurückgewiesen werden.

Das Ergebnis dieser Erklärung

in aller Kürze war eine neue und historisch bedeutsame Verpflichtung der Vereinigten Staaten - eine Verpflichtung, die langfristige Implikationen für
das achte Jahrzehnt dieses Jahrhunderts hat.

In ihr spiegelt sich die Er-

kenntnis wider, daß die zentrale Herausforderung dieses Jahrzehnts wahrscheinlich genau so massiv und anhaltend sein wird, wie die, der sich die
amerikanische Führung in den ersten Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegenübersah.
Damals mußten wir für die Sicherheit und den Wiederaufbau Westeuropas
sorgen und gleichzeitig vor einer sowjetischen Invasion abschrecken.
- 5 -

Heute

�Heute müssen wir die richtige Mischung militärischer und diplomatischer
Initiativen finden, um die Sicherheit einer Region zu gewährleisten, die
für uns absolut lebenswichtig ist, wo wir aber nicht einfach die Erfahrungen aus der Gestaltung des Atlantischen Bündnisses kopieren können.
Wir werden vor sowjetischem Expansionismus abschrecken müssen.
werden einen Sicherheitsrahmen schaffen müssen.

Wir

Wir werden in aller Stille

zu Lösungen regionaler Streitigkeiten beitragen müssen.

Und wir werden eine

Vielzahl formeller und informeller Beziehungen in einer Region herstellen
müssen, die gegenüber ausländischer Präsenz empfindlich ist; wo stolze und
argwöhnische Völker sich erst kürzlich von kolonialem Einfluß befreit haben.
Dementsprechend können wir in der Region des Persischen Golfes nicht
einfach ein Abbild der NATO schaffen.

Das lassen die politischen und wirt-

schaftlichen Verhältnisse dieser Region nicht zu.
Werte würden das nicht dulden.

Die dortigen Kulturen und

Die Notwendigkeit, den positiven Wandel

zu fördern, statt wieder eine Sicherheit im Rahmen bekannter Muster aufzubauen, macht eine Wiederholung alter Formeln unmöglich.
Ebenso wenig können wir dort allein einen Sicherheitsrahmen aufbauen.
Andere müssen uns helfen - nicht nur befreundete Staaten in der Region
selbst, sondern auch unsere europäischen und asiatischen Verbündeten. Ihre
lebenswichtigen Interessen werden noch unmittelbarer berührt als unsere.
Die Amerikaner müssen jedoch die Führung übernehmen, denn einer potentiellen
sowjetischen Bedrohung kann nur wirksam begegnet werden, wenn wir bei ihrer
Beantwortung vorangehen.
Ein Sicherheitsrahmen für die Region kann nicht nur oder nicht in
erster Linie ein militärischer Rahmen sein, obwohl die militärische Komponente von entscheidender Bedeutung ist. Er muß auch diplomatische und wirtschaftliche Komponenten in der Region und - gegen die Sowjetunion gerichtet außerhalb der Region enthalten. Die Carter-Administration hat eine Reihe
militärischer Initiativen und Schritte ergriffen, die das Fundament für

- 6 -

�für eine entstehende Struktur legen, um sowohl die Unabhängigkeit als auch
die Friedensaussichten zu stärken.

Es ist ein Anfang, aber unser Fortschritt

ist ermutigend, und ich möchte Ihnen kurz berichten, was geleistet worden
ist.
Auf dem militärischen Felde sind wir mit zwei großen, sich ergänzenden
Anstrengungen vorgegangen.
Erstens, um über die Fähigkeit zu verfügen, die Sowjetunion mit einer
glaubwürdigen Abschreckung zu konfrontieren und unsere Verbündeten in dem
Gebiet zu bestärken, müssen wir in der Lage sein, amerikanische Streitkräfte
in der Region zur Geltung zu bringen. Ich unterstreiche die Zurgeltungbringung amerikanischer Streitkräfte, da es nicht unsere Absicht ist, dort amerikanische Landstreitkräfte zu stationieren oder große amerikanische Stützpunkte zu bauen. Wir müssen jedoch in der Lage sein, unseren Freunden zu
Hilfe zu kommen, wenn sie bedroht werden und um unsere Hilfe bitten.
Der Präsident hat den Nationalen Sicherheitsrat während des letzten
Jahres mehrere Male einberufen, um diese Anstrengungen zu verfolgen, und
der Sonderkoordinierungsausschuß des Rates, dem ich Vorsitze, hat mehr als
20 Sitzungen abgehalten, um über unsere Programme und deren Fortschritte bei
der Entwicklung der Konzeption des regionalen Sicherheitsrahmens sowie über
die Förderung unserer Fähigkeit zu beraten, unsere Streitkräfte schnell zu
dislozieren, sollte die Notwendigkeit dafür eintreten.
Bis heute haben wir folgendes erreicht:
- Eine Schnelle Eingreiftruppe ist ins Leben gerufen worden.
- Sieben Vorausbereitstellungsschiffe mit motorisiertem Gerät, Munition,
Brennstoff, und anderen Vorräten sind im Indischen Ozean disloziert worden.
- 300 Düsentransporter und 500 Turboprop-Transporter stehen für Luftbrückenaufgaben zur Verfügung.
- Der

�- Der Kongreß prüft ein Ersuchen der Regierung, acht schnelle Ro-RoTransportschiffe für Fracht und Truppen zu kaufen, die den Suezkanal von
unserer Ostküste aus in 11 bis 12 Tagen erreichen könnten.
- Dislozierungen kleiner Teile unserer Streitmacht im Rahmen von Manövern in diese Region fanden in diesem Herbst statt, erst vor kurzem noch
nach Ägypten.
- Der Zeitaufwand für die Dislozierung wurde wesentlich reduziert.
Unsere

taktischen Luftstreitkräfte können innerhalb von Stunden in diesem

Gebiet sein, ein Bataillon innerhalb von 48 Stunden und eine Division innerhalb von zwei Wochen.
- Und schließlich haben wir mit vier Ländern in dieser Region Vorkehrungen für die Benutzung von Einrichtungen getroffen, um die amerikanische
Präsenz zu unterstützen.
Ich glaube, diese Liste beweist, daß wir seit Dezember vorigen Jahres,
als der Präsident den Entschluß faßte, sich um Einrichtungen in diesem Bereich zu bemühen, einiges getan haben, um die Fähigkeit zu erlangen, amerikanische Streitkräfte rasch zur Geltung zu bringen, falls diese Regionen
bedroht werden.
Gleichzeitig muß jedoch erneut unterstrichen werden, daß die politischen Verhältnisse dieser Region sich sehr von denen Europas unterscheiden.

Wir müssen ständig an die nationalen und politischen Empfindlichkeiten

der betroffenen Länder denken.

Es wäre der Sache nicht dienlich, im Hin-

blick auf permanente Stützpunkte übereilt vorzugehen und die Stationierung
amerikanischer Landstreitkräfte in einer Region anzustreben, die im Hinblick
auf ihre kolonialen Erfahrungen noch so empfindlich ist.

Aber wenn wir die-

se wichtigen Realitäten in Rechnung stellen, dann liegt es auf der Hand,
daß wir in den vergangenen 11 Monaten hinsichtlich der Entwicklung unserer
Fähigkeit, amerikanische Streitkräfte in diesem Gebiet zur Geltung zu bringen, echte Fortschritte gemacht haben.
Ich

�Ich möchte jedoch sofort hinzufügen, daß dies alles nur ein Anfang ist.
Die betroffene Region muß sich mit tiefgehenden Konflikten auseinandersetzen.
Diese Konflikte sind größtenteils lokalen Charakters, sie können jedoch durch
einen ausländischen Gegner zu dessen eigenen Zielsetzungen ausgenutzt werden.
Wir müssen dieser Realität gegenüber wachsam bleiben, und wir müssen uns
darüber im klaren sein, daß es hier keine raschen oder leichten Lösungen geben wird.
Parallel zu unseren militärischen Anstrengungen waren wir bereit, Hilfe
zu leisten, um die Verteidigungskapazität der Länder in dieser Region zu verbessern.

Wir fahren mit unserer seit langem bestehenden Unterstützung für

die Sicherheit Israels fort. Ja, unsere gesamte wirtschaftliche und militärische Hilfe für Israel während der letzten vier Jahre beläuft sich auf
fast die Hälfte all der Hilfe der USA für Israel seit dessen Gründung.

Darüber

hinaus haben wir Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und dem Nordjemen Waffen
zur Verfügung gestellt. Wir bilden militärisches Personal aus mehreren Staaten dieser Region aus. Soweit dies möglich ist, ziehen wir es vor, den Ländern in dieser Region zu helfen, sich selbst zu verteidigen.

Das ist auch

das, was sie selbst vorziehen, und wir ermutigen diese Bestrebung.
Beide dieser militärischen Anstrengungen berühren unsere NATO-Kapazität.
Wir haben daher damit begonnen, eine Formel für eine generelle Arbeitsteilung
mit unseren NATO-Verbündeten auszuarbeiten, um konkurrierende Ansprüche an
knappe militärische Ressourcen zu vermindern.

Hier geht es natürlich darum,

sicherzustellen, daß in einem Bündnis mit begrenzten Ressourcen unsere europäischen Partner bereit sind, die Lücke im europäisch-nordatlantischen Bereich zu schließen, die dort durch die Abzweigung militärischer Kräfte der
USA in die neue strategische Zone geschaffen worden ist.

Ich glaube, ich

sollte meine Zuhörer daran erinnern, daß die nordamerikanische Komponente
der NATO - Kanada und die Vereinigten Staaten - sehr wohl ein Teil dieses
traditionellen europäisch-nordatlantischen Bereiches ist - eine Tatsache, die
unsere Zusammenarbeit bei so wichtigen Bemühungen, wie sie NORAD und Interoperabilität von Flugzeugen darstellen, in erhöhtem Maße erforderlich machen.
Es ist eine Tatsache, die in gleicher Weise die anhaltende Bedeutung für alle
- 9 -

�alle NATO-Mitgliedstaaten einschließlich Kanadas und der Vereinigten Staaten
aufzeigt, daß sie die Verpflichtung für die Erhöhung ihrer realen Verteidigungsausgaben um jährlich 3 Prozent eingegangen sind.
Hinsichtlich der wirtschaftlichen Komponente unseres Sicherheitsrahmens
ist öl das Schlüsselwort.

Unsere Politik hier in den USA sowie die unserer

Verbündeten hat den Verbrauch reduziert, die Preiserhöhungen verlangsamt und
die Vorräte ausgebaut.

Deshalb sind wir selbst nach dem Produktionsausfall

des Iran und des Irak überzeugt, daß wir vor keiner unmittelbaren Versorgungskrise stehen.
Wir haben ferner die reicheren Staaten in diesem Gebiet ermutigt, den
ärmeren Ländern sowohl wirtschaftliche als auch militärische Unterstützung
zur Verfügung zu stellen, um ihnen dabei zu helfen, sich auf politische Unsicherheit gerichteten Anstrengungen von außen zu widersetzen.

Wir haben

unsere Verbündeten in Europa gebeten, diesen gleichen Staaten wirtschaftliche
Hilfe zu leisten.

So hat beispielsweise die Bundesrepublik Deutschland eine

wichtige Rolle übernommen, um sowohl der Türkei als auch Pakistan solche
Hilfe zu gewähren.
Somit bilden die Energieeinsparungen und die geförderte Energieproduktion,
die Wirtschaftshilfe für Staaten der Region seitens Staaten der Region sowie
die westliche Wirtschaftshilfe gemeinsam eine Drei-Punkte-Wirtschaftsstrategie
innerhalb des Sicherheitsrahmens.
Die Arbeit, die in diesem Jahr zur Entwicklung einer glaubwürdigen Struktur regionaler Sicherheit in Südwestasien geleistet worden ist, hat eine Bedeutung, die weit über diesen Raum hinausreicht.

Auf dieser Ebene reflek-

tiert sie natürlich eine wichtige amerikanische Verpflichtung - eine Verpflichtung, von der wir annehmen können, daß sie sich als fortdauernd erweisen wird, wie dies gegenüber Europa und dem Fernen Osten der Fall war.
Aber über diese Region hinaus bleibt das Streben nach Sicherheit ein globales
Engagement.
Indem
- 10 -

�Indem wir diese Schritte unternehmen, um einen möglichen sowjetischen
Vorstoß nach Südwestasien einzudämmen, beziehen wir aber auch Position, um
mit der Sowjetunion selbst in Richtung auf eine konstruktivere und positivere Beziehung hinzuarbeiten.

Es war die westliche - und insbesondere die

amerikanische - Entschlossenheit in Europa und im Fernen Osten, die die Basis
darstellte, von der aus die Entspannung begann.

In gleicher Weise bietet

uns unsere Fähigkeit, vor sowjetischem Druck gegenüber diesem dritten Gebiet
lebenswichtiger westlicher Interessen abzuschrecken, die Grundlage für einen
stabilen Dialog mit Moskau.
Wir wollen den Kalten Krieg nicht wieder entfachen, indem wir den Streit
in eine neue Region verlegen.

Wir bemühen uns um einen echten Abbau der

Spannungen, der sich auf Gegenseitigkeit und Zurückhaltung gründet.
Unsere weiterreichende Zielsetzung, um dies kurz und abschließend zu
sagen, ist die Schaffung eines stabilen Rahmens der Abschreckung, so daß
der Friede nicht nur gewagt werden, sondern auch in einer aktiven Zusammenarbeit zwischen den wichtigen Mächten der Welt umgesetzt werden kann. Innerhalb dieses Rahmens können wir uns den Veränderungen anpassen, die unvermeidlich sind.
Wir können mithelfen, den Prozeß der globalen Veränderung in Richtung
auf institutionelle Vorkehrungen zu leiten, die wir im Augenblick nur vage
erkennen und uns nur unvollständig vorstellen können. Wir können das Gleichgewicht der Macht einsetzen, um zu einer Korrektur der Ungleichgewichte beizutragen - des Reichtums, der Technologie, der Erziehung, der Gesundheit die sonst unsere Lebensart und unser überleben gefährden würden.
Aber wir können in bezug auf diese Herausforderungen nur konstruktiv
vorgehen, wenn wir entschlossen und wirksam uns mit der Herausforderung in
Südwestasien befassen.

Sollten wir dort versagen, dann könnte das Gleichge-

wicht der Macht, von dem aus wir Stabilität aufbauen müssen, unwiderruflich
verloren sein.
Die
- 11 -

�Die Abhängigkeit sowohl Westeuropas als auch des Fernen Ostens vom Gebiet des Persischen Golfes ist dergestalt, daß wir uns nicht leisten können,
zu versagen.

Die dritte zentrale strategische Zone ist von entscheidender

Bedeutung für das Oberleben der anderen beiden und damit für unsere eigene
Fähigkeit, den Weltfrieden zu erhalten.
Die Herausforderung ist klar:
worden.

Eine konzertierte Antwort ist ausgearbeitet

Mit der Unterstützung Kanadas und aller unserer Verbündeten, wird

Amerika, dessen bin ich sicher, sich dieser Bewährungsprobe als gewachsen erweisen.

+ + + + +

12

�10. Dezember 1980

54

AMERIKANISCHE ERKLÄRUNG ZUM THEMA "VERTRAUENSBILDENDE MASSNAHMEN"
AUF DER KSZE-FOLGEKONFERENZ IN MADRID

MADRID

- (AD) - Warren Zimmerman, amerikanischer Delegierter

auf dem Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) in Madrid, nahm in seiner Erklärung am 2. Dezember 1980
im Rahmen der Arbeitsgruppe, die sich mit Korb 1 der in der Schlußakte
von Helsinki eingegangenen Verpflichtungen und deren Verwirklichung auseinandersetzt, zu den militärischen Aspekten Stellung.
Seine Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, in den vergangenen drei Wochen haben unsere
Beratungen hier in Madrid im Rahmen der Überprüfungsphase der Umsetzung
in die Praxis nur sehr wenig Übereinstimmung hervorgebracht. Allerdings
gibt es einen Bereich, in dem erstaunliche Übereinstimmung herrscht.
Wir alle sind nämlich der Meinung, daß während der vergangenen vier Jahre
ein jäher Schwund an internationalem Vertrauen und wechselseitigem Treu
und Glauben stattgefunden hat. Eine Delegation nach der andern hat sich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�sich in diesem Forum zu Wort gemeldet, um das Offenkundige festzustellen.
Die Erwartungen und das Streben, von uns allen in Helsinki geteilt, haben
sich nicht verwirklicht.

Frieden und Sicherheit scheinen heute spärlicher

zu sein als im August 1975. Wir alle können eine augenfällige Schlußfolgerung aus dem derzeitigen Charakter des internationalen Klimas ziehen.
Die Vertrauensbildenden Maßnahmen (Confidence-building Measures - CBM)
der Schlußakte haben sich nicht in der Lage erwiesen, mit den Ursachen der
Spannung fertigzuwerden, die derzeit das internationale Umfeld bedrängen.
Natürlich waren unsere Erwartungen in diese Vertrauensbildenden
Maßnahmen der Schlußakte von vornherein bescheiden.

Sie waren nicht dazu

entworfen,mit so gewaltigen Schlägen gegen das internationale Vertrauen
fertigzuwerden, wie dies etwa die sowjetische Invasion Afghanistans darstellt.

Wenn die Prinzipien der Schlußakte selbst verletzt werden, wird

es schwierig, über eine umfassende Wiederherstellung des Vertrauens nachzudenken.

Dies scheint nur durch die Wiederherstellung des Respektes

gegenüber den Prinzipien selbst möglich zu sein.

Wenn wir die Vertrauens-

bildenden Maßnahmen besprechen, dann dürfen wir nicht nur ihren Wert im
Rahmen der Schlußakte bewerten; wir müssen zugleich die umfassenderen
Entwicklungen im internationalen Umfeld mit einbeziehen, die den Zustand
des internationalen Vertrauens beeinflussen.
In diesem Zusammenhang hat eine kleine Minderheit von Delegationen
versucht, die Aufmerksamkeit von den Folgen des Afghanistanproblems
abzulenken.

Ein solcher Versuch wurde gerade von meinem Vorredner, dem

Delegierten der Sowjetunion,unternommen.

Diese Delegationen haben versucht,

die Verantwortung für die Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen dem
NATO-Bündnis im allgemeinen und den Vereinigten Staaten im besonderen
anzulasten.

Unter anderem haben sie in ungenauer Sprache und mit irre-

führender Logik auf die Entscheidungen abgehoben, weitreichende nukleare
Mittel Streckensysteme (LRTNF) in Europa zu stationieren und die amerikanischen
Militärausgaben zu erhöhen.

Mein sowjetischer Kollege meinte, er wolle

- 2 -

�wolle sich nicht auf konkrete Tatsachen beziehen.

Herr Vorsitzender,

ich werde mich auf konkrete Tatsachen beziehen.
Es ist wahr, daß solche Entscheidungen getroffen wurden. Daß jedoch
diesen Entscheidungen die Schuld für den derzeitigen Zustand der internationalen Beziehungen zukommen soll, wird durch einige schlichte Tatsachen
entkräftet. Erstens haben wir unsere Bereitschaft erklärt, Begrenzungen
über TNF-Waffen zu diskutieren; dies taten wir bereits unmittelbar nach
der NATO-Entscheidung über die Dislozierung dieser Systeme. In der Tat
begannen diese Gespräche diesen Herbst in Genf, nachdem die Sowjetunion
ihre Vorbedingungen für diese Gespräche hatte fallen lassen. Wir hoffen
auf konstruktive Fortschritte in diesem Forum,und wir verpflichten uns,
zu solchem Fortschritt beizutragen. Zweitens wurde die Entscheidung der
NATO über die TNF-Systeme erst getroffen, nachdem die Sowjetunion mit
der Dislozierung einer neuen Generation ihrer eigenen TNF-Systeme, den
SS-20, voranging, die eine Reichweite besitzen, die einen Angriff auf
Westeuropa möglich macht. Die praktische sowjetische Dislozierung dieses
Raketensystems geht weiter. Bei den östlichen Einlassungen bezüglich
des Wettrüstens können wir auch nicht die geringste Erwähnung dieser
Entwicklung erkennen. Und dennoch bedeutet eine Nichtbeachtung der
SS-20, die Hauptursache für die Gefahren und Instabilitäten der Lage
im Kernwaffenbereich auf dem europäischen Kontinent zu ignorieren.

Darüber hinaus gehen alle Hinweise auf vorgesehene Erhöhungen der
amerikanischen Militärausgaben an der eigentlichen Sache vorbei. Mitte
der siebziger Jahre sind die militärischen Ausgaben der USA real zurückgegangen. In gleicher Weise nahm der für militärische Zwecke aufgewandte
Anteil am amerikanischen Bruttosozialprodukt ab.
Genau das Gegenteil aber geschah in der Sowjetunion.

Der jährliche

sowjetische Zuwachs an Militärausgaben beschleunigte sich Mitte der
siebziger Jahre, wobei immer größere Anteile des sowjetischen Brutto-

- 3 -

�Bruttosozialproduktes für potentiell kriegerische Zwecke abgezweigt
wurden.

Wir müssen daher erneut in aller Offenheit erklären, daß die

Sowjetunion für die Eskalation der Militärausgaben verantwortlich ist.
Meine Delegation hat keinesfalls den Wunsch, sich hier in einen längeren
Dialog über diese Fragen einzulassen.

Wir treten voll und ganz für

Verhandlungen über Rüstungsbegrenzung in den ihnen angemessenen Foren ein,
seien dies nwS\i_T oder die TNF-Verhandlungen in Genf oder die MBFR-Verhandlungen in Wien.

Hier in Madrid halten wir es für unsere Hauptaufgabe,

die Aufmerksamkeit auf die Überprüfung der Verwirklichung der in der
Schlußakte vorgesehenen Vertrauensbildenden Maßnahmen zu lenken und die
sich daraus ergebenden Schlüsse zu ziehen.
Die Schlußakte enthält eine Vertrauensbildende Maßnahme von bindender
Art: Die Vorausunterrichtung über größere militärische Manöver. Wir
heben hervor, daß alle Unterzeichnerstaaten ihrer Verpflichtung nachgekommen
sind, Manöver, die unter diese Kategorie fallen, anzukündigen. Die in
diesen Bekanntgaben enthaltenen Informationen sind jedoch nicht immer
so präzise gewesen, wie sie der einschlägige Paragraph in der Schlußakte
vorschreibt. So zum Beispiel wurde in der Mitteilung über die Übung in
der Deutschen Demokratischen Republik vom 10. bis 16. Juli dieses Jahres
die Lage und das Gebiet des Manövers spezifiziert. Die Mitteilung gab
jedoch nur eine äußerst knappe Beschreibung des Zwecks dieses Manövers
und unterließ jeden ausdrücklichen Hinweis auf die teilnehmenden Einheiten,
die lediglich als "Elemente der Land- und Luftstreitkräfte" bezeichnet
wurden. Dieses Schema wurde allgemein bei den Benachrichtigungen von
seiten der UdSSR wie auch von anderen östlichen Teilnehmern angewandt.
Im Gegensatz dazu wird in den Ankündigungen von Seiten der NATO-Länder,
wie sie beispielsweise von den USA erfolgten, um das Manöver CERTAIN
RAMPART im September 1980 anzukündigen, nicht nur der spezifische Zweck
des Manövers angegeben, sondern auch die exakten Daten genannt, die
Kommandostrukturen und die teilnehmenden Einheiten angegeben und die
Gesamtzahl der Truppen aufgeführt.
Zu
- 4 -

�Zu den Problemen, die sich aus der Ankündigung größerer militärischer
Manöver ergeben, kommt als wichtigste Tatsache in unserer Erfahrung mit
dieser Vertrauensbildenden Maßnahme hinzu, daß sie nur einen kleinen Teil
der militärisch bedeutsamen Tätigkeiten wiedergibt. Sie hat daher auch
wenig dazu bei getragen,Treu und Glauben und Vertrauen aufzubauen.

So

ist zum Beispiel die Division die bedeutsamste kombinierte Kampfeinheit
1n den meisten europäischen Streitkräftegliederungen und die Einheit, die
höchstwahrscheinlich in einer Krise disloziert wird.

Aber die große

Mehrzahl der Divisionsaktivitäten außerhalb der Garnisonen werden mit
der derzeitigen Maßnahme gar nicht erfaßt.

Die für Vorausbenachrichtigungen

angesetzte 25 OOO-Mann-Grenze läßt bedeutsame militärische Aktivitäten
unberücksichtigt, die mit zahlenmäßig darunter liegenden Einheiten stattfinden, vor allem auf Divisionsebene.

Obgleich sich also die Liste der

nach vorheriger Information erfolgten größeren militärischen Manöver durchaus sehen lassen kann, haben die Unzulänglichkeiten bei den Vertrauensbildenden Maßnahmen selbst die Vorteile begrenzt, die sich eigentlich aus
ihrer Anwendung ergeben könnten.

Es ist daher offensichtlich, daß wir

Vertrauensbildende Maßnahmen brauchen, die so ausgearbeitet sind, daß
sie einen umfassenderen Teil der militärisch bedeutsamen Aktivitäten abdecken.
Die anderen Vertrauensbildenden Maßnahmen der Schlußakte sind in
geringerem Maß bindend und daher von freiwilligerer Natur.

So sind die

Signatarstaaten dazu aufgefordert, auch Manöver kleineren Umfangs anzuzeigen, etwa Manöver, die weniger als 25 000 Mann benötigen.

Seit Belgrad

haben die zum Warschauer Pakt gehörenden Staaten nur ein einziges solches
Manöver angezeigt; die NATO-Länder hingegen haben acht gemeldet.

Ja,

während der fünf Jahre seit Helsinki haben die Staaten des Warschauer
Paktes nur drei Manöver kleineren Umfangs angezeigt, wohingegen die NATOStaaten 20 angaben.

Es ist doch enthüllend, daß trotz der gewaltigen

Stärke der Streitkräfte des Warschauer Paktes in Europa sogar die neutralen
und blockfreien Teilnehmer der KSZE-Konferenz eine größere Anzahl kleinerer

- 5 -

�kleinerer Manöver gemeldet haben als die Staaten des Warschauer Paktes.
Ein ähnliches Verhalten bei der Durchführung läßt sich hinsichtlich
derjenigen Vertrauensbildenden Maßnahmen feststellen, die die freiweillige
Einladung von Beobachtern zu Militärmanövern fordern.

In dem Zeitraum

seit Belgrad haben die Staaten des Warschauer Paktes nur bei zwei Gelegenheiten zu umfangreicheren Militärmanövern eingeladen, während die NATOStaaten dies neunmal getan haben.

In den fünf Jahren seit Helsinki haben

die Staaten des Warschauer Paktes kein einziges Mal Beobachter zu kleineren
Manövern eingeladen; die NATO-Länder haben dies achtmal getan.

Mehr

Tatsachen in dieser Richtung könnten angeführt werden; aber das Wesentliche
ist bereits klargeworden.

Die Schlußakte forderte die Signatarstaaten

dazu auf, sich freiwillig an der Anzahl Vertrauensbildender Maßnahmen zu
halten.

Die Staaten der NATO habendies gewissenhafter getan als die

Mitglieder des Warschauer Paktes. Aber keiner der Signatarstaaten kann
sich wirklich angesichts der Durchführungsergebnisse dieser freiwilligen
Vertrauensbildenden Maßnahmen wohlfühlen.
lernen:

Eine Lektion läßt sich daraus

Damit diesen Maßnahmen entsprochen wird, müssen sie einer höheren

politischen Verbindlichkeit unterliegen,als dies bei den freiwilligen
Vertrauensbildenden Maßnahmen der Schlußakte der Fall ist.

Kurz:

sie

müssen bindend sein, sollen sie die Transparenz erleichtern und ein voraussagbares militärisches Verhalten schaffen - und hierdurch das Vertrauen
mehren.
Ich habe die Einladung an Beobachter zu Militärmanövern angesprochen.
Seit Helsinki haben die Staaten des Ostens lediglich zu 7 von 13 großen
Manövern Beobachter eingeladen, während die NATO-Verbündeten Beobachter
zu insgesamt 22 großen und kleinen Manövern eingeladen haben. In den
meisten Fällen gehen die westlichen Einladungen an alle KSZE-Teilnehmer.
Im Gegensatz hierzu beschränken die Länder des Warschauer Paktes oft
ihre Einladungen auf eine kleine Gruppe von Beobachtern aus Nachbarstaaten.
Und selbst wenn westliche Beobachter zu Ostmanövern eingeladen werden,

- 6 -

�werden, stehen sie meist vor handfesten Schwierigkeiten.

Häufig wurden

sie unzureichend ausgerüstet, wodurch eine wirkungsvolle Beobachtung
schwierig, wenn nicht gar unmöglich gemacht wurde.

Bei anderen Gelegen-

heiten durften Beobachter nur das ansehen, was eher den Eindruck vorbereiteter
Scheinmanöver erweckte als echte Aktivitäten in einer Übung.

Bei wiederum

anderen Gelegenheiten - zum Beispiel während der sowjetischen NemanManöver - hatten westliche Beobachter weniger als vier Stunden Zeit zur
Beobachtung.

Solche Erfahrungen verringern zusammen mit den unregel-

mäßigen Einladungen an Beobachter die Nützlichkeit der gegenwärtigen
Vertrauensbildenden Maßnahmen für diese Beobachter.

Und es reicht nicht

aus, solche Unzulänglichkeiten dadurch zu rechtfertigen, daß man behauptet,
es gäbe sie nicht - wie dies General Michailou gerade getan hat -, oder
indem man auf nationale Traditionen oder nationale Eigenarten anspielt.
So wird deutlich, daß zusätzliche verbindliche Maßnahmen notwendig
sind, um die Verifizierung angekündigter militärischer Aktivitäten zu
erleichtern und um den Austausch militärischer Informationen zu
institutionalisieren - was die Transparenz erhöhen, Vertrauen schaffen
und Mißverständnisse in Krisenlagen abbauen würde.
Meine Delegation, Herr Vorsitzender, vertritt,kurz gesagt,die
Ansicht, daß die Erfahrung mit den Vertrauensbildenden Maßnahmen der
Schlußakte uns einige wertvolle Erkenntnisse gebracht hat.

Als die

Signatarstaaten die Abkommen von Helsinki unterzeichneten, war vorgesehen,
den entsprechenden Erkenntnissen Beachtung zu schenken und die Maßnahmen
der Schlußakte weiterzuentwickeln und auszubauen.

Ohne die Grundlage

der Vertrauensbildenden Maßnahmen in der Schlußakte zu verunglimpfen,
ist doch offenkundig, daß wir ein völlig neues Rahmenwerk an Vertrauensbildenden Maßnahmen schaffen müssen, um die Ziele zu erreichen, die in
der Schlußakte selbst niedergelegt wurden.
Erstens

�Erstens muß das neue System Vertrauensbildender Maßnahmen ein hohes
Maß an politischer Verpflichtung enthalten.

Die Staaten müssen wissen,

daß sie alle Aspekte dieses Systems zu erfüllen haben.

Solange sie sich

aus den verschiedenen Maßnahmen einfach etwas auswählen können, wird es
unmöglich sein, genügend Vertrauen in die Voraussagbarkeit und die Transparenz militärischen Verhaltens und militärischer Aktivitäten zu schaffen.
Zweitens müssen diese Vertrauensbildenden Maßnahmen militärisch
bedeutsam und verifizierbar sein.

Die Parameter und Schwellen müssen

militärisch bedeutsame Aktivitäten umfassen, die in Europa stattfinden
und die europäische Sicherheit berühren.

Zudem müssen diese Parameter

und Schwellen eindeutig und leicht überwachbar sein.
Drittens müssen diese Vertrauensbildenden Maßnahmen gleichermaßen
für alle europäischen Staaten gelten.

Das neue System Vertrauensbildender

Maßnahmen muß für alle in Europa, einschließlich der in den europäischen Teilen
der Sowjetunion stationierten Streitkräfte,gelten.
Viertens müssen diese Vertrauensbildenden Maßnahmen konkreter Natur
sein.

Sie missen sich auf Austausch ganz spezifischer militärischer

Informationen oder auf die Ankündigung, Stabilisierung und Verifizierung
von routinemäßigen militärischen Aktivitäten beziehen.
Die Anstrengungen in diesen Bereichen müssen von einem ausgewogenen
Fortschritt in den anderen Bereichen der Schlußakte begleitet sein.
Sobald die Konferenz ihre Aufmerksamkeit auf neue Vorschläge lenken wird,
werden wir zu diesem Themenkreis mehr zu sagen haben. Lassen Sie mich
jetzt lediglich betonen, daß wir praktische Schritte zur Wiederherstellung
des Vertrauens und zur Erhöhung der Sicherheit in Europa tun, sobald wir
fähig sind, eine weitere Serie Vertrauensbildender Maßnahmen auf der
Grundlage von Helsinki zu erreichen.
+ + + + +

- 8 -

�10. Dezember 1980

54

REAGAN FORDERT MEHR VERSTÄNDNIS FÜR WISSENSCHAFT UND TECHNIK
- Angewandte Forschung soll gefördert werden -

- (AD) - Für eine verstärkte finanzielle Förderung von Forschung
und Entwicklung sprach sich der künftige amerikanische Präsident Ronald
Reagan in einem den Fachzeitschriften "Physics Today" und "Chemical and
Engineering News" gegebenen Interview aus.

Bei dieser Politik sei der

Grundsatz wichtig: "Je weniger staatliche Intervention, desto besser."
Ronald Reagan möchte auch die Wissenschaftler und Ingenieure an der
Festsetzung der wissenschaftlich-technischen Prioritäten beteiligt sehen.
Außerdem soll bei der breiten Öffentlichkeit mehr Interesse für wissenschaftliche und technische Dinge geweckt und der allgemeine Wissensstand
auf diesen Gebieten gefördert werden.
Diese Auffassung vertritt auch ein im Oktober 1980 veröffentlichter
Bericht, den die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) gemeinsam
mit Experten aus dem amerikanischen Unterrichtsministerium erarbeitete.
Er trägt den Titel "Science and Engineering Education for the 1980s
and Beyond" (Bildungspolitik in Wissenschaft und Technik für die achtziger
Jahre und danach).

Der Bericht hebt hervor, daß wirtschaftliches Wohlergehen,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Wohlergehen, Gesundheit und Sicherheit des amerikanischen Volkes in zunehmendem Maße vom Verständnis vieler Berufsgruppen für wissenschaftliche
und technische Dinge und von der Fähigkeit aller Amerikaner abhänge,
ihren Platz in einer von Wissenschaft und Technik veränderten Gesellschaft
auszufüllen.
Ausführlich werden zwei grundlegende Probleme behandelt:

1)

Quantität

und Qualität der Angehörigen naturwissenschaftlicher und technischer Berufe
auf allen Ebenen - vom jetzigen Zeitpunkt bis hin zu den neunziger Jahren,
und 2) das Leistungsvermögen des Schul- und Ausbildungssystems, um allen
Amerikanern angemessene Kenntnisse auf wissenschaftlich-technischem Gebiet
zu vermitteln.
Mangel an hochqualifizierten Spezialisten bestehe gegenwärtig,
wie in dem Bericht hervorgehoben wird, in der Computertechnik, auf bestimmten ingenieurwissenschaftlichen Gebieten und auf einigen Gebieten
von Physik, Biologie und verwandten Fachrichtungen.

Das amerikanische

Bildungswesen verfüge über die Kapazität, um Abhilfe zu schaffen, wenn
auch bei einigen Spezialgebieten wie z.B. in den Computer-Berufen der
Bedarf an Fachleuten mit abgeschlossenem Studium wahrscheinlich bis 1990
größer sein werde als das Angebot.
Ein akutes Problem bestehe darin, hochqualifizierte Lehrer für
technische Fach- und Hochschulen und für Universitäten zu finden, die
Informatiker und Computerspezialisten ausbilden. Dieses Problem werde
durch eine Reihe von Faktoren verschärft - u.a. zu wenig Lehrer angesichts
der stark anwachsenden Studentenzahlen, der ständig größer werdenden
Unterschied in den Gehältern, die Universitäten einerseits und Industrieunternehmen andererseits zahlen, was zur Abwanderung potentieller guter
Lehrkräfte in die Industrie führt, und die veralteten Ausrüstungen und
technischen Hilfsmittel an den meisten Technischen Hochschulen.

Die

�Die Erreichung der langfristigen Ziele und Erfordernisse für die
Vereinigten Staaten hänge, so besagt der Bericht, nicht nur von der
Verfügbarkeit gut ausgebildeter Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker
ab,sondern auch von Art und Umfang des Verständnisses für Wissenschaft
und Technik bei denjenigen, die mit den einschlägigen Berufen selbst gar
nichts zu tun haben.

Die Fähigkeit der Nation, Wissenschaft und Technik

die ihnen gebührende Bedeutung zuzuerkennen, sei seit Anfang der sechziger
Jahre immer mehr geschwunden - das komme u.a. darin zum Ausdruck, daß an
den höheren Schulen auf Naturwissenschaften und Mathematik immer weniger
Wert gelegt werde.

Nur diejenigen Schulabsolventen, die ein Studium in

diesen Fächern aufnehmen wollen, verfügten noch über die entsprechenden
Kenntnisse und Qualifikationen - die übrigen jedoch vielfach nicht.
Dieser Zustand sei nicht allein über Reformen des Schulsystems zu ändern;
auch in der gesamten Öffentlichkeit müsse mehr Verständnis und Anerkennung
für die Bedeutung dieser Gebiete bei der Bewältigung künftiger Lebensfragen geweckt werden.

Wi ssenschaftspoli ti k
Nach Ansicht Ronald Reagans soll die Grundlagenforschung weiterhin
gefördert werden. Dafür setzten sich auch bekannte amerikanische Wissenschaftler vor dem Ausschuß für Wissenschaft und Technik des amerikanischen
Repräsentantenhauses ein (u.a. Dr. Christian Anfinsen, Nobelpreisträger 1972
für Chemie, Dr. James Cronin und Dr. Val Fitch, beide Nobelpreisträger 1980
für Physik, Dr. Hamilton Smith und Dr. Baruj Benacerraf, Nobelpreisträger
1978 und 1980 für Medizin). Nach den Vorstellungen des künftigen Präsidenten
verlange jedoch die angewandte Forschung, die einen bisher nie dagewesenen
Rückgang an Produktivität aufweise, ganz besondere Unterstützung. Man habe
ihr zu wenig Gewicht beigemessen - aber "gerade die Betonung angewandter
Forschung kann zu einer Frage des Überlebens werden", so meinte Reagan.
Von
- 3 -

�Von grundlegender Bedeutung für das überleben sei die Energieforschung.
Alle Energiequellen müßten sondiert werden, um die Energiekrise lösen zu
helfen. Allerdings solle bei der Entwicklung fossiler Energiequellen wie
Kohle und öl eine "übermäßige und belastende" Einmischung des Staates
unterbleiben. Reagan beabsichtigt, Verfahren zu beschleunigen, durch die
die Sicherheit neu installierter Kernreaktoren gewährleistet wird. Und
er möchte zur Wiederaufarbeitung von nuklearen Abfällen ermutigen,"solange
diese sicher ist". Die günstigste Verwendung für Sonnenenergie sieht
er in Anwendungen für den Alltag. Energieeinsparungen durch die Industrie
könnten einen enormen Beitrag auf vielen Wegen bedeuten - Aktionen, die am
besten von der Privatwirtschaft durchgeführt werden und bei denen die Rolle
der Regierung "auf die Bereitstellung wichtiger Forschungshilfe" beschränkt
bleibt.

+ + + + +

- 4 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 10.12.1980</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Nachdruck auf Umweltschutz in CCMS-Gremien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brzezinski: USA brauchen Unterstützung der Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Sicherheitsberaters in Montreal -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Erklärung zum Thema "Vertrauensbildende Maßnahmen" auf der KSZE-Folgekonferenz in Madrid&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert mehr Verständnis für Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Angewandte Forschung soll gefördert werden -&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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nformotion
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Dezember 1980

53

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
David Newsom: Sowjets spüren Kosten der Invasion Afghanistans
- USICA-Interview mit dem US-Staatssekretär für politische
Angelegenheiten Äußere Ereignisse erschweren Beziehungen im Bündnis
- Von George S. Vest US-Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten
USA fordern Anwendungsbegrenzung für Fluorchlorkohlenwasserstoffe

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Saturnforschung mit Überraschungen
- Naturwissenschaftler suchen Erklärung für rätselhafte Phänomene

Um Übcr/cnJung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�3. Dezember 1980

53

DAVID NEWSOM: SOWJETS SPOREN KOSTEN DER INVASTION AFGHANISTANS
USICA-Interview mit dem US-Staatssekretär für politische Angelegenheiten

WASHINGTON - (AD) - David Newsom, Staatssekretär für politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, unterstrich in einem Interview mit
einem Korrespondenten des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA),
daß die Sowjetunion die Kosten ihrer Invasion in Afghanistan spüre.

So sei

zum Beispiel die sowjetische Fleischproduktion aufgrund des teilweisen Embargos
amerikanischer Getreideverkäufe um fünf Prozent gesunken; andere Großprojekte
seien vom Lieferausfall westlicher Technologie betroffen.

Zudem habe die

jüngste Verurteilung der sowjetischen Invasion durch die Vollversammlung der
Vereinten Nationen gezeigt, daß sich die Weltmeinung hinsichtlich der sowjetischen Präsenz in Afghanistan nicht geändert habe.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Mr. Newsom, waren Sie eigentlich während Ihrer jüngsten Reise

in mehrere europäische Hauptstädte ausreichend von der europäischen Besorgnis
über die sich verschlechternde Lage am Persischen Golf und von der europäischen
Bereitschaft beeindruckt, einen größeren Anteil der Lasten bei der Verbesserung

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�Verbesserung der Verteidigungskapazitäten der NATO zu übernehmen?
ANTWORT:

Die Europäer sind mit uns einer Meinung, daß eine substan-

tiellere westliche Militärpräsenz im Persischen Golf wünschenswert ist. Sie
stehen jedoch zu Hause vor dem Problem, die verschiedensten Forderungen mit
anderen internen Erfordernissen in Einklang zu bringen - ein Problem, wie
es Regierungen überall in ähnlicher Weise, und besonders in einer Zeit der
Inflation, erleben.
Im Mai dieses Jahres kam man in der NATO allgemein überein, daß eine
jährliche 3prozentige Erhöhung der Verteidigungsausgaben nötig sei, sollte
die NATO die Elemente der sogenannten Phase Zwei der Stärkung des Bündnisses
vervollständigen.
Die europäischen Staaten begreifen, daß ihr Beitrag zu dieser Anstrengung zum größten Teil in Form einer Stärkung der NATO erfolgen muß, wenn wir
eine wesentlich größere Last im Persischen Golf übernehmen sollen.

Wir be-

dauern, daß in diesem Jahr nicht alle europäischen Länder in der Lage waren,
diese drei Prozent zu erreichen.

Meiner Meinung nach wird es auch weiterhin

ein Ziel der Vereinigten Staaten sein, sie hierzu zu ermutigen, und wir
hoffen, daß sie in den kommenden Jahren in der Lage sein werden, näher an
das heranzukommen, was wir als das notwendige minimale Jahreswachstum betrachten.
FRAGE:

Sind die Vereinigten Staaten mit der europäischen Unterstützung

unserer Anstrengungen zufrieden, mehr militärische Präsenz im Persischen Golf
und im Gebiet des Indischen Ozeans zu konzentrieren?
ANTWORT: Die Europäer haben gewisse Schritte unternommen, die unserer
Ansicht nach eine große Hilfe und Unterstützung unserer Anstrengungen sind.
Großbritannien hat weitere Einheiten der britischen Flotte im Indischen
Ozean disloziert. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat der Türkei
und Pakistan umfangreiche Hilfe geleistet. Andere europäische Staaten tun,
was in ihrer Macht liegt, um Länder in dem Gebiet zu stärken, zu denen sie

�sie traditionell Beziehungen unterhalten.
Wir begrüßen alle diese Maßnahmen.

Wir sind jedoch weiterhin der Mei-

nung, daß der entscheidende europäische Beitrag in Europa geleistet werden
muß, in der Stärkung der NATO - und dies wird auch weiterhin ein Ziel dieser
Regierung sein.
FRAGE:

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat zum zweitenmal

in diesem Jahr eine Resolution verabschiedet, die den Abzug der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan und Selbstbestimmung für das afghanische Volk fordert. Glauben Sie, daß angesichts der sowjetischen Mißachtung der UN-Resolution vom Januar und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber einer nahezu universellen
Verurteilung der Invasion durch die Staaten außerhalb des Sowjetsblocks die
Resolution, die am 20. November verabschiedet wurde, irgendeinen Einfluß auf
den Kreml haben wird, um eine politische Lösung in Afghanistan zu erreichen?
ANTWORT:

Es ist auch weiterhin unsere Absicht, daß die weltweite Ver-

urteilung der sowjetischen Maßnahme, daß der weltweite Druck, der durch die
Abstimmungen in den Vereinten Nationen zum Ausdruck kommt, und daß das Zögern
der Staaten, mit dem Babrak-Regime in Afghanistan zu verkehren, wesentliche
Elemente dabei sind, den Sowjets die weitverbreitete Mißbilligung ihrer Schritte in Afghanistan vor Augen zu führen.
Es ist schwer zu sagen, an welchem Punkt die Sowjets sich zu dem Entschluß durchringen werden, daß ihre Haltung bezüglich Afghanistans neu überdacht werden muß.

Unserer Meinung nach werden sie es jedoch sicher nicht

tun, wenn diese Art internationalen Drucks nicht anhält.

Daher begrüßen wir

die Maßnahmen, die in diesem Jahr von der Vollversammlung hinsichtlich
Afghanistans getroffen wurden, und insbesondere die Tatsache, daß im Gegensatz zu den 104 Stimmen, die im Januar für eine ähnliche Resolution abgegeben
wurden, diesmal 111 Stimmen dafür waren - was ein weiterer dramatischer Beweis dafür ist, daß die Weltmeinung sich über die Sowjetpräsenz in Afghanistan
nicht geändert hat.
FRAGE:
- 3 -

�FRAGE:

War Ihrer Ansicht nach die westliche Reaktion auf die sowjetische

Invasion Afghanistans ausreichend, um - erstens - der Sowjetunion eine sinnvolle Strafe aufzuerlegen und um - zweitens - sie davor abzuschrecken, weitere
aggressive Schritte im Bereich des Persischen Golfs zu unternehmen?
ANTWORT:

Wir sind der Meinung, daß die getroffenen Maßnahmen etwa beim

Teilembargo für Getreide und die Einschränkung beim Transfer von modernster
Technologie - um zwei davon zu nennen -, eine Wirkung auf die Sowjetunion
ausgeübt haben.

Die Frage der Beziehungen zur Sowjetunion nach der Invasion

von Afghanistan war unsererseits gegründet auf der Erkenntnis, daß wir einerseits zufriedenstellende Beziehungen zu den Sowjets brauchen, aber daß andererseits die Sowjets keine aggressiven Schritte dieser Art unternehmen
können, ohne die Kosten dafür zu zahlen.

Ich glaube, sie zahlen einen Preis.

Man sagt uns, daß die Fleischproduktion in der Sowjetunion um 5 Prozent zurückgegangen ist. Wir wissen, daß einige ihrer Großprojekte durch den Lieferstopp modernster Technologie betroffen wurden.
Die Antwort lautet "Ja", wir sind der Meinung, daß die von uns getroffenen Maßnahmen der Sowjetunion die Kosten dieser Art Unternehmung deutlich
gemacht haben, und wir können sehen, daß sie derzeit keinerlei weitere aggressive Schritte plant. Wir meinen, daß die Erfahrung von Afghanistan sie zu
einer Pause veranlassen dürfte, sollte sie solcherlei Schritte im Sinne haben.
FRAGE: Können Sie sich möglicherweise eine sowjetische Rolle bei der
Lösung des Konflikts zwischen dem Iran und dem Irak oder eine darauf folgende "
Vertiefung der sowjetischen Beziehungen zu den ölfördernden Ländern am Golf
vorstellen?
ANTWORT:

Das Zentrum der Anstrengungen zur Lösung des iranisch-irakischen

Krieges ist gegenwärtig der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen,und die
Sowjets sind natürlich eins der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates.
über diese Art von Rolle im Sicherheitsrat hinaus erkennen wir keinerlei
sowjetische Anstrengungen, entweder zu einer friedlichen Lösung beizutragen
- 4 -

�beizutragen oder sich in diesem Konflikt auf die eine oder andere Seite zu
schlagen.
Derzeit scheinen die Sowjets nicht glücklicher über diesen Krieg zu
sein als irgendwer sonst, und sie scheinen unserer Ansicht nach auch keine
besonderen Vorteile daraus zu ziehen.
FRAGE:

Herr Staatssekretär, kann man realistischerweise Verringerungen

bei den weitreichenden nuklearen Mittel Streckensystemen (LRTNF) der Sowjets
erwarten, wenn die Systeme dort bereits disloziert sind und wir keinerlei
LRTNF-Dislozierungen vor Ende 1983 vorsehen?
ANTWORT: Es herrscht das Gefühl, daß es eine echte Möglichkeit dahingehend gibt, daß die Gespräche, die wir mit den Sowjets auf eine sehr vorläufige
Weise angefangen haben, die Möglichkeiten bieten, gewisse Abkommen bei den Reduzierungen zu erzielen. Und wir setzen voraus, daß die Sowjets hierzu in
der Lage sind, wenn sie erst einmal solchen Gesprächen zustimmen.
FRAGE:

Die amerikanische Außenpolitik war während des Wahl kämpfs um

die Präsidentschaft ein entscheidendes Thema.

Welches waren die wesentlichen

Leistungen der Regierung Carter in diesem Bereich und welche Wirkung hatten
sie auf Europa?
ANTWORT: Unser umfassendes Eingehen auf die Außenpolitik im Verlauf
unseres Wahlkampfes überschattete meiner Meinung nach dennoch die Liste der
wesentlichen Leistungen der Regierung Carter auf dem Gebiet der Außenpolitik.
Ich würde hier nennen den Panamakanal-Vertrag, den Frieden zwischen
Israel und Ägypten als ein Ergebnis der Camp-David-Vereinbarungen, die Verhandlungen über und den Abschluß des SALT II-Vertrags - obwohl dieser schwerwiegende Probleme nach sich zog -, das enge Arbeitsverhältnis mit den Verbündeten in Europa, das eine Lösung der Zimbabwe-Rhodesien-Frage mit sich gebracht hat, sowie die Haltung, die die Entwicklung eines Friedensplans für

�für Namibia zur Folge hatte, der ebenfalls unter entscheidender Zusammenarbeit
mit den Verbündeten in Europa ausgearbeitet wurde.
Ich glaube, dies alles sind Beiträge zur Geschichte, die sowohl einige
der neuen Initiativen dieser vergangenen Administration zeigen

als auch das

enge Verhältnis, mit dem sie - trotz vieler Kommentare, die das Gegenteil behaupten - mit Europa zusammengearbeitet hat, um einige dieser Ziele zu erreichen.
i

FRAGE:

Die Regierung Reagan wird im Januar ihr Amt übernehmen.

Es

scheint die Vorstellung zu herrschen, daß allein die Tatsache einer neuen Administration eine neue Art von Führung bringen wird.

Könnten Sie hierzu etwas

sagen?
ANTWORT: Natürlich hat jede neue Regierung die Möglichkeit zu neuen Richtungen, zu neuen Methoden. Dennoch sind die grundlegenden Probleme, vor denen
die Vereinigten Staaten stehen, ziemlich konstanter Natur und werden zweifellos die Tagesordnung der neuen Administration in großem Umfang festlegen. Dinge
wie unsere Beziehungen zu den Sowjets, unser Verhältnis zu Europa, der Einstieg
in den gesamten Problemkomplex von Kairo bis Islamabad wird eine neue Regierung unvermeidlicherweise beschäftigen. Es wird Gelegenheit zu Neuanfängen
geben, aber die Grundsätze amerikanischer Interessen, die grundlegende Verständigung mit unseren Verbündeten und die Notwendigkeit effektiver amerikanisch-sowjetischer Beziehungen, wie sie weltweit verstanden werden, werden für
jede neue Administration bestimmte Grenzen ihres Verhaltens festlegen.

+ + + + +

- 6 -

�3. Dezember 1980

53

ÄUSSERE EREIGNISSE ERSCHWEREN BEZIEHUNGEN IM BÜNDNIS
Von George S. Vest
US-Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten

- (AD) - Die transatlantischen Beziehungen wurden während des vergangenen Jahres durch Entwicklungen außerhalb des NATO-Gebietes erschwert
- man könnte sogar sagen, davon beherrscht.
Zu diesen gehört natürlich auch die Gefangennahme amerikanischer Diplomaten als Geiseln im Iran, der anhaltende Krieg zwischen dem Iran und dem
Irak sowie vor allem die sowjetische Invasion und die noch andauernde Besetzung Afghanistans. Auch sollte man die fortgesetzte Modernisierung der
sowjetischen konventionellen Rüstung und der nuklearen Mittel Streckenwaffen
(TNF) nicht übersehen, die auf Westeuropa gerichtet sind.
Um ganz offen zu sein:

Das Atlantische Bündnis steht heute vor einem

der drängendsten und kontroversesten Probleme seiner 31jährigen Geschichte:
Wie es nämlich wirkungsvoll und gemeinsam mit den Bedrohungen seiner Sicherheit fertig wird, deren Ursprung außerhalb seiner Vertragsgrenzen liegt.
Als

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�Als der Nordatlantikvertrag im Jahr 1949 unterzeichnet wurde, schien
die Welt viel größer zu sein; das Konzept weltweiter Interdependenz war noch
nicht auf den Plan getreten.

Die NATO-Mitgliedstaaten nahmen die Verpflich-

tung zu gegenseitiger Sicherheit auf sich und schworen, daß ein Angriff auf
einen als Angriff gegen alle angesehen würde.

Der Vertrag definiert das

Gebiet obligatorischen wechselseitigen Militärbeistands als Westeuropa einschließlich der Türkei, Nordamerika sowie den Teil des Atlantik nördlich
des Wendekreises des Krebses.
Aber was geschieht bei einer Bedrohung des Wohlergehens eines oder
mehrerer Mitgliedstaaten, die ihren Ursprung außerhalb dieses Bereiches
hat?

Es ist eindeutig, daß das Interessengebiet der NATO weit über diese

Grenzen hinausreicht.
Heute stellen die sowjetische Invasion und Besetzung Afghanistans, der
anhaltende Aufruhr im Iran sowie der iranisch-irakische Krieg eine entscheidende neue Bedrohung dieses Wohlergehens des Bündnisses dar. Wir stehen ganz
einfach vor einer Periode der Instabilität in einem Gebiet von lebenswichtiger Bedeutung sowohl für Europa als auch für die Vereinigten Staaten.
über 50 Prozent des von Westeuropa importierten Erdöls sowie ein wesentlicher Teil des üls, das Amerika einführt, kommen aus dem Bereich des
Persischen Golfs. Die sowjetische Präsenz in Afghanistan stellt eine Bedrohung des Persischen Golfs dar, die weder politisch noch wirtschaftlich
zu ignorieren ist.
Die Staaten Westeuropas und Nordamerikas stellen zusammen mit Japan
heute die Grundlage des weltweiten wirtschaftlichen Fortschritts und der
Stabilität dar. Würde diese Grundlage erschüttert, würde dies alle Staaten
negativ beeinflussen.
Es besteht ein entscheidendes Bedürfnis, die politische Solidarität
des Nordatlantischen Bündnisses aufs neue zu bestätigen.

Und ebenso bedeut-

sam - womöglich noch bedeutsamer angesichts der Bedrohung des Öls vom
- 2 -

�vom Persischen Golf - ist die lebenswichtige Notwendigkeit, sich dieser Bedrohung - wenn nötig auf militärische '.^leise - stellen zu können.

Aufgrund der Fähigkeit Amerikas, seine Militärmacht weltweit darzustellen, müssen d^e Vereinigten Staaten die Hauptrolle bei der Verteidigung der
Bündnisinteressen im Golfgebiet übernehmen.

Darauf verständigten sich im

vorigen Mai einstimmig die Außen- und Verteidigungsminister des Bündnisses.

Auch wenn die Vereinigten Staaten diese Rolle übernehmen sollen - und
sie haben damit durch die Aufstellung einer Schnellen Eingreiftruppe (RDF),
durch die Vorausbereitstellung von Schiffen mit Ausrüstung, Munition, Treibstoff und weiteren Versorgungsgütern im Indischen Ozean sowie durch den
Abschluß von Abkommen mit Staaten der Region zur Nutzung von Anlagen zur Unterstützung der amerikanischen Präsenz im Bedarfsfall einen Anfang gemacht -,
müssen die Europäer die sich hieraus ergebende Lücke in der europäischen Verteidigungsplanung füllen.

Um es jedem ganz deutlich zu machen:

Wir schlagen nicht die Schaffung

einer militärischen Streitmacht des Bündnisses zum Einsatz außerhalb des
NATO-Gebietes vor.

Erforderlich ist vielmehr die Übernahme einer Arbeitstei-

lung, die sich auf das Konzept gründet, daß Europa Schritte zum Auffüllen jener
Lücke übernehmen wird, indem eine glaubwürdige Abschreckung und angemessene
Verteidigung für Europa durch Europa gewährleistet wird, wenn die Vereinigten
Staaten den Hauptteil der Sicherheitslasten in Südwestasien übernehmen.

Aus amerikanischer Sicht hat oberste Priorität, daß alle Bündnismitglieder ihrer Verpflichtung aus dem Jahr 1978 nachkommen und ihre Verteidigungsausgaben jährlich um drei Prozent - inflationsbereinigt - erhöhen.

Die

amerikanischen Verteidigungsausgaben werden im kommenden Jahr wahrscheinlich
entsprechend dem Haushalt, den Präsident Carter dem Kongreß im Januar vorlegen wird, um 4 oder 5 Prozent steigen.

Sein Nachfolger Reagan hat sich be-

reits für noch höhere Verteidigungsausgaben stark gemacht; allerdings wird
die genaue Höhe der Verteidigungsausgaben erst bei Amtsübernahme der neuen
Regierung festgesetzt.

...
wir
- 3 -

�Wir sind uns darüber im klaren, daß viele unserer Verbündeten vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehen, die sie ihrer Meinung nach davon abhalten, einen angemessenen Umfang der Verteidigungsausgaben zu erreichen.

Wir

haben jedoch allen unseren NATO-Verbündeten klargestellt, daß wir die Verpflichtungen eines jeden Verbündeten zu einem Real Zuwachs von 3 Prozent bei
den Vereinigungsausgaben ebensolche Bedeutung beimessen und ein jeder darum
ringen sollte, ihr nachzukommen.
Was erwarten die Vereinigten Staaten über diese Verpflichtung hinaus
noch von Europa, um die Lücke zu füllen, die durch das Erfordernis amerikanischer Präsenz und Militärkapazität im Persischen Golf entstanden ist?
Hier gibt es eine Reihe von Notwendigkeiten, auf die sich die Außen- und
Verteidigungsminister der NATO im Mai vorigen Jahres einigten und mit denen
sich die Treffen der Außen- und Verteidigungsminister der NATO im Dezember
beschäftigen werden.
- Vermehrte Vorräte bei den Verteidigungsreserven: Wenn die Streitkräfte des Bündnisses nicht genügend Munition und Vorräte haben, können sie
keine glaubwürdige Abschreckung und keine angemessene Verteidigung bieten.
- Verbesserten Einsatz der Reserven und verfeinerte Mobilisierungsverfahren.
- Erhöhte Marinekapazitäten:

Die Verbündeten müssen in der Lage sein,

die lebenswichtigen Nachschublinien über den Atlantik zu schützen, wenn
amerikanische Seestreitkräfte im Indischen Ozean und im Persischen Golf
disloziert sind.
- Bereitstellung ziviler Luftfahrtkapazität in Europa zur Verstärkung
in Krisenzeiten:

Dies ist für eine rasche Verstärkung in Europa von entschei-

dender Bedeutung, da amerikanische Flugzeuge wahrscheinlich für Lufttransportverstärkung und Nachschub bei Ereignissen im südwestasiatischen Raum eingesetzt werden würden.
- Unterstützung
- 4 -

�- Unterstützung in Europa zu Lande:

Die Vereinigten Staaten haben sich

verpflichtet, bis Ende 1982 Vorausbereitstellungsmaterial für weitere drei
Armeedivisionen in Europa zu liefern.

Die Europäer können hierfür Gelände

und Lagermöglichkeiten zur Verfügung stellen sowie durch den Einsatz ausgebildeter Reservekräfte und qualifizierter Zivilisten die Sicherung und andere
Unterstützung der Verstärkung und des Nachschubs übernehmen.
Weitere Bereiche, auf denen Verbesserungen möglich sind, wurden seit
Mai im Langfristigen Verteidigungsprogramm (LTDP) der NATO und von den
höchsten militärischen Stellen der NATO genannt.
Die Vereinigten Staaten fordern nicht die Schaffung neuer, aktiver
Militäreinheiten in Westeuropa.

Jedoch sollten Reservisten in Einheiten ein-

gegliedert und mit Ausrüstung versorgt werden, falls ihre Mobilisierung in
einer Krise erforderlich sein sollte.
Anstrengungen sollten zur Mobilisierung von Unterstützung amerikanischer
Verstärkungen unternommen werden.

Schließlich tragen die Vereinigten Staaten

den Hauptanteil der Kosten in diesem Bereich, indem sie das vorausbereitzustellende Material liefern, das in Europa gelagert werden soll, sowie das
geschulte Personal, um es im Ernstfall zu bedienen.
Es ist wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, daß es bisher zwischen den
NATO-Verbündeten keinerlei Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Analyse
der Verteidigungserfordernisse gegeben hat.

Es gab vielleicht einige Mei-

nungsverschiedenheiten zu Fragen wie dem Boykott der Olympischen Spiele in
Moskau und darüber, ob ein normaler Dialog mit der Sowjetunion fortgesetzt
werden sollte. Aber es gab keine Meinungsverschiedenheiten über die Verteidigung des Bündnisses.
Die NATO steht nunmehr vor einer entscheidenden Herausforderung:

Wie

sollen ihre Streitkräfte modernisiert und wie soll die Lücke geschlossen
werden, die durch das Bedürfnis nach einer amerikanischen Präsenz - im Namen
aller Bündnismitglieder - im Persischen Golf geschaffen wurde.
Die
- 5 -

�Die vor uns liegende Aufgabe besteht weniger in der Definition dessen,
was zu tun ist, als darin, die Verpflichtungen zu erfüllen, die eingegangen
wurden.
heit.

Wir wissen, daß dies heute nicht leichter ist als in der VergangenDie Verteidigung ist in einer Zeit der Inflation und der knappen Haus-

halte nicht billig, aber es ist nicht zum erstenmal in der Geschichte des
Bündnisses, daß seine kollektiven Erfordernisse gegen die lauten Stimmen angehen müssen, die argumentieren, daß in diesem Jahr andere Erfordernisse
höhere Priorität hätten.

Aber ohne die spezifischen und anhaltenden Ver-

teidigungsausgaben, die erforderlich sind, werden die allgemeinen Verpflichtungen zu einer angemessenen Verteidigung sinnlos.

Die Beiträge der ein-

zelnen Mitglieder des Bündnisses sind - ungeachtet ihres Umfangs - nicht nur
in militärischer Hinsicht bedeutsam; kollektiv bilden sie den Ausdruck einer
politischen Verpflichtung gegenüber dem Bündnis und des Zusammenhangs des
Bündnisses.

Sie sind - und dies ist ebenso wichtig - die unabdingbare Grund-

lage für die Rüstungskontrolle.
Es wäre für die Gesundheit des Bündnisses und für die Sicherheit Westeuropas tödlich, wenn sich die Einstellung durchsetzen würde, daß die Aufrechterhai tung des Gleichgewichts zwischen Ost und West oder die Reaktion
auf Entwicklungen im größeren, globalen Kontext Angelegenheiten seien, die
dem einzelnen Mitgliedstaat gleichgültig sein könnten.
Um ganz offen zu sein: Es herrscht hier in den Vereinigten Staaten eine
weitverbreitete Einstellung, wonach Europa zu seiner eigenen Verteidigung und
in seinem eigenen Interesse bereit sein sollte, seinen Anteil der Last zu
übernehmen - in Maßgabe seines wirtschaftlichen und politischen Gewichtes in
der Welt.
In der Welt von heute beeinflussen Ereignisse jenseits der Grenzen von
Europa unausweichlich auch Europa und eigentlich uns alle.

Unser Ziel muß

sein, zu einer gemeinsamen Definition des Problems sowie zu einer übereinstimmenden Formel zu gelangen, um sich gemeinsam mit ihm auseinanderzusetzen.
Dieser Prozeß hat erst begonnen, und die Diskussionen innerhalb des Bündnisses waren und werden zeitweilig schwierig sein.

Auf jeden Fall will ich

�ich unseren europäischen Verbündeten versichern, daß das Atlantische Bündnis ein Grundstein der Außenpolitik der Vereinigten Staaten bleiben wird.
Dies ist schließlich stets die grundlegende Einstellung der beiden großen
politischen Parteien in den Vereinigten Staaten und ihrer Führung seit Gründung der NATO im Jahr 1949 gewesen.
Die NATO hat uns allen in den vergangenen Jahrzehnten einen großen
Dienst geleistet. Die Ministertreffen der NATO im Dezember müssen sich den
neuen Herausforderungen mit derselben Standhaftigkeit stellen. Davon hängt
unsere gemeinsame Verteidigung ab. Und wie gut wir uns diesen Herausforderungen stellen, wird ein entscheidender Prüfstein der Wirksamkeit der NATO
in den achtziger Jahren sein.

- 7 -

�3. Dezember 1980

53

USA FORDERN ANWENDUNGSBEGRENZUNG FÜR
FLUORCHLORKOHLENWASSERSTOFFE

- (AD) - Mehr internationale Zusammenarbeit ist erforderlich, um die
Mengen von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FKW) in der Atmosphäre zu begrenzen.

Diesen Standpunkt vertritt die US-Delegation auf der Tagung des Umwelt-

ausschusses der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung) vom 2. - 4. Dezember 1980 in Paris. Denn die Wissenschaftler
der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA befürchten, daß die wachsenden
Mengen von FKW-Verbindungen in der Stratosphäre zu einem übermäßigen Abbau
der Ozonschicht führen, die Mensch, Tier und Pflanze gegen schädliche Ultraviolettstrahlung von der Sonne schützt.
Die Vereinigten Staaten haben schon vor einigen Jahren Maßnahmen ergriffen, um die Verwendung von FKW-Verbindungen zu drosseln. So ist seit 1978
die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen als Treibmittel bei Spraydosen nur noch in ganz bestimmten, wenigen Fällen (fünf Prozent des früheren
Umlaufs) erlaubt. Auch Schweden, Norwegen und Kanada haben FKW-Verbindungen
in Spraydosen entweder verboten oder stark eingeschränkt.

Die EG appellierte

an ihre Mitgliedstaaten, den Einsatz solcher Chemikalien bei Spraydosen um
mindestens 30 Prozent zu verringern und die Produktionskapazität nicht weiter

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�weiter zu erhöhen.

Für 1981 ist eine Überprüfung der Situation vorgesehen.

Die amerikanischen Herstellerfirmen bemühten sich um eine rasche Umstellung auf andere Chemikalien als Treibgase für Spraydosen, beispielsweise
Stickstoff, Kohlendioxid und Propanverbindungen.

Befürchtungen, daß dadurch

die Unfallgefahr infolge der Brennbarkeit mancher Ersatz-Treibgase erhöht
würde, sind nach den bisherigen Erfahrungen nicht gerechtfertigt.

Dies er-

klärte F. Allen Harris, Direktor der EPA-Abteilung für Internationale Angelegenheiten.
Aber die ungiftigen, nicht brennbaren und chemisch sehr beständigen
Fluorchlorkohlenwasserstoffe finden nicht nur in Spraydosen Anwendung.

Sie

dienen z.B. als Kühlmittel, als industriell verwendete Lösungsmittel bei Reinigungs- und Trocknungsprozessoioder als Aufschäummittel zur Herstellung von
Schaumstoffen, wie sie für Isolierzwecke aller Art - von der Bauindustrie
bis zum Verpackungswesen - gebraucht werden.

Zum Teil wurde die Anwendung

auf diesen Gebieten in den letzten zwei Jahren noch ausgeweitet. Wie Barbara
Blum, die stellvertretende Leiterin der EPA, kürzlich erklärte, befürchte
man, daß durch diesen Sachverhalt die günstigen Auswirkungen der gesetzlich
verordneten und freiwillig vorgenommenen Einschränkung des Einsatzes von
FKW-Verbindungen bald zunichte gemacht werden.
Eine Studie der Rand Corporation besagt, daß ohne zusätzliche Beschränkungen die Anwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen, weltweit gesehen,
in den nächsten zehn Jahren um neun Prozent jährlich ansteigen werde.

Das

bedeute eine Erhöhung der im Jahr 1980 emittierten Menge von 680 000 Tonnen
auf 2,041 Millionen Tonnen im Jahr 1990. Die Nationale Akademie der WissenSchäften (NAS) der USA verwies in ihrem 1979 veröffentlichten Bericht auf
die Gefahr, durch die fortgesetzte Emission von Fluorchlorkohlenwasserstoffen
den Abbau der schützenden Ozonschicht unserer Erde um ein Sechstel zu riskieren.

Dies hätte zur Folge, daß der Anteil gefährlicher ultravioletter Sonnen-

einstrahlung in mittleren Breiten um 44 Prozent steigt.

Für die Vereinigten

Staaten allein könne dies eine Zunahme um mehrere Hunderttausend Fälle von

- 2 -

•

�von Hautkrebs der nicht lebensbedrohlichen Erscheinungsform bedeuten, aber
auch um einige Tausend Fälle der malignen Verlaufsform bedeuten.

Zu anderen

möglichen Auswirkungen verstärkter ultravioletter Einstrahlung zählten
niedrigere Ernteerträge u.a. bei Tomaten, Zuckerrüben und Mais, merkliche
Einbußen bei Fangerträgen an Makrelen, Schrimps, Krabben und Anchovis als
Folge des Absterbens von Larven, und Schäden bei Rinder- und Schweinebeständen.
Die EPA strebt nunmehr eine allgemeine Beschränkung der FKW-Produktion
mit strikter Emissionskontrolle an. Allerdings habe es, wie EPA-Beamte betonen und auch in Pressekommentaren erörtert wird, wenig Sinn, wenn die Vereinigten Staaten, auf die ein Drittel der Weltproduktion an FKW-Verbindungen
entfällt, einseitig Maßnahmen zur Produktions- und Anwendungsbeschränkung
ergreifen.

Schließlich handle es sich um ein weltweites Problem, das welt-

weit in Angriff genommen und durch international abgestimmte Maßnahmen gelöst werden müsse.
Entsprechende Vereinbarungen werden durch den Umstand erschwert, daß
es für die Zerstörung der Ozonschicht durch die Freisetzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen noch immer keine exakten wissenschaftliche Beweise
gibt.

Zwar sind sich die Experten einig, daß FKW-Gase unverändert bis zur

Stratosphäre aufsteigen und dort an chemischen Reaktionen beteiligt sind,
die zu ihrer Zersetzung und damit auch zum Abbau der Ozonschicht führen.
Aber hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs, des Ausmaßes des Ozonabbaus, des
Ausmaßes der Schäden für das Leben auf der Erde gibt es unterschiedliche
Meinungen.
Die "New York Times" vertrat kürzlich in einem Leitartikel die Ansicht,
daß vorläufig kein Ende des Gelehrtenstreits zu erwarten sei, weil es noch
ein Jahrzehnt dauern könne, bis genaue Meßdaten zu den komplexen Vorgängen
und Auswirkungen in der Atmosphäre vorliegen.
langen jedoch sofortige, vorbeugende Maßnahmen.

Die EPA-Wissenschaftler verDenn wenn man sich erst in

zehn Jahren zu drastischen Einschränkungen entschlösse, könne es bereits zu
spät sein - und die ganze Welt wäre von den Schäden betroffen.
+ + + + +
- 3 -

�T

Wi//en/chcift
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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Dezember 1980

53

SATURNFORSCHUNG MIT ÜBERRASCHUNGEN
Naturwissenschaftler suchen Erklärung für rätselhafte
Phänomene

(AD)

Noch bis zum 19. Dezember 1980 läuft die Fotoserie der

amerikanischen Raumsonde VOYAGER 1 vom Planeten Saturn, die Ende August 1980
begann und während des Vorbeiflugs am zweitgrößten Planeten unseres
Sonnensystems Mitte November der Forschung so faszinierende und völlig
unerwartete Einblicke in eine fremde Welt ermöglichte.

"Wir haben in diesen

Tagen mehr über das Saturnsystem gelernt als in der gesamten bisherigen
Geschichte der Plantenforschung", meine der Astronom Dr. Bradford Smith,
der Leiter des VOYAGER-Aufnahmeteams.
"Sprachlos", wie sie selbst sagten, "überwältigt", "begeistert"
verfolgten die Astronomen, Geologen und Physiker im Beobachtungszentrum
des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifornien) die Bildfolge auf
den Monitoren, die der mit größter Präzision arbeitende Roboter aus
1,5 Milliarden Kilometern Entfernung zur Erde funkte.

Hypothesen und

Vorstellungen die in Jahrhunderten auf- und ausgebaut worden waren, erwiesen sich plötzlich als viel zu primitiv, unvollständig, zum Teil auch

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Telex: 08-85432

�auch schlichtweg als falsch.

Und da die Auswertung der ca. 18 000 Fotos

und der Flut von Meßdaten, die zum allergrößten Teil noch in den Computern
gespeichert sind, erst am Anfang steht, dürften der Planetenforschung
noch manche Überraschungen sicher sein.
Rätselhaft ist den Wissenschaftlern vieles an dem prachtvollen, in
Rot-, Gelb- und Braunschattierungen schimmernden Ringsystem in seiner
hundert- oder gar tausendfachen Gliederung, wie sie VOYAGER zumersten
Mal sichtbar machte.

Die Saturnringe beschäftigten die Astronomen, seitdem

Galilei sie im Jahr 1610 entdeckte.

Allerdings sah er mit seinem kleinen

Fernrohr gar keine Ringstruktur, sondern er verglich das seltsame Phänomen
mit Henkeln an beiden Seiten einer Schüssel.

Die moderne Fernrohroptik

läßt drei breite Hauptringe im Äquatorbereich (die Rotationsebene ist um
27 Grad zur Bahnebene geneigt) erkennen, die von innen nach außen mit
"C", "B" und "A" bezeichnet werden.
Was aber brachten die Aufnahmen der beiden VOYAGER-Fernsehkameras
alles an den Tag! Sie bestätigten beispielsweise nicht nur die Existenz
des von PIONIER 11 im vergangenen Jahr entdeckten dünnen "F"-Rings, sondern
zeigten auch, daß er aus mindestens drei unterschiedlich stark verzwirnten
"Strähnen" besteht. Diese Tatsache verlangt eine spezielle Analyse, denn
sie ist nicht allein mit den Keplerschen Gesetzen der Himmelsmechanik zu
erklären. Vielleicht, so meinen jetzt mache Wissenschaftler, sind
neben der Gravitation auch elektrische und mechanische Kräfte unter dem
Einfluß von Strömen und Magnetlinien im Magnetfeld des Saturn am Werk.
VOYAGER 1 fand einen zusätzlichen "G"-Ring - aber nur indirekt,
nämlich an Hand seines Schattens, der über zwei Monde zwischen den Bahnen
des "F"- und des noch weiter draußen liegenden "E"-Rings wanderte.

Der

"G"-Ring scheint innerhalb der Umlaufbahnen der beiden Geschwistermonde
S-10 und S-ll zu liegen.

Auch den sehr durchsichtigen, dünnen "D"-Ring

konnte VOYAGER 1 fotografieren.
aufzuspüren.

Er ist von der Erde aus optisch nicht

�Nach Ansicht der Wissenschaftler ist es zum besseren Verständnis
der Entwicklung des Sonnensystems sehr wichtig, herauszufinden, wie und
weshalb die Ringpartikel rillenähnlichen Bahnen folgen, wie sie Strähnen
bilden und ob sie verklumpen oder nicht.

Denn aus Ringen von Partikeln,

die um die Sonne kreisten, könnten sich Klumpen und schließlich die
Planeten herausgebildet haben.

"Die Saturnringe verhalten sich manchmal

wie eine Wolke von Partikeln, manchmal aber wie Monde", sagte der Geologe
Harold Masursky.

"Erst wenn wir wissen, weshalb das so ist, verstehen wir

auch besser die Vorgänge bei der Planetenbildung".
Große Überraschung löste der Anblick der kraterübersäten Oberfläche
des Eismondes Rhea aus, der den Saturn auf einer der inneren Trabantenbahnen
umkreist. Für die Geologen ist es noch ein Rätsel, wieso bei Eis die
Auswirkungen von Meteoritenbombardements oder einer Kollision mit anderen
Körpern den Auswirkungen auf Gestein so ähnlich sind - beispielsweise
beim sonnennahnem Planeten Merkur.
Der Saturnmond Titan scheint ein Objekt ganz besonderer Art zu
sein. Er enthält mehr Gestein als die anderen Trabanten, und er besitzt
eine Atmosphäre. Die Annahmen zu seiner Größe mußten allerdings korrigiert
werden. Er ist zwar größer als der Planet Merkur (Durchmesser: 4 840 km),
aber sein Durchmesser wird jetzt kleiner als 5 100 km beschätzt, so daß
als größter Mond im Sonnensystem nicht Titan, sondern der Jupitermond
Ganymed anzunehmen ist.
Die Atmosphäre des Titan besteht hauptsächlich aus Stickstoff "eine Ironie, daß wir bei den Innenplaneten vergeblich nach einer der
irdischen Lufthülle ähnlichen Atmosphäre suchten und sie nun weit draußen,
in den kalten Außenbereichen des Sonnensystems finden", meinte Masursky.
Drei Dunstschleier liegen über der dichten Atmosphäre, die am
Boden einen Druck vom Eineinhalbfachen des Drucks an der Erdoberfläche
haben dürfte. Der erste Schleier liegt 150 km über der Wolkengrenze, der
zweite 300 km und der dritte 500 km darüber. Die Schichten bestehen vor

- 4 -

�Vor VOYAGER hatte man die Trennung der Ringe, deren Materie sich
ja unterschiedlich schnell um den Planeten bewegt (die Bahngeschwindigkeit
nimmt von innen nach außen ab), als Resonanzerscheinungen erklärt, die
Lücken als Instabilitätszonen.

Heute weiß man, daß selbst die "Lücken"

erhebliche Mengen von Materie enthalten, und daß das gesamte Ringsystem
eher einer fein gerillten Scheibe gleicht, unterteilt in mehrere größere,
unterschiedlich gefärbte Zonen.

Viele Hunderte, vielleicht sogar Tausende

von "Rillen" scheinen auf der Ringscheibe eingekerbt zu sein - und mindestens
zwei der Ringe dieser Feinstruktur schwingen nicht kreisförmig, sondern
ellipsenförmig um den Planeten.

Dasselbe gilt übrigens für die beiden

Monde S-10 und S-ll, die den Saturn gemeinsam auf nur 50 km auseinanderliegenden Umlaufbahnen umkreisen.
Nur in einigen Fällen gibt es eine Erklärung für die Trennung der
Ringe - so durch Resonanzerscheinungen (Störung der Eigenbewegung von
Materie und Körpern durch Fremdeinfluß) in Verbindung mit den Monden
Iapetus, Mimas, Titan, S-10 und S-ll. "Die Resonanztheorie ist aber auf
die Struktur des 'B'-Rings nicht anwendbar", erklärt der Physiker Jeffrey
Cuzzi, "Sie reicht dafür einfach nicht aus. Der 'B'-Ring ist stark
gegliedert - aber ohne eine erkennbare Symmetrie oder ein Muster". Im
Vergleich zum relativ flachen und einheitlichen "A"-Rinc erscheint er
geradezu "chaotisch", während sich der "C"-Ring durch eine gut hervortretende Struktur von gewisser Symmetrie auszeichnet. Seine Materie
scheint zum Teil aus Brocken bis 1 m Größe zu bestehen, wie aus Frequenzänderungen von Radiowellen geschlossen wurde. Zwischen den Brocken gibt
es große Zwischenräume. Dagegen scheinen die Materieteile im "B"- und
"A"-Ring dicht an dicht zu schweben. Bei den dunklen "Speichen", die über
dem hellen "B"-Ring liegen, dürfte es sich um sehr kleine Partikel handeln,
die mit dem Magnetfeld des Saturn, nicht aber mit den Ringen rotieren.
Elektrostatische Kräfte halten sie über der "B"-Ring-Materie.

Nach

�vor allem aus Polymeren und anderen kohlenwasserstoffhaltigen Verbindungen,
die entstehen, wenn Methan durch Sonnenlicht chemisch verändert wird.
Weitere wichtige Ergebnisse der VOYAGER-Reise:
-

Die dem Saturn zugekehrte Seite des Titan emittiert Radiostrahlung.

-

Die Ringe des Saturn emittieren Impulse von Radiowellen, die
durch elektrische Felder in den Ringen und Partikelkollisionen
verursacht werden.

-

Radiowellen vom Saturn selbst scheinen nur von der nördlichen
Hemisphäre zu kommen, was offenbar auf eine Magnetfeldanomalie
zurückzuführen ist.

-

Hellere oder dunklere Färbung in den bunten Bändern der Gashülle
des Planeten Saturn (man zählt erheblich mehr solcher Bänder als
in der Jupiterhülle) scheint mit tieferen bzw. etwas höheren
Temperaturen in Zusammenhang zu stehen, was in den nächsten
Monaten genau analysiert werden wird. Strahlströme in den
orange- und lachsfarbenen Bändern in Äquatornähe erreichen Windgeschwindigkeiten von 400 Metern pro Sekunde, verglichen mit
100 m/sec auf dem Jupiter. Sie scheinen stets im Mittelbereich
breiter Bänder aufzutreten, während in den Randgebieten nahezu
Windstille herrscht - auf dem Jupiter dagegen erscheinen sie
an den Bandrändern. Und die Strömung nimmt nur eine Richtung,
während in den Zonen und Bandgürteln des Jupiter sowohl Ostais auch Westströmunqen beobachtet wurden. Kreisförmige Wolkengebilde und Strömungswirbel führen den Strahl strömen Energie zu,
die offenbar aus tieferen Regionen der Atmosphäre stammt.
Der

- 5 -

�Der nächste Besuch einer irdischen Meß- und Fotosonde beim Saturn
wird im August 1981 erwartet, wenn VOYAGER 2 den Ringplaneten erreicht
und u.a. die Monde Enceladus und lapetus recht genau unter die Lupe nehmen
wird.

Vielleicht erhalten dann die Wissenschaftler Aufschluß darüber,

weshalb die Oberfläche von Enceladus verhältnismäßig glatt, frei von
Kratern erscheint, als ob sie aufgeschmolzen worden sei, und weshalb
lapetus eine dunkle und eine helle Seite aufweist.

i

"Die dunkle Seite sieht

aus, als ob jemand Ruß darüber gestreut hätte", meinte einer der Geologen.
Dieser "Jemand" könnte der Mond Phoebe gewesen sein.

Er umkreist den Saturn

gegenläufig zu den anderen Trabanten in einer lang ausgezogenen Ellipse,
Vielleicht stammt er aus dem Asteroidengürtel und wurde vom Saturn eingefangen.

Staub, durch Meteoritenbombardements von Phoebes Oberfläche

freigesetzt und von der Masse des Saturn angezogen, könnte die Bahn des
lapetus gekreuzt haben und dabei dem Mond so nahe gekommen sein, daß sich
große Mengen auf der einen Hälfte niederschlugen.
mehreren Hypothesen.

Dies ist eine von

Mehr Klarheit können erst weitere Untersuchungen

bringen.
VOYAGER 1 wird in etwa zehn Jahren unser Sonnensystem in Richtung
des Sternbildes Ophiuchus (Schlangenträger) verlassen.

NASA-Wissenschaftler

halten es für denkbar, auch dann noch Meßsignale, ja vielleicht sogar
eine "Übersichtsaufnahme" des Sonnensystems von der Sonde zu empfangen.

+ + + + +

- 6-

l

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;David Newsom: Sowjets spüren Kosten der Invasion Afghanistans&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Interview mit dem US-Staatssekretär für politische Angelegenheiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Äußere Ereignisse erschweren Beziehungen im Bündnis&lt;br /&gt;- Von George S. Vest -&lt;br /&gt;US-Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Anwendungsbegrenzung für Fluorchlorkohlenwasserstoffe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Saturnforschung mit Überraschungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Naturwissenschaftler suchen Erklärung für rätselhafte Phänomene -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>III r o

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jjfB

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
26. November 1980

52

INHALT

DOKUMENTATION
Kampe!man: Entspannung ist unteilbar
- Rede des US-Delegierten auf der KSZE-Folgekonferenz

HINTERGRUNDMATERIAL
UN verurteilt sowjetische Invasion Afghanistans
- Resolution fordert Abzug der Truppen Die Folgen der anhaltenden Krise in Südwestasien
- Von Gregory F. Treverton Militarismus und Sowjetstaat
—

II •« III l M I » M I * « l * t M I &lt; W N M » » M ^ « w « ' ' »

• •

- Von Richard Pipes c 1980, The American Academy of Arts and Sciences

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�26. November 1980

52

KAMPELMAN: ENTSPANNUNG IST UNTEILBAR
- Rede des US-Delegierten auf der KSZE-Folgekonferenz -

MADRID - (AD) - Der Ko-Vorsitzende der amerikanischen Delegation auf
der Folgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) in Madrid, Max Kampelman, hat am 17. November 1980 die Vorstellungen
der Vereinigten Staaten bezüglich des Begriffes Entspannung dargelegt.
Kampelman betonte, daß die Entspannung nach amerikanischer Auffassung unteilbar ist.
Die Rede des amerikanischen Delegierten hat folgenden Wortlaut:
Wir kommen heute hier in der elften Woche zusammen und in der zweiten
Woche unserer eigentlichen Konferenz. Wir - wir alle - haben unsere Meinungsverschiedenheiten hervorgehoben und gleichzeitig unseren gemeinsamen Wunsch
•r

bekräftigt, den Geist von Helsinki, der heute so schlecht dasteht, neu zu

»

beleben.

Das Wort "Entspannung" (Detente) scheint in der Schlußakte von

Helsinki ein Verhältnis wachsender Zusammenarbeit unter den 35 Staaten zu beschreiben, die an diesem Prozeß beteiligt sind.

Und doch möchte ich mich

mit dem Wort und dem Begriff "Entspannung" beschäftigen.
Es

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Es ist ein Merkmal unserer Zeit, daß die entwickelte (industrialisierte)
Welt in zwei große politische Systeme aufgeteilt ist, und daß diese beiden
Systeme eben durch die beiden mächtigsten Nationen der Erde repräsentiert
werden - die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion.

Seit dem Zweiten Welt-

krieg waren unsere beiden Systeme und unsere beiden Länder in eine militärische Konkurrenz und einen ideologischen Kampf verwickelt.

Die Geschichte

der Nachkriegszeit wird in der Tat in großem Maße durch diese Konkurrenz und
diesen Kampf bestimmt.
Ironischerweise haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion vieles
gemeinsam.

Wir sind beide Kontinental Staaten, die sich über eine weite Land-

masse ausbreiten und von fernen Meeren umgeben sind.

Wir sind von Natur aus

Entdecker - Siedler, Abenteurer, Kosaken und Cowboys. Wir haben niemals
einen Krieg gegeneinander geführt, ja, wir waren Verbündete in dem größten
Krieg, in den wir je verwickelt waren.

Und wir sind schließlich revolutio-

näre Nationen mit einer politischen Tradition, die aus den jeweiligen Revolutionen lebt.
Trotzdem sind unsere politischen Systeme unvereinbar und in großem Maße
gegensätzlich. Das amerikanische System - aus französischer Philosophie und
englischer Erfahrung entstanden - wurzelt in der Bedeutung des einzelnen.
Wie Jefferson es ausdrückte: "Die Sorge um das menschliche Leben und Glück,
und nicht ihre Zerstörung ist das erste und einzig legitime Ziel einer guten
Regierung". Das sowjetische System, wenn ich einmal so kühn sein darf, es
zu beschreiben, wird von kollektiven Werten gekennzeichnet - das Proletariat,
die Partei, den Staat. In der Praxis haben diese kollektiven Werte Erfolge
gebracht in der Erziehung, in der Gesundheitsfürsorge und bedeutsame Erfolge
in der Technologie der Weltraumfahrt. Aber diese kollektiven Werte bringen
die Unterdrückung des einzelnen mit sich, der so seiner Freiheit beraubt wird,
die ihm nach seinem Naturrecht, selbst nach sowjetischem Recht, und sicherlich
nach der Schlußakte von Helsinki zusteht. Daher kommt die Unvereinbarkeit,
von der ich gesprochen habe.
Trotz

�Trotz unserer Unvereinbarkeit sind wir gezwungen, miteinander zu leben,
ja sogar zusammenzuarbeiten.

Die historisch typische Lebensbedingung des

Menschen ist der Krieg, nicht der Frieden gewesen. Aber die Aussicht auf einen
Krieg im Atomzeitalter muß zum Nachdenken zwingen.
Und hier möchte ich mich erneut der Schlußakte von Helsinki zuwenden.
Unsere Hoffnung war, daß aus der Zusammenarbeit und der Verständigung, die
in diesem übereinkommen gefordert werden, sich ein Vertrauen zwischen uns entwickeln würde, daß das Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens unter allen 35
Staaten gestärkt würde.
Meine Regierung, Herr Vorsitzender, hat dieses übereinkommen ernstgenommen.

Wir haben es 1975 unterzeichnet, da es die wesentlichen Bestandteile

enthielt, die für die Entspannung notwendig sind.

In den Prinzipien und in

Korb drei hat es die historische Sehnsucht von Männern und Frauen seit Anbeginn der Zeiten bekräftigt und kodifiziert, nach größerer Freiheit zu streben
und Teil des Entwicklungsprozesses zu werden, in dem die Menschheit seit ihren
animalischen Anfängen bis zu einer, wie es viele von uns als Ebenbild Gottes
bezeichnen möchten, höheren Form des zivilisierten Verhaltens steht.
Die Tatsache, daß die Schlußakte von Helsinki diese Definition der Rolle
des Menschen Im Universum ausdrücklich anerkennt, war der eigentliche Grund
für die Entscheidung meiner Regierung, dieses Übereinkommen zu unterzeichnen.
Entspannung ist für uns unteilbar, und wir waren erfreut, daß die Schlußakte von Helsinki, die von allen 35 Staaten gebilligt wurde, in sich ein unteilbares Ganzes war.
Ich habe von den Prinzipien in Korb drei gesprochen.
Der Korb zwei dieses Grundsatzdokuments war Teil dieses Ganzen.

Er

zielte darauf ab, eine wachsende Zusammenarbeit unter uns allen in den Dingen
des täglichen Lebens herbeizuführen, die ein integraler Bestandteil unseres
Lebens, unser aller Leben darstellen, unter welchem System oder unter welcher

�welcher Regierung wir auch leben mögen.
Wir alle begreifen, daß mit den modernen Waffen des Schreckens, die von
einer Technologie geschaffen wurden, die die Talente und die Energie unserer
Gesellschaften aufgesogen hat, es einfach unerläßlich ist, daß wir uns zum
Frieden verpflichten, und daß wir auf einem festen und stetigen Kurs auf den
Krieg als Mittel zur Beilegung unserer Meinungsverschiedenheiten verzichten.
Wir nehmen diese Pflichten ernst. Aber das amerikanische Volk, Herr Vorsitzender, stellt sich in zunehmendem Maße die Frage, ob all die Nationen, die
die Schlußakte von Helsinki im Jahre 1975 unterzeichnet haben, diese Verpflichtung ernst nehmen.
geworden.

Zu unserem tiefen Bedauern sind wir mehr und mehr skeptisch

Entspannung ist nicht nur unteilbar, sie hat auch nur dann einen

Sinn, wenn sie weltweit begriffen, akzeptiert und praktiziert wird.

Wenn Ent-

spannung eine Konzeption ist, die von uns auf eine Weise und von der Sowjetunion auf eine andere Weise interpretiert wird, dann ist sie ein bedeutungsloses Wort, das nicht als Richtschnur für unsere Beziehungen gelten kann.
Sie wird mehr zu einer Propagandawaffe als zu einem Paket von Prinzipien für
das internationale Verhalten.

Das aber, so fürchte ich, ist zur Realität un-

seres Verhältnisses geworden und greift an die Wurzeln der ernsten Meinungsverschiedenheiten zwischen uns, die auf diesen Konferenzen so erkennbar geworden sind.
Die Vertreter einiger weniger Staaten standen vorige

Woche und heute

erneut vor diesem Gremium und haben sich entrüstet gegen die Tatsache gewandt,
daß praktisch alle anderen Teilnehmerstaaten auf diesen Konferenzen von der
sowjetischen Invasion Afghanistans gesprochen haben. Wir haben uns voll Ernst
und mit einem tiefen Gefühl darauf bezogen, das aus einer uns gemeinsamen
Überzeugung entstand, daß ein grundlegender und unerläßlicher Bestandteil
der Entspannung in dem Verzicht auf einseitige militärische Maßnahmen gegen
irgendeinen anderen Staat besteht.

Die Invasion Afghanistans, wie sie auch

immer durch verbale Kunststücke bestritten werden mag, ist eine Bedrohung des
Friedens und eine direkte Verletzung der Prinzipien der Schlußakte von Helsinki.
Um das ganz klarzustellen, lassen Sie mich diese Schlußakte zitieren:
"Die
- 4 -

�"Die Teilnehmerstaaten erklären ihre Absicht, ihre Beziehungen zu anderen
Staaten in dem Geist der in der vorliegenden Erklärung enthaltenen Prinzipien
zu führen."
Wir haben Grund, die Ernsthaftigkeit der eingegangenen Verpflichtung in
Frage zu stellen, wenn wir erfahren, daß ein Führer der Sowjetunion in einer
Anfang 1973 in Prag gehaltenen Rede Entspannung als ein Mittel bezeichnet hat,
eine entscheidende Veränderung im internationalen Kräfteverhältnis herbeizuführen.

Das hat nichts mehr mit der Definition von Entspannung zu tun, die

meine Regierung veranlaßt hat, ihre Streitkräfte zu verringern und ihre militärische Macht abzubauen - in einer Anstrengung, um unsere Verpflichtung zum
Frieden zu demonstrieren.

Ich zitiere aus jener Rede in Prag:

"Es ist uns ge-

lungen, in kurzer Zeit mit der Entspannung mehr zu erreichen als in vielen
Jahren einer Politik der Konfrontation mit der NATO... Glaubt uns, Genossen,
daß wir bis 1985 als Folge dessen, was wir jetzt mit der Entspannung erreichen...
in der Lage sein werden, unseren Willen überall geltend zu machen, wo wir ihn
geltend machen müssen."
Als die Schlußakte von Helsinki im Jahre 1975 von den Vereinigten Staaten
unterzeichnet wurde, waren wir uns dieser Erklärung und voll und ganz der Erklärung Lenins vom Jahr 1921 bewußt, daß die kulturellen Schichten Westeuropas
und Amerikas wie die Kapitalisten der ganzen Welt Taubstumme seien, die ihre
Augen vor den Realitäten verschließen und damit blind wie auch taub geworden
seien, indem sie lins Kredite eröffnen und uns mit wesentlichen Materialien und
Technologien versorgen und damit unsere Militärindustrie wieder aufbauen, vor
allem für unsere künftigen siegreichen Angriffe auf unsere Versorger'.

Der

Westen, so erklärte er, würde damit seinen eigenen Selbstmord vorbereiten.
Wir kennen diese Lehren Lenins von 1921 - Lehren, die ein nützliches
revolutionäres Werkzeug sind -, aber unser Wunsch nach Frieden und Verständigung
und Zusammenarbeit und gegenseitiger Sicherheit war so groß, daß wir bereit
waren, die schriftlichen Verpflichtungen der Nachfolger Lenins in der Hoffnung
zu akzeptieren, daß die Erfahrung diese Lehren gemäßigt habe und mäßigen würde.
Meine Regierung stimmte einer Erhöhung des wirtschaftlichen und technologischen
- 5 -

�technologischen Austausches zu, um den Prozeß des Friedens zu fördern.

Statt

dessen haben wir erlebt, daß diese guten Absichten verzerrt wurden und noch
mehr militärische Aggression zur Unterstützung nationaler und ideologischer
Ziele gefördert haben.
Es wird Kritik an den jüngsten Maßnahmen meiner Regierung zur Beschränkung unserer Verpflichtungen im Rahmen von Korb zwei des Übereinkommens geben,
aber ich möchte, Herr Vorsitzender, daran erinnern, daß diese Maßnahmen notwendig waren und sind, ja durchgeführt werden müssen, wenn wir die Unteilbarkeit der Entspannung aufrechterhalten und das ganze Gefüge der Schlußakte von
Helsinki erhalten wollen.

Aggression und anhaltende Verletzung von Verpflich-

tungen muß durch wirksame Antworten verurteilt werden, wenn die Integrität des
Übereinkommens erhalten werden soll.
Es war auch sehr beunruhigend für uns, daß in den Zeiträumen, in denen
wir begeistert an einem wachsenden kulturellen und wirtschaftlichen Austausch
mit der Sowjetunion teilgenommen haben, während der sogenannten Hochzeit der
Entspannung die Verpflichtungen gemäß Prinzip sieben und Korb drei unterminiert
wurden, indem die innere Unterdrückung in der Sowjetunion mit einer Verschärfung der Zensur und verstärkten Gefängnisurteilen, Einlieferungen in psychiatrische Einrichtungen und Verbannung ins Exil intensiviert wurden, um abweichende Meinungen auszuschalten.
Herr Vorsitzender, sogar im Verlauf dieser Konferenz, am Donnerstag der
vorigen Woche, - der Delegierte aus Großbritannien hat uns heute an die offene
Mißachtung von Verpflichtungen erinnert -, wurde Dr. Victor Brailowsky, ein
Wissenschaftler und Publizist, eine Hauptfigur der jüdischen Auswanderungsbewegung, in Moskau verhaftet, zwei Tage, nachdem er einen dreitägigen Hungerstreik einer ganzen Zahl von Juden angekündigt hatte,denen die Ausreiseerlaubnis verweigert wurde - eine Demonstration im Zusammenhang mit der Eröffnung
dieser Madrider Konferenz.
visum verweigert.

Seit acht Jahren wird Dr. Brailowsky ein Ausreise-

Seit jenem Visumantrag ist der Sohn Brailowskys, Leonid,

der heute 19 Jahre alt ist, aus der Schule ausgeschlossen und es wird ihm
jegliches Universitätsstudium verweigert.

Victor Brailowsky selbst wurde ver-

�verboten, weiter seiner Lehrtätigkeit und seiner hervorragenden Karriere als
Wissenschaftler nachzugehen.

Seine Verhaftung macht ihn zum 12. Juden, der

derzeit in der Sowjetunion wegen des Versuchs auszuwandern, im Gefängnis sitzt.
Jeder dieser zwölf Fälle stellt eine direkte Verletzung der Schlußakte dar.
Und während des letzten Jahrzehnts, Herr Vorsitzender, hat die Sowjetunion
ihre Kriegsmaschinerie verstärkt, indem sie rund 150 Milliarden Dollar mehr
für militärisches Gerät ausgegeben hat als die Vereinigten Staaten.

Und die

sowjetischen Streitkräfte stellen eine Bedrohung des Friedens in Europa und
in der ganzen Welt dar.
Die Sowjetunion bringt heute einen erstaunlichen Anteil von 14 bis 15 Prozent ihres Bruttosozialproduktes für ihre Militärmaschinerie auf, während die
Vereinigten Staaten nur fünf Prozent ihres Bruttosozialproduktes für die Verteidigung aufwenden.
Die Sowjetunion verfügt heute über einen neuen Katalog großer Waffensysteme, einschließlich von vier Interkontinentalraketen, drei unterseebootgestützten Raketen, vier neuen Unterseebootklassen und vier neuen Kampfbombern.
Ich führe diese Tatsachen heute an, nicht um eine Konfrontation hervorzurufen.

Ich stelle sie fest, weil es sich um Tatsachen handelt, Tatsachen,

denen wir uns stellen müssen, wenn wir von dem wachsenden Geist des Mißtrauens
und der Meinungsverschiedenheiten abkommen wollen, der die internationalen
Beziehungen heute kennzeichnet.

Nur durch Verständigung können wir die Reali-

täten meistern, und nur wenn wir uns der Realität stellen, können wir darauf
hoffen, jene Harmonie zu erreichen, die wir alle anstreben.

Wir nähern uns

immer rascher einer Konfrontation und es liegt in unser aller Interesse, daß
diese Bewegung aufhört und wieder auf den Geist der Entspannung ausgerichtet
wird, der heute bedauerlicherweise nicht mehr die Realität ist, die wir uns
1975 erhofften.
Möge sich niemand falsche Vorstellungen machen.

Die Vereinigten Staaten

von Amerika haben Maßnahmen ergriffen und werden in den kommenden Tagen ihre
- 7 -

�ihre Anstrengungen zur Verstärkung unserer militärischen Kapazität intensivieren.

Die Sowjetunion muß begreifen, daß die Vereinigten Staaten und ihre

Verbündeten der sowjetischen militärischen Anstrengung Entsprechendes entgegensetzen werden.

Es kann keine Frage sein, daß wir uns nicht mit einer mi-

litärischen Überlegenheit anderer abfinden werden.

Wir fahren in unseren An-

strengungen fort und wir werden, wenn auch mit großem Zögern, an diesen Anstrengungen festhalten...
Wir haben unser Programm erneuerter militärischer Stärke in Angriff genommen, weil wir angesichts der massiven Aufrüstung dazu gezwungen wurden, die
keine Parallele in der Weltgeschichte hat und die bedauerlicherweise, wie es
scheint, für ihren Einsatz vorbereitet wird.

Die Invasion

Afghanistans ist

ein Symbol dieser Vorbereitung und zeigt uns ihren Ernst, den wir nicht unterschätzen dürfen.

Wir werden unser Programm der militärischen Bereitschaft

mit Entschlossenheit verfolgen und wir werden die Ressourcen des amerikanischen
Volkes, des amerikanischen Wohlstandes, des amerikanischen Einfallsreichtums
und der amerikanischen Technologie mobilisieren, damit dieses Programm wirksam
ist und als notwendige Abschreckung vor einem Krieg dienen kann. Wir hatten
gehofft, daß dieser Geist von Helsinki als ausreichende Abschreckung dienen
würde, und daß die Anziehungskraft von Sicherheit, Zusammenarbeit und Frieden
alle überzeugen würde, sich uns hier in einer entschlossenen gemeinsamen Anstrengung anzuschließen, internationale Stabilität und Sicherheit zu erreichen.
Bedauerlicherweise hat es sich erwiesen, daß dies nicht der Fall ist und wir
müssen widerstrebend zu dem Schluß kommen, daß wir uns erneut auf unsere militärische Stärke verlassen müssen, um als notwendige Abschreckung zu dienen.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit jedoch erneut betonen, daß meine Regierung unter Präsident Carter und unter dem designierten Präsidenten Reagan
bereit ist, über bedeutsame verifizierbare und ausgewogene Rüstungskontroi 1abkommen zu verhandeln, wenn eine beiderseitige Entschlossenheit dazu zu Tage
tritt.

Wir sind bereit, jederzeit in Verhandlungen einzutreten, um das Vor-

handensein einer solchen beiderseitigen Bereitschaft zu sondieren.

Dieses

Forum ist eines derer, die uns zur Verfügung stehen - und es gibt noch andere
Gremien.

Die Realität des militärischen Wettstreits macht Rüstungskontrolle
- 8 -

�Rüstungskontrolle nicht unmöglich, sie macht Rüstungskontrolle zu einem
zwingenden Gebot.

Das erste große Rüstungskontrollabkommen der Nachkriegs-

periode - der Vertrag über das begrenzte Verbot von Nuklearversuchen - wurde
1963 auf der Höhe des Kalten Krieges unterzeichnet.

Die Vereinigten Staaten

sind derzeit an zwei großen Abrüstungsverhandlungen beteiligt - über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen und über TNF-Systeme.

Und der

designierte Präsident Reagan hat seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht,
in erneute SALT-Verhandlungen einzutreten.

Wir sind bereit, den Stand unserer Rüstungen zu verringern und der Abrüstung näherzukommen, nach der sich all unsere Menschen sehnen, aber wir
werden das nur tun, wenn dies weltweit akzeptiert und entsprechend behandelt
wird.

Es wird keine einseitigen Maßnahmen der Vereinigten Staaten auf diesem

Gebiet geben.

Entweder es handelt sich um gemeinsame Maßnahmen und um bedeut-

same und verifizierbare Maßnahmen oder es wird keine solchen Maßnahmen geben.

Unsere ideologischen Differenzen sind tief.

Es wäre töricht, wenn wir

es als realistisch ansähen, daß wir uns gegenseitig von den Vorzügen unserer
jeweiligen Einstellung überzeugen könnten.
Wettstreit der Ideen nicht zurück.

Wir in Amerika schrecken vor dem

Amerikanern steht es ebenso frei, die

Schriften von Marx und Lenin zu lesen, wie es ihnen freisteht, die Werke von
Benjamin Franklin und Thomas Jefferson zu lesen.
Bibliotheken sind all diese Werke verfügbar.

In unseren Buchläden und

Es steht uns ebenso frei die

Kommunistische Partei zu wählen, wie die Republikanische Partei.

Und die

kleine Zahl von Stimmen, die der kommunistische Kandidat in unseren Präsidentschaftswahlen vor zwei Wochen erhielt, spiegelt, wie mir scheint, genau die
Unterstützung wider, die er in unserem Lande findet.
Radio Moskau zu hören, wie unsere eigenen Sender.
Bürger die gleiche Freiheit?

Es steht uns ebenso frei,

Hat ein sowjetischer

Diese Frage zu stellen, heißt sie gleichzeitig

zu beantworten.

Wir sind der Überzeugung, daß auf lange Sicht die Hoffnungen und Wünsche
der Menschheit auf größere Freiheit des einzelnen unausweichlich erfüllt werden
und nicht unterdrückt werden können, so stark die Unterdrückung auch sein
- 9-

�sein mag.

Beobachter der Einhaltung der Schlußakte von Helsinki mögen in

Moskau verhaftet werden, aber gerade dadurch schaffen sie eine Situation,
in der jene von uns in der ganzen Welt, die die menschliche Freiheit hochhalten, mit ihnen in unseren Chor einstimmen und mit ihnen Beobachter der
Schlußakte von Helsinki werden.
Wir sind überzeugt, daß die historische Unausweichlichkeit für den Menschen die Unausweichlichkeit der Menschenrechte, der Freiheit des Einzelnen
ist und nicht irgendeine

ideologisch definierte doktrinäre Konzeption der

Revolution.
Andere unterscheiden sich von uns und haben eine eigene moderne Überzeugung entwickelt.

Wir appellieren an jene, die sich von uns unterscheiden,

daß diese Unterschiede, so fundamental sie auch sind, in einem Wettstreit
der Ideen und in einem Wettstreit der Verwirklichung ausgetragen werden.
Wollen wir doch unsere Energie dafür aufwenden, innerhalb jeder unserer Gesellschaften die Überlegenheit unserer jeweiligen Modelle in der Erfüllung
der Forderungen unserer Völker zu demonstrieren.
kann uns allen helfen.

Diese Art von Wettstreit

Der Wettstreit der Rüstungen und die Anwendung von

Gewalt zur Aggression trägt das Potential der Zerstörung für uns alle in sich.
Ich schließe diese Darlegungen mit einem Appell im Namen meiner Regierung, daß wir zu den Grundlagen der Schlußakte von Helsinki als Basis für
unsere Beziehungen zurückkehren und zwar zu diesem übereinkommen insgesamt,
unteilbar in seiner Gesamtheit. Nur wenn wir eine Verpflichtung zu ihren
Bestimmungen demonstrieren, zu allen ihren Bestimmungen durch ihre Verwirklichung, können wir darauf hoffen, das Vertrauen zu schaffen, das uns zu
neuen Verpflichtungen voranbringen wird. Wir hegen die tiefe und echte Hoffnung, daß der Beginn dieser Neugeburt hier in Madrid stattfinden kann.

+ + + + +
- 10 -

�3

1

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

52

26. November 1980

UN VERURTEILT SOWJETISCHE INVASION AFGHANISTANS
- Resolution fordert Abzug der Truppen -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK

- (AD) - Die Vollversammlung der

Vereinten Nationen hat am 20. November 1980 mit überwältigender Mehrheit
eine zweite Resolution verabschiedet, in der der Abzug der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan gefordert wird.

Die neue Resolution wurde mit

111 gegen 22 Stimmen bei 12 Stimmenthaltungen gebilligt.
Bereits im Januar dieses Jahres hatte die UN-Vollversammlung mit
ähnlicher Mehrheit - 104 gegen 18 bei 18 Stimmenthaltungen - den sowjetischen
Einmarsch verurteilt.
In der viertägigen Debatte in der Vollversammlung brachten die
Delegierten zahlreicher Staaten ihre Besorgnis über die Anwendung
militärischer Macht durch die Sowjetunion zum Ausdruck.

Der israelische

Botschafter Yehuda Z. Blum erklärte, die Sowjetunion habe erneut gezeigt,
daß sie "die Unabhängigkeit von Staaten, die Freiheit der Völker und die
Menschenrechte" unterdrücken wolle.

Vor allem auch die Vertreter von

Staaten der Dritten Welt, wie etwa Papua Neu Guinea, Indien oder Bangladesch,

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Bangladesch, wandten sich nachdrücklich gegen die Handlungsweise der
Sowjetunion.

Der Delegierte aus Haiti, Botschafter Jean Phito Georges,

betonte, daß sein Land immer wieder gegen die Einmischung einer Großmacht
in die Angelegenheiten Afghanistans protestiert habe.

Selbst der Vertreter

Albaniens, Abdi Baleta, bezeichnete die sowjetische Besetzung Afghanistans
als "eine Verletzung des Völkerrechts und der Prinzipien der Charta (der
Vereinten Nationen)."
Verteidigt wurde der sowjetische Einmarsch lediglich unter anderem
von den Seychellen, deren Vertreter Giovinella Gonthier das Ganze als
"eineAngelegenheit zwischen den Regierungen der Sowjetunion und Afghanistan"
bezeichnete, eine Auffassung, der sich auch der Botschafter Nikaraguas,
Victor H. Tinoco anschloß.

Der Vertreter Weißrußlands, Anatol Gurinowitsch,

sagte, Afghanistan wünsche die sowjetische Besetzung.
Das Ausmaß, mit dem die sowjetische Invasion eines Nachbarlandes
verurteilt wurde, kommt in dem Stimmenverhältnis bei der Schlußabstimmung
zum Ausdruck, wobei die Fürsprecher des Einmarsches gegenüber Januar 1980
zwar vier Stimmen hinzugewinnen konnten, die Front der ablehnenden Staaten
jedoch sieben Stimmen.
Die am 20. November verabschiedete Resolution wurde von folgenden
Staaten eingebracht:
Bahrein, Bangladesch, Kolumbien, Komoren, Costa Rica, Dschibuti,
Ägypten, Fidschi, Gambia, Guinea, Honduras, Jordanien, Kuwait, Malaysia,
Malediven, Mauretanien, Marokko, Nepal, Niger, Oman, Pakistan, Panama,
Papua Neuguinea, Philippinen, Qatar, Sankt Luzia, Samos, Saudi-Arabien,
Senegal, Singapur, Somalia, Sudan, Thailand, Türkei, Vereinigten Arabische
Emirate, Vereinigte Republik Kamerun, Obervolta, Uruguay, Liberia, Chile
und Dominikanische Republik.
Die

- 2 -

�Die Resolution hat folgenden Wortlaut:

Die Vollversammlung,
nach Erörterung des Tagesordnungspunktes "Die Situation in Afghanistan
und ihre Auswirkungen auf den internationalen Frieden und die internationale
Sicherheit",
in Erinnerung an ihre Resolution ES-6/7 vom 14. Januar 1980, verabschiedet auf der Sechsten Außerordentlichen Sondersitzung,
unter Bekräftigung der Zielsetzungen und Prinzipien der Charta der
Vereinten Nationen und der Verpflichtung aller Staaten, sich in ihren
internationalen Beziehungen der Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen
die Souveränität, territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit
eines jeden Staates zu enthalten,

ferner unter Bekräftigung des unantastbaren Rechtes aller Völker,
ihre eigene Regierungsform zu bestimmen und ihr eigenes wirtschaftliches,
politisches und gesellschaftliche S"stem frei von Einmischung, Subversion,
Zwang oder Einschränkung irgendeiner

Art von außen zu wählen,

zutiefst besorgt über die anhaltende ausländische bewaffnete Intervention in Afghanistan im Widerspruch zu den oben erwähnten Prinzipien
und die ernsten Auswirkungen auf den internationalen Frieden und die
internationale Sicherheit,

tief besorgt über den wachsenden Strom von Flüchtlingen aus
Afghanistan,

im tiefen Bewußtsein der dringenden Notwendigkeit einer politischen
Lösung der ernsten Situation bezüglich Afghanistans,

in
- 3 -

�in der Erkenntnis der Bedeutung der anhaltenden Bemühungen und
Initiativen der Organisation der Islamischen Konferenz im Sinne einer
politischen Lösung der Situation bezüglich Afghanistans,
1.

stellt erneut fest, daß die Erhaltung der Souveränität, terri-

torialen Intergrität, politischen Unabhängigkeit und des blockfreien
Charakters von Afghanistan von entscheidender Bedeutung für die Lösung
des Problems ist;
2.

bekräftigt erneut das Recht des afghanischen Volkes, über seine

eigene Regierungsform zu entscheiden und sein wirtschaftliches, politisches
und gesellschaftliches System frei von Einmischung,Subversion, Zwang oder
Einschränkung irgendeiner
3.

Art von außen zu wählen;

fordert den sofortigen Abzug der ausländischen Truppen aus

Afghanistan;
4. fordert ferner alle betroffenen Parteien auf, an der raschen
Erreichung einer politischen Lösung und der Schaffung der notwendigen
Verhältnisse zu arbeiten, die die afghanischen Flüchtlinge in die Lage
versetzen würden, in Sicherheit und ehrenhaft in ihre Heimat zurückzukehren;
5.

appelliert an alle Staaten und nationalen und internationalen

Organisationen, ihre humanitäre Hilfe in Koordination mit dem Flüchtlingshochkommissar der Vereinten Nationen auszuweiten, um das schwere Schicksal
der afghanischen Flüchtlinge zu erleichtern;
6. bringt ihre Anerkennung für die Bemühungen des (UN-) Generalsekretärs in der Suche nach einer Lösung des Problems zum Ausdruck und
hofft, daß er seine Unterstützung weiter ausdehnen wird, einschließlich
der Ernennung eines Sonderbeauftragten für die Förderung einer politischen
Lösung im Einklang mit den Bestimmungen der vorliegenden Resolutionen,

�Resolutionen, und die Sondierung der Gewährleistung angemessener Garantien
für die Nichtanwendung oder Nichtandrohung von Gewalt gegen die politische
Unabhängigkeit, Souveränität, territoriale Integrität und Sicherheit aller
Nachbarstaaten auf der Basis gegenseitiger Garantien und der strikten
Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen sowie unter
voller Berücksichtigung der Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen;
7. ersucht den Generalsekretär, die Mitgliedstaaten und den Sicherheitsrat laufend über den Fortschritt in Richtung auf die Verwirklichung
der vorliegenden Resolution zu informieren und den Mitgliedstaaten bei
nächster Gelegenheit einen Bericht über die Situation vorzulegen;
8. beschließt, in die provisorische Tagesordnung für ihre 36.
Sitzungsperiode den Punkt aufzunehmen: "Die Situation in Afghanistan
und ihre Auswirkungen auf den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit."

+ + + + +

- 5 -

�ndInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. November 1980

52

DIE FOLGEN DER ANHALTENDEN KRISE IN SÜDWESTASIEN
- Von Gregory F. Treverton -

Gregory F. Treverton ist Stellvertretender
Direktor des Internationalen Instituts für
Strategische Studien (IISS) in London.

- (AD) - Afghanistan ist aus den Titelseiten der westlichen Zeitungen
verschwunden, aber die sowjetischen Truppen stehen noch immer dort. Nach
einem Jahr haben sich die schlimmsten militärischen Befürchtungen nicht bewahrheitet, aber der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak unterstreicht zweierlei:
Die anhaltende Instabilität der gesamten Region und das Ausmaß, in dem dieser
Unruheherd den Westen beeinflußt. Die Region wird - nur noch von Europa
selbst 'übertroffen - ein Punkt bleiben, auf den sich die strategischen Interessen konzentrieren.
Derzeit ist der Zustand des transatlantischen Verhältnisses nicht schlecht.
Die Europäer haben sich die Überlegung zu eigen gemacht, daß die militärische
Konzentration der Vereinigten Staaten auf Südwestasien und den Persischen Golf
unvermeidlicherweise zumindest einen geringeren Anstieg der amerikanischen Verpflichtungen gegenüber Europa bedeutet;

und sie haben sich zu dem Versuch ver-

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Telex: 08-85432

�verpflichtet, die entstandene Lücke zu schließen.

Und doch gibt es schon

jetzt für die Zukunft Zeichen der Gefahr im Überfluß.

Die europäischen Ver-

pflichtungen bekommen einen hohlen Klang, wenn deutlich wird, daß die meisten
europäischen NATO-Mitglieder, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland
und Großbritanniens, weit hinter ihrer Zusage einer real dreiprozentigen
Erhöhung der Verteidigungsausgaben zurückbleiben werden.

Der Druck von

Seiten des amerikanischen Kongresses, der jetzt an die Oberfläche durchbricht, auf die Bundesrepublik, mehr zu den Stationierungskosten der amerikanischen Soldaten in der Bundesrepublik beizutragen, erinnert an die späten
sechziger und frühen siebziger Jahre -das letzte Mal, als ein Gefühl, daß
die Europäer zu wenig tun würden, fast eine Verminderung der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber Europa erzwang.
Die europäisch-amerikanischen Diskussionen über die längerfristigen
Sicherheitsprobleme außerhalb Europas haben sich zu einem stilisierten Meinungaustausch zwischen extremen Positionen entwickelt. Genug Schuld daran
tragen beide Seiten - wie dies oft in der Geschichte von Bü'ndnisbeziehungen
der Fall war, spiegelt das europäische Unbehagen die Unberechenbarkeit der
amerikanischen Politik wider. Ein Teil der Verwirrung rührt von einem Mangel
an Verständnis her, aber mehr noch geht auf eine Tendenz auf beiden Seiten
des Atlantik zurück, die regionalen und globalen Faktoren in Südwestasien,
bzw. die politischen und militärischen Lösungsversuche fälschlicherweise voneinander zu trennen.
Afghanistan wischte mit aller Macht ein Argument dieser stilisierten
Debatte vom Tisch:

daß nämlich die Sowjetunion ihre eigenen Streitkräfte

nicht außerhalb Osteuropas einsetzen werde.

Allerdings bewies es nicht,

daß Moskau zum Abenteurer geworden ist, zur Eroberung mit Waffengewalt entschlossen, wo immer dies möglich ist - besonders in den öl gebieten des Golfs.
Zweifellos wird die Führung im Kreml vorsichtig, ja sogar defensiv - zumindest gemäß ihrer eigenen Definition davon - bleiben,und ihre mißliche Lage
m Afghanistan ist ein weiterer Grund zur Vorsicht.

Aber Afghanistan macht

deutlich, daß die militärischen Kapazitäten der Sowjetunion sich bis zu dem

�dem Punkt verbessert haben, wo sie den sowjetischen Interessen bzw. den
sowjetischen Befürchtungen besser entsprechen,

In den fünfziger Jahren

wäre es für Moskau schwierig gewesen, 70 000 Mann in wenigen Tagen nach
Afghanistan zu schicken, oder aber es hätte Grund zur Befürchtung gegeben,
daß die Vereinigten Staaten - obgleich auf der anderen Seite des Globus die Sowjetunion dort in Afghanistan schlagen könnten,

Das ist nicht länger

mehr der Fall.
Der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak läßt Zweifel hinsichtlich
anderer beliebter Annahmen aufkommen, daß nämlich Waffenkäufe und militärischer Aufbau von Anrainerstaaten oder Aktivitäten fremder Mächte, insbesondere der Supermächte, das regionale Gleichgewicht stören.

Es ist

höchst unwahrscheinlich, daß der Irak angegriffen hätte, wenn der revolutionäre Iran seine Verteidigung nicht in ein solches Chaos gestürzt hätte;
Schwäche, nicht Stärke kann zum Krieg führen,

Sowohl die Sowjetunion als

auch die Vereinigten Staaten hatten ganz offen den Wunsch nach einem Ende
des Kampfes zwischen dem Iran und dem Irak - aber keiner von beiden hatte
irgendwelche Einflußmöglichkeiten

In der Tat

st. das beunruhigendste

Element in der Region nicht externen, sondern einheimischen Ursprungs:

Die

Revolution im Iran und der Ruf des Regimes in Teheran nach Sturz der Regime
entlang des Golfs im Namen des Islam - gleichgültig, ob diese Regime säkular-sozialistischen Charakter haben wie im Irak oder traditionell konservativ sind wie in

Saudi-Arabien.

Ein weiterer, besonders in Europa vorherrschender, Irrglaube besteht
in der Annahme, der Schlüssel zur Stabilität in der Region sei eine Lösung
des Palästinenserproblems.

Der Iran und der Irak, beide -irbitterte Gegner

des Camp David-Friedensprozesses, kämpfen aus Gründen, d~,e fast nichts mit
den Juden oder den Palästinensern zu tun haben.

Erneut:

Die Lektion, die

man hieraus lernen kann, ist nicht das Gegenteil jenes Mythos, etwa, daß
das Palästinenserproblem nur von zweitrangiger Bedeutung sei - wie dies die
Propaganda in Israel meint, und wie dies von einflußreichen Kreisen der
amerikanischen Rechten aus einigermaßen unterschiedlichen Gründen wiederholt
wird.

Die Palästinenserfrage ernsthaft anzugehen ist wesentlicher Teil einer

- 3 -

�einer umfassenderen Strategie zur Schaffung von Stabilität in der Region.
Dies ist notwendig, aber nicht ausreichend.

Sogar ihre "Lösung" - die der-

zeit weit über unsere Hoffnungen für die nahe Zukunft hinausreicht - würde
kein Ende des Konfliktes im Persischen Golf bedeuten.
Die erste Notwendigkeit in einer ernsthaften Diskussion über westliche
Sicherheit und Südwestasien besteht darin, die Debatte über künstliche Extreme zu beenden.

Es ist keine Frage des Entweder-Oder:

Die Bedrohung

kommt nicht nur von sowjetischem Druck - wie die Amerikaner meinen -, noch
nur von der internen Instabilität - worauf die Europäer abzielen.

Der Westen

muß nicht einfach nur zwischen militärischer Gewalt oder politischen und
wirtschaftlichen Methoden wählen.

Die Nähe und die offenkundige militärische

Kapazität der Sowjetunion wird über die Politik in der Region ihren Schatten
werfen - sogar wenn keine offene Gewalt angewendet wird.
Eine zweite Notwendigkeit besteht darin, zwischen verschiedenen Tailen
der Region zu unterscheiden.

Einfach

von "Südwestasien" oder dem "Persischen

Golf" oder dem "Krisenbogen" zu sprechen, trägt das Risiko der Verwirrung
in sich.

Sogar rein militärisch ausgedrückt wäre zum Beispiel ein umfassen-

der sowjetischer Angriff auf den Iran - schon in sich selbst nicht gerade
einfach - noch um vieles leichter als ein Angriff auf Saudi-Arabien, wo die
Sowjets sich auf Luftlandetruppen zu stützen hätten, die auf weite Entfernungen aus der Sowjetunion selbst herangeführt werden müßten.
Wie viel militärische Macht des Westens ist notwendig, um vor welchen
Bedrohungen abzuschrecken? über diese Fragen wird gestritten werden - insbesondere zwischen den Amerikanern und den Europäern. Eigentlich glaubt niemand, daß die Sowjetunion wirklich in den nördlichen Iran einmarschiert;
und doch hätte man so ziemlich die gleiche Erklärung vor einem Jahr hinsichtlich Afghanistans abgeben können. Die Europäer werden daher versucht seins
zu argumentieren, daß eine militärische Anstrengung der Vereinigten Staaten
in Südwestasien, auf die sowjetische Bedrohung abgestimmt, die Lektnonen
von Europa falsch auf Südwestasien anwendet, und daher zu wenig ist, um den

- 4 -

&lt;

�den Sowjets entgegenzuwirken, aber zu viel, um Schaden von den Reg?ona Politiken abzuwenden.
Was sie anbelangt, müssen die Europäer erkennen, daß jede ernsthafte
westliche Anstrengung zum Aufbau einer Militärmacht in der Region - sogar
"hinter dem Horizont" - es erforderlich macht, einige politische Risiken
zu übernehmen, um ein Netz von Anlagen zur Unterstützung der Stre tk^äfte
aufzubauen. Ganz im Gegensatz zu europäischen Bedenken unternehmen d*e
Vereinigten Staaten große Anstrengungen, um solche Risiken zu reduzieren
- indem sie zum Beispiel die Anzahl de^ Amerikaner so geling w : e mögl*ch
halten, die permanent in den Anlagen stationiert sind, d e die Vereinigten
Staaten in Oman, in Somalia, Kenia und in Ägypten errichtet haben
Was
die Vereinigten Staaten anbelangt, so müssen sie mehr tun, als nur mit dem
Kopf in Richtung jenes Vorschlags zu nicken, daß militärische Stärke nicht
genug sei. Und sie sollten härter am Ausbau einer "Abschreckung in kleinen
Schritten"bauen - anstatt an großen Dislozierungspianen, die zudem noch groß
angekündigt werden. Die Verlegung von vier amer'kanisehen FrühwaTt »ugzeugen (AWACS) nach Saudi-Arabien während des Kriegs zwischen dem Iran und
dem Irak ist hierfür ein Beispiel, Es war weder zu viel noch zu wen. .g
Es war vielmehr eine rasche Antwort auf eine Bedrohung der Sicherheit de"
Saudis, wie diese selbst sie sahen.

Sowohl die Europäer als auch die Amerikaner sollten sich vor jeder
vereinfachenden Formel wie der "Arbeitsteilung" hüten

Es Ist nur zu na-

türlich, daß die Europäer sich auf Europa konzentrieren, während die Vereinigten Staaten die Hauptlast der Anstrengung in Sudweitasien tragen; und
es war für die Vereinigten Staaten verlockend, d*ese vergleichsweisen Verteile in Politik umzusetzen.
nur wenig Sinn.

Aber sogar in militärischer Hinsicht macht das

Es stehen ganz offensichtlich in der Region auch Interessen

der Europäer auf dem Spiel, und es gibt auch einige Kapazitäten, die dem
entsprechen:

wie etwa die rund 4000 Mann starken französischen Truppen in

Dschibuti, die die umfangreichsten westlichen Landstreitkräfte in der Nähe
des Golfs darstellen.

Die koordinierten Anstrengungen westlicher Flotten

während des iranisch-irakischen Kriegstotene m Beispiel für die militärische

�militärische und politische Tugend der Zusammenarbeit.

Die amerikanischen

Streitkräfte allein hätten vielleicht nicht über genügend Minensuchboote
verfügt, um die Straße von Hormuz freizuhalten; wichtiger aber war, daß diese gemeinsamen Schritte den Einsatz für jeden Staat in der Region erhöhten,
der sich Maßnahmen gegen diese Straße überlegte.

Es steht außer Frage, daß

die militärische Zusammenarbeit außerhalb Europas schwierig ist, oft frustrierend für alle Seiten.

Die europäischen Wünsche, es in aller Stille zu tun,

stehen im Widerspruch zum Erfordernis amerikanischer Regierungen, Handlungsbereitschaft zu demonstrieren.

Gemeinsame Anstrengungen beinhalten einen

Verlust amerikanischer Handlungsfreiheit und einen Anteil der Europäer an
der Verantwortung für getroffene Entscheidungen - beides etwas, was gegen
vorherrschende Gewohnheiten verstößt.
In politischer Hinsicht besteht die Gefahr, daß "Arbeitsteilung" aus
amerikanischer Sicht bedeutet, daß die Europäer die leichten oder netten
Aufgaben erledigen - etwa der Türkei Wirtschaftshilfe geben -, während die
Vereinigten Staaten die weniger beliebten militärischen Aufgaben übernehmen.
Vielleicht werden die Arbeiten noch geteilt - die Risiken nicht.

Dies könn-

te genau die Art politischer Rückwirkung hervorrufen, die die "Arbeitsteilung"
zu verhüten suchte.

Die Amerikaner im Kongreß - und nicht nur dort - werden

zu fragen anfangen, warum die Vereinigten Staaten allein den westlichen Zugang zum Persischen Golf verteidigen, während doch Europa noch viel stärker
als Amerika von diesem öl abhängt.

+ + + + +

»

�26. November 1980

52

MILITARISMUS UND SOWJETSTAAT
- von Richard Pipes c 1980, The American Academy of Arts and Sciences

-

(AD) - Historisch betrachtet verdankt Rußland seinen inter-

nationalen Einfluß seinen Streitkräften.

Um diese Macht in einem Land

mit schwach entwickelter Volkswirtschaft zu behaupten, mußte Rußland
einen außergewöhnlich großen Anteil menschlicher und materieller Ressourcen
für militärische Zwecke abstellen.
Für einen Kenner der russischen Historie verfängt die Behauptung,
daß dieses Land im Verlauf seiner Geschichte eine ungemein große Zahl
ausländischer Invasionen durchgemacht und als Folge dessen eine kollektive
Paranoia entwickelt habe, keineswegs.

Natürlich ist es wahr, daß die

Russen während ihrer tausendjährigen Geschichte drei besonders verheerende
Invasionen erlitten:

durch die mongolischen Tataren im 13. Jahrhundert,

durch die Franzosen und Preußen im Jahr 1812 und durch die Nazis im Jahr
1941.

Aber sind sich die Leute, die diese Fakten ausstreuen, auch der

vielen Male bewußt, da die Russen bei ihren Nachbarn einfielen und ihnen
unvergleichliche Traumata zufügten?

Schließlich wird ein Land nicht allein

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�allein dadurch der räumlich größte Staat der Welt - wie dies Rußland seit
dem 17. Jahrhundert gewesen ist -, daß es ausländische Invasionen absorbiert
oder zurückschlägt. Wie viele - von den Spezialisten abgesehen - wissen
um die russischen Aggressionen - wie etwa die Offensive im Osten im
16. Jahrhundert, die die Unterdrückung der moslemischen Fürstentümer von
Kasan und Astrachan zur Folge hatte; oder im 17. Jahrhundert die Eroberung
Sibiriens, die anhaltenden Offensiven gegen das Ottomanische Reich und
die Teilungen Polens im 18. Jahrhundert; die Eroberung Turkestans und
die Besetzung chinesischer Territorien im 19. Jahrhundert?

Gerade durch

diesen unnachgiebigen Drang nach außen expandierte Rußland so lange, bis
es schließlich ein Sechstel der Erdoberfläche besetzt hatte. Diese
Liste ins Gedächtnis zurückzurufen, bedeutet nicht, den Russen einzigartig
aggressive Neigungen zuzuschreiben; es geht lediglich darum, eine weitverbreitete, falsche Vorstellung von den Russen als einem lediglich mit
seiner Verteidigung beschäftigten Volk zu korrigieren.
Rußlands traditioneller Expansionismus sowie der durch ihn begünstigte Militarismus wurden hauptsächlich durch wirtschaftliche Faktoren
hervorgerufen. Die nördliche Waldzone - die Taiga -, die in der Zeit,
als der Staat sich herausbildete (vom 13. bis zum 16. Jahrhundert),
die Heimat der Russen bildete, ist ein von alters her armes Gebiet mit
Boden von geringer Qualität und einer extrem kurzen Vegetationsperiode.
Als Folge zunehmenden Bevölkerungsdruckes und der damit verbundenen
Tendenz, den verfügbaren Boden bis zum Punkt der Erschöpfung zu kultivieren,
übte das russische Volk konstanten Druck auf seine Nachbarn aus.
Zur Durchführung dieser Eroberungen verwandte Rußland einen Löwenanteil seines nationalen Reichtums auf militärische Vorhaben.

Im alten

Rußland diente praktisch die gesamte obere Schicht in den Streitkräften
der Monarchie, und ein großer Teil der Landbevölkerung mußte in Leibeigenschaft gehalten werden, damit jene unter Waffen stehen konnten»

Die

Volkswirtschaft war in erster Linie auf Kriegsführung ausgerichtet.

- 2 -

Unter

�Unter Peter dem Großen wurde die Last des Militärischen für die Bevölkerung
noch größer:

Es kam zur Einführung einer auf Konskription basierenden

stehenden Armee, der ersten dieser Art in Europa.

Für ein so armes Land

wie Rußland war diese Last gewaltig, und es war daher nicht verwunderlich,
daß in manchen Jahren praktisch die gesamten Staatseinnahmen für das
Militär verwendet wurden.
Es ist etwas Tragisches um den Teufelskreis, der die russische
Geschichte durchzieht: Armut fordert Eroberungen; Eroberungen verlangen
ein umfangreiches stehendes Heer; ein solches Heer verschlingt die Produktivkräfte des Landes und verewigt die Armut. In der gesamten russischen
Geschichte gab es nur eine einzige Periode - das späte 19. Jahrhundert -,
als die Regierung in einer Anstrengung zum Ausgleich des Haushaltes und
zum Aufbau der Industrien des Landes die Streitkräfte unterfinanzierte.
Wie jedoch die Erfahrung des Ersten Weltkrieges lehren sollte, war das
Experiment ein Mißerfolg und wurde von den Nachfolgern der Zaren nicht
wiederholt.
Das stehende Heer erwies dem russischen Staat einen weiteren Dienst einen politischen.

Herkömmlicherweise oblag in Rußland den Streitkräften

die Verantwortung, die innere Ordnung zu gewährleisten.
So viel zum historischen Hintergrund. Der kommunistische Staat obgleich von andersartigen Ideen und Zielsetzungen durchdrungen - erbte
dasselbe Land mit denselben Traditionen und vielen derselben Probleme.
Der Marxismus ist ein vom Geist des gnadenlosen Konflikts durchdrungene Idee und daher von dem Gedanken an Gewalt und Zwang als Regulatoren
menschlichen Wirkens.

In dieser Hinsicht steht er in krassem Gegensatz zu

dem im 19. Jahrhundert vorherrschenden Liberalismus, nach dessen Ansicht
der Konflikt, insbesondere in der Form des Krieges, seiner inneren Natur
nach irrational war.

Lenin, dem Marxens Bewunderung für die historischen

- 3 -

�historischen Leistungen des Liberalismus völlig abging, verstärkte das
kämpfende Element der sozialistischen Dcktrin:

man darf wohl sagen,

daß er alle menschlichen Beziehungen als Konfrontationen und Kämpfe auf
Leben und Tod ansah.
Obgleich die sowjetische Regierung, weil es ihr passend erschien,
Mitte der fünfziger Jahre damit begann, Lenin die Idee friedlicher Koexistenz
zwischen unterschiedlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystemen zuzuschreiben, hatte Lenin in der Tat eine solche Vorstellung niemals in
Erwägung gezogen.

Natürlich war er aus Rücksicht auf die "Korrelation der

Kräfte" bereit, einen temporären Waffenstillstand mit dem Klassenfeind
einzugehen, aber er hatte niemals die Vorstellung, daß die letztendliche
Niederlage des Kapitalismus erreicht werden könne ohne dessen Niederlage
auf dem Schlachtfeld.
Gleich neben der grundlegenden Verpflichtung zu Konflikt und Krieg
als Mittel zur Lösung der "Klassenunterschiede steht als wesentliches
Ingredienz der sowjetischen Konzeption der Kriegsführung die Bedeutung,
die sie dem wirtschaftlichen Faktor beimißt. Diese für den MarxismusLeninismus grundlegende Idee wurde aufgrund der Erfahrungen im Ersten
Weltkrieg erneut und verstärkt aufgegriffen. Die gewaltigen Leistungen
Deutschlands, das Versagen des imperialistischen Rußland sowie die im Westen
als Folge der im Krieg gelernten Lektionen erschienene Literatur überzeugten die sowjetische Führung davon, daß in einem künftigen Krieg über dessen Kommen sie sich keinem Zweifel hingab - der entscheidende
Faktor die industrielle Leistungsfähigkeit sein werde. Gerade weil die
Sowjetdoktrin die industrielle Produktivität als den wesentlichen Faktor
für den Sieg unterstreicht, neigt das Sowjetregime dazu, seine Industrie
den militärischen Forderungen unterzuordnen. Man könnte sagen, daß in
der Sowjetunion der Militarismus nicht ein Nebenprodukt des Industrialismus
ist - wie dies etwa im Wilhelminischen oder im Nazi-Deutschiand der
Fall war -, sondern daß - ganz im Gegenteil - der Industrialismus ein

�ein Nebenprodukt des Militarismus ist.
Die Erfahrungen an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg hatten zwei
bedeutsame Konsequenzen. Erstens hatten sie erneut die entscheidende
Bedeutung der "Heimatfront" in der modernen Kriegsführung unterstrichen.
Letztlich war die Sowjetunion in der Lage, Deutschland zu besiegen, weil
sie einem Zusammenbruch der Verwaltung zuvorgekommen war und die Verteidigungsindustrie unter den unvorstellbarsten Bedingungn am Laufen
hielt. Dies erklärt auch, warum die Regierung die Erinnerung an den
"Großen Vaterländischen Krieg" unter der Bevölkerung wachhält: Sogar
die Bürger, die absolut nichts für das kommunistische System übrig haben,
müssen - wenn auch widerwillig - zugestehen, daß das Regime Ruüland rettete,
egal, welche Fehler es sonst hat. Die Tatsache, daß die politische
Attraktivität des Regimes noch immer in so starkem Maß von der Kriegserfahrung abhängt, ermutigt zu noch weiterem sowjetischen Militarismus.
Die sowjetische Militärdoktrin ist eng mit nichtmilitärischen
Faktoren verwoben.

Das sowjetische Denken in Friedenszeiten über den Sieg

im Krieg berührt alle Aspekte des politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Lebens.

Als Folge davon ist seine Haltung intensiv militaristisch.

Für jemanden aus dem Westen ist der erstaunlichste Aspekt der
derzeitigen sowjetischen Militärdoktrin ihr Umfang, ihre Tendenz, weit
über die Grenzen dessen hinauszugehen, was im Westen als der angemessene
Bereich militärischer Theorie angesehen wird. Dies kommt daher, daß die
sowjetischen Theoretiker einen grundlegenden Unterschied machen zwischen
dem, was sie die "Kunst des Krieges" und die "Wissenschaft des Krieges"
nennen, wobei die erste als das zwar zentrale, aber untergeordnete Element
angesehen wird.
Als eine Folge dieser Einstellung, eingebettet in den MarxismusLeninismus und gestärkt durch das Andenken an den Zweiten Weltkrieg, stellt

�stellt die derzeitige sowjetische Militärdcktrin den wirtschaftlichen
und "moralischen" Zusammenhalt der Heimatfront praktisch mit der Kampfbereitschaft an der militärischen Front auf eine Stufe. Die Streitkräfte
müssen für den Kampf schon lang vor Ausbruch der Feindseligkeiten bereit sein
- und dies muß auch die Zivilbevölkerung.

Diese Denkart erfordert in ihrer

logischen Konsequenz, daß die gesamte Nation schon in Friedenszeiten in
einem Zustand der Kriegsbereitschaft steht und daß die Linie, die in
den nichtkommunistischen Gesellschaften den militärischen Sektor von den
zivilen Bereichen trennt, weniger unterscheidbar wird.
In diesem Zusammenhang kommt den Kernwaffen im sowjetischen Denken
eine besondere Bedeutung zu.

Im Westen führte der Schrecken vor den Folgen

eines Atomkrieges schon früh zur Entwicklung einer Denkschule, die davon
ausging, daß Kernwaffen keinen anderen militärischen Nutzen als den eines
Abschreckungsmittels haben könnten.

Demgemäß legt die westliche Dcktrin

über Kernwaffen starke Betonung auf Rüstungskontroi labkommen.
Diese Haltung herrscht zweifelsohne in der Sowjetunion nicht vor.
Nach einer Periode des Zögerns, die auf die Einführung der Wasserstoffbombe gegen Ende der fünfziger Jahre folgte, entschied die sowjetische
Führung, daß die Kernwaffen eine nackte Tatsache seien und nicht durch
Wunschdenken verschwinden würden. Aber während im Westen ihre noch nie
dagewesene Zerstörungskraft die Überzeugung förderte, daß es für sie
keine rationale Anwendung in offensiver Weise gibt, wurde - ganz im
Gegensatz hierzu - in der Sowjetunion gefolgert, daß eben diese Eigenschaft sie zu entscheidenden Waffen der modernen Kriegsführung mache.
Der Zweck dieser Beobachtungen besteht darin, aufzuzeigen, um
wieviel komplizierter solche Unternehmungen wie Rüstungskontrollvereinbarungen und Entspannung sind, als dies allgemein angenommen wird.
Für die Vereinigten Staaten bedeutet eine Erhöhung und Verminderung der
militärischen Verpflichtungen im wesentlichen, die Verteidigungsausgaben zu_

- 6 -

�zu erhöhen oder zu senken.

Dies ist in der Sowjetunion nicht der Fall,

wo der Militärkomplex eingebettet ist in historische Überlieferungen, in
die Ideologie, ja, in die politische und wirtschaftliche Struktur des
Landes selbst.

Hier würden wesentliche Änderungen bei der militärischen

Verpflichtung Änderungen in allen Aspekten des nationalen Lebens beinhalten,
ja, sogar bei der "Verfassung" des Systems.

Es ist daher ziemlich

illusorisch, zu erwarten, daß eine einfache Verminderung der amerikanischen
Verteidigungsausgaben oder das Einfrieren bestimmter Waffendislozierungen
eine korrespondierende Antwort seitens der Sowjetunion hervorruft.
Militarismus ist Zwang auf allumfassendem Niveau; er ist eine Verweigerung des Kompromisses, auf dem alle friedlichen Beziehungen zwischen
Individuen genauso wie zwischen Gesellschaften ruhen müssen. Dem Zwang
gegenüber nachgeben - egal ob aus Schwäche oder aus mangelndem Willen bedeutet, die grundlegende Prämisse des Militarismus zu bestätigen und
ihn dadurch zu ermutigen, Vor dem Krieg, dem äußersten Testfall zwingender
Gewalt,besteht der einzig wirkungsvolle Weg, um solcher Gewalt die Vergeblichkeit
ihres Bemühens zu zeigen, darin, die eigene Bereitschaft zum Widerstand
gegen eine solche Bedrohung zu demonstrieren, das heißt, die militärische
Gegenseite davon zu überzeugen, daß die Anwendung von Gewalt sich nicht
auszahlt.
Im Falle der Sowjetunion muß der warnende Rat in einer Weise gegeben
werden, die ihren eigenen Begriffen von "Wissenschaft des Krieges" und
"Korrelation der Kräfte" entspricht. Er muß die sowjetische Vorstellung
von Kriegsführung im Zeitalter der strategischen Waffen ebenso frontal
angreifen wie er das Oberkommando der Sowjets mit unserer Fähigkeit beeindrucken muß, den Kriterien der "Politik, Wirtschaft (und) der Beziehung
zwischen moralisch-politischem, wissenschaftlich-technologischem und dem
militärischen Potential der kriegsführenden Parteien" gerecht zu werden.
Mit anderen Worten: Um den sowjetischen Angriffsgeist zu neutralisieren,
muß die westliche Abschreckung zu einer großen Strategie mit operativ
sinnvollen strategischen Kapazitäten als einer ihrer Komponenten ver-

- 7 -

�verschmelzen.

Interessenverflechtung, "Unannehmbarer Schaden" und andere

solcher Ideen westlicher Theoretiker werden in diesem Kontext nicht ausreichen.
Der auf diese Weise durchkreuzte sowjetische Militarismus könnte
dadurch sicherlich zu noch größeren Anstrengungn angespornt werden: Das
ist ein Risiko, das man nicht leugnen sollte.

Aber es ist wahrscheinlicher,

daß er unter zunehmende innere Kritik geraten kann - als ein wenig profitables
Mittel zur Förderung der nationalen Interessen.

Ausbleibender Erfolo im

militärischen Wettbewerb wird die sowjetische Regierung wahrscheinlich
zwingen,

sich nach innen zu wenden, sich ihrer öffentlichen Meinuny zu

stellen und damit anzufangen, ihre schwierigen inneren Probleme anzugehen.
Dieses Ziel kann jedoch nicht ohne eine größere und langwierige Anstrengung
erreicht werden.

Es gibt ganz einfach keine billigen und leichten Mittel

und Wege, die sowjetische Regierung von einer Änderung ihrer Richtung zu
überzeugen.

+ + + + +

�</text>
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T»1j

BfSTI

Information
%ind
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. November 1980

51

INHALT

INFORMATION
Fachgruppen für die Regierungsü'bernahme gebildet
- Reagan ernennt weitere Mitarbeiter für die Übergangszeit

DOKUMENTATION
Erklärung des amerikanischen Chefdelegierten _i_n Madrid
- Griffin B. Bell legt amerikanische Haltung zur
KSZE-Folgekonferenz dar -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Saturnsystem - Eine Welt voller Rätsel
- Unerklärliche Strukturen - Kleinmonde als "Ordnungshüter1
für Ringmaterie? -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�31

i

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. November 1980

51

FACHGRUPPEN FÜR DIE REGIERUNGSÜBERNAHME GEBILDET
Reagan ernennt weitere Mitarbeiter für die Übergangszeit -

WASHINGTON - (AD) - Die für die Regierungsübernahme eingesetzte Arbeitsgruppe des neugewählten amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan hat die Bildung von fünf Fachgruppen bekanntgegeben, die jeweils für eine Reihe sachlich
in einem Zusammenhang stehender Ministerien und Behörden zuständig sind.
Die fünf Bereiche sind: Nationale Sicherheit, Ressourcen und Entwicklung, Soziales, Wirtschaft sowie Recht und Verwaltung. Eine Sondereinheit
der Übergangsmannschaft wird die Berichte der Gruppen entgegennehmen und auswerten. Die einzige Stelle, die vom designierten Präsidenten ermächtigt worden ist, in der Übergangszeit für den Regierungswechsel verantwortlich zu
zeichnen,ist das "Office of Executive Branch Management" - Amt für die Verwaltung der Exekutive. Dies teilte das Amt des Pressesekretärs Reagans am 12,
November 1980 auf der ersten Pressekonferenz im neubezogenen Übergangshauptquartier mit.

Nationale

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Nationale Sicherheit
Für den Bereich "Nationale Sicherheit" ist Dr. David M. Abshire zuständig.

Dieser Bereich umfaßt das Außenministerium, das Verteidigungsministerium,

das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA), die Behörde für Internationale Entwicklungszusammenarbeit, das Amt für Rüstungskontrolle, das Amt für
Internationale Kommunikation (USICA), die Verwaltung für Kriegsteilnehmer, die
Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank), die Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee, die Kommission für die Regelung
ausländischer Ansprüche sowie der Ausschuß für Internationale Rundfunk- und
Fernsehsendungen.
Dr. Abshire, 54, ist Leiter des Zentrums für Strategische und Internationale Studienan der Georgetown-Universität, das er selbst 1962 mitgegründet
hat. Er ist ein bekannter Publizist, der noch heute an der von ihm gegründeten Zeitschrift "Washington Quarterly" mitarbeitet und drei Bücher veröffentlicht hat.
Von 1970 - 73 war Dr. Abshire Unterstaatssekretär im amerikanischen
Außenministerium; er ist Mitglied der Kongreßkommission für die Organisation
der Regierung auf dem Gebiet der Außenpolitik und war der erste Vorsitzende
des Ausschusses für Internationale Rundfunk- und Fernsehsendungen.
Dr. Abshire stammt aus Chattanooga, Tennessee; er hat die Amerikanische
Militärakademie absolviert und an der Georgetown-Universität zum Dr. phil.
promoviert.

Ressourcen und Entwicklung
Für den Bereich "Ressourcen und Entwicklung" wurde Richard Fairbanks eingesetzt.

Dieser Bereich umfaßt das Landwirtschaftsministerium, das Energie-

ministerium, die Energie-Aufsichtskommission, das Innenministerium, die Umweltschutzbehörde, die Nuklear-Aufsichtskommission, das AIaska-Erdgas-Transport- 2 -

§

�Transportsystem, die Warenhandelskommission, die Landwirtschaftskreditbehörde,
die Tennesseetal-Behörde (TVA), die Gesellschaft für künstliche Brennstoffe,
das Büro für die Verhandlungen über den Status von Mikronesien und das Bundesamt für Luft- und Raumfahrt (NASA).
Richard Fairbanks, 39, stammt aus Indianapolis, Indiana, und hat mit Auszeichnung seine Studien an der juristischen Fakultät der Columbia-Universität
und an der Yale-Universitä't abgeschlossen.
Er ist Partner der Washingtoner Rechtsanwaltsfirma Beveridge, Fairbanks
und Diamond.

Drei Jahre lang gehörte er dem Innenpolitischen Beirat des

Weißen Hauses an, wo er für Bodenschätze, Energie und Umwelt zuständig war.
Fairbanks arbeitete ferner für das Bundesamt für Umweltschutz und gehörte dem
Bürgerbeirat Präsident Fords für Umweltqualität an.

Soziales
Für den Bereich "Soziales" wurde Elizabeth Hanford Dole berufen. Dieser
Bereich umfaßt das Erziehungsministerium, das Ministerium für Gesundheit und
Sozialwesen, das Ministerium für Wohnungsbau und städtische Entwicklung, das
Gremium "Action", die Verwaltung für Gemeindeangelegenheiten, den Bundesrat
für ältere Menschen, die Verwaltung der Nationalen Kreditunion.
Elizabeth Hanford Dole, 44, ist mit Senator Robert Dole aus Kansas, Vizepräsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei im Jahr 1976, verheiratet.
Sie war Vorsitzende der Vereinigung der Wähler für Reagan-Bush und aktiv am
Wahl kämpf beteiligt.

Von 1973 bis 1979 gehörte sie der Bundeshandelskommission

an,und von 1969 bis 1973 war sie Stellvertretende Sonderberaterin des Präsidenten für Verbraucherangelegenheiten.

Sie besitzt den akademischen Grad eines

Bachelor of Arts der Duke-Universität, eines Master of Education der HarvardUniversität und hat ein Jura-Studium an der Harvard-Universität abgeschlossen.
Sie gehört ferner dem Aufsichtsrat der Duke- und der Harvard-Universität an und
ist Mitglied zahlreicher Gremien und Kommissionen.
Wirtschaft

�Wirtschaft
Für den Bereich "Wirtschaft" wurde Stanton D. Anderson berufen.

Dieser

Bereich umfaßt das Handelsministerium, das Finanzministerium, das Verkehrsministerium, den Rat für Lohn- und Preisstabilität, das Amt des Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen, den Währungsbevollmä'chtigten, die ExportImport-Bank, den Aufsichtsrat der Bundeshypothekenbank, das Bundesamt für
Klein- und Mittelbetriebe, die Internationale Handelskommission, die Bundesdepositenversicherungsgesellschaft, die Bundesbank (Bundesreservesystem), den
Bundesausschuß für Verkehrssicherheit, die Regionalen Entwicklungskommissionen,
den Ausschuß für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, das Arbeitsministerium,
die Bundesbehörde für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, den Bundesdienst
für Vermittlung und Aussöhnung, den Nationalen Vermittlungsausschuß, die Kommission für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und die Bundesspar- und
Kreditversicherungsgesellschaft.
Stanton D. Anderson, 40, ist Manager der internationalen Anwaltsfirma
Surrey und Morse.

Von 1973 bis 1975 war er Stellvertretender Unterstaats-

sekretär im amerikanischen Außenministerium und davor zwei Jahre lang Sonderberater des Präsidenten.
Im Wahl kämpf fungierte Anderson als Berater des Reagan-Bush-Komitees.
Anderson hat ein Jurastudium an der Willamette-Universität mit Auszeichnung abgeschlossen und an der juristischen Zeitschrift dieser Universität gearbeitet.

Davor hatte er das Westmont-College besucht und sich als Basket-

ballspieler in Amerika einen Namen gemacht.

Ferner war er Mitglied der Korn-

mission des Präsidenten für Personal fragen gewesen.

Recht und Verwaltung
2.

Für den Bereich "Recht und Verwaltung" wurde Loren A. Smith ernannt.
Dieser Bereich umfaßt das Justizministerium, die Allgemeine Verwaltung, das

�das Personalamt, die U.S.-Eisenbcthngesellschaft, den Ausschuß für die Zivilluftfahrt, die Bundesfernmeldekommission, die Bundeshandelskommission, die
Kommission flir den zwischenstaatlichen Handel (Handel zwischen den Einzel Staaten der USA), die Börsenaufsichtskommission, die Bundesschiffahrtskommission,
das Verbrauchsgüteraufsichtsamt, das Bundesamt für Notstandsplanung, die Natonale Stiftung der Wissenschaften, die Beratungskommission für zwischenstaatliche Beziehungen, den Amerikanischen Postdienst (Bundespost), die Bundeswahlkommission, die Kommission zum Schutz besonderer Verdienste, das SmithsonianInstitut, die National Stiftung für die schönen Künste, die National Stiftung
für die Humanwissenschaften, den Beirat für die Erhaltung historischer Werte,
die Posttarifkommission, die Bürgerrechtskommission, die Kommission für die
Gleichheit der Beschäftigungschancen sowie verschiedene weitere Ausschüsse
und Kommissionen.

Smith, 35, war zwei Mal Chefberater des Reagan-Wahl kämpfausschusses gewesen, und zwar 1976, als Reagan in der Nominierung der Republikanischen Partei
gegen Gerald Ford unterlag, und erneut 1980, als Reagan die Nominierung erreichte.

Seine juristische Ausbildung erhielt Smith an der Northwestern University
in Evanston, Illinois, und er spezialisierte sich bald auf Verfassungsrecht.
Derzeit hat er eine Professor für Verfassungsrecht an der Universität von
Delaware in Wilmington inne.

Smith war als Mitarbeiter des Sonderberaters

im Weißen Haus und auch für die Bundesfernmeldekommission tätig gewesen und
hat zahlreiche juristische Artikel veröffentlicht.

Office of the Executive Branch Management

In das Amt für die Verwaltung der Exekutive, das»wie gesagt»für den Regierungswechsel verantwortlich zeichnet, hat Reagan eine Reihe erfahrener
Mitarbeiter berufen.

William E. Timmons, 49, wurde zu einem der Stellvertreten-

den Direktoren dieses Amtes ernannt.

Er ist von seiner Beraterfirma, Timmons

and Company, Inc., beurlaubt und war Reagans Manager auf dem Parteikonvent in
- 5-

�in Detroit.

Timmons war als Berater im Senat, Repräsentantenhaus und Weißen

Haus tätig gewesen.
Frank A. Whetstone, 66, wurde zum Ersten Berater des Amtes berufen.
Whetstone hat eine eigene Firma für Bürobedarf und ist an zahlreichen Unternehmen in Montana beteiligt.

Er ist seit langem in der Republikanischen

Partei aktiv und hat die Wahl kämpfe von Dewey, Taft, Nixon, Goldwater und
Reagan unterstützt.
Stanley Ebner, 46, wurde zum Koordinator des Amtes ernannt.

Ebner ist

Vizepräsident einer großen Firma und war bereits als Berater für das Justizministerium und das Weiße Haus tätig.

Er hat an der Yale-Universität studiert.

John M. Nugent, 36, hat den Posten des persönlichen Assistenten von
Timmons erhalten.

Er ist Vizepräsident von Timmons and Company und war be-

reits für die Bundesenergiebehörde tätig.

13 Teams für die Ministerien
Das Übergangshauptquartier Reagans hat ferner die Ernennung von 13 Teams
für die Überleitung in den Ministerien bekanntgegeben.

Dazu gehören unter

anderem:
Für das Außenministerium ist Robert E. Neumann, Vizepräsident des Zentrums
für Strategische und Internationale Studien an der Georgetown-Universität zuständig. Neumann war früher amerikanischer Botschafter in Afghanistan und in
Marokko.
Zuständig für das Verteidigungsministerium ist William Van Cleave, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität von Südkalifornien
und Mitglied der amerikanischen SALT-Delegation von 1969 bis 1971.

�Für das Finanzministerium ist Gerald Parsky, Sozius der Anwaltsfirma
Gibson, Dünn und Crutcher in Los Angeles, zuständig.

Von 1974 bis 1977 war

Parsky Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten im Finanzministerium.
Für das Energieministerium zuständig ist Michel Halbouty, Geologe und
Erdölfachmann.

Er ist Spezialist für die Salzlager im Golf von Mexiko, Gast-

professor an der Technischen Hochschule von Texas und Vorsitzender der Stiftung für Geowissenschaften und Bodenschätze.
Richard Lyng, Unternehmensberater, ist für das Landwirtschaftsministerium
zuständig.

Er hatte unter Präsident Nixon einen Posten in diesem Ministerium

inne und war von 1973 bis 1979 Präsident des amerikanischen Fleischinstituts.
Zum Direktor des Büros für die Beziehungen zum Kongreß wurde Tom Korologos,
Vizepräsident von Timmons and Company und Rechtsberater der Nixon- und FordAdministration, ernannt; zu seinem Stellvertreter Paul A. Russo.

- 7 -

�1

II
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19, November 1980

51

ERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN CHEFDELEGIERTEN IN MADRID
- Griffin B. Bell legt amerikanische Haltung zur
KSZE-Folgekonferenz dar -

MADRID - (AD) - Griffin B. Bell, der Leiter der amerikanischen Delegation,
die in Madrid am Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) teilnimmt, legte in seiner Rede am 13. November 1980 die amerikanische Haltung dar.
Seine Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender:

Es ist nur zu angemessen, daß dieses zweite Folge-

treffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im demokratischen Spanien stattfindet.

Seit den Tagen der Königin Isabella hat Spanien

in Europa eine bedeutsame Rolle gespielt, und eswaren die Erkundungsfahrten
des Kolumbus, der unter der spanischen Krone segelte, die die Verbindung zwischen der Alten und der Neuen Welt herstellten - eine Verbindung, der auf unserer Konferenz Rechnung getragen wird.

Und es ist ebenfalls angemessen, daß

die spanische Delegation von Javier Ruperez, meinem hervorragenden Kollegen
geleitet wird, denn wir erinnern uns noch gut an die aktive und konstruktive

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�konstruktive Rolle, die er bei den Verhandlungen über die Schlußakte von
Helsinki spielte.

Um die Anschauung meiner eigenen Delegation bezüglich

dieses historischen Dokumentes zum Ausdruck zu bringen, kann ich nichts Besseres tun, als die Worte seiner Majestät, Juan Carlos, des spanischen Königs,
zu zitieren.

Er sagte:

"Die Hauptthemen des internationalen guten Einver-

nehmens spiegeln sich in dem grundlegenden Dokument dieser Konferenz, der
Helsinki-Schlußakte des Jahres 1975 wider, im Hinblick nämlich auf Sicherheit
und Zusammenarbeit, auf Akte der Menschlichkeit, das Recht ungehinderter Kommunikation und auf die umfassende Aufrechterhaltung der Rechte des einzelnen
und der Gesellschaft."
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich in vollem Umfang dem Prozeß,
der mit der Unterzeichnung der Schlußakte durch die Staatsoberhäupter unserer
35 Staaten einsetzte.

Wir sind diesem Prozeß verpflichtet, weil wir glauben,

daß er die solideste Grundlage darstellt, auf der wir unsere gegenseitigen
Beziehungen entfalten und stärken können. Auch unterstützen wir diesen Prozeß, weil er sich auf Prinzipien gründet, deren Wertbeständigkeit und Wahrheit durch unsere eigene Erfahrung im Verlauf unserer eigenen Geschichte als
unabhängiger Nation geprüft und bestätigt wurden.

Lassen Sie mich einige

Beispiele anführen:
- Die Schlußakte fordert Achtung vor der souveränen Gleichheit aller
Staaten. Dieses Prinzip war ein Prüfstein unserer geschichtlichen
Anfänge als Nation, denn wir mußten kämpfen, um unsere Souveränität
und nationale Identität zu etablieren und zu erhalten.
- Die Schlußakte proklamiert das Prinzip der Selbstbestimmung der Völker
- ein Prinzip, das unserer amerikanischen Revolution zugrundeliegt.
Ja, es paßt in dieses Bild, daß ein amerikanischer Präsident von visionärer Kraft, Woodrow Wilson, dieses Prinzip nach dem Ersten Weltkrieg verfocht, und daß seine Anstrengungen bei der Gründung mehrerer
der Staaten halfen, die jetzt auf dieser Konferenz vertreten sind.
Und es paßt dazu, daß mein Land heute an vordersten Stelle derjenigen

- 2 -

�derjenigen zu finden ist, die nach Selbstbestimmung dort rufen, wo
sie ignoriert oder verweigert wird.
- Schließlich beinhaltet die Schlußakte in ihrem eigentlichen Wesen das
hohe Prinzip der Menschenrechte und grundlegenden Freiheiten, ein Prinzip, das sich im Laufe der europäischen Aufklärung entwickelt hat, das
genährt wurde von so hervorragenden Denkern wie Locke und Voltaire,
und dem Thomas Jefferson mit jenen Worten unserer Unabhängigkeitserklärung seine Stimme geliehen hat, die lauten:
achten wir als selbstverständlich:

"Folgende Wahrheiten er-

daß alle Menschen gleich geschaffen

sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück gehören."
Lassen Sie daher niemanden an der Treue der Vereinigten Staaten zu den
Verpflichtungen zweifeln, die wir in Helsinki übernommen haben. Wir können
uns von diesen Verpflichtungen ebenso wenig abwenden, wie wir uns von unserem
eigenen Erbe als Nation abwenden können.
Die KSZE ist mehr als ein Dokument.
Prozeß

Sie ist ein dynamischer und positiver

- ein Prozeß, der langsam, aber sicher die Barrieren niederreißt, die
sich auf der Höhe des Kalten Krieges herausbildeten;
- ein Prozeß, der Menschen über die Trennungslinie zwischen Ost und West
hinweg zusammenführt;
- ein Prozeß, der den Austausch von Gedanken und Informationen sowie zunehmende wirtschaftliche Kontakte erleichtert;
- ein Prozeß, der jeden von uns dazu aufruft, die Verpflichtungen zu erfüllen, die wir in Helsinki eingegangen sind, und der jeden von uns dazu auf-

- 3 -

�aufruft, zu überprüfen, inwieweit diese Verpflichtungen erfüllt werden.
Dieses Treffen hier in Madrid ist die zweite bedeutsame Zusammenkunft
seit jenem historischen Tag in Helsinki«
Folgekonferenz sagen.

Lassen Sie mich ein Wort zur ersten

Das Treffen in Belgrad verdeutlichte, daß die KSZE ein

kontinuierlicher Prozeß ist, denn es bestätigte, daß die Staaten, die die
Schlußakte unterzeichnet haben, in regelmäßigen Abständen zusammenkommen können, um zu untersuchen, wie die gegenseitigen Verpflichtungen gewürdigt und
erfüllt werden.

Solch regelmäßige Prüfungen des Geleisteten sind notwendig.

Ohne sie müßte das große Unterfangen von Helsinki ein statisches, aber kein
dynamisches Konzept bleiben.

Es war daher für meine Regierung ein ermutigen-

des Zeichen, daß die Belgrader Konferenz - auch wenn die Diskussionen dort
manchmal schwierig, immer allerdings offen waren - übereinstimmend das Abhalten
eines ähnlichen Treffens in Madrid als nächsten wichtigen Schritt des HelsinkiProzesses vorsah.

Wir können nur hoffen, daß dieser Prozeß andauert und alle

Staaten zu der Erkenntnis gelangen, daß starke und zuversichtliche Regierungen
eine klare Sprache nicht zu fürchten brauchen - wer sie auch immer sprechen
mag.
Aufgrund unserer Überzeugung, daß die KSZE-Konferenz ein positiver
Prozeß und unabdingbar für die Förderung der Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa ist, wird meine Regierung vomanstehen, um durch ihre Mitarbeit
sicherzustellen, daß dieses Treffen in Madrid den KSZE-Prozeß auch weiterhin
stärkt.

Wir sind nicht um der Konfrontation und Polemik willen hier, sondern

um der konstruktiven Zusammenarbeit willen.
.

Herr Vorsitzender, alle um diesen Tisch herum werden während der nächsten
Wochen oft hören, daß die Worte der Schlußakte über die Menschenrechte und
die menschlichen Kontakte auf unterschiedliche Weise interpretiert werden müssen, wenn man sie an die verschiedenen Gesellschaftssysteme anlegt. Dieses
Argument ist falsch - und verletzt zutiefst den Geist unseres Unterfangens.
Die Männer und Frauen, die Bürger unserer Länder sind, besitzen die Menschenrechte nicht deshalb, weil sie diesem oder jenem Gesellschaftssystem ange-

�Turbulente Saturn-Atmosphäre
Ähnlich wie bei Jupiter, dem größten Planeten unseres Sonnensystems,
zeigt auch die Atmosphäre des schnell rotierenden, senfgelb erscheinenden
Saturn Wirbelbildungen und Turbulenzen.

VOYAGER näherte sich der Wolken-

obergrenze bis auf 124 000 km, um Fotos von dem gebänderten Gasball zu machen
und mit einem Infrarot-Instrument auf der sonnennahen und sonnenabgewandten
Seite die Wärmewerte an der Oberfläche zu erfassen.

Wie Jupiter, den VOYAGER 1

im März 1979 besuchte - und bei dieser Gelegenheit sogar aktive Vulkane auf
einem seiner Monde beobachtete -, gibt auch Saturn mehr Wärmeenergie ab, als
er von der Sonne empfängt.
Saturn, der zweitgrößte Planet, ist doppelt so weit von der Sonne entfernt wie Jupiter. So erhält er nur den vierten Teil der Sonnenenergie im
Vergleich zu seinem größeren Bruder und nur den hundertsten Teil des Sonnenlichts, das die Erde bekommt. Die Temperaturen sind entsprechend niedrig
- und das bedeutet, daß chemische und physikalische Prozesse äußerst langsam ablaufen. Möglich, daß auch die Wolkenbildung in tieferen Schichten der
Atmosphäre erfolgt und eine Dunstschicht darüber lagert, wie sie VOYAGER am
Saturnmond Titan entdeckte. Deshalb wohl leuchten die Saturn-Wolken weniger
hell als die des Jupiter.

Reigen der Monde
Während die so vielfach gegliederte "Scheibe" des Ringsystems nach bisheriger Kenntnis etwa 142 000 km weit in den Raum hinausreicht - vom Planetenmittelpunkt aus gerechnet -, hat das Mondsystem eine Ausdehnung bis nahezu
13 Millionen Kilometer.

Der äußerste Trabant, Phoebe, umkreist den Saturn in

12,96 Millionen km Entfernung.
Erde-Mond.

Das entspricht etwa dem 34-fachen Abstand

Dem Zentralkörper am nächsten ist, soweit man heute sagen kann,

der von VOYAGER entdeckte kleine Mond S-15.
Zwischen

�Zwischen dem 11. und 13. November passierte die VOYAGER-Sonde die Monde
Titan - größter und gleichzeitig einziger Mond im Sonnensystem mit einer
Atmosphäre -, Rhea, Dione und Iapetus.

Phoebe, Tethys, Mimas und Enceladus

folgten, ehe VOYAGER die Ringscheibe von Süd nach Nord durchstieß.
Das Bild von Titan ist das eines in eisiger Kälte existierenden Körpers.
Wolken aus Stickstofftröpfchen in einer hauptsächlich aus Stickstoff bestehenden Atmosphäre, über der eine wenig durchsichtige "Dunstglocke" liegt, liefern
Nachschub für riesige Seen, ja Meere von flüssigem Stickstoff auf der eisigen
Oberfläche.

Nahe der Obergrenze der Titanatmosphäre, die VOYAGER in etwa

4000 km Abstand passierte, wurden minus 98 Grad Celsius gemessen; tiefer in
der Atmosphäre, unterhalb der Wolken, waren es minus 203 Grad Celsius. Neben Verbindungen wie Acethylen und Methan erfaßte das Infrarotspektrometer
u.a. ein Spektrum, das dem von Zyanwasserstoff entspricht.
gilt als ein Baustein komplexer organischer Moleküle.
Meßdaten erst noch gründlich überprüft werden.
sphärischen Druck und die Tiefe der Gashülle.

Diese Verbindung

Allerdings müssen die

Gleiches gilt für den atmoSie läßt den Trabanten in

seinem 1,2 Millionen km weiten Orbit um den Saturn orangerot leuchten.
Die Wissenschaftler schließen nicht aus, daß der Druck an der Oberfläche
mindestens ähnlich, vielleicht sogar doppelt so groß ist wie das an der Erdoberfläche.

Und sie haben errechnet, daß die Wolken in der Titanatmosphäre

in den 4,6 Milliarden Jahren seit Entstehung dieses Mondes
an komplexen Kohlenwasserstoffen abgeschneit haben könnten.

bis zu 30 kg/qcm
Diese Verbindungen

würden inzwischen eine mehrere hundert bis tausend Meter dicke Schicht an der
Oberfläche bilden.

Carl Sagan beschrieb Titan als einen Ort, wo über Mil-

liarden Jahre komplexe organische Moleküle produziert worden sind, die sich
wegen der tiefen Temperaturen nur sehr langsam wieder zersetzen.

Dennoch -

ein "unwahrscheinlicher Ort" für die Entwicklung von Leben.
"Im Saturn-Orbit haben wir es mit Monden zu tun, wie wir sie noch nie
gesehen haben", sagte ein Geologe.

Sie bestehen vor allem aus Eis und machen

nur äußerst langsam ablaufende Veränderungsprozesse durch.

Art und Ursachen

solcher Prozesse müssen, sobald die Analysen der VOYAGER-Daten vorliegen, ein-

�eingehend erörtert werden.
Geradezu dramatisch wurde es im Beobachtungszentrum in Pasadena, als die
Monde Rhea (Durchmesser:
Monitoren erschienen:

1500 km) und Dione (Durchmesser:

1100 km) auf den

Ihre eisige Oberfläche zeigte Merkmale, die entstehen

könnten, wenn flüssige Massen aus dem Innern an die Oberfläche dringen und
dort "gefrieren".

Auf dem Mond Tethys (Durchmesser:

1020 km) war ein ca.

100 km breiter und mehrere hundert Kilometer langer Graben zu erkennen - und
entlang dieses Grabens eine deutliche Schichtbildung, wie von übereinanderliegenden Eisplatten.

Die Rückseite dagegen zeigte ein ganz anderes Gesicht

- sie ist übersät von Kratern. Auf dem Mond Enceladus (Durchmesser: 520 km)
waren rißähnliche und lineare Zeichnungen erkennbar, während die Oberfläche
von Mimas umgepflügt und zernarbt von Kratern erscheint.

+ + + + +

- 7 -

�1
I

a

Uliz/en/chofl
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. November 1980

51

SATURNSYSTEM - EINE WELT VOLLER RÄTSEL
Unerklärliche Strukturen - Kleinmonde als "Ordnungshüter"
für Ringmaterie?

- (AD) - Wie schon so oft in der Geschichte der instrumentellen Weltraumforschung werfen auch die Ergebnisse des jüngsten Unternehmens, des Besuchs der amerikanischen Raumsonde VOYAGER 1 beim Planeten Saturn, sehr viel
mehr neue Probleme auf, als sie offene Fragen beantworten.

Daß beispiels-

weise die Struktur der Saturn-Ringe komplexer ist, als aufgrund der Beobachtungen von stationären Observatorien aus angenommen werden konnte, zeigten
schon im August/September 1979 die Fotos und Meßdaten der amerikanischen
Sonde PIONIER 11. Diese Sonde hatte jenseits der (von innen nach außen) mit
"C", "B" und "A" bezeichneten Ringe - die manche Astronomen um einen innersten
Ring "D" und einen äußeren Ring "E" ergänzt sehen wollten - einen schmalen
äußeren "F"-Ring sowie zwischen den beiden Saturn-Trabanten Rhea und Titan
einen dünnen "G"-Ring entdeckt.

Für die Existenz des "D"- und "E"-Rings da-

gegen brachten die PIONIER-Beobachtungen keine Bestätigung.
Völlig verändert aber ist nun das Saturn-Bild seit dem Vorbeiflug von
VOYAGER 1 am 12. November 1980. Schon im letzten Teil der 2,1 Milliarden
Kilometer weiten Wegstrecke (am 5. September 1977 war die Sonde von J&lt;a£

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Kap Canaveral aus gestartet worden) begann VOYAGER Fotos vom Planeten, seinen
Monden und dem Ringsystem zu senden.

Die NASA-Forscher rätselten, was es mit

den eigenartigen dunklen "Fingern" im hellen "B"-Ring auf sich haben könnte.
Diese seltsame Zeichnung war zum ersten Mal auf den VOYAGER-Fotos in Erscheinung getreten.

Wie Speichen eines Rades erstreckten sich manche der dunklen

Gebilde sogar über die ganze Breite des "B"-Gürtels - über 25 000 km.

Der

Astronom Dr. Bradford A. Smith, Leiter des VOYAGER-Fotoprogramms, meinte zunächst:

"Wir haben keine Ahnung, worum es sich dabei handeln könnte - sind

es Lücken, blicken wir an diesen Stellen in den schwarzen Weltraum hinaus?
Oder sehen wir dunkle Materie im hellen Ring?"

Inzwischen weiß man etwas mehr.

Denn als die beiden VOYAGER-Bordkameras

in Nahaufnahme die Ringe von unten, gegen das Sonnenlicht fotografierten,erschienen die "Speichen" heller als die sie umgebende Ringmaterie.

So könnte

es sich vielleicht um sehr feine Partikel handeln, die über der Bahnebene der
Ringe liegen, oder um Materie mit anderen Reflexionseigenschaften.

Keine Er-

klärung gibt es bisher dafür, daß die dunklen "Finger" in ihrer Ausrichtung
unverändert erhalten bleiben, obgleich ja Materie an dem dem Planeten näheren
Innenrand eine größere Rotationsgeschwindigkeit haben müßte als an der
"Fingerspitze" im Außenbereich des "B"-Rings, übrigens wurde bei dieser Aufnahmeserie der VOYAGER-Sonde die Existenz der Ringe "D" und "E" bestätigt.

Ein Rätsel besonderer Art ist die "Stickerei" und "Verzwirnung" mit
serpentinenartig gewundenen Fäden in einigen Ringen, insbesondere in dem erst
vor einem Jahr entdeckten "F"-Ring.

Hier hat es den Anschein, als würde die

Materie beim Umlauf um den Zentralkörper Saturn den physikalischen Gesetzen
nicht gehorchen.

Aber so etwas gibt es nicht in der Natur.

Vielmehr scheinen,

so spekuliert der Astrophysiker Carl Sagan, Kräfte am Werk zu sein, "die wir
noch nicht kennen, die der menschliche Geist einfach noch nicht wahrgenommen
oder begriffen hat... Sicherlich handelt es sich bei den Saturn-Ringen um
dynamische, veränderliche Objekte, die von der Gravitationskraft bewegt werden.
Vermutlich erfahren wir mehr, wenn im August 1981 die Sonde VOYAGER 2 am Saturn
ankommt.

Die Formationen dürften sich verändert haben.

Aber zu sagen, was

hier vor sich geht, wird sehr schwierig sein - eine Unmenge von mathematischen

- 2 -

�mathematischen Berechnungen sind jetzt zu bewältigen,"

Hunderte von Einzel ringen
Fünf Ringe waren bekannt, als VOYAGER 1 im August dieses Jahres (bei
15,4 km/sec Fluggeschwindigkeit) die ersten Aufnahmen vom Saturn, seinem Ringsystem und seinen Trabanten zur Erde übermittelt. Wegen der Entfernung von
1,5 Milliarden Kilometern brauchte jedes Funksignal zwischen Sonde und Erdstation 90 Minuten. Die Nahaufnahmen am Saturn im November aber - die Sonde
operierte bei nunmehr 25,6 km/sec Fluggeschwindigkeit allein 23 Stunden lang
innerhalb bzw. unterhalb des Ringsystems - brachten als eine der vielen Überraschungen viele Hunderte, vielleicht sogar mehr als 1000 Einzelringe zutage.
Selbst die bisher als "leer" angesehenen Bereiche sind angefüllt mit Materie
- so wurden allein in der sogenannten Cassini-Teilung zwischen den "B"- und
"A"-Ringen 20 Ringe gefunden. Alles in allem hat man es mit flachen Materialansammlungen unterschiedlicher Zusammensetzung, unterschiedlicher Partikelund Trümmergröße, unterschiedlicher Rotationsgeschwindigkeit, unterschiedlicher Ausdehnung und Dichte zu tun. Zwei Ringe wurden entdeckt, die nicht
kreisförmig um den Zentralkörper, sondern exzentrisch schwingen.

Die Wissenschaftler haben Theorien, aber noch keine guten Erklärungen
dafür, wie die Trennung und Struktur der Saturnringe aufrechterhalten wird.
Möglicherweise tragen beispielsweise die erst Ende Oktober 1980 entdeckten
beiden Monde S-13 und S-14 dazu bei, die Bandstruktur des "F"-Rings und die
Abgrenzung des "A"-Rings zu erhalten. Insgesamt 15 Trabanten des Saturn sind
jetzt bekannt - allein drei wurden durch VOYAGER 1 gefunden. S-13 (Durchmesser: 600 km) umkreist den Planeten in 141 000 km Abstand vom Mittelpunkt,
S-14 (Durchmesser: 500 km) in 138 600 km und S-15 (Durchmesser: 100 km)
in 138 200 km Entfernung.
Während S-13 und S-14 Bahnen zu beiden Seiten des "F"-Rings folgen, umkreist S-15 den Saturn unmittelbar außerhalb des "A"-Rings. Nach Meinung von
Bradford Smith und Edward Stone erfüllen diese Monde die Funktionen von "Schä-

�"Schäferhunden

für die beiden Ringe, indem sie durch komplizierte Energie-

austauschprozesse Materie innerhalb ihrer Ringgrenzen halten.
Untersuchungen von der Erde aus haben ergeben, daß die "A"-Ringmaterie
in der Hauptsache aus Eis, mit Staub vermischt, besteht.
man die Ringpartikel als "staubige Schneebälle".

Deshalb bezeichnet

Wenn ein solcher Schneeball

die äußere "A"-Ringgrenze überspringt und in den Orbit des langsamer rotierenden
Mondes S-15 gelangt, verliert er an Geschwindigkeit.

Sobald aber seine Rota-

tionsgeschwindigkeit gebremst ist, fällt er wieder in den niedrigeren Orbit
des "A"-Rings zurück.

Die zwei anderen neuen Monde, S-13 und S-14, halten

vielleicht auf ähnliche Weise Materieklumpen innerhalb des schmalen, fadenähnlich gewundenen "F"-Rings auf ihrer Bahn.
Die Wissenschaftler sind außerdem der Ansicht, daß auch zwischen den
beiden Trabanten S-10 und S-ll, die im Jahr 1966 entdeckt wurden, ein Energieaustausch stattfindet. Sie umkreisen den Saturn in 149 000 km Entfernung,
aber nur 50 Kilometer voneinander getrennt. In zwei Monaten - im Januar 1981 müßte sich den Berechnungen zufolge ihr Abstand weiter verringern. Dann könnte
der Trabant, der schneller umläuft, dem Saturn also etwas näher ist, in einen
höheren Orbit gehoben und somit abgebremst werden. Der langsamer umlaufende
Mond dagegen wird in einen niedrigeren Orbit gedrückt und gewinnt an Rotationsgeschwindigkeit. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, daß die Monde nicht
miteinander kollidieren oder sich überholen, sondern stattdessen Umlaufbahn
und Rotationsgeschwindigkeit immer wieder tauschen. Sie sind 70 bzw. 130 km
lang und haben eine narbige Oberfläche, sind übersät mit Kratern und strahlenähnlicher Zeichnung. Deshalb vermutet Smith, daß sie Teile eines Mondes sind,
der auseinandergebrochen ist. Dennoch kann die "Schäferhund"- und Energieaustausch-Theorie allein die Vielfalt der Ringunterteilung nicht erklären.
Denn nach Meinung der Forscher sind die Strukturen innerhalb der '^"-RingGrenzen dem zentralen Planetenkörper zu nahe, als daß sich dort kleine Monde
- etwa durch Materiezusammenballung - bilden und halten könnten. Was also
ist es, das die vielen Einzelringe trennt und auseinanderhält?

Turbulente

�angehören.

Sie besitzen Menschenrechte, weil sie Menschen sind.

Diese Rech-

te rühren, nach den Worten der Schlußakte, von der eingeborenen Würde der
menschlichen Person her und sind von entscheidender Bedeutung für seine freie
und vollständige Entfaltung»

Um es anders auszudrücken, möchte ich eine Geschichte erzählen, die mit
dem großen russischen Schriftsteller Leo Tolstoi und unserem amerikanischen
Präsidenten Abraham Lincoln zu tun hat.

Tolstoi war ein Bewunderer Lincolns,

und er liebte es, den einfachen Leuten seines Gutes diese Größe Lincolns zu
erklären.

Lincoln, sagte Tolstoi, war ein großer Mann, weil jede seiner Hand-

lungen in Menschlichkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Mitleid wurzelte.

Diese

Beschreibung, so scheint mir, umreißt die Prinzipien, auf denen sich die Menschenrechte in der Schlußakte gründen.

Die Schlußakte selbst sagt uns, welches diese Rechte sind.

Sie umfassen

die Gedankenfreiheit, die Gewissensfreiheit und die Freiheit der Religion und
des Glaubens.

Sie beinhalten die Freiheit, seine bürgerlichen, politischen,

wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und anderen Rechte und Freiheiten wirkungsvoll auszuüben.

Sie umfassen das Recht, einen religiösen Glauben nicht

nur zu praktizieren, sondern auch gemäß den Forderungen des eigenen Gewissens
öffentlich zu bekennen.

Und sie sind zusammengenommen ein wesentlicher Faktor

für Frieden, für Gerechtigkeit und für freundschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen Staaten.

Regierungen können sie in Abrede stellen -

aber sie können sie weder ändern, reduzieren noch zerstören.

Die Prinzipien, die ich noch einmal wiederholt habe, stammen aus der
Schlußakte, aber nicht nur aus der Schlußakte.

Es sind Prinzipien, die mehr

als 2000 Jahre unserer Geistesgeschichte und unserer politischen Geschichte
zusammenfassen - von Aristoteles' Plan für einen gerechten Staat zu Tom Paines
ungestümer Verteidigung der politischen Freiheit, und zur Beredtsamkeit eines
Dag Hammarskjoeld für die Sache der Menschenwürde.

Diese Prinzipien sprechen

von unserem gemeinsamen Erbe, Sie sprechen durch die Stimme jener Patrioten,
die von allen unseren Nationen verehrt werden.
und zu allen Bürgern unserer Länder.

Sie sprechen zu uns allen hier

Die Frage, die uns die Geschichte bei

- 5-

�bei unserem Bemühen stellen wird, wird lauten, inwieweit

wir diesen Prinzi-

pien gemäß gehandelt haben - ob wir die Sache der Menschenrechte und der
menschlichen Freiheit gefördert haben oder ob sie durch uns einen Rückschlag
erlitt.
Es ist eine Frage, die zunächst einmal jeder einzelne sich selbst stellen muß.

Das haben wir in den Vereinigten Staaten getan - und werden es auch

weiterhin tun.

Ich glaube, daß die Leistungen der Vereinigten Staaten bei

der Anwendung dieses Prinzips etwas sind, worauf wir stolz sein können.

Wir

sind eine freie Gesellschaft - frei genug, um unsere Unzulänglichkeiten einzugestehen und besorgt genug, um eine Korrektur zu versuchen.

Das Maß, in dem

wir unsere Verpflichtungen gemäß der Helsinki-Schlußakte erfüllt haben, ist
ein offenes Buch, in dem jeder lesen kann. Wir sind bereit, aus den Prüfungen, den Vorschlägen und der Kritik zu lernen.

Und dies sollte niemanden

überraschen, denn das allererste Dokument unserer Republik, unsere Unabhängigkeitserklärung, die am 4. Juli 1776 unterzeichnet wurde, spricht davon,
daß wir "der Meinung der Menschheit" eine "geziemende Rücksichtnahme" schuldig sind.
Aber genauso, wie die gemäß der Schlußakte eingegangenen Verpflichtungen
einen jeden von uns dazu auffordern, sorgfältig die Liste der eigenen Leistungen zu überprüfen, so erwarten sie von jedem von uns auch, sorgfältig die
Liste der Leistungen der anderen zu prüfen. Diese Liste weist seit unserem
Treffen in Belgrad eine Reihe heller Punkte auf - besonders in dem Bereich
größerer Freizügigkeit über internationale Grenzen hinweg. Lassen Sie mich
einige Beispiele nennen: Eine Reihe von Ländern, darunter Rumänien, die
Deutsche Demokratische Republik, die Tschechoslowakei, Polen und Bulgarien,
haben große Anstrengungen unternommen, um die besonders schweren Fälle derer
ihrer Bürger zu lösen, die mit ihren woanders lebenden Familien zusammengeführt werden wollen.
- In mehreren Ländern, wie etwa Ungarn, der Deutschen Demokratischen
Republik und in Polen, gab es Bemühungen, um herauszufinden, wie Kirche und
Staat besser miteinander auskommen können - in Einklang mit der Verpflichtung

�Verpflichtung der Schlußakte, die Glaubensfreiheit auszuweiten.
- 1979 konnten über 50 000 Bürger deutscher Abstammung aus Osteuropa
zu ihren Verwandten nach Westeuropa ausreisen.
- Es gab in einigen Ländern ermutigende Fortschritte in der Schaffung
offener und vielgestaltigerer Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme.
- Mehrere Länder haben Studien über ihre eigenen Leistungen bei der Anwendung der Schlußakte in der Absicht angefertigt, ihre Pflichten noch besser
zu erfüllen.

Wir hoffen, daß dieser Trend sich fortsetzt.

- Es gab auch im Sicherheitsbereich der KSZE einigen Erfolg, wurden doch
vertrauensbildende Maßnahmen durchgeführt.

Zudem wurden Fortschritte bei der

wirtschaftlichen, technischen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit erzielt,
vor allem durch die Unterzeichnung des grenzüberschreitenden Abkommens über
Luftverschmutzung im vorigen Jahr.

Sowohl im Wirtschafts- als auch im Sicher-

heitsbereich war der Fortschritt bescheiden - doch hat die Schlußakte als
Katalysator für einfallsreiche Überlegungen gedient, die auf ehrgeizigere
Schritte hindeuten, sobald es die Umstände erlauben.
- Schließlich blieb die Lage in und um die geteilte Stadt Berlin relativ
ruhig.

Es ist für die europäische Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa

von grundlegender Bedeutung, daß Berlin auch weiterhin alle Vorteile der
Schlußakte und des Viermächte-Abkommens genießt.
Herr Vorsitzender, wie ermutigend diese Beweise des Fortschritts auch
sind, so gibt es doch eine dunklere Seite der Leistungsbilanz, die es ebenfalls zu überdenken gilt.

In dieser Hinsicht muß ich zuallererst die Invasion

des unabhängigen Staates Afghanistan durch die Streitkräfte der Sowjetunion
erwähnen -, Streitkräfte, die sogar noch dort stehen, während wir hier zu unserem Treffen zusammenkommen.

Ich werde nicht all die Bestimmungen der Schluß-

akte - ja, der Charta der Vereinten Nationen und anderer feierlicher überein-

- 7 -

�übereinkommen - zitieren, die diese Invasion verletzt.

Noch werde ich mich

dabei aufhalten, die durchsichtigen Erklärungen zurückzuweisen, die die
sowjetische Führung für ihre Schritte angeboten hat.

Ich will nur sagen,

daß die sowjetische Invasion einen dunklen Schatten über die Ost-West-Beziehungen wirft, den kein Treffen, keine Erklärung, ja, nichts außer dem völligen Rückzug der sowjetischen Truppen vertreiben kann.
Wäre dies der einzige Fall, in dem die Verpflichtungen der Schlußakte
seit unserem letzten Zusammentreffen ignoriert wurden, so wäre unsere Aufgabe
hier ernst genug.

Aber das ist nicht der Fall,, Wie ich Bei spiele des Fort-

schritts aufgezählt habe, muß ich die Aufmerksamkeit auf die traurige Liste
der andauernden Verweigerung der Menschenrechte lenken, die während der letzten
drei Jahre von den Regierungen einiger der Signatarstaaten begangen wurde,
- In der Sowjetunion wurden in direkter Umgehung der Schlußakte westliche
Radiosendungen - einschließlich solcher der BBC, der Deutschen Welle, der
Stimme Amerikas, des Radios Freies Europa und des Radio Liberty - gestört.
- In der Deutschen Demokratischen Republik hat eine neue und sträfliche
Erhöhung des geforderten Währungsumtausches für westliche Besucher die Möglichkeit für Westdeutsche, besonders für die Älteren und die Armen, ihre Familien und Freunde im Osten zu besuchen, drastisch vermindert,
- In der Sowjetunion ist die Rate jüdischer Auswanderung, die 1979 einen
ermutigenden Höchststand erreicht hatte, 1980 um 50 Prozent gesunken, während
gleichzeitig Bedrohung und Verweigerung von Ausreisegenehmigungen weitergehen
wie zuvor.
- In der Tschechoslowakei haben die mutigen Mitglieder der Gruppe
Charta '77,- geschaffen, um die Einhaltung der Helsinki-Schlußakte zu überwachen - fortgesetzte Bedrohung und wiederholte Verhaftung zu erleiden.

Wäh-

rend ich hier spreche, sitzt Vaclav Havel, ein Sprecher dieser Gruppe, eine
vierjährige Haftstrafe unter grausamen Bedingungen ab,
- Und

�- Und 1976 bildeten 11 Männer und Frauen, Bürger der Sowjetunion und
langjährig

in der sowjetischen Menschenrechtsbewegung tätig, die Moskauer

Kontrollgruppe, um die Verwirklichung der Menschenrechtsverpflichtungen gemäß
Prinzip VII der Schlußakte und gemäß sowjetischem Gesetz zu überwachen. Ähnliche Gruppen tauchten in der Ukraine, in Litauen, Georgien und Armenien auf.
Die sowjetischen Behörden reagieren, indem sie diese tapferen Menschen einer
brutalen Unterdrückung unterwerfen.

Von den 71 Personen, die den sowjetischen

Kontrollgruppen der Helsinki-Abkommen angehörten, wurden 24 angeklagt und
schuldig gesprochen, 19 von ihnen verbüßen derzeit insgesamt 156 Jahre in Arbeitslagern oder sind im Exil.

Elf weitere stehen unter Hausarrest.

Neun

andere verbüßten bereits frühere Strafen, als sie sich den Helsinki-Gruppen
anschlössen.

Sieben sind ausgewandert, zwei wurden ihrer Staatsbürgerschaft

während einer Auslandsreise beraubt, einer wurde gegen einen sowjetischen
Spion ausgetauscht und einer ist gestorben.

Ich möchte nur ein paar Mitglieder dieser bemerkenswerten Gruppe nennen,
aber sie stehen stellvertretend für all jene in der Sowjetunion, die für die
Rechte kämpfen, die ihnen in der sowjetischen Verfassung und in der Schlußakte
von Helsinki versprochen wurden.

Die ganze Welt kennt Professor Juri Orlow,

den Physiker - einen mutigen Mann, stets in vorderster Reihe, Gründer der
Helsinki-Gruppe.

Die Welt weiß auch am Anatoli Scharanski, vorgeblich der

Spionage angeklagt in einem Versuch, die jüdische Auswanderungsbewegung einzuschüchtern.

Orlow wurde am 18. Mai 1978 zu sieben Jahren Zwangsarbeit und

fünf Jahre Exil verurteilt.

Scharanski wurde am 14. Juli 1978 zu drei Jahren

Gefängnis und zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Mitglieder der anderen,

von mir erwähnten Gruppen, hat ein ähnliches Schicksal ereilt.

In der Ukraine

und in Litauen wurden Mykola Rudenko und Viktoras Petkus ebenfalls zu langen
Freiheitsstrafen verurteilt, weil sie die Erfüllung von Verpflichtungen der
Schlußakte erstrebten.

All jene, die frei sind, haben die unvermeidbare

Pflicht, ihre Stimme für sie und für die vielen anderen zu erheben.

Schließlich möchte ich jetzt von einem edlen und leidenschaftlichen
Humanisten sprechen, von einem Mann, der sein Leben der Hilfe Armer und Unter-

- 9-

�Unterdrückter gewidmet hat. Hören Sie seine Worte:

"Trotz allem, was ge-

schehen ist, fühle ich, daß die Fragendes Krieges und des Friedens und der
Abrüstung von so entscheidender Bedeutung sind, daß ihnen sogar unter den
schwierigsten Umständen absolute Priorität eingeräumt werden muß.

Es ist un-

abdingbar, daß alle zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt werden, um
diese Fragen zu lösen und das Fundament für einen weiteren Fortschritt zu legen.

Am drängendsten davon sind Schritte, um einen Atomkrieg zu verhindern,

der die größte Gefahr darstellt, vor der die moderne Welt steht."
Herr Vorsitzender, könnte irgendjemand nicht mit diesen Worten übereinstimmen?

Können wir uns nicht alle in dem Gedanken vereinen, den sie aus-

drücken?

Erkennen wir nicht alle, daß dieser Gedanke ins Zentrum der drän-

gendsten Ansprüche und Sehnsüchte der Menschheit zielt?

Am 22. Januar dieses

Jahres wurde der Schreiber dieser Sätze in die geschlossene Stadt Gorki in
der Sowjetunion verbannt.
Als Andreij Sacharow verbannt wurde, wurden einige unserer tiefsten
Hoffnungen auf einen Geist der Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit
ihm verbannt.
Es gibt Leute, die behaupten, daß Vorfälle dieser Art die Wertlosigkeit
der Schlußakte beweisen.

Meine Regierung widerspricht dem entschieden.

Die Tatsache, daß ein Prinzip verletzt wurde, macht dieses Prinzip nicht
wertloser oder vermindert unsere Verpflichtung, umfassendere Erfüllung der
Schlußakte zu erstreben.

In diesem Geist werden die Vereinigten Staaten alle

Anstrengungen im Sinne der Schlußakte unternehmen, um bei der Schaffung eines
sichereren, freiereren und besseren Leben für eine Milliarde Menschen mitzuhelfen, die in den hier vertretenen Staaten leben. Aber die KSZE-Konferenz
kann für diesen Zweck die Mittel und Wege nur dann bereitstellen, wenn ihre
Bestimmungen ernstgenommen werden - und unsere Bürger sehen, daß sie ernstgenommen werden.

Daher wird mein Land auch weiterhin in klaren Worten gegen

die Verletzung der Menschenrechte seine Stimme erheben.

Wir rufen Sie alle

auf, dasselbe zu tun und einzusehen, daß wir von unseren Bürgern nicht er-

�erwarten können, Vertrauen in künftige Verpflichtungen zu haben, wenn wir
Verpflichtungen aus der Vergangenheit mißachten.
Herr Vorsitzender, unsere Erwartungen für das gegenwärtige Treffen sind
bescheiden,,

Die von mir erwähnten Ereignisse haben ein internationales

Klima geschaffen, das für die ehrgeizigen Schritte in den von der Schlußakte
abgedeckten Bereichen nicht günstig ist. Es wäre zwecklos, so zu tun, als
könne die KSZE-Konferenz irgendwie vom Gesamtzustand der Ost-West-Beziehungen
isoliert werden.

Ja, ein solcher Anschein könnte nur die Bedeutung der Ver-

pflichtungen schmälern, die in Helsinki eingegangen wurden.
Aber wir sehen einige Möglichkeiten des Fortschritts. So haben zum
Beispiel wir und unsere Verbündeten intensiv an der Entwicklung vertrauensbildender Maßnahmen gearbeitet, die für ganz Europa militärisch bedeutsam,
verifizierbar und anwendbar sind. Wir hoffen, daß unsere Erwägungen zu solchen Maßnahmen auf diesem Treffen den Weg in Richtung auf eine sicherere Zukunft für uns alle weisen werden. Wir sind voll und ganz bereit, gemeinsam
mit Ihnen an der Verwirklichung des ganzen Potentials vertrauensbildender
Maßnahmen zu arbeiten - nur fordern wir, daß man sich auf konkrete Schritte
konzentriert und leere Deklarationen unterläßt.
Herr Vorsitzender, ich komme zum Schluß! Präsident Carter hat mich
gebeten, Ihnen die folgende Botschaft zu überbringen. Er entbietet den Delegierten dieses historischen Überprüfungstreffens seine besten Grüße. Für den
Präsidenten ist die KSZE ein einzigartiges und wertvolles Forum, das alle
Staaten Europas, die Vereinigten Staaten und Kanada in einer gemeinsamen Anstrengung vereint, die Welt von den künstlichen Hindernissen gegen die freie
Ausübung der Menschenrechte und die Freizügigkeit von Menschen und Ideen
über internationale Grenzen hinweg zu befreien. Es ist seine feste Überzeugung, daß es unser gemeinsames Ziel sein muß, den Helsinki-Prozeß zu bewahren
und zu stärken bis zu dem Tag, da seine Bestimmungen in vollem Umfang verwirklicht und endlich echte Sicherheit und Zusammenarbeit zwischen unseren Staaten erreicht sind.
+ + + + +

- 11 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fachgruppen für die Regierungsübernahme gebildet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan ernennt weitere Mitarbeiter für die Übergangszeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des amerikanischen Chefdelegierten in Madrid&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Griffin B. Bell legt amerikanische Haltung zur KSZE-Folgekonferenz dar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Saturnsystem - Eine Welt voller Rätsel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unerklärliche Strukturen - Kleinmonde als "Ordnungshüter" für Ringmaterie? -&lt;/em&gt;</text>
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Information
und
Dokumentation

«J^i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. November 1980

50

INHALT

DOKUMENTATION
Erste Pressekonferenz des designierten US-Prä'sidenten
- Reagan gibt erste Hinweise auf seine Mannschaft -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die NATO nach Afghanistan - Der Zusammenhalt des Bündnisses
auf dem Prüfstand
- Von Simon Lunn -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�3
3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. November 1980

50

ERSTE PRESSEKONFERENZ DES DESIGNIERTEN US-PRÄSIDENTEN
- Reagan gibt erste Hinweise auf seine Mannschaft -

LOS ANGELES

- (AD) - Der designierte Präsident der Vereinigten

Staaten, Ronald Reagan, hat auf seiner ersten Pressekonferenz am
6. November 1980 erste Hinweise auf seine neue Mannschaft gegeben, der
unter anderem der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger
und der frühere Oberste Alliierte Befehlshaber in Europa (SACEUR),
Alexander Haig, angehören.
Reagan nahm auch zu zahlreichen außenpolitischen Fragen Stellung
und betonte, daß er die "überparteiliche Grundlage" der Außenpolitik
wieder herstellen wolle.

Die Fragen an den designierten Präsidenten

reichten vom Nahen und Mittleren Osten - vor allem der Geiselfrage - bis
Lateinamerika, Polen, den Menschenrechten und SALT.
An der Konferenz Reagans nahm auch der designierte Vizepräsident
der Vereinigten Staaten, George Bush teil.

Zu

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Zu Beginn gab Reagan eine kurze Erklärung ab.

Die gesamte Presse-

konferenz hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen, daß sie gekommen sind, und
wünsche Ihnen einen guten Morgan.

Ich habe eine Erklärung vorbereitet, die

Sie nachher schriftlich erhalten werden, aber ich möchte sie für den Rundfunk auch verlesen.

George und ich sind glücklich, daß wir heute hier sein

können, vor allem unter den gegebenen Umständen, und da diese Pressekonferenz
live übertragen wird, bietet sie, wie ich meine, eine gute Gelegenheit,
noch einmal all jenen zu danken, die für unsere Sache gearbeitet und gestimmt haben.
Sie alle haben uns einen großen Sieg geschenkt, und ich kann all
jenen, zu denen ich jetzt spreche, versichern, daß wir sie nicht enttäuschen
werden.
Bevor wir mit der Beantwortung der Fragen beginnen, glaube ich, daß
Sie an dem Übergang interessiert sind und daran, wie die Dinge stehen.
Wir haben bereits damit begonnen, eine Administration zusammenzustellen,
und wir werden sofort mit der Aufgabe beginnen, die Wahlversprechen in die
Wirklichkeit umzusetzen.
Ich wende mich erneut an Bill Casey, um die Anstrengungen bezüglich
der letzteren Aufgabe als Vorsitzender des Übergangs-Exekutiv-Komitees
zu leiten. Bill wird auch Vorsitzender des Interims-Beratungs-Ausschusses
für Außenpolitik werden. Ich möchte Bill für all das danken, was er
getan hat, um diesen Sieg zu ermöglichen - sowohl in den ersten Zeiten der
Vorwahlen wie auch bei den allgemeinen Wahlen. Er hat gebeten, wieder in
seine Anwaltsfirma zurückkehren zu dürfen, aber er hat zugestimmt, als
Vorsitzender der beiden genannten Ausschüsse zu dienen.

�Ich habe Anne Armstrong, frühere Botschafterin, die Ko-Vorsitzende
unseres Wahlkampfausschusses war, gebeten, als Vizevorsitzende des übergangsExekutiv-Komitees zu fungieren.

Und ich freue mich, daß Senator Paul

Laxalt, unser Wahl kämpf1 eiter - ein Mann, dem wir beide so viel Dank
schulden für das, was er in diesem Wahlkampf geleistet hat - sich bereit
erklärt hat, einen Kongreßberatungsausschuß zu bilden und zu leiten, um
mit uns während der ganzen Übergangsperiode zusammenzuarbeiten.
Der Direktor des Übergangsteams wird Ed Meese sein, der Stabschef
des Wahlkampfes war.

Stellvertretende Direktoren werden sein Mike Deaver,

James Baker, Richard Wirthlin, William E. Timmons, Verne Orr und Drew
Lewi s.
Als leitende Berater werden Caspar Weinberger, Martin Anderson und
Richard Allen fungieren.
Personaldirektor wird Pendieton James, der Präsident der E.P. James
and Company, einer Unternehmensberatungsfirma, sein.
Weitere leitende Mitarbeiter für den Übergang werden in den nächsten
14 Tagen ernannt werden.

Ich begrüße es, daß Präsident Carter so rasch

gehandelt hat, um diesen Übergang leicht und effektiv zu machen.

Er hat

seinen Stabschef Jack Watson angewiesen, mit Ed Meese bei der Bewerkstelligung
eines geordneten Übergangs zusammenzuarbeiten.
Weitere Mitarbeiter der Carter-Administration haben bereits zu
erkennen gegeben, daß sie während der Übergangsperiode gerne mitarbeiten
werden.
Auf einem anderen Gebiet, dem des Interims-Ausschusses für Außenpolitik, bin ich höchst dankbar, daß drei prominente Demokraten sich bereit
erklärt haben, mit uns zu arbeiten.

Es handelt sich um Senator Henry M.

�Henry M. Jackson, Senator Richard Stone und Edward Bennett Williams.
Und wie ich in meinem Wahl kämpf versprochen habe, werde ich alles tun,
um wieder eine überparteiliche Grundlage der amerikanischen Außenpolitik
herzustellen.

Der Ausschuß wird Empfehlungen einer Gruppe von 120 her-

vorragenden Beratern auf dem Gebiet der Außen- und Verteidigungspolitik
entgegennehmen, bevor er mir im Januar Bericht erstatten wird.
Ich habe ihn angewiesen, heute mit der Arbeit zu beginnen und eine
Bewertung der großen außenpolitischen Herausforderungen vorzunehmen, die
wir bewältigen müssen.
Zu den Mitgliedern des genannten Ausschusses gehören der frühere
Präsident Gerald Ford, Senator John Tower, Henry Kissinger, General Alexander
Haig, Gouverneur William V. Clements, Caspar Weinberger, Eugene V. Rostow,
Donald Rumsfeld, George Shultz, Jeane J. Kirkpatrick, John J. McCloy,
Anne Armstrong and Richard V. Allen.
Und jetzt stehen wir beide zur Beantwortung Ihrer Fragen zur
Verfügung.
FRAGE: Während des Wahl kämpfs haben Sie oft von dem gesprochen,
was Sie unmittelbar nach Amtsübernahme machen würden. Können Sie uns heute
eine genaue Tagesordnung für die erste Woche im Amt geben - einschließlich
solcher Themen wie einem Einstellungsstopp bei Bundesbehörden und anderer,
über die Sie während des Wahlkampfs sprachen?
•

ANTWORT:

Dies ist ein Punkt, den durchzuführen ich mich verpflichtet

habe, und ich werde mich dieser Verpflichtung nicht entziehen.

So etwas

ist schon gemacht worden - mit Erfolg gemacht worden - und ich meine daher,
man sollte damit sofort anfangen.
Was

- 4 -

�was das übrige angeht, so glaube ich, daß es in gewisser Hinsicht
Teil dieses ganzen Übergangsprozesses und der Zusammenarbeit mit dem
Kongreßausschuß unter Senator Laxalt'sein wird, zu sehen, wie wir uns bei
den Themen verhalten werden, die die Unterstützung des Kongresses benötigen.
FRAGE:

Ich möchte gern Ihre Reaktion auf die gestrige Erklärung

Paul Warwicks vom "Ausschuß für das überleben eines freien Kongresses"
hören, daß Sie nämlich George Bush für einen Sieg gar nicht brauchten,
ja, daß er sich besser auf die konservative Linie schlagen sollte, weil
er sonst in Schwierigkeiten geraten könnte.

Natürlich können Sie beide

darauf antworten.
ANTWORT:

Nun, ich werde George für sich selbst sprechen lassen;

ich werde für mich sprechen.

Ich glaube, wir hatten im ganzen Verlauf

dieses Wahlkampfs das gleiche Verhältnis - und ich freue mich auf die
nächsten vier Jahre -, ein Verhältnis, das nicht nur das eines Teams war,
sondern eins der zunehmenden Freundschaft; wir hatten nie miteinander
Meinungsverschiedenheiten.

Und es ist meine Absicht - er wird dies sehen,

wenn wir die Einzelheiten ausarbeiten -, das einzusetzen, von dem ich
glaube, daß es eine überaus wertvolle Bereicherung ist. Und daher wird
er eine ganze Menge zu tun haben.
George, möchten Sie dazu etwas sagen?
ANTWORT (Bush):
FRAGE:

Nein.

Bei Ihrer Regierungsbildung und bei der Auswahl der Leute,

die an der Spitze des Kabinetts stehen, die im Kabinett sein und die
die Regierungsgeschäfte ausführen werden: welche Bedeutung werden Sie dem
Rat jener neuen konservativen Organisationen, wie der "Moralischen Mehrheit"
und Leuten wie dem Geistlichen Jerry Falwell geben?
ANTWORT:
- 5 -

�M'IWORT:

Ich habe denjenigen, die uns in diesem Wahlkampf unter-

stützt haben, gesagt, daß ich das tun werde, was ich als Gouverneur von
Kalifornien tat, daß ich diesen Leuten gegenüber offen sein werde. Man
ist Präsident des ganzen Volkes - und ich werde mir den Rat dort holen,
wo ich glaube, ihn bekommen zu können, ich werde diejenigen um Hilfe
fragen, die mit einem speziellen Problem vertraut sind.

Und ich weiß nicht,

wie ich es sonst sagen könnte.
Mit anderen Worten: ich werde mich nicht von den Menschen trennen,
die für uns stimmten und uns hierhergebracht haben.
FRAGE:

Im außenpolitischen Teil Ihrer Rede Montagnacht im Fernsehen

sagten Sie, daß die Amerikaner sich nicht vor der historischen Pflicht
drücken würden, den Verfolgten beizustehen«

Und insbesondere sagten Sie,

daß Sie für jene sprechen, die das Recht auf Selbstbestimmung ohne die
Einmischung ausländischer Mächte erstreben.

Ich würde gern wissen, ob

Sie uns sagen können, was dies bedeutet und insbesondere, ob dies Ihrer
Meinung nach auf die Lage in Polen zutrifft, in einem Land, wo sich derzeit eine unabhängige Arbeiterbewegung entwickelt und ein Land, das an die
Sowjetunion angrenzt und in dem einige sowjetische Divisionen stationiert
sind.
ANTWORT: Ich weiß natürlich, was es bedeutet, sonst hätte ich
es nicht gesagt. Es bedeutet, daß all diese Probleme und die ganze
Aggressionspolitik der Sowjetunion Teil der Diskussionen und Verhandlungen
sein müssen, die es geben wird. Ich glaube nicht, daß man sich einfach
mit der Sowjetunion an einen Tisch setzt, um über Rüstungskontrolle zu
diskutieren, sondern man diskutiert über die Gesamthaltung, die globale
Einstellung, ob man nun eine Welt des Friedens haben will oder ob man
lediglich über Waffen sprechen will, diese anderen Themen aber nicht
vorbringen möchte.
Mit

- 6 -

�Mit anderen Worten:
FRAGE:

ich glaube an eine Verkettung.

Gestern sagte Mr. Bush, daß die Geiselkrise Präsident Carters

Problem sei und Sie und er sich nicht einmischen wollten.

Sie sagten, daß

Sie bestimmte Vorstellungen hätten darüber, wie die Freilassung der Geiseln
ermöglicht werden könnte. Gibt es nunmehr irgendeine Rolle, die Sie bei
irgendeiner Art von Plan zu spielen beabsichtigen, um die Freilassung der
Geiseln zu erlangen und haben Sie dies mit Präsident Carter besprochen?
ANTWORT:

Nein.

Lassen Sie mich offen sagen: als ich sagte, ich

hätte Vorstellungen, mußte ich ehrlich sein.

Ich glaube, Sie werden alle

darin übereinstimmen, daß jeder, der sich um diesen Posten bewarb, ganz
einfach sagen mußte, falls dieses Problem auf ihn zukäme, würde er einige
Ideen darüber haben, wie er damit fertigwerden könnte.

Das bedeutet nicht,

daß es zu diesem Zeitpunkt unser Problem ist.
Lassen Sie es mich verdeutlichen:

Es ist unser Problem als Amerikaner,

aber der Präsident ist noch immer Präsident, und ich glaube, was George
sagte, ist, daß wir überall dort, wo wir behilflich sein könnten, es auch
sein würden, wenn dies gewünscht wird - denn wie jedermann sonst wollen
auch wir, daß die Geiseln heimkehren.
Aber gleichzeitig wollen wir auch ganz deutlich machen, daß wir
uns nicht aufdrängen wollen, und wir werden die Tatsache anerkennen, daß
diese Regierung noch immer an der Macht ist; und auch die Führungen anderer
Länder müssen sich darüber im klaren sein, daß der Präsident noch immer
Präsident ist.
FRAGE:

Im Verlauf des Wahlkampfes haben Sie gesagt, daß Sie mit

dem SALT III-Prozeß und den Verhandlungen mit den Russen sofort beginnen
woMten.

Planen Sie das Gespräch mit den Sowjets schon während der Über-

gangsperiode, um diesen Prozeß in Gang zu bringen?
ANTWORT:
- 7 -

�ANTWORT:

Nein.

Wir haben eine Anzahl von Botschaften erhalten

und ich weiß, daß auch der Botschafter eine Reihe erhielt, denn er ist
mit vielen dieser Leute persönlich bekannt.

Aber es waren Glückwünsche

und ähnliche, und - um es zu wiederholen - ich glaube nicht, daß jemand
von uns etwas tun möchte, das ihnen (den Sowjets) den Eindruck geben
könnte, wir seien kein einiges Land, oder daß wir irgendwie versuchen
würden, mit einer anderen Stimme zu reden als die Regierung.
George, wollen Sie dazu etwas sagen, nachdem Sie auch angesprochen
wurden?
ANTWORT (Bush):

Ich bin völlig einverstanden.

Und ich weiß

natürlich, daß es Anfragen von führenden Leuten auf der ganzen Welt geben
wird, um mit Gouverneur Reagan zusammenzutreffen - einige werden auch
mich sehen wollen.

Und was immer wir in dieser Hinsicht auch tun werden,

so werden wir klarstellen, daß wir keine Außenpolitik machen oder in
Verhandlungen eintreten wollen - weil Präsident Carter diese Verantwortung
zufällt bis zu dem Tag, da Präsident Reagan vereidigt wird.

Das ist alles,

was ich dazu sagen möchte.
FRAGE:
ziehen?

Würden Sie Henry Kissinger als Außenminister in Betracht

Es gibt einen Bericht, daß er womöglich empfohlen wird.

ANTWORT: Nun, wir sind heute hier, um eine Übergangsmannschaft
anzukündigen. Wir haben Ihnen die Namen der Personen genannt, die damit
zu tun haben werden, und weiter wollen wir jetzt nicht gehen. Es wird
keine Diskussion über Namen geben, bis wir bereit sind, die eigentliche
Ernennung bekanntzugeben.
FRAGE: Während des Wahl kämpfes haben Sie gesagt, Sie möchten
das Energie- und Erziehungsministerium abschaffen - zwei neue Ministerien.
Was werden Sie hinsichtlich der Ernennung von Kabinettsmitgliedern tun?

�tun?

We.-den Sie Leiter für diese Ministerien ernennen, während Sie

deren Abschaffung ins Auge fassen?
ANTWORT:

Diese Ministerien bestehen, und natürlich braucht man

dafür eine Leitung.

Aber lassen Sie mich zugleich eines klarstellen:

Ich bin mir natürlich darüber im klaren, daß in beiden dieser neuen
Ministerien Funktionen ausgeübt werden, legitime Funktionen, die es schon
seit langem gibt und die dann in jene Ministerien inkorporiert wurden.
Wenn man also über die Frage spricht, ob man ein solches Ministerium in
seiner heutigen Form braucht, so bedeutet dies nicht, daß man sich der
legitimen Funktionen entledigt, die die Regierung schon immer ausgeübt
hat und die es auch weiterhin geben sollte, die aber nur diesen Ministerien
einverleibt wurden.
FRAGE:

Ich spreche für die südamerikanische Presse.

Sie gern folgendes fragen:

Ich möchte

Sehen Sie Ihre Regierung als einen Ausdruck

der nationalen Einheit der Vereinigten Staaten oder ist sie das Produkt
von Gruppen, Minoritäten oder Unternehmern?

Wie ist Ihre Einstellung dazu?

Und warum gibt es im Presseraum des Weißen Hauses keine südamerikanischen
Journalisten?

Werden Sie hier Abhilfe schaffen?

Vielen Dank, Herr

Präsident.
ANTWORT:

Um auf Ihre erste Frage einzugehen:

Wenn ich Sie richtig

verstanden habe, so habe ich nur eine einzige Vorstellung von dieser
Aufgabe.

Ich glaube, daß der Präsident und der Vizepräsident die beiden

einzigen Personen in Washington sind, die gewählt wurden, um das ganze
Volk zu repräsentieren.

Andere dort haben eine Verantwortung für Distrikte,

für Bundesstaaten sowie natürlich auch für das Wohl des Landes.

Aber es

gibt zwei Menschen, die dort sind, weil sie von allen gewählt wurden, um
alle zu repräsentieren.

Was

�Was die Staaten von Südamerika, von Mittelamerika und hier auf dem
nordamerikanischen Kontinent angeht, unsere beiden Nachbarn, so habe ich
wiederholt deutlich gemacht, daß man meiner Ansicht nach im Lauf der
Jahre eine Verschlechterung der Beziehungen zuließ und daß dies nicht so
sein sollte. Und wir werden jede Anstrengung unternehmen, um auf dem Weg
bilateraler Abkommen und ähnlichem die Völker der beiden Amerikas einander
näherzubringen, damit Nord-, Mittel- und Südamerika geeint sein können
in ihrer Entschlossenheit zur Freiheit.
FRAGE:

Mr. Allen zog sich in den letzten Tagen des Wahl kämpfs

zurück, um - wie er sagte - Ihnen keine Schwierigkeiten zu machen.

Seine

Wiederernennung heute zum Mitglied des Übergangsteams läßt vermuten, daß
Sie noch immer Vertrauen in Mr. Allen haben.

Haben Sie die Anschuldigungen

gegen ihn geprüft und glauben Sie, daß er entlastet ist?
ANTWORT:

Ja. Unsere Leute haben das getan und wir fanden keinerlei

Beweis für irgendein Fehl verhalten.

In der Tat kamen einige der wichtigsten

Zeitungen zum gleichen Ergebnis, nachdem dieses Thema auf den Tisch gekommen
war.

Wir fanden keinerlei Interessenkollision.

Wir fanden nichts, was

unsere Einstellung ihm gegenüber hätte ändern können, und ich darf sagen,
daß er die volle Unterstützung derjenigen hat, mit denen er zusammengearbeitet hat, jener vielen Experten und anderer, die uns auf dem Gebiet
der Außenpolitik beraten haben.
FRAGE: Diejenigen von uns, die Sie auf Ihren Reisen während der
letzten paar Monate begleitet haben, haben versucht, Sie oder Ihre Mannschaft auf einen Plan bei Pressekonferenzen festzunageln, sobald Sie ins
Amt kämen. Nachdem Sie jetzt gewonnen haben: können Sie uns sagen, wie
oft Sie Pressekonferenzen abhalten werden, sobald Sie im Amt sind.
ANTWORT:

Ich glaube, dies ist eines der Details, die wir noch

nicht ausgearbeitet haben. Aber wenn Sie einen Blick zurückwerfen, dann

- 10 -

�dann sehen Sie, daß ich als Gouverneur eigentlich stets für die Presse
da war und daß ich dies als eine der Möglichkeiten ansehe, die Leute wissen
zu lassen, was in der Regierung vor sich geht.

Daher werden wir alles tun,

um sie auf einer halbwegs regelmäßigen und konsequenten Basis abzuhalten.
FRAGE: Während des Wahl kämpfes hat Botschafter Bush erklärt, daß
er sich gewaltig anstrengen müsse, wenn er während der Wahlkampagne Ihr
Vertrauen gewinnen wolle; wäre dies nicht der Fall, dann müsse er auf eine
Menge von Beerdigungen gehen. Aus dem, was Sie hier gesagt haben, ergibt
sich, daß er Ihr Vertrauen gewonnen hat. Rechnen Sie damit, daß er eine
wichtine Rolle spielen wird? Und sollte dies der Fall sein, könnten Sie
uns dann seine Rolle erläutern, und wird er im Weißen Haus über ein eigenes
Büro verfügen oder wird dieses Büro im Ex*kutivgebäude sein?
ANTWORT:

Lassen Sie mich noch einmal darauf hinweisen, daß Sie hier

nach vielen Details fragen.
sei.

Ich hätte gedacht, daß dies bereits erledigt

Nein, er muß nicht auf eine Menge von Beerdigungen gehen.

Vielleicht

wird das einmal umgekehrt sein, aber - warum lachen Sie - nein, ich bin
nachdrücklich der Meinung, daß es eine Verschwendung wertvoller Kräfte wäre,
wenn man diese Position nicht als eine entschiedene Hilfe ansehen würde,
und hinzu kommt die Erfahrung, die er in der Regierung gesammelt hat.
Aber zu diesem Zeitpunkt können wir nicht sagen, daß dies bereits ausgearbeitet worden sei.

Nein, auch das wird Teil des Übergangsprozesses sein

und behandelt werden, wenn wir dazu Gelegenheit haben.
FRAGE:

Wie beurteilen Sie den Einsatz der Türkei als NATO-Verbündeter

für die westliche Sicherheit, und werden Sie die Wirtschafts- und Militärhilfe für dieses Land verstärken, nachdem Sie Ihr Amt angetreten haben?
ANTWORT:

Sie bringen mich nun erneut in eine Position, die meiner

Meinung nach mehr Nachdenken und Konsultation erfordert, als dies in einem
Wahlkampf möglich ist. Aber ich glaube, daß wir uns alle darüber im klaren

- 11 -

�klaren sind, daß die Türkei und Griechenland - ich meine, daß wir die
Probleme zwischen beiden Ländern - wenn wir irgendwie diese Situation
erleichtern können - erleichtern werden, weil sie die südliche Flanke
unserer NATO-Verteidigungslinie bilden und dies deshalb für unsere eigene
nationale Sicherheit von großer Bedeutung ist.
FRAGE:

Sie sagten vorher angesichts des Reagan-Dampfwalzeneffektes,

daß Sie sich um eine überparteiliche Grundlage für die Außenpolitik bemühen
würden.

Wollten Sie damit andeuten, daß Sie vielleicht einen Demokraten

in Ihren Kabinettsstab oder in das Kabinett aufnehmen würden?
ANTWORT:

Das könnte durchaus der Fall sein.

Ich habe in dieser

Hinsicht noch keine Entscheidung getroffen, und diese Frage würde uns
wieder in die Diskussion einzelner Namen führen.
getan.

Wir haben das noch nicht

Was ich aber ganz bestimmt wünsche, und insbesondere im Hinblick

auf die Außenpolitik, ist, daß die Welt weiß, daß es keine politische
Spaltung gibt, die unsere Außenpolitik berührt.
FRAGE:

Lassen Sie mich noch einmal auf die Geiseln zurückkommen.

Werden Sie Ihre speziellen Vorstellungen während dieser Übergangsperiode
Präsident Carter unterbreiten und Sie ihm als einen Vorschlag für die
Beendigung dieser Krise anbieten?
ANTWORT:

Der Präsident hat uns beiden in sehr großzügiger Weise

ausführliche Unterrichtungen angeboten, von denen wir selbstverständlich
Gebrauch machen werden.
wenn sich

Und wenn es irgendeine Gelegenheit gibt und

aufgrund dieser Unterrichtungen auf unserer Seite irgendeine

Vorstellung ergibt, die wir vorschlagen könnten und die nützlich wäre,
dann würden wir das selbstverständlich tun.
Andererseits, und das habe ich bereits gesagt, wollen wir nicht den
Anschein erwecken, als würden wir uns in den Bereich des Präsidenten ein-

- 12 -

�einmischen wollen, der ja immer noch Präsident ist. Und aufgrund der
Nachrichten, die wir gehört haben, hoffe ich, daß die Iraner nicht etwa
die Vorstellung hätten, daß es für sie nützlich wäre, würden sie noch
längere Zeit warten. Wir wünschen, daß diese Menschen nach Hause kommen.
FRAGE:

Wenn sich Ihre Vorstellungen wesentlich von denen Präsident

Carters unterscheiden, würden Sie dann damit zurückhalten und warten, bis
Sie Ihr Amt übernommen haben?
ANTWORT:

Nein, nicht wenn ich auch nur eine Minute lang dächte,

daß meine Vorstellungen ihre Freilassung beschleunigen könnten.
FRAGE: Es scheint eine gewisse Besorgnis zu bestehen, wie sich die
amerikanische Außenpolitik verändern werde. Was können Sie den Verbündeten
Amerikas in Westeuropa, jetzt da Sie die Macht übernommen haben, über die
Außenpolitik der Vereinigten Staaten sagen? Und gibt es bei den Menschen
in Westeuropa ihrer Ansicht nach nicht gewisse falsche Vorstellungen über
Sie selbst?
ANTWORT:

Ich glaube, das ist sehr gut möglich.

Ich denke, wenn

sie in einem Wahl kämpf die Rhetorik der Wahlreden und manches andere in
ihre eigene Sprache zu übersetzen haben, dann muß es da ein gewisses
Element der Verwirrung über die an dem Spiel hier Beteiligten geben.

Aber

ich möchte, daß sie wissen - und wir werden ihnen dies klarmachen, sobald wir dazu Gelegenheit haben - daß wir die Konsultation wollen, daß
wir die Absicht haben, mit ihnen über gewichtige Entscheidungen zu beraten.
Wir glauben an die Bedeutung des NATO-Bündnisses und wir werden alles,
was wir können, tun, um sie zu vergewissern, daß wir keinen Alleingang
wollen.

Wir wollen ihr Vertrauen in uns wiederherstellen und daß sie

unserem Wort Glauben schenken können und daß wir dieses Bündnis als sehr
bedeutsam für die Vereinigten Staaten ansehen.
FRAGE:

- 13 -

�FRAGE:

Meinen Sie, George Bush könnte eine in diese Richtung

weisende spezifische Aufgabe erhalten, Gespräche mit den ausländischen
Mächten zu führen?
ANTWORT:

Ich weiß, daß George Bush dabei äußerst hilfreich sein

kann und sein wird.
FRAGE:

Jetzt, da die Republikaner die Kontrolle im Senat haben,

ist schon der Versuch im Gange, Howard Baker daran zu hindern, Fraktionsführer der Mehrheit im Senat zu werden.

Haben Sie Vertrauen zu Baker

in dieser Rolle und würden Sie ihn unterstützen?
ANTWORT:

Ich habe nicht nur Vertrauen zu Howard Baker, sondern

ich bin auch von Mitgliedern des Senats unterrichtet worden, daß es keine
Reibereien gibt.

Es gibt hier keine Aktion, die in irgendeiner Weise auf

•

eine Änderung aus ist, vielmehr ist seine Position gefestigt - er wird der
Fraktionsführer der Mehrheit im Senat sein.
FRAGE: Werden Sie der "Moralischen Mehrheit" eine Rolle bei der
Abzeichnung Ihrer Entscheidungen über die Mitglieder des Kabinetts zugestehen?
ANTWORT:

Nun, der einzigerer offiziell eine Rolle bei einer

solchen Entscheidung hat, ist der Senat mit der Bestätigung der Kabinettsmitglieder.
Auf der anderen Seite heißt das nicht, wie ich bereits sagte,
•

daß wir nicht alles Verfügbare soweit wir können nutzen werden, um ein
Kabinett zu haben, das vor allem aus Personen besteht, die die besten sind,
die wir finden können, mit Qualifikationen für die Aufgabe. Und ich
denke, sie verstehen das und wir werden jeden Beitrag, den irgendeine
Gruppe oder ein Einzelner in dieser Hinsicht leisten kann, begrüßen, und

- 14 -

�und das wird ein definitiver Teil des Übergangsprozesses sein.
FRAGE:

Haben Sie bis jetzt irgendwelche Gespräche mit den führenden

Demokraten im Kongreß geführt und wie gedenken Sie mit ihnen bei der
Durchsetzung Ihres Programmes zusammenzuarbeiten?
ANTWORT: Nein! Ich kann nicht sagen, daß ich in diesem Wahl kämpf
Kontakte zu den demokratischen Kongreßmitglieder hatte. Aber ich habe
seitdem einen Kontakt gehabt, bei den beiden, die ich ernannte, die zu unserem
Übergangsteam in der Außenpolitik gehören, zwei Senatoren. Aber, nochmals,
gestützt auf meine bisherige Erfahrung, bin ich mir der Notwendigkeit
einer Überparteilichkeit hier bewußt, um die notwendigen Gesetze durchzubringen, und ich beabsichtige ganz gewiß,mit ihren führenden Vertretern,
aber auch mit ihren Mitgliedern in Kontakt zu treten,so, nie ich im Verlauf
dieses Wahlkampfes bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit den republikanische
Mitgliedern des Hauses und des Senats zusammengekommen bin,
FRAGE:

Beabsichtigen Sie,Ihr Kabinett in der ersten Dezemberwoche

bekanntzugeben und hoffen Sie.die Namen alle auf einmal oder einen nach
dem anderen bekanntgeben zu können?

Und gibt es eine spezifische Bemühung,

Minderheiten oder Schwarze zu finden, um irgendwelche Kabinettsposten mit
ihnen zu besetzen?
ANTWORT:

Das wird natürlich zur Erwägung stehen.

Weil ich glaube,

daß es so sein sollte - außer gut qualifiziert zu sein - und ich weiß,
es sind da gut qualifizierte Leute in den verschiedenen ethnischen Gruppen,
den rassischen Gruppen,

Ja, wir werden darauf achten.

Und was den ersten

Teil Ihrer Frage betrifft, so hoffen wir, daß wir Ende November oder Anfang
Dezember in der Lage sein werden, unsere Auswahl für das Kabinett bekanntzugeben.
FRAGE:

- 15 -

�FRAGE:

Es scheint, daß die Beziehung, die Frankreich und die

Sowjetunion bis jetzt hatten, Präsident Carter Kopfzerbrechen bereitet
hat.

Beunruhigt die privilegierte Beziehung, die Mr. Giscard d'Estaing

zu Mr. Breschnew hat, Sie auch?
ANTWORT:

Nein, aber ich hoffe auch, daß die Vereinigten Staaten

und Präsident Giscard und unsere Administration sehr eng zu einanderstehen
werden und daß sie erkennen werden, daß wir sie als einen sehr engen
Freund ansehen.
FRAGE:

Herr Gouverneur Reagan, die Lage in Nordirland ist in den

Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien ein Grund
zum Ärgernis gewesen.

Können Sie sagen, wie Sie die Situation in Angriff

nehmen werden, insbesondere, ob Sie die Entscheidung des Außenministeriums
überprüfen werden, den Verkauf amerikanischer Waffen an die Polizei Streitkräfte in Nordirland zu suspendieren?
ANTWORT:

Nun, auch auf diese Art Fragen kann ich noch keine eindeutige

Antwort geben, solange ich nicht die Gelegenheit habe, das Problem eingehender zu studieren.

Aber ich möchte als Privatmann sagen, daß die

Vereinigten Staaten sich nicht einmischen sollen oder eingreifen können.
Andererseits sollten die Vereinigten Staaten meiner Meinung nach klarstellen,
daß wir - sollte es eine Möglichkeit geben, wie wir helfen können - nur
zu gern helfen würden, denn das Ganze ist eine überaus tragische Situtation.
FRAGE:

Haben Sie die Absicht, irgendeinen Ihrer Vorschläge in die

Kongreßsitzung während der Obergangszeiteinzubringen - wie etwa eine
Beschneidung der Bundesausgaben?
ANTWORT: Ich glaube, unsere eigenen Kongreßabgeordneten, jetzt,
da wir in einem der Häuser über die Mehrheit verfügen, im Senat, werden
sich rühren.
Ich

�Ich glaube, daß es Vorschläge gibt, über die ich gesprochen habe
und auf die ich oft bezug genommen habe, die bereits in der Diskussion
sind oder schon die Form von Gesetzesvorlagen angenommen haben, und ich
bin ziemlich sicher, daß sogleich nach Wiederzusammentritt des Kongresses
daran weitergearbeitet wird; ich freue mich jedenfalls, wenn dies geschieht.
FRAGE: Gouverneur Reagan, da Sie nunmehr das Präsidentenamt in
einem höheren Alter übernehmen als jeder andere Ihrer Amtsvorgänger: Sind
Sie bereit, heute zu sagen, ob Sie beabsichtigen, Präsident für eine einzige
Amtsperiode zu sein, oder schließen Sie nicht aus, daß Sie sich in vier
Jahren um die Wiederwahl bewerben werden?
ANTWORT: Nein, ich habe nicht über den Zeitraum hinausgedacht, für
den ich gewählt worden bin. Und, falls die Frage kommen sollte: Ich
fühle mich einfach ausgezeichnet.
FRAGE:

Ein großer Teil Ihres Wahlkampfes konzentrierte sich auf

Wirtschaftsrezepte für das Land.

Nachdem Sie gewählt wurden:

Können Sie

uns sagen, wie rasch Sie Ihr Wirtschaftsprogramm zu verwirklichen gedenken
und wie rasch das amerikanische Volk Ergebnisse davon erwarten kann?
ANTWORT: Ich hoffe, damit so rasch wie möglich anfangen zu können.
Ich glaube, das ist der wichtigste Punkt, das war das zentrale Thema
des Wahlkampfes. Ich glaube, das war der Wunsch, den das amerikanische
Volk durch seine Stimme zum Ausdruck brachte - und deshalb werden wir sofort
damit beginnen. Und ich weiß, daß dem Kongreß Maßnahmen vorliegen in bezug
auf einige der Themen - Steuersenkungen und so weiter -, und mir soll es
nur recht sein, wenn nicht gewartet wird, wenn schon in der Übergangsperiode darangegangen wird.
FRAGE:

Gouverneur Reagan, Sie wurden offensichtlich durch Millionen

demokratischer und unabhängiger Stimmen gewählt.

- 17 -

Fühlen Sie sich noch

�noch immer völlig mit dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei verbunden?

Und werden Sie insbesondere auf Durchsetzung des Anti-Abtreibungs-

zusatzes zur Verfassung drängen?
ANTWORT:

Mein Wahl kämpf basierte auf diesem Programm.

haben wegen des Programms für mich gestimmt.

Die Leute

Ich glaube an dieses Programm

und ich meine, es wäre jetzt von mir sehr zynisch und gefühllos, mich davon
abzuwenden.

Offensichtlich waren diejenigen der anderen Partei oder die

Unabhängigen, die für mich gestimmt haben, auch mit dem Programm änverstanden.
FRAGE:

Herr Gouverneur, könnte ich eine Anschlußfrage hierzu

stellen: Aufgrund der Größe Ihres Sieges gibt es jetzt eine Reihe Leute,
die sagen, daß man dies als ein Mandat für beträchtliche Veränderungen
interpretieren könne. Würden Sie etwas zu jenen Demokraten oder
Republikanern, Liberalen und Gemäßigten sagen, die sich möglicherweise
durch Ihre politischen Ansichten entrechtet fühlen, gibt es etwa, was Sie
ihnen sagen würden, um sie zu beruhigen?
ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß es irgendjemanden gibt, der durch

meine Ansichten politisch entrechtet wird.

Ich weiß, daß zum Beispiel

während des Wahl kämpfes das Thema des Gesetzeszusatzes für die Gleichberechtigung der Frau ständig aufkam.

Und ich habe versucht, jedesmal

deutlich zu machen, daß das Programm der Republikanischen Partei - liest
man es genau - noch nie deutlicher hinsichtlich der gleichen Rechte für
Frauen gesprochen hat. Und genauso geht es mir.

Die einzige Meinungs-

verschiedenheit bestand darin, ob ein Gesetzeszusatz, der in über acht
Jahren nicht fähig war, die Ratifizierung durch die Einzelstaaten zu erhalten - ja selbst, wenn er es fertiggebracht hätte -, ob ein solcher
Zusatz das beste und praktischste Mittel wäre, solch gleiche Rechte zu
bekommen.
Und
•

- 18 -

�Und ich habe auf das verwiesen, was wir hier in diesem Bundesstaat
(Kalifornien) laut Gesetz getan haben.

Ich werde mich tatkräftig des

Problems der Gleichberechtigung für Frauen annehmen.

Es ist, so meine

ich, bezeichnend, daß 13 der 15 Staaten, die jenen Gesetzeszusatz noch nicht
ratifiziert haben, in ihren Parlamenten über demokratische Mehrheiten
verfügen; und auch mit einer demokratischen Mehrheit im Kongreß und einem
demokratischen Präsidenten waren sie noch immer nicht in der Lage, diese
Einzel Staaten zu einer Ratifizierung dieses Zusatzes zu bewegen.
Daher hatten diejenigen, die zu glauben meinten, meine Einstellung
zu diesem Zusatz während des Wahlkampfs bedeute Ablehnung der Gleichberechtigung für Frauen, völlig Unrecht; und ich glaube, daß dies in
manchen Fällen viele von ihnen wußte" denn meine Taten sprechen eine
deutliche Sprache und ich habe Ihnen klargemacht, was wir jetzt tun werden.
FRAGE:

Es gab heute vormittag einige Berichte aus Washington, in

denen hohe Vertreter der Administration zitiert werden, wonach Präsident
Carter bereit sein könnte, unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, um die
Geiseln zu befreien.

Sind Sie ihrerseits auch irgendwie besorgt,daß

Carter in seiner Übergangszeit als Präsident bereit sein könnte, gegenüber iranischen Forderungen klein beizugeben und würden Sie ihm raten,
dies nicht zu tun?
ANTWORT:

Er hat mehrfach erklärt, daß er nichts tun würde, was die

Ehre unseres Landes oder unsere Interessen schädigen könnte.

Und wir

haben diese Erklärungen zu akzeptieren, daß er so handeln wird.

Und daher

glaube ich, daß es für mich keinerlei Anlaß gibt, in dieser Hinsicht zu
intervenieren.
FRAGE:

Gouverneur, beabsichtigen Sie den Camp David-Friedensprozeß

weiter zu verfolgen und würden Sie immer noch die PLO als eine Terroristenorganisation bezeichnen, so wie Sie das vor etwa einem Jahr taten?
ANTWORT:
- 19 -

�ANTWORT:

Ja, ich glaube die PLO hat bewiesen, daß sie eine Terroristen-

organisation ist.

Wie ich wiederholt gesagt habe, ich mache änen Unterschied

zwischen der PLO und den Palästinenserflüchtlingen.
je gewählt.

Niemand hat die PLO

Ja, ich beabsichtige das wieder zu tun (sie so zu nennen), und

es ist wie bei der anderen Situation, die wir vorhin erörterten - was immer
auch die Vereinigten Staaten tun können, wir wollen weder eine Lösung vorschreiben noch diktieren, was aber immer wir tun können, um den Frieden im
Nahen Osten zu fördern, das werden wir tun.
FRAGE:

Gouverneur Reagan, werden Sie mit Ministerpräsident Begin

zusammentreffen, wenn er innerhalb der nächsten Wochen nach den Vereinigten
Staaten kommt, wie er es plant?

Würden Sie ihn beispielsweise zu einem

Besuch auf Ihre Ranch einladen?
ANTWORT:

Ich denke, das ist hier eine Frage, die unseren Obergangs-

prozeß noch etwas abwarten muß.

Ich möchte nicht - dies ist hier ein

heikler Punkt - daß ich den Anschein erwecke»als stelle man sich selbst
auf einen Platz, der noch nicht der meine ist, die Präsidentschaft - und
ich möchte in keiner Weise irgendetwas tun, was diesen Eindruck erwecken
könnte.

Und doch bin ich mir über die Notwendigkeit eines Kontaktes im

klaren, aber die Entscheidung darüber, wann das angebracht und richtig ist,
die haben wir noch nicht getroffen.
FRAGE:

Gouverneur, zu Beginn seiner Amtszeit gab Präsident Carter

den Menschenrechten eine sehr hohe Priorität, und er sagte, er tue dies,
weil er an die Bibel glaube.

Zwingt Ihr Glaube an die Bibel Sie, den

Menschenrechten eine ähnlich hohe Priorität einzuräumen, vor allem in den
Ländern der Dritten und Vierten Welt?
ANTWORT: Ja. Ich denke, daß wir alle hier in diesem Land für den
Glauben an die Menschenrechte eintreten, aber ich meine, es muß dies eine
konsequente Politik sein. Ich denke nicht, daß man sich von einigen Ländern

- 20 -

�Ländern abwenden darf, weil sie hier und da nicht völlig mit unserer
Konzeption von den Menschenrechten übereinstimmen und dann aber zur
gleichen Zeit Beziehungen zu anderen Ländern unterhalten oder sie zu entwickeln versuchen, in denen Menschenrechte praktisch nicht existent sind.
Das ist es, was ich vorhin schon gesagt habe. Das Thema sollte,
so wie andere, Teil jeglicher Verhandlungen auf der außenpolitischen
Szene und jeder Beziehung, die wir zu anderen Ländern unterhalten, sein.
Aber ich denke, daß die von uns geübte Praxis, sich von Ländern,
die im Grunde uns freundlich gesinnt waren, abzuwenden, weil es in irgendeinem Aspekt der Menschenrechte gewisse Meinungsverschiedenheiten gab
und dann feststellen zu müssen, daß in einem solchen Land alle Menschenrechte verloren gingen - daß dies kein praktischer Weg des Handelns in
dieser Frage ist.
KORRESPONDENTEN:

Wir danken Ihnen!

+ + + + +

- 21 -

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Hinterafundmalend

1

1
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International Communication Agency
Embassy of the United States of America
12. November 1980

50

DIE NATO NACH AFGHANISTAN - DER ZUSAMMENHALT DES BÜNDNISSES
AUF DEM PRÜFSTAND
- Von Simon Lunn -

Der nachfolgende Artikel basiert auf einem
Bericht "Die NATO nach Afghanistan", den
der Autor für den Kongreßforschungsdienst
der amerikanischen Kongreßbibliothek erstellt hat. Lunn ist Direktor von Ausschüssen und Studiengruppen der Nordatlantischen Versammlung, der Parlamentarier
aus allen Mitgliedstaaten des Atlantischen
Bündnisses angehören.

Viele politische Beobachter sind der Meinung, daß die sowjetische Invasion Afghanistans der dringend benötigte Katalysator sein sollte, um dem Atlantischen Bündnis hinsichtlich der wahren Natur und des tatsächlichen Ausmaßes
der sowjetischen Bedrohung die Augen zu öffnen.
Demgemäß muß die NATO jetzt eine ernsthafte Überprüfung der Ziele und
Prioritäten in Angriff nehmen, die ihrer gegenwärtigen Strategie zu Grunde
liegen, um mit den Bedrohungen fertigwerden zu können, denen sie sich im kommenden Jahrzehnt ausgesetzt sehen wird, vor allem jener außerhalb ihres formellen

ertragsgebietes.MHHHii^M^HHMiMHMaHiH^^BHaHiMHaii^H^dM

Postfach20 0300 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
T e | e x : 08-85432

�Die Vereinigten Staaten sind bereits vorangegangen, indem sie ein koordiniertes Handeln im Bereich kurz- und langfristiger Maßnahmen gefordert
haben, die darauf abzielen, die Sowjetunion für ihre Handlungen zu bestrafen
und sie zu entmutigen, eine weitere Expansion ihrer Macht auszuführen.

Den

Verbündeten ist bereits eine Reihe von Vorschlägen zur Erwägung vorgelegt
worden, und diese Vorschläge könnten die Grundlage für eine geschlossene Antwort bieten.
Die europäische Reaktion auf die Invasion Afghanistans war zurückhalten- ,
der.

Viele Europäer sind der Ansicht, die Sicherheit und die Stabilität der

Region des Persischen Golfes liege mehr in der Verwirklichung politischer und •
wirtschaftlicher Maßnahmen als in den militärischen Arrangements, die gegenwärtig getroffen werden.

Die Europäer sind auch nicht willens, den Zusammen-

bruch der Ost-West-Beziehungen zu riskieren.

Die Aufgabe der Entspannungs-

politik würde sorgfältig gepflegte Beziehungen zum Osten untergraben und wäre
für die öffentliche Meinung in Europa unannehmbar.
Europäische Politiker vertreten die Auffassung, daß während einer Krise
die Kommunikationsversuche verstärkt und nicht verringert werden sollten.
Jedes europäische Land ist in einer anderen Lage und hat andere wirtschaftliche Beziehungen zur Sowjetunion. Das macht die Einführung einer gleichartigen Politik schwierig.
In dem Maße, in dem Afghanistan dazu gedient hat, eine Reihe wesentlicher Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Bündnisses zu polarisieren,
sollte die Chance genutzt werden, um größere Klarheit und gegenseitige Verständigung bezüglich der Sicherheitserfordernisse des Bündnisses in der gegenwärtigen internationalen Lage zu erreichen.
Es ist für die Europäer besonders wichtig, ihre Auffassungen bezüglich
des Bündnisses klarzustellen. Wenn sie mit den Vereinigten Staaten einer Meinung sind, daß die Herausforderung des Bündnisses wesentlich größer geworden
ist, dann müßte man eigentlich glauben, daß die Einsicht in die Richtigkeit
dieser Analyse eine Verpflichtung mit sich bringen würde, auf dem Gebiete der
- 2 -

�der Verteidigung mehr zu tun, einschließlich der Bereitstellung zusätzlicher
Mittel.
Was auch immer der Beweggrund für die sowjetischen Handlungen gewesen sein
mag, so ist man sich generell darüber einig, daß die andauernde sowjetische
Besetzung Afghanistans eine neue geostrategische Lage geschaffen hat, die einer
sorgfältigen Bewertung durch die NATO bedarf.
Die Vereinigten Staaten haben die Notwendigkeit eines koordinierten und
kollektiven Handelns der westlichen Verbündeten unterstrichen und haben drei
allgemeine Gebiete aufgezeigt, auf denen zusätzliche Anstrengungen erforderlich sind:

eine verstärkte militärische Präsenz in der Region des Persischen

Golfes in Friedenszeiten sowohl auf einer permanenten wie auf temporärer Basis,
um die westliche Verpflichtung zur Verteidigung der Region zu demonstrieren;
eine glaubwürdige Kapazität zur Dislozierung nennenswerter KampfStreitkräfte
in der Region in Krisen- oder Konfliktsituationen; und die Notwendigkeit, den
dortigen Ländern Sicherheits- und Wirtschaftshilfe zu leisten.
Der Prüfstein für die NATO wird jetzt sein, ob sie eine Übereinstimmung
über eine angemessene und glaubwürdige Antwort auf die Entwicklungen in Südwestasien findet - eine Antwort, in der der europäische Beitrag klar erkennbar sein muß.
Wenn unter einer revidierten Arbeitsteilung die Vereinigten Staaten am
besten gerüstet sind, um für die Sicherheit der Golfregion zu sorgen, dann
werden die Verbündeten bereit sein müssen, einen größeren Anteil der Last in
Westeuropa zu übernehmen.

Wenn es nicht gelingt, sich diesen neuen Realitäten

anzupassen, oder auf sie zu antworten, dann könnte dies ernste Konsequenzen
für den Zusammenhalt des Bündnisses haben.
Amtliche Vertreter Amerikas betrachten heute die Verpflichtung aus dem
Jahre 1978, einen (realen) dreiprozentigen Zuwachs in den Verteidigungsausgaben zu erreichen, als das bloße Minimum, das notwendig ist, um die Glaubwürdigkeit des Bündnisses aufrechtzuerhalten.
Viele
- 3 -

�I
/
' /
/

der Verteidigung mehr zu tun, einschließlich der Bereitstellung zusätzlicher
Mittel.
/

Was auch immer der Beweggrund für die sowjetischen Handlungen gewesen sein
mag, so ist man sich generell darüber einig, daß die andauernde sowjetische
Besetzung Afghanistans eine neue geostrategische Lage geschaffen hat, die einer
sorgfältigen Bewertung durch die NATO bedarf.
Die Vereinigten Staaten haben die Notwendigkeit eines koordinierten und
kollektiven Handelns der westlichen Verbündeten unterstrichen und haben drei
allgemeine Gebiete aufgezeigt, auf denen zusätzliche Anstrengungen erforderlich sind: eine verstärkte militärische Präsenz in der Region des Persischen
Golfes in Friedenszeiten sowohl auf einer permanenten wie auf temporärer Basis,
um die westliche Verpflichtung zur Verteidigung der Region zu demonstrieren;
eine glaubwürdige Kapazität zur Dislozierung nennenswerter KampfStreitkräfte
in der Region in Krisen- oder Konfliktsituationen; und die Notwendigkeit, den
dortigen Ländern Sicherheits- und Wirtschaftshilfe zu leisten.
\
\

Der Prüfstein für die NATO wird jetzt sein, ob sie eine Übereinstimmung
über eine angemessene und glaubwürdige Antwort auf die Entwicklungen in Südwestasien findet - eine Antwort, in der der europäische Beitrag klar erkennbar sein muß.
Wenn unter einer revidierten Arbeitsteilung die Vereinigten Staaten am

�Viele europäische Länder scheinen jedoch die drei Prozent als einen
endgültigen Rahmen zu betrachten, innerhalb dessen alle künftigen Erfordernisse
erfüllt werden müssen.

Unter solchen Umständen werden zusätzliche Aufgaben

und neue Prioritäten nur auf Kosten bestehender Kapazitäten erfüllt werden
können.
Wenn die unterschiedlichen Auffassungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Europa nicht offen erörtert werden

und eine größere Klarheit der Zielset-

zung und der Mittel geschaffen wird, dann wird der künftige Zusammenhalt des
Bündnisses weiterhin fraglich sein.

Ein solcher Prozeß der Gewissenserfor-

schung bezüglich der künftigen Ziele und Erfordernisse des Bündnisses, könnte
in naher Zukunft zu einer Intensivierung ihrer Anstrengungen auf zwei Gebieten
führen:
- Verbesserte Konsultationen, d.h., daß wo immer möglich

Konsultationen

stattfinden sollten, bevor Mitgliedsländer auf nationale Positionen festgelegt
sind, und
- bei Erfüllung des Langfristigen Verteidigungsprogramms eine anhaltende
Suche nach Mitteln und Wegen, um die vorhandenen Mittel effektiver zu nutzen.
Wenn man an Beiträge des Bündnisses zur Stabilität und Sicherheit der Golfregion denkt, dann müssen zwei fundamentale Feststellungen getroffen werden.
Erstens, politische Empfindlichkeiten verbieten jeden Vorschlag einer formellen
Ausweitung der Grenzen des NATO-Bereichs. Zweitens, politische, wirtschaftliche und verfassungsmäßige Probleme machen es für eine Reihe europäischer Länder sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, KampfStreitkräfte außerhalb des
NATO-Bereiches zu dislozieren.
Die Konzeption der Arbeitsteilung wurde eingeführt, um der bestehenden
Unterschiedlichkeit der Haltungen und Fähigkeiten Rechnung zu tragen.

Jedes

Land wird so auf die Weise beitragen, für die es am besten geeignet ist.

Die

Beiträge, die man vom Bündnis für die Sicherheit und Stabilität der Golfregion
erwarten kann, fallen daher unter zwei Kategorien:

Frctpn&lt;:

�Erstens, direkte Hilfe durch die Dislozierung von Seestreitkräften, die
Intensivierung der Wirtschaftshilfe und des politischen Einflusses sowie die
Erlaubnis zur Benutzung von Einrichtungen zur Erleichterung amerikanischer
Dislozierungen durch die Vereinigten Staaten.

Wenn auch ein gewisses Maß an

Koordination durch den Bündnisrahmen bewirkt werden kann, so würden diese
Aktionen auf bilateraler Basis unabhängig von der formellen Befehlsstruktur
der NATO durchgeführt werden.
Zweitens, indirekte Hilfe durch Übernahme zusätzlicher Aufgaben der Verteidigung Westeuropas, wodurch amerikanische Ressourcen für den Einsatz in
der Golfregion freigestellt würden. Diese Aktionen würden innerhalb des formellen Verteidigungsmechanismus der NATO durchgeführt werden. Die militärischen
Stellen der NATO haben bereits eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, deren
Durchführung dem Ausgleich einer potentiellen Kürzung der amerikanischen Kapazität dienen sollen.
Die Vereinigten Staaten haben in den letzten Jahren großen Nachdruck
auf die Verbesserung der Aspekte der Einsatzbereitschaft und Verstärkung ihrer
europäischen Verpflichtung gelegt.

Dies hat zur Vorausstationierung von Ge-

rät für zwei Divisionen und ein gepanzertes Kavallerieregiment geführt und
schließt Pläne für die Ausrüstung von drei weiteren Divisionen bis Ende 1982
ein.
Es ist höchst unwahrscheinlich, daß die amerikanischen Truppen "am Ort"
oder ihre unmittelbaren Verstärkungen durch die Verpflichtung am Persischen
Golf berührt werden. Der wahrscheinlichste Notfall wäre, daß amerikanische
Verstärkung, die zu einem späteren Zeitpunkt für Europa vorgesehen ist und
die für ihre Verlegung benötigte Transportkapazität für anderweitige Ziele
eingesetzt würden. Das Fehlen dieser Ressourcen wäre das, was die Europäer
dann auszugleichen hätten.
Die militärischen Stellen der NATO wählen eine Reihe von Maßnahmen aus,
die bereits im Langfristigen Verteidigungsprogramm enthalten sind und die unter
den neuen Umständen nach ihrer Auffassung jetzt eine höhere Priorität und
daher eine raschere Beachtung erfahren sollten, als ursprünglich geplant. Die- 5 -

�Diese Maßnahmen zerfallen in zwei Kategorien:

Eine erste Phase, die unmittel-

bare Aufmerksamkeit erfordert und bei der es um Kriegsreservevorrä'te, Kapazitäten für die elektronische Kriegführung und für die Verteidigung gegen
chemische Waffen geht, und eine zweite Phase, bei der es um die Aktivierung
zusätzlicher Reserveeinheiten, Seestreitkräfte, die Bereitschaft und die Requirierung ziviler Flugzeuge und Handelsschiffe im Kriege geht.
Während sich die Mitgliedstaaten bei dem Versuch einig sind,diese neuen .
Prioritäten in ihre Verteidigungspläne zu absorbieren, stehen sie alle vor
demselben Problem - ohne die Bereitstellung zusätzlicher Mittel wird die Ak- '
zeptierung einer neuen Priorität zur Herabsetzung der geplanten oder bestehenden Kapazität führen.
Jn jedem vernünftigen Konzept der Arbeitsteilung oder Spezialisierung
wird die angemessenste Rolle Europas in der Gestellung von Menschen, vor allem
einer wirksameren Nutzung von Reservisten bestehen.

Das Potential von Reserve-

streitkräften liegt in der Verbesserung der Verfügbarkeit und Qualität von
Personal, das gegenwärtig Verpflichtungen als Reservisten hat,sowie der Erhöhung der Gesamtzahl der Reserven, die zur Aufstellung zusätzlicher Einheiten
verfügbar gemacht werden könnten. Alle europäischen Länder mit Ausnahme
Großbritanniens haben die Wehrpflicht, die ein beträchtliches Reservoir an
ausgebildeten Reservisten bietet.
Rund 50 Prozent der Gesamtstreitkräfte der NATO bestehen aus Reservestreitkräften.

Sie weisen beträchtliche Unterschiede bezüglich Einsatzbe-

reitschaft und Ausbildungsstand auf, Qualitäten, die von der Menge des Wehr- *
dienstes und der Häufigkeit der Übungen für Reservisten abhängen. Trotz beträchtlicher Kostenprobleme könnte eine wirksamere Nutzung der Reserven als
ein Gebiet erscheinen, auf dem die europäischen Länder die Verteidigungsposition der NATO stärken könnten.
Der Nachdruck der Vereinigten Staaten auf die Verstärkung Westeuropas
und vor allem das Ziel der Vorauslagerung von Gerät für zwei weitere Divisionen
für 1982 verlang

daß in Europa die Aufnahmeorte und Lagerkapazitäten cje^

�geschaffen werden.

Da diese von entscheidender Bedeutung für das Verstärkungs-

programm sind, haben die Vereinigten Staaten eine Erhöhung des europäischen
Beitrages zum Infrastrukturfonds der NATO gefordert, um diese neuen Aufgaben
erfüllen zu können.
Wenn man das Potential des Bündnisses für ein Engagement im Persischen Golf
betrachtet, dann ist es wichtig, zwischen dem politischen und dem militärischen
Charakter des Bündnisses zu unterscheiden.

Während das Ausmaß koordinierter

militärischer Aktionen durch NATO-Mitglieder außerhalb des Vertragsbereiches
durch den Vertrag selbst begrenzt ist, so können politische Maßnahmen weit
umfassender sein.
Auf kurze Sicht muß die Sowjetunion zu der Einsicht gebracht werden,
daß die Aggression einen hohen politischen und wirtschaftlichen Preis hat und
daß auf längere Sicht kollektive Maßnahmen wesentlich sind, um zu gewährleisten,
daß die Sowjetunion sich keine weiteren Chancen für eine künftige Expansion
ausrechnet. Es ist wichtig, daß die Sowjets aus ihrem Handeln in Afghanistan
die richtigen Schlußfolgerungen ziehen.
Die Politik des Bündnisses muß daher darauf abzielen, die sowjetischen
Risikoberechnungen zu beeinflussen und den Sowjets keinen Zweifel daran zu
lassen, was die Folgen künftiger militärischer Abenteuer wären.

- 7 -

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                <text>Amerikadienst 12.11.1980</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste Pressekonferenz des designierten US-Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan gibt erste Hinweise auf seine Mannschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO nach Afghanistan - Der Zusammenhalt des Bündnisses auf dem Prüfstand&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Simon Lunn -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

31

3.

py

^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. November 1980

49

INHALT

INFORMATION
Carter räumt Wahlniederlage ein
- Erklärung des Präsidenten in Washington Erklärung von Vizepräsident Mondale zur Wahlniederlage
- Unterstützung Reagans wird zugesagt Erklärung Reagans zu seinem Wahlsieg
George Bush erkennt im Wahlsieg der Republikaner ein "Mandat der Hoffnung"
- Erklärung des designierten Vizepräsidenten WIRTSCHAFT
Amerikanischer EG-Botschafter plädiert für freien Welthandel
- Schwierigkeiten in einigen Industrien nicht überschätzen USA und EG wissen Instrumentarium der Freihandelspolitik zu nutzen
HINTERGRUNDMATERIAL
Sowjetimperialismus in Afghanistan
- Von Alvin Z. Rubinstein c 1980, Current History, Inc.

Um Übef/endung von
BcIcocKcmplorcn wird
gebeten

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Telex: 08-85432

�Information
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5. November 1980

49

CARTER RÄUMT WAHLNIEDERLAGE EIN
- Erklärung des Präsidenten in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter, der Präsidentschaftskandidat
der Demokratischen Partei, räumte am Abend des 4. November 1980 (Ortszeit)
seine Wahlniederlage ein, nachdem feststand, daß sein Gegenkandidat, der Republikaner Ronald Reagan, die erforderliche Mehrheit von 270 der insgesamt
535 Wahlmännerstimmen erreicht hatte.

Es gehört zu dem politischen Stil in

den Vereinigten Staaten, daß bei Präsidentschaftswahlen der unterlegene Kandidat dem Sieger sofort seine Glückwünsche ausspricht und das amerikanische
Volk zur Unterstützung des neugewählten Präsidenten aufruft.

Die Ansprache (concession speech) von Präsident Carter hat folgenden
Wortlaut:

Ich versprach Ihnen vor vier Jahren, Sie niemals zu belügen; daher kann
ich heute Abend nicht vor Ihnen stehen und behaupten, es wäre nicht schmerzlich.

Das Volk der Vereinigten Staaten hat seine Wahl getroffen, und ich beuge
mich selbstverständlich dieser Entscheidung, wenn ich auch eingestehen muß,
daß dies nicht mit derselben Begeisterung geschieht, mit der ich die Entscheidung vor vier Jahren annahm.

,
Ich

T

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�Ich kann sagen, daß ich dennoch eine tiefe Bewunderung für unser System
hege, das es dem Volk ermöglicht, in freier Wahl darüber zu entscheiden, wer
es die nächsten vier Jahre führen soll.
Vor etwa einer Stunde rief ich

Gouverneur Reagan in Kalifornien an,

sprach mit ihm und beglückwünschte ihn zu seinem großartigen Sieg.
Ich freue mich darauf, im Verlauf der nächsten Wochen eng mit ihm zusammenzuarbeiten.

Es wird eine sehr gute Übergangsperiode werden.

Ich sag-

te ihm, daß ich wünschte, daß es die beste in unserer Geschichte wird.

Dann

schickte ich ihm dieses Telegramm, das ich Ihnen vorlesen möchte:
"Es ist nunmehr offenkundig, daß das amerikanische Volk Sie zum nächsten
Präsidenten gewählt hat.

Ich gratuliere Ihnen und versichere Ihnen

unsere umfassende Unterstützung und Zusammenarbeit, um in den kommenden
Wochen einen ordnungsgemäßen Übergang in der Regierung zu ermöglichen.
Meine besten Wünsche gelten Ihnen und Ihrer Familie, wenn Sie die Verantwortung auf sich nehmen, die vor Ihnen liegt."
Ich unterzeichnete mit Jimmy Carter.
Mir wurde, wie nur wenigen Menschen überhaupt, das Glück zuteil, die
Geschicke dieser Nation gestalten zu helfen.
Bei diesem Unterfangen fand ich Ihre vertrauensvolle Unterstützung.
In gewisser Hinsicht war ich einer der glücklichsten Präsidenten, denn mir
stand täglich die Hilfe eines klugen, fähigen Mannes zur Seite, der meinem
Urteil nach der beste Vizepräsident war, den es je gab:

Fritz Mondale.

Ich habe nicht alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte.
gelingt dies überhaupt keinem Menschen.

Vielleicht

Aber wir haben uns den schwierigen

Problemen gestellt.

Für

�Für einige Ziele, die für unser Land von höchster Bedeutung sind, sind
wir eingetreten, für sie haben wir gekämpft und haben sie erreicht.

Diese

Anstrengungen werden nicht mit dieser Administration aufhören.

Diese Anstrengungen müssen weitergehen.

Und auch der Fortschritt, den

wir gemacht haben, wird nicht verloren sein, wenn wir aus dem Amt scheiden.

Die erhabenen Prinzipien, die diese Nation seit ihrer Gründung geleitet
haben, werden auch weiterhin Amerika durch die Herausforderungen der Zukunft
lenken.

Wie Sie alle nur zu gut wissen, war dies ein langer und harter Wahlkampf.

Aber wir müssen zueinander finden als geeintes und einiges Volk, um

die Probleme zu lösen, die noch vor uns liegen,und um uns den Herausforderungen eines neuen Jahrzehnts zu stellen.

Und ich fordere Sie alle auf, sich

mir in einer ernsten und fruchtbaren Anstrengung anzuschließen, um meinen
Nachfolger zu unterstützen, wenn er diese gewaltige Verantwortung als Präsident der größten Nation auf Erden übernimmt.

Dies hier ist ein besonderes Land, denn seine gewaltige wirtschaftliche und militärische Stärke verleiht uns eine besondere Verantwortung für
die Suche nach Lösungen der Probleme, denen sich die Welt gegenübersieht.

Aber unser Einfluß wird stets größer sein, wenn wir uns jenen Prinzipien der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Menschenrechte für alle Menschen
würdig erweisen.

Gott war gütig zu mir,und Gott war gütig zu diesem Land - und dafür
bin ich wirklich dankbar.

Ich bin dankbar dafür, in der Lage gewesen zu

sein, Ihnen in dieser Eigenschaft zu dienen, dankbar für die Erfolge, die
wir hatten, dankbar dafür, daß Sie bis zum Schluß zu mir standen in all dem
Guten, das ich zu tun versuchte.
Es

- 3 -

�Es gibt ein altes jiddisches Sprichwort, an das ich in den Tagen und
Monaten meiner Amtszeit oft gedacht habe. Es sagt lediglich:

"Gott gibt

Bürden, aber auch Schultern."
In all den Tagen und Monaten, da ich Ihnen und diesem Land gedient
habe, boten Sie mir bereitwillig Ihre Schultern, Ihren Glauben und Ihr Gebet.
Niemand könnte mehr von seinen Freunden verlangen.
Ich wollte als Präsident dienen, weil ich dieses Land liebe und weil
ich die Menschen dieser Nation liebe.
Nur noch ein Wort dazu:
Lassen Sie mich zum Abschluß sagen, daß ich heute enttäuscht bin, daß
ich aber die Liebe zu beiden nicht verloren habe.

+ + + + +

- 4-

�Information

mJlW I H B

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5. November 1980

49

ERKLÄRUNG VON VIZEPRÄSIDENT MONDALE ZUR WAHLNIEDERLAGE
- Unterstützung Reagans wird zugesagt -

ST. PAUL, MINNESOTA - (AD) - Vizepräsident Walter Mondale gratulierte
am 4. November 1980 den republikanischen Wahlsiegern Ronald Reagan und George
Bush und forderte alle Amerikaner auf, sich hinter die neue
tion zu stellen.

Führung der Na-

Die Ansprache des noch amtierenden Vizepräsidenten hat fol-

genden Wortlaut:
Ich schließe mich den Glückwünschen des Präsidenten an Mr. Reagan,
Mr. Bush und ihre Familien an.

Wir müssen uns jetzt alle miteinander hinter

unseren neugewählten Präsidenten stellen.
Wir haben nur einen Präsidenten; er verdient unsere Unterstützung - und
er wird sie erhalten.
Natürlich hätte ich lieber gewonnen.

Aber ich erkenne zugleich einen

Grund zur Freude - wie Sie sicherlich auch.

Denn vor allem haben wir - Gott

sei Dank - das Privileg, in einer Demokratie zu leben.
Im

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Tel: 0228-89 32 40
j e | e x : 08-85432

�Im ganzen Land hat heute das amerikanische Volk ruhig und überlegt
seine Macht ausgeübt und ohne Einschüchterung seine Wahl getroffen - in den
Speiseräumen der Hochschulen, in den Rathäusern, in den Kirchen, den Synagogen.
Und wie immer auch das Ergebnis sein mag, feiern wir heute nacht vor
allem den Prozeß, den wir "amerikanische Freiheit" nennen.
Wir haben die Führung vier Jahre innegehabt,und mit Ihrer Hilfe hat
das amerikanische Volk mir die höchste Machtbefugnis übertragen, die mir je
zuteil wurde - ein höheres Amt, als ich es je innezuhaben hoffte; und ich bin
zutiefst geehrt, als Vizepräsident der Vereinigten Staaten gedient zu haben.
Ich möchte vor allem Präsident Carter und Rosalynn für ihr Wohlwollen
gegenüber mir, Joan und unserer Familie danken.

Der Präsident, dieser liebens-

würdige, gute Mensch, hat es mir ermöglicht, enger mit ihm zusammenzuarbeiten
als je ein Vizepräsident in der amerikanischen Geschichte.
rung sage ich ihm meinen tiefsten Dank.

Für diese Erfah-

�31
ai

Information

CO

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49

5. November 1980

ERKLÄRUNG REAGANS ZU SEINEM WAHLSIEG

LOS ANGELES - (AD) - Der Kandidat der Republikanischen Partei bei den
Präsidentschaftswahlen 1980, Gouverneur Ronald Reagan, erklärte am Abend des
4. November (Ortszeit), er sei tief gerührt über das Ausmaß des Vertrauens,
das die amerikanischen Wähler in ihn gesetzt hätten, und er werde sein
Äußerstes tun, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen.

Reagan konnte überraschend deutlich und früh die Wahl mit weit über
42 Millionen Stimmen, für

ihn und weit über 34 Millionen Stimmen für Präsi-

dent Carter, den Bewerber der Demokratischen Partei, gewinnen.

In Wahl-

männerstimmen - für die jeweils die Stimmenmehrheit in den Einzel Staaten
notwendig ist - kann der Sieg Reagans mit 489 gegen 49 als Erdrutsch bezeichnet werden.

Nachdem Präsident Carter in Washington seine Wahlniederlage öffentlich
eingeräumt hatte, gab Gouverneur Reagan in Los Angeles eine kurze Erklärung
zu seinem Wahlsieg ab, die folgenden Wortlaut hat:

Ich danke Ihnen allen ganz herzlich.

Lassen

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Telex: 08-85432

�Lassen Sie mich vorab sagen, daß dies alles - daß es niemals in meinem
Leben einen Augenblick gegeben hat, der mich tiefer gerührt hätte.
Ich wäre nicht nur tief gerührt gewesen über das Ausmaß dessen, was
heute abend geschehen ist - auch wenn es der "Erdrutsch" war, den wir, wie
ich glaube, alle erwartet haben -, sondern einfach darüber, die Unterstützung
der Bevölkerung dieses Landes erhalten zu haben.
Ich betrachte das Vertrauen, das Sie in mich gesetzt haben, als heilig,
und ich gebe Ihnen meinen heiligen Eid, daß ich mein Äußerstes tun werde,
um Ihr Vertrauen zu rechtfertigen.
Ich sprach am Telefon mit Präsident Carter.

Er hat angerufen.

Anderson (der unabhängige Präsidentschaftskandidat,
angerufen.

John

Anm. der Redaktion) hat

Der Präsident hat die größtmögliche Zusammenarbeit für den Über-

gang zugesichert, der in den nächsten Monaten stattfinden wird.
Ich habe ihm meine Zusammenarbeit angeboten - der Präsident war dafür
höchst dankbar.
Und jetzt möchte ich sagen, daß es überall in Amerika Menschen gibt,
denen ich großen Dank schulde. Sie sind hier versammelt, sie kommen heute
abend in unserer Partei zentrale in Arlington, Virginia, zusammen; die Leute
vom Nationalkomitee, die einsatzfreudigen Fachleute, die den Wahl kämpf in
Gang hielten.
In jedem Staat, in den Kreisen, in den Städten und Wahlbezirken waren
im wahrsten Sinne des Wortes Hunderttausende von freiwilligen Helfern tätig,
die alle unermüdlich gearbeitet haben - und ich habe sie im ganzen Lande bei
dieser Wahl kämpfarbeit erlebt - und ich habe ihnen gegenüber eine unermeßliche Dankesschuld.
Was

- 2 -

�Was George und Barbara Bush anbetrifft, meine Mitstreiter aus Texas,
so hat niemand härter gearbeitet als sie.

Unsere Wege in diesem Wahl kämpf

haben sich selten gekreuzt - und wir hatten alle Mühe, das zu erreichen,
denn ihr Einsatzplan war so randvoll.

Und ich kann Ihnen versichern, daß

wir eine echte Partnerschaft und eine echte Freundschaft im Weißen Haus
haben werden.

Und jetzt möchte ich noch einmal meiner Familie danken - ich bin ihr
so dankbar für die Liebe, für die Unterstützung und für die harte Arbeit denn einige

Familienmitglieder waren im Wahl kämpf mindestens ebenso viel

unterwegs wie Nancy und ich.

Und wenn ich von Nancy (Mrs. Reagan, Anm. der Redaktion) spreche, dann
kann ich sagen, daß sie in einigen Monaten einen neuen Titel tragen wird dabei ist es in Wahrheit gar kein neuer Titel, denn in meinem Leben ist sie
schon seit langem die "First Lady".

Jetzt werden wir das in Zukunft ein we-

nig gemeinsam genießen.

Wie Sie wissen, versammelte Abraham Lincoln am Tage nach seiner Wahl
zum Präsidenten in seinem Büro die Journalisten, die über seinen Wahl kämpf
berichtet hatten.

Und er sagte zu ihnen:

"Nun, Jungs, eure Sorgen sind

jetzt vorbei, meine haben gerade erst angefangen."

Ich glaube, er wußte, von was er sprach.

Lincoln hat sich vielleicht

Sorgen gemacht über die unruhigen Zeiten, in denen er Präsident wurde, aber
ich glaube nicht, daß er sich fürchtete.

Er war bereit, sich den Problemen

und den Wirren eines noch immer jungen Landes zu stellen - entschlossen, die
historische Chance zu nutzen, um die Dinge zu ändern.

Auch ich fürchte mich nicht vor dem, was vor uns liegt, und ich glaube
nicht, daß das amerikanische Volk sich vor dem fürchtet, was vor uns liegt.

Zusammen werden wir das tun, was getan werden muß.

Wir werden Amerika

wieder in Gang bringen.
Sie
- 3 -

�Sie wissen, daß ich darauf abziele, diesen großen amerikanischen Geist
einzuspannen und zu nutzen, der diesen völlig unentwickelten Kontinent von
Küste zu Küste erschlossen und zu einem großen Land gemacht hat, der mehrere
Kriege überlebte, der die Weltwirtschaftskatastrophe überlebte und der die
Probleme überleben wird, vor denen wir heute stehen.
Als ich Ihre Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten annahm, zögerte
ich und bat Sie in jenem Augenblick um Ihr Gebet.

Ich möchte Sie in diesem

besonderen Augenblick nicht darum bitten, aber ich möchte nur sagen, daß
ich in den kommenden Tagen sehr glücklich über Ihr Gebet wäre.
Alles, was ich Ihnen allen sagen kann ist: vielen Dank - vielen Dank
für mehr als nur George Bush und mich - vielen Dank, denn wenn der Trend
anhält, dann werden wir zum erstenmal seit einem Viertel Jahrhundert wieder
eine Kammer des Kongresses kontrollieren.
Wir haben bereits einige Gouverneursposten erobert, und Bill Brock
(Wahlkämpfleiter der Republikanischen Partei, Anm. der Redaktion) hat mir vor
wenigen Minuten am Telefon mitgeteilt, daß nach dem jetzigen Trend wir in
einigen der Einzelstaaten in den einzelstaatlichen Parlamenten eine Wende
herbeiführen und zum erstenmal eine Mehrheit für uns erringen konnten.
Das haben Sie fertiggebracht.
Ihnen mitgeben möchte.

Ich habe noch eine Botschaft, die ich

Ich habe versucht, telefonisch zwei Feiern zu er-

reichen - zwei Wahlparties, die jetzt stattfinden - eine in Tampico, Illinois,
wo ich geboren wurde, und eine in Dickson, Illinois, wo ich aufwuchs.
habe zwei Heimatorte.

Ich

Schließlich ist es uns gelungen, die Rundfunkstation

jenes Gebietes zu erreichen, und sie haben versprochen, meine Botschaft auszustrahlen und an diese beiden Wahlparties zu übermitteln.
So auch Ihnen allen in meinen Heimatorten:
Ich danke Ihnen allen.
+ + + + +
- 4 -

vielen Dank.

�Information
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49

5. November 1980

GEORGE BUSH ERKENNT IM WAHLSIEG DER REPUBLIKANER EIN
"MANDAT DER HOFFNUNG"
- Erklärung des designierten Vizepräsidenten -

HOUSTON, TEXAS (AD) - "Nicht nur ein Mandat für den Wandel" nannte
George Bush, der designierte Vizepräsident der siegreichen Republikaner,
in einer Ansprache am 4. November 1980 in seiner Heimatstadt Houston den
überwältigenden Wahlsieg des Gespanns Reagan/Bush.

Es sei mehr als das,

nämlich "ein Mandat der Hoffnung".
Die Ansprache des künftigen Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vielen, vielen Dank.

Sie haben gerade gehört, wie Gouverneur Reagan

dem Nationalkomitee der Republikanischen Partei und der Parteizentrale in
Arlington, Virginia, dankte.

Ich möchte d m nur noch eine persönliche

Anmerkung, eine regionale Anmerkung, hinzufügen aus Dank an die Einwohner
von Texas für einen phantastischen Sieg in diesem Bundesstaat.
Es ist eine große Freude, mit der Familie hier zu sein.
härter gekämpft als Barbara Bush.

Ich sage Ihnen:

Keiner hat

Sie hat einfach eine

phantastische Arbeit geleistet, und ich möchte dieses ziemlich teure
Kommunikationsmittel benutzen, um Nancy Reagan und ihrer ganzen Familie

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Telex: 08-85432

�Familie für das zu danken, was sie getan haben.

Ich sage Ihnen:

Ich habe

noch nie eine Familie so hart arbeiten sehen, wie die ganze Familie Reagan
draußen im Lande.
Lassen Sie mich nur ganz kurz und ernst ein paar Worte an unsere Landsleute richten - an die Republikaner, Demokraten, die Unabhängigen nicht nur
hier, sondern überall.
Und lassen Sie mich zuallererst sagen, daß wir alle, während wir hier
heute nacht feiern, inbrünstig hoffen und beten, daß wir Amerikaner bald
gemeinsam die Freiheit jener 52 im Iran festgehaltenen Geiseln und das Glück
ihrer Familien bei ihrer Rückkehr werden feiern können.
An alle, die für das Gespann Reagan/Bush stimmten, an alle die einen
anderen Kandidaten unterstützten:

Die Wahlen sind vorbei, aber die wirkliche

Herausforderung als Nation, die sich dem Frieden und dem besseren Leben der
Menschheit verpflichtet hat, liegt vor uns.
Dies ist eine Nacht der Siegesfeier für die einen von uns und eine
Nacht der Enttäuschung für die anderen; aber morgen müssen diejenigen von
uns, die heute nacht feiern,und diejenigen, die eine Enttäuschung erlitten
haben, wieder in jener großen amerikanischen Tradition als ein Volk zusammenfinden, um sich der größeren Herausforderung zu stellen.
Und lassen Sie mich Ihnen allen - ob Sie uns unterstützt haben oder ob
Sie gegen uns waren - sagen, was der designierte Präsident Reagan gesagt hat:
Daß dieser Sieg heute nacht nicht nur ein Mandat für den Wandel darstellt,
sondern ein Mandat für Frieden und Freiheit, ein Mandat für Wohlergehen, ein
Mandat der Chancen für alle Amerikaner ohne Ansehen ihrer Rasse, ihres Geschlechts oder ihres Glaubens, ein Mandat für eine Führung, die stark und
mitfühlend zugleich ist; ein Mandat- Gouverneur Reagan hat es auf eine kurze
und klare Formel gebracht -, um die Regierung auf eine Weise zum Diener des
Volkes zu machen, wie es unsere Gründerväter beabsichtigten; und ein Mandat

- 2 -

�Mandat der Hoffnung, der Erfüllung eines großen Traums, für den der designierte Präsident R agan sein Leben lang gearbeitet hat und für den er und
ich in den kommenden Jahren unsere ganze Willenskraft einsetzen werden.
Wenn ich jetzt hier in meiner Heimatstadt vor Ihnen stehe, dann bin ich
voll tiefer Dankbarkeit.
Aber zugleich bin ich stolz, stolz auf die Gelegenheit, daß ich dabei
helfen konnte, während der vergangenen Monate die Botschaft des kommenden
Präsidenten Reagan an das amerikanische Volk zu überbringen, stolz darauf,
in den kommenden Jahren mit einem Mann, einem gütigen und redlichen Mann,
uienen zu können, von dem ich weiß, daß er die Führung bieten wird, von der
ich weiß, daß sie das amerikanische Volk wünscht.
Amerika ist - wie es der Text des Liedes sagt - wieder auf dem Weg und unter der Führung von Ronald Reagan wird dieser Weg unser Land wieder
zur Größe zurückführen.
Ihnen allen vielen, vielen Dank.
hier zu sein.

Die Familie Bush freut sich so sehr,

+ + + + +

- 3 -

�s.M
49

Ulift/choft
'

\

International Communication Agency
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5. November 1980

AMERIKANISCHER EG-BOTSCHAFTER PLÄDIERT FÜR FREIEN WELTHANDEL
Schwierigkeiten in einigen Industrien nicht Liberschätzen USA und EG wissen Instrumentarium der Freihandelspolitik zu nutzen

Der amerikanische Botschafter bei den Europäischen Gemeinschaften in Brüssel, Thomas 0. Enders,
bezeichnete in einer Ansprache, die er am
23. Oktober 1980 vor der Amerikanischen Handelskammer der Niederlande in Amsterdam hielt, den
Welthandel als die treibende Kraft der Wirtschaftsexpansion der ersten Nachkriegsjahrzehnte. Er
zog daraus die Folgerung, daß der internationale
Handel auch weiterhin der führende Sektor der
Weltwirtschaft bleiben müsse, damit alle Länder
gleichmäßig an deren Wachstum teilhaben können.
Botschafter Enders verwies auf die wachsenden
Pressionen, den gesunden langfristigen Trend zur
Liberalisierung des Welthandels aufzugeben und
setzte dem die These entgegen, daß die Vereinigten
Staaten und die Europäische Gemeinschaft ein
ausreichendes Instrumentarium entwickelt haben,
um mit den Schwierigkeiten in manchen Schlüsselbranchen wie der Stahl-, Automobil- und Kunstfaserindustrie fertigzuwerden, und daß sie dieses
Instrumentarium in der Praxis bisher mit großem
Geschick zu handhaben verstanden.

Die
S h 20
00
K°c
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»
°
5
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
AMSTERDAM - (AD) -

Ich möchte heute abend zu Ihnen über Fragen

des Außenhandels sprechen - darüber, wie gut das Welthandelssystem dem
doppelten Druck von Rezession und Inflation zu

widerstehen vermag, und

auch darüber, was wir unternehmen, um die großen Handelsprobleme (im
Außenhandel mit Stahl, Kraftfahrzeugen und chemischen Produkten) zu lösen,
die sich im Laufe dieses Jahres ergeben haben.
Niemand braucht Niederländern erst zu erklären, wie stark die große
Prosperität der industrialisierten Welt in der Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg von der Expansion des internationalen Handels abhing. Der
Außenhandel war die eigentliche Wachstumsbranche, dessen Expansionsrate
die der heimischen Volkswirtschaft fortgesetzt übertraf. Dem realen
Wert nach wuchs der Binnensektor unserer heimischen Volkswirtschaften
von 1963 auf 1979 um 100 Prozent, der Welthandel aber um 200 Prozent,
wobei der Steigerungssatz an sich noch höher läge, könnten wir die
Dienstleistungen exakt bemessen. Ohne die Dynamik des Außenhandels
wären die letzten drei Jahrzehnte nicht das gewesen, was sie wirklich
waren - die Periode der größten Prosperität in der gesamten Weltgeschichte.
Viele Dinge sind in diese Bilanz eingegangen: die drastische
Senkung der Transportkosten ebenso wie die andauernde Revolution unserer
Kommunikationsmittel. Von Institutionen und der Regierungspolitik gingen
ebenfalls wichtige Einflüsse aus: die Organisierung eines funktionstüchtigen Welthandelssystems durch das GATT im Jahre 1948, die Beseitigung
der Handelsschranken in Europa über die Schaffung der Europäischen
Gemeinschaft und die langwierige und geduldige Mitarbeit am Abbau von
Handelsschranken im gesamten Bereich des Welthandels in fortgesetzten
multilateralen Handelsverhandlungen. Wenn die jüngst vereinbarten ZollSenkungen in Kraft treten, werden die amerikanischen Zölle im Laufe der
bisherigen Nachkriegszeit eine Senkung von insgesamt 75 Prozent erfahren haben.
Die
- 2 -

�Die Dinge sind mithin in Fluß geraten.
Die Arbeitslosigkeit nimmt in der gesamten industrialisierten
Welt zu und beziffert sich nunmehr auf 7,8 Millionen in den Vereinigten
Staaten, 7,1 Millionen in der Europäischen Gemeinschaft und 260 000
in den Niederlanden. Wir alle unterliegen mehr oder weniger dem Druck,
Hilfsmaßnahmen zugunsten der arbeitslosen Männer und Frauen in Form der
Einschränkung de, einfuhren in den am stärksten unter der Depression
leidenden Sektoren zu treffen, rur die Arbeitssuchenden vieler Länder
dürfte dies der schlimmste Winter seit Ende der Weltwirtschaftskrise
werden. Wohl haben wir es verstanden, einen Grad der Prosperität zu
erreichen, von dem vor einer Generation noch niemand zu träumen wagte;
das Problem aber, eine sinnvolle und lohnende Arbeit für alle Angehörigen
unserer Völker zu finden, wird zunehmend schwieriger.
Es gibt aber auch noch andere Probleme.

Die Beschleunigung der

Inflation; der Anstieg der Rohölpreise über das Maß hinaus, das wir
angesichts unserer Kapitalausstattung verkraften können; plötzlich anschwellende Einfuhrströme, wie wir sie erst in den Bereichen der Automobil- und in der chemischen Industrie erlebt haben; die Gefährdung
der Stahlindustrie; und die raschen Wechselkurssprünge (insbesondere
des Jen) - all dies verunsichert die Märkte und weckt eine neue Sehnsucht
nach Sicherheit, die höhere Handelsschranken zu gewährleisten scheinen.
Weite Kreise in Industrie und Gewerkschaften rufen nach mehr
Protektionismus.

Das gleiche tut auch die britische Labour Party.

Viele Leute meinten, diese Probleme würden uns überwältigen und
irgendetwas werde zu Bruch gehen.

Das aber war nicht der Fall.

Die

Vereinigten Staaten haben die Talsohle der Rezession überschritten, und
die amerikanische Wirtschaft beginnt sich langsam zu erholen.
hinkt nicht weit hinterher.

Das System hat also bisher

- 3 -

Europa

standgehalten.

�gehalten.

Dennoch stehen uns die größten Herausforderungen erst noch

bevor.
Wie haben wir das fertiggebracht?
Erstens, indem wir uns bei der Bereinigung von Handelsproblemen
streng an die Regeln hielten. Unter der Führung der Europäischen Gemeinschaft
und der Vereinigten Staaten wurden Anfang 1980 neue Regeln für den Welthandel in Kraft gesetzt. Sie betreffen Angelegenheiten wie die Anwendung
von Dumpingmethoden, das heißt den Verkauf von Produkten im Ausland zu
Preisen, die unterhalb des Preises auf dem Binnenmarkt oder des Gestehungspreises liegen; die Gewährung staatlicher Beihilfen und andere Maßnahmen,
die Drittländer ergreifen können, um sich vor der Einfuhr solchermaßen
bezuschußter Güter zu schützen; die Gleichstellung ausländischer und
inländischer Bieter bei staatlichen Beschaffungskäufen; und die Festsetzung
fairer Leistungs- und Sicherheitskriterien für Produkte, die in den
internationalen Handel gebracht werden sollen.
Diese Regelungen sind kompliziert.

Es nahm lange Zeit in Anspruch,

sie auszuarbeiten; aber sie finden Anklang.
Jahres mehr Dumpingfälle verhandelt

Wir haben im Verlauf dieses

als je zuvor - insbesondere im

Bereich der Petrochemie und der Stahlerzeugung.

Es wurde auch über einige

Fälle gemäß anderer Handelsregelungen verhandelt, insbesondere gemäß der
Bestimmungen zum Schutz der eigenen Wirtschaft vor Einfuhrwaren (safeguard provisions), die es den Regierungen gestatten, Notstandsmaßnahmen
zu ergreifen, um Einfuhren eng zu begrenzen, die die heimische Wirtschaft
schädigen, sofern sie den Exportländern Kompensation in Form
von Konzessionen in anderen Bereichen des Außenhandels leisten. Die
Europäische Gemeinschaft hat diese Bestimmung dazu benutzt, ihre
Schwierigkeiten auf dem Gebiet der Einfuhr von Kunstfasern aus Amerika
zu bereinigen.
Solange

- 4 -

�Solange dies nicht als Störung oder Ärgernis empfunden wird und
solange die Grundregeln des Handels - man bezahlt für das was man bekommt respektiert werden, ist das strenge Festhalten an den geschlossenen
Übereinkünften die richtige Methode, die meisten Störungen im Außenhandel
zu beseitigen.
Die meisten - aber nicht alle - Schwierigkeiten. Das führt mich
zu einem zweiten Punkt: Wir sollten in manchen Fällen nicht alles schlucken,
was uns unter diesen Regeln aufgetischt wird.
Das gilt für eine der Antidumping-Klagen, die eine amerikanische
Gesellschaft gegen einen Stahlexporteur aus dem Gebiet der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft angestrengt hat. Niemand bestreitet das Recht
der besagten Gesellschaft, einen solchen Antrag zu stellen. Und es kam
auch zu keinem Meinungsdisput bezüglich der Regeln,die hier anzuwenden
waren, ja es gab noch nicht einmal ernsthafte Zweifel daran, daß die
amerikanische Firma die Klage zu Recht angestrengt hatte.
Aber die Ausfuhr von rund 4,1 Millionen Tonnen Stahl aus den
Ländern der Gemeinschaft in die Vereinigten Staaten stand in dieser
ungewöhnlichen Situation auf dem Spiel - über Dreiviertel

des gesamten

Stahlexports der Gemeinschaft in die Vereinigten Staaten.
Europäer und Amerikaner sorgten sich gleichermaßen wegen der möglichen
Implikationen dieses Schritts.

Ein Verlust des amerikanischen Marktes

hätte die ohnehin schwierige Aufgabe der Umstrukturierung der gesamten
Stahlindustrie der Gemeinschaft nur noch mehr erschwert.

Er hätte den

Konkurrenzdruck in den Vereinigten Staaten zu einem Zeitpunkt verringert,
in dem dieser von großer Bedeutung für den Fortgang der Modernisierung
der amerikanischen Stahlindustrie und die Bekämpfung der Inflation war.
Wir sorgten uns, daß das neue Instrumentarium zur Regulierung des Außenhandels in unseren Händen zerbrechen könnte, wenn wir von den Europäern

- 5 -

�Europäern zuviel verlangten.
Die Lösung - mit ausgesprochenem Ausnahmecharakter, wie ich unterstreichen möchte -, war die Entwicklung einer auf 3 bis 5 Jahre befristeten
Übergangsregelung, nach deren Ablauf die amerikanische Industrie und die
europäischen Exporteure den normalen Handelsregeln unterstellt werden
sollen.

Um dorthin zu gelangen, verkündete Präsident Carter ein Hilfs-

programm für die amerikanische Stahlindustrie, das unter anderem Steueranreize für die Modernisierung, die Befreiung von gewissen Umweltschutzauflagen, die Bereitstellung von Mitteln für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Bereich der Stahl Verwendung und zusätzliche Hilfen für arbeitslose Stahlarbeiter und die Standortgemeinden der Stahlindustrie vorsieht.
Der sogenannte Auslösepreis-Mechanismus wurde für diesen Übergangszeitraum reaktiviert. Nach dieser Regelung werden private AntiJumpingKlagen erst dann zugelassen, wenn eine erhebliche Einfuhrzunahme und ein
Absinken des Kapazitätsnutzungsgrades in der amerikanischen Stahlindustrie
zu verzeichnen sind. Andererseits können Stahleinfuhren, die zu einem
Preis auf den amerikanischen Markt kommen, der unter dem Gestehungspreis
des leistungsfähigsten Lieferanten - Japan - liegt, die Regierung veranlassen, Anti-dumping-Klage zu erheben. Diese Entscheidung,
die die
Billigung der Europäischen Gemeinschaft fand, dürfte den europäischen Stahlhandel wieder in Gang bringen, da sich die heimischen Preise sowohl in
Europa als auch in Amerika festigen. Hinzu kommt, daß diese Maßnahmen
Europa keinen Anlaß geben, neue quantitative Restriktionen auf solche
Importe einzuführen, die nur zusätzliche Handelsströme nach den Vereinigten
Staaten ablenken könnten. Wir haben unseren eigenen Industrien nicht den
Stärkstmöglichen Schutz in Gestalt der Einfuhrquoten
gewährt, und
wir sehen nicht ein, warum Europa so verfahren sollte.

Das führt mich zu meinem dritten Punkt. Wir haben bisher dank
der Konzertierung Erfolg gehabt - ein gutes Wort für das komplizierte

�komplizierte Verfahren, notwendige binnenwirtschaftliche Entscheidungen
in voller Konsultation mit dem anderen Partner und unter vollständiger
Berücksichtigung seiner Interessen zu treffen. Das bedeutet nicht, daß
wir immer das tun, was unser Handelspartner von uns erwartet. Es bedeutet
aber, daß wir nichts in Unwissenheit dessen tun, was er wirklich
bedarf.
Es hat lange Zeit gedauert - und der Erfahrung zweier wichtiger
Runden von Handelsverhandlungen und der Reifung einer Generation von
Unterhändlern für Handelsverhandlungen bedurft -, um auf dieses Niveau
des gegenseitigen Verständnisses und der Zusammenarbeit zu gelangen.
Ohne diese wäre das Welthandelssystem - zu dessen Hauptgewinnern die
Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten zählen - weit
schwerer aufrechtzuerhalten.
Ernsthafte Probleme stehen uns ins Haus. Das eine betrifft die
Automobilindustrie. Jedermann weiß von dem Erfolg der Japaner auf
dem amerikanischen Markt, in den Vereinigten Staaten haben japanische
Autos einen Marktanteil von über 20 Prozent errungen, nach knapp 10 Prozent
im Vorjahr. In Europa bewegt sich der ständig zunehmende Anteil der
Japaner zwischen knapp 3 Prozent in Frankreich und Italien und über
29 Prozent in den Niederlanden.
Autoproduzenten und Gewerkschaften auf beiden Seiten des Atlantik
rufen nach Schutzmaßnahmen.
In den Vereinigten Staaten hat die Regierung Carter wiederholt
darauf hingewiesen, daß sich die Beschränkung der Einfuhr von relativ
billigen und benzinsparenden japanischen Automobilen im Hinblick auf
unsere Bemühungen, Energie zu sparen und den inflatorischen Druck zu
vermindern,als kostspielig erweisen könnte.

Die

�Die Amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft hat trotzdem bei
der Außenhandelskommission (ITC) Antrag auf Schutzmaßnahmen gestellt und
ihn damit begründet, daß die Einfuhr die heimische Industrie schwer
schädige.

Unsere Handelsgesetzgebung schreibt der ITC für diesen Fall

zwingend vor, eine Untersuchung anzustrengen, um die behauptete Schädigung
der heimischen Industrie nachzuweisen oder zu entkräften.

Die ITC will

die Ergebnisse ihrer Untersuchung nebst Empfehlungen dem Präsidenten am
24. November unterbreiten.

Es ist im Augenblick unmöglich, vorauszusagen,

zu welchen Ergebnissen diese Untersuchung gelangen wird.

Sollten sich

diese Anschuldigungen als richtig erweisen, wird jede Maßnahme, die die
Regierung daraufhin trifft, voll und ganz im Einklang mit unseren internationalen Verpflichtungen stehen.
In Europa haben die Automobil herstell er die EG-Kommission ersucht,
für den Gesamtbereich der Europäischen Gemeinschaft gültige Restriktionen
zu beschließen. Die Kommission hat daraufhin, wie ich meine, zu Recht,
mit Nachdruck auf die Stärkung des Wettbewerbs auf den Binnenmärkten
und die Verbesserung des Zugangs zum japanischen Markt hingewiesen.
Amerikaner und Europäer sind gleichermaßen bemüht, über die Konjunkturschwäche und die japanische Herausforderung hinaus in die Zukunft zu
blicken, um Klarheit darüber zu gewinnen, welche Mischung aus Maßnahmen Investitionsanreize, Förderung der Rationalisierung, Befreiung von Umweltschutzauflagen, Fortsetzung des Einfuhrwettbewerbs oder Regulierung der
Einfuhren - uns am raschesten über den Berg hilft. Die Vereinigten Staaten
haben insofern ein besonderes Problem, als die amerikanischen Verbraucher
in ihrer Masse bemüht sind, sich kleinere Fahrzeuge zuzulegen. Unsere
Kraftfahrzeugindustrie stellt sich darauf ein, und wir können preisgünstigere, gutverarbeitete und benzinsparende Autos bauen, die mit den
Einfuhrwagen konkurrieren können. Weitere solche Fahrzeuge werden demnächst auf den Markt gebracht werden. Wenn den amerikanischen Verbrauchern
erst eine größere Auswahl an kleineren Fahrzeugen zur Verfügung steht, wird

�wird sich das Einfuhrproblem verändern. Die Frage ist: wird es sich
bald genug verändern?
Ein konzertiertes Vorgehen wird nicht nur in der Kraftfahrzeugindustrie sondern auch in anderen Bereichen notwendig sein. Auch wenn
dies nicht beabsichtigt war: die Beschränkung der japanischen Einfuhren,
die in Europa bereits angewandt werden, haben den Druck auf den amerikanischen
Markt verstärkt, der bisher vollständig offen war.

Weitere Restriktionen

von ihrer oder unserer Seite könnten auch andere schädigen.
Ob es uns gefällt oder nicht: Das Automobil steht im Mittelpunkt
der industrialisierten Zivilisation Europas und Amerikas. Die Art und
Weise, in der wir beide auf die japanische Herausforderung reagieren,
kann zu einem entscheidenden Element unseres künftigen Erfolgs auf dem
industriellen Sektor werden. Wir müssen die richtige Mischung aus Sicherheit
und Selbstvertrauen finden.
Petrochemische Produkte und synthetische Faserstoffe bilden einen
dritten Problembereich. Im Januar kündigte die Europäische Gemeinschaft
an, daß sie Einfuhrquoten auf zwei Arten synthetischer Fasern - Polyesterfilament- und Nylonteppichgarne - für den Fall der Einfuhr in das Vereinigte
Königreich festsetze., werde. Die Ausfuhren kommen in der Hauptsache aus
den Vereinigten Staaten und Kanada. Ihr Erfolg ist einer Kombination
aus mehreren Faktoren zuzuschreiben: der Modernisierung der Anlagen,einem
günstigen Dollar-Kurs, und, in einem geringeren Grade, der reglementierten
Rohöl preise in den Vereinigten Staaten.
Die Vereinigten Staaten zogen

das grundlegende Recht der Europäischen

Gemeinschaft, angemessene Schutzmaßnahmen zu treffen, nicht in Zweifel, wir
wandten uns lediglich gegen die selektive Art dieses Vorgehens. So wie
Sie gemäß dem GATT-Vertrag das Recht hatten, Schutzmaßnahmen zu treffen, so
haben wir Anspruch auf kompensierende Handelskonzessionen seitens der

- 9 -

�1

der Europäischen Gemeinschaft - ein Recht, das wir wahrnahmen.
Das Problem ist aber etwas umfassender und von grundlegenderer
Bedeutung als der relativ einfache Kunstfaser-Fall erkennen läßt.

Die

Vereinigten Staaten, die sich eines großen Binnenmarktes und Arbeitsbedingungen erfreuen, die eine höhere Nutzung der Anlagen gestatten,
dürften auch im Bereich der Petrochemie einen Wettbewerbsvorteil haben.
Europäische Produzenten beklagen sich über den zusätzlichen Vorteil der
amerikanischen Industrie,die über der Preiskontrolle unterliegende Ausgangsstoffe verfügt.

Insoweit ein derartiger Vorteil gegenwärtig

tatsächlich besteht - die amerikanischen ölpreise liegen derzeit etwa
15 Prozent unter dem Weltpreisniveau -,wird er mit der restlosen Beseitigung
der öl Preiskontrollen am 1.Oktober nächsten Jahres weitgehend zu bestehen
aufhören.

Hinzu kommt, daß sich die Vereinigten Staaten gegenwärtig in

der Talsohle einer Rezession befinden:

die Nachfrage entwickelt einen

Aufwärtstrend und unsere Rohölpreise steigen von Monat zu Monat.

Diese

Faktoren lassen vermuten, daß das Preisgefälle nicht mehr lange fortbestehen wird.

Aber selbst heute schon zehren die Transportkosten der

meisten Produkte der Petrochemie im Atlantikverkehr den Vorteil der
niedrigeren ölpreise in den Vereinigten Staaten auf, sodaß dies tatsächlich
nicht der Kern des Problems sein kann.
Wie immer, spielen auch hier andere Dinge eine Rolle. Vertreter
der Industrie erklären mir, der amerikanische Anteil am europäischen Markt
für Produkte der Petrochemie werde in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr
nur geringfügig steigen. Angesichts der Rezession aber hat sich der
Wettbewerb innerhalb der Vereinigten Staaten verschärft, so daß die Preise
zwangsläufig sinken werden. Dies wiederum zwingt auch die europäische
Konkurrenz in manchen Bereichen zu Preissenkungen, wollen sie eine
erhebliche Steigerung des Absatzes amerikanischer Produkte in Europa
vermeiden. Gleichzeitig hat die Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit
in Europa, völlig unabhängig hiervon, dort zusätzliche Preissenkungen zur
Folge.
Was
- 10 -

�Was auch immer der Grund sein mag, wir anerkennen die Tatsache,
daß diese Probleme Anlaß zur Besorgnis geben. Wir sind bereit, uns mit
den Europäern zusammenzusetzen, um sie durchzusprechen.
Gestatten Sie mir zum Abschluß.von zwei allgemeinen Beobachtungen
zu berichten:
Die erste betrifft den Dollar. Der Dollar scheint in Europa niemals
den richtigen Kurs zu finden. Befestigt er sich, beklagt man sich, daß
das öl mehr kostet und daß unsere hohen Zinssätze Geld nach New York
locken; schwächt er sich ab, beklagen sich die Leute über den zunehmenden
Wettbewerbsdruck amerikanischer Waren.
Die Vereinigten Staaten haben bezüglich des Dollar kein zahlenmäßig
definiertes Kursziel, wie es die Mitglieder des Europäischen Währungssystems im Verhältnis zueinander haben. Wir verwenden unsere Interventionsbefugnis jedoch zu dem Versuch, ernsthafte Unruhe auf den Devisenmärkten
zu vermeiden, um sicherzustellen, daß die Wechselkurse jeweils die grundlegenden Faktoren der verschiedenen Volkswirtschaften reflektieren. Diese
Politik, die wir vor zwei Jahren eingeschlagen haben - etwa zu der gleichen
Zeit und aus etwa den gleichen Gründen wie das Europäische Währungssystem
dies tat, trug zu der relativen Währungsstabilität der jüngsten Vergangenheit
bei.
Tatsächlich hat sich der Marktwert des Dollar in den letzten zehn
Jahren sehr eng an seiner Kaufkraft-Äquivalenz im Verhältnis zu ausländischen
Erzeugnissen orientiert - mit einer Ausnahme, der Deutschen Mark.

Der

Wechselkurs der Deutschen Mark läßt sich nicht ausschließlich auf der Basis
ihrer Kaufkraft-Äquivalenz erklären.

Der Prozeß der Diversifizierung

der Reservemittel - der Übergang der Besitzer solcher Reserven von Dollar
auf DM - übt hierauf zweifellos einen gewissen Einfluß aus.
Ein
- 11 -

�Ein letzter Punkt betrifft die Entwicklungsländer.

Betrachten wir

die nicht-regionalen Ausfuhren der Industriestaaten - den Außenhandel
mit Ausnahme

des Warenverkehrs zwischen den Vereinigten Staaten und

Kanada und innerhalb Westeuropas - stellen wir fest, daß insgesamt 34
Prozent, wertmäßig 180 Milliarden Dollar, in die Entwicklungsländer
gehen„

Wir haben somit nicht nur ein politisches und humanitäres, sondern

auch ein direktes kommerzielles Interesse an ihrem fortgesetzten Wachstum.
Aber die wirtschaftliche Expansion in den Entwicklungsländern wird durch
die hohen öl preise, das langsame Wachstum der Märkte in den Industriestaaten
und deren hohe

Verschuldung bedroht.

Es ist zweifelhaft, ob die privaten

Banken einen höheren Anteil an der Rückschleusung der Gewinne der OPECStaaten aus den öllieferungen übernehmen können, wie dies zur Finanzierung
eines anhaltenden Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern notwendig
wäre.

Internationale Institutionen können dies sehr wohl.

Es war deshalb

ein erheblicher Schritt nach vorne, als der Weltwährungsfonds im vergangenen
Monat die Entscheidung traf, den Zugang zu seinen Finanzierungsmitteln
zu erweitern, seine Ausleihepolitik entsprechend anzupassen und Wege zu
einer weiteren Erhöhung seiner Kapitalausstattung zu erforschen.

Der Fonds

bedarf unserer Unterstützung, um diese Aufgabe bewältigen zu können.

Der Außenhandel muß auch weiterhin der führende Sektor der Weltwirtschaft bleiben,

Die Energiequellen sind sehr ungleichmäßig über die

Erde verteilt; wären sie der einzig führende Wirtschaftszweig der Weltwirtschaft, wäre das Wachstum sehr ungleichmäßig.

Der Handel ist der

große ausgleichende Faktor, der jedes Land in die Lage versetzt, am weltweiten Wachstum teilzunehmen.

Auch dieses Jahr wird der Welthandel wiederum

stärker expandieren als unsere heimischen Volkswirtschaften.

Es sieht ganz

so aus, als ob er 1980 um real 3 Prozent, unsere Volkswirtschaften aber nur
um 1 Prozent wachsen werden.
Unser Ziel - ein Ziel,in das sich die Vereinigten Staaten und die
Europäische Gemeinschaft teilen - ist es, sein weiteres Wachstum sicherzustellen.
+ + + + +
- 12 -

�5. November 1980

49

SOWJETIMPERIALISMUS IN AFGHANISTAN
- Von Alvin Z. Rubinstein c 1980, Current History, Inc.

Der nachfolgende Artikel von Alvin Z,
Rubinstein, Professor für Politische
Wissenschaft an der University of
Pennsylvania, ist die gekürzte Fassung einer Analyse, die ursprünglich
in "Current History" erschien.

Die imperialistische Politik der Sowjetunion im Mittleren Osten zeigte
ihr brutal expansionistisches Gesicht in Afghanistan im Dezember 1979, als
sowjetische Truppen in dieses ihr Nachbarland einfielen, um das prosowjetische,
kommunistische Regime in Kabul an der Macht zu halten. Diese Invasion bedeutete eine neue Entwicklungsstufe der Sowjetpolitik im Mittleren Osten. Ihre
Nachwirkungen werden noch in Jahren zu spüren sein - nicht nur in jener Region, sondern auch in den Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.
Global gesehen, war die sowjetische Politik im Mittleren Osten stets
auf die vier bedeutendsten regionalen Subsysteme gerichtet.

Erstens wurde

die Sowjetunion von dem arabisch-israelischen Sektor der arabischen Welt an-

Postfach20 0 3 0 0 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�angezogen.

Das Waffenlieferungsabkommen mit Ägypten aus dem Jahr 1955 er-

möglichte es dem Kreml, Beziehungen zu einem antiwestlichen arabischen Regime zu knüpfen - sein erster Erfolg dieser Art in der arabischen Welt.
Während der sechziger und siebziger Jahre blieb Moskau in starkem Maße ein
väterlicher Beschützer Ägyptens. Mehrmals rettete es die ägyptische Führung vor einer Niederlage durch Israel. Unter Ägyptens Präsident Anwar
Sadat wandte sich Ägypten jedoch nach dem Oktoberkrieg 1973 sehr zum Ägernis Moskaus, das dadurch seine einstmals starke Basis dort verlor, dem
Westen zu.

Im März 1976 demütigte Sadat Moskau noch mehr, als er den sowje-

tisch-ägyptischen Vertrag vom Mai 1971 aufkündigte.
dieses Rückschlags

Teils als Kompensation

schleust die Sowjetunion jetzt Waffen in die arabischen

Staaten, die jener Ablehnungsfront angehören, die sich Sadats Politik des
friedlichen Ausgleichs mit Israel und der Normalisierung der Beziehungen
zu den Vereinigten Staaten widersetzt.

Durch diese Waffenlieferungen ver-

sucht die sowjetische Führung, eine antiamerikanische Politik zu fördern
und gleichzeitig ihre eigene Attraktivität bei den arabischen Staaten zu
erhöhen.
Zweitens entwickelte sich das Interesse der Sowjetunion für die nordafrikanischen Mittelmeerstaaten. Sie liebäugelt mit Libyen, dessen antiwestliche und antiägyptische Politik den sowjetischen Zielsetzungen gelegen
kommt; und sie versucht, Bindungen zu Algerien zu entwickeln. Die sowjetischen
Absichten bestehen in diesem Sektor darin, antiwestliche Gefühle zu schüren,
Waffen zu liefern und dadurch so stark benötigte Devisen zu bekommen und
schließlich, Flugplatz- und Hafeneinrichtungen für die Vornedislozierung der
sowjetischen Mittel meerflotte benützen zu können.
Drittens - und von gewaltiger Bedeutung seit dem Zeitpunkt, als die
Energiekrise in der Mitte der siebziger Jahre die internationale Politik
zu dominieren begann - sind die Region des Persischen Golfs und der Arabischen Halbinsel Hauptziele sowjetischer Aufmerksamkeit geworden. Moskau
betrat diese Bühne zum erstenmal im Jahr 1958 im Gefolge des Militärputsches,
der die prowestliche Haschemitenmonarchie in Bagdad stürzte und in einer

- 2 -

�einer Reihe antiwestlicher und radikaler Militärdiktaturen endete, die alle
durch Moskau unterstützt wurden.

Das sowjetisch-irakische Verhältnis ist

gemischter Natur, aber jede Seite hat seit Anfang der siebziger Jahre - ein
Freundschaftsvertrag wurde im April 1972 unterzeichnet - genug Vorteile daraus gezogen, um Meinungsverschiedenheiten zu tolerieren.

Der Sturz des

Schah von Persien im Februar 1979, das darauffolgende Durcheinander, das
den Iran an den Rand der Anarchie und innerer Auflösung brachte, sowie das
drohende sowjetische Bedürfnis nach Erdöl aus dem Mittleren Osten haben das
Interesse des Kreml an diesem Gebiet geschärft.

Zudem dürfte die sowjetische

Außenpolitik in dieser öl reichen Gegend noch wesentlich einflußreicher werden, sobald die Sowjetunion Saudi-Arabien dazu bringen könnte, von seinem
Vertrauen gegenüber den Vereinigten Staaten abzugehen und sich der Blockfreiheit zuzuwenden.

Moskau weiß, daß der Weg zur Sicherung sowjetischer

Vorherrschaft in Europa über den Einfluß geht, der über den ölfluß aus dem
Golf und der Arabischen Halbinsel gewonnen wird.
Viertens - und wahrscheinlich am bedeutsamsten - hat die Sowjetunion
versucht, die Länder an ihrer Südgrenze - die Türkei, den Iran und Afghanistan zu neutralisieren. In den Jahren seit Stalins Tod 1953 war es das Hauptziel
der Sowjets im Mittleren Osten, diese nichtarabischen Moslemländer aus dem
Bündnis mit oder den engen Bindungen zu den Vereinigten Staaten herauszubrechen.
Das sowjetische Werben um Afghanistan begann 1954 als Teil der Gesamtpolitik Nikita Chruschtschows, die Beziehungen zur Türkei, zum Iran und zu
Afghanistan zu verbessern und die Politik der Vereinigten Staaten zu untergraben, die darin bestand, die UdSSR mit Ländern zu umgeben, die mit dem
Westen verbündet waren.

Dabei ging die sowjetische Regierung aus Gefühl

für die Fremdenfeindlichkeit ihres schwachen, halbfeudalen, traditionalistischen Nachbarn nur langsam voran.

Es wurden Abkommen unterzeichnet,

die den sowjetischen Bau zweier großer Getreidespeicher, einer Getreidemühle, einer Brotfabrik und Lieferung von Straßenbaumaschinen vorsahen. Weitere Wirtschafts- und Sozialprojekte schlössen sich in rascher Folge an:
eine Rohrleitung undTankanlagen für Erdöl, ein Krankenhaus.
- 3 -

Gewaltiges

�Gewaltiges Prestige erlangte Moskau, als es die Straßen Kabuls pflasterte.
Der Handel dehnte sich aus, und bis zu den sechziger Jahren verfestigte die
sowjetische Beherrschung des afghanischen Außenhandels auch die engeren politischen Bindungen.
Die militärischen Beziehungen waren jedoch weit wichtiger.

Die Span-

nungen zwischen Afghanistan und Pakistan veranlaßten Afghanistan dazu, Waffen bei der Sowjetunion zu suchen. Moskau war nicht nur ein großzügiger
Geber, sondern stellte sich auch bei der Puschtunistan-Grenzfrage gegen
Pakistan auf die Seite Kabuls.

Die sowjetische Politik der Freundschaft

zu Afghanistan hatte mehrere Zielsetzungen:

die Möglichkeit

zu verhindern,

daß Afghanistan irgendeinem Bündnis beitreten könne, das von den Vereinigten Staaten unterstützt wurde; in Afghanistan ein Schaufenster sowjetischer
Hilfsprojekte als ein Mittel dafür einzurichten, wie anderen Ländern der
Dritten Welt die Wohltaten engerer Beziehungen zur UdSSR gezeigt werden
konnten; chinesische Einwirkungen auszugleichen; und. Afghanistan noch enger
in die sowjetische Einflußzone einzubeziehen in das, was Leonid Breschnew
im Jahr 1969 als ein "kollektives Sicherheitssystem für Asien" bezeichnen
sollte.
Das Hintreiben Afghanistans in Richtung Sowjetunion war das Ergebnis
zweier Faktoren: des Wunsches der Führung, Afghanistan wirtschaftlich und
sozial ins 20. Jahrhundert zu bringen - dem Land fehlten Straßen, Schulen,
Industrie, Krankenhäuser und Fachleute; und des Strebens nach einer modernen
Armee, um den Ausbau Pakistans durch die Vereinigten Staaten wettzumachen.
Völlig mit den Grenzstreitigkeiten mit Pakistan beschäftigt, vergaßen die
afghanischen Führer die Gefahr, die von dem kommunistischen Koloß im Norden
ausging.
•

Die sowjetische Invasion wurde in weiten Kreisen verurteilt.

Am 7. Ja-

nuar 1980 legte die UdSSR ihr Veto gegen eine Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ein, die die "bewaffnete Intervention" in
Afghanistan verurteilte und den "sofortigen und bedingungslosen Abzug auslän
discher Truppen" forderte.

Das Abstimmungsergebnis lautete 13 zu 2 zu_
- 4 -

�zu Ungunsten der Sowjetunion.

Eine Woche später forderte die Vollversammlung

in einer Sondersitzung den sofortigen und bedingungslosen Abzug ausländischer
Truppen aus Afghanistan, um es dem afghanischen Volk zu ermöglichen, "ihre
eigene Regierungsform zu bestimmen und ihr wirtschaftliches, politisches und
soziales System frei von Intervention, Subversion, Zwang oder Druck welcher
Art auch immer von außen zu bestimmen."

Das Abstimmungsergebnis lautete:

104 zu 18 gegen die Sowjetunion bei 18 Enthaltungen.
Die Konferenz islamischer Staaten hat den sowjetischen Schritt verurteilt, obgleich einige der radikalen arabischen Staaten es in ihrem Verlangen
nach sowjetischer Unterstützung und sowjetischen Waffen vermeiden, sich Moskau
zum Feind zu machen.

Im Frühjahr schlugen die Briten vor, Afghanistan als

neutralen Staat anzuerkennen.

Die Sowjets ließen durchblicken, daß sie be-

reit seien, unter mehreren Bedingungen abzuziehen, einschließlich eines Versprechens seitens des Iran, Pakistans und der Vereinigten Staaten, daß es
keinerlei Versuche geben werde, sich in die afghanischen Angelegenheiten einzumischen; aber Moskau brachte im einzelnen nie seine angeblichen Bedingungen
für einen Abzug zum Ausdruck.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß die

sowjetischen Truppen noch lange in Afghanistan stehen werden.
Aus diesem jüngsten Vorstoß sowjetischer Macht läßt sich eine ganze
Reihe Lektionen lernen.

Erstens:

der Kreml hat seine Bereitschaft zur Inter-

vention in der Dritten Welt zum Zweck der Machterhaltung eines kommunistischen
Regimes demonstriert.

Die Sowjetunion hat die militärische Kapazität und

politische Entschlossenheit, in Verfolg greifbarer politischer Ziele ihre
Macht einzusetzen.

Dabei änderte sich die Situation auch dadurch in keiner

Weise, daß Moskau mit der Pazifizierung Afghanistans Schwierigkeiten hat und
diese kostspieliger ist als vorhergesehen.

Die sowjetische Führung ist an-

scheinend bereit, jeden noch so hohen Preis zu bezahlen, der nötig ist, um
Afghanistan in einen sklavisch gehorsamen, prosowjetischen Trabantenstaat zu
transformieren.
Zweitens: Instabilität zieht sowjetisches Eingreifen an. Moskaus "Vorwärtspolitik" im Mittleren Osten hat sich auf Gelegenheitsziele zubewegt. Die
- 5 -

�Die sowjetische Übernahme in Afghanistan steht in Einklang mit dem Opportunismus, der die sowjetische Politik im Verlauf der letzten Generation gekennzeichnet hat. Mit wachsender militärischer Kapazität ausgerüstet, ist Moskau
weniger zurückhaltend geworden, weniger gewillt, der Versuchung zu widerstehen.
Drittens:

Afghanistan stellt eine neue Etappe in Moskaus Weltmacht-

politik dar - nicht aufgrund der Bereitschaft zum Einsatz der sowjetischen
Militärmacht außerhalb Osteuropas (denn bei mehreren Gelegenheiten schon hat
die Sowjetunion Kampfeinheiten in Ägypten und Äthiopien, auf Kuba, im Irak,
in Syrien und im Sudan disloziert), sondern weil dies das erstemal ist, daß
sowjetische Truppen im Rahmen der Dritten Welt eingesetzt wurden, um eine
inländische Partei durch eine andere zu ersetzen und dadurch letztlich die
sowjetische Kontrolle zu zementieren.

Diese Bereitschaft zur Intervention

bei innenpolitischen Machtkämpfen in Ländern der Dritten Welt hinter dem
Feigenblatt des "brüderlichen Beistands" stellt für den Iran eine unmittelbare Bedrohung dar.

Sollte die iranische Revolution noch länger die internen

politischen Spaltungsprozesse verschärfen, würde eine sowjetische Intervention zur Unterstützung einer linksgerichteten Gruppierung immer wahrscheinlicher.
Viertens: die sowjetischen Begierden im Mittleren Osten werden durch
Moskaus Wunsch nach Verbesserung seiner Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
nicht ernsthaft gezähmt. Immer wieder hat Moskau Schritte unternommen, um
seine Zielsetzungen in diesem Gebiet zu fördern - ohne auf die Auswirkungen
seiner Handlungsweise auf die Entspannung mit Washington zu achten. Moskau
hat das Wettrüsten im Mittleren Osten angeheizt, hat sich den Anstrengungen
der Vereinigten Staaten zur Verminderung der Wahrscheinlichkeit eines neuen
arabisch-israelischen Krieges widersetzt und hat antiwestliche Politiken ermuntert. Zwar ist Moskau noch immer an Entspannung mit den Vereinigten Staaten interessiert, vor allem, was SALT, den Handel undden Technologietransfer
anbelangt. Aber es ist dennoch nicht gewillt, sein Streben nach Vorteilen
im Mittleren Osten zu mäßigen.
Es

�Es ist eindeutig, daß die sowjetischen Überlegungen von geostrategisehen
Erwägungen beherrscht werden. Durch die Kontrolle Afghanistans erhält Moskau
einen Hebel zum Ausnützen örtlicher Unruhen und beginnender Zerfallserscheinungen im benachbarten Iran und Pakistan. Ein solchermaßen von den Sowjets
kontrolliertes Afghanistan bringt die Rote Armee in eine Entfernung zum Arabischen Meer und zum Persischen Golf, die ein leichtes Zuschlagen ermöglicht.
Es bedürfte keiner besonderen Anstrengungen, um einen Teil des BelutschiStammesgebietes aus dem Iran oder Pakistan herauszubrechen (je nachdem, welches Land zuerst zusammenbricht oder als erstes unterwandert ist) und eine
"Volksrepublik Belutschistan" zu errichten, die durch Vertrag und sowjetische
Militärpräsenz an die Sowjetunion gebunden würde. Was immer die unmittelbaren
und drängenden Überlegungen waren, die die sowjetische Invasion Afghanistansherbeiführten: sie werden mit der Zeit durch langfristige Überlegungen verdrängt werden, die eine andauernde sowjetische Besetzung rechtfertigen sollen.
Der Glaube, daß die schlechtausgerüsteten afghanischen Guerillas die sowjetischen
Streitkräfte auf gleiche Weise besiegen könnten, wie die Nordvietnamesen die
Südvietnamesen und die Amerikaner besiegten, ist eine romantische Täuschung
- eine Übertreibung der Stärke der afghanischen Nationalisten und eine schwerwiegende Unterschätzung sowjetischen Strebens und sowjetischer Entschlossenheit.

+ + + + +

- 7 -

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                <text>Amerikadienst 05.11.1980</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter räumt Wahlniederlage ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Vizepräsident Mondale zur Wahlniederlage&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unterstützung Reagans wird zugesagt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zu seinem Wahlsieg&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;George Bush erkennt im Wahlsieg der Republikaner ein "Mandat der Hoffnung"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des designierten Vizepräsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanischer EG-Botschafter plädiert für freien Welthandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schwierigkeiten in einigen Industrien nicht überschätzen - USA und EG wissen Instrumentarium der Freihandelspolitik zu nutzen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sowjetimperialismus in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Alvin Z. Rubinstein -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;c 1980, Current History, Inc.&lt;/em&gt;</text>
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I.in;ii.t&gt;nii-nirtt«i-ilni)-

29. Oktober 1980

48

INHALT

DOKUMENTATION
USA streben Stärkung der globalen Sicherheit an
- Rede von Dr. Brzezinski vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen
in Denver Muskie nimmt zum Thema Menschenrechte und KSZE-Folgekonferenz Stellung
- Rede des US-Außenministers in Milwaukee -

INFORMATION
Ölschiefer
Energieverbrauch

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48

29. Oktober 1980

USA STREBEN STÄRKUNG DER GLOBALEN SICHERHEIT AN
*

Rede von Dr. Brzezinski vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Denver

DENVER, COLORADO - (AD) - Der Sicherheitsberater von Präsident Carter,
Dr. Zbigniew Brzezinski,hat am 25. Oktober 1980 in einer Rede vor dem - privaten - Rat für.Auswärtige Beziehungen in Denver betont, das Streben der USA
nach einem "regionalen Sicherheitsrahmen" im Persischen Golf entspringe der
Sorge um die globale Sicherheit.

Nach Europa und dem Fernen Osten sei der

Persische Golf und der Nahe und Mittlere Osten die dritte Region,in denen
die Vereinigten Staaten in den letzten 35 Jahren ein lebenswichtiges Interesse vertreten.
Die Ansprache Brzezinskis unter dem Titel:

"Das Streben nach globaler

Sicherheit - die dritte Phase" hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute Ihre Zeit in Anspruch nehmen, um über den neuesten
- und mit der größten Herausforderung verbundenen - Aspekt in dem 35jährigen
Streben Amerikas nach der Stärkung des Friedens und der globalen Stabilität
zu sprechen.

Ich möchte die Anstrengungen der Regierung Carter darlegen,

einen Rahmen für die regionale Sicherheit in dem lebenswichtigen und unru-

�unruhigen Gebiet Südwestasiens zu schaffen, das den Persischen Golf und den
Nahen und Mittleren Osten einschließt.
Diese Anstrengungen befinden sich in ihrer Anfangsphase.

Sie sind je-

doch Teil einer wesentlichen und dauerhaften Verpflichtung der Vereinigten
Staaten, in der Welt ein Klima der Stabilität zu schaffen, in dem der Wandel
sich produktiven statt zerstörerischen Zielen verschreiben kann.
Der rasche und umwälzende Wandel ist eine Realität unserer Zeit.
ist eine Entwicklung, die wir nicht umkehren können.

Er

Er kann nicht durch

bekannte und vereinfachende Theorien wegdiskutiert werden, die alle Proteste
als kommunistisch inspiriert ansehen oder alle Unruhe einer angeblichen
amerikanischen Schwäche oder Unordnung im Westen zuschreiben.
Politischer Wandel ist seiner Natur nach vielfachen Ursprungs und in
seiner praktischen Auswirkung auf die internationalen Beziehungen vielfältig.
Die Veränderungen, mit denen sich die Macht und Zielsetzung Amerikas auseinandersetzen muß, sind unter anderem demographischen, wirtschaftlichen, gesell
schaftlichen und politischen Ursprungs.

Sie entstehen zum großen Teil aus

dem dramatischen politischen Erwachen von Völkern, die einst

passive Sub-

jekte waren, heute jedoch aktive und unermüdliche Teilnehmer an einem politischen Prozeß sind, der global aber noch nicht geordnet
Wenn ein einzelnes Ereignis den Beginn dieses umfassenden Prozesses
des Wandels kennzeichnet, dann ist es das Ende des Zweiten Weltkrieges. Der
Krieg zerstörte nicht nur große europäische Mächte, sondern auch die eurozentrische Weltordnung, die den Rahmen für internationale Rivalität,aber auch
Entwicklung geboten hatte.

Aus diesem Zusammenbruch gingen die Vereinigten

Staaten als die vorherrschende Weltmacht hervor, aber nicht als die einzige.
Sie war damals - wie heute noch - mit einem Rivalen konfrontiert, nämlich der Sowjetunion.

Und dieser Rivale schien in der Lage zu sein, die

Kontrolle über Europa und Asien zu erringen, deren Verteidigung und deren
Wirtschaft damals in Trümmern lagen.
- 2 -

T

�In diesem Zusammenhang übernahmen damals die Vereinigten Staaten die
Aufgabe, die sowjetische Macht einzudämmen.

Der sowjetische Druck auf Berlin

erregte amerikanische Befürchtungen eines sowjetischen Vordringens bis zum
Atlantik.

Der kommunistische Sieg in China im gleichen Zeitraum ließ die Aus-

sicht auf eine kommunistische Herrschaft selbst über Japan erkennen.
Als Reaktion auf diese klar erkannten Herausforderungen unternahm Amerika
zwischen 1945 und 1955 die erste große Phase seines Engagements in der Welt.
Wir verpflichteten uns, Westeuropa wieder aufzubauen und seine Sicherheit zu
gewährleisten.

Aus diesem Engagement heraus entstanden der Nordatlantikver-

trag und der Marshall-Plan.

Diese zusammen ermöglichten die Wiederherstel-

lung Europas als lebensfähige Macht in der Weltpolitik.
In etwa dem gleichen Zeitraum beginnend, aber viel länger andauernd,
unternahm Amerika seine zweite große Anstrengung:
Stabilität im Fernen Osten.

die Gewährleistung der

Ausgelöst mit dem Koreakrieg fand diese Anstren-

gung auch ihren Ausdruck in dem amerikanisch-japanischen Friedensvertrag Mitte
der fünfziger Jahre und der daraus entstehenden Verteidigungszusammenarbeit.
Die Bemühungen um Stabilität im Fernen Osten zogen sich jedoch länger hinaus
und waren komplexer.
Später verwickelten uns diese Bemühungen in den schmerzlichen und schwächenden Vietnam-Konflikt.

Trotzdem konnte man Ende der siebziger Jahre mit

der Normalisierung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen sagen, daß im
Rahmen der Sicherheitsbeziehungen mit Japan und Südkorea und einer engeren
Verständigung mit China ein lebensfähiges Abschreckungssystem entstand und
in ähnlicher Weise für eine Abschreckung der sowjetischen Ambitionen sorgte.
Damit kam es soweit, daß Frieden und Sicherheit in der Welt auf der
amerikanischen Verpflichtung für die Unabhängigkeit und Sicherheit von zwei
zentralen strategischen Zonen beruhte:

Westeuropa und Fernost.

Man betrach-

tete amerikanische Interessen als automatisch berührt, wenn eine Bedrohung
dieser beiden strategischen Zonen einträte.

Man sah die Macht Amerikas als

bereit an, jeder Drohung einer Expansion entweder nach Westen oder nach
- 3 -

�nach Osten entgegenzutreten.
Zum Teil, um diese beiden strategischen Zonen zu überwinden und an den
Flanken zu umgehen, startete die Sowjetunion unter Chruschtschow und später
unter Breschnjew eine Reihe von Manövern, vor allem in der Dritten Welt.

Die

Ausweitung des sowjetischen Einflusses nach Kuba wie in bestimmte Gebiete
Afrikas war ein teilweiser Ausdruck dieser Strategie, aber die sowjetischen
Gewinne blieben doch weitgehend marginal, schlugen gelegentlich ins Gegenteil um und reichten niemals aus, um die eine oder andere der beiden zentralen strategischen Zonen zu bedrohen.
Obwohl von einigen Leuten schon sehr viel früher erkannt, gewann in den
letzten Jahren eine dritte strategische Zone eine lebenswichtige Bedeutung
für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten:

die Region, die wir heute

als Südwestasien bezeichnen, einschließlich des Persischen Golfes und des
Nahen und Mittleren Ostens. Westeuropa und der Ferne Osten sind in ihrem
wirtschaftlichen Wohlergehen von dieser Region abhängig.

Ihre Beziehungen

zu ihr und ihren Ölvorkommen läßt sie in zunehmendem Maße zur dritten zentralen strategischen Zone werden, eine Zone von lebenswichtigem Interesse
für uns wie für unsere Hauptverbündeten.
Jahrelang wurde diese Region vor dem sowjetischen Einfluß durch eine
Kette von Staaten abgeschirmt, die sich von der Türkei über das Kaspische
Meer und über Afghanistan erstreckte, das als Pufferzone zum Schutz für das
im wesentlichen westlich ausgerichtete Pakistan diente.
punkt dieser Kette.

Iran war der Angel-

Es bot den Drehpunkt für ein Sicherheitssystem, das die

Sowjetunion vom Persischen Golf fernhielt.
In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre geriet diese Zone unter eine
wachsende Bedrohung von außen.

Sie wurde in einem gewissen Ausmaß durch das

Auftreten einer militärischen Präsenz der Sowjets in Südjemen und durch Stellvertreter in Äthiopien umzingelt.

Der Staatsstreich Tarakis in Afghanistan

im März 1978 öffnete die Tür für ein direktes sowjetisches Engagement und
dann für die militärische Besetzung des Landes durch die Sowjets Ende 1979
- 4 -

�In diesem Zusammenhang übernahmen damals die Vereinigten Staaten die
Aufgabe, die sowjetische Macht einzudämmen.

Der sowjetische Druck auf Berlin

erregte amerikanische Befürchtungen eines sowjetischen Vordringens bis zum
Atlantik.

Der kommunistische Sieg in China im gleichen Zeitraum ließ die Aus-

sicht auf eine kommunistische Herrschaft selbst über Japan erkennen.
Als Reaktion auf diese klar erkannten Herausforderungen unternahm Amerika
zwischen 1945 und 1955 die erste große Phase seines Engagements in der Welt.
Wir verpflichteten uns, Westeuropa wieder aufzubauen und seine Sicherheit zu
gewährleisten.

Aus diesem Engagement heraus entstanden der Nordatlantikver-

trag und der Marshall-Plan.

Diese zusammen ermöglichten die Wiederherstel-

lung Europas als lebensfähige Macht in der Weltpolitik.
In etwa dem gleichen Zeitraum beginnend, aber viel länger andauernd,
unternahm Amerika seine zweite große Anstrengung:
Stabilität im Fernen Osten.

die Gewährleistung der

Ausgelöst mit dem Koreakrieg fand diese Anstren-

gung auch ihren Ausdruck in dem amerikanisch-japanischen Friedensvertrag Mitte
der fünfziger Jahre und der daraus entstehenden Verteidigungszusammenarbeit.
Die Bemühungen um Stabilität im Fernen Osten zogen sich jedoch länger hinaus
und waren komplexer.
Später verwickelten uns diese Bemühungen in den schmerzlichen und schwächenden Vietnam-Konflikt.

Trotzdem konnte man Ende der siebziger Jahre mit

der Normalisierung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen sagen, daß im
Rahmen der Sicherheitsbeziehungen mit Japan und Südkorea und einer engeren
Verständigung mit China ein lebensfähiges Abschreckungssystem entstand und
in ähnlicher Weise für eine Abschreckung der sowjetischen Ambitionen sorgte.
Damit kam es soweit, daß Frieden und Sicherheit in der Welt auf der
amerikanischen Verpflichtung für die Unabhängigkeit und Sicherheit von zwei
zentralen strategischen Zonen beruhte:

Westeuropa und Fernost.

Man betrach-

tete amerikanische Interessen als automatisch berührt, wenn eine Bedrohung
dieser beiden strategischen Zonen einträte.

Man sah die Macht Amerikas als

bereit an, jeder Drohung einer Expansion entweder nach Westen oder nach
- 3 -

�1979 und Anfang 1980.
Gleichzeitig sind die Länder dieser Region ein Beispiel für die Tatsache
des Wandels, von dem ich vorhin gesprochen habe. Jene Länder stehen in zunehmendem Maße vor einer Bedrohung von innen - die Zerbrechlichkeit örtlicher
Regime gegenüber dem Druck der Modernisierung und dem Anreiz einer islamischen
Renaissance liegt auf der Hand.
fälligste Beispiel.

Der Sturz des Schah im Iran ist das augen-

Der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, der vorigen

Monat begann, hat weiter zur Möglichkeit des regionalen Umsturzes beigetragen, der auf eine Reihe von Staaten im weiteren Bereich des Persischen Golfes
übergreifen und damit ein Viertel der Weltölerzeugung abschneiden könnte.
Und diese instabilen Verhältnisse bieten natürlich neue Öffnungen für das
politische und militärische Eindringen der Sowjets.
In Reaktion auf diese strategische Lage proklamierte Präsident Carter
bereits im Januar 1980 das, was man mittlerweile die Carter-Doktrin nennt:
"Jeder Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die Region des
Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die lebenswichtigen
Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden.

Und solch ein Angriff

wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel, einschließlich militärischer
Macht, zurückgewiesen werden."

Ergebnis und Folge dieser Erklärung war eine

neue und historisch bedeutsame Verpflichtung der Vereinigten Staaten, eine
Verpflichtung, die langfristige Auswirkungen für das Jahrzehnt der achtziger
Jahre hat.

Sie spiegelt die Erkenntnis wider, daß die zentrale Herausfor-

derung dieses Jahrzehnts wahrscheinlich ebenso umfassend und dauerhaft sein
wird wie jene, vor denen die amerikanische Führung in den ersten Jahrzehnten
nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand.
Zu jener Zeit mußten wir Westeuropa schützen und wiederaufbauen - und
gleichzeitig die sowjetische Aggression zurückweisen.

Heute müssen wir die

richtige Mischung aus militärischen und diplomatischen Initiativen finden, um
eine Region zu sichern, die für uns absolut lebenswichtig ist, in der wir jedoch nicht automatisch die Lektionen wiederholen können, die sich aus der
Gestaltung des Atlantischen Bündnisses ergaben.
- 5 -

w-

�Wir müssen den sowjetischen Expansionismus zurückweisen; wir müssen
ein Sicherheitsrahmenwerk schaffen; wir müssen in Ruhe bei der Lösungssuche
regionaler Streitigkeiten mithelfen; und wir müssen eine Vielfalt formeller
und informeller Beziehungen in einer Region entwickeln, die gegenüber jeglicher ausländischer Präsenz empfindlich ist, wo stolze und mißtrauische
Nationen sich erst vor kurzem von kolonialistischem Einfluß befreit haben.
Demzufolge können wir in der Region um den Persischen Golf keine Nachbildung der NATO schaffen.

Dies lassen die politischen und die wirtschaft-

lichen Bedingungen der Region nicht zu. Auch die dortigen Werte und Kulturen
würden dies nicht erlauben.

Die Notwendigkeit, positiven Wandel zu unter-

stützen, anstatt Sicherheit wieder auf der Grundlage altvertrauter Muster ,
zu erlangen, macht die erneute Anwendung alter Rezepte untauglich.
Wir können aber dort auch kein Sicherheitsrahmenwerk auf eigene Faust
aufbauen.

Andere müssen helfen - nicht nur befreundete Staaten der Region,

sondern auch unsere europäischen und asiatischen Verbündeten.

Ihre eigenen,

vitalen Interessen stehen noch unmittelbarer auf dem Spiel als die unsrigen.
Dennoch müssen wir die Führung übernehmen, denn einer potentiellen sowjetischen
Bedrohung kann nur dann wirkungsvoll entgegengetreten werden, wenn wir bei
ihrer Beantwortung führen.
Ein Sicherheitsrahmenwerk für

. . .
diese Region kann nicht allein, noch nicht

einmal in seinen wesentlichen Zügen eine militärische Struktur haben - auch
wenn die militärische Komponente von entscheidender Bedeutung ist.
auch diplomatische und wirtschaftliche Komponenten aufweisen.

Es muß

Während der

vergangenen neun Monate hat die Regierung Carter eine Reihe von Initiativen
ergriffen und Schritte unternommen, die den Grundstein für eine sich entwickelnde Struktur legten, um sowohl die Unabhängigkeit der Region als auch die
Aussichten auf Frieden zu unterstützen.

Es ist erst ein Anfang, aber unser

Fortschritt ist ermutigend, und ich möchte Ihnen berichten, was bisher erzielt worden ist.

Was

�Was das Militärische angeht, so haben wir zwei entscheidende, sich ergänzende Anstrengungen fortgesetzt.
Erstens, um die Fähigkeit zu besitzen, der Sowjetunion eine glaubhafte
Abschreckung entgegenzusetzen und unseren Verbündeten in diesem Gebiet erneute Sicherheit zu geben , müssen wir in der Lage sein, rasch amerikanische
Streitkräfte in diese Region zu schaffen.

Ich betone mit Nachdruck dieses

rasche Heranschaffen amerikanischer Streitkräfte, da es nicht unsere Absicht
ist, amerikanische Landstreitkräfte dort zu stationieren oder große amerikanische Stützpunkte dort anzulegen.

Wir müssen jedoch in der Lage sein, un-

seren Freunden zu Hilfe zu kommen, wenn sie bedroht sind und wenn sie uns um
Hilfe ersuchen.
Weil in der Öffentlichkeit Zweifel laut geworden sind über die Ernsthaftigkeit der von uns in dieser Hinsicht unternommenen Anstrengungen, möchte
ich einige konkrete Details anführen.

Der Präsident hat während der letzten

neun Monate mehrfach den Nationalen Sicherheitsrat zusammenkommen lassen,
um diesen Plan weiter zu verfolgen und der Sonderausschuß dieses Rates für
Fragen der Koordinierung, dessen Vorsitzender ich bin, hat 18 Sitzungen abgehalten, um unsere Programme und den dabei erzielten Fortschritt in der Entwicklung der Konzeption eines regionalen Sicherheitsrahmenwerks und der Verbesserung unserer Fähigkeit zur raschen Dislozierung unserer Streitkräfte in
Notfällen zu erörtern.
Zur Zeit haben wir folgendes erreicht:
- Eine gemeinsame Eingreiftruppe zur raschen Dislozierung ist aufgestellt
worden.

Sitz ihres Kommandos ist die MacDill Air Force Base in Florida.

- Truppenverbände wurden zur Ausbildung für Kriseneinsätze bestimmt.
Zu ihnen gehören zweieindrittel Armeedivisionen, eine Division des Marinekorps zusammen mit mehr als vier Geschwadern von Kampfflugzeugen und drei
Flugzeugträgerkampfgruppen.
- Sieben
- 7 -

�- Sieben auf Vorausposition geschickte Schiffe mit vollmechanisierter
Ausrüstung, Munition, Treibstoff und anderen Nachschubgütern sind im Indischen
Ozean disloziert.

Sie ermöglichen es uns, eine motorisierte Brigade von

12 000 Mann in kürzester Zeit, in wenigen Tagen, in der Region aufzustellen.
- 300 Düsentransportflugzeuge und 500 Turboprop-Transportmaschinen stehen
für eine Luftbrücke zur Verfügung.
- Der Kongreß prüft das Ersuchen der Administration,acht schnelle Frachtund Truppentransportschiffe zur direkten Be- und Entladung anzukaufen, die
von der Ostküste aus in 11 - 12 Tagen den Suezkanal erreichen könnten.

Diese

Schiffe könnten in wenigen Wochen im Einsatz sein, sobald sie vom Kongreß erst
einmal bewilligt sind.
- Der Gemeinsame Eingreifverband für eine rasche Dislozierung hat bisher
drei Übungen in den Vereinigten Staaten durchgeführt.
- Einsatzübungen kleinerer Teile des Verbandes in dem Gebiet sind für
Herbst dieses Jahres vorgesehen.
- Die für den Einsatz erforderlichen Zeiten konnten bedeutend verkürzt
werden.

Die taktischen Luftstreitkräfte können innerhalb von Stunden in dem

Gebiet sein, ein

Bataillon innerhalb von 48 Stunden und eine Division inner-

halb von zwei Wochen.
- Schließlich haben wir mit vier Ländern in diesem Gebiet Abmachungen
über die Benutzung von Anlagen zur Unterstützung einer amerikanischen Präsenz
getroffen.
Ich meine,diese Liste zeigt, daß wir seit dem vorigen Dezember, als der
Präsident sich entschloß, sich um Einrichtungen in diesem Gebiet zu bemühen,
wahrhaft eine ganze Anzahl wichtiger Schritte getan haben, um die Sicherheit
der Region zu verbessern.

Kurzum, wir haben etwas getan, um die Fähigkeit

zu erlangen, amerikanische Streitkräfte rasch in diese Region zu verlegen,
- 8 -

�verlegen, falls sie bedroht wird.
Gleichzeitig muß aber erneut betont werden, daß die politischen Verhältnisse der Region sehr verschieden von denen in Europa sind.

Wir müssen stän-

dig die nationalen und politischen Empfindlichkeiten der betreffenden Länder
im Auge behalten.

Wenn man jedoch diese wichtigen Realitäten in Rechnung

stellt, so kann kein Zweifel bestehen, daß wir in den vergangenen neun Monaten einen echten Fortschritt bei der Entwicklung einer raschen Einsatzkapazität der amerikanischen Streitkräfte für

diese Region erzielt haben.

All dies, ich will es gleich hinzufügen, ist lediglich ein Anfang.
Die Region, um die es geht, wird von tiefreichenden Konflikten geschüttelt.
Diese Konflikte sind ihrem Charakter nach meist örtlichen Ursprungs, aber sie
können durch einen Feind von außen zu dessen eigenen Zwecken ausgebeutet werden.

Wir müssen uns dieser Tatsache bewußt sein und einsehen, daß es dafür

keine raschen und einfachen Lösungen gibt.

Es wird viele Jahre dauern und

einer anhaltenden politischen und militärischen Anstrengung bedürfen, um die
notwendige

Stabilität zu schaffen, damit der Druck nach Süden, der unsere na-

tionale Sicherheit bedroht, eingedämmt werden kann.

Wir unterziehen uns in

allem Ernst dieser Anstrengung in der Erkenntnis der Bedeutung dessen, worum
es geht und im Bewußtsein, daß es sich hierbei nicht um eine Frage der Parteipolitik, sondern um eine Angelegenheit der ureigensten nationalen Sicherheit
handelt.

Parallel zu unseren militärischen Anstrengungen haben wir uns bereiterklärt, bei der Verbesserung der Verteidigungskapazitäten von Ländern in dieser
Region behilflich zu sein. Wir setzen die schon seit langem gewährte Unterstützung für die Sicherheit Israels fort.

Es ist eine Tatsache, daß unsere

gesamte wirtschaftliche und militärische Hilfe für Israel während der letzten
vier Jahre sich auf fast die Hälfte der amerikanischen Hilfe an Israel seit
dessen Gründung beläuft.

Außerdem haben wir Waffen an Saudi-Arabien, Ägypten,

Jordanien und den Nordjemen geliefert.

Wir bieten militärischem Personal

aus mehreren Staaten dieser Region Ausbildung.

Soweit möglich, ziehen wir es

vor, den Staaten in der Region dabei zu helfen, sich selbst zu verteidigen.
- 9 -

�verteidigen.

Auch sie ziehen dies vor, und wir ermutigen sie dazu.

Diese beiden militärischen Anstrengungen haben Einfluß auf unsere
Möglichkeiten im Rahmen der NATO.

Daher haben wir mit der Ausarbeitung

einer Formel für eine erste Arbeitsteilung zwischen den NATO-Verbündeten
begonnen, um den Wettlauf um knappe militärische Mittel zu bremsen.
Was die wirtschaftliche Komponente unseres Sicherheitsrahmenwerks angeht,
so nimmt öl eine Schlüsselstellung ein.

Unsere Innenpolitik sowie unsere poli-

tischen Bemühungen gemeinsam mit unseren Verbündeten haben den Verbrauch vermindert, den Preisanstieg verlangsamt und Vorräte aufgebaut.

Aus diesen Grün-

den sind wir - obwohl der Iran und der Irak als Förderländer derzeit ausfallen - zuversichtlich, daß es keine unmittelbare Versorgungskrise geben
wird.
Wir haben auch die reicheren Staaten der Region dazu ermutigt, ärmeren
Ländern wirtschaftlichen und militärischen Beistand zu gewähren, um ihnen dabei zu hlefen, äußeren Anstrengungen zu widerstehen, die auf politische Destabil isierung gerichtet sind.

Wir haben unsere Verbündeten in Europa er-

sucht, eben diesen Staaten Wirtschaftshilfe zu gewähren.

Die Bundesrepublik

Deutschland hat zum Beispiel eine wesentliche Rolle dabei übernommen, solcherart Hilfe der Türkei und Pakistan zu gewähren.
So kombinieren sich Energieeinsparung und erhöhte Energieproduktion,
Wirtschaftshilfe für Staaten der Region durch Staaten der Region sowie westliche Wirtschaftshilfe, um eine Dreipunkte-Wirtschaftsstrategie für das Sicherheitsrahmenwerk zu bilden.
Der Arbeit, die in diesem Jahr geleistet wurde, um eine glaubwürdige
Struktur für regionale Sicherheit in Südwestasien zu entwickeln, kommt eine
Bedeutung zu, die über die Region selbst hinausreicht.

Auf diesem Niveau

spiegelt sich natürlich eine entscheidende amerikanische Verpflichtung wider
- eine Verpflichtung, von der wir erwarten können, daß sie sich als ebenso
dauerhaft erweisen wird, wie jene in Europa und im Fernen Osten.
- 10 -

Aber über

�über die Region hinaus bleibt das Streben nach Sicherheit ein weltweites
Anliegen.
Mit den von uns unternommenen Schritten zur Eindämmung eines möglichen
sowjetischen Vorstoßes nach Slidwestasien versetzen wir uns außerdem in eine
Lage, von der aus wir auf ein konstruktiveres und positiveres Verhältnis zur
Sowjetunion selbst hinarbeiten.

Es war die westliche - und besonders ameri-

kanische - Entschlossenheit in Europa und im Fernen Osten, die die Grundlage
bildete, auf der die Entspannung ihren Anfang nahm.

Gleichermaßen bietet uns

auch unsere Fähigkeit zur Abschreckung sowjetischen Druckes gegen diesen
dritten Bereich von lebenswichtigem westlichem Interesse die Grundlage für
einen zielbewußten Dialog mit Moskau.
Wir wollen nicht den Kalten Krieg neu beleben, indem wir den Konkurrenzkampf in eine andere Region verlegen.

Wir erstreben eine echte Verminderung

der Spannungen auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und der wechselseitigen
Zurückhaltung.
Wir erstreben in Südwestasien ebensowenig ein Wettrüsten wie wir es auf
dem Gebiet der strategischen Waffen tun.

Im Gegenteil:

in beiden Fällen

bleibt unser Ziel und Zweck die echte Rüstungskontrolle.

Der Präsident ist

entschlossen, die Ratifizierung des SALT II-Vertrags weiterzuverfolgen.
In der Tat hat sich der Wahl kämpf zu einem gewissen Grad zu einem Referendum über diese Politik und über den festen Glauben der Regierung daran
entwickelt, daß die Kontrolle strategischer Waffen den nationalen Sicherheitsinteressen unseres Landes dient.

Einmal ratifiziert, wird SALT II die Grund-

lage für die erregende Aufgabe weiterer quantitativer und qualitativer Begrenzungen bei strategischen Waffen bilden - die Tagesordnung von SALT III.
Kurz und als Schlußfolgerung gesagt, ist unsere umfassendere Zielsetzung
die Schaffung eines beständigen Rahmenwerks der Abschreckung, damit der Frieden nicht nur bewahrt, sondern zugleich in aktive Zusammenarbeit zwischen den
bedeutendsten Staaten der Welt umgesetzt werden kann.
- 11 -

Innerhalb dieses Ge-

�Gesamtrahmens können wir uns mit den Veränderungen befassen, die unvermeidlich sind.
Wir können dabei helfen, den Prozeß globalen Wandels in Richtung auf
institutionelle Arrangements zu beeinflussen, die wir derzeit nur undeutlich
wahrnehmen und uns nur unvollkommen vorzustellen vermögen.

Wir können das

Kräftegleichgewicht nützen, um bei der Korrektur der Ungleichheit in Reichtum, Technologie, Bildung und Gesundheit zu helfen, die ansonsten unsere
Lebensweise und unser überleben gefährden würde.
Aber wir können nur dann konstruktiv diese Herausforderungen bewältigen,
wenn wir entschlossen und wirkungsvoll die Herausforderung in Südwestasien
angehen.

Sollten wir dort scheitern, könnte das Gleichgewicht der Kräfte,

auf das wir die Stabilität gründen müssen, unwiederbringlich verloren sein.
Die Abhängigkeit sowohl Westeuropas als auch des Fernen Ostens vom Gebiet des Persischen Golfs ist dergestalt, daß wir uns kein Scheitern leisten
können.

Die dritte zentrale strategische Zone ist für das überleben der

beiden anderen zwei und damit für unsere eigene Fähigkeit zur Bewahrung des
Weltfriedens von entscheidender Bedeutung.
Darum geht es. Aus diesem Grund habe ich Ihre Zeit in Anspruch genommen, um unsere Anstrengungen an diesem frühen Punkt ihrer Entwicklung
klarzustellen.

Und aus diesem Grund auch glaube ich, daß Ihr Verständnis

davon für unseren Erfolg bei dieser neuen Verpflichtung von entscheidender
Bedeutung ist.

+ + + + +

- 12 -

�29. Oktober 1980

48

MUSKIE NIMMT ZUM THEMA MENSCHENRECHTE UND KSZE-FOLGEKONFERENZ STELLUNG
- Rede des US-Außenministers in Milwaukee -

MILWAUKEE - (AD) - Am 21. Oktober 1980 ging der amerikanische Außenminister Edmund Muskie in Milwaukee auf einer von der Universität von
Wisconsin und dem "Institute of World Affairs" in Milwaukee organisierten
Veranstaltung auf das Thema Menschenrechte und KSZE-Folgekonferenz in Madrid
ein.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich habe heute abend eine zweifache Absicht:

zu sprechen und zuzuhören,

Ihnen also eine Gelegenheit zu geben, Fragen zu stellen.
her mit Absicht kurz fassen.

Ich werde mich da-

Aber ich möchte mit ein paar wesentlichen Be-

merkungen beginnen, die die grundlegenden Absichten unserer amerikanischen
Außenpolitik erhellen sollen.
Vor einigen Jahren stellte der französische Philosoph Andre Malraux in
einem Trinkspruch, den er im Weißen Haus während der Regierungszeit Präsident Kennedys ausbrachte, fest, daß Amerika der erste Staat auf Erden sei,
der sich bewußt um eine Idee herum ausgebildet habe.
Natürlich

�Natürlich war diese Idee die Idee der menschlichen Freiheit: die Idee
des von seinen Fesseln befreiten Ausdrucks des Einzelmenschen, die Idee der
Achtung vor der Unverletzlichkeit des Individuums, die Idee der uneingeschränkten Ausübung der politischen Rechte des Bürgers.
Diese Idee bleibt natürlich im Mittelpunkt unseres politischen Zusammenschlusses.

Sie ist es, die Amerika zur Quelle der menschlichen Befreiungs-

bewegungen macht, die es derzeit in der Welt gibt:

von der Bürgerrechtsbe-

wegung bis hin zu dem Kreuzzug für die Rechte der Frauen.
Und diese Idee der menschlichen Freiheit ist eine der treibenden Kräfte
der Außenpolitik unseres Landes.
Heute abend möchte ich kurz über unsere Außenpolitik auf dem Felde der
Menschenrechte sprechen.

Und ich möchte insbesondere auf ein bevorstehendes

Ereignis hinweisen, das für all diejenigen von uns von großer Bedeutung ist,
die sich um die Menschenrechte sorgen:

die Madrider Konferenz in diesem

Jahr, an der 33 europäische Staaten sowie die Vereinigten Staaten und Kanada
teilnehmen.

Im November werden diese Staaten beginnen, die Einhaltung der

Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 zu überprüfen.

Die Schlußakte von

Helsinki rief die KSZE - die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa - als einen fortlaufenden Prozeß ins Leben und machte die Übereinstimmung mit bestimmten Menschenrechtsnormen zu einer Angelegenheit gemeinsamer Verpflichtungen und Belange aller 35 Signatarstaaten.
Lassen Sie mich mit einer Bemerkung über die Betonung beginnen, die Präsident Carter und seine Regierung auf die Menschenrechte als ein wesentliches
Thema der amerikanischen Außenpolitik legten.
Präsident Carter betonte in seiner Antrittsrede mit Nachdruck diesen
neuen Schwerpunkt:

"Weil wir frei sind", sagte er, "können wir gegenüber

dem Schicksal der Freiheit anderswo niemals gleichgültig sein."
Von
- 2 -

�Von Anfang an war Präsident Carter davon überzeugt, daß unsere Außenpolitik den drei wesentlichen Kategorien der Menschenrechte aktive und ausdrückliche Unterstützung gewähren sollte:
- Erstens, dem Recht auf Freiheit von Verletzungen der Person - von
Folter, willkürlicher Verhaftung oder Gefangenschaft, von Exekution
im Schnellverfahren und Verweigerung eines angemessenen Prozesses;
- zweitens, dem Recht auf die Erfüllung vitaler wirtschaftlicher Ansprüche
wie Nahrung, Unterkunft, Ausbildung und Gesundheitsfürsorge; und
- drittens, den bürgerlichen und politischen Rechten - Gedankenfreiheit,
Versammlungsfreiheit, Freizügigkeit sowie Freiheit der Rede und der
Beteiligung am politischen Prozeß.
In den vergangenen dreieinhalb Jahren sind die Menschenrechte zu einem
aktiven Punkt auf unserer diplomatischen Tagesordnung geworden.

Ernsthafte

Diskussionen über die Menschenrechte finden nunmehr zwischen uns und den Nationen statt, mit denen wir im Gespräch sind.

Und das Verhalten in der Frage

der Menschenrechte ist zu einem der Hauptkriterien für uns bei der Entscheidung geworden, ob und wie wir mit anderen Nationen in Verbindung stehen.
Wir tun dies alles nicht aus einem naiven Idealismus heraus und auch
nicht nur, weil es richtig ist.

Wir tun dies alles, weil wir innenpolitische

und internationale rechtliche Verpflichtungen haben, die Achtung vor den
Menschenrechten zu fördern.

Als Unterzeichner der Charta der Vereinten Na-

tionen und aufgrund unserer eigenen Gesetze sind wir gehalten, auf eine stärkere Beachtung der Menschenrechte durch alle Nationen hinzuarbeiten.

Wir

sind ferner davon überzeugt - und zwar in einem ganz nüchternen, praktischen
Sinn - daß wir mit dem Nachdruck, den wir auf die Menschenrechte legen, unseren eigenen nationalen Interessen dienen.
Wir sind vor allem davon überzeugt, daß die Betonung der Menschenrechte
unserem langfristigen Interesse an Frieden und Stabilität dient.
- 3 -

Wir haben

�haben gelernt, daß das lastende Schweigen der Repression keine Stabilität
ist:

Allzuoft ist es lediglich die unheilvolle Stille vor dem Sturm.
Wir sind überzeugt, daß Nationen am Aufbau einer realen Stabilität mit-

helfen können, indem sie die Ursachen der Spannung und der Zwietracht bereinigen, ehe sie zu Gewaltausbrü'chen führen.

Wir sind überzeugt, daß die Ver-

einigten Staaten, indem sie diesen Prozeß unterstützen, mit beitragen können,
zu verhindern, daß ihre langfristigen Interessen geschädigt werden - und auch
mithelfen können, das verlockende Ziel zu beseitigen, das soziale Unruhe für
eine Intervention durch unsere ausländischen Gegner bietet.
Ich könnte mehrere Fälle als Beispiel dafür anführen.
nur eines zu erwähnen:

die neue Nation Simbabwe.

Aber ich brauche

Dort wurde durch einen

Prozeß des Verhandeins und durch freie Wahlen - die von uns ohne jedes Schwanken unterstützt wurden -..-ein schrecklicher Bürgerkrieg beendet, der Politik
S;

der Vereinigten Staaten in Afrika zu neuer Glaubwürdigkeit verholfen und die
Hoffnung der Sowjetunion vereitelt, die Rassenkä'mpfe zu ihrem eigenen Zweck
ausbeuten zu können.
Wir sind zum anderen davon überzeugt, daß es für die Vereinigten Staaten
mehr Sicherheit in einer Welt geben wird, in der immer mehr Regierungen die
Rechte ihrer Völker respektieren.
Wir glauben, daß Länder,' in denen die Menschenrechte respektiert werden,
zu stärkeren Verbündeten und besseren Freunden werden.
Unsere Verbündeten in Westeuropa, die Staaten des Anden-Paktes, Japan und
Israel unterstreichen diesen Punkt.

Weil sie bestrebt sind, die Menschen-

rechte zu achten, besitzen sie eine innere Stärke und Widerstandskraft, die
es ihnen ermöglicht, zusammen mit uns den Herausforderungen zu begegnen, denen
wir uns zusammen gegenübersehen.

Und in dem Maße, in dem unsere anderen Freun-

de in der Welt sich selbst den Menschenrechten gegenüber verpflichtet sehen,
werden sie unserer Meinung nach die gleiche Art von innerer Stärke erlangen:
eine innere Stärke, die ihre Sicherheit - und die unsere - erhöht.
Wir
- 4 -

�Wir sind drittens davon überzeugt, daß unser Eintreten für die Menschenrechte den Einfluß der Vereinigten Staaten auf wichtigen Schauplätzen des
Weltgeschehens steigert.
So kann ich beispielsweise aufgrund meiner jüngsten Gespräche mit dem
Präsidenten von Nigeria bezeugen, daß unser klares Eintreten für die Menschenrechte in Simbabwe und im südlichen Afrika unser Ansehen und unsere Position
auf diesem Kontinent verbessert hat.
Und ich glaube auch, daß unsere Betonung der Menschenrechte - sowohl
innen- als auch außenpolitisch - unsere Position auf der bevorstehenden
Madrider Konferenz stärken wird.

Wir werden uns in Madrid nicht einfach nur

mit schönen Worten gerüstet an den Verhandlungstisch setzen, sondern mit
einer soliden Liste von Fällen unserer Hingabe an Menschenrechte und Menschenwürde.
Viertens unterstreicht diese erkennbare Hingabe an die Menschenrechte
den gewaltigen Unterschied in der Einstellung und im Verhalten zwischen
uns und der Sowjetunion.
Grundsätzlich halten wir die Menschenrechte deshalb hoch, weil es rechtens ist, dies zu tun, weil es mit unseren eigenen höchsten Idealen in Einklang steht, dies zu tun.

Aber unvermeidlicherweise sind Menschenrechte

und geschlossene Gesellschaften nicht miteinander zu vereinbaren.

Und heute

wird auf der ganzen Welt der Gegensatz zwischen unserem System und den geschlossenen Gesellschaften unserer Gegner auf dramatische Weise sichtbar.
Die Sowjets haben eine Abneigung gegen, ja, sie fürchten unsere Betonung
der Menschenrechte, denn sie wissen, welch gewaltige Anziehungskraft die
Freiheit für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt hat.
Nur wenige hätten zu Beginn der siebziger Jahre voraussagen können,
welch weitreichende Wirkungen die Konferenz von Helsinki haben würde. Jahrelang hatte die Sowjetunion nach einer Konferenz über Sicherheit in Europa
gerufen, die die Vereinigten Staaten nicht mit einbezog.
- 5 -

Zu Beginn der sieb-

�siebziger Jahre griffen wir und unsere Verbündeten die Idee auf - als Teil
einer Anstrengung zur Verbesserung der Ost-West-Beziehungen, aber mit dem
festen übereinkommen, daß eine solche Konferenz auch die Vereinigten Staaten
und Kanada mit einbeziehen müßte.

Und wir bestanden des weiteren darauf,

daß die Konferenz eine ganze Bandbreite von Fragen berühren müßte, die den
einzelnen Menschen genauso wie ganze Staaten betrafen.
Im Jahr 1973 begann die Konferenz und 1975 unterzeichneten die in Helsinki
vertretenen 35 Staaten ein Dokument, das unter anderem zehn Grundprinzipien
aufstellte, die die Beziehungen zwischen ihnen regeln sollten.

Diese Prin-

zipien, denen sich die Signatarstaaten freiwillig unterwarfen, umfaßten die
Achtung vor den Menschenrechten und den Grundfreiheiten, einschließlich der
Gedanken- und Gewissensfreiheit sowie der Glaubensfreiheit und der Freiheit
zur Ausübung eines religiösen Bekenntnisses.
Die Schlußakte von Helsinki hat drei Unterabteilungen oder "Körbe":
Ein Korb betrifft die militärische Sicherheit sowie gemeinsame Anstrengungen zur Verminderung militärischer Spannungen.
Ein zweiter betrifft die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft,
Technologie und bei Umweltproblemen.
"Korb 3" behandelt die wichtigen humanitären Fragen.

Aber es ist das

siebente Prinzip - die Erklärung, die die Menschenrechte betrifft -, das
wahrscheinlich zum bekanntesten und umstrittensten Einzelpunkt der Schlußakte von Helsinki geworden ist.

Dieses Prinzip fordert von den Unterzeich-

nerstaaten, sich an die Charta der Vereinten Nationen, an die Universelle
Erklärung der Menschenrechte sowie an andere internationale Menschenrechtsabkommen zu halten.

Es ist stets unsere Politik gewesen, die Menschenrechts-

prinzipien der Schlußakte von Helsinki als ebenso bindend und bedeutsam anzusehen wie all ihre anderen Grundsätze.

Es
- 6 -

�Es war und ist unser Ziel, unseren Einfluß so wirkungsvoll wie nur irgend möglich zum Tragen zu bringen, um sicherzustellen, daß alle Signatarstaaten, einschließlich der Sowjetunion, den Verpflichtungen gemäß handeln,
die sie freiwillig eingegangen sind - einschließlich der Menschenrechtsverpflichtungen, die im Prinzip zum Ausdruck gebracht wurden.
Dies ist ohne Zweifel auch unser Ziel bei der näherrückenden Konferenz
in Madrid.
Die Übereinkommen von Helsinki sind in den fünf Jahren seit ihrer Unterzeichnung zu einer echten Kraft in dieser Welt geworden, zu einem internationalen Maßstab im Umgang mit den Menschenrechten.

Sie haben das tägliche Le-

ben von Tausenden von Osteuropäern verbessert, sie haben die Gelegenheiten
zum Besuch von Verwandten vermehrt und vielen die Chance zur Auswanderung
geboten, als ihre Staaten darangingen, den Prinzipien der Schlußakte gemäß
zu handeln.

Sogar schon vor der Arbeiterbewegung des Jahres 1980 gab es zum

Beispiel bereits eine langsame, aber sichtbare Verbesserung der Menschenrechtslage in Polen.

Die Auswanderungspolitik Rumäniens ist seit Helsinki beweg-

licher, Ungarn ist bei der Lösung von Problemen der Familienzusammenführung
kooperativer geworden.
Leider ist ebenso deutlich, daß es noch immer dunkle Stellen gibt, wo
die Verpflichtungen von Helsinki ignoriert werden.
Andreij Sacharow verbannt,

In der Sowjetunion wurde

über 40 weitere Personen - Männer und Frauen,

die Mitglieder jener Gruppen waren, die die Einhaltung der Helsinki-Abkommen
überwachten und die sowjetischen Verpflichtungen in Helsinki ernstnahmen -,
wurden festgenommen; ihr einziges "Verbrechen" bestand darin, die sowjetische
Einhaltung der Abkommen zu überprüfen.

Die Auswanderung von Juden aus der

Sowjetunion ist in diesem Jahr wieder stark eingeschränkt worden.

Auch die

Angehörigen der Sekte der Nazarener stoßen auf endlose Hindernisse, wenn sie
die Sowjetunion verlassen wollen.

Für uns stehen diese Einschränkungen und

Behinderungen im Gegensatz zu dem Geist der die Freizügigkeit des Reisens
und der Auswanderung betreffenden Bestimmungen von Helsinki.

Es
- 7 -

�Es ist daher ganz offensichtlich noch ein langer Weg bis zur Erfüllung
der in Helsinki proklamierten Grundsätze zu beschreiten.
Die Vereinigten Staaten werden nicht nach Madrid gehen, um dort Propaganda zu betreiben.

Auch werden wir nicht die anderen Aspekte der Abmachun-

gen von Helsinki vernachlässigen.

Aber die Verstöße gegen die Menschenrechte

zu ignorieren, die eindeutig den übereinkommen von Helsinki zuwiderlaufen,
hieße diese Übereinkommen schwächen und die Kraft und Macht der Schlußakte
von Helsinki mindern.

Die Vereinigten Staaten werden in Madrid klar heraus-

stellen, daß wir es ernst mit den Menschenrechten meinen - sei es im eigenen
Lande oder in Europa, sei es in Afghanistan oder in Ostasien, in Südafrika
oder in der Sowjetunion.
Und wir werden uns energisch allen verfahrensmäßigen Beschränkungen
widersetzen - wie etwa der willkürlichen Begrenzung der Diskussion oder anderen künstlichen Einschränkungen - die dazu bestimmt sind, eine umfassende
Diskussion aller Fragen auf der Madrider Konferenz zu verhindern.
Unsere Ziele in Madrid sind dreifacher Art:
Erstens, wir werden auf Fortschritt in bezug auf die Menschenrechte
drängen.

Wir werden dabei offen und unbeirrt überprüfen, inwieweit die

Teilnehmer an der Konferenz ihren Verpflichtungen in dieser Hinsicht nachgekommen sind.
Zweitens, wir werden uns in Madrid für vermehrte Kontakte zwischen den
breiten Schichten der Bevölkerung in Osteuropa und im Westen einsetzen.

Wir

werden uns beispielsweise speziell um einen Fortschritt bei der Lösung der
Auswanderungsprobleme und der Familienzusammenführung bemühen.

Wir werden

ferner einen Fortschritt zu erzielen suchen bei den Fällen jener, die um
ihrer politischen oder religiösen Überzeugung willen oder weil sie die Einhaltung des Helsinki-Abkommens beobachtet haben, verfolgt oder gefangengehalten werden.
Drittens,
- 8 -

�Drittens, auf dem Gebiet der Sicherheit werden wir die Möglichkeit für
weitere Maßnahmen sondieren, durch die militärische Spannungen abgebaut werden
können.

Wir sind der Auffassung, daß diese vertrauensbildenden Maßnahmen sich

auf den gesamten europäischen Kontinent, vom Atlantik bis zum Ural erstrecken
sollten.

Aber wir sind nicht an lediglich kosmetischen Maßnahmen oder Ge-

sprächen, die zu nichts führen, interessiert.

Und wir werden es nicht zulas-

sen, daß in Madrid die Diskussion über die Sicherheit von der Aufmerksamkeit
ablenken, die den Menschenrechten gebührt, oder aber sie verringert.
Der Leiter unserer Delegation, der ehemalige Justizminister Griffin Bell,
hat das kürzlich so formuliert:

Unsere Delegation für Madrid wird ein bißchen

wie der doppelgesichtige römische Gott Janus sein, der zugleich vorwärts und
rückwärts schaut.
"Wir werden unseren Blick auf die bisherigen Taten des Ostens richten
und offen über sie sprechen, und keinen Zweifel über unsere Sorge um die
Wächter von Helsinki, um Andreij Sacharow und andere Vorkämpfer für die Menschenrechte aufkommen lassen.

Wir werden auch in die Zukunft blicken und ver-

suchen, durch Verhandlungen zu konkreten Fortschritten auf allen wichtigen
Gebieten der Schlußakte zu gelangen", so sagte Bell.
Indem sie diesen Geist vertreten, können nach meiner Ansicht die Vereinigten Staaten am besten sowohl der Sache der Menschenrechte als auch dem
eigenen Interesse dienen.

Und in diesem Prozeß können wir mithelfen am Auf-

bau einer Welt, in der die Freiheit - der Traum aller Völker - für immer mehr
Menschen Wirklichkeit wird.

+ + + + +

- 9-

�29. Oktober 1980

48

ÖLSCHIEFER

- (AD) - Das von Präsident Carter gesetzte Ziel, ab 1990 täglich
400 000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter) öl aus Ölschiefer zu gewinnen, ist
nach "allgemeinem Konsens" innerhalb der amerikanischen Mineralölindustrie
erreichbar.

Dies erklärte John M. Hopkins, der Präsident der Union Energy

Mining Division der Fa. Union Oil Company of California anläßlich einer
Pressekonferenz. Jedoch seien, wie er erklärte, exakte Angaben über Produktionsziffern erst dann möglich, wenn zur Gewinnung von Schieferöl ein
oder zwei Anlagen von kommerzieller Größenordnung in Betrieb sind.

Mit

den heute verfügbaren Technologien könne Schieferöl gegenwärtig zum Preis
von etwa 38 Dollar pro Barrel (ohne Transportkosten) produziert werden.
"Bei diesem Preis, den wir jetzt als Abgabepreis für synthetisches Rohöl
aus Ölschiefer zugrundelegen", so Hopkins, "sind die meisten Firmen der
Meinung, ein solches Engagement wirtschaftlich verkraften zu können."
Der Preis von nicht mehr preisgebundenem herkömmlichen Rohöl in vielen
Teilen des Westens der USA, wo Union Oil ihre ölfelder hat, hat bereits
38 Dollar/Barrel erreicht.
32 bis 37 Dollar pro Barrel.

Demgegenüber liegt er auf dem Weltmarkt bei
Hopkins erklärte, daß viele amerikanische

Unternehmen - seine eigene Firma eingeschlossen - die im Rahmen des Energie-

�Energiesicherungsgesetzes von 1980 angebotenen finanziellen Anreize als
Mittel zur Verringerung wirtschaftlicher Risiken und zur Finanzierung der
hohen Investitionen nutzen werden, die für den Bau und den Betrieb eines
Synthesebrennstoffwerks erforderlich sind.

Die Kosten, die (im Dollarwert

von 1980) gegenwärtig auf zwei Milliarden Dollar pro Anlage geschätzt werden,
dürften im Verlauf der nächsten sieben bis acht Jahre auf drei Milliarden
Dollar steigen.
Im Rahmen des Energiesicherungsgesetzes stellt die staatliche "Synthetic
Fuel Corporation" Kredite, Anleihegarantien, Abnahmeverträge und Abnahmegarantien bereit, um Privatfirmen zu ermutigen, großtechnische Anlagen zur
Gewinnung von Synthesebrennstoffen aus Kohle, ül, Ölschiefer, Teersanden
und anderen Quellen zu erstellen und zu betreiben.

- 2 -

�29. Oktober 1980

48

ENERGIEVERBRAUCH

- (AD) - Im ersten Halbjahr 1980 ging in den Vereinigten Staaten der
Energieverbrauch in bezug auf öl und Kernkraft zurück.

Demgegenüber nahm

er bei Kohle, Wasserkraft und Erdgas zu. Einer Erhebung des US-Energieministeriums zufolge lag er um insgesamt 3,1 Prozent unter dem Verbrauchswert
im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Den Hauptposten bildet der Rückgang im täglichen Verbrauch von Mineralölprodukten (8,4 Prozent).

An Atomstrom wurden 10,5 Prozent weniger erzeugt

als im ersten Halbjahr 1979.

Diese beiden Faktoren machen den Mehrverbrauch

an allen anderen Energieformen - bei Kohle 3,7 Prozent, Wasserkraft 1,1 Prozent, Erdgas 0,3 Prozent - mehr als wett.
Im gleichen Zeitraum ist bei der Förderung von Kohle und Rohöl aus
amerikanischen Vorkommen ein Zuwachs um 9,9 bzw. 2 Prozent zu verzeichnen.
Die Energieproduktion aus einheimischen Quellen lag im ersten Halbjahr 1980
um 3,5 Prozent über der im ersten Halbjahr 1979.

+ +'+ + +

�</text>
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