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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. März 1982

9 / A

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Abrams: Außenpolitik schließt Prinzipien der Menschenrechte ein
- Interview mit dem US-Unterstaatssekretär für Menschenrechte und
humanitäre Angelegenheiten El Salvador:

Friedliche Revolution oder bewaffnete Auseinandersetzung

- Auszüge aus dem Bericht der US-Stiftung "Freedom House" US-Gewerkschaftsinstitut optimistisch über Entwicklung in
El Salvador
Vereinigte Staaten benennen Beobachtergruppe für Wahlen in
El Salvador
- Von USICA-Korrespondent Russell' E. Dibvik In El Salvador geht es um den demokratischen Prozeß
Kirkpatrick:

Regierung Nicaraguas verletzt Menschenrechte der

Indianer
Tempo der sowjetischen Militärausgaben nimmt zu
- Von unserem Korrespondenten William H. Durham -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"Synthetic Fuels Corporation" nimmt Tätigkeit auf

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�T

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. März 1982

ABRAMS: AUSSENPOLITIK SCHLIESST PRINZIPIEN DER MENSCHENRECHTE EIN
- Interview mit dem US-Unterstaatssekretär für Menschenrechte
und humanitäre Angelegenheiten -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Außenpolitik könne keinen Erfolg
haben und werde vom amerikanischen Volk nicht unterstützt, wenn sie nicht die
grundlegenden Ideale und Prinzipien der Menschenrechte einschließt, wie sie
in der Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung der Vereinigten Staaten
niedergelegt sind.

Dies betonte der Unterstaatssekretär für Menschenrechte

und humanitäre Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Elliott
Abrams, in einem Interview mit der Stimme Amerikas im Rahmen der Sendung
"Press Conference U.S.A." am 19. Februar 1982.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Wie können Sie mit berichteten Verletzungen der Menschenrechte
durch die Zentralregierung von El Salvador fertig werden, wenn Sie gleichzeitig eine Politik zu verfolgen suchen, die es ermöglichen wird, am Ende
mit einer demokratischen Regierung herauszukommen? Ich stelle eine ganz generelle Frage, weil ich glaube, daß das Problem, das Sie haben, ganz allgemeiner Natur ist.
ANTWORT: Das

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�ANTWORT:

Das ist richtig.

Unser Ziel in El Salvador besteht darin,

diesem Lande zu helfen, ein größeres Maß an Demokratie zu erreichen und gleichzeitig Frieden und soziale Reform.
Was die derzeitige Regierung tut, ist wirklich historisches Neuland für
El Salvador.

Sie unternimmt eine ganze Reihe von Revolutionen auf einmal:

politisch im Sinne auf eine Demokratie hin; mit der Landreform und mit anderen
sozialen und wirtschaftlichen Reformen im Sinne einer Umwandlung der Gesellschaft; und militärisch versucht sie, mit einem beträchtlichen Guerillakrieg
fertig zu werden, der nach unserer Oberzeugung von außen unterstützt wird.
Daran hat sie einiges zu kauen und zu beißen.

Wir versuchen, der Regie-

rung von El Salvador dabei zu helfen, diese Aufgaben zu lösen.
Wir haben sowohl in den Menschenrechtsberichten wie auch in Zeugnissen,
die ich und Unterstaatssekretär Enders gegeben haben, keine Zweifel daran gelassen, daß die Menschenrechtslage in El Salvador nicht Jjut ist.

Das heißt,

daß dort viele Verletzungen von links und von rechts vorkommen.
Wir sind der Überzeugung, daß Präsenz und der Druck der Vereinigten
Staaten auf diplomatischem Wege eine große Hilfe sind, um El Salvador auf dem
Wege zur Demokratie weiterzubringen und der dortigen Regierung auf diesem
Wege zu helfen - und daß die anhaltende politische und wirtschaftliche Unterstützung durch Amerika sehr nützlich sein wird, um El Salvador noch mehr Demokratie zu bringen.
FRAGE:

Glauben Sie, daß die Militärs die Natur des Problems begreifen,

wie es sich hier stellt?

Schließlich ist gerade eine Gruppe von Kongreßmit-

gliedern - alle Demokraten und die meisten Liberale, wie ich hinzufügen möchte - nach El Salvador gereist und mit im wesentlichen ungünstigen Berichten
zurückgekehrt.

Es scheint mir, daß wirklich die Gefahr besteht, daß Sie

ihre Hilfsprogramme nicht bewilligt bekommen.

Glauben Sie, daß die Leute

in El Salvador die Natur des Problems begreifen, wie es sich hier stellt?
ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich glaube schon.

Ich meine, es gab unterschiedliche Berichte

aus dem Kongreß. Aber ich war sehr ermutigt, daß so viele nach El Salvador
reisten, weil uns das hilft, den Leuten die Dinge vor Augen zu führen, die wir
der Regierung in El Salvador klar zu machen versuchen. Das heißt nichts anderes, als daß die Fähigkeit, die Unterstützung in den Vereinigten Staaten in
der Öffentlichkeit und im Kongreß weiter aufrechterhalten zu können, weitgehend
vom Fortschritt bei den Menschenrechten abhängen wird.
Wir müssen sogar, wie Sie wissen, innerhalb von sechs Monaten Fortschritte
in den Menschenrechten belegen können. Und wenn es keine gibt, dann können
wir auch keine belegen. Und das würde das Ende des Hilfsprogramms bedeuten.
Wir haben also das den Leuten dort klar gemacht, und der Kongreß hat uns dabei
geholfen.

Und ich glaube, das wird in El Salvador mehr und mehr begriffen.

FRAGE:

Herr Abrams, ist diese Einstellung der amerikanischen Regierung,

der Regierung von El Salvador unter Präsident Duarte zu helfen, die Wahlen im
April zu gewinnen, hilfreich für ihn, wenn es darum geht, wie man sagen könnte,
dem Druck von rechts und von links zu begegnen, denn der Druck von rechts und damit meine ich die Militärs - geht offensichtlich nicht immer ganz mit
dem konform, was wir Menschenrechte nennen. Wenn diese Leute die Wahlen im
April gewinnen sollten, dann würde sich die Lage doch ändern?
ANTWORT:

Erstens möchte ich sagen, daß wir nicht versuchen, Duarte die

Wahlen gewinnen zu lassen. Wir mischen uns in das Ergebnis dieser Wahl nicht
ein.

Was wir versuchen, ist, mit für freie Wahlen zu sorgen. Das ist unser

Ziel - nicht einen Sieger zu bestimmen.
Natürlich wird die amerikanische Politik, die Beziehung zwischen den
beiden Ländern, davon berührt werden, wer gewinnt. Auf die Wahlen kommt es
an, nicht wer gewinnt.
FRAGE:

Eine Zusatzfrage:

Besteht nicht ein innerer Widerspruch zwischen

dem, was man als den klaren Standpunkt der strategischen und nationalen Interessen der Vereinigten Staaten in Mittel- und Lateinamerika bezeichnen könnte,
- 3 -

�bezeichnen könnte, und der Geschichte der Vergangenheit, in deren Verlauf
sich die Vereinigten Staaten wohl öfter - ungewollt, wie ich sicher bin auf der Seite jener fanden, von denen man sagen könnte, daß sie das Haupthindernis für den sozialen Fortschritt darstellen - das Hauptproblem in Latein- und Mittelamerika?
ANTWORT:

Ich glaube nicht.

Ich glaube, daß wir klar gemacht haben,

daß nach unserer Ansicht jede Regierung, die überleben will, ein gewisses
Maß an Legitimität haben muß; und die kann man nur erlangen, wenn man etwas
für die Bevölkerung des Landes tut.
Eine Regierung, die diese Art von Legitimität nicht besitzt, die nichts
für die Bevölkerung tut - im Sinne der Demokratie, im Sinne gesellschaftlicher
Reformen - kann vielleicht auf kurze Sicht überleben, aber nicht auf lange
Sicht.
Und daher steht das, was wir auf dem Gebiet der Menschenrechte tun, nicht
im Gegensatz zu unseren strategischen Interessen, sondern läuft vielmehr
parallel dazu.
FRAGE:

Ich meine, das paßt genau zusammen.

Herr Abrams, nachdem ich jetzt gerade von einer dreiwöchigen

Berichtsreise durch Westeuropa zurückgekehrt bin, kann ich sagen, daß junge
Menschen zwei Situationen gleichsetzen - einmal die sowjetisch bewirkte Unterdrückung in Polen und zum andern, was sie als amerikanische Unterstützung für
repressive Militärregierungen in der Türkei und El Salvador bezeichnen.
In welchem Verhältnis sehen Sie das?
ANTWORT:

Ich kenne das.

Ich war selbst erst kürzlich in Europa, wo mir

diese Argumente an den Kopf geworfen wurden.
Alles, was wir tun können, ist, auf die Unterschiede hinzuweisen, die wir
sehen. Die Situation ist sicherlich in allen drei Fällen in gewisser Weise
einzigartig. Wollen wir nur El Salvador und die Türkei getrennt herausgreifen.
Was die

�Was die Türkei anbetrifft, so haben wir hier einen Fall, in dem es keine
ausländische Einmischung gab wie in Polen. Und dann handelt es sich um eine
Regierung, die in eine Situation eingriff, die sich nicht verbesserte wie in
Polen, wo immer mehr Freiheit herrschte.

In der Türkei hingegen wurden die

Verhältnisse immer schlimmer - als das Militär eingriff,wurden, glaube ich,
etwa 20 Menschen täglich durch Terroristen umgebracht.
Und von der Tradition her hat das Militär in der Türkei wirklich dazu
beigetragen, das Land, wie man sagen könnte,

ins 20. Jahrhundert zu führen

- wenn man in die Zeiten von Kemal Atatürk zurückgeht - und hat in Zeiten
des sozialen Niedergangs verschiedentlich eingegriffen, um die Stabilität und
die Demokratie wiederherzustellen.
Sofort nach ihrer Machtübernahme haben die Generäle die Rückkehr zur
Zivilregierung in relativ kurzer Zeit zugesagt. Um es noch einmal zu sagen,
es besteht ein großer Unterschied zu Polen, wo keine freien Wahlen stattfinden werden, solange die Regierung dort das Sagen hat.
Wir unterstützen also das Regime in der Türkei, weil es die Demokratie
wiederherstellen wird.

Es übernahm die Macht in einer Situation des wachsen-

den wirtschaftlichen und sozialen Chaos.
Was in Polen geschah, war, daß auf Befehl der Sowjets ein Militärregime
eingriff, um der Demokratie Einhalt zu gebieten, um der Liberalisierung Einhalt zu gebieten - und das Regime hat keinen Zweifel daran gelassen, daß es
nicht zur Demokratie zurückkehren wird.
Die Lage in El Salvador erinnert mich, das muß ich zugeben, in einer Hinsicht etwas an Polen - nach meiner Meinung - und zwar dahingehend, daß in beiden Fällen eine sowjetische Intervention vorliegt.

Das heißt, daß die Sowjets

im Kampf gegen die Demokratie in Polen eine Rolle spielen und daß die Sowjets
eine Rolle im Kampf gegen die Demokratie in El Salvador spielen, wo ihre direkte und indirekte militärische Unterstützung darauf hinausläuft, Wahlen zu
unterbinden und einen Sieg der Guerilla gegen die Regierung und die offen- 5 -

�die offensichtlichen Wünsche der Bevölkerung von El Salvador zu erringen.
Was wir jedoch in El Salvador tun, was die Regierung dort tut, besteht
aus einem Programm der sozialen und wirtschaftlichen Reform und in dem Bemühen,
die Demokratie in El Salvador zu etablieren und zu institutionalisieren.

Ich

möchte doch meinen, daß das etwas ganz anderes ist, als was die Regierung in
Polen tut.
FRAGE:

Darf ich auf nur einen Aspekt davon eingehen.

Sie haben davon

gesprochen, daß die Generäle in der Türkei recht kurze Fristen genannt haben.
Das haben sie vielleicht kürzlich getan.

Als sie die Macht übernahmen, nann-

ten sie keine Fristen - zumindest nicht öffentlich.

Wann glauben Sie, daß

die Türkei eine neue Verfassung und wieder eine mehr oder weniger offene Gesellschaft haben wird?
ANTWORT:
geschlossen.

Zunächst einmal, sie haben die Gesellschaft in der Türkei nicht
So besteht dort beispielsweise nach wie vor ein aktives und un-

abhängiges Rechtswesen.

Es gibt Zeitungen in der Türkei - ja, sogar Zeitungen,

die gegen die Regierung sind.

Es gibt eine Zensur, und es gibt daher keine

freie Presse in unserem Sinne.
Aber die Situation in Polen ist sicherlich ganz anders - dort gibt es keine
Pressefreiheit; dort gibt es keine Versammlungsfreiheit und überhaupt keine
Redefreiheit.
Soweit ich mich erinnere, werden die Wahlen in der Türkei im nächsten
Jahr - 1983 - abgehalten werden.

Und das ist eine recht kurze Frist.

Und ich

glaube nicht, daß irgend jemand von uns irgendwelche politische Freiheit in
Polen erwartet, solange das Regime dort an der Macht ist.
FRAGE:

Herr Unterstaatssekretär, wie würden Sie die Menschenrechtspolitik

der jetzigen Administration mit der der vorigen Administration vergleichen, von
der erklärt wurde, die Menschenrechte seien eine Art Grundelement jeder wesentlichen Entwicklung in der Außenpolitik?
ANTWORT:
- 6 -

Ich

�ANTWORT:

Ich möchte sagen, daß die Ziele im wesentlichen die gleichen

sind, nämlich eine amerikanische Außenpolitik zu formulieren, in deren Mittelpunkt die Menschenrechte stehen.

Und das deshalb, weil, wie ich meine, das

Volk und noch ausdrücklicher der Kongreß klar gemacht haben, daß das die Art
von Außenpolitik ist, die sie wollen.
Die Taktik ist anders; die Strategie ist anders.

Wir meinen, daß wir in

vieler Hinsicht pragmatischer sind als die Carter-Administration.
Die Frage, die wir stellen, heißt:

Wie können wir der Menschenrechts-

situation in einem bestimmten Land helfen?

Wir fragen nicht, was für eine Rede

können wir halten, um hier gut dazustehen oder dort gut dazustehen, sondern
was in dem in Frage kommenden Land einen Eindruck hinterlassen wird.
Das variiert natürlich von Land zu Land, und wir meinen, daß im Falle
befreundeter Länder - generell gesagt - diplomatische Schritte mehr helfen als
öffentliche Reden.
Und wir sind ferner der Auffassung - und hier kommen wir auf die Frage
des Pragmatismus zurück - daß man immer die Opposition fragen muß.

Wenn man

die Menschenrechtssituation verbessern will, dann ist nicht einfach die Frage,
wer an der Regierung ist und was diese Leute tun, sondern wer ist in der Opposition und was würden diese Leute tun - eine Frage, die meiner Meinung nach sehr
wichtig ist, wenn wir uns beispielsweise an Vietnam erinnern, an den Iran erinnern - und jetzt an El Salvador denken:

Wo es, wie wir kürzlich in Nicaragua

erlebt haben, durchaus möglich ist, von einem repressiven Regime xi einem anderen
zu kommen.

Das ist kein Sieg für die Menschenrechte.

Und was wir zu erreichen suchen, ist eine Politik, die die Menschenrechtssituation in den verschiedenen Ländern wirklich verbessert.
FRAGE:

Die Vereinigten Staaten haben, glaube ich, politische Interessen,

die in Mittelamerika ganz klar definiert werden können.

Und Sie haben einen

Fall, in dem selbst Ihre Gegner einräumen müssen, daß in der Person des Präsi-

�des Präsidenten zumindest eine glaubwürdige Position in El Salvador besteht.
In Guatemala haben Sie ein anderes Problem, das vielleicht noch wichtiger
werden könnte, was die Zukunft Mittelamerikas betrifft, als El Salvador und
möglicherweise Nicaragua.
Und ich möchte einfach davon ausgehen, daß erstens die Regierung von
Guatemala das repressivste Regime in der westlichen Hemisphäre ist; zweitens
für die amerikanische Öffentlichkeit und den Kongreß im Sinne größerer Hilfe
unannehmbar ist und drittens keinem sehr großen amerikanischen Druck ausgesetzt ist.
FRAGE:
Was gedenken Sie da zu tun, wenn Sie eine oder alle meiner Prämissen
akzeptieren?
ANTWORT:

Nun, die Menschenrechtslage in Guatemala ist sehr schlecht.

Und wir haben das auch in dem von uns über Guatemala angefertigten Menschenrechtsbericht gesagt.
Wir versuchen auch weiterhin, Druck auf die Regierung von Guatemala auszuüben, um die dortige Menschenrechtslage zu verbessern.
Es wird am 7. März in Guatemala Wahlen geben, und es ist sehr in Mode,
darüber zu lachen. Aber Hunderttausende von Guatemalteken werden zu den Wahlurnen gehen, und es wird an der Führungsspitze Veränderungen geben. Und ich
muß sagen, daß ich darin eine Gelegenheit sehe. Es wird neue Gesichter geben,
mit denen wir uns auseinandersetzen werden. Es wird einen neuen Präsidenten
Guatemalas geben - wer immer es auch am Ende sein wird.
Und es ist unsere Absicht, so viel Einfluß wie möglich bei der Menschenrechtsfrage geltend zu machen, denn Ihr Argument ist völlig korrekt, d.h., wenn
es in Guatemala oder auch anderswo eine breite amerikanische Unterstützung geben soll, wenn die Bevölkerung dieses Landes und der Kongreß sich für Hilfe für
Guatemala einsetzen sollen, dann muß es dort auch eine Verbesserung in der
Menschenrechtssituation geben.
Wir haben
- 8 -

�Wir haben das den Guatemalteken oft gesagt, und wir werden es auch gegenüber der neuen Regierung wiederholen.
FRAGE:

Ich hoffe, mit besserer Wirkung.

Herr Abrams, sind Sie optimistisch hinsichtlich eines meßbaren

Fortschrittes bei den Menschenrechten in Mittelamerika in naher Zukunft?
ANTWORT:

Ja.

Ich glaube, die Botschaft hinsichtlich der amerikanischen

Unterstützung kommt immer deutlicher an.

Ich erwarte auch in El Salvador

weitere Arbeit hinsichtlich der Verbesserung bei den Menschenrechten.
In gewisser Hinsicht hatten wir gerade in Honduras eine gewaltige Verbesserung: Nach acht Jahren der Militä'rherrschaft gab es freie Wahlen, und
es gibt nunmehr eine neue Zivilregierung, die erst vorigen Monat ihr Amt antrat.
Costa Rica hat trotz seiner wirtschaftlichen Probleme eine kräftige Demokratie.

Es wird in Guatemala Wahlen geben, und es ist unsere Hoffnung, daß

dies der erste Schritt in Richtung auf Verbesserungen bei den Menschenrechten
sein wird.
Ich glaube also nicht, daß irgend jemand von uns die schrecklichen Probleme unterschätzt hat, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die durch
das Ansteigen des Guerilla-Krieges und des Terrorismus noch gewaltig verschärft
wurden.

Aber wir bleiben optimistisch.

FRAGE:

Herr Abrams, kann ich mich einen Augenblick Europa zuwenden?

Ist

das, was wir erlebt haben, nicht ein weiterer Beweis dafür, daß die Sowjetunion
in den Abkommen von Helsinki in erster Linie ein Instrument sah, das zu bekommen, was sie wollte - die Anerkennung ihrer Einflußsphäre -, aber in keiner
Weise ein Instrument, durch das sie gewisse, sagen wir, Verbesserungen im allgemein menschlichen Bereich und natürlich im Bereich der Menschenrechte erlauben könnte?

Was können wir hier in Zukunft tun?

Wurde uns mit Polen nur

wieder gezeigt, worum es wirklich geht?
ANTWORT:
- 9 -

Die

�ANTWORT:

Die meisten von uns in der Reagan-Administration sagten zum

Zeitpunkt der Unterzeichnung der Helsinki-Abkommen, daß wir nicht glaubten,
die Sowjets wollten sie auch wirklich einhalten. So ist ihr Verhalten keine
Überraschung.

Und wir waren der Meinung, daß die Sowjets versuchen würden,

sie als eine Art der Legitimierung einer gewissen sowjetischen Politik oder
gewisser sowjetischer Gewinne zu benutzen.
Aber wir sahen sie natürlich auf andere Art.

Das heißt, wir glaubten,

sie könnten uns nützlich sein - und meiner Meinung nach ist das auch richtig.
Sie geben uns eine Grundlage, das sowjetische Verhalten zu kritisieren.
Es scheint mir, daß die Sowjets gewaltig in ihre Propagandaanstrengungen
in der ganzen Welt investiert haben, besonders derzeit in Europa, um die Menschen davon zu überzeugen, daß die Unterschiede zwischen Ost und West taktischer,
politischer Natur und nicht sehr tiefgreifend seien.
gehen unseren Weg.

Mit einem Wort:

Ihr geht euren Weg, wir

Relativierung, Anstellen von Vergleichen.

Und die Helsinki-Abkommen helfen uns dabei, dies zu bekämpfen, wir sind
in der Lage, auf ganz konkrete Abkommen zu deuten, die gebrochen und von der
Sowjetunion nicht eingehalten wurden.
Was wir tun können, ist, auch weiterhin der Öffentlichkeit in Europa und
andernorts in der Welt diese sowjetischen Verletzungen zu zeigen, damit so
viel Druck wie möglich auf die Sowjets ausgeübt wird, so daß sie ihr Verhalten
ändern. Keiner von uns macht sich Illusionen über das Ausmaß, in dem wir hierbei Erfolg haben können. Aber es ist eine Art von Druck, den wir auf die
Sowjets ausüben können. Und wenn ihnen die Meinung des Westens gleichgültig
wäre, würden sie nicht so viel Zeit, Geld und Arbeit darauf verwenden, sie
zu beeinflussen
FRAGE:

Teil der Hauptkritik der Menschenrechtspolitik unter der Carter-

Administratioi war, daß sie selektiv angewendet wurde.

Das heißt, sie wurde in

Fällen angewendet, bei denen die Kritik der Behandlung von Bürgern durch ihre
eigene Regierung nicht anderweit unsere außenpolitischen Zielsetzungen gegen- 10 -

�Zielsetzungen gegenüber diesen Regierungen untergraben würde.

Diese Administra-

tion hat klargelegt, daß sie bei der Artikulierung ihrer Besorgnisse nicht selektiv vorgehen wolle.

Wie versuchen denn dann Ihrer Meinung nach die Vereinig-

ten Staaten, die Ausübung der Menschenrechte in Ländern wie der Volksrepublik
China einerseits und Rumänien andererseits zu beeinflussen?
ANTWORT:

Die von uns gebrauchten Methoden variieren je nachdem, was un-

serer Meinung nach am wirkungsvollsten ist.

- '

Im Fall Rumänien gibt es sowohl öffentliche als auch private Anstrengungen.
Wir haben zum Beispiel den Bericht, in dem wir über die rumänischen Tatsachen
sprechen.
renz.

Wir haben unsere

Veröffentlichungen hinsichtlich der Helsinki-Konfe-

Die KSZE-Kommission der Vereinigten Staaten ist ziemlich deutlich, was

die Verletzungen der Menschenrechte in Rumänien anbelangt.
Gleichzeitig sind wir dem durch eine Reihe diplomatischer Initiativen nachgegangen in einer Anstrengung, Druck auszuüben.
Desgleichen war auch der Bericht über China meiner Meinung nach ziemlich
deutlich bei der Beschreibung der Menschenrechtssituation in China. Und eine
Reihe von Fragen werfen wir mit den Chinesen auch im privaten Rahmen auf.
Wir versuchen bei keinem dieser Fälle zu behaupten, es gäbe keine Menschenrechtsmißbräuche, wenn dem so ist.

Was ich eingangs sagte, war, daß wir

lediglich feststellen, daß es ungeheuer wichtige geopolitische oder strategische
Fragen gibt, wenn dies der Fall ist.

Das heißt, wir bestätigen, daß es für

uns hinsichtlich Chinas ungeheuer wichtige politische und militärische Interesen
gibt und daß wir aus diesem Grund eine Art Zweckbündnis mit ihnen haben werden
- trotz ihrer Menschenrechtsvergangenheit, statt in die Richtung zu gehen, diese Vergangenheit zu vertuschen und zu sagen:

Ach, wissen Sie, dort ist wirklich

alles in bester Ordnung.
Das ist es in etwa, was wir tun - und auch im Fall Rumänien tun.

Ich glau-

be, es gab keinerlei Vertuschung wirklicher Menschenrechtsverletzungen in beiden
- 11 -

�in beiden Ländern.
FRAGE:

Aber im Fall China:

Glauben Sie, daß wir in Peking etwas

bewirken können - selbst mit unserer stillen Diplomatie?
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht.

Ich glaube, eines der Probleme, das

wir bei der ganzen Frage der Menschenrechte haben,besteht darin, daß der Einfluß der Vereinigten Staaten oft genug übertrieben wird.
Es ist natürlich wahr, daß wir in einem Land wie El Salvador einen gewaltigen Einfluß haben. Darüber gibt es keinen Zweifel.

In der Lage, in

der sich das Land befindet - mit einem Guerillakrieg, der stattfindet braucht es unsere Hilfe sehr dringend.

Aber das ist nicht immer der Fall.

Der Normalfall ist ein Land, das in gewisser Hinsicht sagen kann:

Entweder

es paßt euch - oder eben nicht.
Und wir können sie weder kraft außenpolitischen Drucks, noch diplomatischen Drucks noch öffentlicher Erklärungen dazu bringen,, ihr politisches
System von heute auf morgen zu ändern. Wir können etwas bewirken, und wir
bewirken etwas. Und wir werden auch weiterhin solchen Druck ausüben, wenn
wir das können. Aber ich glaube, eines der Probleme, in das wir mit der
Carter-Administration geraten sind, bestand darin, daß die Hoffnungen viel zu
hoch angesetzt wurden.
Wir regieren doch in diesen Ländern nicht. Wir sind lediglich Teil des
Drucks von außen, den eine Regierung fühlt - zusätzlich zu dem Druck, der von
innen kommt und viel machtvoller ist. Und das Verhalten aller dieser Regierungen wird all diesen Druck widerspiegeln - nicht nur das, was die Vereinigten Staaten gern von ihnen erwarten würden.
FRAGE:
üben?

Wie messen Sie den Grad an Druck, den Sie auf eine Regierung aus-

Ist es ein Gleichgewicht aus Einstellung der Öffentlichkeit und wohl-

verstandenen amerikanischen Interessen einerseits und Empfindlichkeit der jeweils anderen Regierung?

Wird das Gleichgewicht definiert zwischen dem, was

sie uns schulden, und dem, was sie von uns brauchen?
ANTWORT:
- 12 -

Das

�ANTWORT:

Das ist eine schwierige Frage.

Es ist eine Kombination

vieler Dinge.
Eines davon ist das Ausmaß der Menschenrechtsmißbräuche.

Ein anderes

ist der Umfang amerikanischen Einflusses.
Wir versuchen sorgfältig, nicht auf Länder einzuschlagen, wo wir eine
Menge Einfluß haben, anstatt auf Länder, wo es eine Menge Mißbrauch gibt.
Denn sonst würde man eher seine Freunde

als - sagen wir - die Sowjetunion

kritisieren.
Eine weitere Frage ist die nach dem Maß an Interesse in den Vereinigten
Staaten.

Es gibt Länder, mit denen wir traditionelle Bindungen haben, für

die es eine Menge Interesse in der Öffentlichkeit oder im Kongreß gibt; und
es gibt viele andere, wo kein Interesse oder nur sehr wenig Interesse besteht.
Die Mittel, die uns zur Verfügung stehen - und das bringt mich darauf
zurück.wieviel Einfluß wir haben -, sind wichtig.
de Regierung ist ebenfalls wichtig.

Das heißt:

Der Druck auf die betreffenWir erwarten von einem Land,

das sich mitten in einem Krieg befindet, nicht, sich mit all dem Schmuck der
Demokratie zu zieren, den man von einer Regierung im Frieden erwarten kann.
Das taten auch wir zum Beispiel nicht im Bürgerkrieg.

Es wird allgemein

akzeptiert, daß Regierungen in Kriegszeiten bestimmte Begrenzungen haben.
alles wirkt sich auf die politische Entscheidung aus.
daß es etwas von einem Aufgeben an sich hat.

Das

Sie haben sicher recht,

Aber dieses Land hat das Credo

stets sehr ernst genommen, auf das es sich gründet - die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung.

Die Geschichte hat bewiesen, daß in diesem Land eine

Politik langfristig nicht erfolgreich sein kann, wenn sie nicht vom Volk unterstützt wird.

Und auch eine Außenpolitik wird in diesem Land nicht unterstützt,

wenn sie nicht den Eindruck gibt, diese grundlegenden Ideale und Prinzipien
- wie immer unvollkommen auch angesichts der Tatsache, daß die Welt ein unvollkommener Ort ist - zu verkörpern.
FRAGE:
- 13 -

Der

�FRAGE:

Der Bereich der Menschenrechte ist ein nahezu klassisches Bei-

spiel für das klassische und lobenswerte Dilemma der amerikanischen Außenpolitik selbst, nämlich, zwischen den Idealen Amerikas einerseits zu stehen,
denen wir im Westen alle anhängen, und den Notwendigkeiten andererseits,
seiner Position als einer Supermacht dieser Welt gerecht zu werden.
ANTWORT:

Ja, obgleich ich auch meine, diese beiden Dinge stehen nicht

wirklich in Widerspruch zueinander.

Denn unserer Ansicht nach ist der Unter-

schied zwischen den Supermächten bzw. speziell zwischen dem Sowjetblock und
dem Westen nicht nur ein politischer Unterschied.

Wir vergleichen uns nicht.

Denn es ist der Unterschied zwischen der freien Welt und einer Welt, die in
Unterdrückung lebt.

Daher ist für uns der Verfolg einer Außenpolitik, die

die Expansion des sowjetischen Systems bekämpft, in sich selbst eine Außenpolitik, die eine feste moralische Grundlage hat, denn es ist eine Politik,
die versucht, die Freiheit in der ganzen Welt durchzusetzen.
FRAGE: Dann wäre es sehr gut, wenn die jungen Kritiker der Vereinigten
Staaten jenseits des Atlantik dies begreifen würden!?
ANTWORT:

Nun, wir versuchen, ihnen diese Botschaft zu übermitteln.

- 14 -

�Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. März 1982

EL SALVADOR: FRIEDLICHE REVOLUTION ODER
BEWAFFNETE AUSEINANDERSETZUNG
Auszüge aus dem Bericht der US-Stiftung "Freedom House"

Das salvadorianische Landreformprogramm "ist bei weitem
das gründlichste in der gesamten Geschichte Lateinamerikas"
Zusammen mit den anderen Programmen der Reformregierung lasse es hoffen, daß "sich das Leben der Mehrzahl der Salvadorianer einschneidend verbessert". Aber die Extremisten sowohl der Linken als auch der Rechten wollen den jetzt in
El Salvador in Gang befindlichen demokratischen Prozeß
zerstören; sowohl Unterstützung als auch beträchtliche
Zeit seien für die Entwicklung notwendig, wenn sie zum
Erfolg führen soll. Dies ist die Schlußfolgerung des Berichts der "Freedom House"-Stiftung, der den Titel trägt:
"El Salvador: Friedliche Revolution oder bewaffnete Auseinandersetzung"; Verfasser ist R. Bruce McColm.
Das Schlußkapitel und das Kapitel über "Internationale
Zusammenhänge" veröffentlichen wir im folgenden mit Genehmigung von "Freedom House".
- Copyright (c) 1982 by Freedom House, Inc. Die Lage in El Salvador ist in der Tat überaus kompliziert. Die gegenwärtige politische Situation muß vor dem Hintergrund einer langen Geschichte undemokratischer Herrschaft gesehen werden. In dem Land hat sich im Verlauf

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�im Verlauf der letzten 50 Jahre ein bescheidener, wenn auch stockender wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt vollzogen. Die meisten Verbesserungen
ergaben sich seit 1979. Verschiedene Interessengruppen, insbesondere Geschäftskreise, Arbeiter und die Mittelschicht, haben sich erhoben und ein gewisses
Maß an Einfluß erlangt. Auch reformistische Elemente sind heute ein Faktor
auf der politischen Szene. Die alte Landbesitzeroligarchie kam nicht mehr
mit Hilfe eines verbündeten Blocks der Militärs ungestraft herrschen und nur
ihre eigenen Interessen verfolgen.
Wann immer dieser Prozeß der Öffnung des Systems unterbrochen wurde, kam
es zu heftiger Gegenreaktion. Gewinnen dann reformistische Elemente bei den
Militärs die Oberhand, kommt er wieder in die richtige Bahn.
So war es im Oktober 1979, als jüngere, fortschrittlichere Offiziere den
Diktator Romero stürzten und Zivilisten aufforderten, sich an einer Regierung
zu

beteiligen, die wesentliche Reformen in Angriff nehmen werde. Die ersten

Zivilisten, die sich ihnen anschlössen, kamen zu dem Schluß, daß das Ziel
auf friedlichen Wegen nicht zu erreichen sei. Schon nach
sie auf und entschieden sich dafür, mit der Guerilla

drei Monaten gaben

gemeinsame Sache zu ma-

chen, die mit Mitteln der Gewalt den Wandel erzwingen wollte.
Die Reformwilligen unter den Militärs forderten dann die Christdemokratische Partei und ihren Führer, Jose Napoleon Duarte, auf, sich für einen
Kampf ohne Gewalt zur Umgestaltung El Salvadors einzusetzen. Bis heute genießt von allen salvadoranischen Politikern Duarte die größte Popularität,
und er hat sich als der revolutionärste erwiesen. Im Gegensatz zu Guillermo
Ungo, seinem Vorgänger in der Junta, führt Duarte eine politische Partei mit
einer beachtlich hohen Zahl von Mitgliedern. Während Ungos MNR-Partei bei
den Wahlen von 1971 nur 1,7 Prozent der Stimmen gewann, errangen die Christdemokraten Duartes 28 Prozent. Duarte selbst wurde zweimal zum Bürgermeister
von San Salvador und im Jahr 1972 zum Präsidenten des Landes gewählt, wenn
auch die Militärs ihn das Amt nicht antreten ließen, ihn folterten und ins
Exil schickten. Seit den sechziger Jahren arbeitet Duarte über die Partei

�die Partei der Christdemokraten am Aufbau einer friedlichen Gegenkraft zur
Oligarchie und deren rechtsextremistischen Helfern bei den Militärs.
Während Ungo und seine Kollegen in der ursprünglichen Junta vorgaben,
daß die Militärs die notwendigen Reformen einführen würden, machte Duarte
deren Durchführung zu einer Bedingung für seinen Eintritt in die Junta. Und
heute sind die Reformen funktionierende Realität. Zwar noch nicht voll durchgesetzt und kein Allheilmittel für alle Übel des Landes, hat die Landreform
das Leben von 1,25 Millionen ehedem landloser Bauern materiell verbessert.
Das salvadoranische Landreformprogramm ist in der Tat das weitaus gründlichste in der ganzen Geschichte Lateinamerikas. Obgleich es deutlich einschneidender ist als die Landreform des benachbarten Nicaragua, bezeichnet die Linke
das Schema von El Salvador als repressiv und preist gleichzeitig das von Nicaragua als revolutionär. In Verbindung mit der Verstaatlichung der Banken und
des Außenhandels und anderen progressiven Programmen, wie dem Wohnungsbauplan,
bietet die Politik der gegenwärtigen Regierung wirkliche Hoffnung auf eine
dramatische Verbesserung der Lebensbedingungen der meisten Salvadorianer.
Extremisten sowohl bei den Rechten als auch den Linken können jedoch
diese Hoffnung zerstören. Es überrascht nicht, daß Kräfte, die zäh verteidigte Interessen der Reichen und ihrer Helfer bei Polizei und Militär vertreten,
sich gegen die Reformen und die Regierung wenden, die sie einführt. Duartes
erste Angriffsziele unmittelbar nach seiner Rückkehr waren die Oligarchie und
deren Helfer im Lager der Militärs. Mit der Verkündung des Landreformprogramms
attackierte Duarte gleichzeitig in der Presse die Landbesitzer und nannte sogar einige Namen.
Während die Greueltaten durch paramilitärische und militärische Einheiten der Rechten noch keineswets beendet sind, wurden doch Fortschritte zu ihrer Eindämmung erzielt. Etwa 500 Angehörige der Nationalgarde wurden wegen
Standesmißbrauchs entlassen. Batallionskommandeuren vom rechten Flügel wurde
die Befehlsgewalt als aktive Offiziere entzogen. Eine Reihe von Staatsstreichen

- 3 -

�von Staatsstreichen rechtsstehender Militärs wurde vereitelt. Amerikanische
Militärberater instruieren die kämpfende Truppe, Gefangene zu machen anstatt
summarisch in Gefangenschaft geratene Gegner zu exekutieren.
Der reale, wenn auch noch unzureichende Fortschritt in der Eindämmung
des Rechtsterrorismus und die Reformen, von denen die große Mehrheit der Bevölkerung profitiert, haben die Anziehungskraft der Linken unterhöhlt. Die
gleiche Wirkung hat auch die wachsende Erkenntnis im Volk, daß die Linke von
Kommunisten beherrscht wird. Hatte die Linke einst Massen für Demonstrationen
gegen die Regierung mobilisieren können, verhallten in letzter Zeit ihre Aufrufe zu Generalstreik und Protestmärschen praktisch ungehört. Da es der Guerilla
nicht gelang, unter der Zivilbevölkerung umfassenden Widerstand aufzubauen,
wie der Mangel an Unterstützung für die sogenannte Schlußoffensive im Januar
1981 zeigte, änderte' sie ihre Taktik. Zum erstenmal forderte die Opposition
eine Beilegung des Konflikts auf dem Wege über Verhandlungen. Die Linke ist
auch zu der früheren Strategie zurückgekehrt, durch Terror in den Städten,
Ermordung

von Regierungsbeamten und Verbrennen des Ernteguts von Bauern,

die jetzt zum erstenmal eigenes Land bebauen, anarchistische Verhältnisse
zu schaffen. Diese veränderte Taktik wurde im Mai 1981 offenbar, als die
Guerilla über ihre Radiostation eine Liste der zu beseitigenden Politiker
und Landreformbeamten bekanntgab. Im weiteren Verlauf des Konflikts wurde
deutlich, daß es sich einfach um einen Zermürbungskrieg handelt, bei dem man
für jeden Sieg der kleinen Minderheit, die die von der Guerilla geführte Opposition ausmacht, auf die Demoralisierung der Bevölkerung baut.
Duarte hat dieser Opposition eine weitere Alternative angeboten - nämlich die Waffen niederzulegen und zu zeigen, daß sie die "repräsentative politische Kraft" sei, wie die mexikanisch-französische Initiative sie bezeichnete, indem sie politische Parteien bildet und sich an den bevorstehenden Wahlen beteiligt. Im März 1982 werden die Salvadoraner zu den Urnen gehen und
eine Versammlung wählen, die ihrerseits einen Interimspräsidenten und Vizepräsidenten nominiert. Als zweiter Schritt sind dann für 1983 Präsidentschaftswahlen vorgesehen. Bis jetzt haben Gruppen von der äußeren Rechten bis zur
- 4 -

�bis zur nichtgewalttätigen Linken zu erkennen gegeben, daß sie Kandidaten aufstellen wollen. Vielleicht weil sie weiß, daß ihre Unterstützung im Volk viel
geringer ist, als die internationale Presse sie hingestellt hat, lehnte es die
extreme Linke bisher ab, sich zu beteiligen.
Die Lage in El Salvador kann jedoch nicht einzig und allein auf der Grundlage der inneren Situation analysiert werden. Was in diesem Land geschieht,
wird Rückwirkungen auf seine Nachbarländer haben. Und Kräfte von außerhalb sind
inzwischen aktiv in die inneren Entwicklungen einbezogen worden.
Christdemokratische Parteien und Regierungen in Lateinamerika und Europa
unterstützen offen ihre ideologischen Parteigänger in El Salvador. Tatsächlich
unterstützen die meisten lateinamerikanischen Länder, die sich zum Kampf in
El Salvador geäußert haben, ohne Vorbehalt Duarte. Andererseits haben Mexiko,
Frankreich und die Sozialistische Internationale sich zuerst für die FDR und
später für die FDR-FMLN ausgesprochen. Die letztgenannten Parteien kritisierten den Wahlmodus als nicht durchführbar in einer Atmosphäre des Terrors, gaben aber der FMLN keinerlei Schuld an der Schaffung dieser Atmosphäre.
Die Sowjetunion und ihre Statthalter entwickeln ebenfalls aktives Interesse
am Fall Salvador. Der Guerilla ist in Form von Ausbildung und Waffen bemerkenswert umfangreiche Unterstützung aus der Sowjetunion, Kuba, der DDR, der Tschechoslowakei, Äthiopien, Vietnam und von der PLO zugeflossen. Diese Aktivitäten
bedeuten eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten von El Salvador und
sind ein eindeutiger Versuch, sich in einer Weise Vorteile aus berechtigter
Unruhe zu verschaffen, die dem Selbstbestimmungsrecht der Salvadoraner zuwiderläuft.
Vor diesem Hintergrund wurden die Vereinigten Staaten ersucht, für El
Salvador Wirtschaftshilfe in Höhe von 31 Millionen Dollar und Militärhilfe in
Höhe von 35 Millionen Dollar im Haushaltjähr 1981, und von 26 Millionen Dollar
im Haushaltjahr 1982 zu gewähren. Es wurden 56 Militärberater entsandt. Eine
solche Unterstützung könnte helfen, den Erfolg des Landreformprogramms zu sichern und zerschlagene Teile der Wirtschaft wieder aufzubauen. Es könnte auch
- 5 -

�könnte auch der Regierung helfen, die Machtübernahme durch Extremisten beider
Seiten mit Gewalt zu verhindern.
Wenn eine solche Hilfe auf die Fortsetzung der Reformen abgestellt und Teil
einer umfassenden Anstrengung der Vereinigten

Staaten zur Stärkung in Schwierig-

keiten befindlicher Regierungen in der gesamten Region ist, wo demokratische Institutionen und demokratisches Handeln angestrebt werden, kann sie reformistische
Elemente in El Salvador und seinen Nachbarländern stärken. Ein Eckpfeiler amerikanischer Politik muß die Verpflichtung sein, daß ein solcher Prozeß, soll er
kraftvoll werden, beträchtliche Zeit zu seiner Entwicklung braucht. Die zarte
Pflanze braucht Zeit, um Wurzeln zu schlagen.
Manche behaupten, daß der Prozeß in El Salvador nur dann Erfolg haben könne,
wenn die extreme Linke durch eine auf dem Verhandlungsweg erzielte Beilegung des
Konflikts in die Regierung gebracht werde. Geschehe dies nicht, so wird argumentiert, werde sie jegliche politische Lösung durch ihre fortgesetzten Gewaltakte
ablehnen.
Die Beendigung der Gewaltakte würde die Erfolgschancen wesentlich vergrößern,
jedoch ist sie nicht notwendigerweise eine Vorbedingung. Vielmehr könnte eine Beendigung des Konflikts in El Salvador eher Ähnlichkeit mit der Anfangsperiode der
Demokratie in Venezuela in den sechziger Jahren haben, als die Auseinandersetzungen während der Schaffung des Demokratisierungsprozesses andauerten. Anstatt die
Guerilla-Gruppen in ihrer Gesamtheit in den Entscheidungsprozeß einzubeziehen,
wurde ehemaligen Kämpfern und Elementen der Opposition gestattet, sich zu politischen Parteien zu organisieren, um sich an den demokratischen Wahlen zu beteiliger.. Während der harte Kern der Guerilla auch weiterhin der Regierung noch
auf Jahre hinaus zu schaffen machte, wurde es für diese Leute immer schwieriger,
sich Gefolgschaft zu sichern - und schließlich reichte es kaum mehr für Nachschub.
Eine ähnliche

�Eine ähnliche Situation könnte in El Salvador gefördert werden. Selbst
wenn der Krieg in El Salvador eskaliert, sollte der für das nächste Jahr vorgesehene Demokratisierungsprozeß nicht aufgegeben werden, wie es in Nicaragua
und Grenada geschehen ist. Wenn das geschähe, wäre das Volk von El Salvador
erneut das Opfer.

+ + + + +

- 7 -

�3. März 1982
US-GEWERKSCHAFTSINSTITUT OPTIMISTISCH ÜBER
ENTWICKLUNG IN EL SALVADOR

WASHINGTON - (AD) - Optimistisch über die Entwicklungen in El Salvador
hat sich der Direktor des Amerikanischen Instituts für die Entwicklung freier
Gewerkschaften (AIFLD), William C. Doherty, Jr., vor dem Unterausschuß für
interamerikanische Angelegenheiten des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses geäußert. Der Direktor des Instituts, das von dem größten
amerikanischen Gewerkschaftsverband AFL-CIO unterhalten wird, berichtete am
25. Februar 1982 vor dem Unterausschuß über eingehende Untersuchungen der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in El Salvador.
Die wesentlichen Auszüge des Berichtes haben folgenden Wortlaut:
... Wie Sie wissen, sind das Amerikanische Institut für die Entwicklung
freier Gewerkschaften (AIFLD) und der Gewerkschaftsverband AFL-CIO, für die
ich hier spreche, seit über 20 Jahren in der Gewerkschaftsbewegung in den
Städten und auf dem Lande in El Salvador engagiert. In jüngster Zeit, vor
etwa zwei Jahren, wurden wir von der "Union Comunal Salvadorena" (UCS) gebeten, ihr technische Unterstützung auf dem Gebiet der Landreform zu leisten,
und sind daher mit einer Reform verbunden, die wahrscheinlich die revolutionärste Veränderung in der jüngeren lateinamerikanischen Geschichte darstellt.
Ich bin heute in Begleitung des Generalsekretärs der UCS, Guillermo Blanco,

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l) 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�\

Guillermo Blanco, und des Generalsekretärs der Gewerkschaft der Bau- und
Transportarbeiter und der Demokratischen Völkischen Einheit, Francisco Zaldana,
die beide in San Salvador leben. Sie vertreten über 500 000 salvadorianische
Arbeiter.
Wir möchten uns nur auf drei der vielen Fragen konzentrieren, um die gegenwärtige Debatte über El Salvador tobt: die Entwicklung des Landreformprogramms; die Einstellung der Arbeiter und Campesinos zu den für den 28. März
angesetzten Wahlen und der Stand der Untersuchungen in der Ermordung von zwei
Mitgliedern des Mitarbeiterstabes des AIFLD, die mit der UCS am Landreformprogramm arbeiteten.
Was die Landreform angeht, so müssen mehrere Punkte hervorgehoben werden.
Der erste ist, daß die Campesinos in El Salvador, mit denen wir täglichen Kontakt haben, der Überzeugung sind, daß ihr Traum vom Besitz eines Stück Landes
wahr geworden ist und daß mit der Zeit die Drohung, dieser Traum könnte zunichte werden, verschwinden wird. Am 6. März und am 28. April 1980 wurden Gesetze erlassen, die besagen, daß das Land, das sie bearbeiteten, ihnen gehört.
In diesen Gesetzen steht nichts davon, daß der Besitz von einem Grundbucheintrag abhängig wäre...
Die Landreformgesetze El Salvadors erstrecken sich auf über zwei Fünftel
des gesamten bebaubaren Bodens im Lande und begünstigen über zwei Drittel der
Campesino-Familien, denen das Land, das sie bebauten, nicht gehörte...
Am 25. Januar 1982 erschien in der "Washington Post" ein Artikel, in dem
einige der Details des UCS-Berichtes vom 10.Dezember 1981 an Präsident Duarte
tnthalten wurden. Der Bericht war von der Union Comunal Salvadorena auf Ersuchen des Präsidenten von El Salvador erstellt worden und beruhte auf den
Beobachtungen von über 300 Mitarbeitern der UCS an Ort und Stelle. Der Bericht enthielt die nachdrückliche Forderung, daß die Regierung von El Salvador
Maßnahmen ergreife, um einige der im Zusammenhang mit der Landreform noch
offenstehende Probleme zu lösen. Im wesentlichen konzentrierten sich die Be-

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�sich die Beschwerden auf die Langsamkeit bei den vorhin angeführten Grundbucheintragungen; auf die Tatsache, daß viele Tausende der Campesinos von den
früheren Gutsbesitzern vertrieben wurden - gelegentlich mit Hilfe von Freunden der früheren Grundbesitzer bei den Sicherheitskräften; und daß die Gewalt
gegen Mitarbeiter der UCS einen hohen und nicht tragbaren Stand erreicht habe.
Die in dem UCS-Bericht vom 10. Dezember enthaltenen Tatsachen geben nach
unserer Auffassung ein im wesentlichen richtiges und sehr häßliches Bild der
Lage wieder, mit der die UCS seit zwei Jahren leben muß. Die Tatsachen können
jedoch nur jene schockieren, die nicht begreifen, daß jene Menschen, die mit
einer revolutionären Landreform zu tun haben, zwangsläufig in den Wirbel der
Gewalt geraten müssen, der die ganze Nation heimsucht.
Die Gewaltsamkeit beim Landreformprogramm muß im Zusammenhang mit der
Gewalt ganz allgemein in El Salvador gesehen und begriffen werden. Aber sie
darf nicht akzeptiert werden. Und die UCS, die das durchaus begreift, akzeptiert die Menge der Vertreibungen und Ermordungen keineswegs als normal und
hat sich bei der Regierung nachhaltig über diese Gewalt beschwert. Das AIFLD
und der AFL-CIO stehen Schulter an Schulter mit der UCS und mit ihrer Forderung, daß die Streitkräfte von El Salvador mit der Gewalt allgemein aufräumen
und vor allem da, wo sie das Landreformprogramm berührt.
Man darf nicht vergessen, daß der UCS-Bericht grundsätzlich positiv in
dem Sinne war, daß er konkrete Empfehlungen zur Lösung der Probleme enthielt...
Man möchte meinen, daß der UCS-Bericht an Präsident Duarte erste Früchte
getragen hat. Die Zahl der Ermordungen und Vertreibungen

ist nach den von UCS-

Mitarbeitern zusammengetragenen Informationen vom Oktober 1981 bis Januar 1982
erheblich zurückgegangen.
Wir möchten jetzt unsere Aufmerksamkeit dem Wahlprozeß zuwenden und vor
allem der Haltung der Arbeiter und Campesinos in El Salvador zu diesem Prozeß.
In den letzten sechs Wochen fanden die Wahlen mehrfach bedeutsame Zustimmung.

�bedeutsame Zustimmung. Die "Unidad Populär Democratica" (UPD), eine Koalition
gemäßigter demokratischer Institutionen, einschließlich der mächtigen Gewerkschaft der Bau- und Transportarbeiter, der Salvadorianischen Christlichen Gewerkschaft und vieler anderer kleinerer Gewerkschaften und Gruppen, hielt am
22. Januar 1982 eine

Pressekonferenz ab

und rief alle Bürger auf, am 28.

März für eine Partei und einen Kandidaten ihrer Wahl die Stimme abzugeben.
Die 110 000 Mitglieder starke UCS hat mit allen politischen Parteien Versammlungen abgehalten, um jede nach ihrer Bereitschaft zu Reformen zu beurteilen
und entsprechende Kandidaten unterstützen zu können.
Diese Aktionen der großen ländlichen und städtischen Organisationen wie auch ähnliche Aktionen der katholischen Kirche und von sieben politischen
Parteien - sind aus mehreren Gründen wichtig.
Erstens, sie stellen eine Manifestation dar, daß diese Arbeiter nicht nur
in das

Konzept von Wahlen, sondern auch in diese spezielle Wahl Vertrauen ha-

ben - als einen wichtigen Schritt zu echter Demokratie. Ihre Erklärungen und
Aktionen lassen erkennen, daß sie daran glauben, daß die Wahlen fair und die
Ergebnisse ein echtes Bild des Willens des Volkes sein werden.
Zweitens, da diese Aktionen zu einer Zeit erfolgen, in der die Guerilla
ihre Anstrengungen verstärkt hat, die Wahlen in Mißkredit zu bringen und zu
sabotieren, läßt dies die Überzeugung der Arbeiter und Campesinos erkennen,
daß Wahlen durchgeführt werden können, selbst wenn Kugeln fliegen sollten. ...
Drittens, die salvadorianisehen Arbeiter und Campesinos betrachten diese
Wahlen als die einzige reale politische Lösung. Sie bestreiten die Möglichkeit,
daß mit der bewaffneten und fanatischen marxistisch-leninistischen Linken,
deren Ziel die Macht und die Errichtung einer totalitären kommunistischen
Diktatur ist, eine "politische Lösung" ausgehandelt werden könnte. Sie rufen
verängstigte Demokraten, die sich mit der bewaffneten Linken verbündet haben,
auf, sich an der Wahl zu beteiligen - sind aber gleichzeitig der Meinung, daß
ihr Fernbleiben die Wahlergebnisse nicht ungültig machen werde. Sie wissen,

- 4 -

�Sie wissen, daß diese bestimmten verängstigten Demokraten der Linken keine
große Anhängerschaft haben und hatten. Und sie wissen, daß - wenn man es der
Linken gestattet, sich in die Regierung hineinzuverhandeln - diese Regierung
wiederum eine de facto-Regierung ohne ein echtes Mandat des Wählers und damit der demokratische Entwicklungsprozeß unterbrochen wäre. Sie wissen, daß
El Salvador eine Regierung braucht, die durch freie Wahlen vom Volke legitimiert ist.
Und schließlich sind salvadorianische Arbeiter und Campesinos nicht so
naiv zu glauben, daß die Wahlen am 28. März das Ende des Bürgerkrieges und
die sofortige Lösung des Problems der Gewalt bringen werden. Sie betrachten
die Wahlen als einen ersten Schritt zur Lösung dieser Probleme...
Ein letzter Punkt, den wir noch anschneiden möchten, betrifft den Fortschritt bei der Strafverfolgung in den Mordfällen Michael Hammer und Mark
Pearlman, Mitarbeiter des AIFLB, die in der Nacht des 3. Januar 1981 im Cafe
des Sheraton-Hotels in San Salvador brutal erschossen wurden. Wir waren uns
von Anfang an darüber im klaren, daß es in El Salvador schwer sein werde,
Recht zu erhalten, denn in den vielen Tausenden von Mordfällen, die in diesem Lande vorgekommen sind, ist nicht eine einzige Person angeklagt, geschweige
denn vor Gericht gestellt oder verurteilt worden
Wir haben konkrete Schritte unternommen und uns einer Person mit jahrelange" Erfahrung in dieser Art von Untersuchungen bedient...
Nach etwas mehr als einem Jahr haben wir so viele Beweise zusammengetragen, die zur Anklage der Mörder führen dürften - sowohl der geistigen Väter des Verbrechens wie der Soldaten, die tatsächlich geschossen haben...
Ich möchte diese Aussagen mit einer optimistischen Note schließen. Vor
zwei Jahren gab es nur wenige Beobachter in El Salvador, die vorausgesagt hat?
ten, daß die für El Salvador revolutionären Veränderungen so weit weit fortgeschritten sein würden, wie sie es heute sind. Heute ist der Prozeß der Land-

- 5 -

�der Landreform unumkehrbar. Die Macht der Oligarchie ist gebrochen. Die Wahlen
stehen nur noch rund einen Monat aus. Es hat in El Salvador keine marxistischleninistische Machtübernahme stattgefunden - und diese Möglichkeit ist heute
in weJJ;ere Ferne gerückt als noch vor zwei Jahren. Es gibt noch viele Probleme,
aber das Volk von El Salvador hat offensichtlich den Willen, sie zu lösen.
Nichts davon hätte man vor zwei Jahren sagen können - aber die schließliche
Herbeiführung von Frieden, Stabilität und einer Form der repräsentativen demokratischen Regierung in El Salvador erfordert die weitere Unterstützung jener demokratischen Elemente in dem Lande, die nur ein starkes und demokratisches
Land wie die Vereinigten Staaten geben können.

+ + + + +

�Hintergrund
materiell
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Embassy of the United States of America

3. März 1982

VEREINIGTE STAATEN BENENNEN BEOBACHTERGRUPPE FÜR WAHLEN IN EL SALVADOR
- Von USICA-Korrespondent Russe! E. Dibvik -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenminister!'um hat die Ernennung
einer aus sieben Mitgliedern bestehenden Beobachtergruppe bekanntgegeben, die
sich ein Bild von der am 28. März 1982 stattfindenden Wahl für eine verfassungsgebende Versammlung in El Salvador machen soll.
Zwei Mitglieder der Gruppe, die Wahl forscher Richard Scammon und Howard
Penniman, sollen in dieser Woche zu einem ersten Besuch nach El Salvador reisen, um "die Wahlvorbereitungen sowie den laufenden Wahlkampf zu beobachten",
wie der Sprecher des Außenministeriums, Dean Fischer, mitteilte.
"Die gesamte Delegation wird El Salvador während der letzten Woche der
Wahlvorbereitungen besuchen, um Zeuge des Wahlaktes und des Auszählungsprozesses zu sein", sagte Fischer.
Die amerikanische

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�Die amerikanische Beobachtergruppe wird von Nancy Kassebaum, der republikanischen Senatorin von Kansas, geleitet; weitere Mitglieder sind Robert Livingston, republikanischer Kongreßabgeordneter von Louisiana, Everett Briggs, stellvertretender Unterstaatssekretär für interamerikanische Angelegenheiten, Pfarrer Theodore Hesburgh, Präsident der Universität Notre Dame, sowie Clark Kerr,
emeritierter Präsident der Universität von Kalifornien in Berkeley.
Bei Bekanntgabe der Zusammensetzung der Beobachtergruppe sagte Fischer:
"Die amerikanische Regierung ist überzeugt, daß der Wahlprozeß einen entscheidenden ersten Schritt zu einer friedlichen Lösung der politischen Probleme El
Salvadors darstellt."
•

Er erwähnte, daß die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sowie die
fünf Staaten Costa Rica, Kolumbien, Großbritannien, Ägypten und Uruguay bereits
öffentlich ihre Absicht zur Entsendung von Beobachtern angekündigt haben.
Keinen Kommentar wollte Fischer zu einem Artikel der "New York Times" abgeben, demzufolge Regierungsbeamte in enger Umgebung Präsident Reagans behauptet hätten, es gebe "wenig Hoffnung auf gerechte Wahlen" in El Salvador und
ein militärischer Sieg Duartes sei unwahrscheinlich.
"Es wird auf die Geschichte der Wahlen in El Salvador angespielt und darauf,
daß sie weder gerecht noch frei waren. Dafür spricht die Erfahrung, die Präsident Duarte selbst bei den Präsidentschaftswahlen des Jahres 1972 gemacht
hat. Tatsache ist aber auch, daß Präsident Duarte, t&gt;otz Folter, Exil und Todesdrohungen nach El Salvador zurückgekommen ist und die jetzige Regierung zu
freien und fairen Wahlen am 28. März verpflichtet hat," sagte Fischer.
Fischer zufolge ist es unmöglich, den Verlauf der Wahlen am 28. März
vorauszusagen, allerdings seien "außergewöhnliche Maßnahmen" ergriffen worden, um sicherzustellen, daß sie frei und fair würden.
Der zentrale

�Der zentrale Wahl rat, dem der weithin geachtete Unabhängige Dr. Jorge
Bustamante vorsitzt,"hat bei dem Ablauf der Wahlen freie Hand, wie Fischer unterstrich. Im vergangenen Herbst wurde zudem ein zwischenparteiliches Forum veranstaltet,um allen beteiligten Gruppen die Möglichkeit zu geben, ihre Ansichten
zu den Wahlregelungen darzutun. "Die Regierung hat den Belagerungszustand für
politische Parteien aufgehoben, um ihnen einen ungehinderten Wahl kämpf zu ermöglichen. Alle Parteien haben Zugang zu den Medien. Das Militär setzt sich für die
Wahlen ein und hat sich zur Neutralität verpflichtet. Schließlich wird es eine
beträchtliche Präsenz internationaler Beobachter geben."
Fischer betonte auch, daß die Reagan-Administration wiederholt davon gesprochen hat, daß weder die Politik der Vereinigten Staaten noch die El Salvadors
sich auf einen militärischen Sieg gründet: "Die Probleme sind im wesentlichen
politischer und wirtschaftlicher Natur, und die Politik ist auf eine Lösung dieser Art ausgerichtet. Unsere eigene Sicherheitshilfe für El Salvador soll im wesentlichen die Regierung El Salvadors dazu befähigen, sich selbst zu verteidigen,
während die politischen und wirtschaftlichen Reformen durchgeführt werden."
In Beantwortung von Fragen nannte Fischer die Bemerkungen von Papst Johannes
Paul II. zu El Salvador "eine positive Erklärung". Er sagte, der Papst "forderte
ein Ende der Gewalt von allen Seiten... (und) bekräftigte den Appell der salvadorianischen Bischöfe, die in ihren Erklärungen und Predigten in jüngster Zeit
immer wieder ihr Volk darauf drängten, die Wahlen vom 28. März zu unterstützen."
Fischer nannte die Erklärung des Papstes "einen deutlichen Appell zu einer
vereinten Anstrengung, um das Blutvergießen zu beenden, damit die Salvadorianer
ihre eigenen Probleme ohne Ausnützung von außen lösen können. Dies sind die Ziele,
die auch wir unterstützen."
X

+ + + + +

- 3 -

�T

Hintergrund
materiell
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3. März 1982

IN EL SALVADOR GEHT ES UM DEN DEMOKRATISCHEN PROZESS

WASHINGTON - (AD) - Die Gewalt und die Brutalität in El Salvador haben
viele Leute veranlaßt, das amerikanische Engagement dort in Frage zu stellen;
sie haben aber auch dazu geführt, daß viele eines der grundlegenden Fakten der
Situation in diesem Lande übersehen: Daß nämlich eine große Mehrheit des salvadorianischen Volkes den Versuch der Reformregierung, den demokratischen Prozeß in Gang zu setzen, wünscht und ihn unterstützt.
Die Triebfeder der amerikanischen Politik in El Salvador ist die Unterstützung der Demokratie und insbesondere des ersten und schwierigsten Schrittes, den das Land gegenwärtig in dieser Richtung unternimmt, nämlich der Wahlen für eine verfassungsgebende Versammlung am 28. März.
Es ist eine Reihe von Argumenten vorgebracht worden, warum diese Wahlen
fehlschlagen würden:
Sie könnten nicht in einem Land abgehalten werden, das so bitterlich
gespalten sei; das Land habe keine demokratischen Traditionen; gewählte Regierungen seien zu schwach, um eine ungerechte soziale Ordnung zu reformieren;
die Freiheit müsse vielleicht etwas Größerem geopfert werden.

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Die Lösung,

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�Die Lösung, so hört man von einigen Seiten, sei in Verhandlungen mit der
Revolutionären Demokratischen Front (FDR) und der Guerilla zu finden.
Aber worüber soll dem verhandelt werden?

Im Juli vorigen Jahres boten

die Vereinigten Staaten an, die Gespräche zwischen der Regierung und der FDR
über Wahlen zu erleichtern.

Dieses Angebot bestand immer.

Es wurde erst

kürzlich von Unterstaatssekretär Enders vor dem Außenpolitischen Ausschuß des
amerikanischen Senats wiederholt.

Es ist immer noch Zeit für die FDR, sich

für die Wahlen Ende März registrieren zu lassen.
Auch der Präsident El Salvadors, Duarte, hat der FDR immer wieder angeboten, über ihre Beteiligung an den Wahlen zu sprechen.

Er und der Führer

der FDR, Guillermo Ungo, bestritten immerhin gemeinsam die Wahlen im Jahr
1972.
Auch die Kanadier haben in ähnlicher Weise angeboten, Gespräche über
die Wahlen zu erleichtern.

Die salvadorianische Regierung stimmte zu, doch

die FDR nahm keines dieser Angebote an.
Statt dessen ließ die FDR im Dezember 1981 unter Diplomaten in Europa
einen eigenen Vorschlag zirkulieren, der von Ungo für die FDR sowie von vier
Führern der Guerilla unterzeichnet war. Dieser Vorschlag sah im wesentlichen
vor: Verhandlungen zur Bildung einer Koalitionsregierung; sechs Monate nach
Bildung einer solchen Regierung eine Volksabstimmung, um sie gutzuheißen oder
abzulehnen.
Das ist keine' offene Wahl.
Die Guerilla intensiviert gegenwärtig die Gewalt, wobei das Angriffsziel der Wahlprozeß ist. Sie brennt Rathäuser mit Registrierungslisten nieder, droht damit, Finger, an denen sich Wahltinte befindet, abzuschneiden
und gefährdet das Leben von Kandidaten und christlich-demokratischen Bürgermeistern. Und sie hat ganz allgemein den Grad der Gewalt verstärkt.
Die Wahlen
- 2 -

�Die Wahlen finden daher nicht unter idealen Umständen statt.

Aber die

Bedingungen für einen ehrlichen und offenen Verlauf sind zumindest geschaffen
worden.

Sie wurden mit sieben Parteien ausgehandelt, die in Opposition zur

Regierung stehen.

Die Militärs haben wiederholt ihre Neutralität erklärt und

dürfen nicht abstimmen.

Die örtliche Presse ist frei und steht zum größten

Teil in der Opposition.

Der Wahl kämpf und die Wahlen können von der inter-

nationalen Presse - gegenwärtig befinden sich über 100 Berichterstatter an
Ort und Stelle - sowie von ausländischen Vertretern beobachtet werden.

Die

Wahlen werden von den wichtigen Gewerkschafts-, Bauern- und Wirtschaftsverbänden unterstützt.
Vor zwei Wochen erklärte der Rat der katholischen Bischöfe: "Wir sehen
in den Wahlen... den möglichen Beginn einer Lösung der gegenwärtigen Krise...
Es wäre ideal, wenn alle Bürger an den Wahlen teilnehmen würden. Deswegen
bedauern wir, daß einige unserer Brüder die Wahlen ablehnen."
Präsident Duarte hat seine Lebensaufgabe, seinem Lande Demokratie zu
bringen, mit diesen Wahlen aufs Spiel gesetzt - Wahlen, die nicht als Lösung
gedacht sind, sondern als ein Beginn.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die Demokratie in El
Salvador funktionieren kann, wie dies im größten Teil Mittelamerikas und
des karibischen Raumes der Fall ist.

Von den 23 Staaten im Karibischen

Becken haben 16 demokratisch gewählte Regierungen.

Allein in den letzten

zwei Jahren wurden dort sieben freie Wahlen abgehalten.
Viele dieser Staaten erlangten die Demokratie unter gleichermaßen schwierigen Verhältnissen.
krieg.

Costa Rica gewann die Demokratie 1948 nach einem Bürger-

In Venezuela war dies der Fall nach sechs Jahrzehnten der brutalsten

und korruptesten Militärdiktatur.
ähnlicher Unruhen Wahlen ab.

Jamaika hielt 1980 inmitten bürgerkriegs-

In Honduras wurde im vergangenen Monat nach über

einem Jahrzehnt militärischer Herrschaft ein demokratisch gewählter Präsident
in sein Amt eingeführt.
Jetzt steht
- 3 -

�Jetzt steht El Salvador auf dem Prüfstand. Dieser Test ist zwar schwierig, aber weder neu oder unmöglich. Die Wahlen Ende März sind nur ein Anfang.
Es wird Rückschläge geben, und der Erfolg ist keineswegs sicher.
Wenn jedoch so viele Salvadorianer diesen schweren - sogar gefährlichen ersten Schritt tun wollen, wie können dann die Vereinigten Staaten, die selbst
ihre eigene Verpflichtung gegenüber der Demokratie in einem schrecklichen
Bürgerkrieg vor hundert Jahren auf die Probe stellten, ihnen ihre Unterstützung versagen?

+ + + + +

4 -

�Hintergrund
materiell
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3. März 1982

KIRKPATRICK: REGIERUNG NICARAGUAS VERLETZT MENSCHENRECHTE DER INDIANER

WASHINGTON - (AD) - Mit allem Nachdruck hat die amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafterin Jean Kirkpatrick, die Menschenrechtspolitik Nicaraguas kritisiert. Vor dem Senatsunterausschuß für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre sagte die Botschafterin am 1. März
1982, die massiven Übergriffe gegen die Indianer an der Atlantikkü'ste Nicaraguas
stünden an erster Stelle auf der Liste der Menschenrechtsverletzungen auf der
Welt. In den vergangenen Monaten habe die Regierung Nicaraguas einen "Feldzug
der systematischen Gewalt" gegen die Miskito-Indianer geführt, wobei deren Dörfer niedergebrannt, die indianischen Einrichtungen zerstört und zwangsweise Umsiedlungen der Indianer durchgeführt worden seien. Wer Widerstand geleistet habe, sei getötet und tausende seien ins Exil nach Honduras getrieben worden.
Die amerikanische Botschafterin wies darauf hin, daß die indianischen Gemeinwesen eine lange Geschichte der friedlichen und herzlichen Beziehungen zu
den früheren Regierungen Nicaraguas aufzuweisen hätten, die ihnen einen halbautonomen Status gewährt und das Recht zugestanden hätten, ihr Leben nach ihrer Art zu führen. Die gewaltsame Offensive der Sandinista symbolisiere deren

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�symbolisiere deren Feindschaft gegenüber einer jeden Gruppe, die entschlossen
sei, sich der Umformung und Eingliederung in die neue Gesellschaftsform, Kultur und Wirtschaft zu widersetzen. Nach den Worten der Botschafterin sind die
Übergriffe gegen die Miskito-Indianer ein deutlicher Beweis für die "systematische Unterdrückung", die bald nach der Übernahme der Macht durch die Sandini sta im Juli 1979 eingesetzt und sich mit der "progressiven Konsolidierung
der Macht der Einparteien-Diktatur Nicaraguas" noch intensiviert habe.
Botschafterin Kirkpatrick sagte weiter, in den eineinhalb Jahren seit dem
Sturz der Somoza-Diktatur seien die Hoffnungen des Landes auf größere Freiheit,
Demokratie und Sicherheit vor Regierungstyrannei "nahezu gestorben". Die systematische Zerstörung der Häuser und Dörfer sowie des wirtschaftlichen Lebens der
Miskitos sei nur ein Beispiel für die Doppelzüngigkeit, die die SandinistaBewegung für ihre Zwecke anwende.

Die Sandinista gäbe vor, daß die zwangswei-

se Umsiedlung der Miskito-Indianer zu deren Schutz gegen Konterrevolutionäre
erfolge.
Botschafterin Kirkpatrick bezeichnete den Feldzug gegen die Miskito-,
Sumo-- und Rama-Indianer als dramatischste und gewalttätigste Manifestation
der Sandinista, jegliche Vielfalt auszulöschen. In diesem Zusammenhang verwies die amerikanische UN-Chefdelegierte auch auf den Protest der Bischöfe
Nicaraguas gegen diese Verletzung der Menschenrechte.

+ + + + +

�3. März 1982

TEMPO DER SOWJETISCHEN MILITÄRAUSGABEN NIMMT ZU
Von unserem Korrespondenten William H. Durham

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat festgestellt, daß das Tempo der sowjetischen Militärausgaben
im vergangenen Jahr beträchtlich zugenommen hat und weit über die sowjetischen Verteidigungserfordernisse hinausgeht.
Vor dem Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für Verteidigungsausgaben erklärte Weinberger

in einer Anhörung, daß die Sowjets

allein in den vergangenen 12 Monaten 2000 neue Panzer, 1350 Flugzeuge unterschiedlicher Typen und 200 ballistische Interkontinentalraketen (ICBM) gebaut haben. Zudem, so Weinberger, hätten die Sowjets in den letzten Jahren
ihre Flotte rascher vergrößert, als dies je ein anderes Land in der Geschichte
getan hat. Was die Nuklearsysteme mittlerer Reichweite angeht, sagte Weinberger,
hätten die Sowjets nunmehr 285 mobile SS-20 Raketen disloziert.
"Es gibt keinerlei Anzeichen dafür", stellte er fest, "daß die sowjetische

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�die sowjetische Militäraufrüstung irgendwie defensiven Charakters wäre."
Der Verteidigungsminister unterstrich weiter, daß es ein Hauptziel der
amerikanischen Verteidigungsstrategie sei, "der weiteren Expansion und Konsolidierung des sowjetischen Machtbereichs Einhalt zu gebieten". Er erwähnte die in diesem Zusammenhang direkte sowjetische Intervention in Afghanistan sowie "weniger direkte Intervention" in anderen Teilen der Welt.
Der Gesamtumfang des amerikanischen Verteidigungshaushalts muß nach
den Worten Weinbergers diese "beträchtlich gestiegene sowjetische Bedrohung"
in Rechnung stellen.
Die Reagan-Administration ersucht für das Haushaltsjahr 1983 um 258
Milliarden Dollar für die Verteidigung, eine Steigerung gegenüber 1982 von
annähernd 15 Prozent. "Die Vereinigten Staaten bleiben auch weiterhin einem
defensiven Einsatz der militärischen Stärke verpflichtet. Es ist unser Ziel,
vor einer Aggression abzuschrecken oder auf sie zu reagieren, falls die Abschreckung versagen sollte - nicht jedoch, einen Krieg zu beginnen", erklärte der US-Außenminister.
Er sagte ferner, der Verteidigunoshaushalt des Jahres 1983 umfasse keine
unnötigen Ausgaben "und fordert keine Sachen, die nicht wesentlich sind, um
jene Art von Stärke wiederzugewinnen", die die Vereinigten Staaten brauchten,
um vor einem Krieg abzuschrecken und mit den Sowjets über Rüstungskontrolle
zu verhandeln.
Weinberger zufolge werden die Sowjets nicht ernsthaft verhandeln, solange
die Vereinigten Staaten keine deutlichen Schritte zum Wiederaufbau ihrer Verteidigung unternehmen, die in den letzten zehn Jahren vernachlässigt wurde.
Zudem habe das Pentagon gegenüber den ursprünglich vorgeschlagenen Zahlen im
Haushaltsjahr 1983 12 Milliarden Dollar eingespart. "Deshalb drängen wir sehr
darauf, daß in diesem Haushalt keine (weiteren) Streichungen vorgenommen werden.
Sollte dies passieren, würde das die Bereitschaft und die Beständigkeit sowie

- 2 -

�i j 1r
4

\7}\

Uli/zen/chofl
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. März 1982

"SYNTHETIC FUELS CORPORATION" NIMMT TÄTIGKEIT AUF

- (AD) - Die staatliche "Gesellschaft für synthetische Brennstoffe"
(Synthetic Fuels Corporation) hat, wie Präsident Reagan am 9. Februar 1982
erklären ließ, offiziell ihre Tätigkeit aufgenommen. Als erste Amtshandlung
übernahm sie vom amerikanischen Energieministerium die Verantowrtung für
zwei großtechnische Projekte zur Verwertung von Ölschiefer.

Das eine Projekt

wird zum Teil mit einer Abnahme-Garantie finanziert, die es dem amerikanischen
Verteidigungsministerium ermöglicht, jährlich bis zu 3,3 Millionen Barrel
(1 Barrel = Faß mit 159 Litern) synthetisches Rohöl vom Werk Parachute Creek
(Bundesstaat Colorado) der Union Oil Company zu beziehen.

Produktionsziel

dieses Betriebes ist der Ausstoß von 10 000 Barrel pro Tag im Jahr 1984.
Im zweiten Fall handelt es sich um eine Kredit-Garantie bis zur Höhe von 1,1
Milliarden Dollar für eine Anlage zur Schieferölgewinnung, die - ebenfalls
in Parachute Creek - von der Tosco Corporation gebaut wird.

Dieser. Betrieb

soll ab 1987 täglich 48 000 Barrel synthetisches Rohöl erzeugen.
Auch über die Errichtung einer Kohlevergasungs-Anlage in Norddakota
durch ein Konsortium von Ferngas-Firmen, die Kredit-Garantien bis 2,02 Milliarden Dollar in Anspruch nehmen können, wurde bereits entschieden. Das
Werk soll eine Tagesleistung von 3,5 Millionen cbm Gas erreichen.

Die Ver-

waltung dieses Projekts übernimmt eine Nachfolgeorganisation des amerika-

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�des amerikanischen Energieministeriums. Präsident Reagan hat den US-Kongreß
um Auflösung des Energieministeriums ersucht. Der größte Teil seiner Funktion soll dem US-Handelsministerium und dem US-Innenministerium übertragen
werden.
Der Synthetic Fuels Corporation stehen bis 30. September 1984
des Etatjahres 1983) 14,8 Milliarden Dollar zur Verfügung, die sie
Förderung technisch ausgereifter Vorhaben der Privatwirtschaft zur
synthetischer Brennstoffe aus Kohle, Torf, Schweröl und Ölschiefer
von Kredit-, Preis- und Abnahme-Garantien einsetzen wird.

+ + + + +

(Ablauf
für die
Produktion
in Form

�Beständigkeit sowie letztlich den Zeitraum beeinflussen, innerhalb dessen
das strategische Programm durchgezogen wird."
Weinberger hob hervor, "es könnte sehr gefährlich sein, wenn wir die falschen Signale um die Welt schicken würden, und es könnte letztlich die Wiedererlangung der Stärke weit kostspieliger machen, die wir glauben haben zu müssen."
Dem Verteidigungsminister zufolge ist es nicht möglich, sich lediglich auf
eine langfristige Erholung der amerikanischen Militärkraft zu konzentrieren.
"Ich bin dem Präsidenten und der Nation für unsere Sicherheit hier und jetzt
verantwortlich, für eine Krise, die morgen eintreten könnte. Verbesserungen
bei der Bereitschaft haben - abgesehen davon, daß sie wesentlich sind für eine
Strategie, die defensiver Natur ist - sowohl den Vorteil als auch die Bedingung
einer baldigen Verwirklichung."
In den vergangenen Jahren habe die Sowjetunion, wie Weinberger unterstrich,
ihre Kapazität zur Ausnützung politischer Instabilität "stark erweitert", ebenso wie ihre Fähigkeit, "militärische Macht in lebenswichtige Bereiche - wie den
Persischen Golf und die Karibik - zu projizieren."
Die amerikanische Strategie am Persischen Golf sei, so sagte Weinberger
weiter, auf dem Konzept begründet, daß "die Aussicht auf einen Kampf mit amerikanischen Streitkräften plus jenen der anderen Länder, für die ökonomisch weit
mehr bei der Aufrechterhaltung des Zugangs zu den ölfeldern auf dem Spiel steht,
in Verbindung mit der Aussicht darauf, daß wir den Krieg auch auf andere Schauplätze tragen könnten, die wirkungsvollste Abschreckung vor sowjetischer Aggression ist."
In Beantwortung von Fragen sagte Weinberger, daß die Vereinigten Staaten
"weit größere Probleme" hätten, wenn "eine kommunistische Stellung" auf dem
Boden des amerikanischen Kontinents errichtet würde, als dies jetzt mit der
kommunitischen Regierung von Castros Kuba der Fall ist.
+ + + + +
- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abrams: Außenpolitik schließt Prinzipien der Menschenrechte ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem US-Unterstaatssekretär für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;El Salvador: Friedliche Revolution oder bewaffnete Auseinandersetzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Bericht der US-Stiftung "Freedom House" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Gewerkschaftsinstitut optimistisch über Entwicklung in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten benennen Beobachtergruppe für Wahlen in El Salvador&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von USICA-Korrespondent Russell E. Dibvik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In El Salvador geht es um den demokratischen Prozess&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kirkpatrick: Regierung Nicaraguas verletzt Menschenrechte der Indianer&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tempo der sowjetischen Militärausgaben nimmt zu&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten William H. Durham -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Synthetic Fuels Corporation" nimmt Tätigkeit auf&amp;nbsp;</text>
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                    <text>24. Februar 1982
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan fordert gemeinsame Anstrengungen der westlichen Hemisphäre
- Rede des US-Präsidenten vor der Organisation Amerikanischer Staaten Pressekonferenz Präsident Reagans vom 18. Februar 1982
- Auszüge Interview des US-Außenministers mit belgischen Journalisten
- Sowjets brauchen Anreize zu Abrüstungsverhandlungen Weinberger warnt vor Folgen des Technologietransfers in den Osten
- Rede des US-Verteidigungsministers auf der Wehrkundetagung in München

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Einstellung der USA zu den INF-Verhandlungen
- Von Lawrence S. Eagleburger, Staatssekretär für politische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium Haig gegen einfache Lösungen im Ost-West-Verhältnis
- Pressekonferenz des US-Außenministers in Florida -

Um Ubef/cndung von
ßclcgcxcmplcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Februar 1982

REAGAN FORDERT GEMEINSAME ANSTRENGUNGEN DER WESTLICHEN HEMISPHÄRE
- Rede des US-Präsidenten vor der Organisation Amerikanischer Staaten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 24. Februar 1982 in
einer Grundsatzrede vor der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gemeinsame Anstrengungen der westlichen Hemisphäre für die wirtschaftliche Entwicklung, darunter ein Wirtschaftsprogramm für das Karibische Becken und
Mittelamerika,gefordert.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Die Prinzipien, die die Organisation Amerikanischer Staaten verkörpert
- Demokratie, Selbstbestimmung, wirtschaftliche Entwicklung und kollektive
Sicherheit - sind Kernstücke der amerikanischen Außenpolitik.
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein stolzes Mitglied dieser
Organisation.

Was irgendwo auf dem amerikanischen Kontinent geschieht,

berührt uns hier in unserem Lande. Wir haben also im wahrsten Sinne des
Wortes ein gemeinsames Schicksal.
Wir, die

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Telex: 08-85432

�Wir, die Völker des amerikanischen Kontinents haben sehr viel mehr gemeinsam als geographische Nähe. Seit über 40 Jahren haben unsere Völker die
Gefahren und die Träume des Aufbaus einer Neuen Welt geteilt. Aus dem Kolonialismus heraus zur nationalen Eigenständigkeit war unser gemeinsames Streben
das Streben nach Freiheit.
Die meisten unserer Vorfahren kamen in die westliche Hemisphäre auf der
Suche nach einem besseren Leben für sich selbst. Sie kamen auf der Suche
nach besseren Chancen und auch, jawohl, auf der Suche nach Gott. Praktisch
alle - Nachkommen der Ureinwohner wie der Einwanderer - mußten um die Unabhängigkeit kämpfen. Nachdem sie sie gewonnen hatten, mußten sie kämpfen, um sie
zu bewahren.

Es gab sogar Zeiten, da wir gegeneinander

kämpften.

Mit der Zeit jedoch haben die Nationen dieser Hemisphäre einen Katalog
gemeinsamer Prinzipien und Institutionen entwickelt, die die Grundlage für
gegenseitigen Schutz boten. Vor etwa 20 Jahren hat John F. Kennedy das Wesentliche unserer einzigartigen Aufgabe erfaßt, als er sagte, daß es Sache
der Neuen Welt sei, "zu zeigen, daß die unerfüllten Wünsche und Hoffnungen des
Menschen auf wirtschaftlichen Fortschritt und soziale Gerechtigkeit am besten
durch freie Menschen erreicht werden können, die in einem Rahmen demokratischer
Institutionen arbeiten."
In der Verpflichtung zu Freiheit und Unabhängigkeit sind die Völker
der westlichen Hemisphäre eins. In diesem tieferen Sinne sind wir alle Amerikaner. Unsere Prinzipien wurzeln in Selbstregierung und Nichtintervention.
Wir glauben an die Herrschaft des Rechts. Wir wissen, daß eine Nation nicht
befreit werden kann, indem man ihrem Volk die Freiheit nimmt. Wir wissen, daß
ein Staat nicht frei sein kann, wenn seine Unabhängigkeit einer fremden Macht
unterworfen wird. Und wir wissen, daß eine Regierung nicht demokratisch sein
kann, wenn sie sich weigert, sich der Bewährungsprobe freier Wahlen zu stellen.
Wir haben diese Ideale nicht immer erreicht. Wir alle von uns waren
hier und da in unserer Geschichte schon einmal politisch schwach, wirtschaftlich rückständig, sozial ungerecht oder nicht in der Lage, unsere Probleme

�unsere Probleme mit friedlichen Mitteln zu lösen. Auch mein eigenes Land hat
unter innerem Hader gelitten, einschließlich eines tragischen Bürgerkrieges.
Wir haben wirtschaftliches Elend erlebt und früher rassische und soziale Ungerechtigkeit geduldet.

Und, jawohl, wir haben uns gelegentlich gegenüber

unseren Nachbarn arrogant und ungeduldig benommen.

Diese Erfahrungen haben

Narben hinterlassen, aber sie helfen uns auch heute, uns mit dem Kampf um politische und wirtschaftliche Entwicklung in den anderen Ländern dieser Hemisphäre zu identifizieren.
Aus der Feuerprobe unserer gemeinsamen Vergangenheit sind die amerikanischen Staaten als gleichere und verständnisvollere Partner hervorgegangen.
Unsere Hemisphäre birgt ein unbegrenztes Potential für wirtschaftliche Entwicklung und menschliche Erfüllung.

Wir haben zusammen eine Bevölkerung von über

600 Millionen; unsere Kontinente und Inseln sind voller Lebensmittel- und Rohstoffreserven' re; die Märkte der Länder Amerikas haben bereits den höchsten
Lebensstandard unter den fortgeschrittenen wie auch unter den Entwicklungsländern der Welt geschaffen.

Das Beispiel, das wir der Welt geben können,

würde nicht nur die Gegner entmutigen, sondern würde allen unterdrückten und
ausgeplünderten Nationen der Welt ein Lichtstrahl der Hoffnung sein.

Wir

sind die Neue Welt - eine Welt souveräner und unabhängiger Staaten, die heute
in gemeinsamer Achtung voreinander und mit größerer Toleranz gegenüber den
Schwächen des anderen Schulter an Schulter stehen.
Vor etwa zwei Jahren, als ich meine Kandidatur für das Präsidentenamt
ankündigte, sprach ich von einer Ambition, mit unseren beiden Nachbarn auf
dem nordamerikanischen Kontinent zu einem Einklang zu gelangen.
Ich habe keinen gemeinsamen Markt oder irgendein
vorgeschlagen.

formelles Abkommen

"Einklang" war das einzige Wort, das das ausdrücken sollte,

was ich im Sinne hatte.

Ich wußte wohl, daß sich die Vereinigten Staaten

seit langem freundlicher Beziehungen zu Mexiko und Kanada erfreuten; daß unsere Grenzen nicht befestigt sind.

Und doch schien mir, daß das Potential

für eine engere Beziehung vorhanden war, als sie bisher erreicht worden war.
Drei große Nationen teilen sich den nordamerikanischen Kontinent mit all seinen

�all seinen menschlichen und natürlichen Ressourcen.

Haben wir alles in un-

serer Macht stehende getan, um eine Beziehung zu schaffen, in der jedes Land
sein Potential voll und ganz realisieren kann?
Ich weiß, daß in der Vergangenheit die Vereinigten Staaten politische
Maßnahmen vorgeschlagen haben, die nach unserer Erklärung beiderseitig nützlich sein sollten - nicht nur für Nordamerika, sondern auch für die Nationen
der Karibik und Mittel- und Südamerikas.

Aber da gab es oft ein Problem. So

gut unsere Absichten auch sein mochten, allein schon unsere größenmäßige Ausdehnung mag den Eindruck erweckt haben, daß wir eine Art Paternalismus ausübten.
Zu der Zeit, als ich einen neuen nordamerikanischen Einklang vorschlug,
erklärte ich, daß ich an unsere

Nachbarn nicht als einer herantreten wolle,

der wieder einmal einen Plan habe, sondern als ein Freund, der ihre Ideen und
ihre Vorschläge sucht, wie wir bessere Nachbarn werden könnten.
Ich traf noch vor meinem Amtsantritt mit Präsident Lopez Portillo in
Mexiko zusammen und mit Ministerpräsident Trudeau in Kanada kurz nach meinem
Amtsantritt.
getroffen.

Wir sind seither mehrfach in den USA, Mexiko und Kanada zusammenIch glaube, daß wir eine Beziehung geschaffen haben, die besser

ist, als sie je eines unserer drei Länder vorher gekannt hat.
Heute möchte ich über unsere anderen Nachbarn sprechen - Nachbarn zur
See - über rund zwei Dutzend Länder der Karibik und Mittelamerikas.

Diese

Länder tragen keine unbekannten Namen in irgendeiner isolierten Ecke der Welt,
weit weg von uns.

Sie sind uns sehr nahe.

Das Land El Salvador liegt bei-

spielsweise näher bei Texas als Texas bei Massachusetts.

Die karibische Re-

gion ist eine lebenswichtige strategische und Handelsarterie für die Vereinigten Staaten.

Fast die Hälfte des amerikanischen Handels, zwei Drittel unseres

importierten Öls und über die Hälfte unserer importierten strategischen Mineralien passieren den Panamakanal oder den Golf von Mexiko.
mand täuschen:

Möge sich nie-

Das Wohlergehen und die Sicherheit unserer Nachbarn in dieser

Region liegen in unserem eigenen Lebensinteresse.
Wirtschaftliche Gesundheit
- 4 -

�Wirtschaftliche Gesundheit ist einer der Schlüssel zu einer sicheren
Zukunft für unsere Nachbarn im karibischen Becken.

Ich bin glücklich, mit-

teilen zu können, daß Mexiko, Kanada und Venezuela sich uns in der Suche nach
Mitteln und Wegen angeschlossen haben, um diesen Ländern zu helfen, ihr wirtschaftliches Potential zu verwirklichen.
Jedes unserer vier Länder hat seine eigenständige Position und Einstellung. Mexiko und Venezuela helfen dabei, die Energiekosten für die Länder
des karibischen Beckens durch eine eigene ölfazilität zu erleichtern, die bereits in Funktion ist.
hilfe.

Kanada verdoppelt seine bereits wesentliche Wirtschafts-

Wir alle wollen sicherstellen, daß die Völker dieses Gebietes das Recht

haben, ihre eigenai nationalen Identitäten zu erhalten; ihr wirtschaftliches
Los zu verbessern und ihre politischen Institutionen so zu entwickeln, daß sie
ihren eigenen eigenständigen gesellschaftlichen und historischen Erfordernisse
entsprechen.

Die Länder Mittelamerikas und der Karibik unterscheiden sich

stark in Kultur, Persönlichkeit und Erfordernissen.

Wie Amerika selbst, so

stellt das karibische Becken ein außergewöhnliches Mosaik von Menschen spanischer, afrikanischer, asiatischer und europäischer Abstammung wie auch eingeborener Amerikaner dar.
Im Augenblick sind diese Länder jedoch einer wirtschaftlichen Belagerung
ausgesetzt.

Im Jahr 1977 hatte ein Barrel öl den Wert von fünf Pfund Kaffee

oder 155 Pfund Zucker.

Um heute dieses gleiche Faß öl zu kaufen, müssen diese

kleinen Länder fünf Mal so viel Kaffee - fast 26 Pfund - oder fast doppelt so
viel Zucker - 283 Pfund - aufbringen.

Diese wirtschaftliche Katastrophe frißt

die Geld- und Kreditreserven unserer Nachbarn weg und zwingt Tausende von
Menschen, sich nach den Vereinigten Staaten aufzumachen - oft illegal -, und
es erschüttert sogar die etabliertesten Demokratien.

Die Wirtschaftskatastrophe

hat den Feinden der Freiheit, der nationalen Unabhängigkeit und einer friedlichen Entwicklung neue Türen geöffnet.
Wir haben uns die Zeit genommen, enge Konsultationen mit anderen Regierungen in dieser Region zu führen - sowohl mit Geldgebern als auch Nutznießern -, um sie zu fragen, was sie brauchen und was ihrer Anischt nach funktionieren würde.

Und wir haben lange an der Entwicklung eines Wirtschafts-

�eines Wirtschaftsprogramms gearbeitet, das Handel, Hilfe und Investitionen
umfaßt - ein Programm, das eine langfristige Verpflichtung gegenüber den Ländern der Karibik und Mittelamerikas darstellt, damit sie durch den Einsatz der
magischen Kräfte des Marktes der amerikanischen Staaten aus eigener Kraft zu
einem Wachstum gelangen, das sich aus sich selbst heraus trägt.
Auf dem Gipfeltreffen in Cancun im vergangenen Oktober stellte ich eine
neue Sicht der Entwicklung dar, die mehr betonte als nur Hilfe und staatliche
Intervention.

Wie ich damals dargelegt habe, haben nahezu all jene Länder,

die während der letzten 30 Jahre Erfolg mit ihrer Entwicklung hatten, dies
durch die Kraft einer marktwirtschaftlich orientierten Politik und durch tatkräftige Beteiligung an der Weltwirtschaft erreicht.

Hilfe muß durch Handel

und Investitionen ergänzt werden.
Das heute von mir vorgeschlagene Programm setzt diese Prinzipien in die
Praxis um.

Es ist ein umfassendes Programm, das unseren Nachbarn dabei hilft ,

sich selbst zu helfen, ein Programm, das Bedingungen schaffen wird, unter denen
Kreativität, privater Unternehmergeist und Selbsthilfe gedeihen können.

Hilfe

ist ein wichtiger Teil dieses Programms, denn viele unserer Nachbarn brauchen
sie, um sich selbst in eine Startposition zu bringen, von wo aus sie ihren
eigenen Unterhalt verdienen können.

Aber diese Hilfe wird Aktivitäten des

Privatsektors ermutigen - und sie nicht vertreiben.
Im Mittelpunkt dieses Programms, das ich dem Kongreß zuleiten werde, steht
der freie Handel für Produkte des karibischen Beckens, die in die Vereinigten
Staaten exportiert werden sollen.

Derzeit gelangen bereits rund 87 Prozent

der karibischen Exporte zollfrei auf die amerikanischen Märkte - gemäß dem
allgemeinen Präferenzsystem.

Diese Exporte decken jedoch nur eine begrenzte

Bandbreite der derzeitigen Produkte ab - und nicht die weite Vielfalt der möglichen Produkte, die diese talentierten und fleißigen Völker herzustellen in
der Lage sind.

Gemäß dem von mir vorgeschlagenen Freihandelsabkommen werden

die Exporte aus diesem Gebiet 12 Jahre lang zollfrei sein.

Daher können neue

Investoren in dem Bewußtsein auf den Markt gehen, daß ihre Produkte zumindest
für die Abschreibungsfrist ihrer Investitionen zollfrei behandelt werden.

Vor

Gewährung der Zollfreiheit werden wir mit jedem Land seine eigenen Selbsthilfemaßnahmen besprechen.

Mm

p1-n71-op

�Die einzige Ausnahme dieses Freihandelskonzeptes werden Textilien und
ähnliche Produkte sein, weil diese Produkte bereits durch andere internationale Vereinbarungen geregelt sind. Wir werden jedoch sicherstellen, daß unsere unmittelbaren Nachbarn Vereinbarungen über liberalere Quoten erhalten
werden.
Dieser Wirtschaftsvorschlag ist ebenso beispiellos wie die heutige Krise
in der Karibik.

Niemals zuvor haben die Vereinigten Staaten irgendeiner Re-

gion ein Präferenzabkommen im Handel angeboten.

Diese Verpflichtung stellt

auf unmißverständliche Weise unsere Entschlossenheit klar, unseren Nachbarn
dabei behilflich zu sein, stark zu werden.
Die Auswirkungen dieses Freihandelsabkommens werden sich langsam zeigen.
Die Volkswirtschaften, denen wir helfen wollen, sind klein. Und sogar während ihres Wachsens wird all der Schutz, der derzeit der amerikanischen Industrie, Landwirtschaft und Arbeitnehmerschaft gegenüber schädigenden Importen
zur Verfügung steht, erhalten bleiben. Und Wachstum in der Karibik wird jedem nützen - auch die amerikanischen Exporte werden neue Märkte finden.
Um noch weitere Investitionen anzuziehen, werde ich zweitens den Kongreß
ersuchen, beträchtliche Steueranreize für Investitionen im karibischen Becken
zu bieten. Wir sind außerdem bereit, bilaterale Investitionsverträge mit
interessierten Ländern des Beckens auszuhandeln.
Drittens werde ich um eine Ergänzungszuweisung von 350 Millionen Dollar
für das Haushaltsjahr 1982 ersuchen, um jenen Ländern zu helfen, die wirtschaftlich besonders schwer betroffen sind.
Privatsektor konzentrieren.

Viel von dieser Hilfe wird sich auf den

Diese Schritte werden dazu beitragen, jenen Un-

ternehmungsgeist zu fördern, der notwendig ist, um Vorteil aus den Handelsund Investitionsanteilen des Programms zu ziehen.
Viertens werden wir technische Hilfe und technische Ausbildung anbieten,
um dem Privatsektor der Länder des Beckens dabei zu helfen, die Möglichkeiten
dieses Programms auszuschöpfen.

Dies umfaßt Investitionsförderung, absatz-

fördernde Maßnahmen beim Export und Anstrengungen beim Technologietransfer so- 7 -

�Technologietransfer sowie Programme zur Erleichterung der Anpassung an größeren Wettbewerb und stärkere Produktion bei Landwirtschaft und Industrie.

Ich

beabsichtige, die aktive Teilnahme der Geschäftswelt an diesem gemeinsamen Unterfangen anzustreben.

Das Friedenskorps hat bereits 861 Freiwillige in Län-

dern des karibischen Beckens und wird besonderen Nachdruck auf die Rekrutierung von Freiwilligen legen, die Erfahrung bei der Entwicklung örtlicher Unternehmen haben.
Fünftens werden wir eng mit Mexiko, Kanada und Venezuela zusammenarbeiten
- die bereits alle selbst beträchtliche und innovative Programme in die Wege
geleitet haben -, um zu größeren internationalen Anstrengungen zur Koordinierung unserer eigenen Entwicklungsmaßnahmen mit ihren entscheidenden Beiträgen
und jenen anderer potentieller Geberländer wie Kolumbien

anzuregen. Wir wer-

den auch unsere europäischen, japanischen und anderen asiatischen Verbündeten
sowie die multilateralen Entwicklungsinstitutionen anregen, um ihre Hilfe für
diese Region zu erhöhen.
Angesichts unserer besonderen und geschätzten Beziehungen zu Puerto Rico
und den amerikanischen Jungferninseln werden wir sechsters besondere Maßnahmen
vorschlagen, um sicherzustellen, daß auch sie aus diesem Programm Vorteile
und Gedeihen ziehen. Mit ihrer starken Tradition in Demokratie und freiem
Unternehmertum können sie eine führende Rolle bei der Entwicklung des Gebietes spielen.
Dieses Programm wurde sorgfältig vorbereitet. Es stellt einen weitsichtigen Schritt unseres Volkes zu einer Zeit beträchtlicher wirtschaftlicher
Schwierigkeiten im eigenen Lande dar. Ich würde es nicht vorschlagen, wenn
ich nicht davon überzeugt wäre, daß es für die Sicherheitsinteressen dieser
Nation und dieser Hemisphäre von entscheidender Bedeutung ist. Die Energie,
die Zeit und die Mittel, die wir bereitstellen, um jetzt bei der Entwicklung
unserer Nachbarn zu helfen, können dazu beitragen, weit größere Kosten an Geld
und an Menschenleben zu verhindern, die sich aus ihrem Zusammenbruch ergeben
würden.
Ein erstes Zeichen ist positiv.

Nach einem Jahrzehnt der rückläufigen

Einkommen und außergewöhnlich hoher Arbeitslosigkeit ist die neue Führung in
- 8 -

�Führung in Jamaika dabei, die Bürokratie abzubauen, unwirksame Kontrollen abzuschaffen und neue Investitionen anzuziehen.

Es wird weiterer Hilfe von außen

bedürfen, um Jamaika über Wasser zu halten, bis die Marktkrä'fte endlich wieder
mehr Produktion und Beschäftigung bringen - aber Jamaika leistet Arbeit für
die Freiheit.
Ich habe bisher hauptsächlich von den wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen für die Entwicklung gesprochen. Aber es gibt auch noch andere
Gefahren.

Eine neue Art von Kolonialismus geht heute durch die Welt und be-

droht unsere Unabhängigkeit.

Er ist brutal und totalitär.

Er kommt nicht aus

unserer Hemisphäre, aber er bedroht unsere Hemisphäre und hat auf amerikanischem
Boden Stellungen für die Expansion seiner kolonialistischen Ambitionen bezogen.
Die Ereignisse der letzten Jahre stellen überdeutlich zwei verschiedene
Wege der Zukunft dar, die für das Gebiet der Karibik möglich sind: Entweder
die Errichtung bzw. die Wiederherstellung gemäßigter, konstitutioneller Regierungen mit Wirtschaftswachstum und verbessertem Lebensstandard ; oder aber weitere Ausbreitung der politischen Gewalt von Seiten der extremen Linken und der
extremen Rechten, was zur Errichtung von Diktaturen und unvermeidlicherweise der
weiterem wirtschaftlichem Niedergang und menschlichem Leiden führen würde.
Die positive Möglichkeit wird durch jene zwei Drittel der Nationen dieses
Gebietes illustriert, die demokratische Regierungen haben. Die düstere Zukunft
wirft ihre Schaffen voraus durch die Armut und Unterdrückung in Castros Kuba,
durch den eisernen Griff der totalitären Linken in Grenada und in Nicaragua
sowie durch die sich ausweitende Unterstützung für gewaltsame Revolutionen in
Mittelamerika - begünstigt von der Sowjetunion, dirigiert von Kuba.
Die Beweise sind deutlich.

Nirgends in seiner ganzen eigennützigen Ge-

schichte haben sich die Versprechen des Kommunismus verwirklicht, überall hat
er vorübergehende wirtschaftliche Notlagen ausgenützt und verschlimmert, um
die Macht an sich zu reißen und dann die wirtschaftliche Entbehrung und die
Unterdrückung der Menschenrechte zu institutionalisieren.

In diesem Moment

gibt es weltweit sechs Millionen Menschen, die Flüchtlinge aus kommunistischen
Systemen sind.

Schon sind allein mehr als eine Million Kubaner vor der kom- 9 -

�der kommunistischen Tyrannei geflohen.
Unser Wirtschafts- und Sozialprogramm kann nicht funktionieren, wenn
unsere Nachbarn nicht ihre eigene wirtschaftliche und politische Zukunft in
Frieden selbst bestimmen können, sondern stattdessen ihre Mittel abgeleitet
werden,um importierten Terrorismus und bewaffneten Angriff zu bekämpfen.
Es kann keinen wirtschaftlichen Fortschritt geben, solange die Guerilla
systematisch Brücken, Bauernhöfe, Energie- und Transportsysteme abbrennen,
bombardieren und zerstören - und alles in der mutwilligen Absicht, die wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu verschlimmern, in der Hoffnung, das bereits leidende Volk zu radikalisieren.
Die friedlichen Entwicklungsversuche unserer karibischen Nachbarn werden
von&lt;den Feinden der Freiheit gefürchtet, weil ein Erfolg dieser Versuche die
Botschaft des Radikalen hohl klingen lassen würde.

Kuba und seine sowjetischen

Helfershelfer wissen das. Seit 1978 trainiert, bewaffnet und dirigiert Havanna
die Extremisten des Guerillakrieges und der Wirtschaftssabotage als Teil einer
Kampagne, die Unruhe in Mittelamerika und in der Karibik auszunützen.

Ziel

ist, marxistisch-leninistische Diktaturen im Stile Kubas zu errichten.

Im

vergangenen Jahr erhielt Kuba 66 000 Tonnen Kriegsmaterial aus der Sowjetunion
- mehr als in jedem anderen Jahr seit der Raketenkrise des Jahres 1962.

Im

vorigen Monat brachte das Eintreffen zusätzlicher hochtechnisierter MIG-23Flugzeuge Kuba ein Arsenal von mehr als 200 sowjetischen Kampfflugzeugen - weit
mehr als die Bestände an Militärflugzeugen aller anderen Länder des karibischen
Beckens zusammengenommen.

Seit nahezu zwei Jahren dient Nicaragua als Platt-

form für geheime militärische Operationen.
die Guerilla

Ober Nicaragua werden Waffen an

in El Salvador und Guatemala geschmuggelt.

Die Regierung Nicaraguas gibt sogar die gewaltsame Umsiedlung von etwa
8500 Miskito-Indianer zu, und wir haben eindeutige Beweise dafür, daß seit
Ende 1981 zahlreiche indianische Dörfer niedergebrannt worden sind und Männer,
Frauen und Kinder getötet wurden.
Die nicaraguanische Junta übermittelte der 0AS im Jahr 1979 schriftliche
Garantien, daß sie beabsichtige, die Menschenrechte zu respektieren und freie
- 10 -

�und freie Wahlen abzuhalten.

Zwei Jahre später kann man diese Verpflichtungen

bewerten - nämlich an der Verschiebung der Wahlen bis 1985, an den Unterdrükkungsmaßnahmen gegenüber freien Gewerkschaften und Parteien, den Medien und den
Minderheiten und in Mißachtung aller internationalen Regeln an dem fortgesetzten Export von Waffen und Subversionen in die benachbarten Länder.
Im Gegensatz dazu begann vor zwei Jahren die Regierung von El Salvador
mit einer beispiellosen Landreform.

Sie hat die Geurilla wiederholt aufgefor-

dert, auf Gewalt zu verzichten und am demokratischen Prozeß mitzuarbeiten an einer Wahl, in der die Bevölkerung von El Salvador über die Regierung entscheiden könnte, die sie vorzieht.

Unser eigenes Land

sowie andere amerika-

nische Länder haben im Rahmen der OAS einen solchen Kurs gefordert.
hat sich geweigert.

Und mehr noch:

Die Guerilla

sie droht denjenigen, die sich an einer

solchen Wahl beteiligen, Gewalt und Tod an.
Kann den »irgend etwas die wahre Art derjenigen noch deutlicher machen,
die vorgeben, sogenannte Befreiungskriege zu unterstützen?
Mit Hilfe einer entschlossenen Propagandakampagne ist versucht worden,
viele in Europa und fraglos auch viele in den USA zu täuschen.

Einfach gesagt,

die Guerilla, durch Kuba bewaffnet und unterstützt, versucht dem Volk von El
Salvador eine marxistisch-leninistische Diktatur als Teil eines größeren imperialistischen Planes aufzuerlegen.
Wenn wir nicht unverzüglich und entschlossen handeln, um die Freiheit zu
verteidigen, dann werden aus den Ruinen der heutigen Konflikte neue Kubas entstehen.

Wir werden uns weiteren totalitären Regimen gegenübersehen; weiteren

Regimen, die militärisch an die Sowjetunion gebunden sind; weiteren Regimen,
die die Subversion exportieren; weiteren Regimen, die zwar inkompetent aber
doch so totalitär sind, daß die einzige Hoffnung ihrer Bürger die ist, eines
Tages in ein anderes amerikanisches Land auswandern zu können, wie sie in den
letzten Jahren in die USA gekommen sind.
Ich glaube, daß eine freie und friedliche Entwicklung in unserer Hemisphäre
von uns verlangt, den Regierungen, die sich einer Aggression von außen gegenübersehen bei ihrer Verteidigung zu helfen.
- 11 -

Aus diesem Grunde werde ich den

�ich den Kongreß ersuchen, vermehrte Sicherheitsunterstützung zu gewähren, um
befreundeten Ländern bei der Abwehr solcher Kräfte zu helfen, die ihre Chancen auf wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt und politische Demokratie
zerstören würden. Seit 1947 wurden durch den Vertrag von Rio gegenseitige
Verteidigungsverantwortungen geschaffen, die mit unseren gemeinsamen demokratischen Idealen verbunden sind.

Diesen Verantwortungen nachzukommen, ist

umso wichtiger, wenn eine Macht von außen Terrorismus und Aufruhr unterstützt,
um jede Möglichkeit für Freiheit und Demokratie zu zerstören.

Unsere Freunde

und unsere Gegner sollten verstehen, daß wir alles, was klug und notwendig ist,
tun werden, um Frieden und Sicherheit im karibischen Raum sicherzustellen.
Angesichts der Bedrohung von außen ist die Sicherheit für die Länder in
der Karibik und Mittelamerika kein Selbstzweck, aber sie ist ein Mittel zum
Zweck.

Sie ist ein Mittel zum Aufbau repräsentativer und verantwortungsvoller

Institutionen, zur Stärkung des Pluralismus und freier privater Institutionen
- Kirchen, freie Gewerkschaften und eine unabhängige Presse. Sie ist ein Mittel zur Stärkung der grundlegenden Menschenrechte, die die Feinde der Freiheit
zerstören möchten.

Vor allem in der Karibik sind wir bestrebt, diese Werte

und Prinzipien zu schützen, die das stolze Erbe dieser Hemisphäre bilden.

Ich

habe bereits unsere Unterstützung für die kommenden Wahlen in El Salvador zum
Ausdruck gebracht. Wir unterstützen ebenfalls nachdrücklich die mittel amerikanische demokratische Gemeinschaft, die im Januar durch Costa Rica, Honduras
und El Salvador gebildet wurde.

Die Vereinigten Staaten werden eng mit anderen

interessierten Demokratien innerhalb und außerhalb dieses Raumes zusammenarbeiten, um unsere gemeinsamen demokratischen Werte zu bewahren und zu fördern.
Wir werden jedoch nicht dem Beispiel Kubas folgen bei dem Versuch, mensch- ,
liehe Probleme durch nackte Gewalt zu lösen. Unsere Wirtschaftshilfe, einschließlich der Zusätze, die Teil des soeben von mir dargelegten Programms
sind, ist über fünfmal größer als der Betrag unserer Sicherheitsunterstützung.
Der Schwerpunkt unserer Hilfe liegt darauf, unseren Nachbarn bei der Verwirklichung der Freiheit, der Gerechtigkeit und des wirtschaftlichen Fortschritts
zu helfen.
Wir sind
- 12 -

�Wir sind bestrebt, niemanden auszuschließen.

Einige haben sich jedoch

von ihren amerikanischen Nachbarn und ihrem Erbe abgewandt.

Sie sollten zu den

Traditionen und den gemeinsamen Werten dieser Hemisphäre zurückkehren, und wir
alle werden sie willkommen heißen.

Die Entscheidung liegt bei ihnen.

Als ich mit Freunden und Mitbürgern hier in den USA über diese Probleme
gesprochen habe, bin ich oft gefragt worden: Warum kümmert ihr euch darum?
Warum sollten die Probleme Mittelamerikas oder der Karibik uns betreffen? Warum sollten wir versuchen zu helfen?

Ich sage ihnen dann, wir müssen helfen,

weil die Menschen in der Karibik und in Mittelamerika in einem fundamentalen
Sinne auch Amerikaner sind.

Freiheit ist unser gemeinsames Geschick, und die

Freiheit kann nicht überleben, wenn unsere Nachbarn im Elend und in der Unterdrückung leben.

Kurz, wir müssen dies tun, weil wir es für einander tun.

Der Appell unserer Nachbarn um Hilfe ist an uns alle gerichtet: Hier in
diesem Lande an die Regierung, an den Kongreß und an Millionen von Amerikanern
von Miami bis Chicago, von New York bis Los Angeles. Das ist nicht das Problem
Washingtons, es ist das Problem aller Menschen in diesem großen Land und aller
anderen auf dem amerikanischen Kontinent - der großen und souveränen Republiken
Nordamerikas, des karibischen Beckens und Südamerikas.
Die westliche Hemisphäre gehört nicht irgend einem von uns - wir gehören
zur westlichen Hemisphäre.

Wir sind sowohl im historischen als auch im geo-

graphischen Sinne Brüder.
Ich bin mir bewußt, daß die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit eine
gute Nachbarschaftspolitik betrieben haben.
aber sie genügt heute nicht mehr.

Diese Politik hat Gutes gezeitigt,

Ich bin überzeugt, daß mein Land jetzt be-

reit ist, darüber hinauszugehen, nur ein guter Nachbar zu sein, sondern auch
ein treuer Freund und Bruder in einer Gemeinschaft zu werden, die genauso anderen wie uns gehört.

Das, und nicht Kanonen, ist der entscheidende Schlüssel

zu Frieden und Sicherheit für uns alle.
Wir müssen uns fragen, warum es so lange gedauert hat, bis wir die uns
von Gott gegebene Möglichkeit erkannt haben.

Diese beiden großen Landmassen

sind reich an praktisch allem, was wir benötigen.
- 13 -

Gemeinsam können unsere

�können unsere mehr als 600 Millionen Menschen entwickeln, was unentwickelt
ist, können sie Not und Armut beseitigen, können sie der Welt beweisen, daß
unsere vielen Nationen im Frieden leben können - eine jede mit ihren eigenen
Sitten, ihrer Sprache und ihrer Kultur, aber mit einer gemeinsamen Liebe für
die Freiheit und einer Entschlossenheit, den Ideologien von außen zu widerstehen, die uns zurück in den Kolonialismus führen würden.
Wir kehren zu einer gemeinsamen Vision zurück.

Vor fast 100 Jahren

erklärte ein großer Bürger der Karibik und des amerikanischen Kontinents,
Jose Marti, warnend, daß "die Menschheit sich zusammensetzt aus zwei Arten
von Menschen - jenen, die lieben und schaffen, und jenen, die hassen und zerstören."
Mehr als jemals zuvor haben heute die mitfühlenden und kreativen Völker
des amerikanischen Kontinents die Möglichkeit, zusammenzustehen, Ungerechtigkeit, Haß und Unterdrückung zu besiegen und ein besseres Leben für den gesamten Kontinent zu schaffen.
Ich habe immer geglaubt, daß diese Hemisphäre ein besonderer Platz mit
einem besonderen Schicksal sei.

Ich glaube, daß wir das Leuchtfeuer der

Hoffnung für die gesamte Menschheit sein sollten.
Mit Gottes Hilfe können wir dies erfüllen; wir können eine friedliche,
freie und blühende Hemisphäre schaffen, die sich auf gemeinsame Ideale stützt
und von Pol zu Pol in einem Gebiet reicht, das wir stolz die Neue Welt nennen.

- 14 -

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El

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Februar 1982

8

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT REAGANS VOM 18. FEBRUAR 1982
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - US-Präsident Ronald Reagan ging am 18. Februar 1982
in einer landesweit ausgestrahlten Pressekonferenz auf eine ganze Bandbreite
innen- und außenpolitischer Fragen ein, wobei auch die Themen Polen und El
Salvador sowie die amerikanische Wirtschaft zur Sprache kamen.
Die wesentlichen Auszüge der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
PRÄSIDENT REAGAN:

"Wie Sie bereits gehört haben, möchte ich zunächst

eine Eröffnungserklärung abgeben und anschließend einen Kommentar.
In meiner Botschaft über die Lage der Nation sagte ich, die Zeit sei
gekommen, das Unkontrollierbare bei den davonlaufenden öffentlichen Ausgaben
zu kontrollieren.

Und ich verwies darauf, daß ich zur Erreichung dieses Zieles

weitere Maßnahmen ankündigen würde.

Heute mache ich eine solche Ankündigung.

Und die Notwendigkeit für einen solchen Schritt ist eindeutig.

Unsere Regie-

rung gibt Geld in einem Maße aus, das unerträglich, wenn nicht gar unbegreiflich ist. Nahezu zwei Milliarden Dollar pro Tag, 1 400 000 Dollar pro Minute
und etwa 23 000 Dollar pro Sekunde; wenn ich genau schätzen könnte, wie lang

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�wie lang ich gebraucht habe, um hierher zu kommen, würde ich Ihnen sagen,
wieviel in dieser Zeit ausgegeben wurde - aber dann würden Sie womöglich
herausfinden, daß ich falsch gerechnet habe.
Die Zinsen für unsere öffentlichen Schulden sind höher als der gesamte
Haushalt mancher Länder - und es ist einfach nicht richtig, daß wir Geld vergeu- den, für das unsere Enkel verantwortlich gemacht werden. Wir müssen diesen
Prozeß umkehren.
Als wichtigen Schritt in diese Richtung kündige ich die Einsetzung einer
Kommission von Privatleuten zur Überprüfung der Ausgaben der Bundesregierung
an.

Diese präsidentielle Initiative wird von hervorragenden Experten aus dem

privaten Sektor durchgeführt.

Sie werden mir direkt Bericht erstatten, und ich

habe klargestellt, daß ich von ihnen bei der Überprüfung der Effizienz der Regierung erwarte, daß sie die Ärmel hochkrempeln und Verschwendung und Ineffizienz aussondern, wo immer sie sich in Bundesbehörden finden lassen.
Dies wird nicht nur einer von jenen hübsch dekorierten Ausschüssen sein.
Wir wollen zur Sache kommen, und wir wollen Ergebnisse sehen.

Die Mitglieder

dieser Kommission werden verantwortlich sein für eine gründliche Überprüfung
der gesamten Regierungsexekutive.

In Zusammenarbeit mit dem Generalinspekteur

und dem Rat für Integrität und Effizienz, die eine Innenansicht davon gaben,
wie wir das Management der Exekutive verbessern können, wird diese Kontrolle
vom privaten Sektor aus die objektive Sicht von außerhalb erbringen, wie die
Bundesausgaben verwaltet und verringert werden können.
Besondere Betonung wird auf der Beseitigung von Überschneidungen, von
Bürokratismus und von doppelter Arbeit liegen, auf der Auffindung unwichtiger
Verwaltungsabläufe und auf der Verstärkung der Verwaltungseffizienz.

In we-

nigen Tagen werde ich die Namen jener Experten bekanntgeben, die als Vorsitzender und als Mitglieder des Exekutivausschusses dieser Überprüfung dienen werden.

Jeder von ihnen wird eine erfahrene Persönlichkeit auf seinem Gebiet sein.

Alle werden sie in dieses entscheidende Unterfangen ihr Fachwissen und eine
Einstellung einbringen, die auf sinnvolle Ergebnisse abzielt.
- 2 -

Und alle werden

�alle werden unbezahlt arbeiten.
Unsere Bewertung wird mit den Ministerien für Verteidigung, für Gesundheit und für Wohnungs- und Städtebau beginnen.

Reihum werden dann andere

Ministerien und die wichtigsten Ämter im einzelnen bewertet.

Dies wird die

umfassendste Anstrengung ihrer Art sein, die je unternommen wurde, um Steuergelder zu sparen und die Arbeit der Regierung zu verbessern.
Und nichts weniger hat das amerikanische Volk verdient. Es ist sein
Geld, das die Regierung in solch riesigen Beträgen ausgibt - zu oft, zu unklug und zu verschwenderisch. Ich werde den Kongreß um seine Mitarbeit dabei ersuchen, die Empfehlungen dieses Gremiums in die Praxis umzusetzen.
Die Regierung ist zu rasch gewachsen. Was wirtschaftlich gesehen für das
amerikanische Volk auf dem Spiel steht, ist zu wichtig dafür, daß bei dieser
lebenswichtigen Frage so weitergemacht wird, als sei nichts geschehen.
Wir alle stehen vor einem Wirtschaftsproblem, das sich über viele Jahre
hinweg gebildet hat, und müssen nun alle zusammenarbeiten, um es zu lösen.
Und nun werde ich, wenn Sie nichts dagegen haben, eine Anmerkung zur
Wirtschaft machen.
Vor einem Jahr trat ich vor das amerikanische Volk, um ihm zu sagen, daß
wir die schlimmste Wirtschaftslage in einem halben Jahrhundert geerbt hatten.
Inflation und Zinsen lagen beide in gewaltiger Höhe, die Arbeitslosigkeit war
viel zu groß, und die Wirtschaft schien nahezu zu stagnieren.
Seither haben wir an vielen Fronten Fortschritte gemacht.

Die Inflation,

unser Feind Nummer eins, ging im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent zurück
und fällt noch immer.
Mit der Hilfe des Kongresses begannen wir außerdem, die Grundlagen für ein
anhaltendes Wirtschaftswachstum zu schaffen.

Mit der Hilfe des Kongresses wer-

den wir dabei weitermachen.
Aber es

�Aber es ist offenkundig, daß wir es noch nicht ganz geschafft haben.
Es liegen noch einige schwierige Tage vor uns. Aber zumindest sind wir aus
dem Schlimmsten heraus.
Eine meiner größten Sorgen derzeit sind die hohen Zinsen. Sie schaden
jedem - denjenigen, die sich Geld leihen müssen, den Familien, die ein neues
Haus kaufen wollen, Unternehmen, die sich nach oben kämpfen wollen.

Die ho-

hen Zinsen stellen heute die größte einzelne Bedrohung einer gesunden, dauerhaften Wiederbelebung dar. Die hohen Zinssätze spiegeln zwei Anliegen der
Finanzwelt wider.

Die einen befürchten, daß die Bundesbank wieder zu der in-

flationären Geldpolitik der Vergangenheit zurückkehrt.

Die anderen sorgen sich

darum, daß diese Administration immer größere Haushaltsdefizite tolerieren
wird.
Ich möchte hier und heute klarstellen, daß weder diese Administration
noch die Bundesbank eine Rückkehr zu der Fiskal- und Währungspolitik der Vergangenheit erlauben werden, die die gegenwärtigen Bedingungen geschaffen hat.
Im Laufe des vergangenen Jahres nabe ich mich mehrmals mit dem Bundesbankvorsitzenden Volcker getroffen.

Wir trafen uns erneut Anfang dieser Woche.

Ich habe Vertrauen in die angekündigte Politik der Bundesbank.
Die Administration und die Bundesbank können dazu beitragen, die Inflation
und die Zinsen rascher durch Zusammenarbeit zu senken als dadurch, daß sie in
verschiedene Richtungen gehen.
Diese Administration wird stets die politische Unabhängigkeit der Bundesbank unterstützen.
Wir unterstützen auch die Geldwachstumsziele der Bundesbank für 1982, die
in vollem Einklang mit den Wirtschaftsprojekten der Administration für das
kommende Jahr stehen. Gleichzeitig bin ich für die Notwendigkeit einer verantwortungsbewußten Fiskalpolitik offen, um eine feste, antiinflationäre
Geldpolitik zu vervollständigen. Ich werde die Möglichkeiten meines Präsi- 4 -

�meines Präsidentenamtes dafür einsetzen, die Defizite während der nächsten
Jahre niedrigzuhalten.

Ich bin zuversichtlich, daß durch den Verfolg eines

weitsichtigen Kurses der soliden Fiskal- und Geldpolitik die Inflation weiter
zurückgehen wird, die Zinsen sinken und wir uns wieder eines anhaltenden
Wirtschaftswachstums erfreuen werden.

Und nun, ...

können Sie die erste Fra-

ge stellen."
Neben wirtschaftlichen und zahlreichen innenpolitischen Fragen behandelte der Präsident die Lage in El Salvador, Polen, und dem Nahen Osten.
Die wesentlichen Fragen und Antworten dazu haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Herr Präsident, der Außenminister hat erklärt, daß die Vereinigten Staaten alles Notwendige tun werden, um einen Sieg der Guerilla in El
Salvador zu verhindern, und daß die Stimmung des amerikanischen Volkes nicht
unbedingt unseren Kurs dort bestimmen sollte. Stimmen Sie mit dieser Erklärung überein, und unter welchen Umständen würden Sie Kampftruppen nach El
Salvador entsenden?
ANTWORT:

Hier kommen wir auf ein Gebiet, auf dem es alle Arten von Op-

tionen gibt - wirtschaftliche, politische, sicherheitspolitische usw. - die
in Situationen wie dieser angewandt werden können.

Und wie ich schon so oft

gesagt habe, ich bin einfach nicht der Meinung, daß man über diese Opticien
vorher reden sollte - über das, was man tun könnte oder was man nicht tun
würde - mit Ausnahme dessen, daß ich sagen möchte - weil es hier offensichtlich einige Mißverständnisse gibt - daß keine Pläne bestehen, amerikanische
Kampftruppen zum Einsatz irgendwo hin auf der Welt zu schicken...
FRAGE:

Herr Präsident...

42 Kongreßmitglieder haben um eine Zusammen-

kunft mit Ihnen gebeten, um Farmprobleme mit Ihnen zu besprechen, und sie
haben gerade erfahren, daß Sie keine Zeit hätten, sie zu empfangen.
Unterstützen Sie die marktorientierte Agrarpolitik, die Ihr Landwirtschaftsminister unterstützt, und würden Sie ein Getreideembargo in Erwägung ziehen,
- 5 -

�Erwägung ziehen, wenn sich die Lage in Polen oder anderswo verschlechtert?
ANTWORT:

Ich habe immer wieder erklärt, daß die einzige Weise, wie ich

ein Getreideembargo ins Auge fassen würde, im Rahmen eines Gesamtembargos
wäre.

Wir werden nicht erneut einen,meiner Ansicht nach,Fehl er begehen und

einen Sektor unserer Wirtschaft, die Landwirtschaft, bestrafen, indem wir
nur Getreide als Embargomittel benutzen.
FRAGE:

Wir werden das also nicht tun...

Sir, es nähert sich ein weiteres Fälligkeitsdatum der Zinszahlun-

gen für die Anleihen Polens im Westen.

Im vorigen Monat hat Ihre Regierung

für Polen gebürgt, indem sie westlichen Banken die Zinsen zahlte.

Werden

Sie das wieder tun?
ANTWORT:
werden.

Ich weiß nicht, wie die Lage dann sein wird oder was wir tun

Aber wir haben nicht für Polen gebürgt, indem wir das taten.

Wir

haben unsere Hebelwirkung behalten, weil Zahlungsunfähigkeit große finanzielle
Belastungen für viele Menschen und für viele Institutionen im Westen bedeuten
würde.

Zahlungsunfähigkeit ist praktisch wie Bankrott, und das würde bedeuten,

daß sie (die Polen) ihre Schulden los wären.

Und wir waren der Ansicht, daß

wir das verhindern könnten und daß wir das als sinnvolle Alternative anwenden
könnten.

Aber bei dem jetzigen Stand der Dinge würde eine Zahlungsunfähigkeit

Polen in eine noch größere Abhängigkeit von der Sowjetunion bringen, und das
wollen wir sicherlich nicht...
FRAGE:

Planen Sie, Jordanien Hawk-Raketen und F-16-Kampfflugzeuge zum

Kauf anzubieten, und wenn ja, welche zusätzlichen Angebote werden Sie Israel
machen, um einen Ausgleich zu schaffen?
ANTWORT: Im Gegensatz zu dem, was in den letzten Wochen behauptet und
hinausposaunt wurde, kehrte Verteidigungsminister Weinberger zurück, ohne
daß irgendwelche Ersuchen um die Lieferung solcher Waffen an ihn gestellt
wurden.
Es gibt

�\
&gt;

Es gibt also keinen definitiven Plan. Wenn ein Ersuchen eingeht, werden wir es prüfen. Aber ich habe Ministerpräsident Begin Zusicherungen gegeben, weil die beiden Reisen des Verteidigungsministers und des Außenministers in so übertriebenem Maße dargestellt wurden - sie haben ihre Tätigkeit koordiniert.

Sie standen während dieser Reisen miteinander in Verbindung,

und es gibt keine Unterschiede in ihrer Politik.

Und ich habe Ministerpräsi-

dent Begin versichert, daß sich unsere Einstellung gegenüber Israel und unsere
Sorge um das Wohlergehen Israels nicht geändert haben.
FRAGE: Ich möchte eine Zusatzfrage stellen, wenn ich darf. Gibt es
denn keine wirksame Methode, dieser ständigen Aufrüstung im Nahen Osten zu
begegnen?
ANTWORT: Sicherlich, und das bedeutet, die Politik fortzusetzen, die
wir betreiben, nämlich dort fortzufahren, wo Camp David aufgehört hat, und
im Nahen Osten einen Frieden zustande zu bringen. Dann wäre die einzige
Basis für Rüstungen für alle Beteiligten die Rüstung gegen eine Bedrohung
von außen, die etwa von der Sowjetunion ausgehen könnte. Das ist also das,
was wir versuchen; was wir mit unserer Nahostpolitik versuchen, ist, vor allem die gemäßigteren arabischen Staaten davon zu überzeugen, sich an dem
friedensschließenden Prozeß mit Israel zu beteiligen und Israels Recht als
Nation anzuerkennen.

+ + + + +

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Dokumentation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Februar 1982

8

INTERVIEW DES US-AUSSENMINISTERS MIT BELGISCHEN JOURNALISTEN
- Sowjets brauchen Anreiz zu Abrüstungsverhandlungen -

WASHONGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig hat
in einem Interview mit belgischen Journalisten am 17. Februar 1982 erneut
darauf hingewiesen, daß die Sowjets einen Anreiz für Verhandlungen über eine
Verringerung der nuklearen Rüstungen brauchten und die Vereinigten Staaten
aus diesem Grunde ihre eigene nukleare Rüstung starken müßten.
Haig äußerte sich weiter auf Fragen zu den Entwicklungen in Polen, der
Einheit des Atlantischen Bündnisses und zur Friedensbewegung in Ostdeutschland.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
Frage: Herr Außenminister, es liegt auf der Hand, daß unsere Fragen von
einem europäischen Gesichtspunkt ausgehen werden. Ein Teil der Gespräche hier
mit den belgischen Ministern, die auch die EG vertreten, drehte sich um die
unterschiedliche Haltung der amerikanischen und der europäischen Politik.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�europäischen Politik. Worüber sind die Amerikaner mit Europa unzufrieden?
Antwort: Ich möchte das Verhältnis wertmäßig nicht als Unzufriedenheit
bezeichnen. Ich glaube, es hat sich in den letzten Monaten eine Reihe von
Problemen herausgebildet, die vielleicht mit einigen der Friedensdemonstrationen und dem Mittelamerika-Problem beginnen, wo es unterschiedliche Betrachtungsweisen und Interessen gibt.
Dann bestehen die mit der Polenkrise zusammenhängenden Probleme, die
meiner Meinung nach bisher außerordentlich gut angepackt worden sind, wobei
große Einigkeit auf beiden Seiten des Atlantik herrschte. Und drittens, und
das ist wohl am wichtigsten, erleben wir einen ziemlich ernsten wirtschaftlichen Niedergang auf beiden Seiten des Atlantik, und auf diesem Gebiet herrscht,
wie das oft der Fall ist, wenn sich Menschen wirtschaftlich schaden, eine Neigung, sich nach innen zu wenden und mit protektionistischen Maßnahmen zu liebäugeln - direkt oder indirekt.
Und gelegentlich ist es so, daß diese Tendenzen politische Untertöne erhalten, vor denen wir uns in den kommenden Zeiten äußerst hüten müssen.
Frage: Sie haben wirtschaftliche Probleme erwähnt. Vor kurzem hat der
französische Minister Jobert gewarnt, daß 1982 das Jahr der Konfrontation
in dieser Hinsicht werden könnte. Haben Ihre Gespräche mit Tindemans und
Martens das Gefühl gegeben, daß das eine realistische Einschätzung wäre?
Antwort: Ich möchte meine Einstellung zu diesem Thema nicht auf Herrn
Jobert zurückführen - den ich sehr gut kenne - »sondern vielmehr auf meine
eigenen Ausführungen auf der kürzlichen Ministertagung des Nordatlantikrates zurückkommen, wo ich den anderen Mi nistern persönlich dargelegt habe,
daß nach meiner Meinung das kommende Jahr (1982) ein Jahr der wirtschaftlichen Krise im Bündnis sein werde und daß dies eine solche Bedeutung gewinnen
werde, daß es starke politische Untertöne bekommen würde.
Und so

�Und so gesehen teile ich die Auffassung von Herrn Jobert.
Frage: Sie haben auch von Gründen für eine Spaltung, Unstimmigkeit,
unter den Verbündeten gesprochen. Und dann geht es um jene Sanktionen gegen
Polen und die Sowjetunion. Wir wüßten sehr gerne, ob die Vereinigten Staaten
mit diesen Sanktionen wehtun wollen, daß die andere Seite sie wirklich spürt,
oder ob diese Sanktionen nur ein psychologischer Trick sind, um Druck auszuüben.
Antwort: Sie sind weder das eine noch das andere. Sie bedeuten natürlich
ein sehr wichtiges politisches Signal. Im Falle Polens, wo die Kreditsituation so ernst ist, haben sie eine sehr bedeutsame praktische Auswirkung auf
die polnische Regierung. Und ich hoffe, sie bereiten für diese Regierung
einen Anreiz, die drei Bedingungen des NATO-Bündnisses und auch der Zehn
(EG-Staaten) zu erfüllen.
Was andere von Sanktionen betroffene Gebiete angeht, so sind die Konsequenzen eindeutig mehr politischer als pragmatischer Natur im Sinne eines
Drucks. Auf der anderen Seite gibt es noch andere Sanktionen, die in der
kommenden Zeit in Betracht gezogen werden können oder sollten - ja nach
der Entwicklung in Polen selbst oder bezüglich der sowjetischen Haltung hinsichtlich dieser Situation.
Frage: Herr Außenminister, Sie sagten kürzlich, daß Sie persönlich gegen
das Gasgeschäft mit der Sowjetunion seien, daß Sie jedoch dagegen seien, daß
Differenzen wegen dieses Geschäfts die Einigkeit des Bündnisses hinsichtlich
Polens sprengten. Es scheint, daß einige Ihrer Kollegen nicht ganz genau das
gleiche sagen und meinen, das Gasgeschäft sei sogar wichtiger als die Einigkeit des Bündnisses.
In Europa haben wir manchmal den Eindruck, daß diese Unterschiede den
Zusammenhalt der amerikanischen Außenpolitik in Frage stellen könnten. Wir
hätten gerne Ihre Meinung dazu gehört.

Antwnrt-

�Antwort: Lassen Sie mich zunächst ganz klar sagen, daß die Vereinigten
Staaten von Anfang an gegen das Gasröhrengeschäft waren. Ich erinnere mich
noch, daß ich schon auf meinem NATO-Posten besorgt darüber war - aus der
Angst heraus, der Westen könnte bezüglich seiner lebenswichtigen Energieressourcen immer mehr von der Sowjetunion abhängig werden und damit in Zeiten der Krise anfällig für Erpressung.
Diesen Standpunkt haben wir, diese Administration, im Sommer vorigen
Jahres auf dem Wirtschaftsgipfel in Ottawa ganz klar vertreten. Damals haben
wir versucht, unsere europäischen Partner an einigen alternativen Lösungen
zu interessieren. Und wir haben einige zusammengefaßt und sind nach Europa
gegangen und haben versucht, unsere Partner dafür zu interessieren. Leider
war unser Paket

nicht attraktiv genug, um das in Gang befindliche Projekt

zum Entgleisen zu bringen oder zu modifizieren, das immerhin schon seit 1976
zumindest im Gespräch und im Verhandlungsstadium ist.
Nun bin ich der Auffassung, - und diese Auffassung vertrete ich nachdrücklich, und ich weiß, daß der Präsident dieser Auffassung ist - daß es
schließlich und endlich der Außenminister und der Präsident sind, die unsere
Außenpolitik formulieren und artikulieren. Ich darf also meinen europäischen
Kollegen versichern, daß es falsch wäre anzunehmen, wir würden die Polenkrise
dazu ausnutzen, um das Röhrengeschäft zum Entgleisen zu bringen oder zu unterbrechen.
Unsere Ablehnung steht auf ihren eigenen beiden Beinen. Sie hat sich nicht
geändert, und wir werden weiterhin in Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten
unser Bestes tun, um sie - die damit zu tun haben - zu überzeugen, daß andere
Alternativen ihren Sicherheitsinteressen besser dienen.
Frage: Aber unter den heutigeiUmiänden, Herr Außenminister, bedeutet die
Ablehnung des Erdgasprojekts in Europa mehr eine Sanktion gegen Europa als
eine Sanktion gegen die Sowjetunion.
Antwort:

�Antwort: Hier besteht natürlich ein Zusammenhang. Bei einigen der Entscheidungen beispielsweise, die der Präsident am 30. Dezember (1981) bezüglich des Technologietransfers getroffen hat, geht es auch um Ausrüstungen
für die Rohrleitung selbst, wie etwa Turbinen. Und das hat in Europa beträchtliche Probleme geschaffen, wo Kontrakte unterzeichnet wurden und Konventionalstrafen drohen. Wir werden darüber sprechen müssen, und wir senden ein Team
nach Europa, das, wie ich hoffe, in der nächsten Woche eintreffen wird, um
zu sehen, was in dieser Angelegenheit ausgearbeitet werden kann.
Frage: Ich komme auf einen anderen Aspekt der Differenzen zwischen Europa
und den Vereinigten Staaten zurück. Warum halten Sie an einer Politik der Konfrontation fest? Was halten Sie von der europäischen Praxis, wie sie von unseren Mi nistern vorgeschlagen wird? Ich glaube, man muß lokale Konflikte mehr
als Konflikte mit lokalen und internationalen Komponenten sehen als sie einfach auf einen Ost-West-Konflikt zu beschränken.
Antwort: Ich gehe davon aus, daß Sie, wenn Sie von einer Politik der Konfrontation sprechen, dies auf das Verhältnis zur Sowjetunion beziehen.
- Ja Antwort: Erstens glaube ich, daß es wichtig ist, sich an die Erfahrungen
der letzten fünf Jahre zu erinnern. Wie Sie wissen, habe ich vor einigen Ja'ren bereits einer Administration angehört, die sich sehr stark für das Konzept
der Entspannung eingesetzt hat, für die Verbesserung der Ost-West-Beziehungen,
und auch für die Übereinkommen von Helsinki und die Schlußakte selbst.
Aber was ist alles Unglückliches in dem Zeitraum seit 1976 geschehen angefangen mit Angola, weiter mit Äthiopien, mit Südjemen, Nordjemen, Kampuchea,
dann die erste Krise in Afghanistan, als wir es versäumten, der Herausforderung
entgegenzutreten, und damit, wie ich meine, die Sowjetunion zur Fehlkalkulation
und direkten Intervention ermutigten. Und jetzt stehen wir vor der Lage in Polen, für die die Sowjetunion die Hauptverantwortung trägt - das ist der kollektive Standpunkt von uns allen.

n

Dllccon

�Den Russen und unseren Beziehungen zu ihnen ist eindeutig am besten gedient, wenn sie die Grenzen der westlichen Toleranz kennen. Und diese Grenzen sind, so meine ich, vernünftig gesehen, seit langem überschritten. Für
die sowjetische Führung ist die Zeit gekommen, in der Abwicklung ihrer internationalen Angelegenheiten größere Zurückhaltung zu zeigen und zu üben - ob
in der westlichen Hemisphäre, wo sie Kuba in dem vergangenen Jahr dreimal so
stark aufgerüstet haben wie in dem davorliegenden Jahr und stärker als in irgendeinem Jahr seit der Kuba-Krise von 1962.
Ich glaube also, daß die Geschichte Westeuropa

und die Vereinigten Staa-

ten, die in diesem Jahrhundert in zwei Konflikten gemeinsame Opfer gebracht
haben, die Lektion der Klugheit und die Notwendigkeit gelehrt haben, daß keinerlei Mißverständnis über die Grenzen der westlichen Toleranz aufkommen
dürften.
Frage: Ich möchte, wenn ich darf, bei der globalen Sicht bleiben. Ein
Aspekt dieser Sicht scheint das Prinzip der Verknüpfung zweier Dinge zu sein,
die ich so difinieren möchte, daß die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten dadurch bestimmt werden sollen, wie sich die Sowjets
überall in der Welt verhalten.
Und an diesem Prinzip wird theoretisch weiter festgehalten. Aber wenn
wir erleben, daß beispielsweise nach den Ereignissen in Polen das Getreideembargo, das die mächtigste Waffe zu sein scheint, nicht angewandt wird, dann
fragen sich die Leute, üb die Verknüpfung eigentlich mehr ist als nur Worte.
Antwort: Lassen Sie mich zunächst die Frage des Getreideembargos beantworten. Das Getreideembargo hat nicht funktioniert. Das Getreideembargo war
ein Fehlschlag. Es hat der Sowjetunion nicht die Ressourcen vorenthalten,
die man glaubte ihnen damit vorenthalten zu können. Warum? Weil die anderen
Getreideerzeuger sich nicht angeschlossen haben und weil andere Nationen als
Vermittler in sogenannten Verkäufen aus Drittländern dienten. Und amerikanisches Mehl und amerikanischer Weizen wurden in andere Nahrungsmittel verarbei-

- 6 -

�Nahrungsmittel verarbeitet und an die Sowjetunion weitergeleitet
Das bedeutet jedoch keinen Widerspruch, was das Thema Verknüpfung angeht.
Aber ich halte es für wichtig, daß Ihre Zuschauer nicht glauben, daß wir die
Verknüpfung als eine mechanische Einrichtung betrachten, durch die in jeder
Ecke der Welt alles global glücklich aussieht, damit wir in jeder Ecke der
Welt unseren Geschäften nachgehen. So ist das nicht.
Aber es geht hier jetzt nicht um die Frage der Verknüpfung. Sie ist ein
Faktum internationalen Verhaltens und ist dies in der Geschichte immer gewesen. Und wo unsere Lebensinteressen in Frage gestellt werden - ob in Polen
oder Afghanistan geht es um Normen, nach denen zu leben wir von der internationalen Gemeinschaft fordern, und ich glaube.es hat eindeutig eine Auswirkung auf unsere gesamten Angelegenheiten auf jedem funktionalen Gebiet.
Frage: Herr Außenminister, etwas kann zumindest nach der Aufhebung des
Getreideembargos gesagt werden, und das ist, daß es sicherlich ein Anreiz für
die amerikanischen Farmer und auch ein Anreiz für die Bauern in Europa, wenn
auch auf andere Weise sein wird, direkte Subventionen zu erhalten. Aber sie
haben so ein Gefühl, daß es zu einem Embargo gegen sie in Amerika kommen
könnte, während zur selben Zeit Amerika Getreide nach der Sowjetunion exportiert. Was halten Sie davon?
Antwort: Ich bin nicht sicher, ob ich Ihre Frage richtig verstanden habe.
Wie könnte es ein Embargo geben?
Frage: Meine Frage ist die, daß die europäischen Bauern so ein Gefühl haben, daß in Amerika ein Embargo gegen sie verhängt werden könnte, während zur
selben Zeit Amerika weiterhin Getreide nach Rußland exportiert.
Antwort: Ich möchte wirklich hoffen, daß wir niemals vor einen Widerspruch
dieser Art gestellt werden. Ich weiß ebenso wie Sie, daß auf beiden Seiten des
Atlantik auf zwei bestimmten Gebieten des amerikanisch-europäischen Handels eine
- 7 -

�Handels eine große Empfindlichkeit herrscht: in der Landwirtschaft und natürlich beim Stahl.
Was nun die Landwirtschaft angeht, so haben sich manche unserer Farmer
darüber Sorgen gemacht, daß sowohl auf den Märkten der Dritten Welt oder auf
Märkten von Drittländern und im transatlantischen Austausch die Subventionen
die normalen Wettbewerbsverhältnisse auf dem Agrarsektor verzerrt haben. Dies
sind Probleme, die, wie ich meine, uns alle anspornen sollten, intensiv daran
zu arbeiten und nicht zuzulassen, daß sie in eine

Art Wirtschaftskrieg oder

Exklusivität in unseren Geschäften ausarten.
Ich möchte meinen, daß die Wirtschaftsgemeinschaft selbst auf dem Agrarsektor die größten internen Erfolge mit Mitgliedern der Gemeinschaft erzielt
hat. Und man braucht nur in Europa zu leben, um die Vorteile davon zu erkennen.
Aber wir profitieren auch in den Vereinigten Staaten davon, indem wir mit
einer Körperschaft statt mit zehn Mitgliedsregierungen getrennt über diese
heiklen Fragen verhandeln können. Und ich bin sehr optimistisch, daß wir in
der kommenden Zeit diese Probleme lösen werden.
Frage: Herr Außenminister, darf ich eine Zusatzfrage zu dem stellen, was
mein Kollege gefragt hat? Wenn es jemals zu solchen protektionistisehen Maßnahmen Amerikas kommen sollte, würden Sie diese als Art Santktionen gegen
Verbündete betrachten?
Antwort: Ich glaube nicht, daß Verbündete Sanktionen gegeneinander verhängen. Ich bin der Oberzeugung, daß in einem schwierigen wirtschaftlichen
Klima, wie wir es heute auf beiden Seiten des Atlantik erleben, diese Probleme noch schwieriger werden und deshalb noch mehr

Konsultation und noch

mehr Bereitschaft erfordern, anzuerkennen, daß der politische Geist manchmal die überhand über praktischere Erwägungen wie in der Vergangenheit gewinnen muß.
Und in

- 8 -

�Und in dieser Hinsicht darf ich Ihnen versichern, daß diese Administration ein starker und aufrechter Verfechter des freien Handels ist. Wir glauben an das GATT, und wir sind bereit, das GATT auf seiner nächsten Konferenz
zu stärken und geduldig an seiner Stärkung zu arbeiten. Ich bin der Überzeugung, daß im kommenden Zeitraum von beiden Seiten Geduld gefordert werden
wird - und vor allem politische Klugheit, damit wir es nicht zulassen, daß
diese unausweichlichen Probleme den Geist der Zusammenarbeit und des Bündnisses untergraben, der von so fundamentaler Bedeutung für unsere lebenswichtigen Sicherheitserfordernisse ist.
Frage: Zum Ost-West-Gleichgewicht der Rüstungen, Herr Außenminister;
Herr Tindemans hat in seinem Interview in "Newsweek" von einer Parität in der
nuklearen Verteidigung zwischen Ost und West gesprochen, während doch die Frage ist: Warum ist eine ungefähre Gleichwertigkeit insgesamt nicht ausreichend
für die Vereinigten Staaten und für das Bündnis? Liegt es nicht auf der Hand
- könnte man denn nicht auch sagen, daß eine stärkere Position des Westens
nicht akzeptabel für die Sowjetunion ist?
Antwort: Ob Sie nun die Schlagworte benutzen, die heute gang und gäbe
sind: Angemessenheit, ausgewogene Gleichwertigkeit, ungefähre Gleichwertigkeit, entscheidende Gleichwertigkeit - das ist nicht das Problem. Das Problem ist die Veränderung des relativen Kräfteverhältnisses zwischen Ost und
West im Verlaufe der vergangenen zehn Jahre, in denen die Sowjetunion ihre
nukleare Rüstung in zunehmendem Maße vergrößert hat. Nirgendwo ist dies deutlicher als in Westeuropa, einem Gebiet, mit dem ich sehr vertraut bin.
Und wenn Sie nun alle Systeme des Bündnisses zusammennehmen, dann gibt
das immer noch ein Verhältnis von eins zu drei zugunsten der Sowjetunion. Und
wenn Sie die europäischen Systeme ausschließen, dann ist es sogar etwa sechs
zu eins. Während dieses Verhältnis vielleicht zur Zeit noch nicht so beunruhigend ist, so ist das Problem doch, daß im strategischen Bereich die anhaltende Tendenz der sowjetischen Aufrüstung uns im Laufe dieses Jahrzehnts bald
in eine sehr verwundbare Position bringen wird, wenn die Vereinigten Staaten

- 9 -

�Vereinigten Staaten ihre nukleare Kapazität nicht vergrößern. Und wir sind
dabei, das zu tun.
Frage: Aber die Beurteilung dieser Angelegenheit ist sehr schwierig. Warum wird denn nicht einiges Material aus Geheimdienstquellen veröffentlicht?
Das ist doch ein Propagandakrieg, der gegenwärtig im Gange ist, mit der Veröffentlichung von Broschüren und
Antwort: Nun, das ist aber doch nichts Neues. Ich habe fünf Jahre in NATOEuropa zugebracht, und das war die ganze Zeit so. Die einfache Tatsache ist
doch: Glauben die Menschen im Westen und unsere westlichen Korrespondenten den
verantwortlichen westlichen Politikern oder ziehen sie es vor, dem Ratschlag
des Ostens zu folgen? Ich hoffe, daß dies nicht der Fall ist.
Und das Bild ist sehr klar; es ist quantitativ bestimmbar, und es ist
quantifiziert worden. Natürlich gibt es Unterschiede in der Qualität der Systeme, und dies kompliziert die Dinge. Aber wenn man den Maßstab der Megatonnage anlegt, der Zahl der Raketen, der Zahl der Gefechtsköpfe, der Zahl der
Abschuß-Systeme, dann hat die Sowjetunion dies alles massiert und sich ganz
klar in Richtung auf eine Überlegenheit bewegt.
übrigens, wenn einer an Rüstungskontrolle interessiert ist - und die Vereinigten Staaten sind daran interessiert, und Präsident Reagan ist sehr, sehr
daran interessiert - so haben die Sowjets doch keinen Anreiz, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, wenn sie den Eindruck haben, daß wir einseitig für
die Reduzierungen in ihrem Sinne sorgen werden. Man sollte doch nur einmal an
die INF-Frage zurückdenken, an die Frage der nuklearen Mittel Streckensysteme
in Europa. Ich erinnere mich sehr gut, wie die dramatische Dislozierung der
SS-20 in Europa voranging und sich im NATO-Bündnis Besorgnisse ausbreiteten,
daß wir mit den Sowjets über Verhandlungen sprechen sollten. Sie weigerten
sich, auch nur solche Verhandlungen in Erwägung zu ziehen, bis im Dezember
1979 der Doppelbeschluß gefaßt wurde, und innerhalb einiger Wochen, waren sie
dann bereit, sich mit uns an den Tisch zu setzen und zu reden.
F

- 10 -

�Frage: Herr Außenminister, Sie haben mich jetzt auf Genf gebracht, wo
diese Gespräche seit dem 1. Dezember laufen. Ist es zunächst möglich, daß
Sie den Schleier etwas lüften, der über diesen Gesprächen ausgebreitet worden ist? Und der zweite Teil meiner Frage ist: Falls diese Gespräche bis zum
festgelegten Termin, also bis zum Sommer 1983,keine Ergebnisse zeitigen,glaubt
dann Ihre Regierung, daß eine Dislozierung der Pershing und der Marschflugkörper - wie im NATO-Beschluß vorgesehen - politisch möglich ist angesichts
des Klimas in Europa, unter den europäischen Ländern?
Antwort: Lassen Sie mich zunächst unterstreichen, daß wir diese Gespräche mit der vollen Absicht aufgenommen haben, einen wesentlichen Abbau der
nuklearen Bedrohung Westeuropas zu erreichen. Wir haben einen Vorschlag unterbreitet, der sich insbesondere mit der wahren gegenwärtigen Ursache der
nuklearen Besorgnisse befaßt, und das ist die SS-20. Wir haben einen Vorschlag gemacht, die sogenannte Nulloption, der diese Bedrohung völlig eleminieren würde.
Und unserer Ansicht nach ist dies die vielversprechendste, ins grundsätzliche gehende Methode, wenn die Sowjetunion an einem Abbau der Spannungen interessiert ist. Ich bin davon überzeugt, daß unsere europäischen Partner, diejenigen, die an dem Beschluß von 1979 beteiligt sind, wie wir erkennen werden, daß - je früher wir entscheiden, mit dieser Dislozierung voranzugehen, und je klarer und unerschütterlicher diese Entscheidung ist - desto
größer der Anreiz für die Sowjets ist, sich an den Verhandlungstisch zu setzen.
Frage: Sie haben noch nicht den Zipfel des Schleiers gelüftet. Sind Sie
optimistisch hinsichtlich der Möglichkeit, vor Dezember 1983 ein Abkommen zu
erreichen?
Antwort: Nun, ich denke, es ist noch zu früh, um das sagen zu können.
Ich meine, die Gespräche sind auf den ersten Blick in einer professionellen
Weise geführt worden. Ich bedauere etwas, daß die Sowjetunion trotz unserer
Absprache in Genf, nicht öffentlich den Verlauf oder die Einzelheiten dieser

- 11 -

�Einzelheiten dieser Gespräche zu enthüllen, sich dafür entschieden hat, ihren seit langem bestehenden Einfrierungsvorschlag zu veröffentlichen, den
wir in westlichen Kreisen nur zu gut kennen. Ich glaube, das größte Problem,
den Schleier um eine Kleinigkeit zu lüften, aber damit nicht unsere Absprache
zu verletzen,wäre es, davon zu sprechen, daß es gewisse Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Daten gibt, ziemlich erstaunliche Differenzen, die
aber mit Vernunft auf beiden Seiten hoffentlich ausgeräumt werden können.
Wie Sie wissen, haben wir bereits einen Vertragsentwurf auf den Tisch gelegt,
der die vom Westen vorgeschlagene Null Option unterstützt, und ich muß sagen,
mit großer Koordination und Konsultation.
Frage: Wenn wir noch einen Augenblick bei Genf bleiben, aber sozusagen
wieder auf die Erde zurückkommen und die Daten beiseitelassen, dann möchte
ich doch gerne wissen, ob Sie die Menschen in Europa verstehen können - erstens, daß sie überzeugt sind, daß solche Gespräche eine lange Zeit in Anspruch nehmen; daß selbst amerikanische Politiker über die Möglichkeit eines
begrenzten Atomkrieges sprechen; und daß sie erschreckt sind und diese ziemlich wichtigen Friedensbewegungen bilden.
Können Sie mitfühlen mit diesen Menschen, können Sie ein solches Handeln
verstehen?
Antwort: Lassen Sie mich Ihnen versichern, daß angesichts des Gewichtes
der strategischen Nuklearmacht der Sowjets solche Besorgnisse auch hier bestehen.
Ich gehöre nicht zu denen, die nicht akzeptieren, daß ernsthafte Leute
diese Besorgnisse haben. Und ohne Frage haben wir sie auch hier, auf dieser
Seite des Atlantik, wo die Megatonnage, die Auswirkungen und die Zerstörungen vielleicht vergleichbar oder schlimmer wären. Das Problem ist, wie man
am besten die Kontrolle über dieses Ungeheuer erlangen kann. Die einzige
vernünftige Methode ist eine ausgehandelte wesentliche Reduzierung auf
beiden Seiten.

Und es

- 12 -

�Und es ist leider ein Faktum der internationalen Realität, daß das nur
erreicht werden kann, wenn beide Seiten einen Anreiz dazu haben. Und das bedeutet unglücklicherweise, daß das wir im Westen es nicht zulassen können,
daß die Gleichgewichte zwischen Ost und West in Unordnung geraten.
Frage: Glauben Sie, daß die wirkliche Friedensbewegung in einem anderen
Teil der Welt, in Ostdeutschland, sagen wir im Osten überhaupt — würden Sie
dies als eine positive Aktion, als eine positive Bewegung ansehen?
Antwort: Ich weiß nicht, ob ich dem eine solche bewertende Bezeichnung
geben würde. Aber ich glaube, es ist ein bedeutsames Ereignis, daß Bewegungen, die im wesentlichen im Westen entstanden und dort von der Sowjetunion
ermutigt und in einigen Fällen auch von der Sowjetunion dirigiert und finanziert wurden, nun auf die Förderer solcher Aktivität zurückkommen, weil sie
echte Demonstrationen sind, wie ich sie in Ostdeutschland verstehe.
Und ich denke, dies ist eine ermutigende Tatsache, die etwas demonstriert,
das wir heute in Polen sehen, und das ist, daß es immer noch Unabhänigkeit des
Denkens und eine verantwortungsvolle subjektive Haltung innerhalb der östlichen Zone gibt. Die große Tragödie besteht darin, daß dies nicht gutgeheißen
wird, nicht als Grundsatz akzeptiert wird. Wie wir sehen, wird dies heute in
Polen ausgemerzt.
Frage: Herr Außenminister, ich glaube, Sie kennen Europa gut, und es ist
in Europa manchmal gesagt worden, sie verstünden uns gut. Aber wie steht es
mit der öffentlichen Meinung Amerikas? Glauben Sie, daß hier das Gefühl besteht, daß wir die Amerikaner ständig im Stich ließen, daß wir Anforderungen
stellten, ohne manchmal selbst in der Lage zu sein, eine eigene dynamische
Politik zu betreiben? Glauben Sie, daß wir Sie im Stich lassen?
Antwort: Das wäre zweifellos nicht meine Beurteilung. Ich wäre aber nicht
völlig offen, würde ich nicht sagen, daß wir von Zeit zu Zeit frustriert sind,
wie dies auch unsere westeuropäischen Partner von Zeit zu Zeit hinsichtlich
der amerikanischen Politik sind.

Ab

- 13 -

dies

�Aber dies liegt in der Natur eines Bündnisses wie der NATO oder einer Gemeinschaft von Nationen, von verschiedenartigen souveränen Gebilden. Ich meine,
dies ist nicht nur gelegentlich eine Frustation, sondern dies zeugt auch von
der vitalen Stärke des Bündnisses. Und ich möchte gegenüber unseren europäischen
Freunden und Zuschauern amerikanische Besorgnisse nicht überdramatisieren. Natürlich war die Polenkrise eine größere Krise, die uns alle in unserem Gewissen,
unseren Herzen und unseren Seelen veranlaßte, uns Sorgen darüber zu machen, ob
wir das Rechte täten für die Werte und Normen, derer wir uns erfreuen und die
wir hochhalten.
Aber wie kurz ist doch unser Gedächtnis. Haben wir vergessen, daß die westeuropäischen Nationen, das Bündnis und die Vereinigten Staaten nach den Ereignissen in der Tschechoslowakei, Ungarn und Ostdeutschland alle erklärten, dies
sei eine innere Angelegenheit, die uns nichts anginge. Und hier, bei diesem Anlaß, standen wir nun zusammen, erstens um die Maßnahmen, das Kriegsrecht und
die Unterdrückung zu verurteilen, zweitens um auf die Sowjetunion wegen ihrer
Verantwortung für dieses Ergebnis mit dem Finger zu deuten, und drittens, um
- so schwierig dies auch ist, und dies war zu erwarten - zusammenzuarbeiten jeder von uns hat verschiedenartige wirtschaftliche Interessen, Verpflichtungen und Engagements gegenüber dem Osten - um erfolgreich auf dem Gebiete der
Sanktionen übereinzustimmen, der politischen wie der wirtschaftlichen.
Frage: Wir lassen Sie also nicht im Stich?
Antwort: überhaupt nicht. Ich bin gerade aus Madrid zurückgekommen. Und
das Auftreten des westlichen Bündnisses am ersten Tag der Konferenz und des
darauffolgenden Treffens am letzten Freitag zeigte ein Ausmaß an Einigkeit,
wie dies in der jüngsten Geschichte einmalig war.

+ + + + +

- 14 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Februar 1982

WEINBERGER WARNT VOR FOLGEN DES TECHNOLOGIETRANSFERS IN DEN OSTEN
Rede des US-Verteidigungsministers auf der Wehrkundetagung in München -

MÜNCHEN - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger
hat in einer Rede auf der Wehrkundetagung in München am 13. Februar 1982 eindringlich davor gewarnt, durch den Handel mit dem Osten die Verteidigungskapazität der Sowjetunion zu stärken: "Der verschwenderische Transfer industriellen Fachwissens und fortschrittlicher Technologie von West nach Ost
hat die Verteidigungslast gewaltig vergrößert, an der wir Verbündeten tragen",
sagte er.
Die Rede des Verteidigungsministers hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir ein besonderes Vergnügen, vor diesem ausgewählten Publikum
zu sprechen. Die Wehrkundetagung nimmt unter den alljährlich stattfindenden
Konferenzen als das Forum eine besondere Stellung ein, auf dem ernste Besprechungen vor dem Hintergrund jener Heiterkeit stattfinden, für die der
Fasching zurecht bekannt ist.
Das großartige Bündnis, an dem teilzuhaben wir das Privileg genießen,
hat den Frieden in Europa über drei Jahrzehnte lang bewahrt. Die junge Gene-

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�I

junge Generation, die heute seinen Wert, seinen Zweck und seine Strategie
in Frage zu stellen scheint, wurde im Schutz und unter der Sicherheit geboren
und aufgezogen, die die NATO auf so bewundernswerte Weise bietet.

Der Wohl-

stand der freien und souveränen Staaten des Nordatlantischen Bündnisses - ein
Wohlstand, der nur momentan durch vorübergehende wirtschaftliche Rückschläge
getrübt wird - wurde durch die kollektive Stärke unserer gemeinsamen Anstrengung genährt und gesichert, ein stabiles Gleichgewicht zwischen Ost und West
aufrechtzuerhalten.
Dies ist ein Bündnis zu Verteidigungszwecken - vielleicht das bemerkenswerteste Bündnis dieser Art der Menschheitsgeschichte.

Eine Gemeinschaft von

Staaten, verbunden durch den von allen geteilten Glauben an die Freiheit und
die Würde des Einzelmenschen, hat sich unter dem Prinzip zusammengetan, daß
ein Angriff gegen einen zugleich ein Angriff gegen alle ist.

Diese wenigen

Wörter bringen die letztendliche Verpflichtung von 15 Nationen zu einem System
der kollektiven Sicherheit zum Ausdruck, wie es dies an Stärke und Leistung
noch nicht gegeben hat.
Wir sind Verbündete, aber wir sind zugleich Freunde.

Und unter Freunden

ist es am besten, offen zu reden - in der Zuversicht, daß unsere Meinungsverschiedenheiten am erfolgreichsten aus der Welt geschafft werden, wenn sie am
eingehendsten besprochen werden.
An diesem Ort ist es nicht nötig, ausführlich auf die Größe der Lasten
einzugehen, die das nicht nachlassende Anwachsen der sowjetischen Militärmacht
uns allen aufzwingt.

Mehr als sechs Jahrzehnte nach einer Revolution, die

"Brot und Freiheit" versprach, erfreut sich die Sowjetunion weder des einen
noch des anderen.

Ihre Anstrengungen haben Waffen statt Brot und totalitäre

Herrschaft anstelle der Freiheit hervorgebracht.

Die Wirtschaft des Warschauer

Paktes hat - wie die verzweifelte Lage in Polen teilweise zeigt - das Streben
nach einem reichhaltigeren Leben hinter der Anhäufung militärischer Macht zurückgestellt.

Jahr für Jahr laufen Panzer und Gewehre, Schiffe und Flugzeuge

von den Fließbändern, bedrohen die freien Völker allerorten und tragen dazu

- 2 -

�tragen dazu bei, die schwachen Volkswirtschaften der COMECON-Länder in gewaltige Schulden zu stürzen.
Vor noch gar nicht so vielen Jahren war es ziemlich in Mode, zu argumentieren, die Ausweitung des Handels zwischen Ost und West, insbesondere zwischen den Industriestaaten Europas und der Sowjetunion, würde eine wechselseitige Abhängigkeit schaffen, die ihrerseits wiederum zu einer Mäßigung des
sowjetischen Verhaltens führen würde. Dies war die Hoffnung. Man hörte von
"fetten und zufriedenen Kommunisten", die es jenen Kommunisten vorzuziehen
galt, die arm und hungrig sind.

Es war die Rede davon, die Sowjets in ein

Gewebe wechselseitiger Beziehungen einzuflechten, das sie an die Verhaltensnormen binden würde, denen wir folgen. Solide Geschäfts- und Bankpraktiken
wurden fallengelassen, als eine Armee westlicher Geschäftsleute sich auf den
Weg nach Moskau, Warschau und Prag machte - mit Krediten, die von den Regierungen abgesichert waren, mit subventionierten Darlehen und mit der vagen Vorstellung, daß zusammen mit den Profiten auch der Frieden kommen würde.
Nun, diese volkswirtschaftliche Ausdrucksform der Theorie der Entspannung
hat sich als auf kostspielige und gefährliche Weise falsch erwiesen. "Normale
Geschäfte" mit den Sowjets und Ausweitung des Ost-West-Handels bedeuten auf
sowjetischer Seite lediglich mehr Geld, das die Sowjetunion für ihr Militär
ausgeben kann. Und das ist es, was sie mit ihren Handelsgewinnen machte.
Handel mit einem Land, das die bereits armselige Lebensqualität seiner eigenen
Bürger ignoriert und dann seine Handelsgewinne in das Wettrüsten einer Nation
steckt, ermutigt eher zu Aggression, als daß er dabei hilft, den Frieden zu
bringen. Die gewaltige Infusion westlichen Kapitals und westlichen Wissens
im letzten Jahrzehnt brachte weder Mäßigung noch Zurückhaltung. Statt dessen
unterstützte sie die anhaltende sowjetische Aufrüstung, indem Geld und Technologie für den hauptsächlichen Zweck verwendet wurden, auf den die sowjetische
Volkswirtschaft ausgerichtet ist: für die Produktion von mehr und besseren
Waffen.

Heute gibt es Lastwagen, die mit westlicher Hilfe in dem Werk an der
Kama gebaut und die dann von den sowjetischen Truppen in Afghanistan einge- 3 -

�Afghanistan eingesetzt werden - jenem kleinen, unglücklichen Land, das jetzt
mit sowjetischer Waffengewalt besetzt wird.

Heute ist eine Generation fort-

geschrittener Mikroelektronik, die in der Sowjetunion mit westlichem Know-how
und westlichen Produktionsmitteln hergestellt wird, dabei behilflich, die
sowjetischen Waffen treffgenauer, verläßlicher und tödlicher zu machen.

Heute

ist ein großes sowjetisches Schlachtschiff in einem schwimmenden Trockendock
im Bau, das von unseren eigenen Verbündeten errichtet wurde; morgen wird es die
Seeverbindungswege bedrohen, die Europa, Amerika und unsere Freunde im Fernen
Osten verbinden.
Der verschwenderische Transfer industriellen Fachwissens und fortschrittlicher Technologie von West nach Ost hat die Verteidigungslast gewaltig vergrößert, an der wir Verbündete tragen. Jeder Steuerzahler in jedem Land des
Bündnisses wird in diesem Jahr Opfer bringen, um uns in die Lage zu versetzen,
die sowjetische Militärmacht unschädlich zu machen, die Nutzen aus der Technologie und der Ausrüstung gezogen hat, die wir verkauft haben - oft genug zu weit
günstigeren Bedingungen, als wir sie unserer eigenen Industrie und unseren eigenen Bürgern gewähren.
Je mehr wir über die ausgedehnte militärische Verwendung erfahren, die die
Sowjets mit westlicher Technologie betreiben, umso alarmierter werden wir. Und
je genauer wir hinsehen, desto mehr erfahren wir. Wir haben versucht, unsere
Besorgnisse klarzustellen - innerhalb des Bündnisses in Brüssel, wo derzeit
eine Studie über den Technologietransfer erarbeitet wird; in Paris, wo die
C0C0M-Kommission zusammentritt; in Ottawa, wo Präsident Reagan vorschlug, wir
sollten uns zusammentun, um dem Ausbluten beim Technologietransfer der letzten
Jahre entgegenzuwirken; bei Anhörungen vor unserem Kongreß; und in Reden wie
dieser hier.
Wir tun dies, weil wir sehen, daß wir das Problem nicht allein lösen können, ganz gleich, wie groß auch unsere Sorge ist.

Aber ich glaube, wir haben

eine Verpflichtung, diese Sorge mit dem Bündnis als ganzem zu teilen und zu
fordern, daß wir uns zu einer gemeinsamen Haltung durchringen.

Denn wenn wir

bei der Verstärkung der Kontrollen erfolgreich sind, die wir beim Transfer von
- 4 -

�Transfer von Technologie und industriellem Fachwissen in den Warschauer Pakt
durchführen, können wir schließlich die Verteidigungslast verringern, die wir
alle tragen müssen.

Denn ich bin überzeugt, daß die Kosten, die im Westen

durch die Hilfe für die Sowjets beim Ausbau ihrer militärischen Stärke anfallen, um ein Vielfaches die Vorteile übersteigen, die den Privatfirmen zukommen, wenn der Abfluß von Technologie und Fachwissen nur einer lockeren Kontrolle
unterliegt, wie dies derzeit der Fall ist.
Es ist ein unglückseliges Faktum, daß einer der wenigen Nutzeffekte der
zentralisierten Volkswirtschaft der Sowjetunion - einer Volkswirtschaft, die
in praktisch allen anderen Aspekten hoffnungslos ineffizient ist - in der Möglichkeit liegt, die sie einem Handel bietet, der in erster Linie dem Zuwachs
der sowjetischen Macht und des sowjetischen Einflusses dient.
Der Zusammenbruch der polnischen Volkswirtschaft und ihre furchtbaren 28
Milliarden Dollar Schulden im Westen erfordern ein dringendes überdenken der
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West. Wir sollten auf unseren Erfahrungen aufbauen.

Wir wissen, daß der Besitz eines ungedeckten Schecks ein

Machtmittel für den Schuldner, nicht für den Gläubiger ist. Wir haben gesehen,
daß die schlichte Annahme, die Sowjets würden es einem Mitglied des Warschauer
Paktes nicht erlauben - praktisch gesprochen - den Konkurs anzumelden, falsch
ist.

Und wir haben gesehen, daß die Hemmnisse gegenüber produktiver Arbeit,

die dem Wirtschaftssystem des COMECON innewohnen, früher oder später über die
nationalen Pläne triumphieren und Wirtschaftswachstum und Stabilität gefährden.
Daher scheint es für uns klar zu sein, daß eine Rückkehr zur Disziplin
des Marktes im Ost-West-Handel einen beträchtlich verringerten Umfang des Handels und der Investitionen diktiert.

Und bevor diese Disziplin wieder durch

die vagen Theorien ersetzt wird, die vermehrten Handel mit verminderter Feindseligkeit und Profite mit Frieden in Verbindung bringen, müssen wir uns mit
all den Auswirkungen auseinandersetzen, die eine immer fortschrittlichere Technologiebasis der sowjetischen Verteidigungsindustrie - vom Westen finanziert für die Sicherheit des Bündnisses hat»
Selbst wenn

�Selbst wenn eine Neuorganisation und Neuorientierung der Politik für den
Ost-West-Handel und den Technologietransfer stattfindet, die die militärischen
Vorteile verringern würden, die die Sowjets von uns praktisch schon erwarten,
dann bleibt immer noch viel zu tun, um das strategische Ungleichgewicht zu überwinden, das sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Um das zu schaffen,
hat die Reagan-Administration ein strategisches Programm in Höhe von 180 Milliarden Dollar in Angriff genommen, das die strategische Abschreckung der
Vereinigten Staaten modernisieren und sie in das 21. Jahrhundert tragen wird.
Im Rahmen dieses umfassenden Programms werden wir:
- die Befehls-, Führungs- und Fernmeldesysteme wesentlich verbessern, von
denen unsere Streitkräfte so stark abhängen;
- die Durchdringungs- und Überlebensfähigkeit unserer Bomberstreitmacht
stärken, indem wir den B-1-Bomber bauen und die Forschung und Entwicklung eines technologisch noch moderneren Nachfolge-Bombers beschleunigen,
der sehr vielversprechend ist;
- die MX-Interkontinentalrakete bauen und dislozieren, die größer und
schwerer auf eine wirklich sichere und überlebensfähige Weise stationiert wird;
- den seegestützten Pfeiler unserer strategischen Triade stärken, indem
wir die TRIDENT II-Rakete entwickeln;
- unsere schwer vernachlässigten und zerfallenden strategischen Verteidigungsstreitkräfte neu aufbauen; und schließlich
- unsere weltweite sichere Reservestreitmacht durch die Dislozierung der
seegestützten nuklearen Marschflugkörper verstärken.
Ich möchte keinen Zweifel daran lassen, warum wir das tun.

Es ist das

Streben der Sowjets nach einer Kapazität für einen entwaffnenden Erstschlag
- 6 -

�entwaffnenden Erstschlag und nach einer militärischen Gesamtüberlegenheit,
das unser strategisches Modernisierungsprogramm zu einer zwingenden Notwendigkeit macht.

Unser Ziel ist lediglich, den Sicherheitsspielraum im stra-

tegischen Kräfteverhältnis wieder herzustellen - ein Verhältnis, das angesichts
chronischer Vernachlässigung unsererseits immer ungünstiger wurde. Alles, was
wir wollen, ist eine ausreichende Stärke zur Abschreckung vor einer sowjetischen
Aggression - und sonst nichts.
Unser Programm wird uns die Stärke verleihen, die seit langem als notwendig erachtet wurde, um Amerikas Politik der Abschreckung zu verwirklichen.
Wir streben nach Sicherheit - nicht nach Überlegenheit.
bilität - nicht nach Abenteuern.

Wir streben nach Sta-

Wir haben unser Programm auf die erkannten,

unmittelbaren Erfordernisse ausgerichtet.

Im Prozentsatz des Verteidigungs-

haushaltes geben wir für die strategischen Streitkräfte heute weniger aus als
in den sechziger Jahren.

Hätten wir unsere strategischen Streitkräfte nicht

in den siebziger Jahren vernachlässigt, dann stünden wir heute nicht vor der
Notwendigkeiteines solchen umfassenden Programms in den achtziger Jahren.
Ich hoffe nur, daß eine feste Hand am Ruder in der nächsten Dekade in den
neunziger Jahren noch größere Herausforderungen verhüten wird.
Wir tun ferner etwas, um die nuklearen Mittel Streckensysteme des Bündnisses zu stärken, indem wir den Beschluß des Bündnisses vom Dezenber 1979
ausführen, nukleare Mittel Streckensysteme - landgestützte Marschflugkörper
und PERSHING II-Raketen - zu dislozieren. Und wir unternehmen eine breite Anstrengung, um unsere konventionelle Kapazität durch eine wesentliche Erhöhung
unseres Verteidigungshaushaltes in diesem Jahr zu erhöhen.
Alle diese Programme summieren sich zu einer wesentlichen Erhöhung des
amerikanischen Verteidigungshaushaltes und zu einer entsprechenden Belastung
des amerikanischen Volkes.

Es ist eine Last, die wir gerne übernehmen, wenn

sie fair aufgeteilt wird.

Ein Weg, wie wir nach unserer Ansicht den neu zu-

standegekommenen nationalen Konsens über die Notwendigkeit größerer Verteidigungsanstrengungen erhalten können, besteht darin, daß wir dem amerikanischen
Volk versichern können, daß wir Amerika so wirtschaftlich und so wirksam wie
- 7 -

�wirksam wie möglich wieder bewaffnen.

Wir sind in unserer Beschaffung und

in der Bereitstellung der Mittel auf eine ganze Reihe größerer und kleinerer
Einsparungen aus. Und ich bin überzeugt, daß wir ein Budget haben, das unsere
Erfordernisse für dieses Jahr im Rahmen unseres Sechsjahresprogramms zur Abschreckung vor einer Aggression durch Wiederbewaffnung Amerikas genau festlegt.

Wir haben ferner versucht, unsere Stärke durch das Bündnis zu erhöhen

- innerhalb und außerhalb der NATO, durch ein Netz von Freundschaften und
durch Militär- und Wirtschaftshilfe für unsere Freunde.
keinesfalls nur um Militärhilfe.

Und es handelt sich

Die Sowjets brüsten sich immer wieder, wie

sehr sie anderen Ländern helfen würden - ein Beispiel für diese "Hilfe" ist
Polen.

Im Gegensatz dazu haben die Vereinigten Staaten vielen Ländern in

mancherlei Weise praktisch geholfen.
Kontinent:

Afrika.

geleistet haben.

Betrachten wir nur beispielsweise einen

Dort haben die Sowjets 1/48 der Hilfe geleistet, die wir

Und ihre gesamte Hilfe besteht aus Militärhilfe, während bei

uns - wenn überhaupt - nur ein geringer Teil Militärhilfe ist.
Wir haben versucht, ein Beispiel zu geben - das Beispiel, einen großen
Betrag unserer sehr beachtlichen Ressourcen für die Sicherheit Amerikas und
unserer Verbündeten und für die Sache der Freiheit aufzuwenden.

Aber ich fürch-

te, das amerikanische Volk wird durch seine Vertreter im Kongreß anfangen zu
fragen, ob es notwendig oder wünschenswert ist, diese Hilfe an die NATO und an
unsere anderen Verbündeten fortzusetzen, wenn die Amerikaner das Gefühl haben,
daß unsere Verbündeten keinen fairen Beitrag leisten.

In vielen Teilen Ameri-

kas und im Kongreß ist der Isolationismus in der einen oder anderen Form niemals sehr tief unter der Oberfläche.

Ich hoffe, daß keiner von uns etwas tun

wird, um diesen latenten Isolationismus zu einer Verringerung unserer eigenen
Verteidigungsanstrengung anzufachen.

Das amerikanische Volk könnte es ablehnen,

die Last der notwendigen Verteidigungsausgaben zu tragen, wenn es glaubt, daß
andere weniger tun, wenn wir mehr tun.

Wenn noch der Eindruck hinzukommt, daß

zwischen Europa und dem Warschauer Pakt so getan wird, als ob nichts geschehen
sei, und dieser Eindruck zu dem Mangel an Resonanz hinzukommt, den unsere eigenen Anstrengungen ausgelöst haben, dann haben wir, so muß ich leider sagen,
damit ein Rezept für eine große Gefahr.
ten und gestärkt werden.

Vor allem muß das NATO-Bündnis erhal-

Einige schlecht informierte Kolumnisten und Kommen- 8 -

�und Kommentatoren, die aus wahrhaft großer Unkenntnis behaupten, daß es
keinerlei Schwächung irgendwelcher Art in unserem Festhalten an der NATO
gäbe, leisten der Sache der Freiheit einen schlechten Dienst.
Wenn das amerikanische Engagement in der Anstrengung zur Stärkung des
Bündnisses nicht vergolten wird, dann könnte dies zu einem Gefühl der Isolation führen, und auf die Isolation wird der Isolationismus folgen, wie die
Nacht auf den Tag.
Verbunden mit all dem, was wir zu tun versuchen, ist eine vom Präsidenten
immer wieder zum Ausdruck gebrachte Bereitschaft, echte Rüstungsverringerungen
anzustreben, die die Bedrohung verringern werden, vor der wir alle stehen.
In der Suche nach Abkommen, die fair, ausgewogen und verifizierbar sind,
hat der Präsident vorgeschlagen, daß die Arsenale der Welt zuerst durch die
Beseitigung aller nuklearen Mittelstreckenraketen vermindert werden.

Wir ha-

ben angeboten, den Plan der NATO zur Dislozierung landgestützter Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen aufzugeben, wenn die Sowjets ihre Raketen vergleichbarer Reichweite abbauen und zustimmen, Raketen mit kürzerer Reichweite
zu begrenzen, die an ihre Stelle treten könnten.

Wenn die Sowjets dem nicht

zustimmen werden, dann müssen wir an dem NATO-Plan festhalten, denn es war
dieser Plan, der dazu beitrug, uns an den Verhandlungstisch in Genf zu bringen.
Das Angebot des Präsidenten ist ein historisches Angebot, und ich hoffe
und bete, daß es zu einem historischen Abkommen werden wird. Und zu der
sowjetischen Behauptung, daß unser Null-Vorschlag reine Propaganda sei, möchte
ich nur sagen, daß unsere Verhandlungsführer in Genf einen Vertragsentwurf
auf den Tisch gelegt haben, der von den Vereinigten Staaten unterzeichnet werden wird, sobald die Sowjets zustimmen und die Einzelheiten ausgehandelt werden
können.
Wir werden in diesem Bemühen, wie in anderen Anstrengungen, von denen
ich gesprochen habe, nur dann Erfolg haben, wenn wir in Übereinstimmung handeln - nur wenn die Solidarität, die wir gemeinsam im NATO-Bündnis erreichen

- 9 -

�erreichen konnten,den Kräften widersteht, die sie gefährden. Wir dürfen
nicht vergessen, daß es seit Gründung der NATO - sicherlich aber in den
letzten 25 Jahren - ein Hauptziel der sowjetischen Politik gewesen ist, das
NATO-Bündnis zu untergraben und zu zerstören. Wir dürfen niemals zulassen,
daß dies geschieht. Ich hoffe und vertraue darauf, daß wir - mit dem berühmten Worten Churchills - den Willen haben werden, den Kurs zu halten.

+ + + + +

- 10 -

�24. Februar 1982

DIE EINSTELLUNG DER USA ZU DEN INF-VERHANDLUNGEN
- Von Lawrence S. Eagleburger, Staatssekretär für politische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des NATO-Briefes
-AD- Am 18. November 1981 hat Präsident Reagan der Sowjetunion eine kühne
Herausforderung gestellt - sich nämlich den Vereinigten Staaten in einem
historischen Schritt zur Verringerung der nuklearen Rüstung, der Gewährleistung
der Sicherheit Europas und der Stärkung des Weltfriedens anzuschließen. Der
Präsident hat angeboten, auf die Dislozierung der Pershing II-Raketen und der
landgestützten Marschflugkörper (GLCM) zu verzichten, wenn die Sowjetunion ihre
SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abbaut.
Das ist der Vorschlag, den der amerikanische Unterhändler, Botschafter
Paul Nitze, zu den Verhandlungen mit den Sowjets in Genf über die nuklearen
Mittel Streckensysteme (INF) mitgebracht hat, die am 30. November 1981 begannen.
Das ist eine klare, faire und vernünftige Einstellung, die die besten Aussichten auf einen baldigen Fortschritt in der Verringerung der landgestützten INF
bietet - Systeme, die der NATO wie auch der Sowjetunion Sorgen bereiten. Ich
möchte in diesem Artikel etwas auf den Hintergrund dieser Haltung wie auch auf

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�auch auf einige der Grundsätze eingehen, auf denen sie beruht.
Der Hintergrund
Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis. Ihre Strategie und ihre Streitkräfte dienen keinem anderen Zweck als der Verhütung von Aggression durch Abschreckung, und sie hat damit bisher uneingeschränkten Erfolg gehabt. Die
Einigkeit und Abschreckungsmacht des Nordatlantischen Bündnisses haben die
Grundlage für den beispiellosen Frieden und Wohlstand geschaffen, deren sich'
Westeuropa während der letzten 32 Jahre erfreute.
Die zunehmende Aufrüstung der Sowjets stellt jedoch die Abschreckungskapazität des Bündnisses mehr und mehr in Frage und droht damit, das Fundament
des Friedens in Europa zu untergraben. Die Sowjets haben ihre Streitkräfte und
Fähigkeiten auf dem gesamten militärischen Spektrum verstärkt. Zwei Aspekte
dieser Aufrüstung sind jedoch von besonderer Bedeutung. Erstens, die Sowjetunion hat in den strategischen Nuklearstreitkräften Mitte der siebziger Jahre
eine Parität erreicht. Die Gesamtzahl der strategischen Nuklearträgerwaffen Interkontinentalraketen, seegestützte ballistische Raketen und schwere Bomber die die Sowjetunion heute disloziert hat, übersteigt die der Vereinigten
Staaten - und die Sowjets nähern sich rasch der Gleichheit der Gesamtzahl der
von diesen Systemen mitgeführten Gefechtsköpfe. Gegenwärtig sind die Sowjets
rascher am Zuge. Dies wird sich erst gegen Ende dieses Jahrzehnts ändern, wenn
die strategischen Modernisierungsprogramme der USA greifen.
Gleichzeitig haben die Sowjets ihre nuklearen Mittel Streckensysteme ausgebaut - ein Gebiet, auf dem sie heute schon der NATO eindeutig überlegen sind.
Sie haben neue Systeme eingeführt, vor allem die SS-20-Rakete. Die mobile
SS-20 hat eine weit größere Treffsicherheit, raschere Reaktionszeit und eine
sehr viel größere Reichweite als ihre Vorgänger, die SS-4 und SS-5. Und was
am wichtigsten ist, die SS-20 trägt drei Gefechtsköpfe im Gegensatz zu dem
einen Gefechtskopf der früheren Raketen. Wenn also die sowjetische Streitmacht
von rund 600 SS-4- und SS-5-Raketen Anfang der siebziger Jahre 600 Gefechtsköpfe trug, so führt die heute dislozierte Streitmacht von etwa 280 SS-20 und

�SS-20 und den verbleibenden 300 SS-4- und SS-5-Raketen über

1 100 Gefechts-

köpfe mit. Die Rate der Dislozierung der neuen SS-20 mit drei Gefechtsköpfen
beträgt eine pro Woche.
Die Kombination dieser beiden Faktoren - die sowjetische Parität im strategischen Bereich und die wachsende sowjetische Überlegenheit auf dem Gebiet
der nuklearen Mittel Streckensysteme - hat auf beiden Seiten des Atlantik Besorgnis hervorgerufen. Früher, als die Vereinigten Staaten noch eine strategische Überlegenheit über die Sowjetunion hatten, konnte sich die NATO leisten,
bei den Mittel Streckensystemen im Rückstand zu sein. Heute ist die Situation
anders. Eine der großen Sorgen ist, daß die Sowjets, wenn der Trend nicht umgekehrt wird, zu der - wenn auch falschen - Überzeugung gelangen könnten, daß
sie die strategische Bindung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa zerbrechen könnten. Sie könnten verleitet sein, bei der Neutralisierung der strategischen Abschreckung Amerikas ihre wachsende Überlegenheit auf dem Gebiet
der INF zu benutzen, um die europäischen Mitglieder des Bündnisses zu bedrohen.
Ich möchte betonen, daß sich an der amerikanischen Verpflichtung gegenüber
den europäischen Verbündeten nichts geändert hat. Die strategischen Nuklearstreitkräfte der Vereinigten Staaten bleiben fest mit der Verteidigung Europas
verknüpft, und über 300 000 amerikanische Soldaten bieten die lebende Garantie
für diese Verpflichtung. Aber in einer Zeit, in der die Sowjets bereits die
strategische Parität erreicht haben und einen wachsenden Vorteil auf dem Gebiet
der konventionellen Streitkräfte und der nuklearen Mittel Streckensysteme besitzen, könnten die Sowjets fälschlicherweise diese Verknüpfung als nicht mehr
ganz glaubwürdig ansehen. Sie könnten ferner versucht sein, von ihren INF politischen oder gar militärischen Gebrauch zu machen - eine Fehlkalkulation ihrerseits, die für uns alle katastrophal sein könnte.
Genau diese Besorgnis - zuerst von europäischen Politikern ausgesprochen führte zu dem Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979 - eine Entscheidung,
die von allen beteiligten Außen- und Verteidigungsministern einstimmig getroffen
wurde. Das Bündnis beschloß, auf der einen Seite das wachsende Ungleichgewicht

- 3 -

�wachsende Ungleichgewicht der nuklearen Mittel Streckensysteme durch die Dislozierung von landgestützten Marschflugkörpern und Pershing II-Raketen auszugleichen - der Modernisierungsteil des Beschlusses - und gleichzeitig den
Sowjets amerikanisch-sowjetische RüstungskontrollVerhandlungen anzubieten,
um eine Verringerung der Systeme dieser Kategorie zu erreichen - der Rüstungskontroll teil des Beschlusses.
Das Ziel der beiden Teile des Doppelbeschlusses ist das gleiche. Beide
Teile zielen darauf ab, die Glaubwürdigkeit der Abschreckungsposition der NATO
durch eine Beseitigung der wachsenden sowjetischen Überlegenheit auf dem Felde
der INF aufrechtzuerhalten. Es muß unterstrichen werden, daß der Doppelbeschluß
in keiner Weise die fundamentale Abschreckungsrolle der Kernwaffen in der Gesamtstrategie des Bündnisses ändert, noch den Verlaß der NATO auf Kernwaffen
vergrößert. Die Vereinigten Staaten haben sogar 1980 einseitig 1 000 nukleare
Gefechtsköpfe aus Europa abgezogen.
Die beiden Teile hängen auch insofern zusammen, daß es die Besorgnis über
die Modernisierungspläne der NATO war, die die Sowjets dazu bewog, den Verhandlungen überhaupt zuzustimmen. Sollten die Sowjets den Eindruck gewinnen, daß
das Bündnis in seiner Verpflichtung zur Modernisierung nachläßt, oder sollten
sie zu der Oberzeugung gelangen, daß die Modernisierung ohne eine Begrenzung
der sowjetischen Systeme abgewendet werden könnte, dann wird ihr Anreiz, ernsthaft zu verhandeln, stark nachlassen. Wir müssen daher weiterhin klar machen,
daß unser Modernisierungsprogramm nur als Ergebnis eines konkreten Rüstungskontroll abkommens geändert werden kann.

Die amerikanische Haltung
Die Grundlage der amerikanischen Haltung in den Verhandlungen ist natürlich
die Entscheidung vom Dezember 1979. Diese Entscheidung legte bestimmte Richtlinien für die Verhandlungsposition fest. Diese Verhandlungsposition wurde
ferner durch intensive und produktive Konsultationen im Bündnis gestaltet. Die
Konsultationen über INF-Rüstungskontrolle fanden hauptsächlich in der Sonderberatungsgruppe (SCG) der NATO statt-ein Gremium, dem vorzustehen ich seit März
- 4 -

�seit März 1981 die Ehre hatte. Darüber hinaus hat die High Level Group (Gruppe
auf hoher Ebene) der NATO im vergangenen Jahr wesentliche Arbeit geleistet und
sehr nützliche analytische Studien erarbeitet, die dem Bündnis bei den Überlegungen bezüglich der Entwicklung der amerikanischen Haltung dienten.
Die SCG war zwischen der Ministertagung in Rom im Mai vorigen Jahres und
dem Beginn der Verhandlungen in Genf besonders aktiv und kam allein fünfmal zusammen. Diese Konferenzen dienten einem echten Meinungsaustausch. Wir legten
unsere Auffassungen bezüglich der Verhandlungen dar und hörten uns die Ansichten
unserer Verbündeten an. Die von ihnen zum Ausdruck gebrachten Vorstellungen
hatten einen wichtigen Einfluß auf unseren Denkprozeß. Ich meine, die starke
Unterstützung, die die amerikanische Verhandlungsposition von den Verbündeten
erhalten hat, ist ein deutlicher Beweis für die Tatsache, daß ihre Gedanken in
unserer Position voll zum Ausdruck kommen. Dieser Prozeß der engen Konsultation
zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten wird im Laufe der Verhandlungen fortgesetzt werden.
Ich möchte hier einige der Hauptprinzipien darlegen, auf denen die amerikanische Verhandlungsposition beruht.
Erstens, wir sind der Auffassung, daß die Verhandlungen auf einer Schrittfür-Schritt-Basis bis zu umfassenden Begrenzungen geführt werden sollten. Nach
unserer Erfahrung haben RüstungskontrollVerhandlungen eine bessere Chance auf
Erfolg, wenn die Sache selbst klar definiert und in ihrem Ausmaß begrenzt ist.
Eine solche Methode, Schritt für Schritt vorzugehen, bietet die beste Chance
für einen raschen Fortschritt zu einem Abkommen. Erste Erfolge würden einen
konstruktiven Rahmen schaffen und den notwendigen Schwung für einen weiteren
Fortschritt bei den Verhandlungen bringen.
Zweitens, die Genfer Verhandlungen sollten sich zunächst auf die landgestützten nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) konzentrieren. Wir sind, wie
bereits gesagt, bereit, auf die Dislozierung der landgestützten Marschflugkörper (GLCM) und der Pershing II zu verzichten, wenn die Sowjets ihre SS-20

- 5 -

�ihre SS-20 abbauen und ihre SS-4 und SS-5 außer Dienst stellen. Wir haben uns
entschlossen, unser Augenmerk auf diese Systeme zu konzentrieren - die SS-20,
SS-4, SS-5, Pershing II und GLCM - da sie am bedrohlichsten

sind.

Mehrere Faktoren - Geschwindigkeit, Reichweite und praktisch sichere Durchdringung der feindlichen Abwehr bis zum Ziel

- machen ballistische Raketen zu

besonders besorgniserregenden Waffen. So kann beispielsweise die SS-20 Ziele
in 5 000 km Entfernung in etwa 20 Minuten treffen. Und im Gegensatz zum Flugzeug gibt es gegen die Rakete praktisch keine Abwehr. Die Marschflugkörper
sind zwar sehr viel langsamer als die ballistischen Raketen, aber ihre niedrige
Flughöhe und ihr geringes Radarprofil verleihen ihnen ebenfalls eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß sie ihr Ziel erreichen. Es ist deshalb nicht verwunderlich,
daß die NATO und die Sowjetunion die größte Besorgnis über diese INF-Systeme
geäußert haben. Die anhaltende Aufrüstung der sowjetischen INF-Kapazität, wie
sie durch die Dislozierung der SS-20 illustriert wird, war, wie wir gesehen haben,
einer der entscheidenden Faktoren, die die NATO zu ihrer Entscheidung vom Dezember 1979 gezwungen haben. Die Sowjets ihrerseits haben selbst immer wieder
ihre Besorgnis über die geplanten GLCM- und Pershing II-Programme zum Ausdruck
gebracht. Damit scheint es durchaus angebracht, sich bei den Verhandlungen zunächst auf diese Systeme zu konzentrieren.
Drittens, wir sind der Überzeugung, daß es notwendig ist, die Begrenzungen
der landgestützten INF-Systeme global anzupacken. Wegen der großen Reichweite
und Beweglichkeit der landgestützten INF-Systeme würden regionale Einschränkungen - wie sie die Sowjets öffentlich befürworten - nicht ausreichen. So ist
beispielsweise die SS-20 auf beiden Seiten des Ural disloziert. Wie auf einer
Karte leicht zu erkennen, können die SS-20 unmittelbar östlich des Ural das
Territorium jedes der europäischen NATO-Mitgliedstaaten erreichen. Selbst
weiter östlich vom Ural stationierte SS-20 können noch immer große Teile von
NATO-Europa erreichen, und selbst jene in den fernöstlichen Teilen der UdSSR
können aufgrund ihrer Mobilität rasch in eine Reichweite zu NATO-Europa gebracht
werden.
Ein geographisch
- 6 -

�Ein geographisch auf Europa begrenztes Abkommen könnte also leicht umgangen
werden. Solche Begrenzungen der sowjetischen Dislozierung von SS-20-Raketen
wären in der Praxis bedeutungslos. Die Dislozierung könnte - ohne Einschränkung
oder Behinderung - östlich des Ural vorgenommen werden, von wo aus die SS-20
noch immer Westeuropa erreichen könnten. Die sowjetische Überlegenheit in INF
würde bestehen bleiben, und für die Sicherheit des Bündnisses wäre nichts gewonnen.
Viertens, ein weiterer wichtiger Standpunkt in den Verhandlungen ist die
Gleichheit. Der Grundsatz der de jure-Gleichheit ist von grundlegender Bedeutung
für eine ausgewogene Rüstungskontrolle und für ein auf gegenseitiger Zurückhaltung und Gegenseitigkeit basierendes Ost-West-Verhältnis.
Fünftens, jedes in diesen Verhandlungen erzielte Abkommen muß verifizierbar
sein. Wie notwendig es ist, wirksame Maßnahmen zur Verifizierung der Einhaltung
zu finden, hat sich bei früheren RüstungskontrollVerhandlungen erwiesen. Wenn
solche Maßnahmen wirklich wirksam sind, dann fördern sie das Vertrauen zwischen
beiden Seiten und ermöglichen es ihnen, Abkommen zu schließen, die ihre lebenswichtigen Sicherheitsinteressen berühren. Wenn Maßnahmen nicht wirksam sind,
dann wird die Ungewissheit erhöht,und ein Abkommen kann zur Quelle des Widerstreits statt zu einem Schritt zur größeren Stabilität und Verständigung werden.
Sechstens, im Sinne der strategischen Einheit des Bündnisses betrachten wir
diese Verhandlungen als im Rahmen der amerikanisch-sowjetischen strategischen
Rüstungskontrollbemühungen stattfindend.
Siebtens und letztens, die Vereinigten Staaten werden nur über amerikanische
und sowjetische Systeme verhandeln. Es wäre unangebracht, wenn die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion in bilateralen Verhandlungen über die unabhängigen
Nuklearstreitkräfte eines dritten Landes verhandeln wollten. Ebenso wäre ein
Nachgeben gegenüber einer sowjetischen Forderung nach einem Ausgleich für die
Streitkräfte eines dritten Landes unangebracht und würde den Grundsatz der
Gleichheit verletzen.
Alles zusammen
- 7 -

�Alles zusammen bilden die oben angeführten Prinzipien nach meiner Meinung
eine umfassende Verhandlungsposition - eine Position, die fair und vernünftig
ist. Die Vereinigten Staaten streben den Abbau aller SS-20 und die Ausserdienststellung aller SS-4 und SS-5 an, um dafür völlig auf die Dislozierung der GLCM
und Pershing II zu verzichten. Ein auf diesem Vorschlag basierendes Abkommen
würde nicht nur die Sicherheit des Bündnisses erhöhen und die Stabilität zwischen
Ost und West allgemein stärken, sondern es wäre auch ein historischer Schritt
zur Verringerung des Gesamtstandes der nuklearen Rüstungen.

Probleme mit dem sowjetischen Standpunkt
Die Vereinigten Staaten verhandeln in gutem Glauben. Während wir unseren
Standpunkt darlegen, werden wir uns die Vorschläge der Sowjets anhören und
gründlich erwägen. Ich möchte jedoch hier in diesem Zusammenhang kurz auf zwei
Themen eingehen, die in den öffentlichen Erklärungen der Sowjets immer wieder
zu hören sind,und die Probleme aufzeigen, die wir hinter dieser Einstellung auftauchen sehen.
Das erste Thema, das in den öffentlichen Äußerungen der Sowjets immer
wieder zu vernehmen ist, heißt, daß bereits ein Gleichgewicht zwischen der
NATO und der Sowjetunion in dem Bereich der "MittelStreckenwaffen" bestehe
und daß die Verhandlungen über einen Abbau und Begrenzungen von diesem "Gleichgewicht" ausgehen müßten. Das können wir nicht als Verhandlungsgrundlage akzeptieren. Erstens ist dieses "Gleichgewicht" eine reine Erfindung. Die Sowjets
haben beispielsweise eine große Zahl ihrer eigenen Flugzeuge in Europa und in
der westlichen UdSSR einfach nicht mitgerechnet, die in Aktionsradius und
Kapazität mit amerikanischen Flugzeugen, wie etwa der F-4, gleichzusetzen sind,
die sie mitzählten. Zweitens, bei dem sowjetischen "Gleichgewicht" werden nur
sowjetische Systeme in Europa mitgezählt, während die in den USA stationierten
FB-III mitgerechnet werden. Aus den bereits genannten Gründen müssen wir von
der Notwendigkeit ausgehen, die Dinge global anzupacken. Und drittens, bei dem
sowjetischen "Gleichgewicht" werden die britischen und französischen Raketen
und Flugzeuge mitgerechnet. Hier handelt es sich aber um unabhängige strategische
Systeme, über die die Vereinigten Staaten nicht verhandeln können.
Ein zweites
- 8 -

�Ein zweites Thema, das in den öffentlichen Äußerungen immer wieder zutage
kommt, ist die Anpreisung der Vorteile ihres Vorschlags für ein Moratorium für
neue Dislozierungen in Europa. Die Sowjets haben diesen Vorschlag während der
letzten zwei Jahre immer wieder wiederholt, zuletzt bei dem Besuch Breschnews
in Bonn im November 1981. Dieser Vorschlag ist von den Mitgliedern des Bündnisses
aus zwei fundamentalen Gründen immer wieder abgelehnt worden.
Ein Moratorium würde die gegenwärtige sowjetische Überlegenheit im Bereich
der nuklearen Mittel Streckensysteme einfrieren. Die Sowjets verfügen immerhin
über mehr als 1 100 Gefechtsköpfe auf ihren 280 SS-20, SS-4 und SS-5, während
die NATO über keine vergleichbaren Raketen verfügt. Welchen Grund sollten die
Sowjets unter solchen Umständen haben, in Genf ernsthaft zu verhandeln? Sie
müßten vielmehr ein größeres Interesse haben, die Verhandlungen endlos hinauszuziehen, während sie sich der Vorteile des Moratoriums erfreuen.
Hinzu kommt, daß ein Moratorium kein echter Rüstungskontroll Vorschlag ist.
Da es geographisch auf Europa begrenzt wäre, wäre die einzige Einschränkung für
die Dislozierung von SS-20, daß weitere Raketen nicht auf dem europäischen
Territorium der UdSSR stationiert werden könnten. Aber der Dislozierung östlich
des Ural würde nichts im Wege stehen, und die Karte zeigt, wie bereits erwähnt,
daß SS-20 von östlich des Ural Ziele auf dem Territorium jedes der europäischen
Mitglieder des Bündnisses erreichen könnten. Ein solches Moratorium würde also
die Bedrohung der NATO nicht verringern.

Zusammenfassung
Wie ersichtlich, bestehen wesentliche Unterschiede in der Einstellung der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu diesen Verhandlungen. Ich wäre weder
ehrlich noch realistisch, wenn ich nicht sagen würde, daß diese Verhandlungen
schwierig sein werden. Sie berühren Systeme und bestimmte Fragen, mit denen
sich frühere RüstungskontrollVerhandlungen nicht befaßt haben. Wir werden Geduld
haben und den Verhandlungsführern Zeit lassen müssen, die Unterschiede zu überwinden und auszugleichen, wenn wir ein wirklich bedeutsames Abkommen erreichen

- 9 -

�Abkommen erreichen wollen, das unsere Sicherheit erhöht und die Stabilität
zwischen Ost und West fördert.
Auf der anderen Seite sollten wir auch bezüglich der Erfolgschancen der
Verhandlungen nicht pessimistisch sein. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden es vorziehen, wenn das Ungleichgewicht auf dem Gebiet der INF
durch Verhandlungen beseitigt wird. Die Vereinigten Staaten haben sich fest verpflichtet, in Genf ein Abkommen zu erreichen, in dem das festgelegt wird. Diese
Verpflichtung ist von Präsident Reagan öffentlich bekräftigt worden. Die Sowjets
ihrerseits sind besorgt über die geplante Modernisierung der nuklearen Mittelstreckensysteme der NATO. Beide Seiten haben also einen Anreiz, zu einer
Rüstungskontroilösung zu gelangen.
Die Vereinigten Staaten streben ein Abkommen an, das fair und vernünftig
ist und das Kriegsrisiko und den Stand der nuklearen Rüstungen wesentlich senkt.
Die von mir aufgezeigte Haltung in den Verhandlungen bietet die Grundlage für
ein solches Abkommen.
+++++

- 10 -

�24. Februar 1982

HAIG GEGEN EINFACHE LÖSUNGEN IM OST-WEST-VERHÄLTNIS
- Pressekonferenz des US-Außenministers in Florida •

BAL HARBOUR - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig
hat sich auf einer Pressekonferenz am 19. Februar 1982 gegen ein totales
Embargo im Handel zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gewandt.

Lösungen, die auf den ersten Blick einfach aussähen, so sagte er,

seien oft voller Nachteile, die die Wirkung von Sanktionen untergraben
würden.
Haig gab eine Pressekonferenz, nachdem er in Bai Harbour im Staate
Florida über zwei Stunden zu einem vertraulichen Gespräch mit dem Vorstand
des größten amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO zusammengetroffen war.
Der amerikanische Außenminister teilte mit, daß der Präsident des AFLCIO, Lane Kirkland, "generell für" die Haltung der Washingtoner Regierung
gegenüber der Unterdrückung in Polen sei, "jedoch große Ungeduld gegenüber
dem zeigt, was er als Versagen unserer westeuropäischen Partner ansieht,
sich uns anzuschließen, und daß wir daher nicht einseitig ein totales Embargo für alle amerikanischen Güter nach der Sowjetunion verhängen können."
Diese Haltung,

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Telex: 08-85432

�Diese Haltung, so führte Haig aus, sei "durchaus verständlich", aber
es wäre "selbstzerstörerisch und steril und hätte kein bißchen Wirkung auf
die Sowjetunion", wenn die USA einseitig ein Getreideembargo gegen die UdSSR
verhängen würden, ohne daß es eine "gemeinsame Haltung" aller Getreideerzeuger
gäbe.
Die Vereinigten Staaten würden zwar ein Getreideembargo nicht völlig
ausschließen, "aber der Präsident hat es ganz deutlich gemacht, daß ein einseitiges, selektives Embargo für amerikanisches Getreide nicht verhängt werden wird."
Der amerikanische Außenminister unterstrich, daß die Einigkeit des Westens
angesichts der Polenkrise ohne Beispiel gewesen sei und daß die NATO-Verbündeten politischen und wirtschaftlichen Druck auf Polen und die Sowjetunion ausübten.

Er erinnerte in diesem Zusammenhang daran, daß die sowjetischen Inter-

ventionen in Ostdeutschland, Ungarn und der Tschechoslowakei damals als "innere Angelegenheiten" betrachtet worden seien, obwohl sowjetische Truppen unmittelbar beteiligt waren.
Haig kündigte an, daß ein hochrangiges amerikanisches Team unter der Leitung von Staatssekretär James Buckley in diesen Tagen nach Europa reisen
werde, um mit den Verbündeten "über Fragen weiterer wirtschaftlicher und politischer Sanktionen zu sprechen."
Auf die Entwicklungen in Mittelamerika eingehend sagte Haig, die Politik
der Reagan-Administration verlaufe "zweigleisig". Auf dem einen Geleise
werde eine energische Anstrengung unternommen, mit der sozio-ökonomischen
Krise in jenem Gebiet fertig zu werden, um zur Behebung der Verhältnisse beizutragen, die soziale Unruhe hervorrufen, und die gemäßigten pluralistischen
Regierungen zu unterstützen. Auf dem anderen Geleise begegne man den Anstrengungen "fremder Mächte, eine totalitäre Ideologie zu verbreiten" und sich damit in die inneren Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre einzumischen
und die Selbstbestimmung der Völker zu verhindern.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten, so betonte Haig, betrachteten die andauernde
Verstärkung der militärischen Macht auf Kuba mit "ziemlicher Besorgnis".
Die Zahlen seien sehr beunruhigend, wenn nicht gar alarmierend.

"In diesem

Jahr", so sagte Haig, "sind dreimal so viel Waffen nach Kuba gebracht worden
wie im vorigen Jahr - über 60 000 Tonnen, also mehr als in irgendeinem Jahr
seit der kubanischen Raketenkrise."
Kuba verfüge nicht nur über eine militärische Kapazität, die weit über
dem liege, was es zur Abwehr einer potentiellen Bedrohung brauche, sondern
Kuba habe auch die Möglichkeit, zusätzliche Quellen für die illegale Lieferung von Waffen an andere Staaten der Hemisphäre zu erschließen.

Die USA

hätten die Entwicklung mit großer Sorgfalt beobachtet.
Zu den Entwicklungen im Nahen Osten erklärte Haig, der Friedensprozeß
habe bereits große Gewinne für Ägypten und Israel gebracht, und es sei wichtig, daß dieser Friedensprozeß fortgesetzt werde.

Er sei in dieser Hinsicht

optimistisch, daß die beiden Länder diesen Friedensprozeß fortsetzen und
erhalten würden.

Er bestätigte in diesem Zusammenhang erneut, daß Jordanien

nicht um die Lieferung von Kampfflugzeugen des Typs F-16 oder vcn HAWK-Luftabwehrraketen ersucht habe.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>Amerikadienst 24.02.1982</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert gemeinsame Anstrengungen der westlichen Hemisphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten vor der Organisation Amerikanischer Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Reagans vom 18. Februar 1982&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interview des US-Außenministers mit belgischen Journalisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sowjets brauchen Anreize zu Abrüstungsverhandlungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger warnt vor Folgen des Technologietransfers in den Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Verteidigungsministers auf der Wehrkundetagung in München -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Einstellung der USA zu den INF-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Lawrence S. Eagleburger, Staatssekretär für politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haig gegen einfache Lösungen im Ost-West-Verhältnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Außenministers in Florida -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>10. Februar 1982
INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan legt Haushalt 1982/83 vor
- Allgemeine Ausgabenkürzungen - Erhöhung des Verteidigungsetats
Jahresverteidigungsbericht an den Kongreß
- Auszüge Haig:

KSZE-Verpflichtungen der Sowjets werden nichtig

- Rede des US-Außenministers in Madrid Burt:

NATO muß sich auf neue Herausforderungen einstellen

- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Vertragsangebot Reagans zur Verminderung amerikanischer und
sowjetischer Raketen
- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan
Washington sieht Fortschritte im Bereich der Menschenrechte
in El Salvador
Wirtschaftswachstum ohne mehr Energieverbrauch
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA: Großtechnische Braunkohle-Vergasung nach Lurgi-Verfahren

Um Uber/endung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

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»

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Februar 1982

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT 1982/83 VOR
Allgemeine Ausgabenkürzungen - Erhöhung des Verteidigungsetats -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 8. Februar 1982
dem amerikanischen Kongreß seinen Haushaltsvoranschlag für das Haushaltsjahr 1983 - vom 1. Oktober 1982 bis 30. September 1983 - vorgelegt. Bei
geschätzten Einnahmen von 666,1 Milliarden Dollar und veranschlagten Ausgaben von 757,6 Milliarden Dollar schließt das Budget mit einem Defizit von
91,5 Milliarden Dollar ab.
In seiner umfangreichen Haushaltsbotschaft nimmt der Präsident eine
Neuordnung der Prioritäten vor. Die Bundesregierung will die Verantwortung für Programme abgeben, die nach ihrer Meinung in die Zuständigkeit
der Einzel Staaten oder Kommunen, der Privatindustrie oder des privaten
Bürgers fallen. Gleichzeitig wird in über 70 Programmen des Bundes in fünf
großen Kategorien eine Kürzung der Ausgaben vorgeschlagen. Lediglich auf
dem Sektor der Verteidigung sind weitere Erhöhungen vorgesehen.
Gesamthaushalt

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�gesamthaushalt
(In Milliarden Dollar)

1981

1982

(Ist)

1983

1984

1985

(Voranschlag)

Einnahmen

599,3

626,8

666,1

723,0

796,6

Ausgaben

657,2

725,3

757,6

805,9

868,5

Defizit

57,9

98,6

91,5

82,9

71,9

718,4

765,5

801,9

858,0

943,5

Haushaltsrahmen
(Ausgabeermächtigungen)

V

Wenn der Haushalt vom Kongreß verabschiedet wird, dann beträgt der Anstieg der Regierungsausgaben gegenüber dem Vorjahr nur 4,5 Prozent - gegenüber
einem entsprechenden Anstieg von 10,4 Prozent 1982 und 17,4 Prozent 1980.
Inflationsbereinigt wird 1983 sogar ein Kaufkraftwertrückgang der Ausgaben um
zwei Prozent zu verzeichnen sein und im Zeitraum von 1982 bis 1985 ein Zuwachs um nur 0,4 Prozent.
Der Haushaltsvoranschlag geht unter anderem von folgenden Erwartungen
aus:

einem realen Wachstum des Bruttosozialprodukts vom vierten Quartal 1982

bis zum vierten Quartal 1983 um 5,2 Prozent - einer Steigerung von 3 Prozent
gegenüber dem Vorjahr -; einem Rückgang der Inflation gemessen am Deflator
des Bruttosozialprodukts von 8,6 Prozent (Haushaltsjahr 1981 auf 7,2 Prozent
1982 und 5,5 Prozent 1983);einem Rückgang der Zinsen für kurzfristige Schuldverschreibungen des Bundes (91 Tage) von durchschnittlich 14,1 Prozent 1981
auf 11,7 Prozent 1982 und 10,5 Prozent 1983 sowie einem leichten Rückgang der
Arbeitslosigkeit von 8,9 Prozent in diesem Jahr auf 7,9 Prozent 1983.
Der Voranschlag

�Der Voranschlag des Präsidenten sieht Kürzungen um rund 56 Milliarden
über die fast 40 Milliarden Dollar hinaus vor, die der Kongreß im vergangenen
Jahr billigte.

Für 1984 sind weitere Senkungen der Ausgaben um 84 Milliarden

Dollar und für 1985 um 99 Milliarden Dollar vorgesehen.
In der Haushaltsbotschaft des Präsidenten, die dem umfangreichen Haushaltsvoranschlag beiliegt, heißt es unter anderem:
Vor einem Jahr

habe ich mich in meiner ersten Ansprache an das amerika-

nische Volk gewandt, um über den Zustand unserer Wirtschaft zu berichten.
Das war keine erfreuliche Angelegenheit.

Inflation, Zinsen und Arbeitslosen-

zahlen waren auf einem schmerzlich hohen Stand angelangt, während reales
Wachstum, Schaffung neuer Arbeitsplätze, Neuinvestitionen, Spartätigkeit und
Produktivitätszuwachs praktisch aufgehört hatten. Unsere Wirtschaft ging unter der Last übermäßiger Steuersätze, zweistelliger Inflation, davonlaufender
Regierungsausgaben, nur hemmender Verordnungen und eines unausgewogenen Zuwachses des Geldumlaufs in die Knie. Die Wirtschaft, so sagte ich damals,
ist in dem schlimmsten Zustand seit einem halben Jahrhundert.
Zu unserem großen Glück saßen viele im Kongreß, die die Art unserer
Schwierigkeiten begriffen und sich mit uns daran machten, der Herausforderung
zu begegnen.

Es wurden grundlegende und längst überfällige Gesundungsmaß-

nahmen vorgeschlagen und in Angriff genommen.

Zusammen haben wir die größten

Kürzungen der Ausgaben und Steuern in unserer Geschichte beschlossen.

Ver-

ordnungen mit negativer Auswirkung sind abgeschafft worden und die Bundesbank (Federal Reserve System) hat Maßnahmen ergriffen, um das übermäßige
Geldwachstum unter Kontrolle zu bringen.

...Jetzt muß noch sehr viel mehr

getan werden...
Wir haben dem amerikanischen Volk kein Wunder versprochen.

Wir haben

ihm Fortschritt versprochen, und es wird Fortschritt erleben.
Unser Ziel

�Unser Ziel war und ist der wirtschaftliche Wiederaufschwung - die Rückkehr zu einer nicht inflationären und anhaltenden Prosperität...

Schnell-

kuren werden nicht helfen.
Was uns dahin führen wird, sind feste Entschlossenheit und standhaftes
Festhalten an den vier Grundsätzen unseres Programms für den wirtschaftlichen
Wiederaufschwung, das ich dem Kongreß vor einem Jahr unterbreitet habe:
- Senkung der Einkommens- und Körperschaftssteuern zur Anregung der
Spartätigkeit, der Investitionen, der Arbeitsleistung und der Produktivität;
- Verringerung des Wachstums der Gesamtausgaben des Bundes durch Beseitigung von Tätigkeiten des Bundes, die außerhalb des eigentlichen Verantwortungsbereichs der Bundesregierung liegen;
- Abbau der Last der Verordnungen der Bundesregierung auf Gebieten, wo
die Bundesregierung in unnötiger Weise in unser Privatleben eindringt oder
wo sie sich in unnötiger Weise in die Geschäfte des privaten Bürgers oder
der einzelstaatlichen oder kommunalen Behörden einmischt;
- Unterstützung einer gemäßigten und stetigen Währungspolitik, um die
Inflation zu senken.
Gleichzeitig habe ich eine Stärkung der Verteidigung unseres Landes
vorgeschlagen, um unseren Sicherheitsspielraum wiederherzustellen und der
sowjetischen Aufrüstung zu begegnen.
Die Reaktion des Kongresses auf diese Vorschläge war positiv und erfreulich. Es bleibt zwar noch viel zu tun, aber wir haben einen guten Anfang
gemacht.
Die Politik der öffentlichen Hand unseres Landes liegt heute fest auf
einem neuen, gesunden und durchhaltbaren Kurs. Zum erstenmal in zwei Jahrzehnten wurde der zerstörerische Trend davonlaufender Ausgaben, steigender
- 4 -

�Ausgaben, steigender Steuersätze und zunehmender Haushaltsverpflichtungen
verlangsamt und wird in diesem Jahr, mit der Mithilfe des Kongresses endlich gestoppt werden.
- Während die Wachstumsrate der Ausgaben 1980 um 17,4 Prozent stieg,
ist sie jetzt dramatisch zurückgegangen - auf 10,4 Prozent in diesem Jahr und
nach dem von mir vorgeschlagenen Haushalt wird sie im nächsten Jahr auf 4,5
Prozent zurückgehen.
- Während der Haushaltszuwachs von 1979 bis 1981 insgesamt 166 Milliarden Dollar betrug, werden sich die Ausgaben von 1981 bis 1983 trotz der
Lebenshaltungskostenanpassungen und der notwendigen Steigerungen der Verteidigung nur um 60 Prozent dieser Summe erhöhen.
- Während der Anspruch der Bundesregierung an die Volkswirtschaft 1981
rund 23 Prozent des Bruttosozialprodukts

erreichte, wird er jetzt ständig

zurückgehen - auf 22 Prozent 1983 und auf unter 20 Prozent bis 1987.
- Nach einem Jahrzehnt der Steueraufblähung (Tax-Flation), in dem fiskalische und monetäre Exzesse den unaufhaltsamen Auftrieb der Preise und die
automatische Erhöhung der Steuern anheizten, wurden jetzt wesentliche Senkungen der Steuersätze verabschiedet. Ferner wurde mit der Indexierung der Einkommensteuer eine ständige Sicherung dagegen eingebaut, daß immer höhere
Steuerklassen fällig werden und die Regierung an der Inflation verdient.
- Während die Regierung die rasche, anhaltende Zunahme automatischer
Ansprüche passiv geduldet und aktiv die Hintanstellung unserer nationalen
Sicherheit betrieben hat, hat eine überfällige Neuordnung der Prioritäten
begonnen - der Zunahme der Ansprüche wird Einhalt geboten und die Wiederherstellung unserer Verteidigung ist im Gange.
Mit diesem dramatischen Fortschritt in der Neuordnung der Fiskal politik
ging eine ähnliche Neuorientierung der Währungspolitik einher.

Dem übermäßi-

gen, unhaltbaren und schließlich ruinösen Geld- und Kreditwachstum des letzten
- 5 -

�des letzten Jahrzehnts ist Einhalt geboten worden.
langsamt sich.

Der Preisauftrieb ver-

Die Ersparnisse der Bevölkerung fließen aus unproduktiver

Spekulation, Sachvermögen und anderen Rettungsankern vor der Inflation wieder
zurück in die Finanzarterien des Landes, wo sie zur Verfügung stehen, um den
wirtschaftlichen Wiederaufschwung, die Schaffung neuer Arbeitsplätze und wachsende Einkommen und Chancen zu bewirken.
Kurz gesagt, wir lassen die falsche Prosperität der überzogenen Ausgaben,
der leichten Kredite, der Geldentwertung und des finanziellen Übermaßes hinter
uns.

Wir haben eine solide Grundlage gelegt für einen gesunden Dollar, ein

anhaltendes reales Wirtschaftswachstum, eine dauerhafte finanzielle Stabilität
r

und eine nichtinflationäre Prosperität für alle Amerikaner...

Verteidigungshaushalt
Für die Verteidigung hat Präsident Reagan im Haushalt 1983 258 Milliarden
Dollar angefordert, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 43,7 Milliarden Dollar, also um real oder inflationsbereinigt 13,2 Prozent bedeutet.

Der

Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt wird im Laufe der
nächsten fünf Jahre von 5 auf 7 Prozent ansteigen.
Die tatsächlichen Ausgaben im Haushaltsjahr 1983 werden sich auf 215,9 Milliarden oder 33,1 Milliarden Dollar mehr belaufen, jedoch werden unter der
Rubrik "Nationale Verteidigung" im Haushalt insgesamt 263 Milliarden Dollar
angefordert, da hier alle mit der Verteidigung zusammenhängenden Programme
zusammengefaßt sind.

Darunter fallen unter anderem Programme für die Entwick-

lung von Kernwaffen, die bisher beim Energieministerium lagen un d jetzt vom
Handelsministerium verwaltet werden; Notstandsplanung, Vorräte an strategisch
wichtigen Gütern und das Rekrutierungsverfahren für die Streitkräfte.
Unter der Überschrift "Nationale Verteidigung" heißt es im Haushaltsentwurf unter anderem:
Das Grundziel
- 6 -

�Das Grundziel der nationalen Sicherheit des Verteidigungsprogramms der
Vereinigten Staaten ist die Verhütung des Krieges - vor allem des Atomkrieges.
Das nationale Sicherheitsprogramm der Vereinigten Staaten dient dem Zweck, andere davor abzuschrecken, unsere Lebensinteressen wie auch die unserer Verbündeten und Freunde zu bedrohen.

Diese Abschreckung muß auf der Aufrechterhal-

tung der strategischen nuklearen Kapazität beruhen, die einen Nuklearkrieg
gegen uns zu einer unannehmbaren Option macht; auf einer Überlegenheit zur
See; einer starken Streitkrä'fteposition in der NATO und in Nordostasien; und
auf der Fähigkeit, unsere Streitkräfte weltweit zu dislozieren und zu halten...
Zu dem derzeitigen Verteidigungsprogramm müssen gehören:
- Modernisierung aller Komponenten der strategischen Streitkräfte der
Vereinigten Staaten, um ihre Fähigkeit zu gewährleisten, einen Angriff zu überleben;
- Verbesserung der Fähigkeit des Landes, auf Krisen überall in der Welt
militärisch zu reagieren;
- Aufrechterhaltung der Überlegenheit zur See, die für die Dislozierung
amerikanischer Streitkräfte in lebenswichtige Regionen in Übersee, für die
Unterstützung unserer Verbündeten und für die Sicherstellung des Zugangs zu
lebenswichtigen Rohstoffen erforderlich ist;
- Neubelebung von Bündnissen und Zusammenschlüssen, um die Überlegenheit
zur See zu fördern, amerikanische Interessen weltweit zu schützen und die Ziele
der NATO zu erreichen;
- Verbesserung der Einsatzbereitschaft und Kampfkraft der konventionellen
Streitkräfte und Modernisierung dieser Streitkräfte mit neuem Gerät...
Strategische Streitkräfte:

Der Haushalt 1983 sieht eine weitere Moder-

nisierung aller Elemente der strategischen Streitkräfte vor, einschließlich
des B-1-Bombers und eines neugefaßten MX-Raketen-Programms.
Das strategische
- 7 -

�Das strategische Modernisierungsprogramm umfaßt fünf sich gegenseitig
verstärkende Elemente:
- Verbesserte Fernmelde- und Leitsysteme, die besser in der Lage sind,
zu überleben und einen Nuklearkrieg zu führen, falls die Abschreckung versagen sollte;
- Modernisierung unserer Bomberstreitmacht mit der Produktion des Flugzeuges vom Typ B-1B Mitte der achtziger Jahre und eines hochmodernen Tarnbombers (nicht zu ortender Bomber) in den neunziger Jahren;
- Entwicklung und Dislozierung einer neuen unterseebootgestützten Rakete (Trident II) mit verbesserter Reichweite, Treffsicherheit und Nutzlast;
darüber hinaus werden die seegestützten strategischen Streitkräfte in naher
Zukunft durch die Dislozierung seegestützter Marschflugkörper verstärkt;
- Programme zur schrittweisen Verbesserung der Treffsicherheit, Größe
und Oberlebensfähigkeit landgestützter Raketen durch die Dislozierung der MXRakete in bestehenden festen Silos und Forschung für künftige überlebensfähigere Alternativen der Stationierung;
- Verbesserung der strategischen Verteidigung, einschließlich der Modernisierung des Vorwarnsystems für Bomberangriffe, Beschaffung neuer Abfangjäger vom Typ F-15 und beschleunigter Entwicklung einer Raketenabwehr...
Allgemeine Streitkräfte: ...Die allgemeinen Streitkräfte müssen in der
Lage sein, auf den gefährlichsten potentiellen Konflikt reagieren zu können
- einem Krieg zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt - und gleichzeitig
die Flexibilität zu bewahren, anderen Bedrohungen amerikanischer Interessen
begegnen zu können... Der Haushalt 1983 sieht für die allgemeinen Streitkräfte 106,2 Milliarden Dollar vor, eine Erhöhung um 20 Prozent gegenüber 1982...
Allgemeine Seestreitkräfte:

�Allgemeine Seestreitkräfte:

...Die Einsatzflotte der Vereinigten Staaten

wird von 555 Schiffen 1982 auf 569 Schiffe
deutlichen

1983 erhöht werden. Wenn wir einen

Spielraum der Überlegenheit zur See erreichen wollen, dann müssen

wir jedoch weiterhin unsere Marine-Waffensysteme modernisieren und den Bestand weiter erhöhen.

Der mit 96 Milliarden Dollar ausgestattete Fünfjahres-

Schiffbauplan sieht von 1983 bis 1987 den Bau von 113 Schiffen vor, einschließlich von sechs Trident-Raketenunterseebooten.

Der Haushalt sieht 1983 die Be-

schaffung folgender neuer Schiffe vor:
- zwei nuklear angetriebene Flugzeugträger, die die Haupteinsatzstreitmacht unserer seegestützten konventionellen Streitkräfte ausmachen;
- drei große Kriegschiffe (Kreuzer), die mit dem AEGIS-System ausgerüstet
sind, um die Flotte vor Angriffen mit Flugzeugen und Raketen zu schützen;
- zwei kleine Kriegschiffe (Fregatten), um die Flotte und militärische
Geleitzüge zu schützen;
- ein Landungsschiff

zur Unterstützung von Landungen des Marinekorps;

- zwei nuklear angetriebene Angriffsunterseeboote;
- vier Minenbekämpfungsschiffe, um die Fähigkeit unserer Flotte zu verbessern, angesichts feindlicher Minendrohungen zu operieren;
- ein Flottentanker zur Unterstützung unserer Flotte auf See;
- ein Bergungsschiff zur Bergung beschädigter Schiffe oder Flugzeuge...
See- und Luftbrückenkapazität: ...Die Einsatzbereitschaft wird durch die
Verbesserung vorhandener Transportflugzeuge und die Beschaffung zusätzlicher
Ersatzteile erhöht werden...
Unsere Seetransportkapazität
- 9 -

�Unsere Seetransportkapazität für die schnelle Eingreiftruppe wird durch
die Umwandlung von SL-7-Versorgungsschiffen sowie die Charterung weiterer
Schiffe für vorausdisponiertes Gerät und vorausdisponierten Nachschub in der
Nähe von Unruheherden verstärkt werden...
Für die taktischen Luftstreitkräfte ist die Beschaffung weiterer Maschinen der Typen F-15, F-16 und A-10 sowie umgebauter F-lll für die Störung
des gegnerischen Radar vorgesehen.

Ferner sollen weitere Aufklärungsflugzeuge

TR-1 sowie AWACS-Maschinen angeschafft werden.

Internationale Angelegenheiten
Die wesentlichen Auszüge aus dem Abschnitt "Internationale Angelegenheiten", der sich in die beiden Bereiche Sicherheitshilfe und Wirtschaftsund Finanzhilfe aufgliedert, haben folgenden Wortlaut:
Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist auf die Schaffung eines Umfeldes des Friedens, der internationalen Sicherheit und des wirtschaftlichen
Wohlstandes ausgerichtet, in dem die politischen und wirtschaftlichen Freiheiten des einzelnen gedeihen können.

Internationale Sicherheitshilfe
Die Programme der Sicherheitshilfe sind lebenswichtige Instrumente der
Sicherheits- und Außenpolitik der Vereinigten Staaten und dienen dazu, verbündete und befreundete Länder zu stärken, mit denen die Vereinigten Staaten
spezielle Sicherheitsanliegen verbinden.

Durch diese Programme helfen die

Vereinigten Staaten anderen Ländern dabei, militärische Ausrüstung zu kaufen,
das notwendige Personal dafür auszubilden und einzusetzen, das für ihre Verteidigung nötig ist; zudem wird hierdurch die wirtschaftliche und politische
Stabilität gefördert.

Die Programme ermöglichen es den Vereinigten Staaten,

den Frieden im Nahen Osten zu fördern, die südliche Flanke der NATO zu stär- 10 -

�zu stärken und diejenigen Länder in Afrika, Asien und in der Karibik zu unterstützen, die direkt oder indirekt durch den sowjetischen Expansionismus bedroht
sind.

Sicherheitshilfe wird auch im Zusammenhang mit dem Zugang zu Militär-

basen und anderen militärischen Einrichtungen im Ausland gestellt.
Aufgrund der ernsten Bedrohung der amerikanischen Interessen in mehreren
Teilen der Welt sieht das Budget eine beträchtliche Erhöhung der Sicherheitshilfe vor.

Die vorgeschlagene Haushaltsermächtigung wurde für das Jahr 1983

auf 4,7 Milliarden Dollar ansteigen, eine Erhöhung von 1,2 Milliarden Dollar
gegenüber 1982.
Hauptprogramme
(In Millionen Dollar)
1981

1982

1983

Ist

( V o r a n s c h l a g )

500

750

1 739

Mittel für wirtschaftliche Unterstützung 2 100

2 564

2 886

Internationale Sicherheitshilfe:
Militärische Lieferungen ins Ausland
auf Kredit
Militärhilfe

110

177

108

Soldaten

28

38

54

Aktivitäten zur Friedenssicherung

34

151

43

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst etc
Vorlage

-231
-

-194
-

-171
5

2 543

3 486

4 663

Militärische Ausbildung ausländischer

Zwischensumme, Internationale
Sicherheitshilfe

Wirtschaftliche und

- 11 -

�Wirtschaftliche und finanzielle Auslandshilfe
Wirtschafts- und Finanzhilfe für andere Länder dienen den außenpolitischen
Interessen der Vereinigten Staaten, indem die wirtschaftliche Entwicklung in
den Staaten der Dritten Welt gefördert und Menschen in Not humanitäre Hilfe
zuteil wird.

Die Vereinigten Staaten gewähren diese Hilfe sowohl bilateral

als auch über multilaterale Institutionen.

Die Haushaltsvoranschläge für

das Jahr 1983 stellen einen bescheidenen Anstieg gegenüber den Zahlen des Jahres 1982 dar. Dieser Anstieg ist notwendig, um den in der Vergangenheit eingegangenen Verpflichtungen gerecht zu werden und auf dringende Erfordernisse
in Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika reagieren zu können.
In diesem Bereich der Auslandshilfe legen die Vereinigten Staaten auch
weiterhin großen Wert auf das wirkungsvolle Management der internationalen
Organisationen.

Dabei ist es von besonderer Bedeutung, daß diese Organisationen

regelmäßig ihre Programme überprüfen, die unwichtigeren und veralteten Aktivitäten einstellen, überflüssiges Personal einsparen und ihre Kosten reduzieren.

Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, nur diejenigen Budgets von Or-

ganisationen zu unterstützen, die in dieser Hinsicht beträchtliche Zurückhaltung signalisieren.

Diese Administration ist der Oberzeugung, daß nach

Jahren stetiger Programmausweitung die Effizienz der meisten Organisationen
durch Rationalisierung und Selbstkontrolle gesteigert werden sollte.
Die Vereinigten Staaten leisten freiwillige Beiträge für die Vereinten
Nationen und andere internationale Organisationen und Programme, die für
Entwicklung, humanitäre Hilfe und wissenschaftliche Zusammenarbeit tätig sind.
Die Beteiligung an diesen multilateralen Programmen vervollständigt die direkte Hilfe von Land zu Land, um die Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik zu verwirklichen. Dennoch werden die amerikanischen Beiträge im
Jahr 1983 gegenüber dem Umfang der vergangenen Jahre abnehmen und damit die
Überzeugung der Administration widerspiegeln, daß manche multilateralen Programme für das Erreichen außenpolitischer Ziele der USA weniger wirksam sind
als bilaterale Hilfe.
Hauptprogramme
- 12 -

�Hauptprogramme
(In Millionen Dollar)

1981

1982

1983

(Ist)

( V o r a n s c h i

Wirtschaftliche und finanzielle
Auslandshilfe:
Multilaterale Entwicklungshilfe:
Multilaterale Entwicklungsbanken

1 004

1 262

Internationaler Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung

--

--

Internationale Organisationen

262

215

1 684
1 229
106
474

1 771
1 000
105
503

-259

-327

-371

Zwischensumme, Wirtschaftliche
und finanzielle Auslandshilfe

4 499

4 529

4 764

Gesamtsumme der Auslandshilfe

7 042

8 015

9 427

Amt für Internationale Entwicklung
(AID)
Lebensmittelhilfe (Gesetz 480)
Friedenskorps
Flüchtlingshilfe
Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst, Tilgung

+ + + + +

- 13 -

1 537
65
173
1 816
1 028
98
419

ag)

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6

10. Februar 1982
Jahresverteidigungsbericht an den Kongreß
- Auszüge -

WASHINGTON (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger
hat am 8. Februar 1982 dem Kongreß seinen Jahresbericht für das Haushaltsjahr
1983 vorgelegt und darin deutlich gemacht, daß die Vereinigten Staaten aufgrund
der gewaltigen und anhaltenden Verteidigungsausgaben der Sowjetunion gezwungen
sind, zur Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts auch ihre eigenen
Ausgaben zu erhöhen. Weinberger erklärte: "Wenn die Sowjets merken, wie sie
ständig und ohne Schwierigkeiten an militärischer Stärke gewinnen, wird
unsere Fähigkeit zur Abschreckung vor einer Aggression unerbittlich geschwächt
werden."
Wesentliche Auszüge des Verteidigungsberichtes haben folgenden Wortlaut:

Beurteilung der militärischferi Weltlage
Die zentrale Rolle des amerfikarfisch-sowjetisehen Kräfteverhältnisses
Die Sowjetunion stellt für das amerikanische Volk eine größere Gefahr
dar als jede andere ausländische Macht in unserer Geschichte. Allein die
Sowjetunion hat die Macht, unserem Volk Verluste in Millionenhöhe beizubringen.
Nur die Sowjetunion hat so viele und so moderne konventionelle und nukleare
Streitkräfte disloziert, die unsere Freunde und Verbündeten in Europa und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Asien direkt konfrontieren. Nur die Sowjetunion verfügt über die Streitkräfte
und die geographische Nähe zur Bedrohung der wichtigsten Energiequellen der
Freien Welt. Und die Sowjetunion unternimmt anhaltende Anstrengungen zur Ermutigung und Bewaffnung totalitärer Kräfte in den verschiedensten Weltgegenden,
um dadurch ihren politischen Einfluß und ihren militärischen Machtbereich auszudehnen.
*

Die Reagan-Administration ist sich auch darüber im klaren, daß es noch
andere Bedrohungen des Weltfriedens und der Sicherheit der Vereinigten Staaten
gibt. So hängen wir und unsere Verbündeten in großem Ausmaß von wichtigen Rohstoffen aus Weltgegenden ab, die uns entweder feindlich gesinnt oder zumindest
politisch instabil sind und teilweise über ein machtvolles und modernes Waffenarsenal verfügen. Die Administration ist sich auch der Tatsache bewußt, daß die
Weiterverbreitung von Kernwaffen in Zukunft zu neuen Gefahren führen kann und
daß der Verbreitung dieser Waffen Einhalt geboten werden muß. Schließlich
müssen die Vereinigten Staaten zusammen mit ihren Verbündeten und Freunden
terroristischen Bedrohungen begegnen, die von Gruppen ausgehen, die unabhängig
von der Sowjetunion operieren.
Aber sogar die Bedrohungen, die unabhängig in den verschiedenen Regionen
auftreten, werden von der Sowjetmacht beeinflußt. Zudem fördern die Sowjets
bisweilen lokale Instabilitäten, und sogar dort, wo sie dies nicht tun, können
sie Vorteile aus den Möglichkeiten ziehen, die diese Instabilitäten bieten. Wir
erkennen die Tatsache an, daß eine Reihe von wichtigen außenpolitischen und
militärischen Problemen nicht das Ergebnis sowjetischer Initiative ist.- Aber
diese Einsicht darf uns nicht von der Tatsache ablenken, daß es die militärischen
Anstrengungen der Sowjetunion, deren Richtung und Natur sind, die unseren Militärhaushalt bestimmen.

- 2 -

�Trends bei den amerikanischen und sowjetischen Militärinvestitionen
Weit enthüllender als Vergleiche zwischen den militärischen Gesamtausgaben ist ein Vergleich zwischen den amerikanischen und sowjetischen Militärinvestitionen. Denn während die Kosten für Betrieb, Unterhaltung und Personal
die militärische Kapazität zu einem gegebenen Moment signalisieren, stellen
Programme für Waffenbeschaffung, Waffenentwurf, Forschung und Entwicklung Investitionen in künftige Möglichkeiten dar.
Diese Militärinvestitionen der Sowjetunion übersteigen unsere eigenen noch
deutlicher als ihr gesamtes Verteidigungsprogramm - ein Mehrbetrag, der innerhalb der vergangenen fünf Jahre bei 80 bis 90 Prozent lag. Die Investitionen
stellen einen größeren Anteil an einem ohnehin größeren sowjetischen Programm
dar. Die Sowjets ließen sich von diesen Militärinvestitionen auch nicht durch
die relativ hohen Rubel-Kosten für diese Investitionen abschrecken, während
die Mittel der Vereinigten Staaten für solche Militärinvestitionen begrenzt
wurden durch die relativ hohen Dollar-Kosten für Sold und Betriebskosten für
die Waffen.

Das nukleare Gleichgewicht
Bei der Beurteilung des globalen militärischen Gleichgewichts wurde
größte Sorgfalt auf das amerikanisch-sowjetische Verhältnis bei den strategischen Nuklearwaffen gelegt - und dies aus guten Gründen. Aber diese Haltung
führte in den letzten Jahren zu einer eingeengten Sichtweise, als nämlich die
SALT-Verhandlungen zum dominierenden Aspekt unserer Politik der strategischen
Streitmacht wurden.
Das umfassendere Bild dessen, was aus dem nuklearen Gleichgewicht geworden ist, wird deutlich, wenn wir einen Blick auf einen detaillierteren Maßstab des amerikanisch-sowjetischen Nuklearverhältnisses werfen. Kein einzelner,
isolierter Aspekt oder Aspektbereich kann dieses Gleichgewicht angemessen aufzeigen. Zusammengenommen signalisieren diese Aspekte jedoch einen bereits seit

- 3 -

�Mitte der sechziger Jahre anhaltenden Abwärtstrend der amerikanischen Position.
Während die Sowjets sowohl auf offensive wie auf defensive Systeme Wert legen,
haben die Vereinigten Staaten in großem Umfang Defensivvorbereitungen vernachlässigt. Auch haben die Sowjets die Entwicklung der Zivilverteidigung mit immer
größerer Aufmerksamkeit weiterverfolgt, um hierdurch und durch eine Vielzahl
weiterer Maßnahmen die Aussicht auf das Oberleben von entscheidenden Teilen
ihrer Gesellschaft nach Ausbruch eines Atomkriegs zu verbessern. Während unsere
strategischen Programme aufgrund der Erwartungen bei SALT und bei der Entspannung beschnitten wurden, verbesserten die Sowjets ständig die Qualität ihrer
strategischen Streitkräfte. Angesichts der zentralen Bedeutung dieser Systeme
für die nationale Sicherheit legt das Programm der Regierung Reagan größten
Wert auf die Umkehrung der Trends des vergangenen Jahrzehnts und auf die Stärkung unserer strategischen Systeme.
Während der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre gab es auf beiden
Seiten Pläne für die Entwicklung von nuklearfähiger Artillerie und von BodenBoden-Raketensystemen. Das amerikanische Programm wurde jedoch nicht durchgeführt
und konzentriert sich derzeit auf die PERSHING II-Rakete und die bodengestützten
Marschflugkörper. Bis zum Einsatz dieser Systeme muß sich der Westen hauptsächlich auf eine Kombination von Artillerie, LANCE-Raketen und taktischen Flugzeugen stützen. Im Gegensatz hierzu hielten sich die Sowjets eng an ihre langfristigen Pläne. Mit der Dislozierung der neuen SS-21-, SS-22- und SS-23-Raketen
haben sie in Verbindung mit modernisierter Artillerie und Flugzeugen offensichtlich ihr ursprüngliches Ziel erreicht, eine eindrucksvolle Bandbreite komplementärer Artillerie-, Raketen- und Flugzeugsysteme zu erstellen, die alle nukleare,
chemische und konventionelle Optionen haben.
Wir müssen die globale Bedrohung unserer Interessen erkennen, die sich
durch die umfassende Asymmetrie bei den nuklearen Gefechtsköpfen sowie durch
die gewaltige Bandbreite und die operativen Charakteristiken der sowjetischen
Nuklearsysteme ergibt. In Ostasien und im Pazifik genauso wie an der westlichen
Front fügen die Sowjets ihrem gewaltigen und wachsenden Arsenal an Flugzeugen,
die für den Nukleareinsatz geeignet sind, an Nuklear-Unterseebooten und anderen

- 4 -

�Systemen auch weiterhin SS-20-Raketen hinzu. Ein Großteil dieses Arsenals könnte
zudem rasch verlegt und anders ziel geplant werden, um auf einen anderen potentiellen Konfliktschauplatz ausgerichtet zu werden.

Seestreitkräfte und Machtdarstellung
Die Vereinigten Staaten haben stets erkannt, daß ihre grundlegenden Interessen auch entfernt liegende Gebiete berühren. Während der siebziger Jahre
ging jedoch die Tendenz dahin, uns mit unseren Besorgnissen auf Westeuropa zu
konzentrieren und die Tatsache zu vernachlässigen, daß auch andere Teile der
Welt sowohl für Europa als auch für uns selbst wichtig sind. In der Tat hat die
Abhängigkeit Westeuropas, unserer asiatischen Verbündeten und der Vereinigten
Staaten von den Rohstoffen anderer Erdteile rapide zugenommen - genau zur
gleichen Zeit, da diese Gebiete in zunehmendem Maß verletzlich gegenüber feindseligen Aktivitäten wurden.
Die Flottenpolitik der Sowjetunion und deren Programme für die achtziger
Jahre sind auf eine Ausweitung der militärischen und politischen Optionen ausgerichtet, die der Führung auf dem gesamten Konfliktspektrum zur Verfügung
stehen.
Seit Beginn der siebziger Jahre wird deutlich, daß die Sowjets die Aufgabe ihrer Streitkräfte nicht nur in dem traditionellen Schutz der Sowjetunion
sehen, sondern zugleich im Schutz der "sozialistischen Staaten" auf der ganzen
Welt. Die Sowjets erstreben Streitkräfte und Erfahrung für die Machtdarstellung
und den Einfluß in Gebieten, die weit entfernt von der Sowjetunion liegen. Sie
vergrößern und verbessern die Landstreitkräfte in ihren Grenzgebieten, ihre
taktischen Flugzeuge und ihre Luftverteidigungseinheiten. Dasselbe gilt für
ihre Luft- und Seetransportkapazitäten und die logistische Infrastruktur entlang der sowjetischen Peripherie. Zudem haben sie Flottenkapazitäten entwickelt,
die es ihnen ermöglichen, Streitkräfte in beträchtlicher Entfernung einzusetzen
und zu unterstützen. Ihre verbesserten Kapazitäten zur Durchführung von Operationen in großen Entfernungen zeigt sich außerdem in der Einrichtung modernster
- 5 -

�Kommando-, Leit- und Fernmeldeanlagen in so entscheidenden Gebieten wie Kuba,
dem Jemen und in Vietnam. Sie setzen auch weiterhin neben Diplomatie auf subversive Tätigkeit und militärischen Druck, um nichtkommunistische Staaten zu
untergraben und Stützpunkte in Südwestasien, Afrika und im karibischen Raum
zu sichern.
In scharfem Kontrast hierzu wurde der Zugang für die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten zu mehreren Regionen von strategischer Bedeutung eingeschränkt, da unsere Stationierungsstruktur und die unserer Verbündeten im Vergleich zu der von vor etwa 20 Jahren nachgelassen hat. Wir haben nunmehr Vorbereitungen für verstärkten Einsatz von Mitteln für Anlagen in Ostafrika und Südwestasien getroffen, da wir um die Sicherheit des Nahen und Mittleren Ostens
und der Region des Persischen Golfs besorgt sind. Zwar werden sich auf lange
Sicht die Lufttransportkapazitäten der Vereinigten Staaten verbessern, doch
geben die Nähe der Sowjetunion zum Persischen Golf und die anhaltenden Verbesserungen bei ihren Streitkräften den Sowjets einen klaren Vorteil bei der
Machtdarstellung in dieser lebenswichtigen Region.

Mittel für den langfristigen militärischen Wettbewerb
Die große Stärke der freien Welt liegt in dem Wohlstand ihrer freien Marktwirtschaften. Sie ermöglichen stetige Verbesserung des Lebensstandards und die
zur Verteidigung notwendigen Mittel. Unsere Widersacher ziehen die Mittel für
ihre militärischen Programme aus weniger produktiven Volkswirtschaften und
müssen den zivilen Verbrauch stark einschränken. Aber trotz unserer weit
größeren wirtschaftlichen Basis hat die Sowjetunion über ein Jahrzehnt lang
mehr Mittel für militärische Zwecke eingesetzt. Da der Zuwachs des sowjetischen
Bruttosozialprodukts in letzter Zeit unter die Rate gesunken ist, mit der die
Militärausgaben wachsen, fordert die militärische Anstrengung einen wachsenden
Teil des durch die nationale Leistung Erreichten. Die verschiedensten Formen
der sowjetischen Wirtschaftshilfe für Osteuropa, Kuba und Vietnam sind in den
letzten Jahren größer geworden. Die Höhe dieser Ausgaben sowie die sowjetischen
Militärprogramme lasten gewaltig auf der Volkswirtschaft des Landes.
- 6 -

�Die sowjetische Wirtschaft wird vom Handel mit den Vereinigten Staaten
und unseren Verbündeten stark beeinflußt. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, daß unsere Handelspolitiken in klarer Erkenntnis der auf dem Spiel
stehenden Sicherheitsinteressen konzipiert werden. Der Handel des Westens mit
Osteuropa und der Sowjetunion trägt zur wirtschaftlichen Stärke dieser kommunistischen Staaten bei - und damit zugleich auch zu ihrer Fähigkeit, militärische
Programme zu verwirklichen. Mag der Westen auch diesen oder jenen wirtschaftlichen Vorteil aus diesen Handelsbeziehungen ziehen, so muß es sich doch zum
Nachteil des Westens auswirken, wenn sie allein von den Kräften des privaten
Marktes bestimmt werden. Unsere Handelspolitik mit dem Osten sollte unsere
umfassenderen strategischen Interessen mit in Rechnung stellen. Die Unterstützung,
die der Ost-West-Handel dem militärischen Ausbau der Sowjetunion gewährt, erhöht die Bedrohung unserer Sicherheit und die Kosten unserer Verteidigung.
Unsere Bereitschaft zu geschäftlichen Beziehungen mit der Sowjetunion sollte
nicht unabhängig sein vom Verhalten der Sowjetunion.
Diese Administration ergreift Maßnahmen, um unsere Technologie wirkungsvoller zu schützen. Um die Einschränkungen der C0C0M-Kommission durchzusetzen,
hat der Präsident ein COCOM-Treffen auf hoher Ebene gefordert - das erste seit
Anfang der fünfziger Jahre -, um die internationale Kontrollstruktur zu festigen
und zu einer aktiveren Anwendung der Regeln durch die Mitgliedstaaten zu ermutigen.
Der langfristige Wettbewerb zwischen der freien Welt und dem Sowjetblock
wird auch von den wirtschaftlichen Entwicklungen bei uns und unseren Verbündeten mitbestimmt. Die weitere Sicherheit unserer Bündnisse wird von erhöhten
Militärausgaben unserer wohlhabenden Verbündeten abhängen. Wegen der plötzlichen Verteuerung der Energiekosten standen die Staaten Westeuropas im vergangenen Jahrzehnt vor erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das
langfristige Wachstum ihrer Volkswirtschaften könnte zudem durch ihr Beharren
auf verhältnismäßig ausgereiften Industrien anstatt durch die Verlagerung auf
dynamischere Bereiche bei neueren Technologien verlangsamt werden. Diese Administration erkennt, daß Verteidigungserfordernisse in Zeiten des wirtschaft-

- 7 -

�liehen Druckes für die Regierungen und Völker Westeuropas eine schwierige politische und wirtschaftliche Wahl darstellen - genau wie in den Vereinigten
Staaten.

Unsere Haltung bei der Rüstungskontrolle
Unsere Haltung bei der Rüstungskontrolle sollte darin bestehen, Vereinbarungen auszuhandeln, die das Risiko eines Krieges vermindern und die Bedrohung
unserer Sicherheit und die unserer Verbündeten

verringern. Kosmetische Ab-

kommen - solche, die lediglich eine weitere Aufrüstung der sowjetischen Militärmacht legitimieren - liegen nicht in unserem nationalen Interesse. Wenn sich
ernsthafte Möglichkeiten auftun, Abkommen auszuhandeln, die das derzeitige
Rüstungsniveau fair, ausgewogen und verifizierbar verringern, sollten wir sie
tatkräftig verfolgen. Das historische Angebot Präsident Reagans, unseren Plan
zur Dislozierung von Marschflugkörpern und PERSHING II-Raketen in Europa fallenzulassen, wenn die Sowjets ihre SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abbauen und andere
Raketen begrenzen, die als Ersatz für jene verwendet werden könnten, gehört zu
der Art von Rüstungskontroll vorschlagen, auf die diese Kriterien zutreffen. Wir
werden hart dafür arbeiten, daß er angenommen wird. Die derzeitigen großen
Schwierigkeiten werden uns nicht von diesem langfristigen Ziel abbringen.

Die Grundlage einer langfristigen Verbesserung
Damit sich die natürliche Stärke der freien Gesellschaften auch weiterhin
durchsetzen kann, muß unsere Verteidigungsstrategie

zweierlei tun. Zum einen

muß sie die weitere Expansion und Konsolidierung des sowjetischen Militärimperiums zum Stillstand bringen - gleich, ob diese Expansion durch direkte militärische Intervention voranschreitet (wie 1« Afganistan),oder durch weniger direkte
Intervention (wie in Angola, Nicaragua und andernorts). Zum andern muß unsere
Strategie darauf sehen, daß die Produktivität und technologische Kreativität unserer freien Gesellschaften nicht dazu ausgenützt werden, die chronischen
Schwächen des kommunistischen Systems auszugleichen.
+++++
- 8 -

�amIERlIKh
I Dl El11!ST3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Februar 1982

HAIG: KSZE-VERPFLICHTUNGEN DER SOWJETS WERDEN NICHTIG
- Rede des US-Außenministers in Madrid -

MADRID - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig hat in
einer Rede vor der Folgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) am 9. Februar 1982 erklärt, die Sowjets hätten durch
ihre Aufstachelung und Unterstützung einer unbarmherzigen Unterdrückungskampagne in Polen ihre Verpflichtungen im Rahmen der Schlußakte von Helsinki eindeutig null und nichtig werden lassen. Nach dem, was in Polen geschehen sei,
könne man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Wir stehen an einem kritischen Scheidewege der Nachkriegsgeschichte
Europas. Unsere Völker haben große Hoffnungen in die Versprechungen und Prinzipien von Helsinki investiert. Von Madrid aus müssen wir ihnen ein deutliches
Signal senden, daß wir entschlossen sind, diese Versprechen zu erfüllen und
auf diesen Prinzipien zu beharren, sonst werden die Schlußakte von Helsinki
und der Versöhnungsprozeß, den sie symbolisiert, schwer, ja vielleicht irreparabel geschädigt.
Im Jahr

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Im Jahr 1975 verpflichteten sich 35 Staats- und Regierungschefs, die
Wunden und Spaltungen Europas zu heilen. Die Achtung vor den Rechten von
Völkern und Einzelpersonen sollte die Grundlage für eine viel umfassendere
Sicherheit und Zusammenarbeit legen. Eine neue Ära des Vertrauens, des Handels, der Reisen und der Freiheit sollte anbrechen.

Europa sollte wieder

ein Ganzes werden.
Jetzt ist diese Vision zutiefst in Frage gestellt. Wenn wir uns mit
den komplizierten Sachverhalten der gegenwärtigen Lage befassen, dann könnten wir durchaus auf Winston Churchill hören, der einst den Rat gab, daß in
"kritischen und verwirrenden Situationen es immer am besten ist, sich auf
erste Prinzipien und einfaches Handeln zurückzubesinnen". Wir stehen wirklich in einer kritischen Situation.
Die ersten Prinzipien der Schlußakte von Helsinki werden angegriffen.
Der Zweck meines Hierseins - ja der Zweck dieser Konferenz Liberhaupt - muß
darin bestehen, die Akte zu verteidigen, indem klar ausgesprochen wird, was
geschieht und warum es geschieht. Seit über einem Jahr hat die amerikanische
Delegation unter der fähigen Leitung von Botschafter Kampelman zusammen mit
anderen versucht, auf den Versprechungen der Schlußakte von Helsinki weiter
aufzubauen. Wir haben über unsere Meinungsverschiedenheiten gesprochen, und
wir haben neue Initiativen verfolgt. In allem war es unser Ziel, die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu stärken. All diese Bemühungen werden
heute von bösen Ereignissen im Herzen Europas selbst überschattet. Das polnische Volk, dessen Schicksal immer die europäische Sicherheit berührt hat,
wird seines Rechtes beraubt, über seine eigenen Angelegenheiten zu entscheiden. Eine gewaltsame Unterdrückung des polnischen Streben; nach Würde am Arbeitsplatz, nach Freiheit und nach Selbstbestimmung ist im Gange. Die Generäle dieses Krieges gegen das polnische Volk sind niemand anders als das polnische Regime selbst, das unter der Aufstachelung und dem Zwang der Sowjetunion handelt. Wie können diese Handlungen mit der Unterschrift Polens und
der Sowjetunion unter die Übereinkommen von Helsinki vereinbart werden?

Nichts gefährdet
- 2 -

�Nichts gefährdet die Sicherheit und die Zusammenarbeit in Europa mehr
als die Androhung und die Anwendung von Gewalt, um international anerkannte
Rechte vorzuenthalten.

Nichts gefährdet die Schlußakte von Helsinki und den

Helsinki-Prozeß mehr als diese absichtliche Verletzung feierlicher internationaler Verpflichtungen.

Wir würden den künftigen Frieden Europas bedrohen,

wenn wir diesen dramatischen Angriff auf internationale Grundsätze außer
acht ließen.

Ohne Frage haben alle Länder, die an einem sichereren vereinig-

ten und offenen Europa - der Aufgabe dieser Konferenz - interessiert sind,
eine Verantwortung, hier und heute ihre Stimmen zu erheben.

Das amerikanische

Volk wie auch andere Völker könnten sich niemals mit dem zynischen Versuch
abfinden, die polnische Tragödie außerhalb der Reichweite der Schlußakte von
Helsinki zu stellen.

Es ist im Gegenteil so, daß die Akte unsere Sorge

rechtfertigt und unseren Protest verlangt.

Um es ganz einfach auszudrücken,

die Frage ist, ob wir das, was wir im August 1975 im Prinzip I der Schlußakte
gesagt haben, auch wirklich meinten, wenn die Signatarstaaten erklärten, daß
Staaten das Recht haben, ihre politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen
und kulturellen Systeme zu wählen und zu entwickeln.

Und doch hat die Sowjet-

union durch Nötigung und Eingreifen mit den polnischen Militärbehörden konspiriert, um Polen dieses Grundrechts zu berauben.
Im Prinzip II erklärten die Signatarstaaten, daß sich die beteiligten
Staaten der Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines anderen Staates enthalten würden.
Und doch haben militärische Demonstrationen der Sowjetunion und des Warschauer
Paktes sowie die begreifliche Angst vor einer militärischen Intervention der
Sowjets dazu gedient, das polnische Volk in seiner Suche nach Reform einzuschüchtern.
In den Prinzipien IV und VI erklärten die Signatarstaaten, daß sie sich
jeglicher Maßnahme gegen die politische Unabhängigkeit irgendeines anderen
Teilnehmerstaates sowie jeglicher Einmischung in ihre inneren oder äußeren
Angelegenheiten enthalten wUrden.

Und doch ist das polnische Volk das Opfer

einer langen und bösartigen Kampagne geworden.

- 3 -

Amtliche Erklärungen, von denen

�von denen einige von der höchsten Ebene der sowjetischen Regierung ausgingen,
haben vor bösen Konsequenzen gewarnt, wenn die Polen auf polnische

Lösungen

für polnische Probleme beharrten.
Im Prinzip VII erklärten die Signatarstaaten, daß sie die wirksame Ausübung bürgerlicher, politischer, wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und
anderer Rechte und Freiheiten fördern und ermutigen würden.

Aber die pol-

nischen Militärbehörden, weit entfernt von der Förderung und Ermutigung der
Ausübung dieser Rechte, unterdrücken die grundlegendsten Freiheiten des polnischen Volkes.
Im Prinzip VIII erklärten die Signatarstaaten, daß sie das Recht der
Völker respektieren würden, frei über ihren politischen Status ohne Einmischung von außen zu entscheiden und ihre politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung nach eigenem Wunsche voranzutreiben.

Eine Verletzung dieses Prinzips stellt die gesamte Schlußakte in Frage.

Und doch hat die Sowjetunion seit Beginn der Reformbewegung in Polen systematisch versucht, dem polnischen Volk das Recht auf die Gestaltung seiner eigenen Zukunft zu verwehren.
Im Prinzip X erklärten die Signatarstaaten, daß sie bei der Ausübung
ihrer souveränen Rechte, einschließlich des Rechts auf Festlegung ihrer Gesetze und Bestimmungen, in Übereinstimmung mit ihren rechtlichen Verpflichtungen im Rahmen des internationalen Rechts handeln würden.

Die Unterdrückung

der Bürger- und Menschenrechte des polnischen Volkes verletzt die international anerkannten Rechte, wie sie in der Charta der Vereinten Nationen und der
universalen Menschenrechtserklärung wie auch in den einschlägigen Bestimmungen der Schlußakte niedergelegt sind.
Was ich eben dargestellt habe, ist die "Bill of Rights", die die Schlußakte von Helsinki der westlichen Zivilisation geschenkt hat.
Damit legt die Schlußakte grundlegende Normen fest, nach denen wir uns
und einander beurteilen.

Diese Prinzipien waren das Ergebnis langwieriger
- 4 -

�Ergebnis langwieriger Verhandlungen.

Sie wurden feierlich eingegangen.

Die

Haltung meines Landes wurde von Präsident Ford gut zum Ausdruck gebracht, als
er sagte:

"Wir nehmen diese Arbeit und diese Worte sehr ernst.

Wir werden

keine Anstrengung unterlassen, um Spannungen abzubauen und Probleme zwischen
uns zu lösen. Aber es ist wichtig, daß Sie die tiefe Hingabe des amerikanischen Volkes und seiner Regierung an die Menschenrechte und die fundamentalen
Freiheiten und damit die Verpflichtungen erkennen, die diese Konferenz eingegangen ist..."
Die Vereinigten Staaten und viele andere Regierungen, die heute hier vertreten sind, halten sich voll Stolz an diese Maßstäbe. Die Schlußakte von
Helsinki verkörpert unsere Ablehnung einer nur sich selbst dienenden Gewalt,
die Macht mit Recht gleichsetzt. Sie spiegelt das internationale Einverständnis wider, daß alle Prinzipien in gleichem Maße bindend sind. Kein Staat
hat das Recht zur willkürlichen Definition. Kein Staat hat das Recht, selektiv Ausnahmen zu beanspruchen. Und doch ist die Ausübung willkürlicher Macht
und Gewalt zu einem Verhaltensmuster geworden - im Moment, da wir uns heute
hier treffen.
Gemeinsam mit vielen anderen hat die amerikanische Delegation hier seit
September 1980 in allen Einzelheiten die fortwährende und absolute Verachtung
der Sowjetunion für die Schlußakte von Helsinki dargelegt.
sion Afghanistans.

Es kam zur Inva-

Sowjetbürger, die den Versuch unternahmen, die Einhaltung

der Schlußakte von Helsinki durch die Sowjetunion zu überwachen, wurden angegriffen, eingesperrt und in psychiatrische Anstalten eingewiesen.

Die Aus-

wanderung ist drastisch zurückgegangen.
Im benachbarten Polen sehen sich die Menschen nunmehr einer unbarmherzigen
Kampagne der Unterdrückung ausgesetzt, die von der Sowjetunion angezettelt
und unterstützt wird.

Dabei handelt es sich nicht um Akte des Zufalls, son-

dern um eine systematische Politik.

Die sowjetischen Maßnahmen haben die

sowjetischen Verpflichtungen eindeutig null und nichtig gemacht.
Solche Akte

�Solche Akte der Unterdrückung und Intervention machen es unmöglich,
Bedingungen für ein freieres und sichereres Europa zu schaffen.

Dies zu ig-

norieren würde bedeuten, diese Konferenz dazu zu verurteilen, zu einer Farce
zu werden.

Die Schlußakte von Helsinki würde zu einem wertlosen Stück Papier

werden.
Wir können das trügerische Argument nicht akzeptieren, daß durch die
Verteidigung der Prinzipien von Helsinki legitime Sicherheitsinteressen oder
Bündnissysteme bedroht seien.

Vielmehr ist friedlicher Wandel entscheidend

für ein jegliches Sicherheitsrahmenwerk.

Keine legitimierte Regierung wird

durch Freiheit und Gerechtigkeit bedroht.

Solidarität mit dem polnischen Volk

und unsere Unterstützung für seine Rechte sind entscheidend für das überleben des Geistes von Helsinki - und für unsere Selbstachtung.
Das polnische Regime und die Sowjetunion wissen ganz genau, daß sie die
Schlußakte von Helsinki verletzt haben.

Sie haben einen Weg eingeschlagen,

der für die Sicherheit und die Zusammenarbeit in Europa schädlich ist.

Es

liegt an ihnen, zu zeigen, daß sie die Prinzipien ernstnehmen, denen sie sich
verpflichtet haben.
- Wir wollen die Freilassung jener Gewerkschaftsführer und anderer aus
dem Gefängnis, die versuchen, die Zielsetzungen der Schlußakte von Helsinki
für ihr Volk zu verwirklichen. Schöne Absichtserklärungen und die Verlegung
von Inhaftierten in Modellager reichen nicht aus.
- Wir wollen die Aufhebung des Kriegsrechts.

Dies bedeutet ein Ende der

unterdrückerischen Bedingungen.
- Wir wollen Versöhnung in Polen.

Die Wiederherstellung der internatio-

nal anerkannten Rechte und eine Wiederaufnahme des Prozesses der Reform und
der Liberalisierung stellen die einzige Grundlage für einen konstruktiven nationalen Dialog dar, der frei von äußerem Zwang ist.
Das amerikanische

�Das amerikanische Volk, wie die Völker vieler anderer Länder, verbindet
ein besonderes und enges Band mit dem polnischen Volk.
gelitten oder einen solch ausdauernden Mut bewiesen.

Keine Nation hat mehr
Befreiung von der der-

zeitigen Unterdrückung ist nicht genug - das polnische Volk will mehr, braucht
mehr und verdient mehr.
Die Vereinigten Staaten haben beschlossen, sich anderen Ländern dabei
anzuschließen, ein umfassendes Programm vorzuschlagen, damit Polen bei der
Überwindung seiner wirtschaftlichen Probleme geholfen wird, einschließlich der
Knappheit an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und den gewaltigen Schulden im
Ausland.

Diese Hilfe wird zur Verfügung stehen, wenn die Grundrechte des

polnischen Volkes wiederhergestellt sind und das Streben nach einer annehmbareren Gesellschaftsordnung wieder aufgenommen wird.
Wir werden nicht der Tyrannei helfen. Aber wenn die Tyrannei zurücktritt,
sind wir zur Hilfe bereit. Es liegt an dem polnischen Militärregime und an der
Sowjetunion, die Bedingungen zu schaffen und zu erhalten, unter denen das polnische Volk mit westlicher Hilfe seine Volkswirtschaft wieder aufbauen kann.
Sind diese Bedingungen erst einmal wiederhergestellt, so werden wir auch
mit zu den ersten gehören, die darauf drängen, daß wir uns wieder an die Aufgabe machen, ein Übereinkommen darüber zu erreichen, wie wir den Helsinki-Prozeß wieder voranbringen können - und zwar sowohl im Bereich der Menschenrechte als auch in dem der Sicherheit. Bis dahin würde ein Verhalten hier in
Madrid, einfach zur Tagesordnung überzugehen, nur einfach die gewaltigen Verletzungen der Schlußakte gutheißen, die derzeit in Polen begangen werden.
Diese Übertretungen - Teil eines umfassenderen Verhaltensmusters eines sowjetischen Mangels an Zurückhaltung - bedrohen die Grundlagen dieser Konferenz
selbst. Wir können nicht vorgeben, hier in Madrid ein Friedens- und Sicherheitsgebäude zu erarbeiten, während die Grundlagen für dieses Gebäude in Polen untergraben werden. Wie könnten die Vereinigten Staaten zu Verhandlungen über
neue Formulierungen und neue Unternehmungen zurückkehren, während bestehende
Verpflichtungen so offenkundig ignoriert werden?
Statt dessen

�Statt dessen müssen sich unsere Beratungen heute auf die Herausforderungen
der Integrität der Schlußakte und des KSZE-Prozesses konzentrieren.

Ein an-

deres Verhalten würde erfolgreiche Verhandlungen gefährden, die unter den entsprechenden Umständen auf der Grundlage des konstruktiven Vorschlages möglich
wären, der von den neutralen und blockfreien Ländern im letzten Herbst vorgelegt wurde.

Ja, noch grundsätzlicher:

Es würde die Schlußakte und unsere Ver-

pflichtung zu ihrer Einhaltung entehren.
Herr Vorsitzender, ich möchte mit einem Zitat der polnischen Bischöfe
schließen, die kürzlich schrieben, daß "echter Friede von der Respektierung
der Freiheit

und von dem richtigen Verständnis für das Recht eines jeden auf

Freiheit herkommt."

Dies steht im Mittelpunkt des Helsinki-Prozesses.

Bei

letztendlicher Analyse hängen Frieden und Sicherheit in Europa von der Respektierung der Freiheit der Nationen und der einzelnen Bürger in Europa ab.

Die

Anerkennung dieser Tatsache ist der Schlüssel zur Beseitigung der Hindernisse,
die Ost und West trennen.
Die Freiheit ist die stolzeste Errungenschaft der westlichen Zivilisation.
Dem wurde kürzlich durch den erfolgreichen und friedlichen Übergang zur Demokratie in Portugal und hier in Spanien Ausdruck verliehen. Die Vorstellung
vom Menschen als einem schöpferischen und verantwortlichen Individuum blüht
trotz der künstlichen Trennungen, die von Ideologen und Diktatoren befohlen
wurden. Die westlichen Ideale geben allen Nationen Europas Auftrieb, nicht
nur den Mitgliedern der atlantischen Welt. Nach einem Viertel Jahrhundert des
Eisernen Vorhangs und des Kalten Krieges versprach die Schlußakte von Helsinki
eine neue Ära, weil sie sich auf diese verbindende Vision vom Menschen gründe- .
te. Aber die Ideale des Westens sind in Gefahr, wenn ihre Verteidigung von den
Nationen Europas nicht als lebenswichtig erkannt wird. Der Prozeß der Aussöhnung kann zum Halten kommen, wenn wir die Handlungen ignorieren, die unsere
Überzeugung verraten. Das Gebäude der Sicherheit und Zusammenarbeit kann zusammenbrechen, wenn wir unser Auge von dem Untergraben seiner Fundamente abwenden. Nur die umfassende Einhaltung der Schlußakte von Helsinki wird die
Solidarität der europäischen Nationen sichern. Nur die Respektierung der Freiheit wird das überleben und Gedeihen der westlichen Zivilisation sichern.
+ + + + +
- 8 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Februar 1982

BURT: NATO MUSS SICH AUF NEUE HERAUSFORDERUNGEN EINSTELLEN
- Wortlaut -

KOPENHAGEN - (AD) - Der Direktor des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, unterstrich
in einer Rede in Kopenhagen, die NATO müsse sich weiterhin auf neue Herausforderungen einstellen, wenn sie nach 30jä'hrigem Bestehen stark bleiben wolle.
Das Tempo des internationalen Wandels habe sich beschleunigt, und die Herausforderungen hätten sich vervielfacht. Burt sprach am 5. Februar 1982 auf einem
regionalen Seminar in der dänischen Hauptstadt.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Es ist zu einer Art Klischee geworden zu sagen, daß die NATO ein Opfer
ihres eigenen Erfolges sei. Ober dreißig Jahre des Friedens in Freiheit, so
wird weiter gesagt, hätten die westliche Entschlossenheit, das erstere zu bewahren, indem das letztere verteidigt wird, geschwächt. Die westliche Öffentlichkeit hat sich so sehr an die Ruhe gewöhnt, daß sie sie für selbstverständ-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�für selbstverständlich hält und nicht willens ist, Opfer zu bringen, um
ihren Bestand sicherzustellen.
Folgt man dieser These, dann findet die gegenwärtige Debatte im Bündnis
zwischen denjenigen statt, die den Umfang der Bedrohung von draußen erkennen,
und denjenigen, die dies nicht tun; zwischen jenen, die die strategischen Reali- .
täten der westlichen Position zu würdigen wissen, und jenen, die durch Illusionen der Entspannung eingelullt wurden.
Doch im Gegensatz zu dieser Analyse betrifft die wichtigere Debatte innerhalb des Bündnisses nicht den Umfang der sowjetischen Bedrohung, sondern die
Form der westlichen Reaktion. Der Widerstand in Europa gegen starke Verteidigungsmaßnahmen rührt im wesentlichen nicht aus Selbstgefälligkeit her. Ja,
die Meinungsumfragen lassen erkennen, daß die Europäer insgesamt beträchtlich
mehr beunruhigt sind, daß sich vielleicht ein größerer Krieg nähere, als die
Amerikaner. Die Stärke der Friedensbewegung in Europa zeigt den Grad der Sorge.
Jene, die in Opposition zu Maßnahmen auf die Straße gehen, die die NATO stärken sollen, tun dies weitgehend nicht, weil sie glauben, die Verteidigung sei
nicht mehr notwendig, sondern weil sie glauben, sie sei nicht mehr möglich.
Die gegenwärtigen Differenzen im Bündnis gehen daher durchaus über die unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der sowjetischen Kapazitäten oder
Absichten hinaus.
- Das Bündnis im mittleren Alter Die Welt hat sich seit der Gründung der NATO vor dreißig Jahren in vieler Hinsicht beträchtlich geändert. Das Bündnis hat sich ebenfalls geändert,
allerdings in einem langsameren Tempo. Folglich sieht sich der Westen - zu
Beginn des vierten Jahrzehnts des Bündnisses - der Notwendigkeit gegenüber,
seine Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Sicherheit zu verstärken.
Eine Veränderung

- 2 -

�Eine Veränderung von größerer Bedeutung für die NATO war die Verlagerung im
amerikanisch-sowjetischen Kräftegleichgewicht während der vergangenen dreißig
Jahre , weg von einer klaren amerikanischen Überlegenheit hin zu etwas, was
einer Parität näherkommt. Nachdem oft über sie gesprochen worden ist und sie
auch allgemein akzeptiert worden sind, werden die Konsequenzen dieser Entwicklung für die Strategie, Doktrin und Streitkräfteplanung der NATO in immer breiterem Umfang verstanden. Und doch wird mit den notwendigen korrigierenden Maßnahmen gerade erst begonnen.
Noch dramatischer und doch weniger zur Kenntnis genommen, war die Verlagerung im Gleichgewicht der Kräfte zwischen Westeuropa und den Vereinigten Staaten.
Vor 35 Jahren lag Europa zerstört am Boden. Amerika produzierte und verbrauchte
50 Prozent des Wohlstandes der Welt. Heute hat Westeuropa das Produktivitätsund Verbrauchsniveau Amerikas erreicht und zum Teil überholt. Die europäischen
Gesellschaften sind reich. Die europäischen Volkswirtschaften sind dynamisch.
Die europäischen Regierungssysteme sind fest gegründet. Europa hat mehr Selbstvertrauen und ist selbstbewußter, als es seit Jahrzehnten der Fall war. Europa
ist geeinter, als es seit Jahrhunderten gewesen ist. Und doch ist das Muster
der Verteidigung des Westens immer noch das gleiche, das wir vor dreißig Jahren hatten.
Die wohl auffälligste einzelne geopolitische Veränderung der vergangenen
35 Jahre ist jedoch nicht die Umschichtung zwischen Ost und West oder zwischen
der Neuen und der Alten Welt, sondern die Umschichtung zwischen Nord und Süd,
zwischen der Ersten und der Dritten Welt. In dieser kurzen Zeitspanne haben
sich der größte Teil der Weltbevölkerung und nahezu auch ein solcher Teil des
Territoriums und der Ressourcen der Welt von der kolonialen Herrschaft des Westens weg - und zur vollen Unabhängigkeit von westlicher Kontrolle hinwegbewegt, und in einigen Fällen sogar zur direkten Feindschaft gegenüber den Interessen des Westens. Und doch hat der Westen bezüglich seiner Reaktion auf diese
Revolution keine Obereinstimmung gefunden und keine Möglichkeiten für eine Koordinierung seiner Beziehungen zur Mehrheit der Menschheit, keine konzertierte
Politik für eine Verteidigung und Förderung seiner Interessen in diesen Gebieten
zustandegebracht.

Das Muster

�Das Muster der westlichen Zusammenarbeit auf diesem Gebiete der Sicherheit wurde also in einer Zeit geschaffen, die sich von der gegenwärtigen
wesentlich unterscheidet. Es wurde geschaffen, als Europa darniederlag, als
die Vereinigten Staaten über genügend Macht verfügten, als die einzige Bedrohung der westlichen Interessen von der Sowjetunion ausging, und als die
einzige mögliche Richtung einer Aggression die aus dem Osten war. Die Sicherheitsstruktur, die der Westen in jenen frühen Nachkriegsjahren geschaffen hatte, wurde den Herausforderungen jener Zeit in erfolgreicher Weise gerecht. Diese Struktur hat sich dann weiter entwickelt und wurde den neuen
Forderungen der folgenden Jahrzehnte ebenfalls gerecht. Abjer das Tempo des
internationalen Wandels hat sich beschleunigt, die Herausforderungen haben
sich vervielfacht, und die Struktur hat sich als zunehmend unzulänglich erwiesen.
- Der Weg zu einer neuen Arbeitsteilung Durch die ganze Nachkriegszeit hinduch wurden Mängel in den europäischen
Verteidigungsanstrengungen durch einen Überschuß an amerikanischer Verteidigungskapazität wettgemacht. Heute ist die amerikanische Überlegenheit ganz
allgemein gesprochen vorüber, und diesen Überschuß gibt es nicht mehr. Während des letzten Jahrzehnts hat Europa Schritte unternommen, um dieses Manko
auszugleichen. Der anteilige Beitrag zur NATO-Verteidigung ist beträchtlich
gestiegen. Der Westen bewegt sich allmählich auf eine neue Arbeitsteilung zu,
bei der Europa größere Verantwortung übernimmt. Der Westen bewegt sich ferner
langsam auf eine Anerkennung gemeinsamer Sicherheitsinteressen zu, die über
Europa hinausreichen. Aber dieser Prozeß hinkt immer noch hinter den realen
Veränderungen im Ost-West-Verhältnis, im amerikanisch-europäischen Verhältnis
und dem Nord-Süd-Verhältnis her. Anpassungen hinsichtlich der Größenordnung,
V

die benötigt werden, um mit diesen Veränderungen Schritt zu halten, müssen
notwendigerweise schmerzhaft sein. In dem Maße wie der Prozeß des Wandels
innerhalb des Westers sich beschleunigt, wie der Westen sich schneller auf
eine neue Arbeitsteilung hinbewegt, müssen gelegentliche Anzeichen des Unbehagens einfach evident werden.
crlY. AmpHka

�Für Amerika besteht die Aufgabe darin, ein widerspenstiges Bündnis unter schwierigeren Umständen mit verringertem Spielraum für Irrtümer und weniger Instrumenten der Überredung zu führen. Die Vereinigten Staaten sind das
mächtigste Einzelmitglied des Bündnisses, und sie werden es auch bleiben. Es
gibt niemand anderen, an den diese Führungsrolle weitergegeben werden könnte.
Und doch wird mit jedem Jahr die Aufgabe schwieriger, die erforderliche Anstrengung größer und das Endergebnis im Hinblick auf Bündnisdisziplin geringer.
Unter diesen Umständen muß mit Äußerungen der Ungeduld und der Verärgerung
von Seiten Washingtons von Zeit zu Zeit gerechnet werden.
Für Europa besteht die Aufgabe darin, Verantwortungen für die westliche
Verteidigung zu übernehmen, die der Stellung angemessen sind, die Europa im
Wirtschaftssystem und den politischen Gremien des Westens eingenommen hat.
Rund 35 Jahre lang hat Europa mehr Verteidigung erhalten, als es bezahlt hat.
Die Europäer haben sich daran gewöhnt, sich im Hinblick auf die Verteidigung
auf die Vereinigten Staaten zu verlassen,und auf die amerikanische Regierung,
was ihre Verteidigungspolitik anbetrifft. Die Übernahme einer größeren Verantwortung für eine angemessene westliche Verteidigung wird für Europa schwierig sein. Die Übertragung einer größeren Verantwortung auf Europa im Hinblick
auf die Formulierung und Verwirklichung einer westlichen Verteidigungspolitik
wird für Europa und für die Vereinigten Staaten noch schwieriger werden.
Für den Westen besteht die Herausforderung darin, einen Konsens über
die westlichen Interessen in der Dritten Welt zu entwickeln und effektivere
Maßnahmen für ihren Schutz und ihre Förderung zustande zu bringen. Die NATO
wurde ins Leben gerufen,um europäisches Territorium gegen einen Angriff zu
verteidigen. Sie war nicht dazu gedacht, sich mit Bedrohung aus anderen Bereichen zu befassen, und sie sollte auch nicht darauf ausgerichtet werden.
Und doch sind diese anderen Bedrohungen vorhanden. Sie gefährden uns alle.
Sie können wohl auch nicht gemeistert werden, es sei denn, der Westen reagiert in konzertierterer Weise, als dies bisher der Fall war.
Einigkeit über

- 5 -

�Einigkeit über die Ziele sollte der Diskussion über die Mittel vorausgehen. Der Rückzug des Westens aus der kolonialen Verantwortung hat ein Vermächtnis der Schuld und der Hoffnungslosigkeit hinterlassen - der Schuld
wegen der westlichen Ausbeutung in der Vergangenheit; der Hoffnungslosigkeit
hinsichtlich der zukünftigen Fähigkeit des Westens, Ereignisse in anderen Gebieten der Welt beeinflussen. Die westliche Politik in bezug auf die Dritte
Welt, ruht also mehr oder weniger auf schönen Worten und guten Abschlüssen
und führt zu wenig mehr als zum Händeringen und zur Untätigkeit. Statt daß
die Wirtschaftshilfe vor allem auch zur Förderung der westlichen Werte und
Interessen eingesetzt wird, ist sie oft wenig mehr als Geld zur Beruhigung
des eigenen Gewissens,um vergangene Sünden zu sühnen und um das Versäumnis
zu entschuldigen, uns direkt am Schicksal weit entfernter Regionen und vergessener Menschen zu beteiligen.
In dem Ausmaß, in dem der Westen während der vergangenen dreißig Jahre
eine Sicherheitspolitik gegenüber der Dritten Welt verfolgt hat, war dies
eine Politik, durch die allmählich die Verantwortung für den Schutz der
restlichen westlichen Interessen auf die Vereinigten Staaten übertragen *
wurde. Erst vor zwei Jahren kulminierte dieser Prozeß in der Übernahme
einer einseitigen Verantwortung für Bewahrung des westlichen Zugangs zum
Ol des Persischen Golfes seitens der Vereinigten Staaten - öl, von dem die
Wirtschaft Europas abhängt.
Dieser Prozeß ist soweit gegangen, wie es nur möglich ist. Europa hat
aufgrund seiner wirtschaftlichen Macht, seiner historischen Erfahrung, seiner kulturellen Bindungen und seiner geographischen Nähe eine entscheidend
wichtige Rolle in einem großen Teil der Dritten Welt zu spielen. Eine neue
Arbeitsteilung zwischen den westlichen Verbündeten muß in einer gerechteren
Aufteilung der Kosten für die Verteidigung Europas resultieren. Eine neue
Arbeitsteilung muß auch zu einer gerechteren Aufteilung der Verteidigungsverpflichtungen in Gebieten führen, die von entscheidender Bedeutung für
den Westen sind, und zu einer gerechteren Akzeptierung der Risiken, die solchen Verpflichtungen innewohnen.

_

- 6 -

n

w

�- Der Weg zu einer stärkeren konventionellen Verteidigung Ein weiteres Gebiet, auf dem das Bündnis es versäumt hat, mit einer
sich wandelnden Welt Schritt zu halten, sind die relativen Prioritäten, die
seiner konventionellen und nuklearen Verteidigung zugemessen werden. Als die
NATO in den fünfziger Jahren zu wirken begann, war die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg noch überaus lebhaft. Die Furcht vor einem neuen konventionellen
Krieg war stark. Die Europäer waren bereit, ja bestrebt, das erhöhte Risiko
eines nuklearen Krieges zu akzeptieren, um vor dem Ausbruch eines jeden konventionellen Konfliktes abzuschrecken. Durch die Drohung des Einsatzes nuklearer Waffen und durch die Ausrüstung der NATO-Streitkräfte mit diesen Waffen,
wurde die sowjetische konventionelle Überlegenheit ausgeglichen, und aggressive Pläne der Sowjets wurden entmutigt.
Allmählich entwickelte die Sowjetunion jedoch eine nukleare Kapazität zuerst gegen Europa, dann gegen die Vereinigten Staaten. Aufgrund dieser Tatsache wurde die Konzeption, daß die NATO eine konventionelle Schwäche durch
nukleare Stärke kompensieren könnte, in wachsendem Maße in Frage gestellt.
Mitte der sechziger Jahre wurde die Strategie der flexiblen Antwort entwikkelt, um dem Bündnis bei der Reaktion auf eine Aggression Alternativen außer
einem Nuklearkrieg oder der Kapitulation an die Hand zu geben. Seither hat
es kontinuierliche Anstrengungen gegeben, um die konventionelle Verteidigung
der NATO zu stärken. Aber diese Versuche haben nicht Schritt gehalten mit
dem europäischen Wirtschaftspotential, mit der wachsenden konventionellen
Kapazität der Sowjets oder mit den Veränderungen im strategischen Kräfteverhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Heute hat die westliche Öffentlichkeit klar ihren Wunsch zum Ausdruck
gebracht, die nukleare Schwelle anzuheben und nicht zu senken. Gewiß gibt es
einige, die überhaupt keine Verteidigung wünschen. Aber die große Mehrheit
unserer Völker ist sich über die Notwendigkeit einer Verteidigung im klaren.
Sie bemühen sich jedoch um eine Methode, die das Risiko der Eskalation zu
Nuklearwaffen reduziert, während die Bemühungen fortgesetzt werden, vor einer
Aggression auf jeder Ebene abzuschrecken.

r.-np &lt;-n-]rup

�Eine solche Verteidigung kann aufgebaut werden. Die nukleare Abschreckung
ist nicht die einzige Form der Abschreckung. Durch die Annahme der Strategie
der flexiblen Antwort anerkannte das Bündnis, daß eine stärkere konventionelle
Verteidigung, in Verbindung mit der anhaltenden Fähigkeit, auf nukleare Waffen
zurückzugreifen, eine sogar noch effektivere Abschreckung bieten würde. Angesichts einer glaubwürdigen konventionellen und nuklearen Abschreckung würde
ein potentieller Aggressor sich nicht nur der Ungewißheit gegenüberstehen,
wo genau der nukleare Stolperdraht liegt, sondern auch der realen Möglichkeit
einer Niederlage auf konventioneller Ebene von Anfang an. Durch die Stärkung
der konventionellen Kapazität des Bündnisses machen wir also nicht nur einen
Nuklearkrieg weniger wahrscheinlich, sondern wir machen einen jeden Krieg
weniger wahrscheinlich.
Trotz dieses Schrittes zu einer flexiblen Antwort, haben jedoch führende
Politiker auf beiden Seiten des Atlantik

zu lange dahin tendiert, stillschwei-

gend die verbreitete Lehre zu akzeptieren, daß Westeuropa nicht zu verteidigen
sei und daß nur die Drohung mit Kernwaffen vor einer Aggression abschrecken
könne. Ohne Frage muß die nukleare Abschreckung ein sehr wichtiges Element der
westlichen Verteidigung bleiben. Aber die Zeit ist gekommen, um die Probleme
der konventionellen Verteidigung mit neuen Einsichten und neuen Methoden zu
überprüfen. Während der vergangenen Jahre haben die militärischen und politischen Führer des Westens, wissenschaftliche Experten und journalistische Kommentatoren den nuklearen Aspekt der NATO-Strategie überaus intensiv überprüft.
Meiner Meinung nach ist es jetzt angebracht, das wir die konventionelle Basis
überprüfen.
- Der Weg zu einer neuen Zielsetzung Wenn Demokratie und persönliche Freiheit gedeihen sollen, dann braucht
der Westen weitaus mehr als nur eine militärische Verteidigung. Gesellschaften
werden hin und wieder von außen her erobert. Oft sind sie schon von innen her
zerbröckelt. Die erste Bastion der Verteidigung der westlichen Gesellschaft
ist der Intellekt. Um die Struktur der westlichen Sicherheit zu erneuern,
die mehr
- 8 -

�die mehr

als dreißig Jahre lang den Frieden bewahrt hat, muß der Westen

zunächst jenes Gefühl der Zielstrebigkeit wiedererlangen, das zur Gründung
der NATO geführt hat. Der Westen muß erneut seine Werte definieren. Er muß
sie verkünden und zur Anwendung bringen - nicht nur uns gegenüber, sondern
auch in unserem Handeln gegenüber anderen. Was die westlichen Werte einzigartig und verteidigungswert macht, ist nicht ihr westlicher Ursprung, sondern ihre universelle Anwendung.
Zu oft stellen wir die Universalität unserer Werte in Abrede. Wir wenden bei unserer Bewertung anderer Gesellschaften einen abgestumpften Relativismus an,

und auch im Hinblick auf unsere Reaktion gegenüber Ereignissen

in anderen Gebieten. Bezüglich Polens heißt es dann, die Sowjets demonstrierten Mäßigung, weil sie die polnische Freiheit unterdrücken, ohne zur militärischen Invasion Zuflucht zu nehmen. In Afghanistan führt die Sowjetunion
einen Feldzug des Völkermordes, wobei ein Arsenal tödlicher chemischer Waffen eingesetzt wird. In Südostasien beliefert und kontrolliert die Sowjetunion den Einsatz von toxischen Waffen gegen einfache und wehrlose Menschen.
Haben diese Verbrechen auch nur zu einem Protestmarsch, zu einer Demonstration, zu einem dramatischen Protestakt geführt? Mir ist nichts derartiges
bekannt.
Diejenigen unserer Gesellschaften, die die Notwendigkeit einer Verteidigung in Frage stellen, brauchen nur nach Osten zu blicken. Diejeniqen, denen
es schwerfällt, sich vorzustellen, wie die Sowjetunion militärische Überlegenheit und geopolitische Vorteile nutzen könnte, um ein wehrloses Europa zu
beherrschen, brauchen nur die gegenwärtigen Verhältnisse in Polen zu betrachten. Diejenigen, die die Nützlichkeit militärischer Stärke in unserer modernen Welt bezweifeln, brauchen sich

nur die Basis der sowjetischen Kontrolle

Europas vor Augen zu führen. Diejenigen, die nur einen geringen qualitativen
Unterschied zwischen östlichen und westlichen Regierungsformen sehen, brauchen nur an die Behandlung der Arbeiter in Polen zu denken.
Und doch

�Und doch betrachten die führenden Persönlichkeiten der öffentlichen Meinung im Westen zu oft unsere demokratischen Regierungsformen sowie unsere
freien Institutionen als nichts anderes als künstliche Kulturerzeugnisse,
als Ergebnis einer mehr oder weniger gewohnheitsmäßigen historischen Entwicklung, die westlichen Gesellschaften eigen ist. Folglich entschuldigen
wir bei anderen, was wir uns selber niemals vergeben würden. Wir neigen dazu, die Verteidigung der westlichen Werte als eine Form von Kirchturmpolitik zu betrachten, und die Verbreitung dieser Werte als eine Form der Aggression. Wir haben uns von Anfang an auf eine psychologische Verteidigung eingestellt. Wir laden geradezu die empörenden Argumente der Sowjetunion ein - und
akzeptieren sie schon halb - daß der Westen in Polen durch seinen Ausdruck der
Unterstützung für die polnische Unabhängigkeit und Freiheit interveniert habe.
Praktisch hat der Westen schon zu lange die Initiative auf ideologischem
Gebiet der Sowjetunion überlassen. Die westlichen Werte werden nicht überleben, wenn der Westen nicht immer wieder ihre Anerkennung fordert. Ideen existieren, im Gegensatz zu den Vorstellungen Piatos, nicht in irgendeiner idealen Sphäre, um von nachfolgenden Generationen erneut begriffen zu werden.
Ideen leben im Geiste des Menschen.Wenn die Idee der Freiheit aufhört, unsere Augen zu öffnen, und unsere Handlungen zu leiten, dann wird diese Idee
sterben. Wenn das Licht der Freiheit ausgelöscht wird, dann wird es nicht so
bald wieder aufleuchten, und alle Menschen werden in Zukunft unter den verschiedenartigen Formen der Tyrannei leben, die in der Vergangenheit das Schick
sal der meisten Menschen gewesen sind.
Wenn wir irgendwelche Zweifel hegen, ob unsere Werte verteidigungswürdig
sind, dann haben andere diese nicht, überall in der Welt kämpfen und sterben
Menschen der verschiedenen Kulturen, mit unterschiedlicher Geschichte, um zu
erreichen, was wir besitzen. Die westlichen Werte stellen, die Abraham Lincoln
dies einst von seinem eigenen Lande sagte, die letzte und beste Hoffnung der
Menschheit dar. Der Wert dessen, was wir anzubieten haben, wird weltweit anerkannt. Die Freiheit kann jedoch nur so lange im Angebot bleiben, wie wir sie
selber besitzen, bereit sind für ihre Erhaltung zu kämpfen und andere zu ermutigen, die danach streben.

+ + +

+ +

- 10 -

�10. Februar 1982

Vertragsangebot Reagans zur Verminderung amerikanischer und sowjetischer Raketen
Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den sowjetischen Staats- und Parteichef Breschnew aufgefordert, einem Vertragsentwurf zuzustimmen, der die Anzahl der in Europa dislozierten Atomraketensysteme erheblich reduzieren soll.
In einer Erklärung am 4. Februar 1982 empfahl er Breschnew eindringlich,
sich ihm "bei diesem wichtigen ersten Schritt zur Verminderung des nuklearen
Schattens anzuschliessen, der über den Völkern der Welt liegt."
Der Präsident gab bekannt, daß die Vereinigten Staaten bei den Genfer Verhandlungen über die Verminderung der Nuklearen Mittel Streckensysteme einen Vertragsentwurf erarbeitet haben, der jene Vorschläge enthält, die er in seiner
Rede vom 18. November letzten Jahres angekündigt hatte. Der Präsident schlug
vor, die Pläne zur Modernisierung der in Europa stationierten

amerikanischen

Nuklearsysteme aufzugeben, falls die Sowjets ihre SS-20, SS-4 und SS-5-Raketen
abbauen würden. In seiner Erklärung heißt es, daß die Vereinigten Staaten
diesen Vertragsentwurf vorgelegt hätten, "um die Verhandlungen so rasch wie
möglich voranzubringen."

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten wurde einen Tag nach der
Unterstellung Breschnews abgegeben, die Vereinigten Staaten würden ernsthafte
Verhandlungen über die in Europa stationierten Nuklearen Mittel Streckensysteme
zu vermeiden suchen und "Vorwände" benutzen, um Verhandlungen über die Verminderung von strategischen Kernwaffen interkontinentaler Reichweite hinzuhalten.
Breschnews Behauptung wiederum war einen Tag nach der Vorlegung des Vertragsentwurfs durch die Vereinigten Staaten erfolgt.
Nach der Unterstellung Breschnews gefragt, die in einer Bemerkung auf
einem Kreml-Empfang enthalten war, erklärte David Gergen, einer der Sprecher
des Weißen Hauses, vor Reportern, daß die Vereinigten Staaten die Unterstellung
zurückwiesen, "wir brächten die Verhandlungen über Nukleare Mittel Streckensysteme zu einem Stillstand".
Gergen betonte, die Vereinigten Staaten wüßten von Breschnews Vorschlag,
die Anzahl der Atomraketen in Europa um zwei Drittel zu reduzieren; er unterstrich jedoch, diese Verringerungen gingen "von einem angeblichen, augenblicklichen Gleichgewicht aus. Das sowjetische 'Gleichgewicht' stützt sich auf eine
selektive Verwendung von Daten und ist keine sinnvolle Grundlage für Verhandlungen."
Gergen fügte hinzu: "Die Vereinigten Staaten verhandeln in gutem Glauben
und haben einen ernsthaften und weitreichenden Vorschlag unterbreitet, von dem
wir glauben, daß er eine solide Grundlage für ein Abkommen darstellt." Die Vereinigten Staaten, so sagte er weiter, "erkennen in (Breschnews) Angebot nichts,,
was die bisherige Position der Sowjets verändert, die von den Vereinigten
Staaten wiederholt als unannehmbar bezeichnet worden ist." Zu den Gründen,
warum Washington den sowjetischen Vorschlag unannehmbar findet, zählte Gergen
die Tatsache, daß "sie die unabhängigen britischen und französischen Nuklearsysteme in etwas einbezogen haben, was explizit bilaterale Verhandlungen
zwischen Washington und Moskau waren". Derlei würde es Moskau erlauben, mehr
Nuklearsysteme als jedes andere Land zu haben.

_ 2_

�Gergen erklärte weiter, daß Moskau auch Flugzeuge bei seiner Errechnung
der jeweiligen Nuklearstreitkräfte einbeziehe - ein Faktor, von dem die Vereinigten Staaten glaubten, er würde die Verhandlungen in einem frühen Stadium
"unnötigerweise komplizieren", anstatt sich auf "die Systeme zu konzentrieren,
bei denen sowohl die NATO als auch die Sowjets stets ihre größte Sorge zum Ausdruck gebracht haben" - nämlich die landgestützten Atomraketen. Moskau versuche auch, die Gespräche über die Nuklearen Mittel Streckensysteme auf die
"in Europa" stationierten Systeme zu begrenzen, was die Bedrohung Westeuropas
außer acht lasse, die sich durch die östlich des Urals stationierten Raketen
ergibt. Diese hätten jedoch die Reichweite und die Beweglichkeit, um auf Ziele
in Westeuropa ausgerichtet zu werden.
Washington wird nach Gergens Worten auch weiterhin auf ein Abkommen auf
der Grundlage der Vorschläge Reagans drängen, welche "die bedrohlichsten
Nuklearen Mittel Streckensysteme auf beiden Seiten völlig eliminieren würden"
- nämlich die sowjetischen SS-20, SS-5 und SS-4 sowie die amerikanische
PERSHING II und die landgestützten Marschflugkörper.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Am 18. November kündigte ich ein umfassendes Programm für den Frieden an.
In dieser Erklärung sagte ich, daß die Delegation, die auf dem Weg nach Genf
zu den Verhandlungen mit der Sowjetunion über Nuklearsysteme mittlerer Reichweite war, den amerikanischen Vorschlag bei sich hätte, demzufolge die Vereinigten Staaten auf die geplante Dislozierung der PERSHING II und der landgestützten
Marschflugkörper mittlerer Reichweite verzichten würden, falls die Sowjetunion
ihre SS-4-, SS-5- und SS-20-Raketen abbauen würde. Am Dienstag, den 2. Februar,

legten die Vereinigten Staaten in Genf der Sowjetunion einen Vertragsentwurf vor,
der diesen Vorschlag enthält, um die Verhandlungen so rasch wie möglich voranzubringen. Ein solcher Vertrag wäre ein wesentlicher Beitrag zu Sicherheit, Stabilität und Frieden. Ich forderte Präsident Breschnew auf, sich uns bei diesem
wichtigen ersten Schritt zur Verminderung des nuklearen Schattens anzuschliessen, der über den Völkern der Welt liegt."
+++++
- 3 -

�10. Februar 1982

WASHINGTON SIEHT FORTSCHRITTE IM BEREICH DER MENSCHENRECHTE
IN EL SALVADOR

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium stellte sich
hinter die Versicherung von Präsident Reagan, daß die Regierung von El Salvador
"beträchtliche Fortschritte" im Bereich der Menschenrechte und bei der wirtschaftlichen und politischen Reform mache. Der Präsident hatte eine solche
Zusicherung vorige Woche vor dem Kongreß abgegeben, wie dies den Bestimmungen
zufolge vor Gewährung von Sicherheitshilfe notwendig ist.
Thomas Enders, Unterstaatssekretär für interamerikanische Angelegenheiten,
erklärte am 2. Februar 1982, es stehe "außer Frage, daß die Lage in El Salvador
hinsichtlich der Menschenrechte problematisch ist, das Ausmaß der Gewalt jenseits der eigentlichen Kampfhandlungen jedoch im Lauf des letzten Jahres um
mehr als die Hälfte zurückgegangen zu sein scheint."
Enders sagte vor dem Unterausschuß für lateinamerikanische Angelegenheiten
des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses aus, der eine Anhörung über die Entscheidung der Reagan-Administration in die Wege geleitet hatte,
die Militär- und Wirtschaftshilfe für El Salvador um bis zu 55 Millionen Dollar
zu erhöhen.
Enders erklärte,

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Telex: 08-85432

�Enders erklärte, der Fortschritt der Bodenreform in El Salvador

ist

beträchtlich",und die Vorbereitungen für die Wahlen zur Nationalversammlung
am 28. März "gehen gut voran, obgleich die größten Linksorganisationen des
Landes ihre Teilnahme verweigern.
"Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß die Entscheidungsschlacht
um Mittelamerika in El Salvador stattfindet", so sagte Enders.

"Kuba weitet

systematisch seine Kapazitäten aus, um seine militärische Macht über seine eigenen Grenzen hinaus zu projizieren...

Nicaragua wird als eine Basis für den

Export von Subversion und bewaffneter Intervention in ganz Mittelamerika benutzt".

Er stellte in diesem Zusammenhang die Frage:

"Wenn El Salvador nach

Nicaragua von einer gewalttätigen Minderheit übernommen wird, wer würde dann
in Mittelamerika nicht in Furcht leben? Wie lange würde es dauern, bis wesentliche strategische Interessen der Vereinigten Staaten - der (Panama)-Kanal , die Seewege, die Ölversorgung - in Gefahr geraten?"
Am 1. Februar 1982 sagte Enders auch vor dem Unterausschuß für Auslandsoperationen des Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses aus. Er betonte, daß ein Scheitern der Vereinigten Staaten beim Durchhalten des Kampfes
um Mittelamerika eine Rückkehr "zu dem furchtbaren Teufelskreis bedeuten würde, in dem die einzige Alternative zu einer rechten Diktatur eine linke Diktatur ist."
Enders erklärte, die Aufständischen in El Salvador hätten nunmehr, nachdem es ihnen nicht gelungen sei, die Unterstützung der Öffentlichkeit zu erlangen, Zuflucht zu einem Abnützungskrieg gesucht - in einer Anstrengung, die
Regierung zu diskreditieren und die geplanten Wahlen zu sabotieren.
Eine Militärregierung alten Stils sei in El Salvador vor zwei Jahren durch
eine aus Militärs und Zivilisten bestehende Koalition abgelöst worden, die
sich der Reform verpflichtet habe - Bodenreform und Umwandlung der Nation in
eine Demokratie, so sagte Enders vor dem Ausschuß.

"Wir haben diese Reformen

damals unterstützt,und wir sind der Meinung, wir müssen sie auch jetzt unter-

�Er sagte weiter, der Entschluß der Administration, El Salvador bis zu
55 Millionen Dollar an Sicherheitshilfe zur Verfügung zu stellen, sei zum
Schutz der nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten angesichts der sowjetisch-kubanischen Herausforderung getroffen worden, sowie
zur Förderung "demokratischer, offener Gesellschaften in unserer unmittelbaren Nachbarschaft."

Diese Maßnahme sei nicht ergriffen worden, um in El

Salvador einen militärischen Sieg zu erringen, sondern um "andere fernzuhalten" und das Abhalten von Wahlen zu ermöglichen.

- 3 -

�10. Februar 1982

WIRTSCHAFTSWACHSTUM OHNE MEHR ENERGIEVERBRAUCH

- (AD) - In den Vereinigten Staaten wird im Jahr 1982 ungeachtet einer
günstigeren Entwicklung für das Wirtschaftswachstum nicht mit einer merklichen
Erhöhung des Energieverbrauchs gerechnet. Dies erklärte Danny Boggs, Berater
Präsident Reagans in Energiefragen, auf einer Tagung der "American Public Power
Association" in Washington. Seine Prognose sei, wie er erklärte, das Ergebnis
zahlreicher Gespräche mit Vertretern der amerikanischen Industrie.
Zwei wichtige Faktoren sprächen für eine solche Entwicklung:

"Erstens

wissen unsere Unternehmen und unsere Energieproduzenten, daß Energie teuer ist
und was sie kostet, und sie haben sich generell darauf vorbereitet, den Ausstoß mit so wenig zusätzlicher Energie wie nur irgend möglich zu erhöhen",
erklärte Boggs. Der zweite Faktor sei die Reaktion von Technologie und Management auf die Explosion der Energiepreise - eine Reaktion, die sich immer
weiter ausbreite.

Dabei hob Boogs hervor, daß ungeachtet der geringfügigen

Preissteigerungen, die im Jahr 1981 gegenüber 1980 zu verzeichnen waren, die
Bemühungen um eine bessere Ausnutzung der verbrauchten Energie wesentlich verstärkt wurden.

+ + + ++

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�10. Februar 1982

USA: GROSSTECHNISCHE BRAUNKOHLE-VERGASUNG NACH LURGI-VERFAHREN

- (AD) - Für den Bau der ersten kommerziellen Braunkohle-Vergasungsanlage in den Vereinigten Staaten zur Gewinnung von hochwertigem Synthesegas
wurde jetzt zwischen der US-Regierung und einer Ferngas-Firmengruppe ein
Kreditgerantie-Abkommen über 200 Millionen Dollar unterzeichnet. Der Betrag
entspricht 75 Prozent der zu erwartenden Gesamtaufwendungen für das neue Werk,
das ein Gemeinschaftsprojekt der Firmen "American Natural Resources",
"Medcon Corporation", "Tenneco Ind." und Transco, Inc." ist.
Die Vergasungsanlage soll Ende 1984 den Betrieb aufnehmen und bei einem
Braunkohledurchsatz von 12 700 Tonnen pro Tag (Lignit aus Norddakota) täglich 3,5 Millionen cbm Synthesegas erzeugen.

Der Heizwert dieser Gasmenge

entspricht dem von knapp 20 000 Barrel Erdöl.
Das Synthesegas kann nach Zusammensetzung und Qualität hochwertiges Erdgas voll ersetzen.

Der Produktion liegt das Lurgi-Festbett-Verfahren zugrun-

de, das in Deutschland im Jahr 1936 entwickelt und in der Nachkriegszeit ausgebaut und verbessert wurde.

Die Druckvergasung ist für den Einsatz von Braun-

kohle sowie schwach- oder nicht-backender Steinkohle möglich und erfordert 20
bis 30 at Druck.
Die in

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die in Norddakota verwendete Braunkohle wird im Tagebau gewonnen und
kommt von einem nahegelegenen Feld der Coteau Properties Company, einem
Tochterunternehmen der American Coal Corporation.

Die Gruppe, die die Ver-

gasungsanlage betreibt, firmiert jetzt unter dem neuen Namen "Great Plains
Gasification Associates".

+•+ + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Haushalt 1982/83 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Allgemeine Ausgabenkürzungen - Erhöhung des Verteidigungsetats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jahresverteidigungsbericht an den Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haig: KSZE-Verpflichtungen der Sowjets werden nichtig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers in Madrid -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burt: NATO muss sich auf neue Herausforderungen einstellen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vertragsangebot Reagans zur Verminderung amerikanischer und sowjetischer Raketen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Washington sieht Fortschritte im Bereich der Menschenrechte in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftswachstum ohne mehr Energieverbrauch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: Großtechnische Braunkohle-Vergasung nach Lurgi-Verfahren</text>
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                    <text>3. Februar 1982

I
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: USA werden akzeptablen Seerechtsvertrag unterstützen
- Stellungnahme des US-Präsidenten zur neuen LOS-Runde USA unterstreichen besondere Bedeutung des nächsten GATT-Ministertreffens
- Brock zur Handelspolitik der Vereinigten Staaten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Haig nimmt zu Polen und El Salvador Stellung
- Der US-Außenminister vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß
Von unserem Korrespondenten Russell E. Dybvik

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kältefester Stahl
Bor statt Nickel als Legierungszusatz

Um Übei/endung von
BclegeMCfflpIciren

D 5300 Bonn 2

Telex: 08-85432

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Februar 1982

REAGAN: USA WERDEN AKZEPTABLEN SEERECHTSVERTRAG UNTERSTÜTZEN
- Stellungnahme des US-Präsidenten zur neuen LOS-Runde -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Erklärung am
29. Januar 1982 versichert, daß die Vereinigten Staaten an der Dritten Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen (LOS) im März teilnehmen und sich für
einen mit den amerikanischen Interessen zu vereinbarenden Vertrag einsetzen
werden. Die meisten Bestimmungen des vorliegenden Vertragsentwurfes seien
für die USA akzeptabel, so sagte Reagan, jedoch müßten vor allem bezüglich
des Tiefseebergbaus Änderungen vorgenommen werden, wenn die Administration
und der Kongreß den Vertrag annehmen sollen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Ozeane der Welt sind für die Vereinigten Staaten und für andere Länder auf verschiedene Weise lebenswichtig. Sie stellen Wasser- und Kommunikationswege dar, die wesentlich sind für die Erhaltung des Friedens und des Handels; sie sind Hauptquellen für die Deckung des wachsenden Nahrungsmittel-

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�wachsenden Nahrungsmittel- und Energiebedarfs der Welt und versprechen ein
Potential weiterer Ressourcen. Sie sind eine offene Grenze der sich ausweitenden wissenschaftlichen Forschung und des Wissens, ein fundamentaler Teil
des Gleichgewichts der globalen Umwelt und ein Quell der Schönheit, der Ehrfurcht und der Freude der Menschheit.
Die Ausarbeitung eines internationalen Abkommens für diesen gewaltigen
Meeresraum, der über die Hälfte der Erdoberfläche bedeckt, ist eine der Hauptaufgaben der internationalen Gemeinschaft. Seit 1973 wären viele Länder aktiv
mit der mühsamen Aufgabe befaßt, auf der Dritten Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen einen umfassenden Vertrag für die Weltmeere auszuarbeiten.
Die Vereinigten Staaten waren an diesem Prozeß intensiv beteiligt.
In den Vereinigten Staaten sind ernsthafte Fragen bezüglich einiger
Teile des Vertragsentwurfes aufgetaucht, und im März vorigen Jahres habe ich
bekanntgegeben, daß meine Administration eine gründliche Überprüfung des vorliegenden Entwurfes und des Ausmaßes vornehmen werde , in dem er amerikanische
Interessen an der Schiffahrt, den überflugrechten, der Fischerei, dem Umweltschutz, dem Tiefseebergbau und anderen von der Konvention erfaßten Gebieten
berührt. Wir sind uns darüber im klaren, daß die beiden letzten Sitzungsperioden der Konferenz schwierig waren, da der Abschluß der Überprüfung ausstand.
Gleichzeitig halten wir es für wichtig, daß ein Seerechtsvertrag so aussieht,
daß die Vereinigten Staaten ihm beitreten und ihn unterstützen können. Unsere
Überprüfung ist zu dem Schluß gekommen, daß zwar die meisten Bestimmungen des
Vertragsentwurfes für die amerikanischen Interessen akzeptabel und mit ihnen
vereinbar sind, daß jedoch wichtige Teile der Bestimmungen für den Tiefseebergbau nicht annehmbar sind.
Ich gebe heute bekannt, daß die Vereinigten Staaten zu diesen Verhandlungen zurückkehren und mit anderen Ländern zusammenarbeiten werden, um einen
akzeptablen Vertrag zu erreichen. Auf dem Gebiet des Tiefseebergbaus werden
wir die Änderungen anstreben, die notwendig sind, um diese unannehmbaren Elemente zu korrigieren und das Ziel eines Vertrages zu erreichen, der:

�erreichen, der:
- nicht den Abbau von Tiefseemineral vorkommen zur Deckung des nationalen und Weltbedarfs verhindern wird;
- den nationalen Zugang zu diesen Vorkommen durch bestehende und künftige qualifizierte Körperschaften gewährleisten wird, um die Versorgung
Amerikas zu sichern, eine Monopolisierung der Vorkommen durch die Exekutive
der internationalen Behörde zu vermeiden und die wirtschaftliche Entwicklung
der Vorkommen zu fördern;
- eine Entscheidungsbefugnis des Regimes für den Tiefseebergbau vorsehen wird, die die politischen und wirtschaftlichen Interessen und die finanziellen Beiträge der beteiligten Staaten in fairer Weise widerspiegelt und
wirksam schützt;
- nicht zuläßt, daß Änderungen ohne die Billigung der beteiligten Staaten, in unserem Falle ohne den Rat und die Zustimmung des amerikanischen Senats, in Kraft treten;
- keine unerwünschten Präzedenzfälle der internationale Organisationen
schafft; und
- mit großer Wahrscheinlichkeit den Rat und die Zustimmung des Senats
erhält. Diesbezüglich sollte die Konvention keine Bestimmungen für die zwangsweise überstellung von privater Technologie und die Beteiligung oder Finanzierung von nationalen Befreiungsbewegungen enthalten.
i

Die Vereinigten Staaten bleiben dem multilateralen Vertragsprozeß
verpflichtet, um ein Übereinkommen über das Seerecht zu erreichen. Wenn wir
auf der Konferenz zusammenarbeiten und Wege finden können, um diese Grundbedigungen zu erfüllen, dann wird meine Administration die Ratifizierung
unterstützen.

.,
Ich habe
- 3 -

�Ich habe den Außenminister und meinen Sondervertreter für die Seerechtskonferenz angewiesen, in Koordination mit anderen zuständigen Regierungsstellen, sofort mit den notwendigen Konsultationen mit anderen Ländern zu beginnen
und weitere Vorbereitungen für unsere Teilnahme an der Konferenz zu treffen.

+ + + + +

- 4 -

�mE

1J

V)

DlEliT

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Februar 1982

USA UNTERSTREICH BESONDERE BEDEUTUNG DES NÄCHSTEN GATT-MINISTERTREFFENS
- Brock zur Handelspolitik der Vereinigten Staaten -

WASHINGTON - (AD) - Der US-Sonderbeauftragte

für Handelsverhandlungen,

William Brock, hat in einer Rede vor führenden Unternehmern auf dem europäischen Managementforum in Davos dargelegt, welche Bereiche der Handelspolitik aus der Sicht der Vereinigten Staaten die höchste Aufmerksamkeit verdienen.

Nach Ansicht des wichtigsten für Handelsfragen zuständigen Mitglieds

der Reagan-Administration

werden die Handelsnationen bald vor wachsendem Pro-

tektionismus stehen, wenn es auf dem GATT-Ministertreffen im November zu keiner international koordinierten Anstrengung zur Lockerung der Handelsrestriktionen kommt.
Die Rede Brocks hat folgenden Wortlaut:
Ein großer französischer Philosoph dieses Jahrhunderts hat einmal geschrieben, "Freiheit ist die Notwendigkeit, zwischen Alternativen zu wählen."
Heute sind die Alternativen, vor denen das Welthandelssystem steht, sehr begrenzt, und die Wahl ist von entscheidender Bedeutung.
Von wenigen

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�Von wenigen Ausnahmen abgesehen, steht jedes Land der Welt vor derselben
Krise.
- Wir brauchen alle immer mehr Devisen, um die Energieeinkaufe finanzieren
zu können;
- wir alle werden bedroht von hoher Arbeitslosigkeit, von Inflation und
von Zahlungsbilanzproblemen, die den realen Lebensstandard in den meisten
Ländern der Welt vermindert haben; und schließlich - und noch schlimmer -:
- wir unterliegen alle der Versuchung - manche Länder sind ihr sogar schon
erlegen -, restriktive Handelspolitiken zu übernehmen, um die Binnenindustrien vom Wettbewerb durch Importe abzuschirmen, Subventionen zu gewähren, um die Beschäftigung aufrechtzuerhalten, sowie Regierungskredite
und ähnliche, den Handel verzerrende Anreize zu bieten, um die Exporte
zu erhöhen.
Das Ergebnis:

Ein schlimmes Syndrom, das die Mittel falsch verteilt,

Inkompetenz fördert, Ineffizienz verewigt, Marktverzerrungen institutionalisiert und zu einem Teufelskreis von Handelsungleichheit, verminderten Realeinkommen, verringerter Spartätigkeit und Kapitalbildüng, geringem oder überhaupt
keinem Wachstum und zu Inflation führt.
Die daraus resultierende Krise ist offenkundig - ebenso wie die politische
Antwort.

Rund um den Globus werden die Rufe nach Protektionismus lauter und

schriller, als sie je in 50 Jahren gewesen sind.
Ich sage dies heute nicht hier, um das Vergehen einer Ära des liberalisierten Handels zu beklagen, sondern um sein Verscheiden zu verhindern.

Meine

Regierung glaubt an den freien Handel, aber wir leisten keinen Beitrag zum
Erreichen dieses Zieles, indem wir die Angriffe anderer darauf ignorieren.

In

keinem Land gibt es über längere Zeit hinweg Unterstützung für eine Politik,
wenn das Volk spürt, daß bei der Anwendung dieser Politik keine Gerechtigkeit
herrscht.
Ich verstehe
- 2 -

�Ich verstehe die Besorgnis, die in den Vereinigten Staaten über die derzeitige Diskussion hinsichtlich der Reziprozität laut wird.

Ich bin überzeugt,

daß unter diesem Präsidenten die Reziprozität nicht ein anderes Wort für Protektionismus wird, sondern daß es dazu verwendet wird, um unser Beharren auf
Gerechtigkeit deutlich zu machen.

Weder der Kongreß noch der Präsident können

unfaire Handelspraktiken tolerieren, die entweder unseren Binnenmarkt negativ
beeinflussen oder aber unsere Möglichkeiten, draußen Handel zu treiben.
Teil des Problems ist die Frage nach dem nationalen Selbstverständnis.
Die Vereinigten Staaten verstehen sich als offener und freier Markt.

Die Euro-

päische Gemeinschaft versteht sich als ein offener und freier Markt.

Japan

sieht sich als einen offenen und freien Markt.

Und jeder wird mit einem Augen-

zwinkern und einem Lächeln eingestehen, daß sein Selbstverständnis ein ganz
klein wenig durch einige Ausnahmen verunstaltet ist.
Daher beginnt eine Formel für die Zerstörung des Welthandelssystems mit
der selbstgerechten Ansicht, daß jeder von uns so rein wie der neue Schnee
sei und daß das Problem durch die anderen komme.

Die Vereinigten Staaten sind

nicht ganz rein - und auch sonst niemand ist es.
Das Problem liegt darin, daß jedes Land unilateral versucht ist, die
Handelsregeln zu verändern und seine Ausnahmen auszuweiten - als Möglichkeit,
um mit der Wirtschaftskrise fertigzuwerden.

Kurz:

Jedes Land wünscht sich

die langfristigen Vorteile als Teilhaber am internationalen Handelssystem,
möchte jedoch gleichzeitig den Luxus und die Erlaubnis, die Regeln zu ändern,
wann immer es nötig ist, und auf seine Weise seinen nationalen Interessen folgen, ohne auf die Folgen für die anderen zu achten.
Länder können und sollten unterschiedliche Wege der Entwicklung gehen
- und wir preisen dieses ihr Recht.

Aber da es tiefgreifende Unterschiede

dabei gibt, wie ein jedes Land mit seiner Volkswirtschaft fertig wird, sind
wir doch der Ansicht, daß es von entscheidender Bedeutung ist, das Welthandelssystem neu zu strukturieren und zu stärken, um jene Unterschiede auf rationale, vorhersagbare und gerechte Weise auszugleichen.
In diesem

�In diesem Jahr geht es um mehr als um das Problem einer trägen Weltwirtschaft.

Die Entscheidungen, die wir 1982 treffen, sind für die Zukunft der

Weltwirtschaftsordnung von zentraler Bedeutung.

Es liegt in der Dynamik des

Handels, daß wir zurückfallen müssen, wenn wir nicht vorwärts gehen.

Entweder

wir bilden gemeinsam das Handelssystem der Zukunft - oder jeder von uns wird
dazu verurteilt sein, die Mauern der Vergangenheit wieder aufzurichten.
Dies ist ein Jahr der Entscheidung.

Und die Zeit sagt uns:

"Es ist

später, als ihr glaubt!"
Diese Entscheidungen werden nicht durch Aufschieben leichter.

Wir kön-

nen uns nicht der blinden Hoffnung hingeben, daß der Aufschwung der Weltwirtschaft in naher Zukunft es ermöglichen wird, diese Enscheidungen zu umgehen.
Während der letzten 35 Jahre hat sich die Liberalisierung des Welthandels
auf den Abbau der Zollschranken konzentriert. Diese Anstrengung war in großem
Umfang erfolgreich. Aber während die Zölle abbröckeln, entwickelten vielzuviele Regierungen ein beachtliches Geschick bei der Errichtung anderer Schranken. Um manche dieser Schranken ging es bei der Tokio-Runde; mit den meisten
aber befaßte man sich überhaupt nicht.
Die ungeheuer komplexen und sich rasch entwickelnden Bereiche der Dienstleistungen und der Investitionen sind besonders verletzlich, was die nichttarifären Schranken angeht. Die Tokio-Runde hat sich nicht um diese Probleme
gekümmert. Einige der raffiniertesten und heimtückischsten Barrieren gab es
zur Zeit der Tokio-Runde sogar noch nicht einmal.
Manche werden sagen, daß wir mehr Zeit brauchten, um die im Verlauf der
Tokio-Runde getroffenen Vereinbarungen zu verwirklichen, und daß wir uns gegenseitig zwischenzeitlich gratulieren und uns auf unseren Lorbeeren ausruhen
könnten. So wird es nicht gehen.
Natürlich müssen wir auf voller Durchführung der Tokio-Runde bestehen;
aber zugleich brauchen wir ein erneuertes und neubelebtes Handelssystem, dazu
- 4 -

�Handelssystem, dazu entworfen, mit den neuen Schranken fertigzuwerden, sobald
sie errichte werden und noch bevor sie die Verhandlungserfolge der Vergangenheit untergraben können.
Wir brauchen ein Handelssystem, das erkennt, daß seine Aufgabe nie erfüllt sein wird - ein System, das für den fortdauernden Prozeß der Problemanalyse und der Lösungssuche entworfen ist, noch bevor es zu einer eigentlichen
Krise kommt.
Die Nagelprobe unserer Bereitschaft zur Wahl von Alternativen und zur
Gestaltung eines neubelebten Handelssystems besteht darin, wie wir uns gemeinsam auf das GATT-Ministertreffen vorbereiten, das im November dieses Jahres in
Genf stattfinden wird.

Diejenigen, die sagen, dieses GATT-Ministertreffen

sollte als feierliche Bestätigung des Status quo fungieren, haben die Zeichen
nicht erkannt.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich dazu verpflichtet, dieses
Treffen zu einem Anfang, nicht einem Ende zu machen.

Jedes Land muß sich jetzt

entscheiden, ob es die politische Verpflichtung zur Inventur, zur Analyse und
zur ernsthaften Diskussion der neuen Bedrohungen des Welthandels eingehen will,
oder ob es die leichtere, aber unendlich gefährlichere Alternative wählt, eben
einfach zu einem weiteren Treffen zu kommen, um Platitüden und Gefälligkeiten
auszutauschen.
Auf dem GATT-Ministertreffen und danach ist Raum genug für Pragmatiker
und für Visionäre.
- Wir müssen die Probleme der Investitionen und all die damit zusammenhängenden Probleme der Liberalisierung des freien Kapitalflusses in den
Griff bekommen.

Wir müssen uns zu ernsthaften Gesprächen über den Handel

bei Dienstleistungen verpflichten, einem entscheidenden Element eines
künftigen Wirtschaftswachstums.
- Wir müssen

�- Wir müssen einen frischen Blick auf die dornige Frage der Sicherheitsklauseln und der Probleme der strukturellen Anpassung werfen, um mit den
sich ändernden Wirtschaftsbedingungen fertigzuwerden.
- Wir müssen die Handelsvereinbarungen bei der Landwirtschaft zum gegenseitigen Vorteil von Produzenten und Konsumenten verbessern.
- Wir müssen bessere Methoden entwickeln, um die Entwicklungsländer in
das Welthandelssystem einzubeziehen und daran teilhaben zu lassen. Wir
brauchen Fortschritte nicht nur dabei, wir wir ihnen Zugang zum Markt bei
Produkten verschaffen können, bei denen sie im Verhältnis noch einen
Vorteil haben, sondern wir müssen sie auch dazu ermutigen, ihren vollen
Anteil an der Verantwortung für die Behandlung des Welthandelssystems zu
übernehmen. Für Sie hier und für Millionen anderer in der ganzen Welt,
die der wirtschaftlichen Freiheit verpflichtet sind, muß es offenkundig
sein, daß die Devisen, die die Entwicklungsländer durch den Handel verdienen können, die Fonds, die ihnen über die Entwicklungshilfe zur Verfügung stehen, winzig erscheinen lassen. Ein freierer Handel wird es
ihnen sicherlich eher als alle Strategien der Entwicklungshilfe und der
Importerschwernisse ermöglichen, sich ein Haus zu bauen, das, einmal fertig, vor Gewalt schützt.
- W i r müssen uns auf die Herausforderungen des Handels mit fortgeschrittener
Technologie konzentrieren.
- Wir müssen die Regeln und Methoden für den Umgang mit den Planwirtschaften
verbessern, damit sie zwar in der Lage sind, auf dem Weltmarkt in
Konkurrenz zu treten, dies aber in fairer Weise tun, ohne zusammen mit
ihren Produkten zugleich Preis- und Kostenverzerrungen zu exportieren.
- Wir müssen uns mit der vielköpfigen Hydra der nichttarifären Handelsschranken sowie mit den vielen anderen Handelsproblemen auseinandersetzen,
die noch nicht einmal mit in die Überlegungen einbezogen worden waren, als
das GATT nach dem Zweiten Weltkrieg formuliert wurde, oder während der
- 6 -

�während der sieben Verhandlungsrunden, die es seither gegeben hat.
- Und über das Ministertreffen hinaus müssen wir uns auf ein System zubewegen, das diese Absichten verwirklicht.
Wir leben in einer Welt gegenseitiger Abhängigkeiten.
nicht.

Anders geht es

Wir sind frei, zwischen Alternativen zu wählen, aber diese Wahl ist

stark eingeschränkt auf ein Vorwärts oder ein Rückwärts.
Für diejenigen, die gewillt sind, auf dem GATT und anderen multilateralen
Institutionen aufzubauen, sie zu verbessern und zu stärken,
für diejenigen, die die Zukunft als neue Gelegenheit begreifen und nicht
als eine Bedrohung,
für diejenigen, die an den Zielen des freien Handels festhalten,
für diejenigen, die der Überzeugung sind, daß jedes Land an einem größeren
und allgemeinen Wohlstand teilhaben kann, anstatt den Mangel zu verteilen,
für diejenigen, die der Ansicht sind, daß der freie Fluß von Gütern,
Dienstleistungen und Kapital das beste, vom menschlichen Verstand bisher entwickelte Instrument ist, um allen Menschen das zu sichern, was sie im Schweiße
ihres Angesichts erarbeitet haben,
für all diejenigen, die hieran glauben, werden die Vereinigten Staaten
ein bereitwilliger Partner sein.
In den Händen aller Handelsnationen liegt die Entscheidung, ob das GATTMinistertreffen den Auftakt einer neuen Ära des Fortschritts und der Prosperität
oder ein großer Schlußakkord sein wird.
Wählen wir den besseren Weg:

Vereinen wir uns in der gemeinsamen Verpflich-

tung, mit den Ausflüchten aufzuhören und das Handelssystem zum Funktionieren zu
bringen.
+ + + + +
- 7 -

�Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Februar 1982

HAIG NIMMT ZU POLEN UND EL SALVADOR STELLUNG
Der US-Außenminister vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß
Von unserem Korrespondenten Russell E. Dybvik

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig hat
vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats am 2. Februar 1982 nicht mit
seiner Meinung 'über das Kriegsrecht in Polen und die Pläne für demokratische
Wahlen in El Salvador hinter dem Berg gehalten.
Wenn keine Umkehr der durch die von der Sowjetunion unterstützten Unterdrückungspolitik der polnischen Regierung eintrete, so warnte Haig vor dem
Ausschuß, "dann nimmt die Wahrscheinlichkeit von Gewalttätigkeit zu". Haig
ließ keinen Zweifel, daß "die Rolle der Sowjetunion in Polen und anderswo" das
wichtigste Thema seiner Besprechungen mit dem sowjetischen Außenminister
Gromyko in der vorigen Woche in Genf gewesen sei.

"Ich habe immer wieder be-

tont, daß die sowjetische Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung zur Verhinderung
des friedlichen Wandels die größte Gefahr für unsere beiderseitigen Interessen darstellt", so sagte Haig.

Die sowjetische Komplizenschaft in Polen und

Afghanistan und die Waffenlieferungen Moskaus an Kuba unterminierten die Grundlage der Ost-West-Beziehungen.
Der amerikanische

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�Der amerikanische Außenminister betonte in diesem Zusammenhang nachdrücklich, daß die Solidarität im westlichen Bündnis von höchster Bedeutung sei.
Darum versuche Moskau, die Einigkeit des Westens zu unterminieren.
Haig wies jedoch auch darauf hin, daß Amerika die beispiellose Zusammenarbeit und Unterstützung durch die europäischen Verbündeten anerkennen müsse.
Alle seien sich über die Unannehmbarkeit der Lage in Polen und die Verantwortung der Sowjets einig.

Es habe allerdings Meinungsverschiedenheiten bezüg-

lich des wirksamsten Weges gegeben, um Druck auf die Sowjetunion zur Geltung
zu bringen, damit sie zusammen mit der polnischen Regierung auf eine Mäßigung
hinarbeite.

"Wir marschieren nicht im Gleichschritt", so sagte Haig vor dem

Ausschuß, "und wir haben das auch nie gewollt.
schiert so, wei

1

Aber der Warschauer Pakt mar-

er seine Befehle aus Moskau erhält".

Haig wurde unter anderem auch bezüglich eines Getreideembargos gegen die
Sowjetunion befragt.

Er versicherte den Senatoren, daß Präsident Reagan kein

Getreideembargo verhängen werde, "es sei denn, eine solche Maßnahme wäre Teil
eines totalen oder breit gefaßten Rahmens von Sanktionen".

Ein amerikanisches

Embargo müsse inwirksam bleiben, solange nicht andere Getreideerzeugerländer
sich diesen Sanktionen anschlössen.
Außenminister Haig versicherte weiter, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, eine neue Runde von Gesprächen über einen Abbau der strategischen
Rüstungen (START) mit der Sowjetunion zu beginnen. Er habe dem sowjetischen
Außenminister Gromyko ein deutliches Signal gegeben, daß ein Zusammenhang bestehe zwischen erfolgreichen START-Verhandlungen, die zu einem wesentlichen
Abbau der strategischen Rüstungen führen könnten, und der anhaltenden Unterdrückung in Polen.
Haig wies auch darauf hin, daß die Verbündeten bereit seien, zur Wiederbelebung der polnischen Wirtschaft beizutragen, wenn das Kriegsrecht aufgehoben würde, die Inhaftierten freigelassen würden und das polnische Volk sein
Recht auf freie Gewerkschaften zurückerhalte.
Werte von 65 Millionen Dollar lieferbereit.

In den USA seien Hilfsgüter im
Die Lieferungen seien von Re-

�von Regierungskanälen auf katholische Hilfsorganisationen und CARE verlagert
worden. Das wichtigste sei, daß die Hilfslieferungen auch wirklich die Bevölkerung erreichten.
Haig ging auch auf die Gewalt in El Salvador ein, die mit dem Herannahen
der Wahlen noch zunimmt.

Er sagte:

"Die Trends gehen zum Besseren hin, nicht

zum Schlechteren", fügte jedoch hinzu, er sei "empört und entsetzt, wenn es
zu Greueltaten kommt, gleichgültig, ob es sich dabei um die Folge rechten oder
linken Extremismus handelt."
Haig stellte fest, daß sich die Berichterstattung über El Salvador größtenteils auf "die Gewalttaten der Rechten" konzentriert, weil das Regime offen
sei.
"Es ist schlimm, daß wir nicht eine ähnliche Berichterstattung über die
Greuel erhalten, die täglich dem Volk von El Salvador durch jene Terroristen
angetan werden, die von der Sowjetunion, Kuba und Nicaragua unterstützt und
aufgehetzt werden."

Scharf kritisierte er Kuba:

4000 bis 6000 Kubaner seien

in Nicaragua, das er "eine Basis für den Export von Subversion und bewaffneter Intervention in ganz Mittelamerika" nannte.
Haig betonte, daß die Bedrohung der Demokratie durch Gegner eines friedlichen Wandels in El Salvador besonders deutlich sei. "Die Regierung Duarte
hat sich zu politischer Reform, freien Wahlen und wirtschaftlicher Entwicklung
verpflichtet. Nicaragua und Kuba sind entschlossen, das durch Gewalt zu gewinnen, was sie nicht durch den Stimmzettel erreichen können."
Der Außenminister erklärte, die Vereinigten Staaten seien entschlossen,
die "selbstzerstörerische Methode" zu vermeiden, einseitig Polizist dieser
Region zu werden.
Auf eine Frage hin antwortete Haig, er wolle nicht im einzelnen darlegen,
welche Schritte die Vereinigten Staaten gegenüber El Salvador unternehmen
würden:

"Wir wägen derzeit eine ganze Bandbreite von Optionen gegeneinander
- 3 -

�Optionen gegeneinander ab.

In bezug auf politische, wirtschaftliche und

sicherheitspolitische Schritte ist noch nichts ausgeschlossen."
Reportern gegenüber sagte er auf die Frage, ob die USA die Entsendung
von Kampftruppen nach El Salvador ausschlössen, der Präsident habe "sehr
große Vorbehalte hinsichtlich eines solchen Schrittes, Notfälle ausgenommen".
Zu einem verwandten Thema sagte Haig zu Senator Nancy Kassebaum, daß die
Administration "sehr beunruhigt über die Zunahme der Gewalt in Guatemala ist.
Wenn ich jemals einen Embryo von Salvador gesehen habe - mit unterschiedlicher
Begründung, mit unterschiedlihcer Problemlage -, so ist das Guatemala".
In Beantwortung weiterer Fragen sagte Haig, es habe bei den marokkanischen
Anstrengungen zur Lösung der Situation in der westlichen Sahara "in letzter
Zeit einige Probleme" gegeben.

"Es gab eine gewisse Verschlechterung bei der

Anstrengung in Richtung auf ein Referendum und eine friedliche Lösung", weil
die Aufständischen der Polisario mittlerweile noch besser gerüstet seien.
Er fügte hinzu, er sei darüber "ermutigt", daß für die nächste Zeit neue
Gespräche geplant seien.

In seiner vorbereiteten Erklärung sagte Haig außer-

dem, daß seine beiden jüngsten Besuche im Nahen Osten dazu beigetragen hätten,
die Reibungen zwischen Ägypten und Israel abbauen zu helfen und daß die verbliebenen Fragen hinsichtlich der Zusammensetzung und der Dislozierung einer
multilateralen Streitmacht und von Beobachtern im Sinai nach dem endgültigen
Abzug der Israelis gelöst wurden.
Er habe sowohl Ägypten als auch Israel darauf gedrängt, ihre Anstrengungen
im Hinblick auf Verhandlungen über die Autonomie der Palästinenser zu verstärken,
gab jedoch zu, daß "auf beiden Seiten noch harte Arbeit und Einfallsreichtum
nötig sind, um die großen Meinungsunterschiede zu überbrücken, die sie trennen."
Zu anderen Themen sagte der Außenminister:
- daß die

�daß die Vereinigten Staaten dazu beigetragen haben, die Verhandlungen
über Namibia und die Hoffnungen wiederzubeleben, noch 1982 zu einer Lösung zu kommen, die zur Unabhängigkeit Namibias führen kann;
daß die Vereinigten Staaten die Wiederherstellung des Friedens im Tschad
unter den Auspizien der Organisation für afrikanische Einheit unterstützen;
daß die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung für die "bedrohten Nachbarn" Libyens als Teil einer festen amerikanischen Haltung gegenüber
der Förderung des internationalen Terrorismus durch Libyen ausgeweitet
haben; und
daß die Vereinigten Staaten den Anstrengungen der ASEAN-Staaten zur Beendigung der vietnamesischen Besetzung Kampucheas ihre vollste Unterstützung geben.

+ + + + +

�Wi/zen/choft
und Technik

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Februar 1982

KÄLTEFESTER STAHL
Bor statt Nickel als Legierungszusatz

- (AD) - Ein nickelfreier Baustahl, der unter Kälteeinwirkung nicht
versprödet, wurde von J. William Morris, S.K. Hwang und N. Niikura von der
Abteilung Metallurgie und Werkstoffwissenschaften des "Lawrence Berkeley
Laboratory" (Kalifornien) entwickelt. Nach Auffassung von Experten im USEnergieministerium, die Forschungs- und Entwicklungsergebnisse auf diesem
Spezialgebiet aus neun nationalen Laboratorien begutachteten, sind die Resultate dieser Wissenschaftlergruppe auch im Hinblick auf den Kostenfaktor besonders vielversprechend.
Die Suche nach neuen Baustählen, die den herkömmlichen Anforderungen zufolge neben genügender

Festigkeit besonders hohe Zähigkeit besitzen müssen,

wurde vor allem deshalb intensiviert, weil der Bedarf an druckfesten Tanks
und Transportbehältern für sog. kryogene Flüssigkeiten immer größer wird.
Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und Erdgas in verflüssigter Form verlangen sehr tiefe Temperaturen - teilweise weit unterhalb von minus 150 Grad
Celsius bis zu einem Bereich, der nicht allzu weit vom absoluten Nullpunkt
entfernt ist. Da Kälte aber die meisten Werkstoffe spröde und rißanfällig

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�und rißanfällig macht, sind Speziallegierungen für das Material erforderlich,
aus dem die Druckbehä'lter gebaut werden.

Bisher werden dafür rostbeständige

Stähle benutzt, die einen hohen Nickel-Anteil haben.

Die Vereinigten Staaten

verfügen selbst nur über geringe Nickel vorkommen und sind gezwungen, den größten Anteil des Nickelbedarfs aus Importen zu decken.

Vor allem Nickel macht

die rostbeständigen, zähen Baustähle enorm teuer.
J. William Morris stellte an Hand mikroskopischer Gefügeuntersuchungen
fest, daß die Rißbildung durch Kälteversprödung entlang der Korngrenzen erfolgt.

Auf der Suche nach Legierungszusätzen, die den Gefügezusammemhalt ver-

stärken könnten, erwies sich das Element Bor als besonders wirksam.

Bei eini-

gen inzwischen auf dieser Basis entwickelten Stahllegierungen ist die Kältefestigkeit um 150 Grad Celsius besser als bei vergleichbaren anderen nickelfreien Stählen.

In einem Fall wurde versucht, die Gefügestruktur durch eine

spezielle Wärmebehandlung zu verfeinern, indem man die Wärmeeinwirkung innerhalb eines bestimmten Temperaturbereichs unter genau kontrollierten Bedingungen pendeln ließ.

Damit sollte eine gleichmäßigere Verteilung der Legierungs-

beständteile innerhalb des Korns und so eine Verbesserung der Struktur erreicht werden.

Nach Ansicht von Morris wurden durch diese Versuchsarbeiten

auch allgemeine neue Erkenntnisse zu den Grundlagen metallurgischer Verfahren
zur wesentlichen Verbesserung von Werkstoffeigenschaften gewonnen.

"Wir wis-

sen jetzt auch, daß es den 'Korngrenzenkitt' tatsächlich gibt, und daß Bor
zumindest ein Beispiel dafür ist."
Zunächst dürften die neuen Legierungen zum Bau von Tanks für flüssigen
Stickstoff verwendet werden, an dem die meisten Branchen der Industrie großen
i

Bedarf haben.

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA werden akzeptablen Seerechtsvertrag unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme des US-Präsidenten zur neuen LOS-Runde -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA unterstreichen besondere Bedeutung des nächsten GATT-Ministertreffens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Brock zur Handelspolitik der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haig nimmt zu Polen und El Salvador Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der US-Außenminister vor dem Außenpolitischen Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kältefester Stahl&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bor statt Nickel als Legierungszusatz -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Januar 1982

INHALT

INFORMATION
Weltumspannende Fernsehsendung:

Demonstration globaler Solidarität

mit dem polnischen Volk

DOKUMENTATION
Präsident Reagan proklamiert Tag der Solidarität mit Polen
- Solidarität ein Symbol des Kampfes um Grundrechte -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rostow besorgt über sowjetischen Expansionismus
Beweise für den Einsatz von Biotoxin-Waffen durch die Sowjetunion
- Richard Burt vor der Auslandspresse in Washington -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Stereotaktische Strahlentherapie
- Sehr kleine, schwer zugängliche Gehirntumore unter Beschuß -

Um Über/endung von
ßelegexemploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�27. Januar 1982

WELTUMSPANNENDE FERNSEHSENDUNG:
DEMONSTRATION GLOBALER SOLIDARITÄT MIT DEM POLNISCHEN VOLK

WASHINGTON - (AD) - Eine vom US-Amt für internationale Kommunikation
(USICA) am 31. Januar 1982 per Satellit weltweit ausgestrahlte Fernsehsendung
wird nach den Worten von USICA-Direktor Charles Z. Wick die Unterstützung der
freien Welt für das polnische Volk zum Ausdruck bringen.
Wick erklärte am 20. Januar vor der Presse in Washington, daß sowohl
die britische Premierministerin Margaret Thatcher als auch Bundeskanzler Helmut
Schmidt, die Ministerpräsidenten von Belgien, Portugal und Norwegen sowie der
Außenminister Luxemburgs an der Sendung "Daß Polen Polen werde" teilnehmen und
man dies auch von einer großen Zahl von führenden Persönlichkeiten anderer
Staaten erwartet. Thema der Sendung wird die Proklamation von Präsident Reagan
sein, der den 30. Januar zurrTTag der Solidarität mit dem polnischen Volk" erklärt hat.
Direktor Wick brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß das weltweite Echo
auf dieses Programm zusätzliche Aufmerksamkeit für die Notlage des polnischen
Volkes und "hoffentlich etwas Bewegung in Richtung auf eine Verbesserung seiner
Situation" bringen wird.
Es wird

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Es wird

erwartet, daß die Sendung von etwa 300 Millionen Menschen außer-

halb der Vereinigten Staaten gesehen wird und daß weitere 100 Millionen das
Programm durch die "Stimme Amerikas" (VOA) empfangen werden, die es in 40
Sprachen, darunter in Polnisch, ausstrahlt.
Das Leitmotiv der Sendung - menschliche Freiheit - wird durch Auszüge
aus der Weltliteratur, klassische und volkstümliche Musikstücke, Tänze, Objekte der bildenden Künste und dergleichen zum Ausdruck gebracht.

Zu den pro-

minentesten Teilnehmern aus dem Bereich der Künste gehören der Cellist Mstislav
Rostropovich, der Sänger Frank Sinatra sowie die Schauspieler Charlton Heston,
Kirk Douglas und Orson Welles.

Im Verlauf des Programms wird Präsident Reagan

im Weißen Haus eine Erklärung abgeben, die die Unterstützung für das polnische
Volk zum Ausdruck bringt. Auch Howard Baker, der Fraktionsführer der Mehrheit
im Senat,und Thomas "Tip" 0'Neill, der Sprecher des Repräsentantenhauses, werden eine Stellungnahme abgeben.
Das Thema dieses Tages der Solidarität mit dem polnischen Volk entstammt einem Lied des polnischen Dichters Jan Pieczak "Daß Polen Polen werde"
und das in seinem Verlangen nach Freiheit zu einer Hymne der Gewerkschaft
Solidarität und aller Polen geworden ist.
Zur Rolle von USICA bei dieser Fernsehsendung erklärte Wick, daß das
Amt "einfach ein Katalysator für die ganze übrige Welt gewesen ist, wie dies
durch die Teilnahme von führenden Persönlichkeiten des Auslands und Gewerkschaftsdemonstrationen in der ganzen Welt" zur Lage in Polen deutlich geworden sei. Wick fügte hinzu, daß es bei Fragen des Mitleids, der Entrüstung und
der Besorgnis über die Lage in Polen keinerlei Uneinigkeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Freunden und Verbündeten auf der ganzen Welt gibt.
Er erwähnte, daß Außenminister Haig die Pläne für diese Sendung mit den europäischen Verbündeten auf der NATO-Sondersitzung in Brüssel be- : ...
sprochen hat. Auf die Frage, welche Reaktion er von den Sowjets auf dieses
Programm erwarte, antwortete Wick, er hoffe,"daß es zu einer Erleichterung der
jetzigen Unterdrückung führt und den Status quo ante wiederherstellt".
+ + + + +

�0mERl

R

Dl El1!

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Januar 1981

PRÄSIDENT REAGAN PROKLAMIERT TAG DER SOLIDARITÄT MIT POLEN
- Solidarität ein Symbol des Kampfes um Grundrechte

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat den 30. Januar 1982
zum Tag der Solidarität mit dem polnischen Volk proklamiert. In seiner am
20. Januar veröffentlichten Proklamation betont Reagan, daß die freie polnische Gewerkschaft Solidarität "den Kampf wirklicher Arbeiter in einem sogenannten Arbeiterstaat um die Erhaltung grundlegender menschlicher und wirtschaftlicher Rechte symbolisiert". Er verweist darauf, daß die Geschichte
zeige, wie die Stabilität in Europa durch ein unterdrücktes Polen gefährdet
sei.
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Proklamation
des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika
Solidarnosc, die Bewegung der freien polnischen Gewerkschaft Solidarität,
wurde nicht nur aus dem Versagen der polnischen Regierung heraus geboren, den
Ansprüchen ihres Volkes gerecht zu werden, sondern zugleich aus einer frei heit-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�einer freiheitlichen Oberlieferung heraus, die von dem stolzen polnischen
Volk über zwei Jahrhunderte der ausländischen und inländischen Tyrannei hinweg gehegt und gepflegt wurde.
Die Solidarität symbolisiert den Kampf wirklicher Arbeiter in einem sogenannten Arbeiterstaat um die Erhaltung grundlegender menschlicher und wirtschaftlicher Rechte, die sie sich in Danzig im Jahr 1980 zu erkämpfen begonnen hatten - das Recht auf Arbeit und darauf, die Früchte dieser eigenen Arbeit zu ernten, das Recht auf Versammlungsfreiheit, auf Streik und auf Gedankenfreiheit.

Die Solidarität versuchte, die tiefverwurzelten wirtschaft-

lichen Übel Polens anzupacken und zu lösen; sie handelte in gutem Glauben und
verfolgte einen Weg des konstruktiven Dialogs mit der polnischen Regierung.
Trotz dieser friedlichen Anstrengungen seitens der Solidarität brandete
eine brutale Welle der Unterdrückung über Polen.

Die Verhängung des Kriegs-

rechtes beseitigte alle Reste der neugewonnenen Freiheit.

Die Behörden haben

zu willkürlicher Verhaftung und der Anwendung von Gewalt Zuflucht gesucht,
was zu gewalttätigen Akten und zum Verlust von Leben geführt hat; der freie
Fluß von Menschen,Gedanken und Informationen wurde unterdrückt; die Uhr der
Menschenrechte in Polen wurde um mehr als 30 Jahre zurückgedreht.

Das Ziel

dieser Unterdrückung ist die Bewegung der Solidarität, aber mit ihrem Angriff
auf die Solidarität greifen deren Feinde das gesamte Volk an.

Zehn Millionen

der 36 Millionen polnischer Bürger sind Mitglied der Solidarität.

Zusammen

mit ihren Familien stellen sie die überwältigende Mehrheit der polnischen Nation dar.

Indem sie die Solidarität verfolgt, führt die polnische Militär-

regierung einen Krieg gegen ihr eigenes Volk.
Die Geschichte zeigt uns, daß die Stabilität in Europa bedroht ist, wenn
Polen unterdrückt wird. Herz und Sinn aller freien Menschen üben in dieser
Stunde des Leidens Solidarität mit dem polnischen Volk.
Wir haben große Hochachtung vor der Führuqgsqualität und den Zielen von
Lech Walesa, dem Kopf der Solidarität, und wir bringen unsere ernste Sorge
um sein derzeitiges Wohlergehen zum Ausdruck.
- 2 -

Als Amerikaner haben wir eine

�wir eine besondere Beziehung zur Solidarität und zu den grundlegenden
Menschenrechten, die sie hochzuhalten sucht,und stehen dabei in der langen
Tradition polnisch-amerikanischer Freundschaft und Freiheit.

Das Eintreten

Präsident Wilsons für die Selbstbestimmung des polnischen Volkes half bei
der Wiedergeburt der polnischen Nation zu Beginn dieses Jahrhunderts.

Heute

steht Amerika bereit, einem Polen großzügige Unterstützung und Hilfe zu gewähren, das auf einen Weg echter innerer Versöhnung zurückkehrt.
In der Welt gibt es heute einen Geist der Solidarität, den keine physische Kraft brechen kann.

Er überquert nationale Grenzen und dringt in die

Herzen der Männer und Frauen allerorts ein.

In den Fabriken, Schulen und

Bauernhöfen, in Städten und Dörfern auf der ganzen Welt stehen die Menschen
der freien Welt geeint mit unseren polnischen Brüdern und Schwestern.

Ihre

Sache ist auch die unsrige.
Deshalb erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den 30. Januar 1982 zum Tag der Solidarität. Ich fordere das
Volk der Vereinigten Staaten und alle freien Völker auf, diesen Tag durch
Versammlungen, Demonstrationen, Veranstaltungen, Gottesdiensten und andere
angemessene Ausdrucksformen der Unterstützung zu begehen. Wir werden unsere
Solidarität mit dem mutigen Volk Polens zeigen und ein Ende seiner Unterdrückung, die Freilassung all der willkürlich Verhafteten und die Wiederherstellung der international anerkannten Rechte des polnischen Volkes sowie
die Wiederaufnahme des inneren Dialogs und Versöhnung in Einklang mit den
grundlegenden Menschenrechten fordern.
Zur Beurkundung dessen unterzeichne ich am 20. Tag des Januar im Jahr
des Herrn 1982 und im 206. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
von Amerika diese Erklärung.
Ronald Reagan
Weißes Haus
20. Januar 1982
+ + + + +
- 3 -

�Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Januar 1982

ROSTOW BESORGT OBER SOWJETISCHEN EXPANSIONISMUS

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und
Abrüstung, Eugene Rostow,hat sich besorgt über den sowjetischen Expansionismus geäußert und erklärt, daß die Reagan-Administration Polen niemals als zu
Moskaus Einflußphäre gehörig bezeichnet hat.
In einer Rede vor dem"Komitee für die freie Welf'sagte Rostow am 22.
Januar 1982 in Washington, die Administration versuche, die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß sie ihren Expansionismus eingrenzen müsse und daß ihr
Imperium zu stark expandiert habe. Der sowjetische Expansionismus, so Rostow,
"fängt an, auf sehr empfindliche Nerven zu treffen." Dabei sei die sowjetische
Antwort "sehr interessant: 'Ihr fordert uns auf, eine Außenpolitik aufzugeben,
die in unserer Natur als Gesellschaft und als Staat verwurzelt ist'." Dabei
könne "die einzige amerikanische Antwort nur sein: 'Nein, das verlangen wir
überhaupt nicht. Ihr könnt die Tugenden des Kommunismus predigen, solange ihr
wollt und wir ihr wollt. Aber was wir - und was das weltpolitische System nicht tolerieren können, ist eine Sondergenehmigung dafür, den Glauben mit
dem Schwert zu verbreiten."'
Rostow

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Rostow unterstrich, daß "wir nicht gesagt haben, Polen liegt innerhalb
der sowjetischen Einflußphäre.und daß die Sowjetunion alles tun kann, was sie
will, solange die Welt außerhalb nicht betroffen ist."
Bei seiner Behandlung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sprach
Rostow außerdem von der Haltung der Reagan-Administration bei der Rüstungskontrolle. Im vergangenen Jahrzehnt, so sagte Rostow, "nahmen wir an, daß die
sowjetische Einstellung hinsichtlich der Kernwaffen und unsere Einstellung dieselbe waren, daß sie, genau wie wir, das Problem der Kernwaffen mit Widerwillen behandelten... Niemand kann das heute mehr sagen."
"Ihr Ziel ist ein ganz anderes, und wir sollten nur ein solches Kernwaffenabkommen annehmen, das sich auf dem Grundsatz gleicher Abschreckung gründet. Für uns bedeutet Abschreckung zweierlei: Abschreckung vor einem Atomkrieg
und - im Hinblick auf unsere entscheidenden nationalen Interessen - die Erhaltung der Möglichkeit, falls notwendig, Kernwaffen einzusetzen, wenn unsere
höchsten Interessen durch einen konventionellen Angriff bedroht sind."
"Dies ist ein Faktum", unterstrich Rostow, "das viele Leute sowohl in
den Vereinigten Staaten als auch in Europa und in Japan manchmal vergessen.
Aber es ist ein Faktum."
"Wiederaufbau und Erneuerung Europas, Amerikas, Kanadas, Japans und vieler anderer Länder sind von der Tatsache abhängig, daß die Vereinigten Staaten
bereit sind, Kernwaffen einzusetzen, wenn die Notwendigkeit besteht, sich vor
Angriffen auf ihre Interessen zu verteidigen, die mit konventionellen Streitkräften durchgeführt würden - und daß die Sowjetunion hieran auch glaubt."
Rostow sagte, "die derzeitige Furcht vor den Kernwaffen rührt von der
Tatsache her, daß das nukleare Gleichgewicht... während der siebziger Jahre
ausgehöhlt und verändert wurde" - und zwar zugunsten der Sowjetunion. "Wir
werden einige der Folgen (dieser Tatsache) bei der Haltung berücksichtigen
müssen, die wir (bei den Rüstungskontrollgesprächen mit Moskau) einnehmen werden."
"Wahrscheinlich
•

- 2 -

•

•

•

"

�"Wahrscheinlich ist, daß wir nicht den Maßstab dislozierter /&gt;bschußbasen
benutzen werden, wie dies während der siebziger Jahre der Fall war, um die
Zerstörungskraft von Kernwaffen zu beschreiben und über ein Abkommen eine
Situation gleicher Abschreckung zu erreichen."
Die Gruppe, zu der Rostow sprach, war im Februar 1981 ins Leben gerufen
worden. Ihr gehören mehrere hundert bekannte amerikanische und europäische
Intellektuelle an, die sich zu einem Wochenendseminar über "die transatlantische Krise" trafen. Rostow meinte jedoch, er glaube nicht an das Vorhandensein einer solchen "Krise".
"Ja, es gibt Anspannung. Aber ich glaube nicht, daß wir innerhalb des
Bündnisses so etwas wie eine Krise haben, wie etwa die Krisen der Jahre 1954
und 1956, als die Vereinigten Staaten eine grundlegend andere Einstellung als
Großbritannien hinsichtlich des Fernen Ostens und des Mittleren Ostens hatten oder die Krise des Jahres 1966, als General de Gaulle die französischen Streitkräfte aus dem integrierten Kommando des Bündnisses abzog."

+ + + + +

,

- 3 -

�27. Januar 1982

BEWEISE FÜR DEN EINSATZ VON BIOTOXIN-WAFFEN DURCH DIE SOWJETUNION
- Richard Burt vor der Auslandspresse in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, informierte
am 13. Januar 1982 die Auslandspresse in Washington über den gegenwärtigen
Stand der Ermittlungen über den Einsatz von Biotoxin-Waffen. Die Vereinigten
Staaten haben, wie Burt erklärte, "zwingende" Beweise dafür, daß die Sowjetunion in die Anwendung tödlicher biologischer Waffen in Südostasien verwikkelt ist. Dieser Einsatz von Biotoxinen unter Mißachtung internationaler Konventionen sei ein wichtiges Problem für die ganze Welt, insbesondere für die
Dritte Welt, "weil diese Waffen gegen Menschen der Dritten Welt eingesetzt
werden".
Im folgenden bringen wir Auszüge aus der Erklärung Burts und der sich
daran anschließenden Pressekonferenz:
Burt:

Wir glauben, daß die Beweise für eine Verwicklung der Sowjets in

die Anwendung dieser (biologischen) Toxinwaffen in Südostasien zwingend sind,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�zwingend sind. Zunächst einmal wissen wir, daß sich sowjetische Berater für
chemische Waffen in Südostasien aufhalten. Ganz offensichtlich ist die sowjetische Präsenz in Afghanistan besonders stark, und uns ist bekannt, daß sie
dort chemische Waffen stationiert haben.
Uns liegen Berichte von Oberläufern sowohl aus Südostasien als auch aus
Afghanistan vor, denenzufolge die Sowjetunion direkt in chemische Kriegführung verwickelt ist. Bislang haben wir keine Produktionsanlagen in Südostasien
ausgemacht, in denen die von uns identifizierten Toxinwaffen hergestellt werden könnten. Wir wissen, daß solche Anlagen - bzw. die Möglichkeiten zur Produktion solcher Waffen - in der Sowjetunion bestehen.
Und schließlich sind uns keine Anlagen zur Erprobung chemischer Waffen
in Südostasien bekannt, wohl aber in der Sowjetunion.
Ich glaube, die Skepsis gegenüber unseren Ermittlungsergebnissen ist teilweise verständlich - hauptsächlich deshalb, weil es sich hier um eine sehr
ernste Entwicklung handelt. Es sind sehr ernste Vorwürfe, die wir erhoben haben. Sie zeigen den Grad unserer Besorgnis über die Tatsache, daß diese Waffen eingesetzt werden. Außerdem ist dies ein höchst komplexer Bereich. Und es
ist nur natürlich, daß Fachleute und Wissenschaftler alle Fakten kennen möchten,
bevor sie Schlußfolgerungen ziehen.
Meines Erachtens haben wir unser Bestes getan, alle diese Fakten nicht
nur privaten Wissenschaftlern und anderen an dieser Frage Interessierten zugänglich zu machen, sondern auch sämtliche von uns erlangten Informationen
für die Untersuchung durch die Vereinten Nationen, die jetzt im Gang ist, zur
Verfügung zu stellen.
Gleichzeitig existiert nach unserer Meinung als weiteres Problem beim
Erörtern und Debattieren dieser Streitfrage das dabei angelegte "zweierlei
Maß", wie Außenminister Haig dies bezeichnet hat. Wir glauben, daß vor allem
unsere europäischen Verbündeten wegen dieser Entwicklungen angesichts der

- 2 -

�angesichts der direkten Bedrohung besorgt sein sollten, die sich aus den Einsatzmöglichkeiten für chemische Waffen durch die Sowjetunion auch für die Bevölkerung Westeuropas ergibt.
Noch wichtiger ist unseres Erachtens, daß jedermann ganz einfach vom humanitären Standpunkt aus wegen der Tatsache besorgt sein müßte, daß Waffen, die
durch eine internationale Konvention aus dem Jahr 1972 verboten sind - sie
verbietet biologische und Toxin-Waffen - in weit abgelegenen Gebieten der
Erde verwendet werden. Und er müßte sich außerdem wegen der Tatsache Sorge
machen, daß man solche Waffen möglichst unauffällig gegen primitive und meist
wehrlose Menschen einsetzt. Nach unserer Meinung wird durch diese Umstände ein
solches Verhalten nur noch abscheulicher.
Wir glauben, daß die Menschen in Asien und im Mittleren Osten besonders
besorgt sein sollten, weil diese Waffen in ihren Regionen tatsächlich verwendet werden. Als Problem der Dritten Welt ist dies eine besonders heikle Angelegenheit, denn diese Waffen werden gegen Menschen der Dritten Welt eingesetzt - und tatsächlich sind chemische Toxin-Waffen bereits seit dem ersten
Weltkrieg gegen Menschen der Dritten Welt eingesetzt worden.
Schließlich sind es auch die Auswirkungen auf die Rüstungskontrolle, die
die ganze Welt angehen. Unseres Erachtens steht die Notwendigkeit eindeu- '
tig fest, sich aktiv dafür einzusetzen, daß die Konvention von 1972 mit dem
Verbot dieser Toxin-und biologischen Waffen auch eingehalten wird. Die gesamte
Menschheit hat ein echtes Interesse daran, sicherzustellen, daß die Konvention von 1972 eingehalten wird.
Die Beweise - auf der Basis allen Beweismaterials und aller Fakten,
nicht einfach auf Grund von Berichten von Flüchtlingen oder der Nachrichtendienste oder der Besuche oder der Artikel von Journalisten, die sich jetzt für
dieses Thema interessieren, sondern nunmehr auch auf Grund des uns vorliegenden naturwissenschaftlichen Beweismaterials und der Versuchsergebnisse, zu denen wir gelangt sind - machen unsere Schlußfolgerung zwingend, daß diese Waffen eingesetzt werden..."

ronnF-

�FRAGE: Können Sie eine genaue Zusammenfassung dessen geben, was die Vereinten Nationen in ihrer Untersuchung unternommen haben?
ANTWORT (Burt): Wir müssen, glaube ich, klar erkennen, daß die Vereinten
Nationen eine politische Institution sind - und ich brauche Ihnen die Art der
Beschränkungen für die Vereinigten Staaten oder eine andere Mitgliednation
der UNO nicht zu erklären, die sich bei der Verfolgung einer so heiklen und
potentiell kontroversen Frage wie dieser ergeben.
In Anbetracht solcher Beschränkungen war unser Auftakt bei den Vereinten
Nationen relativ gut. Wir haben, offen gesagt, als Wichtigstes die Weiterführung dieser Untersuchung erreicht - und dies zu einem Zeitpunkt, an dem eindeutig die Sowjetunion und ihre Verbündeten die Untersuchung beendet sehen
wollten.
Es ist klar, daß sie durch diese Untersuchung in Verlegenheit gebracht
werden, daß diese Berichte sie in Verlegenheit bringen. Schon allein die Tatsache kann ihnen nicht, gleichgültig sein, daß wir die Untersuchung mit einem
Abstimmungsergebnis weiterführen können, bei dem die Stimmenmehrheit größer
war als bei der Abstimmung über die Aufnahme der Untersuchung. Dies ist in
meinen Augen ein politischer Erfolg.
Ich glaube, es ist zu früh, um genaue Angaben dazu zu machen, wie objektiv diese Untersuchung sein wird. Alles in unserer Macht stehende wird getan,
um sicherzustellen, daß sie objektiv sein wird. Als allererstes bemühen wir
uns, alle unsere Fakten der Gruppe zu übermitteln. Wir tun alles, was wir
können, um Druck auf die Regierungen auszuüben - die der Sowjetunion, Vietnams
und anderer Länder -, dieser Gruppe den Besuch der Stätten zu erlauben, wo
solche Angriffe stattgefunden haben. Bisher hatten wir dabei keinen Erfolg.
Wir bringen die Mitglieder der Untersuchungskommission mit Augenzeugen
dieser Angriffe zusammen, wir geben ihnen Listen von Personen, die Berichte
über diese Angriffe und die Flüchtlinge besitzen, die davon erzählen können...
Wir machen
- 4 -

�Wir machen alles uns verfügbare wissenschaftliche Beweismaterial ebenso
zugänglich, wie wir unsere eigenen Analysenverfahren erklären möchten, damit
die Mitglieder der Untersuchungskommission alle jene Informationen erhalten,
die sie als mindestes

brauchen.

Nun könnte es sein, daß ihre Schlußfolgerungen in unserer Sicht alles
andere als zufriedenstellend sind - aber wir werden zum mindesten in der Lage
sein, nachzuweisen, daß wir die Informationen zur Verfügung gestellt haben...
Wir hoffen, daß man die Untersuchungen 'überwacht und daß andere Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen Druck - konstruktiven Druck - ausüben, um sicherzustellen, daß die Untersuchung nicht oberflächlich durchgeführt wird.
Ich möchte dem noch einen Punkt hinzufügen: Für die Finanzierung der
Untersuchung ist eine UN-Abteilung zuständig, an deren Spitze ein Sowjetrusse steht. Und dies ist etwas, was wir in Rechnung stellen müssen...
FRAGE: Wie ich einem Artikel der "New York Times" entnehmen konnte,
wären diese Mykotoxine direkt in Vietnam leicht herzustellen - ein Wissenschaftler bezeichnete sie als "Bauerngift". Wie stellen Sie hier eine Verbindung zur Sowjetunion her?...
ANTWORT (Oberstleutnant der US-Luftwaffe Fred Celec vom Büro für politisch-militärische Angelegenheiten): Erlauben Sie, daß ich auf zwei entscheidende Punkte zu sprechen komme. Zum ersten ist es absolut richtig, daß Sie,
wenn Sie eine für Laborzwecke erforderliche Menge dieses Materials herstellen
wollen, dies in jedem beliebigen Laboratorium einer Universität oder Forschungseinrichtung tun könnten.
Wenn Sie es in ausreichenden Mengen zum Einsatz mit Waffen produzieren wollen, müssen Sie schon von technischen Anlagen reden, oder aber davon,
kleine Mengen über einen langen Zeitraum hinweg herzustellen - und wenn Sie
nun die Menge, von der berichtet wurde, in Erwägung ziehen und einige einfache Berechnungen ausführen, werden Sie finden, daß zum Lagern dieses Ma-

- 5 -

�dieses Materials buchstäblich Tausende von Ein-Liter-Flaschen erforderlich
sind, um genug davon einsetzen zu können, wie sie es getan haben.
Die Mengen würden eine große Produktionsanlage erfordern, die uns aber
verborgen ist.
Zweiter Punkt: Es handelt sich zwar um eine einfache Waffe, deren Entwicklung aber sehr kompliziert ist. Um diese Waffe durchzukonstruieren, müßte
man sie auch getestet haben, damit man weiß, in welcher Weise sie versprüht,
welche Auswirkungen verschiedene meteorologische Faktoren wie Wind, Temperatur oder Regen haben, wie lange sich die Toxine in einem Gebiet halten, damit man auch weiß, wann die eigenen Truppen dort einmarschieren können, ferner
welches die optimale Höhe zum Versprühen ist, um entsprechend der Absicht, ein
bestimmtes Gebiet voll abzudecken, auch genau das Richtige zu tun.
Dies erfordert umfangreiche Anlagen und umfangreiche Testoperationen.
Noch einmal: Solche Anlagen existieren unseres Wissens nicht in Südostasien
in einem so nahegelegenen Raum, aber sie existieren in der Sowjetunion. In
der Sowjetunion gibt es chemische Testanlagen, die genau diese Art von Versuchen durchführen.
Und das ist es, was uns zu dem Schluß führt, daß sich die Anlagen nicht
in Südostasien befinden und auch nicht das Scharfmachen der Giftstoffwaffen
dort erfolgt.
ERGÄNZENDE

ANTWORT (Gary Crocker vom Büro für Nachrichtendienste und

Forschung im US-Außenministerium): Ich möchte hier nur hinzufügen, daß ich
die Idee, es handle sich um eine Produktion der Vietnamesen, als eine akademische Abschweifung vom Beweismaterial bezeichnen würde.
Es gibt einen ganzen Komplex von Beweismaterial, den wir sorgfältig geprüft haben, und wir haben uns dabei gefragt: "Könnte es vielleicht in Vietnam hergestellt worden sein?" Und es gibt keinen Beweis von dieser Seite, dort

- 6 -

�Seite, dort ist einfach nichts. Das gesamte Material weist in die andere
Richtung - daß nämlich dieses Toxin in der Sowjetunion hergestellt und den
Vietnamesen verfügbar gemacht wurde und daß die Waffen dort hergestellt worden sind.
Ich spreche hier nicht von heikler Geheimdiensttätigkeit. Sie können
die Geschichten von Leuten lesen, die Raketen beschrieben haben, welche sie
fanden, die die sowjetischen Berater dort beschrieben haben, die im Zusammenhang mit den Waffen halfen. Da ist der Pilot, der die Einsätze flog, der beschrieb, wie die Raketen vorbereitet, am Flugzeug aufgehängt wurden, und der
den sowjetischen Techniker beschrieb, der sich dort befand und ihnen sagte,
wie es zu machen sei...
FRAGE: Haben Sie die Angelegenheit direkt mit der Sowjetunion erörtert,
und wie war deren Reaktion?
ANTWORT (Burt): Wir haben diese Frage direkt mit der Sowjetunion erörtert,
aber es gab weiter nichts als eine negative Reaktion. Es wurde glatt abgeleugnet.. .
FRAGE: Sie sagen, das Beweismaterial dazu, daß die Sowjetunion diese Chemikalien bereitgestellt hätte, sei "zwingend", aber es hat doch den Anschein,
daß dies nicht hundertprozentig zu beweisen ist. Ich wüßte gerne, welche anderen Beweise Sie hatten...
ANTWORT (Burt): Bei der nachrichtendienstlichen Arbeit und in der Politik
gibt es graduelle Unterschiede für Beweise, und wir fühlten uns sicher genug
für die Schlußfolgerung, daß dem so war, um die Frage nun mit den Sowjets zu
erörtern und sie in die Öffentlichkeit zu bringen. Natürlich unternehmen wir
alles, um mehr Beweise zu erhalten, gewiß auch mehr Proben, um den Fall weiterhin mit Proben belegen, die Anzahl der Berichte von Augenzeugen erhöhen zu
können, sich ergänzendes bzw. übereinstimmendes Beweismaterial von ganz unterschiedlichen Orten zu bekommen...
Es ist
- 7 -

�Es ist eine Art Puzzlespiel, wir setzen kleine Teile zusammen- und das
Bild zeichnet sich immer klarer ab, je weiter wir vorankommen.
FRAGE: Sie haben ein bißchen das Problem, nicht ganz glaubwürdig zu sein,
da doch jedermann weiß, daß die Vereinigten Staaten im Vietnamkrieg Entlaubungsmittel einsetzten. Könnte ins Protokoll aufgenommen werden, daß diese
Mittel sowie jegliche anderen chemischen Mittel, die die Vereinigten Staaten
in diesem Krieg eingesetzt haben könnten,... in keiner Weise jenen ähnlich waren, die hier verwendet werden (in Laos, Kampuchea, Afghanistan)?
ANTWORT: (Burt): Die Vereinigten Staaten setzten im Vietnam-Krieg keine
Toxin-Waffen oder biologischen Waffen ein. Die Vereinigten Staaten haben keinerlei Pläne, solche Waffen herzustellen. Ich darf wohl hinzufügen, daß zwischen Entlaubungsmitteln und diesen Waffen ein gewaltiger Unterschied besteht,
und ich meine, daß jemand, der eine Verbindung zwischen beiden herzustellen
versucht, einfach keine Ahnung von den Fakten hat.
Es ist nun einmal so, daß das Herbizid "Agent Orange" in der Vergangenheit benutzt worden ist, in gewaltigen Mengen benutzt worden ist - sowohl in
den Vereinigten Staaten als auch in Südostasien. Ich glaube, jemand formulierte es kürzlich so, daß die Idee, "Agent Orange" in etwa mit diesen (Toxin-)
Waffen zu vergleichen, so ähnlich ist, als könnte man jemandem - in der Annahme, daß es seiner Gesundheit schaden könnte - eine Zigarette anbieten, aber
ihm ebenso gut auch einen Trank mit Zyankali geben.
Wir reden von Waffen, von Toxinen, die in zehn Minuten Menschen töten und
einen sehr, sehr qualvollen Tod herbeiführen, wobei Menschen nach Kontakt mit
diesem Mittel Blut erbrechen...
FRAGE: Den Mechanismus der Konvention von 1972 kenne ich nicht genau aber wäre es möglich, eine der Signatarmächte dieser Konvention auf Grund des
bisher erhaltenen Beweismaterials öffentlich anzuprangern?
ANTWORT:

�ANTWORT (Burt): Wir wollen dieses Problem konstruktiv angehen. Schließlich will man ja nicht die einzige existierende RUstungskontrollVereinbarung,
die diese Aktivitäten verbietet, einfach aus dem Fenster werfen, wenn wir glauben, das Abkommen retten zu können. Es ist ein ungemein wichtiges Abkommen.
Wir sehen keinen Grund dafür, daß Nationen diese Waffen bauen, damit experimentieren oder in Arsenalen halten müssen. Deshalb wünschen wir jetzt auf
bilateraler und internationaler Ebene - durch offizielle internationale Organisationen und durch Ansprechen dieser Frage im internationalen Rahmen - Druck
auf die darin verwickelten Regierungen auszuüben, damit solche Aktivitäten beendet werden. Das ist unser Hauptziel - ein Ende machen.
Und im Verlauf dieses Prozesses würden wir auch gerne die Konvention von
1972 sta'rken, und wir suchen nach Mitteln und Wegen, dies zu tun. Ein möglicher
Weg dahin wäre die Einführung von Bestimmungen, die die Verifizierung im Rahmen
dieser Konvention stärken und Vorkehrungen für Überwachung und Einhaltung der
Abmachungen treffen, wie es ja auch in einer Reihe von internationalen RUstungskontroll Vereinbarungen der Fall ist, die wir jetzt haben.
FRAGE: Gibt es einen Mechanismus, um die Respektierung, die Einhaltung
dieser Konvention zu erzwingen? Können Sie beispielsweise eine Sonderkonferenz
fordern?
ANTWORT (Burt): Das ist eine Möglichkeit. Sie wird als StaatsparteienKonvention bezeichnet. Die Signatarstaaten dieser Vereinbarung können zusammentreten, um Änderungen und Verbesserungen für diese Konvention zu erörtern,
und dies ist etwas, was wir im weiteren Verlauf mit anderen interessierten
Nationen eruieren wollen.
FRAGE: Haben Sie dies überhaupt schon mit Ihren Verbündeten besprochen,
diese Stärkung der Abkommen von 1972?
ANTWORT:

�ANTWORT (Burt): Wir haben in dieser Richtung noch keine offiziellen Kontakte angeknüpft. Es ist eine Angelegenheit, die, wie ich glaube, informell
als eine sich für uns ergebende Möglichkeit erörtert worden ist.
Betonen möchte ich hier, daß wir dies nicht zu rein propagandistischen
Zwecken tun würden. Wir möchten damit zum Erfolg kommen. Und das bedeutet, daß
wir sicher sein wollen, daß eine solche Initiative auch weiterverfolgt wird,
daß sie von anderen Ländern unterstützt wird und diese willens wären, auf eine echte Stärkung der Konvention hinzuarbeiten.
Dafür sind nicht die Vereinigten Staaten verantwortlich. Dies ist ein
i iternationales Problem, und wir möchten, daß andere Regierungen dies erkennen
und entsprechende Schritte unternehmen, wenn sie der Ansicht sind, dies liege
im Interesse der internationalen Gemeinschaft...
Wir haben zunehmende Besorgnis unter den Ländern der Dritten Welt bei den
Vereinten Nationen und an anderer Stelle bemerkt - insbesondere bei den am ehesten betroffenen Ländern. Länder in Südostasien sind darüber besorgt und beunruhigt.
Wir möchten zwischen den Europäern und den Ländern der Dritten Welt einen
Unterschied machen. Wir meinen, sie können diese Frage auf unterschiedliche
Weise zur Sprache bringen, und uns ist sehr daran gelegen, daß beide Staatengruppen das Problem ernst nehmen.

+ + + + +

- 10 -

�MIIM

BTTlST

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Januar 1982

STEREOTAKTISCHE STRAHLENTHERAPIE
Sehr kleine, schwer zugängliche Gehirntumore unter Beschuß

(AD) - Ein neuartiges Strahlentherapiegerät wurde kürzlich im Klinikum
Los Angeles der Universität Kalifornien (UCLA) vorgestellt. Dieses "GammaMesser", wie es auch genannt wird, ist das zweite Gerät dieser Art in der
Welt. Es ist ein Geschenk des schwedischen Neurochirurgen Lars Leskell, der
es entwickelt hat, an UCLA. Das erste Gerät befindet sich im Karolinska-Institut in Stockholm.
Mit dem Instrument, technisch gesehen einem stereotaktischen Kobaltgerät,
können sehr kleine Gehirntumore oder andere Läsionen bis etwa 1 cm Durchmesser
exakt angepeilt und zerstört werden. Die Vorrichtung, die einem großen Helm
ähnelt, enthält 178 Strahlenquellen mit radioaktivem Kobalt. Die von ihnen
ausgehenden Gamma-Strahlen werden auf sehr kleine Zielpunkte im Gehirn gerichtet.
Bei chirurgischen Eingriffen im Gehirn und bei der Hirnforschung wird die
stereotaktische Technik bereits seit Jahren angewandt. Ein am Schädel befestig-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Schädel befestigtes stereotaktisches Gerät ermöglicht beispielsweise bei
neurochirurgischen Eingriffen die Berechnung von Richtung und Eindringtiefe
der durch ein Bohrloch in der Schädel decke in das Gehirn eingeführten Kanüle
samt Instrument. Es ist ein Verfahren zur dreidimensionalen Abgrenzung des
zu erfassenden Bereichs.
Auf die Strahlentherapie übertragen scheint diese Technik besonders gut
,
geeignet zu sein, um sehr kleine Tumore im Gehirn, die auf chirurgischem Wege
nur schwer zu erreichen sind, unter Kontrolle zu bringen. Bei diesem Verfahren *
bedarf es keines chirurgischen Eingriffs. Es ist relativ einfach durchzuführen
und verursacht kaum Schmerzen. Für die Behandlung ist nur eine einzige Sitzung
erforderlich. Die Strahleneinwirkung führt weder zu Haarausfall noch auffälligen Hautreaktionen. Der Therapie vorgeschaltet ist die genaue Lokalisierung
des Tumors durch röntgenographische oder computergestützte szintigraphische
Verfahren.

+ + + + +

«

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltumspannende Fernsehsendung: Demonstration globaler Solidarität mit dem polnischen Volk&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan proklamiert Tag der Solidarität mit Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Solidarität ein Symbol des Kampfes um Grundrechte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rostow besorgt über sowjetischen Expansionismus Beweise für den Einsatz von Biotoxin-Waffen durch die Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Richard Burt vor der Auslandspresse in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stereotaktische Strahlentherapie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sehr kleine, schwer zugängliche Gehirntumore unter Beschuss -&lt;/em&gt;</text>
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J 1 4 kl

1Dl EM

fonderdicn/l
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
26. Januar 1982

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 26. Januar 1982 vor
beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message verlesen.
Die diesjährige Botschaft hat folgenden Wortlaut:
Dies ist meine erste Botschaft über die Lage der Nation an Sie, eine
verfassungsmäßige Pflicht, so alt wie unsere Republik selbst.
Präsident Washington führte diese Tradition im Jahre 1790 ein, nachdem
er die Nation daran erinnert hatte, daß das Schicksal der Selbstregierung und
die "Bewahrung der heiligen Flamme der Freiheit" jetzt "endlich von dem großen
Experiment abhängt, das den Händen des amerikanischen Volkes anvertraut wurde."
Unseren Freunden von der Presse, die so großen Wert auf Genauigkeit legen,
möchte ich sagen, daß ich natürlich nicht selbst gehört habe, wie George
Washington das sagte, aber die Geschichte hat es uns überliefert.
Von diesem Rednerpult aus hat Winston Churchill die freie Welt aufgerufen,
gegen den Ansturm der Aggression zusammenzustehen. Franklin D. Roosevelt sprach
von einem Tag der Niedertracht und rief das Volk zu den Waffen. Douglas MacArthur gab seine unvergeßliche Abschiedsbotschaft an ein Land, das er so liebte
und dem er so gut diente. Dwight D. Eisenhower erinnerte uns, daß der Frieden

�der Frieden nur um den Preis der Stärke erkauft wurde, und John F. Kennedy
sprach von der Last und der Glorie der Freiheit.
Als ich dieses Hohe Haus im vorigen Jahr als Neuling in Washington und
voller Kritik an der Politik der Vergangenheit, die nach meiner Überzeugung
versagte hatte, besuchte, schlug ich einen neuen Geist der Partnerschaft zwischen diesem Kongreß und dieser Administration und zwischen Washington und
unseren einzelstaatlichen und kommunalen Behörden vor.
Bei der Gestaltung dieser neuen Partnerschaft für Amerika konnten wir
die ältesten Hoffnungen unserer Republik verwirklichen - Wohlstand für unsere Nation, Frieden für die Welt und die Segnungen der persönlichen Freiheit für unsere Kinder und eines Tages für die ganze Menschheit.
Es ist meine Pflicht, Ihnen heute abend über den Fortschritt zu berichten, den wir in unseren Beziehungen zu anderen Ländern gemacht haben, über
die Schaffung der Grundlage, die wir mit Sorgfalt für unseren wirtschaftlichen Wiederaufschwung gelegt haben, und schließlich über eine kraftvolle und
mutige

Initiative, die nach meiner Überzeugung das Angesicht der amerika-

nischen Regierung verändern und sie wieder zum Diener des Volkes machen kann.
Selten stand für Amerika mehr auf dem Spiel. Was wir hier tun und sagen,
wird den entscheidenden Unterschied ausmachen, für Automobilarbeiter in Detroit, Holzfäller im Nordwesten und Stahlarbeiter in Steubenville, die heute
arbeitslos sind; für schwarze Jugendliche in Newark und Chicago; für schwergeprüfte Farmer und kleine Geschäftsleute und für Millionen gewöhnlicher Ameri
kaner, die nur den ernsthaften Wunsch nach einer sicheren und finanziell gesicherten Zukunft für ihre Kinder haben.
Um die Botschaft über die Lage der Nation zu verstehen, müssen wir uns
nicht nur darüber klar werden, wo wir stehen und wohin wir gehen, sondern
auch wo wir gestanden haben. Die Situation in diesem Lande vor einem Jahr war
wahrhaft übel.

n,^

MmmmmMmm

Das vergangene
- 2 -

�Das vergangene Jahrzehnt hat eine Reihe von Rezessionen gebracht. Es
gab eine Rezession im Jahr 1970, eine weitere im Jahr 1974 und wieder eine
im Frühjahr 1980. Jedesmal stieg die Arbeitslosigkeit, und die Inflation
stieg dann bald darauf.
Wir prägten das Wort "Stagflation", um diesen Zustand zu beschreiben.
Die Antwort der Regierung auf diese Rezessionen bestand darin, den Geldumlauf aufzupumpen und die Ausgaben zu erhöhen.
In den letzten sechs Monaten des Jahres 1980 beispielsweise erhöhte sich
der Geldumlauf mit der höchsten Rate der Nachkriegsgeschichte - 13 Prozent.
Die Inflation blieb zweistellig, und die Regierungsausgaben nahmen mit einer
Jahresrate von 17 Prozent zu. Die Zinssätze erreichten erschreckende 21,5
Prozent. Es gab acht Millionen Arbeitslose.
Ende 1981 versanken wir in die derzeitige Rezession - weitgehend, weil
die anhaltend hohen Zinssätze die Automobilindustrie und die Bauwirtschaft
schwer trafen. Es gab einen Rückgang in der Produktivität, und die bereits
hohe Arbeitslosenrate stieg weiter.
Diesmal liegen die Dinge jedoch anders. Wir haben ein Wirtschaftsprogramm vor Ort, das sich von den künstlichen Schnellkuren der Vergangenheit
grundlegend unterscheidet. Es fordert eine Senkung der Steigerungsrate der
Regierungsausgaben, und diese Rate ist bereits auf fast die Hälfte gekürzt
worden. Aber eine Senkung der Ausgaben allein ist nicht genug. Wir haben
gerade die erste und kleinste Phase eines dreijährigen Steuersenkungsplanes
verwirklicht, der die Wirtschaft anregen und Arbeitsplätze schaffen soll.
Die Zinssätze sind bereits auf 15,75 Prozent herunter, aber sie müssen
noch weiter gesenkt werden. Die Inflation ist von 12,4 Prozent auf 8,9 Prozent gesunken, und für den Monat Dezember belief sie sich auf eine Jahres-

- 3 -

�eine Jahresrate von 5,2 Prozent.
Wenn wir nicht so gehandelt hätten, wie wir es getan haben, wären die
Dinge für alle Amerikaner bei weitem schlimmer, als sie es heute sind. Inflation, Steuern und Zinsen wären alle weit höher.
Vor einem Jahr war das Vertrauen der Amerikaner in ihre Regierungsform
ständig kleiner geworden. Sechs von zehn Amerikanern erklärten, daß sie pessimistisch in die Zukunft blicken.
Es machte sich eine neue Art von Defaitismus breit. Manche Leute sagten,
unsere innenpolitischen Probleme seien unlösbar - daß wir lernen müßten, mit
scheinbar endlosen Zyklen hoher Inflation und hoher Arbeitslosigkeit zu leben.
Es gab ferner pessimistische Voraussagen bezüglich des Verhältnisses zwischen unserer Administration und diesem Kongreß. Es wurde gesagt, daß wir niemals zusammenarbeiten könnten. Diese Vorhersagen waren falsch.
Die Tatsachen sprechen für sich, und ich glaube, daß sich die Geschichte
an all dies als eine Ära der amerikanischen Erneuerung erinnern wird, sich an
diese Administration als eine Administration des Wandels erinnern und sich an
diesen Kongreß als einen schicksalhaften Kongreß erinnern wird.
- Zusammen haben wir nicht nur die

Teuerungsrate der Regierungsausgaben

um fast die Hälfte gesenkt, sondern auch die größten Steuersenkungen und die
umfassendsten Veränderungen in unserer Steuerstruktur seit Beginn dieses Jahrhunderts eingeführt. Und weil wir künftige Steuern nach der Inflationsrate indexiert haben, haben wir den eingebauten Inflationsgewinn der Regierung und
ihren verborgenen Anreiz weggenommen, auf Kosten des amerikanischen Arbeiters
immer größer zu werden.
- Zusammen haben wir nach 50 Jahren, in denen die Macht den Menschen in
den Einzel Staaten und Kommunen weggenommen wurde, damit begonnen, ihnen Macht
und Mittel wiederzugeben.

_

Zusammen

�- Zusammen haben wir den Zuwachs neuer Bundesverordnungen um fast die
Hälfte gesenkt. Im Jahr 1981 hatte der Bundesanzeiger, in dem neue Verordnungen verzeichnet sind, 23 000 Seiten weniger als im Jahr 1980. Durch Aufhebung
der Verordnungen für Erdöl sind wir der Unabhängigkeit auf dem Energiesektor
nähergekommen und haben dazu beigetragen, die Kosten für Benzin und Heizöl
zu senken.
- Zusammen haben wir eine effektive Arbeitsgruppe des Bundes eingesetzt,
um Verschwendung und Betrug in der Regierung zu bekämpfen. In nur sechs Monaten hat sie dem Steuerzahler über zwei Milliarden Dollar eingespart - und das
ist nur ein Anfang.
- Zusammen haben wir begonnen, den privaten Sektor zu mobilisieren nicht um verschwenderische und verrufene Regierungsprogramme zu wiederholen,
sondern um tausende von Amerikanern zu einer freiwilligen Anstrengung zu bewegen, zur Lösung vieler Sozialprobleme Amerikas beizutragen.
- Zusammen haben wir angefangen, jenen Spielraum der militärischen Sicherheit wiederherzustellen, der den Frieden gewährleistet. In unserem Lande
wird die Uniform wieder mit Stolz getragen.
- Zusammen haben wir einen neuen Anfang gemacht, aber es ist erst ein Anfang.
Niemand behauptet, daß der vor uns liegende Weg leicht sein wird. In meiner Ansprache zum Amtsantritt im vorigen Jahr habe ich gewarnt, daß "die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen wir leiden, uns seit Jahrzehnten
*

-

-

-

•

überkommen sind. Sie werden nicht in Tagen, Wochen oder Monaten verschwinden,
aber sie werden verschwinden ..., weil wir als Amerikaner heute wie in der
Vergangenheit die Fähigkeit besitzen, all das zu tun, was getan werden muß,
um diese letzte und größte Bastion der Freiheit zu erhalten."
Die Wirtschaft

- 5 -

�Die Wirtschaft wird in den kommenden Monaten schwierige Momente erleben.
Aber das Programm des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs, das wir eingeführt
haben, wird die Wirtschaft aus diesem Tief herausholen und uns auf den Weg
zu Prosperität und stabilem Wachstum in der zweiten Hälfte dieses Jahres
bringen.
Darum kann ich Ihnen heute abend berichten, daß in naher Zukunft die
Lage der Nation und der Wirtschaft besser - viel besser - sein werden, wenn
wir die Kraft aufbringen, den Kurs zu halten, den wir abgesteckt haben.
Und so ist jetzt die Frage: Wenn die grundlegenden Dinge vorhanden sind,
was kommt dann?
Zwei Dinge: Erstens, wir müssen verstehen, was im Augenblick in der Wirtschaft geschieht. Unsere derzeitigen Probleme sind nicht das Ergebnis des Wiederauf schwungsprogrammes, das ja gerade erst in Gang kommt, wie manche Leute
glauben möchten; sie sind das Erbe von Jahrzehnten von Steuern und Steuern
und Ausgaben und Ausgaben.
Zweitens, weil unsere wirtschaftlichen Pronleme so tiefe Wurzeln haben,
und nicht auf rasche politische Schnellkuren reagieren werden, müssen wir an
unserem sorgfältig integrierten Plan für den Wiederaufschwung festhalten. Dieser Plan beruht auf vier Grundgedanken des gesunden Menschenverstandes: Weitere

Verringerung des Wachstums der Regierungsausgaben; Beibehaltung der

Senkungen der Einkommens- und Körperschaftssteuern, die die Spar- und Investitionstätigkeit anregen werden; Beseitigung unnötiger Bundesverordnungen,
um die Produktivität zu steigern; und Aufrechterhaltung eines gesunden Dollar
und einer stabilen Währungspolitik - wobei das letztere in der Verantwortung
der Bundesbank liegt.
Die einzige Alternative, die sich zu diesem Wirtschaftsprogramm bietet,
ist eine Rückkehr zu der Politik, die uns Schulden von einer Billion Dollar,

- 6 -

�Billion Dollar, eine galoppierende Inflation, galoppierende Zinsen und Arbeitslosigkeit bescherte.
Die Zweifler möchten, daß wir die Uhr zurückdrehen mit Steuererhöhungen,
die die Einkommenssteuersenkungen, die bereits von diesem Kongreß verabschiedet
wurden, wieder aufheben würden.
Wir sollen jetzt die Steuern erhöhen, um künftige Defizite so zu verkleinern, so erklären sie uns. Ich meine, wir sollten ihre Argumente nicht abnehmen.
Da gibt es zu viele Unwägbarkeiten, als daß irgend jemand Defizite oder Überschüsse einige Jahre im voraus mit irgendeiner Genauigkeit voraussagen könnte.
Der zum Zeitpunkt meiner Amtsübernahme laufende Haushalt war als ausgeglichen
veranschlagt worden. Es erwies sich, daß er mit einem der größten Defizite in
der Geschichte abschloß. Und noch ein weiteres Beispiel für die Unwa'gbarkeiten,
die Defizitveranschlagungen fragwürdig machen können: Eine Veränderung der Arbeitslosenrate von nur einem Prozent kann ein Defizit um rund 25 Milliarden Dollar nach oben oder nach unten verschieben.
So wie die Dinge heute liegen, werden unsere Voraussagen, zu denen wir gesetzlich verpflichtet sind, große Defizite aufweisen, die mit unterhalb von
100 Milliarden Dollar mit abfallender Tendenz beginnen, aber immer noch zu hoch
sind.
Aber was wichtiger ist, wir machen Fortschritte bei den drei entscheidenden Punkten für den Abbau der Defizite: wirtschaftliches Wachstum, niedrigere
Zinsen und Kontrolle der Regierungsausgaben. Die politischen Maßnahmen, die wir
eingeführt haben, werden das Defizit stetig, gewiß und mit der Zeit völlig abbauen.
Höhere Steuern bedeuten keine niedrigeren Defizite. Wenn dem so wäre: Wie
könnten wir dann die Tatsache erklären, daß sich die Steuereinnahmen allein seit
1976 mehr

als verdoppelten - und wir dennoch in demselben Sechsjahreszeitraum

- 7 -

�Sechsjahreszeitraum die größten Defizite unserer Geschichte hatten? Im Jahr
1980 stiegen die Steuereinnahmen um 54 Milliarden Dollar - und in eben diesem
Jahr hatten wir eines der größten Haushaltsdefizite aller Zeiten.
Steuererhöhungen werden den Haushalt nicht ausgleichen. Sie würden lediglich zu weiteren öffentlichen Ausgaben ermutigen und zu weniger Privatinvestitionen führen. Steuererhöhungen würden das Wirtschaftswachstum verlangsamen,
die Produktion vermindern und künftige Arbeitsplätze zerstören - und es für die
Arbeitslosen noch schwieriger machen, eine Arbeit zu finden, für die derzeit
noch Beschäftigten aber wahrscheinlicher, daß diese ihren Arbeitsplatz verlieren.
Daher fordere ich Sie auf, den Versuch zu unterlassen, den Haushalt auf dem
Rücken der amerikanischen Steuerzahler auszugleichen. Ich strebe keine Steuererhöhungen für dieses Jahr an, und ich habe auch nicht die Absicht, von unserem
Grundsatzprogramm der Steuererleichterungen abzugehen. Ich habe dem amerikanischen Volk versprochen, seine Steuersätze zu senken und sie gesenkt zu halten um Anreize für den Wiederaufbau unserer Wirtschaft zu geben, für das Sparen
und für Investitionen in Amerikas Zukunft. Ich werde zu meinem Wort stehen.
Heute abend fordere ich das amerikanische Volk auf: Ergreift diese neuen Möglichkeiten zur Produktion, zum Sparen und zum Investieren - und gemeinsam werden wir aus dieser Wirtschaft wieder eine gewaltige Maschine der Freiheit, der
Hoffnung und des Wohlergehens machen.
Das Haushaltsdefizit in diesem Jahr wird unsere früheren Erwartungen übertreffen. Dies hat die Rezession zustande gebracht. Sie hat die Einkommen verringert und die Kosten erhöht. In einem gewissen Ausmaß sind wir auch Opfer unseres
eigenen Erfolges. Wir haben die Inflation rascher gesenkt, als wir dies für möglich hielten, und dadurch die Regierung jener versteckten Einnahmen beraubt,
die auftreten, wenn die Inflation die Leute in höhere Einkommenssteuerklassen
treibt. Und die anhaltenden hohen Zinssätze im vergangenen Jahr kosteten die
Regierung etwa 5 Milliarden Dollar mehr als erwartet.
Wir müssen

- 8 -

�Wir müssen mehr von den nicht absolut notwendigen Regierungsausgaben
kürzen und noch mehr an Verschwendung ausrotten. Wir werden auch mit unseren
Anstrengungen fortfahren, die Anzahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst
um 75 000 zu kürzen.
Der Haushaltsplan, den ich Ihnen am 8. Februar vorlegen werde, hat beträchtliche Einsparungen durch die Auflösung des Energie- und des Erziehungsministeriums sowie durch die Beseitigung unwirksamer Subventionen für die Geschäftswelt erreicht. Wir werden auch weiterhin unsere Mittel auf die höchsten
Haushaltsprioritäten ausrichten: auf eine starke nationale Verteidigung, um
Amerika in Freiheit und Frieden zu bewahren, und auf ein verläßliches Netz
von Sozialprogrammen für diejenigen, die hierzu ihre Beiträge geleistet haben, und für diejenigen, die in Not sind.
Im Gegensatz zu manchen abenteuerlichen Behauptungen, die Sie vielleicht
gehört haben, hat sich diese Administration nicht von den Alten und Armen
Amerikas abgewendet -

und wird dies nicht tun. Im neuen Haushalt werden die

Mittel für die Sozialversicherungsprogramme mehr als doppelt so hoch sein wie
noch vor sechs Jahren.
Aber es wäre töricht, so zu tun, als könnten diese oder andere Programme
nicht wirkungsvoller und wirtschaftlicher werden.
Die Unterhaltsprogramme, aus denen unser Netz für die wirklich Bedürftigen besteht, haben wertvolle Ziele und viele Empfänger, die sie verdienen.
Diese werden wir schützen. Aber es gibt nur einen Weg, um sicherzustellen,
daß diese Programme wirklich denjenigen helfen, für die sie entworfen wurden - und der ist, ihre davonlaufenden Kosten unter Kontrolle zu bringen.
Heute stehen wir vor der absurden Situation eines Bundeshaushalts, bei
dem drei Viertel seiner Ausgaben routinemäßig als "unkontrollierbar" bezeichnet werden - und ein großer Teil davon geht in diese Unterhaltsprogramme.
Ausschuß nach

�Ausschuß nach Ausschuß dieses Kongresses hat Zeuge nach Zeuge angehört,
deren Beschreibung zeigt, daß viele dieser Programme schlecht verwaltet und
voller Verschwendung und Mißbrauch sind. Praktisch jeder Amerikaner, der in
seinem Supermarkt einkauft, wird Zeuge des täglichen Mißbrauchs bei dem Programm für Lebensmittelmarken - das in den vergangenen Jahren um 16 000 Prozent angestiegen ist. Weitere Beispiele sind die Gesundheitsprogramme Medicare
und Medicaid - Programme mit guten Zielen, aber Programme, deren Kosten in
gerade zehn Jahren von 11,2 Milliarden Dollar auf fast 60 Milliarden Dollar
angestiegen sind - also um mehr als das Fünffache.
Verschwendung und Mißbrauch sind schwerwiegende Probleme. Im Jahr 1980
bezeugten Untersuchungsbeamte des Bundes vor einem Ihrer Ausschüsse, daß
"die Korruption praktisch alle Bereiche der Medicare und Medicaid-Gesundheitsprogramme durchdrungen hat."

Ein Beamter erklärte, daß viele der Leu-

te, die das System betrügen, "höchst zuversichtlich darüber sind, daß ihnen
nichts passieren wird".
Nun, etwas wird passieren. Nicht nur werden die Steuerzahler betrogen es werden auch die Leute beraubt, die wirklich von diesen Programmen abhängen, weil die zur Verfügung stehenden Mittel nicht zu den Bedürftigen, sondern zu den Gierigen gelangen.
Die Zeit ist gekommen, das Unkontrollierbare zu kontrollieren.
Im August haben wir einen Anfang gemacht. Ich habe ein Gesetz zur Begrenzung des Wachstums dieser Programme auf 44 Milliarden Dollar für die
nächsten drei Jahre unterzeichnet, während gleichzeitig die wesentlichen
Dienstleistungen für die wirklich Bedürftigen beibehalten werden. Bald werden Sie von mir neue Nachrichten über weitere Reformen erhalten, die wir
durchzuführen beabsichtigen - einige davon neu, andere schon lang von Ihren
eigenen Kongreßausschüssen empfohlen. Ich fordere Sie auf, bei diesen Einsparungen für den amerikanischen Steuerzahler mitzuhelfen.
Die von

- 10 -

�Die von uns bei den Unterstützungsprogrammen vorgeschlagenen Einsparungen werden in vier Jahren rund 63 Milliarden Dollar ausmachen und werden uns,
ohne die soziale Sicherheit anzugreifen, ein gutes Stück dabei weiterbringen,
die öffentlichen Ausgaben unter Kontrolle zu bekommen.
Aber lassen Sie sich nicht von denen irre machen, die behaupten, daß die
Ausgabenkürzungen die alten Menschen, die Bedürftigen und die Hilflosen berauben werden. Die Bundesregierung wird auch weiterhin 95 Millionen Essen täglich subventionieren. Das ist jedes siebente Essen, das in Amerika ausgegeben wird. Die Programme für Altennahrung und die Wohlfahrtsprogramme für Kinder werden keine Kürzungen gegenüber den von uns im Vorjahr vorgeschlagenen
Beträgen erfahren. Mehr als eine halbe Milliarde Dollar sind für Wirtschaftshilfe an Minderheiten vorgeschlagen. Und d'e Mittel für die Forschung an den
staatlichen Gesundheitsinstituten werden um mehr als 100 Millionen Dollar erhöht. Bei aller Befriedigung dieser Bedürfnisse beabsichtigen wir jedoch, ungerechtfertigte Steuerlöcher zu stopfen und das Gesetz zu stärken, das alle
großen Gesellschaften auffordert, eine Mindeststeuer zu zahlen.
Ich bin zuversichtlich, daß das Wirtschaftsprogramm, das wir ins Leben
gerufen haben, die Bedürftigen schützt und gleichzeitig eine Wiederbelebung
hervorruft, von der alle Amerikaner Nutzen haben. Es wird die Wirtschaft beleben und zu erhöhten Spareinlagen führen - und dadurch Kapital für Expansion,
für Hypotheken und für den Hausbau bereitstellen sowie Arbeitsplätze für die
Arbeitslosen schaffen.
Da nunmehr die wesentlichen Bestandteile dieses Programms vorliegen, muß
unser nächstes großes Unternehmen ein Programm sein, das - genauso mutig und
genauso innovativ - die Regierung wieder gegenüber dem Volk verantwortlich
macht und unser System des Föderalismus wieder zum Funktionieren bringt.
Unsere Bürger haben das Gefühl, daß sie die Kontrolle sogar über die
grundlegendsten Entscheidungen verloren haben, die bei den elementarsten
Dienstleistungen des Staates - wie etwa Schulen, Wohlfahrt, Straßen oder

- 11 -

�Straßen oder etwa die Müllabfuhr - getroffen werden. Und sie haben recht.
Ein Labyrinth von ineinander verstrickten Gesetzgebungen und Bereichen der
Regierung steht dem Durchschnittsbürger gegenüber, wenn er versucht, auch nur
die einfachsten Probleme zu lösen. Er weiß nicht, wohin er sich wegen einer
Antwort wenden soll, wen er zur Verantwortung ziehen, wen er loben, wen er
beschuldigen kann, für oder gegen wen er wählen soll.
Die Hauptursache für diese Tatsache ist das überwältigende Anwachsen der
Bundesprogramme "grants-in-aid" während der letzten Jahrzehnte.
Im Jahr 1960 hatte die Bundesregierung 132 vorgeschriebene Hilfsprogramme,
die sieben Milliarden Dollar kosteten. Als ich mein Amt antrat, gab es annähernd 500, die fast 100 Milliarden kosteten - allein 13 Programme für Energieeinsparung, 36 für Kontrolle der Umweltverschmutzung, 66 für soziale Dienstleistungen und 90 für Erziehung. Die Liste läßt sich erweitern. Hier im Kongreß
sind wenigstens 166 Ausschüsse nötig - allein, um ihnen auf der Spur zu bleiben.
Sie wissen genau wie ich, daß weder der Präsident noch der Kongreß den
Dschungel dieser Programme richtig durchschauen kann. Ja, das Aufblähen dieser Zuschüsse hat zu einer Verzerrung der grundlegenden Funktionen der Regierung geführt. Wie es ein Gouverneur der Demokratischen Partei kürzlich gesagt
hat: Die Bundesregierung sollte sich "um Rüstungskontrolle kümmern und nicht
um Schlaglöcher".
Das Anwachsen dieser Bundesprogramme hat die Bundesregierung - in den Worten einer zwischenstaatlichen Kommission - "zudringlicher, aufdringlicher, unkontrollierbarer, unwirksamer, teuerer und vor allem unverantwortlicher" gemacht.
Lösen wir dieses Problem mit einem einzigen, mutigen Streich - der Rückkehr von etwa 47 Milliarden Dollar an Bundesprogrammen zu den bundesstaatlichen
und lokalen Regierungen - zusammen mit den Mitteln, sie zu finanzieren, und

- 12 -

�finanzieren, und einer Übergangsperiode von annähernd zehn Jahren, um unnötige Unterbrechungen zu vermeiden.
Ich werde in Kürze dem Kongreß eine Botschaft zugehen lassen, die dieses Programm beschreibt. Ich möchte jedoch betonen, daß seine Einzelheiten
erst nach enger Konsultation mit den Vertretern des Kongresses, der Einzelstaaten und der Städte ausgearbeitet werden.
Mit dem Haushaltsjahr 1984 wird die Bundesregierung die volle Verantwortung für die Kosten des rapide anwachsenden Medicaid-Programms übernehmen,
in Einklang mit ihrer bereits existierenden Verantwortung für Medicare. Als
Teil einer finanziell ausgewogenen Umschichtung werden die Einzel Staaten
gleichzeitig die volle Verantwortung für die Hilfe von Familien mit abhängigen Kindern und die Nahrungsmittelcoupons übernehmen. Dies

wird die Sozial-

hilfe weniger kostspielig und empfänglicher für die echten Bedürfnisse machen,
weil sie in Planung und Verwaltung denjenigen näherstehen wird, denen sie
dient.
Im Jahr

1984 wird die Bundesregierung alle Einnahmen aus bestimmten

Umsatzsteuern einem Fonds übergeben, der in gerechten Anteilen allen 50 Bundesstaaten gehören wird. Der Gesamtbetrag, der in diesen Fonds fließen wird,
wird 28 Milliarden Dollar jährlich betragen.
Während der anschließenden vier Jahre können die Einzel Staaten dieses
Geld auf zweierlei Weise verwenden. Wenn sie auch weiterhin Bundeszuschüsse
in Bereichen wie Verkehr, Erziehung und soziale Dienstleistungen erhalten
wollen, können sie das Geld aus diesem Fonds nehmen, um die Zuschüsse zu
bezahlen - oder aber sie können in dem Maß, in dem sie auf solche Bundeszuschüsse verzichten, die Gelder aus diesem Trust selbständig für diesen
oder jenen Zweck benützen. Es wird zudem eine Regelung geben, durch die ein
Teil dieser Gelder den kommunalen Behörden zufließen muß.
Bis zum Jahr 1988 werden die Einzel Staaten die völlige Kontrolle über

- 13 -

�Kontrolle über 40 Bundeshilfsprogramme haben. Der Treuhandfonds wird dann
auszulaufen beginnen und schließlich verschwinden, wobei die Umsatzsteuer
auf die Einzelstaaten übergehen wird.Sie können dann selbständig die Steuern
beibehalten, senken oder erhöhen und diese Programme mit Geldern versehen
und verwalten, wie es ihnen gutdünkt.
Mit einem einzigen Streich werden wir zu einer Neuorientierung gelangen,
durch die die lästige Verwaltung und die sich immer mehr erhöhenden Kosten
auf Bundesebene ein Ende haben werden, während wir sicherstellen, daß diese
Programme mehr auf die Menschen eingehen, denen sie helfen sollen, und auf
die, die dafür bezahlen.
Hand in Hand mit diesem Programm der Stärkung der Verantwortung und
Flexibilität der Einzel Staaten und Kommunen schlagen wir eine Gesetzgebung
für eine experimentelle Anstrengung zur Verbesserung und Entwicklung städtischer Notstandsgebiete in den achtziger und neunziger Jahren vor. Diese Gesetzgebung wird es den Einzel Staaten und den Kommunen ermöglichen, einen
Antrag bei der Bundesregierung auf Ausweisung als "Urban enterprise zones"
zu stellen. Eine ganze Bandbreite wirtschaftlicher Anreize in diesen Zonen
wird dabei helfen, neue Unternehmen, neue Arbeitsplätze anzuziehen und neue
Möglichkeiten für Amerikas Stadtzentren und ländliche Orte zu schaffen. Manche werden sagen, unsere Mission sei, das freie Unternehmertum zu retten. Ich
sage, wir müssen das Unternehmertum befreien, damit wir gemeinsam Amerika
retten können.
Manche werden auch sagen, unsere Einzel Staaten und Kommunen sind der
Herausforderung einer neuen und schöpferischen Partnerschaft nicht gewachsen.
Das mag vor 20 Jahren richtig gewesen sein, bevor es Reformen wie das Kostenumverteilungs- und das Wahlrechtsgesetz gab, dessen Verlängerung um zehn Jahre
ich zutiefst unterstütze. Das gilt nicht mehr für heute. Diese Administration
glaubt an die einzelstaatlichen und kommunalen Stellen und an das konstitutionelle Gleichgewicht, das die Gründerväter vorgesehen haben. Und wir
glauben auch an die Integrität, die Anständigkeit und den gesunden Menschenverstand des normalen Amerikaners.

n».«.- n,,,k«
unser blaube
- 14 -

�Unser Glaube an das amerikanische Volk spiegelt sich in einem anderen großen Unternehmen wider. Eine Sondergruppe für Initiativen des Privatsektors
wählte erfolgreiche kommunale Modelle von Schulen, Kirchen, Unternehmen, Gewerkschaften, Stiftungen und privaten Programmen aus, die den Bedürfnissen
der Gemeinde entsprechen. Solche Gruppen sind fast immer weit wirkungsvoller
als Sozialprogramme, die vom Staat betrieben werden.
Wir fordern sie nicht auf, aufgegebene und oftmals in schlechten Ruf geratene Regierungsprogramme Dollar für Dollar, Dienstleistung für Dienstleistung
zu ersetzen. Wir wollen ihnen nur dabei helfen, die von ihnen ausgesuchte Arbeit zu leisten, und andere unterstützen, von ihrem Beispiel zu lernen. 385 000
Unternehmen und private Stiftungen arbeiten bereits an Sozialprogrammen, die von
Drogenrehabilitation bis zur Arbeitsplatzausbildung gehen, und weitere Tausende
von Amerikanern haben uns geschrieben und fragen, wie sie helfen können. Der
Freiwilligengeist ist immer noch in Amerika lebendig.
Die langjährigen Bemühungen unseres Landes um die Bürgerrechte für alle einst eine Quelle der Uneinigkeit, heute eine Quelle des Stolzes - müssen ohne
Rückschritte und ohne Nachlassen fortgesetzt werden. Wir müssen und werden dafür sorgen, daß diese Grundrechte, die gleiche Rechte garantieren, erhalten
bleiben und wenn notwendig gestärkt werden. Unser Anliegen, für die Gleichberechtigung der Frauen einzutreten, ist fest und unerschütterlich. Wir haben eine neue Arbeitsgruppe für die gesetzliche Gleichberechtigung für Frauen
eingesetzt und haben ein sich über fünfzig Einzelstaaten erstreckendes Projekt in Angriff genommen, in dessen Rahmen einzelstaatliche Gesetze im Hinblick auf diskriminierende Bestimmungen überprüft werden. Und zum erstenmal
in unserer Geschichte sitzt eine Frau im höchsten Gerichtshof unseres Landes.
Und auch das Problem der Kriminalität - das so real und so todernst ist wie
irgendeines in Amerika heute - erfordert, daß wir uns um Änderungen unseres
Rechtssystems bemühen, das allzusehr die Rechte der Kriminellen schützt, während es der Gesellschaft und den unschuldigen Opfern des Verbrechens keine
Gerechtigkeit zukommen läßt.
Wir rechnen

- 15 -

�Wir rechnen mit der Verabschiedung eines vernünftigen Gesetzes über
die Reinhaltung der Luft, das mehr Arbeitsplätze schafft und gleichzeitig
die Qualität der Luft verbessert. Wir sind ermutigt über die die überparteiliche Initiative des Repräsentantenhauses und hoffen auf weitere Fortschritte, wenn der Senat seine Beratungen fortsetzt.
Bisher habe ich mich weitgehend mit innenpolitischen Fragen befaßt.
Wenn man jedoch die Lage der Nation in der richtigen Perspektive sehen will,
dann dürfen wir die übrige Welt nicht ignorieren. Für eine eingehende Behandlung unserer Außenpolitik reicht die Zeit heute abend nicht. Ich habe vor,
mich mit diesem Thema in naher Zukunft ausführlich zu beschäftigen. Es sind
jedoch einige Worte angebracht über den Fortschritt, den wir im vergangenen
Jahr bei der Wiederherstellung des Respektes für unser Land überall in der
Welt gemacht haben, und auch einige Worte in bezug auf die großen Aufgaben
und Ziele, mit denen wir uns in dem jetzt vor uns liegenden Jahr befassen
werden.
In Ottawa und Cancun bin ich mit den führenden Staatsmännern der wichtigsten Industriestaaten und Entwicklungsländer zusammengetroffen. Einige
von ihnen waren ein wenig überrascht, daß ich mich nicht für den Reichtum
Amerikas entschuldigt habe. Statt dessen sprach ich von der Stärke des
Systems des freien Marktes und davon, wie es ihnen bei der Verwirklichung
ihres Strebens nach wirtschaftlicher Entwicklung und politischer Freiheit
helfen könne. Ich glaube, daß hier dauerhafte Freundschaften geschlossen
wurden

und daß die Grundlage für die Zusammenarbeit in der Zukunft ge-

schaffen wurde.
In dem so wichtigen Gebiet des Karibischen Beckens sind wir dabei,
ein Programm für Hilfe, Handel und Investitionsanreize zu entwickeln, um
ein selbständiges Wachstum sowie ein besseres und sichereres Leben für unsere Nachbarn im Süden zu fördern. Gegenüber denjenigen, die Terrorismus
und Subversion in die Karibik und anderswohin exportieren möchten, insbesondere Kuba und Libyen, werden wir mit Festigkeit auftreten.
- 16 -

Unsere

�Unsere Außenpolitik ist eine Politik der Stärke, der Fairness und der Ausgewogenheit.

Durch die Wiederherstellung der militärischen Glaubwürdigkeit

Amerikas, durch das Streben nach Frieden am- Verhandlungstisch - wann immer
beide Seiten bereit sind, sich wieder in gutem Glauben zusammenzusetzen - und
durch die Wiedergewinnung der Achtung der Verbündeten und Gegner Amerikas in
gleicher Weise haben wir die Position unseres Landes als eine Kraft für Frieden und Fortschritt in der Welt gestärkt.
Wenn Maßnahmen erforderlich sind, ergeifen wir sie.

Unsere Sanktionen

gegen die Militärdiktatur, die versucht hat, die Menschenrechte in Polen zu
vernichten, und gegen das sowjetische Regime hinter dieser Militärdiktatur
haben der Welt unmißverständlich gezeigt, daß Amerika gegenüber den Kräften
der Unterdrückung nicht so verfahren wird, als wäre nichts geschehen.
Sollten sich die Ereignisse in Polen weiterhin verschlimmern, dann werden
weitere Maßnahmen folgen.
Lassen Sie mich darauf hinweisen, daß private Gruppen in Amerika die
Initiative ergriffen haben, um den 30. Januar zu einem Tag der Solidarität
mit dem polnischen Volk zu erklären - und genauso hat das Europaparlament
dazu aufgerufen, den 21. März zu einem internationalen Tag der Unterstützung
für Afghanistan zu proklamieren.

Ich fordere alle friedliegenden Völker auf,

sich an diesen Tagen diesen Appellen anzuschließen, ihre Stimme zu erheben
und für die Freiheit einzutreten und zu beten.
Inzwischen bemühen wir uns weiterhin um einen Abbau der Rüstungen und
der militärischen Aktivitäten.

Wie ich in meiner Rede an die Nation am 18.

November vorigen Jahres angekündigt habe, haben wir der Sowjetunion eine weitreichende Tagesordnung für eine beiderseitige Reduzierung der Streitkräfte
vorgeschlagen und bereits mit ihr in Genf Verhandlungen über die nuklearen
Mittel Streckensysteme aufgenommen.
Bei jenen Gesprächen ist es von entscheidender Bedeutung, daß wir von
einer Position der Stärke aus verhandeln. Es muß für die Sowjets einen wirk- 17 -

�einen wirklichen Anreiz geben, diese Gespräche ernst zu nehmen.

Dies er-

fordert, daß wir unsere Verteidigung wieder aufbauen.
Im vergangenen Jahrzehnt haben die Sowjets eine unerbittliche Aufrüstung
ihrer Streitkräfte vorgenommen,während wir uns durch einen Prozeß der Zurückhaltung und Anpassung um eine Mäßigung der sowjetischen Macht bemühten.
Der Schutz unserer nationalen Sicherheit verlangt, daß wir ein bedeutsames Programm zur Stärkung unserer Streitkräfte durchführen.
Wir haben es nicht versäumt, unsere traditionellen Bündnisse in Europa
und Asien zu stärken

oder entscheidend wichtige Beziehungen zu unseren Part-

nern im Nahen Osten und anderen Ländern aufzubauen.
Die Schaffung einer friedlicheren Welt erfordert eine gesunde Strategie
und die Entschlossenheit der Nation, diese zu tragen.

Wenn radikale Kräfte

unsere Freunde bedrohen, wenn wirtschaftliches Mißgeschick Verhältnisse der
Instabilität schafft, wenn strategisch wichtige Teile der Welt unter dem
Schatten der sowjetischen Macht stehen, dann kann unsere Reaktion den Unterschied bedeuten zwischen friedlicher Veränderung oder Unordnung und Gewalt.
Das ist der Grund, warum wir solche Betonung nicht nur auf unsere eigene
Verteidigung legen, sondern auch auf unser entscheidend wichtiges Auslandshilfeprogramm.

Die vor kurzem erfolgte Verabschiedung des Auslandshilfege-

setzes war ein Signal für die Welt, daß Amerika nicht davor zurückschrecken
wird, die notwendigen Investitionen sowohl für den Frieden als auch für die
Sicherheit zu machen.

Unsere Außenpolitik muß im Realismus wurzeln - nicht

in der Naivität oder der Selbsttäuschung.
Wir müssen uns von Anfang an darüber im klaren sein, wie es um das sowje
tische Imperium bestellt ist. Winston Churchill hat bei seinen Verhandlungen
mit den Sowjets festgestellt, daß sie in der Auseinandersetzung mit anderen
Ländern nur Stärke und Entschlossenheit respektieren.
Das ist
- 18 -

�Das ist der Grund, warum wir daran gegangen sind, unsere nationale
Verteidigung wieder aufzubauen.

Wir wollen den Frieden bewahren - wir wol-

len aber auch unsere Freiheit bewahren.
Wir haben uns in unseren öffentlichen Erklärungen und in weltweiten
Rundfunksendungen zu einer neuen Offenheit verpflichtet.

Angesichts eines

Klimas der Falschheit und der Fehlinformationen haben wir der Welt eine Ära
der Wahrheit versprochen - der Wahrheit im Hinblick auf die großen Ideen der
Zivilisation:

Freiheit des einzelnen, repräsentative Regierung und Herrschaft

des Rechts unter Gott.
Wir haben niemals Mauern, Minenfelder und Stacheldraht benötigt, um
unser Volk einzuzäunen. Wir verhängen auch nicht das Kriegsrecht, um unsere
Menschen daran zu hindern, für die Art von Regierung zu stimmen, die sie
wünschen.
Natürlich haben wir unsere Probleme; jawohl, wir leben in einer Zeit
der Rezession. Und es stimmt, daß es keine rasche Lösung für eine sofortige
Beendigung des tragischen Leids der Arbeitslosigkeit gibt. Aber wir werden
sie beenden - der Prozeß hat bereits begonnen, und wir werden seine Auswirkung im Laufe dieses Jahres erleben.
Wir sprechen mit Stolz und Bewunderung von jener kleinen Gruppe von
Amerikanern, die schier unlösbare Schwierigkeiten überwanden, um dieses Land
vor 200 Jahren auf seinen Weg zu bringen. Aber unser Ruhm endete nicht mit
ihnen - immer wieder haben Amerikaner seither den Taten dieser Menschen nachgeeifert.
Wir brauchen nicht in unsere Geschichtsbücher zu blicken, um Helden zu
finden.

Sie leben mitten unter uns.

Einer, der heute abend unter ihnen sitzt,

ist am Ende der längsten Gefangenschaft, die jemals Soldaten unserer Streitkräfte erdulden mußten, zu einem Sinnbild dieses Heldentums geworden.

Wer

könnte jene Nacht vergessen, als wir vor den Fernsehgeräten saßen und auf die
Bilder warteten, daß das erste Flugzeug auf dem Clarc-Flughafen auf den
- 19 -

�auf den Philippinen landete, um unsere Kriegsgefangenen nach Hause zu bringen.
Die Tür des Flugzeuges öffnete sich, und Jeremiah Denton kam langsam die
Treppe herunter.

Sein Auge fiel auf unsere Fahne, er grüßte und sagte "Gott

segne Amerika", und dann dankte er uns, daß wir ihn heimholten.
Erst vor zwei Wochen inmitten einer schrecklichen Tragödie am Potomac
erlebten wir erneut den Geist amerikanischen Heldentums im besten Sinne - das
Heldentum

hingebungsvoller Helfer, die Opfer des Unglücks aus dem eisigen

Wasser bargen.

Wir erlebten das Heldentum eines unserer jüngsten Regierungs-

bediensteten, Lenny Skutnik, der, als er sah, daß sich eine Frau nicht mehr
an der Rettungsleine eines Hubschraubers festhalten konnte, in das Wasser
sprang und sie in Sicherheit brachte.
Und dann gibt es die zahllosen stillen Helden des Alltags in Amerika
- Eltern, die so lange und schwere Opfer bringen, damit ihre Kinder ein besseres Leben haben werden, als sie es erlebt haben;

Freiwillige der Kirchen

und Bürgerorganisationen, die helfen, die Bedürftigen zu speisen, zu bekleiden, zu pflegen und zu lehren; Millionen, die unser Land und das Schicksal
unserer Nation zu etwas Besonderem gemacht haben - ungenannte Helden, die
ihre Träume vielleicht nicht selbst verwirklicht haben, aber die diese
Träume an ihre Kinder weitergeben wollen.
Lassen Sie sich nicht einreden, daß die besten Tage Amerikas vorüber
seien - daß der Geist Amerikas gebrochen sei. Wir haben ihn in unserem Leben
zu oft triumphieren sehen, als das wir jetzt aufhören, an ihn zu glauben.
Vor 120 Jahren hat der größte unserer Präsidenten in diesem Hohen Hause
seine zweite Botschaft über die Lage der Nation vorgetragen.

"Wir können

der Geschichte nicht entkommen", so warnte Abraham Lincoln.

"Wir in diesem

Kongreß und in dieser Administration werden trotz unserer selbst in Erinnerung
bleiben."

Die "Bewährungsprobe, die wir bestehen müssen, wird uns bis zur

letzten Generation zur Ehre oder Unehre gereichen."
Jener Präsident
- 20 -

�Jener Präsident und jener Kongreß haben nicht vor dem amerikanischen
Volk versagt. Zusammen bestanden sie den Sturm und erhielten die Nation.
Möge auch von uns gesagt werden, daß wir nicht versagt haben; daß auch
wir zusammengearbeitet haben, um Amerika durch schwierige Zeiten zu führen.
Wollen wir uns so verhalten, daß in zwei Jahrhunderten ein anderer Kongreß
und ein anderer Präsident, wenn sie in diesem Hohen Hause so wie wir zusammenkommen, voller Stolz von uns sprechen und sagen werden, daß wir die Probe
bestanden und für sie in ihren Tagen die heilige Flamme der Freiheit bewahrt
haben - diese letzte und beste Hoffnung des Menschen auf Erden.

+ + + + +

- 21 -

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                    <text>20. Januar 1982

I N H A L T

INFORMATION
Weltweite Fernsehsondersendung zugunsten des polnischen Volkes
DOKUMENTATION
Präsident Reagan warnt vor weiterer Unterdrückung des polnischen
Volkes
- Auszüge aus seiner Pressekonferenz vom 19. Januar 1982 HINTERGRUNDMATERIAL
Die polnische Krise - Möglichkeit einer Beilegung
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Industrieforschung geht ins All
- Metallurgie-Labor an Bord des "Space Shuttle
Von G. Weiss

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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Information

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Januar 1982

WELTWEITE FERNSEHSONDERSENDUNG ZUGUNSTEN DES POLNISCHEN VOLKES

WASHINGTON - (AD) - "Daß Polen Polen werde" heißt es in einem polnischen Freiheitslied, das als Leitmotiv für eine Sondersendung dient, die
zur Unterstützung des polnischen Volkes am 31. Januar 1982 vom US-Amt für
Internationale Kommunikation über Satellit in die ganze Welt ausgestrahlt
wird.
Die Fernsehsendung mit dem Titel "Daß Polen Polen werde - ein Tag der
Solidarität mit dem polnischen Volk" Bringt die Unterstützung der Menschen
der freien Welt für die Polen zum Ausdruck. Als erste einer für Ende Januar geplanten Reihe soll sie die große Besorgnis der internationalen Gemeinschaft um die Notlage des polnischen Volkes widerspiegeln. Zudem ist
sie eine Reaktion auf die jüngste Bitte um weltweite Reaktionen des in
Brüssel tätigen polnischen Aktionskomitees, das sich aus Vertretern der Solidarität und polnischen Privatleuten zusammensetzt.
Präsident Reagan wird eine Erklärung abgeben, durch die der 30. Januar
zu einem "Tag der Solidarität mit dem polnischen Volk" proklamiert wird.
Das US-Amt

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�&gt;

Das US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) unter der Leitung
von Charles Z. Wick rechnet damit, über Satellit insgesamt etwa 300 Millionen
Menschen außerhalb der Vereinigten Staaten anzusprechen. Weitere 100 Millionen Hörer können zudem über die "Stimme Amerikas" (VOA), dem Auslandssender von USICA, erreicht werden.
39 Sprachen ausstrahlen.

Der Sender wird das Programm in allen seinen

Im Verlauf des Programms wird Präsident Reagan vom

Weißen Haus eine Erklärung zur Unterstützung des polnischen Volkes abgeben.
Der Inhalt der Sendung ist auf eine breite humanitäre Basis abgestellt
und findet in den Vereinigten Staaten überparteiliche Unterstützung.

Howard

Baker, der Fraktionsführer der Mehrheit im Senat, und Thomas "Tip" O'Neill,
der Sprecher des Repräsentantenhauses, werden an der Sendung teilnehmen und
eine Sympathieerklärung für das polnische Volk abgeben.
Man erwartet zudem die Mitarbeit vieler anderer, vor allem westlicher
Länder; Erklärungen führender Persönlichkeiten sowie die Übertragung von Veranstaltungen der Kirchen und privater Organisationen in den Vereinigten Staaten und im Ausland. Damit soll die weltweite Besorgnis und Unterstützung
deutlich gemacht werden.
Das zentrale Thema des Programms ist die menschliche Freiheit. Dies
wird durch kulturelle Darbietungen - Auszüge aus der Weltliteratur, klassische
und volkstümliche Musikstücke, Tänze, Objekte der bildenden Künste und dergleichen - zum Ausdruck gebracht. Bekannte amerikanische und internationale
Persönlichkeiten der darstellenden Künste und aus dem Bereich des Kulturund Geisteslebens werden teilnehmen. Film- und Videopassagen der Geschichte
des Kampfes des polnischen Volkes um nationale Freiheit und der Ereignisse
in Polen seit der Verhängung des Kriegsrechtes im Dezember gehören ebenfalls
zur Sendung.
Das Thema dieses Tages der Solidarität mit dem polnischen Volk entstammt
einem Lied des polnischen Schriftstellers Jan Pieczak "Daß Polen Polen werde"
und wurde zur Hymne der Gewerkschaft Solidarität und aller Polen. Dieses be-

- 2 -

�Dieses bewegende Lied wurde als ein Ausdruck der Freiheitssehnsucht ins
Englische übertragen und sein Text und seine Musik werden als Thema der
Fernsehproduktion verwendet.
Die Produktion wird auf gemeinnütziger Basis von Martin Pasetta, dem
Geschäftsführer der Pasetta Productions Inc., Los Angeles geleitet, Produzent ist Eric Lieber.

- 3 -

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3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Januar 1982

PRÄSIDENT REAGAN WARNT VOR WEITERER UNTERDRÜCKUNG DES POLNISCHEN VOLKES
- Auszüge aus seiner Pressekonferenz vom 19. Januar -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 19. Januar 1982 warnend
darauf hingewiesen, daß die USA nicht ewig auf Verbesserungen in Polen warten
würden, bevor sie weitere Schritte gegen die Unterdrückung des polnischen Volkes unternähmen. Der Präsident gab seine erste Pressekonferenz in diesem Jahr.
Er befaßte sich mit der Situation in Polen, mit den israelisch-ägyptischen
Autonomieverhandlungen, der amerikanischen Verteidigungspolitik sowie einer
Reihe von innenpolitischen Fragen, die im Mittelpunkt der Pressekonferenz
standen.
Die Fragen und Antworten zu außenpolitischen Themen sowie zur Verteidigungspolitik haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Herr Präsident, es sind nun drei Wochen her, seit Sie die Sanktionen gegen die Sowjetunion im Zusammenhang mit Polen verkündet haben. Welche
Wirkung - wenn überhaupt eine - haben sie gehabt? Wenn sie keine Auswirkungen

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�Auswirkungen gehabt haben, was wird dann als nächstes geschehen und wann?
ANTWORT: Meiner Meinung nach haben diese Schritte Auswirkungen gehabt,
obwohl es keinen Zweifel daran gibt, daß sich die Situation in Polen verschlechtert. Man hat versucht, die Situation so darzustellen, als mildere
sie sich. Dies ist nicht der Fall. Die Menschen sind immer noch eingekerkert.
Es gibt keine Kommunikation mit der Solidarität oder zwischen der Militärregierung und der Bevölkerung, und das Kriegsrecht ist immer noch in Kraft.
Wir sind jedoch der Meinung, daß die Maßnahmen eine Auswirkung gehabt
haben, und wir haben uns hinsichtlich einiger zusätzlicher Dinge, die getan
werden könnten, zurückgehalten - Dinge, die wir in Erwägung ziehen werden,
und die jenen Maßnahmen zugefügt werden können, die wir bereits unternommen
haben.
Ich habe eine längere Nachricht vom Papst erhalten. Er heißt gut, was
wir bisher getan haben. Er ist der Meinung, daß dies nützlich war, und doch
werden wir nicht ewig auf Verbesserungen in der dortigen Situation warten.
Wir haben andere Maßnahmen, die wir ergreifen können.
FRAGE: Herr Präsident, nachdem Außenminister Haig nun aus dem Nahen Osten
zurück ist, hat man da neuen und konkreten Grund zum Optimismus in der Frage
der Erreichung eines Abkommens über das Problem der palästinensischen Autonomie, und sehen Sie es als entscheidend wichtig an, daß irgendein Abkommen
noch vor dem April erreicht wird, wenn die Israelis ihren Rückzug vom Sinai
planmäßig

beenden werden?

ANTWORT: Es gibt keinen Zweifel, daß dies das härteste Problem der gesamten Nahost-Regelung ist. Wir wollen keinerlei Termin nennen, bis wann das
entschieden werden muß. Der Außenminister war auf einer Erkundungsreise, und
er wird erneut dorthin reisen, wenn auch noch kein genaues Datum dafür festgelegt worden ist.
Wir möchten

- 2 -

�Wir möchten, wann immer möglich, helfen, wenn wir einige Gedanken darlegen können, die für die Autonomiegespräche nützlich sein könnten. Dies ist
der nächste Schritt im Rahmen des Prozesses von Camp David. Wir setzen also
keinen Termin, aber wir hoffen, daß wir helfen können und daß man bis zum
Sinai-Zeitpunkt über eine Art von Plan verfügt, nach dem man verfahren kann.
FRAGE: Herr Präsident, wir wissen, daß Sie in den nächsten Monaten großes Interesse daran haben werden, mehr Mittel für die Verteidigung ausgeben
zu können. Ich möchte gerne wissen, ob Sie uns einmal den wahren Grund dieser
Maßnahme erklären könnten? Ist dies gedacht, um vor einer sowjetischen Aggression abschrecken zu können, oder ist es eine Verhandlungstaktik gegenüber der
Sowjetunion? Und ist es nicht so, daß Waffen, die einmal hergestellt sind,
letztendlich auch eingesetzt werden können?
ANTWORT: Ich hoffe und bete mit all meiner Kraft, daß die Waffen nicht
eingesetzt werden. Und ich glaube, daß dies die Zielsetzung ist. Wenn die
militärische Verteidigung gut aufgebaut wird, dann braucht sie auch nicht angewandt zu werden. Und wir sind noch niemals in einen Krieg hineingezogen worden, weil wir zu stark waren.
Aber Ziel und Zweck unseres Militärprogrammes ist es, daß wir wieder etwas aufbauen, was man während der vergangenen Jahre überaus vernachlässigt hat.
Wir sind weit hinter dem Punkt zurück, an dem wir jetzt eigentlich sein sollten.
Unser Wirtschaftsproblem in bezug auf die Budgets und alles andere wäre heute
minimal, wenn wir mit Verteidigungseinrichtungen arbeiten könnten, die richtig
aufrecht erhalten worden wären.
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß wir bei allen Argumenten und bei
aller Besorgnis hinsichtlich dieses Problems in diesen Zeiten der wirtschaftlichen Belastung einen geringeren Prozentsatz des Bruttosozialproduktes für das
Militär ausgeben, als dies in vielen vielen Jahren in Friedenszeiten der Fall
gewesen ist.
Aber es

- 3 -

�Aber es ist doch so, daß wir - wenn wir uns mit dem Gegner, dem potentiellen Gegner an den Tisch setzen,über Rüstungsreduzierungen sprechen, was
im Augenblick ja der Fall ist - weitaus erfolgreicher sein werden, wenn dieser Gegner weiß, daß die Alternative ein Aufbau bis zu einer entsprechenden
Ebene ihm gegenüber ist.
Bisher - in früheren Verhandlungen - brauchten sie keinerlei Konzessionen zu machen, weil wir einseitig abrüsteten. Aber jetzt ist es doch so, wie
dies vor einiger Zeit in einem Cartoon in einer Ihrer Veröffentlichungen dargestellt wurde, wo man sah, daß Breschnew zu einem General seiner eigenen
Armee sprach und dabei sagte: "M:r war der Rüstungswettlauf lieber, als wir
die einzigen waren, die daran teilnahmen".

+ + + + +

�20. Januar 1982

DIE POLNISCHE KRISE - MÖGLICHKEIT EINER BEILEGUNG
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Es ist einen Monat her, seit die polnische Regierung über ihre
eigenen Bürger das Kriegsrecht verhängt hat. Trotz eines leichten Nachlassens des eisernen Griffes, in dem Warschau das Leben des polnischen Volkes
hält, dauert die Krise an.
Die Wege zu einer Lösung der polnischen Krise sind einen Monat nach Beginn der Unterdrückung noch klarer sichtbar, als dies zu Beginn der Unterdrückung der Fall war.
Drei Maßnahmen sind von entscheidender Bedeutung: Ein wirkliches Ende
des Kriegsrechts, die Freilassung der politischen Gefangenen und die Wiederaufnahme des internen politischen Dialogs, der vor der Niederschlagung stattgefunden hatte.
Hinsichtlich dieser Punkte stimmen nicht nur die westlichen Regierungen
überein, sondern auch Organisationen wie etwa die Sozialistische Internationale, die sie klar zum Ausdruck gebracht hat, und sogar einige der unabhängiger

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der unabhängiger gesinnten kommunistischen Bewegungen in Europa, besonders
die in Italien und Spanien.
Sogar in Frankreich, wo die kommunistische Partei traditionell der Linie
Moskaus folgt, haben sich viele Mitglieder dieser Partei den gewaltigen Demonstrationen

angeschlossen, die die von der Sowjetunion unterstützten Ver-

suche der polnischen Regierung verurteilen, etwas aufzuzwingen, was sich
präzise als eine stalinistische Struktur in Polen beschreiben läßt.
Die Römisch-Katholische Kirche steht angesichts der Unterdrückung der
freien Gewerkschaft Polens, der Solidarität, als Sachwalter des polnischen
Volkes gegen eine kommunistische Militärdiktatur und besteht weiterhin auf den
drei Bedingungen für politische Erneuerung.
Vor diesem Hintergrund setzt das Regime des Generals Jaruzelski seinen
tragischen und heuchlerischen Kurs fort, behauptet in der Öffentlichkeit,
daß es gern das Kriegsrecht aufheben würde, stellt jedoch gleichzeitig klar,
daß es als Ersatz hierfür etwas erwartet, was einer totalen ideologischen
Konformität der Masse des polnischen Volkes gleichkommen würde.
Die Welt draußen läßt sich durch solche Widersprüche nicht täuschen.
Der Weg heraus aus der polnischen Krise bleibt für Warschau und seine Chefs
in Moskau genau das, was er von dem Augenblick an war, als die Unterdrückung
begann - ein eindeutiges Ende der Militärdiktatur, die Freilassung der politischen Gefangenen und eine Wiederaufnahme des internen politischen Dialogs.
Das sind vernünftige Bedingungen. Sie bieten echte Hoffnung auf eine
Lösung der wirtschaftlichen Krise und des politischen Bankrotts in Polen. Und
wenn die Sowjetunion sich ernsthaft Gedanken über ihre eigenen langfristigen
Interessen machen würde, so würden diese Bedingungen für Moskau genauso viel
Sinn beinhalten wie für die Welt außerhalb des Kommunismus.

+ + + + +

�20. Januar 1982

INDUSTRIEFORSCHUNG GEHT INS ALL
Metallurgie-Labor an Bord des "Space Shuttle
Von G. Weiss

- (AD) - Mehrere amerikanische Industrieunternehmen bereiten Forschungsund Produktionsexperimente im Weltraum vor. Dabei geht es zunächst einmal
um die Untersuchung von Erstarrungsvorgä'ngen bei Metallen und Legierungen aus
der Schmelze sowie um Tests zur Herstellung pharmazeutischer Präparate höchsten
Reinheitsgrades an Bord des "Space Shuttle", des amerikanischen Raumtransporters.
Die erste Vereinbarung über technische Zusammenarbeit, deren Ergebnisse
ein Jahr nach Abschluß und Auswertung des Experiments der öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, hat die US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA mit dem
Maschinenbauunternehmen "John Deere and Company" getroffen. Dies berichtete
Larry Fosbinder, ein Mitarbeiter der Firma, auf der Jahrestagung der "American
Association for the Advancement of Science - AAAS" (Dachverband der wissenschaftlichen Gesellschaften der USA) Anfang Januar 1982 in Washington. Ziel
des Abkommens ist die Entwicklung von Gußeisen höherer Festigkeit und Zähigkeit.
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Die Qualität

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�Die Qualität des Gußeisens wird durch das Gefüge der metallischen Grundmasse und die Ausbildung des Graphits bestimmt.

Dafür spielen die Zusammen-

setzung der Schmelze sowie die Bedingungen beim Erschmelzen, Vergießen und Abkühlen eine ganz wichtige Rolle.

Jedoch wird die genaue Erforschung der Er-

starrungsvorgä'nge und der Möglichkeiten, Form und Kristall struktur des Graphits
im Metall zu steuern, durch den Umstand erschwert, daß unter irdischen Bedingungen die Schwerkraft zusätzlichen, in der Auswirkung praktisch nicht vorhersehbaren Einfluß hat.

Sie verursacht in gasförmigen und flüssigen Massen soge-

nannte Konvektionsströme - das sind Ausgleichsströmungen zwischen Zonen bzw.
Schichten unterschiedlicher Temperatur.

Sie sind dafür verantwortlich, daß

beim erstarrten Metall Unterschiede im Gefüge, in der Legierung sogar Unterschiede in der Zusammensetzung auftreten.

Besteht eine Flüssigkeit aus mehre-

ren Komponenten, sorgt die Gravitation dafür, daß die verschiedenen Stoffe das
Bestreben haben, sich voneinander zu trennen.

Das bedeutet z.B., daß nach

der Abkühlung das erstarrte Material einer Schmelzmasse uneinheitlich ist.

Mit

zahlreichen "Tricks", z.B. speziellen Zusätzen und Verfahren zum Vorwärmen von
Gußformen, überhitzen einer Schmelze, zum Abkühlen und zur nachfolgenden Wärmebehandlung des erstarrten Metalls bemühen sich die Metallurgen, die Qualität
des Werkstoffs einheitlicher zu gestalten und Mängel auszumerzen.

Die Schwerkraft spielt jedoch bei Objekten in der Erdumlaufbahn, beispielsweise an Bord des Raumtransporters, praktisch keine Rolle.
kraft ist durch die Fliehkraft aufgehoben.

Die Erdanziehungs-

Erst wenn das Raumschiff, etwa

durch ein Bremsmanöver als Vorbereitung für die Rückkehr zur Erde, erheblich
an Geschwindigkeit verliert, macht sie ihren Einfluß wieder geltend.

Zwar

wird auch im Erdorbit der Wert "Null" für die Gravitation nie ganz erreicht.
Denn alle Objekte, bis hin zu den kleinsten Teilchen, sind ja der Massenanziehung unterworfen.

Aber diese beträgt "bei ruhigem Flug" nur etwa ein Mil-

lionstel des an der-Erdoberfläche üblichen Wertes.

Und selbst wenn dieser

Wert - etwa während eines Kurskorrekturmanövers - für kurze Zeit ansteigen
und etwa ein Tausendstel der irdischen Schwerkraftwirkung annehmen sollte, läge er doch noch immer im Bereich dessen, was Wissenschaftler als "Mikrogravitation" bezeichnen.
Daß es

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,

Daß es z.B. außerhalb des Wirkungsbereichs der Erdschwerkraft möglich
ist, Kristalle mit sehr viel besseren elektrischen Eigenschaften zu züchten,
zeigte ein Experiment von Professor Harry C. Gatos vom Department für Material forschung und Werkstofftechnik des Massachusetts Institute of Technology (MIT)
in Boston, USA, während des SKYLAB-Programms. Das Ergebnis war ein IndiumArsenid-Kristall von konstanter elektrischer Leitfähigkeit. Im Gegensatz dazu waren die elektrischen Eigenschaften beim Gegenstück, das unter optimalen
Bedingungen im irdischen Laboratorium hergestellt wurde, zwischen beiden
Kristall enden sehr unterschiedlich. Obgleich die damaligen Experimente noch
ziemlich primitiv angelegt waren, nannte Gatos das Resultat "weit besser als
die Erwartungen".
Jetzt ist beabsichtigt, unter technisch viel günstigeren Bedingungen an
Bord des Raumtransporters den Ablauf des Erstarrungsvorgangs bei Gußeisen,
der ja durch das Fehlen des Störfaktors "Schwerkraft" vereinfacht ist, für die
metallurgische Forschung zu nutzen. "Gußeisen kennt man nun schon seit mehr
als einem Jahrtausend", sagt Fosbinder, "aber über den Kristallisationsprozeß des Graphits weiß man selbst heute noch viel zu wenig. Wohl haben die
letzten Jahre neue, verheißungsvolle Verfahren zur Herstellung von Gußeisen
hervorgebracht. Wir sind der Meinung, daß Versuche in der Schwerelosigkeit
eine Menge dazu beitragen können, um die Graphitbildung besser zu verstehen
und Werkstoffe mit sehr viel besseren Eigenschaften herzustellen."

\

Die Festigkeitswerte und andere chemische Eigenschaften metallischer
Werkstoffe liegen weit unter dem, was theoretisch zu erreichen wäre. So könnten Stähle 100-bis lOOOmal fester sein, als sie tatsächlich sind. Hielten
die Schaufelblätter von Turbinen die hohen Temperaturen aus, mit denen der
Werkstoff unter idealen Bedingungen zu belasten wäre, dürfte der Wirkungsgrad
der Maschinen wesentlich höher sein. Die Sicherheit bei Herzschrittmachern
wäre durch verbesserte Materialeigenschaften ebenso länger gegeben wie die
Lebensdauer von Metall teilen der als Gelenkersatz implantierten Prothesen.
Von großer Bedeutung für die Gußeisenqualität ist z.B., ob der Graphit
grobblättrig oder fein ausgebildet, ob er gleichmäßig verteilt oder in Nestern
- 3 -

�.

in Nestern angeordnet ist. Graphit wird in seiner Kritallisation stark von
Keimwirkungen beeinflußt. Je mehr Kristallisationskeime in der Schmelze in
Lösung gebracht werden können, desto feiner wird die Graphitausbildung sein,
und desto geringer ist die Brüchigkeit des daraus resultierenden Werkstoffs.
Probleme der Werkstofftechnik gibt es noch mehr als genug. Forschungseinrichtungen im Weltraum schaffen eine neue Möglichkeit, Lösungen zumindest
für einen Teil davon zu finden. Thomas Piwonka von TRW Inc. in Kalifornien
hält noch sehr viel mehr Forschung für erforderlich, ehe die Industrie sich
für die Material Produktion im Weltraum unter kommerziellen Gesichtspunkten
engagieren könnte. Von Konferenzteilnehmern aus Europa war zu hören, daß
dort die gegenwärtigen Aktivitäten auf dem Gebiet der Werkstoff-Forschung unter den Bedingungen der Mikrogravitation von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA organisiert und koordiniert werden. Neben europäischen Programmen
gebe es bemerkenswerte Aktivitäten auf nationaler Ebene, vor allem in der
Bundesrepublik Deutschland, in Frankreich und in Schweden.

+ + + + +

�</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Januar 1982
• .

I N H A L T

DOKUMENTATION
Polen und die Zukunft Europas
- Rede des US-Außenministers vor der Internationalen Presse
in Brüssel Haig-Pressekonferenz zum Besuch von Bundeskanzler Schmidt
- Wortlaut -

INFORMATION
Walter J. Stoessel, Jr. wird Stellvertretender Außenminister

HINTERGRUNDMATERIAL
Dokumentation der sowjetischen Einmischung in Polen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mesquit - der Vielzweckstrauch aus der Wüste
- Quelle für Nahrung, Stickstoffdünger und Energie

Um Übcf/cnJung von
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wird gebeten

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Telex: 08-85432

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13,Januar 1982

POLEN UND DIE ZUKUNFT EUROPAS
- Rede des US-Außenministers vor der Internationalen Presse in Brüssel -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander M. Haig, Jr.
hat am 12. Januar 1981 vor der internationalen Presse in Brüssel noch einmal
die Haltung der Vereinigten Staaten in der Polenkrise erläutert. Die Rede
hat folgenden Wortlaut:
Der Anfang eines neuen Jahres ist immer ein Augenblick der Besinnung und
des Vorsatzes. Wenn wir im Westen über unsere Gesellschaften nachdenken und
uns vornehmen, sie zu verbessern, dann sollten wir uns an die Grundsätze erinnern, die unsere Regierungen, unser Recht und unser Verhalten gegenüber anderen tragen. Unsere Idee einer gerechten Gemeinschaft ist auf der Achtung vor
den Rechten des einzelnen gegründet, einschließlich der Redefreiheit, der Freiheit der Wahl und der Versammlungsfreiheit.
Wir glauben

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�Wir glauben an die Rechte freier Menschen, die schöpferische Kraft der
Zivilisation zum Tragen zu bringen. Kunst, Wissenschaft und Technologie des
Westens gedeihen, weil schöpferische Talente sich ungehindert entfalten können. Und unsere gewaltige materielle Fülle entspringt den kooperativen Anstrengungen freier Männer und Frauen, die zusammenarbeiten.
Ein Weiser des Altertums schrieb einst, daß "Geschichte aus Beispielen
gewonnene Philosophie ist". Die Philosophie der Freiheit, die die Gemeinschaft
der westlichen Nationen vereint, ist ein immer wiederkehrendes Thema der europäischen Geschichte. Bereits in diesem Jahrzehnt hat Polen - eine Nation,in
Tausend Jahren europäischer Kultur groß geworden - uns ein Beispiel der Verbindung von Freiheit und schöpferischem Geist geliefert. Das polnische Volk
strebte nach der Würde des Arbeitsplatzes durch freien Zusammenschluß in ihrer Gewerkschaft Solidarität, um mit seinen wachsenden wirtschaftlichen Problemen fertig zu werden. Solche Würde bedeutet vor allem Achtung vor dem einzelnen, seinen Talenten und seinem Recht auf eine gerechte Entlohnung für
seine Arbeit.
Das polnische Streben nach Reform war eine friedliche Bewegung. Die Solidarität achtete sowohl die geographische Lage Polens als auch die Gebote des
sozialen Fortschritts. Dieses Beispiel friedlichen Wandels auf dem am schwersten bewaffneten Kontinent der Welt, hätte sicherlich zu einer legitimeren
und sichereren internationalen Ordnung beigetragen.
Nach 18 Monaten der Leistung wird die Solidarität jetzt gewaltsam unterdrückt. In einer grotesken Parodie ihrer eigenen Propaganda wenden jetzt die
kommunistischen Behörden die Polizeimacht des Staates an, um genau die Arbeiter zu unterdrücken, die zu schützen sie verpflichtet sind, überall hat sich
Furcht verbreitet. Tausende sind in Gefängnissen, zehntausende werden gezwungen, ihr Gewissen zu beugen, eine Praxis, die seine Heiligkeit der Papst
als "den schmerzlichsten Schlag gegen die Menschenwürde" bezeichnet hat. Wieder einmal kündigt das Klopfen an der Tür das Eintreffen der Geheimpolizei an.
Polen heute ist ein Beispiel des historischen Versagens des Kommunismus

- 2 -

�Kommunismus sowjetischer Prägung, sowohl Brot oder Freiheit zu bringen.
Polens Zukunft ist heute in der Schwebe. Wird es dort Reform oder Reaktion geben; eine Erneuerung der Hoffnung oder eine Vertiefung der Verzweiflung?

Diese Frage geht nicht nur Polen allein an. Schiller schrieb einst,

"die Weltgeschichte ist das Weltgericht".

Die geschichtlichen Ereignisse

in Polen mit ihren weitreichenden Auswirkungen verlangen ein Urteil des Westens.
Wir dürfen unser Urteil nicht durch vier Märchen über Polen verwirren
lassen: Erstens, daß die Solidarität durch übertriebene Ambitionen ihre eigene
Unterdrückung herbeigeführt habe; zweitens, daß die Sowjetunion in Polen nicht
interveniert habe und daher nicht verantwortlich sei; drittens, daß die Machthaber Polens aus begrüßenswerten nationalen Überlegungen handelten; und viertens, daß der Westen nichts tun könne und sollte, weil das., was in Polen vorgehe, eine strikt interne Angelegenheit sei. Jede dieser Behauptungen wird
durch die Wirklichkeit widerlegt.
Das erste Märchen ist, daß die Brutalität, die am 13. Dezember begann,
durch die Exzesse der Solidarität selbst provoziert worden sei. Die Wirklichkeit sah anders aus. Monate vor der plötzlichen Verhängung des Kriegsrechts
arbeitete die Solidarität unermüdlich daran, um Streiks Einhalt zu gebieten
und ein Chaos zu verhindern. Lech Walesa reiste von Stadt zu Stadt, von Fabrik
zu Fabrik, und rief die Menschen auf, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren.
Sein Appell wurde gehört. Nach März 1981 haben die Streiks in Polen niemals
mehr als einen kleinen Teil der arbeitenden Bevölkerung erfaßt. Nach August
1981 haben die eigenen Statistiken der polnischen Regierung eine steigende
Produktion verzeichnet.
Das Streben der Solidarität nach Stabilität wurde nicht entsprechend
honoriert.

Die Regierung Jaruzelski hatte einen anderen Kurs geplant. Ihr

einziger Beitrag zu der Forderung nach einem nationalen Dialog war die Einführung eines Gesetzes, das Streiks verbot und damit die Konfrontation unaus-

- 3 -

�Konfrontation unausweichlich machte.
Der Kontrast zwischen den Opfern und den Verschwörern könnte nicht größer sein. Die Führer der Solidarität, die einen freien Zusammenschluß von
freien Arbeitern repräsentierten,auf der einen Seite wurden praktisch intakt
in einem einzigen Gebäude gefangengenommen. Auf der anderen Seite war eine
Regierung, die vorgibt, die Arbeiter zu schützen, so gut auf die Verhängung
des Kriegsrecht vorbereitet, daß ihre Pläne in der Sowjetunion selbst genau
richtig als

"brillant angezettelt" bezeichnet wurden.

Das zweite Märchen ist, daß die Sowjetunion in Polen nicht interveniert
habe und deshalb nicht verantwortlich gemacht werden könne. Die Wirklichkeit
sah anders aus. Nach August 1980 war Polen einer ständigen Kampagne und dem
Druck, der Drohung und der Einschüchterung seitens Moskaus ausgesetzt - einschließlich militärischer Manöver. Alle diese Maßnahmen waren ausdrücklich
darauf ausgerichtet, dem Prozeß der Reform Einhalt zu gebieten.
Die geheimen Vorbereitungen waren sogar noch übler. Es ist bekannt, daß
die Sowjets bereits im März vorigen Jahres sich für die Verhängung des Kriegsrechts aussprachen und bereits im September die Anschläge für das Kriegsrecht
selbst in der Sowjetunion gedruckt wurden. Der Befehlshaber der Streitkräfte
des Warschauer Paktes, ein sowjetischer Marschall, befand sich vor und während dieser Verhängung des Kriegsrechtes in Polen.
Kann jemand ernsthaft über die Rolle der Sowjets überrascht sein? Haben wir frühere Episoden in Polen, Ostdeutschland, Ungarn und der Tschechoslowakei vergessen? Die Anwendung von Gewalt in einem landesweiten Ausmaß
gegen das polnische Volk heute findet nur statt, weil die Sowjetunion dazu n
angestiftet hat, und sie unterstützt und ermutigt.
Das dritte Märchen ist, daß wir einen polnischen Versuch erlebten, Recht
und Ordnung herzustellen in der Hoffnung, einer sonst unausweichlichen sowjetischen militärischen Intervention zuvorzukommen. Es ist in grausamer

- 4 -

�in grausamer Weise paradox, wenn man uns glauben machen will, daß das Kriegsrecht, wie die Solidarität selbst, ein rein nationales Phänomen sei, das einer
hohen nationalen Zielsetzung diene, und daß deshalb daraus folgere, daß wir irgendwie bereit sein müßten, das, was in Polen heute geschieht, zu akzeptieren,
weil es das geringere Übel sei.
Die Wirklichkeit sieht anders aus. Was auch immer die Motivation sein mag,
so unterdrückt ein sowjetisch ausgebildetes Militär sein eigenes Volk unter dem
Zwang der Sowjetunion. Wie die polnischen Bischöfe es ausgedrückt haben: "Unser
Leiden ist das der ganzen Nation, die durch militärische Macht terrorisiert wird."
Der Verlust der Freiheit wird in Polen nicht weniger hart verspürt, weil
ein polnischer General statt eines sowjetischen Generals den Befehl führt.
Das vierte Märchen ist, daß die Mißgeschicke Polens eine rein innere Angelegenheit seien und daß der Westen kein Recht habe, die Situation zu beurteilen
oder irgendeine Maßnahme zu treffen, die sich auf sie auswirken könnte. Die
Wirklichkeit sieht anders aus. Die Sowjetunion und Polen haben beide die Schlußakte von Helsinki von 1975 unterzeichnet. Alle Signatarstaaten wurden verpflichtet, Bedingungen der Freiheit und Vielfalt zu fördern und dadurch unsere Völker zu ermutigen, die Probleme zu lösen, die Europa spalten. Die in Helsinki
aufgestellten Normen der Freiheit und Vielfalt sind verletzt worden. Der in
Helsinki eingeleitete Prozeß ist in Frage gestellt worden. Wir haben sowohl ein
Recht als auch die Pflicht, auf diese Gefahr hinzuweisen.
Jahrhunderte lang haben die Polen die Bitternis der Aggression erfahren.
Auf Drängen, mit der Hilfe und mit der Förderung der Sowjetunion findet heute
die Unterdrückung des Strebens Polens nach sozialer Gerechtigkeit statt. Wieder
einmal bestimmt das Diktat einer fremden Macht das Geschick der polnischen Gesellschaft.
Die Menschen in Polen blicken jetzt auf den Westen. Wir müssen ihnen den
klaren und eindeutigen Beweis unserer Unterstützung liefern. Aber unsere Politik

- 5 -

�unsere Politik muß praktisch sein und auch die polnischen und sowjetischen
Realitäten in Rechnung stellen. Wir wollen echten Fortschritt, nicht nur leere Gebärden.
Mein Präsident und andere westliche Führer haben aus diesem Grund klargestellt, daß wir ein Ende des Kriegsrechts und der Unterdrückung, die Befreiung der politischen Gefangenen und die Wiederherstellung der in der Schlußakte
von Helsinki zugesagten Rechte anstreben, die die Unabhängigkeit der Gewerkschaftsbewegung und der Kirche schützen.

Nur auf diese Weise kann wieder

die Grundlage für Versöhnung innerhalb der polnischen Gesellschaft auf dem
Verhandlungsweg geschaffen werden.
Das Ergebnis solcher Verhandlungen ist eine Angelegenheit des polnischen
Volkes.

Nichtsdestoweniger müssen wir gemäß der Übereinkommen von Helsinki

dem äußeren und inneren Druck entgegenwirken, der die Versöhnung und die Reformen verhindert, die von den polnischen Bürgern so dringlich gewünscht werden.
Dies alles sind realistische Zielsetzungen, gegründet auf die Lage in
Polen und auf die Ost-West-Beziehungen. Der Wunsch nach Würde am Arbeitsplatz, wie er von der Solidarität versinnbildlicht wird, kann nicht ausgerottet werden. Die brutale Unterdrückung der ersten freien Gewerkschaft in
Polen hat in der ganzen polnischen Gesellschaft die höchste Entrüstung hervorgerufen. Es gibt Widerstand.
Die polnische Volkswirtschaft kann nicht ohne die Mitarbeit des polnischen Arbeiters wiederbelebt werden, auf dem die Hauptlast der Unterdrückung
ruht. Und die wachsenden Probleme Polens können nicht allein gelöst werden.
Die polnische Regierung sollte von uns keine Hilfe erwarten, solange die Unterdrückung andauert. Auch Moskau können die Vorteile der Zurückhaltung deutlich
gemacht werden. Weder die Übernahme der polnischen Wirtschaftslasten noch
eine militärische Intervention sind leichte Entscheidungen für eine Sowjetunion, die solche Probleme wie eine sich abschwächende Volkswirtschaft und
einen Krieg in Afghanistan mit sich herumträgt. Es ist deutlich, daß Moskau

- 6 -

�daß Moskau wirtschaftliche und andere Elemente der Zusammenarbeit mit dem
Westen aufrechterhalten will.
Kluge westliche Führung kann dabei helfen, ein größeres Maß an Mäßigung
in Polen zu erzielen, damit der notwendige Reformprozeß fortgesetzt werden
kann. Angesichts dessen hat Präsident Reagan ernsthafte Schritte unternommen, um sowohl die polnische als auch die sowjetische Regierung von unseren
Besorgnissen wissen zu lassen.

Er hat sich zudem weitere Maßnahmen vorbe-

halten, in der Hoffnung, dadurch vor weiterer Unterdrückung und sowjetischer
Intervention abzuschrecken.
- Bis zu weiterem Fortschritt werden dem polnischen Regime jegliche
künftigen Kredite sowie Hilfe von Regierung zu Regierung verwehrt. Gleichzeitig allerdings werden die Vereinigten Staaten auch weiterhin Nahrungsmittel, Arzneimittel und andere humanitäre Hilfe durch Privatorganisationen und
auf anderem Wege bereitstellen, damit eine Auslieferung an das polnische Volk
und nicht an das Regime gesichert wird.

Der Präsident hat außerdem erklärt,

daß wir bereit sind, beträchtliche weitere Hilfe zu leisten, wenn der Weg
der Versöhnung und der Reform gewählt und verfolgt wird - natürlich mit wirksamen Maßnahmen und nicht nur durch leere Gesten, um den Westen zu täuschen.
- Präsident Reagan hat Präsident Breschnew unsere grundlegenden Bedenken
zur Kenntnis gebracht; die Antwort war negativ. Deshalb haben die Vereinigten
Staaten eine Reihe von Maßnahmen ergriffen - hauptsächlich im wirtschaftlichen
Bereich -, die zum Nachteil der Sowjetunion sind. Der Präsident ist bereit,
falls nötig, noch weiter zu gehen. Gleichzeitig wurde Moskau über unseren
Wunsch informiert, einen konstruktiveren Weg einzuschlagen, wenn die Sowjetunion zu Gleichem bereit ist.
Die Vereinigten Staaten stehen nicht allein. Gestern verurteilte der
Nordatlantikrat die Entwicklung in Polen.

In einer ministeriellen Sonder-

erklärung wurde klargestellt, daß sowohl die Sowjetunion als auch die polnische Regierung die Schlußakte von Helsinki und andere internationale Maßstäbe verletzt haben.

Die Verbündeten ließen keinen Zweifel daran, daß die
- 7 -

�daß die Unterdrückung in Polen die Grundlagen des West-Ost-Fortschrittes
untergräbt.
Die Vereinigten Staaten und ihre Partner haben erklärt, daß die derzeitige
Situation in Polen ihre Wirtschaftsbeziehungen sowohl mit Polen als auch mit
der Sowjetunion beeinflussen muß.

Sie betonten die Bedeutung der bereits von

Präsident Reagan angekündigten Maßnahmen.

In diesem Geist beschlossen die

Mitglieder des Rates, die Wirkung der Maßnahmen gegenseitig nicht zu untergraben.

Und sie kamen überein, zum Zweck der Aktion auf breiter Front ange-

messene nationale Möglichkeiten ausfindig zu machen - einschließlich einer
Prüfung des Kurses künftiger wirtschaftlicher und kommerzieller Beziehungen
zur Sowjetunion.
So ist deutlich, daß die Ereignisse in Polen über das tragische Geschick
dieses Landes hinaus Bedeutung haben.
der Stabilität in Europa.

Ein unterdrücktes Polen ist kein Faktor

Nur Respekt für international anerkannte Rechte

kann die Grundlage für nationale Versöhnung und Reform bilden, um Polen vor
einem Abgrund der Hoffnungslosigkeit zu retten.
Die Ereignisse in Polen haben wieder einmal einen Webfehler in der politischen Geographie des Ostens enthüllt. Wieder einmal ist eine Ideologie in
Verruf geraten. Die grundlegende Mißachtung individueller Rechte hat ein
elementares Versagen sozialer Kreativität mit sich gebracht. Der Versuch,
diese offenkundige Schwäche des Kommunismus sowjetischer Prägung durch Rückgriff auf Gewalt zu ignorieren, stellt im Nuklearzeitalter eine Quelle großer
Gefahr dar.
Die Reform im Osten steht

keineswegs im Widerspruch zu konstruktiven

Ost-West-Beziehungen, sondern ist vielmehr die Grundlage größerer Legitimität,
Stabilität und Sicherheit in ganz Europa.
Die Lage in Polen stellt aber auch eine Herausforderung an die Glaubwürdigkeit des Westens dar. Wir stehen vor einem Scheideweg. Wollen wir eine
Welt, gekennzeichnet durch wachsende Freiheit, Zusammenarbeit und Sicherheit
- 8 -

�und Sicherheit - oder wachsende Unterdrückung, Konfrontation und Furcht?
Werden wir freie Nationen erleben, deren Handeln zur größeren Freiheit und
zu größerem Frieden beiträgt, oder wird der internationale Wandel durch totalitäre Kräfte beherrscht werden?
Seit über einem Jahr hat das Bündnis erklärt, daß es ernsthafte Folgen haben würde, wenn die Sowjetunion interveniere, um einen völlig friedlichen Dialog in Polen in das Gegenteil zu verkehren.

Die sowjetische Ver-

antwortung für die gegenwärtigen Ereignisse ist klar. Würde der Westen
nicht handeln, dann würde dies nicht nur die Unterdrückung des polnischen Volkes fördern, sondern auch das Vertrauen in unsere Reaktionen auf künftige Ereignisse in Polen und anderswo in der Welt vermindern.

Stabile Beziehungen

zwischen Ost und West hängen von dem ab, was Bundeskanzler Schmidt "Berechenbarkeit" genannt hat.

Die Sowjets müssen wissen, daß es negative oder posi-

tive Konsequenzen geben kann - je nachdem, welches Verhalten sie an den Tag
legen.

Polen ist ein Testfall,und die europäische Geschichte lehrt, daß der

größte Fehler im Umgang mit schwer bewaffneten Aggressoren der ist, deren
Verletzungen internationaler Abkommen zu ignorieren und so zu tun, als wäre
nichts geschehen.
über das Schicksal Polens und über die Ost-West-Beziehungen hinaus müssen
wir uns letztlich fragen, was diese Entwicklungen für unsere Selbstachtung
bedeuten, wenn wir nicht gemeinsam reagieren. Der Westen wird oft beschuldigt, eine reine Ansammlung von Konsumgesellschaften zu sein. Sind wir so
übersättigt oder so eingeschüchtert, daß wir Angst haben, die Werte zu verteidigen, die unser Leben lebenswert machen?
Die Sowjetunion erklärt seit vielen Jahren, daß es keinen Widerspruch
gäbe zwischen dem Streben nach Entspannung und einem ideologischen Wettstreit.
Und Moskau hat immer die Verbreitung des Marxismus-Leninismus unterstützt.
Sind denn Freiheit und Demokratie kein Teil unserer Politik mehr? Bilden wir uns ein, daß wir den Frieden durch Schweigen und Untätigkeit erkaufen können? Polen sollte uns daran erinnern, daß im Kampf um den Geist der
- 9 -

�Geist der Menschen die besten Argumente auf unserer Seite sind.

Die Existenz

erfolgreicher demokratischer Industriestaaten im Westen ist eine überzeugende
Bloßstellung des Kommunismus sowjetischen Stils.

Unsere ständigen Fortschrit-

te bedeuten - bei all unseren Fehlern -, daß das sowjetische System weder nötig noch unausweichlich ist.
Schließlich wollte das polnische Volk nicht mehr als einen freien Zusammenschluß, die Würde der Arbeit und die Respektierung des einzelnen - Rechte, die wir im Westen manchmal schon für selbstverständlich halten.
Polen sollte uns auch veranlassen, unsere Vorstellungen von weltpolitischen Angelegenheiten zu ändern.

Seit über 60 Jahrei wurde jedes neue mar-

xistisch-leninistische Regime von einigen Leuten im Westen mit neuen Hoffnungen und Erwartungen begrüßt.

Wenn dann die Forderungen nach sozialer Gerech-

tigkeit und Freiheit, die solche Regime mit an die Macht gebracht hatten, unterdrückt wurden, setzte die Enttäuschung ein.

Es waren mehr als 20 Jahre

des Stalinismus nötig, bis viele Beobachter im Westen die Realität der Sowjetunion erkannten.

Es bedurfte nur eines Jahres nach der Machtübernahme Nord-

vietnams in Südvietnam

und in Kampuchea, um uns über dieses angeblich pro-

gressive Regime aufzuklären.

Wir erfahren immer noch mehr über diese Art des

Totalitarismus, da die Beweise für den Terror des gelben Regens in Südostasien und die sowjetische Komplizenschaft ständig wachsen.

Manche Leute be-

greifen immer noch nicht, was in Nicaragua geschieht und was in El Salvador
auf dem Spiele steht.
Die größte Gefahr für den Westen ist heute vielleicht die Tendenz, zwei
verschiedene Verhaltensmaßstäbe an den Osten und an den Westen anzulegen.
Wieviel kommunistische Unterdrückung, wieviele sowjetische Atomraketen, wieviele Beispiele wie Afghanistan und Polen es auch geben mag - manche Leute
möchten immer noch Druck auf den Westen ausüben, die Beziehungen mit der
Sowjetunion zu verbessern, statt von Moskau eine Mäßigung seines Verhaltens
zu verlangen.
Die Vernunft
- 10 -

�Die Vernunft unserer Bürger weist diese zweierlei Maßstäbe zurück.
Aber vor allem hat das Verbrechen gegen das polnische Volk die Arbeiter
der Welt empört.

Ein Staat, der sich angeblich auf die Arbeiterbewegung

stützt, unterdrückt aktiv eine Arbeiterbewegung, die zehn Millionen Menschen
zählt.

Der polnische Arbeiter ist das Ziel und das Opfer.

ist zum Schweigen gebracht worden.
liegen gebracht worden.

Seine Stimme

Seine produktiven Energien sind zum Er-

Seine Gewerkschaftsbewegung ist unterdrückt worden.

Seine gewählten Führer sind inhaftiert worden.

Seine Hoffnungen sind geop-

fert worden, weil sie nicht in die sowjetischen Pläne für eine Aufrechterhai tung der absoluten Kontrolle über die Länder Osteuropas passen.
Es ist daher nur angebracht, daß unsere Gewerkschaften zusammen mit den
Kirchen und den privaten Gruppen die Führung übernehmen, um das polnische
Volk am 30. Januar zu ehren.

Diese

Geste der Massensolidarität wird ein

wichtiger Ausdruck unserer moralischen Unterstützung sein.

Sie wird ferner

den Sowjets und ihren Freunden vor Augen führen, daß die Unterdrückung der
Menschenrechte nicht ignoriert wird.
Unterstützung ist genauso wichtig

Ein solcher Ausdruck der moralischen

wie eine Feier für die Freiheit.

Mein Land ist ein Kind der europäischen Kultur.

Das amerikanische Volk

teilt Ihre Empörung über das Niedertrampeln einer Nation im Herzen Europas,
weil es seine europäische Einstellung behauptet hat.

Wir können verschiedener

Meinung darüber sein, welche Ereignisse in der Welt von zentraler Bedeutung
für die Sicherheit des Bündnisses und welche peripher für seine Zielsetzungen sind - aber ohne Frage kann es keine Meinungsverschiedenheiten darüber
geben, daß die Ereignisse in Polen an den Kern des Gewissens des Bündnisses
rühren.
Wir haben mit einer Stimme über diese Ereignisse gesprochen. Gestern
haben wir einen klaren und einheitlichen Rahmen für Maßnahmen gelegt. Jetzt
müssen wir handeln.
Wenn wir
- 11 -

�Wenn wir keine Schritte ergreifen können, die mit unseren Worten übereinstimmen, was soll dann noch von unserer Selbstachtung bleiben und der
Achtung anderer für unsere Werte, unsere Rechte und unsere Zielsetzung?
Winston Churchill hat einmal festgestellt, daß "die Welt aufgeteilt ist
in Völker, denen die Regierungen zu eigen sind, und in Regierungen, denen die
Völker zu eigen sind." Polen fordert uns heraus, uns unserer Werte zu besinnen und für sie einzutreten.

Letzten Endes sind nur wir - die Völker der

Welt, denen die Regierungen zu eigen sind - die Garanten sowohl des Friedens
als auch der Freiheit.

- 12 -

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DlEl71

1 VI
V

Dokumcnlolion
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Januar 1982

HAIG-PRESSEKONFERENZ ZUM BESUCH VON BUNDESKANZLER SCHMIDT
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig hat
auf einer Pressekonferenz am 6. Januar 1982 betont, Präsident Reagan und
Bundeskanzler Schmidt seien auf ihrem vorangegangenen Treffen zu einer
"gemeinsamen Beurteilung" der Ereignisse in Polen gelangt. Beide seien
sich darüber einig, daß die Sowjetunion eine "schwere Verantwortung" für
das habe, was sich heute in Polen abspiele.
Die Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers, die dieser mit
einer Erklärung einleitete, hat folgenden Wortlaut:
Haig: Guten Morgen, meine Damen und Herren. Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um Ihnen einen uneingeschränkt zur Verfügung stehenden Überblick über den gerade abgeschlossenen Besuch von Bundeskanzler Schmidt mit
besonderem Nachdruck auf das Verhältnis dieses Besuches im Hinblick auf die
gegenwärtigen Ereignisse in Polen zu geben und diesen Besuch für Sie zusam-

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�Sie zusammenzufassen und Ihre Fragen bezüglich der Lage in Polen, wie sie
sich heute zeigt, und damit zusammenhängender Ereignisse zu beantworten.
Erstens, ich glaube, es ist wichtig, daß wir erkennen, daß der Besuch
des Kanzlers, der vor der Polenkrise anberaumt wurde und der nach seinen
eigenen Ausführungen dazu dienen sollte, mit Präsident Reagan einen Meinungsaustausch über die internationale Wirtschaftslage zu führen, natürlich angesichts der Krise in Polen einen anderen Charakter annahm und daß
sich daher ein großer Teil der Gespräche zwischen den beiden Staatsmännern
auf die Lage Polens konzentrierte.
Zum Abschluß wurde gestern eine gemeinsame Erklärung von Präsident
Reagan und Bundeskanzler Schmidt herausgegeben, die, wie ich meine, in sehr
detaillierter Weise den Gesamtcharakter der Gespräche und die enge Übereinstimmung umreißt, zu der beide Staatsmänner gelangt sind.
Sicherlich, das erste und wichtigste, was mit dem allgemeinen Begriff
"Übereinstimmung" bezeichnet werden kann, war eine gemeinsame Beurteilung
dessen, was sich in Polen abspielt und warum es sich abspielt, sowie eine
gemeinsame Ansicht beider Staatsmänner, daß die Sowjetunion eine schwere
Verantwortung für die heutige Situation in Polen trägt.
Es war ein glücklicher Umstand, daß das Treffen der beiden Politiker
zu einem Zeitpunkt stattfand, an dem eine Konferenz der Zehn in Europa abgehalten wurde, an der Außenminister Genscher teilnahm, der die Bundesrepublik Deutschland vertrat; und der Außenminister flog von dieser Konferenz
(der Zehn) direkt nach Washington und legte Präsident Reagan und dem Bundeskanzler einen detaillierten Bericht über das Ergebnis der Konferenz vor.
Diese Konferenz selbst brachte ein sehr positives Ergebnis und gab
einer allgemeinen Übereinstimmung der Zehn bezüglich der Lage in Polen
und der Verantwortlichkeit der Sowjetunion Ausdruck und stimmte, wie ich
meine, dem von Präsident Reagan und Bundeskanzler Schmidt eingenommenen

- 2-

�eingenommenen Standpunkt - einem gemeinsamen Standpunkt - zu, was heute in
Polen notwendig sei, um den derzeitigen unbefriedigenden Stand der Dinge zu
beheben:
Erstens, eine sofortige Aufhebung des Kriegsrechts; zweitens, Freilassung der Gefangenen; drittens, nationale Versöhnung durch Kompromiß und Verhandlung zwischen Solidarität, der Kirche und der Regierung und der Partei.
Die Gespräche zwischen dem Präsidenten und dem Kanzler berührten auch
das Thema wirtschaftlicher Sanktionen, beziehungsweise politischer Maßnahmen,
gegenüber der Regierung Polens auf der einen Seite und der Sowjetunion auf
der anderen Seite; und beide kamen überein, intensive Konsultationen über
dieses Thema auf bilateraler Ebene wie auch kollektiv in den bestehenden
Gremien zu führen.
Wie Sie wissen, wird am 11. Januar in Brüssel eine NATO-Außenministerkonferenz stattfinden, auf der ich die Regierung der Vereinigten Staaten vertreten werde. Ich hatte die Gelegenheit, während des sich ergebenden Besuches von Außenminister Genscher hier über diese Konferenz zu sprechen, auf
der wir hoffen, den westlichen Standpunkt zur Polenfrage weiter zu konsolidieren und zu einigen.
Ich möchte nicht weiter auf die gemeinsame Erklärung eingehen, die gestern nachmittag veröffentlicht wurde, aber ich möchte hoffen, daß Sie dieser Erklärung große Beachtung schenken. Ich hoffe, daß Sie alle ein Exemplar
besitzen.
Ich glaube, daß ich generell und zusammengefaßt für Präsident Reagan
spreche, wenn ich sein starkes Gefühl der Bedriedigung über das Ergebnis
dieses Besuches unterstreiche sowie über die Beziehung, die seit Beginn seiner Amtsperiode bestand und die er mit Bundeskanzler Schmidt hergestellt hat,
und sein Gefühl des Vertrauens, daß die westliche Einheit, die westliche

- 3 -

�die westliche Solidarität, der wesentliche Aspekt des Ergebnisses der Polenkrise bleiben und daß das, was wir wirklich erleben - und wir müssen diese
Tatsache bei unseren Analysen und Beobachtungen ständig im Auge behalten ein totales Versagen im Osten und nicht Verwirrung im Westen ist.
Ich beantworte jetzt gerne Ihre Fragen.
FRAGE: Herr Minister, der Präsident sagte nach seinem Zusammentreffen
mit dem Bundeskanzler gestern, daß sich die schwerwiegendsten Konsequenzen
für die internationalen Beziehungen ergeben würden, wenn das Bündnis es nicht
fertigbringt, darauf zu bestehen, daß die Sowjetunion ihren direkten und indirekten Druck auf Polen aufgibt.
Könnten Sie dazu etwas sagen?
ANTWORT: Ich glaube, diese Worte waren sehr sorgfältig gewählt, und sie
drücken genau das aus, was sie im Zusammenhang der Verpflichtung der Sowjetunion bedeuten sollen, nicht wie bisher ein Befürworter öffentlicher und
offizieller Unterdrückung in Polen zu sein. Sie sind zugleich die gemeinsame Beurteilung, daß die sowjetische Führung eine Verpflichtung hat, die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki einzuhalten - ganz gleich, ob solche
Verletzungen sich innerhalb dessen zutragen, was man die westlich? Htlt oder
die östliche Welt nennt.
FRAGE: Herr Minister, Bundeskanzler Schmidt hinterließ in seiner gestrigen Pressekonferenz den Eindruck, daß die Vereinigten Staaten heute in einer
Woche wieder an den Gesprächen über INF-Systeme in Genf teilnehmen werden,
selbst wenn die Situation in Polen weiterhin so bleibt, wie sie heute ist.
Ist dieser Eindruck richtig?
ANTWORT: Dies war ein Punkt, der zwischen Präsident Reagan und Bundeskanzler Schmidt mit besonderer Sorgfalt besprochen wurde. Beide sind der
Überzeugung, daß diese INF-Gespräche eine ganz besondere Kategorie der Ost-

- 4 -

�der Ost-Westbeziehungen darstellen und daß sie als solche außerhalb des Kontextes dessen behandelt werden müssen, was man als die normaleren Ost-Westbeziehungen bezeichnen könnte, da es grundlegende Vorteile sowohl für den Westen als auch für den Osten bei der Fortsetzung eines Dialogs gibt, der die
Kontrolle der nuklearen Rüstungen anstrebt.
Ich möchte es so sagen: Beide Staatsmänner kamen zu der Schlußfolgerung,
daß der Dialog fortgesetzt werden sollte, außer unter den außergewöhnlichsten
Umständen, und hierzu zähle ich die derzeitige Situation nicht.
FRAGE: Kurz dazu noch: Was ist mit Ihrem Treffen mit Außenminister Gromyko?
Ist das auch noch planmäßig?
ANTWORT: Dieses Treffen ist für den 27. dieses Monats in Genf vorgesehen,
und wir analysieren es im Kontext der gegenwärtigen Lage und der Ereignisse,
die sich bis dahin zutragen werden, sehr sorgfältig. Ich möchte aber auch die
Position von Präsident Reagan in e^'nem kürzlichen Interview unterstreichen,
in dem er nach der Bedeutung von Gipfeltreffen gefragt wurde. Ich weiß, daß
der Präsident zutiefst davon überzeugt ist, daß etwa in Krisenzeiten die
Kommunikation zwischen den Regierungen eher von größerer als von kleinerer
Bedeutung ist, und wir beabsichtigen, diese Kommunikation aufrechtzuerhalten.
Dies bedeutet nicht mit absoluter Sicherheit, daß es zu dem Treffen kommt,
denn wir stehen bei Polen vor einer ganzen Reihe von Ungewißheiten, die eine
Auswirkung auf diese Entscheidung haben könnten. Derzeit ist die Tendenz jedoch, daß die Kommunikationslinien sicherlich aufrechterhalten werden.
FRAGE: Herr Minister, könnten Sie uns den Grund für das Einsetzen eines
hochrangigen Sonderkoordinators für amerikanisch-deutsche Beziehungen im Gegensatz zu den amerikanisch-französischen oder amerikanisch-italienischen
nennen?
ANTWORT: Beide Regierungen haben den Eindruck, daß Generationslücken
manchmal zu einem Mangel an angemessener Kommunikation beitragen, besonders

- 5 -

�besonders bei unseren jungen Menschen, und wir versuchen - der Präsident hat
einem Vorschlag der Bundesrepublik zugestimmt -, eine neue Einstellung zu einer
ganzen Reihe deutsch-amerikanischer Aktivitäten, sowohl privater als auch von
der Regierung unterstützter Natur, zu gewinnen, um sicherzugehen, daß die historische

und traditionelle Freundschaft und das Verständnis zwischen dem

deutschen und dem amerikanischen Volk, insbesondere unter der Jugend,erleichtert und gefördert werde. Das ist im wesentlichen der Zweck des ganzen. Als
Ergebnis gemeinsamer Beurteilung kam man schon vor diesem Treffen in dieser
Hinsicht überein, und in der gemeinsamen Erklärung wurde es formell bekräftigt.. .
FRAGE: Herr Minister, angesichts dessen, was wir von dem wissen, was
Bundeskanzler Schmidt vor seinem Treffen mit Präsident Reagan gesagt hat: Inwiefern können Sie sagen, daß es zu einem Wandel der westdeutschen Position
hinsichtlich Polens und der Sowjetunion gekommen ist? Hat es irgendwelchen
Wandel seit dem Treffen gegeben?
ANTWORT: Ich möchte Sie zu allererst auf die gemeinsame Erklärung verweisen. Sie spricht für sich selbst und bringt eine gemeinsame Ansicht hinsichtlich einer Reihe von sehr speziellen Fragen zum Ausdruck, die die Quelle
ziemlich übertriebener Pressespekulationen vor dem Besuch waren. Wie dies bei
allen Besuchen solcher Art und bei solchen Gesprächen der Fall ist, ergeben
sich die Ansichten der Beteiligten aus dem stattfindenden Meinungsaustausch.
Andererseits ist in diesem Fall ebenso deutlich, daß einige der Meinungsverschiedenheiten, über die es vor dem Besuch Spekulationen gab, von vornherein
gar nicht existierten.
In dieser Hinsicht wäre es sehr gut, auf die Erklärung des Bundeskanzlers vor dem Bundestag und die Entschließung des Bundestages zurückzugreifen. Liest man diese sehr sorgfältig, so erkennt man eine sehr, sehr enge
Beziehung zwischen deutschen und amerikanischen Ansichten seit Beginn dieser
Krise.
FRAGE:

- 6 -

�FRAGE:

Herr Minister, wenn wir über Kommunikation sprechen: Die deutsche

Regierung versucht offensichtlich, die Verwirklichung der drei in dem Kommunique erwähnten Grundsätze durch Kontakte mit der polnischen Führung zu erreichen - etwa dem Besuch von Herrn Rakowski bei Herrn Genscher in der Bundesrebublik. Erwägt die amerikanische Regierung ebenfalls die Möglichkeit, diesen
Kanal zu benutzen und jetzt direkte Kontakte auf hoher Ebene zwischen Ihrer
Regierung und der polnischen Führung aufzubauen?
ANTWORT: Ich weiß nichts von irgendwelchen Vorurteilen gegenüber einer
solchen Kommunikation hier; andererseits haben uns die Kontakte unseres Botschafters Meehan mit dem Ministerpräsidenten und dem Außenminister in Warschau
sehr genützt.Er hatte mehrere und längere Zusammentreffen. Er kam im Anschluß
an das Treffen der Zehn mit dem Ministerpräsidenten zusammen, und es kam dabei
zu einem ähnlichen Meinungsaustausch.
Wichtig für uns ist, in dieser Hinsicht zu begreifen, daß die Konsequenzen der Maßnahmen der gegenwärtigen Regierung oder der herrschenden Junta die, soviel ich weiß, aus vier Militärs und vier Zivilisten besteht - bei
einem Andauern zu einer Verschlechterung ihrer Beziehungen zur westlichen
Welt insgesamt und zu den Vereinigten Staaten insbesondere führen werden.
Hinsichtlich der Politik des Westens gegenüber Polen selbst gibt es
meiner Meinung nach eine deutliche Konvergenz der Ansichten in bezug auf
die gegenüber Polen zu ergreifenden Maßnahmen wie weitere Kredite, Hilfe
von Regierung zu Regierung, die derzeit alle gefährdet sind. Es gibt außerdem die gemeinsam von allen westlichen Führungspersönlichkeiten erkannte
Notwendigkeit, einzusehen, daß wir eine Verpflichtung haben, uns der humanitären Aspekte dieser Krise anzunehmen, und dies auf eine Weise tun, daß wir
sicher sein können, daß diese westliche Hilfe an das Volk von Polen gelangt
und nicht an ein unterdrückerisches Regime, das durch eine solche Hilfe nur
gestärkt würde.
FRAGE:

�FRAGE: Herr Minister, ich habe zwei Fragen: einmal, erwarten Sie irgendwelche konzertierte Aktionen oder parallele Aktionen der Verbündeten hinsichtlich Sanktionen gegenüber der Sowjetunion - sei es auf dem NATO-Treffen oder
im.erhalb dieses Zeitraums? Und zweitens, ist es möglich, die Hinweise im
Kommunique auf ein Treffen im Rahmen der KSZE-Konferenz auf der Ebene der
Außenminister zu konkretisieren und die polnische Frage im Rahmen der Vereinten Nationen aufzuwerfen?
ANTWORT: Hinsichtlich des bevorstehenden NATO-Treffens auf Außenministerebene möchte ich sagen, daß wir auf eine Konvergenz der Urteile hoffen etwa, wie dies in einem bilateralen Sinn bei dem Besuch des Bundeskanzlers
und unseren früheren Gesprächen der Fall war. Ich hoffe auf eine nachdrückliche, kraftvolle und realistische gemeinsame Einschätzung am Montag. Hinsichtlich Polens und unserer Beziehung-1 zur polnischen Regierung würde ich
Joch eine beträchtliche Konvergenz der Ansichten erhoffen.
Hinsichtlich der Frage nach Wirtschaftssanktionen gegenüber der Sowjetunion ist klar, daß jede Regierung des Bündnisses vor einer völlig unterschiedlichen Problemlage und einem unterschiedlichen Maß an Möglichkeiten steht, wie
sie mit dieser Frage fertig werden kann. Ich würde bei dieser sehr schwierigen
Frage kein uniformes Ergebnis erwarten.
Ich erwarte jedoch eine sehr deutliche Sprache hinsichtlich der sowjetischen Verantwortung für die Ereignisse und der sowjetischen Verpflichtung,
mit diesen Ereignissen fertig zu werden, sowie eine klare Bekräftigung der
Konsequenzen einer sowjetischen Beteiligung an noch größerer und weiter andauernder Unterdrückung.
Sie haben noch zwei andere Aspekte angesprochen, auf die ich antworten
möchte, denn der eine hatte mit der KSZE-Folgekonferenz und der Forderung der dringlichen Forderung - zu tun, die wir unterstützen und die der Präsident und der Bundeskanzler besprochen haben und die auf der Konferenz der

�Konferenz der Zehn ebenfalls vorgeschlagen wurde. Sie wissen sicherlich, daß
es bei solchen Konferenzen nicht nur um die westlichen Nationen geht - die
Zehn oder die NATO-Familie - hier sind auch die Blockfreien beteiligt und
ist die Sowjetunion beteiligt.
Es ist unmöglich, heute vorauszusagen, ob eine solche Konferenz stattfinden wird oder nicht. Ich bin jedoch der Überzeugung, daß es, wenn sich die
Sowjetunion weigert, daran teilzunehmen, ein sehr deutliches Signal für die
Welt ist, sich ein Urteil zu bilden im Zusammenhang mit ihrer Einhaltung des
Geistes von Helsinki und der anhaltenden Diskussionen hinsichtlich der
Schlußakte wie auch ihrer gegenwärtigen Einstellung zur Krise in Polen.
Und nun als letztes, der Hinweis auf die Vereinten Nationen in der gemeinsamen Erklärung von gestern war nicht auf ein spezifisches Gremium der
Vereinten Nationen bezogen, sondern war allgemein gedacht, daß Wir zürn geeigneten Zeitpunkt bereit wären, uns einer Anstrengung anzuschließen, die Aufmerksamkeit des Weltgremiums auf die Polenkrise zu lenken. Und ob sich das
auf humanitärem Gebiet und in den beiden mit humanitären Fragen befaßten
Gremien abspielen würde, bleibt abzuwarten, aber ich möchte annehmen, daß
dies der Fall wäre.
FRAGE: Herr Minister, wollen zum

gegenwärtigen Zeitpunkt die Vereinig-

ten Staaten, daß die Bundesrepublik Deutschland wirtschaftliche Sanktionen
gegen die Sowjetunion verhängt?
ANTWORT: Ich möchte sagen, daß die Antwort auf diese Frage darin besteht,
daß wir uns bewußt sind, daß die Bundesregierung von einer ganz anderen Basis
aus operiert, was die wirtschaftliche Auswirkung von Maßnahmen anbetrifft,
die sie gegenüber der Sowjetunion ergreifen könnte oder nicht. Was wir anstreben, ist eine klare Erkenntnis der sowjetischen Verantwortung und Verpflichtungen im Zusammenhang mit den Ereignissen in Polen und daß das Gesamtverhältnis zwischen den westlichen Regierungen und der Sowjetunion letztlich

- 9 -

�Sowjetunion letztlich von dem sowjetischen Verhalten in dieser Krise bestimmt
sein wird - eine Erkenntnis, die meiner Ansicht nach der Besuch des Bundeskanzlers bestätigte.
Sie wissen, daß eine Reihe von Gesichtspunkten vorgebracht wurde» daß
die Sowjets nicht verantwortlich wären, daß dies ausschließlich eine innere
Angelegenheit Polens sei. Die Tatsachen und die gemeinsamen Einschätzungen
tragen zu dem genau gegenteiligen Schluß bei. Und zu dieser Einsicht kam man
hier bilateral, obwohl ich nicht glaube, daß es einer besonderen Überzeugungskraft seitens des einen oder anderen der beiden Führer bedurfte. Ich glaube,
sie kamen schon mit dieser Auffassung zu dem Treffen.
FRAGE: Ich möchte hier nachstoßen. Wenn ich Sie richtig verstehe, dann
sagen Sie, daß wir mit den Russen nicht so weiter verkehren wollen, als ob
nichts geschehen sei, und daß wir nichts dagegen haben, wenn die Deutschen
das tun?
ANTWORT: Das habe ich überhaupt nicht gesagt. Was ich sagte, war, daß
wir bei den unterschiedlichen Ausgangslagen nicht verlangen, daß dieses Problem im "Gleichschritt" behandelt wird. Wir möchten hoffen, daß unter keinerlei Umständen bei dem gegenwärtigen Klima so getan wird, als ob nichts geschehen sei. Und ich meine, die gestrige Erklärung ist alles andere als eine
Bestätigung eines Zustandes, als ob nichts geschehen sei.
FRAGE: Können Sie uns das erklären: Als wir genau hier in diesem Raum
eine Presseunterrichtung hatten über die Unterschiede der Art und Weise, wie
die Sowjets mit uns und mit den Deutschen verkehren, und über die Tatsache,
daß es eine Kluft gäbe in der Betrachtungsweise dieses Ereignisses durch die
Bundesregierung, obwohl wir die gleichen drei Forderungen stellten - daß ihre
(die deutsche) Analyse ganz anders sei als unsere. Was ist passiert? Haben wir
von Schmidt etwas gelernt, oder hat Schmidt von uns etwas gelernt? Was brachte
die große Übereinstimmung zwischen beiden Staatsmännern?
ANTWORT:

- 10 -

�ANTWORT: Ich hoffe, daß wir beide etwas von einander gelernt haben. Ich
weiß, daß das immer so ist.
Lassen Sie mich zuerst darauf hinweisen, daß wir tatsächlich eine größere
Einsicht in die Haltung von

Bundeskanzler Schmidt in dieser Polenkrise gewon-

nen haben. Und ich glaube, wir haben alle etwas aus seinen Ausführungen hier
und seinem Hinweis auf seine Rede im Bundestag gelernt, die, wie er sich und meiner Meinung nach zurecht - bitterlich beklagte, in der westlichen Presse
und in der amerikanischen Presse auf eine Wolke davongeschwebt und verschwunden zu sein schien, und er brachte seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, daß
niemand in der amerikanischen Presse von dieser Rede sehr eingehend Kenntnis
genommen zu haben scheint. Ich glaube, in dieser Hinsicht verdienen wir hier
nicht nur in der westlichen Presse und in der amerikanischen Presse, sondern
auch hier im amerikanischen Außenministerium berechtigte Kritik. Es gibt immer
gewisse Unterschiede in den Nuancen auf verschiedenen Ebenen des Kontakts, und
das macht es so wertvoll, daß zwei Staatsmänner sich zusammensetzen. Und in diesem Zusammenhang glaube ich, daß sowohl der Präsident als auch Bundeskanzler
Schmidt ihre eigenen Auffassungen durch den Meinungsaustausch modifizierten
und klärten.
Im Falle von Bundeskanzler Schmidt weiß ich nicht, ob man das den Gesprächen hier oder einer Klärung seiner Auffassungen, die schon erfolgte, ehe er
hierherkam, zuschreiben soll. Ich glaube, seine Rede im Bundestag würde sicherlich die letztere Theorie rechtfertigen - daß er bereits jene Auffassungen hatte.
FRAGE: Kann ich hier noch einmal mit einer bestimmten Sache genauer nachfragen? Er schien gestern anzudeuten, daß eines der Dinge, die er von Präsident
Reagan erfahren habe, die Tatsache sei, daß dieser eine außerordentliche Abneigung habe, ein Getreideembargo zu verhängen. Hat ihm der Präsident mitgeteilt, daß wir grundsätzlich kein Getreideembargo verhängen? Und wenn nicht,
welche bestimmten Maßnahmen können wir nächste Woche in Brüssel erwarten?

ANTWORT:

- 11 -

�ANTWORT: Nein, ich glaube nicht, daß der Präsident auch nur einen Augenblick angedeutet hat, daß es in der kommenden Zeit nicht möglich sein könnte,
den ganzen Bereich der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen über das hinaus
zu überprüfen, was bereits berührt wurde im Sinne der Dinge, die zu erörtern
wären. Aber ich glaube, beide Staatsmänner brachten die Auffassung zum Ausdruck, daß wirtschaftliche Sanktionen an sich einige Verpflichtungen mit sich
bringen und eine begrenzte Wirkung haben, wenn in den Hauptstädten politische
Entscheidungen getroffen werden. Sie können von ihnen nur kurzfristig gesehen
solche politische Entscheidungen erwarten.
Sie kennen die Auffassung,die der Präsident bezüglich der Getreidelieferung selbst seit langem hat - daß er nämlich der Ansicht ist, daß es nicht
konstruktiv wäre, ein Segment unserer Wirtschaft zu isolieren und einem Segment der amerikanischen Gesellschaft eine Last aufzuerlegen, wenn es um die
Frage wirtschaftlicher Sanktionen geht, sondern er möchte die Dinge im Sinne
einer Sanktion sehen, die auf einer möglichst breiten Basis ruht.
In diesem Zusammenhang müßte sich die Situation natürlich noch so entwickeln, daß eine solche Schlußfolgerung nach Auffassung des Präsidenten
oder nach meiner Auffassung angemessen wäre; und ich glaube,

Bundeskanzler

Schmidt teilt diese Einstellung. Aber beide sind sich der außerordentlichen
Bedeutung von Getreide als Wirtschaftssanktion in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen bewußt.
FRAGE: Aber es klingt so, als ob beide das gleiche tun, was Rüssel Long
bezüglich der Steuern gesagt hat. "Besteure nicht dich, besteure nicht mich,
besteure den Kerl dahinten." Und daß in jedem Falle jeder sagen wird, ich
möchte nicht mein Einkommen aufgeben, ich möchte nicht meine wirtschaftliche
Bedeutung verlieren; tu du es oder laßt uns nur darüber reden.
ANTWORT: Nein, ich glaube, so ist es ganz und gar nicht. Ich glaube, man
muß die Grenzen der Maßnahmen sehen - man muß sehen, daß die Sache zwei Seiten
hat. Man muß erkennen, daß ein Land allein, wie wir das bei dem Getreideembargo

- 12 -

�Getreideembargo nach Afghanistan erfahren haben, so begrenzt wie es war - und
es war begrenzt - es nicht schaffen kann, wenn man die Dinge nicht entweder
national auf breiter Front angeht - und im Falle von Getreide ist es vielleicht
noch wichtiger sogar international - daß andere Getreideerzeuger die Aktion
nicht unterstützen - daß die Maßnahme auf lange Sicht über ihre eigenen Füße
fallen wird wegen all der Widersprüchlichkeiten und Unvereinbarkeiten, die
damit verbunden sind.
FRAGE: Herr Außenminister, der Bundeskanzler hat mehrfach darauf hingewiesen, daß die amerikanische Presse seine Bundestagsrede und den Bundestagsbeschluß nicht berichtet habe, und Sie haben diese Frage ebenfalls angesprochen. Sie haben einige eigene Gedanken hinzugefügt. Ich möchte Sie fragen, ob
hier jemand nachgeforscht hat. Sowohl die Bundestagsrede als auch der Beschluß
waren das Hauptthema eines längeren Artikels in der "Washington Post" am folgenden Tag

und in der "New York Times" - zwei Zeitungen, die man, wie ich

annehme, hier in der Botschaft liest - und obwohl das zwar nicht die amerikanische Presse an sich darstellt, so handelt es sich doch sicherlich um wichtige Zeitungen.
Warum wird das getan, warum wird das gesagt?
ANTWORT: Einfach, weil es so gesagt wurde, und ich habe es Ihnen so dargelegt, wie es gesagt wurde.
FRAGE: Aber über diese Ereignisse wurde in der "Washington Post"
berichtet.
ANTWORT:

Ich glaube, der Hauptpunkt, den der Bundeskanzler hervorzu-

heben suchte - und mit einiger Berechtigung -, ist der, daß es eine bestimmte
Tendenz gibt - und ich schreibe diese nicht der Presse allein zu; ich schreibe
sie jenen zu, die zur Presse sprechen, jenen, die sich sehr stark bezüglich
der Lage in Polen engagiert haben und die besorgt sind - und es gibt bei uns
gelegentlich gewisse

masochistische Tendenzen, die Ereignisse in Polen dem

- 13 -

�Polen dem Versagen des Westens zuzuschreiben. Die fundamentale Realität Polens
ist das Versagen des marxistisch-leninistischen Systems. Und wenn wir das in
ein Versagen des westlichen Systems umfunktionieren, dann wäre dies ein Mißbrauch unserer eigenen gemeinsamen Interessen - und auch irgendeine falsche
Darstellung der Realität - und ich möchte damit nicht sagen, daß es hier Meinungsverschiedenheiten gegeben hätte. Es hat immer unerwartete oder nicht vorgesehene internationale Ereignisse gegeben, und ich reihe dies nicht einmal in
diese Kategorie ein, weil wir seit langem gegenseitige Konsultationen bezüglich
der Möglichkeit einer Krise in Polen geführt haben, ganz bestimmt während des
vergangenen Jahres.
Verstehen Sie bitte nicht falsch, was ich gesagt habe, oder was nach meinen Worten der Bundeskanzler seinerseits gesagt hat. Der Punkt ist, daß er
glaubt - und,|rie ich meine,mit Berechtigung - daß er bereits früh zu der Polenkrise - sechs Tage, nachdem die Krise eintrat - einen ziemlich festen Standpunkt
eingenommen habe

und daß er einer der ersten westlichen Staatsmänner gewesen

sei, die ihre Stimme erhoben. Er war vielleicht ein bißchen empfindlich - wie
ich es an seiner Stelle auch gewesen wäre - gegenüber viel Kritik, daß er keine
feste Haltung eingenommen habe.
Mag das nun sein, wie es mag, darum geht es nicht. Heute geht es darum:
"Wo stehen wir heute?" Und wir stehen heute, wie es in der gestern veröffentlichten gemeinsamen Erklärung niedergelegt ist, an einem Punkt, der, wie ich
meine, in der Polenfrage ein hohes Maß an Einigkeit zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland erkennen läßt.
FRAGE: Wenn das marxistisch-leninistische System, wie Sie es jetzt sagen,
ein solcher Fehlschlag ist, warum bieten die Vereinigten Staaten die Aussicht
auf Hilfe, wenn sich die Dinge bessern?
ANTWORT: Ich glaube,es ist außerordentlich wichtig zu erkennen, daß es in
den westlichen Gesellschaften Werte gibt, die nicht beiseite geschoben werden

- 14 -

�geschoben werden können selbst im Zusammenhang mit fundamentalen Interessen.
Und einer dieser Werte ist, Menschen, die vor Hunger und Elend stehen, zu
helfen, und in diesem Zusammenhang sprechen wir davon, daß solche Hilfe von
Bedingungen in verschiedener Hinsicht abhängig gemacht werden sollte - wobei
eine

der Bedingungen in diesem Zusammenhang ist, daß sichergestellt sein muß,

daß die Hilfe die Bevölkerung erreicht und nicht zu einem Hilfsmittel weiterer
Unterdrückung durch die Regierung wird, und zweitens, daß sichergestellt sein
muß, daß es ein Beitrag ist zu dem Prozeß oder zu dem Ergebnis, das wir im
Sinne der Aufrechterhaltung der Freiheit der Solidarität, des Einflusses und
der Autonomie der Kirche und einer Versöhnung anstreben, von der wir hoffen,
daß sie den Prozeß der inneren Erneuerung Polens fortsetzen wird.
FRAGE: Herr Minister, bedeutet der zweite Absatz auf Seite drei der gemeinsamen Erklärung, daß Westdeutschland trotz der amerikanischen Einwendungen an
dem Röhrenprojekt mit Rußland festhalten wird?
ANTWORT: Nun, wie Sie wissen, haben die Regierungen, um die es geht, bisher in dieser im wesentlichen privatwirtschaftlichen Unternehmung keine Einwände gegen eine Fortsetzung des Projekts gemacht. Ich mache kein Geheimnis
aus der Tatsache, daß die amerikanische Regierung dieses Projekt mit großer
Skepsis und Besorgnis betrachtet. Wir haben diese Besorgnis wiederholt zum
Ausdruck gebracht. Wir haben andere Alternativen vorgeschlagen - die bisher
nicht sehr überzeugt haben - und wir werden uns weiterhin bezüglich unserer
Besorgnisse über diese Rohrleitung konsultieren.

- 15 -

�13. Januar 1982

WALTER J. STOESSEL, JR. WIRD STELLVERTRETENDER AUSSENMINISTER

WASHINGTON •• (AD) - Das Weiße Haus gab am 8. Januar 1982 bekannt, daß
Walter J. Stoessel, Jr., bisher Staatssekretär für politische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium, zum Nachfolger des bisherigen Stellvertretenden Außenministers, William Clark, ernannt wird, der seinerseits von Präsident Reagan ersucht wurde, als Sicherheitsberater die Nachfolge des aus dem
Amt scheidenden Richard Allen anzutreten.

Die Ernennung Walter Stoessels

muß noch vom Senat bestätigt werden.
Der Berufsdiplomat Walter Stoessel war von 1976 bis Anfang 1981 Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland,
nachdem er von Januar 1974 bis September 1976 sein Land in Moskau vertreten
hatte.
Am 24. Januar 1920 in Manhattan im Staate Kansas geboren, erwarb Stoessel
1941 an der Stanford University in Kalifornien den Grad eines Bachelor of Arts
und trat im darauffolgenden Jahr in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten
Staaten ein. Er erhielt nach kurzer Einweisung seine erste Auslandsberufung
nach Caracas, Venezuela. Der Zweite Weltkrieg unterbrach seine Diplomatenlaufbahn vorübergehend.

Von 1944 bis 1946 leistete er Kriegs- und Wehrdienst

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�und Wehrdienst bei der US-Marine.
Nach Kriegsende und dem Ausscheiden aus der Marine kehrte Stoessel in
das Außenministerium zurück, das ihn 1947 für zwei Jahre nach Moskau entsandte, wo er zunächst das Konsulat leitete und später in der Politischen Abteilung
der Botschaft arbeitete.

Im Anschluß an die Moskauer Tätigkeit studierte er

von 1949 bis 1950 am Russischen Institut der New Yorker-Columbia-Universität.
Die Jahre 1950 bis 1952 leitete er ein politisches Ressort bei der Amerikanischen Hochkommission für Deutschland in Bad Nauheim.

Im weiteren Verlauf

des letzteren Jahres übernahm er die Leitung des Rußland-Büros in der Zentrale
in Washington - eine Funktion, die er bis zu seiner Abstellung als Referent
des außenpolitischen Beraters des Präsidenten im Jahr 1956 ausübte.
Noch im gleichen Jahr erfolgte jedoch Stoessels Versetzung an die Botschaft in Paris, an der er bis 1959 in der Politischen Abteilung tätig war.
Anschließend erhielt er Gelegenheit, sein politisches Wissen am Institut für
Außenpolitische Fragen der Harvard-Universtität (Harvard Center for International Affairs) weiter zu vertiefen. Von Harvard zurück, stand er 1960 bis
1961 an der Spitze des Exekutivsekretariats des State Department.

Im Jahr

1961 wurde Stoessel dem Hauptquartier der Alliierten Oberbefehlshabers in
Europa (SHAPE) in Paris als politischer Berater zugeteilt.
Von dort aus ging Stoessel 1963 als Gesandter und stellvertretender
Missionschef an die amerikanische Botschaft in Moskau. Zwei Jahre darauf,
1965, wurde Stoessel zum Stellvertretenden und 1972 - nach fast vierjährigem
Wirken als Botschafter in Polen von 1969 bis 1972 - zum Unterstaatssekretär
für Europäische Angelegenheiten und Leiter der Europa-Abteilung im US-Außenministerium berufen. Im Januar 1974 schließlich kehrte er wiederum nach Moskau
zurück, um das Amt des Botschafters der Vereinigten Staaten in der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken zu übernehmen - den letzten Posten vor seiner
Berufung nach Bonn, wo er am 20. Oktober 1976 die Nachfolge von Botschafter
Martin J. Hillenbrand antrat.
+ + + + +
- 2 -

�13. Januar 1982

DOKUMENTATION DER SOWJETISCHEN EINMISCHUNG IN POLEN

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat eine Chronologie über die direkte und indirekte Einmischung der Sowjets in die Polenkrise veröffentlicht. Die Chronologie enthält die wichtigsten Ereignisse in
der Entwicklung der Krise in Polen wählend der 18 Monate vom Juli 1980 bis
Ende Dezember 1981. Sie hat folgenden Wortlaut:
Chronologie der öffentlichen sowjetischen Einmischung und der indirekten
Einmischung der Sowjets in die Polenkrise.
Juli 1980 - November 1981
Juli
2.

Arbeiter protestieren gegen eine Erhöhung der Fleischpreise.

August
14.

Die Unruhe unter den Arbeitern wächst.

In Danzig treten mehr als 50 000

Arbeiter in den Streik.
15.

TASS gibt Manöver der Warschauer-Pakt-Truppen an der Ostsee und in der
DDR bekannt.

20.

Die UdSSR beginnt wieder mit Störungen von Sendungen der Stimme Amerikas
und anderer westlicher Sender.
27. In der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�27.

In der ersten Kritik, die die Sowjets direkt an den streikenden Polen
üben, beschuldigt TASS "anti-sozialistische Kräfte" des Versuchs, "den
Sozialismus in Polen zu unterminieren" und es "von dem Weg, den es gewählt hat" abzubringen, "... der die lebenswichtigen Interessen des
ganzen polnischen Volkes verkörpert."

September
1.

In dem von "Petrow" verfaßten Leitartikel kritisiert die Prawda die polnische Lösung. Sie erwähnt mit keinem Wort ein Abkommen oder die Zulassung freier Gewerkschaften, und weist statt dessen die "politischen"
Forderungen "anti-sozialistischer

Elemente" entschieden zurück, die

dem Sozialismus "direkten Schaden" zufügten und die entscheidende Verbindung zwischen Partei und Arbeiterklasse "verletzten".

Sie erinnert

Polen an seine Verpflichtungen gegenüber dem Warschauer Pakt und dem RGW.
Die Iswestija greift außerdem die Dissidenten Jacek Huron und Adam
Michnik an.
2.

TASS und das Moskauer Fernsehen kritisieren Carters und Reagans Ansprachen zum amerikanischen

Tag der Arbeit, weil sie sich in die inne-

ren Angelegenheiten Polens einmischten; sie kritisieren außerdem, daß
im Westen Geld zur Unterminierung des polnischen Sozialismus gesammelt
würde.
8.

Rund 40 000 Mann starke Truppen des Warschauer Pakts beginnen ein viertägiges Manöver in der DDR.

10.

Der Stellvertretende Ministerpräsident Polens, Jagielski, leitet eine
Regierungsdelegation von Wirtschaftsexperten bei einem zweitägigen Besuch in Moskau und trifft mit dem Chefideologen des Kreml, Suslow, und
anderen maßgeblichen Vertretern der Regierung zusammen.

18.

Ein Bericht von William Beecker im Boston Globe (den der Washington Star
am 19. September veröffentlicht) deutet an, daß westliche Nachrichtendienste in den letzten Tagen Zeichen für ungewöhnlich starke militärische
Aktivitäten in der DDR und der UdSSR erkennen konnten, die an eine mögliche Invasion in Polen denken lassen oder an eine symbolische Machtdemonstration zu Einschüchterungszwecken.
19. In einem

�19.

In einem weiteren Artikel von "Petrow" warnt die Prawda den Westen in
gebieterischem Ton vor einer Einmischung

25.

in polnische Angelegenheiten.

Die Prawda druckt eine "Buchrezension", in der Lenins scharfe Kritik an
jeglicher "Arbeiteropposition" in einem sozialistischen Land zitiert
wird, die er als "anarchischen Syndikalismus" bezeichnet, welcher "die
führende Rolle der Partei" bedrohe.

Oktober
7.

Die täglich erscheinende Moskauer Gewerkschaftszeitung Trud behauptet
in einer Meldung aus Danzig, daß es Versuche gegeben habe, die offiziellen polnischen Gewerkschaften zu diskreditieren und warnt vor dem
"ernst

Charakter" der Versuche, Gewerkschaftsreformen eine "anti-sozia-

listische Tendenz" zu verleihen.
30.

Der polnische Parteivorsitzende Kania und Ministerpräsident Pinkowski
statten Moskau einen überraschenden "Arbeitsbesuch" zu Gesprächen mit
Breschnew und anderen sowjetischen Führern ab. Das Kommunique erwähnt
Kania nicht persönlich, aber das Vertrauen in die polnische Partei wird
ausgedrückt.
Die DDR unterbindet "vorübergehend" den visafreien Verkehr zwischen der
DDR und Polen, bis laut Nachrichtenagentur der DDR eine"fortschreitende
Stabilisierung" in Polen eingetreten sei.

November
8.

Radio Warschau berichtet, daß Einheiten der polnischen Armee und der Nördlichen Sowjetischen Streitkräfte Manöver in Polen durchführen.

Das

Warschauer Fernsehen sendet darüber einen Dokumentarfilm.
24.

Der für Rundfunk und Fernsehen verantwortliche Abteilungsleiter des
Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, Josef Klasa, behauptet in
einem Interview mit der New York Times, dem Figaro und der Londoner
Financial Times, daß der Solidarität nahestehende "Elemente" auf die wirtschaftliche Anarchie hinarbeiteten und daß die Solidarität sich politischen Zielen verschreiben wolle und ihre Forderungen ins Unermeßliche
stiegen.

Er behauptet, daß Kania Walesa während eines Treffens vor zwei

- 3 -

�vor zwei Wochen gesagt habe, daß eine Konfrontation zwischen der Partei
und der Solidarität eine Katastrophe bedeute und daß die Sowjets Gründe
zur Besorgnis hätten.
Eine TASS-Meldung aus Warschau warnt davor, daß ein angedrohter Eisenbahner-Streik in Polen "die Interessen der Nation und der der Verteidigung Polens berühren könnten" und beschuldigt den Dachverband von Solidarität des Versuches, "die angespannte Lage im Land aufrechtzuerhalten.
25.

"Tribuna Ludu" erklärt (offensichtlich als Antwort auf die Besorgnis seitens der Sowjets), daß es Probleme in der Arbeiterschaft "niemals unmöglich machen würden, daß Polen seinen Export- und Transitverpflichtungen
nachkomme."

27.

In ihrem bisher stärksten Angriff behauptet "Rüde Prawo", daß es für die
Aktivitäten der Solidarität Grenzen gäbe und zieht eine bedeutungsschwere Parallele zum Aufstand von 1968 in der Tschechoslowakei, der mit einer
Invasion des Warschauer Paktes niedergeschlagen wurde.
;

Dezember 1980
1. - Presseberichte über Truppenbewegungen der Sowjets in westlichen Militär5.
gebieten und über eine beträchtliche Mobilisierung von Reserven deuten
auf eine verstärkte militärische Bereitschaft hin.
Die während des Höhepunktes der Arbeiterunruhen im Sommer eingezogenen
sowjetischen Reservisten bleiben weiterhin in Bereitschaft.
3.
Ein offizieller Sprecher der Partei erklärt auf einer Pressekonferenz,
daß polnische Kommunisten "das Recht und die Pflicht" hätten, um sowjetische Unterstützung zu bitten, wenn der Sozialismus in Gefahr sei.
4.
Ein sowjetischer Sprecher des Außenministeriums behauptet, daß die Erklärungen des Westens zu Polen die Situation verschlimmerten; in einem
sowjetischen Fernsehkommentar werden Präsident Carter und andere amerikanische Beiamte der psychologischen Kriegsführung gegen die polnische Regierung bezichtigt.
5.
Auf einem Sonder-Gipfeltreffen in Moskau tringendie Warschauer-Pakt-Staaten ihr Vertrauen darin zum Ausdruck, daß Polen in der Lage sein werde,
seine derzeitigen Probleme zu überwinden und verpflichten sich der festen
brüderlichen Solidarität und Unterstützung" für Polen, das "immer ein

�"immer ein sozialistisches Land war, ist und sein wird."
7.

In einer Erklärung des Weißen Hauses heißt es:

"Die Vorbereitungen für

eine mögliche Invasion in Polen scheinen abgeschlossen."
8.

Die polnische Nachrichtenagentur Interpress und der örtliche Solidaritätsverband in Kielce dementieren einen TASS-Bericht, demzufolge "konterrevolutionäre Gruppen" innerhalb der Solidarität des Elektrizitätswerkes Iskra
in Kielce offizielle Gewerkschaftsvertreter ihres Amtes enthoben hätten
und diese durch Personen ersetzt hätten, "die sich offen zu ihrer AntiHaltung gegen die Regierung bekennen."
(Medien in der Tschechoslowakei, der DDR und Bulgarien hatten Meldungen
ähnlichen Inhalts gebracht.) Zu beachten ist, daß es sich hier um einen
vorsätzlich gefälschten TASS-Bericht handelt, der nach den polnischen
Dementis in der sowjetischen Presse nicht erschien. Er stellte eine Warnung dar, der ähnliche Falschmeldungen ins Gedächtnis ruft, die einen
Teil der Vorbereitungen der Sowjets für den Einmarsch von 1968 in die
Tschechoslowakei ausmachten.)

18.

Die Prawda wirft der NATO vor, sie enthalte der polnischen Führung das
Recht vor, sich an Verbündete zu wenden, und sie um Hilfe bei der Beilegung der Krise zu bitten.

25. -Außenminister Czirek macht einen "offiziellen, freundschaftlichen Besuch"
26.

in Moskau, wo er mit Breschnew und Gromyko zusammentrifft.

Er versichert,

daß Polen "ein sozialistisches Land war, ist und bleiben wird, eine
feste Bindung in der gemeinsamen Familie sozialistischer Staaten."
6.

Die Polnisch-Sowjetische Freundschaftsgesellschaft ruft ihre Mitglieder
dazu auf, "die politischen Kräfte zu bekämpfen, die versuchen, die Erneuerung in einen... anti-sowjetischen Trend umzukehren."

13.

Der Oberbefehlshaber des Warschauer Paktes, Viktor Kulikow, stattet
Warschau einen überraschenden Besuch ab, und trifft mit Kania und polnischen Verteidigungsexperten zusammen.

Der Vorsitzende der Polnisch-

Sowjetischen Freundschaftsgesellschaft trifft in Moskau ein.
14.- Eine Delegation unter der Leitung von Leonik Samjatin, dem Leiter der
21.

Internationalen Informationsabteilung des Zentralkomitees der KPdSU
trifft sich mit Redaktionen polnischer Medien und bringt sein Mißfallen
- 5 -

�sein Mißfallen über die polnische Berichterstattung über die Entwicklung
seit August zum Ausdruck.
23.

"Krasnaja Swesda" berichtet über jüngste Truppenübungen, die sowjetische
und polnische Streitkräfte gemeinsam in Polen durchführen, es werden jedoch keine genaueren Orts- oder Zeitangaben gemacht.

Polnische Militärs

bestreiten, daß Übungen stattfinden.
28.

"Kraspaja Swesda" wirft der NATO vor, Polen vom Warschauer Pakt lösen
zu wollen.

29.

In der polnischen Regierungserklärung wird so gut wie offen mit der
Ausrufung des Notstandes oder des Kriegsrechts gedroht.

Zur selben Zeit

meldet TASS aus Warschau, daß oppositionelle anti-sozialistische Kräfte
seit dem 24. Januar in Polen aktiver geworden seien und daß Solidarität
"nach rechts abrückt und die Bemühungen des PZPR des Zentralkomitees und
der polnischen Regierung zur Normalisierung der Situation und zur Wahrung der wichtigen Interessen des Volkes ablehnt."

Führer und extremisti-

sche Elemente von Solidarität bedienten sich angeblich der Erpressung,
der Provokation und der physischen Gewalt, und sie stellten

immer mehr

politische Forderungen und trieben Solidarität somit in die Opposition
zu staatlichen und parteilichen Behörden.
Februar
2.
Laut TASS erwarten viele Polen, daß "Maßnahmen ergriffen werden", um
8.10.
17.
23.
24.

die Konterrevolution zu stoppen.
Pentagon und Nachrichtendienste melden, daß die im Dezember wegen der
Krise alarmierten sowjetischen Truppen (insgesamt 26 Divisionen) nach
wie vor in höchster Alarmbereitschaft an der polnischen Grenze stehen.
Jaruzelski trifft die Botschafter der Sowjetunion und des Warschauer
Paktes in Polen.
Breschnew spricht vor dem Kongreß der KPdSU und erreicht die Annahme
der Breschnew-Doktrin.
Kania sagt vor dem Parteitag der KPdSU, daß die polnische Führung willens
und in der Lage sei, "eine Konterrevolution in Polen zu verhindern."
Er fügt hinzu, daß die Lage in und um Polen in direktem Zusammenhang mit
der Sicherheit aller sozialistischen Staaten steht. Die sozialistische

�Die sozialistische Gemeinschaft ist unauflösbar, und ihre Verteidigung
ist nicht nur die Angelegenheit eines jeden Staates, sondern auch des
gesamten Bündnisses."
24.- Massivste Angriffskampagne sowjetischer Medien, die in der Behauptung
28.

gipfelt, daß Solidarität Radiostationen übernommen, Autobahnen blockiert
und andere illegale Maßnahmen getroffen habe, um die Machtübernahme
vorzubereiten.

März
4.

Kania, Jaruzelski und andere Mitglieder der polnischen Führung halten
in Moskau Gespräche mit Breschnew und anderen maßgeblichen Mitgliedern
des sowjetischen Politbüros ab.

Im Kommunique heißt es, die Sowjets er-

warteten von den Polen, daß sie "den Lauf der Dinge abwenden."

Weiter-

hin wird die Verteidigung des Sozialismus als eine Angelegenheit des "gesamten sozialistischen Bündnisses" bezeichnet.
5.

Die UdSSR gibt bekannt, daß für März Manöver der Warschauer Pakt-Truppen
geplant sind, die sich von der polnisch-tschechischen Grenze bis zum
Norden an der Ostsee hinziehen sollen.

19.

Der Stellvertretende Ministerpräsident Rakowski teilt Führern der
Solidarität mit, daß die Übung "Sojus-81" der Warschauer-Pakt-Truppen
wegen der"Situation in Polen" verlängert wird.

Er warnt Solidarität da-

vor, daß ihre Tätigkeit sowjetische Panzer in das Land bringen könnte.
29.

Die Minister Haig und Weinberger beschreiben den "erhöhten Stand der Bereitschaft" der in der Nähe von Polen stationierten sowjetischen Truppen.

April
2.-

Die westliche Presse bringt mehr Berichte über die militärischen Bewe-

3.

gungen in und um Polen.

Während dessen erscheint ein sowjetischer Zei-

tungskommentar, der eine mögliche Aktion der Sowjets rechtfertigen soll.
6.

Präsident Husak bestätigt das Recht des Warschauer Pakts,

einzugreifen,

um das sozialistische System Polens aufrecht zu erhalten.
7.

Militärische Aktivitäten, Verstärkung der sowjetischen Truppen nahe
Polens, Errichtung eines sowjetischen Fernmelde-

und Kommandosystems

und von Versorgungslagern in Polen.
9.

Am 3. März

�9.

Am 3. März werden Hubschrauber, Flugzeuge, Piloten und Techniker in die
militärischen Hauptquartiere der Sowjets in Südwest-Polen eingeflogen.

10.

In einer Ansprache vor der Sejm plädiert Jaruzelski für eine 2-monatige
Aufhebung des Streikrechts.

Er sagt, daß sich die derzeitige Chance

für Polen, seine Probleme allein zu lösen, "nicht wieder bietet."
10.

Das State Department berichtet, daß die UdSSR sogar noch weitere Transportflugzeuge nach Polen entsandt hat.

11.

Auf dem Parteitag der DDR erklärt Parteichef Honecker, daß Polen "sozialistisch war, ist und bleiben wird."

23.- Der Ideologe des sowjetischen Politbüros, Michail Suslow, trifft uner24.

wartet in Warschau zu Gesprächen mit Mitgliedern des polnischen Politbüros ein. Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet, in den Gesprächen sei die Notwendigkeit betont worden, "die Errungenschaften des
Sozialismus zu bewahren."

25.

TASS greift "revisionistische Elemente" innerhalb der polnischen Partei
an; die erste Beschuldigung dieser Art in den sowjetischen Medien, die
verdeutlicht, wie wenig erfolgreich Suslows Besuch war.

Mai
4.

Nach einem Bericht des Solidaritäts-Bulletins vom 29. April, daß sowjetische Truppen am 22. April in Südwest-Polen "gelandet" seien, entdecken
westliche Militärs,daß die sowjetischen Truppen in dieser Region militärische Fernmeldeverbindungen herstellen.

28.

Das Organ der Parteijugend, Sztandar Mlodich, veröffentlicht den Aufruf
eines obskuren "Kattowitzer Parteiforums" zu "entschiedenem Handeln"
der Führung Polens gegen die "Konterrevolution" und den "Revisionismus".
(Obwohl in polnischen Partei kreisen weitestgehend verurteilt, wird der
Aufruf vom tschechischen Radio am 31. Mai, von TASS am 1. Juni und von
der Prawda und vom sowjetischen Fernsehen am 2. Juni übernotamen.

30. Kania und Jaruzelski treffen in Warschau mit dem Oberbefehlshaber der
Warschauer Pakt-Truppen, Marschall Kulikow, in, wie es heißt, "freundlicher" Atmosphäre zusammen.
Juni

- 8 -

�Juni
5.

Die KPdSU sendet einen siebenseitigen "Warnbrief" in bezug auf die
strenge Kritik seitens des Kattowitzer Forums an Kanias Politik; TASS
berichtet lange und positiv über das Forum.

9.-

Das 11. Plenum des Zentralkomitess der polnischen Partei trifft zu Be-

ll,

ratungen über den Brief der KPdSU vom 5. Juni zusammen; es kommt zu
einem offenen Machtkampf zwischen Kania und seinen gemäßigten Gefolgsleuten und den von Moskau unterstützten Linientreuen unter Grabski.
Kania übersteht die Herausforderung, gibt jedoch zu, daß die Besorgnis
der Sowjets über die Entwicklungen in Polen "vollkommen gerechtfertigt"
sei.

14.- Walesa bricht zu einer Kampagne auf, um Solidaritätsverbände davon abzu16.

halten, Konfrontationen zu suchen; sie werden sich vielmehr auf Aktivitäten innerhalb der Gewerkschaft beschränken.

Gleichzeitig wird ein

sowjetisches Kriegsdenkmal enthüllt, was er als eine Provokation rügt,
die die Solidarität mit einbeziehen und die schon angespannte Situation
weiter destabilisieren solle.
20.

Der sowjetische Regierungssprecher Samjatin erklärt im sowjetischen Fernsehen, daß für die polnische Führung "die Zeit für entschiedenes Handeln gekommen ist, um eine nationale Katastrophe abzuwenden."

22.

Die sowjetische Militärzeitung Krasnaja Swesda druckt Marschall Kulikows
Artikel, in dem polnische"konterrevolutionäre Kräfte" verurteilt
werden.

23.

Die Prawda schreibt, daß jede Veränderung des Status in Polen eine entscheidende Verbindung innerhalb des Warschauer Paktes schwächen würde
und eine Bedrohung für das Gleichewicht im Nachkriegseuropa darstelle.
TASS wirft der Solidarität vor, sie versuche, so viele Delegierte wie
möglich in den polnischen Parteikongreß zu entsenden, die den marxis. . tiich-leninistischen Charakter der Partei anzufechten suchten.

25.

Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet über gemeinsame Manöver
der polnischen und sowjetischen Truppen in Schlesien.

29.

Das polnische Fernsehen berichtet, daß die polnisch-sowjetischen Militärübungen auf den Nordwesten der Provinz Pommern ausgedehnt wurden.
30. "Neues
- 9 -

�30.

"Neues Deutschland" berichtet von Militärmanövern in der DDR.

Juli
3.-

Am Vorabend des 9. Kongresses der PZPR konferiert Gromyko mit der pol -

5.

nischen Führung.

3.

Wie aus Moskauer Quellen zu erfahren ist, nehmen sowjetische Truppen
in der Westukraine an der polnischen Grenze eine zweitägige intensive
Übung zur totalen Mobilisierung auf.

7.

Westliche Quellen berichteten, daß die UdSSR eine weitere Militärübung in der Nähe Polens plant.

19.

Breschnew sendet ein kurzes Glückwunschschreiben an Kania zu seiner
Wiederwahl.

Es enthält weder Lob noch eine Vertrauenserklärung in

I

21.

Kanias Führung.
Breschnewund Tichonow senden Glückwunschtelegramme anläßlich des Feiertages zum Bestehen der Volksrepublik Polen. Die Mitteilung beinhaltet,
daß der Parteikongreß "sich die Aufgabe gesetzt hat, die Situation
zu stabilisieren" und daß die polnische Partei "in der Lage-ist, das
gesamte arbeitende Volk zusammenzuhalten... und Anarchie und Konterrevolution energisch zurückzuschlagen."

August
13.

Die Sowjetunion gibt bekannt, daß sie von 4. bis 12. September

umfangreichere Land- und Seemanöver im Westen der UdSSR abhalten werde.
14.- Die polnischen Führer Kania und Jaruzelski fliegen zu einem "kurzen Ar15. beitsbersuch" mit Breschnew und anderen hochgestellten sowjetischen
Führern auf die Krim.
September
4.12.

In der UdSSR findet die Militärübung "Sapad-'81" statt.

8.

Verteidigungsminister Ustinow sowie die Verteidigungsminister der
Warschauer Pakt-Staaten, Kubas, der Mongolei, und Vietnams nehmen an
der Übung "Sapad-'81" in der UdSSR teil.
10. Die polnische
- 10 -

�10.

Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet, daß Kania den sowjetischen
Botschafter Aristow empfängt, der, wie angenommen wird, Kania einen warnenden Brief des Kreml überreicht, (siehe 17. September)

17.

Nach der Meldung, daß der sowjetische Botschafter Aristow von den Staatschefs Kania und Jaruzelski empfangen wurde, enthüllt die polnische Nachrichtenagentur PAP, daß die sowjetische Führung Warschau in einem Schreibin daran erinnert, daß "das Ausmaß an Anti-Sowjetismus in Polen...
gefährlich gestiegen "sei und fordert die Ergreifung resoluter Maßnahmen
gegen derlei Aktivitäten.

22.

Der sowjetische General Gibkow, Generalstabschef der Vereinigten Streitkräfte des Warschauer Paktes, trifft den polnischen Ministerpräsidenten
Jaruzelski, um "Probleme der Ausbildung und Kampfbereitschaft der abkommandierten (polnischen) Truppen, die einen Teil der Vereinigten Streitkräfte darstellen", zu erörtern.

22.- Der Stellvertretende sowjetische Ministerpräsident und Chefplaner
26.

Bajbakow erörterte in Warschau polnisch-sowjetische Wirtschaftsbeziehungen, während Gerüchte umgehen, daß die Sowjets erwägen, Warschau mit
wirtschaftlichen Sanktionen zu* Raison zu bringen.

23.

Am Vorabend der zweiten Sitzung des Solidaritäts-Kongresses (26. September) kritisiert TASS die polnische Führung, weil diese nichts gegen die
Gewerkschaftsführer unternimmt und die, wie sie es nennt, Vorbereitungen
für eine Machtübernahme

26.

nicht aufhält.

TASS kritisiert indirekt die polnische Führung, indem sie einen Aufruf
des linientreuen "Marxistisch-leninistischen Seminars" in Kattowitz verbreitet, wonach Warschau "alle bestehenden Mittel anwenden" soll, um den
Sozialismus zu verteidigen.

Oktober
13.

Die Prawda enthält einen Kommentar von "A. Petrow", der Solidarität kritisiert, weil sie die Zerstörung des polnischen Sozialismus und die
Machtübernahme wolle.

In dem Artikel wird damit gedroht, daß eine Inter-

vention nicht ausgeschlossen ist.
14.

In einer Ansprache betont Suslnw, daß "imperialistische" Versuche zur
Schwächung des polnischen Soz.iolismus durch offene und verdeckte Unter- 11 -

�verdeckte Unterstützung der "konterrevolutionären" Kräfte unternommen
werden.

Er versichert Polen der "brüderlichen Solidarität und Unter-

stützung der Sowjetunion und anderer Mitglieder des Warschauer Paktes."
Ministerpräsident Jaruzelski wird Nachfolger von Kania als Chef der
Kommunistischen Partei.
November
27.- Der Sechste Parteitag in Polen nimmt eine Resolution an, die die Regie28.

rung dazu ermächtigt, Ermächtigungsgesetze in der Sejm zur Wiederherstellung des sozialen Friedens einzubringen, einschließlich besonderer
Notstandsgesetze.
Anfang November: Pressel4richten zufolge warnen die Sowjets die Polen, daß
die sowjetischellirtschaftshilfe reduziert würde und daß Moskau auf einem
Handelsausgleich ab 1982 bestünde.

Dezember
7.
Die polnische Presse intensiviert ihre Kritik an Solidarität, indem sie
Auszüge von Tonbandaufnahmen von Solidaritätstreffen in Radom veröffentlicht; TASS wiederholt die polnischen Angriffe.
11.

In einer ihrer schärfsten Angriffe seit längerer Zeit bemängelt TASS,
daß konterrevolutionäre Kräfte ihren Kampf gegen die polnische Partei
ausgedehnt haben; sie erwähnt mehrere extreme Aktionen, die "das sowjetische Volk zu Recht verärgern."

13.

Ein weiterer TASS-Bericht greift Solidarität an und unterstellt, daß,
"patriotische Kräfte" zur Einführung militärischer Unterdrückung förmlich eingeladen hätten.

13.

Radio Moskau berichtet von der Verhängung des Kriegsrechts in Polen,
der Verhaftung von "Extremisten" der Solidarität, der Bildung eines
militärischen Regierungsrates und von der Festigung der polnisch-sowjetischen Beziehungen.

14.

Eine TASS-Erklärurig bezeichnet das Kriigsrecht als "reine innere Angelegenheit."
23. Präsident
- 12 -

�23.

Präsident Reagan verurteilt den Druck, den die Sowjets offen und heimlich auf Polen ausüben.

Er gibt außerdem bekannt, daß sich Marschall

Kulikow und andere hohe Offiziere der Roten Armee zum Zeitpunkt der Verhängung des Kriegsrechts in Polen befunden haben und daß die 10 Tage
zuvor angeschlagene Proklamation des Kriegsrechts bereits im Oktober
in Moskau gedruckt worden war.
Ende Dezember.

Ein sowjetischer Dozent behauptet während eines Vortrages

vor der sowjetischen Öffentlichkeit kurz nach der Erklärung des Kriegsrechts, daß das Kriegsrecht bereits seit einem Monat vorbereitet gewesen
sei (d.h. lange vor der Forderung der Solidarität nach freien Wahlen
am 3. Dezember - dem angenommenen Grund für die Verhängung des Kriegsrechts) und daß die Sache "ausgezeichnet angezettelt" worden sei.

- 13 -

�13. Januar 1982

MESQUIT - DER VIELZWECKSTRAUCH AUS DER WÜSTE
Quelle für Nahrung, Stickstoffdünger und Energie
Von G. Weiss

- (AD) - Ein lästiges Unkraut, dem man bisher im Südwesten der Vereinigten
Staaten mit Bulldozern und chemischen Pflanzenvernichtungsmitteln zu Leibe
rückte, könnte in weiten Teilen der Welt große Bedeutung für die Nahrungsproduktion erlangen.

Dies brachten seit zwei Jahren laufende Untersuchungen von

Wissenschaftlern der Universität Kalifornien (Riverside) an Mesquitsträuchern
zutage.

Zusammen mit Kollegen der Washington-Universität in St. Louis be-

fassen sie sich mit der Physiologie und der Fähigkeit zur Stickstoffassimilation einer Vielzahl von Wüstenpflanzen im Rahmen eines Projekts, das von
der "National Science Foundation" (Nationale Forschungsstiftung der USA) gefördert wird.
Beim Mesquitstrauch (aus der Gattung Prosopis) sind nach Ansicht von
Wesley Jarrell und Ross Virginia (Riverside, Kalifornien) die Voraussetzungen
gegeben, um z.B. bei der Kultivierung unfruchtbaren Landes und der Regeneration
ausgelaugter Böden eine wichtige Rolle zu spielen.

Die beiden Forscher wiesen

nach, daß Mesquitpflanzen, die in den Trockengebieten Amerikas, Afrikas und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Afrikas und Südasiens zu Hause sind, den Boden äußerst ergiebig mit Stickstoff
anreichern.

Im Gebiet des Salton-Sees (Südkalifornien) führen sie ihm sogar

so viel zu, daß dadurch der Düngerbedarf für den Anbau von Mais auf fünf Jahre
gedeckt wird.
Die knorrigen, harten Prosopisgewächse, von denen man etwa 25 Arten
kennt, gehören zu den Leguminosen. Ähnlich wie Klee, Lupinen, Erdnußpflanzen,
Alfalfa oder Sojabohnen leben sie mit Wurzelknöllchenbakterien in Symbiose,
die Luftstickstoff in eine für die Pflanze verwertbare Form von Stickstoff umwandeln.

Die im amerikanischen Südwesten und in Mexiko weit verbreiteten

Mesquitarten Prosopis juliflora und Prosopis glandulosa sorgen mit ihren farnähnlichen Blättern, die sie im Herbst abwerfen, für die so wichtige "Gründüngung".

Die dichten Sträucher erreichen etwa 2,5 m Durchmesser.

Mancher-

orts entwickeln sie sich aber auch zu Bäumen, die fast sieben Meter hoch
werden können.

Die bis zu 20 cm langen Hülsenfrüchte sind begehrtes Vieh-

futter in der Region.

Die Hülsenfrüchte der Prosopis pubescens, wegen ihrer

gewundenen Form auch Schraubenbohne genannt, verwenden Indianer und Teile
der Landbevölkerung Mexikos als Nahrung.

Allerdings werden die Bohnen dieser

subtropischen Wüstenpflanze kaum größer als 3,5 cm.

Die nektarhaltigen Blüten-

stände sind übrigens für die Bienen von großer Bedeutung.
Die Wüstenböden Kaliforniens enthalten fast gar keinen Stickstoff; nur
wenig günstiger ist die Lage bei den Böden, die als Farmland, Gemüse- und
Obstplantagen genutzt werden. Der größte Teil des Obstes und Getreides aus
Südkalifornien kommt von künstlich bewässertem und stark mit Kunstdünger angereichertem Wüstenland. Dies aber erfordert, wie Jarrell betont, einen hohen
Aufwand an Kapital und an Energie. Mesquitpflanzen könnten, richtig eingesetzt, "eine neue Art von Agrarwirtschaft schaffen - und zwar eine Agrarwirtschaft auf der Basis perennierender Pflanzen, die sich harten Umweltbedingungen angepaßt haben".
Mesquitpflanzen wachsen auf Böden, wo die Oberflächentemperatur bis auf
60 Grad Celsius ansteigen kann und das verfügbare Wasser in der Erde den Salzgehalt von Meerwasser erreicht. Die jährliche Regenmenge in den betreffenden
- 2 -

�den betreffenden Gebieten beträgt oft nicht mehr als 7,5 cm.

Aber das Wur-

zelwerk reicht z.T. mehr als 18 m in die Tiefe, um Feuchtigkeit aus dem Grundwasser oder der unmittelbar über dem Grundwasserspiegel liegenden Schicht zu
holen.

So sind MesquitpfTanzen auch wichtige Indikatoren zum Auffinden von

Reservoiren mit Grundwasser.

Die Phreatophyten-Pflanzen, die Wasser im Unter-

grund suchen - verdunsten übrigens insgesamt größere Mengen an Wasser, als
Quellen aus dem Boden zutage fördern.
Nach Meinung von Jarrell und Mitarbeitern sollten Mesquitsträucher nicht
nur in ihrer angestammten Heimat, sondern in geeigneten Klimazonen überall
auf der Welt auf Trockenböden, Brach- und Wüstenland angebaut werden.
sie können nicht nur Nahrung, sondern auch Energie liefern.

Denn

Die Forscher-

gruppe schlägt vor, Wurzelknöllchenbakterien der Mesquitpflanzen auf andere
Leguminosen zu überimpfen, um deren Produktivität zu verbessern.

Die Toleranz

von Mesquit gegenüber salzhaltigen Böden ist ein wichtiger Punkt, die Pflanze
zu Regenerationszwecken einzusetzen.
Jahrhundertelang haben Indianer im Südwesten des nordamerikanischen
Kontinents gut sechs der zwölf Monate eines Jahres vom Mesquitstrauch gelebt.
"Sie haben die Hülsen gegessen und vergoren, haben aus den Samen Mehl gewonnen und Brotfladen damit gebacken", sagt Jarrell.

"Sie haben Werkzeuge und

Balken für den Hüttenbau aus dem harten Holz gefertigt und Zweige und Holzabfälle zum Kochen und Heizen genutzt."

Die Hülsen enthalten bis zu 50 Pro-

zent Zucker, die Samen etwa 25 Prozent Eiweiß.
Aus den Hülsen ließe sich Ethylalkohol gewinnen, der für die Herstellung
des Mischkraftstoffs GASOHOL Benzin zugesetzt werden könnte.
von hoher Dichte und besitzt deshalb großen Heizwert.

Das Holz ist

In Mexiko wird es be-

reits regelrecht "geerntet" und als Holzkohle an südkalifornische Restaurants
verkauft.

Und Gummi aus Mesquitsamen findet vielfältige Verwendung in der

Industrie.
+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Polen und die Zukunft Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor der Internationalen Presse in Brüssel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haig-Pressekonferenz zum Besuch von Bundeskanzler Schmidt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter J. Stoessel, Jr. wird Stellvertretender Außenminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dokumentation der sowjetischen Einmischung in Polen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mesquit - der Vielzweckstrauch aus der Wüste&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Quelle für Nahrung, Stickstoffdünger und Energie -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>11. Januar 1982

DOKUMENTATION DER SOWJETISCHEN EINMISCHUNG IN POLEN

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat eine Chronologie über die direkte und indirekte Einmischung der Sowjets in die Polenkrise veröffentlicht.

Die Chronologie enthält die wichtigsten Ereignisse in

der Entwicklung der Krise in Polen wählend der 18 Monate vom Juli 1980 bis
Ende Dezember 1981.

Sie hat folgenden Wortlaut:

Chronologie der öffentlichen sowjetischen Einmischung und der indirekten
Einmischung der Sowjets in die Polenkrise.
Juli 1980 - November 1981
Juli
2.

Arbeiter protestieren gegen eine Erhöhung der Fleischpreise.

August
14.

Die Unruhe unter den Arbeitern wächst.

In Danzig treten mehr als 50 000

Arbeiter in den Streik.
15.

TASS gibt Manöver der Warschauer-Pakt-Truppen an der Ostsee und in der
DDR bekannt.

20.

Die UdSSR beginnt wieder mit Störungen von Sendungen der Stimme Amerikas
und anderer westlicher Sender.
27. In der

�27.

In der ersten Kritik, die die Sowjets direkt an den streikenden Polen
üben, beschuldigt TASS "anti-sozialistische Kräfte" des Versuchs, "den
Sozialismus in Polen zu unterminieren" und es "von dem Weg, den es gewählt hat" abzubringen, "... der die lebenswichtigen Interessen des
ganzen polnischen Volkes verkörpert."

September
1.

In dem von "Petrow" verfaßten Leitartikel kritisiert die Prawda die polnische Lösung. Sie erwähnt mit keinem Wort ein Abkommen oder die Zulassung freier Gewerkschaften, und weist statt dessen die "politischen"
Forderungen "anti-sozialistischer Elemente" entschieden zurück, die
dem Sozialismus "direkten Schaden" zufügten und die entscheidende Verbindung zwischen Partei und Arbeiterklasse "verletzten". Sie erinnert
Polen an seine Verpflichtungen gegenüber dem Warschauer Pakt und dem RGW.
Die Iswestija greift außerdem die Dissidenten Jacek fluron und Adam
Michnik an.

2.

TASS und das Moskauer Fernsehen kritisieren Carters und Reagans Ansprachen zum amerikanischen Tag der Arbeit, weil sie sich in die inneren Angelegenheiten Polens einmischten; sie kritisieren außerdem, daß
im Westen Geld zur Unterminierung des polnischen Sozialismus gesammelt
würde.

8.

Rund 40 000 Mann starke Truppen des Warschauer Pakts beginnen ein viertägiges Manöver in der DDR.

10.

Der Stellvertretende Ministerpräsident Polens, Jagielski, leitet eine
Regierungsdelegation von Wirtschaftsexperten bei einem zweitägigen Besuch in Moskau und trifft mit dem Chefideologen des Kreml, Suslow, und
anderen maßgeblichen Vertretern der Regierung zusammen.

18.

Ein Bericht von William Beecker im Boston Globe (den der Washington Star
am 19. September veröffentlicht) deutet an, daß westliche Nachrichtendienste in den letzten Tagen Zeichen für ungewöhnlich starke militärische
Aktivitäten in der DDR und der UdSSR erkennen konnten, die an eine mögliche Invasion in Polen denken lassen oder an eine symbolische Machtdemonstration zu Einschüchterungszwecken.
19. In einem

�19.

In einem weiteren Artikel von "Petrow" warnt die Prawda den Westen in
gebieterischem Ton vor einer Einmischung

25.

in polnische Angelegenheiten.

Die Prawda druckt eine "Buchrezension", in der Lenins scharfe Kritik an
jeglicher "Arbeiteropposition" in einem sozialistischen Land zitiert
wird, die er als "anarchischen Syndikalismus" bezeichnet, welcher "die
führende Rolle der Partei" bedrohe.

Oktober
7.

Die täglich erscheinende Moskauer Gewerkschaftszeitung Trud behauptet
in einer Meldung aus Danzig, daß es Versuche gegeben habe, die offiziellen polnischen Gewerkschaften zu diskreditieren und warnt vor dem
"ernst

Charakter" der Versuche, Gewerkschaftsreformen eine "anti-sozia-

listische Tendenz" zu verleihen.
30.

Der polnische Parteivorsitzende Kania und Ministerpräsident Pinkowski
statten Moskau einen überraschenden "Arbeitsbesuch" zu Gesprächen mit
Breschnew und anderen sowjetischen Führern ab.

Das Kommunique erwähnt

Kania nicht persönlich, aber das Vertrauen in die polnische Partei wird
ausgedrückt.
Die DDR unterbindet "vorübergehend" den visafreien Verkehr zwischen der
DDR und Polen, bis laut Nachrichtenagentur der DDR eine"fortschreitende
Stabilisierung" in Polen eingetreten sei.
November
8.

Radio Warschau berichtet, daß Einheiten der polnischen Armee und der Nördlichen Sowjetischen Streitkräfte Manöver in Polen durchführen.

Das

Warschauer Fernsehen sendet darüber einen Dokumentarfilm.
24.

Der für Rundfunk und Fernsehen verantwortliche Abteilungsleiter des
Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, Josef Klasa, behauptet in
einem Interview mit der New York Times, dem Figaro und der Londoner
Financial Times, daß der Solidarität nahestehende "Elemente" auf die wirtschaftliche Anarchie hinarbeiteten und daß die Solidarität sich politischen Zielen verschreiben wolle und ihre Forderungen ins Unermeßliche
stiegen.

Er behauptet, daß Kania Walesa während eines Treffens vor zwei

- 3 -

�vor zwei Wochen gesagt habe, daß eine Konfrontation zwischen der Partei
und der Solidarität eine Katastrophe bedeute und daß die Sowjets Gründe
zur Besorgnis hätten.
Eine TASS-Meldung aus Warschau warnt davor, daß ein angedrohter Eisenbahner-Streik in Polen "die Interessen der Nation und der der Verteidigung Polens berühren könnten" und beschuldigt den Dachverband von Solidarität des Versuches, "die angespannte Lage im Land aufrechtzuerhalten."
25.

"Tribuna Ludu" erklärt (offensichtlich als Antwort auf die Besorgnis seitens der Sowjets), daß es Probleme in der Arbeiterschaft "niemals unmöglich machen würden, daß Polen seinen Export- und Transitverpflichtungen
nachkomme."

27.

In ihrem bisher stärksten Angriff behauptet "Rüde Prawo", daß es für die
Aktivitäten der Solidarität Grenzen gäbe und zieht eine bedeutungsschwere Parallele zum Aufstand von 1968 in der Tschechoslowakei, der mit einer
Invasion des Warschauer Paktes niedergeschlagen wurde.

Dezember 1980
1. - Presseberichte über Truppenbewegungen der Sowjets in westlichen Militär5.

gebieten und über eine beträchtliche Mobilisierung von Reserven deuten
auf eine verstärkte militärische Bereitschaft hin.
Die während des Höhepunktes der Arbeiterunruhen im Sommer eingezogenen
sowjetischen Reservisten bleiben weiterhin in Bereitschaft.

3.

Ein offizieller Sprecher der Partei erklärt auf einer Pressekonferenz,
daß polnische Kommunisten "das Recht und die Pflicht" hätten, um sowjetische Unterstützung zu bitten, wenn der Sozialismus in Gefahr sei.

4.

Ein sowjetischer Sprecher des Außenministeriums behauptet, daß die Erklärungen des Westens zu Polen die Situation verschlimmerten; in einem
sowjetischen Fernsehkommentar werden Präsident Carter und andere amerikanische Beamte der psychologischen Kriegsführung gegen die polnische Regierung bezichtigt.

5.

Auf einem Sonder-Gipfeltreffen in Moskau Iringendie Warschauer-Pakt-Staaten ihr Vertrauen darin zum Ausdruck, daß Polen in der Lage sein werde,
seine derzeitigen Probleme zu überwinden und verpflichten sich der "festen
brüderlichen Solidarität und Unterstützung" für Polen, das "immer ein
4 -

�"immer ein sozialistisches Land war, ist und sein wird."
7.

In einer Erklärung des Weißen Hauses heißt es:

"Die Vorbereitungen für

eine mögliche Invasion in Polen scheinen abgeschlossen."
8.

Die polnische Nachrichtenagentur Interpress und der örtliche Solidaritätsverband in Kielce dementieren einen TASS-Bericht, demzufolge "konterrevolutionäre Gruppen" innerhalb der Solidarität des Elektrizitätswerkes Iskra
in Kielce offizielle Gewerkschaftsvertreter ihres Amtes enthoben hätten
und diese durch Personen ersetzt hätten, "die sich offen zu ihrer AntiHaltung gegen die Regierung bekennen."
(Medien in der Tschechoslowakei, der DDR und Bulqarien hatten Meldungen
ähnlichen Inhalts gebracht.)

Zu beachten ist, daß es sich hier um einen

vorsätzlich gefälschten TASS-Bericht handelt, der nach den polnischen
Dementis in der sowjetischen Presse nicht erschien.

Er stellte eine War-

nung dar, der ähnliche Falschmeldungen ins Gedächtnis ruft, die einen
Teil der Vorbereitungen der Sowjets für den Einmarsch von 1968 in die
Tschechoslowakei ausmachten.)
18.

Die Prawda wirft der NATO vor, sie enthalte der polnischen Führung das
Recht vor, sich an Verbündete zu wenden, und sie um Hilfe bei der Beilegung der Krise zu bitten.

25. -Außenminister Czirek macht einen "offiziellen, freundschaftlichen Besuch"
26.

in Moskau, wo er mit Breschnew und Gromyko zusammentrifft.

Er versichert,

daß Polen "ein sozialistisches Land war, ist und bleiben wird, eine
feste Bindung in der gemeinsamen Familie sozialistischer Staaten."
6.

Die Polnisch-Sowjetische Freundschaftsgesellschaft ruft ihre Mitglieder
dazu auf, "die politischen Kräfte zu bekämpfen, die versuchen, die Erneuerung in einen... anti-sowjetischen Trend umzukehren."

13.

Der Oberbefehlshaber des Warschauer Paktes, Viktor Kulikow, stattet
Warschau einen überraschenden Besuch ab, und trifft mit Kania und polnischen Verteidigungsexperten zusammen.

Der Vorsitzende der Polnisch-

Sowjetischen Freundschaftsgesellschaft trifft in Moskau ein.
14.- Eine Delegation unter der Leitung von Leonik Samjatin, dem Leiter der
21.

Internationalen Informationsabteilung des Zentralkomitees der KPdSU
trifft sich mit Redaktionen polnischer Medien und bringt sein Mißfallen

- 5 -

�23.

28.
29.

sein Mißfallen über die polnische Berichterstattung über die Entwicklung
seit August zum Ausdruck.
"Krasnaja Swesda" berichtet über jüngste Truppenübungen, die sowjetische
und polnische Streitkräfte gemeinsam in Polen durchführen, es werden jedoch keine genaueren Orts- oder Zeitangaben gemacht. Polnische Militärs
bestreiten, daß Übungen stattfinden.
"Kraspaja Swesda" wirft der NATO vor, Polen vom Warschauer Pakt lösen
zu wollen.
In der polnischen Regierungserklärung wird so gut wie offen mit der
Ausrufung des Notstandes oder des Kriegsrechts gedroht. Zur selben Zeit
meldet TASS aus Warschau, daß oppositionelle anti-sozialistische Kräfte
seit dem 24. Januar in Polen aktiver geworden seien und daß Solidarität
"nach rechts abrückt und die Bemühungen des PZPR des Zentralkomitees und
der polnischen Regierung zur Normalisierung der Situation und zur Wahrung der wichtigen Interessen des Volkes ablehnt." Führer und extremistische Elemente von Solidarität bedienten sich angeblich der Erpressung,
der Provokation und der physischen Gewalt, und sie stellten immer mehr
politische Forderungen und trieben Solidarität somit in die Opposition
zu staatlichen und parteilichen Behörden.

Februar
2.
Laut TASS erwarten viele Polen, daß "Maßnahmen ergriffen werden", um
die Konterrevolution zu stoppen.
8.- Pentagon und Nachrichtendienste melden, daß die im Dezember wegen der
10. Krise alarmierten sowjetischen Truppen (insgesamt 26 Divisionen) nach
17.
23.
24.

wie vor in höchster Alarmbereitschaft an der polnischen Grenze stehen.
Jaruzelski trifft die Botschafter der Sowjetunion und des Warschauer
Paktes in Polen.
Breschnew spricht vor dem Kongreß der KPdSU und erreicht die Annahme
der Breschnew-Doktrin.
Kania sagt vor dem Parteitag der KPdSU, daß die polnische Führung willens
und in der Lage sei, "eine Konterrevolution in Polen zu verhindern."
Er fügt hinzu, daß die Lage in und um Polen in direktem Zusammenhang mit
der Sicherheit aller sozialistischen Staaten steht. Die sozialistische
- 6 -

�\

Die sozialistische Gemeinschaft ist unauflösbar, und ihre Verteidigung
ist nicht nur die Angelegenheit eines jeden Staates, sondern auch des
gesamten Bündnisses."
24.- Massivste Angriffskampagne sowjetischer Medien, die in der Behauptung
28.

gipfelt, daß Solidarität Radiostationen übernommen, Autobahnen blockiert
und andere illegale Maßnahmen getroffen habe, um die Machtübernahme
vorzubereiten.

März
4.
Kania, Jaruzelski und andere Mitglieder der polnischen Führung halten
in Moskau Gespräche mit Breschnew und anderen maßgeblichen Mitgliedern
des sowjetischen Politbüros ab. Im Kommunique heißt es, die Sowjets erwarteten von den Polen, daß sie "den Lauf der Dinge abwenden." Weiterhin wird die Verteidigung des Sozialismus als eine Angelegenheit des "gesamten sozialistischen Bündnisses" bezeichnet.
5.

Die UdSSR gibt bekannt, daß für März Manöver der Warschauer Pakt-Truppen
geplant sind, die sich von der polnisch-tschechischen Grenze bis zum
Norden an der Ostsee hinziehen sollen.

19.

Der Stellvertretende Ministerpräsident Rakowski teilt Führern der

29.

Solidarität mit, daß die Übung "Sojus-81" der Warschauer-Pakt-Truppen
wegen der"Situation in Polen" verlängert wird. Er warnt Solidarität davor, daß ihre Tätigkeit sowjetische Panzer in das Land bringen könnte.
Die Minister Haig und Weinberger beschreiben den "erhöhten Stand der Bereitschaft" der in der Nähe von Polen stationierten sowjetischen Truppen.

April
2.3.

Die westliche Presse bringt mehr Berichte über die militärischen Bewegungen in und um Polen. Während dessen erscheint ein sowjetischer Zeitungskommentar, der eine mögliche Aktion der Sowjets rechtfertigen soll.

6.

Präsident Husak bestätigt das Recht des Warschauer Pakts, einzugreifen,
um das sozialistische System Polens aufrecht zu erhalten.

7.

Militärische Aktivitäten, Verstärkung der sowjetischen Truppen nahe
Polens, Errichtung eines sowjetischen Fernmelde- und Kommandosystems
und von Versorgungslagern in Polen.
9. Am 3. März
- 7 -

�9.

Am 3. März werden Hubschrauber, Flugzeuge, Piloten und Techniker in die
militärischen Hauptquartiere der Sowjets in Südwest-Polen eingeflogen.

10.

In einer Ansprache vor der Sejm plädiert Jaruzelski für eine 2-monatige
Aufhebung des Streikrechts. Er sagt, daß sich die derzeitige Chance
für Polen, seine Probleme allein zu lösen, "nicht wieder bietet."

10.

Das State Department berichtet, daß die UdSSR sogar noch weitere Transportflugzeuge nach Polen entsandt hat.

11.

Auf dem Parteitag der DDR erklärt Parteichef Honecker, daß Polen "sozialistisch war, ist und bleiben wird."
23.- Der Ideologe des sowjetischen Politbüros, Michail Suslow, trifft uner24. wartet in Warschau zu Gesprächen mit Mitgliedern des polnischen Politbüros ein. Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet, in den Gesprächen sei die Notwendigkeit betont worden, "die Errungenschaften des
Sozialismus zu bewahren."
25.

Mai
4.

28.

TASS greift "revisionistische Elemente" innerhalb der polnischen Partei
an; die erste Beschuldigung dieser Art in den sowjetischen Medien, die
verdeutlicht, wie wenig erfolgreich Suslows Besuch war.

Nach einem Bericht des Solidaritäts-Bulletins vom 29. April, daß sowjetische Truppen am 22. April in Südwest-Polen "gelandet" seien, entdecken
westliche Militärs,daß die sowjetischen Truppen in dieser Region militärische Fernmeldeverbindungen herstellen.
Das Organ der Parteijugend, Sztandar Mlodich, veröffentlicht den Aufruf
eines obskuren "Kattowitzer Parteiforums" zu "entschiedenem Handeln"
der Führung Polens gegen die "Konterrevolution" und den "Revisionismus".
(Obwohl in polnischen Partei kreisen weitestgehend verurteilt, wird der
Aufruf vom tschechischen Radio am 31. Mai, von TASS am 1. Juni und von
der Prawda und vom sowjetischen Fernsehen am 2. Juni übernommen.

30. Kania und Jaruzelski treffen in Warschau mit dem Oberbefehlshaber der
Warschauer Pakt-Truppen, Marschall Kulikow, in, wie es heißt, "freundlicher" Atmosphäre zusammen.
Juni

- 8 -

�Juni
5. Die KPdSU sendet einen siebenseitigen "Warnbrief" in bezug auf die
strenge Kritik seitens des Kattowitzer Forums an Kanias Politik; TASS
berichtet lange und positiv über das Forum.
9.- Das 11. Plenum des Zentralkomitess der polnischen Partei trifft zu Bell, ratungen über den Brief der KPdSU vom 5. Juni zusammen; es kommt zu
einem offenen Machtkampf zwischen Kania und seinen gemäßigten Gefolgsleuten und den von Moskau unterstützten Linientreuen unter Grabski.
Kania übersteht die Herausforderung, gibt jedoch zu, daß die Besorgnis
der Sowjets über die Entwicklungen in Polen "vollkommen gerechtfertigt"
sei.
14.- Walesa bricht zu einer Kampagne auf, um Solidaritätsverbände davon abzu16. halten, Konfrontationen zu suchen; sie werden sich vielmehr auf Aktivitäten innerhalb der Gewerkschaft beschränken. Gleichzeitig wird ein
sowjetisches Kriegsdenkmal enthüllt, was er als eine Provokation rügt,
die die Solidarität mit einbeziehen und die schon angespannte Situation
weiter destabilisieren solle.
20. Der sowjetische Regierungssprecher Samjatin erklärt im sowjetischen Fernsehen, daß für die polnische Führung "die Zeit für entschiedenes Handeln gekommen ist, um eine nationale Katastrophe abzuwenden."
22.

Die sowjetische Militärzeitung Krasnaja Swesda druckt Marschall Kulikows
Artikel, in dem polnische"konterrevolutionäre Kräfte" verurteilt
werden.

23.

Die Prawda schreibt, daß jede Veränderung des Status in Polen eine entscheidende Verbindung innerhalb des Warschauer Paktes schwächen würde
und eine Bedrohung für das Gleichewicht im Nachkriegseuropa darstelle.
TASS wirft der Solidarität vor, sie versuche, so viele Delegierte wie
möglich in den polnischen Parteikongreß zu entsenden, die den marxistisch-leninistischen Charakter der Partei anzufechten suchten.

25.

Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet über gemeinsame Manöver

29.

der polnischen und sowjetischen Truppen in Schlesien.
Das polnische Fernsehen berichtet, daß die polnisch-sowjetischen Militärübungen auf den Nordwesten der Provinz Pommern ausgedehnt wurden.
30. "Neues
- 9 -

�30.

"Neues Deutschland" berichtet von Militärmanövern in der DDR.

Juli
3.- Am Vorabend des 9. Kongresses der PZPR konferiert Gromyko mit der pol5. nisehen Führung.
3.

Wie aus Moskauer Quellen zu erfahren ist, nehmen sowjetische Truppen
in der Westukraine an der polnischen Grenze eine zweitägige intensive

7.

Übung zur totalen Mobilisierung auf.
Westliche Quellen berichteten, daß die UdSSR eine weitere Militärübung in der Nähe Polens plant.

19.

Breschnew sendet ein kurzes Glückwunschschreiben an Kania zu seiner
Wiederwahl. Es enthält weder Lob noch eine Vertrauenserklärung in
Kanias Führung.

21.

Breschnew und Tichonow senden (Hückwunschtelegramme anläßlich des Feiertages zum Bestehen der Volksrepublik Polen. Die Mitteilung beinhaltet,
daß der Parteikongreß "sich die Aufgabe gesetzt hat, die Situation
zu stabilisieren" und daß die oolnische Partei "in der Lage ist, das
gesamte arbeitende Volk zusammenzuhalten... und Anarchie und Konterrevolution energisch zurückzuschlagen."

August
13. Die Sowjetunion gibt bekannt, daß sie von 4. bis 12. September
umfangreichere Land- und Seemanöver im Westen der UdSSR abhalten werde.
14.- Die polnischen Führer Kania und Jaruzelski fliegen zu einem "kurzen Ar15. beitsbersuch" mit Breschnew und anderen hochgestellten sowjetischen
Führern auf die Krim.
September
4.12.

In der UdSSR findet die Militärübung "Sapad-'81" statt.

8.

Verteidigungsminister Ustinow sowie die Verteidigungsminister der
Warschauer Pakt-Staaten, Kubas, der Mongolei, und Vietnams nehmen an
der Übung "Sapad-'81" in der UdSSR teil.
10. Die polnische
- 10 -

�10.

Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet, daß Kania den sowjetischen
Botschafter Aristow empfängt, der, wie angenommen wird, Kania einen warnenden Brief des Kreml überreicht, (siehe 17. September)

17.

Nach der Meldung, daß der sowjetische Botschafter Aristow von den Staatschefs Kania und Jaruzelski empfangen wurde, enthüllt die polnische Nachrichtenagentur PAP, daß die sowjetische Führung Warschau in einem Schreibin daran erinnert, daß "das Ausmaß an Anti-Sowjetismus in Polen...
gefährlich gestiegen "sei und fordert die Ergreifung resoluter Maßnahmen
gegen derlei Aktivitäten.

22.

Der sowjetische General Gibkow, Generalstabschef der Vereinigten Streitkräfte des Warschauer Paktes, trifft den polnischen Ministerpräsidenten
Jaruzelski, um "Probleme der Ausbildung und Kampfbereitschaft der abkommandierten (polnischen) Truppen, die einen Teil der Vereinigten Streitkräfte darstellen", zu erörtern.
22.- Der Stellvertretende sowjetische Ministerpräsident und Chefplaner
26. Bajbakow erörterte in Warschau polnisch-sowjetische Wirtschaftsbeziehungen, während Gerüchte umgehen, daß die Sowjets erwägen, Warschau i
wirtschaftlichen Sanktionen zur Raison zu bringen.
23.

Am Vorabend der zweiten Sitzung des Solidaritäts-Kongresses (26 r
ber) kritisiert TASS die polnische Führung, weil diese nichts gegen
Gewerkschaftsführer unternimmt und die, wie sie es nennt, Vorbereitungen
für eine Machtübernahme nicht aufhält.

26.

TASS kritisiert indirekt die polnische Führung, indem sie einen Au1
des linientreuen "Marxistisch-leninistischen Seminars1' in Kattowitz verbreitet, wonach Warschau "alle bestehenden Mittel anwenden" soll, um den
Sozialismus zu verteidigen.

Oktober
13. Die Prawda enthält einen Kommentar von "A. Petrow", der Solidarität kritisiert, weil sie die Zerstörung des polnischen Sozialismus und die
Machtübernahme wolle. In dem Artikel wird damit gedroht, daß eine Intervention nicht ausgeschlossen ist.
14.

In einer Ansprache betont Suslow, daß "imperialistische" Versuche zur
Schwächung des polnischen Sozialismus durch offene und vsrdeciae Unter- 11 -

�verdeckte Unterstützung der "konterrevolutionären" Kräfte unternommen
werden.

Er versichert Polen der "brüderlichen Solidarität und Unter-

stützung der Sowjetunion und anderer Mitglieder des Warschauer Paktes."
Ministerpräsident Jaruzelski wird Nachfolger von Kania als Chef der
Kommunistischen Partei.

November
27.- Der Sechste Parteitag in Polen nimmt eine Resolution an, die die Regie28.

rung dazu ermächtigt, Ermächtigungsgesetze in der Sejm zur Wiederherstellung des sozialen Friedens einzubringen, einschließlich besonderer
Notstandsgesetze.

Anfang November: Presseberichten zufolge warnen die Sowjets die Polen, daß
die sowjetische Wirtschaftshilfe reduziert würde und daß Moskau auf einem
Handelsausgleich ab 1982 bestünde.
Dezember
7.

Die polnische Presse intensiviert ihre Kritik an Solidarität, indem sie
Auszüge von Tonbandaufnahmen von Solidaritätstreffen in Radom veröffentlicht; TASS wiederholt die polnischen Angriffe.

11.

In einer ihrer schärfsten Angriffe seit längerer Zeit bemängelt TASS,
daß konterrevolutionäre Kräfte ihren Kampf gegen die polnische Partei
ausgedehnt haben; sie erwähnt mehrere extreme Aktionen, die "das sowjetische Volk zu Recht verärgern."

13.

Ein weiterer TASS-Bericht greift Solidarität an und unterstellt, daß
"patriotische Kräfte" zur Einführung militärischer Unterdrückung förmlich eingeladen hätten.

13.

Radio Moskau berichtet von der Verhängung des Kriegsrechts in Polen,
der Verhaftung von "Extremisten" der Solidarität, der Bildung eines
militärischen Regierungsrates und von der Festigung der polnisch-sowjetischen Beziehungen.

14.

Eine TASS-Erklärung bezeichnet das Kriegsrecht als "reine innere Angelegenheit. "
23. Präsident
- 12 -

�23.

Präsident Reagan verurteilt den Druck, den die Sowjets offen und heimlich auf Polen ausüben.

Er gibt außerdem bekannt, daß sich Marschall

Kulikow und andere hohe Offiziere der Roten Armee zum Zeitpunkt der Verhä'ngung des Kriegsrechts in Polen befunden haben und daß die 10 Tage
zt'vor angeschlagene Proklamation des Kriegsrechts bereits im Oktober
in Moskau gedruckt worden war.
Ende Dezember. Ein sowjetischer Dozent behauptet während eines Vortrages
vor der sowjetischen Öffentlichkeit kurz nach der Erklärung des Kriegsrechts, daß das Kriegsrecht bereits seit einem Monat vorbereitet gewesen
sei (d.h. lange vor der Forderung der Solidarität nach freien Wahlen
am 3. Dezember - dem angenommenen Grund für die Verhängung des Kriegsrechts) und daß die Sache "ausgezeichnet angezettelt" worden sei.

- 13 -

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International Communication Agency
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7. Januar 1982

DER WELTFRIEDENSRAT - EIN HANDLANGER MOSKAUS

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�(AD) -- Der Weltfriedensrat (WPC), dessen Präsidialkomitee gegenwärtig
(6. bis 8. Januar) in Kopenhagen tagt, ist das Wichtigste der ineinandergreifenden internationalen Instrumente der Sowjets, die seit dem Zweiten
Weltkrieg als Ableger /on Organisationen eingesetzt werden, welche ursprünglich von der Kommunistischen Internationalen (KOMINTERN) in den Jahren nach
1917 geschaffen wurden.
Obwohl der Weltfriedensrat von sich behauptet, ein unabhängiges, demokratisches und privates Gremium zu sein, hat er doch eine grundlegende Funktion: Er soll den außenpolitischen Zielen der Sowjets Achtbarkeit verschaffen, indem Menschen verschiedener politischer Oberzeugungen in kommunistisch
gesteuerte und kommunistisch geförderte Propagandafeidzüge hineingezogen werden, die sich in erster Linie gegen den Westen richten.
Aus Anhörungen eines Ausschusses für Geheimdienstfragen des amerikanischen Repräsentantenhauses in den Jahren 1978 und 1980 wird deutlich, daß
die Sowjetunion ihre weltweite Propaganda ebenso wie geheime Tätigkeiten
einsetzt, um ihre Außen- und Verteidigungspolitik zu bekräftigen. Die Sowjetunion ist bemüht, ihre Macht und ihren Einfluß auf Kosten des Westens
zu stärken, indem sie auf schriftliche wie mündliche "Falschinformationen",
Fälschungen, Manipulationen sowohl ausländischer Medien als auch kommunistischer Parteien sowie auf die Unterstützung terroristischer Organisationen zurückgreift.
Aus amerikanischen Geheimdienstquellen geht hervor, daß die Sowjetunion
mindestens 3 Milliarden Dollar jährlich für die Verbreitung prokommunistischer

und antiwestlicher Propaganda im Rahmen eines weltweiten Netzes aus-

gibt, das von Moskau kontrollierte Frontorganisationen einschließt. Von den
schätzungsweise 63 Millionen Dollar, die die Sowjetunion jährlich den 13
wichtigsten Frontorganisationen zur Verfügung stellt, erhält der Weltfriedensrat allein mehr als 49 Millionen Dollar.
So schrieb

- 2 -

�So schrieb Ruth Tosek, eine "ehemalige Übersetzerin" bei verschiedenen
von Moskau kontrollierten Organisationen, in einem am 17. Oktober 1980 vom
Londoner "New Statesman" veröffentlichten Brief, daß der Weltfriedensrat auf
verschiedenen Kanälen durch die Sowjetunion sowie andere osteuropäische Regierungen finanziert werde.
Zusätzlich zu dieser heimlichen Finanzierung des Weltfriedensrates erhalten seine Führer Anweisungen von Seiten der internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU, das auch die Propaganda des Retes kontrolliert. Der
Weltfriedensrat ist gewöhnlich die erste der zahlreichen Frontorganisationen,
die sich für Propagandainitiativen aus Moskau einsetzt und die Aktivität verschiedener anderer kommunistischer Frontgruppen koordiniert.
Durch ihre direkten Verbindungen mit den wichtigsten Repräsentanten des
Rates ist

die Sowjetunion in der Lage, endgültige Entscheidungen im bezug auf

Projekte und Aktivitäten des Weltfriedensrates sowie den Inhalt von Kommuniques, Resolutionen und Erklärungen des Rates zu beeinflussen.
Neben seiner Tätigkeit als Sekretär des Sekretariats des Weltfriedensrates in Helsinki ist E.K. Fedorow

Vizepräsident und stellvertretender Chef der

internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU. V. S. Schaposchnikow
ist Mitglied des Präsidialkomitees des Rates. Aus der zweimonatlich erscheinenden Publikation des Rates "Neue Perspektiven" geht hervor, daß dem Präsidialkomitee, das verantwortlich für die Tätigkeit der Organisation zwischen Ratssitzungen ist, ein oder zwei der wichtigsten Repräsentanten praktisch aller
wesentlichen kommunistischen Frontorganisationen angehören, wie etwa dem
Weltgewerkschaftsbund, der Afro-asiatischen Volkssolidaritäts-Organisation,
der Christlichen Friedenskonferenz, der Internationalen demokratischen Frauenföderation oder der Weltföderation der Wissenschaftler.
Prominente nichtkommunistische Pazifisten, Geistliche sowie andere Persönlichkeiten, die sich für den Frieden einsetzen, sind dem Weltfriedensrat
willkommen, um eine Fassade der Unabhängigkeit und der Blockfreiheit aufzu-

- 3 -

�Blockfreiheit aufzubauen. Die gesamte Organisationsstruktur des Rates ist jedoch mit prosowjetischen Linken durchsetzt. Viele von ihnen sind in ihren Heimatländern für kommunistisch orientierte Angelegenheiten tätig und gehören
nationalen Friedenskomitees an, die sehr häufig durch Unterstützung des Weltfriedensrates als örtliche kommunistische Frontorganisationen ins Leben gerufen wurden.
Ramesch Chandra, ein Mitglied des Zentralkomitees der kommunistischen
Partei Indiens und seit zumindest 1950 bei allen wichtigen internationalen
Fronttagungen aktiv, wurde im Jahre 1977 aus dem Generalsekretaritat zur Präsidentschaft des Weltfriedensrates erhoben. Dieser Posten war seit dem Tode
des bekannten französischen Kommunisten und Wissenschaftlers Frederic JoliotCurie im Jahre 1958 vakant gewesen.
Die prosowjetische Rolle Chandras in der Weltfriedensbewegung ist sich
während der letzten 30 Jahre gleich geblieben. Seine Treue zu Moskau überlebte
die sowjetischen Invasionen in Ungarn im Jahre 1956, der Tschechoslowakei im
Jahre 1968 und Afghanistans im Jahre 1979. Er hat sich immer für die sowjetischen "Friedensinitiativen" eingesetzt und die westlichen "Imperialisten" angegriffen.
Als die Frage der Behandlung von Dissidenten in der UdSSR und der
Tschechoslowakei im Jahre 1973 in Moskau auf dem "Weltkongreß der Friedenskräfte", von Seiten der "Internationalen Kriegsdienstgegner" aufgeworfen wurde,
erklärte Chandra, daß jene Friedensorganisationen, die eine antisowjetische
Einstellung einnähmen, "aufgehört haben,echte Friedensorganisationen zu sein".
Zwei Jahre später betonte er in Moskau, daß der Weltfriedensrat "auf alle
sowjetischen Initiativen in internationalen Angelegenheiten positiv reagiert"
habe.
In der Januarausgabe der "World Marxist Review" schrieb Chandra: "In
den Händen des Sozialismus ist die (militärische) Macht zum ersten Mal in der
Geschichte der Menschheit zu einem Instrument zur Sicherung des Friedens und

�Friedens und des sozialen Fortschritts geworden. Soviel zur 'sowjetischen
Bedrohung'. Wenn sie wirklich existiert, so ist sie bildlich gesprochen nicht
eine Bedrohung für den Frieden, sondern eine Friedensdrohung im Namen des
Friedens..."
Der Weltfriedensrat ist auf nationaler Basis organisiert, und die meisten
seiner Tochterorganisationen, die nach seinen Angaben in mehr als 135 Ländern
bestehen, sind kommunistisch kontrolliert. Obwohl sowjetische Vertreter Mitte
der siebziger Jahre von einer angeblichen Mitgliedschaft von rund 400 Millionen gesprochen haben, sind Gesamtzahlen offiziell nie veröffentlicht worden.
Der "endgültige" Friede, nach dem der Weltfriedensrat immer gestrebt hat,
ist ein von der sowjetischen Welthegemonie auferlegter Friede. Die kommunistische "Weltfriedensbewegung" in der jetzigen Form existiert, seit ein
"Weltkongreß der Intellektuellen für den Frieden" im August 1948 in Breslau
abgehalten wurde. Dies führte zur Weltfriedenskonferenz in Paris im September 1949 und zur Bildung des Weltfriedensrates, der bis zum November 1950 als
das "Komitee der Partisanen des Friedens" bekannt war.
Seit seiner Gründung ist der Weltfriedensrat wegen subversiver Tätigkeit
formell aus zwei Ländern ausgewiesen worden. Bis zu seiner Ausweisung durch
die französische Regierung im Jahr 1951 - wegen "Aktivitäten der Fünften Kolonne" - hatte er seine Zentrale in Paris. Er übersiedelte zunächst nach Prag
und 1954 schlug er sein Hauptquartier in Wien auf, von wo er drei Jahre später
wegen "gegen das Interesse des österreichischen Staates gerichteter Aktivitäten" ausgewiesen wurde. Er setzte jedoch seine Tätigkeit in Wien unter dem
Deckmantel seiner Forschungsorganisation, dem Internationalen Institut für
Frieden, - praktisch eine Frontorganisation - fort, bis er im September 1968
in seine derzeitige Zentrale nach Helsinki umzog.
Die erklärten Ziele des Weltfriedensrates, wie sie von seiner Vollversammlung im September 1980 angenommen wurden, sind:
1.-

- 5 -

Verbot

�1.

- Verbot aller Massenvernichtungswaffen und Beedigung des Wettrüstens;
- Auflösung ausländischer Militärstützpunkte;
- allgemeine, gleichzeitige und kontrollierte Abrüstung;

2.

- Beseitigung aller Formen des Kolonialismus und der rassischen
Diskriminierung;
- Respektierung des Rechtes der Völker auf Souveränität und Unabhängigkeit als wesentliche Voraussetzung für die Schaffung des Friedens;
- Respektierung der territorialen Integrität der Staaten und Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten;

3.

- Schaffung von wechselseitig vorteilhaften Handels- und Kulturbeziehungen auf der Basis von Freundschaft und gegenseitigem Respekt;
- friedliche Koexistenz zwischen Staaten mit unterschiedlichen politischen Systemen;
- Ersetzung der Politik der Gewalt durch eine Politik der Verhandlungen
zur Schlichtung von Meinungsverschiedenheiten zwischen den Staaten.

Die vom Weltfriedensrat verfolgte prosowjetische Politik hat jedoch wenig
mit diesen

erklärten Zielen gemein. So greift der Rat regelmäßig die Nordat-

lantische Verteidigungsgemeinschaft und die Europäische Gemeinschaft an, kritisiert aber nicht den Warschauer Pakt oder den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe

(COMECON). Er verabschiedet häufig Resolutionen oder veröffentlicht

Erklärungen, in denen die Unterdrückung der Menschenrechte in Ländern wie Chile,
El Salvador und Nordirland verdammt wird, erwähnt aber niemals die Verletzung
solcher Rechte

in den kommunistischen Ländern. Ja, ein polnisches Mitglied

seines Präsidialkomitees, Wieslaw Gronicki, tauchte als erster Pressesprecher
des Generals Jaruzelski auf, nachdem die Verhängung des Kriegsrechts am 13.
Dezember 1981 es dem neugeschaffenen "Militärrat der nationalen Errettung"
ermöglicht hatte, die meisten bürgerlichen und persönlichen Freiheiten in
Polen außer Kraft zu setzen.
Seit dem

�Seit dem anfänglichen "Stockholmer Appell" des Weltfriedensrates zum
"Verbot der Bombe" aus dem Jahr 1950 - noch bevor die UdSSR ihre eigene Atombombe bekam - hat er immer wieder die Kampagnen gegen den westlichen Besitz
von Kernwaffen in jeder Form gelenkt und organisiert. Er stand zudem ganz vorn
bei der Unterstützung der Ost-West-Entspannung zu sowjetischen Bedingungen
und hat getreulich die sowjetischen Positionen zu kontroversen internationalen Fragen vertreten, die die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten betrafen.
Während des ganzen Vietnamkriegs zum Beispiel schickte der Weltfriedensrat zahlreiche "Friedens"-Delegationen nach Hanoi und veröffentlichte in regelmäßigen Abständen Erklärungen, die die sowjetische Politik hinsichtlich des
Krieges unterstützten. Seit 1974 sind der Weltfriedensrat und Moskau für die
"Beseitigung der Kriegsstützpunkte

(nur amerikanische und britische werden

speziell genannt) im Indischen Ozean" eingetreten und haben eine Kampagne für
eine "Zone des Friedens" in dieser Region eröffnet. Im Jahr 1979 begrüßte
der Rat die sowjetische Unterstützung der vietnamesischen Invasion Kambodschas
und die sowjetische Verurteilung der chinesischen Invasion Vietnams.
Der Weltfriedensrat führt derzeit eine wohl koordinierte diplomatische
und propagandistische Kampagne an, die auf die speziellen außen- und verteidigungspolitischen Zielsetzungen der UdSSR zugeschnitten ist. Er fördert die Friedensvorschläge von Generalsekretär Breschnew vom 26. Parteitag und versucht, in
Westeuropa Emotionen gegen die Modernisierung der Nuklearsysteme mittlerer Reichweite der NATO und gegen erhöhte Verteidigungsausgaben anzufachen.
Seit 1977 hat der Weltfriedensrat weltweit Massendemonstrationen zur Unterstützung der Moskauer Wünsche nach Verhinderung einer Ausrüstung der NATOStreitkräfte mit amerikanischen Neutronenwaffen unterstützt. Derzeit unternimmt er große Anstrengungen bei einer Kampagne unter dem Motto "Frieden, Abrüstung und Entspannung" - in dem Versuch, die europäische öffentliche Meinung
davon zu überzeugen, daß die amerikanischen Militärausgaben und Waffenentwicklungen sowie der angebliche Wunsch der NATO nach militärischer Überlegenheit

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�militärischer Überlegenheit die größte Bedrohung des Weltfriedens seien. Im
Einklang mit der offiziellen sowjetischen Linie behaupten der Weltfriedensrat und seine Zweigorganisationen, daß die Dislozierung von PERSHING-Raketen
und von Marschflugkörpern auf europäischem Boden das angeblich

bestehende

militärische Gleichgewicht stören.
Professor E. P. Thompson von der Europäischen Bewegung für atomare Abrüstung kritisierte am 23. Februar 1981 im Londoner GUARDIAN die Taktiken des
Weltfriedensrates so:
Der westlichen Friedensbewegung zu erlauben, in ein trügerisches Einverständnis mit der Strategie des Weltfriedensrates zu treiben, würde
letztlich bedeuten, eine Bewegung zu werden, die sich lediglich dem
NATO-Militarismus entgegenstellt. Dies wäre ein Rezept zu unserer eigenen Einschränkung und letztlichen Niederlage. Dies wird auch auf eine
Verweigerung in jenen Teilen Osteuropas stoßen... wo ein Großteil der
öffentlichen Meinung der offiziellen "Friedenspropaganda" zutiefst
überdrüssig geworden ist und wo die vom Staat unterstützten Friedenskomitees während ihrer ganzen 30jährigen Existenz nicht einen Funken
für einen Protest gegen irgendeine Maßnahme des sowjetischen Militarismus übrig hatten."

+ + + + +

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30
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