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                    <text>23. Juni 1982
INHALT

1

DOKUMENTATION
Rede des US-Präsidenten vor der Abrüstungs-Sondervollversammlunq der UN
- Reagan lädt Sowjetunion zu umfassender Rüstungskontrolle ein Erklärung Präsident Reagans zu Polen
- Bedingungen für Wiederaufnahme der US-Hilfe an Polen unverändert Presseerklärung des amerikanischen Außenministers nach Bonner NATO-Gipfel
- Haig hofft auf Ära der Zurückhaltung und Verantwortung seitens der
Sowjetunion HINTERGRUNDMATERIAL
Präsident Reagans Abrüstungsvorschläge
Worte und Taten der Sowjetunion und die sowjetisch-amerikanischen
Abrüstungsgespräche
Reagans Europa-Reise brachte die Welt dem Frieden näher
- Der Präsident ist mit den Ergebnissen zufrieden Sechs Monate Kriegsrecht in Polen
WIRTSCHAFT
Lohnverzichte helfen Arbeitsplätze sichern
- Ein Kommentar zu drei wichtigen Tarifabschlüssen in USA WISSENSCHAFT UND TECHNIK
COLUMBIA testet Bedingungen für Routineflüge
- Nächster Siebentage-Flug beginnt am 27. Juni Die Schutzhülle des Raumtransporters
- IsolierkachelSystem - eine Sonderleistung der Technik -

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24

23. Juni 1982

REDE DES US-PRÄSIDENTEN VOR DER ABROSTUNGS-SONDERVOLLVERSAMMLUNG DER UN
- Reagan lädt Sowjetunion zu umfassender Rüstungskontrolle ein -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer
Rede vor der Sondervoll Versammlung der Vereinten Nationen für Abrüstung am
17. Juni 1982 die Sowjetunion eingeladen, sich den Vereinigten Staaten in einem
umfassenden Abrüstungsprogramm anzuschließen, um den Frieden in der Welt zu
sichern.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich spreche heute hier als ein Bürger der Vereinigten Staaten und als ein
Weltbürger. Ich komme mit den tiefempfundenen Wünschen meines Volkes nach
Frieden; ich bringe ehrliche Vorschläge mit, und ich strebe nach echtem Fortschritt.
Es ist diesen Monat 24 Jahre her, daß Dag HammarskjüJld (der damalige UNGeneralsekretär) gesagt hat: "Wir kommen in einer Zeit eines Friedens zusammen,
der kein Friede ist". Seine Worte gelten heute noch genau so wie damals. Mehr
als hundert Auseinandersetzungen haben seit dem Zweiten Weltkrieg den Frieden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�den Frieden unter den Nationen gestört, und heute hängt über dem Leben all
unserer Völker die Drohung einer nuklearen Katastrophe. Die Bibel sagt uns, ,
daß eine Zeit des Friedens kommen werde - aber in diesem Jahrhundert!ist es
der Menschheit nicht gelungen, sie zu finden.
Die Vereinten Nationen haben sich dem Weltfrieden verschrieben, und ihre
Charta verbietet klar und deutlich die internationale Anwendung von Gewalt.
Und doch steigt die kriegerische Flut weiter an. Der Einfluß der Charta ist in
den vier Jahren seit der ersten Sondersitzung für Abrüstung noch schwächer
geworden. Wir dürfen Aggression nicht nur verurteilen, sondern wir müssen auch
die Forderungen unserer Charta durchsetzen und den Kampf um den Frieden wieder
aufnehmen.
Die Geschichte zeigt klar und deutlich: Bürger der Vereinigten Staaten
nehmen nur zögernd Zuflucht zur Gewalt, und auch nur dann, wenn sie gezwungen
sind. Unsere Außenpolitik ist, wie Präsident Eisenhower einmal gesagt hat,
"nicht schwer darzulegen. Wir sind für den Frieden - an erster und an letzter
Stelle und immer, aus ganz einfachen Gründen". Wir wissen, daß Amerika nur in
einer friedlichen Atmosphäre, einem Frieden in Gerechtigkeit und einem Frieden,
auf den wir bauen können, gedeihen kann, so wie wir in der Vergangenheit
Prosperität kennengelernt haben; so Eisenhower.
All jene, die an der Wahrheit dieser Worte zweifeln, möchte ich darauf
hinweisen, daß wir am Ende des Zweiten Weltkriegs die einzige ungeschädigte
Wirtschaftsmacht der Welt waren. Unsere militärische Überlegenheit stand außer
Frage. Wir hatten das Atom gebändigt und besaßen die Fähigkeit, seine Zerstörungskraft überall auf der Welt freizusetzen. Kurz gesagt, wir hätten die Weltherrschaft erringen können, aber das lief dem Charakter unseres Volkes zuwider.
Stattdessen schrieben wir ein neues Kapitel in der Geschichte der Menschheit.
Wir benutzten unsere Macht und unseren Reichtum, um die vom Krieg verwüsteten
Volkswirtschaften der Welt in Ost und West wieder aufzubauen, einschließlich
in jenen Ländern, die unsere Feinde gewesen waren. Wir übernahmen die Initiative

�die Initiative bei der Schaffung solcher internationaler Institutionen wie die
Vereinten Nationen, wo führende Menschen guten Willens zusammenkommen können,
um Brücken für Frieden und Wohlstand zu bauen.
Amerika hat keine territorialen Ansprüche; wir halten kein Land besetzt;
und wir haben keine Mauern gebaut, um unser Volk einzusperren. Unsere Verpflichtung zu Selbstbestimmung, Freiheit und Frieden entspringt dem innersten Wesen
Amerikas. Diese Verpflichtung ist heute so stark wie eh und je.
Die Vereinigten Staaten haben zu meinen Lebzeiten in vier Kriegen gekämpft.
In jedem von ihnen haben wir gekämpft, um Freiheit und Demokratie zu verteidigen.
Wir waren niemals die Aggressoren. Die Stärke Amerikas und auch seine militärische
Macht sind eine Macht des Friedens, nicht der Eroberung; eine Macht der Demokratie,
nicht des Despotismus; eine Macht der Freiheit, nicht der Tyrannei.
Wenn man wie ich erlebt hat, daß immer neue Generationen junger Amerikaner
auf weit entfernten Schlachtfeldern ihr Leben hingegeben haben, um unsere Ideale
zu schützen und die Herrschaft des Rechts zu gewährleisten, dann weiß man, wie
wichtig es ist, vor einem Konflikt abzuschrecken. Aber seit ich die Präsidentschaft übernommen habe, hat das ungeheure Maß an Verantwortung, das dieses Amt
mit sich bringt, meine Verpflichtung nur noch vertieft. Ich glaube, daß diese
Verantwortung von uns allen hier heute geteilt wird.
Auf unserer kürzlichen Reise nach Europa hat mir meine Frau Nancy von einer
fast sieben Meter hohen Bronzestatue erzählt, die sie auf einem Felsen an der
Küste Frankreichs gesehen hat. Der Strand am Fuße dieses Felsens heißt Saint
Laurent, aber in den Bibeln zahlloser amerikanischer Familien wird er als
"Omaha Beach" bezeichnet. Die friedliche Ruhe dieser französischen Landschaft
steht in deutlichem Gegensatz zu der blutigen Gewalt, die an einem Junitag vor
38 Jahren dort freigesetzt wurde, als die Alliierten den Kontinent erstürmten.
Und am Ende nur eines einzigen Tages dieser Schlacht waren über 10 500 Amerikaner
verwundet, vermißt oder gefallen in einer Operation, die als die Landung in der
Normandie bekannt wurde. Die Statue auf jenem Felsen trägt den Namen "Der Geist
.
f

�"Der Geist der amerikanischen Jugend den Wellen entsteigend". Das Bild des
Opfers, das sie darstellt, ist fast zu mächtig, als daß man es beschreiben
könnte.
Der Schmerz des Krieges ist in unserem nationalen Gedenken noch immer
lebendig. Er veranlaßt mich, zu dieser Sondersitzung der Vereinten Nationen
zu kommen - in dem Bestreben, dem Appell von Papst Paul VI gerecht zu werden,

,

der in diesem Saale hier vor fast 17 Jahren sagte: "Wenn ihr Brüder sein wollt,
dann laßt die Waffen aus euren Händen fallen".

*

Wir Amerikaner sehnen uns danach, sie fallen zu lassen.
Aber wir brauchen mehr als bloße Worte, mehr als nur leere Versprechungen,
bevor wir dies tun können. Wenn wir uns in der Welt umblicken, dann sehen wir
überall Konflikt und Aggression. Es gibt viele Ursachen für diesen Konflikt expansionistische Ambitionen, lokale Rivalitäten, das Streben nach Gerechtigkeit
und Sicherheit. Wir müssen alle daran arbeiten, solche Gegensätze durch friedliche
Mittel beizulegen und zu verhindern, daß sie eskalieren.
Im Nuklearzeitalter tragen die Großmächte eine besondere Verantwortung,
diese Ursachen des Konflikts zu beheben und von Aggression Abstand zu nehmen.
Das ist der Grund, warum wir über das Verhalten der Sowjets so tief besorgt
sind. Seit dem Zweiten Weltkrieg gehört zur Liste der Taten der Tyrannei die
sowjetische Verletzung der Jalta-Abkommen, die zur Beherrschung Osteuropas führte
- symbolisiert durch die Berliner Mauer, diesem bösen, grauen Monument der Unter- •
drückung, das ich vor einer Woche besucht habe. Dazu gehört die Machtübernahme
in der Tschechoslowakei, in Ungarn und Afghanistan und die brutale Unterdrückung
des stolzen polnischen Volkes. Sowjetisch unterstützte Guerillas und Terroristen
sind in Mittel- und Südamerika, in Afrika, im Mittleren Osten, in der Karibik
und in Europa am Werk, die die Menschenrechte verletzen und die Welt durch Gewalt
in Unruhe versetzen. Kommunistische Greueltaten in Südostasien, Afghanistan und
anderswo sind weiterhin ein Schock für die freie Welt, wenn Flüchtlinge entkommen
und von ihren Schrecken erzählen.
Das Jahrzehnt

�Das Jahrzehnt der sogenannten Entspannung brachte den massivsten sowjetischen Aufbau militärischer Macht in der Geschichte. Die Sowjets erhöhten ihre
Verteidigungsausgaben um 40 Prozent, während die amerikanischen Verteidigungsausgaben im gleichen Zeitraum real zurückgingen. Sowjetische Aggression und
die Unterstützung von Gewalt Überall in der Welt haben das Vertrauen untergraben,
das man für Abrüstungsverhandlungen braucht.
Während wir einseitig Zurückhaltung übten, rüsteten sie weiter auf und
besitzen heute nukleare und konventionelle Streitkräfte, die weit über eine
angemessene Abschreckungskapazität hinausgehen.
Die sowjetische Unterdrückung ist nicht nur auf die Länder begrenzt, in
denen sie einmarschieren. Eben zu dem gleichen Zeitpunkt, da die Sowjetunion
versucht, die Friedensbewegung im Westen zu manipulieren, unterdrückt sie eine
aufkeimende Friedensbewegung im eigenen Lande. In Moskau werden Transparente
niedergetreten, Plaketten abgerissen und Demonstranten verhaftet, selbst wenn
nur einige wenige Menschen es wagen, ihre Ängste auszusprechen.
Eleanor Roosevelt, eine unserer ersten Botschafterinnen bei den Vereinten
Nationen, erinnerte uns, daß die hochtrabenden Worte von Tyrannen in einem
traurigen Gegensatz zu ihren Taten stehen. "Ihre Versprechen", so sagte sie,
"stehen in völligem Gegensatz zu dem, was sie tun".
Meine Landsleute haben in diesem Jahrhundert eine bittere Lektion gelernt:
Die Geißel der Tyrannei kann nicht durch Worte allein aufgehalten werden. Daher
haben wir eine neue Anstrengung unternommen, um unsere Stärke zu erneuern, die
so gefährlich abgesunken war. Wir lehnen es ab, schwächer zu werden, während
unsere potentiellen Gegner sich weiterhin ihren imperialistischen Abenteuern verschreiben.
Die Menschen meines Landes haben mich heute hierher entsandt, um für sie
als Weltbürger zu sprechen, die sie wirklich sind, denn wir Amerikaner stammen
von jeder der Nationalitäten ab, die heute hier in diesem Saale vertreten ist. Wir
begreifen, daß Männer und Frauen aller Rassen und jeden Glaubens für den Frieden
- 5 -

�den Frieden zusammenarbeiten können und müssen. Wir stehen bereit, die nächsten
Schritte auf dem Wege der Zusammenarbeit durch verifizierbare Rüstungsverminderung
zu gehen. Abkommen über Rüstungskontrolle und Abrüstung können nützlich sein
zur Stärkung des Friedens, aber sie sind kein Wundermittel. Wir sollten die
Unterzeichnung von Abkommen nicht mit der Lösung von Problemen verwechseln.
Einfach Abkommen zu sammeln, wird nicht den Frieden bringen. Abkommen stärken
den Frieden nur dann wirklich, wenn sie eingehalten werden. Sonst bauen wir
ein Kartenhaus auf, das von den Stürmen des Krieges hinweggefegt werden wird.
Lassen Sie mich wiederholen: Wir brauchen Taten, nicht Worte, um uns von der
Ernsthaftigkeit der Sowjets zu überzeugen, sollten sie sich uns auf diesem Weg
anschließen wollen.
Seit Ende des Zweiten Weltkriegs standen die Vereinigten Staaten an der
Spitze mit ernsthaften Abrüstungs- und Rüstungskontroll vorschlagen.
- Im Jahre 1946 unterbreiteten die Vereinigten Staaten.einen Vorschlag zur
Kontrolle der Kernwaffen und der Kernenergie durch eine internationale Behörde;
ein Vorschlag, der als Baruch-Plan bekannt wurde. Die Sowjets lehnten diesen Plan
ab.
- Im Jahre 1955 legte Präsident Eisenhower seinen Plan der "Offenen Himmel"
vor, in dessen Rahmen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Pläne
militärischer Einrichtungen ausgetauscht und eine Luftaufklärung vorgesehen
hätten. Die Sowjets haben diesen Plan abgelehnt.
- Im Jahre 1963 trat der Vertrag über ein begrenztes Versuchsverbot in Kraft..
Dieser Vertrag beinhaltete das Verbot der Erprobung von Kernwaffen in der
Atmosphäre, im Weltraum oder unter Wasser durch die beteiligten Staaten.
- Im Jahre 1970 wurde der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen wirksam. Die Vereinigten Staaten spielten eine Hauptrolle bei dieser entscheidenden Bemühung, die Ausbreitung von nuklearen Sprengkörpern zu verhüten
und internationale Sicherheitsbestimmungen für zivile Nukleartätigkeiten einzuführen. Mein Land ist auch heute noch diesen Zielsetzungen zutiefst verpflichtet,

- 6 -

�zutiefst verpflichtet, ebenso wie der Stärkung des Rahmens für die Nichtweiterverbreitung. Das ist von wesentlicher Bedeutung für die internationale Sicherheit.
- Anfang der siebziger Jahre wurden - wiederum auf amerikanisches Drängen
hin - zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR Vereinbarungen erzielt, die
bei bestimmten Waffenkategorien Höchstgrenzen vorsahen. Dies hätte mehr Sinn
gehabt, wenn die sowjetische Verhaltensweise Zurückhaltung signalisiert hätte
und die Bereitschaft zu Stabilität auf niedrigerem Streitkräfteniveau.
Die Vereinten Nationen erklärten die siebziger Jahre zur ersten Abrüstungsdekade, aber gute Absichten allein reichten nicht aus. In Wirklichkeit gehörte
zu diesem Zehnjahreszeitraum eine militärische Aufrüstung von noch nie dagewesenem Ausmaß sowie das Aufflammen von Aggression und Gewaltanwendung in nahezu
jeder Weltregion. Jetzt befinden wir uns im zweiten AbrüstungsJahrzehnt. Die
gestellte Aufgabe lautet, ein zivilisiertes Verhalten der Nationen untereinander
zu gewährleisten und sich hinter der Tagesordnung für den Frieden zu vereinen.
In den vergangenen sieben Monaten haben die Vereinigten Staaten eine umfassende Serie von Vorschlägen unterbreitet, um das Kriegsrisiko zu vermindern. Als
Friedensplan haben wir vier ganz entscheidende Punkte vorgeschlagen:
- Beseitigung der landgestützten Raketen mittlerer Reichweite;
- Verringerung der Zahl der Gefechtsköpfe ballistischer Raketen strategischer
Reichweite um ein Drittel;
- beträchtliche Verminderung der Land- und Luftstreitkräfte bei der NATO
wie beim Warschauer Pakt und
- neue Sicherheitsvorkehrungen, um das Risiko eines unbeabsichtigten
Krieges zu vermindern.
Wir fordern die Sowjetunion heute auf, sich uns bei diesen Bemühungen anzuschließen. Wir haben dabei nicht nur für uns selbst zu handeln, sondern für die
gesamte Menschheit.
Am 18. November

�Am 18. November vergangenen Jahres kündigte ich die amerikanischen Zielsetzungen bei den RüstungskontrollVereinbarungen an. Sie müssen ausgewogen und
militärisch bedeutsam sein, sie müssen die Streitkräfte.auf niedrigerem Niveau
stabilisieren und sie müssen verifizierbar sein.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben konkrete, vernünftige
und ausgewogene Vorschläge unterbreitet.
Im Februar hat unsere Verhandlungsdelegation in Genf der Sowjetunion einen
Vertragsentwurf über die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) unterbreitet.
Wir boten an, auf die Dislozierung der ballistischen Pershing II-Raketen sowie
der landgestützten Marschflugkörper im Gegenzug zu einer Beseitigung der sowjetischen SS-20, SS-4 und SS-5-Raketen zu verzichten. Dieser Vorschlag würde mit
einem Schlag jene Systeme beseitigen, hinsichtlich derer beide Seiten ihre größte
Besorgnis zum Ausdruck brachten.
Die Vereinigten Staaten sehen erwartungsvoll den in weniger als zwei Wochen
beginnenden Verhandlungen mit der Sowjetunion über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) entgegen. Wir werden hart daran arbeiten, diese Gespräche zu einer Gelegenheit für echten Fortschritt auf unserer Suche nach dem
Frieden zu machen.
Am 9. Mai habe ich eine schrittweise Verringerung der strategischen Waffen
vorgeschlagen. In einem ersten Schritt sollte die Anzahl der Gefechtsköpfe
ballistischer Raketen auf jeder Seite auf etwa 5000 verringert werden. Nicht mehr
als die Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe würde sodann von landgestützten
Raketen getragen werden. Alle ballistischen Raketen würden dann auf ein gleiches
Niveau von etwa der Hälfte der derzeitigen Anzahl amerikanischer Raketen abgesenkt.
In einem zweiten Schritt würden wir die Gesamtzerstörungskraft beider Seiten
auf ein gleiches Niveau absenken, einschließlich einer beiderseitigen Höchstgrenze
beim Wurfgewicht unterhalb des derzeitigen amerikanischen Niveaus. Wir sind zudem
bereit, auch über andere Elemente des strategischen Gleichgewichts zu sprechen.
Vor meiner

�Vor meiner Rückkehr aus Europa vorige Woche traf ich in Bonn mit den
Führern der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft zusammen. Wir kamen überein, in die Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen eine wesentliche neue westliche Initiative einzubringen. Sie fordert
sowohl für die NATO als auch für den Warschauer Pakt gleiche kollektive Höchstgrenzen. Nach sieben Jahren gäbe es insgesamt 700 000 Main Landstreitkräfte und
- kombiniert - 900 000 Mann Heer- und Luftwaffe. Zudem enthält die Initiative
ein Maßnahmenpaket, um zu Zusammenarbeit zu ermutigen und die Einhaltung zu
verifizieren.
Wir fordern die Sowjetunion und die Mitglieder des Warschauer Paktes auf,
unseren westlichen Vorschlag als Mittel zu betrachten, in Wien nach neun langen
Jahren ergebnisloser Gespräche zu einem Abkommen zu gelangen. Wir drängen außerdem
darauf, daß sie die Vereinbarungen von Helsinki aus dem Jahr 1975 über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa in die Tat umsetzen.
Lassen Sie mich betonen, daß beide Seiten in der Lage sein müssen, die
Einhaltung von Vereinbarungen zu verifizieren, damit diese funktionieren können.
Wachsendes gegenseitiges Vertrauen in die Einhaltung der Abkommen kann nur durch
größere Offenheit erreicht werden» Ich möchte die Sondersitzung über Abrüstung
dazu ermutigen, die Bedeutung dieser Prinzipien für die RüstungskontrollVereinbarungen zu unterstreichen.
Ich habe unsere Vertreter bei dem 40-Nationen-Abrüstungsausschuß der Vereinten
Nationen in Genf angewiesen, Verifizierung und Einhaltung erneut zu unterstreichen.
Auf der Grundlage eines amerikanischen Vorschlags wurde ein Ausschuß ins Leben gerufen, der diese Probleme und ihren Zusammenhang mit Einschränkungen bei Nuklearversuchen untersucht. Wir verweisen zugleich auf die Notwendigkeit wirksamer
Verifizierungsvorkehrungen bei Abkommen zum Verbot chemischer Waffen.
Der Einsatz chemischer und biologischer Waffen wird schon lange von den
zivilisierten Ländern mit Abscheu betrachtet. Keine Institution, die sich um den
Frieden bemüht, kann den Einsatz dieser tötlichen Waffen ignorieren und trotzdem

- 9 -

�und trotzdem ihrer Aufgabe gerecht werden. Die Notwendigkeit eines wirklich
effektiven und verifizierbaren Abkommens über chemische Waffen wurde durch die
Ereignisse der jüngsten Zeit wieder deutlich. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten verletzen das Genfer Protokoll von 1925, die entsprechenden Regeln des
Völkerrechts und die Konvention über biologische Waffen aus dem Jahr 1972. Es
gibt schlüssige Beweise dafür, daß die sowjetische Regierung Gifte für den Einsatz in Laos und Kamputschea zur Verfügung stellt und selbst.chemische Waffen
gegen die Freiheitskämpfer in Afghanistan einsetzt.
Wir haben wiederholt bei der sowjetischen Regierung sowie bei den Regierungen
von Laos und Vietnam gegen deren Verwendung chemischer und toxischer Waffen
protestiert. Wir fordern sie jetzt auf, umfassenden und freien Zugang ihrer
Länder oder der von ihnen kontrollierten Territorien zu gewähren, damit die
Experten der Vereinten Nationen eine wirkungsvolle, unabhängige Untersuchung
durchführen und die Beendigung dieser schrecklichen Vorgänge verifizieren können.
Die Beweise für die Nichteinhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen
unterstreichen die Notwendigkeit, jede Verhandlung über neue Abkommen mit Behutsamkeit anzugehen.
Die Demokratien des Westens sind offene Gesellschaften. Informationen über
unsere Verteidigung stehen unseren Bürgern, unseren gewählten Vertretern und der
Welt zur Verfügung. Wir zögern nicht, potentielle Gegner über unsere Streitkräfte
zu informieren und fordern umgekehrt dieselbe Information über die Stärke ihrer
Streitkräfte.
Umfang und Art der Militärausgaben eines Landes sind für die Welt wichtige.
Informationen als Maßstab seiner Absichten und der Bedrohung, die dieses Land
für seine Nachbarn darstellen könnte. Die Sowjetunion und andere geschlossene
Gesellschaften tun alles, um ihre wirklichen Militärausgaben nicht nur vor anderen
Ländern, sondern auch vor ihrem eigenen Volk zu verheimlichen. Diese Praxis trägt
zu Mißtrauen und Angst vor ihren Absichten bei.
Heute schlagen
- 10 -

�Heute schlagen die Vereinigten Staaten eine internationale Konferenz über
Militärausgaben vor, um auf der Arbeit dieser Körperschaft bei der Entwicklung
eines gemeinsamen Systems von Rechnungslegung und Berichterstattung aufzubauen.
Wir appellieren insbesondere an die Sowjetunion, sich diesen Bemühungen in gutem
Glauben anzuschließen und die allgemein als unglaubwürdig diskreditierten
offiziellen Zahlen zu revidieren, die sie veröffentlicht, und sich uns dabei
anzuschließen, der Welt eine ehrliche Rechnungslegung der Mittel zu geben, die
wir für unsere Streitkräfte aufwenden.
Vorigen Freitag habe ich in Berlin gesagt, ich würde einen jeden Stein
umdrehen in der Anstrengung, den Frieden zu stärken und das Kriegsrisiko zu vermindern. Für mich ist klar, daß Schritte unternommen werden müssen, um das
gegenseitige Vertrauen und die gegenseitige Kommunikation zu verbessern und die
Möglichkeit einer Fehleinschätzung zu verringern.
Ich habe daher angewiesen, Wege zu erforschen, um Verständigung und
Kommunikation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Friedenszeiten und in Zeiten der Krise zu erhöhen. Wir werden der Sowjetunion Vorschläge
für wechselseitigen Austausch in Bereichen wie Vorinformation bei größeren
strategischen Übungen unterbreiten, die ansonsten falsch interpretiert werden
könnten; desgleichen vorherige Benachrichtigung bei Abschüssen von ballistischen
Interkontinentalraketen innerhalb nationaler Grenzen oder über diese hinaus sowie
einen erweiterten Austausch von Daten über die strategischen Streitkräfte.
Während schon jetzt konkrete Informationen über die amerikanischen Aktivitäten
und Streitkräfte in diesem Bereich zur Verfügung gestellt werden, bin ich der
Meinung, daß ein gemeinsamer und regelmäßiger Informationsaustausch eine qualitative
Verbesserung im strategisch-nuklearen Umfeld darstellen und dabei helfen würde,
die Möglichkeiten eines Mißverständnisses zu verringern. Ich fordere die Sowjetunion auf, sich den Vereinigten Staaten bei der Auslotung dieser Möglichkeiten
anzuschließen, um dadurch Vertrauen zu schaffen, und ich bitte auch Sie um Ihre
Unterstützung unserer Anstrengungen.
Eines der
- 11 -

�Eines der wichtigsten Konferenzthemen hier ist die Entwicklung eines umfassenden Abrüstungsprogramms. Wir unterstützen die Bemühung, einen Kurs realistischer und wirksamer Maßnahmen für die Suche nach dem Frieden abzustecken.
Ich bin in diesen Saal gekommen, um eine neuerliche internationale Verpflichtung gegenüber der Grundeinstellung der Charta der Vereinten Nationen zu
fordern - daß alle Mitglieder Toleranz üben

und zusammen als gute Nachbarn in

Frieden unter der Herrschaft des Rechts leben und der bewaffneten Gewalt als
Mittel zur Lösung von Streitigkeiten zwischen den Nationen entsagen. Amerika
fordert Sie auf, die Tagesordnung für den Frieden zu unterstützen, die ich heute
dargelegt habe. Wir ersuchen Sie, die bilateralen und multilateralen Rüstungskontroll Verhandlungen zwischen den Mitgliedern der NATO und des Warschauer Paktes
zu unterstützen, sich auch weiterhin der Aufrechterhaltung des Weltfriedens und
der internationalen Sicherheit und der Beseitigung von Friedensdrohung zu widmen.
Wir, die wir die Charta der Vereinten Nationen unterzeichnet haben, haben
uns dazu verpflichtet, uns der Drohung oder der Anwendung von Gewalt gegen das
Territorium oder die Unabhängigkeit eines jeden Staates zu enthalten. In diesen
Zeiten, da immer mehr Akte der Gesetzlosigkeit ungesühnt begangen werden - und
da einige Mitglieder sogar dieser Körperschaft eine wachsende Geringschätzung der
Charta der Vereinten Nationen an den Tag legen -, müssen die friedliebenden
Staaten der Welt Aggression verurteilen und erneut geloben, auf eine Weise zu
handeln, die der Ideale würdig ist, zu denen wir uns verpflichtet haben. Erfüllen
wir endlich die Charta mit Leben.
Vor 37 Jahren versammelten sich gegen Ausgang des Frühlings die Vertreter
von 50 Staaten auf der anderen Seite dieses Kontinents, im Opernhaus von San
Franzisko. Der Völkerbund war zerbrochen und der Zweite Weltkrieg tobte noch
immer, aber jene Männer und jene Staaten waren entschlossen, den Frieden zu finden.
Ergebnis war diese Charta für den Frieden, die den Rahmen der Vereinten Nationen
bildet.
Präsident Harry

- 12 -

�Präsident Harry Truman sprach von der Neubelebung eines alten Glaubens der immerwährenden moralischen Kraft der Gerechtigkeit, die jene Konferenz der
Vereinten Nationen anregte. Diese Kraft ist noch immer in Amerika und jenen
Ländern vorhanden, wo es freie Rede gibt und wo die Bürger das Recht haben, sich
zu versammeln und ihre Meinung kundzutun.
Präsident Truman sagte: Wenn wir jenen begeisternden Idealen nur ein Lippenbekenntnis bringen und danach der schlichten Gerechtigkeit Gewalt antun, würden
wir den bitteren Fluch der noch ungeborenen Generationen auf uns laden. Diese
Worte von Harry Truman haben für uns heute eine ganz besondere Bedeutung, leben
wir doch mit der Möglichkeit der Zerstörung der Zivilisation.
Und er sagte weiter: Wir müssen lernen, in Frieden zusammenzuleben. Wir
müssen eine neue Welt schaffen - eine weit bessere Welt.
Welch eine bessere Welt wäre es, wenn die Waffen schwiegen, wenn niemand
mehr seinen Nachbarn mißbrauchte und alle Völker frei wären, die Früchte ihrer
Mühen zu ernten und ihr eigenes Schicksal und Regierungssystem nach eigener
Wahl bestimmen könnten.
Während meiner Audienz bei Seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II, überbrachte ich ihm die feierliche Verpflichtung des amerikanischen Volkes, alles
für Frieden und Abrüstung zu tun, was möglich ist. Das amerikanische Volk hält
die Schaffung eines echten und dauerhaften Friedens für seine geheiligte Aufgabe.
Lassen Sie uns nie vergessen, daß ein solcher Friede ein schrecklicher
Schwindel wäre, wenn die Welt nicht länger mehr gesegnet wäre mit der Freiheit
und der Achtung der Menschenrechte. Die Vereinten Nationen, so sagte Hammerskjtflld
einmal, wurden aus den Umwälzungen des Krieges geboren. Sie sollten die Opfer
all derjenigen rechtfertigen, die für Freiheit und Gerechtigkeit starben. "Es
ist unsere Pflicht gegenüber der Zukunft, auf diese Weise sowohl unseren Nationen
als auch der ganzen Welt zu dienen."
Lassen Sie
- 13 -

�Lassen Sie uns, die wir hier im Namen des Friedens versammelt sind, als
Patrioten unserer Länder und als Hoffnung der ganzen Welt unser Verständnis
füreinander vertiefen, unsere Verpflichtung gegenüber der Herrschaft des Rechts
erneuern und neue und mutigere Schritte unternehmen, um eine unsichere Welt zu
beruhigen. Kann irgendein Delegierter hier leugnen, daß ein solches Tun genau
das wäre, was sein Volk - was alle Menschen seines Landes - von ihm erwarten?
Ist es nicht an^der Zeit, daß wir wirklich die tiefsten und größten Sehnsüchte all unserer Völker zum Ausdruck bringen? Möge keine Nation dieses gemeinsame Verlangen nach Freiheit vor Furcht mißbrauchen! Wir dürfen unsere Völker
nicht dadurch manipulieren, daß wir ein Spiel mit ihren Alpträumen treiben; wir
müssen der Menschheit durch echte Abrüstung dienen. Mit Gottes Hilfe können wir
das Leben und die Freiheit der kommenden Generationen sicherstellen.
+++++

- 14 -

�23. Juni 1982

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZU POLEN
Bedingungen für Wiederaufnahme der US-Hilfe an Polen unverändert

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan betonte am 13. Juni 1982 in einer
vom Weißen.Haus veröffentlichten Erklärung, die an den Tag vor sechs Monaten
erinnert, an dem in Polen das Kriegsrecht verhängt wurde, daß die Vereinigten Staaten erst dann bei der wirtschaftlichen Gesundung Polens helfen werden, wenn die dortige Regierung "das Kriegsrecht aufhebt, alle politischen
Gefangenen freiläßt und wieder einen echten Dialog mit der Kirche und der
Solidarität beginnt."
Die Erklärung von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Heute vor sechs Monaten legte sich Dunkel über Polen, als die Warschauer
Regierung einen "Kriegszustand" über ihr eigenes Volk verhängte.

Aber auch

heute bleibt der Geist des polnisches Volkes ungebrochen und der Abgrund zwischen dem polnischen Volk und seiner Führung hat sich - wie die weitverbreiteten Massendemonstrationen Anfang Mai zeigen - seit dem 13. Dezember 1981 noch
weiter aufgetan.
Die große

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die große Bandbreite wirtschaftlicher Sanktionen, die wir vergangenen
Dezember gegen die Warschauer Regierung inkraft gesetzt haben, hatte auf die
polnische Wirtschaft starke Auswirkungen - eine Tatsache, die auch von polnischen Behörden eingestanden wird. Mit jedem Tag, der vergeht, verstärken
sich die Auswirkungen dieser Sanktionen, insbesondere angesichts der Tatsache,
daß die Verbündeten Warschaus nicht bereit sind, Hilfe in größerem Umfang zu
gewähren.

Wir stellten bei Verhängung dieser Sanktionen klar, daß sie rück-

gängig gemacht würden, wenn und sobald die polnischen Behörden die international anerkannten Menschenrechte des polnischen Volkes wiederherstellen.
Wir erklärten auch, daß die Regierung der Vereinigten Staaten bereit ist, einem
solchen Polen Hilfe zu gewähren und so seine wirtschaftliche Wiedergesundung
zu unterstützen.

Aber die Vereinigten Staaten können und werden diese Schrit-

te nicht unternehmen, solange nicht die polnische Regierung das Kriegsrecht
aufhebt, alle politischen Gefangenen freiläßt und wieder einen echten Dialog
mit der Kirche und der Solidarität beginnt.
Unsere Herzen sind mit dem tapferen polnischen Volk, das über die Jahre
hinweg so viel gelitten hat. Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin
durch Organisationen wie den Katholischen Hilfsdiensten, CARE und Projekt
Hoffnung dem polnischen Volk humanitäre Hilfe gewähren.

Hoffen wir, daß die

staatlichen Stellen in Warschau das ihre tun, um einen echten Prozeß der Versöhnung in Polen in Gang zu setzen, bevor der Abgrund zwischen Staat und Volk
noch bedrohlicher wird.

- 2 -

�23. Juni 1982

24

PRESSEERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS NACH
BONNER NATO-GIPFEL
Haig hofft auf Ära der Zurückhaltung und Verantwortung seitens
der Sowjetunion -

BONN - (AD) - Im Anschluß an das Gipfeltreffen der NATO-Mitgliedstaaten
in Bonn am 10. Juni 1982 informierte der amerikanische Außenminister Alexander
Haig die Vertreter der Presse.

In Erkenntnis der Notwendigkeit einer ausge-

wogenen Verteidigung, der Rüstungskontrolle und der "Integration der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aktiva der westlichen
Welt" hätten die Vertreter der NATO-Staaten ein System für die achtziger
Jahre erstellt, das zu einer"Ära der Zurückhaltung und Verantwortung seitens
der Sowjetunion" führen könne.
Die wesentlichen Auszüge der Presseerklärung des Außenministers haben
folgenden Wortlaut:
Ich würde dies einen historischen Tag für das NATO-Bündnis nennen hauptsächlich, wenn auch nicht ausschließlich, aufgrund des formellen Beitritts Spaniens zur NATO.

Es handelt sich um einen Schritt von ganz entscher

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�ganz entscheidender Bedeutung - sowohl für das Bündnis als auch für Spanien.
Dieser Beitritt Spaniens ist ein deutlicher Beweis für die fortdauernde
Attraktivität und Lebenskraft des Bündnisses...
Dieses Gipfeltreffen und die heute auf dem Treffen veröffentlichten
Dokumente zeigen, daß die NATO die höchsten Werte der westlichen Welt widerspiegelt.

Besonders bin ich über das Kommunique und die begleitenden Doku-

mente erfreut, die zum Thema der Rüstungskontrolle und der Stärkung unserer
konventionellen Verteidigung herausgegeben wurden.

Sie spiegeln ein Jahr

der intensiven Arbeit innerhalb des Bündnisses auf einer Reihe der wichtigsten
Bereiche wider...
Wir haben hier vor uns ein System für das Jahrzehnt der achtziger Jahre,
zeitgemäß sowohl in seiner Anerkennung der Notwendigkeiten in dem Bereich der
ausgewogenen Verteidigung des Bündnisses, der Notwendigkeit der Rüstungskontrolle als auch der Notwendigkeit der Integration der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aktiva der westlichen Welt, um das
zu erreichen, was wir uns als eine Ära der Zurückhaltung und der Verantwortung seitens der Sowjetunion in einem Gesamtrahmen erhoffen, der von allen
Mitgliedstaaten koordiniert, integriert und voll akzeptiert wird...
Ich möchte auch ein Wort zu der Gipfel-Erklärung selbst sagen, die der
Sowjetunion die dringlichste Botschaft der letzten Zeit sendet. Sie zeigt
auf das Deutlichste, wie grundlegend sich die NATO vom Warschauer Pakt unterscheidet. Unser Bündnis ist eine offene Partnerschaft, gegründet auf Konsens
und Demokratie. Seine Vielfalt ist zugleich auch seine Stärke. Der Warschauer
Pakt ist eine erzwungene Verbindung - eine Zwangsehe, die von einer einzigen
Regierung dominiert wird. Er ist in vieler Hinsicht unfähig, auf die Erfordernisse seiner Völker zu reagieren, die zu schützen er gedacht ist. Er
hat Angst vor Freiheit, Scheu vor Vielfalt. Wieder hat der Westen die UdSSR
aufgefordert, in ihrem Verhalten Zurückhaltung und Verantwortung zu zeigen
- und dies ist eine deutliche Botschaft und ein deutliches Signal, das sich
durch das gesamte Kommunique zieht.
Die Erklärung
- 2 -

�Die Erklärung zur Verteidigung - die wir als besonders bedeutsam und
wichtig ansehen - bekräftigt erneut die Strategie der NATO zu einer Zeit,
da es Mode geworden ist, etwas in Frage zu stellen, das den Frieden in Westeuropa, ja, im umfassenderen Ost-West-Sinn während der 33 Jahre, seit es das
Bündnis selbst gibt, erhalten und bewahrt hat.
Die Erklärung spiegelt auch Einverständnis auf höchster Ebene hinsichtlich der Notwendigkeit einer Verbesserung der konventionellen Verteidigung
der NATO wider, einschließlich der schnellen Eingreiftruppen und der Reservetruppen. Sie betont den umfassenden Einsatz neuer Technologien und die Notwendigkeit des Schutzes der technologischen Vorteile des Westens...
Sie unterstreicht die Bedeutung der wachsenden Zusammenarbeit unter den
Verbündeten zur Gewährleistung von Sicherheit und Stabilität in anderen kritischen Weltregionen... außerhalb der strikten geographischen Begrenzungslinien des Bündnisses selbst. Wir haben nunmehr einen Konsens hinsichtlich der
Übereinkunft erreicht, daß das Bündnis - wohl oder übel - in zunehmendem Maße
beeinflußt wird durch Ereignisse außerhalb der geographischen Grenzen des
Bündnisses und daß deshalb jene Staaten mit lebenswichtigen Interessen in gemeinsamer Koordination und Konsultation sich damit auseinandersetzen müssen nicht innerhalb des Bündnisrahmens, sondern im Rahmen der Beobachtung... und
des fortlaufenden Informationsaustausches.
Es gibt darüber hinaus noch eine wichtige Erklärung zur Rüstungskontrolle.
Sie stellt klar, daß es" das westliche Bündnis ist, das die Ideen und Initiativen hat, um in diesem so bedeutsamen Bereich zu einem Dialog mit dem Osten
zu kommen.
Das Dokument stellt deutlich die wesentlichen Aspekte des Friedensprogramms von Präsident Reagan heraus. Es unterstützt die amerikanischen Zielsetzungen bei den START-Verhandlungen und die amerikanische Haltung bei den
Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme, die sich auf dem
Doppelbeschluß vom Dezember 1979 gründen.
Es unterstreicht

�Es unterstreicht die westliche Bereitschaft zur Neubelebung der Wiener
Truppenabbauverhandlungen (MBFR), die sich nunmehr in ihrem neunten Jahr befinden, durch neue Gedanken» die auf niedrigere und ausgewogenere Streitkräfteniveaus in Mitteleuropa' abzielen... und es signalisiert das starke westliche
Interesse an den Möglichkeiten für einen konstruktiven Dialog, zu dem die Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstung und andere Rüstungskontrollforen einladen.
Die Bedeutung dieser westlichen Initiativen unterstreicht auch der Appell,
den die NATO heute erneut an die Sowjetunion gerichtet hat, um deren Bekundungen friedfertiger Absichten Taten folgen zu lassen, die auch zu Ergebnissen
führen und ist, wie ich meine, ein höchst bedeutsames Thema des gesamten Verhandlungsspektrums ...
Die Bemerkungen von Präsident Reagan beim Abschluß dieses Treffens heute
nachmittag waren eine"spontane, persönliche Äußerung und brachten die Ansicht
des Präsidenten zu den Ost-West-Beziehungen gut auf einen Nenner, bekräftigten
sie doch in deutlichen Worten die Bereitschaft des Präsidenten zu einem echten Dialog mit den Sowjets, der sich allerdings auf sowjetische Zurückhaltung
gründen sollte...
Ich habe von unseren Erfahrungen der siebziger Jahre und von dem Begriff
Entspannung gesprochen, wie er 1970 verstanden wurde - einer Formel, die uns
Zeuge wachsender sowjetischer Intervention in weltweitem Rahmen werden ließ:
in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten, in den beiden Jemen, Afghanistan,
Südostasien und - einmal mehr - in der westlichen Hemisphäre...
Das Kommunique bezieht sich auf etwas anderes als die klassische Version
von 1970. Es hebt auf echte Entspannung ab. Es wird nicht das Dialogprinzip
aufgegeben und auch nicht der Wunsch, zu Abkommen und zu einem Meinungsgleichklang mit der Sowjetunion zu gelangen. Dies aber sollte nicht allein durch
Worte, sondern durch eine fortlaufende Bewertung der Taten geschehen, wobei
die Betonung eindeutig auf Wechselseitigkeit liegt...
Er (Reagan)
- 4 -

�Er (Reagan) malte ein deutliches Bild der Hoffnung für die Zukunft, indem
er die demokratische Aktiva unterstrich, die der westlichen Welt zur Verfügung
stehen, wenn sie nur angemessen integriert und orchestriert werden.

Er spiel-

te dabei auf die politischen' Aspekte dieser Aktiva an - unsere demokratischen
Werte -, auf die wirtschaftlichen - die gewaltige Überlegenheit der westlichen
IndustriegesellSchäften - und natürlich auf die sicherheitspolitischen Aspekte,
nämlich die Gemeinschaft" der Bündnismitglieder.

+ + + + +

- 5 -

�^^^^^^^^

Hintergrund
materiell
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23. Juni 1982

24

PRÄSIDENT REAGANS ABRÜSTUNGSVORSCHLÄGE
Eine Obersicht

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische
Präsident hat in den vergangenen sieben
Monaten eine Reihe von Abrüstungsvorschlagen
gemacht - sowohl was die nuklearen Waffen
als auch die konventionelle Rüstung angeht.
Nachstehend findet sich eine Obersicht über
diese Vorschläge und die Bereiche, die sie
berühren.

1. Verhandlungen zur Verringerung der strategischen Waffen (Strategie Arms
Reduction Talks - START)
Am 18. November 1981 schlug Präsident Reagan die Aufnahme amerikanischsowjetischer Verhandlungen über die strategischen Waffen "sobald wie möglich
im nächsten Jahr" vor.
Vor dem

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�Vor dem Nationalen Presseklub in Washington erklärte der Präsident in
einer Fernsehansprache, die über Satellit in die ganze Welt übertragen wurde,
er habe Präsident Breschnew darüber informiert,"daß wir uns bemühen werden,
wesentliche Verringerungen der nuklearen Rüstungen auszuhandeln, die zu einem
Stand führen würden, der gleichwertig und verifizierbar ist. Unsere Haltung
gegenüber der Verifizierung wird den Nachdruck auf Offenheit und Kreativität
legen - statt auf Geheimhaltung und Argwohn, die in der Vergangenheit das Vertrauen in die Rüstungskontrolle untergraben haben."
Reagan erklärte ferner: "Wir können und sollten versuchen, wesentliche
qualitative und quantitative Fortschritte zu erzielen. Nur solche Fortschritte
können die Hoffnungen unserer eigenen Völker und der übrigen Welt erfüllen.
Laßt uns sehen, wie weit wir gehen können, um wirklich wesentliche Verringerungen
in unseren strategischen Arsenalen zu erreichen.
Um diese fundamentalen Richtungsänderungen zu symbolisieren, werden wir diese
Verhandlungen START nennen - Strategie Arms Reduction Talks (Strategische
RUstungsverminderungsgespräche)."
Am 9. Mai 1982 regte der Präsident in seiner Rede vor dem Eureka-College
an, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten in der ersten Phase der
START-Gespräche ihre ballistischen Raketen-Gefechtsköpfe um mindestens ein
Drittel bei gleichen Höchstgrenzen vermindern. Um die Stabilität zu fördern,
würden wir, so sagte der Präsident, zu erreichen suchen, daß höchstens die
Hälfte dieser Gefechtsköpfe bodenstationiert sind. Die erste Phase von START
sollte das Schwergewicht auf die interkontinentalen ballistischen Raketen
(Intercontinental Ballistic Missiles - ICBM) legen, weil sie das System mit der •
größten destabilisierenden Wirkung sind.
"Was die nächste Zukunft anbelangt", erklärte er, "so werde ich unsere
Vertreter bei den START-Verhandlungen anweisen, ihren sowjetischen Verhandlungspartnern einen praktischen, schrittweisen Verminderungsplan vorzuschlagen. Unsere
Anstrengungen werden sich darauf konzentrieren, die destabilisierenden Systeme
- die ballistischen Raketen -, die Anzahl der Gefechtsköpfe, die sie tragen,
sowie ihr Gesamtzerstörungspotential beträchtlich zu verringern.
0

Ich hoffe,

�Ich hoffe, daß am Ende der ersten Phase der START-Verhandlungen die Gefechtsköpfe der ballistischen Raketen - der schwersten Bedrohung, vor der wir stehen auf einen gleichen Stand - mindestens auf ein Drittel des derzeitigen Stands vermindert werden. Um die Stabilität zu steigern, wäre mein Vorschlag, daß
nicht mehr als die Hälfte dieser Gefechtsköpfe landgestützt ist. Ich hoffe, daß
diese Verminderung der Gefechtsköpfe sowie beträchtliche Verminderungen bei den
Raketen selbst so rasch wie möglich erreicht werden können.
In einer zweiten Phase streben wir eine gleiche Obergrenze auch bei anderen
Elementen unserer strategischen Kernwaffen an, einschließlich einer Begrenzung
der Nutzlast der ballistischen Raketen auf weniger als das derzeitige amerikanische Niveau. In beiden Phasen werden wir auf Verifizierungsverfahren bestehen,
um sicherzustellen, daß das Abkommen eingehalten wird."
In seiner Ansprache zum amerikanischen Heldengedenktag auf dem Nationalfriedhof Arlington, teilte Präsident Reagan am 31. Mai mit, daß die "START-Verhandlungen zwischen unserem Land und der Sowjetunion am 29. Juni beginnen
werden."
Er fügte dieser Ankündigung nachstehende Erklärung über vorausgegangene
strategische Verträge und Verhandlungen hinzu:
"Was die bestehenden strategischen Übereinkünfte angeht, werden wir uns
darin enthaltener Maßnahmen so lange enthalten, wie die Sowjetunion gleiche
Zurückhaltung wahrt."

2. Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (Intermediate-Range
Nuclear Missile Force - INF)
In seiner Rede vom 18. November 1981 schlug Präsident Reagan vor, die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten ihre Mittelstreckenraketen auf
Null reduzieren. Dieses Vorgehen wird als die "Null-Option

oder Null-Lösung

bezeichnet. Der Präsident erklärte: "Die Vereinigten Staaten sind bereit, auf

- 3 -

�bereit, auf ihre Dislozierung der PERSHING II und der landgestützten Marschflugkörper zu verzichten, wenn die Sowjets ihre SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen
abbauen. Dies wäre ein historischer Schritt."

3. Niedrigere und gleiche Stärken der konventionellen Streitkräfte
In seiner Rede vom 18. November 1981 schlug der Präsident ferner vor, daß
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten "etwas tun, um eine Gleichheit der
konventionellen Streitkräfte in Europa auf niedrigeren Ebenen zu erreichen."
Er fügte dem hinzu, daß "die Verteidigungserfordernisse der Sowjetunion es
wohl kaum nötig machen, daß sie heute in Ostdeutschland mehr KampfdiVisionen
unterhält, als die gesamte alliierte Invasionsstreitmacht hatte, die am
Invasionstag in der Normandie landete." Der Präsident fuhr fort, die Sowjetunion
"könnte keinen überzeugenderen Beitrag zum Frieden in Europa - und in der ganzen
Welt - leisten, als zuzustimmen, ihre konventionellen Streitkräfte wesentlich
zu reduzieren und das Potential für eine plötzliche Aggression zu beschränken."

4. Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streitkräfte
(Mutual and Balanced Force Reduction - MBFR)
Am 9. Juni 1982 schlug Präsident Reagan vor, daß die Nordatlantikpaktorganisation (NATO) und der Warschauer Pakt ihre Landstreitkräfte in Mitteleuropa auf insgesamt je 700 000 Mann und ihre kombinierten Land- und Luftstreitkräfte auf je 900 000 Mann verringern. In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag
erklärte der Präsident, gestützt auf NATO-Konsultationen zur Frage der Überwachung der Einhaltung einer Obereinkunft über die beiderseitige ausgewogene
Verringerung der Streitkräfte, die "westlichen Vertreter bei den Wiener Gesprächen
werden demnächst einen Vorschlag einbringen, nach dem die beiden Bündnisse
beiderseitig ihre Landstreitkräfte in nachprüfbaren Phasen auf eine Gesamtstärke
von 700 000 Mann senken würden und die Kombination von Landtruppen und Luftwaffenpersonal auf 900 000."
Am 11. Juni

�Am 11. Juni bekräftigte Präsident Reagan dann in seiner Berliner Rede:
"Wir fordern die Sowjetunion, wie die NATO gestern vorgeschlagen hat, auf, die
konventionellen Landstreitkräfte des Warschauer Paktes und der NATO in Mitteleuropa auf jeweils 700 000 Mann zu verringern und die Gesamtstärke der Landund Luftstreitkräfte der beiden Bündnisse auf jeweils 900 000 Mann."
Er erklärte ferner, "eine positive Antwort der Sowjets auf diese ernsthaften, ausgewogenen Vorschläge - diesen Appell zur Versöhnung statt zur Konfrontation - könnte die Tür zu einer Konferenz über Abrüstung in Europa öffnen."

5. Vertrauenbildende Maßnahmen
In seiner Berliner Rede schlug der Präsident ferner mehrere vertrauenbildende Maßnahmen und Schritte zur Verbesserung der Kommunikation in Friedenswie in Krisenzeiten vor. Er erklärte:
"Wir werden der Sowjetunion in Kürze Vorschläge unterbreiten, auf solchen
Gebieten wie der Bekanntgabe strategischer Übungen, dem Abschuß von Raketen
und eines erweiterten Austausches von Daten über strategische Streitkräfte.
Zusammengenommen würden diese Schritte eine qualitative Verbesserung im nuklearen
Bereich darstellen. Sie würden ferner dazu beitragen, die Möglichkeiten der
Fehlinterpretation im Falle von Übungen und Raketenprobeschüssen zu verringern.
Und sie würden die Geheimhaltung und Zweideutigkeit verringern, mit denen militärische Tätigkeiten umgeben sind."
In seiner Ansprache auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen über
Abrüstungsfragen forderte Präsident Reagan am 17. Juni "größere Offenheit" als
eine vertrauenbildende Maßnahme.
Er rief die Delegierten der Abrüstungssondersitzung auf, die Bedeutung der
Grundsätze der Verifikation und der Erfüllung von Rüstungsbeschränkungsvereinbarungen besonders zu beachten und fügte dem hinzu: "Lassen Sie mich betonen,
daß beide Seiten in der Lage sein müssen, die Einhaltung von Vereinbarungen zu

- 5 -

�Vereinbarungen zu verifizieren, damit diese funktionieren können. Wachsendes
gegenseitiges Vertrauen in die Einhaltung der Abkommen kann nur durch größere
Offenheit erreicht werden."
Der Präsident schlug in der gleichen Rede vom 17. Juni ferner eine "internationale Konferenz über Militärausgaben" vor, um ein "gemeinsames System der
Rechnungslegung und Berichterstattung" aufzubauen.
"Umfang und Art der Militärausgaben eines Landes", so betonte er, "sind
für die Welt wichtige Informationen als Maßstab seiner Absichten und der Bedrohung, die dieses Land für seine Nachbarn darstellen könnte. ... Wir appellieren insbesondere an die Sowjetunion, sich diesen Bemühungen in gutem Glauben anzuschließen und die allgemein als unglaubwürdig diskreditierten offiziellen
Zahlen zu revidieren, die sie veröffentlicht, und sich uns dabei anzuschließen,
der Welt eine ehrliche Rechnungslegung der Mittel zu geben, die wir für
unsere Streitkräfte aufwenden."
+++++

�T

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24

23. Juni 1982

WORTE UND TATEN DER SOWJETUNION UND DIE SOWJETISCH-AMERIKANISCHEN ABRÜSTUNGSGESPRÄCHE
- Kommentar der Stimme Amerikas -

Was Präsident Reagan in seiner Rede vor der Abrüstungs-Sondersitzung der
Vereinten Nationen am 17. Juni in New York über die Sowjetunion sagte, wurde
von der Presse teilweise als barsch charakterisiert.
In der Tat zeigte der Präsident in seiner Rede die recht traurige Liste
sowjetischen Verhaltens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf - zum großen
Teil eine Chronik schöner Worte der Sowjets über die friedliebenden Absichten
Moskaus, eine Rhetorik, die leider nur zu oft durch Akte sowjetischer Aggression
widerlegt wurde.
Die Liste dieser sowjetischen Aggressionen ist lang. Sie reicht zurück bis
in die ersten Tage nach dem Zweiten Weltkrieg mit der durch das Militär unterstützten politischen Herrschaft über Osteuropa. Und sie geht bis in unsere Zeit
der Schaffung politischer Gewalt in weiten Bereichen der Dritten Welt, im
Mittleren Osten, in Mittel- und Südamerika, in der Karibik, in Afrika und in
Südostasien.
Nackte Tatsache

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�Nackte Tatsache ist, daß die Sowjetunion im praktizierten Imperialismus
in der heutigen Welt führend ist. Das können das afghanische wie das polnische
Volk bezeugen - um zwei Beispiele für die Auswirkung des sowjetischen Imperialismus auf die unmittelbaren Nachbarn der Sowjetunion zu nennen.
In der Tatsache dieses sowjetischen Imperialismus liegt eine besondere
Ironie. Während er sich in den Nachkriegsjahren ausdehnte, ging der ältere
westliche Imperialismus der Vorkriegszeit rasch seinem Ende entgegen, wurde
doch ein Land nach dem andern unabhängig, das einst von den Kolonialmächten
beherrscht worden war.
In einer Welt der Kernwaffen stellt das sowjetische Verhalten ein gewaltiges Hindernis auf dem Weg der Rüstungsverminderung dar. Denn die Sowjetunion fährt mit ihrer gegen Westeuropa gerichteten Aufrüstung, die weit über
gerechtfertigte Verteidigungserfordernisse hinausgeht, fort - gerade während
sie auf Verhandlungen und ein Nachlassen der Spannungen drängt.
Die Führung in Moskau kann bei ihrer Analyse Westeuropas und dessen Konzentration auf die wirtschaftliche Entwicklung kaum zu der Überzeugung kommen,
die Sowjetunion sei der Gefahr eines Angriffs aus dieser Ecke ausgesetzt.
Sie kann andererseits bei Analyse der amerikanischen Politik über die
Jahre hinweg auch nicht wirklich zu der Überzeugung gelangen, möglicherweise
einmal vor einem Angriff durch die Vereinigten Staaten zu stehen. Die amerikanische Politik war von einer Administration zur andern stets auf die Notwendig- •
keit einer Abschreckung ausgerichtet. Gleichzeitig unterstellte sie sich stets
dem Gebot des Dialogs - und tut dies auch weiterhin.
Warum ging Reagan dann so auf die sowjetische Vergangenheit ein? Aus dem
einfachen Grund, weil es nötig ist, die Natur und die Absichten eines potentiellen Gegners zu verstehen, um zu einer Kommunikation zu gelangen, die auch
Früchte trägt.
Der Dialog

- 2 -

�Der Dialog zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten über die
Notwendigkeit echter Abrüstung ist von entscheidender Bedeutung. Er ist von
solch entscheidender Bedeutung, weil die Sicherheit der ganzen Welt davon abhängt, und weil beide Supermächte und deren Verbündete eindeutig Nutzen aus
echten Abstrichen bei den nuklearen und konventionellen Streitkräften ziehen
würden.
Klar muß allerdings auch sein - und dies war ein entscheidender Punkt,
auf den Reagan abhob -, daß die Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion
nur in einem Kontext unbestrittener amerikanischer und westlicher Stärke auf
Rüstungsabbau drängen werden.
Es gibt keinen anderen Weg, um die Sowjetunion dazu zu bringen, ihrer
Friedensrhetorik auch neue und annehmbarere Formen des internationalen Verhaltens folgen zu lassen.
+++++

- 3 -

�23. Juni 1982

24

REAGANS EUROPA-REISE BRACHTE DIE WELT DEM FRIEDEN NÄHER
- Der Präsident ist mit den Ergebnissen zufrieden - Von unserem Korrespondenten Alexander Süllivan -

BONN - (AD) - Unweit des Rednerpults auf dem Köln-Bonner Flughafen Wahn
sah Präsident Reagan am 11. Juni 1982 eine Gruppe von Kindern, die zu einem
Abschiedsgruß gekommen waren und bezog sie, blitzschnell reagierend, in seine
Abschiedsbotschaft ein: Ihre Zukunft sei die Kernfrage, um die es ihm auf seiner
gesamten Europareise gegangen war. "Wir müssen ihnen", erklärte er, "eine Welt
der Chancen und des Friedens hinterlassen."
Der Präsident kehrt mit der Gewißheit aus Europa zurück, daß es ihm auf
seiner zehntägigen Reise gelungen ist, einen neuen Anfang zu machen; und so
erklärte er beim Abflug von Bonn "solche Konferenzen sind anstrengend ... aber
diese waren erfolgreich."
Die Ziele

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�Die Ziele der Europa-Reise Reagans waren sowohl substantieller als auch
symbolischer Natur, wie dies bei Reisen des Präsidenten der Fall zu sein pflegt.
Der Abstecher zur Berliner Mauer beispielsweise war die eindeutige und an Ost
und West gerichtete Botschaft, daß die Verpflichtung Washingtons gegenüber Berlin
zwei Jahrzehnte nach Errichtung der kalten und brutalen Mauer, jener offenen
Wunde quer durch die Stadt, noch als ein genau so helles Feuer brennt, wie in
den Tagen der Luftbrücke von 1948.
Aber die substantiellen Elemente überwogen die symbolischen bei weitem.
Nachdem der Präsident die demokratischen Industriestaaten zu einer einheitlicheren
Betrachtungsweise des Handels mit den Ländern des Sowjetblocks aufgerufen hatte,
unternahm er es, in seinen Reden vor dem britischen Parlament, vor dem Deutschen
Bundestag und vor der Bevölkerung von Berlin, eine umfassende und in sich geschlossene Strategie zur Verringerung des Risikos eines Krieges aufzuzeigen durch Begrenzung der Kriegsrüstungen und Beseitigung jener Verdachtsmomente, die
nationale wie ideologische Animositäten immer wieder neu schüren.
Ausgehend von den vor der Europa-Reise gehaltenen Reden über die Begrenzung
der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) und seiner Rede vom 18. November 1981
über die Verminderung strategischer Raketen als Vorleistung, benutzte Reagan
Europa als das Forum für die Entwicklung eines umfassenden physischen und
psychologischen Plans zur Beendigung der Konfrontation zwischen dem Sowjetkommunismus und der westlichen Demokratie.
Mit diesem Vorgehen präsentierte sich Präsident Reagan den Europäern als
ein ganz anderer Mann, als man vielerorts erwartet hatte. Die Europäer, berichtete
Edwin Meese, ein sehr enger Berater Reagans, "gewannen den Eindruck, daß Reagan
aufrichtig um die Erhaltung des Friedens besorgt sei, während man zuvor geglaubt
hatte, er sei ein allzu kriegsbereiter Mann."
Heute ist es erwiesene Tatsache, daß Reagan der Sowjetunion Verhandlungen
über praktisch jeden Aspekt der Beziehungen zwischen den beiden Blöcken anbietet.
In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag machte er das Angebot, das neuerliche

- 2 -

�das neuerliche Angebot, die konventionellen Rüstungen in Mitteleuropa zu vermindern - dergestalt, daß beide Seiten ihre Truppenstärken bei den Land- und
Luftstreitkräften auf je 900 000 Mann verringern, von denen höchstens 700 000 Mann
auf die Landstreitkräfte entfallen dürfen.
In seiner Rede vor dem Charlottenburger Schloß in Berlin ging der Präsident
noch einen Schritt weiter, als er für die Beseitigung aller Schranken für menschliche Kontakte zwischen Ost und West und für die restlose Verwirklichung der weitreichenden Bestimmungen der Schlußakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) eintrat.
Die Charlottenburg-Rede ließ ferner deutlich werden, daß Reagan zu jeder
nur denkbaren Anstrengung bereit ist, um die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß
die Demokratien des Westens keinerlei sowjetisches Territorium für sich erstreben und daß sie auch keinesfalls anderen Völkern ihre Lebensweise aufdrängen
wollen. Er schlug darüber hinaus eine Übereinkunft über vertrauensbildende
Maßnahmen auf beiden Seiten vor - Maßnahmen, die geeignet sind, das Vertrauen
in die friedlichen Absichten der Gegenseite zu stärken, darunter einen Austausch
von Militärpersonen, ein Testverbot für gewisse Typen neuer Raketen und die
Verbesserung der Nachrichtenverbindungen zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml.
Der Präsident machte gleichzeitig eindeutig klar, daß der Wettbewerb
zwischen Ost und West weiter anhalten wird, allerdings auf einer ruhigeren und
friedlicheren Ebene. In seiner Rede vor dem britischen Parlament rief Reagan zu
einem neuen "Kreuzzug für die Freiheit" durch Stärkung der demokratischen
Institutionen überall auf der Welt und durch eine intensivere Zusammenarbeit zwischen
dem staatlichen und dem privaten Sektor auf.
Meese betont, der Vorschlag des Präsidenten "zeigt deutlich ... worauf die
amerikanische Politik gerichtet ist: die gemeinsame Verteidigung und die Verpflichtung auf Verhandlungen mit der Sowjetunion." In den Reaktionen auf die diesbezüglichen Bemühungen des Präsidenten "macht sich", so folgert Meese auf
Seiten der Demokratien "ein Gefühl des Vorankommens

bemerkbar".
Wie Meese

- 3 -

�Wie Meese weiter zu berichten weiß, ist Präsident Reagan mit den Ergebnissen
seiner Reise sehr zufrieden. "Er erreichte, was er erreichen wollte. Die Botschaft, die zu vermitteln er nach Europa gereist war - daß Amerika eine ausgewogene Politik zwischen Verteidigungsbereitschaft und Rüstungsverminderung betreibt
- ist angekommen."
Wie von Meese weiter zu erfahren war, hat Präsident Reagan die Staats- und
Regierungschefs auf der Bonner NATO-Tagung mit einer nur zehn bis zwölf Minuten
währenden Darlegung am 10. Juni stark beeindruckt. Der amerikanische Außenminister«
Haig nannte Reagans Vortrag "eindrucksvoll" und wies gleichzeitig darauf hin, daß
er ein hoffnungsvolles Bild von den Beziehungen zur Sowjetunion in einer von
Spannungen freien Zukunft gezeichnet hat, sofern der Westen seinen wirtschaftlichen und technischen Vorsprung in konzertierter und koordinierter Art und Weise
zu nutzen versteht.
Nach Meese basiert Reagans Darstellung "der Aussichten für die Beziehungen zur
Sowjetunion" auf dessen Oberzeugung, daß die sowjetische Wirtschaft als Folge
staatlicher Eingriffe in die produktiven Sektoren stagniere, wenn nicht gar am
Zusammenbrechen sei.
Der Präsident gab den Europäern zu verstehen, so kommentiert sein politischer
Berater Meese die Europa-Reise, daß es nun Sache des Westens sei, der Sowjetunion
zu zeigen, daß es "einen besseren Weg, einen anderen Pfad jenseits von Konfrontation
und Wettrüsten gibt, sofern sich die Sowjets zu einer kooperativeren Haltung bereit finden."
Als Reagan auf dem Bonner Flughafen Wahn die dort versammelten Kinder sah, mag
er wohl an den langen Weg gedacht haben, den es noch zurückzulegen gilt, ehe
jemand diesen Kindern "eine Welt in Frieden übergeben kann". Den Blick auf die
strahlenden Gesichter dieser jungen Menschen gerichtet, erklärte Präsident Reagan:
"Und wenn das unser Ziel und unsere Inspiration ist, können wir nicht scheitern."
+++++

- 4 -

�23. Juni 1982

24

SECHS MqNATE KRIEGSRECHT IN POLEN
- Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Es ist sechs Monate her, daß die polnische Regierung das Kriegsrecht verhängte und die Reformbewegung Solidarität unterdrückte.
Seit nunmehr sechs Monaten ist Polen militärischer Herrschaft unterworfen, wird die landesweite Gewerkschaft Solidarität unterdrückt und die führenden Reformkräfte des Landes in den Untergrund gezwungen oder eingesperrt.
Und doch gibt es bisher nicht die geringsten Anzeichen dafür, daß der Geist
des polnischen Volkes gebrochen oder die Regierung Jaruszelski in der Lage
ist, das durch Gewalt zu erreichen, was bis dahin durch Verhandlungen nicht
erreicht werden konnte.
Ganz im Gegenteil: der vorhandene Widerstand ist unverkennbar. Er
scheint so plötzlich und so spontan aufzutreten wie ein Schauer von Flugblättern oder das kurze Entrollen eines Transparents mit der Aufschrift
"Solidarität". Er erscheint auch in der Form beredten Schweigens seitens
des Führers der Solidarität, Lech Walesa, der sich geweigert hat, seiner Regierung gegenüber Entgegenkommen zu zeigen, und nicht mit den Behörden auf

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�Behörden auf der Grundlage ihrer einseitigen Bedingungen verhandelt - trotz
des psychologischen Drucks, den sechs Monate Internierung mit sich bringen.
In gewissem Umfang kann die Welt draußen einen Unterschied dabei bewirken,
was innerhalb Polens vor sich geht. So haben die Vereinigten Staaten erklärt,
daß es zwischen ihnen und der polnischen Regierung kein Verhältnis "als ob
nichts geschehen wäre" mehr gibt, bis die politischen Gefangenen freigelassen,
die Beschränkungen des Kriegsrechts aufgehoben sind und der Dialog mit der Reformbewegung und der katholischen Kirche wieder aufgenommen ist.
Die amerikanischen Sanktionen sind unser kleiner Beitrag, Solidarität
mit den Forderungen des polnischen Volkes nach Freiheit zu zeigen - und wir
hoffen, daß auch andere Regierungen weiterhin Druck auf das Regime in Warschau
ausüben, bis der Reformprozeß in Polen wieder beginnen kann.
Die vergangenen sechs Monate müssen für die militärische Führung in Polen
eine Enttäuschung gewesen sein. Die Wirtschaft des Landes, die durch den
passiven Widerstand der Bevökerung praktisch zum Stillstand gekommen ist, läßt
keinerlei Zeichen der Erholung erkennen. Die Internierung der Führer der Solidarität hat deren Nachfolger nicht so eingeschüchtert, daß sie sich ergeben
hätten. Und die repressiven Maßnahmen, die seit nunmehr einem halben Jahr in
Kraft sind, haben Verurteilung durch Regierungen, Privatorganisationen und politische Parteien - einschließlich kommunistischer Parteien - überall außerhalb des Sowjetblocks hervorgerufen.
Es wird mit zunehmendem Maße deutlich, daß die wirtschaftliche wie die
politische Gesundung Polens von der Rücknahme der Kriegsrechtsdekrete abhängt.
Dies sollte sogar der Warschauer Führung und ihren Verbündeten in der Sowjetunion bewußt sein. Und es ist zugleich deutlich, daß die übrige Welt alles
in ihrer Macht Stehende tun muß, um denen in Polen treu zu bleiben, die die
Freiheit durch ihren passiven Widerstand verteidigen - und mit Lech Walesa,
der durch sein Schweigen mehr Führungskraft in Polen ausüben kann als die Obrigkeit des Kriegsrechts mit all ihren Panzern und Gewehren.
+ + + + +
- 2 -

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Wift/chaft
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23. Juni 1982

24

LOHNVERZICHTE HELFEN ARBEITSPLÄTZE SICHERN
Ein Kommentar zu drei wichtigen Tarifabschlüssen in USA
Von unserer Korrespondentin Mary Paul

WASHINGTON - (AD) - Drei der größten und wichtigsten amerikanischen Gewerkschaften brachen in diesem rezessionsüberschatteten Frühjahr mit einer
der ältesten Traditionen der Gewerkschaftsbewegung überhaupt: Sie verzichteten von sich aus auf Lohnerhöhungen, um zur Gesunderhaltung schwer betroffener Industriezweige und damit zur Sicherung der dort vorhandenen Arbeitsplätze
beizutragen.
Das Zurückstellen der sonst um diese Zeit fälligen Lohnforderungen angesichts hoher Arbeitslosenraten wird das Lohnniveau in den betroffenen Industrien stabilisieren, brachte den Gewerkschaften aber auf der anderen Seite
ganz beträchtliche und keineswegs unerhebliche andere Konzessionen ein.
Für die nächsten drei Jahre jedenfalls sichern die im Frühjahr ausgehandelten neuen Tarifverträge den Arbeitsfrieden zwischen Gewerkschaften und
Unternehmen in diesen Industriezweigen in einem Ausmaß, wie es in der meist sehr
turbulenten Geschichte

der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen bisher selten

zu verzeichnen war.
Die in

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�Die in der Öffentlichkeit stark beachteten Tarifverhandlungen zwischen
der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft (United Automobile Workers
of America - UAW) und den Ford-Werken, einem der "Großen Drei" der finanziell
schwer angeschlagenen amerikanischen Automobilindustrie, endeten mit Arbeitsplatzgarantien für die Arbeitnehmer als Gegenleistung für deren Verzicht auf
Lohnforderungen.

Die amerikanisch-kanadische Transportarbeiter-Gewerkschaft

(International Brotherhood of Teamsters, Chauffeurs, Warehousemen and Helpers
of America - IBT) und die kanadisch-amerikanische Gewerkschaft der Beschäftigten in der Nahrungsmittelbranche (United Food and Commercial Workers International Union) fanden sich zu ähnlichen Zugeständnissen bereit, um die Sicherheit der Arbeitsplätze im Transportgewerbe und in der Fleischkonservenindustrie
zu gewährleisten.
Die Beschäftigten im Transportgewerbe und in der Fleischkonservenindustrie werden die vor 1982 ausgehandelten Lohnerhöhungen und anderweitigen
Vergünstigungen voll und ganz erhalten, da die Gewerkschaften lediglich einer
Einfrierung künftiger Lohnanhebungen bis zum Jahr 1985 zugestimmt haben.
Die Speditionsfirmen, mit" denen die Transportarbeitergewerkschaft verhandelt
hat, sicherten zu, daß sie keine, nicht-gewerkschaftlich gebundenen

neuen

Tochtergesellschaften gründen werden, die die Arbeitsplätze gefährden könnten.
Die Gewerkschaften befanden sich angesichts der deutlich spürbaren Wirtschaftsflaute in einer ungünstigen Verhandlungsposition. Bei den Automobilarbeitern spielte auch der Wettbewerb ausländischer Konkurrenten, insbesondere
der Japaner, eine wichtige Rolle. Während die Automobilhersteller in Detroit
hoffen, daß die Lohnzugeständnisse der UAW ihre Wettbewerbsposition gegenüber
den japanischen Automobil Produzenten langfristig verbessern werden, deuten doch
verschiedene Anzeichen bereits jetzt darauf hin, daß die Bereitschaft der Gewerkschaften zu Lohnzugeständnissen nur die dreijährige Laufzeit der neuen
Verträge anhalten dürfte.
"Wir verhandeln seit jeher auf der Grundlage von Tatsachen," erklärte
Frank Wallich von der Automobilarbeitergewerkschaft "in der Vergangenheit
hatten wir es mit Unternehmen mit großem Absatz zu tun. Dieses Jahr war das
- 2 -

�war das anders.

Dabei meint Wal lieh, daß die Arbeiter schon in absehbarer

Zukunft wieder höhere Lohnforderungen an die Unternehmer richten können.
Seiner Auffassung nach haben die Automobilarbeiter auch mit dem Abschluß
des diesjährigen Tarifvertrages das bessere Geschäft gemacht.
Gewerkschaften und Management befanden sich bei Aufnahme der Verhandlungen
um den Abschluß 1982 im Frühjahr beide in einer recht schwachen Position:

Der

Automobilabsatz näherte sich einem neuen Tiefpunkt, die Gewinne schrumpften
und Hunderttausende Arbeiter wurden entlassen.

Die Automobilhersteller be-

durften der Lohnkonzessionen seitens ihrer Arbeitnehmer mindestens ebenso
dringend, wie diese einer Verbesserung der Sicherheit des Arbeitsplatzes.
So setzten die Gewerkschaften erst gar keine Lohnforderungen auf die Tagesordnung.

Als Gegenleistung für den Verzicht auf die fällige Anpassung der

Löhne an die gestiegenen Lebenshaltungskosten - in Zeiten der Inflation für
Arbeitnehmer besonders wichtig - erhielten die Gewerkschaften von den Unternehmern die Garantie, daß sie auf Betriebsstillegungen verzichten werden und
amerikanische Arbeiter auch dort einsetzen werden, wo sie an sich billigeren
ausländischen Arbeitskräften den Vorzug geben könnten.
Es überrascht nicht, wenn die Automobilarbeiter glauben, sie hätten bei
diesen Verhandlungen das"bessere Los gezogen. Noch vor Verhandlungsbeginn
war der Durchschnittslohn in der amerikanischen Automobilindustrie auf rund
20 Dollar (DM 4 8 , — ) die Stunde gestiegen - 8 Dollar (DM 19,20) mehr als in der
japanischen Automobilindustrie.

Einen weiteren inflationären Anstieg der

Automobil arbeiterlöhne während der dreijährigen Laufzeit des neuen Tarifvertrages zu unterbinden, schien den Automobilarbeitern ein entscheidender
Schritt auf dem Weg zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen mit der japanischen Kraftfahrzeugindustrie.

Den amerikanischen

Automobil kaufern sicherte die Gewerkschaft zu, daß die solchermaßen erzielten
Einsparungen voll und ganz an die Verbraucher weitergegeben werden.

Als Ge-

genleistung für diese'Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition hinsichtlich Lohn
und Lohnnebenleistungen erklärten sich die Unternehmen bereit, mehrere ihrer mit
Verlust arbeitenden Werksanlagen weiter offenzuhalten, auch wenn dies wirtschaftlich ein sehr zweifelhaftes Unterfangen sei.
Brandon Branley,

�Brandon Branley, Mitarbeiter des amerikanischen Arbeitsministeriums und
anerkannter Fachmann in Fragen des Industrie-Managements und Kenner der japanischen Wirtschaft, vertritt die Auffassung, daß der neue Dreijahresvertrag
amerikanische Autos gegenüber den Produkten japanischer Hersteller nicht wettbewerbsfähiger machen wird.

Der ausgehandelte Vertrag "bietet die Möglichkeit,

mit den Problemen der Vergangenheit fertig zu werden, stellt aber noch nicht
einmal einen Anfang dar, was die Lösung der Probleme von heute angeht," sagte
er.
Binnenwirtschaftlich gesehen, darin stimmen die Fachleute weitgehend
überein, wird diese Haltung der Gewerkschaften wesentlich zur Dämpfung der
Inflation beitragen, so wie die Lohnforderungen der vorausgegangenen Jahre
den Preisanstieg gefördert haben. Die Tarifabschlüsse mit der Automobilindustrie schlagen seit jeher auf die ganze Wirtschaft durch, weil sie die Arbeitskosten in einem runden Drittel der Gesamtindustrie in den Vereinigten
Staaten - insbesondere in der Stahl-, der Glas- und der Werkzeugmaschinenindustrie sowie in der Teilfertigung - beetrrfiussen.
Erste Auswirkungen zeigen sich bereits: Es waren die Tarifabschlüsse
der Gewerkschaften der Automobilarbeiter, der Transportarbeiter und der Beschäftigten in der Nahrungsmittelindustrie die die sogenannte .Lohninflation
im ersten Quartal 1982 erheblich abschwächten. In allen Industriezweigen,
in denen in diesem Zeitraum neue Lohnrunden ausgetragen wurden, belaufen sich
die vereinbarten Lohnerhöhungen für das erste Jahr der Laufzeit im Durchschnitt
deshalb auch nur auf 2,2 Prozent - weitgehend eine Folge der Mäßigung bei der
Automobilindustrie, im Transportgewerbe und in der Nahrungsmittel Verarbeitung.
Niemand rechnet aber damit, daß die inflationshemmende Wirkung des Lohnverzichts über die Drei-Jahres-Frist der Laufzeit dieser Verträge hinaus anhalten wird. Wenn die Wirtschaft wieder Tritt faßt und erstarkt, so erinnert
Frank Wallich von der UAW, "wächst die Bereitschaft, kräftigere Lohnerhöhungen
zu fordern."
+ + + + +

�24

23. Juni 1982

COLUMBIA TESTET BEDINGUNGEN FÜR ROUTINEFLÜGE
Nächster Siebentage-Flug beginnt am 27. Juni

- (AD) - Der vierte und letzte Testflug des Raumtransporters COLUMBIA
beginnt am 27. Juni 1982 und soll sieben Tage dauern. Wie die Astronauten
Thomas Mattingly (Chefpilot) und Henry Hartsfield (Kopilot) kürzlich erklärten, ist das Programm darauf abgestellt, den Übergang von der Erprobungsphase zu den Routineflügen zu erleichtern.
Dazu gehört erneut die praktische Erprobung der Gesamtkonstruktion und
bestimmter Details unter verschiedener mechanischer und thermischer Belastung,
und ebenso die Sondierung von Möglichkeiten für eventuelle weitere Verbesserungen.

Gleichzeitig läuft das Dienstleistungsprogramm an:

Die COLUMBIA führt

im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums Meßapparaturen als Nutzlast mit,
ebenso das erste, noch für Forschungszwecke konstruierte Betriebsgerät zweier US-Firmen sowie ein kleines, mit acht Instrumenten bestücktes Experiment
einer Studentengruppe der Staatsuniversität von Utah.
Bei dem Betriebsgerät handelt es sich um den Prototyp einer automatischen
Apparatur zur Produktion von Materialien für den medizinisch-pharmazeutischen
Sektor, entwickelt von der McDonnell-Douglas Astronautics Corporation und der

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�und der Johnson &amp; Johnson Comp.

Nach dem Verfahren der kontinuierlichen

Elektrophorese werden Zellen und andere biologische Materialien in Flüssigkeiten unter der Einwirkung eines elektrischen Feldes voneinander getrennt.
Wenn sich Arbeitsprinzip und Apparaturkonzept beim Einsatz in der Schwerelosigkeit bewähren, könnten auf dieser Basis gebaute pharmazeutische Produktionsanlagen im Weltraum in Betrieb genommen werden.

Das Verfahren er-

möglicht die Gewinnung von völlig ungeschädigtem Zellmaterial, das anschließend für zellbiologische Untersuchungen, für Studien auf dem Gebiet der
Immunologie und für andere medizinisch-biologische Forschungsprojekte verwendet wird.

In der Schwerelosigkeit ergeben sich viel reinere Trennungs-

produkte sowie größere Mengen von Zellmaterial als unter irdischen Bedingungen.

Die erste halbtechnische Demonstrationsanlage dieser Art soll im Jahr

1986 im Weltraum erprobt werden.

Thomas Mattingly (46), der bereits beim Flug APOLLO 16 zum Mond dabei
war, umriß vor der Presse den Dienstleistungscharakter des Raumtransporters
als eines "Fluggeräts mit festem Fahrplan.

Die Kunden werden Fracht mitge-

ben, wie es heute bei den großen Frachtschiffen oder im Flugverkehr geschieht."
Astronauten und vor allem die Nutzlastexperten werden im Weltraum die Experimente und Apparaturen betreuen, sofern es sich nicht um die kleinen wartungsfreien Instrumente wie die der erwähnten Studentengruppe handelt.

Für solche

in Behältern von genormten Größen und mit vorgeschriebenem Gewicht untergebrachten Experimente werden je nach Verfügbarkeit des Raumes Plätze in der
Ladebucht des Raumtransporters zur Verfügung gestellt, wofür nur geringe
Mietgebühren entrichtet werden müssen.
An Forschungsausrüstungen von Universitäten und anderen Instituten sind
u.a. (wie schon beim zweiten COLUMBIA-Flug) Apparaturen zur optischen Beobachtung von Blitzentladungen in Gewitterfronten dabei. Filmaufnahmen aus der Erdumlaufbahn und die Erfassung elektronischer Signale von Blitzen und Gewittern
sollen wissenschaftliche Unterlagen dafür liefern, wie künftige Sensoren am
besten zum Aufspüren von Wetter- und Gewitterfronten und zur rechtzeitigen
Vorwarnung für die betroffenen Gebiete zu verwenden sind.
Der in

�Der in Kanada gebaute "Robotarm", ein vielseitig einsetzbares und überaus leistungsfähiges Arbeitsgerät, wird beim kommenden COLUMBIA-Flug erheblich mehr als bisher im "Außendienst", d.h. für Transporte von Meßinstrumenten
aus der Ladebucht zu Außenseiten des Raumtransporters und zurück, verwendet
werden.

Er hebt u.a. eine aus zehn Instrumenten bestehende Apparatur, den

"Monitor für induzierte Umweltbelastung (IECM)" aus dem Laderaum und hält sie
für gewisse Zeit an verschiedenen Meßpositionen bis zu 15 m über dem ORBITER
und an seinen Außenseiten.

Die Instrumente messen Umgebungsbelastungen und

die "Verschmutzung", die durch Ausrüstungen an Bord des Raumtransporters,
durch das Zünden von Lagesteuerungsdüsen und durch das Ablassen von Wasser
entstehen.

Gleichzeitig wird der Druck ermittelt, der sich beim Feuern der

Lagesteuerungsdüsen an bestimmten Punkten ergibt.

Diese Daten sind für künf-

tige Flugaufgaben wichtig - dann nämlich, wenn der Raumtransporter andere
Satelliten oder Nutzlasten im Weltraum ansteuern will.
Die Experimente der Studenten von Utah umfassen eine ganze Reihe von
Fachgebieten.

In einem Fall soll ermittelt werden, ob metallische Verbindun-

gen weniger Festigkeit aufweisen, wenn beispielsweise das Löten im Weltraum
erfolgt, in einem anderen der Einfluß der Schwerelosigkeit auf die Vermehrung
von Fruchtfliegen.

Einige andere Schüler- und Studentenexperimente sind Teil

von Langzeit-Forschungsprogrammen.

So befaßt sich Karla Hauersberger aus

Charlotte (Nordkarolina) mit den Auswirkungen von Langzeitflügen auf den
Stoffwechsel des menschlichen Körpers, Amy Russki aus Long Beach (Kalifornien)
mit der Frage, ob die Wirkung von Spannungs- und Bewegungsübungen auf den
Körper in der Schwerelosigkeit die gleichen sind wie an der Erdoberfläche,
unter Schwerkrafteffekt.

+ + + + +

- 3 -

�23. Juni 1982

24

DIE SCHUTZHÜLLE DES RAUMTRANSPORTERS
Isolierkachel System - eine Sonderleistung der Technik

(AD) - Wenn der Raumtransporter COLUMBIA zur Erde zurückkehrt, ist seine
Verkleidung mit ca. 32 000 Keramikplatten das einzige, was Fluggerät und Besatzung beim Wiedereintritt in die Lufthülle vor der Reibungshitze schützt. Es
ist ein sehr dünnwandiger Hitzeschild, jedoch so konstruiert, daß er weit mehr
als 50 Starts und Landungen aushä'lt. Schon beim Aufstieg in die Umlaufbahn ist
die Raumfähre enormen thermischen Belastungen ausgesetzt - von der Einwirkung
der Schallenergie, welche die von den Raketenmotoren ausströmenden Gase erzeugen,
und der aerodynamischen Kräfte auf die Kachel Verkleidung ganz abgesehen.
Das beim "Space Shuttle" angewandte Isolierverfahren, Ergebnis mehrjähriger
Entwicklungsarbeit von Wissenschaftlern der amerikanischen Industrie und der
US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, ist ein wesentlicher Faktor für-die Wirtschaftlichkeit des Raumtransporter-Projekts. Denn es schafft die Voraussetzung
für die Wiederverwendbarkeit des Fluggeräts. Demgegenüber war der kompakte Hitzeschild früherer bemannter Raumfahrzeuge eine höchst unrentable Angelegenheit.
Er leitete Wärme durch die sog. Schmelzkühlung ab. Die Kunstharzmassen, aus

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�Kunstharzmassen, aus denen er im wesentlichen bestand, wurden infolge der lokal
unterschiedlichen Aufheizung beim Eintauchen in die Lufthülle teilweise verflüssigt und abgebaut. Die Raumkapsel selbst wurde auf diese Weise ausreichend
geschützt, konnte aber nicht ein zweites Mal verwendet werden.
Die Abbremsung des Raumtransporters, der mit 26facher Schallgeschwindigkeit
in die Erdatmosphäre eindringt, durch die Luftmassen entlang der Abstiegsbahn
führt an der Außenseite zu einer Aufheizung mit stark unterschiedlichen
Temperaturwerten in den einzelnen Bereichen. Das ergaben bereits die Vorausberechnungen und Sensormessungen bei den ersten Flugtests; jedoch sind seit
der Beobachtung der Unterseite der COLUMBIA während der letzten 15 Minuten bei
ihrer Rückkehr vom dritten Flug im März 1982 mit empfindlichen Infrarotinstrumenten von Bord eines zum fliegenden Observatorium umgebauten Transportflugzeugs
vom Typ Lockheed C-141 noch Detail fragen zu klären. Sie betreffen einerseits
nicht erwartete Niedrigtemperaturen an Flügel kanten, und andererseits Hitze- .
flecke an der Unterseite von Tragflächen und Rumpf kurz vor der Landung.
Generell ist den bisherigen Erfahrungen zufolge die Wärmebelastung an der
Oberseite und den Längsseiten, an großen Teilen des Leitwerks, an der Verkleidung
für das Manövriersystem und an der Tragflächenoberseite mit 315 bis ca. 600 C
relativ gering, dagegen an der Unterseite von Rumpf und Tragflächen, an der Nase,
den Tragflächen und den Seitenkanten sowie im oberen Teil der Leitwerkskanten
stellenweise sogar extrem hoch. Dort kann sie bis 1250° C, an der Nase und den
vorderen Kanten der Tragflächen sogar auf 1650° C ansteigen - das sind Hitzegrade, bei denen Stahl schmilzt.
Für den Wärmeschutz im unteren und mittleren Temperaturbereich wurden zwei
Typen von Keramikplatten entwickelt. Mit diesen ist die Außenwand des Aluminiumkörpers zu 75 Prozent belegt. Weiße Kacheln vom Typ I, bis ca. 630° C belastbar,
schützen jene Bereiche, in denen es zu einer Aufheizung bis ca. 600 C kommen
kann. Typ II widersteht Temperaturen bis etwa 1300° C. Abgesehen von ihrer unterschiedlichen Dicke und Glasur der Außenseite bestehen diese beiden Typen von

�Typen von Schutzkacheln aus dem gleichen Grundmaterial - aus hochreinen
Silikatfasern, die aus gewöhnlichem Sand hergestellt werden.
Man setzt Chemikalien zu, um der Keramikmasse verschiedene Farben zu geben,
und, entsprechend der zu erwartenden thermischen Belastung, den Ablauf spezieller
Reaktionsmechanismen zur Wärmeableitung zu ermöglichen. Große Teile des Rückens
und der Längsseiten der Raumfähre sind durch die verhältnismäßig dünnen weißen
Kacheln des Typs I geschützt, während die Unterseite, bestimmte Partien des
Leitwerks und Bereiche um die Cockpitfenster mit schwarzen Kacheln vom Typ II
verkleidet sind. Wichtig ist auch die Reflexionsfähigkeit der Keramikplatten im
Sonnenlicht. Denn während des Fluges auf der Tagseite der Erde darf es nicht
zu einem Wärmestau kommen. Wie rasch die Kacheln Wärme ableiten, zeigen die
Qualitätsprüfungen: Schon wenige Sekunden, nachdem sie aus dem Ofen genommen
wurden, kann man sie mit der bloßen Hand berühren, obgleich sie im Innern noch
rotglühend sind.
Ein dritter Typ von Isolierplatten, aus zwei Arten von Kohlenstoff
"konstruiert", schützt die Nase des Raumtransporters sowie die vorderen Kanten
der Tragflächen und Teile der Seitenkanten. Dies sind die Bereiche, die in der
Lufthülle die stärkste Aufheizung (bis ca. 1650° C) erfahren. Das hellgraue
Material ist ein Verbundwerkstoff in der Form von Matten aus hochfesten Graphitfasern, die mit einer zweiten Art von Kohlenstoff imprägniert und dadurch miteinander verschweißt wurden. Durch die chemische Behandlung der Oberfläche mit
einer Siliziumverbindung werden sie feuerabweisend.
Das gesamte Isoliersystem ist so angelegt, daß Platten, die während einer
Flugmission beschädigt wurden oder verloren gingen, einzeln repariert oder ersetzt werden können. Dadurch wird das Neubelegen größerer Flächen überflüssig.
Von ganz besonderer Bedeutung ist das Glasieren. Feines Glaspulver wird in einem
sorgfältig vorbereiteten und überwachten Prozeß auf die Kacheln aufgeschmolzen.
Die nur 0,4 mm dicke Beschichtung besteht zu 90 Prozent aus Silikatglas und enthält außerdem Aluminiumoxid. Zur Zeit wird erwogen, Kacheln mit "reaktionsgehärtetem Glas" (RCG) beim dritten im Routinebetrieb eingesetzten Raumtransporter

- 3 -

�eingesetzten Raumtransporter (DISCOVERER) in bestimmten Bereichen durch ein
leichteres und wä'rmefesteres Verbund-Isoliermaterial zu ersetzen» Etwa zehn
Prozent der Oberfläche würden damit belegt« Es handelt.sich um eine Mischung
aus 78 Prozent Silikatfasern und 22 Prozent Aluminiumborsilikat. Der Boranteil
bewirkt eine sichere Verschweißung der Fasern an ihren Berührungsstellen, was
die Formfestigkeit und Bruchsicherheit verbessert» Außerdem wäre schon durch
die Verwendung von 3 000 Kacheln dieser Art eine Gewichtseinsparung von 544 kg
möglich.
Jede einzelne der zur Isolierung verwendeten Kacheln ist der Oberflächenkontur des Orbiter, wie die Raumfähre auch genannt wird, genau angepaßt. Obgleich
viele Platten gleiche Flächenmaße haben, gibt es praktisch keine, die mit einer
anderen identisch wäre - schon allein deshalb, weil sie an der Rückseite entsprechend der Oberflächenkontur an dem für sie vorgesehenen Ort ausgefräst ist.
Dadurch wird u.a. eine Beeinträchtigung der aerodynamischen Eigenschaften des
Fluggeräts durch seine Isolierverkleidung vermieden.
Die Glasur verbessert die thermischen Eigenschaften und verringert außerdem
die Porosität, somit auch die Fähigkeit des Fasermaterials zur Aufnahme von
Feuchtigkeit während der Zeit zwischen den Flügen. Da Feuchtigkeitsaufnahme zusätzliches Startgewicht bedeuten würde, wird das Keramikmaterial ohnehin mit
einer wasserabweisenden Silikonverbindung behandelt.
NASA-Ingenieure entwickelten inzwischen ein Verfahren zur Verbesserung der
Festigkeit der Kacheln durch "Verdichtung". Dazu wird ein "Naßzement" aus einer
chemischen Mischung mit Silikatteilchen auf der Rückseite der Kachel verrieben,
was ihre Festigkeit verdoppelt.
Bei schwarzen Kacheln ist noch mehr Festigkeitssteigerung durch eine Erhöhung
der Dichte des Silikatmaterials möglich. Während die meisten weißen und schwarzen
Kacheln 141 kg pro Kubikmeter wiegen, verwendet man in einigen Bereichen mit
stärkerer Beanspruchung Isolierplatten, die ein Gewicht von 353 kg/cbm haben.
Zur Abschirmung der Wärmeisolierschicht gegen Spannungskräfte am Aluminiumkörper,

- 4 -

�am Aluminiumkörper, beispielsweise infolge der Vibrationen beim Start oder von
Verlegungen unter dem Einfluß von Wärme oder Kälte im Weltraum, dienen Filzplatten an der Unterseite der Kacheln; diese Kachel-Filz-Kombination wird auf
das Metall aufgeklebt.
+++++

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten vor der Abrüstungs-Sondervollversammlung der UN&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan lädt Sowjetunion zu umfassender Rüstungskontrolle ein -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zu Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bedingungen für Wiederaufnahme der US-Hilfe an Polen unverändert -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Presseerklärung des amerikanischen Außenministers nach Bonner NATO-Gipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Haig hofft auf Ära der Zurückhaltung und Verantwortung seitens der Sowjetunion -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Abrüstungsvorschläge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Worte und Taten der Sowjetunion und die sowjetisch-amerikanischen Abrüstungsgespräche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagans Europa-Reise brachte die Welt dem Frieden näher&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der Präsident ist mit den Ergebnissen zufrieden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sechs Monate Kriegsrecht in Polen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lohnverzichte helfen Arbeitsplätze sichern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kommentar zu drei wichtigen Tarifabschlüssen in USA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;COLUMBIA testet Bedingungen für Routineflüge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nächster Siebentage-Flug beginnt am 27. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schutzhülle des Raumtransporters&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Isolierkachelsystem - eine Sonderleistung der Technik -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nrormouon
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juni 1982

23
INHALT

DOKUMENTATION
Interview mit dem amerikanischen Präsidenten am Vorabend seiner
Europareise
- Europäische Fernsehgesellschaften befragen Ronald Reagan Erklärung des US-Präsidenten vor seiner Abreise nach Europa
Erklärung von Präsident Reagan zum Abschluß des Wirtschaftsgipfels
in Versailles
Ronald Reagan betont Amerikas Bemühen um den Weltfrieden
- Ansprache des Präsidenten bei seinem Besuch im Vatikan Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und italienischen Regierung
zum Besuch des US-Präsidenten
Rede des US-Präsidenten vor dem Britischen Parlament
Ansprache Präsident Reagans vor demDeutschen Bundestag
Ansprache Präsident Reagans vor dem Charlottenburger Schloß in Berlin
Erklärung des Präsidenten beim Abflug in Bonn
Ankunftserklärung des Präsidenten in Washington

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Tel.: 0228-339 22 40
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Dokumentation

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23

14. Juni 1982

INTERVIEW MIT DEM AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTEN AM VORABEND
SEINER EUROPAREISE
Europäische Fernsehgesellschaften befragen Ronald Reagan -

WASHINGTON - (AD) - In einem Interview mit dem französischen, italienischen,
britischen und deutschen Fernsehen, das per Satellit nach Europa ausgestahlt
wurde, ging der amerikanische Präsident am 1. Juni 1982 in Washington auf Fragen der Journalisten ein, die sich auf seine Europareise und die damit zusammenhängenden Problempreise - wie Ost-West-Handel, amerikanische Zinssätze, Friedensbewegungen in Amerika und Europa, Gefahren eines wirtschaftlichen Protektionismus - bezogen.
Die wesentlichen Auszüge dieses Interviews haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Der Präsident meines Landes, Francois Mitterrand, möchte, zusammen mit anderen Führern Europas, eine bessere Harmonie zwischen dem Dollar,
dem japanischen Yen und den europäischen Währungen erreichen. Sehen Sie einen
möglichen Konpromiß in dieser Frage?
ANTWORT: Ich

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�ANTWORT:

Ich glaube, um einen stabilen Wechselkurs zu bekommen, ist

bei diesem Kompromiß vor allem wichtig, daß wir alle stabilere

Volkswirt-

schaften haben. Und ich hoffe, daß wir bei unseren Gesprächen Wege finden,
um die Probleme, vor denen wir alle im wirtschaftlichen Bereich stehen, auf
eine Weise anzugehen, daß wir alle noch mehr in dieselbe Richtung gehen.
Hier, in unserem eigenen Land, haben wir uns vor allem der Inflationsbekä'mpfung angenommen und haben dabei, wie ich meine, einen bemerkenswerten Erfolg erzielt, liegt die Inflation doch seit den letzten drei Monaten bei weniger als einem Prozent, für die letzten sechs Monate bei 2,8 Prozent.
Was Eingriffe des Staates in die Wechselkurse angeht, so wissen Sie,
daß wir dagegen sind. Wir hätten gern eine Untersuchung über solche Interventionen von staatlicher Seite in jüngster Zeit, um zu sehen, was sie bewirkt
haben.
Gleichzeitig werden wir jedoch Interventionen bei extremen Störungen
und Verzerrungen der Wechselkurse unterstützen. Oberstes Ziel bleibt, um es
zu wiederholen, das Erreichen stabiler Wechselkurse.
FRAGE: Herr Präsident, im vergangenen Jahr in Ottawa sagten Sie voraus,
daß die amerikanischen Zinssätze innerhalb von sechs Moanten herunterkommen
würden. Werden Sie in diesem Jahr in Versailles die gleiche Erklärung abgeben?
ANTWORT: Ich glaube, das könnte ich gefahrlos tun. Denn wenn zu jener
Zeit auch unser Wirtschaftsprogramm noch nicht endgültig verwirklicht war, so
haben wir doch zwischenzeitlich vom Kongreß fast alles bekommen, was wir angestrebt haben. Und die Zinsen sind ja zurückgegangen. Sie gingen um etwa 25
Prozent zurück - auch wenn dies noch immer nicht ausreichend ist.' Als diese
Administration ihr Amt antrat, übernahmen wir die höchsten Zinssätze, die es
seit über 100 Jahren in unserem Land gegeben hat. Sie gingen, wie ich sagte,
um etwa 25 Prozent herunter, aber mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit wurde

�Arbeitslosigkeit wurde dafür viel zu viel bezahlt.

Ich hoffe, daß der Kongreß

beim neuen Haushalt noch entgegenkommender sein wird, als er dies vorige Woche
war; denn ich bin überzeugt: wenn wir noch einen Haushalt wie den vom vergangenen Jahr bekommen, der weitere Verminderungen bei dem Anstieg der Regierungsausgaben ausweist, dann werden wir auch vor Jahresende einen weiteren Rückgang
der Zinsen erleben.
FRAGE:

Herr Präsident, es gab noch keinen Wirtschaftsgipfel, der nicht

mit einer wohltönenden Deklaration gegen den Protektionismus endete, und wir
erwarten das auch diesmal - obgleich der Protektionismus weiter zu leben scheint.
Ich wüßte gern:

Besteht bei dieser Frage - wie bei anderen auch - ein so großer

Unterschied darin, ob Sie nach Versailles gehen oder nicht?
ANTWORT:

Dies wird in Versailles ein wichtiges Thema sein,und ich werde

sehr bemüht sein - wie die anderen sicher auch -, auf das Trügerische des
Protektionismus hinzuweisen. Was die Welt heute wirklich braucht, ist eine
stärkere Ausweitung des freien Handels, eine Beseitigung der Hindernisse für
diesen freien Handel. Und dies ist auch von größter Bedeutung für die Entwicklungsländer, die weniger entwickelten Staaten, mit denen wir alle über Hilfsmaßnahmen sprachen, als wir uns in Cancun trafen.
Sie sollen wissen, daß es einen offenen Markt für ihre Produkte gibt - ob
landwirtschaftliche Erzeugnisse oder Fertigwaren. Und ich werde mich sehr
darum bemühen, die Botschaft zu verkünden, daß Protektionismus schließlich in
einer Behinderung des Handels endet und offener Handel mehr Arbeitsplätze für
alle unsere Völker bedeutet.
FRAGE: Der Ost-West-Handel, Herr Präsident, bringt für die europäischen
Volkswirtschaften große Chancen.
sollen.

Es ist traurig, daß sie diesen Handel zügeln

Vor allem wollen Sie die Verbündeten davon abbringen, der Sowjetunion

besonders billige Kredite für ihre Volkswirtschaften zur Verfügung zu stellen.
Könnten Sie dazu etwas sagen?
ANTWORT: Ja.

�ANTWORT: Ja.

Es geht nicht darum, eine dauernde Quarantäne für die

Sowjetunion oder etwas Ähnliches anzustreben.

Aber es gab bei uns Diskussionen

und verschiedene Maßnahmen aufgrund der Tatsache, daß wir gegen das sind,
was die Sowjetunion in Polen und in Afghanistan tut, und weil wir gegen ihre
militärische Rüstung sind, die einen Punkt erreicht hat, da sie über uns allen
wie eine Drohung hängt.
Die Sowjetunion hat natürlich auch ihre wirtschaftlichen Probleme.

Und

ich bin einfach der Überzeugung, daß jetzt nicht die Zeit ist, sie mit billigen
Krediten zu subventionieren, damit sie mit ihrer Aufrüstung fortfahren kann.
Es ist vielmehr die Zeit, sie anzusprechen und zu zeigen, daß es auch einen anderen Weg gibt.

Keines der Länder des Westens stellt eine Bedrohung der Sowjet-

union dar, keiner von uns hat den Wunsch, aggressiv zu sein. Aber vielleicht
könnten wir sie durch Verweigerung von Krediten und durch die Verweigerung,
ihre militärische Aufrüstung noch länger zu subventionieren, dazu bringen, doch
lieber ein Mitglied jener Staatenfamilie in Europa und in Asien zu werden, die
den Frieden will und weltweite Handelsbeziehungen.
Was ich daher vorschlage, ist keine Rückkehr zum Kalten Krieg als solchem,
sondern eine temporäre Periode der Zurückhaltung, während wir ihnen zeigen, was
wir zu bieten haben, wenn sie ihre expansionistische Politik und ihren so offenkundigen Militarismus aufgeben.
FRAGE: Sie konnten die europäischen Verbündeten nicht davon überzeugen,
auf den Bau der transsibirischen Erdgasleitung zu verzichten. Wie wollen Sie
die Verbündeten von diesem Programm überzeugen?
ANTWORT:

Die Gründe, die von unserem Verbündeten angeführt wurden

und

deretwegen wir nicht in der Lage waren, sie zu überzeugen, liefen darauf hinaus,
daß es sich um Verträge handelte, die in vielen Fällen bereits abgeschlossen
worden waren, bevor die jetzige Administration ihr Amt antrat.

Und daher fühl-

ten sie sich aufgrund der Verträge verpflichtet, sie auch einzuhalten.
Die Kredite sind eine andere Frage. Aber auch hier glaube ich nicht, daß

�nicht, daß es sinnvoll ist, auf unsere Seite in kostspielige Rüstungsprogramme hineingezwungen zu werden - nur um mit einer Bedrohung fertigzuwerden,
die von einer einzigen Stelle herkommt, nämlich der Sowjetunion, die in diesen letzten Jahren der Entspannung - in einem Zeitraum, der angeblich Entspannung sein sollte - das umfassendste Rüstungsprogramm der Menschheitsgeschichte
vorantrieb.

Vielleicht müssen wir das einfach klar machen.

FRAGE:

Herr Präsident,in welchem Maß haben die Friedensbewegungen in

Europa, in Japan und auch in den Vereinigten Staaten Ihre Entscheidung beeinflußt?

Wie bewerten Sie die Bedeutung dieser Bewegungen?

ANTWORT:

Sie zeigen den Wunsch sehr vieler Menschen nach Frieden und das

Bestreben, dem dunklen Schatten der nuklearen Vernichtung zu entrinnen.

Sie

haben mich eigentlich nicht beeinflußt, sondern sie folgen eigentlich dem,
der vorangeht:

Damals, als ich gegen den amtierenden Präsidenten kandidierte,

brachte ich bei zahlreichen Gelegenheiten öffentlich meine Absicht zum Ausdruck, daß

ich - falls ich gewählt würde - ein Programm des Rüstungsabbaus

anstreben würde, das sich von den Anstrengungen der vergangenen Jahre zur
Rüstungsbegrenzung unterscheiden und konkrete, meßbare Waffenverminderungen
bringen sollte.

Ich kann nur sagen, ich verstehe sie; auch wenn ich bei man-

chen ihrer Vorschläge anderer Meinung sein mag - wie etwa dem Vorschlag eines
Einfrierens auf derzeitigem Niveau.

Wir haben jetzt in Genf einen Vertrag auf

dem Tisch, den wir mit der Sowjetunion besprechen und der die nuklearen Mittelstreckensysteme gänzlich aus Europa wegschaffen würde.

Wir haben einen Zeit-

punkt, den 29. Juni, für den Beginn der Verhandlungen mit der Sowjetunion genannt - und sie hat zugestimmt -, um über eine Verminderung der strategischen
Waffen zu sprechen.

Und natürlich sprechen wir schon seit einiger Zeit in

Wien über eine Verminderung der konventionellen Waffen.
Ich bin also nur dort anderer Meinung, wo einige Vertreter dieser Friedensbewegungen lediglich ein Einfrieren auf derzeitigem Niveau fordern.

Es wäre

keine große Leistung, die Sowjetunion in eine Position der Überlegenheit über
den Rest von uns einzufrieren.
FRAGE:
- 5 -

Wieweit

�FRAGE:

Wieweit würde Amerika bei seiner Verpflichtung zur Verteidigung

Westberlins gehen - wenn es nötig ist, sogar vielleicht bis zu einem Krieg?
ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß die eigentliche Frage ist, wie weit

wir gehen würden.

Wir haben uns der Bewahrung der Freiheit in Westberlin ver-

schrieben, und diese Insel der Freiheit ist, wie ich meine, ein Symbol für
die ganze Welt hinsichtlich dessen, was auf dem Spiele steht und worum es
&gt;

zwischen Ost und West geht.
FRAGE:
ANTWORT:

Würden Sie auch einen begrenzten Krieg wegen Berlin riskieren?
Ich bin kürzlich in einige Schwierigkeiten geraten, als ich

die Frage eines Pressevertreters im Rahmen einer Konferenz beantwortete.

Er

stellte eine hypothetische Frage, und ich hätte nichts sagen sollen, statt
eine hypothetische Antwort zu geben, als er fragte, ob es meiner Meinung nach
so etwas wie einen begrenzten Atomkrieg geben könne.
ich diesen Fehler noch einmal begehen werde.

Ich glaube nicht, daß

Ich glaube nur, daß unser Ziel

der Friede sein muß, und alles was wir tun, ist auf eine Abschreckung vor
einem Krieg jeglicher Art gerichtet, und wenn wir keinen konventionellen Krieg
haben werden, dann brauchen wir uns auch niemals darüber Sorgen zu machen, in
welchem Umfang man einen Atomkrieg haben könnte.
FRAGE: Herr Präsident, sind Sie sich der Tatsache bewußt, daß Sie in
Berlin sozusagen ein heißer Empfang erwartet? Etwa 1000 verschiedene Organisationen bereiten sich auf einen Protest gegen Ihren Besuch vor. Was halten
Sie davon?
ANTWORT:

Ich möchte gerne wissen, was in den Köpfen dieser Leute vor sich

geht, und ob sie wirklich verstehen, was ich repräsentiere. Oder lassen sie
sich von irgendeiner Einbildung leiten, die für sie zusammengebraut worden ist,
indem sie glauben, ich stellte eine Gefahr für den Frieden dar?

Und sollte

das der Fall sein, so hoffe ich, daß Sie alle ihnen übermitteln werden, daß
ich seit vielen Jahren der erste bin, der die Sowjetunion davon überzeugt
hat, sich mit uns zu echten Rüstungsverminderungsgesprächen zusammenzusetzen,
und daß ich mich diesem Ziel verpflichtet habe.
FRAGE:
- 6 -

Andererseits

�FRAGE:

Andererseits sind Sie sicher, daß ein großer Prozentsatz der

Deutschen Ihrem Besuch erwartungsvoll entgegensieht - es findet ja gerade eine
Umfrage statt -

und sich über Ihren Besuch freut. Herr Präsident, je mehr

dieser Europa-Besuch näherrückt, desto versöhnlicher - so hat es den Anschein ist ihre Einstellung zu jenen Punkten, die für das Bündnis von entscheidender
Bedeutung sind.
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht - ich will eher sagen, daß man jetzt,

wo diese Reise bevorsteht, dem, was ich gesagt habe, größere Aufmerksamkeit
schenkt.

Aber ich sage nichts, was sich von dem unterscheidet, was ich wäh-

rend des Wahlkampfes erklärt habe.

Ich weiß, daß einige meiner früheren Er-

klärungen auf einer Pressekonferenz hinsichtlich der Sowjetunion falsch ausgelegt worden sind - sie sind so wiedergegeben worden, als ob ich die Sowjetunion
aller möglichen Dinge beschuldigte.

Praktisch habe ich in Beantwortung einer

Frage nur zitiert, was die Sowjets selbst über sich und ihr Recht gesagt haben, Moral oder Unmoral so zu praktizieren, daß es ihrer Sache dienlich ist.
Ich habe sie nur zitiert, keine Beschuldigungen erhoben.

Deshalb nehme ich

von dem, was ich gesagt habe, nichts zurück.
ABer ich möchte noch einmal sagen, daß meiner Meinung nach die Antwort
die Verminderung der Rüstungen ist, und auch, daß wir nicht so naiv sind, oder
so tun, als ob wir eine Entspannung haben könnten, während die Sowjets mit
ihren Expansionsprogrammen und all dem anderen weiter machen.

Nein.

Wir bemühen uns, sie davon zu überzeugen, daß sie durch Taten ihre Behauptung beweisen, daß auch sie den Frieden wollen.
FRAGE:

Da ich nun einmal die Gelegenheit habe, möchte ich, Herr Präsident,

eine sehr einfache Frage stellen.

Bevor Sie morgen abreisen - was werden Sie

den jungen Europäern erklären, und welches Bild von sich möchten Sie Europa
während ihrer Reise vermitteln?
ANTWORT:

Als jemand, der sehr stark an das Bündnis glaubt, das den Frieden

für fast 40 Jahre bewahrt hat, trotz aller Kritik, die selbst von Mitgliedern
- 7 -

�von Mitgliedern zuweilen gegen das Bündnis vorgebracht worden sind. Ich
glaube an das Bündnis. Ich glaube, daß unser Schicksal mit dem Europas verknüpft ist. Wir sind kein Außenseiter, der versucht, anderen behilflich zu
sein. Das Bündnis ist für uns genau so wichtig, wie für die Länder Europas,
ich glaube auch, daß wir bessere Handelsbeziehungen, freiere Handelsbeziehungen
haben können, daß unsere Wirtschaftsprobleme in all unseren Ländern ähnlich
sind und daß die Antwort sein muß: eine Reduzierung und Beseitigung der Inflation, ein freierer Handel, der all jenen Menschen in unseren Ländern, die
zur Zeit keine Arbeit finden können, einen Arbeitsplatz verschafft. Wenn man
mir glaubt, daß ich all diese Dinge ehrlich wünsche und aufrichtig darum bemüht bin, dann wird mir das genügen.

+ + + + +

�Dok

ation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23

14. Juni 1982

ERKLÄRUNG DES US-PRÄSIDENTEN VOR SEINER ABREISE NACH EUROPA

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Erklärung vor
seiner Abreise nach Europa am 2. Juni 1982 die Hoffnung zum Ausdruck gebracht,
daß der Wirtschaftsgipfel in Versailles, seine Besuche in London, Rom, Bonn
und Berlin sowie der NATO-Gipfel in Bonn eine "Neugeburt der Einheit und Zielstrebigkeit" des westlichen Bündnisses bringen werde.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte kurz etwas dazu sagen, was ich zu erreichen hoffe.
Eine der höchsten Pflichten, die, wie ich meine, mit diesem Amt verbunden sind, ist, für Frieden und Prosperität für unser Volk zu sorgen.

Seit über

30 Jahren hat die Erfüllung dieser Aufgabe zu Konsultation und Kooperation mit
unseren Nachbarn hier auf diesem Kontinent, mit Japan und mit unseren Freunden
und Verbündeten in Westeuropa geführt - jenen Ländern, die die gleichen demokratischen Ideale haben wie wir.
Wir haben zusammen Aggressionsdrohungen und innere Meinungsverschiedenheiten überstanden, weil wir ein Gefühl der Einigkeit und eine Verpflichtung

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�eine Verpflichtung zur Freiheit bewahrt haben, und wir werden weiterhin auf
die Probe gestellt - heute vielleicht mehr denn je.
Es ist daher wichtig, daß wir zusammenkommen und unsere Bindungen erneuern.

Ich weiß, daß es Leute gibt, die den Wert des Bündnisses in Zweifel

ziehen, die es als lästig empfinden und glauben, daß es manchmal nicht auf
die Notwendigkeit zum Handeln reagiere.

Und es gibt noch Leute in unserem

Lande, die sich am liebsten in das Schneckenhaus des Isolationismus zurückziehen möchten.

Aber gerade weil wir solche andere Kurse in den letzten Jahr-

zehnten abgelehnt haben, ist uns der Frieden im Westen fast 40 Jahre lang erhalten geblieben.
Die Außenpolitik dieser Administration begann im vorigen Jahr. Zu ihr
gehörte die Wiederherstellung der Stärke Amerikas und eine Neubelebung unserer Wirtschaft.

Wir haben das Programm für den wirtschaftlichen Wiederauf-

schwung und den Verteidigungsplan in Gang gebracht.
Unser Land hat niemals nach der Führung gestrebt, die uns Ende des Zweiten
Weltkrieges zufiel, aber was wir in diesem vergangenen Jahr, wie ich meine,
getan haben, war die Bekräftigung gegenüber unseren Freunden in der Welt und
den möglichen Gegnern, daß wir diese Verantwortung akzeptieren.
Wenn wir mit den Führern der demokratischen Industriestaaten in Versailles
zusammenkommen, dann sollten wir uns darüber klarer werden, wo und wie wir eine
bessere wirtschaftliche Zukunft brauchen. Das Gipfeltreffen bietet eine Gelegenheit, nach fast einem Jahrzehnt der Stagnation, der niedrigen Produktivität
und Investitionstätigkeit und der Energieanfälligkeit für ein wirklich anhaltendes, nichtinflationäres Wachstum zu arbeiten.
Wir haben den längsten Zeitraum anhaltender Inflation, weltweiter Inflation, in der Weltgeschichte erlebt. Ich habe die Absicht, regelmäßige und
engere Konsultationen unter uns vorzuschlagen, damit wir zusammen Wirtschaftspolitiken verfolgen können, die in die gleiche Richtung gehen, nämlich erstens,

- 2 -

�nämlich erstens, die Inflation zu senken und dann größere monetäre und fiskalische Disziplin üben.
Wir müssen nach Mitteln und Wegen suchen, um das internationale Handelssystem durch mehr Vertrauen auf den freien Markt zu stärken.

Es ist an der

Zeit, daß wir Front machen gegen die wachsende Neigung zum Protektionismus
in so vielen Teilen der Welt, und selbst in unserem eigenen Lande.
Neben Versailles sind noch weitere Treffen vorgesehen in London, Rom,
Bonn und in Berlin.

Ich freu© mich, mit seiner Heiligkeit dem Papst im Va-

tikan zusammenzutreffen.

Auf dem NATO-Gipfel in Bonn werden wir Gelegenheit

haben, unsere Pläne, die Sowjetunion in realistische Rüstungsverminderungsverhandlungen zu engagieren, im Detail darzulegen.
Ich weiß, daß Sie sich erinnern, daß wir im November vorigen Jahres das
Problem aufgegriffen und der Sowjetunion Verhandlungen vorgeschlagen haben,
die zu einer Null-Lösung führen sollen - zur Beseitigung der Mittel Streckensysteme, ihrer SS-20, SS-4 und SS-5 in Europa,und zur Nichtdislozierung unserer PERSHING-Raketen und Marschflugkörper als Abschreckung gegen diese
Streitkräfte: also zur totalen Beseitigung dieser Streitkräfte.
Dieser Vertrag, den wir vorgeschlagen haben, liegt jetzt in Genf auf dem
Tisch,und unsere Delegation verhandelt dort. Und dann habe ich vor kurzem in
Eureka über die START-Verhandlunge, Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen, gesprochen, und vorgestern konnte ich bekanntgeben,
daß die Verhandlungen in 27 Tagen, am 29. Juni in Genf, beginnen werden.
Wenn es so ist, wie es aussieht, daß wir bestimmt sind, eine führende
Rolle zu spielen, dann werden wir das mit dem Ziel vor Augen tun, die grundlegenden Werte unseres Volkes und der Völker jener Länder zu bekräftigen und
zu schützen, die mit uns in der Entschlossenheit verbunden sind, frei zu sein.
Unsere Gesellschaften sind ein Spiegelbild all dessen, was gut und würdig für den Menschen ist. Auf dieser Reise wird in Bonn noch ein besonderes

�ein besonderes Ereignis stattfinden:

Es wird eine Zeremonie abgehalten werden,

und Spanien wird Mitglied der NATO und des Nordatlantischen Bündnisses werden.
Ich frage mich, ob jemand wirklich über die Bedeutung dieser Tatsache
nachgedacht hat. Ganz abgesehen, daß wir es begrüßen, daß eine weitere Demokratie sich uns in diesem Bündnis anschließt: Haben wir je erlebt, oder werden wir je erleben, daß sich ein Land dem Warschauer Pakt anschließen möchte?
Das wird es nie geben. Und im übrigen, wo sonst in der Welt können Menschen
auf die Straße gehen und gegen Kernwaffen demonstrieren?
Wir haben fast zehn Jahre beunruhigender Ereignisse und der Ungewißheit
unter den Verbündeten und unter uns selbst erlebt, aber heute erleben wir eine
Neugeburt der Einigkeit und der Zielsetzung, und ich hoffe, daß diese Reise
dazu beitragen und es verstärken wird.
Das ist der Grund, warum ich reise, und ich kann Ihnen nur sagen, daß ich
stolzer sein werde als jemals zuvor, daß ich dabei sein kann, um die Vereinigten
Staaten zu vertreten - mit der Chance, all diesen Menschen und der Welt erneut
darzulegen, was wir nach unserer Meinung verkörpern und was wir allen Völkern
der Welt wünschen.

- 4 -

�23

14. Juni 1982

ERKLÄRUNG VON PRÄSIDENT REAGAN ZUM ABSCHLUSS DES WIRTSCHAFTSGIPFELS
IN VERSAILLES

VERSAILLES - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat zum Abschluß des Wirtschaftsgipfels der Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten des Westens - Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Japan, Kanada und Vereinigte

Staaten - am 6. Juni 1982 auf den Geist

der Partnerschaft verwiesen, der sehr lebendig sei.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Seit dem Zweiten Weltkrieg haben unsere Völker in Europa, Kanada, Japan
und den Vereinigten Staaten zusammengearbeitet, um die Grundlage für weltweite
Prosperität zu schaffen. Zusammen haben wir die internationalen Institutionen
aufgebaut, die uns durch die größte wirtschaftliche Expansion in der Weltgeschichte geführt haben. An diesem Wochenende in Versailles war dieser Geist
der Partnerschaft sehr lebendig.
In den formellen Sitzungen und informellen Gesprächen haben die Führer
der wichtigen demokratischen Industriestaaten an der Stärkung und Festigung
der Zusammenarbeit des Westens gearbeitet.
Wir haben

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�Wir haben die ernsten Schwierigkeiten unserer Volkswirtschaften nicht
ignoriert.

Diese Probleme werden nicht über Nacht verschwinden, aber wir werden

sie überwinden.

Die Inflation überzeugend und dauerhaft aus dem Felde zu

schlagen, ist der Schlüssel zu einem starken Wiederaufschwung von Wachstum
und Beschäftigung.

Darüber waren wir uns einig. Und ich freue mich, meinen

Kollegen berichten zu können, daß wir in den Vereinigten Staaten die Inflation
niederwerfen und unser Volk überzeugen, daß wir nicht zu der inflationären
Politik der Vergangenheit zurückkehren werden.
In Zeiten wirtschaftlicher Belastung ist man immer versucht, einfache Lösungen auf Kosten anderer zu suchen.
widerstanden.

In Versailles haben wir dieser Versuchung

Statt dessen haben wir uns auf Mittel und Wege konzentriert,

um unsere wirtschaftliche Leistung einzeln und gemeinsam zu steigern. Wir
sind übereingekommen, die internationalen Institutionen zu stärken, die Kooperation und Koordination gewährleisten. Wenn wir das tun, dann rechnen wir
mit einer Zukunft mit niedriger Inflation, großen Arbeitsplatzchancen, steigendem Lebensstandard durch moderne Technologie und reibungslos funktionierenden internationalen Wirtschaftsbeziehungen.
Um nur einige wenige Gebiete zu nennen:
- Wir werden im Zusammenwirken mit dem Internationalen Währungsfonds
(IWF) daran arbeiten, eine bedeutungsvolle Koordination der mittelfristigen Wirtschaftspolitiken zu erreichen, die auf fiskalische und monetäre
Disziplin und stärkere Berücksichtigung der Marktkräfte abzielt.
- Wir haben unsere Anstrengungen in den Dienst einer produktiven GATTKonferenz auf Ministerebene gestellt, die sich mit den Handelsproblemen
der achtziger Jahre befassen wird.
- Wir haben unsere im vorigen Jahr in Ottawa eingegangene Verpflichtung
bekräftigt, dafür zu sorgen, daß unsere Wirtschaftsbeziehungen zur Sowjetunion mit unseren politischen und sicherheitspolitischen Zielen voll in
Einklang stehen. Vor allem haben wir uns darauf geeinigt, in Finanzbe- 2 -

�in Finanzbeziehungen mit der Sowjetunion Vorsicht zu üben, einschleßlich
einer Begrenzung von Exportkrediten.
- Wir sind ferner übereingekommen, zusammen an der Entwicklung des beträchtlichen Energiepotentials des Westens zu arbeiten - als weiteren
Schritt zur Gewährleistung eines starken, anhaltenden wirtschaftlichen
Wiederaufschwungs, der weniger von Störungen der Energieversorgung abhängig ist.
In unseren informellen Gesprächen haben wir uns mit den wichtigen kritischen Problemen des Westens befaßt. Wir wissen, daß das von uns angestrebte wirtschaftliche Wachstum hohl wäre ohne die kollektive Fähigkeit, unsere
demokratischen Prinzipien und unsere Freiheit zu verteidigen.
Wir sprachen über unsere gemeinsamen Besorgnisse in den Ost-West-Beziehungen. Die ständige Aufrüstung der sowjetischen Militärmacht ist eine große
Herausforderung, die durch das Handeln der Sowjets in Polen, Afghanistan und
Südostasien verschärft wird - Fragen, über die ich auf dem Bonner Gipfeltreffen in größerer Ausführlichkeit sprechen möchte. Gleichzeitig stimmten wir
überein, daß die ernsten wirtschaftlichen Probleme und die bevorstehende Regierungsnachfolge in der Sowjetunion uns große Chancen bieten, einen konstruktiveren Dialog zwischen Ost und West herbeizuführen.
Wir müssen den Dialog mit der Sowjetunion auf der Basis der Gegenseitigkeit und der Zurückhaltung aufrechterhalten. In diesem Geiste haben meine
Kollegen amerikanische Rüstungskontrollinitiativen, vor allem die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen, die am 29. Juni beginnen werden, unterstützt.
Die Tragödie auf den Falkland-Inseln ist für uns alle Anlaß zu ernster
Besorgnis.

Während der ganzen Krise waren wir alle von der britischen Ent-

schlossenheit beeindruckt, und wir haben auf verschiedene Weise zum Ausdruck
gebracht, daß wir der Überzeugung sind, daß wir den Kämpfen im Südatlantik
ein Ende setzen und eine politische Lösung erreichen müssen.
Bezüglich anderer
- 3 -

�Bezüglich anderer Fragen haben wir alle Parteien im Libanon aufgefordert, Zurückhaltung zu üben. Verstärktes Blutvergießen in jener Region ist
etwas, was wir alle verabscheuen. Wir haben auch in dem Konflikt zwischen
dem Iran und dem Irak eine politische Lösung gefordert, die die territoriale
Integrität beider Länder gewährleisten würde. Und wir kamen überein, unseren
koordinierten Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu verstärken.
Und schließlich bin ich der Überzeugung, daß wir die jungen Generationen
erreichen müssen.

Die am Gipfel beteiligten Staaten können durch verstärkten

Austausch junger Menschen aus Nordamerika, Japan und Europa in die Zukunft
investieren.
Vor einem Jahr in Ottawa beendeten wir die erste Reihe von Wirtschaftsgipfeln, die in Frankreich begann. Mit diesem Gipfeltreffen in Versailles
haben wir eine neue Runde begonnen. Wir bekräftigen damit unsere nachhaltige
Verpflichtung zu wirtschaftlicher und politischer Zusammenarbeit.

Im Geiste

der Partnerschaft mit den anderen Demokratien möchte ich erklären, daß ich
mich schon sehr darauf freue, diese Nationen im nächsten Jahr in den Vereinigten Staaten zu begrüßen.

- 4 -

�14. Juni 1982

23

RONALD REAGAN BETONT AMERIKAS BEMÜHEN UM DEN WELTFRIEDEN
- Ansprache des Präsidenten bei seinem Besuch im Vatikan •

VATIKAN - (AD) - Präsident Ronald Reagan, der am 7. Juni 1982 im Verlauf
seiner Europareise auch mit Papst Johannes Paul II. zusammentraf, unterstrich
in einer Ansprache in der Päpstlichen Bibliothek das beiderseitige Bemühen um
den Weltfrieden.

Der Papst wiederum betonte in seiner Antwort, daß das ameri-

kanische Volk in seiner Geschichte "viele Beweise der Selbstlosigkeit, der
Großzügigkeit, der Sorge um den anderen, der Sorge um die Armen, die Bedürftigen, die Unterdrückten erbracht habe."
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Eure Heiligkeit, Eminenzen, Exzellenzen, Mitglieder der Geistlichkeit,
meine Damen und Herren.
Ich möchte für mich und alle Amerikaner Ihnen gegenüber, Eure Heiligkeit,
und gegenüber all jenen der Heiligen Stadt die tiefste Wertschätzung zum Ausdruck bringen, die unser Zusammentreffen hier in der Vatikanstadt ermöglicht
haben.
Dies ist

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�Dies ist wahrhaft eine Stadt des Friedens, der Liebe und der Nächstenliebe,
wo der Höchste und der Niedrigste unter uns danach streben, in die Fußspuren des
Fischers zu treten. Wie Sie wissen, Eure Heiligkeit, ist dies mein erster
Europabesuch als Präsident. Und ich möchte ihn gern als eine Pilgerfahrt für
den Frieden verstanden wissen, als eine Reise, die darauf abzielt, die Kräfte
für den Frieden im freien Westen zu stärken, indem neue Möglichkeiten für
realistische Verhandlungen mit jenen angeboten werden, die die Werte und den
Geist nicht teilen, die uns so teuer sind.
Dies ist keine leichte Aufgabe, aber ich verlasse diese Audienz mit einem
erneuerten Gefühl der Hoffnung und der Hingabe. Hoffnung, weil man nicht einen
Menschen wie Sie, Eure Heiligkeit, treffen kann, ohne das Gefühl zu haben, daß
eine Welt, die aus Widrigkeit und Unterdrückung heraus einen solchen Mut und
solche visionäre Kraft erstehen lassen kann, auch in der Lage ist, mit Gottes
Hilfe eine bessere Zukunft zu bauen. Hingabe, weil man diese Zitadelle des
Glaubens, des Urquelles so vieler Werte, die wir in der freien Welt hochhalten,
nicht betreten kann, ohne sie in dem Entschluß zu verlassen, alles in seinen
Möglichkeiten Stehende zu tun, um ihnen gemäß zu leben.
Bestimmte gemeinsame Erfahrungen, die wir, Eure Heiligkeit, in unseren
unterschiedlichen Lebensbereichen miteinander teilen, sowie der herzliche
Briefwechsel, den wir miteinander führen, verleihen unserem Treffen für mich
eine besondere Bedeutung. Ich hoffe, daß weitere Zusammenkünfte folgen werden.
Lassen Sie mich hinzufügen, daß alle Amerikaner mit großer Herzlichkeit an
Ihren historischen Besuch in unserem Lande im Jahr 1979 zurückdenken. Wir alle
hoffen, daß Sie mit Ihrer zeitlosen Botschaft wiederkommen werden: "Unser ist
ein Land, das auf den Glauben gegründet ist, auf den Glauben in die Fähigkeit
des Menschen, durch seine von Gott verliehene Freiheit in Toleranz und Frieden
zu leben, da der Glaube an ein höchstes Wesen unser tägliches Streben in dieser
Welt leitet." Das Leitmotiv unserer Nation "In God We Trust" (In Gott vertrauen
wir) bringt diesen Glauben zum Ausdruck.
Viele unserer

\

"
\

2

"

�Viele unserer ersten Siedler kamen nach Amerika auf der Suche nach einer
Zufluchtsstätte, wo sie Gott ungehindert ehren konnten. Auf diese Weise ist
unsere Verpflichtung zu den Freiheiten des einzelnen eng verbunden mit der
religiösen Freiheit. Freiheit hat den Amerikanern nie Zügel!osigkeit bedeutet.
Wir schätzen sie aus genau dem Grund, weil sie die menschlichen und spirituellen
Werte schützt, die wir am höchsten halten: Das Recht auf die selbstgewählte
Religionsausübung, das Recht zur Wahl einer demokratischen Führung, das Recht
auf Wahl jener Art von Erziehung, die wir für unsere Kinder möchten, sowie
Freiheit von Furcht, Mangel und Unterdrückung. Dies sind gottgegebene Freiheiten
und keine Erfindungen des Menschen.
Wir glauben auch an die gegenseitige Hilfe durch unsere Kirchen und
karitativen Einrichtungen - oder ganz einfach an die Hilfe eines Freundes, eines
guten Samariters, für den Mitmenschen. Die zehn Gebote und die Bergpredigt sind
genauso Teil unseres lebendigen Erbes wie die Verfassung, auf die wir so stolz
sind. Und wir haben - vielleicht nicht immer erfolgreich, aber stets mit gutem
Gewissen - versucht, eben diese Grundsätze bei unserer Rolle in der Welt zur
Anwendung zu bringen\
Wir wissen, daß Gott Amerika mit der Freiheit und dem Überfluß gesegnet
hat, die unseren weniger glücklichen Brüdern und Schwestern in der Welt verwehrt
wurden. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs haben wir unser Bestes getan, ihnen
Hilfe zu geben - Hilfe, die Milliarden Dollar an Nahrungsmitteln, Medikamenten
und Material wert war. Und wir werden dies auch in den kommenden Jahren tun.
Wir Amerikaner haben stets an die Worte der Schrift geglaubt: "Dem viel
gegeben ist, bei dem wird man viel suchen." Für uns alle in dieser bewegten Welt
bedeuten der Heilige Stuhl und Ihr seelsorgerisches Amt eine der größten
moralischen und spirituellen Kräfte der Welt.
Wir bewundern Ihre aktiven Anstrengungen zur Förderung des Friedens und
der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Mitleidens in einer Welt, die noch immer
von den Kräften des Bösen heimgesucht wird. Als Volk und als Regierung versuchen

- 3 -

�Regierung versuchen wir, im politischen und wirtschaftlichen Bereich dieselben
Ziele des Friedens, der Freiheit und der Menschlickeit zu verfolgen, die die
Kirche bei ihrer spirituellen Rolle verfolgt. Deshalb schätzen wir zutiefst
Ihren Rat und Ihre Unterstützung und bringen unsere Solidarität mit Ihnen zum
Ausdruck.
Eure Heiligkeit, einer der Bereiche gemeinsamer Besorgnis ist Lateinamerika. Wir möchten mit der Kirche in diesem Gebiet

eng zusammenarbeiten, um

Frieden, soziale Gerechtigkeit und Reform zu fördern und um die Ausdehnung
von Unterdrückung und gottloser Tyrannei zu verhindern.
Wir teilen auch Ihre Besorgnis bei der Suche nach Frieden und Gerechtigkeit
für die geplagten Gebiete im Nahen Osten, wie dem Libanon. Ein weiterer, ganz
besonderer Bereich der gemeinsamen Sorge ist die gequälte polnische Nation Ihre eigene Heimat. Durch Jahrhunderte der Not hindurch ist Polen stets eine
tapfere Bastion des Glaubens und der Freiheit in den Herzen seines mutigen
Volkes gewesen, nicht jedoch in den Herzen derer, die es beherrschen.
Wir streben nach einem Prozeß der Versöhnung und der Reform, der zu einem
neuen Hoffnungsschimmer für das polnische Volk führt, und wir werden auch weiterhin eine Aufhebung des Kriegsrechts, die Freilassung aller politischen Gefangenen
und die Wiederaufnahme eines Dialogs zwischen der polnischen Regierung, der Kirche
und der Bewegung Solidarität fordern, die für die überwältigende Mehrheit der
Polen spricht.
Trotz der Verweigerung finanzieller Hilfe für das unterdrückerische
polnische Regime wird Amerika fortfahren, dem polnischen Volk so viele Nahrungsmittel und Unterstützung an anderen Gütern wie möglich über Kirche und Privatorganisationen zukommen zu lassen.
Heute, Eure Heiligkeit, ist der Beginn der Sondersitzung der Vereinten
Nationen über Abrüstung. Wir verpflichten uns, bei diesen Gesprächen genau wie
bei unseren eigenen Initiativen für Frieden und Rüstungsverminderung alles in*

- 4 -

�alles in unserer Macht Stehende zu tun, um auf der ganzen Welt einen echten,
dauerhaften Frieden herbeiführen zu helfen. Für uns ist dies nicht weniger als
eine heilige Verpflichtung.
Dante hat einmal geschrieben, "der unendliche Gott hat so offene Arme,
daß sie alles umfassen können, was sich ihm zuwendet". Wir bitten um Ihre
Gebete, Heiliger Vater, damit Gott uns bei unseren Anstrengungen um den Frieden
auf dieser Reise und in den vor uns liegenden Jahren leiten wird und daß die
offenen Arme des Glaubens und der Vergebung eines Tages eine Welt umfassen
können, die in Frieden lebt und Gerechtigkeit und Mitgefühl für die ganze
Menschheit hat.
+++++

\

�mE

1J

DlEl

V

9)

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23

14. Juni 1982

GEMEINSAME ERKLÄRUNG DER AMERIKANISCHEN UND ITALIENISCHEN REGIERUNG
ZUM BESUCH DES US-PRÄSIDENTEN

ROM - (AD) - Im Verlauf der Europareise von Präsident Reagan, bei der er
sich am 7. Juni 1982 in Italien aufhielt, wurde an diesem Tag eine gemeinsame
Erklärung der amerikanischen und italienischen Regierung veröffentlicht, die
folgenden Wortlaut hat:
Gemeinsame Erklärung der Regierung der Vereinigten Staaten und der Regierung der Republik Italien.
Auf Einladung des Präsidenten der italienischen Republik stattete der
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan, am 7. Juni 1982
Rom einen Besuch ab. Der Besuch bot den beiden Präsidenten Gelegenheit zu
einem produktiven Meinungsaustausch. Zwei nützliche Treffen gab es auch
zwischen Präsident Reagan und dem Präsidenten des Ministerrates, Giovanni
Spadolini. Präsident Reagan nahm die Gelegenheit wahr, Präsident Pertini für
seinen jüngsten Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten zu danken und überbrachte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�und überbrachte ihm die wärmsten Wünsche der amerikanischen Regierung und des
amerikanischen Volkes. Präsident Pertini brachte Präsident Reagan gegenüber
seine Wertschätzung für den herzlichen Empfang zum Ausdruck, dessen er sich
in den Vereinigten Staaten erfreut hatte.
Die Präsidenten Reagan und Pertini beschäftigten sich mit der Bedrohung,
die der internationale Terrorismus für die freie Welt bildet und stellten mit
Befriedigung die Erfolge der italienischen Regierung und anderer westeuropäischer
Regierungen bei der Bekämpfung dieser Bedrohung fest. Die beiden Präsidenten
besprachen außerdem internationale Krisenherde wie Afghanistan, Polen, Mittelund Südamerika; die beiden bekräftigten erneut ihre feste Verpflichtung zur
Bewahrung und Wiederherstellung von Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen.
Sie brachten ihre gemeinsame Hoffnung auf eine Beendigung der Feindseligkeiten
im Südatlantik zum Ausdruck. Die beiden Staatsoberhäupter beendeten ihr Treffen
mit einer Versicherung hinsichtlich der Stärke der amerikanisch-italienischen
Bande und einem Rückblick auf die gemeinsamen Werte, auf denen die beiden
Gesellschaften gegründet sind.
Ministerpräsident Spadolini und Präsident Reagan gingen zunächst unter
vier Augen, dann zusammen mit den Außenministern Emilio Colombo und Alexander
Haig auf eine Reihe von Fragen ein, die beide Länder beschäftigen, einschließlich des NATO-Doppelbeschlusses von 1979, nukleare Mittel Streckensysteme in
Europa zu dislozieren und gleichzeitig der Sowjetunion Verhandlungen über die
Kontrolle und Begrenzung solcher Waffen anzubieten; des weiteren die Gesamtlage
im Nahen Osten mit besonderer Betonung der derzeit beiden drängendsten Fragen
hinsichtlich dieses Gebietes, nämlich der Situation im Libanon, wo es von
äußerster Dringlichkeit ist, ein Ende der Kämpfe herbeizuführen und des iranisch-'
irakischen Konflikts, wobei beide Seiten einhellig der Meinung waren, daß eine
politische Lösung notwendig ist, die die territoriale Integrität der beiden
Staaten respektiert.
Außerdem beschäftigten sie sich mit Richtigkeit der Teilnahme beider
Länder an der multilateralen Sinai-Streitmacht und den Aussichten für die

\

- 2 -

�für

die Gespräche über die palästinensische Autonomie. Sie gingen auch auf die

Ost-West-Beziehungen, einschließlich der Handels- und Kreditprobleme sowie jene
Fragen ein, die sich auf die wirtschaftliche und monetäre Zusammenarbeit
zwischen den beiden Ländern ergeben. Die beiden Regierungschefs bekräftigten
erneut ihre Verpflichtung zu einer Politik, die auf ein wachsendes Ausmaß der
Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern abzielt, um
die Inflation zu bekämpfen, das Wachstum und hierdurch die Arbeitsplatzsituation
zu fördern.
Präsident Reagan legte noch einmal seine Vorschläge für eine weltweite
Verminderung der strategischen Kernwaffen und für einen Abbau bei den nuklearen
Mittel Streckensystemen in Europa dar. Ministerpräsident Spadolini brachte
seine Anerkennung zu der jüngsten Ankündigung zum Ausdruck, daß die START-Gespräche am 29. Juni in Genf beginnen werden. Beide betonten, daß sie die
Bestrebungen vieler der jungen Menschen teilten, die für den Frieden marschieren,
wiesen auf die Institutionen und die Politiken hin, die den Frieden in Europa
seit nunmehr fast vierzig Jahren bewahren und drängten die Sowjetunion, positiv
auf die Vorschläge zu reagieren, die die Vereinigten Staaten unterbreitet
haben.
Der Ministerpräsident und der Präsident brachten ihre Freude über die
neuen Initiativen für den Austausch von Schülern und Studenten zwischen beiden
Ländern zum Ausdruck, der 1982 beginnen wird.
Die beiden Regierungen kamen überein, regelmäßige Treffen abzuhalten, um
kulturelle Fragen und Fragen der gegenseitigen Information mit der Absicht
zu erörtern, Kulturprogramme zu verbessern und Mittel zur Stärkung der Beziehungen auf diesen Gebieten zu untersuchen. Die ersten Kultur- und Informationsgespräche werden in Washington im Oktober stattfinden.
Beide Seiten schlössen ihre Gespräche ab, indem sie die jüngsten Beschlüsse
zur Stärkung der gegenseitigen Konsultationen als Ausdruck der besonderen und
engen Beziehungen begrüßten, derer sich Italien und die Vereinigten Staaten erfreuen.
+++++
- 3 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juni 1982

23

REDE DES US-PRÄSIDENTEN VOR
DEM BRITISCHEN PARLAMENT

LONDON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat im Rahmen seines
Besuches in London am 8. Juni 1982 eine vielbeachtete Rede vor dem
britischen Parlament gehalten, die folgenden Wortlaut hat:
My Lord Chancellor, Mr. Speaker,
die Reise, deren Teil dieser Besuch bildet, ist eine lange Reise.
Sie hat mich bereits in zwei große Städte des Westens geführt - Rom und
Paris - und zu dem Wirtschaftsgipfel in Versailles.

Dort haben unsere

Schwesterdemokratien einmal mehr den Beweis geliefert, daß freie Völker
selbst in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Belastungen frei und
freiwillig zusammenarbeiten können, um so ernste Probleme wie Inflation
und Arbeitslosigkeit, den Außenhandel und die wirtschaftliche Entwicklung
im Geiste der Kooperation und Solidarität zu lösen.
meiner Reise liegen vor mir.

Weitere Meilensteine

Im Verlauf dieser Woche werden wir und

unsere NATO-Verbündeten in Deutschland über Maßnahmen zur gemeinsamen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�gemeinsamen Verteidigung und über Amerikas jüngste Initiative für eine
friedlichere und sicherere Welt durch die Verminderung der Rüstungen
diskutieren.
Jede Station auf dieser Reise ist wichtig; dieser Augenblick aber nimmt
unter allen einen besonderen Platz in meinem Herzen und in den Herzen meiner
Landsleute ein - ein Augenblick verwandtschaftlicher Verbundenheit und der
Heimkehr in diese heiligen Hallen.
Ich möchte Ihnen - und ich spreche für alle Amerikaner - zum Ausdruck
bringen, wie sehr wir uns hier in diesem Raum zuhause fühlen.

So

empfindet jeder Amerikaner, ist dieses Haus doch, wie man uns so beredt
berichtet, ein Schrein der Demokratie.

Hier wurde über die Rechte und

den Prozeß der Repräsentation freier Menschen diskutiert, und hier wurden
diese Rechte verfeinert.
Man sagt, Institutionen seien Schatten des Menschen.

Diese Institution

ist der lange Schatten aller Männer und Frauen, die je hier gesessen und
je mit ihrer Stimme einen Abgeordneten hierher entsandt haben.
Dies ist der zweite Besuch, den ich Großbritannien als Präsident der
Vereinigten Staaten abstatte.
Eine erste Gelegenheit, britischen Boden zu betreten, hatte ich
vor fast eineinhalb Jahren, als mich Ihre Premierministerin freundlicherweise zu einem Dinner in die britische Botschaft in Washington einlud.
Mrs. Thatcher erklärte damals, sie hoffe, ich fühle mich nicht beunruhigt,
daß von der großen Freitreppe herab ein Portrait seiner Majestät Königs
George III auf mich herabblicke. Sie meinte, es wäre das beste, Vergangenes
vergangen sein zu lassen und fügte - unter Hinweis auf die bemerkenswerte
Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern in späteren Jahren - hinzu,
die meisten Engländer würden heute Thomas Jefferson beipflichten, daß

- 2 -

�daß "eine kleine Rebellion hie und da eine sehr gute Sache sei,"
Von hier werde ich nach Bonn Weiterreisen und dann nach Berlin,
wo sich ein grimmiges Symbol ungezügelter Macht befindet:
Mauer.

die Berliner

Jene schreckliche, graue und klaffende Wunde quer durch die Stadt

tritt in ihr drittes Jahrzehnt ein.

Sie ist das passende Signum des

Regimes, das sie errichtet hat. Und einige hundert Kilometer hinter
der Berliner Mauer liegt ein weiteres Symbol: eine Tafel im Zentrum
Warschaus, die Entfernungen nach zwei großen Hauptstädten anzeigt - in
die eine Richtung weist sie Moskau, in die andere nach Brüssel, dem
Sitz der greifbaren Einheit Europas.

Diese Tafel sagt, daß die Entfernung

von Warschau nach Moskau und nach Brüssel die gleiche ist. Das heißt
mit anderen Worten:

Polen ist weder Ost noch West.

Zentrum der europäischen Kultur.
beigetragen.

Polen liegt im

Es hat ganz erheblich zu dieser Kultur

Und es trägt heute zu ihr bei, indem es sich der Unterdrückung

auf so großartige und unerbittliche Weise erwehrt.
Polens Kampf, Polen zu bleiben und die grundlegenden Rechte zu
gewährleisten, die wir so oft für selbstverständlich nehmen, zeigt, warum
wir es nicht wagen dürfen, jene Rechte als selbstverständlich anzusehen.
Gladstone hatte in Verteidigung des Reformgesetzes von 1866 erklärt:
"Sie können nicht gegen die Zukunft ankämpfen.
Seite."

Die Zeit ist auf unserer

Es war in Gladstones Tagen leichter, an das Vordringen der Demokratie

zu glauben - in jener Hochzeit des Viktorianischen Optimismus.
Wir nähern uns dem Ende eines blutigen Jahrhunderts, das von einer
schrecklichen politischen Erfindung heimgesucht wurde - dem Totalitarismus.
Der Optimismus fällt heute weniger leicht - nicht weil die Demokratie
weniger lebenskräftig ist, sondern weil die Feinde der Demokratie ihr
Instrumentarium der Unterdrückung verfeinert haben. Dennoch ist Optimismus
am Platz, weil die Demokratie Tag für Tag Beweise liefert, daß sie alles
andere als eine existenzgefährdete Blume ist.
Von Stettin
- 3 -

�Von Stettin an der Ostsee bis Varna am Schwarzen Meer hatten vom
Totalitarismus eingesetzte Regierungen inzwischen über 30 Jahre Zeit,
ihre Legitimität herzustellen.

Keine von ihnen'-nicht" eine unter ihnen -

sah sich bisher in der Lage," frete Wahlen zu riskieren.

Regierungen, die

auf Bayonettspitzen errichtet" werden, schlagen keine Wurzeln.
Die Stärke der Solidaritätsbewegung in Polen läßt die Wirklichkeit
erkennen, wie sie aus einem in der Sowjetunion hinter vorgehaltener Hand
erzählten Witz hervorgeht:

Daß die Sowjetunion

ein Einparteienstaat blei-

ben werde, selbst wenn man eine Oppositionspartei zuließe - weil sich dann
alle der Oppositionspartei anschließen würden.
Amerika tritt erst seit kurzer Zeit als Akteur auf der Bühne der
Weltgeschichte in Erscheinung. Ich glaube, das Bewußtsein dieser Tatsache
hat Sie immer Geduld gegenüber ihren jüngeren Vettern üben lassen. Nun ja,
nicht immer. Ich erinnere Sie daran, daß Sir Winston Churchill in Verzweiflung über einen unserer tüchtigsten Diplomaten einmal ausrief: "Er ist der
einzige mir bekannte Fall eines Elephanten, der seinen Porzellanladen immer mit sich herumschleppt."
So witzig Sir Winston war, er hatte auch jenes besondere Attribut,
des großen" Staatsmannes: die Gabe des Weitblicks und die Bereitschaft,
die Zukunft als auf die Basis der Erfahrung aus der Vergangenheit gegründet
zu sehen.
Sein Geschichtsbewußtsein und sein Verständnis für die Vergangenheit
sind das Thema, über das ich heute zu Ihnen sprechen möchte.

Es ist die

Erinnerung an die Dinge, in die wir uns in der Vergangenheit geteilt haben,
die unsere beiden Völker heute befähigt, um der Zukunft willen zusammenzuarbeiten.
Wir haben

- 4 -

�Wir haben keine einfache Welt geerbt. Wenn Entwicklungen wie die
von England ausgegangene industrielle Revolution und die Segnungen der
Wissenschaft und Technik das Leben für uns leichter gemacht haben, so
haben sie es doch auch erschwert.

Es bestehen heute Bedrohungen für

unsere Freiheit, ja, Bedrohungen für unsere Existenz, die sich frühere
Generationen nie hätten vorstellen können.
Da ist allem voran die Bedrohung durch einen weltweiten Krieg.

Kein

Präsident, kein Kongreß, kein Premierminister und kein Parlament können
auch nur einen Tag gänzlich frei von dieser Bedrohung zubringen.

Und

ich brauche Ihnen nicht erst zu sagen, daß die Existenz von Kernwaffen in
der Welt von heute wenn nicht gar die Vernichtung der Menschheit»so doch
sicherlich das Ende der Kultur und Zivilisation bedeuten kann, wie wir sie
kennen.
Aus diesem Grunde sind die gegenwärtig in Europa laufenden Verhandlungen
über nukleare Mittelstreckenraketen (Negotiations of Intermediate Range
Nuclear Forces) und die Gespräche über die Verringerung der strategischen
Rüstungen (Strategie Arms Reduction Talks - S.T.A.R.T.),die im weiteren
Verlauf dieses Monats beginnen werden, von entscheidender Bedeutung
nicht nur für die amerikanische oder die westliche Welt. Sie sind von
entscheidender Bedeutung für die Menschheit. Unsere Verpflichtung auf
einen alsbaldigen Erfolg in diesen Verhandlungen ist fest und unerschütterlich.
Und unsere Absicht ist klar: die Verringerung des Risikos eines Krieges
durch die Verringerung der Mittel zur Führung eines solchen Krieges auf
beiden Seiten.
Gleichzeitig besteht die Bedrohung, die der Freiheit des Menschen
aus der gewaltigen Macht des modernen Staates erwächst.

Die Geschichte

lehrt uns die Gefahren einer Regierung mit allzu großer Machtfülle:

daß

die politische Kontrolle Vorrang vor dem freien wirtschaftlichen Wachstum
gewinnt, daß sich die Geheimpol zei und eine seelenlose Bürokratie

- 5 -

�Bürokratie miteinander verbinden, um die Tüchtigkeit des Einzelnen und
die Freiheit der Person zu ersticken.
Ich bin mir durchaus dar'dber im klaren, daß hier unter uns und
'überall in Europa berechtigte Meinungsverschiedenheiten darüber herrschen,
bis zu welchem Ausmaß der Staat in das Wirtschaftsleben eines Landes
eingreifen dürfe,

über eines aber sind wir uns alle einig:

die Abscheu

vor einer Diktatur in jeder nur möglichen Form, insbesondere aber vor
dem Totalitarismus und der schrecklichen Inhumanität, die er in unserer
Zeit verursacht hat - die große Säuberung, Auschwitz und Dachau, Gulag und
Kampuchea.
Wenn Historiker späterer Zeiten einmal auf unsere Zeit zurückblicken,
werden sie die beharrliche Mäßigung und die friedlichen Absichten des
Westens feststellen müssen.

Sie werden feststellen, daß es die Demokratien

waren, die während der vierziger und fünfziger Jahre darauf verzichtet
haben, um territorialer oder imperialer Gewinne willen die Drohung mit
ihrem Kernwaffenmonopol auszuspielen.

Hätte die kommunistische Welt

damals ein solches Kernwaffenmonopol besessen, würde die Landkarte Europas ja die Landkarte der Welt - heute sehr viel anders aussehen.

Und künftige

Historiker werden sicher feststellen, daß es nicht die Demokratien waren,
die in Afghanistan eingedrungen sind, die Bewegung Solidarität in Polen
unterdrückt haben oder in Afghanistan und Südostasien chemische oder toxische
Waffen zum Einsatz brachten.
Wenn die Geschichte etwas lehrt, dann das, daß Selbsttäuschung angesichts unangenehmer Fakten Irrsinn ist. Rund um uns sehen wir heute
die Spuren eines schrecklichen Dilemmas - Vorhersagen des Weltuntergangs,
Demonstrationen gegen die Kernenergie, ein Wettrüsten, bei dem der Westen
um seines eigenen Schutzes willen als unfreiwilliger Teilnehmer mitmachen
muß. Gleichzeitig sehen wir in aller Welt totalitäre Kräfte am Werk,
die rund um den Erdball auf Subversion und Konflikte aus sind, um ihren

- 6 -

�um ihren barbarischen Angriff auf den Geist des Menschen weiter voranzutreiben.
Welchen Kurs werden wir nehmen?
atomaren Feuerdom untergehen?

Muß die Zivilisation in einem

Muß die Freiheit in lautloser, tödlicher

Anpassung an das totalitäre Böse verwelken?

S1r Winston Churchill

weigerte sich, die Unvermeidbarkeit des Krieges oder selbst dessen unmittelbares Bevorstehen zuzugeben.

Er sagte einmal:

"Ich glaube nicht,

daß die Sowjetunion Krieg wünscht.

Was sie wünscht, sind die Früchte des

Krieges und die unbeschränkte Ausdehnung ihrer Macht und ihrer Lehren;
wir aber müssen hier und heute erwägen, solange uns noch Zeit verbleibt,
wie sich ein Krieg auf die Dauer verhindern läßt und wie wir möglichst
rasch die Vorbedingungen der Freiheit und Demokratie in allen Ländern
schaffen können."
Das genau ist unsere Aufgabe auch heute: die Freiheit und den
Frieden zu bewahren.

Das mag nicht immer leicht zu erkennen sein; ich

glaube aber, daß wir inzwischen an einem Wendepunkt angelangt sind.
Im ironischen Sinne hatte Karl Marx recht: wir werden heute Zeuge
einer großen revolutionären Krise, einer Krise, in der die Forderungen
der wirtschaftlichen Ordnung in direkten Konflikt geraten mit den Forderungen
der politischen Ordnung.

Aber diese Krise vollzieht sich nicht im freien,

nicht-marxistischen Westen, sondern im Heimatland des Marxismus-Leninismus,
in der Sowjetunion.

Es ist die Sowjetunion, die gegen die Flut der

Geschichte anläuft, indem sie ihren Bürgern die Freiheiten und die
Würde des Menschen verweigert.
Schwierigkeiten.

Sie steckt zudem in tiefen wirtschaftlichen

Die Wachstumsrate des Bruttosozialproduktes geht dort

seit den fünfziger Jahren ständig zurück und beläuft sich heute auf weniger
als die Hälfte des damaligen Satzes.
sind erstaunlich:

Die Dimensionen ihres Scheiterns

Ein Land, das ein Fünftel seiner Bevölkerung in der

Landwirtschaft beschäftigt, ist nicht in der Lage, das eigene Volk zu

- 7 -

�Volk zu ernähren.

Gäbe es dort keinen privaten Sektor - jenen winzigen

privaten Sektor, der innerhalb der sowjetischen Landwirtschaft geduldet wird -,
stünde das Land am Rande einer Hungersnot.

Auf die sogenannten privaten

Hoflande, die bestenfalls drei Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren
Bodenfläche in Anspruch nehmen, entfällt nahezu ein Viertel der gesamten
Agrarproduktion der Sowjetunion und nahezu ein Drittel der Fleisch- und
Gemüseerzeugung des Landes.
übermäßig zentralisiert, durch nur geringe oder Liberhaupt keine
Anreize motiviert, verwendet das sowjetische System Jahr um Jahr seine
besten natürlichen Hilfsquellen auf die Herstellung von Instrumenten der
Zerstörung.

Der beharrliche Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums im

Verein mit dem Wachstum der Produktion für militärische Zwecke erlegt
der sowjetischen Bevölkerung schwere Lasten auf.
Womit wir es hier zu tun haben, ist ein politischer Oberbau, der
nicht mehr länger zu seiner wirtschaftlichen Basis paßt, eine Gesellschaft,
in der die produktiven Kräfte von den politischen Kräften behindert werden.
Das Scheitern des sowjetischen Experiments kann uns nicht überraschen.
Wo immer man Vergleiche zwischen freien und geschlossenen Gesellschaften
anstrengt - zwischen West- und Ostdeutschland, zwischen Österreich und
der Tschechoslowakei, zwischen Malaysia und Vietnam - es sind die
demokratischen Länder, die über eine blühende Wirtschaft verfügen und
die Erfordernisse ihrer Bevölkerung befriedigen können. Eine einfache,
aber überwältigende Tatsache unserer Zeit besteht darin: bei all den
Millionen von Flüchtlingen, die wir in der modernen Welt bisher gesehen
haben, ging der Fluchtweg immer fort von der kommunistischen Welt und
nicht hin zu ihr. Heute stehen unsere Streitkräfte entlang der NATOLinie mit dem Gesicht nach Osten, um eine mögliche Invasion zu verhindern.
Auf der anderen Seite der Linie stehen die sowjetischen Streitkräfte
ebenfalls mit dem Gesicht nach Osten, um ihre eigenen Landsleute am Verlassen

- 8 -

�am Verlassen des kommunistischen Bereiches zu hindern.
Die greifbaren Ergebnisse der totalitären Herrschaft haben in
der Menschheit einen Aufstand des Geistes und des Willens bewirkt.

Ob

wir das Entstehen neuer wirtschaftswissenschaftlicher Schulen in Amerika
und England oder das Aufkommen der sogenannten "neuen Philosophen" in
Frankreich betrachten, überall gibt es einen einenden Faden, der sich
durch die intellektuelle Arbeit all dieser Gruppen rieht: die Ablehnung
der willkürlichen Macnc des Staates, die Weigerung, die Rechte des
Individuums dem Superstaat unterzuordnen, die Erkenntnis, daß der
Kollektivismus gerade die besten menschlichen Impulse abwürgt.
Seit dem Auszug aus Ägypten haben Historiker über jene geschrieben,
die im Kampf für die Freiheit Opfer gebracht und gekämpft haben: die
Schlacht bei den Thermopylen, der Aufstand des Spartakus, die Erstürmung
der Bastille und der Aufstand von Warschau im Zweiten Weltkrieg.
In jüngster Zeit beobachten wir Zeugnisse des gleichen menschlichen
Strebens in einem Entwicklungsland in Zentralamerika. Monate um Monate
berichteten die Medien der Welt über die Kämpfe in El Salvador. Tag
für Tag werden wir mit gefärbten Berichten und Filmmaterial über die tapferen
Freiheitskämpfer eingedeckt, die die oppressiven Regierungsstreitkräfte
im Namen der schweigenden und leidenden Bevölkerung jenes schwer geplagten
Landes bekämpfen.
Und dann bot man jenen schweigenden und leidenden Menschen die Chance,
mit dem Stimmzettel zu entscheiden:
die sie sich selbst wünschten.

jene Art von Regierung zu wählen,

Plötzlich wurden die besagten Freiheits-

kämpfer in den Bergen als das bloßgestellt, was sie wirklich sind:

von

Kuba unterstützte Guerillas, die die Macht für sich selbst und ihre
Hintermänner anstreben, nicht aber Demokratie für das Volk.

Sie bedrohten

jeden mit dem Tod, der sich an der Wahl beteiligen wollte und zerstörten

- 9 -

�zerstörten Hunderte von Bussen und Lastkraftwagen, um die Menschen
daran zu hindern, an ihren Wahlort zu gelangen.

Am Wahltag aber trotzten

die El Salvadorianer - bei einer nie vorher erreichten Zahl von 1,4 Millionen
Wählern - den Überfällen aus dem Hinterhalt und den Gewehrläufen und legten
weite Wege zurück, um ihr Votum für die Freiheit abzugeben.
Sie standen stundenlang in der glühenden Sonne Schlange und warteten,
bis sie an der Reihe waren, ihre Stimme abzugeben.

Mitglieder unseres

Kongresses, die als Beobachter an Ort und Stelle weilten, berichteten mir
von einer Frau, die auf dem Weg zum Wahllokal durch Gewehrfeuer verwundet
worden war und sich dennoch weigerte, aus der Schlange herauszutreten,
um ihre Wunde behandeln zu lassen, ehe sie ihre Stimme abgeben konnte.
Eine Großmutter, der die Guerillas gesagt hatten, sie würden sie töten,
wenn sie von der Wahl zurückkomme, antwortete ihnen:

"Sie können mich

töten, sie können meine Familie töten, sie können meine Nachbarn töten,
aber sie können uns nicht alle töten."
Als die wahren Freiheitskämpfer von El Salvador erwiesen sich die
einfachen Bewohner dieses Landes - d i e Jungen, die Alten und alle
übrigen.

Es ist merkwürdig, aber in meinem eigenen Land wurde nur sehr

wenig, wenn überhaupt etwas über jenen Krieg rund um die Wahlen berichtet.
Vielleicht wird man sagen, weil es heute aktuellere Kämpfe gibt.
Auf entfernten Inseln im Südatlantik kämpfen junge Menschen für England
und es erheben sich Stimmen des Protestes angesichts der Opfer, die von
ihnen für ein paar entlegene Felsen gebracht würden. Aber jene jungen
Leute kämpfen nicht um einfachen Grundbesitz. Sie kämpfen für eine Sache für die Überzeugung, daß man der bewaffneten Aggression keinen Erfolg
zugestehen darf und daß das Volk unter der Herrschaft des Rechts an den
Entscheidungen der Regierungen teilnehmen muß. Hätte dieser Grundsatz
vor 45 Jahren stärkere Unterstützung gefunden, wäre unserer
Generation wahrscheinlich der Aderlaß des Zweiten Weltkrieges

- ,10 -

�Zweiten Weltkrieges erspart geblieben.
Im Nahen Osten sprechen wieder einmal die Kanonen - dieses Mal im
Libanon, einem Land, das schon allzu lange die Tragödie des Bürgerkriegs,
des Terrorismus und der Intervention und Besetzung durch ausländische
Mächte ertragen muß.

Die Kämpfe im Libanon müssen auf allen Seiten

eingestellt werden, und Israel sollte seine Streitkräfte in die Heimat
zurückführen.

Aber das reicht nicht aus. Wir alle müssen darauf hin-

arbeiten, die Plage des Terrorismus auszutilgen, die den Krieg im
Nahen Osten zu einer stets präsenten Bedrohung macht.
Aber den Streitpunkten liegt ein tieferes und positiveres Muster
zugrunde.

Heute gewinnt die demokratische Revolution rund um die Erde

an neuer Stärke.

Indien hat mit dem friedlichen Wechsel der herrschenden

politischen Parteien einen kritischen Test bestanden.
nimmt Nigeria

In Afrika unter-

bemerkenswerte und unmißverständliche Versuche, seine

demokratischen Institutionen auszubauen und zu verstärken.

In der

Karibischen See und in Mittelamerika haben 16 von 24 Ländern frei gewählte
Regierungen.

Und in den Vereinten Nationen sind acht von den zehn

Ländern, die sich jener Organisation in den letzten fünf Jahren angeschlossen haben, Demokratien.
Auch in der kommunistischen Welt tritt die instinktive Sehnsucht
des Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung wieder und wieder in
Erscheinung. Sicherlich erinnern uns schlimme Ereignisse daran, mit
welch brutalen Mitteln Polizeistaaten versuchen, dieses Streben nach
Selbstherrschaft auszulöschen - 1953 in Ostdeutschland, 1956 in Ungarn,
1968 in der Tschechoslowakei und 1981 in Polen.
Das Ringen um Polen geht weiter.

Und wir wissen, daß es selbst

innerhalb der Grenzen der Sowjetunion Menschen gibt, die sich nach der
Freiheit sehnen und für sie leiden.

Wie wir uns hier in den westlichen

- 11 -

�westlichen Demokratien verhalten, wird darüber entscheiden, wie sich
dieser Trend weiterentwickelt.
Nein, die Demokratie ist keine existenzgefährdete Blume. Sie bedarf
allerdings der Pflege. Wenn wir in den verbleibenden Jahren dieses Jahrhunderts das allmähliche Wachstum der Freiheit und der demokratischen Ideale
erleben wollen, müssen wir den Kampf für die Demokratie aktiv unterstützen.
Manche Kreise argumentieren dahingehend, wir sollten den demokratischen
Wandel in rechtsgerichteten Diktaturen ermutigen, nicht aber in kommunistischen
Staaten.

Diese widersinnige Auffassung zu akzeptieren - wie es manche

wohlmeinende Leute tun -, hieße das Argument herausfordern, daß ein Land,
sobald es nukleare Kapazitäten erlangt hat, auch das Recht habe, ungestört
ein Terrorregime über seinen eigenen Bürger aufzurichten.

Wir lehnen einen

solchen Kurs ab.
Was die sowjetische Auffassung angeht, hat der Vorsitzende Breschnew
wiederholt unterstrichen, daß der Wettstreit der Ideen und Systeme weitergehen müsse und daß dies vollkommen mit Entspannung und Frieden vereinbar
sei.
Wir wünschen lediglich, daß jene Systeme endlich damit anfangen,
gemäß ihren eigenen Verfassungen zu leben, ihre eigenen Gesetze einzuhalten
und den internationalen Verpflichtungen nachzukommen, die sie auf sich
genommen haben.
Wir fordern nur einen Prozeß, eine Richtung, einen grundlegenden
Anstandskodex,nicht aber sofortige Veränderungen.
Wir können die Tatsache nicht ignorieren, daß es selbst ohne unser
Engagement wiederholt zum Aufstand gegen die Repression in den Diktaturen
gekommen ist. Die Sowjetunion selbst ist nicht immun gegen diese Realität.

- 12 -

�Realität.

Jedes System, das keine friedlichen Mittel zur Legitimierung

seiner führenden Männer kennt, ist vom Innern heraus instabil.

Es sind in

diesen Fällen die Vertreter des Staates, die das Volk letztlich in den
Widerstand gegen diesen treiben - wenn notwendig, mit Gewalt.
Während wir uns davor hüten müssen, das Tempo des Wandels zu forcieren,
dürfen wir nicht zögern, unsere letzten Zielsetzungen klar herauszustellen
und konkrete Schritte zu ergreifen, um ihnen näher zu kommen.

Wir müssen

in unserer Überzeugung standhaft sein, daß die Freiheit kein ausschließliches
Vorrecht einiger weniger Glücklicher ist, sondern das unveräußerliche
und universale Recht aller.

So steht es in der Universellen Erklärung der

Menschenrechte der Vereinten Nationen, die unter anderem auch das Recht
auf freie Wahlen garantiert.
Das Ziel, das ich vorschlage, ist ganz einfach zu umreißen:

die

Infrastruktur der Demokratie weiter auszubauen,jenes System aus einer freien
Presse, freien Gewerkschaften, freien politischen Parteien und freien Hochschulen, das es den Menschen gestattet, ihren eigenen Weg selbst zu
wählen, um ihre eigene Kultur weiterzuentwickeln und ihre

Meinungsverschieden-

heiten auf friedfertige Weise beizulegen.
Das ist kein Kulturimperialismus; das bedeutet vielmehr die Gewährung
echter Selbstbestimmung und den Schutz der Vielfalt.

Die Demokratie

gedeiht in Ländern mit sehr unterschiedlichen Kulturen und historischen
Erfahrungen.

Es wäre kulturelle Herablassung oder übleres, zu sagen, daß

irgendein Volk die Diktatur der Demokratie vorziehe.

Wer würde freiwillig

auf das Wahlrecht verzichten, Regierungspropaganda anstatt unabhängiger Zeitungen
kaufen, staatliche Gewerkschaften von der Arbeiterschaft überwachten
Gewerkschaften vorziehen, für die Überführung des Bodens in Staatseigentum
optieren, statt in die Hände jener, die das Land bearbeiten?

Wer wünscht

von sich aus die Unterdrückung der Religionsfreiheit durch den Staat,
eine einzige politische Partei statt der freien Wahl unter mehreren Parteien,

- 13 -

�Parteien, strenge kulturelle Orthodoxie an Stelle demokratischer Toleranz
und Mannigfaltigkeit?
- • • -

Seit 1917 gewährt die Sowjetunion Marxisten und Leninisten in vielen
Ländern politische Schulung und Hilfe.

Natürlich fördert sie auch die

Anwendung von Gewalt und die Subversion durch die gleichen Kräfte.
In den letzten Jahrzehnten haben Sozialdemokraten, Christdemokraten
und politische Führer anderer Parteien in Westeuropa und in der Welt
Brüderparteien und sozialen Institutionen in anderen Ländern offene Hilfe
angeboten, um friedliche und demokratische Prozesse in Gang zu setzen.
Wie dies für eine lebenskräftige neue Demokratie angemessen ist, wurden
politische Stiftungen in der Bundesrepublik Deutschland zu einer wichtigen
Kraft in diesen Bemühungen.
Wir in Amerika wollen nunmehr zusätzliche Schritte unternehmen,
wie dies viele unserer Verbündeten bereits getan haben, um das gleiche Ziel
anzustreben. Die Vorsitzenden und andere Führungskräfte der landesweiten
Republikanischen und Demokratischen Partei haben gemeinsam mit der von
beiden Parteien getragenen American Political Foundation eine Studie in
Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie die Vereinigten Staaten als Nation
am besten zu dem weltweiten Kampf für Demokratie beitragen können, der
sich gegenwärtig verschärft. Sie können der Mitarbeit führender Männer
von beiden Parteien im Kongreß und auch von Vertretern der Wirtschaft,
der Gewerkschaften und anderen größeren Institutionen unserer Gesellschaft
sicher sein.
Ich sehe diesen Empfehlungen und der Zusammenarbeit mit diesen
Institutionen und dem Kongress bei der Lösung der gemeinsamen Aufgabe
der Stärkung der Demokratie überall in der Welt, mit gespannter Erwartung
entgegen.
Es ist
- 14 -

�Es ist an der Zeit, daß wir uns als Nation sowohl auf dem staatlichen
als auch auf dem wirtschaftlichen Sektor dazu

verpflichten, die demokratische

Entwicklung zu fördern.
Wir beabsichtigen auch mit den Führern anderer Nationen über diesen
Fragenkomplex zu reden.

Dem Europarat liegt der Vorschlag vor, Parlamentarier

aus demokratischen Ländern für nächstes Jahr zu einer Tagung nach Straßburg
einzuladen.

Diese Tagung angesehener Politiker könnte sich mit Methoden

der Unterstützung demokratischer politischer Bewegungen befassen.
Im November dieses Jahres wird in Washington eine internationale
Tagung über freie Wahlen stattfinden. Und im kommenden Frühjahr wird
unter den Auspizien des Obersten Bundesrichters am Obersten Bundesgerichtshof der Vereinigten Staaten eine Konferenz von Experten auf dem Gebiet
des fonstitutionalismus und der Selbstregierung aus aller Welt stattfinden.
Kapazitäten sowohl aus Entwicklungsländern wie aus Industriestaaten Richter, Philosophen und Politiker mit praktischer Erfahrung - werden
gemeinsam der Frage nachgehen, wie sich demokratische Grundsätze am besten
in die Praxis umsetzen und wie sich die Rechtsstaatlichkeit weiter fördern
lassen.
Gleichzeitig laden wir die Sowjetunion ein, gemeinsam mit uns zu
überlegen, wie der Wettstreit der Ideen und Werte, den zu fördern auch sie
sich verpflichtet hat, auf der Basis des Friedens und der Gegenseitigkeit
geführt werden kann.

So bin ich beispielsweise bereit, Präsident Breschnew

Gelegenheit zu bieten, über das amerikanische Fernsehen zum amerikanischen
Volk zu sprechen, wenn er mir dieselbe Gelegenheit beim sowjetischen Volk
verschafft.

Wir schlagen ferner vor, daß Journalisten aus unseren Ländern

Fernsehdiskussionen im jeweiligen anderen Land veranstalten, um wichtige
Ereignisse zu erörtern.
Ich möchte

- 15 \

�Ich möchte hier nicht überoptimistisch erscheinen, doch.auch die
Sowjetunion ist nicht immun gegen die Wirklichkeit dessen, was in der
Welt vor sich geht. So geschah es in der Vergangenheit: eine kleine
herrschende Elite versuchte entweder auf irrtümliche Weise die Unruhe im
eigenen Lande durch noch größere Unterdrückung und Abenteuer im Ausland zu
beseitigen oder aber sie wählte einen klügeren Kurs - und begann, ihrem
Volk eine Stimme in der Gestaltung seines eigenen Schicksals einzuräumen.
Auch wenn letzterer Prozeß nicht umgehend in Gang kommen mag, so
glaube ich doch, daß die erneuerte Stärke der demokratischen Bewegung,
ergänzt durch eine weltweite Kampagne für die Freiheit,die Aussichten auf
Rüstungsbegrenzungen und eine Welt des Friedens stärken wird.
Ich habe schon aus anderen Anlässen, so in meiner Ansprache vom
9. Mai 1982, die Elemente der westlichen Politik gegenüber der Sowjetunion in der Absicht zur Sprache gebracht, unsere Interessen zu wahren
und den Frieden zu erhalten. Was ich gegenwärtig darzulegen suche, ist
ein Plan und eine Hoffnung auf lange Sicht - das Vorrücken von Freiheit
und Demokratie, das den Marxismus-Leninismus auf dem Aschehaufen der
Geschichte zurückläßt,so wie Freiheit.und Demokratie über andere Tyranneien
hinweggeschritten sind, die die Freiheit zu ersticken und die Selbstverwirklichung des Volkes zu unterbinden suchten. Und das.ist der Grund, aus
dem wir mit unseren Anstrengungen fortfahren müssen, die NATO zu stärken,
selbst wenn wir in den Verhandlungen über die Mittelstreckenraketen und
unseren Vorschlag zur Reduzierung der strategischen ballistischen RaketenSprengköpfe um ein Drittel in Richtung auf unsere Initiative der Null-Option
weiter voranmachen.
Unsere militärische Stärke ist eine Grundvoraussetzung für den Frieden;
aber man sollte sich darüber im klaren sein, daß wir diese Stärke in der
Hoffnung unterhalten,daß sie niemals gebraucht werden wird. Die letzte
Entscheidung in dem gegenwärtigen Ringen in der Welt wird nicht von Bomben

- 16 -

�Bomben und Raketen herbeigeführt, sie läuft vielmehr auf einen Test des
Willens und der Ideen hinaus, auf die Erprobung der geistigen Entschlußkraft
und der Werte, die wir schätzen, des Glaubens, den wir hochhalten und der
Ideale, denen wir uns weihen.

Das britische Volk weiß, daß sich die Kräfte

des Guten letztlich zusammenscharen und über das Böse triumphieren werden sofern eine starke Führung,hinreichend Zeit und ein kleiner Funke Hoffnung
gegeben sind.

Hier stehen wir an der Wiege der Selbstregierung, dieses

Haus ist die Mutter aller Parlamente.

Hier manifestiert sich die anhaltende

Größe des britischen Beitrags zur Menschheit:

die großen Zivilisationsideen

wie individuelle Freiheit, repräsentative Regierung und die Herrschaft des
Rechts unter Gott.

Ich habe mich oft über die Scheu gewundert, die manche

unter uns im Westen an den Tag legen, wenn es darum geht, für die Ideale
aufzustehen, die so viel dazu beigetragen haben, die Not des Menschen und
die Härten unserer unvollkommenen Welt zu mildern.

Dieses Zaudern, die uns zu

Gebote stehenden gewaltigen Hilfsquellen zu nutzen, erinnert mich an jene alte
Dame, deren Haus während des Blitzkrieges ausgebombt worden war.

Als die

Rettungsmannschaften eintrafen, stießen sie, hinter der Treppe verborgen, die
als einziges

stehengeblieben war, auf eine Flasche Branntwein. Und da

die alte Dame nahezu bewußtlos war, entkorkte einer der Helfer die Flasche,
um ihr einen Schluck anzubieten.

Sie kam sofort zu sich und sagte:

"Hey

Sie, stellen Sie die Flasche bitte sofort zurück, die ist nur für Notfälle
gedacht."
Nun,der Notfall ist da.
Laßt uns unsere Schüchternheit ablegen. Laßt uns unsere Stärke gebrauchen.
Laßt uns anderen Menschen Hoffnung geben. Laßt uns der Welt sagen, daß
ein neues Zeitalter nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich ist.
Es war in den Tagen des Zweiten Weltkrieges, daß diese Insel Mut
ausstrahlte, als Winston Churchill den Gegnern Englands zurief:

"Welche

Art von Volk meinen die denn, daß wir sind?" Gut denn, Englands Gegner

- 17 -

�Gegner fanden heraus, welch außerordentliches Volk die.Briten sind.

Aber

alle Demokratien bezahlten einen schrecklichen Preis dafür, daß sie es
den Diktatoren gestattet hatten, uns zu unterschätzen.. Wir wollen diesen
Fehler nicht noch einmal machen.

So fragen wir uns selber, welche Art

von Volk glauben wir denn, daß wir sind?
die Antwort geben:

Und wir wollen uns auch selbst

ein freies Volk, der.Freiheit würdig und entschlossen,

nicht nur frei zubleiben, sondern auch anderen zu helfen, frei zu werden.
Sir Winston führte dieses Volk im Krieg zu einem großen Sieg und
verlor dann die Wahl gerade in dem Augenblick, als es die Früchte des Sieges
zu ernten galt. Aber er schied ehrenvoll aus seinem Amt und, wie sich erweisen
sollte, nur vorübergehend und in dem Bewußtsein, daß die Freiheit seines
Volkes wichtiger war als das Schicksal eines einzelnen Politikers. Die
Geschichte erinnert sich seiner Größe in einer Art und Weise, wie sie kein
Diktator je kennenlernen wird. Und er hinterließ uns eine Botschaft
der Hoffnung für die Zukunft, die heute so zeitgemäß ist wie damals,als
er sie zum ersten Mal äußerte. Als Führer der Opposition im Unterhaus erklärte
er vor nahezu 27 Jahren: "Wenn wir auf all jene Gefahren zurückblicken,
durch die wir hindurchgegangen, auf die mächtigen Feinde, mit denen wir
fertiggeworden sind, und all die dunklen und tödlichen Pläne, die wir
vereitelt haben, warum sollten wir dann um unsere Zukunft fürchten?
Wir haben," fuhr er fort, "das Schlimmste unbeschadet überstanden." Die
Aufgabe, die ich hier aufzeige, wird weit über unsere eigene Generation
hinaus fortgeführt werden müssen. Gemeinsam aber haben wir das Schlimmste
überwunden. Laßt uns nunmehr mit einer großen Anstrengung beginnen, das
Beste zu erringen: in einem Kreuzzug für die Freiheit, der den Glauben und
die Stärke der kommenden Generation in Anspruch nehmen wird. Um des Friedens
und der Gerechtigkeit willen wollen wir uns.in Richtung auf eine Welt fortbewegen, in der alle Menschen zumindestens frei sind, ihr eigenes Schicksal
zu bestimmen.

Ich danke Ihnen.
+ + +•+ +

- 18 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juni 1982

23

ANSPRACHE PRÄSIDENT REAGANS VOR DEM DEUTSCHEN BUNDESTAG

BONN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hielt am 9. Juni 1982 vor dem
Deutschen Bundestag eine Ansprache, in der er die Freundschaft zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland und das Festhalten
am gemeinsamen Bündnis unterstrich.
Die von starkem Beifall begleitete Rede hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundestagspräsident, Bundeskanzler Schmidt, Mitglieder des Hohen
Hauses, verehrte Gäste!
Es ist mir eine große Ehre, heute zu Ihnen und damit zu allen Deutschen
sprechen zu dürfen.

Im kommenden Jahr werden wir gemeinsam den 300. Jahres-

tag der ersten deutschen' Ansiedlung in den amerikanischen Kolonien feiern.
Jene 13 Familien, die in die Neue Welt aufbrachen, waren die Vorläufer von
über sieben Millionen deutschen Einwanderern, und heute berufen sich mehr

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�sich mehr Amerikaner auf eine deutsche Abstammung als auf jede andere.
Diese

Deutschen rodeten und bepflanzten unser Land, erbauten unsere

Industrien und bereicherten unsere Kunst und Wissenschaften.

Um diesen

deutschen Beiträgen über einen Zeitraum von 300 Jahren Ehre zu erweisen,
sind Bundespräsident Carstens und ich heute übereingekommen, daß er zur
Feier dieses Jubiläums im Oktober 1983 zu einem Staatsbesuch in die USA
kommen wird.
Wir verdanken deutschen Menschen sehr viel.
einen Teil dieser Schuld wieder abgetragen.

Vielleicht hat mein Land

Die amerikanische Revolution

war die erste in der modernen Geschichte, die den Kampf um Selbstregierung
und um die Garantie der Bürgerrechte zum'Gegenstand hatte. Dieser Gedanke
war ansteckend.

Die vom Frankfurter Parlament 1849 verkündeten grundlegen-

den Bürgerrechte garantierten Rede- und Religionsfreiheit und die Gleichheit
vor dem Gesetz.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland leben diese

Prinzipien weiter. Viele Völker im Osten warten auch heute noch auf diese
Rechte.
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf die deutsche Demokratie - aber
sie ist nicht unsere Schöpfung. Als Heinrich Heine von den Menschen sprach,
die im Mittelalter die ehrfurchtheischenden Dome und Kathedralen gebaut haben, sagte er: "Die Menschen in jener" alten Zeit hatten Überzeugungen. Wir
Neueren haben nur Meinungen, und es gehört mehr als eine bloße Meinung dazu,
um so einen gotischen Dom aufzurichten." Im Verlauf der letzten 30 Jahre haben die Oberzeugungen des deutschen Volkes einen Dom der Demokratie aufgerichtet - ein großes und" rühmliches Denkmal der Ideale Ihres Volkes.
Wir Amerikaner betrachten die freie Gesellschaft, die Sie in so wenigen
Jahrzehnten aufgebaut haben,"mit echter Bewunderung.
läßt uns umso

Unsere eigene Geschichte

besser verstehen, was Sie hier geleistet haben. Wir Amerikaner

sprechen mit tiefster Ehrfurcht von unseren Gründervätern und ersten Bürgern,
denen wir die Freiheiten verdanken, welche wir heute genießen.

- 2 -

Und obwohl

�Und obwohl deren Schaffen mehr als 200 Jahre zurückliegt, tragen wir sie in
unseren Herzen, nicht nur in unseren Geschichtsbüchern.
Ich glaube, kommende deutsche Generationen werden einmal auf Sie, die
Deutschen der Gegenwart und auf Ihre Mitbürger mit derselben tiefen Ehrfurcht
und Anerkennung zurückblicken.

Sie haben eine freie Gesellschaft geschaffen,

die auf das Herzstück der Ideale der westlichen Zivilisation gegründet ist:
Dem unerschütterlichen Glauben an die Würde des Menschen.
nie vergessen.

Das wird man Ihnen

Die Nachfolgegenerationen dieser Republik werden Ihnen noch

in kommenden Jahrhunderten dafür Ehre und Bewunderung zollen.
Gestern sprach ich vor dem britischen Parlament über die Grundwerte der
westlichen Zivilisation und über die Notwendigkeit, allen Völkern zu helfen,
in den Besitz der Institutionen der Freiheit zu kommen. Auf viele Weise und
an vielen Orten werden unsere Ideale auf die Probe gestellt.

Wir stehen heu-

te nachmittag zwischen zwei wichtigen Gipfeltreffen - der Konferenz der führenden demokratischen Industrieländer in Versailles und der morgigen Zusammenkunft des Atlantischen Bündnisses hier in Bonn. Wir stehen vor kritischen
und komplizierten Problemen.

Wir werden uns aber mit jedem Dilemma leichter

auseinandersetzen können," wenn wir uns daran erinnern, daß unsere Partnerschaft auf derselben gemeinsamen westlichen Tradition basiert, nämlich daß
die Demokratie die beste Hoffnung für die Zukunft darstellt.
Als Haupttriebfeder für die Gemeinsamkeit des Atlantischen Bündnisses
sehe ich die Suche nach dem Frieden.

Innerer Frieden für unsere Bürger und

Friede zwischen den Nationen.
Warum innerer Frieden?

Weil die Demokratie die Selbstentfaltung erlaubt.

Weil sie die Würde und die Kreativität des Einzelmenschen respektiert.

Weil

in der Demokratie nach dem Recht gehandelt wird, nicht aufgrund von Terror
und Unterdrückung.

Weil sie Regierung mit Zustimmung der Regierten bedeutet.

Dies alles ist der Grund, warum die Bürger des Atlantischen Bündnisses ein
vormals unerreichtes Maß an materiellem und geistigem Wohlstand genießen.

- 3 -

�Wohlstand genießen. Und es steht ihnen frei, ihren eigenen Weg zum persönlichen Frieden zu finden.
Es ist aber auch der Weg zum Frieden zwischen den Nationen, den wir
suchen.

Es steht in den Psalmen:

"Suche den Frieden, jage ihm nach."

Auf

diesem Prinzip und auf diese Zielsetzung ist unsere Außenpolitik gegründet.
Das vornehmste Ziel unserer diplomatischen Arbeit ist die schwierige und
Geduld erfordernde Aufgabe, unsere Gegner auf den Pfad des Friedens zu bringen.

Und sicherlich würden alle von uns den Tag begrüßen, an dem als letzte

Kriegsindustrie nur noch die Forschungsarbeit der Historiker zu verzeichnen
ist.
Aber nur einfach auf den Frieden hoffen, genügt nicht. Wir sollten uns
an Friedrich Schillers Worte

erinnern:

"Es kann der Frömmste nicht in Frie-

den leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt." Unserer Friedenssuche
muß ein Verfahren zugrundeliegen, ein Verfahren, das die Gefahren und Wirklichkeiten dieser Welt berücksichtigt.

Als Bundeskanzler Schmidt letztes

Jahr zu einem Staatsbesuch in Washington war, habe ich gesagt, Ihre Republik
"stünde auf einer Klippe der Freiheit". Damit habe ich dem deutschen Volke
nichts Neues erzählt. Wer, wie Sie, im Herzen des geteilten Europas lebt,
sieht deutlicher als andere, daß es Regierungen gibt, die sich weder mit dem
eigenen Volk noch mit der übrigen Welt im Zustand des Friedens befinden.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendein rationell denkender Beobachter bestreiten würde, daß sowohl der Frieden als auch die Freiheit heute
bedroht sind. Dies ist so unmißverständlich sichtbar wie die Schnittwunde
der Grenze, die das deutsche Volk teilt. Wir werden von einer Macht bedroht,
die öffentlich unsere Wertvorstellungen verhöhnt und unsere Zurückhaltung damit beantwortet, daß sie ungezügelt ihre militärische Stärke immer weiter
ausbaut.
Wir dürfen nicht simplistisch annehmen, daß jede andere Nation den
Frieden wünscht, den wir so dringlich ersehnen. Das polnische Volk kann uns

�kann uns ein Lied von jenen singen, die andere mit militärischer Gewalt
unterdrücken, nur weil sie menschliche Grundrechte anstreben.

Desgleichen

können uns die afghanischen Freiheitskämpfer bestätigen, daß Bedrohung
durch Aggression noch nicht aus dieser Welt geschaffen wurde.
Die Gefahr militärischer Erpressung wäre sehr groß, wenn die atlantische
Sicherheit nicht verstärkt wird.

Dies ist keine unmögliche Aufgabe; fast

40 Jahre lang hat unsere Abschreckung den Krieg verhindert. Auf dem nuklearen wie auf dem konventionellen Sektor haben wir unser Verteidigungspotential auf solche Weise geordnet, daß für einen möglichen Aggressor keine Hoffnung auf einen militärischen Sieg bestand.

Das Bündnis hat seine Stärke

nicht als Kriegsflagge, sondern als Friedensbanner getragen.
hat den Frieden erhalten.

Die Abschreckung

Deshalb müssen wir weiterhin diejenigen Schritte

unternehmen, die getan werden müssen, um die Abschreckung glaubhaft zu machen.
Dies hängt zum Teil von einem starken Amerika ab. Mein Land bemüht sich
gegenwärtig, längst überfällige Verbesserungen unserer militärischen Fähigkeiten vorzunehmen, die unseren Bürgern Opfer abverlangen. Der amerikanische
Bürger unterstützt diese Initiative, weil er weiß, wie fundamental wichtig
sie ist, um den Frieden, den er aus allen Kräften will, zu erhalten.
Wir sind entschlossen, die Präsenz gut ausgerüsteter und ausgebildeter
Truppen in Europa zu erhalten, unsere: strategischen Streitkräfte zu modernisieren und sie dem Bündnis zugeordnet zu belassen.

Durch diese Handlun-

gen sendet Ihnen das amerikanische Volk eine Botschaft:
stehen auf deiner Seite!

Du steht nicht allein!"

"Deutschland, wir

Unsere Gegner würden

einen schrecklichen Fehler machen, es je darauf ankommen zu lassen, daß wir
Amerikaner unsere Bündnisverpflichtungen nicht einhalten würden, ganz gleich
wie schwer die Probe ist, auf die wir gestellt werden.
Die Sicherheit der Allianz stützt sich auf eine völlig glaubhafte konventionelle Verteidigung, zu der alle Verbündeten beitragen:

Es besteht bei

jedem Konflikt die Gefahr, daß er sich zu einem Kernwaffen krieg ausweiten

- 5 -

�Kernwaffenkrieg ausweiten könnte. Starke konventionelle Streitkräfte können
die Gefahr einer Auseinandersetzung mit konventionellen oder nuklearen Waffen
weniger wahrscheinlich machen.
an sich:

Stärke in vernünftigen Maßen ist nichts Böses

Im Gegenteil, solche Stärke ist ehrenhaft, wenn sie der Erhaltung

des Friedens oder der Verteidigung der tiefsten Überzeugungen dient.
Daher liegt eine der ersten Aufgaben zur Erfüllung unserer gegenseitigen
Verpflichtungen darin, mit der Stärkung unserer konventionellen Verteidigung
fortzufahren.

Dazu muß die Verbesserung der Bereitschaft unserer stehenden

Kräfte gehören sowie auch die Fähigkeit dieser Kräfte, als gemeinsames Ganzes
eingesetzt zu werden.

Auch das technische Genie des Westens muß zur Verbes-

serung unserer konventionellen Abschreckung eingesetzt werden.
Es gibt keinen Zweifel daran, daß unser Bündnis über die Mittel verfügt,
unsere konventionelle Verteidigung zu verbessern.

Immer wieder haben unsere

Völker bewiesen, daß sie willens sind, das ihnen eigene Gut der persönlichen
Freiheit und der Menschenwürde zu verteidigen.

Die Dynamik unserer Wirt-

schaft ist der unserer Gegner bei weitem überlegen.

Unsere freie Wirtschaft

hat technologische Vorteile erarbeitet, denen andere Systeme in ideologischen
Zwangsjacken nie etwas Gleiches entgegensetzen können. Alle diese Ressourcen
können für unsere Verteidigung eingesetzt werden.
Es stimmt, daß viele unserer Nationen gegenwärtig in wirtschaftlichen
Schwierigkeiten stecken. Trotzdem müssen wir sicherstellen, daß unsere Sicherheit nicht darunter leidet. Obwohl wir wirtschaftliche Probleme hatten, haben wir auf dem Gebiet der konventionellen Verteidigung in den letzten Jahren
Fortschritte gemacht und die Pessimisten, die unsere Anstrengung für nutzlos
halten, eines besseren belehrt. Mit jedem Schritt zur Ausfüllung der konventionellen Lücke verringert sich das Risiko von Aggression oder Nuklearkonflikt.
Der Boden Deutschlands, der Boden aller Verbündeten sind ein Hauptanliegen für alle Mitglieder der Allianz, und diese fundamentale Verpflichtung

- 6 -

�fundamentale Verpflichtung ist im Nordatlantikvertrag niedergelegt.

Dieser

Verpflichtung können wir aber nicht nachkommen, ohne sicherzustellen, daß
amerikanische Streitkräfte zur Verstärkung Europas bereitstehen und daß Europa bereit ist, sie in Empfang zu nehmen.

Deswegen begrüße ich das vor kurzem

mit der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossene Abkommen über Unterstützung
durch den Aufnahmestaat in Krise oder Krieg.

Dieses Abkommen stärkt unsere

Fähigkeit zur Aggressionsabschreckung in Europa und bezeugt, daß wir gemeinsam
entschlossen sind, einem Angriff zu begegnen.
Da jedem Bündnispartner der volle Schutz durch das Bündnis zusteht,
ist auch jeder dafür verantwortlich, einen angemessenen Teil der Lasten zu
tragen. Da gibt es nun natürlich des öfteren Meinungsverschiedenheiten, und
Kritik am Bündnis ist so alt wie das Bündnis selbst. Auf beiden Seiten des
Atlantik hören wir jetzt aber Stimmen, die den unvermeidbaren Prozeß der Anpassung innerhalb des Bündnisses mit einer dramatischen Veränderung der Interessenlage verwechseln. Einige Amerikaner glauben, die Europäer kümmern
sich nicht genug um ihre eigene Sicherheit; einige wollen die Anzahl der in
Europa stehenden amerikanischen Truppen einseitig reduzieren. Und in Europa
selber hören wir den Gedanken geäußert, die amerikanische Präsenz sei kein
Beitrag zur Friedenssicherung; im Gegenteil, sie hätte keinen Abschreckungswert oder würde sogar das Risiko eines Angriffs auf unsere Bündnispartner
verschärfen.
Solche Argumente verkennen die geschichtliche Entwicklung und die Realität der transatlantischen Koalition.
Die amerikanische Verpflichtung gegenüber Europa - das versichere ich
Ihnen - bleibt verläßlich und stark.

Die Küsten Europas sind unsere Küsten.

Die Grenzen Europas sind unsere Grenzen.

Und wir werden Ihnen bei der Ver-

teidigung der uns überlieferten Freiheit und der Menschenwürde zur Seite
stehen.

Das amerikanische Volk ist sich der erheblichen Beiträge Europas

für unsere gemeinsame Sicherheit bewußt. Nirgends kann man diesen Beitrag
klarer sehen als hier in der Bundesrepublik.

- 7 -

Bei deutschen Bürgern sind

�Bürgern sind die Streitkräfte von sechs Nationen zu Gast.

Deutsche Soldaten

und Reservisten bilden das Rückgrat der konventionellen Abschreckung der NATO
im Herzen Europas.

Die Bundeswehr ist ein Modell für die Verschmelzung von

militärischen Notwendigkeiten mit einem demokratischen Lebensstil.

Und Sie

sind nicht der schweren Verantwortung ausgewichen, die für die Abschreckung
notwendigen Kernwaffen bei sich aufzunehmen.
Es gilt eine andere Aufgabe zu bewältigen, bei der ich um Ihre Hilfe
bitte.

Viele amerikanische Bürger sind der Meinung, daß manche Europäer

- insbesondere junge Europäer - nicht richtig verstehen, warum wir Amerikaner
in Europa stehen. Wenn Sie mithelfen können, den Menschen auf dieser Seite
des Atlantik die amerikanische Rolle klarzumachen, werde ich auf unserer Seite
das Gleiche tun.
In Ihrem Lande wie auch in meinem haben wir in den letzten Monaten erneut öffentliche Bezeugungen der Besorgnis über die Gefahr eines Atomkrieges
und über den Ausbau der Waffenarsenale gesehen. Ich weiß, daß für die deutschen Menschen das Leben nicht einfach ist, wenn vom Osten her ein Sturm der
Einschüchterung bläst. Gestatten Sie mir, Heine noch einmal zu zitieren. Er
hat fast die Angst vor dem Atomkrieg vorausgesehen, als er schrieb: "Wilde
und düstere Zeiten dröhnen heran. Und der Prophet, der eine neue Apokalypse
schreiben wollte, müßte ganz neue Bestien erfinden, und zwar so erschreckliche, daß die älteren, Johanneischen Tiersymbole dagegen nur sanfte Täubchen und Amoretten wären". Die atomare Bedrohung ist eine schreckliche
Bestie. Vielleicht hat es ein Banner bei einer Demonstration gegen Kernwaffen hier in Deutschland am besten ausgedrückt. Darauf stand: "Ich habe
Angst!" Ich kenne niemand in führender Rolle im Westen, der für diese ernste
Mahnung kein Verständnis hat. Auch ich fühle mich jenen verbunden, die für
den Frieden marschieren. Wäre ich überzeugt, daß Marschieren allein eine
sicherere Welt herbeiführen könnte, würde ich sogar die Parade anführen.
Und ich möchte auch den 2800 Frauen von Filderstadt, die einen Friedensappell
an Präsident Breschnew und an mich gesandt haben versichern, daß ich diesen
Appell gern unterzeichnen würde, wenn ich glauben könnte, daß man damit Ober-

- 8 -

�damit Übereinstimmung herbeiführen könnte.
aus.

Ihr Anliegen verstehe ich durch-

Die Frauen von Filderstadt und ich streben das gleiche Ziel an. Die

Frage ist nur, wie man es am besten erreicht. Wir müssen die Konsequenzen
der Methoden Liberdenken, mit denen" wir die Gefährdung des Friedens eindämmen wollen.
Diejenigen, die vorschlagen, daß wir einseitig auf die Nachrüstung verzichten sollen, werden beweisen müssen, daß dieser Schritt unsere Sicherheit
erhöht und zur Mäßigung auf der anderen Seite führt - kurz gesagt, daß er
die Friedenssicherung fördert, statt sie zu untergraben. Die Ereignisse der
jünsten Geschichte stellen diese Auffassung in Frage.
Diejenigen, die verlangen, daß wir auf die Verwendung eines bedeutsamen Elementes unserer Abschreckungsstrategie verzichten sollen, werden beweisen müssen, wie dies die Kriegsgefahr vermindern würde. Nur im Vergleich
zu einem Nuklearkrieg sind die durch einen konventionellen Krieg hervorgerufenen Leiden das kleinere Übel. Unser Ziel muß es sein, jede Art von Krieg
abzuschrecken.
Und diejenigen, die sich darüber beklagen, daß die Bemühungen zur
Rüstungskontrolle bisher keine wesentlichen"Ergebnisse gebracht haben, müssen
in Erwägung ziehen, wo die Schuld dafür zu suchen ist.

Ich möchte daran er-

innern, daß es die Vereinigten Staaten waren, die ein Verbot der bodengestützten
INF-Waffen vorgeschlagen haben, und es sind diese nuklearen Mittelstreckenraketen, die Europa am meisten bedrohen.

Es war ein Vorschlag der Vereinigten

Staaten, den wir weiterverfolgen werden, drastische Kürzungen in den strategischen Systemen vorzunehmen.

Es war der Westen, der seit langem detaillierte

Informationsaustausche über Streitkräfte und wirksame Nachprüfmethoden zu erreichen gesucht hat.

Und es sind die Diktaturen, nicht die demokratischen

Staaten, die den Militarismus brauchen, um ihre eigenen Menschen im Griff zu
halten und um anderen ihr System aufzuzwingen.
Wir im Westen

�Wir im Westen - Deutsche,Amerikaner, unsere anderen Verbündeten - sind
ernsthaft bestrebt, unsere Bemühungen zur Beschränkung des Wettrüstens weiter
zu verfolgen.

Der gesunde Menschenverstand gebietet uns, nicht aufzugeben.

Ich fordere diejenigen auf, die ernsthaft um wirksame und dauerhafte Rüstungskontrolle bemüht sind, sich hinter die weitreichenden Vorschläge zu stellen,
welche wir vorgelegt haben. Meinerseits verspreche ich, daß wir mit unseren
Verbündeten hierüber weiterhin" die engsten Konsultationen unterhalten werden.
Am 18. November habe ich ein umfassendes und zielstrebiges Programm für
Rüstungskontrolle dargelegt. Darin wird die beiderseitige Reduzierung der
bodengestützten INF-Waffen auf Null vorgeschlagen. Wird dies in die Tat umgesetzt, würde die wachsende Bedrohung Westeuropas durch die modernen sowjetischen SS-20-Raketen beseitigt werden und der NATO-Doppelbeschluß über die
Aufstellung amerikanischer INF-Systeme wäre nicht mehr notwendig.

Und mir

ist es, nebenbei gesagt, unverständlich, warum einige Leute vor den Waffen,
deren Aufstellung die NATO plant, größere Angst haben als vor den Waffen, die
die Sowjetunion schon stehen hat. Unser Vorschlag ist fair, weil er beiden
Seiten die gleichen Beschränkungen und Verpflichtungen auferlegt und weil
er wesentliche Reduzierungen vorschreibt und nicht nur für ein schon bestehendes hohes Maß an Vernichtungspotential Obergrenzen setzt. Wie Sie wissen,
haben wir diesen Vorschlag in Genf gemacht, wo wir seit dem November vorigen
Jahres verhandeln.
zuverfolgen.

Wir beabsichtigen, diese Verhandlungen intensiv weiter-

Ich betrachte sie als einen wichtigen Prüfstein für die Bereit-

schaft der Sowjets zum Abschluß von wesentlichen Rüstungskontroll abkommen.
Wir haben der Sowjetunion am 9. Mai vorgeschlagen, in Genf in diesem
Monat mit den START-Gesprächen über die Reduzierung von strategischen Waffen
zu beginnen.
eröffnet.

Die UdSSR hat zugestimmt, und die Gespräche werden am 29. Juni

Die amerikanische Seite beabsichtigt, sich besonders auf diejenigen

Systeme zu konzentrieren, die am meisten destabilisierend wirken, um dadurch
das Kriegsrisiko zu mindern.

Aus diesem Grunde schlagen wir für die erste

Phase vor, die Anzahl der Gefechtsköpfe für ballistische Raketen sowie die
Raketen selber um ein wesentliches zu verringern.

- 10 -

In der zweiten Phase suchen

�Phase suchen wir eine beiderseitig gleiche Begrenzung bei anderen Elementen
unserer strategischen Kräfte, einschließlich des Wurfgewichts (throw weight)
ballistischer Raketen, die unter dem gegenwärtigen amerikanischen Bestand
liegt.

Cruise Missiles und Bombenflugzeuge werden von uns auf ausgewogene

Weise behandelt werden.
Wir werden mit gutem Willen verhandeln und an diese Gespräche mit demselben Ernst und derselben Zielstrebigkeit herangehen, wie wir dies schon
bei der mehrere Monate andauernden Vorbereitungsphase demonstriert haben.
Ein weiteres Element in dem von mir dargelegten Programm ist die Aufforderung, die konventionellen Streitkräfte in Europa zu reduzieren.

Schon

seit den frühesten Nachkriegsjahren haben sich die westlichen Demokratien
mit der nichts Gutes verheißenden Realität auseinandersetzen müssen, daß
massive sowjetische konventionelle Truppenkontingente immer noch dort stationiert bleiben, wo sie nicht hingehören.

Die Stärke der sowjetischen

Truppen in Mitteleuropa geht weit über legitime Verteidigungsinteressen hinaus.

Ihre Anwesenheit ist umso bedrohlicher, weil die sowjetische militärische

Doktrin sich stark auf" Mobilität und Überraschungsangriffe stützt.

Diese

Truppen, wie man aus der Geschichte ablesen kann, haben sich als Werkzeug
für Einschüchterung und Unterdrückung einen Namen gemacht.
Um dem zu entgehen, müssen die NATO-Verbündeten zeigen, daß sie den
Wil&gt;en und die Fähigkeit besitzen, einen konventionellen Angriff oder Einschüchterungsversuch abzuschrecken. Wir werden aber auch weiterhin nach vertretbaren Wegen suchen, die Zahl des Militärpersonals bei der NATO und beim
Warschauer Pakt auf gleiche Stärke zu reduzieren.
In den letzten Wochen wurden in unserem Bündnis Beratungen geführt,
wie am besten die Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen wieder stimuliert werden können. Als Ergebnis dieser
Beratungen werden die westlichen Vertreter bei den Wiener Gesprächen demnächst einen Vorschlag einbringen, nachdem die beiden Bündnisse beiderseitig

- 11 -

�Bündnisse beiderseitig ihre Landstreitkräfte in nachprüfbaren Phasen auf eine
Gesamtstärke von 700 000 Mann Senken'würden und die Kombination von Landtruppen und Luftwaffenpersonal auf 900 000.
Wenn ein solches Abkommen"auch die Bedrohung nicht aus der Welt schaffen
und unseren Bürgern nicht die Last abnehmen würde, eine umfangreiche Streitkraft zu erhalten, würde es doch ein größerer Schritt sein hin auf ein sichereres Europa, im Osten wie im Westen.

Es könnte zu militärischer Stabilität

auf niedrigeren Ebenen führen und die Gefahren von Fehleinschätzungen und
Überraschungsangriffen mindern. Auch wäre es ein Zeichen für den politischen
Willen beider Bündnisse, durch die Beschränkung ihrer Streitkräfte im Zentral gebiet der militärischen Konkurrenz die Stabilität zu fördern.
Der Westen hat eine Reihe von klaren Zielen gesetzt. Wir im Bündnis
werden unsere Pläne vorantreiben, unsere konventionellen Streitkräfte in Europa zu verbessern. Gleichzeitig schlagen wir ein Rüstungskontroll abkommen vor,
das die konventionellen Kräfte auf einer wesentlich niedrigeren Ebene gleichstellen würde.
Wir werden mit unseren Vorbereitungen fortfahren, die nuklearen Streitkräfte in Europa zu modernisieren.

Aber auch hier werden wir nicht aufhören,

daran weiterzuarbeiten, die andere Seite in Genf zur Annahme unseres Vorschlags
über das Verbot bodengestützter INF-Raketen zu bewegen.
In den Vereinigten Staaten bewegen wir uns vorwärts mit den von mir im
letzten Jahr angekündigten Plänen, unsere strategischen Nuklearstreitkräfte
zu modernisieren.

Diese Kräfte leisten einen wichtigen Beitrag zur Friedens-

sicherung und Kriegsabschreckung.

Auch auf diesem Gebiet haben wir die Auf-

nahme der START-Gespräche angeregt, und wir werden diese Gespräche mit Entschlossenheit führen und verfolgen.
Auf jedem dieser Gebiete basiert unsere Politik auf der Oberzeugung,
daß ein stabiles militärisches Gleichgewicht auf der niedrigstmöglichen Ebene

�niedrigstmöglichen Ebene der Sache des Friedens dienlich ist.

Die andere

Seite wird auf diese Initiativen nur dann ernsthaft eingehen, wenn sie glaubt,
daß wir entschlossen sind, für unsere eigene Verteidigung zu sorgen. Wenn
unsere Gegner nicht davon überzeugt sind, daß wir uns zusammenschließen werden
und daß wir weiterhin hinter diesen Initiativen zur Rüstungskontrolle und hinter diesen Modernisierungsprogrammen geschlossen stehen bleiben können, werden
sie versuchen, uns voneinander und unsere Völker von ihren Regierungen zu
trennen.
Ich bleibe optimistisch über unsere Beziehungen zur Sowjetunion» solange
die westlichen Nationen ihren Werten treu bleiben und die Treue zueinander
nicht verlieren. Ich glaube an die westliche Zivilisation und an ihre moralische Kraft. Ich glaube zutiefst an die Ideale, denen der Westen verschrieben ist. Und wenn wir uns von diesen Idealen leiten lassen, glaube ich, daß
wir eine geradlinige, durchführbare und dauerhafte Politik finden können,
welche uns den Frieden erhält.
Ich habe gesagt, das deutsche Volk habe einen bewunderungswerten Dom
der Demokratie aufgerichtet.

Aber ein weiteres Bauwerk steht uns noch bevor.

Wir müssen einen Dom des Friedens bauen, wo Nationen den Krieg und Menschen
den Verlust ihrer Rechte nicht zu fürchten brauchen.
Ich habe von der Geschichte des berühmten Kölner Doms gehört; wie seine
herrlichen., aufstrebenden Türme wie ein Wunder die Zerstörung ringsumher und
die Beschädigung der Kirche selber überdauert haben.

Laßt uns wie die Kölner

einen solchen Dom bauen - aus tiefster Überzeugung und mit Entschlossenheit.
Laßt ihn uns bauen wie sie es taten - nicht nur für uns, sondern für die kommenden Generationen.

Denn wenn wir beim Bau des Friedens richtig vorangehen,

wird er genauso dauerhaft sein wie die Türme von Köln.

+ + + + +

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�14. Juni 1982

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ANSPRACHE PRÄSIDENT REAGANS IM CHARLOTTENBURGER SCHLOSS IN BERLIN
AM 11. JUNI 1982

BERLIN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hielt am 11. Juni 1982
vor dem Charlottenburger Schloß in Berlin eine Ansprache, in der er eine
neue Friedensinitiative ankündigte. Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Es war einer der größten Söhne Deutschlands, Goethe, der sagte:
"Wo viel Licht ist, ist starker Schatten".

In unseren Zeiten ist Berlin

mehr als jeder andere Ort der Welt ein solcher Treffpunkt von Licht und
Schatten, Tyrannei und Freiheit.

Hier in Berlin zu sein, heißt wahrhaftig

am Rande der Freiheit und im Schatten einer Mauer zu stehen, die zum Symbol
der schwärzesten Schatten in der heutigen Welt geworden ist, und zu spüren,
wie leuchtend und unbezahlbar unser Erbe der Freiheit ist - und wie sehr
es der ständigen Wachsamkeit und des ständigen Schutzes bedarf.
Dieser Tag bedeutet für mich eine glückliche Rückkehr.

Ich stattete

dieser großen Stadt vor über drei Jahren als privater Bürger meinen ersten

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Telex: 08-85432

�ersten Besuch ab.

Und wie jeder andere Berlinbesucher kehrte ich mit dem

lebendigen Eindruck einer Stadt nach Hause zurück, die mehr ist als nur ein
Punkt auf der Landkarte - eine Stadt, die ein bleibendes Zeugnis beider Seiten
unserer Zeit darstellt, das, was uns am meisten erhebt und das, was uns am
meisten bedrückt.
Thomas Mann schrieb einmal:

"Der Mensch lebt nicht nur sein persön-

liches Leben als Einzelwesen, sondern, bewußt oder unbewußt, auch das
seiner Epoche und Zeitgenossenschaft."

Nirgendwo gilt dies mehr als in

Berlin, wo jeder Augenblick des täglichen Lebens vor dem Hintergrund
konkurrierender Weltsysteme und Ideen stattfindet.
sein

Ein Berliner zu

heißt,in dem großen historischen Kampf dieses Zeitalters, dem jüngsten

Kapitel im zeitlosen Streben des Menschen nach Freiheit zu leben.
Als Amerikaner verstehen wir dies. Unsere Verpflichtung gegenüber
Berlin ist eine dauerhafte Verpflichtung. Tausende unserer Bürger haben
hier Dienst getan, seit das erste kleine Kontingent amerikanischer Truppen
am 4. Juli 1945, dem Jahrestag unserer eigenen Unabhängigkeit als Nation,
hier eingetroffen ist. Seither haben Amerikaner ständig hier Dienst getan - nicht als Eroberer, sondern als Hüter der Freiheit Westberlins und
seiner tapferen, stolzen Einwohner.
Heute möchte ich meinen amerikanischen Mitbürgern, im militärischen
und im zivilen Bereich, die den USA und der Bevölkerung von Berlin damit
als Schildwache der Freiheit für alle dienen, mein Lob und meinen Dank
aussprechen.
Ich möchte auch der Bevölkerung dieser großen Stadt meine persönliche
Hochachtung ausdrücken.

Mein heutiger Besuch hier ist Beweis dafür, daß

sich diese amerikanische Verpflichtung gelohnt hat.

Unsere Freiheit ist

unteilbar.
Die amerikanische

�Die amerikanische Verpflichtung geht weit tiefer als unsere militärische Präsenz.

In den 37 Jahren seit Ende des Zweiten Weltkriegs haben

amerikanische Präsidenten immer wieder klargemacht, daß unsere Rolle in
Berlin Sinnbild für unser gesamtes Streben nach Frieden in ganz Europa
und in der Welt ist.
Es ist diesen Monat zehn Jahre her, seit dieses Streben zum Inkrafttreten des Viermächte-Abkommens für Berlin geführt hat. Heute, ein Jahrzehnt später, leben die Westberliner sicherer, können freier reisen und
haben, was noch wichtiger ist, mehr Kontakte zu Freunden und Verwandten
in Ostberlin und Ostdeutschland, als dies vor zehn Jahren möglich war.
Diese Ergebnisse spiegeln die realistische Einstellung der alliierten
Unterhändler wider, die erkannten, daß praktischer Fortschritt erzielt
werden kann, selbst wenn grundlegende Unterschiede zwischen Ost und West
bestehen bleiben. Als Ergebnis ist es beiden Seiten gelungen, ihre Differenzen in Berlin zum Segen der ganzen Menschheit ohne einen bewaffneten
Zusammenstoß zu regeln.
Die Vereinigten Staaten bleiben dem Berlin-Abkommen verpflichtet.
Wir werden weiterhin die strikte Einhaltung und volle Verwirklichung
aller Aspekte dieses Abkommens erwarten, einschließlich jener, die für
den Ostsektor Berlins gelten.
Obwohl wir über den in Berlin erreichten teilweisen Fortschritt erfreut sind, so lassen uns aber andere Entwicklungen der zunehmenden militärischen Macht und des Expansionismus der Sowjetunion bewußt werden.
Statt mit dem Westen daran zu arbeiten, Spannungen abzubauen, um die
Kriegsgefahr zu beseitigen, hat die Sowjetunion die größte militärische
Aufrüstung in der Weltgeschichte unternommen.

Sie hat ihre neu gewonnene

Macht dazu benutzt, rücksichtslos ihre Ziele in der ganzen Welt zu verfolgen.
Wie das traurige Beispiel Afghanistans beweist, hat die Sowjetunion keineswegs

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�keineswegs immer das kostbare Recht der nationalen

Souveränität respek-

tiert, das zu bewahren sie als Signatarstaat der Charta der Vereinten
Nationen verpflichtet ist.

Und nur eine Tagesreise mit dem Auto von hier,

in der großen Stadt Warschau, leidet ein mutiges Volk, weil es gewagt hat,
nach den grundlegendsten Menschenrechten zu streben, die in jener Schlußakte von Helsinki verkündet werden.
\

Die Bürger des freien Berlin wissen die Bedeutung der Einheit des
Bündnisses angesichts solcher Herausforderungen besser zu schätzen als .
irgend jemand sonst.

Zehn Jahre nach dem Berlin-Abkommen ist die Hoff-

nung auf dauerhaften Frieden, die es geweckt hat, mehr eine Hoffnung als
eine Gewißheit geblieben.

Aber die Hoffnungen freier Menschen - seien

sie Deutsche oder Amerikaner - sind sehr schwer zu ersticken.

Wir werden

uns nicht in Fatalismus oder in Resignation hineinreden oder hineinzwingen
lassen.

Wir sind der Überzeugung, daß Fortschritt zu einem gerechten und

dauerhaften Frieden erzielt werden kann - daß wesentliche Gebiete der

..

Übereinstimmung mit potentiellen Gegnern gefunden werden können -, wenn
die Kräfte der Freiheit mit Festigkeit und Einigkeit handeln und mit ernsthaftem Verhandlungswillen vorgehen.
Wir Verbündete haben gelernt, daß ein gesundes militärisches Gleichgewicht notwendig ist, um am Verhandlungstisch Erfolg zu haben. Gestern
sind die anderen Regierungschefs der NATO und ich übereingekommen, daß es
wesentlich ist, ein solches militärisches Gleichgewicht zu erhalten und
zu stärken. Und hieran soll niemand zweifeln: Die Vereinigten Staaten
werden weiterhin ihre Verpflichtung gegenüber Berlin einhalten. Unsere
Streitkräfte werden so lange hier bleiben wie notwendig, um den Frieden
zu erhalten und die Freiheit der Bevölkerung von Berlin zu schützen.
Für uns ist die amerikanische Präsenz in Berlin, solange sie notwendig ist,
keine Last, sondern eine unumstößliche Verpflichtung.
Unser Auftrag

�Unser Auftrag hier ist ein Verteidigungsauftrag.

Wir stellen keine

Bedrohung für jene Menschen dar, die auf der anderen Seite der Mauer leben.
Ich möchte die Führer des Sowjetblocks zu etwas herausfordern - einer
neuen Berlin-Initiative!

Sie ist eine Aufforderung zum Frieden.

Wir fordern sie auf, sich uns anzuschließen in unseren Bemühungen um
den Frieden, die Sicherheit und den Abbau der Spannungen und der Waffenarsenale, die zu einem künftigen Konflikt führen könnten.
Wir fordern die Sowjetunion auf, wie wir es im vorigen Jahr vorgeschlagen haben, ihre SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abzubauen. Wenn
Präsident Breschnew dem zustimmt, sind wir bereit, auf alle unsere landgestützten Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen zu verzichten.
Wir fordern die Sowjetunion, wie die NATO gestern vorgeschlagen
hat, auf, die konventionellen Landstreitkräfte des Warschauer Paktes
und der NATO in Mitteleuropa auf jeweils 700 000 Mann zu verringern und
die Gesamtstärke der Land- und Luftstreitkräfte der beiden Bündnisse
auf jeweils 900 000 Mann.
Und wir fordern die Sowjetunion auf, sich an das zu halten, was
ihre Führer durch ihre Unterschrift in Helsinki bestätigt haben, nämlich
die grundlegenden Menschenrechte des sowjetischen Volkes und der osteuropäischen Völker zu achten.
Eine positive Antwort der Sowjets auf diese ernsthaften, ausgewogenen Vorschläge - diesen Appell zur Versöhnung statt zur Konfrontation könnte die Tür zu einer Konferenz über Abrüstung in Europa öffnen.

Wir Amerikaner

�Wir Amerikaner sind Optimisten - aber wir sind auch Realisten.
Wir sind friedfertige Menschen - aber schwach oder leichtgläubig sind
wir nicht. Wir sehen also mit Hoffnung der Antwort der Sowjetunion entgegen - aber wir erwarten positive Handlungen, nicht bloße Worte als
ersten Beweis der guten Absichten der Sowjets. Wir erwarten, daß die
Antwort auf meine Berliner Friedensinitiative endlich den.Beweis dafür
liefern wird, daß die Sowjetunion ernsthaft mitarbeiten will, die Spannungen
in anderen Teilen der Welt abzubauen, wie sie dazu hier in Berlin fähig
war.
Frieden, so heißt es, ist mehr als nur Abwesenheit eines bewaffneten
Konflikts. Eine Verringerung der Streitkräfte allein wird.nicht automatisch die langfristigen Aussichten auf Frieden garantieren.
In den fünfziger und sechziger Jahren ist die Welt für Berlin mehrmals bis an den Rand des Krieges gegangen. Streitkräfte oder militärische
Bewegungen allein führten nicht zu jenen Konfrontationen. Sie entstanden,
weil sich die Sowjetunion weigerte, den freien Fluß von Menschen und
Ideen zwischen Ost und West zuzulassen. Und sie entstanden, weil die
sowjetischen Behörden und ihre Günstlinge.Millionen von Bürgern in Ostdeutschland unterdrückten, die nicht unter einer kommunistischen Diktatur
leben wollten.
So möchte ich mich im zweiten Teil der neuen Berlin-Initiativen
Amerikas auf Mittel und Wege konzentrieren, die menschlichen Schranken
abzubauen - Schranken so trostlos und brutal wie die Berliner Mauer
selbst, die Europa heute trennen.
Wenn ich den Führern des Sowjetblocks.nur eine Botschaft ans Herz
zu legen hätte, dann wäre es diese: Denkt an eure eigenen künftigen
Generationen. Blickt mit mir zehn Jahre in die Zukunft, wenn wir den
20. Jahrestag des Berlin-Abkommens feiern werden. Was werden dann die

\

- 6 \

�dann die Früchte unserer Bemühungen sein?
Führer dann als ihr Denkmal sehen?

Was wollen die sowjetischen

Eine Gefä'ngnismauer, umringt von

Stacheldraht und bewaffneten Posten, deren Waffen auf unschuldige Zivilisten
gerichtet sind - ihre eigenen Bürger?

Wollen sie sich weiterhin so ver-

halten, daß sie nur die Verachtung freier Menschen und das Mißtrauen
ihrer eigenen Bürger ernten werden?
Oder wollen sie, daß man sich ihrer erinnert, weil sie unser Angebot
angenommen haben, Berlin als einen Ausgangspunkt für echte Anstrengungen
zum Abbau der menschlichen und politischen Spaltungen zu benutzen, die
die letztliche Ursache jedes Krieges sind?
Wir im Westen haben unsere Wahl getroffen. Amerika und seine Verbündeten begrüßen den friedlichen Wettstreit - in Ideen, in der Wirtschaft
und in allen Bereichen der menschlichen Tätigkeit. Wir erstreben keinen
Vorteil. Wir begehren kein anderes Territorium und wir wollen anderen
keine Ideologie oder Lebensform aufzwingen.
Zehn Jahre nach dem Berlin-Abkommen ist die Zeit gekommen, das Versprechen zu erfüllen, das es zu seinem Beginn zu bieten schien. Ich fordere Präsident Breschnew auf, sich mir in einer ernsthaften Bemühung anzuschließen, die enttäuschten Hoffnungen der siebziger Jahre in die Wirklichkeit eines sichereren und freieren Europas der achtziger Jahre umzusetzen.
Ich bin entschlossen, alles nur mögliche zu tun, unserer Zivilisation
die Katastrophe eines Atomkrieges zu ersparen.

Stabilität hängt in erster

Linie von der Aufrechterhaltung eines militärischen Gleichgewichts ab,
das einen Aggressor nicht in Versuchung führt; und die Rüstungskontroi 1vorschläge, die ich gemacht habe, dienen dazu, die Abschreckung zu stärken
und Stabilität auf einem wesentlich niedrigeren und gleichen Stand der
Streitkräfte zu erreichen.

Gleichzeitig könnte zwischen den Vereinigten Staaten

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�Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über andere Maßnahmen verhandelt
werden, die den Frieden stärken und dazu beitragen, die Möglichkeit eines
nuklearen Konflikts zu verringern.

Dazu gehören Maßnahmen zur Förderung

des gegenseitigen Vertrauens und zur Verbesserung der Kommunikation sowohl
in Friedens- wie in Krisenzeiten.
Frühere Abkommen haben den "heißen Draht" zwischen Moskau und Washington
geschaffen, Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr eines unbeabsichtigten
Ausbruchs eines Kernwaffenkrieges eingeführt und die Ankündigung bestimmter
Raketenstarts vorgesehen.

Wir prüfen jetzt andere konkrete und praktische

Schritte, um zu einer weiteren Verringerung des Risikos eines nuklearen
Konflikts beizutragen.

Ich habe vor, dies mit der Sowjetunion weiter zu

verfolgen.
Es ist an der Zeit, noch weiter gehende Schritte zu unternehmen,
um das Risiko eines Krieges durch Zufall oder Mißverständnisse auszuschalten. Wir werden der Sowjetunion in Kürze Vorschläge unterbreiten
auf solchen Gebieten wie der Bekanntgabe strategischer Übungen, dem Abschuß von Raketen und eines erweiterten Austausches von Daten über strategische Streitkräfte. Zusammengenommen würden diese Schritte eine
qualitative Verbesserung im nuklearen Bereich darstellen. Sie würden
ferner dazu beitragen, die Möglichkeiten der Fehlinterpretation im Falle
von Übungen und Raketenprobeschüssen zu verringern. Und sie würden die
Geheimhaltung und Zweideutigkeit verringern, mit denen militärische Tätigkeiten umgeben sind. Und wir erwägen noch weitere Maßnahmen.
Wir werden diese Vorschläge der Sowjetunion in gutem Glauben unterbreiten.

Wir hoffen, daß ihre Antwort auf diese Berlin-Initiative - be-

nannt nach einer Stadt, die sich der Kosten und Risiken des Krieges ganz
besonders bewußt ist - positiv sein werden.
Ein einiges,

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�Ein einiges, entschlossenes westliches Bündnis steht bereit, sich,
wenn notwendig, zu verteidigen, aber wir sind ebenso bereit, mit dem
Sowjetblock friedlich zusammenzuarbeiten, wenn die Führer des Ostens bereit sind, dasselbe zu tun.
Ich darf die andere Seite an die Worte Schillers erinnern:

"Denn

wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten."
Sie sollten sich uns heute anschließen indem Bemühen um einen dauerhaften
Frieden und ein besseres Leben für die Generationen von morgen auf beiden
Seiten dieser öden Mauer; und das Brandenburger Tor soll dann ein Symbol
werden, nicht für zwei getrennte und

feindliche Welten, sondern ein

offenes Tor, durch das freie Ideen und friedlicher Wettbewerb passieren
können.
Abschließend möchte ich mich noch einmal an die Menschen von Berlin
wenden.

Schon bei meinem ersten Besuch in Ihrer Stadt habe ich mich

Ihnen zugehörig gefühlt, wie alle freien Frauen und Männer in der Welt.
Wir haben die Blockade und die Luftbrücke mit Ihnen durchgestanden.
haben den heroischen Wiederaufbau einer verwüsteten Stadt erlebt.

Wir
Wir

haben gesehen, wie Sie starke und demokratische Institutionen geschaffen
haben.
Als ich im Jahr 1978 hierher kam, war ich tief bewegt und stolz
auf Ihren Erfolg.

Welchen besseren Beweis könnte es geben, was Freiheit

vollbringen kann, als die pulsierende, blühende Insel, die Sie inmitten
eines feindlichen Meeres geschaffen haben?

Heute ist meine Bewunderung

für Ihren Mut und Ihre Leistung noch größer geworden.
Sie sind für uns alle eine ständige Inspiration - für unsere Hoffnungen und Ideale und für die menschlichen Eigenschaften des Mutes, der
Standhaftigkeit und des Glaubens, die die einzigen Geheimwaffen des Westens
sind, denen kein totalitäres Regime je etwas Gleichwertiges entgegensetzen

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�entgegensetzen kann. Solange Berlin besteht, kann es keinen Zweifel
an der Hoffnung für die Demokratie geben.
Sicher, die verhaßte Mauer steht noch immer. Aber auf dieser Seite,
wo es keine Unterdrückung gibt, steht etwas, das diese trostlose Mauer,
die den Osten vom Westen trennt, überragt und das stärker ist, nämlich
der Charakter der Berliner.
Sie haben in Ihrer großartigen Stadt an der Spree ausgehalten und
mein erneuter Besuch hat mich überzeugt, wie es in den Worten des beliebten alten Liedes heißt: "Berlin bleibt doch Berlin".
Wir alle erinnern uns an die bewegenden Worte John F. Kennedys, als
er Berlin besuchte. Ich kann nur hinzufügen, daß wir in Amerika und im
Westen noch immer Berliner sind und auch immer bleiben werden. Und ich
sage dies mit Stolz: "Es ist schön, sich wieder zuhause zu fühlen".

+ + + + +

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23

14. Juni 1982

ERKLÄRUNG DES PRÄSIDENTEN BEIM ABFLUG IN BONN

BONN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat vor seinem Abflug auf dem Flughafen Köln-Bonn am 11. Juni 1982 für die herzliche Aufnahme in Bonn und Berlin
gedankt und die deutsch-amerikanische Freundschaft als "unerschütterlich" bezeichnet.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundeskanzler Schmidt, Herr Genscher, Exzellenzen, meine Damen und Herren,
Nancy und ich sind sehr dankbar für die Herzlichkeit und Freunschaft,
die uns bei unseren kurzen Besuchen 1n Bonn wie auch in Berlin entgegengebracht worden sind.
Ich habe heute morgen in Berlin über jene tragische Mauer geblickt und die
schrecklichen Konsequenzen gesehen, die sich ergeben, wenn die Freiheit verweigert wird. Aber ich war von dem Mut und von der Hingabe an die Freiheit, die
ich in so vielen Gesichtern auf der westlichen Seite Berlins gesehen habe,
sehr inspiriert.
Der Zweck meines Besuches nach Bonn war, mich mit führenden Persönlich-

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Telex: 08-85432

�führenden Persönlichkeiten

in der Bundesregierung und mit unseren Kollegen

aus anderen Ländern zu beraten.
ßer Erfolg.

Beide Aspekte dieses Besuches waren ein gro-

Wir haben nicht versucht, den Problemen, denen der Westen in den

kommenden Jahren gegenübersteht, auszuweichen.

Wir haben sie tatkräftig an-

gepackt und festgestellt, daß-wie immer - das, was uns vereint, viel tiefer
gegründet ist und viel bedeutsamer ist, als irgendwelche Differenzen, die
existieren mögen.
Wir verlassen die Bundesrepublik mit erneutem Optimismus über die Zukunft der westlichen Welt. Wir verlassen Ihr Land auch mit einem sehr warmen
Gefühl in unseren Herzen über die Menschen in Bonn, in Berlin und in der
Bundesrepublik Deutschland.
Diplomatie ist wichtig,aber die Freundschaft hinterläßt einen noch bleibenderen Eindruck. Und diese Freundschaft füreinander war ein besonders bewegendes Erlebnis für uns. Nancy und ich waren auch besonders gerührt über
Ihre große Gastfreundschaft.

Wir wissen jedoch, daß Ihr Willkommen nicht nur

für uns gemeint war, sondern für das gesamte amerikanische Volk.
Solche Reisen, solche Konferenzen sind sehr anstrengend, man arbeitet
lange Stunden und für alle sind sie ermüdend. Aber diese waren erfolgreich
und darauf kommt es an. Und heute ist erkennbar, warum sie erfolgreich sein
müssen - denn worum es geht und worauf es ankommt bei all dem,was wir auf diesen Konferenzen zu erreichen suchen, wird in diesen jungen Menschen hier sichtbar. Wir müssen ihnen eine Welt der Chancen und des Friedens hinterlassen.
Und wenn das unser Ziel und unsere Inspiration ist, dann können wir nicht
scheitern.
Jetzt bleibt mir nur noch übrig, Ihnen noch einmal für das herzliche
Willkommen zu danken und zu sagen, daß die deutsch-amerikanische Freunschaft
im wahrsten Sinne des Wortes eine der beständigsten Grundlagen für die westliche Zusammenarbeit und für den Frieden und für die Freiheit in der Welt

- 2 -

�der Welt darstellt. Dieser Besuch hat mich überzeugt, daß uns eine Freundschaft verbindet, die unerschütterlich ist.
Ich danke Ihnen noch einmal aus ganzem Herzen und möchte sagen, good-bye
und auf Wiedersehen.

+ + + + +

3 -

�14. Juni 1982

ANKUNFTSERKLÄRUNG DES PRÄSIDENTEN IN WASHINGTON

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung nach seiner Rückkunft von der
zehntägigen Europareise betonte Präsident Ronald Reagan am 11. Juni 1982,
daß Amerika wieder von Freunden und potentiellen Gegnern respektiert werde.
Die kurze Ansprache auf dem Luftstützpunkt Andrews in der Nähe von Washington,
wo der Präsident mit seiner Sondermaschine landete, hat folgenden Wortlaut:
Nach dem Besuch sechs großer Städte Europas ist eines ganz klar geworden und wir verlieren das gelegentlich aus den Augen: Amerika hat viele Freunde in
der Welt.
Sicher, es gab Demonstranten, die mit dem oder jenem unserer Politik nicht
einverstanden waren. Aber ich kann Ihnen versichern, daß in jeder Stadt die
Straßen von Menschen gesäumt waren, die Amerika zujubelten, und die meisten
schwenkten amerikanische Flaggen.
Und heute Vormittag sprach ich zu 25 000 Menschen vor dem Charlottenburger
Schloß in Berlin. In dem Park zu stehen und zu erleben, wie diese 25 000 Berliner

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�25 000 Berliner amerikanische Flaggen schwenkten und uns zujubelten und uns
für das dankten, was wir für sie bedeuten, das ist ein Erlebnis, das man
schwer in Worten ausdrücken kann.
Ich kann berichten, daß wir das erreicht haben, was wir auf dieser Reise
erreichen wollten. Unsere Freundschaften sind fest und Amerika ist wieder bei
Verbündeten und potentiellen Gegnern respektiert.
Auf dem Wirtschaftsgipfel in Versailles bekräftigten wir unsere Verpflichtung, die Inflation zu bekämpfen, den Handel auszuweiten und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Wir einigten uns auf kooperative Mittel
und Wege zur Lösung der schwierigen wirtschaftlichen Probleme, vor denen unsere
Länder stehen, und auf eine wachsamere und zurückhaltendere Einstellung zum
Handel mit dem Sowjetblock.
Auf dem NATO-Gipfel in Bonn begrüßten wir Spanien als 16. Mitglied des
Bündnisses, und ich mußte dort einfach - ich konnte nicht widerstehen - auf
die Einzigartigkeit dieser Situation in der Welt hinweisen. Hier ist ein
weiteres demokratisches Land, Spanien, unserem Bündnis beigetreten. Wann haben
Sie je davon gehört, daß sich ein Land freiwillig darum bemüht hätte, Mitglied
des Warschauer Paktes zu werden?
Wir billigten einen neuen Vorschlag des Westens für den Abbau der konventionellen Waffen in Europa, und wir haben das, woran wir seit einem Jahr
gearbeitet haben, formell zum Ausdruck gebracht - einen Konsens über die Notwendigkeit, unsere Verteidigung zu verbessern, während wir unsere Bereitschaft
bestätigen, mit den Sowjets in gutem Glauben über einen sichereren Frieden zu
verhandeln.
Die NATO ist heute zuversichtlicher - zuversichtlich hinsichtlich ihrer
Fähigkeit, sowohl ihre Stärke zu bewahren als auch den Frieden zu fördern.
In Rom

�In Rom habe ich mit seiner Heiligkeit, dem Papst, über unser ständiges
Streben nach Frieden gesprochen, und ich hatte die Gelegenheit, mit führenden
Persönlichkeiten Italiens zusammenzutreffen - eines Landes, das in seiner
Unterstützung des Bündnisses und der Politik der Vereinigten Staaten so stark
und beharrlich ist, wie kaum ein anderes.
Und in Rom hatte ich auch das Vergnügen, mit einer Gruppe junger Männer
zusammenzukommen und ihnen persönlich zu danken. Es waren die Männer, die
General Dozier befreit haben.
Die Erhaltung unserer freien Institutionen ist schließlich der wichtigste
Grund für unsere Bemühungen, das Bündnis zu stärken. Als ich meinen europäischen
Freunden zuhörte, habe ich viel über ihre Einstellungen und Besorgnisse erfahren.
Sicher, wir haben unsere Differenzen, aber ich bin fest überzeugt, daß
unsere Werte die gleichen sind; daß unsere Ziele die gleichen sind - und wenn
wir verschiedener Ansicht sind, wie diese Ziele erreicht werden sollen, dann
können wir uns einigen.
Als meine Reise begann, taten die Vereinigten Staaten alles in ihrer
Macht Stehende, um den Konflikt im Südatlantik ehrenvoll zu beenden. Und jetzt,
am Ende meiner Reise, versuchen die Vereinigten Staaten wieder, dem Nahen Osten
Frieden zu bringen.
Unsere Verantwortungen als großes Volk umspannen ohne Frage den Erdball.
Die Nationen des Westens erwarten alle von uns die Führung in der Erhaltung
von Freiheit und Frieden. Das ist keine Bürde, die wir erstrebt haben, aber
wir werden sie auch niemals abschütteln.
Ich habe unseren Verbündeten eine Botschaft gebracht, daß die Vereinigten
Staaten ein fester und zuverlässiger Partner bleiben werden. Ich habe in Bonn
gesagt, daß sie nicht allein dastehen und wir auf ihrer Seite stehen.
Und heute

�Und heute abend kehre ich mit einer Botschaft von unseren Verbündeten
nach Hause zurück - eine Botschaft, die mir bei jedem Aufenthalt auf meinem
Wege aufgetragen wurde - Amerikaner, wir stehen nicht allein da, auch sie
stehen auf unserer Seite.
Unsere Bündnisse waren nie stärker. Die mächtige Freundschaft freier
Nationen wird nie untergehen. Zusammen mit unseren Freunden in Obersee werden
wir unsere Pflichten als die größte Macht der Welt für Freiheit und Frieden
erfüllen.
+++++

- 4 -

�</text>
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                    <text>nroimouon
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
22

2. Juni 1982

INHALT
'&gt;

DOKUMENTATION
Amerikas Streben nach Frieden
- Ansprache von US-Botschafter Arthur F. Burns in Stuttgart Haig-Interview mit europäischen Journalisten
- START-Verhandlungen werden sich positiv auf INF-Verhandlungen
auswirken INFORMATION
USA und Sowjetunion geben Beginn der START-Verhandlungen bekannt
- Große Bedeutung der am 29. Juni in Genf beginnenden Gespräche

WIRTSCHAFT
Reagan erhofft Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -

,3

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan-Reise bekräftigt westliche Wertvorstellungen
- Von unserem Korrespondenten Alexander Süllivan Spartrend beim Energieverbrauch wird bleiben
- Dennoch Warnung vor "falschem Sicherheitsgefühl" •

Um Uber/endung von
ßelcgeiiemplarcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
2. Juni 1982

22
AMERIKAS STREBEN NACH FRIEDEN
- Ansprache des US-Botschafters in Stuttgart -

STUTTGART - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik
Deutschland, Arthur F. Burns, hat in einer Rede anläßlich der Eröffnung der
Sendereihe "Blickpunkt USA" des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart, am 2.
Juni 1982 das konsequente Streben Amerikas nach Frieden unterstrichen und
das Nordatlantische Bündnis als die erfolgreichste Friedensbewegung nach dem
Kriege bezeichnet.
Die Rede von Botschafter Burns hat folgenden Wortlaut:
Es ist ein Privileg, zusammen mit dieser illustren Gesellschaft an der
Eröffnung der Sendereihe "Blickpunkt USA" des Süddeutschen Rundfunks mitwirken zu dürfen. Ich bin besonders dankbar für die Gelegenheit, heute abend
zu Ihnen sprechen zu können, denn wir stehen am Vorabend großer internationaler Ereignisse. Die Führer der wichtigsten Mächte des Westens versammeln
sich am kommenden Wochenende in Versailles zu zweitägigen Wirtschaftsbesprechungen. Daran wird sich morgen in einer Woche ein NATO-Gipfeltreffen in Bonn anschließen. Darüber hinaus wird Präsident Reagan hohe Regierungsvertreter in
Rom, London und Berlin besuchen.
Eine solche intensive Runde des Meinungsaustauschs unter der politischen
Führung des Westens wäre zu jeder Zeit bedeutsam.

Sie ist heute um so wich-

tiger, denn die Konferenzteilnehmer müssen sich mit beunruhigenden wirtschaftlichen und politischen Fragen befassen - zu einem Zeitpunkt, da viele der Institutionen und Sicherheitsvereinbarungen, die uns während der Nachkriegszeit
so erfolgreich geschützt haben, von vielen Seiten angegriffen werden.

Es wer-

den neue Fragen gestellt; es werden neue Zweifel laut; es werden neue Risse
im politischen Gef'üge sichtbar.
Diese Herausforderung

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Telex: 08-85432

�Diese Herausforderung besteht, wie wir wissen, auf beiden Seiten des
Atlantik und geht nicht nur von Randgruppen aus, sondern auch von prominenten
Bürgern, die behaupten, daß veränderte Bedingungen die Nützlichkeit traditioneller Vereinbarungen ausgehöhlt hätten. Das ist eine Herausforderung, die
die versammelte Führung der westlichen Mächte bei ihren Überlegungen nicht
außer acht lassen kann.
Nach langjähriger Tätigkeit als Lehrer und im öffentlichen Dienst darf
ich sagen, daß ich in der jetzt um Sicherheits- und Wirtschaftsbeziehungen
aufwallenden Debatte weitgehend eine konstruktive Seite sehe. Die NATO, die
Stationierung amerikanischer Truppen in Europa, wie auch die Nachkriegsabkommen über Handel und Wirtschaft datieren alle über 30 Jahre zurück.

Wie

schon oft festgestellt, haben diese Vereinbarungen eben die Bedingungen der
Stabilität und Sicherheit geschaffen, die es uns heute erlauben, die Frage
zu stellen, ob sie weiterhin lebenswichtig seien. Sie machen als Ergebnis,
um es einmal so auszudrücken, eine "Midlife-Krise" durch.

Unter diesen Um-

ständen ist die Tatsache, daß eine neue Generation ihre Grundprämissen in
Frage stellt, nicht nur unausweichlich, sondern das kann - wenn es verantwortungsbewußt geschieht -, sogar

nützlich sein.

Denn, wie können wir selbst sicher sein, daß die Konzeption und Institutionen, in die wir so lange unser Vertrauen gesetzt haben, weiterhin gültig
sind, wenn wir nicht immer wieder gezwungen werden, sie zu überprüfen und zu
verteidigen? Nur aus einem solchen Prozeß der Infragestellung kann eine erneute Gewähr ihrer Relevanz und Vitalität erwachsen. Und nur eine solche
v
Überprüfung kann zu den Anpassungen anregen, die neue Umstände erfordern.
Ich begrüße diesen Prozeß des Dialogs und der Überprüfung noch aus einem
anderen, persönlichen Grund. Ich bin vom Ergebnis völlig überzeugt; ich bin
überzeugt, daß das transatlantische Verhältnis im Grunde stark ist; ich bin
überzeugt, daß Amerikas internationale Politik grundlegend gesund ist; ich
bin überzeugt, daß die Strukturen, die der Sache des Friedens so gut gedient
haben, noch immer kraftvoll und anpassungsfähig an neue Verhältnisse sind;

- 2 -

�Verhältnisse sind; ich bin kurz gesagt, überzeugt, daß die Postulate, die
das Nordatlantische Bündnis bisher geleitet haben, einer harten Prüfung
standhalten - und umso stärker daraus hervorgehen werden.
Diese Überzeugung beruht auf meiner Kenntnis der Vergangenheit wie auch
auf meiner Bewertung der Gegenwart. Es ist ohne Frage unmöglich, die zwingenden Erfordernisse der Gegenwart zu beurteilen, ohne daß eine Erkenntnis
der Vergangenheit damit einhergeht. Darum habe ich in den letzten Monaten
so oft von der Notwendigkeit besserer Kenntnisse und Wertschätzung der Geschichte - vor allem bei den jungen Menschen - gesprochen. Die Unkenntnis,
der ich auf diesem Gebiet in Deutschland wie in meinem eigenen Lande begegnet bin, ist erschreckend. Sie ist nach meiner Meinung zu einem Großteil
schuld daran, daß das Gespräch in- der heutigen Zeit geistig so stumpf geworden ist. Besonders beunruhigt bin ich über jene Europäer, die behaupten,
sie sähen keinen großen Unterschied zwischen Amerika und der Sowjetunion die behaupten, beide stellten eine Bedrohung des internationalen Friedens
und der internationalen Ordnung dar.
Die Vereinigten Staaten sind sicherlich wie die Sowjetunion ein großes
und vielfältiges Land.

Im Gegensatz zur Sowjetunion lebt jedoch in unserem

Lande eine offene und demokratische Gesellschaft. Wir bringen die konkurrierenden Wünsche und Interessen vieler verschiedener Gruppen unter einen Hut.
Das Tiefstapeln gehört nicht zu unseren nationalen Eigenschaften, und vor allem in Wahlzeiten neigen wir dazu, den Mund etwas zu voll zu nehmen.

Aber

die Übertreibung, in die wir gelegentlich verfallen, darf nicht falsch verstanden werden. Sie läßt mehr unsere politischen Riten erkennen als unsere
eigentliche Politik.

Auf dem internationalen Felde war diese Politik in der

Nachkriegszeit bemerkenswert konsequent.

Professor Robert Osgood von der

Johns Hopkins-Universität hat es kürzlich so formuliert:
"Die Kontinuität

�Die Kontinuität der amerikanischen Außenpolitik ist immer größer
als die politischen Forderungen nach Innovation glauben lassen
könnten.

Die größten Diskontinuitäten entstehen aus Reaktionen

auf unerwartete Ereignisse, nicht durch Wechsel in der Administration."
Den zentralen und lebenswichtigsten Teil dieser Kontinuität stellen unsere Nachkriegsbemühungen um einen dauerhaften Frieden dar.
Darf ich an einige der Höhepunkte dieses Strebens in der Vergangenheit
erinnern.

Dabei mag es angebracht sein -, in Erwartung des Versailler Gip-

feltreffens an diesem Wochenende - mit einigen Gedanken über eine frühere
Konferenz am gleichen Ort zu beginnen:

Die Konferenz von 1919, die jenen

berüchtigten Epilog zum Ersten Weltkrieg schrieb.
Die Folgen, die sich aus den Entscheidungen auf jener früheren Versammlung in Versailles ableiten, sind wohlbekannt.

Praktisch jeder räumt heute

ein, daß die gewaltigen Reparationen, die von den besiegten Mächten erzwungen wurden; die erschreckende Inflation und der politische Umsturz, die folgten, zusammen mit der Bitterkeit und" dem Zorn, die das Erbe von Versailles
waren, einen wesentlichen Teil der Ursache für den Zweiten Weltkrieg geschaffen haben. Was für unsere

derzeitige Diskussion jedoch wichtiger ist,

ist die Tatsache, daß die alliierten Staatsmänner des Zweiten Weltkrieges die
Lehren erkannt hatten, die aus der Kurzsichtigkeit ihrer Vorgänger zu ziehen
waren.

Die Planung für eine friedliche Nachkriegswelt begann»noch bevor der

Krieg zu Ende war.

Sie ging von einer Vision der Welt nach dem Kriege aus,

die solide auf der Herrschaft des Rechts gegründet war - einer Welt, getragen von einem Geist der echten Zusammenarbeit, wobei jedes Land fest zur
friedlichen Lösung internationaler Streitigkeiten verpflichtet war.

Darüber

hinaus sollten wirtschaftsliches Wachstum und Prosperität, deren Fehlen so
wesentlich zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beigetragen hatten, durch
einen schrittweisen Abbau der Schranken für den freien Fluß von Gütern und
Kapital zwischen Nationen gefördert werden.
Bereits im

�Bereits im Juli 1944 kamen auf Einladung von Präsident Franklin D.
Roosevelt Vertreter von 44 Ländern in Bretton Woods zusammen, um auf monetärem und finanziellem Gebiet Pläne für die stabile und gedeihende Welt
zu formulieren, die sich die Planer vorstellten. Aus ihren Beratungen entstanden zwei der wichtigsten wirtschaftlichen Institutionen der Nachkriegszeit - der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Internationale Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank).

Im April des folgenden Jahres,

zwei Wochen vor dem Ende des Krieges in Europa, trat die Konferenz von San
Franzisko zusammen, die die Charta der Vereinten Nationen ausarbeitete. Welche Mängel sich auch in der praktischen Anwendung zeigen, so ist die Charta
doch ein Plan für eine friedliche Welt geworden, in der Gewalt nur unter
höchst begrenzten Umständen angewandt werden könnte.
Was den Führern Amerikas in jener Zeit noch am Herzen lag, war die
Kontrolle des furchtbaren Potials der Atomenergie - wiederum im Interesse
der Verringerung der Gefahren für den Frieden, die später durch verantwortungslose politische Abenteurer heraufbeschworen werden könnten. Am 14. Juli
1946 enthüllten die Vereinigten Staaten einen detaillierten Plan für die internationale Kontrolle der Nuklearenergie. Dieser, nach Bernard Baruch, einem
der bedeutsamsten staatsmännischen Berater Amerikas, genannte Vorschlag kam
zu einer Zeit, da die Vereinigten Staaten das einzige Land der Welt waren,
das Kernwaffen besaß. Wiederum im Interesse der Schaffung einer stabilen
und friedlichen internationalen Umwelt boten die Vereinigten Staaten an, ihr
Nuklearmonopol an eine internationale Behörde zu übertragen, der "alle Phasen
der Entwicklung und Anwendung von Atomenergie, beginnend mit dem Rohmaterial"
übertragen werden sollte. Indem er eine volle internationale Kontrolle vorsah, suchte dieser vorausschauende Plan atomare Projekte zu verhindern, die
den Frieden gefährden konnten.
Es lohnt sich, einen Augenblick darüber nachzudenken, wieviel weniger
kostspielig für den Seelenfrieden der Menschen, ganz abgesehen von ihrem Geldbeutel, die folgenden Jahre verlaufen wären, wenn jener weitsichtige Vorschlag
angenommen worden wäre.

Leider hat die Sowjetunion mit dem Fremdenhaß, der

- 5 -

�Fremdenhaß, der später zu ihrem Markenzeichen werden sollte, den Plan mit
der Behauptung abgelehnt, daß finstere Hegemonieabsichten dahintersteckten.
Der Marshall-Plan - dessen 35. Jahrestag wir in diesem Monat voll Stolz
begehen - war in gleicher Weise auf die Schaffung einer gesunden und friedlichen internationalen Umwelt ausgerichtet.

Dieser Plan war keineswegs, wie

gelegentlich behauptet wurde, eine Verschwörung zu Beginn des Kalten Krieges,
sondern er stand der Sowjetunion und anderen osteuropäischen Ländern ebenfalls
offen.

In Erinnerung an den berüchtigten Präzedenzfall von Versailles erkann-

ten Außenminister Marshall und seine Kollegen, daß die zerrütteten europäischen
Volkswirtschaften mit amerikanischer Hilfe wieder aufgebaut werden mußten.
Ihre zentrale Zielsetzung bestand darin, die Mittel bereitzustellen, die es
einem verwüsteten Europa erlauben würden, wieder mit einer aktiven Produktion
und einem aktiven Handel zu beginnen.

Klugerweise erkannten sie auch, daß die

Europäer selbst aktiv an dem Planungsprozeß beteiligt werden mußten.

Marshall

hat es in seiner berühmten Ansprache vor der Harvard-Universtität am 5. Juni
1947 so formuliert:
"Es wäre weder angebracht noch wirksam, wenn diese Regierung sich
daran machte, einseitig ein Programm zu entwickeln, das dazu diente,
Europa wirtschaftlich auf eigene Füße zu stellen.

Das ist die Auf-

gabe der Europäer."
Und was noch bedeutsamer ist, Marshall fügte hinzu:
"Unsere Politik ist nicht gegen irgendein

Land oder irgendeine

Doktrin gerichtet, sondern gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und
Chaos...

Jede Regierung, die bereit ist, bei der Aufgabe des Wie-

deraufbaus zu helfen, wird seitens der amerikanischen Regierung
volle Mitarbeit finden."
Noch im gleichen Monat kamen Ernest Bevin, Georges Bidault und Wjatscheslaw
Mdlotow, die ehemaligen Außenminister Großbritanniens, Frankreichs und der

- 6 -

�und der Sowjetunion, in Paris zusammen, um den amerikanischen Plan zu erörtern.

Großbritannien und Frankreich schlugen vor, daß ein gemeinsamer Len-

kungsausschuß das Programm verwalten sollte. Wiederum lehnten die Sowjets
in einer Art, die sie seither so oft wiederholt haben, diese Methode als einen Eingriff in ihre inneren Angelegenheiten ab. Sie forderten, daß jedes
Land unabhängig seinen

eigenen Bedarf an Hilfe abschätzen sollte.

Als Groß-

britannien und Frankreich diesen Standpunkt unannehmbar fanden, zogen sich
die Sowjets von der Konferenz zurück.
Und wiederum kommt man nicht an der Überlegung vorbei, wie anders die
Geschichte des Nachkriegseuropa hätte verlaufen können, wenn die Sowjets und die anderen unter ihrer Kontrolle stehenden Länder Osteuropas - nicht
das zurückgewiesen hätten, was Winston Churchill später als den "feinsten
Akt der Geschichte" bezeichnete - ein Akt, der über 13 Milliarden Dollar eine Summe, die zu heutigen Preisen gerechnet, vier Mal so hoch wäre - in die
darniederliegenden Volkswirtschaften Europas pumpte. Was wir definitiv wissen,
ist, daß zu der Zeit, als der Griff der Sowjets um Osteuropa immer fester wurde und die landwirtschaftliche Erzeugung und die Herstellung von Konsumgütern
im Sowjetblock erlahmte, Westeuropa zu einer historisch beispiellosen Steigerung des Lebensstandards gebracht wurde. Heute scheinen mehrere westeuropäische Länder praktisch ein größeres Pro-Kopf-Einkommen zu haben als die
Vereinigten Staaten.
Das Muster des sowjetischen Widerstandes gegen amerikanische Friedensvorschläge, das sich in der ersten Nachkriegsperiode abzeichnete, hat sich
seither immer wieder wiederholt.

Vor allem der Fortschritt in der Rüstungs-

kontrolle ist durch die sowjetische Ablehnung der Verifizierung an Ort und
Stelle stark behindert worden.
Erfolge gegeben:

Sicherlich, es hat einige schwer erkämpfte

Unter anderem den Vertrag über das Teilverbot von Kernwaf-

fenversuchen von 1963, den Atomwaffensperrvertrag von 1968, die Konvention
gegen biologische und toxische Waffen von 1972 und den SALT-Vertrag von 1972.
Aber weitreichende amerikanische Vorschläge für einen Abbau der Rüstungen Präsident Eisenhowers Plan der "Offenen Himmel", Präsident Kennedys umfassen-

- 7 -

�Kennedys umfassende Abrüstungsinitiative, Präsident Carters Bemühungen um ein
Abkommen über das Verbot der Herstellung chemischer Waffen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, sind leider zurückgewiesen worden.
Am meisten bestürzt waren die Amerikaner über die nicht nachlassende
militärische Aufrüstung der Sowjets und ihre ablehnende Haltung gegenüber
westlicher Schritte in die entgegengesetzte Richtung.

Sie hielten nach dem

Kriege ihre großen Armeen aufrecht, während die Alliierten ihre Kriegsstreitkräfte demobilisierten.

Ihre Aufrüstung ging weiter, als sich die Rote Armee

in den fünfziger Jahren in ständigen Garnisonen in Osteuropa niederließ.

Sie

hielt trotz der ernsthaften Rüstungskontroilbemühungen der sechziger Jahre
an.

Und sie ging weiter und beschleunigte sich während der Entspannung der

siebziger Jahre - eine Zeit, in der die Vereinigten Staaten ihren Verteidigungshaushalt real kürzten und sogar Pläne für wichtige neue Waffen, wie etwa den B I-Bomber, zurückstellten.

Die militärische Aufrüstung der Sowjets hat die Welt zu einem sehr gefährlichen Ort gemacht. Da die Sowjetunion heute in der Lage ist, ihre militärische Macht Weltweit darzustellen, ist kein Gebiet der Erde frei von
pontentieller Nötigung oder Konfrontation. Und da die NATO-Länder gezwungen
sind, darauf durch die Modernisierung ihre militärischen Strukturen auf Kosten
innenpolitischer Programme zu reagieren, sind wir erneut in einen Strudel erhöhter Spannung und sozialer Unruhe hineingezogen. Ich brauche kaum hinzuzufügen, daß die Sowjets einen viel höheren Prozentsatz ihrer nationalen Leistungs
bilanz in die Rüstung stecken als die Vereinigten Staaten oder irgendein anderes westliches Land und daß das russische Volk selbst nicht wenig darunter
leidet.
Wenn ich an all diese Tatsachen und diese Geschichte erinnere, dann habe
ich heute nicht die Absicht, wieder alte Wunden aufzureißen, oder die Hinwenden Funken alter Streitigkeiten neu zu entfachen.

Und es geht auch nicht dar-

um, ein Loblied auf die amerikanischen Friedensbemühungen anzustimmen, denn
auch wir Amerikaner haben unsere Zweifel und Bedenken gehabt, und auch wir

- 8 -

�auch wir haben in unserem Streben nach dem Weltfrieden Fehler gemacht. All
dies eingeräumt, muß ich jedoch darauf bestehen, daß diejenigen, die heute
an drastische Änderungen der Vereinbarungen denken, die die Sicherheit und
die Lebensinteressen des Westens in der Nachkriegsperiode gewährleistet haben, die moralische Pflicht haben, nüchtern und gründlich über all das
nachzudenken, was ich Ihnen ganz kurz gefaßt hier dargelegt habe. Diejenigen, die das tun, werden feststellen, daß sich die Waagschalen entschieden
zu Gunsten des Westens neigen, wenn es um ein beharrliches Streben nach Frieden geht.
Es besteht immerhin ein deutlicher Unterschied in dem Streben und in
den Hoffnungen und Wünschen der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten. Ich
möchte nicht die Sowjets schwarz und uns weiß darstellen. Aber die Unterschiede in der Geschichte und der Kultur der beiden Länder zu ignorieren,
hieße an der Realität vorbeizugehen. Das russische Volk hat in seiner unruhigen Geschichte unter allen möglichen Zaren und Kommissaren gelebt - manche
wohlwollend, und manche nicht. Aber nur wenige, wenn überhaupt welche von
ihnen, sind dafür berühmt geworden, daß sie für die persönlichen Rechte russischer Bürger eingetreten wären. Die Amerikaner auf der anderen Seite hatten
das Privileg, in ihrer ganzen Geschichte unter einer Verfassung zu leben, die
ihre Freiheit garantiert, zu reden, zu schreiben, zu wählen und zu beten, wie
sie möchten, sowie die Freiheit, für sich selbst oder für Arbeitgeber ihrer eigenen Wahl zu arbeiten und Geld auszugeben oder zu sparen in dem
Umfang, wie sie es für klug oder richtig halten.

Wir sind zu Recht stolz auf diese Freiheit und eifrig bedacht, sie zu
schützen. Der Frieden, für den wir all die Jahre gearbeitet haben, ist kein
Frieden, der von einer Supermacht oder Herrenrasse anderen Völkern auferlegt
wird, sondern ein Frieden, der der menschlichen Freiheit dient und ihr Gedeihen ermöglicht. Unser Einfühlungsvermögen für Völker, deren Freiheit bedroht ist, hat uns in der Nachkriegsperiode in einige umstrittene Unternehmungen in der Welt geführt. Unsere Rolle in Korea, in Vietnam und in jüngerer Zeit in El Salvador hat scharfe und erregte Debatten hervorgerufen. Es

- 9 -

�hervorgerufen.

Es sind Fragen gestellt worden bezüglich der Klugheit, Not-

wendigkeit, des Ausmaßes und der Art unserer Unterstützung dieses oder jene
Volkes oder dieser oder jener Regierung.

Wie man auch über die spezifischen

Fragen denken mag, um die es geht, so möchte ich doch zu bedenken geben,
daß unsere Zielsetzung in jedem Falle idealistisch war.

Wir haben weder

Land noch wirtschaftliche Vorteile für uns selbst angestrebt.

In jedem

Falle war unser grundlegendes Ziel, einem befreundeten Land zu helfen, seine Unabhängigkeit und Freiheit zu erhalten.

Es ist bemerkenswert, daß selbst

im Falle Vietnams, wo unsere Bemühungen fehlschlugen, nicht wenige von denen,
die gegen diesen Krieg waren, heute ihren früheren Standpunkt überdenken.
Das ist angesichts der schrecklichen Brutalität, die die Nordvietnamesen ihren
Nachbarn zugefügt haben, kaum überraschend.
Mag dem sein, wie ihm wolle, mein Hauptpunkt ist dieser:

Amerikanische

Friedensinitiativen im Laufe der Jahre sind dadurch bestärkt worden, daß sie
mit Initiativen zur Unterstützung der Freiheit verbunden waren.
weise beherrscht weiterhin unsere Außenpolitik.

Diese Denk-

Das war das, was Präsident

Reagan in seiner Ansprache zum Amtseintritt ausdrückte, als er erklärte:
"Frieden ist der höchste Wunsch des amerikanischen Volkes.

Wir

werden um den Frieden verhandeln, wir werden Opfer für ihn bringen, wir werden jedoch niemals um des Friedens willen

kapitu-

liegen - weder heute noch je."
In diesem Geiste drängen wir heute auf Rüstungsverringerungen und auf einen
Abbau der Spannungen zwischen Ost und West.

Aber wir sichern uns auch eine

wi rksame Abschreckungsstrei tmacht.
Das Wiedererstehen der Verteidigungskapazität Amerikas begann gegen Ende
der Amtszeit von Präsident Carter, und es hat sich unter der Führung von Präsident Reagan wesentlich beschleunigt/Dieser Umschwung in der Politik Amerikas wurde von unserem Kongreß nicht übereilt oder eigenwillig vorgenommen. Er
entstand vielmehr aus dem tief verwurzelten Gefühl des amerikanischen Volkes,
das über die anhaltende Zunahme der militärischen Macht der Sowjets und deren

- 10 -

�und deren Bereitschaft, sie anzuwenden, um die Schwächen anderer Länder auszunutzen, besorgt geworden war. Wenn ein solches Erwachen gegenüber der
sowjetischen Bedrohung in Europa weniger deutlich zu erkennen ist, so dürfte
der Hauptgrund darin liegen, daß einige Verbündete, vor allem die Bundesrepublik Deutschland, während der siebziger Jahre der Notwendigkeit einer Stärkung der Abschreckungsmacht der NATO mehr Aufmerksamkeit schenkten.

Das, was

als der NATO-Doppelbeschluß bekannt geworden ist, war in der Tat weitgehend
eine europäische Initiative, die auf eine Wiederherstellung der Abschreckungskapazität des Bündnisses abzielte.

Und es war genau dieser Beschluß, der die

Sowjets schließlich dazu bewog, in Genf an den Konferenztisch zu kommen.
Am Vorabend des Beginns dieser Verhandlungen im November vorigen Jahres
erläuterte Präsident Reagan mit äußerster Klarheit, daß die Vereinigten Staaten sich voll und ganz der tatsächlichen Beseitigung nuklearer Mittel Streckensysteme in Europa verpflichtet haben und daß die Vereinigten Staaten daher
keine der hochentwickelten Waffen dislozieren werden, die für 1983 vorgesehen
sind, wenn die Sowjetunion zustimmen wird, ihre eigenen nuklearen Mittelstrekkensysteme abzubauen. Der Präsident ging weiter und verpflichtete die amerikanische Regierung, mit der Sowjetunion Abkommen über wesentliche Verringerungen der konventionellen Streitkräfte in Europa wie auch der amerikanischen
und sowjetischen interkontinentalen Nuklearwaffen anzustreben. Der Präsident
rundete seinen dramatischen Vorschlag zur Förderung des Friedens ab, indem er
feststellte,"daß es keinen Grund gibt, warum Menschen in irgendeinem Teil
der Welt in ständiger Angst vor dem Krieg leben müssen";daß "der richtige
Zeitpunkt gekommen ist, in der Rüstungskontrolle Fortschritte zu machen", und
daß für ihn und für das amerikanische Volk nichts eine höhere Priorität haben wird."

Präsident Reagan ließ diesem Appell an die Vernunft in militärischen Dingen im vorigen Monat seinen Vorschlag für einen realistischen, in zwei Phasen
ablaufenden Plan zur Kontrolle interkontinantaler Nuklearwaffen folgen.

Die

erste Phase des Plans des Präsidenten würde eine Verringerung der Gefechtsköpfe auf einen gleichen Höchststand mindestens ein Drittel niedriger als der

- 11 -

�als der derzeitige Stand anstreben, während in der zweiten Phase gleiche
Höchstgrenzen für andere strategische Elemente angestrebt würden, wie etwa
das Wurfgewicht von Raketen.

Verhandlungen über diesen weitreichenden Vor-

schlag für eine in Phasen ablaufende Verringerung von Interkontinentalraketensysteme werden bald beginnen.

Das Ergebnis wird noch einige Zeit unge-

wiß sein, aber es besteht jetzt einige Hoffnung, daß die Interessen der
Menschheit die Oberhand behalten werden.
Bei der Ausarbeitung der Pläne für diese RüstungskontrollVerhandlungen
hat sich die amerikanische Regierung häufig und eingehend mit ihren NATOVerbündeten konsultiert.

Das ist richtig so, denn der beste Weg zum interna-

tionalen Frieden ist immer ungewiß, und Amerikaner können keine größere Klugheit für sich beanspruchen als Europäer, wenn es um die Verfolgung unseres
gemeinsamen Zieles geht.

Man hat in letzter Zeit viel von einer politischen

Entwicklung gehört, die man gewöhnlich als "die Friedensbewegung" bezeichnet
und in der die jungen Menschen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern sich besonders engagieren.

Der Idealismus unserer jungen Menschen ist

höchst bewundernswert und darf niemals vereitelt werden.

Es ist jedoch auf

der anderen Seite bedauernswert, daß ihre wohlmeinenden Gedanken über Krieg
und Frieden nicht durch die historische Kenntnis der menschlichen Verhältnisse
gezügelt werden.

Wir alle hier im Westen, ob jung oder alt, dürfen niemals

vergessen, daß die NATO das Instrument des Friedens ist, das anderthalb Generationen lang unsere Sicherheit und Freiheit geschützt hat.

Einige Anpassun-

gen im Ausmaß und Ausblick der NATO mögen durchaus wünschenswert sein, aber
wenn wir ernsthaft von Friedensbewegungen sprechen, dann müssen wir die überwältigende Wahrheit respektieren, daß das Nordatlantische Bündnis die einzige
wirksame und bewährte Friedensbewegung ist, mit der wir in diesem unruhigen
Jahrhundert gesegnet gewesen sind.
Das der NATO zugrundeliegende Prinzip ist direkt und einfach:
griff auf einen Mitgliedstaat ist ein Angriff auf alle.

Ein An-

Aber die NATO hat

ebenso wie eine politische auch eine moralische Dimension.

Was die NATO zu

einer so wirksamen Friedensbewegung gemacht hat, ist die Tatsache, daß es

- 12 -

�daß es sich um ein Bündnis von Nationen handelt, die sich frei zusammengeschlossen haben, um die Grundwerte zu erhalten und zu schützen, auf denen
unsere westliche Zivilisation beruht:

nämlich Achtung vor den Rechter, des

Einzelmenschen, Achtung vor der Herrschaft des Rechts, Achtung vor den Prinzipien der Demokratie.

Es sind diese gemeinsamen Werte, die der NATO ihre

grundlegende Stärke verliehen haben - die sie zu einer Friedensbewegung gemacht haben, deren Erfolg in der Erhaltung des Friedens beispiellos ist.
Sie verdient unsere weitere Verpflichtung und Unterstützung, denn sie hat
sich bewährt; und eine bessere gibt es nicht.

- 13 -

�22

2. Juni 1982

HAIG-INTERVIEW MIT EUROPÄISCHEN JOURNALISTEN
START-Verhandlungen werden sich positiv auf INF-Verhandlungen
auswirken -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig hat
am 24. Mai 1982 in einem Fernsehinterview mit europäischen Journalisten seine
Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß sich die zu erwartenden Verhandlungen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START) positiv auf die bereits mit den Sowjets geführten Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) auswirken werden.
Haig nahm zu aktuellen Fragen wie der Falklandkrise sowie zu grundsätzlichere Fragen der Abrüstung und dem Versailler Wirtschaftsgipfel Stellung.
Die Fragen und Antworten zu den grundsätzlicheren Themön haben folgenden
Wortlaut:
FRAGE:

Herr Außenminister, Verhandlungen über eine Verringerung der

strategischen Rüstungen werden in diesem Jahr beginnen und werden auch ein
Thema auf dem Gipfeltreffen sein.

In Genf sitzen Amerikaner und Sowjets

seit fast sechs Monaten am Verhandlungstisch, und Staats- und Parteichef
Breschnew betrachtet diese Gespräche als einen Test für die weitreichenden

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�die weitreichenden START-Verhandlungen.

Ist in Genf ein Fortschritt er-

reicht worden, und wie würden Sie die Atmosphäre der kommenden Verhandlungen
beschreiben?
ANTWORT:

Ich glaube, beide Seiten haben es vermieden, öffentlich Stel-

lung zu diesen Verhandlungen zu beziehen, obwohl ich meine, daß keine der
beiden Seiten einen Zweifel an der Tatsache gelassen hat, daß es weiterhin
unterschiedliche Meinungen in grundlegenden Fragen der Daten und des Kräfteverhältnisses zwischen Ost und West gibt.

Ich glaube, daß die Wiederauf-

nahme - wie ich hoffe bald - der START-Verhandlungen, der Gespräche über die
strategischen Rüstungen, einen günstigen Einfluß auf die Gesamtführung der
Genfer Verhandlungen haben wird, die sich auf die nuklearen Mittel Streckensysteme konzentrieren.
FRAGE: Würden Sie sagen, daß eine drastische Verringerung der strategischen Nuklearstreitkräfte ein" so überragendes und zentrales Ziel ist, daß
diese Verhandlungen nicht mit dem sowjetischen Verhalten auf anderen Gebieten verknüpft sein werden?
ANTWORT: Es steht, wie ich meine, außer Frage, daß sie verknüpft sind
und immer verknüpft sein werden. Wann hat in den Beziehungen zwischen Staaten das Verhalten des einen oder des anderen Staates keine Auswirkung auf
den Gesamtbereich ihrer Beziehungen gehabt? Das ist sozusagen keine politische Option. Das ist eine internationale Realität.
Aber davon abgesehen ist es, wie ich meine, wichtig, die Tatsache zu
erkennen, daß Präsident Reagan immer der Ansicht war, daß die Rüstungskontrolle als Kategorie der Ost-West-Beziehungen eine ganz besondere Kategorie ist
und eine Kategorie, bei der den Interessen beider Seiten am besten durch eine
Fortsetzung des Dialogs und durch Bemühungen gedient wird, den Stand der
Rüstungen zu senken.

Es ist also keine Frage der Verknüpfung, die Verknüp-

fung besteht weiter; es ist eine bestehende Tatsache.
FRAGE:

- 2 -

Herr

�FRAGE:

Herr Außenminister, der Nachdruck der RüstungskontrollVerhand-

lungen liegt auf den Kernwaffen.

Planen Sie, irgend etwas hinsichtlich der

konventionellen Waffen vorzuschlagen?
ANTWORT:

Ich glaube, es ist noch zu früh, dazu etwas zu sagen.

Wir

haben die Möglichkeit gewisser Modifizierungen und Ausweitungen der MBFRVerhandlungen erwogen. Wir arbeiten derzeit in Konsultation mit unseren
Verbündeten an diesem Thema, und man wird warten müssen, was die Zukunft
bringt.
FRAGE:

Präsident Reagan hat dieser Tage erklärt, daß von den START-

Verhandlungen nichts ausgenommen werden würde.

Ich frage mich, ob das be-

deutet, daß es akzeptabel wäre, wenn die Sowjetunion beispielsweise die
Einbeziehung von Marschflugkörpern oder der MX-Rakete fordern würde?
ANTWORT:
dargelegt.

Ich meine, der Präsident hat seinen Standpunkt sehr deutlich

Erstens, wenn diese Gespräche beginnen - und ich hoffe, daß dies

sehr bald sein wird - dann wird die amerikanische Delegation offen und in
einem Geist des guten Willens und des Gebens und Nehmens mit ihren sowjetischen Partnern an den Konferenztisch kommen.

Der Präsident hat seinen

Standpunkt auf seiner Pressekonferenz nach seiner Rede vor dem EurekaCollege sehr klar dargelegt, daß über die Konzentration auf die Verringerung
der am meisten destabilisierenden Waffen - wir sprechen von einer 30prozentigen Verringerung der Gefechtsköpfe und einer verbleibenden Streitmacht,
die zur Hälfte landgestützt wäre - hinaus alle anderen Systeme auf dem
Tisch wären, um gerechte Gleichgewichte zu erreichen.
Dazu gehören auch Marschflugkörper; dazu gehören auch Flugzeuge, und
natürlich auch die MX-Rakete würde, wie alle anderen Systeme, in das Ganze
eingeschlossen.
FRAGE:

Egon Bahr, der Abrüstungsexperte der Sozialdemokraten in

Deutschland, brachte einen Vorschlag auf, in Europa zwischen Frankreich und

- 3 -

�Frankreich und der Sowjetunion eine kernwaffenfreie Zone zu errichten.
Was halten Sie von einem solchen Vorschlag?
ANTWORT:

Ich habe nicht die Gepflogenheit, mich zu Vorschlägen der

einen oder anderen Persönlichkeit zu äußern, mit denen ich keine Gelegenheit hatte, über die Nuancen des Vorschlages zu sprechen.

Aber ganz all-

gemein gesprochen sind kernwaffenfreie Zonen in Mitteleuropa Themen, die
seit vielen, vielen Jahren behandelt werden.

Wir fühlen uns mit den Aus-

sichten solcher Vorschläge sehr unwohl. Wir sind der Meinung, daß die Vereinigten Staaten heute in Koordination mit ihren Verbündeten einen sehr
bedeutsamen Vorschlag für die wesentliche Verringerung des Standes der nuklearen Rüstungen in Westeuropa unterbreitet haben, mit dem Hautpaugenmerk
auf den am meisten destabilisierenden Waffen, der SS-20-Rakete, und den
Schritten, die wir bereit sind zu tun, um auf die beispiellose Dislozierung von 300 neuen Mittel Streckensystemen mit rund 900 Gefechts köpfen, denen Westeuropa und die Vereinigten Staaten nichts Entsprechendes entgegenzusetzen haben, zu antworten.
Darauf sollten sich nach unserer Meinung unsere Energie und unsere
Anstrengungen in den" kommenden Tagen konzentrieren.
FRAGE:

Und wie steht es mit dem Vorschlag für einen Verzicht auf den

Ersteinsatz?
ANTWORT: Ich glaube, ich habe mich zu diesem Thema klar ausgedrückt.
Wir sind unbedingt gegen einen Vorschlag dieser Art, der nach unserer Auffassung sogar die Folge haben könnte, einen konventionellen Krieg gegen
Westeuropa zu legitimieren. Wir vergessen oft, daß das westliche Bündnis
ein Verteidigungsbündnis ist. Es ist nicht zu erwarten, daß seitens der
westlichen Regierungen, der demokratischen Gesellschaften, überhaupt irgendwelche Waffen zuerst eingesetzt würden. Daher sind wir der Ansicht, daß eine
Garantie des Verzichts auf den Ersteinsatz die grundlegende Abschreckung
in Frage stellen würde, die den Frieden in Europa 37 Jahre lang bewahrt hat.

- 4 -

�bewahrt hat.

Und aus diesem Gründe sind wir unbedingt gegen irgendein

solches Konzept.
FRAGE:

Herr Minister, ein weiteres Thema-der Meinungsverschiedenheit

zwischen beiden Seiten des Atlantik ist die geplante Erdgasleitung zwischen
Sibirien und Westeuropa.

Können Sie"uns sagen, ob dieses Thema noch einmal

von Präsident Reagan bei seinen bevorstehenden Treffen aufgenommen werden
wird?

Und wenn dies der Fall sein sollte:

Könnten Sie Spekulationen aus

der Welt schaffen, daß sich-die Vereinigten Staaten durchaus der Tatsache
bewußt sind, daß sie das Projekt nicht mehr aufhalten können, es aber haupt"
sächlich deshalb warmhalten, um eine Art Karte in der Hinterhand zu haben
- zum Beispiel hinsichtlich möglicher amerikanischer Ersuchen den Verbündeten gegenüber, bei den Zinsen mehr Zeit zu lassen und mehr Geduld zu haben?
ANTWORT: Nein. Ich denke, die Haltung der Vereinigten Staaten in bezug auf die Erdgasleitung ist altbekannt und in sich schlüssig. Diese Administration hat von Anfang an ihrer Besorgnis Ausdruck verliehen über die
wachsende Abhängigkeit Westeuropas von der Sowjetunion bei Energiequellen,
wo in nächster Zeit ein nicht unbeträchtlicher Prozentsatz erreicht wird.
Wir sind aus diesem Grunde dagegen, waren dagegen, haben unsere Bedenken
zum Ausdruck gebracht und werden dies auch weiterhin tun, wenn wir dazu gefragt werden.
Natürlich sehen wir, daß die Ereignisse in gewisser Weise in der ersten
Phase dieser Gasleitung über uns hinweggegangen sind, als bestimmte Verpflichtungen von einigen der westeuropäischen Mitgliedsregierungen eingegangen wurden.

Aber diese Frage ist sicherlich auch in Beziehung zu einer

Vielfalt anderer Handels- und Wirtschaftsfragen mit dem Osten zu setzen.
Wie Sie wissen, haben wir im vergangenen Sommer in Ottawa nachdrücklich auf
eine Verbesserung und Stärkung des COCOM-Systems gedrängt, das den Technologietransfer in die Sowjetunion einschließt.

Seither haben wir bei der

Stärkung dieses Mechanismus einigen Erfolg gehabt. Wir haben auch seit
einiger Zeit den Eindruck - und er hält an -, daß die Kreditpolitik gegen-

- 5 -

�Kreditpolitik gegenüber der Sowjetunion manchmal zur Niederlage für den
Westen selbst wird - sowohl hinsichtlich der Frage gesunder Geschäftstätigkeit als auch hinsichtlich der Tatsache, daß der Sowjetunion Mittel zur Verfügung gestellt werden, die es ihr erlauben, ihre unnachgiebige Aufrüstung
fortzuführen.
Deshalb wird also dieses Thema diskutiert werden.

Vielleicht kann es

bei den vorbereitenden Gesprächen oder auf der sogenannten "Shuttle-Ebene"
behandelt werden, also noch vor dem Treffen in Paris.

Sollte dies nicht

der Fall sein, so beabsichtigen wir, diese" Frage dort aufzuwerfen; dann wird
sie Aufmerksamkeit auf sich ziehen müssen, weil wir der Meinung sind, daß es
sich um eine äußerst wichtige Frage handelt.

Sie hat überhaupt nichts mit

der Frage der Zinsen zu tun, die erst in den letzten Monaten, sicherlich seit
Ottawa, aufgetreten ist, während die Besorgnis hinsichtlich der Erdgasleitung
schon seit langem besteht.

Die Sorgen über die Kredite gibt es ebenfalls

schon lange, und sie haben sich nach den Ereignissen in Polen noch verstärkt.
FRAGE:

Herr Minister, glauben Sie nicht, daß die europäische Position,

sich solchem Druck zur widersetzen, durch gewisse amerikanische Entscheidungen,
wie etwa die Aufhebung des Getreideembargos gegen Rußland, noch gestärkt wird?
ANTWORT: Nein, ich glaube nicht, daß das Getreideembargo eine ähnlich
komplexe und schwierige Frage ist. Bei dem Getreideembargo machten wir die
Erfahrung, daß die Vereinigten Staaten diese Sanktion nach den Ereignissen
in Afghanistan einseitig verhängten und die anderen getreideexportierenden
Länder nicht bereit waren, sich uns in driesem Embargo anzuschließen. Das
ist leider so und unterstreicht vor allem die Notwendigkeit, im Bereich des
Handels, der Kredite und des Technologietransfers auf einheitlicher Front
vorzugehen.
Der Präsident hat klargestellt, daß im Fall notwendiger Sanktionen
auf breiter Front vorzugehen wäre, und im Fall des Getreides würde er wohl
erwarten, daß bei einer solchen Verhängung von Sanktionen alle Getreide-

�alle Getreide!ieferer bereit wären, sich uns anzuschließen - auch die, die
in bisherigen Fällen das amerikanische Vakuum ausfüllen konnten und dies
auch taten.
FRAGE:

Noch eine Frage hierzu, Herr Minister.

Es ist jetzt fast 35

Jahre her, seit die Vereinigten Staaten den Marshall-Plan ins Leben riefen,
der die Grundlage der westlichen Stärke wurde.
sich in jenen Tagen, daran teilzunehmen.

Die Sowejtunion weigerte

Jetzt stehen wir vor einem ähn-

lich gelagerten Problem, nämlich, auf wieviel Handel wir uns mit der Sowjetunion einlassen sollten.

Und ich wüßte gern:

Wie weit würden Sie bei etwas

gehen wollen, was man wirtschaftliche Kriegsführung nennen könnte?
ANTWORT: Zunächst zu Ihrer Anmerkung zum Marshall-Plan. Ich freue
mich, daß Sie darauf zu sprechen kamen, denn wir nähern uns ja dem Jahrestag dieses Planes. Und er ist Zeugnis dafür, was die gemeinsamen Anstrengungen der atlantischen Gemeinschaft erreichen können. Sie erinnern sich
daran, daß er zu einer Zeit verwirklicht wurde, da Westeuropa zum größten
Teil entkräftet war - als Ergebnis des großen Konfliktes in Westeuropa.
Damals gab es viele Skeptiker, und es bedurfte anfangs einer großen Menge
amerikanischer Großzügigkeit, aber es bedurfte auch einer großen Menge
Energie und gemeinsamer Schritte seitens unserer westeuropäischen Partner.
Und welch ein Erfolg war es dann!
Hinsichtlich des Wirtschaftskrieges: Meiner Meinung nach hält niemand
auf dieser Seite des Atlantik - a n erster Stelle Präsident Reagan - einen
Wirtschaftskrieg per se für eine sinnvolle politische Option bei den heutigen Ost-West-Beziehungen.

Andererseits ist der Westen mit vielen Mitteln

ausgestattet - politischer, wirtschaftlicher und sicherheitsbezogener Natur -,
die er in konzertierter Form einsetzen sollte, um ein verantwortungsbewußteres und zurückhaltenderes internationales Verhalten der Sowjetunion
zu erreichen.

Dies liegt im Interesse des Westens insgesamt, des internatio-

nalen Friedens und der internationalen Stabilität sowie, wie ich glaube,
auch im Interesse der Sowjetunion selbst.
Wenn wir

�Wenn wir es hingegen zu einem Durcheinander der Maßnahmen kommen
lassen, - sei es durch Kreditsubventionen, durch Überabhängigkeit bei der
Energieversorgung, die der sowjetischen Führung Milliarden Dollar harter
Währung

einbringt -, so muß dies zugleich auch vor dem Hintergrund des

internationalen Verhaltens der Sowjetunion gesehen werden.

Und dort, wo

dieses Verhalten die westlichen Interessen bedroht, sollten die oben erwähnten Mittel des Westens in koordinierter, einheitlicher Form eingesetzt werden.

Und hierum geht es bei unseren derzeitigen Anstrengungen.
FRAGE:
ANTWORT:

Wird dies eines der herausragenden Themen des Gipfels sein?
Nein, ich glaube nicht.

Aber das hängt natürlich auch von den

Ereignissen bis dahin ab, sowie von der abschließenden Koordinierung der
Themenlisten und der Vereinbarungen.

Hauptsächlich wird man sich in Versailles

wohl auf die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung und des wirtschaftlichen Wachstums sowie auf das Wohlergehen der westeuropäischen Völker und
des amerikanischen Volkes im kommenden Jahrzehnt konzentrieren.

Ich hoffe,

man wird sich auch auf die Notwendigkeit konzentrieren, die davonlaufende
Inflation durch sich gegenseitig verstärkende Politiken unter Kontrolle zu
bringen; ich hoffe, man wird sich auf eine mittelfristige Koordinierung unserer Geldpolitiken konzentrieren, um Störungen zu verhindern; und ich hoffe,
man wird sich auf die Energiefrage und die langfristigen Bedürfnisse der westlichen Gesellschaften konzentrieren, die gemeinsame Werte teilen, sowie auf
eine Verminderung unserer Abhängigkeit von besonders verwundbaren Energiequellen - einschließlich der östlichen Zone, der Sowjetunion sowie dem Mittleren Osten.

Hier bedarf es alternativer Möglichkeiten, und gemeinsamer

Studien, um alle Quellen auszuschöpfen.
Hierauf wird sich meiner Meinung nach das Interesse beim Versailler
Gipfel konzentrieren, und ich'bin sicher, daß es ein äußerst erfolgreicher
Gipfel werden wird.
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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juni 1982

USA UND SOWJETUNION GEBEN BEGINN DER START-VERHANDLUNGEN BEKANNT
- Große Bedeutung der am 29. Juni in Genf beginnenden Gespräche
unterstrichen -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
bekanntgegeben, daß sie am 29. Juni in Genf mit der formellen Verhandlung
über eine Verminderung der strategischen Waffen (Strategie Arms Reduction
Talks = START) beginnen werden. In einer gemeinsamen Ankündigung, die am
31. Mai 1982 sowohl in Washington als auch in Moskau veröffentlicht wurde,
heißt es, daß beide Seiten diesen Gesprächen große Bedeutung beimessen.
Die amerikanische Delegation bei diesen Gesprächen wird von Botschafter
Edward Rowny geleitet werden; Delegationschef auf sowjetischer Seite soll
Botschafter V.P. Karpow sein.
Im Verlauf einer Ansprache auf dem Nationalfriedhof in Arlington aus
Anlaß des Memorial Day, des Tages, an dem in den USA der Gefallenen gedacht
wird, erklärte Präsident Reagan am 31. Mai 1982: "Unser Ziel ist der Frieden. Diesen Frieden können wir durch Stärkung unseres Bündnisses, durch
freimütiges Aufzeigen der'anstehenden Gefahren, durch Demonstration unserer

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�Demonstration unserer Ernsthaftigkeit gegenüber potentiellen Gegnern und
durch den aktiven Verfolg jeglicher Möglichkeit für aufrichtige und fruchtbringende Verhandlungen erringen."
Die gemeinsame Erklärung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
über den Beginn der START-Gesprä'che hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken sind übereingekommen, formelle Verhandlungen über die Begrenzung und Verminderung der strategischen Waffen am 29. Juni 1982 in Genf
in der Schweiz aufzunehmen.

Die amerikanische Delegation wird von Botschaf-

ter Edward Rowny, die sowjetische Delegation von Botschafter V.P. Karpow geleitet.

Beide Seiten messen diesen Verhandlungen große Bedeutung bei."

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juni 1982

22

REAGAN ERHOFFT STÄRKUNG DER WIRTSCHAFTLICHEN ZUSAMMENARBEIT
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -

WASHINGTON - (AD) - Amerikanische Regierungsvertreter hegen die Erwartung, daß die anderen Teilnehmerstaaten des Wirtschaftsgipfels in Versailles
die umfassenden Initiativen begrüßen werden, die Präsident Reagan dort vorschlagen wird.
Wie bereits berichtet, wird der amerikanische Präsident auf dem Treffen
der Führer der sieben wichtigsten Industriestaaten vom 4. bis 6. Juni einen
neuen wirtschaftspolitischen Konsultations- und Koordinationsmechanismus empfehlen.
Vertreter der Reagan-Administration verdeutlichen, daß es sich dabei
um ein Konzept handelt, das dem Verfahren ähnlich ist, mit dem der Internationale Währungsfonds derzeit die jeweiligen Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer "überwacht".

Allerdings würde das Verfahren multilateralen

Charakter haben, also von einer Gruppe der größeren Industriestaaten durchgeführt werden - nicht aber auf der Grundlage der Einzelgespräche zwischen
Internationalem Währungsfonds und dem jeweiligen Einzelmitglied.
Diese Initiative,

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�Diese Initiative, so die Reagan-Administration, würde einem Ziel neuen
Schwung verleihen, das bereits auf dem ersten der bisherigen acht Wirtschaftsgipfel - jenem von Rambouillet in Frankreich im Jahr 1975 - formuliert worden
war:

Hinsichtlich der wä'hrungspolitischen Probleme, so das Kommunique des

1975ziger Treffens, bekräftigen wir unsere Absicht, auf größere Stabilität
hinzuarbeiten.

Dies umfaßt Anstrengungen zur Wiederherstellung einer größeren

Stabilität der grundlegenden wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen
der Weltwirtschaft.
Die in Versailles vorgeschlagenen Konsultationen würden sich auf die Beziehungen zwischen den jeweiligen Wirtschaftspolitiken konzentrieren, die von
den einzelnen Ländern verfolgt werden, sowie auf das Ausmaß, in dem diese
Politiken gewisse vereinbarte Zielsetzungen fördern.

Diese Ziele, so ein

amerikanischer Regierungsvertreter, sind "niedrige Inflation und höheres
Wirtschaftswachstum und dadurch bessere Chancen für Arbeitsplätze."
Amerikanische Regierungsvertreter erklären, daß diese Konsultationen
in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds durchgeführt würden.
In Washington hofft man, daß diese Konsultationen zu stärkerer Konvergenz der Wirtschaftspolitiken und insbesondere zu Konvergenz bei der Inflationsbekämpfung führen werden. Man verweist darauf, daß sowohl das jüngste
Ministertreffen der OECD in Paris als auch der Interimsausschuß des Internationalen Währungsfonds in Helsinki zu dem Schluß gelangt sind, daß die Anstrengungen zur Bekämpfung der Inflation fortgesetzt werden müssen und daß
eine wesentliche Bedingung für einen dauerhaften Fortschritt bei der Verminderung der Arbeitslosigkeit darin zu sehen ist, daß die Inflation unter
Kontrolle gebracht wird.
Eine größere Preisstabilität bedeutet stabilere Devisenkurse und niedrigere Zinsen, die wiederum die"Aussichten auf Wachstum erhöhen werden:
"Alle Nationen wünschen sich größere Stabilität und mehr Wachstum" - so ein
Regierungsvertreter in Washington.
Dort hofft
- 2 -

�Dort hofft man zugleich, daß der Versailler Gipfel auch zur Modernisierung und Stärkung anderer Vereinbarungen über die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit - wie etwa des GATT - beitragen wird.
Auch von dem französischen Staatspräsidenten Mitterrand, dem Gastgeber
des diesjährigen Wirtschaftsgipfels, wird eine eigene Initiative erwartet
- eine, die sich um fortschrittliche Technologie dreht. Technologie wird
auch der erste Punkt der Versailler Tagesordnung sein.
Regierungsvertreter räumen ein, daß es hier zwischen der Reagan-Administration und der französischen Regierung Unterschiede in der Denkrichtung gibt. Dennoch hält man es auch in Washington für einen guten Gedanken,
dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt zu haben. Man ist der Überzeugung,
daß es möglich sein wird, solche Fragen der Technologie auf kooperative
Weise anzugehen.
Amerikanische Regierungsvertreter standen stets skeptisch dem Gedanken
gegenüber, daß eine Regierung versuchen sollte, "Gewinner und Verlierer" auszumachen und dann jenen Firmen besondere Hilfe zukommen zu lassen, die allem
Anschein nach bei der Entwicklung technologischer'Neuerungen "gewinnen" werden.

Vertreter der Reagan-Administration erklären jedoch, auch sie seien

für einen Abbau von Regierungspolitiken und -maßnahmen, die die Entwicklung
nützlicher Technologie behindern.
Zudem hofft man, daß die Gespräche in Versailles eine Gelegenheit sein
werden, der amerikanischen Sorge über bestimmte Handelsschranken Ausdruck
zu verleihen, die negative Auswirkungen auf die Hochtechnologieexporte der
Vereinigten Staaten haben.

+ + + + +

- 3 -

�2. Juni 1982

22

REAGAN-REISE BEKRÄFTIGT WESTLICHE WERTVORSTELLUNGEN
- Von unserem Korrespondenten Alexander Süllivan -

WASHINGTON - (AD) - Die Reise von Präsident Reagan nach Europa wird
eine Manifestation "der Dauerhaftigkeit und Lebenskraft der demokratischen
Werte des Westens" vor dem Hintergrund der anhaltenden Anstrengung sein, mit
der Sowjetunion in einen konstruktiven Dialog einzutreten.
Außenminister Haig, der am Vorabend der Reise Reagans nach Paris, Rom,
London, Bonn und Berlin

zu Reportern sprach, erklärte, daß die jüngsten Ini-

tiativen des Präsidenten beim Rüstungsabbau eine überaus günstige Atmosphäre
für eine Reihe von Zusammentreffen mit Staats- und Regierungschefs der westlichen Industriedemokratien und des Nordatlantikrats geschaffen habe.
Reagan beginnt seine Europareise am 2. Juni,um an dem Wirtschaftsgipfel
in Versailles vom 4. bis 6. Juni teilzunehmen; er wird außerdem am 7. Juni
mit Papst Johannes Paul II. sowie mit italienischen Regierungsvertretern in
Rom zusammenkommen; am 7. und 8. Juni wird er in London Königin Elisabeth II.
und Premierministerin Thatcher treffen; am 10. Juni wird er in Bonn am dem
Gipfeltreffen des Nordatlantikrates teilnehmen und vor seiner Rückkehr nach
Washington am 11. Juni auch Berlin besuchen.
Reagans Reise

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�Reagans Reise nach Europa kommt zu einem Zeitpunkt, da die Sowjetunion ihre Anstrengungen fortsetzt, die Freiheitskämpfer in Afghanistan
niederzuwerfen und die Arbeiterbewegung der Gewerkschaft Solidarität in
Polen zu unterdrücken.

Auf der anderen Seite der Welt dauern die Kämpfe

zwischen Großbritannien und Argentinien um die Falkland-Inseln an.
Häig erwartet, daß all diese Fragen auf beiden Gipfeltreffen Gesprächsthema sein werden, da diese Reise in seinen Augen ein zusammenhängendes
Ganzes darstellt, bei dem es um politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen geht.
Den Reportern sagte er, ihm sei an einer Betonung der miteinander in
Verbindung stehenden Themen der verschiedenen Konferenzen gelegen, an denen
Reagan teilnehmen wird - "dieses Mosaik politischer, wirtschaftlicher
und sicherheitspolitischer Probleme, die alle miteinander in Verbindung
stehen, die sich wechselseitig verstärken, und die in Gleichgewicht gehalten
werden müssen."
Haig geht davon aus, daß jener Teil der Reise, der der NATO gilt,
"eine eindeutige Bekräftigung" des Beschlusses von 1979 bringen wird, mit
der Modernisierung der nuklearen Mittelstreckensysteme in Europa voranzugehen und zugleich Verhandlungen mit Moskau über die Kontrolle ihrer
Dislozierung zu führen.
"Ein Bereich, dem sicherlich ein großer Teil der Aufmerksamkeit
gelten wird, ist die Rüstungskontrollpolitik Präsident Reagans," erklärte
Haig. Er unterstrich zugleich, daß sich die Außenminister der NATO-Mitgliedstaaten vor zwei Wochen einhellig hinter Reagans "historische Initiative"
gestellt hatten, die eine deutliche Verminderung der Dislozierung strategischer Kernwaffen vorschlägt. Die Gespräche mit Moskau über eine solche
Verringerung werden am 29. Juni in Genf beginnen.
Haig erklärte,

- 2 -

�Haig erklärte, er erwarte, daß "einige neue Ideen", die in Washington
zu der Frage der MBFR-Verhandlungen in Wien über einen Abbau der konventionellen Rüstung in Europa erarbeitet worden sind, zur Diskussion
gelangen.
Haig gab hierzu keine Einzelheiten, sondern erklärte lediglich, sie
stünden "in Einklang mit der Gesamtschau Präsident Reagans hinsichtlich
der Rüstungskontrolle, die sich für beträchtliche Verminderungen bei dem
Umfang der nuklearen und konventionellen Rüstung einsetzt."
Haigs Überzeugung zufolge haben die jüngsten Reden und Vorschläge
des Präsidenten zur Rüstungskontrolle sowie der anhaltende Konsultationsprozeß innerhalb der NATO "eine Reihe von verständlichen Besorgnissen
hinsichtlich der Richtung der Politik dieser Administration im Bereich
der Rüstungskontrolle, der Nuklearstrategie und der Verteidigungsstrategie
insgesamt aus der Welt geschafft."
Auf eine Frage nach der jünsten Veröffentlichung des Verteidigungsministeriums von Notstandsplänen für einen sich in die Länge ziehenden
Atomkrieg, erklärte Haig, das Verteidigungsministerium habe die
Verantwortung, "für alle Notfälle vorbereitet zu sein," und fügte hinzu,
es sei wenig sinnvoll für ihn, sich in Diskussionen einzumischen, die
Planungsspiele anbelangten, die im Pentagon stattfänden.
In Beantwortung einer anderen Frage sagte Haig, er sei nicht der
Ansicht, "daß es jemals in einer nuklearen Auseinandersetzung einen Gewinner
geben könnte.

Ich glaube, der Präsident war bei diesem Thema äußerst

klar und deutlich:

Es w.rde hier keine Gewinner geben."

Haig stellte klar, aaß die Vereinigten Staaten nicht zögern werden,
die Falkland-Frage zu disiutieren, und bereit sind, bei der Lösung dieses
Streitfalls behilflich zu sjin, sollten sie um ihre guten Dienste gebeten

- 3 -

�Dienste gebeten werden.
Er unterstrich, daß Kritiker sich bewußt werden sollten, "wovor die
Welt stand:

nämlich der Erstanwendung von Gewalt" seitens Argentiniens,

das im April die Falkland-Inseln besetzte.

Er erinnerte daran, daß die

Resolution 502 der Vereinten Nationen den argentinischen Abzug sowie eine
Verhandlungslösung der jeweiligen Souveränitätsansprüche fordert.
"Die mit dieser Resolution verbundenen Verpflichtungen sind eindeutig.
Diese Regierung steht auch weiterhin zu Buchstabe und Geist der UN-Resolution
502...

Wir sind gegen den Einsatz bewaffneter Gewalt zur Lösung von

Streitigkeiten, wir sind vielmehr für einen politischen Prozeß."
Zur Lage in Polen erklärte der Außenminister, daß diese seiner
Erwartung nach die Konferenzteilnehmer beschäftigen werde. Washington werde
auch weiterhin auf eine einheitliche Haltung gegenüber jenen Problemen
drängen, die sich aus dem Druck ergeben, der von den Sowjets auf die dortige
Gewerkschaftsbewegung ausgeht.

Er erinnerte noch einmal daran, daß Reagan

eine großzügige amerikanische Hilfe für die polnische Wirtschaft zugesagt
hat, wenn die politischen Gefangenen freigelassen werden, das Kriegsrecht
aufgehoben und wieder ein Dialog zwischen der polnischen Regeirung, der
katholischen Kirche und der Gewerkschaft Solidarität aufgenommen wird.

+ + + + +

- 4-

�2. Juni 1982

22

SPARTREND BEIM ENERGIEVERBRAUCH WIRD BLEIBEN
Dennoch Warnung vor "falschem Sicherheitsgef'ühl -

- (AD) - Ungeachtet der Schwankungen von Angebot und Nachfrage bei
Erdöl bzw. eines gelegentlich zu beobachtenden Überangebots von Rohöl wird
der Trend zur Energieeinsparung anhalten.

Experten der Mineralölindustrie

sehen dies u.a. dadurch gegeben, daß die Industrieländer neue, energiesparende- und Energie besser nutzende Entwicklungen mit ganz erheblichen Investitionen gefördert haben.

Dies wird künftig den gesamten Energiever-

brauch von Grund auf beeinflussen.
Bereits nach dem arabischen ülembargo von 1973/74 und dem dadurch ausgelösten rapiden Anstieg der ölpreise wurde der Energieverbrauch stark eingeschränkt.

Die Mineralölindustrie nutzte die ihir gewährten Anreize, mehr

Ölvorkommen aufzuspüren und andere Energiequellen zu erschließen.

Die Geo-

logen schätzen, daß mehr abbauwürdige Ölvorkommen vorhanden sind, als ursprünglich angenommen wurde.
In den Vereinigten Staaten hat der Energieverbrauch für die Produktion,
wie sie im Bruttosozialprodukt - inflationsbereinigt - ihren Niederschlag
findet, seit 1973 um etwa 20 Prozent abgenommen.

Statistiken des US-Energie-

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�des US-Energieministeriums zufolge stieg zwischen 1972 und 1980 das Bruttosozialprodukt real um 18 Prozent, der Energieverbrauch dagegen nur um zwei
Prozent.

Im Jahr 1981 zeichneten sich erhebliche Fortschritte in bezug auf

den Energie-Nutzungsgrad ab.
Ähnlich eindrucksvoll waren die Fortschritte einzelner Wirtschaftssektoren zur Verringerung des Energieverbrauchs. Die zehn energieintensivsten
Industriezweige verbesserten zwischen 1972 und 1980 die Energienutzung um
17,6 Prozent, während der Energieverbrauch per Haushalt sogar um 20 Prozent
zurückging.

Die Wirtschaftlichkeit von neuen Kraftfahrzeugen, gemessen am

Benzinverbrauch pro 100 km, stieg nach Inkrafttreten der Bestimmungen über
die Einhaltung von Maximalwerten von 1975 bis 1980 um 60 Prozent.

Staatliche

wie private Analysen zeigen, daß vor allem infolge des Zwanges zur Einsparung
von Benzin in den USA im Jahr 1978 ca. 80 000 Barrel (1 Barrel entspricht
159 Litern) pro Tag, im Jahr 1979 220 000 Barrel/Tag und 1980 ca. 400 000
Barrel/Tag weniger verbraucht wurden. Diese Einsparungen wiegenden Verlust
amerikanischer ölimporte aus dem Iran in den Jahren 1979 und 1980 in etwa
auf.
Der niedrigere Benzinbedarf führte seit 1978 allgemein zu einer Senkung
der ölimporte. Im Durchschnitt wurde Ende Mä'rz 1982 täglich 50 Prozent weniger importiert als im Jahr 1977, wo mit 8,6 Millionen Barrel pro Tag eine
Rekordmenge zu verzeichnen war. Diese Entwicklung bedeutet jährliche Einsparungen von 40 bis 50 Milliarden Dollar, die zur Verringerung des Außenhandelsdefizits und zur Bekämpfung der Inflation produktiv eingesetzt werden
können.
Mit der völligen Aufhebung der Preiskontrolle bei einheimischem Rohöl
durch Präsident Reagan im Januar 1981 erfuhr die Exploration eine neue Intensivierung. Der ständige Rückgang der ölförderung in den 48 kontinentalen
Bundesstaaten (abgesehen von Alaska) kam zum Stillstand; in Alaska wurden
überdies neue große Vorkommen entdeckt. Die Anzahl der in Betrieb befindlichen Bohrtürme stieg 1981 um 36,5 Prozent (1980: 33 Prozent). Es wurden

- 2 -

�Es wurden 80 450 neue Erdöl- und Erdgasquellen erschlossen.

Diese Zahl

dürfte 1982 um weitere 12 Prozent, nämlich auf 89 600 Quellen anwachsen.
Die Mehrzahl der Wirtschaftsexperten in der Industrie ist heute überzeugt, daß weniger Versorgungsengpässe, sondern vor allem die steigenden
Energiekosten Ursache für die Energieeinsparungen waren.

Noch 1973 hatte

man den Einfluß von ülpreisveränderungen auf den Verbrauch - sowohl kurzwie auch langfristig gesehen - für unerheblich erachtet. Jetzt aber ist
insbesondere auf weite Sicht die "Verbrauchselastizität", d.h. die Orientierung am Preis, stark ausgeprägt.
Tor Meloe, der Wirtschaftsexperte der Fa. TEXACO, hob kürzlich in
einem Artikel in der Fachzeitschrift "Oil and Gas Journal" hervor, daß die
Konsumenten in unmittelbarer Zukunft nur wenig Möglichkeiten zur Verbrauchseinschränkung hätten. Auf längere Sicht jedoch ließen sich "ganze Brennstoffsysteme, Industrieanlagen und Maschinen, ja selbst der Wohnbereich
völlig oder teilweise auf andere Energieformen oder auf geringeren Ölverbrauch umstellen, ohne daß dies mit Leistungseinbußen verbunden ist". Allerdings sei die Zeitspanne zur Steigerung des Energie-Nutzungsgrades von Produkt zu Produkt und auch bei den einzelnen Industriebereichen verschieden
- hier seien zwei bis fünf Jahre, dort vielleicht 15 bis 20 Jahre dafür zu
veranschlagen. Jedenfalls sei zu erwarten, daß viele der energiesparenden
Strukturveränderungen, die mittlerweile in den USA und in anderen Ländern durchgeführt wurden, beibehalten werden.
Meloe zufolge hat sich der Rückgang der inneramerikanischen ölförderung
nur vorübergehend ins Gegenteil verkehrt.

Energie aus alternativen Quellen

verzeichnen ein Jahreswachstum von vier Prozent, wobei künftig erhebliche
Zuwächse bei Kohle und Kernkraft zu erwarten seien.

(Der Preis der aus Kohle

erzeugten Energie beträgt in den USA nur die Hälfte bis ein Drittel von Energie auf öl- oder Gasbasis. Dies geht aus einer Regierungsverlautbarung vom
17. Mai 1982 über die Ausweitung des Kohleexports hervor.

Dieser lag mit

99,8 Millionen Tonnen im Jahr 1981 um 44 Prozent höher als 1980 und soll

- 3 -

�und soill bis 1985 auf knapp 110 Millionen Tonnen, bis zur Jahrhundertwende
auf mehr als 225 Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert werden.)
Nach Meinung von Tor Meloe kommt der größte Anteil neuer öl Produktion
aus Entwicklungsländern wie Mexiko - aus Ländern also, die gegenwärtig
nicht der Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC) angehören.

Gleich-

zeitig werde die Energienachfrage auch weiterhin zurückgehen, und zwar weltweit.

Noch im Jahr 1973 veranschlagte die EXXON Corporation die Steigerung

des Gesamtenergieverbrauchs der Welt bis 1985 auf das Äquivalent von 214
Millionen Barrel öl pro Tag.

Ihren neuesten Analysen zufolge sei dagegen

bis zur Jahrhundertwende nur mit einem Anstieg des Verbrauchs von ca. 96
Millionen Barrel pro Tag (1981) auf etwa 150 Millionen Barrel pro Tag (Energieäquivalent von öl) zu rechnen.
Die meisten Industrieländer haben ihre Erdölvorräte stark vergrößert.
So wurde die staatseigene strategische ölreserve der USA im Jahr 1981 um
täglich 336 000 Barrel erweitert.

Anfang April 1982 betrugen die Vorräte

250 Millionen Barrel; bis Ende des Jahres ist eine weitere Steigerung auf
380 Millionen Barrel vorgesehen.
In der gesamten freien Welt war seit 1979 im Zusammenhang mit der verstärkten Wirtschaftsrezession während der letzten zwei Jahre ein beschleunigter Rückgang des Ölverbrauchs zu verzeichnen. Der Druck auf die ölpreise
wurde in den letzten Monaten infolge anhaltender hoher Produktion und der Anstrengungen der Industrie, große und kostspielige öllager abzubauen, besonders intensiv. Aufgrund dieser Entwicklung sagten manche Analytiker einen
weiteren kräftigen Rückgang der Weltölpreise voraus, was der bisherigen
Tendenz zur Einsparung entgegenwirken könnte; auch sei mit einem rapide wieder steigenden Verbrauch zu rechnen, sobald sich weltweit die Wirtschaft
erhole.
Wie John E. Olson, Vizepräsident der Mineralölfirma Drexel, Burnham
&amp; Lambert in Houston (Texas), erklärte, sei in den USA seit Anfang 1982
bereits ein leichter Rückgang von Exploration und Förderung von Erdöl zu

�Erdöl zu beobachten, was auf die Preissituation und die hohen Zinssätze
zurückzuführen sei. Sofern es jedoch nicht wieder zu einer einschneidenden Störung der Ölversorgung komme, habe man, wie die meisten Experten der
Mineralölindustrie prophezeien, im kommenden Jahrzehnt mit nur mäßigen ölpreissteigerungen zu rechnen (wobei allerdings die Anpassung an die Inflation zu berücksichtigen ist). Auch werde im gleichen Zeitraum der Verbrauch
in der freien Welt relativ stabil bleiben oder sich nur geringfügig erhöhen.
Robert Hormats, Unterstaatssekretär für Wirtschafts- und Handelsfragen
im US-Außenministerium, warnte allerdings kürzlich in einer Stellungnahme
vor dem Energie-Ausschuß des US-Senats vor einem "falschen Sicherheitsgefühl". Denn Gefahren für die künftige angemessene und zuverlässige Versorgung könnten sich z.B. bei einer Wiederbelebung der Wirtschaftsaktivität
in den Vereinigten Staaten und im Ausland ergeben, weil dann der Weltölbedarf ansteigen werde. Auch würde mit dem Abbau von ölvorräten in Privathand wahrscheinlich bald mehr zurückgehalten, was zu einer angespannteren
Versorgungslage und verstärkter Nachfrage führe. Außerdem sei eine ziemlich große Zeitspanne für den Aufbau und die Auffüllung samt optimaler
Bewirtschaftung einer strategischen Erdölreserve erforderlich. Das gleiche
gelte für Programme der Zusammenarbeit auf diesem Gebiet mit den verbündeten Staaten, um in geeigneter Weise auf Ölversorgungskrisen zu reagieren.

- 5 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Streben nach Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von US-Botschafter Arthur F. Burns in Stuttgart -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haig-Interview mit europäischen Journalisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- START-Verhandlungen werden sich positiv auf INF-Verhandlungen auswirken -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA und Sowjetunion geben Beginn der START-Verhandlungen bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Große Bedeutung der am 29. Juni in Genf beginnenden Gespräche unterstrichen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan erhofft Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan-Reise bekräftigt westliche Wertvorstellungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spartrend beim Energieverbrauch wird bleiben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dennoch Warnung vor "falschem Sicherheitsgefühl" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>26. Mai 1982

21
INHALT

INFORMATION
Präsident Reagan setzt sich für Jugendaustausch ein
- USICA-Direktor zum Beauftragten für Austauschprogramme ernannt
DOKUMENTATION
Clark: Umfassende Sicherheitsüberlegungen der USA
- Rede des Sicherheitsberaters des US-Präsidenten Der Sinn der Abschreckung
- Ansprache des Ständigen Vertreters der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett, am 24. Mai 1982 auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und
des Amerika Hauses in Hannover Rede des AFL-CIO-Präsidenten auf dem DGB-Kongreß in Berlin
WIRTSCHAFT
Eine freie Weltwirtschaft:
4

Ziel der USA beim Weltwirtschaftsgipfel

- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake HINTERGRUNDMATERIAL
Internationale Studie:

Portrait amerikanischer Wertvorstellungen

Von Neuseeland ausgewiesener Sowjetbotschafter in New York aufgetaucht

Um Übcr/cndung von
ßckgcHcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�21

26. Mai 1982

PRÄSIDENT REAGAN SETZT SICH FÜR JUGENDAUSTAUSCH EIN
USICA-Direktor zum Beauftragten für Austauschprogramme ernannt

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat sich nachdrücklich für
eine Verstärkung des Jugendaustausches zwischen den Vereinigten Staaten und
anderen Ländern der Welt eingesetzt.

In einer Ansprache vor leitenden Vertre-

tern der Wirtschaft, der Regierung» privater Stiftungen und mit dem Jugendaustausch befaßter Organisationen hob Reagan am 24. Mai 1982 hervor, "daß
einer der besten Wege, um richtigere Vorstellungen von anderen Ländern und
unserem eigenen Lande zu entwickeln,darin besteht, daß mehr Amerikaner eine
Zeitlang in einer Familie oder einer Gemeinde in einem anderen Lande leben."
Der Direktor des Amtes für Internationale Kommunikation (USICA), Charles
Z. Wick, der vom Präsidenten als sein persönlicher Beauftragter für die Austauschprogramme vorgestellt wurde, wies darauf hin, daß das Besucherprogramm
für Studenten den Vereinigten "Staaten helfe, "den widrigen Winden der politischen Feindseligkeiten" in der Welt zu begegnen. Wick teilte mit, daß allein 32 amtierende Staats- und Regierungschefs und 392 Parlamentarier aus
92 Ländern an Besucherprogrammen teilgenommen haben, die von der amerikanischen
Regierung unterstützt wurden.
Präsident Reagan

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Präsident Reagan führte in seiner Ansprache unter anderem aus:
Hinter den Schlagzeilen des Tages... steht eine weniger sensationelle
Dimension der Außenpolitik.

Es ist das Geflecht der menschlichen Beziehun-

gen zwischen unserem Lande und anderen Ländern in der ganzen Welt.

Dieses

Geflecht ist mehr als nur die Beziehungen von Regierung zu Regierung, Tourismus oder Handel. Es besteht auch aus den Erfahrungen junger Menschen, die
in anderen Ländern in Familien gelebt und dort Schulen oder Universitäten
besucht haben.
Ich bin überzeugt, daß einer der besten Wege, um richtigere Vorstellungen von anderen Ländern und unserem eigenen Lande zu entwickeln, darin
besteht, daß mehr Amerikaner eine Zeitlang in einer Familie oder Gemeinde
in einem anderen Land leben. Und wir können nicht hoffen, daß andere Völker unser Land schätzen, wenn nicht mehr ihrer kommenden Führer die gleiche
Chance gehabt haben, die Wärme der amerikanischen Familie, die Lebendigkeit
einer amerikanischen Gemeinde und die Vielfalt unseres Bildungssystems zu
erleben.
In uns allen schwelt ein Funke, der, wenn er im richtigen Alter angefacht wird, unser ganzes Leben erleuchten, unsere Ideale erheben, unsere Toleranz vertiefen und unseren Wissensdurst bezüglich der übrigen Welt verschärfen kann. Bildungs- und Kulturaustausch, vor allem unter unseren jungen Menschen, bieten eine perfekte Chance, diesen kostbaren Funken anzufachen,
uns einfühlsamer und klüger zu machen und uns in unserem ganzen Beruf zu Weltbürgern werden zu lassen.
Vor 21. Jahren erklärte Präsident Eisenhower, der Vater des People-toPeople-Programms (Volk-zu-Volk-Programms), daß der Anfangspunkt aller Zusammenarbeit zwischen Einzelpersonen,zwischen Gruppen, innerhalb einer Gesellschaft oder zwischen Völkern das echte menschliche Verständnis sei. Wir haben diesen lebenswichtigen Bestandteil des Friedens nie dringender gebraucht
als in der heutigen Zeit.
Seit dem
- 2 -

*

�Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten viele ausgezeichnete Programme für Studenten und Schüler, Wissenschaftler, Jugendliche oder landwirtschaftliche und Gewerkschaftsgruppen entwickelt.

Sie

hängen von der Mitarbeit Tausender amerikanischer Familien und Hunderten
von Schulen, Universitäten und Freiwilligenorganisationen ab. Viele von
diesen sind heute hier vertreten.

Und doch ist die Zahl der durch unsere

Regierung geförderten jungen Menschen noch relativ klein, vor allem verglichen mit geförderten Programmen der Sowjetunion und selbst unserer Verbündeten, der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich.
Anfang nächsten Monats werde ich nach Versailles gehen, um mit unseren sechs Hauptverbündeten zusammenzutreffen. Bei den jungen Menschen in
ihren Ländern und in unsrem Lande werden die Werte, die wir gemeinsam haben,
vielleicht weniger geschätzt als vor 20 oder 30 Jahren. Die Nachfolgegeneration hat unsere bemerkenswerte Zusammenarbeit nach dem Kriege nicht erfahren,
und sie ist weniger vertraut mit den Idealen, die Amerika damals motiviert
haben und uns heute noch motivieren.
Ich bin der Überzeugung, daß wir heute eine große Chance haben, durch erweiterte Austauschprogramme für unsere Jugendlichen aus allen Schichten unserer Gesellschaft neue Bindungen zu schaffen.

Wenn wir damit Erfolg haben

wollen, wenn wir menschliche Brücken über die Meere hinweg und in die Zukunft
hinein als eine Investition in den Frieden bauen wollen, dann werden wir mehr
private Unterstützung und Mitarbeit brauchen als jemals zuvor.
Darum habe ich Sie, meine Damen und Herren, heute hierher eingeladen,
um mit mir zusammen eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Regierung
und Privatsektor, zwischen gemeinnützigen und nicht gemeinnützigen Organisationen, zwischen Familien in unserem ganzen Lande und jenen im Ausland
zu schaffen - für einen erregenden Austausch unserer jungen Menschen.
Auf der Basis eines erweiterten amerikanischen Programms möchte ich mit
unseren Verbündeten in Versailles darüber sprechen, daß all unsere Länder

- 3 -

�unsere Länder mehr Nachdruck auf diese Programme legen...
Ich möchte einen Präsidialausschuß ins Leben rufen, um mich zu beraten,
und Charles Wick, der mein persönlicher Beauftragter in dieser Angelegenheit ist, zu helfen - zu helfen, ein stärkeres privates Engagement im ganzen Lande anzuregen. Ich hoffe, daß die heutige Zusammenkunft ein neues
Kapitel in unseren Bemühungen aufschlagen wird, die breitestmögliche Grundlage für den Frieden zu schaffen.
Ich sehe dem Bericht von Charles Wick über die Konferenz und die anschließende Arbeit mit großem Interesse entgegen. Sie alle haben meine
nachhaltige Unterstützung und meine besten Wünsche für dieses neue Unterfangen.

+ + + + +

�Doku

olion

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Mai 1982

21

CLARK: UMFASSENDE SICHERHEITSÜBERLEGUNGEN DER USA
• Rede des Sicherheitsberaters des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der Sicherheitsberater Präsident Reagans, William
P. Clark, hat am 21. Mai 1982 in einer Rede vor dem Zentrum für Strategische
und Internationale Studien an der Georgetown-Universität in Washington auf
die umfassenden Sicherheitsüberlegungen der Vereinigten Staaten hingewiesen.
Neben der Stärkung der konventionellen und einer Modernisierung der strategischen Streitkräfte komme es vor allem auch auf eine Unterstützung der Freunde und Verbündeten Amerikas an, so sagte Clark.
Die Rede des amerikanischen Sicherheitsberaters hat folgenden Wortlaut:
Das Tempo in Fragen der nationalen Sicherheit war kaum je rascher als
in den letzten anderthalb Jahren.

Die Veröffentlichung unserer Vorschläge

für eine Verringerung der strategischen Streitkräfte, die Falkland-Krise
und die kommenden Gipfeltreffen in Versailles und Bonn sind nur die jüngsten
einer Reihe von geplanten und nicht geplanten Ereignisse, die die Aufmerksam-

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�die Aufmerksamkeit der mit Fragen der nationalen Sicherheit Betreuten erfordern.
Wir haben die Rückgabe des Sinai an Ägypten und die planmäßigen Starts
und Landungen der Raumfähre Enterprise erlebt.
Wir haben mit Trauer die brutale Ermordung von Anwar Sadat, die Entführung von General Dozier in Europa, Krieg im Mittleren Osten und Guerillaaufstände in der Karibik erlebt.
Wir haben in Genf Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme
(INF) begonnen, an den Gipfeltreffen von Ottawa und Cancun teilgenommen und
in Washington viele Staats- und Regierungschefs begrüßt.
Wir haben das Funktionieren der Demokratie in El Salvador und Jamaika
beobachtet und Tyrannei in Afghanistan und Polen erlebt.
Es ist eine komplexe, interdependente Welt, in der wir leben, in der
die Chancen oft als Herausforderungen verkleidet sind.

Das Tempo wird sicher-

lich nicht nachlassen, und in diesen sich überstürzenden Ereignissen sieht
man oft vor lauter Bäumenden Wald nicht mehr, der sich zu bewegen scheint
wie Birnam Wood in Macbeth.
Aus diesen Gründen hat der Präsident Anfang Februar dieses Jahres eine
Oberprüfung unserer nationalen Sicherheitsstrategie angeordnet.

Damals be-

stand unsere Strategie in einer Kollektion der Politiken der Ministerien, die
während des ersten Amtsjahres dieser Administration entwickelt wurden.

Der

Präsident verlangte eine Oberprüfung der Ergebnisse dieses ersten Jahres, um
zu sehen, wo wir standen, um sicherzugehen, daß diese verschiedenen Politiken
miteinander übereinstimmten, und um den Kurs für die Zukunft abzustecken.
Vor allem wollten wir sichergehen, daß alle Erörterungen mit den führenden Kongreßvertretern über eine Kürzung des Verteidigungshaushalts und alle
Gespräche mit der Führung der Sowjetunion über Rüstungsverminderungen auf
- 2 -

�Rüstungsverminderungen auf einer wohldurchdachten, integrierten Strategie
der Erhaltung der nationalen Sicherheit beruhten.
Das Engagement des Präsidenten'in dieser Überprüfung ist ein gutes
Beispiel dafür, wie er sich selbst in Fragen der nationalen Sicherheit einsetzt.

Die Erfahrungen Präsident Reagans liegen - als früherer Gouverneur

eines Bundesstaates - eindeutig eher bei der Wirtschafts- und Innenpolitik.
Aber ein lebenlanges Interesse an der und Sorgen um die Debatte über Fragen
der nationalen Sicherheit haben dezidierte Vorstellungen geschaffen, die
Ronald Reagan dem amerikanischen Volke darlegte und die dieses vor anderthalb Jahren für richtig befand.
Die Umsetzung dieser Vorstellungen in Politik ist eine der Hauptanstrengungen des Präsidenten in diesem Jahr gewesen. Er betrachtet die nationale
Sicherheit als seine zwingendste Verantwortung und behandelt sie dementsprechend.
In diesem Jahr widmete der Präsident etwa ein Drittel seiner Arbeitszeit der nationalen Sicherheit - mehr als für irgendeine andere Aufgabe.
Er hat bereits 32 Erlasse auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit unterzeichnet - allein in diesem Jahr 19 - ein Arbeitstempo, das sich gegenüber
seinen Vorgängern sehen lassen kann.

Es haben während der Amtszeit dieser Ad-

ministration 57 Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrates stattgefunden - fast
eine wöchentlich.

Der Präsident hat bei allen den Vorsitz geführt.

Nur

wenige Präsidenten - und keiner in Friedenszeiten - haben unseren Sicherheitsproblemen so viel Aufmerksamkeit geschenkt.
Bei dieser besonderen Überprüfung der Sicherheit hat der Präsident eine
außerordentlich aktive Rolle gespielt.

Er hat nacheinander alle neun inter-

ministeriellen Entwürfe geprüft und begutachtet, die erarbeitet wurden.

Gele-

gentlich verwies er die Entwürfe an die zuständigen Ausschüsse zurück, und
manchmal schärfte er unsere etwas vagen Formulierungen ganz persönlich.

Der

Stab des Nationalen Sicherheitsrates hat diese Bemühungen als fairer Vermittler von Ideen unterstützt.

Die 1982 entwickelte Verteidigungspolitik von
- 3 -

�Verteidigungspolitik von Minister Weinberger bot eine ausgezeichnete Grundlage für die militärische Seite dieser Überprüfung.

Die leitenden Beamten

im Verteidigungsministerium", Außenministerium, dem Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) sowie iranderen interessierten Behörden stellten sich
total in den Dienst der Sache.

Der Gemeinsame Sicherheitsausschuß traf sich

zwölf mal, um die verschiedener Teile der Überprüfung zu erörtern. Aber als
das abgeschlossen war, waren Überprüfung und Entscheidungen Sache des Präsidenten.
•

Nun, da die Arbeit abgeschlossen ist, sind wir zu einer Reihe von Schlußfolgerungen gekommen.
Erstens, Ziel und Zweck unserer Strategien muß die Erhaltung unserer
Institutionen der Freiheit und der Demokratie, der Schutz unserer Bürger,
die Förderung ihres wirtschaftlichen Wohlergehens und die Förderung einer
internationalen Ordnung sein, die diese Institutionen und Prinzipien begünstigt.
Zweitens, wir sind überzeugt, daß die Politiken unseres ersten Amtsjahres innerlich miteinander übereingestimmt haben und die Grundlage für eine
Strategie bilden, die die Sicherheit der Vereinigten Staaten gewährleistet.
Drittens, eine erfolgreiche Strategie muß diplomatische, politische,
wirtschaftliche und medienpolitische Komponenten haben, die auf der Grundlage
mi1itärischer Stärke ruhen.
Viertens, unsere Strategie muß in die Zukunft gerichtet und aktiv sein.
Wie müssen Hoffnung bieten. Wie der Präsident im vorigen Jahr in Notre Dame
sagte: "Kollektivismus und die Unterordnung des einzelnen unter den Staat
werden heute in der ganzen Welt als eine bizarre und üble Episode der Geschichte betrachtet, deren letzte Seiten gerade heute noch geschrieben werden."
Wir haben etwas Besseres zu bieten: Freiheit. Um das Amerika zu gewährleisten, das wir alle wünschen, und die globale Stabilität und Prosperität,
die wir alle anstreben, können wir uns nicht einfach zurücklehnen und hoffen,
- 4 -

�und hoffen, daß irgend etwas geschehen wird.
wir tun.

Wir sind überzeugt von dem, was

Das erfordert Initiative, Geduld und Ausdauer. Wir müssen bereit

sein, mit Nachdruck auf die Chancen zu reagieren, so wie sie sich bieten, und
Chancen zu schaffen, wo es vorher keine gegeben hat. Und wir müssen in unseren Anstrengungen ausdauernd sein.
Fünftens, wir müssen eine Koalitionsstrategie verfolgen. Wir müssen
uns mit unseren Freunden und Verbündeten enger zusammenschließen. Es gibt
keinen anderen Weg. Wir müssen eine noch engere Bindung mit regionalen Verbündeten und Freunden" erreichen.
Der NATO-Gipfel im nächsten Monat ist ein typisches Beispiel. Es mag
eine lautstarke Minderheit geben, die die Grundvoraussetzungen des Atlantischen Bündnisses in Frage stellt. Das ist nicht das erstemal und wird
auch nicht das letztemal sein. Aber wenn Präsident Reagan und die anderen
Staats- und Regierungschefs der NATO inr kommenden Monat in Bonn zusammenkommen, dann dürfte es eine nachhaltige Bekräftigung der Einigkeit, Lebenskraft
und Entschlossenheit des Bündnisses geben. Eine starke, einige NATO bleibt
für den Schutz der westlichen Interessen unerläßlich. Bei den Differenzen
unter NATO-Staaten geht es um die Gestaltung des Bündnisses, nicht um seine
Existenz. In Bonn werden wir eine grundsätzliche Obereinstimmung über die
Notwendigkeit der Stärkung der Abschreckungsposition erleben. Wir werden eine
ausgewogene Einstellung zur Rüstungskontrolle sehen. Die NATO bleibt der gemeinsamen Aufgabe der Erhaltung der Demokratie verschrieben.
Sechstens, die wirtschaftliche Komponente unserer Strategie ist von besonderer Bedeutung. Wir müssen ein gut funktionierendes internationales Wirtschaftssystem mit möglichst geringen Verzerrungen im Handel und vereinbarten
Regeln für die Beilegung von Meinungsverschiedenheiten fordern.
Die Gipfeltreffen in Ottawa und Cancun spielten eine positive Rolle
in der Suche nach einer kooperativen Strategie für ein weltweites Wirtschaftswachstum.

Die Initiative für das Karibische Becken ist ein weiterer Beitrag,

der eine konstruktive" langfristige Zusage an Länder unserer Hemisphäre bietet.
- 5 -

�Hemisphäre bietet.

Das Gipfeltreffen in Versailles im kommenden Monat wird

ein weiterer Schritt sein.
des Realismus.

Wir rechnen in Versailles mit einer Atmosphäre

Wir hoffen, daß es zu neuem Denken beflügeln wird, wenn alte

Konzepte brüchig werden.
Wir müssen auch unseren Hauptgegner, die Sowjetunion, zwingen, die Last
seiner wirtschaftlichen" Mängel selbst zu tragen.
Siebtens, die Aufrechterhaltung des'Friedens erfordert ein starkes,
flexibles und einsatzbereites" Militär.

Der Neuaufbau der Verteidigung un-

serer Nation ist heute eine dringende Aufgabe.
Aus naheliegenden Gründen kann ich den Teil meines Überblicks, der die
Verteidigung anbelangt, nicht in all den Einzelheiten besprechen, wie Sie
es sich vielleicht wünschen.

Aber ich werde versuchen, auf einige der Haupt-

gesichtspunkte einzugehen, und dabei auch, soweit mir dies möglich ist, recht
speziell sein.
Unsere Interessen sind"globaler Natur, und sie geraten mit denjenigen
der Sowjetunion in Konflikt - einem Staat, der weltweit eine Politik verfolgt,
die der unseren feindlich gegenübersteht. Die Sowjetunion unterhält ein Militär, das so schwerbewaffnet ist,'Wie"es dies in der Geschichte noch nicht
gegeben hat, und sie verfügt über eine Kapazität, die es ihr ermöglicht, ihre
militärische Macht weit jenseits ihrer eigenen Grenzen darzustellen. Rund um
dia Welt haben wir lebenswichtige Interessen, einschließlich der Seeverbindungen. Es ist eine harte Tatsache, daß die militärische Macht der Sowjetunion nunmehr in der Lage ist, diese lebenswichtigen Interessen zu bedrohen.
Zudem ergänzt sie ihre unmittelbaren militärischen Kapazitäten durch Stellvertreter, durch umfangreiche Waffenverkäufe und Kredite hierfür, durch Manipulation terroristischer und subversiver Organisationen sowie durch Unterstützung von Aufständen und separatistischen Bewegungen, indem Waffen, Beratung, militärische Ausbildung und politische Unterstützung gewährt werden.
Unsere eigenen

�Unsere eigenen Streitkräfte und die unserer Verbündeten müssen unsere
gemeinsamen Interessen in einem: zunehmend turbulenteren Umfeld schützen.
Wir müssen bereit sein, vor einem Angriff abzuschrecken und einen solchen Angriff zurückzuschlagen, sollte die Abschreckung versagen.
In dieser Hinsicht erhält die Modernisierung unserer strategischen Kernwaffen oberste Priorität bei unseren Anstrengungen, die militärischen Kapazitäten der Vereinigten Staaten wiederherzustellen. Die nukleare Abschreckung
kann nur dann erreicht werden, wenn unsere Haltung bei den strategischen Kernwaffen die Sowjets zu der Beurteilung bringt, daß die Risiken eines Krieges
in jedwedem Fall zu groß sind, als daß es einen Anreiz zur Einleitung eines
Angriffs geben könnte.
Die Entscheidungen hinsichtlich unserer strategischen Kernwaffen, vom
Präsidenten im vergangenen Herbst angekündigt, bleiben die Grundlage unserer
Politik.
Oberste Priorität sollte dabei den Uberlebensfähigen strategischen Kommunikationssystemen gegeben werden.
Außerdem planen wir, die bemannten Bomberverbände zu modernisieren, die
Treffgenauigkeit und die Nutzlast unserer von U-Booten abgeschossenen ballistischen Raketen zu erhöhen, die seegestützten Marschflugkörper hinzuzufügen,
die strategische Verteidigung zu verbessern und eine neue landgestützte
ballistische Rakete zu dislozieren, die größer und auch zielgenauer ist.
Die letztere Entscheidung wurde vom Präsidenten erneut am vergangenen
Montag bekräftigt.

Seiner Ansicht nach ist die Produktion einer modernen

Interkontinentalrakete (ICBM) und deren frühestmögliche Einbindung in
die operativen Streitkräfte absolut wesentlich.
Der Präsident hat dem Verteidigungsministerium einige Leitlinien hinsichtlich der Prioritäten gegeben, die er bei den verschiedenen Stationierungs- 7 -

�verschiedenen Stationierungs- und Verteidigungsschemata zugrundegelegt
wissen möchte; im wesentlichen aber hat er das Ministerium um dessen Vorschläge hinsichtlich einer permanenten Stationierungsmöglichkeit bis zum
Frühherbst ersucht, damit er dem Wunsch des Kongresses entsprechen kann,
noch vor Jahresende solle die Administration eine Position bezogen haben.
Gleichzeitig hat der Präsident klargestellt, daß er bis zur Auswahl,
Finanzierung und Bauerlaubnis einer überlebensfähigeren Stationierungsart
wünscht, die Option der Dislozierung einer begrenzten Anzahl von MX-Raketen
in MINUTEMAN-Silos als integralen Bestandteil des MX-Programms zu behalten.
Die Option der Stationierung in Silos stellt einen Schutz gegen unvorhergesehene technische Entwicklungen und Programmänderungen dar.

Sie ist

ein deutlicher Anreiz für die Sowjets, über Waffenverminderungen zu verhandeln, wobei die MX sogar in den Silos an Überlebensfähigkeit gewinnen, da
die drei Bereiche der strategischen Triade modernisiert werden.
Das MX-Programm ist zu bedeutsam, als daß man zulassen könnte, daß die
Risiken des technischen Umfelds oder der Rüstungskontrolldebatten die Einführung der Rakete in die Streitkräfte verzögern könnten.
Während ein Versagen bei der Stärkung unserer nuklearen Abschreckung
katastrophal sein könnte, macht auch die jüngste Geschichte deutlich, daß die
konventionelle Abschreckung jetzt-ebenfalls wichtiger denn je ist. Die derzeitigen Dislozierungen in Übersee werden beibehalten, um die Kapazität für
eine rechtzeitige und bewegliche Antwort auf Krisenfälle zu haben und um unsere Entschlossenheit zu demonstrieren, unseren Verpflichtungen gerecht zu
werden.
Land-, See- und Luftstreitkräfte werden auch weiterhin in Europa, im
westlichen Pazifik, in Südwestasien und auch andernorts stationiert bleiben,
wie es die Lage erfordert. In dieser Hemisphäre werden die Seestreitkräfte
im Nordatlantik, im Karibischen Becken, im Mittelmeer, im westlichen Pazifik
und im Indischen Ozean präsent bleiben. Vornedislozierte Streitkräfte werden
- 8 -

�Streitkräfte werden aufgestellt, um eine rasche Reaktion zu erleichtern.

In

Abständen werden, je nach Notwendigkeit, Kräfte aus den Vereinigten Staaten
in Übersee disloziert.
Unsere strategische Reserve der in den Vereinigten Staaten stationierten
Streitkräfte - sowohl aktive als auch Reservekomponenten - wird einsatzbereit
gehalten und in regelmäßigen Abständen zu Manövern herangezogen, wobei die
Manöver "Bright Star" im Nahen Osten im vergangenen Jahr sowie "Ocean Venture
82" in der Karibik im vergangenen Monat eine wertvolle Erfahrung für unsere
Streitkräfte waren. Sie demonstrierten zudem eine multinationale Kapazität
der verschiedenen Streitkräfteeinheiten, um unsere Interessen und die unserer
Freunde in der ganzen Welt zu verteidigen. Die Notwendigkeit, rasch weltweit
Verstärkung einzusetzen, bedeutet, daß Verbesserungen bei unserer strategischen
Mobilität und bei unserer Reservestruktur von größter Bedeutung sind.
Obgleich die Sowjetunion die offenkundigste Bedrohung unserer lebenswichtigen Interessen auf weltweitem Gebiet darstellt, so können diese unsere Interessen doch auch durch Aktionen anderer Staaten und Gruppen gefährdet werden.
In Krisenfällen,an denen die Sowjetunion nicht beteiligt ist, hoffen wir, uns
auf uns freundlich gesonnenen Regional Staaten zur Stellung militärischer
Streitkräfte verlassen zu können.
Sollte die Bedrohung jedoch die Kapazitäten der Regional Staaten übersteigen, so müssen wir innerhalb des Rahmens unseres verfassungsmäßigen Prozesses
bereit sein, amerikanische Streitkräfte zur Hilfe unserer Verbündeten einzusetzen.

Dies bedeutet nicht, daß wir uns in Bereiche vordrängen, wo wir we-

der erwünscht noch notwendig sind.

Es bedeutet jedoch, daß wir nicht im vor-

hinein eine Option aufgeben können, die wir möglicherweise benötigen, um unsere lebenswichtigen Interessen zu schützen.

Dies zu tun, würde bedeuten,

zur Aggression einzuladen, die Glaubwürdigkeit unserer Verpflichtung unseren
Freunden gegenüber zu untergraben und unsere globalen Zielsetzungen einem
Risiko auszusetzen.
Dies unterstreicht

�Dies unterstreicht die Bedeutung der Sicherheitshilfe.

Mit diesem

Ausdruck bezeichnen wir Verkäufe militärischer Güter ans Ausland, Hilfe durch
Zuwendungen, internationale Militärausbildung und -training, wirtschaftliche
Unterstützungsgelder und Operationen zur Friedenssicherung.

Wenn wir unseren

Verbündeten und Freunden nicht beistehen, ihre legitimen Verteidigungserfordernisse zu verwirklichen, so sinkt ihre Fähigkeit, sich einem Konflikt zu
stellen, und der Druck auf eine letztendliche Verwicklung der Vereinigten
Staaten nimmt zu.

Allerdings leistet heute die Sicherheitshilfe nicht die

Arbeit, die sie leisten sollte.
Die Mittel sind unzureichend und oft genug ihrer Natur nach falsch.
In den fünfziger Jahren lag das Budget für Sicherheitshilfe bei zwischen 5
bis 10 Prozent des Verteidigungshaushalts.
Prozent.

Heute sind es etwa eineinhalb

Wenn es auch nicht nötig ist, zu dem Umfang der Nachkriegszeit zu-

rückzukehren, durch den Westeuropa wiederbewaffnet und gesichert wurde, so
könnte doch ein stetiges Wachstum der Sicherheitshilfe unsere

kostenwirk-

samste Investition sein.
Die alljährlichen Haushaltszyklen beeinträchtigen eine langfristige
Planung.

Sowohl die an unserem Programm der Sicherheitshilfe beteiligten

Länder als auch die für die Beschaffung Zuständigen im Verteidigungsministerium müssen vorausplanen.

Entsprechende Zeiträume bei der Beschaffung be-

•

einflussen die Qualität des Gesamtprogramms.

Schließlich vermindern legisla-

tive Beschränkungen die Fähigkeit unserer Regierung zur angemessenen Reaktion
auf Bedingungen im Krisenfall.
Ein wirksames Programm der Sicherheitshilfe ist ein entscheidendes
Element dabei, wie wir unsere Sicherheitszielsetzungen im Ausland erfüllen.
Dadurch ist es eine echte Ergänzung unserer eigenen Streitkräftestruktur.
Sicherheitshilfe kann dazu beitragen, vor einem Konflikt abzuschrecken, und
sie kann die Fähigkeit unserer Freunde und Verbündeten erhöhen, sich selbst
ohne den Einsatz amerikanischer Streitkräfte zu verteidigen.

Wirkungsvolle

Programme können ein Maß der Kompatibilität zwischen den amerikanischen Streitkräften und den Empfängerländern schaffen, das, falls notwendig, eine Zusammen- 10 -

�I

eine Zusammenarbeit auch im Krisenfall ermöglicht.

Die Sicherheitshilfe

bietet nicht nur einen kostenwirksamen Weg zur Vermehrung unserer Sicherheit
im weltweiten Rahmen, sondern stärkt auch insgesamt unsere Volkswirtschaft
und unsere Verteidigungsproduktionsbasis insbesondere.

Kurz:

Etwas Hilfe

bringt eine Menge Sicherheit.
Aus diesen Gründen planen wir eine besondere Anstrengung zur Verbesserung
der Wirksamkeit und Reaktionsfähigkeit dieser vitalen Komponente unserer nationalen Sicherheitsstrategie. Wir werden nach Wegen zur Verminderung der
Anlaufzeiten suchen. Wir werden einen scharfen Blick auf die bestehende Gesetzgebung und künftige Mittelerfordernisse werfen. Programme bedürfen der
Vorhersagbarkeit: Dies zielt auf ausgiebigeren Einsatz der Mehrjahresverpflichtungen und auf eine größere Aktivierung des Sonderfonds für Verteidigungsbeschaffungen. Zusammengefaßt: die Sicherheitshilfe bedarf der Verbesserung, und wir planen, sie zu verbessern.
Niemand sollte das Hauptziel der amerikanischen Globalstrategie mißverstehen:

Dieses Ziel heißt Frieden. Wir haben einen zu großen Teil unserer

nationalen Ressourcen und Emotionen in den vergangenen 40 Jahren für die Beseitigung der Not, des Hungers, des Leidens und der Verzweiflung in der ganzen Welt eingebracht, um etwas anderes als den Frieden in allen Ecken dieses
Planeten zu wollen.

Diejenigen, die die Vereinigten Staaten wegen angeblicher

Kriegstreiberei verleumden, können in dieser Hisnicht kaum ihr eigenes schlechtes Gewissen verbergen.

Insbesondere hat die Liste der Sowjetunion, was be-

waffnete Unterdrückung von Volksbewegungen seit 1945 angeht, kaum ihresgleichen
unter den modernen Staaten.
Deshalb sind wir zur Erhaltung des Friedens in Freiheit - zögernd zwar gezwungen, sorgfältig für die Möglichkeit zu planen, daß unsere Gegner sich
als nicht gewillt erweisen sollten, Frieden zu halten.
Wenn wir uns einer Strategie für unsere Streitkräfte zuwenden, so treten
wir in die Welt der Annahmen, der Szenarien, der hypothetischen Projektionen
ein.

Unsere Strategie beinhaltet den Einsatz der Streitkräfte zur raschen Er- 11 -

�raschen Erreichung spezifischer politischer Zielsetzungen unter Bedingungen,
die für die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten vorteilhaft sind.
Wir brauchen eine bessere, detailliertere Strategie, um die richtige
Ausrüstung zu kaufen, die entsprechenden Streitkräfte aufzubauen und um genaue Pläne auszuarbeiten.

Diese Strategie muß Flexibilität ermöglichen,

aber zugleich ein Vorausplanen erlauben.
Um dieses Problem zu lösen, haben wir uns mit Strategie als einem Planungskontinuum beschäftigt.

An dem einen Ende des Spektrums betont unsere

Methode die Integration von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe, Training von
ausländischem Militärpersonal und ergänzender Unterstützungskapazität.
An dem anderen Ende des Konfliktspektrums stellen unsere strategischen
Leitlinien die globalen militärischen Kapazitäten der Sowjetunion und das
Wechselverhältnis der strategischen Gefechtsfelder in Rechnung.

Wir stellen

fest, daß trotz unserer Anstrengungen zur Friedenswahrung ein jeder Konflikt
mit der Sowjetunion sich zu globalen Dimensionen ausweiten könnte.
globales Planen eine Notwendigkeit.

Daher ist

Dies bedeutet nicht, daß wir die Kapazität

haben müßten, uns den sowjetischen Streitkräften gleichzeitig und erfolgreich
an allen Fronten zu stellen.

Das können wir nicht.

Was es bedeutet, ist,

daß wir ausgewogene Streitkräfteverhältnisse schaffen und Prioritäten für aufeinanderfolgende Operationen setzen müssen, um sicherzustellen, daß unsere
militärische Kraft auf wirksamste Weise zum Einsatz gelangt.
Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten, den Umfang eines jeglichen Konflikts zu begrenzen.

Die Fähigkeit zur Gegenoffensive an anderen

Fronten ist ein wesentliches Element unserer Strategie, aber sie ist kein Ersatz für angemessene militärische Kapazität zur Verteidigung unserer vitalen
Interessen in dem Bereich, in dem sie bedroht werden.

Andererseits könnte

die Entscheidung zur Ausweitung eines Konflikts durchaus nicht von uns abhängen.

Daher müssen die amerikanischen Streitkräfte in der Lage sein, in einem

Konflikt frühzeitig auf einen umfassenden Angriff mit eindeutig globalen
Implikationen zu reagieren.
Der Präsident
- 12 -

�Der Präsident hat Prioritäten hinsichtlich der Art festgelegt, in der
unsere Streitkräfte im Kampffall eingesetzt würden, hinsichtlich der geographischen Gegebenheiten und hinsichtlich der Streitkräfteentwicklung - womit beginnen wir?
Wir haben versucht, die Risiken zu analysieren, vor denen wir stehen.
Wir können uns nicht auf alle gleichzeitig vorbereiten - einmal, weil Dinge
ihre Zeit brauchen, und zum andern, weil der militärische Vorteil der Sowjetunion sich aus einem Jahrzehnt der Investitionen herleitet.

Es steht nicht

genug Geld zur Verfügung, um die Risiken über Nacht zu beseitigen.
Was wir versucht haben, ist eine Analyse der Risiken, eine Erstellung
der Rangordnungen und die Entwicklung von Plänen, wie wir uns verhalten
sollen, wenn es zum Schlimmsten kommt.
Andererseits hoffen wir auf das Beste, und wir wollen diese Hoffnung
auch anderen bieten - unseren Verbündeten, unseren Freunden, der Dritten Welt
und insbesondere den Bürgern der Sowjetunion.
Es ist unsere tiefste Hoffnung, daß wir mit einer aktiven und zugleich
klugen nationalen Sicherheitspolitik eines Tages die Führung der Sowjetunion
dazu bringen könnten, ihre Aufmerksamkeit nach innen zu wenden, die Legitimation zu suchen, die nur vom Einverständnis der Regierten herrührt, und sich
auf diese Weise der Hoffnungen und der Träume ihres eigenen Volkes anzunehmen.

- 13 -

�21

26. Mai 1982

DER SINN DER ABSCHRECKUNG
Ansprache des Ständigen Vertreters der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett,
am 24. Mai 1982 auf einer gemeinsamen Veranstaltung der
Deutschen Atlantischen Gesellschaft
und des Amerika Hauses in Hannover -

- (AD) - Ich freue mich außerordentlich, daß ich eingeladen wurde, heute
vor einem so hervorragenden Publikum zu sprechen.

In zwei Wochen werden die

Staats- und Regierungschefs des Atlantischen Bündnisses in Bonn zum ersten
NATO-Gipfel seit vier Jahren zusammentreffen. Wir werden alte und neue Gesichter sehen, und es werden alte und neue Probleme behandelt werden. Die
Welt ist bedauerlicherweise nicht zu einem sichereren Ort geworden seit 1978,
als die führenden Persönlichkeiten des Bündnisses in Washington zusammenkamen,
Die Tagesordnung, die die Staats- und Regierungschefs am 10. Juni in Bonn behandeln werden, läßt erkennen, daß die Lage im Jahr 1982 gefährlicher geworden ist.
Eines der Themen in Bonn - und ein Thema, über das in jüngster Zeit in
der Öffentlichkeit heftig diskutiert wurde - ist das Problem der Abschreckung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�der Abschreckung vor einem Krieg und des Schutzes des Friedens angesichts
der heutigen Herausforderungen.
mit diesem Thema beschäftigt.

Es

ist gut, daß sich die Öffentlichkeit

In einer Demokratie kann sich der Bürger nur

durch die Kenntnis der derzeitigen Weltlage, des Kräfteverhältnisses und
der strategischen Erfordernisse ein vernünftigem Urteil bilden. Und der Bürger hat das Recht, von der politischen Führung eine ständige, offene und
ernsthafte Prüfung der Frage der Sicherheit zu erwarten, die schließlich die
Grundlage für alle anderen Aspekte unseres Lebens bildet.

Ohne grundlegende

nationale Sicherheit kann kein anderer Bereich des nationalen Lebens wachsen
und gedeihen.

Eine Nation ohne Sicherheit ist eine Nation ohne Stabilität

- eine Nation ohne eine Zukunft unter eigener Kontrolle.
Die notwendige Diskussion von -Sicherheitsfragen in der Öffentlichkeit
kann nur produktiv sein, wenn die Fragen genau definiert und objektiv angesprochen werden.

Eine Debatte, die sich nur auf einen oder einige wenige

Aspekte des Problems konzentriert und alle anderen Aspekte außer acht läßt,
wird nicht zur Einsicht der Öffentlichkeit führen und ebenso wenig wird das
einer Diskussion gelingen, bei der es um Schlagworte und Emotionen statt um
Fakten geht - wie wir das heute bei der sogenannten Friedensbewegung erleben.

Die Abschreckungsstrategie der NATO
Es wird oft gesagt, daß die NATO ein Verteidigungsbündnis ist, und das
stimmt selbstverständlich. Die NATO häuft keine überflüssigen Waffen für Angriffskriege an; sie marschiert nicht in Nachbarländer ein - wie die Sowjetunion das in Afghanistan getan hat, und benutzt nicht die Androhung von Waffengewalt für politische Zwecke - wie die Sowjetunion dies beispielsweise tut,
indem sie Militärmanöver an der polnischen Grenze abhält. Die NATO würde
ihre Streitkräfte nur zur Selbstverteidigung als Antwort auf einen Angriff
einsetzen. Der Nordatlantikvertrag verweist nachdrücklich auf Artikel 51
der Charta der Vereinten Nationen, der die Selbstverteidigung gestattet.
Der Zweck

�f

Der Zweck des Zusammenschlusses im Bündnis bestand jedoch nicht lediglich darin, für den Fall eines Krieges eine stärkere Verteidigung zu sichern,
sondern in erster Linie den Ausbruch eines Krieges zu verhindern.
ist also im Grunde ein Abschreckungsbündnis.

Die NATO

Indem sie eine mächtige ver-

einte Front bildete, hat die NATO wirksam vor einer Aggression gegen irgendeines ihrer Mitglieder abgeschreckt, weil sie keinen Zweifel daran ließ, daß
ein Aggressor es mit der ganzen kollektiven Streitmacht des Bündnisses aufnehmen muß und sich nicht ein Land nach dem anderen herauspicken kann.
Niemand, der mit der europäischen Geschichte, mit Geopolitik oder mit
der Koalitionstheorie vertraut war, hätte den außerordentlichen Erfolg der
Abschreckungstheorie der NATO in der Erhaltung des Friedens über mehr als
drei Jahrzehnte hinweg voraussagen können.
Ein Kontinent, der fast ständig Kriege erlebte, die in dem barbarischen
Blutbad zweier Weltkriege in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts gipfelten, wurde zu einem der friedlichsten und stabilsten Gebiete der Erde.
Westeuropa, dem relativ engen und strategisch schwierigen, vom Meer umgebenen Anhängsel der eurasischen Landmasse - überschattet von der massiven
Größe und Stärke des neuen sowjetischen Imperiums - ist es dennoch gelungen,
sich militärischer Sicherheit, politischer Freiheit und beispiellosen sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts zu erfreuen.
Die Verbindung zwischen Europa und Nordamerika, zunächst als Vereinbarung in Kriec/szeiten gegen Hitler und Mussolini gedacht, hat wiederholt
Krisen und Streitigkeiten überlebt und hat sich zum dauerhaftesten Bündnis
souveräner Staaten in Friedenszeiten in der Geschichte entwickelt.
Das Grundziel der Abschreckungspolitik der NATO hat sich seit 1949 nicht
geändert.

Es sind jedoch starke Änderungen in der Zusammensetzung der Streit-

kräfte und der militärischen Doktrin eingetreten, um den Veränderungen der
Bedrohung des Bündnisses gerecht zu werden.

Als das Bündnis gegründet wurde,

hatten beispielsweise die Vereinigten Staaten eine überwältigende Führungs- 3 -

�überwältigende Führungsstellung bei Atomwaffen und Trä'gersystemen inne.

Die

Androhung einer atomaren Vergeltung wurde deshalb als eine wirksame Abschrekkung für sich selbst angesehen. Später, als die Sowjets ihre Atomwaffen und
Trägersysteme entwickelten, erkannte die NATO, daß eine glaubwürdige Abschrekkung nicht einzig und allein auf die Androhung atomarer Vergeltung gegründet
werden könne.

Es war jetzt vielmehr eine Fähigkeit notwendig, auf einer Viel-

falt von Ebenen antworten zu können, um die Sowjets vor die Ungewißheit zu
stellen, wie der Westen genau antworten würde - aber vor die Gewißheit, daß
die NATO auf eine Weise antworten könnte und würde, die die Sowjets viel, mehr
kosten würde als sie hoffen könnten, aus einer Aggression zu gewinnen.

Diese

Strategie hängt von der Verbindung der konventionellen, taktisch nuklearen
und strategisch nuklearen Streitkräfte der NATO untereinander ab.

Sie erfor-

dert als wesentlichsten Punkt die unlösbare Verkuppelung der Vereinigten Staaten und Europas, damit die Sowjetunion nie die Hoffnung hegen könnte, einen
Angriff gegen Europa allein richten zu können.

Die Kritik an der NATO-Strategie
Die NATO-Strategie der flexiblen Antwort, ist aus verschiedenen Richtungen
angegriffen worden.

Keiner dieser Angriffe hat jedoch je eine ernsthafte Alter-

native geboten, die die Sicherheit und die Freiheit des Westens bewahren würde.
Die Strategie wurde einmal von Leuten angegriffen, die die oberflächliche
Glätte und Automatik der Doktrin der massiven Vergeltung der fünfziger Jahre
vorzogen - und heute noch angeblich vorziehen -, nämlich die Doktrin: "Wenn
Du diese Linie überschreitest, wird Du in Flammen aufgehen". Diese Kritiker
argumentierten, daß es als ein Zeichen der Schwäche angesehen würde, wenn man
konventionelle oder Mittelstrecken-Optionen überhaupt nur in Erwägung zöge.
Es liegt jedoch heute für die meisten Beobachter auf der Hand, daß eine solche
vereinfachte Drohung nicht glaubwürdig ist. Die Abschreckung hängt vielmehr
von einer ununterbrochenen Kette von Kapazitäten ab, bei der die Stärke und
Wirksamkeit eines jeden Gliedes die ganze Kette stärkt und ihr Glaubwürdigkeit
verleiht. Die Vereinigten Staaten spielen auf allen drei Ebenen ihre Rolle
- 4 -

�ihre Rolle - mit über 300 000 Soldaten in Europa; mit dem Fortschreiten der
Arbeiten für die Modernisierung der nuklearen Zwischenstreckensysteme und
die Rüstungskontrolle sowie mit den Anstrengungen, die Oberlebensfähigkeit
und Wirksamkeit unserer strategischen Vergeltungsstreitkräfte zu gewährleisten.
Alle anderen Mitglieder des Bündnisses haben ebenfalls ihre Rolle zu spielen.
Eine zweite Art von Kritik der NATO-Strategie konzentrierte sich auf die
physischen und moralischen Folgerungen des Einsatzes von Kernwaffen.

Diese

Kritiker stellen zu Recht fest, daß die Gewalt der Kernwaffen ungeheuer ist
und ihr Einsatz zu massiven Verlusten führen kann. Das Argument springt dann
von dieser unbestrittenen Tatsache zu der völlig unlogischen Schlußfolgerung,
daß eine Abschreckungsstrategie, zu deren Repertoire diese Waffen gehören, unmoralisch und unannehmbar sei. Dieses Argument läuft praktisch auf die Beschuldigung hinaus, daß unsere führenden Politiker gerne einen Atomkrieg hätten,
was natürlich einfach nicht stimmt.
muß verhütet werden.

Niemand will den nuklearen Konflikt.

Wie Präsident Reagan sagte:

Er

"Frieden ist nicht das

Nichtvorhandensein von Konflikt, sondern die Fähigkeit, einen Konflikt mit friedlichen Mitteln beizulegen".

Die Frage ist, ob es, wenn wir uns der Kernwaffen

entledigen, dazu beitragen würde, einen gewaltsamen Konflikt zu verhindern,
oder ob es ihn wahrscheinlicher machen würde.

Angesichts des großen Überge-

wichts der konventionellen Streitkräfte zugunsten der Sowjetunion und angesichts des Potentials der Sowjetunion auf der nuklearen Seite ist es offenkundig, daß Kernwaffen im Westen notwendig sind, um eine wesentliche, stabilisierende Rolle zu spielen.

Ein Abbau der nuklearen Rolle könnte nur durch

starke Erhöhungen der konventionellen Rüstung erreicht werden.
Eine dritte Art der Kritik, wie sie kürzlich von einigen ehemaligen amerikanischen RegierungsVertretern vorgebracht wurde, arbeitet mit einem auf
den ersten Blick hintergründigeren Argument.

Statt auf Kernwaffen überhaupt

zu verzichten, wollen diese Kritiker einfach auf die Option der NATO verzichten, sie gegen einen sowjetischen Angriff einzusetzen, wenn die Sowjets nicht
selbst als Erste Kernwaffen eingesetzt haben. Nach dieser Auffassung sollte
sich die NATO ausschließlich auf ihre konventionellen Streitkräfte verlassen,
um vor einem konventionellen sowjetischen Angriff abzuschrecken und, wenn
- 5 -

�und, wenn notwendig, ihn niederzuschlagen, und sie sollte bereit sein, die
notwendigen zusätzlichen Mittel aufzubringen, um ihre konventionellen Streitkräfte so weit aufzubauen, daß sie dazu in der Lage sind.
Wie jedoch die meisten Leute erkannt haben, würde eine solche Politik
eine offene Einladung zu einer sowjetischen Aggression bedeuten. Sie würde
auf der einen Seite einen massiven Ausbau der konventionellen Streitkräfte
erfordern, der wahrscheinlich mehr kosten würde als unsere politischen
Systeme heute oder in absehbarer Zukunft aufzubringen bereit wären.

Sollte

die NATO dann nicht die konventionellen Streitkräfteziele erreichen, dann würde das die Glaubwürdigkeit des Vorschlags

selbst nach seinen eigenen Maßstä-

ben untergraben. Auf der anderen Seite - und einmal ganz abgesehen von der
konventionellen Belastung - würde der Verzicht auf eine mögliche nukleare
Option die Wahl der Strategie den Sowjets überlassen.

Es würde ihnen erlauben,

die Risiken einzuengen, die sie bei jeder Art von Aktion eingehen würden sei es eine ausgewachsene Invasion oder ein Schritt zur Erreichung eines begrenzten Zieles, wie etwa die'türkischen Meerengen oder Berlin.

Und durch

eine Senkung der Risiken konnte eine solche Politik eine Entscheidung der
Sowjets zu militärischem Handeln begünstigen. Sie würde die Schwelle

des

militärischen Handelns senken. Wie wir in Afghanistan erlebt haben, hat die
sowjetische Bereitschaft, militärisch einzugreifen, wenn die Risiken gering
zu sein scheinen, in den letzten Jahren zugenommen.

Die NATO darf sich keine

sie selbst einschränkende Politik zulegen, die diese sowjetische Tendenz
weiter stärken würde.
Alle Kritiker der Abschreckungsstrategie der NATO sind letztlich an dem
fundamentalen Erfordernis jeder ernsthaften geistigen Anstrengung gescheitert: Sie haben keine wirksame und glaubwürdige Alternative geboten. Ein
hoher moralischer Anspruch und Ernsthaftigkeit der Motive reichen allein nicht
als Grundlage für eine Sicherheitsstrategie aus. Und ebenso wenig können das
vereinfachte Formeln, die mehr die Öffentlichkeit ansprechen als^die militärische Realität reflektieren. Eine Strategie kann nur auf d ^ Basis einer
ernsthaften und ständig auf dem neuesten Stand gehaltenen Prüfung der Lage
erstellt werden. Die Erbauer der Maginot-Linie mußten diese schmerzliche
- 6 -

�diese schmerzliche Erfahrung machen.

Und so ging es den jungen Männern in

England, die in den dreißiger Jahren beschlossen, nie mehr für Gott und das
Vaterland zu kämpfen - nur um sich ein Jahr später im Krieg zu befinden,
auf ihn völlig unvorbereitet.

Im Atomzeitalter können wir uns solche Irr-

tümer und Illusionen nicht mehr erlauben.
Trotz geistiger und praktischer Unzulänglichkeiten ist die öffentliche
Kritik an Doktrin und Position der NATO leider oft in oberflächliche Rezepte für die Rüstungskontrolle umgesetzt worden, die, wenn sie tatsächlich
verwirklicht würden, außerordentlich gefährlich wären.

So gibt es beispiels-

weise Leute, die behaupten, daß sie sich um die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung nicht kümmerten oder dagegen seien; trotzdem aber sind sie
bereit, den wiederholten sowjetischen Vorschlag für ein Moratorium der Dislozierung neuer nuklearer Mittel Streckensysteme anzunehmen - wobei sie schlicht
die Tatsache außer acht lassen, daß dies den Westen ohne dislozierte amerikanische Systeme beließe, während die Sowjets bereits runde 600 Systeme mit
über 1200 Gefechtsköpfen - einschließlich 900 Gefechtsköpfen auf den mobilen
SS-20-Raketen mit Mehrfachgefechts köpfen - disloziert haben.

Eine so leicht-

fertige Einstellung zur Wirklichkeit untergräbt die Aussichten für die Rüstungskontrolle, da die Sowjets keinerlei Anreiz hätten, über eine Begrenzung oder
einen Abbau ihrer Systeme zu verhandeln.

Und was am wichtigsten ist, es

schwächt ernsthaft die Abschreckung vor einem Krieg, weil es eine stabile
ausgewogene Lösung unmöglich macht.
Wir dürfen nicht vergessen:

Es war nur auf der Basis der durch die

NATO-Strategie erzielten Sicherheit und Stabilität möglich, daß der Westen
in der Schlußakte von Helsinki östliche Zugeständnisse hinsichtlich der Prinzipien der Nichteinmischung, der Souveränität und des Verzichts der Anwendung
oder Androhung von Gewalt erreichte.

Helsinki stellte sowohl eine Anerken-

nung der durch die NATO erzielten Stabilität, als auch ein hoffnungsvolles
Programm für die Zukunft dar.

Leider hat die Sowjetunion später die meisten

dieser Prinzipien verletzt - am deutlichsten in der Polen-Krise.
Es sollte

�Es sollte uns eigentlich" nicht überraschen, daß die Sowjetunion keine
Achtung vor den Prinzipien der internationalen Stabilität und der friedlichen
Zusammenarbeit an den Tag legt und daß sie ihre'Propagandaangriffe gegen genau die Elemente der westlichen Abschreckung richtet - unserer politische
Einigkeit, unsere konventionelle Verteidigung und die strategische Verbindung Europas und Nordamerikas -, die es überhaupt erst erlaubt haben, diese
Prinzipien aufzustellen.

Unsere Aufgabe im Westen besteht darin, diese Prin-

zipien lebendig zu erhalten; und weiterhin den Zusammenhalt und die Stärke des
Westens grundsätzlich aufrechtzuerhalten, da sie die einzige Grundlage sind,
auf der diese Prinzipien letztlich geschützt und erweitert werden können.

Die gegenwärtige Anstrengung der NATO
i

Vor drei Wochen wurde eine umfassende Studie über die Streitkräfte der

NATO und des Warschauer Paktes veröffentlicht.

Es ist das erste Mal, daß die

NATO einen so detaillierten Vergleich herausgegeben hat.

Das Dokument, das

ich jedem von Ihnen empfehlen möchte, der es noch nicht gelesen hat, is, glaube ich, in allen Sprachen des Bündnisses, einschließlich natürlich Deutsch,
erschienen.

Es vergleicht auf objektive Weise die Mannschaftsstärke, die

Kampfeinheiten, die Ausrüstung der Landstreitkräfte, die Flugzeuge, die Flotten und die nuklearen Trägersysteme beider Bündnisse.

Die Lehren, die wir

aus diesem Dokument ziehen können, sind ernüchternd.

Jeder hat schon immer

vage Vorstellungen gehabt, daß die Sowjetunion in Europa über größere Streitkräfte verfügt als die NATO.

Aber wieviele Leute wissen, daß das Verhältnis

an konventionellem Großgerät sich während der letzten zehn Jahre, also während der Periode eben der Entspannungf

und Rüstungskontroll Verhandlungen we-

sentlich verschlechtert hat, daß das Verhältnis an Panzern des Warschauer Paktes
und an Panzern der NATO sich von 3 : 1

sich auf 4 : 1 zu Ungunsten der NATO

verschoben hat oder daß sich das Verhältnis bei der Artillerie von 2 : 1
auf 3 : 1 verschoben hat.

Diese Zahlen sind entmutigend.

Aber die NATO hat

gezeigt, daß sie über die Mittel und den politischen Willen verfügt, das Erforderliche zu tun, um ein Gleichgewicht der Abschreckung aufrechtzuerhalten.
Auf der nuklearen Seite wird der NATO-Doppelbeschluß vom Dezember 1979 ein wich- 8 -

�ein wichtiges Element des militärischen und politischen Vorteils der Sowjets
beseitigen, indem er entweder zum Abbau der vorhandenen sowjetischen SS-20-,
SS-4- und SS-5-Raketen durch Verhandlungen über eine Null-Option führt - was
wir ganz sicher vorziehen würden - oder zur Dislozierung eines militärischen
Gegengewichts.
Indem er den gegenwärtigen Vorteil der Sowjets beseitigt, den Moskau
während der letzten Jahre trotz seines angeblichen Interesses am Abbau der
Spannungen in verschärftem Tempo'ausgebaut hat, wird der Doppelbeschluß gewährleisten, daß die europäische Sicherheit festmit den strategischen Streitkräften der Vereinigten Staaten verbunden bleibt. Die Sicherheit Amerikas und
die Sicherheit Europas werden weiterhin eine gemeinsame Sache sein. Ohne
ihren derzeitigen Vorteil kann die Sowjetunion nicht in Versuchung geraten,
das Maß der amerikanisch-europäischen strategischen Einigkeit fajlsch zu beurteilen; kann sie nicht von der falschen Vorstellung ausgehen, daß ein Krieg
auf Europa begrenzt werden könnte und kann daher keinen Krieg unter der falschen Voraussetzung beginnen, daß die Risiken der Sowjetunion begrenzt seien.
Und wenn Moskau diese Fähigkeit nicht mehr hat, dann wird es auch die Fähigkeit verlieren, in einer Krise politischen Druck auf Europa auszuüben, indem
es eben einen solchen" begrenzten Krieg androht.

Es kann nicht überraschen, daß die Sowjetunion so nachhaltig gegen den
Doppelbeschluß gekämpft hat, der ein wichtiges Element der strategischen und
politischen Hebelwirkung der Sowjets beseitigt.

Unsere Aufgabe im Westen be-

steht darin, bei der Verwirklichung beider Teile des Beschlusses standhaft zu
bleiben.

Das ist die einzige Chance, die Sowjets dazu zu bringen, in Genf

ernsthaft zu verhandlen. Bisher Jiaben die Sowjets auf einer Position beharrt,
die es ihnen erlauben würde, alle Ihre derzeitigen SS-20-Raketen westlich des
Ural zu behalten ohne ihnen irgendwelche Begrenzungen für den Rest ihres Territoriums aufzuerlegen, während es keine vergleichbaren amerikanischen Systeme
geben dürfte. Heute liegt ganz Westeuropa unter der Bedrohung der sowjetischen
Nuklearraketen.

Nur wenn die Sowjetunion überzeugt ist, daß der Westen es

ernst meint, wird sie einen Anreiz zu Verhandlungen haben und wird nicht
weiterhin ihre öffentliche Propaganda einsetzen, um ihre strategischen und
- 9 -

�strategischen und politischen Vorteile zu schützen.
Auch die konventionelle Seite des Standes der Streitkräfte bedarf unserer dringenden Aufmerksamkeit.

Dabei handelt'es sich traditionell um

ein noch schwierigeres Gebiet als das der Nuklearstreitkräfte, weil es hier
um viel Geld und viel Menschen geht - beides in demokratischen Gesellschaften schwer aufzubringen.

Die derzeitige wirtschaftliche Rezession hat das

Problem noch verschärft.

Aber wenn unsere Strategie wirklich flexibel blei-

ben soll, dann müssen wir mehr tun, um mit den Sowjets Schritt zu halten,
die seit Jahren ihre Verteidigungsausgaben um real vier Prozent jährlich gesteigert haben.

Das Problem für den Westen besteht nicht nur darin, mehr

zu tun, obwohl dies natürlich eindeutig notwendig ist. Das Problem besteht
darin, unsere Anstrengungen effektiver zu machen.

Das wird eine enge Zu-

sammenarbeit zwischen militärischen Planern, der Industrie und den politischen Entscheidungsgremien der Länder erfordern.

Es handelt sich um eine

Herausforderung, der wir begegnen können, wenn wir unsere überwältigenden
wirtschaftlichen und technologischen Vorteile in bester Weise nützen.

Globale Zurückhaltung und Aufgaben
Die Abschreckung vor einem Krieg in Europa, so schwierig dies auch sein
mag, ist eine Aufgabe, die wir seit nunmehr über einer Generation erfolgreich
gelöst haben. Wir kennen diese Aufgabe gut. Die Abschreckung vor einem Krieg
in der übrigen Welt ist weit schwieriger, aber diese Aufgabe wird wahrscheinlich unsere Fähigkeiten in diesem Jahrzehnt auf die Probe stellen. Und das
hängt direkt mit unserer Sicherheit zusammen. Die Ausweitung des Konzepts
der Abschreckung, von dem vertrauten Gebiet Europas auf das wenig bekannte
Gebiet des Persischen Golfs - von dem die Industriestaaten Europas mit rund
70 Prozent ihres Erdöls abhängen - oder auf andere potentielle Krisenzonen
erfordert ein überdenken traditioneller Formen und eine Neugestaltung militärischer Pläne. Es berührt jedes Land des Bündnisses. Die globale Struktur
der Nachkriegsperiode, von der wir alle wegen des außeordentlichen Wachstums
des Handels abhängig waren - und dies gilt besonders für die Bundesrepublik
- 10 -

�die Bundesrepublik Deutschland - ist eine zerbrechliche Sache.

Sie ist durch

militärische Aktionen, Subversion und Guerillakrieg verwundbar; sie ist verwundbar gegenüber wirtschaftlichen Problemen, und sie ist verwundbar durch politische Veränderung.

Wir können die Existenz einer günstigen, reibungslos

funktionierenden Weltordnung nicht einfach als etwas Selbstverständliches voraussetzen, so wie wir das Fortdauern der Abschreckung in Europa nicht als
selbstverständlich voraussetzen können.

Und wir können im Zeitalter der Ra-

keten und Flugzeuge nicht mehr sagen, daß Ereignisse in anderen Regionen weit
weg sind, wie die Menschen in den dreißiger Jahren sagten, daß die Ereignisse
in der Mandschurei, in Äthiopien oder in der Tschechoslowakei weit weg waren.
Da es keine klar entwickelten Bündnisstrukturen, wie etwa die NATO, gibt, die
auf seit langem bestehenden politischen Konsens und militärischer Bereitschaft
beruhen, ist die Aufgabe der Abschreckung vor einem Konflikt in der Dritten
Welt weit schwieriger als in Europa.
da es an der Vorbereitung mangelt.

Die Risiken des Kampfes sind auch höher,
Und so war es in der Tat die Dritte Welt,

die die meiste Gewalttätigkeit erlebt hat - angefangen von Afghanistan über
Kampuchea bis nach El Salvador.

Die Aufrechterhaltung von Stabilität und die

Ausweitung der Abschreckung auf andere Regionen wird alle Anstrengungen der
Länder des Bündnisses erfordern:

Wir müssen die Wirtschafts- und Militärhilfe

an Freunde ausweiten, wir müssen, soweit notwendig, Macht zeigen und wir müssen die Verteidigung der NATO dort stärken, wo sie sonst durch die Notwendigkeit geschäwcht wäre, Ressourcen abzuziehen, um mit globalen Problemen fertigzuwerden.

Das ist eine stattliche Aufgabe, aber Erfolge hierbei sind wichtig,

wenn die Struktur der globalen Sicherheit, von der unsere Länder abhängen, aufrechterhalten werden soll.

Zusammenfassung
Im Atomzeitalter ist die Abschreckung nicht einfach eine Strategie unter
vielen, aus denen man nach Belieben aussuchen könnte.
listische Strategie.

Es ist die einzige rea-

Ein Konflikt in Europa wäre verheerend, und wir müssen

ihn weiterhin verhüten.

Der einzige Weg zu diesem Ziel ist der, den die NATO

seit drei Jahrzehnten eingeschlagen hat: Aufrechterhaltung einer einigen
- 11 -

�einer einigen politischen Front, gestützt durch die militärische Macht, die
notwendig ist, um die Sowjetunion abzuschrecken. Das ist ein anspruchsvoller
Kurs, aber es ist ein Kurs, den wir auch in Zukunft erfolgreich beibehalten
können. Ich bin „sicher, daß die Völker des Westens über den Einfallsreichtum,
die Mittel und die Entschlossenheit verfügen, um die Abschreckung in Zukunft
so wirksam aufrechtzuerhalten wie in der Vergangenheit. Und auf dieser gesunden Grundlage werden sie die Sicherheit, Stabilität und Freiheit erhalten,
die für die friedliche Verwirklichung demokratischer Werte wesentlich sind.

+ + + + +

- 12 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

26. Mai 1982

REDE DES AFL-CIO-PRÄSIDENTEN AUF DEM DGB-KONGRESS IN BERLIN

BERLIN - (AD) - Der Präsident des größten amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO, Lane Kirkland, hat in einer Rede als Gast auf dem Kongreß
des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin am 18. Mai 1982 darauf hingewiesen, daß die Unterstützung des Atlantischen Bündnisses durch freie Gewerkschafter nicht nachlassen dürfe, sondern verstärkt werden müsse.
Die Rede Kirklands hat in deutscher Übersetzung folgenden Wortlaut:
Lieber Kollege Vetter, verehrte Gäste, Funktionäre und Delegierte,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich überbringe diesem Kongreß des DGB die Grüße und besten Wünsche der
arbeitenden Männer und Frauen der Vereinigten Staaten. Damit will ich unterstreichen, welche große Bedeutung wir in der AFL-CIO unseren Beziehungen zu
den deutschen Gewerkschaften sowohl im Bereich unserer bilateralen Kontakte
als auch bei unserer gemeinsamen Arbeit in der internationalen freien Gewerkschaftsbewegung beimessen.
Ich bin in einer kleinen Stadt in Südkarolina zur Welt gekommen, wo im
Unabhängigkeitskrieg eine große Schlacht, die Schlacht von Camden, geschlagen

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�Camden, geschlagen wurde.
Auf dem Schlachtfeld befand sich auch eine Einheit, die von einem deutschen Soldaten angeführt wurde, den Amerika unter dem Namen Baron de Kalb
kennt, und der sich als Freiwilliger in den Dienst für die Sache der amerikanischen Revolution gestellt hatte. An diesem blutigen Tag hat seine kleine
Truppe, als die meisten unserer Streitkräfte in Panik schon die Flucht ergriffen hatten, unerschütterlich bis zum Ende standgehalten; er gab für unsere Sache sein Leben.
An jenem Ort steht heute ein Denkmal zur Erinnerung an den Baron de
Kalb, in das folgende Worte eingegraben sind:

"Von Geburt Deutscher. Von

Wesen ein Bürger der Welt."
Etliche der Begründer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind aus
Deutschland gekommen. Diese Tradition hat sich in verschiedenen Berufszweigen und Gegenden bis heute erhalten.
Die Neubelebung unserer brüderlichen Verbindungen nach dem Zweiten Weltkrieg half über die Maßen zum Aufbau Eures Landes, aber auch zu dem eines
starken, freien und demokratischen Westeuropa. Was wir gemeinsam im Namen
von Freiheit und Demokratie erreicht haben, darf nicht ins Wanken geraten
oder der Verlockung eines Rückzugs des einen oder anderen aus unserem langen,
gemeinsamen Kampf gegen jene Kräfte erliegen, die sich gegen den Geist der
Menschlichkeit formiert haben.
Die engen und herzlichen Beziehungen zwischen AFL-CIO und DGB, Beziehungen, die sich in den letzten Jahren entwickelt haben und gewachsen sind,
waren ein entscheidender Faktor für die Rückkehr der AFL-CIO in den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften. Meinen besonderen Dank möchte ich
Eurem Vorsitzenden, meinem guten Freund Heinz Oskar Vetter, sagen für die
Rolle, die er bei diesem Prozeß gespielt hat, wie auch für die vielen anderen Leistungen, die er für unsere gemeinsamen Ziele erbracht hat.

Ich hoffe

und ich rechne auch voll damit, daß wir diese Zusammenarbeit fortsetzen,
- 2 -

�Zusammenarbeit fortsetzen, damit die der Förderung von Frieden, Fortschritt
und Freiheit in aller Welt dienende Arbeit verstärkt wird.
Für einen amerikanischen Gewerkschafter

meiner Generation ist diese

Reise nach Berlin, zu meinem ersten DGB-Kongreß, ein bewegendes Erlebnis.
Es ist ermutigend, diesen großen Gewerkschaftsbund in Aktion zu sehen, diese Organisation, die sich wie ein Phpnix aus der Asche erhoben hatte, zu der
sie von den Schrecken der Nazi-Brutalität reduziert worden war - dieses lebendige Zeugnis für den bleibenden Einfluß freien Gew.erkschaftswesens auf
Herzen und Sinne der arbeitenden Männer und Frauen.
Hier, in dieser geteilten Stadt, enthüllt sich auch mit aller Schärfe
der große Konflikt unserer Tage, der Konflikt um menschliche Grundwerte,
der allen Fragen militärischer Verteidigung nicht nur zugrunde liegt, sondern sie bestimmend überschattet. Hier stoßen wir auf den deutlichsten Gegensatz zwischen einem Polizeistaat, der sich hinter einer Mauer der Schande
einsperrt, und einem freien Volk, das Gerechtigkeit durch Demokratie verfolgt.
Hier verläuft die Trennlinie

zwischen eingelösten Versprechen und solchen,

die gebrochen wurden.
Hierher kam vor 19 Jahren mein Vorgänger George Meany, zusammen mit Präsident John F. Kennedy; er war hier, als Kennedy feststellte, daß freie und
demokratische Gesellschaften, trotz all ihrer Schwierigkeiten, niemals eine
Mauer hätten bauen müssen, um ihre Bevölkerung festzuhalten, und als er die •'. ,
uns bindenden Werte mit den einfachen, lebendig gebliebenen Worten bekräftigte:
"Ich bin ein Berliner."
Diese Solidarität von Männern und Frauen wird in dieser Generation durch
das Entstehen und die brutale Unterdrückung der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc in Polen auf die Probe gestellt. Die in der Vereinbarung von Gdansk
1980 klar ausgesprochenen wichtigen Fragen und Werte, vom polnischen Staat
akzeptiert und auf Befehl seines sowjetischen Gebieters verraten, sind die
gleichen, die Berlin teilen.
Aber noch
- 3 -

�Aber noch müßte erst, trotz all ihrer Gestapo-Methoden und Macht, die
polnische Faschisten-Junta in den Reihen oder in der Führung der Solidarnosc
einen Quisling finden! Diese Bewegung repräsentiert weiterhin das wirkliche
Wollen des polnischon Volkes.
Können wir, die wir in relativer Behaglichkeit und Sicherheit die Segnungen der Freiheit genießen, weniger entschlossen sein und dennoch berechtigt unseren Anspruch erheben, im Namen der Freiheit zu sprechen?
Der Ruf nach Frieden und Abrüstung ist überall im Westen laut und deutlich zu vernehmen. Seine Nachdruck!ichkeit bringt unsere politischen Führer
in Bewegung. Aber jenseits der Mauer herrscht Schweigen, und die wachsende
Rüstungslast hungert die Menschen weiterhin aus und erstickt ihre Stimmen.
Hier liegt das Wesentliche des Problems des Friedens, das nicht durch
Selbstbezichtigung und Schuldzuweisungen innerhalb der kleinen Familie freieft
und demokratischer Nationen gelöst werden kann.
Beim Kampf zwischen Humanität und Tyrannei geht es wie beim Sprichwort?;
lichen Tanz mit dem Bären.
dy

Die Grundregel lautet: Nicht aufhören, auch wenn

müde wirst!

Aus diesem Grund darf auch unsere,von freien Gewerkschaftern dem Atlantisehen Bündnis gegebene Unterstützung nicht nachlassen, sondern muß verstärkt
werden. Kein kluger Mann baut sich für die häusliche Bequemlichkeit ein
schönes Haus und vergißt dann, dieses gegen Feuer und Diebstahl zu versichern.
Unsere Werte verdienen angesichts der Gefahr ganz gewiß eine starke Verteidigung.
Vor mehr als 200 Jahren ist von einem unserer revolutionären Führer,
Patrick Henry, jene aktuelle Frage gestellt und beantwortet worden:
"Ist das Leben so teuer und ist der Frieden denn so süß, daß sie zum

�sie zum Preis von Ketten und Sklaverei erkauft werden müssen?

Der Himmel

verhüte es!"
Ich wüßte nicht, daß sich seitdem in all den Jahren irgend etwas ereignet habe, das eine andere Antwort" als diese richtige erlaubt hätte.
Wir sind mit Euch auch davon überzeugt, daß Brot und Freiheit keine
alternativen Ziele, sondern ein Unteilbares sind.
In dieser Zeit wirtschaftlicher Rezession, wo die Arbeitslosenzahl in
den OECD-Ländern 30 Millionen und mehr erreicht, bedeutet diese Oberzeugung
eine dringliche Aufgabe und schwere Verantwortung. Wir haben im Gewerkschaftlichen Beratungs-Ausschuß bei der OECD in harmonischer Übereinstimmung mit
unseren Kollegen aus allen Industrie-Demokratien an der Entwicklung einer gemeinsamen Stellungnahme zu den uns alle quälenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen gearbeitet, wie Massenarbeitslosigkeit, Hochzins, die anhaltende
Energie-Krise, niedriges Wirtschaftswachstum und die den Armen und Benachteiligten mit grausamen, ungerechten einzelstaatlichen Politiken auferlegten
Härten.
Wir haben unsere konzertierte Meinung, unsere gemeinsame Besorgnis, den
gewählten Führern und den Gestaltern der Wirtschaftspolitik in unseren Ländern
so energisch wie möglich und auf allen uns offenstehenden Wegen klargemacht.
Wir werden damit fortfahren, wir werden mit unseren Argumenten in jene Stellen
unserer Länder vordringen, in denen abgestimmt und gewählt wird, bis wir uns
von den Besessenen des Monetarismus und der Mythologie des Marktes befreit
haben.
In Solidarität mit unseren Kollegen und Kolleginnen in den Entwicklungsländern haben wir uns auch an die Bewältigung der zwischen den reichen und
armen Nationen des Nordens und des Südens anhaltenden Kluft gemacht. Wir haben
dabei nicht, wie das bei so vielen geschieht, die noch viel breitere Kluft
zwischen den Reichen und den Armen in den Ländern des Südens ignoriert.

Wir

haben Mindestnormen für die Lebens- und Arbeitsbedingungen, mittels der Sozial-

�der Sozialklausel, und in den Handelsbeziehungen gefordert sowie die rückhaltlose Anwendung des lebenswichtigen Prinzips der Koalitionsfreiheit mittels
freier Gewerkschaften als bewährtem Weg des Fortschritts in der Aufwärtsentwicklung der Menschheit in aller Welt.fm Geist uneingeschränkter Solidarität
versichere ich Euch der starken Unterstützung seitens AFL-CIO beim gemeinsamen Vorgehen, den Herausforderungen der kommenden Jahre gerecht zu werden.
Vielen Dank. Viel Glück für Euch alle!

+ + + + +

- 6 -

�Ulirl/chofl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

26. Mai 1982

EINE FREIERE WELTWIRTSCHAFT: ZIEL DER USA BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -

WASHINGTON - (AD) - Beim Treffen der führenden Staatsmänner der sieben
wichtigsten Industrieländer in Versailles im Juni wird wahrscheinlich jeder
der Teilnehmer eine etwas unterschiedliche Auffassung von dem einbringen,
was der interessanteste Teil der Tagesordnung sein sollte.
RegierungsVertretern in Washington zufolge möchte Präsident Reagan seine
Gesprächspartner davon überzeugen, das Gipfeltreffen vom 5.-6. Juni in Versailles
als eine Gelegenheit zu ergreifen, sich auf einige der grundlegenden Aspekte der
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Industriestaaten - und zur übrigen Welt zu konzentrieren. Der Versailler Gipfel sollte den Kurs abstecken, um mit diesen
Aspekten des Weltwirtschaftssystems noch in diesem Jahrzehnt fertigzuwerden.
Genauer gesagt: Die Vereinigten Staaten erhoffen eine anhaltende Anstrengung
zur Aufrechterhaltung des offenen Welthandelssystems und die Ausdehnung des
Grundsatzes einer offenen Weltwirtschaft auf neue Bereiche. Amerikanische Regierungsvertreter haben bereits öffentlich von dem Wunsch nach Ausweitung der
GATT-Regelungen gesprochen, um Bereiche wie Dienstleistungen, Handel mit

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�Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, Handel mit hochtechnologischen
Gütern und Investitionen einzubeziehen. Es bestehe zudem auch das Bedürfnis,
Möglichkeiten zu diskutieren, wie die in ihrer Industrialisierung begriffenen
Staaten in das offene Welthandelssystem einbezogen werden können, während ihnen
gleichzeitig der Zugang zu den expandierenden Märkten zugesichert wird, die sie
so dringend brauchen.
*

Ober eine stärkere Öffnung des Weltwirtschaftssystems zu sprechen, scheint
ein Schlag ins Gesicht der herrschenden Realitäten zu sein - in einer Zeit, da
die weltweite Rezession überall den protektionistischen Druck erhöht und die
Industriestaaten einander wegen so häßlicher Handelsprobleme wie Landwirtschaftssubventionen, Stahl und Maiskleber an die Gurgel zu gehen scheinen.
Trotzdem herrscht unter den führenden Politikern in den Vereinigten Staaten
das Gefühl vor, jetzt sei die Zeit für neue Verpflichtungen und neue Anstrengungen, die einen Rückfall verhindern und dem Welthandel neue Wege weisen
können. Dabei sind ihrer Meinung nach die Vereinigten Staaten auch in einer
besseren Position als die Europäer - mit ihren derzeitigen Zweifeln hinsichtlich des Wertes eines offenen Handelssystems - oder Japan, das selbst starken
verbalen Angriffen wegen einiger seiner eigenen Handelspraktiken ausgesetzt ist,
in einer solchen Kampagne die Führungsrolle zu übernehmen.
Zum Teil rührt die unterschiedliche Akzentuierung der Gipfel teil nehmer nicht •
von amerikanischer Unempfänglichkeit, sondern vom amerikanischen Optimismus her
- einem Optimismus, der in starkem Kontrast steht zu dem Pessimismus, der derzeit *
in vielen anderen Hauptstädten vorherrscht. Die Reagan-Administration ist überzeugt, daß sie zu einer dauerhaften Verringerung der Inflation und anhaltendem
nichtinflationären Wachstum gelangen kann. Dies aber, so amerikanische Regierungsvertreter, wäre das Beste, was die Vereinigten Staaten für die Volkswirtschaften
der anderen Länder tun könnten.
Es ist

- 2 -

�Es ist offenkundig, daß man wenig von einem Vorschlag in Versailles halten
würde, demzufolge die Vereinigten Staaten mehr Geld in ihre Volkswirtschaft
pumpen sollten, um die Zinsen herunterzubringen. Sowohl die Reagan-Administration
als auch der Federal Reserve Board bestehen darauf, daß eine konsequente Geldpolitik der Zentralbank nötig ist, um die antiinflationäre Anstrengung glaubwürdig und erfolgreich zu machen und zu einer dauerhaften Senkung der Inflationsraten zu gelangen.
Ist erst einmal die Öffentlichkeit davon überzeugt, daß das jüngste,
dramatische Absinken der Inflationsraten in den Vereinigten Staaten von Dauer
ist, dann werden sicherlich - so Wirtschaftsberater der Regierung - auch die
Zinsen fallen. Viele Beobachter führen die Aussicht auf große Haushaltsdefizite
in den kommenden Jahren als Grund dafür an, daß die amerikanischen Zinsen noch
nicht auf die Rezession und auf die verbesserten Inflationsraten reagiert haben.
Allerdings gehen der Präsident, die Republikaner und auch die Demokraten im
Kongreß nunmehr deutlich in die Richtung einer Reduzierung der Defizite. Die
einzige Frage, über die jetzt noch debattiert wird, ist, wie dies geschehen soll.
Ein Teil der Besorgnis im Ausland über die hohen amerikanischen Zinsen
bezieht sich auf Probleme der Wechselkurse. Ausländische Gelder werden durch
die hohen Zinserträge in die Vereinigten Staaten gelockt, halten den Dollar
stark und - so lautet das Argument - tragen zu der Schwäche anderer Währungen
auf den Devisenmärkten bei. Von hoher Stelle wird in einigen Ländern darüber
geklagt, daß man zur Verhinderung einer weiteren Abwertung der eigenen Währung
gezwungen gewesen sei, die eigenen Zinsen höher zu halten, als man dies
eigentlich möchte.
Einige Europäer haben - an einer kräftigeren Senkung der Zinsen in nächster
Zukunft zweifelnd - den Vorschlag gemacht, die Vereinigten Staaten sollten
stärker auf den Devisenmärkten intervenieren, um zu verhindern, daß der Dollar
zu stark aufgewertet wird.
In jüngster

- 3 -

�In jüngster Zeit haben Finanzminister Regan und andere Angehörige seines
Ministeriums öffentlich bezweifelt, ob die amerikanischen Zinsen wirklich die
Ursache der Schwäche mancher ausländischer Währung seien. Sie argumentieren
vielmehr, daß in manchen Fällen die Währungsschwäche mehr von der inflationären
Politik in dem jeweiligen Land und auch von anderen Ereignissen in Europa bestimmt wird. Sie bezweifeln zugleich, ob eine staatliche Intervention bei den
Devisenmärkten Wirkung dabei zeigen würde, den Wechselkurs einer Währung zu
heben, wenn fundamentale Marktkräfte in die entgegengesetzte Richtung wirken.
Finanzminister Regan sagte es in seiner Rede vom 10. Mai vor dem Ministertreffen der OECD in Paris deutlich: "Diejenigen mit einer inflationären Politik
müssen sich den Konsequenzen stellen, die diese politische Entscheidung für den
Wechselkurs und für die Zahlungsbilanz hat."
Da die Reagan-Administration bewußt die stärker interventionistisch
akzentuierte Politik der vorhergegangenen Administration aufgekündigt hat, ist
es höchst unwahrscheinlich, daß sie in Versailles dazu überredet werden könnte,
auf genau die gleiche Politik zurückzugreifen.
Trotzdem erklärte Finanzminister Regan am 9. Mai in Paris, daß "wir nicht
halsstarrig sind", was die Frage der Intervention auf den Devisenmärkten angehe.
Kurz vor der Eröffnung des OECD-Ministertreffens erklärte er vor Reportern,
daß er eine unparteiische Studie vorzuschlagen gedenke, die den Wert von Eingriffen in die Devisenmärkte untersuchen soll. "Wir würden gerne einen kleinen
Beweis dafür haben, ob die Intervention wirklich funktioniert. Wir wären durchaus bereit, zu intervenieren, wenn es funktionieren sollte." Regan machte jedoch
deutlich, daß er nicht über eine Art von Eingriff spreche, der versuchen würde,
die grundlegenden Tendenzen zu verändern.
Die amerikanische Haltung der letzten Jahre war generell die, daß eine
größere Stabilität der Wechselkurse nur dadurch erzielt werden kann, daß man
die fundamentalen Faktoren - insbesondere die Inflation - in den Griff bekommt,

�Griff bekommt, die eine Veränderung der Wechselkurse zur Folge haben - und
nicht dadurch, daß die Regierung in großem Umfang Devisen kauft oder verkauft.
Amerikanische Regierungsvertreter sind der Überzeugung, daß dieser Prozeß,
die grundlegenden Probleme in den Griff zu bekommen, durch intensivere Konsultation zwischen den Regierungen erleichtert würde - Konsultationen, bei denen
ein Blick auf die Solidität der Binnenwirtschaftspolitik eines Landes geworfen
wird und auch auf die begrenztere Frage nach seiner Politik der Intervention
auf den Devisenmärkten.
Schon in der Vergangenheit haben die Vereinigten Staaten Vorschläge in
diesem Rahmen unterbreitet. Die Zusätze zu dem Abkommen des Internationalen
Währungsfonds, die im Jahr 1976 vereinbart wurden, enthielten auch das Thema
Konsultationsverfahren; aber RegierungsVertreter in Washington sind der Ansicht,
es sei nicht wirkungsvoll genug. Sie hätten lieber einen Konsultativprozeß, der
"Zähne zeigt", bei dem ein Land, das eindeutig keine solide, antiinflationäre
Politik verfolgt, auch wirklich den Druck seiner Partner zu spüren bekommt, um
sein Handeln zu verbessern.
All diese Themen werden sicherlich ihren Teil Aufmerksamkeit erhalten,
wenn die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten
sich im Juni in Versailles treffen. Aber in Washington hofft man, daß die
Beschäftigung mit den drängenden, kurzfristigen Schwierigkeiten die Aufmerksamkeit nicht von längerfristigen und grundlegenderen Fragen ablenken wird, wie
diese Staaten in Zukunft bei Wirtschaftsfragen zueinander und zur übrigen Welt
stehen sollen.
+++++

- 5 -

�21

26. Mai 1982

INTERNATIONALE STUDIE: PORTRAIT AMERIKANISCHER WERTVORSTELLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Verglichen mit Westeuropäern und Japanern sind die
Amerikaner stolzer auf ihr Land und ihre Arbeit, eher bereit, für ihr Land
zu kämpfen, sowie im allgemeinen glücklicher und religiöser.
Dies geht aus einer internationalen Studie hervor, die das amerikanische Gallup-Institut sowie eine Reihe anderer privater Forschungsgruppen
in 16 Ländern durchgeführt haben. In Zukunft soll sich diese Studie auch
auf Australien, Neuseeland und eine Anzahl lateinamerikanischer Länder erstrecken.
Die Umfrage in den Vereinigten Staaten wurde von der unabhängigen
katholischen Forschungsinstitution CARA gefördert und zeitigte einige zum
Teil unerwartete Ergebnisse.
Rund 80 Prozent der befragten Amerikaner erklärten der Untersuchung
zufolge, daß sie stolz seien, Amerikaner zu sein - verglichen mit nur 38
Prozent der angesprochenen Europäer und 30 Prozent der Japaner, die Stolz

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�die Stolz auf ihre nationale Identität bekundeten. 71 Prozent der von der
Studie erfaßten Amerikaner brachten ihre Bereitschaft zum Ausdruck, für ihr
Land zu kämpfen, gegenüber 43 Prozent in Europa und 22 Prozent in Japan.
Insgesamt gesehen hat Amerika mehr Vertrauen zu seinen Institutionen
als Europa, ausgenommen den Rechtsvollzug. Größtes Vertrauen genießen die
Kirchen, das geringste die

Gewerkschaften, die Presse sowie die großen

Unternehmen. Weniger Vertrauen zu diesen Institutionen in ihren jeweiligen
Ländern bekundeten der Studie zufolge die Westeuropäer. Japan vertraut
mehr auf sein Rechtssystem als Amerika und Europa. 84 Prozent der Amerikaner
behaupteten, stolz auf ihre Arbeit zu sein, gegenüber 79 Prozent in Großbritannien, 37 Prozent in Japan und 15 Prozent in Deutschland.
Amerikaner und Iren, so geht aus der Studie weiter hervor, glauben mehr
an Gott als die Befragten aus den anderen Ländern: 95 Prozent der angesprochenen Bürger in den USA und in Irland antworteten positiv auf diese
Frage. 71 Prozent der Amerikaner glauben an ein Leben nach dem Tode, verglichen mit 43 Prozent in Europa und 40 Prozent in Japan.
Die Frage nach der Zufriedenheit mit ihrem Leben ergab, daß Dänen,
Schweden und Amerikaner am zufriedensten sind. Am unteren Ende der Skala
stehen die Italiener, Spanier und die Japaner.
Die Amerikaner halten sich im allgemeinen für glücklich; 32 Prozent
meinen sogar, sie seien "sehr glücklich", 60 Prozent behaupten "ziemlich
glücklich" zu sein. Die Iren und Briten liegen den Aussagen zufolge in der
Kategorie "sehr glücklich" noch etwas vor den Amerikanern; sehr niedrig
stufen sich hier die Japaner und die Bewohner der Bundesrepublik Deutschland
ein.
In jedem der erfaßten Länder wurden mindestens 1 200 ausgewählte Bürger
in einem etwa einstündigen Interview befragt. In den Vereinigten Staaten
wurden 2 000 Menschen interviewt, darunter zahlreiche Schwarze, Amerikaner
spanischer Abstammung und Jugendliche.
+++++
- 2 -

�Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

26. Mai 1982

VON NEUSEELAND AUSGEWIESENER SOWJETBOTSCHAFTER IN NEW YORK AUFGETAUCHT

NEW YORK - (AD) - Ein sowjetischer Diplomat, der von Neuseeland wegen
Beschaffung von Mitteln für die Kommunistische Partei dieses Staates des Landes
verwiesen worden war, tauchte kürzlich in New York auf, um anscheinend an einer
Sitzung des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen (ECOSOC) teilzunehmen. Allerdings wurde er auf keiner solchen Sitzung gesehen.
Der außenpolitische Redakteur der Hearst-Zeitungsgruppe, John Wallach,
berichtete, daß Vsevolod Sofinsky, bis zum Januar 1980 sowjetische Botschafter
in Neuseeland, Anfang April dieses Jahres in New York eingetroffen sei. Wallach
zufolge war Sofinsky Korrespondenten bekannt, die in Moskau gearbeitet haben, da
er zeitweilig die Presseabteilung des sowjetischen Außenministeriums geleitet
hatte.
In seiner Sitzungsperiode vom 13. April bis zum 7. Mai behandelte der
ECOSOC Probleme, die von der Präsenz ausländischer Truppen in Kampuchea über
die Menschenrechtslage in Polen, Guatemala und El Salvador bis hin zu Ereignissen
in dem von Israel besetzten West-Ufer des Jordan reichten. Diejenigen, die

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�Diejenigen, die Sofinsky kennen, erklären jedoch, daß er zu keiner Zeit bei
den Beratungen gesehen wurde.
Amerikanische Regierungsvertreter gaben keinen Kommentar zu Presseberichten,
denen zufolge sie sich Gedanken über den eigentlichen Zweck des Erscheinens von
Sofinsky in New York machten. Ein Sprecher des Außenministeriums wies darauf hin, ,
daß gemäß den Vereinbarungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Vereinten
Nationen die USA jedermann den Zugang zu New York gewähren müssen, der von der
Weltorganisation eingeladen worden ist.
Im Januar 1980 erklärte die neuseeländische Regierung den damaligen Botschafter Sofinsky zur persona non grata und forderte ihn auf, wegen seiner Einmischung
in die Innenpolitik des Landes Neuseeland sofort zu verlassen.
Die Zeitung "Auckland Star" berichtete in ihrer Ausgabe vom 25. Januar 1980,
daß der neuseeländische Geheimdienst im Rahmen einer routinemäßigen Überwachung
Sofinsky dabei ertappt habe, wie dieser größere Geldsummen an die Sozialistische
Einheitspartei (S.U.P.), Neuseelands kommunistischer Partei, übergab, die in
engem Kontakt zu Moskau steht.
Die S.U.P. hatte zwar bereits vorher zugegeben, daß sie Geld für Flugtickets
in die Sowjetunion erhalte, doch verlautete vom Büro des neuseeländischen Ministerpräsidenten,daß es um mehr Geld als nur die Kosten für Flugkarten gegangen
v
sei.
Ministerpräsident Robert Muldoon erklärte, daß die S.U.P. im Mittelpunkt der
industriellen Unruhe stehe, unter der Neuseeland in den letzten Jahren litt,
und fügte hinzu, die Aktivitäten von Botschafter Sofinsky hätten die Überzeugung
der Regierung bestätigt, daß die S.U.P. von Moskau aus gelenkt und finanziell
unterstützt wird.
In seinem

�\

In seinem Kommentar zu diesem Vorfall
seelands, Sofinskys Verhalten sei entweder
stamme der Arroganz des Botschafters: "Daß
solchen Zeit, da die Russen in Afghanistan
verstrickt hat, hat mich überrascht."
+++++

- 3 -

erklärte der Ministerpräsident Neuunglaublich plump gewesen oder entder Botschafter selbst sich zu einer
stehen, in eine solche Angelegenheit

�</text>
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                    <text>nrormotion
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20

19. Mai 1982

I N H A L T

INFORMATION
USA begrüßen Gesprä'chsbereitschaft Breschnews
- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -

DOKUMENTATION
Reagan unterstreicht Willen der USA zum Abbau der Kernwaffen
- Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten vom 13. Mai 1982
Die Wurzeln der deutsch-amerikanischen, Freundschaft
- Von Botschafter Arthur F. Burns -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kampelman betont Notwendigkeit einer starken US-Verteidigungsposition
Gelber Regen:

Erdrückende Beweise

- Leitartikel der "Washington Post'

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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&lt;

20

Infoimolion
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. Mai 1982

USA BEGRÜSSEN GESPRÄCHSBEREITSCHAFT BRESCHNEWS
Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat die angekündigte Bereitschaft
des sowjetischen Staats- und Parteichefs Breschnew begrüßt, in Verhandlungen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen einzutreten. Der derzeitige Sprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes, erklärte jedoch am 18. Mai,
daß die Vereinigten Staaten die"Forderung Breschnews nach einem Einfrieren
der strategischen Waffen ablehnten, da dies lediglich eine Festschreibung
des bestehenden militärischen Vorteils der Sowjets bedeuten würde.
In einer Erklärung vor der Presse, die die Auffassungen Präsident Reagans
wiedergab, wies Speakes darauf hin, daß der Breschnew-Vorschlag für ein Einfrieren Moskau jeden Anreiz nehmen würde, einer wesentlichen Verminderung
zuzustimmen, die von Reagan als das Hauptziel der START-Verhandlungen genannt wurde.

Den Vorschlag Breschnews, die Dislozierung taktischer Nuklear-

waffen oder nuklearer Mittel Streckensysteme zu begrenzen, bezeichnete Speakes
als eine Wiederholung früherer Einfrierungsvorschläge des Kreml.

"Dieser Vor-

schlag reicht bei weitem nicht an den Vorschlag Präsident Reagans für eine
totale Beseitigung solcher Raketen heran", so betonte der Sprecher des Weißen
Hauses.
Im amerikanischen

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�Im amerikanischen Außenministerium wurde erklärt, daß eine genaue Prüfung der Rede Breschnews noch nicht abgeschlossen sei, daß jedoch die meisten
der aufgeworfenen Fragen bei den Verhandlungen angesprochen werden dürften.
Auch der Stellvertretende Sprecher des Außenministeriums, Alan Romberg, betonte, daß der Vorschlag Breschnews, die weitere Dislozierung von nuklearen
Mittel Streckensysteme zu begrenzen, praktisch eine Wiederholung früherer
sowjetischer Vorschläge für ein Einfrieren des derzeitigen nuklearen Ungleichgewichts in Europa darstelle und damit hinter dem Vorschlag Präsident Reagans
für eine totale Beseitigung der landgestützten nuklearen Mittelstreckensysteme
beider Seiten zurückbleibe.
Romberg bekräftigte, daß sich der amerikanische Standpunkt nicht geändert habe und die USA keine neuen Waffensysteme dislozieren würden, wenn entsprechende Verminderungen ausgehandelt würden.
Präsident Reagan hatte in einer Rede vor dem Eureka-College am 9. Mai
wesentliche Verminderungen der gefährlichsten Nuklearwaffen, der land- oder
unterseebootgest'ützten Interkontinentalraketen, gefordert. Reagan hatte sich
hauptsächlich auf landgestützte Raketen konzentriert, weil sie psychologisch
am bedrohlichsten seien und nach ihrem Abschuß praktisch in Minuten ihre Ziele erreichten. Unterseeboote und Flugzeuge brauchten sehr viel länger, um
ihre Abschußposition zu erreichen, und könnten vor dem Abschuß der Raketen
zurückgerufen werden. Der Präsident hatte in Eureka betont, daß er im nächsten
Monat Verhandlungen in zwei Phasen über eine Verringerung und Neugestaltung
der strategischen Streitkräfte der USA anstrebe, um die Stabilität zu fördern.
Schon vorher hatte der Präsident den Verzicht auf die Dislozierung neuer
PERSHING II-Raketen und landgestützter Marschflugkörper in Europa angeboten,
wenn die Sowjetunion dem Abbau ihrer bereits dislozierten Nuklearraketen vom
Typ SS-20, SS-4 und SS-5 zustimme.
Der amerikanische Präsident hat erkennen lassen, daß jenseits der Abrüstungsverhandlungen eine sowjetische Führung, die sich der Verbesserung
des Lebens ihrer Bevölkerung widme, im Westen eine Führung vorfinden würde,
- 2 -

�vorfinden würde, die zu verbesserten Beziehungen bereit sei. Der Westen kann
nach Auffassung Reagans eine realistische dauerhafte Politik verfolgen, die
die westlichen Interessen schützt und den Frieden erhält, und zwar nicht nur
für diese Generation, sondern für "unsere Kinder und' Kindeskinder", wie Reagan
sagte.
Während eines kurzen Fototermins am 18. Mai sagte Präsident Reagan, daß
er die Ausführungen Breschnews so interpretiere, daß dieser zustimme, daß
"wir zusammenkommen", um Verhandlungen zu beginnen. Der Sprecher des Weißen
Hauses wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der Präsident damit nicht
sagen wollte, daß ein persönliches Treffen mit Breschnew arangiert worden sei.
Die Auffassung Reagans bezüglich eines solchen Treffens habe sich nicht geändert, so erklärte Speakes. Der Präsident würde noch immer gerne mit Breschnew
im nächsten Monat zusammenkommen, falls dieser auf der Abrüstungssondersitzung
der Vereinten Nationen in New York spricht. Es gebe gegenwärtig keine Planungen oder Vorbereitungen für ein formelles Gipfeltreffen im Herbst, wie es
Breschnew früher vorgeschlagen habe, so betonte Speakes.

+ + + + +

- 3 -

�20

19. Mai 1982

REAGAN UNTERSTREICHT WILLEN DER USA ZUM ABBAU DER KERNWAFFEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten vom 13. Mai 1982

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 13. Mai 1982 in einer vom
Fernsehen landesweit übertragenen Pressekonferenz, in der innenpolitische
Fragen einen breiten Raum einnahmen, "dem amerikanischen Volk und allen Menschen der Welt" versichert, daß die Vereinigten Staaten "alles in ihrer
Macht Stehende unternehmen werden", um ein Abkommen mit der Sowjetunion über
die Verminderung der strategischen Waffen zu erreichen.
Eine Ratifizierung des SALT II-Vertrags lehnte Reagan hingegen ab, weil
dieser lediglich ein Wettrüsten legitimiere..
Zum Thema Falkland-Konflikt sagte der Präsident, die Vereinigten Staaten
könnten im Moment lediglich bereitstehen und versuchen, zu helfen. Er äußerte
jedoch die Überzeugung, daß dieser Konflikt den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den lateinamerikanischen Ländern keinen irreparablen
Schaden zugefügt habe.
Die wesentlichen

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Telex: 08-85432

�Die wesentlichen außenpolitischen Auszüge der Pressekonferenz, die mit
einer einleitenden Erklärung des Präsidenten begann, haben folgenden Wortlaut:
DER PRÄSIDENT: Guten Abend.

Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben.

Viermal in meinem Leben habe ich gesehen, wie Amerika in einen Krieg stürzte
- zweimal davon als Teil tragischer weltweiter Konflikte, die das Leben von
Millionen Menschen fordertani

Diese persönliche Erfahrung hat mich zu der

Überzeugung gebracht, daß die größte Mission Amerikas darin liegt, als Führer
unter den freien Nationen für die Sache des Friedens zu stehen.

Aus diesem

Grund tritt meine Administration - zusammen mit unseren Anstrengungen zur
Wiederherstellung einer glaubwürdigen nationalen Verteidigung - aktiv für einen Abbau der nuklearen und konventionellen Streitkräfte ein, der dazu beitragen kann, die Drohung einer Zerstörung von der Welt abzuwenden.
In Genf verhandeln die Vereinigten Staaten jetzt mit der Sowjetunion
über einen Vorschlag, den ich im vergangenen Herbst vorgelegt habe, um den
Umfang der Kernwaffen in Europa drastisch zu verringern.

In Wien verhandeln

wir und unsere NATO-Verbündeten mit dem Warschauer Pakt über Wege zur Reduzierung der konventionellen Streitkräfte in Europa.
Am vergangenen Sonntag schlug ich einen weitreichenden Weg für die
Kontrolle der Kernwaffen vor - eine phasenweise Verringerung der strategischen
Waffen, beginnend mit denjenigen, die am gefährlichsten und am destabilisierendsten sind: den Gefechtsköpfen der ballistischen Raketen und insbesondere
jenen der interkontinentalen ballistischen Raketen.
Heute haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion jeder etwa 7500
nukleare Gefechtsköpfe auf Raketen, die ihre Ziele in wenigen Minuten erreichen
können.

In der ersten Verhandlungsphase wollen wir uns auf eine Verminderung

dieser unmittelbarsten Bedrohung konzentrieren.

Wir streben eine Verminderung

der Anzahl der Gefechtsköpfe auf den ballistischen Raketen auf etwa 5000 an
- ein Drittel weniger als der gegenwärtige Umfang; außerdem eine Begrenzung
der Anzahl von Gefechts köpfen der landgestützten Raketen auf die Hälfte sowie
eine Verminderung der Gesamtzahl aller ballistischen Raketen auf ein gleich- 2 -

�ein gleichwertiges Niveau - auf etwa-die Hälfte des-derzeitigen amerikanischen
Niveaus.
In der zweiten Phase-streben-wir eine-Verminderung der Nutzlast' - eines
entscheidenden Indikators desGesamtzerstörungspotentials der Raketen - auf
gleiches Niveau an.

Um annehmbar zu sein, maß ein neues Rüstungsabkommen mit

den Sowjets ausgewogen, gleichwertig und verifizierbar sein.

Und was am al-

1 erwichtigsten ist: Es muß die Stabilität und die Aussichten auf Frieden vermehren.
Ich habe bereits an Präsident Breschnew geschrieben und Außenminister
Haig angewiesen, sich mit der sowjetischen Regierung in Verbindung zu setzen,
damit wir mit formellen Verhandlungen über eine Verminderung der strategischen
Kernwaffen - den START-Gesprächen - bei der frühestmöglichen Gelegenheit beginnen können.

Und wir hoffen, daß diese Verhandlungen Ende Juni beginnen

können und wir demnächst von Präsident Breschnew hören.
Es wird keine rasche und leichte Aufgabe sein, zu einem Abkommen mit den
Sowjets zu gelangen.

Das wissen wir aus der Vergangenheit.

Aber ich glaube,

das sowjetische Volk und seine Führung wissen um die Bedeutung der Verhinderung
eines Krieges.

Und ich glaube, daß eine feste, gerade Haltung der Vereinigten

Staaten beim Rüstungsabbau uns einer Einigung näherbringen kann.
Heute abend möchte ich vor dem amerikanischen Volk und allen Menschen der
Welt mein Versprechen erneuern, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer
Macht Stehende unternehmen werden, um zu einem solchen Abkommen zu gelangen.
Und nun glaube ich, daß es an der Zeit ist, wieder einmal zu dem traditionellen Scharmützel, den Fragen, zu kommen.
FRAGE:

Wenn die Beseitigung der nuklearen Bedrohung für die Welt so wich-

tig ist, warum ignorieren Sie dann sieben lange Jahre der Verhandlungen, an
denen zwei republikanische Präsidenten Anteil hatten?

Ich spreche von SALT II:

Wir halten uns an den Wortlaut, die Sowjetunion tut dies.
- 3 -

Warum drängt man

�drängt man nicht auf eine Ratifizierung dieses Vertrags als einen ersten
Schritt und geht dann auf START über? Das wäre immerhin ein Spatz in der
Hand!
ANTWORT:

Weil dieser Spatz kein sehr freundlicher Spatz ist.

Ich er-

innere Sie daran, daß ein von den Demokraten kontrollierter Senat seine Ratifizierung ablehnte.

Und der Grund für die Ablehnung seiner Ratifizierung

ist etwas, das wir nicht ignorieren können.

Der Grund dafür war die Tatsache,

daß SALT für die Begrenzung der strategischen Waffen steht.

Und die Begren-

zung in diesem Abkommen würde es der Sowjetunion während der Laufzeit des
Vertrags erlauben, ihre derzeitige Nuklearkapazität praktisch zu verdoppeln.
Es würde erlauben - und es erlaubt -, daß auch wir unsere erhöhen.
deren Worten:

Mit an-

Es legitimiert lediglich ein Wettrüsten.

Zu den Teilen davon, die wir einhalten, gehört die Überwachung der Arsenale der anderen Seite - und dies tun beide. Was wir wollen, ist eine Verminderung der Schlagkraft, der Anzahl und insbesondere der Anzahl jener destabilisierenden Raketen, die auf einen Knopfdruck hin losgehen können.

Und

dies steht in keinem Verhältnis zu dem, was SALT zu erreichen versuchte.

Ich

meine, mit SALT wurde der falsche Kurs verfolgt.
FRAGE:

Herr Präsiddent, Sie wissen sicher, daß der ehemalige Außenmi-

nister Henry Kissinger gestern gesagt hat, bei Ihrer Methode könnte es noch
weit länger dauern als die sieben Jahre, die man für die Aushandlung von SALT II
benötigte.

An welchen zeitlichen Rahmen denken Sie, den es braucht, um diese

Begrenzungen bei den Gefechtsköpfen auszuhandeln?
ANTWORT:

Wenn Sie einen Blick zurück in die Geschichte werfen, auf die

Verhandlungen mit der Sowjetunion seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dann
glaube ich nicht, daß man sich hier einen zeitlichen Rahmen abstecken kann.
Aber ich meine, es gibt einen Punkt, den es bislang noch nicht gab - und das
ist die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, ihre Verteidigung wieder
aufzubauen.

Und die Tatsache allein, daß wir den Willen hierzu gezeigt haben

und mit dem Wiederaufbauprogramm vorangehen, ist etwas, das meiner Meinung
- 4 -

�meiner Meinung nach einen Anreiz für die Sowjetunion bedeutet, sich an den
Tisch zu setzen und ehrlich mit uns zu verhandeln.
In den vergangenen Jahren fanden diese Verhandlungen doch in einer Lage
statt, da sie uns überlegen waren und wir praktisch einseitig abrüsteten.
Wann immer jemand ein wenig Geld für irgendein Programm brauchte, so nahm
man es der Verteidigung weg.
FRAGE:

Das gilt heute nicht mehr.

In den letzten Tagen sind Stimmen laut geworden, die Vereinigten

Staaten sollten den bestehenden NATO-Vertrag aufkündigen, demzufolge wir als
Vergeltungsmaßnahme den Sowjets'gegenüber Kernwaffen einsetzen würden, wenn
sie Westeuropa mit konventionellen Waffen angriffen.

Unter welchen Bedingungen

würden wir uns verpflichten, niemals als erste Kernwaffen in einem Konflikt
in Westeuropa einzusetzen?
ANTWORT: Hinsichtlich dieses Vorschlags über einen Verzicht auf den
Ersteinsatz solcher Waffen, der gemacht worden ist, - sicher, niemand von uns
möchte sie -, so glaube ich einfach nicht, daß es einen Sinn hat, solche Erklärungen abzugeben. Unsere strategischen Kernwaffen sind leider cjas einzig
ausgleichende Gewicht, die einzige Abschreckung, die wir gegenüber der massiven
Aufrüstung bei den konventionellen Waffen der Russen an der westlichen Front,
der NATO-Front haben. Das ist ja der Grund, warum wir in Wien versuchen, mit
ihnen eine Verminderung auch der konventionellen Streitkräfte auszuhandeln,
weil sie dort so überwältigend stark sind.
FRAGE:

Herr Präsident, was können Sie uns hinsichtlich eines Fortschrittes

bzw. des Fehlens eines solchen bei einer Verhandlungslösung der Fälkland-Frage
sagen?
len?

Könnten Sie etwas zu der Rolle sagen, die die Vereinigten Staaten spieUnd etwas zu unserer Lage hinsichtl ich anderer Verbündeter in Latein-

amerika und Südamerika, nachdem wir uns nun so deutlich auf die Seite der
Briten gestellt haben?
ANTWORT: In vielen Ländern Südamerikas herrscht wohl tendentiell der
Glaube, mit ihren Sympathien den Argentiniern näher zu sein als wir. Ich glaube

�Ich glaube nicht, daß ein Schaden entstanden ist, der nicht wiedergutzumachen
wäre.

Die Verhandlungen dauern an, nunmehr im Rahmen der Vereinten Nationen,

wo deren Generalsekretär jetzt intensiv tätig ist. Gestern zeigte auch der
brasilianische Präsident Figueiredo in einem Gespräch mit mir sein Interesse
und hat seine guten Dienste zur Hilfe angeboten. Alles, was wir als ehrliche
Makler für eine friedliche Lösung derzeit tun können, ist, uns bereitzuhalten
für eine Hilfestellung.
Es gibt Berichte, denen zufolge es bei einigen der zwischen beiden Seiten
anstehenden Fragen zu einer Einigung gekommen ist. Grundsätzlich geht es um
die Frage des Abzugs, um eine Interimsverwaltung der Insel selbst und um die
Dauer der Verhandlungen sowie darum, wie die endgültige Regelung sein soll.
Bisher gab es Intransigenz auf einer Seite hinsichtlich einer Souveränitätsgprantie vor Verhandlungen.

Das ist nicht sehr sinnvoll. Wie ich höre,

gibt es nunmehr eine gewisse Übereinstimmung über Verhandlungen zu dieser Frage.

Wir werden weiter hoffen und beten
FRAGE:

Herr Präsident, in Ihren Abrüstungsvorschlägen konzentrieren

Sie sich auf ein zentrales interkontinentales Raketensystem für beide Seiten.
Wenn die Sowjets nun kämen und sagten, sie möchten auch über Bomber sprechen,
über die Marschflugkörper und über andere Waffensysteme: Würden Sie bereit
sein, diese Themen einzubezieben,oder sind sie von den Gesprächen ausgeschlossen?
ANTWORT: Nein, nichts ist davon ausgeschlossen. Aber einer der Gründe,
warum man sich auf die ballistischen Raketen konzentrieren sollte, ist, daß
diese die destabilisierendsten Waffen sind. Diese Waffe erschreckt die Leute
am meisten. Lassen Sie mich meine eigenen Überlegungen dazu kurz darlegen.
Bei diesen Waffen, die da im Silo stationiert sind, könnte es die Möglichkeit einer Fehleinschätzung geben. Die Leute wissen, daß es bei dieser
Waffe - wenn der Knopf erst einmal gedrückt ist - kein Zurück mehr gibt. In
wenigen Minuten erreicht diese Waffe das andere Land. Bei den Raketen, die
von Bombern getragen werden, von Schiffen der einen oder der anderen Art,
- 6 -

�anderen Art, auch von getauchten, hat man es mit konventionellen Waffen oder
Instrumenten zu tun, und diese können abgefangen werden.

Sie haben also

meiner Meinung nach nicht dieselbe psychologische Wirkung wie die anderen
Waffen, die - einmal abgefeuert - auf ihrem Weg sind und nicht mehr aufgehalten, nicht mehr gebremst werden können.
FRAGE:

Herr Präsident, es gibt jedoch viele Waffenspezialisten, die

behaupten, daß die Multiplikation von Marschflugkörpern - auf dem Lande, auf
Schiffen, auf Unterseebooten usw. - dieselbe Wirkung haben. Man kann sie
nicht zurückrufen, wenn sie einmal abgeschossen sind.

Sie benötigen nur

eine kurze Flugzeit, und es gibt Tausende von ihnen.
ANTWORT: Sie haben eine viel längere Flugzeit, praktisch geht es um
Stunden. Sie haben auch nicht die Geschwindigkeit der ballistischen Raketen,
die in den Weltraum geschossen werden und dann herunterstürzen. Aber dies
alles heißt nicht, daß wir irgendetwas ignorierten. Wie- ich schon sagte, verhandeln wir ja schon über konventionelle Waffen.
Aber ich meine, wir sollten mit den nächstliegenden Dingen zuerst anfangen.

Man kann nicht alles mit einem Bissen zu sich nehmen.

Und daher rührt

unsere Entscheidung, mit den destabil isierendsten Waffen " den Waffen mit der
größten Zerstörungskraft - anzufangen.

- 7 -

�19. Mai 1982

20

DIE WURZELN DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN FREUNDSCHAFT
- Von Botschafter Arthur F. Burns

BERCHTESGADEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns .hielt am 17. Mai 1982 in Berchtesgaden
vor amerikanischen Frauenclubs eine Rede, die folgenden Wortlaut hat:
Seit ich im Herbst vorigen Jahres als Botschafter der Vereinigten Staaten in die Bundesrepublik Deutschland kam, habe ich auf eine Gelegenheit gehofft, zu meinen Mitbürgern hier in diesem Lande sprechen zu können.

Des-

halb bereitet es mir ein besonderes Vergnügen, heute mit Ihnen, den Vertretern der Amerikanischen Frauenclubs in Deutschi and .zusammenzutreffen und
Ihnen meine Anerkennung und auch den Dank unserer Regierung für Ihre unermüdlichen Anstrengungen im Dienste der Freundschaft zwischen Amerikanern
und Deutschen auszusprechen.
Ich habe mich eingehend mit den Zielsetzungen und mit der Tätigkeit
Ihrer Organisation vertraut gemacht.

Ich bewundere die Hingabe, die Sie

auf eine Aufgabe verwenden, die Sie sich selbst gestellt haben: nämlich die
Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�und Amerikanern auf örtlicher Ebene zu fördern. Wenn Sie an dieser Aufgabe
arbeiten, erweitern Sie das Verständnis unserer Mitbürger für die Geschichte
und Kultur Deutschlands - des Landes, in dem wir derzeit leben und arbeiten.
Und Sie tragen gleichzeitig zu einem besseren Verständnis Amerikas und seiner
Institutionen durch das deutsche Volk bei. Sie arbeiten somit an einer wichtigen Aufgabe, und Sie widmen sich ihr mit Nachdruck, Einfallsreichtum und
Selbstlosigkeit.

Ihre Tätigkeit ist für mich und meine Kollegen an der Ame-

rikanischen Botschaft, so darf ich hinzufügen, bei der Erfüllung unserer Aufgaben, eine große Hilfe..
•

Lassen Sie mich dies erläutern.

- . • '

-. •

•

•

'

•

•

•

•

-

•

:

•

In den letzten Monaten habe ich mich

bei einer Reihe von Gelegenheiten zum derzeitigen Stand der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik geäußert.

Ich sprach

über die Probleme, vor die wir uns gemeinsam gestellt sehen, und über deren
Ursprünge, und ich sprach über einige der Lösungen, die man ins Auge fassen,
wenn nicht gar verwirklichen sollte.
Unsere beiden Länder sind durch vielfältige gemeinsame Interessen miteinander verknüpft.

Es bestehen kulturelle, historische und familiäre Bin-

dungen; wir teilen die gleiche philosophische Grundhaltung, die den Respekt
vor der Freiheit des Individuums, der demokratischen Staatsform und dem
System der freien Marktwirtschaft einschließt; unsere Gemeinsamkeit der Interessen findet ihre Verkörperung in der Partnerschaft in einem gegenseitigen Sicherheitspakt, dem Nordatlantischen Bündnis. Wir sind Freunde; wir
sind Verbündete; und wir wissen um den Wert der Freundschaft in der gefährlichen Welt von heute.
Die Probleme, die gelegentlich die Beziehungen zwischen unseren beiden
Ländern beeinträchtigen, sind der Art, wie sie sich von selbst ergeben, wenn
gleichberechtigte Partner die einem ewigen Wandel unterliegenden politischen
und wirtschaftlichen Verhältnisse aus einigermaßen unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Es wäre merkwürdig, wenn wir nicht gelegentlich auch

Schwierigkeiten hätten. Die Bewährungsprobe für ein Verhältnis zwischen

�Verhältnis zwischen Ländern, die so stark und dynamisch sind wie die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik, besteht schließlich nicht darin,
daß es keine Probleme gibt, sondern in dem Geist, in dem sie sich diesen
Problemen stellen, und in dem Geschick, mit dem sie diese lösen.
Der Geist, in dem wir unsere Probleme angehen,und das Geschick, mit
dem wir sie bewältigen, beruhen auf dem Wissen des einen vom anderen und
auf der Erfahrung des einen mit dem anderen - auf dem Verständnis auch,
das der eine für die Geschichte und die Traditionen des anderen aufbringt,
und insbesondere auch auf dem Verständnis für die Entwicklungen, die während der letzten 30 bis 40 Jahre das Denken und Verhalten unserer beiden
Gesellschaften prägen halfen.

Hier aber, meine lieben Mitbürger, entdecke

ich Lücken im Wissen und Verständnis auf beiden Seiten des Atlantik.
In den Begegnungen mit meiner Zuhörerschaft bei Vorträgen in diesem
Lande stieß ich wiederholt bei jungen Deutschen auf einen Mangel an Wissen
um die jüngsten politischen Entwicklungen und insbesondere auf einen Mangel
an Wissen um die Geschichte ihres eigenen Landes in der Zeit nach Ende des
Zweiten Weltkrieges, in der die derzeitigen europäisch-amerikanischen Beziehungen geschaffen und gefestigt wurden.
Zu meinem Bedauern muß ich dem hinzufügen, daß auch,junge Amerikaner
nur unzureichend über europäische Geschichte und Kultur informiert sind
und daß sie sich deshalb als unfähig - oder nicht hinreichend fähig - erweisen, die Ideale, die Hoffnungen und die Ängste zu begreifen, die die Europäer motivieren. Das Netz aus engen und vertrauensvollen Beziehungen, das
auf beiden Seiten des Atlantik in den fünfziger und sechziger Jahren von
Mensch zu Mensch geknüpft wurde, die selbst aktiven Anteil am Zweiten Weltkrieg bzw. am wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbau Europas nach jenem schrecklichen Konflikt oder am Erziehungs- und Kulturaustausch jener
Zeit teilgenommen haben - dieses Netz beginnt zu reißen, um es offen auszusprechen.
Umso wichtiger
- 3 -

�Umso wichtiger sind Maßnahmen, um die Fäden jenes Netzes wieder zu verstärken und den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern neue Impulse zu
geben. Allem voran sollten wir meines Erachtens das Fulbright-Programm, das
akademische Austauschprogramm, das von unseren beiden Regierungen gemeinsam
durchgeführt wird, großzügig unterstützen.

Dieses Programm kommt Jahr für

Jahr Hunderten von Studenten und Lehrkräften zugute, die in das Partnerland
reisen, um dort zu studieren, zu lehren oder zu forschen.

Das Programm ver-

stärkt auf diese Weise den zwischen deutschen und amerikanischen Universitäten
von privater Seite arrangiertem Austausch sehr wirkungsvoll.
Zweitens müssen wir Mittel und Wege finden, um den Austausch von Führungskräften unserer beiden Gesellschaften zu verstärken - d.h. den Austausch
von Persönlichkeiten,die bereits, oder wahrscheinlich bald schon, Positionen
einnehmen, von denen aus sie ein breiteres Publikum in unseren respektiven
Ländern erreichen können.

Ich denke hier insbesondere an junge Politiker,

Journalisten und Oberschullehrer. Vor zwei Monaten erst führte beispielsweise unsere Botschaft zwei Dutzend junge Regionalpolitiker und Parlamentarier
aus so weit voneinander entfernten Gebieten und Orten wie Georgia, Wyoming,
Texas und New Hampshire in den Vereinigten Staaten und Flensburg, Saarlouis,
Ettlingen und Gelsenkirchen in der Bundesrepublik in Berlin zusammen.

Diese

jungen Politiker, die in engem Kontakt mit dem Volke stehen, sahen sich zum
ersten Mal und tauschten ihre Meinungen untereinander aus. Sie sprachen über
die Probleme und Vorstellungen ihrer Landsleute und klärten im Verlauf ihrer
Gespräche eine ganze Reihe von Mißverständnissen über die Verhältnisse in
ihren Herkunftsländern auf. Nach der Rückkehr in die Heimat werden sie zweifellos Gelegenheit finden, Wählern und Freunden vieles von dem mitzuteilen,
was sie selbst in diesen Begegnungen gelernt haben.
Drittens sollten wir bemüht bleiben, den Anteil der Teilnehmer an den
Austauschprogrammen unter 20 Jahren zu erhöhen. Die Eindrücke» die junge
Menschen gewinnen, wenn sie eine Zeitlang in einem anderen Lande leben - dort
zur Schule gehen, unter den Landesbewohnern leben und Freundschaften mit ihnen
schließen - prägen deren Betrachtungsweise und Haltung auf Lebenszeit. Ein

- 4 -

�Ein deutscher Teenager, der ein Jahr lang in den Vereinigten Staaten gelebt
hat und dort zur Schule gegangen ist, oder ein junger Amerikaner, der ähnliche Eindrücke in der Bundesrepublik sammeln konnte, wird gestützt auf diese Erfahrung eher verständnisvoll denken und handeln lernen, als jene, die
solches nie erleben durften.

In meinem Lande wurde ein derartiger Austausch

schon in der Vergangenheit erfolgreich betrieben - insbesondere vom American
Field Service und den Organisationen Youth for Understanding und Experiment
in International Living.

Diese Institutionen verdienen es, daß wir sie in

ihrer Arbeit unterstützen und stärken.
In diesem Zusammenhang möchte ich meinen amerikanischen Mitbürgern in
Deutschland einen praktischen Rat geben. Sie und Ihre Familien haben eine
einzigartige Gelegenheit, Deutschland und seine Bevölkerung kennenzulernen - machen Sie sich vertraut mit dem, was in diesem Lande vorgeht. Ich
sehe ein, daß Amerikaner, die im Ausland leben - wie die Mitglieder unserer
Streitkräfte und ihre Familien - ihre amerikanische Identität zu wahren
suchen und in ihrer neuen, fremden Umgebung so zu leben trachten, wie sie
es von früher her gewohnt sind. Natürlich wünschen sie, daß ihre Kinder
in den Genuß einer amerikanischen Erziehung an einer amerikanischen Schule
kommen. Das aber sollte kein Grund für Sie und Ihre Kinder sein, nicht auch
gleichzeitig Nutzen aus der Gelegenheit zu ziehen, die sich Ihnen hier bietet, die deutsche Sprache zu erlernen, sich mit deutscher Geschichte zu befassen und deutsche Kultur aufzunehmen.
Nach meinem Dafürhalten sollten deshalb alle amerikanischen Jugendlichen,
die auf amerikanische Schulen in Deutschland gehen, die deutsche Sprache mindestens zwei Jahre und europäische Geschichte mindestens ein Jahr als Pflichtfach betreiben müssen.

Ich bin mir darüber im klaren, daß von den amerika-

nischen Schülern ohnehin viel verlangt wird, daß Mathematik, englische Grammatik und amerikanische Geschichte Pflichtfächer für sie sind.
seine Richtigkeit.

Das hat auch

Wenn aber junge Amerikaner schon einige Jahre in Deutsch-

land verbringen, dann sollten sie auch der deutschen Sprache und der europäischen Geschichte ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit widmen.

- 5 -

Eine solche

�Eine solche Ausweitung des Lehrstoffs sollte nicht als eine Mühe und Last
angesehen werden, sondern als die - sich kaum je wieder bietende - Chance
für Knaben und Mädchen, Sprache und Kultur des Gastgeberlandes kennenzulernen.
Ein weiterer damit zusammenhängender Vorteil eines solchen Programms
wäre darin zu sehen, daß wir unseren deutschen Freunden auf diese Weise einen Beweis dafür liefern, wie sehr wir ihre Geschichte, ihre Traditionen
und ihre Kultur respektieren - kurz, daß wir diese sehr hoch einschätzen
und deshalb versuchen, sie zu verstehen - so wie wir hoffen, daß die Deutschen uns zu verstehen suchen. Vielleicht könnte ein solches Programm dank
der Anstrengungen Ihrerseits und des Einflusses, den Sie, meine Zuhörerinnen,
auszuüben vermögen, schon im Herbst dieses Jahres anlaufen und Teil des Lehrplans der amerikanischen Schulen in Deutschland werden. Wenn Sie hierzu meiner Hilfe oder der Hilfe meiner Kollegen in der Botschaft bedürfen, lassen
Sie uns dies bitte wissen.
Ich möchte Ihnen noch eine zweite Anregung geben:
und Ihre Familienangehörigen als Botschafter Amerikas.
den einzigen amerikanischen Botschafter.

Betrachten Sie sich
Ich sehe in mir nicht

Im Gegenteil, ich betrachte alle

Amerikaner in Deutschland - Männer und Frauen im Dienste der Streitkräfte und
Zivilisten samt ihren Familienangehörigen - als amerikanische Botschafter,
die hier tätig sind, um unserem großen Land zu dienen.

Die Aufgabe, die wir

teilen, ist nicht leicht; wir können aber ein sehr verdienstvolles und dankenswertes Unterfangen aus ihr machen - insbesondere wenn wir des Wesens der
Beziehungen unseres Landes zur Bundesrepublik Deutschland eingedenk bleiben,
einem Land, das gewiß einer unserer engsten und wichtigsten Verbündeten ist.
Ich bedarf bei der Lösung dieser lebenswichtigen Aufgabe Ihrer großen Hilfe.
Wir müssen diesen Beziehungen gemeinsam immer neuen Atem einhauchen.

Gerade

die Jugend unserer beiden Nationen muß sich der historischen Wurzeln und der
Realitäten der derzeitigen'internationalen Entwicklungen bewußt werden, wollen wir gemeinsam für uns selbst und unsere Familien eine bessere Zukunft
schmieden.
Bei der
••'

- 6-

�Bei der Lösung dieser Aufgabe kommt Ihrer Organisation eine Schlüsselrolle zu. Sie wie jene, die vor Ihnen waren, demonstrieren mit Ihren Bemühungen heute wie einst, daß Sie einer wichtigen und in vieler Hinsicht
großen Sache dienen. Als Vertreter der amerikanischen Regierung danke ich
Ihnen für Ihre hingebungsvollen Anstrengungen; ich beglückwünsche Sie zu
der Arbeit, die Sie leisten; und ich wünsche Ihnen Erfolg bei Ihrem zukünftigen Wirken zum Segen unseres eigenen und unseres Gastlandes.

- 7 -

�•

Hintergrund
matcrial
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20

19. Mai 1982

KAMPELMAN BETONT NOTWENDIGKEIT EINER STARKEN US-VERTEIDIGUNGSPOSITION

NEW YORK - (AD) - Auf die Notwendigkeit einer starken amerikanischen Verteidigungsposition hat US-Botschafter Max Kampelman hingewiesen. Dies sei von
entscheidender Bedeutung, sagte er am 16. Mai 1982 auf einer Veranstaltung des
amerikanisch-jüdischen Komitees in New York, weil "die Sowjetunion absolut
keinen Respekt vor Schwäche hat."
Kampelman leitete die amerikanische Delegation auf der Madrider Nachfolgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Es
sei von entscheidender Bedeutung, so erklärte der Botschafter weiter, "daß wir
der Sowjetunion unmißverständlich klarmachen, daß wir den Frieden wünschen allerdings nicht jene Art von Frieden, der es den Sowjets gestattet, sich
rücksichtslos zu verhalten und anderen ihre ideologischen Ziele aufzuzwingen."
Kampelman wies darauf hin, daß das Verhalten Moskaus seit 1975 - der
Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki - eine bewußte Mißachtung dieses
Dokumentes dargestellt habe. "Wir fragen die Sowjetunion in Madrid - und wir
werden dies auch weiterhin tun - wie wir denn neue Versprechungen als echt

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�als echt akzeptieren können, wenn sie in flagranter Weise alte Versprechungen
ignoriert? Die Sowjets sprechen von militärischer Entspannung und Abrüstung,
während sie sich gleichzeitig bis an die Zähne bewaffnen - und zwar in einem
Tempo, das bisher in der Geschichte der Welt einmalig ist. Sie sprechen über
Frieden, während sie gleichzeitig 100 000 Soldaten in Afghanistan stationiert
haben, die nicht dorthin gehören.

Die Invasion Afghanistans, die militä- .

rischen Drohungen gegen die polnische Regierung, der wachsende virulente, von
der Regierung ausgelöste und geförderte Anti-Semitismus in der Sowjetunion,
die Verfolgung orthodoxer Christen, die Festnahme und Inhaftierung der Beobachter
der Helsinki-Absprachen, die zunehmenden Störungen westlicher Rundfunksendungen,
die dramatische Einschränkung der Auswanderung von Juden und anderen, die
grausame Benutzung psychiatrischer Kliniken als Form der politischen Bestrafung
- all diese Grausamkeiten stellen einen Verrat der Versprechungen dar, die
die Sowjetunion gemacht hat, als sie 1975 die Schlußakte von Helsinki unterzeichnete", sagte Kampelman und fragte: "Wenn dies Entspannung ist, ist sie
dann einen Deut besser als der Kalte Krieg?"
Die USA seien im Februar trotz der anhaltenden sowjetischen Aktionen in
Afghanistan und trotz der Verhängung des Kriegsrechts in Polen nach Madrid
zurückgekehrt, weil man miteinander sprechen und das Bemühen um Verständigung
und auch den Wettstreit in den öffentlichen Foren fortsetzen müsse. Die Vereinigten Staaten hätten die Gelegenheit in Madrid benutzt, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die Verletzungen der Schlußakte von Helsinki durch Moskau zu
lenken.
"Unser Bestehen auf den Werten der Gerechtigkeit, auf den Menschenrechten
und der Menschenwürde", so sagte Kampelman weiter, "bringt die Sowjetunion in
Verlegenheit und drängt sie in die Defensive; aber das Bestehen auf diesen
Werten ist unsere Stärke."
+++++

- 2 -

�19. Mai 1982

20

GELBER REGEN: ERDRÜCKENDE BEWEISE
Leitartikel der "Washington Post" -

Dieser Leitartikel der "Washington Post"
vom 17. Mai 1982 kommentiert den Bericht
des amerikanischen Außenministeriums vom
13. Mai 1982 über neue Beweise für chemische Kriegführung in Kampuchea.

- (AD) - Die Regierung hat endlich handfeste Beweise zur Unterstützung
ihrer Behauptung vorgelegt, daß gegen wehrlose Menschen in Südostasien chemische und biologische Waffen eingesetzt werden. Mit größter Wahrscheinlichkeit hat hieran die Sowjetunion maßgeblich Anteil - eine Tatsache, die eine
flagrante Verletzung ihrer Vertragsverpflichtungen bedeutet. Blut- und Urinproben von zwei Opfern eines chemischen Angriffs in Kampuchea beweisen das
Vorhandensein eines jener Pilzgifte, aus denen amerikanischer Meinung nach
der "Gelbe Regen" besteht.
Diese neuen Funde, die ärgerliche Lücken der bisherigen Beweisführung
schließen, zeigen, daß sich in den Körpern der Opfer genügende Mengen eines
nunmehr identifizierten Giftes befanden, um für die schweren Symptome verant-

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�Symptome verantwortlich zu sein, über die berichtet wurde. Kontrollmengen,
die anderen Personen gleichen-Alters'und gleichen Hintergrundes entnommen
wurden - wobei diese Personen' keinem solchen'-Angriff ausgesetzt gewesen waren - brachten keinen Nachweis des Mykotoxins. Auch Nahrungsmittel-, Bodenund Wasserproben enthielten nichts davon - womit praktisch ausgeschlossen
ist, daß das Gift einer natürlichen Quelle entstammen könnte.
Die neuen Beweise werden von der amerikanischen Regierung jener UN-Gruppe
zugestellt, die die Anschuldigungen hinsichtlich'chemischer und "biologischer
Kriegführung untersucht. " Bisher hat diese Gruppe praktisch so gut'wie nichts
erreicht.

Im Januar erklärte sie, sie sei "nicht in der Lage, zu einer ab-

schließenden Entscheidung" hinsichtlich der'Richtigkeit der Anklagen zu gelangen.

Dies war jedoch kaum überraschend, hatte es die Gruppe doch nicht ein-

mal fertiggebracht, salbst nach Laos oder Kampuchea, ja, selbst in ein afghanisches Flüchtlingslager in Pakistan'zu gelangen.
Trotzdem:

Ihr Mandat wurde- verlängert, und die Gruppe arbeitet weiter.

Der Ball liegt jetzt'bei den Vereinten Nationen. Worum'es nunmehr geht,
ist nichts wenigerjalsdie Herrschaft des Rechtes und der Wert von Rüstungskontroi lverträgen. Denn wenn sie ohne jede Bestrafung'umgangen werden können:
Sind sie dann die Anstrengung wert, überhaupt ausgehandelt zu werden? Hierbei handelt es sich schließlich nicht um einen Propagandawettstreit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, sondern um eine Frage, die unmittelbar die Sicherheit aller Staaten, insbesondere der Entwicklungsländer,
angeht. Sie wären am wahrscheinlichsten die Opfer der Entwicklung und des
Einsatzes dieser billigen, unschwer beschaffbaren, leisen - und tödlichen - Waffen.

+ + + + +

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen Gesprächsbereitshaft Breschnews&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Alexander Sullivan -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan unterstreicht Willen der USA zum Abbau der Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten vom 13. Mai 1982 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wurzeln der deutsch-amerikanischen Freundschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Arthur F. Burns -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampelman betont Notwendigkeit einer starken US-Verteidigungsposition&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gelber Regen: Erdrückende Beweise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Leitartikel der "Washington Post" -&lt;/em&gt;</text>
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I Dl En

Information
und
Dokumentation

1 1 % k^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
12. Mai 1982

19
INHALT

INFORMATION
Haig:

Sowjetische Führung wird START-Verhandlungen begrüßen

DOKUMENTATION
Reagan schlägt drastische Abrüstung der Atomwaffen vor
- Rede des US-Präsidenten vor dem Eureka-College Stoessel:

Gewaltiger Gegensatz zwischen Worten und Taten der

Sowjetunion
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor dem World
Affairs Council HINTERGRUNDMATERIAL
Reagans Abrüstungsplan:

Ein neuer Appell zur Verbesserung des Ost-

West-Verhältnisses
WIRTSCHAFT
Weidenbaum:

Doppelziel der Bekämpfung von Inflation und Arbeits-

losigkeit erreichbar
- Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des USPräsidenten WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Masern sollen ausgerottet werden
- Aktionen der USA - Beispiel für weltweites Kinderimpfprogramm der
Weltgesundheitsorganisation
Ultraschall verstärkt katalytische Reaktionen

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

12. Mai 1982

HAIG: SOWJETISCHE FÜHRUNG WIRD START-VERHANDLUNGEN BEGRÜSSEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig erklärte am 11. Mai 1982 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats, daß die
sowjetische Führung nach seiner Überzeugung die Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen begrüßen werde.
Noch sei es zu früh, so fügte Haig hinzu, die amtliche Reaktion auf den Abrüstungsvorschlag Präsident Reagans vorauszusagen, und die erste Reaktion der
sowjetischen Nachrichtenagentur TASS sei negativ. Die von Präsident Reagan
vorgeschlagenen Abrüstungsmaßnahmen seien jedoch mit den früheren Bemühungen
im Rahmen von SALT durchaus vereinbar und müßten daher von der Sowjetunion
generell akzeptiert werden. Haig erinnerte daran, daß seit Monaten mit der
Sowjetunion ein Dialog über dieses Thema geführt werde, und er, Haig, hoffe,
daß bald ein Datum für den Beginn der Verhandlungen in Genf festgelegt werden
könne.
Die Senatoren konzentrierten einen Großteil ihrer Fragen auf das Problem
der Verifizierung. "Wir wollen absolut sicher sein", so sagte der amerikanische
Außenminister, "daß auf beiden Seiten Zutrauen besteht, daß die bei den Verhandlungen eingegangenen Verpflichtungen vertrauensvoll verifiziert werden

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�verifiziert werden können". Diese Verifizierung werde wahrscheinlich über
die rein nationalen technischen Mittel hinausgehen müssen.

Es sei jedoch

noch zu früh, sich auf Einzelheiten festzulegen.
Haig teilte mit, er hoffe, daß die Verhandlungen in Genf Ende Juni beginnen können, wie der Präsident dies vorgeschlagen habe, aber das könne sich
auch um ein oder zwei Wochen verschieben. Auch bezüglich eines Zeitraums,

j

innerhalb dessen Ergebnisse der Verhandlungen zu erwarten seien, wollte sich
Haig nicht festlegen. Solche tiefgreifenden Abrüstungsanstrengungen könnten Jahre in Anspruch nehmen, so meinte Haig.
als sich selbst theoretische Termine zu setzen.

Es gebe nichts Schlimmeres,
Der amerikanische Außen-

minister räumte ein, daß man auf den Erfahrungen der bisherigen Rüstungskontroi 1verhandlungen aufbauen könne, daß hier jedoch wesentliche Verringerungen gefordert würden und das etwas anderes sei als bei SALT II. Das Ziel rechtfertige sicher, daß mehr Zeit für die Verhandlungen aufgewandt werde.
In seiner Eingangserklärung hatte Haig betont, daß die Vereinigten
Staaten in gutem Glauben in die Verhandlungen gingen und deren Erfolg wesentlich von der sowjetischen Bereitschaft abhängen werde, ernsthaft und in gutem
Glauben zu verhandeln.

Die sowjetische Verhandlungsbereitschaft werde sicher-

lich dadurch bedingt werden, wie sich die Sowjets die militärische und politische Umwelt ohne Abkommen vorstellten.
Haig lehnte erneut den Vorschlag für ein Einfrieren der Kernwaffen auf
dem gegenwärtigen Stand ab, da dies die sowjetische Überlegenheit festschreiben und den Sowjets jeden Anreiz zu Verhandlungen über Verringerungen nehmen
würde.

"Wir wollen über ein Einfrieren hinausgehen", so betonte Haig, "wir

sind der Überzeugung, daß wir echte Verringerungen und damit eine Minderung
des Kriegsrisikos erreichen können".
Der amerikanische Außenminister unterstrich die Notwendigkeit, den Dialog
mit der Sowjetunion aufrechtzuerhalten.

"Wir müssen versuchen, unsere Diffe-

renzen durch Verhandlungen beizulegen, nicht weil das den grundsätzlich
konkurrierenden Charakter unseres Verhältnisses ändern würde, sondern weil
- 2 -

�sondern weil es klar ist, daß auch sie, die Sowjets, lebenswichtige Interessen haben müssen, denen durch einen fairen Kompromiß Rechnung getragen
werden kann."

+ + + + +

�12. Mai 1982

REAGAN SCHLÄGT DRASTISCHE ABRÜSTUNG DER ATOMWAFFEN VOR
- Rede des US-Präsidenten vor dem Eureka-College -

EUREKA, ILLINOIS - (HD) - Präsident Ronald Reagan hat am 9. Mai 1982 in
einer Rede vor der Abschlußklasse des Eureka-College im Staate Illinois eine
drastische Abrüstung der nuklearen Arsenale der Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion vorgeschlagen. Er hoffe, so sagte Reagan vor Studenten des College,
das er selbst besucht hatte, daß im Juni dieses Jahres Verhandlungen mit der
Sowjetunion beginnen können, um die schrecklichen Interkontinentalraketen beider
Supermächte zahlenmäßig zu verringern oder gar abzuschaffen und damit das Kriegsrisiko wesentlich zu verringern. Dieser Prozeß soll nach Vorstellung des amerikanischen Präsidenten in zwei Phasen ablaufen, und am Ende der ersten Phase sollten
die nuklearen Gefechtsköpfe auf einen gleichen Stand gebracht worden sein, der
um ein Drittel unter dem gegenwärtigen läge.
Amerikanische Regierungskreise bestätigten in diesem Zusammenhang, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gegenwärtig über je 7 500 land- und seegestützte Gefechtsköpfe verfügen; die USA besitzen etwa 1 700 strategische
nukleare Trägerwaffen und die Sowjetunion rund 2 400.
In diesen

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�In diesen Regierungskreisen verlautete, daß die amerikanischen Vorstellungen
am 7. Mai in einem Schreiben des Präsidenten an Breschnew und von Außenminister
Haig in einem persönlichen Zusammentreffen mit dem sowjetischen Außenminister
Gromyko sowie über andere diplomatische Kontakte übermittelt wurde. In Washington
rechnet man nicht mit einer glatten Ablehnung dieser Vorschläge, ähnlich wie
1977, durch die Sowjets, die an einer Sondierung solcher Möglichkeiten interessiert
seien.
In amerikanischen Regierungskreisen wird ferner darauf hingewiesen, daß die
Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit in engem Kontakt mit ihren Verbündeten
in der NATO stehen und Präsident Reagan seine Vorschläge anderen Staats- und Regierungschefs kurz erläutert habe; Außenminister Haig stehe in Kontakt mit anderen
NATO-Außenministern, und die NATO-Vertreter in Brüssel seien am 8. Mai unterrichtet
worden. Die Verbündeten hätten die Initiative Reagans begrüßt.
Der Präsident hat, wie in Washington verlautet, einer interministeriellen
Arbeitsgruppe persönliche Anweisungen gegeben, die amerikanische Verhandlungsposition auszuarbeiten. Dabei habe der Präsident bestimmte Kriterien aufgestellt,
deren Nachdruck auf einer Beendigung der Instabilität liege, die durch die Streitkräfte gegeben sei, die in der Lage wären, einen erfolgreichen "Erstschlag" zu
führen, d.h. die landgestützte Raketenkomponente der anderen Seite auszuschalten.
Es gehe vor allem um die Interkontinentalraketen, die Reagan als den stärksten
destabilisierenden Faktor ansehe. Angestrebt werde eine Gleichheit der Kräfte,
ein verifizierbares Abkommen, eine Förderung der Stabilität und die Gewährleistung
einer ausreichenden Abschreckungsmacht.
Reagan habe, so verlautet weiter, die Arbeitsgruppe angewiesen, eine Verhandlungsposition zu entwickeln, die selbst bei einer zu erwartenden ersten
Kritik seitens der Sowjets vor der amerikanischen Öffentlichkeit vertreten werden
kann.
Nach Washingtoner Vorstellungen sollen in der Phase I beide Seiten übereinkommen, eine gleiche Zahl von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen zu dislozieren, die um ein Drittel unter der derzeitigen Zahl von rund 7 500 liegt, was

�liegt, was eine Verringerung um rund 2 500 Tand- und seegestützte Raketen bedeuten würde. Innerhalb dieser Höchstgrenze soll nicht mehr als die Hälfte dieser
Gefechtsköpfe auf landgestützten Trägerwaffen disloziert werden.
In der Phase II sollten sich beide Seiten auf "gleiche Begrenzungen" der
anderen Aspekte der strategischen Nuklearwaffen, wie etwa die Nutzlast von
Raketen einigen, d.h. über das Gewicht von Gefechtsköpfen, Trägern von Mehrfachgefechtsköpfen, Durchdringungshilfe usw.
In Washington ist man sich darüber im klaren, daß eine solche wesentliche Veränderung der strategischen Streitkräfte Jahre dauern könne.
Amerikanische Regierungskreise weisen ferner darauf hin, daß die Vereinigten
Staaten auch jederzeit während der Verhandlungen bereit seien, über Bomber und
luftgestützte Raketen zu sprechen. In Washington wird hervorgehoben, daß zum
erstenmal in der Geschichte von Verhandlungen über Kernwaffen sowohl über taktische
als auch über strategische Nuklearwaffen gesprochen werde.
Man rechnet in Washington damit, daß die sogenannten START-Verhandlungen
(Strategie Arms Reduction Talks = Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen) in den ersten Stadien nicht leicht sein werden. Wenn die
sowjetischen Experten sich jedoch mit den Details vertraut gemacht hätten, hoffe
man darauf, rascher zu einem Ergebnis zu kommen als bei den Verhandlungen über
SALT I und SALT II.
Nach kurzen persönlichen Einleitungsworten an die Absolventen seines früheren
College machte Präsident Reagan folgende Ausführungen:
In etwa einem Monat werde ich in Europa mit den Staats- und Regierungschefs
von Ländern zusammentreffen, die unsere engsten Freunde und Verbündeten sind. In
Versailles werden die Führer der Industriestaaten der Welt nach besseren Mitteln
und Wegen suchen, um mit den wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit
fertig zu werden. In Bonn werde ich mit meinen Kollegen aus den Ländern des
Atlantischen Bündnisses zusammenkommen, um jene Bindungen zu erneuern, die

- 3 -

�erneuern, die 37 Jahre lang die Grundlage der Verteidigung der westlichen, der
freien Welt gewesen sind. Ferner werden Treffen in Rom und London stattfinden.
Diese Zusammenkünfte sind bedeutsam.aus einem einfachen aber wichtigen
Grunde. Das Schicksal unserer Nation ist eng mit dem Schicksal unserer Schwesterdemokratien in Westeuropa verknüpft. Die Werte, für die Amerika und alle demokratischen Nationen einstehen, stellen den Gipfel der westlichen Kultur dar.
Andreij Sacharow, der hervorragende Nobelpreisträger und mutige Verfechter der
Menschenrechte in der Sowjetunion, hat in einer in die Freiheit geschmuggelten
Botschaft geschrieben: "... Ich glaube an den westlichen Menschen,ich vertraue
seinem Geist, der praktisch und effizient ist.und gleichzeitig große Ziele anstrebt. Ich habe Vertrauen in seine guten Absichten und in seine Entschlossenheit."
Diese glorreiche Tradition erfordert eine Partnerschaft, um sie zu erhalten
und zu schützen. Nur als Partner können wir hoffen, das Ziel einer friedlichen Gemeinschaft von Nationen zu erreichen. Nur als Partner können wir die Werte der
Demokratie und die Menschenwürde verteidigen, die uns so teuer sind.
Es gibt ein einziges großes Thema in unserer Partnerschaft, das den Gesprächen zugrundeliegen wird, die ich mit europäischen Staatsmännern führen werde:
die Zukunft der Beziehungen des Westens zur Sowjetunion. Wie sollen wir uns in den
kommenden Jahren der Sowjetunion gegenüber verhalten? Welcher Rahmen sollte unser
Verhalten und unsere Politik gegenüber der Sowjetunion bestimmen? Was können wir
realistischerweise von einer Weltmacht von.so tiefer Angst, Feindseligkeit und
Ambitionen in der Welt erwarten?
Ich glaube, die Einigkeit des Westens ist die Grundlage für jedes erfolgreiche Verhältnis zum Osten. Ohne die Einigkeit des Westens werden wir unsere
Kräfte in Streit und Hader verschwenden, während die Sowjets weiterhin nach Belieben handeln. Wenn wir einig sind, dann haben wir die Stärke, das sowjetische
Verhalten zu mäßigen. Wir haben das in der Vergangenheit getan, und wir werden
es wieder tun können.
Unsere Aufgabe

�Unsere Aufgabe besteht darin, einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen
gesunde Ost-West-Beziehungen bestehen können. Ich bin optimistisch, daß wir ein
konstruktiveres Verhältnis zur Sowjetunion schaffen können. Wenn wir das jedoch
wollen, müssen wir die Natur des sowjetischen Systems und die Lehren der Vergangenheit erkennen.
Die Sowjetunion ist ein riesiges Imperium, das von einer Elite regiert wird,
die alle Macht und alle Privilegien besitzt. Sie hält daran fest, weil sie wie wir es in Polen erlebt haben -, fürchtet, was passieren könnte, wenn auch nur
ein kleinstes Stück der Kontrolle ihrem Griff entgleitet. Sie fürchtet die Ansteckungsgefahr von auch nur einem bißchen Freiheit - und genau darum hat ihr
System in vieler Weise versagt. Das sowjetische Imperium schwankt, weil starre,
zentralisierte Kontrolle die Anreize zu Innovation, Leistung und persönlicher
Tüchtigkeit zerstört hat. Geistig herrscht ein Klima der Malaise und der Verstimmung
Aber inmitten sozialer und wirtschaftlicher Probleme hat die sowjetische
Diktatur die größten Streitkräfte der Welt geschmiedet. Sie hat das getan, indem
sie die menschlichen Ansprüche der Bevölkerung hintangestellt hat, und dieser Kurs
wird am Ende die Grundlagen des sowjetischen Systems erschüttern. Harry Truman
hatte recht, als er über die Sowjets sagte, daß man, "wenn man versucht, andere
Völker zu erobern oder sich über die gewaltigen Gebiete hinweg auszudehnen, auf
lange Sicht nicht gewinnen kann ...".
Aber mit der militärischen Macht der Sowjets ist die sowjetische Aggressivität gewachsen. Um das zu kompensieren, müssen wir aus den Lehren der Vergangenheit
lernen. Wenn der Westen fest und einig war, hat die Sowjetunion achtgegeben.
Seit 35 Jahren lebt Europa frei - trotz des Schattens der sowjetischen Militärmacht. Durch Einigkeit hat der Westen - wie Sie aus Ihren Studien der modernen
Geschichte wissen werden - den Abzug der Besatzungsstreitkräfte aus Oesterreich
und die Anerkennung seiner Rechte in Berlin gesichert.
Andere politische Kurse des Westens waren nicht so erfolgreich. Der Ost-WestHandel wurde ausgeweitet in der Hoffnung, Anreize für sowjetische Zurückhaltung
zu bieten, aber die Sowjets haben die Vorteile des Handels ausgenutzt, ohne ihr

-

5 -

�ohne ihr Verhalten zu mäßigen. Trotz eines Jahrzehnts ehrgeiziger Rüstungskontroi 1anstrengungen dauert die sowjetische Aufrüstung an. Und trotz der Unterzeichnung
der Vereinbarungen von Helsinki über die.Menschenrechte hat die Sowjetunion ihren
Griff im eigenen Lande und in Osteuropa nicht gelockert.
In den siebziger Jahren vergaßen einige von uns die Warnung von Präsident
Kennedy, der sagte, die Sowjets "haben uns einen Apfel für einen Obstgarten angeboten. Solche Geschäfte machen wir bei uns nicht." Wir sind einem solchen Geschäft
gefährlich nahe gekommen.
Wenn es in den Ost-West-Beziehungen in der Ära der Entspannung zu Enttäuschungen gekommen ist, so hat die Entspannung außerhalb Europas bei jenen, die eine
Mäßigung des sowjetischen Verhaltens erwarteten, zu echter Desillusionierung geführt. Die Sowjetunion unterstützt weiterhin Vietnam in dessen Besetzung von
Kampuchea und seiner massiven militärischen Präsenz in Laos. Sie führt einen
Aggressionskrieg gegen Afghanistan. Sowjetische Stell Vertreterstreitkräfte haben
Instabilität und Konflikt nach Afrika und Mittelamerika gebracht.
Wir nähern uns heute einer extrem wichtigen Phase der Ost-West-Beziehungen,
da die gegenwärtige sowjetische Führung durch eine neue Generation abgelöst wird.
Die derzeitige und die neue sowjetische Führung sollten wissen, daß aggressive
Politik auf eine feste Antwort des Westens stoßen wird. Auf der anderen Seite wird
eine sowjetische Führung, die sich der Verbesserung des Lebens ihrer Menschen
widmet, statt ihre bewaffneten Eroberungen auszuweiten, im Westen einen sympathischen Partner finden. Der Westen wird mit mehr Handel und anderen Formen der
Kooperation antworten. Aber all das hängt vom Handeln der Sowjets ab. Auf dem
Marktplatz von Athen sagte Demosthenes vor 2 000 Jahren: Welcher vernünftige Mann
würde die Worte eines anderen statt seiner Taten als Beweis nehmen, ob er im
Frieden oder im Krieg mit ihm lebt?
Frieden ist nicht das Nichtvorhandensein von Konflikt, sondern die Fähigkeit,
einen Konflikt mit friedlichen Mitteln beizulegen. Ich glaube, daß wir das können.
Ich glaube, daß der Westen eine realistische, dauerhafte Politik entwickeln kann,

- 6 -

�entwickeln kann, die unsere Interessen schützt und den Frieden erhält - nicht nur
für diese Generation, sondern für unsere Kinder und Enkel.
Eine solche Politik muß nach meiner Oberzeugung aus fünf Punkten bestehen:
Militärisches Gleichgewicht, wirtschaftliche Sicherheit, regionale Stabilität,
Abrüstung und Dialog. Das sind die Mittel und Wege, mit denen wir in den kommenden
Jahren Frieden mit der Sowjetunion anstreben können. Ich möchte heute dieses Fünfpunkte-Programm aufstellen, das als Richtschnur für die Zukunft der Ost-West-Beziehungen dienen soll.
Erstens ist ein solides militärisches Gleichgewicht zwischen Ost und West
von entscheidender Bedeutung. In der vergangenen Woche veröffentlichte die NATO
einen umfassenden Vergleich zwischen ihren Streitkräften und denen des Warschauer
Paktes. Die Botschaft ist eindeutig: Während des vergangenen Jahrzehnts hat die
Sowjetunion ihre Streitkräfte in allen Bereichen aufgerüstet. Während desselben
Zeitraums gingen die amerikanischen Verteidigungsausgaben real zurück. Die Vereinigten Staaten haben bereits erste Maßnahmen ergriffen, um dieses Jahrzehnt
der Vernachlässigung zu beenden. Und ich sollte auch hinzufügen, daß die Ausgaben
unserer europäischen Verbündeten ebenfalls langsam, aber stetig stiegen - eine
Tatsache, die wir oft hier bei uns nicht richtig erkennen.
Der zweite Punkt, bei dem wir zu einem Konsens mit unseren Verbündeten kommen
müssen, betrifft die wirtschaftliche Sicherheit. Zwischen den westlichen Staaten
gibt es derzeit Konsultationen über den Transfer militärisch bedeutsamer Technologie und über den Umfang von Krediten an den Osten sowie über die Frage der Energieabhängigkeit vom Osten. Wir begreifen, daß die wirtschaftlichen Erfordernisse
mancher unserer Verbündeten sich von den unsrigen unterscheiden. Aber die Sowjets
dürfen keinen Zugang zu westlicher Technologie erhalten, die militärische Anwendungsmöglichkeiten bietet, und wir dürfen nicht die sowjetische Volkswirtschaft
subventionieren. Die Sowjetunion muß sich der schwierigen Wahl stellen, vor der
sie durch ihre Militärhaushalte und ihre wirtschaftlichen Mängel steht.
Das dritte

�Das dritte Element ist regionale Stabilität mit friedlichem Wandel. Im vergangenen Jahr habe ich in einer Rede in Philadelphia und auf dem Gipfeltreffen in
Cancun den grundlegenden amerikanischen Plan zur Unterstützung der Entwicklungswelt umrissen. Diese Prinzipien für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben auch
weiterhin die Grundlage unserer Haltung. Sie bilden keine Bedrohung der Sowjetunion.
Und doch sehen wir, daß die sowjetischen Waffen und von der Sowjetunion unterstützte Truppen in der Entwicklungswelt versuchen, Gesellschaften zu destabilisieren und Moskaus Einfluß auszuweiten.
Ganz oben auf unserer Liste muß Fortschritt in Richtung auf einen Frieden in
Afghanistan stehen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich einer ernsthaften
Anstrengung zur Aushandlung einer Beendigung dieses Konfliktes anzuschließen, der
durch den sowjetischen Einfall in dieses Land hervorgerufen wurde. Wir sind bereit,
bei einer*internationalen Anstrengung mitzuwirken, um dieses Problem zu lösen, um
einen umfassenden sowjetischen Rückzug aus Afghanistan sicherzustellen und um die
Selbstbestimmung für das afghanische Volk zu gewährleisten.
Im südlichen Afrika haben wir in enger Zusammenarbeit mit unseren westlichen
Verbündeten und. den afrikanischen Staaten echten Fortschritt in Richtung auf eine
Unabhängigkeit Namibias erzielt. Diese Verhandlungen werden im Erfolgsfall zu
friedlichen und sicheren Bedingungen im gesamten südlichen Afrika führen. Der
gleichzeitige Abzug kubanischer Soldaten aus Angola ist für das Erreichen der
Unabhängigkeit Namibias von entscheidender Bedeutung - genau wie für die Schaffung
langfristiger Friedensaussichten in dieser Region.
Auch Mittelamerika ist zu einem gefährlichen Spannungsgebiet der Ost-WestBeziehungen geworden. Die Sowjetunion kann nicht der Verantwortung für die Gewalt
und das Leiden in dieser Region entgehen, die durch ihre Unterstützung für die
kubanischen Aktivitäten in Mittelamerika sowie durch ihren beschleunigten Tranfer
von modernster militärischer Ausrüstung an Kuba geschaffen wurden.
Doch war es in Osteuropa, wo die Hoffnungen der siebziger Jahre am größten
waren und wo sie am bittersten enttäuscht wurden. Es bestand die Hoffnung, daß
das polnische Volk sich eine freiere Gesellschaft schaffen könnte. Aber die
-8 -

�Aber die Sowjetunion erlaubte es dem polnischen Volk nicht, sein eigenes Schicksal
zu entscheiden - ebenso wenig wie es dies dem ungarischen Volk im Jahr 1956 und
dem tschechoslowakischen Volk im Jahr 1968 erlaubt wurde.
Wenn das Kriegsrecht in Polen aufgehoben wird, wenn alle politischen Gefangenen entlassen werden und wenn der Dialog mit der Gewerkschaft Solidarität wiederaufgenommen wird, werden die Vereinigten Staaten bereit sein, sich einem Programm
der wirtschaftlichen Unterstützung anzuschließen. Wasserwerfer und Schlagstöcke
gegen das polnische Volk sind kaum jene Art von Dialog, der uns zu Hoffnungen
Anlaß gibt. Es ist an der Sowjetunion und den von ihr abhängigen Regimen,

durch

konkrete Schritte guten Willen zu zeigen.
Der vierte Punkt ist die Abrüstung. Ich weiß, daß dies schwer auf vielen
von Ihnen lastet. Bei unserer Abschlußfeier im Jahr 1931 zitierten wir Carl
Sandburg, der in seinen Zeilen die Mutter Erde so schön sagen läßt:
Seht ihr, wie sich die rotglühende Sonne auf mein Kornfeld senkt?
Seht ihr das Gestade der Gestirne, auf dem Weizen die Wogen der Dämmerung?
Welch eine idyllische Szene ersteht da vor unserem Auge - und welch alptraumhafte Aussicht, daß ein gewaltiger Atompilz eines Tages diese Schönheit zerstören
könnte! Es ist meine Pflicht als Präsident, sicherzustellen, daß dieser schrecklichste aller Alpträume niemals Wirklichkeit wird, daß die Wiesen und die Städte
und die Menschen, die darin wohnen, frei und unberührt bleiben von einem nuklearen
Konflikt.
Ich wünsche über alles, es gäbe eine einfache Politik, die die atomare Gefahr
beseitigen könnte. Aber es gibt nur eine Politik der schweren Wahl, durch die wir
ein stabiles Nukleargleichgewicht auf dem niedrigstmöglichen Niveau erreichen
können.
Ich habe keinen Zweifel daran, daß das sowjetische Volk, ja, auch die
sowjetische Führung,ein primäres Interesse daran hat, den Einsatz von Kernwaffen
zu verhindern. Die Sowjetunion kennt aus der Erinnerung ihrer Führung die Ver-

9 -

�Führung die Verwüstungen eines totalen konventionellen Krieges und weiß, daß
ein Atomkrieg nur noch schrecklicher wäre. Und doch hat die Sowjetunion bisher
die RüstungskontrollVerhandlungen hauptsächlich als ein Instrument zur Behinderung
amerikanischer Verteidigungsprogramme sowie - in Verbindung mit ihrer eigenen
Aufrüstung - als Mittel zur Vermehrung sowjetischer Macht und sowjetischen
Prestiges eingesetzt.
Leider verstärkt sich seit einiger Zeit der Verdacht, daß die Sowjetunion
ihren Verpflichtungen aus bestehenden Rüstungskontrollvertragen nicht gerecht wird.
Es gibt schlüssige Beweise dafür, daß die Sowjetunion den Laoten und den Vietnamesen Giftstoffe zum Einsatz gegen wehrlose Dorfbewohner in Südostasien zur Verfügung gestellt hat. Und die Sowjets selbst verwenden chemische Waffen gegen die
Freiheitskämpfer in Afghanistan.
Wir müssen für die Rüstungskontrolle in den achtziger Jahren klare Kriterien
erarbeiten. Wenn wir durch Rüstungskontrolle echte und dauerhafte Zurückhaltung bei
den sowjetischen Militärprogrammen erreichen wollen, müssen wir Abkommen anstreben,
die verifizierbar, ausgewogen und militärisch bedeutsam sind. Abkommen, die nur
den Anschein von Rüstungskontrolle bieten, schaffen gefährliche Illusionen.
Im vergangenen November verpflichtete ich die Vereinigten Staaten zur Suche
nach bedeutsamen Verminderungen der nuklearen und konventionellen Streitkräfte.
In Genf haben wir seither Begrenzungen bei den amerikanischen und sowjetischen
Raketen mittlerer Reichweite vorgeschlagen, einschließlich der vollständigen Beseitigung der bedrohlichsten Systeme auf beiden Seiten.
In Wien verhandeln wir zusammen mit unseren Verbündeten über eine Verringerung
t
der konventionellen Streitkräfte in Europa.
Im Abrüstungsausschuß, dem vierzig Staaten angehören, erstreben die Vereinigten
Staaten ein umfassendes Verbot aller chemischen Waffen.
Seit den

j

r

�Seit den ersten Tagen meiner Administration arbeiten wir an unserer Haltung
hinsichtlich der entscheidenden Fragen der Verhandlungen mit der Sowjetunion über
Rüstungskontrolle bei den strategischen Waffen. Die erforderliche Analyse war
komplex und schwierig. Sie hatte mit Bedacht, mit Sorgfalt und mit Präzision zu
geschehen. Wir haben für diese Verhandlungen eine solide Grundlage geschaffen,
wir konsultieren uns mit der Führung des Kongresses und mit unseren Verbündeten,
und wir sind jetzt bereit, voranzugehen.
Die größte Bedrohung des Friedens durch die Kernwaffen kommt heute von der
zunehmenden Instabilität des nuklearen Gleichgewichts. Dies rührt von dem immer
zerstörerischeren Potential der massiven sowjetischen Aufrüstung bei der
ballistischen Raketenstreitmacht her.
Es ist daher unser Ziel, die Abschreckung zu verstärken und durch bedeutsame
Verringerungen bei den destabilisierendsten Nuklearsystemen, den ballistischen
Raketen - und insbesondere den ballistischen Interkontinentalraketen -, Stabilität
zu erlangen, während gleichzeitig eine nukleare Kapazität beibehalten wird, die
ausreicht, um vor einem Konflikt abzuschrecken, unsere nationale Sicherheit zu
gewährleisten und unseren Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten und Freunden nachzukommen.
Was die nächste Zukunft anbelangt, so werde ich unsere Vertreter bei den
START-Verhandlungen anweisen, ihren sowjetischen Verhandlungspartnern einen
praktischen, schrittweisen Verminderungsplan vorzuschlagen. Unsere Anstrengungen
werden sich darauf konzentrieren, die destabilisierendsten Systeme - die ballistischen Raketen -, die Anzahl der Gefechtsköpfe, die sie tragen, sowie ihr Gesamtzerstörungspotential beträchtlich zu verringern.
Ich hoffe, daß am Ende der ersten Phase der START-Verhandlungen die Gefechtsköpfe der ballistischen Raketen - der schwerwiegendsten Bedrohung, vor der wir
stehen - auf einen gleichen Stand - mindestens auf ein Drittel unter dem derzeitigen Stand - vermindert werden. Um die Stabilität zu steigern, wäre mein
Vorschlag, daß nicht mehr als die Hälfte dieser Gefechtsköpfe landgestützt ist.

- 11 -

�landgestützt ist. Ich hoffe, daß diese Verminderung der Gefechtsköpfe sowie
beträchtliche Verminderungen bei den Raketen selbst so rasch wie möglich erreicht
werden können.
In einer zweiten Phase streben wir eine gleiche Obergrenze auch bei anderen
Elementen unserer strategischen Kernwaffen an, einschließlich einer Begrenzung
der Nutzlast der ballistischen Raketen auf weniger als das derzeitige amerikanische Niveau. In beiden Phasen werden wir auf Verifizierungsverfahren bestehen,
um sicherzustellen, daß das Abkommen eingehalten wird.
Die gewaltige Aufgabe des Abbaus und der Umgestaltung unserer strategischen
Streitkräfte zur Erhöhung der Sicherheit wird viele Jahre konzentrierter Anstrengung erfordern. Aber ich bin der Überzeugung, daß es möglich sein wird, das
Kriegsrisiko durch die Beseitigung der Instabilitäten, die derzeit existieren,
und durch den Abbau der nuklearen Bedrohung zu vermindern.
Ich habe an Präsident Breschnew geschrieben und Außenminister Haig ersucht,
sich hinsichtlich der Einladung zu formellen Verhandlungen über den Abbau der
strategischen Waffen - der START-Verhandlungen - zum frühestmöglichen Zeitpunkt
mit der sowjetischen Regierung in Verbindung zu setzen. Wir hoffen, daß die
Verhandlungen Ende Juni beginnen werden.
Wir werden ernsthaft und in gutem Glauben verhandeln und alle Vorschläge der
Sowjetunion sorgfältig abwägen. Wenn sie im gleichen Geist in diese Verhandlungen
eintritt, so bin ich zuversichtlich, daß wir gemeinsam zu einem Abkommen von
dauerndem Wert gelangen werden, das die Anzahl der Kernwaffen vermindern, das
Anwachsen der strategischen Streitkräfte zum Stillstand bringen und den Weg für
noch weitreichendere Schritte in der Zukunft öffnen wird.
Ich hoffe, daß der heutige Beginn für Sie auch den Beginn einer neuen Ära
kennzeichnet - im doppelten Sinn des Wortes einen neuen Start - in Richtung auf
eine friedlichere und sicherere Welt.
Schließlich schlage
- 12 -

�Schließlich schlage ich als letzten und als zuverlässigsten Punkt für die
Ost-West-Beziehungen den Dialog vor. Ich habe stets daran geglaubt, daß Probleme
dann gelöst werden können, wenn Menschen miteinander reden anstatt übereinander.
Ich habe bereits meinen eigenen Wunsch zum Ausdruck gebracht, mich nächsten Monat
in New York mit Präsident

Breschnew zu treffen. Wenn dies nicht möglich ist, so

hoffe ich, daß ein anderes Treffen vereinbart werden kann, von dem positive Ergebnisse zu erwarten sind. Und wenn wir uns zusammensetzen, werde ich Präsident
Breschnew sagen, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, ein neues gegenseitiges
Verständnis zu schaffen, das sich auf den Prinzipien gründet, die ich heute dargelegt habe. Ich werde ihm sagen, daß seine Regierung und sein Volk von den Vereinigten Staaten nichts zu fürchten haben. Die freien Nationen, die friedlich in
der Völkergemeinschaft.leben, können die Tatsache bestätigen, daß wir nur Harmonie
suchen. Und ich werde Präsident

Breschnew fragen, warum unsere beiden Nationen

nicht beiderseitige Zurückhaltung üben können. Warum können unsere Völker sich
nicht der Vorteile erfreuen, die sich aus echter Zusammenarbeit ergeben würden?
Warum können wir nicht die Anzahl dieser schrecklichen Waffen vermindern?
Vielleicht sollte ich mit ihm auch über diese Schule und die jungen Graduierten
sprechen, die sie heute verlassen - über Ihre Hoffnungen für die Zukunft, Ihre
tiefe Sehnsucht nach Frieden und doch Ihre entschlossene Verpflichtung zur Verteidigung Ihrer Werte, sollten sie bedroht sein. Vielleicht würde er Amerika
besser verstehen, wenn er eines Tages einer Feier wie dieser hier beiwohnen
könnte. In dem einzigen System, das er kennt, wären Sie hier aufgrund einer Entscheidung der Regierung, und an diesem Tag wäre die Regierung hier vertreten, um
vielen von Ihnen zu sagen, wo Sie nach Ihrem Abschluß zu arbeiten hätten.
Aber wenn wir zu den Gesprächen nach Europa gehen und uns den bedeutenden
Herausforderungen stellen, vor denen dieses Land steht, dann sollen Sie wissen,
daß ich an Sie denke, an Eureka und daran, was Sie repräsentieren. Ich erinnere
mich, in einem meiner Jahrbücher gelesen zu haben, daß "es die Aufgabe der Prärie
ist, Boden für das Wachsen einer starken westlichen Kultur zu sein." Ich glaube,
daß Eureka diese Arbeit tut. Sie, die Angehörigen der Abschlußklasse von 1982,
sind die Ernte dieses Jahres.
Eureka ist
- 13 -

�Eureka ist eine Institution, und Sie als einzelne halten das Beste der
Ideale des westlichen Menschen hoch. Als Fellow Graduate und als Träger meines
Amtes werde ich alles tun, um dieselben Ideale hochzuhalten.
+++++

- 14 -

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Dokumentation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Mai 1982

19

STOESSEL: GEWALTIGER GEGENSATZ ZWISCHEN WORTEN UND TATEN DER SOWJETUNION
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor dem
World Affairs Council -

ASILOMAR, KALIFORNIEN - (AD) - Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Walter Stoessel erklärte am 2. Mai 1982 in Asilomar in Kalifornien
in einer Rede vor dem "World Affairs Council", der "gewaltige Gegensatz" zwischen den friedlichen Absichtserklärungen der Sowjetunion und der Liste ihrer
Taten dürfe nicht außer acht gelassen werden.

Manche seien der Meinung, Frie-

den und Abrüstung könnten durch einseitige Akte der Zurückhaltung erreicht und
"das unverantwortliche Verhalten der Sowjetunion in instabilen Weltgegenden
könne im Verfolg der Entspannung ohne Schaden ignoriert werden".

Dieses Re-

zept für eine Politik zu übernehmen sei jedoch in höchstem Maß gefährlich,
"gründet es sich doch auf ein fundamentales Mißverständnis hinsichtlich der
Motive und des tieferen Sinnes der sowjetischen Handlungsweise."
Die Rede Stoessels hat folgenden Wortlaut:
Im Jahr 1982 begehen wir und unsere europäischen Verbündeten den Jahrestag zweier erinnerungswürdiger Ereignisse:

den 35. Jahrestag des Marshai 1-

Planes, der den Weg für die wirtschaftliche Gesundung Europas nach dem Zwei-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�dem Zweiten Weltkrieg ebnete; und den 25. Jahrestag der Römischen Verträge,
durch die die Europäische Gemeinschaft ins Leben gerufen wurde.
Diese Ereignisse bilden zusammen mit der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags im Jahr 1949 handgreifliche Beweise für zwei historische Entwicklungen in diesem Jahrhundert:

die von den Vereinigten Staaten und Europa ge-

troffene Entscheidung, eine kraftvolle und dauerhafte Partnerschaft einzugehen, um Frieden und Wohlergehen zu sichern; und die von den Westeuropäern getroffene Entscheidung, das Trennende der Vergangenheit zu überwinden und sich
gemeinsam der Zukunft zu stellen.
Wenn wir diese Entscheidungen und die daraus folgenden Ereignisse überdenken, so fragen wir uns, wie es um die amerikanisch-europäischen Beziehungen
bestellt ist. Verließe man sich hierbei lediglich auf die Presse, könnte man
den Eindruck gewinnen, daß die Grundlagen der Atlantischen Gemeinschaft zerbröckeln und daß die amerikanisch-westeuropäischen Beziehungen sich im schlechtesten Zustand seit Ende des Zweiten Weltkrieges befinden.
An einem Tag konzentrieren sich die Schlagzeilen auf die Zinsen und auf
die Frage, welcher Weg am ehesten aus der Rezession und der Inflation herausführen könnte, die die Volkswirtschaften aller westlichen Länder erschüttern.
Am nächsten Tag werden auf der ersten Seite die Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und den Westeuropäern hinsichtlich Mittelamerikas und hinsichtlich der Strategie in den Mittelpunkt gerückt, mit der dem sowjetischen
und kubanischen Einfluß dort begegnet werden sollte. Dann wieder konzentrieren sich die Medien auf die europäische Friedensbewegung und deren Ablehnung
einer Dislozierung amerikanischer Nuklearsysteme mittlerer Reichweite in Europa oder auf angebliche amerikanisch-europäische Spannungen bei der Frage, wie
auf die Unterdrückung in Polen zu reagieren sei.
Diese und andere Probleme gibt es natürlich, und ich habe die Absicht,
heute einige davon anzusprechen.

In einem Bündnis freier und demokratischer

Staaten sind unterschiedliche Ansichten zu erwarten, ja, sie sind eine Quelle
seiner Stärke und Vitalität.

Dies ist ein großer und guter Unterschied zwischen
- 2 -

�Unterschied zwischen uns und der kommunistischen Welt. Gleichzeitig aber
bin ich der Meinung, daß das Ausmaß dieser Probleme Libertrieben wird und daß
das Atlantische Bündnis immer noch zu allererst durch seine fundamentale Einigkeit gekennzeichnet ist.
Trotz unserer Meinungsverschiedenheiten teilen wir und unsere europäischen
Verbündeten uns in der gleichen Beurteilung der widrigen Trends im globalen
Mächtegleichgewicht. Wir haben gemeinsam bedeutsame Entscheidungen getroffen,
um die konventionelle und nukleare Verteidigung der NATO zu modernisieren.
Wir arbeiten eng zusammen, um eine politische Lösung der Krise in Afghanistan
zu finden und in Slidwestasien einen neuen Sicherheitsrahmen zu erstellen, der
notwendig ist, um lebenswichtige westliche Interessen zu schützen. Und wir
haben große Fortschritte in Richtung auf eine friedliche Verhandlungslösung
für die miteinander zusammenhängenden Probleme der Freiheit Namibias und des
kubanischen Rückzugs aus Angola gemacht.
Die Beständigkeit und Dauerhaftigkeit des Atlantischen Bündnisses entstammen der Tatsache, daß sich die Grundlagen, auf denen das Bündnis ruht,
noch nicht geändert haben.
- Erstens sind wir, die atlantischen Demokratien, geeint durch gemeinsame
Geschichte, Kultur, Werte und Interessen;
- zweitens bleibt die sowjetische Bedrohung westlicher Werte und westlicher Sicherheit auch weiterhin bestehen; und
- drittens bleibt es auch weiterhin unsere Überzeugung, daß die westeuropäische und die amerikanische Sicherheit unteilbar sind.
Gesundheit und Lebenskraft unseres Bündnisses sind so groß, daß es bei
unseren Argumenten um ganz spezielle Probleme sowie darum geht, dem Bündnis
die bestmögliche Gestalt zu verleihen - und nicht um die Frage, ob es überhaupt ein Bündnis geben sollte.
Diese Grundsätze
- 3 -

�Diese Grundsätze haben in der Vergangenheit dazu gedient, uns zu einen
- und sie werden uns sicherlich auch in der Zukunft einen.

Wir können darauf

vertrauen, daß auch weiterhin unsere gemeinsamen Ideale und Wertvorstellungen
geteilt werden.

Aber wir können genauso sicher sein, daß die sowjetische Her-

ausforderung das zentrale außenpolitische Problem bleiben wird, vor dem wir
stehen.
Die europäisch-amerikanische Partnerschaft ist ein entscheidender Faktor
bei unseren Anstrengungen, vor einer sowjetischen Aggression abzuschrecken
und ein stabileres und konstruktiveres Verhältnis zu Moskau zu schaffen.

Der

Marshäll-Plan und das Nordatlantische Bündnis waren nicht als Mittel entworfen,
Europa zu teilen oder eine Ost-West-Konfrontation zu provozieren, sondern als
Instrumente zur Stärkung des Friedens auf diesem Kontinent.
Der Frieden wurde bewahrt.

Aber zu unserem Bedauern hat die Suche nach

Stabilität und größerer Zusammenarbeit zwischen Ost und West nur wenig dauerhaften Erfolg gebracht.

Ja, gerade im vergangenen Jahrzehnt waren die Ent-

täuschungen am größten.

Zum Teil sind sie Ausfluß der Hoffnungen, die wir heg-

ten.

Zum größten Teil aber sind sie Produkte sowjetischer Politik.
Trotz westlicher Zurückhaltung hat die Sowjetunion in diesem vergangenen

Jahrzehnt ihre konventionellen und nuklearen Streitkräfte in einer noch nie
dagewesenen Weise aufgerüstet - auf ein Niveau, das bei weitem die legitimen
Verteidigungserfordernisse übersteigt.

Die erschreckendste Manifestation die-

ser Aufrüstung sind die SS-20-Raketen mittlerer Reichweite.
Die Sowjets haben mehr als 300 SS-20 disloziert, wobei jede mit drei höchst
treffgenauen Gefechtsköpfen bestückt ist, obgleich die NATO schon seit langem
von einer Dislozierung gleichartiger Raketen absieht.

Durch seine Bedrohung

Westeuropas mit diesen neuen und besseren Raketen bedroht Moskau zugleich auch
das militärische Gleichgewicht auf dem Kontinent und schwächt die Glaubwürdigkeit der Abschreckung des Bündnisses vor einem sowjetischen Angriff.
In gleichem
•

�In gleichem Maße beunruhigend ist die Tatsache, daß Moskau mit zunehmender militärischer Macht der Sowjetunion auch immer mehr Bereitschaft zeigt,
Gewalt - sei es direkt, sei es durch Stellvertreter - anzuwenden, um Instabilitäten in der Entwicklungswelt auszunützen und regionale Entwicklungen in eine
Richtung zu lenken, die für die westlichen Interessen schädlich ist.
Die Liste sowjetischer und von der Sowjetunion unterstützter Interventionen ist lang und wohlbekannt: Angola, Äthiopien, Kampuchea, Afghanistan
und nunmehr Mittelamerika.

Näher an ihren eigenen Grenzen führten die Sowjets

- in Mißachtung ihrer Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von Helsinki - die
Verhängung des Kriegsrechts in Polen herbei und bewiesen damit erneut ihre
Vorliebe für die Anwendung von Gewalt, anstatt den Völkern zu erlauben, ihre
eigene Zukunft ohne Einmischung von außen zu gestalten.
Wenn wir und die Europäer uns daher mit dem Problem beschäftigen, uns
der sowjetischen Herausforderung zu stellen, dürfen wir den gewaltigen Gegensatz zwischen Moskaus friedlichen Absichtserklärungen und der Liste der sowjetischen Taten nicht außer acht lassen. Es gibt sowohl in Westeuropa als auch
in den Vereinigten Staaten Menschen, deren Argument lautet, man brauche sich
nicht um diese sowjetischen Taten zu sorgen, Frieden und Abrüstung könnten
durch einseitige Schritte der Zurückhaltung erreicht werden, ein Gleichgewicht
militärischer Macht sei nicht länger lebenswichtig und das unverantwortliche
Verhalten der Sowjetunion in instabilen Weltgegenden könne im Verfolg der Entspannung ohne Schaden ignoriert werden.

Dieses Rezept für eine Politik zu

übernehmen wäre jedoch in höchstem Maß gefährlich, gründet es sich doch auf ein
fundamentales Mißverständnis hinsichtlich der Motive und des tieferen Sinnes
der sowjetischen Handlungsweise.
Die Regierungen im Bündnis erkennen diese Gefahr und teilen unsere Besorgnis hinsichtlich der Notwendigkeit einer Stärkung der westlichen Verteidigung.
Wir mögen unsere Meinungsverschiedenheiten bei bestimmten Aspekten der Nachrüstungsanstrengung haben. Aber im wesentlichen haben wir' unsere Fähigkeit
zur Zusammenarbeit bei der Stärkung unserer Verteidigung und bei der Erarbeitung der Grundlagen für ernsthafte RüstungskontrollVerhandlungen mit den Sowjets
- 5 -

�den Sowjets unter Beweis gestellt.
Mit Annahme des historischen Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 über
die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF-Systeme) haben die Mitglieder der
NATO ihre Stärke und Entschlossenheit bewiesen, mit der Dislozierung amerikanischer Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen voranzugehen, während gleichzeitig der Versuch unternommen wird, durch Verhandlungen die Bedrohung zu beseitigen, die die vergleichbaren sowjetischen Systeme darstellen.

Der NATO-

Beschluß des Jahres 1979 spiegelt die seitens der Bündnisregierungen geteilte Ansicht wider, daß die Dislozierung der SS-20 durch die Sowjetunion das
militärische Gleichgewicht in Europa qualitativ verändert hat.
Es ist kein Geheimnis, daß die von uns geplante Raketendislozierung in
einigen europäischen Ländern ihre Kritiker hat. Die Sowjets setzen derzeit
auf die Möglichkeit, daß der NATO-Doppelbeschluß unter dem Druck des organisierten Protestes zerbrechen wird.

Aus diesem Grund haben sie sowohl in der

Öffentlichkeit als auch bei den Genfer Verhandlungen ganz offenkundig einseitige Vorschläge vorgelegt.
meinsame Zielsetzung:

Diese sowjetischen Vorschläge haben alle eine ge-

Sie sollen die Dislozierungen der NATO blockieren und

gleichzeitig den ungehinderten Fortgang des sowjetischen Modernisierungsprogramms ermöglichen.
Ich bin sicher, daß die Regierungen
pflichtung stehen

des Bündnisses fest zu ihrer Ver-

und daß die Sowjets zu der Einsicht gelangen werden, daß

bei den Genfer Gesprächen ernsthafte Verhandlungen nötig sind. Wir freuen uns,
daß die Sozialdemokratische Partei der Bundesrepublik Deutschland auf ihrem
jüngsten Parteitag in München erneut ihre Unterstützung für den NATO-Doppelbeschluß bekräftigt hat.
Die Grundlage für echte Verminderungen bei den Nuklearen Mittel Streckensystemen wurde durch Präsident Reagan geschaffen.

In seiner Rede vom 18. No-

vember machte der Präsident seine Bereitschaft deutlich, die gesamten INFDislozierungen der Vereinigten Staaten aufzuheben, wenn die Sowjets sich bereit erklären, ihre eigenen landgestützten Raketen mittlerer Reichweite abzu- 6 -

�Reichweite abzubauen.

Im Gegensatz zu den sowjetischen Vorschlägen ist die

Null-Lösung ein ernsthaftes und ausgewogenes Angebot, das jene Systeme beseitigen würde, die die beiden Seiten für am bedrohlichsten halten.

Es wurde in

enger Konsultation mit den Verbündeten entworfen und hat ihre volle Unterstützung.
Die Kontroverse über die INF-Systeme war ein Faktor für die Belebung
einer neuen Debatte sowohl hier als auch in Europa über die Rolle der Kernwaffen bei der Verteidigung der NATO.

Unter

Aufwerfung der Frage der weite-

ren Lebensfähigkeit der gültigen Doktrin der nuklearen Abschreckung und der
"flexiblen Antwort"

fordern vier hochstehende frühere amerikanische Regie-

rungsvertreter, die Vereinigten Staaten sollten eine Politik übernehmen, die
keinen Ersteinsatz von Kernwaffen in Europa vorsieht - mit dem Argument, daß
in einer Zeit der nuklearen Parität die Drohung mit einem nuklearen Ersteinsatz eine leere Drohung sei.
Wie gut auch immer gemeint, sind diese Empfehlungen ein Rezept für größere Instabilität und Unsicherheit - nichts anderes.

Der beste Grund, bei

der jetzigen Strategie der NATO zu bleiben, liegt in der Tatsache, daß sie
funktioniert.

Schrecklich wie der Einsatz von Kernwaffen auch wäre:

Die

nukleare Abschreckung und die flexible Antwort haben 37 Jahre lang erfolgreich
den Frieden bewahrt, indem sie sichergestellt haben, daß das Risiko, das mit
einem Krieg verbunden ist, die potentiellen Vorteile einer Aggression aufwiegt.
Es ist gerade die Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten auf einen konventionellen Angriff der Sowjetunion mit Kernwaffen reagieren könnten, wodurch sichergestellt wird, daß die Sowjets nicht angreifen und daß sie keine
politische Hebelwirkung aus ihrer massiven Überlegenheit bei den konventionellen Streitkräften erlangen können.

Ein Verzicht auf die Option eines atomaren

Ersteinsatzes würde trotz seiner oberflächlichen Attraktivität die Kriegsgef a h r in Europa erhöhen, während er gleichzeitig dazu dienen würde, den amerikanischen Nuklearschirm von der Verteidigung Europas wegzunehmen.
Dies besagt
- 7 -

�Dies besagt nicht, daß Kernwaffen die erste Verteidigungslinie der NATO
sein sollten, daß eine Entscheidung zu ihrem Einsatz irgendwie als automatisch
angesehen werden sollte oder daß wir unsere Strategie auf die zweifelhafte Annahme gründen sollten, daß ein Atomkrieg in Europa begrenzt sein könnte. Ja,
es ist eine der wichtigsten Aufgaben der NATO in den achtziger Jahren, die Kapazität des Bündnisses zu stärken, einen sowjetischen Angriff mit konventionellen Streitkräften zurückzuweisen und dadurch die Nuklearschwelle höher zu
setzen.
Unglücklicherweise sind viele von denjenigen, die sich so ungestüm gegen
eine Modernisierung der Nuklearen Mittel Streckensysteme der NATO wenden, aber
auch nicht geneigt, die notwendigen Verbesserungen bei den konventionellen Kapazitäten zu unterstützen - was ihre antinukleare Einstellung eigentlich nahelegen sollte, wenn sie es mit der Verteidigung überhaupt ernst meinen.

Die

NATO-Regierungen müssen eine konzertiertere Anstrengung unternehmen, um die
dringend benötigten Verteidigungsverbesserungen durchzuführen, die das Bündnis
aufgezeigt hat. Eine vermehrte Anstrengung - nicht aber ein Wandel bei der
erprobten Doktrin, die sich als richtig erwiesen hat - ist der Weg, um zu einer
glaubwürdigeren Abschreckung zu gelangen.
Gleichzeitig sollten wir aber auch nicht den Beitrag unterschätzen, den
unsere Verbündeten zur Verteidigung der NATO beitragen. Einige Amerikaner, die
durch das frustriert sind, was sie als ein europäisches Zögern zur Übernahme
eines größeren Anteils der konventionellen Verteidigungslasten ansehen, haben
sich sogar für einen Abzug der amerikanischen Truppen aus Europa und für eine
Haltung des Alles-oder-Nichts gegenüber den Verbündeten stark gemacht.
Wie Außenminister Haig festgestellt hat, sollten wir nicht vergessen,
daß unsere NATO-Verbündeten - wenn man das Jahrzehnt der siebziger Jahre als
Ganzes nimmt - ihre Verteidigungsausgaben wesentlich verstärkt haben, während
die amerikanischen Verteidigungsanstrengungen eingeschränkt wurden. Wir sollten auch nicht die Tatsache übersehen, daß die europäischen Mitglieder der
NATO einen höheren Prozentsatz der Luft-, Boden- und Seestreitkräfte stellen,
die die konventionelle Abschreckung der NATO bilden.
- 8 -

Es ist also unfair, mit

�unfair, mit unseren Verbündeten zu hart ins Gericht zu gehen.
Insgesamt haben wir und unsere Verbündeten ein eindrucksvolles Maß an
Einheit im Hinblick auf die Verteidigungs- und Rüstungskontrollpolitik an den
Tag gelegt.
Wenn man sich dem Gebiet der amerikanisch-westeuropäischen Wirtschaftsbeziehung zuwendet, dann ist die Situation zugegebenermaßen komplizierter.
Die Europäische Gemeinschaft, deren 25. Geburtstag wir in diesem Jahr begehen, hat einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Fortschritt geleistet.
Dies war und bleibt für den Westen als Gesamtheit von Nutzen:

Die Ge-

meinschaft steht nur hinter Kanada als Handelspartner der Vereinigten Staaten zurück, und die Handelsbilanz war kontinuierlich zu unseren Gunsten.
Aber dies hat auch zu schwierigen Herausforderungen auf dem Gebiet der internationalen Handelspolitik geführt.

Das hervorstechendste Problem für die

Vereinigten Staaten im Hinblick auf den Handel zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft liegt auf dem Gebiet der Landwirtschaft.

Als Ergebnis

der protektionistischen Politik der Gemeinschaft und der internen Subventionen wurden unsere Märkte in Europa in immer stärkerem Maße eingeengt, und
unsere internationalen Märkte sind derzeit durch die subventionierten europäischen Exporte bedroht.

Es sind immer zwei nötig, um einen Handelskonflikt

zu verhüten, und wir sind bereit, unseren Teil dazu beizutragen; zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es an den Europäern, etwas zu unternehmen.
Die Westeuropäer und wir haben ebenfalls unterschiedliche Ansichten in
bezug auf die Aspekte der Ost-West-Handelspolitik. Unsere Administration hat
den Westeuropäern unsere ernsthaften Bedenken hinsichtlich der Erdgasleitung
deutlich gemacht, die zwischen Sibirien und Westeuropa gebaut werden soll. Zu
unserem Bedauern sind die Westeuropäer weiter entschlossen, mit diesem Röhrenprojekt voranzugehen.
Im Zuge der Ereignisse in Polen sind wir stärker denn je zu der Ansicht
gelangt, daß die Praxis, steuerlich subventionierte Exportkredite an die
- 9f -

�an die Sowjetunion zu vergeben, überprüft werden muß. Während die Vereinigten Staaten den Sowjets keine subventionierten Kredite gewähren, wetteifern
gegenwärtig andere westliche Staaten miteinander, solche Kredite anzubieten
- mit dem Ergebnis, daß Moskau in der Lage ist, westliche Güter und westliche Technologie zu importieren und dafür mit westlichem Finanzkapital zu
bezahlen. Wir sind ebenfalls besorgt darüber, daß Regierungen an Moskau bei
Warenkrediten Bürgschaften gewähren. Angesichts der prekären Position des
Ostblocks im Hinblick auf harte Währungen, dienen solche Bürgschaften nur
dazu, unvorsichtige Kredite seitens privater Banken zu ermutigen.
Ein weiteres wichtiges Gebiet im Rahmen der Ost-West-Handelspolitik, bei
dem diese Administration der Ansicht ist, daß eine engere Koordination zwischen
den Verbündeten notwendig ist, ist das der Kontrollen des Technologietransfers.
Wir machen uns Sorgen darüber, daß die Expansion des Ost-West-Handels in den
siebziger Jahren zu einem Transfer moderner Technologie in die Sowjetunion
führte, der direkt die militärische Kapazität der Sowjets förderte.
Im Juni vergangenen Jkhres erreichte Präsident Reagan auf der Gipfelkonferenz in Ottawa die Zusicherung seitens der westlichen Staatsmänner, eine
Verstärkung der westlichen multilateralen Kontrollen hinsichtlich des Technologieflusses in den Sowjetblock zu erreichen. Als Folge davon wurde im Januar
in Paris eine Konferenz auf hoher Ebene abgehalten, und die Aussichten für
schärfere Exportkontrollen sind gut.
Unsere Besorgnisse bezüglich der Erdgasleitung, der offiziellen Bürgschaften und des Technologietransfers bedeuten nicht, daß wir für eine Strategie der wirtschaftlichen Kriegführung mit der Sowjetunion eintreten, sondern sie
reflektieren vielmehr die Notwendigkeit für ein umsichtiges und vorsichtiges
Unterhalten der wirtschaftlichen Beziehungen des Westens mit Moskau. Wenn wir
unterschiedliche Ansichten mit unseren Verbündeten hatten, dann bezogen sich
diese nicht auf grundlegende Ziele, sondern sie betrafen die Frage, wie unsere
gemeinsamen Ziele am besten erreicht werden könnten.
Ich werde
- 10 -

�Ich werde in der nächsten Woche nach Europa reisen, um an der Konferenz
der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) teilzunehmen. Auf diesem Treffen werden wir diese und andere Wirtschaftsfragen zwischen Ost und West erörtern, wie auch Probleme der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Industrienationen

und den Entwicklungslän-

dern.
Im Verlaufe der Jahre war eine der Stärken des Bündnisses unsere Fähigkeit, ein gemeinsames und für alle nützliches Vorgehen im Hinblick auf die
meisten politischen wie wirtschaftlichen Fragen aufgrund von Konsultationen
zu entwickeln. Die Probleme, die wir in den achtziger Jahren im Hinblick auf
die Sicherheitspolitik, den Ost-West-Handel und die wirtschaftliche Entwicklung der Dritten Welt anpacken müssen, werden eine noch größere Herausforderung darstellen. Es ist daher also nicht überraschend, daß die Frage, wie
man die Konsultation und Koordination den westlichen Regierungen fördern kann,
jetzt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit auf hoher Ebene steht.
Bundesaußenminister Genscher und der italienische Außenminister Colombo
haben kürzlich die Schaffung neuer Mechanismen und Methoden gefordert, um
die Politik innerhalb der NATO und der Europäischen Gemeinschaft zu koordinieren.

Die amerikanische Regierung begrüßt natürlich die Möglichkeit der

Stärkung dieser Institutionen, die uns in den Jahren nach dem Krieg so gute
Dienste geleistet haben.

Die Konsultationen mit der NATO sowie zwischen den

Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft haben für uns eine Struktur für die anhaltende Erörterung einer Vielfalt von politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen geschaffen.

Die wirtschafts-poli-

tischen Gipfelkonferenzen, die 1975 begannen, boten ein zusätzliches Forum,
auf dem man die in zunehmendem Maße komplizierter werdenden Probleme der Handels- und Währungspolitik anpacken konnte. Wir begrüßen die Vorschläge für
einen noch größeren Dialog zwischen den NATO-Verbündeten und zwischen den
Industriedemokratien der Welt.
Es wird im nächsten Monat eine Anzahl wichtiger Gelegenheiten für einen
intensivierten amerikanisch-europäischen Dialog geben.
- 11 -

Im Juni wird der Prä-

�der Präsident an zwei bedeutenden Gipfeltreffen teilnehmen und sich bilateral
mit verschiedenen unserer engsten Verbündeten beraten:
- in Versailles werden die Vereinigten Staaten mit Frankreich, Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland, Italien, Kanada, Japan sowie
Vertretern der Europäischen Gemeinschaft zusammentreffen, um wichtige Wirtschaftsfragen zu erörtern, denen sich die Industriedemokratien gegenübersehen.

Sie werden sich um einen größeren Konsens und eine gemeinsame Beurteilung

von Fragen bemühen, die für das wirtschaftliche Wachstum und das Wohlergehen
des Westens, für den Ost-West-Handel und das internationale Handelssystem
von entscheidender Bedeutung sind.
- In Bonn werden die NATO-Verbündeten auf einem Gipfeltreffen zusammenkommen, um die westliche Partnerschaft und die Richtung zu überprüfen, in der
man in den kommenden Jahren vorangehen sollte. Hier werden wir und die anderen Verbündeten vor allem an die Gebote des Friedens und der Sicherheit denken.' » und damit an ein verantwortungsvolles Verhalten der Sowjetunion und eine
starke westliche Verteidigung, auf die sich sowohl die Sicherheit als auch
der Fortschritt in der Rüstungskontrolle stützen muß.

Ich brauche in dieser

Hinsicht wohl nicht zu unterstreichen, wie sehr Präsident Reagan sich dem
Ziel wesentlicher Reduzierungen bei den Kernwaffen verpflichtet hat.

Ich

rechne damit, daß der Präsident auf dem NATO-Gipfel mit den Verbündeten über
unsere Pläne für die Gespräche über eine Reduzierung der strategischen Rüstungen (START) sprechen wird, die wahrscheinlich in diesem Sommer beginnen werden.
Ich habe Ihnen nur einen teilweisen Überblick über unsere Beziehungen zu
Westeuropa gegeben. Aber ich hoffe, ich habe erfolgreich deutlich gemacht,
daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa im Grunde
gesund sind.

Die Beziehungen zwischen souveränen Demokratien wären nicht ge-

sund, wenn sie nicht durch einen kräftigen Prozeß der Diskussion gekennzeichnet wären, einen Austausch von Meinungen, wenn es Unterschiede gibt.und einen
entscheidend wichtigen Prozeß der Schaffung eines Konsens über grundlegende
Fragen.
Darüber hinaus
- 12 -

�Darüber hinaus wird eine neue Nachkriegsgeneration die Führung der westlichen Nationen in dem vor uns liegenden Jahrzehnt übernehmen.

Es ist umso

wichtiger, daß der politische und wissenschaftliche Austausch zwischen den
Verbündeten intensiviert wird, damit das gegenseitige Verständnis, das die
Beziehungen zwischen den USA und Westeuropa charakterisiert, auch in Zukunft
aufrechterhalten oder»besser noch»vertieft werden kann.
Es gibt in der Tat zwischen den Verbündeten Spannungen hinsichtlich
einer Reihe von Problemen, die die schwierigen wirtschaftlichen Zeiten,
unterschiedliche innenpolitische Wirtschaftsprioritäten und Strategien sowie verschiedene Perspektiven in bezug auf die besten Möglichkeiten reflektieren, um dem unverantwortlichen internationalen Verhalten der Sowjets entgegenzutreten.
Aber die Welt hat sich seit der Nachkriegsperiode drastisch verändert,
als wir und die Verbündeten beschlossen, mit Hilfe des Marshall-Planes und
in der Folge durch die NATO unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Darüber

hinaus sind, wie Außenminister Haig in der letzten Woche erklärte, Argumente
die zweite Natur für jedes große Bündnis souveräner Staaten.

Das Bündnis

ist aus früheren Herausforderungen geeint hervorgegangen, und ich bin zuversichtlich, daß unsere Partnerschaft auch im kommenden Jahrzehnt gesund bleiben wird.

+ + + + +

- 13 -

�19

12. Mai 1982

REAGANS ABRÜSTUNGSPLAN: EIN NEUER APPELL ZUR VERBESSERUNG
DES OST-WEST-VERHÄLTNISSES

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in seiner Rede vor dem EurekaCollege am 9. Mai 1982 Vorschläge für eine wesentliche Verringerung der strategischen Nuklearraketen unterbreitet.

Diese gefährlichsten Waffen der Welt

sollen so rasch wie möglich um mindestens ein Drittel reduziert werden. Und
er hofft, daß die Sowjetunion bis Ende Juni in die START-Verhandlungen
(Strategie Arms Reduction Talks = Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen) eintreten wird.
Die Vorschläge Reagans sind das Ergebnis langer, eingehender Analysen
und Untersuchungen seiner Administration.

Reagan war gegen den SALT II-Ver-

trag, den die Vereinigten Staaten nicht ratifiziert haben, da er nach Auffassung weiter Kreise in den USA Moskau begünstigte. Präsident Reagan strebt Abkommen an, die verifizierbar, gerecht und militärisch bedeutsam sind. Und
damit rücken die Raketen in den Mittelpunkt.
Amerikanische Experten betrachten sie als die größte nukleare Gefahr für
den Frieden.

Vor allem stellen sie fest, daß die zahlreichen schweren land-

gestützten sowjetischen Raketen, die mit Mehrfachgefechts köpfen bestückt sind,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�bestückt sind, heute sehr viel treffsicherer sind als die früheren Waffen.
Das bedeutet, daß man sich vorstellen kann, daß diese Raketen benutzt
werden könnten, um mit einem Überraschungsangriff die landgestützten Raketen
Amerikas auszuschalten.

Diese Möglichkeit allein ist schon gefährlich:

Sie

läßt Entscheidungen über Verteidigung und Vergeltung erwarten, die in Minuten getroffen werden müßten.

Die landgestützten Raketen Amerikas stellen

nicht die gleiche Bedrohung der Sowjetunion dar, da sie kleiner sind und weniger Gefechtsköpfe tragen.

Und es ist diese Ungleichheit und die damit ver-

bundene Instabilität, die Reagan korrigieren möchte.
Sein Plan sieht in einer ersten Phase eine Verringerung der Gefechtsköpfe um mindestens ein Drittel vor', wobei beide Seiten auf die gleiche Zahl
begrenzt sein sollen und von den verbleibenden Gefechts köpfen nicht mehr als
die Hälfte landgestützt sein dürfen.

In einer zweiten Phase sollen andere

Elemente der strategischen Nuklearstreitkräfte in gleicher Weise begrenzt werden, wie etwa die Nutzlast von Raketen.
All das bedeutet eine wesentliche Änderung der Rüstungskontrollmethoden
- da die Vereinigten Staaten jetzt mehr anstreben als nur eine einfache Begrenzung der Zahl der Raketen und Bomber - wie in den bisherigen Verträgen.
Ein ganz wesentlicher Aspekt der Verhandlungen wird die Verifizierung sein.
Nach Reagans Oberzeugung haben das sowjetische Volk und die Führung der
Sowjetunion mit ihren Erinnerungen an die Zerstörungen des letzten Krieges
ein primäres Interesse an der Verhütung des Einsatzes von Kernwaffen. Die
Vereinigten Staaten werden auf jeden Fall in gutem Glauben verhandeln und
jeden sowjetischen Vorschlag sorgfältig prüfen. Wenn Moskau im gleichen Geiste
an den Verhandlungstisch kommt, dann besteht eine gute Chance, daß die Waffen
weniger werden und dem Wettrüsten auf Dauer Einhalt geboten wird. Das wird
auch den Weg für bessere Beziehungen in der Zukunft ebnen.
Die Rede

�Die Rede Reagans ist nicht nur wegen ihrer Abrüstungsaspekte wichtig,
sondern auch deshalb, weil sie einen neuen Weg zur Verbesserung der Ost-WestBeziehungen aufzeigt.
An die Adresse Moskaus wie auch der westlichen Verbündeten hat Reagan
einen Fünfpunkte-Vorschlag für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost
und West gerichtet.
Es kann keine Illusionen geben, daß es nicht leicht sein wird, mit
Moskau ins reine zu kommen.

Die anhaltende Aufrüstung der Sowjets, Moskaus

fester Griff in Osteuropa, die Besetzung Afghanistans und das Abenteurertum
der Stellvertreter in Südostasien, Afrika und Mittelamerika lassen keinen
übermäßigen Optimismus zu.
Aber wenn der Westen einig und stark bleibt gegenüber dem aggressiven
Verhalten der Sowjets und auf der anderen Seite der Sowjetunion eine Erweiterung des Handels und andere Formen der Zusammenarbeit anbietet, dann könnte
sich das für alle Beteiligten als vorteilhaft erweisen.
dend ankommt, ist das sowjetische Verhalten.

Worauf es entschei-

Das wird Reagan den Staats- und

Regierungschefs in Europa sagen, wenn er im Juni mit ihnen zusammentrifft.
An der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung kann kein Zweifel bestehen,
und man sollte der Sowjetunion auch keinen leichten Ausweg aus ihren selbst
verschuldeten wirtschaftlichen Schwierigkeiten bieten. Absolut wesentlich
ist ein militärisches Gleichgewicht zwischen Ost und West, und die Vereinigten
Staaten und ihre europäischen Verbündeten müssen weiterhin der sowjetischen
Aufrüstung eigene Verteidigungsausgaben entgegensetzen.

Die westlichen Verbün-

deten müssen sich über die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Sicherheit einig
sein.

Moskau darf keinen Zugang zur westlichen Militärtechnologie gewinnen,

und seine Wirtschaft sollte nicht unbesehen subventioniert werden.
Das Ziel muß jetzt für alle die regionale Stabilität mit friedlichem
Wandel sein. Moskau versucht, seinen destabilisierenden Einfluß in der Dritten

�der Dritten Welt mehr und mehr geltend zu machen. Der Westen muß friedliche wirtschaftliche Entwicklungsprogramme entgegensetzen.

Die Vereinigten

Staaten sind bereit, die Selbstbestimmung Afghanistans zu unterstützen und
wirtschaftliche Hilfe für Polen zu leisten, wenn die Sowjetunion die notwendigen ersten Schritte tut - Truppenabzug aus Afghanistan und Aufhebung des
Kriegsrechts in Polen.
All diese Dinge werden näher rücken, wenn im Juni Verhandlungen über die
Verringerung der strategischen Rüstungen in gutem Glauben beginnen können.
Die Schwierigkeiten werden natürlich am besten durch den Dialog überwunden - wie Reagan es vorgeschlagen hat. Präsident Reagan ist bereit, mit
dem sowjetischen Staats- und Parteichef Breschnew zusammenzutreffen.
Die Beziehungen zwischen Ost und West sind in eine außerordentlich wichtige Phase getreten.

Ein auf Treu und Glauben und Zusammenarbeit gegründetes

Verhältnis zwischen Ost und West ist heute notwendiger denn je.

Der Ab-

rüstungsplan Reagans, der einen Weg aufzeigt, liegt auf dem Tisch.

+ + + ++

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

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12. Mai 1982

WEIDENBAUM: DOPPELZIEL DER BEKÄMPFUNG VON INFLATION UND
ARBEITSLOSIGKEIT ERREICHBAR
Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates
des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Die meisten Mitgliedstaaten der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verfolgen weitgehend
die gleichen Wertvorstellungen und Zielsetzungen, erklärte Murray Weidenbaum,
der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats des amerikanischen Präsidenten, in
einem Interview mit dem USICA-Korrespondenten Jon Schaffer. Er hob hervor,
daß er das Doppelziel der Bekämpfung der Inflation und der Stimulierung des
wirtschaftlichen Wachstums für durchaus erreichbar halte - nicht nur in den
Vereinigten Staaten, sondern auch in den OECD-Ländern.
Weidenbaum, der in diesen Tagen aus Paris zurückgekehrt ist, wo er den
Vorsitz im Wirtschaftspolitiken Ausschuß der OECD innehatte, vertrat in dem
Interview auch noch die folgenden Thesen:
- Die hohen

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Telex: 08-85432

�- Die hohen amerikaniseben-Zi-nssätEe-sifld nicht die primäre-Ursache für
die Schwäche anderer ausländischer Währungen.
- Wechselkursinterventionen sind, außer in ganz besonders gelagerten Ausnahmefällen, ein kostspieliges und unproduktives Unterfangen.
- Die OECD kann ein nützliches Forum zur Förderung der Liberalisierung
des Handels sein.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Haben Sie im Hinblick auf die OECD-Ministertagung und den

Siebener-Gipfel von Versailles und in Erwartung der in einigen Monaten vorgeschlagenen Ministerratstagung des GATT (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) das Gefühl, daß die Industriestaaten der OECD im gegenwärtigen Augenblick die richtige Politik betreiben?
ANTWORT:

Es fällt mir schwer, zu verallgemeinern; nach meinem Dafür-

halten, der ich eben erst von der Tagung des wirtschaftspolitischen Ausschusses der OECD zurückgekommen bin, auf der ich den Vorsitz führte, teilen sich
aber die meisten unserer OECD-Partner in die Wertvorstellungen und Zielsett

zungen, die auch wir in den Vereinigten Staaten verfolgen:

Die schleichende

Inflation erheblich zu vermindern, die unsere Volkswirtschaften heimsucht und zwar auf eine Art und Weise zu vermindern, die ein Umfeld schaffen hilft,
das ein beträchtliches langfristiges Wirtschaftswachstum begünstigt. Es
ist, offen gesagt, schwierig, eine Politik zu betreiben, die dieses zwiefache
Ziel zu verwirklichen sucht, statt sich einfach dazu zu entschließen, entweder die Inflation oder die Arbeitslosigkeit

zu bekämpfen und das jeweils an-

dere Ziel einfach zu ignorieren.
FRAGE:

Lassen Sie mich spezifischer werden:

Es gibt Kreise, die argu-

mentieren, die Japaner sollten beispielsweise ihre Steuer- und Haushaltspolitik lockern, ihre Geldpolitik aber stärker anspannen. Was haben Sie darauf zu
erwidern?
ANTWORT:
. 2 -

Ob

�ANTWORT:

Ob es sich um die in Mißkredit geratene Lokomotiven-Theorie

oder eine Neuauflage der Anweisungen zur Feineinstimmung der Volkswirtschaften handelt - meine Reaktion darauf ist, offen gesagt, sehr negativ.
Grund

Im

genommen ist, so meine ich, der Weltwirtschaft und den an der Welt-

wirtschaft teilnehmenden Ländern besser gedient, wenn jedes von ihnen die
Art von Politik betreibt, von der ich schon gesprochen habe: Statt bewußt
einen inflationären Kurs - das schon gar nicht - oder auch einen deflationären Kurs zu steuern, sollte man eher eine langfristige Politik einleiten.
Eine gesunde Weltwirtschaft ist die Summe aus gesunden einzelnen Volkswirtschaften.
FRAGE: Was halten Sie von der Vorstellung einiger unserer europäischen
Verbündeten, jedes Land könne eine Politik betreiben, die seiner eigenen Volkswirtschaft gemäß ist,und dennoch zu weltweitem wirtschaftlichen Wachstum und
Desinflationierung beitragen?
ANTWORT: Meiner Auffassung nach werden sich die einzelnen Länder wahrscheinlich differenzierterer Methoden bedienen, schon weil sie diesen beiden
politischen Schlüsselzielrichtungen (Inflation und Arbeitslosigkeit) unterschiedliches Gewicht beimessen und auch weil sie unterschiedlichen institutionellen Zwängen unterliegen.
Bedingungen.

Sie handeln unter unterschiedlichen politischen

Ich sehe es aber nicht für besonders sinnvoll an, eine spezi-

fische differenzierende Haltung zu fordern.
FRAGE: Läßt sich eine Wirtschaftspolitik verfolgen, die kurzfristig
ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum hervorruft, ohne der Inflation neue
Nahrung zu geben?
ANTWORT:

Wir haben sicherlich zur Kenntnis genommen, daß die Inflation

eine ernste und schwelende Sorge ist und daß der Krieg gegen die Inflation bestimmt noch nicht vorbei ist. Wir haben in manchen unserer Länder gewisse Anfangserfolge erzielt, müssen aber in unserer Anstrengung fortfahren.

Auf der

anderen Seite können wir die hohen Arbeitslosenraten in so vielen Teilen der
Welt nicht einfach ignorieren; und das ist genau der Grund dafür, daß wir uns
- 3 -

�wir uns in unserem Lande auf ein so ehrgeiziges Programm wie Steuersenkungen
und den Abbau regulierender Vorschriften eingelassen haben, die beide darauf
abzielen, die Hindernisse für das wirtschaftliche Wachstum und damit für die
Ausweitung der Beschäftigung zu vermindern.
Wir versuchen aus der Vergangenheit zu lernen, um eine Politik des
Bremsens und Durchstartenszu" vermeiden - worunter ich die Verlagerung des
Schwerpunktes - von Jahr zu Jahr - von der Konzentration auf die Probleme
der Inflation auf die alleinige Konzentration auf die Probleme der Arbeitslosigkeit verstehe, statt eine langfristige Politik mit dem Ziel in Gang zu
setzen, beide Probleme zu lösen.

Das halten wir für die vernünftigste Methode

des politischen Zugriffs.
FRAGE:

Viele Europäer behaupten, die hohen Zinssätze zwingen sie dazu,

ihre eigenen Zinsen auf einem Niveau zu halten, das höher ist, als sie es eigentlich wünschen, und das eine Schwächung ihrer Währungen zur Folge hat.
Wollen Sie hierzu einen Kommentar abgeben?
ANTWORT: Ja. Es bereitet mir eirjige Schwierigkeiten, das zu erklären.
Blicken wir abermals zurück auf das vergangene Jahr: Es.gab Zeiten, in denen
die Zinssätze in den Vereinigten Staaten stiegen und der Dollar an Stärke gewann - und es kam dann auch eine Reaktion in Westeuropa. Es gab aber auch
Zeiten, in denen die Zinssätze in den Vereinigten Staaten rückläufig waren
und der Dollar dennoch stärker wurde. Wichtige Ereignisse waren auf der anderen Seite des Atlantik eingetreten, die die Wechselkurse beeinflußten.
Wenn die Vereinigten Staaten nicht existierten und wenn es den Dollar
nicht gäbe, würde sich in Westeuropa noch immer eine ganze Reihe von Ländern
vor ernste wirtschaftliche Probleme gestellt sehen.
FRAGE: Wollen Sie damit unterstellen, daß einige der Politiken, die
unsere Verbündeten nach innen verfolgen, die Ursache für einige dieser Probleme sind?
ANTWORT:

Ohne

�ANTWORT:

Ohne ein Urteil darüber fällen zu vjbllen, ob die von anderen

Ländern betriebene Politik angemessen ist oder nicht - wenn diese Länder aber
Nutzen aus einigen dieser Politiken ziehen, so tragen sie doch auch mit an
den Kosten für diese.

Und die Kosten sollte man, genau wie den Nutzen gegen

diese Politiken aufrechnen.
FRAGE: Es gibt Vorschläge, denen zufolge der Yen eine größere internationale Rolle übernehmen sollte. Inwieweit würde dies helfen, die internationale Wirtschaftslage zu verbessern? Und was erhoffen Site sich davon?
ANTWORT:

Ich bringe meine Ansichten nicht in so aktivistischer oder

interventionistischer Art und Weise zum Ausdruck.

Was wir tun, ist, Japan

und andere Länder zu ermutigen, die Schranken für Handel und Investitionen
noch weiter abzubauen.

Dies hätte offenkundig korrektive Rückwirkungen auf

die Währungen, ist aber meines Erachtens auch ein erstrebenswertes Ziel an
sich.

Um ein Gegengewicht für die protektionistischen Pressionen zu schaf-

fen, die rund um die Erde zunehmen, ist es wichtig, daß die einzelnen Länder,
uns eingeschlossen, auch in Zukunft damit fortfahren, ihre Beschränkungen
für einen freieren Fluß von Waren, Dienstleistungen und Kapital weiter abzubauen.
FRAGE:

Inwieweit berührt die Stärke des Dollar

unsere Position im

Handel?
ANTWORT: So wie wir es kurzfristig erwartet haben: nachteilig. Langfristig aber entspricht dies einem Anpassungsprozeß, der funktioniert. Ein
starker Dollar verteuert unsere Ausfuhren und begünstigt die Einfuhren, was
wiederum korrektive Rückwirkungen auf die Devisenkurse zeitigt.
FRAGE:

Werden die Vereinigten Staaten von anderen Ländern irgendwelchem

Druck unterworfen, auf den Devisenmärkten einzugreifen?
ANTWORT: Ich bin mir nicht sicher, ob Druck das richtige Wort ist. Es
werden mir häufig Vorschläge gemacht. Unsere Haltung aber ist ziemlich klar:
- 5 -

�ziemlich klar:

Um zu vermeiden, daß die Märkte in Perioden großer Bean-

spruchung in Unordnung geraten, treten wir dort in Erscheinung.

Es ist aber

unsere Überzeugung - und sie wird durch erhebliche Forschungsanstrengungen erhärtet -, daß staatliche Eingriffe in die Devisenmärkte eine kostspielige
und nicht sehr effektive"Reaktion darstellen.
FRAGE:

Worlin erblicken Sie die wichtigsten Hindernisse für eine stärkere

weltweite wirtschaftliche Erholung?
ANTWORT:

Ich kann den Finger nicht auf einen dramatischen Faktor legen.

Gewiß leitete die Erholung von den öl-Schocks eine längere Anpassungsperiode
ein.

Sie bescherte uns das Erbe des niedrigen Wachstums und vielfach auch

einigermaßen hohe Inflationsraten.

Und es ist die Notwendigkeit, dieses

Zwillingproblems Herr zu werden, das die Politik hemmt.
Ganz gewiß gab es in verschiedenen Ländern Perioden mit starkem Wachstum
und starker Inflation, und es gab auch Perioden, in denen sich sowohl das
Wachstum als auch die Inflation in Grenzen hielten: Es fällt dem Wirtschaftsdoktor in solchen Perioden leichter, das richtige Rezept auszuschreiben, als
in Zeiten, in denen die Inflationsraten hoch und die Wachstumsraten niedrig
sind.
FRAGE: Wollen Sie damit andeuten, daß das Erbe der hohen Inflationsund Arbeitslosenraten bei geringem Wachstum die Wirtschaftspolitik politischen
Lösungen unterwirft?
ANTWORT:
treffen.

Es gilt sicherlich, schwierige politische Entscheidungen zu

Es wurde schon von vielen darauf hingewiesen, daß eine angemessene

Regulierung der Geldmenge eine entscheidene Facette jeder Anstrengung zur Bekämpfung der Inflation ist, und daß das, was man Jahre hindurch als Politik
des leichten Geldes angesehen hat, die Inflation beschleunigt.

Wir haben im

vergangenen Jahr gezeigt, daß eine Politik des engen Geldes dagegen die Inflation erheblich einzuschränken vermag.

Es bedarf dazu aber auch des

politischen Willens.
FRAGE:

Haben

�FRAGE:

Haben Sie eine Vorstellung, wie stark die weltweite Erholung aus-

fallen wird?
ANTWORT:

Ich glaube, niemand rechnet mit Boom-ähnlichen Verhältnissen.

Wir erwarten generell eine bescheidene Erholung - eine langsamere Erholung
als in früheren Zeiten des kräftigen Wachstums nach vorausgegangenen Rezessionen.

Einige Länder haben bessere wirtschaftliche Aussichten als andere -

weitgehend wegen der unterschiedlichen Hinterlassenschaften aus ihrer Wirtschaftspolitik in der Vergangenheit.

Jene Länder, die das Schwergewicht auf

Investitionsanreize legen, scheinen bessere Wachstumschancen zu haben als diejenigen, die dies nicht tun; und das dürfte eigentlich niemanden überraschen.
FRAGE: Seit 1978 schon fordert die OECD das, was sie "positive Anpassung" nennt. Was bedeutet das, und wie sieht die Reagan-Administration ein
solches Vorgehen?
ANTWORT:

Die Sondergruppe für Fragen der positiven Anpassung als Unter-

abteilung des wirtschaftspolitischen Ausschusses der OECD hat inzwischen ihren
Schlußbericht abgeliefert.

Darin wird das Schwergewicht - und nach meinem

Dafürhalten bietet der Ausdruck "positiv" den Schlüssel zum Verständnis dessen - auf die innerhalb der Volkswirtschaften bestehende Notwendigkeit gelegt,
die Schranken auf dem Weg zu größerer Flexibilität zu verringern.

Mit anderen

Worten, man erwartet in dynamischen Volkswirtschaften irgendwelche Verlagerungen in den Hilfsquellen:

beim Kapital, bei den Menschen und bei den Organi-

sationen, Verlagerungen auch von einer Region nach einer anderen, von einem
Wirtschaftssekitqr nach einem anderen, von einem Markt auf einen anderen.
Und aus allen Arten von wesentlichen politischen Gründen hat so gut wie
jedes Land inzwischen eine ganze Reihe von Hindernissen für den Wandel aufgebaut.

Das machte sich besonders in der Zeit der Anpassung an die öl-Schocks

bemerkbar.

Je mehr derartige Hindernisse ein Land aufgerichtet hat, je lang-

samer kommt der Anpassungsprozeß an die öl-Schocks voran.

Und deshalb hat die

OECD nach meinem Dafürhalten mit der Identifizierung des Wesens derartiger
Restriktionen und mit der Herausstellung ihrer hohen Kosten - Senkung der Pro- 7 -

�der Produktivität und des Lebensstandards - wichtige Arbeit geleistet.
FRAGE:

Wenn Sie aber den Blick rund um die Erde schweifen lassen und

Dinge wie die Erhöhung der Subventionen bei Stahl und Agrarprodukten sehen,
gewinnen Sie dann nicht den Eindruck, daß die Politik der positiven Anpassung durch den protektionistischen Druck neutralisiert wird,?
ANTWORT:

Die Methode der positiven Anpassung wirkt auf eine Verminderung,

nicht aber auf eine Erhöhung derartiger Subventionen und andere Arten staatlicher Eingriffe hin.

In einem gewissen Sinne stellt das, was wir zu tun ver-

suchen, einen Versuch dar, ein wirtschaftliches Gegengewicht zu den politischen Pressionen zu schaffen.

Es läuft daraus hinauf, die Öffentlichkeit

davon zu überzeugen, daß ein Land als Ganzes^ besser fährt, wenn es dem besonderen Drängen spezifischer Interessengruppen nicht nachgibt.
FRAGE:

Ist die derzeitige Administration willens, eine solche Politik

zu betreiben?
ANTWORT: Keine Administration betreibt, wie mir scheint, eine heiligenmäßige Politik. Mit anderen Worten, es gibt immer Ausnahmen. Aber ganz gewiß wird diese grundlegende Politik nicht darin bestehen, für Verlierer und
auch nicht für ineffizient arbeitende Betriebe in die Bresche zu springen.
Und wir haben das auch nie versucht. Soweit, so gut; aber wir müssen auf der
Hut bleiben.
FRAGE:

Wenn Sie" zusammenfassen wollten, was nach Ihrem Gefühl die kon-

kreten oder positiven Ergebnisse der bevorstehenden OECD-Ministerratstagung
sein werden, könnten Sie dann Ihren Finger auf einige wenige Dinge legen?
ANTWORT: Es gibt zwei wichtige Dinge. Jedes Land wirbt um Verständnis
für seine eigene Politik und sucht seine Freunde im Ausland über diese zu informieren. Ich verbringe viel Zeit damit, »leinen Gesprächspartnern zuzuhören,
und ich gelange auf diese Weise zu einem besseren Verständnis dessen, was sie
zu tun versuchen. Ich weiß, daß man das gewöhnlich als diplomatische Routine
- 8 -

�diplomatische Routine gering einschätzt.

Ich aber halte das doch für sehr

wichtig.
Zweitens halte ich es für wichtig, den Fortschritt im Kampf gegen die
Inflation in Gang zu halten'und gleichzeitig die Anreize für Investitionen
und für das Wirtschaftswachstum auszuweiten, denn beide müssen ständig gefördert werden.

Und warum?

langwierige Sache sind:

Weil Investitionen ihrem ganzen Wesen nach eine
Die Kosten fallen heute an, die Erträge morgen.

Aber auch auf dem Gebiet des Außenhandels halte ich die OECD für ein
nützliches Forum, wenn es darum geht, die Wichtigkeit des Abbaus von Hemmnissen darzutun - nicht nur von Hindernissen für den Handel und für die Warenströme, sondern auch für Dienstleistungen, die sich aus Investitionen ergeben.

- 9 -

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
12. Mai 1982

19

MASERN SOLLEN AUSGEROTTET WERDEN
Aktionen der USA - Beispiel für weltweites Kinderimpfprogramm
der Weltgesundheitsorganisation -

- (AD) - Die amerikanischen Gesundheitsbehörden rechnen damit, daß bis
Ende 1982 in den Vereinigten Staaten die Masern praktisch ausgerottet sind.
Systematische Impfaktionen haben dazu geführt, daß Mitte des vergangenen
Jahres 90 Prozent, während der ersten vier Wochen dieses Jahres 99,4 Prozent
aller Landkreise keinen einzigen Fall von Masernerkrankung mehr melden mußten,
Dagegen gehören in

vielen anderen Teilen der Welt, vor allem in Entwick-

lungsländern, Masern zu den häufigsten Kinderkrankheiten, ja sogar zu jenen
mit schwerwiegenden Folgen.

Nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation

(WHO, Sonderorganisation der Vereinten Nationen) stehen Masern als Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren an erster Stelle. Pro Jahr sterben
schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder an Masern oder an den durch sie verursachten Komplikationen wie Lungenentzündung, Entzündung von Gewebe im Gehirn
oder an Hirnschäden.
Masern zählen zu den sechs Kinderkrankheiten, die die WHO in ihr "erweitertes Impfprogramm" aufgenommen hat. Ziel dieses Programms ist es, bis
zum Jahr 1990 alle Kinder der Welt gegen Diphtherie, Keuchhusten, Masern,

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�Keuchhusten, Masern, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Tuberkulose und Tetanusinfektionen, die sechs häufigsten Erkrankungen im Kindesalter, zu immunisieren. Mit der Durchführung des Programms und einer Analyse internationaler
Gesundheitsprobleme befaßt sich z. Zt. der Weltgesundheitsrat, das oberste
Gremium der WHO, auf seiner Jahrestagung in Genf (3. - 14. Mai 1982).
In den Industrieländern ist der Schutz gegen die häufigsten Kinderkrankheiten bereits selbstverständlich geworden.

Nach Auskunft von Dr. Ralph

Henderson, der das "erweiterte Impfprogramm " leitet, sind jedoch in den Entwicklungsländern jede Minute zehn Todesfälle sowie Erkrankungen mit bleibenden Schäden bei Kindern zu verzeichnen - einfach deshalb, weil die Impfprogramme völlig unzureichend sind.

"Diese sechs Kinderkrankheiten allein führen

dort jährlich bei fünf Millionen Kindern zum Tode und bei weiterer fünf Millionen zu schweren körperlichen Behinderungen, zu Erblindung und geistigen
Schäden", erklärt Henderson.

"In den Vereinigten Staaten sind im Durchschnitt

unter 10 000 Masern-Erkrankungen etwa zwei Todesfälle zu verzeichnen - in Entwicklungsländern kommen auf 100 Erkrankungen zwei Todesfälle, und in Hungergebieten oder in Gebieten mit unterernährter Bevölkerung sterben von 100 erkrankten Kindern sogar mehr als zehn."

Ein weiteres Beispiel seien Tetanus-

infektionen, die, wenn sie schon bei der Geburt erfolgen, für 20 bis 25 Prozent der Kindersterblichkeit verantwortlich sind.
Seit der Einführung eines bis in die Kindergärten und Schulen reichenden
Aktionsprogramms im Oktober 1978 ist es in den Vereinigten Staaten gelungen,
das Auftreten von Masern als Kinderkrankheit massiv zu reduzieren. Das engmaschige Netz eines Meldesystems, in das die Ärzte am Wohnort, die kommunalen
Behörden, die Landkreise, Bundesstaaten, Regionen und schließlich die Bundeszentren für Seuchenkontrolle in Atlanta (Georgia) einbezogen sind, gibt den
Experten die Möglichkeit, alle auftretenden Fälle von Masern im ganzen Land zu
erfassen und die Quelle der Infektion auszumachen.
Aufgrund der Ergebnisse einer Studie von 1980, derzufolge fast 75 Prozent
aller Maserninfektionen im Alter zwischen fünf und 19 Jahren auftreten, wurde
in 39 der 50 Bundesstaaten für den Kindergarten- und Schulbesuch in allen

�in allen Stufen der Impfnachweis zur Pflicht gemacht.

Die restlichen Bundes-

staaten verlangen ihn derzeit nur beim Eintritt in die unterste Stufe von
Kindergarten oder Schule.
Die amerikanischen Gesundheitsbehörden empfehlen, das Baby im Alter von
15 Monaten gegen Masern impfen zu lassen, weil dann der natürliche Schutz zur
Abwehr von Krankheiten, den das Kind von der Mutter mitbekommen hat, nicht
mehr oder nur noch unzureichend wirksam ist.

In den Entwicklungsländern ist

dieser Zeitpunkt früher, und zwar für das Alter von etwa neun Monaten, anzusetzen.

Je nach den gegebenen Ernährungs- und Lebensbedingungen wird dann

ein 92- bis 95prozentiger Impfschutz erreicht, ohne daß die noch vorhandenen
mütterlichen Antikörper die Immunisierung stören.

Dr. Stanley Foster vom

Seuchenzentrum in Atlanta hat beobachtet, daß beispielsweise in Afrika die
Hälfte aller Masernerkrankungen im Alter unter 15 Monaten auftritt.
Dr. Ciro de Quadros von der "Pan American Health Organization", einer
regionalen Behörde der WHO, schätzt, daß derzeit jährlich 80 Millionen Kinder
geboren werden, von denen jedoch weniger als zehn Prozent Impfschutz erhalten.
Und er hebt hervor, daß die Impfung eine besonders billige Maßnahme in der
Gesundheitsfürsorge sei -noch dazu eine Maßnahme, die einfach anzuwenden sei
und hohe Wirksamkeit besitze.
Transport und Lagerung der Impfstoffe verlangen jedoch die Einhaltung bestimmter Regeln, so daß diese rein technischen Dinge ein wesentliches Hindernis zur Einführung wirksamer Impfprogramme in Entwicklungsländern darstellen
können.

Der Masernimpfstoff muß auf dem Wege vom Hersteller bis zur Anwendung

konstant auf einer Temperatur von 4 bis 8° C gehalten werden.

Denn er ist aus

abgeschwächten Lebendviren hergestellt und verliert bei höheren Temperaturen
seine Wirksamkeit.

Wie Dr. Neal Halsey von der Tulane University (New Orleans)

erklärte, befaßte man sich in den letzten fünf Jahren bei einem der WHO-Forschungsprojekte mit der Sicherung der "Kühlkette" für den Impfstoff auch unter primitiven Verhältnissen - sei es z.B. durch den Einsatz von Tiefkühlbehältern, die auch bei Stromausfall noch die erforderliche Kühltemperatur für
24 bis 48 Stunden garantieren, oder durch die Verwendung von mit Solarstrom
- 3 -

�mit Solarstrom betriebenen Kühlvorrichtungen in Gebieten, wo die reguläre
Stromversorgung besonders unzuverlässig ist.
Besonders wichtig ist nach Ansicht von Dr. Foster auch die Ausbildung
und die Überwachung von medizinischem Hilfspersonal sowie die ständige
Kontrolle der "Kühlkette" für den Impfstoff in Entwicklungsländern. "Die
Probleme sind in erster Linie organisatorischer Natur", meinte Foster. Die
Kosten für den Impfstoff'belaufen sich auf 12 bis 20 Cents (0,12 - 0,20 USDollar) pro Kind; gewöhnlich entspräche dies etwa 10 Prozent der Gesamtkosten
der Schutzimpfung eines Kindes.
Das US-Amt für Internationale Entwicklung (AID) startet in nächster Zeit
ein ähnliches neues Programm zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten im Kindesalter, das in enger Zusammenarbeit mit Ländern in Afrika und mit internationalen Gesundheitsbehörden durchgeführt wird. Es ist auf acht Jahre angelegt und soll mit 50 Millionen Dollar ausgestattet werden. In erster Linie
bietet es technische Hilfe zur Bekämpfung von Krankheiten.

+ + + + +

�12. Mai 1982

19

ULTRASCHALL VERSTÄRKT KATALYTISCHE REAKTIONEN

- (AD) - Mit Ultraschall hoher Intensität ist es möglich, ungewöhnliche chemische Reaktionen in Gang zu setzen sowie katalytische Wirkungen
zu erzielen, die auf anderem Wege nicht zu erreichen wären. Vor allem lassen sich mit Hilfe von Ultraschall, katalytische Reaktionen in Lösungsmischungen verstärken - nach Ansicht der Initiatoren des Verfahrens wäre bei entsprechender Weiterentwicklung in gewissen Fällen eine Aktivitätsverstärkung
für den Abilauf der chemischen Reaktion sogar bis zum Millionenfachen denkbar.
Die Methode entwickelte Dr. Kenneth S. Susi ick, Professor für Chemie
an der Universität Illinois (Urbana), zusammen mit einigen Mitarbeitern.
Sie sei, wie Dr. Susi ick erklärte, mit der Ultraschallreinigung zu vergleichen, die z.B. zur Säuberung kleiner Gegenstände üblich ist. Jedoch müsse
zur Erzielung katalytischer Reaktionen mit sehr viel höheren Intensitäten
gearbeitet werden.
Katalysatoren sind Substanzen, die chemische Reaktionen beschönigen,
an den Stoffumsetzungen jedoch nicht selbst beteiligt sind.

Bei den meisten

industriell angewandten Katalysatoren handelt es sich um feste Stoffe, an
denen die Mischung, die zur Reaktion gebracht werden soll, vorbei strömt.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�vorbeiströmt.

Dies sind die sog. "heterogenen" Katalysatoren. Man arbeitet

heute jedoch auch mit "homogenen" Katalysatoren.

Das sind gelöste metal-

lische Verbindungen, die direkt in die normalerweise reaktionsträgen oder
reaktionsunfähigen Lösungsmischungen eingebracht werden. Um jedoch als homogener Katalysator überhaupt funktionsfähig sein zu können, muß häufig die
gelöste metallische Verbindung selbst durch Wärme oder Licht in der Lösung
verändert werden.

Für manche Reaktionen sind allerdings hohe Temperaturen

nicht angebracht, weil dann andere, nicht erwünschte Produkte entstünden.
Die Verwendung von Licht zur Aktivierung solcher Katalysatoren ist auf
Verbindungen beschränkt, die sich durch Licht leicht anregen lassen. Außerdem ist es vor allem bei den lichtsimulierten ("photochemischen") Prozessen
manchmal recht schwierig, sie auf einen für industrielle Prozesse erforderlichen Aktivitätsgrad zu bringen.

Hier kann nun Ultraschall eine wichtige

Starthilfe sein. Denn für die Mischung, die in Reaktion treten soll, wird
dadurch die Zuführung von Wärme weitgehend überflüssig, außerdem ist die gewünschte Reaktion in großtechnischem Ausmaß möglich.

In einem Bericht an

die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF), die das Forschungsprojekt
finanzierte, betont Prof. Susi ick, daß das neue Verfahren thermisch oder
photochemisch geförderte Reaktionen nicht ersetze. Aber es sei geeignet,
sie zu unterstützen bzw. zu ergänzen.

"Wir sind dadurch in der Lage, den

chemischen Ablauf mittels einer recht einfachen und billigen Technik gezielt
zu beeinflussen und zu verändern.

Die Anwendung von intensivem Ultraschall

dürfte sowohl für die Forschung als auch für den Chemiker in der Industrie
zu einem wichtigen Hilfsmittel '-erden."
Für weite Bereiche der Industrie ist es von großer Bedeutung, neue Wege
zur Erzeugung katalytischer Reaktionen gehen zu können, weil solche Reaktionen bei der Herstellung chemischer und pharmazeutischer Produkte sowie
von Produkten der Mineralölindustrie in zunehmendem Maße eine Schlüssel rolle
spielen.

So erfordert beispielsweise die Gewinnung von Benzin aus Rohöl

einen massiven Einsatz von Katalysatoren.

Ganz ähnlich ist es bei der Um-

wandlung von Krrhle in Brennstoffe oder in Verbindungen, die in der Futtermittel- und Nahrungsmittelindustrie eine Rolle spielen.
+ + + + +
- 2 -

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5. Mai 1982

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache des US-Botschafters zur Eröffnung der Deutsch-Amerikanischen
Freundschaftswoche in Mannheim
Eagleburger: Junge Generation braucht demokratische Ziele
- Rede des US-Staatssekretärs für Politische Angelegenheiten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Nach Zurückweisung des amerikanischen Falklandplans: Keine US-Hilfe
für Argentinien
- Von unserem Korrespondenten Russell E. Dybvik Sowjetisches Verhalten schädlich für Rüstungskontrolle und Abrüstung
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig Was ein Oberlebender von Hiroshima von der Abrüstung hält
- Von Shinkichi Eto -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Mai 1982

ANSPRACHE DES US-BOTSCHAFTERS ZUR ERÖFFNUNG DER
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN FREUNDSCHAFTSWOCHE IN MANNHEIM

MANNHEIM - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik
Deutschland, Arthur F. Burns, hielt am 2. Mai 1982 anläßlich der Eröffnung
der deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche in Mannheim eine Ansprache,
die folgenden Wortlaut hat:
Ich freue mich aus zweierlei Gründen, heute hier zu sein. Als amerikanischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland schätze ich die
Gelegenheit, an dieser Feierlichkeit zur Eröffnung der deutsch-amerikanischen
Freundschaftswoche teilzunehmen. Und als ein Bürger, der die Tätigkeiten
der Deutsch-Amerikanischen Clubs schätzt, nehme ich auch rein persönlichen
Anteil.
Ein nützliches Verhältnis zwischen zwei Regierungen muß, wenn es dauerhaft sein soll, eine solide Grundlage der tagtäglichen Freundschaft zwischen
einzelnen Menschen haben. Ihren Anstrengungen ist es qanz wesentlich zu verdanken, daß Freundschaften zwischen Deutschen und Amerikanern heute weit verbreitet sind. Aus eben diesem Grunde zögere ich nicht zu sagen - was immer
Gegenteiliges Sie lesen oder hören mögen -, daß die Beziehungen zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten grundsätzlich ena und
harmonisch sind und bleiben.
Jeder, der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Jeder, der täglichen Kontakt zu den Bürgern dieses Landes hat, weiß,
daß die Deutschen geneigt sind, Amerika zu mögen und zu unterstützen.

Wir

wissen das aus unseren Gesprächen und persönlichen Beobachtungen sowie auch
aus den Briefen, die uns erreichen.

Darüber hinaus teilen mir militärische

und zivile Vertreter mit, daß die Beziehungen zwischen den amerikanischen
Soldaten in Deutschland und den Gemeinden, in denen sie stationiert sind,
im allgemeinen ausgezeichnet sind.

Und diese persönlichen Aussagen werden

durch öffentliche Meinungsumfragen erhärtet: Obwohl viele Deutsche vielleicht diese oder jene amerikanische Politik nicht mögen, so ist eine wesentliche Mehrheit von ihnen nachdrücklich pro-amerikanisch.
Angesichts dieses eindrucksvollen Beweises einer allgemeinen Harmonie
ist es besonders wichtig, sich zu fragen, warum es heute einen solchen Chor
von Beschwerden auf beiden Seiten des Atlantik gibt. Warum ist der öffentliche Dialog zwischen Deutschen und Amerikanern in der letzten Zeit so mißtönend geworden?
Auf amerikanischer Seite behaupten Journalisten häufig, daß es den Europäern am Interesse für ihre eigene Verteidigung mangele; politische Analytiker warnen davor, daß Deutschland den Rapallo-Vertrag von 1922 erneuern
könnte; und eine Anzahl von Mitgliedern des Kongresses fordert erneut, die
amerikanischen Truppen zurückzuholen. Auf" dieser Seite des Atlantik hören
wir, die amerikanische Außenpolitik sei oft sprunghaft und gelegentlich kriegerisch; die Vereinigten Staaten könnten Europa in eine nukleare Wüste verwandeln; die amerikanischen Hochzinsen seien für den Niedergang der europäischen Volkswirtschaften verantwortlich; die Amerikaner schätzten auf jeden Fall die europäischen Interessen gering.
Warum, um die Ihnen gerade gestellte Frage weiter zu verfolgen, besteht
eine solche scharfe Divergenz zwischen der derzeitigen öffentlichen Debatte
und den unter den Menschen vorherrschenden Einstellungen?

Die Antwort läßt

sich, wie ich meine, in bestimmten falschen Vorstellungen finden:

Erstens

in einem Mangel an ausreichendem Verständnis für die Vergangenheit; zweitens

- 2 -

�Vergangenheit; zweitens in einer falschen Sicht der herrschenden Umstände;
und drittens in einem Mangel an ausreichendem Vertrauen in die Zukunft.
Lassen Sie mich dazu im einzelnen etwas sagen.
Wenn ich von einem Mangel an Verständnis für die Vergangenheit spreche,
dann meine ich mehr als nur die oft festgestellte Tatsache, daß die Generation führender Politiker, die heute an die Macht gelangt, keine direkte Erinnerung an die Ereignisse hat, die die Nachkriegszeit gestalteten.

Viel-

leicht gerade als Ergebnis des Friedens und des Wohlstandes, die diese Zeit
charakterisiert haben, besteht heute eine Neigung zu einer neuen Kirchturmspolitik hier und in den Vereinigten Staaten - fast eine Rückkehr zu der politischen Inselmentalität, die vor dem Kriege herrschte.

Dies ist am deut-

lichsten in den Vereinigten Staaten zu beobachten, wo das Interesse an Fremdsprachen und fremden Kulturen, das nach dem Zweiten Weltkrieg
Schritt für Schritt schwindet.

aufblühte,

Auch das Studium der Geschichte und der Phi-

lologie ist zurückgegangen.
Leider existieren ähnliche Trends auch in diesem Lande.

Ich habe unter

jungen Deutschen eine beunruhigende Unkenntnis ihrer eigenen Geschichte in
diesem Jahrhundert vorgefunden.

Ein Teil dieser Geschichte ist sicherlich

schmerzlich, aber sie zu unterdrücken, oder sie durch eine romantische Suche
nach Identität zu ersetzen, ist gefährlich.

Eine Armut an Wissen existiert

auch unter vielen deutschen Studenten bezüglich Amerikas und seinen sich wandelnden sozialen Einrichtungen.
Das sind Fragen, mit denen sich Staatsministerin Hamm-Brücher und Staatssekretär Eagleburger in ihrer Eigenschaft als Koordinatoren der deutsch-amerikanischen Kulturbeziehungen jetzt befassen.

Sie unternehmen eine wichtige

Anstrengung, die unsere Unterstützung verdient und für die ausreichende Mittel bereitgestellt werden müssen.

Es besteht ohne Frage in unseren beiden

Ländern die klare Notwendigkeit eines besser ausgewogenen Programms an Auslandsstudien und eines klareren Geschichtsbegriffs.

In diesem Zusammenhang

sollten wir hier einen Anfang machen, in dem wir jeder amerikanischen Schule

�amerikanischen Schule
facht zu machen.

auferlegen, deutsche Sprache und Kultur zum Pflicht-

Wie ich höre, werden diese Fächer heute freiwillig, wenn

überhaupt, angeboten.
Eine zweite Kategorie falscher Vorstellungen ergibt sich aus der Tatsache, daß unsere Urteile oft auf überholten Prämissen beruhen.

So halten

beispielsweise viele Europäer noch immer an der Vorstellung einer wirtschaftlichen Vorherrschaft Amerikas gegenüber Europa fest, einer Vorherrschaft, die
seit langem verschwunden ist.

Solche Ideen gehen auf die ausgehenden vier-

ziger Jahre zurück, als die Vereinigten Staaten und Kanada zusammen die doppelte Produktion Westeuropas hatten.

Heute übersteigt selbstverständlich die

Gesamtproduktion Westeuropas die Nordamerikas.
Ein ähnliches Beispiel läßt sich in der noch immer herrschenden europäischen Auffassung finden, daß die amerikanische Militärmacht jener der
Sowjetunion überlegen sei. Ein Festhalten an dieser Idee wie auch an den
übertriebenen Vorstellungen von der wirtschaftlichen Stärke Amerikas ist
irreführend. Die Realität ist - wie wir heute alle wissen sollten -, daß
die Sowjets ihre militärische und politische Macht während des letzten Jahrzehnts gewaltig ausgedehnt haben und bereits in der Lage sind, sie weltweit
darzustellen.
Ich bin mir darüber im klaren, daß auch die Amerikaner in ihrem Verständnis der europäischen Szene zurückgeblieben sind, daß sie vor allem die
Veränderungen nicht erkennen können, die durch ein Jahrzehnt der Entspännung
in den Beziehungen zwischen den östlichen und westlichen Teilen Europas herbeigeführt wurden. Da der Ost-West-Handel für die europäische Wirtschaft
ein größerer Faktor ist als für die amerikanische, schreiben nicht wenige
meiner Landsleute das europäische Zögern, Sanktionen gegen Polen und die
Sowjetunion zu verhängen, einfach finanziellen Motiven zu. Dabei unterschätzen Amerikaner die hinter der Entspannung stehende politische Kraft, die in
Europa, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland, vorherrscht. Es kann
kein Zweifel daran bestehen, daß gefühlsmäßig belastete Ziele, wie Familien-

�wie Familienzusammenführung, die Aufnahme Deutschstämmiger und die Verbesserung der innerdeutschen Beziehungen zu den Hauptgründen gehören, warum die
Bundesrepublik Deutschland die bestehenden Bindungen zwischen Ost und West
aufrechterhalten möchte.
Ein letztes Beispiel für eine ganz andere Art von Mißverständnis ist
die immer wiederkehrende Beschwerde, daß Amerika Deutschland behandle, als
ob es eine Kolonie sei. Wenn dies je gestimmt haben sollte, dann stimmt es
heute sicherlich nicht.

Die Beziehungen zwischen unseren Regierungen sind

Beziehungen zwischen Ebenbürtigen und Unabhängigen.

Die amerikanischen

Streitkräfte sind in Deutschland, um unsere gemeinsamen Sicherheitsinteressen zu schützen.

Wenn irgendjemand

dies bezweifelt, dann braucht er nur

das amerikanische Verhältnis zu Deutschland mit dem sowjetischen Verhältnis
zu Polen vergleichen.

Er wird weder ein amerikanisches Pendant zur Breschnew-

Doktrin noch einen amerikanischen Lackmus-Test für ideologische Reinheit finden.

Er wird sicherlich keine plumpen Androhungen einer militärischen Inter-

vention finden, wenn sich die Ereignisse nicht nach unserem Geschmack entwickeln.

Im Gegenteil, und das brauche ich wohl kaum zu sagen, die amerika-

nischen Streitkräfte sind in Deutschland, weil sie gebraucht werden und weil
sie hier willkommen sind.
Und schließlich komme ich noch zu dem Punkt, daß es nicht gelingt, mit
den heutigen Realitäten fertigzuwerden, was es Amerikanern und Europäern erschwert, eine gemeinsame Vorstellung von der Zukunft zu entwickeln.

Es gibt

ein Gebiet,über das gegenwärtig gesprochen wird, das besondere Sorgen bereitet.

Ich spreche von den finanziellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu

der Sowjetunion und anderen Ländern Osteuropas.
Während des letzten Jahrzehnts haben wir eine außerordentliche Erhöhung
der Verschuldung dieser Länder gegenüber dem Westen erlebt.

Unter dem Druck

von Firmen, die ihre Güter im Osten verkaufen wollen, und durch die Mitarbeit
westlicher Banken sind diese Schulden ständig gestiegen und werden heute auf
insgesamt über 80 Milliarden Dollar geschätzt.

Regierungen des Bündnisses

�des Bündnisses haben durch ihre Praxis der Gewährung subventionierter Kredite und Kreditgarantien selbst zu dieser Erhöhung beigetragen.

Diese Kre-

dite haben es der Sowjetunion und ihren Satelliten praktisch ermöglicht, einige der schweren Entscheidungen zu vermeiden, zu denen sie sonst gezwungen
gewesen wären.

Die Sowjets konnten den Lebensstandard ihrer Bevölkerung

verbessern und gleichzeitig eine großangelegte Modernisierung ihrer Streitkräfte vornehmen.
In den letzten Monaten haben die Länder des Warschauer Paktes mehr und
mehr Schwierigkeiten erlebt, ihre Schulden im Westen zu bedienen.

Der Fall

Polen ist so bekannt, daß man darüber nichts Näheres zu sagen braucht, aber
dieses Land ist nicht allein mit seinen finanziellen Schwierigkeiten.

Selbst

die Sowjetunion, die noch bis vor kurzer Zeit weitgehend als der letztliche
Garant für die Schulden des gesamten Sowjetblocks angesehen wurde, hat jetzt
Liquiditätsprobleme, die sich aus den Unzulänglichkeiten ihrer Landwirtschaft
und Industrie ergeben.

Die Sowjets sind zu außergewöhnlichen Maßnahmen ge-

zwungen worden, einschließlich des Verkaufs großer Mengen von Gold, um die
Mittel zur Deckung ihrer Verpflichtungen im Westen aufzubringen.
Glücklicherweise werden die Finanzströme aus dem Westen nach dem Sowjetblock bereits in wesentlichem Umfang durch die normalen Kräfte des Marktes
korrigiert. Privatbanken im Westen sind sich ihres Mangels an Voraussicht
bei der Gewährung von Krediten an Länder Osteuropas bewußt geworden und sie
sind bereits dabei, die Kredite für diese Länder auf eine selektive Weise zu
beschränken. Im großen und ganzen ist das genau richtig. Handelsbanken müssen die Interessen ihrer Einleger, ihrer Aktionäre und ihres gemeinsamen Besitzes schützen. Aber auch unsere Regierungen haben ihre Verantwortung. Sie
sollten jeden Versuch vermeiden, den Kräften des Marktes durch eine Erhöhung
der Verfügbarkeit amtlicher Kredite oder Kreditgarantien entgegenzuwirken.
Die Klugheit erfordert es heute, daß alle westlichen Regierungen ihre Normen
für 'Kreditsubventionen und Kreditgarantien sorgfältig überprüfen. In diesen
und anderen damit zusammenhängenden Fragen, wie etwa der Verkauf von Industrierüstung mit potentiell militärischer Anwendungsmöglichkeit oder strategisch
empfindlichen Gütern streben die Vereinigten Staaten und die Länder Westeuro-

�Länder Westeuropas heute einen beiderseits befriedigenden Weg an. Dies wird
nicht leicht sein, denn es handelt sich um komplexe Fragen und es geht um
große Interessen. Aber mit gutem Willen und etwas Mut, dessen bin ich sicher,
wird eine gemeinsame Haltung gefunden werden.
Ein zweites Thema von großer Besorgnis für das Bündnis, das eine gründlichere öffentliche Aufmerksamkeit erfordert, hängt mit dem Thema der nuklearen Mittel Streckensysteme zusammen.

Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten

Vorstellung ist die Dislozierung modernisierter Kernwaffen in Europa, die die
Sowjetunion erreichen können, keine Sache, die Amerika zögernden europäischen
Regierungen aufzuzwingen sucht.

Im Gegenteil, das, was als der NATO-Doppelbe-

schluß bekanntgeworden ist, war eine Entscheidung, die im Dezember 1979 von
den Mitgliedern des Bündnisses einstimmig getroffen wurde.

Dieser Beschluß

stellte eine direkte Antwort auf die Bedrohung Westeuropas durch die Einführung der SS-20-Raketen durch die Sowjets dar. Als Folge dieses NATO-Doppelbeschlusses werden Pläne verfolgt, PERSHING II-Raketen und landgestützte
Marschflugkörper in Westeuropa in dem Falle zu dislozieren, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich nicht darüber einigen können, wie diese
Kernwaffen am besten unter Kontrolle gebracht werden können.
Entsprechend der im Dezember 1979 getroffenen Maßnahme finden jetzt in
Genf Ost-West-Verhandlungen statt. Um diese Verhandlungen zu fördern, hat
Präsident Reagan - nach umfassenden Besprechungen mit anderen Führern des
Bündnisses - im November vorigen Jahres angeboten, alle Pläne für die Dislozierung nuklearer Mittelstreckensysteme aufzugeben, wenn die Sowjetunion ihre
entsprechenden Streitkräfte abbauen würde.

Dieser außergewöhnlich vernünftige

Vorschlag wurde leider von den Sowjets beiseite geschoben.

Sie haben statt

dessen eine Reihe von "Einfrierungs"-Vorschlägen unterbreitet, deren letzter
- von Breschnew Mitte März angeboten - auf den europäischen Teil der Sowjetunion beschränkt ist.

Ein solches Moratorium würde es ganz offensichtlich

seiner Regierung freistellen, die SS-20-Aufrüstung östlich des Ural fortzusetzen, von wo aus sie noch immer Westeuropa treffen können.

Es würde ferner

die bestehende Situation unverändert lassen, in der die Sowjetunion über viele

- 7 -

�über viele nukleare Mittelstreckenraketenköpfe-verfügt, die-auf Europa gerichtet sind, während die NATO keine nuklearen Waffen ähnlicher Reichweite
oder Zerstörungskraft zur Verfügung hat, die als Abschreckung dienen könnten.
Die sowjetische Antwort auf den Rüstungskontroll Vorschlag Präsident
Reagans läßt erkennen, daß die Sowjets neben ihrem bereits bestehenden Übergewicht an konventionellen Streitkräften jetzt auch ein europäisches Nuklearpotential anstreben, dem die westliche Seite nichts Entsprechendes entgegenzusetzen hat. Auch hier werden leider die grundlegenden Probleme durch
unlogische Rhetorik verdreht.

In den heutigen Debatten wird häufig die Tat-

sache übersehen, daß die Westeuropa verbleibenden Optionen noch weniger angenehm wären, wenn die amerikanische Dislozierung modernisierter Kernwaffen
durch politische Opposition zu Fall gebracht würde.

Die westeuropäischen

Länder könnten natürlich ihre konventionellen Streitkräfte augenfällig verstärken, aber sie würden damit ihren bereits überlasteten Haushalten eine
zusätzliche Belastung aufbürden.

Als Alternative könnte der Westen sich in

eine neutralistische Richtung bewegen und damit das schwere Risiko eingehen,
sich für seine Sicherheit und Freiheit auf den guten Willen der Sowjets verlassen zu müssen.
Diese Bemühungen, die Dislozierung modernisierter Kernwaffen in Europa
zu stoppen, gleichgültig, was bei den Genfer Verhandlungen herauskommt, ist
in der Bundesrepublik Deutschland und auch andernorts in Westeuropa zu einer
wichtigen politischen Frage geworden.
beladen.

Diese Frage ist schwer mit Emotionen

Viele deutsche und andere europäischen Gegner der Dislozierung schei-

nen diese Entscheidung zu einem Symbol ihrer verschiedenartigen Ängste machen
zu wollen.

In ähnlicher Weise scheinen einige amerikanische Politiker die An-

drohung von Verringerungen unserer Streitkräfte in Europa als ein Mittel anzusehen, alle möglichen Trends in Europa zu treffen, die sie nicht mögen.
Solche Regungen sind kurzsichtig.

Sie könnten gefährliche Ergebnisse produ-

zieren - die sehr schwer wieder zu korrigieren wären.
Die Worte

�Die Worte "Krise" und "Belastung" sind im NATO-Lexikon kaum neu. Seit
ihrer Gründung hat die NATO zahlreiche Krisen - einige davon ernst, andere
marginal - überwunden.

In jüngster Zeit ist es in manchen Kreisen modern ge-

worden, so zu argumentieren, daß europäische und amerikanische Interessen
heute zu weit auseinander lägen, als daß sie erfolgreich überbrückt werden
könnten.

Mein Ziel heute ist es, solchen zwecklosen Skeptizismus auf seinen

Platz zu verweisen, und statt dessen die überragende Tatsache hervorzuheben,
daß trotz in die Augen fallender Unterschiede in den Auffassungen der Mitglieder des Bündnisses die fundamentalen Interessen, die ursprünglich das Bündnis
zusammengeschmiedet haben, völlig intakt sind und bleiben. Die sowjetische
Bedrohung unserer demokratischen Lebensweise sowie unserer auf Freiheit der
Wahl und Achtung vor den Menschenrechten basierenden Institutionen ist nicht
geringer geworden.

Das westliche Bündnis ist die einzige Garantie, die wir

und unsere europäischen Freunde haben, daß unsere Freiheit, unser Wohlstand
und unsere Sicherheit überleben können.
Es genügt jedoch nicht, daß wir uns mit diesen Überlegungen trösten.
Es ist eine große Anstrengung erforderlich, um die Wolken zu zerstreuen, die
heute über dem deutsch-amerikanischen Verhältnis liegen.

Ich, möchte als An-

fang zwei Empfehlungen unterbreiten: Erstens sollten Amerikaner aufhören, sofort "Anti-Amerikanismus" zu schreien, wenn jemand nicht ihrer Meinung ist.
Und die Deutschen wiederum sollten davon ablassen, jeden Vorschlag, der an
sie herangetragen wird, als eine Bewährungsprobe für ihre Loyalität gegenüber dem Bündnis oder als ein Signal zu betrachten, daß wir uns bereit machten, sie aufzugeben.
Zweitens, und das ist von nicht weniger grundlegender Bedeutung, müssen
wir die Strukturen, durch die unsere Regierungen zusammenarbeiten, überprüfen.

Die Einrichtungen der NATO haben gut funktioniert und über 30 Jahre

lang den Frieden bewahrt. Aber die Herausforderungen, auf die sie reagieren
müssen, haben sich verändert, und sie müssen mit den neuen Herausforderungen
fertigwerden.

Als die NATO gegründet wurde, konnte Europa noch immer als eine

gesonderte internationale Bühne betrachtet werden, und die NATO-Einrichtungen

- 9 -

�NATO-Einrichtungen waren deshalb nicht befugt, sich mit Bedrohungen zu befassen, die von außerhalb Europas oder Nordamerikas kamen.

In der heutigen

Welt ist es unrealistisch geworden, die gemeinsame Gefahr so eng zu definieren. Außenminister Haig meinte die Notwendigkeit einer gewissen neuen Ausrichtung, als er kürzlich eine "Stärkung des Koordinierungsmechanismus" und
"eine Erweiterung der politischen Dimension" des Bündnisses forderte.
Der Pessimist, so sagt eine Volksweisheit, sieht bei jeder Gelegenheit
eine Gefahr, und der Optimist bei jeder Gefahr eine Gelegenheit.
Ihnen dringend die optimistische Betrachtungsweise.

Ich empfehle

Lassen Sie uns als loyale

Mitglieder des Bündnisses zusammenarbeiten, um die Zweifel zu zerstreuen, die
oft Schatten auf unsere Freundschaft werfen. Lassen Sie uns die Gefahren, vor
denen wir stehen, in eine neue kühne Vision einer Zukunft umwandeln, in der
unsere gemeinsame Sicherheit gestärkt wird, während unsere politische Freiheit
und unser wirtschaftlicher Wohlstand gedeihen.

- 10 -

�4

111lj^
• il I d i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

5. Mai 1982

EAGLEBURGER: JUNGE GENERATION BRAUCHT DEMOKRATISCHE ZIELE
Rede des US-Staatssekretärs für Politische Angelegenheiten -

NEW HAVEN - (AD) - In einer Rede am 24. April 1982 auf einer Konferenz
über "Fragen der amerikanischen Außenpolitik: Gespräche zur Erinnerung an
den Dean Acheson" in New Haven erklärte Lawrence S. Eagleburger, Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium: "Wir
müssen vor allem endlich damit aufhören, in Verlegenheit zu geraten, wenn wir
über Freiheit, Demokratie und Freiheit des Einzelmenschen sprechen."
Die Rede Eagleburgers hat folgenden Wortlaut:
Genau wie ich vor kurzem bei meiner Arbeit von Fragen europäischer Problematik zu globalen Themen übergegangen bin, so möchte ich unsere Haltung bezüglich der amerikanisch-europäischen Beziehungen im Lichte einer weltweiten
Strategie betrachten. Während der ganzen Nachkriegszeit war das Fundament der
amerikanischen Außenpolitik das Atlantische Bündnis.
-- Jetzt aber

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�— Jetzt aber gibt es auf dieser Seite des Atlantik bohrende Fragen,
ob wir die amerikanische Politik mit weniger Berücksichtigung der Einstellungen und Interessen unserer NATO-Verbü'ndeten betreiben sollten.
— Und in Europa werden Forderungen laut, eine Rolle irgendwo zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu spielen und in der Dritten
Welt eine andere Haltung einzunehmen.
Die Beziehungen innerhalb der nordatlantischen Gemeinschaft waren häufiger turbulent als ruhig. Aber trotz mehrerer Krisen - Suez 1956, Vietnam
in den sechziger Jahren und

Ölkrise in den frühen siebziger Jahren - haben

sich keine strukturellen Mängel gezeigt. Es ist meine feste Oberzeugung, daß
auch keine aufzutreten brauchen, wenn die Vereinigten Staaten genügend Urteilsvermögen und Weitblick demonstrieren

und wenn wir zu der Einsicht gelangen,

daß es keine sinnvolle Alternative zu einer Koalition der größten Demokratien
dieser Welt gibt, um mit den Problemen fertigzuwerden, vor denen wir im Westen stehen.
Um unsere Beziehungen stand es immer dann am besten, wenn wir eine einheitliche Vorstellung von den wesentlichen Bedrohungen hatten, die uns motivierten, sowie gemeinsame Projekte, um uns mit diesen Bedrohungen auseinanderzusetzen und unsere Energien in die gleiche Richtung zu lenken. Das war die
Einstellung, die unsere Unternehmung überhaupt erst entstehen ließ.
In einer Rede, die Präsident Truman den "Prolog zum Marshall-Plan"
nannte, verdeutlichte der damalige Außenminister Dean Acheson die Gefahr, vor
der wir alle im Mai 1947 standen. Europa und Asien befanden sich in einem Zustand äußerster Erschöpfung und wirtschaftlicher Zerrüttung. Hungersnöte
drohten. In jenem Jahr setzte eine Politik ein, die, um mit Achesons späteren Worten zu sprechen, "eine Tiefe der Konzeption und eine Kühnheit des
Handelns zeigte, die in der Geschichte dieses Landes neu waren.Die Übernahme
von Verantwortung im östlichen Mittelmeerraum, die Großartigkeit des MarshallPlans, die Reaktion auf die Blockade Berlins 1949 und die Intervention in Korea
1950 - all dies waren weitausgreifende Schritte, wirklich heroische Schritte.
- 2 -

�heroische Schritte. Sie alle waren gefährlich,und alle erforderten die seltene
Fähigkeit zur Entscheidung und zum Handeln."
Vor welchen Bedrohungen stehen wir heute? Welches sind die Pläne, die
die kommende Generation auf beiden Seiten des Atlantik inspirieren, leiten und
zusammenführen können?
I

Die Bedrohungen

Lassen Sie mich, bevor wir über alle diese Bedrohungen sprechen, vor denen
wir stehen, klarstellen, daß ich die Sowjetunion nicht als einen Riesen und den
Westen als einen Zwerg betrachte. Die Sowjets sind weder allmächtig noch allwissend. Während des vergangenen Jahrzehnts erlitten sie beträchtliche Rückschläge - vor allem mit China und Ägypten. Sie trugen auch zu einigen bemerkenswerten Leistungen bei. Der Vertrag über Raketenabwehr-Raketen

(ABM-Vertrag)

und das Nachlassen der Spannungen in und um Berlin waren große Leistungen, an
denen wir gemeinsam Anteil hatten.
In der Tat liegt gerade hier eine Quelle der Probleme innerhalb des Bündnisses. Für die Europäer ist das Jahrzehnt der Entspannung noch immer zumindest
teilweise ein Erfolg. Dadurch wurden die Spannungen in Europa vermindert.
Unter Betonung dieser bedeutsamen Veränderungen wies der damalige Außenminister Kissinger in einer Rede 1973 ("Pacem in Terris") auf dem Höhepunkt
der Entspannung darauf hin, daß für die Vereinigten Staaten die Koexistenz auch
weiterhin eine präzise Bedeutung habe. Er nannte drei Grundsätze:
"-- Wir werden uns dem Versuch eines jeden Landes widersetzen, eine Stellung der Vorherrschaft - sei es in globalem oder regionalem Bereich zu erlangen.
— Wir werden jedem Versuch widerstehen, die Entspannungspolitik zur Schwächung unserer Bündnisse auszunutzen.
-- Wir werden entsprechend reagieren, falls die Entspannungsbemühungen
- 3 -

�Entspannungsbemühungen als ein Tarnschild benutzt werden, um dahinter
an den internationalen Krisenpunkten Konflikte zu schüren."
Und er fuhr fort: "Die Sowjetunion kann sich in keinem Gebiet der Welt über
diese Prinzipien hinwegsetzen, ohne dadurch das gesamte Gefüge ihrer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu gefährden."
Während einige der Erfolge der Entspannung seit der Rede Kissingers andauerten, gibt uns das sowjetische Verhalten im Sinne seiner umfassenderen
Grundsätze Grund zu großer Besorgnis.
Die Bedrohungen, vor denen wir heute stehen, sind militärischer, geopolitischer, wirtschaftlicher und moralischer Natur. Entweder hat die Sowjetunion
ihre Hand im Spiel und verursacht diese Bedrohungen, oder sie ist Hauptnutznießer, wenn die Ursachen anderswo liegen. Die Bedrohungen sind nicht weniger
ernst, weil sie komplexer sind als jene, vor denen der Westen Ende der vierziger Jahre stand. Ja, es geht sogar noch um viel mehr, denn das Spiel wird jetzt
auf einem Brett von weltweitem Ausmaß und mit der Gefahr einer nuklearen Katastrophe gespielt.
Die militärische Bedrohung: In einem Zeitalter, das große Hoffnungen auf
Rüstungskontrolle wachrief, in einer Periode, die wechselseitige Zurückhaltung
bringen sollte, zeigte sich im militärischen Bereich jedoch ein scharfer Kontrast zwischen amerikanischen und sowjetischen Militärprogrammen. Während dieses Zeitraums verringerten die Vereinigten Staaten die Anzahl ihrer Soldaten,
ihre realen Militärausgaben und die Größe ihrer Flotte. Die Sowjetunion erhöhte
den Umfang ihrer Streitkräfte auf das Doppelte jener der Vereinigten Staaten,
steigerte ihre realen Militärausgaben um 50 Prozent auf ein Niveau, das weit
über dem der Vereinigten Staaten liegt - gleich, welchen Maßstab man anlegt und vergrößerte ihre Seestreitkräfte beträchtlich.
Am bedrohlichsten für die europäische Sicherheit: Die Sowjetunion beseitigte den amerikanischen Vorsprung bei den strategischen Kernwaffen, auf den

- 4 -

�auf den sich die westliche Strategie stützte, um die konventionelle Stärke
der Sowjets auszugleichen. Zudem erzielten die Sowjets die absolute Überlegenheit bei den nuklearen Mittel Streckensystemen. Sogar wenn man alle luft- und
seegestützten Systeme der Vereinigten Staaten sowie alle französischen und britischen Systeme zusammennimmt, so haben die Sowjets bei den nuklearen Mittelstreckensystemen noch immer eine Überlegenheit von 3 zu 1.
Es ist keine Frage, daß die Trends beim militärischen Gleichgewicht im
vergangenen Jahrzehnt gegen uns gearbeitet haben, ja, daß die Sowjets mit einigem Erfolg versucht haben, die Entspannung zu benützen, um die Aufmerksamkeit
von ihrer umfassenden und anhaltenden Aufrüstung abzulenken.
Ein Blick in die Zukunft bietet wenig Grund zum Trost. Trotz einer gewissen Verlangsamung der sowjetischen Wirtschaft halten die jährlich vier- bis
fünfprozentigen Steigerungen der Militärausgaben an; ähnlich sieht es auch in
naher und mittlerer Zukunft aus.
Unser größtes Problem ist vielleicht unsere eigene Reaktion auf diese Entwicklung. Teile unserer Gesellschaften sehen in der Rüstungskontrolle jetzt
einen Ersatz für angemessene Verteidigungsprogramme und begreifen nicht, daß
Abrüstungsverhandlungen selbst keinen Erfolg haben, wenn wir sie immer geschwächter führen. Die Sowjets benützen sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche,
wie dies Breschnew im vergangenen Monat mit seinem Versprechen von Raketenbegrenzungen einerseits und Kriegsdrohungen andererseits tat, als er davon
sprach, Raketen nach Kuba zu bringen. Dialektik liegt in ihrer Natur. Wir verstehen nicht immer ihre Taktiken, noch weniger ihre Strategie. Furcht und
Wunschdenken bewegen derzeit viele Menschen auf beiden Seiten des Atlantik.
Geopolitische Bedrohung: Gerade der Erfolg des Atlantischen Bündnisses
bei der Eindämmung des sowjetischen Expansionismus in Europa hat die Sowjetunion zu noch nie dagewesenen Anstrengungen veranlaßt, in der Dritten Welt
die Kontrolle über Punkte zu erringen, an denen der Westen verletztlich ist.
und

dadurch das geostrategische Gleichgewicht entscheidend zu ihren Gunsten

zu verschieben.

s it

M m

�Seit Mitte der siebziger Jahre haben die Sowjets neue Basen militärischer
und politischer Macht in Äthiopien und im Jemen erhalten, wodurch die Quellen
für das Erdöl des Westens im Persischen Golf und vor allem in Saudi-Arabien
bedroht werden. Im südlichen Afrika haben sie Schritte unternommen, um in
Angola, in Mozambique und anderen Plätzen den Grundstein für den Versuch zu
legen, in Südafrika selbst ein marxistisch-leninistisches Regime zu errichten
und dadurch die Kontrolle über dieses für die strategischen Rohstoffe und die
westliche Schiffahrt entscheidende Gebiet zu erhalten.
In Mittelamerika und in der Karibik verfolgen die Sowjets und die Kubaner
die gleichen Ziele. Fast die Hälfte des gesamten amerikanischen Handels und
mehr als die Hälfte unseres importierten Erdöls und der Rohstoffe kommen durch
den Panamakanal oder den Golf von Mexiko. Schon während des Zweiten Weltkrieges
gelang es ein paar wenigen deutschen Unterseebooten, die ohne Stützpunkte in
dieser Hemisphäre operierten, in der Karibik einen beträchtlichen Teil all der
amerikanischen Schiffe zu versenken, die überhaupt während des Krieges auf
diese Weise zerstört wurden. Jetzt hat Kuba seine eigenen Unterseeboote der
"Foxtrotf-Klasse und eine wachsende Stützpunktstruktur, die sowjetische
Unterseeboote aufnehmen könnte. Kubas Streitkräfte, eine Viertelmillion stark,
sind doppelt so groß wie die von Mexiko, obgleich die Bevölkerung Mexikos
siebenmal so groß ist

wie die von Kuba.

Die neue marxistisch-leninistische Regierung in Nicaragua, die mit sowjetischer und kubanischer Hilfe eine echte Revolution verzerrt hat, geht in dieselbe
Richtung. Sie hat die größte Armee in der Geschichte Mittelamerikas aufgebaut,
einschließlich rund 2ooo kubanischer und sowjetischer Militärberater. Der
nächste Schritt wird bereits getan: Von der Sowjetunion und Kuba unterstützte
Guerillaaktivität gibt es in El Salvador, Guatemala, Honduras und Costarica.
Manche von uns sind der festen Überzeugung, daß Panama und Mexiko letztlich
die Ziele sind.
Wirtschaftliche Bedrohung: Genau zu der Zeit, da der Westen den sowjetischen
Bedrohungen gegenüber verwundbarer geworden ist, sind wir wirtschaftlich stärker

- 6 -

�wirtschaftlich stärker von der Dritten Welt abhängig,und unsere Volkswirtschaften stagnieren. Unsere europäischen Verbündeten sind in dem gleichen
Teufelskreis von geringem Produktivitätsanstieg sowie wachsender Arbeitslosigkeit und höheren Zinsen gefangen. Dies wiederum verringert die Bereitschaft zu
Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Neben den zunehmenden Forderungen nach
Protektionismus gibt es verstärkte Spannungen im Gefüge der atlantischen Beziehungen.
So stehen wir zum Beispiel vor der paradoxen Situation, daß die Unzufriedenheit hierzulande mit den europäischen Verteidigungsanstrengungen neue
Forderungen dahingehend schafft, unsere Streitkräfte aus Europa abzuziehen gerade in dem Augenblick, da wir versuchen, die Verteidigung des Westens zu
stärken.
Die wirtschaftliche Malaise bedroht alle anderen Aspekte unserer Beziehungen
und potentiell sogar den Sozialvertrag innerhalb unserer Gesellschaften.
Moralische Bedrohung: Schließlich erfüllt unsere Gesellschaften und unsere
Beziehungen eine Bedrohung, die moralischer Natur ist.
Zivilisationen können nur dann gedeihen, wenn sie an ihre eigene Zukunft
glauben und eine klare Vorstellung von ihrer moralischen Zielsetzung haben. In
vielen Bereichen der westlichen Gesellschaft, vor allem bei vielen jungen
Menschen, herrscht heute Unklarheit über Werte und Zielsetzungen. Es werden
Bewegungen als "progressiv" definiert, die versuchen, Modelle wie Kuba durchzusetzen - ein Land, das für sein Volk weder Brot noch Freiheit gebracht hat.
Die sich entwickelnden demokratischen Modelle - wie in Malaysia, Portugal,
Venezuela und Spanien - werden ignoriert. Man stellt sich gegen Anstrengungen
im Westen, das militärische Gleichgewicht wiederherzustellen, während einseitige
Rüstungskontroll Vorschläge des Ostens unterstützt werden.
Zweierlei Maßstab wird hierbei offenkundig. Hunderttausend sowjetische
Soldaten zerstören in Afghanistan ganze Dörfer in dem Bestreben, eine Diktatur
zu errichten. Aber im Westen läßt dies nur wenige besorgte Stimmen laut werden
und findet in der Presse wenig Aufmerksamkeit. Fünfzig amerikanische Militär- 7 -

�amerikanische Militärberater versuchen,in El Salvador eine Regierung zu unterstützen, die angesichts gewalttätiger Versuche, noch eine weitere marxistischleninistische Diktatur zu errichten, eine Landreform und freie Wahlen durchführt - dies aber ruft sogleich den emotionellen Widerstand im Westen hervor, und di
Presse weiß von nichts anderem zu berichten.
In Washington schlössen sich am internationalen Afghanistantag hundert
junge Amerikaner mehreren Hundert jungen Afghanen bei einer Demonstration
an. Eine Woche später demonstrierten in Washington 23 000 junge Amerikaner
gegen freie Wahlen in El Salvador. Am darauffolgenden Tag gingen 83 Prozent
der wahlberechtigten Bevölkerung in El Salvador an die Wahlurnen und bewiesen
trotz Todesdrohung ihre Verpflichtung gegenüber Demokratie und Frieden.
Seit 18 Monaten läuft in Polen der Versuch eines friedlichen Reformprozesses,
der lediglich durch die Verhängung des Kriegsrechtes gegen den offenkundigen Wunsch
des gesamten polnischen Volkes erstickt werden konnte. Schon die Erwähnung
freier Wahlen in Polen wird als Provokation angesehen.
Viele im Westen akzeptieren dies als "normal", ja, als nahezu legitim. In
gewisser Weise wird es mit der Lage in der Türkei verglichen, wo nach mehreren
Jahren des Terrorismus und bei täglich mehr als 20 Toten das Kriegsrecht mit
offenkundiger Unterstützung des türkischen Volkes erklärt wurde. Die dortige
Regierung hat, wiederum mit offenkundiger Unterstützung des Volkes, ein festes
Datum für Wahlen angekündigt. Der Gegensatz zwischen der Verpflichtung der
polnischen und der türkischen Regierung gegenüber der Demokratie könnte nicht
krasser sein.
Und doch gibt es im Westen eine Tendenz zu behaupten, daß Polen und die
Türkei, Afghanistan und El Salvador, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
sich durch nichts unterschieden.
Bei jeder dieser Fragen geht es bei der westlichen Reaktion um grundlegende
moralische Fragen. Welches ist unsere Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit?
Was ist der Zweck des wirtschaftlichen Wachstums? Was ist die Natur der politischen, religiösen und individuellen Freiheit?
-- Unterstützen wir

�— Unterstützen wir Systeme, die im Namen einer sozialen Abstraktion den
Bauern ihr Land nehmen,oder unterstützen wir Systeme, die versuchen, durch
Reform und durch Gesetz den Bauern eigenes Land zu garantieren?
-- Unterstützen wir die Gewinner oder die Verlierer, wenn wir zum Wachstum
anregen und es dazu verwenden, den Lebensstandard des einfachen Menschen zu verbessern anstatt die Bedürfnisse des Staates: Unterstützen wir West- oder Ostdeutschland, Oesterreich oder die Tschechoslowakei, Malaysia oder Vietnam?
— Unterstützen wir Bewegungen, die aus prinzipiellen Gründen die freie
Presse, die Gewerkschaften, die religiöse Freiheit, im Wettbewerb miteinander
stehende politische Parteien, kulturelle Vielfalt und Bewegungsfreiheit unterdrücken,oder solche, die den Versuch machen, diese entscheidende Infrastruktur
sozialer, wirtschaftlicher und politischer Rechte zu stärken und zu garantieren?
Die größte Herausforderung, vor der wir stehen, könnte ganz einfach ein
Bemühen um mehr Verständnis sein. Wir müssen unser Auge von einzelnen Besorgnissen und Tagesereignissen abwenden und auf den umfassenden Entwurf blicken.
Wir brauchen den Mut, uns der Realität zu stellen, auch wenn sie in Konflikt
mit unseren Vorstellungen von der Welt gerät, wie wir sie gerne sehen möchten.
Um noch einmal mit Dean Acheson zu sprechen: Es ist ein Fehler, die Erkenntnisse des Dichters zu wörtlich zu nehmen, daß die Dinge nicht sind, was
sie zu sein scheinen. Manchmal sind sie es, und oft ist es für das überleben
entscheidend, zu wissen, wann sie es sind und wann nicht.

II Die gemeinsamen Projekte
Gegen Ende der vierziger Jahre taten sich Westeuropa und Amerika in einer
noch nie dagewesenen gemeinsamen Unternehmung zusammen, weil sie dieselbe Vorstellung von ihrer Bedrohung hatten. Angesichts einer neuen Auffassung von den
Bedrohungen, vor der diese Generation steht, ist eine neuerliche Willensanstrengung und eine neue Kreativität möglich, ja sogar wahrscheinlich.
Ich sehe

�Ich sehe vier wesentliche gemeinsame Projekte, um den Westen für den Rest
dieses Jahrhunderts zusammenzubinden.
~

Erstens, die Schaffung einer neuen Ära der Sicherheit in Europa durch

eine angemessene Verteidigung und ehrgeizige Rüstungskontrolle.
— Zweitens, die Gestaltung einer neuen Ära des Friedens in kritischen
Regionen außerhalb Europas durch aktive Diplomatie und regionale Sicherheit.
—

Drittens, die Förderung einer neuen Ära des wirtschaftlichen Wachstums

durch aufgeklärte Zusammenarbeit zwischen Ost und West sowie Nord und Süd.
— Viertens, die Verwirklichung einer neuen Ära der Demokratie durch konzertierte Programme zur Ermutigung des Aufbaus freier Institutionen in den erwachenden Demokratien, den rechten Diktaturen und in den kommunistischen Ländern.
Viel bleibt noch hinsichtlich konkreter Vorschläge für alle diese Bereiche
zu tun. Dies kann auch nicht die Aufgabe einer einzelnen Partei, einer einzelnen
Administration oder der Vereinigten Staaten allein sein. Dies ist eine schöpferische Anstrengung, für die sich die besten Köpfe Amerikas und Europas einsetzen
müssen, einschließlich vor allem unserer Professoren und Intelektuellen. Für
all diejenigen, die die Extreme vermeiden möchten - die Extreme rechter oder
linker Diktatur, totaler Konfrontation oder Beschwichtigung, immer schnelleres
Wettrüsten oder einseitige Abrüstung - gibt es hier zumindest eine gemeinsame
Tagesordnung.
Ohne Rezepte für alle diese vier Bereiche geben zu wollen, lassen Sie mich
einige Gedanken skizzieren, die uns bei unseren gemeinsamen Anstrengungen leiten
können.
Verteidigung und Rüstungskontrolle: Lassen Sie uns realistisch, aber auch
ehrgeizig sein, während wir die gemeinsamen Anstrengungen für die Verteidigung
Europas und die Rüstungskontrolle umschreiben.
Warum können

- 10 -

�Warum können wir nicht den Abstand bei den konventionellen Streitkräften
während des nächsten Jahrzehnts verringern und dadurch die Nuklearschwelle wesentlich erhöhen? Gibt es irgendwelche echte Hindernisse, daß die westeuropäischen Staaten, die zusammen sowohl ein größeres Bruttosozialprodukt als auch
eine größere Bevölkerung haben, keine konventionellen Streitkräfte aufstellen
könnten, die denen der Sowjetunion ebenbürtig wären?Der europäische Anstieg
bei den Verteidigungsausgaben in den siebziger Jahren war größer als der der
Vereinigten Staaten. Es ist falsch zu behaupten, daß es grundlegende Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Notwendigkeit einer angemessenen Verteidigung
gäbe.
Desgleichen bei der Rüstungskontrolle: Warum sollen wir nur von bescheidenen
Zielsetzungen sprechen oder von solchen, die sofort für die Sowjetunion akzeptierbar wären? Die Beseitigung aller landgestützten nuklearen Mittelstreckenraketen
- was diese Administration und das Bündnis wollen - ist ein konkretes und verdienstvolles Ziel und zugleich eines, bei dessen Verfolg mit voller Entschlossenheit wir nicht zögern sollten. Desgleichen strebt die Administration bei der
Formulierung eines Vorschlags für die START-Verhandlungen nicht lediglich ein
Einfrieren einer bereits unannehmbaren Situation an. Wir akzeptieren auch nicht,
daß die derzeitige Konzentration konventioneller Streitkräfte im Herzen Europas
auf ihrem

unnötig hohen Niveau bleiben muß. Wir suchen nach Wegen, um neues

Leben in die Gespräche über die Truppenverminderung in Wien, die schon zehn
Jahre andauern, zu bringen.
Es ist eine solche ehrgeizige Politik zur Stärkung des Friedens, durch
die wir die Unterstützung der Nachfolgegeneration auf beiden Seiten des Atlantik
gewährleisten und erhalten können.
Geostrategische Zusammenarbeit: Es gibt eine wachsende Tendenz zu behaupten, daß die Europäer ganz einfach eine unterschiedliche Ansicht von dem
haben, was in der Dritten Welt geschieht und wie die Sowjetunion zu behandeln
sei. Es ist klar, daß zum Beispiel Europas geographische Nähe zu Osteuropa und
seine Entfernung von Mittelamerika dazu führen, daß es auf Ereignisse in beiden
Bereichen mit einer etwas unterschiedlichen Mischung aus Besorgnis und Nachdruck
rea

9iert-

Ich bin
- 11 -

�Ich bin jedoch überzeugt, daß unsere derzeitigen Meinungsverschiedenheiten mehr von einem Jahrzehnt der nachlassenden amerikanischen Stärke und
unberechenbarer amerikanischer Politik kommen

sowie von der wirtschaftlichen

Stagnation und moralischen Verwirrung auf beiden Seiten des Atlantik

als

von irgendwelchen unterschiedlichen Interessen und Einstellungen.
Unsere Zusammenarbeit bei den Problemen Namibia und Angola ist ein Modell dafür, was wir zusammen leisten können.

Es ist bisher der gemeinsamen

Strategie und den gemeinsamen Anstrengungen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt
worden, die wir unternommen haben, um Namibias Unabhängigkeit zu erringen
und in Angola eine politische Lösung herbeizuführen.

Von allen Krisenpunkten,

um die wir uns derzeit bemühen, bietet sich unserer Diplomatie hier vielleicht
die größte Hoffnung auf einen echten Durchbruch im Jahr 1982. Dies ist in
beträchtlichem Maße der Tatsache zu verdanken, daß der Westen gemeinsam handelt und alle unsere gewaltigen gemeinsamen Fähigkeiten und Stärken für das
Erreichen einer friedlichen, demokratischen Lösung eingesetzt werden.
Gegenüber Afghanistan nehmen wir dieselbe Haltung ein und in einem hohen
Maße auch im Nahen Osten, denkt man an die mutige Entscheidung mehrerer europäischer Staaten, sich an der multilateralen Streitmacht von Beobachtern zu
beteiligen, die auf die Sinai-Halbinsel gehen werden.
Es gibt Bereiche, wo Meinungsverschiedenheiten zwischen uns herrschen,
genau wie es in jedem unserer Länder auch unterschiedliche Auffassungen gibt.
Aber mit schöpferischen gemeinsamen Projekten können wir diese Meinungsverschiedenheiten überwinden oder zumindest auf ein angemessenes Maß bringen und
unsere Energien für gemeinsame Ziele einspannen. Die Initiative für das
Karibische Becken und die Hilfe für die demokratischen Kräfte in Mittelamerika
sind solche Projekte, die der europäischen und amerikanischen Unterstützung
wert sind.
Wirtschaft:

Diejenigen, die einen transatlantischen Niedergang voraus-

sagen, sind vor allem im wirtschaftlichen Bereich besonders aktiv.

Obwohl

die Theorien von den Grenzen des Wachstums heute etwas weniger in Mode sind
- 12 -

�Mode sind als noch vor ein paar Jahren, beschäftigen wir uns noch immer stärker
damit, das zu bewahren, was wir haben, anstatt das Wachstum anzuregen. Allerdings ist eindeutig, daß wir unsere eigenen sozialen Ansprüche nicht befriedigen können - und noch viel weniger die Ansprüche von vier Fünfteln der
Menschheit, die in der Entwicklungswelt leben -, wenn unsere Volkswirtschaften
stagnieren.
Es gibt derzeit mehrere Versuche, die westlichen Volkswirtschaften
wieder auf den Weg des Wachstums bei geringeren Inflationsraten zu führen.
Diese Administration versucht, übermäßige Eingriffe des Staates zu verringern
und private Investitionen zu ermutigen, während die Franzosen einen anderen
Weg einschlagen. Desgleichen werden auch in der Dritten Welt viele verschiedene Modelle ausprobiert. Die einst modische Einstellung, daß die Regierung
versuchen sollte, eine immer größere Rolle in der Wirtschaft eines jeden Entwicklungslandes zu spielen, wird an breiter Front entgegengetreten. Einige
der wirklichen Wirtschaftswunder in der Dritten Welt sind über die Ermutigung
des privaten Sektors gekommen.
Aber gleich, welches besonders nationale Modell, müssen der Welthandel,
die Investitionen und die Hilfe so ausgerichtet werden, daß das Wachstum gefördert wird. Auch in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit und Inflation - ja,
gerade in einer solchen Zeit - müssen wir jene Art von protektionistischer
Handelskriege vermeiden, die das wirtschaftliche Unglück in den dreißiger Jahren nur noch verstärkten. Wir werden die nationalen Wirtschaftsprobleme

nur

noch verstärken, wenn wir versuchen, sie auf Kosten des Gesamtrahmens der
internationalen Wirtschaftszusammenarbeit zu lösen.
Demokratie:

über die militärischen, geopolitischen und wirtschaftlichen

Zielsetzungen hinaus betrifft das wichtigste gemeinsame Projekt, das wir in
die Wege leiten können, vielleicht unsere wichtigsten Werte. Europa und
Amerika müssen ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß die Demokratie und
nicht die marxistisch-leninistische oder rechtsextreme Diktatur die Sache der
Zukunft ist, und müssen anfangen, konkrete Schritte zu unternehmen, um ihr
Wachstum zu unterstützen. Wir sollten und braucheh nicht hinzunehmen, daß
- 13 -

�hinzunehmen, daß ein Land für immer verToren ist, wenn es kommunistisch geworden ist,oder daß rechte Regime nicht verändert werden können.
- Die Anziehungskraft des Marxismus-Leninismus wird um so geringer, je
länger eine Regierung versucht, ihn zum Funktionieren zu bringen.
- Es gibt zahlreiche Beispiele eines erfolgreichen Übergangs von rechtsgerichteten Diktaturen zur Demokratie, sogar inmitten von Gewalt - wie in
Venezuela und Kolumbien.

Wir müssen vor allem endlich damit aufhören, in

Verlegenheit zu geraten, wenn wir über Freiheit, Demokratie und Freiheit
des Einzelmenschen sprechen.
eine Sache, ein Ideal

Wir müssen die jüngere Generation um ein Ziel,

scharen. Was könnte ein besseres Projekt sein, als

konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, um dabei zu helfen, daß demokratische Gewerkschaften, Parteien, Zeitungen und Jugendgruppen in kommunistischen genauso
wie in nicht-kommunistischen Ländern in Erscheinung treten.

Schlußfolgerung
Ein Lieblingszitat Achesons war die Bemerkung von General Marshall:
"Bekämpfen Sie das Problem nicht, meine Herren, lösen Sie es!" Die westliche
Zivilisation sollte nie ihre Fähigkeit zur Reflektion, zur Debatte und zur
Selbstkritik verlieren. Aber wir müssen dies im Zusammenhang mit der Notwendigkeit für eine anhaltende Offensive tun, unsere Ideale und unsere Interessen
zu fördern. Psychoanalyse ist kein Ersatz für Politik. Beschäftigung mit unseren Meinungsverschiedenheiten ist keine Alternative zur Erkenntnis der Bedrohungen, vor denen wir stehen, und der Notwendigkeit, in einer Welt des
Wettbewerbs in diesen Wettbewerb einzutreten. Strategische Naivität, moralischer Agnostizismus und politische Paralyse sind ein Rezept für die Katastrophe. Die Völker und die Regierungen Europas und der Vereinigten Staaten schulden es der Zivilisation, die wir ererbt haben, mit der Aufgabe der
Schaffung einer friedlicheren, wohlhabenderen und demokratischeren Welt fortzufahren.

+ + + + +
- 14 -

�18

5. Mai 1982

NACH ZURÜCKWEISUNG DES AMERIKANISCHEN FALKLANDPLANS:
KEINE US-HILFE FÜR ARGENTINIEN
- Von unserem Korrespondenten Russell E. Dybvik -

WASHINGTON - (AD) - Nach Ablehnung des amerikanischen Kompromißvorschlags für eine friedliche Lösung des Falkland-Konflikts mit Großbritannien
durch die argentinische Regierung haben die Vereinigten Staaten am 30. April
1982 ihre Hilfe an Argentinien in vier Bereichen eingestellt.
Diese Maßnahme wurde von Außenminister Haig nur wenige Stunden nach der
Errichtung einer totalen Blockade der Falkland^-Inseln durch Großbritannien und
weniger als zwei Tage nach Erhalt einer schriftlichen Note Argentiniens verkündet, die von einem hohen amerikanischen Regierungsvertreter als "eine
sehr, sehr eindeutige Zurückweisung"des amerikanischen Vorschlags bezeichnet
wurde.
Gleichzeitig erklärte Haig, Präsident Reagan habe angeordnet, daß die
Vereinigten Staaten "positiv auf Ersuchen nach materieller Unterstützung für
die britischen Streitkräfte reagieren" sollen.
Sowohl der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Sowohl der Präsident als auch der Außenminister stellten klar, daß es
keinerlei direktes amerikanisches Eingreifen in dieser Krise geben wird.
"Die südatlantische Krise ist im Begriff, in eine neue und gefährliche
Phase einzutreten, bei der militärische Maßnahmen in größerem Umfang möglich
sind," erklärte Haig in einer formellen, vom Fernsehen übertragenen Erklärung.
"Die amerikanische Politik wird auch weiterhin geleitet sein von unserer
Sorge um die Herrschaft des Gesetzes und von unserem Wunsch, eine baldige und
gerechte Lösung zu ermöglichen. Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin
bereit, den Parteien bei der Suche nach einer solchen Lösung behilflich zu
sein.

Eine rein militärische Lösung kann auf Dauer keinen Bestand haben."
Im Gespräch mit einer Gruppe von Redakteuren aus dem Mittleren Westen

der Vereinigten Staaten im Weißen Haus erklärte Präsident Reagan:

"Wir he-

gen noch immer die Hoffnung, daß eine diplomatische Lösung erreicht wird,
bevor es zu einem militärischen Einsatz kommt."
Er unterstrich, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht stehende getan hätten, um eine solche Lösung möglich zu machen, und fügte hinzu:

"Noch gibt es bei den Vereinten Nationen Gespräche.

Keine Seite wünscht

Gewaltanwendung."
Hinsichtlich der materiellen Unterstützung für Großbritannien, die Haig
erwähnte, stellte der Präsident fest, daß jegliches Material gemäß den bereits bestehenden bilateralen Abkommen und Verträgen gestellt werden würde.
In seiner vorbereiteten Erklärung erläuterte Haig, was die Vereinigten
Staaten bisher in der Krise getan haben, gab die Gründe dafür an und umriß
auch, was nunmehr ihre Aufgabe sei. Die Vereinigten Staaten, so sagte Haig,
hätten "eine entschlossene Anstrengung" unternommen, um den Frieden durch
Verwirklichung der Resolution 502 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen

- 2 -

�Vereinten Nationen wiederherzustellen, die eine Beendigung der Feindseligkeiten, den Rückzug der argentinischen Streitkräfte von den Falkland-Inseln
und eine diplomatische Lösung des Streites fordert.

Auf Reagans Anweisung hin hatte Haig "viele Tage der intensiven Diskussion mit den Parteien.

Als die Aussichten auf noch stärkere Feindseligkeiten

wuchsen, unterbreiteten wir einen amerikanischen Vorschlag, der unserer Einschätzung nach das enthielt, was von den beiden Parteien vernünftigerweise
akzeptiert werden konnte..."

Haig nannte ihn "einen fairen und soliden Vor-

schlag, der eine Beendigung der Feindseligkeiten, einen Rückzug sowohl der
argentinischen als auch der britischen Streitkräfte, eine Aufhebung der Sanktionen, die Errichtung einer Interimsverwaltung durch die Vereinigten Staaten,
Großbritannien und Argentinien zur Einhaltung der Vereinbarungen, eine Fortführung der bisherigen lokalen Verwaltung der Inseln mit argentinischer Beteiligung, Verfahren zur Ermutigung der Zusammenarbeit bei der Entwicklung
der Falkland-Inseln und einen Verhandlungsrahmen für eine abschließende Einigung enthielt, der die Interessen der beiden Seiten und die Wünsche der
Inselbewohner selbst mit in Rechnung stellen sollte.

Haig stellte fest, die Vereinigten Staaten hatten "Grund zur Hoffnung,
daß das Vereinigte Königreich eine Beilegung im Sinne unseres Vorschlags erwägen würde."

Jedoch "informierte uns Argentinien gestern darüber, daß es

ihn nicht akzeptieren könne."

Zentrales Problem war Haig zufolge das argentinische Bestehen darauf,
daß es "jetzt eine Zusicherung hinsichtlich der letztlichen Souveränität oder
aber eine sofortige de facto-Rolle bei der Beherrschung der Inseln erhalten
müsse, die zur Souveränität führen würde."

Angesichts des Unvermögens Argentiniens, dem Kompromiß zuzustimmen, so
führte Haig weiter aus, "müssen wir konkrete Maßnahmen ergreifen, um zu unterstreichen, daß die Vereinigten Staaten die Anwendung ungesetzlicher Gewalt
zur Lösung von Streitigkeiten nicht gutheißen können und nicht gutheißen
werden."
Als Folge

�Als Folge hiervon habe Präsident Reagan folgendes angeordnet:
- die Aussetzung aller militärischen Exporte nach Argentinien;
- die Zurückhaltung der Anerkennung des argentinischen Anspruchs auf
Militärkäufe;
- die Aussetzung neuer Export-Import-Bankkredite und -garantien; und
- die Suspendierung von Handelsb'ürgschaften.
Später erklärte das Außenministerium, daß die Aussetzung der Export-Import-Bankkredite nicht auch die derzeitigen Darlehen an Argentinien betreffen wird, die am 31. März 1982 insgesamt 1 Milliarde Dollar betrugen.
t

Die Suspendierung der Handelsbürgschaften betrifft vorgesehene Weichholzimporte im Wert von etwa zwei Millionen Dollar im laufenden Haushaltsjahr.
Die Aussetzung der militärischen Exporte würde Güter im Werte von rund 5,9
Millionen Dollar betreffen.

- 4 -

�18

5. Mai 1982

SOWJETISCHES VERHALTEN SCHÄDLICH FÜR RÜSTUNGSKONTROLLE UND ABROSTUNG
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Die Reagan-Administration sieht in der Besorgnis der
amerikanischen und westeuropäischen Öffentlichkeit hinsichtlich der Kernwaffen,
der Rüstungskontrolle und der Abrüstung eine gesunde und begründete Entwicklung,
Dies wurde soeben auch von Präsident Reagan selbst bestätigt, der in
Kürze der Sowjetunion einen Terminvorschlag für den Beginn der Gespräche über
eine Verringerung der strategischen Waffen (START-Gespräche) unterbreiten wird.
Reagan erklärte: "Ich weiß, daß es sehr viele Menschen gibt, die auf den unvorstellbaren Schrecken eines Atomkriegs hinweisen. Ich teile diese Sorge."
Die START-Gespräche werden, genau wie der Beginn der amerikanischsowjetischen Verhandlungen über die Nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa
(INF-Systeme), eine überaus bedeutsame Entwicklung darstellen. Washington und
seine Verbündeten hatten seit 1979 versucht, Moskau dazu zu bringen, in die
INF-Gespräche einzutreten; doch die Sowjetunion fuhr mit der Dislozierung von
Atomraketen fort, die auf Westeuropa gerichtet sind.
Lang bevor

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�Lang bevor die Vereinigten Staaten die START-Initiative ergriffen, stellten
sie die sowjetische Bereitschaft auf die Probe, in verschiedenen Bereichen der
Rüstungskontrolle und der Abrüstung zu konkreten Ergebnissen zu gelangen. Sie
taten dies auf der Madrider Folgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (KSZE), beim Genfer Abrüstungsausschuß und bei den
Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in Mitteleuropa (MBFR).
Außenminister Haig erklärte in einer grundlegenden Rede am 27. April, daß
der Fortschritt in all diesen RüstungskontroiIbereichen zutiefst von dem sowjetischen Verhalten und dem Klima der Ost-West-Beziehungen beeinflußt werde. Er
sagte dies angesichts der Tatsache, daß Polen noch immer unter dem Kriegsrecht
leidet und die Afghanen von den sowjetischen Besatzungstruppen unterdrückt werden.
Wie sieht es in den verschiedenen Bereichen der Abrüstungsgespräche aus?
Die KSZE-Konferenz war für die Vereinigten Staaten eine Enttäuschung, bei
den MBFR-Verhandlungen gab es kaum einen Fortschritt und auf den Sitzungen des
Abrüstungsausschusses nur geringen Erfolg bei Fragen der Verifizierbarkeit.
KSZE: Nach sechzehnmonatigen Verhandlungen vertagte sich die von 35 Staaten
beschickte Konferenz, die die Einhaltung der Helsinki-Schlußakte überprüfen
sollte, am 12. März mit einer nüchternen Verlautbarung aufgrund der PattSituation, zu der es durch die polnische Krise gekommen war.
Westliche Delegierte vertraten die Ansicht, daß es wenig Aussicht auf
konkrete Verhandlungen über ein Abschlußdokument geben werde, wenn die Konferenz
im November weitergeht, solange es keine deutliche Verbesserung des internationalen Klimas gibt. Gemäß dem ursprünglichen Terminplan

hätte das Madrider

Treffen schon vor einem Jahr ein Dokument erarbeitet haben sollen, das die
Grundsätze von Helsinki bekräftigt und verbreitert.
Die Delegierten

�Die Delegierten verließen Madrid in deutlicher Meinungsverschiedenheit
zwischen Ost und West hinsichtlich eines Mandats, durch das eine europäische
Abrüstungskonferenz nach Madrid einberufen werden könnte.
Ein westlicher Vorschlag, von Frankreich 1980 erstmals unterbreitet, sah
vor, daß das erste Thema, das auf dieser Abrüstungskonferenz behandelt werden
sollte, vertrauensbildende Maßnahmen sein müßten, einschließlich der Verpflichtung
eines jeden Landes, im voraus verifizierbare Informationen über alle in Europa
geplanten Truppenmanöver, so auch im

gesamten europäischen Bereich

der

Sowjetunion,zu geben.
Dies hätte die Vereinbarungen von Helsinki aus dem Jahr 1975 gestärkt, die
eine solche vorherige Benachrichtigung fordern - dies jedoch auf freiwilliger
Grundlage und nur für Westeuropa und einen schmalen Streifen sowjetischen Gebietes.
Moskau reagierte hierauf jedoch mit einem Vorschlag, von dem viele westliche
Delegierte den Eindruck hatten, es sei damit beabsichtigt, ein Mandat für eine
europäische Abrüstungskonferenz zu sabotieren und dadurch ein Dokument zu vermeiden, das die vertrauensbildenen Maßnahmen bis hin zum Ural ausgeweitet hätte.
Moskau schlug vor, daß auch ausgedehnte Gebiete des atlantischen Luft- und
Seeraums und von nichteuropäischen Ländern, wie etwa den Vereinigten Staaten,
einbezogen werden sollten. Westliche Vertreter erklärten diesen Vorschlag als
unannehmbar.
Bei der Vertagung des Madrider Treffens erklärte der amerikanische Chefdelegierte Max Kampelman: "Sollte es zu der bedauerlichen Situation kommen, daß
wir kein Abkommen zustandebringen können, wenn wir im Herbst wieder zusammentreffen, so wird es für unsere Unfähigkeit nur eine Erklärung geben. ... Schuld
wäre der anhaltende Einsatz der Militärmacht der Sowjetunion zur Unterdrückung
ihrer Nachbarn - direkt, wie in Afghanistan, und durch offenkundigen Druck,...
wie dies die Methode war, als man die Wünsche des polnischen Volkes nach
größerer Freiheit und mehr Würde unterdrückte."
MBFR: Die

�MBFR: Die Reagan-Administration wünscht eine Fortsetzung der Gespräche
über beiderseitige Truppenverminderungen in Mitteleuropa und wird versuchen,
sie trotz des Fehlens eines konkreten Fortschritts auf diesem Forum seit acht
Jahren wiederzubeleben.
Der Warschauer Pakt hat sich geweigert, detaillierte Informationen über
seine Truppen zur Verfügung zu stellen, die notwendig sind, um die Frage nach
der Truppenstärke zu beantworten.
Die westlichen Länder argumentieren, daß die NATO und der Warschauer Pakt
sich bei der Datenfrage hinsichtlich der Streitkräfte beider Seiten einigen
müssen, damit ein Ausgangspunkt für Verminderungen bestimmt werden kann. Der
Westen ist weiterhin der Ansicht, daß ohne Einigkeit bei der Datenfrage ein
Abkommen unmöglich ist, bei dem es um Truppenverminderungen und -begrenzungen
geht.
Der Westen ist der Meinung, daß es in Mitteleuropa auf östlicher Seite rund
200 000 Soldaten mehr gibt, als diese

eingesteht.

Die MBFR-Verhandlungen sind derzeit vertagt, und der Warschauer Pakt hat
erklärt, er wolle einen westlichen Vorschlag überdenken, demzufolge die bislang
in den 26 Gesprächsrunden erzielten Ergebnisse zusammengestellt werden sollen.
Der Westen hält diesen Vorschlag für wichtig, weil beide Seiten damit zum
ersten Mal gemeinsam eine schriftliche Zusammenstellung ihrer Positionen vorbereiten würden, die dabei helfen könnte, Obereinstimmung und Meinungsverschiedenheiten zu klären.
In seiner Rede über Rüstungskontrolle am 18. November 1981 erklärte
Präsident Reagan, es sei grundlegende amerikanische Politik, bei den konventionellen Streitkräften in Europa Gleichheit auf niedrigerem Niveau zu erreichen.
Der Abrüstungsausschuß - der in Genf

tätige und von 40 Staaten beschickte

Ausschuß - hat sich im April vertagt und wird im Juli für den zweiten Teil

- 4 -

�zweiten Teil seiner Sitzungsperiode des Jahres 1982 wieder zusammenkommen. Im
Verlauf der Debatten des Ausschusses erklärte die amerikanische Delegation, daß
die ständige Zunahme der sowjetischen Waffen sowie die zunehmend aggressive
Politik der Sowjetunion die Grundlage für Rüstungskontroll Verhandlungen negativ
beeinflußt.
Allerdings wurden die Vereinigten Staaten dadurch ermutigt, daß es zu
einem Einverständnis darüber kam, eine Arbeitsgruppe über Verifizierung und
Einhaltung eines möglichen umfassenden Abkommens über ein Verbot von Atomversuchen (CTB) zu bilden.
CTB-Verifizierung und -Einhaltung sind wesentliche Fragen der Rüstungskontrolle, weil sie auf alle anderen Rüstungskontroi.labkommen angewendet werden
könnten.
Man hofft nun, daß diese Arbeitsgruppe den Kern der Verifizierungs- und
Einhaltungsproblematik angehen wird, wenn der Abrüstungsausschuß seine Arbeit
im Juli wieder aufnimmt.
Eugene Rostow, der Direktor der amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle
und Abrüstung,erklärte hierzu vor dem Senat im vergangenen Jahr: "Angesichts
der Bedeutung der Verifizierbarkeit für den Erfolg der ganzen Rüstungskontrolle
könnte die sowjetische Bereitschaft, kooperative Maßnahmen zur Verbesserung
der Verifizierbarkeit spezifischer Begrenzungen in Erwägung zu ziehen, ein
Lackmustest ihrer Verpflichtung zu ernsthaften Begrenzungen sein."
+++++

- 5 -

�18

5. Mai 1982

WAS EIN ÜBERLEBENDER VON HIROSHIMA VON DER ABROSTUNG HÄLT
Von Shinkichi Eto

Professor Shinkichi Eto lehrt
Internationale Beziehungen an der
Universität von Tokio. Der nachfolgende Artikel erschien in der Sankei
Shimbun; Nachdruck mit freundlicher
Genehmigung des Wall Street Journal.
Copyright (c) Dow Jones and Company, Inc. 1982

Aus meinen Erfahrungen als Opfer einer Atombombe erweckt der 15. August
eines jeden Jahres schmerzliche Erinnerungen in mir. Auf der anderen Seite habe
ich eine negative Einstellung zu der Anti-Atombewegung, und dieser Zwiespalt
quält mich. Manchmal wird dieser Zwiespalt so stark, daß ich mich am liebsten
dem pazifistischen Lager anschließen möchte, um inneren Frieden zu finden.
Aber seit über 30 Jahren habe ich mir immer wieder gesagt, daß ein Mensch,
der von Berufs wegen internationale Angelegenheiten analysiert, versuchen muß,
objektiv zu sein. Diese Überzeugung hat meine schwankende Haltung wieder ge-

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Telex: 08-85432

�wieder gefestigt und mich veranlaßt, den Realitäten der Welt ins Auge zu
sehen. Gelöst habe ich das Dilemma allerdings noch nicht.
Im August 1945 war ich als Soldat in Hiroshima stationiert, nachdem ich
zum Heer eingezogen worden war. Unsere Unterkunft war die Höhere Handelsschule
Matsumoto nördlich des Bahnhofs. Als am 6. August die Bombe fiel, war ich im Gebäude und bin nicht verbrannt. Ich war zwar unter den Trümmern begraben und erstickte fast, aber ich kam mit ein paar Kratzern davon.
Als die Brände nachließen, gingen wir in das Explosionsgebiet, um den
Schutt wegzuräumen. Wir arbeiteten mehrere Tage lang in der Nähe der Explosionsstelle und ich war der Sekundärstrahlung ausgesetzt.
Ich hatte keine Kraft mehr und fühlte mich ständig erschöpft, und mein
Haar begann auszufallen. Der Haarausfall ließ nach einem Monat nach, aber ich
litt 15 Jahre lang unter Leukämie. Ich fragte mich lange, ob ich nicht eine Bescheinigung als Atombombengeschädigter beantragen sollte, um kostenlose medizinische Behandlung zu erhalten. Aber ich hielt meinen Zustand nicht für ernst
genug, um das zu rechtfertigen.
Ich war in einer Fernmeldeeinheit und wir hörten jeden Abend die amerikanischen Soldatensender ab. Wir erfuhren am 12. August, daß Japan der Kapitulation zugestimmt habe, also schon drei Tage vor der amtlichen Bekanntgabe. Der
kommandierende Offizier unserer Einheit war ein Reservist, der an der Kaiserlichen Universität von Tokio Wirtschaftswissenschaft studiert hatte. Als ich ihm
die obige Information mitteilte, war seine einzige Reaktion ein niedergeschlagenes
"So so .sagen Sie das niemandem".
Meine Erleichterung, daß es keine Luftangriffe mehr gab und ich den Krieg
überlebt hatte, wurde durch die Verzweiflung aufgewogen, wie wir als geschlagene Nation weiterleben könnten. Ich arbeitete jeden Tag in der starken Hitze,
um Leichen zu bergen. Am Abend war ich erschöpft, aber ich konnte nicht schlafen. Ich war zu aufgewühlt und warf mich die ganze Nacht auf meinem Bett herum
und oft liefen mir die Tränen das Gesicht herunter.

Als der

�Als der 15. August anbrach, war jeder Mann verzweifelt über die Niederlage Japans und einige Offiziere wollten den Krieg fortsetzen. Aber bald wollten alle Soldaten, vor allem jene mit Frau und Kindern, sobald wie möglich
nach Hause zurückkehren. Einige der Offiziere und Unteroffiziere versuchten,
sich mit den Versorgungsgütern der Einheit davonzumachen. Ich war entsetzt,
wie rasch disziplinierte Männer zu Dieben werden konnten.
Meine Erinnerungen an jene Zeiten sind noch immer schmerzlich. Ich möchte
daher hinter niemandem zurückstehen in meinem Haß des Krieges und meinem Wunsch
nach Frieden. Und doch unterscheide ich mich von einigen der anderen Pazifisten
der Welt.
Als die Bewegung zur Ächtung der Atom- und Wasserstoffbomben im Jahr 1953
begann, hoffte ich, daß sie die böse Entwicklung zu einer nuklearen Katastrophe
ändern könnte und ich tat das meinige dazu. Aber die ehrliche Opposition der
Bevölkerung gegen die Bombe wurde zu einem politischen Spielball, als die
Kommunisten und die Sozialisten miteinander rivalisierende Antiatombombengruppen ins Leben riefen. Sie verbrachten mehr Zeit damit, einander zu bekämpfen, als gegen Kernwaffenversuche und Kernwaffen zu Felde zu ziehen. Das
brachte meine Abkehr von den Massenbewegungen. Seither habe ich mich für keine
mehr engagiert und ich habe nicht einmal mehr Appelle unterzeichnet.
Die Friedensbewegung und die Friedensforscher in Japan messen mit zweierlei Maß: Sie sind gegenüber den "progressiven" - d.h. sozialistischen Ländern - tolerant und gegenüber den "reaktionären" - d.h. westlichen - Ländern
sehr kritisch. Nach meiner Überzeugung ruhen unsere Hoffnungen noch immer auf
den Vereinigten Staaten, wo die politische Macht durch die öffentliche Meinung beeinflußt werden kann. In einem totalitären Land ist, sobald einige
wenige Führer über eine Politik entschieden haben, diese unwiderruflich gleichgültig, was die öffentliche Meinung im eigenen Lande oder eine internationale Opposition davon halten. Realistische Pläne für Rüstungskontrolle
und nukleare Abrüstung müssen das in Rechnung stellen.
Je mehr mächtige Massenbewegungen die Abschaffung der Kernwaffen verlangen,
- 3 -

�Kernwaffen verlangen, desto mehr Einfluß haben sie auf die amerikanische Regierung, aber nicht auf die Sowjetunion. Das könnte die Vereinigten Staaten fesseln,
während die Russen ohne Scheu ihre nuklearen Arsenale weiter ausbauen. Selbst
wenn es nicht zu einer solch extremen Situation kommt, so gibt die Rücksichtslosigkeit des Kreml gegenüber der öffentlichen Meinung diesem einen Vorteil.
Ich habe an mehreren internationalen Konferenzen mit russischen Wissenschaftlern teilgenommen, die immer der Friedensforschung ein hohes Lob singen und sich
für Abrüstung aussprechen. Aber sind sie auch gegenüber der Rüstungspolitik ihrer
eigenen Regierung kritisch? Kein einziger war es, ihre Auffassungen stehen in
völligem Einklang mit den Richtlinien der amtlichen Politik Moskaus. Diese Reglementierung in totalitären Ländern macht diese zu beängstigenden Gegnern.
Forscher in der freien Welt können anderer Meinung sein als ihre Regierungen und sie analysieren die amtliche Politik und die amtlichen Maßnahmen kritisch. Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Die Friedensforschung ist von großem Wert und sie wird immer mehr Wissenschaftler anziehen. Wenn es ihnen gelingt, die Verteidigungspolitiken der Regierungen der freien Welt zu beeinflussen, dann sollten diese Aktivisten nicht vergessen, daß es für die Russen keine Einschränkungen gibt.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache des US-Botschafters zur Eröffnung der Deutsch-Amerikanischen Freundschaftswoche in Mannheim&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger: Junge Generation braucht demokratische Ziele&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Staatssekretärs für Politische Angelegenheiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nach Zurückweisung des amerikanischen Falklandplans: Keine US-Hilfe für Argentinien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Russell E. Dybvik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetisches Verhalten schädlich für Rüstungskontrolle und Abrüstung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ein Überlebender von Hiroshima von der Abrüstung hält&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Shinkichi Eto -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>28. A p r i l 1982

17/B

INHALT

DOKUMENTATION
Macht und Zielsetzung Amerikas
- Rede des US-Außenministers vor der amerikanischen
Handelskammer -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

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III

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DIElriSU

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

28. April 1982

MACHT UND ZIELSETZUNG AMERIKAS
Rede des US-Außenministers vor der amerikanischen Handelskammer

WASHINGTON - (AD) - US-Außenminister Alexander Haig hat am 27. April
1982 in einer Rede vor der amerikanischen Handelskammer in Washington die
Führungsrolle der Vereinigten Staaten als unerläßlich bezeichnet, wenn
"wir in einer Welt leben wollen, in der unsere Gesellschaft und unsere
Werte gedeihen können". Haig ging in seiner Rede auf das Verhältnis der
Vereinigten Staaten zu ihren Verbündeten, zu den Entwicklungsländern und
zur Sowjetunion ein und forderte "eine neue Ausgewogenheit im Stil unserer
Außenpolitik".
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ein französischer Philosoph hat die Erfahrung des 20. Jahrhunderts
zusammengefaßt, als er schrieb, daß "ein moderner Mensch - und das macht
ihn zum modernen Menschen - mit vielen Widersprüchen lebt." Die moderne
Wissenschaft hat uns über uns selbst und über das Universum aufgeklärt wie
nie zuvor.

Aber sie hat uns auch eine bisher nie dagewesene Fähigkeit zur

Selbstvernichtung gegeben.

Die moderne Technologie hat der Menschheit ein

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Menschheit ein Leben der Bequemlichkeit und des Wohlstandes geboten, wie
es frühere Generationen nicht gekannt haben. Aber die gleichen industriellen Prozesse sind, im Dienste der Aggression, zweimal benutzt worden, um
die Welt in den Abgrund des Krieges zu stürzen.
Das amerikanische Volk war an diesen Veränderungen voll beteiligt.
Wir haben Depression und Wohlstand erlebt, das Leiden des Krieges und die
Ruhe des Friedens. Schon vor langer Zeit schrieb Alexis de Tocqueville,
daß in unserer Gesellschaft ein "ewiger Aufruhr" herrsche.

Vielleicht wa-

ren wir als Amerikaner besonders geeignet, in einem Jahrhundert der "Widersprüche" voranzukommen, denn unsere Erfahrungen haben weder unsere Begeisterung noch unseren Wunsch nach raschen Ergebnissen gedämpft.
Beobachter haben jedoch bezweifelt, ob dieser "ewige Aufruhr" für gesunde internationale Beziehungen tauge. Amerikaner glauben nicht gerne,
daß Probleme nicht in den Griff zu bekommen seien oder daß Ergebnisse trotz
aller Anstrengungen nur sehr bescheiden sein können.

Es ist behauptet wor-

den, daß die daraus resultierende nationale Ungeduld die amerikanische
Außenpolitik in eine Reihe von Zyklen verwandelt habe, in denen auf unbändigen Einsatz ein enttäuschtes Zurückziehen folge.
In diesem Jahrhundert haben wir zwei große solcher Perioden der Ungeduld in außenpolitischen Angelegenheiten erlebt. Nach dem Ersten Weltkrieg
haben wir 20 Jahre lang so getan, als ob wir gegenüber dem Leiden einer
interdependenten Welt immun wären. Andere Länder und wir selbst mußten
gewaltig dafür bezahlen. Entschlossen, diesen Fehler nicht noch einmal zu
machen, haben wir uns nach dem Zweiten Weltkrieg eifrig daran gemacht, eine
neue internationale Ordnung zu schaffen. Nach den Worten des damaligen
Außenministers Dean Acheson bestand die Aufgabe darin "eine halbe Welt, eine
freie Welt zu schaffen..., ohne die ganze Welt dabei in Stücke zu sprengen."
Die erfolgreiche Anwendung amerikanischer Macht zu diesem Zwecke schuf
einen grundlegenden Sicherheitsrahmen, innerhalb dessen wir und unsere Ver-

- 2 -

�unsere Verbündeten gediehen. Westeuropa und Japan haben ihre wirtschaftliche Gesundheit und politische Stabilität wiedergewonnen.

Eine Vielzahl

unabhängiger Länder, denen es freisteht, ihre eigene Entwicklung zu verfolgen, sind aus den westlichen Kolonialreichen entstanden.

Und die amerika-

nisch-sowjetische Rivalität hat weder zu einem Krieg, noch zur Aufgabe wesentlicher Interessen des Westens geführt.
Amerikanische Mittel, amerikanische Beharrlichkeit und amerikanische
Klugheit waren die tragenden Säulen dieser internationalen Ordnung.
unser

Aber

Engagement in Südostasien und der Verfall der Regierungsautorität

im Watergate-Skandal stellten unseren Willen und unsere Führung in Frage.
Die amerikanische Außenpolitik schien von Ungewißheit, Zweifel und Spaltung heimgesucht zu sein.
Als Folge fanden es die Vereinigten Staaten schwierig, sich mit der
komplexen internationalen Situation zu befassen, die sich im vergangenen
Jahrzehnt entwickelt hat.

Das wirtschaftliche Wachstum Westeuropas und

Japans, der chinesisch-sowjetische Konflikt und die Verlagerung von Reichtum an die Qlproduzenten haben die scharfen Kanten der amerikanischen und
sowjetischen Vorherrschaft über die Nachkriegswelt abgeschliffen.

Das

globale militärische Kräfteverhältnis ist jedoch noch immer Sache der Supermächte.

Es ist heute für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten

von entscheidender Bedeutung, sich den neuen Realitäten zu stellen.

Drei

Trends sind es vor allem, die entscheidende Fragen hinsichtlich der Aussichten für die westliche Sicherheit - und den internationalen Frieden für den Rest des Jahrhunderts aufwerfen:
- Erstens, die nachlassende Stärke des Westens.

Die Vereinigten Staa-

ten haben mit der Zeit viele der militärischen Vorteile gegenüber der
Sowjetunion verloren, die einst für einen Spielraum der Sicherheit für den
Westen gesorgt haben - in manchen Fällen durch eigenen Entschluß, in anderen durch Nachlässigkeit und Irrtum.

In der Zwischenzeit litt das Bünd-

nis unter wachsenden politischen und wirtschaftlichen Belastungen.

- 3 -

Der ko-

�Der kooperative Impuls war zwar noch vorhanden, aber er wurde durch ein
weiteres Jahrzehnt eines relativen militärischen Niedergangs oder steriler wirtschaftlicher Rivalität schwer belastet.
- Zweitens, die wachsende Interdependenz des Westens und der Entwicklungsländer, von denen viele eine öffentliche Haltung einnehmen, die scharf
gegen westliche Interessen und Ideale gerichtet ist.

Die Pritte Welt ist

in all ihrer Vielfalt entstanden, und ihre brüchige Einigkeit wird bereits
durch regionale Konflikte und globale Rivalität zerbrochen.

Gleichzeitig

werden viele Entwicklungsländer durch die wachsende Belastung plötzlicher
sozialer, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen bedroht.
- Drittens, das Hervortreten der Sowjetunion als globale Militärmacht,
die in wachsendem Maße wagt, ihre Macht zur Förderung von Gewalttätigkeit
einzusetzen, vor allen in Gebieten von strategischer Bedeutung für den
Westen.

Dieser Trend hat sich sogar in einer Zeit weiterentwickelt, als

der kommunistische Block, einst das Instrument sowjetischer Zielsetzungen,
durch die sino-sowjetische Spaltung und wachsende innere Probleme erschüttert wurde.

Chronische wirtschaftliche Fehlschläge haben die Anziehungs-

kraft der marxistisch-leninistischen Ideologie ausgehöhlt.
Wir müssen uns fragen, wie andere uns sicherlich fragen, ob wir diese Trends umkehren können.
- Können wir unsere Stärke erhöhen und die Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten verbessern?
- Können der Westen und die Entwicklungsländer gemeinsame Interessen
finden?
- Können wir ein konstruktiveres Verhältnis zur Sowjetunion herstellen, das durch größere sowjetische Zurückhaltung gekennzeichnet ist?
Ich bin

�Ich bin überzeugt, daß wir das können. Wir können das Erbe westlicher
Werte und Leistungen bewahren. Und wir können über die Nachkriegsvorstellung einer halben freien Welt hinausgehen und uns eine ganze Welt größerer
Freiheit, friedlichen Wandels und wachsenden wirtschaftlichen Fortschritts
vorstellen.
Das amerikanische Volk ist aus seinen jüngsten Erfahrungen mit der erneuten Überzeugung hervorgegangen, daß es keinen Ersatz für amerikanische
Führung gibt, wenn wir in einer Welt leben sollen, in der unsere Gesellschaft und unsere Werte gedeihen können. Dieser neue amerikanische Konsens hinsichtlich einer nachhaltigeren Verteidigung unserer Interessen fordert eine neue Ausgewogenheit im Stil unserer Außenpolitik. Wenn wir Ideale aufgeben, um nur Interessen zu dienen, dann wird das Gerechtigkeitsgefühl
Amerikas verletzt sein; wenn wir auf Macht verzichten, um Wohltaten zu verbreiten, dann wird der Sinn Amerikas für die Realitäten in Frage gestellt
werden.
Eine ausgewogene amerikanische Außenpolitik, getragen durch diesen
Konsens, wird Amerika in die Lage versetzen, wieder zu führen.

Aber wir

müssen erkennen, wie komplex unsere Zeit ist, wenn wir uns mit der Sicherheit und dem richtigen Gespür bewegen wollen, die unsere historischen Aufgaben verlangen.

Es gibt Möglichkeiten zu handeln; das Schiff durch das

tobende Meer in sicherere und ruhigere Gewässer zu steuern.
Zunächst unser Verhältnis zu unseren Verbündeten. Wir können nicht
vorgeben zu führen, wenn wir nicht jene Gesellschaften, die unsere Werte
teilen, auf unsere Seite bringen.

Die Grundlage der amerikanischen Außen-

politik während der ganzen Nachkriegszeit war unsere Partnerschaft mit dem
Atlantischen Bündnis und Japan.

Unter dem Schutz gemeinsamer Sicherheits-

maßnahmen und genährt durch demokratische Werte haben wir und unsere Verbündeten die blühendsten Gesellschaften geschaffen, die die Menschheit je
kannte.

Diese historischen Leistungen sind das Ergebnis gemeinsamer An-

strengungen, unseres Gefühls der Einigkeit und unserer Stärke.
Wir müssen
- 5 -

�Wir müssen jedoch erkennen, daß die Trends des letzten Jahrzehnts
zu einem wachsenden Gefühl der Frustration zwischen den Vereinigten
Staaten und ihren Partnern beigetragen haben. Vor allem die amerikanischeuropäischen Beziehungen sind durch das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse in Not geraten:
- Der Verlust der strategischen Überlegenheit der Vereinigten Staaten und die Fragen hinsichtlich der Rolle, die die Kernwaffen bei der Strategie der NATO spielen sollen.
- Das zunehmende politische und wirtschaftliche Interesse Europas
an der Entspannung und am Ost-West-Handel trotz des aggressiven Verhaltens der Sowjetunion in Afghanistan, in Polen und andernorts.
- Das niedrige Wachstum und die hohe Inflation der letzten Zeit in
den Industriedemokratien, wodurch sich der Druck nach protektionistischen
Maßnahmen verstärkt.
Verärgert durch das, was sie als europäisches Zögern angesichts dieser
sowjetischen Herausforderung verstehen, sind manche Amerikaner versucht,
sich für einen Abzug der amerikanischen Streitkräfte einzusetzen.

Wieder

andere, beunruhigt durch die anhaltenden wirtschaftlichen Probleme, denken
daran, als Vergeltung proteJ&lt;tionistische Barrieren zu errichten.
Diejenigen, die sich für solche Maßnahmen einsetzen, vergessen
Churchills Warnung:

"Nur eines ist schlimmer, als mit seinen Verbündeten

zu kämpfen: Ohne sie zu kämpfen!".

Kein einziges Problem der atlantischen

Beziehungen - sei es diplomatischer, militärischer oder wirtschaftlicher
Natur - kann durch einseitige amerikanische Maßnahmen allein gelöst werden.
Stellen wir uns - auf beiden Seiten des Atlantik - einige grundlegende Fragen:
gert?

Stärkt unser Bündnis unsere Sicherheit oder wird sie dadurch verrinErhöhen unsere Bande unsere Prosperität oder vermindern sie sie?

Verbessern wir die Aussichten für die Demokratie und Freiheit in der Welt

- 6 -

�der Welt durch unsere Zusammenarbeit oder dadurch, daß wir unterschiedliche Wege einschlagen?
Die Antwort auf diese Fragen ist heute dieselbe wie die, die vor mehr
als drei Jahrzehnten von jener Generation gegeben wurde, deren Leben durch
den Weltkrieg erschüttert wurde. Das Atlantische Bündnis ist die Grundlage unserer Sicherheit.

Und es ist noch immer der Grundstein für eine

friedlichere und gedeihlichere Welt - und sein Zusammenbruch würde das
Verderben der Industriedemokratien unausweichlich machen.
Darum geht es in den achtziger Jahren - und hierin liegt auch die
Chance.

Entweder die Bündnispartner gehen gemeinsam weiter in Richtung

auf größere Zusammenarbeit oder die Aussichten aller Mitglieder verdüstern
sich.

Aber wenn wir weiterkommen wollen, so ist es höchste Zeit, daß unser

Dialog auf der Grundlage von Fakten geführt wird - insbesondere die Frage,
wer was tut, um die gemeinsame Verteidigung aufrechtzuerhalten.
Die Fragen nach der Verteilung der Lasten sind jedwedem größeren Bündnis souveräner Staaten zur zweiten Natur geworden. Allerdings muß man den
derzeitigen transatlantischen Meinungsaustausch in seinem historischen Zusammenhang sehen.

Wir Amerikaner sollten nicht vergessen, daß unsere NATO-

Verbündeten im vergangenen Jahrzehnt ihre Verteidigungsausgaben beträchtlich erhöhten, während die Vereinigten Staaten ihre Verteidigungsanstrengungen verminderten.

Wir sollten auch nicht übersehen, daß die europäischen

NATO-Mitglieder einen hohen Anteil an Luft-, Land- und Seestreitkräften
stellen, die den konventionellen Anteil der Abschreckung in Europa bilden.
Sogar weltweit gesehen stellen die Beiträge der NATO-Verbündeten und Japans
einen wichtigen und wachsenden Teil der Verteidigung dar.
Dies bedeutet nicht, die sehr schwerwiegenden Probleme zu unterschätzen, vor denen wir stehen. Wir alle müssen gemeinsam mehr tun.

Aber un-

ser Dialog sollte von unserer gemeinsamen Sorge um die gemeinsame Verteidigung getragen werden - und weniger dadurch, daß wir gegenseitig mit dem

- 7 -

�mit dem Finger aufeinander zeigen.
In den vor uns liegenden Tagen, wenn wir zusammen mit unseren Verbündeten die anstehenden Fragen besprechen, müssen die Vereinigten Staaten
nicht nur eine starke, sondern auch eine einheitliche und klare Führung
demonstrieren.

Wenn wir von unseren Verbündeten erwarten, daß sie mit uns

gehen, dann müssen sie auch wissen, wohin wir gehen wollen.

Ihre Politiken,

insbesondere hinsichtlich der Sowjetunion, spiegeln nicht nur unterschiedliche Auffassungen gegenüber den sowjetischen Maßnahmen wider, sondern zugleich eine Tendenz, ihre Chancen angesichts amerikanischer Pendelschläge
zwischen Entspannung und Konfrontation zu wahren.
Die Verbündeten ihrerseits sollten in größeren Räumen denken und einen
Sinn der Verantwortung entwickeln, der in Einklang mit ihren Interessen
und ihrer Stärke steht. Sie können von den Vereinigten Staaten nicht erwarten, den gleichen Anteil der Last zu tragen, wenn unsere wechselseitigen Möglichkeiten sich gewandelt haben und auch ihr Wunsch nach Einfluß
gewachsen ist.
Unsere Tagesordnung wird beherrscht werden von der Suche nach konstruktiveren Beziehungen zum Osten. Diese Suche, Rüstungskontrolle und militärisches Gleichgewicht sind alle miteinander verbunden und sind keine von
einander unabhängigen oder einander widerstreitende Zielsetzungen. Wesentlich ist, den NATO-Doppelbeschluß des Jahres 1979 durchzuführen, also
mit der Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme voranzugehen
und gleichzeitig die RüstungskontrollVerhandlungen mit der Sowjetunion
fortzuführen, deren Ziel es ist, diese Systeme zu begrenzen.
Allzu lange haben wir so getan, als sei ein Nachlassen der Spannungen in Europa immun gegen sowjetische Versuche einer Veränderung des Kräftegleichgewichts. Al]zü lange haben wir geglaubt, der Rüstungskontroilprozeß könne an und durch sich allein dieses Gleichgewicht aufrechterhalten.
Die Abschreckung wird von jedem Mitglied des Bündnisses schmerzliche Opfer

- 8 -

�schmerzliche Opfer erfordern; aber wenn wir den Preis nicht jetzt zahlen,
werden wir weder eine dauerhafte Verbesserung der Beziehungen zum Osten
haben noch eine sinnvolle Verminderung der Rüstungen.
Auch unser gemeinsames wirtschaftliches Wohlergehen fordert Opfer von
jedem Land.

Wir können uns keine Wiederholung jener ungelösten Streitig-

keiten leisten, die das internationale Wirtschaftssystem in den dreißiger
Jahren so schwer schädigten.

Wie in anderen Bereichen, werden wir auch

hier, jeder für sich, leiden müssen, wenn wir nicht gemeinsam Fortschritte
machen.
Schließlich sollten wir uns auch unserer geschichtlichen Verantwortung
als freie Gesellschaften in einer Welt bewußt werden, in der die Freiheit
des einzelnen nurzuiöft unterdrückt wird.

Es gibt im Westen eine Tendenz,

bei unserer Beurteilung des internationalen Verhaltens mit zweierlei Maß
zu messen.

An die Befürworter der Freiheit und der Demokratie werden über-

kritische Maßstäbe angelegt, während die Vertreter des Totalitarismus im
Zweifelsfall begünstigt werden.

Wieviel Energie wird darauf verwandt, die

demokratische Revolution zu kritisieren und anzugreifen, während die Drohungen ihrer Feinde argumentativ akzeptiert und vergeben werden.
uns über die Folgen einer solchen Haltung im klaren.

Seien wir

Ein Bündnis, das in

seiner moralischen Zielsetzung aufgespalten und durch das Mißtrauen gegenüber seinen eigenen Motivationen untergraben wird, kann nicht lange überdauern.
Ein stärkeres und kooperativeres Bündnis ist ein Ziel, das sicherlich
in unserer Reichweite liegt.

Während der vergangenen 30 Jahre haben wir

uns erfolgreich mit zahlreichen politischen, wirtschaftlichen, militärischen
und moralischen Problemen auseinandergesetzt.
Zusammenarbeit bestehen fort.

Unsere Institutionen zur

Aber es ist an der Zeit, daß die Vereinig-

ten Staaten und ihre Verbündeten die Hindernisse beseitigen, die der Zukunft im Weg stehen.
Lassen Sie

- 9 -

�Lassen Sie mich nun auf ein anderes Gebiet'eingehen, wo uns eine
große Möglichkeit zum Wandet offensteht:
wicklungsländern.

Unsere Beziehungen zu den Ent-

Es ist eine der Widersprüchlichkeiten unseres Zeital-

ters, daß die Geschicke der Nationen in einem Moment, da sie immer mächtiger werden, immer mehr voneinander abhängen.

Gemeinsam haben wir und

die Führer der Entwicklungsländer die Möglichkeit, sicherzustellen, daß
diese wechselseitige Abhängigkeit zu einer Quelle des gegenseitigen Vorteils wird - gegründet auf der soliden Basis des gemeinsamen Interesses.
Die Folgen eines Scheiterns der Zusammenarbeit wären sowohl für Amerika
als auch für die Dritte Welt katastrophal.

Aber eine solche Zusammenar-

beit muß sich auf die unterschiedlichen Gegebenheiten der Gegenwart stützen und nicht auf die Schlagworte der Vergangenheit.
Die sogenannte "Dritte Welt" umfaßt die ölreichen OPEC-Staaten, die
sagenhafte Wachstumsrate Singapurs, aber auch viele Länder, die in höchster
Armut leben, und viele andere, die in keine dieser Kategorien passen.
Weder die verblassende Erinnerung an den Kampf gegen den Imperialismus
noch die antiwestliche Haltung vieler Erklärungen der Dritten Welt können die vielfältigen Unterschiede bei Interessen und Zielsetzungen unterdrücken. Unter der Oberfläche werden die neuen Möglichkeiten der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit mit dem Westen von den einzelnen Staaten der Dritten Welt in immer praktischerer Weise ergriffen.
Eine solche Situation erfordert unsererseits Einfühlungsvermögen und
Einsicht, wenn wir unsere Bande zu den Entwicklungsländern verstärken wollen. Wir machen alle souveränen Staaten für das verantwortlich, was sie
sagen und was sie tun. Aber wir müssen auch die komplexen Gleichungen
des wirtschaftlichen und politischen Überlebens in den Entwicklungsländern
verstehen. Weder sie noch wir können uns ideologische Stereotypen in
Fällen leisten, wo sie nicht am Platze sind.
Eine weitere Dimension der Vielfalt der Dritten Welt ist der gewaltsame Konflikt.

Ethnische Rivalitäten und territoriale Teilungen, in sich

- 10 -

�in sich selbst Quelle der Unruhen, werden von den Sowjets und ihren Verbündeten ausgenützt.

Die Vereinigten Staaten können in Zusammenarbeit

mit ihren westlichen und regionalen Partnern viel tun, um bei der Lösung
solcher Konflikte behilflich zu sein. Aber wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, daß solche raschen Lösungen auch griffbereit liegen.
Die Illusion einer raschen Lösung ist besonders bei den gewaltigen
wirtschaftlichen Krisen und bei dem ungeheuren wirtschaftlichen Potential
unangebracht, die für viele der Entwicklungsländer so charakteristisch
sind.

Sowohl wir als auch die Staaten der Dritten Welt haben gelernt, daß

der Fortschritt nicht einfach importiert werden kann.

Letztlich werden

die produktiven Kräfte einer jeden Gesellschaft den Unterschied zwischen
Erfolg undVersagen bringen.
Die Führungen der Entwicklungsländer stehen daher heute vor der Herausforderung, mit der Wirtschaftskrise angesichts ihres wirtschaftlichen
Potentials mit unterschiedlichen und pragmatischeren
werden.

Methoden fertigzu-

Die Binnenwirtschaft, das Weltwirtschaftssystem und die poli-

tischen Zielsetzungen müssen in größere Harmonie miteinander gebracht werden.

Dies bedeutet zum Teil, daß viele Staatsmänner, die sich einer be-

stimmten Ideologie verschrieben haben, einsehen müssen, daß ihre Rezepte
die Chancen auf eigenständiges Wachstum auf breiter Grundlage ersticken.
Aber auch wir in der entwickelten Welt sollten erkennen, daß die wachsende wirtschaftliche Unsicherheit kaum zu politischer Stabilität beiträgt
oder die demokratischen Institutionen fördert.
Die Realitäten der Vielfalt, des Konfliktes und der großen Potentiale
führen zu einer entscheidenden Änderung der Einstellung vieler Staaten der
Dritten Welt.

Ihre Führungen stehen vor einer qualvollen Wahl.

Die mar-

xistisch-leninistische Ideologie war oft das Vehikel, das sie an die Macht
brachte; aber sie wurde nicht die treibende Kraft des Fortschritts.

Die

Herausforderungen des wirtschaftlichen und sozialen Wandels können nicht
ständig durch den Rückgriff auf überalterte Sprüche und brutalen Zwang

- 11 -

�brutalen Zwang überwunden werden.
Als Folge hiervon versuchen viele Länder mit unmittelbarer Erfahrung
der sowjetischen Umarmung in aller Stille, ihre Beziehungen auszuweiten,
zu ausländischen Investitionen zu ermutigen und die Abhängigkeit von einem
Herrn zu verringern, der ihnen wenig mehr zu bieten hat als die Werkzeuge
und die Techniken der Gewalt. Es gibt eine wachsende Bewußtwerdung unter
den ehemaligen Skeptikern in der Entwicklungswelt dahingehend, daß es der
Westen ist, bei dem die größten Hoffnungen auf friedliche Lösungen regionaler Konflikte auf dem Verhandlungsweg liegen - und der größte Anreiz zu
solchen Verhandlungen.
Eine solche Annäherung der Interessenlagen bietet eine einzigartige
Möglichkeit zur Schaffung konstruktiverer und vorteilhafterer Beziehungen
zwischen dem Westen und den Entwicklungsländern. Wenn wir diese Gelegenheit nicht ergreifen, könnten diejenigen, die heute bei der Suche nach besseren Beziehungen zum Westen vorangehen, leicht morgen die Opfer einer
vergifteteren Atmosphäre der wechselseitigen Beschuldigungen ,des wirtschaftlichen Niedergangs und des bewaffneten Konflikts werden. Vorteil würden
hieraus nur unsere Gegner ziehen.
Schließlich steht unser Land vor einer historischen Möglichkeit bei
seinem Verhältnis zur Sowjetunion. Die Notwendigkeit, die "Widersprüche"
und die Verwicklungen unseres Zeitalters in den Griff zu bekommen, während wir gleichzeitig versuchen, unsere Zielsetzungen zu verfolgen, ist
nirgendwo entscheidender als bei dem Verhältnis zwischen den beiden Supermächten. Dies ist nichts weniger als eine Herausforderung an unser nationales überleben - an die Werte, die unser Leben lebenswert machen, und an
unsere physische Existenz.
Die Politik des ausgehenden 20. Jahrhunderts wird noch immer von dem
Kampf zwischen zwei Wertvorstellungen von Gerechtigkeit und nationaler
Macht beherrscht. Im Namen eines utopischen Ideals legt der sowjetische
Totalitarismus nicht nur seinem eigenen Volk, sondern einem sich ver- 12 -

�sich vergrößernden Imperium ein einziges Sozialmodell auf.

Im Gegensatz

hierzu versuchen die Kräfte der Demokratie, nationale und internationale
Institutionen zu errichten, die sich auf Vielfalt, auf die Wahlmöglichkeit
des einzelnen und auf friedlichen Wandel gründen.

Der Wettstreit zwischen

diesen beiden Haltungen wird andauern.
Diese Rivalität wird jedoch durch eine andere zentrale Tatsache unserer Zeit beschränkt - die Kernwaffen.

Der totale Sieg mit militärischen

Mitteln ist zur Formel für die wechselseitige Katastrophe geworden.

Sogar

der Einsatz konventioneller Streitkräfte bringt das Risiko unvorhersagbarer
Konsequenzen mit sich.
Es ist daher unsere ständige Aufgabe, ein Verhältnis zur Sowjetunion
zu entwickeln und zu unterhalten, das anerkennt, daß der Wettstreit weitergehen wird, das aber zugleich den Einsatz oder die Androhung von Gewalt
beschränkt.

Für dieses Verhältnis können wir einen dauerhaften Rahmen

schaffen, wenn wir die Extreme vermeiden, die die amerikanische Außenpolitik in der Nachkriegszeit verzerrt haben:
- daß erstens der Ausdruck des guten Willens und der Verhandlungsbereitschaft seitens der Vereinigten Staaten irgendwie ein Ersatz für die
amerikanische Stärke sein könnte und die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen vom Wettstreit weg-

und zu

Zusammenarbeit hinführen würde;

- daß zweitens eine Haltung der Konfrontation, eine Weigerung zu
verhandeln, irgendwie zur Kapitulation der anderen Supermacht führen
könnte.
Wir müssen heute mit den Folgen dieser unausgewogenen Methode leben,
insbesondere mit dem Vermächtnis eines Jahrzehnts, in dem Verhandlungen häufig

einen Ersatz für Stärke darzustellen schienen.

Beherrscht von den

psychologischen Auswirkungen Vietnams und angesichts des Widerstandes
gegen militärische Programme hier im Lande fielen wir der behaglichen über-

- 13 -

�behaglichen Oberzeugung anheim, daß Verhandlungen nicht nur eine Alternative seien zum Gleichgewicht der M^cht, sondern auch der Beweis an sich
für eine sich vergrößernde Bandbreite der Gemeinsamkeit von Interessen
mit der Sowjetunion.

Zu wenige bemerkten und begriffen, daß die Entspan-

nung an den sowjetischen Prioritäten nichts änderte.

Selbst als der Westen

um einen Abbau der Spannungen bemüht war, vergrößerten die Sowjets ihre
militärischen Streitkräfte.
Das Ergebnis des Wunschdenkens und der gründlichen nationalen Nabel schau Amerikas kam rasch und unfehlbar.

Moskau handelt mit allem Nach-

druck, um sein Herrschaftsgebiet zu erweitern.

In Vietnam, in Kampuchea,

im südlichen Afrika und in Äthiopien, in Afghanistan und nunmehr in Mittelamerika erleben wir die böse Ernte der Selbsttäuschung.
Wenn wir nun unsere Stärke wieder aufbauen, und uns erneut darum bemühen, die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß Zurückhaltung in unserem
beiderseitigen Interesse liegt, dürfen wir uns nicht den Fehler eines anderen Extrems erlauben. Wir können nicht sagen, wir seien zu schwach, um
zu verhandeln, und gleichzeitig darauf bestehen, daß wir stark genug seien
für eine Politik der Konfrontation auf allen Gebieten. Wir gewinnen nichts
dadurch, daß wir uns den Anschein geben, wir fürchteten diplomatische Gespräche - weder' gewinnen wir dadurch an Hebel kraft gegenüber der Sowjetunion noch den Respekt und das Vertrauen unserer Verbündeten. Wir können
unsere Probleme nicht dadurch lösen, daß wir den Verhandlungstisch meiden,
und auch nicht dadurch, daß wir unsere Hoffnung auf Verhandlungen allein
stützen.
Nur ein amerikanisches Verhalten gegenüber der Sowjetunion, das Stärke und Verhandlungen gegeneinander abwiegt, bietet die beste Hoffnung auf
bedeutsame Erfolge. Wir müssen unsere Politik in den Zusammenhang wichtiger Veränderungen stellen, die in der Dritten Welt sowie im sowjetischen
Imperium stattfinden, und die Moskau vielleicht zugänglicher macht gegenüber der Tugend der Zurückhaltung. Der sowjetische Versuch, das Gleichge-

- 14 -

�das Gleichgewicht der Macht zu verändern, hat einen Spielraum zunehmendem
internationalen Widerstandes geschaffen.

Das amerikanische Volk hat ge-

zeigt, daß es militärische Unterlegenheit nicht akzeptieren wird.

Moskau

hat sich durch seine Aggression in Afghanistan und die Unterstützung der
Unterjochung Kampucheas durch Vietnam die Befürchtungen und die Feindschaft
vieler blockfreier Staaten zugezogen.
Dieser Spielraum ergibt sich zu einem Zeitpunkt, da sich die sowjetischen
Aussichten selbst verschlechtert haben. Die Verbündeten Moskaus befinden
sich in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, und die sowjetische Wachstumsrate selbst verringert sich. Die landwirtschaftlichen Schwierigkeiten
halten an, und vor allem anderen werden das sowjetische Modell und die sowjetische Ideologie - und dies hat Polen bewiesen - von den Arbeitern selbst
in immer stärkerem Maße abgelehnt.
Die Sowjetunion dürfte sich im Verlaufe der achtziger Jahre, wenn sie
einen Wechsel in der Führung erfahren wird, größeren wirtschaftlichen Schwierigkeiten und einer wachsenden internationalen Isolation gegenübersehen eine wesentliche Veränderung gegenüber einer Zeit ungewöhnlicher Stabilität
und Expansion.

Diese Realität wird einen noch größeren Kontrast bilden als

vorher gegenüber dem von Moskau sorgfältig kultivierten Bild eines progressiven friedlichen Regimes. Das sowjetische Volk selbst kann nicht völlig unberührt bleiben von den Appellen nach Frieden und Abrüstung, die vom
Kreml so nachdrücklich an den Westen gerichtet werden.

Als Folge dürften

die sowjetischen Führer es wahrscheinlich in zunehmendem Maße schwierig finden, den Status quo im eigenen Lande aufrechtzuerhalten, und gleichzeitig
eine fehlgeschlagene Ideologie ins Ausland zu exportieren.
Während dieser heiklen und gefährlichen Periode der sich wandelnden
Beziehungen zwischen den Supermächten müssen die Vereinigten Staaten der
Sowjetunion klarmachen, daß Aggression bestraft und Zurückhaltung belohnt
wird.

Wir können angesichts des sowjetischen Abenteurertums in Afghanistan

oder der von der Sowjetunion ausgehenden Unterdrückung in Polen nicht so
tun, als wäre nichts geschehen.

Aber wir haben auch wesentliche Hilfe für

Polen in Aussicht gestellt, wenn der Reformprozeß dort erneuert wird.
- 15 -

Und

�Und wir sind bereit, der sowjetischen Führung zu zeigen, daß internationale Mäßigung ihr dabei helfen kann, schmerzhaften innenpolitischen
Zwangslagen durch breit angelegte

Beziehungen mit den Vereinigten Staa-

ten und anderen westlichen Ländern zu begegnen.
Wir müssen auch im Hinblick auf das militärische Gleichgewicht und
auf Krisengebiete neue Realitäten schaffen, um die Sowjetunion zu ermutigen, die Notwendigkeit einer Mäßigung im eigenen Interesse zu akzeptieren.

Das ist das Ziel unserer neuen Verteidigungsprogramme und unserer

diplomatischen Initiativen in den Gebieten des südlichen Afrika, den Nahen
und Mittleren Osten und der Karibik.

Inzwischen werden wir weiterhin die

sowjetische Bereitschaft sondieren, sich zu Verhandlungen bereit zu finden,
die auf Erreichung konkreter Ergebnisse abgestellt sind; wobei wir davon
ausgehen müssen, daß Fortschritte auf all diesen Gebieten und im Bereich
der Rüstungskontrolle unvermeidlicherweise durch das Verhalten der Sowjetunion und das Klima der Ost-West-Beziehungen berührt werden.
Ein wesentlicher Teil unserer Strategie ist auch weiterhin, zwischen den kommunistischen Ländern selbst zu differenzieren. Das ist
eine seit langem verfolgte Politik, die Autonomie und Vielfalt ermutigt.
Sie reagiert nicht nur auf ein natürliches Gefühl der nationalen Unabhängigkeit, sondern auch auf die Entstehung eines politischen Pluralismus.
Und schließlich müssen wir, genauso wie die Sowjetunion die marxistischleninistischen Kräfte im Westen und Süden aktiv unterstützt, den demokratischen Kräften nachdrücklich Unterstützung gewähren, wo immer sie
existieren - auch in den Ländern, die gegenwärtig kommunistisch sind.
Wir sollten nicht zögern, unsere eigenen Werte zu fördern, wohl wissend,
daß die Freiheit und die Würde des Menschen diejenigen Ideale sind, die
das Streben nach sozialer Gerechtigkeit motivieren.

Eine freie Presse,

freie Gewerkschaften, freie politische Parteien, die Freiheit des Reisens
und die Freiheit des Schaffens sind die Bestandteile der demokratischen
Revolution der Zukunft, nicht der Status quo einer verfehlten Vergangenheit.

Wir wollen, daß der Wettstreit zwischen Demokratie und Kommunismus
- 16 -

�und Kommunismus mit friedlichen und politischen Mitteln geführt wird, aber
uns stehen auch andere Mittel zur Verfügung, falls die Sowjetunion auf
Methoden der gewaltsamen Auseinandersetzung besteht. Es muß einen einheitlichen Maßstab geben.
Kurzum:

Die Tatsachen sprechen gegen die Auffassung, daß es eine

baldige, plötzliche oder dramatische Aussöhnung sowjetischer und amerikanischer

Interessen geben wird.

Dieser Wettstreit wird andauern.

können durch unser Handeln die Sowjets zu mehr Vorsicht bewegen.

Aber wir
Und wenn

jetzt eine neue Generation sowjetischer Führer an die Macht kommt, dann
können wir signalisieren, wie vorteilhaft eine größere Zurückhaltung sein
wird.

Eine ausgewogene und beharrliche Politik Amerikas, die sich sowohl

der sowjetischen Stärken als auch Schwächen bewußt ist, kann Schritt für
Schritt die Gefahren verringern, die dem Ringen der beiden Supermächte
innewohnen.
Wenn wir uns dem Ende des 20. Jahrhunderts nähern, dann müssen wir
uns fragen, welche Richtung die Ereignisse nehmen werden.

Sind wir wäh-

rend des letzten Jahrzehnts dem Ziel einer freieren und friedlicheren
Welt näher gekommen?

Leider würden viele Menschen mit "Nein" antworten.

Besitzen wir die Mittel, den Willen und die Fähigkeit eine solche Welt zu
gestalten?

Die Antwort ist sicherlich "Ja".

Unser Ziel zu erreichen, ist nicht nur eine Sache der Waffen, obwohl
wir sie brauchen.

Es ist nicht nur eine Sache der Verteidigung von Inter-

essen, obwohl wir sie verteidigen müssen.

Und es kann nicht nur eine Sache

des einen oder anderen äußeren Rahmens sein, obwohl unsere Macht eingefügt werden muß.

Das ausgezeichnetste

Konzept nützt wenig ohne die Be-

harrlichkeit, es zu verfolgen.
Letztlich ist die. Außenpolitik die Bewährungsprobe für den Charakter einer Nation. Die Bewährungsprobe unseres Charakters besteht heute
darin, ob wir uns genügend um die Werte sorgen, die das Leben lebenswert
machen; um die inneren Überzeugungen, die die westliche Zivilisation ge- 17 -

�Zivilisation getragen haben.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich in un-

seren Gesellschaften eine bestimmte*Vorstellung vom Menschen festgesetzt.
Das Recht des einzelnen, die Verantwortung'der Regierung gegenüber den
Regierten und die Herrschaft des Rechts haben unsere Lebensweise ausgezeichnet.

Diese Ideale sind die wahre Quelle unserer Stärke und die wahre

Quelle der Schwäche unserer Gegner.
i

Eine Gesellschaft, in der Menschen nicht frei sind, nach ihrem Gewissen zu sprechen, in der Arbeitern die Würde verwehrt wird, in der die
Arbeit der Gemeinschaft in Kriegswaffen fließt, ist unnatürlich und widerlich. Im Gegensatz dazu hält die freie Meinungsäußerung des einzelnen oder
vieler unsere Regierung flexibel und wachsam. Und die Grundlagen der Übereinstimmung sind Worte, Gedanken und Stimmzettel und nicht die Polizeigewalt des Staates. Und die Mittel, die unter Zögern für die Verteidigung
bereit gestellt werden, sind zu Recht der striktesten Prüfung-und Rechtfertigung unterworfen.
Diese Ideale gehören keineswegs uns allein. Sie haben eine weltweite
Anziehungskraft. Unsere materiellen Leistungen werden bewundert und nachgeahmt. Aber die Kraft westlicher Wissenschaft und Technologie entspringt
der Kraft der Ideen. Die Völker der Welt hungern nach unseren Ideen, selbst
wenn sie zunächst die Vorteile unserer Maschinen haben wollen. Aber wenn
wir uns nicht um unsere eigenen Werte kümmern, dann können wir nicht erwarten, daß andere sie respektieren oder uns respektieren.
Die Geschichte lehrt uns, daß Fortschritt nicht unausweichlich kommt.
Freiheit und Demokratie sind oft verwehrt worden, und Völker sind mit Gewalt dem Diktat falscher Lehren unterworfen worden.

Aber wenn wir etwas

aus diesem unruhigen Jahrhundert gelernt haben, dann ist es, wie Churchill
einmal erklärte, daß nur die rasche Sammlung der Kräfte, um militärischer
und moralischer Aggression zu begegnen, den Frieden erhalten kann.

Eine sol-

che rasche Sammlung der Kräfte wird uns in die Lage versetzen, eine ganze
Welt zu schaffen, eine freie Welt, ohne sie dabei in Stücke zu sprengen.
Die Macht Amerikas muß diesem Zweck dienen.

+ + + ++
- 18 -

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                    <text>Information
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17/A

28. April 1982
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Nicht Einfrieren, sondern vermindern der Kernwaffen
- Fernsehansprache des US-Präsidenten Burt:

Ein Atomkrieg wäre eine unvorstellbare Katastrophe

- Ansprache des Direktors des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten General Smith: Amerikanische Truppen sollten in Europa bleiben
- Erklärung vor einem Senatsunterausschuß US-Unterstaatssekretär:

USA halten an NATO-Verpflichtung fest

- Erklärung vor einem Senatsunterausschuß Weinberger: Sowjets sind heute die einzigen Imperialisten
- Rede des US-Verteidigungsministers in New York HINTERGRUNDMATERIAL
Vor dem Beginn der START-Verhandlungen
- Kommentar der Stimme Amerikas WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumtransporter - ein Vielzweckgerät
- Vorläufiges Flugprogramm bis 1987 -

Um Über/endung von
Delegexemptafen
wird gebeten

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Tel.: 0228-339 22 40
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7J

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. April 1982

17

REAGAN: NICHT EINFRIEREN, SONDERN VERMINDERN DER KERNWAFFEN
- Fernsehansprache des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat sich in einer Fernsehansprache für eine wesentliche Verminderung der Kernwaffen statt eines Einfrierens auf dem gegenwärtigen ungleichen Stand ausgesprochen.

Reagan äußerte

am 17. April 1982 vollstes Verständnis für alle, die Angst vor einem Atomkrieg
haben, wies jedoch darauf hin, daß nur ein militärisches Gleichgewicht den
Frieden sichern könne.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger, während unserer ganzen Geschichte, und
vor allem in den letzten Jahren, haben Amerikaner eine ständig wachsende Rolle
als Friedensstifter gespielt - und immer wieder die Initiative ergriffen, um
anderen Ländern bei der friedlichen Beilegung ihrer Streitigkeiten zu helfen.
Ich brauche die Liste diplomatischer Bemühungen nicht aufzuzählen, die sich
auf alle Administrationen erstreckt, durch die wir mitgeholfen haben, Krieg
zu beenden und Frieden wiederherzustellen.
Und doch

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Telex: 08-85432

�I
I

Und doch gibt es noch immer Menschen, die fragen, welches Land der
wahre Friedensstifter sei - die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion.
Vielleicht sollten wir sie fragen, welches Land fast 100 000 Soldaten als
Besatzung in dem einst blockfreien Afghanistan stehen hat? Welches Land
eine spontane Arbeiterbewegung in Polen zu unterdrücken sucht?
Land die massivste Aufrüstung in der Geschichte betreibt?

Und welches

Oder stellen wir

die Frage einmal anders herum. Welches Land hat seinen Gegnern aus dem
Zweiten Weltkrieg wieder auf die Füße geholfen?

Welches Land nutzt wirtschaft-

liche und technologische Hilfe, um den Entwicklungsländern der Welt zu helfen
und strebt aktiv nach Frieden im Nahen Osten, im Südatlantik und im südlichen
Afrika?
Die Antwort liegt auf der Hand und sollte uns in Amerika Stolz und
Hoffnung vermitteln.

Es gibt

heute viele Menschen, das weiß ich, die auf

den unvorstellbaren Schrecken eines Atomkrieges verweisen.
ses

Ich begrüße die-

Anliegen. Jene, die Amerika im Atomzeitalter regiert haben, jene,die

es heute regieren, haben erkannt, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden
kann und niemals geführt werden darf.
Ich kann also all jenen, die gegen einen Atomkrieg protestieren, nur
sagen:

"Ich bin auf eurer Seite". Wie bei meinen Vorgängern ist es jetzt

meine oberste Pflicht, alles nur Mögliche zu tun, um einen solchen Krieg zu
verhindern.

Niemand spürt so sehr wie ich, wie notwendig der Frieden ist.

Während der ersten Hälfte meines Lebens lag die ganze Welt im Krieg
oder erholte sich gerade von einem Krieg oder bereitete gerade einen Krieg
vor. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat es keinen Weltkonflikt mehr
gegeben. Aber in verschiedenen Teilen der Erde haben sich Kriege abgespielt
und spielen sich noch ab.
Dieser Zeitraum von 37 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Ergebnis
unserer Bemühungen, ein Kräftegleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion aufrechtzuerhalten - und zwischen den strategischen Nuklearkapazitäten beider Seiten.

Solange dieses Gleichgewicht aufrechterhalten

wird, haben beide Seiten einen überwältigenden Anreiz zum Frieden.
„
In den

�In den siebziger Jahren haben die Vereinigten Staaten dieses Gleichgewicht
verändert, indem sie praktisch bei ihrer eigenen militärischen Verteidigung
Zurückhaltung übten, während die Sowjetunion sich in eine beispiellose Aufrüstung ihrer konventionellen und nuklearen Streitkräfte stürzte.
Als Ergebnis ist das militärische Gleichgewicht, das es uns ermöglichte,
den Frieden aufrechtzuerhalten, heute gefährdet.

Wenn keine Schritte unter-

nommen werden, unsere Verteidigung zu modernisieren, dann werden die Vereinigten Staaten schrittweise die Fähigkeit verlieren, die Sowjetunion davor abzuschrecken, Gewalt oder Androhung von Gewalt gegen uns und unsere Verbündeten
anzuwenden.
Es wäre zu schön, wenn wir unser Gleichgewicht mit der Sowjetunion ohne
eine Erhöhung unserer militärischen Macht vornehmen könnten.

Und idealer-

weise wäre es ein großer Schritt zum Frieden, wenn wir auf beiden Seiten wesentliche und verifizierbare Verringerungen der Waffen hätten.
wir uns nichts vor.
schenken kommen.
sionen machen.

Aber machen

Die Sowjetunion wird zu keinem Verhandlungstisch mit Ge-

Sowjetische Unterhändler werden keine einseitigen KonzesUm die Parität zu erreichen, dürfen wir keine Zweifel daran

lassen, daß wir gewillt sind, die Parität durch unsere eigene Anstrengung zu
erreichen.
Viele Leute lassen sich durch die Idee eines Einfrierens der Kernwaffen
verlocken.

Das wäre eine schöne Sache, wenn wir in der strategischen Kapa-

zität gleich wären.

Das sind wir nicht. Wir können kein

übereinkommen ak-

zeptieren, das die derzeitige Ungleichheit festschreibt.
Der gegenwärtige Stand der Nuklearstreitkräfte ist auf beiden Seiten zu
hoch.

Es muß das Ziel aller Verhandlungen über Rüstungskontrolle sein, die

Zahl der Kernwaffen zu verringern.
Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten bei zahllosen
Gelegenheiten versucht, die Zustimmung der Sowjets zu solchen Verringerungen
zu erhalten.

Wir begannen schon zu der Zeit, als wir noch allein über solche
- 3 -

�über solche Waffen verfügten.

Es ist uns niemals gelungen, die Sowjetunion

zu überzeugen, sich uns in einem solchen Einvernehmen anzuschließen - selbst
als wir vorschlugen, alles nukleare Material und alle Informationen einer
internationalen Körperschaft zu übergeben und als wir als einziges Land Kernwaffen besaßen.
Wir bereiten eine neue Abrüstungsanstrengung hinsichtlich der strategischen Nuklearstreitkräfte vor und stehen in Genf bereits in Verhandlungen
über nukleare Mittel Streckensysteme, die Europa bedrohen.

Unser Ziel bei

diesen Verhandlungen ist die Beseitigung solcher Raketen.

Was die strate-

gischen Nuklearstreitkräfte anbetrifft, so werden wir auf wesentliche Verringerungen auf beiden Seiten abzielen, die zu gleichen und verifizierbaren Begrenzungen führen.

Wir werden alles in unseren Kräften Stehende tun, um zu

einem Abkommen zu gelangen, das die Möglichkeit eines Atomkrieges verringert.
Wenn uns das gelingt, dann werden wir eines Tages vielleicht ein Verhältnis zur Sowjetunion erreichen, das nicht von der nuklearen Abschreckung
abhängt, um sowjetische Zurückhaltung zu sichern.
Ich lade die Sowjetunion ein, einen solchen Schritt mit uns zu tun.
Und ich bitte Sie, das amerikanische Volk, unsere Bemühungen zu unterstützen,
auf dem Verhandlungswege ein Ende dieser Drohung eines Jüngsten Tages herbeizuführen, die über der Welt hängt.
Ich danke Ihnen und Gott segne Sie.

+ + + + +

- 4 -

�28. April 1982

BURT: EIN ATOMKRIEG WARE EINE UNVORSTELLBARE KATASTROPHE
Ansprache des Direktors des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem "Advertising Council" am 23.
April 1982 in Washington erklärte Richard Burt, Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, daß
"ein Atomkrieg eine unvorstellbare Katastrophe wäre. Ein solcher Krieg kann
nie gewonnen werden und darf nie ausgetragen werden." Präsident Reagan hatte
bereits am 17. April in einer Rundfunk- und Fernseherklärung seine Unterstützung für jene zum Ausdruck gebracht, "die gegen einen Atomkrieg protestieren".
Reagan erklärte: "Ich bin auf eurer Seite." Auch Burt hob wie Reagan hervor, daß es darauf ankomme, durch Verhandlungen mit der Sowjetunion einen
wesentlichen Abbau der Kernwaffen zu erreichen.
Die Ansprache von Richard Burt unter der Überschrift "Amerikas Verpflichtung zum Frieden" hat folgenden Wortlaut:
In der vorigen Woche haben Amerikaner ausdrucksvoll ihre Besorgnis über
die Kernwaffen und über die Aussichten eines atomaren Wettrüstens zwischen
der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten zum Ausdruck gebracht. Diese Be-

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�Diese Bedenken haben zu einigen Vorschlägen geführt, die die Administration
für unklug hält.

Aber jene, die da gegen den Atomkrieg protestieren, stehen

nun wirklich nicht allein. Wie Präsident Reagan, Außenminister Haig und andere deutlich gemacht haben, teilt die Administration jene Besorgnisse und
viele der Zielsetzungen derjenigen, die für den Frieden marschieren.
- Wir sind alle einer Meinung, daß ein Atomkrieg eine unvorstellbare
Katastrophe wäre.

Ein solcher Krieg kann nie gewonnen werden und darf nie

ausgetragen werden.
- Wir sind alle einer Meinung, daß ein ungezügelter Wettstreit zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR bei der Beschaffung von Kernwaffen verschwenderisch und gefährlich ist.
- Wir sind alle einer Meinung, daß die derzeitigen Kernwaffenarsenale
zu groß sind.
- Wir sind alle einer Meinung, daß die Rüstungskontrolle die größte und
einzig reale Hoffnung auf eine Beschränkung des nuklearen Wettstreits und
auf eine Verringerung der Kernwaffen ist.
Angesichts des großen prinzipiellen Einverständnisses in diesem Lande
darüber, wie das Problem der Kernwaffen anzugehen sei, lohnt sich eine Untersuchung darüber, warum das Ausmaß der öffentlichen Aufmerksamkeit gegenüber
diesen Fragen in den letzten Monaten so dramatisch zugenommen hat.
Meiner Ansicht nach erleben wir eine Rückkehr zu einer gesunden öffentlichen Besorgnis über Kernwaffen und öffentliche Unterstützung für Fortschritte
bei der Rüstungskontrolle nach einer Periode, in der solche Besorgnisse nicht
zum Ausdruck gebracht wurden und eine solche Unterstützung sich nicht manifestierte.

Dieses Fehlen einer öffentlichen Besorgnis und Unterstützung für

die Rüstungskontrolle hat, wie ich meine, mehrere Ursachen:
Erstens machten
- 2 -

»

�Erstens machten die Amerikaner bei der Rüstungskontrolle die Erfahrung
weitverbreiteter Ernüchterung.

Anfang bis Mitte der siebziger Jahre führten

die Vereinigten Staaten, ein noch nie dagewesenes Programm der Rüstungskontrolle
durch, zu dem Anstrengungen

wie die Kontrolle der nuklearen, chemischen und

konventionellen Waffen, der strategischen Streitkräfte, der Streitkräfte in
Europa und sogar der Streitkräfte im Indischen Ozean gehörten.

Zum Teil weil

unsere Tatkraft sich auf so viele Bereiche erstreckte und so viele Ziele
gleichzeitig verfolgte, wurde letztlich wenig erreicht. Als Ergebnis zeigte
sich weitverbreitete Enttäuschung in der Öffentlichkeit und Apathie hinsichtlich der Möglichkeiten der Rüstungskontrolle.
Der zweite Hauptgrund für den fehlenden Fortschritt bei der Rüstungskontrolle und für die Ernüchterung der Öffentlichkeit gegenüber diesem Prozeß
war das sowjetische Verhalten. Seit Beginn ihrer Intervention in Angola im
Jahr 1975 mittels kubanischer Stellvertreter über eine ähnliche Intervention
in Äthiopien im Jahr 1977 bis hin zur Invasion Afghanistans 1979 hat die
Sowjetunion wiederholt die politische Basis für einen Fortschritt bei der
Rüstungskontrolle untergraben.
Trotz unserer Enttäuschungen und Frustrationen:
ist von Natur aus optimistisch.

Das amerikanische Volk

Es geht gegen seine Natur, sich über Kern-

waffen keine Sorgen zu machen oder den Anstrengungen zur Verminderung eines
Kriegsrisikos und der Rüstungslasten keine Unterstützung zu gewähren.

Für

unsere nationale Einstellung ist die Überzeugung charakteristisch, daß diese
Probleme durch Verhandlungen und übereinkommen gelöst werden können und gelöst werden müssen.

Wir sehen also heute ein erneutes Auftreten unserer na-

tionalen Verpflichtung gegenüber dem Prozeß der Friedenssuche durch Verhandlungen - eine Verpflichtung, die durch mehrere Jahre der verringerten öffentlichen Aufmerksamkeit gegenüber diesen Fragen noch verstärkt wird.
Die Administration teilt diese Verpflichtung.

Sie ist jedoch entschlossen,

aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und sie in Zukunft zu vermeiden.
Eine Lektion,

�Eine Lektion, die wir gelernt haben, besteht darin, daß wir uns bei unseren Anstrengungen nicht verzetteln dürfen.

Wir müssen uns auf die Verhand-

lungen methodisch, sorgfältig und umfassend vorbereiten.

Wir müssen uns über

unsere Hauptziele bei der Rüstungskontrolle klar werden und sie dann mit Ausdauer und Konzentration verfolgen.

Wir müssen sicherstellen, daß die von uns

vorgeschlagenen Abkommen die beiderseitige Sicherheit auch wirklich erhöhen
und, einmal ausgehandelt, auch die Bekräftigung durch unsere Verbündeten, die
Unterstützung durch unser Volk und das Einverständnis des Kongresses erhalten.
Eine andere Lektion des letzten Jahrzehnts ist die, daß die Rüstungskontrolle nicht in einem Vakuum vor sich gehen kann.

Vernünftiger Fortschritt

und bedeutsame Abkommen hängen von unserer Fähigkeit ab, die Sowjetunion zur
Zurückhaltung in ihrem Auftreten in der Welt zu ermutigen und diese Zurückhaltung sicherzustellen.

Dabei ist die Rüstungskontrolle ein Mittel, dies zu er-

reichen, aber sie kann dies nur dann erfolgreich bewirken, wenn sie von anderen Mitteln politischer, wirtschaftlicher und diplomatischer Natur unterstützt wird, die uns zur Verfügung stehen.
Eine Schwierigkeit besteht hinsichtlich der sowjetischen Zurückhaltung
darin, daß der Druck auf die sowjetische Führung zur Aushandlung ausgewogener
Rüstungskontroll Vereinbarungen in ihrem eigenen Land fehlt.

Wir müssen davon

ausgehen, daß die Völker der Sowjetunion und Osteuropas sich genauso um den
Frieden sorgen und genauso gegen einen Atomkrieg sind wie wir.

Unglücklicher-

weise haben sie keine Möglichkeiten, diese ihre Sorgen zum Ausdruck zu bringen.

Sie haben auch keine Möglichkeit, ihre Regierungen unter Druck zu set-

zen, um diese ihre Sorgen ernstzunehmen.

Ja, wir stehen vor der unnatürlichen

Situation, daß Moskau und die osteuropäischen Regierungen aktiv die Friedensbewegungen im Westen ermutigen, während sie eben diese im Osten aktiv unterdrücken.

Es ist klar, daß die Menschen im Westen nicht auf ihr eigenes Vor-

recht und ihre moralische Verpflichtung verzichten können, ihrer Überzeugung
und ihren Sorgen Ausdruck zu verleihen, nur weil die Völker im Osten nicht
den gleichen Druck auf ihre eigenen Regierungen ausüben können.

Wir sollten

allerdings nicht vergessen, daß das Ziel der Rüstungskontrolle vereinbarte
Zurückhaltung auf beiden Seiten ist und daß unser Verhandlungspartner in diesem
- 4 -

�in diesem Prozeß nicht unter dem selben Druck steht wie wir selbst.
Wie ich bereits gesagt habe, gibt es in diesem Land große Übereinstimmung hinsichtlich der Unterstützung der Anstrengungen zur Kontrolle und zur
Verminderung der nuklearen Arsenale.

Es gibt jedoch Meinungsverschiedenhei-

ten darüber, um welche Art von Rüstungskontrollvereinbarungen wir uns bemühen
sollten.

Manche haben zum Beispiel vorgeschlagen, wir sollten der Sowjetunion

ein beiderseitiges Einfrieren der Entwicklung, Produktion und Dislozierung von
Kernwaffen anbieten.

Präsident Reagan hat jedoch auf die Schwachstellen eines

jeden Einfrierens auf derzeitigem Niveau hingewiesen:
- Ein solches Einfrieren würde ein Jahrzehnt der ungezügelten Aufrüstung belohnen.
- Ein solches Einfrieren würde die Vereinigten Staaten für ein Jahrzehnt
der einseitigen Zurückhaltung bestrafen.
- Ein Solches Einfrieren würde der Sowjetunion jeglichen Anreiz zur Verminderung durch Verhandlungen nehmen.
Die Administration hat deutlich gemacht, daß sie eine andere Methode
vorzieht, von der wir glauben, daß sie ausgewogener und wirkungsvoller ist.
Aufgrund der Erfahrung aus den siebziger Jahren sind wir für die Aushandlung
von Verminderungen des Niveaus der Kernwaffen auf beiden Seiten, was zu vereinbarten, verifizierbaren und gleichen Begrenzungen führen würde.
In Genf haben wir der Sowjetunion bereits Vorschläge über beträchtliche
Verminderungen des geplanten Niveaus bei den nuklearen Mittel Streckensystemen
unterbreitet, und wir haben uns für eine völlige Beseitigung jener Systeme
auf beiden Seiten eingesetzt, die am wirkungsvollsten und am bedrohlichsten sind.
In den nächsten Wochen werden wir unsere Vorbereitungen für die Verhandlungen mit der Sowjetunion über die strategischen Kernwaffen abgeschlossen
haben.

Auch hier werden wir bald in der Lage sein, konkrete Vorschläge zu

unterbreiten.

Diese Vorschläge werden fair sein.

in gutem Glauben verhandeln.

Wir werden ernsthaft und

Wenn die Sowjetunion das gleiche tut, werden

die Erfolgsaussichten gut sein.
Amerika hat

�Amerika hat ein schwieriges Jahrzehnt hinter sich.
Vietnam und Watergate liegen hinter uns.

Die Traumata von

Erneut wendet sich unser Volk den

wirklich entscheidenden Fragen unserer nationalen Zielsetzung und nationalen
Sicherheit zu - den Fragen nach Krieg und Frieden, nach Kernwaffen und
Rüstungskontrolle, nach unserem Verhältnis zu unseren Verbündeten und zur
Sowjetunion.

Als Nation und als Administration sind wir dem Frieden ver-

pflichtet und sind optimistisch genug zu glauben, daß er durch geduldige und
feste Diplomatie gesichert werden kann.

Im Südatlantik, im Nahen Osten, bei

unseren Kontakten zur Sowjetunion und bei der Entwicklung unserer Rüstungskontroi lpolitik verfolgen wir dieses Ziel.

Wir begrüßen die lebhafte natio-

nale Debatte über diese Fragen und die Gelegenheit, die sie bietet, unsere
Politik zu erklären und die Unterstützung der Öffentlichkeit dafür zu sichern,

+ + + + +

- 6-

�* 1111 J

I7]T37
17

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
28. April 1982

GENERAL SMITH: AMERIKANISCHE TRUPPEN SOLLTEN IN EUROPA BLEIBEN
- Erklärung vor einem Senatsunterausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Europa, General W. Y. Smith, hat am 22. April 1982 erklärt, daß jetzt nicht der Zeitpunkt für einen Abzug amerikanischer Truppen
aus Europa sei. Vor dem Verteidigungsunterausschuß des Bewilligungsausschusses
des Senats sagte der General, nach dem Urteil hoher amerikanischer Befehlshaber
würde ein Abzug wesentlicher Teile der US-Streitkräfte den Nuklearstreitkräften
vermehrte Erfordernisse aufbürden - zu einem Zeitpunkt, da es das Ziel der Vereinigten Staaten sei, sich in größerem Maße auf konventionelle Truppen zu
stützen.
Die Ausführungen von General Smith haben in ihren wesentlichen Teilen
folgenden Wortlaut:
Die amerikanischen Streitkräfte befinden sich in Europa, um lebenswichtige
Interessen der Vereinigten Staaten in Europa zu schützen - nicht nur die
Sicherheit der Westeuropäer. Die wirtschaftliche, industrielle und technische

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�und technische Kapazität Westeuropas und sein Potential für ein weiteres
Wachstum sind von entscheidender Bedeutung für eine Welt, von der die USA

ein

Teil sind und für deren Erhaltung sie in ihrer Geschichte Blut und Gut hingegeben haben:
1. Für eine Welt, in der die Traditionen der westlichen Demokratien
blühen und gedeihen können;
2. für eine Welt des freien Handels und
3. für eine Welt, in der Konflikte mit friedlichen Mitteln beigelegt
werden. ...
Unsere Verbündeten in der NATO sind sich über die entscheidende Bedeutung
der anhaltenden amerikanischen Militärpräsenz im klaren. Sie haben Maßnahmen
ergriffen - und tun dies auch weiterhin -, um die Lasten der USA für die Aufrechterhai tung der vorne dislozierten Streitkräfte zu erleichtern.
Ein wichtiges Beispiel ist das Abkommen über Unterstützung durch den Aufnahmestaat in Krise oder Krieg (Wartime Host Nation Support Agreement), das
gerade zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet worden ist. ... Ein weiteres Beispiel ist die deutsche Bereitschaft,
über den Leitplan der amerikanischen Armee für eine Umverlegung (MRP) zu
sprechen, durch den die an Ort und Stelle stationierten Truppen der amerikanischen Armee näher an ihre Verteidigungspositionen in Kriegszeiten verlegt werden
sollen. Diese Erörterungen werden komplex und schwierig sein, nicht etwa wegen
deutsch-amerikanischer Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Notwendigkeit
dieses Planes, sondern wegen der Notwendigkeit, schwierige Entscheidungen darüber
zu treffen, wie die knappen Mittel verwendet werden sollen.
Die USA ziehen auch weiterhin erheblichen Nutzen aus dem Infrastrukturprogramm der NATO. Eine kürzliche Studie, die für den Bewilligungsausschuß des
Repräsentantenhauses erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, daß sich in den
Jahren 1972 bis 1978 die Projekte, die die USA nutzen konnten, auf 41,36 Prozent
aller Projekte beliefen, die für die Nutzung seitens nationaler Streitkräfte

�nationaler Streitkräfte vorgesehen waren. Zu dieser Kategorie gehören keine
Einrichtungen, die gemeinsam von allen NATO-Ländern benutzt werden - als Einrichtungen, die auf jeden Fall eine gemeinsame Finanzierung erforderlich gemacht hätten. Während dieses gleichen Zeitraums hielt sich der finanzielle
Beitrag der Vereinigten Staaten zum Infrastrukturprogramm bei 27,4 Prozent
des gesamten Programms. Angesichts der neuen "VerstärkungsunterstützungsKategorie" in bezug auf solche Projekte könnte der amerikanische Nutzungsanteil bis 1984 sogar auf etwa 50 Prozent der gesamten nationalen Projekte anwachsen.

Der effektive Beitrag der europäischen Verbündeten ist praktisch

noch größer, als diese amtlichen Zahlen erkennen lassen, da das Gastland für
jedes Infrastrukturprojekt ohne Kosten für die NATO den Grund und Boden und
die Zufahrtsstraßen zur Verfügung stellt und für den Zugang zu den Einrichtungen sorgt. Diese Ausgangskosten werden auf etwa 13 Prozent der Gesamtkosten für

eine große, neue Einrichtung geschätzt.

Es gibt heute in Westeuropa Anzeichen der Unbehaglichkeit und der Unsicherheit, die sich in den kürzlichen "Friedens-Demonstrationen"manifestierten.

Meinungsumfragen zeigen jedoch, daß die überwältigende Mehrheit der West-

europäer gegenüber den USA immer noch sehr freundschaftlich eingestellt sind
und die NATO nachdrücklich unterstützen.

Im Herbst vergangenen Jahres stell-

ten Meinungsforscher in der Bundesrepublik Deutschland fest, daß fast 90 Prozent der dortigen Bevölkerung für gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
sind und über 70 Prozent die Präsenz amerikanischer und anderer westlicher
Truppen auf deutschem Boden unterstützen.

(U.S. News and World Report,

14. Dezember 1981).
Diese umfassenden Meinungsumfragen werden bestätigt, wenn ich amerikanische Einrichtungen in Europa besuche und danach frage, wie die Beziehungen
zu der jeweiligen Gemeinde sind.

Die Antwort ist immer wieder:

"Sie waren

niemals besser", und die Behörden arbeiten auf allen Ebenen intensiv daran,
daß dies so bleibt. Statt amerikanische Streitkräfte zu diesem Zeitpunkt abzuziehen und damit die Zweifel irgendwelcher Minderheitsgruppen in Europa
an den Verpflichtungen der USA gegenüber unseren NATO-Verbündeten zu nähren,
müssen die USA auch weiterhin die Führung ergreifen, beispielsweise bei dem
- 3 -

�bei dem Bemühen des Bündnisses, mehr zu tun. Die USA sollten auch weiterhin
amerikanische Maßnahmen im Zusammenhang mit der NATO betonen und unterstreichen.
Niemand weiß, wie lange die amerikanischen Streitkräfte in Europa bleiben
müssen.

Es ist jedoch die Ansicht hoher amerikanischer Befehlshaber in Europa,

daß ein Abzug wesentliche Teile der amerikanischen Streitkräfte zum jetzigen
Zeitpunkt:
- größere Erfordernisse der Abschreckung den Nuklearstritkräften auferlegen würde - zu einer Zeit, da es unser Ziel ist, sich in vermehrtem Maße auf
konventionelle Streitkräfte zu verlassen;
- den Eindruck bei antiamerikanischen Gruppen in Europa erwecken würde,
daß sie die amerikanische Sicherheitspolitik diktieren könnten;
- zu einer Zersplitterung des NATO-Bündnisses zu einem Zeitpunkt führen
würde, da mehr - statt weniger - militärische Kapazität und politischer Zusammenhalt notwendig sind;
- die Sowjets in Richtung auf ihre Ziele hinsichtlich der Beherrschung
Westeuropas voranbringen würde ohne irgendeine Anstrengung oder ein Risiko
ihrerseits; und
- den lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten zuwiderlaufen
würde.
Einfach ausgedrückt:

Ein Abzug amerikanischer Streitkräfte zu dieser

Zeit würde die falsche Auswirkung haben, die falschen Ergebnisse zeitigen und
die falsche Botschaft an unsere Verbündeten und potentiellen Gegner gleichermaßen übermitteln.

+ + + + +

- 4-

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

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28. April 1982

US-UNTERSTAATSSEKRETÄR: USA HALTEN AN NATO-VERPFLICHTUNG FEST
- Erklärung vor einem Senatsunterausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretä'r für internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium, Richard N. Perle,
betonte am 22. Abril 1982 vor dem Verteidigungsunterausschuß des Bewilligungsausschusses des Senats, daß die Vereinigten Staaten an ihren NATO-Verpflichtungen festhalten müssen und werden.
Die Erklärung Perles vor dem Unterausschuß hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, ich freue mich, heute vor diesen Unterausschuß treten zu können und über die amerikanischen Verpflichtungen im Gebiet des Nordatlantikpaktes zu sprechen.
Zweimal in diesem Jahrhundert haben Amerikaner auf den Schlachtfeldern
Europas gekämpft und sind gestorben, um die lebenswichtigen Interessen der
Vereinigten Staaten zu schützen und den Frieden und die Unabhängigkeit von
Freunden und Verbündeten wiederherzustellen, mit denen wir gemeinsame Traditionen und Werte teilen. Dieses Interesse ist heute noch gleich stark und
reicht über alle möglichen politischen Differenzen hinaus, die von Zeit zu
Zeit unter den Mitgliedern der westlichen Gemeinschaft auftreten mögen. Die

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die Bedrohung des Bündnisses ist heute nach unserer Überzeugung größer als
zu irgendeinem Punkt in der Geschichte des Bündnisses. Die militärische
Macht der Sowjetunion wachst praktisch in allen Kategorien der Waffensysteme
weiterhin an. Seit Mitte der sechziger Jahre hat die UdSSR ihre realen Verteidigungsausgaben fast verdoppelt, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung
mehr als verdoppelt und die Mannschaftsstä'rke der Streitkräfte um über 30 Prozent erhöht.

Die Sowjetunion produziert heute neue Systeme in einem Tempo,

das es ihr ermöglichen wird, diese Aufwärtsbewegung weit in die Zukunft hineinzutragen.

Es wäre gefährlich naiv, von der Sowjetunion zu erwarten, daß

sie, wenn sie erst eine klare militärische Überlegenheit erreicht hat, nicht
versuchen würde, diese Kapazität noch stärker auszunutzen als derzeit.
Der stellvertretende Verteidigungsminister Carlucci hat hier bereits
über die globalen amerikanischen Verpflichtungen ausgesagt; General Smith und
ich sind gebeten worden, über die amerikanischeirTerpfl ichtungen gegenüber der
NATO zu sprechen.

Ich möchte jedoch von vorneherein klarstellen, daß die

Verpflichtungen der Vereinigten Staaten

wohlüberlegt und bewußt im Interesse

der nationalen Verteidigung der USA eingegangen sind - nicht nur um unsere
Freunde und Verbündeten verteidigen zu helfen - und von allen bisherigen Administrationen bekräftigt worden sind.

Die heutige Administration glaubt

fest an das Konzept der kollektiven Verteidigung, ohne das die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten nur unter großen Schwierigkeiten und mit
so hohen Kosten garantiert werden könnte, daß die Freiheiten und die Lebensweise, die wir zu schützen suchen, einem gefährlichen Risiko ausgesetzt wären.
Herr Vorsitzender, ich werde oft gefragt, wieviel unsere Verpflichtung
zur Verteidigung Europas die Vereinigten Staaten kostet: Sind es 80 Milliarden Dollar oder 120 Milliarden Dollar jährlich?

Ich möchte behaupten, daß

jede quantitative Antwort bestenfalls bedeutungslos und schlimmstenfalls irreführend ist. Fast keine unserer Streitkräfte, außer jenen vor Ort in Europa,
sind rein auf die Verteidigung Europas ausgerichtet. Auf der anderen Seite
würden praktisch alle unsere

stehenden Streitkräfte - und die Reserven eben-

so - in einen Krieg verwickelt, der einen Großangriff des Ostens auf irgendeinen unserer NATO-Verbündeten einschließen würde.
Was man
- 2 -

�Was man fragen muß, ist, wieviel weniger unsere gegenwärtige kollektive
Sicherheit kostet als die Alternative.es "allein zu machen". Hier müssen mehrere Faktoren in Rechnung gestellt werden.
- Im Jahr 1981 gaben unsere europäischen Verbündeten und Kanada fast
128 Milliarden Dollar für die Verteidigung aus - praktisch alles im Bereich
des Nordatlantikvertrages.
- Unsere NATO-Verbündeten unterhalten aktive Streitkräfte von rund
drei Millionen Mann, das sind 60 Prozent der gesamten Mannschaftsstärke des
Bündnisses in Friedenszeiten.

Dieser Stand würde bei einer Mobilisierung

verdoppelt.
- Unsere NATO-Verbündeten stellen 90 Prozent der Landstreitkräfte der
NATO in Friedenszeiten, 75 Prozent der Luftstreitkräfte und 80 Prozent der
Seestreitkräfte in Europa.
- Selbst 30 Tage nach einer Mobilisierung gehen wir davon aus, daß unsere europäischen Verbündeten 75 Prozent der Landstreitkräfte und 5o Prozent
der Luftstreitkräfte in Europa stellen würden.
Gäbe es nicht diesen beträchtlichen Beitrag unserer NATO-Verbündeten
zur gemeinsamen Verteidigung, dann liegt auf der Hand, daß die amerikanischen
Verteidigungskosten zum Schutz lebenswichtiger Interessen der Vereinigten
Staaten beträchtlich erhöht werden müßten, und unser Mannschaftsbedarf würde
stark ansteigen.

Koalition oder "gemeinsame" Verteidigung ist politisch

nicht immer leicht durchführbar, aber sie sind ohne Frage weniger kostspielig
für alle Verbündeten als ein "Alleingang".
So wie die Verteidigungsanstrengungen des Bündnisses unsere eigenen
ergänzen und einen höheren Stand kollektiver Verteidigung zu tragbareren
Kosten erlauben, so ermöglicht die Vornestationierung amerikanischer Landund Luftstreitkräfte in Europa eine glaubwürdigere konventionelle Verteidigung der lebenswichtigsten exponierten Gebiete in der NATO und bietet die ent- 3 -

�die entscheidend wichtige Demonstration der amerikanischen Verpflichtung zur
Verteidigung der NATO. Ein integraler Bestandteil dieser Verpflichtung sind
die nuklearen Kapazitäten dieser Streitkräfte, die zusammen mit den Nuklearstreitkräften, die unsere Verbündeten disloziert haben, die entscheidende Verbindung im Spektrum der Abschreckung zwischen konventionellen Streitkräften
auf der einen und der letzten Abschreckung, den amerikanischen zentralen
strategischen Streitkräften, auf der anderen Seite. Eine glaubwürdige Abschreckung in Europa kann jedoch nicht ausschließlich auf dem amerikanischen
Nuklearschild beruhen, so lebenswichtig dieser ist.
Das nukleare Potential des Bündnisses muß mit wirksamen konventionellen
Streitkräften gekoppelt sein. Amerikanische Land- und Luftstreitkräfte in
Europa sind eine wesentliche Komponente einer glaubwürdigen konventionellen
Verteidigung, die dazu dient, die Ebene der Konfrontation zu erhöhen, auf der
wir uns entscheiden müssen, ob wir unsere Kernwaffen einsetzen wollen.
Die sowjetischen Streitkräfte sind so zusammengesetzt und disloziert, daß
die Warnung vor einem Angriff auf Westeuropa zweideutig und die Vorwarnzeit
kurz sein könnte. Es ist daher wesentlich, daß die NATO in kurzer Zeit antworten kann. Wir haben Gerät voraus eingelagert, damit amerikanische Streitkräfte im Falle einer Krise sofort verstärkt werden können, aber es gibt einfach keinen Ersatz für die Kampftruppen, die wir in Europa aufrechterhalten.
Ein einseitiger Abzug oder eine einseitige "Ausdünnung" dieser Streitkräfte
macht weder militärisch noch politisch Sinn.
Die Struktur unserer in Europa stationierten Streitkräfte hat derzeit
einen Umfang, der uns zusammen mit unseren Verbündeten in die Lage versetzt,
einer Bedrohung durch die stehenden Streitkräfte des Warschauer Paktes bei
kürzester Vorwarnzeit so zu begegnen, daß Zeit genug für die Mobilisierung
und Dislozierung von Reserveeinheiten gewährleistet ist. Ein Abzug amerikanischer
Truppen würde unsere Fähigkeit zur Redislozierung notwendiger Streitkräfte in
einem Krisenfall aufs Ernsthafteste belasten. Es würde sich eine Vielzahl von
Problemen ergeben, die mit den derzeit vorgesehenen Luft- und Seetransport-

- 4 -

�und Seetransport- sowie den Aufnahmekapazitäten nicht bewältigt werden könnten.
Zusammengenommen würden die einmaligen Kosten der Rückführung dieser Streitkräfte in die Vereinigten Staaten und die wiederkehrenden Kosten für ihren
Transport nach Europa für Training und für den Ernstfall dies verbieten.
Schließlich würde jeder einseitige Abzug amerikanischer Truppen aus
Europa sowohl von den Verbündeten als auch von potentiellen Gegnern als ein
Nachlassen amerikanischer Verpflichtungen angesehen werden. Er würde von der
Sowjetunion begrüßt und könnte die Vereinigten Staaten von Europa trennen. Ein
solches Nachlassen der Verpflichtung würde als ein Aufgeben der Führung des
Westens verstanden werden. Es würde nicht zu erhöhten Verteidigungsanstrengungen unserer Verbündeten führen, sondern wahrscheinlich eher den gegenteiligen
Effekt haben. Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, zusammen mit den Verbündeten Einfluß auf politische, militärische und wirtschaftliche Fragen auszuüben, würde geschmälert.
Es steht außer Frage, daß militärisch gesehen von uns allen viel mehr
getan werden muß. Diese Administration hat mit einer kräftigen und seit langem
überfälligen Stärkung unserer Streitkräfte begonnen, um das wachsende Ungleichgewicht zwischen Ost und West in den entscheidenden Bereichen der Verteidigung
einzudämmen. Wir haben unsere Verbündeten gedrängt, sich uns bei diesem Unterfangen anzuschließen. Aber während eine Reihe unserer Partner hierauf positiv
reagiert hat, bleibt insgesamt ihr Verhalten unausgewogen und bedarf eindeutig
der Verbesserung.
Es ist wichtig, daß alle Partner in gleichem Maß sowohl die Vorteile der
kollektiven Sicherheit als auch die Kosten dieser gemeinsamen Verteidigung
teilen. Die NATO und ihre Mitgliedsstaaten müssen einen genauen Blick auf
diese Frage werfen, da jene Zeit wirklich vorüber ist, da sich die Verbündeten
mit gewisser Berechtigung auf ihre "Armut" berufen konnten. Im vergangenen Jahr
standen die Vereinigten Staaten hinsichtlich des Bruttoinlandsproduktes per
capita an achter Stelle unter den NATO-Ländern.
In jedem

�In jedem der vergangenen beiden Jahre hat das Verteidigungsministerium
für den Kongreß einen Bericht über die Beiträge der Verbündeten zur gemeinsamen
Verteidigung vorbereitet. Sie alle haben diesen Bericht gesehen. Darin haben
wir versucht, eine Reihe von Maßnahmen der nationalen Anstrengung auszuarbeiten
und dabei sowohl die quantifizierbaren als auch die nichtquantifizierbaren Beiträge der einzelnen Staaten voll mit in Rechnung zu stellen.
Betrachtet man die Vielzahl der nichtquantifizierbaren Faktoren, so kommt
man zu der Überzeugung, daß die europäischen Verbündeten insgesamt einen im
großen und ganzen ausgewogenen Beitrag für das Bündnis leisten. Einzelne
Unausgewogenheiten müssen ausgeglichen werden, und wir drängen mehrere Länder
darauf, ihre Beiträge zu erhöhen. Wir haben auch Bedenken, daß die jüngsten
Steigerungen bei den amerikanischen Verteidigungsausgaben, sollte es nicht
auch bei den Verbündeten dazu kommen, zu einer Umkehr des Trends der letzten
Jahre in Richtung auf wachsende Ausgewogenheit der Lastenverteilung unter den
NATO-Partnern führen könnten.
Ich möchte mit einigen Worten zur Unterstützung durch den Aufnahmestaat
schließen, einem der wichtigsten, in letzter Zeit entworfenen Konzepte zur
besseren Lastenverteilung innerhalb des Bündnisses. Hier haben wir mit
mehreren Verbündeten der wichtigen zentralen Front zusammengearbeitet, um
eine solche Unterstützung sicherzustellen.
Die amerikanischen Streitkräfte sind die wichtigste Quelle der NATO-Verstärkung, und wir bemühen uns nun schon seit mehreren Jahren darum, unsere
Fähigkeit zur Verstärkung Europas in einem Krisenfall zu verbessern. Wir haben
jedoch ernste Mängel bei der Logistik und unzureichende strategische Transportmöglichkeiten, um die Unterstützungseinheiten in einem Ernstfall zu dislozieren.
Um dieses Problem zu lösen, haben wir die Unterstützung durch den Aufnahmestaat
entwickelt.
Im Herbst vergangenen Jahres trafen wir Vereinbarungen mit Großbritannien
und den Benelux-Ländern über größere Unterstützung in Kriegszeiten. Dies

- 6 -

�Kriegszeiten. Dies betrifft Fragen wie Transport, Materialbewegung, Nachrichtenverbindungen, medizinische Versorgung, Quartier etc. All dies würde im
Krisenfall durch den zivilen Sektor mobilisiert und für die Unterstützung
der amerikanischen Streitkräfte abgestellt.
In der Bundesrepublik Deutschland ist jedoch der Einsatz von Zivilisten
in der Kampfzone keine befriedigende Lösung. Daher entwickelte die Bundesregierung den Vorschlag, deutsche Reservisten einzusetzen, um die Unterstützung
der amerikanischen Streitkräfte in diesem Fall zu gewährleisten. Wir haben
längere Zeit über die Einzelheiten dieses Abkommens verhandelt, und ich freue
mich,berichten zu können, daß diese Vereinbarung vergangene Woche mit der
Bundesregierung unterzeichnet wurde. Sie sieht 93 000 deutsche Reservisten
in Kriegszeiten vor sowie die notwendigen Ausbildungs-, Kommando- und Kontrollstrukturen in Friedenszeiten, um eine wirkungsvolle Einheit zu ermöglichen. Die
Kosten dieser Initiative sind beträchtlich, aber sie liegen lediglich bei einem
Zehntel dessen, was amerikanische Reserven hierfür kosten würden, bzw. bei
einem Zwei hundertste! dessen, was es kosten würde, wollte man eine solche Einheit per zusätzlicher Lufttransportkapazität nach Europa senden. Zudem zahlt
die Bundesregierung mehr als 50 Prozent der anfallenden Kosten.
Die Bedrohung der Bündnisinteressen von außerhalb des Bündnisgebietes sind
ein weiterer Bereich der Zusammenarbeit, in dem wir mit unseren NATO—Verbündeten tätig sind. Die meisten Streitkräfte, die im Fall einer Dislozierung nach
Südwestasien den Schnellen Eingreiftruppen zugeordnet würden, wären ansonsten
Verstärkungen für die europäischen NATO-Länder. Die NATO untersucht derzeit
die Auswirkung eines solchen anderweitigen Einsatzes amerikanischer Streitkräfte, um Wege zu finden, auf denen unsere NATO-Verbündeten Ausgleichsmaßnahmen entwickeln könnten.
Schließlich haben wir Gespräche mit der Bundesregierung über den Leitplan
für eine Umverlegung (Master Restationing Plan) aufgenommen. Beim ersten
Treffen im März kamen die Teilnehmer überein, einen gemeinsamen Expertenausschuß

- 7 -

�gemeinsamen Expertenausschuß zu bilden, um Bereiche der Obereinstimmung und
der Nichtübereinstimmung auszumachen und um potentielle Alternativen einer
Prüfung zu unterziehen. Diese Expertengruppe trifft sich in dieser Woche in
Bonn. Die deutsche Haltung gegenüber dieser Initiative ist in hohem Maß
positiv. Auch wenn wir davon ausgehen, daß der Prozeß langwierig sein wird,
so sind wir doch hinsichtlich des Erfolgs optimistisch.
Herr Vorsitzender, damit bin ich am Schluß meiner Erklärung.
+++++

- 8 -

�17

28. April 1982

WEINBERGER: SOWJETS SIND HEUTE DIE EINZIGEN IMPERIALISTEN
- Rede des US-Verteidigungsministers in New York -

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat in einer Rede vor dem privaten Rat für Außenpolitische Beziehungen in New York am 20. April 1982 die Sowjetunion als die einzige imperialistische Macht in der heutigen Welt und ein Hindernis für Frieden und Stabilität bezeichnet.

Er nannte in diesem Zusammenhang Polen, Kuba, Vietnam,

Kongo, Korea, Afghanistan, Südjemen, Äthiopien und Angola.

Die Vereinigten

Staaten, so betonte Weinberger, wollten kein Wettrüsten mit der Sowjetunion.
Diese habe vielmehr in der Zeit amerikanischer Zurückhaltung massiv aufgerüstet.
Die Ausführungen Weinbergers zur amerikanischen Verteidigungspolitik
haben folgenden Wortlaut:
Die Reagan-Administration ist beschuldigt worden, keine klare Verteidigungspolitik oder militärische Strategie zu haben. Manche Leute beschuldigen
uns, einfach Geld für die Verteidigung hinauszuwerfen, ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, was wir eigentlich erreichen wollen. Andere beschuldigen uns, ein Wettrüsten mit der Sowjetunion zu provozieren - ein Wett-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�ein Wettrüsten ohne Sinn und Verstand, das sich durch seine eigene Schwungkraft steigere. Wieder andere glauben, daß wir durch die Wiederherstellung
der militärischen Stärke Amerikas in Friedenszeiten dem Krieg näher kämen.
Wenn ich heute abend hier spreche, dann zu dem Zweck, diese falschen
Vorstellungen auszuräumen und die grundlegenden Punkte unserer Verteidigungspolitik darzulegen.
Diese Administration hat, wie schon andere vor ihr, die Notwendigkeit
erkannt, in Friedenszeiten Streitkräfte aufrechtzuerhalten - nicht als Vorboten des Krieges, sondern als Garant des Friedens. Wir wollen lediglich gewährleisten, daß wir und unsere Verbündeten unsere Ziele in Frieden verfolgen können; frei von Zwang, Nötigung und Aggression.

Um das zu erreichen,

müssen wir und unsere Verbündeten in der Lage sein, vor einer Aggression abzuschrecken, indem wir die Fähigkeit aufrechterhalten, auf jede Aggression
gegen uns auf der niedrigst möglichen Ebene der Gewaltanwendung zu antworten.
Aber wenn die Abschreckung wirksam sein soll, dann muß sie glaubwürdig
sein. Wenn unsere Abschreckung glaubwürdig sein soll - vor allem in Krisenzeiten - dann müssen andere wissen, daß wir sowohl die militärische Kapazität
als auch den nationalen Willen haben, einer Aggression entgegenzutreten und
sie niederzuschlagen.
Unsere grundlegenden nationalen Ziele sind während der Nachkriegsperiode
konstant geblieben.

Allgemein gesprochen streben wir danach, als Nation zu

überleben; frei zu sein, auf unsere Weise zu leben; die demokratische Gemeinschaft der Nationen zu erhalten; und in einer stabilen und friedlichen Welt
zu leben.

In der Nachkriegsperiode ging die Hauptherausforderung unseres

friedlichen Verfolgs dieser Ziele von der Sowjetunion aus. Seit 30 Jahren
stellen rasch wachsende konventionelle und nukleare Streitkräfte der Sowjetunion die Hauptbedrohung unseres eigenen Überlebens und das unserer Verbündeten dar. Die globale sowjetische Expansion ist das Haupthindernis für Frieden
und Stabilität in der Welt.
Obwohl unsere

�Obwohl unsere nationalen Zielsetzungen während der letzten 30 Jahre
konstant geblieben sind, hat sich die wahrscheinlichste Bedrohung dieser
Ziele im Laufe der Zeit erhöht. Aufeinanderfolgende Administrationen und
Kongresse haben etwas unterschiedliche Verteidigungspolitiken und militärische
Strategien erarbeitet, um mit dieser erhöhten Bedrohung fertigzuwerden.

Wenn

die meisten Präsidenten auf der Politik ihrer Vorgänger aufgebaut haben, so
hatte Präsident Reagan zwei nicht beneidenswerte, aber lebenswichtige Aufgaben vor sich. Zunächst einmal mußte er unseren Freunden versichern, daß
Amerika wirklich wieder ein starker, konstanter, zuverlässiger Verbündeter
werden wolle. Zweitens mußte er unsere Gegner in unmißverständlichen Worten
wissen lassen, daß wir die militärische Stärke wiedergewinnen würden, um vor
Angriffen gegen uns abzuschrecken.

Beide Versicherungen mußten nach einem

Jahrzehnt oder mehr der Vernachlässigung unserer Streitkräfte und nach den
Jahren der Unentschiedenheit, Schwankung und Schwäche unter Carter abgegeben
werden.
Im Mittelpunkt unserer nationalen Sicherheitspolitik in der Nachkriegszeit stand die Verteidigung Westeuropas. Wegen der sowjetischen Expansion
in Osteuropa unmittelbar nach dem Kriege gründeten die Vereinigten Staaten
und ihre nordatlantischen Verbündeten eine kollektive Verteidigung.

Obwohl

wir und unsere Verbündeten in den fünfziger Jahren eine beachtliche Zahl
konventioneller Streitkräfte in Westeuropa dislozierten, überwogen die sowjetischen konventionellen Streitkräfte die der NATO in den meisten entscheidend
wichtigen Gebieten bei weitem.

Die letztliche Abschreckung der NATO vor

einem Angriff durch die überlegenen konventionellen Streitkräfte des Warschauer
Paktes war die Drohung der Vergeltung durch überlegene amerikanische Nuklearstreitkräfte.

Die konventionelle Überlegenheit der Sowjets wurde durch die

nukleare Überlegenheit Amerikas in Schach gehalten.
Diese konventionelle Macht der Sowjets wurde dadurch erreicht, daß
alles, was Männern und Frauen im Westen, ja auch anderswo, lieb und teuer
ist, unterdrückt wurde, um militärische Macht zu erwerben.
In gleicher

�In gleicher Weise begannen die Sowjets trotz einer Wirtschaft, die einen
Lebensstandard bietet, den keiner von uns akzeptieren würde, eine nur auf ein
einziges Ziel ausgerichtete intensive Anstrengung, unsere nukleare Stärke zu
erreichen und dann zu übertreffen.
Als die nukleare Macht der Sowjets in den sechziger Jahren zunahm, führte
die NATO eine Politik der flexiblen Antwort ein. Wir und unsere NATO-Verbündeten legten zunehmend Nachdruck auf zunächst konventionelle Verteidigung und der dahinter stehenden Bereitschaft, zur nuklearen Eskalation Zuflucht zu
nehmen, sollte die konventionelle Verteidigung versagen.
Ende der siebziger Jahre war die nukleare Überlegenheit Amerikas geschwunden,und der Aufschwung der Sowjets - bestehend aus unermüdlichen Anstrengungen zur Verbesserung der Treffsicherheit, Sprengwirkung, Reichweite
und Vielfalt ihrer Kernwaffen - brachte ihnen den "Spielraum der Überlegenheit", den sie, wie der Präsident richtig feststellte, heute besitzen.

In

den achtziger Jahren begannen wir, wenn auch zögernd, unsere konventionellen
NATO-Streitkräfte zu verstärken, und forderten unsere Verbündeten auf, das
gleiche zu tun. Aber zu diesem Zeitpunkt begannen viele Menschen in den Vereinigten Staaten und anderswo zu begreifen, daß irgend etwas ganz und gar
nicht mehr stimmte - nicht nur mit unserer Abschreckung in Europa, sondern mit
der Gesamtposition unserer Streitkräfte.
Aufgrund eines Jahrzehnts rückläufiger Verteidigungshaushalte - manche
getragen von der vergeblichen Hoffnung, daß die Ära der Entspannung die Sowjets
dazu bringen würde, ihre massive Aufrüstung zu verringern - und aufgrund des
Vietnam-Krieges, der uns unzählige Milliarden kostete und uns in jeder Hinsicht schwächte, statt uns zusätzliche militärische Stärke zu geben, waren unsere konventionellen Streitkräfte in Westeuropa und Nordostasien in wachsendem Maße ins Ungleichgewicht zu den sowjetischen Streitkräften geraten.

Das

strategische nukleare Kräfteverhältnis begann sich zugunsten der Sowjets zu
verschieben, wodurch der Abschreckungswert unserer strategischen Nuklearstreitkräfte ausgehöhlt wurde.

Die sowjetische Dislozierung einer neuen Ge-

neration von Mittelstreckenraketen, die auf Europa gerichtet sind, untergrub
- 4 -

�untergrub den Abschreckungswert unserer nuklearen Streitkräfte vor Ort.
Inmitten all dieser Entwicklungen gab'Präsident Carter seine Entscheidung
bekannt, zu verhüten, daß irgendwelche Streitkräfte von außen die Kontrolle
über die Region des Persischen Golfs gewinnen würden, aber er versuchte
weder die Mittel zu bekommen, noch erhielt er sie, um diese Entscheidung
voll zu verwirklichen.

Und schließlich drohte die militärische Präsenz der

Sowjets und ihrer Stellvertreter in vielen Regionen der Welt, die Verteidigung unserer Verbündeten an den Flanken zu umgehen.
Als diese Administration ihr Amt antrat, prüften wir, ob unsere militärischen Mittel ausreichten, unsere lebenswichtigen Interessen zu schützen.

Obwohl nukleare Abschreckung, kollektive Verteidigung in Europa und

Nordostasien und Verteidigung anderer lebenswichtigen Interessen, wie etwa
in Südwestasien immer noch gültige, ja lebenswichtige Ziele waren, stellten
wir fest, daß es uns an der dazu nötigen militärischen Kapazität ausreichender Abschreckung oder Verteidigung dieser Ziele mangelte.
Wir mußten und müssen die militärische Bedrohung, vor der wir stehen,
und unsere Fähigkeiten realistischer betrachten. Wir konnten nicht mit jenen
Ideologen der Entspannung übereinstimmen, die - entgegen aller Beweise - an
der Illusion festhielten, daß die Vereinigten Staaten das Wettrüsten anheizten und daß wir die Sowjets durch gutes Zureden und Kultur- oder Handelsaustausch zur Zurückhaltung bewegen könnten.
Wir änderten unsere Verteidigungspolitik, um den Realitäten von heute
gerecht zu werden und sie weniger gefährlich und flexibler zu machen, damit
wir mit einer bedrohlichen und unsicheren Zukunft fertigwerden können. So
gaben wir beispielsweise die gefährliche und törichte Vorstellung auf, daß
ein Krieg kurz sein müsse - daß jeder konventionelle Krieg notwendigerweise
kurz sein müsse, weil der Aggressor sich zurückziehen oder den Krieg rasch
auf die nukleare Ebene eskalieren würde. Wir führten auch eine sichere
Politik der Antwort auf Warnungen ein - in der Erkenntnis, daß Warnungen
wahrscheinlich zweideutig sein würden und daß wir nicht von einem Alles- oder
Nichts-Signal ausgehen könnten, das uns sagen würde, wann wir bereit sein
- 5 -

�bereit sein müßten, um vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff abzuschrecken.
Abgesehen von der Korrektur der Mängel in der Strategie mußten wir uns
der Tatsache stellen,daß unsere militärischen Fähigkeiten ungenügend waren.
Dafür gab es zwei Gründe.

Unsere militärische Kapazität war während der sieb-

ziger Jahre ernstlich zurückgegangen, so wie die 20jährige militärische Aufrüstung der Sowjets diesen stark verbesserte militärische Fähigkeiten verlieh.

Dieser Trend zum Schlechteren hatte jetzt zu einem Spielraum der Über-

legenheit in vielen Kategorien der strategischen nuklearen, taktisch-nuklearen und konventionellen Streitkräfte der Sowjets geführt.

Darüber hinaus

hatten die Sowjets ausreichende Reserven für einen längeren konventionellen
Krieg angesammelt.
Daher fordern wir fünf Jahre lang eine wesentliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben, um das militärische Gleichgewicht zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion wiederherzustellen.

Gleichzeitig ermutigen wir

unsere Verbündeten, ihren Beitrag zu unserer gemeinsamen Verteidigung zu erhöhen, und wir erhöhen auch unsere Wirtschafts- und Sicherheitshilfe, damit
unsere Freunde ihre eigene Sicherheit verbessern können.

Ein Netz von Bünd-

nissen und gestärkten Freunden gehört zu den besten Mitteln und Wegen, eine
Vorneverteidigung unserer selbst und unserer Freunde zu gewährleisten.
über unsere formellen Bündnisse in Europa und Asien hinaus haben wir
eine Reihe anderer Interessen und Verpflichtungen in der ganzen Welt, zu
denen wir weiterhin stehen werden.

So hat beispielsweise die wachsende

wirtschaftliche Interdependenz der Welt während des letzten Jahrzehnts unseren Zugang zu ausländischen Märkten und lebenswichtigen Rohstoffen wichtiger gemacht denn je.

Weil die wachsende sowjetische Seemacht unsere Kontrol

le der Seewege bedrohen könnte, die uns mit unseren Verbündeten verbinden,
müssen wir unsere eigene Fähigkeit zur See stärken.

Da die sowjetische Mi-

litärmacht eine globale Reichweite gewonnen hat, brauchen wir mobile und
flexible Streitkräfte,um einer Eroberung der ülfei der und anderer wichtiger
Ziele im Nahen und Mittleren Osten durch die Sowjets zu verhindern.
- 6 -

Und wir

�Und wir dürfen auch nicht zulassen, daß unsere stärkste Dislozierung von
Streitkräften in Mitteleuropa zu einer "Maginot-Linie" wird, die der Gegner
an den Flanken umgehen könnte.
In der westlichen Hemisphäre stellt der sowjetische Versuch einer Ausweitung des Einflusses im Karibischen Becken durch direkte und indirekte
Unterstützung totalitärer Bewegungen in Mittelamerika eine weitere Bedrohung
unserer Interessen dar.

Unsere Strategie besteht darin, mit einem Programm

der Sicherheitshilfe unseren Nachbarn bei ihren Bemühungen zur Selbstverteidigung beizustehen und ihre eigene Entwicklung durch ein Wirtschaftsprogramm
für das Karibische Becken zu fördern. Verbesserte Verteidigungskapazitäten
und Wirtschaftswachstum der Staaten in Mittelamerika sind von ebenbürtiger
Bedeutung, wenn wir die interne Instabilität verhindern wollen, die die Sowjets
und ihre Stellvertreter derzeit ausnützen.

Es kann kein Wirtschaftswachstum,

keine Sozialreformen, keine demokratische Entwicklung, noch nicht einmal Bürgerrechte geben, wenn die totalitären Terroristen der extremen Rechten oder
der extremen Linken die Freihiet haben, die Zivilbevölkerung anzugreifen.
Eine weitere Bedrohung der westlichen Hemisphäre liegt in der Fähigkeit
Kubas zum Einsatz von Luft- und Seestreitkräften, die unsere Versorgung der
NATO im Fall eines Kriegsausbruchs in Europa beeinträchtigen könnten.

Da

70 Prozent unserer Verstärkungen für Europa durch die Karibik gehen, brauchen
wir auch dort eine verbesserte Flottenstärke, um eine sichere Durchfahrt zu
garantieren.

Wir müssen außerdem Wege finden, um der zunehmenden sowje-

tischen Militärpräsenz in Kuba Einhalt zu gebieten.
In der Nachkriegszeit ist die Sowjetunion zur führenden, ja, zur einzigen imperialistischen Macht der Erde geworden und ist als solche ein Haupthindernis für Weltfrieden und Stabilität.

Ihre anhaltende Besetzung Ost-

europas, ihre Einschüchterung Polens, ihre Expansion über die Jahre hinweg
in Kuba, Vietnam, dem Kongo und vielen anderen Teilen Afrikas, in Korea,
Afghanistan, im Südjemen, in Äthiopien und Angola - um nur einige zu nennen zeigt, daß die Sowjetunion ständig versucht, ihren Einfluß auszuweiten.
Ermutigt durch

�Ermutigt durch die Lähmung Amerikas in der Zeit nach Vietnam und ihre
eigenen größeren militärischen Kapazitäten, hat die Sowjetunion ihre traditionelle Politik der globalen Expansion in den letzten Jahren in neuer Dimension ausgeweitet und stellt nunmehr eine ausgewachsene Weltmacht dar. Sie
hat jetzt die Kraft und die Reichweite, unsere Interessen fast überall in
der Welt herauszufordern.

Die sowjetischen Anstrengungen in der Dritten Welt

haben an Umfang, Schnelligkeit und Aggressivität zugenommen.

Sowjetische

Kampfschiffe und militärische Aufklärungsflugzeuge großer Reichweite patroullieren rund um den Globus, von Basen aus, die strategisch entlang der wichtigsten
Handelswege und Kreuzungspunkte gelegen sind.

Stellvertreter der Sowjetunion

sind derzeit in Mittelamerika tätig, unterstützt von sowjetischer Militärhilfe.
Und wie die jüngsten Ereignisse in Polen beweisen,ist die Sowjetunion auch
bereit, die Drohung einer erdrückenden militärischen Intervention einzusetzen,
um ihre politischen Ziele zu erreichen.
Um mit diesen neuen Dimensionen der sowjetischen Bedrohung fertigzuwerden, müssen wir bereit sein, die geographische Ausweitung sowjetischer
Kontrolle und Militärpräsenz zu einem Stillstand zu bringen und umzukehren
versuchen, vor allem, wenn dadurch vitale Interessen der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten bedroht oder deren geostrategische Position weiter
unterhöhlt werden.
Die Sowjetunion erhält in zunehmendem Maße die Kraft zu globalen Operationen und muß durch flexible und mobile Streitkräfte davor abgeschreckt
werden. Ein konventioneller Konflikt, der in Südwestasien, im Fernen Osten
oder in anderen Gegenden ausbricht, könnte jetzt weltweite Folgen haben. Es
ist unsere Strategie, die Sowjetunion vor einer Aggression durch die Aussicht
auf kollektive militärische Reaktion auf welchem Konfliktniveau auch immer
abzuschrecken.
Sollte es zu einer bewaffneten Aggression kommen, so würden unsere Verteidigungsmaßnahmen natürlich darauf ausgerichtet sein, den Konflikt so rasch
wie möglich am Ort der Aggression zu beenden.

Aber sollte uns ein konventio-

neller Krieg aufgezwungen werden, so könnten die Vereinigten Staaten und die

�und die verbündeten Streitkräfte genötigt sein, andernorts eine Gegenoffensive zu beginnen, um den Frieden wiederherzustellen und unsere Freiheit zu
schützen.

Die Vereinigten Staaten könnten militärische Maßnahmen ergreifen,

die die Sowjetunion an den für die Fortsetzung des Krieges entscheidenden
Stellen bedrohen würden, falls dies sich als notwendig erweisen sollte, um
den Frieden wiederherzustellen.
Es geht nicht darum, daß wir überall kämpfen wollen. Ja, wir wollen
überhaupt nicht kämpfen.

Aber wenn wir diesen Wunsch verwirklichen wollen,

müssen wir uns in einer Lage befinden, in der wir auf eine Aggression gegenüber unseren lebenswichtigen Interessen wirksam reagieren können.

Unsere

Haushaltsforderungen betonten deshalb eine erhöhte Mobilität unserer Streitkräfte und Reparatur unserer unzureichenden Streitkräftestruktur.
Der Verlust der eindeutigen Überlegenheit bedeutet, daß wir die Strategie ernster nehmen müssen als je zuvor.

Heute müssen wir auf die Herausfor-

derungen reagieren, die uns durch die konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion gestellt werden, die den unsrigen zahlenmäßig überlegen sind, sowie
durch ihre strategischen Streitkräfte, die im Vergleich mit den unsrigen
einen Spielraum der Überlegenheit erzielt haben.
rieren

Diese Tatsachen zu igno-

oder sich einer Diskussion darüber zu entziehen, würde bedeuten, noch

größere Gefahren hervorzurufen als die, vor denen wir jetzt stehen.
Diejenigen, die sagen, wir versuchten, zu viel zu tun, müssen wir fragen:
Was sollen wir aufgeben?
Sollten wir die Verteidigung der zentralen Front in Europa aufgeben?
Sollten wir die Karibik aufgeben?
Sollten wir alle Versuche aufgeben, die Erdölfelder zu verteidigen,
die für Europa und Japan so lebenswichtig sind?
Sollten wir unsere Verteidigung von Nordostasien aufgeben?
Sollten wir irgendwelche andere

lebenswichtigen Interessen aufgeben?

Die Geschichte, und gerade die jüngste Geschichte, sagt uns, daß ein Staat
mit gewaltiger militärischer Macht und der historisch aggressiven Politik der

�Politik der Basenausweitung und der Ausdehnung seines Einflusses in der ganzen
Welt, der bemerkt, daß er in einer bestimmten Krise auf keinen Widerstand
trifft - ein Staat also, der bemerkt, daß irgendwo ein Vakuum vorhanden ist -,
sich sogleich daran machen wird, dieses Vakuum auszufüllen und dadurch ein
weiteres wichtiges Gebiet für den Westen verloren geht.
Eine glaubwürdige Abschreckung kann nicht allein durch gute Pläne betrieben werden, sondern muß auch von greifbaren militärischen Kapazitäten
gestützt werden, über Jahre hinweg hat man uns von einer "hohlen Armee" erzählt, von Flugzeugen, die nicht fliegen, und Schiffen, die nicht schwimmen
können. Das amerikanische Volk wird nicht mehr länger eine reine Fassade der
Sicherheit akzeptieren, bei der Streitkräfte disloziert werden, die nicht
kampfbereit sind, denen die notwendige Ausrüstung und Ausbildung fehlen und
die nicht die Unterstützung eines angemessenen Mobilisierungspotentials
haben.
Eine unserer obersten Prioritäten ist die Verbesserung der Kampfbereitschaft unseres Militärs. Wir haben für den Haushalt 1981 und 1982 um mehr
Mittel für Ersatzteile, Ausbildung, Manöver und Instandhaltung ersucht und
werden dies auch weiterhin tun. Außerdem haben wir in mehreren Kategorien
Knappheit bei der Mannschaftsstärke festgestellt. Geschultes Militärpersonal
scheidet aus dem Militärdienst aus, um besser bezahlte Tätigkeiten in der
freien Wirtschaft zu übernehmen. Um diese Leute zu halten, haben wir um erhöhten Sold und Zulagen bei Wiedereintritt in den Militärdienst sowie andere
Anreize ersucht und erhalten. Nunmehr funktioniert die nur aus Freiwilligen
bestehende Streitmacht hervorragend. Wir können tatsächlich nicht alle aufnehmen, die sich bewerben. Und auch das Ausbildungsniveau ist weit höher als
noch vor zwei Jahren. Außerdem bleibt ein größerer Teil des ausgebildeten und
erfahrenen Personals beim Militär - ein überaus willkommener Wandel.
Als nächstes müssen wir Stärke und Ausdauer unserer Streitkräfte verbesseren, um die Fähigkeit der Sowjets auszugleichen, einen längeren konventionellen Konflikt durchzustehen. Unsere Haushaltsforderungen betreffen
Geld für Erneuerung der Ausrüstung, für Ersatzteile, für Munition, Treibstoff
- 10 -

�Munition, Treibstoff und andere Verbrauchsgüter sowie verbesserte Ausrüstung
für Soldaten und Reservisten. Diese Verbesserungen geben zusammen mit unseren
Anstrengungen zur Neubelebung unserer industriellen Basis der Sowjetunion ein
deutliches Signal, daß sie keinen Konflikt in der Hoffnung beginnen kann, die
Vereinigten Staaten zu überdauern.
Während unsere Mittel für Bereitschaft und Durchhaltevermögen zur
momentanen Verbesserung unserer Streitkräfte beitragen, müssen wir zugleich
auch für die Zukunft investieren. Wir müssen unsere militärische Ausrüstung
modernisieren, damit sie, wenn nötig, zur Abschreckung und Verteidigung gegenüber den neuen Generationen sowjetischer Kernwaffen mittlerer Reichweite und
konventioneller Waffen dienen kann.
Um unsere Abschreckung auf dem Gefechtsfeld zu erhöhen, werden wir in
Europa landgestützte Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen stationieren.
Natürlich brauchten wir diese Waffen nicht zu dislozieren, würden die
Sowjets den Vorschlag von Präsident Reagan akzeptieren, über den zur Zeit in
Genf verhandelt wird.
Um den immer höheren technischen Stand der konventionellen Streitkräfte
der Sowjetunion auszugleichen, haben wir ein Programm zur Modernisierung der
Ausrüstung unserer Land- und Luftkampftruppen. Diese neuen Waffen, insbesondere der M-l Panzer, das Bradley-Infanten'ekampffahrzeug und die neue
Generation der Kampfflugzeuge bieten die optimale Kombination von Feuerkraft
und Manövrierfähigkeit, die das moderne Schlachtfeld erfordert. Angesichts der
quantitativen Vorteile und der anhaltenden qualitativen Verbesserung bei den
sowjetischen Waffen können wir nicht weniger als das tun.
Es ist wahr, daß die Panzer und die Infanteriekampffahrzeuge eine viel
zu lange Entwicklungszeit hatten und daß sie außergewöhnlich teuer sind. Die
von uns ergriffenen organisatorischen Maßnahmen und Verbesserungen der Kontraktverfahren werden jedoch weitere Verzögerungen verhindern und in Zukunft nichteingeplante Kostensteigerungen vermeiden. Zwischenzeitlich können wir jedoch

- 11 -

�wir jedoch nicht einfach 20 Jahre der Panzerentwicklung über Bord werfen und
von vorn beginnen. Dafür brauchen wir hier und heute viel zu dringend einen
modernen Panzer.
Auch die Marine wird von unseren Modernisierungsanstrengungen profitieren.
Um die Erosion der Stärke unserer konventionellen Marine aufzuhalten, haben
wir ein Programm entworfen, das die offensive Schlagkraft der Flotte erhöhen,
ihre Einsatzbereitschaft und ihr Durchhaltevermögen stärken, unsere Verteidigungsfähigkeit gegenüber U-Booten und Flugzeugen verbessern und unsere bestehenden Marinestreitkräfte modernisieren wird. Kurz: Wir erstreben eine
Stärke der Marine, die uns befähigt, dorthin zu kommen, wo es notwendig ist,
und dorthin zum richtigen Zeitpunkt zu kommen.
Mit der umfangreichen Erhöhung der Anzahl unserer Schiffe und Flugzeuge
bieten wir unserem Seehandel und den Versorgungskonvois nach Europa und Asien
Schutz und verbessern zugleich die Mobilität, die für unsere Schnelle Eingreif truppe nötig ist.
Um das Maß an Mobilität zu erhalten, das die konventionelle Flexibilität
erfordert, haben wir zusätzliche Luft- und Seetransportkapazitäten angefordert.
Der größte Einzelposten im Verteidigungshaushalt dieses Jahres betrifft den
Lufttransport. Wir planen auch, unsere Flotte an Tankflugzeugen zu vergrößern,
um den Lufttransport über größere Entfernungen hin zu gewährleisten.
Da wir die globale Expansion der Sowjetunion nicht allein eindämmen können,
ist diese Administration auch bestrebt, unsere Militärbündnisse wiederzubeleben
und unsere Verbündeten dazu zu ermutigen, mehr zu unserer kollektiven Verteidigung beizutragen. Schließlich versuchen wir, unseren Freunden und Nachbarn
Hilfe zu bieten, damit sie sich besser verteidigen können und uns wiederum
hierdurch eine Hilfe sind.
Ich habe

- 12 -

�Ich habe mit Absicht die Betonung auf unsere konventionellen Streitkräfte
gelegt, weil 85 Prozent unseres Haushaltes die nichtnuklearen Streitkräfte betrifft. Denn obgleich unsere Nuklearstreitkräfte in letzter Zeit in der
öffentlichen Diskussion große Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, so
stellen sie doch lediglich 15 Prozent unseres Verteidigungshaushalts dar.
Im Gegensatz zu dem, was manche uns fälschlich unterstellen, haben wir nicht
die Absicht, die nukleare Überlegenheit der Vereinigten Staaten wiederherzustellen.
In Übereinstimmung mit unserer Verteidigungspolitik haben wir Maßnahmen
ergriffen, um uns weniger auf Kernwaffen verlassen zu müssen; Maßnahmen, um
uns beispielsweise nicht auf eine Position des "kurzen Krieges" festzulegen
und um die Flexibilität und Beweglichkeit unserer konventionellen Streitkräfte
zu stärken. Wir dürfen es den Sowjets nicht gestatten, zu glauben, daß sie uns
zwingen könnten, zwischen dem Beginn eines Nuklearkrieges oder der Hinnahme
des Verlustes lebenswichtiger Interessen zu wählen.
Das einzige Mittel, um einen Atomkrieg zu verhindern, ist sicherzustellen,
daß kein Agressor jemals denken könnte, er könne durch den Beginn eines nuklearen
Angriffes profitieren; kurz gesagt: sicherzustellen, daß ein nuklearer Krieg
nicht gewonnen werden kann. Wir würden einen beträchtlich niedrigeren Stand
der nuklearen Streitkräfte bevorzugen, und wir entwickeln jetzt ein Programm,
um auf eine echte und verifizierbare Rüstungsreduzierung zu drängen. Im Gegensatz zu häufig gehegten Vorstellungen haben wir im Laufe der Jahre die Zahl
unserer Kernwaffen nicht vergrößert, ja, wir verfügen heute über weniger
nukleare Gefechtsköpfe als im Jahre 1967 - und zwar nicht nur eine Handvoll
weniger, sondern Tausende weniger.
Die Sowjets haben jedoch genau das Gegenteil getan. Sie haben die Anzahl
ihrer Gefechtsköpfe beträchtlich vermehrt. Aber letztlich ist es nicht die
Zahl der Gefechtsköpfe allein, die zählt. Worauf es ankommt, ist die Abschreckungskapazität, die solche Faktoren wie Überlebensfähigkeit der Abschreckungsstreitkräfte, Nachrichtenverbindungssysteme, Zielgenauigkeit und

- 13 -

�Zielgenauigkeit und Durchschlagskraft einschließt - kurz gesagt, ob wir nach
einem sowjetischen Erstschlag in effektiver Weise reagieren können.
Deshalb hat der Präsident so recht, wenn er sagt, daß ein einfaches Einfrieren derzeit den Sowjets einen Vorsprung im Hinblick auf die strategische
Kapazität geben würde. Unter diesen Umständen ginge das Wesen der Abschreckung
verloren. Sie haben ihre nuklearen Streitkräfte so angelegt, daß sie nur als
Offensiv-, nicht als Abschreckungsstreitkräfte interpretiert werden können.
Wir haben auch beunruhigende Beweise, wie die Entwicklung einer Kapazität des
erneuten Schlages und beträchtliche Ausgaben für den Bau von Bunkern für die
Zivilverteidigung, daß sie glauben, sie könnten einen Nuklearkrieg gewinnen
- und das ist eine sehr gefährliche Entwicklung.
Wir modernisieren unsere strategischen Streitkräfte, um sicherzustellen,
daß sie überleben können. Das ist das Ziel des Programms des Präsidenten für
die Nuklearstreitkräfte. Insbesondere gestalten wir unsere terrestrischen und
im Weltraum stationierten Nachrichtenverbindungs-, Warn- und Aufklärungssysteme
weniger verwundbar gegenüber den Auswirkungen und Strahlungen nuklearer
Explosionen, indem wir sie abschirmen und indem wir ausreichende Ersatzsysteme
schaffen.
Unglücklicherweise müssen wir alle drei Pfeiler der Abschreckungstriade
gleichzeitig modernisieren. Wir haben Bomber, die 25 Jahre alt sind, Raketen,
die 20 Jahre alt sind, und unterseebootgestützte Raketen, die weder so treffsicher noch stark genug sind, um die modernen, befestigten sowjetischen Ziele
zu zerstören, wie sie sein sollten. Wir möchten eine Abschreckungsstabilität
erlangen; wir streben nicht lediglich danach, mehr Zerstörungskraft anzuhäufen.
Ja, wie bereits zu einem früheren Zeitpunkt angekündigt, haben wir beschlossen,
einige große Raketen - die alten Titan-Raketen - abzuwracken, weil sie keine
verlässliche, überlebensfähige Zweitschlagwaffe mehr sind.
Nur wenn

- 14 -

�Nur wenn wir eine glaubwürdige Abschreckung schaffen, werden wir die
Stärke haben, die notwendig ist, um echte RüstungsVerringerungen zu erreichen
und die Wahrscheinlichkeit eines Konfliktes auf allen Ebenen der Gewalt zu
vermindern. Echte und verifizierbare Rüstungsreduzierungen sind aber tatsächlich der einzig sichere Weg zur Verringerung der Risiken, während gleichzeitig
der Frieden gewahrt wird. Verhandlungen, um diese Reduzierungen sicherzustellen,
können nur Erfolg haben, wenn wir aus einer Position der Stärke in sie eintreten. Die Sowjets müssen erkennen, daß sie aus solchen Verhandlungen etwas
gewinnen können.
Der Wiederaufbau und die Qualitätsverbesserung unserer Streitkräfte ist
ein kostspieliger und langwieriger Prozeß. Das ist auch bei unseren Programmen
der Wirtschaftshilfe und der Sicherheitshilfe der Fall. Sie sind besonders
schwierig bei dieser Wirtschaftslage und angesichts der Opfer, die von anderen
Programmen verlangt werden. Aber es ist von entscheidender Bedeutung, daß wir
diesem langen, schwierigen Weg mit Entschlossenheit, Bestimmtheit und Konsequenz folgen.
Wenn ich das Wesen der Verteidigungspolitik unserer Regierung in einem
einzigen Satz zusammenfassen müßte, würde er lauten:
Wir wollen vor einer sowjetischen Aggression gegen die Vereinigten
Staaten und ihre

Verbündeten abschrecken, indem wir die Kapazität erhalten,

auf der niedrigst möglichen Ebene der Gewalt wirksam zu reagieren. Das ist,
wenn Sie so wollen, ein gemeinsames Leitmotiv, aus dem sich alles andere ergibt:
- traditionelle Konzeptionen wie die flexible Antwort;
- kollektive Sicherheit, um die Solidarität des Bündnisses bei der gemeinsamen Verteidigung zu gewährleisten;
- der Nachdruck, den die Reagan-Administration auf die Verbesserung der
konventionellen Streitkräfte, der Einsatzbereitschaft und das Durchhaltevermögen legt;
2 ein Programm,

- 15 -

�- ein Programm, das die Mobilität unserer Streitkräfte wesentlich verbessert, damit sie eingesetzt werden können, wenn unsere lebenswichtigen
Interessen an weit von den USA entfernten Plätzen bedroht sind;
- und

schließlich die Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte,

um gefährliche destabilisierende Verwundbarkeiten, die sich im Verlaufe einer
jahrelangen Vernachlässigung entwickelt haben, ins Gegenteil zu verkehren.
Die Lasten, die uns bei der Durchführung dieses obersten Grundsatzes auferlegt wurden, sind in dem Maße angewachsen, in dem die Sowjets - alles andere
diesem unterordnend - einen beunruhigenden Anteil ihres Nationalvermögens in
die Massierung der militärischen Macht fließen ließen. Nachdem die Sowjets
eine Kapazität entwickelt haben, Macht im Ausland darzustellen, ist die Zahl
unserer Freunde und Verbündeten gewachsen, die gegenüber der sowjetischen
Aggression verletzlich sind. Und aufgrund einer Notwendigkeit - nicht weil wir
dies etwa wollen -, sind unsere Erfordernisse entsprechend gestiegen. Unser
Ziel - dieser oberste Grundsatz - ist heute nicht ehrgeiziger als in den
letzten Jahren. Aber die Kosten dafür - die Kosten, der Expansion der sowjetischen Militärmacht entgegenzutreten - müssen unvermeidlicherweise ein Spiegelbild des Umfanges der sowjetischen Anstrengung sein.
Aber wir haben ohne Zweifel die Mittel und auch den größten Ansporn, denn
es geht um nichts mehr oder nichts weniger als um unseren Fortbestand als
Nation und den Fortbestand der Freiheit. Wenn wir also den nationalen Willen
und die große Stärke unserer Vergangenheit haben, dann bin ich überzeugt, daß
die Zukunft voller Hoffnung und Verheißungen ist - vorausgesetzt, daß wir den
Glauben an uns selbst bewahren. Wenn wir aus dem großen Aktivposten der freien
Welt vollen Nutzen ziehen, wenn wir die sowjetische Wirtschaft nicht durch falsch
verstandene

Subventionen und Transfers unterstützen, wenn wir umsichtig die

Schwächen des veralteten sowjetischen Imperiums ausnutzen, dann werden die
Menschen, die jetzt in der Sowjetunion leben, schließlich in Frieden mit uns in
einer Welt leben, die weitaus weniger Waffen und weitaus größere Hoffnungen
hat.
+++++
- 16 -

�Hintcigrundmcitericil
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

28. April 1982

VOR DEM BEGINN DER START-VERHANDLUNGEN
- Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Die Vereinigten Staaten bereiten sich nunmehr, da die Verhandlungen über die nuklearen Mittelstreckensysteme (INF) in Genf angelaufen sind,
auf den nächsten Schritt vor:

auf Gespräche mit Moskau über die strategisch-

nuklearen Interkontinentalraekten.
Eine Bürgerbewegung in Amerika stellt die ironische Frage:
Dir ein Atomkrieg?"

Die Antwort:

"Was bringt

"Offensichtlich Tod und Zerstörung".

Niemand argumentiert gegen die These, daß ein Atomkrieg das überleben
der Menschheit gefährden würde.

Präsident Reagan sagt, daß ein Atomkrieg

nicht zu gewinnen sei und daß es Aufgabe des Präsidenten ist, einen solchen
Krieg zu verhindern.

Die Streitfragen liegen dort, wo Theorien darüber an-

geboten werden, wie man einen Nuklearkonflikt am besten verhindern könne.
Die einen sagen: Schluß mit jeder weiteren Herstellung von Kernwaffen. Die
anderen sagen: Versprecht, nicht als erste Atomwaffen einzusetzen.
der andere sagen:

Und wie-

Beendet einen jeden Krieg, bevor er zu einem nuklearen

Schlagabtausch eskalieren kann.
Unnötig zu

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�Unnötig zu sagen, daß keine dieser einfachen Formeln leicht in die Praxis
umzusetzen ist. Die Einstellung der Produktion von Kernwaffen - ein Einfrieren - ist nicht hilfreich, solange dies einseitig geschieht. Und sie nützt
auch dann nicht, wenn alle Länder damit einverstanden wären, wenn die bestehenden Waffenarsenale einer Seite einen großen Vorteil belassen.

Dies ist eines

der Gegenargumente der Reagan-Administration bezüglich des Vorschlages eines
Einfrierens, wie er gegenwärtig im Kongreß vorgetragen wird.
Das Versprechen, nicht als erster Kernwaffen einzusetzen, würde der amerikanischen Verpflichtung gegenüber der NATO ihre Abschreckungswirkung nehmen
- denn diese Verpachtung bedeutet zugleich die Bereitschaft, alles Notwendige
einzusetzen, einschließlich Kernwaffen, um einem Angriff auf Westeuropa Einhalt
zu gebieten. Zudem gibt es schon jetzt eine Vielzahl feierlicher Veruffichtun- *
gen gegen den Einsatz oder die Androhung von Gewalt - wie etwa: in der Charta
der Vereinten Nationen.

Das Problem besteht darin, daß man sich nicht immer

daran hält.
Wenn es also keine einfache Antwort auf das Problem des Atomkriegs gibt,
scheint es sinnvoll, das Problem mit anderen, komplexeren Mitteln anzugehen
und sowohl Rüstungskontrolle als auch die friedliche Lösung von Streitigkeiten
anzustreben.
Präsident Reagan setzt sich in bezug auf die Rüstungskontrolle
für umfassende Verminderungen bei der Anzahl der Waffen ein - und nicht nur für
Begrenzungen oder für ein Einfrieren. Und er möchte vereinbarte, verifizierbare
und ausgewogene Begrenzungen bei den verbleibenden Waffen.
Am 18. November vergangenen Jahres schlug er für Europa die Null-Lösung
vor:

Die Beseitigung aller landgestützten Raketen mittlerer Reichweite, der

gefährlichsten Waffen auf diesem Kontinent.

Dieser Vorschlag, der derzeit

bei den Genfer Verhandlungen in Erwägung gezogen wird, bietet einen Verzicht
auf die Pläne der NATO für neue PERSHING II-Raketen und Marschflugkörper,
wenn Moskau seine SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abbaut.
Was die strategischen Waffen anbelangt, so sehen amerikanische Experten
in den größten Raketen der Sowjetunion, den über 1000 SS-18, SS-19 und SS-17
das bedrohlichste und destabil isierendste Element der Moskauer Arsenale.
- 2 -

Die

�Die Vereinigten Staaten machen sich bereit", ihre neuen MX-Interkontinentalraketen zu dislozieren, um diese sowjetische Streitmacht auszugleichen.
Sollte jedoch die Rüstungskontrolle diese Gefahr verringern, so würde auch
die amerikanische Antwort anders lauten.
Die amerikanischen Vorschläge zur Verminderung dieser strategischen
Interkontinentalraketen auf beiden Seiten sind nunmehr fast vollständig.
Präsident Reagan hat erklärt, daß die Gespräche in diesem Sommer beginnen
können, wenn entsprechende positive internationale Bedingungen herrschen.
Der Reagan-Administration scheint daher diese Aussicht realistischer und daher auch erfolgversprechender zu sein als die Schlagworte und Märsche der
Antiatombewegung.

- 3 -

�Wi//en/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

28. April 1982

RAUMTRANSPORTER - EIN VIELZWECKGERÄT
Vorläufiges Flugprogramm bis 1987

-(AD)- Eine "großartige Flugmaschine" nannten John Young und Robert
Crippen nach ihrer Rückkehr vom ersten Testflug mit dem Raumtransporter
COLUMBIA (April 1981) dieses neuartige Fluggerät. Ähnlich begeistert äußerten
sich kürzlich die amerikanischen Astronauten Jack Lousma und Gordon Fullerton,
die den dritten Einsatz flogen und vom 22. bis 30. März 1982 auf einer Bahn
in 240 km Höhe die Erde umkreisten. Auf ihrer ersten Pressekonferenz (13. April)
waren sie voll des Lobes sowohl über die Leistungsfähigkeit des Raumflugzeugs
selbst samt der Ausrüstung - und hier vor allem des in Kanada gebauten

elektrö-

mechanisehen Hebe- und Transportgeräts - als auch über die Flexibilität des
Raumfährenprogramms. Dieser Flexibilität sei es zu verdanken, daß innerhalb
kürzester Frist die Landung auf einem anderen als dem ursprünglich in Kalifornien
vorgesehenen Platz vorbereitet und außerdem die Flugdauer wegen zunächst
widriger Wetterverhältnisse am neuen Landeort White Sands (Neu Mexiko) um einen
vollen Tag verlängert werden konnte. Nach Ansicht der beiden Astronauten war
der gesamte Flugverlauf eine eindrucksvolle Demonstration der Einsatzbereitschaft des Systems für kommerzielle Aufgaben.
"Wir wären

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�"Wir wären auch gerne noch ein paar Tage länger im Orbit geblieben",
meinte Lousraa. Alle Aufgaben des doch recht anspruchsvollen Flugplanes habe
man in Ruhe, ohne jegliche Hektik, in Angriff nehmen und durchführen können.
Kopilot Fullerton zeigte sich besonders beeindruckt davon, wie leicht der
15 m lange Robotarm, nach dem äußeren Eindruck geradezu ein Koloß, zu bedienen
sei. Zum ersten Mal wurde damit eine

empfindliche Meßausrüstung aus der Lade-

bucht gehievt und in verschiedenen Positionen über dem Orbiter, längsseits und
am Bug und Heck gehalten. Das Verstauen in der Ladebucht nach Beendigung des
Experiments sei wesentlich einfacher gewesen als erwartet. Statt der dafür angesetzten halben Stunde habe er die gesamte Operation nach fünf Minuten beendet gehabt. Kanada könne stolz sein auf die Ingenieure, die das Gerät erdacht
und gebaut haben. Einzigartig sei das Erlebnis von Start und Rückkehr - der
Aufstieg zum Orbit in achteinhalb Minuten mit der immensen Schubkraft der
Raketenmotoren, schließlich das Abbremsen aus 25facher Schallgeschwindigkeit
bis zum Stillstand der COLUMBIA auf der harten Wüstenpiste in White Sands
innerhalb von 30 Minuten.
- Flug nach Fahrplan Nach dem vierten und letzten Testflug, zu dem die Raumfähre wahrscheinlich schon Ende Juni startet, ist für November dieses Jahres mit vier Personen
an Bord das erste Unternehmen der operativen Phase geplant. Die US-Behörde für
Luft- und Raumfahrt (NASA) gab inzwischen Terminpläne zur Mitnahme von Nutzlasten
bis zum Jahr 1987 bekannt. Demnach sollen im Verlauf von fünf Jahren vier
Raumfähren für den Pendelverkehr zwischen Erde und Umlaufbahn bei festen
"Fahrplänen" zur Verfügung stehen. Die Anzahl der Einsätze mit den verschiedensten
Flugaufgaben und Nutzlasten von Auftraggebern wird sich von Jahr zu Jahr
steigern. Sind für 1983 noch sechs Flüge vorgesehen, werden es 11 im Jahr 1984,
15 im Jahr 1985, 16 im Jahr 1986 und nochmals 11 bis September 1987 sein.
Hauptkunde ist die Industrie, somit die amerikanische Privatwirtschaft,
gefolgt von Regierungsbehörden wie Verteidigungsministerium, NASA oder US-Amt
für Atmosphären- und Meeresforschung. Auch das Ausland hat bereits gebucht u.a. Australien, die Bundesrepublik Deutschland, Indien, Indonesien, Japan,

- 2 -

�Indonesien, Japan, Kanada, Kolumbien, Luxemburg und die Arabische Fernmeldesatel1i ten-Organi sati on.
Beim vierten Testflug Ende Juni/Anfang Juli, für den wiederum sieben
Tage angesetzt sind, wird sich zum ersten Mal eine Nutzlast des US-Verteidigungsministeriums an Bord befinden. Die Behörde, die das Raumtransporterprojekt maßgeblich mit gefördert hat,* plant u.a., bei speziellen Programmen
statt der üblichen Trägerraketen die Raumfähre als Startvehikel zu benutzen.
Außerdem wird zum ersten Mal eine wartungsfreie Experimentierausrüstung, verpackt in einen Kanister genormter Größe und von vorgeschriebenem Gewicht, mitgenommen, für die der Auftraggeber nur eine relativ geringe "Platzmiete" im
Space Shuttle bezahlt. Bisher haben 191 Kunden, unter ihnen kleine Industriefirmen, private Institute und von Forschungsorganisationen geförderte Oberschüler, die an wissenschaftlichen Experimenten besonders interessiert sind,
für insgesamt 320 Platze gebucht. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge
ihres Einganges bei der NASA entsprechend dem verfügbaren Raum bei den jeweiligen Einsätzen berücksichtigt.
Erneut wird die unmittelbare "Umwelt" des Raumtransporters mit empfindlichen Instrumenten sehr genau untersucht. Die Wissenschaftler wollen mehr darüber
erfahren, inwieweit die Genauigkeit von Beobachtungen und Messungen mitgeführter
Forschungsinstrumente, beispielsweise für Astronomie-Aufgaben oder zur Fernerkundung der Erde, durch Gas- oder Partikelemissionen aus dem Raumflugzeug
verändert, verfälscht oder anderweitig beeinträchtigt werden.
Beim ersten Vier-Mann-Tlug im November will man zwei kommerzielle Fernmeldesatelliten im Weltraum absetzen. Einer davon wurde von einem kanadischen
Privatunternehmen gebaut. Er wird einem ganzen Netz kanadischer Bodenstationen
zur Verfügung stehen und Dienstleistungen im Fernmeldewesen sowie die Ausstrahlung von Radio- und Fernsehprogrammen über den weiten nordamerikanischen
Kontinent erleichtern. Mit Hilfe einer rotierenden Plattform, an Bord des Raumtransporters, die mit einem Federmechanismus ausgestattet ist, werden die beiden
Satelliten zunächst einmal in einen gewissen Sicherheitsabstand von der COLUMBIA

- 3 -

�der COLUMBIA gebracht und von dort aus durch Zündung von FeststoffraketenTreibsätzen in die vorgesehene Umlaufbahn in mehr als 36 000 km Höhe katapultiert.
Die fünftägige Mission endet mit der ersten Landung auf einer Betonpiste
des Kennedy-Raumfahrtzentrums in Florida. Mit der Wahl dieses Landeplatzes statt
uer bisher benutzten Hartpisten im Wüstengebiet von Kalifornien und Neu-Mexiko
ergibt sich die Möglichkeit, die für die Inspektion, Reparatur und Vorbereitung
der Raumfähre auf den nächsten Einsatz erforderliche Zeit zu verringern - vom
Wegfall der sonst erforderlichen kostspieligen Oberführung des Raumflugzeugs
vom Lande- zum Startplatz einmal ganz abgesehen.
Bei dem im Januar 1983 geplanten sechsten Unternehmen wird erstmals der
Orbiter CHALLENGER eingesetzt, während die beiden anderen Raumflugzeuge
DISCOVERY und ATLANTIS erst 1985 in Dienst gestellt werden sollen. Die
CHALLENGER trifft bereits im Juni im Kennedy-Raumflugzentrum ein. Sie hat
Raum für sieben Personen, wird anfangs aber nur mit vier Astronauten besetzt
sein.
Beim zweiten Flug der CHALLENGER im April 1983, bei dem übrigens für den
Funkverkehr zwischen Erde und Raumtransporter spezielle Nachrichtensatelliten
der NASA anstelle der bisher dafür zuständigen Bodenstationen benutzt werden,
ist als Wissenschaftlerastronaut die 30jährige Astrophysikerin Dr. Sally Ride
mit vr I der Partie - die erste Frau, die die NASA in den Weltraum entsendet.
Das sechstägige Unternehmen wird von Robert Crippen geführt, der zusammen mit
Young den ersten COLUMBIA-Testflug unternahm. Die beiden anderen Astronauten
sind Fred Hauck und John Fabian. Eine weitere vierköpfige Gruppe wurde für
einen dreitägigen Flug der CHALLENGER im Juli 1983 nominiert: Flugkapita'n ist
Robert Truly, der als Kopilot von Joe Engle im November 1981 mit der COLUMBIA
bereits zwei Tage im Weltraum war. Außerdem wurden die Astronauten Daniel
Brandenstein, Dale Gardner und, als Nutzlastspezialist, Luftwaffenmajor
Guion Bluford ausgewählt. Bluford wird der erste schwarze Amerikaner im Weltraum sein.
- Erster Einsatz
- 4 -

�- Erster Einsatz des Weltraumlabors Im September 1983 wird zum ersten Mal das im Auftrag der Europäischen
Raumfahrtorganisation ESA bei ERNO in Bremen gebaute Weltraumlabor ("Spacelab")
mit der COLUMBIA in den Weltraum gebracht. Flugkapitä'n dieses neunten, auf sieben
Tage angesetzten Raumtransporterunternehmens ist wiederum John Young. Außerdem
sind die Astronauten Brester Shaw, Dr. Owen Garriott und Robert Parker, dazu
ein amerikanischer und ein europäischer Nutzlastspezialist für "Spacelab" vorgesehen; letztere wurden jedoch noch nicht benannt.
Wie das Raumflugzeug selbst ist auch das aus Modul-Einheiten bestehende
Weltraumlabor wiederverwendbar. Es wird im Frachtraum ("Ladebucht") des Orbiter
verstaut. Mit zwei Wissenschaftlerastronauten besetzt, könnte es jedoch, wie
für spätere Einsätze geplant, auch

eine Zeitlang außerhalb des Raumtransporters

existieren. Es ist für Missionen von sieben bis 30 Tagen Dauer geeignet. In
dem als Druckkabine angelegten Labor arbeiten die Wissenschaftler ohne Schutzkleidung. Zum Spacelab gehört jedoch auch eine offene Palette, auf der Instrumente wie Teleskope, Antennen, Sensoren aller Art und andere Meßausrüstungen
montiert sind, die nach Öffnung der Laderaumluken im Orbit für direkte wissenschaftliche Beobachtungen eingesetzt werden.
Ein erstes Außenbordmanöver von einem Raumtransporter aus hat die NASA
für Dezember 1983 vorgesehen. Dabei soll ein im Jahr 1980 gestarteter Sonnenforschungssatellit, bei dem infolge dreier durchgebrannter Sicherungen
Störungen auftreten, von einem Astronauten angeflogen und zum Einholen durch
den Robotarm postiert, an Bord repariert und anschließend wieder im Weltraum
abgesetzt werden. Um den Satelliten ansteuern zu können, aktiviert der in
neuartiger Schutzkleidung arbeitende Astronaut eine kleine Antriebseinheit.
- Observationen für die Astronomie Im Januar 1985 soll mit dem Raumflugzeug CHALLENGER ein großes Weltraumteleskop zunächst in den Raumfähren-Orbit mitgenommen und dann von dort aus
in die für die wissenschaftlichen Beobachtungen vorgesehenen Umlaufbahn gebracht
werden. Die Funktionsfähigkeit des riesigen optischen Systems ist auf 15 Jahre
- 5-

�V

auf 15 Jahre berechnet. Es gibt den Forschern die Möglichkeit, siebenmal
tiefer in den Kosmos vorzudringen, als es mit den bisher verwendeten
Instrumenten möglich ist. Die Wartung erfolgt "an Ort und Stelle" durch
Spezialisten, die jeweils mit einem Raumflugzeug herangebracht werden.
+++++

�</text>
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                    <text>21. April 1982

16
INHALT
INFORMATION
Reagan forciert friedliche Lösung der Falkland-Krise
DOKUMENTATION

Deutsch-amerikanische Erklärung zum Abkommen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika über Unterstützung
durch den Aufnahmestaat in Krise oder Krieg
Botschafter Burns würdigt deutsch-amerikanisches Abkommen
- Wortlaut der Ansprache Erklärung des US-Außenministeriums zum Einfrieren von Kernwaffen
HINTERGRUNDMATERIAL
US-Senatsstudie erwartet Belastungen der NATO
- Text des Vorworts von Senator Charles H. Percy Friedensbewegungen in Ost und West
- Kommentar der Stimme Amerikas Sowjets versuchen Beteiligung an chemischer Kriegführung zu bestreiten
- Von unserem Korrespondenten Ed Scherr USA rechnen mit strengeren Kontrollen bei Technologieexport in die
UdSSR
Der gewerkschaftliche Einsatz für die Wahlen in El Salvador
- Von Eugenia Kemble -

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Information
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21. April 1982

REAGAN FORDERT FRIEDLICHE LÖSUNG DER FALKLAND-KRISE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat erneut die Hoffnung ausgesprochen, daß Großbritannien und Argentinien eine friedliche Lösung ihres
Streites um die Falkland-Inseln finden und daß beide Länder Zurückhaltung
üben. In einem Gespräch mit der Presse im Weißen Haus am 20. April 1982 erklärte der Präsident, Außenminister Alexander Haig habe in seinen Vermittlungsbemühungen "Hervorragendes geleistet".
In dem Pressegespräch, das nicht vorher geplant war, beantwortete der
Präsident Fragen zum Falkland-Problem, der nuklearen Abrüstung, einem möglichen Treffen mit Breschnew und einem Kompromiß mit dem Kongreß über den
Haushalt 1983.
Zur Auseinandersetzung zwischen Großbritannien und Argentinien betonte
der Präsident, Washington hätte Prestige verloren, wenn es nicht versucht
hätte, zwischen den beiden Parteien zu vermitteln und den Ausbruch von Feindseligkeiten zu vermeiden. Er würde es bedauern, wenn die Vermittlung fehlschlagen sollte, so sagte Reagan. Er meinte ferner, daß er es für "vorteilhaft" halte, wenn die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die Behandlung
des argentinischen Antrags verschieben würde, den Interamerikanischen Vertrag
über gegenseitigen Beistand - den Rio-Pakt von 1947 - anzurufen.
Der Präsident

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�Der Präsident lehnte es ab, sich zu der Frage zu äußern, ob die Vereinigten Staaten im Falle 9'ner militärischen Konfrontation Großbritannien oder
Argentinien unterstützen würden.

Die Beantwortung dieser Frage, so betonte

Reagan, "wäre angesichts der laufenden heiklen Verhandlungen eine schreckliche
Sache".
Zu Fragen der nuklearen Abrüstung sagte Reagan, daß er"aus ganzem Herzen" mit der Bewegung sympathisiere, die die Kernwaffen ganz abgeschafft sehen wolle. Aber gute Absichten alleine genügten nicht.

Nur er als Präsident

verfüge über alle Tatsachen,auf denen eine Entscheidung beruhen müsse.

"Ich

möchte diese Leute bitten, uns zu erlauben, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um diese Bedrohung zu verringern", so sagte Reagan.
Bezüglich eines Treffens mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef
Breschnew im Juni bei den Vereinten Nationen erklärte Reagan, er habe keine
formelle Ablehnung aus dem Kreml erhalten. Sowjetische Medien hatten über
eine solche Ablehnung berichtet und mitgeteilt, Breschnew ziehe ein Gipfeltreffen in einem dritten Land vor. Reagan erklärte, sein Vorschlag für ein
Treffen im Rahmen der Abrüstungsdebatte der Vereinten Nationen sei nicht als
Ersatz für ein formelles Gipfeltreffen gedacht. "Ich hoffe noch immer, daß
er kommen wird, weil im Juni in den Vereinten Nationen über Abrüstung gesprochen wird, und ich hoffe, daß er möglicherweise dabei sein wird und wir
uns treffen können", so betonte Reagan. Er verwies erneut darauf, daß dies
kein Ersatz für ein sorgfältig vorbereitetes Gipfeltreffen sein solle.

+ + + + +

- 2 -

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21. April 1982

DEUTSCH-AMERIKANISCHE ERKLÄRUNG ZUM ABKOMMEN ZWISCHEN DER BUNDESREPUBLIK
DEUTSCHLAND UND DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA OBER UNTERSTÜTZUNG
DURCH DEN AUFNAHMESTAAT IN KRISE ODER KRIEG

BONN - (AD) - Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika haben am 15. April 1982 ein zweiseitiges Abkommen geschlossen, nach dem die deutsche Regierung beabsichtigt, Personal und Einrichtungen zur Unterstützung von US-Streitkräften zur Verfügung
zu stellen, die in einer Krise oder einem Krieg in die Bundesrepublik Deutschland verlegt werden. Das Abkommen wurde im Auswärtigen Amt in Bonn von dem Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich
Genscher, und dem amerikanischen Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland,
Arthur F. Bürns, unterzeichnet.
Dieses Abkommen über Unterstützung durch den Aufnahmestaat in Kriegszeiten ist sichtbarer Ausdruck des vereinbarten Grundsatzes der Arbeitsteilung
des Bündnisses. Das Abkommen ist auch eine nachdrückliche Bekräftigung der
Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur Verteidigung der Bundesrepublik
Deutschland und des europäischen Teils der NATO. Nach den Bestimmungen des

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�Bestimmungen des Abkommens beabsichtigen die Vereinigten Staaten, ihre in der
i

Bundesrepublik Deutschland
• stationierten Land- und Luftstreitkräfte in
einer Krise oder eine\p* Krieg in kürzester Zeit auf mehr als das Doppelte zu
verstärken. Das Abkommen wird eine verstärkte frühzeitige Abschreckungskraft
in Europa schaffen und damit die wirksame Vorneverteidigung des Bündnisgebiets stärken.
Die Bundesrepublik Deutschland beabsichtigt ihrerseits, etwa 93 000 Reservisten der Bundeswehr auszubilden und auszurüsten, welche die US-Streitkräfte in den Bereichen Transport, Versorgung, Flugplatzinstandsetzung, Logistik und Sicherung von US-Heereseinrichtungen unterstützen werden. Die erforderliche deutsche militärische Personalreserve wird aus dem allgemeinen Reservistenreservoir verfügbar gemacht und wird das bestehende oder geplante
deutsche Reservistenpotential nicht schmälern und die Kampfkraft der Bundeswehr in keiner Weise verringern.
Im Rahmen des Abkommens verpflichtet sich die Bundesrepublik Deutschland
ferner zu zusätzlichen zivilen Unterstützungsleistungen in Form von Transport,
Material Umschlag, Überlassung von Einrichtungen und anderen Leistungen.
Das Abkommen ist ein bedeutsamer Schritt in Richtung auf die Durchführung des langfristigen Verteidigungsprogramms des Bündnisses. Sein wesentlicher Nutzen liegt darin, daß es die strategischen Lufttransporterfordernisse
der Vereinigten Staaten für Unterstützungstruppen verringert und es damit
den Vereinigten Staaten ermöglicht, im Notfall einen höheren Anteil an Kampftruppen zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grunde und wegen der verstärkten
Nutzung inländischer Einrichtungen wird das Abkommen zu größerer Wirtschaftlichkeit im Rahmen des Bündnisses führen.
Es wurde ein deutsch-amerikanischer gemeinsamer Ausschuß zur Durchführung des Abkommens eingesetzt, und es werden detaillierte Pläne aufgestellt,
damit 1983 mit der Aktivierung der erforderlichen deutschen Reserveeinheiten
begonnen werden kann und bis 1987 die notwendigen deutschen militärischen

�deutschen militärischen und zivilen Unterstützungsleistungen organisiert und
die erforderlichen Ausbildungsvorhaben im Gange sind.
Die Investitionskosten des Programms für die Unterstützung durch den
Aufnahmestaat in Kriegszeiten werden etwa 1,2 Milliarden DM (570 Millionen
US-Dollar) betragen. Diese Kosten sowie die gesamten Betriebskosten werden
gleichmäßig von der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten
getragen.

+ + + ++

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�21. April 1982

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BOTSCHAFTER BURNS WÜRDIGT DEUTSCH-AMERIKANISCHES
ABKOMMEN
- Wortlaut der Ansprache -

BONN - (AD) - Anläßlich der Unterzeichnung des Wartime Host Nation
Support Agreement (Abkommen zur Unterstützung durch den Aufnahmestaat in
Krise oder Krieg) zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland am 15. April 1982 hielt der amerikanische Botschafter in Bonn,
Arthur F. Burns, folgende Ansprache:
Herr Minister Genscher, Herr Minister Apel, sehr geehrte Gäste.
Ich möchte zunächst aus ganzem Herzen den von Außenminister Genscher
dargelegten Prinzipien zustimmen und meine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck
bringen, daß er hier an dieser Zeremonie teilnimmt. Ich freue mich, Ihnen,
Herr Minister Genscher, dem Bundeskanzler und Verteidigungsminister Apel die
tiefe Dankbarkeit meiner Regierung für die nachhaltige und entschlossene Unterstützung übermitteln zu können, die sie diesem wichtigen Abkommen angedeihen ließen, das wir heute unterzeichnen. Ich möchte ferner den vielen

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�vielen Offizieren und Zivilbediensteten unserer beiden Regierungen danken,
die so lange und erfolgreich an der Verwirklichung dieses lebenswichtigen
Zieles gearbeitet haben. Ich freue mich, heute einige dieser aktiv Beteiligten hier zu sehen.
Es ist eine Ehre für mich, dieses Abkommen im Namen der Regierung der
Vereinigten Staaten zu unterzeichnen. Es ist das erste deutsch-amerikanische
Abkommen, das zu unterzeichnen ich seit der Übernahme meines Postens als Botschafter Gelegenheit habe, und ich freue mich besonders über die Tatsache, daß
es dabei um gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit in unseren gemeinsamen Interessen geht. Es ist gerade diese Gemeinsamkeit der Interessen, die
dem deutsch-amerikanischen Verhältnis zugrundeliegt. Welche Meinungsverschiedenheiten auch gelegentlich zwischen uns auftreten mögen, so erkennen unsere
beiden Regierungen und unsere beiden Völker, daß die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Grundwerte, die wir gemeinsam haben, bei weitem solche
besonderen Fragen überwiegen. Wir haben viele Jahre der engen Zusammenarbeit
in unseren gemeinsamen Problemen erlebt, und das heutige Wartime Host Nation
Support Abkommen ist einer der jüngsten Schritte in einem ständigen Prozeß
der Zusammenarbeit in der Verteidigung unserer gemeinsamen und unteilbaren
Interessen.
Dieses Abkommen stellt einen wichtigen Fortschritt zu einer stärkeren
und rationelleren Arbeitsteilung im Atlantischen Bündnis, dar. Eine solche
Arbeitsteilung ist angesichts der großen neuen Lasten, die die Vereinigten
Staaten sowohl im Zusammenhang mit der NATO als auch mit anderen Angelegenheiten von strategischer Bedeutung für das Bündnis als Ganzes auf sich nehmen müssen, in zunehmendem Maße notwendig geworden.
Das vorliegende Abkommen ist seit langem ein wichtiges Ziel unserer beiden Regierungen gewesen. Meine Regierung hat die Bedeutung, die sie der Unterstützung durch den Aufnahmestaat in Kriegszeiten beimißt, dadurch unterstrichen, daß sie dies als ersten Punkt auf die Demarche des damaligen Botschafters Stoessel vom November 1980 an Verteidigungsminister Apel gesetzt

�gesetzt hat - eine Demarche, die von der jetzigen Administration bestätigt
wurde. Damit stellt die heutige Unterzeichnung dieses Abkommens einen großen Erfolg dar. Es handelt sich um ein weiteres großartiges Beispiel der
engen Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Regierungen.
Nach den Bestimmungen des Abkommens bringt die Bundesrepublik Deutschland ihre Absicht zum Ausdruck, in Krisen- oder Kriegszeiten bestimmtes Personal und bestimmte Sachleistungen zur Unterstützung der amerikanischen
Streitkräfte zur Verfügung zu stellen. Dies wird die strategischen Luftbrükkenanforderungen an die Vereinigten Staaten verringern und damit im Ernstfalle mehr Kampftruppen verfügbar machen. Die Vereinigten Staaten bringen
ihrerseits ihre Absicht zum Ausdruck, in Krisen- oder Kriegszeiten ihre Landund Luftstreitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland rasch auf einen Stand
zu bringen, der die gegenwärtige Stärke um mehr als das Zweifache übersteigt.
Aufgrund dieser Zusagen unserer beiden Regierungen wird das Abkommen
zu einer verstärkten frühen Abschreckungsmacht in Europa und einer glaubwürdigen und wirksameren Vorneverteidigung des Bündnisgebietes führen.
Wenn wir die Unterzeichnung dieses Dokuments feiern, dann können wir
das in vollem Vertrauen tun, daß es zur Solidarität des Westens, zur Verteidigung der westlichen Ideale und zu der starken und engen Freundschaft zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika
beitragen wird.

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21. April 1982

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERIUMS ZUM EINFRIEREN VON KERNWAFFEN

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat in einer am
13. April 1982 herausgegebenen Broschüre zu dem Vorschlag Stellung genommen,
die sowjetischen und amerikanischen Kernwaffen auf dem gegenwärtigen Stand
einzufrieren. Dieser Vorschlag sei sicherlich von gutem Willen getragen, so
heißt es in der Erklärung des State Department, aber ein Einfrieren auf dem
gegenwärtigen Stand würde negative Auswirkungen auf die internationale Sicherheit und Stabilität haben und alle Versuche stören, auf dem Verhandlungswege
wesentliche Verringerungen in den nuklearen Arsenalen beider Seiten zu erzielen.
Die in der Broschüre wiedergegebene Erklärung des amerikanischen Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
In den letzten Monaten hat ein Vorschlag für ein Einfrieren der sowjetischen und amerikanischen Kernwaffen große Aufmerksamkeit gefunden. Dem
Kongreß wurde eine Resolution zur Unterstützung eines solchen Einfrierens unterbreitet, und für die Wahlen im November sind in verschiedenen Bundesstaaten
Versionen dieses Vorschlages zur Abstimmung gestellt worden.

Die Formulierun-

gen der verschiedenen Versionen sind zwar unterschiedlich, und in einigen

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�in einigen Fällen wird sogar die Forderung nach schließlicher Verringerung
des Rüstungsstandes gestellt, aber der Grundgedanke ist folgender:
Der Präsident soll vorschlagen, daß die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion ein beiderseitiges Einfrieren der Erprobung, Produktion und Dislozierung von Nuklearwaffen und Raketen sowie neuer Flugzeuge, die hauptsächlich als Träger für Nuklearwaffen gedacht sind, unter strikter Verifizierung
vornehmen.
Die amerikanische Regierung räumt ein, daß der Vorschlag von den besten
Absichten ausgeht: die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges zu verringern und
einen rascheren Fortschritt auf dem kritischen und außerordentlich komplexen
Gebiet der Rüstungskontrolle herbeizuführen. Wir streben alle nach diesen Zielen. Aber nachdem wir den Vorschlag eingehend geprüft haben, sind wir zu dem
Schluß gekommen, daß ein Einfrieren des gegenwärtigen Standes der Kernwaffen
negative Auswirkungen auf die internationale Sicherheit und Stabilität haben
und Versuche abschrecken würde, das Ziel zu erreichen, über das wir uns alle
einig sind: Verhandlungen über wesentliche Verringerungen der nuklearen Arsenale

beider Seiten.

Was für ein Rüstungskontroi labkommen streben wir an?
Der amerikanischen Einstellung zur Rüstungskontrolle liegen vier Prinzipien zugrunde. Wir streben nach Abkommen, die
- wesentliche Reduzierungen in den Arsenalen beider Seiten herbeiführen;
- zu einem gleichen Stand der Rüstungen auf beiden Seiten führen, da ein
unausgewogenes Abkommen wie ein ungleiches Kräfteverhältnis zu Nötigung oder Aggression ermutigen können;
- verifizierbar sind, denn wenn es um unsere nationale Sicherheit geht,
dann dürfen Abkommen nicht allein auf Vertrauen aufgebaut sein;
- die Sicherheit
- 2 -

�- die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten fördern
und das Risiko eines Krieges verringern, denn Rüstungskontrolle ist
nicht Selbstzweck, sondern ein wichtiges Mittel zur Sicherung des Friedens und der internationalen Stabilität.
Diese vier Prinzipien wurden vom Präsidenten in seiner Rede vom 18. November 1981 hervorgehoben.

Sie sind die Grundlage der amerikanischen Position

bei den derzeitigen Genfer Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der UdSSR über nukleare Mittel Streckensysteme (INF).

Sie bilden auch die Grund-

lage für unsere Einstellung zu Verhandlungen über strategische Waffen mit der
Sowjetunion - Verhandlungen, die wir als START - Strategie Arms Reduction
Talks = Verhandlungen über die Verringerung strategischer Waffen - bezeichnen.
Welche Nachteile hat der Vorschlag für ein Einfrieren?
Die Administration teilt die echten und tiefempfundenen Überzeugungen,
die zu dem Vorschlag für ein Einfrieren geführt haben, aber wir sind der Überzeugung, daß der Vorschlag keine gesunde Verteidigungs- oder Rüstungskontrolle
darstellt, und daher können wir ein Einfrieren nicht unterstützen.

Ein Ein-

frieren wäre gefährlich für die Sicherheit, die Stabilität und die Sache des
Friedens, und zwar aus folgenden Gründen:
- Ein Einfrieren auf dem derzeitigen Stand würde die Vereinigten Staaten
und unsere Verbündeten auf einer Position des militärischen Nachteils und der
Verwundbarkeit festlegen.

Das Einfrieren würde uns daran hindern, bestehende

gefährliche Mängel in unseren Nuklearstreitkräften zu beheben, die durch die
anhaltende sowjetische Aufrüstung entstanden sind.

Die wesentlichen Verbes-

serungen in der Interkontinentalraketenstreitmacht der Sowjetunion beispielsweise haben ihr die Mittel an die Hand gegeben, einen großen Teil unserer
Interkontinentalraketenstreitmacht zu vernichten.

Darüber hinaus haben die

Sowjets etwa 600 nuklearfähige Mittelstreckenraketen disloziert, die unsere
Verbündeten treffen können.

Gegen diese Raketen gibt es keinen Ausgleich durch

irgendein vergleichbares amerikanisches System.

In diesem Falle würde ein

Einfrieren uns daran hindern, das Gleichgewicht wiederherzustellen.
- Ein Einfrieren
- 3 -

�- Ein Einfrieren genügt nicht.

Wir wollen nicht die Entwicklung auf dem

gegenwärtigen Stand festschreiben; wir wollen wesentliche Verringerungen der
Nuklearwaffen auf beiden Seiten - Verringerungen, die zu einem stabilen militärischen Gleichgewicht führen.

Die Vereinigten Staaten haben bereits eine

kühne neue Rüstungskontrollinitiative bei den Verhandlungen in Genf über landgestützte nukleare Mittelstreckenraketen ergriffen.

Wir haben eine Null-Op-

tion vorgeschlagen, in deren Rahmen die Vereinigten Staaten auf die geplante
Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern verzichten im Austausch für die Beseitigung der vergleichbaren sowjetischen Mittelstreckenraketen.

Unser Ziel bei den Verhandlungen über strategische Rüstungs-

kontroll abkommen ist ebenfalls eine wesentliche Verringerung.
- Ein Einfrieren würde eine bedeutsame Rüstungskontrolle erschweren. Die
Sowjets hätten wenig Anreiz, Verringerungen der strategischen Nuklearwaffen
und der nuklearen Mittel Streckensysteme zuzustimmen, wenn sie wüßten, daß sie
einfach die bestehende militärische Situation einfrieren könnten. Dies hat
sich bereits im Bereich der nuklearen Mittel Streckensysteme gezeigt, wo die
UdSSR zunächst unser Verhandlungsangebot abgelehnt und stetig rund 300 SS-20Raketen disloziert hat. Die Sowjets haben sich erst entschlossen, an den Verhandlungstisch zu kommen, als es klar wurde, daß wir und unsere Verbündeten
entschlossen waren, Schritte zu unternehmen, um der Dislozierung dieser SS-20
zu begegnen.
- Ein Einfrieren würde ernsthafte Zweifel an der Führung Amerikas im Bündnis erwecken. Im Jahr 1979 kamen die Mitglieder des Bündnisses angesichts zunehmender sowjetischer Dislozierungen überein, im Jahr 1983 mit der Dislozierung
amerikanischer PERSHING II-Raketen und landgestützter Marschflugkörper zu beginnen und ein amerikanisch-sowjetisches Rüstungskontrollabkommen anzustreben,
um die nuklearen Mittel Streckensysteme zu verringern. Ein Einfrieren würde
also praktisch eine einseitige Entscheidung der Vereinigten Staaten bedeuten,
sich aus dem gemeinsamen Projekt des Bündnisses zurückzuziehen.
- Ein Einfrieren aller Erprobungen, Herstellungen und Dislozierungen von
Kernwaffen würde wichtige Elemente einschließen, die nicht verifiziert werden
- 4 -

�verifiziert werden können.

Das praktische Ergebnis wäre, daß die Vereinig-

ten Staaten ein Einfrieren in allen Aspekten bis zum letzten durchführen
würden, während es doch beträchtliche Zweifel gäbe, ob sich auch die Sowjets
genau daran halten würden. Wir können es uns einfach nicht leisten, unsere
nationale Sicherheit auf das Vertrauen in die Sowjets zu stützen.

Ein Einfrieren und die sowjetische Aufrüstung
Während des vergangenen Jahrzehnts hat die Sowjetunion eine anhaltende
Aufrüstung im ganzen Bereich ihrer Nuklearstreitkräfte durchgeführt.

Die

sowjetischen Modernisierungsanstrengungen haben die unsrigen bei weitem übertroffen, vor allem hinsichtlich der Entwicklung und

Dislozierung von Inter-

kontinentalraketen, die heute eine starke Bedrohung eines großen Teils unserer
landgestützten Interkontinentalraketenstreitmacht darstellen. Während der
letzten zehn Jahre haben die Sowjets eine beispiellose Vielfalt neuer strategischer Waffen in ihre Arsenale aufgenommen, einschließlich der SS-17-, SS-18und SS-19-Interkontinentalraekten, der Typhoon- und Delta-Unterseeboote und
einiger neuer Typen von unterseebootgestützten Raketen sowie des BackfireBombers.

Im gleichen Zeitraum übten die Vereinigten Staaten Zurückhaltung

und haben nur die TRIDENT-Rakete und das TRIDENT-Unterseeboot und den Marschflugkörper eingeführt.
Dieser Trend hat sich schädlich auf die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten und die globale Sicherheit ausgewirkt.
ist nicht lediglich eine Frage von Zahlen.

Das

In dem Maße, in dem ihre mili-

tärische Kapazität zugenommen hat, haben die Sowjets immer mehr zur direkten
Anwendung militärischer Macht oder der Anwendung militärischer Macht durch
Stellvertreter, wie Kuba, gegriffen, um in immer weiter von ihren Grenzen gelegenen Gebieten zu intervenieren.

Die wachsende Anmaßung im sowjetischen

Verhalten - die Invasion Afghanistans, der Druck in Polen oder die Unterstützung
des Aufstandes in Mittelamerika - läßt das wachsende Vertrauen der Sowjets in
ihre militärische Kapazität erkennen.
ICBM:

Seit

�ICBM:

Seit 1972 haben die Sowjets mindestens zehn verschiedene Varian-

ten von drei verschiedenen neuen Typen von Interkontinentalraketen (ICBM)
entwickelt und disloziert.

Im gleichen Zeitraum haben die Vereinigten Staa-

ten keine neuen Typen von ICBM und nur eine Variante der vorhandenen
MINUTEMAN-Rakete disloziert.

Wir planen, im Jahr 1986 mit der Dislozierung

der MX-Rakete, der ersten neuen Interkontinentalrakete der Vereinigten Staaten in 16 Jahren, zu beginnen.
Seegestützte Streitkräfte:

Die Indienststellung des ersten amerikanischen

TRIDENT-Unterseebootes 1982 bedeutete das Ende einer 15jährigen Periode, während
der die Vereinigten Staaten nicht ein einziges neues Raketen-Unterseeboot bauten.
Im gleichen Zeitraum hat die UdSSR 'über 60 Raketen-Unterseeboote in vier neuen
oder verbesserten Klassen in Dienst gestellt.

Die Sowjets dislozieren jetzt

zwei neue Typen von Raketen-Unterseebooten - die Typhoon und die Delta III -,
während wir nur die TRIDENT bauen.
Bomber: Wenn der erste B-1-Bomber im Jahr 1985 einsatzbereit wird, dann
wird es fast ein Viertel Jahrhundert her sein, daß der letzte schwere Bomber
der USA gebaut wurde. Im Gegensatz dazu haben die Sowjets über 250 moderne
Bomber vom Typ Backfire gebaut, die grundsätzlich für den interkontinentalen
Einsatz geeignet sind. Die Sowjets haben ferner ihr umfangreiches Luftverteidigungssystem weiter verbessert, das der Abwehr unserer Bomber-Streitmacht
dient. Ein Einfrieren würde diese sowjetische Luftverteidigung nicht einschränken.
Während der letzten zehn Jahre haben die Sowjets zwölf neue oder verbesserte Nuklearwaffensysteme eingeführt, während die Vereinigten Staaten nur
drei eingeführt haben, und die Sowjets haben jedes Gebiet ihres Nukleararsenals vergrößert oder verbessert.
Darüber hinaus übertrifft die Sowjetunion heute die Vereinigten Staaten
nach den wichtigsten Maßstäben für strategische Streitkräfte - Gesamtzahl der
Systeme, Gesamtzahl der Raketen, gesamtes Zerstörungspotential.

Bald könnten

sie uns in der Zahl der Gefechtsköpfe gleichkommen oder überholen - das ein- 6 -

�das einzige Gebiet, auf dem die Vereinigten Staaten traditionell einen Vorsprung hatten.
Der Präsident hat sein Amt mit dem Auftrag angetreten, diese Entwicklungen zu korrigieren.

Das Modernisierungsprogramm, das er im Oktober 1981

bekanntgab, dient dazu, das strategische Gleichgewicht wiederherzustellen und
einen Atomkrieg zu verhüten.

Damit wird es der Sowjetunion einen starken An-

reiz bieten, mit uns über echte Rüstungsverringerungen zu verhandeln.

Zusammenfassung
Die Reagan-Administration hat sich einer gerechten und verifizierbaren
Rüstungskontrolle verschrieben, die auf wesentliche Verringerungen der Streitkräfte abzielt. Während der Vorschlag für ein Einfrieren den Wunsch der Menschen überall nach einer Verminderung der Bedrohung durch einen Atomkrieg widerspiegelt, würde er für Verringerungen, Gleichstand oder Verifizierbarkeit nicht
dienlich sein.

Er würde vielmehr das Gegenteil bewirken.

Ein Einfrieren auf

dem bestehenden Stand würde bestehende Ungleichheiten festschreiben und einen
weiteren Fortschritt in der Rüstungskontrolle erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen.

Aus diesen Gründen muß unser Ziel bei der Rüstungskontrolle

darin bestehen, wesentliche Verringerungen der nuklearen Arsenale auf beiden
Seiten auszuhandeln.

Das können wir ohne ein Einfrieren besser.

- 7 -

�Hintergrund
materiell
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21. April 1982

US-SENATSSTUDIE ERWARTET BELASTUNGEN DER NATO
Text des Vorworts von Senator Charles H. Percy

WASHINGTON - (AD) - Ein Bericht, der vom Stab des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats erstellt wurde und den Titel "Die NATO heute: Das
Bündnis im Wandel" ("NATO Today: The Alliance in Evolution") trägt, gelangt
zu dem Schluß, daß die Nordatlantische Verteidigungsgemeinschaft vielfachen
Spannungen ausgesetzt ist, die es erforderlich machen, daß ihre Mitglieder
die gegenwärtigen Probleme mit besonderer Sorgfalt und Einfühlungsvermögen in
den Griff bekommen.
Die Studie wurde mit einem Vorwort des Ausschußvorsitzenden Charles H.
Percy am 17. April 1982 veröffentlicht.

Dabei verwies der Senator darauf,

daß der Zeitpunkt schlecht gewählt wäre, würde der amerikanische Kongreß derzeit Vorschläge über einen Abzug amerikanischer Truppen aus Europa in Erwägung ziehen.
Nachstehend der Wortlaut des Vorwortes von Senator Percy:
Im vergangenen Winter hielten die amerikanischen Kommentatoren aller
politischen Richtungen die Zeit für gekommen, angesichts der europäischen
Reaktion auf das Kriegsrecht in Polen einige der grundlegenden Voraussetzungen

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�grundlegenden Voraussetzungen einer Kritik zu unterziehen, die die Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten in der NATO betreffen.

Als Folge davon bat

ich den Stab des Außenpolitischen Ausschusses, eine Studie durchzuführen, die
die wesentlichsten Probleme aufzeigt, vor denen die NATO heute steht.
Die Studie kommt zu dem Schluß, daß "es heute bei der NATO eine größere
Stärke und mehr gemeinsame Zielsetzung gibt, als die meisten politischen Beobachter glauben."

Allerdings warnt die Studie auch vor vielfachen Spannun-

gen, vor denen das Bündnis steht und die von den Partnern auf beiden Seiten
des Atlantik verlangen, "die gegenwärtigen Probleme mit besonderer Sorgfalt
und Einfühlungsvermögen in den Griff zu bekommen."
Die wesentlichen Schlußfolgerungen der Studie:
- In der 33jährigen Geschichte der NATO gab es eine ganze Reihe von Kontroversen, die Anlaß zu weit ernsterer Sorge bildeten als jede Meinungsverschiedenheit, die die Bündnispartner heute trennen mag. Allerdings ist
die derzeitige Lage insofern einzigartig, als das Bündnis vor einer Vielzahl von Spannungen steht, die die Tendenz zu gegenseitiger Verstärkung
haben.
- Die europäischen Sanktionen als Reaktion auf das Kriegsrecht in Polen
liefen im großen und ganzen parallel zu den amerikanischen Sanktionen,
was Umfang und Härte angeht.

Eine Ausnahme bildet die transsibirische

Erdgasleitung, die die Vereinigten Staaten lediglich verzögern können und dies nur unter großen Kosten für den Zusammenhalt des Bündnisses und
für

die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten als Lieferant.

- Das Ausmaß der amerikanisch-europäischen militärischen Zusammenarbeit in
Südwestasien ist weit umfangreicher, als dies gemeinhin angenommen wird.
Die amerikanischen Verteidigungsanstrengungen in Südwestasien könnten jedoch innerhalb der NATO weitere Probleme hervorrufen, wenn die Europäer
sich gegen Maßnahmen zur Kompensierung eines potentiellen Abzugs amerikanischer Streitkräfte von NATO-Aufgaben wehren.
- Die wirtschaftlichen
- 2 -

�- Die wirtschaftlichen Probleme, vor denen die NATO-Mitglieder stehen, verschlimmern auch andere Probleme im Bündnis, und die wirtschaftliche Genesung auf beiden Seiten des Atlantik ist entscheidend für einen Abbau
der Spannungen und für ein Nachlassen des Drucks auf die Verteidigungshaushalte innerhalb der NATO.
- Trotz dieser wirtschaftlichen Probleme haben die anderen Mitglieder des
Bündnisses, als Gruppe genommen, ihre realen Verteidigungsausgaben im
Jahre 1981 um etwa 2,6 Prozent gesteigert und kommen damit näher denn je
an das von der NATO 1978 gesetzte Ziel von 3 Prozent heran.
- Obgleich die NATO in den letzten Jahren mit einem eindrucksvollen Netzwerk an Programmen zur Streitkräftemodernisierung vorangegangen ist,
wurde das Bündnis doch durch den anhaltenden Schwung der sowjetischen
Aufrüstung zurückgeworfen.
- Mehrere Gesetzeszusätze, die im Verlauf der Beratungen über das Bewilligungsgesetz im Haushaltsjahr 1982 für die Verteidigung angenommen wurden
- vor allem de,r Gesetzeszusatz über die Lieferung von Spezialmetallen
(Speciality Metals Amendment), würden sich für die Standardisierung von
Waffen in der NATO äußerst negativ auswirken und könnten die amerikanischen
Waffenverkäufe an Europa wesentlich verringern, würden sie nicht zurückgenommen .

- Angesichts der europäischen Anstrengungen zur Lastenteilung, angesichts
der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung und angesichts der derzeitigen
gegenseitigen Spannungen innerhalb der NATO würde jeder umfangreichere
Abzug amerikanischer Streitkräfte aus Europa dort als Strafmaßnahme betrachtet werden. Dies würde eine verärgerte, verwirrte und Uneinigkeit
schaffende Reaktion in Europa hervorrufen, die den Zusammenhalt innerhalb
der NATO stark schädigen würde.
- Während des größten Teils des Jahres 1981 war die amerikanische Regierung
nicht angemessen empfänglich für die Auswirkungen, die die öffentliche
- 3 -

�die öffentliche Diskussion eines begrenzten Atomkrieges sowie die gegen
die Sowjetunion gerichtete rhetorische Konfrontation auf die europäische
Meinung hatte.

Dies hat in Europa noch die Angst in der Öffentlichkeit

vor den Kernwaffen verstärkt; allerdings sollte diese Angst nicht als
Unterstützung breiter Bevölkerungskreise für Neutralismus» Antiamerikanismus oder einseitige Abrüstung mißverstanden werden.

Die Rede Präsi-

dent Reagans vom 18. November 1981 mit ihrer "Null-Option" wurde von allen NATO-Regierungen begrüßt und führte zeitweilig zu einer Verlangsamung
der Antiatombewegung.

Allerdings werden für den Besuch von Präsident

Reagan im Juni in Bonn umfangreiche Demonstrationen erwartet.
- Die Verwirklichung des Doppelbeschlusses der NATO vom Dezember 1979 über
die Modernisierung der Nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) bleibt auch
weiterhin ein entscheidender Testfall für den politischen Willen der NATO.
Die Niederlande, in geringerem Maße Belgien, könnten hier ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, aber die Bundesrepublik Deutschland, Italien
und Großbritannien sollten in der Lage sein, diese Entscheidung zu verwirklichen, solange die INF-Verhandlungen in Genf andauern. Allerdings
könnte diese Frage in der Bundesrepublik zu einer Spaltung zwischen Bundeskanzler Schmidt und der Mehrheit der Sozialdemokratischen Partei führen.
- Die Positionen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bei den INFVerhandlungen liegen noch immer weit auseinander. Die meisten Beobachter
sind der Meinung, daß die Sowjetunion in ihrer Verhandlungsposition wahrscheinlich erst dann Beweglichkeit zeigen wird, wenn deutlich ist, daß
die neuen INF-Systeme der NATO disloziert werden. Außerdem sind hohe Regierungsvertreter, die für Rüstungskontrolle in Europa zuständig sind,
der Ansicht, daß die Sowjetunion auch bei den INF-Gesprächen erst dann
ernsthafter verhandeln wird, wenn erst einmal die START-Gespräche begonnen
haben.
- In Europa ist der Eurokommunismus ein im Schwinden begriffenes Phänomen ausgenommen Italien, wo die Kommunistische Partei eines Tages eine wichtige Rolle in einer Koalitionsregierung spielen könnte. Die Kommunistische
- 4 -

�Die Kommunistische Partei Italiens hat in letzter Zeit große Versuche
unternommen, um sich von der Politik der Sowjetunion zu distanzieren.
Die Studie argumentiert überzeugend, daß die NATO derzeit noch in keiner
Krise steckt, daß sie aber leicht in eine solche hineingeraten könnte, wenn
die Probleme nicht sorgfältig angegangen werden.

Es ist daher ein besonders

ungünstiger Zeitpunkt für den Kongreß, Vorschläge über den Abzug amerikanischer
Truppen aus Europa überhaupt in Erwägung zu ziehen, und ich würde mich einem
solchen Gesetzeszusatz energisch widersetzen.
Ich möchte dem Stab des Ausschusses meine Anerkennung für seine Anstrengungen zum Ausdruck bringen, die zu dieser Studie geführt haben. Ich möchte
jedoch darauf hinweisen, daß über diese Studie im Ausschuß nicht abgestimmt
wurde und sie deshalb nicht notwendigerweise die Ansicht der Mitglieder des
Außenpolitischen Ausschusses repräsentiert.

- 5 -

�21. April 1982

FRIEDENSBEWEGUNGEN IN OST UND WEST
- Kommentar der Stimme Amerikas -

Die Lutherische Kirche Ostdeutschlands hat sich scharf gegen einen Versuch
der dortigen Regierung gewandt, gegen die wachsende Friedensbewegung unter der
Jugend des Landes vorzugehen. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten haben die gegenwärtige Antikriegsbewegung in Westeuropa und in Amerika mit Zustimmung und
mit ermutigenden Worten begrüßt. Aber ihre Begeisterung für Friedensdemonstrationen hat offensichtlich Grenzen - vor allem sollen sie auf Länder außerhalb
des Ostblocks beschränkt bleiben.
So haben die jungen Leute in Ostdeutschland kürzlich eine deutliche Lektion
über das zweierlei Maß gelernt, das dort für Friedensbewegungen angelegt wird,
als ihre Regierung den Versuch unternahm, gegen die Bewegung "Schwerter zu
Pflugscharen" vorzugehen.
An westeuropäischen Maßstäben gemessen, ist diese Bewegung harmlos genug.
Nichts anderes hat die hochoffizielle Besorgnis hervorgerufen als das Tragen
eines Abzeichens, das ein Denkmal darstellt, das vor dem Gebäude der Vereinten

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�der Vereinten Nationen in New York steht - und übrigens von der Sowjetunion
gestiftet wurde.
Das Abzeichen zeigt auch ein Zitat aus der bekannten Passage des Alten
Testaments, in der es heißt: "Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und
ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere ein
Schwert aufheben, und werden hinfort nicht mehr kriegen lernen." Das ist wohl
kaum der Stoff, aus dem die Konterrevolutionen sind.
Aber die Regierung in Ostdeutschland ist der Meinung, das Abzeichnen
stelle eine Demonstration der Feindseligkeit gegenüber dem Staat dar und hat
das Tragen in der Öffentlichkeit verboten. Zudem sei die Friedensbewegung in
Ostdeutschland eine illegale politische Bewegung, die gestoppt werden müsse.
Sie dürfe auch nicht mit den Friedensbewegungen in Westeuropa oder in den Vereinigten Staaten verglichen werden, die es wiederum als Ausdruck der öffentlichen Meinung gegen die imperialistischen Mächte zu unterstützen gelte.
Der Schlag gegen die Friedensbewegung droht zu einer Konfrontation zwisehen Kirche und Staat zu werden. Die Lutherische Kirche unterstützt die jungen Leute. In einem

am Ostersonntag von allen Kanzeln des Landes verlesenen

Brief stellte sich die Kirche offen an die Seite jener, die das Abzeichen tragen, und wandte sich gegen die Regierung, die dies verboten hatte. Es sei notwenig, so hieß es, den Kurs der Abrüstung um der Erhaltung des Friedens willen
zu wagen. Aber die Kirche warnte zugleich davor, daß sie nicht länger mehr
jene vor Repressalien durch die Regierung schützen könne, die das Abzeichen
tragen.
Was sich hier in Ostdeutschland zuträgt, ist nicht nur ein Akt politischer
Heuchelei. Diese widersprüchliche Politik hat eine weit unheilvollere Methode.
Die kommunistischen Gruppierungen in ganz Westeuropa nehmen an den dortigen
Antiatombewegungen teil,und von draußen applaudieren die Sowjetuion und ihre
osteuropäischen Verbündeten. Für den Ostblock ist die Friedensbewegung eine
Frage der militärischen Strategie, ein Mittel, den Gegner zu schwächen.
Es ist

�Es ist dies eine Waffe im west-östlichen Nervenkrieg, die gegen sich
selbst einzusetzen der Osten sicherlich nicht zuzulassen beabsichtigt.

+ + + + +

�16

21. April 1982

SOWJETS VERSUCHEN BETEILIGUNG AN CHEMISCHER KRIEGFÜHRUNG ZU BESTREITEN
- Von unserem Korrespondenten Ed Scherr -

WASHINGTON - (AD) - Die Sowjetunion hat auf die von den Vereinigten Staaten vorgelegten Beweise für die sowjetische Beteiligung an chemischer und biologischer Kriegführung damit geantwortet, daß sie amerikanische Regierungsvertreter der Lüge und der Irreführung der Weltöffentlichkeit bezichtigt.

In den

sowjetischen Medien und in sowjetisch beeinflußten Presseberichten wurden in
den letzten Wochen derartige Beschuldigungen verbreitet.
Dabei führt nichts an der Tatsache vorbei, daß Beweise für den Einsatz
chemischer und biologischer Kampfstoffe durch die Sowjetunion und ihre Verbündeten unter flagranter und wiederholter Verletzung internationaler Konventionen und des Völkerrechts vorliegen.
Die Vereinigten Staaten haben eindeutige Fakten veröffentlicht, aus denen
hervorgeht, daß Tausende wehrloser Menschen in Laos, Kampuchea und Afghanistan
durch solche Kampfstoffe getötet worden sind.

Und die Sowjetunion hat alle

Bemühungen um eine unparteiische Untersuchung dieser Vorfälle oder um eine
schärfere internationale Kontrolle des Verbots solcher Waffen blockiert.
Ein von

�Ein von Außenminister Haig am 22. März 1982 dem Kongreß zugeleiteter
Bericht enthält eine Zusammenstellung und Analyse der verfügbaren Beweise
für chemische Kriegführung in den drei genannten Ländern.
Alle Unterlagen zusammengenommen haben, so der Bericht, die amerikanische
Regierung zu der Oberzeugung gebracht, daß:
- "laotische und vietnamesische Streitkräfte unter sowjetischem Oberbefehl seit 1975 in Laos tödliche chemische und toxische Waffen eingesetzt haben;
- vietnamesische Streitkräfte seit 1978 tödliche chemische und toxische
Waffen in Kampuchea eingesetzt haben; und
- sowjetische Streitkräfte eine Vielzahl von chemischen Kampfstoffen, einschließlich Nervengas, seit der Invasion im Jahr 1979 in Afghanistan eingesetzt haben."
Trotz zunehmender internationaler Besorgnis haben die Sowjets alle Anstrengungen verhindert, eine unparteiische Untersuchung des Einsatzes chemischer Waffen in Afghanistan und Südostasien durchzuführen.

Eine von den

Vereinten Nationen eingesetzte Gruppe von Experten erhielt von der Sowjetunion
und ihren Stell Vertreterstaaten keine Genehmigung, die Schauplätze solcher Angriffe in Augenschein zu nehmen.

In einem Bericht an die Vollversammlung der

Vereinten Nationen erklärte die Expertengruppe, daß eine endgültige Klärung
den "rechtzeitigen Zugang zu den Gebieten des behaupteten Einsatzes chemischer
Kampfmittel erfordert, um die Tatsachen festzustellen.

Eine solche Untersuchung

war bisher nicht möglich".
Die amerikanische Regierung ist bei der Sowjetunion wegen des behaupteten
Einsatzes chemischer und toxischer Waffen vorstellig geworden, ohne jedoch
eine befriedigende Antwort der Regierung in Moskau zu erhalten.

So versuchen

die Vereinigten Staaten seit zwei Jahren auch vergeblich, eine Aufklärung
über die Milzbrandseuche in Swerdlowsk zu erhalten, deren Ursachen nicht na- 2 -

�nicht natürlicher Art zu sein schienen.

Nach westlichen Berichten gelangten

die tödlichen Sporen nach einer Explosion in einem nahegelegenen militärischen
Laboratorium in die Atmosphäre.
Amerikanische Regierungsvertreter haben immer wieder darauf hingewiesen,
daß das Genfer Protokoll von 1925 - das den Einsatz chemischer Waffen verbietet - und die Konvention von 1972 - die biologische und toxische Waffen
verbietet - keine Bestimmungen für die Verifizierung ihrer Befolgung enthalten und auch keine Verfahren für die Klärung der Einhaltung vorsehen.
Die Vereinigten Staaten streben seit Ende der siebziger Jahre ein Abkommen mit der Sowjetunion über ein umfassendes und verifizierbares Verbot chemischer und toxischer Waffen an. Ferner haben die USA sich seit langem verpflichtet, niemals chemische Waffen einzusetzen, außer wenn solche Waffen zuerst gegen Amerika oder seine Verbündeten angewandt werden.
die USA keine biologischen oder toxischen Waffen besitzen.

+ + + + +

Ferner werden

�16

21. April 1982

USA RECHNEN MIT STRENGEREN KONTROLLEN BEI
TECHNOLOGIEEXPORT IN DIE UdSSR

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten können nunmehr von einer
"politischen Verpflichtung" ihrer Verbündeten ausgehen, die, wie aus amerikanischen Regierungskreisen verlautet, eine Grundlage "zur Neuorientierung und
Stärkung internationaler Kontrollen über kritische Technologien und Ausrüstungen" bildet.
Lawrence J. Brady, Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium, informierte am 14. April 1982 den zuständigen Unterausschuß des Senats
darüber, daß auf einem Treffen westlicher Handelsstaaten in Paris im vergangenen Januar Einigung darüber erzielt worden sei, wie die derzeitigen internationalen Regeln verbessert werden könnten, die den Export strategisch wichtiger
Technologie in den Ostblock betreffen, und wie die Anwendung dieser Regeln verstärkt werden könnte.
"Wir beabsichtigen eine Änderung unserer Kontrollen, damit auch fortschrittlichste Technologien und jenes Ausrüstungsmaterial abgedeckt werden, die für jene
neun Industriezweige der UdSSR von entscheidender Bedeutung sind, deren Priorität die Verteidigung ist. Wir ergreifen außerdem Maßnahmen für eine wesentliche
Verbesserung unseres Systems, das eine illegale Beschaffung verbotener Technologie

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�verbotener Technologie durch die Sowjetunion verhindern soll."
Brady erklärte, die Reagan-Administration beabsichtige auch, die Kreditaufnahme durch die Sowjetunion für den Kauf westlicher Technologie zu erschweren und die Kosten für solche Kredite zu erhöhen.
In der Vergangenheit konnten die Sowjetunion und andere osteuropäische
Länder Hunderte von Millionen Dollar von westlichen Banken borgen- und dies
noch zu Zinsen, die unter denen des Marktes lagen -, wobei manche westliche
Länder sogar staatliche Subventionen und Garantien für solche Darlehen gewährten.
Der stellvertretende Unterstaatssekretär für Wirtschaftsfragen im State
Department, Ernest B. Johnston,erklärte vor dem Unterausschuß, daß der C0C0MAusschuß 1949 gegründet worden sei, um die nationalen Kontrollen der Vereinigten Staaten und die ihrer wichtigsten Verbündeten beim Export strategischer Güter in Länder des Sowjetblocks zu koordinieren. Zu den Mitgliedern gehören derzeit alle Länder der NATO, außer Island , und auch nicht Japan.
Seit dem Treffen im Januar seien, wie Johnston weiter erklärte, beträchtliche Fortschritte im Rahmen der COCOM-Gespräche erzielt worden, die zu einer
Übereinkunft bei einer Reihe von Vorschlägen führen sollen, durch die ein Embargo für Technologieexporte in den Sowjetblock gestrafft werden soll. Die Mitglieder einigten sich auf ein Sondertreffen in diesem Frühjahr, um die Probleme
anzugehen, die sich aus der Durchführung eines solchen Embargos und der Harmonisierung der Lizenzerteilung der einzelnen Länder ergeben.
"Diese Administration hat den Eindruck, daß das COCOM-Treffen auf hoher
Ebene die Entschlossenheit aller Mitgliedsregierungen des COCOM bestätigt hat,
das multilaterale System wirksamer zu machen. Wir versuchen nunmehr, diese Entschlossenheit in konkrete Verbesserungen umzusetzen. Wir können vernünftigerweise nicht erwarten, alle unsere Ziele sofort zu erreichen. Ja, es ist sogar
unvermeidlich, daß manche der Probleme des Technologietransfers

in die Sowjet-

union und deren Verbündete im Warschauer Pakt auch weiterhin auftauchen. Wir
haben jedoch den Eindruck, daß die Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten es
möglich macht, konstruktive Schritte zur Beseitigung der einschneidendsten
Schwierigkeiten zu unternehmen", sagte Johnston.

�16

21. April 1982

DER GEWERKSCHAFTLICHE EINSATZ FÜR DIE WAHLEN IN EL SALVADOR
- Von Eugenia Kemble -

Die Autorin war Mitglied der Beobachterkommission, die vom amerikanischen Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO zu den Wahlen
nach El Salvador geschickt worden war.
Sie ist eine der engsten Mitarbeiterinnen
von Albert Shanker, dem Präsidenten der
amerikanischen Lehrergewerkschaft.
Der Text entstammt in Auszügen einem Artikel, den die Verfasserin für das
"American Institute for Free Labor
Development" schrieb.

- (AD) - Die UPD (Populär Democratic Unity - Demokratische Volksunion) eine Vereinigung von Gewerkschaften und deren Verbündeten - hat hart dafür
gekämpft, ausländische Gewerkschaftler, die Medien und die Politiker davon zu
überzeugen, daß die Arbeiter in El Salvador wirklich eine Wahl wünschten.
Viele Gewerkschaftler aus Europa und Lateinamerika waren eingeladen worden,
um die Wahlen zu beobachten und sich selbst ein Bild zu machen. Aber nur der
AFL-CIO nahm teil.
Trotz der

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�Trotz der Drohung mit gewaltsamen Störungen durch die Guerilla und trotz
des tragischen Ereignisses des Todes ihrer Mitglieder Mike Hammer und Mark
Pearlman in El Salvador entschloß sie der AFL-CIO, auf das Ersuchen der
Resinconstrans, einer Gewerkschaft ländlicher und städtischer Arbeiter, daß
amerikanische Gewerkschaftsvertreter zur Beobachtung der Wahlen kommen sollten...
Der Wahltag selbst war eine eindrucksvolle Bestätigung dessen, wofür
die UPD gearbeitet hatte...
Die erfolgreiche Wahlbeteiligung von 83 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung war zumindest teilweise das Ergebnis des monatelangen Bemühens der
UPD, einer Koalition mehrerer Gewerkschaften.

Ihre Mitglieder taten sich zu-

sammen, um die Wähler an die Urnen zu bringen und potentielle Wähler davon
zu überzeugen, daß die Wahlen der Schlüssel dafür sein könnten, politischen
Schutz für das Landreformprogramm und andere Maßnahmen zu erreichen, die für
die UPD-Mitglieder so vorteilhaft sind.
Die Tätigkeiten der UPD waren breitangelegt,und die Arbeit begann früh.
Zu den eindringlichsten Aktionen gehörten zwei Wahlveranstaltungen - eine in
Santa Ana am 20. Dezember 1981, an der 16 000 Menschen teilnahmen, eine andere in San Salvador am 13. März 1982, zu der 5500 Menschen kamen. Neben diesen Wahl Veranstaltungen arbeitete, für die UPD auch eine "Brigade der Volksaufklärung", eine Gruppe von 50 UPD-Aktivisten, die den Leuten erklärten, wo
man zu wählen hatte und welche Bedeutung diese Wahlen hatten. Mit Jose Luis
Grande Preza, dem Generalsekretär der Konföderation salvadorianischer Arbeiter (CTS) und einflußreichen UPD-Führern, gingen die 50 Wahlhelfer der Koalition an Orte wie Chalaltenango, Morazon, San Vicente und Ahuachapan. Er ist
sicher, daß diese Arbeiter zumindest 75 Prozent der Unentschlossenen überzeugten, zur Wahl zu gehen...
Obgleich die UPD nie offiziell für oder gegen eine besondere politische
Partei Stellung bezogen hatte, wußte die Organisation doch, wo ihre besten
Verbündeten standen. Die UPD-Führung nahm an und hoffte zugleich, daß ihre

�daß ihre Mitglieder für die Christdemokraten votieren würden, jene

Partei,

von der sie den Eindruck hatte, am meisten für die Landreform und die anderen
Programme getan zu haben, die den Arbeitern nützen sollten...
Sowohl vor als auch nach den Wahlen bestand die Position der UPD darin,
daß sie diese Programme weiter verwirklichen wollte mit welchem Wahlsieger
auch immer.

Sie wollte auch weiter auf der Landreform, auf den Rechten der

Gewerkschaften und auf eine zivile Kontrolle der Armee bestehen und plante,
diese Punkte gegenüber jeder Partei oder Koalition durchzudrücken, die die
Kontrolle über die verfassungsgebende Versammlung erlangen würde.

Die UPD

wußte, daß noch andere Wahlen kommen würdensund hatte erkannt, daß das Wichtigste war, sich als eine politische Kraft zu etablieren.
Noch immer könnte vieles mit den Wahlergebnissen schief laufen, ungeachtet des Wählermandats für den Prozeß selbst. Andere Beobachter, die mit der
Nationen Republikanischen Allianz (ARENA) gesprochen hatten, die mit 29 Prozent der Wählerstimmen an zweiter Stelle lag, brachten schlechte Nachrichten
hinsichtlich der Absichten dieser Partei bei der Landreform.

Denn während die-

se Gruppe in ihrem Parteiprogramm Lippenbekenntnisse zur Unterstützung der
Landreform ablegte, erklärten hohe Parteifunktionäre privat, daß sie nicht die
Absicht hätten, die Teile des Gesetzes durchzuführen, die noch auf ihre Verwirklichung warten.

Allerdings erkannten alle an den Wahlen beteiligte Par-

teien, daß es für die Landreform genug Unterstützung in der Öffentlichkeit gibt,
was eine eindeutige Stellungnahme gegen das Programm unmöglich macht. Aber
mit Ausnahme der Christdemokraten sind ihre Verpflichtungen hierzu eher lauwarm,
und die amerikanische Regierung wird mit Nachdruck darauf bestehen müssen, daß
ihre Hilfe an den Fortschritt bei der Landreform gebunden ist.
Die Zukunft einer anderen Priorität der UPD, der zivilen Kontrolle des
Militärs,und ein Ende der Morde durch die abgesplitterten Sicherheitskräfte
und die Todesschwadronen an unschuldigen Gewerkschaftlern und Arbeitern ist
ungewiß.

Der AFL-CIO ist hierüber nach dem sinnlosen Mord an zwei seiner Mit-

glieder in El Salvador besonders besorgt. Frühe Berichte darüber,daß die Wahlen zu einer gänzlich zivilen Regierung zum erstenmal in mehr als 50 Jahren
- 3 -

�50 Jahren führen könnten, haben zumindest Hoffnungen wachgerufen, daß Reformen in diesem Gebiet möglich sein könnten...
Warum haben diese Wahlen zumindest die Möglichkeit einer demokratischen
Alternative in El Salvador geschaffen?
Der Umfang des Wahlergebnisses allein stellt eine totale Zurückweisung
des Anspruchs der Guerilla dar, in den Herzen und Hirnen der Bevölkerung
einen Halt zu haben.

Mehr als vier Fünftel der Wahlberechtigten waren der

Überzeugung, daß eine der sechs an den Wahlen beteiligten Parteien ihnen eine
Wahl hinsichtlich der Zukunft anboten, die besser war als jegliche Alternative,
die die gewalttätige Linke anbietet.
Die Armee verhielt sich, wie versprochen, im wesentlichen neutral. Es
gab keinen Putsch und keine Androhungen eines solchen, keine Vorwürfe wegen
Bestechung oder Betrug. Sogar die UPD, deren Führung in vielen Fällen die
Nachfolge derjenigen angetreten hatte, die von der Armee oder von rechtsextremen Todesschwadronen umgebracht worden waren, erklärte nach der Wahl:
"Wir erkennen das positive Verhalten der Mitglieder der Streitkräfte in all
den Orten an, die die UPD während der Wahlen beobachten konnte."
Obgleich die Medien nach Vorfällen wie Wahlzettelknappheit Ausschau
hielten und auch fanden - wie Wähler, die nicht wählen konnten,und andere
Beispiele für Unterbrechungen - behauptete keine politische Partei oder Interessengruppe in El Salvador - weder die Gewerkschaften, noch die Katholische
Kirche -, daß es Wahl betrug gegeben hätte oder die Wahlen illegal gewesen wären... Aber wichtiger noch: Die Höhe des Wahlergebnisses und die Haltung der
Wählerschaft war zum größten Teil so positiv, daß sich anderslautende Behauptungen praktisch in nichts auflösten.
Alle an den Wahlen beteiligten Parteien, sogar die rechtsstehende ARENA,
sahen sich dazu gezwungen, zu erklären, daß viele der christdemokratischen
Reformen fortgeführt werden sollen.
rückgängig zu machen.

Sicher wird es Bestrebungen geben, sie

Die Vereinigten Staaten werden durch den Hebel ihrer

�Hebel ihrer Hilfeleistung Druck ausüben müssen, daß das bewahrt wird, was
gut an ihnen ist.
Die rasche und vorhersagbare Reaktion einiger der Gegner dieser Wahlen
läßt Töne der völligen Niederlage erkennen. Die Behauptung der Regierungszeitung Nicaraguas, daß die Wahlen "eine lächerliche Wahlfarce" waren,oder
die der Sozialistischen Internationale, daß die "sogenannten Wahlen... keine
Lösung für die schrecklichen Verwüstungen des Bürgerkriegs" seien, zeigt einen totalen Mangel an Interesse an dem Volkswillen.

Während die Zensur in

Nicaragua Schlagzeilen wie "Bürger stehen zur Wahl Schlange- trotz der Gefahr.
Der Wahlzettel gewinnt in El Salvador" aus dem einzigen Oppositionsblatt des
Landes streicht, argumentiert die Sozialistische Internationale:

"Die

Sandinista-Regierung Nicaraguas muß in ihrer Verpflichtung zu Pluralismus
und sozialer Gerechtigkeit, zu Demokratie und Blockfreiheit unterstützt werden...". So sind die Quellen dieser Kommentare wohl kaum überzeugende Wahlbeobachter.

Sie unterstützen eine einfache Formel: Alle Wahlen nach "der Revo-

lution" sind unnötig und all diejenigen davor sind ungültig.
ten:

Mit anderen Wor-

Warum dann überhaupt Wahlen?...
Diejenigen in diesem Land, die sich für eine amerikanische. Politik der

Reform einsetzten und demokratische Wahlen unterstützten, anstatt die Erpressung zu akzeptieren, mit vorgehaltener Pistole an den Verhandlungstisch gezwungen zu werden, erkannten richtig, was das salvadorianische Volk wollte.
Diejenigen, die vor dem 28. März darüber entscheiden wollten, welche Lösung
für El Salvador am besten sei, sollten nun zumindest bereit sein, anzuerkennen,
daß neun von zehn Wähler sich für den Wahlprozeß als ersten Schritt in Richtung auf eine Lösung der Probleme des Landes entschieden.

Und wenn es auch

immer noch möglich ist, daß die Ergebnisse dieser Wahl durchkreuzt oder verzerrt werden, so kann doch niemand leugnen, daß die Wahl selbst die Wahl des
Volkes war.

+ + + + +

- 5 -

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