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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. August 1982

33
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans zur Einigung im Libanon
State Department:

Sowjetunion ignoriert Regeln des internationalen

Verhaltens
- Erklärung zum 14. Jahrestag der sowjetischen Invasion der
Tschechoslowakei INFORMATION
Shultz:

Amerikanische Haltung zum Erdgasröhrengeschäft bleibt fest

HINTERGRUNDMATERIAL
Rolle und Aufgabe der amerikanischen Streitkräfte in Beirut
- Darlegung des amerikanischen Außenministeriums Die START-Verhandlungen und das Problem der Verifizierung
- Von unserem Korrespondenten William H. Durham WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Künftige Schwerpunkte im US-Raumfahrtprogramm
- Startservice für In- und Ausland mit dem Raumtransporter -

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. August 1982

33

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUR EINIGUNG IM LIBANON

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 20. August 1982 bekanntgegeben,
daß amerikanische Truppen als Teil einer multinationalen Streitkraft nach
Beirut entsandt werden, um den Abzug der Kämpfer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) aus der libanesischen Hauptstadt zu überwachen. Der
Präsident sagte, die Entsendung des amerikanischen Kontingentes erfolge auf
Ersuchen der libanesischen Regierung.
Wörtlich führte der Präsident aus:
Botschafter Habib hat mich darüber unterrichtet, daß ein Plan zur Lösung
der Krise in Westbeirut von allen betroffenen Parteien angenommen worden ist.
Als Teil dieses Planes hat die libanesische Regierung darum ersucht - und ich
habe dem zugestimmt -, daß amerikanische Truppen als Bestandteil einer multinationalen Streitkraft nach Beirut entsandt werden.
Die Verhandlungen für das Zustandekommen dieses Planes waren überaus
kompliziert und wurden unter den schwierigsten Verhältnissen geführt. Zeitweilig
konnte man sich kaum vorstellen, wie es zu einer Einigung kommen könnte, und

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�könnte, und doch wurde sie erreicht. Das staatsmännische Verhalten und der Mut
von Präsident Sarkis und seinen Kollegen in der libanesischen Regierung verdienen besondere Anerkennung wie auch die hervorragende Arbeit von Botschafter
Habib. Er verlor niemals die Hoffnung, und am Ende waren seine Tatkraft und
seine Entschlossenheit erfolgreich; dafür gebührt ihm unser aller Dank.
Die Parteien, die diesen Plan ermöglicht haben, tragen eine besondere Verantwortung dafür, daß dieser Plan erfolgreich abgeschlossen oder verwirklicht wird.
Ich rechne damit, daß die Bestimmungen in gutem Glauben und in Obereinstimmung mit;,
dem vereinbarten Zeitplan durchgeführt werden. Dies erfordert eine peinlich genaue
Einhaltung der Waffenruhe. Verletzungen von irgendeiner Seite würden den Plan
gefährden und erneutes Blutvergießen sowie neue Tragödien für die Bevölkerung
Beiruts mit sich bringen. Es darf unter keinen Umständen zugelassen werden, daß
so etwas geschieht.
Wie Sie wissen, war meine Zustimmung zu der Einbeziehung amerikanischer
Streitkräfte in eine multinationale Streitmacht entscheidend für unseren Erfolg.
In den vor uns liegenden Tagen werden unsere Truppen sowie die Kontingente aus
Frankreich und Italien eine wichtige, aber sorgfältig begrenzte nicht-kombattante
Rolle spielen. Die am Plan beteiligten Parteien haben dieser Rolle zugestimmt,
und Garantien hinsichtlich der Sicherheit unserer Truppen abgegeben.
Unser Ziel wird es sein, die libanesischen Streitkräfte bei der Ausübung
ihrer Verantwortung zu unterstützen, den Abzug der PLO-Führer, Offiziere und
Kämpfer aus Beirut und von libanesischem Territorium unter sicheren und ordnungs- gemässen Bedingungen sicherzustellen. Die Anwesenheit amerikanischer Streitkräfte
wird auch die Wiederherstellung der Souveränität und der Autorität der libanesi- '
sehen Regierung über den Bereich von Beirut erleichtern. In keinem Fall werden
unsere Truppen länger als 30 Tage bleiben.
Die Beteiligung Frankreichs und Italiens an diesem Bemühen ist ein weiterer
Beweis für das Verantwortungsgefühl dieser guten Freunde der Vereinigten Staaten.
Eine erfolgreiche Lösung der Westbeirut-Krise durch die verantwortungsbewußte

- 2 -

�die verantwortungsbewußte Verwirklichung des nunmehr vereinbarten Planes wird
die Grundlage für die dringende internationale Aktion schaffen, die notwendig
ist, um die volle Souveränität, Einheit und territoriale Integrität des Libanon
wiederherzustellen, den raschen Abzug aller fremden Truppen aus diesem Lande
zu erreichen und zur Gewährleistung der Sicherheit des nördlichen Israel beizutragen.
Wir müssen ebenfalls im Rahmen von Camp David rasch handeln, um die
Palästinenserfrage in all ihren Aspekten sowie die unerledigten Probleme des
arabisch-israelischen Konflikts zu lösen.
Nur wenn all diese Schritte erfolgt sind, können im Nahen Osten ein echter
und dauerhafter Friede sowie Sicherheit erreicht werden.
+++++

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33

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Dokumentation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
25. August 1982

STATE DEPARTMENT: SOWJETUNION IGNORIERT REGELN DES INTERNATIONALEN VERHALTENS
- Erklärung zum 14. Jahrestag der sowjetischen Invasion der Tschechoslowakei •

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung zum 14. Jahrestag der sowjetischen
Invasion in der Tschechoslowakei im Jahr 1968 betonte das amerikanische Außenministerium am 21. August 1982, die Tschechoslowakei sowie Polen und Afghanistan
"stehen als schmerzliche Mahnung dafür, daß die Sowjetunion noch immer nicht
willens ist, sich an die Regeln des internationalen Verhaltens zu halten."
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Morgen begehen wir den 14. Jahrestag der sowjetischen Invasion der
Tschechoslowakei.
An diesem Tag vor 14 Jahren stellte Präsident Johnson fest, welch traurige
Erklärung es für die Weltsicht der Sowjetunion sei, daß "ein Zeichen der Freiheit
in der Tschechoslowakei als eine Bedrohung der Sicherheit des Sowjetsystems
erachtet wird." Diese Erklärung hat auch heute noch Gültigkeit.
Wir brauchen

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�Wir brauchen nur zu sehen, wie das Kriegsrecht des Regimes in Polen unter
dem starken Druck der Sowjetunion versucht, die Bestrebungen des polnischen
Volkes zu unterdrücken, oder auf das Volk von Afghanistan zu blicken, das noch
immer unter der Last sowjetischer Armeen leidet.
Die Tschechoslowakei des Jahres 1968 sowie Polen und Afghanistan heute
stehen als schmerzliche Mahnung dafür, daß die Sowjetunion noch immer nicht
willens ist, sich an die Regeln des internationalen Verhaltens zu halten, wie
sie in der Charta der Vereinten Nationen und der Schlußakte von Helsinki festgelegt sind.
+++++

m

�25. August 1982

SHULTZ: AMERIKANISCHE HALTUNG ZUM ERDGASRÖHRENGESCHÄFT BLEIBT FEST

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat am
20. August 1982 betont, daß die Haltung Präsident Reagans zum Erdgasröhrengeschäft mit der Sowjetunion fest bleibe. Auf einer Pressekonferenz in Washington,
die sich in erster Linie mit den jüngsten Entwicklungen im Libanon befaßte, sagte
er auf eine entsprechende Frage:
"Wir erkennen nicht, daß irgend etwas, das sich kürzlich in Polen ereignet
hat, den Bedingungen gerecht wird, die nicht nur von uns, sondern auch von unseren
Verbündeten erhoben worden sind. Es besteht keine Absicht für eine Änderung, wir
wollen vielmehr mit den Sanktionen vorangehen, wie sie verfügt worden sind."
Präsident Reagan hatte im Dezember vergangenen Jahres nach Verhängung des
Kriegsrechtes in Polen den Verkauf amerikanischer Ausrüstung und hochwertiger
Technologie im Zusammenhang mit dem Erdgasröhrengeschäft verboten. Diese Sanktionen
waren dann im Juni dieses Jahres auf Ausrüstungen erweitert worden, die von
Tochtergesellschaften amerikanischer Firmen hergestellt und verkauft oder von
US-Gesellschaften an ausländische Firmen in Lizenz vergeben werden.
Außenminister Shultz

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�Außenminister Shultz teilte weiter mit, daß er keine "unmittelbaren
Reisepläne" habe, als er gefragt wurde, ob er plane, zu Gesprächen mit Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft über das Pipeline-Projekt nach Brüssel
zu reisen. Der amerikanische Außenminister sagte, er rechne damit, Anfang Dezember
zur Winter-Tagung der NATO in die belgische Hauptstadt zu fliegen. Zu diesem
Zeitpunkt könnten auch andere Konsultationen stattfinden.
Außenminister Shultz unterstrich noch einmal, daß die von den USA verhängten Sanktionen "keine Maßnahmen gegen die Verbündeten" seien. Es seien
"Maßnahmen, die ergriffen wurden, um der polnischen Regierung und der Sowjetunion
zu verdeutlichen, daß das Verhalten, das wir sehen - besonders in Polen, aber
auch in anderen Ländern -, ein Verhalten ist, das wir bedauern". Shultz fügte
hinzu:
"Ich meine, man sollte erkennen, daß diese Sanktionen, wenngleich sie meiner
Meinung nach Probleme beim Bau dieser Erdgasleitung verursachen - und die
Probleme, die sie für unsere Verbündeten im Ausland hervorrufen, sind ja auch
immer wieder publiziert worden -, doch auch Probleme für unsere Firmen hier
in den Vereinigten Staaten verursachen. Wir wissen das. Aber in einem gewissen
Ausmaß zeigt dies doch nach meinem Dafürhalten die Tiefe der Überzeugung des
Präsidenten, daß das Verhalten, das wir in Polen und anderswo erleben, aufgezeigt werden muß, und eine Antwort darauf muß gegeben und aufrechterhalten
werden."
+++++

- 2 -

4

�25. August 1982

33

ROLLE UND AUFGABE DER AMERIKANISCHEN STREITKRÄFTE IN BEIRUT
- Darlegung des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 20. August 1982 vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Darlegung werden Rolle und Aufgabe der amerikanischen
Streitkräfte verdeutlicht, die als Teil einer multinationalen Friedenstruppe
im Libanon disloziert werden.
Der Text der Veröffentlichung des State Department hat folgenden Wortlaut:
Rolle und Aufgabe der amerikanischen Streitkräfte in Beirut
Amerikanische Streitkräfte werden in Beirut als Teil der multinationalen
Streitmacht (MNF) disloziert, wie dies aus einem Abkommen zwischen der amerikanischen Regierung und der Regierung des Libanon hervorgeht.
Das amerikanische Kontingent der multinationalen Truppe wird den libanesischen Streitkräften angemessenen Beistand dabei bieten, ihrer Verantwortung
hinsichtlich des Abzuges der PLO-Angehörigen in Beirut von libanesischem

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�von libanesischem Territorium unter sicheren und ordnungsgemäßen Bedingungen
gerecht zu werden. Die Präsenz amerikanischer Truppen wird auch die Wiederherstellung der Souveränität und der Autorität der libanesischen Regierung über
das Stadtgebiet Beiruts erleichtern.
Die amerikanischen Truppen werden in Beirut erst nach Beginn der Evakuierung
(wahrscheinlich fünf oder sechs Tage danach) und gemeinsam mit dem italienischen
MNF-Kontingent und dem letzten Teil der französischen Streitmacht eintreffen. Es
werden annähernd 800 Marinekorpsangehörige von Einheiten der Sechsten Flotte

,

disloziert. Das Kommando über die Soldaten des Marinekorps wird von der National
Command Authority (NCA) über die normalen amerikanischen Militärkanäle (EUCOM)
ausgeübt.

Diese Truppen werden sich nicht an Kampfhandlungen beteiligen, könnten

jedoch das Recht auf Selbstverteidigung ausüben. Sie werden das Recht haben,
sich frei zu bewegen und die Maßnahmen zu ergreifen, die nötig sind, um ihre
Mission durchzuführen oder um ihr Personal zu unterstützen. Das amerikanische
Personal wird mit den normalen Infantriewaffen ausgerüstet sein.
Enge Koordination mit den libanesischen Streitkräften wird aufrechterhalten.
Zwischen der multilateralen Truppe und den libanesischen Streitkräften wird es
einen Austausch von Verbindungsoffizieren geben. Ein Verbindungs- und Koordinierungsausschuß, bestehend aus Vertretern der amerikanischen, französischen,
italienischen und libanesischen Truppe, wird bei diesem Prozeß behilflich sein.
Die Regierung des Libanon und die libanesischen Streitkräfte werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um den Schutz der amerikanischen Streitkräfte zu
garantieren, einschließlich der bereits erhaltenen Zusicherung anderer bewaffneter
Gruppierungen, daß sie sich an den Waffenstillstand und die Einstellung der
Feindseligkeiten halten werden.
Das amerikanische Kontingent wird nicht länger als 30 Tage in Beirut
bleiben.

War Powers

�War Powers Resolution
Die War Powers Resolution (Resolution hinsichtlich der Kriegsführungsvollmacht des Präsidenten) fordert einen Bericht an den Kongreß innerhalb von 48
Stunden nach Einsatz amerikanischer Streitkräfte
(1) auf ausländischem Territorium in Kampfausrüstung oder
(2) bei Feindseligkeiten oder in Situationen, wo eine bevorstehende
Verstrickung in Feindseligkeiten durch die Umstände eindeutig angezeigt wird.
Es besteht weder die Absicht noch die Aussicht, daß die amerikanischen Streitkräfte in Beirut in Feindseligkeiten verstrickt werden. Sie werden im Libanon
auf formelle Bitte der Regierung des Libanon sein; wir werden Zusicherungen
hinsichtlich der Sicherheit der multinationalen Streitmacht haben. Obwohl wir
isolierte Gewaltakte nicht ausschließen können, werden alle angemessenen Vorkehrungen getroffen, um die Sicherheit des amerikanischen Militärpersonals
während der kurzfristigen Abstellung in den Libanon zu gewährleisten.
Ungeachtet der Ereignisse wird die Lage ständig überprüft, und der Präsident
wird dem Kongreß in Einklang mit den Erfordernissen der War Powers Resolution
Bericht erstatten.

Vereinbarungen und Zusicherungen
Die amerikanischen Truppen werden sich an der multinationalen Streitmacht
in Beirut in Einklang mit einem Abkommen zwischen der amerikanischen und der
libanesischen Regierung beteiligen. Dieses Abkommen hat die Form eines Notenaustausches und wurde im Namen der amerikanischen Regierung von Botschafter
Di H o n und im Namen der libanesischen Regierung von Präsident Sarkis unterzeichnet.
Das Abkommen beschreibt die Aufgaben der libanesischen Streitkräfte, der
MNF und der amerikanischen Streitkräfte, die Teil der MNF sind. Es enthält Bestimmungen hinsichtlich der Kommandogewalt für die amerikanischen Streitkräfte,
der Koordination mit den libanesischen Streitkräften und der Immunität des
amerikanischen Personals. Der Zeitplan für den PLO-Abzug aus Beirut ist Anhang
des Abkommens.
In Übereinstimmung
- 3 -

�In Obereinstimmung mit dem Abkommen hat die Regierung des Libanon
Zusicherungen von allen bewaffneten Gruppierungen eingeholt, die sich derzeit
nicht unter der Autorität der libanesischen Regierung befinden, daß sie sich an
die Waffenruhe und die Beendigung der Feindseligkeiten halten werden. Die
Regierung Israels hat entsprechende Zusicherungen gegeben.
+++++

s

�33

25. August 1982

DIE START-VERHANDLUNGEN UND DAS PROBLEM DER VERIFIZIERUNG
- Von unserem Korrespondenten William H. Durham -

WASHINGTON - (AD) - Die Bedeutung der Verifizierung von Rüstungskontrollabkommen kann überhaupt nicht überschätzt werden.

Solange die Vereinigten Staa-

ten nicht sicher sein können, daß die Sowjetunion sich an ein Abkommen hält,
würde das ganze Konzept eines Vertrages zur Verringerung der Kernwaffen "bedeutungslos und sogar gefährlich", wie Regierungsvertreter in Washington betonen.
Die Ratifizierungsdebatte beim SALT II-Vertrag machte deutlich, daß der
amerikanische Senat keinerlei Abkommen über die Verringerung von Kernwaffen
zustimmen wird, solange die Bedingungen eines ausgehandelten Vertrages nicht
wirksam verifiziert werden können. Meinungsumfragen haben immer wieder gezeigt, daß die Haltung der amerikanischen Öffentlichkeit gegenüber Rüstungskontrolle und Verifizierung von zwei prinzipiellen Überlegungen bestimmt wird.
Die große Mehrheit der Amerikaner ist für ein Abkommen mit der Sowjetunion
über eine beträchtliche Verringerung der nuklearen Zerstörungskraft. Gleichzeitig traut aber auch eine große Mehrheit den Sowjets nicht.
Dieses Mißtrauen

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�Dieses Mißtrauen entbehrt nicht der Grundlage. Das sowjetische Verhalten
in der Vergangenheit im Bereich der Rüstungskontrolle flößt nicht unbedingt
Vertrauen ein. Gerade auch die Beweise der jüngsten Zeit über die Produktion
und den Einsatz von chemischen und biologischen Waffen deuten darauf hin, daß
die Sowjets ihre vertraglichen Verpflichtungen in diesen Bereichen verletzen.
Die Schwierigkeiten bei der Verifizierung der sowjetischen Einhaltung
von RüstungskontrollVereinbarungen ergibt sich zum Teil aus den grundlegenden
Unterschieden zwischen der geschlossenen Natur der sowjetischen und der offenen
Natur der amerikanischen Gesellschaft.

Aber die Vereinigten Staaten können es

sich nicht leisten, zuzulassen, daß diese Unterschiede sie bei der Verifizierbarkeit von Verträgen benachteiligen.
Die Sowjets müssen sich der Verpflichtung bewußt werden, größere Verantwortung an den Tag zu legen, wenn es darum geht, den Zugang zu jenen Informationen zu garantieren, die notwendig sind, um die Abkommen zu verifizieren,
deren letzter Zweck darin besteht, das Risiko eines Atomkrieges zu vermindern.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Vereinigten Staaten noch immer
das Monopol bei den Atomwaffen hatten, schlugen sie den Baruch-Plan vor, der
die Atomkraft unter internationale Kontrolle gestellt hätte. Wäre dieser Plan
verwirklicht worden, so wäre die Welt heute weit freier von der Furcht vor einem
Ausbruch eines Atomkrieges.
Aber die Sowjetunion lehnte den Baruch-Plan ab, und dieser scheiterte zusammen mit anderen frühzeitigen amerikanischen Initiativen zur Verminderung
eines Kriegsrisikos - wie etwa der Vorschlag der "Offenen Himmel" von Präsident Eisenhower aus dem Jahr 1955.
Die eigentliche

Ursache für dieses Scheitern war die Weigerung der Sowjets,

Verifizierungsmaßnahmen zuzulassen, die für den Erfolg solcher Anstrengungen jedoch notwendig sind.
Die Entwicklung

�Die Entwicklung fortschrittlichster Technologie der Überwachung, wie etwa
Photosatelliten in den sechziger Jahren, ermöglichte es den Vereinigten Staaten wie auch der Sowjetunion, die strategischen Streitkräfte der Gegenseite
mit ihren eigenen technischen Mitteln zu überwachen.
Die SALT I- und SALT II-Abkommen legten Begrenzungen für die strategischnuklearen Transportmittel (Strategie Nuclear Delivery Vehicles, SNDV) auch
deshalb fest, weil sie durch die sogenannten nationalen technischen Mittel
(NTM) überwacht werden konnten.
Die Vereinigten Staaten kamen jedoch zu der Überzeugung, daß Begrenzungen
bei den SNDV - wie etwa den Startanlagen für ballistische Raketen und den strategischen Bombern - den Gesamtzuwachs der nuklearen Zerstörungskraft nicht einzuschränken vermochten.
Bei der Vorbereitung der Gespräche über eine Verringerung der strategischen
Waffen (START), die derzeit in Genf stattfinden, kamen amerikanische Regierungsvertreter zu dem Schluß, daß es darauf ankommt, die Anzahl der Waffen selbst zu
verringern - und nicht nur die SNDV, will man zu einem Abkommen gelangen, das
die nukleare Gesamtkapazität wirklich verringern würde.
Aufgrund dieser Bedeutung der Verifizierbarkeit - einschließlich der
Schwierigkeit der Verifizierbarkeit von Verminderungen bei Waffen, über die bei
den Gesprächen über die Nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) und START gesprochen wird - haben die Vereinigten Staaten die Sowjets sowohl öffentlich als
auch auf diplomatischem Weg wissen lassen, daß, wo immer es notwendig sein wird,
auch Verifizierungsmaßnahmen ergriffen werden müssen, die über die nationalen
technischen Mittel hinausgehen, damit künftige Rüstungskontroi labkommen verifiziert werden können.
Dabei ist es wichtig, sich den Unterschied zwischen Überwachung und Verifizierung zu verdeutlichen.
Überwachung meint
- 3 -

�Überwachung meint die Fähigkeit, zu beobachten oder auf andere Weise in
Erfahrung zu bringen, was hinsichtlich der WaffenSysteme vor sich geht, die
in einen Vertrag einbezogen sind.
Verifizierung ist jener Prozeß, durch den man zu einem Urteil darüber gelangt, ob die per Überwachung in Erfahrung gebrachten Aktivitäten in Einklang
mit den Buchstaben eines $&gt;ezieilen Vertrags stehen.
Die nationalen technischen Mittel, die bisher die hauptsächlichen Instrumente zur Überwachung von Vereinbarungen gewesen sind, hängen von einer Vielzahl von photographischen und anderen Sensoren ab, die der jeweiligen Seite
gehören - die jedoch nicht auf dem Territorium der anderen Seite stehen.
Sie sind zum größten Teil Satelliten und bieten die Möglichkeit, Aspekte
wie Anzahl von Startanlagen für ballistische Raketen und Bomber, die Anzahl
von Gefechtsköpfen auf einer Rakete oder die Größe und das Wurfgewicht von Raketen zu kontrollieren.
Sowohl bei den INF- als auch bei den START-Gesprächen ergibt sich die
amerikanische Haltung hinsichtlich der Verifizierbarkeit aus zwei grundlegenden
Aspekten.
Erstens wollen die Vereinigten Staaten die Wirksamkeit der nationalen
technischen Mittel verbessern. Diese nationalen technischen Mittel werden auch
weiterhin das grundlegende Element der Oberwachungskapazitäten sein. Diese
Mittel sind hochmodern und werden mit der Einführung neuer Technologien immer
weiter verbessert. Die Vereinigten Staaten müssen sicherstellen, daß die verbesserten amerikanischen Überwachungssysteme den Ansprüchen der kommenden Jahre
gerecht werden und ihre Kapazitäten voll ausgelastet sind.
Das zweite Element der amerikanischen Position hinsichtlich der Verifizierung betrifft die Notwendigkeit, etwa durch einen erweiterten Datenaustausch
über diese natioanlen technischen Mittel hinauszugehen.
Während der

�Während der gesamten RüstungskontrollVerhandlungen haben die Vereinigten
Staaten den größten Teil der Informationen beigebracht - nicht nur über ihre
eigenen Waffensysteme, sondern auch über sowjetische Systeme.
Während das SALT II-Abkommen bei dem Austausch entscheidender Daten einen
Anfang machte, sind amerikanische Regierungsvertreter der Ansicht, daß ein
umfassender Austausch von Informationen zwischen den beiden Seiten stattfinden
muß, um eine vollständigere Datenbasis hinsichtlich der Anzahl und der Eigenschaften der strategischen Kernwaffensysteme zu erarbeiten.
Im Verlauf der Verhandlungen werden auch andere kooperative Maßnahmen erörtert werden, die keinen unmittelbaren Zugang zu den Anlagen erforderlich
machen. Man nennt hier möglicherweise die Bedingung, daß Atomraketen oder
nukleare Gefechtsköpfe offen gelagert oder transportiert werden, um eine Überwachung durch die nationalen technischen Mittel zu erleichtern.
Demonstrationsflüge von Bombern und Schiffsdemonstrationen in internationalen Gewässern
zu vorher festgelegten Zeiten könnten ebenfalls in Erwägung gezogen werden, um
eine Verifizierung gewisser überprüfbarer Eigenschaften zu ermöglichen.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es schwierig, vorauszusagen, wie die
Sowjetunion auf die neue amerikanische Haltung hinsichtlich der Verifizierungsmaßnahmen reagieren wird.

Die Sowjets haben immer auf dem Primat der natio-

nalen technischen Mittel bestanden.

Dieses Prinzip fand auch Eingang in den

ABM-Vertrag und in das SALT I-Interimsabkommen.

Das SALT II-Abkommen begann

damit, über die natioanlen technischen Mittel hinauszugehen, indem einige
kollaterale Maßnahmen einbezogen wurden, die bei der Verifizierung behilflich
sein sollten - wie etwa vorherige Benachrichtigung bei bestimmten Raketenabschüssen, Regeln der Zählung und Vereinbarungen zur Bereitstellung von überprüfbaren Unterschieden bei einigen Systemen, die sich auf deren Funktionsfähigkeit beziehen.

All diese Maßnahmen waren jedoch, wie amerikanische Regie-

rungsvertreter sagen, unzureichend.
In einer

�In einer gemeinsamen Erklärung über die Prinzipien, die bei SALT II-Verhandlungen hätten zum Tragen kommen sollen, hatten die Sowjets zugestimmt,
"die jeweils angemessenen kooperativen Maßnahmen, die zur Wirksamkeit der Verifizierung mittels nationaler technischer Maßnahmen nötig sind", zu ergreifen.
Das Interview des sowjetischen Staats- und Parteichefs Breschnew mit
dem SPIEGEL vom November 1981 könnte das Tor bei dem Dialog über dieses Problem
etwas geöffnet haben, als er sagte, daß,"Vertrauen vorausgesetzt, einige andere Formen der Verifizierung ausgearbeitet werden müssen", auch wenn die nationalen technischen Mittel weiter Vorrang haben sollten.
Die entsprechenden Verifizierungsmaßnahmen, für die man sich schließlich
entscheiden wird, werden, wie amerikanische Regierungsvertreter sagen, in gewissem Umfang von der Art von Begrenzung abhängen, die der Vertrag anstrebt;
aber ein jeder Vertrag muß wirksam verifizierbar sein. Und sie fügen hinzu:
"Würden die Vereinigten Staaten weniger akzeptieren, so würden sie damit ihr
Hauptziel bei den START-Verhandlungen untergraben."

+ + + + +

�25. August 1982

33

KÜNFTIGE SCHWERPUNKTE IM US-RAUMFAHRTPROGRAMM
Startservice für In- und Ausland mit dem Raumtransporter

- (AD) - Unbemannte Erdsatelliten und interplanetare Sonden, dazu
systematische Beobachtungen der Astronauten aus der Erdumlaufbahn und bei
Flügen zum Mond, brachten der Wissenschaft eine Fülle neuer Erkenntnisse.
Diese schufen eine solide, überaus breite Basis für die weitere Erforschung
unserer Sonne und ihrer Planeten mit Nahbeobachtungen von Merkur bis Saturn
und direkten Untersuchungen auf Mars und Venus, aber ebenso für die weitere
Erforschung von weit entfernten Objekten und von Materie, Kraftfeldern, Strahlung
und Partikel strömen im kosmischen Raum. Forschungsgeräte wie jene der amerikanischen EXPLORER-Serie registrierten den "Sonnenwind" und seine Wechselwirkungen sowie die von Sonneneruptionen mit der irdischen Umwelt. Sie gaben Aufschluß
über die Struktur der Lufthülle unserer Erde, ihrer Ionosphäre und Magnetosphäre,
dazu über die Ursachen und die Art und Weise von Zustandsveränderungen in diesen
auf Naturkräfte so empfindlich reagierenden Bereichen. Sonnenobservatorien in
Erdumlaufbahnen identifizierten die nuklearen Reaktionen, die häufig mit
Sonneneruptionen einhergehen, und analysierten im Detail die von der Sonne ausgesandten energiereichen Partikel und Strahlungen. Der Astronomie erschloß sich

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�erschloß sich durch Beobachtungssatelliten für das Ultraviolett-, Röntgen- und
Gammastrahlen-Spektrum ein völlig neues Forschungsfeld.
Kaum abschätzbar ist heute der Nutzen der Satelliten für die weltweite
Wetterbeobachtung, zur Erkundung irdischer Rohstoffquellen aus dem Weltraum,
für die Bestandsaufnahme der Vegetation, die Überwachung von Kulturland oder
die Klassifizierung der Böden. Die Ausweitung der Fernsprech-, Funk- und Fernsehverbindungen über Meere und Kontinente hinweg war die erste Aufgabe der Nachrichtensatelliten. Zunehmend spielen diese jetzt auch als elektronische Informationszentren bei Entwicklungsprojekten in der Dritten Welt und für die Telekommunikation in speziellen Fällen eine wichtige Rolle. So wurde während der
UN-Weltraumkonferenz (UNISPACE '82) in Wien (9.-21. August 1982) ein bestens
funktionierender medizinischer Bereitschaftsdienst via Satellit demonstriert.
Die Zentrale von "Medical Alert Systems, Inc. (MAS)" in der kleinen Stadt
Owings im amerikanischen Bundesstaat Maryland ist rund um die Uhr mit einem
Arzt besetzt, um Notrufe der kommerziellen Schiffahrt und von Freizeitkapitänen
auf See über Funk, Telefon und via Satellit entgegenzunehmen. Entsprechend der
vom Unfall oder der Erkrankung gegebenen Beschreibung werden Anweisungen für
die Notbehandlung erteilt und, wenn erforderlich, die nächsterreichbaren
Rettungsstellen - Schiffe oder Krankenhäuser an Land - alamiert.
An der Nutzbarmachung ihrer raumfahrttechnischen Pionierarbeit ließen die
Vereinigten Staaten die übrige Welt von Anfang an teilhaben. Wie James M. Beggs,
der Leiter des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA), kürzlich berichtete,
wendete die NASA im Lauf der Jahre Summen in der Größenordnung von 70 bis 80
Milliarden Dollar für technologische Entwicklungen auf, von denen ein großer
Teil auch den anderen Ländern zu äußerst geringen Kosten zugänglich geworden
ist.
Boten zu fernen Planeten
Von dem amerikanischen Forschungsgerät VOYAGER 2, das im August 1981, neun
Monate nach VOYAGER 1, den Planeten Saturn mit seinem komplexen Ringsystem und
seinen mehr als 20 Monden sondierte, erwartet die NASA im Januar 1986 erste

- 2 -

�f

1986 erste Nahbeobachtungen vom Planeten Uranus. Dieser umkreist die Sonne in
ca. drei Milliarden Kilometern Abstand (Entfernung der Erde zur Sonne: ca.
149 Millionen km) und benötigt für einen einzigen Umlauf 84 Jahre. Vielleicht
vermag das Roboter-Meßgerät Informationen über die Ende der siebziger Jahre entdeckten Ringe des Uranus und die Besonderheiten seiner Rotation zu geben. Im
Gegensatz zu den anderen Planeten bewegt er sich nämlich nicht wie ein Kreisel was mit unterschiedlicher Achsenneigung und Rotationsgeschwindigkeit geschieht -,
sondern er "rollt" seitlich auf seiner Bahn. VOYAGER wird sogar, wenn die Bordinstrumente intakt bleiben, im Jahr 1989 auch den fernen Planeten Neptun ins
Visier nehmen. Der äußerste der bisher bekannten neun

Planeten unseres Sonnen-

systems, Pluto, ist dagegen zu weit entfernt, um von heute verfügbaren Raumsonden in einer vernünftigen Zeitspanne erreicht und aus der Nähe beobachtet
werden zu können.
Aus Kostengründen haben die Vereinigten Staaten das interplanetare Forschungsprogramm mit Satelliten eingeschränkt, aber keineswegs eingestellt. Eines der
nächsten NASA-Projekte ist GALILEO. In Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik
Deutschland und anderen europäischen Ländern werden Instrumente für zwei neue
Jupiter-Sonden entwickelt, von denen eine in eine Umlaufbahn um den größten
Planeten unseres Sonnensystems gebracht wird, während die andere in seine
Atmosphäre eindringen und Messungen durchführen soll, soweit dies der gewaltige
Druck in tieferen Schichten noch zuläßt. Die Orbitersonde fotografiert die
farbenprächtigen und so dynamischen Wolkenformationen, mißt das Magnetfeld und
setzt die Beobachtungen der amerikanischen PIONIER- und VOYAGER-Sonden von
Jupiter-Monden in den siebziger Jahren fort. Die großen Monde weisen auffällige
Unterschiede in ihrer Oberflächenbeschaffenheit auf. Und einer von ihnen, Io, bot
den VOYAGER-Robotern bei ihrem Vorbeiflug sogar das Schauspiel von mehreren
Vulkanausbrüchen.
Himmelsdurchmusterung aus der Erdumlaufbahn
Im Jahr 1984 hofft NASA-Chef Beggs.ein Programm unter Dach und Fach zu
bringen, das die Entsendung eines Satelliten in den 90er Jahren zur Venus für
die kartographische Aufnahme der Oberfläche unseres "Schwesterplaneten" zum Ziel

- 3 -

�zum Ziel hat. Für dieses Projekt sowie für eine mögliche Rückkehr zum Saturn
im nächsten Jahrzehnt mit einem Satellitenpaar, das ebenfalls aus einem Orbiter
und einer Sonde zur direkten Untersuchung der Atmosphäre besteht, dürften sich
auch europäische Länder interessieren.
Ein wichtiges Gemeinschaftsprojekt mit Europa ist der Start des Weltraumteleskops (ST) in Verbindung mit einem zehn Tonnen schweren Satelliten, der im
Jahr 1985 von einem amerikanischen Raumtransporter aus in eine Erdumlaufbahn
von etwa 500 km Höhe gebracht wird. Mindestens zehn Jahre lang soll es - mit untere
schiedlichen Nutzlasten für astronomische Beobachtungen bestückt - der Forschung
dienen. Da es sich jenseits der störenden Erdatmosphäre befindet, können die
hochempfindlichen Instrumente u.a. ultraviolette Strahlungen von Himmelskörpern
erfassen und Objekte beobachten, die bis zu siebenmal weiter entfernt und fünfzigmal lichtschwächer sind als jene, die von stationären Observatorien aus untersucht werden. Der Primärspiegel des ST hat 2,4 m Durchmesser, ist also schon halb
so groß wie die Spiegel der leistungsfähigsten erdgebundenen Teleskope. Deshalb
vermag das ST beispielsweise von der Oberfläche des Planeten Merkur Aufnahmen von
der Qualität zu machen, die die amerikanische interplanetare Sonde MARINER 10
bei ihrer größten Annäherung an den sonnennächsten Planeten im Jahr 1974 zur Erde
übermittelte.
Im Jahr 1987 steht der Start eines in der Bundesrepublik gebauten,
zwei Tonnen schweren Forschungssatelliten auf dem Programm. Es ist ROSAT, ausgerüstet mit dem größten Röntgenteleskop (Öffnung 83 cm), das der Astronomie
zur Verfügung steht. Eine amerikanische Raumfähre setzt das Gerät im Orbit von
ca. 280 km Höhe ab, von wo aus es zu einer Umlaufbahn in 500 km Höhe katapultiert
wird. Im Verlauf einiger Jahre wird ROSAT das gesamte Firmament systematisch
•
nach Quellen von Röntgenstrahlen absuchen. Die Wissenschaftler des Max-PlanckInstituts für extraterrestrische Physik in Garching bei München schätzen, daß
etwa 100 000 kosmische Röntgen-Strahler aufgefunden werden. Bisher sind etwa
5 000 solcher Quellen bekannt. Oberreste von Supernova-Explosionen, Galaxienhaufen, Quasare gelten als besonders interessante Untersuchungsobjekte.
- SPACELAB - internationales

- 4 -

i

�- SPACELAB - internationales Labor im Weltraum Beim neunten Einsatz eines wiederverwendbaren amerikanischen Raumtransporters
im Oktober 1983 wird sich zum ersten Mal das ebenfalls wiederverwendbare Weltraumlabor SPACELAB an Bord befinden. Es wurde von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA für die NASA gebaut und wird von beiden Organisationen gemeinsam
betrieben. Ein amerikanischer und ein europäischer Wissenschaftlerastronaut werden
entsprechend den jeweiligen Aufgabenstellungen in ihrem Fachgebiet an Bord arbeiten. Neben der Druckkammer sind auch offene Plattformen Teil des SPACELAB, die
Ausrüstungen für Messungen und Beobachtungen im freien Weltraum aufnehmen. Physik
der Hochatmosphäre, Plasmaphysik, Astronomie, Biologie, Medizin und Fernerkundung
der Erde, Werkstofforschung mit dem Ziel der Produktion neuer Materialien mit
besonderen Eigenschaften und Experimente zur Gewinnung hochreiner pharmazeutischer
Präparate unter Nutzbarmachung des nahezu schwerelosen Zustandes im Orbit bestimmen vorerst die Arbeitsprogramme. Da der Raumtransporter mit dem SPACELAB in
der Ladebucht bis zu zwei Wochen in der Erdumlaufbahn verbleiben kann, sind auf
zahlreichen Forschungsgebieten Ergebnisse zu erwarten, die Planungen für den
Einsatz permanenter Plattformen für wissenschaftliche Aufgaben und als Produktionsstätten im Weltraum erlauben.
Raumfähre und Weltraumstationen
Als Transportmittel in den Weltraum konzentrieren sich die Vereinigten Staaten
auf die wiederverwendbare Raumfähre, für die nach vier Testflügen (1981 und 1982)
im November 1982 der Routineeinsatz beginnt. Neben der COLUMBIA steht für den
sechsten Flug im Januar 1983 das zweite Gerät, CHALLENGER, zur Verfügung, zwei
weitere Raumflugzeuge befinden sich noch in Bau. Möglicherweise wird die
Transporterflotte noch um einen fünften Weltraumpendler verstärkt. Jeder von ihnen
kann knapp 30 Tonnen Nutzlast aufnehmen. Und dazu gehören in nächster Zeit zahlreiche Nachrichtensatelliten, die z. T. im Auftrag privater Organisationen oder
anderer Länder im Weltraum abgesetzt und vom Raumtransporter-Orbit aus in die für
sie vorgesehenen wesentlich höheren Umlaufbahnen weiterbefördert werden. James
Beggs bezeichnete Telekommunikation via Satellit als einen sehr aktiven Markt.
"Die Satelliten zur Nachrichten- und Datenübermittlung sind der Markt mit der

- 5 -

�mit der höchsten Wachstumsrate - sie beträgt etwa 20 Prozent im Jahr."
Im Jahr 1983 sind fünf bis sechs, für 1984 zehn bis zwölf Raumtransporterflüge vorgesehen. Im Jahr 1985 könnten es laut NASA-Chef Beggs schon 18 oder 20
sein, und diese Startfrequenz soll in den beiden folgenden Jahren auf je 24 gesteigert werden. Dann steht eine gründliche Bedarfsprüfung an. Sollte die schon
jetzt sehr große Nachfrage nach dem Service für den Transport von Nutzlasten in
den Weltraum noch zunehmen, würden bis zu 40 Starts pro Jahr ins Auge gefaßt.
Dies wäre allerdings das Äußerste, was mit vier Raumpendlern zu bewältigen ist.
Etwa 20 Prozent der Flüge werden für Nutzlasten zu militärischen Aufgaben reserviert sein.
Die Mitarbeit anderer Länder bei der Entwicklung einer bemannten Raumstation,
die ja von der Weltraumfähre gut angeflogen werden kann, würden die Vereinigten
Staaten begrüßen. Wie Beggs erklärte, bestehe in Europa wie in Japan beachtliches
Interesse daran herauszufinden, was Europa bzw. Japan zur Entwicklung ständig
besetzter Raumstationen beitragen könnten. Anläßlich des erfolgreichen Abschlusses des vierten COLUMBIA-Testflugs am 4. Juli 1982 setzte sich Präsident
Reagan dafür ein, den möglichen Nutzen künftiger Raumstationen und die dafür
erforderlichen Technologien zu untersuchen. Entsprechende Studien werden in den
nächsten beiden Jahren durchgeführt, denen vielleicht 1985 und 1986 erste
technische Entwicklungen folgen. Stimmt der Kongreß dem Bau zu, könnte Anfang
der neunziger Jahre die erste bemannte Raumstation der Vereinigten Staaten in
eine Erdumlaufbahn gebracht werden.
+++++

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zur Einigung im Libanon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;State Department: Sowjetunion ignoriert Regeln des internationalen Verhaltens&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum 14. Jahrestag der sowjetischen Invasion der Tschechoslowakei -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Amerikanische Haltung zum Erdgasröhrengeschäft bleibt fest&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rolle und Aufgabe der amerikanischen Streitkräfte in Beirut&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Darlegung des amerikanischen Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die START-Verhandlungen und das Problem der Verifizierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten William H. Durham -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Künftige Schwerpunkte im US-Raumfahrtprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Startservice für In- und Ausland mit dem Raumtransporter -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>VERHÜTUNG EINES ATOMKRIEGS BLEIBT GRUNDLAGE DER
AMERIKANISCHEN POLITIK

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat einen Artikel
der "Los Angeles Times" vom 15. August 1982 dementiert, in dem behauptet wird,
die Reagan-Administration habe sich als eine neue Variante der amerikanischen
Nuklearstrategie die Ziel Vorstellung zu eigen gemacht, "einen Atomkrieg zu
gewinnen".
Ein Pressesprecher des Außenministeriums stelltehierzu fest: "Der Präsident hat erklärt, daß es in einem Atomkrieg keine Sieger geben kann. Um zu
verhindern, daß es je zu einem solchen Krieg kommt, will unsere Politik die
Sowjets und jeden anderen potentiellen Gegner davon überzeugen, daß ihre nationalen Zielsetzungen nicht durch Waffengewalt gefördert werden können und
daß ihr Einsatz von Kernwaffen nicht zu einem Sieg führen kann - wie immer
sie einen solchen auch definieren mögen."
Verteidigungsminister Caspar Weinberger erklärte am 17. August 1982:
"Wir Amerikaner wissen, daß es in einem Atomkrieg keine Sieger geben würde."
Im Verlauf einer Anhörung vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses
sagte Weinberger, "die Sowjets lassen zudem Anzeichen erkennen, daß sie an
einen gewinnbaren Atomkrieg glauben. Sie haben die Silos ihrer ballistischen
Interkontinentalraketen sowie die entscheidenden Kommando- und Kontrollanlagen verstärkt und sie dadurch für unsere Minuteman-Raketen weit weniger verwundbar gemacht. Sie haben außerdem eine Zweitschußkapazität entwickelt und
gewaltige Summen für den Zivil schütz aufgewendet. Zudem beinhaltet ihre

�beinhaltet ihre Doktrin für Kriegszeiten einen Erstschlag gegen die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten bei gleichzeitiger Begrenzung
der Schäden für die Sowjetunion. Dies sind in der Tat beunruhigende Entwicklungen."
Verteidigungsminister Weinberger legte die Fortschritte und Entwicklungen der Sowjetunion der letzten Zeit dar, die Beweise dafür bieten, daß die
Sowjetunion darauf vorbereitet ist, einen Atomkrieg zu gewinnen. "Wir haben
Beweise für eine beträchtliche Zunahme des sowjetischen Inventars und haben
mehrere neue sowjetische Waffen eindeutig identifiziert. Es wurden weitere
65 SS-20 Raketen gebaut und dadurch deren Gesamtzahl auf 315 Raketen mit
945 nuklearen Gefechtsköpfen erhöht. Drei Viertel dieser Raketen, die eine
Reichweite von 5000 Kilometern haben, sind auf Städte in Westeuropa ausgerichtet.
Die Sowjets werden ihre strategische Kapazität mit einem neuen interkontinentalen Langstreckenbomber weiter vergrößern, mit dem 'Blackjack A', den
wir gerade identifiziert haben. Wir haben ferner festgestellt, daß die Sowjets
während der vergangenen fünf Monate 60 zusätzliche Backfire-Bomber in einsatzbereiten Einheiten disloziert haben. Außerdem haben sie in Osteuropa Flugzeuge
mit gesteigerter Luftüberlegenheit stationiert und sind möglicherweise dabei,
ihrer Streitkräftestruktur ein neues spezialisiertes Kampfflugzeug für die
direkte Bodenunterstützung hinzuzufügen."
Verteidigungsminister Weinberger unterstrich ferner die Notwendigkeit für
die Vereinigten Staaten, ihr strategisches Modernisierungsprogramm fortzuführen, "um die Stärke wiederherzustellen, die zur Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen Abschreckung notwendig ist.Die Abschreckung hat nun 37 Jahre lang
funktioniert; wir dürfen sie jetzt nicht aufgeben. Denn wir Amerikaner wissen,
daß es in einem Atomkrieg keine Sieger geben würde; wir wissen, daß ein Atomkrieg ungewinnbar ist."
+ + + + +

- 2 -

�</text>
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und

I

International Communication Agency

18. August 1982

32
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Das Atlantische Bündnis ist stark
- Interview des amerikanischen Präsidenten mit "Le Figaro" Weinberger: Rüstungskontrolle und Bündnisbeziehungen Kern der
US-Verteidigungspolitik
- Rede vor der Anwaltskammer in San Franzisko Die Heimstatt Erde bewohnbar erhalten
NASA-Chef Beggs plädiert für weltweite Gemeinschaftsprogramme
HINTERGRUND
Persönliche Freiheiten und nationale Sicherheit
- Von William Clark WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumtransporter startet deutsches Forschungsgerät
für Röntgen-Astronomie

ßckgcHcmpIcwcn

�32

18. August

1982

REAGAN: DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS IST STARK
- Interview des amerikanischen Präsidenten mit "Le Figaro" -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus veröffentlichte am 10. August 1982
den Wortlaut eines Interviews, das Ronald Reagan dem Washingtoner Korrespondenten der französischen Zeitung "Le Figaro", Charles Lambroschini, am
6. August 1982 gegeben hatte.
In dem Interview betonte Reagan die Stärke des Atlantischen Bündnisses,
wobei Auffassungsunterschiede ein'Merkmal für Konsultationen zwischen freien
und souveränen Staaten" seien. Auch das Problem der sowjetischen Erdgasleitung "kann und wird gelöst werden."
Die wesentlichsten Auszüge des Interviews haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Während Ihrer Europareise im Juni haben Sie immer wieder betont,
daß die Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten nie besser
gewesen seien - ganz im Gegensatz zu der Verwirrung innerhalb des Atlantischen

�des Atlanisehen Bündnisses zur Zeit der Carter-Administration. Dann kam der
Streit über das Gasgeschäft. Wie lautet nunmehr Ihr Urteil über den Zustand
des Bündnisses?
ANTWORT: Ich glaube, die Allianz ist stark. Die grundlegenden Werte und
die von uns allen geteilten Interessen, die uns stets geeint haben, sind und
bleiben viel wichtiger und dauerhafter als die Fragen, bei denen wir von Zeit
zu Zeit unterschiedlicher Ansicht sind. Meinungsverschiedenheiten innerhalb
des Bündnisses sind nichts Neues. Sie sind ein Merkmal für Konsultationen zwischen freien und souveränen Staaten.
Die Probleme, die Europa in letzter Zeit bedrängen, sind hauptsächlich
wirtschaftlicher Natur; sie berühren nicht unmittelbar die grundlegenden Interessen - im Sicherheitsbereich und hinsichtlich ähnlicher Aspekte -, auf
denen sich die NATO gründet. Ich möchte nicht den Ernst dieser wirtschaftlichen Probleme unterschätzen, aber ich glaube auch, daß wir sie erfolgreich
lösen werden.
Vergessen wir doch nicht, daß wir in Versailles echten Fortschritt erzielt haben - und im Gefolge auch in einer ganzen Anzahl wichtiger wirtschaftlicher Bereiche. Wir haben einen neuen Prozeß der wirtschaftspolitischen Koordination ins Leben gerufen, eine gemeinsame Studie über die Wirksamkeit der
Intervention auf den Devisenmärkten erstellt, Einigung über ein neues Abkommen über Ausfuhrkredite im OECD-Rahmen erzielt, die die Exportkreditsubventionen
- einschließlich derjenigen für die Sowjetunion - verringert, und wir sind
uns bei unseren Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich wichtiger Nord-SüdFragen nähergekommen. Währenddessen hält auch der Konsens des Bündnisses hinsichtlich Sicherheit, Rüstungskontrolle und Verteidigung - ja, dieser Konsens
wurde auf dem Bonner Gipfel gestärkt und in unseren Gesprächen seither erneut
bekräftigt.
FRAGE: Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Beziehungen zwischen
Ihrem Land und Frankreich? Zunächst schien es so, als habe Amerika keinen

�Amerika keinen treueren Partner als das sozialistische Frankreich. Jetzt aber
ist die französische Regierung wegen der Erdgasröhrenfrage zu ihrer vertrauten Rolle innerhalb des Bündnisses zurückgekehrt - zum Widerspruch.(Außenminister)Cheysson ist viel unverblümter als seine europäischen Kollegen, wenn
er vor einer drohenden "Scheidung" zwischen Washington und Europa warnt. Was
antworten Sie auf solchen Pessimismus?
ANTWORT: Ich denke nicht im entferntesten an den Scheidungsrichter. Im
Ernst: Ich bin auch weiterhin optimistisch, und ich glaube, es gibt solide,
historische Gründe für meinen Optimismus. Frankreich und Amerika haben enge
bilaterale Beziehungen, die in die Zeiten der Revolution in beiden Ländern
zurückreichen, und wir waren stets engste Verbündete.
Natürlich gab es in unseren Beziehungen Höhen und Tiefen. Aber die Vereinigten Staaten schätzen das Bündnis mit Frankreich hoch ein - genau wie ich
meine ausgezeichneten Beziehungen zu Präsident Mitterrand schätze. Es gab zwischen uns eine Reihe sehr nützlicher und produktiver Treffen, und ich habe gerade eine ganz außergewöhnlich herzliche Botschaft von ihm als Antwort auf
mein Glückwunschschreiben zum französischen Nationalfeiertag erhalten.
Hinsichtlich der Frage der Erdgasleitung stimme ich der Charakterisierung
von Bundeskanzler Schmidt zu, der dies einen "Familienstreit" genannt hat. Wie
bei anderen Fragen in einer Familie kann und wird auch diese hier gelöst werden. Es ist kein Grund für eine Scheidung. Schon enge, konstruktive und private Konsultationen sind in Ordnung, aber wir haben zudem noch den Vorteil,
daß das Zursprachebringen unserer Meinungsverschiedenheiten sich auf die tiefen Bande gemeinsamer Interessen und Werte stützen kann, die weit über Einzelprobleme hinausreichen.
FRAGE: Wie steht es um den offenkundigen Widerspruch zwischen Ihren diplomatischen Zielsetzungen? Einerseits heben Sie das Getreideembargo auf, das von
Ihrem Vorgänger verhängt worden war, und verkaufen den Sowjets Getreide. Andererseits stellen Sie sich gegen die Europäer, wenn diese die Rohrleitung
bauen.

ANTWORT:

�ANTWORT: Die amerikanische Politik in bezug auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West versucht, die wirtschaftlichen Bindungen in Einklang
zu bringen mit unseren Zielsetzungen im Sicherheitsbereich. Zu einer Zeit, da
wir uns einer massiven sowjetischen Aufrüstung gegenübersehen, ist es unangemessen, zu erhöhter Abhängigkeit von der Sowjetunion durch Energieimporte oder
subventionierte Kredite zu ermutigen. Neue Projekte wie die Erdgasleitung haben sowohl konkrete als auch psychologische Konsequenzen für unsere derzeitigen
Si cherhei tsi nteressen.
Die Gasleitung - gebaut mit subventionierten Krediten - würde die Abhängigkeit Westeuropas vom Osten erhöhen und die Fähigkeit der Sowjetunion zur
Beschaffung harter Währungen vergrößern. Im Gegensatz hierzu ergeben sich aus
dem amerikanisch-sowjetischen Getreidehandel keine Sicherheitsprobleme. Der
Getreideverkauf an die Sowjetunion trägt nicht zu den technologischen Kapazitäten der Sowjetunion bei und bietet für sie auch keine Quelle der so dringend benötigten harten Währungen, wie dies bei der Gasleitung der Fall ist ja, Getreideverkäufe vermindern die sowjetischen Devisenbestände.
Die Hauptfrage hinsichtlich der Sanktionen bei der Gasleitung ist jedoch
die Lage in Polen. Wir haben im Dezember 1981 Sanktionen gegenüber der Sowjetunion nicht wegen dieser ganz speziellen Sicherheitsbedenken hinsichtlich der
Erdgasleitung verhängt, sondern wegen unseres Bestrebens, die Wiederversöhnung in Polen zu fördern. Diese Sanktionen wurden nicht in der Absicht verhängt, ein allumfassender Versuch zur Einstellung jeglichen Handels zu sein.
Die Idee war vielmehr, dadurch eine eindeutige politische Erklärung abzugeben:
Wir lehnten das sowjetische Verhalten gegenüber Polen ab und wollten, daß die
Sowjetunion die Konsequenzen ihrer Unterdrückung Polens überdenken würde.
Ich verhängte im Dezember 1981 kein Embargo bei Weizen und habe auch
nicht die derzeitige einjährige Verlängerung des amerikanisch-sowjetischen
Getreideabkommens suspendiert. Ein solches Embargo bliebe wirkungslos, da
es Weizen auf allen Weltmärkten gibt. Aber ich habe die Verhandlungen über ein

�über ein neues, langfristiges Abkommen mit der Sowjetunion zurückgestellt,
und diese Sanktion bleibt in Kraft.
Zudem habe ich stets klargestellt, daß die Sanktionen überprüft werden,
falls es deutlichen Fortschritt in Richtung auf echte Versöhnung in Polen geben sollte. Wirkliche Versöhnung erfordert ein Ende des Kriegsrechts, die Freilassung der politischen Gefangenen, einschließlich Lech Walesas, sowie eine
Wiederaufnahme des Dialogs zwischen der Solidarität, der Regierung und der
Kirche.
FRAGE: In Europa hat man den Eindruck, Sie hätten eine umfassende Offensive gegen die Europäer gestartet, nicht nur hinsichtlich dieses Gasgeschäfts,
sondern auch bei Stahl und bei den landwirtschaftlichen Exporten in die Vereinigten Staaten. Wie rechtfertigen Sie die Politik Ihrer Administration in
dieser Hinsicht?
ANTWORT: Das ganze Gerede von einem "Handelskrieg" ist schlicht und einfach falsch. Es verzerrt die Dimensionen dieses Problems ganz gewaltig - fast
genauso wie der Ausdruck "Wirtschaftskrieg", mit dem manche Leute die amerikanischen Sanktionen gegen die Sowjetunion beschreiben, die Tatsachen unserer
Ost-West-Politik verzerrt. Natürlich gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und Europa bei Handelsfragen. Aber wir versuchen, diese Probleme in einer für beide Seiten annehmbaren Weise zu lösen,
und bedienen uns dabei der angemessenen legalen Verfahren.
Stahl und Landwirtschaft sind sicherlich sehr wichtige Bereiche. Unsere
Maßnahmen beim Stahl wurden in völligem Einklang mit amerikanischem Recht ergriffen, und derzeit gibt es zwischen uns und den Unterhändlern der EG-Kommission intensive Gespräche in dem Versuch, zu einer Einigung über eine für
beide Seiten akzeptable Lösung zu kommen. Bei den Landwirtschaftsfragen bedienen wir uns der entsprechenden Verfahrensweisen zur Lösung von Streitfragen, wie sie das GATT (Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen) vorsieht, um
zu einem Ausgleich unserer Differenzen zu gelangen. Es besteht auf unserer
i:

•
\

)\

- 5 i

�auf unserer Seite sicherlich nicht die Absicht, unsere so überaus bedeutsamen Wirtschaftsbeziehungen zu Europa zu stören oder zu schädigen. Dies zu
tun wäre in jedem Fall äußerst töricht, angesichts der Tatsache, daß Westeuropa

unser führender Handelspartner und der wichtigste ausländische Käu-

fer unserer Produkte ist.
FRAGE: Eine andere, immer wiederkehrende Klage ist die, daß Sie die Interessen des Bündnisses übersehen, daß Ihre wirtschaftliche Strategie Konsequenzen hat (hohe Defizite, hohe Zinsen, hoher Dollarkurs), die die Probleme
des Westens insgesamt nur verschlimmern. Wie ist Ihre Reaktion auf diesen angeblichen Egoismus seitens der Vereinigten Staaten? Denn Helmut Schmidts Argument lautet doch: Die beste Sicherheit für den Westen ist eine starke Wirtschaft.
ANTWORT: Ich bin mit Bundeskanzler Schmidt einer Meinung, daß eine starke Wirtschaft des Westens für unsere Verteidigung von entscheidender Bedeutung
ist. Ja, meine erste Priorität bei Amtsantritt war die Entwicklung eines Programms für die wirtschaftliche Wiedergenesung Amerikas. Das Wichtigste, das
Amerika zur Förderung der Gesundung der Wirtschaft des Westens tun kann, ist,
die Grundlagen für anhaltendes, nichtinflationäres Wachstum zu schaffen. Und
genau das ist es, was wir tun. Aber es wird ein langer und schwieriger Prozeß
sein, die Probleme von über zwanzig Jahren zu lösen.
Was die Zinsen angeht, so sind wir sehr empfänglich für die Probleme, die
sie sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten mit sich bringen. Wir
mögen sie nicht mehrals Sie. Es wurde damit begonnen, sie in den Vereinigten
Staaten zu senken, und wir werden dies auch weiterhin versuchen. Gerade diese Woche ist die Prinarateauf 15 Prozent gesunken. Dies ist immer noch zu
hoch, aber sicherlich eine beträchtliche Verbesserung gegenüber den mehr als
21 Prozent, die meine Administration übernommen hatte. Und auch die Inflation
liegt bei jährlich rund 6 Prozent - im Vergleich zu zwölf Prozent bei meiner
Amtsübernahme.
FRAGE:

�FRAGE: Wie sieht Ihr Konzept für das Bündnis aus? Sollte die NATO eine
Partnerschaft zwischen wirklich Gleichen sein, oder ist es so, daß sich die
Vereinigten Staaten als gleicher als die anderen sehen? Widerspricht sich
Schmidt nicht selbst, wenn er es begrüßt, daß die Vereinigten Staaten Führung ausüben, daß es aber zugleich auch unannehmbar sei, wenn sie Befehle erteilen? Wie stehen Sie zu Schmidts Einstellung?
ANTWORT: Erinnern wir uns zunächst einmal daran, daß die NATO eine Partnerschaft souveräner demokratischer Staaten ist, die sich auf den Prinzipien
der Konsultation und des Konsens gründet und die dazu entworfen wurde, ein
Ziel zu erreichen, nämlich Abschreckung und Verteidigung vor sowjetischer
Aggression - eine Aufgabe, die sie seit mehr als dreißig Jahren erfolgreich
erfüllt. In jeder freiwilligen Allianz stolzer, souveräner Staaten, zu deren
gemeinsamen Entscheidungen man durch freien Konsens und nicht durch die Art
von Zwang gelangt, wie man sie beim Warschauer Pakt sehen kann, muß es Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Standpunkte geben. Ich glaube,
daß die Vereinigten Staaten innerhalb des Bündnisrahmens der Konsultationen
bisher eine nützliche, führende Rolle gespielt haben und dies auch weiterhin
tun werden.
Meine Administration hat sich zur Aufrechterhaltung und zur Verbesserung
des Konsultationsprozesses unter uns verpflichtet. Dies hat der Erfolg des
Bonner Gipfels gezeigt, und dies beweisen auch unsere anhaltenden Anstrengungen, dem Dialog zwischen den Verbündeten über das ganze Spektrum von Problemen, vor denen wir stehen, Breite und Tiefe zu geben. Natürlich respektieren wir voll und ganz das Recht unserer NATO-Partner, anderer Meinung zu
sein als wir - und es ist gerade der Konsultationsprozeß, durch den wir bisher immer wieder solche Differenzen beigelegt haben. Ein Bündnis wie das
unserige kann nur auf der Grundlage des gegenseitigen Respektes und der offenen Aussprache über unsere Meinungsverschiedenheiten funktionieren. In diesem Sinn

sehe ich in den Ansichten von Bundeskanzler Schmidt einen positiven

Beitrag zu dem anhaltenden NATO-Dialog.
FRAGE:

�FRAGE: Sind Sie immer noch besorgt über den neutralistischen Trend in
Europa, insbesondere in Deutschland?
ANTWORT: Diese Frage erinnert mich an eine andere, ältere Frage: Verprügeln Sie immer noch Ihre Frau? Nein, ich bin nicht immer noch über neutralistische Tendenzen in Europa besorgt - und war es auch niemals -, weil ich
immer Vertrauen zu der über allem stehenden Partnerschaft habe, die uns aneinanderbindet in dem Streben nach gemeinsamer Sicherheit gegen einen gemeinsamen Gegner. Diese Partnerschaft hat ihre festen Wurzeln in den westlichen
Werten - eine Tatsache, die besonders auf die Bundesrepublik zutrifft, deren
Verpflichtung zu unserer Verteidigung beträchtlich und unerschütterlich ist.
Wenn ich mir auch darüber im klaren bin, daß es innerhalb der deutschen
Öffentlichkeit eine ganze Bandbreite von Standpunkten gibt - wie dies genauso
auch in der amerikanischen Öffentlichkeit, ja, in der Öffentlichkeit aller
echten demokratischen Gesellschaften der Fall ist - so habe ich doch keinen
Zweifel hinsichtlich der Verpflichtung unseres Bündnisses zur Verteidigung
unserer Werte und Freiheiten.
FRAGE: Was ist Ihre Meinung zu folgenden in Europa vertretenen Ansichten:
Da die nukleare Verteidigung im Falle einer sowjetischen Invasion von den
Pazifisten als Selbstmord angesehen wird, sollte man da nicht konventionelle
Streitkräfte aufbauen? Weshalb ordnen Sie daher nicht die Rückkehr zur Wehrpflicht an? Und scheint es nicht wiederum so zu sein, daß Ihre Verbündeten
mehr Entschlossenheit und mehr Zusammenhalt zeigen, indem sie alle (mit Ausnahmen von Großbritannien) an irgendeiner Art von militärischer Dienstpflicht
festhalten?
ANTWORT: Die seit fast vier Jahrzehnten erfolgreiche Strategie der NATO
basierte auf dem Konzept der Abschreckung - die Verhütung eines Krieges durch
Aufrechterhaltung einer ausreichend glaubwürdigen Verteidigung, so daß die
Kosten eines jeden Angriffs jeden potentiellen Gewinn bei weitem überschreiten würden. Angesichts der Natur und des Grades der militärischen Bedrohung

�militärischen Bedrohung seitens des Warschauer Paktes bedeutet dies, daß die
militärische Position der NATO sowohl starke konventionelle Streitkräfte als
auch eine glaubwürdige nukleare Haltung im Europa der NATO und im Hinblick
auf unsere strategischen Nuklearstreitkräfte erforderlich macht.
Wenn die NATO die Fähigkeit aufrechterhält, wirksam auf jeder Angriffsebene zu antworten, sei sie nun konventionell oder nuklear, dann können wir
den Frieden bewahren. Wenn wir weniger tun, riskieren wir Krieg. Daher muß
unser Verteidigungsprogramm wie die Programme unserer Verbündeten - selbst
wenn wir uns um eine wirksame Rüstungsreduzierung auf gleiche und verifizierbare Ebenen bemühen - auf eine Verbesserung des ganzen Spektrums unserer militärischen Kapazität gerichtet sein.
Lassen Sie mich darauf hinweisen, daß unser Programm zur Verbesserung der
Position unserer konventionellen Streitkräfte eine besondere Erwähnung verdient. Aufgrund der Vernachlässigungen in der Vergangenheit ist es dringend
erforderlich, daß die Vereinigten Staaten und unsere NATO-Partner zusammenarbeiten, um die gegenwärtigen Mängel in unseren konventionellen Streitkräften zu beseitigen. Und genau darauf ist das amerikanische Verteidigungsprogramm abgestellt.
Was nun die nur aus Freiwilligen bestehenden Streitkräfte anbetrifft, so
ist es eine Tatsache, daß sie sich als uneingeschränkter Erfolg erweisen.
Unsere Truppenkommandeure sind überaus angetan von der Qualität ihrer Leute,
und sie sollten das auch. Im vergangenen Jahr hatten 80 Prozent aller Freiwilligen die High School abgeschlossen. In diesem Jahr werden die Zahlen
noch höher liegen. Es besteht kein Zweifel daran, daß die Streitkräfte junge
Leute von hoher Qualität rekrutieren, die stolz auf ihre Uniform sind. Sie
lernen ihr Handwerk, ihr Disziplinarverhalten ist gut, und sie verpflichten
sich in Rekordzahl weiter. Die Wehrpflicht ist im Amerika von heute einfach
nicht erforderlich.
FRAGE:

- 9 -

�FRAGE: Ist ein begrenzter Atomkrieg in Europa Teil Ihrer militärischen
Optionen?
ANTWORT: Unsere Strategie ist an der Abschreckung orientiert - Punktum!
Unsere Strategie ist die Wahrung des Friedens. Wir wollen die Sicherheit des
nordatlantischen Raumes durch eine überzeugende Abschreckungsposition erhalten sowie durch unsere Verpflichtung, nach militärisch wirksamen, gerechten
und verifizierbaren Abkommen über die Kontrolle und die Reduzierung solcher
Rüstungen zu streben, die die Sicherheit eines jeden bedrohen.
Von einem begrenzten Atomkrieg als militärischer Option zu sprechen,
geht am Kern des Ganzen vorbei. Das Bündnis glaubt, daß die wirksamste Weise,
einen Krieg zu verhüten, die ist, Aggression zu entmutigen. Und wir tun dies,
indem wir unsere gemeinsame Kapazität aufrechterhalten, auf angemessene Weise
auf jeden Grad von Aggression zu antworten. Gleichzeitig stehen wir in unserem Bemühen um einen Rüstungsabbau - und das haben wir durch unsere umfassenden und realistischen Rüstungsreduzierungsvorschläge, darunter ein mit fester
Unterstützung unserer Verbündeten auf dem Verhandlungstisch in Genf liegender
Vertragsentwurf für die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF), bewiesen keinem anderen nach. Wir führen ernsthafte, auf gutem Glauben beruhende Gespräche mit den Sowjets über die Reduzierung der strategischen und der nuklearen Mittel Streckensysteme sowie der konventionellen Streitkräfte.
FRAGE: Wie beurteilen Sie die kürzliche Entlassung einiger politischer
Gefangener in Polen? Unter welchen Bedingungen wären Sie bereit, Ihre Haltung gegenüber der Regierung in Warschau zu ändern?
ANTWORT: Wir haben uns mit unseren NATO-Verbündeten über die am 21.Juli
von der polnischen Regierung verkündeten Schritte beraten. Wenn wir auch die
Ankündigung über die Freilassung einer Reihe von politischen Gefangenen begrüßen, so befindet sich doch immer noch eine große Anzahl von ihnen hinter
Gittern, und wir erneuern unseren Appell, sie zu entlassen. Das Andauern
des Kriegsrechts selbst ist schon beklagenswert. Wir bedauern zutiefst die

- 10 -

�zutiefst die offenkundige Weigerung der polnischen Behörden, mit der Solidarität einen Dialog zu führen oder ihr Recht auf Existenz anzuerkennen.
Wir sind uns mit unseren Verbündeten darin einig, daß die kürzlich von
der polnischen Führung verkündeten Schritte beträchtlich hinter der Erfüllung
der drei Kriterien zurückbleiben, die in der Erklärung der Verbündeten vom
11. Januar 1982 niedergelegt sind. Es hat einige ermutigende Hinweise auf
eine Lockerung des Kriegsrechts gegeben, aber im großen und ganzen waren die
kürz liehen Maßnahmen enttäuschend, und es gibt ganz gewiß keinen Grund in Polen zu feiern. Wir hoffen auch weiterhin, daß die polnischen Behörden erkennen werden, wie gefährlich es für Polen ist, den Kriegszustand zwischen der
Regierung und dem Volk aufrechtzuerhalten, und daß sie ihren Kurs ändern
werden.
Wir selbst werden weiterhin unsere Politik vor diesem Hintergrund prüfen.
FRAGE: Befinden Sie sich auf einem Kreuzzug gegen die Sowjetunion? Ist
Ihr wahres Ziel der Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in Moskau oder
wollen Sie nur, daß die Eindämmung funktioniert?
ANTWORT: Nein, die Vereinigten Staaten befinden sich nicht auf einem
"Kreuzzug" gegen die Sowjetunion. Die amerikanische Regierung hat immer wieder ihr Interesse an einer kooperativeren Beziehung zur Sowjetunion als ein
Mittel zur Stärkung des Weltfriedens und der Stabilität erklärt. Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht das sowjetische Abenteurertum - wie es
in Afghanistan und Polen zutage tritt - sowie die ungezügelte Aufrüstung
Moskaus akzeptieren. Meine Regierung verfolgt deshalb eine Politik, die
darauf abzielt, zur sowjetischen Zurückhaltung zu ermutigen.
Was nun die Innenpolitik anbetrifft, so muß unserer Ansicht nach das
sowjetische Volk selbst über die Regierungsform entscheiden, unter der es
zu leben wünscht. Gleichzeitig können die Vereinigten Staaten nicht einfach

- 11 -

�nicht einfach die schweren Verletzungen der Menschenrechte ignorieren, zu denen es regelmäßig in der Sowjetunion wie in anderen kommunistischen Staaten
kommt. Meine Regierung hat Moskau gegenüber klargemacht, daß diese Mißbräuche
wie aber auch das unverantwortliche sowjetische Verhalten im internationalen
Rahmen, ein ernsthaftes Hindernis für verbesserte amerikanisch-sowjetische
Beziehungen darstellen.
Es ist wichtig, daß wir im Westen die sowjetische Aufrüstung nicht durch
subventionierte Kredite, den Verkauf hochentwickelter Technologie sowie andere
Maßnahmen unterstützen, die es der sowjetischen Regierung praktisch ermöglichen, die harten Entscheidungen aufzuschieben, die sie bei der Zuteilung ihrer knappen Ressourcen treffen muß.

- 12 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. August 1982

32

WEINBERGER: RÜSTUNGSKONTROLLE UND BÜNDNISBEZIEHUNGEN KERN DER
US-VERTEIDIGUNGSPOLITIK
- Rede vor der Anwaltskammer in San Franzisko -

SAN FRANZISKO - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger erklärte am 11. August 1982 in einer Rede vor der amerikanischen
Anwaltskammer in San Franzisko, daß im Mittelpunkt der Verteidigungspolitik
der Vereinigten Staaten neben der Zielsetzung einer stärkeren Verteidigung
vor allem auch das Verhältnis zu den Verbündeten und wirksame Rüstungskontrollabkommen stehen.
Die Rede Weinbergers hat in ihren wichtigsten Auszügen folgenden
Wortlaut:
Die Reagan-Administration bemüht sich heute um die Bewahrung eines Konsens im Bereich der nationalen Sicherheit. Dieser Konsens hat drei wichtige
Komponenten, die sich wechselseitig unterstützen:
Erstens: Wir wollen ein angemessenes Niveau der nationalen Stärke aufrechterhalten, und dies erfordert Zeit und Geld;
Zweitens: Wir wollen den Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�unseren Verbündeten gerecht werden; und
Drittens: Wir wollen uns um wirksame Rüstungskontroi labkommen bemühen.
Da jede dieser drei Komponenten wichtig ist, möchte ich sie gern etwas
eingehender vorstellen.
I. Die Reagan-Administration ist der Wiedergewinnung und danach der Aufrechterhaltung eines Niveaus der Verteidigungsstä'rke verpflichtet, die ausreichend
ist, vor einem jeglichen Angriff auf uns abzuschrecken. In Zeiten schwieriger
Beschränkungen beim Haushalt ist dies eine schmerzliche Verpflichtung, die
schon oft genug Konflikte hervorgerufen hat.
Die für die Verteidigung verwandten Mittel würden - für anderes ausgegeben - im öffentlichen Bereich eine ganze Menge Gutes bewirken. Aber wir
dürfen nicht vergessen, daß "die wichtigste soziale Dienstleistung, die eine
Regierung für ihr Volk tun kann, darin besteht, es am Leben und in Freiheit
zu halten." Es ist dies eine Verpflichtung, die zu vernachlässigen wir auf
gefährliche Weise nahegekommen sind.
Vor 18 Monaten begann die Reagan-Administration mit ihrem Programm der
Erneuerung der amerikanischen Verteidigung - und schon haben wir beträchtliche Fortschritte gemacht. Diese Fortschritte zeigen sich sowohl in einem
verbesserten Umgang mit den Mitteln als auch in erhöhten Mitteln.
Und dennoch ist dies erst ein Anfang - wenn wir in der Lage sein wollen,
unseren Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten gerecht zu werden und
vor einer sowjetischen Aggression abzuschrecken. Denjenigen, die behaupten,
wir könnten kein angemessenes Niveau der Verteidigung finanzieren, weil die
Mittel anderweitig gebraucht würden, kann ich nur sagen, daß sie eine falsche
Rechnung aufmachen. Die Ausgaben für Verteidigung können nicht durch das festgelegt werden, was von anderen Programmen übrigbleibt; vielmehr müssen sie
an der Bedrohung gemessen werden, vor der wir tatsächlich stehen. Und diese

- 2 -

�Und diese Bedrohung ist heute sehr real - und es ist eine zunehmende Bedrohung.
II.

Der zweite Weg, auf dem wir die Nation schützen können, besteht darin,

den Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten gerecht zu werden. Auch
dies ist eine Idee, die eine wechselvolle Geschichte hat. Von der Warnung
Washingtons vor erstickenden Allianzen bis hin zu heutigen Vorschlägen, die
sich für einen Abzug unserer Truppen aus Europa einsetzen, gab es in unserer
Nation immer einen starken Hang zum Isolationismus. Aber die Zeit, da dieser
Isolationismus durch die natürlichen Grenzen unserer Geographie gerechtfertigt wurde, ist lange vergangen. Wir können uns nicht mehr länger vormachen,
daß die Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten lediglich einem altruistischen Wunsch nach der Bewahrung ihrer Freiheit entspringen. Tatsache
ist doch, daß die Verteidigung ihrer Freiheit lediglich die Vorneverteidigung unserer eigenen Freiheit darstellt.
Trotz dieser Realitäten gibt es heute immer noch einige, die unserer
Verpflichtung gegenüber unseren Verbündeten kritisch gegenüberstehen - vor
allem jene, die wünschen, daß diese Administration ihre tiefe Verpflichtung
gegenüber der NATO vermindern sollte. Die NATO hat als eines der erfolgreichsten Bündnisse der Weltgeschichte Europa

die längste Friedensperiode der mo-

dernen Geschichte gebracht. Und ihre Lebensfähigkeit wurde erst kürzlich wieder durch den Beitritt Spaniens unterstrichen. Aber gerade weil sie so wirkungsvoll ist, ist sie auch ein zentraler Punkt der sowjetischen Strategie
in dem Bestreben, das Bündnis zu zerstören. Zugleich auch besteht die Versuchung, die Vorzüge der NATO als selbstverständlich anzusehen, während andere
wiederum fragen, ob das Bündnis die Anstrengung wert sei. All dies führt zu
Gerede über unausgeglichene Verteilung der Lasten - insbesondere in Zeiten
der angespannten Haushalte.
Wir dürfen nicht zulassen, daß solche Spannungen die höchst konkreten
Beiträge in den Schatten stellen, die unsere Verbündeten für ihre eigene
Verteidigung und für die Verteidigung anderer Staaten geleistet haben.Während
- 3 -

�Während der siebziger Jahre - dem Jahrzehnt der Vernachlässigung auf unserer
Seite - haben viele unserer Verbündeten beträchtliche Beiträge geleistet, um
unsere geschwächte Position zu stärken. Und auch in den letzten Jahren zeigen
sich im NATO-Raum eine ganze Reihe vielversprechender Entwicklungen, die die
anhaltende Verpflichtung unserer Verbündeten signalisieren. Ein Beispiel hierfür ist der Host Nation Support, die Unterstützung durch das Gastland, wodurch die Verteilung der Lasten innerhalb des Bündnisses verbessert und ein
wirkungsvollerer Einsatz der amerikanischen Streitkräfte möglich wird. Es bedarf weiterer Anstrengungen. Ja, wir alle müssen mehr tun. Aber vor allem müssen wir die NATO stark und einig halten.
In Erkenntnis der Bedeutung anderer Regionen, insbesondere Südwestasiens,
für das wirtschaftliche Wohlergehen des Westens beschäftigt sich die NATO
auch mit Problemen, die über ihren unmittelbaren Bereich hinausgehen. Wir
arbeiten zusammen mit unseren NATO-Verbündeten an Oberflugrechten, En-RouteZugang und Unterstützung für den Fall, daß es für unsere eigene Sicherheit
oder die des Westens notwendig werden sollte, unsere Macht im Mittleren Osten
oder anderswo zu projizieren. Vor kurzem zeigte der Falkland-Krieg, wie entscheidend es ist, für unerwartete Notfälle genauso gerüstet zu sein wie für
wahrscheinlichere Krisen.
Man sollte ferner festhalten, daß unsere Verbündeten in Europa wertvolle
Hilfe auch dadurch geleistet haben, daß sie einer Beteiligung an der Sinaiund anderen friedenserhaltenden Operationen zustimmten. Die Bereitschaft
Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Norwegens und der Niederlande, bei
der Aufrechterhaltung des Friedens in der von jeher unbeständigen Region des
Nahen Ostens mitzuhelfen, stellt einer entscheidenden Beitrag zur kollektiven
Sicherheit des Westens selbst dar.
Trotz unserer umfassenden Verpflichtung gegenüber unseren Verbündeten
müssen wir uns gelegentlich für Positionen stark machen, die ihnen Sorge bereiten. Wir haben unsere Verbündeten dazu ermutigt, ihre Verteidigungsausgar
ben zu erhöhen - genauso wie wir unsere eigenen erhöhen. So etwas ist nie

- 4 -

�ist nie eine populäre Forderung, aber eine notwendige. Desgleichen haben
wir alles in unserer Macht Stehende getan, um zu vermeiden, daß die bereits
ungemein offensive militärische Stärke der Sowjetunion noch zunimmt. Diese
Einstellung zeigt sich in unserer Politik hinsichtlich des Technologietransfers, der vorgeschlagenen sowjetischen Erdgasleitung nach Westeuropa und
hinsichtlich der Kredite. Notwendigerweise bereitet diese Politik einigen
unserer Verbündeten Sorge.
III. Die letzte Komponente unseres Sicherheitskonsens ist der Verfolg wirksamer Rüstungskontroi labkommen. Gleich zu Beginn dieser Administration kamen wir zu der Überzeugung, daß der beste Weg zur Erzielung eines dauerhaften Friedens mit den Sowjets darin bestünde, sie davon zu überzeugen, umfassenden und verifizierbaren RüstungsVerminderungen zuzustimmen, die auf beiden Seiten Gleichheit auf einem weit geringeren Niveau brächten, als wir es
derzeit haben.
Die Vereinigten Staaten haben ein umfassendes Rüstungsverminderungsprogramm vorgelegt, das die Beseitigung der landgestützten Raketen mittlerer
Reichweite, eine Verringerung der Gefechtsköpfe von strategischen ballistischen Raketen um ein Drittel sowie eine beträchtliche Verringerung der Landund Luftstreitkräfte der NATO und des Warschauer Paktes und neue Sicherungsvorkehrungen zur Verminderung des Risikos eines Krieges durch Zufall vorsieht. Wir haben diesen Prozeß jedoch nicht blindlings verfolgt. Wir haben
vielmehr vier entscheidende Kriterien festgelegt, an denen wir jeglichen
Rüstungskontroll Vorschlag messen werden:
Erstens bestehen wir auf bedeutsamen Verringerungen. Wir haben uns zur
Verringerung der Anzahl und des Zerstörungspotentials der Waffen verpflichtet - nicht nur zum Einfrieren auf einem hohen Niveau oder zur Legitimierung
noch weit höherer Niveaus, wie dies bei den bisherigen SALT-Abkommen der
Fall war.
Zweitens

�Zweitens streben wir Gleichheit an - und nichts weniger. Wir wollen Vereinbarungen, die zu beiderseitigen Verringerungen der effektiven Streitkräfte
auf ein gleiches Niveau führen. Wir sind der Überzeugung, daß diese Gleichheit absolut notwendig ist, wenn wir unserem Land eine angemessene Sicherheit
bieten wollen. Zur

Bemessung dieser Gleichheit konzentrieren wir uns auf die

Zerstörungskraft der Waffen - nicht nur auf Überlegungen wie etwa die Anzahl
der Startgeräte. Ein Startgerät als solches hat keine Zerstörungskraft, und
doch war dies der Maßstab, der bei SALT II benutzt wurde. Dem hatten die Sowjets natürlich zugestimmt, ja, sie hatten es sogar vorgeschlagen, denn es
ermöglichte ihnen, wie sie es noch jetzt zu dieser Stunde tun, sich noch mehr,
noch schwerere und noch zielgenauere tödliche Waffen zu beschaffen.
Drittens werden wir auf Verifizierbarkeit bestehen. Die Vereinigten Staa
ten werden die Bestimmungen der Rüstungskontrollabkommen sorgfältig erarbeiten und auf Maßnahmen bestehen, die eine Einhaltung auf beiden Seiten sicherstellen. Ich bin sicher, daß Sie die absolute Notwendigkeit dieses Erfordernisses einsehen.
In der Tat haben wir sehr gute Beweise dafür, daß die Sowjetunion das
Abkommen über den Nichtersteinsatz von chemischen Waffen gebrochen hat. Zudem hatten bestimmte sowjetische Versuche ausreichende Ausmaße, um ernste
Fragen hinsichtlich der Einhaltung der 150-Kilotonnen-Beschränkung des Atomtest-Schwellenvertrages aufkommen zu lassen. Diese beiden Punkte zeigen bereits die Notwendigkeit verbesserter Verifizierungsverfahren. In diesem Zusammenhang ist auch von Bedeutung, daß wir immer umfassende Verifizierung
vor Ort angeboten haben und dies auch weiterhin tun.
Wir sind noch immer weit entfernt von Grenville Clarks Utopie, wo es
Weltfrieden durch Weltrecht gibt. In der Welt, in der wir jetzt leben, bieten RüstungsVerminderungsabkommen ohne Einigung über angemessene und wirksame Verifizierung keine Sicherheit.
Schließlich werden wir darauf bestehen, daß die Rüstungskontrollverein-

- 6 -

�die RüstungskontrollVereinbarungen die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten auch wirklich erhöhen. Wir dürfen keine kosmetischen
Abkommen akzeptieren, die die Öffentlichkeit in einem falschen Gefühl der
Sicherheit wiegen. Manche von uns mögen der Meinung sein, daß einmal begonnene Verhandlungen zu einem Abkommen führen müssen - sogar dann, wenn es ein
für uns nicht gutes Abkommen ist. Ich fürchte, daß von dieser Argumentation
etwas in die SALT-Verhandlungen eingeflossen war.
Unser aller Furcht vor einem Atomkrieg hat einige dazu veranlaßt, sich
für Vorschläge einzusetzen, die.so gut sie auch gemeint sein mögen, eine
ernsthafte Bedrohung unserer Fähigkeit sind, wirkungsvolle Rüstungskontrollabkommen auszuhandeln. Zu jenen Vorschlägen zählen das "Nukleare Einfrieren"
und

der "Nichtersteinsatz".
Befürworter eines nuklearen Einfrierens glauben, daß Rüstungskontroll-

Verhandlungen eher erfolgreich wären, wenn wir vor dem erfolgreichen Abschluß dieser Verhandlungen die Bereitschaft erklärten, unsere nuklearen Kapazitäten auf dem gegenwärtigen Stand einzufrieren. Diese Haltung birgt verschiedene Gefahren in sich. Zunächst einmal legt sie der Sowjetunion, die
fast täglich ihre Nuklearkapazität verbessert und vergrößert, keine entsprechende Zurückhaltung auf...

Die Eindrierungsvorschläge könnten durchaus die

Stärke der Vereinigten Staaten beschränken und uns in eine Position der permanenten Unterlegenheit gegenüber den Sowjets bringen, ohne daß die Expansion der sowjetischen Stärke begrenzt würde.
Aber mit dem Einfrierungsvorschlag ist noch eine weitere Gefahr verbunden: Durch die Schwächung unserer Entschlossenheit, unsere nukleare Verteidigung zu stärken, würden die Befürworter des Einfrierens praktisch unsere
Fähigkeit zerstören, echte Rüstungsreduzierungen auszuhandeln...
Wir müssen weiterhin unsere Entschlossenheit zeigen, unsere nukleare Kapazität zu modernisieren, obwohl wir natürlich zutiefst hoffen, wichtige und
wirksame RüstungsreGuzierungsabkommen auszuhandeln. Nur durch die Aufrechter-

- 7 -

�die Aufrechterhaltung unserer Stärke können wir den erforderlichen Druck erzeugen, um die sowjetische Zustimmung zu vorteilhaften Rüstungsreduzierungsabkommen zu erlangen.
Darüber hinaus werden wir nur durch die anhaltende Modernisierung unserer
Kapazitäten bei gleichzeitigem Bemühen um faire Rüstungsreduzierungsabkommen
angemessen geschützt sein, sollten die Verhandlungen nicht zum Erfolg führen.
Nukleare Abschreckung mag eine unpopuläre Vorstellung sein, aber man kanndoch die Tatsache nicht widerlegen, daß sie funktioniert hat. Und denken Sie
doch nur einmal an die Alternative: eine militärische Stärke, die zu schwach
ist, um abzuschrecken. Es hat doch keinen großen Sinn, immer nur das banale
Klischee zu bringen, daß die beiden Supermächte über genügend Waffen verfügen, um sich gegenseitig in die Luft zu jagen. Wir müssen eine sorgfältigere
Analyse durchführen und werden dann sehen, daß die Sowjets die Treffgenauigkeit und Reichweite ihrer Raketen sowie ihre Fähigkeit gewaltig erhöht haben,
Vergeltungsschlägen standzuhalten - wir aber nicht. Wir hatten in der Vergangenheit genügend Abschreckungskraft - genug zur Verhinderung eines Atomkrieges und auch zur Verhinderung eines konventionellen Krieges zwischen den Supermächten. Wir können dieses entscheidende Element unserer Sicherheit nicht
aufgeben, solange es nicht durch wirkungsvolle und verifizierbare Rüstungskontrollabkommen ersetzt und die Irrtumsmarge hierbei nicht noch wesentlich
geringer wird.
Der Vorschlag eines "Nichtersteinsatzes" stellt eine andersartige Bedrohung unserer Sicherheit dar, indem er ein wichtiges Element beseitigt,
das nötig ist, um die Sowjetunion vor dem Einsatz ihrer ungeheuren konventionellen Kapazität abzuschrecken. Ich habe bereits auf den erstaunlichen
Zuwachs der konventionellen Kapazität der Sowjetunion hingewiesen, die ihre
Verteidigungserfordernisse bei weitem übersteigt und in der Tat ein gewal-....
tiges Offensivpotential darstellt. Diejenigen, die von den Vereinigten Staaten eine Erklärung des "Nichtersteinsatzes von Kernwaffen" fordern, vergessen, daß wir bereits eine Politik des Nichtersteinsatzes betreiben, die alle
unsere Waffen umfaßt - konventionelle wie nukleare. Unsere Waffen sind allein

- 8 -

�sind allein zur Verteidigung vorgesehen, und wir werden sie nicht einsetzen,
solange dies nicht notwendig ist, um unseren Frieden und unsere Sicherheit
zu gewährleisten. Aber die Erklärung einer Politik des Nichtersteinsatzes
von Kernwaffen ist eine offene Einladung an die Sowjetunion zum Einsatz ihrer konventionellen Stärke, um uns und unsere Verbündeten zu bedrohen. Denken wir doch nur daran, daß - so schrecklich die Vernichtungskraft von Kernwaffen ist - auch die konventionellen Waffen die Kapazität haben, uns einzuschüchtern und das zu zerstören, was wir wertschätzen. Bis wir echte RUstungsverminderungsabkommen ausgehandelt haben und auf unsere Fähigkeit vertrauen
können, eine glaubwürdige konventionelle Abschreckung zu erhalten, dürfen wir
uns unserer Fähigkeit nicht berauben, einer Aggression eine flexible Antwort
entgegenzusetzen.
Dies also sind die entscheidenden Elemente einer starken Verteidigung,
die die Reagan-Administration zu unterhalten anstrebt: angemessene und rechtzeitige Nachrüstung (und dies wird viele Jahre brauchen und wird sehr teuer
sein); feste Verpflichtung gegenüber unseren Verbündeten; und tatkräftiger
Verfolg wirksamer Rüstungsverminderung. All diese Elemente unterstützen sich
wechselseitig. Wir müssen über mehrere Jahre hinweg ein angemessenes Niveau
der Verteidigungsausgaben aufrechterhalten, um uns in die Lage zu versetzen,
unseren Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten nachzukommen und Anreize für eine Rüstungsverminderung zu bieten.
Unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten erhöhen den wirksamen Einsatz unserer eigenen Mittel und bieten zusätzliche Anreize für Rüstungsabbau.
Sinnvolle, verifizierbare Rüstungsverminderungen können zu wesentlichen
Verringerungen bei den Verteidigungsausgaben führen und ebenfalls unsere Fähigkeit zur Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten
erhöhen.
+ + + + +

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

32

18. August 1982

DIE HEIMSTATT ERDE BEWOHNBAR ERHALTEN
NASA-Chef Beggs plädiert für weltweite Gemeinschaftsprogramme

WIEN - (AD) - Auf der zweiten UN-Konferenz über die Erforschung und friedliche
Nutzung des Weltraums (UNISPACE '82, 9.-21. August 1982 in Wien) umriß James M.
Beggs, der Leiter des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) und Chef der amerikanischen Delegation, die Vorstellungen seiner Regierung von der Anwendung der Raumfahrttechnik zugunsten der Menschheit in einer programmatischen Rede.
Wir geben im folgenden die Ansprache Beggs vom 10. August 1982 auszugsweise
wieder:
"Fünfundzwanzig Jahre nach Beginn des Zeitalters der Raumfahrt und 14 Jahre
nach unserer ersten UN-Weltraumkonferenz kommen wir erneut in Wien zusammen, um
uns über den gegenwärtigen Stand und die künftigen Wege der friedlichen Nutzung
des Weltraums klar zu werden. Die vergangenen 25 Jahre waren von außergewöhnlichen
Errungenschaften in weltraumgestützten Aktivitäten gekennzeichnet - nicht nur
seitens der Vereinigten Staaten, sondern einer wachsenden Zahl von Ländern in aller
Welt. Die letzten Jahrzehnte waren auch von der führenden Rolle der Vereinigten Staaten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Vereinigten Staaten in den Wissenschaften vom Weltraum und der Anwendung der Raumfahrttechnik, häufig in enger Zusammenarbeit mit anderen Ländern, gekennzeichnet.
Mehr als 1 OOO Abkommen schlössen die USA bisher mit mehr als 100 Ländern,
um sie an den Vorteilen und dem Abenteuer der Raumfahrt teilhaben zu lassen. Ich
möchte hier sehr deutlich feststellen, daß die Vereinigten Staaten beabsichtigen,
ihre führende Rolle in der friedlichen Nutzung des Weltraums zu behalten und ihr
aktives und offenes Programm internationaler Zusammenarbeit fortzusetzen. In dieser
Sache spreche ich hier für Präsident Reagan, der das amerikanische Raumfahrtprogramm und seine Anwendung zur Verbesserung der Lebensbedingungen auf der Erde sehr
unterstützt.
Im Jahr 1968, zur Zeit der ersten UN-Weltraumkonferenz, gab es zwei bedeutende
Raumfahrtmächte, ein paar weitere Länder bemühten sich um Raumfahrtprogramme. Die
Vereinigten Staaten hatten gerade die Vorbereitungen für ihr dramatisches AP0LL0Projekt abgeschlossen, in dessen Verlauf zwölf Amerikaner auf dem Mond landeten
und sicher zur Erde zurückgebracht wurden. Zusammen mit dem SKYLAB-Programm eröffnete es die Möglichkeit, daß sich Menschen längere Zeit im Weltraum aufhalten.
Außerdem erfuhren unsere wissenschaftlichen Kenntnisse eine enorme Ausweitung.
Inzwischen haben wir in Amerika die Erprobung des Raumtransporters abgeschlossen,
den wir noch in diesem Jahr routinemäßig einsetzen wollen. Er erlaubt den zuverlässigen und kostengünstigen Transport in den Weltraum und eröffnet auch für die Zukunft neue und größere Gebiete für internationale Zusammenarbeit. Die meisten Planeten
in unserem Sonnensystem wurden bereits sondiert, und bis zum Ende dieses Jahrzehnts
werden unsere unbemannten Sonden mit Ausnahme des fernen Pluto alle Planeten besucht
haben. Wir haben Nachrichten-, Wetter-, Navigations- und Erderkundungssatelliten
gebaut und eingesetzt, die allen Völkern der Erde ungezählte Vorteile bringen.
Drei Entwicklungen in den vergangenen 14 Jahren sollten wir besonders beachten,
wenn wir unseren künftigen Weg planen:
- Zum Ersten

- 2 -

�- Zum Ersten ist das Tempo des Fortschritts in der Ausweitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und in der Anwendung der Raumfahrttechnik einfach erstaunlich.
Man denke nur an die kleine Kapsel, in der John Glenn, der erste amerikanische
Astronaut, die Erde umrundete, und an den 20 Jahre später gestarteten Raumtransporter!
Er ist ein Wunderwerk der Technik und verspricht, bis zum Ende dieses Jahrhunderts
das wichtigste Weltraumtransportsystem zu bleiben.
- Zum Zweiten gibt es heute weitaus mehr Nationen, die Weltraumprogramme verfolgen. Wissenschaftliche, wirtschaftliche und technische Anreize haben eine
wachsende Zahl von Ländern veranlaßt, auf die eine oder andere Weise und in mehr
oder weniger großem Umfang sich auf dem Gebiet der Raumfahrttechnologie und deren Anwendungen zu engagieren. Die Vereinigten Staaten begrüßen diese Entwicklung, das
daraus erwachsende Wissen und Anregungen für das noch immer verheißungsvolle Neuland menschlichen Strebens.
- Zum Dritten wird es immer wichtiger, Aktivitäten im Weltraum mit unseren
irdischen Erfordernissen in Beziehung zu setzen. Der Raumfahrt entspringende Neuerungen finden dank der Bemühungen auf dem privaten Sektor Eingang in zahllose Gebiete
menschlicher Tätigkeit.
Es ist zu erwarten, daß sich diese Tendenzen fortsetzen. Deshalb müssen zu
unseren vordringlichen Zukunftsaufgaben jene gehören, die uns helfen, unseren
Heimatplaneten Erde besser zu verstehen, die nationalen wirtschaftlichen Entwicklungen zu fördern und die Verbreitung von Fachkönnen zu unterstützen. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, ihr Teil zur Erlangung dieser Ziele beizutragen.

Mehr Verständnis für die Gegebenheiten auf der Erde
Das Vordringen in den Weltraum eröffnet nicht nur Einblicke in andere Welten,
sondern hilft uns auch, die Bedingungen für das Leben hier auf der Erde besser zu
erkennen, zu verstehen und entsprechend zu berücksichtigen. So sind sich die Vereinigten Staaten beispielsweise klar darüber, daß eine umfassendere Erforschung
von Umweltproblemen und verbesserte wissenschaftliche Vorhersagemethoden notwendig

- 3 -

�Vorhersagemethoden notwendig sind, um Probleme in bezug auf die generelle Bewohnbarkeit der Erde überhaupt wirksam anpacken zu können. Wir leben auf einem von
ständiger Veränderung geprägten Planeten, und es hat sich gezeigt, daß Beobachtungen
aus dem Weltraum von unschätzbarem Wert sind, Veränderungen zu erfassen, von denen
die Erde betroffen wird. Die Vereinigten Staaten führen heute eine Anzahl von Weltraumaktivitäten durch, die auf dieses Ziel gerichtet sind, und wir sehen, daß auch
andere Regierungen und internationale Institutionen sich in dieser Hinsicht bemühen. .
Unseres Erachtens ist es wichtig, daß man beginnt, über weltweite Bedingungen
in größeren Dimensionen nachzudenken. Im Besonderen stellen wir uns ständige und langfristige Forschungsanstrengungen im Rahmen internationaler Zusammenarbeit vor, um die
Grundlage von Daten und Wissen auszuweiten, von der aus hinsichtlich der Umwelt vernünftige Entscheidungen getroffen werden können. Durch besser organisierte Anstrengungen können wir den Wert und die Zuverlässigkeit verfügbarer Informationen verbessern
und systematischer eine Basis für die Bewertung und für Maßnahmen in bezug auf langfristige Prozesse in den weltweiten Veränderungen schaffen. Die Raumfahrttechnik
wird zu einem noch wertvolleren Instrument, wenn sich die Aufmerksamkeit auf Entwicklungen konzentriert, die die Bewohnbarkeit unserer Erde beeinflussen.
Hier auf der Konferenz und in den kommenden Monaten werden die Vereinigten
Staaten mit anderen Regierungen und internationalen Institutionen ein globales
Konzept über die Bewohnbarkeit unserer Erde erörtern. Wir sähen gerne die Frage entschieden, ob wirksamere, gemeinsame langfristige Anstrengungen auf weltweiter Basis
durchführbar sind. Meine Regierung ist überzeugt, daß ein solches Gemeinschaftsunternehmen allen Ländern der Welt, Industrieländern wie Entwicklungsländern, zugutekommen'
wUrde.
»

Darüber hinaus können Raumfahrttechnologien allen Ländern, insbesondere Entwicklungsländern, helfen, bevorstehende Naturkatastrophen eher zu erkennen und sich
besser darauf einzustellen. Um dies zu erreichen, schlagen wir zwei Projekte vor:

- Schaffung einer

�- Schaffung einer Arbeitsgruppe für das Nachrichtenwesen in der Katastrophenhilfe mit Unterstützung der UN-Weltraumabteilung, um die Möglichkeit zur Einrichtung eines globalen Nothilfe-Satellitennachrichtensystems bei Katastrophenfällen zu untersuchen.
- Um herauszufinden, wie Raumfahrttechnologien am besten für Maßnahmen bei
Naturkatastrophen eingesetzt werden können, soll im Frühjahr 1984 unter der Schirmherrschaft des US-Amtes für Internationale Entwicklung (AID) eine fünftägige
Konferenz in Washington abgehalten werden. Auf dieser Konferenz würde man die gegenwärtigen operationellen Systeme, in der Entwicklung befindliche regionale Systeme
und künftige Technologien prüfen, die für den Aufbau eines weltweiten Katastrophenmelde- und Frühwarnnetzes eingesetzt werden könnten.
Um zu einem besseren Verständnis der Erde beizutragen, machen die Vereinigten
Staaten den Teilnehmern der UNISPACE-Konferenz außerdem einen speziellen Index von
LANDSAT-Aufnahmen mit den besten Fotos zugänglich, die in den letzten zehn Jahren
von LANDSAT 1, 2 und 3 gemacht wurden. Die Kataloge enthalten Querverweise auf die
neuen, vom Geologischen Bundesamt der Vereinigten Staaten erstellten Karten. Die
durch das LANDSAT-Programm erlangten Daten sind jedem Land zugänglich und unerläßlich, um auf unserer Erde Ressourcen zu erkennen und zum Wohl der Menschheit
einzusetzen.

Hilfe bei der Wirtschaftsentwicklung
Viel wurde schon über die verheißungsvollen Möglichkeiten der Raumfahrttechnik
für die nationale Wirtschaftsentwicklung geschrieben und gesprochen. Nur zu leicht
wird dabei die Tatsache übersehen, daß bei der Anwendung der Raumfahrttechnik drei
Dinge wesentlich sind: Es müssen Prioritäten gesetzt, knappe Ressourcen nach einem
Schlüssel verteilt werden, und die Verwaltung muß nach wissenschaftlichen Grundsätzen sorgfältig arbeiten. Die Raumfahrttechnik ist verheißungsvoll, und mit ihrer
Anwendung ist in Zusammenarbeit mit anderen Regierungen und dem privaten Sektor
vieles zu erreichen. Der Prozeß der Technologie-Anwendung läuft jedoch nicht zum
Nulltarif, und er sollte nur nach sorgfältig getroffenen Entscheidungen seitens

- 5 -

�Entscheidungen seitens der Regierungen in Angriff genommen werden. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, bei diesem Prozeß durch mehrere Programme, die sich als erfolgreich erwiesen haben, Hilfestellung zu leisten:
- Die Vereinigten Staaten haben über das AID-Satellitenprogramm für ländliche
Gebiete gemeinsam mit Entwicklungsländern begonnen, die Anwendung von Nachrichtensatelliten für Entwicklungsaufgaben zu fördern. Wir führen Pilotprogramme für Tele- •
fonnetze und Konferenzschaltungen, für Unterricht, Forschung und Entwicklung sowie
für Informationszwecke und für Beratungen durch. Um die Ergebnisse dieser Bemühungen •
einem größeren Kreis zur Kenntnis zu bringen, werden die USA im Jahr 1985 eine
internationale Konferenz über Satellitenkommunikation in Landregionen abhalten.
- In Kürze beginnt die praktische Erprobung einer billigen Satellitenempfangsstation mit solarer Energiequelle. (Diese betreibt außerdem eine Wasserpumpe, eine
Getreidemühle und einen medizinischen Kühlschrank, in dem Impfstoffe und Medikamente
aufbewahrt werden.) Das Ganze ist speziell für Entwicklungsländer konstruiert und auf
deren Bedürfnisse ausgerichtet. Die Resultate und technischen Daten der Erprobung
macht AID über sein Satellitenprogramm für ländliche Gebiete verfügbar. Die
Kombination, in Zusammenarbeit zwischen amerikanischen Regierungstellen und
Industrie geschaffen, soll für Entwicklungsländer die Kosten für Bodenstationen
senken und ihnen eine zuverlässige regenerative Energiequelle an die Hand geben.

Wissen und Können mit anderen teilen
Alle solche Programme funktionieren aber nur, wenn das technische Können für
ihre Durchführung Verbreitung findet. Der vorläufige Konferenzbericht betont zu
Recht, daß es notwendig sei, Ausbildungsprogramme vor allem für Techniker und
Wissenschaftler von Entwicklungsländern auszuweiten. Auch die Vereinigten Staaten sind
dieser Überzeugung und werden im Rahmen dieser Konferenz sowie während des bevorstehenden, von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) geförderten WeltJahres für
Kommunikation wesentlich zu Ausbildungsprogrammen und deren Verbesserung beitragen.
Ich bin

�Ich bin sicher, daß künftige Entwicklungen im Weltraum nicht weniger dramatisch
sein werden als jene, die sich seit 1968 ergaben. Denn ich glaube, daß wir über
die dafür notwendigen menschlichen Ressourcen, die Phantasie und das technische
Können verfügen und entschlossen sind, die Entwicklungen in der friedlichen
Nutzung des Weltraums zu beschleunigen. Der Weltraum wurde als "Grenze ohne Ende"
bezeichnet. Und wenn wir an das kommende Vierteljahrhundert und an die Zeit danach
denken, so ist das Potential zur Erforschung und Nutzbarmachung des Weltraums zum
Wohle aller Menschen grenzenlos wie der Raum selbst. Ich bin sicher, daß die
Menschenfamilie diesem Potential gerecht werden wird. Neue Herausforderungen,
neue Abenteuer, die Ressourcen neuer Welten sind für uns in Reichweite gelangt.
Es liegt an uns, nach ihnen zu.greifen. Der Drang, das Unbekannte zu entdecken,
ist ein Grundzug des Pioniergeistes, der für die Welt so viel bedeutet. In diesem
nie endenden Forschen wollen die Vereinigten Staaten mit allen Nationen zusammenarbeiten, um unserer Generation und künftigen Generationen auf unserem Planeten
Frieden und Wohlstand zu bringen.
+++++

- 7 -

�32

18. August 1982

PERSÖNLICHE FREIHEITEN UND NATIONALE SICHERHEIT
- Von William Clark -

William Clark ist Sicherheitsberater des
amerikanischen Präsidenten. Diesem Artikel
liegt eine Rede Clarks vor der Amerikanischen
Anwaltskammer in San Franzisko zugrunde.
- (AD) - Die Prinzipien der persönlichen Freiheit sind einfach - und offenkundig: Mord ist unrecht. Folter ist unrecht. Zensur ist unrecht. Totalitäre
Diktaturen sind unrecht; Demokratie und die Ausbreitung von Demokratie sind das
beste Mittel, um weltweit die persönliche Freiheit zu garantieren.
Aber die Umwandlung dieser Grundsätze in Politik ist eine komplexe, schwierige
Aufgabe. Und sie wirft eine Diskussion über die Methoden auf - nicht über die Grundsätze selbst.
Ein entscheidender Teil dieser Debatte ist das komplexe Verhältnis zwischen
der Förderung der Sache der persönlichen Freiheit und den Erfordernissen der
nationalen Sicherheit - insbesondere hinsichtlich jener Länder, bei denen es so
offensichtlich um unsere eigenen nationalen Sicherheitsinteressen geht.
Ungeachtet der

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Telex: 8-85432

�Ungeachtet der Behauptungen mancher Leute, daß die miteinander in Widerspruch
stehenden Forderungen nach persönlicher Freiheit und nationaler Sicherheit einander
unversöhnlich gegenüberstehen, ist dies nur in einem oberflächlichen Sinn der Fall.
Die Reagan-Administration ist der Überzeugung, daß ein starkes Amerika - ein
Amerika, dessen nationale Sicherheit gewährleistet ist - auch gut für die persönlichen Freiheiten in der ganzen Welt ist. Keine Nation wird bei ihrem Bemühen
um persönliche Freiheiten Erfolg haben, wenn sie selbst als schwach angesehen wird, '
wenn der Eindruck besteht, sie befände sich auf dem Rückzug und sei ihrer selbst
nicht sicher.
Von den beiden Großmächten der heutigen Zeit bemühen sich lediglich die
Vereinigten Staaten um die persönliche Freiheit auf eine mehr als oberflächliche
Weise. Die gewaltige Macht der Sowjetunion wird eingesetzt, um die persönlichen
Freiheiten zu unterdrücken, nicht aber zu fördern. Diese Tatsache - so scheint mir -,
ist der Beginn geopolitischer Weisheit in unserem Zeitalter. Sie ist durch Befragen
verifizierbar - fragen wir doch die Polen, die Afghanen, die Kambodschaner.
Würden sich die Vereinigten Staaten für Optionen einsetzen - wie dies manche
gern von uns erwarten -, die unsere nationale Stärke mindern würden, dann würde die
Sowjetunion weltweit noch stärkeren Einfluß erlangen, und die Sache der Freiheit würde
in der ganzen Welt leiden.
Die Vereinigten Staaten haben den positiven Wandel in Richtung auf Demokratie
in Spanien und in Portugal unterstützt. Die Vereinigten Staaten haben sich intensiv
für die im vergangenen Jahr in Honduras, El Salvador, Costa Rica und der Dominikanischen Republik abgehaltenen Wahlen eingesetzt. Die Vereinigten Staaten unterstützen
intensiv die Regierung der Türkei bei deren Plänen zur Wiederherstellung der
konstitutionellen Demokratie im kommenden Jahr.
Wir sind auch bestrebt, unserer traditionellen Verpflichtung gegenüber den
persönlichen Freiheiten in jenen Weltgegenden gerecht zu werden, wo unser Einfluß
notwendigerweise weniger direkt zum Tragen kommt. Osteuropa liegt weit von uns -

- 2 -

�von uns - sowohl was die Entfernung, als auch die politische Philosophie anbelangt.
Da gab es Leute, die dachten, wir würden dem Kampf um Freiheit in diesem Raum unbeteiligt gegenüberstehen.
Nach vier Jahrzehnten des Krieges, der Besetzung und des Totalitarismus war
Polen gerade dabei, die frische Luft der Freiheit zu spüren; diese Bewegung in
Richtung auf die Freiheit brachte die Sowjetunion nicht nur zu der Befürchtung,
daß ihr Griff um Polen sich lockern, sondern daß ihr gesamtes Imperium angesteckt
werden könnte. Wir reagierten tatkräftig auf die Kriegserklärung der polnischen
Regierung gegenüber ihrem eigenen Volk. Wir haben gegen die polnische Regierung
Sanktionen verhängt, aber auch gegen die sowjetische Regierung, deren Einschüchterung in großem Maß für die Ereignisse des 13. Dezember verantwortlich war.
Allerdings gab es unsere Sanktionen, wie kostspielig sie auch für jene sind,
die die Gewalttaten in Polen verüben, nicht umsonst: Das Embargo bei wichtigen
Industriegütern kostet unserer Industrie Hunderte von Millionen Dollar - und dies
in einer Zeit großer Arbeitslosigkeit in diesem Land. Auch unser Beharren auf
strikter Einhaltung der Sanktionen verursachte Reibungen mit unseren Verbündeten etwas, das wir zu allen Zeiten unbedingt zu vermeiden wünschen.
Am 29. Dezember hatten wir den Eindruck, keine andere Wahl zu haben: Es ging
um die höchsten Prinzipien. Die Freiheiten der Polen schützen auf indirekte, aber
greifbare Weise unsere eigenen Freiheiten; ihr Schaden ist unser Schaden. Würden
wir unsere Verpflichtung gegenüber der Freiheit kurzfristigen wirtschaftlichen oder
auch politischen Vorteilen opfern, so würde dies uns von genau dem Erbe entfernen,
das uns zu einem starken und bewunderten Volk gemacht hat.
Die amerikanische Stärke kann genauso viel für die Menschlichkeit und die
persönlichen Freiheiten wie für die nationale Sicherheit erreichen. Aber diese
Leistungen können nur dann erbracht werden, wenn erstens Amerika stark ist - militärisch, moralisch, politisch und wirtschaftlich - und wenn zweitens auch die
anderen Staaten unsere Verpflichtung gegenüber der Verteidigung unserer Grundsätze,
einschließlich der Verteidigung der persönlichen Freiheiten

- 3 -

JJTI

internationalen

�im internationalen Rahmen, als fest ansehen. Die bisherigen Leistungen dieser
Administration sind genügend Beweis für die Erfüllung jener Verpflichtung.
Unsere aktive Unterstützung der persönlichen Freiheiten im internationalen
Rahmen sind auch für unsere nationale Sicherheit gut. Unsere wichtigsten Verbündeten sind alle Demokratien, während kein einziger Verbündeter der Sowjetunion eine
Demokratie ist. Eine demokratischere Welt wird eine Welt sein, in der gerade wir
noch mehr Freunde und noch mehr nationale Sicherheit haben werden.
Wir erkennen die Tatsache an, daß die verschiedenen Vorstellungen von Freiheit
normalerweise tief in der Geschichte und der Politik einer Gesellschaft verwurzelt
sind und schon aus diesem Grund Probleme, die mit der persönlichen Freiheit zusammenhängen, nicht rasch gelöst werden können. Versuche zu einem abrupten Obergang
oder gewaltsamer politischer und sozialer Veränderung führen oft nur zu noch größerer
Verletzung der Menschenrechte.
Der erstmalige Aufbau einer Demokratie in einem sich entwickelnden Land bedarf
der umfassenden Umwandlung und politischen Reform. Aber wenn es auch eine Aufgabe
ist, die Geduld und Hingabe erfordert, so ist es doch letztlich die sicherste
Garantie für die persönlichen Freiheiten. So entfaltete sich die Demokratie in
Spanien allmählich, aber erfolgreich - und sie wurde erreicht trotz der Hindernisse,
von denen man den Eindruck hatte, sie seien zu groß, um von den Befürwortern der
Demokratie überwunden zu werden.
Amerikas Verpflichtung zur Ausübung seiner Macht im Namen der persönlichen
Freiheiten bringt besondere Verantwortlichkeiten mit sich, die manche kleineren
Länder sicherlich zu vermeiden in der Lage sind. Um es offen zu sagen: Es ist für
Staaten leicht, eine kleinere Rolle in der Weltpolitik zu spielen und kompromißlosen
Perfektionismus in Situationen zu fordern, bei denen sie nicht unmittelbar betroffen
sind. Diese Länder können - und tun dies manchmal - auf absoluter moralischer Reinheit in der Türkei, in El Salvador oder in anderen Ländern bestehen, wo es um unsere
Sicherheitsinteressen geht. Diesen Ländern kostet ihre Rhetorik praktisch nichts.
Als die

�Als die Reagan-Administration ihre Arbeit in Washington aufnahm, herrschten
hinsichtlich der Menschenrechte extreme Vorstellungen. Ein Extrem besagte, daß die
in anderen Staaten praktizierten Menschenrechte keinerlei Auswirkungen auf unsere
Beziehungen mit diesen Staaten haben sollten. Das andere Extrem besagte: Unsere
Verurteilung der Menschenrechtsverletzungen in diesen anderen Staaten sollte keine
Rücksicht auf unsere nationale Sicherheit nehmen. Die beiden extremen Sichtweisen
hatten dennoch etwas gemein: Sie waren sich darin einig, daß die menschlichen Freiheiten und die nationale Sicherheit unvereinbarliche Forderungen stellen und daß
wir genötigt wären, uns unter Ausschluß der jeweils anderen für eine zu entscheiden.
Diese Administration ist anderer Meinung. Wir müssen versuchen - und wir versuchen -, unsere nationale Sicherheit sogar in jenen Regionen der Welt zu schützen,
wo es bedauernswerte Verletzungen der persönlichen Freiheit geben mag. Warum? Weil
unsere eigene nationale Sicherheit davon abhängt, Freiheit und persönliche Freiheiten
in der ganzen Welt zu sichern.
Lassen Sie mich, gestützt auf umfassende Beobachtungen bezüglich der persönlichen Freiheit und der nationalen Sicherheit, auf sieben Richtlinien hinweisen,
die diese Administration in ihrem Versuch befolgt, die Freiheit des einzelnen zu
fördern, während gleichzeitig an nationalen Sicherheitserfordernissen festgehalten
wird. Es sind dies:
2. Die Verpflichtung zur Effektivität - Gutes zu leisten, statt nur gut auszusehen. Ankündigungen und Reden allein bewirken noch keine effektive Politik.
2. Unsere Effektivität basiert auf einem größeren Einsatz der traditionellen
Politik, statt auf öffentlicher Verurteilung.
3. Die Verpflichtung, daß die Vereinigten Staaten eine beständige und verläßliche Kraft in internationalen Angelegenheiten bleiben werden. Andere Regierungen
müssen wissen, daß die USA ein verläßlicher Freund und - wenn nötig - ein entschlossener Gegner sein werden.
4. Eine positive

- 5 -

�4. Eine positive Einstellung zur Natur des Menschen, um Ziele zu erreichen,
die mit unseren Idealen in Einklang stehen. Im Herbst vergangenen Jahres erklärte
ich in einer Rede: "Wir sind bemüht, gerade auf jenen Grundzügen des internationalen
Lebens aufzubauen, die einige Kreise abschaffen wollen - nationale Unterschiede,
nationale Interessen und nationaler Stolz. Wenn sie in die richtige Bahn gelenkt
werden, dann können diese Strömungen des internationalen Lebens genutzt werden, um
eine gerechte und friedliche Weltordnung zu schaffen. Gerade auf einer solchen
konstruktiven Nutzung der Natur des Menschen, nicht auf ihrer Zurückweisung, basierten die friedlichen Abschnitte in der Geschichte der Welt."
Wir wollen den Menschen nicht ummodeln und die Elemente des menschlichen Zusammenlebens nicht neu bestimmen; wir wollen uns auf die grundlegenden menschlichen
Erfordernisse berufen und anderen Nationen die Richtung zum Frieden, zur Demokratie
und zur persönlichen Freiheit weisen.
5. Die Besorgnis über die Verletzung der persönlichen Freiheiten von jeder
nur möglichen Seite - von Seiten der Regierung oder von anderer Seite. Eine zur
Regierung in Opposition stehende Gruppe, die sich des Terrorismus, des Mordes, der
Folter, der Unterdrückung einer freien Presse oder der Einmischung in die Gerichtsbarkeit bedient, ist für die Betroffenen genau so schrecklich wie die Unterdrückung
von offizieller Seite.
6. Die Verpflichtung, sich der Ausweitung der Diktatur zu widersetzen. Direkte
Aggression, Guerrillakrieg und Terrorismus werden von der Sowjetunion und von
Libyen angewandt, um Demokratien zu unterminieren und Diktaturen dieser Machart
zu unterstützen.
7. Die Verpflichtung zu einer weltweiten Kampagne für die Demokratie, die der
Präsident in seiner kürzlichen Rede vor dem britischen Parlament aufgezeigt hat.
Wir müssen dazu beitragen, daß die demokratischen Institutionen wie eine freie
Presse, unabhängige Rechtssysteme, demokratische politische Parteien, freie Kirchen
und freie Universitäten gestärkt werden.
Die Demokratie

- 6 -

�Die Demokratie ist auf freien Institutionen aufgebaut: Dies ist die Lehre
unserer eigenen Geschichte. Eine Politik der persönlichen Freiheit kann nicht
nur eine Angelegenheit von Kritik und Sanktionen sein; ihr Kern muß die Förderung
und Unterstützung derjenigen sein, die überall in der Welt Demokratien praktisch
schaffen.
Das Recht eines Volkes, sich selbst zu regieren, ist wohl die höchste der persönlichen Freiheiten. Solange es keine Selbstregierung gibt, ist die Verwirklichung
der persönlichen Freiheiten niemals gewährleistet.
Die Stärke und der Wille Amerikas sind für die Verbreitung der persönlichen
Freiheit auf der ganzen Welt von wesentlicher Bedeutung. Beide sind Vorbedingungen
dafür, die Sache der persönlichen Freiheiten zu einem Zentralpunkt unserer Außenpolitik zu machen. All dem liegt eine Tatsache zugrunde: Jeder, der sich wirkungsvoll fUr die persönlichen Freiheiten einsetzen will, muß dies in klarer Erkenntnis
der größten Bedrohung dieser Freiheiten tun - dem Anwachsen totalitärer Macht und
dem Ansturm einer Ideologie, die eine jegliche Verletzung der persönlichen Freiheit
rechtfertigt, solange sie im Namen des Staates geschieht.
Es ist ein Widerspruch in sich, von einer "übermäßigen Furcht vor dem
Kommunismus" zu sprechen und gleichzeitig die Sache der persönlichen Freiheit
fördern zu wollen. Die Marxisten-Leninisten glauben der Definition ihrer Sache nach
nicht an die Menschenrechte, die persönlichen Freiheiten oder das Gewissen des
einzelnen. Sie glauben an die Anhäufung staatlicher Macht und letztlich an die
Ausdehnung dieser Macht auf jede Nation, die auf dieser Erde lebt.
Wie Präsident Reagan kürzlich erklärte, ist dieser Versuch einer weltweiten
Unterdrückung der Freiheit die Tragödie unserer Zeit und das bedeutsamste neue Ereignis unserer Generation.
+++++

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�Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. August 1982

32

RAUMTRANSPORTER STARTET DEUTSCHES FORSCHUNGSGERÄT
FÜR RÖNTGEN-ASTRONOMIE

WIEN - (AD) - Eine Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und
der Bundesrepublik Deutschland über den Start eines deutschen Forschungssatelliten für die Röntgenastronomie wurde von NASA-Administrator James M.
Beggs und Staatssekretär Hans-Hilger Haunschild vom Bundesministerium für
Forschung und Technologie (BMFT) am 8. August 1982 in Wien unterzeichnet.
Das zwei Tonnen schwere Gerät (Röntgensatellit - ROSAT) soll im Jahr 1987
mit dem amerikanischen Raumtransporter gestartet und auf eine Umlaufbahn in
500 km Höhe gebracht werden.
Der Forschungssatellit wird mit einer Anzahl hochempfindlicher Instrumente ausgerüstet. Er gibt Wissenschaftlern die Möglichkeit, neue Informationen über Größe, Ort und Zusammensetzung von Himmelskörpern zu erlangen.
Ein sogenanntes Röntgenteleskop an Bord soll die erste umfassende Durchmusterung des Firmaments nach Quellen von Röntgenstrahlung im All und die eingehende Beobachtung einzelner Objekte erlauben, die Röntgen!icht aussenden.

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D 5300 Bonn 2
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�Röntgenlicht aussenden. Dieses kann an der Erdoberfläche nicht registriert
werden, weil die Erdatmosphäre kosmische Röntgenstrahlen absorbiert. Ein Teleskop, ein Bilddetektor sowTe eine Kamera (letztere trägt der britische Forschungsrat für Wissenschaft und Technik zu dem Projekt bei) registrieren die
Objekte auf einem Film. Bisher sind vor allem durch amerikanische Forschungssatelliten ca. 1500 Quellen von Röntgenstrahlung im All erfaßt worden.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Das Atlantische Bündnis ist stark&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview des amerikanischen Präsidenten mit "Le Figaro" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Rüstungskontrolle und Bündnisbeziehungen Kern der US-Verteidigungspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Anwaltskammer in San Franzisko -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Heimstatt Erde bewohnbar erhalten&lt;br /&gt;NASA-Chef Beggs plädiert für weltweite Gemeinschaftsprogramme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Persönliche Freiheiten und nationale Sicherheit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von William Clark -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumtransporter startet deutsches Forschungsgerät für Röntgen-Astronomie</text>
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                    <text>nroimocion
und
Dokumentation
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Embassy of the United States of America
11. August 1982

31
INHALT
DOKUMENTATION

GRUSSADRESSE REAGANS AN DIE DELEGIERTEN DER UN-WELTRAUMKONFERENZ
INFORMATION
MARTIN S. FELDSTEIN ZUM NEUEN VORSITZENDEN DES WIRTSCHAFTSBEIRATES
DES PRÄSIDENTEN NOMINIERT
KOHLE - DIE BESTE ENERGIEQUELLE
- Ergebnis einer Studie des Wirtschaftskomitees im US-Kongreß HINTERGRUND
KONGRESS UNTERSTÜTZT REAGANS RÜSTUNGSKONTROLLPOLITIK
- Von unserer Korrespondentin Mary C. Smith DAS BEHARRLICHE STREBEN DER USA NACH NUKLEARER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas GETREIDE UND TECHNOLOGIE - EIN ENTSCHEIDENDER UNTERSCHIED
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas WELTKULTURKONFERENZ DER UNESCO BETONT WERT DER PRESSEFREIHEIT
- Von unserer Korrespondentin Mildred Sola Neely WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MELDEZENTRALEN IM WELTRAUM
- Satelliten als Relais- und Erderkundungsstationen -

Um Über/endun9 von
ßck&lt;)cxcmplorcn
wird gebeten

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�Dokumentation

i
31

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11. August 1982

GRUSSADRESSE AN DIE DELEGIERTEN DER UN-WELTRAUMKONFERENZ

WIEN

- (AD) - Im Verlauf eines von den Vereinigten Staaten getragenen

Gala-Abends wandte sich der amerikanische Präsident Ronald Reagan am 10.
August 1982 per Videofilm an die Delegierten der UN-Weltraumkonferenz, an
der vom 9.-21. August Repräsentanten von fast 150 Staaten teilnehmen und
die sich mit den Problemen der Erforschung und der friedlichen Nutzung des
Weltraums beschäftigt. Dabei hatten die Teilnehmerstaaten auch die Möglichkeit, im Rahmen eines Nationalabends als Gastgeber aufzutreten, wobei zu dem
amerikanischen Programm neben der Grußadresse Präsident Reagans auch eine
Lesung des Autors James Michener sowie Reden amerikanischer Astronauten
gehörten.
Die Grußadresse des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vor dreizehn Jahren setzten zwei amerikanische Astronauten - Neil
Armstrong und Edwin Aldrin - als erste Menschen ihren Fuß auf den Mond.
Dort stellten sie eine Plakette auf, die die folgenden Worte trug: "We
Came In Peace For All Mankind"
heit).

(Wir kamen in Frieden für die ganze Mensch-

Diese Plakette steht noch heute auf der Mondoberfläche, um den Geist

des amerikanischen Weltraumprogramms zu symbolisieren - jetzt und auch in Zu-

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�in Zukunft.
Wir sind stolz auf unsere Leistungen bei der Erforschung des Weltalls.
In nur einem Viertel Jahrhundert haben wir eine Menge an neuem Wissen über
unser Sonnensystem, über die Sterne, über das Universum und über unsere
eigene zerbrechliche Erde zusammengetragen. Wir sind dabei, herauszufinden, woher wir kommen und was die Zukunft für unseren Planeten und für uns
alle bereithält, die wir auf ihm leben. Die zahllosen Vorteile, die sich
aus unserem Raumfahrtprogramm ergeben haben, sind allen Völkern dieser Welt

„,

zuteil geworden. Kommunikationssatelliten verbinden weitentfernte Erdteile
miteinander. Die Untersuchung der Erdatmosphäre und der Erdoberfläche vom
Weltraum aus hilft dabei, die Rohstoffe dieser Erde zum Vorteil aller zu
nützen. Und Wettersatelliten geben uns auf weltweiter Basis Informationen,
die uns in die Lage versetzen, die Naturelemente

vorherzusagen, die unser

Leben gestalten, - und uns auf sie einzustellen.
Seit Beginn des amerikanischen Raumfahrtprogramms haben wir die internationale Zusammenarbeit betont. Ich bin sehr stolz darauf, daß die meisten
unserer großen Raumfahrtprojekte unter der Beteiligung anderer Staaten durchgeführt wurden. Ja, die internationale Zusammenarbeit ist elementarer Bestandteil von Form und Wesen unseres zivilen Raumfahrtprogramms.
Diese Zweite UN-Konferenz über die friedliche Nutzung des Weltraums
bietet den Führungspersonen in der ganzen Welt die noch nie dagewesene Möglichkeit, den Kurs für größere Zusammenarbeit zwischen den Staaten bei der
Erforschung der letzten und endlosen Grenze der Menschheit abzustecken.
Der Dichter Archibald MacLeish hat es bered : in diese Worte gefaßt:
"Die Erde - sie trägt uns alle... Brüder sind wir auf diesem strahlenden
Wunder in der ewigen Kälte".
Entschließen wir

- 2 -

*

�Entschließen wir uns zur Zusammenarbeit, um sicherzustellen, daß die
Wohltaten des Weltraums auch weiterhin zu einer leuchtenden und friedvollen
Zukunft auf Erden beitragen. Und stecken wir neue Wege zu den Sternen ab,
damit sie uns als Straßen der friedlichen Forschung und der Wagnisse für
unsere Generation wie auch für die kommenden Generationen dienen mögen.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche und fruchtbare Konferenz. Ich
danke Ihnen, und Gott schütze Sie alle.

- 3 -

�31

11. August 1982

MARTIN S. FELDSTEIN ZUM NEUEN VORSITZENDEN DES WIRTSCHAFTSBEIRATES
DES PRÄSIDENTEN NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Martin S. Feldstein, der am 6. August 1982 von Präsident
Reagan zum neuen Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten nominiert
worden ist, wird - sobald der Senat die Ernennung bestätigt hat - Murray
Weidenbaum ersetzen, der seine akademische Lehrtätigkeit wieder aufnehmen wird.
Bei Bekanntgabe der Nominierung erklärte Larry Speakes, der stellvertretende
Pressesprecher des Weißen Hauses: "Der Präsident ist überzeugt, daß er (Feldstein)
der beste Mann für diese Aufgabe ist." Diese Ansicht wird auch von Feldsteins
Kollegen geteilt: "Ich freue mich über die Berufung von Marty Feldstein sehr",
erklärte Walter W. Heller, Wirtschaftsprofessor an der University of Minnesota
und unter den Präsidenten Kennedy und Johnson ebenfalls Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten. Heller zufolge vertritt Feldstein eine angebotsorientierte Wirtschaftstheorie, die die Angebotskapazitäten der Wirtschaft vor
allem durch Investitionen und Spartätigkeit fördern möchte. Außerdem unterstütze
er selektive Steuerermäßigungen und habe klare Vorstellungen darüber, wie die
Haushaltsdefizite verringert werden könnten.
Auch Herbert

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�Auch Herbert Stein, Wirtschaftsprofessor an der University of Virginia
und während der Nixon-Administration ebenfalls Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, bezeichnete Feldstein als einen Spezialisten, der "ungemein
qualifiziert" sei und den man in der Welt der Wirtschaftswissenschaft überaus
schätze: "Seine besondere Stärke ist die langfristige, empirische Analyse von
Wachstum, Produktivität und Effizienz. Daher glaube ich, daß er bestens für
die grundsätzlichen Interessen dieser Administration geeignet ist."
Der 42-jährige Feldstein gehört zu der einflußreichen Gruppe jüngerer
Wirtschaftswissenschaftler, die der Meinung sind, daß die Ideen und Rezepte von
John Maynard Keynes nicht mehr für die amerikanische Volkswirtschaft der achtziger
Jahre angemessen sind. Er verweist darauf, daß derzeit eine "umfassende Revolution
des wirtschaftlichen Denkens" stattfindet, die schließlich zu einer realistiscneren
Einstellung gegenüber Arbeitslosigkeit, höherer Spartätigkeit und der angemessenen
Rolle des Staates in der Volkswirtschaft führen werde.
Nach Bestätigung durch den Senat wird sich Feldstein von der Harvard-Universität beurlauben lassen, wo er seit 1967 als Professor für Wirtschaftswissenschaft tätig ist. Davor unterrichtete er von 1964 bis 1967 am Nuffield College
der Universität Oxford; derzeit ist er Präsident des "National Bureau of
Economic Research" - einer Privatorganisation für Wirtschaftsanalyse, die für
ihre Arbeit über die Untersuchung von Wirtschaftszyklen bekannt ist. Außerdem
ist er Mitglied zweier Regierungsinstitutionen, des nationalen Beratungsaussciusses
für Produktivität und eines Prüfungsausschusses, der die Lohn- und Preisentwicklung
des Privatsektors analysiert.
Im Jahr 1977 wurde Feldstein die John Bates Clark-Medaille der American
Economic Association verliehen - eine Ehre, die alle zwei Jahre einem Wirtschaftswissenschaftler zuteil wird, der jünger als vierzig Jahre ist und den jeweils bedeutsamsten Beitrag zur amerikanischen Wirtschaftswissenschaft geleistet hat..
Am 25. November 1939 in New York geboren, lebt Feldstein, der die HarvardUniversität absolviert und in Oxford promoviert hat, heute mit seiner Frau Kathleen,
ebenfalls eine Wirtschaftswissenschaftlerin, und zwei Kindern in Belmont im Staate
Massachusetts.

&gt;....:

�11. August 1982

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KOHLE - DIE BESTE ENERGIEQUELLE
- Ergebnis einer Studie des Wirtschaftskomitees im US-Kongreß

WASHINGTON - (AD) - "Kohle ist die ergiebigste und sicherste Energiequelle, auf die für das künftige Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten
zurückgegriffen werden kann." Dies ist das Fazit der jüngsten Studie des von
Mitgliedern des Senats und Repräsentantenhauses gemeinsam besetzten Wirtschaftskomitees im US-Kongreß, das sich in einer Serie von Untersuchungen
mit den Möglichkeiten der Wirtschaftsentwicklung auf längere Sicht befaßt.
Die Studie trägt den Titel: "Case Studies in Public/Private Cooperation to
Revitalize America: Coal" (Fallstudien für die Zusammenarbeit zwischen dem
öffentlichen und privaten Sektor zur Wiederbelebung Amerikas - Beispiel
Kohle).
Das sinkende Angebot an Importöl in den nächsten zwanzig Jahren erfordere, so wird in der Studie geschätzt, die Verdoppelung des Weltverbrauchs
an Kohle bis zum Jahr 1990 und sogar die Verdreifachung bis zum Jahr 2000.
Es wird darauf verwiesen, daß die Vereinigten Staaten gegenwärtig 787 Millio-

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�787 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern. Eine Steigerung der Fördermenge
auf maximal 1,575 Milliarden Tonnen bis zur Jahrhundertwende sei denkbar.
"Wenn wir dieses Niveau erreichen", so der Ausschußvorsitzende Henry Reuss,
"könnten die USA um das Jahr 2000 bis zu 315 Millionen Tonnen jährlich exportieren". Europäische und ostasiatische Länder dürften zur Steigerung ihres Wirtschaftswachstums in den kommenden Jahrzehnten erheblichen Bedarf an
Importkohle haben.
Die Studie empfiehlt, Über gesetzliche Regelungen die Voraussetzungen
für den Bau von Kohleschlamm-Pipelines zu schaffen, um den Transport von
Kohle zu erleichtern. Außerdem solle die Bundesregierung zum weiteren Ausbau von Hafenanlagen für den Kohleexport ermutigen. Alles in allem fordert
die Studie für die Ausweitung der Kohleproduktion ein Programm, das den intensiven Anstrengungen der Vereinigten Staaten in den sechziger Jahren für
die Durchführung der Landung von Menschen auf dem Mond vergleichbar sei.

+ + + + +

�T

Hintergrundmateriell
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11. August 1982

KONGRESS UNTERSTÜTZT REAGANS RÜSTUNGSKONTROLLPOLITIK
- Von unserer Korrespondentin Mary C. Smith -

WASHINGTON - (AD) - Die Abstimmung des amerikanischen Repräsentantenhauses,
durch die die Rüstungskontroll politik der amerikanischen Regierung im Bereich
der Kernwaffen bekräftigt wird, stellt nach den Worten des amerikanischen Präsidenten "eine wichtige Unterstützung" für die amerikanischen Unterhändler dar,
die in Genf mit den Sowjets Rüstungskontrollgespräche führen.
Mit einem Abstimmungsergebnis von 204 zu 202 stellte sich das Repräsentantenhaus am Abend des 5. August 1982 hinter die Rüstungskontrollpolitik der Regierung
- und gegen diejenigen, die sich für ein sofortiges Einfrieren der Kernwaffen
eingesetzt hatten.
Die vom Repräsentantenhaus verabschiedete Resolution fordert die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion auf, ihre Kernwaffen zu reduzieren und ein ausgewogenes und verifizierbares Abkommen zu beschließen, das die strategischen Kernwaffen auf gleichem und beträchtlich vermindertem Niveau einfriert. Die

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�einfriert. Die Resolution ist jedoch nicht bindend und erfordert seitens des
Präsidenten keine zwingenden Maßnahmen.
In einer vom Weißen Haus kurz nach der Abstimmung veröffentlichten Erklärung
sagte Präsident Reagan:
•

"Ich beglückwünsche das Repräsentantenhaus zu seiner heutigen Bestätigung
einer Resolution zur Rüstungskontrolle, die der Sowjetunion die Entschlossenheit des amerikanischen Volkes signalisiert, Frieden durch solche Rüstungskontrolle
abkommen zu erreichen, die die nuklearen Arsenale auf beiden Seiten wirkungsvoll
vermindern. Die Verringerungsvorschläge der Vereinigten Staaten sind derzeit Teil
ernsthafter Verhandlungen mit den Sowjets in Genf. Die heutige Abstimmung stellt
eine wichtige Unterstützung für unsere Unterhändler, angeführt von Botschafter
Edward Rowny und Botschafter Paul Nitze, dar."
Die Abstimmung des Repräsentantenhauses kam nach achtstündiger Debatte
zwischen denjenigen, die sich für die Resolution einsetzten, die letztlich angenommen wurde, und den Befürwortern alternativer Maßnahmen, die ein rasches Einfrieren der Produktion und der Dislozierung der neuen amerikanischen und sowjetischen Kernwaffen forderten.
Clement Zablocki, der der demokratischen Fraktion angehörende Vorsitzende des
außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses, erklärte bei der Einbringung der "Einfrierungs-Resolution", daß dieser Vorschlag "voll und ganz den
besten nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten dient. ... Der
Wähler vor Ort hat gesprochen. Er möchte ein Ende dieser nuklearen Aufrüstung."
Der republikanische Kongreßabgeordnete William Broomfield, der sich für die
letztlich erfolgreiche Resolution eingesetzt hatte, konterte Zablockis Argument,
indem er die Resolution für ein Einfrieren der Kernwaffen "zeitlich äußerst
schlecht gewählt" nannte, da sie so rasch nach Eröffnung der Gespräche über eine
Verminderung der strategischen Rüstungen in Genf vorgelegt worden sei. "Ihre

�sei. "Ihre Verabschiedung würde die Position unseres Chefunterhändlers,
General Edward Rowny, untergraben - genau zu dem Zeitpunkt, da er unsere
Unterstützung und unsere Ermutigung erhalten sollte. ... Sollte sich die
Sowjetunion wirklich hinsetzen und in Genf ernsthaft mit einer Administration
verhandeln, deren Position vom Kongreß zurückgewiesen wurde?"
Der Außenpolitische Ausschuß des Senats hatte bereits zuvor eine Resolution
verabschiedet, die lediglich ihre Unterstützung des Präsidenten bei seinem
Kampf um die Verminderung der Kernwaffen zum Ausdruck bringt. Hierzu muß sich
jedoch noch das Plenum des Senats äußern.
Die vom Repräsentantenhaus verabschiedete Resolution hat folgenden Wortlaut:
Gemeinsame Resolution, um die Unterstützung des Kongresses für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion zum Ausdruck zu bringen, damit diese sich zu beträchtlichen, verifizierbaren, ausgewogenen und militärisch bedeutsamen Verringerungen
ihrer Kernwaffen mit dem Resultat gleicher und wesentlich verringerter Streitkräfteniveaus verpflichten, wodurch ein Beitrag zu Frieden und Stabilität erbracht
würde.
Da die ernsthaftesten Herausforderungen, vor denen das amerikanische Volk,
welches ein friedliebendes Volk ist, steht, die Bewahrung der Freiheit und die
Verhinderung eines Krieges - insbesondere eines Atomkrieges durch Zufall, Fehleinschätzung oder Absicht - sind;
da die Folgen eines anhaltenden Wettrüstens und das damit in Zusammenhang
stehende erhöhte Risiko eines Atomkrieges unannehmbar sind und es von zwingender
Notwendigkeit ist, daß der erfolgreichen und baldmöglichen Beendigung der STARTVerhandlungen höchste Priorität eingeräumt wird;
da das amerikanische Volk das Verlangen der Völker dieser Welt nach einer
Verringerung der nuklearen Arsenale teilt;
da die Sowjetunion

- 3 -

�da die Sowjetunion durch ihre Maßnahmen in Polen und Afghanistan sowie
durch ihre Weigerung, sich an die internationalen Vereinbarungen über chemische
Waffen zu halten, Bedrohungen des Weltfriedens hervorgerufen hat;
da umfangreiche und verifizierbare beiderseitige Verringerungen der
sowjetischen und amerikanischen Kernwaffen auf ein gleichmäßiges und weit geringeres Niveau die Stabilität und die Erhaltung des Friedens fördern würden;
da der Kongreß in dem Gesetz 92-448 sein Mandat zum Ausdruck gebracht hat,
daß die Vereinigten Staaten kein Atomwaffenabkommen abschließen sollten, das einen
Streitkräfteumfang vorsehen würde, der unter dem der Sowjetunion liegen würde;
da es erklärte Politik der amerikanischen Regierung ist, verifizierbare Verringerungen der Nukleararsenale sowohl der Vereinigten Staaten als auch der
Sowjetunion auf einen gleichen Umfang auszuhandeln;
da die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion 1981 in Genf mit formellen
Verhandlungen über die Begrenzung und Verringerung der nuklearen Mittel Streckensysteme begonnen haben;
da im Mai 1982 die Außenminister der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft den Vorschlag des Präsidenten, die Bestände an Atomraketen großer Reichweite zu beschneiden, als "ein weitreichendes aber realistisches Angebof'willkommen geheißen haben, das zu "fairen und wirksamen Abkommen" führen könnte;
da die Vereinigten Staaten Und die Sowjetunion am 29. Juni 1982 in Genf mit
formellen Verhandlungen über die Begrenzung und Verminderung der strategischen
Atomwaffen begonnen haben,
wird deshalb vom Senat und vom Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten
von Amerika, im Kongreß versammelt, beschlossen, daß
H l der Kongreß

�(1) der Kongreß die Aufnahme der Gespräche über eine Verringerung der
strategischen Rüstung unterstützt und die Sowjetunion darauf drängt, sich den
Vereinigten Staaten beim Abschluß eines ausgewogenen und verifizierbaren Abkommens anzuschließen, das die strategischen Kernwaffen auf gleichem und beträchtlich vermindertem Niveau einfriert;
(2) der Kongreß erneut seine Unterstützung für das Gesetz 92-448 bekräftigt,
das besagt, daß die Vereinigten Staaten kein Rüstungsabkommen abschließen dürfen,
das einen Umfang ihrer Streitkräfte vorsieht, der unter dem der Sowjetunion liegt.
(3) die Vereinigten Staaten zur Förderung der Zurückhaltung und der Stabilität bei der Rüstung der Sowjetunion und anderen Staaten praktische Maßnahmen vorschlagen, um
(A) die Gefahr eines Atomkrieges durch Zufall oder Fehleinschätzung
zu verringern;
(B) den Einsatz von Kernwaffen durch Drittparteien, einschließlich
Terroristen, zu verhindern; und
(C) der weltweiten Proliferation von Kernwaffen Einhalt zu gebieten.
(4) der Kongreß darauf besteht, daß ein jegliches zentrales Rüstungsabkommen
in vollem Umfang verifizierbar sein muß, da unsere nationale Sicherheit nicht
auf Vertrauen allein gegründet werden kann.
+++++

- 5 -

�Hintergrund
materiell
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11. August 1982

DAS BEHARRLICHE STREBEN DER USA NACH NUKLEARER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -

WASHINGTON - (AD) •• Freitag, der 6. August, war der 37. Jahrestag des
ersten Einsatzes einer nuklearen Waffe - abgeworfen von einem amerikanischen
Bomber in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges auf die japanische Stadt
Hiroshima.
Es dient keinem nützlichen Zweck, die tragischen Einzelheiten jenes Tages
zu wiederholen. Was jetzt wichtig ist, ist die unübersehbare Notwendigkeit, ein
verläßliches und verifizierbares Rüstungskontrollsystem für Nuklearwaffen zu entwerfen, das die Welt vor zukünftigen Katastrophen schützt.
Für die Vereinigten Staaten hatte diese Suche vom ersten Tag des Nuklearzeitalters an die höchste Priorität. Jene, die fälschlicherweise anderer Ansicht
sein mögen, sollten sich noch einmal die Höhepunkte der jahrzehntelangen Bemühungen der Vereinigten Staaten ins Gedächtnis zurückrufen, ein System nuklearer
Kontrollen zustandezubringen.
Wer sich

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�Wer sich an die unmittelbare Situation nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert,
wird daran denken, daß es die Vereinigten Staaten - obwohl als einziges Land im
Besitz von Nuklearwaffen - waren, die auf die Schaffung einer internationalen
Atomenergiebehörde drängten, die das Monopol für die nukleare Forschung und Entwicklung gehabt hätte.
Es handelte sich um den sogenannten Baruch-Plan. Er wurde von einer argwöhnischen Sowjetunion zurückgewiesen, die bestrebt war, ihr eigenes atomares
Arsenal aufzubauen. Eine historische Gelegenheit war ungenutzt vorübergegangen.
Die Vereinigten Staaten waren zu diesem Augenblick der Geschichte die
stärkste Macht auf Erden. Ihr Territorium war praktisch vom Krieg unberührt geblieben. Sie demobilisierte in raschem Tempo ihre Streitkräfte. Sie war bereit,
ihre nukleare Kapazität an die damals neugegründeten Veralten Nationen abzutreten.
Selbst angesichts der Ablehnung des Baruch-Plans durch die Sowjetunion
setzten die Vereinigten Staaten ihre Suche nach einem Weg, der aus diesem
Dilemma herausführen konnte, unbeirrt fort.
Im Laufe der folgenden Jahre legten die USA einen Vorschlag nach dem anderen
vor. Präsident Eisenhowers Plan der "offenen Himmel", an die Sowjetunion gerichtet,
war ein augenfälliges Beispiel hierfür. Im Rahmen dieses Planes hätten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion dem Austausch militärischer Informationen
zugestimmt und eine Beobachtung ihres Territoriums aus der Luft gestattet, um
Überraschungsangriffe zu verhüten. Die Antwort des Sowjetunion lautete: Nein.
Später drängten die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Großbritannien Moskau,
einem umfassenden nuklearen Versuchsverbot zuzustimmen. Das allerdings hätte die
Zustimmung zur Anwesenheit von Inspektoren auf sowjetischem Territiorium erforderlich gemacht, und die Sowjetunion sagte wiederum: Nein. Moskau wollte lediglich
einen Vertrag für ein Verbot von Tests in der Atmosphäre akzeptieren - überwacht
durch weitentfernte wissenschaftliche Apparaturen.
Die Liste

- 2 l

�Die Liste der amerikanischen Initiativen ist lang. Die meisten wurden von
der Sowjetunion zurückgewiesen. Und trotzdem haben die Vereinigten Staaten bis
auf den heutigen Tag ihre Bemühungen um sinnvolle Abkommen mit der Sowjetunion
fortgesetzt.
Wenn man auf diese historische Bilanz zurückblickt, dann ist es wichtig, darauf hinzuweisen, daß - beim Baruch-Plan für eine internationale Kontrolle der
Kernenergie angefangen - die strategischen Rüstungsbegrenzungen und -reduzierungen
eine amerikanische Idee waren - und ein amerikanisches Ziel.
Ja, es waren amerikanische Befürworter der Idee einer Rüstungskontrolle und
-reduzierung - und zwar innerhalb wie außerhalb der Regierung -, die in den
sechziger Jahren die sowjetische Führung davon überzeugen konnten, daß es sich
zumindest lohne, einmal über diese Idee zu sprechen.
Der Grundgedanke der amerikanischen Argumentation ist heute noch so gültig
wie zu Anfang: Beide Supermächte können aus durchsetzbaren Abkommen Nutzen ziehen.
Die heutige amerikanische Position, dargelegt von Präsident Reagan, ist genauso klar: Verifizierbare Verringerungen der Anzahl der Nuklearwaffen auf beiden
Seiten sind von lebenswichtiger Bedeutung.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wenn man sich beiderseits auf Reduzierungen, Hand in Hand mit einer wirksamen Verifizierung, einigen kann, dann
könnte der seit so langer Zeit schon blockierte Weg zum letztlichen Ziel der Beseitigung der Nuklearwaffen - endlich frei werden.
+++++

- 3 -

�T

Hintergrund
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11. August 1982

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GETREIDE UND TECHNOLOGIE - EIN ENTSCHEIDENDER UNTERSCHIED
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -

WASHINGTON - (AD) - Bei aller Heftigkeit der Argumentationen sollte der
entscheidende Unterschied zwischen den beiden Geschäften - Getreideverkauf
und Technologietransfer - klar im Auge behalten werden.
Die Getreideverkäufe sind Handel - schlicht und einfach Handel. Moskau
erhält amerikanischen Mais und Weizen, dort dringend benötigt, und bezahlt
dafür mit Gold oder aus seinen begrenzten Vorräten an harter Währung "cash on the barrel head" sagt der Amerikaner dafür. Würde Moskau kein amerikanisches Getreide kaufen, so könnte es seine Einkäufe in Argentinien, Kanada
und bei anderen Anbietern erhöhen. Getreide ist kein knapper Rohstoff - und
der Getreidehandel bringt für Käufer wie Verkäufer gleichen Vorteil.
Das sowjetische Röhrengeschäft hingegen umfaßt große Mengen westeuropäischer Kredite. Ja, die Unterhändler des Kreml haben ein Geschäft vorgeschlagen, bei dem die künftigen Abnehmer des sibirischen Erdgases die gewaltigen

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�die gewaltigen Kosten eines gewaltigen Projektes bezahlen werden. Die Westeuropäer stellen durch ihre jetzigen Kredite praktisch die Röhren, die Turbinen
und andere Ausrüstung; dann, nach Fertigstellung der Gasleitung, kaufen die
Europäer als Abnehmer das Erdgas und stellen damit die Devisen zur Verfügung,
die Moskau zur Bezahlung seiner Schulden braucht.
Dann nämlich wird das sibirische Gas Moskau pro Jahr etwa 7 Milliarden
Dollar Devisen einbringen. Dieses Geld wird dem Kreml dabei helfen, seine Militärmaschinerie noch weiter auszubauen - und ihn bei jeder künftigen politischen oder militärischen Konfrontation in die Lage versetzen, an einem kalten
Wintertag den Hahn zuzudrehen.
Welche ökonomischen Vorteile das Röhrenprojekt also auch immer haben mag,
es hat ernste strategische Aspekte, die durch den Druck des Kreml auf Polen so
überaus deutlich geworden sind. Die schlimme Lage des polnischen Volkes heute nach dreieinhalb Jahrzehnten unter einem von der Sowjetunion sanktionierten System - ist keine Werbung für engere Bindungen an Moskau.
Und es ist Präsident Reagans Entschluß, daß der Bau der Leitung, wenn es
denn dazu kommen sollte, ohne die Vorteile amerikanischer Technologie erfolgen
sollte, solange kein Ende des Kriegsrechtes in Polen in Sicht ist. Diese Technologie aber, für die großen Rotoren etwa, die bei den Turbinen verwendet werden, die das Gas durch die Rohre transportieren, hat nicht ihresgleichen.
Die amerikanischen Gesetze für Exportkontrolle existieren, um Strafen
für solche ausländischen Firmen zu erzwingen, die Lizenzvereinbarungen brechen
und sich dem Exportverbot widersetzen. Reagan hat sich lediglich aus berechtigtem Grund auf diese Gesetze berufen - in einer Situation, die völlig anders ist als jene, die die amerikanischen Getreideverkäufe an die Sowjetunion
betrifft. Irgendwie gleicht dies dem Unterschied, der darin besteht, ob man
den Bären durchs Gitter hindurch füttert oder gleich in seinen Käfig steigt.
+ + + + +

- 2 -

�11. August 1982

WELTKULTURKONFERENZ DER UNESCO BETONT WERT DER PRESSEFREIHEIT
- Von unserer Korrespondentin Mildred Sola Neely -

MEXIKO CITY - (AD) - Die Weltkulturkonferenz der UNESCO bekräftigte in einer
bei Konferenzende veröffentlichten "Erklärung von Mexiko City" am 6. August 1982
ihr Eintreten für Rechte und Freiheiten im kulturellen Bereich, einschließlich des
Rechtes auf einen ungehinderten Informationsfluß.
Die meisten der amerikanischen Vorschläge über eine Anerkennung der
Freiheit des einzelnen, des gleichen Wertes aller Kulturen, des kulturellen
Pluralismus und der Dezentralisierung des kulturellen Lebens sind in dieser
Deklaration enthalten. Ursprünglich von Mexiko und Venezuela entworfen, soll
dieses Dokument als Grundlage für die künftige Kulturpolitik der UNESCO dienen.
Aufgrund des immer stärker bedrohten Friedens unterstreicht die Erklärung,
es sei von höchster Dringlichkeit, "eine engere Zusammenarbeit zwischen den
Nationen herzustellen, die Achtung vor den Rechten anderer zu garantieren und
sicherzustellen, daß die Grundrechte des einzelnen und der Staaten sowie ihr
Recht auf Selbstbestimmung ausgeübt werden können."
Die Erklärung

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�Die Erklärung stellt außerdem fest:
- Alle Kulturen bilden Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit;
- Kulturelle Identität und kulturelle Vielfalt sind unteilbar;
- Die Anerkennung des Vorhandenseins einer Vielfalt kultureller Identität
- wo immer unterschiedliche Traditionen nebeneinander bestehen - ist
Wesensmerkmal und -kern eines kulturellen Pluralismus;
- Die Tatsache muß anerkannt werden, daß allen Kulturen die gleiche Würde
eigen ist;

i

- Die Kultur stellt eine fundamentale Dimension des Entwicklungsprozesses dar;
- Es ist notwendig, eine geographische und administrative Dezentralisierung
des kulturellen Lebens herbeizuführen;
- Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte fordert das Recht
eines jeden einzelnen, ungehindert am kulturellen Leben der Gemeinschaft
teilzunehmen;
- Das Gedeihen der Kultur ist untrennbar verbunden mit der Unabhängigkeit
der Völker und mit den Freiheiten des Einzelmenschen.
Die Erklärung betont außerdem: "Der ungehinderte Fluß und die möglichst
ausgewogene Verbreitung von Informationen, Ideen und Wissen - die beide zu den
Grundsätzen einer neuen Weltordnung im Informations- und Kommunikationsbereich
gehören - beinhalten für alle Nationen das Recht, kulturelle, erzieherische,
wissenschaftliche und technische Informationen nicht nur zu empfangen, sondern
auch selbst zu verbreiten."
Mehrere amerikanische Resolutionen wurden einstimmig von allen Delegierten
angenommen, einschließlich einer über Glaubensfreiheit.
i

Eine von den Vereinigten Staaten unterstützte Resolution zur Freiheit der
Presse, der sich die Staaten des Sowjetblocks widersetzten, wurde durch eine

�durch eine amerikanische Resolution über Kommunikation und Massenmedien ersetzt,
die einstimmig angenommen wurde.
Diese Resolution appelliert an die Mitgliedstaaten der UNESCO, diejenigen,
die im Bereich der kulturellen Entwicklung tätig sind, dazu zu ermutigen, "sich
bei ihrer Arbeit in vollem Umfang der zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel
&lt;•
1

zu bedienen, seien sie moderner oder traditioneller Art."
Sie fordert zudem eine engere Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und
Entwicklungsländern, um Kommunikationssysteme und -technologien auszubauen.
Die Resolution unterstreicht, daß "die Freiheit zur Schaffung und zur Verbreitung von Kulturgütern, Informationen und Ideen sowie die Teilhabe an und der
Zugang zu ihnen innerhalb und zwischen den Staaten allen Menschen gewährleistet
sein muß."
Die Mitglieder der amerikanischen Delegation zeigten sich "befriedigt" über
die abschließenden Positionen, wie sie von den Delegierten der Weltkonferenz
übernommen wurden, und brachten ihre Befriedigung darüber zum Ausdruck, daß die
Konferenz sich nicht von ihren kulturellen Zielsetzungen hatte abbringen lassen.
+++++

- 3 -

�T

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11. August 1982

MELDEZENTRALEN IM WELTRAUM
- Satelliten als Relais- und Erderkundungsstationen

- (AD) - Nachrichtentechnik, Wetterbeobachtung und Fernerkundung der Erde
haben in den 25 Jahren seit Bs-ginn des Raumfahrtzeitalters am meisten profitiert.
Auf keinem anderen Gebiet warer, die Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technik
so zahlreich und so vielfältig, ?uf der "UN-Konferenz über die Erforschung und
friedliche Nutzung des Weltraums - UNISPACE '82" vom 9. bis 21. August in Wien
sind diesem Themenkreis zahlreiche Beiträge gewidmet.
Mehr als hundert Nachrichtensatelliten umkreisen gegenwärtig unsere Erde.
Bis Ende 1981 wurden vom US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) allein 48 kommerzielle Nachrichtensatelliten im Auftrag der amerikanischen halbstaatlichen Gesellschaft COMSAT sowie amerikanischer Unternehmen wie AT&amp;T, Western Union, RCA
und Standard Business gestartet. Im November 1982 wird der Raumtransporter
COLUMBIA bei seinem fünften Flug zwei kommerzielle Satelliten im Weltraum absetzen - einen für "Satellite Business Systems", den zweiten für "Telecast
Canada Ltd.".
Von 1958

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Von 1958 bis 1981 startete die NASA außerdem 44 Nachrichten-, Wetterbeobachtungs- und Navigationssatelliten für amerikanische Behörden sowie 62 künstliche Erdtrabanten im Rahmen internationaler Abkommen. Inzwischen ist auch das
Trägergerät ARIANE der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) einsatzbereit. Im
vergangenen Jahr wurden für die ESA ein Wetterbeobachtungssatellit und ein Satellit
für die Schiffahrt, für Indien ein Nachrichtensatellit in den Weltraum transportiert. Drei amerikanische Unternehmen - GTE, Southern Pacific, Western Union haben bei der zuständigen Organisation

ARIANESPACE, die Nutzlastplätze ver-

kauft, bereits Satellitenstarts gebucht.
Da bei den benutzten Frequenzen (Mikrowellen) die Funksignale keine Ablenkung durch die Erdatmosphäre erfahren, kann ein Satellit in seiner Funktion
als "Relaisstation am Himmel" Funksignale praktisch interferenzfrei empfangen
und weiterleiten. Zur überbrückung von Entfernungen von mehr als 800 bis 1 000 km
auf der Erde sind Satelliten, so Joseph Harcarufka von der Fernmeldekommission
der USA (die "Federal Communications Commission" - FCC - ist u.a. für das Inlandsfernmeldewesen mit Satelliten zuständig), wirtschaftlicher als andere Systeme
zur Funk- und Fernsehübertragung. Sie machen ein umfangreiches Kabel netz überflüssig.
Der 1965 für COMSAT gestartete erste kommerzielle Nachrichtensatellit
EARLY BIRD (er wird heute als INTELSAT I bezeichnet) hatte eine Kapazität von
240 Schaltkreisen für Telefongespräche oder für die Datenübertragung und nur
einen Fernsehkanal. Wurde dieser benutzt, waren die Sprechkreise blockiert. Sein "'
Gewicht betrug 60 kg, die aktive Lebensdauer drei Jahre. Wachsende Startkapazitäten der Trägerraketen in Verbindung mit enormen technischen Verbesserungen der
Satelliten haben jedoch deren Leistungen ganz wesentlich ausgeweitet: INTELSAT V
(das erste Gerät dieser Serie wurde im Dezember 1980 gestartet) wiegt 1870 kg, hat
eine aktive Lebensdauer von mindestens sieben Jahren und besitzt neben zwei
TV-Kanälen 12 000 Sprechkreise.

COMSAT (Gesellschaft

�COMSAT (Gesellschaft für Nachrichtensatelliten) wurde 1963 gegründet. Die
Organisation leistete Pionierarbeit für den Aufbau eines internationalen Satelliten-Fernmeldenetzes und die Schaffung des Internationalen Konsortiums für Nachrichtensatelliten (INTELSAT - International Telecommunications Satellite Consortium).
Heute gehören INTELSAT 106 Staaten als Mitglieder an, 150 Länder und
Territorien sind Nutznießer der Dienstleistungen dieser Organisation. Zwei
Drittel aller transozeanischen Nachrichtenverbindungen der Vereinigten Staaten
laufen über die INTELSAT-Systeme unter Einschaltung von acht Bodenstationen der
USA. Während COMSAT vor allem für die Kommunikation via Satelliten mit dem
Ausland zuständig ist, erbringen für den amerikanischen Inlandsverkehr acht verschiedene Satellitennetze solche Dienstleistungen: AMSAT (American Satellite
Company), COMSTAR (American Telephone and Telegraph), GALAXY (Hughes Communications),
G-STAR (GTE Satellite Corporation), SATCOM (RCA American Communications), SBS
(Satellite Business Systems), SPACENET (Southern Pacific Communications) und
WESTAR (Western Union). Alle diese Systeme bieten Fernseh- und Sprechübertragungen.
Nur "Standard Business Satellite Systems" übermittelt ausschließlich Digitalinformationen. Die Herstellung von Verbindungen mit dem Ausland ist diesen
Organisationen untersagt.
Für Nachrichtensatelliten ist ein Orbit in 36 000 km Abstand von der Erdoberfläche am besten geeignet. Denn dort ist ihre Umlaufgeschwindigkeit ebenso
groß wie die Rotationsgeschwindigkeit der Erde, so daß der Satellit für den Beobachter auf der Erdoberfläche "stillzustehen" scheint. Drei solcher geostationären "Relaisstationen am Himmel", über dem Äquator gleichmäßig verteilt, würden
theoretisch ausreichen, um jeden Punkt auf der Erde erreichen zu können. In der
Praxis aber muß dieser Orbit weitaus dichter besetzt werden, um den Anforderungen
an den Satellitenfunk gerecht zu werden.
Allein für den amerikanischen Inlandsverkehr sind gegenwärtig 12 Satelliten
im Einsatz. Sie "stehen" jeweils vier Längengrade weit auseinander. Da dieses
Stationierungsverfahren die Verwendung von Satelliten im Bereich der USA (für
eine viel benutzte Frequenz zwischen dem 57. und 147. Grad westlicher Länge)

- 3 -

�westlicher Länge) zahlenmäßig begrenzt, die Kommunikation über Satelliten jedoch
ständig umfangreicher wird, sucht man jetzt nach neuen Wegen, um Engpässe zu
vermeiden. Die FCC empfiehlt, den Abstand der Satelliten für den inneramerikanischen Verkehr auf drei Längengrade oder noch weniger zu verringern. Weitere
technische Verbesserungen hinsichtlich der Ausrüstung der Satelliten sowie ihre
Gruppierung entsprechend den jeweiligen Übertragungsaufgaben würden eine optimale
Nutzung des verfügbaren "Raums" ermöglichen.
Für die Stationierung internationaler Satelliten gibt es allerdings noch
keine Regelung. Wenn ein Land einen Satelliten starten will, braucht es dies
nur über die Internationale Fernmelde-Union (ITU) bekanntzugeben. Technische Erfordernisse, Parameter für die Übertragungen und die Gefahr von Störungen durch
Überlagerung mit anderen Sendebereichen sind Fragen, die die betreffenden Länder
oder Parteien untereinander zu lösen versuchen. Sam Fordyce, Chefingenieur der
Abteilung Fernmeldetechnik der NASA, verweist darauf, daß u.a. Technologien untersucht werden, durch die die Anzahl der Transponder (kombinierte Umsetzer und Verstärker) in Nachrichtensatelliten von gegenwärtig 24 auf ca. 60 erhöht werden
könnte. Damit ließe sich die Kapazität eines Satelliten für Sprech-, Fernseh- und
andere Übertragungen ganz erheblich steigern. Außerdem prüfe die NASA die Möglichkeiten für Direktverbindungen zwischen Satelliten als eine der Voraussetzungen
für den Aufbau von "Clusters", d.h. Satellitengruppen in einem Bereich, der derzeit
nur die Stationierung eines einzigen Satelliten zuläßt. Da bereits mit polarisierten Funkstrahlen gearbeitet wird, kann schon jetzt ein Satellit die gleiche
Frequenz viele Male immer wieder verwenden.
Eine Zukunftsaufgabe ist die Schaffung der technischen Voraussetzungen für
den Satelliten-Direktempfang über eine kleine Antennenstation am Haus zu annehmbaren Kosten. Sie macht den Empfänger von den bisher üblichen großen Bodenstationen
unabhängig. Diese Technik erfordert jedoch auch leistungsstärkere Nachrichtensatelliten mit anderen Sendefrequenzen. Laut Harcarufka hat bisher noch kein
Unternehmen die Entwicklung eines solchen Direkt-Sendesystems in Angriff genommen .
Seit 1962

- 4 -

�Seit 1962 startete die NASA 15 eigene Nachrichtensatelliten. Auch die ATSSerie zählt dazu, die in Verbindung mit entsprechenden Bodenanlagen über das USAmt für Internationale Entwicklung (AID) in Entwicklungsländern zur Unterrichtung
der Landbevölkerung in abgelegenen Regionen benutzt wurden. Was generell der
Satellitenfunk für die Dritte Welt bedeutet, erläuterte kürzlich in Washington
Rashmir Mayur, stellvertretender Vorsitzender der Repräsentanten der Dritten
Welt auf der UNISPACE-Konferenz in Wien: Noch vor 12 Jahren war ein Telefongespräch
von den USA nach Bombay erst nach einer Anmeldefrist von 26 bis 28 Stunden möglich.
Heute kommt die Verbindung meist innerhalb von Sekunden zustande.
Das NASA-Programm für die Erdbeobachtung, das 1960 mit den TIROS-Wettersatelliten begann, umfaßte mehr als 30 Starts von Geräten für die Wetterbeobachtung sowie für den Mehrzweckeinsatz (großräumige Wetterbeobachtung und Nachrichtenübermittlung), was z.B. mit ATS-Satelliten wahrgenommen wurde. Inzwischen ist
auch die Fernerkundung der Erde aus dem Weltraum in bezug auf Vegetation und Böden,
Schneebedeckung, Wasser- und Mineralienvorräte durch verfeinerte Techniken immer
weiter verbessert worden. Der im Juli 1982 gestartete amerikanische Satellit
LANDSAT D, das vierte Gerät der 1972 begonnenen LANDSAT-Serie, vermag z.B. sogar
zwischen Pflanzenarten zu unterscheiden, die eng miteinander verwandt sind. Erste
Auswertungen der zur Erde gefunkten Aufnahmen des "thematic mapper" zeigten, wie
ein NASA-Mitarbeiter erklärte, daß die Leistungsfähigkeit dieses neuen Instrumentes
alle Erwartungen übertreffe. So seien auf einer Aufnahme vom Gebiet Detroit sowohl
markante Gebäudekomplexe in der Stadt, Kleinflughäfen mit ihren Rollbahnen, kleine
Schiffe vor und auf dem Detroit-River als auch ganz deutlich Wassertrübungen
im St. Clair-See und Erie-See nahe dem Detroit-Fluß zu erkennen. Der Satellit
umkreist die Erde in 705 km Höhe.

+++++

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grußadresse Reagans an die Delegierten der Un-Weltraumkonferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martin S. Feldstein zum neuen Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kohle - die beste Energiequelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ergebnis einer Studie des Wirtschaftskomitees im US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress unterstützt Reagans Rüstungskontrollpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Mary C. Smith -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das beharrliche Streben der USA nach nuklearer Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Getreide und Technologie - ein entscheidender Unterschied&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltkulturkonferenz der UNESCO betont Wert der Pressefreiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Mildred Sola Neely -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meldezentralen im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Satelliten als Relais- und Erderkundungsstationen -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
30

4. August 1982

INHALT
,

DOKUMENTATION
Reagan: Gutes Verhältnis zwischen den USA und Ihren europäischen Verbündeten
- Auszüge aus der Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten Reagan: INF-Gespräche sind Modell für zukünftige Verhandlungen
- Botschaft des Präsidenten zur Rüstungskontrolle Erklärung Reagans zum amerikanisch-sowjetischen Getreideabkommen
- Präsident genehmigt einjährige Verlängerung Rede der amerikanischen Botschafterin Jean Gerard auf der UNESCO-Weltkonferenz
WIRTSCHAFT
MacDonald: Das Prinzip der Gegenseitigkeit ist Kernstück der Liberalisierung
des Welthandels
HINTERGRUNDMATERIAL
Probleme des Atlantischen Bündnisses
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas Präsident Reagan bietet Verlängerung des amerikanisch-sowjetischen Getreideabkommens an
- Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer Französische Ärztinnen berichten von heftigem Widerstand der Afghanen
USA prangern Menschenrechtsverletzungen in baltischen Staaten an
- Erklärung des State Department -

Um Ubcr/cndung uon
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�ä\II

T •

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

4. August 1982

REAGAN: GUTES VERHÄLTNIS ZWISCHEN DEN USA UND IHREN EUROPÄISCHEN VERBÜNDETEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In der zwölften Pressekonferenz seiner bisherigen Amtszeit unterstrich der amerikanische Präsident Ronald Reagan am 28. Juli 1982,
daß die Vereinigten Staaten mit ihren europäischen Verbündeten ein "gutes Verhältnis" haben - trotz der Spannungen, die es aufgrund der Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der sowjetischen Erdgasleitung gebe. Reagan betonte, daß
dies so etwas "wie ein Familienstreit" sei, "wo die Familie aber immer noch
eine Familie ist". Zugleich zeigte er sich optimistisch hinsichtlich einer Lösung der Libanon-Krise und der Stärke und Elastizität der amerikanischen Wirtschaft.
Die wichtigsten außenpolitischen Auszüge aus der Pressekonferenz haben
folgenden Wortlaut:
Frage:

Herr Präsident, Bundeskanzler Schmidt sagt, daß die Verbündeten,

die westlichen Verbündeten, sich einig sind gegen Ihr Verbot hinsichtlich der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�hinsichtlich der Ausrüstung für die sibirische Erdgasleitung und daB sie auf
alle Fälle damit weitermachen werden. Da Sie gerade dabei zu sein scheinen,
mit den Sowjets ein neues Getreidegeschäft abzuschließen: Was passiert Ihrer
Meinung nach mit den Beziehungen zwischen den Verbündeten? Haben Sie es sich
mit der Gasleitung noch einmal überlegt?
Antwort:

Nein, ich habe es mir nicht noch einmal überlegt. Wir haben all

das ausführlich sowohl auf dem Gipfeltreffen als auch auf dem NATO-Treffen besprochen, als ich Europa besuchte. Wir kennen ihre Position. Wir wissen, daß
einige ihrer Regierungen darauf bestehen, daß die Verträge noch vor den polnischen Geschehnissen unterzeichnet wurden und daß sie sich deshalb gezwungen
fühlen, daran festzuhalten.
Wie Sie wissen, haben wir im Dezember angekündigt, daß aus unserer Sicht
dies einer jener Schritte sei, die unternommen würden, weil der sowjetische
Druck die repressive Regierung in Polen und das mitverursacht hat, was inzwischen dort geschehen ist.
Und wir haben klargestellt, daß wir sehr gern bereit wären, unsere Haltung hinsichtlich der Erdgasleitung zu überprüfen, wenn die Militärregierung
ihre Maßnahmen mildern und verschwinden würde, wenn sie die Internierten, einschließlich Lech Walesa, freilassen und wenn sie ihren Dialog mit der Solidarität
wieder aufnehmen würde.
Nun haben Sie in diesem Zusammenhang das Getreide erwähnt. Lassen Sie
mich deutlich machen, daß es in beiden Fällen sehr wichtige Unterschiede gibt.
Wegen der Lage in Polen haben wir uns geweigert, mit der Sowjetunion in
Verhandlungen über die Erneuerung eines langfristigen Getreideabkommens einzutreten. Wir tätigen unsere Verkäufe lediglich auf einer jährlichen Basis.
Die von mir erwähnten Unterschiede betreffen indessen erstens die Tatsache,
daß die Technologie für die Erdgasleitung praktisch nur von den Vereinigten
Staaten zu bekommen ist. Getreide kann die Sowjetunion, wenn sie will, auch

- 2 -

�auch anderswo bekommen. Wir würden daher nicht viel erreichen, würden wir es
so einsetzen, wie es vor ein paar Jahren bei der letzten Administration mit
dem Hinblick auf die Invasion Afghanistans eingesetzt wurde. Es tat der Sowjetunion keinen Schaden, war jedoch für unsere Farmer ein schwerer wirtschaftlicher
Schlag. Das ist das eine.
Ein anderer Aspekt ist die Tatsache, daß die Getreideverkäufe zur Folge haben werden, daß die Sowjetunion harte Währung auf den Tisch legen muß - und sie
hat derzeit nicht allzu viel davon.
Die Leitung, einmal fertiggestellt, wird zur Folge haben, daß die Sowjetunion harte Währungen erhält, die sie bislang nicht hat und die sie dazu verwenden kann, ihre Militärmacht weiter auszubauen.
Wir sind also der Ansicht, daß es sich hierbei um zwei sehr wesentliche
Unterschiede handelt...
Frage:
Antwort:

Und wie ist es mit den Beziehungen zu den Verbündeten?
Das ist wie ein Familienstreit, wo die Familie aber immer noch

eine Familie ist. Wir wissen, daß wir auf vielfältige Weise miteinander verbunden sind. Und während meiner jüngsten Europareise haben wir die Vereinbarungen
noch verstärkt, die mit dem Protektionismus zu tun haben, mit der Begrenzung
, zinsgünstiger Kredite an die Sowjetunion, durch die wir praktisch deren Fähigkeit zur Fortführung ihrer militärischen Aufrüstung subventioniert haben. Nein,
- ich glaube, wir haben ein gutes Verhältnis. Wir wissen, und wir kamen in dem Bewußtsein zurück, daß es Meinungsverschiedenheiten in diesem speziellen Bereich
gibt.
Frage:

Herr Präsident, ich möchte noch bei der Außenpolitik bleiben, mich

aber dem Nahen Osten zuwenden. Ich würde gern

wissen, welche Wirkung Ihrer

Meinung nach die ständigen, täglichen Bombardements von Beirut durch die Israelis
auf Ihre Anstrengungen und auf die Ihres Sonderbeauftragten, Mr. Habib, haben,

- 3

-

�haben, so etwas wie eine Lösung herbeizuführen?
Und zweitens: Mr. Habib ist nun schon fast sieben Wochen dort. Können Sie
uns eine Vorstellung von dem Fortschritt geben - wenn es überhaupt einen gibt -,
den er gemacht hat?
Antwort: Es gibt nichts, was wir nicht sehnlicher wünschen als ein Ende
des Blutvergießens und der Bombardierungen. Aber ich muß Sie auch daran erinnern,
daß es auch das andere gab: Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO)
war die erste, die die Waffenruhe brach. Natürlich wollen wir, daß all dies aufhört, und wir stehen noch immer zu unserem ursprünglichen Vorschlag, daß wir
nämlich einen Abzug der bewaffneten PLO aus Beirut und aus dem Libanon wollen.
Mr. Habib ist in mehreren Ländern gewesen, um zu sehen, ob wir Hilfe für vorläufige Auffanglager für diese Menschen bekommen. Wir möchten, daß die Zentralregierung des Libanon wieder - nach Jahren der fast völligen Auflösung - die
Autorität erhält mit einem Militär - und nicht mehrere Milizen, die zu den verschiedenen Fraktionen im Libanon gehören. Und dann wollen wir, daß die ausländischen Streitkräfte, israelische wie syrische, den Libanon verlassen.
Botschafter Habib macht seine Aufgabe vorzüglich. Ich möchte nichts zu Einzelheiten sagen, weil ich weiß, wie problematisch diese Verhandlungen sind manchmal verliert man wieder den Boden, den man zu erreichen geglaubt hat, manchmal gewinnt man ihn tatsächlich erneut. Ich bin nach wie vor optimistisch, daß
sich eine Lösung finden wird.
Wie gesagt, er ist von dieser Reise durch^mehrere Länder - durch einige arabische Staaten und nach Tel Aviv - zurück. Im Gegensatz zu einigen Berichten beziehungsweise Gerüchten von heute gibt es keinerlei Fristen irgendwelcher Art,
die gesetzt worden wären. Esgibt im Moment einen noch nicht bestätigten Bericht,
wonach eine andere Waffenruhe eingetreten ist. Hoffen wir, daß diese hält.
Jedenfalls ist Mr. Habib der Ansicht, eine Fortsetzung der Verhandlungen
lohne sich, und ich meine, er verdient unsere Unterstützung.
Frage:

�Frage:

Sir, Sie sagen - wenn ich Sie recht verstanden habe - Sie möchten,

daß die Bombardements aufhören. Haben Sie dies auch Premierminister Begin gesagt?
Antwort:

Ich kann nur sagen: Wir wollen, daß das Blutvergießen und der

Konflikt aufhören. Ich zögere, noch mehr darüber zu sagen, wo wir uns im Moment befinden...

Nur eines: Solange nicht Botschafter Habib zu mir sagt, daß

es nichts mehr zu verhandeln gebe und daß auch er keine Lösung mehr sehe, werde
ich auch weiterhin optimistisch bleiben.
Frage:

Welche Rolle sehen Sie für das chinesische Festland im Hinblick

auf die strategische Planung der USA gegenüber Ostasien und entlang der sowjetischen Grenze und welche Pläne haben Sie für Waffenverkäufe an Taiwan?
Antwort: Wir wollen auch weiterhin die Beziehungen entwickeln, die vor
einigen Jahren durch Präsident Nixon mit der Volksrepublik China aufgenommen
wurden. Aber gleichzeitig kennen sie (die Chinesen) unsere Position sehr wohl,
und sie hat sich nicht geändert. Wir werden unsere langjährigen Freunde und
Verbündeten auf Taiwan nicht fallen lassen. Und ich werde die Bestimmungen des
Gesetzes über die Beziehungen zu Taiwan erfüllen. Auch dies ist klargestellt
worden. Und es gibt keine Geheimabkommen oder irgend etwas anderes, das die
Regierung oder das Volk von Taiwan veranlassen könnte, hier irgendwelche Besorgnisse zu haben. Es handelt sich um eine moralische Verpflichtung, die wir
einhalten weiden.
Frage: Im Frühjahr ist viel von einem möglichen Gipfeltreffen mit Mr.
Breschnew gesprochen worden. Bei einer Gelegenheit sagten Sie, daran werde gearbeitet. Nun scheint sich die Sache etwas verflüchtigt zu haben, und ich möchte gerne wissen, was Sie von einem Gipfeltreffen in diesem Jahr halten?
Antwort:

Ich weiß nicht, ob es in diesem Jahr oder im nächsten oder

überhaupt stattfinden wird. Zu so etwas gehören immer zwei. Ich hatte ein
solches Treffen angeregt in der Annahme, daß er - wie Sie wissen - möglicherweise zu der Sondersitzung der Vereinten Nationen nach New York kommen würde

-5 -

�kommen würde und daß wir während seiner Anwesenheit hier zusammentreffen könnten, wie es ja auch der Fall war mit anderen hier anwesenden Staatschefs. Dann
stellte sich heraus, daß er nicht kommen würde, und dies führte zu dem Gerede
von einer möglichen Gipfelkonferenz.
Ein Gipfeltreffen ist nicht die Antwort oder das Allheilmittel für alles,
das nicht richtig läuft auf der Welt. Es muß vielmehr sorgfältig vorbereitet
werden. Eine Tagesordnung muß ausgearbeitet werden, und das geschieht auf einer
Konferenz der Außenminister. Wenn ich also davon sprach, daß daran gearbeitet
wird, so wollte ich damit nur sagen, daß unser Außenministerium mit der Sowjetunion diesbezüglich in Verbindung stand. Es hat bisher keine positiven Antworten oder Schritte gegeben. Der Hinweis auf ein bestehendes Interesse ist alles.
Wir setzen dies fort, und wenn der Zeitpunkt gekommen ist und wir wissen, daß
es eine Tagesordnung gibt und daß mit einer solchen Zusammenkunft einem wirklichen Zweck gedient ist, dann werden wir eine Gipfelkonferenz haben.
Frage: Wie Sie vorhin erklärt haben und dies auch von Ihren
gesagt worden ist, hat PLO-Chef Arafat noch nicht den Bedingungen
die die amerikanische Regierung für direkte Gespräche.mit der PLO
hat. Sind Sie trotzdem der Meinung, daß sich Mr. Arafat in dieser
wegt? und würden Sie eine solche Entwicklung begrüßen?

Sprechern
entsprochen,
festgelegt
Richtung be-

Antwort: Nun, es wäre meiner Ansicht nach schon ein Fortschritt, wenn
die PLO ihre bisher eingenommene Haltung ändern würde, wonach Israel zerstört
werden müsse und kein Recht habe, als Nation zu existieren. Das würde erfordern, daß den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen entsprochen wird,
daß man also zustimmt, daß Israel eine Nation ist und das Recht hat, zu existieren. Dann meine ich, könnten die Vereinigten Staaten in Gespräche mit der
PLO eintreten. Ich spreche nicht für Israel; es liegt bei ihnen, und wir können nicht für sie sprechen. Wir handeln als Vermittler, der seine guten Dienste
anbietet und behilflich sein will, im Nahen Osten Frieden zustandezubringen.
Frage: Würden Sie dann auch einen unabhängigen Palästinenserstaat unter-

- 6 -

�Palästinenserstaat unterstützen, was ja die PLO wünscht?
Antwort:

Auch das ist meiner Ansicht nach wiederum Sache der Verhandlun-

gen. Wir wollen ihnen nichts aufzwingen, aber Ägypten und Israel sollten im
Rahmen des Abkommens von Camp David jetzt in eine Gesprächsrunde über die
Autonomie für die Palästinenser

eintreten. Aber auch dies verzögert sich we-

gen der Tragödie im Libanon. Dennoch meine ich, es liegt bei ihnen, wie sich
diese Autonomie entwickelt und was sie als die richtige Lösung für das Palästinenserproblem ansehen.
Frage: Herr Präsident, Kritiker haben erklärt, daß es in El Salvador
weder Fortschritte im Hinblick auf die Menschenrechte noch in der Frage der
Landreform gibt. Die dortige Regierung muß immer noch mit uns zusammenarbeiten hinsichtlich der Untersuchung der Ermordung der vier amerikanischen
Missionare. Können Sie uns sagen, warum Sie die fortdauernde Militärhilfe
für El Salvador gebilligt haben und warum man nicht annehmen könnte, daß
Sie damit die falsche Botschaft an die rechtsgerichteten Kräfte dort übermittelt haben?
Antwort:

Das State Department hat diese Hilfebestätigung veranlaßt,

und in den nächsten Tagen werden Zeugen, Beobachter gehört werden, die Stellung dazu nehmen, warum sie bestätigt haben, daß die salvadorianische Regierung Fortschritte bei der Verbesserung der Menschenrechtslage dort macht.
Ich bin ganz sicher, daß dort unglückliche Dinge passieren. Die Frage
ist: Machen sie legitime Fortschritte und in gutem Glauben, um zu einer Lösung zu gelangen? Und die Zeugenaussagen werden zeigen, daß dies der Fall ist.
Was nun die Landreform angeht, so ist es richtig, daß es eine gewisse
Verwirrunc gab, als die neue Regierung ihr Amt antrat. Aber wiederum möchte
ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, daß es schon so lange Fehlinformationen und ausgesprochen falsche Propaganda über El Salvador und den

- 7 -

�und den Kampf dort gibt; dies wurde bloßgestellt.durch die Wahlbeteiligung,
wo die Menschen angesichts der Guerilla-Hinterhalte und trotz der Bedrohung
ihres Lebens an die Wahlurnen traten, um für Ordnung in der Regierung zu
stimmen.
Ich sagte, daß es eine gewisse Verwirrung gab hinsichtlich der Landreform. Meines Wissens hat sich dies geändert; Tausende haben inzwischen die
Besitzurkunden für ihr Land erhalten, und in mehreren Hundert Fällen steht
dies noch an.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. August 1982

30

REAGAN: INF-GESPRÄCHE SIND MODELL FÜR ZUKÜNFTIGE VERHANDLUNGEN
- Botschaft des Präsidenten zur Rüstungskontrolle -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 26. Juni 1982 die Gespräche
über die nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) in Genf als Modell für zukünftige Verhandlungen mit der Sowjetunion bezeichnet.

In einer Botschaft an den

amerikanischen Kongreß anläßlich der Unterbreitung des Jahresberichtes des
US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) erklärte der Präsident,
dieser erste Bericht seiner Administration zeige, "daß wir wirklich mündig
und reif geworden sind in unserer Haltung zur Rüstungskontrolle und Abrüstung."
Die Botschaft Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, Ihnen den Jahresbericht des US-Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung für 1981 unterbreiten zu können.

Ich bin der Oberzeugung, daß

dieser Bericht - der erste, den meine Administration vorlegt, und der 21. seit
der Schaffung dieses Amtes - zeigt, daß wir wirklich mündig und reif geworden
sind in unserer Haltung zur Rüstungskontrolle und Abrüstung.
Im Jahr 1981 nahmen wir die erste Runde in einer Serie von Verhandlungen
mit der Sowjetunion auf, um die Gefahr eines nuklearen Krieges zu vermindern.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zu vermindern.

Die Gespräche über nukleare Mittelstreckenraketen (INF), die

das Team von Botschafter Paul H. Nitze im November begonnen hat, sind ein
Modell für weitere Verhandlungen mit der Sowjetunion.
Es ist unsere Absicht, die potentiell destruktivsten und politisch destabil isierendsten Waffen als erstes anzugehen.

Bei den INF-Gesprächen, die in

Genf stattfinden, sind wir darum bemüht, daß die Sowjetunion ihre nuklearen
Mittel Streckenwaffen demontiert, im Austausch für unsere Verpflichtung, keine PERSHING II und keine Marschflugkörper zu dislozieren, wie die NATO dies
im Dezember 1979 gefordert hat.
In der Folge - und zwar in der Periode, die in dem Bericht des nächsten
Jahres behandelt werden wird - ergriffen wir neue wesentliche Initiativen im
Hinblick auf die strategischen Rüstungsreduzierungsgespräche (START) sowie in
dem Bemühen um die Reduzierung der konventionellen Arsenale im Rahmen der
MBFR-Verhandlungen.

Diese sowie andere wichtige Rüstungskontrollinitiativen

habe ich in meiner Rede am 17. Juni 1982 auf der Sondersitzung der Vereinten
Nationen über Abrüstungsfragen behandelt, die zu Ihrer weiteren Information
in einem Annex zum beigefügten Jahresbericht enthalten ist.
Statt Obergrenzen in Rüstungskontrollvertragen anzustreben, sind wir
bemüht, eine wirkliche Rüstungskontrolle durch ausgehandelte Reduzierungen
zustandezubringen. Wir haben uns der Verminderung der Gefahr eines nuklearen
Krieges verschrieben, indem allmählich die nuklearen Arsenale abgebaut werden,
so daß nur diejenigen Waffen verbleiben, die vernünftigerweise eine beiderseitige Abschreckung garantieren können.
Ich bin fest davon überzeugt, daß der Kurs, den wir verfolgen, sowohl
vernünftig als auch realistisch ist. Wir haben die sowjetische Einstellung
zur Militärstrategie und die Bedrohung analysiert, die durch die sowjetischen
Streitkräfte gegeben ist. Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß Rüstungskontrolle eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung unserer Außenpolitik und als
Ergänzung unserer Abschreckungspolitik spielen muß.
Wir haben
- 2 -

�Wir haben uns der Abschreckung verpflichtet.

Wir werden an der Seite

unserer Verbündeten und Freunde stehen, und wir werden sie regelmäßig konsultieren, wenn wir darangehen, unsere
Streitkräfte neu zu ordnen.

konventionellen und unsere nuklearen

Die Abschreckung hat seit über 35 Jahren funk-

tioniert.
Wenn Sie sich mit dem Jahresbericht 1981 befassen, so hoffe ich, daß
Sie - wie es bei mir der Fall war - zu dem Eindruck gelangen werden, daß die
abgewogene und überlegte Haltung zur Rüstungskontrolle, durch erschöpfende
Überprüfungen und Analysen möglich gemacht, zum ersten Male zu einem wohldurchdachten Programm geführt hat, um die Trends der Vergangenheit umzukehren
und einen dauerhaften Frieden zustandezubringen.
Wir wollen die Rüstungskontrolle und Abrüstung mit Hilfe von Abkommen
verfolgen, die verständlich, verifizierbar und gerecht sind. Ich bin sicher,
daß ich Ihre Aufmerksamkeit bei zukünftigen Jahresberichten auf ähnliche
Fortschritte lenken kann.

+ + + + +

- 3 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

4. August 1982

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN GETREIDEABKOMMEN
- Präsident genehmigt einjährige Verlängerung -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat ein neues, langfristiges Getreideabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ausgeschlossen
und lediglich eine einjährige Verlängerung des derzeitigen Abkommens genehmigt,
das am 30. September ausläuft.
Bei Bekanntgabe seiner Entscheidung erklärte Reagan: "Die Sowjets sollten
nicht die zusätzliche Sicherheit eines neuen langfristigen Getreideabkommens
haben, solange die Unterdrückung in Polen andauert."
Außerdem wies er auf folgende Punkte hin:
- Getreideverkäufe haben nur wenig Auswirkung auf die sowjetischen Industrieund Militärkapazitäten;
- Solche Verkäufe absorbieren Deviseneinnahmen und stehen daher in Einklang
mit anderen politischen Maßnahmen der Vereinigten Staaten hinsichtlich der
Sowjetunion.
Die Ankündigung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Ankündigung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Das amerikanisch-sowjetische Getreideabkommen, das unseren Getreidehandel
mit der Sowjetunion seit 1976 bestimmt, wird am 30. September auslaufen. Nach
Diskussion innerhalb des Kabinetts habe ich die zuständigen amerikanischen
Stellen ermächtigt, die Möglichkeit einer einjährigen Verlängerung des bestehenden Getreideabkommens mit der Sowjetunion zu prüfen. Ich habe sie außerdem ermächtigt, innerhalb der Konsultationen mit den Sowjets, wie sie üblicherweise
im Rahmen des Abkommens durchgeführt werden, die Möglichkeit zusätzlicher Getreideverkäufe an die Sowjetunion zu sondieren.
Bei dieser Entscheidung habe ich jegliche Verhandlung über ein neues langfristiges Abkommen zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen. Am 29. Dezember verschob
ich solche Verhandlungen, bis die Sowjetunion zeigt, daß sie bereit ist, ein
Fortschreiten des Prozesses der Versöhnung in Polen zu ermöglichen und diesen
Wunsch mit Taten - und nicht allein mit Worten - zu unterstreichen. Meine Entscheidung stärkt diese Zielsetzung. Die Sowjets sollten nicht die zusätzliche
Sicherheit eines neuen langfristigen Getreideabkommens haben, solange die Unterdrückung in Polen andauert.
Gleichzeitig sollen die amerikanischen Farmer nicht allein die Lasten dieser
Politik gegenüber der Sowjetunion tragen. Im Frühjahr 1981 hob ich das Getreideembargo auf, das von der vorhergehenden Administration verhängt worden war,
da es nicht die gewünschte Wirkung hatte, die UdSSR für ihre brutale Invasion
und Besetzung Afghanistans zu bestrafen. Stattdessen sprangen andere Anbieter
dieser in großem Umfang zur Verfügung stehenden Handelsware ein, um für einen
Ausgleich bei dem Getreide zu sorgen, das normalerweise von amerikanischen
Farmern geliefert worden wäre. Diese Entwicklung höhlte das gewaltige Opfer,
das unsere Farmer gebracht hatten, beträchtlich aus, und ich versprach damals
feierlich, kein Getreideembargo mehr unilateral zu verhängen, solange es nicht
Teil eines generellen Abbruchs der Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sei.
Ich erneuere

- 2 -

�Ich erneuere heute dieses Versprechen gegenüber den amerikanischen Farmern.
Die amerikanischen Farmer können sicher sein, daß sie auch weiterhin eine
faire Möglichkeit haben, der UdSSR Getreide auf Grundlage von Barzahlung zu
liefern. Andere Liferanten, die manchmal unsere Getreideverkäufe kritisieren,
liefern der Sowjetunion ebenfalls Getreide. Getreideverkäufe haben wenig Auswirkung auf die sowjetischen Militär- und Industriekapazitäten. Sie absorbieren
Deviseneinnahmen und ernähren das sowjetische Volk, das am meisten unter der
katastrophalen Wirtschaftspolitik der sowjetischen Regierung leidet.

+++++

- 3 -

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30

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. August 1982

REDE DER AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERIN JEAN GERARD
AUF DER UNESCO-WELTKULTURKONFERENZ

MEXIKO CITY - (AD) - Die Leiterin der amerikanischen Delegation bei der
Weltkonferenz über Kulturpolitik (MONDIACULT), Botschafterin Jean Gerard,
hielt am 27. Juli 1982 aufdieser UNESCO-Konferenz eine Rede, in der sie eine
"Politik der Freiheit" forderte und sich gegen ein jegliches System kultureller Maßstäbe und Normen wandte, das die Rechte des Einzelmenschen begrenzen
würde. Sie erklärte, daß die Pressefreiheit ein entscheidendes Erfordernis
für ein unbehindertes kulturelles Umfeld sei - ein Umfeld, das "zur Pluralität, zur Vielfalt und zu einem uneingeschränkten schöpferischen Potential ermutigt - und das den ungehinderten Austausch kultureller Güter fördert".
Die Rede von Botschafterin Jean Gerard hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten sind zu dieser Konferenz in dem Geist gekommen,
den Präsident Reagan mit den folgenden Worten umschrieben hat:
"Wir wissen,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�"Wir wissen, daß andere Nationen unterschiedliche Wege in Richtung auf
unsere gemeinsamen Ziele einschlagen, aber dennoch können wir zusammenkommen
und gemeinsam für ein höheres Ziel arbeiten. Es ist eine Herausforderung für
unsere Demokratie, eine gemeinsame Zielsetzung und Mission zu finden, ohne
das Grundrecht der Selbstbestimmung zu opfern."
Es ist nur zu passend, daß wir uns hier treffen, denn Mexiko symbolisiert
beispielhaft eine wunderbare, vielfältige und pluralistische Kulturtradition.
Mexiko bietet ein echtes Modell - nicht nur der Toleranz, sondern auch der
harmonischen und fruchtbringenden Zusammenarbeit und echter kultureller Integration. Innerhalb eines Rahmens der Gleichheit und Freiheit zeigt sich hier
die echte Heimstatt der "kosmischen Rasse", von der Jose Vasconcelos spricht.
Außerdem kann man angesichts der kulturellen Schätze Mexikos sicher sagen,
daß der Beitrag Mexikos zum kulturellen Erbe der Menschheit seinesgleichen
sucht.
In Mexiko herrscht eine wunderbare Atmosphäre der Freiheit und der Schaffensfreude. Sie hat das Gedeihen aller Künste ermöglicht und ermutigt, indem
ein Umfeld der Freiheit geschaffen wurde, wie es für die Arbeit des Intellektuellen, des Künstlers und des Wissenschaftlers von entscheidender Bedeutung
ist - ein Umfeld, das den ungehinderten Austausch von Informationen, Ideen
und Kulturgütern ermöglicht.
Aus unserer Sicht steht bei dieser Konzeption eines freizügigen kulturellen Umfeldes an oberster Stelle das Grunderfordernis einer freien Presse. Wir
in den Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß die Pressefreiheit die
grundlegendste Freiheit ist, der Eckstein einer repräsentativen, demokratischen Regierung und zugleich eine entscheidendeVorbedingung.eines freizügigen kulturellen Umfeldes - eines Umfeldes, das zur Pluralität, zur Vielfalt
und zu einem uneingeschränkten schöpferischen Potential ermutigt und das den
ungehinderten Austausch kultureller Güter fördert.
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine Nation von Einwanderern,

- 2 -

�von Einwanderern, eine Nation von Nationen, ein Volk, zusammengesetzt aus
Menschen, die aus allen Erdteilen gekommen sind und die eine Vielzahl von
eigenständigen Kulturen, Sprachen und Traditionen vertreten. Wir sind davon
überzeugt, daß unsere Vielfalt, unsere pluralistischen Ursprünge unser kulturelles Erbe ungeheuer bereichert haben. Sie haben unserem demokratischen
System sowie der Situation unserer schöpferischen Künstler, Humanisten, Wissenschaftler, Intellektuellen und Erfinder in der heutigen Welt Realität und
Substanz gegeben.
Aus dieser nationalen Erfahrung ziehen wir, während wir auch weiterhin
jedes Jahr Tausende von Einwanderern, Flüchtlingen und Exilanten empfangen,
den Schluß, daß die Definition des Begriffs "Kultur" breitangelegt sein muß.
Sie muß alle Formen der schöpferischen Tätigkeit, sie muß die Konzepte kultureller Vielfalt und Freiheit miteinbeziehen.
In dieser Hinsicht stimmen wir mit Octavio Paz überein, daß "im strengsten Sinne keine Gesellschaft gerechtfertigt sein kann, solange noch in ihr
die eine oder die andere Form der Unterdrückung besteht". Es war der unsterbliche Benito Juarez, dessen Namen diese Halle trägt, der - wie es hier auf
der Wand geschrieben steht - gesagt hat: "Friede ist der Respekt vor den
Rechten anderer - El Respecto al Derecho a Jeno es la Paz." Wir erklären,
daß dieser Respekt das Recht aller Menschen dieser Welt auf ein besseres Leben, auf Freiheit vor Furcht und Mangel, auf Chancengleichheit, insbesondere
hinsichtlich der Selbstvowirklichung im Bildungs- und im kulturellen Bereich,
umfaßt.
Die amerikanische Delegation erhebt ihre Stimme für all jene, die weniger begünstigt sind, für all jene, die Opfer von Diskriminierung und Vorurteilen, von Totalitarismus, von Rassismus und wirtschaftlichem Mangel sind. Sie
sind es, für die diese Konferenz zusammengetreten ist und denen diese Konferenz ihre ganz besondere Aufmerksamkeit schenken muß.
Während wir

�Während wir uns voll und ganz der Bedeutung des Staates bei der Ermutigung zu kultureller Tätigkeit bewußt sind, halten wir genauso stark an dem
Grundsatz fest, daß die Beteiligung des privaten Sektors bei der Förderung
kultureller Tätigkeiten betont werden sollte. Es ist dies unsere Tradition in einem Land, in dem alle kulturellen Institutionen bis vor kurzem noch zu
einem großen Teil ohne öffentliche Unterstützung durch Privatinitiative geschaffen und finanziell unterstützt wurden.
Dies ist der Fall bei unseren Universitäten, unseren Bibliotheken,
Symphonieorchestern und Konzerthallen, unseren Forschungszentren, Museen
und Kunstsammlungen,unseren gemeinnützigen Stiftungen, unseren Zentren der
darstellenden Künste, unserer Künstlerkolonien usw. Zudem sind in den Vereinigten Staaten - abgesehen von der Rolle der nationalen Stiftungen für
die Künste und die Geisteswissenschaften - die beiden Hauptgeldquellen bei
kulturellen Ereignissen die Einnahmen und Zuwendungen von Privatleuten.
Die amerikanische Regierung hat sich stets für das Konzept eingesetzt,
daß keine Gesellschaft in ihrem Entwicklungsprozeß die kulturellen Bedürfnisse der Menschen aus dem Auge verlieren darf. Unsere historische Erfahrung zeigt, daß das wirtschaftliche Leben am besten durch die kulturelle
Aktivität innerhalb eines Systems des ungehinderten Austausches angeregt
werden kann und daß Kreativität und künstlerischer Wettbewerb frei von aufdringlicher staatlicher Kontrolle bleiben sollen.
Der einzelne hat genauso wie die Gruppe oder die Gesellschaft ein Recht
auf kulturelle Selbstverwirklichung. In diesem Recht enthalten ist die Möglichkeit für den einzelnen oder die Gruppe, die Teilnahme an solchen Formen
künstlerischen Ausdrucks zu verweigern, den dieser einzelne oder diese Gruppe
nicht billigen. Wir sind der Überzeugung, daß eine kulturelle Demokratie am
besten durch kulturellen Pluralismus gewährleistet ist, der zu einer fruchtbaren wechselseitigen Bereicherung führt.
Dieser Prozeß der wechselseitigen Befruchtung wird durch die Freiheit der

- 4 -

�Freiheit der Kommunikation erleichtert, wobei der einzelne Künstler seine
Ideen und kulturellen Produkte über die nationalen Grenzen hinweg austauschen
kann. Der schöpferische Künstler kann als Weltbürger gesehen werden: frei, überall hinzureisen, sich darzustellen und in internationalem Rahmen Ideen und
Kulturgüter zu schaffen und auszutauschen. Durch internationalen Kulturaustausch und Zusammenarbeit aller Art werden Fortschritt und Frieden gefördert.
Wir wehren uns aus vollster Überzeugung gegen die Vorstellung von höheren und minderwertigeren Kulturen. Ich freue mich feststellen zu können, daß
kulturelle Gleichheit seit Beginn unserer Geschichte das Ziel des Volkes und
der Regierung der Vereinigten Staaten war und daß wir größere Gleichheit bei
den kulturellen Möglichkeiten nicht nur im Zusammenhang mit den entsprechenden kulturellen Manifestationen unseres Volkes als Ganzes anstreben, sondern
auch für alle unsere ethnischen Gruppen und alle unsere Bürger als Individuen.
Außerdem anerkennen die Vereinigten Staaten den Wert aller kultureller
Aktivität sowie die Notwendigkeit zum Schutz, zur Sicherung und zur Bewahrung des kulturellen Erbes eines Volkes. Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten die Konvention der UNESCO aus dem Jahre 1970 über die Mittel zum
Verbot und zur Verhinderung des unerlaubten Transfers von kulturellem Eigentum
unterzeichnet und halten diese ein. Es dürfte gut sein, an dieser Stelle noch
einmal die Grundsätze der internationalen kulturellen Zusammenarbeit zu bekräftigen, wie sie von der Vollversammlung der UNESCO am 4. November 1966, dem 20.
Jahrestag der Gründung der UNESCO, übernommen wurden.
Diese Prinzipien basieren auf den Voraussetzungen, wie sie Artikel I
dieser Deklaration zum Ausdruck bringt:
1. Jede Kultur hat eine Würde und einen Wert, die respektiert und bewahrt
werden müssen.
2. Jedes Volk hat das Recht und die Pflicht, seine Kultur zu entwickeln.
3. In

�3. In ihrer Vielfalt und ihrem Abwechslungsreichtum sowie in den gegenseitigen Einflüssen, die sie aufeinander ausüben, bilden alle Kulturen
Teil des gemeinsamen Erbes, das der ganzen Menschheit gehört.
Wir sind der Oberzeugung, daß das kulturelle Wachstum und die kulturelle
Entwicklung gefördert und geschützt werden, wenn man sich an diese Grundsätze
hält. Geschützt sind auch die kulturellen Rechte des Einzelmenschen hinsichtlich der ungehinderten Verwirklichung seiner oder ihrer kulturellen Darstellungsmöglichkeiten und des Potentials zur kulturellen Kreativität.
Die Vereinigten Staaten lehnen international auferlegte Systeme kultureller Maßstäbe oder Normen ab, die in irgendeiner Weise die Rechte des einzelnen
beschränken. Solche Systeme könnten vielleicht dazu-benützt werden ,den verschiedenartigen Gesellschaften kulturelle Normen aufzuzwingen. Diese Normen würden
unvermeidlicherweise auf dem niedrigsten gemeinsamen Nenner basieren. Dies
würde unserer Meinung nach jegliche Kreativität ersticken und zu einer öden
Gleichförmigkeit führen statt zu der Reichhaltigkeit, die aus Vielfalt und
freiem Austausch herrührt.
Die Vereinigten Staaten lehnen ebenfalls jede hierarchische Bewertung
der Kultur, kultureller Formen oder kultureller Aktivitäten ab und zwar wegen
ihres festen Glaubens an die Gleichberechtigung und den Wert der Leistungen
aller Kulturen. Jede verdient gleichen Respekt und gleiche Ermutigung.
Historisch gesehen haben sich die Kulturen in einem weiten Bereich verschiedenartiger Systeme entwickelt. Wir wenden uns gegen eine Haltung auf
internationaler Ebene, die die Tatsache negiert, daß Kulturen verschiedenartige Ausdrucksformen sind, die auf Unterschieden des Ursprungs, der Umwelt
und der Traditionen basieren. Wir wenden uns gegen die Vorstellung, daß eine
Kultur allein durch die wirtschaftliche Situation vorherbestimmt ist oder
werden kann, da ja sehr wohl viele großartige Kulturleistungen gerade in den
ärmsten Ländern und den einfachsten sozialen Strukturen zu finden sind.
Der sehr

�Der sehr ehrenwerte UNESCO-Generalsekretär hat gerade diese Frage in
seiner Rede am Eröffnungstag der Konferenz angesprochen. Darüber hinaus sind
wir überzeugt, daß die Zustimmung zu einer solch doktrinären Einstellung die
Verhängung von Restriktionen bezüglich des freien Flusses von Informationen,
des internationalen Austausches und Handels sowie anderer Formen der freien
Äußerung nach sich ziehen kann. Solche Doktrinen würden zu vermehrter staatlicher Kontrolle kreativer Vorhaben führen.
Wir glauben, daß die richtige Rolle einer Regierung freiheitlichen Charakters von Michael Novak passend beschrieben wird, wenn er sagt,

daß sie

"den einzelnen gemeinschaftlich mit anderen in den Stand setzen soll, den
eigenen Neigungen und Befähigungen nachzugehen, um das zu werden, was er werden kann". Um mit den Worten Jeffersons in unserer Unabhängigkeitserklärung
zu sprechen: Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück. "Die Freiheit so zu nutzen",

so erklärt Novak weiter, "ist das ameri-

kanische Ziel. Dies ist auch das amerikanische Verfahren."
Wir sind der Überzeugung, daß das amerikanische Ziel und das amerikanische Verfahren in Übereinstimmung stehen mit der vorhin erwähnten Deklaration der UNESCO aus dem Jahre 1966, in der proklamiert wird, daß "das Streben nach Wahrheit sowie der freie Austausch von Ideen und Wissen es jedermann
ermöglicht, Zugang zum Wissen zu haben, sich der Künste und der Literatur aller Völker zu erfreuen, die wissenschaftlichen Fortschritte in allen Teilen
der Welt und die daraus resultierenden Segnungen zu teilen und zur Bereicherung des kulturellen Lebens beizutragen".
Deshalb ist unsere Kulturpolitik eine Politik der Freiheit. Der kulturelle Prozeß in den Vereinigten Staaten kommt voran, ohne daß es eine,formelle
nationale Kulturpolitik gibt. Unsere Verfassung, unser Rechtssystem der Trennung der Gewalten, unser Eintreten für den Schutz der Rechte des einzelnen,
die demographischen, rassischen, sozialen und ethnischen Unterschiede in unserem Lande - all dies spricht für diese Haltung.
Die Feststellung

- 7 -

�Die Feststellung der UNESCO, daß es "nicht eine alleinige Kulturpolitik
für alle Länder gibt", wurde kürzlich zutreffend von Dr. Arthur Sackler, einem
hervorragenden Wissenschaftler und Mitglied meiner Delegation angeführt, als
er darauf hinwies, daß es in diesem Sinne auch nicht eine alleinige Kulturpolitik gäbe, die auf die sehr vielfältigen Bevölkerungsteile in den Vereinigten Staaten von Amerika insgesamt anwendbar sei.
Meine bisherigen Ausführungen waren eine Darlegung der kulturellen Werte
und Prozesse der Vereinigten Staaten von Amerika. Ich habe sie weder als ein
universales Modell vorgestellt, noch habe ich die kulturellen Werte anderer
angegriffen oder in Frage gestellt.
Diese Regel ist von einigen anderen Delegationen, die heute hier gesprochen haben, nicht eingehalten worden. Ich habe nicht die Absicht, zu diesem
Zeitpunkt auf diese Kritik zu antworten. Im weiteren Verlauf dieser Konferenz
wird meine Delegation jedoch nicht mehr solchen Angriffen auf unsere Werte
zuhören - ob sie nun in ideologischen Begriffen formuliert werden oder in
Form abgedroschener, unsinniger Klischees - ohne die

Prinzipien zu verteidi-

gen, an die wir zutiefst glauben.
Wir sind nicht nach Mexiko gekommen

um der Konfrontation willen. Wir

hoffen, daß dies vermieden werden kann. Wir hoffen auch zutiefst, daß andere
im Interesse einer ernsthaften Erörterung der wichtigen Tagesordnungspunkte
diesem Beispiel folgen werden.
Die Aufgabe, die wir hier in Angriff genommen haben, soll den Kurs des
kulturellen Fortschritts der Menschen in der Welt in den noch verbleibenden
Jahren dieses Jahrhunderts und bis weit hinein ins nächste Jahrhundert aufzeigen. Dies ist unsere noble Verantwortlichkeit und Herausforderung. Wir
gehen an diese Aufgabe heran in der echten Entschlossenheit, als gleichberechtigte Partner aller anderen Nationen mit dazu beizutragen, daß eine bessere und freiere Zukunft für die Menschheit gesichert wird.
Bei diesem

- 8 -

�Bei diesem hehren Unterfangen werden uns die Prinzipien und Zielsetzungen,
die zunächst zur Gründung der Vereinten Nationen und dann der UNESCO angeregt
haben, auch weiterhin leiten und Richtschnur sein.
Präsident Reagan hat kürzlich in einer Ansprache vor den Vereinten Nationen die "anhaltende Verpflichtung der Vereinigten Staaten gegenüber den Prinzipien, auf denen die Vereinten Nationen vor etwa 37 Jahren gegründet wurden",
bekräftigt. Er erinnerte an die Inspiration der "vier Freiheiten zu einem Zeitpunkt, da freiheitsliebende Menschen in dieser Welt eine Inspiration so bitter
nötig haben. In sehr realer Weise hat sich ... diese Institution dem Frieden
verschrieben..., und ich kann Ihnen heute versichern, daß die Amerikaner - so
unvollkommen die Realität auch sein mag - diesen Traum noch immer träumen."
Die Vereinigten Staaten stehen daher treu und in vollem Umfang zu der
Verpflichtung, diese internationalen Organisationen zu unterstützen und in
ihnen mitzuarbeiten. Wir hoffen, daß diese Konferenz unsere Verpflichtung auf
eine Welt bestätigen und bekräftigen wird, die gekennzeichnet ist durch das
Ideal freier, schöpferischer Leistungen des einzelnen, einer größeren Modernisierung der Kultur und eines Gesamtwachstums kultureller Freiheit für jede
Nation auf Erden.
Wir sind voll und ganz davon überzeugt, daß diese Konferenz einen überaus
bemerkenswerten Beitrag zu diesen Zielen leisten wird. Um den alten traditionellen Ausspruch des aztekischen Propheten zu zitieren, der über dem Eingang
des ausgezeichneten anthropologischen Museums dieser Stadt geschrieben steht:
"Durch Euer Geschlecht wird der Geist sprechen."

+ + + + +

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

4. August 1982

MACDONALD: DAS PRINZIP DER GEGENSEITIGKEIT IST KERNSTÜCK
DER LIBERALISIERUNG DES WELTHANDELS

WASHINGTON - (AD) - Der stellvertretende Sonderbevollmächtigte des Präsidenten für Handelsverhandlungen David MacDonald,erklärte am 26. Juli 1982
vor einem Unterausschuß des Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses,
daß der Entwurf zu einem neuen Außenhandelsgesetz, der gegenwärtig dem Kongreß zur Beratung vorliegt, im Falle seiner Verabschiedung der amerikanischen
Regierung ein geeignetes Instrument an die Hand geben werde, die Marktchancen
amerikanischer Exporteure im Ausland zu erweitern.
Die wichtigsten Teile der Ausführungen MacDonalds haben folgenden Wortlaut:
Gegenseitigkeit ist... das Fundament des internationalen Handelssystems,
das die Vereinigten Staaten mitgeschaffen haben. Seit Erlaß des Gesetzes über
den gegenseitigen Handel von 1934 standen die Vereinigten Staaten bei den wichtigeren multilateralen Handelsverhandlungen, die auf eine Liberalisierung der
Außenhandelspraktiken und der Außenhandelspolitik abzielten, stets mit in

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�mit in vorderster Front. Kern solcher Verhandlungen,zu denen auch die der
Kennedy-Runde in den sechziger Jahren und die der 1979 beendeten Tokio-Runde
zählen, war jeweils die Liberalisierung auf der Basis der Gegenseitigkeit
Faire und gleiche Marktchancen für amerikanische Exporteure, Investoren
und Dienstleistungsanbieter waren und bleiben ein Ziel dieser Administration
Wir müssen darauf bedacht sein, eine verzerrende Verwendung des Begriffs der Gegenseitigkeit zu verhindern, die unser ohnehin verletzliches multilaterales Handelssystem unterminieren, Vergeltungsmaßnahmen im Ausland auslösen, die Vereinigten Staaten weiterer Exportchancen berauben und unsere
Rolle als führende Macht der Bestrebungen zur Liberalisierung des Welthandels schwächen, wenn nicht gar beseitigen könnte...
Unser Eintreten für eine freie Außenhandelspolitik verlangt von uns:
bestehende Handelsabmachungen ebenso wie alle binnenrechtlichen Vorschriften,
die zur Durchführung der Handelsgesetze erlassen wurden, streng einzuhalten;
unsere Gesetze für den Binnenhandel zu stärken, um sie praktikabler zu machen
und den Bedürfnissen jener besser anzupassen, zu deren Schutz sie erlassen
wurden; und ein tieferes Verständnis jener Handelsprobleme aufzubringen, die
innerhalb des von allen Seiten anerkannten internationalen Rahmen; des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) auftreten...
In Stellungnahmen der amerikanischen Administration wurden wiederholt
vier Grundsätze dargelegt, die unsere Haltung zu jedem einschlägigen Gesetz
bestimmen:
- Erstens muß es voll und ganz mit unseren laufenden Verpflichtungen unter dem GATT und unter anderen internationalen Abmachungen vereinbar sein.
- Zweitens muß es multilaterale statt bilaterale oder sektormäßige Problemlösungen anstreben.
- Drittens muß es auf die Stärkung der internationalen Institutionen be-

�Institutionen bedacht sein und die Ausdehnung internationaler Abmachungen
auf Gebiete wie Dienstleistungen, Investitionen und fortschrittliche Technologien zum Ziel haben, die gegenwärtig von den einschlägigen Regelungen nicht
erfaßt werden.
- Viertens muß es das Verhandlungsmandat des Präsidenten und desspn Flexibilität

in Verhandlungen zur Schaffung eines noch liberaleren Welthandels-

systems und zum weiteren Abbau von Handelsschranken, die amerikanische Arbeiter und Unternehmen berühren, stärken...
Die Schaffung eines internationalen Forums ist dringend notwendig, wenn
wir wünschen, daß unsere Interessen im Welthandelssystem angemessen berücksichtigt werden. Aus dieser Erwägung heraus nehmen die Vereinigten Staaten
aktiv an den Vorbereitungen für die GATT-Ministerkonferenz teil, die im November dieses Jahres stattfinden soll. Wir hoffen, daß diese Tagung nicht nur
das Funktionieren und die Durchführung der aus internationalen Handelsverhandlungen hervorgegangenen Vereinbarungen überprüfen, sondern auch einen neuen
Kurs für die Welthandelsaktivitäten während der restlichen achtziger Jahre
festlegen wird. Eine unserer wichtigsten Zielsetzungen ist die Einleitung
von Arbeitsprogrammen in bezug auf Dienstleistungen und die mit dem Außenhandel in Beziehung stehenden Investitionen und hochtechnischen Produkte.
Wir hoffen ferner, die Ministertagung dazu benutzen zu können, den Handel mit
Agrarprodukten durch Schaffung einer stärker am Handel mit Industrieerzeugnissen orientierten Ordnung erneuern und beleben zu können.
Diese Administration ist der festen Überzeugung, daß ihr angemessene
Gesetze bei der Verwirklichung ihrer internationalen Zielsetzungen gute
Dienste leisten können...
Die Elemente des Entschließungsentwurfs H.R. 6773, die Anlaß zu seiner
Befürwortung durch die Administration geben, lassen sich wie folgt zusammenfassen.
Mittel

- 3 -

�Mittel zur Verbesserung unserer Marktchancen im Ausland
Dienstleistungen:
Im Gegensatz zum Warenhandel müssen wir im Handel mit Dienstleistungen
derzeit ohne irgendwelche sinnvolle internationale Regelungen zurecht kommen.
Dies ist ein Gebiet, auf dem die Vereinigten Staaten wachsende Handelsaussichten, aber auch immer größere Hindernisse beobachten, die sie in der Nutzung
dieser Chancen behindern. Es ist deshalb an der Zeit, daß auf gesetzlichem
Wege spezifische Verhandlungsziele in bezug auf den internationalen Handel
mit Dienstleistungen aufgestellt werden.
Die Festlegung eines grundsätzlichen Verhandlungsziels auf dem Dienstleistungssektor, die Verminderung oder gänzliche Beseitigung von Schranken für
den internationalen Handel mit Dienstleistungen durch eine international anerkannte Regelung desselben, wäre eine wichtige und nützliche Ergänzung der
derzeitigen Verhandlungsvollmachten des Präsidenten.
Investitionen:
In bezug auf Investitionen sind unsere Verhandlungsziele, die Verminderung oder gänzliche Beseitigung verzerrender Schranken für Investitionen und
die Entwicklung von internationalen Regelungen für Investitionen unter Einschluß eines StreitregelungsVerfahrens, geeignet, dazu beizutragen, einen
freien Strom direkter Auslandsinvestitionen sicherzustellen - ein Ziel, das
die uneingeschränkte Unterstützung dieser Administration genießt.
Hochtechnische Erzeugnisse:
Hochtechnische Erzeugnisse und die dazugehörigen Dienstleistungen nebst
dem technischen "know how" sind für unsere eigene wirtschaftliche Entwicklung,
unsere Wettbewerbsfähigkeit im industriellen Bereich und unsere nationale Sicherheit von großer Bedeutung. Während der internationale Wettbewerb auf dem
Gebiet der hochtechnischen Produkte immer heftiger wird, deutet manches

�deutet manches darauf hin, daß sich die Wettbewerbsposition der amerikanischen
Industrie auf diesem Gebiet verschlechtert. Gewisse Anzeichen lassen erkennen,
daß in anderen Ländern der Staat die heimischen Hersteller hochtechnischer Produkte so stark fördert, daß sie zu einer Belastung des gesamten Handelssystems
werden und das Tempo der technologischen Innovation beeinträchtigen.
Die Administration ist der Auffassung, daß die Neuerung spezifischer Verhandlungsziele in bezug auf hochtechnische Produkte und die dazugehörigen
Dienstleistungen den amerikanischen Anstrengungen zur Beseitigung von internationalen Schranken und Handelsverzerrungen auf diesem Gebiet nur dienlich
sein könne. Da die Vollmacht zur Senkung der Zölle, wie sie der von der Administration nachdrücklich befürwortete,erweiterte Abschnitt 124 des Handelsgesetzes von 1974 vorsieht, Beschränkungen beinhaltet, die der Regierung nur einen
unzureichenden Spielraum für Verhandlungen über hochtechnische Erzeugnisse belassen, sollte ihr die Vollmacht zu Verhandlungen über hochtechnische Produkte
ausdrücklich zuerkannt und das diesbezügliche Gesetz möglichst noch in diesem
Jahre verabschiedet werden.

Die Durchsetzung amerikanischer Rechte:
Sehr nützlich wäre es auch, die Vollmachten des Präsidenten gemäß Abschnitt
301 des amerikanischen Außenhandelsgesetzes (der von unfairen Handelspraktiken
handelt) klar zu definieren und zu verbreitern,damit sie auch auf Dienstleistungen und Investitionen angewandt werden können. Wir müssen unseren Handelspartnern klar machen, daß wir uns entschlossen für faire und gleiche Marktchancen für amerikanische Interessenten einsetzen werden. Die wirksamste Methode,
dies zu tun, besteht für die amerikanische Regierung darin, die amerikanischen
Rechte unter amerikanischen und internationalen Gesetien aktiv zu vertreten
und auf die Schaffung neuer internationaler Kodizes. zu dränger»,WDsich dies als
notwendig erweist. Die dem Präsidenten gegenwärtig nach Abschnitt 301 zustehende Befugnis, eine Überprüfung der Wettbewerbslage bei einzelnen Produkten vornehmen zu lassen, erstreckt sich auch auf unfaire Praktiken im Bereich der
Dienstleistungen und Investitionen, die den amerikanischen Handel belasten.

- 5 -

�Handel belasten. Das muß hinreichend.klargestellt werden. Es war und bleibt
die Politik der US-Regierung, marktorientierte ausländische Direktinvestitionen in die Vereinigten Staaten zu begrüßen. Es ist ferner amerikanische
Politik, fairen amerikanischen Investoren im Ausland größtmögliche Chancen
zu verschaffen...
Die Gewähr der Gegenseitigkeit - eines Grundsatzes, der im GATT-Vertrag
und in unseren Außenhandelsgesetzen verankert ist, bleibt ebenso wie die Ausweitung der Marktchancen für ausländische Produkte ein Ziel jeder Freihandelspolitik. Ein dementsprechendes Gesetzgebungswerk ist der Administration
willkommen. Wir müssen uns aber sorgfältig davor hüten, Gesetze in Kraft zu
setzen, die geeignet wären, die Handelspolitik der USA in die Richtung einer
Gegenseitigkeit im Sinne bilateraler oder sektorweiser Lösungen oder gar von
Verhandlungen Produkt für Produkt abzudrängen. Unserer Auffassung nach besteht
die primäre und vorzuziehende Methode zur M l angung fairer und gleicher Marktchancen stets darin, die Liberalisierung der Auslandsmärkte zu betreiben,statt
ebenfalls restriktive Schranken um unsere eigenen Märkte zu errichten. Unser
Ziel muß es daher auch in Zukunft sein, unsere Handelspartner in Verhandlungen
zu einem Grad der Marktoffenheit zu bewegen, der ihnen und uns zum gemeinsamen Vorteil gereicht...

+ + + + +

- 6 -

�Hintergrund
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30

4. August 1982

PROBLEME DES ATLANTISCHEN BÜNDNISSES
- E i n Kommentar der Stimme Amerikas •

WASHINGTON - (AD) - Sind die Beziehungen zwischen Amerika und seinen
westeuropäischen Verbündeten auf ihrem tiefsten Stand seit 30 Jahren angelangt?

Einige Kommentatoren und Politiker scheinen das zu glauben - auch

wenn wieder andere die derzeitigen Reibungen als einen Familienkrach beschreiben, der sich mit der Zeit schon wieder in Luft auflösen wird.
Jene, die sich der düstereren Sicht verschrieben haben, gründen ihre
weittragenden Verallgemeinerungen auf zwei konkrete, wenn auch recht begrenzte Streitpunkte.

Der eine betrifft die amerikanischen Stahlimporte,

der andere die westliche Beteiligung am Bau einer sowjetischen Erdgasleitung von Sibirien nach Westeuropa.
Was den Stahl angeht, so hat die weltweite Rezession dazu beigetragen,
daß Stahlwerke stillgelegt und Arbeiter enthlassen wurden - und zwar auf
beiden Seiten des Atlantik.

Und doch haben sich die amerikanischen Stahl-

importe aus Europa in den vergangenen paar Jahren verdoppelt - dies als
Ergebnis massiver Subventionen europäischer Regierungen, die es den Firmen
dort erlaubten, die amerikanischen Preise zu unterbieten.

Tritt aber ein

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�aber ein solcher Fall ein, so fordern amerikanische Gesetze zusätzliche
Zölle.

Und genau das ist es, worüber sich Handelspolitiker der USA und der

Europäischen Gemeinschaft streiten - ob zusätzliche Zölle, die dem Plan nach
nächsten Monat Wirklichkeit werden sollen, durch Zurückhaltung seitens der
europäischen Exporteure vermieden werden können.

Amerikanisch-europäische

Handelsdispute dieser Art gab es in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrfach; ja, zu solchen Handelsdisputen ist es schon oft genug auch innerhalb
der Europäischen Gemeinschaft gekommen. Und dies ist auch ein Grund, warum
es eine ausgeklügelte Maschinerie zu ihrer Lösung gibt, die in Europa und
über den Atlantik hinweg in ständigem Einsatz steht.
Ernster und politischer ist der Streit über das sowjetische Gasröhrenprojekt. Hier fühlen sich die Europäer offensichtlich weit unmittelbarer
betroffen, haben sie doch zugestimmt, Kredite und Ausrüstung zur Verfügung
zu stellen und werden sie doch die Kunden für die neuen Erdgaslieferungen
der Sowjetunion in einer energiehungrigen Welt sein. In Washington macht
man sich über den wirtschaftlichen Aspekt weniger Sorgen als über die strategischen Implikationen - zu einer Zeit, da sowohl die Europäer als auch die
Amerikaner das internationale Verhalten der Sowjetunion beklagenswert finden.
Präsident Reagan hat gegenüber Moskau wegen dessen Mittäterschaft bei der
Verhängung des Kriegsrechts in Polen letzten Dezember Sanktionen verhängt.
Er hat vor weiteren Schritten für den Fall gewarnt, daß das Kriegsrecht
nicht aufgehoben wird - und sechs Monate später den Einsatz von amerikanischer
Technologie verhindert, derer sich europäische Firmen in Lizenz bedienen und
die für das sowjetische Projekt eingeplant war. Jetzt erklären Frankreich
und Italien, deren Firmen Turbinen unter amerikanischer Lizenz herstellen,
daß sie damit vorangehen werden und stellen damit das Recht der Vereinigten
Staaten in Frage, ihre Maßnahmen zu beeinflussen. Damit wird dieses Problem
zu einer Rechtsfrage - und auch hier gibt es eine Maschinerie, um eine solche
Streitfrage zu lösen.

All dies addiert sich zu einer Vielzahl von Details und zu dem eindeutigen Bedürfnis nach transatlantischer Konsultation und rechtlicher Entschei-

�rechtlicher Entscheidung. Aber es ist bei weitem keine größere Krise in
einem Bündnis, das sich der Verteidigung einer internationalen Ordnung verschrieben hat, in der solche Dispute ohne die Anwendung von Gewalt gelöst
werden. Es handelt sich um eine Familienangelegenheit, nicht um ein Schisma,

+ + + + +

�4. August 1982

PRÄSIDENT REAGAN BIETET VERLÄNGERUNG DES AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN GETREIDEABKOMMENS AN
- Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat der Sowjetunion am 30. Juli 1982
eine Verlängerung des langfristigen Getreideabkommens um ein Jahr und damit auf
eine Laufzeit von insgesamt sieben Jahren angeboten.
Vertreter der amerikanischen Regierung erklärten hierzu auf einer Pressekonferenz, daß mit der Verlängerung keinerlei Änderungen der Abnahmeverpflichtungen der Sowjetunion und der Liefergarantien der Vereinigten Staaten verbunden
sei, so daß die Sowjetunion im Falle ihrer Zustimmung in der Zeit vom 1. Oktober
1982 bis zum 30. September 1983 mindestens je drei Millionen Tonnen Weizen und
Mais in den USA kaufen müßte.
Die Sowjetunion hätte bei Zustimmung zur Verlängerung umgekehrt das Recht,
ohne vorherige Konsultationen mit der US-Regierung zusätzlich zwei Millionen
Tonnen Getreide auf dem amerikanischen Markt zu kaufen. Darüber hinausgehend
eröffnet ihr das Verlängerungsabkommen die Möglichkeit zum Kauf weiterer Getreidemengen im Rahmen der vorgesehenen halbjährlichen Konsultationen.
"Wir bieten

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�Wir bieten ihnen wie vorher so gut wie alles» was sie zu kaufen pflegen",
erklärte der amerikanische Landwirtschaftsminister John Block vor der Presse.
Die Vereinigten Staaten, so berichtete er weiter, hätten der Sowjetunion im
sechsten Jahr der Laufzeit des Abkommens insgesamt 23 Millionen Tonnen Getreide
angeboten, wovon diese 14 Millionen Tonnen auch tatsächlich bezogen hat. Block
rechnet im übrigen mit der Abnahme weiterer drei Millionen Tonnen noch vor Ablauf des sechsten Jahres der Laufzeit des Getreideabkommens Ende September.
Finanzminister Donald Regan, der an der Pressekonferenz an der Seite von
Landwirtschaftsminister Block teilnahm, wies darauf hin, daß die Entscheidung
des Präsidenten bezüglich der Verlängerung des Getreideabkommens mit der
Sowjetunion durchaus mit dem amerikanischen Embargo für Lieferungen von Erzeugnissen an die Sowjetunion vereinbar sei, die unter Verwendung fortschrittlicher
amerikanischer Technologien zum Bau einer Erdgasrohrleitung von Sibirien nach
Westeuropa benötigt werden.
Finanzminister Regan betonte, der Bau der Rohrleitung würde den Sowjets
die Möglichkeit bieten, durch Lieferung von Erdgas harte Devisen zu erwerben
und diese zum weiteren Ausbau ihrer Militärmacht zu benutzen. Andererseits zwinge
der Kauf von Getreide im Ausland die Sowjets dazu, einen großen Teil ihrer
Deviseneinkünfte für die Begleichung ihrer Rechnungen aus den Getreidekäufen
zu verwenden. Die Getreidelieferungen zu sperren, so fügte Regan hinzu, hätte
nur geringen Wert, da der Weltgetreidemarkt den Sowjets hinreichende Ausweichmöglichkeiten bietet.
Block wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der einzige Effekt der
I

von Präsident Carter verfügten Teil liefersperre darin bestanden hätte, Ländern
wie Argentinien, Australien und Kanada sowie auch der Europäischen Gemeinschaft
zu größeren Getreideexporten zu verhelfen. Der wirklich Geschädigte sei somit
der amerikanische Farmer gewesen.
Die Vereinigten Staaten bestreiten gegenwärtig etwa 30 Prozent der Getreideimporte durch die Sowjetunion gegenüber 70 Prozent in der Zeit vor dem Teilembargo.
"Diese Administration

�"Diese Administration strebt danach, wieder dahin zurückzukehren, daß
Amerika als ein verläßlicher Lieferant gilt", unterstrich Block. Regan fügte
dem hinzu, die Entscheidung der Administration, eine Verlängerung des Abkommens
um ein Jahr anzubieten statt Verhandlungen um den Abschluß eines neuen langfristigen Getreideabkommens mit fünfjähriger Laufzeit vorzuschlagen, sei begleitet von einer an die Sowjetregierung gerichteten Botschaft mit dem Hinweis,
daß die Sowjets nicht auf amerikanische Getreidelieferungen in den kommenden
Jahren rechnen können, wenn die US-Regierung mit der sowjetischen Politik unzufrieden sei.
Die meisten Senatoren und Abgeordneten des Repräsentantenhauses aus den
Agrarstaaten Amerikas sind mit einer Verlängerung einverstanden, hofften aber
mehr noch, daß der Präsident dem Abschluß eines neuen langfristigen Getreideabkommens den Vorzug geben werde. Senator Dole aber, Republikaner aus dem
Staat Kansas - dem größten Getreideproduzenten der Vereinigten Staaten - und
Vorsitzender des Finanzausschusses des Senats, begrüßte das Verlängerungsangebot
und gab dazu nachstehenden Kommentar ab:
"Auch wenn im gegenwärtigen Augenblick die Möglichkeit der formellen Aushandlung eines neuen langfristigen Abkommens ausgeschlossen wird, läßt die
heutige Ankündigung doch die Tür zur Fortführung der Getreideverkäufe an die
Sowjetunion offen - der Rahmen für ein neues langfristiges Abkommen bleibt
bestehen. Ich fühle mich insbesondere durch die Tatsache ermutigt", erklärte
der Senator, "daß die Administration zu Konsultationen bereit ist, in deren
Verlauf zusätzlich Getreidemengen angeboten werden können."
Das Verlängerungsabkommen soll auch eine Bestimmung einschließen; derzufolge
die Vereinigten Staaten die für den Export verfügbaren Getreidemengen verringern
können, sofern das Getreideaufkommen in den Vereinigten Staaten unter 225 Millionen
Tonnen absinkt.
Das Abkommen sieht ferner vor, daß die Sowjetunion Getreide zu den jeweiligen Marktpreisen erwerben kann. Landwirtschaftsminister Block bemerkte

- 3 -

�Block bemerkte hierzu, daß die Marktpreise gegenwärtig ziemlich gedrückt seien,
daß aber die sowjetischen Getreidekäufe die Nachfrage beleben und ein Anziehen
der Preise und, damit einhergehend, eine Erhöhung der Agrareinkommen insgesamt
bewirken werden.
+ + + + +

�Hintcrgiund
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4. August 1982

30

FRANZÖSISCHE ARZTINNEN BERICHTEN VON HEFTIGEM
WIDERSTAND DER AFGHANEN

WASHINGTON - (AD) - Zwei französische Ärztinnen, die sich seit zwei Jahren um afghanische Widerstandskämpfer und Zivilisten kümmern, haben die Oberzeugung geäußert, daß die Afghanen sich den sowjetischen Streitkräften und
dem von der UdSSR 1970 eingesetzten Regime Babrak Karmal nicht ergeben werden.
Dr. Laurence Laumonier und Dr. Capucine de Bretagne, Mitglieder einer
französischen Hilfsorganisation, haben Afghanistan in dem Versuch verlassen,
Europäer und Amerikaner von der Notwendigkeit zu überzeugen, das afghanische
Volk in seinem Widerstandskampf zu unterstützen.
Die beiden Ärztinnen haben bis vor kurzem in dem umkämpften PandscharTal 65 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kabul gearbeitet. In sechs Großoffensiven, die die Kommunisten im Mai starteten, um das strategisch wichtige
Tal zu erobern, entkamen sie einer Gefangenschaft. Und während das Kabuler Regime Anfang Juli von einem Sieg sprach, deuten Berichte von Diplomaten und

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�Diplomaten und Journalisten darauf hin, daß die sowjetischen und afghanischen
Streitkräfte lediglich einige begrenzte Stützpunkte in nur wenigen Dörfern des
Tals halten.
"Wir tun nicht nur etwas für die Afghanen, sondern für jeden Menschen
der westlichen Welt, wenn wir den Afghanen bei ihrem Kampf helfen", erklärte
Frau Dr. Laumonier in einem Interview am 22. Juli in Washington, wobei sie hinzufügte, daß der Kampf der afghanischen Freiheitskämpfer bewiesen habe, daß sich
ein energischer Widerstand gegen die Sowjetunion und ihr Regime in Kabul als erforderlich erweisen kann.
"Machen Sie dem amerikanischen Volk klar, daß wir das Geld in unseren Taschen den Menschen dort direkt überbringen werden. Dies ist eine gute Tat und eine sehr wirksame."
Die beiden Frauen sind Vertreterinnen der französischen Organisation Aide
Medicale Internationale. Zweihundert Ärzte und Krankenschwestern dieser Organisation arbeiten derzeit auf freiwilliger Basis in Afghanistan, Kampuchea,
Laos, Kolumbien und anderen Ländern, die keine offiziellen humanitären Hilfsprogramme haben.
Aide Medicale Internationale finanziert sieben der etwa 25 Ärzte, deren
Arbeit in Afghanistan von Dr. Laumonier und zehn anderen jungen Ärzten der Universität von Dijon organisiert wird.
"In Afghanistan gibt es keine offiziellen Organisationen im humanitären
Bereich, und fast keine Hilfe erreicht die Afghanen direkt", erklärte Frau
Laumonier. "Wir haben etwa 25 Ärzte für 15 Millionen Einwohner. Das ist es,
was wir den Amerikanern sagen wollen."
Die Frauen erklärten, es sei leichter, Geld für Nahrungsmittel, Unterkünfte und andere Bedürfnisse bereitzustellen, als Material über die Grenze

- 2 -

�die Grenze zu schaffen. Mitglieder der französischen Organisation etwa geben
Geld an vertrauenswürdige Afghanen, die selbst in der Lage sind, das Notwendige zu beschaffen. Derzeit verwenden sie alles verfügbare Geld für Nahrungsmittel für Afghanen und zum Wiederaufbau ihrer Dörfer.
Frau Dr. de Bretagne erklärte, es sei zudem wichtig zu sehen, daß die
afghanischen Mujahedin keine Rebellen, sondern Widerstandskämpfer gegen einen
äußeren Feind seien, der versucht, dem Volk seinen Willen aufzuzwingen.
"Die Afghanen im Pandschar-Tal wollen nicht nach Pakistan. Sie wohnen in
Gebieten nahe dem Haupttal und wollen ganz einfach ihre Häuser wiederaufbauen
und Getreide für den Winter anbauen. Außerdem sind viele zu alt oder zu krank,
um die zehn Tagesmärsche zu überleben, die nötig sind, um die Grenze zu erreichen."
Die beiden Ärztinnen berichteten davon, daß die Pandschar-Offensive, die
im Mai begann, die bisher wichtigste Schlacht gewesen sei. "Die russischen
Bombardements zerstörten einen großen Teil der Bewässerungssysteme und machten
die Dörfer in dem Gebiet praktisch dem Erdboden gleich," sagte Frau Dr.
Laumonier. "Allerdings ist Pandschar für die Mujahedin zu einem Symbol geworden, und das ist ein weiterer Grund, warum die Menschen dort Hilfe brauchen.
Der Westen hat viel Geld für die Flüchtlinge in Pakistan ausgegeben, aber wir
können noch weit mehr tun, indem wir auch den Menschen in Afghanistan selbst
Nahrungsmittel, Impfstoffe und Waffen zur Verfügung stellen."
Berichten aus Pakistan zufolge haben die Aktivitäten der Mujahedin seit
den sechs Offensiven der Sowjets gegen das Widerstandszentrum Pandschar im
Mai wieder zugenommen. Die Mujahedin behaupten, sie hätten drei Positionen
eingenommen, die bisher von afghanischen Regierungstruppen gehalten wurden.
Auch wenn nach Meinung der beiden Ärztinnen der Krieg in Afghanistan noch
lange dauern wird, so hätten die Freiheitskämpfer doch den größten Glauben
an ihre Sache: "Es ist unmöglich, ihre Haltung oder ihren Glauben zu zerstören."
"Wir wollen
- 3 -

�Wir wollen auch weiterhin in kleinem Rahmen wirksam sein", sagten die
beiden Frauen. "Wir operieren in Zelten im Schein von Öllampen und zeigen den
afghanischen Studenten, wie man Amputationen unter Vollnarkose vornimmt. In
ein paar Jahren werden sie in der Lage sein, das Hospital im Pandschar selbst
zu führen."
Die beiden Ärztinnen, die derzeit in Washington mit Vertretern des Außenministeriums zusammentreffen, werden auch New York, Boston und Portland (Oregon) besuchen, wo sie Gespräche mit Vertretern der verschiedenen Hilfsorganisationen für Afghanistan führen werden. Sie wollen auch dem Zentrum für afghanische Studien der Universität von Nebraska in Omaha einen Besuch abstatten dem einzigen Zentrum dieser Art in den Vereinigten Staaten. Dann wollen die
beiden nach einem kurzen Aufenthalt in Frankreich wieder nach Afghanistan
zurückkehren.

+ + + + +

�4. August 1982

USA PRANGERN MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN BALTISCHEN STAATEN AN
- Erklärung des State Department -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat am 28. Juli
1982 die Aufmerksamkeit der Welt auf die anhaltenden Verletzungen der Menschenrechte in den baltischen Staaten durch die Sowjetunion gelenkt. Anläßlich des 60.
Jahrestages der Anerkennung der unabhängigen Staaten Estland, Lettland und
Litauen durch die USA erklärte das State Department, die sowjetische Politik
der politischen, religiösen und kulturellen Beherrschung dieser drei Länder
sei augenfällig und sollte der freien Welt eine Erinnerung sein an die wahre
Natur der sowjetischen Behandlung nicht-russischer Völker.
Die Erklärung, die vom Sprecher des State Department, Dean Fischer, verlesen
wurde, hat folgenden Wortlaut:
Heute ist der 60. Jahrestag der Anerkennung der unabhängigen Staaten Estland,
Lettland und Litauen durch die Vereinigten Staaten.
Diese drei

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�Diese drei Republiken wurden das Opfer einer Invasion durch die Sowjetunion
und von dieser im Jahre 1940 illegal annektiert. Die Vereinigten Staaten haben
diese gewaltsame und unrechtmäßige Einverleibung der baltischen Staaten in die
Sowjetunion niemals anerkannt.
Um diesen Tag einer 60jährigen ununterbrochenen Anerkennung besonders hervorzuheben, sind der stellvertretende amerikanische Außenminister Walter J.
Stö'ssel und der stellvertretende Unterstaatssekretär für Menschenrechte und
humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, Melvyn Levitsky, heute vormittag,
mit dem Geschäftsträger Estlands, Lettlands und Litauens zusammengetroffen.
Die Vereinigten Staaten möchten die Aufmerksamkeit auf die anhaltenden
Verletzungen der Menschenrechte der Bürger der baltischen Republiken durch
die Sowjetunion lenken. Durch die sowjetische Politik der Kontrolle des politischen Lebens,der Religion und Kultur (dieser Staaten) wird die Atmosphäre einer
brutalen Unterdrückung in diesen drei Ländern Lettland, Litauen und Estland
aufrechterhalten.
+++++

�</text>
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und
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28. Juli 1982

29
INHALT

DOKUMENTATION
Amerika begeht "Woche des Gedenkens an die Völker in Fesseln"
- Erklärung und Proklamation Präsident Reagans Peter McPherson:

Politik der Entwicklungsländer SchlLissel zum Wachstum

- Rede des Direktors des amerikanischen Entwicklungshilfe-Programms INFORMATION
Kenneth Dam: Der neue Stellvertretende Außenminister der USA
HINTERGRUNDMATERIAL
Fälschungen, Falschinformationen und politische Einflußnahme als Mittel
der sowjetischen Außenpolitik
- Ergänzender Bericht des US-Außenministeriums USA suchen Verbesserung von Nukleartestverträgen

•*

Realistische Abrüstung
- Ein Kommentar der "Stimme Amerikas" Kanadische Studie untermauert Verdacht auf Anwendung chemischer Waffen

^

- Bericht an die Vereinten Nationen veröffentlicht Einschränkung der Ost-West-Telefonverbindungen durch UdSSR beklagt
- Presseerklärung der Helsinki-Kommission des amerikanischen Kongresses Nutzung der Raumfahrttechnik im Interesse aller Menschen
- NASA-Direktor Beggs zur Haltung der USA auf der UN-Weltraumkonferenz -

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�Dokumentation
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28. Juli 1982

29

AMERIKA BEGEHT "WOCHE DES GEDENKENS AN DIE VÖLKER IN FESSELN"
- Erklärung und Proklamation Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung, die Präsident Reagan am 19.
Juli 1982 im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der Proklamation zur "Woche
des Gedenkens an die Völker in Fesseln" abgegeben hat, ermahnte er das amerikanische Volk und die freien Nationen, fest zu den Prinzipien der Freiheit
zu stehen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Bei meinem Besuch unserer Freunde und Verbündeten in Europa vor sechs
Wochen erfuhr ich, auf welch

lebhaftes Interesse der Aufruf dieser Nation

zu einer weltweiten Kampagne für die Freiheit stößt.

Unsere unverblümte

Kritik an totalitären Regimen und unsere Bereitwilligkeit, für die Ideale
der persönlichen Freiheit und eine repräsentative Regierungsform einzutreten,
fanden ein verständnisvolles Echo unter den Europäern und, wie ich glaube,
auch unter vielen Millionen Menschen rund um die Erde.
Doch selbst in dem Augenblick, in dem ich unserem Vertrauen Ausdruck
gab, daß die Ideale der Freiheit und der Wunsch nach Selbstregierung letzt-

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�Selbstregierung letztlich über jene triumphieren werden, die den Einzelmenschen dem Staat unterordnen möchten, sah ich mich den unwiderlegbaren
Beweisen dessen gegenüber, wie schwer dieses Ringen sein wird.
In Berlin steht ein finsteres Monument aus Stahl und Stein - eine Mahnung an jene, deren selbstverkündetes Ziel es ist, alle Völker der Erde zu
beherrschen.
Die Tragödie unserer Zeit ist es, daß sie dieses Ziel bisher so weitgehend verwirklichen konnten.

Im Baltikum, in Osteuropa und in Asien und

nunmehr auch in Afrika und Lateinamerika fällt ein Volk um das andere einer
Ideologie zum Opfer, die all das zu ersticken trachtet, was gut am Geist
des Menschen ist - selbst wenn sie versucht, ein kommunistisches Regime zu
rechtfertigen.
Der Totalitarismus und seine Ausbreitung sind weder das Ergebnis einer
Volksbewegung noch das freier Wahlen.

Er wurde vielmehr durch militärische

Gewalt oder subversive Maßnahmen eines winzigen Kader errichtet, dessen einzig wirkliches Ideal der Wille zur Macht ist.
Es ging hier nicht, wie verheißen, um eine neue klassenlose Gesellschaft
oder um die Diktatur des Proletariats.

Es ging vielmehr um Zwangsarbeit und

Massenverhaftungen, um Hunger und Massaker, den Polizeistaat und das Pochen
an der Haustür mitten in der Nacht.
Dieser Totalitarismus bedeutete auch den Aufbau des größten Imperiums
in der Geschichte der Erde - eines Imperiums, dessen territorialer Ehrgeiz
ein sinnloses Wettrüsten provoziert hat und dessen ideologische Besessenheit
die größte Einzelgefahr für den Frieden unter den Völkern bleibt.
Die unheilkündende Zunahme dieser Gefahr und das menschliche Leid, das
sie hervorruft, sind eindeutig das wichtigste Nachrichtengeschehen in unserer
Generation und, wie gesagt, die Tragödie unserer Zeit.
Im Jahr
- 2 -

�Im Jahr 1959 beschloß der Kongreß der Vereinigten Staaten erstmals
unter dem Eindruck des rücksichtslosen und blutigen Angriffs auf die freie
ungarische Regierung von 1956 des Heroismus und der Standhaftigkeit jener
Menschen zu gedenken, die in Ländern leben, die ihnen das Recht auf Selbstbestimmung verweigern.
Heute stehen wir mit dieser Proklamation zum Gedenken der Nationen in
Fesseln und mit diesem ersten öffentlichen Akt ihrer Unterzeichnung treu
zu dieser Tradition und zu jenen, denen sie Hoffnung und moralische Festigkeit geben soll.
Heute erinnern wir uns als Nation selbst an die Kostbarkeit unserer eigenen Freiheit und erneuern unsere heilige Entschlossenheit,dafür einzutreten, daß eines Tages alle Völker der Erde die gottgegebenen Rechte freier
Männer und Frauen genießen können.
Wir bekräftigen insbesondere unsere Hoffnung, daß jene Länder Osteuropas, Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, die gegenwärtig kommunistischer
Herrschaft unterliegen, eines Tages ihre nationale Souveränität zurückgewinnen und sich wieder der Würde ihrer eigenen nationalen Traditionen erfreuen können.
Seit jene erste Resolution zum Gedenken der Völker in Fesseln angenommen wurde, haben wir mehrere schmerzliche Beispiele für Angriffe auf den
Geist des Menschen erlebt. Unabhängige Menschen in Afghanistan geben gegenwärtig ihr Leben im Widerstand gegen eine Aggression der blutigsten Art.
Und einmal mehr in Polen werden wir Zeuge der Unterdrückung der Rechte der
polnischen Arbeiter und der Einkerkerung der führenden Kräfte der "Solidarität".
Alle diese Aktivitäten, die von der sowjetischen Militärmacht unterstützt und
geleitet werden, sind ein weiteres tragisches Kapitel in der Suche des polnischen Volkes nach Freiheit und nationaler Souveränität.
Wir im Westen müssen mehr tun, als nur über die Angriffe auf die Freiheit des Menschen zu schimpfen. Dieser Kampf ist seinem Wesen nach letztlich
- 3 -

�nach letztlich so geartet, daß er nicht durch militärische Macht, sondern
durch die geistige Entschlossenheit und das Vertrauen in die Zukunft der
Freiheit entschieden werden wird - insbesondere angesichts der welkenden
und dahinschwindenden Träume des Marxismus-Leninismus.
Lenin befürwortete den Rückgriff auf strategische Tricks, Kunstgriffe,
Manöver, illegale Methoden, Ausflüchte und Täuschungen aller Art.

Wir im

Westen gebieten über weit potentere Waffen als Drohungen, Täuschungen und
Fälschungen.

Wir besitzen die Macht der Wahrheit - einer Wahrheit, die

über Mauern aus Stein und Stahl eines Polizeistaats hinwegreicht und in
kommunistischen Ländern Kampagnen und Koalitionen für die Freiheit auf den
Plan rufen kann.
Wie lange kann man die einfache Tatsache ignorieren oder übersehen:
Nur totalitäre Staaten bestücken ihre Grenzen mit Mauern und Stacheldraht,
um ihre Bürger davon abzuhalten, dem "Arbeiterparadies" zu entfliehen.
Vor einigen Monaten erhielt ich einen Brief von führenden Männern der
"Solidarität", die sich zur Zeit der Aktion der herrschenden Militärjunta
gegen die "Solidarität" gerade in der freien Welt aufhielten. Die Schreiber
des Briefes wiesen darauf hin, daß ein totalitäres Regime "nur von innen
her und durch den nichtgewaltsamen Druck des Volkes zerfallen kann. Unsere
Erfahrungen in Polen zeigen, wie wirksam ein derartiger Drang nach Veränderungen sein kann. Unser Gegner ist sich dessen völlig bewußt, daß unser
Widerstand ohne einen freien Strom von Informationen und Ideen nicht aufrechterhalten werden kann."
Die führenden Gewerkschaftler fuhren fort, "wir wenden uns an sie
wegen der gleichen Achtung vor der Macht der Ideen und der Wirksamkeit des
Rundfunks als deren Träger.

Auf die Dauer kann sich der Rundfunk als die

billigste und wirksamste der verfügbaren Optionen erweisen."
Lassen Sie mich heute klarstellen, daß wir im Einklang mit den haushaltsmäßigen Erfordernissen mit einem Programm vorangehen werden, unser primäres

�unser primäres Medium der internationalen Kommunikation, unser internationales Rundfunksystem, zu modernisieren.
Mit der Durchführung dieses entscheidenden Elements unserer Vorwärtsstrategie für die Freiheit werden wir das Versprechen einlösen, das ich dem
amerikanischen Volk während der Wahlkampagne abgegeben habe- ein Versprechen,
das mir damals am Herzen lag und das mir auch heute am Herzen liegt.

Der

Plan der Modernisierung zu relativ bescheidenen Kosten über mehrere Jahre
hinweg wird es Millionen von Menschen, die unter kommunistischer Herrschaft
leben, leichter machen, die Wahrheit über den Kampf zu erfahren, der heute
zwischen den Kräften des Totalitarismus und denen der Freiheit in der Welt
ausgetragen wird.
Es ist eine traurige Tatsache, daß die Stimme Amerikas, Radio Free
Europe und Radio Liberty viele Jahre hindurch vernachlässigt wurden. Ihre
technischen Einrichtungen sind veraltet und werden immer anfälliger, ihr
Programmbudget ist angespannt. Es geschieht wenig, den Störsendern zu begegnen, die ihre Tätigkeit in den letzten Jahren intensiviert haben.
Die Sowjets, das sollte man meines Erachtens wissen, wenden etwa drei
bis vier Mal mehr auf, um unsere Fremdsprachen-Sendungen zu stören, als wir
ausgeben, um diese Sendungen zu übertragen.

Und irgendwer - wir können

hinsichtlich seiner Identität nur Spekulationen anstellen - richtete im
vergangenen Jahr einen zerstörerischen Bombemangriff auf den Sitz von Radio
Free Europe und Radio Liberty.
Ich möchte dem Kongreß meinen Dank dafür aussprechen, daß er kürzlich
seine Zustimmung zur Reorganisierung des Managements dieser internationalen
Rundfunkanstalten gab, und ich möchte ihn heute dringlich ersuchen, die Geldmittel bereitzustellen, die so dringend benötigt werden, damit das Volk von
Kuba über Radio Marti die Wahrheit über die Auseinandersetzung zwischen Freiheit und Totalitarismus erfährt.
Wir können

�Wir können die Angst jener voll und ganz verstehen, die nicht wünschen,
daß die Wahrheit die Menschen in der kommunistischen Welt erreicht - die
Angst jener, die bereit sind, die Vereinbarungen von Helsinki in aller Offenheit zu verletzen, oder die sich gar terroristischer Gewalt bedienen, um die
Wahrheit zu ersticken.

Denn die Ereignisse in Polen während der letzten bei-

den Jahre haben gezeigt, daß die Wahrheit zu einer mächtigen Waffe wird,
wenn man ihr auch nur eine geringe Sendezeit und ein wenig Atemraum einräumt - zu einer Waffe, die jeder noch so repressive Polizeistaat fürchten
muß.
Wir sind zuversichtlich, daß die Kräfte des Totalitarismus in Polen,
in Afghanistan und in allen Völkern in Fesseln nur einen vorübergehenden,
flüchtigen Sieg errungen haben.

Gegen die Anziehungskraft demokratischer

Ideen und gegen den Freiheitsdurst von Männern und Frauen können die Drohungen des Kriegsrechts, Einkerkerung oder andere der kunstvollen Formen der
Repression niemals einen dauerhaften Triumph erringen.
In einem Interview, das hier kurz vor seiner Gefangensetzung publiziert
wurde, sprach Lech Walesa "vom Weizen, der auf Steinen wachsen kann", davon
auch, wie brutale Unterdrückung die Freiheitshoffnungen und den Freiheitsdurst jener nur stärkt, die sich nach Freiheit sehnen. Und er erklärte ferner, "unsere Seelen enthalten genau das Gegenteil dessen, was jene wünschen.
Sie, die kommunistischen Machthaber, erwarten von uns, daß wir nicht an
Gott glauben - und unsere Kirchen sind voll. Sie erwarten von uns, daß wir
materialistisch und zu Opfern unfähig sind; wir aber sind anti-materialistisch
und opferbereit. Sie erwarten von uns, daß wir uns vor Panzern und Kanonen
fürchten; und wir haben überhaupt keine Angst vor ihnen." Die Liebe zur Freiheit und das Feuer der Freiheit brennen in Polen weiter, so wie sie in allen
Völkern in Fesseln brennen.
Den Führern der "Solidarität", dem Volk von Polen und allen jenen, denen
die Freiheit vorenthalten wird, schicken wir heute eine Botschaft:

Eure

Sache ist nicht verloren, Ihr selbst seid nicht vergessen und Eure Suche nach

�Eure Suche nach Freiheit lebt in Euren und in unserem Herzen weiter.

Wenn

Gott will, dann werden wir den Tag erleben, an dem wir gemeinsam von den
Freuden der Freiheit und von dem Weizen sprechen können, der auf Steinen
wächst.

Die Proklamation, mit der Präsident Reagan
die Woche vom 18. Juli 1982 zur Woche des
Gedenkens an die Völker in Fesseln bestimmte und die er erstmals vor Vertretern der
Öffentlichkeit unterzeichnete, lautet:
Im vergangenen Jahr wurden wir Zeuge einer weiteren tragischen Demonstration des Versagens der Tyrannei in dem Versuch, in Wettstreit mit den Prinzipien der Freiheit zu treten. Die Verhängung des Kriegsrechts in Polen am 13.
Dezember 1981 war eine bittere Erinnerung daran, daß das Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung nur durch Gewalt eingedämmt werden kann. Ein solches Vorgehen ist ein Beweis für den moralischen Bankrott eines Systems, das
unfähig ist, die Unterstützung des Volkes zu gewinnen, nachdem es sich mehr
als 35 Jahre an der Macht befindet.
Die gleiche Repression, der das polnische Volk unterworfen wurde, wird
auf verschiedene Weise auch in den anderen Völkern in Fesseln sichtbar, die
durch eine ausländische Militärmacht und eine fremde marxistisch-leninistische
Ideologie beherrscht werden. Die brutale Unterdrückung der Souveränität in
Afghanistan und die Versklavung der Völker in Osteuropa halten an. Zu den
Unterdrückten müssen wir auch die Völker vieler Nationalitäten innerhalb der
Sowjetunion selbst zählen; sie sind Opfer von Jahrzehnten der Unterdrückung.
Vor 33 Jahren ermächtigte und ersuchte der Kongreß den Präsidenten in
einer gemeinsamen Resolution, die am 17. Juli 1959 angenommen wurde, die dritte
Woche im Juli zur Woche des Gedenkens an die Völker in Fesseln zu proklamieren.
Diese Woche

�Diese Woche bietet den Amerikanern Gelegenheit, die Gründervä'ter unserer eigenen Nation zu ehren, deren Weisheit und deren Verpflichtung auf
die Selbstbestimmung und die Freiheit diesem Land mehr als 200 Jahre hindurch
als Richtschnur gedient haben. Laßt uns einmal mehr unseren Glauben bekräftigen, daß die Sehnsucht nach Freiheit letztlich über die Herrschaft der Gewalt und des Zwanges siegen wird, die Völkern in vielen anderen Teilen der
Erde heute die Menschenrechte verweigert.
Deshalb bestimme ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit die Woche, die am 18. Juli 1982 beginnt, zur "Woche
des Gedenkens an die Völker in Fesseln".
Ich fordere das Volk der Vereinigten Staaten auf, diese Woche mit angemessenen Feierlichkeiten und Aktivitäten zu begehen und seine Hingabe an
die Ideale zu bekräftigen, die uns einen und andere inspirieren.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem 19. Tag des Juli im Jahre des
Herrn 1982 und im 207. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten dieses
Dokument eigenhändig unterzeichnet.

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Dokumentation
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28. Juli 1982

PETER MCPHERSON: POLITIK DER ENTWICKLUNGSLÄNDER SCHLÜSSEL ZUM WACHSTUM
- Rede des Direktors des amerikanischen Entwicklungshilfe-Programms -

BALTIMORE - (AD) - Der Leiter des amerikanischen Amtes für Internationale Entwicklung (AID), Peter McPherson, unterstrich in einer Rede am 19.
Juli 1982 vor der 25. Jahreskonferenz der Gesellschaft für internationale
Entwicklung in Baltimore, daß die Industriestaaten auch weiterhin den Entwicklungsländern Hilfe gewähren müssen; gleichzeitig wies er aber darauf
hin, daß diese Staaten auch selbst Beträchtliches zur Verbesserung ihrer
Volkswirtschaften und zum Wohlergehen ihrer Völker beitragen können.
Die Rede McPhersons hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Sie im Namen von Präsident Reagan zu dieser Konferenz willkommen heißen und Ihnen ein produktives Treffen wünschen.
Die Vereinigten Staaten sind sich der Probleme der Dritten Welt voll
bewußt und möchten auch weiterhin zu ihrer Lösung beitragen.
Wir sind uns z.B. der Tatsache bewußt, daß der Nahrungsmittelverbrauch
pro Kopf in der Sub-Sahel-Zone Afrikas seit einem Jahrzehnt ständig zurück-

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�ständig zurückgegangen ist.

In der Tat stellt ein großer Teil Afrikas für

uns ein Thema größter Besorgnis dar - mit seinen schrecklichen Zahlen bei
der Kindersterblichkeit, bei seinen Statistiken hinsichtlich der Lebenserwartung und bei anderen Indikatoren tiefer Armut.
Aber dies gilt nicht nur für Afrika.

Mitte der sechziger Jahre habe ich

beim Friedenskorps gedient und in diesem Zusammenhang in einem Slumviertel
von Lima gearbeitet, "El Monton" genannt - einem Müll häufen im wörtlichsten
Sinn:

Es handelte sich um eine alte Müllgrube von Lima, zu der eines Nachts

Leute kamen, um sich dort niederzulassen.

Es ist traurig, aber man muß sa-

gen, daß sich in El Monton im Lauf der letzten Jahre wenig geändert hat.
Der Schmutz scheint so groß wie eh und je zu sein.
Lassen Sie mich noch etwas berichten, um die verzweifelten Erfordernisse
zu illustrieren.
Pakistan.

Eine Bekannte von mir kam kürzlich nach Belutschistan in

Sie traf dort auf eine Frau, jung an Jahren, aber mit ihren zehn

Kindern schon früh gealtert.

Die Besucherin zeigte ihr Interesse an dem

zehnten Kind, das die Frau auf ihrem Arm hielt.
Kleine in die Arme und rief:

Da drückte diese ihr das

"Hier, nehmen Sie das Baby, ich kann mich ein-

fach nicht um noch eins kümmern!"
Aber nicht alles ist Düsternis. Langfristig gesehen, gibt es auch deutlich Fortschritt. So ging z.B. Mitte der fünfziger Jahre nur ein Prozent der
nepalesischen Kinder, die das Schul alter erreicht hatten, auch dorthin. Heute
gehen zumindest zeitweilig 70 Prozent dieser Kinder zur Schule. AID ist stolz
auf die Hilfe, die wir den Nepalesen beim Aufbau ihres Erziehungssysteme gewährten.
Und noch ein Beispiel: Mitte der fünfziger Jahre betrug die Getreideproduktion Indiens etwa 50 Millionen Tonnen jährlich. Kann man die Bilder
mancher der vergangenen Jahre vergessen, die hungernde Inder zeigten? Im Gegensatz dazu betrug die Getreideernte im letzten Jahr in Indien über 130 Millionen Tonnen. Das bedeutet mehr oder weniger Selbstversorgung bei Getreide

- 2 -

�bei Getreide - auch wenn es noch immer Verteilungsprobleme gibt. Welch

eine

Leistung für das indische Volk sowie für die Vereinigten Staaten und andere
Geberländer, die zu dieser Anstrengung beitrugen.
Ja, wir haben Fortschritte gemacht, aber.es bleiben noch immer gewaltige Probleme.

In welche Richtung gehen wir von hier aus?

Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß wir die Produktivität in
der Dritten Welt erhöhen müssen, aber indem wir dies tun, dürfen wir nicht
unsere Aufgabe aus den Augen verlieren, den Lebensstandard der armen Menschen
in diesen Ländern zu verbessern. Man mag über die Mittel streiten, wie man
den Armen helfen kann - aber das Ziel steht außer Frage. Wir sind der Überzeugung, daß die Steigerung der Produktivität in allen Bereichen einer Gesellschaft das Mittel ist, den Armen zu helfen.

Die Vereinigten Staaten wis-

sen, daß die weniger entwickelten Länder von außen Hilfe brauchen, aber es
geht dabei um mehr als nur um den Transfer von Ressourcen.

Diese Länder kön-

nen eine Menge für sich selbst tun, indem sie ihre Politik ändern. So stellt
die Nahrungsmittelsubvention für die Stadtbevölkerung in Form des Preisdruckes
auf bäuerliche Erzeugnisse oft genug einen Weg dar, eine höhere Produktivität
zu entmutigen, ja, es dürfte dies letztlich auch eine Diskriminierung der
ärmsten Bevölkerungsgruppe eines solchen Landes sein. Hilfe aus dem Ausland,
für Düngemittel und für billige Kredite an diese Bauern verwendet, bringt oft
genug nichts weiter als niedrige Preise und ist daher nur eine schlecht
kaschierte Subvention für die Nahrungsmittel in den Städten.

Andererseits

gibt es auf der Erde eine Menge Beispiele dafür, wie diese Diskriminierung
der armen Bauern beendet oder doch vermindert wurde und diese dann mit größerer Produktivität darauf reagierten.

Eine solche Produktivität aber ist

schließlich vorteilhaft für jedermann - einschließlich der städtischen Verbraucher.

Betrachtet man etwa die Weizenernten in Pakistan über die letzten

Jahre hinweg:

Innerhalb von nur wenigen Jahren verdoppelte Pakistan seine

Produktion nahezu, zum Teil wegen höherer Preise, die den Bauern bezahlt wurden.

Kurz:

Wir sind der Meinung, daß Bauern genau wie andere Leute auch

mehr produzieren können, wenn sie einen Grund dafür sehen und wenn sie die
Werkzeuge haben, es zu tun.
Lassen Sie
- 3 -

�Lassen Sie mich unser Interesse an einer verstärkten Produktion in einen
umfassenderen politischen Rahmen stellen:

Ich glaube, daß zumindest sechs

Faktoren wichtig für das Wachstum in den weniger entwickelten Ländern sind.
Nämlich (1) Handel, (2) starke Volkswirtschaften in den entwickelten Ländern
sowie in denen, die in jüngerer Zeit ins Stadium der Industrialisierung eingetreten sind, (3) anhaltende und umfangreiche Auslandshilfe der Industrieländer, (4) ausländische Investitionen in den LDC-Ländern, (5) das richtige
politische Umfeld in diesen Staaten und (6) weitere technologische Entwicklung, deren Anpassung an und deren Transfer in die LDC-Länder.
Lassen Sie mich im einzelnen einen Blick auf diese Faktoren werfen.
Erstens:

Was den Handel angeht, so haben sich die Vereinigten Staaten

schon immer für den Freihandel eingesetzt.

Unsere Initiative für das Kari-

bische Becken ist Beispiel dieser Anstrengungen.

Wir schlagen hier einseiti-

gen Freihandel für die Länder der Karibik und Mittelamerikas vor, wobei wir
von der Annahme ausgehen, daß diese Staaten selbst die politischen Veränderungen herbeiführen, die notwendig sind, um zu einem Wachstum beizutragen.
Außerdem hat die amerikanische Regierung schon vorher - sowie seitdem
erneut auf dem Gipfeltreffen von Versailles - den Vorschlag unterbreitet,
das Internationale Zoll- und Handelsabkommen (GATT) für Gespräche mit den LDCLändern zu öffnen.

Dies könnte von gewaltiger Bedeutung sein und einmal die

Kämpfe um Ressourcen-Transfers in den Schatten stellen.
Zweitens: Ich habe die Notwendigkeit starker Volkswirtschaften in den
entwickelten Ländern und in den Staaten erwähnt, die in jüngerer Zeit in das
Stadium der Industrialisierung eingetreten sind. Deren Volkswirtschaften
sind ganz offensichtlich der Schlüssel zu starken Märkten für viele Exporte
aus den LDC-Staaten. Die Vereinigten Staaten sind sich auch zutiefst der negativen Auswirkungen bewußt, die unsere hohen Zinsen auf unsere Volkswirtschaften und auf die Kreditkosten der LDC-Länder und auch anderer Staaten haben. Wir hoffen, daß diese Zinssätze in den vor uns liegenden Monaten zurückgehen werden.
Drittens:
_ 4 _

Die

�Drittens:

Die Industrieländer müssen mit ihrer Wirtschaftshilfe für die

LDC-Staaten fortfahren.

Diese Hilfe wird für Ausbildung und für den Aufbau

von Institutionen benötigt. Wir dürfen nicht vergessen, daß ausgebildetes
Personal in funktionstüchtigen Institutionen normalerweise das entscheidende
Bindeglied zur wirtschaftlichen Entwicklung ist. Selten sind Rohstoffe ein
Ersatz für solche Menschen und solche Institutionen.

Das Auslandshilfepro-

gramm der Vereinigten Staaten verstärkt seine Anstrengungen in diesem Bereich.
Die Zeit erlaubt mir nicht, all diese Notwendigkeiten aufzuzeigen, aber ich
sollte zumindest die wichtige Rolle erwähnen, die diese Hilfe beim Aufbau
einer Infrastruktur spielt - wie etwa in vielen Gegenden Afrikas.
Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin einem solchen Auslandshilfeprogramm verpflichtet. Tatsächlich wurde trotz der Beschneidung der meisten
öffentlichen Programme der Vereinigten Staaten die bilaterale Auslandshilfe
angehoben.
Viertens: Zu ausländischen Investitionen in den Entwicklungsländern muß
ermutigt werden.

Die Vereinigten Staaten benötigten in den frühen Phasen

ihrer wirtschaftlichen Anfänge wesentliche Investitionen aus dem Ausland, und
nur wenige Länder hatten einen solchen Start ohne große Auslandsinvestitionen.
Die potentiellen Investitionen eines Landes sollten insgesamt herrühren
aus Steuern, den Ersparnissen seiner Bürger, Reinvestitionen aus Gewinnen der
Industrie und der Geschäftswelt und Auslandshilfe. Sehr vereinfacht ausgedrückt: Das Gesamtvolumen sollte verglichen werden mit den Kapitalerfordernissen des erhofften wirtschaftlichen Wachstums. Fast immer wird ein Entwicklungsland finden, daß es ein Defizit gibt, das nur durch Investitionen von
außen ausgeglichen werden kann.
Wir schlagen nicht nur - und schon gar nicht in erster Linie - amerikanische Investitionen vor.

Die Welt verfügt über eine aktive Investitionsge-

meinschaft, die sich dort engagieren wird, wo es Möglichkeiten und Chancen
gibt.

Natürlich kann ein Entwicklungsland erwarten, daß die Investoren Ver-

antwortung zeigen und die Dinge langfristig ins Auge fassen, aber ein Ent- 5 -

�ein Entwicklungsland kann Investoren nicht zu Anlagen überreden, wenn seine
Politik praktisch ausschließt, daß die Investoren Gewinne erzielen.
Wir glauben, daß manches getan werden kann, um zu solchen Investitionen
zu ermutigen.

Das Wichtigste ist natürlich das Gesamtumfeld im Gastland.

Darüber hinaus unterstützen wir die Idee, die kürzlich von Weltbankpräsident
Clausen vorgeschlagen wurde.

Er empfahl die Schaffung eines mit der Welt-

bank in Zusammenhang stehenden Gremiums, um gewisse nicht wirtschaftlich bedingte Risiken auszuschalten, denen Investoren in Entwicklungsländern ausgesetzt sein könnten.

Die Vereinigten Staaten verfügen über eine solche Insti-

tution, wie auch einige andere Länder.

Aber Investoren aus anderen Ländern

versichern uns, daß sie eine solche Institution sehr wohl gebrauchen könnten.
Fünftens: Die Politiken der Entwicklungsländer sind häufig wichtiger für
diese Länder selbst als die Unterstützung, die sie von Geberländern erhalten.
So kann beispielsweise ein Land nicht erwarten, seine Exporte zu diversifizieren und zu erhöhen, wenn die Wechselkurse und Kontrollen praktisch eine
wesentliche Exportsteuer darstellen. Wir brauchen nur auf Korea und Singapur
zu blicken, um zu wissen, daß Exporte gesteigert werden können.
Die Gesundheitsfürsorge ist ein weiteres Gebiet, auf dem die Politik der
Entwicklungsländer von Bedeutung ist. In den nächsten Jahren werden die meisten
Entwicklungsländer sich wahrscheinlich mit der Forderung auseinandersetzen
müssen, daß eine solche Versorgung kostenfrei sein sollte. Wir glauben, daß
gewisse Kosten bei der Gesundheitsfürsorge zu einer besseren Anwendung dieser
Versorgung führen und auch dazu, daß mehr Menschen in ihren Genuß kommen.
Kurz: "Freie Gesundheitsfürsorge"stellt oft eine Diskriminierung gegenüber
vielen armen Menschen dar, weil viele der Armen letztlich mangels der erforderlichen Ressourcen nicht versorgt werden können. Die Vereinigten Staaten
sind stolz auf die Rolle, die sie auf diesem Gebiet spielen. Wir fördern in
etwa 40 Ländern solche Projekte, aber es gibt viele fundamentale Fragen politischer Natur, denen sich zahlreiche Entwicklungsländer stellen müssen.
Als ein

�Als ein weiteres Beispiel habe ich vorhin die politische Diskriminierung
gegenüber den armen Bauern angeführt.

Ich bezweifle, daß Indien diesen Zu-

wachs im Getreideanbau ohne den Preiszuwachs für die Bauern hätte erreichen
können.
Ich bin der festen Überzeugung, daß viele Subventionen in den Entwicklungsländern letztlich die ärmsten Menschen diskriminieren, weil diese politisch am wenigsten zu sagen haben und weil sie am wenigsten mit einem Regierungsprogramm anfangen können.
Die Gebergemeinschaft sieht sich mehr und mehr in der Rolle von Bankiers,
die ihre Mittel in Programme investieren, die eine reelle Chance für Wachstum
und Wechsel bieten, gegenüber anhaltenden Zuschüssen und Abhängigkeit. Dieses
politische Bewußtsein ist unter den Gebern weitverbreitet. Das ist ohne Frage
die Woge der Zukunft angesichts der Knappheit der Mittel für Auslandshilfe.
Sechstens: Die technologische Kreativität, Aufnahme und Transferierung
sind von lebenswichtiger Bedeutung. Auf dem Gebiete der Landwirtschaft, des
Gesundheitswesens, der Familienplanung usw. muß es mehr "grüne" Revolutionen
geben.
Lassen Sie mich einen Augenblick von dem Beitrag sprechen, den die Vereinigten Staaten auf technologischem Gebiet geleistet haben und auch in Zukunft leisten möchten. Wir verstärken unsere bio-medizinisehen Anstrengungen
wesentlich. Wir sind stolz auf unsere Beiträge zur Technologie der oralen
Rehydration - eine Technologie, die offensichtlich eine wesentliche Auswirkung auf die Verminderung der Kindersterblichkeit haben wird. Wir werden
auch weiterhin die Bemühungen nachhaltig unterstützen, einen Impfstoff gegen
die Malaria zu finden.
Wir werden ferner weiterhin die größten Beiträge für internationale
Forschungszentren auf dem Gebiet der Landwirtschaft leisten und haben erst
kürzlich die amerikanischen Universitäten mobilisiert, um zusätzliche Agrarforschung zu betreiben, beispielsweise Arbeiten zur Steigerung der Erzeugung
- 7 -

�der Erzeugung von Hirse. Hirse ist das Getreide des armen Mannes, und hier
ist bisher nur wenig Arbeit geleistet worden.

Eine derartige landwirtschaft-

liche Forschung ist überaus wichtig, weil die Geber nur allzu oft Länder ermutigt haben, Erweiterungsprogramme in Angriff zu nehmen, wo es praktisch
gar nichts zu erweitern gab.
Die Vereinigten Staaten rechnen damit, einen wesentlichen Beitrag zur
Bewässerungstechnologie zu leisten.
entfallen auf Asien.

Acht Prozent der Bewässerungsprojekte

Und wir meinen, daß zusätzliche Technologie den Men-

schen auf diesem Kontinent sowie auch anderswo wesentlich helfen kann.
Wir verdoppeln unsere Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet der Geburtenkontrolle. Wir benötigen größere Erfolge, um mit der Bevölkerungsexplosion
in so vielen armen Ländern fertigzuwerden.

Die Vereinigten Staaten sind stolz

auf ihren Beitrag zur Familienplanung in Ländern wie Indonesien, Thailand
und Kolumbien, aber es muß noch so viel getan werden.

Sehen Sie sich Kenia

an mit seinem jährlichen vierprozentigen Bevölkerungszuwachs.

Die Vereinigten

Staaten werden ihre gegenwärtigen Familienplanungsprogramme fortführen, aber
wir benötigen neue und sichere Verhütungsmethoden, um größere Erfolge zu haben.
Zusammenfassend möchte ich sagen: Die Entwicklungsländer werden gestärkt,
wenn sie energisch eine Politik verfolgen, die zu Wachstum und nicht zur Abhängigkeit führt. Die Industrienationen müssen ihren Teil leisten durch wirtschaftliche Unterstützung, durch einen freieren Handel und dadurch, daß sie
ihre Volkswirtschaften so stark wie möglich halten, in den Entwicklungsländern
investieren und diesen bei der Schaffung und dem Transfer von Technologie helfen. Die beiderseitigen Vorteile einer Zusammenarbeit auf all diesen Gebieten
liegen auf der Hand. Und der Schaden, der angerichtet wird, wenn man nicht
zusammenarbeitet, ist so groß. Wir müssen diese Herausforderung bestehen.

+ + + + +

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28. Juli 1982

KENNETH DAM: DER NEUE STELLVERTRETENDE AUSSENMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Kenneth Dam, der neuernannte Stellvertretende amerikanische Außenminister, hat mit dem neuen Außenminister der Vereinigten
Staaten, George Shultz, bereits in den siebziger Jahren im Amt für Verwaltung und Haushalt (0MB) eng zusammengearbeitet. Dam, der die Nachfolge
von Walter J. Stoessel antritt, wurde am 19. Juli 1982 von Präsident Reagan
für sein Amt nominiert; seine Ernennung muß noch vom amerikanischen Senat
bestätigt werden.
Geboren wurde Kenneth Dam am 10. August 1932 in Marysville im Staate
Kansas, wo er auch zur Schule ging. Seinen ersten akademischen Grad erwarb
Dam an der Universität von Kansas und studierte dann Jura an der Universität
von Chicago. Nach seinem Staatsexamen wurde er juristischer Mitarbeiter des
Obersten Bundesrichters Charles Whittaker und praktizierte dann in einer Anwaltsfirma in New York.
Im Jahr 1960 nahm er eine Lehrtätigkeit an der juristischen Fakultät
der Universität von Chicago auf und wurde 1964 zum Professor ernannt. Im
Jahr 1971 trat er in den Regierungsdienst als Beigeordneter Direktor für
Nationale Sicherheit und Internationale Angelegenheiten im Amt für Verwal-

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�für Verwaltung und Haushalt ein, dessen damaliger Direktor George Shultz
war. Im Jahr 1973 wurde Dam zum Direktor des Rates für Wirtschaftspolitik
ernannt. Nach drei Jahren kehrte er an die Universität von Chicago zurück,
blieb jedoch als Berater für mehrere Bundesbehörden tätig. Bis zu seiner
Berufung in das Außenministerium war Dam Vorsteher (Provost) der Universität
von Chicago und Ordinarius für Recht. Er ist ferner Mitglied des Akademischen Beratungsausschusses des amerikanischen Unternehmensinstituts, Berater der Rand Corporation und gehört dem Vorstand des privaten Rates für
Auswärtige Beziehungen von Chicago an.

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�7

Hintergrund
materiell
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28. Juli 1982

FÄLSCHUNGEN, FALSCHINFORMATIONEN UND POLITISCHE EINFLUSSNAHME
ALS MITTEL DER SOWJETISCHEN AUSSENPOLITIK
- Ergänzender Bericht des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat in einem ergänzenden Bericht über "Aktive Maßnahmen" der Sowjets erneute Beispiele dafür
geliefert, daß die Sowjetunion Methoden der Fälschung, Falschinformation und
politischen Einflußnahme benutzt, um die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
herabzusetzen und die eigenen außenpolitischen Ziele voranzutreiben. Ein Vertreter
des Außenministeriums betonte im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Berichts am 8. Juli 1982, daß das beste Mittel gegen die sowjetischen Machenschaften in der Aufklärung der Öffentlichkeit bestehe. Die Abteilung für öffentliche
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium hatte bereits im Oktober
1981 einen Bericht über "Aktive Maßnahmen" der Sowjets veröffentlicht. Der neue
Bericht erfaßt nur Fälle, die nach dem Oktober 1981 bekanntgeworden sind.
Der Sprecher des State Department wies erneut darauf hin, daß die Sowjetunion
für ihre Zwecke internationale Frontorganisationen, moskauorientierte kommunistische Parteien und eigene Agenten für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung

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�öffentlichen Meinung benutze. Die sowjetische Kampagne zur Schaffung von
Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten und zur allgemeinen Diffamierung des Gegners spekuliere auf den kumulativen Effekt - auch
wenn damit die USA sicherlich nicht aus den Angeln zu heben seien, so erklärte
der Sprecher. Trotzdem würden die Falschinformationen auf lange Sicht einen
negativen meinungsbildenden Einfluß auf die Einstellung gegenüber den Vereinigten
Staaten hervorrufen.
Zu den Quellen der Fälschungen wies der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums darauf hin, daß diese sich fast nie bis ganz ins Detail feststellen
ließen, daß man aber "mit höchster Wahrscheinlichkeit" die Sowjetunion als
Ursprungsland bestimmen könne. Vor allem ließen sich typische sowjetische Verhaltensmuster erkennen.
Was die Manipulation der Medien und die Verbreitung von Falschinformationen
betrifft, so heißt es in dem Bericht, geht es Moskau in erster Linie darum,
Falsifikate bei angesehenen nichtkommunistischen Zeitungen unterzubringen,
worauf die sowjetischen Medien den entsprechenden Bericht unter Hinweis auf die
glaubwürdige Quelle aufgreifen und damit reelle Chancen haben, daß er auch von
Blättern außerhalb des Ostblocks übernommen wird.
Wie es in dem Bericht weiter heißt, suchen die kommunistischen Parteien
und deren Gliederungen im Ausland die sowjetischen Interessen auch dadurch
zu fördern, daß sie ihre Aktivitäten auf die Friedensbewegungen in Westeuropa
und in den Vereinigten Staaten konzentrieren. Der Bericht enthält Angaben aus
dem Jahresprogramm des Weltfriedensrates, die beweisen, daß sich dessen AntiAtomwaffen-Kampagne ausschließlich gegen die amerikanische Politik richtet.
Der jüngste Bericht des amerikanischen Außenministeriums über "Aktive
Maßnahmen der Sowjets: Ein Nachtrag" hat folgenden Wortlaut:
Die Sowjetunion

�Die Sowjetunion benutzt den Begriff "aktive Maßnahmen" zur Kennzeichnung
einer großen Vielfalt von Aktionen zur Förderung der Ziele ihrer Außenpolitik
- wozu auch die Schädigung des Ansehens von Gegnern der Sowjetunion zählt. Zu
diesen "aktiven Maßnahmen" rechnen: die Verbreitung von Falschinformationen,
Nachrichtenunterdrückung, die Manipulation der Medien in anderen Ländern,
der Einsatz kommunistischer Parteien und deren Gliederungen und direkte Maßnahmen
zur Ausweitung des politischen Einflusses der Sowjets. Im Gegensatz zur offenen
Diplomatie, die alle Nationen

praktizieren, werden die sowjetischen "aktiven

Maßnahmen" häufig heimlich ausgeführt und schließen Fälschungen ein. "Aktive
Maßnahmen" werden nicht nur durch das KGB, den sowjetischen Staatssicherheitsdienst, sondern auch durch das Internationale Büro und das Büro für internationale
Informationen des Zentralkomitees

der Kommunistischen Partei der Sowjetunion

(KPdSU) ausgeführt.
Die in diesem Bericht dargestellten "aktiven Maßnahmen" beschränken sich
notwendigerweise auf solche, die entlarvt werden konnten. Sie machen deutlich,
daß diese Aktivitäten in aller Welt betrieben werden. Die offenen Gesellschaften
vieler Industrie- und Entwicklungsländer bieten den Sowjets Gelegenheit, "aktive
Maßnahmen" zur Meinungsbeeinflussung im Sinne der sowjetischen Politik und gegen
die Politik der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten durchzuführen. Wir
hoffen, daß dieser Bericht das Bewußtsein der Öffentlichkeit und das Verständnis
für die "aktiven Maßnahmen" der Sowjets vertiefen und die Wahrscheinlichkeit verringern wird, daß sich Menschen durch sie täuschen lassen.
FÄLSCHUNGEN
Fälschungen sind eine häufig angewandte "aktive Maßnahme".
In den letzten Monaten wurde eine ganze Reihe von ihnen aufgedeckt. Ihre Verbreitung war terminlich so gehalten, daß sie die öffentliche Meinung im Westen
zu aktuellen Fragen von großer Empfindlichkeit beeinflussen sollten. Soweit
wir hierüber Bescheid wissen, wurde nur eine dieser Fälschungen aus jüngster
Zeit von den Medien unkritisch aufgegriffen.
Fälschungen werden gewöhnlich Journalisten, Beamten oder anderen Personen
per Post zugesandt, von denen man erwarten kann, daß sie diese den Medien

�den Medien zugänglich machen. Postsendungen mit Fälschungen tragen in der
Regel keine Absenderangabe, und dieser läßt sich auch nicht anderweitig
identifizieren. Wie der getarnte Absender in den Besitz der Dokumente gelangt
ist, beläßt man nach einem unveränderlichen Muster im Dunkeln.
Die angeblichen NATO-Dokumente: Gegen Ende Oktober 1981 erhielten spanische
Journalisten in Brüssel Formbriefe, die den Eindruck zu erwecken suchten, sie
kämen vom NATO-Informationsdienst. Die Briefe schlössen eine Mappe mit zur
Veröffentlichung bestimmtem Informationsmaterial ein, das auf den neuesten
Stand gebracht worden war und Spanien als neuen Mitgliedstaat des Bündnisses
auswies. Da im spanischen Parlament die Debatte um den Antrag Spaniens auf
Aufnahme in die NATO noch anhielt, mußte der Brief bei den Spaniern den Eindruck erwecken, als zeige die NATO wenig Respekt vor den demokratischen Institutionen Spaniens. Die Journalisten allerdings hielten Rücksprache mit der
NATO,und so berichtete die spanische Presse von einer Fälschung, die die Absicht
verfolgte, die innerspanische Debatte über die NATO zu beeinflussen.
Der angebliche Brief Präsident Reagans an den König von Spanien: Im
November 1981 wurde in Madrid der Versuch unternommen, in der Öffentlichkeit
einen gefälschten Brief zu kursieren, den Präsident Reagan angeblich dem König
von Spanien gesandt hatte. Mit Formulierungen, von denen man erwarten konnte,
daß sie die Empfindlichkeit der Spanier verletzen würden, wurde der König in
dem Brief aufgefordert, auf den Beitritt Spaniens zur NATO zu drängen und hart
gegen Gruppen wie die "Opus Dei"-Pazifisten und die "Linksoppositionellen" vorzugehen.
Nachdem die erste Postverteilung an spanische Journalisten zu keiner Veröffentlichung führte, wurde das Falsifikat am 11. November an alle Delegationen
(außer an die amerikanische und die spanische) auf der KSZE-Nachfolgekonferenz
in Madrid verteilt. Dieses Mal berichteten die Madrider Zeitungen über den
Brief, bezeichneten ihn allerdings als ein Machwerk von wahrscheinlich sowjetischer Herkunft.
Der angebliche

- 4 -

�Der angebliche Clark-Stearns-Brief: Im Januar 1982 machte in Athen ein
gefälschtes Schreiben mit einer beigeschlossenen wissenschaftlichen Analyse von
Richter William Clark, dem damaligen stellvertretenden Außenminister, an den
amerikanischen Botschafter in Griechenland, Monteagle Stearns, die Runde, das
das Datum vom 23. September 1981 trug. In dieser Fälschung war von der Unterstützung der Konservativen bei den griechischen Oktoberwahlen durch die
Amerikaner und einem möglichen militärischen Coup für den Fall eines Wahlsiegs
des Sozialistenführers Papandreou die Rede. Auf die Versicherung der Botschaft
hin, daß das Schreiben eine Fälschung sei, unterblieb zunächst einmal jede
Veröffentlichung. Einige Wochen später, nachdem bei der KSZE-Nachfolgekonferenz
in Madrid Kopien herumgereicht worden waren, veröffentlichte die Athener Tageszeitung "Vrathini" einen Bericht, der das Schreiben als von zweifelhafter
Authentizität bezeichnete, das wahrscheinlich dem Geheimdienst einer "dritten
Macht" zuzuschreiben sei.

Die angeblich schwedischen Brieftelegramme: In der Woche vom 8. November
1981 wurden mindestens zehn Brieftelegramme - telefonisch bei der Western Union
aufgegeben - an Journalisten im Gebiet von Washington zugestellt. Die dem Anschein nach von amerikanischen Regierungsbeamten ausgehenden Telegramme enthielten
das Angebot, dem Empfänger den Wortlaut einer angeblichen Geheimvereinbarung über
die Benutzung des schwedischen Marinestützpunktes Karlskrona für Spionagezwecke
durch die Amerikaner.zugänglich zu machen.
Die Brieftelegramme waren unmittelbar nach dem Stranden eines sowjetischen
U-Bootes in dem Sperrgebiet des Marinestützpunktes Karlskrona aufgegeben worden,
das großes Aufsehen erregt hatte. Die Wahl dieses Zeitpunktes erhärtet die Folgerung, daß es sich hierbei um einen Versuch handelte, ein Gegengewicht zur
negativen Publizität zu schaffen, die dieser Vorfall der Sowjetunion eingebracht
hatte.
Das angebliche Schreiben Haigs an Luns; Am 22. April 1982 veröffentlichte
die linksorientierte belgische Wochenschrift "de nieuwe" ein Schreiben, das der
scheidende NATO-Oberbefehlshaber Alexander Haig angeblich im Juni 1979 an NATO-

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�an NATO-GeneralSekretär Joseph Luns gerichtet haben soll, und das sowohl die
NATO als auch amerikanische Regierungsbeamte als Machwerk bezeichneten.
Das gefälschte Schreiben befaßte sich mit einem möglichen nuklearen Erstschlag und forderte "Maßnahmen sensitiver Art",um "die Schwachherzigen in Europa
aufzurütteln", die gegen eine Modernisierung der nuklearen Mittelstreckenraketen
sind. Die Wahl des Zeitpunktes für die Absendung dieses Falsifikats steht im
Zusammenhang mit den vielen Anti-Atomwaffen-Demonstrationen, die im Frühjahr
1982 in Europa stattgefunden haben. Das Schreiben wurde im Organ der Kommunistischen Partei Luxemburgs, "Zeitung",am 10. Mai 1982 abermals veröffentlicht.
Ein angebliches Dokument aus dem US-Handelsministerium: Ende Mai 1982, unmittelbar vor dem Versailler Wirtschaftsgipfel, wurde ein angebliches amerikanisches Regierungsdokument mit dem Datum des 18. Februar 1982 in Brüssel verbreitet.
Das Dokument, das den Eindruck zu erwecken suchte, als handele es sich um
Empfehlungen der Arbeitsgruppe für Fragen der Wirtschaftspolitik,deren Vorsitz
der amerikanische Handelsminister innehat, stellte die Politik der Vereinigten
Staaten im Zusammenhang mit Problemen des Handels mit strategischen Gütern so
verdreht dar, daß diese Darstellung mit großer Wahrscheinlichkeit zu Reibungen
zwischen den USA und ihren europäischen Verbündeten führen mußte. Mehrere Journalisten brachten die Angelegenheit amerikanischen RegierungsVertretern zur Kenntnis,
die sie prompt als Fälschung kennzeichneten. Soweit wir wissen, hat die Presse
das gefälschte Dokument nicht gebracht.
Manipulation der Medien und Falschinformationen
Zweck der Verbreitung von Falschinformationen ist es, die Zustimmung der
Öffentlichkeit zu etwas zu erlangen, was nicht wahr ist. Da es den sowjetischen
Medien an Glaubwürdigkeit mangelt, suchen sie die Publikation von Falschinformationen in nichtkommunistischen Medieneinrichtungen zu erreichen. Sowjetische
Medien wie TASS oder Radio Moskau kommen dadurch in die Lage, glaubwürdige
Quellen für die Wiederholung solcher Berichte anzuführen - in der Hoffnung, daß
diese anschließend von anderen nichtkommunistischen Medien aufgegriffen werden.

- 6 -

�aufgegriffen werden. Falschinformationen werden häufig auch bei prosowjetischen
Zeitungen in der Hoffnung plaziert, daß sie von unabhängigen Medieninstituten
übernommen werden oder einfach durch ständige Wiederholung an Glaubwürdigkeit
gewinnen.
Eine von Moskau finanzierte Tageszeitung in Griechenland: Eine weitere
Methode, Einfluß auf die Medien zu gewinnen, ist die geheime Finanzierung
von Zeitungen. Das wurde neulich in Griechenland deutlich. Im Mai 1982 berichtete
die Athener Tageszeitung "Messimvririi" daß im September 1981 eine neue, auflagenstarke Tageszeitung "To Ethnos" herausgekommen sei - dank eines geheimgehaltenen
sowjetischen Zuschusses in Höhe von 1,8 Millionen Dollar; "Messimvrini" nimmt
an, daß die heimliche Bezuschussung fortgesetzt werde. Die griechische Regierung
hat inzwischen eine Untersuchung angeordnet.
Angola - Zaire - Südafrika
Eine andere sowjetische Kampagne verfolgte die Absicht, die amerikanische
Politik in Südafrika in Miskredit zu bringen - insbesondere die Glaubwürdigkeit
der amerikanischen Bemühungen um die Lösung des Namibia-Problems durch Medienberichte zu untergraben, denen zufolge die Vereinigten Staaten versuchten, die
Regierung von Angola zu stürzen. Eine Reihe von Beispielen ist geeignet, die
diesbezüglichen Anstrengungen zu illustrieren:
- Am 15., 23. und 24.September 1981 veröffentlichte die der Sozialistischen
Partei nahestehende Tageszeitung "Portugal Hoje" in Lissabon Berichte, denen zufolge Vertreter der Vereinigten Staaten, Zaires

und Südafrikas insgeheim zu-

sammengekommen seien, um eine Konspiration gegen das Regime in Angola anzuzetteln. Der Gewährsmann für die Geschichte, ein Angolaner, der nach Lissabon
gereist war, behauptete, er habe als Beweis hierfür in Zaire Dokumente gestohlen,
Dokumente - die er aber nie offenlegte. Zaire und die USA wiesen diese Anschuldigungen zurück; TASS aber griff die Hoje-Story prompt auf, die dann in
mehreren afrikanischen Zeitungen abgedruckt wurde, so auch im "Journal de Angola".
Am 22. Dezember 1981

�Am 22. Dezember 1981

berichtete "Diario do Lesboa", eine prokommunistische

Zeitung, die Vereinigten Staaten würden "2 000 besonders geschulte Scharfschützen", die in Zaire zusammengezogen werden, bei einem Angriff auf Angola
unterstützen. Das US-Außenministerium dementierte diese Geschichte am 24. Dezember, TASS übernahm sie aber trotzdem. Im Anschluß daran griffen dann mehrere
afrikanische Zeitungen und Rundfunkstationen und auch die flämische sozialistische Tageszeitung "de Morgen" diese Beschuldigungen auf - gestützt auf den
TASS-Bericht.
- Eine ähnliche Geschichte erschien am 17. April 1982 in der kongolesischen
Zeitung "Etumba", die von einer angeblichen Zusammenkunft zwischen Vertretern
der Vereinigten Staaten, Südafrikas und anderer Länder im Jahre 1981 berichtete,
die der Planung eines Komplotts gegen Angola gedient haben soll. Die amerikanische Botschaft in Brazzaville wies diesen Bericht prompt zurück.
Der angebliche Umsturzversuch auf den Seychellen: Einen Tag nach dem am
25. November 1981 unternommenen Versuch einer Gruppe von Söldnern, die Regierung
der Seychellen zu stürzen, unterstellten Berichte in der sowjetischen Presse,
der amerikanische Spionageabwehrdienst CIA wäre für diesen Coup verantwortlich.
Einer häufig geübten sowjetischen Praxis folgend, wurden diese Anschuldigungen
ungenannten und daher nicht nachprüfbaren "afrikanischen Rundfunkkommentaren"
zugeschrieben. Trotz einer Erklärung des Präsidenten der Seychellen, France
Albert Rene, vom 2. Dezember 1981, daß seiner Regierung keine Hinweise auf eine
Beteiligung ausländischer, außer südafrikanischer, Kräfte vorlägen, fuhren die
sowjetischen Medien mit ihren Beschuldigungen gegen die Vereinigten Staaten fort.
Im weiteren Verlauf des Dezember nahmen dann noch mehrere afrikanische Zeitungen
- darunter die "Nation" in Nairobi und die "Daily Times" in Lagos, die führenden
Tageszeitungen in Kenia beziehungsweise Nigeria - diese Geschichte auf. Nunmehr
wiederholten die sowjetischen Medien diese Beschuldigungen - unter Nennung
dieser afrikanischen Zeitungen als ihrer Quelle.
Die Geschichte

�Die Geschichte von den Moskitos in Pakistan
Im Nachgang zum Bekanntwerden zwingender Beweise für den Einsatz chemischer
Waffen durch die Sowjets in Afghanistan und für die Lieferung von Mykotoxinen
zur Verwendung in Laos und Kampuchea, startete Moskau eine Kampagne mit Falschinformationen, die sich auf Pakistan konzentrierte. Die "Literaturnaya Gazeta"
behauptete in ihrer Ausgabe vom 2. Februar 1982, das Malaria-Bekämpfungsprogramm
des Pakistanischen Malaria-Forschungszenters in Lahore stelle einen vom CIA
finanzierten Versuch dar, spezielle Moskitos zu züchten, "die ihre Opfer mit
tödlichen Viren infizieren - im Rahmen amerikanischer Pläne, die biologische
Kriegsführung in Afghanistan aufzunehmen." In Wahrheit befaßt sich das
Pakistanische Malaria-Forschungszentrum schon seit 20 Jahren mit der Erforschung
von Methoden zur Malariaabwehr. Ein Großteil der hierfür benötigten Forschungsmittel wird über einen Forschungskontrakt mit der Universität von Maryland vom
U.S. National Institute of Health, dem amerikanischen Gesundheitsdienst, und dem
US-Amt für Internationale Entwicklung (AID) aufgebracht. Das amerikanische
Außenministerium bezeichnete die sowjetischen Beschuldigungen umgehend als
"jeglicher Grundlage entbehrend." Der Direktor des American Center, Dr. David
Nalin, erklärte gegenüber der "Baltimore Sun" am 9. Februar 1982, die Beschuldigungen seien eine Form der sowjetischen Praxis der Verbreitung von Falschinformationen, mit denen sie den amerikanischen Vorwürfen im Zusammenhang mit dem
"gelben Regen" entgegenzuwirken suchten. Dennoch verbreitete TASS auch weiterhin
Falschmeldungen, die nicht nur von notorischen Verbreitern von Falschmeldungen
wie dem in Bombay erscheinenden "Blitz" und dem in New Delhi erscheinenden
"Patriot" abgedruckt wurden, sondern Eingang auch in unabhängige Zeitungen wie
die einflußreiche "Times of India", die pakistanische "Pakistani Daily Jang"
und die "Muslim News" in Kapstadt, Südafrika, fanden, die man normalerweise nicht
als mit der sowjetischen Propaganda unter einer Decke steckend bezeichnen kann.
Der Schwindel mit den Militärstützpunkten: Zu den Routinemethoden der Falschinformierungskampagnen gehört die Verbreitung von Falschmeldungen über die
amerikanische

militärische Kooperation mit anderen Ländern. Zu den Beispielen

aus jüngster Zeit gehören Falschmeldungen in den Medien der Sowjetunion und
anderer kommunistischer Länder, die besagen, die Vereinigten Staaten hätten Basen

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�hätten Basen auf der hondurianischen Insel Ampala, der kolumbianischen Insel
San Andres und auf den Comoros-Inseln vor der afrikanischen Ostküste errichtet
oder würden dies zumindest planen.

Während man diesen Meldungen wenig Glauben

schenkte, gewann eine weitere, auf Pakistan bezogene Falschmeldung mehr Aufmerksamkeit. Infolgedessen erachtete es das pakistanische Außenministerium am
10. Dezember 1981 für notwendig, die Behauptung Radio Moskaus zurückzuweisen,
die Vereinigten Staaten würden beim Besuch Außenminister Haigs die Zustimmung
zur Errichtung militärischer Stützpunkte in Pakistan zu erreichen suchen. Unter
anderem beteuerte Radio Moskau wahrheitswidrig, der indische Außenminister Rao
habe vor dem indischen Parlament behauptet, Pakistan habe sich zur Bereitstellung
von Stützpunkten für Amerikas rasche Einsatzstreitmacht bereiterklärt.
Frontorganisationen und moskauorientierte kommunistische Parteien
Frontorganisationen sind nominell unabhängige Organisationen, die von den
Sowjets kontrolliert werden - gewöhnlich durch die Internationale Abteilung des
Zentralkomitees der KPdSU. Diese Organisationen werben seit langem um Verständnis für die Ziele der sowjetischen Außenpolitik. In den letzten Monaten legten
die Frontorganisationen das Schwergewicht ihrer Anstrengungen auf Versuche,
dafür zu sorgen, daß sich die Friedensbewegung in Westeuropa und

in den Ver-

einigten Staaten ausschließlich gegen die amerikanische Politik wendet und jede
Kritik an der nuklearen Bedrohung durch die Sowjets vermeidet. Das Jahresprogramm
des Weltfriedensrates für 1982 sieht beispielsweise vor:
- "Eine weitere Intensivierung von Aktionen gegen die Gefahren eines nuklearen
Krieges und gegen die Dislozierung neuer amerikanischer Massenvernichtungswaffen
in Westeuropa...".
- Nationale Ereignisse (Demonstrationen, Seminare, Kolloquien usw.) unter
internationaler Beteiligung

"gegen den Ausbau der nuklearen Rüstung und

die Dislozierung amerikanischer Raketen in Europa; für Frieden und Entspannung
in Europa."
- "Internationale Tagungen von Bürgermeistern, gewählten Stadträten und
von Friedenskräften aus europäischen Städten und Regionen, in deren Nähe neue

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�Nähe neue amerikanische nukleare Raketen disloziert werden sollen ..."
Die mit Moskau liierten kommunistischen Parteien verfolgen denselben Kurs.
Die Wirksamkeit des Einsatzes von Frontorganisationen und örtlichen kommunistischen Gruppen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich und läßt sich nur sehr
schwer messen. Dennoch wächst das Bewußtsein, daß die Kommunisten und ihre
Helfershelfer die Friedens- und Anti-Atomwaffenbewegungen so kanalisieren, daß
sie den Zwecken Moskaus dienen. Das hat in einigen Ländern zu Reibungen innerhalb
dieser Bewegungen geführt.
In der Bundesrepublik Deutschland kritisierte Petra Kelly, eine prominente
Politikerin der Umweltschutz-Partei, der "Grünen", die Deutsche Kommunistische
Partei (DKP) in aller Öffentlichkeit, weil deren Anstrengungen Anfang April
1982 antiamerikanische Schlagworte hervorriefen, während das sowjetische Arsenal
an Kernwaffen als Bedrohung des Friedens nicht einmal erwähnt wurde. Sie wiederholte diese Kritik in einem Interview, das sie dem CBS-Fernsehen während des
Bonner Besuchs Präsident Reagans gab. In ähnlicher Weise vermied in Österreich
ein von den Organisatoren eines Friedensmarsches am 15. Mai gebilligtes Programm
unter dem Druck moskaufreundlicher Kommunisten jede Kritik an der sowjetischen
Atomrüstung. Die Nichtkommunisten gliederten sich hierauf aus, was wiederum
dazu führte, daß der österreichische Jugendrat ein weniger einseitiges Programm
herausgab.

Maßnahmen zur politischen Beeinflussung
Maßnahmen, die darauf abzielen, politischen Einfluß zu gewinnen, sind
schwerer zu enttarnen als andere "aktive Maßnahmen", insbesondere, wenn dies
unter Einsatz von Agenten zur direkten Beeinflussung geschieht. Bei solchen
Aktionen verbergen die Beteiligten ihre Beziehungen zum KGB solange, wie sie
eine aktive Rolle in der Politik spielen. Wenn es gelegentlich doch zu einer
Enttarnung kommt, dann ist sie meist das Ergebnis der Untersuchung von Spionagefällen. Das Ausmaß unzulässiger sowjetischer Aktivitäten spiegelt sich auch in
der Zahl von 19 Ausweisungen von Sowjetbeamten aus zehn Ländern während der
ersten fünf Monate dieses Jahres wider - wegen Verwicklung in Spionagefälle oder

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�Spionagefälle oder aktive Maßnahmen". Hierzu rechnen die Ausweisung des
sowjetischen Militärattaches in Washington und die Aufdeckung von Spionagenetzen in Indonesien und Singapore.
Dänemark: Im Oktober 1981 wies die dänische Regierung den KGB-Angehörigen
Wladimir Merkulow aus, der als Zweiter Sekretär an der sowjetischen Botschaft
tätig war. Er wurde unerlaubter Tätigkeiten,darunter der Führung des dänischen
Einflußnahmeagenten Arne Herloew Petersen, beschuldigt. Am 17. April 1982 teilte
das dänische Justizministerium in einer Erklärung Einzelheiten über Petersens
Arbeit für das KGB mit:
- Im Sommer 1981 trafen die Sowjets Vorkehrungen, Petersens Aufwendungen
für eine Anzeigenserie zu vertuschen, in der dänische Künstler ihr Eintreten
für eine kernwaffenfreie Zone im hohen Norden zum Ausdruck brachten.
- Petersen schaffte außenpolitische Dokumente, die ihm von der sowjetischen
Botschaft übergeben worden waren, zur Botschaft von Nordkorea. Aufgrund sowjetischer Anweisungen mißinterpretierte er diese Dokumente als von einem amerikanischen Journalisten herrührend.
- Petersen übergab der sowjetischen Botschaft mehrmals Informationen über
den "linken Flügel" in Dänemark und über progressive Journalisten, die nicht
der kommunistischen Partei angehören.
- Petersen veranlaßte den Druck einer Broschüre, in der die britische
Primierministerin Thatcher angegriffen wurde. Der Text stammte von der sowjetischen Botschaft.
Der Justizminister stellte fest, daß es über mehrere Jahre hinweg zu heimlichen Zusammenkünften zwischen Petersen und drei sowjetischen Diplomaten gekommen
war (von denen Merkulow der letzte war). Peterson wurde von seinen KGB-Oberen
ausdrücklich aufgefordert, nicht der "Dänischen Kommunistischen Partei" beizutreten .
Die dänische

�Die dänische Regierung entschied, Petersen außer Strafverfolgung zu setzen,
obwohl sie gleichzeitig erklärte, er habe gegen das dänische Recht verstoßen.
In einem Fernsehinterview, das zwei Tage nach Abgabe der angeführten amtlichen
Erklärung ausgestrahlt wurde, forderte der dänische Außenminister Petersen auf,
eine Verleumdungsklage einzureichen, damit die in den Händen der Regierung
befindlichen Beweise der Öffentlichkeit in vollem Umfang zugängig gemacht werden.

- Schweden: Der sowjetische Dritte Botschaftssekretär Albert Liepa wurde
im April 1982 aus Schweden ausgewiesen. Dem Sprecher des schwedischen Außenministeriums zufolge, hatte Liepa systematische Anstrengungen unternommen,
Informationen über die litauische Kolonie in Schweden zu sammeln und Einfluß
auf sie zu gewinnen. Vor seiner Versetzung nach Stockholm war Liepa Vorsitzender
eines in Riga gebildeten Ausschusses,der sich um die Aufrechterhaltung der
"kulturellen Bindungen" zu den außerhalb der Sowjetunion lebenden Litauern
kümmern soll.
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�29

28. Juli 1982

USA SUCHEN VERBESSERUNG VON NUKLEARTESTVERTRÄGEN

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden eine Verbesserung
der Verifizierungsbestimmungen des Vertrages über die Begrenzung unterirdischer Kernwaffenversuche (Schwellenvertrag) und des Vertrages über unterirdische Kernexplosion für friedliche Zwecke anstreben.
Ein leitender Vertreter der amerikanischen Regierung erklärte am 20.
Juli 1982 vor der Presse, daß die Reagan-Administration in Genf die Oberprüfbarkeit des vorgeschlagenen Vertrages über ein umfassendes Verbot von
Kernversuchen erörtern wird. Noch größeren Vorrang habe zunächst jedoch die
Verbesserung der Verifizierungsverfahren im Rahmen der bereits bestehenden
Verträge, die beide von den Vereinigten Staaten schon unterzeichnet, aber
noch nicht ratifiziert wurden. Der Regierungsvertreter erklärte, daß
Washington die Absicht habe, der Sowjetunion eine Stärkung des Protokolls
zu diesen Verträgen vorzuschlagen.
Der Vertrag über die Begrenzung unterirdischer Kernwaffenversuche
(Schwellenvertrag) wurde 1974 unterzeichnet und sieht vor, daß keine unterirdischen Kernwaffenversuche mit einer Sprengkraft von mehr als 150 Kilotonnen durchgeführt werden dürfen. Kernwaffenversuche über der Erde und in
der Atmosphäre waren bereits 1963 verboten worden. Im Jahr 1976 wurde der

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�wurde der Vertrag über unterirdische Explosionen für friedliche Zwecke unterzeichnet, der ebenfalls die Begrenzung auf höchstens 150 Kilotonnen Sprengkraft übernahm.
Der amerikanische Regierungsvertreter betonte, daß sich die Vereinigten
Staaten an die Bestimmungen der Verträge gehalten hätten, obwohl keiner von
beiden ratifiziert wurde.
Nach Auffassung der Reagan-Administration hat sich die Sowjetunion jedoch geweigert, Verifizierungsmaßnahmen zuzulassen, die Washington die Gewißheit gäben, daß die Verträge in der Tat eingehalten werden.

Der Regierungs-

vertreter gab zu verstehen, daß bei mehreren Gelegenheiten die von amerikanischen Geräten aufgenommenen seismographischen Signale Zweifel an der Einhaltung des Vertrages durch die Sowjets aufkommen ließen.

Die Signale seien

andererseits jedoch nicht so eindeutig, erklärte der Regierungsvertreter, daß
der Kreml einer tatsächlichen Verletzung beschuldigt werden könnte.
Um diese "Unsicherheiten" in Zukunft auszuschalten, wolle Washington mit
Moskau über eine Verbesserung der Verifizierungsbestimmungen sprechen.

Die

nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten lasse es nicht zu, sagte er,
daß die Reagan-Administration einen Vertrag billige, dessen Einhaltung nicht
überprüft werden kann.

"Wir können uns eine Wiederholung der Episode mit dem

gelben Regen nicht leisten", fügte er hinzu.
Er bezeichnete die Verifizierungsbestimmungen des Vertrages über die Begrenzung unterirdischer Kernwaffenversuche als "rudimentär". Auf die Frage,
ob Kontrollen vor Ort unabdingbar seien, um die Einhaltung der Vertragsbedingungen sicherzustellen, erklärte der Regierungsvertreter, daß Inspektionen
an Ort und Stelle nicht unbedingt notwendig sein müßten. "Bezüglich spezifischer Verifizierungsbestimmungen muß jedoch viel mehr getan werden", so
sagte er, "und es muß vor allem versucht werden, das Element der Ungewißheit
wesentlich zu verringern".
Die erste
- 2 -

�Die erste Aufgabe müsse es sein, das schon Bestehende (den Schwellenvertrag und das Abkommen über Versuche im Zusammenhang mit der friedlichen
Nutzung von Kernkraft) voll funktionsfähig zu machen, erklärte der Regierungsvertreter.

Er unterstrich, daß darüber hinaus die Vereinigten Staaten

über den Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen in Genf sich auch weiterhin an Verhandlungen über andere Versuchsverbotsverträge beteiligen würden.
Die Frage der Prioritätszuweisung für Kernversuchsbegrenzungsverträge
sei von der Administration im Rahmen einer umfassenden Bewertung von RUstungskontrollinitiativen überprüft worden, sagte der Beamte. Er wies darauf hin,
daß Präsident Reagan die Vereinigten Staaten in Verhandlungen mit Moskau über
ein Verbot von nuklearen Mittel Streckensystemen in Europa (INF), Verhandlungen über eine wesentliche Verringerung der strategischen Nuklearstreitkräfte
(START) und über einen schrittweisen Abbau der konventionellen Streitkräfte
in Europa (MBFR) geführt habe.
Präsident Reagan habe ferner Gespräche mit der Sowjetunion über sogenannte Vertrauensbildende Maßnahmen vorgeschlagen, die das Risiko von Fehleinschätzungen von Manövern und anderen Aktivitäten auf beiden Seiten verringern würden.

Dazu sollten unter anderem die Vorankündigung von Raketen-

testflügen und von strategischen Übungen gehören.
Darüber hinaus seien die Vereinigten Staaten an der Arbeit der Arbeitsgruppe zur Prüfung von Kernversuchsverboten in Genf beteiligt, sagte der amerikanische Beamte.

Und er betonte, daß ein umfassendes Verbot für alle nukle-

aren Versuchsexplosionen nach wie vor das langfristige Ziel der Reagan-Administration bleibe.

- 3 -

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28. Juli 1982

REALISTISCHE ABRÜSTUNG
Ein Kommentar der "Stimme Amerikas"

WASHINGTON - (AD) - Einige Politiker verschiedener Länder sowie private
Gruppen haben ihrer Enttäuschung über das Ergebnis der zweiten Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen Ausdruck verliehen. Sie hätten gerne einen
greifbaren Fortschritt bei dem Vorhaben gesehen, Schwerter in Pflugscharen
umzuwandeln. Sie haben ihre Besorgnis darüber ausgedrückt, daß die Welt immer noch von Waffen strotzt und in Afghanistan, zwischen dem Irak und dem
Iran sowie im Nahen Osten und anderswo auf der Erde Krieg geführt wird.
Trotz all dieser Enttäuschungen sehnt sich die Welt weiterhin nach Frieden. Dies kam auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen selbst zum Ausdruck und auch in Friedensdemonstrationen, die im Zusammenhang mit der Konferenz veranstaltet wurden. Und dieser Friedenssehnsucht wird auch bei den
Rüstungskontroll Verhandlungen in Genf und Wien Rechnung getragen. Genf ist
der Ort zweier amerikanisch-sowjetischer Gesprächsrunden: über die strategischen Kernwaffen (START) und über die Mittelstreckenraketen (INF).. Und
in Wien versuchen Staaten der NATO und des Warschauer Paktes,die konventionellen Streitkräfte zu vermindern. Bei allen drei Gesprächsrunden liegen
amerikanische Vertragsentwürfe oder wichtige Vorschläge auf dem Tisch und
werden ernsthaft erwogen.
Die Sondersitzung

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�Die Sondersitzung der Vereinten Nationen hat in ihr Schlußdokument eine
Empfehlung aufgenommen, die dazu beitragen kann, den RüstungskontroiIprozeß
voranzubringen. Da wird zu einer Weltabrüstungskampagne aufgerufen, die in
allen Ländern die Möglichkeit zu Diskussionen über alle mit Abrüstungsfragen
zusammenhängenden Gesichtspunkte bieten soll. Aber selbst dieser einfache
Aufruf zu einem offenen, in der Öffentlichkeit durchgeführten Meinungsaustausch über die Abrüstung wurde auf der Sondersitzung von den sowjetischen
Delegierten zurückgewiesen.
Der Grund dafür liegt auf der Hand. Moskau hat alle Arten von Abrüstungsdemonstrationen im Ausland ermutigt, insbesondere jene, die die westlichen Abrüstungsvorschläge kritisieren. In der Sowjetunion selbst ist es
nur offiziell sanktionierten Friedenskomitees, die die sowjetischen Vorschläge unterstützen, gestattet, tätig zu sein. Und die sowjetische Polizei handelte denn auch schnell und verhaftete die Handvoll unabhängiger Friedensmarschierer, die anläßlich der Sondersitzung der Vereinten Nationen Plakate mit
der Aufschrift "Brot, Leben und Abrüstung" enthüllten. Wie der amerikanische
Delegierte Edwin Feulner auf der Abschlußsitzung der Konferenz erklärte,
machten die Demonstranten in Moskau den Fehler, Worte zu gebrauchen, die in
der Sowjetunion als "staatsfeindliche" angesehen werden, selbst wenn diese
im Ausland als Ausdruck der offiziellen Politik gelten.
Die Abrüstungskampagne der Vereinten Nationen hat Besseres verdient. Und
die Delegierten haben dann auch am Ende der Idee zugestimmt, daß die Informationen über Abrüstungsfragen allen und weltweit zugänglich gemacht werden sollen. Das ist eine kluge Entscheidung - und es wäre eine noch klügere Entscheidung, wenn diejenigen Regierungen, die bisher eine übertriebene Geheimhaltung betrieben haben, sich jetzt öffnen und den freien Austausch über diese so lebenswichtigen Fragen zulassen würden.

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�29

28. Juli 1982

KANADISCHE STUDIE UNTERMAUERT VERDACHT AUF ANWENDUNG CHEMISCHER WAFFEN
- Bericht an die Vereinten Nationen veröffentlicht -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Ein bekannter kanadischer Wissenschaftler hat erklärt, die verfügbaren Beweise untermauerten die amerikanischen
Feststellungen über den Einsatz chemischer Waffen in Südostasien.

Diese

Analyse ist in einem Bericht der kanadischen Mission an die Vereinten Nationen
enthalten.

In dem Bericht unterstreicht die kanadische Regierung ferner die

Notwendigkeit einer gründlichen Untersuchung der Angelegenheit durch Experten
der Vereinten Nationen.
Um die Untersuchungen der Vereinten Nationen aufgrund der Behauptungen,
daß in Südostasien chemische Waffen zum Einsatz kämen, zu unterstützen, hat
die kanadische Regierung den Leiter der toxologischen Abteilung an der Universität von Saskatchewan, Dr. Bruno Schiefer, ersucht, eine unabhängige
Studie durchzuführen.

Der Bericht über diese Untersuchung wurde am 21. Juni

1982 der Sondersitzung der Vereinten.Nationen über Abrüstung zugeleitet, jedoch erst am 20. Juli veröffentlicht.

Dr. Schiefer hat im Februar eine zwei-

wöchige Reise nach Thailand unternommen und dort in Flüchtlingslagern an der
Grenze zu Laos und Kampuchea (Kambodscha) Augenzeugen gehört und Kontrollproben gesammelt. Ferner hat er mit thailändischen Regierungsvertretern und
Wissenschaftlern gesprochen.

"Die Geschehnisse,

�"Die Geschehnisse, von denen berichtet wird, daß sie während der angegebenen Angriffe mit chemischen Waffen stattgefunden hätten, können nicht auf
der Grundlage natürlich auftretender Krankheiten erklärt werden", so schloß
Dr. Schiefer.

"In Südostasien kommen weder Mykotoxinosen noch andere Krank-

heiten vor, die so rasch und kompakt auftretende Symptome oder die Auswirkungen auf alle Arten von Lebensformen hervorrufen könnten, über deren Auftreten berichtet wurde."
Der kanadische Wissenschaftler führt in seinem Bericht aus, daß es in
Thailand und den Nachbarländern zwar bestimmte Arten von Mykotoxinen gebe,
aber keine Krankheiten, deren natürliche Symptome den Auswirkungen chemischer
Waffen entsprechen würden.
Der kanadische Bericht deckt sich weitgehend mit mehreren Berichten, die
die Vereinigten Staaten im letzten Jahr vorgelegt haben; erst im Mai dieses
Jahres berichtete das amerikanische Außenministerium über neue Beweise für
den Einsatz chemischer Kampfstoffe in Kampuchea.
In dem kanadischen Bericht wird auch die Möglichkeit von Übertreibungen
oder Erfindungen in den Berichten von Flüchtlingen geprüft. "Bei dem nicht
endenden Strom von Berichten über Vorfälle und den Beweisen ist es höchst unwahrscheinlich, daß die wesentlichen Punkte aller Berichte das Produkt von
Einbildung, Erfindung oder Propaganda sind", so heißt es dazu in dem Bericht.
Aufgrund der Tatsache, daß es keine Hinweise auf Krankheiten mit den gleichen
Symptomen in Thailand und unter den Lebensbedingungen in Thailand gibt - die
denen der umliegenden Staaten entsprechen - "ist es höchst unwahrscheinlich,
daß die von den Flüchtlingen berichteten Vorfälle auf natürliche Ursachen zurückzuführen sind".
Dr. Schiefer erkannte die Gründlichkeit und Objektivität der Untersuchungen durch die Experten der Vereinten Nationen an, nahm jedoch Anstoß an der
dort angedeuteten Möglichkeit, daß in der Region natürliche Mykotoxine vorkommen könnten.

Die Expertengruppe der Vereinten Nationen hatte im November

- 2 -

�im November 1981 berichtet, daß ihre Studie nicht schlüssig sein könne, da
es keinen rechtzeitigen Zugang zu den Gebieten gegeben habe, aus denen die
Vorfälle berichtet wurden.
Im Auftrag der Vollversammlung der Vereinten Nationen setzt die Expertengruppe ihre Untersuchungen fort.

+ + + + +

- 3 -

�T

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Juli 1982

29

EINSCHRÄNKUNG DER OST-WEST-TELEFONVERBINDUNGEN DURCH UdSSR BEKLAGT
- Presseerklärung der Helsinki-Kommission des amerikanischen Kongresses -

WASHINGTON - (AD) - Die Mitglieder der Helsinki-Kommission des amerikanischen Kongresses, die sich mit Fragen der Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa befaßt, haben am 23. Juli 1982 eine Presseerklärung veröffentlicht,
die die Einschränkung der Telefonverbindungen zwischen Ost und West beklagt.
Die Presseerklärung hat folgenden Wortlaut:
Die Kongreßmitglieder der Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (Helsinki-Kommission) bedauerten die jüngste sowjetische Entscheidung über Einschränkungen der telephonischen Direktwählverbindungen zum Westen
als eine flagrante Verletzung des Geistes und der Grundsätze der Helsinki-Vereinbarungen sowie als ein weiteres Hindernis für ihre Verpflichtung zur Entwicklung der gegenseitigen Verständigung durch "freiere und größere Verbreitung von Informationen aller Art."
"Es ist schwer, die wiederholten sowjetischen Zusicherungen über die Absicht zu akzeptieren, im November wieder nach Madrid zu kommen und auf dem

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Telex: 8-85432

�auf dem KSZE-Folgetreffen ein umfassendes und ausgewogenes Abschlußdokument
zu erarbeiten," so unterstrichen der Vorsitzende der Helsinki-Kommission, das
republikanische Mitglied des Abgeordnetenhauses, Dante B. Fascell, und der
Stellvertretende Vorsitzende, Senator Robert Dole, in einer gemeinsamen Erklärung, "wenn ihr Verhalten seit Beginn des Treffens immer wieder nur das
eine zeigt, nämlich Geringschätzung der Verpflichtungen gemäß der HelsinkiSchlußakte."
In einem Schreiben an den sowjetischen Botschafter Anatoly Dobrynin
brachten Fascell und Dole ihre "tiefe Enttäuschung" und ihren "scharfen Protest über einen weiteren Schritt nach rückwärts und weg von den Verpflichtungen, die Ihre Regierung eingegangen ist..." zum Ausdruck.
"Wir sind der Meinung, daß diese Schritte eine eindeutige Verletzung
der Bestimmungen der Helsinki-Schlußakte über menschliche Kontakte sowie ein
direkter Widerspruch zu den Bestimmungen der Schlußakte sind, die eine Verbesserung der Möglichkeiten für Journalisten fordern, mit den Informationsorganen zu kommunizieren, die sie vertreten."
Die Beschneidung der Telefonverbindungen um zwei Drittel stellt eine
drastische Einschränkung des Kommunikationsflusses dar. Die Helsinki-Kommission schenkt der sowjetischen Behauptung keinen Glauben, wonach die Verringerung "von technischen Gründen" herrühre, sondern sieht viel eher den
Grund darin, daß die Überwachung von Telefonanrufen erleichtert und die Kontakte zwischen sowjetischen Emigranten und ihren Familien und Freunden in
der Sowjetunion erschwert werden sollen. Dies wird besonders durch die Tatsache deutlich, daß die drastischste Verringerung der Telefonleitungen (von
24 auf 4) Österreich betrifft, da Wien nicht nur ein erster Sammelplatz für
Emigranten aus der UdSSR ist, sondern auch zu ihrem Informations- und Koordinationszentrum geworden ist. Außenminister Gromyko beseitigte allen Zweifel, als er den österreichischen Bundespräsidenten in Moskau während eines
Gespräches über dieses Thema mit den Worten beschied: "Es gibt gute und
schlechte Telefonanrufe" (Die Presse, 25. Juni).
Weitere Beweise

�Weitere Beweise für den Versuch der Sowjetunion, ihre Bürger vom Westen
zu isolieren, zeigt sich in dem fortdauernden Eingriff in Postsendungen,
einer eindeutigen Verletzung der weltweit gültigen Postkonvention, die auch
von der UdSSR unterzeichnet wurde und der gegenüber sie auch Verpflichtungen
hat, die sich aus dem Prinzip 10 der Helsinki-Schlußakte ergeben.

Die ameri-

kanische Delegation hat das Problem des Eingriffs in den internationalen Postaustausch zwischen amerikanischen und sowjetischen Bürgern auf der Madrider
Nachfolgekonferenz im Dezember 1980 vorgebracht.

Die Kommission stellt mit

Bedauern fest, daß es seit dieser Intervention keine Verbesserung der Lage
gegeben hat.
Die Kommission ist der festen Überzeugung, daß sowohl auf dem Gebiet
des Fernmeldewesens wie des internationalen Postverkehrs das Konzept schneller, gewissenhafter und verläßlicher Dienstleistung es möglich macht, daß
der Kontakt zwischen den Angehörigen verschiedener Staaten aufgebaut, aufrechterhalten und ausgeweitet wird und daß dies für den Geist von Korb 3 der
Schlußakte von grundlegender Bedeutung ist.
Unmittelbar im Anschluß an die sowjetische Verweigerung eines Ausreisevisums für die sich im Hungerstreik befindlichen Sergei Petrov und Yuri
Balovlenkov kann die jüngste Entscheidung, die Fernsprechverbindungen zu kappen, eine erfolgreiche Beendigung des Madrider Treffens im November nur noch
schwieriger, wenn nicht unmöglich machen.
Mit seiner Unterschrift unter der Schlußakte von Helsinki am 1. August
1975 verpflichtete der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Breschnew
die Sowjetunion feierlich zur Achtung vor den Menschenrechten und den anderen
grundlegenden Freiheiten, zur Erleichterung einer Wiederzusammenführung von
Familien und dazu, den "freien" Fluß von Informationen zwischen West und Ost
zu ermöglichen.
Das, was die Sowjetunion bisher zur Verwirklichung dieser Verpflichtungen
vorzuweisen hat, ist in der Tat enttäuschend.
+ + + + +
- 3 -

�T

HintefQfundmateriell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Juli 1982

29

NUTZUNG DER RAUMFAHRTTECHNIK IM INTERESSE ALLER MENSCHEN
- NASA-Direktor Beggs zur Haltung der USA auf der
UN-Weltraumkonferenz -

- (AD) - James M. Beggs, der Leiter des amerikanischen Amtes für Luftund Raumfahrt (NASA), umriß vor dem Unterausschuß für Weltraumwissenschaften
des Repräsentantenhauses das Programm der Vereinigten Staaten für ihre Teilnahme an der Konferenz der Vereinten Nationen für die Erforschung und friedliche Nutzung des Weltraums (UNISPACE '82) in Wien.

Auf der vom 9. - 21. Au-

gust 1982 anberaumten Tagung werden sich, so Beggs, die USA darum bemühen,
daß "die Nutzung der Raumfahrttechnik zum Wohl der ganzen Menschheit" gefördert und die internationale Zusammenarbeit im Weltraum verstärkt werde.
Die amerikanische Delegation sei sich bewußt, erklärte Beggs, daß "wir
wichtige Dinge über unsere zahlreichen Errungenschaften im Weltraum, über die
Offenheit unserer Programme für internationale Zusammenarbeit und die amerikanische Führungsrolle bei der Entwicklung von Raumfahrttechnologien zu berichten haben, die für alle Menschen von praktischem Nutzen sind.

Die Zusammen-

setzung unserer Delegation, unsere Stellungnahmen auf der Konferenz und die
Qualität unserer Ausstellung werden zeigen, daß das US-Raumfahrtprogramm in
ganz besonderer Weise die Kreativität und den Optimismus der amerikanischen
Gesellschaft zum Ausdruck bringt."
Bei den

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Telex: 8-85432

�Bei den offiziellen Sitzungen wie in privaten Gesprächen mit den Vertretern anderer Länder werde die amerikanische Delegation prüfen, wie internationale Zusammenarbeit im Weltraum am besten zu verbessern sei.

Andere

Regierungen werden eigene Ideen ebenso wie Befürchtungen, die einzelne vielleicht hegen, in die Erörterungen einbringen.

"Wir hoffen", so Beggs, "daß

UNISPACE '82 zu einer Begegnungsstätte wird, wo solche Ideen und Befürchtungen in einen geordneten Prioritätenkatalog für die Zukunft umgesetzt werden
können."
Der Beitrag der Vereinigten Staaten zur UNISPACE-Ausstellung wurde von
Regierungsstellen und von 12 amerikanischen Firmen gestaltet. Die USA beteiligen sich u.a. an den von den Vereinten Nationen veranstalteten Programmen, mit denen neue Technologien demonstriert werden. So stellt COMSAT (Gesellschaft für Nachrichtensatelliten) eine Satelliten-Direktverbindung zwischen Wien und dem UN-Hauptquartier in New York her, damit der UN-Dolmetscherdienst einen Teil der Vorträge oder Konferenzprotokolle simultan übersetzen
kann. NOAA (US-Amt für Meere und Atmosphäre) zeigt Ausrüstungen im Rahmen
einer Demonstration mit Wettersatelliten, welche von der WMO (UN-Organisation
für Meteorologie) koordiniert wird. Die NASA führt neuartige Ausrüstungen
zur Verarbeitung und Aufbereitung der Daten von Erderkundungssatelliten vor
und zeigt Anlagen zur Stromerzeugung, die aus der Solartechnik für die Raumfahrt weiterentwickelt wurden und für Entwicklungsländer besonders gut geeignet sind. AID (US-Bundesamt für internationale Entwicklung) demonstriert
Anlage und Gebrauch von Ausrüstungen, wie sie im Zusammenhang mit ihrem
Satellitenprogramm für ländliche Gebiete zu Schulungszwecken für die Bevölkerung in abgelegenen Regionen verwendet werden. Viele dieser Demonstrationen
wären ohne die Beiträge der amerikanischen Industrie nicht denkbar - ein überzeugendes Beispiel für das Teamwork zwischen Behörden und Privatwirtschaft in
den USA.

NASA-Direktor Beggs ging auch auf zu erwartende Kontroversen ein und erklärte vor dem Kongreßausschuß wörtlich:

"Obgleich dies kein Punkt auf der

UNISPACE-Tagesordnung ist, äußerten sich einige Länder besorgt über eine mögliche 'Militarisierung' des Weltraums, die nicht nur die internationale In- 2 -

�internationale Instabilität verstärkt, sondern auch die Möglichkeiten einer
Teilhabe an der friedlichen Anwendung von Raumfahrttechnologien mindert.

Die

Befürchtungen gehen offensichtlich über die Frage von Rüstungskontrolle hinaus
und gelten der Benutzung des Weltraums für militärische Zwecke. Wenn wir diese Frage ansprechen, werden wir deutlich machen, daß wir kein

Wettrüsten im

Weltraum sehen wollen und daß die Vereinigten Staaten bereit sind, die Vielzahl technischer Fragen im UN-Abrüstungsausschuß zu erörtern, dem die UN-Vollversammlung das Thema der Rüstungskontrolle im Weltraum übertragen hat.

Auch

werden wir die wichtige Rolle militärischer Aktivitäten in Form hochmoderner
technischer Methoden zur Verifizierung der Einhaltung strategischer Rüstungskontrollvereinbarungen hervorheben, die sie für die Erhaltung des Friedens besitzen.

Wir wollen sicherstellen, daß keine Debatte auf der UNISPACE-Konferenz

die Aussichten auf eine konstruktive Behandlung des Themas im Abrüstungsausschuß verringert.
Die nächsten strittigen Themenkomplexe betreffen die künftige Benutzung
des geostationären Orbits (erdsynchrone Umlaufbahn in ca. 36 000 km Höhe) und
die Funkfrequenzen für Nachrichtensatelliten.

Einige Entwicklungsländer fürch-

ten, daß ihnen in Zukunft der geostationäre Orbit nicht mehr zur Verfügung steht,
weil ihn die industriell besser entwickelten Länder immer mehr mit Satelliten
vollpacken.

Viele dieser Entwicklungsländer bestehen deshalb jetzt darauf, daß

ihre Interessen besonders berücksichtigt werden, beispielsweise durch Regelung
und Benutzung des Radiowellenspektrums und Zuteilung von Frequenzen entsprechend
einer mutmaßlichen künftigen Entwicklung.

Einige dieser Länder hat dies sogar

dazu gebracht, Souveränitätsansprüche auf den geostationären Orbit zu erheben.
Wir weisen jegliche Souveränitätsansprüche auf den geostationären Orbit eindeutig zurück.

Im Weltraumvertrag ist festgelegt, daß es keine Souveränitätsan-

sprüche im Weltraum geben kann.
Strittige Fragen im Zusammenhang mit der künftigen Benutzung und Regelung
des geostationären Orbits und der Frequenzbereiche wird von einigen Entwicklungsländern ganz besondere Bedeutung beigemessen, was uns veranlaßt, uns dafür einzusetzen, daß UNISPACE nicht als Forum zur vorzeitigen Beurteilung dieser
Fragen benutzt wird.

Denn sie müssen im Rahmen der ITU (Internationale Fern- 3 -

�(Internationale Fernmeldeunion) auf deren Plenarsitzung im Herbst dieses Jahres
und auf weiteren, teils spezialisierten Tagungen in den Jahren 1983, 1985 und
1987 erörtert werden.
Die Haltung der amerikanischen Delegation in dieser Frage, die voll und
ganz mit den an den Vorbereitungen für die ITU-Konferenzen beteiligten US-Behörden koordiniert wird, ist die, daß für die Erörterung technischer Fragen im
Zusammenhang mit der Regelung des internationalen Fernmeldewesens die ITU zuständig ist.

Unseres Erachtens darf eine Debatte über diese Streitfragen auf

der UNISPACE-Konferenz keinesfalls die Arbeit der ITU vorwegnehmen.

Unsere

Delegation befürwortet den Zugang aller Länder zum geostationären Orbit und
zum Funkfrequenzspektrum und ermutigt dazu, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf die künftigen Bedürfnisse von Entwicklungsländern bei
der Nutzung dieser Ressourcen zu lenken.

Die Delegation weist den Gedanken

einer "Regelung auf Verdacht" zurück, weil dieses Verfahren einer konstruktiven
Lösung entgegenwirken würde.
Die Vereinigten Staaten
Ressourcen - im Gegensatz zu
spricht, den technologischen
Kapazität notwendig sind und

unterstützen einen vernünftigen Einsatz dieser
unflexibler Planung -, da dies am ehesten verFortschritten Raum zu geben, die zur Erhöhung der
zu kostengünstigeren Systemen führen.

Im ursprünglichen Entwurf für den Konferenzbericht gab es mehrere Vorschläge, daß Raumfahrtaktivitäten wie Satellitensysteme für Meteorologie, Navigation und Erderkundung internationalisiert oder den Vereinten Nationen weiterreichende Koordinierungsvollmachten in bezug auf diese Systeme gegeben werden
sollten. Obgleich viele dieser Vorschläge inzwischen abgeschwächt wurden, erwartet unsere Delegation während der Konferenz die Wiederholung von Vorschlägen zur Prüfung internationaler Systeme, insbesondere auf dem Gebiet der Fernerkundung der Erde. Vom amerikanischen Standpunkt aus sollte zunächst einmal
die bestehende internationale Zusammenarbeit erkannt und untersucht und andere
Modalitäten im Vergleich zu nationalen Zielen und Erfordernissen sorgfältig
analysiert werden, ehe man die Schaffung zusätzlicher internationaler Institutionen zu erörtern beginnt...
Einige Länder
4 -

�Einige Länder mögen auch den Wunsch auf Garantien für eine Fortsetzung
der Belieferung mit Fernerkundungs-Daten äußern - ein Zeichen für Besorgnisse
bei Entwicklungsländern, daß der Datenfluß von Raumfahrtsystemen unterbrochen
werden könnte.

Wir erkennen voll an, daß vom Benutzerstandpunkt aus Garantien

für eine Fortsetzung der Dienstleistungen und der Ausgabe von zuverlässigen Daten zu einer vernünftigen Gebühr wünschenswert sind.

Jedoch steht es UNISPACE

nicht zu, von nationalen Betreibern Garantien für noch nicht operative Fernerkundungssysteme zu verlangen.

Aber die Frage ist wichtig genug und könnte

Betreibern solcher Systeme helfen, sie wirksamer anzugehen.
Die Streitfrage des Technologie-Transfers kommt auf allen UN-Konferenzen
unweigerlich zur Sprache, und UNISPACE dürfte keine Ausnahme sein. Aus der
Stellungnahme der UN zum Konferenzbericht geht bereits hervor, daß einige Länder versuchen werden, die üblichen UN-Rezepte für den Technologie-Transfer auf
das Gebiet der Weltraumforschung anzuwenden. Es gibt technologische Lücken
zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, aber schnelle und einfache Lösungen für dieses Problem gibt es nicht. Nach der Überzeugung der amerikanischen
Delegation sind Aufgeschlossenheit für diese Frage, verbesserte internationale
Zusammenarbeit, kommerzielle Arrangements mit der amerikanischen Wirtschaft
und Selbsthilfe seitens der Entwicklungsländer hier von allergrößter Bedeutung.
Die Vereinigten Staaten werden auch künftig zu internationaler Mitarbeit an
ihren Raumfahrtprogrammen einladen und das damit erzielte Wissen zugänglich
machen, damit alle Menschen davon profitieren...
Die Vereinigten Staaten machen bereits bemerkenswerte Anstrengungen als
Reaktion auf den Wunsch von Entwicklungsländern, sie an Raumfahrtaktivitäten
stärker zu beteiligen - ein Wunsch, der bei der Tagung UNISPACE '82 eine wichtige Rolle spielen wird. Die USA werden bei der Konferenz auf dieses ihr Engagement verweisen. Auf wirtschaftlicher Ebene sollte man anerkennen, daß viele
amerikanische Firmen technische Dienstleistungen erbringen, die gegenwärtig keine
anderen Ländern erbringen können - in der Anwendung von Raumfahrttechnologien
geschieht dies weltweit. Auf Regierungsebene leistet AID Hilfe bei der Anwendung
von Fernerkundungssystemen in vielen Gebieten, in denen die soziale und wirtschaftliche Entwicklung entscheidende Bedeutung haben. Dies hat zu einer Reihe
von erfolgreichen Projekten in mehreren Entwicklungsländern und zum Aufbau regionaler und nationaler Fernerkundungs-Zentren in Afrika und Asien geführt.
- 5 -

�Asien geführt. Speziellere Hilfe und Ausbildung für die Anwendung von Fernerkundungssystemen geben das Geologische Bundesamt der USA und das US-Landwirtschaftsministerium. Das AID-Satellitenprogramm für ländliche Regionen, zu dem Pilotprojekte mit Nachrichtensatelliten zur Demonstration der Möglichkeiten für die Herstellung von Nachrichtenverbindungen mit abgelegenen Gebieten in Entwicklungsländern gehöeren, wird mit ersten Pilotprojekten in Indonesien, Peru und Senegal begonnen... Für die UNISPACE-Konferenz arbeitet z. Zt. eine von Vertretern der zu- .
ständigen amerikanischen Behörden gebildete Gruppe an Initiativen, die die Nutzung von Raumfahrttechnologien zum Wohl der ganzen Menschheit fördern könnten.
Dazu gehört u.a. auf dem Gebiet Fernerkundung die Vorbereitung eines auf der
UNISPACE-Konferenz zu verteilenden Katalogs, der, nach Region und Land geordnet,
die weltweiten LANDSAT-Daten enthält, die von den amerikanischen Satelliten
LANDSAT 1, 2 und 3 seit 1972 gesammelt wurden und beim Auswertungszentrum EROS
("Earth Resources Observation Systems" - Beobachtungssysteme für Ressourcen der
Erde) in Sioux Falls (Süddakota) archiviert werden. Diese Kataloge - der letzte
wurde 1974 zusammengestellt - dürften für die Benutzer weltweit von größtem praktischem Wert sein. Die USA hoffen ferner, auf der UNISPACE-Konferenz die Vorbereitung einer Katalogserie unter Einbeziehung aller LANDSAT-Bestände - amerikanische wie ausländische - ankündigen zu können. Diese Kataloge protokollieren
umfassend alle während der ersten zehn Jahre des LANDSAT-Betriebs erfaßten Daten
und würden von allen zehn Ländern, die eigene LANDSAT-Bodenstationen unterhalten,
gemeinsam erstellt.
Die amerikanischen Initiativen, die US-Ausstellung und die Demonstrationen
auf der UNISPACE-Konferenz belegen die Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei .
der friedlichen Nutzung des Weltraums. Von ebenso großer Bedeutung werden die
Bemühungen der amerikanischen Delegation sein, den Entwicklungsländern die Vor- «
teile der Raumfahrttechnologien und die Möglichkeiten stärker bewußt zu machen,
die sich daraus für sie ergeben, so daß sie sich möglicherweise mehr auf diesem
Gebiet engagieren werden."

+ + + + +

�</text>
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                    <text>21. J u l i 1982
INHALT
DOKUMENTATION
Anhörungen für die Bestätigung von US-Außenminister Shultz
- Erklärung am 13. Juli 1982 MBFR, Europa und die Sicherheit des Bündnisses:

Die Perspektiven

der USA
- Rede von US-Botschafter Staar in München Rostow fordert Osten zu Flexibilität bei MBFR-Verhandlungen auf
- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Wien USA wollen vollständiges Verbot von chemischen Waffen
- Erklärung von Admiral Howe HINTERGRUNDMATERIAL
US-Landwirtschaftsminister hält Getreideabkommen mit Moskau für möglich
Zweite UN-Konferenz über friedliche Nutzung des Weltraums
- USA erwarten umfangreichere internationale Zusammenarbeit WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mehr Details von der Erdoberfläche
- Erderkundungssatellit LANDSAT D mit neuem Abtastgerät -

Um Uber/enduna von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�28

21. Juli 1982

ANHÖRUNGEN FÜR DIE BESTÄTIGUNG VON US-AUSSENMINISTER SHULTZ
- Erklärung am 13. Juli 1982 -

WASHINGTON - (AD) - Während der verfassungsmäßig vorgeschriebenen Anhörungen vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats hat der
designierte Außenminister der Vereinigten Staaten, George Shultz, zu aktuellen und grundlegenden Fragen der Außenpolitik Stellung genommen. In Beantwortung einer Frage über die künftigen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sagte Shultz wörtlich: "Die Sowjetunion kann die Dinge sehr leicht ändern, indem sie ihr Verhalten in Afghanistan ändert, indem sie ihr Verhalten in Polen ändert, indem sie ihr Verhalten gegenüber den Dissidenten in
der Sowjetunion ändert usw. Was zähltest das Verhalten. Bis dahin müssen
wir jedoch stark sein, und ich glaube, es ist wichtig, daß sie (die Sowjets)
begreifen, daß wir nicht nur stark sein wollen, sondern auch die Fähigkeit
und die Willenskraft haben und dabei sind, die Stärke der Nation aufzubauen."
Zu den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Kernwaffen (START) sagte Shultz unter anderem, bei der Dringlichkeit des Problems müßte es eigentlich bald zu einem Ergebnis kommen. Er warnte jedoch davor, sich unter Zeitdruck setzen zu lassen und schließlich einem
Abkommen zuzustimmen, "das weniger bringt,als wir wirklich für wünschenswert
halten."
Wenn er

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�Wenn er bestätigt werde, so betonte Shultz weiter, dann werde er alles
in seiner Kraft Stehende tun, um im Nahen Osten eine Friedensregelung herbeizuführen, die sowohl für die Israelis als auch für die Araber annehmbar sei.
Schließlich unterstrich Shultz auch die Bedeutung der Bündnisse für die
Vereinigten Staaten, bei denen die USA als zuverlässiger Partner einstehen,
aber auch von den Verbündeten eine echte Partnerschaft erwarten würden.
Nachfolgend wesentliche Auszüge aus der Erklärung des designierten
Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats:
Präsident Reagan hat mir die Ehre erwiesen, mich zum Außenminister der
Vereinigten Staaaten von Amerika zu nominieren.

Ich erachte einen Dienst in

dieser Funktion als hohes Privileg und schwere Pflicht.

Wenn ich vom Senat

bestätigt werde und die Gelegenheit zu diesem Dienst erhalte, werde ich alle
mir zur Verfügung stehende

Energie, Intelligenz und Hingabe aufbieten und in

die Erfüllung dieser Aufgabe einbringen.
Ich bin mir der Verantwortung bewußt, die ich auf mich zu nehmen habe und
akzeptiere sie. Aber ich sage auch dies: Ich brauche und erwarte Hilfe und
Mitarbeit von allen Seiten. Den vielen Zusicherungen nach zu urteilen, die
mir bereits freiwillig gemacht wurden, werde ich diese auch erhalten. Dabei
denke ich insbesondere an die Mitglieder dieses Ausschusses sowie an Ihre
Kollegen im Repräsentantenhaus. Aber mein Appell geht noch viel weiter, in
alle Ecken unseres Landes und an unsere Freunde in der ganzen Welt.
Durch diese Nominierung hat Präsident Reagan sein Vertrauen in mich zum
Ausdruck gebracht; ich werde alles in meinen Kräften Stehende tun, um mich
dieses Vertrauens würdig zu erweisen.

Dies werde ich im vollen Bewußtsein

dessen tun, daß die Durchführung unserer Außenpolitik - gemäß unserer Verfassung - eine Pflicht des Präsidenten ist, die in Zusammenarbeit mit dem Kongreß
erfüllt wird.

Meine Aufgabe ist es, dem Präsidenten bei der Formulierung und

Durchführung seiner Politik zu helfen.

Ich werde diesem Vertrauen stets ge-

recht werden.
Diejenigen unter
- 2 -

�Diejenigen unter Ihnen, die während des größeren Teils ihres Lebens
Zeuge von Amerikas wachsender Verflechtung in das Weltgeschehen um uns geworden sind, könnten leicht vergessen, daß die Vereinigten Staaten während
des Großteils ihrer Geschichte nur episodenhaft mit auswärtigen Angelegenheiten beschäftigt waren.

Die Welt vor 40 Jahren scheint auf fast nostal-

gische Weise einfach im Vergleich zu den Verwicklungen, vor denen wir heute
stehen.

In den Jahrzehnten, die seither vergangen sind, hat eine Vielzahl

neuer Nationen ihre Unabhängigkeit erlangt - viele davon solche, deren Trachten und Streben enttäuscht wurde.
Die Weltwirtschaft wird nicht länger von ein paar wenigen Zentren dieser Welt aus gelenkt, sondern hat sich zu einem globalen Netz gegenseitig
abhängiger Partner entwickelt. Umfangreicher Handel mit Gütern und Dienstleistungen, der internationale Handelsfluß wichtigster Rohstoffe, das Erscheinen neuer Technologien sowie die Revolution im Kommunikationswesen haben eine Welt hervorgebracht, in der kein Staat gegenüber den Einflüssen der
internationalen Wirtschaft immun ist.
Vor 40 Jahren konnten wir die gewaltigen Gefahren der Kernwaffen oder
die Verstrickungen noch nicht einmal erahnen, vor denen wir heute bei unseren
Anstrengungen zu ihrer Kontrolle stehen. Und vor 40 Jahren konnten nur wenige vorhersehen, daß der Zusammenbruch der alten Ordnung eine Ausbreitung
von immer komplizierteren Waffen in neuen und miteinander im Wettstreit liegenden Nationen mit sich bringen würde, so daß heutzutage auch regionale
Konflikte die ständige Drohung einer Eskalation in sich bergen. General
Douglas MacArthur erkannte diese umfassenden Verstrickungen und brachte sie
1951 kurz und bündig zum Ausdruck: "Die Probleme sind globaler Natur und
greifen so sehr ineinander über, daß die Beschäftigung mit den Fragen eines
einzelnen Bereichs unter Nichtbeachtung der Probleme anderer nur bedeutet,
eine Katastrophe für das Ganze herauszufordern."
Heute sind sich die meisten Amerikaner der Tatsache bewußt, daß die Natur
und die Stärke unserer Diplomatie und unserer strategischen Position mit unserer Leistung im eigenen Land zusammen- und in großem Maß davon abhängen.
- 3 -

�davon abhängen. Unsere Wirtschaft ist in ihrem Fundament stark und wird
zunehmend in dem Maß stärker, wie die nunmehr betriebene Wirtschaftspolitik
sich weiter auswirkt. Ein kraftvolles und produktives Amerika macht uns zu
einem starken Handelspartner und einem an Hilfsquellen reichen Verbündeten,
der unseren Freunden eine Zuversicht gibt, die wiederum ihren Willen dabei
stärkt, denjenigen zu widerstehen, die uns unserer Freiheiten berauben würden.
Heute fühlen sich die meisten Amerikaner unwohl angesichts der Tatsache,
daß wir so viel von unserer Substanz für die Verteidigung ausgeben - und dies
zurecht. Aber die meisten Amerikaner erkennen auch, daß wir uns mit der Realität auseinandersetzen müssen, wie wir sie vorfinden. Und diese Realität
ist - auf die einfachsten Tatsachen reduziert - eine unsichere Welt, in der
Frieden und Sicherheit nur gewährleistet werden können, wenn wir die Stärke
und den Willen haben, sie zu bewahren.
Wir haben ein Jahrzehnt hinter uns, in dem die Sowjetunion ihre militärischen Kapazitäten in stetigem und raschem Schritt ausgeweitet hat, während es bei uns einen Stillstand gab. Präsident Reagan hat uns die Führung
gegeben, um diese Situation zu ändern. Und dies gerade noch rechtzeitig.
Das vergangene Jahrzehnt hat uns erneut eine wichtige Lektion über das
amerikanisch-sowjetische Verhältnis gelehrt. Sie besteht, kurz gesagt, darin,
daß verminderte amerikanische Stärke und Entschlossenheit eine offene Einladung an die sowjetische Expansion in Bereiche von für den Westen entscheidenden Interessen, aber kein Anreiz für Mäßigung bei der sowjetischen Aufrüstung
sind. Daher ist es für den Gesamterfolg unserer Außenpolitik von entscheidender Bedeutung, mit der Wiederherstellung unserer Stärke fortzufahren. Wahr
ist aber zugleich, daß die Bereitschaft zu Verhandlungen aus dieser Stärke
heraus ebenfalls ein grundlegendes Element der Stärke an sich ist.
Der Präsident hat Rüstungskontrollvorschlage in den Bereichen der strategischen Waffen, der nuklearen Mittel Streckensysteme und der konventionellen
Rüstung vorgelegt, die wirklich mutig sind und die - würden sie angenommen -,
- 4 -

�sie angenommen -, die Lasten und Gefahren der Rüstungen vermindern würden.
Möge keiner an der Ernsthaftigkeit unserer Zielsetzung zweifeln!

Möge aber

auch keiner glauben, daß wir ein Abkommen um seiner selbst und ohne ein ausgewogenes und konstruktives Ergebnis anstreben!
Wir sehen, daß eine Politik gegenüber der Sowjetunion, die sich auf die
militärische Dimension allein beschränken würde, das amerikanische Volk
nicht zufriedenstellt.

Unsere Anstrengungen im Bereich der Rüstungsvermin-

derung sind unausweichlich verbunden mit Zurückhaltung des sowjetischen Verhaltens in vielen Bereichen.

Beim Eintritt in eine potentiell kritische Pe-

riode des Übergangs innerhalb der sowjetischen Führung müssen wir ebenfalls
deutlich werden lassen, daß wir bereit sind, auf der Grundlage der Gegenseitigkeit ein beiderseits vorteilhaftes und sichereres Verhältnis zu schaffen.
Bei unseren internationalen Unternehmungen werden wir gestärkt durch
Bündnisstrukturen, die von zentraler Bedeutung sind.

Wir leben nicht in

einer hegemonistischen Welt, sondern in einer der Vielfalt und der Pluralität,
die die Komplexität der freien, unabhängigen und demokratischen Gesellschaften
widerspiegelt, mit denen wir verbunden sind.

Genauso wie wir von anderen er-

warten, partnerschaftlich mit uns zu handeln, so müssen auch wir uns als verantwortungsvolle Partner benehmen.
Reibungen und Differenzen sind zwischen Verbündeten unvermeidlich,und
wir können nie selbstgefällig annehmen, sie würden automatisch verschwinden.
Toleranz gegenüber den Ansprüchen und den Perspektiven anderer ist von wesentlicher Bedeutung.

Genauso ist es mit offener Anerkennung unserer Schwie-

rigkeiten und Herausforderungen,

über allem muß eine Verpflichtung zu den

gemeinsamen Werten und Interessen stehen, auf denen die wirklich einzigartigen multilaterale Institution der letzten dreieinhalb Jahrzehnte gegründet
ist.

Unsere Verpflichtung steht - dies machte Präsident Reagan während seines

jüngsten Europabesuchs deutlich.

Ich bin zuversichtlich, daß dies auch für

unsere Verbündeten gilt.
Wenn wir
- 5 -

�Wenn wir stark sind, stärken wir unsere Verbündeten und Freunde und
lassen unsere Gegner hinsichtlich der Folgen einer Aggression in keinem
Zweifel.

Wenn wir anderen dabei Hilfe bieten, stark zu sein, kann mit un-

serer eigenen Stärke haushälterisch umgegangen und diese wirkungsvoller
zum Tragen gebracht werden.

Wenn wir zuversichtlich sind, werden wir jenen

Zuversicht geben, die Streitigkeiten auf friedliche Weise lösen wollen.
Wenn wir uns verpflichten, geben wir jenen Hoffnung, die ansonsten keine
Hoffnung hätten.

Wenn wir unseren Idealen gemäß leben, können wir deren

Vorzüge anderen mit Zuversicht und Überzeugung näherbringen.
Während meiner Einzelgespräche mit Mitgliedern dieses Ausschusses
brachten viele ihr starkes Interesse an meiner Sicht der Probleme und Möglichkeiten im Nahen Osten zum Ausdruck, insbesondere in bezug auf den Konflikt zwischen Israel und den Arabern.

In Reaktion auf dieses Interesse,

mehr noch aber auf die Bedeutsamkeit der Entwicklungen in diesem Gebiet möchte ich meine Erklärung heute mit einer kurzen Darlegung meiner Ansichten
abschließen.
Ich beginne mit der furchtbaren menschlichen Tragödie, die sich gegenwärtig im Libanon abspielt.

Gewaltanwendung großen Ausmaßes ist erneut über

ein Gebiet hereingebrochen, dessen strategische Bedeutung unvermeidlich dazu
führt, daß jeder lokale Konflikt weltweite Aufmerksamkeit erhält - mit all
den Gefahren für den Weltfrieden, die das mit sich bringt.
Ich habe Ende 1974 Beirut besucht - damals eine schöne und pulsierende
Stadt, aber auch damals schon gekennzeichnet durch die Anwesenheit palästinensicher Flüchtlinge.

Aber seither ist der Libanon von Zerstörung

befallen worden und muß die Anwesenheit bewaffneter und selbstbewußter PLOKämpfer und anderer Streitkräfte ertragen.
Unter diesen Bedingungen sind ein normales Leben und eine funktionierende Regierung unmöglich, und unvermeidlicherweise wurde der Libanon zu einem
Staat des Verfalls. Die Libanesen verdienen die Chance, sich selbst zu regieren - frei von der Anwesenheit der Streitkräfte irgendeines anderen Landes
- 6 -

�anderen Landes oder einer Gruppe.

Die Autorität der Regierung des Libanon

muß sich auf das gesamte Territorium erstrecken.
Der qualvolle Kampf des Libanon beschäftigt uns alle zutiefst.

Aber in

einem weiteren Sinn ist der Libanon nur das letzte Kapitel in einer Geschichte des wachsenden Kummers und des Leids, die sich über die letzten zehn Jahre
des Konfliktes erstrecken.

Wir sprechen hier über einen Teil des Globus, der

seit Generationen nur sehr wenig an echtem Frieden erlebt hat.
Tausenden von Opfern - Arabern, Israelis und

Ein Gebiet mit

anderen Familien, die als Folge

von Krieg und Terror auseinandergerissen wurden.

Was jetzt im Libanon vor

sich geht, muß das Ende dieses Teufelskreises von Terror sein, statt nur der
jüngste Akt in einer Reihe von sinnlosen und gewalttätigen Schritten.
Wir können den Verlust an Leben nicht akzeptieren, den wir jeden Tag sehen
- wenn auch nur aus großer Entfernung auf unseren Fernsehschirmen. Aber gleichzeitig können wir als Amerikaner stolz sein, daß es wieder einmal die Vereinigten Staaten sind, die durch den Sonderbeauftragten Präsident Reagans, Botschafter Philip Habib, an erster Stelle an dem Versuch arbeiten, die Kanonen
zum Schweigen zu bringen, ein gerechtes Ergebnis zu erreichen und das Leid
zu mildern.
Die Krise im Libanon macht in schmerzvoller Weise und absolut eine
zentrale Realität

im Nahen Osten deutlich:

Die legitimen Ansprüche und

Probleme des palästinensichen Volkes müssen angesprochen und gelöst werden und zwar dringend und in all ihren Dimensionen,

über das Leiden des palästi-

nensischen Volkes hinweg gibt es einen Komplex an politischen Problemen, der
angepackt werden muß, wenn der Nahe Osten Frieden haben soll.
Das Rahmenwerk von Camp David fordert als einen ersten Schritt temporäre
Vereinbarungen, die den Palästinensern im Westjordanland und im Gaza-Streifen volle Autonomie gewähren.

Dieses gleiche Rahmenwerk spricht dann in sehr

beredter und bedeutsamer Weise von einer Lösung, die "auch die legitimen
Rechte des palästinensischen Volkes anerkennen muß".
Die große
- 7 -

�Die große Aufgabe der Verhandlungen, an denen die Vereinigten Staaten
gegenwärtig als voller Partner beteiligt sind - und dies während meiner Amtszeit auch bleiben werden - ist, diese Hoffnung in Realität umzuwandeln.

Da-

mit diese Gespräche Erfolg haben können, müssen Vertreter der Palästinenser
selbst am Verhandlungsprozeß teilhaben.

Es muß auch die Grundlage dafür ge-

funden werden, daß auch andere Länder in dieser Region - zusätzlich zu Israel
und Ägypten - sich diesem Friedensprozeß anschließen.
Unsere entschlossene Anstrengung, dem Töten im Libanon Einhalt zu gebieten, den Konflikt zu lösen und die Regierung des Libanon wieder souverän
zu machen, unterstreicht das Ausmaß, in dem unser Land entscheidend wichtige
Interessen in der arabischen Welt hat.

Unsere freundschaftlichen Beziehungen

zur großen Mehrheit der arabischen Staaten haben diesen Interessen gedient
und - so glaube ich - unsere Anstrengungen unterstützt, mit der gegenwärtigen
Krise im Libanon fertigzuwerden.
Aber über die gegenwärtigen Fragen hinaus ist die Bedeutung weitgespannter und stärker werdender Bindungen mit den Arabern für unsere eigene Sicherheit offenkundig.

Von ihnen erhält der Westen den Großteil seines Öls, mit

ihnen haben wir ein Interesse daran - und müssen mit ihnen zusammenarbeiten,
dem sowjetischen Imperialismus Widerstand entgegenzusetzen, und mit ihnen wie
mit Israel können wir dem Nahen Osten Frieden bringen.

Das großartige Erbe

an Wissenschaft, Kultur und Gedankengut hat eine neue Dynamik erhalten.
Durch Zusammenarbeit mit uns können unsere arabischen Freunde nicht nur
zu unseren bilateralen Interessen und denen der Region beitragen, sondern
auch zur Zukunft der Welt und zur Weltwirtschaft. Ich werde alles in meiner
Kraft Stehende tun, um diese Beziehungen zu erhalten und zu fördern.
Schließlich - und das ist am wichtigsten - ist die Situation im Libanon
eng verbunden mit der entscheidend wichtigen Frage der Sicherheit Israels.
Israel, unser engster Freund im Nahen Osten, hat immer noch ein starkes Gefühl der Unsicherheit.

In einem Gebiet, wo die Feindseligkeit zu Hause und

wo so viel davon gegen Israel gerichtet ist, braucht darüber nicht gesprochen
- 8 -

�nicht gesprochen zu werden, wie berechtigt es ist, daß Israel sich so sehr
mit Fragen seiner Sicherheit befaßt.

Es sollte auch niemand die Ernsthaf-

tigkeit und Dauerhaftigkeit der Verpflichtung Amerikas für die Sicherheit
Israels oder unsere Bereitschaft in Zweifel ziehen, sicherzustellen, daß
Israel über die erforderlichen Möglichkeiten verfügt, sich zu verteidigen.
Ich teile diese tiefgehende und dauerhafte Verpflichtung.

Und mehr noch:

Ich bin mir darüber im klaren, daß das demokratische Israel mit uns eine tiefe Verpflichtung für die Sicherheit des Westens teilt.
Darüber hinaus jedoch schulden wir Israel aufgrund unseres besonderen
Verhältnisses, daß wir mit ihm zusammenarbeiten, um einen umfassenden Frieden
zustandezubringen, der für alle betroffenen Parteien annehmbar ist und der
die einzige Garantie für eine echte und dauerhafte Sicherheit darstellt.
Amerika hat viele, häufig miteinander konkurrierende Anliegen und Interessen im Nahen Osten.

Es ist kein Geheimnis, daß uns dies vor Zwangslagen

und schwierige Entscheidungen stellt.

Wir müssen all unseren Verstand und

unser ganzes Einfühlungsvermögen zum Tragen bringen, um diese Interessen auszugleichen und die Widersprüchlichkeiten zu beseitigen, denn es ist letztlich
der Friede, den wir zu schaffen und zu fördern versuchen.
Die Gewaltanwendung, die wir heute erleben, sollte uns nicht vergessen
lassen, daß der Nahe Osten ein Land tiefer geistiger Kräfte und Eigenschaften
ist, wo drei große Religionen unserer Zeit ihren Ursprung haben und auch heute
noch zusammenkommen. Manche haben gesagt, daß es in einem Land von so großen,
rauhen und offen liegenden Räumen nur natürlich sei, wenn die Menschen sich
himmelwärts und zu einem umfassenderen Sinne der Lebensbedeutung gezogen fühlen. Was immer die Gründe sein mögen: Die Kraft der Religion in diesem Gebiet
ist heute noch so mächtig wie früher, und unsere Pläne für den Frieden wären
völlig unvollkommen, ignorierten sie diese Realität.
Lassen Sie mich schließen, indem ich Ihnen ins Gedächtnis zurückrufe,
was Präsident Reagan über die Pflichten Amerikas gegenüber dieser Region gesagt hat:

"Unsere Diplomatie", so erklärte er, "muß sensitiv gegenüber den
- 9 -

�gegenüber den legitimen Anliegen aller in diesem Gebiet sein. Bevor ein auf
dem Verhandlungsweg erreichter Frieden hoffen kann, die Loyalität dieses ganzen Gebietes zu erlangen, muß er gleichermaßen akzeptabel sein für die
Israelis wie für die Araber."
Ich versichere Ihnen, daß ich - falls ich als Außenminister bestätigt
werde - mein Bestes tun werde, um dem Präsidenten bei der Durchführung dieser in seiner Erklärung so klar definierten Aufgabe zu helfen.
Wir müssen uns getrauen zu hoffen, daß wir mit Anstrengung und Erfindungskraft zu einem Abkommen gelangen, das die lebenswichtigen Sicherheitsinteressen Israels und die politischen Bestrebungen der Palästinenser zufriedenstellt, den Anliegen der anderen Parteien entgegenkommt und die Unterstützung
der internationalen Gemeinschaft findet.

�28

21. Juli 1982

MBFR, EUROPA UND DIE SICHERHEIT DES BÜNDNISSES: DIE PERSPEKTIVEN DER USA
- Rede von US-Botschafter Staar in München -

MÜNCHEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei den Wiener
Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Mittel•
europa (MBFR), Botschafter Dr. Richard F. Staar, hat am 10. Juli 1982 in einer
Rede auf einer Informationstagung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in
München ausführlich die neuen MBFR-Initiativen des Westens erläutert. Die wesentlichen Auszüge aus dieser Rede haben folgenden Wortlaut:
...Vermutlich zum ersten Mal in der Geschichte haben die Vertreter einander gegenüberstehender Bündnisse im Frieden sich an den Verhandlungstisch
gesetzt. Darüber hinaus ist zu unterscheiden, daß als Folge der Struktur dieser Verhandlungen eine direkte und ständige Einflußnahme der europäischen
NATO-Mitglieder gegeben ist; dies unterscheidet MBFR von RüstungskontrollVerhandlungen wie INF und START, die bilaterale Verhandlungen darstellen, wenn
sie auch, selbstverständlich, in Konsultation der NATO-Verbündeten stattfinden.
Ich beabsichtige

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Telex: 8-85432

�Ich beabsichtige heute,die folgenden Aspekte der MBFR Verhandlungen darzustellen:
- Die Verhandlungsziele der Allianz in Mitteleuropa;
- Die Auffassung von Präsident Reagan zur Rüstungskontrolle, insbesondere
auf dem Gebiet der konventionellen Streitkräfte;
- Die neue Initiative des Westens, wie sie am 8, Juli 1982 in Wien eingebracht wurde;

. . . . . .

- Zweck und Vorzüge des neuen Verhandlungsansatzes sowie
- Hauptschwierigkeiten und Verhandlungsaussichten bei MBFR.
U6 bi u

QqritQi

Als einleitende Bemerkung möchte ich die Tatsache betonen, daß wir uns in
Wien ausschließlich mit konventionellen Streitkräften befassen. Es ist wichtig
festzuhalten, daß die gegenwärtige Debatte über die Abschreckungs-Strategie
und über den neuen westlichen Vorschlag in Wien dazu geführt hat, die Bedeutung
der konventionellen Streitkräfte für die Sicherheit der Allianz wesentlich
deutlicher als bisher herauszuarbeiten.
•

•

-0+-,
"

Unser Ziel in Wien besteht darin, die Mannschaftsstärken der konventionellen
Streitkräfte in Ost und West im Gebiet von Mitteleuropa auf ein niedrigeres,
aber gleiches Niveau zu reduzieren.

; n,9r

^äbr

- Dies würde schon an sich dadurch stabilisierend wirken, daß es die
gegenwärtige große Überlegenheit der östlichen Streitkräfte in Mitteleuropa beseitigt.
- Es würde die Möglichkeit für einen Angriff aus dem Stand verringern, indem
es den Einsatz dieser konventionellen Streitkräfte einschränkt.
- Und dieses
- 2-

�- Und dieses würde dazu beitragen, die Gefahr der Eskalation in einen
Nuklearkrieg zu bannen, da sich diese Eskalation höchstwahrscheinlich aus
einem konventionellen Konflikt heraus entwickeln würde. ...
RüstungskontrollVerhandlungen sind kein Ersatz für eine starke Verteidigungsfähigkeit.
Allerdings haben die westlichen Regierungschefs gleichzeitig ihre Absicht
bekräftigt, ein übereinkommen zwischen West und Ost zu suchen, das dazu beitragen könnte, die Sicherheit durch militärisch bedeutsame und nachprüfbare
Reduzierungen der Streitkräfte zu erhöhen, womit die militärpolitische Lage
in Mitteleuropa wie auch in Europa insgesamt stabilisiert würde. Darüber hinaus
könnte ein solches Abkommen dazu beitragen, die Kostenspirale der Verteidigungsausgaben abzuflachen. ...
Verhandlungsgegenstand sind die einander gegenüberstehenden Streitkräfte
zusammengenommen etwa 990 000 Mann der NATO und mehr als 1,2 Millionen Mann
des Warschauer Paktes, die heute beiderseits einer Nord-Süd-Linie stehen, die
von der Ostsee bis zum Oberlauf der Donau reicht.
- Dies ist die größte militärische Konfrontation ihrer Art in der Welt;
- sie ist zweifellos die größte in Friedenszeiten;
- es handelt sich höchstwahrscheinlich um die kostspieligsten stehenden
Streitkräfte aller Zeiten, wenn man die Größe der direkten und indirekten
Kostenfaktoren in Betracht zieht. Der Westen hat mit seinen konventionellen
Streitkräften, gedeckt durch eine glaubwürdige nukleare Abschreckung, die
Sicherheit der Allianz in den vergangenen 33 Jahren gesichert. ...
Parallel dazu war es ein weiteres Hauptziel der westlichen Allianz, die
Risiken einer solchen Konfrontation durch Verhandlungen über gegenseitige Verminderung der Streitkräfte in Mitteleuropa auf gleiche Höchststärken aufzufangen
und dies mit einem wirksamen Verbund begleitender Maßnahmen zu

ergänzen.
Diese begleitenden

- 3 -

�Diese begleitenden Maßnahmen sollen sicherstellen, daß ein Reduzierungsabkommen auch eingehalten wird,und sie sollen beide Seiten ein Mindestmaß an
Aufschluß über die militärischen Aktivitäten der Gegenseite geben.
Die Alliierten waren stets überzeugt, daß ein Abkommen mit Reduzierungen
und begleitenden Maßnahmen einen Beitrag zur Stabilität liefern könnte, das
gegenseitige Vertrauen stärken und die Spannung in Europa verringern würde.
Dies waren die Ziele der NATO-Minister, als sie sich 1968 in Reykjavik trafen
und dort erstmals den Warschauer Pakt zur Teilnahme an solchen Verhandlungen
einluden. Und dies bleiben auch heute die Ziele der Allianz.
Das Hauptziel des Westens, damals wie heute, ist also die Beseitigung des
bestehenden Ungleichgewichts zwischen den Personal stärken der Landstreitkräfte
in Mitteleuropa, und zwar durch
- Herstellung der Parität,
- auf einem niedrigeren Streitkräfte-Niveau,
- in der Form von Höchstgrenzen für die Mannschaftsstärken der Landstreitkräfte jeder Seite.
Dies würde von beiden Parteien bedeutende Reduzierungen verlangen. Die
Warschauer-Pakt-Staaten haben beispielsweise nach westlichen Erkenntnissen
in Mitteleuropa 57 Divisionen stationiert, die etwa 960 000 Mann Gesamtpersonal umfang haben.
Die Staaten der NATO unterhalten demgegenüber etwa 25 Divisionen in diesem
Raum, bestehend aus etwa 790 000 Soldaten.
Diese beträchtliche Disparität von Landstreitkräften bei einer Überlegenheit
des Warschauer Paktes von mehr als 170 000 Mann bedeutet einen Hauptfaktor für
das militärische Ungleichgewicht, dessen Beseitigung das Risiko eines bewaffneten Konflikts einschließlich eines Nuklearkrieges in Europa vermindern würde.
Die westlichen

�Die westlichen Verhandlungsvorschläge mußten über das Problem dieser
Disparität hinaus auch den geographischen Faktor berücksichtigen, der darin
besteht, daß die USA ihre Reduzierungsanteile über mehr als 5 000 km hinweg
aus Mitteleuropa abziehen müßten, wohingegen die Sowjetunion ihre Reduzierungsanteile unmittelbar an den Ostgrenzen des Reduzierungsgebietes weiter verfügbar
halten könnte. ...
Auch der Osten brachte Vorschläge ein. Aus der Sicht der NATO jedoch hätten
diese lediglich die numerische Überlegenheit des Warschauer Paktes an Mannschaftsstärken und Kriegsgerät im Reduzierungsgebiet völkerrechtlich festgeschrieben. Mit anderen Worten: Die östlichen Vorschläge hätten eben weder zu
substantiellen Warschauer Pakt Reduzierungen noch zur Parität bei den Streitkräftestärken geführt. ...
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit besonders darauf lenken, daß Präsident
Reagan in erster Linie Rüstungskontrollvertrage anstrebt, die zu tatsächlichen
Verminderungen und nicht bloß zu Begrenzungen der Streitkräfte beider Seiten
führen. • •
Nach Abschluß einer umfassenden politischen Bestandsaufnahme auf dem Gebiet
der Rüstungskontrolle und insbesondere bei MBFR, schlug Präsident Reagan den
westeuropäischen Verbündeten und Kanada einen neuen MBFR-Ansatz vor. Nach dessen
intensiver Beratung in der NATO war das Ergebnis ein umfassender, kühner Vorschlag des Westens, den Präsident Reagan bei seiner Rede vor dem Bundestage am
9. Juni 1982 ankündigte und den das Kommunique des NATO-Gipfeltreffens widerspiegelt. Der Westen hat diesen Vorschlag am 8. Juli 1982 in Wien eingebracht
und erwartet nun die Antwort des Ostens.
Dieser neue Ansatz reflektiert die Beurteilung der Allianz bezüglich des
Verhandlungsstandes sowie die westliche Haltung. Diese Lagebeurteilung kam zu
folgendem Schluß:
- Die anhaltende und sogar zunehmende Rolle der Rüstungskontrolle auf
konventionellem Gebiet in Mitteleuropa erfordert, die MBFR-Verhandlungen neu
- 5 -

�MBFR-Verhandlungen neu zu beleben, und
- das bisherige westliche Verhandlungsziel, nämlich Parität bei den Personalstärken der Streitkräfte für Ost und West in Mitteleuropa, bleibt nicht
nur weiterhin gültig, sondern muß energischer als bisher verfolgt werden. ...
Der Vorschlag sieht einen umfassenden Vertrag vor,in dem alle direkten Teilnehmer sich völkerrechtlich verpflichten, übereinstimmende gemeinsame Höchststärken von etwa 900 000 Mann für ihre Land- und Luftstreitkräfte herzustellen,
wobei für die Landstreitkräfte eine Obergrenze von etwa 700 000 Mann gilt.
Der Westen schlägt eine stufenweise Ausführung der Reduzierungen vor. Jede
Stufe bedarf einer vollen Verifikation. Das westliche Paket der begleitenden
Maßnahmen zur Verifikation und zur Vertrauensbildung bleibt so, wie es im
Dezember 1979 unterbreitet wurde, integraler Bestandteil des Vertragsentwurfs.
Diese Maßnahmen sehen unter anderem vor:
- Inspektionen vor Ort;
- ständig besetzte Durchlaufpunkte für die Überwachung von Truppenverschiebungen an den Grenzen;
- einen Datenaustausch; und
- die Nicht-Behinderung nationaler technischer Aufklärungsmittel.
Die erste Reduzierungsstufe soll nur amerikanische und sowjetische Personalverminderungen von 13 000 beziehungsweise 30 000 Mann betreffen. Die Ausgangsdaten des Gesamtpersonals für beide Seiten sollen im Vertrag fixiert werden.
Daraus soll der Gesamtumfang für die erforderlichen Reduzierungen in Ost und
West errechnet und bei Vertragsunterzeichnung spezifiziert werden.
Der neue Verhandlungsansatz besteht aus einem einzigen Abkommen. Dies berücksichtigt die östlichen Forderungen nach einer Kopplung, indem beide Vertragsparteien rechtswirksame Verpflichtungen eingehen, die alle Teilnehmer mit

�Teilnehmer mit der Unterzeichnung des Vertrages festlegen, und zwar für alle
Reduzierungsstufen im dafür vorgesehenen Zeitraum von sieben Jahren.
Zweck und Vorzüge des neuen Verhandlungsansatzes
Indem der Westen seinen Vorschlag in Form eines Vertragsentwurfes vorlegt,
unterstreicht er seine Seriosität bei den Wiener Verhandlungen und seine Entschlossenheit zu militärisch bedeutsamen Reduzierungen in Mitteleuropa. Diese
neue Initiative zielt ebenso darauf ab, den Verhandlungen einen neuen und erfolgversprechenden Impuls zu geben. Es war immer ein Kernelement in den östlichen Vorstellungen, daß sich alle direkten Teilnehmer von Beginn an zu Reduzierungen rechtlich verpflichten sollten. In seinem neuen Ansatz würde der
Westen sich diesbezüglich intensiver verpflichten als in all seinen früheren
Vorschlägen. Damit müßten nun die östlichen Besorgnisse bezüglich einer zu losen
Kopplung eliminiert sein.
Der neue westliche Vorschlag räumt die östlichen Argumente gegen eine
Dateneinigung zu Beginn der Verhandlungen aus dem Wege. Im Laufe der Verhandlungen hatte der Osten schließlich anerkannt, daß man sich über die Datenfrage
verständigen müsse, um die jeweiligen Reduzierungsumfänge zur Erreichung der
übereinstimmenden Höchststärken erreichen zu können. Der Osten hatte jedoch
bestritten, daß diese Dateneinigung schon für die amerikanischen und sowjetischen
Reduzierungen in einer ersten Phase erforderlich seien, denn diese Reduzierungsumfänge seien ja bereits fixiert (nämlich mit 13 000 Amerikanern und 30 000
Sowjetrussen). Da nun der neue westliche Vertragsentwurf alle Reduzierungen in
einem einzigen Abkommen festlegen will, muß der Osten anerkennen, daß man sich
von Anfang an über die Streitkräftezahlen einigen muß.
Der neue westliche Vorschlag räumt ebenso die östlichen Argumente gegen
eine Einigung über das gesamte Paket der begleitenden Maßnahmen für Verifikation
und Vertrauensbildung aus dem Wege. Der Osten hatte bisher behauptet, daß begleitende Maßnahmen in ihrer Intensität und Anzahl den jeweiligen Reduzierungsumfängen entsprechen müßten. Angesichts der 1979 vom Westen vorgeschlagenen,

- 7 -

�Westen vorgeschlagenen, eher bescheidenen Reduzierungen sei das westliche Paket
begleitender Maßnahmen überproportional groß und dringe viel zu tief in die
östlichen Sicherheitsstrukturen ein. Nachdem nunmehr der neue Vertragsentwurf
des Westens substantielle Reduzierungen aller direkten Teilnehmer vorsieht,
muß der Osten anerkennen, daß das Paket begleitender Maßnahmen nach Art und
Umfang den Reduzierungen voll und ganz entspricht. Lassen Sie mich nun die Vorzüge eines solchen MBFR-Vertrages erläutern:
1. Die Herstellung der Parität bei den Mannschaftsstärken auf beiden Seiten
in Mitteleuropa würde das Niveau der konventionellen Streitkräfte, die einander gegenüberstehen, stabilisieren. Es würde dabei gleichzeitig eine Obergrenze für die sowjetischen und die osteuropäischen Streitkräfte im Reduzierungsgebiet hergestellt. Zur Herstellung dieser Parität müßte der Warschauer Pakt
nach westlichen Erkenntnissen cirka 260 000 Mann seiner Landstreitkräfte abziehen,
was schon für sich genommen ein beträchtlicher Beitrag zur Stabilität und zur
Vertrauensbildung wäre. Darüber hinaus würde die Parität auf niedrigerer Höhe
die konventionelle Verteidigungsfähigkeit des Westens verbessern, indem sie die
gegenwärtige Überlegenheit von über 170 000 Mann bei den Truppen des Warschauer
Paktes beseitigt. Die Parität würde außerdem die Wahrscheinlichkeit verringern,
daß konventionelle Streitkräfte in Krisenperioden in Europa eingesetzt würden,
und eine verstärkte konventionelle Abschreckung würde ihrerseits die Eskalation
in eine nukleare Auseinandersetzung weniger wahrscheinlich machen.
2. Ein Abkommen, wie es der Westen vorschlägt, das ein Paket kooperativer,
und ich unterstreiche kooperativer, begleitender Maßnahmen einschließt (z.B.
Inspektionen vor Ort, Notifizierung, Beobachtung, Datenaustausch, usw.), würde
einen eigenen Beitrag zur Sicherheit in Europa liefern, vornehmlich durch
Verifikation, aber auch dadurch, daß es einen gewissen Schutz vor Fehlinterpretationen der militärischen Aktivitäten der Gegenseite im Herzen des europäischen Kontinents bietet.
3. Der NATO-Vorschlag wurde von einer einseitigen Erklärung des Westens begleitet, die besagt, daß die Alliierten ein allianzinternes Arrangement anstreben, demzufolge keiner von ihnen seine nationalen Verpflichtungen zur gemein- 8 -

�zur gemeinsamen Verteidigung vernachlässigen würde und zwar auch bezüglich
der Aufrechterhaltung ihrer Personal bei träge für die Land- und Luftstreitkräfte in Mitteleuropa.
Damit bekräftigen also die Verbündeten, daß sie ihre nationalen Beiträge
zur gemeinsamen Verteidigung weiterhin leisten werden, was den Zusammenhalt
und das gegenseitige Vertrauen innerhalb der NATO nur stärken kann. Im Rahmen
der verminderten Streitkräfte-Stärke ist diese einseitige Erklärung eine
beschlossene Grundlage für starke und dauerhafte Beiträge der Alliierten im
Reduzierungsgebiet für eine gemeinsame Verteidigung. Alle Alliierten sind aufgerufen, die notwendigen Verteidigungsbeiträge für eine wirkungsvolle Verteidigung des Bündnisses zu leisten.
über eine verbesserte Verteidigungs- und Finanzplanung des Bündnisses hinaus
soll der neue Vorschlag auch bewirken, die Spirale der Rüstungskosten abzuflachen.
Offen gesagt: die vorgeschlagenen Truppenverminderungen sind anfänglich relativ
bescheiden. Am Ende des siebenjährigen Reduzierungsprozesses jedoch wird der
Osten nach westlicher Rechnung 260 000 Mann seiner Landstreitkräfte abgezogen
haben, und der Westen etwa 90 000. Folglich würde das wesentliche Resultat des
Abkommens nicht in seinem Anfangsstadium, sondern in seiner Langzeitwirkung
liegen, indem es auf Dauer die Kosten der konventionellen Abschreckung verringert.
Ein Vertrag auf der Basis unseres Vorschlages würde die große militärische
Überlegenheit des Ostens im Reduzierungsgebiet beseitigen und damit die militärische Lage in Mitteleuropa stabilisieren. Dies wiederum würde auch zu einer
Stabilisierung der Verteidigungsausgaben in diesem Gebiet führen.
Es ist überflüssig zu betonen, daß vereinbarte Ost/West-Reduzierungen bei
weitem vorteilhafter für die Sicherheit der USA und der Allianz sind

als ein-

seitige amerikanische Truppenabzüge. Ein Vertrag, der den eben beschriebenen
Rahmen absteckt, sollte der öffentlichen Meinung in den USA für lange Zeit klar
machen, daß die amerikanische Garantie für und die US-Präsenz in Europa tatsächlich
Teil eines Eintretens für die gemeinsame Verteidigung sind.
Probleme und
- 9 -

�Probleme und Aussichten bei den Verhandlungen
Wie vorhin bereits erwähnt, gibt es zwei Hauptprobleme bei den Wiener Verhandlungen, die seit Jahren einem Fortschritt im Wege stehen. Es handelt sich
dabei um die Frage der Datenklärung und die der begleitenden Maßnahmen. Um diese
Schlüssel fragen zu lösen, bedarf es einer geschäftsmäßigen und konstruktiven
Mitarbeit des Ostens.
Die große Diskrepanz beziehungsweise Differenz zwischen den Zahlenangaben
für die Mannschaftsstärken des Ostens im Reduzierungsgebiet ist das Hauptproblem
bei den Wiener Verhandlungen. Insgesamt beläuft sich diese Diskrepanz auf cirka
170 000 Mann.
Dies ist keineswegs eine rein technische Frage. Ohne Einigung darüber,
welche Mannschaftsstärken reduziert bzw. begrenzt werden müssen, wäre ein Verminderungsabkommen weder verifizierbar, noch durchsetzbar, also politisch unakzeptabel. Wir haben dem Osten wieder und wieder erklärt, daß wir kein Reduzierungs- und Begrenzungsabkommen ohne vorherige Dateneinigung abschließen
können, da diese Daten ein unzweideutiges objektives Kriterium der Vertragseinhaltung darstellen. Ohne Dateneinigung wäre es unmöglich, genaue Obergrenzen
für die Personal stärken festzulegen, die nach Reduzierungen erlaubt sind.
Wir haben also den Osten wiederholt zu einer konstruktiven Diskussion
dieses Problems aufgefordert. Der Osten hat beharrlich darauf bestanden, daß
seine Zahlenangaben korrekt sind und daß folglich alle Diskrepanzen auf falschen
Erkenntnissen des Westens beruhen.
Wir sind unsererseits durchaus von der Richtigkeit unserer Erkenntnisse
über die Truppenstärken des Ostens überzeugt,und wir werden weiterhin darauf
bestehen, daß ein Vertrag auf einer Dateneinigung beruhen muß.
Die östliche Haltung zum Problem der begleitenden Maßnahmen hat das zweite
große Hindernis in den Wiener Verhandlungen geschaffen, ungeachtet der Tatsache,
daß der Osten bei Beginn der Verhandlungen 1973 dem Gedanken zustimmte, daß

�zustimmte, daß solche Maßnahmen ein integraler Bestandteil der Verhandlungsmaterie sein würden.
Nach westlicher Ansicht haben begleitende Maßnahmen eine Doppelfunktion:
sie unterstützen die Verifikation eines Reduzierungsabkommens und wirken vertrauensstärkend, indem sie bei den Parteien Gewißheit über die harmlose Natur
von militärischen Routinetätigkeiten der Gegenseite geben. Aus diesen Gründen
hat der Westen in seinem Vorschlag als integralen Bestandteil ein sorgfältig
ausgewogenes Paket von Maßnahmen aufgenommen, die dem Zweck dienen, einen wesentlichen direkten Beitrag zu den oben erwähnten Verhandlungszielen zu liefern
Die Vorstellungen des Ostens haben sich denen des Westens in einigen
Fällen angenähert. Dazu gehören:
- Das Konzept der Vorausinformation über bestimmte militärische Aktivitäten;
- Die Errichtung von Check-points für Truppenabzüge (allerdings nur für
die Abzugsbewegungen selbst und weder permanent bemannt,noch für die Kontrolle
eventueller Zuführungen vorgesehen);
- Informationsaustausch;
- Anwendung nationaler technischer Aufklärungsmittel (aber nicht Verbot
ihrer Störung); und
- Einrichtung einer Konsultativ-Kommission.
Grundlegender Dissens jedoch herrscht bei einigen Aspekten der begleitenden
Maßnahmen. Dazu gehören:
- die geographische Ausdehnung des Anwendungsbereiches für die beiden
ersten Maßnahmen über den Reduzierungsraum hinaus in den europäischen Teil der
Sowjetunion; und
- Inspektionen.

Nach w e s t l i c n e r

- 11 -

�Nach westlicher Vorstellung ist es keineswegs unvernünftig, von der
Sowjetunion zu erwarten, daß sie dem Prinzip der geographischen Ausdehnung
für diese beiden Maßnahmen zustimmt, denn schließlich hat sie ein ähnliches
Prinzip bei der Madrider Folgekonferenz (der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, KSZE) anerkannt. Es ist ebensowenig eine unsittliche
Forderung des Westens, wenn er vom Osten die Annahme von Beobachtern und
Inspektionsteams erwartet, da diese schließlich zu jedem RListungskontrollvertrag
gehören müssen, in den die Vertragsparteien Vertrauen setzen sollen.
Es ist einfach unmöglich, die Vertragsbestimmungen eines Rüstungskontrollabkommens zu verifizieren, bei dem es sich um Reduzierungen und Begrenzungen
von Personal stärken handelt, ohne eine direkte Beobachtung und Inspektionen
dafür vorzusehen. Ein derartiges Abkommen ohne zuverlässige Verifikationsmaßnahmen hätte keinerlei Erfolgsaussichten vor westlichen Parlamenten und der
öffentlichen Meinung. Wir haben die Sowjetunion wiederholt und auf höchster
Ebene auf das Erfordernis der sogenannten "kooperativen Verifikation" hingewiesen. In seinem "Spiegel"-Interview vom 2. November letzten Jahres hat Präsident
Breshnew von der Bereitschaft seines Landes gesprochen, die nationalen Aufklärungsmittel durch kooperative Maßnahmen zu ersetzen, wo immer dies im Sinne
gegenseitigen Vertrauens erforderlich sei, also beispielsweise durch Maßnahmen
wie Ortsinspektionen und Austausch von Beobachtern. Wir haben allerdings bis
heute noch keinerlei konkrete Bestätigung für einen sowjetischen Sinneswandel
erkennen können. In der Welt von heute ist eine derartige Kooperation nicht nur
ein pragmatisches Erfordernis, sondern sie ist politisch unumgänglich.

Zukunftsaussichten
Ungeachtet der gegenwärtigen ungelösten Streitfragen zwischen beiden Seiten
in den Schlüsselproblemen von Dateneinigung und begleitenden Maßnahmen hat sich
die Wiener Konferenz doch als eine wichtige und einzigartige Verhandlung von
Allianz zu Allianz erwiesen, in der es um sensitive und komplizierte multilaterale
Sicherheitsfragen geht.
Mehr noch:

- 12 -

�Mehr noch: Diese Verhandlungen sind gegenwärtig die einzigen, die RüstungskontrollVereinbarungen für konventionelle Streitkräfte erwarten lassen. Es ist
daher nicht unvernünftig anzunehmen, daß die Wiener Konferenz auf der Basis
ihrer bisher gewonnenen Erfahrung ihre Arbeit fortsetzen wird. Es kommt hinzu,
daß der Osten einige grundlegende westliche Vorstellungen akzeptiert und sie mit
einigen Modifikationen in seine eigenen Vorschläge aufgenommen hat.
Erstens, wie ich schon sagte, hat der Osten das Paritätsprinzip für die
Mannschaftsstärken im Reduzierungsraum in der Form übereinstimmender kollektiver
Höchststärken akzeptiert. Damit ist der Osten von seiner früheren Forderung
nach prozentual gleichen Reduzierungen beider Seiten abgerückt. Allerdings ist
der Wert dieses östlichen Schrittes dadurch wieder verringert worden, daß der
Osten auf seinen Zahlenangaben besteht, denen zufolge eine ungefähre Parität
bei den Mannschaftsstärken in Mitteleuropa bereits existiert.
Zweitens hat der Osten das Prinzip der Kollektivität für die Reduzierungen
wie auch für die verbleibenden Höchststärken als solches akzeptiert, mit anderen
Worten: das westliche Bündnis kann theoretisch autonom die Reduzierungsanteile
wie auch die verbleibenden Höchststärken der direkten westlichen Teilnehmer
festlegen, ohne daß der Osten ein Mitspracherecht bezüglich der individuellen
Quotenaufteilung innerhalb der NATO erhielte. Andererseits jedoch verlangt der
Osten, daß die Reduzierungsanteile der westlichen Staaten ihren derzeitigen
Personal stärken "annähernd proportional" sein müssen, womit der Osten sozusagen
durch die Hintertür die individuellen westlichen Reduzierungsanteile doch festzulegen sucht. Der Osten hat darüber hinaus eine Bestimmung vorgeschlagen, wonach
kein Teilnehmer mehr als 50 Prozent der Gesamtstärke seines Bündnisses haben
darf. Dieser Vorschlag träfe im Westen allein die Bundeswehr und würde damit die
Bundesrepublik Deutschland innerhalb der NATO in eine Sonderrolle abdrängen.
Wir haben daher diese östlichen Vorschläge abgelehnt.
Man braucht nicht ausdrücklich zu betonen, daß ein Vertragsabschluß in Wien
letzten Endes wesentlich vom Osten abhängt. Der neue westliche Vorschlag macht
klar, daß der Warschauer Pakt seine Streitkräfte einschneidend vermindern muß,
wenn das Hauptziel der Parität erreicht werden soll. Insbesondere muß die
- 13 -

�muß die Sowjetunion, nachdem sie sich in Wien zum Ziel der Parität bei den
Mannschaftsstärken von ungefähr 900 000 Mann bei Land- und Luftstreitkräften
bekannt hat, nunmehr die erforderliche politische Entscheidung fällen, diejenigen substantiellen und verifizierbaren Reduzierungen vorzunehmen, um tatsächlich Parität auf diesem Streitkräfteniveau herbeizuführen.
Die Staaten des Warschauer Paktes können ihre Bereitschaft zu einschneidenden Reduzierungen dadurch deutlich machen, daß die in einem Abkommen ihre
tatsächliche Streitkräftestärken angeben, so daß eine Berechnung ihrer Reduzierungsumfänge möglich wird. Der Osten muß außerdem seriös an der Ausarbeitung
wirksamer Verifikationsmaßnahmen mitwirken.
Die westlichen Verhandlungsteilnehmer erwarten, daß der Osten die volle
Bedeutung des neuen westlichen Vertragsentwurfes erkennt. Wenn der Osten ein
wirkliches Interesse an der Reduzierung konventioneller Streitkräfte in Mitteleuropa hat, dann soll er uns in Wien eine positive, konstruktive und substantielle
Antwort geben.
Die westlichen Verhandlungsziele haben sich nicht geändert. Es war und
bleibt unsere Absicht, einen Vertrag auszuhandeln, der zu niedrigeren Streitkräftestärken in Mitteleuropa führt, der zur Stabilität beiträgt, das Vertrauen
stärkt und Spannungen abbaut, und zwar durch überprüfbare Parität bei den
Mannschaftsstärken nach TruppenVerminderungen auf übereinstimmende Höchstgrenzen.
Die Ziele der USA und der Europäer sind dabei identisch. Es wird nicht leicht
sein, sie zu erreichen, aber der Westen ist entschlossen, sein Bestes zu geben.
+++++

- 14 -

�28

21. Juli 1982

ROSTOW FORDERT OSTEN ZU FLEXIBILITÄT BEI MBFR-VERHANDLUNGEN AUF
- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Wien -

WIEN - (AD) - Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung (ACDA), Eugene Rostow, hat die östlichen Delegationen bei den
Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
(MBFR) am 15. Juli 1982 aufgefordert, sich in der Frage der Daten und der Vertrauensbildenden Maßnahmen entgegenkommender zu zeigen. Die MBFR-Verhandlungen
wurden an diesem Tag bis September vertagt.
Die Erklärung von Rostow hat folgenden Wortlaut:
Am Donnerstag voriger Woche hat der Westen formell einen Vertragsentwurf
vorgelegt, der einen neuen, umfassenden Vorschlag enthält, der den MBFR-Verhandlungen hoffentlich neuen Auftrieb geben wird. Wie ich vorige Woche in
Washington erklärt habe, hat Präsident Reagan unterstrichen, daß dieser neue
Vorschlag des Westens über Verringerungen der konventionellen Streitkräfte
eine wichtige Ergänzung früherer amerikanischer Initiativen bei den Verhandlungen
über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) und den Verhandlungen über eine

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�über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START) - die beide gegenwärtig in Genf geführt werden - darstellt.
Dieser neue Vorschlag macht das Hauptziel des Westens bei diesen Verhandlungen deutlich, nämlich Abbau der Spannungen in Mitteleuropa durch eine Verringerung der zahlenmäßigen Stärke der Landstreitkräfte und die Herstellung
einer Parität auf niedrigerer Ebene in Form einer gemeinsamen kollektiven
Höchstgrenze der Streitkräfte auf beiden Seiten.
In den neun Jahren, seit diese Verhandlungen andauern, haben sich drei
fundamentale Probleme als die Haupthindernisse für ein Abkommen herausgestellt:
1. Das Fehlen vereinbarter Daten über die östlichen Streitkräfte im
Reduktionsgebiet;
2. der Mangel an Übereinkunft zwischen den Seiten über kooperative begleitende Maßnahmen zur Verifizierung eines Abkommens über eine Verringerung und
Begrenzung; und
3. das Problem der Verknüpfung, d.h. die östliche Vorbedingung seit Beginn
der Wiener Verhandlungen, daß alle direkt Beteiligten von Beginn eines Abkommens
an rechtlich bindende vertragliche Verpflichtungen eingehen, sich an den Verringerungen zu beteiligen, die notwendig sind, um die gemeinsame Höchstgrenze
zu erreichen.
Der neue Vorschlag des Westens trägt der östlichen Vorbedingung der Verknüpfung Rechnung.
Alle direkt Beteiligten würden in einem einzigen, umfassenden Abkommen
den Umfang der Verringerungen spezifizieren, die jede Seite in vier vorher
festgelegten Stadien innerhalb eines zeitlichen Rahmens von sieben Jahren vornehmen muß, um die gemeinsamen Höchstgrenzen zu erreichen.
In unserem

�In unserem neuen Ansatz würde der Westen eine festere Verpflichtung eingehen, die alle direkt Beteiligten bindet, Verringerungen auf eine gemeinsame
Höchstgrenze vorzunehmen, als wir dies je zuvor vorgeschlagen haben.
Daß der Westen diese Initiative in Form eines Vertragsentwurfs vorgetragen hat, unterstreicht die westliche Ernsthaftigkeit und Bereitschaft,
militärisch bedeutsame Verringerungen in Mitteleuropa zustandezubringen.
Wir erwarten vom Osten, daß er sich der Bedeutung des Vertragsentwurfs
des Westens bewußt ist. Wenn der Osten ernsthaft an Verringerungen der konventionellen Streitkräfte in Europa interessiert ist, dann sollten die östlichen Beteiligten eine positive, konstruktive und sachliche Antwort auf den
westlichen Vertragsentwurf geben; nämlich durch einen vergleichbaren Schritt
auf dem Gebiet der Daten und der begleitenden Maßnahmen.
+++++

- 3 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassv of the United States of Amerika

21. Juli 1982

28

USA WOLLEN VOLLSTÄNDIGES VERBOT VON CHEMISCHEN WAFFEN
- Erklärung von Admiral Howe -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten streben ein vollständiges
und verifizierbares Verbot chemischer

Waffen an.

Dies erklärte der Direktor

des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Admiral Jonathan Howe, am 13. Juli 1982 vor dem Unterausschuß
für internationale Sicherheit und Wissenschaft des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses.

Wenn die Sowjets echte Bemühungen um die Ein-

haltung bestehender internationaler Verpflichtungen auf dem Gebiet chemischer,
biologischer und toxischer Waffen unternehmen würden, so sagte der Admiral,
dann könne es zu echten bilateralen Fortschritten kommen.
Die Ausführungen von Admiral Howe vor dem Unterausschuß haben folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich, heute vormittag mit Ihnen über außenpolitische und
rüstungskontrollpolitische Aspekte chemischer Waffen sprechen zu können.
Die Politik der Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet ist klar.

Unser

Ziel ist und bleibt, dem derzeitigen Einsatz chemischer Waffen in Afghanistan
und in Südostasien Einhalt zu gebieten und ein vollständiges und verifizierbares Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung solcher Waffen zu

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�Waffen zu erreichen.
Das Genfer Protokoll von 1925, dem die Vereinigten Staaten beigetreten
sind, verbietet im Krieg die Anwendung von erstickenden, giftigen und anderen
Gasen und von Methoden der biologischen Kriegführung.

Leider verbietet die

Konvention nur die Anwendung chemischer Waffen, nicht aber ihren Besitz.
Darüber hinaus handelt es sich im Grunde nur um ein Verbot des Ersteinsatzes,
da sich die meisten wichtigen Militärmächte, einschließlich der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion, das Recht vorbehalten haben, auf den Einsatz
chemischer Waffen durch einen Gegner mit chemischen Waffen zu reagieren.
Unser letztliches Ziel ist der Abschluß eines neuen multilateralen Vertrages,
der chemische Waffen überhaupt verbietet und eine wirksame Verifizierung und
Einhaltung vorsieht.
Der Abschluß eines solchen Vertrages wäre ein wichtiger Meilenstein für
die Menschheit. Aber es wird nicht leicht sein. Das entscheidende Hindernis
auf dem Wege zu einem Fortschritt ist die sowjetische Unzugänglichkeit in
Fragen der Verifizierung und Einhaltung. Jedes wirksame Abkommen über ein
Verbot chemischer Waffen muß die Vernichtung bestehender Lager sicherstellen
und ausreichende Überwachungsbestimmungen enthalten, damit kein Vertragspartner heimlich chemische Waffen behält oder produziert. Kürzliche sowjetische Verletzungen haben die absolute Notwendigkeit wirksamer Verifizierung
und Beobachtung eines Vertrages über das Verbot chemischer Waffen unterstrichen.
Um den Prozeß voranzutreiben, haben wir unsere Bemühungen von den bilateralen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen in den Abrüstungsausschuß
(der Vereinten Nationen) verlegt. Die im Jahr 1977 begonnenen bilateralen
Verhandlungen blieben Mitte 1980 auf einem toten Punkt stecken. Die Sowjetunion war nicht bereit, vernünftige Bestimmungen für die Verifizierung der
Vernichtung bestehender Lager an chemischen Waffen und der Beseitigung ihrer
Produktionsstätten zu akzeptieren. Und die Sowjets waren ebenso wenig bereit, wirksamen Verfahren zur Sicherstellung der weiteren Einhaltung des Vertrages zuzustimmen.
Aus diesen

�Aus diesen Gründen konzentrieren wir unsere gegenwärtigen Bemühungen auf
Genf.

Der Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen hat die Aufgabe, multila-

terale Rüstungskontroi labkommen zustandezubringen.

Die Vereinigten Staaten

sind an den gegenwärtigen Bemühungen dort um die Ausarbeitung eines umfassenden Abkommens über das Verbot chemischer Waffen aktiv beteiligt.
Wir haben diese Rüstungskontroilanstrengung vor dem Hintergrund einseitiger Zurückhaltung vorgenommen. Seit 1969 haben wir keine tödlichen oder
kampfunfähig machenden chemischen Waffen hergestellt. Eine amerikanische Regierung nach der anderen hat versichert, daß wir niemals mit chemischer Kriegführung beginnen würden.
Unsere Zurückhaltung fand jedoch nicht die entsprechende Reaktion seitens der Sowjetunion. Während der gleichen 13 Jahre haben die Sowjets ihre
Fähigkeit zur chemischen Kriegführung ständig weiter ausgebaut. Diese sowjetische Aufrüstung geht weit über vernünftige Abschreckungserfordernisse hinaus.
Diese Bedrohung unserer Sicherheit ist kürzlich in ein helleres Licht
gerückt worden durch den tatsächlichen Einsatz chemischer Waffen in Afghanistan
und chemischer und toxischer Waffen in Südostasien. Am 22. März und 13. Mai
dieses Jahres wurden dem Kongreß überzeugende Beweise vorgelegt. Die Zahl
der Länder wächst weiterhin. Wir analysieren Hinweise, daß diese Angriffe
trotz internationaler Bemühungen um ihre Einstellung ungebrochen weitergehen.
Solche Angriffe sind ungesetzlich.

Der Einsatz chemischer Waffen ist

eine Verletzung des Genfer Protokolls von 1925 und der damit zusammenhängenden
Regeln des Völkerrechts. Schon allein der Besitz toxischer Waffen ist eine
Verletzung der Konvention über das Verbot biologischer Waffen von 1972. Präsident Reagan hat in seiner Rede am 17. Juni vor der Zweiten Sondervollversammlung der Vereinten Nationen über Abrüstung ausdrücklich auf diese Verletzungen hingewiesen.
Leider wurden

�Leider wurden unsere zahlreichen Demarchen von den Sowjets zurückgewiesen.

Trotz überwältigender Beweise bestreiten die Sowjets weiterhin die-

se ungesetzlichen Handlungen.

Eine Gegendarstellung, die Experten der

sowjetischen Akademie der Wissenschaften, dem sowjetischen Gesundheitsministerium und anderen sowjetischen Organisationen zugeschrieben wird und am
21. Mai den Vereinten Nationen vorgelegt wurde, wird in einer der jüngsten
Ausgaben der Zeitschrift "Science" (Wissenschaft), die unabhängig ist und
nichts mit der Regierung zu tun hat, als eine Sammlung "extravaganter Mutmaßungen" bezeichnet.
Trotz dieses entmutigenden Hintergrunds bleiben wir aktiv daran interessiert, das Ziel eines weltweiten und umfassenden Verbots chemischer Waffen
zu erreichen. Wir haben die Absicht, auf der kommenden Sitzung des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen im Juli alle Aspekte des sowjetischen Vorschlags zu prüfen, der kürzlich der Abrüstungs-SondervollVersammlung vorgelegt wurde. Eine erste Analyse dieses Vorschlags läßt erkennen, daß er zum
großen Teil nichts Neues enthält. Er enthält jedoch einige Elemente von potentiellem Interesse. Wie bedeutsam diese Elemente sind, ist noch nicht klar.
Es wäre jedoch verfrüht, daraus zu schließen, daß es zu einem Durchbruch
gekommen sei. Offen gesagt, wir haben die bilateralen Gespräche nicht fortgesetzt, weil unter den bestehenden Umständen wenig Aussicht auf produktive
Verhandlungen besteht. Sollten die Sowjets die Bereitschaft an den Tag legen, echt wirksame Vereinbarungen für Verifizierung und Einhaltung zu akzeptieren und sollten sie eine Bereitschaft zeigen, sich an die bestehenden
internationalen Verpflichtungen hinsichtlich chemischer, biologischer und
toxischer Waffen zu halten, dann würden die Aussichten für ernsthafte bilaterale Bemühungen steigen.

Alle mit der nationalen Sicherheit befaßten Behörden dieser Administration
wie auch frühere Kongresse sind zu dem Schluß gekommen, daß wir nicht länger
auf eine Modernisierung unseres Abschreckungspotentials auf dem Gebiet der
chemischen Kriegführung verzichten können, das im Vergleich zu den sowjetischen
Kapazitäten bescheiden ist. Unsere nationale Sicherheitspolitik muß sich an
die Realitäten der Welt halten, in der wir leben. Unsere Streitkräfte müssen
- 4 -

�Streitkräfte müssen die Fähigkeit besitzen, vor Drohungen gegen uns und unsere Verbündeten abzuschrecken.
ger.

Das erfordert ausreichende amerikanische La-

Es erfordert auch eine Verbesserung der Schutz- und Abwehrmaßnahmen ge-

gen einen Angriff mit chemischen Waffen, und darauf liegt das Hauptgewicht unseres Programms.
Der Bericht über das amerikanische Programm zur Abschreckung vor chemischer Kriegführung, den das amerikanische Verteidigungsministerium im März
dieses Jahres dem Kongreß unterbreitete, stellt unsere Situation im einzelnen
dar. Die schwere Entscheidung, unsere Kapazität an chemischen Waffen zu modernisieren, wurde nur nach langem Zögern und eingehender und genauester Prüfung unserer veralteten und verfallenden Bestände getroffen. Der Kongreß, der
der Exekutive in der Ermutigung zur Modernisierung unserer chemischen Abschreckung sogar voranging, überprüft weiterhin jeden Schritt dieses Programms sorgfältig.
Die Vereinigten Staaten haben während der letzten Jahre ihre Verbündeten
voll über ihr Programm und ihre Entscheidungen informiert, mit der Modernisierung der Kapazität für chemische Kriegführung zu beginnen.

Im März vo-

rigen Jahres haben wir unsere Verbündeten von der Entscheidung der Administration in Kenntnis gesetzt, die Bewilligung von Mitteln für die Anlage in Pine
Bluff zu beantragen.

Im Februar dieses Jahres haben wir unsere Verbündeten

über unsere Entscheidung informiert, die Bewilligung von Mitteln für die Produktion zu beantragen.

Wir halten es nicht für angebracht, Verbündete darum

zu bitten, eine Entscheidung der nationalen Sicherheit Amerikas mitzutragen,
und wir haben auch nicht darum gebeten.

Keine verbündete Regierung hat ihre

Ablehnung dieser Schritte zum Ausdruck gebracht oder sich sonstwie zur Sache
der Entscheidung geäußert, Mittel für die Produktion zu beantragen.

Seit vielen

Jahren ist es vereinbarte NATO-Doktrin, daß eine wirksame Vergeltungskapazität
auf dem Gebiet der chemischen Kriegführung
Aufrechterhaltung der Abschreckung ist.

ein wesentlicher Bestandteil der

Wir haben unsere Verbündeten eben-

so informiert, wie wir den Kongreß informiert haben, daß keine Entscheidung
über eine Vornedislozierung binärer chemischer Waffen getroffen worden ist
und auch keine solche Entscheidung gegenwärtig erwogen wird.
- 5 -

Wir haben un-

�haben unseren Verbündeten zugesichert, daß wir jedes andere Land vor einer
solchen Entscheidung voll konsultieren werden.

Da es noch Jahre dauern wird,

ehe die Produktion beginnt, und einige weitere Jahre, ehe Vorräte vorhanden
sein werden, dürfte es in der nächsten Zeit wohl kaum zu Überlegungen bezüglicht einer Dislozierung in anderen Ländern kommen.

Unsere Verbündeten wis-

sen und akzeptieren, daß wir derzeit keine Pläne haben, irgendwelche binäre
chemische Munition in einem anderen Land zu dislozieren.
Unsere Verbündeten sind ebenso wie wir darauf aus, durch Rüstungskontrolle ein völliges Verbot der Herstellung und Lagerung chemischer Waffen
anzustreben.

Gemeinsam drängen wir auf Fortschritte in Richtung auf ein Ab-

kommen im Abrüstungsausschuß in Genf.

Unsere Verbündeten wissen, daß das

Haupthindernis, das überwunden werden muß, die Verifizierung und die Garantie
der Einhaltung eines Abkommens ist.
Wir sind uns durchaus darüber im klaren, daß chemische Waffen eine emotional geladene Frage sind - in den Ländern unserer Verbündeten ebenso wie
in unserem eigenen Lande. Aber als Führungsmacht der freien Welt haben die
Vereinigten Staaten eine besondere Verpflichtung, bei der Aufrechterhaltung
des Friedens Entschlossenheit zu zeigen. Man kann darüber streiten, ob der
Besitz einer bestimmten Waffe vor der Anwendung ähnlicher Waffen durch andere
abschrecken wird, und man kann darüber streiten, welche Art welcher Waffen
in welchem Umfang notwendig seien, aber in der Debatte über chemische Kriegführung wäre noch eine Abschreckung zu finden, die keine Komponente an chemischen Waffen und keine zusätzlichen Risiken einer unerwünschten Eskalation
oder unannehmbarer Unterwerfung enthielte.
Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs macht die Wirksamkeit chemischer Waffen als Komponente einer solchen
Abschreckung deutlich. Nach Aussagen gegnerischer Amtsträger nach dem Kriege
hat der alliierte Besitz chemischer Waffen die Achsenmächte vor der Anwendung
ihrer chemischen Waffen abgeschreckt, obwohl sie über große Arsenale verfügten.
Kurz gesagt, wir streben durch Verhandlungen nach einem verifizierbaren
Verbot aller chemischen Waffen. Bis wir damit Erfolg haben, müssen wir den
sowjetischen Anreiz für einen Einsatz chemischer Waffen gegen uns oder unsere

�oder unsere Verbündeten schmälern oder beseitigen. Das kann durch die Modernisierung und Aufrechterhaltung eines ausreichenden Abschreckungspotentials
auf dem Gebiet der chemischen Kriegführung geschehen. Unsere Maßnahmen zur
Modernisierung unserer chemischen Waffen bedeutet keine Entscheidung, einen
größeren Nachdruck auf eine chemische Kriegführung zu legen. Wir haben auch
nicht die Absicht, die sowjetischen Kapazitäten zu erreichen oder zu übertreffen. Unser Ziel ist, den sichersten und kleinsten Bestand an chemischer Munition zu besitzen, der die Abschreckung gewährleistet, die wir brauchen.

- 7 -

�T

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

21. Juli 1982

US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTER HÄLT GETREIDEABKOMMEN MIT MOSKAU FÜR MÖGLICH

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Landwirtschaftsminister John Block
traf am 13. Juli 1982 mit hohen Vertretern der Administration zusammen, um
Fragen des Agrarhandels sowie amerikanische Handelsinitiativen zu erörtern. An
der Konferenz nahmen Finanzminister Donald Regan, Handelsminister Malcolm
Baldrige, der Sonderbeauftragte Präsident Reagans für Handelsverhandlungen,
William Brock, sowie Norman Bailey vom Nationalen Sicherheitsrat teil. Fragen
des Handels mit der Sowjetunion sowie das Getreideabkommen mit Moskau, das
am 30. September 1982 ausläuft, waren die Hauptthemen der Konferenz.
Nach dem Treffen gab Landwirtschaftsminister Block folgende Erklärung ab:
Die Konferenz, zu der ich heute vormittag mit mehreren hohen Regierungsvertretern zusammenkam, hatte den Zweck, die kürzlichen Entwicklungen auf dem Gebiet der Landwirtschaft und des Handels zu überprüfen sowie amerikanische
Initiativen auf dem Sektor des Agrarhandels zu erörtern.
Dies ist

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�Dies ist Teil der koordinierten Teamarbeit der Regierung, um die amerikanische Position im Hinblick auf internationale Handelsfragen sowohl im Handel
mit landwirtschaftlichen wie auch mit industriellen Gütern zu stärken.
Heute vormittag erörterten wir die Neubewertung der sowjetischen Getreideernte für 1982, die nach Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums vom 12. Juli nur 170 Millionen metrische Tonnen erreichen wird, gegenüber
einer früheren Schätzung von 185 Millionen Tonnen. Daraus folgert, daß die
Sowjetunion im kommenden Jahr in starkem Maße Agrarerzeugnisse importieren muß,
wenn sie ihre Viehbestände halten und den Ernährungsstand der sowjetischen
Bürger aufrechterhalten will.
Wir erörterten mögliche Handelsvereinbarungen der USA mit der Sowjetunion
nach dem Auslaufen des gegenwärtigen Abkommens am 30. September. Eine Möglichkeit
ist ein gegliedertes Getreideabkommen.
Wir nahmen heute vormittag auch die gestrigen Ernteschätzungen für die Vereinigten Staaten zur Kenntnis, die eine Rekordernte an Winterweizen in Höhe
von 2,12 Milliarden Bushel und eine Rekordernte an Gerste in Höhe von 479
Millionen Bushel voraussagen. Die Produktion an Hafer wird auf 580 Millionen
Bushel geschätzt, 18 Prozent höher als im vorigen Jahr und 27 Prozent höher als
im Jahre 1980. Diese großen Ernten sind das Ergebnis einer ausgezeichneten
Bodenfeuchtigkeit der Brot- und Futtergetreidegebiete überall in den Vereinigten
Staaten.
Die gestrige Voraussage der erwarteten großen Getreidevorräte in den Vereinigten Staaten lenkt die Aufmerksamkeit sowohl auf die Fähigkeit der Nation,
landwirtschaftliche Produkte zu exportieren, um wertvolle positive Handelsbilanzen zu erreichen, als auch auf die Notwendigkeit starker Agrarexportverkäufe, um die Basis für eine kraftvolle Agrarwirtschaft der USA zu legen.
In diesem Zusammenhang haben wir heute vormittag die Rolle der Bundesregierung auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Exportverkäufe untersucht sowie

- 2 -

�untersucht sowie einige der verschiedenen Möglichkeiten, durch die die Regierung
dem privaten Sektor dabei behilflich sein kann, zusätzliche Mengen an Getreide
nach Übersee zu liefern.
Staatssekretär Seeley G. Lodwick gab eine Bewertung des gegenwärtigen
internationalen Handelsklimas, wie es sich ihm aufgrund des Zusammentreffens
mit der Konsultativgruppe aus 18 Ländern in der vergangenen Woche in Europa
darstellte, die die Tagesordnung für die GATT-Ministerkonferenz im November
erörterte. Die Vereinigten Staaten werden sich an diesen Treffen im Herbst mit
der denkbar stärksten Verpflichtung beteiligen, zusammen mit anderen Ländern
an der Liberalisierung der Regeln für den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu arbeiten.
Inzwischen sind wir uns voll der anhaltenden Probleme bewußt, die auf den
traditionellen Exportmärkten der USA durch Exportsubventionen in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hervorgerufen werden. Auch diese Fragen wurden
heute vormittag erörtert, und wir werden unsere Initiativen verstärken, um uns
mit dieser Situation auseinanderzusetzen.
+++++

- 3 -

�28

21. Juli 1982

ZWEITE UN-KONFERENZ ÜBER FRIEDLICHE NUTZUNG DES WELTRAUMS
- USA erwarten umfangreichere internationale Zusammenarbeit

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden gemeinsam mit 139 anderen
Staaten den Stand der Weltraumwissenschaften und der Raumfahrttechnik auf der
zweiten Konferenz der Vereinten Nationen über die Erforschung und friedliche
Nutzung des Weltraums (UNISPACE '82) erörtern, die vom 9. bis 21. August 1982
in Wien stattfindet. Nach der ersten UN-Tagung zu diesem Themenkreis

im Jahr

1968, die die verheißungsvollen Möglichkeiten von Raumfahrt und Raumfahrttechnik der Welt aufzeigte, steht nun die internationale Zusammenarbeit im
Weltraum im Vordergrund. Vor allem wird man sich, wie aus einer vom US-Außenministerium veröffentlichten Übersicht hervorgeht, mit der Frage befassen, wie
die Raumfahrttechnik zur wirtschaftlichen Entwicklung der ärmeren Länder der
Welt beitragen kann.
Die Vereinigten Staaten erwarten von UNISPACE '82 der Verlautbarung zufolge
mehr Verständnis bei Regierungen und bei der Öffentlichkeit sowohl für die
Probleme als auch die Fähigkeiten, die sich aus Raumfahrtentwicklungen ergeben
können. Die USA rechnen ferner damit, daß Kontakte zwischen einflußreichen

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�zwischen einflußreichen Politikern und dem privaten Sektor gefördert werden und
umfangreichere Programme zur internationalen Zusammenarbeit zustande kommen,
welche sich durch gemeinsame Unterstützung von Regierungen und internationalen
Organisationen auszeichnen. Auch sei es wichtig, mehr Sinn für die Priorität
der verschiedenen Raumfahrtprojekte zu entwickeln, um bessere Zeitpläne aufstellen und verwirklichen zu können.
Im folgenden bringen wir die vom US-Außenministerium veröffentlichte
Übersicht im Wortlaut:
Hintergrund
Die zweite UN-Konferenz über die Erforschung und friedliche Nutzung des
Weltraums (UNISPACE '82) wird vom 9. bis 21. August in Wien (Österreich) abgehalten. Die erste UNISPACE-Konferenz, die dort im Jahr 1968 stattfand, brachte
zum Bewußtsein, wie ungemein verheißungsvoll Raumfahrt und Raumfahrttechnologie
sind, und führte zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit in der Anwendung
dieser Technologie. Die Welt wurde inzwischen Zeuge der Landung von Menschen
und automatischen Geräten auf dem Mond, von automatischen Geräten auf Mars und
Venus, von Missionen zur Sondierung von Jupiter und Saturn, von den Einsätzen
des bemannten Weltraumlaboratoriums SKYLAB und des ersten wiederverwendbaren
Raumfluggeräts. Wir betreiben routinemäßig internationale und nationale Weltraumkommunikationssysteme, ein koordiniertes System zur meteorologischen Beobachtung, Satelliten, die weltweite Daten liefern, operative Navigationssatelliten und Kommunikationssysteme für die Schiffahrt sowie quasi-operative Erderkundungssysteme. Etwa 140 Länder benutzen Nachrichtensatelliten (130 Länder
sind dem INTELSAT-System angeschlossen), und über 220 Bodenstationen rund um
die Erde empfangen direkt Bilder von meteorologischen Satelliten. Mehr als
100 Länder dürften Daten der amerikanischen Erderkundungssatelliten LANDSAT benutzen, und annähernd 40 Länder sind bereits der kürzlich gebildeten internationalen maritimen Satellitenorganisation (INMARSAT) beigetreten. Die Entwicklung
weltraumgestützter Technologien hat sich in den letzten 25 Jahren dramatisch
beschleunigt. Im Jahr 1957 wurden zwei Satelliten gestartet. Jetzt sind es im
Durchschnitt 120 pro Jahr. Dieser Aktivitätsumfang sollte beibehalten werden.
Beitrag der
- 2 -

�Beitrag der Vereinigten Staaten
Seit langem sind die Vereinigten Staaten führend bei gemeinsamen Raumfahrtprogrammen mit anderen Ländern - Entwicklungsländern wie Industrieländern. Mit
etwa 140 Nationen beteiligen wir uns an UNISPACE '82. Unsere Delegation führt
James Beggs, der Leiter des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA). Seit ihrer
Gründung im Jahr 1958 schloß diese Behörde über 1 000 Abkommen mit mehr als
100 Ländern zur Durchführung gemeinsamer Raumfahrtprogramme ab. Mit 105 Nationen
arbeiteten wir in der INTELSAT-Organisation zusammen. Mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA gibt es Zusammenarbeit bei zahlreichen Projekten - das
größte davon ist SPACELAB, ein in Europa (Bremen) gebautes bemanntes Weltraumlaboratorium. Mit der NATO arbeiten wir auf dem Gebiet von Nachrichtensatelliten
zusammen, mit China, Indien, Japan, Kanada und der UdSSR bei verschiedenen
Aspekten der Raumfahrttechnologie. Durch A.I.D. (Bundesamt für internationale
Entwicklung) helfen die Vereinigten Staaten den Entwicklungsländern, Fernerkundungsverfahren für die Bewirtschaftung von Ressourcen, für die Kartographie, Vorhersage von Ernteerträgen und zur Exploration von Erz- und Grundwasservorkommen
einzusetzen. Außerdem hat A.I.D. ein Satellitenprogramm für ländliche Gebiete
eingerichtet. Es gibt weniger entwickelten Ländern die Möglichkeit, mit Hilfe
kleiner Bodenstationen moderne Nachrichtensatelliten und bereits existierende
Satellitensysteme für elementare Aufgaben des Nachrichtenwesens, Informationen
zum Gesundheitswesen, Beratung der Bauern und die Ausweitung von Schul Programmen
über Funk und Fernsehen zu benutzen.
Im Jahr 1978 starteten die Vereinigten Staaten vier wichtige Satelliten
zur Umweltüberwachung: (1) Gerät zur Messung der Temperaturunterschiede bei Tag
und Nacht auf der Erdoberfläche; (2) Gerät zur Sondierung der Weltmeere; (3)
das erste Gerät der dritten Generation von Wettersatelliten; (4) den ersten
Satelliten zur Beobachtung von Umweltverschmutzung. Am 16. Juli 1982 begann mit
dem Start von LANDSAT-D eine neue Ära des Fernerkundungsprogramms LANDSAT. Die
Raumfähre COLUMBIA beendete mit ihrem vierten Flug (27. Juni bis 4. Juli 1982)
die Erprobungsphase für den Raumtransporter. Drei weitere Weltraumflugzeuge werden derzeit gebaut oder ausgerüstet. An Bord der COLUMBIA wurde bereits die

- 3 -

�bereits die Vielseitigkeit des in Kanada gebauten, ferngesteuerten Roboter"Arms"
für Transport und Positionierung von Nutzlasten im Weltraum demonstriert; eine
Anzahl von Nationen haben Plätze in der Raumfähre für ihre Nutzlasten reservieren lassen. Die interplanetare Sonde VOYAGER 2 ist jetzt auf dem Weg zum
Planeten Uranus. Die Jupitersonde GALLILEO wird 1986 gestartet. Alles in allem
wurden im Verlauf der letzten zehn Jahre enorme Fortschritte erzielt.
Themen und Programm
Auf der Konferenz UNISPACE '82 wird man internationale Gemeinschaftsunternehmen im Weltraum prüfen und sich besonders aufmerksam mit der Frage befassen,
wie mit Hilfe der Raumfahrttechnologie die wirtschaftliche Entwicklung der
ärmeren Länder der Welt gefördert werden könnte. Mehr als 20 Länder - u.a. die
USA, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Indien, Japan, Kanada und die
UdSSR - zeigen Ausstellungen. Die amerikanische Ausstellung veranschaulicht,
daß die Führungsrolle der USA in der Raumfahrttechnik den Beiträgen sowohl der
Regierung als auch des privaten Sektors zu verdanken ist. Sie steht unter dem
Motto "Zusammenarbeiten zum Wohl des Raumschiffs Erde".
Drei Hauptthemen stehen auf dem Programm von UNISPACE '82 - der Stand von
Weltraumwissenschaft und Weltraum-Technologie, deren Anwendung, dazu internationale Zusammenarbeit und die Rolle der Vereinten Nationen. Für die Erörterung
dieser Themen werden auf der Konferenz drei Komitees ernannt:
- Komitee I prüft und bewertet wichtige Entwicklungen in der Weltraumwissenschaft und stellt Pläne für künftige Forschungsprojekte auf.
- Komitee II bewertet gegenwärtige und mögliche künftige Anwendungsmöglichkeiten für die Raumfahrttechnologie in nationalen und internationalen Programmen,
wobei Erderkundung und Satelliten-Nachrichtenwesen im Vordergrund stehen. Es
untersucht Mechanismen, mit deren Hilfe alle Staaten - unter Beachtung ihres
unterschiedlichen Entwicklungsstandes, unterschiedlicher Aufnahmefähigkeit für
neue Technologien und besonderer Bedürfnisse und Prioritäten - von der Raumfahrttechnologie profitieren können. Auch der Einsatz der Raumfahrttechnologie für

- 4 -

�Raumfahrttechnologie für Bildungszwecke wird geprüft. Der Ausschuß wird sich
ferner damit befassen, inwieweit verschiedenartige Satellitensysteme, einschließlich solcher zur Erderkundung und Wetterbeobachtung, miteinander vereinbar sind und einander ergänzen können. Er wird erörtern, welche Auswirkungen
die Benutzung des geostationären Orbits (erdsynchrone Satelliten in ca.
36 000 km Höhe) hat. Schließlich wird er sich mit der erdnahen Umwelt und
Maßnahmen zu ihrem Schutz befassen.
- Komitee III befaßt sich mit Berichten über Art und Umfang bilateraler
und multilateraler Zusammenarbeit im Weltraum, prüft Aktivitäten der Vereinten
Nationen einschließlich der Frage, welche Rolle diese spielen, um zu gewährleisten, daß Raumfahrttechnologie allen Ländern zugutekommt, sowie die Rolle
anderer internationaler Organisationen, die Weltraumfragen behandeln. Außerdem
bewertet sie die Rolle aller Beteiligten am Raumfahrtprogramm, um internationale
Zusammenarbeit auf breiter Basis zu gewährleisten.

Was die USA erwarten
UNISPACE '82 kann das Verständnis auf Seiten der Regierungen und der
öffentlichkeit für die Fähigkeiten und die Probleme im Zusammenhang mit Weltraumentwicklungen verbessern. Die Konferenz kann Kontakte zwischen Personen,
die auf Regierungsebene Entscheidungen treffen, und Vertretern des privaten
Sektors ausweiten. Dies könnte sehr wohl zu umfangreicherer internationaler
Zusammenarbeit und zu neuen Programmen führen, bei denen die sie fördernden
Regierungen auf die Unterstützung anderer Regierungen und internationaler Behörden vertrauen dürfen. Sie kann helfen, mehr Gespür für Prioritäten unter den
verschiedenen Raumfahrtprojekten zu entwickeln und auf diese Weise den Zeitplan
für Raumfahrtaktivitäten aufzustellen. Durch UNISPACE '82 könnte in der ganzen
Welt das Wissen der Öffentlichkeit um bisherige Errungenschaften und künftige
Aussichten der Raumfahrttechnologie und deren Anwendung zur Verbesserung der
Lebensumstände auf dieser Erde einschneidend ausgeweitet werden.
+++++

- 5 -

�•

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21. Juli 1982

28

MEHR DETAILS VON DER ERDOBERFLÄCHE
Erderkundungssatellit LANDSAT D mit neuem Abtastgerät

- (AD) - LANDSAT D, das erste Gerät einer neuen Generation von Erderkundungssatelliten, wurde am 16. Juli 1982 von der amerikanischen Westküste aus
in eine polnahe

Erdumlaufbahn in 705 km Höhe gebracht. Neben dem "Multispectral

Scanner", einem Abtastgerät zum Erfassen von Bündeln reflektierten Lichtes von
der Erdoberfläche aus vier Spektralbereichen, der das "Auge" der drei ersten
LANDSAT-Satelliten darstellte, enthält es einen zweiten, noch wesentlich
empfindlicheren Sensor. Es ist der sog. "Thematic Mapper" (TM) als Prototyp
eines Instrumentes zur "thematischen Kartierung" des überflogenen Gebietes. Die
Frequenzbereiche seiner sieben Spektralbänder sind enger als die des "Multispectral Scanner" und ermöglichen eine viel genauere Analyse des sondierten
Gebietes.
Aufgrund der Daten, die der neue Sensor liefert, kann man z.B. Weizen und
Gerste oder Mais und Sojabohnen voneinander unterscheiden, was auf den Bildern
der bisher eingesetzten LANDSAT-Geräte praktisch unmöglich ist. Die optische
Auflösung des TM-Systems in dem jeweils 185 km breiten, aus mehreren Längs-

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�mehreren Längssegmenten bestehenden Streifen entlang der Flugbahn liegt bei
30 m (bisherige Bildauflösung: 80 m ) , so daß viel mehr Einzelheiten erkennbar
werden. Außerdem ist das Instrument in der Lage, Lichtveränderungen infolge
Wolkenbedeckung auszugleichen, zwischen Wolken und schneebedeckter Erdoberfläche zu unterscheiden, größere Meerestiefen zu erreichen und Unterschiede in
der Beschaffenheit von Böden und Gestein besser zu erfassen.
LANDSAT D liefert als erster Erderkundungssatellit Bilder in natürlicher
Farbe, während bisher eine farbige Darstellung nur aufgrund der Projektion
der ursprünglichen Schwarz-Weiß-Bilder durch Falschfarb-FiHer, den VierbandSpektralbereichen entsprechend, und durch Oberlagerung der vier farbigen Bilder
zu einem einzigen Farbbild möglich war.
Allerdings müssen sich die Wissenschaftler noch gedulden, bis die Sensoren
mit voller Leistung arbeiten. Beim Multispektral-Scanner ist dies sechs Monate
nach dem Start, beim TM-Gerät.erst 1985 zu erwarten. Denn wie Jerold Hahn, der
Leiter der Datenverarbeitung im Goddard Space Flight Center (Greenbelt, Maryland),
erklärte, sollen zunächst einmal einzelne Komponenten des TM-Systems auf ihre
"Weltraumtüchtigkeit" erprobt, die Qualität der zur Erde gefunkten Daten analysiert
und das empfangene Material von der NASA ausgewertet werden, ehe man mit dem
Sammeln von Daten für die kommerzielle Verwendung beginnt. Während der Multispektral -Scanner in etwa einem halben Jahr Daten für bis zu 133 Bilder pro Tag
liefert, dürfte vom TM-System etwa ein Jahr nach dem Start erst eine begrenzte
Tagesmenge an Bildern zu erwarten sein. Es befindet sich noch im Experimentierstadium.
Mit Ausnahme der Polregionen können LANDSAT-Satelliten die gesamte Erdober- '
fläche abtasten. Nach jeweils 16 Tagen erfassen sie wieder den gleichen (185 km
breiten) Streifen, so daß sich für die Auswertung gute Vergleichsmöglichkeiten
ergeben. Das Sammeln von Informationen beginnt, sobald von der Erdoberfläche in
dem beobachteten Streifen reflektiertes Licht von Spiegeln an Bord des Satelliten
erfaßt wird. Diese Lichtenergie wird in elektrische Signale und dann in Zahlenwerte umgesetzt und schließlich zum Goddard Space Flight Center für die erste

- 2 -

�die erste Datenverarbeitung übermittelt. Anschließend werden sie im Datenzentrum
Soioux Falls (Süddakota) vollends aufbereitet und, wenn nötig, korrigiert. In
der Form von Schwarz-Weiß-Bildern oder Farbbildern werden sie dann dem Kunden
zugeleitet.
Zu den Benutzern der LANDSAT-Informationen zählen u.a. amerikanische Regierungsbehörden, Privatunternehmen, Universitäten und Einzelpersonen. Außerdem
machen mehr als 100 Länder Gebrauch von LANDSAT-Daten, um Bodenschätze und andere
Ressourcen ausfindig zu machen. Bisher wurden die Meßwerte und Fotos z.B. für
Ernteschätzungen, Erfassung von Waldbestand, Überwachung von Schädlingsbefall
bei Wäldern und Feldern, zur Kontrolle von Staudämmen und zur Planung geologischer Exploration benutzt. Die im Juli 1972 und Januar 1975 gestarteten ersten
beiden LANDSAT-Geräte wurden inzwischen abgeschaltet. LANDSAT 3, gestartet im
März 1978, wird bis März 1983 "im Dienst" bleiben und dann nur noch als Reservegerät eingesetzt, falls bei LANDSAT D Betriebsschwierigkeiten auftreten. Sollte
letzterer ganz ausfallen, kann innerhalb eines Jahres ein gleichgeartetes
zweites Gerät starten. Die "Lebensdauer" ist mit drei Jahren angesetzt, jedoch
erwiesen sich die Geräte in der Praxis länger funktionsfähig. Das LANDSAT-Programm gilt als eines der erfolgreichsten der NASA, insbesondere in bezug auf
seine internationale Bedeutung und die Nützlichkeit der damit erzielten
Informationen.

Direktempfang von Satellitendaten
In einigen Ländern - Australien, Argentinien, Brasilien, China, Indien,
Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Südafrika, Schweden und Thailand - können
LANDSAT-Daten direkt empfangen werden. Die Bodenstationen werden unabhängig
von der NASA gebaut und betrieben. Jedoch geschieht dies im Rahmen eines
offiziellen Abkommens der NASA mit dem betreffenden Land. Auch gibt es bestimmte
Vorschriften für Benutzer, die beispielsweise der NASA in bestimmten Situationen
Priorität bei den Dienstleistungen der Empfangsstation einräumen. Die Benutzungsgebühr für LANDSAT-Geräte wird jedes Jahr neu festgesetzt; gegenwärtig
beträgt sie 200 000 Dollar. In zweimal jährlich abgehaltenen Konferenzen werden
die Aktivitäten der zuständigen Stellen aufeinander abgestimmt, die Gebühren
- 3 -

�die Gebühren

und Dienstleistungen besprochen. In den Vereinigten Staaten

wurden in Fairbanks (Alaska) und Goldstone (Kalifornien) Bodenstationen eingerichtet. Jedoch ist Sioux Falls Hauptempfänger und Verteiler der LANDSAT-Daten.
Diese Daten werden nicht nur in Form von Bildern, sondern auch auf Magnetband gespeichert (zur Verwendung in Computern) an die Abonnenten und Kunden
weitergegeben. Im Jahr 1981 kamen, wie Gary Metz, Leiter der Abteilung Systementwicklung des Datenzentrums Sioux Falls, berichtet, die meisten Anfragen aus
dem Ausland. Von allen Fotos und Bändern wurden 37 Prozent an ausländische Benutzer verkauft. Dies machte 33 Prozent der Einkünfte im vergangenen Jahr aus.
Etwa 31 Prozent der Einkünfte entfielen auf Bestellungen der Industrie, 19 Prozent auf Bestellungen von amerikanischen Regierungsbehörden (z.B. US-Innenministerium und US-Landwirtschaftsministerium), acht Prozent auf Universitäten,
fünf Prozent auf Bestellungen von Einzelpersonen und vier Prozent auf Benutzer
in Behörden amerikanischer Bundesstaaten und kommunaler Stellen.
Im Jahr 1983 geht der Betrieb des Datenzentrums von der NASA an die
Nationale Behörde für Meere und die Atmosphäre (NOAA) über, die dann auch für
sämtliche Betriebskosten aufkommen muß. Da die gegenwärtigen Einkünfte nicht
kostendeckend sind, müssen ab Oktober 1982 sowohl die LANDSAT-Benutzungsgebühren
für die ausländischen Stationen als auch die Gebühren für Dienstleistungen angehoben werden. So kostet dann ein Schwarz-Weiß-Foto nicht mehr zehn, sondern
30 Dollar, ein Magnetband für Computerauswertung 650 anstatt 300 Dollar. Aus
einem Katalog sind die aufgenommenen Gebiete und die Art der dafür vorliegenden
Daten ersichtlich. Der Benutzer gibt an, welches Gebiet und welche Art von
Daten oder anderen Informationen er wünscht, beispielsweise unter welchem
Lichteinfallswinkel die Aufnahmen erstellt sein sollen. Die Anforderungen gehen .
an das Goddard Space Flight Center als Flugleitzentrale für das LANDSAT-Programm,
die auch die Ausrichtung des Geräts in der Umlaufbahn kontrolliert und die
Scanner den Wünschen entsprechend einstellen kann. Etwa 14 Tage nach Aufnahme
der angeforderten Gebiete werden die Fotos oder Magnetbänder dem Besteller zugesandt.
+++++

- 4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anhörung für die Bestätigung von US-Außenminister Shultz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung am 13. Juli 1982 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;MBFR, Europa und die Sicherheit des Bündnisses: Die Perspektiven der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von US-Botschafter Staar in München -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rostow fordert Osten zu Flexibilität bei MBFR-Verhandlungen auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen vollständiges Verbot von chemischen Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Admiral Howe -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Landwirtschaftsminister hält Getreideabkommen mit Moskau für möglich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweite UN-Konferenz über friedliche Nutzung des Weltraums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA erwarten umfangreichere internationale Zusammenarbeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Details von der Erdoberfläche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erderkundungssatellit LANDSAT D mit neuem Abtastgerät -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. J u l i 1982

27
INHALT

DOKUMENTATION
MBFR-Vertragsentwurf vermindert Kriegsrisiko in Mitteleuropa
- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Washington US-Delegierter: Amerika weiterhin dem Frieden und der Abrüstung
verpflichtet
- Erklärung zum Abschluß der UN-Abr'üstungssondersitzung Das amerikanische Nein zum UN-Seerechtsvertrag
- Erklärung des Präsidenten US-Raumfahrt im kommenden Jahrzehnt
- Erläuterungen des Weißen Hauses zum neuen Programm WIRTSCHAFT
Die amerikanischen Handelsbeziehungen mit Europa
- Rede von US-Unterstaatssekretär Waldmann vor der Amerikanischen
Handelskammer in München HINTERGRUNDMATERIAL
Die Entscheidungsbefugnis in der amerikanischen Außenpolitik
Die sowjetische Friedensbewegung
Amerikas Vertreter bei den UN-Stellen in Genf fordert die Weltorganisation zu Leistungssteigerungen auf
Für Afghanistans Freiheitskämpfer ist das Radio Brücke zur Außenwelt
- Von Edward Girardet, Sonderkorrespondent des Christian Science Monitor

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren
w i r d gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�14. Juli 1982

27

MBFR-VERTRAGSENTWURF VERMINDERT KRIEGSRISIKO IN MITTELEUROPA
- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Der am 8. Juli 1982 vom Westen vorgelegte Vertragsentwurf für eine Höchstgrenze der Land- und Luftstreitkräfte der NATO und des
Warschauer Paktes auf 900 000 Mann ist nach amerikanischer Auffassung ein Anreiz für die Sowjetunion, in den seit neun Jahren andauernden TruppenabbauVerhandlungen zu einem Fortschritt zu gelangen.

Der Vertragsentwurf der west-

lichen Seite, der auf eine Abrüstungsinitiative von Präsident Reagan vor dem
Deutschen Bundestag zurückgeht, wurde am 8. Juli von dem Leiter der Delegation
der Bundesrepublik Deutschland, Botschafter Dr. Walter Boss, auf den Wiener
Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Europa (MBFR) unterbreitet.
Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung
(ACDA), Eugene Rostow, erklärte dazu am 8. Juli 1982 in Washington, der Vertrag könne, wenn er vom Warschauer Pakt akzeptiert werde, das Risiko eines
Krieges in Mitteleuropa

verringern.

Die Erklärung Rostows hat folgenden Wortlaut:
Präsident Reagan

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Präsident Reagan hat in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag in Bonn
am 9. Juni erklärt, daß das Bündnis einem neuen Vorschlag zugestimmt hat, der
den Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Mitteleuropa (MBFR) neues Leben einhauchen soll.
Auf ihrem kürzlichen Gipfeltreffen gaben die Führer der NATO bekannt,
daß die westlichen Teilnehmer von MBFR in Kürze einen neuen Vertragsentwurf
vorlegen werden, der einen neuen .umfassenden Vorschlag enthält, der dazu dienen soll, diesen Verhandlungen neuen Schwung zu verleihen und das seit langem
bestehende Ziel der Förderung von Stabilität und Sicherheit in Europa zu erreichen.
Heute vormittag hat der Westen in der Wiener Hofburg, wo die MBFR-Plenarsitzungen stattfinden, seinen Vertragsentwurf formell unterbreitet.

Diese

neue Initiative ist das Ergebnis einer Anstrengung dieser Administration, einen
Weg zur Rüstungskontrolle in der Frage der konventionellen Streitkräfte in
Mitteleuropa zu erschließen, der wesentliche Verringerungen vorsieht - Verringerungen, die - wenn sie verwirklicht werden - das Risiko eines Krieges
in Mitteleuropa verringern könnten.

Die amerikanische Delegation in Wien steht

unter Leitung von Botschafter Richard Staar.
Wie der Präsident in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag unterstrichen
hat, stellt dieser neue westliche Vorschlag für Verringerungen der konventionellen Streitkräfte eine wichtige Ergänzung zu früheren amerikanischen Initiativen bei den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) und den
Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START), dar,
die beide gegenwärtig in Genf stattfinden.
Damit hat das von Präsident Reagan in seiner Rede am 18. November vorigen
Jahres eingeleitete umfassende Rüstungskontroilprogramm jetzt seinen Höhepunkt
in drei spezifischen Vorschlägen in den drei angegebenen Kategorien gefunden.
All diese Vorschläge entsprechen den in jener Rede dargelegten Kritierien:
Es muß sich um wesentliche, militärisch bedeutsame Verringerungen der Streitkräfte handeln; es muß gleiche Höchstgrenzen für vergleichbare Arten von
- 2 -

�Arten von Streitkräften geben, und es müssen ausreichende Bestimmungen für
die Verifizierung gegeben sein.
Das Hauptziel des Westens bei den MBFR-Verhandlungen besteht weiterhin
in der Herstellung einer Parität auf wesentlich niedrigerer Ebene der Streitkräfte in Mitteleuropa.
Derzeit hat der Warschauer Pakt etwa 170 000 Mann mehr an Landstreitkräften in Mitteleuropa als der Westen.

Diese Ungleichheit ist einer der

destabilisierendsten Faktoren der militärischen Lage in Europa.

Die Besei-

tigung dieser Situation durch die Schaffung einer Parität könnte die Fähigkeit zu einer plötzlichen Aggression verringern und damit das Risiko eines
Krieges, einschließlich eines Atomkrieges, in Europa vermindern.
Die neue Initiative unterscheidet sich von früheren Vorschlägen des
Westens dahingehend, daß sie auf ein umfassendes Abkommen abzielt, in dem
alle direkt Beteiligten von Anfang an eine rechtlich bindende Verpflichtung
eingehen würden, die von jeder Seite geforderten Verringerungen vorzunehmen,
um den kollektiven Höchststand von 700 000 Mann Landstreitkräfte für jede
Seite zu erreichen.
Diese Verringerung würde in Phasen stattfinden und wäre in sieben Jahren
abgeschlossen.

Jede Phase würde voll verifiziert. Mit diesem neuen Ansatz

würde der Westen stärkere Verringerungsverpflichtungen übernehmen, als wir
bisher je vorgeschlagen haben.
Der westliche Standpunkt, daß sich die Seiten vor der Unterzeichnung
eines Vertrages auf die Zahl der Soldaten einigen müssen, die sich gegenwärtig in dem Reduktionsgebiet befinden und der Reduktion unterliegen, hat sich
nicht geändert. Ohne eine Übereinkunft über die Zahl der Truppen, die verringert und begrenzt werden sollen, wäre ein MBFR-Vertrag weder verifizierbar noch durchsetzbar. Nach dem Vertragsentwurf würde der Ausgangsstand der
Streitkräfte beider Seiten zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Vertrages
festgelegt.
Der westliche

�Der westliche Vertragsentwurf enthält das Paket Vertrauensbildender
Maßnahmen und Verifizierungsmaßnahmen, das der Westen 1979 vorgeschlagen
hat.

Diese Maßnahmen sollen dazu dienen, die Verifizierung von Verringerun-

gen und Begrenzungen zu erleichtern und die Sicherheit und Stabilität zu fördern, indem sie die Risiken von Fehleinschätzungen und Fehlkalkulationen verringern.
Alles in allem stellt der vom Westen in Wien unterbreitete Vertragsentwurf die östlichen Argumente und Interessen in Rechnung und erfüllt gleichzeitig die Forderung dieser Administration, daß Rüstungskontroi labkommen
zu echten Reduzierungen auf gleiches Niveau führen müssen.

Er bietet die

Chance, bei den Verhandlungen zu konkreten Ergebnissen zu kommen, indem die
vereinbarten Ziele der Förderung von Stabilität und Sicherheit in Europa näher
gerückt und unsere Bemühungen in den anderen Rüstungsverminderungsverhandlungen ergänzt werden.
Es ist zum erstenmal, daß ein westlicher Vorschlag bei den MBFR-Verhandlungen in der Form eines Vertragsentwurfes vorgelegt wurde. Genau das
unterstreicht den ernsthaften Verhandlungswillen und die Bereitschaft des
Westens, zu wesentlichen Verringerungen zu gelangen.

+ + + + +

- 4 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

14. Juli 1982

US-DELEGIERTER: AMERIKA WEITERHIN DEM FRIEDEN UND DER
ABRÜSTUNG VERPFLICHTET
- Erklärung zum Abschluß der UN-Abrüstungssondersitzung

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Delegierte auf
der Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstungsfragen, Edwin Feulner,
hat mit Nachdruck unterstrichen, daß die USA sich auch weiterhin der Arbeit
für den Frieden und für eine "echte internationale Abrüstungskampagne" verpflichtet fühlen.

Zum Abschluß der Konferenz sagte der amerikanische Dele-

gierte am 10. Juli 1982, Amerika werde trotz des Scheiterns der Sondersitzung
auch in Zukunft das Ziel eines dauerhaften Friedens anstreben.

Es seien zwar

Fortschritte gemacht worden, so erklärte er, aber die große Aufgabe sei unerledigt geblieben.

"Wir alle haben die Gültigkeit des Schlußdokumentes be-

kräftigt und uns zu erneuten Anstrengungen für die Abrüstung verpflichtet."
Die Erklärung Feulners hat folgenden Wortlaut:
Meine Delegation hat sich aktiv an diesen entscheidend wichtigen Diskussionen beteiligt.

Wir sind der Überzeugung, daß die auf dieser Sitzung abge-

gebenen Erklärungen nüchtern geprüft und nicht nur als weiterer rhetorischer
Austausch angesehen werden sollten.
Aufgrund unseres

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Aufgrund unseres Eintretens für diese Sitzung hat Präsident Reagan am
17. Juni hier vor diesem Gremium gesprochen, und deshalb setzte sich unsere
Delegation auch aus Senatoren und Abgeordneten beider politischer Parteien
sowie aus Vertretern anderer Bereiche unseres öffentlichen Lebens zusammen.
Weil wir einen anhaltenden Konsens über diese lebenswichtigen Fragen von
Krieg und Frieden erreichen wollten, haben wir - zusammen mit vielen anderen
Delegationen - bis lang in die Nacht hinein gearbeitet.
Leider war es uns nicht möglich, jenen vollen Konsens zu erreichen, auf
den wir alle so sehr gehofft hatten.

Aber wir werden auch weiterhin in die-

sem Forum sowie in anderen Gremien das Ziel eines dauerhaften Friedens anstreben.
Wenn wir auf die letzten Wochen zurückblicken, dann müssen wir unsere Erfolge und Fehlschläge sehen und sorgfältig die Aufgaben im Auge behalten, die
wor uns liegen. Aber zuerst müssen wir die Lehren der Vergangenheit überprüfen.
Im Jahr 1978 erstellte die erste Sonderkonferenz ein Schlußdokument, das
zahlreiche Bestrebungen der Weltgemeinschaft beinhaltete.

Aber warum konnten

wir auf dieser Sondersitzung nicht zu einem Konsens hinsichtlich der Verwirklichung dieses Dokumentes gelangen?
Lassen Sie uns noch einmal eine geschichtliche Bilanz ziehen. Kurz nach
der ersten Sondersitzung verletzte eine der Großmächte die grundlegendsten
Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen und marschierte in einen bündnisfreien Nachbarstaat ein. Dieses unglückliche Land ist seitdem besetzt. In
Südostasien dauert ein Aggressionskrieg an; andere regionale Konflikte gehen
unvermindert fort; die Subversion wird nach Mittelamerika, Afrika und in andere Gebiete exportiert, und in Osteuropa wird das Streben nach Freiheit immer noch unterdrückt. Kurzum: Die Welt lebt in wachsendem Maße in Furcht.
Kein Wunder also, daß die Verwirklichung der hehren Ziele des Schlußdokumentes
ein ferner und illusorischer Traum geblieben ist.
Angesichts ihrer Verletzung der heiligsten Grundsätze der Charta seit
der ersten Sondersitzung ist es nicht überraschend, daß sich einige Länder ge- 2 -

�Länder gegen jene Passagen wandten, in denen diese Ereignisse der vergangenen
vier Jahre noch einmal aufgeführt wurde.
Aber jetzt müssen wir in die Zukunft blicken.

Das Hauptanliegen dieser

Konferenz war es - wie Präsident Reagan sagte -, "einen Kurs für realistische
und wirksame Maßnahmen bei der Suche nach Frieden abzustecken", ein umfassendes Abrüstungsprogramm zu erarbeiten.

Es wurden zwar Fortschritte erzielt,

aber die Aufgabe als Ganzes bleibt unerledigt. Wir alle haben die Gültigkeit
des Schlußdokumentes bekräftigt und uns zu erneuten Anstrengungen für den Frieden verpflichtet.

Für die Vereinigten Staaten bestätige ich diese Verpflich-

tung heute erneut.
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihre Leistungen auf dem Gebiet der
Abrüstung.

Kein anderes Land hat aktiver den Fortschritt auf diesem Felde an-

gestrebt.

Präsident Reagan hat ein klares Programm unterbreitet, das sich mit

den dringendsten und gefährlichsten Problemen befaßt. Wir haben echte und
militärisch bedeutsame Rüstungsverminderungen gefordert, insbesondere auf dem
Gebiete der Kernwaffen.

Wir haben eine Eindrittel-Reduzierung der strategischen

ballistischen Gefechts köpfe, die Abschaffung aller landgestützten Mittelstrekkenraketen und neue Sicherheiten für die Beseitigung des Risikos eines Krieges
durch Zufall gefordert.
Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erst
gestern einen umfassenden Vertragsentwurf bei den Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung in Wien unterbreitet.

Dieser

Vorschlag fordert eine wesentliche Reduzierung der Landstreitkräfte auf beiden
Seiten sowie die Verwirklichung eines Paktes damit verbundener Vertrauensbildender und Verifizierungsmaßnahmen.

Bei all diesen Verhandlungen haben wir we-

der unverifizierbare Maßnahmen noch bedeutungslose Rhetorik geboten, sondern
konkrete Vorschläge für wesentliche Reduzierungen der Rüstungen und der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterbreitet.
Lassen Sie sich nicht täuschen: Wir sind mit der gegenwärtigen internationalen Situation nicht zufrieden und haben die Absicht, unseren Beitrag zum
Frieden und zur Stabilität auf diesem kleinen Planeten zu leisten.
Auf dieser
- 3 -

�Auf dieser Sondersitzung haben wir uns mit der wichtigsten Fragen befaßt,
vor die sich die Menschheit gestellt sieht:

Wie der Krieg zu verhindern ist,

oder - um es positiver auszudrücken - wie ein sicherer Friede erreicht werden
kann.

Bedauerlicherweise gibt es keine Formel und kein sofort wirksames All-

heilmittel, um den Frieden zu erreichen, den wir alle so dringend wünschen; er
kann nicht durch Ausschüsse oder durch Resolutionen herbeidiktiert werden.
So haben wir beispielsweise endlose Wiederholungen eines Landes gehört,
daß es sich verpflichtet habe, auf einen "Ersteinsatz" zu verzichten.

Unsere

Politik geht weit über diese Verpflichtung hinaus. Wie die Führer der NATO erklärt haben, "wird keine unserer Waffen jemals eingesetzt werden, außer als
Antwort auf einen Angriff".

Dies ist unsere Verpflichtung und unsere Politik.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges hat diese Abschreckungsmacht den Frieden erhalten.
Aber wir glauben, daß es einen besseren Weg gibt, und wir werden auch weiterhin nach diesem Weg suchen, so wie wir dies auf dieser Sitzung getan haben.
Während der vergangenen Wochen haben wir konkrete Vorschläge und Initiativen
zu einem weiten Bereich von Fragen unterbreitet.
Wir haben uns einer echten internationalen Abrüstungskampagne verpflichtet.
Wir glauben, es ist entscheidend, daß Informationen über Abrüstungsfragen offen
und weltweit verfügbar sein müssen, übermäßige Geheimhaltung kann nur Mißtrauen
und Mißverständnisse unter den Völkern dieser Welt hervorrufen. Eine solche Geheimhaltung ist ein wahrer Feind friedlicher Beziehungen unter den Völkern. Die
Vereinigten Staaten machen als offene Gesellschaft große Mengen an Information
über bedeutende Fragen von Krieg und Frieden öffentlich verfügbar.
Wir machen uns keine Illusionen über die ernsthaften Hindernisse, die in
der Vergangenheit dem Ziel eines freien Informationsflusses im Wege standen.
Wir sind uns sehr wohl der Tatsache bewußt, daß, während Hundertausende auf den
Straßen New Yorks und anderer Städte der Welt offen und friedlich für die Abrüstung demonstrierten, sieben Menschen in der Hauptstadt einer anderen Großmacht verhaftet wurden, weil sie ein Plakat entfalteten, auf dem "Brot, Leben
und Abrüstung" gefordert wurden. Es ist bedauerlich festzustellen, daß diese
- 4 -

�daß diese Worte als "staatsfeindlich" angesehen werden, wenn sie innenpolitisch benutzt werden, aber als Politik des Staates gelten, wenn sie auf internationaler Ebene verwendet werden.
Wir sind ermutigt, daß wir einen Konsens hinsichtlich des Mandates für
eine Kampagne erreicht haben, die "eine Diskussion und eine Debatte in allen
Ländern über alle Gesichtspunkte fordert, die sich auf Abrüstungsfragen beziehen".

Wir müssen nun herausfinden, wie dieses hehre Ziel in ein konkretes Ak-

tionsprogramm umgewandelt werden kann.
In diesem Geist hat Präsident Reagan Präsident Breschnew und sowjetischen
Journalisten die Möglichkeit angeboten, sich in unserem Fernsehen hinsichtlich
der lebenswichtigen Fragen von Frieden und Abrüstung an das amerikanische Volk
zu wenden, wenn umgekehrt die Möglichkeit besteht, sich an das sowjetische Volk
zu wenden. Auf dieser Sitzung haben wir konkrete Vorschläge für ähnliche multilaterale Diskussionen und regionale Seminare überall auf der Welt unterbreitet.

Wir glauben, daß eine informierte Weltöffentlichkeit der beste Garant

für Frieden und Verständnis unter den Völkern ist.
Zusätzlich zu unseren Vorschlägen hinsichtlich der internationalen Abrüstungskampagne haben wir weitere konkrete Initiativen auf dieser Sitzung unterbreitet.
In den letzten Jahren erfährt die Welt immer wieder von beunruhigenden Berichten
über Konflikte, in denen gegen Menschen in entfernten Teilen der Erde Toxine
sowie andere tödliche chemische Waffen eingesetzt werden.
Unglücklicherweise blieben die Grenzen dieser Länder der Weltöffentlichkeit verschlossen. Wir haben daher dringend darum ersucht, daß die Vollversammlung die sowjetische Regierung sowie die Regierungen von Laos und Vietnam auffordert, vollen und freien Zugang zu Gebieten zu gewähren, aus denen chemische
Angriffe gemeldet worden sind, so daß die Expertengruppe der Vereinten Nationen
eine unparteiische Untersuchung durchführen kann.
Wir haben auch die Einberufung einer internationalen Konferenz über Militürausgaben gefordert.

Eine solche Konferenz könnte sich auf frühere Bemühun-

gen der UN stützen, die auf ein weltweites Berichts- und Bewertungssystem in
bezug auf die Militärausgaben ausgerichtet waren.
Während meine
- 5 -

�Während meine Regierung in der Vergangenheit volle Rechenschaft über unsere Militärausgaben abgelegt hat und dies auch in Zukunft tun wird, haben andere bedauerlicherweise alle Bemühungen der Vereinten Nationen auf diesem Gebiet abgelehnt. Wenn viele von uns dies auch gerne tun würden, so können wir
doch nicht die traurige Litanei von Statistiken über militärische Ausgaben
während der vergangenen zehn Jahre ignorieren.
Die erschreckende Realität stark angewachsener Militärhaushalte ist von
anerkannten Zentren für Abrüstung in aller Welt dokumentiert worden. Und doch
hat während der vergangenen zehn Jahre eine Supermacht der Weltgemeinschaft
eine offenkundig lächerliche Zahl für ihre Militärhaushalte genannt. Diese
von aller Welt in Zweifel gezogene Zahl unterstreicht die Notwendigkeit für
eine internationale Konferenz über Militärausgaben.
Lassen Sie
bringen für die
vorstanden, und
diese Konferenz
geleitet hat.

mich zum Schluß die Bewunderung meiner Delegation zum Ausdruck
Art und Weise, wie Sie Botschafter Adeniji dieser Konferenz
unseren aufrichtigen und tiefempfundenen Dank Ihnen sagen, der
mit Einfühlungsvermögen, Hingabe und vor allem mit Klugheit

Wenn wir nun die Arbeit dieser zweiten Sondersitzung über Abrüstung beenden, dann beeindruckt mich erneut die riesige Aufgabe, der wir uns gegenübersehen. Niemals waren so wenige verantwortlich für das Schicksal so vieler.
Diese Verantwortung dürfen wir niemals vergessen und ihr dürfen wir nicht ausweichen bei unserer Suche nach einem wahren und dauerhaften Frieden.

+ + + + +

- 6 -

�27

14. Juli 1982

DAS AMERIKANISCHE NEIN ZUM UN-SEERECHTSVERTRAG
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD)- In einer Erklärung vom 9. Juli 1982 machte Präsident
Reagan deutlich, daß die Vereinigten Staaten den von der 3. UN-Seerechtskonferenz am 30. April 1982 verabschiedeten Vertrag nicht unterzeichnen werden.
Sie folgte einer umfassenden Oberprüfung des Vertrags durch die amerikanische
Regierung, wobei auf folgende Schwachstellen des Vertrags hingewiesen wurde:
Zum einen werden jene Vertragsteile, die sich mit dem Tiefseebergbau
beschäftigen, den amerikanischen Zielvorstellungen nicht gerecht, wie sie im
vergangenen Januar von der US-Regierung formuliert wurden; außerdem würden
Bestimmungen das Inkrafttreten von Gesetzeszusätzen ermöglichen, die die
Vereinigten Staaten ohne deren Zustimmung betreffen würden; schließlich könnten auch nationale Befreiungsbewegungen bestimmter Vorteile teilhaftig werden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten sind sich seit langem der entscheidenden Bedeutung der Weltmeere für die Menschheit sowie internationaler Abkommen über die

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�über die Behandlung dieser Meere bewußt,

über ein Jahrzehnt lang haben die

Vereinigten Staaten mit über 150 Staaten auf der 3. UN-Seerechtskonferenz zusammengearbeitet, um einen umfassenden Vertrag zu erstellen.
Am 29. Januar-dieses Jahres habe ich erneut die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu einem multilateralen Verfahren bekräftigt, um zu einem
solchen Vertrag zu kommen, und habe angekündigt, daß wir mit dem Ziel in
die Verhandlungen gingen, jenen Teil des Vertragsentwurfs zu korrigieren,
der für uns unannehmbare Elemente des Tiefseebergbaus enthält.

Ich erklärte

zugleich, daß meine Administration die Ratifizierung eines Vertrags unterstützen würde, der sechs grundlegenden Zielsetzungen entsprechen würde.
Am 30. April nahm die Konferenz einen Vertrag an, der die von den Vereinigten Staaten angestrebten Zielsetzungen nicht nennt. Er wurde mit 130
Stimmen angenommen, wobei vier dagegen waren (einschließlich der Vereinigten
Staaten) und 17 sich der Stimme enthielten. Diejenigen, die mit "Nein" stimmten oder sich der Stimme enthielten, scheinen nur wenige zu sein, aber es handelt sich um Länder, die über 60 Prozent des Bruttosozialproduktes dieser Erde erstellen und deren Beiträge zu den Vereinten Nationen mehr als 60 Prozent
ausmachen.
Wir haben inzwischen eine Überprüfung des Vertrags durchgeführt und
stellen fest, daß er viel positive und sehr bedeutsame Aspekte enthält. Die
umfangreichen Teile, die sich mit dem Schiffsverkehr und überflugproblemen
beschäftigen, sind - genau wie die meisten anderen Bestimmungen des Vertrages - in Einklang mit den Interessen der Vereinigten Staaten und dienen aus
unserer Sicht den Interessen aller Nationen. Dies ist eine bedeutende
Leistung und ist Beweis für den Vorteil von Zusammenarbeit und wirkungsvollem Interessenausgleich. Die Vereinigten Staaten würdigen auch die Anstrengungen vieler Staaten, die mit uns auf ein annehmbares Abkommen hingearbeitet
haben - einschließlich der Anstrengungen von Freunden und Verbündeten während der Sitzungsperiode, die am 30. April zu Ende ging.
Unsere Überprüfung
- 2 -

�Unsere Überprüfung hat jedoch ergeben, daß der Vertragsteil über Tiefseebergbau den amerikanischen Zielvorstellungen nicht gerecht wird.

Aus

diesem Grund kündige ich heute an, daß die Vereinigten Staaten den Vertrag,
wie er von der Konferenz angenommen wurde, nicht unterzeichnen werden, und daß
unsere Teilnahme an dem verbleibenden Konferenzteil sich auf das technische
Niveau beschränken und nur jene Bestimmungen betreffen wird, die den Interessen der Vereinigten Staaten entsprechen.
Diese Entscheidungen spiegeln die tiefe Überzeugung wider, daß die Vereinigten Staaten keine Regelung des Tiefseebergbaus unterstützen können,
der solch große Probleme innewohnen. Aus unserer Sicht umfassen diese Probleme
- Bestimmungen, die eine künftige Erschließung der mineralischen
Ressourcen der Tiefsee behindern würden, obgleich eine solche Entwicklung
den Interessen aller Staaten dienen würde;
- einen Entscheidungsfindungsprozeß, der den Vereinigten Staaten und auch
anderen Ländern nicht die Rolle zugestehen würde, durch die ihre Interessen
fair widergespiegelt und geschützt würden;
- Bestimmungen, die das Inkrafttreten von Gesetzeszusätzen ermöglichen
würden, die die Vereinigten Staaten ohne deren Zustimmung betreffen würden.
Dies ist eindeutig gegen die Haltung der Vereinigten Staaten in bezug auf Verträge dieser Art;
- Klauseln, die sich auf einen erzwingbaren Übergang von privater Technologie sowie auf die Möglichkeit beziehen, daß nationale Befreiungsbewegungen bestimmter Vorteile teilhaftig werden;
- das Fehlen des garantierten Zugangsqualifizierter Tiefseebergleute
zur Förderung der Entwicklung dieser Ressourcen auch in Zukunft.
Wir sehen,

�Wir sehen, daß Weltnachfrage und Weltmärkte derzeit nicht die kommerziel
le Entwicklung der mineralischen Ressourcen der Tiefsee rechtfertigen und daß
nicht klar ist, wann eine solche Entwicklung gerechtfertigt ist. Sollte es
hierzu jedoch kommen, so würde die Tiefsee eine potentiell wichtige Quelle
für strategische und andere Minerale werden. Es ist das Ziel der Vereinigten
Staaten in dieser Hinsicht, gemeinsam mit anderen Nationen eine Ordnung zu
entwerfen, die Exploration und Entwicklung unter vernünftigen Bedingungen ermöglicht.

+ + + + +

�27

14. Juli 1982

US-RAUMFAHRT IM KOMMENDEN JAHRZEHNT
Erläuterungen des Weißen Hauses zum neuen Programm

- (AD) - Präsident Ronald Reagan kündigte ein neues raumfahrtpolitisches
Programm der Vereinigten Staaten an, in dem der Raumtransporter ("Space Shuttle")
eine Schlüssel rolle spielen wird.

In den jetzt vom Weißen Haus veröffentlich-

ten Erläuterungen zu dieser Politik, die auf den Ergebnissen einer zehnmonatigen Überprüfung der bei allen zuständigen Behörden und Organisationen laufenden
Programme basiert, sind die wichtigsten Punkte dargelegt:

Stärkung der Sicher-

heit der Vereinigten Staaten, Wahrung der amerikanischen Führungsrolle in der
Raumfahrt, Nutzbarmachung des Weltraums zugunsten von Wirtschaft und Wissenschaft sowie Förderung der Zusammenarbeit mit anderen Nationen in der Raumfahrt.
Es sind zwei getrennte, aber "stark ineinandergreifende" Programme vorgesehen - das eine auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit, das andere auf dem
nicht-militärischen Sektor.

Der Raumtransporter STS wird wichtigstes Träger-

gerät zur Durchführung von Projekten aus beiden Gebieten sein.

Seine Weiter-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 08-85432

�Seine Weiterentwicklung ist Aufgabe des US-Bundesamtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) in Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium.

In das

System samt seinen Startanlagen sind auch Feststoffraketen als STS-Oberstufen
einbezogen, mit denen z.B. Nutzlasten wie unbemannte Satelliten aus dem
niedrigen Orbit des Raumtransporters auf die wesentlich höher liegende Bahn
katapultiert werden können, auf der die meisten Nachrichtensatelliten die
Erde umkreisen.
Die Vereinigten Staaten sehen sich der Erforschung und Nutzbarmachung
des Weltraums für friedliche Zwecke durch alle Nationen verpflichtet und
lehnen jedwede Souveränitätsansprüche eines Staates auf den Weltraum ab.
Das STS-System voll arbeitsfähig und wirtschaftlich für den RoutineZugang zum Weltraum zu machen,

sei jetzt eine vorrangige Aufgabe des Space

Shuttle-Programms, heißt es in den Erläuterungen.

STS werde jener Grad an

Existenzfähigkeit und Sicherheitsschutz zuerkannt, der für wichtige nationale
Ressourcen im Weltraum erforderlich sei. Missionen im Interesse der nationalen Sicherheit haben bei den Starts Priorität.
Das zivile Raumfahrtprogramm soll dazu dienen, die Erkenntnisse über die
Erde und ihre Umwelt, das Sonnensystem und Universum zu erweitern und auf einzelnen Gebieten Anwendungsmöglichkeiten der Raumfahrttechnik für zivile Zwecke
zu entwickeln. Die Erfordernisse und Technologien für den Aufbau permanenter
Raumstationen werden auch künftig untersucht. Die Einsatzmöglichkeiten von
Trägersystemen stehen allen amerikanischen, ausländischen, kommerziellen oder
regierungsamtlichen Benutzern zur Verfügung, die geeignete wissenschaftliche
oder technologische Nutzlasten in den Weltraum entsenden wollen.
Die Vereinigten Staaten sondieren weiterhin Maßnahmen zur Kontrolle von
Weltraumwaffen, um ein Verbot oder die Begrenzung der Erprobung und der Stationierung spezieller Waffensysteme zu erreichen. Sie werden ein SatellitenAbwehrsystem entwickeln, damit der Bedrohung eigener Raumfahrtsysteme und
der ihrer Verbündeten begegnet werden kann.
Es folgen
- 2 -

�Es folgen Auszüge aus den vom Weißen Haus veröffentlichten Erläuterungen:
Der Präsident kündigte eine nationale Raumfahrtpolitik an, die die Richtung der Bestrebungen der Vereinigten Staaten im Weltraum im kommenden Jahrzehnt festlegt.

Die Politik ist das Ergebnis einer interbehördlichen Über-

prüfung, um die der Präsident im August 1981 ersuchte.

Die zehnmonatige Über-

prüfung umfaßte eine gründliche Analyse aller Teile des nationalen Raumfahrtprogramms.

Ihr Hauptziel war es, einen brauchbaren politischen Rahmen für ein

aggressives, weitsichtiges Weltraumprogramm zu schaffen, das mit den nationalen
Zielen der Administration vereinbar ist.
Ergebnis: Die Direktive des Präsidenten bekräftigt die nationale Verpflichtung zur Erforschung und Nutzung des Weltraums zum Wohle der Nation und
setzt für die Weltraumpolitik der Vereinigten Staaten die Grundziele unter
folgenden Aspekten fest:
- Stärkung der Sicherheit der Vereinigten Staaten;
- Wahrung der Führungsrolle der Vereinigten Staaten im Weltraum;
- Erlangung von wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Fortschritt aus
der Nutzung des Weltraums;
- Ausweitung der Investitionen und der Beteiligung von privater Seite in
den Vereinigten Staaten an der zivilen Raumfahrt und an damit verwandten Aktivitäten;
- Förderung internationaler Gemeinschaftsaktivitäten im nationalen Interesse; und
- Zusammenarbeit mit anderen Nationen bei der Erhaltung der Freiheit von
Aktivitäten im Weltraum, die die Sicherheit und das Wohl aller Menschen fördern.
Die der Abwicklung des Raumfahrtprogramms der Vereinigten Staaten zugrundeliegenden Prinzipien sind, wie in der Direktive ausgeführt, folgende:
- Die Vereinigten Staaten sind der Erforschung und Nutzung des Weltraums
durch alle Nationen für friedliche Zwecke und zum Wohle der Menschheit verpflichtet.

Friedliche Zwecke erlauben Aktivitäten zur Verfolgung von Zielen
- 3 -

�von Zielen der nationalen Sicherheit.
- Die Vereinigten Staaten weisen jedwede Souveränitätsansprliche eines
Staates auf den Weltraum oder auf Himmelskörper oder Teile davon zurück und
lehnen jegliche Begrenzung des Grundrechtes, Daten aus dem Weltraum zu erlangen, ab.
- Die Vereinigten Staaten betrachten die Raumfahrtsystemte jeder Nation
als deren nationales Eigentum, verbunden mit dem Recht auf die Fortbewegung
und den Betrieb im Weltraum ohne Beeinträchtigung.

Absichtliche Beeinträch-

tigung von Raumfahrtsystemen wird als Verletzung von Hoheitsrechten betrachtet.
- Die Vereinigten Staaten ermutigen im Inland zur kommerziellen Nutzung
von Möglichkeiten, Technologien und Systemen der Raumfahrt zum Wohle der nationalen Wirtschaft.

Diese Aktivitäten müssen mit den Erwägungen zur natio-

nalen Sicherheit, mit Verträgen und internationalen Abmachungen vereinbar
sein.
- Die Vereinigten Staaten werden internationale Gemeinschaftsunternehmen
auf dem Raumfahrtsektor durchführen, die von wissenschaftlichem, politischem,
wirtschaftlichem Ofler sicherheitspolitischem Wert für die Nation sind.
- Das Raumfahrtprogramm der Vereinigten Staaten wird aus zwei getrennten, deutlich unterscheidbaren einander stark beeinflussenden Programmen bestehen - das der nationalen Sicherheit und das des zivilen Sektors. Um unnötige Doppelgleisigkeit zu vermeiden, wird es zwischen beiden Programmen
enge Koordination, Zusammenarbeit und engen Informationsaustausch geben.
- Das Raumtransportersystem (STS) der Vereinigten Staaten ist das primäre
Trägersystem sowohl für Weltraummissionen im Interesse der nationalen Sicherheit als auch bei zivilen Regierungsprojekten.

Die Möglichkeiten und die

Leistungsfähigkeit von STS werden ausgebaut, um entsprechenden nationalen Bedürfnissen gerecht zu werden; das System soll berechtigten Benutzern aus dem
In- und Ausland, aus Wirtschaft und Regierung zur Verfügung stehen.
- Die Vereinigten

�- Die Vereinigten Staaten werden durch Aktivitäten im Weltraum ihr Recht
auf Selbstverteidigung stärken.
- Die Vereinigten Staaten werden auch künftig Möglichkeiten zur Kontrolle
von Weltraumwaffen sondieren.

Sie werden verifizierbare und angemessene Maß-

nahmen zur Rüstungskontrolle in Betracht ziehen, die die Erprobung und Stationierung spezieller Waffensysteme verbieten oder anderweitig begrenzen, sofern solche Maßnahmen mit der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
vereinbar sind.

Raumtransportersystem
Die Direktive besagt, daß die Raumfähre einen Hauptfaktor im künftigen
Ausbau der Weltraumprogramme der Vereinigten Staaten darstellt und weitere Zusammenarbeit zwischen Programmen im Interesse der nationalen Sicherheit und
des zivilen Sektors fördert, um eine effiziente und wirksame Nutzung nationaler Ressourcen zu gewährleisten.

Das Raumtransportersystem (STS) besteht aus

der Raumfähre, ihr zugeordneten Oberstufen und dazugehörigen Anlagen und Ausrüstungen.

Der Ausbau und Betrieb des Raumtransportersystems wird, wie in

der Direktive festgelegt, von folgenden Richtlinien bestimmt:
- Das STS ist ein lebenswichtiges Element des amerikanischen Raumfahrtprogramms und das Hauptträgersystem sowohl für Missionen im Interesse der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten als auch bei Missionen für zivile
Regierungsprojekte.

Dem STS wird jener Grad an Existenzfähigkeit und Sicher-

heitsschutz zuerkannt, der für nationale Weltraumressourcen von entscheidender
Bedeutung ist.

Vordringliche Aufgabe des STS-Programms ist es, das System

voll arbeitsfähig und wirtschaftlich zu machen, indem es den routinemäßigen Zugang zum Weltraum ermöglicht.
- Die Vereinigten Staaten sind darauf festgelegt, die führende Rolle in
der Welt zum Transport in den Weltraum mit einer STS-Kapazität beizubehalten,
die angemessenen nationalen Bedürfnissen genügt. Das STS-Programm erfordert
- 5 -

�STS-Programm erfordert fortdauernde Engagements aller betroffenen Ministerien
oder Behörden.

Die Vereinigten Staaten werden die Weiterentwicklung des STS

auch künftig durch das Bundesamt für Luft- und Raumfahrt (NASA) in Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium (DOD) vornehmen.

Der Ausbau der

operativen Möglichkeiten des STS, der Oberstufen sowie von Verfahren zum Absetzen und Einholen von Nutzlasten sollte gemäß den nationalen Erfordernissen
vorgenommen werden.
- Bei der Konstruktion von Raumfahrtgeräten der Regierung der Vereinigten
Staaten sind die einzigartigen Möglichkeiten, die durch das STS gegeben sind,
zu berücksichtigen.

Die Phase der Abstimmung auf die Raumfähre soll so rasch

wie technisch möglich zum Abschluß gebracht werden.
- Die NASA gewährleistet den Servicecharakter der Raumfähre für zivile
Benutzer.

In Koordinierung mit der NASA gewährleistet das DOD den Service-

charakter der Raumfähre für die nationale Verteidigung und die Integration
militärischer Missionen in das Raumfährensystem.

Missionen im Interesse der

nationalen Sicherheit haben Startvorrang.
- Die Verwendung von Verlustraketen als Trägersystem wird von der USRegierung beibehalten, bis die Startmöglichkeiten mit dem STS für ihren Bedarf und ihre Verpflichtungen ausreichen. Besondere nationale Sicherheitserwägungen können die Entwicklung von Startmöglichkeiten für Sonderzwecke notwendig machen.
- In der unmittelbaren Zukunft wird STS, wie bisher, nach einem organisatorischen Modus verwaltet und betrieben, wie es den gegenwärtigen Vereinbarungen zwischen NASA und DOD entspricht. Die Verantwortung für die Kontrolle
des STS-Einsatzes bei zivilen Missionen liegt weiterhin bei der NASA, für die
Kontrolle des STS-Einsatzes bei Missionen für die nationale Sicherheit beim
DOD. Für die Durchführung der Mission ist die jeweils federführende Behörde
zuständig. Wenn der STS-Betrieb technisch ausgereift ist, wird die Flexibilität zur Oberführung in ein anderes institutionelles Organisationsschema beibehalten.
Wesentliche Änderungen
- 6 -

�- Wesentliche Änderungen für die Einsatzmöglichkeiten des STS-Programms
erfordern die Zustimmung des Präsidenten.

Das zivile Raumfahrtprogramm
Im Einklang mit den Bestimmungen des Nationalen Luft- und Raumfahrtgesetzes bezeichnet die Direktive als Aufgaben des zivilen Raumfahrtprogramms:
- Ausweitung der Erkenntnisse über die Erde, ihre Umwelt, das Sonnensystem und das Universum;
- Entwicklung und Förderung ausgewählter Anwendungen der Raumfahrttechnik für zivile Zwecke;
- Erhaltung der Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei entscheidenden Aspekten von Weltraumforschung, Anwendungsmöglichkeiten und Technologie
der Raumfahrt; und
- Förderung von Zielen der Innen- und Außenpolitik der Vereinigten Staaten.
In der Direktive werden folgende politischen Richtlinien für das zivile
Raumfahrtprogramm genannt:
- Die Programme der US-Regierung sollen auch künftig auf die Ausgewogenheit von Forschung, Entwicklung, Betriebssystemen sowie Forschungsaufgaben
für Wissenschaft, Anwendungsmöglichkeiten und Technologie ausgerichtet sein.
Mit den Zielsetzungen dieser Programme sollen 1. die Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei wichtigen Raumfahrtaktivitäten erhalten werden, um auch
künftig die Nutzbarmachung und Erforschung des Weltraums zu ermöglichen, und
2. Forschung und die Durchführung von Experimenten realisiert werden, um die
Erkenntnisse auf folgenden Gebieten auszuweiten:

a) Astrophysikalische Phäno-

mene sowie Ursprung und Evolution des Universums mittels langfristiger astrophysikal ischer Beobachtungen; b) Sondierung der Erde, ihrer Umwelt, der Dynamik der Einflüsse von der Sonne; c) Ursprung und Evolution des Sonnensystems
mittels der wissenschaftlichen Spezialgebiete von Sonnen-, Planeten und Mondforschung sowie der instrumentellen Erkundung; und d) kosmische Umwelt und
- 7 -

�Umwelt und Sondierungstechnologie zur Ausweitung des Wissens auf den Gebieten
der biologischen Wissenschaften; 3. weitere Untersuchung der Erfordernisse,
Betriebskonzepte und der Technologie im Zusammenhang mit permanenten Raumstationen; 4. geeignete Projekte in Forschung und experimenteller Erkundung mit
fortgeschrittenen Technologien und Systemen in Vorbereitung künftiger ziviler
Anwendungsmöglichkeiten.
- Die Regierung der Vereinigten Staaten bemüht sich um die Schaffung
eines Klimas, das umfangreichere Investitionen und ein stärkeres Engagement
des Privatsektors in Raumfahrtaktivi täten - bei angemessener Berücksichtiggung der öffentlichen wie der nationalen Sicherheit - begünstigt.

Derartige

Raumfahrtaktivitäten werden von der Regierung genehmigt und in dem Umfang
überwacht oder geregelt, der laut vertraglicher Abmachungen oder im Interesse
der nationalen Sicherheit erforderlich ist.
- Die Vereinigten Staaten werden ihre Zusammenarbeit mit anderen Nationen
bei internationalen Weltraumaktivitäten mit gemeinsamen Programmen in Wissenschaft und Forschung fortsetzen, sofern diese Programme der Politik zum Technologietransfer entsprechen und sich für die Vereinigten Staaten lohnen. Die
USA unterstützen auch künftig den öffentlichen, uneingeschränkt gehandhabten
Datenempfang von bundeseigenen zivilen Raumfahrtgeräten durch ausländische
Bodenstationen und die Bereitstellung von Daten für Benutzer im Ausland unter
spezifischen Bedingungen.
- Das US-Handelsministerium wird als federführende Behörde für die von
Bundesbehörden betriebenen Fernerkundungssysteme 1. den Gesamtbedarf der
Bundesbehörden an solchen Systemen zusammenstellen, dem entweder von privater
Seite oder vom Bund als Betreiber entsprochen werden soll; 2. den Bedarf an
Forschungs- und Entwicklungsprojekten für solche Systeme ermitteln; und 3.
in Abstimmung mit anderen Ministerien oder Ämtern Regelungen für den privaten
Betrieb solcher Systeme treffen.
Raumfahrtprogramm für

- 8 -

�Raumfahrtprogramm für die nationale Sicherheit
Die Direktive besagt, daß die Vereinigten Staaten jene Aktivitäten im
Weltraum durchführen, die sie für ihre nationale Sicherheit erforderlich halten.

Raumfahrtprogramme im Interesse der nationalen Sicherheit sollen be-

stimmten Funktionen dienen wie Kommando und Leitung, Nachrichtenwesen, Navigation, Umweltbeobachtung, Warnung, Überwachung und Weltraumverteidigung.
Der Direktive zufolge ist das nationale Sicherheitsprogramm an folgenden Richtlinien zu orientieren:
- Aufbau existenzfähiger und dauerhafter Raumfahrtsysteme, einschließlich aller Systemelemente, entsprechend der vorgesehenen Verwendung in Krise
und Konflikt, entsprechend Bedrohung und der Verfügbarkeit anderer Mittel
zur Durchführung der Mission. Unzulänglichkeiten werden ermittelt und beseitigt, und es wird ein aggressives, langfristig angelegtes Programm zur
Herbeiführung einer besser gesicherten Existenzfähigkeit und Dauerhaftigkeit
in Angriff genommen.
- Die Vereinigten Staaten setzen die Entwicklung von Satelliten-Abwehrsysteme (ASAT) oder Killersatelliten mit dem Ziel der operativen Stationierung
fort.

Hauptzweck des ASAT-Aufbaus ist es, vor einer Bedrohung von Raumfahrt-

systemen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten abzuschrecken und, im
Rahmen der durch internationales Recht gesetzten Grenzen, einem Gegner die
Benutzung von im Weltraum stationierten Systemen zu verwehren, welche militärische Kräfte des Feindes unterstützen.
- Die Vereinigten Staaten werden ein

integriertes System zur Warnung,

Meldung, Verifizierung und Reaktion auf Zufallsereignisse entwickeln und unterhalten, das Bedrohungen amerikanischer Raumfahrtsysteme wirksam erfassen
und entsprechend auf sie reagieren kann.
- Die Warnung

der Sicherheit, einschließlich der Weitergabe von Daten,

soll in Übereinstimmung mit Weisungen der Exekutive und entsprechenden Direktiven zum Schutz von die nationale Sicherheit betreffendem Informationsmaterial geschehen und den durchgeführten Missionen wie den Sicherheitsmaßnahmen
- 9 -

�den Sicherheitsmaßnahmen angemessen sein, die zum Schutz der damit in Beziehung stehenden Raumfahrtaktivitäten notwendig sind.

Zuständigkeiten
Die Direktive enthält, anwendbar und bindend für das auf die nationale
Sicherheit ausgerichtete Programm und auf das zivile Raumfahrtprogramm der
Vereinigten Staaten, folgende Orientierungshilfe:
- Die Raumfahrtprogramme für die nationale Sicherheit und für zivile
Zwecke werden eng koordiniert und, innerhalb der erforderlichen Beschränkungen zum Schutz der Sicherheit, auf gemeinsame Technologie Wert legen.

Strit-

tige Fragen im Technologie-Transfer werden im Rahmen von Direktiven, Weisungen der Exekutive und von Gesetzen geregelt.
- Erdaufnahmen aus dem Weltraum durch die zivile Seite werden unter
Kontrolle zugelassen, wenn solche Anforderungen gerechtfertigt sind und diese unter den Aspekten der darauf erwachsenden Vorteile für den zivilen Sektor, der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik bewertet wurden. Diese
Kontrollen werden periodisch überprüft, um zu ermitteln, ob die Beschränkungen zu revidieren sind...
- Die Regierung der Vereinigten Staaten wird getrennte Systeme für die
nationale Sicherheit und den operativen zivilen Einsatz unterhalten und koordinieren, wenn dies voneinander abweichende Erfordernisse der Programme
notwendig machen.

Durchführung der Politik
Die Direktive besagt, daß im größtmöglichen Umfang normale zwischenbehördliche Koordinierungsmechanismen eingesetzt werden, um die bekanntgegebene
Raumfahrtpolitik durchzuführen. Ein laut Direktive zu schaffender inter- 10 -

�schaffender interbehördl icher Rat der für Raumfahrt zuständigen Ressortchefs (SIG) soll für alle Bundesbehörden ein Forum zum Vortragen ihrer Meinungen zu politischen Fachfragen, zur Überprüfung und Beratung hinsichtlich
Änderungsvorschlägen zur nationalen Raumfahrtpolitik und, wenn nötig, zur
ordnungsgemäßen und raschen Weiterleitung von strittigen Fragen der Raumfahrtpolitik an den Präsidenten für dessen Entscheidungen sein.
Den Vorsitz im SIG (Raumfahrt) führt der Präsidialbeauftragte für nationale Sicherheitsfragen; Mitglieder des Rates sind der stellvertretende
Verteidigungsminister, der stellvertretende Außenminister, der stellvertretende Handelsminister, der Direktor des Bundesnachrichtendienstes, der Vorsitzende des gemeinsamen Generalstabs, der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung, und der Leiter des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt.
Vertreter des Amtes für Verwaltung und Budget und des Amtes für Wissenschaftsund Technologiepolitik werden als Beobachter einbezogen. Je nach den behandelten Themen werden auch andere Behörden oder Ministerien Teilnehmer entsenden.. .

+ + + + +

- 11 -

�27

14. Juli 1982

DIE AMERIKANISCHEN HANDELSBEZIEHUNGEN MIT EUROPA
Rede von US-Unterstaatssekretär Waldmann vor der amerikanischen
Handelskammer in München -

MÜNCHEN - (AD) - Der Unterstaatsekretä'r für Internationale Wirtschaftspolitik im amerikanischen Handelsministerium, Raymond J. Waldmann, hat in einer
Rede vor der Amerikanischen Handelskammer in München am 9. Juli 1982 die Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten mit Europa erläutert. Die Rede hat folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich immer über die Gelegenheit, mit Mitgliedern amerikanischer
Handelskammern zusammenzukommen. Und ich spreche besonders gern hier vor der
Münchner Niederlassung einer der aktivsten Amerikanischen Handelskammern der
Welt. Ihr ständiger Beitrag zur Freundschaft und zur beiderseits vorteilhaften
Handelsbeziehung zwischen unseren beiden Ländern wird in den Vereinigten Staaten
und besonders im amerikanischen Handelsministerium hoch geschätzt.
Die engen Arbeitsbeziehungen zwischen Ihrer Organisation und unserer Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland sind mir ebenfalls gut bekannt. Wenn es

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Telex: 8-85432

�wenn es eines weiteren Beweises unserer engen Bindungen bedurft hätte, dann
könnte ich nur noch auf eines hinweisen: Unser neuer Botschaftsrat für Handelsangelegenheiten in Bonn, der im kommenden Monat seine Arbeit aufnehmen wird,
ist kein anderer als der Präsident der Amerikanischen Handelskammer in
Deutschland, Kenneth D. Blum.
Es ist selbstverständlich angebracht, daß wir eng zusammenarbeiten, da wir
schließlich gemeinsam uns nicht nur der Förderung des Handels und der Investitionen zwischen und in unseren beiden Ländern verschrieben haben, sondern auch der
Fortsetzung einer offenen, freien und fairen Handelspolitik unter allen Ländern.
Besonders wichtig ist eine derartige Zusammenarbeit in einer Zeit, da weltweite wirtschaftliche Schwierigkeiten den Druck in der Richtung von Protektionismus und Isolationismus verstärken. Die Vereinigten Staaten fühlen sich zur
Aufrechterhaltung und Erweiterung eines freien Handelssystems verpflichtet. Die
Gesundheit dieses Systems hängt weitgehend von den amerikanisch-europäischen
Wirtschaftsbeziehungen ab - den umfangreichsten und wichtigsten derartigen
Beziehungen der Welt.
Die Bruttosozialprodukte Europas und der Vereinigten Staaten ergeben zusammen beinahe die Hälfte des Bruttosozialproduktes der Welt, während unsere
Exporte zusammengenommen mehr als die Hälfte des gesamten Welthandels ausmachen.
Wir sind auch für einander die größten Märkte: Im vergangenen Jahr gingen mehr
als 28 Prozent der amerikanischen Ausfuhren nach Westeuropa, und 20 Prozent
unserer Einfuhren kamen ebenfalls aus Westeuropa, so daß das gesamte zweiseitige
Handelsvolumen auf 117 Milliarden Dollar kam.
Langfristig gesehen ist es für die Gesundheit der Weltwirtschaft wesentlich,
daß alle Länder - insbesondere aber die Vereinigten Staaten und unsere Partner
diesseits des Atlantik - der Versuchung widerstehen, bei der Bekämpfung unserer
gegenwärtigen Schwierigkeiten zu restriktiven Handelspraktiken Zuflucht zu nehmen.
Es ist

�Es ist behauptet worden, ein globaler Handelskrieg stehe bevor. Ich bin
hier, um Ihnen zu sagen, daß es zwischen den Vereinigten Staaten und Europa
keinen Handelskrieg gibt. Die Vereinigten Staaten und Europa haben ganz gewiß
Differenzen, und ganz gewiß haben wir auch Handelsprobleme. Wir haben aber auch
die Mittel, mit unseren Differenzen innerhalb des bestehenden institutionellen
Rahmens auf ruhige und gerechte Weise fertigzuwerden.
Die Vereinigten Staaten haben die Europäische Gemeinschaft immer als

ihren

engen Verbündeten betrachtet, und wir werden das auch weiterhin tun. Eine am
17. Juni vom Europäischen Parlament verabschiedete Entschließung spricht auch
für uns, wenn sie
- das Bestehen starker kultureller, politischer und wirtschaftlicher Bande
zwischen der EG und den Vereinigten Staaten feststellt,
- die entscheidende Rolle betont, welche die EG und die USA bei der Aufrechterhaltung des Weltfriedens und Sicherung der Überlebenschancen der demokratischen Staatsform spielen, und
- die Notwendigkeit engerer Zusammenarbeit zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten hervorhebt. Wir beabsichtigen, alle notwendigen Schritte zu unternehmen,
um zu besserem Verständnis und verbesserten transatlantischen Beziehungen zu
gelangen.
Stahl
Erlauben Sie, daß ich mich kurz dem Stahl zuwende, einer der wichtigeren
Fragen. Am 10. Juni veröffentlichte das amerikanische Handelsministerium sein
vorläufiges Untersuchungsergebnis, daß die Importe von Stahlprodukten aus neun
Ländern - darunter sieben Länder der Europäischen Gemeinschaft - von staatlichen
Subventionen profitieren. Dies ist nur ein vorläufiges Ergebnis. Wir werden
endgültige Erkenntnisse über Subventionen bis zum 24. August vorliegen haben.
Unsere vorläufigen Ergebnisse besagen, daß die Subventionen von weniger
als einem Prozent bis über vierzig Prozent des Frei-an-Bord-Wertes der Importe
reichen. Bei manchen Firmen, darunter Thyssen und Hoesch, stellten wir fest, daß

- 3 -

�fest, daß sie überhaupt nicht subventioniert werden. Wir fanden lediglich zwei
deutsche Firmen, die zu mehr als einem Prozent subventioniert werden,
Die Feststellungen beziehen sich auf 3,9 Milliarden Dollar. Der Tonnage
nach waren das etwa 20 Prozent der amerikanischen Stahlimporte. Obwohl die
Exporte der untersuchten Produkte nur ungefähr 3 Prozent der Stahlproduktion
der Europäischen Gemeinschaft ausmachen, übersehen wir keineswegs, daß die
europäische Stahlindustrie in den letzten fünf Jahren ernste Rückschläge hinnehmen mußte und daß der mögliche Verlust eines Großteils ihres

amerikanischen

Marktes für manche europäische Hersteller keine angenehme Nachricht ist. Wir
können aber auch die Tatsache nicht ignorieren, daß die gegenwärtige Rezession
in den Vereinigten Staaten unsere eigenen Stahl Produzenten, die Stahlarbeiter
und die von der Stahlerzeugung abhängigen Gemeinwesen unter starken Druck gesetzt
hat.
Ich möchte betonen, daß dies nur vorläufige Untersuchungsergebnisse sind,
die nur das Resultat einer sechsmonatigen Analyse darstellen. Die Untersuchungen
wurden in Übereinstimmung mit den amerikanischen Gesetzen und dem Subventions-Code
des GATT vorgenommen. Eine Vergeltung für irgendwelche auf Grund des SubventionsCodes getroffenen ausgleichenden Zollmaßnahmen wäre mit dem Code nicht vereinbar.
Wir haben jede Anstrengung unternommen, unparteiisch vorzugehen. Ich glaube,
daß die Betroffenen zugeben werden, daß die Behandlung der Angelegenheit mit sorgfältiger Fairness erfolgte, auch wenn mir klar ist, daß in Europa andere Ansichten
darüber vorherrschen, was eine Subvention darstellt. Gemäß unseren gesetzlichen
Vorschriften sind unsere vorläufigen Analysen uneingeschränkt zugänglich, ebenso
wie auch jede Gelegenheit besteht, vor Abschluß unserer Untersuchungen Argumente
in Informationsgesprächen und formalen Anhörungen vorzubringen.
Der Handelsminister ist auch weiterhin für Vorschläge ausländischer Hersteller und Regierungen, die eine Lösung durch Verhandlungen bezwecken, aufgeschlossen, wie es in unseren Gesetzen vorgesehen ist.
Es handelt

- 4 -

�Es handelt sich hier nicht um Handelsprotektion; wir haben die amerikanischen
Gesetze in Übereinstimmung mit dem GATT und anderen internationalen Vereinbarungen angewendet, so wie diese gemeint waren. Die amerikanischen Firmen haben von
den ihnen zur Verfügung stehenden gesetzlichen Möglichkeiten Gebrauch gemacht,
so wie europäische Firmen es in der Vergangenheit getan haben. Wir werden fortfahren, legal und offen vorzugehen. Unsere Verpflichtung zum offenen, freien
Handel ist nicht ins Schwanken gekommen.
Sanktionen
Lassen Sie mich jetzt zur Erweiterung der Handelssanktionen durch die Vereinigten Staaten kommen. Im vergangenen Monat erweiterte der Präsident die
Exportkontrolle über ül- und Gastechnologien für die Sowjetunion auf die Produktion amerikanischer Filialen in Übersee und auf die Produktion ausländischer Firmen
mit Lizenzen für amerikanische Technologien.
Der Präsident hat sich diese Entscheidung mit größter Sorgfalt überlegt. Er
war sich der Kosten und Schwierigkeiten bewußt, die damit für amerikanische
Firmen wie für europäische Firmen entstehen. Er war im Besitz aller erforderlichen
Fakten. Die Strenge dieser Entscheidung spiegelt den Ernst wider, mit dem wir
die Situation in Polen betrachten. Im Dezember 1981 erklärte der Präsident, daß
er weitere Sanktionen in Erwägung ziehen müsse, falls sich die Situation in
Polen nicht verbessern sollte. Er hat getan, was er damals angekündigt hat.
Wir begrüßen den vom Europarat kürzlich ergangenen Ruf nach einem Dialog
auf hoher Ebene zwischen führenden Persönlichkeiten der USA und der EG über die
in einem weiten Bereich von Handelsfragen gegenwärtig bestehenden Meinungsverschiedenheiten. Die Vereinigten Staaten sehen der Schaffung eines geeigneten
Forums für die Erörterung der verschiedenen transatlantischen Problem entgegen.
Auch wir sind daran interessiert, mit diesem Dialog voranzukommen und festzustellen, wo unsere Handelsdifferenzen vermindert und wo die amerikanischeuropäischen Beziehungen verstärkt werden können.
Es ist

- 5 -

�Es ist jedoch wichtig zu begreifen, daß dieser Schritt der Vereinigten
Staaten nicht getan wurde, um Westeuropa Schwierigkeiten zu bereiten, sondern um
die Freiheit in Europa zu sichern und zu bewahren.
Die Entschließung des Europäischen Parlaments, die ich vorhin erwähnte,
drückt Sorgen um die Sicherheit Europas aus. Das Europäische Parlament ist
"überzeugt, daß es eines der traditionellen Ziele der sowjetischen Diplomatie
ist, Europa von den Vereinigten Staaten zu trennen, um in der westlichen Welt
Uneinigkeit hervorzurufen". Wir im Westen müssen uns offensichtlich davor
schützen, daß dies je Wirklichkeit wird.
Wir erkennen die Bedeutung an, die Westeuropa seinen Wirtschaftsbeziehungen
mit dem Osten beimißt. Aber das Verhalten der Sowjets - nicht bloß in Afghanistan
und Polen, sondern auch hinsichtlich ihrer Aufrüstung - macht es erforderlich,
daß den Sicherheitsüberlegungen in bezug auf die UdSSR größeres Gewicht verliehen
wird. Unsere Fortschritte bei der Verbesserung der Wirksamkeit strategischer
Kontrollen durch die CoCom zeigen, daß diese Betrachtungsweise von vielen
Europäern geteilt wird.
Lassen Sie mich betonen, daß wir unsere Verbündeten nicht auffordern, Lasten
zu übernehmen, an denen wir uns nicht beteiligen wollen. Die Vereinigten Staaten
haben ihre Geschäftswelt aufgerufen, wenn nötig Opfer zu bringen, um die "lebenswichtigen Grundsätze internationalen Verhaltens, die für die Sicherheit des Westens
wesentlich sind7 aufrechtzuerhalten. Wir haben dafür einen beträchtlichen Preis
gezahlt - Milliarden an potentiellen Exporten in die UdSSR, die verlorengingen
oder auf die seit der Mitte der siebziger Jahre verzichtet wurde.
Auf dem Gebiet des Handels mit Agrarerzeugnissen, wo unsere Verbündeten zur
Kritik neigen, weil wir angeblich die Geschäfte wie üblich betreiben, haben die
Konsequenzen unserer Afghanistan-Sanktionen mit der Aufhebung des teilweisen Getreide-Embargos im vergangenen Jahr durchaus nicht aufgehört. In den siebziger
Jahren lieferten die Vereinigten Staaten routinemäßig zwei Drittel oder mehr der
sowjetischen Getreideimporte. Heute beträgt unser Anteil weniger als 30 Prozent.

- 6 -

�30 Prozent. Der amerikanische Anteil am landwirtschaftlichen Markt der Sowjetunion bleibt niedrig und wird sich in vorausschaubarer Zukunft wahrscheinlich
nicht erhöhen.
Gegenseitigkeit
Die letzte Frage, die ich heute aufgreifen möchte, ist eine, die - wie ich
glaube - vielen Mißverständnissen ausgesetzt gewesen ist und dadurch große Bestürzung hervorgerufen hat, vor allem in Europa. Ich weiß sogar, daß die
Amerikanische Handelskammer in Deutschland das gesamte Konzept abgelehnt hat.
Ich spreche von dem Gedanken der Gegenseitigkeit.
Manche Leute haben behauptet, Gegenseitigkeit sei lediglich ein beschönigender Name für protektionistische Handelspolitik,und die Vereinigten Staaten würden
vielleicht ihre freie Handelspolitik aufgeben, wenn sie sich der Gegenseitigkeit
zuwendeten. Eine derartige Charakterisierung ist von Grund auf falsch. Der
Gedanke der Gegenseitigkeit erwächst aus den Frustrationen der amerikanischen
Geschäftswelt, die den Zutritt zu ausländischen Märkten sucht. Der Gedanke zielt
nicht auf den Schutz unserer eigenen Märkte vor ausländischer Konkurrenz ab,
sondern auf die Schaffung gerechterer Handelsmöglichkeiten für alle Nationen.
Ich möchte unsere feste Überzeugung betonen, daß der Weg zur Herstellung
gegenseitigen Zugangs in der Liberalisierung ausländischer Märkte, nicht aber
in der Errichtung von Schranken auf dem eigenen Markt besteht. Die gegenwärtige
Regierung wird sowohl die Integrität des internationalen Handelssystems als auch
die Interessen amerikanischer Firmen verteidigen.
Die Regierung Reagan hat in unmißverständlicher Weise ihrer Verpflichtung zur
Freiheit und Offenheit des Handels auf Grund gegenseitig annehmbarer Regeln Ausdruck verliehen. Und wir sind entschlossen, daß der in Richtung auf dieses Ziel
in den letzten 35 Jahren erreichte Fortschritt weitergehen soll.
Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten
veranschaulichen die Vorteile des freien Handels zwischen den Völkern. Unsere
- 7 -

�Völkern. Unsere starken und beiderseitig nutzbringenden Wirtschaftsbeziehungen
beruhen zum großen Teil auf einer gemeinsamen Wirtschaftsphilosophie, einer
Philosophie, die in der Idee offener Märkte stark verwurzelt ist. v
Unsere Ziele müssen darin bestehen, Differenzen auszuräumen, ein noch stärkeres Partnerschaftsverhältnis zu schaffen und bei der Gestaltung einer noch
besser gedeihenden Weltwirtschaft mitzuhelfen. Wir können mit Stolz auf unsere
traditionelle Zusammenarbeit blicken, die sich nicht nur zweiseitigen Problemen
mit Erfolg zugewandt hat, sondern auch die Prinzipien der Offenheit und NichtDiskriminierung in der Weltwirtschaft gefördert hat.
Es ist ein fundamentaler Grundsatz dieser amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit, daß beide Seiten Schiffbruch erleiden, wenn eine ihren Schwierigkeiten zu entfliehen sucht, indem sie die Last dem anderen Partner zuschiebt. Wir
müssen auf der Hut sein, damit dies nicht beim Stahl passiert,bei der gemeinsamen
Landwirtschaftspolitik der Europäischen Gemeinschaft, bei Kreditsubventionen für
Exporte oder bei irgendeiner anderen Frage. Jeder von uns - die Vereinigten
Staaten und Europa - muß ein Gefühl für die Auswirkungen unserer Politik auf
andere haben.
Unsere beiderseitigen Interessen sind weitgehend miteinander vereinbar,
aber die Tatsache, daß sie nicht immer identisch sind, wird.im Augenblick mit
einiger Häufigkeit und einigem Nachdruck artikuliert. Wir dürfen nicht zulassen,
daß die Art von Differenzen, wie sie zwischen Freunden unvermeidlich auftauchen,
unser schon so lange bestehendes Verhältnis unter Spannung setzen oder verzerren.
Jede wichtige und langanhaltende Beziehung wird unweigerlich Problemen begegnen.
Die Kraft einer solchen Beziehung wird aber am besten an ihrer Fähigkeit zur
Lösung dieser Probleme gemessen, und hier hat sich unser Verhältnis immer wieder
als in der Tat stark erwiesen.
Winston Churchill bemerkte einmal: "Ein Optimist sieht in jeder Gefahr eine
Chance, und der Pessimist sieht in jeder Chance eine Gefahr." Wie schwierig
auch unsere gemeinsamen Probleme sein mögen - ich glaube, daß die Vereinigten

- 8 -

�die Vereinigten Staaten und Europa jetzt die großen Zielsetzungen, denen unsere
bisherige Partnerschaft gewidmet war, aufs neue bekräftigen müssen: in
konstruktiver Weise die vor uns liegenden bilateralen Probleme zu lösen; aktiv
im Dienste unserer gemeinsamen Interessen zusammenzuarbeiten; und ein mit
neuem Leben erfülltes internationales Wirtschaftssystem auf der Grundlage
traditioneller und als erfolgreich erwiesener Prinzipien zu gestalten.
Vor uns liegen große Möglichkeiten; wir brauchen nur weiterhin Vertrauen
und Engagement, um sie wahrzunehmen.
Ich danke Ihnen.
+++++

- 9 -

�Hintergrund
materiell
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14. Juli 1982

27

DIE ENTSCHEIDUNGSBEFUGNIS IN DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
- Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - George Shultz übernimmt das Amt des Außenministers in einer
weltpolitisch unruhigen Zeit.

Da sind einmal die schwierigen Verhandlungen

über die Zukunft des Libanon; dann die vielen diplomatischen Probleme, die
auch nach Beendigung des bewaffneten Konflikts um die Falkland-Inseln andauern; auch der iranisch-irakische

Krieg ist noch nicht beendet; Afghanistan

ist noch immer von der Sowjetunion besetzt; Polen wird noch immer unterdrückt.
Und all dies sind nur einige wenige Aspekte dessen, womit sich ein amerikanischer
Außenminister beschäftigen muß.
Dennoch:

der Übergang verlief seit Haigs Amtsniederlegung reibungslos,

die Ernennung von George Shultz dürfte vom Senat bald bestätigt werden.
Ein Grund für diesen problemlosen Übergang ist in der von der Verfassung
gewollten Vorherrschaft des Präsidenten in der Außenpolitik zu finden. Er
ist derjenige, der Verträge abschließt, der Botschafter und Minister ernennt.
Zwar verlangt die Verfassung auch den Rat und die Zustimmung des Senats bei
diesen Angelegenheiten, doch liegt die Autorität für Verhandlungen im Ausland
sowie zur Formulierung der Außenpolitik eindeutig bei dem Mann im Weißen Haus.
Vor 30 Jahren

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�Vor 30 Jahren stand auf dem Schreibtisch von Präsident Harry S. Truman
das Schild:

"The Bück Stops Here" - ein amerikanischer Ausdruck dafür,

daß hier die Entscheidung nicht mehr weitergereicht werden kann.
Auf seiner jüngsten Pressekonferenz deutete Präsident Reagan Ähnliches
mit der Bemerkung an, daß die Außenpolitik bei ihm im "Oval Office" gemacht
werde.

Er trifft die Entscheidungen, nachdem er sich die oft gegensätzlichen

Argumente derjenigen seiner Berater angehört hat, die für die jeweiligen Problemkreise zuständig sind.

Auch den Rat des bisherigen Außenministers Haig

bedachte er mit großem Lob, stellte jedoch klar, daß es aufgrund dessen Rücktritts keinen Wandel in der Außenpolitik geben werde.

Auf Fragen erklärte

er, er hätte diesen Rücktritt nicht angenommen, wenn dies in seinen Augen die
derzeitigen amerikanisch-sowjetischen Gespräche über eine Verminderung der
Kernwaffen behindert hätte.
Schon hat der Präsident weitere außenpolitische Aufgaben für Shultz umrissen: darunter die Bemühungen,für Namibia die Unabhängigkeit zu erreichen,
die Bindungen zu den Verbündeten Amerikas zu stärken, Unabhängigkeit und Souveränität des Libanon wiederherzustellen und neue Schritte in Richtung auf
einen Frieden im Nahen Osten zu unternehmen.

- 2 -

�Hintergrund
matcriol
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27

14. Juli 1982

DIE SOWJETISCHE FRIEDENSBEWEGUNG
Ein Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Die sowjetische Zeitung Prawda berichtet, daß Millionen sowjetischer Bürger überall in der UdSSR ihren heißen Wunsch nach Frieden zum
Ausdruck gebracht haben. Sie kamen in Fabriken und an Arbeitsplätzen zusammen, so die Prawda, um einen Teil ihres Lohnes für einen amtlichen sowjetischen Friedensfonds zu stiften. Und, so heißt es in der Prawda weiter,
das sei nichts anderes als ein heftiger, massiver Protest gegen das Wettrüsten, das, wie die Prawda meint, doch nur der Fehler der NATO und der amerikanischen Militaristen sei.
Und doch gibt es in anderen Quellen der sowjetischen Presse Mißklänge
und Widersprüche.

So zitiert beispielsweise die amtliche sowjetische Nach-

richtenagentur TASS Verteidigungsminister Ustinow, demzufolge die sowjetische
Verteidigung auf "dem richtigen Stand" gehalten werden müsse.
Hat dieser richtige Stand etwas mit dem Wettrüsten zu tun? Ustinow
ist wohl dieser Meinung. "Die technische Ausrüstung unserer Streitkräfte",
so sagte er, "wird ständig vervollkommnet. Der Stand der Kampfbereitschaft
nimmt ständig zu."
Wie die

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�Wie die Berichte westlicher Korrespondenten aus Moskau erkennen lassen, ist im übrigen nicht jeder Friedensmarschierer bei den sowjetischen
Behörden gerne gesehen. Eine kleine Gruppe von Bürgern, die sich selbst
"Gruppe für die Herstellung von Vertrauen zwischen den USA und der UdSSR"
nennt, ist offensichtlich in Schwierigkeiten.
Zwei Mitglieder dieser Gruppe stehen nach Berichten unter Hausarrest
durch den sowjetischen Geheimdienst KGB, und zwar seit längerer Zeit. Andere wurden aufgefordert, das Land innerhalb kurzer Frist zu verlassen, einem anderen wurde angedroht, er werde seinen Arbeitsplatz verlieren oder
wegen Hochverrat vor Gericht gestellt werden.
Als vor etwa einem Monat eine in Paris beheimatete Gruppe von Friedenskämpfern auf einem niederländischen Schiff nach Leningrad kam, gab es zunächst Zusammentreffen und dann Zusammenstöße mit dem amtlichen sowjetischen
Friedenskomitee.
Zum Krach kam es, als die westlichen Friedenskämpfer Ballons mit der
Aufschrift aufließen: "UdSSR: Einstellung der Kernwaffenversuche jetzt!."
Sowjetische Schlepper brachten das Friedensschiff aus dem Hafen in internationale Gewässer - weg von jeder Möglichkeit, die sowjetische Öffentlichkeit
zu "vergiften".
Die Moskauer Friedenskomitees sind jederzeit bereit, Kritik an den
westlichen Rüstungskontrollvorschlagen und natürlich an westlichen Verteidigungsanstrengungen zu unterstützen - aber nicht Kritik an den Anstrengungen des Kreml.
Diese Verhaltensweise steht in völligem Gegensatz zu der freien öffentlichen Debatte, die Teil des Entscheidungsprozesses in den Vereinigten Staaten und in den westlichen Demokratien ist.
Vor einem

�Vor einem Monat hat Präsident Reagan auf seiner Europareise die sowjetischen Führer aufgefordert, sich einmal zu überlegen, wie der Wettstreit an
Ideen und Werten auf einer friedlichen und gegenseitigen Basis durchgeführt
werden könnte. Reagan ist der festen Überzeugung, daß die freie Diskussion
in der Demokratie, verbunden mit einer weltweiten Kampagne für die Freiheit,
die Aussichten für Rüstungskontrolle und eine Welt in Frieden stärken werden.

- 3 -

�14. Juli 1982

27

AMERIKAS VERTRETER BEI DEN UN-STELLEN IN GENF
FORDERT DIE WELTORGANISATION ZU LEISTUNGSSTEIGERUNGEN AUF

GENF - (AD) - Die Vereinten Nationen würden in den Augen ihrer Mitgliedstaaten erheblich an Ansehen gewinnen, wenn sie stärker und wirksamer auf die
sozialen und wirtschaftlichen Probleme in aller Welt eingehen würden, erklärte der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Sonderorganisationen
der Vereinten Nationen und bei anderen internationalen Körperschaften in Genf,
Botschafter Geoffrey Swaebe, auf einer gemeinsamen Tagung des Verwaltungsausschusses für Fragen der Koordination, der sich aus dem UN-Generalsekretär und
Vertretern der Sonderorganisationen zusammensetzt, und des Programm- und Koordinationsausschusses aus Vertretern der Mitgliedstaaten am 6. Juli 1982 in
Genf.

Die Vereinten Nationen müßten ihre Mitgliedregierungen und die Welt-

öffentlichkeit davon überzeugen, daß sie leistungsfähig und wirksam zu arbeiten vermögen.
"Die Vereinigten Staaten stehen auch weiterhin entschlossen zu den Grundsätzen, auf die sich die Vereinten Nationen gründen," versicherte Botschafter
Swaebe.

Aufgabe der Tagungen sei es, zu überlegen, wie die Vereinten Nationen

und ihre Organe angemessen, wirkungsvoll und in besserer Koordination auf die

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�auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme von heute reagieren könnten."

Die beiden Koordinationsausschüsse treten jedes Jahr unmittel-

bar vor Beginn der monatelang dauernden Sommersitzung des Wirtschafts- und
Sozialrates der UN (Economic and Social Council - ECOSOC) zusammen, die dieses Jahr am 7. Juli begonnen hat.
Die Hebung des Rufes der UN-betonte Swaebe, erfordert mehr als nur die
Intensivierung ihrer Öffentlichkeitsarbeit.

"Unserem Dafürhalten nach soll-

ten die UN-Organe den Blick nach innen wenden, um die Ursachen für den Vertrauensschwund unter den Mitgliedstaaten herauszufinden.

Sie müssen bewußte

und gewissenhafte Anstrengungen zur Straffung sowohl der Programme als auch
der Durchführung desselben unternehmen.
Die Vereinigten Staaten werden auch in Zukunft alle Bemühungen der Vereinten Nationen und ihrer Organe unterstützen, die darauf abzielen, Management
und Verwaltung zu verbessern."
In Anspielung auf eine Feststellung in der Haushaltsbotschaft Präsident
Reagans fuhr Botschafter Swaebe fort: "Von besonderer Wichtigkeit ist, daß
die Organisationen ihre Programme regelmäßig überprüfen und weniger dringende
und veraltete Aktivitäten einstellen, mit einem möglichst kleinen Mitarbeiterstab auskommen und damit auch die sonstigen Betriebskosten senken. Die
Vereinigten Staaten sind überzeugt," so betonte Swaebe, "daß die Wirksamkeit
der meisten UN-Organisationen nach der erheblichen Ausweitung ihrer Programme
in den letzten Jahren durch Einlegung einer Periode der Auswertung, Angleichung und Rationalisierung nur gesteigert werden kann."
Der amerikanische Vertreter wies darauf hin, daß die anhaltenden weltwirtschaftlichen Probleme ernsthafte Einschränkungen in den Staatshaushalten
der Mitgliedstaaten zur Folge hatten, während sich die Haushalte der UN-Organisationen

in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht haben - von 502,2

Millionen Dollar im Jahr 1973 auf 1,6 Milliarden für 1982.
"In einer

�"In einer Zeit," betonte Botschafter Swaebe, "in der die Mitgliedstaaten
erhebliche Abstriche an ihren Programmen im Inneren hinnehmen müssen, ist es
von großer Wichtigkeit, daß auch die UN-Organe den wirtschaftlichen und finanziellen Gegebenheiten Rechnung tragen.

Das Versäumnis, dies zu tun, würde

das Vertrauen untergraben, das wir in sie setzen.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß die internationalen Organisationen darauf bedacht sein müssen, den höchstmöglichen Leistungs- und Wirkungsgrad in der Verwendung knapper finanzieller Hilfsquellen zu erreichen.
Jede UN-Dienststelle muß die ihr zur Verfügung stehenden Mittel auf jene Programme und Vorhaben verwenden, die die besten Ergebnisse bei geringstmöglichen
Kostenaufwand versprechen."
In seinen weiteren Ausführungen wies der Botschafter darauf hin,daß die
Haushaltdefizite in den Vereinigten Staaten zu drastischen Einschränkungen
der Staatsausgaben zwingen, von denen insbesondere periphäre Programme mit
relativ geringem Nutzeffekt betroffen werden. Er forderte alle UN-Organe
auf, die Privatwirtschaft als Partner für Entwicklungsvorhaben zu gewinnen.
"Die private Wirtschaft", so erklärte Swaebe wörtlich, "vermag den Erfindungsgeist zu beflügeln und die Weitergabe moderner Technologien zu beschleunigen; sie hat Millionen Arbeitskräfte zu Fachkräften ausgebildet
und die Mittel zur Hebung des Lebensstandards von unzähligen Millionen aufgebracht." Die Privatwirtschaft verfügt über einen Erfahrungsreichtum, der die
Gewißheit bietet, daß Programmrichtlinien koordiniert werden, daß die ProgrammPlanung wirklichkeitsnahe ist und daß die Programmschritte effizient ausgeführt werden."

+ + + + +

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�HinterQfundmoterial
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14. Juli 1982

27

FÜR AFGHANISTANS FREIHEITSKÄMPFER IST DAS RADIO BRÜCKE ZUR AUSSENWELT
Von Edward Girardet, Sonderkorrespondent des Christian Science Monitor -

Nachdruck mit Genehmigung des Christian
Science Monitor (C) 1982 The Christian
Science Publishing Society
Alle Rechte vorbehalten
Irgendwo in den afghanischen Kohistan-Bergen, in einer Tschaikana, einem
Teehaus. Die dunkle, trotzdem gastliche Herberge aus Lehm und Stein wird beherrscht von einem riesigen, dampfenden Samowar und ist voller Bauern und Widerstandskämpfer, die dort auf ihrem Weg in die Kampfgebiete Nordafghanistans
Halt machen.
Während sie aus bunten chinesischen Tassen ihren grünen Tee schlürfen,
diskutieren die Männer laut über die Aussichten einer großangelegten kommunistischen Offensive gegen die Guerilla im nahegelegenen Panschir-Tal. In
einem Land, wo man sich noch immer die Zeit vorwiegend mit Plauderei vertreibt,
sind Reisende eine begehrte Informationsquelle für viele dieser abseits gelegenen Dorfgemeinschaften.
Aber gegen

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�Aber gegen Spätnachmittag kommt Schweigen über die Gruppe und die vertrauten
Töne eines Yankee Doodle finden ihren Weg durch das Krachen und Knacken eines
japanischen Kurzwellenradios. Und dann bringt plötzlich die sonore Stimme des
Ansagers der Stimme Amerikas (VOA) auf Farsi die wichtigsten Themen der Abendnachrichten. Aufgeregtes Gemurmel begleitet den Sprecher, wenn dieser diplomatische Quellen aus Kabul zitiert, die von den jüngsten Kämpfen in Afghanistan
berichten.
Als ausländischer Beobachter ist man beeindruckt von der Leidenschaftlichkeit, mit der die Afghanen, von denen die Mehrheit weder lesen noch schreiben kann,
die internationalen Ereignisse mittels VOA, BBC, der Deutschen Welle, ja sogar
Radio Moskau, verfolgen. Von durchreisenden Journalisten und französischen
Ärzten abgesehen, waren westliche Rundfunksender lange Zeit der einzige unmittelbare Kontakt zur Außenwelt.
Doch die westlichen Kurzwellensender, die auch in Paschto, neben Farsi die
zweite Hauptsprache Afghanistans, senden, haben ihre Mängel. Nur schwer ist verläßliche Information über die Lage im Innern Afghanistans zu erhalten. Berichte
westlicher Diplomaten aus der afghanischen Hauptstadt, die sich nicht selbst auf
unmittelbare Beobachtungen stützen, sind nicht selten fragwürdig. Genau wie in
der Sowjetunion ist die Bewegungsfreiheit westlicher Diplomaten außerhalb der
Hauptstadt eingeschränkt, Informationen von anderen Regionen daher oft bruchstückhaft. Auch ist es für Diplomaten nicht ungefährlich, sich in Gegenden wie
dem Alten Basar sehen zu lassen, wo man sie leicht für Russen halten könnte.
Dennoch senden Stationen regelmäßig Berichte, die bei Afghanen verständlicherweise Verwirrung stiften, wenn darin von ihrer Vernichtung durch die Sicherheitskräfte gesprochen wird - und sie doch hiersitzen und ihren Tee trinken.
So sprachen erste diplomatische Berichte von der jüngsten Panschir-Offensive
davon, daß die sowjetischen und afghanischen Regierungstruppen einen großen Sieg
davongetragen hätten, es bei der Guerilla schwere Verluste gegeben habe und die
Truppen sich in dem Tal festgesetzt hätten. Obwohl nicht zu leugnen war, daß die
Kommunisten diese strategische Region besetzt hatten, so waren ihre Verluste doch
sehr hoch und die der Mudjahedin auf&lt;der anderen Seite nur gering.
Die Sowjets,

�Die Sowjets, die offensichtlich am 13. Juni von dort abzogen, ließen etwa
8 000 afghanische Regierungstruppen und sowjetische motorisierte Einheiten zurück.
Seither soll die Widerstandsbewegung dort eine Reihe von Gegenangriffen gestartet
haben und beträchtliche Mengen an Ausrüstung zerstört sowie mehrere militärische
Vorposten umzingelt haben.
Direkte Informationen aus dem Widerstand

von Journalisten oder von Ärzten,

die im Innern Afghanistans arbeiten, und die ein ausgewogeneres Bild vermitteln
könnten, benötigen oft Tage, wenn nicht Wochen, um nach Pakistan zu gelangen.
Aber auch hier muß man die Aussagen mit großer Vorsicht behandeln.
Mit der Zeit haben die Widerstandskämpfer jedoch erkannt, daß übertriebene
oder nichtexistierende Erfolge über die kommunistischen Streitkräfte ihrer Sache
nur wenig dienlich sind, und dies kommt auch in ihren Berichten zum Ausdruck,
die durch ein einfaches, aber höchst wirkungsvolles Informationsnetz von Boten
verbreitet werden.
Die Stimme Amerikas unternimmt ebenfalls besondere Anstrengungen, um verläßlichere und aktuellere Informationen auszustrahlen: Neben ihren englischsprachigen Reportern arbeiten auch Korrespondenten, die Farsi und Paschto sprechen.
Die BBC stützt sich bei ihren Afghanistan-Nachrichten auf einen Korrespondenten,
der in Islamabad arbeitet. Mit dem Aufbau von Radio Freies Kabul vor einem Jahr
bietet sich dem afghanischen Widerstand eine, wenn auch begrenzte Möglichkeit
zu rascher und normalerweise verläßlicher Information. Drei UKW-Geheimsender mit
einer Leistung von 20 Watt, die derzeit jede Nacht von unterschiedlichen Plätzen
im Umkreis von 50 km von der afghanischen Hauptstadt aus ihre Sendungen ausstrahlen,
haben bereits beträchtliche Unruhe im offiziellen Kabul gestiftet. Die sowjetische
Presse hat die Sender bereits mehrmals angegriffen und die afghanische Regierung
ihren Soldaten den Besitz entsprechender Empfänger verboten. "Dies beweist, daß
wir schon beträchtliche Wirkung erzielen", meinen Mitarbeiter des Senders.
Trotz wiederholter Versuche, die Sender zu bombardieren oder zu stören,
ist es bisher gelungen, die Sendungen auf Farsi und Paschto fast regelmäßig

- 3 -

�fast regelmäßig auszustrahlen. Für manche ist Radio Freies Kabul nichts als eine
Propagandaoperation der Guerilla, aber es wird zweifellos ein bewußter Versuch
unternommen, ihn für alle politischen Richtungen offenzuhalten. "Jeder, der
etwas zu sagen hat, kann kommen und reden."
Größtes Problem für die Station ist der Mangel an entsprechenden Empfängern,
auch wenn fast jedes Dorf wenigstens über einen Apparat verfügt, der das
Programm empfängt. "Da es uns derzeit wirklich nicht möglich ist, über Mittelwelle zu senden, brauchten wir mehrere tausend Empfänger, um sie über das ganze
Land zu verteilen", heißt es bei Radio Freies Kabul.
+++++

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;MBFR-Vertragsentwurf vermindert Kriegsrisiko in Mitteleuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Abrüstungschefs in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Delegierter: Amerika weiterhin dem Frieden und der Abrüstung verpflichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Abschluss der UN-Abrüstungssondersitzung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanische Nein zum UN-Seerechtsvertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Raumfahrt im kommenden Jahrzehnt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erläuterungen des Weißen Hauses zum neuen Programm -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Handelsbeziehungen mit Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von US-Unterstaatssekretär Waldmann vor der Amerikanischen Handelskammer in München -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Entscheidungsbefugnis in der amerikanischen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Friedensbewegung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Vertreter bei den UN-Stellen in Genf fordert die Weltorganisation zu Leistungssteigerungen auf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Afghanistans Freiheitskämpfer ist das Radio Brücke zur Außenwelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Edward Girardet, Sonderkorrespondent des Christian Science Monitor -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Juli 1982

26
INHALT
DOKUMENTATION

Amerikas Hauptziel bei den START-Verhandlungen in Genf: Weniger Kernwaffen
- Interviews mit Botschafter Rowny Schreiben Reagans an den Chefdelegierten der START-Verhandlungen
- Ziel:

Beseitigung der Bedrohung durch Kernwaffen -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan: Embargo für ölgerät prinzipieller Schritt
- Sowjetunion hat Unterdrückung in Polen nicht gelockert
Wieder neue Abschußanlagen für SS-20-Raketen
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig WIRTSCHAFT
USA begrüßen EG-Entscheidung über Exportkredite
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Der Routineeinsatz kann beginnen
- Harte Belastungsproben für COLUMBIA beim vierten Testflug
NASA plädiert für bemannte Raumstation
- Nächster Schritt im US-Raumfahrtprogramm -

Um Ubcr/endung von
ßclcgcxemplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

7. Juli 1982

AMERIKAS HAUPTZIEL BEI DEN START-VERHANDLUNGEN IN GENF: WENIGER KERNWAFFEN
- Interviews mit Botschafter Rowny -

GENF - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den START-Verhandlungen
- den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Verminderung der strategischen Waffen (Strategie Arms Reduction Talks) - in Genf, Botschafter Edward
Rowny, erklärte nach Beendigung der Eröffnungssitzung am 29. Juni 1982 vor
Journalisten:
- Alle Elemente der amerikanischen strategischen Nuklearrüstung werden in
den START-Verhandlungen zur Diskussion stehen, einschließlich der MX- und der
TRIDENT II-Systeme;
- die START- und die INF-Verhandlungen (Verhandlungen über die Mittel Streckensysteme in Europa) seien "ParallelVerhandlungen" und es bestünde eine sehr enge
Koordination zwischen den jeweils in ihnen verfolgten Zielsetzungen; und
- die von den Kernwaffengegnetn rund um die Erde zum Ausdruck gebrachten
Besorgnisse seien auch die Besorgnisse des amerikanischen Volkes. "Es besteht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�"Es besteht kein Widerspruch zwischen ihnen und uns" so sagte Rowny.
Auf die Frage eines Reporters, was er sich von den START-Verhandlungen
erhoffe, was nicht schon mit SALT II erreicht worden war, antwortete Botschafter
Rowny wörtlich: "... ein Rüstungsbeschränkungsabkommen. Ich habe erlebt, wie
gegen Ende der SALT-Verhandlungen das Ergebnis verwässert wurde. In seiner Endfassung war dies kein Rüstungsbeschränkungsvertrag; er begrenzt die Rüstungen
lediglich auf einem extrem hohen Stand, und das auf eine Weise, die beide Seiten
daran hindert, je davon abzugehen. Ich befasse mich schon seit langem mit der
Frage der Rüstungsbeschränkung sehr ernsthaft und befürworte die Rüstungsbeschränkung schon seit 30 Jahren. Deshalb möchte ich hierfür alles tun, was in
meinen Kräften steht. Zu meinem Glück habe ich in Präsident Reagan einen
Förderer gefunden, der hierin voll und ganz mit mir übereinstimmt. So erhoffe
ich mir eine gleichgewichtige und verifzierbare Vereinbarung, die den Rüstungsstand erheblich senkt und uns der Lösung der Aufgabe näherbringt,

die strate-

gischen Waffen zu verringern."
Auf die Frage, wie der Weiterbau des MX-Systems und anderer Systeme das
Ergebnis der START-Verhandlungen beeinflussen könnte, erwiderte Rowny "... in
positiver Weise, weil die Vereinigten Staaten, wie der Präsident erklärt hat,
die 15-jährige Vernachlässigung ihrer Streitkräfte wettmachen, diese modernisieren und für ihre eigene Sicherheit sorgen müssen. Vorsorge für die eigene Sicherheit zu treffen wird es uns gestatten, zu einem Rüstungsbeschränkungsabkommen
zu gelangen."
Nach der Stimmung auf der Eröffnungssitzung gefragt, entgegnete der amerikanische Chefdelegierte: "Sie war herzlich, sachlich, offen, ernst."
Auf die Rückwirkung der Friedensbewegungen in Europa und den Vereinigten
Staaten angesprochen, führte Rowny u.a. aus: "Sie (die Sowjets) verstehen nicht
ganz, warum wir diese Friedensbewegungen haben und dulden. Sie haben keine
Friedensbewegung, und die jüngste Elfergruppe kam in Moskau nicht sehr weit.
Ich hege die Erwartung und Hoffnung, daß dann, wenn das Volk verstehen lernt,

- 2 -

�verstehen lernt, daß wir uns - indem wir die Rüstungen vermindern und uns auf
die am stärksten destabilisierend wirkenden Waffen konzentrieren - in Richtung
auf eine Verminderung der Gefahr eines Krieges mit Kernwaffen hin bewegen, eine
vernünftigere Haltung an die Stelle von Emotionen treten wird, die gut gemeint
sind und die ich nicht verunglimpfen möchte: die Menschen fürchten das Unbekannte,
sie fürchten diese Waffen. Ich glaube aber, wenn Sie (die anwesenden Journalisten)
und andere dies erst einmal klar genug aussprechen, und wenn die anderen (die
Friedensfreunde) begreifen, worum es uns geht, dann werden sich diese Bewegungen
zerstreuen. Zwischen ihren Zielen und unseren Zielen besteht ja gar kein Gegensatz. Wir wollen die Gefahr eines Atomkrieges verringern, indem wir die Nuklearwaffen abbauen."
Was die Ziele der Amerikaner bei den am 29. Juni in Genf aufgenommenen Verhandlungen angeht, so hat Chefdelegierter Rowny diese in einem Interview, das er
in Washington vor seiner Abreise nach Genf unserem Korrespondenten William H.
Durham gegeben hat, ausführlich dargelegt. Dieses Interview hat folgenden Wortlaut:
Frage: Wie kamen die START-Vorschläge zustande? Welche Instruktionen haben
Sie erhalten, und wie stehen Sie zu diesen?
Antwort: Die Positionen für die START-Verhandlungen wurden über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr hinweg entwickelt. Am Angang haben wir - nicht nur
ich, sondern auch die in den zuständigen Behörden in Washington damit befaßten
Fachkräfte - eine Reihe von Zielsetzungen aufgestellt, die wir zu erreichen
suchen. Das höchste Ziel ist die Verringerung der Gefahr eines Krieges mit
Kernwaffen. Es soll erreicht werden durch wesentliche - nicht nur symbolische
- Verringerungen der Kernwaffen auf eine Art und Weise, daß sich auf einem
niedrigeren Niveau die Abschreckung

verstärkt, die ein hohes Ziel darstellt.

Wir wollen von einem Krieg mit Kernwaffen abschrecken und die Stabilität in
Kriegszeiten erhöhen.
Mit anderen Worten: Wenn es zu einer Krise kommen sollte, in der sich ein
Krieg mit konventionellen Waffen zu einem Atomkrieg ausweiten könnte, wollen wir
das verhindern, wollen wir jede Anwendung von Kernwaffen verhindern. Somit ist
- 3 -

�Somit ist Stabilität in Krisenzeiten ein sehr wichtiges Kriterium.
Das nächste Kriterium bei alledem ist die Gleichheit. Das war die Losung:
Jede Vereinbarung muß von vorne bis hinten und in allem was sie bestimmt, gleichgewichtig sein. Und dann mußten unsere Vorschläge einfach gehalten sein. Das
läßt sich schwer verwirklichen, weil es hier um ein sehr vielschichtiges Thema
geht. Schließlich muß der Vertrag in Verhandlungen erreichbar sein: er muß uns
etwas einbringen, und er muß den Sowjets etwas einbringen.
Angesichts dieser Kriterien war der START-Vorschlag zu entwickeln. Wir
haben diesen Kriterien Rechnung getragen. Es sollen wesentliche Verringerungen
vorgenommen werden. Ein Beispiel: die nuklearen Gefechtsköpfe.für ballistische
Raketen sollen um mindestens ein Drittel vermindert werden.
Frage: Wird es zu wesentlichen Verringerungen kommen?
Antwort: Zu wesentlichen (substantial) Verringerungen, ganz richtig.
"Signifikante Verringerungen" war der Schwellenbegriff in SALT II, und bedeutete
Verringerungen um 10 bis 15 Prozent. Wir sprechen nun von wesentlichen Verringerungen, weil diese weit darüber hinausgehen - ein Drittel.
Frage: Würden Sie von einschneidenden Verringerungen sprechen?
Antwort: Nein, ich würde das Wort einschneidend nicht benutzen, denn wenn
Präsident Carter von einschneidenden Kürzungen sprach, wollte er nur einige
hundert Waffen übriglassen. Und das halten wir auch nicht für realistisch.
"Wesentliche Verringerungen" aber halten wir für einen guten Begriff. Für uns
bedeutet er, da wir heute beide etwa die gleiche Zahl von rund 7 500 Nukleargefechtsköpfen für ballistische Raketen besitzen, daß wir diese Zahl beide auf
ein gleiches niedrigeres Niveau von etwa 5 000 reduzieren.
Um jedoch sicherzustellen, daß sowohl die Abschreckung als auch die Krisenstabilität gestärkt wird, erklärten wir, daß nicht mehr als die Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe für Interkontinentalraketen (Intercontinental Ballistic

�(Intercontinental Ballistic Missiles - ICBM) oder landgestützte ballistische
Raketen (Land-Based Ballistic Missiles - LBBMs) sein dürfen, weil die Gefechtsköpfe von ICBMs eine viel größere Zielgenauigkeit und eine größere Sprengkraft
aufweisen und weil diese - als starre Systeme - leichter verletzlich sind. Und
gerade das ist es, was die Stabilität mehrt.
Frage:

Sind die Interkontinentalraketen eines der Gebiete, auf dem das

SALT-II-Abkommen enttäuscht?
Antwort: Es bestand nur die Illusion der Gleichheit. Aber 2 400 Startgeräte
auf beiden Seiten hätten die Ungleichheit verborgen, die hinter oder in diesen
Startgeräten bestanden hätte. Wir sind für START zu neuen Maßeinheiten gelangt Startanlagen sind Gewehren mit einem oder solchen mit mehreren Geschossen vergleichbar. Ob man ein Geschoß für ein Gewehr oder drei oder vier für es hat,
macht einen großen Unterschied.
Unter SALT II wäre es den Sowjets gestattet, dreimal soviele ICBM-Gefechtsköpfe zu besitzen wie wir - und das wäre ein destabilisierender Faktor. Die
Sowjets besitzen gegenwärtig etwa 5 900, wir aber nur 2 100 Gefechtsköpfe für
Interkontinentalraketen. Wir versuchen, das Arsenal an ICBM-Gefechtsköpfen im
START-Vertrag durch Verminderung der Gesamtzahl der ICBM-Gefechtsköpfe von
5 900, die SALT-II gestattet hätte, auf 2 500 abzubauen.
Frage: Wie kommen Sie mit der Tatsache zurecht, daß die landgestützten
sowjetischen ICBMs größer, dicker und schwerer sind als unsere?
Antwort: Man kann - da haben Sie recht - mit Zahlen von Gefechtsköpfen allein
nichts anfangen. Wir bedienen uns einer anderen Maßeinheit. Man muß das Wurfgewicht mit in Betracht ziehen. Was zählt, ist die Nutzlast (Wurfgewicht) - Zahl
und Gewicht der Gefechtsköpfe -, die eine Rakete auf ein Tausende von Kilometern
entfernt liegendes Ziel zum Einsatz bringen kann. Wir werden in einer zweiten
Phase der Verhandlungen vor der Notwendigkeit stehen, daß beide Seiten niedrigere
Wurfgewichte anstreben: Ein Niveau, das unterhalb unserer Millionen von Kilogramm
Wurfgewicht liegt.
Frage: Kommen

�Frage: Kommen wir auf den Terminus Wurfgewicht zurück. Bedeutet es die
Sprengkraft in Megatonnen (MEGATONNAGE)? Entspricht das Wurfgewicht also der
Megatonnage?
Antwort: Nicht genau. Das Wurfgewicht entspricht dem Zerstörungspotential,
das eine bestimmte Rakete befördern kann.
Frage: Zerstörungspotential oder Zerstörungskapazität?
Antwort: Ja, es zählen tatsächlich die Gefechtsköpfe, das Gewicht der
Gefechtsköpfe,und das läßt sich gewöhnlich ziemlich exakt mit der Sprengkraft
in Beziehung setzen.
Hinzu kommt, daß wir Verminderungen auf nicht mehr als die Hälfte der derzeitigen Zahl der dislozierten ballistischen Raketen wünschen. Wir haben zur
Zeit rund 1 600 Raketen disloziert, die Sowjets etwa 2 350. Wir sagen, daß in
praxi beide Seiten ihre ballistischen Raketen auf 850 dislozierte Einheiten abbauen sollen. Wir werden uns auf diese Art Dinge konzentrieren: die ballistischen
Raketen, und insbesondere die Interkontinentalraketen, weil sie destabilisierend
wirken. Unser Ziel ist es, Krisenstabilität zu erreichen.
.

Frage: Und was verstehen Sie unter Krisenstabilität?
Antwort: Die Tatsache, daß die Sowjets dreimal so viele ICBM-Gefechtsköpfe
haben wie wir, bedeutet, daß die Lage angespannt ist. Sie besitzen die Option,
einen Erstschlag gegen uns zu führen und 90 Prozent unserer ICBMs zu zerstören und sie hätten noch immer sehr viele davon, selbst wenn wir einen Vergeltungsschlag mit all dem führen, was uns noch - unzerstört - übriggeblieben ist. Das
wirkt destabilisierend. Das macht unser ICBM-System verletzlich und destabilisiert
die Lage.
Frage: Das würde den Sowjets gestatten, einen zweiten Schlag gegen uns zu
führen, nachdem wir unseren Gegenschlag geführt haben?
Antwort: Richtig.
- 6 -

�Antwort: Richtig. Und eben das versuchen wir zu vermeiden oder zu verhindern
und sie von einem Schlag gegen uns abzuschrecken.
Frage: Wird es in der ersten Phase de facto eine Begrenzung der Macht geben?
Antwort: Ja, de facto in der ersten Phase, weil die Sowjets, wenn sie auf
gleich hohe Obergrenzen von 5 000, 2 500 und 850 Einheiten verringern, de facto
einen wesentlichen Teil ihrer Macht aufgeben müßten, um auf jene Ziffern zu
kommen. Man bedenke, daß sie weit mehr gebaut haben als wir - über jeden Schein
der Gleichheit hinaus. Wir und die Sowjets müssen beide an Zahl und Zerstörungskraft gleich sein. Sie werden aber in stärkerem Maße vermindern müssen, um in
der zweiten Phase zur Gleichheit zu gelangen.
In der zweiten Phase wird sich die Frage der Macht stellen, wenn wir die
Gleichheit auf oder unter dem derzeitigen jeweiligen Niveau anstreben. Wir werden
dann auch Diskussionen und Verhandlungen über weitere Begrenzungen bei den
Bombern und Marschflugkörpern führen. Wie der Präsident sagte, in diesem Stadium
ist alles auf dem Tisch.
Frage: Entspricht es den Anweisungen Präsident Reagans, daß alles auf dem
Tisch ist?
Antwort: Ich erwarte die Anweisungen in den nächsten Tagen. Demzufolge was
der Präsident bisher gesagt hat, steht bis zum Abschluß alles zur Verhandlung.
Frage: Welche Rolle spielen die Unterseeboote?
Antwort: Von den je 7 500 Gefechtsköpfen, die wir beide besitzen, haben
die Vereinigten Staaten etwa 5 050 für U-Boote und etwa 2 150 für Interkontinentalraketen vorbereitet. Bei den Sowjets ist es fast gerade umgekehrt: Bei ihnen entfallen etwa 5 900 auf ICBMs und etwa um die 1 600 auf U-Boote. Wenn wir beide
auf 5 000 verringern, so geben wir, schon per definitionem, eine Menge von U-BootsGefechtsköpfen auf, weil wir bei dieser Art der Zählung ohnehin einige Gefechtsköpfe

- 7 -

�einige Gefechtsköpfe für ICBMs behalten wollen. Wir werden mindestens 2 500
Gefechtsköpfe für U-Boote aufgeben - allein per definitionem. Die Sowjets werden etwa 3 400 Gefechtsköpfe für ICBMs aufgeben müssen, um unter die Obergrenze
von 5 000 zu kommen. Somit würden sie die destabilisierend wirkenden Systeme
vermindern, was wir um der Gleichheit willen für notwendig erachten: Stabilität
zur Verringerung der Gefahr eines Krieges. Dem sowjetischen Argument, es wäre
einseitig, von ihnen zu verlangen, ihr überhöhtes Wurfgewicht aufzugeben - sie
verfügen über 5 Millionen Kilogramm, wir nur über zwei Millionen -, halten wir
entgegen: "Ja, aber warum sollten wir Sie dafür belohnen, daß Sie vorangeprescht
sind und dieses destabilisierende System gebaut haben." Und darüber hinaus:
Während wir die Sowjets auffordern, eine Menge von ICBM-Gefechtsköpfen aufzugeben, bis herab zu 2 500, möge man doch darauf achten, was wir tun. Wir geben
Gefechtsköpfe für U-Boot-gestützte ballistische Raketen (Submarine-Launched
Ballistic Missile - SLBM) auf - sogar einige Gefechtsköpfe für Raketen-U-Boote,
die unter der Bezeichnung D-5 oder TRIDENT II bekannt wurden und frühestens
Ende dieses Jahrzehnts auf See stationiert werden können. Somit würden die
Sowjets die Zahl dieser neuen U-Boot-Gefechtsköpfe mitbestimmen oder begrenzen
können. Das wäre ein großer Vorteil für sie, weil diese Gefechtsköpfe zielgenauer
sind als die der derzeitigen U-Boot-Raketen. Sie haben zudem eine größere
Sprengkraft und ein höheres Wurfgewicht pro Rakete; und sie sind auch weniger
verletzlich. Sie werden dank ihrer größeren Reichweite nicht nur im Atlantik,
sondern auch im Pazifik patrouillieren. Es wäre für die Sowjets deshalb ein
großer Vorteil, in diesem Falle wie auch bezüglich unserer MX-Raketen eine
Handhabe zu bekommen.
So verlangen wir, auf kurze Sicht, von den Sowjets, eine Menge aufzugeben,
um damit zu beginnen, auf den Gleichstand herabzukommen; längerfristig geben
aber auch wir eine Menge auf. Das erst macht es möglich, hierüber zu verhandeln.
I

Frage: Die MX-Rakete trägt zehn MIRVs (Multiple Independently-Targetable
Re-entry Vehicles) oder zehn Gefechtsköpfe; wieviele trägt die SS-18?
Antwort: Sie trägt zehn, hat aber ein so großes Wurfgewichtspotential, daß
sie 25 oder 30 tragen könnte. Die MX aber hat nur die Hälfte des Wurfgewichts
- 8 -

�des Wurfgewichts der SS-18, einer großen, schweren Rakete. Somit haben die
Sowjets ein großes Wurfgewichtsplus, das sie für die Mitnahme von mehr Gefechtsköpfen nutzen könnten. Wenn wir somit zu gleichen Ziffern und gleichen Wurfgewichten gelangen, begrenzen wir damit nicht nur die Zahl der Gefechtsköpfe,
sondern schaffen gleichzeitig auch die Gewähr, daß die Sowjets kein, wie wir
es nennen, Ausreißerpotential erlangen, daß sie ihr Wurfgewichtsplus nicht
später in mehr Gefechtsköpfe ummünzen können.
Frage: Was geschieht, wenn wir in Verhandlungen über gleiche Zahlen, gleiche
Obergrenzen und gleiche Wurfgewichte eintreten und die Sowjets erklären, sie
würden nicht mitmachen?
Antwort: Dann haben wir es immerhin versucht, und Hoffnung keimt ja immer
wieder neu auf. Wir glauben andas Prinzip der Gleichheit, und es gibt keinen
Grund, warum wir beide uns nicht auf eine Gleichheit auf weit niedrigerem Niveau
sollten einigen können - warum sollten wir das" befürchten? Nach unserem Dafürhalten gibt es genug Feedback von Leuten, die dieser Frage in der Sowjetunion
nachgegangen sind. Sie ist wirklich daran interessiert, ebenfalls zur Stabilität zu gelangen.
Frage:
Antwort:

Ist sie das?
Ja.

Sie erleben einen Präsidenten, der an seine Oberzeugungen

glaubt und willens ist, Versäumnisse hinsichtlich unserer Verteidigung nachzuholen.

Präsident Reagan ist überzeugt, daß wir unsere Sicherheit auf zwei Wegen

bessern können: durch Rüstungsbeschränkungen und durch Verteidigungsvorkehrungen.
Frage: Machen sich die Sowjets Sorgen wegen unserer neuen Raketen - der
MX und der TRIDENT?
Antwort:

Ja, sie machen sich deretwegen Sorgen.

Frage: Ich leite dies davon ab, daß Sie sagten, wir wären in praxi bereit,
die Zahl dieser neuen Raketen, die wir zu dislozieren gedenken, zu verringern,
sofern sie ihrerseits vermindern.
Antwort:

�Antwort:
Wir sagen ihnen, wenn wir derzeit jeder 7 500 Gefechtsköpfe haben und uns
beide darauf einigen, künftig nur noch 5 000 zu haben, geraten die Dinge doch
in Bewegung. Man kann ja doch nur so und soviele MX-, Minuteman-, Trident IIund POSEIDON II-Raketen im Gesamtarsenal haben. Es entsteht eine Art Gedränge.
Man kann einfach nicht soviele Raketen haben, wie man gerne haben möchte.
Frage: Und wie steht es mit den Bombern des Typs B-I und der Radar-Unsicht- •
barkeit? Machen sich die Sowjets wegen der B-l Sorgen?
Antwort: Ja, sogar sehr viele.
Frage: Auch wegen des Radar-unsichtbaren Bombers, dem Bomber mit der hochtechnischen Ausrüstung?
Antwort: Sehr viele. Sicherlich sehr viele. Sie wissen, daß der Bomber
vom Typ B-52 durch die B-l ersetzt werden wird, und die B-l wiederum wird so
schnell wie möglich durch das Radar-unsichtbare Flugzeug STEALTH ersetzt werden,
worüber sie sehr besorgt sind. Somit haben auch sie hier etwas zu gewinnen.
Deshalb werden wir uns die ganzen Verhandlungen hindurch ihre Vorschläge zur
Beschränkung der Bomber auf beiden Seiten auf die gleiche Zahl sorgfältig anhören.
Frage: Und wie steht es um die derzeitigen Zahlen?
Antwort: Wir haben gegenwärtig etwa 350 B-52, sie etwa 415 schwere Bomber.
Frage: Sind das die Bomber vom Typ Backfire?
Antwort: Die Backfires nebst der Bären und den Bisons. Sie haben 150 Bären
und Bisons. Der Rest sind Backfires.
Frage: Somit haben sie etwa 300 Backfires?
Antwort: Weniger, sie werden aber bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem wir mit
einem Vertrag rechnen können, so viele haben.
Frage: In
- 10 -

�Frage: In welchen Zeitbegriffen denken Sie? Wie meinen Sie, daß diese Gespräche in Gang kommen werden? Wird es zu einer längeren Periode des sich gegenseitigen Abtastens kommen?
Antwort: Nein, wir haben einander schon Maß genommen. Viktor Pawlowitsch
Karpow und ich kennen uns nun schon sechseinhalb Jahre lang, waren wir doch
beide von Anfang an an den SALT-II-Verhandlungen beteiligt.
Frage: Ist er der sowjetische ChefUnterhändler?
Antwort: Ja, wir können uns eine Menge Zeit sparen. Er garantiert eine gewisse Kontinuität. Er bringt General Starodubow mit, der etwa die Hälfte der
Verhandlungsdauer an SALT I teilgenommen hatte. Und ich bringe eine ganze Reihe
von Leuten mit, die über Vorerfahrungen mit SALT und im Umgang mit den Sowjets
verfügen. So werden wir in der ersten Runde nicht allzuviel Zeit aufwenden müssen,
um unsere Vorschläge zu unterbreiten und deren Sinn zu erläutern. Wir werden
sehen, wie sie darauf reagieren. Wir werden ihnen sorgfältig zuhören. Wir brauchen
das Rad nicht ein zweites Mal zu erfinden. Wir wollen uns darauf konzentrieren,
einen Vertrag der Gleichheit zu erlangen.
Frage: An welche Art von Zeitplanung denken Sie angesichts der Basis, der
Grundlage oder des Fundaments, von dem Sie ausgehen müssen?
Antwort: Das vorherzusagen, ist mir fast unmöglich.
Frage: Beabsichtigen Sie, an einem gewissen Punkt zu versuchen, die INFGespräche - die Gespräche über die nuklearen Mittelstreckenraketen (Intermediate
Range Nuclear Force Talks) oder was man in einigen Kreisen die Europäischen
Raketengespräche nennt - in die START-Gespräche einzubringen?
Antwort: Im gegenwärtigen Augenblick sind dies getrennte Gespräche. Wir
verhandeln auf der Basis des Kommuniques von Rom, in dem es heißt, daß das, was
man als nukleare Gefechtsfeldwaffen (Theater Nuclear Force - TNF) zu bezeichnen
pflegte, im SALT-Rahmen zur Verhandlung gestellt werden solle. INF aber, wie
- 11 -

�aber, wie die Bezeichnung für TNF lautet, wird im Zusammenhang mit START ausgehandelt werden. Beide Verhandlungen sind sehr eng miteinander verknüpft: durch
unsere Politik, die in Washington festgelegt wird, und durch die enge Koordination
zwischen Botschafter Nitze und mir. Wir werden in derselben Stadt arbeiten, im
selben Gebäude sogar, und beide Gesprächsrunden gleichzeitig führen. Wir schlagen
eine Null-Lösung vor. Er verhandelt über die SS-4-, die SS-5- und die SS-20-Raketen sowie die landgestützten Marschflugkörper (GLCMs) und die PERSHING IIRaketen. Es mag sich an irgend einem Punkt durchaus als sinnvoll erweisen, beide
Verhandlungen ineinander einmünden zu lassen. Dieser Punkt ist aber nicht erreicht und dürfte noch in weiter Ferne liegen. Wir werden, beginnend im Dezember
1983, unsere GLCMs und PERSHING II dislozieren - es sei denn, die Sowjets zeigen
Entgegenkommen. Damit meine ich, daß wir bereit sind, unsere Dislozierungen auf
Null zu belassen, wenn sie ihre bereits dislozierten SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abwracken.
Frage: Die Null-Option?
Antwort: Wir nennen dies die Null-Lösung, weil es dann auf beiden Seiten
"null" dieser Raketen geben wird. Wenn sich die Sowjets selbst treu bleiben,
werden sie in dem Versuch fortfahren, Keile zwischen die Verbündeten zu treiben,
die Vereinigten Staaten von ihren Verbündeten zu trennen, wie Breschnew in
seiner Rede vor dem Komsomol ausdrückte. Sie werden bis zur letzten Minute warten,
weil die Europäer diese Raketen nicht aufzunehmen wünschen - das heißt, daß wir
mit Herbst nächsten Jahres rechnen müssen.
Frage: In diesem Falle würden wir mithin, was die für Dezember 1983 angesetzte Dislozierung angeht, in der Tat sofort beginnen, trifft das zu?
Antwort: Wir machen damit direkt voran, richtig - Vorbereitung von Abschußplätzen und dergleichen. Und wir machen mit der Produktion und der Erprobung
unserer GLCMs und PERSHING IIs voran.
Frage: Welche

�Frage: Welche sehen Sie als die leichteren Verhandlungen an, die INF- oder
die START-Gespräche?
Antwort: Das kann ich nicht sagen. Diese Frage gleicht der Frage: welches
Kind lieben Sie am meisten. START ist umfassender, erheblich weiter gespannt.
Trotzdem meine ich damit nicht, daß die INF-Gesprä'che einfach sind. Die Phase
eins von INF ist einfach, aber selbst wenn wir die Null-Lösung erzielen, bleibt
ein Ungleichgewicht von sechs zu eins zu ihren Gunsten hinsichtlich der verbleibenden Flugzeuge bestehen.
Frage: Wenn sich die Sowjets aber nicht zur Null-Lösung bereitfinden, verlieren sie damit die Propaganda-Initiative in Europa und rund um die Erde, nicht
wahr?
Antwort: Das scheint mir auch, aber wer weiß, wie sie das dann hindrehen
oder darstellen werden.
Frage: Welche Art von Vertrag wird Ihrer Auffassung nach der Senat bereit
sein zu akzeptieren?
Antwort: Einen, der Gleichheit bringt, einen, der verifizierbar ist.
Frage: Wird er verifizierbar sein?
Antwort: Er muß es sein. Wir werden keinen Vertrag mit nach Hause nehmen,
der nicht verifizierbar ist; wir bestehen auf die Verifizierbarkeit. Das ist
eines der Kriterien, das ich eingangs schon hätte anführen sollen, neben der Abschreckung, der Stabilität, der Einfachheit und dem Verhandlungsspielraum. Bedenken Sie: 70 Prozent des amerikanischen Volkes wünschen, einer Meinungsumfrage
zufolge, die etwa ein halbes Jahr zurückliegt, einen Vertrag. Die gleiche
Meinungsumfrage ergab aber auch, daß 70 Prozent der Amerikaner den Russen mißtrauen. Und vor wenigen Wochen zeigte eine weitere Meinungsumfrage: Noch immer
wünschen 70 Prozent der Bevölkerung einen Vertrag; aber nunmehr mißtrauten

- 13 -

�nunmehr mißtrauten 82 Prozent den Russen. Mit anderen Worten: sie blicken
nach Swerdlovsk, denken an den gelben Regen - und an Afghanistan und Polen.
Und deshalb muß der Vertrag verifizierbar sein. Das ist ein sehr wichtiger
Aspekt.
Frage: Nun, wenn es uns gelingt, die Verifizierbarkeit eines START-Vertrages
festzuschreiben, wie läßt sich diese aber über die "Nationalen Technischen
Mittel der Verifizierung" (National Technical Means of Verification - NTM) hinausgreifend bewerkstelligen?
Antwort: Sie läßt sich mit dem bewerkstelligen, was wir als "über die
Nationalen Technischen Mittel der Verifizierung hinausgehend" ansehen: kooperative Maßnahmen einer gewißen Art. Mit anderen Worten: Die Sowjets und wir sind
uns darin einig, daß wir gewisse Methoden oder Geräte benutzen werden müssen,
die die Verifizierung erleichtern werden. Man könnte zum Beispiel einen Radius
um jeder Raketenabschußbasis festlegen und erklären, daß innerhalb dieses Radius
keine zusätzlichen Raketen oder Gefechtsköpfe gelagert werden dürfen. Und dieser
Radius mußte groß genug sein, daß deren Anlieferung nicht innerhalb einer Nacht
zu schaffen ist.
Die Entfernung zum nächsten Lagerort muß größer sein als die Strecke, die
in einer Nacht zu bewältigen ist. Man müßte auch die Möglichkeit der Inspektion
auf Abruf haben. Inspektionen an Ort und Stelle dürften nicht ausgeschlossen
sein. Wir sind, ebenso wie die Sowjets, sicher, daß wir über die Nationalen
Technischen Mittel der Verifizierung hinausgehen müssen. Und wir haben ihnen
das hinter verschlossenen Türen und auch inoffiziell gesagt. .
Frage: Wie wichtig ist es für diese Gespräche, daß wir unsere Verteidigung
hier in diesem Lande weiter verstärken.
Antwort: Sehr wichtig, kann man doch schon an der relativen Größe ihrer
und unserer Raketen ablesen, daß wir die schwächeren Waffen besitzen, eine
geringere Zahl an stärkeren Waffen. Und wenn wir unser Modernisierungsprogramm

�unser Modernisierungsprogramm nicht fortsetzen, besteht für die Sowjets kein
Anreiz zu Verhandlungen. Wir werden zuerst für unsere eigene Sicherheit sorgen
müssen. Und wenn wir für unsere eigene Sicherheit sorgen, wird das auch der
Rüstungsbegrenzung dienlich sein, weil die Sowjets sich andernfalls nur hinsetzen
und abwarten und versuchen würden, unsere Schwäche in den Verhandlungen auszunutzen. Wir müssen von Stärke ausgehend verhandeln.
Das einzige, was ich vermutlich hierüber sagen kann, ist, daß ich eben
eine Runde von Blitzbesuchen in europäischen Hauptstädten hinter mich gebracht
habe und dabei in jeder der sechs besuchten Hauptstädte mit dem Außenminister
und anderen Regierungsbeamten gesprochen habe, und bei ihnen auf einhellige
Billigung und Zustimmung dieses START-Vorschlags als eines guten Vorschlags gestoßen bin. Man fand ihn realistisch und recht und billig, sobald man ihn erst
einmal verstanden hatte. Manche Leute haben ihn aber nicht verstanden, weshalb
wir mit unseren Verbündeten im Nordatlantikrat in Brüssel informelle und
formelle Konsultationen geführt haben.
Der Höhepunkt meiner Reise war für mich persönlich eine Audienz beim Papst.
Ich hatte Gelegenheit, mit ihm über unsere neuen Vorschläge zur Rüstungsbegrenzung
zu sprechen und ich hatte ferner Gelegenheit, ihm dafür zu danken, daß er in
seiner von Kardinal Casseroli vorgetragenen UN-Adresse erklärte, die Abschreckung
sei moralisch akzeptabel.
Es findet hier unter Theologen eine große Debatte statt, derzufolge eine
Abschreckung, die auch Atomwaffen einschließt, moralisch unakzeptabel sei.
Kardinal Casseroli erklärte im Namen des Papstes, die Abschreckung sei moralisch
akzeptabel, und das ist ein Plus.
Frage: Wie weit wird dieses Wort getragen? Wie weit werden die Gespräche
gehen, um die europäische und die amerikanische Friedensbewegung zu befriedigen?
Antwort: Ich würde sagen, direkt proportional dazu, wie es uns gelingt,
dieses Wort zu verbreiten. Einfrierung auf dem derzeitigen Stand ist ein so

- 15 -

�ein so populäres Schlagwort, weil sich das so gut anhört. Man sehe aber einmal,
was es bedeutet - man kann noch nicht einmal über die Verifizierung einer
Einfrierung verhandeln, und Einfrierung bedeutet, daß die Sowjets beibehalten,
was sie in Europa bereits stehen haben, und daß wir unsere Systeme in Europa
nicht dislozieren. Das wiederum bedeutet, daß die Dinge ziemlich unausgewogen
sind.
Deshalb ist eine Einfrierung vom sowjetischen Standpunkt betrachtet sicherlich gut - gut auch für Menschen, deren Blick die Oberfläche nicht durchdringt.
Wir haben erklärt, daß wir SALT II nicht unterlaufen werden, daß wir die dort
genannten hohen Obergrenzen nicht überschreiten werden. Eine Einfrierung aber
wäre sinnlos. Wir wollen zu einem niedrigeren Niveau gelangen. Einfrierung bedeutet ein Festhalten an einem hohen Niveau, statt ein Zurückgehen auf ein
niedrigeres Niveau - warum also sollten wir die Dinge einfrieren?
Eine weitere Angelegenheit, die manche Europäer verwirrt, ist, daß ihrer
Meinung nach in unserem Land viel Sympathie für die Doktrin besteht, keinen
Erstschlag mit Kernwaffen in Europa zu führen. Sie hören das nicht gerne, weil
die Ungewissheit darüber, wie und wann wir unsere Streitkräfte einschließlich
unserer Atomstreitmacht zum Einsatz bringen würden, der Abschreckung dient.
Frage: ... und die Europäer vor sowjetischen Angriffen schützt?
Antwort: Ja. Die Sowjets besitzen die Überlegenheit in der konventionellen
Bewaffnung, die Überlegenheit im europäischen Bereich, und nun auch die strategische Überlegenheit. Wir müssen in der Lage sein, dieser konventionellen
Überlegenheit etwas entgegenzusetzen, und wir verfolgen eine Politik der
flexiblen Antwort (flexible response). Das besagt, daß wir nukleare Waffen zum
Zwecke der Abschreckung in Europa stehen haben - nicht um einen Krieg mit
Kernwaffen zu führen, sondern um zu verhindern, daß je ein nuklearer Krieg
stattfindet.

Die eigentliche

- 16 -

�Die eigentliche Basis unseres Vorschlags ist die Gleichheit. Gleichheit
zwischen uns und den Sowjets aber trägt zur Stabilität.und zur Abschreckung
bei und vermindert auf diese Weise die Gefahr eines Krieges mit Kernwaffen
ganz erheblich. (Ende des Interviews)
+++++

- 17 -

�26

7. Juli 1982

SCHREIBEN REAGANS AN DEN CHEFDELEGIERTEN DER START-VERHANDLUNGEN
- Ziel: Beseitigung der Bedrohung durch Kernwaffen -

WASHINGTON/GENF - (AD) - In einem Schreiben an Botschafter Edward B.
Rowny, den Leiter der amerikanischen Delegation bei den Genfer Verhandlungen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START) brachte der amerikanische Präsident am 29. Juni 1982, dem Tag des Verhandlungsbeginns, die
Hoffnung zum Ausdruck, beide Seiten würden "die historische Gelegenheit ergreifen..., die vor uns liegt" und "die Bedrohung durch die nuklearen Arsenale beenden". Bei den START-Verhandlungen,die laut Aussage von Rowny "in
enger Koordination" mit den Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF-Verhandlungen) geführt werden, geht es um mehr als nur eine Begrenzung der strategischen Kernwaffen. "Unser Vorschlag ist eine Verminderung der Waffen." Zu diesem Zweck hat Präsident Reagan vorgeschlagen, daß
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Gefechtsköpfe ihrer ballistischen Raketen um etwa ein Drittel der derzeitigen Anzahl auf ein gleiches
Niveau von etwa 5000 für jede Seite vermindern. Als zweite Phase sollen dann
auch bei anderen Elementen der amerikanischen und sowjetischen strategischen
Nuklearwaffen gleiche Begrenzungen erreicht werden, wobei der Hauptakzent au"f
einer Begrenzung des Wurfgewichts der ballistischen Raketen liegt, die unter
dem derzeitigen amerikanischen Niveau zu finden wäre. Die veränderte Ausgangs-

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Telex: 8-85432

�veränderte Ausgangslage wurde von Rowny beschrieben, als er nach seiner Reaktion auf die Ankunftserklärung seines Gesprächspartners, des sowjetischen
Delegationsleiters Karpow gefragt wurde.

Er sagte:

"Ich habe mich über seine

Erklärung gefreut, daß wir wegen ernsthafter Verhandlungen hier seien und
daß wir eng zusammenarbeiten werden.

Ich freue mich auch, daß er die Ansicht

vertrat, er könne gut mit mir zusammenarbeiten, was ich umgekehrt ebenfalls
hoffe und erwarte... Wie Sie wissen, haben wir (für die Verhandlungen) den
Namen 'Verhandlungen über eine Verminderung der strategischen Rüstungen START' gefunden, um zu unterstreichen, daß es sich hier um etwas anderes
handelt.
begrenzen.

Wir wollen"bei diesem neuen Abkommen die Waffen nicht nur einfach
Unser Vorschlag soll eine Verringerung der Waffen bringen."

Das Schreiben, das Präsident Reagan an Botschafter Rowny zum Verhandlungsbeginn richtet, hat folgenden Wortlaut:
Sie sind dabei, eine der wichtigsten Aufgaben unseres Zeitalters zu
übernehmen - die Verhandlungen über ein wirksames und ausgewogenes Abkommen
über die Verringerung der strategischen Rüstungen.

Ihre Anstrengungen in die-

sem Unterfangen sind von lebenswichtiger Bedeutung für die Bürger der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - ja, für die ganze Menschheit.
Trotz mehr als eines Jahrzehnts der intensiven Verhandlungen wird die
Zahl der Kernwaffen weiterhin immer größer und die strategische Beziehung
zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten wurde immer instabiler.
Ein Hauptgrund für diese Tatsache ist die massive Aufrüstung der ballistischen
Raketenstreitmacht der Sowjetunion während der vergangenen 15 Jahre.
Es bietet sich jetzt für die Vereinigten Staaten wie für die Sowjetunion
eine historische Gelegenheit, diesen Prozeß umzukehren und sowohl die Anzahl
als auch das Zerstörungspotential der Kernwaffen beträchtlich zu verringern.
Solche Verringerungen auf ein gleiches Niveau müssen sich sofort auf die am
meisten destabilisierenden Elemente des strategischen Gleichgewichts konzentrieren, wenn wir rasch zu einer Erhöhung von Abschreckung und Stabilität

- 2 -

�und Stabilität gelangen und dadurch das Risiko eines Atomkriegs verringern
wollen.

Bei Erreichung dieses Ziels würde zudem die Atomangst stark ver-

ringert werden, die in der ganzen Welt zu einem solch, augenfälligen Merkmal
der öffentlichen Besorgnis geworden ist.
Ich unterschätze nicht das gewaltige Ausmaß dieser Aufgabe einer wirksamen Waffenverminderung.

Aber wenn diese Aufgabe auch ungeheuer ist, so

wird die Bedeutung der Durchführung dieser Verhandlungen doch vom amerikanischen und, wie ich glaube, dem sowjetischen Volk voll gewürdigt.

Wir müs-

sen aus den Unzulänglichkeiten früherer Anstrengungen lernen, denn, wie Sie
wissen, wird das amerikanische Volk nur dann ein Abkommen akzeptieren, wenn
es ausgewogen und verifizierbar ist und zur Stabilität beiträgt.
Die Vorschläge, die Sie mit nach Genf nehmen, sind ein praktischer,
schrittweiser Plan, der die legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten
schützt. Er ist dazu gedacht, die Abschreckung zu erhöhen und Stabilität zu
bringen,indem er die Nuklearwaffen beider Seiten in verifizierbarer Weise
auf ein gleiches Niveau bringt. Seine Bestimmungen reduzieren die Streitkräfte sowohl der Sowjetunion als auch der Vereinigten Staaten erheblich und
enthalten daher Vorteile für beide Seiten - und für die übrige Welt.
Ich weiß, daß Sie und Ihre Delegation diese Vorschläge klar und überzeugend präsentieren werden - wie auch die prinzipiellen Erwägungen, die ihnen
zugrundeliegen. Und ich möchte die sowjetische Delegation wissen lassen, daß
ihre Anliegen und Vorschläge auch von uns sorgfältig abgewogen werden. Was
uns angeht, so sind die Vereinigten Staaten bereit, rasch auf ein Abkommen zuzugehen, das die strategischen Kernwaffen vermindert, und ich bin zuversichtlich, daß wir die historische Gelegenheit ergreifen können, die vor uns liegt,
wenn die Sowjetunion unseren Anstrengungen mit derselben ernsthaften Zielsetzung entgegenkommt.
Als die beiden'führenden Nuklearmächte der Welt sind die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion Treuhänder der Menschheit bei der gewaltigen Auf-

- 3 -

�gewaltigen Aufgabe, die Bedrohung durch die nuklearen Arsenale zu beenden
und sie in Instrumente der Friedensstärkung zu verwandeln. Ich bin davon
überzeugt, daß dies getan werden kann, wenn beide Nationen voll das Prinzip
anerkennen, daß die einzig legitime Funktion der Kernwaffen die Abschreckung
vor einer Aggression ist.
Ich wünsche Ihnen bei Ihren Anstrengungen Gottvertrauen und versichere
Ihnen, daß ich diesen Verhandlungen meine persönliche Aufmerksamkeit schenke,

gez.: Ronald Reagan

+ + + + +

�7. Juli 1982

26

REAGAN: EMBARGO FÜR ÖLGERÄT PRINZIPIELLER SCHRITT
Sowjetunion hat Unterdrückung in Polen nicht gelockert -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat keinen Zweifel daran gelassen,
daß das von ihm verhängte Embargo für öl- und Erdgasgerät gegen die Sowjetunion aus prinzipiellen Erwägungen beschlossen wurde, da die Unterdrückung
des polnischen Volkes durch Helfer Moskaus nicht nachgelassen habe. Auf
seiner Pressekonferenz am 30. Juni 1982 erinnerte Reagan daran, daß das
erste Embargo im Dezember vorigen Jahres nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen beschlossen wurde.

"Wir sind der festen Überzeugung, daß

die Sowjetunion für die schwere Lage in Polen verantwortlich und die Adresse
ist, an die man sich in dieser Angeigenheit wenden muß", sagte der Präsident.
Reagan versicherte erneut, daß die Sanktionen sofort aufgehoben würden,
wenn die Unterdrückung des polnischen Volkes aufhöre. Der Präsident erklärte
weiter, seine Administration plane keine weiteren Schritte im Sinne von Sanktionen für die Lieferung von Gerät für die sowjetische Erdgasleitung.
Er begreife, so der Präsident, daß die Sanktionen Erschwernisse für die
europäischen Verbündeten der USA mit sich brächten, aber, so fügte er hinzu,

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Telex: 08-85432

�er hinzu, wir versuchen, unsere Verbündeten davon zu überzeugen, daß sie aus
zwei Gründen nicht in das Erdgasgeschäft einsteigen sollten:
Es besteht ein Risiko, daß die Länder Westeuropas von der Sowjetunion
industriell abhängig werden, da alle Verschlußventile sich auf der sowjetischen
Seite der Grenze
sung ausüben".

befinden.

Dadurch kann die Sowjetunion eine Art Erpres-

Reagan wies ferner darauf hin, daß die Sowjetunion nach Fertig-

stellung der Erdgasleitung mit einer jährlichen Deviseneinnahme von zehn bis
zwölf Milliarden Dollar rechnen könne.

Bei der gegenwärtigen Politik Moskaus

werde das Geld benutzt, um weiter gegen die USA und ihre Verbündeten aufzurüsten.
In amerikanischen Regierungskreisen wird immer wieder betont, daß Präsident Reagan bei der Verhängung der Sanktionen für amerikanische Firmen am
29. Dezember 1981 - also nach Verhängung des Kriegsrechts an Polen - drei Bedingungen für die Aufhebung genannt hat: Freilassung der politischen Gefangenen, Aufhebung des Kriegsrechts und Wiederherstellung eines Dialogs zwischen
Regierung,

Gewerkschaft Solidarität und Kirche.

Am 18. Juni 1982 wurde das Embargo auf die Lieferung von öl- und Erdgasgerät
ausgedehnt, das im Ausland von amerikanischen Firmen oder von ausländischen
Firmen mit amerikanischen Lizenzen hergestellt wird. Amerikanische Regierungsvertreter bedauern zutiefst, daß dies einige europäische und japanische Hersteller auf diesem Fachgebiet betrifft, sind jedoch der Meinung, daß die Verbündeten Amerikas*bereit sein müßten, ihren Anteil an den wirtschaftlichen und
politischen Belastungen zu tragen, die erforderlich sind, um ein Ende der
sowjetisch- gestützten Unterdrückung in Polen herbeizuführen. Man ist in
Washington der Überzeugung, daß die amerikanischen Restriktionen eine weit
mäßigendere Auswirkung auf das Verhalten der Sowjets haben werden als das
unglückliche Getreideembargo, das Präsident Carter 1980 nach der sowjetischen
Invasion Afghanistans verhängte. Damals hätten die Sowjets genügend Ausweichmöglichkeiten gefunden. Mit dem öl- und Gasgerät sei ein ganz anderer Weg
eingeschlagen worden, mit dem man an den Kern der Deviseneinnahmen und an
das Energieprogramm der Sowjets herankomme.
In amerikanischen

�In amerikanischen Regierungskreisen wird eingeräumt, daß unmittelbar
vor dem Beschluß des Präsidenten, die Sanktionen gegen die Sowjetunion auszuweiten, nicht mit allen westeuropäischen Verbündeten und Japan Konsultationen gepflogen worden seien, aber der amerikanische Standpunkt in dieser
Frage sei bei zahlreichen Gelegenheiten öffentlich dargelegt worden.

Im

übrigen habe der Präsident im Dezember klar gesagt, daß die Vereinigten
Staaten sich gezwungen sehen würden, weitere wirtschaftliche und politische
Maßnahmen zu ergreifen, wenn es in Polen nicht in einem vernünftigen Zeitraum zu einer Versöhnung komme.
In amerikanischen Kreisen wird die Vermutung ausgesprochen, daß einige
westeuropäische Regierungen das Embargo für öl- und Erdgastechnologie mit
einer parallelen, aber völlig davon unabhängigen Initiative der Vereinigten
Staaten verwechselt haben, eine Zurückhaltung bei der Vergabe westlicher
Kredite an die Sowjetunion zu erreichen. Die letztere Initiative, so wird
in Washington betont, soll mit Nachdruck weiterverfolgt werden, sie habe
jedoch nichts mit den Sanktionen zu tun. Diese könnten aufgehoben werden,
wenn eine Versöhnung in Polen stattfindet.

- 3 -

�7. Juli 1982

26

WIEDER NEUE ABSCHUSSANLAGEN FÜR SS-20-RAKETEN
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Trotz der jüngsten Ankündigung von Leonid Breschnew
über ein einseitiges Einfrieren des weiteren Ausbaus der gefürchteten SS-20Raketenstreitmacht, die auf Ziele in Westeuropa gerichtet ist, gehen die Arbeiten für Abschußanlagen im westlichen Teil der UdSSR weiter. Zwar hatte
Breschnew am 16. Mai 1982 ein Moratorium für die Dislozierung der SS-20Systeme verkündet und im Mai darauf hingewiesen, daß mit diesem Moratorium
ein Ende der Dislozierungsvorbereitungen solcher Raketen ins Auge gefaßt sei.
Dennoch haben die Vereinigten" Staaten Beweise dafür, daß die Arbeiten auf SS-20Basen, die vor dem 16. Mai begonnen wurden, noch andauern.
Tatsache ist, daß seit März zwei SS-20-Basen fertiggestellt wurden und
nunmehr einsatzbereit sind - und somit insgesamt 315 SS-20-Trägerraketen mit
945 Gefechtsköpfen existieren. Auch bei anderen Anlagen geht der Bau weiter.
"Wir sind der Meinung, daß die sowjetischen Erklärungen zu diesem Thema irreführend sind und es von Bedeutung ist, die Angelegenheit ins richtige Licht
zu rücken", erklärte der designierte US-Unterstaatssekretär für europäische
Angelegenheiten, Richard Burt, am 30. Juni in Brüssel.
Die SS-20 steht

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�Die SS-20 steht im Mittelpunkt der Gespräche in Genf zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über eine Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) in Europa.
Burt, der sich als Vorsitzender der Sonderberatungsgruppe der NATO in
Brüssel befand, unterstrich erneut die amerikanische Verpflichtung, "bei den
INF-Verhandlungen ernsthaft und in gutem Glauben zu verhandeln".
Als die INF-Verhandlungen im November 1981 begannen, war die NATO der Ansicht, daß Moskau schon zu diesem Zeitpunkt ein gefährliches übergewicht bei
den SS-20-Raketen von 250 zu Null hatte. Bei Verhandlungsbeginn boten die
Vereinigten Staaten an, NATO-Pläne über eine Ende 1983 beginnende Dislozierung
von 572 neuen PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern in
Westeuropa aufzugeben, falls Moskau all seine SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen
abbaut.
Burt erklärte, daß die Sowjets bedauerlicherweise bei ihrem Monopol der
landgestützten INF-Raketen großer Reichweite noch keinerlei Bewegung gezeigt
und auch den amerikanischen Vorschlag noch nicht aufgegriffen hätten, auf ein
Ergebnis hinzuarbeiten, das auf beiden Seiten bei den Raketen großer Reichweite die Null-Lösung vorsieht.
In einer Presseerklärung betonte Burt, daß die sowjetischen Verlautbarungen über ein SS-20-Moratorium auch Skepsis angebracht erscheinen lassen
"hinsichtlich des Wertes der sowjetischen Erklärung über den Verzicht auf
den Einsatz von Atomwaffen."
"Es ist offensichtlich, daß eine deklamatorische Verpflichtung zum Nichtersteinsatz angesichts des Fehlens ausgehandelter Beschränkungen bei vorhandenen militärischen Kapazitäten keinerlei Garantie darüber geben kann, daß
Kernwaffen in Zeiten der Krise nicht eingesetzt werden", erklärte Burt.

Er

spielte damit auf die sowjetische Erklärung über den Verzicht auf einen Ersteinsatz von Kernwaffen an, die der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko

- 2 -

�Andrej Gromyko am 15. Juni 1982 vor der Abrüstungssondersitzung der Vereinten Nationen in New York in~Breschnews Namen verlesen hatte. Burts Bericht über die 45 zusätzlichen SS-20-Gefechtsköpfe seit Breschnews Verpflichtung zu einem Einfrieren vom März erschien nur einen Tag nach dem Beginn
der Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion (START), die nunmehr parallel
zu den INF-Verhandlungen in'Genf stattfinden.

+ + + + +

- 3 -

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Juli 1982

USA BEGRÜSSEN EG-ENTSCHEIDUNG ÜBER EXPORTKREDITE

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Finanzministerium hat in einer
Presseverlautbarung die Entscheidung der Europäischen Gemeinschaft begrüßt,
die internationalen Vereinbarungen über Exportkredite durch eine Verringerung
der amtlichen Kreditsubventionen zu verbessern.
Die vom Ministerium am 1. Juli 1982 herausgegebene Presseerklärung hat
folgenden Wortlaut:
Finanzminister Donald T. Regan begrüßte die Entscheidung der Europäischen
Gemeinschaft, Verbesserungen der internationalen Vereinbarungen für Exportkredite durch Verringerung der amtlichen Exportkreditsubventionen zu akzeptieren. Minister Regan erklärte, "in einer Zeit, in der viele Länder vor
wirtschaftlichen Schwierigkeiten'im eigenen Lande stehen, und ein mehr wettbewerbsorientiertes internationales Handelssystem herrscht, ist es besonders
ermutigend, daß die Hauptexportländer in der Lage sind, ihr Hauptaugenmerk
auf das langfristige Ziel"des Abbaus verschwenderischer und handelsverzerrender Exportkreditsubventionen'zu richten. Wir begrüßen die Annahme der neuen
Vereinbarungen durch die EG als einen positiven Schritt auf dem Gebiet des
internationalen Handels".
Der Minister

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�Der Minister fügte hinzu, "für die Vereinigten Staaten findet der meiste
Wettbewerb in der amtlichen Exportfinanzierung in den fortgeschrittenen Entwicklungsländern statt, wo die amerikanische Export-Import-Bank 75 Prozent
der Finanzierung vornimmt.

Für diese Länder erhöhen die gegenwärtigen Ver-

besserungen zusammen mit jenen vom vergangenen Herbst den Minimalzins für
langfristige Anleihen um 3,6 Prozentpunkte
sollen bis Ende des Jahres in Kraft treten.

gegenüber den Vorjahressätzen und
Dieser Satz wird jetzt 10,75 Pro-

zent und ab 1. Januar 11,35 Prozent betragen, was eine Erhöhung der Minimalzinssätze gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent bedeutet."
Der Minister erklärte, "durch eine Kombination der Neuklassifizierung
des Kreditnehmerlandes und Erhöhungen der Zinssätze im Laufe des Jahres hat
sich der von der Sowjetunion geforderte Minimalzinssatz um annähernd 4 Prozentpunkte seit vorigem Jahr auf jetzt 12,4 Prozent erhöht.

Die frühere Einord-

nung erlaubte der Sowjetunion, einem industrialisierten Land, die Vorzugssätze zu erhalten, die fortgeschrittenen Entwicklungsländern eingeräumt werden.
Diese Anomalie ist durch die neue Vereinbarung korrigiert worden."
Zu den wichtigsten Punkten der neuen Vereinbarung gehören:
- Neuklassifizierung der Kreditnehmerländer;
- Erhöhung der Minimal zinssatzregeln;
- die Zustimmung Japans, 0,30 Prozent mehr für ihre kommerzielle langfristige Primarate bei Yen-Anleihen zu fordern. Darüber hinaus haben die Japaner zugestimmt, ihre Kapitalmärkte zu öffnen, um ausländischen Exportkreditanstalten eine Yen-Finanzierung anzubieten;
- eine Verpflichtung, nicht vondiesen Bedingungen der Beachtung der Minimalzinssätze und Maximalbedingungen abzuweichen und keine gemischten Kredite
anzubieten, in denen der Zuwendungsteil weniger als 20 Prozent beträgt.
Nachdem, die Vereinbarung getroffen ist, können die Beteiligten jetzt mit
Erörterungen fortfahren, um die Kreditsubventionen in zwei getrennten Sektoren
zu verringern, die von dieser Vereinbarung nicht getroffen sind - Flugzeugindustrie und Kernkraftwerke.
+ + + + +

- 2 -

�7. Juli 1982

DER ROUTINEEINSATZ KANN BEGINNEN
Harte Belastungsproben für COLUMBIA beim vierten Testflug

(AD) - Bei strahlendem Wetter, erwartet von mehreren hunderttausend Schaulustigen, kehrte die amerikanische Raumfähre COLUMBIA von ihrem vierten und
letzten Testflug nach sieben Tagen zur Erde zurück. Auch Präsident Reagan und
Frau Nancy beobachteten zusammen mit zahlreichen Gästen auf einer Ehrentribüne
nahe dem Luftwaffenstützpunkt "Edwards Air Force Base" in Kalifornien das Einschweben des 70 Tonnen schweren Raumgleiters, dem zum ersten Mal eine Betonpiste,
4 600 m lang, als Landebahn diente. Schon nach kurzer Rolldauer kam das Raumflugzeug auf der Mitte der Bahn zum Stehen.
Damit konnte auch der letzte Punkt auf der langen Aufgabenliste im Flugprogramm abgehakt werden: Denn bei künftigen Routineflügen werden amerikanische
Raumtransporter am Kap Canaveral nicht nur starten, sondern auch landen. Die
dafür schon angelegte Betonpiste vermochten übrigens Kommandant Thomas Mattingly
und Kopilot Henry Hartsfield bei Erdbeobachtungen während ihres Raumflugs gut
auszumachen. Das neue Verfahren spart Zeit und Geld zur Vorbereitung eines
"Space Shuttle" für seinen nächsten Einsatz. Auf die bisher benutzten Hartpisten

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�benutzten Hartpisten auf ausgetrockneten Salzseen im Westen der USA wird in der
Regel nur noch dann zurückgegriffen werden, wenn aus irgendwelchen Gründen mit
Schwierigkeiten für eine Landung in Florida zu rechnen wäre.
Wie schon die Zwei-Mann-Besatzungen bei den ersten drei Flügen im April
und November 1981 sowie im März 1982 äußerten sich auch die Astronauten
Mattingly und Hartsfield begeistert über ihre "Flugmaschine". Die COLUMBIA war,
insbesondere im thermischen Bereich, harten Belastungsproben ausgesetzt worden.
Sie dürften sich, wie Flugdirektor Harold Draughon erklärte, in dieser Form
künftig kaum wiederholen.
So flog die Raumfähre bald nach ihrem Start (27. Juni 1982) gut zwanzig
Stunden lang, d.h. für mehr als 13 der insgesamt 112 Erdumkreisungen, mit dem
Bauch zur Sonne. Grund: Die Kacheln des Schutzschildes, die vor dem Start in
Kap Canaveral während eines Gewitter- und Hagelsturms zu viel Feuchtigkeit aufgenommen hatten, sollten getrocknet werden. Man wollte verhindern, daß durch
Eisbildung in der Weltraumkälte die Keramikkacheln möglicherweise durch Rißbildung beschädigt oder gelockert würden und dann nicht mehr ihre Schutzfunktion
beim Eintritt in die Erdatmosphäre erfüllen könnten. Dadurch war aber die im
Schatten liegende Oberseite mit den Toren der Ladebucht für die gleiche Zeitdauer, d.h. 20 Stunden, Temperaturen von minus 93 Grad Celsius ausgesetzt. Eines
der Tore verzog sich und rastete nicht mehr ein.
Angesichts der Tatsache, daß fest schließende Tore eine Voraussetzung für
die sichere Rückkehr der Raumfähre und ihrer Besatzung sind, mußte eine Lösung
gefunden werden. Sie bestand im Temperaturausgleich für die gesamte Außenfläche
des Orbiter durch Drehbewegungen mit Hilfe der Lagesteuerungsdüsen. Ein ähnliches
Problem war beim dritten Testflug aufgetreten; es wurde auf die gleiche Weise gelöst. Obgleich laut Draughon künftig nicht mehr mit so extremen Lagepositionen
wie beim vierten Testflug zu rechnen sei (vom 1. Juli bis zur letzten Ruhepause
der Astronauten vor ihrer Rückkehr am 4. Juli 1982 flog die COLUMBIA mit dem
Heck zur Sonne), werde das Temperaturverhalten der Bauteile noch gründlich untersucht werden. Vielleicht seien noch bessere technische Lösungen zu finden. Die

- 2 -

�finden. Die Position

Heck zur Sonne

war deshalb für so lange Zeit gehalten

worden, um den Ingenieuren zusätzliche Daten über das thermische Verhalten
einzelner Orbiter-Systeme im Hinblick auf die unterschiedlichen Aufgabenstellungen bei späteren Einsätzen an die Hand geben zu können.
Für den auf 15 m ausfahrbaren Robotarm, das in Kanada gebaute Hebe- und
Transportgerät, gab es harte Arbeit. Das vielseitige Bordgerät ist mit drei
Gelenken ausgerüstet, die Schulter-, Ellbogen- und Handgelenk vergleichbar sind
und von jeweils sechs Elektromotoren angetrieben werden. Der Robotarm hob u.a.
einen schreibtischgroßen, 363 kg schweren Monitor aus der Ladebucht, um ihn einen
ganzen Tag lang für jeweils gewisse Zeit an verschiedenen Positionen voll ausgestreckt über dem offenen Orbiter zu halten. Der Monitor enthält empfindliche
Meßinstrumente, die Emissionen wie Staub oder Gase aus der Raumfähre, aber auch
die Rückstände vom Zünden der Manövrier- und Lagesteuerungsdüsen ermitteln. Diese
Art von Untersuchungen sollen helfen, mögliche Auswirkungen solcher Art von
"Verschmutzung" auf wissenschaftliche Ausrüstungen an Bord oder auf Satelliten
aufzuklären, die bei späteren Missionen zu einem Rendezvous angeflogen werden.
Hartsfield kommentierte das Arbeiten mit dem Gerät ebenso wie die Oberwachung der Bewegungsabläufe am Datenkontrollgerät als sehr zufriedenstellend.
Obgleich das 363 kg schwere "Gepäckstück" so gut wie gewichtslos war, hatte es
dennoch "Masse". Und wenn der Robotarm diese Masse zu bewegen begann, setzte
diese die Bewegung fort, bis der Arm sie gewaltsam stoppte.
- Experimente für spätere Industrieproduktion Am zweiten Flugtag setzten die Astronauten die zwei Meter hohe, 270 kg
schwere Apparatur zur elektrophoretischen Trennung biologischer Substanzen in
Gang. Es war die erste Nutzlast, die im Auftrag der Industrie in den Weltraum
mitgenommen worden war. Erprobt werden sollte das "Elektrophoreseverfahren mit
kontinuierlichem Fluß" in der Schwerelosigkeit, wovon sich die pharmazeutische
Industrie bessere Präparate bei wesentlich höherer Produktionsausbeute verspricht.
Die Entwicklung

�Die Entwicklung der von den McDonnell Douglas-Werken und Johnson &amp; Johnson
gebauten Apparatur hatte sechs Jahre in Anspruch genommen. Sie trennt biologische
Materialien, beispielsweise menschliche Zellen, im elektrischen Feld entsprechend
ihrer elektrischen Ladung an der Oberfläche. Langjährige Erfahrungen mit dem
Verfahren haben gezeigt, daß die Zellbewegung und damit die Trennung der Zellen
voneinander unter dem Einfluß der irdischen Schwerkraft z.T. erheblich behindert
wird, somit also die Trennungsmöglichkeiten eingeschränkt und die Gewinnung
medizinisch brauchbarer Materialien ziemlich begrenzt sind. Im Weltraum dagegen
kann man die beim Trennungsprozeß benutzte Stromstärke erhöhen, ohne eine Steigerung der Arbeitstemperaturen infolge Konvektion und durch diese verursachte
Turbulenzen in den Flüssigkeiten befürchten zu müssen. Die Trennung könnte um das
300- bis 400fache effektiver, der Reinheitsgrad der Produkte bis zum Fünffachen
höher sein.
Im Verlauf der nächsten zwei Jahre wird das Elektrophorese-System bei sechs
Orbiter-Flügen weiter erprobt, damit aufgrund der damit gesammelten Erfahrungen
der Prototyp einer für kommerzielle Zwecke geeigneten Produktionseinheit gebaut
werden kann. Diese soll ab 1986 zur Verfügung stehen. Ziel ist die Massenproduktion im Weltraum von Stoffen zur Behandlung von Diabetes, Krebs, Hautverbrennungen, Emphysem, Thrombenbildung und Geschwüren.
In Fortsetzung eines schon beim dritten Testflug im März begonnenen
Experiments wurde das "Monodisperse Latex Reactor System" erneut aktiviert.
Es ist ein Versuchsgerät zur Herstellung mikroskopisch kleiner Latexkügelchen
von völlig einheitlicher Größe, welche in der Medizin, insbesondere für den
Transport von bestimmten pharmazeutischen Präparaten und Radioisotopen in Körperbereiche mit Krebsgeschwülsten, eine wichtige Rolle spielen könnten.
Die Studenten von Utah hatten Glück - ihre neun Experimente, verstaut in
einem 61 x 91 x 25 cm großen Kanister, konnten nach "Startschwierigkeiten"
infolge eines Kabelbruchs von den Astronauten doch noch

so rechtzeitig in Gang

gesetzt werden, daß die gestellten Aufgaben zu 90 Prozent erfüllt worden sein
dürften. Es handelte sich um eine Anzahl biologischer Experimente, u.a. die

- 4 -

�u.a. die Beobachtung der Entwicklung von Krabben und Fruchtfliegen, von Algen
und Entengrütze in der Schwerelosigkeit, dazu um einige technische Versuche
zur Qualitätsverbesserung von Werkstoffen. Von den Studenten waren, um den Ablauf ihrer biologischen Experimente nach der Rückkehr der COLUMBIA studieren zu
können, Kameras im Kanister eingebaut worden. Hinter dem Algenversuch stand
übrigens die Idee, später vielleicht einmal den bei der Atmung dieser Organismen
freiwerdenden Sauerstoff als Sauerstoffquelle in Raumstationen zu nutzen.
Experimente dieser Art werden von der NASA gegen Entrichtung einer relativ
niedrigen "Platzmiete" mitgenommen. Sie müssen so angelegt sein, daß sie
während des Fluges wartungsfrei ablaufen und die Arbeit an Bord nicht stören.
Der erwähnte Kabelbruch hatte jedoch die Stromzuleitung von der Schaltzentrale
zu einem Transformator blockiert, der seinerseits die Relais für den Experimentierbetrieb aktivierte. Zehntausend Dollar waren schon vor sechs Jahren von Gilbert
Moore (Utah) für die Mitnahme eines solchen Kanisters an die NASA bezahlt worden.
Daß er ihn als Teil einer 50 000 Dollar-Spende den Studenten zur Verfügung
stellte, soll Ansporn für den wissenschaftlichen Nachwuchs sein, mit neuen
Ideen zur Weiterentwicklung der Raumfahrttechnik beizutragen.
Beim Start der COLUMBIA am 27. Juni gingen die Gehäuse der beiden Feststoffraketen, die nach dem Ausbrennen abgeworfen werden und, wie bei den ersten
drei Flügen, 2urWiederverwendung geborgen werden sollten, verloren. Obgleich sie
automatisch ihre Fallschirme entfaltet hatten, versanken sie ca. 250 km vor der
Küste, ehe die Bergungsschiffe sie erreichen konnten. Die Ursache für diese
50 Millionen Dollar teure Panne wird noch untersucht.
Thomas Mattingly, Kommandant beim soeben beendeten Flug STS-4, hatte zusammen mit Henry Hartsfield ein ungewöhnlich reichhaltiges Arbeitsprogramm zu
bewältigen. Die Astronauten haben es gemeistert, und die COLUMBIA ist, wie
erste Inspektionen ergaben, in bester Verfassung zurückgekommen. Damit wurde
die "letzte Stufe" zu den routinemäßigen Arbeitsflügen, wie Mattingly sagte,
überwunden. Am 11. November 1982 soll die Raumfähre erneut starten, und zwar
mit vier Astronauten an Bord. Der Jungfernflug der CHALLENGER, des zweiten Orbitalfluggeräts aus der amerikanischen Raumtransporterserie, ist für Januar 1983 geplant.
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- 5 -

�a

1ERIK
IEHS1

UJi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

7. Juli 1982

NASA PLÄDIERT FÜR BEMANNTE RAUMSTATION
Nächster Schritt im US-Raumfahrtprogramm

- (AD) - Zur Sicherung der Rolle der Vereinigten Staaten als führende
Raumfahrtnation brauche das NASA-Programm eine neue Dimension: James M.
Beggs, der Leiter der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, sieht in der Entwicklung einer bemannten Raumstation den nächsten logischen Schritt für die
amerikanische Raumfahrttechnik.

Ein solches Programm baue auf den Erfahrungen

des Raumtransporterprojekts auf.

Die Raumstation, die die Erde in niedriger

Umlaufbahn umkreisen soll, sei sowohl für Aufgaben der Weltraumforschung,
der Erderkundung, für bestimmte technologische Entwicklungen, die Nutzanwendung der Raumfahrttechnik und zur Wahrung der'nationalen Sicherheit zweckmäßig.

Ihre Existenz zeuge davon, daß die Vereinigten Staaten einen festen

Platz im Weltraum haben.
Vor dem Wirtschaftsclub von Detroit (Michigan) wies Beggs in einem Vortrag am 23. Juni 1982 darauf hin, daß das Raumfährenprojekt ursprünglich als
Teil eines Programms für den Bau von-bemannten Weltraumstationen in Angriff
genommen worden sei.

"Vor mehr als einem Jahrzehnt sah das Gesamtkonzept vor,

daß die Raumfähre ("Space Shuttle") mit Nutzlasten zwischen Erde und Raumstation pendelt. Jetzt erkennen wir, daß die bemannte Raumstation viele

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�Raumstation viele Rollen übernehmen könnte:

Sie würde als wissenschaftliches

Labor dienen, als technische Zentrale für den Zusammenbau, die Nachschubversorgung und die Wartung von Satelliten, als Startplatz für den Aufstieg von
unbemannten Satelliten in einen höheren Orbit oder ihren Einschuß in interplanetare Bahnen.

Selbstverständlich hätte sie auch in der nationalen Ver-

teidigung eine Rolle zu spielen."
Je mehr Erkenntnisse die Forschung z.B. über die Chemie an der Oberfläche des Planeten Mars, über die Geologie der Venus, die Entwicklung und
die Zusammensetzung anderer Planeten in unserem Sonnensystem gewinne, desto
genauere Prognosen könne sie'zur Frage des Fortgangs der Entwicklung unserer
Erde geben.

Auch der internationalen Zusammenarbeit der freien Welt im All

eröffneten sich mit der bemannten Raumstation neue Chancen.

Sie könne zum

Mittelpunkt vieler Bereiche wissenschaftlich-technischer Interessen und Fähigkeiten der Verbündeten und Freunde Amerikas in aller Welt werden.
Gegenwärtig sind über 1000 Vereinbarungen der NASA mit mehr als 100 Nationen über Programme zur Zusammenarbeit im Weltraum in Kraft. Zu ihnen gehört beispielsweise die Entwicklung des Manipulatorsystems für den Geräteund Lastentransport an Bord des Space Shuttle durch Kanada sowie das von europäischen Ländern unter maßgeblicher Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland mit einem Kostenaufwand von einer Milliarde Dollar gebaute "Weltraumlabor"
(Spacelab). Die erste flugfähige Einheit wird 1983 mit dem Raumtransporter
gestartet.
In der amerikanischen Öffentlichkeit findet das Raumfahrtprogramm heute
mehr Unterstützung denn je zuvor seit Gründung der NASA im Jahr 1958, erklärte Beggs. Dies habe eine Meinungsumfrage der Nachrichtenagentur Associated
Press und der Rundfunkanstalten der National Broadcasting Company gezeigt,
bei der sich 60 Prozent für den Raumtransporter als gute Investition aussprachen. Er ist u.a. in der Lage, neue technisch wesentlich verbesserte
und sehr viel schwerere Satelliten, als es die bisher üblichen Trägerraketen
vermögen, zu einem Bruchteil der heute erforderlichen Startkosten in den

- 2 -

�in den Weltraum zu befördern.

Gegenwärtig sind komplizierte und teure Boden-

stationen notwendig, um Fernseh-, Funk- und Nachrichtenverbindungen über
Satelliten zu bekommen.

Die neuen, schweren Satelliten von morgen aber wer-

den mit Antennen auf dem Hausdach zu empfangen sein.

Dies dürfte, so schrieb

die englische Zeitschrift "The Economist" anläßlich des ersten Space ShuttleStarts im vergangenen Jahr, den Beginn des echten internationalen Funk- und
Fernmeldezeitalters bedeuten.

Verstärkung der Raumtransporterflotte empfohlen
Entwicklung und Bau von Raumtransportern kosteten die Vereinigten Staaten seit der Bewilligung der ersten Mittel im Jahr 1972 bisher ca. 10 Milliarden Dollar. Das zweite einsatzfähige Raumflugzeug nach der COLUMBIA, die
CHALLENGER, wird der NASA in wenigen Wochen Libergeben. Zwei weitere Raumfähren sind noch in Bau und sollen 1983 bzw. 1984 geliefert werden. Diese
Flotte von wiederverwendbaren Raumtransportern müßte jedoch nach Meinung von
Philip Culbertson, eines Stellvertreters von James M. Beggs, um mindestens
ein Fluggerät verstärkt werden. Denn die vier Raumflugzeuge reichten nicht
aus, um dem erwarteten Bedarf an Einsätzen Ende der achtziger Jahre gerecht
zu werden.
Vor einem Unterausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses erklärte
Culbertson am 15. Juni 1982, mit den vier Raumfähren könnten von 1988 an möglicherweise 24 Flüge pro Jahr unternommen werden. Auch 30 Einsätze jährlich
seien dann denkbar, falls dies erforderlich würde, wobei dem Transportbedarf
an zivilen und militärischen Nutzlasten noch voll Rechnung getragen werden
könne. Nach diesem Zeitpunkt jedoch bedeuteten die weiter steigenden Anforderungen für die Flotte von vier Raumflugzeugen eine zu hohe Belastung, so daß
eine fünfte Raumfähre notwendig werde. Auch könne der Verlust eines Raumtransporters durch einen Unfall oder die Notwendigkeit einer längeren Reparatur
"Kosten- und Terminauswirkungen für alle Benutzer haben - jene mit der höchsten
Dringlichkeitsstufe vielleicht ausgenommen".
Fiele beispielsweise
- 3 -

�Fiele beispielsweise im Jahr 1986 eines der vier Fluggeräte aus, würde
nach Schätzungen der NASA die Einsatzfrequenz um acht Flüge jährlich, d.h.
ein Drittel der geplanten Kapazität, verringert.

Das Verteidigungsministerium

habe bei Startterminen Vorrang, so daß möglicherweise die Reservierungen für
vorgesehene private Missionen von einer reduzierten Startfrequenz betroffen
würden.

Da die Raumtransporterflüge für die nächsten paar Jahre weitgehend

ausgebucht seien, beginnen sich bereits viele kommerzielle

Benutzer für Flug-

missionen zu interessieren, die mit dem europäischen Trägergerät ARIANE durchgeführt werden.
In einer ganzen Reihe von Betrieben, die am Bau der Raumfähren beteiligt
sind, laufen die Arbeitsprogramme für dieses Projekt demnächst aus. Deshalb
müsse die Entscheidung über ein fünftes Fluggerät bald fallen, weil bei späterer Auftragsvergabe mit'20 bis 25 Prozent höheren Kosten zu rechnen sei.
Ähnliche Hinweise gibt ein Bericht des vom US-Kongreß eingerichteten
"Amtes für Technologiebewertung" (OTA). Ausländische Konkurrenz beginne,
wie es in dem Bericht heißt, die führende Rolle der USA auf dem Gebiet "kommerziell einträglicher und politisch bedeutsamer Raumfahrttechnologien" zu
gefährden.
Inzwischen gab die NASA bekannt, daß die Kosten für jeden Raumtransporterstart zwischen 1985 und 1988 etwa 71 Millionen Dollar (inflationsbereinigt,
den Dollarwert von 1982 zugrundegelegt) betragen dürften. Man halte sie dennoch für konkurrenzfähig mit jenen, die sich bei Verlustgeräten wie z.B. der
amerikanischen DELTA ATLAS CENTAUR oder der europäischen ARIANE ergeben.
Inzwischen hat die "Space Transportation Company" in Princeton (New
Jersey) dem Unterausschuß für Weltraumwissenschaft und angewandte Raumfahrttechnik den Vorschlag unterbreitet, ein fünftes Raumflugzeug privat zu kaufen
und als Gegenleistung die Alleinrechte auf den Transport aller kommerziellen
und ausländischen Nutzlasten zu bekommen.

Ein privat finanzierter Raumtrans-

porter biete, wie das Unternehmen erklärte, die Gewähr, daß die Vereinigten

- 4 -

�die Vereinigten Staaten mit kommerziell in Startsystemen des Auslandes wirksam konkurrieren und die amerikanischen Möglichkeiten in der Raumfahrt auf
den Weltmärkten ausweiten könnten.

4

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Hauptziel bei den START-Verhandlungen in Genf: Weniger Kernwaffen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interviews mit Botschafter Rowny -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Reagans an den Chefdelegierten der START-Verhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ziel: Beseitigung der Bedrohung durch Kernwaffen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Embargo für Ölgerät prinzipieller Schritt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sowjetunion hat Unterdrückung in Polen nicht gelockert -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wieder neue Abschlussanlagen für SS-20-Raketen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen EG-Entscheidung über Exportkredite&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Routineeinsatz kann beginnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Harte Belastungsproben für COLUMBIA beim vierten Testflug -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA plädiert für bemannte Raumstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nächster Schritt im US-Raumfahrtprogramm -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Juni 1982

25
INHALT
t

•

INFORMATION
Außenminister Haig zurückgetreten, Shultz zum Nachfolger nominiert
- Erklärungen Reagans und Haigs Ein neuer Anfang in Genf
- Erklärung des US-Delegationsleiters zu den START-Verhandlungen DOKUMENTATION
Der neue Sicherheitsrahmen der NATO
- Vortrag von US-Unterstaatssekretär Burt vor der Friedrich-EbertStiftung HINTERGRUNDMATERIAL
George Shultz - designierter Außenminister der Vereinigten Staaten
Edward L. Rowny - Delegationsleiter bei den Genfer START-Verhandlungen
Washington sieht in neuen Sanktionen nichts überraschendes
- Von unserem Korrespondenten Thomas Eichler WIRTSCHAFT
US-Finanzminister rechnet mit Konjunkturauftrieb nach dem 1. Juli
US-Regierung befürwortet kommerzielle Produktion synthetischer
Brennstoffe

Um Uber/endung von
DckgcKcmplofcn
wird gebeten

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�30. Juni 1982

25

AUSSENMINISTER HAIG ZURÜCKGETRETEN, SHULTZ ZUM NACHFOLGER NOMINIERT
- Erklärungen Reagans und Haigs -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan gab am 25. Juni 1982 "mit großem
Bedauern" den Rücktritt von Außenminister Alexander Haig bekannt und schlug
George P. Shultz als dessen Nachfolger vor.
Vor der Presse gab Präsident Reagan dazu folgende Erklärung ab:
Meine Damen und Herren,
Ich möchte eine sehr kurze Bekanntgabe machen und ich werde anschließend
keine Fragen beantworten. Für nächste Woche ist eine Pressekonferenz vorgesehen.
Es handelt sich um eine Bekanntgabe, die ich mit großem Bedauern vornehme es handelt sich um ein Mitglied unserer Administration, das diesem Lande 40 Jahre
lang weit über die normale Pflichterfüllung hinaus gedient hat; das mir gut
und treu gedient hat, dessen Weisheit und Rat ich geachtet und bewundert habe,
seit unsere Administration im Amt ist, das aber jetzt zurücktritt und nach all

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�nach all dieser großen Zeit zurücktritt und aus dem Regierungsdienst ausscheidet.
Ich habe mit großem Bedauern den Rücktritt von Außenminister AI Haig angenommen.
Ich nominiere zu seinem Nachfolger - und dieser hat angenommen - George
Shultz. Das ist der Inhalt der Bekanntmachung. Und ich wiederhole, ich tue dies
mit großem Bedauern.
Das Schreiben des Präsidenten an Außenminister Haig, in dem er dessen
Rücktritt angenommen hat, hat folgenden Wortlaut:
Lieber AI,
Mit dem tiefsten Bedauern nehme ich Ihr Rücktrittsschreiben an. Fast 40
Jahre lang haben Sie sich dem Dienst an unserem Lande verschrieben. In diesem
Zeitraum wurde Ihre Karriere durch eine Folge von Posten gekennzeichnet, die
das höchste Maß an persönlichem Opfer, Mut und Führungsstil verlangen. Als Soldat
und Staatsmann haben Sie angesichts von Herausforderungen enormer Komplexität
und Gefahr ein Maß an Brillianz und Leistung gezeigt, das in unserer Geschichte
selten erreicht wurde. Bei jeder Gelegenheit haben Sie eine geistige Qualität
bewiesen, die von entscheidender Bedeutung für die Lösung der schmerzlichsten
Probleme waren, vor denen wir in der letzten Generation standen - Abschluß des
Vietnamkrieges, Übergang der Exekutivgewalt in einer Zeit des nationalen Traumas
und in jüngerer Zeit Frieden unter Nationen.
Die Nation steht tief in Ihrer Schuld. Wenn Sie die Regierung verlassen,
möchte ich Sie meiner tiefen persönlichen Wertschätzung versichern und Ihnen
im Namen des amerikanischen Volkes meinen Dank und meine Achtung aussprechen.
Sie haben die große Freundlichkeit, weiterhin Ihren Rat anzubieten und Sie
dürfen versichert sein, daß ich in den nächsten Jahren auf Sie zurückkommen
werde. Nancy schließt sich meinen herzlichsten persönlichen Wünschen für Sie
und Pat an.
Mit vorzüglicher Hochachtung
gez. Ronald Reagan
Haig verlas

�Haig verlas vor Mitarbeitern im amerikanischen Außenministerium sein Rücktrittsschreiben an Präsident Reagan, nachdem dieser den Rücktritt Haigs bekanntgegeben hatte. Haig machte im Außenministerium folgende Ausführungen:
Meine Damen und Herren,
ich möchte Ihnen den Wortlaut des Schreibens verlesen, das ich heute an
Präsident Reagan gerichtet habe.
Sehr geehrter Herr Präsident,
Ihr Amtsantritt am 20. Januar 1981 brachte eine Chance für eine neue,
zukunftsorientierte Außenpolitik auf den Eckpfeilern von Stärke und Mitgefühl.
Ich glaube, wir teilten eine Auffassung von Amerikas Rolle in der Welt als
Führer freier Menschen und Inspiration für alle. Wir waren einig, daß Folgerichtigkeit, Klarheit und Beharrlichkeit der Zielsetzung für den Erfolg wesentlich seien. In diesem Geiste verpflichtete ich mich, Ihnen als Außenminister
zu dienen.
In den letzten Monaten ist mir klargeworden, daß die Außenpolitik, die wir
zusammen eingeschlagen haben, von dem sorgsamen Kurs abwich, den wir abgesteckt
hatten. Unter diesen Umständen halte ich es für notwendig, Sie um die Annahme
meines Rücktritts zu bitten. Ich werde immer das Vertrauen zu schätzen wissen,
das Sie in mich gesetzt haben. Es war eine große Ehre, in Ihrer Administration
dienen zu dürfen und ich wünsche Ihnen für die Zukunft allen Erfolg,
Mit vorzüglicher Hochachtung
gez. Alexander Haig
Ich freue mich außerordentlich, meine Damen und Herren, daß Mr. Shultz, ein
alter Freund, den ich seit Jahren kenne, das Ersuchen des Präsidenten angenommen
hat, meinen Posten zu übernehmen. Was ich selbst von George (Shultz) weiß, und
seine Erfahrung, sein berufliches Können und seine Integrität wecken in mir

- 3 -

�in mir das höchste Vertrauen, daß unserem Land, dem amerikanischen Volk und
unserem Präsidenten mit seiner Amtsübernahme gut gedient ist.
Während der letzten 18 Monate habe ich stets eine ganz tiefe Hochachtung
und Bewunderung der Fähigkeiten und Hingabe der Mitarbeiter im Auswärtigen
Dienst und der Angestellten des Außenministeriums gehegt. Sie sind und bleiben
absolute Spitze.
Ich habe meine Mitarbeiter hier im Ministerium gebeten, dem Präsidenten
und meinem Nachfolger so fähig und loyal zu dienen, wie sie mir gedient haben,
und mehr als das kann das amerikanische Volk nicht verlangen.
Ich habe dem Präsidenten darüber hinaus versichert, daß ich so lange auf
meinem Posten bleiben werde, wie dies notwendig ist, um eine geordnete Übergabe
an meinen Nachfolger sicherzustellen.
Und schließlich, meine Damen und Herren von der Presse, möchte ich jedem
von Ihnen für den Professionalismus und die Objektivität danken, die Sie mir und
den Geschäften des Ministeriums gegenüber an den Tag gelegt haben, und Sie dazu
beglückwünschen, wenn Sie Ihre Rolle im Dienste des amerikanischen Volkes erfüllen.
Ich danke Ihnen.
+++++

�25

30. Juni 1982

EIN NEUER ANFANG IN GENF
Erklärung des US-Delegationsleiters zu den START-Verhandlungen

GENF - (AD) - Der Beginn der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen Über
eine Verringerung der strategischen Rüstungen - kurz START genannt - stellen
einen neuen Anfang in den Bemühungen der Vereinigten Staaten um Rüstungskontrolle auf strategischem Gebiet dar, die seit vielen Jahren andauern. START
baut zwar auf dem SALT-Prozeß auf (SALT = Strategie Arms Limitations Talks =
Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen), geht jedoch
von völlig neuen Vorschlägen von Präsident Reagan aus, die die amerikanische
Verhandlungsdelegation unter Leitung von Botschafter Edward Rowny mitgebracht
hat.
Reagan, der das nicht ratifizierte SALT II-Abkommen kritisierte, war mit
Begrenzungen nicht zufrieden, sondern wollte einen dramatischen Abbau der gefährlichen strategischen Waffen. Auf der anderen Seite würde ein Einfrieren
oder Moratorium, wie es die Sowjetunion vorschlägt, den gegenwärtigen hohen
Stand der Rüstung und damit die sowjetische Überlegenheit festschreiben. Moskau
hätte praktisch keinen Anreiz, an den Verhandlungstisch zu kommen.
Generalsekretär Breschnew

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Generalsekretär Breschnew hat den amerikanischen Vorschlag, in einer
ersten Phase die Zahl der interkontinentalen Gefechtsköpfe um ein Drittel zu
senken und dann über weitere Verringerungen der Raketenkapazität zu sprechen,
zwar als schief, aber doch als einen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. Nach amerikanischer Auffassung ist der Vorschlag des Präsidenten
jedoch ausgewogen und bietet auch der Sowjetunion viele Vorteile. Daher gehen
die Vereinigten Staaten, wie ihr ChefUnterhändler sagte, mit Hoffnung in diese
Verhandlungen.
"Ich freue mich", so erklärte Botschafter Edward Rowny am 26. Juni 1982
bei seiner Ankunft in Genf, "den Sowjets die Vorschläge von Präsident Reagan
für eine wesentliche Verringerung der strategischen Nuklearwaffen auf einen
gleichen Stand vorzulegen. Ich bin der festen Überzeugung, daß unsere Vorschläge
eine Chance für unsere beiden Länder bieten, sich in dem ernsthaften Bemühen
zu vereinen, die Drohung eines Atomkrieges zu verringern.
Wir werden wesentliche, verifizierbare Verringerungen der am meisten
destabilisierenden Systeme, d.h. der ballistischen Raketen wie auch der Zahl
der Gefechtsköpfe, die sie mitführen, sowie ihres Zerstörungspotentials, vorschlagen. Der durch ein solches Abkommen erreichte Gleichstand auf niedrigerer
Ebene kann nur zur Stabilität beitragen.
Botschafter Paul Nitze, der die Delegation bei den Verhandlungen über
nukleare Mittel Streckensysteme (INF) leitet, und ich werden eng zusammenarbeiten.
START und INF zusammen mit den Wiener Verhandlungen über eine Verringerung der
konventionellen Streitkräfte (MBFR) sowie unser Streben nach einem Verbot
chemischer Waffen hier in Genf stellen eine breitangelegte, ernsthafte Bemühung
der Vereinigten Staaten dar, für Frieden und Stabilität in der Welt zu arbeiten.
Ich habe kürzlich hier in Europa Konsultationen mit einer Reihe unserer Verbündeten und mit dem Nordatlantikrat geführt. Ich habe starke Unterstützung für
unsere START-Vorschläge gefunden.
Ich komme

�Ich komme mit keinerlei Illusionen hierher, daß die Aufgabe leicht sein
könnte. Aber wir kommen mit einem guten, gerechten Vorschlag und mit gutem
Glauben, daß die sowjetische Seite es uns gleichtun wird. Wir hoffen, zu
einem Abkommen gelangen zu können, das zum Segen der ganzen Menschheit sein
wird."
+++++

- 3 -

�30. Juni 1982

25

DER NEUE SICHERHEITSRAHMEN DER NATO
Vortrag von US-Unterstaatssekretär Burt vor der
Friedrich-Ebert-Stiftung -

BONN - (AD) - Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium, Richard R. Burt, hat auf einer Arbeitstagung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn am 26. Juni 1982 ausführlich zu
den Problemen des Atlantischen Bündnisses Stellung genommen und erneut die
Notwendigkeit eines gemeinsamen Sicherheitsrahmens unterstrichen.
Die Rede des Unterstaatssekretärs hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte der Friedrich-Ebert-Stiftung danken, daß sie die Reihe der
schon zur Tradition gewordenen Arbeitstagungen über die europäisch-amerikanische Sicherheit fortführt.

Ihre Initiative, führende Politiker und Sicher-

heitsexperten von beiden Seiten des Atlantik zusammenzubringen, ist in dieser Zeit neuer Herausforderungen für die Sicherheitsinteressen des Bündnisses
von besonderer Wichtigkeit.
In diesem Jahr findet diese Tagung zu einem besonders geeigneten Zeitpunkt statt. Sie schließt sich unmittelbar an eine Periode ungewöhnlich konzentrierter und produktiver Aktivitäten innerhalb des Bündnisses an. Vor
einem Jahr war das Bündnis in tiefgehende Diskussionen und gelegentlich hitzige Debatten über den künftigen Kurs der Sicherheitspolitik des Westens
verstrickt.

Auf dieser Seite des Atlantik kritisierten viele Europäer die

neue amerikanische Administration, daß sie die Besorgnisse ihrer Verbündeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ihrer Verbündeten nicht beachte. Sie gaben der Befürchtung Ausdruck, die
Vereinigten Staaten neigten einem "weltweiten Unilateralismus", einem "NeoIsolationismus" oder Schlimmerem zu.

In den Vereinigten Staaten war die

Kritik an unseren europäischen Verbündeten ebenso vernehmbar. Man beschuldigte die Europäer, sie seien in einer Kirchturmspolitik befangen, nicht
willens, die Verteidigungslasten zu" tragen und unfähig, die Bedrohung aus
dem Osten zu begreifen.
Beobachter auf beiden Seiten des Atlantik versicherten, der Westen
ermangele einer Gesamtstrategie, um so unterschiedliche Aktivitäten wie
Abrüstungsverhandlungen, die Beilegung von Krisen in der Dritten Welt und
Maßnahmen gegen die politische und wirtschaftliche Instabilität in Osteuropa zu einem Ganzen zu integrieren.

Einige gingen sogar so weit zu behaup-

ten, die Interessen der atlantischen Völker gingen inzwischen so weit auseinander, daß es nicht mehr möglich sei, eine gemeinsame Grundlage für diesbezügliche Bündnisanstrengungen zu finden.
Die Ereignisse des vergangenen Jahres haben jedoch gezeigt, daß das Grundgefüge der NATO und der atlantischen Partnerschaft fest sind. Präsident Reagans
Europa-Reise und der Bonner Gipfel zeigten, wie erfolgreich sich der Westen
den im Wandel begriffenen Verhältnissen anzupassen versteht. Die Intensität
der transatlantischen Debatte vom vergangenen Jahr ist ein Spiegelbild der
Wichtigkeit der Probleme, vor die wir uns gestellt sehen. Die Erfahrungen
aus dem vergangenen Jahr zeigen" aber auch einmal mehr, daß die NATO ihre Stärke gerade aus der Vielfalt zieht." Dieser Prozeß der Debatten, Diskussionen
und Konsultationen führte somit nicht zu einem Durcheinander, sondern wies
vielmehr auf einen neuen Konsens bezüglich der Sicherheitspolitik des Westens
hin. Wichtig ist, die Elemente dieses neuen" Konsens zu definieren, damit
wir gemeinsam darangehen können, ihn noch zu vertiefen.
Die Hauptelemente dieses Konsens spiegeln die großen Fragen wider, die
während der letzten 12 Monate unter den NATO-Mitgliedsstaaten zur Erörterung
gestanden haben:
- Bestätigung, daß
- 2 -

�- Bestätigung, daß die Aufrechterhaltung des militärischen Gleichgewichts die Grundlage für die Diplomatie der Verbündeten sein muß.
- Erneute Entschlossenheit, konstruktivere Beziehungen zur Sowjetunion
anzustreben - allerdings in klarerer Erkenntnis der Grundvoraussetzungen
für einen Erfolg des Westens.
- Übereinstimmung über einen neuen Ansatz zur Rüstungskontrolle, der
mit unseren militärischen Anstrengungen vereinbar und diesen förderlich ist
und darauf abzielt, eine echte Verminderung des Maßes der militärischen Konfrontation zwischen Ost und West herbeizuführen.
- Tieferes Verständnis für die Zusammenhänge zwischen den Bündnisinteressen und Entwicklungen in anderen Teilen der Welt.
- Größere Aufgeschlossenheit für die praktischen Realitäten unserer Partnerschaft, einschließlich einer breiteren Mitwirkung aller Verbündeten an Entscheidungen, die die Interessen des Bündnisses berühren.
Dieser Konsens bietet den Rahmen für unsere gemeinsamen Anstrengungen,
den schwierigen Herausforderungen der achtziger Jahre zu begegnen. Er beruht
auf gemeinsamen Wertvorstellungen und Zielen. Er geht davon aus, daß unsere
Entschlossenheit, unsere demokratische Lebensform zu verteidigen, das Fundament unserer Partnerschaft bleibt.
Er beruht aber auch auf der Einsicht, daß wir nicht damit rechnen
können, in jedem Detail unserer jeweiligen Politik übereinzustimmen.

Ein

Wiederauftreten der Debatte über spezifische Fragen, wie wir sie gegenwärtig
bezüglich des Osthandels erleben, sollte uns nicht Anlaß zu der Befürchtung
geben, wie dies vor 12 Monaten bei vielen der Fall gewesen zu sein schien,
daß keine gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit mehr existiere.
Wenn wir auf die Ergebnisse des Bonner Gipfels zurückblicken, dann müssen
wir erkennen, daß der Entscheidungsprozeß im Bündnis immer vor dem Hintergrund
- 3 -

�dem Hintergrund innerwestlicher Spannungen stattfindet, die wir erfolgreich
in den Griff zu bekommen verstehen, nie aber gänzlich ausräumen.

Solche

Spannungen sind ein Wesensbestandteil einer Partnerschaft wie der unsrigen.
über 30 Jahre lang ist es nun schon eine der Hauptaufgaben der Bündnisführung, sie in schöpferische Debatten zu lenken.
Die NAJ0 ist schließlich ein" Bündnis von 16 Nationen, deren Interessen
von jeweils unterschiedlichen wirtschaftlichen, politischen, kulturellen
und geographischen Gegebenheiten diktiert werden.

Sie ist ein Bündnis aus

Völkern, die durch 6000 km Ozean voneinander getrennt sind.

Seine schwie-

rigste Aufgabe war es schon immer, auf dauerhafte und verläßliche Weise die
Grundlagen für eine echte kollektive Sicherheit zu schaffen und die Macht
Amerikas mit der Sicherheit Europas zu verknüpfen.
SEit 30 Jahren vollbringt das Bündnis dieses Kunststück vermittels
des Prozesses der Risikoteilung, durch den jedem Mitgliedstaat die Segnungen des Friedens zuteil werden, indem er sich bereit findet, mit den anderen auch die Konsequenzen eines Krieges zu teilen. Wenn das Konzept der
Risikoteilung auch sehr einfach ist, so ist seine praktische Handhabung doch
komplex und dem Wandel unterworfen. So wie sich das Wesen der Bedrohung
der Sicherheit des Westens im Laufe der Jahre verändert hat, so hat sich auch
die Art und'Weise geändert, wie'das Bündnis seine Verteidigung organisiert
und die Verantwortung für sie unter den Mitgliedern aufteilt. Die Debatten
im Westen über die Dislozierung von Kernwaffen, den Stand und die Strategie
konventioneller Streitkräfte, die Ost-West-Beziehungen und das Verhalten der
Sowjets in der Dritten Welt sind nur die sichtbaren Manifestationen dieses
häufig unsichtbaren Prozesses der konstanten stetigen Neudefinierung und Neuverteilung der Risiken.
Verbunden, wenn auch-nicht identisch mit diesem Prozeß des Risikoteilens
ist die Lastenteilung. Hier haben wir es mit greifbaren Dingen zu tun:
Finanziellen Mitteln, Menschen, und der Bereitstellung von Einrichtungen.
Aber auch hier gibt es keine endgültige Antwort, nur ein ständig sich neu

�sich neu bildendes Gleichgewicht unter Verbündeten unterschiedlicher und sich
wandelnder Kapazitäten.

So beschuldigten die Europäer Amerika vor einem Jahr-

zehnt, es würde, abgelenkt vom Vietnam-Krieg der europäischen Verteidigung
nicht genügend Aufmerksamkeit widmen. Und in jüngerer Zeit haben die Amerikaner die Frage gestellt, warum ein Europa, das ein amerikanisches Ausmaß an
Produktivität und Verbrauch erreicht hat, nicht auch ein amerikanisches Ausmaß an Ressourcen auf seine eigene Verteidigung verwenden kann.
In der Gestaltung der Beziehungen des Westens zur Sowjetunion gibt es
ebenfalls ein ständig sich neu bildendes Gleichgewicht von Regeln und Verantwortlichkeiten.

In der Blütezeit der amerikanisch-sowjetischen Entspan-

nung fürchtete Europa ein amerikanisch-sowjetisches Kondominium.

Als später

das sowjetische Verhalten eine Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen verursachte, machte sich Europa Sorgen wegen der Konsequenzen der amerikanischsowjetischen Spannungen.
Und schließlich unterliegen Qualität und Au/smaß der durch die Vereinigten
Staaten im Bündnis ausgeübten Führung der ständigen Überprüfung durch das
Bündnis und erfordern fortgesetzte Anpassungen. Wenn die Signale aus Washington
schwach sind, bringt Europa Befürchtungen über einen Mangel an klarer und
fester amerikanischer Führung zum Ausdruck.

Wenn die Signale stark sind, pro-

testiert Europa gegen eine amerikanische Hegemonie.

Eine wirklich befriedi-

gende Ausgewogenheit ist ein notwendiges, aber unerreichbares Ziel.
Vor diesem Hintergrund ständiger Debatten innerhalb unseres Bündnisses
müssen wir die Leistungen des vergangenen Jahres bemessen. In diesem Zeitraum hat das Bündnis ein neues Gleichgewicht auf jedem dieser Gebiete erzielt,
ein Gleichgewicht,das meiner Überzeugung nach enger mit den veränderten
äußeren Realitäten und mit den sich entwickelnden Kapazitäten der einzelnen
Verbündeten übereinstimmt.
Wir haben zwar Fortschritte in der Definition der Grundlagen für unsere
Zusammenarbeit in einem Zeitalter des Wandels gemacht, aber wir müssen auch
erkennen, daß wir erst ein Stück des Weges auf unser Ziel hin zurückgelegt
- 5 -

�hin zurückgelegt haben.

Wir müssen jetzt unsere interne Übereinkunft auf

den Wesenskern unserer wichtigsten Aufgaben aufwenden:

Die Ost-West-Be-

ziehungen und die gemeinsame Verteidigung.
Ost-West-Beziehungen
Schon in den fünfziger Jahren betonte die Bündnisdoktrin den Zusammenhang zwischen den politischen, wirtschaftlichen, humanitären und militärischen
Aspekten der Sicherheit.

Damals wie heute war der Westen überzeugt, daß die

erste Verteidigungslinie die Stärke unserer Gesellschaften und die Attraktivität der demokratischen Lebensform seien.

Wir waren auch überzeugt, man

dürfe nicht zulassen, daß die Teilung Europas eine ständige militärische Konfrontation zwischen Ost und West diktiere.

Die Bündnisdoktrin hat immer ver-

sucht, die Konfrontation in Europa durch Bemühungen um die Verringerung des
Standes der Rüstungen und durch Überwindung der Trennung der Menschen auf dem
Kontinent zu überwinden.
Der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Bündnis im Jahr 1955
gab der Verpflichtung der NATO zur Verringerung der Spaltung in Europa eine
neue Dimension. Diesen Besorgnissen hat natürlich schon immer ein wichtiges
menschliches Element innegewohnt - ein Element, das man in Deutschland am
stärksten gespürt hat. Aber unserem Wunsch, die Kontakte zwischen Ost und
West zu erweitern, haftet auch ein wichtiger Sicherheitsaspekt an. Ein geteiltes Europa kann niemals ein stabiles Europa sein. Die fortgesetzte Verweigerung, den Menschen in Osteuropa und in der DDR die Grundfreiheiten zu
gewähren, wird eine ständige Ursache der Spannungen auf dem europäischen Kontinent sein.
Während der siebziger Jahre rückten die Anstrengungen, zu einer Rüstungsbeschränkung zu gelangen, und die politischen Bemühungen um die Verminderung
der Spannungen an die Spitze der Liste der Bündnisanstrengungen zur Gewährleistung der Sicherheit in Europa.

Aber keine dieser politischen Zielsetzun-

gen war je als Selbstzweck gedacht.

Und wir wollten auch nicht von unserem

ständigen grundlegenden Ziel der Beibehaltung unserer Lebensform gegenüber der
- 6 -

�gegenüber der Feindseligkeit aus dem Osten ablassen. Wenn die Sowjets eine
Bereitwilligkeit zeigten, ehrlich mit dem Westen in dem Bemühen zusammenzuarbeiten, konkrete Schritte vorwärts auf dem Weg zu einer echten Verminderung
der Spannungen zu unternehmen, waren wir stets willens, uns diesen Bemühungen anzuschließen.

Wenn aber das sowjetische Verhalten die Sicherheit des

Bündnisses zu gefährden schien, stimmten wir von Anfang an darin überein,
daß unsere Strategie geändert werden müsse, um der neuen Situation Rechnung
zu tragen.
Allem voran aber bedeutete "Entspannung" nach amerikanischer Vorstellung,
daß Ost und West trotz ihrer philosophischen und politischen Unterschiede
aufrichtig auf das Ziel hinarbeiten, das militärische Gleichgewicht zu stabilisieren, die Schranken für menschliche Kontakte zu überwinden und zur größtmöglichen Offenheit zwischen unseren Gesellschaften zu ermutigen.

Diese De-

finition wurde in der Schlußakte von Helsinki klar formuliert.
Im Laufe der Jahre hat der Westen einige bemerkenswerte Erfolge in seinen
Bemühungen errungen, ein stabileres und konstruktiveres Verhältnis zum Osten
herzustellen.

Schon 1954 zeigten die Verhandlungen über den österreichischen

Staatsvertrag und der Abzug der sowjetischen Truppen aus jenem Land den Wert
von Geduld, Festigkeit und Einigkeit des Westens. Anfang der siebziger Jahre
führten ähnliche Anstrengungen des Westens zum Viermächte-Abkommen über Berlin
und anderen Vereinbarungen, die die menschlichen Kontakte zwischen Ost und
West erheblich verbessert haben.

Wenn wir einig waren, hatten wir Erfolg.

Unsere Einigkeit war weniger deutlich, als sich viele der ersten Hoffnungen auf Entspannung nicht verwirklichten.

Trotz all unserer Anstrengungen

übte die Sowjetunion keine Zurückhaltung, vor allen Dingen nicht in Gebieten
außerhalb Europas. Aber auch in Europa selbst ließ es die Sowjetunion an der
Ausführung vieler der Bestimmungen im übereinkommen von Helsinki fehlen; und
ein Jahrzehnt intensiver Rüstungskontrollverhandlungen trug nicht dazu bei,
der militärischen Expansion der Sowjets Einhalt zu gebieten oder sichtbar
zu verlangsamen.

Unsere Reaktion auf ein solches Verhalten war gelegentlich

verwirrt, unkoordiniert und selbststrittig.
- 7 -

Wir waren nicht in der Lage,

�der Lage, eine gemeinsame Strategie zu formulieren, um den neuen Herausforderungen zu begegnen, die durch das sowjetische Verhalten entstanden waren.
Dieses Versagen- brachte neue Belastungen für unsere Partnerschaft.

Das

westliche Versagen, eine Zurückhaltung der Sowjets sicherzustellen, führte zu
Verlust an Vertrauen in die Aussichten der Entspannung, vor allem in den Vereinigten Staaten, wo das schlechte Verhalten der Sowjets in der Dritten Welt
deutlicher gespürt wurde. Noch schlimmer war ein beunruhigender Niedergang
des Glaubens an uns selbst. Die Differenzen im Westen bezüglich solcher Ereignisse

wie die sowjetische Invasion Afghanistans, führten viele unserer

Bürger zu der Auffassung, daß die NATO ihren Weg verloren habe und nicht länger in der Lage sei, ausreichend auf diese, sie konfrontierenden Herausforderungen zu reagieren.

Das Versagen, der zentralen Herausforderung unserer

Sicherheit - den Beziehungen zur UdSSR - zu begegnen, führte zu Zweifel über
andere Ziele. Wir erleben als Folge dieser Entwicklung ein Anwachsen der
Friedensbewegung in Europa, und in Amerika können die erneuten Forderungen
nach Abbau der amerikanischen Streitkräfte in Europa zu einem wesentlichen
Ausmaß durch diesen Verlust an Glauben erklärt werden.
Die hieraus resultierende Debatte ist lebhaft und freimütig. Wir haben
diese Diskussion nicht unterdrückt, sondern zu einer offenen Behandlung der
Fragen ermutigt. Das Ergebnis ist, wie es auf dem Bonner Gipfeltreffen zum
Ausdruck kam, ein erneuter Glaube an unsere Fähigkeit, mit den Herausforderungen fertigzuwerden, die sich durch das sowjetische Verhalten ergeben. Wir
sind vereint in unserer Entschlossenheit, konstruktivere Beziehungen zur
Sowjetunion anzustreben. Aber wir gehen auf dieses Ziel auf der Basis eines
klareren Verständnisses der Vorbedingungen für den Erfolg zu, die da sind
Geduld des Westens, Festigkeit des Westens und vor allem Einigkeit des Westens
- und eine stärkere Erkenntnis, daß das Ziel echter Entspannung die Herstellung eines globalen Musters sowjetischer Zurückhaltung und Verantwortlichkeit
sein muß.
Verbesserungen der

- 8 -

�Verbesserungen der Verteidigung
In deutlicheren Worten bekräftigte der Bonner Gipfel, daß die Basis
für die Diplomatie der Verbündeten die Aufrechterhaltung eines militärischen
Gleichgewichtes sein muß.

Das Gipfeltreffen bekräftigte die weitere Gültig-

keit der NATO-Abschreckungsstrategie der flexiblen Antwort (flexible response)
und unterstrich den wesentlichen Beitrag, den jedes Element der NATO-Triade
- Strategische Streitkräfte, nukleare Streitkräfte in Europa und konventionelle
Streitkräfte in Europa - leistet.
über diese Bekräftigungen hinaus hat das Gipfeltreffen besonderen Nachdruck auf die Notwendigkeit von Verbesserungen der konventionellen Verteidigung gelegt.

Dies ist ein"Gebiet, das nur zu oft durch die nachrichtenträch-

tigere und laute Debatte über Nuklearfragen in den Hintergrund gerückt wird.
Und doch ist die konventionelle Stärke das Fundament der Sicherheit des Bündnisses und die bestmögliche Garantie gegen einen Konflikt in Europa, sei er
nuklear oder konventionell.

In den letzten Monaten ist über die Frage der

Förderung der konventionellen Kapazität der NATO debattiert worden, wobei manche Beobachter meinen, daß dies zu einer wesentlichen Revision der Nukleardoktrin des Bündnisses führen könnte.

Verfechter einer Doktrin der "Nicht-

Erstanwendung" argumentieren, daß ausreichende konventionelle Streitkräfte
an die Stelle unseres gegenwärtigen Vertrauens auf die nukleare Abschreckung
treten könnten. Andere, einschließlich einer hervorragenden Gruppe deutscher
Spezialisten, die in der Ausgabe der Zeitschrift "Foreign Affairs" von diesem
Monat schreiben, haben darauf hingewiesen, daß ein Verzicht auf die nukleare
Option die Sicherheit Europas nicht fördern würde und sogar einen Krieg - einen
schrecklichen konventionellen Krieg - denkbarer machen könnte. Sie weisen
ferner ganz richtig darauf hin, daß es die Strategie der nuklearen Abschreckung
ist, die Verbesserungen der konventionellen Streitkräfte in Europa militärisch
wünschbar und politisch vertretbar macht.

Die Antwort für die NATO ist ein-

deutig, ein gesundes Gleichgewicht zwischen konventionellen und nuklearen
Streitkräften aufrechtzuerhalten.

Eine Ausweitung der konventionellen Streit-

kräfte kann nicht all unsere Probleme
- 9 -

lösen, aber ohne Verbesserungen der

�Verbesserungen der konventionellen Streitkräfte kann unsere Abschreckungsstä'rke nicht aufrechterhalten werden-.

Kurz gesagt, die deutsche "Vierer-

bande" und nicht ihre amerikanischen Kollegen sehen es richtig.
In den letzten Wochen haben die Kämpfe im Südatlantik und im Nahen Osten
neue Lehren mit sich gebracht, die die militärischen Planer"erst richtig einzuschätzen beginnen.

Beide dieser Konflikte haben" gezeigt, daß militärische

Kapazität mehr denn je ein'Verschmelzungsprodukt'von Technologie, Ausbildung
und Moral ist. HochtechnologTsche-Waffen*funktionieren, wie wir gesehen haben,
mit verheerender Wirkung.

Es ist keine" Frage," daß'der Westen seine technolo-

gische Führung aufrechterhalten muß. Es gibt keine Möglichkeit der Verteidigung für billiges Geld.
Aber diese

Konflikte haben auch gezeigt, daß der entscheidende Faktor

heute ebenso wie stets in der Geschichte'Ausbildung und Moral sind. Letztlich kann sich eine Nation eine1 ausreichende"Verteidigung nicht allein mit
Geld erwerben.

Sie kann nur sicherstellen, daß die Qualität ihrer Streit-

kräfte die besten geistigen und moralischen Aspekte ihrer Gesellschaft widerspiegelt.
Sicherlich ist keine militärische Einrichtung der Welt ein besseres
Beispiel dieses Verschmelzungsproduktes von Technologie, Ausbildung und Moral
als die Bundeswehr. Keine Streitmacht ist ein besserer Ausdruck der höchsten
geistigen und moralischen Aspekte der Gesellschaft, die sie verteidigt. Gerade um diese Leistung anzuerkennen und zu weiteren solchen Anstrengungen im
ganzen Bündnis zu ermutigen, hat das Gipfeltreffen beschlossen, seine Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit von Verbesserungen der konventionellen Streitkräfte zu konzentrieren.
Aber unsere Strategie ist und bleibt, den Krieg zu vermeiden und es herrscht
im Bündnis allgemeine Übereinkunft darüber, daß die Gefahr eines Atomkrieges
nicht wirklich beseitigt werden kann, wenn wir nicht damit anfangen, die nuklearen Arsenale in Ost und West tatsächlich zu verringern.
Rüstungskontrolle

�Rüstungskontrolle
Die Bonner Gipfelkonferenz erkan-nte-diese Tatsache an und brachte sie
formell in einem neuen Konsens-über RlistUfigsiojntroTtB zum Ausdruck.

Ich habe

an die Enttäuschung der siebziger Jahre erinnert, die die Illusionen bezüglich
der Möglichkeit zerstörte, zu bedeutsamen Rüstungskontroi labkommen mit der
Sowjetunion zu gelangen.

Diese Enttäuschungen entstanden aus dem Versagen

bestehender Abkommen, der Aufrüstung Einhalt zu gebieten, und aus dem zunehmender Beweis, daß die Sowjetunion nicht alle Abkommen, die sie unterzeichnete, voll erfüllte.
Wir sind durch eine notwendige Periode der Reflektion über die Lehren
der Vergangenheit und intensiver Konsultationen im Bündnis über einen Kurs
für die Zukunft gegangen.

Als Ergebnis haben die Vereinigten Staaten ein um-

fassendes neues Programm in Angriff genommen, um dem Wettrüsten Einhalt zu
gebieten und es umzukehren.

Diese Bemühung konzentriert sich auf Ziele, die

von Präsident Reagan im vorigen November zuerst umrissen worden sind.

Mit

dieser neuen Anstrengung streben wir insbesondere nach:
- Abkommen, die den Stand der Rüstungen verringern und nicht lediglich
den gegenwärtigen Stand legitimieren;
- Abkommen, die zu einem gleichen Stand der Rüstungen auf beiden Seiten
führen;
- Abkommen, die verifiziert werden können.
In Bonn hat das Bündnis diese Ziele gebilligt und ein umfassendes und
integriertes Programm entworfen, um sie zu erreichen. Zu diesem Programm
gehören:
- Ein in Phasen ablaufendes Programm zum Abbau strategischer Waffen.

In

der ersten Phase schlagen die Vereinigten Staaten eine Verringerung der Zahl
ballistischer Gefechtsköpfe auf rund 5000 auf jeder Seite vor.
- 11 -

Nicht mehr

�Nicht mehr als die Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe wären auf landgestützten Raketen disloziert.

Eine zweite Phase würde sich darauf konzentrie-

ren, die Gesamtzerstö'rungsmacht beider Seiten auf einen gleichen Stand zu
verringern, einschließlich einer beiderseitigen Höchstgrenze für das Wurfgewicht ballistischer Raketen.
- Ein Vorschlag, um die Zahl der nuklearen Mittelstreckenraketen auf
Null zu reduzieren.

Die Vereinigten Staaten würden auf die Dislozierung von

PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern verzichten, wenn die
Sowjets ihre SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abbauen.
- Ein Vorschlag, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion Mittel
und Wege prüfen sollten, um die Gefahr eines Krieges aus Zufall oder Fehleinschätzung zu verhindern.

In seiner "Berlin-Initiative" gab der Präsident be-

kannt, daß er sich in Kürze mit konkreten'Vorschlägen an die Sowjetunion wenden werde.
Zu diesen Vorschlägen gehören:
- Verbesserte Kommunikation/möglicherweise durch Verbesserung des
"heißen Drahtes".
- Ankündigung großer strategischer Übungen.
- Vorherige Ankündigung von Abschüssen von Interkontinentalraketen
innerhalb wie auch außerhalb von nationalen Grenzen.
- Ein neuer Vorschlag des Bündnisses zur Neubelebung der MBFR-Verhandlungen in Wien, die jetzt in ihrem neuenten Jahr sind. Der Vorschlag sieht
ein einziges Abkommen vor mit mehreren Stadien der Verringerung und Verifizierung durch Inspektionen an Ort und Stelle, ständige Eintritts- und Austrittspunkte mit Beobachtern, Datenaustausch" und eine Verpflichtung, die nationalen technischen Methoden der Verifizierung" nicht" zu stören.
Verhandlungen über

�Verhandlungen über all die oben erwähnten Vorschläge haben entweder
bereits begonnen oder werden in Kürze beginnen.

Die Vereinigten Staaten

haben sich verpflichtet, diese Unternehmungen zum Erfolg zu führen.

Wir

werden ernsthaft und realistisch mit"dem Ziel verhandeln, Abkommen zu erreichen, die die legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten in Rechnung
stellen.
Auf strategischem Gebiet beispielsweise bietet unsere Position eine
gerechte Grundlage für starke Verringerungen "auf beiden Seiten.

Es handelt

sich nicht um ein einseitiges'Rezept für eine einseitige Abrüstungder Sowjets,
wie Moskau das behauptet. Wir haben beschlossen, uns auf Gefechtsköpfe als
die wesentliche Zähleinheit zu konzentrieren, da Gefechtsköpfe ein sinnvolleres Maß strategischer Kapazität sind als Trägerwaffen allein, auf die man
sich in SALT I und SALT II konzentrierte.
Hinter unserer Einstellung steht ein einfaches, aber wichtiges Konzept,
daß nämlich Verringerungen strategischer Waffen sich auf die Beseitigung der
am meisten destabilisierenden Waffen konzentrieren sollten.
Dies wird nicht zu einer diskriminierenden Behandlung der Sowjets führen, wie dies Außenminister Gromyko kürzlich in New York behauptet hat.

Im

Gegenteil, es besteht derzeit eine annähernde Gleichheit der Zahl amerikanischer
und sowjetischer Gefechtsköpfe ballistischer Raketen - beide Seiten besitzen
rund 7500 -, so daß Verringerungen auf 5000 eine gleiche Auswirkung auf beide Seiten hätten.

Es ist richtig, daß die Sowjets größere Kürzungen ihrer

Interkontinentalraketenstreitmacht vornehmen müßten als die Vereinigten Staaten, da sie sich stärker auf landgestützte Raketen stützen.

Aber die Vereinig-

ten Staaten werden ihr Programm für unterseebootgestützte Raketen in einem
ähnlichen Maße zurückschrauben müssen und nicht nur unmodern gewordene Unterseeboote außer Dienst stellen müssen, wie die Sowjets behauptet haben.
Darüber hinaus sind wir der Überzeugung, daß angesichts der destabilisierenderen Natur landgestützter Raketen - auf der einen Seite ihre Verwundbarkeit gegenüber einem Präventivschlag, auf der anderen Seite ihre größere
- 13 -

�ihre größere Treffsicherheit für die Durchführung eines solchen Angriffs besondere Restriktionen für Interkontinentalraketen gerechtfertigt sind.
Selbst sowjetische Fachleute geben zu, daß die Verwundbarkeit von Interkontinentalraketen ein immer ernsteres Problem für die UdSSR wird und daß
das langfristige Interesse Moskaus in einer Verlagerung des Nachdrucks auf
seegestützte Systeme liegt.
Eine weitere sowjetische Behauptung ist, daß der amerikanische Vorschlag schwere Bomber und Marschflugkörper von der Begrenzung ausschließen
würde.

Auch hier haben die Sowjets des Präsidenten eigene Worte ignoriert,

daß von den Verhandlungen "nichts ausgeschlossen, ist". Wir sind bereit,
gleiche Begrenzungen für Bomber, einschließlich von Bombern, die mit Marschflugkörpern bestückt sind, bei den START-Verhandlungen zu akzeptieren.

Auf

der anderen Seite sind wir der Überzeugung, daß ballistische Raketen eine
größere Bedrohung für die Stabilität darstellen als jene niedrig fliegenden
Zweitschlagsysteme, und daß daher den ballistischen Raketen bei den Verhandlungen Priorität eingeräumt werden sollte.
Lassen Sie mich hinzufügen, daß wir nicht überrascht sind, daß Moskau
unsere Vorschläge scharf kritisiert hat. Die sowjetische Erfahrung mit ihrer
Offensive, die Entscheidung der NATO über nukleare Mittel Streckensysteme (INF)
von 1979 zum Scheitern zu bringen, hat sie ermutigt, eine ähnliche öffentliche
Diplomatie auf die START-Verhandlungen zu verwenden. Aber die Sowjets haben
sich sorgfältig gehütet, unsere Vorschläge kategorisch abzulehnen und wir bleiben hinsichtlich der langfristigen Aussichten für die START-Verhandlungen optimistisch.
Unsere Bemühungen um die START-Verhandlungen und die INF-Verhandlungen
bestärken sich gegenseitig, um die Aussichten auf Fortschritt in beiden Verhandlungen zu fördern.

In der Vergangenheit haben die Sowjets ihre Weigerung,

bei den strategischen Systemen größere Kürzungen zu akzeptieren, damit begründet, daß die amerikanischen Mittel Streckensysteme dann zu einer stärkeren Bedrohung der UdSSR würden, wenn die Zentral Systeme verringert werden. In den
INF-Verhandlungen haben wir'jedoch angeboten, völlig auf die Dislozierung der
- 14 -

�Dislozierung der Mittel Streckensysteme zu verzichten, die die größte Besorgnis
Moskaus erregen, und damit den Sowjets diese Ausrede für eine Ablehnung wesentlicher Verringerungen bei den START-Verhandlungen genommen.
Wegen des auf der Hand liegenden Zusammenhangs zwischen den Themenbereichen beider Verhandlungen haben wir sorgfältig darauf geachtet, daß die
Einstellungen zu beiden Verhandlungen miteinander übereinstimmen:

Beide stre-

ben wesentliche Verringerungen an und konzentrieren sich zunächst auf die am
meisten destabilisierenden Waffenarten; beide benutzen Gefechtsköpfe als die
Hauptzähleinheit und beide basieren auf dem Grundsatz gleicher Höchstgrenzen
und Rechte für beide Seiten. Wir werden unsere Positionen in beiden Verhandlungsgremien eng im Hinblick darauf koordinieren, daß wir in beiden so rasche
Fortschritte wie möglich machen werden.
Aber wir sollten uns bezüglich dessen, was für einen Erfolg bei diesen
Verhandlungen notwendig ist, nicht täuschen.

Das vielleicht bisher wich-

tigste amerikanisch-sowjetische Rüstungskontroi labkommen ist der ABM-Vertrag
(Vertrag über Raketenabwehr-Raketensysteme) von 1972. Moskau wäre jedoch niemals in dieses Abkommen eingetreten, hätten die Vereinigten Staaten nicht mit
der Dislozierung ihres eigenen ABM-Systems begonnen.

Ebenso säßen wir nicht

am Verhandlungstisch in Genf und würden über INF verhandeln, wenn es nicht den
NATO-Beschluß

vom Dezember 1979 gegeben hätte. Die Lektion ist eindeutig:

Wenn Verhandlungen Erfolg haben sollen, dann müssen wir den Sowjets Anreize
geben, ernsthaft zu verhandeln.

Es ist daher ein zwingendes Gebot, daß wir

mit dem Fortgang der INF-Verhandlungen die Vorbereitungen für die Dislozierung
in Europa weiterführen.

Und es ist ebenso notwendig, daß die Vereinigten Staa-

ten, wenn sie in die START-Verhandlungen eintreten, ihre Verpflichtung gegenüber dem strategischen Modernisierungsprogramm von Präsident Reagan erfüllen.
Ereignisse in der Dritten Welt
So wichtig die Rüstungskontroilanstrengungen auch sind, die auf eine Stabilisierung der militärischen Lage in Europa abzielen, so dürfen wir doch
nicht vergessen, wie sehr die Interessen des Bündnisses durch Ereignisse außer- 15 -

�Ereignisse außerhalb Europas beeinflußt werden.

In der interdependenten

Welt der achtziger Jahre können wir nicht länger mit jener künstlichen Trennung der westlichen Interessen in solche leben» die den NATO-Vertrag berühren und solche, die ihn nicht berühren.

Ich schlage natürlich nicht vor, das

formelle Vertragsgebiet des NATO-Vertrags über seinen derzeitigen Bereich
hinaus auszuweiten.

Ich stelle lediglich fest, daß Entwicklungen in Dritt-

ländern - wie etwa den Staaten des Persischen Golfes - unmittelbare Auswirkungen auf unsere gemeinsame Sicherheit haben.

Und wie oben erwähnt, gefähr-

det unsere Unfähigkeit, wirksam auf das schlechte Verhalten der Sowjetunion
in diesen Gebieten zu reagieren, nicht nur unsere weiter gefaßten Interessen,
sondern schädigt zugleich auch die gesamte Glaubwürdigkeit des Bündnisses
als einer gegenseitigen Sicherheitspartnerschaft.
Das ist der Grund, warum dfe Vereinigten Staaten so eindringlich vor
den sowjetischen Aktivitäten in den Ländern der sogenannten Dritten Welt
warnen.

Das ist auch der Grund für unser

Argument, daß die indirekte Inter-

vention der Sowjetunion durch Stellvertreter in Gebieten wie dem südlichen
Afrika oder Mittelamerika Anlaß zu unmittelbarer Besorgnis für unser Bündnis
ist.
Das auf dem NATO-Gipfel vereinbarte Dokument über die Verteidigung
spiegelt die vermehrte Erkenntnis innerhalb des Bündnisses darüber wider,
daß eine engere Zusammenarbeit notwendig ist, um Stabilität in anderen kritischen Regionen der Welt"zu garantieren.
Dieser Konsens bringt die Auffassung zum Ausdruck, daß das Bündnis - wohl
oder übel - in-zunehmendem Maß"durch Ereignisse außerhalb des Vertragsbereichs beeinflußt wird.

Die Staaten mit direkten" Interessen außerhalb der

Bündnisgrenzen unterstrichen~ihre besondere Verantwortung zur Vertiefung
von Koordination und Kooperation im Interesse der gemeinsamen Verteidigung.
Ein neuer

- 16 -

�Ein neuer Führungsstil
Der sich herausbildende Konsens zu den Problemkreisen, die ich ausgeführt habe, ist - wie ich meine - zum Teil auch Ergebnis eines neuen Stils
der amerikanischen Führung, die sich besser auf die Erfordernisse der achtziger Jahre ausrichtet.

In einer Welt, die komplexer und gefährlicher ist

denn je, bedarf das Bündnis gerade jetzt einer tatkräftigen Führung.

Doch

müssen die Vereinigten Staaten diese Führung angesichts stärkerer und selbstbewußterer Verbündeter anders ausüben, als sie dies in der Vergangenheit
getan haben.

Konsultationen dürfen nicht nur ein Mittel sein, die Verbünde-

ten über Entscheidungen zu informieren, die in Washington getroffen werden,
sondern tatsächlich Mittel zur Formulierung gemeinsamer Entscheidungen.
Wir haben solche Konsultationen erreicht - und durch sie die Ergebnisse,
die ich genannt habe. Um nur ein Beispiel zu erwähnen, mit dem ich besonders
vertraut bin: Die Sonderberatungsgruppe der NATO (SCG) führte im Rahmen der
Vorbereitung der Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme
(INF) über mehrere Monate hinweg einen Meinungsaustausch von einer Intensität
und Produktivität durch, wie dies bislang noch nicht der Fall gewesen war.
Der große Anklang, den die amerikanische Position bei diesen Verhandlungen
findet, und die solide Unterstützung durch die westlichen Regierungen für
diese Position sind sprechender Beweis für die Qualität dieses Konsultationsprozesses.
Ein anderes Beispiel betrifft'die westlichen Reaktionen auf die Verhängung des Kriegsrechts in Polen.
ten unserer Reaktion überein.
lig schwierig.
stellte:

Hier stimmten wir nicht in allen EinzelheiUnsere Konsultationen waren lang und zeitwei-

Doch wie Außenminister Haig in Brüssel am 15. Januar fest-

Das Bündnis wankte nicht bei seiner Verurteilung der Ereignisse vom

13. Dezember.

Wir waren vereint in unserer Entschlossenheit, in angemessener

Weise auf eine Rücknahme der Verfügungen zu drängen.
Die von

- 17 -

�Die von den einzelnen Mitgliedern des Bündnisses ergriffenen Maßnahmen
unterschieden sich je nach Perspektive, Möglichkeiten und geographischer Lage.
Unser Ziel war dabei, wie es Außenminister Haig nannte, parallele Schritte
auf ein gemeinsames Ziel hin.

Ich glaube, daß das Bündnis angesichts der

komplizierten Materie, um die es dabei ging, einen bemerkenswerten Erfolg
bei der Formulierung einer gemeinsamen Position hatte.
Ein Bereich, wo es Meinungsverschiedenheiten gab, waren die Wirtschaftssanktionen gegenüber Polen und der Sowjetunion.

Andere Verbündete, einschließ-

lich der Bundesrepublik Deutschland, haben sich den Vereinigten Staaten bei
der Verhä'ngung solcher Sanktionen angeschlossen, wobei man gerechterweise sagen muß, daß die von den Vereinigten Staaten auferlegten am schärfsten waren.
Dem ist auch richtig so.

Als stärkstes Mitglied des Bündnisses liegt es

an den Vereinigten Staaten, durch Ausübung des größten Drucks die Ernsthaftigkeit unserer gemeinsamen Besorgniszu demonstrieren.

Wir sollten uns jedoch

hinsichtlich des Zweckes solcher Maßnahmen nicht durcheinanderbringen lassen
- einschließlich der erweiterten Sanktionen, die Präsident Reagan am 18. Juni
billigte.
Die Vereinigten Staaten wollen keinen Wirtschaftskrieg mit der Sowjetunion. Unsere Sanktionen stellen den klugen Einsatz einer der wenigen uns
zur Verfügung stehenden Mittel dar, das sowjetische Verhalten direkt zu beeinflussen. Die schon bislang üblichen Exportkontrollen der NATO-Mitglieder
zeigen, daß wir schon seit langem die wichtige Rolle erkennen, die Handelsfragen in unserer gesamten Sicherheitspolitik spielen. Präsident Reagan hat
der Sowjetunion klargemacht, daß er bereit ist, normale Wirtschaftsbeziehungen
zu unterhalten. Aber normale Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Sowjetunion
und dem Westen sind derzeit nicht angebracht, besonders nicht, solange die
Unterdrückung in Polen andauert. Präsident Reagan hat deutlich gesagt, daß
die Zeit für Beweise eines Fortschritts in Richtung auf Versöhnung in Polen
gekommen ist. Die amerikanischen Sanktionen dienen diesem Ziel. Wir müssen
jedoch über das aktuelle Sanktionsproblem hinausblicken und sehen, daß es für

- 18 -

�es für den Westen an der Zeit ist, eine gemeinsame und umfassende Strategie
für die Wirtschaftsbeziehungen zum Osten auszuarbeiten.

Wir sind der Meinung,

daß der Versailler Gipfel ein sehr bedeutsamer erster Schritt in diese Richtung war, indem er sich auf die Frage westlicher Kredite an die Sowjets konzentrierte. Hier gab es zum erstenmal einen Konsens des Bündnisses hinsichtlich der Notwendigkeit kommerzieller Klugheit bei den Finanzgeschäften mit
den Sowjets.

Die Verbündeten stimmten auch in bezug auf verbesserten Informa-

tionsaustausch innerhalb der OECD über alle Aspekte der Wirtschafts- und Finanzbeziehungen mit der Sowjetunion und Osteuropa und einer regelmäßigen Überprüfung dieser Beziehungen überein.

Wir sind daher der Oberzeugung, daß die

Grundlage für weiteren Fortschritt bei der Kreditfrage geschaffen ist.

Es wäre

ein großer Fehler, wenn wir zulassen würden, daß unsere gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten über die Sanktionsentscheidung konkrete Schritte in
der Kreditfrage behindern.
Wachstum, Wandel und Lebenskraft der westlichen Institutionen
Was wir im Verlauf des vergangenen Jahres bei der Schaffung eines neuen
Konsens im Bündnis über die wichtigsten Fragen der westlichen Sicherheit erreicht haben, ist jedoch noch zerbrechlich und der Erosion ausgesetzt.

Noch

gibt es Bereiche der Meinungsverschiedenheit; neue Herausforderungen werden
auftreten.

Aber das Bündnis hat in einer Zeit des raschen Wandels seine Fä-

higkeit zur Anpassung bewiesen.
Eine solche Anpassung ist stets schmerzlich und wird dies auch weiterhin
bleiben. Und doch gibt es keinen besseren Beweis für die Lebenskraft unserer
Institutionen als diese Fähigkeit, mit dem inneren und äußeren Wandel Schritt
zu halten.
Die Welt hat sich wahrhaftig seit dem Bestehen unseres Bündnisses gewaltig verändert.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich das amerikanisch-

sowjetische Kräfteverhältnis von eindeutiger amerikanischer Überlegenheit
zur Parität verschoben und bewegt sich in wichtigen Bereichen auf sowjetische
Überlegenheit hin.

Das Kräfteverhältnis innerhalb des Westens hat sich ebenso
- 19 -

�sich ebenso dramatisch verschoben - von einer Zeit, da Amerika die Hälfte
der Güter dieser Welt produzierte und konsumierte bis zur Gegenwart, da Europa es Amerika gleichtut, was wirtschaftliche Stärke anbelangt.

Das Nord-

Süd-Verhältnis hat sich jedoch am deutlichsten verschoben - von einer Zeit
der kolonialen Bevormundung zur Gründung von über hundert unabhängigen Staaten, die jetzt einen großen Teil der Rohstoffe dieser Welt kontrollieren und oft genug dem Westen mißtrauisch oder feindlich gegenüberstehen.
Der Anpassungsprozeß der westlichen Institutionen an diese Veränderungen
läuft schon seit vielen Jahren, hat aber in letzter Zeit an Schwung gewonnen.
Es ist dieser Prozeß, der die Debatten innerhalb des Westens hervorruft, die
bisweilen als Zeichen der Krise oder sogar als Zeichen des bevorstehenden Zusammenbruchs des Bündnisses angesehen werden.

Aber solange die Staaten des

Westens zeigen - wie wir dies im vergangenen Jahr getan haben -, daß sie die
Fähigkeit besitzen, durch solche Debatten zu neuer Übereinstimmung, zu neuen
Wegen für gemeinsames Handeln zu gelangen, brauchen wir uns um die Gesundheit
des Bündnisses oder der Gesellschaften, die es verteidigt, keine Angst zu
machen.
Wie es bei jeder Vereinbarung unter demokratischen Staaten der Fall ist,
kann auch ein solcher Konsens keine Übereinstimmung in allen Punkten bedeuten.
Die NATO hat nie versucht, alle Mitglieder in ein einziges weltpolitisches
Konzept zu pressen oder einen einzigen Weg zur Verwirklichung unserer Zielsetzungen festzulegen.
Unsere Stärke liegt darin, daß wir trotz unserer Verschiedenheit eine gemeinsame Vorstellung von der Gesellschaft und ihren Zielen haben. Wir wissen,
wofür wir stehen. Wir wissen auch, wogegen wir sind.
uns über 30 Jahre lang gut gedient.

Diese Grundlage hat

Die Ereignisse der vergangenen Monate

haben deutlich gezeigt, daß sie uns ebenso gut in der vor uns liegenden Zeit
der Veränderungen dienen wird.
Dieses neue Rahmenwerk für die achtziger Jahre erkennt für die NATO die
Notwendigkeit an, sich den verändernden Umständen anzupassen.

Es verbindet

�Es verbindet die Verteidigungserfordernisse des Bündnisses mit den bisherigen
Anstrengungen zur Verringerung von Spannungen und zur Sicherung des Friedens.
Vor allem aber bietet dieses neue Rahmenwerk eine solide Grundlage für eine
der wichtigsten Aufgaben, vor denen die Führer der NATO in den achtziger Jahren stehen - unseren jüngeren Generationen klarzumachen, daß die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit heute noch genauso groß ist wie vor über 30 Jahren,
als unsere Partnerschaft gegründet wurde.
Es ist mir eine besondere Ehre, meine erste Rede in meiner neuen Eigenschaft auf einer Konferenz zu halten, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung
unterstützt wird.

Ich arbeite mit der Stiftung und vielen ihrer Mitarbeiter

seit Jahren zusammen.
Demokratie - ein

Ich bewundere schon seit langem Ihren Dienst an der

Dienst, der von Präsident Reagan in seiner Westminster-

Rede besonders anerkannt wurde.

Durch Ihre Anstrengungen haben Sie viel zur

Verbreitung der Demokratie in der ganzen Welt beigetragen.

Mit Ihren Schwester-

organisationen hier in der Bundesrepublik dienen Sie als ein Modell für eine
ähnliche Organisation, die jetzt in den Vereinigten Staaten gegründet wird.
Es ist dies die Art von Dienst an der Demokratie und von Solidarität mit
dem demokratischen Ideal, die die Grundlage der Sicherheitspolitik der NATO
bildet.
nicht

Solange wir uns an diese schlichte Tatsache erinnern, werden wir
irregehen.

+ + + + +

- 21 -

�30. Juni 1982

25

GEORGE SHULTZ - DESIGNIERTER AUSSENMINISTER DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - George Shultz, auf den die Wahl Ronald Reagans für
den Posten des amerikanischen Außenministers nach dem Rücktritt von Alexander
Haig gefallen ist, kann eine glänzende Karriere vorweisen - sowohl im öffentlichen Dienst als auch im akademischen Bereich und in der Geschäftswelt.
Shultz, derzeit noch Präsident der Firma Bechtel, einer weltweit tätigen
Baufirma mit Sitz in San Franzisko, diente bereits in früheren republikanischen
Regierungen - als Finanzminister
Management und Haushalt

von 1972 bis 1974, als Direktor des Büros für

von 1970 bis 1972, und als Arbeitsminister

von 1969

bis 1970.
Während des Wahlkampfes um die Präsidentschaft diente Shultz dem damaligen
Kandidaten Reagan als wichtigster Berater für Wirtschaftsfragen. Zu Beginn der
Regierungszeit Ronald Reagans stand Shultz selbst mit an oberster Stelle als
Kandidat für den Posten des Außenministers, entzog sich jedoch damals Überlegungen
in dieser Richtung. Reagan ernannte ihn daraufhin zum Vorsitzenden des Sachverständigenrates für Wirtschaftspolitik.
Shultz trat

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Shultz trat im Jahr 1974 als Vizepräsident der Geschäftsführung in die
Firma Bechtel ein und wurde 1981 in die Position befördert, die er derzeit
innehat.
In den fünfziger und sechziger Jahren diente er in der amerikanischen Regierung auf vielfältige Weise, einschließlich als Berater im Beirat des Präsidenten für Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen, Berater des Arbeitsministers
und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für den öffentlichen Dienst.
Shultz wurde am 13. Dezember 1920 in New York geboren. Im Jahre 1942 erhielt er sein erstes Diplom in Wirtschaftswissenschaften an der Universität
Princeton und 1949 promovierte er an der Technischen Hochschule von
Massachusetts (MIT) in Betriebswirtschaft.
Im Zweiten Weltkrieg diente Shultz im amerikanischen Marinekorps, und
nach dem Krieg nahm er eine Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule von
Massachusetts (MIT) auf. Im Jahre 1957 wurde er als Professor an die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität von Chicago berufen, der er
von 1962 bis zu seiner Berufung zum Arbeitsminister sieben Jahre später als
Dekan vorstand.
Shultz hat zahlreiche Bücher und Artikel auf seinem Fachgebiet verfaßt
und gehörte dem Aufsichtsrat verschiedener großer Firmen an.
Die Zeitschrift "Forbes" bezeichnet Shultz als "eine der solidesten
Figuren im öffentlichen Leben Amerikas ... einer der wenigen lebenden Amerikaner,
die sich auf drei Gebieten hervorgetan haben: im akademischen Leben, im Regierungsdienst und in der Wirtschaft."
Shultz ist mit der geborenen Helena O'Brien verheiratet und hat fünf Kinder.
+++++

- 2 -

«r

�T

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25

30. Juni 1982

EDWARD L. ROWNY •• DELEGATIONSLEITER BEI DEN GENFER START-VERHANDLUNGEN

Botschafter Edward L. Rowny, der die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen
über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) als Delegationsleiter
in Genf vertritt, zeigt sich hinsichtlich eines raschen Fortschritts dieser Verhandlungen als "vorsichtig optimistisch". In einem Interview kurz nach Bekanntgabe des Verhandlungsbeginns - dem 29. Juni 1982 - erklärte Rowny: "Ich habe
sechseinhalb Jahre SALT-Verhandlungen mitgemacht, und ich werde alles in meiner
Macht Stehende tun, damit die jetzigen Verhandlungen zu einem rascheren Ende
kommen."
Ein Grund für die Hoffnung, daß die neuen amerikanisch-sowjetischen Gespräche
schneller zu Ergebnissen führen werden, liegt sicherlich in der umfassenden Erfahrung auf dem Gebiet der Rüstungskontroll Verhandlungen, die Rowny dort einbringen wird. Als er im April 1981 von Präsident Reagan zum ChefUnterhändler
der amerikanischen Delegation für RüstungskontrollVerhandlungen ernannt wurde,
war Rowny bereits seit langem für solche Gespräche eingetreten, hatte jedoch auch
deutliche Kritik am SALT II-Vertrag geübt, der von Präsident Carter zwar unterzeichnet, vom amerikanischen Senat jedoch nicht ratifiziert worden war. Aufgrund

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Tel.: 0228-339 22 40
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�war. Aufgrund seiner Überzeugung, daß der Vertrag der Sowjetunion einen strategischen Vorteil über die Vereinigten Staaten geben würde, verließ er das SALT-IIVerhandlungsteam kurz vor der Vertragsunterzeichnung in Wien im Juni 1979. Noch
im selben Jahr wurde Rowny für den Außenpolitischen Ausschuß des Senats als
Sonderberater für die damalige republikanische Minderheit tätig. Er war davon
überzeugt, daß die Sowjetunion auch dann weiter mit den Vereinigten Staaten
verhandeln würde, wenn der Senat den SALT-II-Vertrag ablehnen würde: "Sie
braucht ihn meiner Meinung nach mehr als wir. Und deshalb wird sie an den Verhandlungstisch

zurückkehren. Es bedarf lediglich der Willenskraft, diese

Situation auch herbeizuführen."
Rowny, 1917 in Baltimore im amerikanischen Bundesstaat Maryland geboren,
war in seinem Berufsleben beides: Wissenschaftler und Soldat.
Bevor er zur Militärakademie West Point kam, schloß er seine Studien 1937
an der Johns Hopkins Universität mit einem Bachelor of Arts ab. Während des
Zweiten Weltkriegs diente er in Nordafrika und in Italien, wo er erst ein
Infantriebataillon, dann ein Regiment befehligte.
Nach dem Krieg schickte ihn das Pentagon zur Yale-Universität, wo er 1949
sein Abschlußexamen ablegte. Danach ging er als Planungsoffizier in den Fernen
Osten und wurde während des Koreakriegs zum offiziellen Sprecher von General
Macarthur ernannt.
Während der sechziger Jahre stellte er eine Gruppe zusammen, die sich mit
der Untersuchung und Bewertung von Operationen gegen Aufständische in Vietnam
befaßte. Im Jahre 1965 wurde er Kommandierender General der 24. Infantriedivision
der amerikanischen Armee in Augsburg.
Gegen Ende der sechziger Jahre kehrte er ins Pentagon zurück und wurde
Stellvertretender Direktor der Abteilung für Forschung und Entwicklung im
Verteidigungsministerium. Im Jahre 1971 wurde er Stellvertretender Vorsitzender

- 2 -

�Stellvertretender Vorsitzender des Militärausschusses der NATO in Brüssel
und saß auch der MBFR-Gruppe der NATO vor.
Im Jahre 1977 verlieh die American University in Washington Rowny einen
Doktortitel für internationale Studien.
Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Heeresdienst und der anschließenden
Tätigkeit beim Außenpolitischen Senatsausschuß wurde Rowny Mitarbeiter des
Woodrow Wilson Center an der Smithsonian Institution in Washington, von wo aus
er von Präsident Reagan zum Chef der Rüstungskontroll Verhandlungen berufen wurde.
+++++

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�25

30. Juni 1982

WASHINGTON SIEHT IN NEUEN SANKTIONEN NICHTS ÜBERRASCHENDES
- Von unserem Korrespondenten Thomas Eichler -

WASHINGTON - (AD) - Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge bedauern die Vereinigten Staaten die Reaktionen ihrer Verbündeten auf die
jüngste Entscheidung Präsident Reagans, die Restriktionen hinsichtlich des
Verkaufs von öl- und Gastechnologie an die Sowjetunion auszuweiten, sei
dieser Schritt doch unternommen worden, um das Bündnis zu stärken.
Ein leitender Regierungsvertreter in Washington erklärte im Auslandspressezentrum des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA) am 25.
Juni 1982 vor Reportern, daß die Restriktionen in der Absicht erfolgt seien,
"unsere Fähigkeit zu stärken, uns mit dem Gegner, der Sowjetunion, auseinanderzusetzen, während wir in die Verhandlungen eintreten."
Die Administration kündigte am 18. Juni 1982 an, daß sie die bestehenden Restriktionen für Exporte in die Sowjetunion dahingehend modifizieren
werde, daß nicht nur Erzeugnisse amerikanischer Firmen eingschlossen seien,
sondern auch jene, die im Ausland von Firmen hergestellt werden, die sich in
amerikanischem Besitz befinden, bei denen es sich um von amerikanischer Seite kontrollierte Tochterfirmen handelt oder um ausländische Firmen, die ameri-

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�die amerikanische Technologie in Lizenz einsetzen.

Die ursprünglichen Restrik-

tionen wurden im Dezember vorigen Jahres als Reaktion auf die Rolle der Sowjetunion bei der Unterdrückung der Bürgerrechte in Polen verfügt.
Der Regierungsvertreter erklärte:

"Der Präsident traf im Dezember eine

Entscheidung, und er verwies darauf, daß er diese Entscheidung weiterverfolgen werde, bis bestimmte Maßnahmen ergriffen würden.

Und er steht zu seinem

Wort."
Er fügte hinzu, daß Präsident Reagan bei seiner Entscheidung eine Reihe
von Faktoren zu berücksichtigen hatte, vor allem "die Tatsache, daß er Verhandlungen (über Kernwaffen) mit der Sowjetunion führt, die von gewaltiger Bedeutung für das gesamte westliche Bündnis sind."
Betont wurde in diesem Zusammenhang auch, daß es sich bei diesen Restriktionen um Sanktionen mit beschränkter Zielsetzung handle, die darauf ausgerichtet seien, einen ganz bestimmten Handlungsablauf zu erreichen.

Es handle

sich um "einen Versuch, bei den Sowjets Bewegung hervorzurufen, sowie die
Aussöhnung, die Erneuerung und die Reformen in Polen herbeizuführen, von denen
wir wissen, daß sie von der überwältigenden Mehrheit des polnischen Volkes gewünscht werden."
Es ist den Worten des amerikanischen Regierungsvertreters zufolge ein
"zufälliges Zusammentreffen", daß eine Reihe amerikanischer Maßnahmen im Handelsbereich gleichzeitig ergriffen wurden und dadurch im Ausland die irreführende Vorstellung amerikanischer Anmaßung entstanden sei. So seien z.B. die
jüngsten amerikanischen Entscheidungen hinsichtlich der Stahleinfuhren wegen
der im Januar festgelegten Fristen getroffen worden; die Administration habe
keine Kontrolle über den Zeitpunkt gehabt.
Bestätigt wurde, daß die neuen Restriktionen lediglich das abschließende Element eines von Präsident Reagan im Dezember angekündigten Paketes seien.
In den darauffolgenden Monaten habe es unter den Verbündeten eine Reihe von
Gesprächen gegeben, bei denen die Vereinigten Staaten die Politik der Administra- 2 -

�der Administration hinsichtlich von Sanktionen gegen die Sowjetunion darlegten.
Regierungsvertreter in Washington räumten ein, daß es unmittelbar vor Ankündigung der neuen Restriktionen keine Konsultationen gegeben habe, fügten
jedoch hinzu, es sei höchst unwahrscheinlich, daß die Führungsspitzen der Bündnisländer die amerikanischen Absichten mißverstehen konnten.
Der letzte; Schritt sei stets eine mögliche Option gewesen und daher auch
keine Überraschung.

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�Wirt/choft
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Embassy of the United States of America

30. Juni 1982

25
US-FINANZMINISTER RECHNET MIT KONJUNKTURAUFTRIEB
NACH DEM 1. JULI

WASHINGTON - (AD) - Steigende Umsätze und den raschen Lagerabbau im Einzelhandel, fallende Inflationsraten und eine leichte Zunahme des Bruttosozialproduktes wertet Finanzminister Regan als Hinweise auf einen bevorstehenden
Wirtschaftsaufschwung.
Die Grundlagen für eine Belebung der Wirtschaftstätigkeit in den Vereinigten Staaten verfestigen sich mehr und mehr. Als neue Stützen des Aufschwungs
kommen hinzu: die am 1. Juli in Kraft tretenden Steuersenkungen und die zu erwartenden Senkungen des Defizits für das am 1. Oktober 1982 beginnende Haushaltjahr 1983. Dies stellte der amerikanische Finanzminister Donald Regan am
21. Juni 1982 in Washington in einer Rede vor dem Verband amerikanischer Buchprüfer (National Association of Accountants) fest.
Regan verwies im Lauf in seiner Ansprache auch auf weitere Anzeichen einer
bevorstehenden Tendenzwende:
- Die Zunahme der Einzelhandelsumsätze und der Neubaubeginne sowie einen
raschen Lagerabbau, die darauf hindeuten, daß die Rezession ausläuft.
-

Die private

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�- Die private Spartätigkeit zeigt nach Jahren einer rückläufigen Tendenz
erstmals wieder einen leichten Anstieg.
Die wichtigsten Passagen aus der Rede des amerikanischen Finanzministers
haben folgenden Wortlaut:
"Die Aussichten auf einen Wirtschaftsaufschwung sind ausgezeichnet...
In den ersten vier Monaten des Jahres 1982 hielt sich die Inflationsrate
auf 1,5 Prozent; sie zeigt damit einen weit stärkeren Rückgang als ihn selbst
die größten Optimisten unter uns vorherzusagen gewagt hätten, als der Präsident vor knapp einem Jahr sein Wirtschaftsprogramm in Gang setzte. Dies allein
hat einige Milliarden Dollar an zusätzlicher Kaufkraft in die Kassen des Einzelhandels geschleußt. Im Mai stieg dieses wichtigste Barometer der Wirtschaft
um 1,5 Prozent - das entspricht der zweitgrößten monatlichen Zunahme innerhalb
der letzten eineinhalb Jahre. Nach einem kräftigen Anstieg im April läßt die
Belebung der Einzelhandelsumsätze im Mai vermuten, daß die stark publizierten
Steuersenkungen im Juli im Verein mit ausgeprägten Preisrückgängen die Verbraucher aus ihrer Winterlethargie locken werden.
Der Absatz der amerikanischen Automobilindustrie auf dem Binnenmarkt stieg,
auf Jahresbasis umgerechnet, von 5,5 Millionen Einheiten im April auf 6,3
Millionen im Mai. Auch auf dem privaten Bausektor, der mit am stärksten von der
Rezession betroffen wurde, kann man ermutigende Anzeichen beobachten. Die Zahl
der Neubaubeginne erhöhte sich gegenüber dem Vormonat um 22 Prozent. Der Lagerabbau erreichte im ersten Quartal 1982 ein Rekordvolumen von 39 Milliarden
Dollar.
Alle dieses Anzeichen deuten darauf hin, daß die Rezession ausläuft...
Unter den derzeitigen Umständen zeigt sich an vielen Entwicklungen, wieviel besser die Verbraucher als manche zynische Kritiker begriffen haben, daß
sich eine Konjunkturbelebung anbahnt, die von einem Dollar angthelzt wird,

�angeheizt wird, der nicht mehr von zweistelligen Inflationsraten ausgehöhlt
wird. So erhöhte sich der Index des Verbrauchervertrauens in die Wirtschaft,
der

von der privaten Wirtschaftsforschungsorganisation Conference Board ge-

führt wird, allein im Mai um über vier Punkte - ein ermutigender Hinweis
darauf, daß die breite Masse ebenfalls mit einem baldigen Wirtschaftsaufschwung
rechnet...
Damit stehen .die Verbraucher aber keineswegs allein da. Wall Street
Journal, Amerikas angesehenste Wirtschaftszeitung, berichtete kürzlich, daß
42 von 44 privaten Organisationen, die sich mit der Erstellung von Wirtschaftsprognosen befassen, mit einem unmittelbar bevorstehenden Konjunkturaufschwung
rechnen. Eine ähnliche Studie des Amerikanischen Verbandes der in der Wirtschaft
tätigen Volkswirte (National Association of Business Economists) zu einer kaum
weniger optimistischen Einschätzung der kurz- und langfristigen Konjunkturaussichten.
Woher diese relative Einmütigkeit nach vielen Monaten verwirrender und oftmals widersprüchlicher Zahlen? Mir scheinen hierfür drei Faktoren maßgeblich:
Allem voran sind die am 1. Juli fälligen Steuersenkungen zu nennen. Vor
einem Menschenalter senkte der Kongreß die Einkommensteuersätze und die breite
Masse reagierte mit einer Erhöhung der Spartätigkeit bei gleichzeitigem Anstieg
der Verbraucherausgaben. Dieses Mal verspricht diese Injektion angesichts noch
größerer Steuernachlässe bei rückläufigen inflationären Erwartungen noch weit
belebendere Wirkungen zu zeitigen.
Die Inflation als solche - oder vielmehr die wachsende Überzeugung, daß
es uns gelungen ist, ihr Zügel anzulegen - ist der zweite Faktor, der zur Beschleunigung der Wirtschaftstätigkeit beiträgt. Im März dieses Jahres erlebten
wir erstmals in 17 Jahren einen Rückgang des Verbraucherpreisindex, während
der Herstellerpreisindex im Mai 1982 keine Veränderung gegenüber April auswies.
Das bestätigte die Auffassung derjenigen unter uns, die zwar nicht meinen, wir
hätten der Inflation schon das Rückgrat gebrochen, die sich aber sicher sind,
daß wir sie gebändigt haben.

So

- 3 -

ver treten

�So vertreten heute zahlreiche Beobachter die Meinung, die Inflationsrate
sei inzwischen auf weniger als sechs Prozent zurückgegangen. Sie stimmen darin
mit den meisten Prognosen für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr
überein. Das bedeutet, daß die Arbeitskosten unter Kontrolle gebracht werden
konnten. Der Rückgang der Inflation wiederum wird sich in einer relativen Zunahme der Kaufkraft in Händen der Verbraucher niederschlagen.
Bei den Nahrungsmittel preisen wird mit nur geringen Korrekturen nach oben
gerechnet. Die Produktivität dürfte Hand in Hand mit dem verfügbaren Einkommen
steigen. Und der Energiebedarf - eine Variable, die viele Wirtschaftswissenschaftler als das spitze Ende eines neuen inflationären Keils ansehen - wird voraussichtlich keine größeren Veränderungen aufweisen, vor allem dann nicht, wenn
der irakisch-iranische Krieg zu Ende geht und sich damit die Wahrscheinlichkeit
eines Zusatzangebots von drei bis vier Millionen Barrel (159 Liter) Rohöl auf
den Weltmärkten abzeichnet.
Es reicht nicht aus, die Inflation zu bändigen - die Verbraucher müssen zu
der Überzeugung gelangen, daß dem auch tatsächlich so ist.
Die Psychologie spielt eine wichtige Rolle auch in dem Versuch, die Zinssätze von ihrem derzeitigen Höhenflug wieder auf die Erde zurückholen. Wenn sich
auf den Geldmärkten erst einmal die Überzeugung durchsetzt, die.Inflation sei
besiegt, und wenn die Haushaltdefizite der Bundesregierung wirklich zurückgehen,
dann werden die derzeitigen Zinssätze - die übrigens um 25 Prozent niedriger
liegen als zur Zeit des Amtsantritts von Präsident Reagan, woran ich Sie erinnern darf - von sich aus abbröckeln.
Und es gibt noch einen dritten Faktor, der nur allzu oft von jenen übersehen wird, die wirtschaftshemmende Indexziffern auf Zeiträume vorhersagen,
die nicht weiterreichen, als das Auge sehen kann. Ich spreche von der persönlichen Sparrate in unserem Lande. Sie überstieg früher, zuletzt.im Jahre 1975,
den Satz von acht Prozent des verfügbaren Einkommens. Bis 1980 war sie auf 5,6
Prozent abgesunken, um Anfang 1981 - vor Einleitung der Steuersenkungen und

�Steuersenkungen und Ausgabenk'ürzungen der Bundesregierung als den Kernstücken
des Wirtschaftsprogramms des Präsidenten - ihrem Tiefstpunkt von 4,6 Prozent
zuzustreben.
In den acht Monaten, die seit dem Anlaufen von Präsident Reagans Wirtschaftsprogramm verstrichen sind, hat sich die Sparrate auf durchschnittlich 5,8
Prozent erhöht - nach einem Durchschnitt von 5,1 Prozent in den ersten drei Quartalen von 1981. Das läßt den Schluß zu, daß mindestens ein Teil des zusätzlichen
verfügbaren Verbrauchereinkommen gespart wird. Infolgedessen rechnen wir mit
einem um 60 Milliarden Dollar höherem Sparaufkommen allein in diesem Jahr - eine
Ziffer, die bis 1984 voraussichtlich auf 260 Milliarden Dollar steigen dürfte.
Wir hoch auch immer das Spar-Mehraufkommen ausfallen wird, fest steht schon heute,
daß die Intensivierung des Sparwillens, die die Wirtschaftspolitik des Präsidenten bewirkt hat, die Haushaltdefizite mehr als wettmachen wird - vor allem unter den Juristen Plänen, die in Kürze im Kongreß zur Sprache kommen sollen.
Die genannten drei Faktoren - die Steuersenkungen zum 1. Juli, der anhaltende Rückgang der Inflation und die Aussicht auf ein beträchtlich höheres Sparaufkommen - bereiten die Grundlage für einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Ein erster Beleg hierfür findet sich in einem heute veröffentlichten Bericht,
demzufolge das Bruttosozialprodukt im zweiten Quartal um 0,6 Prozent zugenommen
hat. Die Umrisse eines Aufschwungs zeichnen sich mithin ab. Und nach meinem Dafürhalten gebietet uns kluges Management, wie in der Vergangenheit, unsere wirtschaftliche Lage auch in Zukunft laufend zu analysieren, uns stets Rechenschaft
zu legen, inwieweit wir die Ziele unserer Wirtschaftspolitik zu erreichen vermochten und wie sich unsere Vermögenslage darstellt sowie darauf zu achten,
ob nicht irgendwo Hilfen gebraucht werden, die wir eigens zu diesem Zweck entwickeln müssen.
Dieser Prozeß wurde, wie Sie wissen, vor anderen Foren bereits eingeleitet.
Gesetzesvorschläge für Änderungen beim Zentralbankenrat liegen vor. Von Zeit zu
Zeit

werden auch Rufe nach Lohn- und Preiskontrollen, nach Kreditbeschränkungen

- 5 -

�nach Kreditbeschränkungen, Kontrolle der Gewerkschaften und nach anderen denkbaren raschen Lösungen laut. Jedermann sorgt sich wegen der hohen Zinssätze
und jedermann möchte gern den ersten Schluck aus der Flasche mit der heilsamen Medizin tun...
Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen die Zielsetzungen der Wirtschaftspolitik
des Präsidenten ins Gedächtnis zurückrufe:
- Wir wollen die Inflation verringern und die Zinsen senken.
- Wir wollen Anreize für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum bieten.
- Wir wollen dem Anstieg der Staatsausgaben Grenzen setzen.
- Wir wollen das Übermaß an staatlicher Reglementierung abbauen.
- Und wir wünschen ein langsames aber stetiges Wachstum der Geldmenge.
Schon ein erster flüchtiger Blick auf diese Liste läßt erkennen, daß
hinsichtlich zweier oder dreier dieser Punkte Verbesserungen angezeigt scheinen. Allem voran bei den Zinssätzen. Und wenn nun beim Bruttosozialprodukt
eine Wende eintritt, wird es umso wichtiger, daß auch die Zinssätze wieder
fallen. Wir werden die hieraus resultierende Stärke im Sommer und Herbst
brauchen, um dem Auftrieb weitere Nahrung geben und ein solides wirtschaftliches Wachstum in Gang bringen zu können.
\

An zweiter Stelle rangiert die Geldpolitik. Das vom Bundeszentralbankenrat
(Bundesbank) verfügte Geldmenge^wachstum war alles andere als stetig. Das
ständige Auf und Ab hat Unsicherheit in allen Kreisen hervorgerufen. Es ist
an der Zeit, daß wir einige ernste Fragen bezüglich der Art zu stellen, wie
die Durchführung dieser Politik durch den Zentralbankenrat funktioniert. Wir
haben die Politik des Zentralbankenrates beharrlich unterstützt, können uns
aber mit deren Durchführung nicht einverstanden erklären.
Hier aber

�Hier aber möge die Feststellung genügen, daß wir sämtliche Aspekte unserer
Politik zu überprüfen gedenken. Wir wünschen eine umfassende Übersicht, die uns
zeigt, welchen Weg wir bisher zurückgelegt haben und wohin uns unser Weg in Zukunft führen wird. Statt Anlaß zur Besorgnis zu geben, sollte eine solche Obersicht vielmehr eine Beruhigung sein.
Ich habe auf meinem Schreibtisch eine Untersuchung der Wirtschaftsmaßnahmen, die von anderen Administrationen ergriffen wurden, um mit Problemen aller
Art fertigzuwerden. Da sind einmal die Preiskontrollen von 1971, die nur wenig
zur Milderung der Inflation beizutragen vermochten und vom raschen Wachstum der
Geldmenge ausgehöhlt wurden. Da sind die Kreditbeschränkungen von 1980 die uns
den schärfsten vierteljährlichen Rückgang des Bruttosozialproduktes in der gesamten Nachkriegszeit einbrachten.
Es scheint mir nur logisch, wenn wir ähnliche Fehler nicht noch einmal zu
machen wünschen - wenn wir sicherstellen wollen, daß sämtliche Optionen und
neuen Initiativen und deren Folgen durchdacht werden, sollten im Zusammenhang
mit unserer grundlegenden Politik irgendwelche neuen Initiativen notwenig werden. Und ich unterstreiche die Bedingungsform in meinem letzten Satz...
Eine politische Feststellung kann ich mit Gewißtheit treffen: daß der
Präsident an diesem Kurs festhalten wird, der uns den Zugang zur Prosperität
offenhält und eine breite Streuung der Segnungen einer freien Wirtschaft gewährleistet. Und dieser Kurs umschließt die Grundprinzipien des Wirtschaftsprogramms des Präsidenten, das uns, davon bin ich fest überzeugt, in eine
hellere wirtschaftliche Zukunft führen wird.

+ + + + +

- 7 -

�Ulift/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Juni 1982

25

US-REGIERUNG BEFÜRWORTET KOMMERZIELLE PRODUKTION
SYNTHETISCHER BRENNSTOFFE

(AD) — Die Reagan-Administration hat die Verpflichtung der US-Regierung
bekräftigt, sich für den Aufbau einer Synthesebrennstoff-Industrie zur Schaffung einer zuverlässigen Alternative für Importöl einzusetzen. Wie Edward E.
Noble, der Vorsitzende des Direktoriums der staatlichen Gesellschaft für Synthetische Brennstoffe (SFC - Synthetic Fuels Corporation), vor einem Kongreßausschuß erklärte, sei der Aufbau einer leistungsfähigen Industrie für die Produktion synthetischer Brennstoffe von "enormen" strategischem Wert. Aus diesem
Grund müsse die US-Regierung einen Teil der finanziellen Risiken übernehmen,
die sich in der Anfangsphase ergeben.
Es sei notwendig, so Noble, daß die Vereinigten Staaten ihre Fähigkeit
unter Beweis stellen, Synthesebrennstoffe auf kommerzieller Basis zu Preisen
zu produzieren, die im Rahmen der Gesamtwirtschaft tragbar sind. Da Planung,
Entwurf und Bau einer entsprechenden Anlage acht bis zehn Jahre erforderten,
habe man bei Synthesebrennstoff-Projekten ohnehin größere Zeiträume zu berück-

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�Zeiträume zu berücksichtigen. Jedoch solle die staatliche Organisation SFC nur
die "absolut notwendigen" Mittel bereitstellen, um den kommerziellen Einsatz
synthetischer Brennstoffe zu fördern. Sobald dieser Prozeß in Gang gekommen
sei, dürften die marktwirtschaftlichen Gegebenheiten ausreichen, um die Entwicklung der neuen Industrie zum Abschluß zu bringen.
Die Stellungnahme Edward E. Nobles vom 9. Juni 1982 vor dem Unterausschuß
des US-Repräsentantenhauses für Umwelt, Energie und natürliche Hilfsquellen
ist im Folgenden auszugsweise wiedergegeben:
Der strategische Wert, der sich aus der Fähigkeit der Volkswirtschaft zur
Produktion synthetischer Brennstoffe zu erschwinglichen Preisen ergibt, ist
enorm groß. Vielleicht brauchen wir nicht unbedingt ein Produktionsniveau von
vielen Millionen Barrel pro Tag, und wir brauchen auch nicht mit den täglich
variierenden Niedrigstpreisen für öl zu konkurrieren. Was wir als Nation tun
müssen, ist die Demonstration der Fähigkeit zur Produktion synthetischer Brennstoffe im kommerziellen Maßstab zu Preisen, die im Rahmen unserer gesamten Wirtschaft tragbar sind. Sind wir erst einmal so weit gekommen, können wir als Nation und führende Weltmacht frei unsere Interessen ohne Furcht oder Bedrohung
verfolgen.
Wenn es also für die Nation so eindeutig in strategischer wie wirtschaftlicher Hinsicht von Vorteil ist, synthetische Brennstoffe zu entwickeln, stellt
sich die Frage: Weshalb haben wir dies noch nicht getan, insbesondere angesichts
der erklärten nationalen Verpflichtung? Ich glaube, die Antwort liegt in unseren
unrealistischen Erwartungen hinsichtlich der Zeit und der konzentrierten Anstrengungen, die notwendig sind, um eine neue, marktfähige Industrie aufzubauen.
Es bedurfte mehr als eines Jahrzehnts von beharrlichem nationalen Engagement, um einen Menschen zum Mond zu bringen. Eine ähnliche Zeitspanne und ähnliche gemeinsame Anstrengungen werden erforderlich sein, um die verschiedenen
Technologien im kommerziellen Maßstab zu erproben, um das Management- und Fachkräftepotential zu entwickeln und um die für eine Synthesebrennstoff-Industrie

- 2 -

�Synthesebrennstoff-Industrie notwendige Infrastruktur zu schaffen. Im übrigen
vermögen wir nur durch Kontinuität und Absehbarkeit von Politik und Programmen
der Bundesregierung bei den Investoren das für das Wachstum der jungen Industrie so lebenswichtige Vertrauen zu erringen.
Hinsichtlich marktfähiger synthetischer Brennstoffe haben wir es mit
einem Gebiet zu tun, auf dem es noch keine wesentlichen Erfahrungen gibt. Gegenüber den Mitgliedern dieses Ausschusses oder des Kongresses brauche ich ganz
gewiß nicht die vielen Ungewißheiten zu erwähnen - von der Wirtschaftlichkeit
bis zur Technologie und den Auswirkungen auf die Umwelt -.welche Investitionen
seitens der Privatwirtschaft für bahnbrechende Synthesebrennstoff-Werke erschweren. Und außer diesen schon bekannten Ungewißheiten gibt es ja auch noch
das im Hintergrund lauernde Hemmnis von staatlichem Reglement und der Besteuerung, vor allem dann, wenn sich die Industrie als erfolgreich erweist.
So bietet also im gegenwärtigen Zeitpunkt die Entwicklung einer Synthesebrennstoff-Industrie große Vorteile für die Nation, aber große Risiken für jene
in der Privatwirtschaft, die investieren würden. Aus diesem Grund kann ich heute
Ihnen gegenüber nach gründlichem Abwägen der Situation der sich entwickelnden
Industrie ohne Vorbehalt sagen: Das nationale Engagement für synthetische Brennstoffe muß erhalten bleiben.
Die Frage, weshalb die Entwicklung synthetischer Brennstoffe nicht schneller vor sich ging, ist wohl damit zu beantworten, daß eine "schnelle" Entwicklung nicht möglich ist, daß wir jedoch stetigen und verantwortungsbewußten Fortschritt verzeichnen. Das Engagement muß langfristig sein, weil Planung, Entwurf und Bau jedes einzelnen Synthesebrennstoff-Werks acht bis zehn Jahre erfordert. (Das ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend damit, daß wir ein Bundesprogramm für neue Projektvorlagen und Prämienleistungen über ein Jahrzehnt
fortführen müßten. Aber wir müssen das im Energiesicherungs-Gesetz gegebene
Versprechen erfüllen, indem wir zusammen mit privaten Förderern einige der
immensen Risiken teilen, die sich aus dem Bau der ersten Anlagen ergeben.)
Seit einigen
- 3 -

�Seit einigen Jahren ist das US-Energieministerium auf dem Gebiet der Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen zur beschleunigten.Entwicklung synthetischer Brennstoffe aktiv tätig. Die Studie zur Durchführbarkeit und die bei
Kooperationsabkommen vom Energieministerium zugeteilten Mittel stimulierten und
unterstützten Programme der Privatindustrie, die Marktfähigkeit synthetischer
Brennstoffe zu sondieren.
•

Infolge dieser gemeinsamen Anstrengungen von Bund und Industrie und des
Interimprogramms für alternative Brennstoffe, das der Tätigkeitsaufnahme der
SFC vorausging, haben wir jetzt in den Vereinigten Staaten zwei großtechnische
Synthesebrennstoff-Werke in Bau. Beide berichten von einem im allgemeinen termingemäßen Fortgang der Arbeiten unter Einhaltung des gesetzten finanziellen
Rahmens. Wie Sie wissen, werden die Arbeiten an einem dritten Projekt, COLONY
(Schieferölwerk in Colorado) gegenwärtig eingestellt. Aber das federführende
Unternehmen, EXXON, hat seiner Überzeugung Ausdruck gegeben, daß alternative
Brennstoffe "zur Deckung des künftigen Brennstoffbedarfs der USA notwendig sind".
•

Auf der Vorbereitungsarbeit des US-Energieministeriums aufbauend, hat die
Gesellschaft für Synthetische Brennstoffe zwei allgemeine Ausschreibungen zur
Einreichung von Vorschlägen in Angriff genommen. Von der ersten Ausschreibung
stehen gegenwärtig fünf Projekte in der Phase zwei hinsichtlich einer möglichen finanziellen Förderung in intensiver Prüfung. Ende dieses Monats läuft
die Frist zur Entscheidung der Frage ab, ob die Vorschläge der ersten Serie
von Erfordernissen im Rahmen der Grundbedingungen für die Phase zwei genügen.
Diese betreffen die Technologie-Genehmigung für die Projekte, Management,
Vermarktung und gewisse andere Erfordernisse.
Bei der SFC gingen außerdem 35 Vorschläge auf die zweite allgemeine Ausschreibung ein, die am 1. Juni 1982 ablief. Sie zeigen eine große Vielfalt in
bezug auf Grundstoffe, Technologie und Standorte. Unter ihnen sind sieben Vorschläge über Schieferölprojekte, neun für die Ausbeutung von Teersänden, neun
über Kohleverflüssigung, fünf über Kohlevergasung und einer über ein Projekt
zur Verwertung einer Kohle-Öl-Mischung. Die anderen vier Vorschläge nennen
- 4 -

�Vorschläge nennen keine spezielle Kategorie. Unsere Mitarbeiter haben mit der
gründlichen Analyse der 35 Eingaben begonnen und werden dem Direktorium so bald
wie möglich Empfehlungen unterbreiten. Aber ich möchte hier doch gerne unsere
Überzeugung zu Protokoll geben, daß die Zahl und die Vielfalt der eingereichten
Projektvorschläge ein nach wie vor bestehendes großes Interesse der privaten Befürworter an der Entwicklung synthetischer Brennstoffe erkennen läßt.
*

Die Vorhersage des künftigen Bedarfs, der Versorgung und der Preise für Energie im nationalen wie im weltweiten Rahmen ist stets eine dubiose Angelegenheit.
Ich ziehe es vor, mich an Fakten zu halten. Eine Tatsache ist die, daß die Versorgung mit herkömmlichem öl ihre Grenze hat. Eine zweite ist der Umstand, daß dieses öl zum großen Teil aus Gebieten kommt, die - aus verschiedenen internen und
weltpolitischen Gründen - auch künftig nicht zur Ruhe kommen werden. Darüber hinaus hängen Stabilität und Verhalten vieler dieser ölreichen Länder in hohem Grade
davon ab, wie sie die Vereinigten Staaten sehen - unsere Erfordernisse, unsere
Verpflichtungen, und unsere Entschlossenheit.
Es wurde gefragt: Ist dies die richtige Zeit für Synthesebrennstoffe? Darauf
möchte ich nachdrücklich mit "Ja" antworten. Es ist an der Zeit, mit kommerziellen
Projekten voranzukommen. Wir werden, wenn wir die ersten Anlagen bauen, auf Probleme stoßen; und diese werden die Aufmerksamkeit auf sich lenken, Ideen hervorbringen und Wettbewerb stärken. Ich bin fest davon überzeugt, daß gut geplante,
gut konstruierte und geführte Projekte wirtschaftlich lebensfähig sein können.
.

Außerdem bin ich überzeugt, daß sich gegenseitige Anregungen aus den Projekten
ergeben, während sie sich entwickeln. Vor allem aber werden wir unsere Fähigkeit

•

beweisen, synthetische Flüssigbrennstoffe und Synthesegas zu produzieren, wenn
es und in welchem Umfang dies erforderlich ist, und damit für die übrige Welt
ein Zeichen setzen...
Wie es bei allen Pionierleistungen der Fall ist, haben die Befürworter des
Synthesebrennstoff-Projekts gewisse Schwierigkeiten, das notwendige Ridikokapital
zusammenzubekommen. Hauptaufgabe der SFC ist es, Anreize zu schaffen, um diese Kapitalbildung zu unterstützen. Indem wir gewisse Verbindlichkeiten bei Projekten

- 5 -

�Projekten übernehmen, die wir technisch und wirtschaftlich für realisierbar
halten, schaffen wir für diese Projekte die Möglichkeit, Interesse zur Finanzierung mit Marktmitteln zu wecken.
Ich zweifle nicht daran, daß letzten Endes die Marktwirtschaft die Entwicklung von Synthesebrennstoffen unterstützen wird. Wenn wir aber den Prozeß beschleunigen und so die mit fortdauernder Abhängigkeit von ölimporten verbundenen
Wirtschafts- und Verteidigungsprobleme auf ein Mindestmaß beschränken wollen,
ist eine gewisse Form von Regierungshilfe notwendig. Der Kongreß hat die Gesellschaft für Synthetische Brennstoffe als Instrument für diese Hilfe ausersehen.
In meiner - früher von Zweifeln beherrschten - Sicht bin ich jetzt überzeugt, daß
der Kongreß Recht hatte mit seiner Beurteilung, daß Land brauche die Möglichkeit
zur Produktion synthetischer Brennstoffe, und die Gesellschaft sei das richtige
Instrument zur Förderung dieser Entwicklung. Ich bin auch weiterhin entschlossen,
nicht mehr Geld als unbedingt notwendig für das Ingangsetzen der einschlägigen
Industrie zu riskieren. Und wir werden, entsprechend dem vom Kongreß erteilten
Mandat, die Unterstützung beenden. Sobald wir dies verantworten können.

+ + + + +

�</text>
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